Versicherungsoptimierer.net - Infothek - Vermögensanlagen

Vermögensanlagen

Hier erhalten Sie einen Überblick über Grundlagen, wirtschaftliche Zusammenhänge, Anwendungsmöglichkeiten von Wertpapiergeschäften und bestimmten Alternativen Investments sowie damit verbundene Risiken.

A. Vermögensanlagen in Wertpapieren (Grundlagen, wirtschaftliche Zusammenhänge, Möglichkeiten und Risiken)

Für den privaten Anleger rückt die Vermögensanlage in Wertpapieren mehr und mehr in den Vordergrund. Gleichzeitig nehmen Anzahl und Komplexität der am Kapitalmarkt angebotenen wertpapierbezogenen Anlageformen stetig zu. Damit wird es für den Anleger zunehmend schwieriger, eine auf seine persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse zugeschnittene Anlageentscheidung zu treffen.

Der Anleger soll hier einen Gesamtüberblick über die wichtigsten Formen der Vermögensanlage in Wertpapieren (verzinsliche Wertpapiere, Aktien, Genussscheine, Zertifikate, Investmentanteilscheine, Optionsscheine) vermittelt bekommen. Darüber hinaus erhält der Anleger wichtige Informationen über die mit diesen Geschäftsformen typischerweise verbundenen Risiken. Die Weiterentwicklung der Märkte bringt es mit sich, dass mehr und mehr Kombinationsprodukte angeboten werden, die nach dem "Baukastensystem" entstehen. Viele moderne Instrumente weisen daher Produkteigenschaften mehrerer Basisprodukte auf - dasselbe gilt folglich für die Risikoeigenschaften.

Ein abschließendes Kapitel fasst zusammen, was Sie bei der Ordererteilung beachten sollten, und enthält grundlegende Informationen über die in Deutschland üblichen Emissionsverfahren. Konzipiert als Basisinformation, sollen diese Informationen zugleich den interessierten Anleger dazu veranlassen, offene Fragen zur Vermögensanlage in Wertpapieren mit einem Experten zu besprechen.

Finanztermingeschäfte werden hier nur insoweit behandelt, als auch Geschäfte in Optionsscheinen Finanztermingeschäfte darstellen können.

Bitte beachten Sie: Ihre Bank handelt in Ihrem Interesse, wenn sie bestehenden gesetzlichen Verpflichtungen nachkommt und Sie bei der Durchführung von Wertpapiergeschäften um Informationen über Ihre Erfahrungen und Kenntnisse mit wertpapierbezogenen Vermögensanlagen bittet. In diesem Zusammenhang kann es erforderlich sein, Sie auch nach Ihren finanziellen Verhältnissen sowie den von Ihnen mit einer Anlage in Wertpapieren verfolgten Anlagezielen zu befragen.

I. Anlageziele und individuelle Anlagekriterien

Dieser Abschnitt befasst sich mit den grundsätzlichen Erwartungen, die ein Anleger an die Vermögensanlage stellt. Es wird deutlich gemacht, dass es zwar verschiedene objektive Maßstäbe und Kriterien zur Beurteilung der verschiedenen Anlageformen gibt, über deren Gewichtung, Vorteilhaftigkeit und Nutzen aber die persönlichen Vorstellungen und Ziele des Anlegers entscheiden.

Jede Form der Vermögensanlage lässt sich anhand dreier Kriterien beurteilen: Sicherheit, Liquidität und Rentabilität. Häufig wird als viertes Kriterium noch die Wertbeständigkeit im Sinne von Inflationsschutz angeführt. Wie diese - zum Teil konkurrierenden - Zielkriterien letztlich zu gewichten und in eine Rangfolge zu bringen sind, ist eine Frage der persönlichen Präferenzen des Anlegers.

Grundsätzlich ist jeder Anleger daran interessiert, in jeder der Kategorien optimale Ergebnisse zu erzielen: Hohe Zinssätze, attraktive Gewinnausschüttungen und Kapitalzuwächse bei einer hohen Sicherheit und einer jederzeitigen Verfügbarkeit des angelegten Kapitals ergeben zusammengenommen das Profil einer "idealen" Vermögensanlage.

Die Anlagekriterien im Einzelnen

-Sicherheit

Sicherheit meint: Erhaltung des angelegten Vermögens. Die Sicherheit einer Kapitalanlage hängt von den Risiken ab, denen sie unterworfen ist. Hierzu zählen verschiedene Aspekte, wie zum Beispiel die Bonität des Schuldners, das Kursrisiko und - bei Auslandsanlagen - die politische Stabilität des Anlagelandes und das Währungsrisiko.

Eine Erhöhung der Sicherheit können Sie durch eine ausgewogene Aufteilung Ihres Vermögens erreichen. Eine solche Vermögensstreuung (Diversifzierung) kann unter Berücksichtigung mehrerer Kriterien erfolgen, wie zum Beispiel unterschiedlicher Wertpapierformen, die in die Vermögensanlage einbezogen werden, und Vermögensanlagen in verschiedenen Branchen, Ländern und Währungen.

-Liquidität

Die Liquidität einer Kapitalanlage hängt davon ab, wie schnell ein Betrag, der in einen bestimmten Wert investiert wurde, realisiert, also wieder in Bankguthaben oder Bargeld umgewandelt werden kann. Wertpapiere, die an der Börse gehandelt werden, sind in der Regel gut dazu geeignet.

-Rentabilität

Die Rentabilität einer Wertpapieranlage bestimmt sich aus deren Ertrag. Zu den Erträgen eines Wertpapiers gehören Zins-, Dividendenzahlungen und sonstige Ausschüttungen sowie Wertsteigerungen (in Form von Kursveränderungen).

Solche Erträge können Ihnen je nach Art der Vermögensanlage regelmäßig zufließen oder nicht ausgeschüttet und angesammelt (thesauriert) werden. Ebenso können sie im Zeitablauf gleich bleiben oder schwanken.

Um die Rentabilitäten verschiedener Wertpapiere - unabhängig von unterschiedlichen Ertragsarten - vergleichbar zu machen, ist die Rendite eine geeignete Kennzahl.

Rendite: Unter Rendite versteht man das Verhältnis des jährlichen Ertrags bezogen auf den Kapitaleinsatz - ggf. unter Berücksichtigung der (Rest-)Laufzeit des Wertpapiers.

Für den privaten Anleger ist vor allem die Rendite nach Steuern entscheidend, da Kapitaleinkünfte einkommensteuerpflichtig sind.

Das "magische Dreieck" der Vermögensanlage
Rentabilität
Sicherheit ⇐⇒ Liquidität

Die Kriterien Sicherheit, Liquidität und Rentabilität sind nicht ohne Kompromisse miteinander vereinbar. Das "magische Dreieck" der Vermögensanlage veranschaulicht die Konflikte:

Nachdem Sie sich das magische Dreieck der Vermögensanlage klargemacht haben, müssen Sie innerhalb dieses Spannungsfeldes Präferenzen setzen - entsprechend Ihren individuellen Anlagezielen.

II. Möglichkeiten der Vermögensanlage

Dieser Abschnitt stellt die gängigen Formen der Vermögensanlage in Wertpapieren vor. Jede Anlageform wird mit wesentlichen Merkmalen wie Funktion, Ausstattung, Emittenten bzw. Anbieter und Gestaltungsvarianten beschrieben. Dabei kommen wichtige Grundbegriffe zur Sprache, die für die Beurteilung eines Wertpapiers vor dem Hintergrund individueller Anlageziele von Bedeutung sind.

1. Verzinsliche Wertpapiere

Verzinsliche Wertpapiere, oft auch Anleihen, Renten, Bonds oder Obligationen genannt, sind auf den jeweiligen (anonymen) Inhaber oder den Namen eines bestimmten Inhabers lautende Schuldverschreibungen. Sie sind mit einer festen oder variablen Verzinsung ausgestattet und haben eine vorgegebene Laufzeit und Tilgungsform. Der Käufer einer Schuldverschreibung (= Gläubiger) besitzt eine Geldforderung gegenüber dem Emittenten (= Schuldner).

1.1 Grundlagen

Sammelurkunden und effektive Stücke

Verzinsliche Wertpapiere werden entweder in einer Sammelurkunde verbrieft (nach Schuldverschreibungsreihen), oder es werden Einzelurkunden mit bestimmten Nennwerten ausgedruckt (man spricht dann von effektiven Stücken). Im Falle der Sammelverbriefung wird die Sammelurkunde bei der Clearstream Banking AG zur Girosammelverwahrung (GS) hinterlegt. Auch effektive Stücke werden in der Regel girosammelverwahrt; sie können jedoch auch an den Anleger ausgeliefert und von ihm selbst verwahrt werden. Bei den girosammelverwahrten Urkunden erhält der Käufer dagegen eine Gutschrift über das (nach Bruchteilen gerechnete) Miteigentum an der Sammelurkunde.

Ausgabepreis entspricht nicht immer dem Nennwert

Anleihen können zum Nennwert (zu pari = 100 %), über pari oder unter pari ausgegeben werden. Unter bzw. über pari bedeutet, dass bei der Ausgabe einer neuen Anleihe ein Abschlag (= Disagio) bzw. ein Aufschlag (= Agio) festgelegt wird, um den der Ausgabepreis den Nennwert unter- bzw. überschreitet. Dieses Disagio bzw. Agio wird in der Regel in Prozent des Nennwertes ausgedrückt.

Erträge: Zinszahlungen und Wertsteigerungen

Als Vermögensanlage können Ihnen Anleihen prinzipiell auf zwei Arten Ertrag bringen: zum einen in Form von Zinszahlungen des Emittenten, zum anderen in Form von Wertsteigerungen (Differenz zwischen Ankaufs-/Ausgabepreis und Verkaufs-/Rücknahmepreis).

1.2 Ausstattung

Die Ausstattungsmerkmale einer Anleihe sind in den so genannten Anleihebedingungen (Emissionsbedingungen) im Detail aufgeführt: Diese dokumentieren alle für die Anleihe und die Rechtsbeziehungen zwischen Emittenten und Anleger wichtigen Einzelheiten. Dazu zählen neben dem Ausgabejahr insbesondere die folgenden Merkmale:

Laufzeit

Hier lassen sich kurzfristige Anleihen (bis 4 Jahre Laufzeit), mittelfristige Anleihen (zwischen 4 und 8 Jahren Laufzeit) und langfristige Anleihen (mehr als 8 Jahre Laufzeit) unterscheiden.

Als Laufzeit wird der Zeitraum zwischen dem in den Anleihebedingungen genannten Verzinsungsbeginn und der Fälligkeit der Anleihe bezeichnet.

Tilgung

Die Tilgung von Anleihen kann entweder über planmäßige oder über außerplanmäßige Rückzahlungen erfolgen.

Verzinsung

Die Verzinsung, die Sie als Anleger vom Emittenten auf das nominal eingesetzte Kapital (den Nennwert des Wertpapiers) erhalten, ist ebenfalls in den jeweiligen Anleihebedingungen geregelt. Dabei gibt es nicht nur den "klassischen" Festzins und den variablen, den jeweiligen Marktbedingungen angepassten Zinssatz: Dazwischen ist eine große Anzahl von Mischformen möglich.

Anleihen und ihre Zinsgestaltung
Anleihen Nullkupon
 
mit Zinskupon
fester Nominalzins veränderlicher Nominalzins
Währung

Als Anleger können Sie prinzipiell wählen zwischen Anleihen, die auf Euro (EUR-Anleihen) oder auf ausländische Währung (= Fremdwährungsanleihen) lauten.

Rang im Insolvenzfall oder bei Liquidation des Schuldners

Ein weiteres Wichtiges Ausstattungsmerkmal ist der Rang einer Anleihe: Für den Fall der Insolvenz oder der Liquidation des Emittenten ist zwischen vorrangigen, gleichrangigen und nachrangigen Anleihen zu unterscheiden, je nachdem ob die Ansprüche des Anlegers im Verhältnis zu sonstigen Gläubigern bevorzugt, gleichberechtigt oder nachrangig bedient werden.

1.3 Sonderformen von Anleihen

Im Folgenden erfahren Sie etwas über einige Anleiheformen, die besondere Rechte oder spezielle Nebenabreden enthalten, aber auch an eine zusätzliche Bezugsgröße gekoppelt sein können.

Wandelanleihen: "Aktien auf Abruf"

Die Wandelanleihe ist ein verzinsliches Wertpapier, das üblicherweise von Aktiengesellschaften begeben wird.

Wandelanleihen, auch Convertibles genannt, räumen dem Anleger das Recht ein, diese zu einem bestimmten Zeitpunkt oder innerhalb eines bestimmten Zeitraums in einem bestimmten Verhältnis in Aktien einer bestimmten Gesellschaft umzutauschen. Teilweise können die Vertragsbestimmungen aber auch eine Umtauschmöglichkeit in einen anderen handelbaren Vermögenswert, z. B. eine andere Anleihe, vorsehen, deren Ausstattung sich von der ursprünglich gekauften Anleihe unterscheidet.

Bei Wandelanleihen müssen Sie in der Regel eine Sperrfrist beachten, in der ein Umtausch der Anleihen in Aktien nicht möglich ist. ln den Anleihebedingungen finden Sie gegebenenfalls einen festen Zuzahlungsbetrag bestimmt, den Sie bei einer Wandlung in Aktien zu zahlen haben; allerdings ist auch die Vereinbarung eines variablen, von bestimmten Bezugsgrößen (z. B. Dividendenzahlung) abhängigen Wandlungspreises in den Anleihebedingungen möglich. Fest bestimmt sind zudem der letztmögliche Wandlungstag und das Wandlungsverhältnis.

Wenn Sie von Ihrem Wandlungsrecht keinen Gebrauch machen, behalten Ihre Anleihen in der Regel den Charakter festverzinslicher Wertpapiere, die am Ende der Laufzeit zum Nennwert zurückgezahlt werden. Die Emissionsbedingungen können aber auch eine Pflichtumwandlung am Ende der Laufzeit vorsehen (Pflichtwandelanleihe).

Bei gestiegenen Kursen des Wandlungsobjektes, also zum Beispiel der Aktie, bieten Wandelanleihen die Chance, durch die Wandlung einen höheren Wertzuwachs zu erzielen, als dies bei "normalen" Anleihen der Fall wäre. Allerdings bieten Wandelanleihen daher meist eine geringere Verzinsung als Standardanleihen.

Optionsanleihen: "Anleihen mit Bezugsrecht"

Traditionelle Optionsanleihen funktionieren ähnlich wie Wandelanleihen: Auch sie beinhalten ein Recht, üblicherweise zum Bezug von Aktien, allerdings nicht alternativ, sondern zusätzlich zur Anleihe.

Optionsanleihen sind verzinsliche Wertpapiere, die dem Anleger das Recht zum Erwerb von Aktien oder auch anderen vertretbaren (handelbaren) Vermögenswerten in einem von der Anleihe abtrennbaren Optionsschein verbriefen. Dieser Optionsschein kann selbstständig gehandelt werden. Die Aktien lassen sich gegen Hergabe des Optionsscheins zu im Voraus festgelegten Konditionen beziehen; statt der Belieferung kann auch ein Barausgleich vorgesehen sein. Die Optionsanleihe selbst wird nicht umgetauscht, sondern bleibt bis zu ihrer Rückzahlung bestehen.

Für eine Optionsanleihe kann es daher bis zu drei verschiedene Börsennotierungen geben: nämlich jeweils einen Kurs für die Anleihe mit Optionsschein ("cum"), für die Anleihe ohne Optionsschein ("ex") und für den Optionsschein allein.

Bitte beachten Sie: Nähere Informationen zu Optionsscheinen finden Sie in Abschnitt II.6, zu den mit ihnen verbundenen Risiken in Abschnitt III (Basisrlsiken) und IV.6 (Spezielle Risiken).

Das Optionsrecht kann sich nicht nur auf Aktien, sondern auch auf andere Basisobjekte beziehen. Beispiele sind Optionsanleihen mit einer Option auf Anleihen oder auf fremde Währungen. In diesen Fällen spricht man von einer Zins-Optionsanleihe oder einer Devisen-Optionsanleihe. Bei der Zins-Optionsanlelhe verbrieft der abtrennbare Optionsschein das Recht, eine bestimmte andere Anleihe zu einem festgelegten Kurs zu kaufen (Call) bzw. zu verkaufen (Put). Optionsscheine aus Devisenoptionsanleihen berechtigen zum Bezug (Call) bzw. zum Verkauf (Put) eines bestimmten Fremdwährungsbetrags zu einem festgelegten Wechselkurs.

Strukturierte Anleihen: Kombination aus Anleihe- und Aktienprofil

Strukturierte Anleihen sind so genannte hybride Wertpapiere, d. h., sie stellen eine Kombination aus Anleihe- und Aktlenprofllen dar. Je nach Ausgestaltung führen sie zu unterschiedlichen Rendite-Risiko-Strukturen. Man findet bei diesen Anleihen eine Reihe fantasievoller Begriffe für die Produkte. Trotz der Unterschiede in der Namensgebung und in der Ausgestaltung lassen sich im Wesentlichen zwei Gruppen unterscheiden: Aktienanleihen als Hochkuponanleihen mit Aktienandienungsrecht und Anleihen mit einer indexorientierten Verzinsung.

Exkurs: Sonstige "synthetische" Anleihen

Neben den klassischen Anleihe-Sonderformen in der Gestalt von Wandel- und Optionsanleihen sowie den verschiedenen Ausprägungen innovativer, strukturierter Anleihen, wie sie Aktienanleihen und Anleihen mit indexorientierter Verzinsung darstellen, haben u. a. verschiedene Varianten "synthetischer" Anleihen Bedeutung erlangt. Ein typisches Beispiel hierfür bieten die sog. Repackagings.

Repackagings stellen - wirtschaftlich betrachtet - die "(Um-)Verpackung" von - gegebenenfalls verbrieften - Forderungen in eine Anleihe dar. Gegenstand der "Verpackung" sind Aktien-, Anleihe- und Kreditportfolios, die in eine Anleihe gekleidet werden, deren Rückzahlung vom Ertrag und der Realisierbarkeit der "verpackten" Forderungen abhängt. Emittent der "synthetischen" Anleihe ist regelmäßig ein speziell zu diesem Zweck gegründetes Zweckunternehmen (sog. "Special Purpose Vehicle", SPV), das typischerweise über kein nennenswertes Eigenvermögen verfügt. Wirtschaftliche Grundlage für die Erfüllung des in der synthetischen Anleihe verbrieften Zahlungsversprechens sind vielmehr allein die "umverpackten" Forderungen gegen Dritte. Sie generieren die Zahlungsströme, die dem SPV als Emittentin der synthetischen Anleihe zur Befriedigung der Anleihegläubiger zur Verfügung stehen.

Besonderheiten ergeben sich dann, wenn die dem SPV aus dem "verpackten" Portfolio zufließenden Zahlungen durch zusätzliche Vereinbarungen modifiziert wurden. ln diesem Fall können sich sowohl Forderungsausfälle im Portfolio als auch Leistungsstörungen im Rahmen des zusätzlichen Geschäfts für den Anleihegläubiger negativ auswirken. Sie begründen im Verhältnis zwischen der Emittentin der synthetischen Anleihe und dem Anleihegläubiger vielfach ein Sonderkündigungsrecht der Emittentin, dessen Ausübung im Ergebnis zum Totalverlust des vom Investor eingesetzten Kapitals führen kann.

1.4 Emissionsmärkte

Für die Unterscheidung (und Bezeichnung) von Anleihen spielt nicht nur die Währung, sondern auch der Emissionsmarkt und der Sitz des Emittenten eine Rolle. Werden Anleihen auf dem Domestic-/Heimatmarkt emittiert, spricht man von Inlandsanleihen.

Anleihen und ihre Emissionsmärkte
Anleihen Inlandsanleihe
 
Internationale Anleihe
Auslandsanleihe Eurobond

Darüber hinaus werden Anleihen auch im Ausland begeben, und zwar entweder auf den jeweiligen nationalen Kapitalmärkten (Auslandsanleihen) oder auf dem Eurokapitalmarkt (Eurobonds). Beide werden unter dem Begriff "internationale Anleihen" zusammengefasst.

Auslandsanleihen

Die klassische Auslandsanleihe wird am Kapitalmarkt eines bestimmten Emissionslandes emittiert, lautet auf die Währung dieses Landes und wird im Wesentlichen nur dort platziert, gehandelt und börslich notiert. Die von ausländischen Schuldnern in Deutschland emittierten, auf Euro lautenden Anleihen bezeichnet man als Euro-Auslandsanleihen.

Eurobonds

sind internationale - nicht nur europäische- Schuldverschreibungen, die über internationale Bankkonsortien platziert werden, auf eine international anerkannte Währung lauten und in mehreren Ländern, vor allem außerhalb des Heimatlandes des Emittenten, gehandelt werden. Sie werden nicht an der Börse des Heimatlandes notiert. Eurobonds sind nicht mit Anleihen zu verwechseln, die auf die gemeinsame europäische Währung Euro lauten.

1.5 Emittenten

Als Emittenten verzinslicher Wertpapiere treten unterschiedliche Institutionen auf. Für den Anleger ist von Bedeutung, dass sich die verschiedenen Emittenten hinsichtlich ihrer Finanzkraft und ihrer Bonität unterscheiden können, was sich wiederum auf die Sicherheit der jeweiligen Anleihe als Vermögensanlage auswirkt (siehe "Sicherheit verzinslicher Wertpapiere").

Im Folgenden werden Ihnen die hinter den gängigen Anleiheformen stehenden Emittentengruppen kurz vorgestellt.

Schuldverschreibungen der öffentlichen Hand

Die öffentliche Hand bedient sich zur Finanzierung ihres Kapitalbedarfs einer Reihe von Kapitalmarktinstrumenten: Dazu zählen die öffentlichen Anleihen, die vom Bund (d. h. der Bundesrepublik Deutschland) und seinen Sondervermögen sowie ferner von den Gebietskörperschaften (Bundesländer, Städte und Gemeinden) begeben werden.

Bankschuldverschreibungen

Unter dem Begriff "Bankschuldverschreibungen" werden alle Schuldverschreibungen zusammengefasst, die von Kreditinstituten begeben werden. Zu unterscheiden sind "gedeckte" und "sonstige" Bankschuldverschreibungen.

Unternehmensanleihen

Schuldverschreibungen der Wirtschaft werden unter dem Begriff "Unternehmensanleihen" oder "lndustrieobligationen" zusammengefasst. Emittenten sind Unternehmen aus Industrie und Handel. Auch diese Anleihen können unter Umständen in gesicherter Form begeben werden. Die Ausstattung ist unterschiedlich; die jeweiligen Anleihebedingungen geben im Einzelnen Auskunft darüber.

Schuldverschreibungen ausländischer Emittenten

Ausländische Emittenten lassen sich im Prinzip in die gleichen Gruppen unterteilen, die bereits oben dargestellt wurden. Allerdings weisen die von ihnen emittierten Wertpapiere zum Teil andere, in Deutschland nicht gebräuchliche Ausstattungsmerkmale auf.

Im Einzelnen umfasst die Emittentenseite ausländische Staaten, Provinzen und Städte sowie öffentlich-rechtliche Einrichtungen, Kreditinstitute, Nationalbanken und Unternehmen, darunter auch Tochtergesellschaften deutscher Banken. Dazu kommen noch supranationale Institutionen wie z. B. die Weltbank oder die Europäische Investitionsbank (EIB).

1.6 Sicherheit verzinslicher Wertpapiere

Unter der "Sicherheit" eines Wertpapiers wird, wie bereits angemerkt, die Wahrscheinlichkeit verstanden, dass Ihnen Ihr darin angelegtes Kapital zurückgezahlt wird. Einmal abgesehen von Kurs- und Währungsrisiken (ausführlich dazu Teil C dieser Broschüre) ist darunter im engeren Sinne die Sicherstellung der Rückzahlung des Kapitals (und ggf. auch der vereinbarten Zinszahlungen) durch den Emittenten zu verstehen.

Für die Sicherheit in diesem Sinne gibt es einige allgemeine Kriterien, die im Folgenden dargestellt werden.

Zahlungsfähigkeit und Zahlungswilligkeit des Emittenten

Bei den von öffentlichen Schuldnern - ob in- oder ausländisch - ausgegebenen Schuldverschreibungen liegt die Sicherheit in der Finanzkraft des Emittenten, in der Regel also insbesondere dem Recht (und natürlich der tatsächlichen Möglichkeit) des betreffenden Emittenten, Steuern, Abgaben und Beiträge zu erheben und einzunehmen.

Die Sicherheit der von sonstigen Schuldnern ausgegebenen Schuldverschreibungen hängt in erster Linie von der Bonität des Emittenten, das heißt von seiner finanziellen Struktur, seinen Gewinnaussichten und Haftungsverhältnissen ab.

Die Sicherheit "gedeckter" Bankschuldverschreibungen beruht insbesondere darauf, dass Kapital- und Zinsansprüche aus den umlaufenden Pfandbriefen in mindestens gleicher Höhe und zu mindestens gleichem Zinssatz durch grundpfandrechtlich besicherte Darlehen oder Darlehen an die öffentliche Hand gedeckt (gesichert) sind.

Daneben gibt es noch besondere Besicherungsformen, die die Sicherheit einer Anleihe unabhängig von der generellen Bonität des Emittenten erhöhen können: Einige Emittenten räumen ihren Anleihegläubigern zusätzliche Sicherheiten ein, etwa durch die Eintragung von Sicherungshypotheken und Grundschulden. Zu solchen zusätzlichen Sicherheiten zählen auch Garantien. Bei einer Garantie steht ein Dritter (Garantiegeber) für die Zins- und Tilgungszahlungen des Emittenten ein, falls dieser nicht (mehr) dazu fähig sein sollte. Garantiegeber ist bei derartig besicherten Anleihen zum Beispiel die Muttergesellschaft für eine - oft ausländische - Finanztochtergesellschaft.

Sicherheitsmerkmale verzinslicher Wertpapiere in Deutschland

Bestimmte verzinsliche Wertpapiere in Deutschland sind, da sie hohe Qualitätsansprüche hinsichtlich der Sicherheit erfüllen, mit besonderen Attributen ausgestattet:

Bitte beachten Sie: Über die mit der Anlage in verzinslichen Wertpapieren verbundenen Risiken werden Sie in Teil III (Basisrisiken) und Teil IV.1 (Spezielle Risiken) informiert.

2 Aktien

Aktien: Die Aktie ist ein Anteils- oder Teilhaberpapier, welches ein Mitgliedschafterecht des Aktionärs an einer Aktiengesellschaft in einer Aktienurkunde verbrieft. Der Aktionär wird Teilhaber am Aktienkapital und damit Mitinhaber des Gesellschaftsvermögens.

Das folgende Kapitel behandelt die Aktien deutscher Gesellschaften. Die Rechte, über die Sie als Aktionär einer ausländischen Aktiengesellschaft verfügen, bestimmen sich nach der Rechtsordnung des jeweiligen Landes.

2.1 Grundlagen

Aktionär ist Teilhaber - nicht Gläubiger

Als Inhaber bzw. Eigentümer einer Aktie sind Sie nicht - wie bei einem verzinslichen Wertpapier - Gläubiger, sondern Mitinhaber der Gesellschaft, die die Aktien ausgibt. Daraus resultieren zum einen die weiter unten näher beschriebenen Rechte, aber auch Pflichten. Darunter ist insbesondere die Pflicht zur Leistung der Einlage auf das Grundkapital zu verstehen; ihre Höhe ist auf den Ausgabebetrag der Aktie, d. h. den Nennwert plus ggf. ein Aufgeld (Agio), begrenzt. Nebenpflichten sind bei bestimmten Aktienarten möglich; sie müssen dann in der Aktienurkunde im Einzelnen genannt werden.

Nennwertaktien und Stückaktien

In Deutschland gibt es die Nennwertaktie und die Stückaktie. Eine deutsche Aktiengesellschaft kann nicht beide Aktienformen, sondern entweder nur Nennwertaktien oder nur Stückaktien ausgeben. Betrachten wir beide Aktienformen näher.

Nennwertaktien

Der Nennwert der Aktie ist eine rechnerische Größe, die die Höhe des Anteils am Grundkapital der Aktiengesellschaft darstellt. Der Nennwert lautet auf einen festen Geldbetrag. In Deutschland lautet der Nennwert auf EUR 1 oder ein Vielfaches davon. Die Multiplikation der Nennwerte mit der Anzahl der ausgegebenen Aktien ergibt das in der Satzung festgelegte Grundkapital der Aktiengesellschaft. Die Beteiligungsquote des einzelnen Aktionärs entspricht dem Anteil der von ihm gehaltenen Summe seiner Aktiennennwerte im Verhältnis zu den gesamten Nennwerten (Grundkapital).

Stückaktien

Auch eine Stückaktie repräsentiert einen bestimmten Anteil des in der Satzung festgelegten Grundkapitals. lm Gegensatz zur Nennwertaktie wird der Anteil jedoch nicht in einem Geldbetrag ausgedrückt; die Aktlenurkunden lauten vielmehr auf eine bestimmte Stückzahl von Aktien, zum Beispiel 10 oder 1000 Stück Aktien. Die Beteiligungsquote des einzelnen Aktionärs und damit der Umfang seiner Rechte ergibt sich aus dem Verhältnis der von ihm gehaltenen Aktienstückzahl zu der insgesamt ausgegebenen Aktienstückzahl. Der auf die einzelne Aktie entfallende anteilige Betrag des Grundkapitals muss mindestens EUR 1 betragen.

Nennbetragsaktien und Stückaktien stellen lediglich alternative Möglichkeiten dar, das Beteiligungsverhältnis am Grundkapital der Gesellschaft auszudrücken. Beschließt die Hauptversammlung einer Gesellschaft den Wechsel von der einen zur anderen Aktienform, so ergeben sich wirtschaftlich und wertmäßig keine Unterschiede, solange die in der Satzung festgelegte Stückzahl der ausgegebenen Aktien und das Grundkapital unverändert bleiben.

Bitte beachten Sie: Für die Vermögensanlage in Aktien ist unerheblich, ob es sich um eine Nennwertaktie oder eine.Stückaktie handelt. Der Kurs der Aktie steht hiermit in keinem Zusammenhang; er weicht auch regelmäßig vom Nennwert ab. Der Kurswert einer Aktie bildet sich aus Angebot und Nachfrage und repräsentiert auch die Wertzuwächse und -einbußen im Vermögen der Aktiengesellschaft.

Erträge: Dividenden und Wertsteigerungen

Die Aktie bietet Ihnen als Anleger zweierlei Ertragsquellen: zum einen Dividendenausschüttungen, zum anderen Kursgewinne. Die Aktie ist allerdings ein Risikopapier - das heißt, dass Ihnen weder Kursgewinne noch - in der Regel - Dividenden garantiert werden. Erfolgt allerdings eine Dividendenausschüttung, so steht Ihnen grundsätzlich ein bestimmter Anteil daran zu.

2.2 Rechte des Aktionärs

Die mitgliedschaftliche Beteiligung an einer Aktiengesellschaft räumt Ihnen verschiedene Rechte ein. Die Aktionärsrechte ergeben sich in Deutschland zum einen aus dem Aktiengesetz, zum anderen aus der Satzung der betreffenden Gesellschaft. Es handelt sich im Wesentlichen um Vermögens- und Verwaltungsrechte. Was diese Rechte im Einzelnen beinhalten, wird im Folgenden dargestellt.

Vermögensrechte

Vermögensrechte sind die mit der Aktieverbundenen Rechte auf Anteile am Gesellschaftsvermögen:

Verwaltungsrechte

Als Aktionär sind Sie zwar an einem Wirtschaftsunternehmen beteiligt, haben aber keine Geschäftsführungsbefugnisse. Mit Aktien sind jedoch so genannte Verwaltungsrechte verbunden, die Ihnen die Wahrnehmung Ihrer Interessen als Anteilseigner ermöglichen sollen.

Wichtiger Hinweis: Die Rechte, über die Sie als Aktionär einer ausländischen Aktiengesellschaft verfügen, bestimmen sich nach der Rechtsordnung des jeweiligen Landes.

2.3 Ausgestaltung von Aktien

Aktie ist nicht gleich Aktie: Gestaltungsmöglichkeiten bestehen für die emittierende Gesellschaft vor allem hinsichtlich der Übertragbarkeit sowie hinsichtlich der Gewährung von Rechten.

Übertragbarkeit

Die Ausgestaltung hinsichtlich der Übertragbarkeit bestimmt die Möglichkeit der Eigentumsübertragung an der Aktie und schränkt ggf. die jederzeitige freie Handelbarkeit des Wertpapiers (Fungibilität) ein.

Gewährung von Rechten

Die Aktien einer Gesellschaft sind nicht immer gleichgestellt: Sie können verschie dene Rechte gewähren, vor allem bei der Verteilung des Gewinns.

Bitte beachten Sie: Über die mit der Anlage in Aktien verbundenen Risiken werden Sie in Teil III (Basisrisiken) und Teil IV.2 (Spezielle Risiken) informiert.

3 Genussscheine

Begriff und Inhalt der Genussscheine sind gesetzlich nicht definiert und bieten daher dem Emittenten vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten. Genussscheine können nicht nur von Aktiengesellschaften begeben werden. Je nach Ausgestaltung kommen Genussscheine ihrem Charakter nach mehr einer Aktie oder mehr einem verzinslichen Wertpapier nahe.

Genussscheine verbriefen Vermögensrechte, die in den jeweiligen Genussschein-Bedingungen genannt sind. Generell handelt es sich um Gläubigerpapiere, die auf einen Nominalwert lauten und mit einem Gewinnanspruch verbunden sind.

Gesellschaftliche Mitwirkungsrechte wie Teilnahme an der Hauptversammlung und Stimmrecht verbriefen Genussscheine nicht. Häufig sind Genussscheine an den Verlusten der Gesellschaft in Form einer Herabsetzung des Rückzahlungsbetrags beteiligt. Genussscheine sind in der Regel auch mit einer sog. Nachrangabrede ausgestattet: Das heißt, dass im Insolvenzfall oder bei Liquidation der Gesellschaft die Genussrechtsinhaber den anderen Gläubigern der Gesellschaft bei der Befriedigung ihrer Ansprüche im Rang nachstehen.

Grundsätzlich lassen sich drei Typen von Genussscheinen unterscheiden: Genussscheine mit fester Ausschüttung, Genussscheine mit variabler Ausschüttung und Genussscheine mit Wandel- oder Optionsrecht.

Bitte beachten Sie: Über die mit der Anlage in Genussscheinen verbundenen Risiken werden Sie in Teil III (Basisrisiken) und Teil IV.3 (Spezielle Risiken) informiert.

4 Zertifikate

Unter dem Begriff "Zertifikate" werden im Markt zahlreiche Produkte angeboten. Je nach Emittent können Zertifikate trotz vergleichbarer Ausstattung unterschiedliche Namen führen. Ebenso kann es vorkommen, dass unterschiedlich ausgestaltete Zertifikate gleiche oder ähnliche Produktbezeichnungen tragen. Einige Zertifikate gleichen in ihrer Funktionsweise den Optionsscheinen (vgl. Kapitel II.6, dort insbesondere Abschnitt 4 und IV.6). Die nachfolgende Darstellung beschränkt sich notwendigerweise darauf, die wesentlichen Merkmale und Funktionsweisen herkömmlicher Index- und Diskontzertifikate zu erläutern. Eine abschließende Darstellung oder Aufzählung der im Markt angebotenen Produkte, Produktkombinationen und Produktbezeichnunungen ist weder beabsichtigt noch möglich. Bitte beachten Sie beim Erwerb eines Zertifikats immer auch den Verkaufsprospekt.

4.1 Indexzertifikate

Indexzertifikate, auch "Indexpartizipationsscheine", "Partizipationsscheine" oder "Participation Units" genannt, verbriefen ein Recht auf Zahlung eines Geld- oder Abrechnungsbetrags, dessen Höhe vom Wert des zu Grunde liegenden Index am Fälligkeitstag abhängt.

Die Laufzeit der Zertifikate ist üblicherweise mehrjährig. Während der Laufzeit finden in der Regel keine periodischen Zinszahlungen oder sonstigen Ausschüttungen (z. B. Dividende) statt.

Als Anleger können Sie durch den Kauf eines Indexzertifikates an der Entwicklung des zu Grunde liegenden Index partizipieren, ohne die im Index enthaltenen Wertpapiere einzeln zu kaufen.

Funktionsweise

Der Preis eines Indexzertifikats verläuft im Allgemeinen mit den Bewegungen des Index parallel, positiv wie negativ. Ein steigender Index führt in der Regel zu höheren Preisen des Zertifikats; ein rückläufiger Index zu sinkenden Zertifikatspreisen.

Grundlagen
Rückzahlung in bar - keine Lieferung

Bei einem Indexzertifikat erwerben Sie keinen Anspruch auf die dem Index zu Grunde liegenden Wertpapiere; so kann bei einem Aktienindex nicht die Lieferung der Aktien verlangt werden. Es erfolgt vielmehr bei Rückgabe oder bei Fälligkeit eine Zahlung in Höhe eines Abrechnungsbetrags, der sich nach dem Stand des zu Grunde liegenden Index richtet.

Laufzeit

Die Laufzeit von Indexzertifikaten ist in der Regel mehrjährig und kann unter Umständen vom Emittenten verlängert werden. Es gibt auch Zertifikate ohne feste Laufzeit.

4.2 Diskontzertifikate

Der Begriff Diskontzertifikate - auch Discountzertifikate genannt - wird durch die Struktur dieser Wertpapiere geprägt.

Diskontzertifikate sind mit einer festen Laufzeit ausgestattete Wertpapiere, bei denen die Art der Rückzahlung bei Fälligkeit vom Preis des Referenzgegenstandes (z.B. Aktien oder Indizes) an einem bestimmten Stichtag abhängt: Die Zertifikatsbedingungen verbriefen hier entweder die Zahlung eines festen Geldbetrages oder die Lieferung des Referenzgegenstandes. Charakteristisch für Diskontzertifikate ist, dass ihr Kaufpreis stets unterhalb des aktuellen Preises des jeweiligen Referenzgegenstands liegt. Man spricht deshalb von einem Diskont. Das Gewinnpotenzial ist von vornherein beschränkt, da der Rückzahlungsbetrag einen im Voraus festgelegten Maximalbetrag (Cap) nicht überschreiten kann. Mitunter ist auch vorgesehen, dass ein Minimalbetrag nicht unterschritten werden kann. Ferner erhält der Anleger weder periodische Zinszahlungen noch andere Ausschüttungen wie z. B. Dividenden.

Wenngleich der Kauf eines Diskontzertifikats dem Kauf einer Aktie oder einem Index ähnelt, ergeben sich doch einige Unterschiede. Diskontzertifikate weisen folgende wichtige Komponenten auf:

- den in den Emissionsbedingungen festgelegten maximalen Auszahlungsbetrag (Cap) am Ende der Laufzeit;

- den Kaufpreis des Diskontzertifikats, der sich stets in einer Bandbreite unterhalb des aktuellen Preises des Referenzgegenstands und des maximalen Auszahlungsbetrags bewegt.

Die Höhe des Diskonts gegenüber dem Preis des Referenzgegenstandes ist im Zeitablauf variabel und tendiert zum Ende der Laufzeit gegen null. Weiterhin hängt der Preis des Zertifikats während der Laufzeit entscheidend von der Preisentwicklung des Referenzgegenstands ab. Fällt der Preis des Referenzgegenstands, fällt in der Regel auch der Zertifikatspreis. Das Gleiche gilt umgekehrt für steigende Preise, allerdings gilt dies nur bis zur Höhe des maximalen Rückzahlungsbetrags, denn dieser wirkt wie eine Wertobergrenze (Cap).

Für Sie als Anleger ist die maximale Ertragschance also die Differenz zwischen Kaufpreis und festgelegtem maximalen Rückzahlungsbetrag. Da der Preis des Diskontzertifikates in aller Regel unter dem aktuellen Preis des Referenzgegenstandes liegt, erwerben Sie die Zertifikate - im Vergleich zu einem Direkterwerb des Referenzgegenstandes - mit einem Abschlag. Kursrückgänge des Referenzgegenstandes bewirken daher für Sie als Inhaber des Diskontzertifikats am Laufzeitende einen Verlust, wenn der Kurs des Referenzgegenstandes am Stichtag unter dem von Ihnen gezahlten Kaufpreis für das Diskontzertifikat liegt.

Die Rückzahlungsbedingungen sehen je nach Entwicklung des Wertes und Art des Referenzgegenstands eine Barauszahlung oder die Lieferung des Referenzwerts, z. B. Aktien oder Indexzertifikate, vor.

- Überschreitet der Preis des Referenzgegenstands am festgelegten Stichtag den maximalen Auszahlungsbetrag oder sind beide Beträge identisch, erhalten Sie den vereinbarten Auszahlungsbetrag in bar. Dabei spielt es keine Rolle, wie weit der Preis des Referenzgegenstands über dem Höchstbetrag liegt.

- Unterschreitet der Preis des Referenzgegenstands zum festgelegten Stichtag den Auszahlungsbetrag, erfolgt ein Barausgleich oder die Lieferung des Referenzgegenstands. Der Wert dieser Lieferung entspricht sodann dem aktuellen Marktwert des Referenzgegenstands.

Bitte beachten Sie: Über die mit der Anlage in Zertifikaten verbundenen Risiken werden Sie in Teil III (Basisrisiken) und Teil IV.4 (Spezielle Risiken) informiert.

5 Investmentanteilscheine

5.1 Grundlagen

"Fonds" sind ganz allgemein gesprochen Vermögen zur gemeinschaftlichen Anlage.

Rechtlich und wirtschaftlich können solche Fonds sehr unterschiedlich gestaltet sein. So können sich z. B. Investoren zu Personengesellschaften, etwa einer Kommanditgesellschaft, zusammenschließen, um gemeinschaftlich mit eigenen Mitteln und/oder mit Kreditmitteln bestimmte Objekte zu erwerben bzw. zu erstellen. Je nach dem Fondsobjekt spricht man dann von einem (geschlossenen) Immobilienfonds, Schiffsfonds oder Filmfonds.

Anders gestaltet sind die so genannten Investmentfonds oder Investmentsondervermögen, für die die Regelungen des Investmentgesetzes gelten.

In einem Investmentsfonds bündelt eine Kapitalanlagegesellschaft oder eine Investmentaktiengesellschaft die Gelder vieler Anleger, um sie nach dem Prinzip der Risikomischung in verschiedenen Vermögenswerten (Wertpapieren, Geldmarktinstrumenten, Bankguthaben, derivativen Instrumenten, Immobilien) anzulegen und fachmännisch zu verwalten. "Investmentfonds" (bzw. Sondervermögen) ist damit die Bezeichnung fürdie Gesamtheit der von Anlegern eingezahlten Gelder und der hierfür angeschafften Vermögenswerte.

Anteile an solchen Sondervermögen sind regelmäßig in Investmentanteilscheineng (Investmentzertifikate) verbrieft. Mit dem Kauf von Investmentanteilscheinen werden Sie Mitberechtigter am Fondsvermögen. Ihr Anteil am Vermögen des Investmentfonds bemisst sich nach dem Verhältnis der Zahl Ihrer Anteilscheine zu den insgesamt ausgegebenen Anteilscheinen. Der Wert eines einzelnen Anteilscheins richtet sich nach dem Wert des gesamten Fondsvermögens (dem sog. Inventarwert), dividiert durch die Zahl der ausgegebenen Anteilscheine. Die Beteiligung an einem Investmentfonds hat damit für Sie den Charakter eines professionell gemanagten Depots. Über die konkrete Anlagepolitik des einzelnen Fonds geben die jeweiligen Verkaufsprospekte und die Vertragsbedingungen verbindliche Auskunft.

5.2 Anbieter von Investmentfonds

Investmentfonds werden in Deutschland von inländischen und ausländischen Investmentgesellschaften angeboten:

5.3 Grundtypen angebotener Investmentfonds

5.4 Allgemeine Merkmale offener Investmentfonds in Deutschland

Wie oben bereits angemerkt, ist der offene Publikumsfonds in Deutschland die weit überwiegende Fondsanlageform für den privaten Anleger. Im Folgenden sollen daher wichtige Grundlagen und Merkmale speziell von offenen Investmentfonds ausführlich dargestellt werden.

5.5 Gestaltungsmöglichkeiten bei offenen Investmentfonds

Bei den offenen Publikumsfonds haben Sie als Anleger die Auswahl unter einer Vielzahl von Angeboten an Investmentfonds. Die einzelnen Fonds unterscheiden sich dabei vor allem darin, wie das von den Anteilsinhabern eingebrachte Kapital angelegt wird. Das Investmentgesetz differenziert insoweit zwischen Investmentfonds, die das Fondsvermögen in herkömmliche Finanzanlagen (Wertpapiere, Bankguthaben u. Ä.) anlegen und besonderen Arten von Investmentfonds (z. B. Immobilienfonds). Dies ist aber nur eine sehr grobe Unterscheidung; in der Praxis wird sie durch schwerpunktmäßige Festlegung auf bestimmte Anlagen bzw. Anlagestrategien weiter verfeinert. Nachfolgend werden die typischen Gestaltungsformen von am Kapitalmarkt angebotenen (Standard-)Investmentfonds, die herkömmliche Finanzanlagen wie Wertpapiere oder Geldmarktinstrumente erwerben, näher beschrieben. Erläuterungen zu den besonderen Arten von Investmentfonds finden Sie in III.5.6. .

Investmentfonds für Finanzanlagen können das Kapital der Anteilsinhaber in folgende Vermögensgegenstände anlegen:

- Wertpapiere

- Geldmarktinstrumente

- Bankguthaben

- Investmentanteile

- Derivate (z. B. Optionen)

Für die einzelnen Anlagen gibt es im Gesetz verschiedene allgemeine Vorschriften, um eine ausreichende Diversifizierung sicherzustellen und das Risiko zu begrenzen. Der konkrete Charakter eines Investmentfonds ergibt sich aus den Vertragsbedingungen.

Die folgenden Kriterien erlauben eine nähere Beschreibung der spezifischen Eigenschaften eines Investmentfonds in Finanzanlagen:

Die unterschiedlichen Gestaltungsmöglichkeiten dieser Merkmale werden im Folgenden näher beleuchtet.

Schwerpunkt der Zusammensetzung

Differenzierungsmerkmal ist hier die Zusammensetzung des Fondsvermögens nach Anlageinstrumenten.

Geographischer Anlagehorizont

Nach der Eingrenzung des geographischen Anlagehorizonts lassen sich unterscheiden:

Zeitlicher Anlagehorizont

Investmentfonds können ohne eine Laufzeitbegrenzung oder als Fonds mit einer festen Laufzeit (Laufzeitfonds) aufgelegt werden. Bei Letzteren ist die Laufzeit von vornherein durch einen festgesetzten Termin befristet. Nach Ablauf der Laufzeit wird das Fondsvermögen im Interesse der Anteilinhaber verwertet und der Erlös an diese verteilt.

Rückzahlungs- oder Ertragsgarantie

Die Fondsgesellschaft kann Investmentfonds mit oder ohne Garantie auflegen. Wird eine Garantie gewährt, so kann sie für eine bestimmte Laufzeit hinsichtlich der Ausschüttungen gelten oder auf die Rückzahlung des investierten Kapitals oder auf die Wertentwicklung gerichtet sein. Es gibt solche Fonds mit oder ohne feste Laufzeit. Bei Garantiefonds wird die Garantie formal ausgesprochen und in einer Urkunde verbrieft, so dass der Anleger einen Anspruch gegen den Garantiegeber hat.

Deutschen Fondsgesellschaften sind Garantiegeschäfte nicht erlaubt. Stattdessen legen sie in Deutschland Wertsicherungsfonds auf. Ein solcher Fonds - für den es am Markt unterschiedliche Bezeichnungen gibt - verfolgt eine Anlagestrategie, die darauf zielt, den Wert des Fondsvermögens zum Laufzeitende hin abzusichern. Die Strategie sieht vor, dass der Fondsmanager z. B. Optionen kauft, die als Risikopuffer dienen sollen. Es kann vorkommen, dass diese Instrumente bereits während der Laufzeit an Wert gewinnen, was sich entsprechend in dem täglich festzustellenden Rücknahmepreis widerspiegelt. Der Wert der Absicherung kann aber auch wieder sinken. Die Gesellschaft gibt - im Gegensatz zu einem Garantiefonds - keine Garantie ab, dass die Absicherung auch zum Laufzeitende greift. Ausländische - z.B. luxemburgische - Fondsgesellschaften können im Ausland sowohl Garantie- als auch Wertsicherungsfonds auflegen und diese in Deutschland vertreiben.

Ausschüttungsverhalten

Ein weiteres wichtiges Kriterium für die Beurteilung eines Investmentfonds vor dem Hintergrund individueller Vermögensanlageziele ist das Ausschüttungsverhalten bzw. die Ertragsverwendung eines Fonds.

Fonds mit und ohne Ausgabeaufschlag

Fondsanteilscheine können mit oder ohne Ausgabeaufschlag angeboten werden. Bei Fonds ohne Ausgabeaufschlag wird jedoch dem Sondervermögen in der Regel eine vergleichsweise höhere unterjährige Verwaltungsgebühr als bei Fonds mit Ausgabeaufschlag belastet; zum Teil kommt eine erfolgsbezogene Vergütung für die Gesellschaft hinzu.

Währung

Die Preise der Investmentanteilscheine, die von deutschen Fondsgesellschaften öffentlich angeboten werden, lauten in den meisten Fällen auf Euro. Daneben werden aber auch Investmentanteilscheine angeboten, deren Ausgabe- und Rücknahmepreise in einer fremden Währung festgesetzt werden.

Zusammenfassender Überblick

Die nachfolgende Abbildung gibt Ihnen einen zusammenfassenden Überblick über die fast unbegrenzten Gestaltungsmöglichkeiten von Publikumsfonds für Finanzanlagen: Danach kann ein Aktienfonds, ein Rentenfonds, ein gemischter Fonds, Spezialitätenfonds, ein Geldmarktfonds oder ein Dachfonds sein Sondervermögen zum Beispiel in einem bestimmten Land (Länderfonds) oder in einer bestimmten Region (Regionen-/Hemisphärenfonds) oder auch weltweit (internationaler Fonds) anlegen. Er kann dabei mit fester oder unbegrenzter Laufzeit ausgestattet sein, Ihnen entweder keine Garantie oder aber eine Garantie auf die Ausschüttung oder auf die Wertentwicklung gewähren (Garantiefonds). Er kann Erträge ausschütten (Ausschüttungsfonds) oder sofort wieder anlegen (thesaurierender Fonds). Der Preis seiner Anteile kann in Euro oder in Fremdwährung festgesetzt werden.

Publikumsfonds und ihre Gestaltungsmöglichkeiten
Wertpapier-Publikumsfonds
Aktienfonds Rentenfonds Gemischte Fonds Spezialitäten-Fonds

⇛ Standard-Fonds

⇛ Spezielle Aktienfonds

- Branchenfonds

- Small-Cap-Fonds

- Indexfonds

⇛ Standard-Rentenfonds

⇛ Spezielle Rentenfonds

- Low-Coupon-Fonds

- Fonds mit variabel verzinslichen Anleihen

- High-Yield-Fonds

- Junk-Bonds-Fonds

- High-Grade-Fonds

- Geldmarktnahe Rentenfonds, Kurzläufer-Fonds

- Standard-Misch-Fonds

- Mischfonds mit Terminmarktelementen

- Wandel- und Optionsanleihefonds

- Optionsschein-Fonds

- Genussschein-Fonds

- Protection-Fonds

- Forex-Fonds

- Futures-Fonds

 
Länderfonds Internationale Fonds Regionen-/ Hemisphärenfonds
mit fester Laufzeit ohne Laufzeitbegrenzung
mit Garantie ohne Garantie
mit Ausgabeaufschlag ohne Ausgabeaufschlag
Ausschüttungsfonds Thesaurierungsfonds
in Euro in Fremdwährung

Bitte beachten Sie: Über die mit der Anlage in Investmentfonds verbundenen Risiken werden Sie in Teil III. (Basisrisiken) und Teil IV.5 (Spezielle Risiken) informiert.

5.6 Besondere Arten von Investmentfonds

Offene Immobilienfonds

Offene Immobilienfonds investieren die ihnen von den Anlegern zufließenden Gelder nach dem Grundsatz der Risikomischung in überwiegend gewerblich genutzte Grundstücke, Gebäude, eigene Bauprojekte und halten daneben liquide Finanzanlagen wie Wertpapiere und Bankguthaben. Die Liquiditätsanlagen dienen dazu, die anstehenden Zahlungsverpflichtungen des Fonds (beispielsweise auf Grund des Erwerbs von Liegenschaften) sowie Rücknahmen von Anteilscheinen zu gewährleisten.

Altersvorsorge-Sondervermögen

Altersvorsorge-Sondervermögen legen das bei ihnen eingelegte Geld mindestens zur Hälfte in sachwertbezogenen Anlagen, d. h. Aktien, Grundstücken oder Anteilscheinen an Immobilien-Sondervermögen mit dem Ziel des langfristigen Vorsorgesparens an. Der Anleger hat die Möglichkeit, einen Vertrag mit einer Laufzeit von mindestens 18 Jahren oder mit einer Laufzeit bis mindestens zur Vollendung seines 60. Lebensjahres abzuschließen. Er verpflichtet sich dadurch, während der Vertragslaufzeit in regelmäßigen Abständen Geld bei der Kapitalanlagegesellschaft zum Bezug weiterer Anteilscheine einzulegen (Altersvorsorge-Sparplan). Nach Ablauf von spätestens 3/4 der vereinbarten Vertragslaufzeit hat der Anleger die Möglichkeit, die Anteilscheine ohne Berechnung eines Ausgabeaufschlages oder sonstiger Kosten in andere Anteilscheine, z. B. eines Rentenfonds, zu tauschen.

Hedgefonds (Sondervermögen mit zusätzlichen Risiken)

Bei Hedgefonds gibt es die gleiche Rollenverteilung wie bei herkömmlichen Investmentfonds: Die Anleger vertrauen einer Fondsgesellschaft Geld an, die das Geld mit dem Ziel anlegt, den Wert des Fonds und damit den Wert des Anteils für den Anleger zu erhöhen. Gemäß dem Investmentgesetz werden Hedgefonds in Deutschland als Sondervermögen mit zusätzlichen Risiken bezeichnet. Sie dürfen nur in Form von Dachfonds öffentlich angeboten werden. Bei Dachfonds wird das Kapital in mehreren einzelnen Hedgefonds (Single-Hedgefonds) mit unterschiedlicher Ausrichtung angelegt, um so das Einzelrisiko zu mindern.

Zur Rückgabe von Hedgefonds-Anteilen müssen Sie als Anleger gegenüber der Kapitalanlagegesellschaft eine unwiderrufliche Rückgabeerklärung abgeben. Dabei können bestimmte Fristen zu beachten sein (vgl. hierzu insbesondere Kapitel IV.5.6).

Die Besonderheit von Hedgefonds liegt vor allem in der Anlagestrategie und der Anlagetechnik. Bei herkömmlichen Aktien-, Renten- oder gemischten Fonds investiert die Fondsgesellschaft das Fondskapital schwerpunktmäßig in Aktien oder Renten und schichtet es je nach Markteinschätzung um; die Entwicklung des Fondswertes hängt deshalb grundsätzlich auch von der Entwicklung des Basismarktes (Aktien- und/oder Rentenmarkt) insgesamt ab. Der Verwalter eines Hedgefonds dagegen kann in der Regel die gesamte Bandbreite an Finanzinstrumenten einsetzen. Er kann z.B. Optionen, Futures oder Swaps nutzen, Leerverkäufe von Wertpapieren tätigen oder Kredite zur Erzielung von Hebeleffekten aufnehmen. Der Investitionsgrad kann daher über hundert Prozent liegen.

Ziel eines Hedgefonds ist es, eine möglichst stetige positive Rendite zu erzielen, und zwar unabhängig von der allgemeinen Marktentwicklung, also auch dann, wenn zum Beispiel die Kurse am Aktienmarkt allgemein fallen.

Grundlage der Tätigkeit eines Hedgefonds-Managers sind in der Regel vorher festgelegte spezifische Fondsstrategien, die sich bei den einzelnen Fonds sehr stark voneinander unterscheiden können. So kann eine Strategie z.B. darin bestehen, Bewertungsdifferenzen zwischen verschiedenen Märkten auszunutzen (Arbitragefonds) oder so genannte Long- und Short-Positionen einzugehen, um von einer Wertentwicklung über- und unterbewerteter Aktien zu profitieren (Equity-Hedgefonds).

Der Erfolg des Hedgefonds hängt maßgeblich davon ab, dass die Strategie richtig gewählt und vor allem auch in geeigneter Weise umgesetzt wird. Die Fondsgesellschaft hat nur sehr allgemein gehaltene vertragliche und gesetzliche Vorgaben zu beachten, daher besteht ein großer Ermessensspielraum.

Gemischte Sondervermögen

Gemischte Sondervermögen legen das bei ihnen eingelegte Geld in herkömmlichen Finanzanlagen, Anteilen an Grundstücks-Sondervermögen, Hedgefonds oder in Anteilen an ausländischen Sondervermögen an. Weitere Einzelheiten zu den Vermögensgegenständen und dem Anlageschwerpunkt sind den jeweiligen Vertragsbedingungen zu entnehmen.

Wichtiger Hinweis: Über die konkrete Anlagepolitik eines einzelnen Fonds geben Ihnen nur der jeweilige Verkaufsprospekt und die Vertragsbedingungen verbindliche Auskunft.

6 Optionsscheine

Optionsscheine sind die klassische Variante verbriefter Termingeschäfte. Je nach Emittent können auch Optionsscheine trotz vergleichbarer Ausstattung unterschiedliche Namen führen. Ebenso kann es vorkommen, dass unterschiedlich ausgestaltete Optionsscheine gleiche oder ähnliche Produktbezeichnungen tragen. Neben den Optionsscheinen spielen Zertifikate im Bereich verbriefter Termingeschäfte eine Rolle (vgl. Kapitel II.4 und IV.4). Einige Zertifikate sind in ihrer Funktionsweise Optionsscheinen sehr ähnlich.

6.1 Grundlagen

Optionsscheine, auch "Warrants" genannt, verbriefen in der Regel das Recht, nicht aber die Verpflichtung, eine bestimmte Menge eines Basiswertes zu kaufen (Call-Optionsscheine) oder zu verkaufen (Put-Optionsscheine).

Basiswerte

Als Basiswerte kommen vor allem in Frage: Aktien, Anleihen, Währungen, Rohstoffe und Indizes.

Basispreis

Der Basispreis ist der im Voraus festgelegte Preis, zu dem Sie bei Ausübung Ihres Optionsrechts den Basiswert kaufen bzw. verkaufen können. Sehen die Emissionsbedingungen stattdessen einen Barausgleich vor, so dient der Basispreis zur Berechnung des Differenzbetrages, der gegebenenfalls an Sie als Optionsscheininhaber auszuzahlen ist.

Barausgleich statt Lieferung möglich

Anstelle des Bezugs oder der Lieferung des Basiswertes bei Ausübung des Optionsrechts können die Emissionsbedingungen der Optionsscheine einen Ausgleich in Geld vorsehen. Dies geschieht regelmäßig dort, wo eine Übertragung des Basiswertes gar nicht möglich ist, z. B. bei einem Index.

Bei einem Barausgleich findet mit der Optionsausübung kein Erwerb (und umgekehrt auch keine Veräußerung) des Basiswertes statt; vielmehr wird der Differenzbetrag zwischen vereinbartem Preis und aktuellem Marktwert des Basiswertes ermittelt und an den Optionsscheininhaber ausgezahlt.

Laufzeit

Die Laufzeit eines Optionsscheins ist der Zeitraum vom Tag seiner Begebung bis zu dem Tag, an dem das Optionsrecht erlischt. Der börsliche Handel der Optionsscheine und die Möglichkeit, das Optionsrecht auszuüben, enden üblicherweise einige Tage vor Laufzeitende. Zur Ausübung des Optionsrechts bedarf es in der Regel einer ausdrücklichen Ausübungserklärung des Kunden. Die Emissionsbedingungen können aber auch eine automatische Ausübung für den Fall vorsehen, dass die Optionsscheine am Laufzeitende werthaltig sind.

Ausübungsmöglichkeit bei amerikanischem und bei europäischem Typ

Bei Optionsscheinen amerikanischen Typs ("American style"/amerikanische Option) können Sie das Optionsrecht an jedem Bankarbeitstag während der Laufzeit des Optionsscheins ausüben. Bei Optionsscheinen europäischen Typs ("European style"/europäische Option) ist dies nur am Ende der Laufzeit möglich. Daneben können die Emissionsbedingungen weitere Ausübungsbeschränkungen vorsehen. So kann die Ausübung des Optionsrechts nur innerhalb ganz bestimmter Zeiträume während der Laufzeit oder nur bei einer Mindeststückzahl gleichzeitig ausgeübter Optionsscheine möglich sein.

Optionsverhältnis

Das Optionsverhältnis (oft auch Bezugsverhältnis genannt) drückt aus, wie viele Einheiten des Basiswertes Sie als Inhaber des Optionsscheins durch Ausübung der Option kaufen (Call) bzw. verkaufen (Put) können. ist ein Barausgleich vorgesehen, so gibt das Optionsverhältnis an, wie viele Einheiten des Basiswertes bei der Berechnung des Barausgleichs zu Grunde zu legen sind.

6.2 Funktionsweise

Nachfolgend sollen die wichtigsten Grundzüge der Funktionsweise von Optionsscheinen, insbesondere die hinter der Entscheidung für den Kauf eines Call- bzw. Put-Optionsscheins stehenden Motivationen, erläutert werden.

Hebelwirkung

Für das im Optionsschein verbriefte Recht haben Sie als Käufer einen Preis zu zahlen, der sich durch Angebot und Nachfrage ergibt. Der aktuelle Preis des Optionsscheins steht dabei in enger Beziehung zu dem des Basiswertes, wobei allerdings der Preis des Optionsscheins im Verhältnis zu dem des Basiswertes in der Regel sehr gering ist. Als Konsequenz daraus löst jede Preisveränderung beim Basiswert in der Regel eine prozentual stärkere Veränderung im Preis des Optionsscheins aus (Hebelwirkung oder "Leverage-Effekt"). Mit anderen Worten: Als Inhaber eines Optionsscheins partizipieren Sie überdurchschnittlich an Kursgewinnen wie auch Kursverlusten eines Basiswertes.

Unterschiedliche Erwartungen

Käufer von Call-Optionsscheinen und Käufer von Put-Optionsscheinen haben unterschiedliche Erwartungen hinsichtlich der Preisentwicklung des Basiswertes. Normalerweise bestehen folgende Zusammenhänge:

6.3 Bewertungskriterien und Preisbildungsfaktoren

Um eine qualitative Beurteilung von Optionsscheinen vornehmen zu können, bedient man sich u. a. sog. statischer und dynamischer Kennzahlen.

Dynamische Kennzahlen erfassen Veränderungen des Optionspreises in Abhängigkeit von veränderlichen Größen wie z. B. der Volatilität oder der Laufzeit. Mit ihrer Hilfe ist es möglich, zukünftige Preisentwicklungen von Optionsscheinen aus heutiger Sicht abzuschätzen. Um sie hinreichend genau bestimmen zu können, sind komplexe Optionsbewertungsmodelle erforderlich.

Zu den statischen Kennzahlen zählen

Diese Kennzahlen bieten Ihnen als Anleger eine Hilfestellung bei der Anlageentscheidung, wenn es um die Auswahl eines Optionsscheins und um dessen Kauf oder Verkauf geht.

Wichtiger Hinweis: Solche Kennzahlen sollten für den Vergleich von Optionsscheinen nur dann verwendet werden, wenn die Optionsscheine weitgehend gleich ausgestattet sind. Bereits geringe Veränderungen in der Ausstattung (Basiswert, Laufzeit, Basispreis, Optionstyp - Call oder Put -) können die Kennzahlen stark beeinflussen und somit deren Aussagekraft im Rahmen von Vergleichen beeinträchtigen.

Innerer Wert

Der innere Wert ergibt sich aus der Differenz zwischen dem Basispreis und dem Kurs des Basiswertes, wobei das Optionsverhältnis als Faktor (z.B. 0,5 bei einer Aktie für zwei Optionsscheine) zu berücksichtigen ist.

Zeitwert

Der Zeitwert eines Optionsscheins errechnet sich aus der Differenz zwischen Optionsscheinkurs und innerem Wert. Besitzt der Optionsschein keinen inneren Wert, ergibt sich der Optionsscheinkurs vollständig aus dem Zeitwert des Optionsscheins. In seltenen Fällen kann ein Optionsschein auch unter seinem inneren Wert, das heißt mit einem negativen Zeitwert, gehandelt werden.

Der Zeitwert ist der "Unsicherheitsaufschlag", der u. a. die Wahrscheinlichkeit von Kursschwankungen des Basiswertes bis zur Fälligkeit des Optionsscheins widerspiegelt.

Die Höhe des Zeitwerts wird wesentlich von der Restlaufzeit des Optionsscheins sowie der Volatilität des Basiswertes (Häufigkeit und Intensität von Kursschwankungen während eines bestimmten Zeitraumes) bestimmt: Je kürzer die verbleibende Zeit bis zum Verfalltag und je niedriger die Volatilität des Basiswertes, desto niedriger ist der Zeitwert, da mit abnehmender Restlaufzeit die Wahrscheinlichkeit einer Preisänderung beim Basiswert sinkt. Wegen der damit abnehmenden Gewinnchance für den Käufer des Optionsscheins haben Optionsscheine mit kürzeren Restlaufzeiten (bei gleichem Basiswert und gleichem Basispreis) in der Regel niedrigere Zeitwerte als solche mit längerer Laufzeit.

Jeder Optionsschein verliert unweigerlich an Zeitwert, bis dieser am Ende der Laufzeit gleich null ist. Dies geschieht - bei Konstanz aller anderen Einflussfaktoren - umso schneller, je näher der Verfalltag rückt. Am Verfalltag selbst wird der Wert des Optionsscheins allein von seinem inneren Wert bestimmt. Diese Überlegung spielt für Sie als Inhaber des Optionsscheins eine wichtige Rolle. In der Regel realisieren Sie einen eventuellen Gewinn dadurch, dass Sie den Optionsschein nicht ausüben, sondern verkaufen. Durch den Verkauf vereinnahmen Sie neben dem inneren Wert den Zeitwert, der lhnen bei einer Ausübung des Optionsscheins verloren ginge.

Aufgeld

Das Aufgeld gibt bei einem Call-Optionsschein an, um wie viel teurer der Erwerb des Basiswertes durch Kauf und sofortige Ausübung des Optionsrechts zum Betrachtungszeitpunkt gegenüber dem direkten Erwr rb des Basiswertes ist. Bei einem Put-Optionsschein gibt das Aufgeld an, um wie viel teurer der Verkauf des Basiswertes durch Kauf und sofortige Ausübung des Optionsrechts zum Betrachtungszeitpunkt gegenüber dem direkten Verkauf des Basiswertes ist. In der Regel wird zur besseren Einschätzung des Optionsscheins das Aufgeld, bezogen auf ein Laufzeitjahr (jährliches Aufgeld), ausgewiesen. Ist der Optionsschein "in the money", so drückt das Aufgeld den Zeitwert des Optionsscheins in Prozent des aktuellen Kurses des Basiswertes aus.

Break-even-Punkt

Der Break-even-Punkt eines Optionsscheins lässt sich an einem bestimmten Kurs des Basiswertes festmachen: Diesen Kurs muss der Basiswert erreichen, um eine Ausübung des Optionsscheins ohne Verlust zu ermöglichen.

Dieser Kurs entspricht nicht etwa dem Basispreis, sondern liegt stets um einen gewissen Betrag darüber (bei Call-Optionsscheinen) bzw. darunter (bei Put-Optionsscheinen). Der Vorteil aus der Ausübung muss den für den Optionsschein gezahlten Preis sowie die Transaktionskosten kompensieren. Der Break-even-Punkt hat für die Ermittlung Ihrer Gewinnschwelle nur dann Bedeutung, wenn Sie die Ausübung Ihres Optionsrechts beabsichtigen. Wollen Sie hingegen Ihren Optionsschein verkaufen, so sagt der Break-even-Punkt noch nichts über Ihren konkreten Gewinn oder Verlust aus: Sie erzielen regelmäßig dann einen Gewinn, wenn der Verkaufserlös den Kaufpreis des Optionsscheins zuzüglich aller Transaktionskosten übersteigt.

Hebel und Preissensitivität
Beispiel:

Im Zahlenbeispiel wird der Zusammenhang zwischen den einzelnen oben vorgestellten Ausstattungsmerkmalen und Bewertungskriterien transparent.

Hinweis: Bei diesem Beispiel sind anfallende Transaktionskosten nicht berücksichtigt. Diese richten sich u. a. nach den jeweils gültigen Konditionen Ihres Kreditinstituts.

Ein Call-Optionsschein hat folgende Ausstattung:

Aktueller Kurs des Optionsscheins

80 EUR

Aktueller Kurs der Aktie (Basiswert)

400 EUR

Basispreis

350 EUR

Optionsverhältnis

1 Aktie pro 2 Optionsscheine (1 : 2 = 0,5)

Restlaufzeit

2 Jahre

Bewertungskriterien:

Innerer Wert

= (aktueller Aktienkurs - Basispreis) x Optionsverhältnis

= (400 EUR - 350 EUR) x 0,5

= 25 EUR

Zeitwert

= Kurs des Optionsscheins - Innerer Wert

= 80 EUR - 25 EUR

= 55 EUR

Aufgeld

= (Basispreis + Kurs des Optionsscheins / Optionsverhältnis - akt. Aktienkurs) / aktueller Aktienkurs x 100

= (350 EUR + 80 EUR / 0,5 - 400 RUR) / 400 EUR x 100

= 27,5%

Jährliches Aufgeld

= Aufgeld / Restlaufzeit in Jahren

= 27,5% / 2

= 13,75%

Hebel

= aktueller Aktienkurs x Optionsverhältnis / Kurs des Optionsscheins

= 400 EUR x 0,5

= 2,5

Der Hebel von 2,5 besagt, dass der Optionsschein eine 2,5-prozentige Wertsteigerung zum eingesetzten Kapital erfährt, wenn cler Aktienkurs um 1% steigt. Unterstellt wird dabei eine "idealtypische" Preissensitivität von 1; der Hebel gibt also immer nur die maximale Partizipationschanoe an. Das heißt, in cler Regel wird die Wertsteigerung des Optionsscheins geringer sein, als es der Hebel anzeigt.

Break-even-Punkt

= Basispreis + Kurs des Optionsscheins / Optionsverhältnis

= 350 EUR + 80 EUR / 0,5

= 510 EUR

Der Käufer des Optionsscheins kann mit der Ausübung des Optionsrechts nur dann einen Gewinn erzielen, wenn der Kurs der Aktie auf über 510 EUR (zuzüglich anteiliger Transaktionskosten) steigt.

Bei Verkauf des Optionsscheins hingegen geraten Sie dann in die Gewinnzone, wenn oler Kurs des Optionsscheins 80 EUR zuzüglich. sämtlicher Transaktionskosten übersteigt.

Innerer Wert, Zeitwert und Aufgeld (ebenso das jährliche Aufgeld) ändern sich in der Regel täglich. Am Ende der Laufzeit des Optionsscheins besteht sein Kurs nur noch aus seinem inneren Wert. Der Zeitwert reduziert sich bis zu diesem Zeitpunkt - unter möglicherweise starken Schwankungen - auf null.

6.4 Arten und Anwendungsmöglichkeiten

Bei der Vielfalt der Formen und ständigen Innovationen am Markt der Optionsscheine lässt sich zunächst eine grundsätzliche Unterscheidung in zwei Arten treffen: Optionsscheine aus Optionsanleihen (traditionelle Optionsscheine) einerseits und so genannte Naked Warrants.

Traditionelle Optionsscheine

Traditionelle Optionsscheine werden in Verbindung mit der Emission einer Optionsanleihe begeben. Die Optionsscheine werden separat gehandelt und verbriefen im Regelfall das selbstständige Recht auf Lieferung des Basiswertes.

Wenn Sie als Käufer eines traditionellen Optionsscheins Ihr Optionsrecht ausüben, erfolgt die Gegenleistung in der Regel "physisch", das heißt, der Emittent liefert den zu Grunde liegenden Basiswert, zum Beispiel die Aktie oder Anleihe. Die in Deutschland am häufigsten anzutreffende Konstruktion ist die "Optionsanleihe auf Aktien", deren beigefügter Optionsschein das Recht verbrieft, Aktien des jeweiligen Emittenten zu beziehen. Bei den traditionellen Optionsscheinen handelt es sich üblicherweise um Call-Optionsscheine.

Naked Warrants

Naked Warrants sind Optionsscheine, die ohne gleichzeitige Emission einer Optionsanleihe begeben werden. Anders als die traditionellen Optionsscheine stehen Naked Warrants in der Regel nicht in Zusammenhang mit Finanzierungsvorhaben von Unternehmen. Sie werden vor allem von Banken und Wertpapierhandelshäusern emittiert. Häufig wird anstelle der Abnahme/Lieferung des Basiswertes ein Barausgleich vorgesehen. Naked Warrants kommen sowohl als Call-Optionsscheine als auch als Put-Optionsscheine vor.

Bitte beachten Sie: Konkrete Aussagen über die Einzelheiten eines Produktes, seine Funktionsweise und über die spezifischen Risiken bei komplex strukturierten Optionsscheinprodukten und Zertifikatten, oder bei Kombinationen verschiedener Optionen können jeweils nur im Einzelfall auf der Grundlage einer detaillierten Beschreibung desGeschäts gemacht werden.

Bitte beachten Sie: Über die mit der Anlage in Optionsscheinen verbundenen Risiken werden Sie in Teil III (Basisrisiken) und Teil IV.6 (Speziellte Risiken) informiert.

III. Basisrisiken bei der Vermögensanlage

Dieser Teil soll Sie als Anleger insbesondere für die wirtschaftlichen Zusammenhänge sensibilisieren, die unter Umständen zu gravierenden Veränderungen des Wertes Ihrer Vermögensanlage führen können.

Im folgenden Abschnitt werden zunächst typische Risiken beschrieben, die für alle Formen der behandelten Anlageinstrumente gleichermaßen zutreffen (Basisrisiken). In Teil IV schließt sich eine Darstellung der speziellen Risiken der einzelnen Wertpapieranlageformen an.

Bitte beachten Sie insbesondere, dass mehrere Risiken kumulieren und sich gegenseitig verstärken können, was zu besonders starken Veränderungen des Wertes Ihrer Vermögensanlage führen kann.

1 Konjunkturrisiko

Unter dem Konjunkturrisikos wird die Gefahr von Kursverlusten verstanden, die dadurch entstehen, dass der Anleger die Konjunkturentwicklung nicht oder nicht zutreffend bei seiner Anlageentscheidung berücksichtigt und dadurch zum falschen Zeitpunkt eine Wertpapieranlage tätigt oder Wertpapiere in einer ungünstigen Konjunkturphase hält.

Der Konjunkturzyklus

Die Konjunktur stellt sich als zyklische Wellenbewegung um den langfristigen ökonomischen Wachstumspfad dar. Der typische Konjunkturzyklus dauert zwischen drei und acht Jahren, die sich in die folgenden vier Phasen aufteilen lassen:

1. Ende der Rezession/Depression

2. Aufschwung, Erholung

3. Konjunkturboom, oberer Wendepunkt

4. Abschwung, Rezession

Die Dauer und das Ausmaß der einzelnen wirtschaftlichen Auf- und Abschwungphasen variieren, und auch die Auswirkungen auf die einzelnen Wirtschaftsbereiche sind unterschiedlich. Zu beachten ist außerdem, dass der Konjunkturzyklus in einem anderen Land vorlaufen oder nachlaufen kann.

Auswirkungen auf die Kursentwicklung

Die Veränderungen der wirtschaftlichen Aktivität einer Volkswirtschaft haben stets Auswirkungen auf die Kursentwicklung der Wertpapiere: Die Kurse schwanken in etwa (meist mit einem zeitlichen Vorlauf) im Rhythmus der konjunkturellen Auf- und Abschwungphasen der Wirtschaft.

Für Sie als Anleger bedeutet das: Anlageformen, die in bestimmten Konjunkturphasen empfehlenswert sind und Gewinne erwarten lassen, sind in einer anderen Phase weniger geeignet und bringen möglicherweise Verluste ein. Bitte beachten Sie also: Bei jeder Anlageentscheidung spielt das "Timing" - die Wahl des Zeitpunktes Ihres Wertpapierkaufs oder -verkaufs - eine entscheidende Rolle. Sie sollten daher ständig Ihre Kapitalanlage unter dem konjunkturellen Aspekt auf Zusammensetzung nach Anlagearten und Anlageländern überprüfen (und einmal getroffene Anlageentscheidungen ggf. korrigieren).

Die Wertpapierkurse (und auch die Währungskurse) reagieren insbesondere auf beabsichtigte und tatsächliche Veränderungen in der staatlichen Konjunktur- und Finanzpolitik. Zum Beispiel üben binnenwirtschaftliche Maßnahmen, aber auch Streiks einen starken Einfluss auf die gesamtwirtschaftliche Situation eines Landes aus. Deshalb können selbst dort Rückschläge an Kapital- und Devisenmärkten auftreten, wo die Entwicklungsaussichten ursprünglich als günstig zu betrachten waren.

2 Inflationsrisiko (Kaufkraftrisiko)

Das Inflationsrisiko beschreibt die Gefahr, dass der Anleger infolge einer Geldentwertung einenvermögensschiaden erleidet. Dem Risiko unterliegt zum einen der Realwert des vorhandenen,Vermögens, zum anderen der reale Ertrag, der mit dem Vermögen erwirtschaftet werden soll.

Realverzinsung als Orientierungsgröße

Tatsache ist: Eine Inflationsrate von beispielsweise vier bis fünf Prozent pro Jahr würde in nur sechs Jahren zu einem Geldwertschwund von rund einem Viertel, in zwölf Jahren zu einer Halbierung der Kaufkraft des Geldvermögens führen.

Als Anleger sollten Sie deshalb auf die Realverzinsung achten: Darunter versteht man bei festverzinslichen Wertpapieren die Differenz zwischen der Rendite und der Inflationsrate. ln den meisten Konjunktur- und Zinsphasen der Vergangenheit war in Deutschland bislang ein positiver Realzins bei Anleihen zu beobachten. Berücksichtigt man jedoch zusätzlich die Versteuerung der Einkommen aus Kapitalvermögen, so konnte nicht immer ein Ausgleich des Kaufkraftverlustes erzielt werden.

Aktien als so genannte Sachwerte bieten ebenfalls keinen umfassenden Schutz gegen die Geldentwertung. Der Grund dafür: Der Käufer sucht in der Regel nicht den Substanzwert, sondern den Ertragswert der Aktie. Je nach Höhe der Inflationsrate und dem realisierten Ertrag in Form von Dividendeneinnahmen und Kursgewinnen (oder Kursverlusten) kann sich eine negative oder eine positive Realverzinsung ergeben.

Inflationsbeständigkeit von Sachwerten gegenüber Geldwerten

Darüber, inwieweit eine Anlage wertbeständig, das heißt sicher vor Geldwertschwund ist, kann keine generelle Aussage getroffen werden. Langfristige Vergleiche haben ergeben, dass Sachwerte bessere Anlageergebnisse erzielten und damit wertbeständiger waren als Geldwerte. Auch in den extremen Inflationen und Währungsumstellungen nach den beiden Weltkriegen (1923, 1948) erwiesen sich Sachwerte beständiger als nominell gebundene Gläubigeransprüche. Dazwischen gab es durchaus längere Phasen, in denen umgekehrt Geldwertanlagen den Sachwertanlagen überlegen waren.

Länderrisiko und Transferrisiko

Vom Länderrisiko spricht man, wenn ein ausländischer Schuldner trotz eigener Zahlungsfähigkeit auf Grund ,fehlender Transferfähigkerit und -bereitschaft seines Sitzlandes seine Zins- und Tiilgungsleistungen nicht fristgerecht oder überhaupt nicht leisten kann.

Das Länderrisiko umfasst zum einen die Gefahr einer wirtschaftlichen, zum anderen die Gefahr einer politischen Instabilität. So können Geldzahlungen, auf die Sie einen Anspruch haben, auf Grund von Devisenmangel oder Transferbeschränkungen im Ausland ausbleiben. Bei Wertpapieren in Fremdwährung kann es dazu kommen, dass Sie Ausschüttungen in einer Währung erhalten, die auf Grund eingetretener Devisenbeschränkungen nicht mehr konvertierbar ist.

Mangelnde Absicherungsmöglichkeit

Eine Absicherungsmöglichkeit gegen dieses Transferrisiko gibt es nicht. Destabllisierende Ereignisse im politischen und sozialen System können zu einer staatlichen Einflussnahme auf die Bedienung von Auslandsschulden und zur Zahlungseinstellung eines Landes führen. Politische Ereignisse können sich auf dem weltweit verflochtenen Kapital- und Devisenmarkt niederschlagen: Sie können dabei kurssteigernde Impulse geben oder aber Baissestimmung erzeugen. Beispiele für solche Ereignisse sind Änderungen im Verfassungssystem, der Wirtschaftsordnung oder der politischen Machtverhältnisse, nationale und internationale Krisensituationen, Revolutionen und Kriege sowie durch Naturgewalten ausgelöste Ereignisse. Auch Wahlaussichten und Wahlergebnisse haben gelegentlich -je nach den Wirtschaftsprogrammen der an die Regierung gelangenden Parteien - Auswirkungen auf die Währung und das Börsengeschehen in dem betreffenden Land.

Länderratings als Entscheidungshilfe

Große Bedeutung haben die von einigen Wirtschaftsmagazinen publizierten Länderratings: Es handelt sich dabei um eine Einstufung der Länder der Welt nach deren Bonität. Länderratings dienen als Entscheidungshilfe bei der Beurteilung des Länderrisikos.

4 Währungsrisiko

Anleger sind einem Währungsrisiko ausgesetzt, wenn sie auf einelfremde Währung lautende Wertpapiere halten und der zu Grunde liegende Devisenkurs sinkt. Durch die Aufwertung des Euro (Abwertung der Auslandswährung) verlieren die in Euro bewerteten ausländischen Vermögenspositionen an Wert. Zum Kursrisiko ausländischer Wertpapiere kommt damit das Währungsrisiko hinzu - auch wenn die Papiere an einer deutschen Börse in Euro gehandelt werden.

Einfluss auf den Devisenkurs eines Landes haben fundamentale Komponenten wie die Inflationsrate des Landes, die Zinsdifferenzen zum Ausland, die Einschätzung der Konjunkturentwicklung, die weltpolitische Situation und die Sicherheit der Geldanlage (Safe-Haven-Argument). Aber auch psychologische Momente wie Vertrauenskrisen der politischen Führung des Landes können eine Währung schwächen.

Als Anleger sollten Sie dem Währungsaspekt besonderes Augenmerk widmen: Denn die Währungsentwicklung kann einen möglichen Renditevorsprung schnell aufzehren und die erzielte Rendite so stark beeinträchtigen, dass im Nachhinein betrachtet eine Anlage in der Heimatwährung vorteilhafter gewesen wäre.

5 Liquiditätsrisiko

Die Liquidität einer Kapitalanlage beschreibt die Möglichkeit für den Anleger, seine Vermögenswerte jederzeitzu marktgerechten. Preisen zu verkaufen. Dies ist üblicherweise dann der Fall, wenn ein Anleger seine Wertpapiere verkaufen kann, ohne dass schon ein (gemessen am marktüblichen Umsatzvolumen) durchschnittlich großer Verkaufsauftrag zu spürbaren Kursschwankungenführt und nur auf deutlich niedrigerem Kursniveau abgewickelt werden kann.

Grundsätzlich sind Breite und Tiefe eines Marktes entscheidend für schnelle und problemlose Wertpapiertransaktionen: Ein Markt besitzt Tiefe, wenn viele offene Verkaufsaufträge zu Preisen unmittelbar über dem herrschenden Preis im Markt vorhanden sind und umgekehrt viele offene Kaufaufträge zu Preisen unmittelbar unter dem aktuellen Kursniveau. Als breit kann ein Markt dann bezeichnet werden, wenn diese Aufträge nicht nur zahlreich sind, sondern sich außerdem auf hohe Handelsvolumina beziehen.

Angebots- und nachfragebedingte Illiquidität

Für Schwierigkeiten beim Kauf oder Verkauf von Wertpapieren können enge und illiquide Märkte verantwortlich sein. ln vielen Fällen kommen tagelang Notierungen an der Börse zu Stande, ohne dass Umsätze stattfinden. Für solche Wertpapiere besteht zu einem bestimmten Kurs nur Angebot (Briefkurs) oder nur Nachfrage (Geldkurs). Unter diesen Umständen ist die Durchführung Ihres Kauf- oder Verkaufsauftrages nicht sofort, nur in Teilen (Teilausführung) oder nur zu ungünstigen Bedingungen möglich. Zusätzlich können Ihnen hieraus höhere Transaktionskosten entstehen.

Besondere Schwierigkeiten bei der Ausführung Ihres Auftrages zum Kauf oder Verkauf können sich insbesondere dann ergeben, wenn die betroffenen Wertpapiere überhaupt nicht an der Börse oder an einem organisierten Markt gehandelt werden.

Illiquidität auf Grund der Ausgestaltung des Wertpapiers oder der Marktusancen

Die Liquidität kann auch aus anderen Gründen eingeschränkt sein: Bei Wertpapieren, die auf den Namen lauten, kann die Umschreibung zeitaufwendig sein. In Spanien ist die Handelbarkeit bei Neuemissionen oft bis zu deren Zertifizierung ausgeschlossen. Das kann mehrere Monate dauern. ln einigen Ländern (z. B. Frankreich, Italien) können die usancebedingten Erfüllungsfristen bis zu 6 Wochen betragen, so dass Ihnen, wenn Sie der Verkäufer der Wertpapiere sind, der Verkaufserlös entsprechend spät zufließt. In den Ländern Südostasiens (den sog. Tigerländern) ist nach dem Erwerb von Wertpapieren ein kurzfristiger Verkauf mitunter nicht möglich. Haben Sie einen kurzfristigen Liquiditätsbedarf, so müssen Sie eventuell eine Zwischenfinanzierung in Anspruch nehmen - mit entsprechenden Kosten.

Penny Stocks: Soegenannte Penny Stocks sind grundsätzlfich mit einem besonders hohen Risiko Verbunden. Es handelt sich dabei um in der Regel nicht an Börsen gehandelte Aktien, die häufig von Explorationsgesellschaften begeben werden. Der Preis dieser Aktien beträgt meist weniger als 1 US-$; die Papiere werden häufig nur über ein einzelnes Brokerhaus vertrieben. Ob und zu welchem Kurs das Brokerhaus den Handel mit einem betstimmtíen Wertpapier aufrechterhält, ist ungewiss, so dass beim Fortfall des einzigen Market Makers die Handelbarkeit dieser Papiere entfällt. Eine jederzeitige Wiederverkäuflichkeit ist somit nicht gesichert (vgl. auch Kapitel IV.2.2).

6 Psychologisches Marktrisiko

Auf die allgemeine Kursentwicklung an der Börse wirken sehr oft irrationale Faktoren ein: Stimmungen, Meinungen und Gerüchte können einen bedeutenden Kursruckgang verursachen, obwohl sich die Ertragslage und die Zukunftsaussichten der Unternehmen nicht nachteilig verändert haben müssen. Das psychologische Marktrisiko wirkt sich besonders auf Aktien aus und wird in dieser Broschüre daher im Kapitel IV.2 umfassend behandelt.

7 Risiko bei kreditfinanzierten Wertpapierkäufen

Die Beleihung Ihres Wertpapierdepots ist eine Möglichkeit, wie Sie als Anleger in Wertpapieren handlungsfähig und liquide bleiben können. Je nach Art des Wertpapiers kann das Depot in unterschiedlicher Höhe beliehen werden. Bei festverzinslichen Wertpapieren ist der Beleihungswert grundsätzlich höher als bei Aktien.

Aber beachten Sie: Kreditfinanzierte, spekulative Engagements sollten, selbst wenn Sie sehr risikofreudig sind, einen bestimmten Teil der Anlage nicht übersteigen. Nur so bleibt gewährleistet, dass Sie Wertpapiere nicht in ein Börsentief hinein verkaufen müssen, weil Sie das Geld benötigen oder die Börsenlage unsicher geworden ist. Auch wenn sich derMarkt entgegen Ihren Erwartungen entwickelt, müssen Sie nicht nur den eingetretenen Verlust hinnehmen, sondern auch die Kreditzinsen zahlen und den Kreditbetrag zurückzahlen. Prüfen Sie deshalb vor Geschäftsabschluss Ihre wirtschaftlichen Verhältnisse darauf, ob Sie zur Zahlung der Zinsen und gegebenenfalls kurzfristigen Tilgung des Kredits auch dann in der Lage sind, wenn statt der erwarteten Gewinne Verluste eintreten. Im Einzelnen bestehen insbesondere folgende Risiken:

  • Veränderung des Krediitzinssatzes;
  • Beleihungswertverlust des Depots durch Kursverfall;
  • Nachschuss aus anderen Liquiditätsmitteln, um die Deckungsrelation wiederherzustellen und weitere Kreditkosten zu begeleichen (insbesondere Sollzinsen, die durch die beliehenen Wertpapiere nicht gesichert werden);
  • Verkauf (von Teilen) der Depotwerte mit Verlust durch Sie oder den Kreditgeber, soweit Nachschuss nicht erfolgt oder nicht ausreicht;
  • Verwertung des gesamten Depotbestands bei Pfandreife;
  • Verpflichtung zur Tilgung der Restschulden bei nicht ausreichendem Erlös aus der Verwertung des Depots.

Machen Sie sich bewusst, dass auch bei einem reinen Anleihendepot eine Beleihung mit Risiken für Sie verbunden ist: Besonders bei langlaufenden Anleihen kann ein starker Anstieg des Kapitalmarktzinsniveaus zu Kursverlusten führen, so dass die kreditgebende Bank wegen Überschreitung des Beleihungsrahmens weitere Sicherheiten von Ihnen nachfordern kann. Wenn Sie diese Sicherheiten nicht beschaffen können, so ist das Kreditinstitut möglicherweise zu einem Verkauf Ihrer Depotwerte gezwungen.

8 Steuerliche Risiken

Auch steuerliche Risiken können auf eine Kapitalanlage einwirken:

Besteuerung beim Anleger

Als Privatanleger, der auf Rendite und Substanzerhaltung ausgerichtet ist, sollten Sie die steuerliche Behandlung Ihrer Kapitalanlage beachten. Letztlich kommt es für Sie auf den Nettoertrag an, d. h. den Ertrag nach Abzug der Steuern.

Ungeklärte Behandlung innovativer Anlageformen

Teilweise ist die einkommensteuerliche Behandlung von neuen Anlageformen vom Gesetzgeber, von der Rechtsprechung oder von der Finanzverwaltung nicht abschließend geklärt. Wenn Sie solche innovativen Wertpapiere kaufen, tragen Sie daher das Risiko, dass Sie im Falle einer ungünstigen steuerrechtlichen Entwicklung während der Laufzeit der Anlage schließlich nicht die erwartete Rendite erzielen.

Auswirkung am Kapitalmarkt

Änderungen im Steuerrecht eines Landes, die die Einkommenssituation der Anleger und/oder die Ertragslage von Unternehmen betreffen, können positive wie negative Auswirkungen auf die Kursentwicklung am Kapitalmarkt haben.

Wichtiger Hinweis: Informieren Sie sich vor einer Investitioniüber die steuerliche Behandlung Ihrer beabsichtigten Anlage, und vergewissern Sie sich, ob diese Anlage auch unter diesem individuellen Aspekt Ihren, persönlichen Erwartungen gerecht wird.

9 Sonstige Basisrisiken

Im Folgenden werden einige weitere Risiken angesprochen, derer Sie sich bei der Anlage in Wertpapieren generell bewusst sein sollten. Nicht immer geht es dabei nur um mögliche finanzielle Einbußen. In Einzelfällen müssen Sie auch mit anderen Nachteilen rechnen: So kann es Sie unerwartet viel Zeit und Mühe kosten, bestimmten mit dem Wertpapierengagement verbundenen Pflichten und notwendigen Dispositionen nachzukommen.

9.1 Informationsrisiko

Das Informationsrisiko meint die Möglichkeit von Fehlentscheidungen infolge fehlender, unvollständiger oder falscher Informationen. Mit falschen Informationen können Sie es entweder durch den Zugriff auf unzuverlässige Informationsquellen, durch falsche Interpretation bei der Auswertung ursprünglich richtiger Informationen oder auf Grund von Übermittlungsfehlern zu tun haben. Ebenso kann ein Informationsrisiko durch ein Zuviel oder ein Zuwenig an Informationen oder auch durch zeitlich nicht aktuelle Angaben entstehen.

9.2 Übermittlungsrisiko

Wenn Sie Wertpapierorders erteilen, so muss sich das nach festen Regeln vollziehen, damit Sie vor Missverständnissen bewahrt werden und einen eindeutigen Anspruch auf Auftragsausführung erlangen. Jeder Auftrag eines Anlegers an die Bank muss deshalb bestimmte unbedingt erforderliche Angaben enthalten: Dazu zählen insbesondere die Anweisung über Kauf oder Verkauf, die Stückzahl oder der Nominalbetrag, die genaue Bezeichnung des Wertpapiers.

Bitte beachten Sie: Inwieweit das Übermittlungsrisiko eingegrenzt oder ausgeschlossen werden kann, hängt entscheidend auch von Ihnen ab - je präziser Ihr Auftrag, desto geringer das Risiko eines Irrtums.

9.3 Auskunftsersuchen ausländischer Aktiengesellschaften

Gleichgültig, ob Sie Ihre ausländischen Aktien von der Bank im Inland oder im Ausland verwahren lassen: Die ausländischen Papiere unterliegen der Rechtsordnung des Staates, in dem die Aktiengesellschaft ihren Sitz hat. Ihre Rechte und Pflichten als Aktionär bestimmen sich daher nach der dortigen Rechtsordnung. Danach ist die Aktiengesellschaft häufig berechtigt oder sogar verpflichtet, über ihre Aktionäre Informationen einzuholen. Soweit Ihre depotführende Bank hiernach im Einzelfall zur Auskunftserteilung unter Offenlegung Ihres Namens verpflichtet ist, wird sie Sie benachrichtigen. Entsprechendes kann auch für andere ausländische Wertpapiere, insbesondere für Wandel- und Optionsanleihen gelten.

9.4 Risiko der Eigenverwahrung

Wenn Sie Ihre Wertpapiere in Eigenverwahrung halten (wollen), sollten Sie bedenken, dass im Falle des Verlustes dieser Urkunden - beispielsweise durch Brand oder Entwendung - für die Wiederherstellung der Rechte ein gerichtliches Aufgebotsverfahren eingeleitet werden muss, das erhebliche Kosten verursachen kann. Die Beschaffung der neuen Urkunden kann von der Einleitung der ersten Maßnahmen - Meldung des Verlustes - über die Kraftloserklärung bis zu ihrer ersatzweisen Ausstellung mehrere Jahre dauern. Sollte ein Dritter die Stücke gutgläubig erworben haben, so müssen Sie unter Umständen mit einem endgültigen Verlust rechnen.

Nachteile durch mangelnden Überblick über wichtige Termine

Von einem Verlust abgesehen, können Sie jedoch auch andere finanzielle Einbußen erleiden: So erfahren Selbstverwahrer sehr oft erst nach Jahren zufällig bei der Vorlage von Zinsscheinen, dass die Anleihe bereits seit längerer Zeit infolge Verlosung oder vorzeitiger Kündigung zur Rückzahlung fällig geworden ist - ein Zinsverlust ist die Folge. Ferner wird häufig beobachtet, dass Dividendenscheine vorgelegt werden, die ein inzwischen abgelaufenes Bezugsrecht verkörpern. Nicht selten wäre durch die rechtzeitige Verwertung eines solchen Rechtes ein Mehrfaches der Jahresdividende erlöst worden.

Ausländische Namenspapiere sollten grundsätzlich nicht in Eigenverwahrung genommen werden. Bei dieser Verwahrart wird der Inhaber mit Namen und Anschrift im Aktienregister eingetragen. Die unmittelbare Folge ist, dass alle Gesellschaftsinformationen sowie alle Ausschüttungen direkt an ihn gelangen - unter Ausschluss einer Verwahrbank. ln Erbschaftsfällen ist die jederzeitige Verkaufsmöglichkeit solcher Papiere nicht immer sichergestellt. Unter Umständen wird der Eigenverwahrer auch mit den auf ihn zukommenden fremdsprachlichen Unterlagen, Informationen, Anforderungen etc. überfordert sein. Der professionelle Service der Verwahrbank nimmt ihm die damit verbundenen Risiken ab.

9.5 Risiken bei der Verwahrung von Wertpapieren in Emerging Markets

Erwirbt ein Anleger ausländische Wertpapiere, so werden diese nach ihrer Anschaffung im Ausland verwahrt. Damit unterliegen die Wertpapiere hinsichtlich der Verwahrung der Rechtsordnung und den Usancen ihres jeweiligen Verwahrungsortes. Mit dem Wandel der gesellschaftlichen Strukturen in so genannten Schwellenländern und in den mittel- und osteuropäischen Ländern ist oftmals eine tief greifende Änderung der jeweiligen Rechtsordnung verbunden. Eine verlässliche Bewertung der Rechtsstellung der mit der Verwahrung betrauten Lagerstellen kann nicht in jedem Falle vorgenommen werden. Es besteht daher das Risiko, dass es bei der Durchsetzung Ihrer Rechte als Anleger zu Schwierigkeiten kommen kann.

10 Einfluss von Nebenkosten auf die Gewinnerwartung

Beim Kauf und Verkauf von Wertpapieren fallen neben dem aktuellen Preis des Wertpapiers verschiedene Nebenkosten (Transaktionskosten, Provisionen) an. So stellen die Kreditinstitute in aller Regel ihren Kunden eigene Provisionen in Rechnung, die entweder eine feste Mindestprovision oder eine anteilige, vom Auftragswert abhängige Provision darstellen. Die Konditionengestaltung ist hierbei zwangsläufig unterschiedlich, da die Kreditinstitute untereinander im Wettbewerb stehen. Soweit in die Ausführung Ihres Auftrags weitere - in- oder ausländische Stellen eingeschaltet sind, wie insbesondere inländische Skontroführer oder Broker an ausländischen Märkten, müssen Sie berücksichtigen, dass Ihnen auch deren Courtagen, Provisionen und Kosten (fremde Kosten) weiterbelastet werden.

Neben diesen Kosten, die unmittelbar mit dem Kauf eines Wertpapiers verbunden sind (direkte Kosten), müssen Sie auch die Folgekosten (z. B. Depotentgelte) berücksichtigen. Verschaffen Sie sich daher vor Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers Klarheit über Art und Höhe aller eventuell anfallenden Kosten - nur so können Sie Ihre Chancen, durch Ihre Anlageentscheidung einen Gewinn zu realisieren, verlässlich einschätzen.

Bitte beachten Sie: Je höher die Kosten sind, desto später realisieren sich die erwarteten Gewinnchancen, da diese Kosten erst abgedeckt sein müssen, bevor sich ein Gewinn einstellen kann.

IV. Spezielle Risiken bei der Vermögensanlage

1 Spezielle Risiken bei verzinslichen Wertpapieren

Neben den zuvor dargestellten Basisrisiken haben Sie es bei verzinslichen Wertpapieren mit einer Reihe von speziellen Risiken zu tun: Dazu zählen das Bonitätsrisiko, das Zinsänderungsrisiko, das Kündigungsrisiko, das Auslosungsrisiko sowie weitere spezifische Risiken einzelner Anleiheformen. Auch wenn verzinsliche Wertpapiere im Vergleich zu anderen Wertpapieranlageformen als relativ sichere Kapitalanlage gelten, sollten Sie sich mit den einzelnen Risikoquellen und -ausprägungen vertraut machen, um zu einer verlässlichen Einschätzung Ihrer Ertragschancen zu kommen und auch alternative Anlagemöglichkeiten in verzinslichen Wertpapieren möglichst sachgerecht beurteilen zu können.

1.1 Bonitätsrisiko

Unter dem Bonitätsrisiko versteht man die Gefahr der Zahlungsunfähigkeit oder Illiquidität des Schuldners, d. h. eine mögliche, vorübergehende oder endgültige Unfähigkeit zur termingerechten Erfüllung seiner Zins- und/oder Tilgungsverpflichtungen. Alternative Begriffe für das Bonitätsrisiko sind das Schuldner- oder Emittentenrisiko.

Ursachen von Bonitätsveränderungen

Die Bonität eines Emittenten kann sich auf Grund von Entwicklungen im gesamtwirtschaftlichen oder unternehmensspezifischen Umfeld während der Laufzeit einer Anleihe ändern. Ursachen hierfür können drei Faktoren sein:

Eine Bonitätsverschlechterung des Emittenten wirkt sich entsprechend ungünstig auf die Kursentwicklung der betreffenden Wertpapiere aus (Risikoabschlag). Das Bonitätsrisiko liegt tendenziell umso höher, je länger die Restlaufzeit der Anleihe ist. Bei Zero Bonds sollten Sie der Bonität des Anleiheschuldners besondere Aufmerksamkeit widmen, um die Sicherheit der Einlösung zu erhöhen, da bei dieser Anleiheform Zinsen gestundet und erst bei Endfälligkeit gemeinsam mit dem Kapital gezahlt werden (zu weiteren spezifischen Risiken dieser Anlageform siehe Punkt IV.1.5).

Bei Anleihen zählt die Bonität des Emittenten - neben der Werthaltigkeit der für die Anleihe eventuell bestellten Sicherheiten - zu den wichtigsten Entscheidungskomponenten eines Anlegers. Eine fortwährend gute Bonität sichert die Erfüllung der vertraglichen Pflichten des Schuldners - die Zins- und Tilgungszahlung. Allerdings kann sich die Bonität des Emittenten während der Laufzeit der Anleihe derart verschlechtern, dass die Zins- und Tilgungszahlungen nicht nur gefährdet sind, sondern sogar ausfallen.

Rendite als Bonitätsmaßstab

Eine erstklassige Schuldnerbonität ist in der Regel mit einer geringeren Rendite verbunden. Eine solche Anleihe wird von vornherein mit einer niedrigeren Nominalverzinsung ausgestattet als gleichzeitig emittierte Anleihen bonitätsmäßig geringer eingestufter Schuldner. So erzielen z. B. Staatsanleihen regelmäßig eine niedrigere Rendite als Anleihen von Industrie-Emittenten.

Als Anleger müssen Sie abwägen, ob Sie für ein höheres Sicherheitsniveau eine geringere Rendite in Kauf nehmen oder eine höhere Rendite bei gleichzeitig höherem Risiko erzielen wollen. Als Faustregel gilt: Je stärker die Rendite des Einzelwertes von der üblichen Marktrendite nach oben abweicht, desto stärker ist das Risiko für den Anleger.

Emittenten mit niedriger Bonitätseinschätzung und damit vergleichsweise höherer Rendite eignen sich nur für den risikobewussten Anleger. Bei den Junk Bonds (wörtlich: Ramschanleihen) ist die Bonität meist sehr gering und die Gefahr eines Totalverlustes in Zeiten des wirtschaftlichen Niedergangs in besonderem Maße gegeben.

Rating als Entscheidungshilfe

Mit Hilfe des Ratings wird die Wahrscheinlichkeit bewertet, dass ein Schuldner die mit den von ihm emittierten Wertpapieren verbundenen Zins- und Tilgungszahlungen rechtzeitig und in vollem Umfang erfüllen wird. Das Rating ist vor allem im Ausland verbreitet.

Unabhängige Ratingagenturen veröffentlichen ihre Ratings in Form einer Bonitäts- oder Einstufungsnote für den Schuldner bzw. für seine Emissionen. Jede Ratingagentur verwendet dabei ihre eigenen Ratingsymbole: Die Bewertung der beiden bekanntesten Agenturen - Moody's und Standard & Poor's - zeigt die folgende Tabelle.

Die Ratingsysteme tragen sowohl quantitativen als auch qualitativen Beurteilungskriterien Rechnung: Die Analyse umfasst die gesamtwirtschaftliche Situation des Landes, in dem der Emittent seinen Sitz hat, und reicht über die Analyse des Branchentrends sowie der individuellen Situation des Emittenten bis hin zur wirtschaftlichen und juristischen Beurteilung der Ausstattung der Emission.

Das Rating, das einem Emittenten bzw. dessen Anleihen zugemessen wird, wirkt sich auf die Konditionengestaltung noch zu begebender Anleihen aus, insbesondere auf die Höhe der Rendite. Eine Anleihe mit erstklassigem Rating bietet Ihnen als Anleger also regelmäßig eine niedrigere Rendite als Anleihen mit niedrigerem Rating. Dieser Zusammenhang ist in der sich an die Tabelle anschließenden Grafik dargestellt.

Die Ratingsymbole der Firmen Standard + Poor's (S & P) und Moody's

Ratingsymbole

Bonitätsbewertung

Moody's

S&P

Sehr gute Anleihen

Beste Qualität, geringstes Ausfallrisiko

Aaa

AAA

Hohe Qualität, aber etwas größeres

Aa1

AA+

Risiko als die Spitzengruppe

Aa2

AA

Aa3

AA-

Gute Anleihen

Gute Qualität, viele gute Investmentattribute, aber auch Elemente, die sich bei veränderter Wirtschaftsentwicklung negativ auswirken können

A1

A+

A2

A

A3

A-

Mittlere Qualität, aber mangelnder Schutz gegen die Einflüsse sich verändernder Wirtschaftsentwicklung

Baa1

BBB+

Baa2

BBB

Baa3

BBB-

Spekulative Anleihen

Spekulative Anlage, nur mäßige Deckung für Zins- und Tilgungsleistungen

Ba1

BB+

Ba2

BB

Ba3

BB-

Sehr spekulativ, generell fehlende Charakteristika eines wünschenswerten Investments, langfristige Zinszahlungserwartung gering

B1

B+

B2

B

B3

B-

Junk Bonds (hoch verzinslich, hoch spekulativ)

Niedrigste Qualität, geringster Anlegerschutz

Caa

CCC

in Zahlungsverzug oder in direkter Gefahr des Verzugs

Ca

CC

C

C

Zusammenhang zwischen Anleihenrendite und Rating

Je besser die die Bewertung, desto geringer die Rendite. Je schlechter die die Bewertung, desto höher die Rendite.

Bitte beachten Sie: Veränderungen des Ratings während der Laufzeit der Anleihe können Kursänderungen der Anleihe bewirken.

Wichtiger Hinweis zum Umgang mit Ratings: Das Rating ersetzt nicht Ihre Urteilsbildung als Anleger und ist nicht als Kauf- oder Verkaufsempfehlung für bestimmte Wertpapiere zu verstehen. Das Rating soll Sie lediglich bei einer Anlageentscheidung unterstützen und ist nur ein Faktor in der Beurteilung, der neben anderen gesehen und gewichtet werden muss. Da das Rating oft erst dann geändert wird, wenn sich die Bonität eines Emittenten bereits verändert hat, müssen Sie sich trotz vorhandenen Ratings ein eigenes Urteil bilden. Bitte beachten Sie auch, dass nicht alle Emittenten über ein Rating verfügen und die Qualität einer Anleiheemission ohne Rating durchaus besser sein kann als die einer Emission mit Rating.

1.2 Zinsänderungsrisiko/Kursrisiko

Das Zinsänderungsrisiko ist eines der zentralen Risiken des verzinslichen Wertpapiers. Schwankungen im Zinsniveau sind am Geld- und Kapitalmarkt an der Tagesordnung und können den Kurswert Ihrer Wertpapiere täglich ändern.

Das Zinsänderungsrisiko ergibt sich aus der Ungewissheit über die zukünftigen Veränderungen des Marktzinsniveaus. Der Käufer eines festverzinslichen Wertpapiers ist einem Zinsänderungsrisiko in Form eines Kursverlustes ausgesetzt, wenn das Marktzinsniveau steigt. Dieses Risiko wirkt sich grundsätzlich umso stärker aus, je deutlicher der Marktzinssatz ansteigt.

Zusammenhang zwischen Zins- und Kursentwicklung

Die Kursbildung verzinslicher Wertpapiere vollzieht sich in Abhängigkeit von Angebot und Nachfrage. Diese beiden Faktoren richten sich in erster Linie nach dem Verhältnis der Nominalverzinsung der Anleihe zum jeweiligen Zinsniveau am Geld- und Kapitalmarkt (= Marktzinssatz).

Eine Veränderung des Marktzinsniveaus nach der Begebung eines festverzinslichen Wertpapiers beeinflusst dessen Kursentwicklung in jeweils entgegengesetzter Richtung: Bei einer Erhöhung des Marktzinsniveaus sinkt in der Regel der Kurs der Anleihe, bis ihre Rendite (siehe unten) in etwa dem Marktzinssatz entspricht. Bei sinkendem Marktzinsniveau steigt umgekehrt der Kurs des festverzinslichen Wertpapiers, bis seine Rendite in etwa dem Marktzinssatz entspricht.

Unter der Rendite eines festverzinslichen Wertpapiers ist seine effektive Verzinsung zu verstehen, die vom nominalen Zinssatz, dem Ausgabe- bzw. Kaufkurs, dem Rückzahlungskurs und der (Rest-)Laufzeit des festverzinslichen Wertpapiers bestimmt wird.

Zinsänderungsempfindlichkeit: Abhängigkeit von Restlaufzeit und Kupon

Die Heftigkeit, mit der eine Anleihe auf Veränderungen des Marktzinssatzes reagiert, ist von zwei Faktoren abhängig: von der Restlaufzeit und von der Höhe des Nominalzinssatzes ("Kupon") der Anleihe. Hier gilt folgende Gesetzmäßigkeit: Bei Anleihen mit längeren Restlaufzeiten und niedrigerer Nominalverzinsung sind die Kursänderungen größer als bei Anleihen mit kürzerer Laufzeit und höherer Nominalverzinsung.

Festverzinsliche Wertpapiere unterliegen in Zeiten stark steigender Kapitalmarktzinsen erheblichen Zinsänderungsrisiken. Die auftretenden Kursveränderungen sind freilich nur dann für Sie relevant, wenn Sie die Anleihen nicht bis zum Ende der Laufzeit behalten. Andernfalls erfolgt nämlich spätestens am Laufzeitende - Zahlungsfähigkeit des Emittenten vorausgesetzt - die Einlösung zum Nennwert.

1.3 Kündigungsrisiko

In den Emissionsbedingungen, die im Emissionsprospekt enthalten sind, kann sich der Schuldner einer Anleihe ein vorzeitiges Kündigungsrecht vorbehalten. Mit einem solchen Kündigungsrecht werden Anleihen oft in Hochzinsphasen ausgestattet. Sinkt das Marktzinsniveau, so steigt für Sie als Anleger das Risiko, dass der Emittent von seinem Kündigungsrecht Gebrauch macht: Der Emittent kann auf diese Weise seine Verbindlichkeiten abbauen oder refinanziert sich durch Ausgabe einer neuen Anleihe billiger und verringert damit seine Zinslast.

Häufig sind länger laufende Rentenpapiere am Euromarkt mit diesem - auch Call-Recht genannten - Kündigungsrecht des Emittenten ausgestattet. Für Sie als Anleger kann eine vorzeitige Kündigung zu Abweichungen von der erwarteten Rendite führen. Vorteilhaft für Sie ist andererseits, dass solche Anleihen in der Regel von vornherein gewisse Renditeaufschläge im Vergleich zu Anleihen ohne Kündigungsrecht aufweisen.

1.4 Auslosungsrisiko

Tilgungsanleihen, die nach einem Auslosungsverfahren zurückgezahlt werden, sind für Sie mit besonderen Risiken verbunden: Denn die für Sie unsichere rechnerische Laufzeit bei derartigen Tilgungsanleihen kann zu Renditeveränderungen führen. Wenn Sie eine Anleihe zu einem Kurs von über 100 % kaufen und die Rückzahlung Ihrer Papiere dann auf Grund der Auslosung zu einem unerwartet frühen Termin zu pari erfolgt, verursacht diese Laufzeitverkürzung für Sie eine Renditeverschlechterung.

1.5 Risiken bei einzelnen Anleiheformen

Bei einzelnen Anleiheformen lassen sich zum Teil abweichende, zum Teil zusätzliche Risiken ausmachen:

2 Spezielle Risiken bei Aktien

Prägend für das spezielle Risikoprofil der Aktie als Anlageform ist, dass ihre Preisbildung in starkem Maße auch von Einflussfaktoren abhängt, die sich einer rationalen Kalkulation entziehen. Neben den unter 2.1 bis 2.3 dargestellten Risikokomponenten spielt die unter 2.4 behandelte "Psychologie der Marktteilnehmer" eine bedeutende Rolle. Auch die Methoden, die zur Bewältigung der Flut von Informationen zur Objektivierung einer Anlageentscheidung entwickelt wurden (Abschnitt 2.5), bergen lnterpretationsrisiken. Machen Sie sich die verschiedenen, zum Teil miteinander verflochtenen Risikokomponenten klar, bevor Sie eine Anlage in Aktien tätigen.

2.1 Unternehmerisches Risiko (Insolvenzrisiko)

Als Käufer einer Aktie sind Sie kein Gläubiger, sondern Eigenkapitalgeber und damit Mitinhaber der Aktiengesellschaft. Mit dem Erwerb der Aktie beteiligen Sie sich an der wirtschaftlichen Entwicklung der Gesellschaft: Sie werden quasi Unternehmer und eröffnen sich die damit verbundenen Chancen, tragen aber zugleich auch die Risiken.

Das unternehmerische Risiko enthält für Sie die Gefahr, dass sich das Investment anders entwickelt als ursprünglich erwartet. Auch können Sie nicht mit Sicherheit davon ausgehen, dass Sie das eingesetzte Kapital zurückerhalten. Im Extremfall, d. h. bei Insolvenz des Unternehmens, kann ein Aktieninvestment einen vollständigen Verlust des Anlagebetrags bedeuten, zumal die Aktionäre im Insolvenzfall erst nach Befriedigung aller Gläubigeransprüche am Liquidationserlös beteiligt werden.

2.2 Kursänderungsrisiko

Aktienkurse weisen unvorhersehbare Schwankungen auf. Kurz-, mittel- und langfristige Aufwärtsbewegungen und Abwärtsbewegungen lösen einander ab, ohne dass ein fester Zusammenhang für die Dauer der einzelnen Phasen herleitbar ist.

Langfristig sind die Kursbewegungen durch die Ertragslage der Unternehmen bestimmt, die ihrerseits durch die Entwicklung der Gesamtwirtschaft und der politischen Rahmenbedingungen beeinflusst werden. Mittelfristig überlagern sich Einflüsse aus dem Bereich der Wirtschafts-, Währungs- und Geldpolitik. Kurzfristig können aktuelle, zeitlich begrenzte Ereignisse wie Auseinandersetzungen zwischen den Tarifparteien oder auch internationale Krisen Einfluss auf die Stimmung an den Märkten und damit auf die Kursentwicklung der Aktien nehmen.

Unterscheidung zweier Risikoquellen

Aus Sicht des Aktienkäufers lassen sich grundsätzlich das allgemeine Marktrisiko und das unternehmensspezifische (und damit aktienspezifische) Risiko unterscheiden. Beide für sich genommen oder auch kumuliert beeinflussen die Aktienkursentwicklung:

2.3 Dividendenrisiko

Die Dividende einer Aktie richtet sich maßgeblich nach dem erzielten Gewinn der Aktiengesellschaft. ln ertragsstarken Jahren kann die Dividende steigen. Bei niedrigen Gewinnen oder bei Verlustsituationen der Gesellschaft kann die Dividende jedoch gekürzt werden oder sogar ganz ausfallen. Bitte beachten Sie: Eine jahrelange ununterbrochene Dividendenzahlung ist keine Garantie für Dividendenerträge in der Zukunft und kann daher nicht einfach fortgeschrieben werden.

2.4 Psychologie der Marktteilnehmer

Steigende oder fallende Kurse am Aktienmarkt bzw. bei einer einzelnen Aktie sind von der Einschätzung der Marktteilnehmer und damit von deren Anlageverhalten abhängig. Neben objektiven Faktoren und rationalen Überlegungen wird die Entscheidung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren auch durch irrationale Meinungen und massenpsychologisches Verhalten beeinflusst. So reflektiert der Aktienkurs auch Hoffnungen und Befürchtungen, Vermutungen und Stimmungen von Käufern und Verkäufern. Die Börse ist insofern ein Markt von Erwartungen, auf dem die Grenze zwischen einer sachlich begründeten und einer eher emotionalen Verhaltensweise nicht eindeutig zu ziehen ist.

Beispiele für psychologische Momente der Aktienkursbeeinflussung

Im Folgenden werden einige typische Phänomene und Faktoren dargestellt, die zu Auslösern von wirtschaftlich oft nicht begründbaren Aktienkursbewegungen werden können.

Bei günstigem Börsenklima wird beispielsweise eine Kapitalerhöhung tendenziell eine Kurssteigerung bewirken, sofern der Markt davon ausgeht, dass der Bezugsrechtsabschlag rasch wieder aufgeholt wird und die Dividende trotz der breiteren Kapitalbasis konstant bleibt. Bei schlechterem Börsenklima kann der Kapitalwunsch der Gesellschaft dagegen als Schwäche des Unternehmens ausgelegt werden und somit zu Kursrückgängen führen.

2.5 Risiko der Kursprognose

Bei Aktiendispositionen ist der richtige Zeitpunkt des Ein- und Ausstiegs ("Timing") mithin der entscheidende Faktor für den Anlageerfolg. Zahlreiche Analysemethoden, wie zum Beispiel die Fundamentalanalyse und die Chartanalyse, versuchen die Vielzahl der markt- und kursbeeinflussenden sowie der technischen Faktoren zu einer Aussage zu bündeln und einen Anhaltspunkt für eine erfolgversprechende Anlageentscheidung zu geben. Dabei liegt der Schwerpunkt der Fundamentalanalyse darin, aus den sich anbietenden Aktien die richtige Auswahl zu treffen, während die Chartanalyse vornehmlich die Entscheidung für den Zeitpunkt (das Timing) der Transaktion unterstützt.

Fundamentalanalyse: Die fundamentale Aktienanalyse ist eine Methode zur Bewertung von Unternehmen auf Grund unternehmensspezifischer Daten und des ökonomischen Umfelds. Ziel der Fundamentalanalyse ist die Ermittlung des "fairen" oder "angemessenen" Preises einer Aktie. Das Verfahren basiert auf den klassischen Methoden der Analyse von Bilanz und Erfolgsrechnung sowie auf einer Reihe von aktienkursbezogenen Verhältniszahlen, wie beispielsweise die Dividendenrendite oder das Kurs-Gewinn-Verhältnis. Als Ergebnis erhält man aus der Fundamentalanalyse Hinweise auf unterbzw. überbewertete Aktien bzw. Unternehmen und damit Impulse für eine entsprechende Handlungsstrategie am Aktienmarkt.

Chartanalyse: Die Chartanalyse (auch "technische Analyse" genannt) ist eine Technik zur interpretation von Charts (= Kursbilder der Vergangenheit). Sie verfolgt das Ziel, Kursprognosen und Kurspotenziale abzuleiten, um so geeignete Zeitpunkte für Kauf- und Verkaufsdispositio-nen zu identifizieren. Das Chart stellt sich als grafische Aufzeichnung von Kursverläufen und Umsatzentwicklungen meist einer Aktie, eines Aktienindex, aber auch von Branchen und Währungen für einen ausgewählten Zeitraum dar.

Der Chartanalyst geht von der Hypothese aus, dass der Kursverlauf von Aktien bestimmte Muster bildet, die sich über die Zeit in ähnlicher Weise wiederholen und sich daher - einmal erkannt - zur Prognose voraussichtlicher Kursentwicklungen eignen. Viele Marktteilnehmer berücksichtigen charttechnische Faktoren bei ihren Anlageentscheidungen, was wiederum Auswirkungen auf den Kursverlauf im Sinne einer "self-fulfilling prophecy" hat: Das heißt, je öfter sich die auf Grund einer bestimmten technischen Konstellation zu erwartende Kursentwicklung eingestellt hat, desto mehr Anleger handeln danach, um den erwarteten Kurseffekt in ihren Strategien entsprechend zu berücksichtigen.

Die Fundamentalanalyse basiert grundsätzlich auf den jeweils aktuell verfügbaren informationen und entwickelt daraus Prognosen über die zukünftige Entwicklung. Diese Schlussfolgerungen müssen sich hinterher nicht immer als richtig erweisen, wenn etwa aktuelle Situationen in Wirtschaft und Politik und deren mögliche Auswirkungen auf die Unternehmen falsch eingeschätzt worden sind.

Bei der Chartanalyse ist zu berücksichtigen, dass Charts subjektiv interpretierbar sind und Aussagen aus einem Chart immer nur einen gewissen Wahrscheinlichkeitsgrad haben, aber nie als Gewissheit angesehen werden können. So können sich Prognosen auf Grund charttechnischer Formationen im Nachhinein als fehlerhaft erweisen. Aktiendispositionen bleiben somit immer Entscheidungen, die unter Unsicherheit über die zukünftige Entwicklung zu treffen sind.

2.6 Risiko des Verlusts und der Änderung von Mitgliedschaftsrechten

Die in den Aktien verbrieften Mitgliedschaftsrechte können durch verschiedene gesellschaftsbezogene Maßnahmen bis hin zum Verlust der Aktionärsstellung verändert oder durch andere Rechte ersetzt werden. Je nach Rechtsordnung am Sitz der Aktiengesellschaft kann dies zum Beispiel auf Grund von Rechtsformwechseln, Verschmelzungen, Spaltungen, Eingliederungen der Gesellschaft oder des Abschlusses von Unternehmensverträgen geschehen. Nach Wirksamwerden der Maßnahme können einzelne Mitgliedschaftsrechte wie z. B. der Dividendenanspruch entfallen. Durch Umwandlungen kann der Anleger Gesellschafter einer anderen Gesellschaft werden, die nicht notwendigerweise den Aktionärsrechten vergleichbare Mitgliedschaftsrechte gewährt. Oft ist auch der Hauptaktionär nach der jeweiligen Rechtsordnung berechtigt, das Ausscheiden der Minderheitsaktionäre zu verlangen (sog. "Squeezeout"). Im Falle eines Squeeze-out ist der Anleger nach Durchführung der Maßnahme überhaupt nicht mehr an einer Gesellschaft beteiligt.

Häufig ist den Aktionären auf Grund gesetzlicher Vorschriften eine Abfindung für verlorene Mitgliedschaftsrechte zu gewähren. Im Falle deutscher Aktiengesellschaften hat dies zumeist in Form einer Barabfindung zu erfolgen. Daneben können auch regelmäßige Ausgleichzahlungen (z. B. in Form von sog. Garantiedividenden) oder Aktien anderer Gesellschaften als Abfindung angeboten werden, soweit dies für die jeweilige Maßnahme gesetzlich vorgesehen ist. Das Recht auf eine Abfindung kann dabei von weiteren Voraussetzungen, wie z. B. dem Widerspruch des Aktionärs gegen die geplante Maßnahme, abhängen.

Nicht immer ist sichergestellt, dass die Entschädigung dem Wert des verlorenen Mitgliedschaftsrechts entspricht. Bei deutschen Aktiengesellschaften kann die Angemessenheit gesetzlich vorgeschriebener Abfindungen und Umtauschverhältnisse im Wege eines Spruchverfahrens überprüft werden. Als Untergrenze für Barabfindungen gilt dabei in der Regel ein aus den Börsenkursen ermittelter Wert oder der höhere auf die Aktie entfallende tatsächliche Unternehmenswert.

Durch die vorbeschriebenen Maßnahmen können Sie tatsächlich oder auf Grund wirtschaftlicher Überlegungen gezwungen sein, zu einem durch Dritte vorgegebenen Zeitpunkt Ihre Anlage in der Aktie aufzugeben. Von diesem Zeitpunkt an nehmen Sie nicht mehr am wirtschaftlichen Erfolg der Gesellschaft teil. Auch kann es mitunter Jahre dauern, bis eine umstrittene Abfindung in voller Höhe zur Auszahlung kommt. Nehmen Sie eine angebotene Abfindung nicht an, sollten Sie dabei - neben etwaiger inhaltlicher Änderungen der Mitgliedschaftsrechte - auch die veränderten Rahmenbedingungen der Anlage (Gesellschafterkreis, Börsennotierung der Aktie etc.) berücksichtigen. Die jeweilige Maßnahme kann dabei insbesondere auch zu einer veränderten steuerlichen Behandlung ihrer Kapitalanlage führen.

2.7 Risiko eines Zulassungswiderrufs ("Delisting")

Durch die Zulassung der Aktien an einer Börse wird die jederzeitige freie Handelbarkeit (Fungibilität) erheblich gesteigert. In der Regel steht es Aktiengesellschaften nach Maßgabe der jeweiligen börsenrechtlichen Bestimmungen jedoch offen, die Zulassung ihrer Aktien durch die Börse widerrufen zu lassen. Zwar hat dies keinen unmittelbaren Einfluss auf die Mitgliedschaftsrechte des Aktionärs. ist die Aktie jedoch an keiner Börse mehr notiert, kann es sich als außerordentlich schwierig erweisen, die Aktie zu veräußern.

Für den Zulassungswiderruf setzen die jeweiligen börsenrechtlichen Vorschriften oder das am Sitz der Gesellschaft geltende Gesellschaftsrecht häufig das Angebot einer Barabfindung voraus. Zur Angemessenheit und Durchsetzbarkeit des Barabfindungsanspruchs gilt das unter IV.2.6 Gesagte entsprechend.

3 Spezielle Risiken bei Genussscheinen

Als Inhaber von Genussscheinen tragen Sie mehrere grundsätzliche Risiken, die im Folgenden dargestellt werden. Da die Ausgestaltung von Genussscheinen stark variiert und Gemeinsamkeiten zum Teil nur in Grundzügen vorhanden sein können, sollten Sie bei dieser Anlageform die Alternativen jeweils genau auf ihre spezifischen Risiken hin prüfen.

Je nach Ausstattungsmerkmalen wird die Kursbildung von Genussscheinen nachhaltig vom Aktienkurs der emittierenden Gesellschaft und/oder vom Marktzins beeinflusst. Bei rückläufigen Kursen der betreffenden Aktie und bei ansteigenden Zinsen am Kapitalmarkt ist der Genussschein einem Kursrisiko ausgesetzt.

3.1 Ausschüttungsrisiko

Die Verzinsung des Genussscheins ist, soweit Ihnen keine vom Bilanzergebnis unabhängige Mindestverzinsung in den Bedingungen garantiert wird, an das Vorhandensein eines Gewinns geknüpft, der zur Ausschüttung ausreicht. Im Fall eines Verlustes der emittierenden Gesellschaft erhalten Sie als Inhaber eines Genussscheins keine Ausschüttung.

3.2 Rückzahlungsrisiko

Bitte beachten Sie, dass ein während der Laufzeit des Genussscheins eingetretener Verlust der Gesellschaft nicht nur - wie oben dargestellt - eine Ausschüttung ausbleiben lässt, sondern auch zu einer Reduzierung des Rückzahlungsbetrags führen kann.

3.3 Kündigungsrisiko

Ist ein Kündigungsrecht in den Emissionsbedingungen eines Genussscheins verankert, kann dies zu einer vorzeitigen Rückzahlung führen. Sind die Marktzinsen gesunken, stellen sich die Wiederanlagemöglichkeiten ungünstiger dar. Sie sollten daher die Emissionsbedingungen insbesondere hinsichtlich der Kündigungsmöglichkeiten der Emittenten und des Einlösungskurses im Kündigungsfall beachten.

3.4 Haftungsrisiko

Als Genussscheininhaber werden Sie im Falle der Insolvenz oder der Liquidation des Emittenten meist nachrangig behandelt: Das heißt, Sie erhalten unter diesen Umständen Ihren Kapitaleinsatz allenfalls dann zurück, wenn alle anderen Gläubigeransprüche befriedigt wurden.

4 Spezielle Risiken bei Zertifikaten

Neben den unter III dargestellten Basisrisiken ist bei Zertifikaten eine Reihe spezieller Risiken zu beachten. Das Risikoprofil von Zertifikaten wird durch sämtliche speziellen Risiken der zu Grunde liegenden Referenzgegenstände mitbestimmt. Da die Ausstattung von Zertifikaten variiert, sollten Sie das einzelne Zertifikat genau auf seine spezifischen Risiken prüfen.

Bei Aktienindexzertifikaten finden Sie in Kapitel IV.2 Näheres zu diesen Risiken.

Bitte beachten Sie auch: Viele unter dem Produktnamen "Zertifikate" angebotene Wertpapiere weisen ähnliche Risiken wie Optionsscheine auf. Lesen Sie hierzu bitte insbesondere das Kapitel IV.6.8.

4.1 Spezielle Risiken bei Indexzertifikaten

Kursänderungsrisiko

Der Preis der Indexzertifikate spiegelt die Kursbewegungen des zu Grunde liegenden Index im festgelegten Verhältnis wider. Alle Einflussfaktoren, positive wie negative, die zu Veränderungen in den Preisen der im Index enthaltenen Wertpapiere führen, wirken sich daher auf den Indexstand und somit auf den Preis des Zertifikats aus.

Je volatiler die dem index zu Grunde liegenden Wertpapiere und je gleich gerichteter deren Kursbewegungen sind, desto größer sind die Preisschwankungen des Zertifikats. Dieser Zusammenhang ist insbesondere von Belang, wenn sich Zertifikate auf junge Aktienmärkte oder Aktienmärkte in Emerging-Markets-Ländern beziehen; auf Grund ihrer Marktenge und geringen Liquidität können sich größere Indexschwankungen ergeben, die sich direkt auf den Wert der jeweiligen Zertifikate auswirken können. Einzelne Aktien haben teilweise erheblichen Einfluss auf den Wert des den Zertifikaten zu Grunde liegenden Index und können dementsprechend durch Kursrückgänge den Wert der Zertifikate unmittelbar negativ verändern.

Bitte beachten Sie: Die einzige Ertragschance besteht in einer Steigerung des Kurswerts der Zertifikate. Mögliche Kursverluste der Zertifikate infolge eines rückläufigen Index können nicht kompensiert werden, da die Zertifikate keine anderen Erträge, wie z. B. Zinsen oder Dividenden, gewähren.

Risiko des Wertverfalls

Mit dem Erwerb der Zertifikate ist kein Anrecht auf einen schon heute feststehenden Abrechnungsbetrag am Fälligkeitstag verbunden. Vielmehr orientiert sich der Abrechnungsbetrag ausschließlich an dem am Fälligkeitstag ermittelten Indexwert, der auch erheblich unter dem am Erwerbstag festgestellten Indexwert liegen kann. Daher kann auch der Abrechnungsbetrag erheblich unter dem Erwerbspreis liegen. Dies kann im Extremfall bis hin zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen, wenn am Fälligkeitstag ein Indexwert von Null festgestellt wird.

Korrelationsrisiko

Der Preis der Zertifikate wird die Wertentwicklung des Index meist nicht hundertprozentig genau wiedergeben. Verschiedene Faktoren können die Preisentwicklung der Zertifikate mitbeeinflussen. Dazu zählen

Emittentenrisiko

Neben das Insolvenzrisiko der Unternehmen, deren Wertpapiere dem Index zu Grunde liegen, tritt das Risiko der Zahlungsunfähigkeit des Emittenten des Indexzertifikats.

Währungsrisiko

Hinsichtlich des Währungsrisikos kann man bei Indexzertifikaten zwei Ausprägungen unterscheiden: Indexzertifikate mit Währungssicherung, bei denen die Rückzahlung bei Fälligkeit gemäß dem Indexstand in Euro erfolgt, und Indexzertifikate, bei denen die Rückzahlung bei Fälligkeit gemäß dem Indexstand in einer ausländischen Währung erfolgt. Dabei wird es sich meist um die Heimatwährung des zu Grunde liegenden Index handeln.

Handelt es sich um Indexzertifikate auf einen ausländischen Index, bei denen der Rückzahlungsbetrag der in Euro ausgedrückte Indexwert am Fälligkeitstag ist, so ist während der Laufzeit folgende Besonderheit zu beachten: Als Anleger partizipieren Sie an Schwankungen des Index. Die Wertentwicklung der Indexzertifikate wird nicht nur durch die allgemeine Marktentwicklung und Währungsschwankungen beeinflusst, sondern auch durch die Zinsdifferenz, die zwischen dem deutschen und dem jeweiligen ausländischen Kapitalmarkt herrscht. Verändert sich nun während der Laufzeit die Differenz zwischen den beiden Zinssätzen, so kann sich der Wert währungsgesicherter Indexzertifikate ändern. Wenn Sie also solche Zertifikate vor Fälligkeit verkaufen, kann eine Veränderung dieser Zinssatzdifferenz den Wert Ihrer Zertifikate beeinflussen. Hingegen spielen diese Faktoren am Fälligkeitstag der Zertifikate keine Rolle, weil die Rückzahlung gemäß dem Indexstand (oder in einem bestimmten Verhältnis, z. B. 10:1) in Euro erfolgt.

Bei Indexzertifikaten auf ausländische Indizes, die nicht in Euro gehandelt und zurückgezahlt werden, treten immer dann Währungsrisiken auf, wenn Sie als Anleger Euro-Beträge in die betreffende Währung getauscht haben oder erhaltene Beträge in Euro zurücktauschen. Bei diesen Indexzertifikaten sind Sie sowohl beim Verkauf vor Fälligkeit als auch bei Rückzahlung am Fälligkeitstag einem Währungsrisiko ausgesetzt.

4.2 Spezielle Risiken bei Diskontzertifikaten

Kursänderungsrisiko

Diskontzertifikate weisen grundsätzlich das gleiche Kursrisiko wie der zu Grunde liegende Referenzgegenstand auf. Als Anleger eines Diskontzertifikats erleiden Sie daher immer dann einen Verlust, wenn der von Ihnen gezahlte Kaufpreis einen späteren Verkaufspreis oder - am Fälligkeitstag - den Preis des Referenzgegenstands überschreitet. Mögliche Verluste können nicht durch andere Erträge aus diesem Wertpapier kompensiert werden.

Risiko der Lieferung des Referenzgegenstandes

Im Hinblick darauf, dass regelmäßig eine Lieferung des Referenzgegenstands möglich ist, sollten Sie als Anleger eine positive Einstellung zu dem Referenzgegenstand haben. Denn für den Fall, dass der Preis des Referenzgegenstands unter dem fixierten Auszahlungsbetrag liegt, erhalten Sie den Referenzgegenstand. Dessen aktueller Marktpreis kann erheblich unter dem von Ihnen gezahlten Kaufpreis des Diskontzertifikats liegen. Dies kann im Extremfall zu einem Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen, wenn am Stichtag ein Preis von Null für den Referenzgegenstand festgestellt wird. Ein Verlust wird festgeschrieben, wenn Sie den gelieferten Referenzgegenstand zu einem Preis verkaufen, der unter dem von Ihnen gezahlten Kaufpreis des Zertifikats liegt. Sollten Sie den Referenzgegenstand nicht verkaufen, so unterliegen Sie den mit dem Halten dieses Referenzgegenstands - z. B. der Aktien - verbundenen Verlustrisiken.

Korrelationsrisiko

Zu beachten ist ferner, dass die Preisentwicklung des Zertifikats in der Regel die Wertentwicklung des Referenzgegenstandes nicht genau wiedergeben wird. Dies liegt maßgeblich an der durch den Cap eingeschränkten Gewinnmöglichkeit. Weiterhin kann die Preisentwicklung des Zertifikats auch von anderen Faktoren beeinflusst werden. Dazu zählen z.B. Veränderungen in der erwarteten Schwankungsintensität des Basiswerts (Volatilität) oder Veränderungen im allgemeinen Zinsniveau, anfallende Dividenden- oder Zinszahlungen sowie Bezugsrechtsabschläge auf den Referenzgegenstand und die Nlarkterwartung hinsichtlich der Preisentwicklung des Referenzgegenstands. In der Regel steigt oder fällt der Kurs des Zertifikats mit dem Kurs des Basiswerts. In Ausnahmesituationen, z.B. bei starken VolatiIitätsveränderungen des Basiswerts, kann es aber für einen kurzen Zeitraum vorkommen, dass der Kurs des Zertifikats dem des Basiswerts entgegenläuft.

Emittentenrisiko

Neben das Insolvenzrisiko der Unternehmen, deren Wertpapiere den Referenzgegenstand darstellen oder die dem Index zu Grunde liegen, tritt das Risiko der Zahlungsunfähigkeit des Emittenten des Diskontzertifikats.

5 Spezielle Risiken bei Investmentanteilscheinen

Wie kaum eine andere Wertpapieranlageform eröffnen Investmentanteilscheine dem Anleger die Möglichkeit, auf bequeme Weise Kapital nach dem Grundsatz der Risikomischung anzulegen: dank der Einschaltung eines professionellen Fondsmanagements, das die eingelegten Gelder auf verschiedene Anlagen verteilt.

Allerdings gilt: Auch wenn Sie mit vielen speziellen Risiken anderer Vermögensanlageformen nicht direkt konfrontiert sind, so tragen Sie im Endeffekt -je nach Anlageschwerpunkt des jeweiligen Fonds - anteilig das volle Risiko der durch den Anteilschein repräsentierten Anlagen.

Es darf nicht übersehen werden, dass auch bei der Anlage in Investmentanteilscheinen spezielle Risiken auftreten, die den Wert Ihrer Vermögensanlage nachhaltig beeinträchtigen können.

5.1 Fondsmanagement

Beim Erwerb von Investmentanteilscheinen treffen Sie eine Anlageentscheidung durch die Auswahl eines bestimmten Investmentfonds; Ihre Entscheidung orientiert sich dabei an den von diesem Fonds einzuhaltenden Anlagegrundsätzen. Einfluss auf die Zusammensetzung des Fondsvermögens können Sie darüber hinaus nicht nehmen: Die konkreten Anlageentscheidungen trifft das Management der Fondsgesellschaft.

Investmentfonds, deren Anlageergebnis in einem bestimmten Zeitraum deutlich besser ausfällt als das einer Direktanlage oder eines anderen Investmentfonds, haben diesen Erfolg auch der Eignung der handelnden Personen und damit den richtigen Entscheidungen ihres Managements zu verdanken. Positive Ergebnisse des Investmentfonds in der Vergangenheit sind jedoch nicht ohne weiteres in die Zukunft übertragbar.

Besonders große Entscheidungsspielräume hat der Manager eines Hedgefonds, der nur wenigen vertraglichen und gesetzlichen Beschränkungen unterliegt und in großem Umfang spekulative Geschäftsinstrumente wie Optionen, zusätzliche Kreditaufnahmen oder Leerverkäufe nutzen kann. Hier hängen die Chancen und Risiken der Fondsanlage also in noch stärkerem Umfang als beim herkömmlichen Fonds von den Fähigkeiten des Managements der Fondsgesellschaft ab.

Ein geringeres Managementrisiko besteht dagegen bei Indexfonds. Hier werden die eingelegten Gelder im Sondervermögen gemäß den Vertragsbedingungen mehr oder weniger genau in der prozentualen Gewichtung des betreffenden Index investiert, so dass das Anlageergebnis im Wesentlichen die Entwicklung des Index widerspiegelt.

5.2 Ausgabekosten

Ausgabeaufschläge und interne Kosten für die Verwaltung und das Management des Fonds ergeben für Sie als Anleger möglicherweise Gesamtkosten, die nicht oder nicht in dieser Höhe anfallen würden, wenn Sie die zu Grunde liegenden Wertpapiere direkt erwerben. Da die Höhe dieser Kosten nicht einheitlich ist und auch in ihrer Zusammensetzung variieren kann, sind abhängig von der Haltedauer der Fondsanteile nachteilige Auswirkungen möglich.

Bei einer kurzen Haltedauer kann insbesondere der Erwerb von Investmentfonds mit einem hohen Ausgabeaufschlag teurer sein als der Erwerb ausgabeaufschlagfreier Fonds. Bei Letzteren kann dagegen eine längere Haltedauer von Nachteil sein, da sich dann über die Zeit die höheren laufenden Verwaltungs- und Managementvergütungen bemerkbar machen. Sehen Sie daher bitte beim Kauf eines Investmentfonds immer die Gesamtkosten auch im Zusammenhang mit Ihrem persönlichen zeitlichen Anlagehorizont.

5.3 Risiko rückläufiger Anteilspreise

Investmentfonds unterliegen dem Risiko sinkender Anteilspreise, da sich Kursrückgänge bei den im Fonds enthaltenen Wertpapieren im Anteilspreis widerspiegeln.

Allgemeines Marktrisiko

Eine breite Streuung des Fondsvermögens nach verschiedenen Gesichtspunkten kann nicht verhindern, dass gegebenenfalls eine rückläufige Gesamtentwicklung an einem oder mehreren Börsenplätzen sich in Rückgängen bei den Anteilspreisen niederschlägt. Das hierdurch bestehende Risikopotenzial ist bei Aktienfonds grundsätzlich höher einzuschätzen als bei Rentenfonds. Indexfonds, deren Ziel eine parallele Wertentwicklung mit einem Aktienindex (z. B. Deutscher Aktienindex DAX®), einem Anleihen- oder sonstigen Index ist, werden bei einem Rückgang des Index ebenfalls einen entsprechend rückläufigen Anteilspreis verzeichnen.

Risikokonzentration durch spezielle Anlageschwerpunkte

Spezielle Aktien- und Rentenfonds sowie Spezialitätenfonds haben grundsätzlich ein stärker ausgeprägtes Ertrags- und Risikoprofil als Fonds mit breiter Streuung. Da die Vertragsbedingungen engere Vorgaben bezüglich der Anlagemöglichkeiten enthalten, ist auch die Anlagepolitik des Managements gezielter ausgerichtet. Das bildet zum einen die Grundvoraussetzung für höhere Kurschancen, bedeutet zum anderen aber auch ein höheres Maß an Risiko und Kursvolatilität. Durch Ihre Anlageentscheidung für einen solchen Fonds akzeptieren Sie also von vornherein eine größere Schwankungsbreite für den Preis Ihrer Anteile.

Das Anlagerisiko steigt mit einer zunehmenden Spezialisierung des Fonds:

Hedgefonds nutzen hochkomplexe Geschäftstechniken, die unter ganz besonderen Marktgegebenheiten zu hohen Verlusten bis hin zum Totalverlust führen können.

Bei Investmentfonds, die auch in auf fremde Währung lautende Wertpapiere investieren, müssen Sie ferner berücksichtigen, dass sich neben der normalen Kursentwicklung der Wertpapiere auch die Währungsentwicklung negativ im Anteilspreis niederschlagen kann und Länderrisiken auftreten können.

5.4 Risiko der Aussetzung

Jeder Anteilscheininhaber kann grundsätzlich verlangen, dass ihm gegen Rückgabe der Anteilscheine sein Anteil an dem Sondervermögen aus diesem ausgezahlt wird. Die Rücknahme erfolgt zu dem geltenden Rücknahmepreis, der dem Anteilswert entspricht.

In den Vertragsbedingungen des Investmentfonds kann allerdings vorgesehen sein, dass die Kapitalanlagegesellschaft die Rücknahme der Anteilscheine aussetzen darf, wenn außergewöhnliche Umstände vorliegen, die eine Aussetzung unter Berücksichtigung der Interessen der Anteilsinhaber erforderlich erscheinen lassen. In diesem Ausnahmefall besteht das Risiko, dass die Anteilscheine an dem vom Anteilsinhaber gewünschten Tag nicht zurückgegeben werden können.

5.5 Risiko der Fehlinterpretation von Performance-Statistiken

Um den Anlageerfolg eines Investmentfonds zu messen, wird üblicherweise ein Performance-Konzept verwendet.

Performance-Konzept: Darunter versteht man ein Konzept zur Beurteilung der Wertentwicklung einer Kapitalanlage, das bei Investmentfonds zur Beurteilung der Leistung des Anlagemanagements herangezogen wird. Ermittelt wird, wie viel aus einem Kapitalbetrag von 100 innerhalb eines bestimmten Zeitraums geworden ist. Dabei wird unterstellt, dass die Ausschüttungen zum Anteilswert des Ausschüttungstages wieder angelegt werden (Methode des Bundesverbandes Investment und Asset Management).

Als Anleger sollten Sie beachten: Performance-Statistiken eignen sich als Maßstab zum Vergleich der erbrachten Managementleistungen, sofern die Fonds hinsichtlich ihrer Anlagegrundsätze vergleichbar sind. Sie geben an, welche Ergebnisse die einzelnen Fondsmanagements auf Basis gleicher Anlagebeträge rechnerisch erzielt haben. Dagegen spiegelt das Performance-Kriterium den Erfolg für den Anleger nur unzureichend wider:

Fazit: Die reinen Performance-Ergebnisse genügen den Informationsbedürfnissen eines Anlegers oft nur bedingt und sind interpretationsbedürftig. Eine Fondsrendite, die durch eine Vergangenheitsbetrachtung ermittelt wurde, bietet für eine auf die Zukunft ausgerichtete Anlageentscheidung eben nur eine begrenzte Hilfe. Dabei besteht die Gefahr, die Analyse der Börsensituation und der die Börsen bewegenden Faktoren zu übergehen. Daher sollten Sie, wenn Sie sich für die Anlage in Investmentanteilsoheinen entscheiden, dabei immer die jeweilige Kapitalmarktsituation und Ihre individuelle Risikotoleranz berücksichtigen.

5.6 Besondere Risiken der Vermögensanlage in Hedgefonds

5.7 Besondere Risiken bei Investmentgesellschaften in der Rechtsform der Aktiengesellschaft mit fixem Kapital

Als Anleger sind Sie in diesem Fall regelmäßig Aktionär der jeweiligen Investmentgesellschaft. Anteile dieser Gesellschaften werden als Aktien nach Angebot und Nachfrage gehandelt. Der Preis kann vom tatsächlichen Vermögenswert erheblich abweichen.

5.8 Besondere Risiken bei börsengehandelten Investmentfonds

Der Anteilspreis, der von einem Anleger beim Erwerb über die Börse bezahlt wird, kann von dem Wert des Sondervermögens pro Anteil - dem Anteilwert - abweichen. Ein Grund hierfür liegt darin, dass börsengehandelte Fonds Angebot und Nachfrage unterliegen. Unterschiede ergeben sich auch aus der unterschiedlichen zeitlichen Erfassung der Anteilspreise. Während bei der Kapitalanlagegesellschaft der Anteilspreis einmal täglich ermittelt wird, bilden sich an der Börse fortlaufend aktuelle Kurse.

5.9 Besondere Risiken bei offenen Immobilienfonds

Offene Immobilienfonds sind einem Ertragsrisiko durch mögliche Leerstände der Objekte ausgesetzt. Probleme der Erstvermietung können sich vor allem dann ergeben, wenn der Fonds eigene Bauprojekte durchführt. Leerstände, die über das normale Maß hinausgehen, können die Ertragskraft des Fonds berühren und zu Ausschüttungskürzungen führen.

Bitte beachten Sie, dass bei offenen Immobilienfonds die Rücknahme von Anteilscheinen, die wie bei Wertpapierfonds möglich ist, Beschränkungen unterliegen kann. Die Vertragsbedingungen können insbesondere vorsehen, dass nach größeren Rückgaben von Anteilscheinen die Rücknahme auch für einen längeren Zeitraum von bis zu zwei Jahren ausgesetzt werden kann. In einem solchen Fall ist eine Rückverwandlung von Anteilscheinen in Bargeld während dieses Zeitraums nicht möglich.

Immobilienfonds legen liquide Anlagemittel oft vorübergehend in anderen Anlageformen, insbesondere verzinslichen Wertpapieren, an. Diese Teile des Fondsvermögens unterliegen dann den speziellen Risiken, die für die gewählte Anlageform gelten. Wenn offene Immobilienfonds, wie vielfach üblich, in Auslandsprojekte außerhalb des Euro-Währungsraumes investieren, ist der Anleger zusätzlich Währungsrisiken ausgesetzt, da der Verkehrs- und Ertragswert eines solchen Auslandsobjekts bei jeder Ausgabepreisberechnung des Investmentanteils in Euro umgerechnet wird.

6 Spezielle Risiken bei Optionsscheinen

Bitte beachten Sie: Die Wahrscheinlichkeit von Verlusten oder gar eines Totalverlusts desleingesetzten Kapitals ist bei Optionsscheinen sehr hoch! Optionsscheine verlangen daher nach einer genauen Kenntnis ihrerFunktionsweise und der mit ihnen typischerweise verbundenen Risiken. Für exotische Optionsscheine gilt dies umso mehr, als die produktspezifischen Besonderheiten dieser innovativen Finanzinstrumente zwar interessante Chancen, aber auch oft sich sehr schnell realisierende Verlustrisiken bergen.

Einer Anlage in Optionsscheinen sollte stets eine eingehende Beschäftigung mit der konkreten Ausgestaltung der im jeweiligen Optionsschein verbrieften Rechte und den mit dem Erwerb eines bestimmten Optionsscheins verbundenen Chancen und Verlustrisiken vorausgehen.

Bitte beachten Sie auch: Viele unter dem Produktnamen "Zertifikate" angebotene Wertpapiere weisen ähnliche - unter Umständen auch identische - Risiken wie Optionsscheine auf.

6.1 Allgemeines Kursrisiko

Optionsscheine werden als selbstständige Wertpapiere gehandelt und unterliegen als solche den Gesetzen von Angebot und Nachfrage. Beim Kauf von Optionsscheinen sollten Sie daher generell darauf achten, ob für das konkret ins Auge gefasste Wertpapier ein hinreichend liquider Markt besteht bzw. vom Emittenten oder einem Dritten jederzeit verbindliche Geld-/Brief-Kurse gestellt werden. Auch können gestellte An- und Verkaufskurse mitunter erheblich voneinander abweichen. Bei exotischen Optionsscheinen, die neuartige und zum Teil komplexe, preislich nicht einfach zu bewertende Optionsstrukturen verbriefen, gilt dies in besonderem Maße.

Bitte beachten Sie: Um nicht Gefahr zu laufen, zu einem marktfernen Preis bedient zu werden, sollten Sie Ihre Kauf- und Verkaufsaufträge sicherheitshalber limitieren.

Die einzige Ertragschance, die ein Optionsschein dem Anleger gewöhnlich bietet, besteht in einer Steigerung seines Kurswerts. Ein Optionsschein verbrieft weder einen Anspruch auf Zins- noch auf Dividendenzahlung und wirft daher keinen laufenden Ertrag ab. Das bedeutet auch: Mögliche Kursverluste des Optionsscheins können nicht durch andere Erträge kompensiert werden.

Wesentliche Faktoren für die Kursbildung von Optionsscheinen sind insbesondere:

Auf diese Kursbildungsfaktoren soll in den folgenden drei Abschnitten näher eingegangen werden.

6.2 Verlustrisiko durch Kursveränderungen des Basiswerts

Eine Kursveränderung des Basiswerts, der dem in einem Optionsschein verbrieften Optionsrecht zu Grunde liegt, kann den Wert des Optionsscheins mindern. Tritt eine Wertminderung ein, so erfolgt sie stets überproportional zur Kursveränderung des Basiswerts (Hebelwirkung/Leverage-Effekt) bis hin zur Wertlosigkeit des Optionsscheins. Zu einer Wertminderung kommt es im Fall einer Kaufoption (Call) regelmäßig bei Kursverlusten, im Fall einer Verkaufsoption (Put) regelmäßig bei Kursgewinnen des Basiswerts.

Die Besonderheiten exotischer Optionsscheine können diese Zusammenhänge noch verstärken: Der Wert eines nach dem "Alles-oder-nichts-Prinzip" ausgestalteten Digital-Optionsscheins wird durch Kursschwankungen des Basiswerts um den vereinbarten Basispreis herum stärker beeinflusst als der Wert eines herkömmlichen Plain-Vanilla-Optionsscheins. Nähert sich der aktuelle Kurs des Basiswerts einer unterhalb des Basispreises liegenden Knock-out-Barriere an, wird dies den Wertverfall eines Knock-out-Call drastisch beschleunigen. Gleiches gilt, wenn sich der Kurs des Basiswerts einer über dem vereinbarten Basispreis liegenden Knock-out-Barriere eines Knock-out-Put nähert.

Andererseits können die besonderen Ausstattungsmerkmale exotischer Optionsscheine - je nach Ausgestaltung - auch abweichende Reaktionen auf Kursveränderungen des Basiswerts hervorrufen:

Besonderheiten gelten des Weiteren für Range-Optionsscheine. Der Wert eines Range-Optionsscheins wird maßgeblich davon beeinflusst, ob der Kurs des Basiswerts innerhalb der vereinbarten Bandbreite notiert. Theoretisch ist der Wert eines Range-Optionsscheins am höchsten, wenn sich der Kurs des Basiswerts in der Mitte der Bandbreite befindet. Kursbewegungen des Basiswerts in Richtung "Bandbreiten-Mitte" resultieren dementsprechend tendenziell in einer Wertsteigerung des Optionsrechts. Kursbewegungen des Basiswerts von der Mitte der jeweiligen Bandbreite in die Richtung eines Randes führen demgegenüber regelmäßig zu einer Wertminderung des Optionsrechts. Sind die Ränder des Range-Optionsscheins zugleich als Knock-out-Barrieren ausgestattet, verstärkt dies den bei Annäherung an eine der Barrieren eintretenden Wertverfall erheblich. Dabei hängt der Umfang der Wertminderung wiederum von der konkreten Ausgestaltung des Optionsrechts ab. Sie ist am deutlichsten im Fall eines Double-Knock-out-Range-Optionsscheins, bei dem das Erreichen einer der beiden Barrieren zum vollständigen Erlöschen des Optionsrechts, d.h. zu einem Totalverlust des gesamten Optionseinsatzes führt. Sie kann tendenziell geringer sein, wenn die Knock-out-Option so konzipiert ist, dass beim Touchieren der Barrieren das Optionsrecht zwar erlischt, die über die Laufzeit bis zu diesem Zeitpunkt "angesammelten" Beträge jedoch ausbezahlt werden.

6.3 Verlustrisiko durch Veränderungen der Volatilität des Basiswerts

Veränderungen der von den Marktteilnehmern erwarteten Häufigkeit und Intensität von Kursschwankungen des Basiswerts (implizite - "eingepreiste" - Volatilität) können den Wert eines Optionsscheins auch dann mindern, wenn sich der Kurs des Basiswerts nicht ändert. Ein für den Optionsscheinwert grundsätzlich positiver Kursverlauf des Basiswerts muss keinen steigenden Kurs des Optionsscheins zur Folge haben. Der Kurs des Optionsscheins kann sogar fallen, wenn der Kursverlauf des Basiswerts durch eine für den Weit des Optionsscheins negativ wirkende, fallende Volatilität überkompensiert wird.

Die Volatilität des Basiswerts spielt bei der Bewertung exotischer Optionsscheine in der Regel eine noch größere Rolle als bei derjenigen herkömmlicher Optionsscheine. Sowohl die "Alles-oder-nichts-Struktur" digitaler Optionen als auch die Einschränkung des Optionsrechts durch "Nebenabreden" (Knock-in-/Knock-out-Barrieren) bedingen eine verstärkte Abhängigkeit des Optionswerts von Veränderungen in der Kursschwankungsbreite und -häufigkeit des Basiswerts. Die Zunahme der Volatilität des Basiswerts zum Beispiel erhöht zugleich die Wahrscheinlichkeit, dass eine Knock-out-Barriere berührt wird.

Besonderen Einfluss haben Änderungen der erwarteten Volatilität auf den Wert von Range-Optionsscheinen. Diese Optionsscheine zielen auf eine stagnierende oder sich seitwärts bewegende Kursentwicklung des Basiswerts. Eine Zunahme der erwarteten Häufigkeit und Intensität von Kursschwankungen des Basiswerts kann daher, insbesondere, wenn die "Ränder" der vereinbarten Bandbreite zugleich Knock-out-Barrieren darstellen, eine drastische Wertminderung des Optionsscheins hervorrufen.

6.4 Verlustrisiko durch Zeitwertverfall

Je nach den Erwartungen, die die Marktteilnehmer bezüglich der künftigen Entwicklung des Basiswerts hegen, sind sie bereit, einen unterschiedlich hohen Betrag für einen Optionsschein zu zahlen, der von dem inneren Wert des verbrieften Optionsrechts mehr oder weniger stark abweicht. Der Zeitwert eines Optionsscheins, d. h. der über deren inneren Wert hinaus gezahlte Aufschlag, ändert sich insofern täglich. Mit Ablauf der Laufzeit verfällt der Zeitwert, bis er schließlich Null beträgt. Der Verlust vollzieht sich umso schneller, je näher der Verfalltag rückt.

Bitte beachten Sie: Käufe von Optionsscheinen, die kurz vor dem Verfall noch über einen relativ hohen Zeitwert verfügen, sind mit besonderem Risiko verbunden.

Bei Range-Optionsscheinen gelten insoweit wiederum Besonderheiten: Bei diesen Optionsscheinen führt der Umstand, dass sich der Kurs des Basiswerts nicht oder jedenfalls nur innerhalb der vereinbarten Bandbreite verändert, zu einem positiven - werterhöhenden - Effekt. Insofern kann hier von einem mit der Abnahme der Laufzeit einhergehenden "Zeitwertgewinn" gesprochen werden.

6.5 Risiko der Hebelwirkung

Typisch für Optionsscheine ist ihre Hebelwirkung (Leverage-Effekt) auf die Ertragschancen und Verlustrisiken des eingesetzten Kapitals: Sie reagieren grundsätzlich überproportional auf Kursveränderungen des Basiswerts und bieten damit während ihrer Laufzeit höhere Chancen - bei gleichzeitig hohen Verlustrisiken. Der Hebel wirkt nämlich in beiden Richtungen - also nicht nur aufwärts in günstigen, sondern auch abwärts in ungünstigen Kursphasen. Der Kauf eines Optionsscheins ist umso riskanter, je größer sein Hebel ist. Die Hebelwirkung entfaltet sich insbesondere bei Optionsscheinen mit sehr kurzen Restlaufzeiten.

Für exotische Optionsscheine gelten diese Grundsätze gleichermaßen; je nach Ausgestaltung des Optionsrechts kann die Hebelwirkung jedoch wesentlich größer sein als bei herkömmlichen Standardoptionsscheinen. Auch hier schlagen sich die "Alles-oder-nichts-Struktur" digitaler Optionsscheine und die "Ergänzung" des Op tionsrechts um Nebenabreden (Barrier-Optionsscheine) sowohl chancen- als auch verlustrisikoerhöhend nieder.

Für Range-Optionsscheine, die nicht auf Partizipation an einer Kursbewegung, sondern auf die Generierung eines Ertrags bei stagnierenden Märkten abzielen, ergeben sich unter dem Gesichtspunkt der Hebelwirkung zwar gewisse Besonderheiten. Jedoch reagieren auch diese Optionsscheine überproportional auf Kursveränderungen des Basiswerts. Dies gilt insbesondere dann, wenn sich der Kurs des Basiswerts einem Rand der vereinbarten Bandbreite nähert. Handelt es sich bei der Unter- und Obergrenze der Bandbreite zugleich um Knock-out-Barrieren, vergrößert dies wiederum die Hebelwirkung und das mit ihr verbundene Verlustrisiko.

6.6 Risiko der Wertminderung und des Totalverlusts

Die Rechte aus einem Optionsschein können verfallen oder an Wert verlieren, weil diese Wertpapiere stets nur befristete verbriefte Rechte und zum Teil zusätzlich an den Eintritt oder Nichteintritt einer Bedingung geknüpfte Rechte verschaffen. Je kürzer die Frist (Restlaufzeit) ist, desto größer kann Ihr Risiko eines Wertverlustes sein.

Wertminderung

Tritt die von Ihnen erwartete Kursentwicklung des Optionsscheins während der Laufzeit nicht ein, können Sie bei einem Verkauf einen Verlust erleiden. Wegen der begrenzten Laufzeit können Sie auch nicht darauf vertrauen, dass sich der Preis des Optionsscheins rechtzeitig vor Laufzeitende wieder erholen wird.

Bei exotischen Optionsscheinen gilt: Je näher eine Knock-out-Barriere am aktuellen Kurs des Basiswerts liegt bzw. je weiter eine Knock-in-Barriere vom aktuellen Kurs des Basiswerts entfernt ist, desto größer kann das Risiko eines Wertverlusts sein.

Totalverlust

Der Kauf von Optionsscheinen kann unabhängig von der finanziellen Leistungsfähigkeit des Emittenten allein auf Grund ungünstiger Marktentwicklungen, Bedingungseintritts und Zeitablaufs zu einem Totalverlust des von Ihnen eingesetzten Betrags führen.

Wenn sich Ihre Erwartungen bezüglich der Marktentwicklung nicht erfüllen, sei es, dass die erwartete Kursentwicklung des Basiswerts nicht eintritt oder eine Knock-out-Barriere erreicht wird bzw. eine Knock-in-Barriere nicht erreicht wird, so verfällt Ihr Optionsschein wertlos. Das Gleiche gilt, wenn Sie auf die Ausübung Ihrer Rechte aus dem Optionsschein verzichten oder aber die Ausübung versäumen, es sei denn, die konkreten Optionsbedingungen sehen eine automatische Ausübung vor. Sie haben dann Ihren gesamten Optionseinsatz, den Kaufpreis zuzüglich der entstandenen Kosten, verloren.

Bitte beachten Sie: Wegen der Möglichkeit eines wertlosen Verfalls sowie wegen der oft hohen Wertschwankungen von Optionsscheinen müssen Sie Ihre Position permanent überwachen.

6.7 Risiko der fehlenden Möglichkeiten zur Verlustbegrenzung

Geschäfte, mit denen die Risiken aus Optionsscheingeschäften ausgeschlossen oder eingeschränkt werden sollen (insbesondere Verkauf des Optionsscheins), können möglicherweise nicht oder nur zu einem für Sie verlustbringenden Preis getätigt werden.

6.8 Verlustrisiko infolge der Komplexität exotischer Optionsprodukte

Die einzelnen Elemente exotischer Optionsscheine eröffnen eine nahezu unbegrenzte Vielzahl von Kombinationsmöglichkeiten. Exotische Optionsscheine verbriefen dementsprechend vielfach strukturierte, aus mehreren Optionselementen bestehende Optionsstrategien. Als "Bausteine" kommen sowohl Standardoptionsscheine als auch exotische Optionsscheine in Betracht. Das Preisverhalten dieser strukturierten Produkte kann im Einzelfall schwer durchschaubar sein. Erhöhte Verlustrisiken bestehen, wenn sich die Wirkungsweisen verschiedener Optionsscheinelemente gegenseitig aufheben oder verstärken. Geschäfte in strukturierten Optionsscheinprodukten erfordern daher in besonderem Maße eine genaue Beschäftigung mit Ausstattung und Funktionsweise des verbrieften Optionsrechts bzw. der verbrieften Optionsscheinstrategie.

6.9 Emittentenrisiko

Der Emittent eines Optionsscheins muss nicht mit dem Emittenten des Basiswerts identisch sein. In diesen Fällen tragen Sie neben dem Insolvenzrisiko der als Basiswert dem Optionsschein zu Grunde gelegten Wertpapiere zusätzlich das Risiko der Zahlungsunfähigkeit des Emittenten des Optionsscheins.

6.10 Einfluss von Nebenkosten auf die Gewinnchance

Bei allen Optionsscheingeschäften können Mindestprovisionen oder feste Provisionen pro Transaktion (Kauf und Verkauf), kombiniert mit einem niedrigen Auftragswert (Kurs des Optionsscheins mal Stückzahl), zu Kostenbelastungen führen, die im Extremfall den Wert der Optionsscheine um ein Vielfaches überschreiten können. Im Fall der Ausübung entstehen in der Regel weitere Kosten. Diese Folgekosten können zusammen mit den Kosten, die unmittelbar mit dem Erwerb von Optionsscheinen verbunden sind, eine im Vergleich zum Preis des Optionsscheins nicht unbedeutende Größenordnung erreichen. Sämtliche Kosten verändern und verschlechtern die Gewinnerwartung deswegen, weil ein höherer Kursausschlag als der vom Markt für realistisch gehaltene erforderlich ist, um in die Gewinnzone zu kommen.

Bitte beachten Sie: Informieren Sie sich vor Erteilung eines Auftrags über alle eventuell anfallenden Kosten. Nur so können Sie errechnen, unter welchen Voraussetzungen Ihre Position die Gewinnzone erreicht (z. B. Höhe des erforderlichen Kursanstiegs des Basiswerts, "Mindestverweildauer" des Kurses des Basiswerts innerhalb der vereinbarten Bandbreite einer Single-Range-Option usw.). Hierbei gilt: Je höher die Kosten sind, desto später wird die Gewinnschwelle beim Eintreffen der erwarteten Kursentwicklung erreicht, da diese Kosten erst abgedeckt sein müssen, bevor sich ein Gewinn einstellen kann. Tritt die erwartete Kursentwicklung nicht ein, erhöhen die Nebenkosten den entstehenden Verlust.

6.11 Währungsrisiko

Wenn Sie Optionsscheine kaufen, bei denen die Gegenleistung auf ausländische Währung lautet oder sich der Preis des Basiswerts hiernach bestimmt (z. B. bei Gold), sind Sie zusätzlich dem Währungsrisiko ausgesetzt. In diesem Fall ist Ihr Verlustrisiko nicht nur an die Kurs- oder Preisentwicklung des zu Grunde liegenden Basiswerts gekoppelt. Vielmehr können Entwicklungen am Devisenmarkt die Ursache für zusätzliche, unkalkulierbare Verluste sein. Wechselkursschwankungen können

V Was Sie bei der Ordererteilung beachten sollten

Hier wird erläutert, welche Umstände Sie im Zusammenhang mit der Erteilung von Kauf- oder Verkaufsaufträgen über Wertpapiere kennen und beachten sollten. Gegebenheiten wie z. B.

- die Märkte, in denen Ihre Wertpapieraufträge ausgeführt werden,

- die Mechanismen der Preisbildung,

- die Gültigkeitsdauer Ihrer Wertpapieraufträge

können den Erfolg Ihrer Anlagedisposition ganz erheblich beeinflussen.

Beschrieben werden zunächst die zwei im Wertpapiergeschäft üblichen Dienstleistungen des Festpreis- und Kommissionsgeschäfts. Eine kurze Darstellung der Ausführung des Wertpapierauftrags an einer deutschen Börse, Ihrer Dispositionsmöglichkeiten und der bei der Ausführung Ihrer Aufträge möglichen Risiken schließt sich an. Ergänzend werden die in Deutschland üblichen Emissionsverfahren erläutert.

Bitte beachten Sie, dass sich das Kapitel auf die Abwicklung von Aufträgen, die an einer deutschen Börse ausgeführt werden sollen, konzentriert. Bei Aufträgen, die an ausländischen Börsen zur Ausführung kommen sollen, sind die dort geltenden Rechtsvorschriften, Börsenbedingungen und Usancen zu beachten.

1 Festpreisgeschäfte

Insbesondere verzinsliche Wertpapiere können Sie häufig direkt von Ihrer Bank kaufen bzw. an diese verkaufen. Es kommt dann ein Kaufvertrag zu Stande, der den Verkäufer zur Übertragung der verkauften Wertpapiere, den Käufer zur Zahlung des Kaufpreises verpflichtet. Typisches Merkmal dieser Geschäftsform ist die Vereinbarung eines festen Preises; daraus ergibt sich die übliche Bezeichnung "Festpreisgeschäft". In der Abrechnung, die Sie von Ihrer Bank erhalten, werden Kosten und Spesen nicht gesondert in Rechnung gestellt, sondern sind in die Kalkulation des Festpreises eingegangen.

Beim Kauf von verzinslichen Wertpapieren sind in der Regel vom Käufer über den Festpreis hinaus die sog. "Stückzinsen" zu zahlen. Stückzinsen sind die Zinsen, die rechnerisch vom letzten Zinstermin bis zum Tag vor der Erfüllung des Geschäfts angefallen sind. Der Käufer zahlt an den Verkäufer zunächst die seit dem letzten Zinstermin angefallenen rechnerischen Zinsen, erhält sie aber beim nächsten Zinstermin von der Emittentin des betroffenen Wertpapiers zurück.

2 Kommissionsgeschäfte

Bei Kommissionsgeschäften tritt die Bank Ihnen gegenüber nicht als Käuferin bzw. Verkäuferin auf, sondern leitet Ihren Auftrag an einen Wertpapiermarkt weiter, um dort das von Ihnen gewünschte Geschäft mit einer dritten Partei abzuschließen. Die Bank handelt in diesem Markt zwar im eigenen Namen (die Identität des Auftraggebers wird regelmäßig nicht offen gelegt), aber für Ihre Rechnung. Das heißt, dass alle Folgen, also alle Vor- und Nachteile, die sich aus diesem Marktgeschäft ergeben, Ihnen zugerechnet werden. Somit sind die an dem jeweiligen Markt geltenden Rechtsvorschriften und Geschäftsbedingungen für den Abschluss und die Erfüllung, zusammen "Usancen" genannt, für Sie unmittelbar von Bedeutung.

2.1 Börsen und außerbörsliche Märkte

Der Markt, an den die Bank Ihren Wertpapierauftrag leitet, ist im Regelfall eine Wertpapierbörse. Als weitere Märkte, in denen Wertpapiergeschäfte getätigt werden können, kommen daneben der Handel unter Banken (sog. "Telefonverkehr") oder ähnliche außerbörsliche Marktformen in Betracht. Auf solchen außerbörslichen Märkten wird Ihre Bank als Kommissionärin insbesondere dann tätig, wenn die betroffenen Wertpapiere nicht an der Börse gehandelt, sondern nur von bestimmten Marktbeteiligten zum Kauf bzw. Verkauf angeboten werden. Dies gilt z. B. für manche der so genannten "Penny Stocks", wenn es sich hierbei um exotische Aktien oder Anteilszertifikate handelt, für die ein von staatlich anerkannten Stellen geregelter und überwachter Markt (organisierter Markt) im Sinne einer Börse fehlt. Sollten Sie Geschäfte in solchen Titeln ohne Börsennotiz tätigen wollen, ist besondere Aufmerksamkeit geboten. Da es keinen organisierten Markt gibt, besteht die Gefahr, dass einmal erworbene Wertpapiere nicht oder nur zu erschwerten Bedingungen und u. U. mit erheblichen Preisnachteilen wieder verkauft werden können. Im Übrigen fehlt hier generell der für die Börse typische Preisfindungsmechanismus, so dass nicht immer sichergestellt ist, dass der für Sie maßgebliche Kauf- bzw. Verkaufpreis der tatsächlichen Angebots-/Nachfragelagecentspricht. insbesondere dann, wenn die Wertpapiere nur von einer Stelle zum Kauf und Verkauf angeboten werden, ist es möglich, dass es zu erheblichen Spannen zwischen Nachfrage- und Angebotspreisen (Geld- und Briefkurs) kommt.

Investmentanteilscheine, die von Kapitalanlagegesellschaften ausgegeben werden, werden in der Regel nicht an einer Börse gehandelt. Erwerb und Rückgabe erfolgen - regelmäßig durch Vermittlung einer Bank - direkt von der bzw. an die Kapitalanlagesellscthaft. Die Preisbildung bei Investmentanteilscheinen wird in Kapitel II.5.4 erläutert.

2.2 Börsenhandel

Wertpapierbörsen

Wertpapierbörsen sind von staatlich anerkannten Stellen geregelte und überwachte Märkte zum Handel von vertretbaren Wertpapieren. Vertretbar sind die Wertpapiere dann, wenn sie beliebig gegen andere Wertpapiere derselben Art und desselben Ausstellers ausgetauscht werden können; man bezeichnet solche am Kapitalmarkt handelbaren Wertpapiere auch als "Effekten". Die Vertretbarkeit ermöglicht den einfachen und standardisierten Handel und Erfüllung von Wertpapiergeschäften. An Wertpapierbörsen treffen in der Regel Angebot und Nachfrage vieler Marktteilnehmer zusammen.

Typische Wesensmerkmale des Börsenhandels sind:

Wertpapierbörsen gibt es in vielen Ländern. lm Zuge der Internationalisierung der Wertpapiermärkte werden eine Reihe von Wertpapieren (Aktien und Rentenwerte) inzwischen nicht mehr nur an der Börse des Heimatlands der Emittentin, sondern auch oder sogar ausschließlich an der Börse eines anderen Staates gehandelt.

In der Bundesrepublik Deutschland findet der börsliche Handel in Wertpapieren an folgenden Börsenplätzen statt:

Marktsegmente

Die an der Börse zum Handel zugelassenen Wertpapiere sind immer einem gesetzlich näher beschriebenen "lVlarktsegment" zugeordnet. Man unterscheidet an den deutschen Börsen insoweit:

Die Marktsegmente unterscheiden sich insbesondere durch die Anforderungen, die erfüllt werden müssen, damit ein bestimmtes Wertpapier zum Handel zugelassen wird, und durch die Publizitätsvorschriften für die Emittenten der Wertpapiere.

Die im amtlichen und im geregelten Markt sowie im Freiverkehr ermittelten Preise sind Börsenpreise. Sie müssen bekannt gemacht werden. Die Börsenpreise werden durch die staatliche Börsenaufsicht und die Handelsüberwachungsstellen der Börsen überwacht. Die Preise können auf unterschiedliche Arten ermittelt werden. So gibt es das elektronische Handelssystem Xetra, in dem Preise nach bestimmten Kriterien automatisch ermittelt werden, und die so genannten Parkettbörsen. Hier sind Skontroführer für die Preisermittlung zuständig. Dabei handelt es sich um Kreditinstitute oder bestimmte Finanzdienstleistungsinstitute.

Das Börsenrecht schreibt nicht nur bestimmte Pflichten vor, sondern gestattet den einzelnen Börsen auch, hinsichtlich bestimmter Details eigene Kriterien festzulegen. Daher gibt es an den deutschen Börsenplätzen durchaus Unterschiede in der Ausgestaltung der Segmente. Am Beispiel der Frankfurter Wertpapierbörse sollen die Segmente dargestellt werden:

An der Frankfurter Wertpapierbörse existieren parallel zu den gesetzlich definierten Segmenten die Bereiche "Prime Standard" und "General Standard". Alle Unternehmen, die zum Prime Standard zugelassen sind, müssen Transparenzpflichten erfüllen, die über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehen. Dies sind im Einzelnen:

Deutsche Aktienindizes

Ein Aktienindex ist ein rechnerischer Messwert, um die Entwicklung eines Aktienmarktes darzustellen. Veränderungen der berechneten Indexkennzahlen spiegeln die Kursveränderungen der Aktien wider, die dem Index zu Grunde liegen. Es gibt eine Vielzahl von Aktienindizes, die unterschiedliche Märkte oder Teilmärkte abbilden. Nachfolgend werden die gängigsten Aktienindizes der Deutschen Börse dargestellt. Die Zusammensetzung der Indizes, die von der Deutschen Börse festgelegt wird, unterliegt einer Überprüfung in regelmäßigen Abständen. Für alle hier beschriebenen Indizes gilt, dass die zu Grunde liegenden Aktien im amtlichen oder geregelten Markt notiert werden und zum Prime Standard zugelassen sind.

Optionsscheinhandel

Werden Optionsscheine an einer Börse gehandelt, kann der Emittent als der maßgebliche Marktteilnehmer nach den Regelwerken der Börsen verpflichtet sein, auf Anfrage des Skontroführers jederzeit Preise für den An- oder Verkauf seines Optionsscheins zu nennen (Market Making) oder einen anderen hiermit zu beauftragen. insbesondere bei Optionsscheinen, die sehr niedrig notieren, kann der Verkaufskurs um ein Vielfaches über dem Ankaufspreis liegen.

In den Zeitungen wird oft nur der Ankaufskurs veröffentlicht. Über Kursinformationssysteme sind sowohl An- und Verkaufskurs abrufbar. Zu diesen veröffentlichten Kursen ist aber oftmals kein Umsatz zu Stande gekommen, es kann sich um vom Market Maker gestellte Kurse handeln.

Bitte beachten Sie: Bei Optionsscheinen sollten Sie daher Ihre Order unbedingt limitieren.

Präsenzhandel und elektronischer Handel

Man unterscheidet zwischen Präsenzbörsen, an denen sich die Börsenteilnehmer zu festen Börsenzeiten am Börsenplatz treffen, und elektronischen Börsen oder Handelssystemen, bei denen Wertpapiergeschäfte automatisch durch Computer zustande kommen. Die Festlegung der Börsenzeiten obliegt dem Betreiber der Börse; die Handelszeiten können daher an den einzelnen Börsenplätzen unterschiedlich sein.

2.3 Dispositionen bei der Auftragserteilung

Aufträge zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren können an unterschiedlichen Börsenplätzen und auf unterschiedliche Weise ausgeführt werden. Sie können daher bei der Auftragserteilung besondere Weisungen über die Art der Auftragsausführung erteilen. Je nach Sachlage können Sie bestimmen über

Bei der Auftragserteilung können Sie beispielsweise die unterschiedlichen Handelszeiten der einzelnen Börsen, aber auch Liquiditätsunterschiede an den verschiedenen Börsenplätzen berücksichtigen. Sie sollten beachten, dass nur bestimmte Wertpapiere - teilweise erst ab einem bestimmten Ordervolumen - variabel gehandelt werden.

Erteilen Sie keine besonderen Weisungen, wird Ihr Auftrag nach folgenden Regeln ausgeführt:

Limitierungen (Preisgrenzen)

Der bei Auftragserteilung aktuelle Kurs kann sich bis zur Feststellung des für Ihren Auftrag festgestellten Kurses unter Umständen erheblich ändern. lst etwa der Kurs des von Ihnen georderten Wertpapiers inzwischen gestiegen, müssen Sie einen höheren Kaufpreis als erwartet entrichten (Preisrisiko, hierzu unter V.3.3). Sie können jedoch für den Kauf eines Wertpapiers einen Höchstpreis, für den Verkauf einen Mindestpreis bestimmen.

Bitte beachten Sie: Eine Limitierung empfiehlt sich vor allem dann, wenn der Kurs des einzelnen Wertes erfahrungsgemäß erheblich schwankt oder der Markt insgesamt im Zeitpunkt der Auftragserteilung größere Kursbewegungen aufweist.

Preislich limitierte Aufträge bergen allerdings die Gefahr, dass sie nicht oder jedenfalls nicht sofort ausgeführt werden, solange sich der Kurs außerhalb des Limits bewegt.

Besondere Orderformen im elektronischen Handelssystem Xetra

Wenn Sie vermeiden wollen, dass lhr Auftrag im elektronischen Handelssystem Xetra nur teilweise ausgeführt wird, können Sie dies durch den Zusatz "Fill-or-Kill" erreichen. Diese Order wird dann entweder sofort vollständig oder überhaupt nicht ausgeführt. Aufträge mit dem Zusatz "Immediate-or-Cancel" werden umgehend und soweit wie möglich ausgeführt. Die nicht ausgeführten Teile der Order werden aus dem System gelöscht. Sollten Sie dann dennoch eine Ausführung dieser Orderteile wünschen, so müssten Sie erneut einen Auftrag erteilen.

Xetra bietet außerdem die Möglichkeit, ein Stopp-Limit zu setzen, bei dem entweder ein unlimitierter ("Stop Market Order") oder ein limitierter Auftrag ("Stop Limit Order") bei einer bestimmten Preisgrenze automatisch in das Xetra-Handelssystem eingestellt werden.

2.4 Preisbildung

Preisbildung im Präsenzhandel
Preisbildung im Xetra-Handel

Im Xetra-Handel werden die Kurse nicht von einem Skontroführer, sondern von dem elektronischen Handelssystem berechnet. Auch hierbei gilt grundsätzlich das Meistausführungsprinzip. Die von Ihnen gesetzten Preisgrenzen werden beachtet. Bei Auktionen wird der Preis als Auktionspreis ermittelt, zu dem das größte Ordervolumen ausgeführt werden kann. lm fortlaufenden Handel werden neu eingehende Orders vom System umgehend auf ihre Ausführbarkeit hin untersucht und gegebenenfalls vom System automatisch ausgeführt. Dabei gilt das Prinzip der Preis/Zeit-Priorität. Das bedeutet, dass Kauforders mit einem höheren Limit vor Orders mit einem niedrigeren Limit berücksichtigt werden. Bei Verkaufsaufträgen haben umgekehrt solche mit niedrigerer Limitierung Vorrang. Bei gleicher Limitierung haben die Orders Vorrang, die im System zeitlich früher eingestellt wurden. Unlimitierte Aufträge haben gegenüber limitierten Aufträgen Priorität.

Im Optionsscheinhandel von Xetra gilt ein modifiziertes Meistausführungsprinzip, bei dem ein spezieller Marktteilnehmer, der Designated Sponsor (meist zugleich der Emittent des Papiers), eine Preisspanne vorgibt, innerhalb derer der Preis gefunden werden muss, zu der die meisten Orders ausgeführt werden können. Ein Kurs, der außerhalb dieser Spanne liegt, kommt auch dann nicht zustande, wenn es grundsätzlich Orders gibt, die zu diesem Kurs ausgeführt werden könnten.

2.5 Gültigkeitsdauer Ihrer Aufträge

Ihre Bank wird Ihren Auftrag unverzüglich an die Börse leiten und versuchen, ihn dort zur Ausführung zu bringen. Soweit dies am gleichen Tag nicht möglich ist (z. B. weil die von ihnen vorgegebene Preisgrenze nicht erreicht wird), wird sich die Bank so lange um die Ausführung bemühen, wie lhr Auftrag gültig ist.

Sie können die Gültigkeitsdauer Ihrer Wertpapieraufträge bestimmen. Haben Sie hierzu keine Weisung erteilt, richtet sie sich danach, ob Sie Preisgrenzen vorgegeben haben:

Gültigkeitsdauer der Orders im Präsenzhandel
Gültigkeitsdauer der Aufträge für die Ausführung in Xetra

Grundsätzlich gelten die für den Präsenzhandel zutreffenden Bestimmungen bezüglich der Gültigkeit auch für solche Aufträge, die über Xetra ausgeführt werden sollen.

Folgende Gültigkeiten sind für Xetra außerdem möglich:

good till day

tagesgültig

good till date

gültig bis zu einem bestimmten Datum

good till cancelled

gültig bis auf Widerruf

Die Gesamtdauer der Gültigkeitsanforderungen darf jedoch 90 Tage nicht überschreiten.

Erlöschen laufender Aufträge

Preislich limitierte Aufträge zum Kauf oder Verkauf von Aktien an inländischen Börsen erlöschen bei Dividendenzahlungen, sonstigen Ausschüttungen, bei der Einräumung von Bezugsrechten oder bei einer Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln mit Ablauf des Börsentages, an dem die Aktien letztmalig einschließlich der vorgenannten Rechte gehandelt wurden.

Bei einer Kursaussetzung erlöschen ebenfalls sämtliche Aufträge. Siehe hierzu näher unter V.3.4 .

Aufträge zum Kauf oder Verkauf von Bezugsrechten

Für den Bezugsrechtshandel gilt wegen der zeitlich beschränkten Handelsfrist eine abweichende Regelung. Preislich unlimitierte Aufträge sind für die Dauer des Bezugsrechtshandels gültig, während mit Preisgrenzen versehene Aufträge mit Ablauf des vorletzten Tags des Bezugsrechtshandels erlöschen.

2.6 Abrechnung und Abwicklung der Börsengeschäfte

Abrechnung

Kommt an der Börse für Ihre Rechnung ein Wertpapiergeschäft zustande, erhalten Sie von ihrer Bank eine Wertpapierabrechnung. Dieser Abrechnung können Sie alle Ausführungsdaten zum Wertpapiergeschäft entnehmen, insbesondere

Im Zusammenhang mit der Durchführung der Aufträge kann es zu Geldzahlungen oder der Gewährung von geldwerten Vorteilen durch Dritte an die Bank kommen. Ein Beispiel hierfür sind Vergütungen einer Fondsgesellschaft an die Vermittler von Anlagen in Investmentfonds (s. Kapitel II.5.3). Auch Vergütungen durch Broker, die von der Bank bei der Ausführung der Aufträge im Ausland eingeschaltet werden, sowie durch Börsen und Clearingorganisationen sind international nicht unüblich. Ebenso gewähren Emittenten für den Vertrieb ihrer Emissionen mitunter Vertriebsprovisionen.

Entsprechende Zahlungen oder Vergünstigungen werden regelmäßig auf der Grundlage des über einen längeren Zeitraum mit dem Dritten abgewickelten gesamten Geschäftsvolumens vorgenommen, in das auch Kundenaufträge einbezogen sein können.

Erfüllung: Der Abschluss an der Börse begründet nur die Verpflichtung des Verkäufers zur Lieferung der Wertpapiere gegen Zahlung des Kaufpreises durch den Käufer; dieses Geschäft muss anschließend durch-Austausch von Wertpapieren und Geld noch erfüllt werden. Für die Erfüllung der Verpflichtungen zum Austausch von Wertpapieren und Geld stehen Abwioklungssysteme zur Verfügung, die eine unkomplizierte undfrasche Geschäftsabwicklung ermöglichen. An den Börsenplätzen sind international unterschiedliche Erfüllungsfristen üblich. ln Deutschland,abgeschlossene Geschäfte werden üblicherweise zwei Börsentage nach Abschluss des Geschäfts durch Lieferung der Wertpapiere und Zahlung des Kaufpreises erfüllt.

Bitte beachten Sie: Bei Geschäften an ausländischen Börsen können die Erfüllungsfristen von der in Deutschland üblichen Erfüllungsfrist abweichen und zum Teil erheblich länger sein.

Diese Erfüllungsfristen sind z. B. zu berücksichtigen, wenn gerade gekaufte Wertpapiere zeitnah wieder verkauft werden sollen. Die Bank kann die Ausführung eines Verkaufsauftrages ablehnen, solange die gekauften Wertpapiere noch nicht in das Depot des Auftraggebers gelangt sind.

3 Risiken bei der Abwicklung ihrer Wertpapieraufträge

Einige der mit der Erteilung einer Wertpapierorder verbundenen Risiken sind bereits dargestellt worden. Wichtige Risiken sind auch dem folgenden Abschnitt zu entnehmen.

3.1 Übermittlungsrisiko

Bei nicht eindeutig erteilten Aufträgen kann es zu Missverständnissen kommen. Ihr Auftrag an die Bank muss deshalb bestimmte unbedingt erforderliche Angaben enthalten: Dazu zählen die Anweisung zum Kauf oder Verkauf, die Stückzahl oder der Nominalbetrag und die genaue Bezeichnung des Wertpapiers.

Bitte beachten Sie: Je präziser Ihr Auftrag erteilt wird, desto geringer ist das Risiko eines Irrtums.

3.2 Fehlende Marktliquidität

Ihr Kauf- bzw. Verkaufsauftrag kann nur ausgeführt werden, wenn ein Gegenangebot vorliegt. An bestimmten Börsen oder bei Nebenwerten ist dies manchmal nicht der Fall. Besteht z. B. überhaupt keine Nachfrage nach einem bestimmten Wertpapier, kann Ihr Bestand nicht oder nicht sofort verkauft werden; bei sehr geringer Nachfrage besteht die Gefahr, dass ein sehr niedriger Kurs zustande kommt.

3.3 Preisrisiko

Der maßgebliche Börsenpreis kann sich seit dem Zeitpunkt Ihrer Auftragserteilung bis zum Zustandekommen des Geschäftes an der Börse erheblich zu Ihren Lasten verändern.

Grundsätzlich werden Aufträge an der Börse, auch bei hohen Auftragsvolumina, schnell und zuverlässig ausgeführt. Verzögerungen bei der Ausführung lassen sich aber gerade bei sehr hohen Börsenumsätzen nicht vollständig ausschließen. In diesen Fällen besteht ein zusätzliches Risiko, dass sich der Kurs zwischenzeitlich für Sie ungünstig entwickelt.

Bitte beachten Sie: Zur Verminderung des Preisrisikos können Sie ihrer Bank Preisgrenzen (Limite) vorgeben.

3.4 Kursaussetzung und ähnliche Maßnahmen

In bestimmten Fällen kann die Börse die Preisfeststellung zeitweilig aussetzen. Die Kursaussetzung erfolgt zum Beispiel dann, wenn wichtige, möglicherweise kursbeeinflussende Mitteilungen des Unternehmens bevorstehen, das das betroffene Wertpapier emittiert hat. Die Kursaussetzung soll allzu starke Kursschwankungen verhindern. Sie dient also dem Schutz des Publikums.

Bitte beachten Sie: Bei einer Kursaussetzung an einer-inländischen Börse wird lhr Auftrag zum Kauf oder Verkauf des betreffenden Wertpapiers nicht ausgeführt und erlischt. Bei ausländischen Börsen gelten insoweit die Usancen der jeweiligen Börse.

Die Börsenpreisfestsetzung für ein bestimmtes Wertpapier wird dauerhaft eingestellt, wenn der ordnungsgemäße Börsenhandel nicht mehr gewährleistet erscheint. Diese äußerste Maßnahme kommt z. B. bei Insolvenzeröffnung über das Vermögen der Emittentin in Betracht. Aufträge lassen sich dann nicht mehr über die Börse abwickeln; die Verkehrsfähigkeit der betroffenen Wertpapiere wird dadurch erheblich eingeschränkt oder ganz ausgeschlossen.

4 Risiken bei taggleichen Geschäften ("Day-Trading")

Die Entwicklungen an den internationalen Kapitalmärkten haben nicht nur zu neuen Produktangeboten geführt. Moderne Technologien haben teilweise auch die Art des Handels in Wertpapieren verändert. Damit wird es möglich, dasselbe Wertpapier, Geldmarktinstrument oder Derivat taggleich zu kaufen und zu verkaufen. Man spricht dann auch von Day-Trading. Hierbei wird beabsichtigt, unter Ausnutzung schon kleiner und kurzfristiger Preisschwankungen eines einzelnen Werts Veräußerungsgewinne zu erzielen oder Kursrisiken zu begrenzen. Sofern Sie solche Geschäfte tätigen, sollten Sie sich über die besonderen Risiken im Klaren sein.

4.1 Sofortiger Verlust, professionelle Konkurrenz und erforderliche Kenntnisse

Bei der Durchführung solcher Geschäfte ist zu beachten, dass das Day-Trading zu sofortigen Verlusten führen kann, wenn überraschende Entwicklungen dazu führen, dass der Wert der von Ihnen gekauften Finanzinstrumente taggleich sinkt und Sie zur Vermeidung weiterer Risiken (Over-Night-Risiken) gezwungen sind, den gekauften Wert vor Schluss des Handelstages zu einem Kurs unterhalb des Ankaufspreises zu veräußern. Dieses Risiko erhöht sich, wenn in Werte investiert wird, die innerhalb eines Handelstages hohe Kursschwankungen erwarten lassen. Unter Umständen kann das gesamte von lhnen zum Day-Trading eingesetzte Kapital verloren werden.

Im Übrigen konkurrieren Sie bei dem Versuch, mittels Day-Trading Gewinne zu erzielen, mit professionellen und finanzstarken Marktteilnehmern. Sie sollten daher in jedem Fall über vertiefte Kenntnisse in Bezug auf Wertpapiermärkte, Wertpapierhandelstechniken, Wertpapierhandelsstrategien und derivative Finanzinstrumente verfügen.

4.2 Zusätzliches Verlustpotenzial bei Kreditaufnahme

Unterlegen Sie Ihre Day-Trading-Geschäfte nicht nur mit Eigenkapital, sondern zusätzlich noch mit aufgenommenen Krediten, so beachten Sie, dass die Verpflichtung zur Rückzahlung dieser Kredite auch im Falle des Day-Trading unabhängig vom Erfolg ihrer Day-Trading-Geschäfte besteht.

4.3 Kosten

Durch regelmäßiges Day-Trading veranlassen Sie eine unverhältnismäßig hohe Anzahl von Geschäften in Ihrem Depot. Die hierdurch entstehenden Kosten (z.B. Provisionen und Auslagen) können im Verhältnis zum eingesetzten Kapital und dem erzielbaren Gewinn unangemessen hoch sein.

4.4 Unkalkulierbare Verluste bei Termingeschäften

Bei Termingeschäften besteht darüber hinaus das Risiko, dass Sie noch zusätzliches Kapital oder Sicherheiten beschaffen müssen. Dies ist dann der Fall, wenn taggleich Verluste eingetreten sind, die über ihr eingesetztes Kapital bzw. die von Ihnen hinterlegten Sicherheitsleistungen hinausgehen.

4.5 Risiko der Verhaltensbeeinflussung

Werden Ihnen spezielle Räumlichkeiten zur Abwicklung von Day-Trading-Geschäften zur Verfügung gestellt, so kann die räumliche Nähe zu anderen Anlegern in diesen Handelsräumen Ihr Verhalten beeinflussen.

5 Die Emission von Wertpapieren

Aktien einer börsennotierten Aktiengesellschaft werden regelmäßig an einer oder mehreren Börsen gehandelt. Bevor die Aktien in den Börsenhandel aufgenommen werden, müssen sie in einem bestimmten Verfahren begeben (emittiert) und bei den Anlegern, die an den Aktien der Gesellschaft Interesse haben, platziert werden. Weit überwiegend wird hierzu das so genannte Bookbuilding gewählt, während das so genannte Festpreisverfahren fast gänzlich an Bedeutung verloren hat. In beiden Fällen übernimmt ein Zusammenschluss von mehreren Banken, ein Bankenkonsortium, von dem Unternehmen die Aktien zum Zweck der Platzierung bei den Anlegern. Gleichwohl gibt es zwischen Festpreisverfahren und Bookbuilding signifikante Unterschiede. Auf die typischen Ausprägungen der beiden Verfahren wird im Folgenden näher eingegangen. Es gibt jedoch auch Emissionen, die Elemente beider Verfahren kombinieren.

5.1 Festpreisverfahren

Beim Festpreisverfahren garantiert das Bankenkonsortium vor Veröffentlichung des Verkaufsangebots dem emittierenden Unternehmen einen bestimmten Platzierungspreis. Die Preisfindung erfolgt ohne Einbindung der Anleger und basiert auf einer eingehenden Unternehmensanalyse unter gleichzeitiger Berücksichtigung der Börsenbewertung vergleichbarer Unternehmen sowie der allgemeinen Marktverfassung. Die Preisfestlegung erfolgt durch den Emittenten in Abstimmung mit der das Bankenkonsortium anführenden Bank, dem so genannten Lead Manager.

Die Zuteilung der Aktien an die Anleger erfolgt beim Festpreisverfahren durch jede einzelne Konsortialbank einschließlich des Lead Managers. Sie haben sich alle zur Übernahme von Aktien in Höhe einer bestimmten Quote verpflichtet und teilen den Anlegern, die Zeichnungswünsche aufgegeben haben, Aktien zu.

5.2 Bookbuilding

Das Bookbuilding stellt eine Weiterentwicklung dar, da bei diesem Emissionsverfahren zusätzlich die Preisvorstellungen der Anleger direkt in die Preisfindung eingehen. Den Anlegern wird vor Beginn der Platzierungsfrist eine Preisspanne für den Emissionspreis vorgegeben. Diese Spanne basiert auf der Unternehmensanalyse und -bewertung durch den Lead Manager. Alle Anleger haben - wie im Börsenhandel - die Möglichkeit, innerhalb der vorgegebenen Preisspanne auch limitierte Zeichnungswünsche aufzugeben. Der Lead Manager erfasst die gesamten Zeichnungswünschei der Anleger zentral in einem elektronischen "Buch", analysiert auf dieser Basis die Qualität der Zeichnungen und vereinbart sodann in Abstimmung mit dem Emittenten und unter Berücksichtigung der aktuellen Marktbedingungen einen marktorientierten einheitlichen Platzierungspreis.

Beim Bookbuilding werden die Aktien ebenfalls von den im Konsortium vertretenen Banken an die Anleger zugeteilt. Die Banken des Konsortiums erhalten jedoch keine feste quotale Zuteilung. Ihre Zuteilung richtet sich nach der Höhe und Qualität der bei ihnen eingegangenen Zeichnungen. Die Art der Zuteilung unterscheidet sich je nach Anlegerkreis.

B. Vermögensanlagen mit Alternativen Investments (Grundstrukturen und Risiken)

Der Begriff "Alternative Investments" steht als Sammelbezeichnung für verschiedene Formen der verwalteten sowie nicht verwalteten Vermögensanlage, die nicht den traditionellen Anlageformen zugeordnet werden können.

Hier wird unterschieden zwischen in der Regel unregulierten, d. h. keinem speziellen Aufsichtsrecht unterliegenden Personen- oder Kapitalgesellschaften, die der kollektiven Anlage dienen, einerseits und nicht homogenen Anlageklassen wie Rohstoffe und Währungsanlagen andererseits, die sich nicht auf klassische Anlageklassen wie Aktien und Renten beziehen.

Folgend erhalten Sie einen Überblick über die Grundstrukturen und Risiken der aktuell gebräuchlichsten Alternativen Investments.

I. Hedge Fonds, Private Equity Fonds und Venture Capital Fonds

1 Grundstrukturen

Es handelt sich dabei in der Regel um unregulierte, d.h. keinem speziellen Aufsichtsrecht unterliegende Personen- oder Kapitalgesellschaften, an denen sich der Investor durch Erwerb eines Anteils beteiligt. Allein aufgrund einer fehlenden Regulierung kann der Zugang zu derartigen Anlagen erschwert und mit besonderen Risiken verbunden sein. Für Direktanlagen sind häufig hohe Mindestanlagesummen von mindestens 1 Mio. USD charakteristisch.

Hedge Fonds, Private Equity Fonds und Venture Capital Fonds sind i.d.R. weniger liquide als traditionelle Anlageinstrumente und berechnen oftmals eine performanceabhängige Vergütung.

1.1 Hedge Fonds

Der Begriff Hedge Fonds entstand in den späten 40er Jahren, als die ersten institutionen im Markt auftauchten, die sich gezielt bestimmten Anlagestrategien verschrieben hatten. Der Name knüpft an eine dieser Strategien an, für die die Einnahme gegensätzlicher Positionen in verschiedenen Aktien derselben Branche charakteristisch ist. Hierdurch wird die Wertentwicklung der Gesamtposition gegen starke Marktbewegungen "gehedgt", d. h. abgesichert, während man von der relativen Wertentwicklung einer einzelnen Aktie profitieren kann. Heutige Hedge Fonds sind nicht auf diese namensgebende Strategie beschränkt, sondern nutzen eine unbeschränkte Vielzahl unterschiedlichster Anlageansätze und -techniken.

Gesetzliche Regelungen für Hedge Fonds enthält das Investmentgesetz vom 01. Januar 2004. Unter der Bezeichnung "Sondervermögen mit zusätzlichen Risiken (Hedge Fonds)" sind dort insbesondere grundsätzliche Vorgaben für die Vertragsbedingungen sowie die Verwaltung des Sondervermögens und deren Regulierung enthalten. lm vorliegenden Dokument umfasst der Begriff Hedge Fonds zusätzlich auch Fonds aus dem unregulierten Bereich.

Hedge Fonds Manager verfolgen einen besonderen Anlagestil. Die Grundidee ist es, eine positive absolute Rendite unabhängig von Markttrends zu erwirtschaften. Sie können die volle Bandbreite von Finanzinstrumenten einsetzen, einschließlich Futures-Kontrakten, Optionen und Wertpapieren verschiedener Anlageklassen. Die meisten Manager konzentrieren sich auf ganz bestimmte Investmentstrategien und -prozesse. Bei einigen Strategien stehen ehrgeizigen Renditezielen auch hohe Verlustrisiken gegenüber, während andere eine sehr kontinuierliche und moderate Wertentwicklung im Zeitverlauf anstreben.

Die Anlagestrategien von Hedge Fonds können vereinfachend in fünf Hauptkategorien eingeteilt werden:

Relative Value Fonds gehen typischerweise Arbitragepositionen in Anleihen, Aktien oder Wandelanleihen ein. Event Driven Fonds engagieren sich in gegensätzlichen Positionen (Long, Short) in Wertpapieren von Unternehmen, bei denen erwartet wird, dass unternehmensspezifische Ereignisse anstehen wie z. B. eine Fusion, eine Übernahme oder ein Restrukturierungsprogramm. Global Macro Fonds investieren auf der Basis makroökonomischer Trends und partizipieren dabei von Entwicklungen in Währungen, Aktien und Anleihen. Equity Hedge Fonds gehen wahlweise so genannte Long- und Short-Positionen ein, um von unterschiedlichen Wertentwicklungen von über- und unterbewerteten Aktien zu profitieren. Beim Short-Selling (Leerverkauf) wird versucht, von einem erwarteten Kursverfall einerAktie zu profitieren.

1.2 Private Equity Fonds

Kapitalanlagen in Private Equity Fonds sind unternehmerische Eigenkapital-Beteiligungen in Portfolien junger, i.d. R. nicht börsennotierter Unternehmen. Die Beteiligungen dienen dem Zweck der Finanzierung des Wachstums junger Unternehmen oder spezieller Anlässe wie z. B. Restrukturierungsmaßnahmen. Die Investoren erwerben mit einem bestimmten Zeichnungsbetrag einen Gesellschaftsanteil und beteiligen sich hierdurch am Fondsvermögen. Dieser Zeichnungsbetrag wird üblicherweise in mehreren Raten je nach Investitionsfortschritt des Fonds abgerufen. Die Erträge, im Wesentlichen Gewinne aus der Veräußerung der Beteiligungen nach vollzogener Wertsteigerung, werden den einzelnen Investoren in der Regel nach Vereinnahmung durch den Fonds und nach Abzug der o. g. Erfolgsbeteiligung des Investmentmanagers ohne Wiederanlage ausgezahlt. Die Rückzahlung von Kapitalteilbeträgen erfolgt ebenfalls entweder sukzessive oder zum Ende der Laufzeit des Gesamtinvestments. Die Fonds beschränken sich auf eine begrenzte Anzahl von Investments, die meistens zehn nicht übersteigen, und sind daher nur sehr gering diversifiziert. Die Laufzeit der Fonds liegt in der Regel zwischen sieben und zwölf Jahren. Die Anteile an den Fonds können üblicherweise nicht übertragen oder vorzeitig an die Gesellschaft zurückgegeben werden.

1.3 Venture Capital Fonds

Venture Capital Fonds sind Private Equity Fonds sehr ähnlich. Der Hauptunterschied liegt darin, dass sie hauptsächlich in Unternehmen investieren, die sich in einer sehr frühen Entwicklungsphase befinden*. Venture Capital Fonds agieren vor allem in wachstumsträchtigen Branchen, wie dem Internet-, Informations- und Biotechnologiebereich. Venture Capital Fonds investieren typischerweise in eine größere Anzahl von Unternehmen als Private Equity Fonds. Der Auswahlprozess und die Anlagebedingungen entsprechen denen der Private Equity Fonds, das Volumen der Venture Capital Fonds ist dagegen häufig deutlich geringer.

* Zur Abgrenzung Private Equity - Venture Capital: Der Überbegriff Private Equity, also die Bezeichnung einer Beteiligung während der gesamten Zeit, in der die Kapitalbeteiligung nicht börsennotiert ist, beinhaltet alle Unternehmensphasen von den ersten Schritten über die Finanzierung von Wachstum und Akquisitionen bis zur Bereitstellung von Eigenkapital im Vorfeld eines geplanten Börsengangs. Der in der Regel geläufigere Begriff des Venture Capital im engeren Sinne bedeutet nur die Finanzierung mit Eigenkapital in den sehr frühen Phasen des Unternehmens wie z. B. der Forschung, Entwicklung oder der Firmengründung.

1.4 Portfolio-Strategien/indirekte Partizipation an Hedge Fonds, Private Equity Fonds und Venture Capital Fonds

Portfolio-Konstruktionen (sog. Funds of Funds und spezielle Indexzertifikate) bieten die Möglichkeit einer indirekten Anlage in Hedge Fonds, Private Equity Fonds und Venture Capital Fonds. Bei Funds of Funds erwirbt der Anleger einen Anteil an einem Fonds, der seinerseits in kollektive Anlagen, wie Hedge Fonds, Private Equity und Venture Capital Fonds, investiert. Die mittelbare Teilhabe an der Wertentwicklung eines Portfolios verschiedener Hedge Fonds durch Indexzertifikate basiert auf der Verbriefung eines Index, der seinerseits ein entsprechendes Portfolio abbildet. Beide Wege eröffnen den Zugang zu einer diversifizierten Anlage, deren Einzelanlagen hohe Mindestanlagesummen fordern können und die nur sehr begrenzt öffentlich zugängliche informationen anbieten.

Mit auf Hedge Fonds, Private Equity Fonds und Venture Capital Fonds basierenden Portfoliostrategien können verschiedene Ziele verfolgt werden: Risikominimierung durch Diversifikation, Erreichen bestimmter Renditeziele, Optimierung der Rendite-/Risikorelationen, Anstreben bestimmter Korrelationen zu bestimmten Märkten, aber auch die Abbildung bestimmter Marktsegmente, Strategien etc. Diversifikation kann dabei risikominimierend wirken, wenn ein Fonds innerhalb des Portfolios eine schlechte Wertentwicklung aufweist und ein anderer von derselben Marktsituation profitiert. Außerdem wird durch die Diversifikation typischerweise die Gesamtvolatilität des Portfolios verringert. Bei veränderter Marktsituation oder Erwartungshaltung können die Zusammensetzung des Portfolios und die zum Einsatz kommenden Risikomanagementtechniken verändert werden.

2 Verlustrisiken

2.1 Allgemeine Risiken der Vermögensanlage in Hedge Fonds, Private Equity Fonds und Venture Capital (Wagniskapital) Fonds sowie in Portfoliostrukturen

2.1.1 Illiquidität der Anlage

Die mit dem Begriff "Alternative Investments" benannten Fonds investieren teilweise in illiquide Finanztitel und Beteiligungen, für die kein oder nur ein sehr enger Sekundärmarkt existiert. Soweit für die getätigten Anlagen Marktpreise ermittelt werden, unterliegen diese in der Regel großen Schwankungen. Die Auflösung einzelner Investitionen und Risikopositionen kann dem Fonds dementsprechend im Einzelfall unmöglich sein. Vielfach ist sie mit der lnkaufnahme hoher Wertverluste verbunden. Die Illiquidität des Fondsvermögens beeinträchtigt die Verkehrsfähigkeit des vom Anleger erworbenen Fondsanteils. Portfoliostrukturen bleiben davon nicht unberührt, können diesen Effekt aber aufgrund einer breiteren Anlegerschaft vermindern. lm Hinblick auf die Liquidität muss zwischen Auflösung und Übertragung unterschieden werden:

2.1.1.1 Beendigung des Engagements

a) Rückgabe an den Fonds, Ausübung von Indexzertifikaten: Da die enthaltenen/abgebildeten Anlagen illiquide sein können, existieren für diese Konstellationen in jedem Einzelfall unterschiedlich festgelegte Regelungen. Charakteristisch ist es, dass dabei bestimmte in den Vertragsbedingungen festgelegte Fristen beachtet werden müssen. Das kann bedeuten, dass zwischen der verbindlichen Entscheidung zur Rückgabe/Ausübung und der Festlegung des Rückzahlungswerts eine definierte Frist liegt. ln diesem Zeitraum trägt der Investor das Marktrisiko. Zwischen der Festlegung des Rückzahlungswertes und der Auszahlung kann ein weiterer Zeitraum liegen.

b) Rückzahlung in Sachwerten: Sofern es vertraglich vereinbart ist, können Fondsmanager einzelne Investments nicht mit Bargeld, sondern auch mit Wertpapieren oder anderen Sachwerten zurückzahlen. Der Investor erhält dann Teile seiner Anlage in Sachwerten ausgezahlt. In diesem Fall trägt er das Risiko der fehlenden Fungibilität bzw. Liquidität dieser Werte.

2.1.1.2 Übertragung

a) Börsennotierung: Selbst bei der möglichen Börsennotierung von Instrumenten, die Portfoliostrukturen abbilden, ist zu beachten, dass die Marktgängigkeit auch in diesen Fällen teilweise wegen der illiquiden zugrunde liegenden Anlagen eingeschränkt ist. Dies gilt insbesondere in Abhängigkeit von der jeweiligen Marktsituation. Für den Fall, dass keine Nachfrage vorhanden ist, steht häufig nur ein Market-Maker, i.d. R. der Emittent, zur Verfügung. Zumeist handelt es sich dabei um keine rechtlich durchsetzbare Verpflichtung. Die Market-Maker-Tätigkeit kann unter Beachtung der jeweiligen Börsenbestimmungen jederzeit eingeschränkt oder vollständig aufgegeben werden, was zur vollständigen Illiquidität führen kann.

b) Direkte Übertragung (außerbörslich): Zum einen kann diese Möglichkeit vertraglich ausgeschlossen sein und zum anderen obliegt es dem Investor, einen Kaufinteressenten zu finden.

2.1.2 Bewertung der Fondsvermögen bzw. der Portfoliovermögen

Die Bewertung des Anlagevermögens erfolgt regelmäßig in bestimmten Abständen. Zwischenzeitliche Bewertungen stehen unter dem Vorbehalt einer späteren Korrektur zum Bewertungsstichtag. ln einigen Fällen besteht keine Verpflichtung zu einer regelmäßigen Bewertung. Die Bewertung illiquider Anlageaktiva erfolgt durch den Fondsmanager. Insgesamt kann es bei der Bewertung zu Verzögerungen kommen. Bewertungen lassen zudem nur bedingt Rückschlüsse darauf zu, welchen Wert die Anlagen an einem aktiven, liquiden und/oder geregelten Markt tatsächlich hätten. Hinzu kommt, dass einige Fonds nur sehr eingeschränkt Auskunft über die Art ihrer Investitionen und deren Wertentwicklung geben, so dass es schwierig sein kann, die Bewertungen oder die Anlagestrategien dieser Fonds über einen längeren Zeitraum nachzuvollziehen und zu überprüfen.

2.1.3 Abhängigkeit von Fondsmanagern, Investmentmanagern und Fondsinitiatoren

Die Entscheidungen über die Anlagen der Fonds werden allein von den Fondsmanagern/Fonds-initiatoren/Investmentmanagern getroffen. Der Bestand und die Entwicklung der Fondsvermögen sind in erheblichem Maße von den Fondsinitiatoren/Investmentmanagern und deren Team abhängig. Kaum ein Fondsmanager verwaltet nur einen Fonds. Vielfach werden maßgebliche Personen für bestimmte Fonds nicht als fest angestellte, sondern lediglich als freie Mitarbeiter tätig. Insbesondere in diesen Fällen müssen die Möglichkeit eines kurzfristigen Wechsels im Fondsmanagement und dessen negative Auswirkungen auf die Geschäftstätigkeit des Fonds in Betracht gezogen werden.

2.1.4 Vergütungssystem

Üblicherweise besteht die Vergütung eines Fondsmanagers oder einer in vergleichbarer Funktion handelnden Person aus einem fixen Gehalt und einem leistungsbezogenen Bonus. Diese Leistungshonorare können zu einem erheblich aggressiveren Anlageverhalten des Fondsmanagers führen, als es ohne einen solchen Anreiz der Fall wäre. Bei Portfoliostrukturen entstehen Kosten auf mehreren Ebenen (z. B. Fonds, Portfoliomanager, Investmentberater). Dies führt im Vergleich zu Direktanlagen teilweise zu verringerten Renditechancen.

2.2 Spezielle Risiken der Vermögensanlage in Hedge Fonds

2.2.1 Hebelwirkung

Hedge Fonds nehmen zur Finanzierung der von ihnen getätigten Anlagen teilweise in erheblichem Umfang Kredite in Anspruch. Die durch diese - neben die Eigenkapitalbeschaffung durch Aufnahme von Investoren tretende - Fremdfinanzierung erzielte Hebelwirkung setzt das Fondsvermögen im Falle negativer Marktentwicklungen einem deutlich erhöhten Verlustrisiko aus. Besonders negativ wird sich der durch Fremdfinanzierung geschaffene Hebel (Leverage Effect) dann auswirken, wenn der allgemeine Markttrend der Strategie des Fonds zuwiderläuft. In diesem Fall besteht - je nach Höhe des eingesetzten Hebels - eine mehr oder minder hohe Wahrscheinlichkeit, dass der Investor seine Einlage vollständig (Totalverlust) oder zu großen Teilen verliert.

2.2.2 Risikoreiche Anlagestrategien, -techniken und -instrumente

Hedge Fonds können ohne Beschränkungen hochriskante Anlagen tätigen. Solche Anlagen sind notwendigerweise einem hohen Verlust und Totalverlustrisiko ausgesetzt. Hat der Fonds seine Anlagemittel insgesamt oder zu einem erheblichen Teil in ein einzelnes Risikogeschäft dieser Art investiert, setzt dies den Anleger wiederum der Gefahr aus, seine Einlage vollständig (Totalverlust) oder zu großen Teilen zu verlieren. Ein erhöhtes Verlustrisiko besteht generell immer dann, wenn der Fonds seine Investitionen auf typischerweise risikoreiche Finanzinstrumente, Branchen oder Länder konzentriert.

Risikogeschäfte, die von Hedge Fonds teilweise getätigt werden, sind u.a. der Erwerb von risikobehafteten Wertpapieren, Leerverkäufe (Short Sales), alle Arten börslicher und außerbörslicher Derivategeschäfte sowie Waren- und Warentermingeschäfte. Eine abschließende Aufzählung aller in Betracht kommenden Anlagestrategien ist auf Grund ihrer Vielfältigkeit nicht möglich. Weitere in Betracht kommende Anlagetechniken sind teilweise als vergleichbar spekulativ und risikobehaftet anzusehen.

2.2.2.1 Erwerb von risikobehafteten Wertpapieren

Die Anlagestrategie einiger Hedge Fonds ist auf den Erwerb von risikobehafteten Wertpapieren gerichtet, deren Emittenten sich aus unterschiedlichsten Gründen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befinden. Teilweise durchlaufen die - typischerweise durch eine geringe Bonität gekennzeichneten - Unternehmen tief greifende Umstrukturierungsprozesse, deren Erfolg ungewiss ist. Derartige - quasi-unternehmerische - Investitionen sind notwendigerweise riskant und einem hohen Totalverlustrisiko ausgesetzt. Die Einschätzung der Erfolgsaussichten eines entsprechenden Engagements wird zudem dadurch erschwert, dass es vielfach nicht oder nur eingeschränkt möglich ist, zuverlässige Informationen über den konkreten wirtschaftlichen Zustand derartiger Unternehmen zu erhalten. Hinzu kommt, dass die Kurse der entsprechenden Wertpapiere häufig sehr hohen Schwankungen unterliegen. Dementsprechend ist die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufspreis bei diesen Wertpapieren größer als bei marktgängigen Wertpapieren.

2.2.2.2 Leerverkäufe

Der Begriff des Leerverkaufs (Short Sale) steht für den Verkauf eines Wertpapiers, über das der Verkäufer im Moment des Geschäftsabschlusses nicht verfügt. Der Verkäufer geht - aus welchen Gründen auch immer - von fallenden Kursen aus und setzt dementsprechend darauf, das Wertpapier zu einem späteren Zeitpunkt zu einem niedrigeren Preis erwerben und auf diese Weise einen Differenzgewinn erzielen zu können. Zur Erfüllung seiner Verpflichtung aus dem ursprünglichen (Leer-)Verkauf bedient sich der Verkäufer der Wertpapierleihe. Tritt die von dem "Leerverkäufer" antizipierte Entwicklung fallender Kurse nicht ein, besteht bei steigenden Kursen ein theoretisch unbegrenztes Verlustrisiko, da die Wertpapierleihe zu aktuellen Marktkonditionen zurückgeführt werden muss.

2.2.2.3 Derivate

Teilweise setzen Hedge Fonds in großem Umfang und mit unterschiedlichsten Verwendungszwecken alle Arten börslich und außerbörslich (OTC - over the counter -) gehandelter Derivate ein. Diese Geschäfte unterliegen allen derivatespezifischen Verlustrisiken. Als Käufer von Optionsrechten trifft den Fonds das Risiko der Wertminderung und des Totalverlusts der eingesetzten Optionsprämien. Als Verkäufer von Optionsrechten (Short Call/Short Put) oder Partei eines Festgeschäfts (z.B. eines Devisentermingeschäfts, eines Future-Geschäfts oder eines Swapgeschäfts) ist der Fonds bei einer aus seiner Sicht ungünstigen Marktentwicklung einem theo retisch im Vorhinein nicht bestimmbaren Verlustrisiko ausgesetzt, das weit über ursprünglich geleistete Sicherheiten (Margins) hinausgeht. Diese (Markt-)Verlustrisiken können sich bei der Nutzung strukturierter exotischer Derivateprodukte potenzieren. Soweit sich der Fonds - wie vielfach üblich - in außerbörslich gehandelten Derivaten engagiert, ist er zudem - unabhängig von der Marktentwicklung - dem Bonitätsrisiko seiner Kontrahenten ausgesetzt.

2.2.2.4 Waren- und Warentermingeschäfte

Das Engagement einiger Hedge Fonds erstreckt sich auch auf Waren- und Warentermingeschäfte. Diese weisen erhöhte - von denen herkömmlicher Finanzinstrumente abweichende - Veriustrisiken auf. Warenmärkte sind hochvoiatil. Sie werden von vielen Faktoren, wie beispielsweise dem Wechselspiel von Angebot und Nachfrage, aber auch von politischen Gegebenheiten, konjunkturellen Einflüssen und klimatischen Bedingungen, beeinflusst. Verfügen die für den Fonds handelnden Personen nicht über entsprnde spezifische Kenntnisse und Erfahrungen iWaren- und Warentermingeschäft, wird ein Engagement mit hoher Wahrscheinlich- keit Verlust bringend verlaufen. Aber auch einschlägige Spezialkenntnisse schützen nicht vor Verlusten auf diesen besonders volatilen Märkten.

2.2.2.5 Transaktionskosten

Werden - wie dies bei einigen Hedge Fonds der Fall ist - Investitionen von kurzfristigen Marktaussichten bestimmt, führt dies typischerweise zu einer erhöhten Anzahl von Geschäftsumsätzen. Dies bedingt einen erheblichen Aufwand an Provisionen, Gebühren und sonstigen Transaktionskosten. Ein dem Anleger zufließender Gewinn wird erst nach Abzug dieser Kosten erzielt.

2.2.2.6 Handels- und Risikomanagementsysteme

Die von Hedge Fonds genutzten Anlage- und Handelsstrategien bedingen den Einsatz standardisierter, auf bestimmten Annahmen und Zusammenhängen basierender Handels- und Risikomanagementsysteme. Versagen diese Systeme, sei es konstruktionsbedingt aufgrund unzutreffender Annahmen, einer außergewöhnlichen Marktsituation oder infolge der Veränderung von Zusammenhängen zwischen Märkten und einzelnen Finanzinstrumenten, so kann dies zu Verlusten beim Fonds führen.

2.3 Spezielle Risiken bei Private Equity Fonds und Venture Capital Fonds

2.3.1 Anlagen im Allgemeinen

Private Equity Fonds und Venture Capital Fonds (Wagniskapitalfonds) sind als unternehmerische Eigenkapitalbeteiligungen begriffsnotwendig einem spezifischen Verlustrisiko ausgesetzt. Erträge können ausbleiben. Bei negativer Entwicklung der Unternehmen, in die der jeweilige Fonds investiert hat, kann es auch zu einer vollständigen Abschreibung einer Beteiligung an einem solchen Unternehmen kommen. Im schlimmsten Fall kann ein Totalverlust des gesamten Fondsvermögens und damit des gesamten darin investierten Kapitals des Anlegers eintreten. Anlagestrategien einzelner Fonds können auf hochgradig spekulativen Anlagetechniken beruhen, darunter extrem hohen Fremdfinanzierungen, hoch konzentrierten Portfolios, Problemlösungen und Neugründungen, Kontrollpositionen und illiquiden Anlagen. Wesentliches Merkmal ist, dass der Anleger unter Umständen auf Abruf Mittel bereitstellen muss, beispielsweise bei Fonds, die über die Einzahlung des Zeichnungsbetrages hinaus eine Nachschusspflicht vorsehen. Private Equity Fonds haben komplexe Risikostrukturen, von denen insbesondere folgende hervorzuheben sind:

2.3.2 Allgemeine Geschäftstätigkeit der vermittelnden Bank

Die in den Vertrieb von Private Equity Fonds und Venture Capital Fonds eingeschaltete Bank kann im Rahmen ihrer allgemeinen Geschäftstätigkeit geschäftliche Beziehungen unterschiedlichster Art sowohl zu den Unternehmen unterhalten, in die der von ihr vertriebene Fonds investiert, als auch zu solchen dritten Unternehmen, die ihrerseits mit den "Fondsunternehmen" in Geschäftsbeziehung stehen. Es ist ferner möglich, dass die Bank im Rahmen ihres Investment Banking eine Gesellschaft berät, die beabsichtigt, sich an einem der "Fondsunternehmen" zu beteiligen oder es zu übernehmen. Weiterhin besteht die Möglichkeit, dass die Bank oder ein mit ihr verbundenes Unternehmen Geschäfte tätigt, die denen des Fonds vergleichbar sind. Schließlich kann die Bank in Finanzinstrumenten, die von dem Fonds gehalten werden, Eigenhandelsgeschäfte tätigen. Die Einbindung in den Vertrieb der Fonds-Geschäftsanteile hindert die Bank in keiner Weise an diesen Aktivitäten.

II. Sonstige Alternative Anlagen

1 Rohstoffe - Grundstrukturen und Preisrisiken

1.1 Was sind Rohstoffe?

Unter dem Begriff "Rohstoffe" werden im allgemeinen Sprachgebrauch gewöhnlich auch Waren mit einbezogen. Hierfür wird auch der englische Begriff "Commodities" verwendet. Rohstoffe werden in drei Hauptkategorien eingeteilt: Mineralische Rohstoffe (wie z.B. Öl, Gas, Aluminium und Kupfer), landwirtschaftliche Erzeugnisse (wie z. B. Weizen und Mais) und Edelmetalle (wie z. B. Palladium und Platin). Technologische Innovationen und wirtschaftliche Veränderungen haben zur Entwicklung neuer "Rohstoffe" geführt. Dazu zählen zum Beispiel Elektrizitäts-, Wetter- und Katastrophenderivate. Es können weitere Märkte für Rohstoffe mit zusätzlichen Risiken entstehen.

Ein Großteil der Rohstoffe wird an spezialisierten Börsen oder direkt zwischen Marktteilnehmern (Banken) weltweit in Form von OTC-Geschäften (außerbörslich) mittels weitgehend standardisierter Kontrakte gehandelt. Diese Kontrakte sehen eine Lieferung nach Ablauf einer bestimmten Monatsfrist zu einem festgelegten Preis vor. Meist erfolgt jedoch keine effektive Lieferung, sondern ein Barausgleich (Cash-Settlement). Bei der Bestimmung von Weltmarktpreisen gelten die in den Kontrakten bestimmten Preise als Grundlage, da sie von Anbietern, Käufern sowie Liquidität bereitstellenden Marktteilnehmern wie Banken und Spekulanten häufig als Richtwerte genutzt werden.

1.2 Einflussfaktoren auf Rohstoff-Preise

Die Ursachen von Preisrisiken bei Rohstoffen sind häufig komplexer. Die Preise sind häufig größeren Schwankungen unterworfen als bei anderen Anlagekategorien. Hinzu kommt, dass Rohstoff-Märkte unter Umständen eine geringere Liquidität aufweisen als Renten-, Devisen- und Aktienmärkte und sich daher Angebots- und Nachfrageveränderungen drastischer auf Preise und Volatilität auswirken können. Diese Marktcharakteristik kann zu einer geringen Preistransparenz führen, wodurch Anlagen in Rohstoffen risikoreicher und komplexer werden.

Die verschiedenen Rohstoffe sind nicht homogen. Daher können sich die Preise sehr unterschiedlich entwickeln. Ein auf Rohstoff-Preisen basierender Index fasst immer eine bestimmte Gesamtheit solcher Preisbewegungen zusammen. Die Preisbewegungen und Risiken einzelner zu Grunde liegender Rohstoffe müssen durch einen Index nicht vollständig widergespiegelt werden.

Die Einflussfaktoren auf Preise von Rohstoffen sind zahlreich und komplex, so dass das Beziehungsgeflecht dieser Faktoren nur schwer zu durchschauen ist. Prognosen zu Preisen von Rohstoffen sind aus diesem Grund schwierig zu treffen.

Im Folgenden sind einige der Faktoren, die sich in Rohstoff-Preisen niederschlagen, kurz erläutert.

1.2.1 Kartelle und regulatorische Veränderungen

Eine Reihe von Rohstoff-Produzenten haben sich zu Organisationen oder Kartellen zusammengeschlossen, um das Angebot zu regulieren und damit die Preise zu beeinflussen. Ein Beispiel ist die OPEC für die Erdöl produzierenden Länder.

Auch der Handel mit Rohstoffen und Rohstoff-Kontrakten unterliegt gewissen Regeln. So haben die meisten Aufsichtsbehörden und Börsen Anforderungen hinsichtlich des Mindestkapitals von Marktteilnehmern sowie tägliche Preisänderungsgrenzen festgesetzt. Jegliche Änderung dieser Regeln kann sich auf die Preisentwicklung auswirken.

1.2.2 Bonitätsrisiken

Produzenten von Rohstoffen verfügen nicht immer über eine ausreichende Bonität und können somit Einschränkungen bezüglich der Finanzierung oder bei Geschäftsabschlüssen für Transaktionen unterliegen. Dies kann das Preismuster eines Rohstoffs verändern.

In Zeiten begrenzter Finanzmittel steigt die Nachfrage nach materiellen Vermögenswerten. Die durch die begrenzten Finanzmittel i.d.R. verringerte Anzahl an Gegenparteien mit einer verminderten Flexibilität, Transaktionen abzuwickeln, können zu höheren Preisen führen.

1.2.3 Zyklisches Verhalten von Angebot und Nachfrage

Landwirtschaftliche Erzeugnisse werden während bestimmter Jahreszeiten produziert, jedoch das ganze Jahr über nachgefragt. lm Gegensatz dazu wird ununterbrochen Energie produziert, obgleich diese hauptsächlich in kalten oder sehr heißen .Jahreszeiten benötigt wird. Dieses zyklische Verhalten von Angebot und Nachfrage kann starke Preisschwankungen nach sich ziehen.

1.2.4 Direkte Investitionskosten

Direkte Investitionen in Rohstoffe sind mit Kosten für Lagerung, Versicherung und Steuern verbunden. Des Weiteren werden auf Rohstoffe keine Zinsen oder Dividenden gezahlt. Die Gesamtrendite von Rohstoffen wird durch diese Faktoren beeinflusst.

1.2.5 Wechselkursrisiken

Obgleich Rohstoffe in allen wichtigen Währungen notiert werden, erfolgt der Großteil der Transaktionen in US-Dollar. Wechselkursänderungen der Heimatwährung eines Anbieters oder Käufers eines Rohstoffs können sich daher auf dessen Preis auswirken.

Regierungen von Schwellenländern werten manchmal ihre Währungen auf oder ab oder sie beschränken den Kapitalverkehr mit dem Ausland. Beide Maßnahmen können die aktuelle und zukünftige Angebotsentwicklung und damit die Preise von Rohstoffen beeinflussen. In Industrieländern können sich finanz- und wirtschaftspolitische Entscheidungen auf den Kurs der jeweiligen Landeswährung auswirken. Auch dies schlägt sich letztendlich in den Preisen bestimmter Rohstoffe nieder.

1.2.6 Inflation und Deflation

Der Verbraucherpreisindex (CPI), einer der wichtigsten Inflationsindikatoren, und die durchschnittlichen Rohstoff-Preise weisen kaum eine Korrelation zueinander auf. Durch die geldpolitischen Instrumente der Zentralbanken kann die Gesamtinflation besser unter Kontrolle gehalten werden. Rohstoffe reagieren jedoch stark auf ein unerwartet hohes Ansteigen der Inflationsrate, wie man 1974 und 1999 beobachten konnte. Dies gilt besonders für mineralische Rohstoffe.

Während der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre verdoppelten sich die Rohstoff-Preise entgegen der allgemeinen Überzeugung, dass ein deflationäres Umfeld zu einem Preisrückgang führen müsse.

1.2.7 Liquidität

Nicht alle Rohstoff-Märkte sind liquide und können schnell und in ausreichendem Umfang auf Veränderungen der Angebots- und Nachfragesituation reagieren. Da an den Rohstoff-Märkten nur wenige Marktteilnehmer aktiv sind, können starke Spekulationen negative Konsequenzen haben und Preisverzerrungen nach sich ziehen.

1.2.8 Nicht homogene Rohstoffe

Besteht zu einem Zeitpunkt ein Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage, so wirkt sich dies während bestimmter Monate auf die Rohstoff-Preise aus. Dies führt aber nicht zwangsläufig zu genauso starken Preisveränderungen während anderer Monate.

Preisveränderungen bei einem mineralischen Rohstoff wie Öl wirken sich nicht unbedingt auf die Preise für Gas, Gold oder andere Rohstoffklassen aus. Kann ersatzweise ein anderer Rohstoff verwendet werden, ist indes bei beiden Rohstoffen eine Preisveränderung möglich. Entscheidet sich beispielsweise ein Katalysatorhersteller, bei der Produktion statt Platin zunehmend Palladium zu verwenden, könnte dies die Nachfrage bei beiden Rohstoffen verändern. Inwieweit sich die Preise dann bewegen würden, hängt vom Ausmaß der Nachfrageveränderung ab. Dabei würde es auch eine Rolle spielen, wie schnell und stark sich das Angebot anpassen kann.

1.2.9 Politische Risiken

Rohstoffe werden oft in Schwellenländern produziert und von Industrieländern nachgefragt. Die politische und wirtschaftliche Situation von Schwellenländern ist jedoch meist weitaus weniger stabil als in den Industriestaaten. Sie sind weit eher den Risiken rascher politischer Veränderungen und konjunktureller Rückschläge ausgesetzt. So gab es in den vergangenen Jahren in zahlreichen Schwellenländern weit reichende politische, wirtschaftliche und soziale Veränderungen. In vielen Fällen haben diese Veränderungen zu Konflikten und sozialen Spannungen, in einigen Fällen zu Instabilität und Protesten gegen Marktreformen geführt. Auch künftig können Entwicklungen mit negativen Auswirkungen auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht ausgeschlossen werden. Politische Krisen können das Vertrauen von Anlegern erschüttern, was wiederum die Preise von Rohstoffen mindern könnte.

Kriegerische Auseinandersetzungen oder Konflikte können Angebot und Nachfrage bestimmter Rohstoffe verändern. Darüber hinaus ist es möglich, dass Industrieländer oder aber die UNO Rohstoff-Produzenten ein Embargo beim Export und Import von Waren und Dienstleistungen auferlegen. Dies kann sich direkt oder indirekt auch in den Preisen von Rohstoffen niederschlagen.

1.2.10 Angebot und Nachfrage

Die Planung und das Management der Versorgung mit Rohstoffen nehmen viel Zeit in Anspruch. Daher ist der Angebotsspielraum bei Rohstoffen begrenzt und es ist nicht immer möglich, die Produktion schnell an Nachfrageveränderungen anzupassen. Die Nachfrage kann auch regional unterschiedlich sein. Die Transportkosten für Rohstoffe in Regionen, in denen diese benötigt werden, wirken sich darüber hinaus auf die Preise aus.

1.2.11 Besteuerung

Änderungen der Steuersätze und Zölle können sich im Nachfragemuster bemerkbar machen und sich für den Hersteller rentabilitätsmindernd oder -steigernd auswirken. Dabei kann es sich auch um indirekte Steuern wie zum Beispiel höhere Ertrag-, Lager- oder Kraftstoffsteuern handeln. Wie stark sich eine Änderung der Besteuerung auf die Anbieter auswirkt, hängt davon ab, inwieweit diese die Kosten weitergeben können.

1.2.12 Wetter und Naturkatastrophen

Ungünstige Wetterbedingungen können das Angebot bestimmter Rohstoffe für das Gesamtjahr beeinflussen. So besteht die Gefahr, dass Frost während der Blütezeit von Kaffeepflanzen die gesamte Ernte vernichtet. Taifune und andere Naturkatastrophen können die Öl- und Getreideproduktion für lange Zeit in Mitleidenschaft ziehen. Eine solche Angebotskrise kann, solange das gesamte Ausmaß noch nicht bekannt ist, zu starken und unberechenbaren Preisschwankungen führen.

Auch die Ausbreitung von Krankheiten und der Ausbruch von Epidemien können die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse beeinflussen.

2 Währungen - Grundstrukturen und Preisrisiken

2.1 Anlage im Devisenmarkt

Die im Devisenmarkt gehandelten Preise sind Wechselkurse zwischen zwei Währungen.

Die Motivation für im Devisenmarkt engagierte Anleger ist üblicherweise die Gewinnerzielung durch Ausnutzung kurz- bis mittelfristiger Wechselkursschwankungen. Dabei ist zu beachten, dass hiermit Gewinne i.d.R. aus kurzfristigen Wertveränderungen erzielt werden sollen und nicht aus Zinserträgen.

Währungen können auf verschiedene Arten gehandelt werden. Üblich ist der Handel auf Kassabasis (Erfüllung i. d. R. zwei Geschäftstage nach Handelstag), in Form von Devisentermingeschäften (Erfüllung zu einem festgelegten späteren Termin) oder als Devisenoption. Der Großteil der Termin- und Optionsgeschäfte wird im lnterbankenmarkt gehandelt; daneben existieren auch entsprechende börsennotierte Kontrakte, z. B. an der Philadelphia Stock Exchange oder der Chicago Mercantile Exchange. Devisenterminkurse sind Marktpreise für den zukünftigen Tausch von Währungen. Da Abschluss und Erfüllung der Transaktion zeitlich getrennt sind, weicht der Terminkurs vom Kassakurs ab. Der Terminkurs errechnet sich aus dem jeweiligen Kurs am Kassamarkt und dem Zinsunterschied zwischen den beiden Währungen für den Zeitraum zwischen Abschluss und Erfüllung des Termingeschäfts. Zinsbeeinflussende Faktoren, wie z. B. die Veröffentlichung von Wirtschaftsdaten sowie die Zinspolitik von Zentralbanken, wirken sich tendenziell stärker auf Devisenterminkurse als auf den Kassakurs aus.

Mit einem täglichen Handelsvolumen von über 1 Trillion US-Dollar ist der internationale Devisenmarkt der größte Markt der Welt.

2.2 Einflussfaktoren auf Wechselkurse

Die Wechselkursentwicklung am Devisenmarkt wird durch eine Kombination aus langfristig-strukturellen, mittelfristig-zyklischen und kurzfristig-spekulativen Faktoren beeinflusst, deren wesentliche Aspekte nachstehend beschrieben werden.

2.2.1 Langfristig-strukturelle Einflussfaktoren

Strukturelle Veränderungen vollziehen sich oft über einen längeren Zeitraum und wirken sich daher eher auf das langfristige Gleichgewicht von Währungsrelationen aus als auf die kurz- bis mittelfristige Kursentwicklung. Eine Reihe struktureller Einflussfaktoren wirkt sich auf die langfristige Kursrelation zwischen zwei Währungen aus. Hierzu gehören langfristige Inflationstrends der jeweiligen Volkswirtschaften, Produktivitätsunterschiede, langfristige Entwicklungen der Nettowährungsreserven und -Verbindlichkeiten, dauerhafte Trends in der Relation zwischen Export- und lmportpreisen sowie die langfristige Entwicklung von Spar- und Investitionsquoten.

2.2.2 Mittelfristig-zyklische Einflussfaktoren

Zyklische Einflussfaktoren können mittelfristige Abweichungen des Wechselkurses von der langfristigen Gleichgewichtsrelation bewirken. Diese mittelfristigen Schwankungen können in beide Richtungen recht umfangreich sein und teilweise über einen längeren Zeitraum anhalten. Auf lange Sicht kehrt der Wechselkurs jedoch tendenziell zum langfristigen Gleichgewichtsniveau zurück, sobald zyklische Einflüsse wieder in den Hintergrund treten. Mittelfristige Devisenkurstrends werden vorwiegend durch die Entwicklung volkswirtschaftlicher Faktoren wie z. B. die Entwicklung realer Zinsdifferenzen, der Handels- und Leistungsbilanz, Unterschiede in der Geld- und Fiskalpolitik sowie in der konjunkturellen Entwicklung beeinflusst; auch Überlegungen zum Gleichgewicht innerhalb von Portfolios spielen hierbei eine Rolle. Als Erklärungsansätze und Indikatoren für mittelfristige Wechselkurstrends haben sich diese Faktoren in der Vergangenheit nur bedingt geeignet erwiesen. Regelmäßig auftretende enge Wechselbeziehungen, bei denen über mehrere Zyklen hinweg eine starke Korrelation zwischen einem oder mehreren dieser Faktoren und Trends im Devisenmarkt zu beobachten ist, werden oft durch unerwartete Ereignisse durchbrochen, durch die die Eignung des jeweiligen Faktors als Indikator in der Folge stark beeinträchtigt wird. Insgesamt haben sich Veränderungen in der Geld- und Fiskalpolitik als wichtigste mittelfristige Einflussfaktoren auf Wechselkurse herauskristallisiert. Zahlreiche der wesentlichen Währungszyklen der 90er Jahre lassen sich auf Änderungen des jeweiligen nationalen "Policy-Mix" zurückführen.

2.2.3 Kurzfristig-spekulative Einflussfaktoren

Auf kurze Sicht lassen sich schließlich Marktpositionen, Marktmeinung sowie die Bereitschaft zur Risikoübernahme als Einflussfaktoren identifizieren. Auch hier sind die Wechselbeziehungen eher instabil. Oftmals können solche Einflüsse jedoch fundamentale Aspekte kurzfristig überlagern. Kriegshandlungen und andere politische Konflikte können das Kursniveau sowie die Liquidität im Handel bestimmter Währungen beeinflussen.