Versicherungsoptimierer.net - Finanzlexikon - W

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Waarborgsgeld (peat cutter bail):

In älteren Dokumenten eine Sicherheitsleistung (bail; Kaution), die eine Torfstecher (peat cutter, peat digger) bei der Erlaubnisbehörde hinterlegen musste. Der Betrag wurde zurückerstattet, wenn das ausgestochene Gelände in den amtlich vorgeschriebenen Zustand zurückversetzt (rekultiviert; revegetated) wurde.

– Siehe Gewährgeld, Haftgeld, Legegeld,, Sicherungsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wachsamkeit, hohe (strong vigilance):

Sprachformel der Zentralbank, mit der sie CETERIS PARIBUS eine Straffung ihrer Geldpolitik in der nächsten Zeit ankündigt.

– Siehe Beobachtung, [sehr] enge, Politik des offenen Mundes, Signalwirkung, Tarnkappen-Politik, Unschärfe, konstruktive.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wachstum (growth):

1 Wenn nicht anders definiert, in den Berichten der Zentralbanken die nominale - manchmal auch preisbereinigt (adjusted for price): die reale - Zunahme des Bruttoinlandprodukts in einem Wirtschaftsraum. Das Wachstum setzt sich zusammen aus

1. der Vergrösserung des Produktionspotentials (production potential: der zur Verfügung stehenden Angebotsmöglichkeiten einer Volkswirtschaft; Trend-Komponente) und

2. den Schwankungen (Oszillationen; oscillations: movements above and below a mean value) im Auslastungsgrad dieses Potentials (Konjunktur-Komponente).

– Das Wachstum kann durch expansive Geldpolitik nicht erhöht werden; denn der Wachstumspfad ist langfristig von den strukturellen Rahmenbedingungen einer Volkswirtschaft abhängig. Aber die Geldpolitik kann sehr wohl das Wachstum langfristig mittelbar positiv beeinflussen, indem sie die Masstabeigenschaft des Geldes sichert. Letzten Endes aber müssen dauerhaft Bedingungen vorherrschen, die Unternehmen zu Investitionen bewegen.

– Siehe Auslastungsgrad, Ausrichtung, Feinsteuerungs-Operationen, Finanzmarkt, Wachstumsbedeutung, Geldpolitik, vorausschauende, Goldglöckchen-Wirtschaft, Modellunsicherheit, Money matters, New Economy, Okunsches Gesetz, Produktionslücke, Stabilitätspolitik, Strukturunsicherheit, Strukturwandel, Unternehmenswachstum, Wirtschaftswachstum.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2005, S. 45 ff. (Erfassungsschwierigkeiten, Statistisches), Monatsbericht der EZB vom Juli 2005, S. 51 ff. (Potentialwachstum in der EU seit 1980; Aussichten), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2005, S. 46 ff. (Wachstumsunterschiede innert des Euroraums; mit Übersichten), Monatsbericht der EZB vom April 2007, S. 79 ff. (lehrbuchmässige Darstellung der Wachstumsunterschiede im Eurogebiet; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2008, S. 18 f. (Wachstums-Unterschiede Eurogebiet-USA dargestellt und erklärt; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wachstum-Beschäftigung-Zusammenhang (growth-employment link):

Unter der Voraussetzung eines stabilen Geldwerts rechnet man in Industriewirtschaften bei einem Wirtschaftswachstum von höher als zwei Prozent in diesem Jahr mit einer Zunahme der Beschäftigung um etwa 0,5 Prozent im folgenden Jahr. - Mit den Mitteln der Geldpolitik (with the instruments of monetary policy) kann Arbeitslosigkeit nicht vermindert werden, wiewohl das immer wieder behauptet wird. Die Zentralbank kann aber durch Preisstabilität die Voraussetzungen des Wachstums sichern.

– Siehe Arbeitsnachfrage, Okunsches Gesetz, Phillips-Theorem, Wachstum, Wachstum-Schulden-Tatsache, geschichtliche.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wachstumsaktien (growth shares [US: stocks]):

1 Allgemein Aktien von Unternehmen, denen die Analysten für die Zukunft Steigerungen in Umsatz und Gewinn zutrauen.

2 Im Besonderen Aktien von Unternehmen, die durch überdurchschnittlich hohe Investitionen herausragen. Dies führt erfahrungsgemäss zu hohen Aktienkursen. Demgegenüber fallen die Dividenden eher gering aus, weil die Aktiengesellschaft ihre Gewinne vornehmlich zur Festigung ihres Wachstums verwendet; die Gewinne "einpflügt" (growth shares usually have a low, often even a zero, dividend payout ratio, for profits are reinvested in order to sustain growth. Besides, experience has shown that growth shares tend to have more volatility, which leads them to be a riskier investment, compared to more stable shares).

– Siehe Behauptungs-Strategie, Gibrat-Regel, Selbstfinanzierung, Trendhandel, Wachstumswert.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wachstumsbeitrag (growth share):

1 Der Anteil, den einzelne Geschäftsfelder zum Gewinn- bzw. Vermögenszuwachs einer Bank und allgemein: eines Unternehmens erbringen.

2 Gesamtwirtschaftliche betrachtet der Anteil, den eine Branche zur Steigerung des Bruttoinlandsproduktes beisteuert. Er wird berechnet als die reale (preisbereinigte; adjusted for price) Veränderungsrate der Bruttowertschöpfung einer Branche gegenüber dem Vorjahr, vervielfacht mit dem Vorjahresanteil dieser Branche am Bruttoinlandsprodukt. Weil sich daraus mittelfristig ein möglicher Strukturwandel ablesen lässt, so wird der Wachstumsbeitrag auch von den Zentralbanken beobachtet.

– Siehe Behauptungs-Strategie, Strukturumbruch, Zwei-Säulen-Prinzip.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wachstum-Schulden-Tatsache, geschichtliche (historical growth-debt fact):

Die Wirtschaftsgeschichte kann eindeutig nachweisen, dass es noch nie gelungen ist, aus einer Staatsverschuldung dadurch herauszukommen, dass man neue Schulden aufnimmt, um Wachstum zu begünstigen. Trotzdem wird immer wieder behauptet, der Staat könne leicht durch schuldenfinanzierte Wachstumsförderung (debt financed growth promotion) erreichen, dass nicht nur die alten Schulden abgebaut werden, sondern auch die zur Wachstumsförderung neu aufgenommenen Schulden aufgrund höherer Einnahmen des Staates ausgeglichen, ja gar überkompensiert würden. Solche Mär kommt im beim Wahlvolk und bei der Journaille (birdbrained babbling or/and bribable hacks [= media professionals who renounce individual independence, honesty, conviction, belief, objectivity, etc. in return for money or other reward in the performance of their task] across all media) immer gut an: anstatt durch Konsumeinschränkung durch noch mehr Verbrauch ganz einfach Schulden loszuwerden. - Staatsverschuldung deutet in jedem Fall darauf hin, dass die Ausgaben höher sind oder/und waren als die Einnahmen. Allein durch Kürzung der Ausgaben und/oder Erhöhung der Steuern lassen sich ein Gleichgewicht und damit die Voraussetzungen für gesundes Wachstum herstellen.

– Siehe Bailout, Blame game, ClubMed, Rogoff-Studie, Schattenstaat, Solidarität, finanzielle, Staatsverschuldung, Wirkungen, Stabilisierungsmechanismus, europäischer, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Grundfehler, Transferunion, Verfassungsartikel eins, Verschuldung-Produktivität-Verkettung, Verschuldungsgrenze, Wachstumsförderung, Wachstumskräfte-Mobilisierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wachstumsförderung (growth promotion):

Vor allem in Zusammenhang mit dem Fiskalpakt der EU stets wiederholte Zielbestimmung. Der Begriff ist jedoch äusserst schillernd. Grob gesprochen verstehen die Volkswirte darunter Strukturreformen, Entbürokratisierung, Flexibilisierung der Arbeitsmärkte, gezielte Investitionen zur Verbesserung und Erweiterung des volkswirtschaftlichen Kapitalstocks und Durchsetzung des Subsidiaritätsprinzips. Viele Politiker meinen indessen damit neue, schuldenfinanzierte Ausgabenprogramme (debt-financed expenditure programmes) auch - oder sogar vorwiegend - für konsumtive Zwecke, vorzeitiges Renten-Eintrittsalter (earlier retirement age) und höhere Steuerbelastung (higher tax burden), besonders für sog. "Reiche". - Indessen gilt es immer daran zu erinnern, dass das Wachstum letztlich lediglich aus den Unternehmen kommt. Nur wenn diese günstige Bedingungen vorfinden, so werden sie entsprechend handeln.

– Siehe Wachstumsbedeutung, Goldglöckchen-Wirtschaft, New Economy, Okunsches Gesetz, Stabilitätspolitik, Strukturunsicherheit, Strukturwandel, Ungleichgewichte, EWU-interne, Unternehmenswachstum, Wachstum-Schulden-Tatsache, geschichtliche, Wachstumskräfte-Mobilisierung, Wagnersches Gesetz, Wirtschaftswachstum.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wachstumskräfte-Mobilisierung (mobilisiation of forces driving growth):

Im Zuge der Griechenland-Krise schlagwortartig in den Vordergrund getretener Appell an Schuldnerstaaten der EWU. Im einzelnen sind dabei unterschiedliche Schritte gemeint, wie vor allem Beseitigung überkommener berufsständischer Vorschriften (elimination of disincentive, performing-hampering rules and regulations in the professions), Abbau von Wettbewerbshemmnissen (removal of impediments to competition), steuerliche Entlastung der Arbeit (labour tax reductions, easing the fiscal burden on labour) oder sachkundig und wirtschaftliche arbeitende Verwaltungseinheiten auf allen Ebenen des Staates. - Unbestritten ist, dass solche Massnahmen erst auf längere Sicht wirken, derweil der Erwartungsdruck auf Erfolge allerseits und jedesmal kurzfristig ist. Wird dies nicht deutlich hervorgehoben, so kommt es - wie die Erfahrung gezeigt hat - zur Erlahmung entsprechender Anstrengungen, und ein starkes Frustrationspotential (potential of general frustration) gewinnt die Oberhand. Unstreitig ist aber auch, dass die Geldpolitik in Anbetracht solcher Umstände kein Aufbrechen der Erstarrung (breaking down the paralysis) bewirken kann. Es kommt vielmehr darauf an, dass Unternehmen günstige Erwartungen hegen, die sie zu Investitionen bewegen.

– Siehe Bail-out, Europäischer Stabilisierungsmechanismus, Rettungsschirm, Wachstum-Schulden-Tatsache, geschichtliche, Wachstumsförderung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wachstumsorientiert (growth orientated):

Bezeichnung für eine Anlagestrategie bei Vermögensverwaltern. In diesem Fall wird das Portfolio wagemutig geführt; auch risikobehaftete Vermögensgegenstände werden einbezogen.

– Siehe Ausgewogen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wachstumsprognose (growth forecast):

Wenn nicht anders definiert die auf verschiedene Methoden gestützte Vorhersage über den gesamtwirtschaftlichen Verlauf; in der Regel auf Halbjahre oder Jahre bezogen. Entsprechende Prognoseersteller sind neben der Regierung auch wirtschaftswissenschaftliche Institute, internationale Organisationen und die Zentralbank.

– Siehe Astro-Prognose, Erhebung fachlicher Prognostiker, Geldpolitik, vorausschauende, Gleichgewichtsmodelle, dynamisch-stochastische, Prognoseunsicherheit, Schocks, strukturelle, Stimmungs-Indikatoren, Trendprognosen, Vorhersagen, Wirtschaftsindikatoren, wichtige, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juni 2012, S. 100 ff. (Allgemeines zur Wachstumsprognose; Werte seit 1999; Unisicherheitsfaktoren), Monatsbericht der EZB vom Mai 2013, S. 77 (Grundsatzartikel zur Verlässlichkeit gesamtwirtschaftlicher Projektionen; viele Übersichten; Literaturverweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2013, S. 69 ff. (Werkstattbericht mit Darlegung der bei Prognose-Modellen auftauchenden Fragen; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wachstumsunterschiede, währungsrauminterne (growth spreads in a monetary area):

Innert einer Währungsunion gründen sich grössere Wachstumsunterschiede zwischen einzelnen teilnehmenden Ländern entweder

1. auf realwirtschaftliche Verschiedenheiten wie etwa Klima, Bodenschätze, Verkehrswege, Bildungsgrad der Bevölkerung,

2. unwirtschaftliche (inefficient) Verwendung der heimischen Produktionsfaktoren oder was auf dasselbe hinausläuft

3. im Ausland aufgenommenes Kapital floss in den Konsum dieser Generation anstatt in das Wachstum steigernde Investitionen in den Kapitalstock und das Bildungswesen zum Vorteil der kommenden Generationen.

– Eine völlige Angleichung der Wirtschaftsräume innert einer Währungsunion kann und soll nicht Aufgabe der Geldpolitik sein. Vielmehr hat diese die Aufgabe, die Masstabeigenschaft des Geldes zu sichern. Damit schafft sie die Voraussetzung für Massnahmen der Wirtschaftspolitik, einer Angleichung (harmonisation) näher zu kommen.

– Siehe Angleichungsautomatismus, Anleihe-Spread, ClubMed, Euro-Anleihen, gemeinsame, Eurostaaten, Hellenoschwärmerei, Leistungsbilanz-Defizit, Lohnpolitik, koordinierte, Wachstum-Schulden-Tatsache, geschichtliche, Wachstumskräfte-Mobilisierung, Währungsraum, optimaler, Wirtschaftspolitik, europäische.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2007, S. 79 ff. (lehrbuchmässige Darstellung der Ursachen und Auswirkungen von Wachstumsunterschieden im Euroraum; Formeln; Übersichten), Jahresbericht 2006 der EZB, S. 66 f. (dort auch Übersicht 1970-2005), Monatsbericht der EZB vom November 2008, S. 89 f. (Geldpolitik der EZB und Unterschiede in den einzelnen Mitgliedsländern: vier Aussagen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2010, S. 17 ff. (ausführliche Darlegung zu den Wachstumsunterschieden innert des Eurogebiets; Übersichten; Literaturhinweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2010, S. 22 ff. (Unterschiede im Wachstum in der EWU seit 1999; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wachstumswert (growth share):

Wenn nicht anders definiert eine Aktie, der Analysten für die Zukunft gute Aussichten in Bezug auf das Wachstum und den Gewinn zuschreiben (shares in a company whose earnings are expected to develop at an above-average rate relative to the market). Die Erfahrung hat indessen gezeigt, dass sich entsprechende Erwartungen oft genug nicht verwirklichten.

– Siehe Aktienblase, Blase, spekulative, Börsenpreis, Boom-Bust-Zyklus, Crash, Dotcom-Blase, Herdenverhalten, Immobilienblase, Kurzsichtigkeit, Risikokapital, Themen-Zertifikat, Trendhandel, Überschwang, unvernünftiger, Wachstumsaktien, Wachstumsprognose.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wachtgeld (guard pay, watch money):

1 Früher eine in der Regel den Hausbesitzern auferlegte Umlage in grösseren Wohngemeinden zum Unterhalt der Wachposten (Stadtwache; city ward).

2 Zahlung einer Bank und allgemein eines Unternehmens für die Leistungen eines Wachdiensts (sentry, guard), der tagsüber (during the business hours) den störungsfreien Ablauf der Geschäftstätigkeit sichert und oft auch nach Geschäftsschluss (after hours) die Einrichtungen des Instituts bewacht.

3 Umlage, auferlegt den Bewohnern in einer durch Wachdienst gesicherten Wohnanlage (gated community).

– Siehe Flurgeld, Hägergeld, Hamegeld, Hütegeld, Torgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wägegeld auch Wiegegeld (weighing charges; weighage):

1 In alter Zeit eine Abgabe für die Gewichtsbestimmung von Metallbarren durch einen Beamten, der den abgewogenen Barren mit einem behördlichen Prüfzeichen (assay mark) versah und diesen damit zu einem von jedermann angenommenen Zwischentauschmittel erhob.

2 Auf Warenmärkten an den Marktordner - in der älteren Literatur auch Marktmeister und Agoranom genannt - zu entrichtende Umlage für die Kontrolle des vom Anbieter angegebenen Gewichts.

3 Abgabe zur amtlichen Feststellung des Ladegewichts eines Schiffes und regelmässig in das Lastgeld eingerechnet. Schiffe durften in der Regel nicht ohne Massbrief (certificate of ship's tonnage) auslaufen.

– Siehe Hebegeld, Marktgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wagen (car):

In Zusammenhang mit Commodity Futures bzw. eines Optionsvertrags auf Waren manchmal gesagt von der Menge des Basiswertes (the amount of a commodity underlying on a commodity contract; e.g., a car of corn. The term is derived from the fact that quantities of the product specified in a contract used to correspond closely to the capacity of a railway car).

– Siehe Basis, Commercials, Rohstoff-Terminvertrag, Underlying.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wagenmeistergeld (carriage master fee):

Frühere, in der Regel behördlich festgesetzte Zahlung an den Bediensteten, der an den Post-Stationen die oft genug äusserst strittigen Vorspann-Angelegenheiten (harness matters) regelte.

– Siehe Abfertigungsgeld, Chausseegeld, Deichselgeld, Furtgeld, Reedergeld, Schmiergeld, Stallgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wagnersches Gesetz (law of increasing public expenditure):

Mit wachsender Vergesellschaftung - oftmals auch formuliert: mit dem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts - steigt die öffentliche Ausgabenquote, weil Privathaushalte immer mehr Aufgaben aus ihrem persönlichen Bereich an den Staat abwälzen; Individualbedürfnisse werden also zu Kollektivbedürfnissen umgewandelt. - Dieses empirische Gesetz ist nach dem deutschen Nationalökonomen Adolph Wagner (1835-1917) benannt. Wirtschaftsgeschichtlich lässt es sich jedoch sehr weit (even to ancient economies: Ägypten, Babylonien, Römerreich) zurückverfolgen.

– Siehe Altersquotient, Defizitquote, Drittgattingeld, Finanzpolitik, Finanzreferendum, Haushaltsdefizit, Kinder-Tagesbetreuung, Megamanie, Methusalem-Syndrom, Nachhaltigkeit, Octopus, Penrose-Theorem, Sozialstaat-Falle, Synergiepotentiale, Schuldenbremse, Schuldenquote, staatliche, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Sozialstaat-Falle, Steuerlastquote, Subsidiaritätsprinzip, Tragfähigkeit öffentlicher Finanzen, Verfassungsartikel eins, Vergreisung, Welfare-State Bubble, Zweitgattingeld.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Oktober 2006, S. 58 (Projektion der Veränderung der Staatsausgaben aufgrund der Überalterung bis 2050, unterteilt auch nach einzelnen Ausgabesektoren und Ländern), Monatsbericht der EZB vom Februar 2007, S. 65 ff. (Tragfähigkeitslücke der öffentlichen Haushalte in der EU; mit vielen Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2008, S. 32 (Entwicklung der Verschuldung 1992 bis 2007).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wagnis (risk; venture):

1 Anderer Ausdruck für Risiko (a threat or probability of a damage, injury, liability, loss, or other negative occurrence that is caused by outside or inside vulnerabilities, and that may be counterbalanced through pre-emptive action).

2 Der Entschluss, durch Handeln auf dem Finanzmarkt ein Risiko einzugehen (the engagement in a business action containing some risk in expectation of gain).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wagniskapital (risk capital, venture capital):

Finanzmittel für Firmen in neuen Märkten, wie derzeit vor allem auf dem Gebiet der Kommunikations- und Informationstechnologie, in der Automatisierungstechnik sowie in der Mikro- und Nano-Technolo¬gie, den sog. Higtech-Bereichen (the providing of equity or equity equivalents to start-ups and recently established firms). - Zur Beschaffung des Kapitals für solche Unternehmen legten viele Banken besondere Fonds auf; daneben bieten teilweise staatliche Venture-Funds eine Beteiligungsfinanzierung an.

– Siehe Antiverwässerungsklausel, Business Angel, Drittphase-Finanzierung, Equity-Banking, Explorer-Werte, Hedge-Fonds, Inkubator, Penny-Stocks, Risikokapital, Seed Capital, Terror-Papiere, Todesspirale, Vulture Fund, Wagniskapitalbeteiligungsgesetz, Zitterprämie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wagniskapitalbeteiligungsgesetz, WkBG (venture capital investment law):

Das im August 2008 (als Teil des "Gesetzes zur Modernisierung der Rahmenbedingungen für Kapitalbeteiligungen, MoRaKG") in Kraft getretene Gesetz verbessert die Finanzierung junger und mittelständischer Unternehmen durch entsprechende Regelungen für Wagniskapitalbeteiligungsgesellschaften sowie deren Aufsicht durch die zuständige Behörde.

– Siehe Investmentfonds, alternativer, Risikokapital, Wagniskapital.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 149 f. (grundsätzliche Darlegungen; aufsichtsrechtliche Seite).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wahlgeld (election stimulation payment; vote-buying; campaigning expenditures; election gift):

1 An wahlberechtigte Bürger vom Staat ausbezahlte Summe, wenn sich diese bei der Wahl von Volksvertretern durch ihre Stimmabgabe beteiligen.

2 Von Interessensvertretern (lobbyists) an Personen geleistete Zahlung, wenn diese bei einer Wahl ihre Stimme nach Anweisung des Zahlenden abgeben (Stimmenkauf; buying of votes).

3 Von Parteien bei Wahlen ausgegebene Summen, um den Kandidaten bzw. das Programm an die Wähler heranzutragen (Wahlpropaganda; election campaign, canvassing).

4 Von einer Regierung vor Wahlen bestimmten Personengruppen gewährte Vergünstigungen, zumeist Steuergeschenke (tax presents), um deren Stimme bei der Wahl zu gewinnen.

– Siehe Geld, weiches, Kasse, schwarze, Rückvergütung, Schmiergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wahrnehmungsverzerrungen (biases):

In Bezug auf Anleger auf dem Finanzmarkt gesagt von der offenbar empirisch gut gesicherten Tatsache, dass diese in der Regel eher durch Verluste denn durch Gewinne in ihrem Handeln bestimmt werden. Es wird daher im allgemein mehr Tatkraft eingesetzt, um Verluste zu vermeiden, als um Gewinne zu erzielen. - Verlustwarnungen (profit warning; diese im Englischen übliche und auch ins Deutsche schon eingedrungene beschönigende Umschreibung wurde 2008 in Österreich zum Unwort des Jahres gewählt) von Unternehmen lösen infolgedessen an der Börse bei weitem mehr Bewegung aus als Nachrichten über günstige Gewinnaussichten (favourable earnings outlook). - Nach § 15 WpHG ist die Verlustwarnung eine Pflichtmitteilung und hat unverzüglich zu erfolgen, um Insidergeschäfte zu verhindern.

– Siehe Anlagemut, Reizschwelle, Finanzpsychologie, Gescherter, Glücksspieleffekt, Herdenverhalten, Hindsight, Kurzsichtigkeit, Risikowahrnehmung, Risk Taker, Spekulant, Vorhersagen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wahrsagergeld (fortune-teller's fee):

In älteren Dokumenten die Bezahlung des Wahrsagers, auch Hellseher (clairvoyant) genannt. Dieser sollte vergangene, gegenwärtige oder zukünftige Begebenheiten ausforschen, deren Einblick sich dem Kunden entziehen. - Bis heute hielt sich dieses Geschäft; und es wird behauptet, dass nicht wenige auch bedeutende Investoren sich bei ihrer Entscheidung der Dienste entsprechender Personen bedienten. Jedenfalls findet man in den Medien reichlich einschlägige Angebote; wobei manchmal kaum zu erkennen ist, inwieweit es sich hier um Wahrsagerei (fortune-telling, soothsaying) oder um gewieft eingefädelte (clever threaded) Kursmanipulation handelt.

– Siehe Astro-Prognose, Deuteroskopie, Finanzpsychologie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wahrscheinlichkeit (probability):

In der Finanzwelt häufig und vielfach (often and in many ways) gebrauchter Begriff in der Bedeutung eines mittleren Grades der Gewissheit; diese liegt zwischen Wirklichkeit und Möglichkeit. - Die Gradunterschiede (different nuances) werden dabei allgemein durch das Gewicht der Gründe bestimmt, die für den Eintritt eines die Möglichkeit bestimmenden Ereignisses sprechen. In allem sind deshalb jeweils diese Gründe genau zu identifizieren und abzuwägen (indispensable requirement of detecting the contribution and the weight of factors influencing the particular event).

– Siehe Ausfallwahrscheinlichkeit, Bonitätsnote, Downside Risk, Erwartungstheorie, neue, Kalibrierung, Konfidenzniveau, Liquidity at Risk, Normalverteilung, Probability of Default, Rating-Schritte, Risiko, Unsicherheit, Value-at-Risk.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Währung (currency):

1 Das jeweils geltende gesetzliche Zahlungsmittel eines Landes (wie der CHF in der Schweiz) oder eines Wirtschaftsraums (wie der EUR in der Eurozone); also die Bezeichnung, der offizielle Name des dort im rechtlichen Sinne durch Begültigung eingeführten Geldes.

2 Die Geldverfassung eines Landes - etwa der Schweiz - oder eines gemeinsamen Wirtschaftsraums - etwa der EU -, wie sie durch Gesetz verankert ist und durch die Geldpolitik der zuständigen Zentralbank gesichert wird (monetary system).

3 Das in einem Gebiet tatsächlich genutzte, obgleich gesetzlich nicht eingeführte Zwischentauschmittel, wie etwa die Zigarette zwischen 1945 und 1948 in Deutschland.

4 Bezeichnung der landesüblichen Art (material: Materie, Stoff, Substanz) des Geldes, also ob Münzen nur Zahlungsmittel sind, ob reines Papiergeld vorherrscht oder beide Arten anzutreffen sind.

– Siehe Annahmezwang, Berichtswährung, Bettkantenwährung, Currency-Theorie, Bargeld, Doppelwährung, Geldrefusion, Geldschleier, Geldzweck, Nebenwährung, Papiergeld, reines, Währungsraum, Warengeld, Zahlungsmittel, Zigarettenwährung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Währung, funktionale (functional currency):

Begriff aus den IAS. Gemeint ist damit die Geldeinheit dort, wo ein Unternehmen überwiegend (predominant) tätig ist, und an dem Ort, wo bei global tätigen Unternehmen auch die Konzernbilanz aufgestellt wird (currency of the country or monetary area, such as the Eurozone, in which a company conducts its business activities and generates most or all of its income and expenses).

– Siehe Berichtswährung, Darstellungswährung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Währung, gebundene (tied currency, backed currency):

Gesagt dann, wenn der Wert der Währungseinheit vom Preis eines Geldstoffes wie Gold oder Silber mehr oder minder streng abhängig ist (currency that is tied to an underlying, as a rule to precious metals).

– Siehe Banking-Theorie, Currency-Theorie, Geld, privates, Geldmenge, Geldschöpfung, Peelsche Bankakte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Währung, gemischte (mixed currency):

Von einer Geldverfassung gesagt, in den vollwertig ausgeprägten Münzen aus Edelmetall - in der Regel Gold und Silber - neben Papiergeld im Umlauf sind.

– Siehe Greshamsches Gesetz, Währung, hinkende.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Währung, harte (hard currency, strong currency):

1 Zahlungsmittel einer Zentralbank, die im weltweiten Verkehr neben oder statt der heimischen Währung angenommen wird (currency that people are willing to accept as payment, other than their own national currency).

2 Zahlungsmittel einer Zentralbank, das im Vergleich zu anderen wenig an Kaufkraft verliert (a currency whose value compared to other currencies is improving, as indicated by a decrease in the direct exchange rates for this currency).

– Siehe Nebenwährung, Währung, weiche, Währungsraum.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Währung, hinkende (limping bimetallism):

Nach dem Gesetz bestehen die Geldstücke eines Landes aus zwei Metallsorten, in der Regel aus Gold und Silber. Ausgeprägt wird aber tatsächlich bloss in einem Metall (here: silver; Silber), und auch nur diese Stücke befinden sich in Umlauf.

– Siehe Greshamsches Gesetz, Währung, gemischte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Währung, weiche (weak currency, soft currency):

Zahlungsmittel einer Zentralbank, das überdurchschnittlich an Kaufkraft verliert. Ursache dafür sind in der Regel politische und ökonomische Unzukömmlichkeiten in dem bestreffen Währungsbiet.

– Siehe Währung, harte, Währungsreform, Währungsrisiko.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Währungsbank (bank of issue):

Ältere Bezeichnung für eine bzw. - wie heute weltweit üblich - die einzige zur Ausgabe von Geld berechtigte Bank.

– Siehe Notenbank, Zentralbank, Zettelbank.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Währungsbehörde (monetary authority):

Wenn nicht anders definiert, so ist damit

1. die Zentralbank eines Landes oder

2. die neben der Zentralbank mit der Verwaltung der Devisen beauftragte staatliche Dienststelle (governmental agency) gemeint.

– Siehe Devisenbewirtschaftung, Wechselkurs-Überwachung, Zwangskurs.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Währungsbehörde, zentrale (central money transfer authority):

Vorgeschlagene - unter anderem von dem Nationalökonomen Rolf Gocht - autonome Monopolverwaltung, über welche die gesamten geldlichen Transaktionen in einer Volkswirtschaft laufen. Den Banken wird der Zahlungsverkehr verboten. Gleichzeitig wäre die Behörde mit dem Auftrag zu versehen, neues Geld nach Massgabe des Zuwachses des realen Sozialproduktes in Umlauf zu bringen. Damit wird das Ziel verfolgt, den Geldwert stabil zu halten. Die bisherige Geldpolitik der Zentralbank wird überflüssig. Weil es kein Kreditgeschäft der Institute mit der Zentralbank mehr gibt, so haben diese auch keinen Liquiditätsrückhalt bei der Zentralbank. Für Zweck des Liquiditätsausgleichs innert der Banken soll es weiterhin einen Geldmarkt geben, auf dem die Währungsbehörde aber nicht tätig wird. In dieser ganz neuen, durch den Grundsatz "rules, no authorities" geprägten, Landschaft wären Banken nur noch Kreditvermittler und Geldverwahrer, aber nicht mehr Institute mit der Fähigkeit zur Geldschöpfung.

– Siehe Bankenverstaatlichung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Währungsbezeichnung (currency name):

1 Offiziell der

1. ausgesprochene und/oder ausgeschriebene - etwa: Schweizer Franken, Euro - oder

2. nach ISO 4217 in drei Buchstaben abgekürzte - CHF, EUR - Name einer Währung im Sinne des gesetzlichen Zahlungsmittels.

2 Die volkstümlich besonders in bestimmten Gesellschaftsschichten gebrauchte Bezeichnung für eine Währung, etwa Chlüttär, Chölä, Fränkli, Schtütz, Stein für den CHF, oder auch die Mehrzahlbildung "Euronen" für den EUR.

– Siehe Euro, Geldbezeichnungen, volkstümliche deutschsprachige, Teuro.

– Vgl. den ISO-Währungscode aller Währungen der Welt im vierteljährlich erscheinenden Heft "Devisenkursstatistik" der Deutschen Bundesbank (Statistisches Beiheft zum Monatsbericht 5).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Währungskorb (currency basket):

Das gewichtete Verhältnis verschiedener Landeswährungen - wie vor allem USD, EUR, JPY und CHF -, nach welchem

1. der Wechselkurs der eigenen Währung bestimmt oder

2. manchmal auch bei Vertragsbeziehungen im Aussenhandel (as an index; als Indexwert) zugrundegelegt wird.

– Siehe Ankergeld, China-Währung, Dollarisierung, ECU, Goldnennwert, Sonderziehungsrecht, Verrechnungsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Währungsklausel (currency clause):

1 In Abkommen die genaue Bezeichnung des jeweiligen Zahlungsmittels, welches der Vertragserfüllung dient (a provision in or related to a contract alleging to give a right to require payment in a contractually agreed currency).

2 Die vertragliche Festlegung eines bestimmten Wechselkurses, wenn bei einem Geschäft zwei oder mehrere Währungen betroffen sind (a paragraph in a contract that avoids problems of payment caused by exchange rate changes by fixing in advance the exchange rate for the various transactions covered by the contract).

– Siehe Herstatt-Risiko, Valutaklausel, Währungsoption, Währungsrisiko.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Währungsoption auch Devisenoption (foreign exchange option):

Vertrag zwischen zwei Parteien, eine bestimmte ausländische Währung

1. zu einem festgelegten Zeitpunkt und

2. zu einem vorher vereinbarten Kurs zu kaufen oder zu verkaufen.

– Eine physische Lieferung der Devisen erfolgt in aller Regel nicht. Vielmehr wird der Kursgewinn durch Zahlung in Geld verrechnet.

– Siehe Devisentermingeschäft, Erfüllungsrisiko, Herstatt-Risiko, Non-deliverable Forwards, Option, Swap, devisenbezogener, Währungsklausel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Währungsraum auch Währungsgebiet (monetary area, currency zone):

1 Staaten, die ein gemeinsames Zahlungsmittel

1. gesetzlich eingeführt haben, wie etwa den EUR im Euroraum, oder

2. in denen faktisch ausländisches Geld den Zahlungsverkehr gesamthaft oder in einzelnen Bereichen bestimmt (paramoney; Nebenwährung).

2 Länder, in denen im Umfeld einer Devisenzwangswirtschaft Konvertibilität zwischen den beteiligten Währungen besteht, und dann ein Zahlungsmittel - etwa: USD - völlig ohne Beschränkungen oder relativ leicht in eine andere Währung - etwa: AUD, CAD - umgetauscht werden kann (dollar zone; Dollarraum).

– Siehe Balkanisierung, monetäre, Bargeldraum, Berichtswährung, Darstellungswährung, Plan C, Preisvergleich, Unbefugte, Währungsunion 2, Wirtschaftspatriotismus.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Währungsraum, optimaler (optimal currency area):

Eine Gemeinschaft mehrerer Länder mit einer einzigen Währung wie die Eurozone, in welcher in den einzelnen Mitgliedsländern eine hohe Anpassungsfähigkeit - vor allem: hohe Flexibilität auf den Faktorenmärkten - vorherrscht. Externe Schocks können ebenso wie interne Schocks daher durch andere Massnahmen als durch Wechselkursanpassungen bewältigt werden.

– Siehe Angleichungsautomatismus, Eurostaaten, Friedman-These, Wachstumsunterschiede, währungsrauminterne, Währungsunion, europäische, Währungsunion 2, Wirtschaftspolitik, europäische.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Währungsreform (currency reform, monetary reform):

1 Allgemein die Neugestaltung des Geldwesens in einem Staat oder in einem Währungsgebiet. Dies geschieht regelmässig dann, wenn das gesetzliche Zahlungsmittel die primären Geldfunktionen nicht mehr erfüllt (replacement of a currency by a new one. This has frequently been done simply because inflation has wrecked the primary functions of money).

2 In Bezug auf Deutschland gesagt für den Währungsschnitt am 20. Juni 1948, bei dem die Reichsmark durch die Deutsche Mark abgelöst wurde. Dadurch wurde das Vertrauen in das Geld wieder hergestellt und der regelmässige Austausch der Güter wieder in Gang gebracht.

– Siehe Geldzweck, Kopfbetrag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Währungsreserven (exchange reserves, international reserves):

In heutiger Bedeutung der Bestand einer Zentralbank an

1. Gold und Goldforderungen,

2. Auslandsforderungen in Gestalt von Devisen (foreign currency receivables; Fremdwährungsforderungen) und

3. Reservepositionen beim Internationalen Währungsfonds. Währungsreserven versetzen eine Zentralbank in die Lage, Ungleichgewichte in der Zahlungsbilanz auszugleichen.

– Die Währungsreserven des Eurosystems hält und verwaltet gemäss Artikel 127 AEUV die EZB. - Weltweit ist der USD mit zu Jahresbeginn 2011 immerhin 62 Prozent der Währungsreserven aller Länder, gefolgt vom EUR mit knapp 28 Prozent die bevorzugte Reservewährung. Die Zentralbanken halten diese fast immer in verzinslichen (interest bearing) Schuldverschreibungen. - Entgegen einer selbst von Fachleuten verbreiteten Meinung werden bei der EZB die Reserven an Gold, Devisen, Wertpapierbeständen und Finanzinstrumente zu jedem Quartalsende zu Marktpreisen neu bewertet.

– Siehe Devisenreserven, Dollar-Crash, Goldreserven, deutsche, Goldopfer, Goldverkauf, Neuro, Sterling-Gebiet.

– Vgl. die Höhe der Reserven der EZB, untergliedert nach einzelnen Posten, im Anhang "Statistik des Euro-Währungs-gebiets", Rubrik "Aussenwirtschaft", Unterrubrik "Währungsreserven" des jeweiligen Monatsberichts der EZB, Monatsbericht der EZB vom April 2006, S. 83 ff. (Portfolio-Management der EZB mit zahlreichen Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Juni 2012, S. 19 ff. (Währungsreserven von EU-Ländern ausserhalb des Eurogebiets seit 2005; Übersichten; Literaturangaben), Geschäftsbericht 2012 der Deutschen Bundesbank, S. 129 (Einzelheiten zur Verwaltung der Währungsreserven).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Währungsrisiko (foreign exchange risk):

1 Allgemein die Gefahren, die von Änderungen des Wechselkurses auf Vermögenswerte ausgehen (risk due to fluctuations in exchange rates that can lead to a loss in value of assets denominated in foreign currencies).

2 Aus der Sicht einer Bank Gefahren, die aus Einlagen und Darlehn in einer einzigen fremden Währung entstehen können; besonders auch dann, wenn die Einlagen (liabilities; Passivseite) vorwiegend in heimischer Währung zu Buche stehen, die Darlehn (assets; Aktivseite) aber grösstenteils in Fremdwährung (xeno currency) geleistet wurden.

– Siehe Matching, Multi-Currency Klausel, Swapsatz, Währungsklausel, Wechselkurs-Risiko.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2006, S. 37 (Konzentration auf eine Währung als Marktrisiko), Finanzstabilitätsbericht 2011, S. 58 ff. (Dollar-Refinanzierungslücke deutscher Banken; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Währungsschlange (currency snake):

Vom Ministerrat der EU 1972 vereinbarter Verbund europäischer Währungen, die untereinander nur noch um +/- 2,25 Prozent schwanken durften. Eine gleichgerichtete Stabilitätspolitik sollte dieses Ziel absichern. Das festgelegte Wechselkursverhältnis zwischen den Partnern wurde auch nach Freigabe des Wechselkurses gegenüber dem USD im März 1973 beibehalten. - Freilich erwies sich die Währungsschlange als zu schwach angesichts unterschiedlicher Bemühungen um binnenwirtschaftliche Stabilität bei den einzelnen Mitgliedern. Nur Deutschland, Dänemark und die Benelux-Länder verblieben in der Schlange. Anfang 1979 wurde diese durch das EWS abgelöst.

– Siehe Europäisches Währungssystem, Wechselkursmechanismus II.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Währungs-Swap (cross currency swap):

1 Allgemein die Vereinbarung zwischen zwei Parteien

1. zum Austausch von Zahlungsströmen über eine bestimmte Laufzeit

2. zu festgelegten zeitlichen Daten in der Zukunft und

3. zu vorgängig festgelegten Bedingungen. Der Swapvertrag bezieht sich hier genauer auf

4. den Austausch von Zinszahlungen und in der Regel auch Nominalbeträgen

5. in verschiedenen Währungen (an agreement to swap a series of specified payment obligations denominated in one currency for a series of specified payment obligations denominated in a different currency).

2 Der Kauf einer Summe in fremder Währung heute und der Verkauf desselben Betrags und in derselben Währung zu einem späteren Zeitpunkt. Der Unterschied zwischen Kassakurs und Terminpreis der betreffenden Devise, auf Jahresprozente umgerechnet, bezeichnet den Swapsatz (the simultaneous purchase of an amount of a currency for a spot date and the sale of the same amount of the same currency for forward settlement. The difference in exchange rates reflects the currency forward margin).

– Siehe Doppelwährungsanleihe, Emission, indexierte, Euro-Notes, Liquiditäts-Tausch, Parallelkredit, Referenzwährung, Swapsatz, Valutenklausel, Währungsrisiko, Zinsswap.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Währungsunion 2 (Monetary Union 2):

Vielfach gebrauchte Bezeichnung für eine neue, die Fehler der Europäischen Währungsunion vermeidende Gestaltung eines gemeinsamen Währungsraums. Im einzelnen gibt es hierzu viele Vorschläge. Weitgehend gleichlautend ist in diesen Empfehlungen die Einrichtung eines Europäischen Finanzministeriums, also eine Vergemeinschaftung auch der Finanzpolitik. Zumindest sollten Mitglieder mit zu hohem Schuldenstand ihren Staatshaushalt vom Europäischen Parlament zur Genehmigung vorlegen müssen. Damit wäre jedoch die Währungsunion politisch betrachtet einen grossen Schritt weiter zu einem Staatenbund (European Confederation). Zumindest derzeit (2014) ist dies jedoch noch nicht der Wille des Staatsvolks in den Mitgliedsländern der EWU, geschweige in den übrigen Staaten der EU.

– Siehe Bail-out, Griechenland-Krise, Rückkehr-Ideologie, Semester, europäisches, Schuldentilgungspakt, europäischer, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Verschuldungsanreiz, Vertragstreue, Wirtschaftspatriotismus.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Währungswarrant (currency warrant):

Allgemein eine Option, die sich auf einen vereinbarten Devisenkurs bezieht (any financial instrument used to hedge currency risk or speculate on currency fluctuations in foreign exchange markets).

– Siehe Optionsanleihe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Währungswert (currency value):

Ein in Finanzjournalismus vielfach gebrauchte Wort, das indessen missverständlich ist. Denn es bleibt offen, ob

1 die Kaufkraft einer Währung gemeint ist - also die Menge an Gütern, die man mit einer Währungseinheit kaufen kann - oder

2 ihr Wechselkurs, nämlich Preis einer Währungseinheit in Bezug auf eine andere Währung, auch Devisenkurs genannt. – Der laufende Stand und die Entwicklung des Devisenkurses des EUR zum USD, CHF, JPY, GBP und anderen ist in der Rubrik "Wechselkurse" des Teils "Statistik des Euro-Währungsgebiets" im jeweiligen Monatsbericht der EZB wiedergegeben. Die Deutsche Bundesbank gibt vieljährlich ein Heft "Devisenkursstatistik" heraus. Diese Veröffentlichung enthält auch eine Übersicht der Währungen aller Welt sowie ein Verzeichnis der ISO-Währungscodes.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Waisengeld auch Waisenrente (orphans's pension, allowance for orphans, orphan pecunary aid):

1 Heute Zahlung zur Sicherung des Lebensunterhalts von unmündigen Kindern gemäss

1. der jeweiligen staatlichen Sozialgesetzgebung bzw.

2. aufgrund privater Versicherungsverträge (life insurance; Lebensversicherung).

2 Früher geldliche Unterhaltsleistung an Kinder, deren Eltern verstorben und nicht von nahen Angehörigen (grandparents; Grosseltern, aunts and uncles; Geschwister der Eltern) versorgt werden konnten. Die Beträge wurden ehedem meistens von der Kirchengemeinde, von der Ortsgemeinde oder - soweit es sich um Elternlose aus einer Handwerkerfamilie handelte - auch von einer Zunft oder Innung aufgebracht.

– Siehe Innungsgeld, Lehrgeld, Witwengeld, Zunftgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Waiver-Regelung (waiver regulation; waiver = Verzicht[serklärung]):

1 Der Verzicht einer Aufsichtsbehörde, bestimmte, in der Regel sonst meldepflichtige Geschäfte (transactions subject to disclosure requirements) bei ihr anzuzeigen.

2 Im Zuge von Basel-II die Möglichkeit, dass nachgeordnete Kreditinstitute einer Bankengruppe unter bestimmten Voraussetzungen von den Mindestkapitalanforderungen freigestellt werden können.

– Siehe Dark Room, Eigenkapital, Eigenkapitalquote, aufsichtsrechtliche, Konzernabschlussüberleitungsverordnung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 74 (Erläuterung der Waiver-Vorschriften nach § 2a KWG), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 117 f. (neuere Bestimmungen zur Waiver-Regelung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Waldfonds auch Wald-Fonds (timber fund):

Kapitalverwaltungsgesellschaft, die unmittelbar oder mittelbar über den Erwerb von Anteilen bezüglicher Fonds in Waldgrundstücke investiert. Es gibt im Einzelnen vielerlei Ausgestaltungen; aber fast immer erfolgt keine regelmässige Ausschüttung. Der Rückfluss des eingesetzten Kapitals geschieht zumeist erst am Ende der Laufzeit des Fonds aus dem Verkauf der Waldungen. Vor allem nach der Subprime-Krise 2007 wurden Waldfonds beliebt, weil sie grundsätzlich

1. einen eingebetteten Inflationsschutz enthalten; denn der Holzverbrauch steigt nach Berechnungen bis 2050 um jährlich fünf Prozent an, und der Holzpreis dürfte die erwartete Inflationsrate bei weitem übersteigen, und

2. eine von Schwankungen (Oszillationen; oscillations: movements above and below a mean value) der Börsenkurse unabhängige Wertentwicklung sichern.

– Weil es sich aber um eine sehr langfristige Anlage handelt, so spielt

3. die Rechtssicherheit (predictability of legal certainty) hier eine ganz entscheidende Rolle. Zudem unterliegen Waldflächen

4. kaum vorhersehbaren abiotischen Risiken (abiotic risks) wie Feuer, Orkane oder Überflutungen.

5. Dazu treten besondere biotisch Risiken (biotic risks), wie vor allem Schädlinge (animal pests) und Pilzbefall der Bäume (fungi infestation of the tree which causes soon after a colonisation with wood beetles whose larvae create burrows and degeneration inside of the tree), was den gesamthaften Baumbestand über kurz oder lang vernichten kann.

– Chancen auf Zeichnung von Anteilen und damit auf Markterfolg hatten daher bis anhin nur solche Fonds, die in fachmännisch gepflegte (administered according to the rules of forest science) Standorte in den USA oder Zentraleuropa investieren. Kapital zur dringend erwünschten Aufforstung in Mittel- und Südamerika oder in Afrika konnte auf dem Wege der Waldfonds nur spärlich aufgebracht werden.

– Siehe Kapitalverwaltungsgesellschaft, Spezialfonds, Sustainability-Fund.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wall Crossing (so auch im Deutschen, seltener Bereichsüberschreitender Informationsfluss):

Die Aufsichtsbehörden schreiben vor, dass innert einer Bank Vertraulichkeitsbereiche räumlich und personell getrennt sind (Chinese Wall), um allfällige Interessenkonflikte möglichst auszuschliessen. Ist dies nicht der Fall, so spricht man von Wall Crossing; vor allem dann, wenn die Handelsabteilung und die Kundenberatung eng zusammenarbeiten. Grundsätzlich sind heute die Bereiche bei den Instituten in Europa getrennt (separation between the public side [trading and research employees] and the private side [bank's investment banking employees]; extraordinary wall crossings must be appropriately pre-authorised and documented).

– Siehe Abschottung, Banker-Stammtisch, Compliance, Chinese Wall, Corporate Governance, Insider, Mitarbeiterleitsätze, Need-to-know-Prinzip, Nominee, Organkredite, System Securities Watch Application (SWAP), Verhaltenskodex.

– Vgl. Jahresbericht 2001 des Bundesaufsichtsamts für den Wertpapierhandel, S. 7 f. (zu Verstossfällen in Deutschland) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wall Street:

1 Die Strasse, in welcher sich die Börse in Neuyork sowie auch eine grosse Zahl anderer Finanzinstitute befindet. In Börsenberichten wird die Wall Street häufig personifiziert (personalised: "the Wall Street looks forward optimistically").

2 Im weiteren Sinne ist zuweilen auch die nordamerikanische Finanzbranche gesamthaft gemeint (Wall Street is sometimes also used as a general term to refer to the US-investment industry: for all firms that buy, sell, and underwrite securities).

– Siehe Big Board, Committee on Admission, Deutsche Börse AG.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wall-Street-Main-Street-Hypothese (Wall-Street-Main-Street hypothesis):

Die Meinung: was gut ist für die Wall Street - für die Marktverhältnisse an der Börse in Neuyork -, das ist auch für die Gesamtwirtschaft der USA von Vorteil. Einige dehnen dies sogar auf die Welt gesamthaft aus.. - Indessen hat sich gezeigt, dass diese Ansicht falsch ist. Denn es gab und gibt immer wieder auch an der Wall Street zu viele Fälle von Marktversagen. Eine asymmetrische Informationsverteilung zwischen Verkäufern und Käufern von Finanzprodukten macht die Käufer verletzlich gegenüber Missbrauch, wie besonders bei der Subprime-Krise offen zutage trat. Auch das Agency-Problem gilt es zu erkennen. Die Interessen der Broker an der Wall Street müssen nicht unbedingt mit denen der Bankmanager, der Kapitaleigner und der Anleger der "Main Street" übereinstimmen, und schon garnicht weltweit.

– Siehe Main Street.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wandelanleihe (convertible debenture):

Schuldverschreibung einer Aktiengesellschaft, die nach einer bestimmten Zeit auf Wunsch des Anlegers gegen eine Aktie der betreffenden Gesellschaft eingetauscht werden kann (bonds that may be converted at the request of their holder into shares of the issuing company; conversion is thus initiated by the investor). Der Käufer einer Wandelanleihe besitzt somit das Recht, von einer Gläubigerposition in die Stellung des Eigentümers zu wechseln. Diese Möglichkeit bezahlt der Investor durch eine niedrigere Verzinsung. - Der Emittent hat den Vorteil, niedrigere Zinsen zahlen zu müssen und Kapital zu erhalten. Der Investor hat die Gewissheit, zumindest den angelegten Nominalbetrag rückerstattet zu bekommen. - Solange die Anleihe nicht gewandelt ist, wird sie verzinst, wobei unterschiedliche Vertragsmöglichkeiten - laufend, thesaurierend, Kombination beider - offenstehen.

– Siehe Aktienanleihe, Anleihe, Annuitätsanleihe, Convertible Arbitrage, Event-Driven Fund, Hedge-Fonds Strategien, Parität, Pay-in-Kind-Anleihe, Todesspirale, Umtausch-Anleihe, Verwässerung, Wandelanleihe, zwingende, Wandelprämie, Zwangswandelanleihe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wandelanleihe, zwingende und Wandelanleihe, unbedingte (compulsory convertible debenture, CCD):

Eine Wandelanleihe, bei der für den Inhaber der Anleihe kein Wahlrecht besteht: er muss zum vertraglich vereinbarten Zeitpunkt Aktien der emittierenden Gesellschaft zum festgelegten Tauschverhältnis übernehmen. Eine Auszahlung ist nicht möglich (a type of debenture in which the whole value of the debenture must be converted into equity at a particular time. The key difference between convertible debentures and other convertible securities is that owners of the CCDs must convert their debentures into equity, whereas in other categories of convertible securities, the owner of the debenture has an option).

– Siehe Wandelanleihe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wandelprämie (conversion premium):

Der Prozentsatz, um den der in den Emissionsbedingungen festgesetzte Umtauschkurs einer Wandelanleihe zum Zeitpunkt ihrer Begebung den Aktienkurs der eintauschbaren Aktie übersteigt (the percentage by which the conversion price in a convertible bond exceeds the common stock price at the time the convertible security is issued).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wandel, demographischer (demographic change):

Eine auffallende und ökonomisch bedeutungsvolle Veränderung der Zusammensetzung in der altersmässigen Gliederung (age distribution) einer in Bezug auf ein Gebiet genau abgegrenzten Wohnbevölkerung.

– Siehe Altersquotient, Methusalem-Syndrom, Schattenverschuldung, Überalterung, Vergreisung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wandergewerbegeld (itinerant trade tax):

Eine früher vom Ertrag aus dem Gewerbetrieb im Umherziehen und in der Regel zusätzlich zur fälligen Gewerbesteuer zu entrichtende Abgabe. Ihr Zweck war, den Hausierhandel (Wandergewerbe; peddling) zum Schutze ortsansässiger Handwerker und Handelsbetriebe einzuschränken. Trotzdem hatte der Hausierhandel bei bestimmten Gütern des täglichen Bedarfs - wie vor allem Artikel der Mercerie (Kurzwaren [haberdashery]: kleine Gegenstände zum Nähen wie Faden, Nadeln, Knöpfe; kurz = hier: klein; in älteren Dokumenten auch Quelquechoserieen genannt) - selbst in den grossen Städten einen beachtlichen Marktanteil. Denn die Hausierer besuchten treppauf, treppab jeden Haushalt in den Vorderhäusern (front-houses) und Hinterhäusern (rear-houses) regelmässig. Damit bauten sie sich vor allem unter den Hausfrauen einen treuen Kundenstamm auf (built up a remarkable customer base among the housewives).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wanderlagergeld (duty on outward offers for sale):

In älteren Dokumenten eine Abgabe für das Feilbieten von Waren ausserhalb des Wohnorts eines Kaufmanns. Zweck der Steuer war es, einheimische steuerzahlende Anbieter zu schützen und auswärtige Kaufleute zu einer gewerblichen Ansiedlung zu zwingen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wardein auch Guardein und Zygostat sowie Argyrognom (coin examiner):

In früherer Zeit ein von der Münzherrschaft bestellter Beamter - in älteren Dokumenten statt Beamter auch die Bezeichnung Offiziant -, welchem in erster Linie die Prüfung der Münzen oblag. Das Wardieren (assaying) geschah dabei vor allem als Feinheitskontolle in Bezug auf die vorgeschriebenen Metallbestandteile (metal components: Gold, Silber, Kupfer). Dazu benutzte der Wardein in der Regel einen Schmelzofen (melting furnace; Schmelztiegel, Probierofen). - In zahlreichen alten Dokumenten werden die Obliegenheiten des Wardeins wie auch die Überwachung der Münzer-Werkstätten sowie die Verwahrung des amtlichen Prägestempels genau festgelegt. Ein der Münzherrschaft unmittelbar beigeordneter Generalmünzwardein übte die fachliche und rechtliche Aufsicht über die Münzmeister vor Ort aus. - Wardein vom lateinischen GUARDIANUS = Wächter, Hüter.

– Siehe Abnutzung, Alliage, Assay-Stempel, Capellengold, Doublé-Münze, Fehlprägung, Geld, böses, Geld, schweres, Gequetschte, Geschaugeld, Kaisermünze, Katzengeld, Kipper, Koala, Kurantmünze, Medaille, Münze, Münzfuss, Münzpflege, Münzregal, Passiergewicht, Rändelung, Remedium, Revers, Scheidemünze, Schmelzofen, Wipper.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ware, schwimmende (afloats):

An der Warenbörse gesagt von Handelsgütern, die im Augenblick gegenständlich nicht vorrätig, aber mit Schiff oder anderen Transportmitteln unterwegs in die Lagerhäuser sind.

– Siehe Kontrakt, Warenbescheinigung, Warenhaus, anerkanntes.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Warehousing Risk (so auch im Deutschen gesagt, seltener Stockungsrisiko):

Bei einer Bank das Risiko, dass Verbriefungspapiere - plötzlich, so wie angesichts der Subprime-Krise - nicht mehr weiterzureichen sind (the warehousing risk includes changes in the conditions in the primary markets for securitisation). Dieses Marktumschwung-Risiko muss durch geeignetes Risikomanagement beherrscht werden.

– Siehe Leveraged Buy-out, Periptose, Private-Equity-Finanzierung, Risikokapital, Risikoüberwachung, gegliederte, Rückschlag-Effekt, Sicherheit, Trade Sale, Verbriefung, Unterseeboot-Effekt.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2007, S. 16 f. (Modell des Finanzierungsgefüges bei einem Leveraged Buy-out), S. 24, S. 27 (Abschätzung des Risikopotentials der Banken auf dem LBO-Markt), Monatsbericht der EZB vom August 2007, S. 105 (Banken nennen das Risiko in Befragungen als sehr hoch), Monatsbericht der EZB vom November 2007, S. 26 ff (Rückgang der LBO-Aktivitäten und ihre Gründe; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Warenausfuhr (export of commodities):

1 Die in der Zahlungsbilanz als Summe erfassten Verkäufe eines Landes in das Ausland.

2 Der Anteil der Ausfuhren eines Landes bzw. einer Branche, bezogen auf die Produktion. Dieser Exportanteil betrug im Jahr 2013 bei der deutschen Automobilindustrie 72 Prozent, beim deutschen Maschinenbau 77 Prozent und bei der Chemischen Industrie 56 Prozent.

– Siehe Importgehalt, Terms of Trade.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2009, S. 20 f. (ausführliche Darstellung; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Juni 2013, S. 79 ff. (Ausfuhren des Eurogebiets seit 1999; Übersichten) sowie die aktuellen Zahlen im "Statischen Teil" des jeweiligen Monatsberichts der Deutschen Bundebank und im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiet" im jeweiligen Monatsbericht der EZB.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Warenbescheinigung (stock certificate):

An Warenbörsen müssen die zur Lieferungserfüllung aus einem Futures-Geschäft notwendigen Produkte auch verfügbar sein. Der Börsengeschäftsführung beauftragt daher Fachleute mit der Begutachtung, die daraufhin ein entsprechendes Zeugnis (Zertifikat; certificate) ausstellen. Die Waren werden in Lagerhäusern (warehouses) aufbewahrt, die von der Börse anerkannt sind und kontrolliert werden.

– Siehe Lokomarkt, Vertretbarkeit, Ware, schwimmende, Warrant.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Warenbörse (commodity exchange):

In Deutschland eine Börse, an der Waren, Edelmetalle oder auf Waren bzw. Edelmetalle bezogene Derivate gehandelt werden; häufig auch Produktenbörse (produce [so!] exchange) genannt. - § 1, Abs. 3 BörsG definiert (logisch [Dialelle!] und sprachlich schlecht): "Warenbörsen im Sinne dieses Gesetzes sind Börsen, an denen Waren und Termingeschäfte in Bezug auf Waren gehandelt werden. An Warenbörsen können auch Termingeschäfte in Bezug auf Waren sowie Zertifikate und Termingeschäfte, die sich auf Emissionsberechtigungen beziehen, gehandelt werden."

– Siehe Börse, Call-Rule, Commodity Fund, Derivategeschäfte-Clearingpflicht, Derivategeschäfte-Meldepflicht, Finanzialisierung, Handelspflanzen, Rohstoff-Terminvertrag, Sentiment, Vertretbarkeit, Wertpapierbörse.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Warengeld (commodity money):

Als Zahlungsmittel gilt im gesellschaftlichen Tauschverkehr ein Handelsgut (commodity, article of commerce wie Steine, Muscheln [Pantes = Muschelmünzen, Münzmuscheln]; Vieh, Pelze, Felle oder metallene Geräte). Diese Form der Bezahlung ist kennzeichnend für

1. wenig entwickelte Gesellschaften (less developed societies, characterised in the main by a weak economic framework) und

2. moderne Volkswirtschaften mit hoher Inflation.

– Gemünztes, durch Prägestempel staatlich beglaubigtes Edelmetall zählt nicht zum Warengeld.

– Siehe Bargeld, Bettkantenwährung, Frauengeld, Geldabschaffung, Geldbasis, Geldmenge, Goldwährung, Kauris, Kompensation, Kurantmünze, Papiergeld, reines, Währung, Urukagina-Regel, Zigarettenwährung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Warenhandel (commodity trade):

Der zwischenstaatliche Austausch von greifbaren, fassbaren Gütern. Der Warenhandel mit dem Ausland ist in seinem Umfang auch von Veränderungen des Wechselkurses abhängig. Er wird daher von den Zentralbanken dahingehend analysiert.

– Siehe Unit-Value-Relation, Terms of Trade, Wechselkurs, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2003, S. 39 ff. sowie die aktuellen Zahlen im "Statischen Teil" des jeweiligen Monatsberichts der Deutschen Bundebank und im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiet" im jeweiligen Monatsbericht der EZB.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Warenhaus, anerkanntes (approved delivery facility):

In Zusammenhang mit der Warenbörse ein von dieser ermächtigtes Magazin, ein Speicher, ein Silo oder ein ähnlicher Betrieb, der eine reibungslose Lieferung der aus einem Kontrakt anzuliefernden Waren gewährleistet (any stockyard, mill, storehouse, plant, elevator [hier: Getreidesilo; ein Silo ist ein grosser Hochspeicher für Schüttgüter], or other depository that is authorised by an exchange for the delivery of commodities tendered on futures contracts).

– Siehe Ware, schwimmende, Warenbörse, Warentermin-Kontrakt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Warenhorte (stockpiling of real goods):

Vom Marktverkehr zurückgehaltene Waren deuten im Regelfall auf eine Inflation oder auf Inflationserwartungen hin. Denn die handelnden Personen glauben, dass sie ihr Vermögen günstiger in Waren als in Geld erhalten bzw. vermehren können.

– Siehe Geldeingentumsrecht, Geldwertstabilität, Nominalwertprinzip, Preisanpassungen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Warenkorb (market basket):

Überkommene, aber logisch und daher auch sachlich falsche Bezeichnung für den zur Messung der Inflation zugrundegelegten Güterkorb. In diesem befinden sich nämlich neben Waren auch Dienstleistungen; beide zusammen nennt die deutschsprachige amtliche Statistik im Oberbegriff Güter.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Warentermin-onds (commodity pool):

Zusammenlegung von Geldsummen einzelner in einen Fonds, um Futures oder Futures-Optionen an Warenterminbörsen zu handeln (typically an enterprise engaged in the business of investing the collective or "pooled" funds of multiple participants in trading commodity futures or options, where participants share in profits and losses on a pro rata basis).

– Siehe Absicherung, Finanzialisierung, Futures Fund, Kapitalanlagegesetzbuch, Option, Pool, Rohstoff-Fonds, Terminkontrakt, Terminspekulant, Terminverwalter.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Warentermin-Kontrakt (commodity futures):

Standardisierte, börsengängige vertragliche Vereinbarung,

1. eine Menge bestimmter gegenständlicher Güter (commodities; wie Getreide, Metall, Erdöl)

2. zu einem im Voraus festgelegten Preis

3. an einem zukünftigen, festgemachten Zeitpunkt definitiv, verbindlich zu kaufen bzw. zu verkaufen (a standardised, transferable, exchange-traded contract that requires delivery of a commodity at a definite price, on a stated future date. Unlike options, futures convey an obligation to buy or to sell).

– Siehe Absicherung, Aufsaugphase, Call, Contango, Finanzialisierung, Indemnität, Option, Position, schwache, Put, Rohstoffpreisrisiko, Rohstoff-Terminvertrag, Terminspekulant, Vertretbarkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Warenterminmarkt (commodity futures market):

Ort, an dem Warentermin-Kontrakte abgeschlossen werden. Die Termingeschäfte beziehen sich dabei auf Naturprodukte, die in überall in hohem Ausmass, also in grossen Mengen gebraucht (used) - etwa Metalle, Erdöl - oder verbraucht (consumed) - wie Getreide, Früchte - werden. Als die weltweit grösste und umsatzstärkste Börse dieser Art gilt die 1848 gegründete Chicago Board of Trade; board = hier: an organised body of traders (generally the term "board of trade" means any organised exchange or other trading facility).

– Siehe Aufsaugphase, Backwardation, Best, Futures, Indemnität, Markt, inverser, Terminspekulant, Warentermin-onds.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Warnhinweis (warning [notice]):

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht darf öffentlich eine Warnung aussprechen, wenn Anbieter von Finanzprodukten Auskunftsverlangen oder Anordnungen der Aufsichtsbehörde nicht befolgen. Auch kann sie aufsichts-rechtliche Massnahmen der Gefahrenabwehr, welche sie zur Bekämpfung von Verstössen gegen das Vermögensanlagengesetz ergreift, auf ihrer Internetseite bekannt machen. Bussgelder, welche die BaFin verhängt, sollen ab 2014 - in Vorwegnahme entsprechender EU-Regelungen - zu veröffentlichen sein.

– Siehe Fonds, Investmentfirma, Kapitalverwaltungsgesellschaft, Prospektpflicht, Prospekt-Verstösse, Register für qualifizierte Anleger, Vermögensanlage-Angebot.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Warrant (so auch oft im Deutschen gesagt):

1 Im Zusammenhang mit der Warenbörse ein Lagerpfandschein (warehouse release) im Sinne einer Warenbescheinigung.

2 Auf dem Finanzmarkt allgemein eine Option in Wertpapierform, die ausserhalb der Börse gehandelt wird.

3 Wertpapier, das es dem Inhaber erlaubt, ein anderes, damit verbundenes Papier zu erwerben (security that allows the holder to subscribe to another security such as a share, a bond, or even another warrant. The subscriber holds the warrant during a given period, in a proportion and at a price that are fixed in advance. Warrants can be used to control the shareholder structure, when the "desirable" shareholders exercise their warrants).

4 Im Besonderen auch die Urkunde (option certificate; Optionsschein) im Gewinnanteilschein-Bogen einer Optionsanleihe, welche innert einer festgelegten Frist das Recht zum Bezug von Aktien zu einem bestimmten Kurs gibt. - Die Urkunde (certificate; Schein) kann entsprechend den Emissionsbestimmungen ab einem bestimmten Zeitpunkt vom Gewinnanteilschein-Bogen abgetrennt und selbständig gehandelt werden. Wird er innert der festgesetzten Frist nicht für den Kauf der Aktien benutzt, dann verfällt er. - Warrants können jedoch auch mit dem dazugehörigen Wertpapier so eng verbunden sein, dass keines der beiden Papiere ohne das andere handelbar ist. Die meisten aber sind einzeln verkäuflich und haben dann auch eigene Kurse. Der Abstand zwischen Warrant-Kurs und Kurs der bezüglichen Aktie kann nicht grösser sein als die Kosten, die bei Ausübung der Warrant-Rechte anfallen. Sonst nämlich würden Arbitrage-Operationen

1. durch den Kauf des Warrants,

2. dem Ausnützen der Option zum Kauf der Aktie und

3. durch den Verkauf der Aktie zum höheren Kurs einsetzen.

– Siehe Money-back Warrant, Optionsanleihe, Vertretbarkeit, Warenbescheinigung, Zeitwert.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wartegeld (delay charge; waiting pay; pilot fee):

1 Von Spediteuren (CH: Spettern) dem Kunden dann besonders in Rechnung gestellte Forderung, wenn

1. ein Camion (D: Lastkraftwagen) aus Gründen, welche der Besteller (orderer) zu vertreten hat, wie etwa: betriebliche (Geburtstags)Feier, Strike bzw. Dienst nach Vorschrift (work by the book) des mit dem Abladen beauftragten Personals,

2. bei Anfahrt nicht in der branchenüblichen Zeit (usual in this line of business) entladen werden kann, dann auch Stillstandskosten (downtime costs) und Leerlaufabzug (deduction for idle time) genannt.

2 Besoldung für einen aus seiner Dienststellung ausgeschiedenen Beamten

1. bis zu dessen anderweitigen Verwendung (alternative use), dann in älteren Dokumenten auch Disponibilitätsgeld und Bereitschaftsgeld genannt bzw.

2. bei welchem die Voraussetzungen der Versetzung in den dauernden Ruhestand (noch) nicht vorliegen.

3 Bei Mietwagen die Bezahlung für jede - auch verkehrsbedingte - Stillstandszeit (dead time, idle time), die während der Inanspruchnahme des Taxis entsteht.

4 Bei einer frei praktizierenden Hebamme (midwife) die Bezahlung für den Bereitschaftsdienst um den Zeitpunkt der Geburt bzw. der Wochenbettpflege (confinement nursing).

5 Bei einem Überseelotsen (sea pilot) die tariflich festgelegte Zahlung, falls dieser nach Ankunft des Schiffes am Bestimmungsort das Schiff nicht innert von in der Regel sechs Stunden verlassen und seine Rückreise (return trip) antreten kann.

5 Bei einer (Sozial)Versicherung die Zahlung bis zu der Zeit, ab der bei einem Anspruchsberechtigter (rightful claimant: a person eligible for benefits) der volle Anspruch auf Leistung eintritt.

– Siehe Bereitschaftsgeld, Brückengeld, Call, Chausseegeld, Citymaut, Dieselgeld, Fährgeld, Furtgeld, Gussgeld, Liegegeld, Mautgeld, Rollgeld, Taxe, Torgeld, Transitgeld, Ungeld, Verladegeld, Vignette.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Warteschlange (waiting queue, waiting line):

Bei einer Bank ein Stau vor dem Kassenschalter oder dem Bedienungsstand (service console). Ist dies nicht die seltene Ausnahme, so deutet eine Warteschlange immer auf organisatorische Mängel und Personallücken (organisational deficiencies and staff shortages) innert des Instituts hin.

– Siehe Bankschalter, Optimierungsplanung, Schalterhalle, Staumanagement, Wartungszeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wartungszeit auch Servicezeit (engineering time):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter bei einem Institut oder an der Börse die Dauer, während der Pflege- und Instandhaltungsarbeiten (servicing and maintenance work) an Geräten und Informations-Systemen durchgeführt werden. Weil dies zu einem teilweisen Ausfall der Betriebsbereitschaft führen kann, so gilt es von vornherein durch entsprechende Schritte sicherzustellen, dass Service-Lücken weitgehend vermieden werden.

– Siehe Geschäftskontinuität, Informations-Sicherung, IT-Risiken, Informationssicherung, Optimierungsplanung, Risiko, banktechnisches, Risiko operationelles, Stromrisiko, Risiko, banktechnisches, Risiko operationelles, Staumanagement, Stromrisiko, Technologie-Risiko.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Waschhausgeld (washhouse fee):

Frühere Gebühr bei Nutzung des öffentlichen Waschhauses in ländlichen Gemeinden. Meistens war darin die Beheizung des Waschkessels (wash cauldron, copper) nicht eingeschlossen. Diese hatte der jeweilige Nutzer auf eigene Rechnung durch mitgebrachtes Heizmaterial, früher in den Dörfern in der Regel durch Reisig-Wellen (faggots, bundles of brushwood), selbst zu besorgen. - Die gemeindlichen Waschhäuser sind Vorläufer des späteren Waschsalons (launderette, self-service laundry) und finden sich auch heute noch als genossenschaftliche Einrichtung in vielen Entwicklungsländern.

– Siehe Backhausgeld, Brunnengeld, Schöpfgeld, Wassergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wash Sales (so auch häufig im Deutschen gesagt, seltener Scheingeschäfte und im Englischen Sham Transactions):

Der Handel mit Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten - im Besonderen an Börsen -, bei denen der Käufer und der Verkäufer zumindest wirtschaftlich derselbe ist. Der an einer Kursbewegung Interessierte erteilt gleichzeitig Kauf- und Verkaufsaufträge für denselben Gegenstand und zu demselben Preis (illegal operation by which an investor is entering into, or declaring to enter into, transactions to give the appearance that purchases and sales have been made, without incurring market risk or changing the trader's market position, by this means creating the illusion of activity and sending wrong signals). Um das zu verbergen, wird der Gegenauftrag häufig unter einer Deckadresse oder durch einen Strohmann in den Markt gegeben. Auch findet die Abwicklung jeweils über verschiedene Banken und Konten statt.

– Siehe Beobachtungsliste, Falscherklärung, Geschäfte, abgesprochene, Handelsüberwachungsstelle, Kursmanipulation, Marktaktivität, vorgetäuschte, Marktmanipulation, Nominee, Pairoff, Scheintransaktionen, Transaktionsmeldungen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Washington Consensus (so auch im Deutschen gesagt):

Im Jahr 1989 vereinbarte Leitlinie, wonach kreditgebende internationale Organisationen (lending international organisation wie Weltbank, Internationaler Währungsfonds) Darlehn nur solchen Ländern gewähren sollen, deren Politik vor allem auf Rechtssicherheit, Freisetzung der Marktkräfte, eine gewisse soziale Grundsicherung, eine breite Streuung der Einkommen und ein Mindestmass an Chancengleichheit gerichtet ist.

– Siehe Institutionen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wassergeld (water fee):

1 Die Zahlung an das Versorgungs-Unternehmen für die Bereitstellung von Trinkwasser (potable water) im Rahmen eines Liefervertrags.

2 Eine frühere Abgabe auf die gewerbliche Nutzung von Gewässern durch jederart Wassermaschinen (water machines: Mühlen, Hämmer, Schöpfwerke), berechnet in der Regel nach der Breite der Räder (Beschaufelungs-Kapazität; blading capacity), in älteren Dokumenten auch Naulum und Ripatikum genannt.

3 Frühere Abgabe für das Recht, in herrschaftlichen Gewässern fischen zu dürfen.

4 Heute auch eine Zahlung für die Erlaubnis der Entnahme von Wasser aus oberirdischen und unterirdischen Gewässern nach dem Wassheraushaltsgesetz (Water Resource Act).

– Siehe Brunnengeld, Fischpfennig, Mühlengeld, Schöpfgeld, Wassermaut.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wasserfall-Prinzip (waterfall principle):

Bezeichnung dafür, dass bei Verbriefungspa¬pieren die unterschiedlichen Tranchen in einem Nachrangverhältnis (Subordinationsver¬hältnis; ratio of subordination) zueinander stehen. Hierbei kommen im Pool der Zweckgesellschaft anfallende Zins- und Tilgungszahlungen

1. zuerst der niedrigverzinsten höchsten Tranche (Senior-Tranche) zugute.

2. Nach Deckung aller Ansprüche der obersten Tranche werden die Ansprüche der nächstrangigen Tranche bedient; in der Regel ist dies die Mezzanine-Tranche.

3. Dieses Prinzip setzt sich bis zu der untersten Tranche fort und wird deshalb als "Wasserfall" bezeichnet.

– Hingegen werden auftretende Zahlungsausfälle zuerst einmal von der untersten Tranche getragen, also von der hochverzinslichen Junior-Tranche, die deshalb auch Erstverlust-Tranche genannt wird. Die höheren Tranchen werden von den Kreditausfällen im Pool erst dann betroffen, wenn die untergeordneten Tranchen vollständig aufgezehrt sind. - Die genaue Ausgestaltung der Wasserfall-Struktur ist bei den einzelnen Verbriefungen manchmal unterschiedlich ausgebildet; und oft bedarf es guter finanzmathematischer Kenntnisse, um die jeweilige Gestaltung genau zu durchschauen und das Risiko entsprechend einzuschätzen.

– Siehe Absenzkapitalismus, Einzel-Originator-Verbriefung, Erstverlust-Tranche, Reintermediation, Rückschlag-Effekt, Single Master Liquidity Conduit, Tranchendicke, Verbriefung, Verbriefungspapiere-Selbstbehalt, Verbriefungsstruktur.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wassermaut und Naulum (user fee on navigable rivers and canals):

In älteren Dokumenten die für die Nutzung von Binnengewässern von Schiffen zu entrichtende Abgabe. Der Ertrag der Maut floss in der Regel einem Fonds zu, aus dem die notwendigen Arbeiten zur Instandhaltung der Uferbefestigungen (embankments: shoreline stabilisation) und Treidelpfade (Leinpfade; towpaths) gespeist wurde.

– Siehe Bugsiergeld, Fährgeld, Furtgeld, Gussgeld, Halage, Rheinoctroi, Schleusengeld, Triftgeld, Wassergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Waste Watcher (so auch im Deutschen gesagt, seltener Müllwächter):

Bei einer Bank oder einem Fonds angestellte und zumeist der Abteilung Revision (audit department) beigeordnete Person, die

1. neu beschaffte oder hereingenommene Vermögenswerte sofort nach Eingang sowie

2. laufend auch die Bestände an Titeln auf deren Werthaltigkeit überprüft.

– Siehe Finanzmüll, Sicherheiten, Value Sourcing, Werthaltigkeits-Test.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Watchlist (so auch meistens in Deutschen gesagt, seltener Beobachtungsliste):

Wenn nicht anders definiert in Bezug auf den Finanzmarkt die besondere, gezielte und fortgesetzte Überwachung

1. eines Papiers oder mehrerer Titel durch einen Investor,

2. eines Instituts durch die Aufsichtsbehörde,

3. eines Wertpapiers oder auch eines Staates durch eine Rating-Agentur. In allen Fällen rechnet man mit einer bevorstehenden Veränderung wesentlicher Umstände, und in der Regel mit einer Verschlechterung der Gegebenheiten.

– Siehe Amber Light, Falscherklärung, Follow-up-Prüfung, Fremdwährungsverschuldung, Waste Watcher.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wealth Management und Wealth-Management (so auch im Deutschen gesagt:

im Jargon der Banker auch Kapitalistengeschäft): Alle Dienstleistungen einer Bank in Zusammenhang mit der individuellen Vermögensverwaltung sowie Finanzberatung für sehr bemittelte (well-off) Privat- und Firmenkunden (highly personalised and sophisticated investment management as well as financial planning services provided by a bank for wealthy customers).

– Siehe All-Age-Produkte, Asset Management, Dinks-Geschäft, Geldleute, Oldie-Geschäft, Power-age financial market, Private Banking, Silver Economy, Singleïsierung, Vermögensverwaltung, bankliche, Woopee-Geschäft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wechsel in älteren Dokumenten auch Cambio und Cambium (bill of exchange):

Wertpapier, das

1. eine unbedingte Zahlungsanweisung

2. des Ausstellers

3. an den Bezogenen enthält,

4. an ihn oder einen Dritten (beneficiary; Begünstigter, Remittent)

5. zu einem bestimmten Zeitpunkt

6. an einem angegebenen Ort

7. eine bestimmte Summe zu zahlen.

– Siehe Akzept, Aussteller, Bezogener, Cavata, Diskont, Diskonten, Diskonteur, Erstklasse-Wechsel, Finanzinvestition, Geldsurrogate, Giro, Kellerwechsel, Konservierung, Kreditbrief, London kurz, Marktwechsel, Negotiation, Nehmer, Notadresse, Pensionswechsel, Präsentant, Prolongation, Protestliste, Rediskontieren, Reitwechsel, Ricambio, Sichtwechsel, Stockwechsel, Wechselkredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wechselkredit (credit on bills of exchange):

1 Bei der Bank: allgemein die Einräumung eines Darlehns, das durch (Handels)Wechsel gesichert ist.

2 Im Verkehr mit der Zentralbank: das Einreichen von diskontierten Wechseln seitens einer Bank gegen die Bereitstellung von Zentralbankgeld. - In Deutschland waren Ende 1989 noch 2,6 Prozent der Kredite der Banken an inländische Nichtbanken (non-banks: Unternehmen, Privathaushalte, öffentliche Stellen: gesamthaft 2'200,3 Mia DEM) Wechseldiskontkredite; absolut: 57,9 Mia DEM. - Ende 1998 waren es nur noch knapp 0,6 Prozent - absolut: 34,9 Mia DEM - der Darlehn an inländische Nichtbanken von gesamthaft 5'990,1 Mia DEM. Mit anderen Worten: der Wechsel (bill of exchange) als Finanzierungsinstrument spielte beim Eintritt in die Europäische Währungsunion im Jahr 1999 so gut wie keine Rolle mehr. Damit entfiel für eine Diskontpolitik der Zentralbank auch die Grundlage. - Als Gründe für das Verschwinden des Wechsels werden vor allem genannt:

1. Die herkömmlichen Wechselfinanzierer im gewerblichen Bereich waren Einzelhändler (CH: Detailhändler; retail trader) sowie Lagerbetriebe, die als Bindeglied zwischen Herstellern und Einzelhandel dienten (wholesale; Grosshandel). Mit der Konzentration im Einzelhandel - vor allem: Lebensmittel, Bekleidung, Droguerie-Artikel, Baustoffe - verschwanden diese Betriebe weitgehend vom Markt bzw. sie wurden Glied einer Kette wie Rewe, Edeka und Metro. Die Finanzierungsfunktion und oft in einem auch den gesamten Finanzverkehr nahmen Fachabteilungen in den jeweiligen Zentralen in die Hand.

2. Der Wechsel ist nach § 1 Wechselgesetz (WG) eine Urkunde, also notwendig an Papier gebunden. Das macht ihn im Zeitalter des Internet-Banking unhandlich. Das Ausstellen eines Wechsels gilt heute als viel zu umständlich und zeitraubend.

3. Das deutsche Wechselgesetz (WG) zählt 98 Artikel, und die Rechtsprechung (judicature) zum Wechselrecht ist kaum übersehbar. Dies wirkt abschreckend.

4. Bequemer zu handhabende und auf die besonderen Bedürfnisse der Vertragsparteien ausgerichtete Finanzinstrumente haben sich herausgebildet.

– Siehe Akzept, Cavata, Diskont, Diskontsatz, Geldsurrogate, Notenbankfähigkeit, Ortswechsel, Wechsel.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Oktober 2007, S. 93 ff. (Vergleich der Regelungen für Sicherheiten bei der EZB mit USA und Japan; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wechselkurs auch Devisenkurs, in älteren Dokumenten auch Corso (exchange rate):

Der Preis einer Währung gegenüber einer anderen Währung. - Die Währungsstatistik unterscheidet einen

1. nominalen effektiven Wechselkurs als zusammenfassende Messgrösse des Aussenwertes einer Währung gegenüber den Währungen der wichtigsten Handelspartner und

2. realen effektiven Wechselkurs, den man durch Gewichtung des nominalen effektiven Wechselkurses mit entsprechenden Preisindizes errechnet.

– Die Wechselkurse werden derzeit als Währungseinheiten pro USD ausgedrückt mit Ausnahme von EUR und GBP, die in USD pro Währungseinheit notiert werden. - Unter dem Preiswechselkurs versteht man der Preis in inländischer Währung für eine Einheit ausländischer Währung angegeben, etwa USD 1,00 = 0,8419 EUR. Der Mengenwechselkurs gibt im Unterschied dazu an, wieviel an ausländischer Währung man für eine Einheit inländischer Währung bekommt, beispielsweise 1 EUR = USD 1,3750). - Grundsätzlich spiegelt der Wechselkurs die ökonomischen Grunddaten (fundamental economic data) wieder. Wechselkursausschläge sind jedoch kaum vorhersagbar und so gut wie nicht zu beeinflussen. In Zeiten hoher Volatilität an den Märkten gesamthaft sind auch Wechselkurse - wie andere Vermögenswerte auch - grösseren Schwankungen ausgesetzt. Das erklärt sich einmal zur Handlungen von Carry-Traders und zum anderen durch die Flucht in einen sicheren Haf.

– Siehe Ausfuhranteil, Big Figure, Big Mac-Index, Cross Rate, Devisenmarkt, Finanzkrise, Kassenfuss, Kaufkraft-Parität, Lagging, Leistungsbilanz, Materie, dunkle, Münzcommis, Rechenknecht, Schlusskurs, Unit-Value-Relation, Terms of Trade, Warenhandel, Wechselkurs-Berechnung, Wechselkursziel, Wirtschaftsregierung, europäische, Zwangskurs, Zyklik.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2000, S. 41 ff., Monatsbericht der EZB vom März 2001, S. 55 f., Monatsbericht der EZB vom April 2003, S. 42 f., Monatsbericht der EZB vom Juni 2003, S. 82 f., Monatsbericht der EZB vom August 2003, S. 39 ff., Monatsbericht der EZB vom Mai 2004, S. 46 ff. (viele Informationen über die Entwicklung des Wechselkurses), Monatsbericht der EZB vom April 2006, S. 60 ff. (Übersicht der Schwankungen vieler Währungen mit bedeutungsvoller Regressions-Gleichung), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2008, S. 17 ff. (Erklärung kurzfristiger Wechselkursschwankungen; Übersichten; leider sprachlich mangelhaft), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2008, S. 35 ff. (ausführliche Darstellung der Auswirkungen von Wechselkurs-Veränderungen; wichtige Übersichten; Literaturverweise), Geschäftsbericht 2009 der Deutschen Bundesbank, S. 23 (Übersicht Wechselkurs des EUR gegenüber dem USD, GBP und JPY 1999-2010), Jahresbericht 2009 der EZB, S. 89 f. (Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Mai 2010, S. 85 f. (Einfluss sich verändernder Exportpreise auf den Wechselkurs; Übersicht 1994 bis 2010), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2010, S. 41 ff. (Wechselkursentwicklung während der Finanzkrise; Übersichten; Berechnungen), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 27 (Wechselkurs EUR zu UDS seit 2006), Jahresbericht 2011 der EZB, S. 25 f. (Wechselkurs des Euro seit 2006; Übersichten). - Der laufende Stand und die Entwicklung des Wechselkurses des EUR zum USD, CHF, JPY, GBP und anderen ist) in der Rubrik "Wechselkurse" des Teils "Statistik des Euro-Währungs-gebiets" im jeweiligen Monatsbericht der EZB wiedergegeben; Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2014, S. 15 ff. (Wechselkurse und Finanzstress; ausführliche Darstellung; viele Übersichten und Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wechselkurs, effektiver (nominaler/realer) (effective [nominal/real] exchange rate):

In ihrer nominalen Form beruhen die Wechselkurse auf einem gewogenen Durchschnitt verschiedener bilateraler Wechselkurse. - Werden diese deflationiert mit einem gewogenen Durchschnitt von ausländischen Preisen (Kosten; in cost terms) im Verhältnis zu den entsprechenden heimischen Preisen (Kosten), so ergibt sich der Wechselkurs in realer Form (real exchange rate). Damit ist der Wechselkurs eine wichtige Massgrösse für die preisliche (kostenmässige; expressed in cost terms) Wettbewerbsfähigkeit eines Landes.

– Siehe Cross Rate, Kaufkraft-Parität, Wechselkurs-Effekt, realer.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2000, S. 41 (mit Formelanhang), Monatsbericht der EZB vom März 2001, S. 55 f., Monatsbericht der EZB vom August 2003, S. 80 f., Monatsbericht der EZB vom November 2003, S. 45 f. (Entwicklung des nominalen effektiven Wechselkurses des USD aus regionaler Sicht), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2004, S. 29 ff., Monatsbericht der EZB vom Mai 2004, S. 46 ff. (wichtige Verlaufsgrössen), Monatsbericht der EZB vom September 2004, S. 78 ff. und aktuell

1. in den Monatsberichten der EZB sowie

2. im Statistischen Teil (dort: Aussenwirtschaft) des jeweiligen Monatsberichts der Deutschen Bundesbank (mit wichtigen Erklärungen in den Fussnoten) sowie im Statistics Pocket Book der EZB berechnet. Wegen der Neugewichtung vgl. Monatsbericht der EZB vom September 2004, S. 78 ff. (dort auch wichtige Begriffe erläutert), Monatsbericht der EZB vom Juni 2005, S. 78 ff. (lehrbuchmässige Darstellung), Monatsbericht der EZB vom März 2007, S. 83 ff. (neue statistische Gewichte; Übersichten), Jahresbericht 2008 der EZB, S. 93 ff. (unterschiedliche Wettbewerbsfähigkeit einzelner EU-Mitgliedsstaaten; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Januar 2010, S. 58 ff. Neuberechnung des effektiven Wechselkurses des EUR; Tabellen; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2011, S. 17 ff. (Methodik zur Berechnung des effektiven Wechselkurses; Übersichten; Literaturhinweise), Monatsbericht der EZB vom März 2012, S. 21 ff. (Neuberechnung; Übersichten; Literaturhinweise; Interpretation der Ergebnisse), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2012, S. 21 f. (effektiver Wechselkurs des Euro seit 2010 und Analyse der Bestimmungsgründe; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wechselkurs, fester (stable [constant, guaranteed] exchange rate):

Der Preis der heimischen Währung auf dem Devisenmarkt wird von der Zentralbank durch Interventionen

1. auf einem einzigen Kurs gesichert, an dem das Angebot und die Nachfrage nach ausländischen Zahlungsmitteln gleichgewichtig zu sein verspricht, auch fester, starrer, fixierter Wechselkurs genannt, oder

2. innert einer Spanne schwankend belassen. Sobald der Kurs nach oben eine vorgegebene Grenze (oberer Interventionspunkt; upper support point) bzw. die nach unten vorgegebene Grenze erreicht (unterer Interventionspunkt; lower support point), so greift die Zentralbank regulierend ein.

– Die Spanne zwischen beiden Marken nennt man Bandbreite (Kursmarge; spread, band). Sie wird als Prozentsatz der Abweichung von der Parität mit entsprechendem Vorzeichen angegeben. Diese Form festen Devisenkurses nennt man auch stufenflexibler Wechselkurs (limited [pegged] exchange rate). - Je breiter die Kursmarge ist, desto mehr kommt der stufenflexible Wechselkurs dem frei schwankenden Wechselkurs nahe.

– Siehe Interventionspunkte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wechselkurs, frei schwankender (floating [flexible, fluctuating] exchange rates):

Der Preis einer Währung richtet sich ganz allein nach Angebot und Nachfrage auf dem Devisenmarkt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wechselkurs, gespalteter (multiple exchange rate):

Staaten mit Devisenbewirtschaftung wenden in der Regel mehrere amtliche Wechselkurse an, vor allem getrennt nach Waren- und Finanzgeschäften. Bei der Umrechnung der Devisen wird dann weiterhin oftmals wieder in einzelne Segmente unterteilt; bei importierten Waren meistens zwischen wichtigen Gütern (essentials) und weniger wichtigen Importen (non-essentials).

– Siehe Zwangskurs.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wechselkurs-Anpassung (realignment):

Veränderung der Leitparität einer Währung, die an einem Wechselkurssystem mit festen, aber anpassbaren Wechselkursrelationen teilnimmt. Im WKM II bedeutet Wechselkurs-Anpassung eine Veränderung des Leitkurses gegenüber dem EUR.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wechselkurs-Berechnung (calculation of exchange rates):

1 Die Umrechnung des Wertes einzelner Sorten.

2 Die Vorausschau des künftigen Umtauschverhältnisses des eigenen Geldes zu anderen Sorten. Für den Wechselkurs einer Währung sind sowohl

1. ökonomische Grundkräfte als auch

2. aktuelle, plötzlich eintretende Umstände bestimmend. Die Messung der Grundkräfte wirft eine Reihe von Schwierigkeiten auf. Die plötzlich eintretenden Umstände (sudden occurrences. wie Naturkatastrophen, lange Strikes, Krieg, Terror-Akte) sind in der Regel unvorhersehbar.

– Siehe Big Mac-Index Cross Rate, Kaufkraft-Parität, Münzcommis, Rechenknecht, Wechselkurs-Risiko, Swapsatz, Unsicherheit, Wechselkursverlauf, unerklärbarer.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2002, S. 45 ff. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wechselkurs-Effekt, realer (real exchange rate effect):

Wenn in einem einheitlichen Währungsraum wie im Euro-Währungsgebiet einzelne Regionen eine niedrigere Inflationsrate aufweisen als der Durchschnitt, dann verbessert sich die preisliche Wettbewerbsfähigkeit dieses Gebietes, was konjunkturbelebend wirkt. Man spricht dann auch von einem Stabilitäts-Bonus (stability bonus). Dieser gleicht die zwangsläufig damit verbundenen höheren Realzinsen in etwa aus. - Bei der Einschätzung der Wirkung des realen Wechselkurseffektes muss man überdies auch berücksichtigen, dass sich der Vorteil niedrigerer Inflationsrate im Zeitablauf anhäuft. Die Wirkungsstärke des möglicherweise dämpfenden Realzinseffektes dagegen bleibt in jeder Periode mehr oder weniger gleich.

– Siehe Inflationsdifferenzen, Realzinsargument.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2008, S. 42 f. (Zusammenhang zwischen preislicher Wettbewerbsfähigkeit und Wirtschaftswachstum), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2008, S. 38 f. (Veränderung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit innert der EWU-Staaten seit 1999), Jahresbericht 2008 der EZB, S. 93 ff. (unterschiedliche Wettbewerbsfähigkeit einzelner EU-Mitgliedsstaaten; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2010, S. 41 ff. (Wechselkursentwicklung während der Finanzkrise; Übersichten; Berechnungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wechselkurskanal (exchange rate channel):

Zinserhöhungen in einem Währungsraum führen zum Zufluss von heissem Geld in dieses Gebiet hinein, was tendentiell zu einer Aufwertung der Währung führt; im Falle einer Zinssenkung tritt eine Abwertung ein (when the central bank decides to decrease the interest rate, adjustments in short-term money market rates occur. Returns on domestic investment decline relative to those from foreign investments, thus causing outflows of capital. As a result, the own currency depreciates, benefiting exports, employment and income. This would in turn stimulate consumption. At the same time, depreciation in the domestic currency causes imports to be lower. Thus, net exports increase and could CETERIS PARIBUS lead to higher economic growth). - Durch solche Wechselkursänderungen - die allein schon durch Erwartungen hinsichtlich der Politik der Zentralbank ausgelöst werden können - verändern sich die Preise der handelbaren Güter. Bei einer Aufwertung werden die Exporte teurer und die Importe billiger. Die im Inland wirksame Nachfrage schwächt sich ab, was letztlich zu Lasten der heimischen Produktion geht. Die Aufwertung der heimischen Währung führt dazu über sinkende Importpreise zu einer Dämpfung der inländischen Preisentwicklung.

– Siehe Balassa-Samuelson-Effekt, Carry Trades, Cash-Flow-Effekt, Geld, heisses, Fluchtgeld, Kapitalkosten-Effekt, Vorschatten-Effekte.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2008 (gesamtwirtschaftliche Auswirkungen realer Wechselkursverschiebungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wechselkurs-Risiko und Wechselkursrisiko (exchange rate risk):

Die Gefahr eines Verlusteintritts dann, wenn man ausländische Zahlungsmittel

1. jetzt besitzt,

2. zu einem bestimmten Termin vertragsgemäss einkassiert oder

3. zu einem späteren Zeitpunkt (option; Option) bereitstellen muss. Denn es kann sein, dass sich der Kurs der fremden Währung in Bezug auf das eigene Geld ungünstig ändert.

– Siehe Back-to-Back-Loan, Erfüllungsrisiko, Herstatt-Risiko, Matching, Währungsrisiko.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2008, S. 35 (Zunahme des innergemeinschaftlichen Handels in der EWU aufgrund des Wegfalls dieses Risikos).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wechselkursmechanismus II – WKM II (exchange rate mechanism II – ERM II):

Das Abstimmungsverfahren, welches den Rahmen bildet für die wechselkurspolitische Zusammenarbeit zwischen dem Euro-Währungsgebiet und jenen Mitgliedstaaten der EU, die nicht der dritten Stufe der Wirtschafts- und Währungsunion angehören bzw. an der Erweiterung der EU teilnehmen. Die Teilnahme ist freiwillig. Im Sommer 2014 gehörten Bulgarien, Kroatien, Polen, Rumänien, Tschechien und Ungarn dem WKM II an. Für Dänemark gilt eine Schwankungsbreite von 2,25 Prozent gegenüber dem EUR, für die anderen von 15 Prozent. - Interventionen an dem oberen und unteren Interventionspunkt erfolgen automatisch. Die EZB und die teilnehmenden, nicht dem Euro-Währungsgebiet angehörenden nationalen Zentralbanken können automatische Interventionen jedoch aussetzen, falls diesem dem vorrangigen Ziel der Gewährleistung der Preisstabilität zuwiderlaufen sollten.

– Siehe Leitkurs, Währungsschlange, Wechselkurs, fester.

– Vgl. zu den aktuellen Regelungen die Rubrik "Weltweite Wechselkursregelungen und Anker der Geldpolitik" sowie "Auszüge aus amtlichen Bekanntmachungen" im vierteljährlich erscheinenden Heft "Devisenkursstatistik" der Deutschen Bundesbank, Monatsbericht der EZB vom April 2002, S. 31 (zur Wechselkursentwicklung DKK/EUR), Geschäftsbericht 2003 der Deutschen Bundesbank, S. 99 (Wechselkurspolitik in Bezug auf die Beitrittsländer), Monatsbericht der EZB vom Juli 2004, S. 41 ff. (breite Darstellung, auch der Funktionsweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2004, S. 19 (Übersicht), Jahresbericht 2004 der EZB, S. 80 ff. (Erläuterungen, Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Mai 2005, S. 55 ff. (wichtige Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2005, S. 81 f. (Teilnahme der slowakischen Krone; Tabelle der Leitkurse), Monatsbericht der EZB vom August 2006, S. 58 f. (Einführung des Euro in Slowenien zum 1. Januar 2007), Monatsbericht der EZB vom Juni 2008, S. 97 ff. (Neubewertung der slowakischen Krone im WKM II), Jahresbericht 2010 der EZB, S. 97 (Übersicht der geldpolitischen Strategie der EU-Staaten, die nicht dem Eurogebiet angehören).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wechselkursverlauf, unerklärbarer (inexplicable exchange rate fluctuations):

Gemeint ist damit, dass sich der Preis einer Währung aus den Marktgegebenheiten oftmals nicht einsichtig erklären lässt. Als beispielsweise Mitte März 2001 der Dow-Jones-Arverage den grössten Punkteverlust in seiner Geschichte verbuchte, und man allgemein die USA am Rande einer Rezession wähnte, da erzielte der USD den bisher grössten Wochengewinn gegenüber dem EUR. - Im Internet bieten ob dieser Unwägbarkeiten verschiedene Hellseher und Sterndeuter ihre Dienste an; wie auch die astrologische Finanzberatung - und vom wem gar! - in Anspruch genommen wird.

– Siehe Astro-Prognose, Fibonacci-Folge, Wechselkurs-Risiko.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wechselkurs-Überwachung (exchange control):

Die behördliche Regelung von Angebot und Nachfrage nach einem bestimmten Zahlungsmittel und damit auch die Kontrolle seines Preises.

– Siehe Devisendecke, Devisenzwangswirtschaft, Zwangskurs.

– Vgl. das vierteljährlich erscheinende Beiheft Devisenkurstatistik der Deutschen Bundesbank, Rubrik "Weltweite Wechselkursregelungen und Anker der Geldpolitik" zum Stand der aktuellen Überwachung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wechselkursziel (exchange rate target):

Wenn nicht anders definiert die Forderung, dass die Zentralbank ihre Politik an dem Verlauf des Wechselkurses der betreffenden Währung ausrichtet und damit grössere Schwankungen im Wechselkurs abfedert. - Die Aufgabe einer Zentralbank ist es, die Masstabeigenschaft des Geldes zu gewährleisten. Zeigt sich der Verlauf des Wechselkurses über längere Zeit als nicht marktgerecht (not in line with market conditions; but in that case it must be verified what market conditions in fact reveal: a very difficult task), so ist zu prüfen, inwieweit durch Abwertung oder Aufwertung die Parität der entsprechenden Währung verändert werden sollte. Erweisen sich solche Schritte als begründet, so ist es Sache der Regierung, diese einzuleiten, nicht aber der Zentralbank.

– Siehe Ausrichtung, wechselkursbestimmte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wechselstube (foreign exchange office, currency exchange office):

Ein Unternehmen, meistens an Grenzorten und Flughäfen, das ausländisches Bargeld (foreign notes and coins; Sorten) in inländisches Geld und umgekehrt eintauscht. - In Deutschland bedürfen Wechselstuben der Erlaubnis durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht und unterstehen deren Beaufsichtigung. Weil sich hier die Fälle von Geldwäsche besonders gehäuft haben, so wurde auch die Kontrolle über die Wechselstuben in den letzten Jahren mehrmals verschärft.

– Siehe Geldwäsche, Geldwechsler, Sorten, Underground Banking.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Weginflationierung (inflating away):

Nach 2005 auftauchender Begriff in der Bedeutung, dass die in der Regel über mehrere Jahrzehnte aufgebauten Staatsschulden durch eine zweistellige Inflationsrate vermindert oder gar ganz abgebaut werden. - Eine solche Schuldentilgungspolitik würde, wie jeder Masstab-Verlust des Geldes, der Gesamtwirtschaft erheblich schaden. Für den Staat als Schuldner wird diesfalls die Finanzierung künftiger Staatsschulden erheblich teurer. Denn die Käufer entsprechender Papiere würden sehr hohe Zinssätze als Ausgleich für die steigende Inflationsraten verlangen; PER SALDO hätte der Staat also durch diesen Weg kaum Vorteile. Wohl aber käme es infolge der Inflation zu einem Rückgang der Wirtschaftstätigkeit, zu einem Ausfall an Steuereinnahmen, und wegen der Umverteilungs-Wirkungen der Inflation über kurz oder lang auch zu schweren Schädigungen im gesellschaftlichen Gefüge (entire social fabric [structure]).

– Siehe Cost-Push-Inflation, Demand-Pull-Inflation, Demand-Shift-Inflation, Disinflation, Dividende, inflationsabhängige, Geld, sittliches, Geldeingentumsrecht, Geldinondation, Geldmengen-Fetischismus, Geldnachfrage-Theorie, Geldneutralität, langfristige, Geldpolitik, vorausschauende, Geldvertrauen, Hypothekengewinnabgabe, Inflations-Ausgleich, Kaufkraft, Kaufkraft-Abfluss, Kerninflation, Menükosten, Mundell-Tobin-Effekt, Nominalwertprinzip, Preisindex der Lebenshaltung, Quantitätstheorie, Repression, finanzielle, Sparquote, Staatsschulden-Rückführung, Staatsverschuldungs-Druck, Stagflation, Teuerung, Teuerungsdruck, sektoraler, Valorisationsklage, Warenhorte, Zahltag-Grundregel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Weihnachts-Belebung (Santa Claus rally):

An der Börse gesagt von wachsenden Um-sätzen gegen Ende Dezember (a late-December rise in stock market activity, generally seen over the final week of trading prior to the new year. The rally is in the main attributed to anticipation of the January effect, an injection of additional funds into the market, and to additional trades which must - for accounting reasons - by completed by the end of the year).

– Siehe Animal Spirits, Behavioural Finance, Emissionskalender, Finanzpsychologie, Freitag-13-Anomalie, Halloweenregel, Jahresultimo-Börse, Januar-Effekt, Kalender-Effekt, Montag, schwarzer, Montagseffekt, Freitag, schwarzer, Sell-in-May-Effekt, Small-Cap-Effekt, Wochenend-Effekt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Weinmeistergeld (wine master's fee):

In älteren Dokumenten die Gebühr, die Weinschenken (wine taverns) an die mit der Überwachung der Qualität der ausgewirteten Weine beauftragten Amtsperson abzuführen hatten. In den Städten hatte diese Aufgabe in der Regel ein Ratsherr inne, er wurde auch Ohmherr ([cask] wine inspector) genannt. Ohm - auch Ahm geschrieben - ist ein altes Flüssigkeitsmass; es wurde bei der Metrifikation (metrication: the process of establishing the metric system as the standard scheme of measurement) in Deutschland 1868 je nach Landesteil mit 1,3740 bis 1,6000 Hektoliter umgerechnet. Auch bezeichnete Ohm allgemein ein grosses Fass.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Weiterverpfändung, in älteren Dokumenten auch Reimpignoration (rehypothecation, onward pledging):

Die Verpfändung von als Pfand erhaltenen Papieren und anderen Wertgegenständen an einen Dritten. So kann eine Bank beispielsweise eine Hypothek an einen Fonds verpfänden, um sich bei diesem Geld zu leihen.

– Siehe Darlehnforderungs-Verkauf, Konservierung, Kredit, nichtverkäuflicher, Kredit-Abtretung, Verbriefung, Zession.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Welfare-State Bubble (so auch im Deutschen gesagt; seltener Sozialstaatsfalle):

Der in sich vielfach verflochtene Zusammenhang von

1. Aufblähung des Sozialbudgets in einer Volkswirtschaft und

2. Widerwille gegen die Kräfte des offenen, überschaubaren, preisgesteuerten marktwirtschaftlichen Lenkungsmechanismus. Der Anspruch auf Versorgung verdrängt so den Grundsatz der individuellen Verantwortung und der Leistungsgerechtigkeit (performance-related justice: das Einkommen entspricht der Leistung des jeweiligen Gesellschaftsmitglieds bei der Erstellung des Sozialprodukts).

– Der Geldpolitik bürdet ein solches Umfeld besondere Verantwortung auf. Von daher nimmt sich die Zentralbank auch das Recht, entsprechende Fehlentwicklungen (disastrous trends) öffentlich zu beanstanden.

– Siehe Drittgattingeld, Marktmechanismus, Methusalem-Syndrom, Preis, Schattenverschuldung, Schuldenbremse, Schuldenquote, staatliche, Sozialstaat-Falle, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Steuerlastquote, Strukturumbruch, Subsidiaritätsprinzip, Synergiepotentiale, Tragfähigkeit öffentlicher Finanzen, Verfassungsartikel eins, Wagnersches Gesetz, Zweitgattingeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Weltbank (World Bank; offiziell: International Bank for Reconstruction and Development, IBRD):

In Jahre 1944 auf der Währungs- und Finanzkonferenz der Vereinten Nationen in Bretton Woods, USA gegründetes Institut mit dem Ziel, den für die Nachkriegszeit erwarteten erheblichen Bedarf an langfristigen Mitteln für den Wiederaufbau der zerstörten Mitgliedsländer aufzubringen. Im Juni 1946 nahm die Bank in der nordamerikanischen Bundeshauptstadt Washington ihre Geschäftstätigkeit auf. Nach dem Wiederaufbau Europas widmete sich die Weltbank in erster Linie der Finanzierung der Entwicklungshilfe. Zwecks dessen begibt die Weltbank Anleihen, die grösstenteils von institutionellen Anlegern und Zentralbanken erworben werden. Aufgrund der impliziten Garantien der Mitgliedsländer geniesst die Weltbank höchstmögliche Bonität (AAA-Rating) auf dem Finanzmarkt. - Grundsätzlich sollte es jedoch nicht Aufgabe der Weltbank sein, private Kapitalströme zu ersetzen. Marktverzerrungen und die Verdrängung privater Investoren wären die Folge. Zudem würde das dazu führen, dass wirtschaftspolitisch gebotene Anpassungen unterbleiben (issue of moral hazard; Problem des Moral Hazard).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Weltbörse (world stock exchange):

Das (Fern)Ziel einer Börse, bei der die Rechnungslegung, Bewertung und Aufsicht der gehandelten Gesellschaften und Titel nach nur einem einzigen Masstab geschieht. Ein Schritt dahin sind die einheitlich angewandten International Financial Reporting Standards IFRS, ehemals IAS, für alle in der EU sowie in der Schweiz zur Börse zugelassenen Unternehmen ab 2007.

– Siehe Basel-II, International Accounting Standards, International Accounting Standards Board (IASB), International Financial Reporting Standards, IFRS, IFRS-Dialekte, Konvergenz, internationale, Weltwährung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Welthandel (world trade):

Wenn nicht anders definiert der internationale Austausch von Waren und Dienstleistungen, wie diesen die Zahlungsbilanz statistisch erfasst. Für die Politik der Zentralbanken sind die Welthandelsströme vor allem in Hinblick auf allfällige Ungleichgewichte in der Zahlungsbilanz von Bedeutung und werden daher auch laufend beobachtet.

– Siehe Konzernumsätze.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom März 2009, S. 10 ff. (Entwicklung des Welthandels seit 1999; Übersichten), Jahresbericht 2009 der EZB, S. 25 ff. (Welthandel in der Finanzkrise), Monatsbericht der EZB vom April 2010, S. 95 ff. (Anzeichen für globale Ungleichgewichte; Übersichten; Literaturverweise), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2010, S. 17 ff. (Auswirkungen der Finanzkrise; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Januar 2012, S. 15 ff. (Entwicklung des Welthandels seit 200; Übersichten; Gleichlauf von Produktion und Welthandel), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2012, S. 12 ff. (Gewicht und Einfluss der Eurozone am Welthandel), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2012, S. 11 ff. (Tendenzen im Welthandel seit 2008; Übersichten; Prognose), Monatsbericht der EZB vom Mai 2013, S. 11 ff. (internationale Wertschöpfungsketten; Übersichten; Literaturverweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2013, S. 14 ff. (Zusammenhang zwischen Welthandel und globaler Wirtschaftsleistung; Übersichten; Literaturhinweise), Monatsbericht der EZB vom Juli 2014, S. 10 ff. (Elastizität des Welthandels; Übersichten; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Weltwährung (global money):

1 Fernziel eines einzigen Zahlungsmittels in allen Staaten der Erde, ausgegeben und gesteuert von einer Weltzentralbank. Eine überhoheitliche Währung könnte wahrscheinlich globale Finanzkrisen vermeiden, zumindest aber entsprechende Krisen besser bewältigen. - Weil ein solches Geld eine enge politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit aller Länder voraussetzt, dürfte es in überschaubarer Zeit wohl kaum zu erreichen sein.

2 Heute Zentralbankgeld, das

1. bei einer grossen Zahl von Wirtschaftssubjekten auf der Erde bekannt ist und

2. in einer Geldfunktion Verwendung findet, vor allem als Zahlungsmittel, Recheneinheit oder Wertaufbewahrungsmittel. Praktisch sind dies der USD sowie der EUR, in minderem Masse auch der JPY - Japan hat um 126 Mio Bewohner - und der CHF; die Schweiz hat zwar nur 8 Millionen Einwohner, historisch gesehen jedoch die widerstandsfähigste Währung der Welt.

– Siehe Asian Currency Unit, Free Banking, Geld, privates, Geldzweck, Globo, Münzunion, lateinische, Sonderziehungsrechte, Terra, Weltbörse.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 1999, S. 35, Monatsbericht der EZB vom Januar 2008, S. 100 (Euro-Banknoten als Wertaufbewahrungsmittel ausserhalb der Eurozone).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Werbegeld (recruiting pay, shanghaiing provision, advertising revenues):

1 In älteren Dokumenten die Bezahlung an eine Person, die einen jungen Mann als Landsknecht (lansquenent) anwirbt.

2 Prämie an eine Person, die einen Matrosen für - in der Regel unangenehme oder gar gefährliche - Arbeiten auf einem Schiff anheuert.

3 Ausgaben eines Unternehmens für absatzfördernde Massnahmen (promotional measures; Werbung, in der älteren Literatur auch Allektion genannt).

4 Einnahmen der Medien - wie Zeitung, Zeitschrift, Rundfunkanstalt, Internet-Portal - seitens Werbetreibender (advertisers). Aber selbstverständlich hat Werbegeld in diesem Sinne keinerlei Einfluss auf die Redaktionsarbeit (editorial work) von Journalisten oder Entscheidungsträgern, schon gar nicht in gebührenfinanzierten (fee-financed) öffentlich-rechtlichen (public-law) Anstalten, die dadurch ein erkleckliches Zubrot (extra income) einstreichen.

5 Andere Bezeichnung für die Ankündigungssteuer (Reklamesteuer; advertising tax), wie diese vor allem bei Plakatanschlag (billposting) in einigen Staaten zu bezahlen war; in Preussen etwa durch Verordnung vom 03. September 1921.

6 Eine, zumeist zeitliche begrenzte, übertragbare Gutschrift, die (Internet)Händler beim Kauf als Zugabe, Dreingabe mit dem Zweck abgeben, dass der Empfänger der Gutschrift bald wieder einkauft oder diese im persönlichen Umfeld weitergibt, und damit ein neuer Kunde gewonnen wird.

– Siehe Anzugsgeld, Bonus, Geldhut, Prämie, Schanghaiengeld, Wachtgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Werbebeschränkungen (advertising restrictions):

1 In der Regel haben die nationalen Aufsichtsbehörden die Befugnis, im Falle von Untunlichkeiten bei der Reklame von Banken oder auch Kapitalverwaltungsgesellschaften einzuschreiten. In Deutschland bietet § 23 KWG dazu die rechtliche Handhabe.

2 Als unerlaubte (hidden; versteckte) Werbung verfolgt in Deutschland die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht auch die Veröffentlichung von Angaben in Ad-hoc-Mitteilungen, die nicht die Voraussetzung der Publizitätspflicht erfüllen.

3 Von Wertpapier-Dienstleistungs-Unternehmen an Privatkunden gerichtete Werbung muss redlich und eindeutig (honest and clear) sein und eine ganze Reihe anderer Vorgaben erfüllen, die in § 4 WpDVerOV genannt sind. - Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht veröffentlichte am 11. Februar 2010 ein Rundschreiben zur Werbung von Wertpapier-Dienstleistungs-Unternehmen. Sie führt darin die durch das Finanzmarktrichtlinie-Umsetzungsgesetz neu gefassten Vorschriften des Wertpapierhandelsgesetzes näher aus.

– Siehe Cold Calling, Internet-Angebote, Jubiläums-Veranstal¬tung, Loss Leader, Mail Shot, Product Placement, Schleichwerbung.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 66 (Beschwerden über unlautere Werbung der Banken), S. 77, Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 184 (Untersagungsverfügung nach unzulässiger Werbung eines Fonds), Jahresbericht 2007 der BaFin, S, 146 f. (besondere Vorschriften für den Wertpapierhandel nach der WpDVerOV), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 144 (Workshops der BaFin über neue Regelungen bei der Werbung der Institute), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 127 f. (Anweisungen der BaFin zur Werbung von Wertpapierdienstleistungsunternehmen) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapital "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Werksparkasse und Firmensparkasse (employees savings bank):

Der Betrieb des Depositengeschäftes, wenn

1. der Kreis der Einleger überwiegend (mainly) aus Bediensteten eines Unternehmens besteht und

2. nicht sonstige Bankgeschäfte betrieben werden, welche den Umfang dieses Einlagegeschäftes übersteigen. In Deutschland sind solche Institute nach § 3 № 1 KWG verboten. Der Grund des Verbots ist, dass hier das Risiko für die Einleger im Unternehmen verbleibt. Gerät nämlich die Firma in Konkurs, dann verliert der Einleger neben dem Arbeitsplatz (job) auch möglicherweise noch sein Erspartes (money put aside). Im November 2012 wies die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht in einem Merkblatt über untersagte Geschäfte auf dieses Verbot nochmals ausdrücklich hin.

– Siehe Carry Trades, Zwecksparunternehmen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Werkzeuggeld (tool use payment):

1 Zahlung eines Arbeitgebers an den Arbeitnehmer dafür, dass dieser

1. seine eigene, von ihm selbst gekauften Arbeitsmittel (Handwerkszeug; tools) oder

2. vom Arbeitgeber angeschaffte und sodann an den Arbeitnehmer übereignetes Werkzeug im Rahmen des Arbeitsverhältnisses (employment relationship) benutzt. Zweck (practical effect) der Variante 2. ist es, die Verantwortlichkeit des Arbeitnehmers für das eingesetzte Werkzeug zu erhöhen.

– Siehe Instrumentengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wert (value):

1 Allgemein in mannigfaltiger Bedeutung gebraucht als Zahl, Anzahl, Gewicht, Rang, Sorte, Grösse, Zahlenverhältnis und Stufe.

2 Güte (quality; Qualität) eines Gegenstandes, gemessen - wenn nicht anders definiert oder aus dem Textzusammenhang erkennbar - in dessen Marktwert.

3 Manchmal auch (Kurz)Bezeichnung für die Wertstellung (value date): der Zeitpunkt, ab dem eine Zahlung buchungstechnisch zur Gutschrift, Lastschrift oder Zinsberechnung zählt.

4 Auf dem Finanzmarkt häufig ferner abkürzend (abbreviatory) gesagt für jederart Vermögensgegenstand (asset: Wertpapier, Kontrakt, Währungsbetrag).

5 In der Nationalökonomik das Gewicht, welches einem Gut in Hinblick auf die menschliche Bedürfnisbefriedigung beigemessen wird. Dabei gilt grundsätzlich der Nutzen (utility), welchen das betreffende Gut stiftet, als wertbestimmend.

6 Der Beitrag eines Gutes zum Wohlstand, gemessen in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung und als Summe enthalten im Sozialprodukt.

– Siehe Bewertbarkeit, Fair Value, Gegenwert, Kassamarkt, Liebhaberwert, Marktwert, Mehrwert, Papier, Preis, Steuerkurs, Ungüter, Valutierung, Verkehrswert, Vermögenswert, Waste Watcher, Werthaltigkeits-Test, Wertrelativität, Wertsachen, Wertschöpfung, Wertschrift, Zeitwert, Ziffer, höchstwertige, Zinsfixing-Tag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wert, gemeiner (actual value):

Im Steuerrecht

1. der in Geld ausgedrückte Betrag,

2. welcher im gewöhnlichen Geschäftsverkehr

3. nach der Beschaffenheit des Gegenstandes

4. unter Berücksichtigung aller den Preis beeinflussenden Umstände

5. bei einer freiwilligen Veräusserung zu erzielen wäre.

– Siehe Fair Value, Siehe Wert.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wert, innerer (intrinsic value):

1 Wenn nicht anders definiert, der nach gesetzlich vorgeschriebenen Bewertungsgrundsätzen ermittelte Wert eines Unternehmens, sein Substanzwert.

2 Bei einer Option der Unterschied zwischen dem aktuellen Tageskurs eines Basiswertes und dem tieferen Ausübungspreis beim Call bzw. dem höheren Ausübungspreis beim Put. Das heisst: ein Call besitzt einen inneren Wert, wenn der Kurs des Basiswertes über dem Basispreis liegt. Bei einem Put ist der innere Wert der Betrag, um den der Kurs des Basiswertes unter dem Basispreis liegt.

3 Bei Münzen aus Edelmetall der reine Marktpreis des Materials, ohne Rücksicht auf das Geldstück geprägte Wertbezeichnung.

4 Der Affektionswert eines Gegenstandes, sein subjektiver Liebhaberwert, also jener Wert, welchem einem Gegenstand seitens eines Menschen aufgrund persönlicher Neigungen, Gefühle und Empfindungen beigemessen wird.

– Siehe Katzengeld, Kurantmünze, Option, ausbezahlte, Substanzwert.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wert, zyklischer (cyclical paper):

Ein Finanzinstrument, und im Besonderen eine Aktie, bei dem sich der Kurs sehr eng zu den Konjunkturzyklen bewegt (debt instruments and especially shares of companies that tend to mirror the economy). Im Aufschwung sind die entsprechenden Wertpapiere stark nachgefragt, bei sich abzeichnender Rezession werden sie abgestossen. Zu den zyklischen Werten zählt man in Deutschland derzeit besonders Aktien der Fahrzeugindustrie (automobile industry) und ihrer Zulieferer.

– Siehe Aktien, zyklische, Aktienkurs-Gleichlauf, Baisse, zyklische, Hausse, Zyklik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertaufbewahrungsmittel (store of purchasing power, store of value):

1 Allgemein ein Gegenstand, der fortdauernd, über die Zeiten hinweg seinen Wert behält: der seine Qualität und daher auch seinen Marktwert in sich, in seiner Beschaffenheit, in seinem Stoff enthält (intrinsic value: the value that thing has "in itself," or "for its own sake, "or "as such"). Zu diesen Gegenständen zählen vor allem Edelmetalle und hier wieder besonders Goldbarren, zu einem gewissen Grade auch Goldmünzen. Wie die Finanzpsychologie lehrt, hat Gold durch die Geschichte hindurch einen tiefen magischen Reiz (deep mystic appeal) auf die Menschen ausgeübt. Strittig ist, ober diese hohe Begehrtheit des Goldes seiner Beschaffenheit als nahezu unzerstörbarer ökonomischer Wert (practically imperishable and indestructible economic value) zuzuschreiben sei, oder ob die hohe Wertschätzung des Goldes ausserökonomisch erklärt werden müsse (should be explained from extra-economic determinants).

2 Im engeren Sinne Zahlungsmittel insoweit diese ihre Kaufkraft behalten.

– Siehe Geldfunktionen, Schwundgeld, Wertspeicher.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertberichtigung (valuation adjustment):

1 Allgemein in der Rechnungslegung die Anpassung des Buchwerts (carrying amount) eines Postens an die tatsächlichen Wertverhältnisse (activities of a company with the aim of adjusting all items in bookkeeping to true market prices).

2 Im Besonderen bei einem Institut die Abschreibungen auf ein Darlehn, das als ganz oder teilweise uneinbringlich gilt (if a bank considers a loan is uncollectable, it sets aside in a special reserve account a quota of earnings equal to the difference between unpaid principal and the market value of the loan. As soon as the loan is charged off [ausgebucht] as worthless, the institution writes down the loan portfolio and the reserve account by an equal amount).

– Siehe Fair Value, Wert, Werthaltigkeits-Test, Zyklik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Werthaltigkeits-Test auch Impairment-Test (impairment test):

In den Anweisungen zur Rechnungslegung (IAS 36) im Einzelnen vorgeschriebener regelmässiger Abgleich eines Bilanzpostens mit seinem im Regelfall am Markt festzustellenden gegenwärtigen Preis bei Kauf oder Verkauf (procedures that entities must apply to ensure that their assets are carried out at no more than the amount estimated to be recovered through the sale of the asset).

– Siehe Bewertbarkeit, Fair Value, Marktwert, Valutierung, Verkehrswert, Vermögenswert, Waste Watcher, Zeitwert.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertkarte (card, electronic payment device):

Allgemein ein Datenträger aus Kunststoff oder Pappe im Format von etwa 8,5 x 5,4 cm, der Zahlungen vermittelt.

– Siehe Geld, elektronisches, Geldkarte, Karte, Karte, multifunktionale, Kreditkarte, Kreditkarten-Fiasko, Ticketing, electronic, Zahlungskarte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertminderungsaufwand (impairing loss):

Nach IAS (36.5) der Betrag, um welchen der Zeitwert den erzielbaren Verkaufspreis (recoverable amount) eines Vermögenswertes überschreitet; anders ausgedrückt: der erreichbare Verkaufspreis des Vermögenswertes liegt unter dem angesetzten Buchwert.

– Siehe Werthaltigkeits-Test.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertpapier(e) in der Schweiz meistens Wertschrift(en), in älteren Dokumenten auch Kreditpapier(e) (securities, value papers; die Singularform fehlt im Englischen):

1 Umgangssprachlich der Oberbegriff für Aktien, Anleihen und alle andere finanzielle Vermögenswerte (a general term for shares, bonds, or other financial assets).

2 Rechtlich eine Verpflichtung des Ausgebers eines Papiers gegenüber dem Inhaber: eine Schuldurkunde, mit der ein Recht derart verknüpft ist, dass es ohne Urkunde weder geltend gemacht noch auf andere übertragen werden kann; oft auch Wertschrift, Papier, Valor, Titel genannt.

3 Nach § 2 WpHG - dort ausführliche Begriffsbestimmungen - zählen zu Wertpapieren auch dann, wenn für sie keine Urkunde ausgestellt wurde: Aktien, Aktien-Zertifikate, Schuldverschreibungen, Genusscheine, Optionsscheine und Anteilscheine an einer Kapitalverwaltungsgesellschaft. - Siehe davon abweichend die Begriffsbestimmung in § 1, Abs. 11 KWG: das Merkmal der Urkunde ist nicht notwendiges Kennzeichen der Definition; dort auch Aufzählung. - Logisch fehlerhaft (diallel; Diallele: der Begriff "Wertpapier" wird durch "Wertpapier" erklärt!) auch die Definition und Aufzählung in Artikel 1 im Gesetz zur Umsetzung der Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente und der Durchführungsrichtlinie der Kommission (Finanzmarktrichtlinie-Umsetzungsgesetz) vom 16. Juli 2007.

– Siehe Aktie, Aktienanleihe, Effekten, Finanzinstrument, Informationsblätter für Finanzinstrumente, Namenspapiere, Wertpapieranlagen, Wertschriften.

– Vgl. den Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets," Rubrik "Finanzmärkte" im jeweiligen Monatsbericht der EZB, dort Bestands- und Veränderungsangaben, nach verschiedenen Gesichtspunkten unterteilt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertpapier(e), ausländische(s) (foreign value papers):

Unter den Wertpapierbegriff des § 1, Abs. 1, Satz 2, № 5 KWG fallen hauptsächlich die folgenden ausländischen Anteilsrechte:

1. Anteile (share certificates) an englischen und den nach englischem Muster verfassten südafrikanischen companies limited by shares, einerlei ob private (ltd.) oder public (plc.),

2. Anteile (share certificates) an neuseeländischen, auf der Basis des nach englischem Vorbilde verfassten Companies Act von 1993 errichteten companies,

3. Anteile (share certificates) an US-amerikanischen nach den jeweils einschlägigen Gesetzen der einzelnen Bundesstaaten (states) errichteten corporations (Inc.),

4. Anteile (share certificates) an kanadischen nach dem Federal Business Corporations Act errichteten corporations,

5. Anteile an französischen Sociétés Anonymes (S.A.),

6. Anteile an italienischen Societàs per Azioni (S.p.A),

7. Anteile an spanischen Sociedades Anónimas (S.A.),

8. Anteile an nach Massgabe der Verordnung EG Nr. 2157/2001 des Rates vom 08.10.2001 über das Statut der Europäischen Gesellschaft (SE) errichteten Europäischen Gesellschaften (SE),

9. Anteile an japanischen Aktiengesellschaften sowie

10. Securities, die bei der US Wertpapieraufsichtsbehörde Securities and Exchange Commission (SEC) registriert sind sowie share certificates und share warrants to bearer südafrikanischer Gesellschaften einschliesslich der registered debentures und debentures to bearer südafrikanischer Emittenten. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hält eine entsprechende Aufzählung bereit und erteilt bei Zweifelsfragen Auskunft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertpapiere, festverzinsliche (fixed rate issues, debt securities):

In der Statistik der EZB alle im Eurogebiet begebenen Schuldverschreibungen, bei denen der Zinssatz (coupon rate) für die Laufzeit gesamthaft festgelegt ist. - Die wertmässige Grösse der ausgegebenen Papiere von in Deutschland ansässigen Emittenten wird von der Deutschen Bundebank statistisch erfasst und im jeweiligen Monatsbericht im Statistischen Teil in der Rubrik "Kapitalmarkt" mehrfach aufgeschlüsselt veröffentlicht.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertpapiere, forderungsbesicherte (collateralised debt securities):

Allgemein Schuldtitel, die einen Zahlungsanspruch aus verbrieften Forderungen in sich tragen.

– Siehe ABS-Fonds, Asset-Backed Securities, Pfandbrief, Verbriefungspapiere.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertpapiere, kurzfristige (short-term securities):

In der Statistik der EZB alle im Eurogebiet begebenen Titel mit einer Ursprungslaufzeit (original maturity) von einem Jahr oder weniger. In Ausnahmefällen werden auch Papiere mit einer Laufzeit bis einschliesslich zwei Jahre dazugezählt.

– Vgl. den Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Finanzmärkte" im jeweiligen Monatsbericht der EZB; dort auch die "Erläuterungen" am Ende des Statistikteils beachten.

– Siehe Wertpapiere, langfristige.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertpapiere, langfristige (long-term securities):

In der Statistik der EZB alle begebenen Titel mit

1. einer Ursprungslaufzeit (original maturity) von über einem Jahr,

2. wahlweisen Laufzeiten (optional maturity dates), von denen mindestens eine länger als ein Jahr ist und

3. beliebig langer Laufzeit (indefinite maturity date).

– Siehe Wertpapiere, kurzfristige.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertpapiere, qualifizierte (qualified securities):

Begriff des deutschen Rechtes und in § 20 KWG aufgezählt, nämlich

1 Schuldverschreibungen,

1. die unbedingt rückzahlbar und im Falle der Insolvenz oder Liquidation des Emittenten nicht nachrangig zu bedienen sind,

2. für die an einer Börse täglich ein Börsenpreis festgestellt wird sowie

2 Aktien, die in einen gängigen Aktienindex einbezogen sind.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertpapiere, risikolose (risk-free securities):

Titel, die einen sicheren Ertrag gewährleisten und somit frei sind sowohl von einem Ausfallrisiko als auch von einer Stockung der laufenden Zahlungen aus dem Schuldtitel (papers that are free of the default risk of the issuer and guarantee the regular payment of the coupon). - Solche Papiere kann es nicht geben. Denn seinem Wesen nach ist ein Wertpapier das Zahlungsversprechen eines Schuldners. Es birgt damit immer die Gefahr, dass dieser nicht zahlungsfähig oder zahlungswillig ist. - Wenn in vielen Lehrbüchern Staatsanleihen als risikolose Wertpapiere genannt werden, dann ist dies erweislich falsch. Denn wie die Finanzgeschichte bis auf unsere Tage lehrt, haben viele (Teil)Staaten in Umlauf gegebene Papiere - aus welchen Gründen auch immer - nicht mehr bedient.

– Siehe Anleihe, notleidende, Dawes-Anleihe, Europäische Währungsunion, Grundfehler, EZB-Sündenfall, Kammer für Wertpapierbereinigung, Staatschuld(en), verweigerte, Transferrisiken, Young-Anleihe, Zinssatz, risikoloser.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertpapiere, variable verzinsliche (variable rate issues):

In der Statistik der EZB alle im Eurogebiet begebenen Schuldverschreibungen, bei denen der Zinssatz (coupon rate) in regelmässigen Zeitabständen

1. unter Bezugnahme auf einen Referenzzinssatz wie etwa den EURIBOR oder

2. nach einem Index neu festgesetzt wird.

– Siehe Wertpapiere, festverzinsliche.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertpapiere, verlustarme (low loss securities):

Schuldtitel hoher Bonität, in erster Linie Staatsanleihen von Ländern mit einem sehr guten Rating (very high credit rating).

– Siehe Wertpapiere, risikolose.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertpapiere, zur Veräusserung verfügbare (available-for-sale securities, AfS):

Oberbegriff für Papiere, die weder bis zur Endfälligkeit noch für spekulative Zwecke gehalten werden. Darunter fallen vor allem Aktien, GmbH-Anteile, Anteile an Fonds sowie Wertpapiere des Umlaufvermögens, die nicht dem Handelsbestand zuzurechnen sind. Entsprechende Titel werden nach IAS 39 erfolgsneutral in einer Eigenkapitalrücklage (other comprehensive income) erfasst.

– Siehe Wertpapierbestände.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertpapier-Abwicklungssysteme (securities settlement systems, SSSs):

Verfahren zur sparsamen Abwicklung der Begebung (issue; Emission), Bezahlung (settlement; Verrechnung) und Aufbewahrung von Wertpapieren. Die EZB hat sich um europaweite Vereinheitlichung der Verfahren bemüht.

– Siehe European Master Agreement, Zahlungssystem, Übertragung, systemübergreifende.

– Vgl. Jahresbericht 2001 der EZB, S. 146 f., Monatsbericht der EZB vom April 2002, S. 51 ff. und Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2004, S. 29 ff. (dort auf S. 36 f. auch die IOSCO-Empfehlungen für Wertpapierabwicklungssysteme im Wortlaut), Monatsbericht der EZB vom April 2005, S. 85 ff. (sehr ausführliche Darstellung), Jahresbericht 2004 der EZB, S. 131 ff. (dort auch Wortlaut der "Standards für Wertpapierclearing und - Abwicklung in der EU), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 55 ff. (Erklärung der Funktionsweise und der Unterschiede beim Garantiemodell, integrierten Modell und Schnittstellenmodell; S. 58 f. Probleme hinsichtlich der Geldmengensteuerung durch die Zentralbank).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertpapier-Analyse und Wertschriften-Analyse (securities analysis):

Geschäftsmässige Beurteilung von Wertpapieren als Grundlage für die Anlage- oder Depotstrategie. Wertpapier-Dienstleistungsunternehmen in Deutschland müssen nach § 34b WpHG solche Analysen für ihre Kundschaft mit der erforderlichen Sachkenntnis und Gewissenhaftigkeit erbringen. - Die Fundamental-Analyse (fundamental analysis; Finanzanalyse) befasst sich dabei in erster Linie mit der Beurteilung der allgemeinen Finanz- und Geschäftslage der betreffenden Gesellschaft. Die technische Analyse fasst mehr die Marktbewegungen, Kursverlauf, Umsätze usw. der von einem Unternehmen begebenen Papiere ins Auge (company fundamentals as market position, quality of its financial structure, further prospects, etc.). - Bestimmte Interessenkonflikte sind immer offen zu legen. Dazu gehört

1. die Teilnahme an einem Emissionskonsortium,

2. die Betreuung der Wertpapiere an der Börse oder

3. die Beteiligung des Wertpapier-Dienstleistungsunternehmens in Höhe von mindestens einem Prozent am Grundkapital der analysierten Gesellschaft. Darüber hinaus sollen

4. Banken auf einen möglichen Interessenkonflikt hinweisen, wenn sie in Aktien der analysierten Gesellschaft offene Verkaufspositionen (open short positions: the bank sells shares which it does not yet own) ab einem Prozent des Grundkapitals der Gesellschaft halten.

– Siehe Analyse, technische, Analyst, Charts, Fibonacci-Folge, Formeln, finanzmathematische, Frontrunning, Kartierung, Random-Walk-Hypothese, Scalping.

– Vgl. Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 74 f., Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 34 f (wichtige neue Grundsätze), S. 109 ff. (Verhaltensregeln), Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 126 (erhöhte Anforderungen durch das Anlegerschutzverbesserungsgesetz), S. 125 (Wertpapieranalysen ausländischer Unternehmen, die Kunden in Deutschland zugänglich gemacht werden), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 165 (Stand der Beratungen zur Produktaufsicht und - Überwachung bei Wertpapierdienstleistungsunternehmen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertpapieranlagen (portfolio investment):

In der Statistik der EZB

1. der Nettoerwerb an von Gebietsfremden begebenen Wertpapieren durch Ansässige im Euro-Währungs¬gebiet (assets; Aktiva) einerseits und

2. der Neuerwerb an von Ansässigen des Euroraums begebenen Wertpapieren durch Gebietsfremde (liabilities; Passiva) andererseits.

– Darin eingeschlossen sind Dividendenwerte, Schuldverschreibungen in Form von Anleihen sowie Geldmarktpapiere. Die Transaktionen werden zu den tatsächlich bezahlten oder vereinnahmten Preisen, abzüglich der Kosten und Provisionen erfasst. Bei den Wertpapieranlagen werden nur Unternehmensbeteiligungen verbucht, die weniger als zehn Prozent des Stimmrechtsanteils umfassen.

– Siehe Direktinvestitionen.

– Vgl. zum Bestand und zur den Veränderungen den Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Finanzmärkte" im jeweiligen Monatsbericht der EZB; dort auch die "Erläuterungen" beachten, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2004, S. 36 (Statistik der Wertpapieranlagen deutscher Privatpersonen), Monatsbericht der EZB vom Februar 2005, S. 80 (Probleme der statistischen Erfassung und Zuordnung), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2008, S. 34 (Präferenzen deutscher Wertpapieranleger 1999 bis 2007), Monatsbericht der EZB vom Februar 2012, S. 122 f. (Wertpapieranlagen in der Kapitalbilanz).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertpapierbesitzregister (register of securities):

Die Deutsche Bundesbank stellt auf ihrer Webseite seit Ende 2005 vierteljährlich Informationen über den Wertpapierbesitz in Deutschland zur Verfügung. Diese Daten bieten wichtige Aufschlüsse über den Finanzierungskreislauf der deutschen Volkswirtschaft sowie auch über deutsche Forderungen und Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertpapierbestände (investment portfolios):

Die Menge an Wertpapieren aller Art in den Händen der Wirtschaftssubjekte innert eines Gebiets. Für die Eurozone finden sich diese aufgeschlüsselt nach Besitzern, Arten und transaktionsbedingten Veränderungen im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Monetäre Entwicklungen, Banken und Investmentfonds", Unterrubrik "Wertpapierbestände der MFIs" im jeweiligen Monatsbericht der EZB. In der Unterrubrik "Neuberwertung ausgewählter Bilanzpositionen der MFIs" auch Berichtigungsposten. - Die Wertpapierbestände der Banken sind nach verschiedenen Einteilungen in dem monatlich erscheinenden Heft "Bankenstatistik" der Deutschen Bundesbank, Rubrik "Banken (MFIs) in Deutschland", Unterrubrik "Wertpapierbestände und Beteiligungen" ausgewiesen. - Nach IAS 39 müssen Wertpapiere je nach ihrem Verwendungszweck unterschiedlich bewertet werden. Wertpapiere, die zu Handelszwecken gehalten werden (for trading) sowie weiterveräusserbare Wertpapiere (available for sale) sind bei der Erstbewertung zu Anschaffungskosten (historical costs) mit Einschluss allfälliger Transaktionskosten anzusetzen. Bei der Folgebewertung ist der beizulegende Zeitwert zu bilanzieren. Wertpapiere, die bis zur Endfälligkeit gehalten werden (held to maturity), sind zu fortgeführten Anschaffungskosten zu bewerten.

– Siehe Anlagebuch, Finanzinstrumente, Zuordnung, Werthaltigkeits-Test, Wertpapiere, zur Veräusserung verfügbare.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertpapierbörse (securities exchange):

In Deutschland Börsen, an denen Wertpapiere, Derivate, Devisen und Edelmetalle gehandelt werden. § 1, Abs. 2 BörsG definiert (logisch mangelhaft [diallel; Diallele!] und sprachlich unschön!): "Wertpapierbörsen im Sinne dieses Gesetzes sind Börsen, an denen Wertpapiere und sich hierauf beziehende Derivate im Sinne des § 2 Abs. 2 des Wertpapierhandelsgesetzes gehandelt werden. An Wertpapierbörsen können auch andere Finanzinstrumente im Sinne des § 2 Abs. 2b des Wertpapierhandelsgesetzes und Edelmetalle gehandelt werden".

– Siehe Börse, Börsenliquidität, Derivategeschäfte-Clearingpflicht, Derivategeschäfte-Meldepflicht, Makler, Sentiment, Warenbörse, Wertpapiermarkt, Yellow Book.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertpapier-Darlehn (securities lending and borrowing, SLB):

Geborgte und ausgeliehene Titel mit Bardeckung werden bei einer Bank in Höhe der geleisteten bzw. erhaltenen Bardeckung in der Bilanz ausgewiesen. - Erhält ein Institut im Rahmen einer SLB-Transaktion Wertpapiere als Sicherheit, die verkauft oder verpfändet werden können, dann finden sich die erhaltenen Wertpapiere und eine entsprechende Rückgabeverpflichtung in der Bilanz ausgewiesen.

– Siehe Reverse-Repurchase-Geschäft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertpapier-Dienstleistungen (securities-related services):

Gemäss § 2 des Wertpapierhandelsgesetzes (German Securities Trading Act; Gesetz über den Wertpapierhandel, [WpHG) in der Fassung der Bekanntmachung vom 9. September 1998 [BGBl. I, S. 2708]; zuletzt geändert durch Artikel 1 dieses Gesetzes vom 12. August 2008 [BGBl. I, S. 1666]) fallen darunter:

1. die Anschaffung oder Veräusserung von Finanzinstrumenten im eigenen Namen für fremde Rechnung (financial brokering business; Finanzkommissionsgeschäft),

2. die Anschaffung oder Veräusserung von Finanzinstrumenten für eigene Rechnung als Dienstleistung für andere (proprietary trading; Eigenhandel),

3. die Anschaffung oder Veräusserung von Finanzinstrumenten in fremdem Namen für fremde Rechnung (acquisition brokerage; Abschlussvermittlung),

4. die Vermittlung von Geschäften über die Anschaffung und die Veräusserung von Finanzinstrumenten (investment brokerage; Anlagevermittlung),

5. die Übernahme von Finanzinstrumenten für eigenes Risiko zur Plazierung oder die Übernahme gleichwertiger Garantien (issuance business; Emissionsgeschäft),

6. die Plazierung von Finanzinstrumenten ohne feste Übernahmeverpflichtung (placing business; Plazierungsgeschäft),

7. die Verwaltung einzelner oder mehrerer in Finanzinstrumenten angelegter Vermögen für andere mit Entscheidungsspielraum (administration of financial portfolios; Finanzportfolioverwaltung),

8. der Betrieb eines multilateralen Systems, das die Interessen einer Vielzahl von Personen am Kauf und Verkauf von Finanzinstrumenten innerhalb des Systems und nach festgelegten, nicht abdingbaren Regeln in einer Weise zusammenbringt, die zu einem Vertragsabschluss führt (operation of multilateral trading facilities; Betrieb eines multilateralen Handelssystems),

9. die Abgabe von persönlichen Empfehlungen an Kunden oder deren Vertreter, die sich auf Geschäfte mit bestimmten Finanzinstrumenten beziehen, sofern die Empfehlung auf eine Prüfung der persönlichen Umstände des Anlegers gestützt und als für ihn geeignet dargestellt wird und nicht ausschliesslich über Informationsverbreitungskanäle oder für die Öffentlichkeit bekannt gegeben wird (investment advisory services; Anlageberatung).

– Als Wertpapier-Dienstleistung gilt auch

10. die Anschaffung und Veräusserung von Finanzinstrumenten für eigene Rechnung, die keine Dienstleistung für andere darstellt (own business; Eigengeschäft).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertpapier-Dienstleistungs-Richtlinie, Europäische (EU Investment Services Directive):

Von der EU aufgestellter Katalog von Mindestanforderungen an den börslichen Handel mit Wertpapieren. In Deutschland entsprechen die Segmente amtlicher Markt und regulierter Markt diesen Anforderungen. Wertpapiere, die nicht diesen Standards genügen, können im Freiverkehr gehandelt werden. Die Richtlinie wurde im April 2004 neu gefasst und erweitert.

– Siehe Goldplating, Informationsblätter für Finanzinstrumente, Rechtsabgleichung, Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente, Verordnung über die europäische Marktinfrastruktur.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 46 f., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2004, S. 39 f., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2006, S. 37 ff, Jahresbericht 2012 der EZB, S. 134 (Neufassung der Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 165 (Stand der Beratungen zur Produktaufsicht und - Überwachung bei Wertpapierdienstleistungsunternehmen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertpapier-Dienstleistungs-Unternehmen und (ohne Bindeestriche, in einem Wort) Wertpapierdienstleistungsunternehmen (securities-related services enterprises):

Darunter verstehen die Aufsichtsbehörden alle Firmen mit einem oder mehreren der folgenden Geschäftsbereichen:

1. das Finanzkommissionsgeschäft: die Anschaffung und Veräusserung von Wertpapieren oder Derivaten im eigenen Namen für fremde Rechnung,

2. den Eigenhandel für andere: die Anschaffung und Veräusserung von Wertpapieren oder Derivaten im Wege des Eigenhandels für andere,

3. die Abschlussvermittlung: die Anschaffung und Veräusserung von Wertpapieren oder Derivaten im fremden Namen für fremde Rechnung,

4. die Anlage-Vermittlung: die Vermittlung oder der Nachweis von Geschäften über die Anschaffung und Veräusserung von Wertpapieren oder Derivaten; seit 2006 gehört auch die Anlageberatung dazu,

5. das Emissions-Übernahmegeschäft: die Übernahme von Wertpapieren oder Derivaten für eigenes Risiko zur Plazierung oder die Übernahme gleichwertiger Garantien und

6. die Finanzportfolioverwaltung: die Verwaltung einzelner in Wertpapieren oder Derivaten angelegter Vermögen für andere mit einem Entscheidungsspielraum.

– Unternehmen mit diesen Geschäftsbereichen (business areas) bedürfen einer Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, deren besonderen Überwachung sie auch unterliegen.

– Siehe Arranger, Derivategeschäfte-Clearingpflicht, Derivategeschäfte-Meldepflicht, Kunden, Mitarbeiter-Register, Prüfung, mangelfreie, Wertpapier-Dienstleistungen.

– Vgl. § 2, Abs. 3 WpHG sowie Jahresbericht 2001 des Bundesaufsichtsamts für den Wertpapierhandel, S. 10 f., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 109 (Änderung der Wertpapier-Dienstleistungs-Prüfungsverordnung, WpDPV), S. 120 f., Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 109 (Neufassung der WpDPV), S. 146 (Werbung, Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 119 (seit dem 1. Januar 2010 sind die Unternehmen verpflichtet, über jede Anlageberatung ein schriftliches Protokoll anzufertigen und dem Kunden auszuhändigen), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 138 ff. neue Regelungen hinsichtlich der Sachkunde und Zuverlässigkeit der Mitarbeiter; Pflicht eines Mitarbeiter-Registers) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertpapierdienstleistungs-Prüfungsverordnung, WpDPV (ordinance on the examination of investment services enterprises):

Regelungen hinsichtlich der Prüfung der Meldepflichten für Wertpapier-Dienstleistungs-Unternehmen, einschliesslich der Depot- und Depotbankprüfung. Die Verordnung wurde zum 1. November 2007 neu gefasst.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 109 (wesentlicher Inhalt der Verordnung), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 165 (Stand der Beratungen zur Produktaufsicht und - Überwachung bei Wertpapierdienstleistungsunternehmen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertpapierdienstleistungs-Verhaltens- und Organisationsverordnung, WpDVerOV (ordinance specifying rules of conduct and organisation requirements for investment services enterprises):

Zum 1. November 2007 in Deutschland eingeführte Regelungen für Banken und Finanzdienstleister in Bezug auf Informations- und Berichtspflichten (information and reporting requirements) gegenüber den Kunden. Vorgeschrieben wird hier auch eine Geeignetheits- und Angemessenheitsprüfung (assessment of suitability and appropriateness).

– Siehe Interessenkonflikt, Mitarbeiter-Verzeichnis, Organisation.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 108 f. (wesentliche Inhalte der Verordnung), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 165 (Stand der Beratungen zur Produktaufsicht und - Überwachung bei Wertpapierdienstleistungsunternehmen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertpapier-Emission (securities issues):

Der Absatz von Schuldverschreibungen in einem räumlich abgegrenzten Markt. Die Verkäufe im Euro-Währungsgebiet werden von der EZB monatlich erfasst, nach verschiedenen Gliederungsmerkmalen aufgeschlüsselt und im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Finanzmärkte" im jeweiligen Monatsbericht der EZB sowie im Statistics Pocket Book veröffentlicht.

– Siehe Emissionsgeschäft, Ersterwerber, Klienten-Effekt.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2003, S. 18 ff. (dort Informationen zur Technik der Erfassung und zur Beurteilung der Zahlen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertpapierfonds (securities-based fund, securities investment trust):

Oberbegriff für das Vermögen einer Kapitalverwaltungsgesellschaft, das in Papieren angelegt ist. - Im monatlich erscheinenden Statistische Beiheft "Kapitalmarktstatistik" der Deutschen Bundesbank Einteilungen der Wertpapierfonds sowie Zusammensetzung des Vermögens, nach verschiedenen Gesichtspunkten aufgeschlüsselt.

– Siehe Investmentvermögen.

– Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 66 (OGAW-Richtlinie zu aufsichtlichen Anforderungen an Wertpapierfonds).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertpapierhandel und Wertschriftenhandel (securities trading):

Sämtliche Umsätze in Wertpapieren. Diese werden innert der EU einschliesslich der Abwicklung getätigter Geschäfte (settlement) und der Verrechnung (clearing) von der EZB erfasst und veröffentlicht.

– Siehe Daytrading, Zahlungsverkehrsstatistik.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2008, S. 29 f. (wichtige Erläuterungen zur Statistik; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertpapierhandel-Meldeverordnung, WpHMV (securities trading reporting ordinance):

Regelungen hinsichtlich der Anzeige getätigter Umsätze in Wertpapieren. Danach müssen deutsche Unternehmen alle Geschäfte, unabhängig vom Ort der Ausführung, der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht melden. Diese leitet dann jeweils die Meldungen an andere Aufsichtsbehörden weiter.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 110 (wesentlicher Inhalt der Verordnung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertpapier-Handelsbank (securities trading bank):

Ein Institut, das Bankgeschäfte

1. als Finanzkommissionsgeschäft betreibt,

2. das Emissionsgeschäft pflegt oder

3. Finanzdienstleistungen nach § 1 Ia 2 №. 1 bis 4 KWG erbringt. Entsprechend ausgerichtete Dienstleister unterliegen der Kontrolle durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Sie bedürfen ferner einer Erlaubnis gemäss § 32 KWG.

– Siehe Börsenmakler, Makler.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertpapierhändler (securities trader, securities dealer):

In der Definition der Aufsichtsbehörden jede natürliche oder juristische Person, die im Rahmen ihrer üblichen beruflichen oder geschäftlichen Tätigkeit gewerbsmässig

1. eine oder mehrere Wertpapier-Dienstleistungen für Dritte erbringt

2. und/oder eine oder mehrere Anlagetätigkeiten ausübt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertpapier-Kennummer ([international] securities identification number, ISIN, stock exchange number):

Ordnungsnummer der einzelnen börsengehandelten Titel zur Erleichterung ihrer Identifizierung und Verbuchung im Bank- und Börsenverkehr.

– Siehe Valoren-Nummer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertpapier-Provisionsgeschäft (retail brokerage):

Aufsichtsrechtlich versteht man darunter Finanzdienstleister mit folgenden Tätigkeiten:

1. Entgegennahme und Weiterleitung von Aufträgen von natürlichen Personen oder kleinen und mittleren Unternehmen in Zusammenhang mit einem oder mehreren Finanzinstrumenten,

2. Auftragsausführung für Kunden,

3. Plazierung von Finanzinstrumenten ohne feste Übernahmeverpflichtung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertpapiermarkt (securities market):

Platz zur

1. Ermittlung eines gleichgewichtigen - das heisst: markträumenden - Preises,

2. Bereitstellung von Kauf- und Verkaufsmöglichkeiten (in other words: liquidity; also: Liquidität) und dies

2. zu den niedrigst möglichen Kosten.

– Wertpapiermärkte schliessen neben den öffentlich-rechtlichen Börsen auch elektronische Handelsplattformen ein, auf denen vor allem institutionelle Investoren Handel betreiben, in erster Linie Kapitalverwaltungsgesellschaften, Pensionskassen und Versicherungen. - Im Gegensatz zu oft vorgetragener Behauptung sind Wertpapiermärkte heute keine vollkommenen Märkte im Sinne der Theorie. Denn

1. die Börsenlandschaft wird durch immer weniger und gleichzeitig in ihrer Grösse zunehmende Anbieter geprägt, erkennbar etwa am Dax in Deutschland, am SPI in der Schweiz oder am Dow Jones in den USA.

2. Die Eintrittsschranken sind hoch; und dies aufgrund hoher Fixkosten (capacity costs) und den daraus folgenden Grössenkostenersparnissen (economics of scale; Skalenvorteilen: the cost advantages that enterprises attain due to size, quantity, or scale of operation, with cost per unit of output generally decreasing because fixed costs are spread out over more units of output).

3. Ähnliches gilt für die Kanäle, über welche die Wertpapier-Dienstleistungen fliessen, vor allem die kostenintensiven Zahlungs- und Verrechnungssysteme. Hinzu tritt, dass die Anziehungskraft dieser Systeme mit der Zahl und dem Volumen der auf ihnen durchgeführten Transaktionen steigt; es bilden sich also Netzwerk-Externalitäten (network externalities): Vorteile, die sich aus der Intensität der Nutzung des Systems für die daran Beteiligten ergeben. Das wiederum begünstigt von selbst die Konzentration des Wertpapierhandels auf einige wenige Märkte und Handelsplattformen.

– Siehe Börse, Börsenliquidität, Eigenemission, European Master Agreement, Gegenpartei, zentrale, Metcalfe-Regel, Wertpapierbörse.

– Vgl. Geschäftsbericht 2005 der Deutschen Bundesbank, S. 35 (detaillierte Übersicht), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2006, S. 37 ff. (Allgemeines), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 153 (Veröffentlichungspflichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertpapier-Nebendienstleistungen (non-core investment services):

Das Gesetz zur Umsetzung der Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente und der Durchführungsrichtlinie der Kommission (German Markets in Financial Instruments Directive Implementation Act; Finanzmarktrichtline-Umsetzungsgesetz [FRUG]) vom 16. Juli 2007 definiert: "Wertpapiernebendienstleistungen im Sinne dieses Gesetzes sind – 1. die Verwahrung und die Verwaltung von Finanzinstrumenten für andere und damit verbundene Dienstleistungen (Depotgeschäft), – 2. die Gewährung von Krediten oder Darlehen an andere für die Durchführung von Wertpapier-Dienstleistungen, sofern das Unternehmen, das den Kredit oder das Darlehen gewährt, an diesen Geschäften beteiligt ist, – 3. die Beratung von Unternehmen über die Kapitalstruktur, die industrielle Strategie sowie die Beratung und das Angebot von Dienstleistungen bei Unternehmenskäufen und Unternehmenszusammenschlüssen, – 4. Devisengeschäfte, die in Zusammenhang mit Wertpapier-Dienstleistungen stehen, – 5. die Erstellung, Verbreitung oder Weitergabe von Finanzanalysen oder anderen Informationen über Finanzinstrumente oder deren Emittenten, die direkt oder indirekt eine Empfehlungen für eine bestimmte Anlageentscheidung enthalten, – 6. Dienstleistungen, die im Zusammenhang mit dem Emissionsgeschäft stehen, – 7. Dienstleistungen, die sich auf einen Basiswert im Sinne des Absatzes 2 Nr. 2 oder Nr. 5 beziehen und im Zusammenhang mit Wertpapier-Dienstleistungen oder Wertpapiernebendienstleistungen stehen." - Die Kontrolle sämtlicher einschlägigen Geschäfte obliegt der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, die bezügliche Richtlinien in Anlehnung an das EU-Recht sowie an internationale Vereinbarungen herausgibt.

– Siehe Kunden.

– Vgl. Jahresbericht 2012 der EZB, S. 134 (Neufassung der Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertpapierrat (securities council):

In Deutschland ein Gremium zur Beratung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht in allen grundlegenden Fragen der Aufsichtstätigkeit. Ihm gehören Vertreter der sechzehn Bundesländer, ein Vertreter des Bundesministeriums der Finanzen, der Justiz und der Wirtschaft sowie der Deutschen Bundesbank an; vgl. § 5 WpHG zur Zusammensetzung und den Aufgaben im Einzelnen sowie den Anhang des jeweiligen Jahresberichts der BaFin mit einer genauen Liste.

– Siehe Ausschuss-Wahn.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertpapierübertragung, fehlgeschlagene (failed transcation):

In der Definition der EZB allgemein eine Störung bei der Übergabe eines Titels zum vertraglich vereinbarten Zeitpunkt, und im Besonderen auf den Verkehr zwischen der Zentralbank und den Banken bezogen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertpapier-Verkaufsprospekt (securities prospectus):

Ein rechtlich vorgeschriebenes Dokument, in dem ein Unternehmen sich selbst und anzubietende Papiere beschreibt (a legal document in which a company describes the securities they are offering. Typically, the prospectus provides potential investors with the description of the company's business, financial statements, biographies of officers and directors, detailed information about their compensation, any litigation that is taking place, a list of material properties and any other relevant information).

– Siehe Prospektpflicht, Wertpapier-(Verkaufs-)Prospektgesetz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertpapier-(Verkaufs)Prospektgesetz (securities prospectus act):

Wer in Deutschland Wertpapiere öffentlich anbietet, muss Vermögensverhältnisse, Ertragsgrundlagen, Inanspruchnahme des Kapitalmarktes und weitere, in einem 1990 in Kraft getretenen Gesetz aufgezählte Angaben in einem Prospekt genau bezeichnen. Das erstellte Prospekt ist der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht einzureichen. Es wird von ihr innert von zehn Werktagen unter Beachtung der zusätzlich erlassenen Verkaufsprospekt-Verordnung (sales prospectus regulation) geprüft. Diese ist auf der Internetseite der BaFin abrufbar.

– Siehe Börsenzulassungsprospekt, Call, Emissionsprospekt, Prospekt-Datenbank, Prospektpflicht, Prospekt-Rechtsetzung der EU, Prospekt-Verstösse, Register für qualifizierte Anleger, Unternehmensbericht.

– Vgl. Jahresbericht 2001 des Bundesaufsichtsamts für den Wertpapierhandel, S. 16 ff., Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 168 ff., Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 196 ff., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 109, S. 200 ff.(hier auch zur Rechtsentwicklung), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 138 f., S. 130 f. (neues Wertpapierprospektgesetz [WpPG]), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 159 (Prospektfreiheit für Angebote an qualifizierte Anleger), S. 161 (Risiken wurden in Prospekten nicht richtig dargestellt), Jahresbericht 2009 er BaFin, S. 195 ff. (Workshops zur Prospektrichtlinie; Europäischer Pass), Jahresbericht 2012, der BaFin, S. 121 f. (Umsetzung der geänderten Prospektrichtlinie) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertpapier-Verbindlichkeiten (securities liabilities):

1 Alle Verpflichtungen einer Entität aus der Begebung von Papieren.

2 In der Volkswirtschaften Gesamtrechnung Ansprüche ausländischer Besitzer an inländische Emittenten von Wertpapieren. Die statistische Erfassung ist hier im Einzelnen sehr schwierig, weil der Erwerber - etwa eine Schweizer Bank - und der Halter - etwa ein deutscher Kunde dieser Schweizer Bank - kaum zu trennen sind.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2008, S. 26 f. (Schätzung zum Stichtag Jahresende 2007; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertpapier-Zentralverwahrung (central securities Depositary):

Siehe Zentralverwahrer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertpapierzulassung, Koppelung (coupling of securities listing):

Die rechtliche Vorschrift, dass die Zulassung von Wertpapieren zum Börsenhandel nur in einem Marktsegment mit einer einzigen Form der Preissetzung (price determination; Kursfeststellung) erlaubt ist. In Deutschland wurde diese Bestimmung 2002 aufgehoben; vgl. § 49 ff. BörsG.

– Siehe Kursfeststellung, amtliche, Markt, amtlicher.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertpapierzuteilungs-Information (securities apportionment information):

In Deutschland aufsichtsrechtliche Pflicht, bei Zeichnung und anteilsmässiger Zuweisung von Wertpapieren die Privatkunden über das Zuteilungsverfahren allgemein und über die Zuteilung bei allfälliger Überzeichnung im Besonderen zu informieren. - Die näheren Umstände dieser Pflicht regelt durch entsprechende Richtlinien die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, welche auch die Einhaltung der Vorschriften überwacht.

– Siehe Emission, überzeichnete, Mehrzuteilungs-Option, Nochgeschäft, Repartierung, Überzeichnung, Zeichnungsfrist.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertpapiere, unkotierte (unlisted securities):

Nicht an einer öffentlichen Börse zugelassene (listed; kotierte: registered on any stock exchange) Wertpapiere. In Deutschland werden solche in letzter Zeit aus Offshore Finanzplätzen besonders im Internet von undurchsichtigen und meist im Ausland domizilierenden Agenturen an Privathaushalte abgegeben. In Internet-Foren tauschen sich angeblich begeisterte Käufer aus. In fast jedem Fall handelt es sich bei diesen Papieren aber um letztlich völlig wertlose Titel.

– Siehe Blue-sky laws, Dampfstube, Dingo-Werte, Eigenemission, Finanzgeier, Geheimtip, Gründungsschwindel, International Business Company, Parallel Banking, Racheengel, Underground Banking, Winkelmakler, Zinsabschlagsteuer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertrecht (debt register claim):

Die Eintragung in das Schuldbuch anstatt des Erwerbs von physischen Stücken bei Wertpapieren des Bundes bzw. allgemein öffentlicher Stellen.

– Siehe Bundeswertpapierverwaltung, Buchschuld, Schuldbuchforderung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertrelativität (relativity of [economic] value):

Die Begehrtheit vieler nicht zur Daseinserhaltung unmittelbar notwendiger Güter (non-essentials) hängt allein von zwischenmenschlicher Verflechtung ab. Zwar werden Nahrungsmittel und Getränke immer, zu jeder Zeit wertgeschätzt. Denn jeder Mensch ist dem Natur-Rhythmus unterworfen, und er muss deshalb ständig wiederholend trinken und essen. Dagegen sind andere Güter nutzlos, wenn diese nicht bzw. nicht mehr im Tauschverkehr verwendet werden können. Für den ganz auf sich allein gestellten schiffbrüchigen Robinson sind die auch Goldmünzen völlig wertlos, die er aus der Kapitänskajüte in dem Schiffswrack bergen konnte.

– Siehe Ausgangstatsache, ökonomische, Edelmetalle, Juwelen, Sachwert, Vieleck, magisches, Wertsachen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertsachen (valuables, objects of value):

Gemäss der Definition der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung - hier: ESVG 95 - Gegenstände, die nicht vorrangig als Produktionsmittel oder für den Verbrauch erworben werden, sondern als Wertaufbewahrungsmittel dienen. Von ihnen wird erwartet, dass ihr dinglicher Wert steigt bzw. zumindest nicht fällt und dass sie sich im Laufe der Zeit üblicherweise nicht verschlechtern. Hierzu zählen im Einzelnen vor allem Edelmetalle und Edelsteine, zumeist auch Antiquitäten und Kunstgegenstände.

– Siehe Aktivvermögen, Anlagevermögen, Edelsteine, Diamanten, Geldwert, Juwelen, Knopfabschneider, Realitäten, Sachvermögen, Sachwert, Vermögenswert, Vieleck, magisches, Wertrelativität.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertschriften (securities):

In der Schweiz üblicher Ausdruck für Wertpapiere bzw. Effekten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertschöpfung (value added):

1 Als Begriff der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung sämtliche Faktoreinkommen, die innert einer Periode in den Unternehmen entstanden sind, und nach bestimmten, international einheitlichen statistischen Regeln erfasst. Wertschöpfung nach dieser Berechnung deckt sich mit dem Begriff "Nettosozialprodukt zu Faktorkosten" bzw. Volkseinkommen; vgl. den Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets" des jeweiligen Monatsberichts der EZB, Rubrik "Preise, Produktion, Nachfrage und Arbeitsmärkte", Unterrubrik "Wertschöpfung nach Wirtschaftszweigen".

2 Grob der (Markt)Wert eines Gutes nach der Verarbeitung minus dem Wert vor der Verarbeitung, also der Wertzuwachs (increase in value; Mehrwert).

3 Als Begriff im Marketing der zusätzliche Nutzen, der einem Konsumenten aus dem Gebrauch eines bearbeiteten Gutes zufliesst (all activities that change a merchandise or service as it goes through a process, and these actions customers regard as a significant improvement and are willing to pay for it).

– Siehe Bruttoinlandsprodukt, Industrieproduktion, Volkseinkommen, Wert.

– Vgl. Jahresbericht 2005 der EZB, S. 62 ff. (sektorale Gliederung der Wertschöpfung innert des Euroraums; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Februar 2013, S. 68 ff. (Bruttowertschöpfung im Eurogebiet nach Wirtschaftszweigen; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom April 2014, S. 64 ff. (Wachstum der sektoralen Wertschöpfung seit 1997; viele Übersichten; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertschöpfung, industrielle (value added by industry):

Der Beitrag der Industrie, in der Regel einschliesslich des Baugewerbes (construction), am Volkseinkommen. - Dieser Wert wird häufig als Masstab (indicator) für die Beurteilung des längerfristigen Wechselkurses der Währung des entsprechenden Landes bzw. Währungsraums angesehen. Es gibt allerdings unterschiedliche Meinungen darüber, ob und inwieweit ein solcher Zusammenhang unterstellt werden kann. - Jedenfalls lag der Anteil der industriellen Wertschöpfung im Jahr 2012 in Deutschland bei 30,5 Prozent, in der EU gesamthaft bei 24,9 Prozent, im Durchschnitt der Mitglieder der Europäischen Währungsunion bei 25,0 Prozent und in den USA bei 21 Prozent. Die entsprechenden Zahlen sind jeweils dem Statistics Pocket Book der EZB, Statistik "GDP per capita and gross value added by economic activity" und dort der Spalte "Industry including construction" zu entnehmen.

– Siehe Tertiarisierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertschriften (securities):

Vor allem in der Schweiz gesagt für Wertpapiere.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertschwankungsrisiko (price alteration risk):

Wenn nicht anders definiert bei einer Versicherung die Gefahr, dass das Sicherungsvermögen marktbedingten Verlusten unterliegt, wie etwa bei einem allgemeinen Kurssturz in Zuge einer Finanzkrise. - Zur Absicherung gegen dieses Risiko müssen Versicherungen daher entsprechende Reserven vorhalten.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 77 (ein Versicherer darf die Hälfte der Überschussbeteiligung der Wertschwankungs-Reserve zuführen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertspeicher (store of value):

Allgemein jedes Gut und im Besonderen das Geld, dem die Fähigkeit zukommt, nicht verbrauchte Einkommensteile ohne Verlust in die Zukunft zu übertragen (the capacity of an item to transfer real purchasing power over time without any loss).

– Siehe Edelmetalle, Geldfunktionen, Gold, Wertaufbewahrungsmittel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wertstellung und Valutierung (validation, value date):

1 Das Datum, zu dem eine Buchung als Gutschrift oder Belastung auf einem Konto wirksam wird (the date on which an entry made on an account becomes effective). Die Wertstellung kennzeichnet den Beginn der Zinsrechnung für den entsprechenden Buchungsvorgang.

2 Die Festlegung des Preises für einen Vermögensgegenstand, der Marktpreisschwankungen ausgesetzt ist, wie etwa Optionen, Devisen-Swapgeschäften und ähnlichen Verträgen (the date when the value of an asset that fluctuates in price is determined; it usually applies to forward currency contracts, options and other derivative securities, interest payable or receivable).

– Siehe Kursrisiko, Skadenz, Valutierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wesentlichkeit (materiality):

In Zusammenhang mit der Rechnungslegung eines Unternehmens die Forderung, dass die Bedürfnisse der Aktionäre und der Öffentlichkeit nach genauer Darstellung des Geschäftsverlaufs (fair presentation) an erste Stelle zu setzen sind, selbst wenn die Kosten der Rechnungslegung dadurch höher ausfallen. Die Entscheidungsnützlichkeit für den Adressaten ist oberstes Gebot. Wichtige Angaben andererseits dürfen nicht durch eine Fülle von Detailinformationen verwässert werden; genauer: unangenehme Tatsachen mit einem Halbsatz in einen Wust von Sprache (in an inextricable mess of verbiage) verpackt werden.

– Siehe Angaben, verschleierte, Darstellung, glaubwürdige, Informations-Überladung, Klartext, Nichts, bilanzielles, Pervasive Constraint, Pensionsverpflichtungen, Stetigkeit, Substance-over-Form-Grundsatz, Verständlichkeit, Zuverlässigkeit, Zweckmässigkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Westdeutsche Landesbank AG, WestLB (West German Federal State Bank):

Die Landesbank von Nordrhein-Westfalen, die sich durch die Jahrzehnte neben Bankgeschäften auch mit ihren Firmenflugzeugen als Fahrbereitschaft (motor pool) für Landespolitiker betätigte. Der Vorstand und Aufsichtsrat waren mehrheitlich mit wenig sachkundigen Parteitreuen (party comrades) aus dem linken Lager besetzt. Die Wirtschaftsprüfer sahen keine Veranlassung, diese Praxis zu rügen, und auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht schien es lange Zeit mit der Prüfung der Sachkunde der entsprechenden Personen überhaupt nicht eilig zu haben. Der Vorstand des Instituts fühlte sich als Global Player, und die Bank stieg international in Geschäfte ein, die grösstenteils mangels Unkenntnis und grober Fehleinschätzung der Märkte zu Verlusten führten. Im Zuge der Subprime-Krise geriet die WestLB dann in eine schwere Schieflage, aus dem es durch öffentliche Mittel gerettet werden musste. Im Dezember 2011 wurde das Institut auf Betreiben der EU-Kommission zerschlagen.

– Siehe Aufsichtsrats-Mitglied, Blind-Taub-Verbindung, Blutbad, Geldverbrennung, Hypo Real Estate-Rettung, Risikoschirm, Sachkunde.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 123 f. (einzelne Schritte zur Rettung der WestLB), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 135 f. (Umstrukturierung der WestLB), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 155 f. (Umstrukturierung dauert an), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 159 (ab Ende Juni 2012 wird die WestLB keine Bankgeschäfte mehr tätigen; weitere Einzelheiten zu deren Auflösung), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 141 (Abwicklung; Umbenennung in Portigon AG).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wettbewerb und Konkurrenz, in der älteren Literatur auch Ämulation, Emulation und Kompetition (competition):

Allgemein gesehen das Bemühen mehrerer um die Erreichung eines Zieles. Indessen wird dieses Ziel aber nur von einem einzigen bzw. mehreren Ersten auch tatsächlich erreicht (an occasion on which a winner is selected from among two or more contestants). - Beim Wettbewerb auf allen Ebenen der Wirtschaft heisst dieses Ziel, durch ein preiswertes Angebot von Gütern (goods: Waren oder Dienstleistungen) Käufer zu gewinnen. Konkurrenz im ökonomischen Sinne hat im Wesentlichen fünf Aufgaben, nämlich eine

1. Anspornfunktion (incentive function): viele, die zur Erreichung des Zieles grundsätzlich fähig sind, werden zur Höchstleistung angeregt;

2. Bestimmungsfunktion (determinative function): aus dem Ergebnis des Wettbewerbs lässt sich objektiv, unparteiisch feststellen, wie ein Ziel bestmöglich, nämlich am sparsamsten, mit den geringsten Kosten zu erreichen ist;

3. Auslesefunktion (selective function): derjenige bzw. diejenigen, welche das gesetzte Ziel am besten erreichen können, werden aus einer Vielzahl anderer eindeutig ausgesucht und belohnt;

4. Dienstfunktion (beneficial function): die Käufer, um deren Gunst man sich im Wettbewerb bemüht, erhalten das Gut am vorteilhaftesten und

5. Gemeinnutzfunktion (social function): jeder Wettbewerber ist unausweichlich gezwungen, sich den Anliegen und Wünschen der möglichen Kunden zuzuwenden; allein so kommt er als Anbieter im Markt überhaupt zum Zuge.

– Ökonomischer Wettbewerb dirigiert (directs, put on the right track: er leitet gleichsam über ständigen Ansporn und fortlaufende Auslese) das Wirtschaften auf die genannten Funktionen hin. Man spricht daher auch häufig von der Lenkungsfunktion des Wettbewerbs (allocation function of competition).

– Siehe Banknamen-Abkürzung, Kollusion, Marktabsprachen, Marktkräfte, Pankratium, Preis.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wettbewerbsfähigkeit (competitiveness):

Das Vermögen, die Tauglichkeit eines Anbieters

1. unter marktwirtschaftlichen Bedingungen (market economy conditions: keine Präferenzen: die Käufer stehen den Verkäufern indifferent, nämlich völlig unvoreingenommen, neutral gegenüber),

2. gleichzeitig mit anderen oder

3. gar vor anderen Anbietern desselben Gutes bei den Nachfragern zum Zuge zu kommen. Der Begriff wird auch auf einen einzelnen Staat oder auf höhere Gebilde wie etwa die EWU bezogen.

– Verlust der Wettbewerbsfähigkeit (loss of competitiveness) meint dann, dass einzelne Mitgliedsstaaten - wie derzeit etwa Griechenland, Portugal, Spanien und Zypern - auf den internationalen Märkten keinen Erfolg mehr haben (fail to apply in international supply). Hauptgrund dafür ist, dass ihre Produkte qualitativ den Ansprüchen der Nachfrager nicht entsprechen oder zu teuer sind. Im ersten Fall bedarf es einer gezielten Innovationspolitik (a strategy to encourage advancements in technology and/or services, generally by investing in research and development). Im zweiten Fall müssen die Löhne für längere Zeit langsamer steigen als die Produktivität. Damit einher sollten auch weitere Massnahmen gehen, wie vor allem Vereinfachung des Markeintritts (simplification of market entry) und Öffnung für zugangsbeschränkte Berufe (restricted professions). - Logisch und ökonomisch un=sinnig ist es, von anderen Anbietern - Staaten innert der EWU wie Deutschland oder die Niederlande - mit einem hohen Mass an Wettbewerbsfähigkeit zu verlangen, dass sie diese einschränken, indem sie etwa Verbesserungsinvestitionen behindern. Hinter solchen Vorschlägen steht die Ansicht, dass die Einbusse an Wettbewerbsfähigkeit eines Landes zum Vorteil eines anderen gereiche; oder bildlich gesprochen: dass eine Fussballmannschaft auf Dauer leistungsfähiger würde, wenn die überlegene Mannschaft nicht mehr trainiert und dadurch in ihrem Leistungsvermögen abfällt. Dem Mangel an Wettbewerbsfähigkeit ist grundsätzlich nur abzuhelfen, indem man sich die Marktkräfte zunutze macht, um im Bild zu bleiben: indem die unterlegene Mannschaft sich ertüchtigt, und ganz sicher nicht, indem man sie ausschaltet. Dass sich diese Einsicht vor allem bei den Defizitstaaten kaum durchsetzt, erklärt die (Sozial)Psychologie mit dem Lehrsatz, dass die Schuld für eigenes Versagen fast immer zunächst bei anderen anstatt bei sich selbst gesucht wird.

– Siehe Arbeitsmarkt-Flexibilität, Balassa-Index, Bankenunion, Blame game, Brain Drain, Europäischer Stabilisierungsmechanismus, Erpressungspotential, Erzeugerpreise, industrielle, EWU-Sprengsatz, Forschungsquote, Patenterteilungen, Produktionskosten, Risikoteilung, Strukturwandel, Terms Unit-Value-Relation Wettbewerbs-Status, internationaler.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2010, S. 44 f. (Indikatoren s Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2010, S. 44 f. (Indikatoren preislicher Wettbewerbsfähigkeit; Übersichten; Länder-Tabelle).der Wettbewerbsfähigkeit; Übersichten; Länder-Tabelle), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Februar 2012, S. 36 f. (preisliche Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands gegenüber 56 Handelspartnern; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Juni 2012, S. 72 ff. (Wettbewerbsfähigkeit einzelner Mitglieder der Eurozone; Auswirkungen auf die Preisstabilität; Ursachen bestehender Abweichungen), Jahresbericht 2012 der EZB, S. 63 ff. (unterschiedliche Wettbewerbsfähigkeit in der EWU; S. 67: Ausblick), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2013, S. 51 ff. (Berechnungsfragen; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2013, S. 31 ff. (Ansätze zur Berechnung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit, zahlreiche Übersichten), Geschäftsbericht 2013 der Deutschen Bundesbank, S. 47 ff. (Aussenhandel und Wettbewerbsfähigkeit; Übersichten; Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wettbewerbs-Status, internationaler (extra home-area price competitiveness):

Zustand einer Volkswirtschaft bzw. eines Währungsgebietes wie die Eurozone in Hinblick auf das Verhältnis gegenüber der internationalen Konkurrenz. Von der EZB wird diese Grösse im Rahmen des Zwei-Säulen-Prinzips gemessen und laufend beobachtet.

– Siehe Arbeitsmarkt-Flexibilität, Balassa-Index, EWU-Sprengsatz, Fiskalpakt, Haushalts-Kennziffern, Erpressungspotential, Strukturwandel, Terms of Trade, Ungleichgewichte, EWU-interne, Unit-Value-Relation, Wachstumsbeitrag, Wettbewerbsfähigkeit, Zahlungsbilanz.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2003, S. 76 f., Monatsbericht der EZB vom Juli 2006, S. 75 ff. (straffe Darstellung, erläuternde Übersichten; hier auch zur Rolle der nicht-preislichen Wettbewerbsfähigkeit), Monatsbericht der EZB vom Februar 2007, S. 58 ff. (Berechnung von harmonisierten Indikatoren der Wettbewerbsfähigkeit für die Länder im Eurogebiet), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2007, S. 41 f. (Veränderungen der Wettbewerbs-Positionen innert des Eurogebiets; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Januar 2008, S. 81 ff. (lehrbuchmässige Darstellung mit vielen Übersichten und Literaturverweisen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2008, S. 42 f. (Zusammenhang zwischen preislicher Wettbewerbsfähigkeit und Wirtschaftswachstum), Jahresbericht 2008 der EZB, S. 93 ff. (unterschiedliche Wettbewerbsfähigkeit einzelner EU-Mitgliedsstaaten; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Mai 2009, S. 76 f. (Entwicklung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit seit 2006; Einfluss des Eurokurses; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2010, S. 44 f. (Indikatoren preislicher Wettbewerbsfähigkeit; Übersichten; Länder-Tabelle), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2013, S. 31 ff. (Ansätze zur Berechnung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit, Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2014, S. 21 ff. (Ursachen mangelnder Wettbewerbsfähigkeit einiger Mitglieder; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wettbewerbs-Status, Überwachung (monitoring of competitiveness):

Vorschlag, zumindest für die Mitglieder des Eurogebiets eine über die Bestimmungen des Stabilitäts- und Wachstumspaktes hinausgehende laufende Beobachtung der Wettbewerbsfähigkeit anhand bestimmter Merkmale einzuführen. Der Zweck einer solchen Massnahme liegt darin, Fehlentwicklungen (erroneous trends) in einzelnen Mitgliedsstaaten, die am Ende immer zu Lasten der Gemeinschaft gehen, frühzeitig zu erkennen und ihnen entgegenzusteuern. - Mit dem erstmals 2012 von der Europäischen Kommission veröffentlichten Frühwarnbericht wurde dieses Anliegen grundsätzlich umgesetzt. Freilich enthält der Frühwarnbericht (scoreboard) nur eine Darstellung des Ist-Zustandes (actual situation). Empfehlungen, wie die Wettbewerbsfähigkeit zurückzugewinnen wäre, gibt der Bericht jedoch nicht.

– Siehe ClubMed, Anleihe-Spread, Bail-out, Ecofin-Rat, Euro-Anleihen, gemeinsame, Europäischer Währungsfonds, Erpressungspotential, EWU-Sprengsatz, Fiskalpakt, Frühwarnrecht, Government Spreads, Hellenoschwärmerei, Plan C, Schuldentilgungspakt, europäischer, Semester, europäisches, Ungleichgewichte, EWU-interne, Vertragstreue, Wachstumsförderung, Wachstumsunterschiede, währungsrauminterne.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2010, S. 44 f. (Indikatoren preislicher Wettbewerbsfähigkeit; Übersichten; Länder-Tabelle), Monatsbericht der EZB vom Mai 2009, S. 76 f. (Entwicklung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit seit 2006; Einfluss des Eurokurses; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wettbüros (betting business):

Wer in Deutschland Wetten aller Art, insbesondere auch Punktwetten (point spread bets) im Fussball und im Sport allgemein anbietet, bedarf hierzu einer staatlichen Genehmigung, die bis anhin noch von der zuständigen Wirtschafts- und Ordnungsbehörde des jeweiligen Kreises bzw. der Stadt ausgesprochen wird. Grundlage dafür ist § 2 Abs. 1 Rennwett- und Lotteriegesetz (RennwLottG). Es ist sind ferner §§ 762 ff. BGB zu beachten. Eine Überwachung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht findet nicht statt; diese wird aber vielfach gefordert, allein schon wegen der sehr hohen Umsätze auf diesem Markt und der Verflechtung mit dem internationalen Buchmacher-Gewerbe (bookmaking business; the term bookmaking means the act of taking or receiving, while engaged in the business or profession of gambling, any bet or wager upon the result of any trial or contest of skill, speed, power, or endurance of human, animal, fowl [= birds collectively, especially as the quarry of hunters] motor vehicle, or mechanical apparatus or upon the result of any chance, casualty, unknown, or contingent event whatsoever).

– Siehe Buchmacher, Bucketshop, Finanzwetten, Geldwäsche, Lotterie, Kandidatenwette, Pool, Spielbank.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 199 (Erlaubnisprüfungen durch die BaFin).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wetterderivat (weather derivative):

Finanzinstrument, bei dem witterungsbedingte Umstände - in erster Linie die Temperatur und die Niederschlagsmenge - den Basiswert bilden (a derivative whose payout is based on a specified weather event, as the temperature or the rainfall; the derivative can be used to hedge risks connected with the demand for heating fuel or electricity). Solche Derivate kamen erst nach 1990 auf, wiewohl schätzungsweise achtzig Prozent des ökonomischen Geschehen weltweit unmittelbar oder mittelbar vom Wetter abhängt. Vertragspartner sind in der Regel Unternehmen aus besonders von Witterungsbedingungen abhängigen Branchen wie Landwirtschaft, Wasserversorgung oder Elektrizitätserzeugung auf der einen Seite und Versicherungen bzw. Banken auf der anderen Seite. Auch Gemeinden, die sehr stark vom jahreszeitlichen Fremdenverkehr abhängen (Badestrände; bathing beaches, Skigebiete; skiing areas), verlagern das Risiko auf diesem Wege. Den Wetterderivaten wird angesichts des fortschreitenden Klimawandels (progressing climate change) für die Zukunft eine grosse Bedeutung zugemessen.

– Siehe Call, Cap, Chooser Cap, Contingent Swap, Denominierung, Derivat, Derivategeschäfte, bilaterale, Derivate-Kodex, Derivategeschäfte-Clearingpflicht, Derivategeschäfte-Meldepflicht, Derivateverordnung, Finanzarchitektur, Hurrikan-Schock, Katastrophen-Anleihen, Kreditderivat, Marktrisiko, Retrozession, Rohstoff-Terminvertrag, Zertifikat, Zinsoption, Zinsswap.

– Vgl. Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2014, S. 58 f. (Einfluss des Wetters auf das Brutto-Inlandsprodukt; Literaturhinweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2014, S. 23 ff. (witterungsbedingte Einflüsse auf das Sozialprodukt am Beispiel der USA; Übersichten; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Whistleblower (so auch oft im Deutschen gesagt, seltener Informant und Informationszuträger):

In Bezug auf den Finanzmarkt eine Person, die unzulässiges Handeln wie etwa Insidergeschäfte, Köderangebote oder Untertunnelung, von dem diese Person an ihrem Arbeitsplatz erfährt, der Aufsichtsbehörde bzw. auch der Öffentlichkeit bekannt macht (employee who gets to know of an illicit activity going on in its company and mention it to the supervising authority or to the public). - Es wird behauptet, dass die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht über die meisten verbotenen Geschäfte durch Whistleblower Kenntnis gewinne. Ähnliches wird auch von der Compliance-Abteilung der Deutschen Börse gesagt.

– Siehe Delator, Dissemination, Falscherklärung, Handelsüberwachungsstelle, Gerüchtestreuen, Mitarbeiter-Informationspflicht, Sonderprüfungen, Wash Sales.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wholesale Banking (so auch im Deutschen gesagt; seltener Globalgeschäft und Grossgeschäftszweig):

1 Transaktionen einer Bank an den internationalen Kapitalmärkten. Dazu zählt der Handel mit Geld, Devisen, Aktien, festverzinslichen (fixed interest bearing) Wertpapieren und Kapitalmarktprodukten wie Derivate.

2 Alle Geschäfte ausserhalb des Retailgeschäftes, Umsätze also mit Grosskunden (type of banking which provides services to other banks or large corporations), und in diesem Sinne dann nicht auf einen geographischen Raum bezogen; zuweilen auch mit Grosskundengeschäft übersetzt.

– Siehe Arranger, Retailgeschäft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wicksell-Effekt (Wicksell effect):

Sinkt durch entsprechende Politik der Zentralbank der Preis für Kredite - also der Marktzins (market interest rate) - dann werden Unternehmen solange mehr Darlehn bei den Banken aufnehmen, bis der natürliche Zinssatz (natural rate of interest; = hier: der Ertrag aus einer Investition) dem Marktzinssatz gleich ist. Bei steigender Investitionstätigkeit werden demnach fortlaufend Investitionen mit geringerem natürlichen Zinssatz getätigt. - Diese Überlegung geht entgegen der ökonomischen Wirklichkeit aber davon aus, dass

1. die Entscheidung über eine Investition ausschliesslich oder doch vorwiegend zinsbestimmt sei. Es wird also stillschweigend unterstellt (considered as implicit), dass die kreditnachfragenden Unternehmen für die Investitionsvorhaben auch günstige längerfristige Gewinnerwartungen hegen, und zudem,

2. dass die kreditgewährenden Banken auch ohne Rücksicht auf die Verschuldungsgrenze eines Unternehmens dieses mit Kredit bedienen.

– Siehe Niedrigzinspolitik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Widerstandslinie (resistance line, resistance level):

An der Börse bei Wertpapieren - seltener auch auf Kurse von Währungen bezogen - eine rechnerische Kursobergrenze (the level above which the price has very little chance of rising). Sie bestimmt sich in der Regel aus einer Fundamentalanalyse.

– Siehe Analyse, technische, Charts, Histogramm, Fundamentalanalyse, Kartierung, Kursbereich, gehandelter, Random-Walk-Hypothese, Unterstützungslinie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wiedereindeckungs-Risiko auch Wiederberschaffungs-Risiko (replacement risk):

Bei Optionsverträgen die Gefahr, dass bei einem Termingeschäft der Geschäftspartner ausfällt (counterparty risk; Kontrahentenrisiko), und dass deswegen die zu einem späteren Zeitpunkt vereinbarte Leistung (underlying asset; Basiswert) zu den dann geltenden, ungünstigeren Marktbedingungen angeschafft werden muss (the risk that the counterparty will not fulfill a contract, thus causing the other party to replace the traded item, and potentially incur a loss while doing so).

– Siehe Complex Option, Erfüllung, Finanzialisierung, Korrelationsrisiko, besonderes, Lieferung, physische, Rohstoff-Terminvertrag, Szenarien, aussergewöhnliche, Transaktion, komplette, Verfügbarkeitsprämie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wiegendruck-Investition (incunabula investment):

Der Kauf von Wiegendrucken (Inkunabeln; incunabula: pre-1501 printed books) zum Zweck der Geldanlage im Vertrauen auf Werterhaltung (long-term maintenance of value) und Wertsteigerung (accretion). Von Anlageberatern (investment advisers) sowie in einschlägigen Internet-Foren vor allem nach der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise wurden solche Käufe vielfach empfohlen. - Übersehen wird dabei häufig, dass es sich bei einem Wiegendruck, im Gegensatz etwa zu einer Anlage in Edelmetall, um einen überaus pflegebedürftigen Gegenstand (high-maintenance object) handelt. Dessen dinghafte Erhaltung erfordert bestimmte Vorkehrungen, vor allem hinsichtlich der Temperatur und Luftfeuchtigkeit am Aufbewahrungsort. Das ist in jedem Fall mit Aufwendungen verbunden, denen die Kosten für die Lagerung wertgleicher Gegenstände wie etwa Gold unter Berücksichtigung der Erwartungen hinsichtlich des späteren Verkaufspreises gegenüberzustellen sind. Hinzu tritt, dass der Markt für Inkunabeln sehr eng ist und im Vergleich zu anderen Anlagegegenständen wie etwa Edelmetall sowohl der Kauf als auch der Verkauf hier ganz besondere Marktkenntnis (special market knowledge) erheischt.

– Siehe Anlage-Risiko, Portfolio-Optimierung, Vieleck, magisches.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wiener Initiative (Vienna Initiative):

Eine während der Finanzkrise im Frühjahr 2009 unter Führung der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung ins Leben gerufene Koordinierungsabsprache. Der Inhalt der Vereinbarung bestand darin, in Schieflage geratene Institute in Osteuropa zu unterstützen. Die besonders in den osteuropäischen Krisenländern vertretenen Institute sagten in der freiwilligen Übereinkunft (voluntary agreement) zu, sich nicht aus den Ländern zurückzuziehen und darüber hinaus ihre dort gelegenen Töchter weiterhin mit Liquidität zu versorgen. Ziel dabei war es letztlich, den Bestand von Staatsanleihen dieser Länder in den Händen der Gläubiger möglichst unverändert zu halten.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2012, S. 100 (die Wiener Initiative ermöglichte weithin eine weiche Landung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wildbanngeld auch Wildgeld (hunting payment):

Frühere Abgabe an den Jagdherrn (owner of the hunting ground) für das Recht, (Hoch)Wild jagen zu dürfen. Wildbann = Forstbezirk (forest district); Bann (zone) = hier: abgegrenztes Herrschaftsgebiet.

– Siehe Fischpfennig, Jägergeld, Schussgeld, Wassergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Windkraftgeld (wind turbine money):

1 Subvention des Staates zur Errichtung oder für den laufenden Betrieb einer Elektrizität erzeugenden Windradmaschine (wind power generator, wind rotor, wind turbine).

2 Abgabe auf Windräder (wind mills), von einzelnen Gemeinden erhoben, um das Aufstellen von Windkrafträdern abzuwehren oder zahlenmässig in Grenzen zu halten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Window on Technology (so auch im Deutschen; manchmal mit Technologiezugang übersetzt):

Jemand - und seit etwa 2000 im Besonderen auf Vulture Funds oder einen Staatsfonds bezogen - kauft sich mit einer Beteiligung in einem Unternehmen ein mit dem vorrangigen Ziel, sich dadurch Zugang zum technischen Know-how dieser Firma zu verschaffen.

– Siehe Ausschlachten, Burn-Out Turnaround, Go-go-Fonds, Hedge-Fonds, Heuschrecken, Leveraged Buy-out, Private-Equity-Funds, Risikokapital, Staatsfonds, Trade Sale.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Winkelmakler (outside broker, bucket-shop):

Finanzdienstleister ohne Erlaubnis, die in der Regel in Offshore Finanzplätzen ansässig sind, und die entweder durch E-Mail-Angebote oder Telephonanrufe aus Dampfstuben sehr gezielt an mögliche Kunden herantreten. Nicht selten vertreiben diese auch - für die Augen des Laien und oft sogar selbst des Fachmanns kaum erkennbar - gefälschte oder verfälschte Papiere aller Art, häufig auch Counterfeit Cards. - Genaue Angaben über deren Umsätze gibt es nicht; Schätzungen gingen für die USA im Jahr 2005 von nahezu zehn Prozent des Gesamtumsatzes auf dem Markt für Finanzdienstleistungen aus. Beobachter unterstellen, dass sich dieser Prozentsatz zeither kaum vermindert hat, zumal vor allem Privathaushalte oft genug in solche Anbieter mehr Vertrauen setzen als in Institute vor ihrer Haustür.

– Siehe Address Spoofing, Bankenführerschein, Billigkopie, Blind Pool, Blue-sky laws, Böhnhase, Bucketing, Cold Calling, Dampfstube, Dingo-Werte, Domizil-Verschleierung, Einziehung, Enabler, Explorer-Werte, Financial Intelligence Unit, Finanzagent, Finanzgeier, Firmenbestatter, Frontrunning, Geheimtip, Geldwäsche, Ghettobanking, Geldtransfer-Vermittler, Geldwäsche, Hawala, High risk countries, International Business Company, Kursmanipulation, Pairoff, Racheengel, Offshore Finanzplätze, Racheengel, Scalping, Schattenbankbereich, Scheintransaktionen, Skimming, Underground Banking, Wechselstuben.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 71, S. 73 ff. sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wipper (clipper):

Münzverfälscher, die Kurantmünzen abspänten (chip with a cutting tool) und das böse Geld in Umlauf brachten. Das zwang den Geschäftsverkehr, jede einzelne Münze zu wiegen.

– Siehe Geld, böses, Doublé-Münze, Katzengeld, Kipper, Münzcommis, Münze, Riffelung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wirtschaft, zweigeteilte (two-tier industry, dualistic branches):

Nach 2000 und auch im Zuge von Basel-II aufgekommene Bezeichnung für die Tatsache, dass im Verlauf der Globalisierung sich einige Branchen vom heimischen Markt abkoppeln, und den Einkauf der Vorprodukte (buying of intermediate products), die Fertigung sowie den Vertrieb weltweit organisieren. Dem stehen rein oder doch vorwiegend binnenorientierte Branchen (domestically-oriented sectors) gegenüber, wie etwa die Abfallwirtschaft (waste industry) oder die sehr vorleistungsintensive (characterised by considerable advance inputs) Bauindustrie. - Bei Darlehn an entsprechende Industriezweige entstehen dadurch unterschiedliche Risiken. Auch werden erfahrungsgemäss global tätige Unternehmen die Dienste der Banken in den jeweiligen Gastländern über kurz oder lang in Anspruch nehmen. In Bezug auf den Arbeitsmarkt bedingt die Zweiteilung, dass hohe Lohnsteigerungen rascher als früher zu einer Verlagerung der Produktion in andere Länder führen.

– Siehe Balassa-Samuelson-Effekt, Globalisierung, finanzielle, Internationalisierung, Entkopplungs-These.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2006, S. 37 ff. (Lohnentwicklung der beiden Sektoren).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wirtschaftsauskunftei (credit reference agency, credit reporting agency; CRA):

Ein Unternehmen, dessen Geschäftszweck die Ermittlung und Bereitstellung von Unterlagen über die wirtschaftlichen Verhältnisse von Privathaushalten und Unternehmen ist (an agency that collects and issues credit-history evidence of individuals and businesses). Grosse Wirtschaftsauskunfteien arbeiten heute weltweit; über drei Viertel ihrer Kunden sind Banken und Versicherungen.

– Siehe Abtauchen, Auskunftei, Bonität, Hilfsdienste, bankbezogene.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wirtschaftsgeld (housekeeping money, household money):

1 Ausgaben eines Privathaushalts für die Lebensführung (subsistence, maintenance).

2 Finanzielle Leistungen der Sozialbehörde an bedürftige Einzelpersonen oder Privathaushalte, manchmal auch Haushaltsgeld (housekeeping allowance) genannt.

3 Die von öffentlichen Stellen oder privaten Spendern (private donors) einer kulturellen Einrichtung - wie vor allem einem Theater oder Orchester - zur Verfügung gestellten Mittel.

– Siehe Überlebensgeld, Wohngeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wirtschaftsindikatoren, wichtige (essential economic indicators):

Von der EZB in regelmässigen Abständen erfasste Zahlen aus verschiedenen Bereichen der Volkswirtschaft, in erster Linie zum Zwecke der Inflationsprognose.

– Siehe Economic Sentiment Indicator, Erhebung fachlicher Prognostiker, Inflationsrate, erwartete, Konjunkturdiagnose, Krisen-Vorschatten, Stimmungs-Indikatoren, Vorlaufindikatoren, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom März 2003, S. 68 f., Monatsbericht der EZB vom Juli 2003, S. 25 f., Monatsbericht der EZB vom September 2003 (Bericht über Fortschritte und Mängel bei der Erfassung), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2005, S. 66 ff. (Übersicht der Indikatoren, Verbesserungen in der Erfassung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wirtschaftskrise (economic crisis):

Ein überaus häufig benutzter, gleichwohl aber weder inhaltlich (connotative: Anzahl der Merkmale) noch umfänglich (scope of the concept: Summe der Einzelgegenstände, die zugeordnet werden) klarer Begriff. - Der Internationale Währungsfonds schlug vor, von einer Wirtschaftskrise erst dann zu sprechen, wenn das Bruttoinlandsprodukt um mehr als zehn Prozent schrumpft. Bemängelt wurde, dass bei dieser Definition der Arbeitsmarkt unberücksichtigt bleibt.

– Siehe Arbeitslosenquote, Baisse, Börsenkrach, Crash, Depression, Dialemma, Finanzkrise, Finanzmarktschock, Friedhof-Markt, Frühlingstriebe, Insolvenzfälle, Jobless Recovery, Konjunkturzyklus, Krisenpeitsche, Krisenplan, Krisen-Vorschatten, Panikverkäufe, Rezession, Stellenanzeigen-Index, Zyklik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wirtschaftsordnung, auch: Wirtschaftsverfassung (economic order, economic organisation):

Der organisatorische und rechtliche Rahmen, innert dessen die Wirtschaftssubjekte tätig werden können und der Wirtschaftsprozess (economic process: die aufeinanderfolgenden Akte der Herstellung und des Verbrauchs von Gütern zum Zwecke der menschlichen Bedürfnisbefriedigung) abläuft. - Grundsätzlich, rein gedanklich (theoretical: relating to the general principles) unterscheidet man hier zwei Formen, nämlich

1. einen zentralverwaltungswirtschaftlichen (centrally administered; planwirtschaftlichen) Weg, bei der Behörden alle Abläufe lenken und

2. eine dezentrale, eigenverantwortliche Abstimmung der einzelnen Wirtschaftspläne über Angebot und Nachfrage auf den Märkten.

– Unzählige Untersuchungen und ein eigenes Teilgebiet der Wirtschaftswissenschaften fanden heraus, dass die marktwirtschaftliche Ordnung unter normalen Umständen in jeder Hinsicht der planwirtschaftlichen Form überlegen ist. Im einzelnen bedarf jedoch die marktwirtschaftliche Ordnungsform bestimmter und fester Regeln und unter Umständen auch einer behördlichen Überwachung, wie etwa durch die Aufsichtsbehörden auf dem Finanzmarkt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wirtschaftspatriotismus (economic patriotism):

Um 2005 aufgekommene Bezeichnung für eine ablehnende Haltung (negative attitude) gegenüber

1. den Integrationsbemühungen der EU; in der Regel dazu verbunden auch noch mit der Forderung, die Europäische Währungsunion wieder zu verlassen,

2. der weltwirtschaftlichen Verflechtung (interconnected global economy: Globalisierung), hier auch mit der Folge, dass ein neues Welthandelsabkommen (world trade regime) mit globalen Zollsenkungen wie etwa die Doha-Runde kaum durchzusetzen ist, wiewohl das Einkommen der Erdbevölkerung dadurch wesentlich zunehmen würde.

– Der Wirtschaftspatriotismus dürfte anwachsen, solange sich nicht bei allen die Erkenntnis verbreitet, in einem grösseren Wirtschaftsraum mehr zu gewinnen als zu verlieren ist. Betrachtet man freilich die Zusammensetzung der sog. Globalisierungsgegner (anti-globalisation protester), so dürfte wohl kaum zu erwarten sein, dass sich die Vernunft durchsetzt und die Einsicht auf einen Vorteil für alle durch den globalen Handelsaustausch innert dieses Personenkreises einkehrt. Hinzu tritt, dass auch populistische Politiker aller Schattierungen (populist politicians of all hues) sich lauthals für eine Abkopplung von den Weltmärkten einsetzen, gerade diese aber von den Medien mit Vorliebe ins Rampenlicht gestellt werden.

– Siehe Euro-Währungsraum, Nebenwährung, Opting-out-Vereinbarung, Plan C, Präklusivtermin, Regionalgeld, Rückkehr-Ideologie, Währungsunion 2, Weltwährung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wirtschaftspolitik, europäische (European economic policy):

Eine gemeinsame europäische Wirtschaftspolitik ist auch im Lissabon-Vertrag nicht vorgesehen; Artikel 4 EUV stellt dies ausdrücklich fest. Jedoch wurde durch Artikel 136 AEUV die Möglichkeit geschaffen, dass die Mitglieder des Eurosystems Grundzüge für eine gemeinsame Wirtschaftspolitik und Massnahmen zur Überwachung ihrer Haushaltsdisziplin beschliessen können. Auf mehreren Gipfeltreffen einigte man sich Ende 2011, den Lissabon-Vertrag um einige Elemente zu ergänzen, die vor allem in Bezug auf die Haushaltspolitik der EU-Kommission gewisse Aufsichtsrechte einräumen.

– Siehe Eurogruppe, Fiskalunion, Frühwarnrecht, Semester, europäisches, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Wachstumskräfte-Mobilisierung, Wachstumsunterschiede, währungsrauminterne, Wirtschaftsregierung, europäische.

– Vgl. Jahresbericht 2011 der Deutschen Bundesbank, S. 37 ff. (wirtschaftliche Koordinierung in der EU allgemein und im Besonderen; Übersicht; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wirtschaftsprüfer (chartered accountant; USA: certified public accountant):

Person, die mit der Untersuchung und Überwachung (analysis and control) der ordnungsgemässen Rechnungslegung (proper accounting) eines Unternehmens beauftragt ist. - Wertpapier-Dienstleistungs-Unternehmen müssen sich in Deutschland nach § 36 WpHG einer aufsichtsrechtlich im Einzelnen vorgeschriebenen Prüfung durch Wirtschaftsprüfer unterziehen. Das deutsche Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) hat dazu 2001 ein eigenes Regelwerk aufgestellt. - Wirtschaftsprüfer sind im Grunde Fachleute für die Rechnungslegung. Es kann indessen nicht ihre Aufgabe sein, unternehmerische Risiken zu erkennen. Eine von Wirtschaftsprüfern als ordnungsgemäss bestätigte (certified) Bilanz lässt daher keine Rückschlüsse auf die Risikolage (risk situation) des betreffenden Unternehmens zu. - Die EU-Kommission veröffentlichte im Herbst 2010 Vorschläge, die weitreichende Änderungen in Bezug auf die Tätigkeit der Wirtschaftsprüfer vorsehen. So soll vor allem

1. die Bestellung des Abschlussprüfers und die Festlegung der Vergütung durch eine Regulierungsbehörde und nicht wie bis anhin vom Unternehmen selbst erfolgen,

2. eine regelmässige Auswechslung (rotation) des Prüfers vorgeschrieben werden, um der Gefahr einer zu grossen Vertrautheit vorzubeugen,

3. die gleichzeitige Beratung und Prüfung bei einem Unternehmen verboten sein,

4. das Oligopol grosser Prüfungsfirmen aufgebrochen werden; 2012 beherrschten die vier grossen, international tätigen Firmen PriceWaterhouseCoopers, KPMG, Ernst &Young und Deloitte weithin den Markt,

5. eine wirtschaftliche Betrachtungsweise für Prüfer vorgeschrieben werden, damit ein Bild der tatsächlichen Verhältnisse entsteht und nicht lediglich die Frage beantwortet wird, ob der Abschluss formal, äusserlich den Regeln der Rechnungslegung entspricht und

6. ein Europäischer Pass für Abschlussprüfer eingeführt werden, um das europaweite Angebot solcher Dienste zu vereinfachen.

– Siehe Abschlussprüfungs-Richtlinie, Amtsprüfung, Beratungs-Prüfungs-Mix, Bilanzkosmetik, Buchführung, kreative, Good Bank, Public Company Accounting Oversight Board, Sachverhaltsgestaltung, Steuerberater, Treuhänder, Unternehmenswert, Verständlichkeit.

– Vgl. Jahresbericht 2001 des Bundesaufsichtsamts für den Wertpapierhandel, S. 11; Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 81 (noch immer erhebliche Mängel in der Prüfung und Berichterstattung bei Banken in Bezug auf allfällige geldwäscherische Aktivitäten), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 113 (die BaFin kann Prüfungsgegenstände festlegen, welche der Wirtschaftsprüfer besonders zu berücksichtigen hat) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wirtschaftsraum (economic area):

Ein Gebiet, das durch

1. im gesamten gesehen weithin gleichförmige ökonomische Gegebenheiten gekennzeichnet ist, so wie beispielsweise das Ruhrgebiet oder die Küstenhafenstädte an der Nordsee, oder

2. kraft rechtlicher Vereinbarung zu einer mehrere Einzelstaaten übergreifenden Region geformt wurde - wie etwa die EU -, ohne dass in diesem Fall auch unbedingt eine gemeinsame Geldpolitik verbunden sein muss.

– Siehe Europäische Wirtschaftsraum, Wirtschaftsregierung, europäische.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wirtschaftsregierung, europäische (European economic government):

Vorschlag, in der Eurozone - manchmal auch gar: in der EU gesamthaft - eine einheitliche, von einem eigens hierzu einzurichtenden Gremium zu veranstaltende Wirtschaftspolitik zu betreiben; entgegen Artikel 4 des EUV, der alle nicht der EU übertragenen Zuständigkeiten bei den Mitgliedsstaaten belässt. - Insoweit diese, im Einzelnen sehr unterschiedliche Pläne auf eine Koordinierung der Fiskalpolitik ausgerichtet sind, so ist dagegen grundsätzlich nichts einzuwenden. Wenn aber durch ein solches Gremium in die Unabhängigkeit der EZB eingegriffen werden soll, dann ist Inflation programmiert. Denn der leichteste und publikumswirksame Weg, Beschäftigung und Wachstum kurzfristig zu erhöhen (short push), geht über eine Ausweitung der Geldmenge - was längerfristig (at medium and long term) dann jedoch zu bedeutend weniger Wachstum und viel mehr Arbeitslosigkeit führt. - Auch die in diesem Zusammenhang immer wieder vorgeschlagene Beeinflussung des Wechselkurses des EUR durch eine europäische Wirtschaftsregierung führt zu nichts. Denn internationale Wettbewerbsfähigkeit wird bestimmt nicht am Devisenmarkt erzielt. Vielmehr wird diese einzig und allein durch kostengünstige Ausbringung (by cost minimisation) in den Betrieben erarbeitet.

– Siehe Europäischer Währungsfonds, Fiskalunion, Geldwertstabilität, Inverzugsetzung, Semester, europäisches, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Subsidiaritätsprinzip, Wirtschaftsraum.

– Vgl. Jahresbericht 2011 der Deutschen Bundesbank, S. 37 ff. (wirtschaftliche Koordinierung in der EU allgemein und im Besonderen; Übersicht; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wirtschafts- und Finanzausschuss, WFA (Economic and Financial Committee, EFC):

Organ der EU mit der in Artikel 114 EGV festgelegten Hauptaufgabe,

1. die Wirtschafts- und Finanzlage der Mitgliedstaaten und der Gemeinschaft zu beobachten und dem Rat und der Kommission regelmässig darüber Bericht zu erstatten, insbesondere über die finanziellen Beziehungen zu Drittländern und zu internationalen Einrichtungen sowie

2. an der Vorbereitung der Arbeiten des Rates mitzuwirken, vor allem den Empfehlungen im Rahmen der multilateralen Überwachung (Art. 99 EGV) und den Entscheidungen des Verfahrens bei einem übermässigen Defizit (Art. 101 EGV); weitere Aufgaben sind im Vertragstext aufgeführt.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2007, S. 81 ff. (hier vor allem die Arbeiten des WFA in Bezug auf die Sicherung der Finanzstabilität).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wirtschaftswachstum (economic growth):

Wenn nicht anders definiert, in den Berichten der Zentralbanken auf die Veränderung des realen Bruttoinlandsprodukts bezogen.

– Siehe Wachstum.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juni 2006, S. 14 ff. (zur Messung und ihren Problemen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wirtschaftszweig und Branche (industry, economic sector; im Plural: branches of economy):

1 Gesamtheit der Unternehmen, die innert einer Volkswirtschaft gleichartige Waren oder Dienstleistungen hervorbringen, wie etwa die Eisen- und Stahlindustrie, die Bauwirtschaft oder Kreditinstitute.

2 In der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung die genaue sachliche Abgrenzung und statistische Zuordnung der Branchen in der Volkswirtschaft. Diese wurde Ende 2011 neu gefasst und liegt zeither den entsprechenden Veröffentlichungen der europäischen Instanzen zugrunde.

– Siehe Branchen, binnenmarktorientierte, Branchenkonzentration, Sektorenkonzentration.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2012, S. 57 ff. (Vorstellung der neuen Systematik; Auswirkungen der Umstellung; Übersichten; in den Anmerkungen Hinweise zu weiteren Informationen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wittergeld (lumberjack soccage emancipation payment):

Frühere Ablösung des Witters (woodchopper: Untertan, dem die Dienstbarkeit [Pflichtigkeit, Fron; soccage] des Holzhackens auferlegt wurde; der Wit = Baum, Holz, Brennholz). - Während dem Witter die Aufgabe des Kleinmachens des Holzes zum handlichen Brennmaterial oblag, hatte der Wittführer die Fron (soccage duty), das zerkleinerte Holz dem Anspruchsberechtigten (entitled entity: der Herrschaft) zuzuführen.

– Siehe Befreiungsgeld, Cerozensual, Dispensationsgeld, Erlösung, Freikaufgeld, Frongeld, Schopengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wittum auch Widum (dower):

Alte Bezeichnung für die gesetzlich zustehende lebenslange Rente einer Witwe aus dem hinterlassenen Grundbesitz ihrer Mannes (the part or interest of a deceased husband's real estate allotted by law to his widow for her lifetime).

– Siehe Witwengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Witwengeld (widow's allowance):

Unterhaltszahlung an die hinterbliebene Ehefrau eines Verstorbenen zur Sicherung des Lebensunterhalts. Entsprechendes gilt für das Witwergeld (widower's allowance).

– Siehe Lehrgeld, Paschmaklik, Pension, Waisengeld, Wittum, Zunftgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

WKM II (ERM II):

Offizielle Abkürzung für den Wechselkursmechanismus II.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wochenend-Effekt (weekend effect):

An der Aktienbörse die Beobachtung, dass von Freitag bis Montag die durchschnittlichen Erträge häufig sinken (the tendency of the share market to perform much better on Friday than on Monday).

– Siehe Behavioural Finance, Freitag-13-Anomalie, Halloweenregel, Januar-Effekt, Kalender-Effekt, Montags-Effekt, Sell-in-May-Effekt, Small-Cap-Effekt, Weihnachts-Belebung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wohlstand (wealth):

1 Im weitesten Sinne ein vorteilhaftes, günstiges Befinden, das eine jede Person unterschiedlich wahrnimmt, und das sich

1. aus subjektivem, persönlichem Ergehen (ultimately the degree of self-realisation; Grad der Selbstverwirklichung) sowie

2. aus objektiver, wirtschaftlicher Lage und hier vor allem: Güterbesitz speist.

– Es gibt zahlreiche Versuche, Wohlstand in diesem Sinne zu messen. Weil aber die äusserst verschiedenartigen persönlichen Einschätzungen nur sehr schwer zu typisieren und schon gar nicht objektiv zu messen sind, so können zwangsläufig alle erarbeiteten Masstäbe letztlich auch kein befriedigendes Ergebnis liefern.

2 Im rein ökonomischen Sinne - und unter Verzicht auf alle weiteren Umstände - das statistisch gemessene Bruttoinlandsprodukt pro Kopf als Durchschnittsgrösse. Dabei spielt es in dieser Betrachtung aber keine Rolle, was im Einzelnen produziert wurde ("Butter oder Kanonen"; butter or cannons) und wie sich das erzeugte Sozialprodukt auf die einzelnen Personen verteilt.

3 In anderer Bedeutung das Realvermögen zuzüglich aller Gegebenheiten, die einer dauerhaften Entfaltung der ökonomischen Kräfte in einer Volkswirtschaft dienen (= Volkswohlstand; national wealth).

– Siehe Chrematologie, Edelmetallhorte, Reichtum, Ungüter, Verkehrsunfall, Vermögen, Wohlstandposition.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wohlstandsindex (prosperity index):

Um die deutschen Reparations-Zahlungen nach dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) an die Zahlungsfähigkeit Deutschlands anzupassen, so führten die Gläubigerländer im Zuge des Dawes-Plans eine Messzahl ein, welche die staatlichen Einnahmen, die Bevölkerungszahl, den Kohlenverbrauch, den Aussenhandel und einige weitere Positionen in sich schloss.

– Siehe Dawes-Anleihe, Londoner Schuldenkonferenz, Ruhrgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wohlstandsposition ([material] prosperity position):

Wenn nicht anders definiert das Bruttoinlandsprodukt geteilt durch die Bevölkerungszahl. - In der Europäischen Währungsunion belegte Deutschland im Jahr 2007 hier den siebten Rang, verglichen mit dem fünften Platz bei Eintritt in die Währungsunion im Jahr 1999. - Seit Einführung des EUR 1999 ist die deutsche Wirtschaft jahresdurchschnittlich mit nur 1,5 Prozent merklich langsamer gewachsen als der übrige Euroraum mit 2,25 Prozent. Das hatte zur Folge, dass der Anteil des in Deutschland erzeugten Bruttoinlandsproduktes an der Wirtschaftsleistung der fünfzehn Teilnehmerstaaten der Währungsunion von 31,25 Prozent im Jahr 1999 auf etwa 27 Prozent im Jahr 2008 sank. Dass sich aber die Wohlstandposition Deutschlands nicht in gleichem Masse verschlechtert hat, das liegt daran, dass sich die Bevölkerungszahl in Deutschland festfuhr, während diese im übrigen Eurogebiet um ungefähr 0,75 Prozent jährlich zunahm.

– Siehe Wohlstand.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2008, S. 37 (erläuternde Zahlen zur Wohlstandposition).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wohlverhaltensregeln (good conduct rules):

Vom Gesetzgeber bzw. den Aufsichtsbehörden erlassene oder von Fachverbänden erarbeitete Grundsätze hinsichtlich des ordentlichen Geschäftsgebarens (proper [fair] business conduct) im Finanzsektor.

– Siehe Cold Calling, Compliance, Kundenberatung, Mail Shot, Mitarbeiterleitsätze.

– Vgl. für Deutschland Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 89, Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 107 ff., Jahresbericht 2005 der BaFin, S, 146 (in Bezug auf Kapitalverwaltungsgesellschaften), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 66 (in Bezug auf Wertpapierfonds) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wohneigentum (residential property):

Die Preise für Wohneigentum liefern bedeutsame Informationen hinsichtlich allfälliger Inflationsrisiken. Sie werden daher von der EZB sehr genau beobachtet und nach verschiedenen Richtungen hin ausgewertet. - Mangels anderer Berechnungsarten wird der Wert der Wohnimmobilien in der Regel aus dem Verhältnis zwischen Hauspreis-Indizes und verfügbarem Einkommen der Privathaushalte bzw. den Mieten ermittelt. Die aktuelle Abweichung einer solchen Kennzahl von ihrem (wie berechneten?, on which way counted?) Durchschnitt in der Vergangenheit dient dann als Mass für eine allfällige Unter- oder Überbewertung.

– Siehe Baulandvermögen, Betongold, Gewerbeimmobilien, Hausgeld, Hypothekenschulden, Immobilienblase, Immobilienpreise, Immobilienvermögen, Leerstandsquote, Mietrendite, Mortgage Equity Withdrawal, Real Estate Investment Trust, Wohnungsbauanleihe, Wohnungsluxusgeld, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. den Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Preise, Produktion und Arbeitsmärkte" im jeweiligen Monatsbericht der EZB, Monatsbericht der EZB vom Dezember 2003, S. 42 ff., Monatsbericht der EZB vom Februar 2006, S. 61 ff. (ausführliche Darstellung; Übersichten, S 65: bemerkenswerte Statistiken zu den Wohnimmobilien der Privathaushalte), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2006, S. 51 ff. (Immobilienvermögen der Privathaushalte nach verschiedenen Gliederungspunkten unterteilt), Monatsbericht der EZB vom Mai 2007, S. 48 ff. (viele detaillierte Übersichten, auch nach Mitgliedsländern unterteilt), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2007, S. 15 ff. (Zusammenhang zwischen Immobilienmarkt und Geldnachfrage; viele Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Februar 2008, S. 51 ff. (Entwicklung der Kredite, Investitionen und Preise für Wohneigentum seit 1997; vier wichtige Übersichten), Monatsbericht der EZB vom August 2009, S. 83 ff. (Finanzierung des Wohnungsbaus im Eurogebiet; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Februar 2010, S. 46 ff. Markt für Wohnimmobilien 1997-2009; Übersichten), Monatsbericht Deutschen Bundesbank vom Februar 2010, S. 62 f. (Preise für Wohnimmobilien in Deutschland 2003- 2009), Monatsbericht der EZB vom Mai 2010, S. 68 ff. (Markt für Wohnimmobilien im Eurogebiet seit 1999; Übersichten; Prognose), Monatsbericht der EZB vom August 2010, S. 54 ff. (Preise für Wohneigentum und die Auswirkung auf den HVPI; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom September 2010, S. 60 ff. (Immobilienmarkt in der Eurozone seit 1997; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2010, S. 58 ff. (Wohnimmobilienmarkt seit 2008 vielfach aufgeschlüsselt; Tendenzen; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom April 2011, S. 47 ff. (Preise; Tendenzen; viele Übersichten), Finanzstabilitätsbericht 2011, S. 43 f. (Immobilienmarkt in Deutschland stabil; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom November 2011, S. 67 ff. (ausführliche Abhandlung mit vielen Übersichten; Vergleiche mit den USA; Unsicherheiten hinsichtlich der Zukunftsentwicklung), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Februar 2012, S. 54 f. (Preisentwicklung für Wohnimmobilien in Deutschland; Übersichten), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 56 ff. (ausführliche Analyse des Wohnungsmarktes seit 1995; viele Übersichten; Literaturhinweise), Monatsbericht der EZB vom Mai 2013, S. 59 f. (Entwicklung der Preise für Wohneigentum im Eurogebiet seit 2000), Monatsbericht der EZB vom Juli 2013, S. 55 ff. (Wohnimmobilien im Eurogebiet und ihr Wert; viele Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2013, S. 13 ff. (Markt für Wohnimmobilien in Deutschland; zahlreiche Übersichten), Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 17 (Preise für Wohnimmobilien steigen; allfällige Gefahren), Geschäftsbericht 2013 der Deutschen Bundesbank, S. 53 f. (Wohnungsbauinvestitionen der Privathaushalte seit 1991; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wohngeld (housing benefit, lodging allowance, dwelling allowance):

1 Allgemein eine öffentliche Beihilfe zur Bestreitung der Ausgaben für Wohnraum, als Mietzuschuss (housing benefit) an den Mieter oder als Lastenzuschuss (cost benefit) an den Vermieter bezahlt (money that the government provides to people with no income or very low income to pay for part or all of their rent).

2 Zusätzlich zum Gehalt - vor allem der öffentlich Bediensteten - bezahltes Entgelt, früher im allgemeinen aufgrund der regionalen Teuerungsunterschiede nach Ortsklassen gestaffelt (Ortszuschlag; residence allowance).

3 Umgangssprachliche, juristisch nicht richtige Bezeichnung für das Hausgeld.

– Siehe Real Estate Investment Trust, Wirtschaftsgeld, Wohneigentum, Wohnungsgeld, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2006, S. 72, S. 77 (Wohngeld-Zahlungen in Deutschland in den letzten Jahren).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wohnraum, selbstgenutzter (user-own residential property):

Vielfach wird gefordert, die Kosten für die Nutzung des eigenen Wohnraums bei der Inflationsmessung im HVPI zu berücksichtigen, weil ja auch die Ausgaben für die Wohnungsmiete in den Index eingehen. Das wirft jedoch vielerlei Fragen auf. Vor allem: der Erwerb einer Wohnung bzw. eines Eigenheims ist kein eindeutiges Konsumverhalten. Für die meisten Privathaushalte stellt dies eine Investition dar. Wenn man aber den selbstgenutzten Wohnraum als Vermögenswert einrechnen wollte, dann müsste man auch etwa Aktienbesitz der Privathaushalte in den Güterkorb aufnehmen. - Dazu kommt, dass der Anteil des gemieteten Wohnraums in der Eurozone von zehn Prozent in einigen Ländern bis sechzig Prozent in anderen reicht. Für einen harmonisierten Index, der auf die Länder des Eurogebiets gesamthaft sinnvoll anwendbar ist, wirft dieser grosse Unterschied - und vor allem im Hinblick auf eine einheitliche Geldpolitik - daher kaum zu lösende Schwierigkeiten auf.

– Siehe Baulandvermögen, Wohnungsbaukredit, Wohnungsmieten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wohnungsbauanleihe (housing bond):

Von - vorwiegend öffentlich-rechtlichen - Bauträgern begebene Emission mit dem Ziel, Mittel zur Finanzierung grösserer Vorhaben aufzubringen, vor allem im sozialen Wohnungsbau (social housing). Oft geniessen die entsprechenden Anleihen steuerliche Vorteile (tax advantages), wie vor allem die Freistellung der Zinseneinnahmen bei der Einkommensteuer oder die Nichtanrechnung bei der Vermögensteuer (a bond issued typically by a public housing authority with the aim to finance a construction project such as social housing).

– Siehe Anleihe, steuerfreie, Bodenkreditinstitut, Flüchtlingssiedlungskredit, Siedlungskredit, Sozialpfandbrief, Wohnungsbaukredit.

– Vgl Monatsbericht der EZB vom Mai 2013, S. 70 f. (Wohnungsbauinvestitionen seit 1995).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wohnungsbaukredit (private residential property loan, housing credit):

Von Banken oder Bausparkassen gewährte Darlehn zum Zwecke des Erwerbs von Wohneigentum. Die Kredite sind für das Eurogebiet im Teil "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Monetäre Entwicklungen, Banken und Investmentfonds", Unterrubrik "Kredite an private Haushalte" des jeweiligen Monatsberichts der EZB nach Höhe und Fristigkeit und im Zeitverlauf ausgewiesen.

– Siehe Bausparkassen, Beleihungswert, Bodenkreditinstitut, Erstraten-Verzugsklausel, Festzinsdarlehn, Immobilienpreis, Langfristkultur, Mortgage Equity Withdrawal, Paketdarlehn, Projektierungskredit, Sozialpfandbrief, Subprime Lending, Wohnungsbauanleihe.

– Vgl. zur statistischen Übereinstimmung Monatsbericht der EZB vom April 2005, S. 74, Jahresbericht 2004 der EZB, S. 38 f., Monatsbericht der EZB vom März 2007, S. 46 ff. (Übersicht der Kredite seit 2003 nach Dauer und anfänglichen Zinsbindungsfrist), Monatsbericht der EZB vom August 2009, S. 83 ff. (Finanzierung des Wohnungsbaus im Eurogebiet; Eigentümlichkeiten der Wohnungsbaudarlehn im Euroraum; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom März 2011, S. 59 ff. (Kredite seit 2000 aufgeschlüsselt: diese sind weitgehend nachfragebestimmt; Übersichten), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 55 ff. (ausführliche Marktanalyse, viele Übersichten; Literaturverweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2013, S. 54 f. (Bestimmungsgründe für Wohnungsbaukredite in Deutschland; Formel; Übersicht), Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 69 f. (allfällige Verluste aus Wohnungsbaukrediten der Banken sind vor allem dank vorsichtiger Kreditvergabepolitik in diesem Sektor gering), Geschäftsbericht 2013 der Deutschen Bundesbank, S. 53 f. (Wohnungsbauinvestitionen der Privathaushalte seit 1991; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wohnungsbaukredite, verbriefte (residential mortgage backed securities, RMBS):

Besondere Art der Asset-Backed Securities, die zusammen mit verbrieften Immobilienkrediten inzwischen den Hauptanteil des Asset-Backed-Securities-Volumens im Euro-Wäh¬rungsgebiet ausmachen.

– Siehe Commercial Mortgage Backed Securities, Subprime-Krise, Verbriefung, Zinseinfrierung.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2008, S. 96 (Zahlen zum Emissionsvolumen; Übersicht), Monatsbericht der EZB vom September 2008, S. 30 f. (zurückbehaltene Verbriefungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wohnungsgeld (housing benefit, accomodation allowance):

Allgemein ein staatlicher Zuschuss an Privathaushalte zur Bestreitung der Mietausgaben, in alten Dokumenten auch Behausungsgeld genannt.

– Siehe Wohngeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wohnungsluxusgeld (luxury habitation duty):

In älteren Dokumenten eine Abgabe, die einige deutsche Gemeinden auf sog. "übergrosse" Wohnungen erhoben. Der Ertrag dieser Steuer sollte zur Förderung des Wohnungsbaus (promoting of housing construction) eingesetzt werden. Die Veranlagungskosten (costs imposed in connection with the collection) für diese Sonderabgabe waren hoch, und der Ertrag verhältnismässig gering.

– Siehe Wohneigentum.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wohnungsmieten (rents [for dwellings]):

Obgleich Mieten mit etwa fünfundzwanzig Prozent der privaten Ausgaben ein starkes Gewicht im Güterkorb haben, werden ihre Veränderungen viel weniger wahrgenommen als beispielsweise der Preis für Brötchen oder Milch. Den Grund sieht man vor allem darin, dass Mieten in der Regel einmal monatlich vom Konto abgebucht, die Lebensmittel aber ständig gekauft und bezahlt werden.

– Siehe Inflation, gefühlte, Teuro, Wohnraum, selbstgenutzter.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2010, S. 54 ff. (Einfluss der Mieten auf den HVPI; Bezug zum Preis für Wohnimmobilien; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom August 2014. S. 47 ff. (Wohnungsmieten im HVPI; kein Gleichlauf von Mieten und Wohnimmobilienpreisen; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Woopee-Geschäft (woopee clientele):

Finanzdienstleistungen an die Personengruppe der über 50jährigen Wohlhabenden, von vielen Banken als gewinnträchtiges Marktsegment besonders gepflegt. Woopee = well-off older people, vermögende ältere Leute.

– Siehe All-Age-Produkte, Dinks-Geschäft, Gebissinvestition, Geldleute, Oldie-Geschäft, Polyplusius, Power-age financial market, Private Banking, Rentier, Silver Economy, Wealth Management, Zielgruppe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Working Capital (so auch im Deutschen oft gesagt; übersetzt mit Umlaufmittel und Betriebsvermögen):

Wenn nicht anders definiert das Umlaufvermögen (circulating assets) eines Unternehmens abzüglich der kurzfristigen Verbindlichkeiten (the difference between current assets and current liabilities, excluding short-term debt. It is used to assess the liquidity of a company and how well it is positioned to fund operations in the short-term using cash and other assets convertible to cash). - Im einzelnen ist jedoch - besonders bei internationalen Vergleichen - immer anhand der jeweiligen Rechnungslegungs-Vorschriften abzustimmen, welche einzelnen Posten den bezüglichen Grössen zuzurechnen sind.

– Siehe Debitorenlaufzeit, Kreditorenlaufzeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Working Group on Credit Registers (WGCR):

Arbeitsgruppe des Banking Supervision Committees des Europäischen Systems der Zentralbanken mit dem Zweck, grenzüberschreitende Informationen über die Verschuldung von Firmenkunden bei den Banken im jeweiligen Staatsgebiet auszutauschen.

– Siehe Netzwerk Euro-Evidenz, Zentralkreditregister.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Worst Case Hedging (so auch im Deutschen gesagt, seltener Extremfall-Absicherung):

Beim Hedging die Auswahl eines Modells, das für die eigene Position am schlechtesten wäre. Es wird also bei der Berechnung des Modellrisikos der schlimmste (Verlust)Fall unterstellt.

– Siehe Modellrisiko.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Worst Case Szenario (so auch im Deutschen gesagt, seltener Extremfall-Szenarium):

In Bezug auf die Geldpolitik die in Modellen durchgespielte Aufeinanderfolge mehrerer schädigender Ereignisse - etwa: Ölpreis-Schock, Missernte, Versiegen des Aussenhandels infolge kriegerischer Auseinandersetzungen; aber auch: Panik an den internationalen Finanzmärkten und eine Pandemie - verbunden mit Überlegungen, wie die Zentralbank sich angesichts solcher aussergewöhnlichen Umstände verhalten sollte. Dabei entsteht ein Moral Hazard-Problem, wenn die Marktteilnehmer im Vertrauen auf das stabilisierende Eingreifen der Zentralbank hohe Risiken eingehen.

– Siehe Crash, Bankenkrise, Finanzmarkt-Interdependenz, Finanzstabilitätsbericht, Krisenlasten-Verteilungsprogramm, Liquiditätskrisenplan, Modelle, geldpolitische, Modellunsicherheit, Murphy's Gesetz, Risikotragfähigkeit, Schock-Bewältigung, Sparsamkeitsregel, Stress-Test.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2004, S. 27.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Write-off (so oft auch im Deutschen gesagt, daneben Totalschaden):

Der völlige Verlust aus einem Engagement auf dem Finanzmarkt bzw. aus einer Investition (the money lost completely in an engagement or investment).

– Siehe Abgesang, Abschreibung, Verlust.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wucher in älteren Dokumenten in Bezug auf 1 bis 3 auch Merkanzei (usury, gombeen):

1 Allgemein die unredliche Aneignung fremden Eigentums im Tausch- und Darlehnsverkehr.

2 Die Verfälschung eines Marktpreises durch den Druck von Macht.

3 Beim Darlehn die Vereinbarung eines über dem Marktzins liegenden Zinses, wobei der verlangte Zinssatz weit über dem liegt, was der Kreditnehmer aus dem geliehenen Geld bei gewöhnlichen Umständen an Gewinn erwirtschaften kann; in der Regel wird dabei die wirtschaftliche Abhängigkeit des Vertragspartners ausgenutzt.

4 Bestimmte Methoden, um ein Darlehn zu besichern, wie vor allem das Kinderpfand und das Leichenpfand.

– Siehe Agiotage, Danismus, Einzug, Finanz, Finanzgeier, Geldeintreibung, Kinderpfand, Kredithai, Leichenpfand, Plusmacherei, Rebbes, Sündengeld, Übersatz, Unfruchtbarkeits-Theorie, Verzinsung, Wucher-Herausforderung, Zahlhaus, Zins(satz), Zinsverbot.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Wucher-Herausforderung (deliberate usury provocation):

In älteren Dokumenten das Versprechen von Schuldnern, dem Darlehnsgeber (lender, creditor) weit über das Übliche liegende Zinsen zu zahlen, um zügig von ihm mit einem Kredit bedient zu werden. Kaum im Besitz des Darlehns, zeigten sie den Kreditor wegen Übertretung der Wuchergesetze (price gouging laws: ban on unconscionable interest claims) an. Zumeist verlor der Darlehnsgeber aufgrund entsprechender gesetzlicher Bestimmungen dann seinen Anspruch gegenüber dem Schuldner (lost all entitlement versus the borrower) und büsste damit auch sein Kapital ein. - Die nach formalem Recht schuldigen aber letztlich unschuldigen Gläubiger (the creditors guilty as to formal law but feeling as a victim of trickery) heuerten auch früher nach Ausweis entsprechender Berichte in solchen Fällen oft einen Racheengel an.

– Siehe Finanz, Jobberei, Rebbes, Schmu.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen