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Zahlbarstellung (domiciliation):

Der Ort, an dem eine Zahlung gemäss Gesetz oder Vertrag zu leisten ist; manchmal auch eingeschlossen die Art und Weise der Zahlung.

– Siehe Barzahlung, Notadresse, Zahlung, Zahlungsadresse.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zählbrett auch Münzbrett (counting board, money tray):

Ein in früherer Zeit vor allem auf Wochenmärkten (weekly markets) häufig benutzter und auch heute noch zuweilen anzutreffender Kasten, in dem Hartgeld nach seiner Grösse in einen für jede Münze passenden Schacht (Münzrille; coin groove) eingelegt werden kann. Auf diese Weise wird das Geld automatisch sortiert, und es lässt sich so die Menge der jeweiligen Münzen und damit auch deren Wert gesamthaft vergleichsweise leicht ablesen. - Für Euromünzen werden heute vom Fachhandel in Bezug auf das Material und die Ausstattung im Einzelnen vielgestaltige Zählbretter angeboten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zahlen, rote (red ink):

In der Finanzsprache eine andere Bezeichnung für Verlust (the condition of showing a loss or deficit).

– Siehe Ausfall, Flagge, rote, Zahlen schwarze.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zahlen, schwarze (black ink):

In der Finanzsprache mitunter statt Gewinn gesagt (operating at a profit or being out of debt).

– Siehe Plusgeschäft, Rendite, Zahlen, rote.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zahlhaus (pawnshop, hockshop):

In älteren Dokumenten die Benennung für ein Pfandhaus im Sinne von Pfandleihe, Leihanstalt. - Daneben findet sich auch häufig die Bezeichnung Versatzamt (pawn office); und zwar Amt deswegen, weil vielfach öffentliche Stellen das Pfandleihgeschäft in die Hand nahmen, um Wucher durch gewerbliche Pfandleiher vorzubeugen bzw. diesen abzustellen.

– Siehe Faustpfand, Pfand, Pfandleiher.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zahlkarte (giro transfer form):

1 Früher ein Vordruck, mit dem Bargeld auf ein Konto beim Postscheckamt in jeder Poststelle einbezahlt werden konnte.

2 In manchen Lokalen beim Betreten ausgegebene Karte. Auf dieser werden in Anspruch genommene Leistungen der Gaststätte bzw. Diskothek gespeichert. Beim Verlassen des Lokals wird dann die Summe eingelesen und vom Gast beglichen. Auf diese Weise will man vor allem das Bedienungspersonal vom oft ungelegenen Abkassieren (cash up, payment procedure: waiter: the bill please; "Herr Ober. bitte zahlen!) entlasten.

3 Manchmal auch die Bezeichnung für jederart Karte.

– Siehe Postkartenscheck, Wertkarte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zahlkraft und Zahlungskraft (paying power):

Älterer Ausdruck für Kaufkraft, nämlich die Fähigkeit einer Geldeinheit, eine bestimmte Menge an Gütern am Markt zu kaufen.

– Siehe Geldwert.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zahlmeister in älteren Dokumenten auch Arkarius, Archarius und Kaspar [dieses Wort aus dem Altpersischen für Schatzmeister] (purser; paymaster):

1 Im heutigen allgemeinen Sprachgebrauch die für den Zahlungsverkehr sowie für die sichere Aufbewahrung von Wertsachen in einem Depot auf einem Seeschiff (Fahrgastschiff; passenger ship) zuständige Person.

2 Beim Militair der Geldverwalter (Kassenwart; cash custodian), dessen Aufgabe vor allem in der Bereitstellung von Zahlungsmitteln zur Beschaffung des notwendigen Bedarfs einer Heereseinheit liegt; früher auch Pfennigmeister und Tresorier genannt.

3 In Vereinen manchmal Bezeichnung für die Person, welche das Vereinsvermögen verwaltet, auch Schatzmeister, Säckelmeister, Büchsenmeister, Boursier, Thesaurarius und Tresorier genannt.

4 Im übertragenen Sinne derjenige - wie Deutschland -, welcher die grössten finanziellen Lasten in einer Gemeinschaft - hier: der EU - jetzt und durch Garantieübernahme auch später zu tragen hat (Geldkuh; cash cow).

– Siehe Defterdar, Finanzier, Juste Retour-Prinzip, Pfennigmeister.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zahltag (maturity; payday, ultimo; trade fair payment day; day of awful truth):

1 Der Tag, auf den eine Forderung fällig gestellt und zu erfüllen ist.

2 Der Termin, zu dem Beschäftigte vertragsgemäss entlohnt werden müssen (the day of the week or month on which an employee's wages or salary is paid).

3 Der letzte Geschäftstag eines Monats (the last business day of the month).

4 In älteren Dokumenten der Tag, an dem gemäss Messeordnung (exhibition regulations) Zahlungen auf einer (Verkaufs)Messe festgesetzt waren.

5 Das Datum, zu dem sich das ganze Ausmass eines verlustreichen Geschäftes enthüllt und ein Abgesang ansteht.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zahltag-Grundregel (payday principle):

In Zusammenhang mit den Staatshilfen an notleidende Banken und Unternehmen (stricken enterprises) im Zuge der Finanzkrise 2008 aufgekommene Bezeichnung für die Tatsache, dass die staatlicherseits zur Krisenbewältigung aufgenommenen Schulden irgendwann zurückbezahlt werden müssen. Meistens verbindet man damit die Befürchtung, dass die Entschuldung des Staates auf dem Wege einer Hyperinflation geschehen könnte. - Oft wird damit in einem auch das Unbehagen darüber ausgedrückt, dass die Überschuldung der Hausbesitzer in den USA sich zu einer Schuldenkrise der Banken und vieler Unternehmen weltweit ausweitete, und diese Verschuldung nun mit Schulden des deutschen Staates bekämpft wird.

– Siehe Erinnerungsfähigkeit, Furchtthese, Repression, finanzielle, Schuldentragfähigkeit, Staatsschulden-Rückführung, Weginflationierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zahlung und Begleichung in älteren Dokumenten auch Realisation und Exkulpation (payment, realisation, exculpation):

Allgemein die Übereignung

1. von Geld

2. oder ausnahmsweise - besonders in früheren Zeiten sowie in Notzeiten der jüngeren Geschichte - eines im gesellschaftlichen Tauschverkehr allgemein anerkannten und gebräuchlichen Handelsgutes, wie Salz oder Zigaretten, zur Erfüllung einer Forderung. Der Empfänger des Geldes oder Tauschguts findet sich dabei durch die Übereignung voll befriedigt und macht gegenüber dem Zahlenden keine weiteren Ansprüche mehr geltend.

– Nahezu alle wirtschaftlichen Transaktionen lösen auch einen Zahlungsstrom aus; der Anteil des reinen Güteraustauschs (countertrade, baratt transaction; Baratgeschäfte) ist in einer entwickelten Volkswirtschaft gering. Aufgrund dieser Tatsache muss der Zahlungsverkehr auch besonders geordnet werden.

– Siehe Abmachung, Anzahlung, Barzahlung, Begleichung, Bettkantenwährung, Bezahlung, Bezahlverfahren, innovative, Bullet Payment, Eintreibung, Entgelt, Fälligkeit, Forderung, Geldzahlungsgeste, Geldzeichen, Glattstellung, Kompensation, Liberierung, M-Payment, Pagament, Posttag, Realisierung, Restwert, Sicht, Sborso, Spielgeld, Storno, TARGET, Timeline, Übertragung, bedingte, Überweisung, Vorauszahlung, Vorzeigung, Warengeld, Zahlbarstellung, Zahlkarte, Zahlungshalber, Zahlungsmodalitäten, Zahlungssystem, Ziel, Zigarettenwährung, Zuwendung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zahlung, persönliche (face-to-face payment):

Eine Geldleistung, bei welcher der Zahlende und der Zahlungsempfänger an ein und demselben Ort zugegen sind, wie etwa beim Kauf im Ladengeschäft (a payment where the payer and the payee are in the same physical location, such as in the case of in-store purchasing). Ist dies nicht der Fall, so spricht man von Fernzahlung (remote payment).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zahlung, schriftliche (paper-based payment):

Das Begleichen von Rechnungen mittels Überweisungsformular (money transfer form) oder Verrechnungsscheck (cheque for deposit only). Dieser Weg wird nach entsprechenden Studien auch in nächster Zukunft anteilmässig kaum zurückgehen. Er steht nur in Konkurrenz zur Geldkarte, bis anhin wohl aber noch weniger zur Computerzahlung, wiewohl dieser Zahlungsweg in Zukunft stark an Bedeutung gewinnen dürfte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zahlungen, autonome (autonomous account movements):

Bei einer Bank alle Einzahlungen und Auszahlungen, deren Höhe und Zeitpunkt nicht im Einflussbereich des Instituts liegen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zahlung, mobile (mobile payment):

Die Übertragung von Geld durch Vermittlung eines tragbaren Geräts wie Mobiltelephon oder andere Mobilgeräte (payment where a mobile device - for instance a wireless phone or personal digital assistant - is used at least for the initiation of the payment order, and potentially furthermore for the transfer of funds).

– Siehe Bezahlverfahren, innovative, M-Payment.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zahlungsadresse (address for payment):

Die Anschrift bzw. das Konto, wohin eine vertragliche vereinbarte Zahlung zu leisten ist. - Seit November 2009 müssen Banken in Deutschland bei einem Überweisungsformular (money transfer form) nicht mehr prüfen, ob die Kontonummer zum Empfängername (name of the receiver) passt. Wohin eine Überweisung geht, richtet sich allein nach der Kontonummer (account number).

– Siehe International Bank Account Number, Single European Payment Area, Zahlbarstellung, Zahlungsauftrag, Zahlungsmodalitäten, Zahlungsverkehrssysteme.

– Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 242 (Umsetzung der Zahlungsdienstrichtlinie der EU).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zahlungsauftrag in älteren Dokumenten auch Reskription (payment order, payment authorisation):

Eine rechtsgültige Handlung (legally valid act), heute inbegriffen auch der notwendigen erforderlichen Angaben wie Bezeichnung des Kontos, IBAN, des Namens des Begünstigten, die auszuzahlende Summe, Datum und Unterschrift des Überweisenden, die einen Geldfluss auslöst: die Weisung des Zahlers (payer) an einen Zahlungsdienstleister (payment service provider); vgl. § 675 f BGB. - Ob in der Erteilung einer Einzugsermächtigung (direct debit mandate, direct debit authorisation) im gängigen deutschen Einzugsermächtigungsverfahren (direct debiting mandate procedure) ein Zahlungsauftrag im rechtlichen Sinne zu sehen ist, wird unterschiedlich beantwortet.

– Siehe Abbuchungsgenehmigung, Abwicklung, vollautomatische, Abwicklungssysteme, Business Continuity Programme, Cash-Management, Euroclear, Fernzugang, Clearing-Haus, automatisches, Kapitaltransfersystem, elektronisches, Lastschrift, Massenzahlungsverkehr, elektronischer, Überweisungssystem, Zahlungsadresse.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zahlungsabwicklung, unternehmensspezifische (corporate processing float):

Die Zeit zwischen dem Eingang einer Zahlung durch einen Kunden und der Gutschrift des Betrags auf dem Konto des Unternehmens (the time that passes between receipt of payment from a customer and the depositing of in the firm's bank account; the time required to process customer payments). Diese Frist reicht empirisch von wenigen Minuten bei elektronischer Überweisung bis zu einigen Wochen in den Fällen, wo eine Devisenbehörde in den Zahlungsvorgang vorgeschaltet ist.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zahlungsausfall ([payment] default):

Das völlige Ausbleiben erwarteter Zahlungen.

– Siehe Anleihe, besicherte, Ausbuchung, Ausfall-Verlust, Default, Herfindahl-Hirschman-Index, Kalibrierung, Kreditereignis, Kreditrisiko, Kunde, fauler, Paritätsvorbehalt, Rating, Respiro, Risikotransparenz, Risikoprofil, Säumnisquote, Schulden, notleidende, Subprime Lending, Unterlegung, Verlust, Verzug, Zahlungsausstand.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zahlungsausgleich (clearance):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter die Aufrechnung gegenseitiger Verbindlichkeiten aus Wertpapier-Geschäften (the process of calculating the mutual obligations of market participants for the exchange of securities and money).

– Siehe Clearing, Kompensation.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zahlungsausgleichskonto (settlement account):

Bei der EZB ein Konto, das von einem Geschäftspartner zu Zahlungsverkehrszwecken bei der Zentralbank unterhalten wird.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zahlungsausstand (outstanding payment, amount overdue):

Der Tatbestand, dass ein Schuldner seiner laufenden Zahlungsverpflichtung (liability to pay) vorübergehend nicht nachkommt. - Bleibt die Zahlung über mehrere Zeiträume aus, so spricht man von Zahlungsrückstand (Rezess, arrears, backlog of payments). - Ist überhaupt keine Zahlung mehr zu erwarten, so handelt es sich um Zahlungsausfall. - Die die Abgrenzung zwischen Zahlungsausstand und Zahlungsrückstand (Rezess; arreage in payments) ist in der bezüglichen Fachliteratur nicht eindeutig. Sie hängt wohl im Einzelfall vor allem von den Vertragsbedingungen, von branchenüblichen Gegebenheiten (customary circumstances in this industry) und der bis anhin erfolgten Zahlungsverhalten des Kunden ab.

– Siehe Ausfall, Default, Fälligkeit, Geldvergessliche, Kunde, fauler, Respiro, Prämien-Rückstand, Verzug.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zahlungsbetrugs-Risiko (payment system fraud risk):

Die Gefahr, im Zusammenhang mit Geldüberweisungen durch kriminelle Machenschaften geschädigt zu werden. - In den USA lag dieses Risiko 2004

1. bei Überweisungen unter 0,02 Prozent,

2. bei Schecks nahe 0,1 Prozent,

3. bei Kreditkarten nahe 0,15 Prozent und

4. bei den Computerzahlungs-Systemen bei etwa 2,5 Prozent, hier jedoch mit abnehmender Tendenz dank immer besserer Sicherheits-Vorkehrungen (saftey measures).

– Siehe Überweisungsbetrug.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zahlungsbilanz (balance of payments):

Die nach bestimmten buchhalterischen Regeln vorgenommenen Gegenüberstellungen des (monetären; monetary) grenzüberschreitenden Verkehrs in einem Währungsgebiet. Weil von den Salden der Zahlungsbilanz gesamthaft und einzelner Posten direkte und indirekte Auswirkungen auf den Geldwert nachweisbar sind, werden diese von den Zentralbanken laufend beobachtet und vorausgeschätzt.

– Siehe Balance of Payments Manual, Balassa-Index, Handelsbilanz, Kapitalbilanz, Lagging, Unit-Value-Relation, Wertschöpfung.

– Vgl. die jeweiligen aktuellen Werte im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Aussenwirtschaft" des jeweiligen Monatsberichts der EZB, Monatsbericht der EZB vom Juni 2003, S. 16 ff. (zur Systematik für das Eurogebiet), Monatsbericht der EZB vom Februar 2005, S. 77 ff., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2005, S. 30 (statistische Verzerrungen durch die EU-Osterweiterung), Monatsbericht der EZB vom April 2005, S. 75 (Vergleichbarkeit von Daten), Jahresbericht 2004 der EZB, S. 79 f. (Übersichten), Monatsbericht der EZB vom August 2006, S. 61 ff. (Auswirkungen der Globalisierung auf die Importpreise; mit Übersichten), Monatsbericht der EZB vom November 2006, S. 13 ff. (globale Ungleichgewichte in den Zahlungsbilanzen; Schwierigkeiten bei der genauen Messung; tiefgreifende Analyse mit Korrekturvorschlägen), Monatsbericht der EZB vom August 2008, S. 81 f. (Zahlungsbilanz des Eurogebiets: Probleme; Übersicht der Erfassungsbilanzen), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2009, S. 113 ff. (wichtige Änderungen in der Datenerfassungsmethode), Vgl. Monatsbericht der EZB vom März 2011, S. 83 ff. (Zahlungsbilanz des Eurogebiets seit 2007; Analysen; Aufschlüsselung für das Jahr 2010), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2011, S. 34 ff. (neuere Entwicklung; viele Übersichten; Literaturhinweise), Monatsbericht der EZB vom Januar 2013, S. 77 ff (aussenwirtschaftliche Verflechtungen innert der EWU; ausführliche Darstellung), Monatsbericht der EZB vom September 2013, S. 34 ff. (Kapitalbilanz und Zahlungsbilanz im Eurogebiet seit 2007; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2014, S. 72 (unterschiedliche Entwicklung der Kapitalströme in den Ländern der Eurozone; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2014, S. 59 ff. (Umstellung der Erfassungsmethodik, ausführliche Darstellung mit Übersichten und wichtigen Informationen in den Anmerkungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zahlungsbilanzkrise (balance of payments crisis):

In einem Land oder Währungsgebiet zeigt sich über längere Zeitabschnitte ein auffallender Kapitalabfluss (a situation in which a country or monetary area has developed an unsustainable balance of payments deficit, because the capital inflow is exceeded by a capital outflow). Wie die Erfahrung gezeigt hat, reagieren internationale Anleger auf (bedrohliche; alarming) Defizite in der Zahlungsbilanz eines Staates sogleich durch Abzug ihrer Einlagen (withdrawal of their deposits), wodurch sich die Krise damit verschlimmert. Der Ausgleich der Zahlungsbilanz eines Staates gilt daher heute zurecht als eine Grundvoraussetzung für funktionierende Finanzmärkte in einem Land.

– Siehe Griechenland-Krise, Risiko-Rangliste, Run.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zahlungsdienste-Aufsichtsgesetz, ZAG (payment services supervision law):

Im Oktober 2009 in Kraft getretener Aufsichtsrahmen (regulatory framework) für Anbieter nationaler und grenzüberschreitender Zahlungsdienste, einschliesslich der Kreditkartenunternehmen.

– Siehe Finanzagent, Zahlungsinstitut, Zahlungsinstituts-Register.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 105 f. (Einzelheiten zum neuen Gesetz), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 228 (BaFin ruft Erlaubnispflicht in Erinnerung), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 178 f. (Probleme im Erlaubnisverfahren; ausländische Zahlungsinstitute mit Tätigkeit in Deutschland) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute"; Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2011, S. 25 (Ausnahmen von der Erlaubnispflicht nach dem ZAG).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zahlungsfähigkeit gleichbedeutend auch Solvenz (liquidity, capacity to pay):

Wenn nicht anders definiert die Fähigkeit, jederzeit allen Zahlungsforderungen pünktlich nachkommen zu können (the ability to meet all payment obligations on time).

– Siehe Extensum, Insolvenz, Liquidität, Liquiditätsmanagement.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zahlungsgewohnheiten und Zahlungsverhalten (paying habits, payment practices, payment behaviour):

Wenn nicht anders definiert die Anteile von Barzahlung, Überweisungen, Kartenzahlungen und anderer Zahlungsinstrumente bei der Verwendung von Zahlungen seitens einer festumrissenen Gruppe, wie etwa der Privathaushalte oder Unternehmen einer bestimmten Branche (industry; Wirtschaftszweig) in einem Land. Innert der EWU gibt es noch erhebliche Unterschiede in den Zahlungsgewohnheiten (national payment habits and traditions vary widely within the EMU). Schwer vorhersehbar ist, wann und ob überhaupt sich diese angleichen.

– Siehe Liquiditätspräferenz, Transaktionskasse.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2008, S. 59 ff. (Nutzung von Zahlungsinstrumenten seit 2000; Übersichten; Ausblick), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2010, S. 33 ff. (Analyse der Zahlungsgewohnheiten in Deutschland; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Januar 2012, S. 83 ff. (Zahlungsverhalten in der EWU seit 2000; Übersichten; Literarturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zahlungshalber (undertaking to pay, on account of payment):

Zur Gutschrift vorbehaltlich des Eingangs. - Der Gegensatz ist: "an Zahlungs statt" = in bar geleistet (payment in cash); diese Unterscheidung ist in Deutschland rechtlich von sehr grosser Bedeutung.

– Siehe Annahmezwang, Bargeld, Bezahlung, Geldzeichen, Lizentgeld, Übertragung, bedingte, Übertragung, endgültige, Zahlung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zahlungsinstitut (payment institution):

Unternehmen, das gewerbsmässig oder in einem Umfang, der einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb benötigt, Zahlungsdienste erbringt. Zahlungsdienste sind vor allem das Ein- und Auszahlungsgeschäft, aber auch die Ausführung von Zahlungsvorgängen (payment transactions, processing of payments: Lastschriftgeschäft, Überweisungsgeschäft, Zahlungskartengeschäft, hier auch branchenüblichen Gegebenheiten mit Kreditgewährung) sowie das Finanztransfergeschäft. - Seit Oktober 2009 gilt das Zahlungsdienste-Aufsichtsgesetz; dieses regelt die Aufsicht über Zahlungsinstitute.

– Siehe Finanzagent, Remittance Services, Zahlungsinstituts-Register.

– Vgl. Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 160 ff. (Grundsätzliches und aktuelle Fragen der Aufsicht), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 93 (Zahl der Zahlungsinstitute; Entwicklung) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zahlungsinstituts-Register (register of instituts authorised on payment transactions):

Von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) auf deren Internetseite veröffentlichtes Verzeichnis aller Institute, denen die Behörde nach § 8 Zahlungsaufsichtsgesetz (ZAG) die Erlaubnis erteilt hat, Zahlungsgeschäfte zu tätigen. Zahlungsinstitute sind Unternehmen, die aufgrund einer Konzession der BaFin oder aber einer Bewilligung einer Aufsichtsbehörde eines anderen EU-Mitgliedstaates zur gewerblichen Erbringung und Ausführung von Zahlungsdiensten im gesamten Gebiet der Europäischen Gemeinschaft berechtigt sind. Das Zahlungsdienste-Aufsichtsgesetz setzt die europäische Richtlinie 2007/64/EG, die Zahlungsdienstrichtlinie (Payment Services Directive, PSD), in deutsches Recht um. Wichtige Begriffsbestimmungen finden sich in § 1 ZAG.

– Siehe Auslagerung, Bargeldkreislauf, Bargeldmanagement, Downsizing, Finanzagent, Finanz-Transfergeschäft, Inkassogeschäft.

– Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 161 (Aufsicht über Zahlungsinstitute), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 179 f. (neue Institute stellen Antrag auf Zulassung; Prüfungen der BaFin vor allem hinsichtlich der Sicherungsanforderungen; laufende Aufsichtsfragen) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute", Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2011, S. 24 ff. (Rechtsrahmen und Aufgaben der Zahlungsinstitute in Bezug auf das Banknoten-Management), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 160 ff. (Grundsätzliches und aktuelle Fragen der Aufsicht) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zahlungskarte (payment card):

Ein Plastikausweis, der bargeldlose Zahlungen und meistens in einem auch Bargeldabhebungen an Geldausgabeautomaten sowie mehr und mehr zusätzlich den Abruf anderer Dienstleistungen ermöglicht (a rectangular piece of plastic that can be used by a cardholder to make a payment for a purchase, in compensation of some other obligation or for cash withdrawal).

– Siehe Community Card, Electronic Ticketing, Geldkarte, Karte, Wertkarte, Zahlkarte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zahlungsmittel auch Zahlungsinstrumente (payment instrument, means of payment):

1 Allgemein jeder Vermögensgegenstand - wie Muschel, Kakaobohne, Fell, Metallstück, Gutschein -, der in einer Gesellschaft im Tauschverkehr als Zwischentauschgut angenommen wird (any kind of assets that are accepted in a society by a payee as discharging a payment obligation on the part of a payer vis-à-vis the payee).

2 Das in einem Gebiet (territory: Staat, Wirtschaftsraum) durch Gesetz eingeführte und durch die Zentralbank gesicherte Geld; die Währung.

3 Statistischer Oberbegriff, der nach bei der Deutschen Bundesbank umschliesst

1. Bargeld (cash; Noten und Münzen)

2. Sichteinlagen in heimischer Währung,

3. Sichteinlagen in Fremdwährung (xeno currency) und

4. Aufladungswert in E-Geld-Systemen.

4 Nach IAS (7.6) das in einem Unternehmen vorhandene Bargeld und die Sichteinlagen.

– Siehe Actus-purus-Grundsatz, Annahmezwang, Bargeld, Begültigung, E-Geld, Free Banking, Geld, elektronisches, Geldbasis, Geldmenge, Geldzeichen, Goldwährung, Handschein, Kurantmünze, Mittel, Numismatographie, Papiergeld, reines, Parallelwährung, Pagament, Pezzi, Scheck, Ungüter, Verkehrsunfall, Währung, Warengeld, Zahlung, Zahlungsmitteläquivalente, Zigarettenwährung.

– Vgl. den Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Monetäre Entwicklungen, Banken und Investmentfonds" im jeweiligen Monatsbericht der EZB zum Anteil der Zahlungsmittel im Eurogebiet.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zahlungsmitteläquivalente (cash equivalents):

Bei einem Unternehmen als Liquiditätsreserve (liquidity reserve) gehaltene, kurzfristige und sofort zu verflüssigende (highly liquid) Posten, die jederzeit in Zahlungsmittel umgewandelt werden können und die nur unbedeutenden Wertschwankungen (marginal value fluctuations) und Einlöse-Risiken (conversion risks) unterliegen. Hierzu zählen neben Guthaben bei Banken, auch Schecks, erstklassige Wechsel, an freien Märkten gehandelte und börsentäglich (on each exchange trading day) preisveröffentlichte Devisen - wie derzeit etwa der USD und CHF - oder Gilts.

– Siehe Liquidität ersten Grades, Qick Ratio, Zahlungsmittel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zahlungsmittelfonds und flüssige Mittel (cash and cash equivalents, liquid funds):

Bei einem Unternehmen nach IAS (7.7) der Bestand an Zahlungsmitteln und Zahlungsmitteläquivalenten (cash on hand, cheques and immediately available bank balances with an original maturity of less than three month).

– Siehe Liquidität.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zahlungsmodalitäten (payment terms):

Regelungen hinsichtlich der Art und Weise, wie eine Zahlung zu leisten ist. Dazu gehören vor allem die Zahlungsadresse, der Zahlungsort, Zahlungszeitpunkt (date of payment), die Zahlungsweise (form of payment) und die Zahlungsperiodizität (intermittency of payment). - Bei Banken sind die Zahlungsmodalitäten bei Darlehn im Normalfall in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen, AGB (standard business conditions, SBC) festgelegt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zahlungsmoral (payment behaviour, payment practice, payment patterns):

Das Verhalten eines Schuldners gegenüber einem Gläubiger. Dieses hängt ab

1. von dessen objektiven Möglichkeiten, sprich: von seiner wirtschaftlichen Kraft; und weil diese in aller Regel selten vorhersehbar ist, so verlangt der Gläubiger eine Sicherheit sowie

2. von dem Willen des Schuldners, seinen Verpflichtungen nachzukommen. Weil aber dieser - trotz vieler, teilweise auch absonderlicher Vorschläge - kaum zu messen ist, so bleibt bei jedem Darlehn ein Risiko; und letztlich zählt allein die Verwertbarkeit der hinterlegten Sicherheit.

– Siehe Existenzminimum, Faustpfandkredit, Fraudulent, Geldeintreibung, Hard Claim, Immobilien-Sicherheiten, Inkassogeschäft, Kinderpfand, Kontrahentenrisiko, Kredithai, Kredit-Punktbewertungsverfahren, Kunde, fauler, Leichenpfand, Ziel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zahlungsort (place of payment):

Wenn nichts anderes vertraglich vereinbart, so hat ein Schuldner auf seine Kosten (at his own expense) und auf seine Gefahr (at his own risk) dem Gläubiger den geschuldeten Betrag an dessen Wohnsitz zu übermitteln. Dies schreibt in Deutschland § 270 BGB vor.

– Siehe Domizilierung, Posttag, Zielplatz, Zahlungsmodalitäten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zahlungsplan (payment schedule):

Auflistung der Daten, an denen eine Wirtschaftseinheit Zahlungen zu leisten hat (register consisting of a series of the dates at which payments will be made by one party to another).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zahlungssperre (pay[ment] blocking, payment stop):

1 Die Ausserkraftsetzung (invalidation, nullification) einer abhanden gekommen Karte, eines Scheckheftes (chequebook) oder eines Sparbuchs aufgrund einer Verlustanzeige des Inhabers.

2 Bei abhanden gekommenen Wertpapieren vor dem Aufgebot durch das zuständige Gericht verfügte Massnahme. Die Zahlungssperre bedeutet, dass der Aussteller auf dass Wertpapier nichts leisten darf, wenn er sich nicht der Gefahr der Doppelzahlung (duplicate payment) aussetzen will.

3 Von einem Staat verfügte Blockierung von fälligen Zahlungen gegenüber Bürgern oder öffentlichen Stellen eines anderen Landes als Mittel des politischen Drucks (exerting political pressure through the means of selective or total payment blocking).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zahlungsstrom (payment flow):

Der Austausch von Gütern erfolgt heute regelmässig unter Zwischenschaltung von Geld. Jeder Güterbewegung entspricht daher eine Zahlungsbewegung. Diesen letzteren Vorgang nennt man vor allem in der Betriebswirtschaftslehre Zahlungsstrom. Weil jedem Güterstrom ein Zahlungsstrom in umgekehrter Richtung gleichsteht, so spricht man häufig auch von einem derivativen Zahlungsstrom (derivative payment flow).

– Siehe Barzahlung, Timeline, Zahlung, Zahlungsbilanz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zahlungssystem (financial interchange system):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter alle Einrichtungen in einem Land, in einem Währungsraum oder in der Welt gesamthaft, welche der Übertragung von Geld zwischen Wirtschaftseinheiten dienen. - Das Zahlungssystem ist ein Kollektivgut. Die Zentralbank hat die Aufgabe, seinen glatten Ablauf (smooth running) zu gewährleisten. Das schliesst ein, dass sie in Krisenlagen soviel an Liquidität bereitstellen muss, um den reibungslosen Zahlungsverkehr zu sichern. Denn wird das Zahlungssystem aus irgend einem Grund gestört, dann wird der Güteraustausch sofort betroffen; und eine solche krisenhafte Lage schlägt erfahrungsgemäss sehr rasch durch (would have a direct impact on) vor allem auf die Investitionen und damit auch auf die Beschäftigung, und von da wieder auf die Erwartungen.

– Siehe Finanzstabilität, Intratageskredit, Quantitative Easing, TARGET, Zahlung, Zahlungsverkehrssystem.

– Vgl. Jahresbericht 2011 der EZB, S. 138 ff. (laufende Massnahmen zur Überwachung) sowie den jeweiligen Jahresbericht der EZB, Kapitel 3, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2012, S. 47 ff. (ausführliche Darstellung des Zahlungsverkehrs im Eurogebiet; Übersichten; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zahlungsunfähigkeit auch Insolvenz (insolvency, illiquidity, inability to pay):

Nach § 17, Abs. 2 Insolvenzordnung (InsO; German Insolvency Act) ist ein Schuldner dann zahlungsunfähig, wenn er nicht in der Lage ist, die fälligen Zahlungsverpflichtungen (payment obligations) zu erfüllen. Zahlungsunfähigkeit ist in der Regel anzunehmen, wenn der Schuldner seine Zahlungen eingestellt hat. - Der Zustand der Illiquidität muss auf Dauer angelegt sein. Das heisst, neues Geld kann wegen Überschuldung (liabilities exceeding the assets) und damit fehlender Kreditwürdigkeit auch nicht aufgenommen werden. Eine aktuell eingetretene Illiquidität stellt somit dann keine Zahlungsunfähigkeit dar, wenn in einem absehbaren Zeitraum der Liquiditätsengpass (liquidity crisis) überwunden werden kann. Man spricht dann von Zahlungsstockung (backlog of payments) und nicht von Zahlungsunfähigkeit.

– Siehe Debitmasse, Extensum, Finanznot, Gehalts-Stop, Geldklemme, Geldspritze, Insolvenz, Liquidität, Manifestierung, Notlage, finanzielle, Rekonstruktion, Sanierung, Schuldentragfähigkeit, Solvenz, Verzug, Vulture Fund, Zombie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zahlungsverkehr (payment transactions):

Alle Geldbewegungen (flows of money, money movement),

1. sowohl in Form von Bargeld als auch bargeldlose Zahlungen jeder Art, und zwar

2. im Binnenkreislauf wie auch im Verkehr mit dem Ausland.

– Siehe Abwicklungssysteme, Blankett, Business Continuity Programme, Clearing-Haus, automatisches, Domizilierung, Euroclear, Fernzugang, Finalität, Kapitaltransfersystem, elektronisches, Massenzahlungsverkehr, elektronischer, Posttag, Target, Trade Assignment, Überweisungssystem, Zahlungsstrom, Zahlungssystem, Zahlungsverkehrsüberwachung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2009, S. 51 ff. (Entwicklung in den letzten 50 Jahren; viele Übersichten), Jahresbericht 2011 der Deutschen Bundesbank, S. 111 (unbarer Zahlungsverkehr der Deutschen Bundesbank 2010 und 2011 aufgeschlüsselt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zahlungsverkehr, elektronischer (wire transfer):

Die papierlose, unbare (paperless and non-cash) Erfassung und Abwicklung von Zahlungen über elektronische Medien (the electronic transfer of money).

– Siehe Bezahlverfahren, innovative, Business Continuity Programme, Kapitaltransfersystem, elektronisches, Karte, Kleinbetrags-Zahlungssysteme, Kontaktgruppe für strategische Fragen im Euro-Zahlungsverkehr, Massenzahlungsverkehr, elektronischer, Single European Payment Area (SEPA), TGS-System, TARGET-System, Überweisungsbetrug, Zahlungssystem.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zahlungsverkehrsstatistik (payment and securities statistics):

Von der EZB jährlich veröffentlichte Zusammenstellung; der Berichtsrahmen (statistical framework)wird von Zeit zu Zeit angepasst. Die Statistiken sind unter http://sdw.ecb.europa.eu/ im Internet frei verfügbar.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2008, S. 27 ff. (hier auch Einzelheiten zur Art und Weise der Erfassung; Übersichten 2000 bis 2007).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zahlungsverkehrssysteme und Zahlungssystem (payment systems):

Verfahren zur Vereinfachung (ways of simplifying) des unbaren Zahlungsverkehrs

1. zwischen Zentralbanken,

2. innert der Banken weltweit untereinander (dann im Englischen auch bankwire genannt: an electronic communications network maintained by an association of banks and used to transfer messages between participating banks) sowie

3. für eilbedürftige Kundenzahlungen auch zwischen der Bank des Überweisenden zur Bank des Empfängers; dann spricht man auch von Individualzahlungssystem.

– Auf europäischer Ebene hat die EZB verschiedene Massnahmen zur Vereinheitlichung und Vereinfachung sowie auch zur Glättung von unerwünschten Stockungen ergriffen. - Dass sowohl der bare (cash) als auch der unbare (non-cash, cashless) Zahlungsverkehr während der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise nicht in die Schlagzeilen geriet, ist ein Beleg dafür, dass die Zahlungsverkehrssysteme zu jedem Zeitpunkt der Krise zuverlässig und reibungslos liefen. - Im August 2014 hat die EZB eine Verordnung zu den Anforderungen an die Überwachung systemrelevanter Zahlungsverkehrs-Systeme (systemically important payment systems, SIPS) erlassen.

– Siehe Bezahlverfahren, innovative, Business Continuity Programme, EFTPOS, Intratageskredit, Kapitaltransfersystem, elektronisches, Kleinbetrags-Zahlungssysteme, Kontaktgruppe für strategische Fragen im Euro-Zahlungsverkehr, Massenzahlungsverkehr, elektronischer, Migration, SEPA-Rat, Single European Payment Area (SEPA), TGS-System, TARGET-System, Überweisungsbetrug, Zahlung, Zahlungssystem.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2002, S. 51 ff., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 45 ff. (sehr ausführliche Darstellung mit wichtigen Übersichten), Jahresbericht 2007 der EZB, S, 168 f., S. 172 (hier auch zur Überwachung von Eba Clearing), Jahresbericht 2010 der Deutschen Bundesbank, S. 133 (unbarer Zahlungsverkehr in Deutschland), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2012, S. 47 ff. (ausführliche Darstellung des Zahlungsverkehrs im Eurogebiet; Übersichten; Literaturhinweise), Monatsbericht der EZB vom Januar 2012, S. 81 (in Anmerkung 2 Definition von Zahlungssystem).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zahlungsverkehrsüberwachung (monetary transactions control):

Um Störungen im Zahlungsverkehr mit möglicherweise weitreichenden Folgen (domino-effect, cascades; Dominostein-Effekt) nach Möglichkeit auszuschliessen, so sichern die Zentralbanken diesen durch verschiedene Massnahmen, insbesondere durch die Bereitstellung stabiler und verlässlicher Systeme.

– Siehe Business Continuity Programme, Intratageskredit, Single European Payment Area (SEPA), Finanzsystem, Vertrauen, Zahlungsverkehrssysteme.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2004, S. 29 ff., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 48 f., Jahresbericht 2007 der EZB, S. 168 ff. (hier auch Grundsätzliches zur Überwachung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zahlungsverkehrsverordnung (monetary transactions control regulation):

Von der EU Ende 2006 erlassene Verordnung für den grenzüberschreitenden Geldtransfer mit dem Ziel, Geldwäsche besser erkennen zu können. Durch Identifizierungspflicht für den Auftraggeber und Prüfung des gesamten Zahlungsweges soll jeder Geldtransfer lückenlos rückverfolgbar sein.

– Siehe Address Spoofing, Blind Pool, Beobachtungsvermerk, Böhnhase, Cold Calling, Dampfstube, Dingo-Werte, Domizil-Verschleierung, Einziehung, Financial Intelligence Unit, Firmenbestatter, Frontrunning, Geheimtip, Geldwäsche, Ghettobanking, Geldtransfer-Vermittler, Geldwäsche, Hawala, High risk countries, Inkasso-Stelle, International Business Company, Kursmanipulation, Offshore Finanzplätze, Scalping, Schattenbankbereich, Scheintransaktionen, Underground Banking, Wechselstuben.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 194 (FATF-Sonderempfehlung wird umgesetzt; § 25b KWG nennt Zuständigkeiten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zaibatsu (zaibatsu):

Aus dem Japanischen kommende Bezeichnung für den übermächtigen Einfluss eines oder mehrerer Familienunternehmen auf den Wirtschaftsablauf und den Finanzkreislauf in einer Volkswirtschaft (large family-owned conclomerates that control much of the national economy and in particular the financial circulation, as it was the ca in Japan prior to World War II).

– Siehe Marktmanipulation.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

ZEBRAS (Abkürzung für Zero Kupon Eurosterling Bearer of Registered Accruing Securities):

Gestrippte englische GBP-Staatsanleihe.

– Siehe Nullkupon-Anleihe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zechine (zechin):

In älteren Dokumenten

1. die Bezeichnung verschiedener einzelner Münzen aus Gold, benannt nach la Zecca, der Münzstätte in Venedig und

2. von daher zuweilen auch gesagt als Gattungsbegriff für jederart Goldmünze.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zedent (assigner, cedent):

Wenn nicht anders definiert ein Erstversicherer (direct insurer, ceding company), der ein Risiko an einen Rückversicherer (resinsurer, accepting company) abgibt (zediert; assigns).

– Siehe Rückversicherung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zehnt(geld), Zehnter (tenth; tenth part duty):

Alte Abgabe, ursprünglich in Naturalien, später dann in Bargeld, an den Landesherrn bzw. an den zur Erhebung dieser Steuer Berechtigten, und in alten Dokumenten auch Datz, Dätz, Detz (vom lateinischen decimum = zehnter Teil) genannt. - Eine solche Leistung (Dezimation; decimation) war bereits im Altertum in verschiedenen Kulturen nicht nur des Orients bekannt. Sie blieb über das Mittelalter bis in die frühe Neuzeit üblich.

– Siehe Abgabe, Kopfzins, Übersatz, Umgeld, Zekiat, Zins.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zeichenunterschrift (mark signature; digital signature):

1 Vereinbarte Unterzeichnung eines des Schreibens Unkundigen (Analphabeten; illiterate) im Verkehr mit der Bank; heute in vielen Entwicklungsländern üblich. - Freilich ist auch in Westeuropa vor allem der Semi-Analphabetismus nicht unbekannt. Davon spricht man, wenn Personen zwar lesen, aber nicht schreiben können; fast drei Prozent der Bevölkerung wird dieser Gruppe zugerechnet. In der Bankpraxis (in the bank' daily operations) fallen diese Menschen dadurch auf, dass sie Formulare von Mitarbeitern im Front-Office-Bereich ausfüllen lassen und in der Regel eine Sehschwäche (amblyopia: debility of sight) vortäuschen. Auf Fachtagungen wird empfohlen und in bankinterneren Anweisungen ist oftmals niedergelegt, dass der Mitarbeiter der Kritzelunterschrift (illegible [= unreadable] signature) eine von ihm unterzeichnende Bestätigung beifügt.

2 Ein mit der Bank abgemachter - derzeit in der Regel neunstelliger - einmaliger oder nach gewissen Regeln variabler Buchstaben-Zahlen-Code (alphanumeric code: sequence of letters and numbers), der anstelle der Unterschrift auf Dokumenten aus Papier oder bei Transaktionen über das Internet von dem Kunden verwendet wird, um Unterschrifts-Fälschungen auszuschliessen (a string of data, generated by a cryptographic method in order to guarantee its authenticity, identify the signatory and link the content definitely to a specific customer).

– Siehe Diffession, Idiograph, Phishing, Pin-Code, Rechtsrisiken, Unterschriftenkarte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zeichnung in älteren Dokumenten auch Unterzeichnung [Betonung auf der dritten Silbe] (subscription):

1 Allgemein der Kauf eines neu herausgegebenen Wertpapiers innert der angekündigten Zeichnungsfrist.

2 Verpflichtung eines Anlegers gegenüber seiner Bank, neu aufgelegte Wertpapiere gegen einen bestimmten Betrag zu übernehmen. Die Einzelheiten wie Zeichnungsfrist, Verzinsung, Bezugskurs und Emissionsvolumen sind in den sogenannten Zeichnungsbedingungen (terms of subscription, underwriting conditions) festgelegt. - Die Zeichnung eines Wertpapiers ist somit vom Kauf per Börsenauftrag zu unterscheiden.

– Siehe Alles-oder-Nichts-Auftrag, Auftragsverzögerung, Emission, überzeichnete, Forward Pricing, Liberierung, Majorisierung, Mehrzuteilungs-Option, Überzeichnung, Wertpapierzuteilungs-Information, Zweitmarktpapiere.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zeichnungsberechtigung (signatory power):

Im Finanzbereich auch gesagt für die Befugnis, aufgrund einer Vollmacht des Kontoinhabers (account holder) über ein Konto Verfügungen treffen zu können, das nicht auf den eigenen Namen lautet. - In der Regel erkennen die Institute nur eine unbeschränkte Vollmacht (unconditional power, carte blanche) an, weil die Prüfung des Umfangs einer Vollmacht (extent of authority, scope of power of authority) bei jeder einzelnen Transaktion bankgeschäftlich zu hohe Kosten verursachen würde. Andererseits häufen sich dadurch Klagen von Vollmachtgebern (appointers) über den Missbrauch der Vollmacht (abuse of authority). Dies wiederum führte zu verschiedenen praktischen und rechtlichen Gestaltungen - unter anderem: mehrere Konten für jeweils einen besonderen Zweck -, um Vollmachtsmissbrauch (abuse of signatory power) zu verhindern oder doch einzuschränken.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zeichnungsfrist (subscription period):

Zeitspanne, innert der ein Unternehmen die Ausgabe von Wertpapieren ankündigt und zum Kauf derselben einlädt.

– Siehe Auftragsverzögerung, Überzeichnung, Unternehmensanleihen, Zeichnung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zeichnungsrendite (underpricing):

Der Emissionspreis eines neu begebenen Wertpapiers liegt unter dem ersten notierten Börsenkurs.

– Siehe Emissionsrendite, Subskription.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zeidlergeld (sylvan-beekeeper due):

Früher eine Abgabe des Zeidlers (forest bee-keeper; Waldimker: des zur Bienenzucht im Wald Berechtigten) an den Waldbesitzer (forest owner).

– Siehe Beutnergeld, Bienenprämie, Immengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zeitpräferenz (time preference):

Allgemein die Tatsache, dass eine Geldzahlung zum gegenwärtigen Zeitpunkt im Vergleich zu der betragsgleichen Zahlung in der Zukunft als höher bewertet wird. In bestimmten Fällen ist jedoch auch das Umgekehrte denkbar. - Die Zeitpräferenzrate der Privathaushalte ist im Einzelnen unterschiedlich; ihr Ausmass hängt neben anderem vom Einkommen sowie von der jeweils empfundenen Dringlichkeit von Bedürfnissen ab.

– Siehe Erwartungen, Inflationserwartungen, Minderschätzung künftiger Bedürfnisse.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zeitwert (current value, time value):

1 Allgemein der Wert eines Vermögensgegenstandes an einem bestimmten Zeitpunkt, in der Regel Börsentag oder Kalendertag. - Der Zeitwert ist buchhalterisch der um die Summe der bisherigen planmässigen Abschreibungen verminderte Anschaffungswert (acquisition value). Da das abnutzbare Anlagevermögen wie Gebäude und Maschinen im Zeitverlauf an Qualität verliert, so wird für die Buchhaltung und Kostenrechnung (cost accounting) jährlich ein bestimmter Geldbetrag (depreciation für wear and tear; Abschreibung für Abnutzung, AfA) abgeschrieben (abgesetzt).

2 Der zukünftige Wert eines Gegenstandes im Tauschverkehr gegenüber dem in Geld ausgedrückten Gegenwartswert. Geld ist immer ein Pluswert (positive value; Mehrwert). Der erst durch den Kredit entstehende Wert ist ein Minuswert (minus value); der Zinssatz muss beide Werte angleichen

3 Bei Optionen der Wert, um welchen der Optionspreis über dem inneren Wert der Option, also dem Unterschied zwischen dem Ausübungspreis und dem Basispreis, liegt. Der Zeitwert hängt dabei im Einzelnen von verschiedenen Bestimmungsgründen ab, vor allem von der Restlaufzeit (remaining life, remaining term) der Option und der Schwankungsbreite (volatility; Volatilität) des Basiswertes. Auch spiegelt der Zeitwert die Chance wider, dass ein Option ins Geld (in the money: der aktuelle Kurs des Basiswertes übersteigt den Ausübungspreis) kommt. Er ist daher im Regelfall grösser bei Optionen

1. mit langer Laufzeit,

2. mit hoher Volatilität des Basiswertes und

3. solchen, die am Geld (at the money: der Kurs des Basiswertes deckt sich mit dem Ausübungspreis) notieren.

4 Bei Warrants (warrants: Optionsscheine in Wertpapierform, die ausserhalb der Börse gehandelt werden) der Unterschied zwischen dem Kurs des Optionsscheines und seinem rechnerischen Wert.

5 Der Fair Value gemäss IAS (39.9).

– Siehe Bewertung, Carrying Amount, Fair Value, Marktwert, Option, Verkehrswert, Verbindlichkeit, Wertminderungsaufwand, Wertpapierbestände, Ziel, Zins, Zyklik.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2004, S. 83 f. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zeitwertbilanzierung (fair value accounting, FVA):

Die Bewertung sämtlicher Finanzinstrumente nach ihrem Zeitwert. - Aus Sicht des bilanzierenden Unternehmens stellt der Zeitwert in der Regel den möglichen Verkaufspreis (exit price) für den betreffenden Vermögenswert dar. - Die Zeitwertbilanzierung beruht grundsätzlich auf der gedanklichen Voraussetzung stets liquider Märkte für alle nach dem Zeitwert angesetzten Posten. Als Nebenbedingung gilt, dass bei einzelnen Veräusserungsvorgängen erzielte Werte auch dann zutreffen, wenn der Gesamtbestand eines Finanzinstruments aus dem Portfolio am Markt zum Kauf/Verkauf angeboten wird. Dies wirft eine ganze Reihe schwieriger Einzelprobleme auf. So zeigte sich im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise, dass bis dahin hoch liquide (highly liquid) Märkte plötzlich austrockneten, dass also ein Käufer für Vermögenswerte zu keinem Preis zu finden war.

– Siehe Ansteckungswirkungen, Audit, Bewertbarkeit, Bewertung, Darstellung, glaubwürdige, Full Fair Value-Standard, Gegenpartei, zentrale, Inventarwert, Kombinationseffekt, Mark-to-Model-Ansatz, Marktwert, Prozyklizität, Transparenz, Verbindlichkeit, Vermögenswert, eingebundener, Zyklik.

– Vgl. Jahresbericht der EZB 2001, S. 158, Monatsbericht der EZB vom Februar 2004, S. 77 ff., Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 29 f., Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 108 (Prudential Filter bei der Eigenmittelbewertung), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 121 (Zeitwertbilanzierung von Finanzinstrumenten nach dem Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz [BilMoG] vom Mai 2009).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zeitzonen-Arbitrage (market timing):

Allgemein die Ausnutzung der Tatsache, dass die Uhrzeit über die Erde unterschiedlich berechnet wird, um einen Gewinn auf dem Finanzmarkt zu erzielen.

– Siehe Late Trading, Market Timing.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zekiat (zeciat):

1 In älteren Dokumenten eine freiwillig geleistete Abgabe vom vierzigsten Teil des Einkommens zugunsten der Armen, im Koran empfohlen.

2 Bezeichnung einer Abgabe, die in Mittelasien früher Gewerbetreibende und Kaufleute zu entrichten hatten.

– Siehe Almosen, Zehnt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zementgold (cement gold):

Scherzhafte Bezeichnung für die Investition in Gebäude aller Art, im Besonderen aber in Eigentumswohnungen (freehold flats, owner-occupied flats) und Wohngebäude (residential buildings).

– Siehe Bauinvestitionen, Betongold, Immobilienkredit-Beschränkung, Voranschlag, niedrig gehaltener, Wohneigentum.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 56 ff. (ausführliche Analyse des Wohnungsmarktes seit 1995; viele Übersichten; Literaturhinweise), Monatsbericht der EZB vom Juli 2013, S. 55 ff. (Wohnimmobilien im Eurogebiet und ihr Wert; viele Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2013, S. 13 ff. (Markt für Wohnimmobilien in Deutschland; zahlreiche Übersichten), Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 17 (Preise für Wohnimmobilien steigen; Gefahren).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zengin-System (zengin system):

In Japan seit April 2003 allgemein eingeführtes Zahlungssystem. Es löst das alte Kanji-System ab, das nicht in der Lage war, in einem sowohl Zahlen als auch Buchstaben wiederzugeben und daher den Banken auf dem Weltmarkt beträchtliche Wettbewerbsnachteile (competitive disadvantages) brachte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zensit (bond servant; taxpayer):

In älteren Dokumenten derjenige, welcher

1 jemanden vertragsgemäss Zins zahlen muss (person liable to [pay] interest), manchmal auch Zinspflichtiger und Zinser genannt;

2 gegenüber dem Finanzamt [CH: Steueramt; revenue office] eine Steuererklärung (tax return, tax declaration) abgeben muss; ein Steuerpflichtiger.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zentimetergeld (correct to an inch award, just on inch incentive):

Früher gesagt von einer Prämie an den Lokomotivführer (engine driver), welcher den an einen Zug angehängten Salonwagen eines Fürsten zentimetergenau (precisely down to the last centrimetre) an dem zum Empfang des Regenten ausgelegten roten Teppichs (red carpet) zum Stehen brachte. - Bis zur Zeit des Ersten Weltkriegs (1914-1918) reisten Landesfürsten über weitere Strecken mit einem eigens für sie gebauten Eisenbahnwagen (Salonwagen; palace car, parlour car). Das Zentimetergeld wurde in der Regel vom landesherrlichen Adjutanten (princely adjutant) aus der Hofschatulle des Landesherrn bei gelungener Anfahrt an den roten Teppich sofort ausbezahlt.

– Siehe Handgeld, Trinkgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zentralbank (central bank):

In einem Währungsgebiet gesetzlich errichtete Institution

1. mit dem alleinigen Recht zur Ausgabe von Banknoten (supply of currency; Zahlungsmittelversorgung; in der Regel entfallen um die 60 Prozent der Gesamtkosten einer Zentralbank auf dieses Geschäftsfeld),

2. die gleichzeitig auch Träger der Geldpolitik des entsprechenden Gebietes ist (regulation of currency; Zahlungsmittelregulierung; diese Aufgaben verursachen bei der EZB etwa 10 Prozent der Kosten) und die in der Regel

3. auch wissenschaftliche Beratung für Öffentlichkeit allgemein und für die Träger der Wirtschaftspolitik im Besonderen leistet. Hier hat die Zentralbank den Banken und ihren Verbänden die Objektivität voraus, den Ministerien die politische Neutralität und den wissenschaftlichen Instituten die Marktnähe.

– Die Zentralbank steht somit im Mittelpunkt (in the centre; im Zentrum) des monetären Ablaufgeschehens in einer modernen Tauschwirtschaft. Sie ist folglich ihr weitest reichendes Verrichtungsglied (functional element). Denn die Ordnung des gesellschaftlichen - und nicht nur des wirtschaftlichen - Lebens gesamthaft beruht auf der Bewahrung der Masstabeigenschaft des Geldes und auf dem störungsfreien Ablauf (failure-free operation) des Zahlungssystems.

– Siehe Anweisungen, geldpolitische, Aktivismus, zentralbankpolitischer, Banking-Theorie, Falke, Free Banking, Geld, privates, Geldeigentumsrecht, Geldheimat, Geldpolitik, Geldpolitik, vorausschauende, Geldvertrauen, Geldwertstabilität, Inflation, Institution, Nominalwertprinzip, Signalwirkung, Strukturkonservativismus, Währungsbank, Zahlungssystem, Zentralbankgeld, Zentralbank-Reputation, Zinsglättung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zentralbank-Arbeitsgruppe für die Fälschungsbekämpfung (central bank counterfeit deterrence group, CBCDG):

Gremium aus derzeit dreissig Zentralbanken mit dem Ziel, Erfahrungen im Aufspüren von Falschgeld auszutauschen sowie Massnahmen zur Verhütung von Falschgeld zu prüfen und der Öffentlichkeit bekanntzugeben. Ein wissenschaftliches Institut arbeitete dem Gremium zu: das Internationale Forschungszentrum für Fälschungsprävention (international counterfeit deterrence centre, ICDC) mit Sitz in Basel. Die CBCDG hat das sogenannte Counterfeit Deterrence System (CDS) entwickelt, um zu verhindern, dass Computer, andere Geräte sowie auch Software zur digitalen Bildbearbeitung verwendet werden, um Banknoten zu fälschen. Das System wurde von Hardware- und Softwareherstellern freiwillig übernommen (implementiert; implemented) und soll verunmöglichen, dass auf den genannten Wegen das Bild einer umlaufenden Banknote erfasst oder nachgebildet (reproduziert; replicated) werden kann.

– Siehe Banknotenausschuss, Banknoten-Management, Banknoten-Wertbeschränkung, Brücke-Abneysches Phänomen, Chipkarte, Card Validation Code, Europäisches Forum zur Sicherheit von Massenzahlungen, Fälschungssicherung, Fenstergeld, Guilloche, Skimming, Super Notes, Umlaufsfähigkeit.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der EZB, S. 125.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zentralbank, Europäische, EZB (European Central Bank, ECB):

Siehe EZB.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zentralbank, gemeinsame (common central bank):

Eine einzige Zentralbank besorgt die Notenausgabe und die Geldpolitik in mehreren, sich zu diesem Zweck verbundenen Staaten. Dies gilt etwa derzeit (2014) für Äquatorialguinea, Gabun, Kamerun, Kongo, Tschad und die Zentralafrikanische Republik, die als gemeinsame Zentralbank die "Banque des Etats de l'Afrique Centrale" haben, deren CFA-Franc (Franc de la Coopération Financière en Afrique Centrale; dieser ist an den EUR gebunden) gesetzliches Zahlungsmittel in den beteiligten Ländern ist.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zentralbank, nationale, NZB (national central bank, NCB):

Bei der EZB Bezeichnung für die Zentralbank eines EU-Mitgliedstaates, welches die einheitliche Währung eingeführt hat, nämlich den EUR.

– Siehe Subsidiaritätsprinzip.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zentralbank-Anleihen (bonds issued by central bank):

Papiere, die eine Zentralbank emittiert mit dem Ziel, den Markt eine vorgegebene Mange an Liquidität zu entziehen. Im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise sowie im Gefolge der Griechenland-Krise wurde diese Möglichkeit mehrfach erörtert.

– Siehe Euro-Anleihen, gemeinsame, Europäischer Währungsfonds, EZB-Sündenfall, Stabilisierungsmechanismus, europäischer, Zinssatz, risikoloser.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zentralbank-Aussagen (central bank statements):

Darlegungen der Zentralbank in deren laufenden Veröffentlichungen sowie in Reden führender Amtsträger werden erfahrungsgemäss von der Öffentlichkeit allgemein und von den Finanzjournalisten im Besonderen aufmerksam beachtet und mehr oder minder treffend bewertet. Man hat in Bezug darauf den Satz: "Mit Worten können Milliarden bewegt werden" geprägt. Als von der EZB im Monatsbericht Juli 2012 die Möglichkeiten der Anbindung nationalen Geldes an eine Ankerwährung vorgestellt wurden, schlossen Finanzjournalisten daraus, die EZB zeige einen Weg, wie Griechenland mit einer neuen Währung an die Eurozone gebunden blieben könne.

– Vgl. Aktentaschen-Indikator, Codewörter, Forward Guidance, Führung, verbale, Greenspeak, Politik des offenen Mundes, Poltergeist, Restriktionstendenz, Signalwirkung, Tarnkappen-Politik, Unschärfe, konstruktive, Wachsamkeit, hohe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zentralbank-Eigenportfolio (proper portfolio of central bank):

Der bilanzielle Gegenposten zum Grundkapital (capital subscribed) einer Zentralbank, zu den Pensionsrückstellungen für Angestellte, zur gesetzlichen Rücklage und zu Rückstellung für allgemeine Risiken. - In der Regel hält eine Zentralbank im Eigenportfolio ausschliesslich gedeckte Schuldverschreibungen, die auch bis zur Endfälligkeit gehalten werden.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zentralbankfutter (feedstuff for central bank):

In Bankkreisen gesagt für Wertpapiere, die eigens zu dem Zweck geschaffen werden, um diese bei nächster Gelegenheit der Zentralbank als Sicherheit zu verpfänden. Die EZB tritt dem

1. durch einen sehr hohen Sicherheitsabschlag vor allem in Bezug auf Asset-Backed Securities entgegen und

2. kann auch die Annahme entsprechender Papiere jederzeit verweigern. Denn für die EZB besteht kein Kontrahierungszwang (obligation to contract: there is no juridical necessity to do or not to do).

– Siehe Europäische Finanzstabilisierungsfazilität.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zentralbankgeld (central bank money):

Allgemein das von der Zentralbank geschaffene (Monopol)Geld. Das Zentralbankgeld setzt sich grob zusammen aus dem Bestand des umlaufenden Bargeldes und den Zentralbankguthaben der Banken und Nichtbanken gesamthaft.

– Siehe Annahmezwang, Banking-Theorie, Endogenitäts-Prinzip, Geld, Geld, privates, Geldbasis, Geldeigentumsrecht, Geldmenge, Geldzweck, Kreditgewährung, kompensatorische, Liquidität, M1, M3, Zahlungsmittel.

– Vgl. zu den einzelnen Komponenten des Zentralbankgeldes die Rubrik "Monetäre Statistik", Unterrubrik "Konsolidierter Ausweis des Eurosystems" im jeweiligen Monatsbericht der EZB.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zentralbank-Kooperation, technische, TZK (technical central bank cooperation, TCC):

Angebot der Deutschen Bundesbank, Mitarbeiter von Zentralbanken in Entwicklungs-, Schwellen- und Transformationsländern im Notenbankgeschäft fachlich zu schulen. Dies geschieht hauptsächlich durch Lehrgänge bei der Deutschen Bundesbank in Frankfurt, aber auch durch die Abhaltung von Kursen seitens entsprechender Bundesbankexperten vor Ort.

– Vgl. Geschäftsbericht 2003 der Deutschen Bundesbank, S. 173 f., Geschäftsbericht 2006 der Deutschen Bundesbank, S. 120 f. (laufende Arbeiten), Geschäftsbericht 2008 der Deutschen Bundesbank, S. 128 f. (Partnerschaft mit Afrika) und den jeweiligen Geschäftsbericht.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zentralbank-Reputation (central bank reputation):

Der Erfolg der Geldpolitik einer Zentralbank hängt nicht unwesentlich, auf vielfache Weise sowie auf zahlreichen, oft verschlungenen Wegen auch von dem Vertrauen einer breiten Bevölkerung in deren Sachkenntnis und richtiges Handeln ab. Höchst unredlich und gefährlich ist es daher, wenn Politiker versuchen, eigenes Unvermögen auf die Zentralbank schieben. Dies jedoch scheint in der EWU fast schon zur Gewohnheit geworden zu sein.

– Siehe EZB-Sündenfall, Politik des offenen Mundes, Signalwirkung, Südfront, Zwei-Säulen-Prinzip.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zentralbankkredit, öffentlicher (central bank credit to state borrowers):

In der EU sind Kredite sowohl der EZB als auch der nationalen Zentralbanken an Organe der Europäischen Gemeinschaft oder an öffentliche Gebietskörperschaften nach Art. 123 AEUV untersagt. Eine Schuldenfinanzierung durch die Zentralbank zu Lasten des Geldwerts soll damit verunmöglicht werden. Als Umgehung dieser Vertragsbestimmung wurden Käufe von Staatsanleihen auf dem Sekundärmarkt durch die EZB eingestuft, wie dies im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise im EZB-Rat mehrheitlich durchgesetzt wurde. In Deutschland billigte das politische Lager (the political camps) links der Mitte dieses Vorgehen der EZB ausdrücklich oder stillschweigend.

– Siehe Angst, perverse, Aufkäufe, zentralbankliche, Bail-out, Defizit-Finanzierungsverbot, EZB-Sündenfall, Kredit, öffentlicher, Südfront, Umverteilung, zentralbankbewirkte, Vertragstreue.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der EZB, S. 111.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zentralbankpolitik (central bank policy):

1 Alle Massnahmen einer Zentralbank mit dem Hauptziel, die Masstabeigenschaft des Geldes zu gewährleisten.

2 Die Orientierung an bestimmten Zielen, die eine Zentralbank mit ihren Massnahmen verfolgt.

– Siehe Anweisungen, geldpolitische, Ausrichtung aktienkursbestimmte, Codewörter, EZB-Sündenfall, Forward Guidance, Führung, verbale, Geldmarkt-Volatilität, Geldpolitik, Handlungsbereitschaft, Politik des offenen Mundes, Greenspeak, Tarnkappen-Politik, Umverteilung, zentralbankbewirkte, Zinskanal.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der EZB, S. 107 (unterschiedliche geldpolitische Strategien einzelner EU-Mitgliedsstaaten; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom November 2009, S. 77 ff. (Kommunikation der Zentralbank in Zeiten von Turbulenzen), Monatsbericht der EZB vom Mai 2010, S. 95 ff. (geldpolitische Transmission im Eurogebiet; Übersichten; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zentralbankpräsidenten und Aufsichtschefs (Govenors and Heads of Supervision, GHoS):

Informelles Gremium von Präsidenten der Zentralbanken zusammen mit den obersten Führungspersonen der nationalen Aufsichtsbehörden, das vor allem bei Fragen der Regulierung wie in Zusammenhang von Basel-III zusammentritt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zentralisation, monetäre (monetary centralisation):

Begriff aus der Systemtheorie als dem Versuch, die gesellschaftliche Wirklichkeit nach ihren das Ganze gliedernden Ordnungsbereichen (systems; Systemen) zu unterteilen. Zufolge dieser Theorie grenzt das Geld den ökonomischen Bereich von allen anderen ab. Geld ist danach das typische Kommunikationsmittel des wirtschaftlichen Teilsystems (characteristic means of communication of the economic subsystem). - Diese selbst in angesehenen Lehrbüchern vertretene Meinung ist so ersichtlich falsch. Denn in ausnahmslos allen Bereichen einer Gesellschaft muss in Geld gerechnet und bezahlt werden. Jederart Kulturveranstaltung (cultural event) verbraucht knappe ökonomische Faktoren.

– Siehe Allmacht-Doktrin, Äquivalenzprinzip, Geldabschaffung, Geldethik, Geldglaube, Geldphilosophie, Geldrechenhaftigkeit, Geldzweck, Habsucht, Mammonismus, Pantheismus, monetärer, Sparsamkeit, Symboltheorie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zentralkasse (central institution; central payments authority):

1 Älterer Name für das jeweilige Spitzeninstitut der Volksbanken, Raiffeisenkassen und Kreditgenossenschaften.

2 Die für den Zahlungsverkehr bei Behörden, Ämtern, Kirchen, Parteien und Verbänden zuständige oberste Verwaltungseinheit.

– Siehe Landesbank, Girozentrale.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zentralkreditregister (central credit register):

Bei der jeweiligen Aufsichtsbehörde bzw. Zentralbank gesammelte Informationen über Kreditausfälle, bankinterne Ratingstufen sowie über die Besicherung der Kredite. - Bei einheitlicher Kreditnehmer-Nummern bietet sich die Vergleichsmöglichkeit des Ratings verschiedener Banken für ein und denselben Kreditnehmer (benchmarking; Benchmarking). Seit Juni 2005 werden auch die Kredite bei ausländischen Banken im Austausch zwischen den jeweiligen Behörden, zunächst im Eurogebiet, erfasst. Die Kreditgeber in den betreffenden Ländern erhalten dadurch einen Überblick über die Gesamtverschuldung ihrer Firmenkunden. Fernziel ist eine vollständige Erfassung aller einem Schuldner gewährten Darlehn bei Banken weltweit.

– Siehe Grosskredite, Netzwerk Euro-Evidenz, Pfand, Working Group of Credit Registers.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2003, S. 70 f. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zentralverwahrer auch Wertpapiersammelbank und in älteren Dokumenten Kassenverein (central securities depositary, CSD):

Gemäss § 1 DepotG Einrichtung für die Verwahrung von Wertpapieren, die es ermöglicht, Wertpapiertransaktionen stückelos, d. h. durch reine Buchungen, abzuwickeln. - Effektive Wertpapiere können durch die Wertpapierverwahrstelle sicher gelagert werden oder sie sind dematerialisiert: sie existieren nur in elektronischer Form. Neben der Verwahrung kann eine Wertpapierverwahrstelle auch Abstimmungs-, Verrechnungs- und Zahlungsabwicklungsaufgaben wahrnehmen.

– Siehe Aberdepot, Dematerialisierung, Depot, Depotbank, Depotgeschäft, Depotgesetz, Euro General Collateral Pooling, Omnibus-Konto, Rahmenwerk zur Beurteilung von Wertpapier-Abwicklungssystem, Street Name, Verwahrstelle, Wertpapier-Nebendienstleistungen, Zwischenverwahrung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2004, S. 36 f. (IOSCO-Empfehlungen), Jahresbericht 2012 der EZB, S. 145 f (Rechtsentwicklung; Überwachungsfragen) sowie den jeweiligen Geschäftsbericht der EZB, Kapitel "Überwachung der Zahlungssysteme und Marktinfrastrukturen").

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zentrum für Technische Zentralbank-Kooperation (Centre for Technical Central Bank Cooperation):

Bei der Deutschen Bundesbank angesiedelte, im Jahr 2005 gegründete Organisationseinheit mit dem Zweck, Angestellten in künftigen EU-Beitrittsländern sowie in Transformations-, Schwellen- und Entwicklungsländern Grundlagen und Spezialwissen des Notenbankgeschäftes zu vermitteln.

– Siehe Zentralbank-Kooperation, technische.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zerimahbub und Mahbub (zeri mahbub):

1 In älteren Dokumenten reines Gold. Indessen ist "reines" Gold in früheren Angaben nicht auch mit Feingold im heutigen Sinne gleichzusetzen, also elektrolytisch gereinigtes Gold (refined gold) von 999,99 Prozent.

2 Eine alte Goldmünze in Ägypten und im Osmanischen Reich. - Das Wort kommt aus dem persischen "zeri" für Gold und dem arabischen "mahbúb" in der Bedeutung geschätzt, rein.

– Siehe Alliage, Assay-Stempel, Chrysomanie, Currency-Theorie, Edelmetalle, Feinheit, Goldpreis, Goldwährung, London Good Delivery Standard, Troy-Unze, Unze, Wertrelativität.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zero-Bond (zero coupon bond):

Andere Bezeichnung für eine Nullkupon-Anleihe (a bond that has only one final stream with both capital and capitalised interest).

– Siehe Anleihe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zertifikat (certificate):

1 Allgemein ein Dokument, das irgend eine Verpflichtung des Ausstellers gegenüber dem Inhaber belegt (which evidences an ownership claim in, indebtedness of, or other outstanding financial obligations of the issuer).

2 Anteilsschein am Fonds einer Kapitalverwaltungsgesellschaft.

3 Aktien-Zertifikat: Banken stellen über ausländische, nicht an der heimischen Börse zugelassene Aktien Bescheinigungen aus, sie machen diese dadurch am inländischen Markt und in heimischer Währung handelbar.

4 Zeugnis als Urkunde, als Garantieschein (guarantee document), das die Richtigkeit wie Gewicht oder Feingehalt eines Produktes etwa eines Goldbarrens bestätigt.

5 Zugeteilte Bescheinigung über eine Menge an Schadstoffausstoss (Verschmutzungszertifikat; tradable emission permit: certificate concerning NOx-emission), die beim Emissionsrechte-Handel im Rahmen der Massnahmen zur Umweltpolitik vermarktet werden kann.

6 Im Optionshandel erwirbt man mit einem Zertifikat eine Forderung, die auf einem oder mehreren Basiswerten beruht oder deren Wert sich aus mehreren Indikatoren bildet. Sie sind verbrieft und haben eine beschränkte Laufzeit. Einzelne Formen sind

1. Index-Zertifikate: sie spiegeln einen Gesamtmarkt wider und gründen oft auf einen offiziellen Aktienindex etwa dem Dax,

2. Regionen-Zertifikate: sie werden aus Indizes oder Aktienkursen von Gesellschaften in bestimmten Regionen, etwa Osteuropa oder pazifischer Raum, zusammengestellt und

3. Basket-Zertifikate: sie setzen sich aus einer Auswahl nationaler oder internationaler Gesellschaften einer bestimmten Branche, etwa Biotechnologie, oder aus Indizes, oder aus Obligationen oder aus anderen Basiswerten zusammen.

– Die Rückzahlung erfolgt am Ende der Laufzeit (upon maturity; bei Verfall) und beträgt bei einem Index-Zertifikat einen bestimmten Betrag pro Indexprozent und bei Regionen- sowie Basket-Zertifikaten die Differenz zwischen Marktwert bei Verfall und Ausübungspreis. - Inzwischen gibt es eine sehr grosse Zahl verschiedener Arten von Zertifikaten, die teils auf professionelle Investoren, teils auch besonders auf Privatanleger zugeschnitten sind. Deren Akzeptanz sank im Zuge der Subprime-Krise zunächst, zumal viele dieser Papiere in ihrer Gestaltung und damit letztlich in ihrem Risikogehalt nur schwer durchschaubar waren. Immerhin aber wurden aber bereits im Jahr 2009 mehr als 500'000 (!!) Zertifikate neu aufgelegt: gut 2'000 je Handelstag. Die Zahl der im Handel in Deutschland befindlichen Zertifikate betrug zu Jahresbeginn 2013 etwa 970'000 Stück. Begünstigt wurde dieser Anstieg auch durch vereinfachte Zulassungsregeln. Die Emittenten von Zertifikaten müssen auf Grundlage eines Rahmenprospektes der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht nur die endgültigen Bedingungen der jeweiligen Zertifikate zusenden; einer gesonderten Genehmigung bedarf es nicht.

– Siehe Airbag-Zertifikat, Basket-Zertifikat, Bonus-Zertifikat, Diskont-Zertifikat, Express-Zertifikat, Garantie-Zertifikat, Hebel-Zertifikat, Indexfonds, Marke, Outperformance-Zertifikat, Partizipations-Zertifikat, Produkte, strukturierte, Quanto, Sprint-Zertifikat, Strategie-Zertifikat, Themen-Zertifikat, Twin-Win-Zertifikat, Zertifikateschneider.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2008, S. 21 (Definition der Zertifikate im Sinne von 4; Transparenzprobleme), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2013, S. 47 (Zertifikate im Besitz der Privathaushalte aufgeschlüsselt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zertifikat, deutsches, DTZ (German certificate):

Von deutschen Banken ausgegebener Hinterlegungsschein, der eine oder mehrere ausländische Aktien verbrieft.

– Siehe Zertifikat.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zertifikateschneider (certificate tailor):

Abschätzige Bezeichnung für Finanzfachleute (financial experts), die auf einen Basiswert bezogene Forderungen vertraglich so ausgestalten, dass

1. das Zertifikat eher dem Provisionsverdienst (commission earned) des Verkäufers als dem erkennbaren Vorteil des Kunden (benefit of the customer) entspricht,

2. dabei in der Regel die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Bausteinen schwer durchschaubar (difficult to comprehend, recondite) gestaltet sind und

3. vor allem das dem jeweils neu geschaffenen Papier anhaftende Risiko für den Käufer nur undeutlich erkennbar ist.

– Im Zuge der Subprime-Krise stellte sich heraus, dass selbst eine Reihe von Banken die Gestaltung vieler massgeschneiderter Zertifikate (construction of a large number of tailored certificates) nicht durchschaut hatten. Das hinderte sie aber nicht daran, diese Papiere den Kunden als Anlage zu empfehlen.

– Siehe Anlage, innovative, Finanz-Alchemie, Finanzinstrumente, strukturierte, Informationsblätter für Finanzinstrumente, Misochrematie, Over-The-Counter-Options, Verbriefung, Zertifikat, Zitronenhandel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zertifizierung (certification):

In Deutschland in Zusammenhang mit Altersvorsorge-Verträgen die Pflicht entsprechender Anbieter, sich gemäss dem Altersvorsorgeverträge-Zertifizierungsgesetz von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen eine besondere Erlaubnis für diesen Geschäftszweig einzuholen.

– Siehe Altersvermögensgesetz, Altersvorsorgeverträge, Nominalwertgarantie, Pensionsfonds, Pensionsfonds-Richtlinie.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 78 f. (mit Tabelle), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 238 ff. (Zertifizierung von Basisrentenprodukten; Aufzählung der Zertifizierungsvoraussetzungen), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 264 (Zuständigkeitswechsel von der BaFin zum Bundeszentralamt für Steuern, BZSt) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapital "Querschnittsaufgaben".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zession (assignment, cession):

Die Übertragung eines Anspruchs von dem bisherigen Gläubiger auf einen Dritten; also die Abtretung einer Forderung. Grundsätzlich sind alle Forderungen abtretbar; es sei denn, dies wurde vertraglich ausgeschlossen (if not otherwise agreed on).

– Siehe Darlehnforderungs-Verkauf, Factoring, Kredit-Abtretung, Kreditverkauf, Subrogation, Verbriefung, Weiterverpfändung, Zession, Zweckgesellschaft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zessionskredit (assignment credit):

1 Allgemein Kredit einer Bank gegen vollrechtliche, endgültige Abtretung einer oder mehrerer Forderungen des Kreditnehmers.

2 Der Ankauf von Geldforderungen, in der Regel von Firmen, die Güter mit Zahlungsziel an gewerbliche Kunden verkauft haben (factoring; Factoring). Die üblichen Factoring-Geschäfte beziehen sich auf kurzfristige Laufzeiten, in der Regel bis zu neunzig Tage.

– Siehe Factoring.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zetts, drei (three zeds):

In der wirtschaftspolitischen deutschsprachigen Literatur verbreitete Bezeichnung für die Forderung, dass eine Massnahme auch der Zentralbank

1. zeitnah,

2. zielgenau und

3. zeitlich befristet eingesetzt werden müsse.

– Siehe Exit-Strategie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zettel (ticket, note):

In Zusammenhang mit Geld eine Banknote.

– Siehe Papiergeld, Umlaufsfähigkeit, Zahlungsmittel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zettelbank in älteren Dokumenten auch Zirkulationsbank (note issuing bank):

Ältere Bezeichnung für eine Bank, die Papierscheine (tickets; Zettel, notes; Noten; Zettel = Papierblatt, vom lateinischen SCEDULA in gleicher Bedeutung) in Umlauf bringt. Diese wurden zunächst bei Sicht von dem Ausgeber in Edelmetall umgetauscht; sie waren also Urkunden für im Depot gehaltenem Edelmetall. Im 18. Jht. kamen dann auch Notenbanken auf, die solche Banknoten ohne Edelmetalleinlage ausgaben, folglich nur auf Kredit. Nach dem Vorbild der englischen Notenbank-Gesetzgebung ging die Befugnis der Ausgabe von Banknoten auf eine oder mehrere privilegierte, staatlich beaufsichtigte Banken über. - Das Recht, Banknoten auszugeben, hat heute weltweit fast ausnahmslos nur noch die als Währungsbehörde rechtlich verfasste Zentralbank.

– Siehe Peel'sche Bankakte, Währungsbank.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zeugengeld (court attendance compensation):

Zahlung an eine Person, die vor Gericht aussagen muss. Es bemisst sich nach verschiedenen Merkmalen, vor allem nach

1. dem Bruttoverdienst des Zeugen,

2. der Zeit, welche dem Zeugen durch die Anreise und das Verweilen bei Gericht verloren geht (loss of working hours) sowie

3. den Fahrtkosten (travel costs), welche dem Zeugen entstehen.

– Siehe Gerichtsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ziehung (drawing; lottery win):

1 Die Inanspruchnahme einer Kreditzusage seitens einer Bank durch den Kunden. - Die Ziehungswahrscheinlichkeit von Kreditzusagen bringt einem Institut zwangsläufig ein Liquiditätsrisiko, das durch entsprechende Massnahmen des Risikomanagements beherrscht werden muss.

2 In älteren Dokumenten auch das Ausstellen eines Wechsels auf jemanden, den Bezogenen (drawee).

3 Bei einem Gewinnspiel oder Lotterie die Auslosung.

– Siehe Abrufrisiko, Balance Reporting, Cash-Manage¬ment, Gap-Analyse, Finanzplanung, Liquiditäts-Ablaufbilanz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ziel (term [of payment]):

Wenn nicht anders definiert die Ablauffrist eines Darlehns. Das Konto muss an diesem Datum glattgestellt sein.

– Siehe Bezahlung, Einzug, Fälligkeit, Hard Claim, Überziehungsentgelt, Verfalltag, Zahlung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zielformulierung, geldpolitische (central bank targetting):

Die bekanntgegebene Grundrichtung der Geldpolitik einer Zentralbank.

– Siehe Ausrichtung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zielgesellschaft (acquiree, target company, takeover candidate):

In der deutschen Rechtssprache ein börsennotiertes Unternehmen, das von einem anderen Unternehmen, Bieter genannt, übernommen werden soll (a firm that has been chosen as takeover candidate). Das Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz (WpÜG) aus dem Jahre 2002 schreibt hierbei eine Reihe von Sicherheitsmassregeln (precautionaries) gegen dabei auftretende Risiken vor, wie Zerschlagung der Zielgesellschaft durch den Bieter, Sitzverlegung ins ferne Ausland und Entlassung der Mitarbeiter.

– Siehe Aktientausch-Übernahme, Anerkennungsprämie, Bieter, Blitzkrieg-Übernahmeangebot, Douceur, Draufgeld, Erwerbsangebot, Freier, Geheimgeld, Gifttablette, Greenmail, Konzentrationskurs, Leveraged Buy-out, Personen, gemeinsam handelnde, Pflichtangebot, Raider, Schmiergeld, Shark Watcher, Squeeze-out, Synergiepotentiale, Transaktionsbonus, Übernahme-Angebot, Übernahme-Appell, Überraschungsangriff.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 187 (mögliche Insiderdelikte), S. 188 (Übersicht zu den Preiswirkungen bei Übernahmen), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 172 (die Zielgesellschaft tritt selbst als Bieterin auf und erwirbt eigene Aktien) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2007, S. 16 (Darstellung einer Übernahme durch einen Finanzinvestor), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 201 (Unterlagen der Bieter sind bei der BaFin abrufbar) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zielgruppe (target group, target market):

Im Finanzbereich bestimmte Kundenkreise, auf die sich ein Anbieter im Besonderen einstellt (a specific group of customers at which a financial institution goals its services).

– Siehe All-Age-Produkte, Dinks-Geschäft, Oldie-Geschäft, Power-age financial market, Private Banking, Silver Economy, Wealth Management.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zielplatz (place of payment):

In älteren Dokumenten der Ort, an den ein Wechsel zahlbar ist.

– Siehe Zahlungsort.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zielzonen (pegged exchange rate):

Die Festlegung bestimmter Kurse, in der Regel gemeint zwischen USD, EUR und JPY, ab derer die beteiligten Zentralbanken stabilisierend in den Markt eingreifen sollen. - Der Erfahrung hat gezeigt, dass Zielzonen mehr Schaden als Nutzen bringen. Hinter der Forderung nach Zielzonen steht letztlich die Meinung, dass die Gefahr des Marktversagens (market failure) grösser ist als die des Politikversagens (policy failure). Verbunden damit ist der abwegige Glaube (false belief) an die politische Machbarkeit (political feasibility; feasibility = here; the ability to complete any plan easily, appropriately and successfully) wirtschaftlicher Prozesse und Ergebnisse.

– Siehe Marktversagen.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2002, S. 65 ff. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ziffer, höchstwertige (most significant digit, MSD):

Aus der Informatik eingedrungene Bezeichnung für jene Ziffer, die den grössten Beitrag zum Wert einer Zahl leistet. In Westeuropa, den USA und vielen anderen Teilen der Welt ist dies die am weitesten links stehende, von Null verschiedene Ziffer.

– Siehe Überweisungsbetrug, Ziffernbetrug.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ziffernbetrug (fraud in numerals):

Wenn nicht anders definiert, das Hinzufügen einer Zahl (meistens einer Null) an einen Betrag in einem Dokument. Um dies zu vermeiden, ging man bereits im Altertum beim kaufmännischen Geschäftsverkehr dazu über, vor allem Geldbeträge in Worten auszuschreiben. - Heute ist teilweise durch Gesetze bzw. Geschäftsbedingungen vorgeschrieben, dass in Schriftstücken der in Ziffern gesetzte Betrag in Worten wiederholt wird (must be repeated in words).

– Siehe Rasur, Überweisungsbetrug.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zigarettenwährung (cigarette money):

Eine besondere Form des Warengeldes, wie sie sich in Deutschland und allgemein im kriegszerstörten (war-ravaged) Westeuropa zwischen 1945 und 1948 (introduction of the deutsche mark; Einführung der DEM) herausgebildet hatte. Die Zigarette wurde weithin zum Zwischentauchmittel und zum Wertmasstab.

– Siehe Bettkantenwährung, Deputat, Inflation, Geldvertrauen, Geldwertstabilität, Kompensation, Nebenwährung, Währung, Warengeld, Zahlung, Zahlungsmittel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zillmerung (Zillmer method):

Besonderes Rechenverfahren zur Tilgung der Abschlusskosten einer Lebensversicherung. Bei Abschluss einer Lebensversicherung entstehen Kosten - wie Verwaltungskosten und Vermittlerprovision -, die normalerweise einmalig zum Vertragsabschluss (conclusion of the contract) fällig wären. Um nun dem Versicherungsnehmer (policyholder) jedoch einen gleich bleibenden Beitrag anbieten zu können, bevorschussen die Versicherungen in der Regel diese Abschlusskosten (acquisition costs). Während der Vertragslaufzeit (contract period) werden diese Zuschüsse dann getilgt. - Auf die Zillmerung ist auch zurückzuführen, dass meist erst nach etwa zwei Jahren ein Rückkaufswert in einer Kapitallebensversicherung (endowment life insurance: life insurance payable to the policyholder, if living on the maturity date stated in the policy, or to a beneficiary if the insured deceases before that date) vorhanden ist. Der Zinseszins-Effekt ist am Ende der Laufzeit einer Lebensversicherung am grössten.

– Siehe Bearbeitungsgebühr, Bereitstellungsgebühr, Kostenvorausbelastung.

– Vgl. Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 147 (Urteile des BGH zur Zillmerung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zins in alten Dokumenten meistens Interessen (nur in der Mehrzahl gebraucht), im Sprachgebrauch (in everyday speech) heute zumeist auch Zinsen (interest [rate]):

1 Ein Prozentsatz (percentage; Vomhundertsatz, Quote), der von Leihkapital an den Darlehnsgeber zu entrichten ist, auch Zinssatz und Zinsfuss genannt.

2 Eine Geldsumme, die sich als Zahlung aus einem Darlehnsvertrag herleitet. - Zins ist neben Geld das am häufigsten benutzte Wort in der Finanzsprache. Es leitet sich her vom lateinischen CENSUS in gleicher Bedeutung. Als einer der wichtigsten Preise in der Volkswirtschaft hat der Zins eine Signalfunktion (signal effect: a factor that serves to transfer information and acts as an incentive to action). Nimmt man ihm diese, wie dies die EZB im Zuge ihrer Retterei mit ihrer Nullzinspolitik ohne demokratische Vollmacht (without democratic legitimation) tat, so erleiden Sparer Vermögensverluste: ihr Geld wird entwertet, weil die Inflationsrate die Kaufkraft der Ersparnisse laufend mindert. Darüber hinaus führt dies zu einer Verzerrung aller Preise (distortion of prices) auf dem Finanzmarkt und darüber hinaus in der Volkswirtschaft gesamthaft.

– Siehe Anmassung, zentralbankliche, Aufgeld, Nullzins, Stückzinsen, Umverteilung, zentralbankbewirkte, Verzinsung, Zinssatz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zins, antizipativer (anticipative interest):

Die Zinsen bei einem Darlehn werden so berechnet, dass diese von Beginn der Laufzeit an zählen bzw. gelegentlich der Auszahlung des Darlehns gleich einbehalten werden. - Beim Gegenteil spricht man von dekursivem Zins (interest payment in arrear).

– Siehe Actual/Actual, Balloon, Bankenzwölf, Zinstagezählung, Zinsberechnungsmethode, Zinsfixing-Tag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zins, aufgelaufener (accrued interest):

Vgl. Jahresbericht 2013 der BaFin, S. Zinsansprüche für den Zeitraum zwischen Fälligkeitstermin des letzten eingelösten Kupons eines festverzinslichen Wertpapiers und dem Kauftermin durch den Käufer.

– Siehe Accural-Anleihe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zins, rückständiger (arrears of interest, back interest):

Die bei Fälligkeit aus einem Darlehn gemäss Vertrag noch offenstehenden Zinszahlungen.

– Siehe Arreragen, Zinstermin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsabschlagsteuer, ZAST (withholding tax):

In Deutschland seit Jahresbeginn 1993 vom Bund erhobene Quellensteuer von derzeit dreissig Prozent auf inländische Zinseinkünfte. Sie wird von den Banken einbehalten (tax at source; Steuer an der Quelle der Entstehung; daher auch Quellensteuer genannt) und unmittelbar an das Finanzamt (revenue office) abgeführt. Sie gilt als Steuer-Vorauszahlung und wird auf die Einkommensteuerschuld (income tax liability) des Steuerpflichtigen angerechnet. Ein Freibetrag (tax-free allowance) wird berücksichtigt. - In der Schweiz wird die ZAST auch Verrechnungssteuer genannt, weil sie dort mit geschuldeten kantonalen Steuern verrechnet werden kann. - Diese Steuer bewirkt, dass sich private Anleger aus Europa den Offshore Finanzplätzen und Formen des Underground-Banking zuwenden. In bezüglichen Internet-Foren werden Mittel und Wege besprochen, der Zinsabschlagsteuer auf diese Weise zu entgehen.

– Siehe International Business Company, Kapitaleinkommen, Kapitalertragsteuer-Absetzbarkeit, Treuhandkonto, Vorauszahlung, Wertpapiere, unkotierte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsallkokations-Funktion (interest allocation role):

Den Anbietern von langfristigen Darlehn und Beteiligungen muss ein Anreiz geboten werden (created an incentive), der sie dazu bewegt, ihr Geld in die Verwendung mit dem höchsten Ertrag (zum "besten Wirt"; to the most favourable allocation of resources) zu geben. Dies geschieht in der Marktwirtschaft dadurch, dass die Nachfrager nach Kapital für einträglichere Anlagen einen höheren Zins anbieten können, und sie damit die Nachfrage nach weniger gewinnbringenden bzw. auch riskanten Investitionen aus dem Felde schlagen. - Wir dem Zins diese Aufgabe genommen, wie dies die EZB im Rahmen ihrer Retterei tat, so tritt auf dem Finanzmarkt und darüber hinaus in der Volkswirtschaft gesamthaft Orientierungslosigkeit (confusion how to act economically and, consequently, how to proceed in the short term as well as in the long term) auf, und es kommt zu schwer einschätzbaren in der Regel erst langfristig erkennbaren Schäden.

– Siehe Anmassung, zentralbankliche, Auswirkungsstudie zu langfristigen Garantien, Blase, Fragmentierung, Geldabschaffung, Marktmechanismus, Niedrigzinspolitik, Nullzins, Preis, Preissetzungsmacht, Repression, finanzielle, Risikoignoranz, Schwundgeld, Tausch-Gutschein, Umverteilung, zentralbankbewirkte, Unfruchtbarkeits-Theorie, Wettbewerb, Zinsanreiz, Zinsdifferenzgeschäft, Zinsgarantiereserve.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 42 ff. (Niedrigzinspolitik reizt zum Eingehen höherer Risiken).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsänderungsrisiko (interest change risk, risk by changes in interest rates):

Allgemein das Risiko, durch Bewegungen im Zinssatz einen Verlust zu erleiden. - Bei Marktzinsänderungen sind auch festverzinsliche (fixed interest bearing) Wertpapiere einem Kursrisiko ausgesetzt. Steigt nämlich der Marktzins, so fällt der Kurs von Obligationen mit fester Nominalverzinsung.

– Siehe Basler Zinsschock, Duration, Kreditzusage, konditionsfixierende, Laufzeitenrisiko, Referenz-Zinssatz, Risikoinventur, , Zinsgleitklausel.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 41 (aufsichtsrechtliche Leitlinien), S. 128 (Zinsänderungsrisiko bei Bausparkassen), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 116 f. (neue Risikomanagement- und Anzeigepflichten für Institute; aufsichtlicher Schwerpunkt auf Zinsschocks), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 143 (Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch: Rundschreiben der BaFin), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2012, S. 55 ff. (Zinsänderungsrisiken in Bezug auf Basel-II; ausführliche Darstellung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsänderungsvorbehalt (variable interest clause):

Vor allem bei langfristigen Sparplänen seitens einer Bank eingefügte Nebenbestimmung (clause: a term of a contract in which the parties specify an individual agreement), wonach der vereinbarte Zinssatz für die geleisteten Einlagen verringert werden kann.

– Siehe Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 74. (bei langfristig angelegten Sparverträgen ist eine formularmässige Zinsänderungsklausel unwirksam).

– Siehe Zinsfixing-Tag, Zinsgleitklausel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsanreiz (interest incentive):

Wenn nicht anders definiert die Senkung des Leitzinses durch die Zentralbank mit dem Ziel, auf diesem Weg die Produktion zu beleben. - Zu beachten gilt dabei jedoch vor allem, dass ein niedriger Zinssatz

1. den Faktor Kapital gegenüber dem Faktor Arbeit verbilligt und somit tendentiell zu Minderbeschäftigung führt,

2. auch Investitionen getätigt werden, die das Produktionspotential keineswegs erhöhen (Erweiterungsinvestitionen; capital-widening investments) oder verbessern (Rationalisierungsinvestitionen; investments in rationalisation), sondern in den Immobilienmarkt fliessen und über kurz oder lang eine volkswirtschaftlich höchst schädliche Immobilienblase verursachen,

3. Carry Trades ausgelöst werden, indem das billige Geld im Inland aufgenommen und im höher verzinslichen Ausland angelegt wird,

4. Luxuskonsum angeregt wird, wobei sich die so hervorgelockten Ausgaben meistens in vom Ausland bereitgestellte Waren (caviar and other delicacies from abroad) und Leistungen (Weltreisen; expensive trips around the world) fliessen, und infolgedessen einen Nachfrageschub (surge in demand) im Inland kaum bewirken.

– Siehe Blase, spekulative, Carry Trades, Enteignung, kalte, Fragmentierung, Geld, billiges, Geldüberversorgung, Immobilienblase, Krise, zentralbankbewirkte, Negativzins, Niedrigzinspolitik, Nullzins, Phillips-Theorem, Repression, finanzielle, Subprime-Krise, Tarnkappen-Politik, Zins, natürlicher, Zinsallokations-Funktion, Zinsdifferenzgeschäft, Zinsgarantiereserve, Zinsweitergabe.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 42 ff. (Niedrigzinspolitik führt zum Eingehen höherer Risiken).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsaufschlag (yield spread):

1 Allgemein die höhere Verzinsung von Anleihen, die solche Schuldner bieten müssen, deren Bonität vergleichsweise gering ist.

2 In den Veröffentlichungen der EZB regelmässig der Renditevorsprung von auf EUR lautenden sieben- bis zehnjährigen Unternehmensanleihen der Ratingklasse BBB gegenüber Staatsanleihen aus Ländern des Eurogebiets mit entsprechender Laufzeit.

– Siehe Anleihe-Spread.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2009, S. 43 (Zinsaufschlag während der Finanzkrise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsausgleichsvereinbarung (interest adjustment option; forward rate agreement):

Ein Finanztermingeschäft (financial futures transaction), bei dem der Kauf oder Verkauf regelmässiger Zinszahlungen von Termingeld vereinbart wird. Zum Zeitpunkt der Zahlung werden dann die Zinsdifferenzen ausgeglichen.

– Siehe Cap, Zinsswap.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsautonomie (interest rate independence):

1 Möglichkeit der Zentralbank, ihre Zinspolitik und damit die Geldpolitik überhaupt ohne Rücksicht auf Einflüsse von anderen Währungsräumen festsetzen zu können. Die Theorie kann erklären und die Statistik bestätigen, dass dies bei frei schwankenden Wechselkursen am besten gelingt.

2 Freie Hand der Zentralbank, Veränderungen der Leitzinsen ohne Behinderung und im Besonderen ohne Widerstand durch Regierungen, Parlamente, Parteien und einer entgegenstehenden öffentlichen Meinung durchzuführen. Geschieht dies wie im Verfolg der Retterei durch die EZB auf längere Zeit durch einen Nullzins, so werden Sparer enteignet (the inflation rate burns up the nominal sum of private savings). Damit betreibt die Zentralbank auf Umwegen Verteilungspolitik, wozu sie keinerlei Mandat (no democratic legitimation) hat.

– Siehe Anmassung, zentralbankliche, Angst, perverse, Anweisungen, geldpolitische, EZB-Sündenfall, Geldschöpfungswilligkeit, Politik des offenen Mundes, Poltergeist, Staatsverschuldungs-Druck, Tarnkappen-Politik, Umverteilung, zentralbankbewirkte, Zinstransmission, Zinsweitergabe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsberechnung (interest computation):

Banken sind verpflichtet, deutliche Angaben darüber zu machen, zu welchem Zinssatz von ihnen Guthaben verzinst und Darlehn vergeben werden. Dies gilt auch für Spareinlagen.

– Siehe Bankenzwölf, Zinsgleitklausel.

– Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 194 (bezügliche Beschwerden).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsbindung (interst rate fixation):

Vertragliche Festschreibung der Zinsen für ein Darlehn über einen bestimmten Zeitraum.

– Siehe Referenz-Zinssätze, Zinsgleitklausel, Zinsrisiko.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2012, S, 63 f. (bei Immobilienkrediten ist eine längere Zinsbindung vorherrschend).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsberechnungsmethode (day-count convention):

Die Art, nach welcher die Anzahl der Tage für die Berechnung von Zinsen bestimmt wird. Das ESZB gesamthaft wendet bei seinen geldpolitischen Operationen die Eurozinsmethode (act/360) an.

– Siehe Actual/Actual, Bankenzwölf, Komplementärtag, Wertstellung, Zinstagezählung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsderivate (interest derivatives):

Optionsverträge, deren Wert aus dem Marktpreis einer Schuldverschreibung oder eines Referenzzinssatzes hergeleitet wird.

– Siehe Derivategeschäfte-Clearingpflicht, Derivategeschäfte-Meldepflicht, Tagesgeldsatz-Swap, Zinsausgleichsvereinbarung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2003, S. 31 ff., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 21 (rückläufige Erträge aus diesen Geschäften bei deutschen Banken).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsdifferenz (interest spread):

1 Der Unterschied in der Verzinsung von Dreimonatsanlagen in verschiedenen Währungsräumen, praktisch in USD verglichen mit EUR. Ist der Zinssatz im eigenen Währungsraum höher als in einem fremden, so ist die Inlandsanlage (domestic investment) bei normalen Marktverhältnissen so lange günstiger, als der Inlandszinsvorteil (domestic interest rate advantage) nicht durch einen Report auf die Termindevise überboten wird.

2 Die relative Abweichung des Terminkurses einer Währung vom aktuellen Kassakurs: der Swapsatz.

3 Der Unterschied im Zinssatz bei Kleinkrediten verglichen mit dem Satz bei Grosskrediten.

4Der Unterschied in der Realverzinsung innert einem gemeinsamen Währungsraum der dadurch entsteht, dass die Inflationsraten in den einzelnen Ländern voneinander abweichen.

5 Bei einer Bank der Unterschied zwischen dem Zinssatz, den sie Einlegern zahlen muss einerseits und den Zinsen, die die für eingeräumte Darlehn erhält andererseits.

6 Anderer Ausdruck für Zinsüberschuss.

– Siehe Bruttozinsdifferenz, Carry Trades, Fragmentierung, Geldschöpfungswilligkeit, Inflationsdifferenzen, Nettozinsdifferenz, Spreizung, Swapsatz, Zinsdifferenzgeschäft, Zinssatz, realer, Zinsstatistik.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der EZB, S. 41 f. (zu den unterschiedlichen Finanzierungsbedingungen bei Unternehmen); Monatsbericht der EZB vom Juli 2005, S. 98 ff. (statistisch aufgedeckte Unterschiede), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2005, S. 29 ff. (sehr ausführliche Darstellung und Formeln zur Berechnung der Zinsdifferenz im Sinne von 2), Jahresbericht 2006 der EZB, S. 48 ff. (Zinsunterschiede im Sinne von 4 erklärt; detaillierte Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Juni 2008, S. 49 ff. (Zinsunterschiede Eurogebiet-USA; Erklärung; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2008, S. 38 (zu den Realzinsunterschieden im Sinne von 4), Monatsbericht der EZB vom August 2009, S. 101 ff. (Bestimmungsgründe der Zinsen der Banken im Kundengeschäft; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsdifferenzgeschäft (interest difference transaction):

1 Allgemein die Geldbeschaffung zu niedrigen Zinsen, um den aufgenommenen Betrag dann in eine höher verzinsliche (higher interest-bearing) Anlage zu überführen. Erfahrungsgemäss reizt die Niedrigzinspolitik einer Zentralbank viele Anleger, sich jetzt Märkten mit grösserem Risiko zuzuwenden, weil hier auch höhere Gewinne erwartet werden. Das führt dann leicht

1. zu spekulativen Blasen und

2. nach deren Platzen zu Insolvenzen bei den Anlegern,

3. die sich in Verlusten der Darlehn gewährenden (granting of credit) Banken niederschlagen,

4. was die Institute letztlich zur Einschränkung der Kreditgewährung (credit rationing) zwingt.

2 Carry Trades, nämlich die Aufnahme (borrowing) von Darlehn in einem Währungsraum mit niedrigem Zins, um das Geld spekulativ - also nicht mit der Absicht einer dauerhaften Anlage - in einer Währung mit höherem Zinsniveau anzulegen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsdivisor (interest divisor):

Zur Vereinfachung der Zinsberechnung ermittelte Hilfszahl. Sie ergibt sich aus der Zahl der Jahrestage geteilt durch den Zinssatz.

– Siehe Eurozinsmethode, Zinstagezählung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsdurchlaufrate (interest pass-through):

Wenn nicht anders definiert die Geschwindigkeit, mit der Banken einen Geldmarktimpuls der Zentralbank an ihre Kunden weitergeben. Die Zeitspanne gilt

1. als wichtiger Anhaltspunkt (indicator) dafür, wie eine zentralbankpolitische Massnahme auf der erste Stufe der geldpolitischen Wirkungskette (cause-chain of monetary policy) ankommt sowie auch

2. als Masstab für den Wettbewerb auf dem Bankenmarkt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinseinfrierung (interest blocking):

Das von der Zentralbank oder der Regierung gegenüber Instituten verfügte Verbot, Zinssätze gesamthaft oder in einzelnen Teilmärkten nach Angebot und Nachfrage anzusetzen. - In Zusammenhang mit der Subprime-Krise im Jahr 2007 wurde in den USA in Bezug auf die Hypothekenzinsen (mortgage interests) solches regierungsseitig angeordnet, um 1,2 Millionen Kreditnehmer vor fälligen Zinsanpassungen (interest rate adjustments) noch oben zu schützen, wenn der Lockzinssatz (teaser rate: an initial, below-market interest rate offered on loans) aus der Anfangszeit auslaufen.

1. Investoren, die hypothekarisch gesicherte Verbriefungspapiere (Commercial Mortgage Backed Securities) in ihr Portfolio aufgenommen hatten, bekamen dadurch weniger Ertrag.

2. Allgemein wurden daraufhin verbriefte Hypotheken nur noch mit hohem Bonitätsabschlag (detoriated standing) gekauft.

3. Die Banken konnten infolgedessen neue Darlehn für Hausbauten lediglich mit deutlich gestiegenem Zinssatz vergeben,

4. was auftragsmindernd auf die sehr vorleistungsintensive Baubranche (construction industry characterised by high input intensity) rückwirkte.

5. Prämien für eine Portfolio-Versicherung schnellten in die Höhe, sobald sich in dem Pool (auch nur wenige) verbriefte Hypothekarkredite befanden.

– Vorteile, wie weniger Fälle von Zahlungsunfähigkeit der Hausbesitzer und Zwangsversteigerungen in den USA, wurden durch den weltweiten Vertrauensverlust in Pools mit Immobilienkredite sehr teuer erkauft.

– Siehe Ballon-Kredit, Kobra-Effekt, Luftpapiere, Portfolio-Versicherung, Residental Mortgage Backed Securities, Subprime-Wohnraumfinanzierung, Wohnungsbaukredite, verbriefte, Zinsstundung, Zitronenhandel, Zwei-Achtundzwanzig-Kredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinselastizität (interest elasticity):

Die Auswirkungen von Änderungen der Zinssätze auf das wirtschaftliche Geschehen im allgemeinen und auf die Investitionen im Besonderen.

– Siehe Zinstransmission.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juni 2003, S. 24 ff. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinser (interest payer; bond servant):

1 Jemand, der zu einer (laufenden) Zinszahlung verpflichtet ist.

2 In älteren Dokumenten auch eine Person (Höriger, Vasall; liege man, leud: a feudal tenant, villein, bondman), die an eine Herrschaft abgabepflichtig (dutiable) ist, wobei die Abgabe ursprünglich auch in Waren wie etwa Feldfrüchte, Holz oder Dienstleistungen (soc[c]age; Frondienst) erfolgte, also nicht unbedingt in Geld.

– Siehe Befreiungsgeld, Frongeld, Kolonatikum, Loskaufgeld, Urbarium, Zensit, Zins(satz).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinserfolg (interest income):

Der Saldo (balance) von Zinsaufwand und Zinsertrag aus zinstragenden (interest-bearing) Aktiva bei einer Bank.

– Siehe Zinsüberschuss.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsertrag (interest yield):

Grob die Einnahmen einer Bank aus

1. Kredit- und Geldmarktgeschäften,

2. festverzinslichen Wertpapieren und Schuldbuchforderungen,

3. Aktien und anderen nichtverzinslichen Wertpapieren,

4. Beteiligungen aus Anteilen an verbundenen Unternehmen sowie

5. Erträge aus Gewinngemeinschaften (profit pools, syndicates) und (Teil)Gewinnabführungsverträgen (profit-transfer agreements).

– Siehe Betriebsergebnis, Geschäfte, zinsabhängige, Zinsüberschuss.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2007, S. 17 (dort auch genauere Auflistung der Ertragsquellen) und zur Fortschreibung den jeweiligen September-Bericht der Deutschen Bundesbank.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinserwartungen (interest expectations):

Gegenwärtige Vorstellungen der Wirtschaftssubjekte hinsichtlich der künftigen Höhe des Zinssatzes. Von der Zentralbanken werden diese Erwartungen gemessen und bei ihrer Politik berücksichtigt.

– Siehe Kreditersatzgeschäft, Glaubwürdigkeits-Paradoxon, Tarnkappen-Politik, Zinssatz, erwarteter.

– Vgl. Geschäftsbericht 2006 der Deutschen Bundesbank, S. 35 (in Bezug auf die EZB), Monatsbericht der EZB vom Februar 2008, S. 106 f. (ausführliche Darstellung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinseszins in älteren Dokumenten auch Interusurium (compound interest):

Beträge, die man für fällige, aber nicht ausbezahlte Zinsen berechnet. Sie werden dem Kapital zugebucht (postet to the capital account) und mit diesem - nach einer ausgewählten Berechnungsform - verzinst (interest upon interest, where accrued interest is added to the principal sum, and the whole treated as new principal, for the calculation of the interest for the next period.).

– Siehe Accrual-Prinzip, Abzinsung, Zillmerung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsfalke (interest hawk):

In der Sprache der Wirtschaftsjournalisten eine entscheidungsbefugte Person, vor allem in den Gremien der Zentralbanken, die für eine (at an early stage; frühzeitige) Erhöhung des Leitzinses eintritt.

– Siehe Falke, Poltergeist.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsfestsetzung im Nachhinein (post-fixend coupon):

Variable Verzinsung eines Schuldtitels basierend auf dem Wert eines Referenzindex an (einem) bestimmten Tag(en) während der Zinslaufzeit.

– Siehe Rollover-Kredit, Zinsgleitklausel, Zinstermin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsfestsetzung im Voraus (pre-fixed coupon):

Variable Verzinsung eines Schuldtitels basierend auf dem Wert eines Referenzindex an (einem) bestimmten Tag(en) vor Beginn der Zinslaufzeit.

– Siehe Zinsberechnung, Zinsgleitklausel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsfixing-Tag (fixing date, reset date):

Datum zu dem eine Zinsanpassung (interest adjustment) für einen (contractually agreed; vertraglich festgelegten) Zeitabschnitt stattfindet. Bei Swapgeschäften erfolgt die Anpassung in der Regel zwei Bankarbeitstage (banking days) vor Beginn jeder Zinsperiode.

– Siehe Zinsänderungsvorbehalt, Zinsgleitklausel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsgarantiereserve und Zinszusatzreserve (special reserve for guaranteed interest):

Von den Aufsichtsbehörden geforderte Rücklagen, die Versicherungen ansammeln müssen, um vertraglich eingegangene Zinsgarantien (interest-rate guarantees) gegenüber ihren Kunden erfüllen zu können. - In Zeiten der Niedrigzinspolitik erleiden Versicherungen Zinseinbussen, da sie die laufenden Prämieneinnahmen nur zu einem geringen Zinssatz anlegen können; und dieser liegt oft sehr weit unter dem garantierten Zinssatz, zu dem sich vor allem Lebensversicherungen verpflichtet haben. Deutsche Versicherungen mussten daher 2011 bereits eine Zinszusatzreserve von 1,5 Mia EUR bilden; im Jahr 2012 betrug die Zuführung mehr als fünf Mia EUR. Allgemein wird bezweifelt, ob seitens der Versicherung eine lebenslange Zinsgarantie für die Kunden unter den heutigen Marktverhältnissen noch gegeben werden kann.

– Siehe Ausschüttungs-Sperre, Auswirkungsstudie zu langfristigen Garantien, Blasenbildner, Carry Trades, Diätrendite, Geld, billiges, Geldüberversorgung, Immobilienblase, Nullzins, Quantitative Easing, Repression, finanzielle, Überschussbeteiligung, Weginflationierung, Zinsdifferenzgeschäft, Zinssatz, niedrig gehaltener, Zinsallokations-Funktion, Zinsanreiz, Zinssenkungs-Politik.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 45 ff. (Versicherungen sind von der Niedrigzinspolitik besonders betroffen), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 85 f. (ausführliche Erläuterungen zur Zinszusatzreserve; "enorme" (ex norma: ausserhalb der Gauss'schen Normalverteilung?] Belastung der Lebensversicherer).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsgefälle (interest differential):

Wenn nicht anders definiert, so meint man damit den Unterschied in der Verzinsung für ein und denselben Betrag im Inland und im Ausland.

– Siehe Carry Trades, Fragmentierung, Geld, heisses.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsgefüge (term structure of interest rates):

Die Höhe einzelner Zinssätze in einem Währungsgebiet - vor allem: Einlagenzinsen und Kreditzinsen sowie Sätze auf dem Geldmarkt und Kapitalmarkt zu den jeweils vertraglich festgelegten Fristen - und deren Abhängigkeit vom Leitzins der Zentralbank.

– Siehe Fragmentierung, Laufzeitenstruktur, Niedrigzinspolitik, Umverteilung, zentralbankbewirkte, Zinsanreiz, Zinsimpuls, Zinsspanne, Zinstransmission, Zinsweitergabe.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2009, S. 103 ff. (theoretische und empirische Erklärung der Abhängigkeiten; Übersichten; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsglättung (interest smoothing):

Das Bemühen einer Zentralbank, mit dem Ziel der Aufrechterhaltung des Geldwerts die Zinsen der jeweiligen wirtschaftlichen Situation anzugleichen.

– Siehe Aktivismus, zentralbankpolitischer, Geldpolitik, vorausschauende, Zinsimpuls, Zinsspanne, Zinstransmission, Tarnkappen-Politik.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2006, S: 77 ff. (Darlegung der Gründe für und gegen eine Zinsglättung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsgleichlauf (interest parallelism):

Die Tatsache, dass in ökonomisch eng verbundenen Wirtschaftsräumen sich auch die Zinsverläufe (interest rate trends) gesamthaft gesehen angleichen. Empirisch nachweisen lässt sich dies gut zwischen Deutschland und den USA. Die eng verflochtenen Finanzmärkte reagieren auf Einflüsse von aussen wie etwa: die Änderung der Ölpreise spiegelbildlich.

– Siehe Zinsinsel.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom März 2007, S. 33 ff. (finanzielle Globalisierung; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsgleitklausel (variable rate clause, interest escalation clause):

In einen Darlehnsvertrag die Vereinbarung, dass die Höhe des Zinses während der Vertragslaufzeit geändert werden kann. Meistens sind Zeitgleitklauseln mit Bezug auf eine veränderliche, marktorientierte Grösse festgelegt, wie etwa den EURIBOR. Bewegt sich diese Bezugsgrösse über einen gewissen Schwellenwert, so ändert sich zwangsläufig auch der Zinssatz für das Darlehn.

– Siehe Duration, Kreditzusage, konditionsfixierende, Laufzeitenrisiko, Referenz-Zinssatz, Zinsbindung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinshöhe (interest rate to be applied):

Wenn nicht anders definiert die im Geschäftsverkehr der Banken mit dem Publikum (customers: Privathaushalte, Unternehmen) in Rechnung gestellte Zinssatz. Dessen Höhe ist vor allem abhängig von der Bonität des Schuldners und der Laufzeit des Darlehns. - In älteren Urkunden bezeugte Sätze von vierzig bis neunzig Prozent müssen stets auch auf dem Hintergrund des Risikos der seinerzeitigen Kreditgeber gesehen werden.

– Siehe Kredithai, Zinslast.

– Vgl. die laufende Zinsentwicklung in der Eurozone aufgegliedert nach Kreditarten im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", "Rubrik "Finanzmärkte" des jeweiligen Monatsberichts der EZB sowie Monatsbericht der EZB vom August 2009, S. 101 ff. (Bestimmungsgründe der Zinsen der Banken im Kundengeschäft; viele Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2010, S. 37 (Zinskonditionen deutscher Banken 2002-2010).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsimpuls (interest stimulus):

Die Veränderung des Zinssatzes, meistens in Zusammenhang mit seinen Auswirkungen auf die Ertragsrechnung (income statement) der Banken oder auf die Volkswirtschaft gesamthaft erörtert.

– Siehe Transfermechanismus, Zinsglättung, Zinskanal, Zinsspanne.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 18 f. (Übersicht; die Zinsaufwendungen werden stärker von Impulsen betroffen als die Zinserträge).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsinformationsverordnung, ZIV (Interest Information Regulation, IIR):

Seit 2005 müssen Banken in der EU Zinszahlungen an im Ausland ansässige natürliche Personen an das Bundesamt für Finanzen melden. Dieses leitet entsprechende Informationen an die zuständigen ausländischen Steuerbehörden des jeweiligen wirtschaftlichen Eigentümers für Zwecke der Einkommensbesteuerung weiter. - Andererseits erhält das Bundesamt für Finanzen von den ausländischen Steuerbehörden Informationen über Zinszahlungen von im Ausland niedergelassenen Zahlstellen an in Deutschland ansässige wirtschaftliche Eigentümer. Diese Informationen werden durch das Bundesamt für Finanzen an das jeweils zuständige inländische Finanzamt (revenue office) des wirtschaftlichen Eigentümers für Zwecke der Einkommensbesteuerung weiterleitet. Der bezügliche Informationsaustausch erfolgt grundsätzlich zwischen den Mitgliedstaaten der EU in einem automatisierten Verfahren (automatic process). Mit bestimmten abhängigen oder assoziierten Gebieten sowie einigen Drittländern wurden Abkommen geschlossen, welche ebenfalls einen entsprechenden Auskunftsaustausch vorsehen. Die Identifikation der wirtschaftlichen Eigentümer von Zinseinkünften soll über ein neues Personalkennzeichnungs-System (information and identification system) erfolgen. Es wird behauptet, dass diese Verordnung massenhaft Geld in Offshore Finanzplätze drängte.

– Siehe Geldwäsche, Ghettobanking, Hawala, Inkasso-Stelle, Information, International Business Company, Kontenoffenlegung, Kundendaten-Informationspflicht, Parallel Banking, Underground Banking, Zweitausweis.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsinsel (interest island):

Ein Land mit sehr hohem oder sehr niedrigem Marktzins. In der Regel von der Schweiz gesagt, weil dort aufgrund des hohen Angebots an Kapital der Zinssatz im Vergleich zu anderen Finanzplätzen niedrig ist. Die Anleger - im Jahr 2013 lagerten von den weltweit durch Banken verwalteten Vermögen etwa dreissig Prozent in der Schweiz - nehmen indessen den relativen Zinsverlust hin. Denn die Schweiz

1. bietet vielfältige Anlagemöglichkeiten: praktisch alle Finanzprodukte;

2. die Kundenorientierung (customer focus: linguistic competence, various language options [Vielsprachigkeit], quality of consulting, high advisory competency [Beratungsqualität]) als hervorragend eingeschätzt wird;

3. das Bankgeheimnis im grossen und ganzen sowie trotz des erheblichen Drucks seitens der EU und Deutschlands zumal immer noch stärker als sonst in einem anderen Land der Welt gesichert ist und

4. der Schweizer Wirtschaft, der Gesellschaft und auch dem Militair (army: im Jahr 2013 immerhin mit einer Mannschaftsstärke von an die 175''000 aktiven Soldaten bei einer Bevölkerung von knapp acht Millionen Einwohnern: a possible attack from Neo-Prussia such may well be stopped and even repulsed a Bundeswehr invasion which was indirectly threatened by Teutonic politicians [Peer Steinbrück!]) hohes Vertrauen entgegengebracht wird.

– Siehe Finanzinsel, Gnomen von Zürich, Helvetophobie, Länder-Bonitätsskala, Patenterteilungen, Privatbankier, Zinsgleichlauf.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsintensivität (interest intensity):

An der Börse die Auswirkung auf den Kurs eines (festverzinslichen; fixed interest bearing) Papiers auf Änderungen des Marktzinses nach oben oder nach unten.

– Siehe Modified Duration.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinskanal (interest channel):

In der Sprache der Zentralbanken der Zusammenhang zwischen einer Veränderung des Leitzinses und dem Markt für Darlehn aller Art.

– Siehe Fragmentierung, Geldpolitik, vorausschauende, Nullzins, Risikoneigungskanal, Tarnkappen-Politik, Transmissionsmechanismus, monetärer, Zinsgefüge, Zinsimpuls, Zinsspanne, Zinstransmission, Zinsweitergabe.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 18 ff. (ausführliche Darstellung mit Tabellen), Monatsbericht der EZB vom Juli 2007, S. 30 ff. (ausführliche Darlegung; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinskapitalisierungs-Klausel (roll-up clause):

Vereinbarung, derzufolge fällige Zinsen an den Darlehnsgeber nicht ausbezahlt, sondern dem eingesetzten Kapital zugeschlagen werden.

– Siehe Roll-up.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsknechtschaft (interest slavery):

1 Stark negativ besetzter Vorwurf gegen Geldverleih im allgemeinen und vornehmlich gegen das Aktivgeschäft der Banken.

2 Im Besonderen die Beschuldigung, Banken würden dem Agrarsektor gegenüber zu hohe Zinsen berechnen; in vielen Ländern führte dies zur Errichtung eigener landwirtschaftlicher Kreditgenossenschaften. - Es wird meistens übersehen, dass Geld knapp ist, seinen Preis hat und im Interesse des Gemeinwohls zum besten Wirt (most favourable allocation of resources) gelenkt werden muss: nämlich dorthin, wo der höchste Ertrag erzielt wird. Das wird im Regelfall dort sein, wo die eingesetzten Faktoren am sparsamsten genutzt werden. Soweit zum herrschenden Marktzins bestimmte Investitionsvorhaben - etwa: Maschinisierung der Landwirtschaft (mechanisation of agriculture) - nicht bedient werden, sollte der Staat ausnahmsweise Zinssubventionen gewähren.

3 Im alten Schrifttum und im Bibeldeutschen auch in Bezug auf die Abgabenlast gesagt, die unterworfenen Völkern auferlegt wurde; diese wurden "zinsbar" (made tributary; subjected to tribute) gemacht: sie mussten "zinsen".

– Siehe Adäration, Geldabschaffung, Landschaft, Marktmechanismus, Misochrematie, Monetisierung, Wettbewerb.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinskontrolle (management of interest rates):

Eine staatliche Behörde setzt den Zinssatz allgemein oder auf bestimmten Teilmärkten fest mit dem Ziel, dass Leihkapital vorab den erwünschten Zwecken zugeführt wird, etwa dem Aufbau einer Rüstungsindustrie, dem Bau von Militairanlagen und Prachtbauten oder einem Spezialfonds für "Forschungs"-Reisen von Professoren (of course with live-in partner, house dog and a container full of household effects; that really is no joke: I have seen how it happened).

– Siehe Zinssubvention.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinskorridor (interest spread):

Die durch Zinsobergrenze (interest rate ceiling) und Zinsuntergrenze (interest rate floor) markierten Sätze auf dem Markt für Tagesgeld. - Im Eurogebiet ist die Spitzenrefinanzierungs-Fazilität Obergrenze; denn keine Bank wird bereit sein, am Interbanken-Geldmarkt (interbank money market; Nostromarkt) einen höheren Zins zu zahlen als im Geschäft mit der Zentralbank. - Die Untergrenze stellt die Einlage-Fazilität dar. Denn eine Bank wird am Nostromarkt nicht Zentralbankgeld zu einem Zins anlegen, der unterhalb des Satzes liegt, den die Zentralbank für die entsprechende Anlage zu zahlen willens ist. Die Zentralbank nimmt auf diese Weise die Führungsrolle (leadership role) auf dem Tagesgeldmarkt ein.

– Siehe Basiszins, Leitzins, Zinsweitergabe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinslast (interest burden):

Die Höhe der periodisch zu zahlenden Zinsen einer Wirtschaftseinheit. Die Zinslast hängt ersichtlich auch von der Zinshöhe ab. Die EZB errechnete im Frühjahr 2010, dass die Anhebung des Zinssatzes um ein Prozent die Zinslast der öffentlichen Haushalte - also nicht auch der Privathaushalte und Unternehmen - im Eurogebiet um fast 30 Milliarden EUR erhöhen würde.

– Siehe Staatsschuld(en), Verschuldungsquote, öffentliche, Weginflationierung.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 22 f. (Zinslast öffentlicher Haushalte in der EWU stieg an; Übersicht Eurogebiet und ausgewählte Länder).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinslastquote auch Zinslastquotient (debt burden level):

Bei einem Unternehmen das Verhältnis zwischen Zinszahlungen und Bruttobetriebsüberschuss innert einer Periode. Die Zinslastquote ist eine der Bestimmungsgründe für die Investition.

– Siehe Anleihequote, Finanzierung.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2008, S. 75 (Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsniveau (interest level):

1 Die durchschnittliche Höhe der Zinssätze bei Leihgeschäften jeder Art, also aller Teilmärkte, innert eines Währungsraums.

2 Die übliche Höhe des Marktzinses auf einem Teilgebiet des Finanzmarktes, etwa für Kontokorrentkredit.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2009, S. 101 ff. (Bestimmungsgründe der Zinsen der Banken im Kundengeschäft; viele Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2010, S. 37 (Zinskonditionen deutscher Banken 2002-2010).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsoption (interest option, floor):

Allgemein ein Optionsvertrag mit einem bestimmten Zinssatz als Basiswert (a contract whereby the seller agrees to pay to the purchaser in return for the payment of a premium, the difference between current interest rates and an agreed (strike) rate times the notional amount, should interest rates fall below the agreed rate). Fast drei Viertel aller weltweit abgeschlossenen Optionen beziehen sich auf einen Referenzzinssatz, etwa den EURIBOR oder den Leitzinssatz einer Zentralbank. Der Käufer hat damit eine Versicherung gegen steigende Zinsen; der Verkäufer bei sinkenden Zinsen ein unter Umständen hohes Gewinnpotential (it allows a lender to set a minimum interest rate below which he does not wish to lend; on exercise date he will receive the difference between the floor rate and the market rate).

– Siehe Absicherung, Cap, Chooser Cap, Contingent Swap, Derivat, Derivategeschäfte-Clearingpflicht, Derivategeschäfte-Meldepflicht, Futures-Märkte, Kredittermingeschäft, Zinstauschgeschäft, Zinsterminkontrakt.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2006, S. 66 ff. (Gefahren von Zinsoptionen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinspapiere, inflationsgeschützte (inflation protected securities):

[In der Regel staatliche] Anleihen mit der Vertragsbedingung, dass bei Fälligkeit ein allfälliger Inflationsverlust voll ausgeglichen wird. In den USA als Tips (Treasury inflation protected securities) vom Finanzministerium in grösserem Umfang ausgegeben. In der Eurozone lag der Anteil dieser Anleihen im Jahr 2012 bei etwa drei Prozent.

– Siehe Anleihe, indexgebundene, Emission, indexierte, Hafen, sicherer, Indexanleihe, Indexfonds, Notzeit-Anlagen, Swap, inflationsindexierter.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juli 2006, S. 33 ff. (Renditeschätzung für inflationsindexierte Anleihen in Bezug auf andere Messgrössen), Monatsbericht der EZB vom Juli 2014, S. 69 ff. (ausführliche Darstellung; Übersichten; Literaturhinweise [S. 69: ein risikofreier Zinssatz ist - so überdeutlich drückt es wohl nur ein schlamperter Linguist aus - ein "theoretisches Konzept"!!]).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsparität (interest parity):

Wenn nicht anders definiert der gleiche Nettozinssatz in zwei oder mehreren verschiedenen Währungsgebieten.

– Vgl. zur Berechnung Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2005, S. 29 ff. (mit Formeln und Tabellen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinspolitik (interest-rate policy):

Im Rahmen der Geldpolitik alle Massnahmen der Zentralbank, mit denen das Zinsniveau beeinflusst werden soll. - Zinsen bedeuten für Kreditnehmer Kosten. Über die Veränderung von Zinssätzen, die zwischen der Zentralbank und den Geschäftsbanken berechnet werden, kann die Zentralbank daher CETERIS PARIBUS die Nachfrage nach Darlehn der Firmen für Investitionen, der Privathaushalte für Konsumgüter sowie die Kreditnachfrage des Staates beeinflussen. - Die EZB legt grössten Wert auf die strikte Trennung zwischen ihrer Zinspolitik einerseits - mit ihr richtet sie sich allein an den mittelfristigen Aussichten für die Preisstabilität aus - und den Sondermassnahmen andererseits, die auf Störungen bei der Übertragung der geldpolitischen Impulse auf die Wirtschaft abzielen.

– Siehe Anmassung, zentralbankliche, EZB-Sündenfall, Fragmentierung, Leitzins, Niedrigzinspolitik, Nullzins, Zinskanal, Zinstransmission, Zinsweitergabe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsreagibilität (interest reagibility):

Das Ausmass der Veränderung wirtschaftlicher Entscheidungen bei einer Veränderung des Zinssatzes. - Dies ist bedeutungsvoll für die Zentralbankpolitik, und hier wieder besonders in Hinblick auf die gewerblichen Investitionen, weil Wachstum und Beschäftigung in einer Volkswirtschaft wesentlich von den Investitionen bestimmt werden.

– Siehe Geldpolitik, vorausschauende, Niedrigzins, Nullzins, Signaleffekt, Tarnkappen-Politik, Zinskanal, Zinstransmission.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2002, S. 41 ff. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsrisiko (interest risk):

1 Risiko, das aus Bewegungen des Marktzinssatzes erwächst, und das zu Schwankungen (Oszillationen; oscillations: movements above and below a mean value) im Wert eines Finanzinstruments führt. Dabei kann man unterscheiden zwischen einem

1. Cashflow-Risiko (cash-flow risk): der Zinsaufwand bzw. Zinsertrag verändert sich bei variabel verzinslichen (variable interest bearing) Titeln zum Nachteil des Besitzers und

2. Barwert-Risiko (cash value risk) bei fest verzinslichen Finanzinstrumenten.

2 Bei Banken allfällige Verluste durch die Umwandlung kurzfristiger Depositen in langfristige Kredite oder in festverzinsliche langfristige Schuldtitel. Bei steigenden Kurzfristzinsen erhöhen sich so die Finanzierungskosten der Banken, während ihre Zinseinkünfte unverändert bleiben, zumindest sofern Festzinsen (fixed-rate interest) vereinbart wurden.

3 Bei einem Rollover-Kredit die Gefahr, dass durch steigende Zinsen im Zuge der jeweiligen Anpassungs-Termine das Darlehn ungewöhnlich teuer und ein damit finanziertes Vorhaben aus diesem Grund unter Umständen verlustreich wird.

– Siehe Absicherung, Aktiva-Passiva-Ausschuss, Cash Flow Hedge, Contingent Swap, Informationsblätter für Finanzinstrumente, Kredit, kurzfristiger, Kredittermingeschäft, Kreditzusage, konditionsfixierende, Laufzeitprämie, Liquiditätsprämie, Zinsbindung, Zinsgleitklausel, Zinsoption, Zinsswap.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 89.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinssatz (interest rate):

1 Allgemein der Preis für Leihkapital, unterteilt nach der Fristig¬keit - in älteren Dokumenten auch Maturität genannt - in einen Zinssatz für kurzfristige und einen Zinssatz für langfristige Ausleihungen. - In der Höhe des Zinses drückt sich der Grad an Knappheit für Leihkapital aus. So entsteht ein Anreiz, Geld in die fruchtbarsten Investitionen zu lenken, wodurch der Wirtschaftsprozess nach Knappheiten und nach den Verbraucherwünschen gesteuert wird.

2 Im Besonderen auch der Preis für die Überlassung bestimmter Kapitalgüter, vor allem für Immobilien (real property: Mietzins, Pachtzins).

3 In alten Schrifttum auch eine Abgabe (lateinisch: CENSUS), welche nach der Kopfzahl (per capita duty; Kopfzins) oder der Einschätzung des Vermögens auferlegt wurde; die Abgabepflichtigen müssen "zinsen."

– Siehe Agiotage, Bankenzwölf, Danismus, Darlehn, Gilt, Investitionskredit, Kopfgeld, Langfristkultur, Minderschätzung künftiger Bedürfnisse, Negativzins, Pachtgeld, Plusmacherei, Referenz-Zinssatz, Schwundgeld, Stückzinsen, Übersatz, Unfruchtbarkeits-Theorie, Wettbewerb, Wucher, Wucher-Herausforderung, Zinser, Zinsgefüge, Zinsverbot.

– Vgl. zur langfristigen Zinsentwicklung im Euroraum Monatsbericht der EZB vom September 2003, S. 27 ff., Monatsbericht der EZB vom Mai 2004, S. 61 ff., Monatsbericht der EZB vom August 2004, S. 29 ff. - Die aktuellen Marktzinssätze finden sich im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Finanzmärkte" des jeweiligen Monatsberichts der EZB ausgewiesen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinssatz, effektiver (effective interest):

1 Allgemein die Einrechnung sämtlicher preisbestimmender Bestandteile (price-determining components), die aus dem regelmässigen Darlehn neben dem vereinbarten Zinssatz entstehen, wie Bearbeitungsgebühren (processing fees), Auszahlungskurs (payout ratio), Modalitäten der Tilgung (arrangements for the redemption: Tilgungssatz, Tilgungsbeginn, Tilgungshöhe und Tilgungs- sowie Verrechnungstermine) oder allfällige Versicherungskosten.

2 Im engeren Sinne oft diejenige Verzinsung, die sich nach Berücksichtigung des Kaufpreises bzw. Kurswertes errechnet. Wendet man für ein mit vier Prozent verzinsliches Wertpapier nur 80 GE auf, so ist die tatsächliche, effektive Verzinsung 4 GE auf 80 GE, mithin 5 GE auf 100 GE oder fünf Prozent.

– Siehe Bankenzwölf, Referenz-Zinssatz, Stückzinsen, Zinsänderungsrisiko.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinssatz, erwarteter (expected interest rate):

Der von den Marktteilnehmern erwartete (reale) Zinssatz.

– Siehe Zinserwartungen.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom September 2004, S. 35 ff. (ausführliche Darstellung in Bezug auf den Euroraum), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2008, S. 42 ff. (Berechnung der langfristigen Zinssätze im Eurogebiet; Übersicht; Formeln).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinssatz, historischer (diachronic interest rate):

Der jeweilige Stand der Zinshöhe über längere Zeit hindurch betrachtet.

– Vgl. für das Eurogebiet die Entwicklung seit 1900 im Monatsbericht der EZB vom August 2005, S. 31 ff. (Tiefstand in Deutschland im Jahr 2005).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinssatz, interner (discount rate, capitalisation rate):

Diskontierungsfaktor, der bei der Berechnung des Barwertes künftiger Einnahmen zugrunde gelegt wird (discount rate used to find the present value of a series of future cash receipts).

– Siehe Abzinsung, Kapitalisierung, Kapitalwert, Netto-Kapitalwert.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinssatz, marginaler (marginal interest rate):

Zinssatz, bei dem die gewünschte Zuteilungsmenge beim Tenderverfahren mit der EZB erreicht wird.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juli 2000, S. 39 ff. (zum Zinstender der EZB).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinssatz, natürlicher (neutral interest rate):

1 Der Ertrag aus einer Investition und in den Modellen der Nationalökonomik oft dem Marktzins gegenübergestellt.

2 Der Zinssatz, der mit einem potential-ausschöpfenden Produktionswachstum (growth under full utilisation of the production potential) und einem stabilen Geldwert vereinbar ist.

3 Der Zinssatz, der sich auf dem Markt einstellte, wenn das Angebot allein nur aus der Ersparnis im eigenen Land bedient würde, und der dann auch die Nachfrage nach Darlehn für Investitionen ausgleicht.

– Siehe Realzinssatz, Repression, finanzielle, Niedrigzinspolitik.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2004, S. 61 ff. (ausführliche theoretische und empirische Darstellung), Monatsbericht der EZB vom Juli 2005, S. 51 ff. (zum Potentialwachstum in der Eurozone).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinssatz, niedrig gehaltener (linierest rate, kept low):

Durch die Geldpolitik der Zentralbank nach unten gelenkte Zins in einem Währungsgebiet. - Preise wirken als Knappheitssignale (scarcity indicators). Die einzelnen Wirtschaftssubjekte haben nicht das Wissen um die Milliarden von Angebots- und Nachfragefaktoren. Sie richten ihre Handlungen jedoch an den Preisen aus, wie diese sich aus dem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage ergeben. Einer der wichtigsten Preise weltweit ist der Zins als Preis des Geldes. Wenn dieser Preis künstlich niedrig gehalten wird, dann könnte dies die Aufnahme von Darlehn und Investitionen anregen. Aber es kann durchaus auch dazu kommen, dass die knappen Ressourcen fehlgeleitet werden, sprich: nicht zum "besten Wirt" gelangen, nämlich zu demjenigen, der aus den Produktionsfaktoren den höchsten Ertrag (to the most favourable allocation of scarce resources) erwirtschaftet. - Von der Zentralbank der USA wurde ab 1987 fast zwei Jahrzehnte lang der Zins durch Geldvermehrung künstlich niedrig gehalten. Es heute unbestritten, dass dies wesentlich zur Subprime-Krise und der sich anschliessenden weltweiten Finanzkrise geführt hat.

– Siehe Anmassung, zentralbankliche, Aufkäufe, zentralbankliche, Bausparvertrag, übersparter, Bilanzbereinigung, Blase, spekulative, Carry Trades, Fragmentierung, Geld, billiges, Geldüberversorgung, Immobilienblase, Krise, zentralbankbewirkte, Niedrigzinspolitik, Nullzins, Phillips-Theorem, Repression, finanzielle, Subprime-Krise, Tarnkappen-Politik, Umverteilung, zentralbankbewirkte, Weginflationierung, Wettbewerb, Zins, natürlicher, Zinsallokations-Funktion. Zinsdifferenzgeschäft, Zinssenkungs-Politik.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 42 ff. (Niedrigzinspolitik führt zum Eingehen höherer Risiken).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinssatz, realer (real interest rate):

1 Der Marktzinssatz, in den Modellen der Nationalökonomik und dann oft dem natürlichen Zinssatz gegenübergestellt.

2 Der um die erwartete Preissteigerungsrate bereinigte nominale Zinssatz (nominal interest rate minus the expected rate of inflation, and thus the interest rate which more accurately reflects the true cost of borrowing).

3 Der dem Geldgeber (money lender: Verleiher, Gläubiger) gemäss der Kaufkraft des Geldes wirklich zufliessende Betrag für die geliehene Summe. Dieser kann vom vertraglich vereinbarten Nominalzins (money interest) erheblich abweichen.

4 In der Europäischen Währungsunion Abweichungen im Zinssatz beim längeren Fristenspektrum der Darlehn, bedingt durch abweichende Inflationsraten und unterschiedliche Erwartungen in Bezug auf die einzelnen Mitgliedsstaaten.

– Siehe Cash-Flow-Effekt, Enteignung, kalte, Fragmentierung, Griechenland-Krise, Inflation, Inflationsdifferenzen, Irland-Krise, Realzinssatz, Risikoprämie, Zins, effektiver.

– Vgl. zur Entwicklung im Eurogebiet den Monatsbericht der EZB vom November 2001, S. 23 f., Monatsbericht der EZB vom September 2003, S. 29, Monatsbericht der EZB vom September 2004, S. 35 ff., Monatsbericht der EZB vom April 2005, S. 23 ff. (hier auch Analyse der Einflüsse auf den langfristigen Realzinssatz), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2006, S. 63 (Projektion bis 2030 anhand der Alterung der Gesellschaft), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2008, S. 38 (zu den Realzinsunterschieden im Sinne von 4).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinssatz, reiner (pure interest):

Die Vergütung allein nur für die Hingabe des Geldes, ohne Berücksichtigung allfälliger anderer einzurechnender Grössen.

– Siehe Zins, effektiver, Zins, roher.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinssatz, risikoloser und risikofreier (risk-free interest rate):

1 Die Rendite einer vollkommen liquiden Anleihe, die keinerlei Risiko birgt. In den Modellen der Geldtheorie spielt ein solcher Zinssatz die Rolle eines Vergleichsmassstabs (comparsion basis, benchmark) für die Bepreisung risikobehafteter Vermögenswerte. Erstklassig bewertete Staatsanleihen (government bonds of issuers with first-class ratings) kommen diesem Musterbild nahe und werden daher auch von der Zentralbank bei ihren geldpolitischen Entscheidungen als Messgrösse zugrundegelegt.

2 Zinszahlungen erfolgen immer aufgrund eines Vertrags. Damit ist zwangsläufig ein Kontrahentenrisiko (counterparty risk: the possibility that the other party in an agreement will default) verbunden. Allein bei Geschäften mit der Zentralbank ist ein risikoloser Zahlungsstrom zugrunde zu legen.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juli 2014, S. 69 ff. (ausführliche, lehrbuchmässige Darstellung; viele Übersichten; sprachlich teilweise grauenhaft: der risikofreie Zinssatz ist ein "theoretisches Konzept" [S. 69] und wird "in konzeptioneller Hinsicht" [S. 70] erörtert; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinssatz, roher (gross interest):

Der Satz, den ein Kreditnehmer für Leihkapital zu zahlen hat. In diesem sind Kostenbestandteile (cost components) enthalten, wie vor allem die Risikoprämie, Vermittlungs-Provision und Bearbeitungsgebühren.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinssatz, technischer (applied interest rate):

Von Versicherungen zugrundegelegter kalkulatorischer Satz (imputed rate, calculatory rate), mit dem der Sparteil (savings component) bei vermögensbildenden Leistungen verzinst wird. Die Fragestellung ist hier, wie hoch das für die lebenslangen Rentenzahlungen zurückgelegte Kapital während des Vermögensverzehrs (current pension payments; laufende Rentenzahlungen) verzinst werden kann. Entsprechenden Rechnungen hängen von den Erwartungen in Bezug auf die Finanzmärkte ab. Eine höhere/niedrigere Renditeerwartung und damit ein höherer oder niedrigerer technischer Zins ermöglicht für dasselbe Kapital eine höhere/niedriger Rente.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinssatz, zweistelliger (two digit interest payment):

Die Zusage, für geliehenes Geld einen Preis von zehn Prozent und mehr zu bezahlen. - Stabiler Geldwert vorausgesetzt, ist dies im allgemeinen unmöglich. Denn in einer Volkswirtschaft, die nur mit einer Rate von höchstens drei Prozent wächst, ist ein Gewinn in dieser Höhe allenfalls auf wenigen wachstumsintensiven Teilmärkten für einige Zeit (growth-intensive sub-markets temporarily) zu erwirtschaften.

– Siehe Dampfstube, Finanzgeier, Internet-Angebote, Prozyklizität, Underground Banking, Zitterprämie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinssatz-Interdependenz (interdependence of interest rates):

Die Tatsache, dass zwischen den Zinsen im Kundengeschäft der Banken und den verschiedenen Sätzen auf dem Kreditmarkt ein Zusammenhang besteht.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juni 2001, S. 22 ff., Monatsbericht der EZB vom Juli 2007, S. 33 (Darstellung für verschiedene Kreditarten), Monatsbericht der EZB vom August 2009, S. 101 ff. (Bestimmungsgründe der Zinsen der Banken im Kundengeschäft; viele Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2010, S. 37 (Zinskonditionen deutscher Banken 2002-2010).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsschein und Kupon in älteren Dokumenten auch Coupon (interest voucher):

Der einem festverzinslichen Wertpapier (fixed-interest security) beigefügte Quittungsvordruck (receipt form). Gegen Vorlage des Zinsscheins wird die fällige Zahlung des Zinses geleistet; siehe § 803 BGB.

– Siehe Kupon, Stückzinsen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsschnäppchenjäger (hit-and-run customers, [interest] bargain hunter):

1 Personen, die vor allem im Zuge des Internet-Banking die Seiten der Anbieter nach der höchsten Verzinsung für Einlagen durchsuchen, sonst aber keinerlei weiteren Bankdienstleistungen in Anspruch nehmen: für reine Internetbanken bis anhin ein grosses Problem (unresolved issue).

2 Bausparer, die jeweils dann, wenn der Marktzinssatz niedriger als die von Bausparkassen gewährte Verzinsung der Einlagen ist, durch Sonderzahlungen auf ihr Bausparkonto (building society saving account) einen Vorteil zu erzielen suchen.

3 Versicherungsnehmer, die bei niedrigen Zinsen oft sehr hohe Darlehn bei einer Bank aufnehmen und den vollen Betrag auf ihr Konto bei der (Lebens)Versicherung einzahlen.

– Siehe Flipper, Kontohopper, Least-Cost Customer, Sonderzahlungen, Umschuldungs-Blase.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsschranke (interest barrier; upper-bound deduction of interest):

1 Behördlich festgeschriebene Zinsobergrenze (ceiling rate), in der Vergangenheit oft in Zusammenhang mit Höchstpreisverordnungen (ceiling price regulations) in Zeiten der Inflation erlassen.

2 Begriff aus dem Steuerrecht bzw. den IFRS. Danach darf grob ausgedrückt ein Konzernbetrieb grundsätzlich nur soviel an Zinsen verrechnen, wie er selbst an Kosten für Fremdkapital aufwenden musste. Die Konzernmutter darf also nicht im Konzern bezahlte Zinsen nach irgend einem Schlüssel auf die zum Konzern gehörenden Unternehmen (even globally; gar weltweit) umlegen. Im einzelnen sind in diesem Zusammenhang viele definitorische und steuerrechtliche Umstände zu beachten, welche in der bezüglichen Literatur breit erörtert werden.

– Siehe Konzernbank.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinssenkungs-Politik (easy money policy):

Die immer wieder und selbst von Politikern in den allerhöchsten Ämtern vorgetragene Forderung an die Zentralbank, durch niedrige Zinsen Arbeitsplätze zu schaffen. - Eine Niedrigzinspolitik würde jedoch nur in dem (Ausnahme)Fall zu mehr Beschäftigung anregen, wenn die Aussichten auf Gewinn der Firmen gut wären. Sonst führt die Verbilligung des Kapitals nämlich dazu, dass die Unternehmen Arbeit vor allem im Niedriglohnsektor durch Kapital ersetzen; die Arbeitslosigkeit wird auf diese Weise tendenziell erhöht. - Aufgabe der Zentralbank ist es, die Masstab-Eigenschaft des Geldes zu gewährleisten. Sache der Staatsführung ist es, die Zukunftsaussichten der Unternehmen (expectations; Erwartungen) günstig zu beeinflussen. Geschieht dies, dann werden auch "normale", von Gewinnerwartungen bestimmte Investitionen getätigt.

– Siehe Blase, spekulative, Carry Trades, Fragmentierung, Geld, billiges, Geldüberversorgung, Immobilienblase, Krise, zentralbankbewirkte, Negativzins, Niedrigzinspolitik, Nullzins, Phillips-Theorem, Repression, finanzielle, Subprime-Krise, Tarnkappen-Politik, Zins, natürlicher, Zinsallokations-Funktion, Zinsdifferenzgeschäft.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 42 ff. (Niedrigzinspolitik führt zum Eingehen höherer Risiken).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsspanne und Zinsmarge (interest margin, lending margin):

Der Unterschied zwischen dem Zinssatz, den ein Institut bei Darlehn berechnet und dem Zinssatz, den die Bank ihren Gläubigern, und zwar vor allem

1. den Einlegern (depositors: persons who entrust money in view of an interest payment; Kunden, die dem Institut ihr Geld anvertrauen und dafür eine Vergütung erwarten) sowie

2. allen anderen zur Refinanzierung des Instituts Beitragenden zahlen muss. Die so errechnete Zinsspanne gilt weithin als Masstab für den Erfolg einer Bank.

– Siehe Zinsüberschuss.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 17, Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 33 (Statistik Zinsspanne seit 2000) und den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Wirtschaftliches Umfeld", Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2007, S. 15 ff. (sehr ausführliche Darstellung mit vielen Statistiken), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2011, S. 84 f. (Zinsspanne in Beziehung zu anderen Grössen seit 2003; Übersichten) sowie für die deutschen Banken den jeweiligen September-Bericht der Deutschen Bundesbank, Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 32 (Zinsmargen deutscher Institute seit 2003; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsspanne, bereinigte (adjusted interest margin):

Das statistisch errechnete Zinsergebnis der Banken in einem Gebiet, bereinigt um die Interbankgeschäfte.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2002, S. 21 f., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 36 ff. (einzelne Bilanzposten seit 1997), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2011, S. 60 f. (Zinsergebnis deutscher Banken seit 2003; Fragen der Berechnung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinssplitting (interest splitting):

In der Lebensversicherung angewandtes, von den Aufsichtsbehörden gerügtes Verfahren. Hierbei erhalten Verträge mit niedrigerem Rechnungszins (actuarial interest: Zinssatz, mit dem eine Versicherung die Verzinsung der angesammelten Prämien kalkuliert, um aus den insgesamt erhaltenen Prämien unter Berücksichtigung der Sterblichkeit und der Betriebskosten die vertraglich zugesagte Leistung erbringen zu können) eine gesamthaft höhere Totalverzinsung als Verträge mit hohem Rechnungszins.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 77.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsstatistik (interest statistics):

Die EZB erhebt (seit Jänner 2003) derzeit monatlich 45 Zinssätze im Euroraum. Diese beziehen sich auf praktisch alle in EUR lautende Einlagen und Kredite, die für die verschiedenen Gruppen der Einleger und Kreditnehmer gelten.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Dezember 2003, S. 24 f., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2004, S. 47 ff. (ausführliche Erläuterung), Monatsbericht der EZB vom Juli 2005, S. 95 ff. (lehrbuchmässige Darstellung, unterlegt durch viele Übersichten; Erklärung von gemessenen Zinsunterschieden), Monatsbericht der EZB vom Januar 2009, S. 34 ff. (Spread zwischen Kreditzinsen und Einlagezinsen; Übersichten), Geschäftsbericht 2010 der Deutschen Bundesbank, S. 73 (Bankzinsen in Deutschland 2006 bis 2010), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2011, S. 49 ff. (Vorstellung der erweiterten Zinsstatistik). - Im Statistics Pocket Book der EZB, im Statistischen Teil des jeweiligen Monatsberichts der Deutschen Bundesbank sowie im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets" der Monatsberichte der EZB jeweils ausführliche Zinssatz-Statistik. Dort sind auch die am Schluss unter "Erläuterungen" dargelegten Unterscheidungen und Abgrenzungen (in der Rubrik "Finanzstatistik") zu beachten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsstruktur (interest structure):

Wenn nicht anders definiert der Zusammenhang zwischen Laufzeit und Verzinsung von Anleihen.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2006, S. 15 ff. (ausführliche, lehrbuchmässige Darstellung), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 21, Geschäftsbericht 2006 der Deutschen Bundesbank, S. 67 (Übersichten 2003-2006), Monatsbericht der EZB vom Februar 2008, S. 105 ff. (ausführliche Darstellung; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsstruktur, inverse (inverse yield curve):

Eine von der Regel abweichende Abstufung der Zinssätze, bei welcher die (short-term; kurzfristigen) Geldmarktzinsen höher sind als die (long-term; langfristigen) Kapitalmarktzinssätze. - Grund dafür ist in der Regel eine vorübergehende Knappheit auf dem Geldmarkt. Sie kann aber auch durch Erwartungen hinsichtlich einer Abwertung entstehen. Internationale Anleger veranlassen solche Erwartungen zu einem Rückzug vom Kapitalmarkt des abwertungsverdächtigen Landes (a country where depreciation seems likely). Das so erzeugte Überangebot drückt den Zinssatz nach unten.

– Siehe Markt, inverser.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Dezember 2006, S. 34 ff. (negative Zinsstruktur als Signal für eine Rezession).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsstruktur-Erwartungstheorie (expectation hypothesis of interest term structure):

Unterstellt wird hier eine Arbitrage-Beziehung zwischen kurzfristigen und langfristigen Zinssätzen. Danach bildet sich der Langfrist-Zinssatz als Durchschnitt der aktuellen und der erwarteten zukünftigen Kurzfristzinsen.

– Siehe Zinssatz, erwarteter.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2007, S. 30 f. (Zinsverbund; empirische Tests; Einfluss der Geldpolitik).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsstrukturkurve (yield curve):

Graphische Darstellung, welche das Verhältnis von Zinssatz bzw. Rendite und Restlaufzeit (remaining term to maturity) von Schuldverschreibungen mit gleichem Kreditrisiko, jedoch unterschiedlicher Fälligkeit zu einem gegebenen Zeitpunkt beschreibt (the interest rate for the same categories of risk at all maturities). Die Steigung der Zinsstrukturkurve kann als die Differenz zwischen den Zinssätzen für zwei ausgewählte Restlaufzeiten errechnet werden. - Die EZB veröffentlicht seit Juli 2006 geschäftstäglich Zinsstrukturkurven, die auf der Grundlage von auf EUR lautenden Staatsanleihen des Eurogebiets berechnet werden.

– Siehe Credit Default Swap-Spreads, Laufzeitenstruktur.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2006, S. 28 ff. (Darlegungen in Bezug auf die USA), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2006, S. 63 f. (Projektion bis 2050 anhand der Alterung der Gesellschaft), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2006, S. 34 ff. (Abflachung der Zinsstrukturkurve erklärt; mit Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2007, S. 36 f. (Zinsstrukturkurven und Break-even-Inflationsraten; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Februar 2008, S. 105 ff. (ausführliche Darstellung; viele Übersichten), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 26 f. (Erklärung der leicht inversen Zinsstrukturkurve in Deutschland), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 22 (Zinsstrukturkurve am Deutschen Rentenmarkt seit 2003) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Wirtschaftliches Umfeld", Monatsbericht der EZB vom Dezember 2010, S. 21 ff. (Erkenntnisse der zur Beurteilung der monetären Grundbewegung au der Zinsstrukturkurve; Übersichten), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 27 (Abflachung der Kurve; Übersicht), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2013, S. 35 ff. (Zinsstrukturkurve während der Finanzkrise; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsstundung (suspension of interest payments):

Ein Aufschub für die Zahlung fälliger Zinsen. Ein solcher Hinausschub (Fristengewährung; granting period) wird allgemein wegen der damit auftretenden Gefahr des Moral Hazard sowohl für den Gläubiger als auch für den Schuldner als gefährlich angesehen. - Bei der Subprime-Krise im Sommer 2007 waren Zinsstundungen eine Hauptursache; neben fahrlässiger Prüfung von Einkommen und Vermögen der Schuldner, Verzicht auf Anzahlung und Wartezeit bei der Amortisation.

– Siehe Abzahlungshilfen, Amortisation, negative, Aufschub-Frist, Ballon-Kredit, Beleihungswert, Erstraten-Verzugsklausel, Immobilienblase, Immobilienpreise, Ninja-Loans, Northern Rock-Debakel, Realkredit, Remission, Stundung, Subprime-Wohnraumfinanzierung, Zinseinfriedung, Zitronenhandel, Zwei-Achtundvierzig-Kredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinstheorien (theories of interest):

1 Lehrgebäude mit dem Ziel, das Zinsnehmen zu rechtfertigen. Solche wurden vor allem deshalb nötig, weil im frühen Christentum und im Islam der Zins untersagt war.

2 Versuch, die

1. gegenwärtig vorhandenen oder

2. die erwarteten Unterschiede in der Zinshöhe auf verschiedenen Teilmärkten zu erklären.

– Siehe Erwartungen, Fragmentierung, Minderschätzung künftiger Bedürfnisse, Zinsverbot.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinssubvention (interest subsidy):

Der Staat zahlt bestimmten Nachfragern am Finanzmarkt - etwa Betrieben der Rüstungsindustrie; kinderreichen Familien - einen Zuschuss, damit sich diese unter dem herrschenden Marktzinssatz mit Darlehn eindecken können; im Beispiel: für Investitionszwecke; zum Eigenheimbau.

– Siehe Niedrigzinspolitik, Zinsknechtschaft, Zinslenkung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsswap (interest swap):

Vertrag, bei welchem zwei Parteien den Austausch regelmässiger Zinszahlungen für einen im Voraus festgelegten Zeitraum vereinbaren. In der Regel beziehen sich die ausserbörsliche gehandelten Verträge auf den Tausch von

1. festem (langfristigen) Zinssatz für einen Kapitalbetrag gegen

2. variablen (kurzfristigen) Zinssatz für denselben Nominalwert und werden ausserbörslich gehandelt.

– Die Höhe der Zinszahlung ergibt sich aus dem der jeweiligen Zinsperiode zugrunde liegenden Zinssatz - in der Regel der EURIBOR oder LIBOR - und dem Kapitalbetrag (notional amount). Dieser wird beim Zinsswap jedoch nicht ausgetauscht. - In Deutschland darf die mit der Verwaltung der Bundesschuld betraute Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur derzeit jährlich Zinsswaps in Umfang von 80 Mia Euro einsetzen; hauptsächlich mit dem Ziel, die durchschnittliche Restlaufzeit (remaining term to maturity) ausstehender Bundesanleihen zu verkürzen. Dies bedeutet praktisch eine Verschiebung der Staatsschuld hin zu kurzfristigen Titeln, was die Gefahr eines Widerstreits zwischen geldpolitischen und fiskalpolitischen Interessen (conflict between interests from the point of view of monetary policy and politico-economic issues) in sich birgt. - Ist bei einem Zinsswap die Veränderung des Zinssatzes auf die Vorperiode begrenzt, dann spricht man auch von einem Ratched Swap.

– Siehe Amortisations-Swap, Cap, Contingent Swap, Geldmarkt-Segmente, Laufzeitprämie, LIBOR-Spread, Reversal, Staatsschuld, Tagesgeldsatz-Swap, Verschuldungsquote, öffentliche, Währungs-Swap.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2000, S. 49, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2006, S. 56 f., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2006, S. 43 (bündige Darstellung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinstagezählung (interest calculation):

In Deutschland gilt pro Monat dreissig Tage und das Jahr dreihundertsechzig Tage. In den USA und an anderen Plätzen wird in der Regel eine taggenaue (daily based) Auszählung vorgenommen.

– Siehe Actual/Actual, Effektivzins, Eurozinsmethode, Komplementärtag, Zinsberechnungsmethode.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinstauschgeschäft (forward rate agreement):

Abkommen zwischen zwei Partnern, in welchem sich der eine Partner verpflichtet,

1. den Unterschied zwischen dem (to-day; heute) vertraglich vereinbarten Zinssatz und dem (on maturity date relevant; am Erfüllungszeitpunkt geltenden) Marktzinssatz

2. auf einen vereinbarten Betrag

3. gegen Zahlung einer Prämie zu vergüten.

– Siehe Absicherung, Amortisations-Swap, Cap, Chooser Cap, Zinsoption, Zinsswap, Zinsterminkontrakt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinstender (variable rate tender):

Tenderverfahren, bei dem die Geschäftspartner

1. den Betrag sowie

2. den Zinssatz bieten, zu denen sie mit der Zentralbank Geschäfte tätigen wollen.

– Für die EZB führt die Deutsche Bundesbank das Verfahren für deutsche Institute im Offenmarkt-Tender-Operations-System (OMTOS) durch. Derzeit können um die 800 mit der Deutschen Bundesbank elektronisch vernetzte Banken in Deutschland über OMTOS Gebote abgeben. Es ist einem Institut auch möglich, mehrere Summen zu unterschiedlichen Zinsen zu bieten. Wer den höchsten Zinssatz vorschlägt, der bekommt am meisten Geld zugeteilt. Freilich schützt das im Jahr 2000 eingeführte Zinstenderverfahren das Eurosystem nicht vor Unterbietungen der Banken. - Im Oktober 2008 führte die EZB angesichts der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise sowohl das Hauptrefinanzierungsgeschäft als auch die längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte wieder als Mengentender zum Festsatz durch: sämtliche Gebote der Geschäftspartner wurden bedient. Ende April 2010 kehrte die EZB dann wieder zum Zinstender-Verfahren zurück, bei dem eine bestimmte Menge an Liquidität unter Angabe eines Mindestbietungssatzes versteigert wird. Der endgültige Zinssatz ergab sich dann wieder aus dem Bietungsverhalten der Banken.

– Siehe Carry Trades, Exit-Strategie, Mengentender, Offenmarkt-Tender-Operations-System, Quantitative Easing, Stetigkeit, Tenderverfahren, Vollzuteilung, Zuteilungssatz, marginaler.

– Vgl. zu den Geschäften der EZB den Anhang "Statistik des Euro-Währungs¬gebiets", Rubrik "Monetäre Statistik", Unterrubrik "Geldpolitische Geschäfte des Eurosystems (Tenderverfahren)" im jeweiligen Monatsbericht der EZB, Monatsbericht der EZB vom Juli 2000, S. 39 ff. (zum Zinstender-Verfahren), Monatsbericht der EZB vom August 2009, S. 37 ff. (Auswirkungen des ersten längerfristigen Refinanzierungsgeschäftes mit einjähriger Laufzeit), Finanzstabilitätsbericht 2011, S. 21 f (Vollzuteilung bei den Refinanzierungsgeschäften der EZB wird vorerst beibehalten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinstermin (interest payment day):

Tag, an dem eine Zinszahlung fällig wird.

– Siehe Zinsen, rückständige.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsterminkontrakt (interest rate future):

1 Allgemein ein Terminkontrakt für lang- oder kurzfristige Finanztitel (financial assets wie Pfandbriefe, Staatsanleihen).

2 Standardisierte vertragliche Vereinbarung, die darauf ausgerichtet ist,

1. ein dem Kontrakt in Bezug auf Laufzeit und Verzinsung entsprechendes gleichartiges Zinsinstrument (interest rate instrument)

2. zu einem im Voraus ausgehandelten Kurs

3. an einem späteren Fälligkeitstag zu übernehmen bzw. zu liefern.

3 Nicht standardisierter Vertrag, bei dem der Käufer/Verkäufer eines Papiers die Differenz zwischen dem nach Ablauf der Vorperiode geltenden Marktzins und dem Kontraktzins auf einen nur der Berechnung dienenden Kapitalbetrag erhält/leistet.

– Siehe Absicherung, Carry Trader, Kredittermingeschäft, Option, Zinsoption, Zinsswap, Zinstauschgeschäft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinstitel (interest-bearing claim):

Jedes Papier (financial asset), das dem Inhaber das vertragliche Recht auf Verzinsung vom Ausgeber des Titels einräumt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinstransmission (interest transmission):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter die Auswirkung einer Leitzinserhöhung (rise in the interest key rate) durch die Zentralbank auf das Zinsgefüge einer Volkswirtschaft bzw. eines Währungsraumes.

– Siehe Fragmentierung, Geldpolitik, Risikoneigungskanal, Transmissionsmechanismus, monetärer, Zinsautonomie, Zinskanal, Zinspolitik, Zinsweitergabe.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juli 2007, S. 30 ff. (Zinstransmission auf einzelne Geschäftsfelder der Banken; Übersichten), S. 80 ff. (Reaktion der Geldmengennachfrage auf Zinsänderungen; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom August 2009, S. 101 ff. (ausführliche Darstellung des geldpolitischen Transaktions-Mechanismus in normalen Zeit und in Extremlagen; viele Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Mai 2010, S. 95 ff. (geldpolitische Transmission im Eurogebiet; Übersichten; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsüberschuss (net interest income, interest profit):

1 Der Unterschiedsbetrag zwischen eingenommenen und bezahlten Zinsen. - Was Zinserträge (interest receivable) im Einzelnen sind, ist nach IFRS genau beschrieben und wird von Wirtschaftsprüfern heutzutage auch genauer durchleuchtet. Die deutsche HypoVereinsbank hatte beispielsweise Mieterträge zu den Zinseinnahmen gebucht. Als dann die italienische UniCredit das Unternehmen 2005 übernahm, wies man diese Einnahmen den sonstigen Erträgen zu.

2 In Zusammenhang mit einer Verbriefung die Einnahmen von Zinsen und Provisionen aus der verbrieften Forderungen, abzüglich der anfallenden Kosten und Gebühren.

3 Volkswirtschaftliche betrachtet der Saldo (balance) zwischen Zinszahlungen an das Ausland für aufgenommene Kredite einerseits und den Zinseinnahmen für gewährte Kredite an das Ausland andererseits.

– Siehe Bewertungsergebnis, Zinsspanne.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 15 ff. (ausführliche Erläuterungen; Übersichten), S. 26 (gegliedert nach Bankengruppen), S. 33 ff. (einzelne Posten seit 1998, untergliedert nach Bankengruppen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2006, S. 33 ff. (wichtige Übersichten, untergliedert nach Bankengruppen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2008, S. 16 f. (Werte 1972 bis 2007), Monatsbericht der EZB vom Januar 2009, S. 34 ff. (Spread zwischen Kreditzinsen und Einlagezinsen; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2009, S. 37 ff. (jüngste Entwicklung; viele Übersichten) und in Fortschreibung den jeweiligen September-Bericht der Deutschen Bundesbank, Monatsbericht der EZB vom Mai 2010, S. 91 ff. (Zinszahlungen des Eurogebiets an das Ausland; Vergleich zu anderen Staaten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsung (interest yield; interest payment):

1 Der (Brutto)Ertrag aus einer Investition; die Abgeltung für Leihkapital und damit ein anderer, auch heute manchmal noch gebrauchter Ausdruck für Verzinsung.

2 Zahlung des vertraglich vereinbarten Betrags für die Nutzung von Leihkapital zum jeweiligen Zinstermin.

3 In alten Dokumenten auch von Hörigen zu entrichtende Naturalabgabe an die Herrschaft, früher üblicherweise zweimal jährlich an Georgi (24. April) und Michaeli (29. September) fällig.

– Siehe Abgabe, Detz, Frongeld, Zehnt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsuntergrenze (minimum interest rate):

Praktisch kann der Marktzinssatz kaum unter zwei Prozent sinken. Denn dies wäre im Euroraum angesichts der von der EZB geduldeten Preissteigerungsrate von mittelfristig zwei Prozent ein Nullzins. Bei einem negativen Zins würde aber niemand mehr Geld verleihen wollen. Denn der Gläubiger müsste den Schuldner dafür bezahlen, dass dieser ein Darlehn aufnimmt.

– Siehe Enteignung, kalte, Negativzins, Niedrigzinspolitik, Repression, finanzielle.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsverbot (ban on usury; ban on interest):

Die durch Gesetz oder Religion ausgesprochene Untersagung, für ein Darlehn einen Zins zu verlangen. Entsprechende Regelungen übersehen allemal die ökonomische Wirklichkeit.

1. Verleihe ich Geld, so entstehen für mich Opportunitätskosten: ich begebe mich der Möglichkeit, mit dem verliehenen Geld jetzt eine günstige (opportune; passende, geldbringende) ökonomische Transaktion wahrzunehmen. Es ist dies, anders ausgedrückt, ein entgangener Gewinn. In der älteren Literatur nennt man das häufig LUCRUM CESSANS. Allein das rechtfertigt schon grundsätzlich einen Preis für die Überlassung des Geldes. Obendrein kann ich heute den entgangenen Gewinn, die Opportunitätskosten, ziemlich genau am Ertrag von Staatsanleihen (PRAEMIUM LEGALE) in Bruchteilen von Prozenten bemessen.

2. Weiterhin gilt es zu bedenken, dass ich mit dem verliehenen Geld gegenwärtige, sofort anwendbare und genau berechenbare Kaufkraft (purchasing power: Anspruch auf Güter) gegen einen zukünftigen, mit vielen Unsicherheiten behafteten Anspruch eintausche (principle of positive time preference; Minderschätzung künftiger Bedürfnisse). Die alten Schriftsteller nannten das DAMNUM EMERGENS.

3. Wenn ich Geld verleihe, dann entsteht ein Risiko hinsichtlich der Rückzahlungswilligkeit (willingness of repayment) und Tilgungsfähigkeit (ability of repayment) des Schuldners. Diese Gefahr, im älteren Schrifttum PERICULUM SORTIS, muss ich als Prämie kalkulatorisch in Rechnung stellen.

– Aus alledem ist einsichtig, dass Zins als Prämie nicht nur gerechtfertigt, sondern zum Funktionieren einer Kreditwirtschaft auch unerlässlich ist. - Ohne Zins wäre wohl kaum jemand bereit, freiwillig Kaufkraft in Form von Geld einem anderen zur Verfügung zu stellen. Ganz abgesehen davon gäbe es dann auch keine Möglichkeit, über die Marktkräfte (market process: Angebot und Nachfrage nach Darlehn und den sich bildenden Preis) das Geld und damit die knappen Produktionsfaktoren an den Ort der produktivsten Verwendung, zum "besten Wirt" (to the most effective allocation of scarce resources) zu lenken.

– Siehe Danismus, Demonetisierung, Geldabschaffung, Ijara, Istisna, Konsumentenkredit, Mudaraba, Murabaha, Musharaka, Mutualismus, Paradoxomanie, Rebbes, Risikoignoranz, Salam, Schwundgeld, Sündengeld, Strukturumbruch, Unfruchtbarkeits-Theorie, Verzinsung, Übersatz, Wucher, Wucher-Herausforderung, Zins(satz).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsvergünstigungsdarlehn (interest-subsidy loan, subsidised loan):

In der Regel

1. im Rahmen der staatlichen Industriepolitik (industrial policy) für Unternehmen oder

2. im Zuge der Sozialpolitik (social policy, welfare policy) für Privathaushalte zinsverbilligte Kredite.

– Den Unterschiedsbetrag zu dem höheren Marktzins und dem vertraglich festgelegten Zinssatz zahlt eine öffentliche Kasse.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsvolatilität, implizite (implicit interest rate volatility):

Ein Mass für die erwartete Volatilität zukünftiger kurz- und langfristiger Zinssätze, die sich aus den Optionsverträgen ablesen lässt.

– Siehe Volatilität, implizite.

– Vgl. Jahresbericht 2001 der EZB, S. 227, Monatsbericht der EZB vom Juni 2003, S. 39, Jahresbericht 2004 der EZB, S. 34 ff. und laufend in den Monatsberichten der EZB.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinsweitergabe (transfer of key interest changes):

Der Einfluss von Zinsänderungen der Zentralbank auf die Kreditzinsen, die Banken gegenüber ihren Kunden berechnen. In den Modellen der Geldtheorie besteht ein enger - obgleich unter Umständen etwas zeitlich verzögerter - direkter Zusammenhang zwischen beiden Grössen. Der Leitzins der Zentralbank ist demnach der entscheidende Bestimmungsgrund im Kundengeschäft der Institute. Empirische Studien zeigen indessen für die EWU ein anderes Bild. Danach wirken Zinsschritte der EZB nicht in jedem Mitgliedsland der EWU in gleicher Weise, Zudem sind Darlehen an Privathaushalte, Unternehmen - und hier wieder von der Grösse abhängig - ziemlich unterschiedlich und wohl mehr nach dem jeweiligen Risiko bepreist (are priced according to the specific risk).

– Siehe Fragmentierung, Geldpolitik, Risikoneigungskanal, Transmissionsmechanismus, monetärer, Zinspolitik, Zinstransmission.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2013, S. 83 ff. (ausführliche, lehrbuchmässige Darstellung anhand vieler Übersichten: Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zinszahlungsbeginn (dated date):

Der Zeitpunkt, ab dem eine Zinsrechnung ihren Anfang nimmt (the date when interest begins to accrue).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zisalien auch Gekrätz (coinage waste):

In älteren Dokumenten die bei der Herstellung von Münzen anfallen Abfälle, hauptsächlich in Form von kleinen Überresten (chippings).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zitronenhandel (lemon trading):

Minderwertige Finanzprodukte werden als erstklassige Papiere am Markt angeboten. - Der Begriff kommt aus der Umgangssprache der USA und drang im Zuge der Subprime-Krise in dieser Bedeutung auch in die deutsche Sprache ein. Im amerikanischen Englisch bezeichnet Zitrone (lemon) auch einen schicken, wohlgefallenden Gebrauchtwagen (CH: Occasion; used car), der kurze Zeit nach dem Kauf jedoch liegenbleibt (a defective car that is found to have numerous or severe defects not readily apparent before its purchase). - Dahinter steht die Tatsache, dass Märkte zwar eine hervorragende Abstimmung in einer arbeitsteiligen Wirtschaft leisten; dies jedoch ein langfristiges Denken der Beteiligten voraussetzt. Ein ortsansässiger Metzger wird von sich aus in Verfolg seines Gewinnstrebens bemüht sein, gute Wurst zu einem vernünftigen Preis anzubieten. Das tut er aber nur dann, wenn er langfristig (noncurrent) denkt: wenn er also seinen dauerhaften Unternehmenserfolg im Auge hat. Die Finanzmärkte jedoch sind vielfach auf einen sehr kurzen Zeithorizont aller Beteiligten ausgelegt; die kurzfristigen Gewinne sind - nicht zuletzt auch verursacht auch durch entsprechende Anreiz-Systeme für das Management -das Ziel, kaum der langfristige Erfolg des Unternehmens. Das schafft geradezu vollkommene Bedingungen für den Zitronenhandel.

– Siehe Banker, Bonus, Finanz-Alchemie, Finanzgeier, Home Equity Loan, Home Mortgage Disclosure Act, Luftpapiere, Kreditvergabe-Grundregel, Tantieme, Verbriefung, Vergütung, Vergütungssystem, Vorstandsbezüge, Verlustübernahme, persönliche.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zitterprämie (trembling premium):

verheissungsvolle Gewinnaussicht bei hochgradig riskanten Geldanlagen.

– Siehe Geheimtip, Go-go-Fonds, Hölle-und-Flut-Vertrag, Junk-Bonds, Katastrophen-Anleihe, Penny-Stocks, Rendite-Risiko-Grundsatz, Risiko-Fonds, Risikokapital, Single Hedge-Fonds, Staatsschulden, verweigerte, Supergewinn, Terror-Papiere, Wetterderivat, Zinssatz, zweistelliger.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zivilliste (civil list, regent's budget):

In älteren Dokumenten der jährliche Betrag welcher der Landesherrschaft (sovereignty) ohne parlamentarische Bewilligung (parliamentary approval) für den persönlichen Bedarf zur Verfügung stand.

– Siehe Apanage, Schatulle.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zollaufgeld (tariff agio):

1 Die in einem Hochinflationsland geltenden Zollsätze werden um einem Zuschlag erhöht, welcher die eingetretene Geldentwertung berücksichtigt. In Deutschland wurde während der Hyperinflation 1923 das Zollaufgeld zunächst monatlich, später wöchentlich festgelegt. Das Aufgeld errechnete sich dabei nach dem Devisenkurs des Vormonats bzw. der Vorwoche.

2 Andere Bezeichnung für einen Zollzuschlag (excise duty), nämlich eine in der Regel vorübergehende Erhöhung des tariflich ausgewiesenen Zollsatzes, um

1. bei bestimmten einzelnen Tarifpositionen den als unerwünscht angesehenen entsprechenden Warenverkehr (visible trade: Importe, Exporte) zurückzudrängen oder

2. gegenüber einem Handelspartner schädigend zu wirken (Kampfzoll; retaliatory duty).

– Siehe Differentialzoll.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zombie (zombi[e]):

Wenn nicht anders definiert ein Unternehmen, das am Markt tätig ist, obwohl es sich aus verschiedenen Gründen nahe der Zahlungsunfähigkeit befindet (a company that continues operation despite the fact that it lies in wait for closure, is insolvent or on the verge of running in bankruptcy). - Zombie = hier: ein zum Leben erweckter Toter (living dead), ein Totengeist, ein Monster.

– Siehe Zombibank.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zombiebank (zombi[e] institute):

1 Ein Institut, das aus sich selbst heraus unfähig ist, sich zu refinanzieren und nur von der Zentralbank durch reichliche Zuweisung von Liquidität am Leben gehalten wird. - Vor allem im Zuge der Subprime-Krise sassen viele Banken auf nichteinbringlichen Forderungen. Diese Institute müssten eigentlich wegen Überschuldung schliessen. Um jedoch Verlustabschreibungen zu vermeiden, verlängerten sie Kredite an notleidende Kunden und behalten so Scheinwerte in der Bilanz. Die Zentralbank unterstützte die Zombifizierung durch Niedrigzinspolitik, und die Aufsichtsbehörden drückten beide Augen zu. Durch diese Politik kommt es zu einer Fehlleitung der knappen Ressourcen, was auf die Wettbewerbsfähigkeit durchschlägt. - Die EZB beabsichtigt 2014 eine Überprüfung der Bilanzen der verdächtiger Institute (asset-quality-review) durchzuführen, um die Werthaltigkeit der Aktiva dieser Banken zu überprüfen. Es wird damit gerechnet, dass im Anschluss daran die neugegründete europäische Bankenaufsicht die Schliessung mehrerer Zombie-Banken anordnen wird, und zwar wo möglich auf Kosten der Eigentümer und Gläubiger und dann erst zu Lasten der Steuerzahler.

2 Manchmal auch die unfreundliche Benennung für eine Zweckgesellschaft.

3 Ab etwa 2000 manchmal auch gesagt für einen Hedge-Fonds.

– Siehe Erpressungspotential, Finanzmarktstabilisierungsanstalt, Managed Bank, Mitarbeiter, Retterei, Zombie.

– Vgl. Jahresbericht 2012 der BaFin, S 136 f. (Rekapitalisierungs-Umfrage der EBA: sehr hoher Rekapitalisierungsbedarf).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zubrot (extra income):

Allgemein ein zusätzlicher Verdienst, eine Nebeneinnahme.

– Siehe Emolumente, Halage, Handgeld, Préstamo, Rückvergütung, Schmiergeld, Werbegeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zubusse (additional contribution [to a mining company]):

Nachzahlung, die dem Anteilseigner einer bergrechtlichen Gewerkschaft (shareholder of a pit; Gewerke) an diese zur Erfüllung von Verbindlichkeiten auferlegt war. Der Gewerke als Besitzer von Kuxen hatte also im Unterschied zu einem Aktionär auch für die Verbindlichkeiten der Kapitalgesellschaft aufzukommen. Nur durch Verkauf seines Anteils (abandon) konnte sich der Gewerke der Nachschusspflicht (obligation for subsequent contributions: compulsory calls for funds) entziehen.

– Siehe Zuzahlung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zuchthauspreise (penitentiary prices):

In der älteren Literatur amtliche Preistabellen für Waren - häufig Gespinste aus Flachs oder Tierhaaren -, die von Insassen eines Zuchthauses (an institution that houses criminals convicted of serious crimes) hergestellt wurden. In der Regel lag der jeweils geforderte Preis knapp unter dem Marktpreis für die entsprechende Ware. Indessen wich die Qualität der Zuchthausware oft erheblich von dem freihandwerklich hergestellten Erzeugnis und mit der vom Zunftmeister (guild master) verbürgten Beschaffenheit ab. - In Anlehnung daran spricht man heute auf dem Finanzmarkt von Angeboten, die unter dem üblichen Standard der betreffenden Gattung liegen, etwa bei Junk-Bonds auch von Zuchthausware.

– Siehe Bonitätsklasse, Geschaugeld, Liquidity Value at Risk, Plutoed, Rating, Zitronenhandel, Zitterprämie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zucker auch Zucker und Honig (sugar, sugar and honey):

Aus dem Englischen in die deutsche (Jugend)Sprache eingedrungene volkstümliche Bezeichnung für Geld (in English this expression dates from the mid-19th century; sugar alone is a popular slang term for money, in Britain as well as in the USA).

– Siehe Geldbezeichnungen, volkstümliche deutschsprachige, Geldgattin, Hühnerfutter, Moneten, Penonse, Spores Raffel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zuckerguss (sugar coatin, glacé icing):

In kriminellen Kreisen eine andere Bezeichnung für Bestechungsgeld (slang referring to graft in underworld and criminal society).

– Siehe Schmiergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zufall (coindicence):

Im Gegensatz zu einer auch in manchen Lehrbüchern verbreiteten Meinung kann es auf dem Finanzmarkt grundsätzlich keinen Zufall geben. Denn der Finanzmarkt ist - wie jeder Markt - ein System im Sinne der Systemtheorie wo jederart Gegebenheit und Erscheinung durch Gründe bzw. Ursachen bedingt ist. - Indessen vermag ein Kausalzusammenhang (causal relationship: the necessary connection of events through cause and event) für einen einzelnen Akteur auf dem Finanzmarkt unter Umständen dunkel, unbekannt oder auch unbeabsichtigt sein. Zufall in diesem Sinne wäre demnach ein Ereignis, welches aus einem System von Ursachen entspringt, das jedoch nicht in der Macht des Handelnden liegt.

– Siehe Information, Risiko.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zugtiergeld (draught animal fee):

Frühere gemeindliche Abgabe auf Zugtiere (draught animals: Pferde, Esel, Maulesel); in der Regel als Zwecksteuer für den Wegebau. - Diese Zahlung ist der Vorläufer der heutigen Kraftfahrzeugsteuer.

– Siehe Halage, Pferdegeld, Viehgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zulassung (admission):

1 Aufsichtsrechtlich definiert als ein förmlicher Hoheitsakt, welcher die Befugnis verleiht, die Tätigkeit eines Finanzdienstleisters auszuüben.

2 An der Börse die

1. die vom Börsenvorstand ausgesprochene Berechtigung einer Person, am Handel teilzunehmen oder

2. die Aufnahme eines Papiers in den Handel.

– Siehe Bankenführerschein, Bönhase, Erlaubnis, Zulassungspflicht.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zulassungsstelle (admissions board):

In Deutschland Gremium an der örtlichen Börse, das über die Erlaubnis entscheidet, Effekten in die amtliche Notierung einzubeziehen (listing; Kotierung). Dazu überwacht sie auch die Einhaltung der Pflichten, die sich bei der Zulassung für den Emittenten und für die emissionsbegleitende Bank ergeben.

– Siehe Begebung, Emissionsgeschäft, Wertpapier-Verkaufsprospekt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zunftgeld (guild admission fee):

Früher Abgabe in Bargeld

1. beim Eintritt in eine Zunft (craft guild; Berufsgenossenschaft) bzw.

2. als laufende Zahlung für die Mitgliedschaft in der Zunft.

– Siehe Annehmungsgeld, Aufleggeld, Dispensationsgeld, Fahnengeld, Innungsgeld, Leggeld, Lehrgeld, Pfeffergeld, Umlage, Waisengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zurückfindung (disappreciation):

An der Börse ein Preisrückgang, der jedoch nur als Korrektiv (corrective), als ausgleichende Bewegung einer zuvor aussergewöhnlichen Kurssteigerung (exceptional jump in price) angesehen wird.

– Siehe Blase, spekulative.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zusage, vorläufige (binder):

Auf dem Finanzmarkt eine schriftliche Vereinbarung zwischen zwei Partnern, die bis zur endgültigen Vertragsausarbeitung gilt (a written statement binding two parties to an agreement until a formal contract can be executed). - In der Assekuranz wird auf diesem Weg häufig bei Vertragsabschluss seitens der Versicherung eine Deckungszusage ([provisional] cover note) abgegeben, ehe die Police ausgefertigt wird (a binder frequently is used to secure insurance until a complete policy is issued).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zusatzaktie (bonus share):

Eine neue Aktie, die im Rahmen einer Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln an die Aktionäre ausgegeben wird.

– Siehe Gratisaktie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zuschuss (allowance; government grant; extra payment; boning):

1 In der Finanzsprache allgemein jede Zahlung über einen vertraglich festgelegten Betrag hinaus.

2 Eine Unterstützung seitens öffentlicher Stellen an Wirtschaftszweige oder an einzelne Unternehmen, unter vielerlei Namen gewährt, wie etwa Prämie, Förderungsmassnahme, Ausgleichszahlung, Beihilfe, Subvention oder Zuwendung.

3 Eine Sonderzahlung der Sozialbehörde an Privathaushalte gelegentlich besonderer Umstände wie Krankheit oder Todesfall naher Angehöriger.

4 In Zusammenhang mit Fusionen und Übernahmen eine Zahlung für Vermögenswerte, die in ihrem Betrag etwas über dem Fair Value liegt (paying a lot more for an asset than its fair value).

– Siehe Angeld, Asset Deal, Porzellangeld, Subventionen, Umzugs-Darlehn, Zinsvergünstigungsdarlehn, Zweckbindungsklausel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zustellgeld und Zustellgebühr (delivery fee):

1 Früher bei Postdiensten (postal services) üblicher Einzug von Geld beim Empfänger im Zuge der Überreichung einer Sendung. Der Aufwand für das Inkasso dieses Betrages überstieg oft diesen eingezogenen Betrag. In den meisten Fällen rechnet man daher heute die Kosten für die Ablieferung in die Hände des Kunden in das vom Versender zu entrichtende Frachtgeld ein.

2 In der Mietwagenbranche (car rental business ) übliche und eigens berechnete Zahlung für die Bereitstellung

1. eines Fahrzeugs an einen bestimmten Ort wie etwa in eine Hotelgarage oder

2. eines vom Kunden besonders gewünschten Autos.

– Siehe Frankatur, Taxe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zuteilungsbetrag (allotment amount):

Die Menge an Geld, welche eine Zentralbank im Rahmen ihrer liquiditätszuführenden Politik (liquidity-providing transactions) den Banken bereitzustellen beabsichtigt.

– Siehe Tender, Unterbietung, Vollzuteilung, Zinstenderverfahren, Zuteilungssatz, marginaler, Zuteilungsverfahren, amerikanisches, Zuteilungsverfahren, holländisches, Zwölfmonatstender.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zuteilungssatz, marginaler (marginal allotment rate):

Bei

1. liquiditätszuführenden Geschäften (liquidity-providing transactions) mit der EZB der niedrigste,

2. bei liquiditätsabschöpfenden Geschäften (liquidity-absorbing operations) mit der EZB der höchste Zinssatz, zu dem Gebote angenommen werden.

– Siehe Bid-to-cover ratio, Cover Ratio, Tenderverfahren, Mengentender, Mindestreserve-Verzinsung, Unterbietung, Zinstender.

– Vgl. die Sätze im Teil "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Monetäre Statistik" des jeweiligen Monatsberichtes der EZB sowie Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2004, S. 58 f. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zuteilungsverfahren, amerikanisches (American auction; multiple rate auction):

Tenderverfahren, bei dem der Zuteilungssatz der jeweiligen individuellen Bietung entspricht. – Das heisst: die Zentralbank gibt keinen Mindestbietungssatz vor. Sie teilt den Banken die von ihr vorgesehene Menge so zu, dass sie bei den höchsten Bietungssätzen beginnt. Eine Repartierung (repartition; Rationierung: bloss ein Teil des Gebotes wird bedient) kann nur das marginale Gebot erfahren. Die Zuteilung erfolgt jedoch nicht zu einem einheitlichen Satz. Vielmehr wird jede Bank mit dem von ihr gebotenen Zins bedient. - Die EZB wendet dieses Verfahren seit Ende Juli 2000 bei ihren Geschäften im Hauptrefinanzierungsgeschäft an.

– Siehe Überzeichnung, Zuteilungsverfahren, holländisches.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2004, S. 58 ff. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zuteilungsverfahren, holländisches (Dutch auction; single rate auction):

Tenderverfahren, bei dem der Zuteilungssatz für alle zum Zuge kommenden Gebote dem marginalen Zinssatz entspricht (auction in which the lowest price necessary to sell the entire offering becomes the price at which all securities offered are sold). - Das heisst: die Zentralbank gibt einen Mindestbietungssatz vor. Die Zuteilung erfolgt von oben, also beginnend mit dem höchsten Gebot, nach unten. Ist die von der Zentralbank angepeilte Menge erreicht, dann wird die Zuteilung ausgesetzt. - Das Gebot, das gerade noch zum Zuge kommt, bestimmt den Zinssatz für den Tender gesamthaft. Alle berücksichtigten Gebote werden zu diesem Grenzzinssatz (marginal rate of interest; marginalen Zinssatz) befriedigt. Darunter liegende Gebote erhalten indessen keine Zuteilung. - Die EZB wendet im Zuge ihres Hauptfinanzierungs-Instruments seit Ende Juli 2000 das amerikanische Zuteilungsverfahren an.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zuverlässigkeit (realiability):

Grundsatz der Kommunikation eines Instituts - und allgemein eines jeden Unternehmens - mit der Öffentlichkeit sowie bei der Rechnungslegung im Besonderen. Eine Angabe gilt als zuverlässig (reliable; vertrauenswürdig), wenn sie

1. nachprüfbar (verifable),

2. frei von Gutdünken (Belieben; free from own discretion) sowie

3. ohne wesentliche Fehler (faithful representation) ist.

4. Die Informationen sollen darüber hinaus grundsätzlich unabhängig von allfälligen Zielen des Unternehmens (impartial; objektiv, neutral) gegeben werden.

– Siehe Darstellung, glaubwürdige, Entscheidungsnützlichkeit, Informations-Überladung, Klartext, Pervasive Constraint, Stetigkeit, Verständlichkeit, Vertrauen, Wesentlichkeit, Zweckdienlichkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zuwanderung (Immigration):

Das Verlassen von Personen aus ihrem Heimatland und die dauerhafte Niederlassung in einem anderen Staat. Für die Wirtschaftspolitik allgemein und die Geldpolitik im Besonderen sind Wanderungsbewegungen innert der Europäischen Währungsunion nicht ohne Bedeutung. Denn durch Wanderungsbewegungen im Eurogebiet findet ein Abbau der Arbeitsmarktunterschiede statt. Das mindert die von den Löhnen zu tragende Anpassungslast (adjustment pressure) und erleichtert der EZB ihre Aufgabe, die Masstabeigenschaft des Geldes zu bewahren.

– Siehe Arbeitskosten, Arbeitsmarktpolitik, Arbeitsnachfrage, Lohnkosten, Mobilität, Wettbewerbsfähigkeit, Wettbewerbs-Status, internationaler.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2011, S. 60 f. (Erläuterungen; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zuwendung (payment; benefit; donation, gift):

1 In weitesten Sinne jederart Zahlung (the partial or complete discharge of an obligation by its settlement in the form of the transfer of funds, assets, or services equal to the monetary value of part or all of the debtor's obligation).

2 Eine Leistung in Geld zum Vollzug von Aufgaben, die für den Zuwendenden von Wichtigkeit sind.

3 Eine Vermögensübertragung, Dotation, Schenkung, Stiftung.

– Siehe Begünstigter, Bewidmung, Ingeld, Umzugs-Darlehn, Zuschuss.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zuwendung, vormundschaftliche (custodial gift):

Von Erwachsenen an Minderjährige übertragene Vermögenswerte. Diese werden entweder vom Schenker oder einem Dritten bis zur Volljährigkeit des Begünstigten verwaltet. Oft geschieht dies auch durch Einzahlungen auf ein Sparbuch (gift to a minor child from an adult who maintains control over the gift, or grants such control to another adult, until the child reaches maturity age; a custodial gift may be in the form of a custodial savings account at a depository institution).

– Siehe Gehabgeld, Gehabschaftsgeld, Kirchweihgeld, Pekulium, Sackgeld, Taschengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zuwendungsverbot (prohibition of benefit):

Nach § 31d WpHG darf ein Wertpapierdienstleister in Zusammenhang mit dem Erwerb von Wertpapier-Dienstleistungen oder Wertpapier-Nebendienstleistungen grundsätzlich keinerlei Vergütung von Dritten (third parties) annehmen oder Dritten gewähren, die nicht Kunden dieser Dienstleistung sind.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zuzahlung (additional payment; co-payment, out-of pocket payment, user's charge):

1 Allgemein eine (vertraglich vereinbarte oder aus gesetzlicher Vorschrift abgeleitete) Zahlung über einen bereits geleistete Summe hinaus.

2 Im Gesundheitsrecht (co-payment regulation) vorgeschriebener Eigenanteil, der ein gesetzlich versicherter Patient beim Kauf von Medikamenten in der Apotheke zu entrichten hat.

– Siehe Aufgeld, Dividende, irische, Draufgeld, Nachschuss-Verpflichtung, Selbstbehalt, Zubusse, Zuschuss.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zwangsanleihe (mandatory loan, forced loan):

Vom Staat (in Notzeiten) begebene Papiere, welche den Bürgern (wie etwa im Juli 1922 in Deutschland) nach einem bestimmten Schlüssel zur Zeichnung zugeteilt werden. Im Grunde handelt es sich dabei um eine Vermögensabgabe (property levy); zumal dann, wenn die Ablösung (Rückzahlung; redemption) der Anleihe (wie 1923 in Deutschland) gesetzlich eingestellt wird.

– Siehe Kriegsanleihe, Zwangsenteignung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zwangsausschluss (squeeze-out):

Die gesetzlich zulässige Verdrängung von Minderheitsaktionären (outside shareholders) aus einer AG oder KGaA (partnership limited by shares).

– Siehe Squeeze-out.

– Vgl. Jahresbericht 2011 der BaFin, S: 97 (Empfehlungen des Committee on Corporate Governance zum Schutz der Minderheits-Aktionäre).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zwangsenteignung (compulsory expropriation):

Im Jahr 2012 im Finanzjournalismus aufgekommene Bezeichnung für einen Schuldenschnitt, und zwar aus Anlass der mehr oder minder unter Zwang durchgeführten Abschreibungen auf griechische Schuldtitel. Deutsche Banken, Versicherungen und Kapitalverwaltungsgesellschaften mussten im Frühjahr 2012 etwa 20 Mia EUR auf den Bestand ihrer griechischen Papiere (Staatsanleihen der Hellenischen Republik und staatliche garantierte Anleihen von griechischen Unternehmen) abschreiben. Knapp 9 Mia EUR Verlust buchte im Zuge dessen die Bad Bank Hypo Real, wofür der deutsche Steuerzahler haftete. Die Westdeutsche Landesbank erlitt 700 Mio Verlust durch den Schuldenschnitt. Durch reichliche Bereitstellung von Liquidität versuchte die EZB, die Verluste der Betroffenen verkraftbar zu machen.

– Siehe Enteignung, kalte, Griechenland-Krise, Hypo Real Estate-Rettung, Quantitative Easing, Renationalisierung, Übernachfrage, volkswirtschaftliche, Zwangswandelanleihe, Zypern-Krise.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zwangsgeld (fine, penalty payment):

Im Verwaltungsrecht ein Beugemittel, um Handlungen, Duldungen und Unterlassungen gegen Widerstrebende vollstrecken zu können. - Vor Festsetzung eines Zwangsgeldes muss eine Zwangsgeldandrohung mit Fristsetzung erfolgen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht kann zur Durchsetzung ihrer Anordnungen ein Zwangsgeld festsetzen, welches im Einzelfall bis zu 250'000 EUR betragen kann.

– Siehe Bestandskraft, Bussgeld, Friedensgeld, Massnahme bei Gefahr, Pönalgeld, Sühnegeld.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 212 (Verhängung von Zwangsgeld in 21 Fällen) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Querschnittsaufgaben".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zwangskapitalisierung (forced capitalisation):

Im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise aufgekommene Bezeichnung für das Eingreifen des Staates in unterkapitalisierte Institute. Diese werden dann - wie in den USA 2008 geschehen - gezwungenermassen mit Kapital vom Staat ausgestattet, was zur Folge hat, dass der Staat auch in das Management der Geldhäuser eingreift. - In Europa bevorzugt man zur Rekapitalisierung andere Wege, wie Fusionen und Übernahmen, Einbehalten von Gewinnen, Minderung der Gehälter und Boni der Bankmanager oder Unterstützung durch einen Rettungsschirm.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zwangskurs (forced exchange):

Um Umtausch von einer Währung in eine andere wird nicht der sich aus Angebot und Nachfrage ergebende Marktpreis zugrunde gelegt, sondern ein behördlich festgelegtes Tauschverhältnis. Vorgeschriebene Wechselkurse sind kennzeichnend für die Devisenzwangswirtschaft.

– Siehe Papiergewinn, Wechselkurs-Überwachung, Zwangsumtausch.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zwangsschliessung (official close down):

Die Aufsichtsbehörde darf verfügen, dass ein Kreditinstitut seinen Betrieb einstellen muss. Anlass dafür kann ein hoher Verlust des Instituts sein, aber auch Verstösse gegen Gesetze, Verordnungen und Anordnungen.

– Siehe Abberufungs-Verfügung, Beanstandungen, aufsichtliche, Beschwerdestelle, Massnahme bei Gefahr, Sanktionskomitee, Untersagung, Verwarnung.

– Vgl. für Deutschland die Aufzählung in § 35 KWG.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zwangssparen (forced saving):

1 Durch staatliche Vorschrift oder kollektivvertragliche Vereinbarung (collective bargaining arrangement) erzwungene Beschränkung der Konsumausgaben, wobei das zurückgehaltene Geld in Investitionen für bestimmte Aufgaben fliesst, wie etwa Kriegswirtschaft, Unterstützungskasse, Beteiligungsfonds der Arbeitnehmer oder Pensionsfonds.

2 Reale Einkommenseinbussen der Privathaushalte bei Inflation, weil bei zunächst gleichbleibendem Einkommen die Güterpreise steigen, mit der gleichen Summe also jetzt weniger gekauft werden kann.

– Siehe Geld, sittliches, Geldeingentumsrecht, Geldwertstabilität, Inflations-Steuer, Repression, finanzielle, Steuerverzerrungs-Effekt, Zwangsanleihe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zwangsumtausch (compulsory exchange):

Beim Betreten eines Landes bzw. eines Währungsraums muss ein vorgeschriebener Betrag des eigenen weltweit geachteten, kaufkräftigen und in jede Währung frei konvertierbaren Geldes in nicht-konvertierbare, praktisch wertlose Zahlungsmittel des Gastlandes eingetauscht werden. - So hatten Besucher aus Westdeutschland in allen Ostblock-Staaten (Eastern block countries) je Aufenthaltstag und Person zwangsweise in der Regel 25 Deutsche Mark umzutauschen, selbst wenn sie das Geld gar nicht benötigten. Auf diese Weise kamen die Währungsbehörden letztlich ohne Gegenleistung zu den begehrten Deviseneinnahmen.

– Siehe Devisenbewirtschaftung, Zwangskurs.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zwangsverkauf (forced sale):

Wenn nicht anders definiert auf dem Finanzmarkt die Veräusserung von Vermögenswerten, um angehäufte Schulden abzubauen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zwangswährung (forced circulation):

In der älteren Literatur gesagt von einer Währung, die nicht durch Edelmetalle gedeckt ist.

– Siehe Assignaten, Banking-Theorie, Currency-Theorie, Geld, privates, Geldmenge, Geldschöpfung, Peelsche Bankakte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zwangswandelanleihe (regulatory hybrid security):

Ins Gespräch gebrachtes, aufsichtlich vorzuschreibendes Finanzderivat, das 2010 erstmals von britischen und niederländischen Instituten freiwillig auf den Markt gebracht wurde als

1. die von einer Bank begebene Anleihe,

2. welche in dem Fall zwangsweise in Aktien umgetauscht wird,

3. sobald die Kernkapitalquote des Instituts unter eine in den Anleihebedingungen vertraglich festgelegte Schwelle sinkt;

4. statt der Kernkapitalquote können auch andere, zuvor festgelegte Umstände einen Umtausch in Aktien auslösen.

– Damit tragen die Gläubiger. also die Inhaber der Anleihe, allfällige Verluste mit. Denn wenn der Kurs der Aktie stark gesunken ist, so erhalten die Besitzer der Zwangsanleihe unter Umständen sehr viel weniger zurück als das, was sie beim Kauf dieser Anleihe eingesetzt haben. Auf diese Weise werden zuvörderst die Investoren und erst sehr viel später die Steuerzahler mit der Stützung des Instituts belastet. - Falsch ist es, die Zwangswandelanleihen als besondere Form der Optionsanleihen zu bezeichnen. Denn die Wandlung des dem Unternehmen zur Verfügung gestellten Kapitals in Aktien geschieht hier nicht infolge der Ausübung einer Optionsrechtes. Vielmehr entsteht eine Pflicht zur Wandlung bei Eintritt bestimmter Bedingungen.

– Siehe Anleihe, Bad Bank-Problem, grundsätzliches, Bail-in, Bankenrettung, Basel-III, Convertible Arbitrage, Pflichtwandelanleihe, G-Sifi, Kreditersatzgeschäft, Risikoteilung, Stopfganz-Strategie, Umtausch-Anleihe, Wandelprämie, Zwangsenteignung.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 56 f. (Grundsätzliches; Emissionsvolumen [in Anmerkungen]; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zweckbindung (appropriation):

1 Wenn nicht anders definiert beim Staat die gesetzliche Vorschrift, wonach bestimmte Einnahmen (etwa: Kraftfahrzeugsteuer; motor vehicle tax) für genau festgelegte Zwecke (hier: Strassenbau; road building) verausgabt werden müssen (a legislative act proposing to authorise the expenditure of public funds for a specified purpose). Zweckbindungen schränken den finanzpolitischen Handlungsspielraum sowohl der Legislative (des jeweiligen Parlaments: the elected representatives of the people) als auch der Exekutive (Regierung; government) ein.

2 In einem Unternehmen durch Beschluss der zuständigen Organe (supervisory board; Aufsichtsrat) festgelegte Anteile des Gewinns, der für besondere Aufgaben (etwa: Mitarbeiter-Optionen; employee options) verwendet wird.

3 Bei staatlichen Sozialleistungen wie Kindergeld (child-care allowance) oder Gründerzuschuss (start-up subsidy: providing unemployed persons financial assistance in order to set up their own business) die Bestimmung, dass die Zahlung dem Begünstigten auch zugute kommt.

– Siehe Biergeld, Mofageld, Nachfragefinanzierung, Suffgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zweckbindungsklausel (appropriation clause):

1 Die Bindung einer in der Regel staatlichen Einnahme an ganz bestimmte Ausgaben.

2 An einen öffentlichen Zuschuss - etwa: Schaffung von Arbeitsplätzen innert einer Region, Zahlung von Kindergeld - geknüpfte Bedingungen.

– Siehe Appropriationsklausel, Zweckbindung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zweckdienlichkeit (relevance):

Grundsatz aus dem (US-)Rechnungswesen. Danach sind solche Angaben zweckdienlich (relevant; zweckgerichtet), welche den Adressaten in die Lage versetzen, selbständige Entscheidungen zu treffen. Die entsprechenden Informationen sollen daher

1. im Besonderen Vorausschätzungen über die Entwicklung (predictive value) ermöglichen sowie

2. Hilfestellung bei der Beurteilung erwartungsbildender Annahmen bzw. Veränderung früherer Annahmen (feedback value) darbieten;

3. schliesslich wird gefordert, dass die entsprechenden Angaben rechtzeitig (timely) zur Verfügung gestellt werden.

– Siehe Angaben, verschleierte, Bewertbarkeit, Darstellung, glaubwürdige, Entscheidungsnützlichkeit, IFRS-Dialekte, Informations-Überladung, Klartext, Pervasive Constraint, Substance-over-Form-Grundsatz, Stetigkeit, Verständlichkeit, Wesentlichkeit, Zuverlässigkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zweckgesellschaft (special purpose vehicle, SPV, securitisation special-purpose entity, SSPE; oft auch Conduit [conduit] und daneben manchmal [unschön] Anlagevehikel und finanzielle Mantelkapitalgesellschaft genannt):

Gesetzlich definiert in Artikel 4 der Richtlinie 2006/48/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 14. Juni 2006 über die Aufnahme und Ausübung der Tätigkeit der Kreditinstitute (Neufassung) als: "eine Treuhandgesellschaft oder ein sonstiges Unternehmen, die kein Kreditinstitut ist und zur Durchführung einer oder mehrerer Verbriefungen errichtet wurde, deren Tätigkeit auf das zu diesem Zweck Notwendige beschränkt ist, deren Struktur darauf ausgelegt ist, die eigenen Verpflichtungen von denen des originierenden Kreditinstituts zu trennen, und deren wirtschaftliche Eigentümer die damit verbundenen Rechte uneingeschränkt verpfänden oder veräussern können." - Strenggenommen muss man zwischen Zweckgesellschaft und Conduit unterscheiden. Während die Zweckgesellschaft dazu eingerichtet wird, um einen ganz bestimmten Pool einer originierenden Bank oder mehrerer Originatoren zu tranchieren und in Verbriefungspapiere umzuwandeln, ist eine Conduit-Gesellschaft darauf ausgelegt, dauerhaft Verbriefungen zu gestalten. - Im Jahr 2005 unterhielt die Deutsche Bank AG weltweit 195 Zweckgesellschaften; die wesentlich kleinere Commerzbank AG besass 57 dieser Anlagevehikel. Viele bestanden aus zahlreichen Untergesellschaften, die in verschiedenartige Wertpapiere investiert hatten. Das erschwerte erheblich die Bestimmung des Risikogehaltes der einzelnen Papiere. - Von deutschen Originatoren gegründete Conduits werden regelmässig im Ausland gehalten, um der deutschen Gewerbesteuer zu entgehen. - Im Frühjahr 2011 beliefen sich die Vermögen der im Eurogebiet gegründeten Zweckgesellschaften auf 2'300 Mia EUR, das entspricht etwa einem Zehntel der Vermögenswerte aller Institute, die keine Banken sind.

– Siehe Absenzkapitalismus, Asset-Backed Securities, Back-to-Originator-Postulat, Bonitäts-Verbesserung, Claw-back-Klausel, Credit Default Swap im Quadrat, Credit Linked Notes, Einzel-Originator-Verbriefung, Embedded-Value Verbriefung, Erstverlust-Tranche, International Business Company, Katastrophen-Anleihen, Kreditderivat, Kreditlinie, Kreditrisiko, Kreditverbriefung, Kreditzusage, unwiderrufliche, Liquiditätsfazilität, Objektgesellschaft, Originate-to-distribute-Strategie, Pool, Reintermediation, Rückschlag-Effekt, Schachtelgesellschaft, Single Master Liquidity Conduit, Service-Agent, Sponsor, Terminverwalter, Tranche, Unterstützung, stillschweigende, Variabel Interest Entity, Verbriefung, Verbriefungspapiere-Selbstbehalt, Verbriefungsstruktur, Verlusttarnung, Zombie-Bank, Zweckgesellschaft-Konsolidierung, Zweckgesellschaft-Mitarbeiter.

– Vgl. Jahresbericht 2001 der EZB, S. 78, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2004, S. 31 (Übersicht der Beziehungen), Monatsbericht der EZB vom September 2005, S. 21 (Übersicht; Definitionen; Literaturhinweise in den Fussnoten), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 80 (Meldepflicht von Verbriefungen bei Versicherungen; S. 120 (Zweckgesellschaft in Zusammenhang einer Bad Bank nach dem im Juli 2009 in Kraft getretenen "Gesetz zur Fortentwicklung der Finanzmarktstabilisierung), Monatsbericht der EZB vom Januar 2012, S. 66 f. (Definition finanzielle Mantelkapitalgesellschaft und Verbriefungszweckgesellschaft [Financial Vehicle Corporation]), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 71 (Aktiva der Verbriefungszweckgesellschaften gehen tendentiell zurück), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 67 f. (umfassende Überarbeitung der Finanzkonglomerate-Richtlinie der EU-Kommission: SPVs sollen einbezogen werden) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Internationales", Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2014, S. 18 (Zweckgesellschaften als Teil des Schattenbanksystems).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zweckgesellschaft, eingeschränkte (qualifying special purpose entity):

Besondere Form eines Conduits nach US-GAAP. Sie ist gekennzeichnet durch eine massgebliche Beschränkung (significant qualification) der zulässigen Geschäfte auf die Übertragung von Hypotheken-Forderungen, welche der Originator selbst begründet hat. Für die originierende Bank besteht in diesem Fall für ihre Zweckgesellschaft keine Pflicht zur Konsolidierung Die entsprechenden Rechnungslegungs-Vorschriften - hier: SFAS 140.35 und 46 - wurden aber durch grosszügige Auslegung aufgeweicht, was sich gelegentlich der Subprime-Krise zeigte und zu heftigen Auseinandersetzungen führte.

– Siehe Einzel-Originator-Verbrie¬fung, Verbriefungspapiere-Selbstbehalt, Zweckgesellschaft-Konsolidierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zweckgesellschaft-Konsolidierung (consolidation of special purpose vehicle):

Die verpflichtende Einbeziehung einer nahestehenden Zweckgesellschaft in die Bilanz einer Bank wurde auch schon vor der Subprime-Krise dann hergeleitet, wenn die Bank Verbriefungspapiere von der von ihr gegründeten Conduit kaufte, und sie damit zum primären Risikoträger wurde. Das galt besonders dann, wenn es sich um eine Zweckgesellschaft handelt, die - wie es unschön heisst - "passiv strukturiert" ist, das heisst: die Conduit refinanziert sich durch die Begebung von Titeln aller Art; dann auch Structured Investment Vehicle genannt. - In Deutschland wäre auch nach § 1, Abs. 7 KWG in solchen Fällen die Möglichkeit einer Einflussnahme des Originators auf die Zweckgesellschaft anzunehmen und damit von einer Mutter-Tochter-Beziehung (risks-and-reward rule) auszugehen. Ansonsten ging man vom Stimmrecht-Kriterium aus. Danach bestand eine Konsolidierungspflicht erst dann, wenn der Originator eine Stimmrechts-Mehrheit an dem Conduit hielt (voting control rule). - Freilich war die konkrete vertragsrechtliche Gestaltung der Beziehung zwischen Zweckgesellschaft und der originierenden Bank in fast allen Fällen so geschehen, dass eine rechtsbeständige Verpflichtung zur Konsolidierung kaum hergeleitet werden konnte. Juristisch hatten die Finanzaktiva der Zweckgesellschaft den Einflussbereich des Originators verlassen (surrender of control).

– Siehe Aktivitäts-Verlagerung, bilanzbestimmte, Ausserbilanzgeschäft, Back-to-Originator-Postulat, Conduit-Gesellschaft, Embedded-Value Verbriefung, IFRS-Dialekte, Konsolidierung, Rückzahlung, vorzeitige, Kreditzusage, unwiderrufliche, Reintermediation, Stimmrecht-Kriterium, Unterstützung, stillschweigende, Variable Interest Entity, Verbriefungspapiere-Selbstbehalt, Zweckgesellschaft, eingeschränkte, Zweckgesellschaft-Zuordnung.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 65 (Entwurf des IASB zur Konsolidierung), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 122 (Neuregelung der Konsolidierung von Zweckgesellschaften im Konzernabschluss), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2014, S. 53 ff. (zur Konzernabschluss-Statistik; Übersichten; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zweckgesellschaft-Mitarbeiter (special purpose vehicle personnel):

Eine Zweckgesellschaft zeichnet eine Besonderheit aus: diese dient tatsächlich lediglich als Vehikel, als Mittel zum Zweck der Transaktion. Sie selbst ist nur ein rechtlicher Mantel (legal shell: a company that exists but does not actually do any business or have any assets), der alle Tätigkeiten bündelt und abstimmt, um schlussendlich Wertpapiere zu emittieren. Deshalb braucht diese Gesellschaft grundsätzlich auch keine Mitarbeiter, weil alle Dienstleistungen gleichsam eingekauft werden. Die Handelnden sind in der Regel im Einzelnen

1. der Fachjurist (legal advisor practising in the banking, financial services and fund industry): er gründet die Gesellschaft;

2. der Verkäufer (originator; Originator): er veräussert einen Forderungspool an die Finanzierungsgesellschaft;

3. der Arrangeur (arranger; auch Underwriter genannt): er tranchiert den Pool, besorgt das Rating der einzelnen Tranchen durch eine Rating-Agentur. Auch macht er die Verbriefung der Anlage bekannt, geht auf Road-Show bei möglichen Investoren und besorgt - allenfalls über einen eigens dazu beauftragten Händler - die Plazierung der Verbriefungspapiere;

4. der Treuhänder: er sorgt für den reibungslosen Ablauf der Zahlungsströme und ist meistens eine Investmentbank.

– Andere Funktionsbeziehungen sind ebenso wie eine andere Rechtsform der Zweckgesellschaft möglich.

– Siehe Managed Bank, Zombie-Bank.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2008, S. 90 (übersichtliches Schema der Beteiligten und ihrer Obliegenheiten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zweckgesellschaft-Refinanzierung (refinancing of special purpose vehicle):

Im Normalfall refinanziert sich eine Zweckgesellschaft über von ihr ausgegebenen Verbriefungspapiere; man spricht dann auch von Asset Backed Commercial Paper-Conduit (ABCP-Conduit). - Daneben gibt es Anlagevehikel, die sich zusätzlich durch die Begebung von Papieren auf dem Markt Liquidität verschaffen. In der Regel handelt es sich dabei um - im Einzelnen verschieden ausgestaltete, oft mit einer Gewinnbeteiligung versehene - Schuldtitel mit einer Fristigkeit bis zu drei Jahren. In diesem Falle spricht man auch von einem Structured Investment Vehicle (SIV). - Gelegentlich der Subprime-Krise hat sich gezeigt, dass beide Formen der Finanzierung rasch in eine Klemme geraten können. Verbriefungspapiere waren plötzlich nicht mehr nachgefragt. Weil es weltweit zu einer Liquiditätsklemme (liquidity squeeze) kam, so konnten auch die Structured Investment Vehicles keine Papiere mehr am Markt unterbringen. Die Inhaber entsprechender Schuldtitel - praktisch Banken, Hedge-Fonds, Pensionsfonds und Versicherungen - standen vor der Wahl, entweder Verluste zu buchen oder der Zweckgesellschaft auf die eine oder andere Weise Liquidität zuzuführen.

– Siehe Finanz-Alchemie, Insourcing, International Business Company, Kreditzusage, unwiderrufliche, Luftpapiere, Master-Conduit, Papiere, toxische, Structured Investment Vehicle, Zitronenhandel, Zweckgesellschaft-Konsolidierung, Zweckgesellschaft-Zuordnung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zweckgesellschaft-Zuordnung (assignment of special purpose vehicle):

Im Zuge der Subprime-Krise und der sich daraus ergebenden Finanzkrise zeigte sich, dass die Finanzjournalisten im Nu und zielsicher jede einzelne Conduit-Gesellschaft der jeweiligen Muttergesellschaften öffentlich zuordneten. Weltweit wurde gefolgert, dass wenn eine Muttergesellschaft ihre Zweckgesellschaft fallen lässt, diese dann selbst auch schon in Schwierigkeiten steckt oder gar der Insolvenz nahe ist. Um aber einem so ausgelösten Vertrauensschwund (loss of confidence) zu entgehen, so übernahmen viele Banken die toxischen Papiere ihrer Conduits in die eigene Bilanz. Das wiederum hatte zur Folge, dass einige Institute in eine Schieflage gerieten und im Herbst 2008 entweder

1. in Insolvenz gerieten,

2. in einer Einzelfallentscheidung durch die Zentralbank bzw. den Staat gerettet wurden oder

3. sich unter den Schirm staatlicher Notfonds begeben mussten.

– Siehe Bad Bank, Bear Stearns-Pleite, Finanzmarktstabilisierungsanstalt, International Business Company, Northern Rock-Debakel, Reputationsrisiko, Vertrauen, Zweckgesellschaft-Konsolidierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zwecksparunternehmen (target saving bank):

Die Annahme von Geldbeträgen, wenn der überwiegende Teil (main part) der Einleger einen Rechtsanspruch (legal claim) darauf hat, dass ihnen aus diesen Einzahlungen

1. bei Bedarf auch Darlehn in Geld gewährt oder

2. auch Gegenstände auf Kredit verschafft werden. In Deutschland sind solche Institute nach § 3 № 2 KWG verboten, mit alleiniger Ausnahme der Bausparkassen.

– Zwecksparunternehmen sind nämlich aufgrund ihres Geschäftsmodells für die Beteiligten mit hohen Risiken verbunden. Denn aus der Beschränkung des Geldgeberkreises auf die Kreditbewerber folgt, dass Darlehnswünsche nicht sofort befriedigt werden können, sondern dass mit Wartezeiten (waiting times) zu rechnen ist. Diese können unvertretbar lang (unreasonably [excessively] long )werden, wenn nicht ein stetiger Neuzugang von Einlegern erfolgt. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hat im November 2012 ein erläuterndes Merkblatt über verbotene Geschäfte durch Zwecksparunternehmen veröffentlicht.

– Siehe Werksparkasse.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zwei-Achtundzwanzig-Kredit (2/28 mortgage credit):

In den USA lange Zeit verbreitete Form der Darlehnsgewährung an Privathaushalte zum Zwecke des Erwerbs eines Wohnhauses.

1. In den ersten beiden Jahren ist dabei der Zins auf einem sehr niedrigen Stand festgeschrieben,

2. in den folgenden achtundzwanzig Jahren ist er flexibel, und

3. auf die Tilgung wird einige Jahre hindurch völlig verzichtet (Freijahre; redemption holidays).

– Die landesweit den Markt bestimmenden US-Hypothekenbanken Federal National Mortgage Association (FNMA, meistens "Fannie Mae" genannt) sowie die Federal Home Loan Mortgage Corporation (FHLMC, meistens "Freddie Mac" genannt) - beide mit einer unausgesprochenen Staatsgarantie im Rücken und dem politischen Auftrag, privates Wohneigentum US-weit zu fördern - gaben unbekümmert solche Darlehn. Andere Hypothekenbanken schlossen sich allein schon aus Gründen des Wettbewerbs dem an. - Diese Verträge waren ein entscheidender Grund dafür, dass im Sommer 2007 zu starken Verwerfungen (severe distortions, strong turbulences) auf dem Immobilienmarkt in den USA kam, deren Auswirkungen aufgrund von entsprechenden Verbriefungspapieren im Portfolio der Institute in der ganzen Welt die Subprime-Krise auslöste, die sich dann im Herbst 2008 zu einer weltweiten Finanzkrise ausweitete.

– Siehe Ballon-Kredit, Darlehnhaftung, beschränkte, Erstraten-Verzugsklausel, Home Mortgage Disclosure Act, Jingle Mail, Kreditkarten-Fiasko, Kreditvergabe-Grundregel, Ninja Loans, Papiere, toxische, Subprime-Wohnraumfinanzierung, Wohneigentum, Zinsstundung, Zitronenhandel.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2007, S. 18 ff. (Auswirkung der Subprime-Krise auf die einzelnen Sektoren des Finanzmarktes), Monatsbericht der EZB vom August 2009, S. 18 ff. (rechtliche Unterschiede zwischen den Hypothekenmärkten im Eurogebiet und den USA), Monatsbericht der EZB vom September 2010, S. 12 ff. (in den USA kommen Fannie Mae und Freddy Mac unter staatliche Zwangsverwaltung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zweierpaket (two-pack):

Im Februar 2013 von den europäischen Institutionen verabschiedete Übereinkunft mit dem Ziel, den wirtschaftlichen Steuerungsrahmen der Mitglieder der Eurozone zu festigen.

– Siehe Finanzrat, Semester, europäisches.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2013, S. 60 ff. (ausführliche Darlegung; Beurteilung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zweiggesellschaft und Auslandsniederlassung (subsidiary):

Wenn nicht anders definiert die als eigne Rechtspersönlichkeit am Standort handelnde Tochtergesellschaft einer heimischen Firma (a foreign-based affiliate that is a separately incorporated entity under the host country's law).

– Siehe Allianzen, grenzüberschreitende, Aufnahme-Staate, Auslandsbanken, Europa-AG, Herkunfts-Staat, Kreditinstitut, grenzüberschreitend tätiges, Repräsentanz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zweigstelle auch Filiale (branch):

Aufsichtsrechtlich definiert als eine Betriebseinheit, die einen rechtlich unselbständigen Teil eines Kreditinstituts bildet und unmittelbar sämtliche Geschäfte oder einen Teil der Geschäfte betreibt, die mit der Tätigkeit eines Kreditinstituts verbunden sind (a place of business

1. which forms a legally dependent part of a credit institution and

2. which conducts directly all or some of the operations inherent in the business of credit institutions).

– Zwischen 1996 und 2010 verringerte sich die Zweigstellenzahl der Banken in Deutschland um knapp über 40 Prozent. - Im Eurogebiet gab es Ende 2012 insgesamt 171'477 Zweigstellen von Kreditinstituten; im Jahr davor zählte man noch 16'299 Filialen mehr; das entspricht einem Rückgang von 8,7 Prozent.

– Siehe Bankendichte, Bankenmitarbeiter je Einwohner, Einnehmerei.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zweigstellenänderung (change of branches):

Ein Finanzinstitut im Deutschland muss die Errichtung, Verlegung oder Schliessung einer Zweigstelle der Aufsichtsbehörde anzeigen; siehe § 24, Abs. 1a, № 3 KWG.

– Siehe Auslagerung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zwei-Säulen-Prinzip auch Zwei-Säulen-Doktrin (two pillar principle, two pillar strategy):

Zur Beurteilung allfälliger Risiken für die Preisstabilität stützt sich die EZB

1. auf die Beobachtung des Geldmengenwachstums und hier wieder im Besonderen auf M3, deren Wachstum bei "nahe zwei Prozent" begrenzt wird; "monetary analysis") sowie

2. auf eine Reihe anderer Wirtschafts- und Finanzindikatoren ("economic analysis"). Der Zeithorizont entsprechender, im Einzelnen oft sehr breit gespannter Werte liegt bei ungefähr vierundzwanzig Monaten.

– Durch die Betrachtung monetärer und nichtmonetärer Informationen wird so die Gefahr gebannt, dass die EZB ihre Entscheidungen einseitig und zu kurzfristig ausrichtet. Weil geldpolitische Entscheidungen immer unter Unsicherheit zu fällen sind, so mindert der sehr breit gewählte Ansatz die Wahrscheinlichkeit von Fehlentscheidungen. Auch bleibt die Zwei-Säulen-Prinzip offen für Verbesserungen: die EZB kann aus ihren Erfahrungen heraus in die zweite Säule neue Bausteine einbeziehen - wie etwa die Finanzialisierung - bzw. das Gewicht der betrachteten Grössen anpassen. - Sicher ist das Zwei-Säulen-Prinzip keine begrifflich vollkommene, eindeutige Zielbestimmung (distinct definition of goals, unique target acquisition). Aber bis anhin hat sich das Zwei-Säulen-Prinzip gegenüber jeder anderen, theoretisch vollkommeneren Zielbestimmung der Geldpolitik als überlegen erwiesen, und das gerade weil es offen ist für das rasche Einfügen neuer, aus den sich stets verändernden wirtschaftlichen Gegebenheiten erwachsender Umstände.

– Siehe Aktivismus, zentralbankpolitischer, ,Aussenhandelsstatistik, Anleihe-Begebungen, Analyse, monetäre, Daten, weiche, Dritte Säule, Economic Sentiment Indicator, Eckdaten, makroökonomische, Geldmenge, Geldpolitik ohne Geld, Geldwertstabilität, Immobilienblase, Inflation, Inflation Targeting, Order-Capacity-Index, Produktionshemmnisse, Produktionslücke, Targeting, Number Cruncher, Preisniveausteuerung, Rohstoffblase, Vermögens(preis)inflation, Vorlaufindikator, Wirtschaftsindikatoren, wichtige.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2000, S. 41 ff., Monatsbericht der EZB vom Mai 2001, S. 53 ff. (hinsichtlich der Bedeutung von M3), S. 63 (Beurteilung), Monatsbericht der EZB vom Juni 2003, S. 87 ff. (dort wichtige Definitionen) und S. 102 (Schaubild der EZB-Strategie), Jahresbericht 2003 der EZB, S. 16 ff., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2005, S. 24 ff., Monatsbericht der EZB vom April 2005, S. 65 f. (in Bezug auf Vermögenspreise), Monatsbericht der EZB vom April 2006, S. 27 ff. (hinsichtlich der Beobachtung des Anleihemarktes; S. 28: Übersicht wichtiger Datenquellen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2008, S. 18 ff. (Abwägung der beiden Säulen; in den Anmerkungen wichtige Literaturhinweise), Monatsbericht der EZB vom November 2010, S. 88 f. (die EZB bemüht sich, auch Fehlentwicklungen bei den Vermögenspreisen in ihre Politik einzubeziehen), S. 91 ff. (die monetäre Analyse im Zwei-Säulen-Prinzip wurde weiterentwickelt; ausführliche Darstellung), Jahresbericht 2011 der EZB, S. 29 ff. (Frühwarn-Indikatoren bei Vermögenspreisen), Monatsbericht der EZB vom September 2013, S. 61 ff. (zum Einfluss der Geldpolitik auf die Vermögenspreise; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zweitausweis (second identification card):

Der Besitz einer Kennkarte oder eines Reisepasses unter anderem Namen (under a false name). Solche gefälschte Dokumente haben auf dem Finanzmarkt den Zweck zu verhindern, dass bestimmte Geschäfte einer Person zugeordnet werden können. Nachdem

1. der Bundesgerichtshof (German Federal Court of Justice) den Zugriff auf Kundendaten seitens eines jeden dazu ermächtigten Beamten durch Urteil vom 12. Juli 2007 als rechtmässig erkannt hat,

2. der deutsche Bundesnachrichtendienst (Federal Intelligence Service) im Februar 2008 Unterlagen über sog. Steuersünder aus Lichtenstein beschaffte und

3. deutsche Bundesländer zu Millionenpreisen von untreuen Bankangestellten (corrupt bank employees) Datenträger mit Kontounterlagen erwarben, stieg die Nachfrage nach einem Zweitausweis - freilich auch die Preise für solche Dokumente - stark an. Damit einher zeigte sich auch ein Preisanstieg für Personalausweise und/oder Reisepässe von Verstorbenen; wobei auf diesem Markt entsprechende Dokumente von Gestorbenen unter sechzig Altersjahren besonders begehrt sind und nach zumeist telephonischer Kontaktaufnahme mit den Hinterbliebenen hoch bezahlt werden.

– Siehe Identitätsprüfungspflicht, Innominat, Kontenabrufverfahren, Kontenoffenlegung, Kundendaten-Informationspflicht, Nominee, Nummernkonto, Strohmann, Tafelgeschäft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zweitgattingeld (second spouse payment):

Zahlung des deutschen Sozialstaates an die zweite und möglicherweise auch dritte Frau eines hier lebenden Ausländers oder Asylanten aus einem Staat, wo die Mehrehe rechtlich zugelassen ist (where polygamie is legally permissible). Nach höchstrichterlicher Rechtsprechung haben Zweit- und Drittfrauen Anspruch auf Sozialhilfe und Vollversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung, wenn ihr Mann in Deutschland arbeitet, als Asylant anerkannt ist oder eine Aufenthaltsduldung (tolerated stay) besitzt. - Deutsche Krankenversicherungen müssen auch für bis zu drei Frauen ausländischer Arbeitnehmer die Kosten für ambulante und stationäre Behandlungen (out-patient and residential [in-patient] treatment) übernehmen. Dies gilt ebenso dann, wenn diese gar nicht in Deutschland wohnen, sondern in ihrem Heimatland.

– Siehe Drittgattingeld, Leistungsanspruch, Sozialstaat-Falle, Tragfähigkeit öffentlicher Finanzen, Verfassungsartikel eins, Wagnersches Gesetz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zweitmarktpapiere (fresh cut):

Wertpapiere, die nach einer Begebung in den Handel geschleust werden (securities arriving on the secondary market), in der Regel bezogen auf Titel, die mangels Zeichnung im Bestand eines Emisssionskonsortiums liegen blieben.

– Siehe Emission, Garantiesyndikat, Klienten-Effekt, Konzertzeichner, Kreïrung, Marktpflege, Plazierungskraft, Roadshow, Secondary Offering, Tap, Underwriter, Wertpapier-Emissionen, Zeichnung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zweitplazierung (second placement):

Erneutes Angebot zum Kauf einer bereits an der Börse zugelassenen Aktie. In der Regel werden dabei Aktienbestände aus dem Besitz von Grossaktionären oder sonstigen Festbesitzern wie Gründerfamilien (founding families) umplaziert. - Manchmal dient die Zweitplazierung allerdings auch einer Umgehung der in Deutschland bestehenden gesetzlichen Vorschrift, wonach Aktien bei der Erstplazierung nicht unter ihrem Nennwert ausgegeben werden dürfen.

– Siehe Agiotage, Begebung, Emissionskurs, Konzertzeichner, Kotierung, Material, flottantes, Secondary Offering.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zweitrunden-Effekte (second-round effects, subsequent effects):

1 Die Folgewirkungen einer Verteuerung bestimmter Schlüsselgüter - heute in erster Linie für Lebensmittel, Erdöl und Erdgas - auf die Preisentwicklung. Vor allem bei gestiegenen Energiekosten fordern die Beschäftigten in solchen Fällen höhere Löhne, was die Inflation unmittelbar antreibt. Denn die Mehrausgaben für Energie bedeuten einen Kaufkraft-Abfluss: sie gehen zum grössten Teil als Zahlungen an das Ausland. Damit stehen sie zur Verteilung im Inland nicht mehr zur Verfügung (they are "eat up"; sie sind "verfrühstückt", wie es im Jargon heisst). Die höheren Lohn durchsetzenden Gewerkschaften überwälzen mithin den ihnen von aussen auferlegten Kaufkraftverlust auf andere Bürger.

2 Risikopositionen bei Banken, die vor allem durch Insolvenzen bei an Dritte ausplazierte Darlehn im Zuge von Leveraged Buy-outs entstehen.

– Siehe Agrarpolitik, Biotreibstoffe, Dritte Säule, Energiepreise, Erdölpreis, Geldwertstabilität, Inflations-Ausgleich, Kaufkraft-Theorie, Klima-Inflation, Kohlendioxid-Inflation, Lohn, indexierter, Lohn-Preis-Spirale, Ölpreis, Ölpreis-Ausgleich, Ölpreis-Schocks, Petrodollar, Protein-Inflation, Rohstoffpreise, Schocks, strukturelle, Strompreis, Tarifautonomie.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2006, S. 38 ff. (ausführliche Darstellung der Verteuerung mit Zeitreihen), Monatsbericht der EZB vom Juli 2007, S. 85 ff. (wichtige Daten in Bezug auf die erdölexportierenden Länder; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2007, S. 32 f. (Umgang der Geldpolitik mit Zweitrunden-Effekten), Monatsbericht der EZB vom November 2008, S. 84 ff. (Darstellung der Kostenschocks und der Reallohn-Entwicklung; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Januar 2012, S. 49 f. (die jährlichen Preissteigerungen bei Erdöl von knapp über fünf Prozent absorbieren das Einkommenswachstum; Erklärungen), Monatsbericht der EZB vom September 2013, S. 13 ff. (Erdgaspreise seit 2001; viele Übersichten, Prognose).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zweitrunden-Effekte, automatisierte (automatic second-round effects):

In diesem Fall sind Löhne und Gehälter durch eine Indexklausel (index clause, escalator clause: generally a paragraph in a contract that guarantees a change in the agreement as soon as a specific factor beyond control of either party occurred) in Gesetzen und Verträgen an die Preisentwicklung gebunden. Der dadurch verursachte weitere Anstieg der Kosten veranlasst die Unternehmen, die jetzt gestiegenen Personalausgaben auf die Güterpreise abzuwälzen: die Lohn-Preis-Spirale dreht sich.

– Siehe Lohn, indexierter, Lohn-Preis-Spirale, Wettbewerbsfähigkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zwei-Wege-Option (two way choice, alternative option):

In Zusammenhang mit der EWU gesagt von der Entscheidung der Politik für

1. eine Gemeinschaft eigenverantwortlicher Mitglieder, die nicht für andere haften und durch den Markt diszipliniert werden - nämlich: zu hohe Staatsverschuldung zieht eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit nach sich; die Neuverschuldung ist nur über entsprechend gestiegene Zinsen möglich; dies bremst die Aufnahme neuer Schulden - oder

2. einen vertieften politische Zusammenschluss mit diesfalls dann auch gemeinsamer Finanzpolitik.

– Diese zweite Option erfordert freilich langwierige Veränderungen der europäischen Verträge samt der nationalen Verfassungen. Auf jeden Fall aber ist die richtige Schrittfolge zu bedenken. Es darf nicht bereits heute der für einige Mitgliedsstaaten angenehme Teil der gemeinschaftlichen Haftung eingeführt werden, weil möglicherweise (it should not be ignored that in wide sections of the population there prevails a strong an deep-rooted averseness to a unification of Europe) in weiter Ferne die politische Integration ansteht.

– Siehe Angst, perverse, Bailout, Defizit-Finanzierungsverbot, Euro-Anleihen, gemeinsame, Europäische Finanzstabilisierungsfazilität, Eventualforderung, EZB-Sündenfall, Government Spreads, Gruppendruck, Kaldor-Hicks-Kriterium, Lohnpolitik, koordinierte, Moral Hazard, Plan C, Politikklammer, Politikverzug, Schattenstaat, Sicherheitsnetz, globales, Siebenprozent-Grenze, Single Master Liquidity Conduit, Staatsschulden-Rückführung, Stabilisierungsmechanismus, europäischer, Stand-by-Kredit, Transferunion, Umverteilung, zentralbankbewirkte, Verschuldung-Produktivität-Verkettung, Währungsunion 2.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2010, S. 12 f., S. 67 f. (Kritisches zu den Garantien im Zuge des Europäischen Stabilisierungsmechanismus).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zwillingsdefizit (twin deficit):

Wenn in einem Land

1. die Leistungsbilanz ein Defizit aufweist (current and capital account deficit: mehr Güter wurden importiert als exportiert) und

2. gleichzeitig der Staat ein ständiges Haushaltsdefizit (fiscal deficit: die öffentlichen Haushalte weisen laufend höhere Ausgaben als Einnahmen auf) zeigt, dann lebt diese Volkswirtschaft über ihre Verhältnisse. Das Land wird durch die Rating-Agenturen entsprechend niedriger eingestuft. Kreditaufnahmen auf dem internationalen Finanzmarkt verteuern sich dadurch. Zudem werden sich Investoren aus diesem Land zurückziehen. Der Kapitalstock schrumpft und veraltet. So entsteht ein Teufelskreis, der in der Vergangenheit oftmals zum Staatsbankrott führte.

– Siehe Finanzmarktschock, Griechenland-Krise, Materie, dunkle, Prager Verlautbarung, Repatriierungs-Effekt, Staatsverschuldung, Wirkungen, Staatsschulden, Wachstum-Schulden-Tatsache, geschichtliche.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2012, S. 22 ff. (Defizite im Staatshaushalt im Euroraum gesamthaft und in den Problemländern; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zwischenfinanzierung (bridgeover finance):

Die Gewährung eines Darlehns durch eine Bank

1. bis zur Auszahlung des beantragten langfristigen Kredits,

2. bis zur Einwerbung von Eigenkapital, etwa durch Emission von Aktien oder Aufnahme von Gesellschaftern oder

3. bis zu einer sicher zu erwartenden Zahlung, wie etwa durch eine Versicherung oder durch eine staatlich verbürgtes Exportgeschäft.

– Siehe Exportkredit-Garantie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zwischenparken (interim parking):

In Phasen von Unsicherheit an den Finanzmärkten werden erfahrungsgemäss viele ursprünglich der Kapitalanlage dienende Aktiva vorübergehend in Bargeld - zum Teil auch in Edelmetall - als Horte gehalten. Dadurch bläht sich die statistisch gemessene Geldmenge M3 auf. Der so entstehende Überhang muss von der Zentralbank möglichst genau eingeschätzt und darf nicht als Kaufkraftüberschuss gedeutet werden.

– Siehe Aggregate, monetäre, Geldmenge, Goldpreis, Geldüberhang, Immobilienblase, Liquidität, M3, Schwankungen, niederfrequente.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zwischenschein auch Anteilschein, Anrechtschein sowie Interimsschein (scrip):

Schriftstück, das eine Aktiengesellschaft bei Gründung bzw. gelegentlich einer Kapitalerhöhung an ihre Aktionäre vor Ausstellung der eigentlichen Aktien-Urkunde ausgibt. Gemäss § 10 AktG muss der Zwischenschein auf den Namen lauten und den gleichen Mindest-Nennbetrag wie die Aktie aufweisen. Zwischenscheine auf den Inhaber sind nichtig. Vor Eintragung einer Aktiengesellschaft ins Handelsregister (in Österreich: Firmenbuch) darf der Zwischenschein nicht ausgegeben werden. - Soweit vor allem im Internet in letzter Zeit gewinnträchtige (profit-promissory) Zwischenscheine aus aller Welt angeboten wurden, erwiesen sich diese Papiere bis anhin in nahezu jedem Fall als Nonvaleurs; die jeweilige Aktiengesellschaft wurde in der Regel überhaupt nicht gegründet.

– Siehe Agiotage, Aktie, Aktienbuch, Finanzgeier.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zwischenverwahrung (intermediate custody):

Eine Bank lässt ausländische Wertpapiere ihrer Kunden aus Kostengründen (for legal reasons, and ultimately for cost reasons) häufig im Heimatland des jeweiligen Ausstellers deponieren. Aufsichtsrechtlich muss diesfalls gewährleistet bleiben, dass der Bankkunde seine Interessen wahrnehmen kann, etwa den Anspruch auf Auslieferung effektiver Stücke.

– Siehe Aberdepot, Dematerialisierung, Depot, Depotgesetz, Escrow, Verwahrstelle Verwahrungsrisiko, Wertpapier-Nebendienstleistungen.

– Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 199 f. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zwischgold (gold-silver-laminate):

Dünne Folie, die auf der einen Seite aus Blattgold, auf der anderen Seite aus Blattsilber besteht. Eigens dafür ausgebildete Blattgoldschläger (gold beater) stellten solche Ware her. Weil das gewalzte Goldblatt hauchdünn und daher durchsichtig ist, so erscheint es durch das darunter befindliche Silber heller als herkömmliches Blattgold. Freilich verändern sich mit Zwischgold vorgenommene Vergoldungen durch Oxidation des Silbers (oxidation: the chemical combination of a substance with oxygen: a reactive element and chief constituent of the atmosphere). Zunftordnungen (guild laws) und teilweise auch landesherrliche Verordnungen stellten Fälschungen wie vor allem Ersatz der Silberfolie durch Zinnfolie bei Zwischgold unter Strafe. Sie verboten auch das Vergolden mit Zwischgold ohne Wissen des Auftraggebers.

– Siehe Edelkupfer, Gold, Karat, Rauschgold.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zwischenzins und vor allem in älteren Dokumenten auch Interusurium (interim interest):

Ein Schuldner trägt seine Verbindlichkeit vor dem vereinbarten Rückzahlungstermin ab. Dadurch fliesst dem Gläubiger nunmehr Geld zu, das dieser gegebenenfalls zinsbringend anlegen (invest interest bearing [yielding]) kann. Ob und inwieweit der Schuldner daher seinerseits Zwischenzins in Verrechnung bringen darf, ist eine in der Rechtsprechung fallweise erörterte Frage (had been decided on a case by case basis).

– Siehe Aufhebungsentgelt, Festlaufzeit, Rückzahlung, vorzeitige, Vorfälligkeits-Entschädigung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zwölf-Felder-Risikomatrix (twelfe-box risk matrix):

Von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht seit 2005 verwendetes Schema im Zuge der Risiko-Erkennung und Risiko-Zuordnung.

– Siehe Liquiditätsmanagement, Risikoklassifizierung.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 66 (Schema im Farbdruck; Erläuterungen), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 128 (Ergebnisse 2006 und 2007), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 144 f. (Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken zeigen durch die Jahre stabile Ergebnisse) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zwölfmonatstender (twelve-month tender):

Die Bereitstellung von Liquidität durch die Zentralbank über den Zeitraum eines Jahres, wie von der EZB im Rahmen des Quantitative Easing bis Dezember 2009 ausgereicht (allotted). Den Zinssatz für diese Fazilität berechnete die EZB dabei aus dem durchschnittlichen Leitzins während der in Anspruch genommenen Zeit. - Entsprechend war auch bis März 2010 ein Sechsmonatstender zur Verfügung gestellt worden.

– Siehe Cleaning up after, Tender, Vollzuteilung.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2011, S. 21 f (Vollzuteilung bei den Refinanzierungsgeschäften der EZB wird beibehalten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zyklik in älteren Dokumenten auch Undulation (cyclic):

1 In der Landwirtschaft die CETERIS PARIBUS durch Witterungsbedingungen verursachten Schwankungen in der Erzeugung. Ein gutes Erntejahr mit überdurchschnittlich hohem Angebot drückt die Preise. Daraufhin werden die Landwirte in der nächsten Periode die Anbauflächen verringern. Auf diese Weise aber kommt es in bei der folgenden Ernte zu einer Verknappung, und die Preise steigen stark an (Apfelernte-Schluss). Durch wirtschaftspolitische Massnahmen wie etwa eine Denaturierungsprämie oder Erstattungen kann diese Kette aufgebrochen werden.

2 Das wellenförmige Auf und Ab im Verlauf des Wirtschaftsprozesses (economic process: dem durch die Tatsache der menschlichen Wiederholungsbedürfnisse bedingten, stetig ineinander greifenden Akten der Produktion und Konsumtion) gesamthaft. Die Wirtschaftstheorie kann nachweisen - Hansen-Samuelson-Gleichung: ein Interaktionsmodell von Multiplikator und Akzelerator; die so gewonnene lineare Differenzengleichung zweiter Ordnung mit konstanten Koeffizienten (linear second-order difference equation with constant coefficients) führt in der Lösung über die Gaussche Zahlenebene (Argand diagram) zu sinusähnlichen bzw. kosinusähnlichen Bewegungsverläufen -, dass dieses Zusammenspiel von Produktion und Konsumtion wellenförmig (wavelike, undulated) abläuft. - Weil nun aber Banken im konjunkturellen Abschwung mit sinkender Bonität der Kreditnehmer rechnen müssen, so spiegelt sich in den Ausfallwahrscheinlichkeiten die Zyklik der Volkswirtschaft wieder. Aufsichtsrechtliche Regeln sollen diese Zyklik nicht verstärken. Daher wird gefordert, antizyklische Puffer beim Kapital der Institute einzubauen. Ferner sollen Wertberichtigungen an einer langen Periode (expected-loss) ausgerichtet werden anstatt an nur auf kurze Zeiten (incurred loss). - Das eigentlich Schwungrad (fly wheel) der Prozyklik bei Banken liegt aber sicher in der Forderung gemäss IAS 9 nach Bilanzierung zum Zeitwert in Verfolg des Grundsatzes des Fair Value. Der deutsche Gesetzgeber öffnete daher im Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG; German Accounting Law Modernisation Act) einen Ausweg aus dieser Zwangslage. Danach ist es erlaubt, einen bestimmten Teil des Zeitwertgewinns aus Finanzinstrumenten in eine Rücklage einzustellen. Damit kann ein antizyklischer Puffer für Abschwungsphasen gebildet werden.

– Siehe Ansteckungswirkungen, Antizyklizität, Apfelernte-Schluss, Audit, Baisse, zyklische, Barometer-Aktie, Bewertbarkeit, Bewertung, Darstellung, glaubwürdige, Einkommenselastizität der Kredite, Flächenstillegungsprämie, Full Fair Value-Standard, Gegenpartei, zentrale, Inventarwert, Kombinationseffekt, Konjunktur, Konjunkturzyklus, Kredit, kurzfristiger, Mark-to-Model-Ansatz, Marktfähigkeit, Marktwert, Metabasis, Periptose, Prozyklizität, Rückprall-Effekt, Spinnweben-Modell, Transparenz, Unsicherheit.

– Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 121 f. (wesentlicher Inhalt des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 66 f. (zur Bilanzierung von Finanzinstrumenten nach IFRS 9), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2011, S. 67 ff. (ausführliche Darstellung des Einflusses der Zyklik auf das Verhalten der Banken), Monatsbericht der EZB vom März 2012, S. 115 ff. (Haushaltsdefizite und Konjunkturzyklus), Monatsbericht der EZB vom April 2012, S. 22 ff. Monatsbericht der EZB vom Mai 2012, S. 72 ff. (zyklische Signale und Konjunkturdiagnose; detaillierte Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2012, S. 12 ff. (Abhängigkeiten zwischen den Zyklen in den Schwellenländern und den Industrieländern; Übersichten; Literaturverweise), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2013, S. 21 ff. (Kreditvergabe im Verlaufe eines Konjunkturzyklus; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Zypern-Krise (Cyprus-crisis):

Zu Jahresbeginn 2013 stellte sich nach und nach heraus, dass das Mitglied der Eurozone Zypern aufgrund vieler wirtschaftspolitischer Fehlentwicklungen - unter anderem lebte der aufgeblähte Finanzsektor offenbar von undurchsichtigen Transaktionen mit russischen Staatsbürgern - dem Staatsbankrott zusteuerte. Der Finanzierungsbedarf wurde von der zur Rettung beauftragten Troika mit 23 Milliarden Euro festgestellt, das waren rund 70 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Das Rettungspaket sah vor, dass die zyprische Seite einen Eigenbeitrag von 13 Milliarden Euro leisten muss; und zwar über die Einbeziehung von Gläubigern und Anteilseignern der Banken sowie von Inhabern grösserer Einlagen, aber auch über Steuererhöhungen, Privatisierungserlöse und weiteren Massnahmen. Wie bei der Griechenland-Krise, so richtete sich auch in Zypern die Wut der breiten Bevölkerung nicht auf die Entscheidungsträger im eigenen Land, welche diese verfahrene Lage zu verantworten haben. Vielmehr wurde die Troika und vor allem Deutschland als die Verursacher der misslichen Lage hingestellt. - Die für Zypern gefundene Lösung, wonach Grossanleger bei Banken zu den Sanierungskosten herangezogen werden, führte in der Folge zu einem Vertrauensschwund in die Institute anderer wackeliger Mitglieder der Eurozone. Hohe Beträge wurden bei Banken vor allem in Slowenien, aber auch in Spanien, Italien und Portugal, abgezogen und bei Instituten in Deutschland, den Niederlanden und Luxemburg angelegt.

– Siehe Blame game, Einlegerhaftung, Finanzmarktintegration, europäische, Gläubigervorrang, Renationalisierung, Retterei, Schuldenschnitt, Zombiebank.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen