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Unfallversicherung

Bedarf

Unfälle bedrohen das tägliche Leben eines jeden. So erlitten im Jahr 2001 rund 9,1 Miliionen Menschen eine Unfallverletzung, Uber 6 Millionen davon in der Freizeit oder zu Hause.

Knapp 1,5 Millionen Unfälle betreffen Kinder unter 15 Jahren, mehr als 1,5 Millionen Hausfrauen verunglücken järhrlich, es sind in Deutschland pro Jahr etwa 30.000 Unfalltote zu beklagen.

Schwere und Dauer eines Unfalles sind nicht vorhersehbar und mit vielfältigen wirtschaftlichen Folgen verbunden:

Zentrale Aufgabe der Unfallversicherung ist es, Einkommensverluste und Einbußen an Lebensqualität zu mildern, das Leben nach einem Unfall so lebenswert wie möglich zu gestalten und den Lebensstandard zu sichern.

Zielgruppen

Bendtigt wird die Unfallversicherung praktisch von allen Bevölkerungsgruppen:

Gesetzliche Unfallversicherung (GUV)

Träger der gesetzlichen Unfallversicherung sind die sich selbst verwaltenden Berufsgenossenschaften sowie

Gliederung der gesetzlichen Unfallversicherung
Die gesetzliche Unfallversicherung gliedert sich in die

Allgemeine Unfallversicherung

Landwirtschaftliche Unfallversicherung

Seeunfallversicherung

Träger:

Gewerbliche Berufsgenossenschaft

Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft

See-Berufsgenossenschaften

Mitgliedsunternehmen

Alle Betriebe der gewerblichen Wirtschaft und der öffentlichen Verwaltung

Alle landwirtschaftlichen Betriebe, Betriebe des Gartenbaus

Alle Unternehmen der Seeschifffahrt und Seefischerei

Angehöriger der Unfallverslcherung wlrd man als Pflicht- oder frelwllllg Versicherter:

Angehörige der Unfallversicherung

Pflichtversicherter ...

Freiwillig Versicherter ...

wird man ohne Rücksicht auf den eigenen Willen oder den des Arbeitgebers. Es handelt sich um eine Zwangsversicherung, insbesondere für

- alle Arbeitnehmer

- Unternehmer (Arbeitgeber), in Abhängigkeit von der Betriebsgröße und dem Gewerbezweig der Unternehmung.

Beispiel: selbst Küstenschiffer und Küstenfischer

wird man als nicht versicherungspflichtiger Unternehmer, Selbständiger oder Freiberufler mit freiwilliger Beantragung.

Durch die GUV sind die nachfolgenden Personen geschützt:

Versicherte Personen in der GUV

Alle Arbeitnehmer:

während der beruflichen Tätigkeit sowie auf dem Weg zur und von der Arbeit

Selbständige:

während der Arbeit.

Hilfeleistende:

während einer Rettungs- oder Hilfeleistung.

Kinder:

während des Kindergartenbesuchs und auf dem Hin- und Rückweg.

Schüler, Studenten:

während des (Hoch-)Schulbesuchs sowie auf dem Weg zur und von der (Hoch-)Schule.

Für die sogenannten Wegeunfälle kommt die kollektive Unfallversicherung nur auf, wenn sich der Unfall auf dem kürzesten (zeitlich) Weg zwischen Arbeitsstätte/ Schule und der Wohnung des Versicherten ereignet. Dies gilt, mit Ausnahme von Trunkenheit, verschuldensunabhängig. Für den gesamten Privatbereich besteht also kein Versicherungsschutz. Man spricht insoweit auch von einer sog. Ausschnittsdeckung. Die Meldung eines Unfalls muss umgehend dem Arbeitgeber oder der Schule gegenüber erfolgen. Von dort wird der zuständige Versicherungsträger unterrichtet.

Neben den Berufs- und Wegeunfällen ist die Berufskrankheit das dritte Ereignis, das einen Anspruch auf Leistung auslösen kann. Die als Berufskrankheiten anerkannten Krankheiten sind in einem Katalog zusammengesteilt, der Liber die Berufsgenossenschaft bezogen werden kann.

Beispiel:

Die bekannteste Berufskrankheit ist die "Staublunge", die aus einer besonders gesundheitsschädigenden Tätigkeit, dem Bergbau, resultiert.

In der GUV sind folgende Leistungen geregelt:

- Heilbehandlung

(= Beseitigung oder Reduzierung) von Unfallfoigen und Beschwerden aufgrund einer Berufskrankheit. Die Heilbehandlung umfasst neben ärztlicher Behandlung auch

- Berufshilfe

(Leistungen zur beruflichen Rehabilitation)

Ziel ist es, den Verletzten wieder ins Berufsleben zu integrieren. Ist dies nicht mögiich, werden die Kosten für eine Ausbildung in einem anderen Beruf übernommen und für diese Zeit wird Ubergangsgeld bezahlt.

- Verletztengeld

Während der Heilbehandlung erhalten Versicherte Verletztengeld, solange sie infolge des Versicherungsfalles arbeitsunfähig sind (nach der Lohnfortzahlung), entsprechend den Vorschriften der Krankengeldzahlung.

- Übergangsgeld

Zahlung eines Ubergangsgeldes für die Dauer des Bezugs von berufsfördernden Leistungen, sofern kein Krankengeld oder Arbeitsverdienst gezahlt wird. Die Höhe entspricht dem des Krankengeldes.

- Verletztenrente

(ebenso Rente wegen Verlust der Erwerbsfähigkeit durch Berufskrankheit)

Sie wird gezahlt, wenn die Erwerbsfähigkeit dauerhaft um mindestens 20 % gemindert ist und länger als 26 Wochen andauert.

- Sterbegeld und Hinterbliebenenrente

Führt der Unfall oder die Berufskrankheit zum Tode, wird eine Beihilfe zu den Beerdigungskosten und eine Rente an die Hinterbliebenen gezahlt.

Neben der finanzieilen Sicherstellung und der Rehabilitation hat die GUV als Hauptaufgabe: die Unfallverhütung. Dazu erlassen die Berufsgenossenschaften Unfallverhütungsvorschriften, deren Einhaltung durch technische Aufsichtsbeamte überwacht wird.

Leistungsumfung der privaten Unfallversicherung

Unfallbegriff und Geltungsbereich

Merkmale des Unfallbegriffs:

Zwischen dem Unfallbegriff gemäß den allgemeinen Unfallversicherungsbedingungen der privaten Unfallversicherung (AUB) und dem üblichen Sprachgebrauch gibt es deutliche Unterschiede. Nach den AUB versteht man einen Unfall (im engeren Sinne) als

1. Plötzlichkeit

Ein plötzliches Ereignis tritt während eines relativ kurzen Zeitraumes ein, im Gegensatz zum "Allmählichkeitsereignis". Charakteristisch für den Begriff der Plötzlichkeit ist immer

eines solchen Vorfalls.

Beispiel:

Das Einatmen umweltbelasteter Luft über einen längeren Zeitraum stellt kein plötzliches Ereignis im Sinne der Unfallversicherungsbedingungen dar. Anders verhält es sich, wenn giftige Dämpfe, z. B. bei einem Grubenunglilck, eingeatmet werden, da das Ereignis als solches "unentrinnbar" ist.

2. Von außen auf den Körper wirkend

Hierbei kann es sich um Ereignisse handeln, die auf mechanische, chemische oder elektrische Vorgänge zurückzuführen sind, aber auch um die Anwendung von physischer Gewalt. Davon klar abzugrenzen sind generell alle Krankheiten, d. h. Vorgänge, die auf "innere" Veränderungen oder Störungen des Organismus zurückzuführen sind (Herzinfarkte, Schlaganfälle u. Ä).

3. Ereignis

Als Unfallereignis versteht man einen Vorgang, der entweder auf menschlichem Handeln beruht oder als Naturereignis verstanden werden kann.

4. Unfreiwilligkeit

Die Unfreiwilligkeit schließt insbesondere Unfallereignisse aus, die auf das vorsätzliche Herbeiführen des Versicherungsfalles zurückzuführen sind (Selbsttötung, Selbstversttümmelung). Das bedeutet, dass die eingetretene Gesundheitsschädigung unfreiwillig gewesen sein muss. Notwehr und Nothilfe werden als unfreiwillige Ereignisse angesehen. Grob fahrlässige Handlungen führen nicht zur Versagung des Versicherungsschutzes, da sicher die körperliche Schädigung ungewollt bleibt.

5. Gesundheitsschädigung

Im Bereich der privaten Unfallversicherung versteht man unter einer Gesundheitsschädigung eine Beeinträchtigung der körperlichen Unversehrtheit. Der Versicherte muss den Unfall unmittelbar erleiden, auf seinen Körper muss das Ereignis einwirken. Sachschäden, z. B. eine durch ein Unfallereignis zerstörte Brille, werden nicht ersetzt.

Erweiterung des Unfallbegriffs:

Es liegt auch dann ein Unfail vor, wenn durch erhöhte Kraftanstrengung an Gliedmaßen oder Wirbelsäule

Bei dieser erhöhten Kraftanstrengung geht es nicht um alltägliche Bewegungsabläufe.

Der Unfallschaden ist hier immer abzugrenzen von Verschleißerscheinungen. Bandscheiben- und Meniskusschäden durch erhöhte Kraftanstrengung sind nicht versichert, da Bandscheiben und Meniskus automatisch Knorpel darstellen.

Geltungsbereich des Versicherungsschutzes:

Private Unfallversicherungen gelten standardmäßig weltweit 24 Stunden am Tag. Ausschnittdeckungen sind möglich.

Leistungsarten

Die Leistungsarten der privaten Unfallversicherung unterscheiden sich wesentlich von denen der gesetzlichen Unfallversicherung und sind mit diesen nicht zu vergleichen. Die private Versicherungswirtschaft hat verschiedenartigste umfangreiche Leistungspakete entwickelt, um die finanziellen Folgen eines Unfalls für den Versicherten zu mildern. Je nach Wunsch und im Rahmen der gültigen Tarifbestimmungen können der Umfang und die Höhe des Versicherungsschutzes frei gewählt werden.

Individualleistung

Unverzichtbares Kernstück der Unfallversicherung ist die Invaliditätsleistung. Ist die körperliche oder geistige Leistungsfähigkeit durch einen Unfall beeinträichtigt, soll zum Zwecke der Existenzsicherung ein finanzieller Ausgleich geschaffen werden. Dieser Ausgleich wird in der Regel durch die Vereinbarung eines Invaliditätskapitais (Versicherungssumme) erreicht, das als Basis für eine entsprechende Entschädigung dient. Viele Versicherer bieten auch die Zahlung von Invaliditätsrenten an.

Die Invaiiditätsentschädigung ist von folgenden Faktoren abhängig:

1. Eintritt einer dauerhaften Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Leistungsfähigkeit (Invalidität) aufgrund eines Unfallereignisses.

2. Die Invalidität muss, vom Unfalltag an gerechnet, innerhalb eines Jahres eingetreten sein und spätestens vor Ablauf von weiteren drei Monaten ärztlich festgestellt und geltend gemacht worden sein.

Vor Abschluss eines Heilverfahrens kann eine Invaliditätsleistung innerhaib eines Jahres erfolgen, wenn eine Todesfallsumme vereinbart ist.

Die Höhe der Leistung ist abhängig vom Grad der Invalidität. Zur Bemessung des Invaliditätsgrades dienen Gliedertaxen.

Bei Verlust oder Funktionsunfähigkeit von Sinnesorganen und Körperteilen sieht die Standard-Gliedertaxe der AUB folgende festen Sätze vor:

Sätze der Gliedertaxe

Bei Verlust oder Funktionsunfähigkeit ...

Arm

eines Armes im Schultergelenk 70 %

eines Armes bis oberhalb des Ellenbogengelenks 65 %

eines Armes bis unterhalb des Ellenbogengelenks 60 %

einer Hand im Handgelenk 55 %

eines Daumens 20 %

eines Zeigefingers 10 %

eines anderen Fingers 5 %

Bein

eines Beines über der Mitte des Oberschenkels 70 %

eines Beines bis zur Mitte des Oberschenkels 60 %

eines Beines bis unterhalb des Knies 50 %

eines Beines bis zur Mitte des Unterschenkels 45 %

eines Fußes im Fußgelenk 40 %

einer großen Zehe 5 %

einer anderen Zehe 2 %

Auge

eines Auges 50 %

Gehör

des Gehörs auf einem Ohr 30 %

Geruch

des Geruchs 10 %

Geschmack

des Geschmacks 5 %

Sind aufgrund eines Unfalles Sinnesorgane oder Korperteile in ihrer Gebrauchsfähigkeit eingeschränkt, so wird die Entschädigung nur anteilig (nach dem Prozentsatz der Beeinträchtigung) gewährt.

Beispiel:

Durch einen Skiunfall erleidet der Kunde Müller schwere Verletzungen. Der rechte Fuß kann nicht gerettet, sondern muss amputiert werden. Darüber hinaus bleibt eine Gebrauchsunfähigkeit von 40 % der rechten Hand zurück.

Das vertraglich vereinbarte Invaliditätskapital beträgt 100.000,00 EUR.

Der Invaliditätsanspruch gemäß Gliedertaxe berechnet sich wie folgt:

Verlust eines Fußes im Fußgelenk:

40% = 40.000 EUR

Hand im Handgelenk 55%

hiervon 40%:

22% = 22.000 EUR

insgesamt:

62% = 62.000 EUR

Wird durch einen Unfall eine körperliche oder geistige Funktion betroffen, die bereits vorher dauernd beeinträchtigt war, so ist diese Vorinvalidität unter Anwendung der Gliedertaxe von der Leistung abzuziehen. Bei Mehrfachschädigungen ist die Gesamtleistung allerdings auf 100 % begrenzt.

Man findet heute je nach Zielgruppe sehr unterschiedliche Gliedertaxen bei den am Markt angebotenen Unfallversicherungsprodukten (z. B. besondere Gliedertaxe für Ärzte).

Haben Krankheiten oder Gebrechen bei der durch ein Unfallereignis hervorgerufenen Gesundheitsschädigung mitgewirkt, so wird die Leistung entsprechend dem Mitwirkungsanteil der Krankheit oder des Gebrechens gekürzt, wenn dieser Anteil mind. 25 % beträgt.

Übergangsleistung

Besteht nach Ablauf von sechs Monaten seit Eintritt des Unfalls noch eine unfallbedingte Beeinträchtigung der normalen körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit von mehr als 50 %, so wird die im Vertrag vereinbarte Übergangsentschädigung gezahlt. Voraussetzung hierfür ist, dass weder Krankheiten noch Gebrechen den Gesundheitszustand beeinträchtigt haben. Außerdem muss die Beeinträchtigung bis dahin ununterbrochen bestanden haben.

Krankenhaustagegeld

Kommt es bedingt durch einen Unfall zu einer vollstationären Behandlung in einem Krankenhaus, wird - je nach vereinbarter Höhe - für jeden Tag des Aufenthaltes ein Krankenhaustagegeld gezahlt. Sowohl der Tag der Aufnahme als auch der Tag der Entlassung werden mitgezählt. In der Regel ist die Leistung auf zwei Jahre begrenzt. Durch Krankenhaustagegeldleistungen können Mehraufwendungen und Zuzahlungen im Krankenhaus aufgefangen werden.

Genesungsgeld

Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus wird - sofern vereinbart - für die gleiche Anzahl von Tagen des unfallbedingten Krankenhausaufenthalts ein Genesungsgeld gezahlt. Die Höhe des Genesungsgeldes entspricht der des Krankenhaustagegeldes und wird für 100 Tage erbracht. Die Versicherer bieten hier verschiedenste Tarifvarianten an.

Tagegeld

Tritt als Unfallfolge Arbeitsunfähigkeit ein, wird das versicherte Unfalltagegeld nach dem Grade der Beeinträchtigung gezahlt, längstens bis zu einem Jahr.

Todesfallleistung

Führt ein Unfall zum Tode, so wird die vereinbarte Todesfallleistung erbracht, wenn der Tod unfallbedingt innerhalb eines Jahres seit dem Unfallereignis eingetreten ist. Auch Mord ist im Sinne der AUB ein Unfallereignis.

Invaliditätsleistungen und Todesfallleistungen werden also niemals zugleich gezahlt, immer entweder oder.

Kosmetische Operationen

Ist aufgrund eines Unfalles die Körperoberfläche derart beschädigt, dass das äußere Erscheinungsbild dauernd beeinträchtigt ist, wird bis zur vereinbarten Versicherungssumme Kostenersatz gewährt für:

Der Kostenersatzanspruch besteht bis zum Ablauf von drei Jahren nach Eintritt des Unfalls.

Bergungskosten

Bis zur vereinbarten Versicherungssumme werden Kosten übernommen für Suchaktionen und den Transport nach einer Rettung, auch wenn nur die Vermutung eines Unfalls bestand.

Kurkostenbeihilfe

Versicherbar sind Mehrkosten für eine unfallbedingte Kur, die weder vom gesetzlichen noch vom privaten Krankenversicherer ersetzt werden können.

Ausschlüsse

Wie in allen anderen Versicherungszweigen gibt es auch in der privaten Unfallversicherung Ausschlüsse vom Versicherungsschutz. Darunter fallen, auch wenn die Merkmale des Unfallbegriffes erfüllt wurden,

Darüber hinaus sind vom Versicherungsschutz folgende Gesundheitsschädigungen ausgenommen:

Im Gegensatz dazu sind jedoch Unfälle versichert, die durch erhöhte Kraftanstrengung hervorgerufen werden und die Wirbelsäule oder Gelenke verrenken oder Muskeln, Sehnen, Bänder und Kapseln zerren oder zerreißen. Bandscheiben und Meniskus fallen anatomisch nicht hierunter (Unfall im weiteren Sinne). Zahlreiche Ausschlüsse der AUB lassen sich bei qualitativ guten Versicherern wieder einschließen, z. B. die sog. Trunkenheitsklausel. Unfälle infolge Bewusstseinsstörungen durch Trunkenheit sind so beim Führen von Kfz bis 0,8 % BAG mitversichert. Der Wettbewerb zwischen den Anbietern wird gerade über diese unterschiedlichen Deckungen geführt.

Besonderheiten

Kinderunfallversicherung

Diese kann für Kinder bis zum Alter von 16 Jahren nach dem Kindertarif abgeschlossen werden. Sie wird zu den vereinbarten Summen und zum vereinbarten Beitrag bis zum Ende des Versicherungsjahres fortgeführt, in dem das Kind das 18. Lebensjahr vollendet. Danach kann der VN entweder den Erwachsenentarif gegen Mehrbeitrag wählen oder die Leistungen bei gleichbleibendem Beitrag herabsetzen.

Bei Kindern, die das 10. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, sind Vergiftungen infolge versehentlicher Einnahme schädlicher Stoffe ausdrücklich mitversichert. Ausgeschlossen bleiben Nahrungsmittelvergiftungen.

Stirbt der VN, wird die Versicherung bis zum Ablauf des Versicherungsjahres beitragsfrei fortgeführt, in dem das versicherte Kind das 18. Lebensjahr vollendet. Der VN darfjedoch bei Vertragsbeginn das 50. Lebensjahr noch nicht beendet haben.

Versicherungssumme

Bedarfsgerechte Versicherungssumme

Um das Ziel der Unfallversicherung erreichen zu können, müssen vor allem hohe Versicherungssummen in den Leistungsarten Invalidität und Unfalltod versichert werden. Da die Unfallversicherung eine Summenversicherung ist, sind die Versicherungssummen nach den tariflichen Vorgaben des Versicherers frei vereinbar. Dabei gelten einige anerkannte Orientierungen bezüglich der Höhe der Grundversicherungssumme:

Es kann auch die Differenz zwischen den Ansprüchen auf gesetzliche Erwerbsminderungsrente und dem aktuellen Nettoeinkommen zugrunde gelegt werden.

Hinweis: Die Unfallversicherung, auch mit Unfallrente, ist kein Ersatz für private Berufsunfähigkeitsversorgungen. Es sollten beide Versicherungen abgeschlossen werden, denn nur ca. 10 % der Berufsunfähigkeiten sind unfallbedingt.

Anpassung

Auch Unfallversicherungen können mit einer Dynamisierung der vereinbarten Versicherungssummen abgeschlossen werden (wie in der Lebensversicherung). Damit soll vor allem der lnflaüonsausgleich erreicht werden. Änderungen im Familienstand, in den Einkommensverhältnissen, das Ende der Kinderversicherung sowie der Wechsel der Gefahrengruppe müssen aber zu einer beantragten ausdrücklichen Summenerhöhung führen.

Besonderheiten bei höheren Invaliditätsgraden

Mehrleistung

Geringfügige lnvaliditätsgrade erfordern nicht notwendigerweise einen großen Geldbedarf. Wichtiger erscheint es, bei höherer Invalidität eine überproportional hohe Leistung zu versichern. Diesem Umstand wird durch die sogenannte "Mehrleistung" Rechnung getragen. Ab Erreichen eines bestimmten lnvaliditätsgrades wird die Entschädigungsleistung erhöht, beispielsweise verdoppelt bzw. verdreifacht.

Beispiel:

100.000,00 EUR Invaliditätskapital

Ab 70 %, Invalidität = dreifache Kapitalleistung

Ab 90 % Invalidität = doppelte Kapitalleistung

Durch einen Unfall verliert der Kunde Schulze sein rechtes Augenlicht (50 %) und sein rechtes Ohr (30 %). Unter Anwendung der Mehrleistung erhält der VN bei 80 % Invalidität folgende Entschädigung: Invaliditätskapital Grundsumme beträgt 100.000,00 EUR. Ab 70 % wird diese Grundsumme auf 200.000,00 EUR verdoppelt. Hiervon werden 80 % = 160.000,00 EUR an den VN überwiesen.

Durch diese stufenweise Anhebung der Leistungen bei steigenden Invaliditätsgraden wird erreicht, dass die massiven finanziellen Ausfälle von Schwerverletzten aufgefangen werden.

Progression

Ähnlich wie die Mehrleistung soll die Anwendung einer Progressionsstaffel auf die Invaliditätsleistung besonders hohe Auszahlungen bei größeren Invaliditätsgraden ermöglichen.

Beispiel:

100.000,00 EUR Invaliditätsgrundsumme

Invalidität mit 350 % Progressionsstaffel

Der vorliegende Invaliditätsgrad wird in der Leistungsberechnung aufgespalten. Die Invalidität beträgt wie im vorhergehenden Beispiel 80 %.

Daraus ergibt sich folgende Leistung:

Invalidität

Leistung

80% Invalidität

0 - 25%

einfach

1 x 25%

26 - 50%

dreifach

3 x 25%

26 - 50%

fünffach

5 x 30%

= 250% Invaliditätsleistung, bezogen auf die Grundsumme, also Auszahlung 250.000,00 EUR.

Tarifaufbau und -anwendung

Gefahrengruppen und andere Risikomerkmale:

Zur Bemessung der Beitragshöhe spielt, neben dem Leistungsumfang, vor allem die berufliche Tätigkeit des Versicherten eine Rolle. Es erfolgt eine Aufteilung in Gefahrengruppen (die bei verschiedenen VU variieren):

Gefahrengruppen
Gefahrengruppe A Gefahrengruppe B

Personen mit kaufmännischer oder verwaltender Tätigkeit im Innen- oder Außendienst:

leitend oder aufsichtsführend im Betrieb, im Gesundheitswesen, in der Schönheitspflege, Fotografen, Künstler, Optiker, Rechtsanwälte, Reporter, Schneider, Studenten, Uhrmacher, in Ladengeschäften Tätige (außer beim Umgang mit gefährlichen Stoffen), alle weiblichen Personen

Personen mit körperlicher oder handwerklicher Tätigkeit (auch wenn nur gelegentlich):

Tätige auf Bauten/Gerüsten oder unter Tage, Tänzer, Tierärzte, Turn-, Sport- und Tanzlehrer, im Außendienst tätige Angehörige der Forst-, Steuer-, Zollverwaltung, Berufskraftfahrer, in der Landwirtschaft tätige Personen, Tätige im Umgang mit ätzenden, giftigen, explosiven oder leicht entzündlichen Stoffen

Sollte sich während der Vertragslaufzeit ein Berufswechsel von "A" nach "B"ergeben, so ist dieser dem Versicherer unverzüglich anzuzeigen (gilt nicht für Abieistung des Pflichtwehr- oder Zivildienstes).

Verfahrensweise beim Wechsel der Berufsgruppe:

Wechsel der Berufsgruppe in der privaten Unfallversicherung
Bisher Jetzt Folge
B A

niedrigerer Beitrag nach Ablauf eines Monats vom Zugang der Anzeige

A B

für zwei Monate nach Änderung besteht Versicherungsschutz wie bisher, danach entweder

- Umstellung auf höheren Beitrag oder

- Verminderung der Versicherungssumme im Verhältnis:

Beitrag gem. Gefahrengruppe A / Beitrag gem. Gefahrengruppe B

Unterbleibt die Anzeige und tritt der Versicherungsfall ein, verwirkt dies nicht den Versicherungsschutz. Die Regulierung erfolgt dann auf der Basis der verminderten Versicherungssummen.

Angehörige besonders gefährdeter Berufsgruppen, wie z. B. Taucher, Sprengmeister, Artisten oder Berufssportler, können gegen Beitragszuschläge auf den Tarifbeitrag versichert werden.

Kombinationsmöglichkeiten:
Versicherungsformen der privaten Unfallversicherung
Begriff Altersgrenze Anwendungsbereich

Einzelunfallversicherung

von der Geburt bis zum 65. Lebensjahr

Grundform der Unfallversicherung; Versicherungsschutz für einzelne Personen

Kinderunfallversicherung

von der Geburt bis zum 14. Lebensjahr

spezieller Tarif für Kinder

Familienunfallversicherung

von der Geburt bis zum 65. Lebensjahr

Versicherungsschutz für alle Familienmitglieder mit der Möglichkeit von Beitragsnachlässen

Gruppenunfallversicherung

von der Geburt bis zum 65. Lebensjahr (danach mit Leistungseinschränkung)

mind. 3 Personen werden durch einen Vertrag versichert (z. B. über Arbeitgeber, Verein, Veranstalter); Gewährung von Rabatten auf Einzeltarife, ggf. gestaffelt nach Anzahl der versicherten Personen

Luftfahrtunfallversicherung

nach Vereinbarung

Versicherungsschutz für Luftfahrten, sofern nicht durch Einzelunfallversicherung versicherbar (auch Fallschirmspringen u. Ä.)

Unfallversicherung mit Prämienrückgewähr

von der Geburt bis zum 14. Lebensjahr, bzw. 65. Lebensjahr

Verbindung von Unfall- und Kapitallebensversicherung; Sparbeiträge werden verzinslich angesammelt und bei Ablauf ausgezahlt

Beitragsermittlung:

Hängt ab vom Versicherer, der Tarifart, dem Leistungsumfang. Die gewünschten Versicherungssummen werden jeweils mit dem Prämiensatz für die entsprechende Leistungsart multipliziert. Die ermittelten Beiträge je Leistungsart ergeben den Gesamtbeitrag zuzüglich der gesetzlichen Versicherungssteuer von 19 %.

Antragsaufnahme

Versicherbare und nicht versicherbare Personen

Entsprechend den AUB sind grundsätzlich alle Personen privat unfallversicherbar in Abhängigkeit von tariflichen Einschränkungen. Nicht versicherbar sind jedoch Personen, die an Geisteskrankheiten leiden, oder Schwerpflegebedürftige. Eine bestehende Versicherung endet, wenn die versicherte Person nicht mehr versicherbar ist, zu viel entrichtete Beiträge werden erstattet.

Aufbau und Inhalt der Anträge

Aufbau und Inhalt der Anträge entsprechen den Beispielen der einzelnen Versicherer.

Versicherungsfall

Besondere Obliegenheiten des Versicherten:

Um den Versicherungsschutz nicht zu gefährden, werden dem Versicherungsnehmer z. B. folgende Handlungsweisen auferlegt, vgl. Ziff. 7 AUB 2005:

Bei vorsätzlicher Obliegenheitsverletzung besteht kein Versicherungsschutz. Dies gilt auch für grob fahrlässig verletzte Obliegenheiten, es sei denn, es besteht kein ursächlicher Zusammenhang zwischen verletzter Obliegenheit und dem Unfallhergang bzw. der Leistungsfeststellung.

Steuerliıhe Behandlung der Beiträge und Leistungen

Auf die Beiträge werden 19 % Versicherungssteuer fällig, bei Tarifen mit Prämienrückgewähr nur 3,8 %.

Grundsätzlich kann der Beitragszahler die Beiträge für die private Unfallversicherung als Sonderausgaben im Rahmen der geltenden Höchstbeträge als Vorsorgeaufwendungen geltend machen. Seit 1997 sind 50 % der Beiträge als Werbungskosten absetzbar, da private Unfallversicherungen auch Schutz vor Unfällen im Berufsleben bieten.

Kapitalzahlungen aus Unfallversicherungen sind einkommensteuerrechtlich nicht relevant.

Rentenleistungen unterliegen wieder der Ertragsanteilbesteuerung.

Todesfallleistungen sind erbschaftsteuerpflichtig.

Vergleich zwischen gesetzlicher und privater Unfallversicherung

Gesetzliche und private Unfallversicherung
Gesetzliche Unfallversicherung Private Unfallversicherung
versicherte Personen:

pflichtversicherte Personen mit einem Arbeits-, Dienst- oder Ausbildungsverhältnis, Kinder (im Kindergarten ab dem 3. Lebensjahr), Schüler, Studenten, Beamte im Rahmen der beamtenrechtlichen Versorgungsvorschriften

grundsätzlich jeder, insbesondere auch nicht versicherungspflichtige, wie z. B.

- Hausfrauen

- Unternehmer und Freiberufler

- Kinder

versicherte Ereignisse:

Arbeitsunfälle, Wegeunfälle, Berufskrankheiten

berufliche und außerberufliche Unfälle (rund um die Uhr), 24-Stunden-Deckung

Geltungsbereich:

Bundesrepublik Deutschland und berufsbedingte Auslandsaufenthalte

weltweite Geltung

Höhe desVersicherungsschutzes:

abhängig vom Jahresarbeitsverdienst der letzten 12 Monate

individuell zu gestalten, persönliche Bedarfsdeckung