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Gesetzliche Rentenversicherung

Folgend erhalten Sie eine Übersicht über die Bedeutung, den Aufbau und die Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung.

Träger und Versicherungsverhältnisse

Die wichtigsten Träger der Rentenversicherung sind

Die Träger sind Körperschaften des öffentlichen Rechts und unterstehen der staatlichen Aufsicht. Das Versicherungsverhältnis kann kraft Gesetzes (Pflichtversicherter) bzw. auf Antrag zustande kommen.

Versicherungsverhältnis in der gesetzlichen Rentenversicherung:
Versicherte kraft Gesetzes Versicherungspflichtige auf Antrag Freiwillig Versicherte Anderweitig Versicherte

- nicht Selbständige

- gegen Arbeitsentgelt Beschäftigte

- Behinderte in Werkstätten, Anstalten, Jugendhilfe

- Azubis

- Deutsche bei Auslandsvertretungen

- selbständige Lehrer und Erzieher, Pflegepersonen, Hebammen, Handwerker, Künstler, Publizisten u. a.

- Wehr- und Zivildienstleistende, erziehende Mütter/ Väter

- Bezieher von Sozialleistungen und Vorruhestandsgeld

- Selbständige, wenn der Antrag innerhalb von 5 Jahren nach Aufnahme der Selbständigkeit gestellt wird

- Bezieher von Sozialleistungen, wenn sie im letzten Jahr nicht versicherungspflichtig waren

- auf Antrag des Arbeitgebers: Entwicklungshelfer

- Deutsche mit begrenzter Beschäftigung im Ausland

- Alle Personen ab vollendetem 16. Lebensjahr, die nicht versicherungspflichtig sind (eigene Beitragszahlung, u. a. zur Aufrechterhaltung des Berufsunfähigkeits-/ Erwerbsunfähigkeitsanspruchs)

- Sonderversicherte aufgrund

1. Nachversicherung

2. eines Versorgungsausgleichs

Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung

Sie erfolgt im Umlageverfahren. Hierfür ist charakteristisch, dass die aktuellen Einnahmen der Rentenversicherungsträger, bestehend vor allem aus den Beiträgen der Versicherten und der Arbeitgeber sowie dem Bundeszuschuss aus Steuermitteln, dazu verwendet werden, um die heutige Rentenzahlungen zu ermöglichen. Die Versicherten erhalten für ihre Beitragszahlungen einen verfassungsrechtlich geschützten Anspruch auf Bezug einer Rente im Alter, welche dann von der nächsten Beitragszahlergeneration finanziert wird. In diesem Zusammenhang spricht man vom Generationenvertrag.

Demographische Entwicklung

Jedes Umlageverfahren ist also davon abhängig, in welchem zahlenmäßigen Verhältnis sich Beitragszahler und Leistungsempfänger zueinander befinden. Die Anzahl der älteren Menschen in Deutschland nimmt aber dramatisch zu - bei gleich bleibend niedriger Geburtenrate. Damit wird die Anzahl der Beitragszahler, die für einen Rentner aufkommen muss, immer weiter abnehmen. Das Problem kann auch durch die ständig steigende Arbeitsproduktivität nicht vollständig ausgeglichen werden.

Schichten der Altersvorsorge

Bis zum 31.12.2004 sprach man vom sog. Drei-Säulen-Modell der Altersversorgung und Deutschland mit den gesetzlichen Rentenversicherungssystemen, der betrieblichen Altersversorgung und den Formen der privaten Altersvorsorge. Dabei besitzt die gesetzliche Rentenversicherung nach wie vor noch die Funktion einer Regelversorgung (ca. 67 - 72 %). Auf die bAV entfallen ca. 8 - 9 % und auf die private Vorsorge ca. 13 - 14 % der Gesamtversorgung.

Mit der Riester-Rentenreform von 2001 und mit der neuerlichen Rentenreform 2004, ausgedrückt im neuen Alterseinkünftgesetz (AltEinkG), das zum 01.01.2005 in Kraft trat, sollte man jedoch mehr von einem Drei-Schichten-System sprechen.

Das Drei-Schichten-Modell
Das Drei-Schichten-Modell beinhaltet folgende 3 Förderungsstufen:

1. Schicht (Basisvorsorge): gesetzliche Rentenversicherung, Basisrente

2. Schicht (kapitalgedeckte Zusatzvorsorge): Riester-Rente, betrieliche Altersversorgung (z. B. Direktversicherung, Pensionskasse, Pensionsfonds)

3. Schicht (übrige Vorsorge/ private Vorsorge): z. B. private Rentenversicherung, Kapitallebensversicherung

Basisversorgung

Sie ist der Grundbaustein der Altersversorgung, zu dem alle Renten aus gesetzlichen Systemen zu zählen sind, aber auch die seit 2005 private kapitalgedeckte Leibrente mit Einschränkung für den Versicherten, die der gesetzlichen Leibrente entsprechen:

Die tatsächliche Verwendung für die Altersversorgung muss unter allen Umständen gesichert bleiben. Zusätzliche BU-/ EU-Absicherungen sind möglich. Unter diesen Voraussetzungen wird diese neue private Basis-Rente wie alle gesetzlichen Renten nachgelagert besteuert und die Beiträge werden steuerlich gefördert bzw. steuerfrei gestellt.

Um größere Steuerausfälle zu vermeiden, erfolgt die Förderung der Beiträge wie auch die neue Besteuerungsweise der Renten schrittweise.

Die Beiträge zur Basisversorgung können seit Jahresanfang 2005 zu 60% (maximal 12.000,00 EUR) steuerlich abgezogen werden. Bis 2025 steigt dieser Satz jährlich um 2% und erreicht 100% (maximal 20.000,00 EUR).

Sämtliche Leibrenten (gesetzliche wie private) werden seit 2005 mit zunächst 50% der Zahlrenten versteuert, das gilt auch für Bestandsrentner. Für jeden hinzukommenden Rentnerjahrgang wird der Besteuerungsanteil bis 2020 zunächst um 2%, von 2021 an um jeweils 1% erhöht. Den Freibetrag vom Rentnerbeginn behält der Rentner lebenslang. Im Jahr 2040 wir dann die volle Besteuerung erreicht sein.

Im Ergebnis wird so eine Freistellung der Altersvorsorgeaufwendungen in der Ansparphase und eine nachgelernte Besteuerung der Alterseinkünfte erreicht. Andere Kapitaleinkünfte außer den oben genannten Leibrentenarten gelten nicht mehr als Alterseinkünfte (gilt sowohl für die klassische Kapitallebens- als auch Rentenversicherung).

Wichtig: Sonderausgabenabzug für Altersvorsorgeaufwendungen und Sonderausgabenabzug für die "Riester-Rente" können zugleich beansprucht werden.

Zusatzversorgung

Die steuerliche Förderung aller Durchführungswege der betrieblichen Altersversorgung wird harmonisiert. Das System der Pauschalbesteuerung bei Direktversicherungen wird abgeschafft, die Direktversicherung wird wie Pensionskasse und Pensionsfonds steuerlich gefördert (Aufwendungen bis 4% der Beitragsbemessungsgrenze steuerfrei, erhöht um einen zusätzlichen Festbetrag von 1.800,00 EUR soweit noch keine Direktversicherung nach &§ 40 b LStG besteht).

Gleichzeitig wird die Mitnahme (Portabilität) von erworbenen Anwartschaften aus betrieblichen Versorgungen verbessert.

Bei der Riester-Rente kommt es zu Vereinfachungen. So wird ein Dauerzulagenantrag eingeführt. Teilkapitalzahlungen zu Rentenbeginn sind bis zu 30% möglich. Seit 2006 gibt es nur noch Einheitstarife (Unisex) für Männer und Frauen.

Kapitalanlageprodukte

Die Erträge von Kapitalauszahlungen bei klassischen Lebens- und Rentenversicherungen sind für Neubestände ab 2005 voll, wenn die Auszahlung frühestens nach 12 Jahren erfolgt, und ab Alter 60 zur Hälfte steuerpflichtig. Todesfallleistungen bleiben einkommenssteuerfrei. Klassische Privatrenten sind wie bisher mit dem Ertragsanteil, der deutlich gesunken ist, zu versteuern. Der bisherige Sonderausgabenabzug (begrenzt abzugsfähige Vorsorgeaufwendungen) in der Ansparzeit entfällt, für Altverträge wird er schrittweise abgebaut.

Versicherungspflicht

Umgang und Bedeutung der Versicherungspflicht der Arbeitnehmer

In der gesetzlichen Rentenversicherung sind alle abhängig gegen Arbeitsentgelt beschäftigten Arbeitnehmer versicherungspflichtig. Von den Selbstständigen sind nur bestimmte Personenkreise pflichtversichert sowie einige andere Gruppen. Die pflichtversicherten Arbeitnehmer stellen in der gesetzlichen Rentenversicherung den überwiegenden Teil der Beitragszahler dar. Gerade ihre in den letzten Jahren durch gesamtwirtschaftliche Entwicklungen abnehmende Zahl hat zu einem Teil der heutigen Probleme der gesetzlichen Rentenversicherungssysteme geführt.

Grundlagen der Beitragsbemessung für Arbeitnehmer

Alle Arbeitnehmer sind ohne Rücksicht auf die Höhe ihrer Bezüge Versicherungs-, jedoch nicht unbeschränkt beitragspflichtig. Beiträge werden nur bis zur jährlich neu festgesetzten Beitragsbemessungsgrenze (Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung) erhoben. Für 2007 gelten folgende Werte:

Bis zu diesen Bruttoarbeitsentgelten ist der gesetzliche Beitragssatz des jeweiligen Jahres zu zahlen, in 2007: 19,9%. Dabei tragen Arbeitnehmer und Arbeitgeber, bis auf wenige Ausnahmen, diese Beitragslast je zur Hälfte. Die technische Durchführung der Beitragszahlung erfolgt bei Arbeitnehmern durch das Lohnabzugsverfahren. Der Arbeitgeber zieht die gesetzlichen Rentenversicherungsbeiträge zusammen mit allem anderen Sozialversicherungsbeiträgen vom Bruttolohn ab und überweist sie an die zuständige Krankenkasse, von dort werden sie weiterverteilt.

Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung

Die Aufgaben der gesetzlichen Rentenversicherung sind gesetzlich genau vorgeschrieben:

Die bedeutendste Aufgabe der gesetzlichen Rentenversicherung ist die Erbringung folgender Altersrenten (Rente wegen Alters &§ 35 ff. SGB VI).

Renten wegen Alters

Altersrenten (Rentenarten) nach SGB VI und deren Voraussetzungen:
Rentenart Voraussetzungen

Regelaltersrente

- Vollendung des 67. Lebensjahres

- Erfüllung der 5-jährigen allgemeinen Wartezeit

- mit Ausnahme für Abgeordnete keine Hinzuverdienstbeschränkung -

Altersrente für langjährig Versicherte

- Vollendung des 62. Lebensjahres

- Erfüllung der 35-jährigen Wartezeit

Altersrente für schwerbehinderte Menschen, Berufsunfähige oder Erwerbsunfähige

- Vollendung des 60./63. Lebensjahres

- Erfüllung der 35-jährigen Wartezeit.

- Anerkannte Schwerbehinderung oder Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit.

- Abschlagsfreier Rentenbeginn ab Alter 63.

- Hinzuverdienstbeschränkung -

- Die vorzeitige Inanspruchnahme dieser Rente ist nach Vollendung des 60. Lebensjahres möglich.

Grundsätzlich (außer bei der Regelaltersrente) sind ein vorgezogener und ein aufgeschobener Rentenbeginn möglich. Der vorgezogene Rentenbeginn führt zu einem während der gesamten Rentenlaufzeit wirksamen Abschlag in Höhe von 0,3% pro Monat bezogen auf den Rentenzahlbetrag. Ein über das 65. Lebensjahr hinausgeschobener Rentenbeginn bewirkt für jeden Monat Zuschläge in Höhe von 0,5%.

Die sich durch Abschläge ergebende Minderung der monatlichen Rente kann allerdings durch zusätzliche Beitragszahlungen, die bereits vor Vollendung des 60. Lebensjahres erbracht werden können, abgemildert oder ausgeglichen werden. Ab 65 ist dieser Ausgleich nicht mehr möglich.

Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit (gem. &§ 43 SGB VI)

Mit dem Gesetz zur Reform der Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit vom 20.12.2000, das am 01.01.2001 in Kraft trat, wird die bisherige Aufteilung der Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit in Berufs- und Erwerbsunfähigkeitsrenten durch eine zweistufige Erwerbsminderungsrente ersetzt.

Erwerbsgemindert sind Versicherte, wenn sie wegen Krankheit oder Behinderung auf nicht absehbare Zeit außerstande sind, unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes tätig zu sein:

Diese Renten ersetzen Einkommen, wenn der Versicherte eingeschränkt oder gar nicht mehr erwerbsfähig ist. Dabei gelten folgende Voraussetzungen:

Wenn die Erwerbsminderung eintritt, muss der Versicherte in den letzten 5 Jahren davor mindestens 3 Jahre lang Pflichtbeiträge gezahlt und vor Eintritt der Erwerbsminderung die allgemeine Wartezeit von 5 Jahren erfüllt haben (Ausnahme: Erwerbsminderung durch Arbeitsunfall).

Die Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit werden bis zur Vollendung des 65. Lebensjahres gezahlt - anschließend hat der Versicherte Anspruch auf Regelaltersrente in mindestens gleicher Höhe. Auch für diese Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit gelten seit 01.01.2001 Hinzuverdienstgrenzen sowie Abschläge in Höhe von max. 10,8% bei Inanspruchnahme vor dem vollendeten 63. Lebensjahr. Ihre Wirkung wird durch die gleichzeitige Verlängerung der Zurechnungszeit bis zum 60. Lebensjahr abgemildert. Die Höhe der vollen oder halben Erwerbsminderungsrente wird nach den gleichen Regeln errechnet wie die Altersrente.

Versicherte, die am 01.01.2001 bereits 40 waren, haben einen Anspruch auf Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung bei Berufsunfähigkeit. Sie erhalten eine halbe Erwerbsminderungsrente auch dann, wenn sie in ihrem bisherigen oder einem zumutbaren anderen Beruf nicht mehr als 6 Stunden täglich arbeiten können. Diese Rente ist 25% niedriger als die bisherige Berufsunfähigkeitsrente.

Für BU-/ EU-Rentner, die vor dem 01.01.2001 Leistungen beziehen, gilt Bestandsschutz im Sinne des alten Rechts.

Die arbeitsmarktbedingten Erwerbsminderungsrenten werden wegen der Arbeitsmarktsituation beibehalten, d. h., Versicherte, die noch mindestens 3, aber nicht mehr als 6 Stunden täglich arbeiten, das verbliebene Restleistungsvermögen wegen Arbeitslosigkeit aber nicht in Erwerbseinkommen umsetzen können, erhalten eine volle Erwerbsminderungsrente.

Die Notwendigkeit privater Berufsunfähigkeitsversicherungen hat damit für alle Berufstätigen stark zugenommen.

Renten wegen Todes (gem. &§ 46 SGB VI)

Die gesetzliche Rentenversicherung bietet nicht nur den Versicherten Schutz im Alter oder bei verminderter Erwerbsfähigkeit, sie hat auch die Aufgabe, deren Hinterbliebenen im Falle des Todes Ersatz für den fehlenden Unterhalt zu leisten.

Witwen- und Witwerrente

Die gesetzliche Rentenversicherung kennt kleine und große Witwen- und Witwerrenten.

Anspruch auf die kleine Witwen- oder Witwerrente haben die Witwe oder der Witwer, wenn

Die kleine Witwen- oder Witwerrente beträgt 25% der Rente des Verstorbenen. Sie wird für zwei Jahre geleistet. Für jetzige Witwen oder Witwer sowie für Ehepaare, bei denen ein Partner am 01.01.2002 älter als 40 Jahre ist, wird die kleine Witwen- oder Witwerrente zeitlich unbegrenzt geleistet.

Anspruch auf die große Witwen- oder Witwerrente hat die Witwe oder der Witwer, wenn die Voraussetzungen für die kleine Witwen- oder Witwerrente erfüllt sind und sie/er

Die große Witwen- oder Witwerrente beträgt 55% der Rente des Verstorbenen. Frauen, ggf. auch Männer, die Kinder erzogen haben, erhalten für das erste Kind einen monatlichen Zuschlag in Höhe von zwei Entgeltpunkten. Für das Zweite und jedes weitere Kind beträgt der Zuschlag jeweils einen Entgeltpunkt. Für Ehepaare, bei denen ein Partner am 01.01.2002 älter als 40 Jahre ist, und für jetzige Witwen und Witwer gilt das bisherige Recht weiter. Das bedeutet, dass die große Witwen- oder Witwerrente 60% der Rente des Verstorbenen (ohne Zuschlag für Kindererziehung) beträgt.

Auf die Witwen- oder Witwerrente wird das eigene Erwerbseinkommen (z. B. Lohn, Gehalt), Erwerbsersatzeinkommen (z. B. Rente, Arbeitslosengeld, Krankengeld) und Vermögenseinkommen (z. B. aus Kapitalvermögen, Vermietung, Verpachtung) zu 40% angerechnet, soweit es einen bestimmten Freibetrag übersteigt. Für Bestandsrentner sowie für Ehepaare, bei denen ein Partner am 01.01.2002 älter war als 40 Jahre, gilt die bisherige Einkommensanrechnung weiter, nach der nur Erwerbs- und Erwerbsersatzeinkommen angerechnet wird.

Waisenrente (gem. &§ 48 SGB VI)

Die gesetzliche Rentenversicherung kennt Halbwaisen- und Vollwaisenrenten. Anspruch auf die Halbwaisenrente besteht, wenn die Waise noch einen unterhaltspflichtigen Elternteil hat und der verstorbene Elternteil die allgemeine Wartezeit erfüllt hat. Die Halbwaisenrente beträgt 10% der Rente zuzüglich eines Zuschlags, der sich an der Anzahl der rentenrechtlichen Zeiten des Verstorbenen orientiert.

Anspruch auf die Vollwaisenrente besteht, wenn die Waise keinen unterhaltspflichtigen Elternteil mehr hat. Die Vollwaisenrenten werden aus den Versicherungen der beiden verstorbenen Elternteile berechnet, wenn beide die allgemeine Wartezeit erfüllt hatten. Die Vollwaisenrente beträgt 20% der Summe der Rente der beiden Verstorbenen zuzüglich eines Zuschlags. Dieser Zuschlag orientiert sich an der Anzahl der rentenrechtlichen Zeiten des Verstorbenen mit der höchsten Rente und wird vermindert um die zweithöchste Rente. Zu den unterhaltspflichtigen Elternteilen gehören die leiblichen Eltern und die Adoptiveltern. Anspruch auf Waisenrente kann aber auch nach dem Tod eines Stiefelternteils, Pflegeelternteils oder Großelternteils bestehen, wenn das Kind in deren Haushalt gelebt hat oder von ihnen überwiegend unterhalten worden ist. Waisenrente wird uneingeschränkt bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres des Kindes gezahlt. Über das 18. Lebensjahr hinaus wird die Waisenrente längstens bis zur Vollendung des 27. Lebensjahres gezahlt, wenn die Waise

Wird die Schul- oder Berufsausbildung durch die Ableistung des gesetzlichen Wehr- oder Zivildienstes unterbrochen oder aufgeschoben, verlängert sich der Anspruch entsprechend über das 27. Lebensjahr hinaus.

Auf die Waisenrente wird ab Vollendung des 18. Lebensjahres das eigene Erwerbseinkommen (z. B. Ausbildungsvergütung, Lohn aus Nebenbeschäftigung), Erwerbsersatzeinkommen (z. B. Krankengeld) und Vermögenseinkommen (z. B. aus Kapitalvermögen, Vermietung, Verpachtung) zu 40% angerechnet, soweit es einen bestimmten Freibetrag übersteigt.

Bei Waisenrenten an vor dem 01.01.2002 geborene Waisen gilt das bisherige Recht der Einkommensanrechnung weiter, nach der nur Erwerbs- und Erwerbsersatzeinkommen angerechnet werden.

Vorzeitige Wartezeiterfüllung

Unter bestimmten Voraussetzungen gilt die Wartezeit von 60 Monaten als erfüllt (Wartezeitfiktion): Entrichtung von mindestens 12 Pflichtbeiträgen in den letzten 2 Jahren und bei Eintritt

Neben der Zahlung der verschiedenen Renten gehört die Durchführung von Heilmaßnahmen zu den wesentlichen Aufgaben der gesetzlichen Rentenversicherung. Ziel ist es, frühzeitig Rentenzahlungen zu verhindern und die Arbeitskraft zu erhalten. Es gilt daher: Rehabilitation vor Rente.

Rentenrechtliche Zeiten

Die gesetzliche Rente wird wesentlich durch verschiedene Zeiten bestimmt. Am wichtigsten für die Höhe der Renten sind Beitragszeiten, die das versicherte Arbeitseinkommen des gesamten Versicherungsverlaufs widerspiegeln. Aber auch beitragsfreie Zeiten können rentensteigernd berücksichtigt werden. Darüber hinaus erhält der Versicherte eine Rente nur dann, wenn eine bestimmte Anzahl rentenrechtlicher Zeiten erfüllt wurde (= Wartezeiten).

- Beitragszeiten

Da sie das versicherte Arbeitseinkommen aus einer versicherungspflichtigen Beschäftigung repräsentieren, haben Beitragszeiten für die Rentenhöhe die entscheidende Bedeutung. Welchen Wert eine Beitragszeit hat, hängt davon ab, in welchem Verhältnis das jährliche Bruttoarbeitsentgelt des Versicherten zum Durchschnittsentgelt aller Versicherten steht.

Dabei existieren für Zeiten der Berufsausbildung, der Kindererziehung, der ehrenamtlichen Pflege und des Wehr- und Zivildienstes Sonderregelungen zur Aufwertung.

Berufsausbildung:

Bis Ende 2004 galt noch, dass die ersten 36 Monate von Pflichtbeiträgen pauschal (unabhängig davon, ob eine tatsächliche Berufsausbildung in dieser Zeit stattfand) mit 75% höher bewertet wurden. Nach einer Übergangszeit bis zum 01.01.2009 gibt es diese Höherbewertung nur noch bei tatsächlicher Berufsausbildung mit Pflichtbeitragszeiten, dann für die gesamte Zeit.

Kindererziehungszeiten:

Zeiten der Kindererziehung sind auch Beitragszeiten. Die Beitragsleistung erfolgt durch denABund. Für jedes Kind, das vor 1992 geboren wurde, wird das erste Jahr nach der Geburt angerechnet. Für Geburten ab 01.01.1992 sind es die ersten drei Lebensjahre. Bei Überschneidungen wird die Zeit verlängert. Bewertet werden diese Zeiten mit dem Durchschnittsverdienst aller Versicherten im jeweiligen Erziehungsjahr. Laufen Erwerbstätigkeit und Kindererziehung parallel, so werden auch beide Zeiten gewertet, jedoch maximal bis zur jeweiligen Beitragsbemessungsgrenze.

Pflegezeiten:

Zeiten der nicht erwerbsmäßigen häuslichen Pflege (mindestens 14 Stunden wöchentlich) werden seit 01.04.1995 auf Antrag Pflichtbeitragszeiten mit fiktiven Verdiensten, gestaffelt nach der Stufe der Pflegebedürftigkeit, wobei die Beiträge allein durch die Pflegekassen erbracht werden. Eine gleichzeitige Erwerbstätigkeit darf 30 Wochenstunden nicht überschreiten.

Wehr- und Zivildienst:

Für Wehr- und Zivildienstleistende werden seit 2000 Beiträge aus einem fiktiven Verdienst in Höhe von 60% der Bezugsgröße gezahlt. Davor gelten andere Beträge.

Lohnersatzleistungen:

Für Zeiten des Bezugs von Lohnersatzleistungen, insbesondere Zeiten von Krankheit und Arbeitslosigkeit, werden Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung gezahlt. Seit 1995 werden die Beiträge auf der Basis von 80% des der Lohnersatzleistung zugrunde liegenden Bruttoarbeitsentgelts gezahlt, bei der Arbeitslosenhilfe war seit dem 01.01.2000 die gezahlte Leistung die maßgebende Beitragsbemessungsgrundlage.

- Beitragsfreie Zeiten

Anrechnungszeiten:

Dies sind vor allem Zeiten der Arbeitsunfähigkeit, der Arbeitslosigkeit, der Schwangerschaft, der schulischen Ausbildung nach dem 17. Lebensjahr. Diese Zeiten liegen nur vor, wenn eine versicherungspflichtige Beschäftigung unterbrochen wird.

Für Neurentner ab 01.01.2009 entfällt die rentensteigernde Bewertung von bis zu 3 Jahren der Real-, Gymnasial- oder Studienzeit. Ausgenommen werden Ausbildungszeiten an Fachschulen, in berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen sowie Zeiten der tatsächlichen Berufsbildung. Der Wegfall erfolgt wieder stufenweise. Diese Anrechnungszeiten sind aber weiterhin rentenrechtliche Zeiten. So zählen schulische Ausbildungen weiterhin bis zu 8 Jahre für die Wartezeit von 35 Jahren.

Zurechnungszeiten:

Zurechnungszeiten haben Bedeutung für Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit und wegen Todes.

Es wird bei der Rentenberechnung so getan, als sei der Versicherte weiterhin bis zur Vollendung des 60. Lebensjahres beitragspflichtig beschäftigt gewesen.

Ersatzzeiten:

Dies sind Zeiten, in denen Versicherte aus besonderen Gründen an der Entrichtung von Beiträgen gehindert waren, z. B. wegen des Kriegsdienstes oder als Verfolgter des Nationalsozialismus mit Freiheitsentzug.

Berücksichtigungszeiten:

Durch Berücksichtigungszeiten werden Versicherungslücken geschlossen, die durch die Kindererziehung bis zum 10. Lebensjahr der Kinder entstehen. Sie sind nicht rentensteigernd, aber anwartschaftssichernd.

Rentenberechnung

Bei der lohn- und beitragsbezogenen gesetzlichen Rente gilt ein Grundsatz:

Die Höhe der Rente richtet sich vor allem nach der Höhe der Arbeitsentgelte und Arbeitseinkommen, die der Versicherte während seines Versicherungslebens durch Beiträge versichert.

Sie hängt jedoch nicht nur von der Höhe der Verdienste ab. Berücksichtigt werden auch bestimmte beitragsfreie oder beitragsgeminderte Zeiten. Aus allen Beitragszeiten wird als Durchschnittswert der Gesamtleistungswert ermittelt.

Die Rentenformel, mit der der Monatsbetrag einer Rente (MR) berechnet wird, lautet wie folgt:

Die persönlichen Entgeltpunkte (PEP), die unter Berücksichtigung des Zugangsfaktors (ZF) ermittelt werden, werden mit dem Rentenartfaktor (RAF) und dem aktuellen Rentenwert (AR) vervielfältigt.

MR = PEP x (ZF) x RAF x AR

Persönliche Entgeltpunkte:

Versichertes Arbeitsentgelt/ Arbeitseinkommen (bis zur Beitragsbemessungsgrenze) für jedes Kalenderjahr, geteilt durch das Durchschnittsentgelt aller Versicherten für dasselbe Kalenderjahr, aufsummiert für das gesamte Versicherungsleben.

Zugangsfaktor:

Dient der Bestimmung der PEP, grundsätzlich mit 65 Jahren 1,0. Abschlag bei früherer (z. B. Altersrente mit 60: Rentenabschlag 18%) bzw. Zuschlag bei späterer Inanspruchnahme von Renten.

Rentenartfaktor:

Bestimmt die Rentenhöhe entsprechend dem Sicherungsziel der jeweiligen Rentenart.

Aktueller Rentenwert:

Betrag, der einer monatlichen Rente wegen Alters entspricht, die sich aus Beiträgen aufgrund eines Durchschnittsentgelts für ein Kalenderjahr ergibt. Es ist ein dynamischer Berechnungsfaktor (zum 01.07.2007: 26,27 EUR bzw. 23,09 EUR).

Seit dem 01.07.2005 wird die neue Rentenanpassungsformel verwendet. Diese Formel ist um den sog. Nachhaltigkeitsfaktor erweitert. Er berücksichtigt das Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentnern und bewirkt, dass Probleme des Arbeitsmarktes, insbesondere aber der steigende Anteil von Rentnern in der Bevölkerung, diejährliche Rentenanpassung dämpfen. Erhöht sich die Anzahl der Beschäftigten, beeinflusst das die Rentenanpassung positiv.

Hilfsmittel zur Rentenberechnung/ Rentenschätzung:

Zum Zeitpunkt der Berechnung stehen immer 3 Faktoren der Formel fest:

Sie ergeben sich durch den Zeitpunkt des Rentenbeginns und die beantragte Rentenart von allein.

Es sind nur noch die Entgeltpunkte zu ermitteln.

Liegen Versicherungsunterlagen oder Lohn- und Gehaltsbescheinigungen für das gesamte Berufsleben vor, so kann unter Verwendung von Tabellen über die Durchschnittsverdienste aller Versicherten eine überschlägige Berechnung der Altersrente erfolgen. Diese Berechnungen können auch mithilfe des PC-Programms der BfA "Rentenberechnung" durchgeführt werden.

Ist der Versicherungsverlauf des Rententrägers vorhanden (Mitteilung über die dort gespeicherten rentenrechtlichen Zeiten und Beiträge bzw. Verdienste), so ist die Rentenberechnung problemlos möglich, da auch Lücken und beitragsfreie Zeiten schon bewertet wurden.

Im Zusammenhang mit der Riester-Reform wurde für jeden Versicherten die sog. Renteninformation eingeführt. Sie dient der besseren Planung der eigenen Vorsorge und wird regelmäßig an alle Versicherten vom Rententräger versandt. Im Einzelnen führt sie folgende Positionen auf:

Versorgungslücke

Ausgangspunkt dieser Betrachtung ist zunächst das gegenwärtige durchschnittliche Rentenniveau (mit Netto- wie Bruttobetrachtungsweise). Es drückt das prozentuale Verhältnis der Nettorente eines Standardrentners (mit 45 Jahren Durchschnittsverdienst) gegenüber dem Nettoarbeitsentgelt eines heutigen Durchschnittsverdieners aus. Aufgrund der Einführung der nachgelagerten Besteuerung der Renten wird aber zukünftig das Rentenniveau vor Steuern Gradmaß für das Mindestsicherungsziel der gesetzlichen Rentenversicherung. An die Stelle des bisherigen Nettorentenniveaus tritt ein Rentenniveau ohne Berücksichtigung von Steuern als Verhältnis zwischen Standardrente (vermindert um die Sozialabgaben der Rentner) und dem Durchschnittsentgelt (vermindert um die durchschnittlich geleisteten Beiträge der Arbeitnehmer zu den Sozialversicherungen sowie um den durchschnittlichen Aufwand zur Riester-Rente). Beim Rentner wie beim Arbeitnehmer werden die zu zahlenden Steuern nicht berücksichtigt.

Nach Angaben des BMGS liegt das neue Rentenniveau vor Steuern in 2008 bereits bei 50% und wird weiter sinken. Dabei soll ein Grenzwert von 46% in den Jahren 2020 bzw. 2030 bei gewisser Beitragsstabilität nicht unterschritten werden.

Die Notwendigkeit nach ergänzenden Versorgungsmaßnahmen für jeden gesetzlich Versicherten beantwortet sich damit von allein und muss nur noch für den Einzelnen konkretisiert werden:

Wenn von einem Versorgungs- oder Altersgesamteinkommen in Höhe von 100% des Nettoeinkommens ausgegangen wird, wobei noch zu klären ist, ob das durchschnittliche oder das letzte Nettoeinkommen als Ziel angestrebt wird, ergibt sich die Versorgungslücke jeweils als Differenz zwischen diesem Nettoeinkommen und der zu erwartenden gesetzlichen Rente (mithilfe der jährlichen Renteninformationen der Rententräger) sowie bestehenden betrieblichen und privaten Versorgungen.

Dabei gilt auch: Die Lücke ist umso größer, je höher das Einkommen während des Arbeitslebens ist, da ja gesetzliche Renten nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze versichert werden. Außerdem sind natürlich auch die sog. vorzeitigen Risiken wie Tod und Berufsunfähigkeit ganz allgemein abzusichern. Letztlich kann die Ermittlung des Versorgungsbedarfs immer nur ganz individuell erfolgen.

Beispiel:

Herr Egon Müller ist 35, verheiratet, 2 Kinder. Er verdient monatlich 2.500,00 EUR brutto als kaufmännischer Angestellter. Aus seiner gesetzlichen Rente erwartet er mit 65 nach den Renteninformationen der BfA monatlich 1.000,00 EUR entsprechend seinem bisherigen Versicherungsverlauf. Von seiner Firma erhält er eine Betriebsrente in Höhe von 200,00 EUR, seine private Rentenversicherung wird ihm garantiert 300,00 EUR bringen.

Versorgungslücke = 300,00 EUR, wenn man von einem Nettoverdienst von 1.800,00 EUR ausgeht. Bei dieser Betrachtung ist die ständige Inflation noch nicht berücksichtigt.