Versicherungsoptimierer.net - Finanzlexikon - V

Finanzlexikon - V

V-Institute (v-institues):

In der Sprache der Aufsichtsbehörde die Gruppe der Factoring- und Leasingfirmen.

– Vgl. Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 157 f. (Benennung; Zusammensetzung der Gruppe, aufsichtliches Handeln).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vakanzquote (vacancy rate):

In der Statistik das Verhältnis der offenen Stellen zu den Erwerbspersonen.

– Siehe Arbeitslosenquote, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2002, S. 33 f. (Informationsgehalt der Vakanzquote für die Geldpolitik), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2010, S. 52 f. (Zeitreihe für die Vakanzquote im Eurogebiet).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Validierung (validation):

1 Allgemein die Bestimmung des Grades der Genauigkeit, mit dem ein Verfahren das misst, was es messen soll (the determination of the degree of accuracy and exactness of a measuring device).

2 Im Besonderen die regelmässige Überprüfung der bankintern angewandten Rating-Systeme zur Ermittlung des Kreditrisikos einzelner Kreditnehmer, nach Basel-II vorgeschrieben.

– Siehe Kalibrierung, Rating, Risikoprofil, Trennschärfe.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2003, S. 61 ff. (Methodisches), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2006, S. 35 ff. (ausführliche, lehrbuchmässige Darstellung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Valoren (securities):

1 Allgemein Wertgegenstände; in der Versicherung meistens unterteilt in

1. Bank-Valoren (bank securities: Zahlungsmittel, Wertpapiere) und

2. Bijouterie-Valoren (jewellery securities: Schmuckstücke, Edelsteine; mitunter werden dem auch Kunstwerke beigezählt).

2 Andere Bezeichnung für Wertpapiere, besonders in der Schweiz üblich.

3 Manchmal auch gesagt für Valutapapiere.

– Siehe Juwelen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Valoren-Nummer (securities number):

In der Schweiz übliche Bezeichnung für die Wertpapier-Kennummer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Valorisationsklage (lawsuit for devalorisation):

In alten Dokumenten meint man damit bei Gericht eingeklagter Unterschiedsbetrag zwischen dem Darlehn an den Schuldner

1. in gutem, wertstabilem Geld und

2. der Rückzahlung in mittlerweile in seiner Kaufkraft vermindertem Geld. Entsprechende, reichlich auf unsere Tage gekommene Dokumente aus früherer Zeit sind für die Wirtschaftsgeschichte und besonders für die Geldgeschichte von unschätzbarem Wert.

– Siehe Geld, sittliches, Geldeigentumsrecht, Geldethik, Geldwertstabilität, Inflation, Inflations-Steuer, Marktmechanismus, Menükosten, Nominalwertprinzip, Weginflationierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Value-at-Risk (so in der Regel auch im Deutschen; oft VaR abgekürzt; seltener auch Wert im Risiko):

1. Möglicher Verlust einer Position oder eines Portefeuilles

2. während eines bestimmten Zeitraums (= Risikohorizont; risk horizon), der

3. mit einer zuvor definierten Wahrscheinlichkeit (= Konfidenzniveau; confidence level)

4. nicht überschritten wird (an investor's maximum potential loss on the value of an asset or a portfolio of financial assets and liabilities, based on the investment timeframe and a confidence interval. This potential loss is calculated on the basis of historical data or deduced from normal statistical laws).

– Die Berechnung in Stress-Tests legt dabei üblicherweise Variablen über einen längeren Beobachtungszeitraum - etwa drei Jahre - zugrunde. In der Praxis ist VaR eine beliebte Portefeuilletheorie, die sich im Einzelnen statistisch noch verfeinern lässt. Über die Treffsicherheit entsprechender Berechnungen gibt es widersprüchliche Angaben. - Die Kennziffer Value at Risk geht übrigens auf den Wunsch eines Vorstands der nordamerikanischen Investmentbank J.P. Morgan zurück. Dieser verlangte am Ende eines Handelstages eine einzige Zahl, welche den maximalen Verlust aller Engagements der Bank abbildet.

– Siehe Downside Risk, Expected Shortfall, Gini-Koeffizient, Herfindahl-Hirschman-Index, Intercreditor Agreement, Konfidenzniveau, Upside Risk.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 62 ff. (ausführliche Darstellung; in den Fussnoten Literaturhinweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2006, S. 40 f. (mit Bezug auf Kreditnehmerkonzentration), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2007, S. 59 ff. (mit Bezug auf die Mindestanforderungen an das Risikomanagement bei Banken).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Value-Fonds (value fund):

1 Hedge-Fonds, der nach eigenem Urteil

1. überbewertete Papiere von Unternehmen verkauft bzw.

2. unterbewertete (undervalued: traded below its real value, although it is always problematic to determine a "real" value) Titel kauft in der Erwartung, dass sich der Marktpreis bald dem "wahren" Wert nähert (a hedge fund that chiefly sells shares and bonds of companies with a momentarily high quotation and buys shares and bonds that are considered to be undervalued in price). Damit wird erreicht, dass auf dem Markt augenscheinliche Preisübertreibungen (erratic price variances) geglättet werden.

2 Kapitalverwaltungsgesellschaft, die in Spitzenwerte mit minimer Volatilität, geringem Risiko und damit in der Regel auch hoher Sharpe-Relation investiert, manchmal auch Niederrisiko-Fonds (low-risk fund) genannt.

– Siehe Arbitrage, Hedge-Fons-Arten, Hedge-Fonds-Strategien, Index-Arbitrage, Intermarkt-Spread, Kursdifferenzhandel, Short-Selling-Fund, Substanzwertanleger, Value-Management.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Value Management (so auch im Deutschen gesagt):

In Bezug auf die Pflege eines Portfolios der Versuch, aufgrund besonderer Umstände derzeit sehr hoch bewertete Bestandteile zu verkaufen und mit dem Erlös augenblicklich unterbewertete (undervalued: it is assumed that these assets are generally valued too negativly) Anlagegegenstände in das Portfolio aufzunehmen.

– Siehe Analyse, technische, Arbitrage, statistische, Bewertung, Bollinger Bänder, Bottom-up-Ansatz, Charts, Hedge-Fonds, Histogramm, Kartierung, Kursbereich, gehandelter, Long-Short-Arbitrage, Random-Walk-Hypothese, Unterstützungslinie, Value-Fonds, Widerstandlinie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Value Sourcing (so auch im Deutschen gesagt, seltener [unschön] Beschaffungs-Wertschöpfungszuwachs):

Allgemein

1. die Senkung der Kosten durch günstige Beschaffung und

2. bei Banken besonders der vorteilhafte Einkauf der zum Weiterverkauf bestimmten Titel und Edelmetalle.

– Siehe Waste Watcher.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Valuta (foreign currency; value; value date, availability date):

1 Zahlungsmittel in ausländischer Währung.

2 Wert des Geldes eines Staates bzw. einer Währungsgemeinschaft wie das Eurogebiet in Bezug auf den Wert des Geldes anderer Länder.

3 Bei einer Bank die Wertstellung einer Buchung auf dem Konto eines Kunden (the calendar date on which a movement is posted to a bank customer's account).

– Siehe Valutierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Valuta-Dumping (dumping by depreciation):

Die wuchernde Ausfuhr von Gütern nur aufgrund der Tatsache, dass die Währung des Exportlandes sehr billig zu kaufen ist; und folglich die Waren und Leistungen aus diesem Staat weit unter den Preisen im eigenen Land angeboten werden.

– Siehe Terms of Trade, Unit-Value-Relation, Wechselkurs.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Valutaklausel (currency clause):

Bestimmung in Verträgen, welche das Verhältnis zwischen der eigenen und einer oder mehrerer fremden Währung(en) festschreibt. Dadurch soll das erfahrungsgemäss nicht geringe Risiko des Wertzerfalls einer der beteiligten Währungen ausgeschlossen werden; ausländische Zahlungsmittel.

– Siehe Anleihe, währungswählbare, Doppelwährungsanleihe, Emission, indexierte, Euro-Notes, Parallelwährung, Referenzwährung, Vehikelwährung, Währungs-Swap.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Valutapapiere (foreign currency securities):

Wertpapiere, auf ausländische Währung lautend. Diese sind im Kurs schon deshalb schwankend, weil und insoweit der Preis für die ausländische Währung, gemessen an der heimischen Währung, von Angebot und Nachfrage an der Devisenbörse abhängt.

– Siehe Swapsatz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Valuten (foreign exchanges):

1 Andere Bezeichnung für Devisen, folglich alle Zahlungsmittel, die sich in den Händen von Gebietsfremden befinden.

2 Im engeren Sinne nur ausländische Banknoten und Münzen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Valutierung und in älteren Dokumenten auch Valvation (value date):

1 Bei Banken häufige Bezeichnung für die Wertstellung von Buchungen, also die Festlegung des Datums, ab dem eine Gutschrift oder Belastung erfolgt bzw. die Zinsberechnung beginnt (the date when the entry to an account is considered effective resp. an interest calculation begins). - Nach den Geschäftsbedingungen vieler Banken wird eine Einzahlung erst ab dem übernächsten Tag verzinst, eine Abhebung oder Überweisung auf ein anderes Konto aber gleichentags. Dagegen gerichtete Kundenbeschwerden wurden von der Aufsichtsbehörde als unbegründet zurückgewiesen, soweit das jeweilige Institut dies in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (general terms and conditions) bekanntgegeben hat.

2 Die Wertbestimmung auf einen bestimmten Tag in Bezug auf einen Vermögensgegenstand, dessen Marktpreis schwankt (the date when the value of an asset that fluctuates in price is determined).

– Siehe Skadenz, Valuta, Wert, Wertstellung, Zinsfixing-Tag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

VAR-Modell (vector-autoregressive model):

Ökonometrische Nachbildung aller Wirkungen von Zinsänderungen zunächst auf den Geldmarkt und dann auch auf andere ökonomische Grössen. Dabei versucht man, verlässliche Impuls-Antwort-Funktionen zu gewinnen, aus denen die wahrscheinliche Wirkung einer zentralbankpolitischen Massnahme im Voraus bestimmt werden kann.

– Siehe Buchkredit, Eckdaten, makroökonomische, Gleichgewichtsmodelle, dynamisch-stochastische, Modelle, geldpolitische, Sparsamkeitsregel. Spektralanalyse.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2008, S. 49 ff. (Erklärungen; Literaturhinweise; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2011, S. 79 (Anwendung auf die Buchkredite der Banken in der Zeit 2002 bis 2011).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Variable Interest Entity, VIE (so auch im Deutschen gesagt):

In den USA rechtlich geordnete (FIN 46) besondere Form einer Zweckgesellschaft. Es handelt sich näherhin um

1. eine juristisch selbständige Wirtschaftseinheit (autonomous economic entity), deren Eigenkapitalgeber

2. nicht als Hauptrisikoträger (main risk carrier) gilt oder

3. trotz Stimmrechtsmehrheit satzungsgemäss keinen beherrschenden Einfluss ausüben kann.

– Banken müssen nach GAAP für diese Entities kein Eigenkapital und keine Reserven vorhalten. Sie sind auch nicht zur Offenlegung darüber verpflichtet, welche Vermögenswerte sie an ihre VIEs verkaufen, noch welche Preise dafür berechnet wurden und auch nicht, ob deren Wert in der Zwischenzeit gesunken ist. - Im Zuge der Subprime-Krise geriet dies in die Kritik; die Konsolidierung von VIEs wurde auch in den IFRS durch SIC 12 "Consolidation - Special Purpose Entities" sehr lasch geordnet. - Anleger, die von VIEs ausgegebene Papiere gekauft hatten - die Citigroup wies Ende 2007 knapp über 35 Mia USD aus, die Schweizer UBS 20,1 Mia USD -, konnten deren tatsächlichen Wert nach Zusammenbruch der Märkte für Verbriefungspapiere bei der Subprime-Krise nicht feststellen.

– Siehe Absentkapitalismus, Staatsfonds, Zweckgesellschaft, Laufzeitenrisiko, Leitzins, Zinsgleitklausel.

(any category of debt instrument [such as a loan, bond, mortgage, or credit] that ensures not a fixed rate of interest over the lifespan of the instrument; such debt normally uses an index or other base rate for launching the interest rate for each proper period).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Varianz (variance):

In Bezug auf den Finanzmarkt ein statistisches Mass für das Risiko einer bestimmten einzelnen Anlage oder eines Portefeuilles. Sie errechnet sich grob aus der Abweichung der jeweiligen von de - nach verschiedenen Ansätzen berechneten - durchschnittlichen innert einer bestimmten Periode. Hohe Varianz bedeutet hohes Risiko (a statistical tool measuring the dispersion of a variable from its mean. Variance commonly is calculated as equal to the sum of the squares of the deviation of each return from expected outcome, weighted by the likelihood of each of the possible returns occurring. Applied to financial profitability, variance measures the risk of a financial security).

– Siehe Leverage-Theorie, Rendite-Abstand, Sharpe-Relation, Value at Risk, Volatilität.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vega (so auch im Deutschen gesagt und sächlichen Geschlechts):

Die Abhängigkeit der Preisbewegung einer Option von der Volatilität des Basiswertes (the rate of change in the derivative of the theoretical value of the option vis-à-vis implied volatility. All other factors being equal, the closer an option is to being in the money, the greater is the impact of an increase in volatility).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vehikelwährung (vehicle currency):

Ein nationales Zahlungsmittel, das weltweit bei Bege¬bungen von den Emittenten bevorzugt gewählt wird; derzeit praktisch der USD, EUR, CHF und JPY.

– Siehe Dollarisierung, Emissionswährung, Valutaklausel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Velleïtät (velleity):

In älteren Dokumenten in Bezug auf eine Geldanlage zwar die grundsätzliche Bereitschaft (principal willingness), eine solche zu tätigen. Indessen hat sich der Anleger noch nicht für eine bestimmte Vermögensanlage oder/und für einen bestimmten Zeitpunkt entschieden.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vendor Financing (so auch oft im Deutschen gesagt; seltener Verkaufsfinanzierung):

1 Ein Verkäufer gewährt einem Käufer ein Darlehn, damit er mit diesem Geld nunmehr Güter des Verkäufers beschaffen kann (the lending of money by a company to one of its customers so that the buyer can purchase products from it. By doing this, the company increases its sales, even though it is ultimately buying its own products).

2 Beim Kauf von Unternehmensanteilen - manchmal auch von Aktien im Paket - getroffene Vereinbarung, wonach der Verkäufer den Kaufpreis gesamthaft oder zum Teil als Darlehn an den Käufer bereitstellt. Man spricht diesfalls auch von Verkäuferdarlehn (vendor loan [so auch häufig im Deutschen). - Dies wird häufig auch in Zusammenhang mit Seed Capital ausgeführt. Der Gründer bringt die Anteile der Bank bzw. anderer Investoren auf diesem Weg als Grundkapital in sein Unternehmen ein.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Venture Fund (so auch im Deutschen gesagt, seltener Risikofonds oder Wagnisfonds):

Ein Sondervermögen, das risikoreiche Engagements birgt.

– Siehe Vulture Fund.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Veranstaltungskredit auch Realisierungskredit (event loan, realisation loan):

Von einer Bank an den Organisator (Ausrichter, Arrangeur, Veranstalter; organiser, promotor) einer Festlichkeit wie Konzert, Bühnenspiel oder einer ähnlichen Aufführung gewährter kurzfristiger Kredit. Das Darlehn soll den Veranstalter in die Lage setzen, die zur Vorbereitung der Festlichkeit anfallen Ausgaben zu decken. Der Kredit wird dann in Regelfall durch den Erlös aus dem Verkauf der Eintrittskarten (tickets sale) getilgt. - Vor allem Sparkassen vergeben Veranstaltungskredite, weil sie die Nachfrage nach einer jeweils geplanten Veranstaltung vor Ort wirklichkeitsnah einzuschätzen vermögen. Nicht selten beteiligen sie sich am Karten-Vorverkauf (advance sale of tickets) in der eigenen Schalterhalle. Kann dies doch neue Kunden anlocken. - Wird im Vorverkauf eine bestimmte Mindestzahl (minimum number) von Eintrittskarten nicht erreicht, so kann der Auftritt (performance) abgesagt (called off, canceled) werden. Die Ausgaben - etwa für die Beförderung und die Unterbringung anreisende Musiker, für die Beheizung und Beleuchtung eines Saales - lassen sich auf diese Weise mindern. Dies hält das Ausfallrisiko für den kurzfristigen Kredit in Grenzen.

– Siehe Ernte-Unterstützungskredit, Saisonkredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verarbeitungsmenge und Durchsatz (throughput):

Wenn nicht anders definiert - und so auch in der Statistik - die gesamthafte und am Markt abgesetzte Fertigung einer Produktionsanlage innert eines bestimmten Zeitraums (the total finished and sold output of a plant during a period).

– Siehe Arbeitskräftepotential, Auslastungsgrad, Infrastruktur, Kapitalstock, Kapazitätsauslastung, Potentialwachstum, Produktion, Produktionslücke.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verausgabung (payment; overspending):

Im finanztechnischen Sinne

1 Abgang von Geld zu Zahlungszwecken aus einer Kasse; entsprechend spricht man von Vereinnahmung (collection). - Der Ausdruck wurde bereits im 19, Jht. als Unwort (misnomer: a mistaken or unsuitable term) gerügt. Er hielt sich jedoch teilweise bis heute neben Ausgabe bzw. Einnahme.

2 Ein Wirtschaftssubjekt (economic agent: Privathaushalt, Unternehmen, seltener auch bezogen auf eine öffentliche Stelle) hat mehr Geld aufgewendet als zunächst vorgesehen und befindet sich jetzt in einer misslichen finanziellen Lage.

– Siehe Pleite, Verschuldung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Veräusserungsfinanzierung (divestiture financing):

Darlehn an ein Unternehmen mit dem Zweck, die Gesellschaft in die Lage zu versetzen

1. Produktsparten,

2. ganze Unternehmensbereiche oder

3. Tochterunternehmen an einen Vertragspartner abzutreten (capital provided to a company to facilitate the sale of its interest in a product, division or subsidiary to another business entity).

– Solche Finanzierung ist vor allem dann wichtig, wenn mit der Übergabe an den neuen Eigentümer Lasten verbunden sind, etwa schwebende Prozesse (pending lawsuit) gegen ein Arzneimittel oder verseuchter Grund und Boden (contaminated land).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Veräusserungspreis (current exit value):

Bei Finanzprodukten mit Einnahmen und/oder Ausgaben in künftigen Perioden - etwa einem Versicherungsvertrag - meint damit die Bestimmung des Gegenwartswertes (discounted value; Barwertes). - Vertraglich vereinbarte Zahlungsströme werden dabei in der Regel als Erwartungswerte unter Einrechnung einer geeigneten Risikoprämie auf den Bewertungszeitpunkt (point of valuation) abgezinst.

– Siehe Abzinsung, Diskont, Ertragswert.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verbindlichkeit in älteren Dokumenten auch Impegno (liability, payables):

In der Finanzsprache allgemein eine Zahlungsverpflichtung (obligation to pay) einer Wirtschaftseinheit gegenüber einem Dritten (an obligation that legally binds an individual or company to settle a debt). - Eine solche liegt des näheren vor, wenn

1. die Verpflichtung zur Zahlung zum gegenwärtigen Zeitpunkt tatsächlich besteht oder innert der Rechnungsperiode eintritt,

2. es nicht im Ermessen des Unternehmens liegt, sich der dadurch ausgelösten Belastung - Abfluss von Geld - zu entziehen und

3. das Ereignis, durch den die Zahlungsverpflichtung begründet wurde, bereits eingetreten ist (a liability is a present obligation of the enterprise arising from past actions, the settlement of which is expected to result in an outflow of money).

– Verbindlichkeiten sind in der Bilanz eines Unternehmens auf der Passivseite ausgewiesen und werden darum auch Passiva genannt. Ihr Gegenstück sind Forderungen. - Verbindlichkeiten sind grundsätzlich mit ihrem Erfüllungsbetrag (settlement amount) in der Bilanz auszuweisen. Dabei sind allfällige Kosten zu berücksichtigen, nämlich hier regelmässig der Betrag, den eine Bank für die Überweisung und möglicherweise - bei Posten in Fremdwährung - für den Umtausch in Devisen für den Zahlungsvorgang in Rechnung stellt.

– Siehe Imparitätsprinzip, Pfand, Schulden, Valutaklausel, Zeitwertbilanzierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verbindungen, enge (close links):

Laut Artikel 1 Nr. 26 der Richtlinie 2000/12/EG des Parlaments und des Rates der Europäischen Gemeinschaft vom 20. März 2000 über die Aufnahme und Ausübung der Tätigkeit der Kreditinstitute ist eine "enge Verbindung eine Situation, in der zwei oder mehrere natürliche oder juristische Personen verbunden sind durch – a) Beteiligungen, d. h. das direkte Halten oder das Halten im Wege der Kontrolle von mindestens 20 v. H. der Stimmrechte oder des Kapitals an einem Unternehmen oder – b) Kontrolle, d. h. die Verbindung ein Mutterunternehmen und einem Tochterunternehmen in allen Fällen des Artikels I Absätze 1 und 2 der Richtlinie 83/349/EWG oder ein gleich geartetes Verhältnis zwischen einer natürlichen oder juristischen Person und einem Unternehmen; jedes Tochterunternehmen eines Tochterunternehmens wird ebenfalls als Tochterunternehmen des Mutterunternehmens angesehen, das an der Spitze dieser Unternehmen steht. Als enge Verbindung zwischen zwei oder mehr natürlichen oder juristischen Personen gilt auch eine Situation, in der die betreffenden Personen mit ein und derselben Person durch ein Kontrollverhältnis dauerhaft verbunden sind".

– Siehe Allianzen, grenzüberschreitende, Anteilseigner-Kontrolle, Finanzkonglomerat, Holding, Kontrolle, Konzern, Korrespondenzbank-Beziehung, Stimmrecht-Offenlegung, Stimmrecht-Kriterium.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verbindung, indirekte (related link):

In der Terminologie der EZB eine vertragliche und technische Regelung, wonach Wertpapiere zwischen zwei nicht unmittelbar miteinander verbundenen Wertpapier-Abwicklungssystemen über ein drittes System, das als Vermittler (Intermediär; intermediary) auftritt, angemessen übertragen werden können.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verbittsgeld auch Inleutgeld (protection duty):

In früherer Zeit eine Abgabe, welche den besitzlosen, in der Regel als Taglöhner (day labourer; auch Tagner, Tauner, Losmann, Lidl, Diurnist, Diëtarius und Diëist genannt: gemeint ist immer ein ungelernter Arbeiter; zwar arbeiteten auch Handwerker teilweise im Tagelohn, diese wurden aber nicht als Taglöhner bezeichnet) sich verdingenden Bewohnern eines Dorfes (citizens without full political rights; Insten, Einsassen, Inleute) auferlegt wurde. Dafür genossen sie persönlichen Schutz und Teilhabe an den Einrichtungen der Gemeinde.

– Siehe Beisassgeld, Geleitgeld, Satisfaktionsgeld, Schirmgeld, Schutzgeld, Toleranzgeld, Vogtgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verbraucher, erwerbsbestimmter (acquisitive consumer):

In der Geldpsychologie ein Privathaushalt, der eingenommenes Geld sofort, dichtauf wieder ausgibt (a consumer wanting to spend the money earned at once).

– Siehe Vermögenseffekt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verbraucher, geltungssüchtiger (conspicicuous consumer):

In der Geldpsychologie ein Privathaushalt, der Ausgaben mit dem Ziel tätigt, durch den Kauf von Gütern Beachtung, Geltung, Ansehen, Prestige im gesellschaftlichen Umfeld zu erlangen.

– Siehe Geldheini, Geldhut, Geldleute, Geldsack, Luxusgeld, Luxuskonsum.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verbraucherbeirat (consumer advisory board):

Bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht eingerichtetes zwölfköpfiges Gremium, das die Behörde in Fragen des Verbraucher-Beschützung beraten soll.

– Siehe Ausschuss-Wahn, Verbraucherbeschwerden, Verbraucherschutzforum.

– Vgl. Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 17 (Konstitution des Ausschusses; S. 70 ff. (europaweite einheitliche Leitlinien zu Beschwerden).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verbraucherbeschwerden (consumer complaints):

Beschwerden über Misstände im Finanzbereich können der Beschwerdestelle der Aufsichtsbehörde von jedermann gemeldet werden. - Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ist freilich allein im öffentlichen Interesse tätig. Sie vermag sich daher nicht für privatrechtliche Anliegen (private legal interests) einzelner Beschwerdeführer einzusetzen oder wie eine Schiedsstelle (board of arbitration) einzelne Streitfälle verbindlich entscheiden. Die Behörde kann im Zuge einer Verbraucherbeschwerde lediglich prüfen, ob ein Verstoss gegen aufsichtsrechtliche Vorschriften (supervisory rules) gegeben ist. Dies geschieht auch in aller Regel und besonders dann, wenn sich Beschwerden gegen ein Institut häufen.

– Siehe Verbraucherbreirat, Verbraucherschutzforum.

– Vgl. dazu verhältnismässig ausführlich den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Querschnittsaufgaben"; dort auch alljährlich eine Aufgliederung der Beschwerden nach einzelnen Sachverhalten und Fällen aus der Praxis, Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 70 ff. (europaweite einheitliche Leitlinien zu Beschwerden), S. 166 (BaFin geht Beschwerden nach und spricht Verwarnung aus), S. 211 (Beschwerdestatistik; Verbrauchertelephon der BaFin, laufende Fälle).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verbraucherinsolvenz (consumer insolvency):

Amtliche Bezeichnung für die Insolvenz eines Privathaushalts.

– Siehe Konsumentenkredit.

– Vgl. Jahresbericht 2012 der Bafin, S. 32 (Statistik; im Jahr 2012 um die 98'000 Fälle mit offenen Forderungen von 5,4 Mrd Euro) sowie den jeweiligen Jahresbericht der Bafin, Kapital "Wirtschaftliches Umfeld".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verbraucherpreise (consumer prices):

Die von der amtlichen Statistik ermittelten und im Preisindex der Lebenshaltung gesamthaft und nach Gütergruppen untergliederten, in Geld bewerteten Ausgaben der Privathaushalte.

– Siehe Beschaffungs-Umschichtungen, Harmonisierter Verbraucherpreisindex, Inflationsmessung, Kompositions-Effekt, Qualitätsänderungen.

– Vgl. den Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets" des jeweiligen Monatsberichts der EZB, Rubrik "Preise, Produktion, Nachfrage und Arbeitsmärkte", Unterrubrik "HVP, andere Preis und Kostenmessziffern".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verbraucherschutzforum (forum for consumer protection):

In Bezug auf den Finanzmarkt von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht erstmals im Oktober 2009 ausgerichtete, von rund 200 Fachleuten beschickte Veranstaltung über Regelungen zum Verbraucherschutz im Bereich der Finanzdienstleistungen.

– Siehe Verbraucherbeirat, Verbraucherbeschwerden.

– Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 243 (dort ein Druckfehler: 2010 statt 2009!).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verbriefung (securitisation):

1 Allgemein die Umwandlung von nicht marktfähigen Vermögenswerten jeder Art in handelbare Wertpapiere (the process of converting non-tradable assets into tradable securities.).

2 Banken bündeln Forderungen aus vergebenen Krediten in Schuldverschreibungen, die an Anleger verkauft werden.

3 Banken stellen über ausländische, nicht an der heimischen Börse zugelassene Aktien Zertifikate aus; sie machen diese dadurch am inländischen Markt und in heimischer Währung handelbar (share certificate; Aktien-Zertifikat).

4 Effekten über Forderungen bzw. Verbindlichkeiten werden ausgestellt und ausserhalb der Banken getauscht. Unternehmen und öffentliche Haushalte befriedigen auf diese Weise ihren Bedarf an Fremdkapital dann weniger über Kreditaufnahme bei den Banken.

5 Banken und in dieser Funktion Originatoren genannt übertragen Forderungen an Kreditnehmer an eine Zweckgesellschaft (tue-sale securitisation; True-Sale-Verbriefung) oder reichen über die Emission von Credit-Linked Notes das Risiko gesamthaft an die Käufer weiter (synthetic securitisation; synthetische Verbriefung). Weil es dadurch

1. zu Risiko-veräussernden und Risiko-erwerbenden Teilnehmern sogar im internationalen Rahmen kommt und

2. die Banken für die ausgelagerten Forderungen kein Eigenkapital vorhalten mussten, so steht vor allem diese Form der Verbriefung im Blickpunkt der Aufsichtsbehörden.

– Andererseits ist durch die Einschaltung einer Zweckgesellschaft sichergestellt, dass im Falle der Insolvenz des Originators die von der Zweckgesellschaft gehaltenen Vermögenswerte weiterhin vorhanden sind, und dass die Zahlungen unverändert geleistet werden, damit die Besitzer der Verbriefungspapiere einwandfrei bedient werden. Die Bonität der von der Zweckgesellschaft begebenen Papiere ist somit nicht von der Liquidität des Originators abhängig, was grundsätzlich risikomindernd in Bezug auf die Verbriefungspapiere zu Buche schlägt (the sale of a large pool of receivables by an entity [originator]

1. that transposes such receivables in the course of its business to a bankruptcy-remote, special purpose entity [SPE]

2. in a manner that qualifies as a true sale [vs. a secured loan] and

3. is intended to achieve certain results for accounting purposes, as well as protecting the receivables from the claims of creditors of the originator, and

4. the issuance of debt securities and sale by the SPE [issuer], in either a private placement or public offering,

5. that are subsequently satisfied from the proceeds of - and secured by - the receivables;

6. when the securitisation is closed, funds flow from the purchasers of the securities [investors: usually banks, insurance companies and pension funds] to the issuer and

7. from the issuer to the originator. All of these transactions occur virtually simultaneously).

– Siehe Absenzkapitalismus, Aktien-Zertifikat, American Depositary Receipts, Asset-Backed Securities, Asset-Backed Securities-Collateralised Debt Obligation, Assignaten, Ausserbörslich, Bonitäts-Verbesserung, Buy-and-hold-Praktik, Claw-back-Klausel, Collateralised Debt Obligations, Credit Default Swap, Credit Default Swap im Quadrat, Darlehnforderungs-Verkauf, Darlehn-gegen-Papiere-Geschäft, Defeasance, Diamond-These, Equity Kicker, Entwicklungsverfahren, iteratives, Erstverlust-Tranche, Joint Securitisation Group, Kreditverbriefung, Kreditderivat, Krediterweiterung, Kreditkarten-Fiasko, KVV-Strategie, Liquiditätsfazilität, Mezzanine-Tranche, Nicht-Banken, Originate-to-distribute-Strategie, Pay-Green-Initiative, Reintermediation, Repackaging, Residential Mortgage Backed Securities, Portfolio-Versicherung, Rückführungs-Option, Rückschlag-Effekt, Senior-Tranche, Single Master Liquidity Conduit, True-Sales-Initiative, Unterseeboot-Effekt, Unterstützung, stillschweigende, Verbriefung, traditionelle, Verbriefungsmarkt, Verbriefungspapiere-Selbstbehalt, Verbriefungsstruktur, Verpackungskunst, Zinseinfrierung, Zweckgesellschaft.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2004, S. 84 ff. (S. 86: Tabelle der Risikogewichte für Verbriefungen nach Basel-II), Monatsbericht der EZB vom September 2005, S. 20 ff. (dort auch [sprachlich unschöne] Erklärungen und Schaubilder zur Kreditverbriefung), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2006, S. 38 ff.; S. 56 ff. (in Hinblick auf Basel-II), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 82 ff. (zwingende Eigenkapitalunterlegung von Verbriefungspositionen, S. 84: Übersicht zur Bestimmung des Verbriefungs-Risikogewichts), Monatsbericht der EZB vom Februar 2008, S. 90 (Übersicht der Beteiligten bei einer Verbriefung), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 55 (Selbstbehalt-Vorschriften), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 154 f. (Buchwert von 213 Mia EUR der Verbriefungspositionen deutscher Banken zum Jahresende 2009; Übersicht nach Assetklassen), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 124 f. (neue Regelungen im Zuge der Kapitaladäquanz-Richtlinie), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 170 ff. (Verbriefungsvolumen rückläufig: S. 171: Übersicht der Verbreifungsbestände nach der Art der Sicherheiten, S. 172: nach der regionalen Verteilung der Underlyings), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 154 ff. (Übersichten, auch unterteilt nach der Art der Sicherheiten) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute", Monatsbericht der EZB vom Oktober 2011, S. 79 f. (Verbriefungen und Emissionen von Schuldverschreibungen der Banken seit 2000), Monatsbericht der EZB vom Januar 2012, S. 73 ff. (statistische Erfassung und geldpolitische Einordnung von Verbriefungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verbriefung, synthetische (synthetic securitisation):

Forderungen einer oder mehrerer Banken werden

1. zu einem Paket (package; Bündel, Pool, Sondervermögen, Portfolio) zusammengefasst,

2. das Kreditrisiko wird mittels Kreditderivat getrennt und

3. das Kreditrisiko an eine Zweckgesellschaft verkauft; die Kreditforderung jedoch verbleibt - im Unterschied zur True-Sale-Verbriefung - weiterhin in der Bankbilanz.

– Siehe Aktiva, illiquide, Buy-and-hold-Praktik, Claw-back-Klausel, Credit Linked Notes, Defeasance, Diamond-These, Kreditderivat, Kreditkarten-Fiasko, Originate-to-distribute-Strategie, Pay-Green-Initiative, Reintermediation, Rückführungs-Option, Rückschlag-Effekt, Single Master Liquidity Conduit, True-Sale-Verbriefung, Verbriefungsstruktur.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2004, S. 29, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2006, S. 57 (übersichtliche Beispielrechnungen), Monatsbericht der EZB vom Februar 2008, S. 92 ff. (Schema; Erklärungen zu besonderen Formen der synthetischen Verbriefung; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verbriefung, traditionelle (traditional securitisation):

Zahlungen aus einer zugrunde liegenden Gesamtheit von Darlehn werden genutzt, um mindestens zwei untereinander abgestufte Risikopositionen oder Tranchen zu bedienen, die unterschiedliche Kreditrisiko¬grade aufweisen. Die Zahlungen an die Investoren sind hier - im Gegensatz zu einer Schuldverschreibung, die eine Verbindlichkeit des Emittenten begründet - von der Bedienung der jeweiligen zugrunde liegenden Forderungen abhängig. Die abgestuften (tranched; tranchierten) Gestaltungen, die das Merkmal einer Verbriefung sind, unterscheiden sich von einer bevorrechtigten oder nachrangigen Schuldverschreibung dadurch, dass die nachgeordnete Tranchen (junior tranches) Verluste in einer Weise auffangen, die eine ununterbrochene Fortsetzung der vertraglich vereinbarten Zahlungen an die höherrangigen Tranchen ermöglicht. Bei einer vor- und nachrangig gestalteten Emission ist der Begriff Nachrangigkeit massgebend für die Reihenfolge, in der die einzelnen Tranchen im Fall der Liquidation bedient werden.

– Siehe Aktiva, illiquide, Aufprallträger, Ausserbörslich, Back-to-Originator-Postulat, Buy-and-hold-Praktik, Claw-back-Klausel, Diamond-These, Einzel-Originator-Verbriefung, Erstverlust-Tranche, Krediterweiterung, Kreditkarten-Fiasko, Originator, Pay-Green-Initiative, Pool, Reintermediation, Rückführungs-Option, Tranchendicke, Verbriefungspapiere-Selbstbehalt, Verbriefungsstruktur, Wasserfall-Prinzip.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verbriefungsmarkt (securitisation market):

Angebot und Nachfrage nach Verbriefungspapieren jeder Art. Verbrieft werden kann grundsätzlich alles, was einen fortdauernden Zahlungsstrom verspricht, von Kreditkartenforderungen über Darlehn an Studierende bis hin zu Einnahmen in einem Fussballstadion oder in einer Konzerthalle. - Der Haken bei jeder Verbriefung ist das Moral Hazard-Problem. Denn es schwindet der Anreiz für die verbriefende Bank, den Schuldner zu überwachen, weil ja die Käufer der Verbriefungspapiere das Ausfallrisiko tragen. - In der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise trocknete der Verbriefungsmarkt nahezu völlig aus, weil im Zuge der Krise wichtige Abnehmer der Kreditrisiken ausfielen. Dazu zählten vor allem ausserbilanzielle Zweckgesellschaften sowie Versicherungen in den USA. Für beide wurden strengere aufsichtliche Vorschriften eingeführt. Darüber hinaus schwand bei den Käufern deren Vertrauen in die Verlässlichkeit externer Ratings, und die Anforderungen an die Qualität entsprechender Papiere stiegen beachtlich an. Zudem wurde auch der Anteil der Kredite, welchen die Banken selbst im Handelsbuch halten müssen, von den Aufsichtsbehörden erhöht. - In den USA festigten Zentralbank und Regierung den Verbriefungsmarkt durch umfangreiche Ankaufprogramme, weil diesem Refinanzierungskanal dort eine weitreichende und entscheidende Rolle beigemessen wird.

– Siehe Absenzkapitalismus, Aktiva, illiquide, Asset-Backed Securities, Defeasance, Diamond-These, Nicht-Bank, Unterseeboot-Effekt, Verbriefung, Verbriefungspapiere-Selbstbehalt, Verbraucherbeschwerden, Verbriefungsstruktur.

– Vgl. Monatsbericht der deutschen Bundesbank vom März 2006, S. 38 ff. (mit Übersichten der einzelnen Segmente), S. 40 (Gegenüberstellung der hauptsächlichen gehandelten Verbriefungsarten), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 18 (Ausverkauf am Verbriefungsmarkt im Zuge der Subprime-Krise), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 131 (die Krise bei Verbriefungspapieren wirkt sich auch auf den Pfandbrief aus), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 170 f. (hier auch Übersicht der Verbriefungsbestände) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute", Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 75 (Verbriefungsmarkt in Deutschland seit 2000 gesamthaft und unterteilt), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 54 f. (aufsichtsrechtliche Massnahmen), Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 64 f. (Bestände an Verbreifungen werden von den Banken durchgehend abgebaut; detaillierte Übersicht 2009-2013).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verbriefungspapiere (asset backed [commercial] papers):

1 Allgemein alle durch einen Vermögenswert besicherten, handelbaren Titel (tradeable commercial papers which are backed by assets of the issuer).

2 Im Besonderen Schuldtitel, die durch Zahlungen aus einem Portfolio besichert sind, in dem viel einzelne Forderungen zu einem Pool zusammengefasst sind. Ende des Jahres 2007, noch ehe die Subprime-Krise sich zu einer Finanzkrise ausweitete, waren weltweit Papiere dieser Art im Wert von ungefähr 450 Milliarden EUR im Portfolio der Anleger (investors: Banken, Fonds, Versicherungen, weniger auch Privathaushalte); davon wurden achtzig Prozent als toxische Papiere, als Nonvaleurs eingeschätzt. Diese mussten in einigen Ländern vom Staat übernommen werden, um die Bankbilanzen wieder ins Gleichgewicht zu bringen. - Der Schock bewirkte, dass

1. die Beurteilung neuer Verbriefungspapiere bei den Nachfragern fortan sehr genau und kritisch vorgenommen wurde, und dass man sich auf Benotungen von Rating-Agenturen nicht mehr blindlings verliess.

2. Andererseits wurden die Anbieter, also die Emittenten entsprechender Papiere gezwungen, ein Höchstmass an Informationen über verbriefte Forderungen bereitzustellen. Es galt, die Komplexität (complexity: the state of being intricate and difficult to see through)der Produkte - es wurde von Pools berichtet, die auf über 200 Druckseiten in schwer verständlicher Juristensprache näher erläutert waren! - merklich zu verringern.

3 Manchmal auch im Besonderen gesagt von Katastrophen-Anleihen, die Rückversicherer im Wege der Retrozession im Form einer Privatplazierung ausgeben.

– Siehe ABS-Fonds, Absenzkapitalismus, Aktiva, illiquide, Asset Backed Commercial Papers, Asset-Backed Securities, Asset-Backed Securities-Collateralised Debt Obligation, Assignaten, Aufprallträger, Ausserbörslich, Automobil-Darlehn, verbriefte, Back-to-Originator-Postulat, Collateralised Bond Obligations, Claw-back-Klausel, Collateralised Debt Obligations, Collateralised Loan Obligations, Conduit, Defeasance, Diamond-These, Einzel-Originator-Verbriefung, Embedded-Value Verbriefung, Entwicklungsverfahren, iteratives, Erstverlust-Tranche, Katastrophen-Anleihen, Krediterweiterung, Kreditkarten-Fiasko, Kreditverbriefung, Moral Hazard, Pay-Green-Initiative, Residential Mortgage Backed Securities, Retrozession, Single Master Liquidity Conduit, Schuldendeckungsquote, Subprime-Krise, Tranchendicke, True-Sale-Verbriefung, Wohnungsbaukredite, verbriefte, Unterlegung, Unternehmenskredite, verbriefte, Verbriefungsstruktur, Zinseinfrierung, Zweckgesellschaft.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2008, S. 89 ff. (Markt für verschiedene Verbriefungspapiere im Eurogebiet: breite Darstellung; Übersichten), Finanzstabilitätsbericht 2010, S. 73 ff. (Risikoquellen; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Juli 2011, S. 22 ff. (Zusammenhang Finanzierung/Verbriefung seit 2009; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2011, S. 79 f. (Verbriefungen und Emission von Schuldverschreibungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verbriefungspapiere-Selbstbehalt (retention quota of asset backed papers, ownership stake):

Nach der Subprime-Krise vom Sommer 2007, die sich ab Herbst 2008 zu einer weltweiten Finanzkrise ausweitete, verlangten die Aufsichtsbehörden von den originierenden Banken, dass diese künftig einen bestimmten Prozentsatz der begebenen Verbriefungspapiere in ihrem eigenen Portfolio zu halten haben. Damit sollte dem sorglosen Tranchieren und Weiterreichen der Risiken aus einem Forderungspool durch die Originatoren vorgebeugt werden. Denn durch eine solche Vorschrift wird der Originator veranlasst, die Kreditqualität seiner Verbriefung bereits am Anfang durch eine Bonitätsprüfung festzustellen und auch nach der Ausplazierung ständig zu überwachen, anstatt diese Risiken dem Käufer der Verbriefungspapiere aufzubürden. - Freilich ist bei entsprechenden aufsichtlichen Regelungen auch genau zu bestimmen, welche Tranche beim Originator verbleiben muss. Auch sollte verboten werden, dass ein Institut seinen Selbstbehalt aus einer Emission an Risikoanleger verkauft.

– Siehe Absenzkapitalismus, High-speed Money, Moral Hazard, Subprime-Kredite.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2009, S. 69 ff. (Rating bei Verbriefungspositionen), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 55 (aufsichtsrechtliche Selbstbehalt-Vorschriften; Offenlegungspflichten), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 124 f. (im Zuge der Kapitaladäquanz-Richtlinie ist eine Selbstbehaltsquote verbindlich vorgeschrieben).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verbriefungs-Risiken (risks of securitisation):

Als Gefahren der Verbriefung sieht man vor allem

1. die originierende Bank ist wenig(er) darauf bedacht, die Schuldner sorgsam auszuwählen und zu überwachen;

2. die Nachfrage nach Verbriefungspapieren kann plötzlich versiegen, wie angesichts der Subprime-Krise und der auf sie folgenden Finanzkrise zu beobachten war; denn hier führte ein unerwarteter Gleichlauf der Ausfälle der Referenzaktiva im Portfolio zum Marktzusammenbruch;

3. wenn Verbriefungspapiere über Zweckgesellschaften an Offshore Finanzplätzen begeben werden, dann fehlt jede Aufsicht über die Geschäfte, von einer Unterlegung mit Eigenkapital ganz zu schweigen;

4. soweit ein Originator die Verpflichtung übernimmt, bei Schwierigkeiten einer Zweckgesellschaft diese in seine Bilanz zu übernehmen, so kann dies dazu führen, dass die originierende Bank nun selbst ins Strudeln gerät, wie in Zusammenhang mit der Subprime-Krise mehrfach zu beobachten war;

5. kommt es, wie im Zuge der Subprime-Krise geschehen, zu einem plötzlichen Preisverfall für Verbriefungspapiere, dann geraten selbst Papiere bester Qualität unter Generalverdacht; Banken mussten im Zuge dessen hohe Abschreibungen vornehmen und dies zu einer Zeit, da insolvente Zweckgesellschaften das Ergebnis belasten und

6. last not least ist es letztlich unmöglich, die Qualität von Verbriefungspapieren zu beurteilen, die aus einem Pool von oft Zehntausenden einzelner Forderungen erwachsen sind; dies gilt für alle Tranchen.

– Siehe Absenzkapitalismus, Claw-back-Klausel, Defeasance, Diamond-These, International Business Company, Moral Hazard, Verbriefungspapiere, Verbriefungsstruktur.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2008, S. 89 ff. (Erklärung einzelner Risiko-Faktoren).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verbriefungsstruktur (securitisation structure):

Eine Bank und in diesem Zusammenhang oft Originator (originator) oder auch originierende Bank (originating bank) genannt

1. bindet eine Vielzahl von Kreditbeziehungen zu einem Sondervermögen (pool; Portfolio) zusammen,

2. trennt durch Kreditderivate das Kreditrisiko ab, ehe sie es

3. in grösseren Paketen (pools; Bündel) an Investoren weiterreicht. Zuvor

4. überträgt die verbriefende (originating; originierende) Bank die Kreditrisiken an eine unabhängige Zweckgesellschaft (Special Purpose Vehicle, SPV, auch: Conduit). Das Kreditrisiko des Portfolios wird damit vom Originator getrennt. Im Unterschied zur True-Sale-Verbriefung erfolgt hier jedoch

5. kein unmittelbarer Forderungsverkauf an die Zweckgesellschaft; sondern

6. es verbleiben die Referenzaktiva weiterhin in der Bilanz der Originatorbank. Vielmehr

7. erwirbt jetzt der Investor von der Zweckgesellschaft begebene Schuldverschreibungen (Credit Linked Notes, CLN) und übernimmt damit die Kreditrisiken aus den Referenzaktiva. Die Zweckgesellschaft legt

8. die Erlöse zur Besicherung der Zahlungen an den Investor am Kapitalmarkt an.

– Die von der Zweckgesellschaft emittierten Tranchen der Credit Linked Notes sind in Bezug auf die Reihenfolge der Verlustteilnahme nach der Regel des Stufenaufbaus (waterfall principle; Wasserfall-Prinzip, Subordinationsprinzip) gegliedert, und zwar zumeist dreistufig in Erstverlust-, Mezzanin- und Senior-Tranche. Danach nimmt die jeweilige Tranche dann erst an den Verlusten aus den Referenzaktiva teil, wenn alle ihr gegenüber nachrangigen Tranchen ausgezehrt sind. Durch diese Verbriefungsstruktur erzielen höherrangige Tranchen in der Regel ein erstklassiges Rating. - Das Ausplazieren von Risiken vor allem auch an nicht beaufsichtigte Adressen wie Hedge-Fonds in der ganzen Welt führt dazu, dass letztlich nicht mehr bekannt ist, wer diese Risiken letztlich hält. Auch können - wie sich bei der Subprime-Krise und der sich anschliessenden Finanzkrise deutlich gezeigt hat - bei den neuen Risikoträgern Konzentrationsrisiken entstanden sein. Dies tritt auf, wenn zu einseitig ausgerichtete Positionen gehalten werden. Im Falle der Deutsche Industriekreditbank und der Sachsen LB waren dies letztlich fast nur ungenügend besicherte Papiere aus Hausbaukrediten in den USA. Ein unerwarteter Gleichlauf der Ausfälle der Referenzaktiva im jeweiligen Portfolio führt dann sehr leicht zu einem Schock.

– Siehe Aktiva, illiquide, Buy-and-hold-Praktik, Claw-back-Klausel, Darlehn-gegen-Papiere-Geschäft, Diamond-These, Einzel-Originator-Verbriefung, Defeasance, Equity Kicker, Erstverlust-Tranche, Kreditderivat, Krediterweiterung, Kreditkarten-Fiasko, Mezzanin-Kapital, Moral Hazard, Originate-to-distribute-Strategie, Originator, Pool, Reintermediation, Repackaging, Rückführungs-Option, Rückschlag-Effekt, Single Master Liquidity Conduit, Tranchendicke, True-Sale-Verbriefung, Unterseeboot-Effekt, Verbriefung, Verbriefung, traditionelle, Verbriefungspapiere-Selbstbehalt, Zession.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2004, S. 27 ff., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2005, S. 87 (Emissionen nachrangiger Verbindlichkeiten deutscher Banken 1990 bis 2004), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 89 ff. (Verbriefungspositionen deutscher Banken aufgeschlüsselt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verbundinstitute (related banks, cooperative network institutes):

Wenn nicht anders definier, so meint man damit die Sparkassen und die Genossenschaftsbanken (cooperative institutes: Volksbanken, Raiffeisenbanken).

– Siehe Ortsbank, Kreditgenossenschaften.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verdachtsanzeige (report of suspicious activity):

Banken in Deutschland sind verpflichtet, der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht Meldung zu erstatten, wenn EX ANTE oder EX POST der Anhaltspunkte vorliegen, dass Geschäfte gegen das Verbot der Insidertransaktionen bzw. der Marktmanipulation verstossen. Reporting a suspicion is an original obligation of an institute which differs from other legal requirements such as the obligation to notify the relevant authorities about a crime or an offence, for which it is possible to prevent or limit the effects.

– Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 165 f. (hier auch Erläuterungen), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 136 (Anzeige eines Mitarbeiters führt zu Sonderprüfung), S. 165 f. (Herkunft der Anzeigen; Übersicht), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 178 f. (Zahl der Verdachtsanzeigen steigend) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verdienst (salary; profit; merit):

1 Die monatlich oder jährlich gerechnete Bezahlung für geleistete Arbeit, das Salär (the fixed amount of money paid to an employee, usually measured on a monthly or annual basis, not hourly, as wages): das Erwerbseinkommen.

2 Der Gewinn aus einem Geschäft, aus einer Transaktion (the total income from a transaction minus expenditures).

3 Die Anerkennung, die sich eine Person durch hervorragendes, über die reine (Berufs)Pflicht hinausgehendes Handeln erworben hat, und was diese Person daher für den beruflichen Aufstieg vorzeichnet (the relative suitability of an employee for a position, having regard to his or her standard of work performance and capabilities).

– Siehe Bonus, Deputat, Fixum, Fringe Benefits, Garantieprovision, Peter-Regel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verdienstsuche (money rollin):

Wenn nicht anders definiert das gezielte Erkunden nach Möglichkeiten, Geld zu verdienen (looking for a way to earn money).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vereinbarungen über den Informationsaustausch (Memorandum of Understanding, MoU):

Absichtserklärungen zwischen Aufsichtsbehörden, die eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Rahmen der Amtshilfe ermöglichen. Die Aufsichtsbehörden verpflichten sich, Mitteilungsbitten bei Untersuchungen in Insiderfällen, bei Marktmanipulation oder bei anderen Verstössen im Rahmen ihrer nationalen Gesetze nachzukommen.

– Siehe Multilateral Memorandum of Understanding, Nominee, Twinning, Umstände, bewertungswichtige.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 36, Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 59 f. (mit länder- und sektorbezogenen Aufgliederung der bilateralen Vereinbarungen), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 72 (Multilaterale Memorandum of Understanding, MMoU) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Internationales".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vereinigung der Europäischen Energieregulatoren (European Regulators' Group for Electricity and Gas, ERGEG):

Im November 2003 von der EU-Kommission ins Leben gerufenes Gremium mit der Aufgabe, die Kommission in Fragen des Energiebinnenmarktes zu beraten.

– Siehe Strombörse.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 47 (gemeinsame Empfehlungen von CESR und ERGEG zur Markttransparenz und zu Veröffentlichungspflichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vereinskonto auch Clubkonto und Sondersparkonto (club account):

Für einen bestimmten Zweck eingerichtetes und durch regelmässige Einzahlungen gespeistes Konto (savings account offered by a financial institution to investors looking to save for particular purpose). Man zählt hierzu - was der Name zunächst nicht vermuten lässt - auch das von einer Einzelperson dieserhalb eingerichtete Konto, etwa zur Bestreitung der Ausgaben im Urlaub. Häufig sind entsprechende Konten von mildtätigen Organisationen (charitable organisations) eingerichtet, um etwa Arme zu Weihnachten zu beschenken (Christmas account of Rotary Club) oder die Operation eines mittellosen Kranken zu finanzieren. - Oftmals zählt man diesen Konten auch solche bei, in die Eltern regelmässig einzahlen, um die Weiterbildung ihrer Kinder finanzieren zu können (college fund: regulary savings by parents for use of a child's college fees).

– Siehe Sparverein, Tontine.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verfall und Zwangsausschluss (lapse):

Bei einer Lebensversicherung der nach den Geschäftsbedingungen automatisch erlöschende Anspruch aus dem Vertrag, wenn die Vertragsinhaber mit der Prämie in Rückstand bleibt (the termination of an insurance policy because of the owner of the policy failing to pay the premium within the grace period [commonly within 30 days after the last regular premium was required and not paid]. Mostly is it possible to re-instate the coverage with the same premium and benefits unbroken; but the life insured will then have to qualify for this coverage all over again and bring up to date all unpaid premiums). Klagen gegen einen Zwangsausschluss bei Prämienrückstand wurden auch vor deutschen Gerichten letztinstanzlich (by the court of final appeal) abgewiesen; der Verfall des Vertrags ist nach dem Versicherungsvertragsgesetz (VVG) rechtens. Eine Versicherung handelt demzufolge als Sachwalterin aller Policeninhaber, wenn sie säumige Kunden ausschliesst.

– Siehe Bewertungsreserve, Default, Downgrade-Trigger-Klausel, Drittfälligkeits-Klausel, Drittverzugs-Klausel, Endfälligkeit, Erstraten-Verzugsklausel, Verwirkungsklausel, Verzug.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verfallene und Abgelaufene (unables):

An der Börse gesagt von allen Aufträgen, die bis Börsenschluss nicht ausgeführt werden konnten; es sei denn, dass andere Weisungen entgegenstehen und der Order über den Börsenschluss hinaus Gültigkeit verleihen (all orders not filled by the end of a trading day are considered unable and void, unless they are labeled GTC [Good Until Cancelled] or open).

– Siehe Fest-Auftrag, GTC-Auftrag, Karten-Stapel, Market Impact, Order, tagesgültige, Stop-Auftrag, Tagesauftrag, Tageszeit-Auftrag, Verfalltag, Verfallzeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verfalltag früher oft auch Ablauftag und Peremptionstag (expiration, expiry):

1 Allgemein der - vertraglich vereinbarte oder rechtlich festgesetzte - Ablauf einer Frist.

2 Das Ende der Laufzeit eines Finanzkontraktes.

3 An der Börse das Datum, an dem die Option nicht mehr ausgeübt werden kann. Falls diese einen inneren Wert aufweist, so muss das Optionsrecht spätestens bis jetzt wahrgenommen sein; es sei denn, andere Vereinbarungen wurden getroffen.

– Siehe Abandon, Call-Option, Erfüllung, Option, Option, digitale, Parität, Position, schwache, Rohstoff-Terminvertrag, Strip, Tulpencrash, Verfügbarkeitsprämie, Wiedereindeckungs-Risiko, Call-Option, Option, Put-Option, Ziel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verfassungsartikel eins (constitutional article one):

Bissige Bezeichnung für die Tatsache: "Besitzstände sind unantastbar" (vested interest are untouchable). Dem Gesetzgeber fällt es äusserst schwer, die Staatsausgaben auf irgend einem Feld - etwa Soziales, Kulturförderung, Bildung, Verteidigung - auch nur geringfügig zu kürzen. Die Geldpolitik hat dem Rechnung zu tragen.

– Siehe Anpassungs-Inflation, Geldbewusstsein, Haushalts-Vorabstimmung, europäische, Semester, europäisches, Staatsschuld, Staatsschulden-Rückführung, Stabilitäts- und Wachstumspakt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verfestigung und Festigung (hardening):

An der Börse langsam steigende Notierungen (slowly advancing quotations).

– Siehe Schwere.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verflüssigung (improvement of liquidity):

Im Finanzjournalismus gebrauchter, in der Sprache der Währungsbehörden kaum benutzter Begriff in der Bedeutung, dass das Angebot an Geld hoch ist; und in der Regel deshalb, weil die Zentralbank dem Markt reichlich Liquidität zuleitet.

– Siehe Geld, billiges, Kreditklemme, Larghezza, Liquiditätsbereitstellung, Niedrigzinspolitik, Quantitative Easing.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verfügbarkeit (availability):

Bei einem Institut die Möglichkeit, in gegebenem Rahmen den Kunden zu Geschäften und Informationen bereitzustehen.

– Siehe Abwanderungsquote, Akzessibilität, Benutzerfreundlichkeit, Beziehungspflege, Call-Centre, Container-Banking, Fernzugang, Geld(ausgabe)automat, Geschäftsstelle, vollautomatische, Gutgeführt, Intensivstation, Kundenabwehrdienst, Kundenbindung, , Kundenpfleger, Service Line.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verfügbarkeitsprämie (convenience yield):

Der Gewinn, welcher unter Berücksichtigung der Lagerkosten daraus zu erzielen ist, dass man ein Gut bereithält - also heute gegenständlich vorrätig hat - und nicht erst zur Verwendung im Betrieb oder zum Verkauf an den Kunden beschaffen muss (the extra advantage that firms derive from holding the product rather than the future).

– Siehe Option, Rohstoff-Terminvertag, Wiedereindeckungs-Risiko.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vergleichbarkeit (comparability):

Grundsatz im Rechnungswesen und im Aufsichtsrecht, wonach die gleichen Sachverhalte von allen Unternehmen gleichermassen behandelt werden müssen, um Vorgänge bei verschiedenen Unternehmen gegenüberzustellen und beurteilen zu können.

– Siehe Mark-to-Model-Ansatz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vergreisung (excess of age):

Die Zunahme der Bewohner über 65 Jahren in einem Gebiet. Dies hat auf die Investitionen, Staatsausgaben und auch auf die Stabilität der Währung vielfältige Auswirkungen.

– Siehe Altersquotient, Methusalem-Syndrom, Stagnation, säkulare, Überalterung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vergütung (payment; [performance] fee; credit entry; gratification; abatement):

1 Allgemein die Zahlung eines Geldbetrags aufgrund einer vertraglichen Vereinbarung, vor allem bei Arbeitsverträgen gesagt: Gehalt, Verdienst, Salär, Arbeitsentgelt.

2 Die Entlohnung für Dienstleistungen bestimmter Berufe, wie Rechtsanwälte (attorneys' fees), Ärzte (doctor's fees), Urheber (copyright fees) oder Künstler: Honorar, Gage, Tantieme; in der älteren Literatur auch Äquivalent (aequivalent) genannt. Für Banken ist der Begriff Vergütung genau definiert in § 2 der Instituts-Vergütungsverordnung.

3 Auf dem Finanzmarkt im Besonderen der Betrag, den ein Dienstleister (service provider: Bank, Vermögensverwalter) für seine Bemühungen jeweils in Rechnung stellt: Preis, Courtage, Provision, Taxe, Gebühr, in der älteren Literatur häufig auch Renumeration.

4 Die Gutschrift (credit entry; Zubuchung) einer Bank auf das Konto des Kunden, im Gegensatz zur Lastschrift (debit entry).

5 In der arbeitsrechtlichen Literatur manchmal für eine Aufwandsentschädigung (expense allowance) gesagt.

6 Ein zusätzliches Entgelt für besondere Leistung: Anerkennungsprämie, Bonus, Prämie, Gratifikation.

7 Die Einräumung eines besonderen Nachlasses (deduction; Rabatts) beim Absatz von Gütern aller Art einschliesslich der Wertpapieren: eine Bonifikation (bonification).

8 Der Preisnachlass (reduction of price) auf eine Rechnung aufgrund von (by reason of) Beschwerden des Kunden.

9 In technischer Bedeutung meint Vergütung (coating) den Schutz von Werkstoffen durch Zerstörung und Zersetzung; besonders in der Optik die Beschichtung von Glasflächen durch Aufdampfen.

– Siehe Abstandsgeld, All-in-Fee, Aufwandsentschädigung, Bankenschelte, Bankgebühren, Bonus, Courtage, Deduktion, Dreidingsgeld, Entgelt, Festgebühr, Handschlag, goldener, High Watermark-Methode, Honorar, Margendruck, Provision, Refaktie, Renumeration, Tantieme, Verdienst, Vergütung, Vergütungssystem, angemessenes, Verlustübernahme, persönliche, Versicherungs-Vergütungsordnung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vergütungssystem (compensation scheme):

Im Finanzbereich die Bezahlung von Angestellten. Nach der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise wurde gefordert, eine Vergütung grundsätzlich am eingegangenen Risiko und am nachhaltigen Geschäftserfolg auszurichten. Zudem sollten auch geschäftliche Misserfolge einfliessen. - Das Financial Stability Board (FSB) veröffentlichte im April 2009 daraufhin eingehende Richtlinien (Principles für Sound Compensation Practices). Danach dürfen zugesagte Bonuszahlungen nur für höchstens ein Jahr zulässig sein. Die Unternehmen sollten zudem einen Vergütungsausschuss (compensation committee) einrichten, in dem bestehende Salär-Richtlinien laufend überprüft werden. Bei Versicherungen darf die Vergütung sich nicht am Neugeschäft oder den gesamthaften Beitragseinnahmen ausrichten. In Deutschland verpflichteten sich eine Reihe grosser Institute sowie Versicherungen, die Richtlinien des Financial Stability Board sofort umzusetzen. Am 7. Juli 2010 beschloss das Europäische Parlament verbindliche Regelungen, die sich im grossen und ganzen an die Grundsätze des FSB anlehnen. Im Oktober 2010 trat dann die Instituts-Vergütungsverordnung in Kraft, die europäische Vorgaben umsetzt.

– Siehe Anreizsystem, Bankenschelte, Bonifikation, Bonus, Bonussystem, Handschlag, goldener, Instituts-Vergütungsverordnung, Millionengrab, Mitarbeiter-Verantwortlichkeit, Moral Hazard, Prämie, Rückvergütung, Schlafgeld, Vergütung, Vergütungssystem, angemessenes, Versicherungs-Vergütungsordnung. Vorstandsbezüge, Verlustübernahme, persönliche.

– Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 122 ff. (allgemeine und besondere Anforderungen an die Vergütungssysteme), S. 252 (die Aufsichtsbehörde selbst schüttet grosszügige Boni an Mitarbeiter aus), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 85 (durch die Instituts-Vergütungsverordnung sollen für die Finanzstabilität schädliche Vergütungssysteme ausgeschlossen werden), S. 132 ff. (Grundsätzliches und Besonderes zu Vergütungssystemen), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 72 f. (neue gesetzliche Vorgaben seit Jahresbeginn 2014), S. 106 (Mängel bei der Prüfung der Vergütungssysteme).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vergütungssystem, angemessenes (adequate compensation scheme):

Nach § 3 der Instituts-Vergütungsverordung ist ein Vergütungssystem angemessen ausgestaltet, wenn

1. Anreize für die Geschäftsleitungspersonen und Mitarbeiter zum Eingehen unverhältnismässig hoher Risiken vermieden werden und

2. das Vergütungssystem nicht der Überwachungsfunktion der Kontrolleinheiten zuwiderläuft.

– Siehe Bonussystem, Versicherungs-Vergütungsordnung.

– Vgl. Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 72 f. (neue gesetzliche Vorgaben an Vergütungssysteme seit Jahresbeginn 2014), S. 106 (aufgedeckte Mängel bei der Prüfung der Vergütungssysteme).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verhaltenskodex (code of ethics):

Vor allem bei Aktiengesellschaften der USA firmenindividuell errichtetes Regelwerk, das für den Vorstand und die Aufsichtsrats-Mitglieder bestimmte Verhaltensvorschriften aufstellt. Die Manager und Aufsichtsräte müssen demnach in bestimmten Zeitabschnitten Erklärungen abgeben, etwa zum (Ver)Kauf von Aktien. Schwer oder gar nicht abstellen lässt sich wohl, dass leitende Angestellte unter einem fremden Namen ("street name") Firmen gründen und über diese entsprechende Käufe und Verkäufe tätigen.

– Siehe Abschottung, Chinese Wall, Corporate Governance, Handelszeit, erlaubte, Insider-Meldepflicht, Need-to-know-Prinzip, Nominee, Organkredite, Sachkunde, Sarbanes-Oxley-Act, Sperrfrist, System Securities Watch Application (SWAP), Untertunnelung, Transaktionsmeldungen, Wall Crossing.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verhaltensrisiko (conduct risk):

Teil des operationellen Risikos. Die Verhaltensrisiken lassen sich in Irrtumsrisiken, Fahrlässigkeitsrisiken und kriminelle Risiken unterteilen.

1. Ein Irrtum (error) liegt vor, wenn der Bank - bei Einhaltung interner Richtlinien und externer Gesetze - ein Schaden zugefügt wird. Das Irrtumsrisiko ist also durch menschliches Versagen begründet und umfasst vor allem Eingabefehler, Schreibfehler (clerical errors) sowie Verwechslungen.

2. Fahrlässigkeit (negligence) liegt vor, wenn ein Mitarbeiter keinen persönlichen Vorteil aus einer schädigenden Handlung erlangt, aber die internen und externen Gesetze verletzt hat.

3. Zu den kriminellen Risiken (risk form criminal acts) zählen vor allem Betrug, Unterschlagung oder Sabotage.

– Siehe Finanzschurke, Mistrade, Risiko, banktechnisches, Risiko, operationelles, Risiko, personelles, Überweisungsbetrug.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verinteressieren, verstanden als Verb oder Verbalsubstantiv [= Gerundium: die zum Hauptwort gemachte Nennform eines Zeitworts] (performance, yield):

In der älteren Finanzliteratur häufig gesagt für rentieren, lohnen, etwas einbringen, Zinsen einnehmen, Gewinn abwerfen, einen Ertrag liefern. Das Wort wurde indessen schon zeitgenössisch als unschöner Ausdruck gerügt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verkauf, freihändiger (selling in the open market):

Gesagt in der Regel von (öffentlichen) Papieren, bei denen es keinen zuvor festgelegten Emissionszeitraum gibt. Der Verkauf erfolgt fortlaufend ohne Befristung. Dadurch kann eine "geräuschlose" (noiseless) Finanzierung mit einer verhältnismässig gleichbleibenden Marktbelastung erreicht werden.

– Siehe Emissionskalender, Tender, beschränkter.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verkäufermarkt (seller's market):

Ein Markt, auf dem die Nachfrage das Angebot übersteigt. Steigende Preise sind aufgrund des Ersten Preisgesetzes (Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis) die Folge.

– Siehe Markt, überkaufter.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verkaufsabsicherung (loss limiting; short hedge):

1 Allgemein jederart Transaktion, die darauf abzielt, einen allfälligen Verlust im Handel ganz zu vermeiden oder doch in überschaubaren Grenzen zu halten.

2 Bei Optionen das Eingehen einer Short-Position auf dem Terminmarkt zum Zwecke der Absicherung einer Long-Position auf dem Kassamarkt.

– Siehe Ersatzverkauf, Hedging.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verkaufsbeschränkungen (lock-up periods):

Privatrechtliche Vereinbarungen mit (Erst)Erwerbern von Aktien oder anderen marktgängigen Papieren (marketable papers) darüber, bis zu welchem Zeitpunkt diese - bei Aktien insonders in grösserem Paket - nicht an der Börse verkauft werden dürfen. - Der Sinn einer solchen Sperrfrist liegt in erster Linie darin, bei neugegründeten Aktiengesellschaften die Vertrauensbildung in das Unternehmen seitens der Aktionäre zu gewährleisten. - In Deutschland müssen seit 2002 solche Lock-up-Fristen im Börsenzulassungsprospekt (amtlicher Markt; official trading) bzw. im Unternehmensbericht (regulierter Markt; regulated market) termingenau angegeben werden. Eine solche Pflicht besteht indessen bis anhin nicht auch bei Freiverkehrswerten.

– Siehe Konzertzeichner, Sperrfrist, Tag-along-Rights.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verkaufsoption (put):

Optionsvertrag, welcher das Recht enthält,

1. ein Gut wie Devisen, ein Finanzinstrument oder eine Ware

2. zu einem bestimmten Preis

3. innert eines vorgegebenen Zeitraums zu verkaufen.

– Eine Verkaufsoption wird gekauft, wenn man glaubt, die Preise für das entsprechende Gut werden sinken. Der Verkäufer der Verkaufsoption erhält eine Prämie für die Annahme der Verpflichtung, die Lieferung anzunehmen, falls der Käufer sein Recht zum Verkauf ausübt.

– Siehe Call, Put.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verkaufsposition (short):

Im Zusammenhang mit Optionsverträgen die Stellung nach der Auslieferung von Waren oder rechtsgültig übertragenen Terminkontrakten, ehe eine Gutschrift des Vertragspartners eingegangen oder eine gegengeschäftliche Glattstellung durch einen Terminkontrakt vorgenommen wurde. Die Deckung einer Verkaufsposition wird auch als Short Covering bezeichnet.

– Siehe Dedicated Short Bias, Option.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verkaufsprospekt (securities prospectus):

Zusammenstellung von Angaben hauptsächlich über die Art, den Gegenstand sowie allfällige Risiken von Wertpapieren.

– Siehe Wertpapier-Verkaufsprospekt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verkehrsunfall früher meistens Strassenunfall und Autounglück (traffic accident, road accident):

Ein Ereignis, bei dem infolge des Fahrverkehrs auf öffentlichen Verkehesräumen Personen verletzt bzw. gar getötet oder/und Sachschäden verursacht werden. - Vom Standpunkt der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung erhöhen Verkehrsunfälle das Sozialprodukt und damit den Wohlstand. Denn statistisch werden Dienstleistungen in Zusammenhang mit einem Unfall wie etwa der Einsatz der Feuerwehr, der Polizei, der Rettungssanitäter (emergency services staff) und auch der Krankenhäuser und Rehabilitations-Einrichtungen (rehabilitation clinics) als in Geld zu bewertende Leistungserbringung erfasst, die wohlstandvermehrend zählt. Aus diesem Grund kann das Sozialprodukt auch nur ein grober Masstab für den tatsächlichen Wohlstand in einem Staat sein. Mehr Schaden und Leid für einzelne Personen und damit auch für die Allgemeinheit, mehr zu versorgende Schwerverletzte durch Verkehrsunfälle erhöhen bestimmt nicht den Reichtum, den Volkswohlstand.

– Siehe Bubble Economy, Ungüter, Vermögen, Wertschöpfung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verkehrswert (market value, sales value, commercial value, current market price):

In erster Linie in Zusammenhang mit Immobilien gebraucht. Man versteht darunter jenen Preis, welcher

1. zum Zeitpunkt, auf den sich die Ermittlung bezieht,

2. im Geschäftsverkehr nach den rechtlichen Gegebenheiten und tatsächlichen Eigenschaften,

3. der übrigen Beschaffenheit sowie

4. der Lage der Immobilie bzw. des sonstigen Gegenstands der Wertermittlung zu erzielen wäre. Damit ist der Verkehrswert einer Immobilie dem Marktwert gleichzusetzen. Bei der Novellierung des Baugesetzbuches 2004 wurde dies in § 194 BauGB auch ausdrücklich festgestellt.

– Siehe Bewertung, Fair Value, Inventarwert, Markt¬wert, Mark-to-Model-Ansatz, Netto-Inventarwert, Zeitwert.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verkrustungen, strukturelle (structural rigidities):

Falls nicht anders definiert, so meint man damit eine Volkswirtschaft mit

1. nur wenig flexiblem Arbeitsmarkt,

2. geringerem Wettbewerb auf den Gütermärkten,

3. ziemlichen Markteintrittsschranken für neue Unternehmen und

4. einem weniger entwickelten Kapitalmarkt.

– In solchen Wirtschaften ist die Investitionsquote niedriger, somit auch in der Regel die Produktivität und infolgedessen zugleich das Wachstum.

– Siehe IKT-anwendende Branchen, KLEMS-Datenbank, Lohnrigiditäten, Produktivität, Strukturumbruch, Strukturwandel.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2008, S. 68 ff. (ausführliche Darstellung; viele Übersichten; Auswirkungen auf die Geldpolitik), S. 88 f. (aussagekräftige Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2014, S. 21 ff.; S. 41 ff. (Verkrustungen in der Eurozone).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verladegeld und Verladgeld (loading fee, shipping expenses; entraining fee):

1 Vor allem auch in älteren Dokumenten häufig gleichgesetzt mit dem Ladegeld, nämlich die für das Einladen oder Ausladen von Gütern im Hafen oder auch an Land zu entrichtende Zahlung.

2 Die von Waren transportierenden Lastkraftwagen [CH: Camions] erhobene Gebühr für die zwangsweise Beförderung auf der Schiene, im Besonderen in Bezug auf die Schweiz gesagt. - Der alpenüberquerende Schwerlastverkehr (trans-alpine heavy goods vehicle traffic) muss zu einem bestimmten Prozentsatz an der Landesgrenze zu Italien, Frankreich und Deutschland auf Eisenbahnwaggons geladen und - aus Gründen des Umweltschutzes und in Ausführung der Alpenkonvention (Alpine Convention: ein 1991 in Kraft getretenes internationales Übereinkommen zum Schutz des Naturraums in den Alpen) - auf der Schiene durch die Schweiz befördert werden.

– Siehe Chausseegeld, Citymaut, Fährgeld, Furtgeld, Hafengeld, Ladegeld, Maut, Transitgeld, Übernahmeliste, Ungeld, Vignette.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verlagerungskosten (removal costs):

Wenn nicht anders definiert Aufwendungen für den Aufbau/Abbau und die Beförderung (transportation; Transport) einer Sache (expenses incurred in installation and removing an item). - Im Bankbetrieb entstehen solche Ausgaben vor allem dann, wenn bei Grossveranstaltungen wie Feste, Kirchentage, Sportereignisse, Konzerte, Jahrmärkte und Messen Bankcontainer aufgestellt werden. Gerade für ortsansässige Institute (local institutes) ist aber eine solche Vor-Ort-Präsenz in der Regel geboten. Zumindest der - wenn auch sehr schwer messbare - Imagegewinn (image improvement, gain in terms of image) gleicht die Verlagerungskosten in der Regel aus.

– Siehe Container-Banking.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verlängerungsgebühr (back fee):

1 Der zu zahlende Betrag, wenn eine Option über den ursprünglichen Vertragstermin hinausgeschoben und durch einen Anschlussvertrag verlängert werden soll (a premium paid when a buyer continues an option through a second option contract on extension date of the original contract).

2 Zahlung, welche der Besitzer einer zusammengesetzten Option (Option auf eine Option: an option on a simple option that can be acquired at a later date for a fixed amount) dem Inhaber der zugrundeliegenden Option bei Inanspruchnahme seines Optionsrechts zahlt (payment made by the owner of a compound option to the owner of the underlying option when the compound option is exercised).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verlust, in älteren Dokumenten auch Verlierung, Deperditen, Jaktur, Jaktura, Perdita, Amission und Scapito (loss, detriment):

1 Jeder in seinem Ausmass nicht genau bezeichnete Schwund, eine schädigende Abnahme, im Extremfall gar eine völlige Einbusse, etwa der Kaufkraft des Geldes oder des Vertrauens der Kunden in eine Bank.

2 Jederart Minderung des Vermögens einer Wirtschaftseinheit (the sum an entity loses on balance).

3 Auf dem Finanzmarkt bringt bei einem Engagement der Einsatz von Geld, also die getätigten Ausgaben, weniger als null Gewinn; der Erfolg ist negativ (the amount by which the costs of a transaction exceeds its revenue).

4 Bei einem Unternehmen übersteigen in einer Rechnungsperiode die Einnahmen die Ausgaben (a condition in which a company's expenses exceed its revenues at the end of an accounting period: the company operated in the red).

5 Bei einer Versicherung gesagt von jedem Ereignis, dass eine vertraglich begründete Leistung auslöst (occurrence of an event for which the insurer makes indemnity under the terms of a policy).

6 Das Abhandenkommen, Verlorengehen von wichtigen Dokumenten und gespeicherter Daten.

– Siehe Ausfall, Aufwendungen, Defaveur, Geldgrab, Geldverbrennung, Imparitätsprinzip, Kopf-in-den-Sand-Verhalten, Millionengrab, Stress-Test, Torpedokapital, Unsumme, Verlust, eingetretener, Verlustabsorptionsfähigkeit, Verlustfalle, Waste Watcher, Zahlen, rote, Zahlungsausstand.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verlust, eingetretener (incurred loss):

Nach IAS 39 war ein Haben-Saldo in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung bzw. ein Überschuss der Passiv- über die Aktivposten in der Bilanz erst dann auszuweisen, wenn dieser tatsächlich stattfand, sich also verwirklichte. Das den Verlust auslösende Ereignis (trigger event) konnte abgewartet werden. Im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise hatte sich gezeigt, dass dieser Ansatz zu lawinengleichen Abschreibungs-Runden führt und die Krise wesentlich verstärkte.

– Siehe Darstellung, glaubwürdige, Fair Value, Imparitätsprinzip, Inventarwert, Insolvenzfälle, Kombinationseffekt, Mark-to-Model-Ansatz, Marktwert, Prozyklizität, Verlust, erwarteter, Verlustfalle.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verlust, erwarteter (expected loss):

Nach IFRS 9 müssen Eintrittswahrscheinlichkeiten von Risiken jeder Art über die ganze Laufzeit angesetzt werden. Die neue Regelung gilt nicht nur für Banken, sondern betrifft unabhängig von der Branche die Wertminderungen jedwelcher Finanzinstrumente, die zu Anschaffungskosten bilanziert werden. Das zwingt zu einer zeitnahen Bildung von Risikovorsorgeposten, weil auch die erwarteten Zahlungsströme (expected cash-flow, ECF) im Vordergrund steht. Ebenso sind Zinserträge (interest receivable) jeder Art nicht mehr in der vertraglich vereinbarten Höhe zu verbuchen, sondern auf Grundlage der erwarteten Zahlungen.

– Siehe Informationsblätter für Finanzinstrumente, Verlust, eingetretener.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verlust, unerwarteter (unexpected loss):

Allgemein das Produkt aus Ausfallwahrscheinlichkeit und Verlusthöhe bei Ausfall. Banken sind aufsichtsrechtlich verpflichtet, entsprechende Verluste mit Eigenkapital abzufedern.

– Siehe Imparitätsprinzip.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 37 f. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verlust-Darlehn-Beziehung (loss-credit relation):

In den USA in Zusammenhang mit der Subprime-Krise errechnete Faustregel, wonach bei einem Verlust von einem USD die Banken neu zu gewährende Darlehn um zehn USD kürzen. Bei Instituten, die mit einem sehr hohen Anteil an Fremdkapital arbeiten, lag dieses Zahlenverhältnis oft noch höher. Für Deutschland liegen entsprechende verlässliche Zahlen nicht vor.

– Siehe Kreditklemme.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verlustabsorbierung und Verlustabsorption (loss absorbance):

Vor allem in Zusammenhang mit bestimmten handelbaren Finanzinstrumenten verwendeter Begriff. Banken bündeln eine Vielzahl herausgegebener Kredite zu einem Portefeuille zusammen. Dieses wird dann in einzelne Tranchen zerlegt; in der Regel in drei, nicht unbedingt gleiche Teile.

1. Die unterste, relativ hoch verzinste Tranche (first-loss-piece; Erstverlust-Tranche auch Equity-Tranche genannt) muss voll den Verlust tragen (absorb; absorbieren), welcher durch einen Ausfall eines Kredits im Gesamtportefeuille entsteht.

2. Die nächsthöhere Tranche (mezzanine-tranche; Mezzanine-Tranche) muss erst dann Verluste absorbieren, wenn die Kreditausfälle das Volumen der Erstverlust-Tranche übersteigen. Ihr Risiko ist also geringer, die Rendite dieser Tranche daher auch.

3. Nach gleichem Muster folgen weitere, immer risikoärmere Tranchen.

– Siehe Bonitäts-Verbesserung, Call, Hybridkapital, Originate-to-distribute-Strategie, Reintermediation, Rückführungs-Option, Rückzahlung, vorzeitige, Tranchendicke, Verbriefung, Verbriefungsstruktur, True-Sale-Verbriefung, Wasserfall-Prinzip.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2007, S. 16 f. (Übersicht des Finanzierungsgefüges bei einem typischen Leveraged Buy-out und Stellung der Mezzanin-Gläubiger).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verlustabsorptionsfähigkeit (loss absorbing capacity):

Das Vermögen einer Wirtschaftseinheit allgemein und einer Bank im Besonderen, allfällige Verluste ohne Gefahr für die eigene Existenz abzufedern. The concept of the ability to absorb losses in the banking industry is not easy to outline. The key idea governing this notion is that appropriate instruments must not only allow their issuer to escape insolvency in the event of a stress situation, but should also favour recapitalisation.

– Siehe Ausfall, Basel-III, Cook-Ratio, Deckungsquote, Eigenkapitalquote, Hybridkapital, Kapitalbedarfs-Verordnung, Leverage Ratio, Risiko, Risikomanagement, Verlustpotential, Verlustquote, Zwangswandelanleihe.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2013, S. 52 ff. (Definitionen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verlustausgleich, steuerlicher (tax-deductible loss compensation):

Bei einer Bank die Möglichkeit, Verluste aus notleidenden Krediten (bad-debt losses) bei der Steuerschuld zumindest teilweise geltend zu machen. - Die steuerrechtlichen Bestimmungen hierzu sind in den jeweiligen Staaten unterschiedlich, gesamthaft gesehen aber einschränkend. Man unterstellt, dass Banken hinsichtlich der Gewährung von Darlehn nachlässiger werden, wenn von vornherein feststeht, dass ein Teil der Verluste über die Veranlagung zur Steuer ausgeglichen werden kann (Moral Hazard). - Andererseits führen die unterschiedlichen rechtlichen Rahmenbedingungen dazu, dass international tätige Banken risikobehaftete Darlehn bei Niederlassungen in dem Staat auszahlen, wo eine grosszügige Abschreibung allfälliger Verluste über die Steuer möglich ist.

– Siehe Gewinnbesteuerung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verlustempfinden, inkongruentes (incongruous loss feeling):

Die empirisch belegte Tatsache, dass ein Verlust bei einer Kapitalanlage von Anlegern weniger stark empfunden wird, wenn er bis zur Mitte der Anlageperiode eintritt. Denn diesfalls bleibt vermeintlich noch genügend Zeit, den Rückschlag auszugleichen. Bei späteren Verlusten fehlt diese Möglichkeit. Daher wird zahlenmässig gleicher Verlust jetzt schmerzlicher wahrgenommen.

– Siehe Daimonion, Finanzpsychologie, Staffelung, Verlustfalle.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verlustereignis (event loss):

Vorfall aus dem Bereich des operationellen Risikos, das einen Verlust bei der Bank nach sich zieht. Nach der mehr beispielgebenden und daher nicht alle Vorkommnisse umfassenden Aufzählung in Basel-II handelt es sich dabei im Einzelnen um

1. Betrug von innen,

2. Betrug von aussen,

3. Anstellungsgewohnheiten und Sicherheit,

4. Kunden, Produkte und geschäftliche Arbeitsweisen,

5. Unterbruch des Betriebsablaufs und Systemversagen,

6. organisatorische Abwicklung sowie

8. Lieferung und Prozessmanagement.

– Siehe Ausfall, Default, Handlungsgebot, dringendes, Risiko, Risikomanagement, Überweisungsbetrug, Verlustabsorptionsfähigkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verlustfalle (loss trap):

Die rational kaum erklärbare, indessen aber empirisch gut belegte Tatsache, dass sowohl private Anleger als auch Unternehmen geneigt sind, Verluste laufen lassen, anstatt frühzeitig einen schmerzhaften Schlusstrich unter das Engagement zu ziehen.

– Siehe Erinnerungsfähigkeit, Geldgrab, Geldschlucker, Kopf-in-den-Sand-Verhalten, Millionengrab, Finanzpsychologie, Kurzsichtigkeit, Torpedokapital, Verlust, eingetretener, Waste Watcher.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verlustmeldung (loss notification):

Bei einem Verlust ab fünfundzwanzig Prozent des haftenden Eigenkapitals muss eine Bank dies in Deutschland der Aufsichtsbehörde unverzüglich mitteilen; siehe § 24, Abs. 1, № 5 KWG.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verlustpotential (loss chance):

Das Risiko, bei einem Geschäft, und im Besonderen bei einem Engagement auf dem Finanzmarkt, einen Schaden zu erleiden.

– Siehe Anlagemut, Defaveur, Gewinnpotential, Risk Taker, Verlust, erwarteter.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verlustquote (loss given default, LGD):

Beim Rating die

1. zuvor eingeplanten, also erwarteten oder

2. die tatsächlich eingetretenen Ausfallraten der Kredite; wenn nicht anders ausgedrückt als Höhe des Verlusts in Prozent der Forderungen zum Zeitpunkt des Ausfalls der Gegenpartei berechnet. Abweichungen zwischen geplantem und eingetretenen Verlust weisen auf eine schlechte Kalibrierung hin.

– Siehe Ausfall, Ausfall-Verlust, Ausfallwahrscheinlichkeit, Default, Entfernung zur Zahlungsunfähigkeit, Kalibrierung, Kredit, notleidender, Kreditverlust, Probability of Default, Rating, Reintermediation, Rückschlag-Effekt, Risiko, Schulden, notleidende, Trennschärfe, Validierung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2003, S. 63 ff. (Methodisches), Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 37 f (auch unerwartete Verluste müssen mit den Eigenkapitalanforderungen in Einklang gebracht werden), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2004, S. 100 (Übersicht der Verfahren zur Abdeckung eines erwarteten Verlustes nach Basel-II und IAS).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verlustrisiko (loss risk):

Auf dem Finanzmarkt die Eventualität (eventuality: die tatsächlich vorhandene Möglichkeit), bei einem Engagement das eingesetzte Kapital ganz oder teilweise zu verlieren.

– Siehe Absicherung, Call-Option, ungedeckte, Non-Investment Grade, Risiko, Verlustabsorptionsfähigkeit, Verlustpotential.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 157 f. (Kapitalverwaltungsgesellschaften müssen das Verlustrisiko je Fonds ermitteln und der BaFin melden).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verlusttarnung (debt hiding):

Die Praxis selbst grosser Unternehmen nicht nur in den USA, Verluste und Schulden bei Tochterfirmen zu verstecken. Durch die Sarbanes-Oxley Act 2002 wurde diese Vorgehensweise in den USA unter Strafe gestellt. Dank der Wachsamkeit der Aufsichtsbehörden sind Fälle des Loss Hiding bei Banken und selbst bei Finanzkonglomeraten in der EU bis anhin nicht bekannt geworden.

– Siehe Angaben, verschleierte, Bilanzkosmetik, Buchführung, kreative, Buchführung, manipulative, Informations-Überladung, Managementbezüge, missbräuchliche, Millionengrab, Public Company Accounting Oversight Board, Sachverhaltsgestaltung, Ultimo-Factoring, Verlustfalle, Rosinenpickerei, Sachverhaltsgestaltung, Zweckgesellschaft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verlustteilungsregelung (shared pain approach):

1 Allgemein eine vorgängige vertragliche Absprache darüber, in welchen Anteilen bei einem allfälligen Verlust die davon betroffenen einzelnen Gläubiger herangezogen werden (a rule or formula, set down in an agreement, and referring the way in which losses arising from the default are to be shared among the various parties).

2 Im Besonderen die Vereinbarung darüber, wie im Falle der Insolvenz eines Grossschuldners die mit notleidenden Krediten davon betroffenen Banken zusammenarbeiten, und nach welchem Schlüssel die Verluste aufgeteilt werden. In Grossbritannien ist dies unter der Federführung der Zentralbank für solche Vorfälle verpflichtend.

3 Die Gläubiger eines Unternehmens allgemein und einer Bank im Besonderen (etwa über Zwangswandelanleihen) haften für die Verluste (Bail-in), ehe der Staat und damit die Steuerzahler zur Verlustdeckung herangezogen werden.

– Siehe Bad Bank, Intercreditor Agreement, Krisenlasten-Verteilungspogramm, Londoner Verfahren, Prager Verlautbarung, Vorrangregel, unbedingte, Umschuldungsklauseln.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verlustübernahme, persönliche (individual loss assumption):

Die Forderung, dass im Falle eines Verlustes bei einer Bank entweder

1. sämtliche Mitarbeiter im aktiven Geschäftsbereich, also nicht dazu auch die in lediglich verwaltender Tätigkeit Beschäftigten, wie beispielsweise die Hausmeisterei (caretaker services), die Telephonie (telephone exchange) bzw. der Werkschutz (protective service) oder

2. die Kaderleute ab einem gewissen Rang in der Hierarchie-Stufe durch Verzicht auf einen Teil des Salärs zur Verlustdeckung beitragen müssen. Davon verspricht man sich einen starken Anreiz, mit Risiken sorgsamer umzugehen.

– Bis anhin ist man von dieser Forderung noch sehr weit. So fuhr die Union Bank of Switzerland (UBS: grösste, weltweit tätige Bank der Schweiz) im Zuge der Subprime-Krise etwa 60 Mia CHF Verlust ein. Dennoch erhielten die Kaderleute Rekordbeträge an Boni ausbezahlt. Ähnlich waren die Gegebenheiten bei der Hypo Real Estate 2010 in Deutschland. Es wurde jedoch dort wie hier erklärt, dass ohne die Bonuszahlungen wichtige Mitarbeiter das Institut verliessen, und damit die Bank in noch grössere Schwierigkeiten geraten werde.

– Siehe Bankenrettungsgesetz, Bonus, Handschlag, goldener, Mitarbeiter-Optionen, Prämie, Rettungspaket, Schlafgeld, Too big to save-Grundsatz, Vergütung, Vermögen, immaterielles, Vermögensabgabe, Zitronenhandel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vermessungsgeld in älteren Dokumenten auch Pulveratikum (land surveying due):

1 Die Bezahlung für den Landmesser (land surveyor; auch Dezempedator, Feldmesser, Geodät, Geometer und Hoplometer genannt), der in der Regel zusammen mit Hilfskräften eine Vermessung vornahm. Der Landmesser war von der jeweiligen Herrschaft vereidigt; seine Aufwendungen zeigen sich in alten Dokumenten als sehr hoch. Das ist daraus zu erklären, dass er zusammen mit seinem Trupp oft über weite Strecken reisen und mehrere Tage oder gar wochenlang am Ort der Vermessung weilen musste.

2 Eine früher behördlicherseits auferlegte Abgabe, um die hohen Aufwendungen in Zusammenhang mit einer Landesvermessung zu finanzieren; diese ging oft auch mit einer für Steuerzwecke verwendeten Werteinschätzung der jeweiligen Grundstücke einher. In den deutschen Territorialstaaten legte man die Ausgaben für die Landaufnahme und Kartierung in der Regel den einzelnen Gemeinden zu Last, die ihrerseits wieder über (Sonder)Steuern das Geld bei den Ortsansässigen hereinholten.

– Siehe Lachsteingeld, Massgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vermischungsrisiko (commingling risk):

1 In einem Portfolio bzw. in einem Pool befinden sich Papiere, an denen Dritte Rechte besitzen (the risk that clear titles become comingled [= mixed] with assets owned legally by a third party). - Dies zeigte sich vielfach im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise. Als in Finanznot geratene Zweckgesellschaften und Fonds aus ihren Beständen Titel verkaufen wollten, traten Bevorrechtigte auf, die zunächst befriedigt werden mussten. So hatten beispielsweise Immobilienfinanzierer ihre Forderungen an die Eigentümer auf dem Wege einer Verbriefung an eine Zweckgesellschaft verkauft. Manche dieser Hausbesitzer dienten jedoch ihr Wohneigentum erneut als Underlying einer Bank für ein Darlehn zwecks einer Weltreise an. Das Underlying (die Immobilie; residential real estate) war jedoch inzwischen von dem Immobilienfinanzierer an die Zweckgesellschaft übertragen worden, die den Rechtstitel der kreditgebenden Bank nicht kannte. Zwar gibt es in den USA überall ein Grundbuch (registry of deeds). Aber die bundesstaatlichen Regelungen sind nicht einheitlich, so dass es in vielen Fällen zeitraubend ist, die Belastungen auf einem bestimmten Grundstück herauszufinden.

2 Die Gefahr, dass im unbelasteten Eigentum befindliche Vermögensgegenstände bei Insolvenz in die Insolvenzmasse eingehen (the risk that assets owned legally by a third party become in case of bankruptcy mixed with the insolvency estate) und nur schwer auszusondern ist.

– Siehe Eigentum, unbelastetes.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vermittler, [vertraglich] gebundener (intermediary bound by contract):

In der Sprache der Aufsichtsbehörden eine natürliche oder juristische Person, die unter unbeschränkter und vorbehaltsloser Haftung einem einzigen Finanzdienstleister, für welche sie jeweils tätig ist,

1. Wertpapier-Dienstleistungen samt Nebenleistungen für Kunden oder potentielle Kunden erbringt,

2. Weisungen oder Aufträge des Kunden in Bezug auf Wertpapier-Dienstleistungen oder Finanzinstrumente annimmt und weiterleitet,

3. Finanzinstrumente plaziert und/oder

4. Kunden oder mögliche Kunden bezüglich dieser Finanzinstrumente oder Dienstleistungen berät.

– Die Markets in Financial Instruments Directive führte europaweit für solche Dienstleister weitgehende Offenlegungspflichten ein.

– Siehe Haftungsdach, KWG-Vermittlerverordnung, Versicherungsvermittler.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 147 (Schwerpunktprüfungen), S. 208 (Fragen der Erlaubnis), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 136 f. (fachliche Eignungsprüfung vorgeschrieben; öffentliches Register vertraglich gebundener Vermittler auf der Homepage der BaFin), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 156 f. (vertraglich gebundene Vermittler müssen ihre Stellung dem Kunden gegenüber offen darlegen), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 111 (Aussendienst von Versicherungen durch die BaFin schwerpunktmässig geprüft), S. 172 f. (BaFin kann bei festgestellten Überwachungsmängel die Einbindung vertraglich gebundener Vermittler zurecht untersagen), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 173 (aufsichtliche Beanstandungen; zweifelhafte Geschäftsmodelle), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 157 (die BaFin ist berechtigt, bei offensichtlichen Organisationsmängeln einem Institut die Einbeziehung vertraglich gebundener Vermittler ausnahmslos zu untersagen) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vermögen in der älteren Literatur auch Effekten (assets):

Häufig verwendeter Begriff, jedoch in verschiedenem Begriffsinhalt (denotation: the totality of things to which a term is applicable; the objects meant by "assets").

1 Alle Güter im Besitz von

1. Privathaushalten, und dann in der älteren Literatur auch Habschaften genannt,

2. Unternehmen, und dann in Bezug auf diese auch oft Gesellschaftskapital (corporate capital) und im volkswirtschaftlichen Sinne industrielles Vermögen genannt, sowie

3. des Staates. Die Summe dieser drei Posten nennt man Realvermögen (real assets).

2 Das Realvermögen zuzüglich aller Gegebenheiten, die einer dauerhaften Entfaltung der ökonomischen Kräfte in einer Volkswirtschaft dienen (= Volkswohlstand; national wealth).

3 Nach IFRS

1. alle Gegenstände materieller und immaterieller Art (intangibles; Intangibels),

2. die im Besitz eines Unternehmens sind und

3. die Möglichkeit bieten, einen Zufluss von Zahlungsmitteln zu bewirken.

4 Geld, in ertragbringenden Titeln wie Aktien, Obligationen oder Immobilien angelegt.

5 Das bei Kapitalverwaltungsgesellschaften gegen Ausgabe von Anteilscheinen eingelegte Geld und die damit beschafften Vermögenswerte (separate property: Sondervermögen nach § 6, Abs. 1 KAGG).

6 In Fonds angelegtes Geld und Vermögenswerte zur Bedienung von Altersruhegeld oder Versicherungsverträgen (committed assets; gebundenes Vermögen).

7 Im finanztechnischen Sinne der kurzfristig in Bargeld umwandelbare Besitz einer Wirtschaftseinheit (= Geldvermögen; financial assets).

8 In der Statistik der EZB die Bruttoanlageinvestitionen, abzüglich der Abschreibungen, unter Berücksichtigung der Vorratsveränderungen und der nichtproduzierten Vermögensgüter (tangible assets: Sachvermögen); vgl. die Berechnung und die ermittelten Werte in der Rubrik "Finanzkonten und nichtfinanzielle Konten" im Teil "Statistik des Euro-Währungsgebiets" im jeweiligen Monatsbericht der EZB.

– Siehe Edelmetallhorte, Fonds, Gewerbekapital, Gebrauchsgüter, Grundvermögen, Guthaben, Investition, Kapital, Kapitalverwaltungsgesellschaft, Kapitalkoeffizient, Kapitalgut, Kapitalstock, Mittel, Mobiliarvermögen, Pensionsfonds, Plutokratie, Privatvermögen, Register für qualifizierte Anleger, Reinvermögen, Sachvermögen, Sozialkapital, Vermögenseffekt, Vermögenswert, Wohlstand.

– Vgl. den jeweiligen Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember eines Jahres mit ausführlichen Angaben zum Vermögen im Sinne von 3 deutscher Unternehmen, aufgeschlüsselt nach Wirtschaftsbereichen und unterteilt nach einzelnen Vermögensgenständen, Monatsbericht der EZB vom Mai 2006, S. 49 ff. (Kapitalstock im Euroraum und seine Komponenten mit vielen Übersichten), Jahresbericht der BaFin 2005, S. 143 (Prospektpflicht für Vermögensanlagen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2005, S. 17 (Übersicht der Vermögensbildung seit 1991), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2006, S. 71 ff. (wichtige Darlegungen zur Erfassung der Vermögensposition; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2006, S. 53 f. (Berechnung des Reinvermögens der Privathaushalte), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2008, S. 33 ff. (Vermögensbilanz; Volksvermögen), Monatsbericht der EZB vom Mai 2013, S. 53 (Entwicklung der Vermögensbilanz seit 2000).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vermögen, gebundenes (committed assets):

1 In Zusammenhang mit der Assekuranz eine Vermögensanlage zur Sicherung (cover; Bedeckung) der Ansprüche aus Versicherungsverträgen. Entsprechende Gesetze und Vorschriften der Aufsichtsbehörden schreiben die jeweilige Quote fest.

2 In Zusammenhang mit der Altersvorsorge das bei einem Kapitaldeckungsverfahren angehäufte und entsprechend angelegte Geld.

– Siehe Fonds, Kapitaldeckungsverfahren, Pensionsfonds, Pensionskasse.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S: 11 (Versicherer dürfen unter anderem höchstens 7,5 Prozent ihrer gesamthaften Vermögensanlagen in Kreditrisikotransfer-Produkte [credit-risk transfer products] anlegen; Liquiditätslinien an Structured Investment Vehicles oder Conduits sind untersagt), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 94 (Statistik des gebundenen Vermögens) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapital "Aufsicht über Versicherungsunternehmen und Pensionsfonds".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vermögen, gesperrtes (blocked property):

In Deutschland aufgrund des "Gesetzes zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus" vom 5. März 1946 angeordnete Einziehung von Vermögensgegenständen im Eigentum der durch das Gesetz betroffenen Entitäten und Privatpersonen.

– Siehe Sperrkonto.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vermögen, immaterielles (intangible assets):

Inbegriff von nichtgegenständlichen Werten im Besitz eines Unternehmens. Hierzu zählen der eigene Firmenwert (goodwill; Goodwill), Patente, gewerbliche Schutzrechte, Konzessionen - bei Instituten auch die Erlaubnis der Aufsichtsbehörde -, Lizenzen, Warenzeichen, Handelsmarken, Kundenbeziehungen, Mitarbeiter-Wissen, Forschungsstand usw. - Aufgrund des Strukturwandels hin zu einer erhöhten Bedeutung des tertiären Sektors in den Industrieländern kommt immateriellen Werten im Leistungserstellungsprozess eine herausragende Bedeutung zu. Nach IAS 38 werden immaterielle Vermögenswerte mit den Anschaffungskosten (historical costs) abzüglich planmässiger linearer Abschreibungen angesetzt. Das wird allgemein als unbefriedigend angesehen, weil damit der tatsächliche Wert vieler entsprechender Posten - wie etwa der Handelsware "Ja" oder des Markennamens "Coca-Cola" - kaum abgebildet wird.

– Siehe Anlage-Intensität, Darstellung, glaubwürdige, Erlöse, immaterielle, Firmenwert, Goodwill, Intangibels, Mark-to-Model-Ansatz, Marktwert, Mobiliarvermögen, Prozyklizität, Sachvermögen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vermögen, industrielles (industrial assets):

Nach bestimmten Regeln der Finanzierungsrechnung ermittelter Geldbetrag der Werte in nichtfinanziellen Unternehmen.

– Siehe Kapitalkoeffizient.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2006, S. 20 (Aufstellung der Vermögensbildung und Finanzierung deutscher Unternehmen seit 1991), S. 58 f. (Vorbehalte gegenüber der Statistik; Nichtberücksichtigung intersektoraler Kreditbeziehungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vermögen, öffentliches (public capital):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter alle im Eigentum des Staates befindliche Güter, die

1. einen dauerhaften Wert besitzen und

2. Nutzungen für die Allgemeinheit abwerfen.

– Siehe Vermögen, Sachvermögen, Sozialkapital.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vermögen, soziales (social overhead capital):

Dauereinrichtungen in einer Volkswirtschaft, die grundlegende Dienste abgeben, ohne in erster Linie im erwerbswirtschaftlichen Sinne genutzt zu werden. Dazu zählen vor allem Verkehrswege (transport routes: Eisenbahnlinien, Strassen, Kanäle, kanalisierte Flüsse), Wasseranlagen (water facilities: Stauseen, Deiche), Kindergärten, Schulen, Kirchen, Altersheime, Hospize im Sinne von last residences oder Krankenhäuser.

– Siehe Infrastrukturkapital, Sachvermögen, Sozialkapital, Vermögen, öffentliches.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vermögensabgabe (property levy):

1 Allgemeine eine einmalige Zahlung, die Vermögensbesitzern (owners of wealth, property owners) auferlegt wird.

2 Im Besonderen die Heranziehung reicher Bürger eines strauchelnden Mitgliedstaates der Eurozone, ehe die Steuerzahler anderer Mitglieder zur Kasse gebeten werden. Es sollte nicht auch der "kleine Mann" (little man, regular guy) in anderen Ländern der Eurozone für die Misswirtschaft in einem anderen Mitgliedland aufkommen, derweil die eigenen Vermögen in dem Krisenland unangetastet bleiben. - Gegen diese Abgabe wurde eingewendet, dass kaum noch jemand Geld in den Problemländern der Eurozone anlegen werden, wenn ihm bei Schieflage der Staatsfinanzen (in the case of imbalances in the public finances) eine Teilenteignung drohe.

– Siehe Anleihe, Bad Bank-Problem, grundsätzliches, Bail-in, Bankenrettung, Giips-Staaten, G-Sifi, Kriegsanleihe, Pflichtwandelanleihe, Privatsektor-Beteiligung, Risikoteilung, Stopfganz-Strategie, Südfront, Umtausch-Anleihe, Verlustübernahme, persönliche, Zwangsenteignung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2014, S. 52 ff. (einmalige Vermögensabgabe wird begründet; Probleme).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vermögensanlage und Kapitalanlage früher auch Placement (asset investment):

Die planvolle, gezielte Überführung von Geld in jederart Anlageform, von der man sich einen Ertrag verspricht. Die Begriffe Geldanlage, Kapitalanlage (capital investment) und Vermögensanlage gelten in der deutschen (Rechts)Sprache als inhaltlich und umfänglich gleiche Begriffe (Synonyme, synonyms).

– Siehe Anleger, Finanzinvestition, Investition, Investmentfirma, Velleïtät, Vermögensblase, Verzehnfacher, Vieleck, magisches.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2011, S. 55 (aktive und passive Vermögensverwaltung; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vermögensanlage-Angebot (investment offer):

In Deutschland dürfen Vermögensanlagen erst dann öffentlich angeboten werden, wenn die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht dies gestattet hat. Ab Juli 2005 ist zuvor ein Verkaufsprospekt einzureichen, das den Anforderungen der Vermögensanlagen-Verkaufsprospektverordnung genügt.

– Siehe Fonds, Investmentfirma, Kapitalverwaltungsgesellschaft, Prospektpflicht, Prospekt-Verstösse, Register für qualifizierte Anleger, Warnung.

– Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 138 f. (Einführung der Prospektpflicht), S. 143 f. (Prüfung durch die BaFin; Auslegungsschreiben), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 160 f. (Fehler bei Prospekten; Übersichten), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 199 f. (unerlaubte Angebote für Vermögensanlagen im Internet), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 215 ff. (mehrere Übersichten; BaFin findet im Internet unerlaubte Angebote besonders bei Bürger-Solaranlagen), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 178 (neue Rechtslage durch das Inkrafttreten des KAGB im Juli 2013) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vermögensblase (asset-price bubble):

Ein auffälliger Anstieg der Preise für Vermögenswerte allgemein und für Grundbesitz und Edelmetalle im Besonderen, der

1. durch die unmittelbare, tatsächliche Nachfrage nach diesen Gütern - etwa gestiegene Nachfrage nach Wohnraum durch wachsende Bevölkerung - kaum zu begründen ist und

2. darauf hindeutet, dass überschüssige Liquidität, oft in Verbindung mit einem niedrigen Zinsniveau, in diese Marktbereiche zwecks Vermögensanlage fliesst.

– Siehe Aktienblase, Asset-Price-Inflation, Blase, Blase, spekulative, Carry Trades, Dotcom-Blase, Martin-Prinzip, Niedrigzinspolitik, Rohstoffblase, Sachwert, Überschwang, unvernünftiger, Vermögens(preis)inflation.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vermögenseffekt (asset-price effect):

Die Entwicklung der Vermögenspreise hat statistische nachweisbar einen Einfluss auf die Kaufentscheidungen der Privathaushalte und Unternehmen. - Wenn der Wert einer Wohnimmobilie steigt, dann werden die Eigentümer reicher und sind geneigt, zusätzliche Konsumausgaben zu tätigen. Höhere Aktienkurse verringern die Aufwendungen einer Aktienfinanzierung und könnten damit seitens der Unternehmen zu vermehrten Investitionen führen. Fallende Vermögenspreise bewirken das Gegenteil. - Grundsätzlich ist jedoch die ständige Veränderung von Vermögenspreisen und Renditen ein natürliches Kennzeichen von Finanzmärkten. Diese verarbeiten in der Regel sehr rasch aufgrund neu eintreffender Informationen die sich laufend verändernde Gegebenheiten auf der Angebots- und Nachfrageseite.

– Siehe Aktienblase, Asset Price Inflation, Ausrichtung, aktienkursbestimmte, Blase, spekulative, Boom-Bust-Zyklus, Immobilienblase, Portfolio-Umschichtung, Preis, Spekulationsblase, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom September 2013, S. 61 ff. (zum Einfluss der Geldpolitik auf die Vermögenspreise; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vermögenskanal (wealth channel):

Durch die Politik der Zentralbank bewirkte Änderungen der Vermögenspreise, zunächst der Kurse von Aktien und Anleihen. Senkt die Zentralbank den Leitzins, so werden Käufe von Wertpapieren billiger, erhöht sie den Leitzins, dann steigt CETERIS PARIBUS der Preis für Vermögenswerte. (Rise and fall in the financial assets or real estate markets which are influenced by monetary policy impulses have important impacts on the aggregate economy. The expansionary monetary policy effects of lower interest rates make especially bonds less attractive than shares and result in increased demand for shares, which bids up share prices. Conversely, interest rate reductions make it cheaper to finance housing, causing real estate prices to go up).

– Siehe Transmissionsmechanismus, monetärer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vermögens-Portfolio (asset allocation):

Der Bestand an Vermögenswerten im Besitz einer Wirtschaftseinheit, in der Regel in Bezug auf einen privaten Anleger, eine Bank oder einen Fonds, weniger auch bezüglich öffentlicher Stellen gesagt. Grundsätzlich gilt dabei: je niedriger sich die wechselseitige Abhängigkeit (Korrelation; correlation) der einzelnen Vermögensgegenstände - etwa Edelmetalle - zu anderen Klassen - etwa: Firmenbeteiligungen - bemisst, umso höher ist der sog. Streuungseffekt (asset diversification). Dadurch wird bei steigender Gewinnchance das Risiko der Anlage gesamthaft gemindert. - Vor allem Hedge-Fonds besitzen aufgrund ihrer Eigenart den Vorteil, eine geringe Korrelation in ihrem Portfolio zu erreichen. Denn sie wenden sich auch solchen Vermögensobjekten zu, die von den üblichen Anlegern meistens gemieden werden, weil diese eine geringe Liquidität aufweisen - wie etwa ein Kunstwerk - oder Informationen über den Wert der einzelnen Anlage nur schwer zu gewinnen sind, wie etwa am Ankauf von Schulden angeschlagener Unternehmen. Solche alternative Anlagen (alternative investments) können in der Regel auch eine höhere Rendite erzielen, weil sie im Gegensatz zu herkömmlichen Investitionen wie vor allem Aktien, Anleihen oder Währungs-Swaps wenig nachgefragt werden.

– Siehe Arbitrage, statistische, Hedge-Fonds-Strategien.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2011, S. 55 (aktive und passive Vermögensverwaltung; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vermögenspreise (asset prices):

Wenn Vermögen nicht anders definiert wird, so meint man die sich beim Kauf und Verkauf von Immobilien und Wertpapieren aller Art am Markt bildenden Geldforderungen. - Eine Faustregel besagt, dass bei Zunahme des Wertes des Vermögens um einen EUR der Konsum in der Eurozone um etwa drei Cent steigt.

– Siehe Privatvermögen, Vermögenseffekt, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2010, S. 37 (Einfluss der Geldpolitik auf die Vermögenspreise), Monatsbericht der EZB vom September 2013, S. 61 ff. (zum Einfluss der Geldpolitik auf die Vermögenspreise; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vermögens(preis)inflation (asset-price inflation):

Wenn nicht anders definiert ein Anstieg der Preise für Liegenschaften (properties; Immobilen: bebaute und unbebaute Grundstücke), der deutlich über der Steigerung der Index der Konsumentenpreise liegt. - Bis etwa 1990 hat man die Bedeutung steigender Vermögenspreise weithin unterschätzt. So blieben beispielsweise in Japan auch in der Hochkonjunktur zwar die Güterpreise weitgehend stabil. Aber die Grundstückspreise stiegen in schwindelerregende Höhen (shot up at dizzying heights). Die Liegenschaft, auf welcher der Kaiserpalast (Imperial Palace) steht, war auf dem Höhepunkt der Konjunktur so viel wert wie der ganze US-Bundesstaat Kalifornien. Im Zwei-Säulen-Prinzip der EZB werden daher die Vermögenspreise zurecht entsprechend beobachtet und für die Geldpolitik gewichtet.

– Siehe Asset-Price Inflation, Greenspan-Doktrin, Vermögensblase, Weginflationierung.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2010, S. 75 ff. (ausführliche Darstellung; Übersichten; Literaturverweise), Jahresbericht 2011 der EZB, S. 29 ff. (Frühwarn-Indikatoren bei Vermögenspreisen; Übersichten, Literaturhinweise), Monatsbericht der EZB vom September 2013, S. 61 ff. (zum Einfluss der Geldpolitik auf die Vermögenspreise; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vermögensstatus (statement of assets and liabilities):

In der Zahlungsbilanz werden die Forderungen und Verbindlichkeiten eines Landes gegenüber dem Ausland aufgrund von (by reason of) Bestandmeldungen erfasst. Wegen der Globalisierung des Wertpapiergeschäftes ist die Aussagekraft der darin enthaltenen Wertpapiertransaktionen freilich mit Unsicherheiten behaftet. Da viele der im Ausland abgewickelten Geschäfte nicht gemeldet werden, so dürfte der Inlandsbesitz an ausländischen Wertpapieren (Aktiva) vermutlich zu niedrig ausgewiesen sein. - Auf der anderen Seite jedoch könnte der dem Ausland zugerechnete Besitz an heimischen Wertpapieren (Passiva) insoweit zu hoch angesetzt sein, als sich hinter den Auslandskäufen auch im Ausland plazierte Aufträge von - hoher steuerlicher Belastung bzw. der verfügten Konto-Offenlegung ausweichenden - Inländern verbergen.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 1994, S. 45 ff., Monatsbericht der EZB vom Februar 2005, S. 77 ff., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2008, S. 33 ff. (Vermögensrechnung, Vermögensbilanz, Berechnung), Monatsbericht der EZB vom Mai 2013, S. 53 (Entwicklung der Vermögensbilanz seit 2000).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vermögensveräusserung (divestiture):

Der Verkauf von Vermögenswerten durch ein Unternehmen, in besonderem auch in Hinblick auf eine Dekapitalisierung zur Abwehr einer feindlichen Übernahme gesagt.

– Siehe Fusionen und Übernahmen, Gifttablette, Zuschuss.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vermögensverwalter (property administrator; trustee; custodian; fonds manager):

Mehrdeutige Bezeichnung für verschiedene Dienstleistungen, nämlich

1 Einzelpersonen oder Firmen, die Grundbesitz, Kunstgegenstände und andere Vermögensgegenstände im Auftrag eines Dritten nach dessen Vorgaben betreuen, also ohne eigenen Entscheidungsspielraum (an entity that safekeeps and administers assets for its customers without own deciding). Wertpapiere des Klienten hat der Vermögensverwalter dabei wegen der Einlagensicherung in einem Wertpapierdepot des Kunden bei einer Depotbank verwahren zu lassen. Geschieht dies nicht, dann fällt er unter

2 und bedarf einer Erlaubnis;

3 Personen oder Firmen, die Effekten oder andere Finanzinstrumente in eigener Entscheidungs- und Dispositionsfreiheit verwalten, in der Gesetzessprache "Finanzportfolioverwalter" genannt. Diese gelten als Kreditinstitute nach § 1 KWG. Sie bedürfen daher in Deutschland einer Erlaubnis und unterliegen der Kontrolle durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. - In der Regel räumen Banken ihren Kunden Sonderkonditionen ein, wenn diese einen unabhängigen Vermögensverwalter einsetzen, Denn bei der Bank entfällt diesfalls der Beratungsaufwand (legal and consulting expenses). Teilweise werden diese Sonderkonditionen von der Bank in Form einer Rückvergütung dem Vermögensverwalter gutgeschrieben.

4 Der angestellte Manager eines Fonds einer Kapitalverwaltungsgesellschaft.

5 Einzelperson, die Vermögensgegenstände in Obhut nimmt und anlegt. Nachdem Anfang 2008 der deutsche Auslands-Geheimdienst (Bundesnachrichtendienst; Federal Intelligence Service) durch Schmiergeld an ungetreue Bankangestellte sog. Steuersünder (tax evaders) im Nachbarstaat Lichtenstein aufgespürt hatte, stieg die Nachfrage nach den Diensten von privaten Verwaltern an.

– Siehe All-in-Fee, Asset Management, Auftragsfonds, Auslagerung, Back-off-Bereich, Brokergeschäft, Depotunterschlagung, Festgebühr, Feuerwehr-Fonds, Finanzportfolioverwaltung, Finanzvehikel, Honorar-zurück-Garantie, Nominee, Pasion-Falle, Verwahrungsrisiko.

– Vgl. Jahresbericht 2004 BaFin, S. 178 f. (Portfoliomanagement durch Vermögensverwalter bei Kapitalverwaltungsgesellschaften), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2011, S. 55 (aktive und passive Vermögensverwaltung; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vermögensverwaltung, bankliche (custodian business, asset management):

Die Betreuung der Vermögenswerte eines Kunden durch ein Institut. Dieses Leistungsangebot der Banken wird bei grösseren Instituten oft durch verbundene Kapitalverwaltungsgesellschaften getragen. In vielen Fällen ist die Vermögensverwaltung ein gewichtiger Teil der zinsunabhängigen Erträge eines Instituts. - In der Regel werden seitens der Bank für die private Vermögensverwaltung Mindestgrössen (minimum amounts) vorgeschrieben (um 200'000 EUR). Ein Berater betreut mit Unterstützung aus dem Back-Office-Bereich der Bank gewöhnlich bis zu 150 Kunden.

– Siehe Allfinanzprodukte, Asset Management, Depotbank, Finanzkonglomerate, Honorar-zurück-Garantie, Vermögensverwalter, Wealth Management.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2002, S. 60.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vermögenswert auch Vermögensgegenstand, Vermögensobjekt und Wirtschaftsgut (asset, seltener: stock):

1 Ein

1. dinglicher, stofflicher, realer Gegenstand, etwa: eine Maschine, oder

2. stoffloses, immaterielles Gut, etwa eine Forderung, dem ein Wert zugeschrieben werden kann. Sämtliche Papiere sind mithin Vermögensgegenstände sowie auch alle Waren; zumal solche, die an der Warenbörse gehandelt werden. Auch Zahlungsmittel gelten steuerrechtlich als Vermögenswert.

2 Nach IFRS Ressourcen,

1. die aufgrund von (by reason of) Ereignissen der Vergangenheit in der Verfügungsmacht eines Unternehmens stehen, und

2. von denen anzunehmen ist, dass sie einen künftigen Ertrag (probable future benefit) abwerfen.

3 Nach GAAP liegt ein Vermögenswert vor, wenn

1. wahrscheinlich ist, dass der Gegenstand einen künftigen Ertrag (future economic benefit) abwirft, der zum Zufluss von Geld beiträgt,

2. das Unternehmen über diesen Gegenstand frei verfügen und andere von der Nutzung ausschliessen kann und

3. der entsprechende Gegenstand sich bereits im Besitz des Unternehmens befindet.

– Siehe Anlagegüter, Anlage-Qualität, Fonds, Investition, Kapital, Kapitalanlage-Rechnungslegungs-und Bewertungsverordnung, Vermögen, Vermögenswert, finanzieller, Vermögenswert, negativer, Wertpapiere.

– Vgl. Geschäftsbericht 2009 der Deutschen Bundesbank, S. 83 (Preisverlauf ausgewählter Vermögenswerte).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vermögenswert, aussortierter (classified asset):

Ein Aktivposten (asset item), in der Regel eine Forderung, wo Auffälligkeiten in Bezug auf anstehende Zahlungen aufgetreten sind (assets, usually loans, for which payments are not being made on time; such assets are classified as substandard, doubtful or loss).

– Siehe Forderung, aussortierte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vermögenswert, beweglicher (chattel):

Ein materieller Gegenstand, der nicht an Grund und Boden gebunden ist (an asset which is moveable and not a piece of real estate), wie etwa ein Flugzeug, ein Schiff oder ein Eisenbahnwaggon.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vermögenswert, biologischer (organic asset):

Nach IAS (41.5) ein lebendiges Tier oder eine lebende Pflanze.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vermögenswert, finanzieller (financial asset):

Nach IAS 39.9 Aktivposten (asset items) der vier Gattungen

1. mit erfolgswirksam beizulegenden Zeitwert (at fair value), die in erster Linie zu Handelszwecken gehalten werden (held for trading)

2. solche, die bis zur Endfälligkeit gehalten werden (held to maturity),

3. solche zur Veräusserung verfügbar sind (available for sale) sowie

4. Forderungen und Kredite (loans and receivables).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vermögenswert, negativer (negative asset):

1 Der Wertansatz für einen Gegenstand, der durch allfällige Entsorgungskosten (costs of disposal) oder neue behördliche Auflagen (additional regulatory action) zu einem Verlustposten wird.

2 Der Unterschied zwischen dem tatsächlichen Wert eines Vermögensgegenstandes und dem zum Erwerb aufgenommenen Kredit, wenn der geschuldete Darlehnsbetrag höher ist als der Wert des Vermögenswertes (the difference between the actual value of an asset and the credit taken to pay for the asset, when the latter exceeds the former).

– Siehe Eigenkapital, Flüssigmachung, Fair Value, Güter, Guthaben, verfügbares, Intangibels, Kapital, Vermögen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vermögenswert, eingebundener (integrated asset):

Ein dingliches Objekt im Besitz einer Wirtschaftseinheit, wie beispielsweise der Zentralrechner einer Bank, ist im Regelfall nicht für sich allein zu sehen. Vielmehr steht der Gegenstand normalerweise in Wechselbeziehungen zu anderen Vermögensgegenständen, hier als die Grundlage fast aller bankgeschäftlichen Tätigkeiten in sämtlichen Bereichen des Instituts. Bei der Bewertung ist dies stets zu berücksichtigen.

– Siehe Einzelverkehrsfähigkeit, Kombinationseffekt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Veröffentlichung, unverzügliche (disclosure without delay):

Begriff aus dem Aufsichtsrecht, wonach ein Unternehmen jede Ad-hoc-publizitätspflichtige Tatsache unverzüglich (without delay; ohne schuldhaftes Verzögern) mitzuteilen und zu veröffentlichen hat.

– Siehe Ad-hoc-Mitteilung, Aktionärsbrief.

– Vgl. Jahresbericht 2001 des Bundesaufsichtsamts für den Wertpapierhandel, S. 30 f., Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 190 (Leitfaden der BaFin zu Einzelheiten) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verordnung über die europäische Marktinfrastruktur (European market infrastructure regulation, EMIR):

Von der EU vorgegebener Rahmen, der im August 2012 in Kraft trat. Das deutsche EMIR-Ausführungsgesetzt erlangte am 16. Februar 2013 Rechtskraft. Es passt deutsche Rechtsgrundlagen wie das KWG, das WHG und andere Vorschriften an die EU-Vorordnung an.

– Siehe Derivategeschäfte-Clearingpflicht, Derivategeschäfte-Meldepflicht, Over-The-Counter-Derivat, Over-The-Counter-Option, Transaktionsregister.

– Vgl. Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 170 f. (Vorstellung des deutschen EMIR-Ausführungsgesetzes), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 163 f. (Implementierung der EMIR).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verordnung zur Konkretisierung der Verhaltensregeln und Organisationsregeln nach dem Kapitalanlagegesetzbuch, kurz: Kapitalanlage-Verhaltens- und - Organisa-tionsverordnung KAVerOV (regulation on capital investment rules of conduct and organisation):

Im Juli 2013 in Kraft getretene gesetzliche Regelung in Bezug auf die allgemeinen und besonderen Verhaltens- und Organisationspflichten, des Umgangs mit Interessenkonflikten, der Risikokontrolle sowie des Liquiditätsmanagements von Kapitalverwaltungsgesellschaften. Darin werden Merkmale festgelegt, nach denen die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht die jeweils ausgestalteten Vorkehrungen zur Einhaltung der Regeln zum verantwortungsvollen Umgang mit dem Geld und den Rechten der Anleger zu überwachen hat.

– Siehe Fonds, Kapitalanlage-Rechnungslegungs-und Bewertungsverordnung, Investmentvermögen, Kapitalverwaltungsgesellschaft.

– Vgl. Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 182 (Tätigkeit der BaFin im Zuge der KAVerOV).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verpackungsgeld (packaging costs):

Sämtliche Ausgaben für die angemessene, passende Umhüllung (wrapping) einer Ware. Der zu verpackende Gegenstand wird auch Packgut (packaged good) genannt, und das versandfertige Packgut ist das Packstück (packing piece). - Ehe sich besonders im Seeverkehr nach 1980 der Container als Blechgrossbehälter für nahezu alles Packgut durchsetze, spielte das Verpackungsgeld vor allem im Überseehandel eine oft ausschlaggebende Rolle. Bei manchen - vor allem leicht verderblichen - Waren erreichte gar das zu berechnende Verpackungsgeld den Wert des Packguts. Hohe Kosten für Verpackung hindern noch heute in vielen Teilen der Welt den binnenwirtschaftlichen und zwischenstaatlichen Güteraustausch in solchen Ländern, die über entsprechende Materialen wie Holz, Glas, Blech oder Kunststoff nicht verfügen.

– Siehe Abfertigungsgeld, Frachtgeld, Kapplaken, Ladegeld, Sperrfrachtgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verpackungskunst (wrapping art):

Im Zuge der Subprime-Krise aufgekommene, bissig gemeinte Bezeichnung für die Tatsache, dass nicht-werthaltige Darlehn erst zerlegt, dann wieder und abermals verpackt und schlussendlich unter dem Anschein hochwertiger Papiere an Anleger abgegeben wurden.

– Siehe Credit Default Swap im Quadrat, Finanzarchitektur, Krise der Sicherheiten, Monoliner, Papiere, toxische, Produktregistrierung, Reintermediation, Repackaging, Verbriefung, Verständlichkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verpflegungsgeld in alten Dokumenten auch Sustentation (boarding fee, [daily] subsistence allowance):

Wenn nicht anders definiert der Betrag, der einer Person bei Ausserhaus-Verköstigung (dining out) zum Kauf von Esswaren und Getränken zur Verfügung gestellt wird. In der Regel erfolgen entsprechende Zahlungen seitens des Arbeitgebers bei Dienstreisen (traveling on company business, business trip).

– Siehe Reisegeld, Speisergeld, Verzehrgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verpflichtungszeitraum (compliance period):

Auf Institute bezogen die Frist, innert derer eine von der Aufsichtsbehörde ergangene Weisung umgesetzt werden muss (the period of time during which an institute must comlpy with a regulation, order, or resolution of its regulatory agency).

– Siehe Abberufungs-Verfügung, Abwicklungsverfügung, Aufsicht, Besitzstandsklausel, Bestandskraft, Bussgeld, Sanktionskomitee, Untersagung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verrechnungsgeld (money of account):

Eine Geldeinheit, die als Münze nicht geprägt bzw. als Papiergeld nicht ausgegeben wird. Sie ist vielmehr lediglich als Einheit bestimmt, nach der zu leistende Zahlungen verbucht werden, wie etwa früher die Mark Banko in Hamburg oder der Transfer-Rubel im Verrechnungssystem des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (Comecon) der ehemaligen Ostblockstaaten. Wichtigstes Verrechnungsgeld weltweit heute ist das Sonderziehungsrecht. Auch die verschiedenen Arten von Netzgeld zählt man dem Verrechnungsgeld bei.

– Siehe Biergeld, Bitcoins, Chip, Linden-Dollar, PayPal, Quickgeld, Spielgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verrechnungsmünze (coin of account):

Eine Münze, die nicht bzw. nicht mehr offiziell in Umlauf ist, sondern lediglich zuweilen noch zum Beziffern einer bestimmten, meist kleinen Summe angewendet wird, wie etwa in Deutschland der Pfennig oder der Heller - in Redewendungen wie: "Das ist keinen Heller wert" - und der Kreuzer. - In den USA begegnet man manchmal noch der Mill (auch: Mil) als dem Zehntel eines Dollars (a coin of account in the United States equal to one-tenth of a penny, and so to one-thousandth of a dollar, whence the name, which means "thousandth." There was never such a coin minted by the U.S. Federal government, though some federal states issued these coins well into the mid-1900s).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verrechnungssteuer (withholding tax):

Allgemein eine Abgabe, die unmittelbar an der Quelle erhoben wird, aus welcher Einnahmen fliessen (a tax imposed at source where payment is made).

– Siehe Abgeltungssteuer, Treuhandkonto, Umsatzsteuer, Zinsabschlagsteuer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verrechnungsverkehr (clearing):

Der bargeldlose Ausgleich von Forderungen und Verbindlichkeiten bei Zahlungen: die Skontration im Sinne von § 387 BGB.

– Siehe Clearing.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Versäumnisgeld und Versäumnisgebühr (overdue fine):

Zahlung die anfällt, wenn jemand eine im Rechtsverkehr gesetzte Frist nicht einhält (if a contractual duty is not fulfilled at the scheduled time), wie etwa die Rückgabe eines entliehenen Buches in einer Bücherei (book that is not returned to the library by its due date) oder die Einreichung einer Steuererklärung (Fatierung; tax declaration) beim Finanzamt [CH: Steueramt].

– Siehe Verzugszinsen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verschmelzung (amalgamation):

Übertragung des gesamthaften Vermögens eines oder mehrerer Unternehmen auf

1. ein anders bereits bestehendes oder

2. eine neu ausgegründete Firma (the merger of two or more companies into a single entity). Es handelt sich hierbei rechtlich um eine besondere Form der Umwandlung im Sinne von §§ 2 ff. UmwG.

– Siehe Fusionen und Übernahmen. Konsolidation.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verschongeld und Erlassgeld (spare payment. leave-in-peace settlement):

In Städten heute eine Zahlung seitens der Geschäftsinhaber (shop owners) und Filialleiter von Kaufhäusern (branch managers of department stores) an Bettler und Strassenmusikanten (street musicians, "nuisances"), damit diese sich nicht vor dem Geschäftslokal niederlassen. Bettler (beggars) schrecken nachweislich viele Kunden ab. Die Dauerberieselung durch laute Musik (permanent exposure to loud music) führt zu Krankmeldungen des Personals (sick leaves of employees). - Im Bewusstsein ihres Lästigkeitswertes (annoyance force) verdienen beide Gruppen nachweislich oft bei weitem mehr an Verschongeld, als sie durch Spenden (bounties) eingenommen hätten.

– Siehe Abstandsgeld, Bettlerglöckchen, Drehorgel-Geld, Lästigkeitswert, Musikgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verschuldung (indebtedness, debt[s]):

1 Zustand, jemanden gegenüber zur Zahlung verpflichtet zu sein; jederart von Verbindlichkeit (the state of being in debt, of owing money or something of value; any form of liability).

2 Die Summe der Verbindlichkeiten eines Privathaushalts, eines Unternehmens oder eines Staates.

3 Volkswirtschaftlich betrachtet die Verpflichtungen aus Kreditaufnahmen des Staates, der Unternehmen und der Privathaushalte gesamthaft. Die Verschuldungsquote - auch Verschuldungsgrad genannt - ist für die Geldpolitik von Bedeutung.

4 Die Verbindlichkeiten nur des Staates und so vor allem in Zusammenhang mit dem EUV bzw. dem AEUV gemeint).

5 In der vierteljährlichen Finanzierungsrechnung der EZB: Kredite, begebene Schuldverschreibungen und Pensionsrückstellungen nichtfinanzieller Kapitalgesellschaften, die am Ende des Berichtszeitraums (period under review) zu Marktpreisen bewertet werden. Der aktuelle Verschuldungsstand im Sinne von 3 findet sich unter der Rubrik "Finanzlage der Öffentliche Finanzen" im Teil "Statistik des Euro-Währungsgebiets" des jeweiligen Monatsberichts der EZB ausgewiesen.

– Siehe Ausgabenquote, Bruttostaatsschuld, Deficit-Debt-Adjustment, Modigliani-Miller-Theorem, Nettogläubiger, Verschuldungs-Koeffizient, Verschuldungsquote, Zahltag-Grundregel.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Dezember 2001, S. 19 ff., Monatsbericht der EZB vom August 2002, S. 68, Monatsbericht der EZB vom April 2005, S. 75 (wegen der Vergleichbarkeit der Statistiken), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2005, S. 23 ff. (ausführliche Darstellung), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2006, S. 71 ff. (wichtige Darlegungen zur Erfassung der Vermögensposition; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom April 2007, S, 95 ff. (Berechnung des Schuldenstandes; Definitionen, Übersichten), Monatsbericht der EZB vom März 2008, S. 63 (Anstieg der Verschuldung der Privathaushalte), Finanzstabilitätsbericht 2010, S. 28 f. (Verschuldungs-Wachstum-Zusammenhang), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2011, S: 225 ff. (zur Messung des Verschuldungsgrades), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2012, S. 18 (Verschuldungsgrad deutscher Unternehmen), S. 30 f. (Verschuldung der Privathaushalte nach der HFCS), Monatsbericht der EZB vom Februar 2012, S. 97 ff. (Verschuldung der Unternehmen im Eurogebiet; ausführliche Darstellung; viele Übersichten; Vergleiche zu den USA), Monatsbericht der EZB vom Februar 2014, S. 108 ff. (Verschuldung und Verschuldungsabbau im Eurogebiet seit 1999; viele Übersichten), Monatsbericht der EZB vom März 2014, S. 53 ff. (Verschuldung der Unternehmen im Eurogebiet; Definitions- und Erfassungsprobleme; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verschuldung-Produktivität-Verkettung (interrelation between indebtedness and productivity):

Erzeugen Unternehmen in einem Land der Eurozone die Güter zu höheren Kosten als in anderen Mitgliedsstaaten, so ist das Wachstum in dem Land mit geringerer Wettbewerbsfähigkeit schwächer; nicht zuletzt auch, weil die Exportwirtschaft zu diesen verhältnismässig hohen Preisen kaum Abnehmer findet. Damit mindern sich auch die Steuereinnahmen. Die Erfahrung im ersten Jahrzehnt der Währungsunion hat deutlich gezeigt, dass angesichts dessen die wachstumsschwachen Länder die Staatsverschuldung erhöhen, um weiterhin vor allem den gewohnten Sozialstandard (social standards) der Bevölkerung zu gewährleisten. Überschreitet die Staatsverschuldung dieser Länder aber eine gewisse Grenze, so sind die Schuldtitel am Markt praktisch nicht mehr absetzbar. Der Ruf nach Hilfe der Gemeinschaft wird laut. Gleichzeitig wird die Schuld für die allgemeine Stagnation törichterweise aber publikumswirksam (with public appeal) jenen Mitgliedsländern der EWU zugeschrieben, deren Gütererzeugung auf hohem Produktivitätsstandard geschieht, also mit viel niedrigeren Kosten.

– Siehe Bailout, Blame game, Defizit-Finanzierungsverbot, Erpressungspotential, Euro-Anleihen, gemeinsame, EWU-Sprengsatz, Griechenland-Krise, Irland-Krise, Plan C, Politikklammer, Transferunion, Umverteilung, zentralbankbewirkte, Verfassungsartikel eins. Wachstum-Schulden-Tatsache, geschichtliche.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom März 2013, S. 92 ff. (Wachstumshemmung hoher Staatsverschuldung; Übersichten; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verschuldungsanreiz (propensity to public debt expansion):

In einem Währungsgebiet wie dem Euroraum ist die disziplinierende Wirkung der Finanzmärkte geringer, weil die Gläubiger kaum einen Aufschlag mehr verlangen für das nationale Inflations- und Abwertungsrisiko. Das verstärkt die Neigung einzelner Mitgliedsstaaten zu einer Finanzpolitik, die auch hohe Defizite im Staatshaushalt hinnimmt, wie etwa Griechenland oder Portugal. Deswegen bedarf es im Interesse der Erhaltung des Geldwerts bei dem anspruchsvollen institutionellen Zusammenspiels zwischen einheitlicher Geldpolitik der EZB und dezentraler Finanzpolitik unbedingt fester finanzpolitischer Regeln. - Niedrige Zinssätze verstärken den Anreiz von Regierungen, neue Schulden aufzunehmen. Die Niedrigzinspolitik der Zentralbank muss dies berücksichtigen.

– Siehe Currency-Swing, Geldpolitik, Griechenland-Krise, Defizitneigung, Europäischer Währungsfonds, Minhas-Gerais-Problem, Moral Hazard, Nachhaltigkeit, Politikverzug, Repression, finanzielle, Retterei, Risikoprämie, Schattenstaat, Sperrkonto, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Verfassungsartikel eins, Verschuldung, Vertragstreue, Weginflationierung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2014, S. 41 ff. (Verschuldung der Eurozone seit 2005; Übersichten; S. 49 f.: Grundsätzliches zur Wirkung der Konsolidierungs-Bemühungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verschuldungsdeckel und Verschuldungshöchstgrenze (loan-to-income cap; debt-to-income cap):

Bei den Ausleihungen einer Bank

1 der Betrag des gewährten Darlehn bezogen auf das verfügbare Einkommen des Schuldners oder

2 die gesamthafte Verschuldung eines Kunden bezogen auf dessen verfügbares Einkommen.

– Siehe Beleihungsobergrenze, Deckungsquote, Kapitalbedarfs-Verordnung, Leverage Ratio, Verschuldungsgrenze.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2013, S. 53 (Definitionen; Beurteilung; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verschuldungsgrad (debt-equity ratio, degree of indebtedness, [equity] gearing):

Bei einem Unternehmen das Verhältnis zwischen Fremdkapital und Eigenkapital.

– Siehe Beleihungsobergrenze, Comprehensive Assessment, Gearing, Irrelevanztheorie, New View.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2012, S. 14 ff. (zum Verschuldungsgrad deutscher Unternehmen), Monatsbericht der EZB vom Februar 2012, S. 97 ff. (Verschuldung der Unternehmen im Eurogebiet; ausführliche Darstellung; viele Übersichten; Vergleiche zu den USA), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2014, S. 58 ff. (sektorale Verschuldung seit 2000; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom März 2014, S. 53 ff. (Definitions- und Erfassungsprobleme; Entwicklung der Verschuldung der Unternehmen seit 2000; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verschuldungsgrenze (borrowing limit, debt ceiling):

Festlegung eines Limits für den Stand der Verschuldung einer Wirtschaftseinheit allgemein und des Staates im Besonderen.

– Siehe Defizitneigung, Haushalts-Vorabstimmung, europäische, Inverzugsetzung, Minhas-Gerais-Problem, Nachhaltigkeit, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Steuerungsrahmen, Verschuldungsanreiz, Verschulungsobergrenze.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2009, S. 82 f. (Ansätze zur Begrenzung der Verschuldung beim Bund und den Ländern in Deutschland; Erläuterung der Regelungen; Beurteilung), Monatsbericht Deutschen Bundesbank vom Februar 2010, S. 76 f. (Verschuldungsspielraum in Deutschland bis 2016), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2011, S: 225 ff. (zur Messung des Verschuldungsgrades), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2014, S. 58 ff. (sektorale Verschuldung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verschuldungs-Koeffizient (debt coefficient, debt-equity ratio):

Bei einem Unternehmen wenn nicht anders definiert das Verhältnis zwischen Fremdkapital und Eigenkapital. - Firmen mit hohem Verschuldungs-Koeffizienten werden von den Rating-Agenturen entsprechend eingestuft; und die von ihnen begebenen Anleihen müssen wegen der höheren Ausfallwahrscheinlichkeit höher verzinst werden. - Auf der anderen Seite kann es aber für ein Unternehmen steuerlich günstig sein, Fremdkapital aufzunehmen; und dieser Anreiz kann umso höher sein, je höher sich der Grenzsteuersatz (marginal tax rate) bemisst.

– Siehe Gewinnbesteuerung, Hebel, Hedge-Fonds-Gefahren, Kapitalbedarfs-Verordnung, Modigliani-Miller-Theorem.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2005, S. 25 f., Jahresbericht 2004 der EZB, S. 43, Monatsbericht der EZB vom Juni 2006, S. 44 ff. (Verschuldung börsennotierten Kapitalgesellschaften im Euroraum, auf gegliedert nach Sektoren; mit vielen Übersichten), Monatsbericht der EZB vom September 2007, S. 57 ff. (hier einleitend auch andere Messgrössen), Jahresbericht 2008 der EZB, S. 61 f. (Anstieg der Unternehmensverschuldung in der Finanzkrise; Übersicht), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2012, S. 13 ff. (Grundsätzliches zur Kapitalstruktur von Unternehmen; Literaturhinweise), Monatsbericht der EZB vom Februar 2012, S. 97 ff. (Verschuldung der Unternehmen im Eurogebiet; ausführliche Darstellung; viele Übersichten; Vergleiche zu den USA), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2014, S. 58 ff. (sektorale Verschuldung seit 2000; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verschuldungsquote, öffentliche (public debt quota):

Der Anteil der Staatsverschuldung gemessen am Bruttoinlandsprodukt. Für die Berechnung gelten bestimmte Regeln der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. Ein Anstieg der Verschuldungsquote führt über kurz oder lang zu einer höheren Einnahmequote (tax burden; Steuerlast), was zu einer Mehrbelastung der Wirtschaft führt. Soweit die Schulden durch Anleihen finanziert werden, so steigt der Zinssatz, und private Emittenten haben auf den Finanzmärkten schlechtere Bedingungen: Crowding-out-Effekt. Zudem wird der Geldwert in einem durch hohe Staatsverschuldung gekennzeichneten Währungsgebiet über kurz oder lang sinken mit der Gefahr, dass sich die Anleger aus dieser Währung plötzlich weltweit zurückziehen. - Infolge Überalterung der Gesellschaft wird sich in Deutschland für das Jahr 2050 eine Schuldenlast von 300 Prozent des Bruttosozialprodukts erwartet; der Staat ist dann nicht mehr in der Lage, für die Zinsen seiner Kredite aufzukommen. - Die Verschuldungsquote wird im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets" des jeweiligen Monatsberichts (Rubrik "Öffentliche Finanzen", Unterrubrik "Verschuldung") von der EZB erläuternd dargestellt. - Im Sommer 2009 beschloss die EU, die zur Bankenrettung gegründeten Zweckgesellschaften aus der Staatsverschuldung herauszurechnen.

– Siehe Altersquotient, Bazooka, Bruttostaatsschuld, Currency-Swing, Deficit-Debt-Adjustment, Defizitneigung, Deleveraging, Fiscal Drag, Haushalts-Vorabstimmung, europäische, Inverzugsetzung, Konstanz-Kriterium, Kontrollkonto, Methusalem-Syndrom, Minhas-Gerais-Problem, Nettogläubiger, Progression, kalte, Schattenstaat, Schattenverschuldung, Semester, europäisches, Staatsschuld(en), Stabilitäts- und Wachstumspakt, Steuerungsrahmen, Überalterung, Vergreisung, Verfassungsartikel eins, Verschuldung, Verschuldungsanreiz, Vertrauensverlust, Weginflationierung, Zahltag-Grundregel, Zinsswap.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2005, S. 23 ff. (ausführliche Darstellung), Monatsbericht der EZB vom August 2005, S. 74 (erwarteter Anstieg der Verschuldungsquote aufgrund der "Reform" des Stabilitäts- und Wachstumspaktes), Monatsbericht der EZB vom Februar 2007, S. 65 ff. (Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen im Euroraum, ausführliche Darstellung, viele Übersichten), Monatsbericht der EZB vom April 2007, S, 95 ff. (Berechnung des Schuldenstandes; Definitionen; Übersichten), Jahresbericht 2006 der EZB, S. 74 ff. (hier auch Ländervergleiche 1999-2006), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2011, S: 225 ff. (zur Messung des Verschuldungsgrades), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 20 ff. (Vertrauenskrise in der EWU und ihre Gründe), Monatsbericht der EZB vom März 2013, S. 92 ff. (Wachstumshemmung hoher Staatsverschuldung; Übersichten; Literaturhinweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2014, S. 58 ff. (zur Entwicklung und Struktur der Verschuldung; Zerlegung in sektorale und gesamtwirtschaftliche Verschuldung; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Februar 2014, S. 108 ff. (Verschuldung und Verschuldungsabbau im Eurogebiet seit 1999; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verschuldungsquote, private (household debt quota):

Die Kredite an Privathaushalte im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt, unterteilt nach Wohnungsbaukredite, Privatkredite und sonstige Kredite. - Es ist seit etwa 2008 - überzeugender Nachweis durch den Nobelpreisträger Paul Krugman - herrschende Meinung in der Nationalökonomik, dass eine Verschuldung der Privathaushalte über kurz oder lang in eine Krise führen wird.

– Siehe Langfristkultur, Überschusseinheiten, Sparwut.

– Vgl. die bezüglichen Zahlen im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Monetäre Entwicklungen, Banken und Investmentfonds", Unterrubrik "Kredite an private Haushalte" im jeweiligen Monatsbericht der EZB, Jahresbericht 2004 der EZB, S. 39 (Entwicklung und Aufgliederung), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 26 (Belastung der Ertragslage deutscher Banken durch steigende Insolvenzen von Privathaushalten) und in Fortschreibung den jeweiligen September-Bericht der Deutschen Bundesbank, Monatsbericht der EZB vom Dezember 2005, S. 49 ff. (Übersichten, Analyse der Bestimmungsgründe im Euro-Währungsgebiet), Monatsbericht der EZB vom Juni 2006, S. 54 ff. (Aufgliederung der Abschreibungen für Kredite an Privathaushalte; Übersichten), Jahresbericht 2008 der EZB, S. 57 f. (Verschuldung sinkt, Schuldendienstquote steigt wegen der höheren Zinsen; Übersicht), Monatsbericht der EZB vom September 2010, S. 54 (Verschuldung uns Zinsausgaben der Privathaushalte seit 2000), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 24 f. (Verschuldung des Privatsektors seit 2002 steigt an und belastet Banken; Übersicht Eurogebiet und ausgewählte Länder), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2014, S. 58 ff. (zur Entwicklung und Struktur der Verschuldung; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Februar 2014, S. 108 ff. (Verschuldung und Verschuldungsabbau im Eurogebiet seit 1999; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verschuldung-Zins-Verkettung (interrelation between indebtedness and interest rate):

Erhöht die EZB ihre Leitzinsen, so wirkt sich das auch auf hochverschuldete Mitglieder der Eurozone aus. Daher wurde die EZB in der Öffentlichkeit häufig genug unter Druck gesetzt, im Interesse der dem Staatsbankrott nahen Mitglieder der Währungsgemeinschaft auf Zinserhöhungen zu verzichten. - Indessen ist die EZB zuerst auf die Erhaltung der Masstabeigenschaft des Geldes verpflichtet; und dies ist letztlich auch die notwendige Voraussetzung einer dauerhaften Gesundung der Problemstaaten. Im Übrigen haben die Mitgliedsländer mit Budgetproblemen ihre Schulden grösstenteils langfristig finanziert. Durch eine Zinserhöhung wird deshalb nur ein kleiner Teil ihrer Refinanzierungskosten beeinflusst, nach Berechnungen durchschnittlich etwa zehn Prozent. Wichtig ist, dass Problemstaaten durch eine glaubhafte Wirtschaftspolitik von den hohen Risikoaufschlägen herunterkommen. Es darf sich auf gar keinen Fall die Geldpolitik der EZB nach jenen Mitgliedern der Eurozone ausrichten, die wegen jahrelanger Verstösse gegen den Stabilitäts- und Wachstumspakt in Schwierigkeiten geraten sind.

– Siehe Europäische Währungsunion, Grundfehler, EZB-Sündenfall, Rettungspakt, Schuldendroge, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Verschuldung-Produktivität-Verkettung, Vertragstreue.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2010, S. 28 f. (Verschuldungs-Wachstum-Zusammenhang).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verschwiegenheitspflicht (observance of secrecy):

Die gesetzliche Vorschrift, dass Mitarbeiter der Aufsichtsbehörden die bei ihrer Tätigkeit bekannt gewordenen Tatsachen, deren Geheimhaltung im Interesse des Instituts oder Dritter liegt, nicht unbefugt offenbaren oder verwerten dürfen. Das gilt auch dann, wenn sie nicht mehr im Dienst sind oder ihre Tätigkeit beendet ist. Für Deutschland ist dies in § 9 KWG im Einzelnen festgeschrieben.

– Siehe Chinese Wall, Vertraulichkeit.

– Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 249 (das deutsche Informationsfreiheitsgesetz [freedom of information act] vom 1. Januar 2006 hebt die Verschwiegenheitspflicht der Mitarbeiter der BaFin nicht auf).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verschwörungstheorien (conspiracy theories):

Seit etwa 1990 in Zusammenhang mit der Verbreitung des Internets in sozialen Netzwerken und besonders auch in Finanzforen zunehmend ausgebreitete Behauptung, das Geschehen auf dem Finanzmarkt gesamthaft und/oder in einzelnen Bereichen werde vom geheimen Wirken einzelner Gruppen gesteuert. Verbunden ist damit zumeist auch die Auffassung, dass dieses verdeckte Handeln absichtlich und zielgerichtet zulasten der Menschheit bzw. bestimmter Staaten, Nationen, Völker oder Mitbürger gehe. Als Drahtzieher solcher Machenschaften werden gewöhnlich Freimaurer (freemasonry), Behörden des Vatikans (papal dicasteries), die Gnomen von Zürich und Finanzjuden (finance jews) benannt. In Suchmaschinen sind Hunderte entsprechender Plattformen weltweit verzeichnet, in denen gegen jede Vernunft und wider alle Erfahrung irrsinnige Mutmassungen angestellt und "bewiesen" werden. In wohl keiner anderen Gattung von Internet-Foren dürfte sich soviel Dummheit, Unverstand und haarsträubender Wahnwitz offenbaren wie gerade in diesen Finanzforen. - Leider aber stossen mitunter auch einige Politiker vom linken und rechten Lager sowie gefeierte und mit Preisen geehrte Literaten (a special type of persons with which particularly the Teutonie was and is penalised abundantly) in dieses Horn.

– Siehe Astro-Prognose, Bankist, Bankokratie, Blog, Erpressungspotential, Europhobie, Finanzasophie, Finanzdümmling, Finanzsodomit, Finanzterrorist, Geldblogger, Know-Nots, Oligarchie, Siderismus, Twitter.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Versendungsobergrenze (sender limit):

Im Besonderen bei Zahlungs(verkehrs)systemen eingebauter, der Risikominderung dienender Schutz gegen den unbegrenzten Abfluss von Geld aus dem eigenen Konto gesamthaft bzw. auch gegenüber nur einem einzelnen Empfänger.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 53 (Darstellung der einzelnen Parameter, wie Zeitpunktangaben und andere liquiditätsplanende Massnahmen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Versicherung (insurance):

1 Allgemein die Übernahme eines Risikos durch einen Dritten gegen Bezahlung (premium; Prämie).

2 Ein Unternehmen, das sich diesem Geschäft widmet; auch als Versicherer (insurer) und als Branche mit Assekuranz (insurance business) bezeichnet. Die Urkunde über den abgeschlossenen Vertrag wird Police ([insurance] policy) genannt. - Deutschland ist nach den USA, Japan, Grossbritannien und Frankreich mit Prämieneinnahmen von 240 Mia EUR (2010) weltweit der fünftgrösste Versicherungsmarkt.

– Siehe Auswirkungsstudie zu langfristigen Garantien, Bankenunion, Risikoteilung, Einmalzahlung, Ernteausfall-Versicherung, Exposure, Kleinstversicherer, Liquiditäts-Tausch, Portfolio-Versicherung, Selbstversicherung, Sterbekasse, Tontine, Unsicherheit, Versicherungs-Namensschutz, Versicherungsunternehmen, Versicherungsvermittler, Versicherungsvertrag, Versicherungswert.

– Vgl. den jährlich erscheinenden Bericht "Statistik der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht" mit einer Fülle an Darlegungen und Übersichten, untergliedert in eine Ausgabe für Erstversicherungsunternehmen und eine solche für Rückversicherungsunternehmen., Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 45 ff. (Niedrigzinsen machen Versicherern zu schaffen; S. 49: Liquiditätstausch-Geschäfte mit den Banken geben zu Sorgen Anlass), Jahresbericht 2013 der BaFin, S: 133 (Fünf-Jahres-Prognoserechnung der BaFin angesichts der Niedrigzinsphase), Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 73 ff. (heikle Lage der Versicherer angesichts der Niedrigzinsen; Übersichten; Risiken-Einschätzung), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2014, S. 71 ff. (Bedeutung der Assekuranz für die Finanzstabilität; ausführliche Darstellung; Übersichten; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Versicherungsdichte (insurance density):

Das Total der in einem Zeitraum in einem Staat bezahlten Versicherungsbeträge (das Beitragsaufkommen; [insurance] premium income) in Bezug zur Einwohnerzahl. Bei der EZB wird diese Grösse in der Zweiten Säule berücksichtigt.

– Siehe Bankendichte, Versicherungsdurchdringung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Versicherungsdurchdringung (rate of insurance, penetration rate):

Die inländischen Prämienzahlungen an Versicherungen in Bezug zum Bruttoinlandsprodukt. Die entsprechende Zahl - etwa Deutschland im Jahr 2010 knapp 7,2 Prozent - sagt für sich allein und auch als Vergleichsgrösse zu anderen Ländern - etwa Taiwan im gleichen Jahr 18,4 Prozent - wenig aus und bedarf fachkundiger Auslegung (professional interpretation).

– Siehe Versicherungsdichte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Versicherungsgliederung (classification of insurance):

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht gliedert die Versicherungen nach Ernstversicherungsunternehmen und Rückversicherungsunternehmen. Bei beiden werden derzeit vierundzwanzig Zweige unterschieden, wie Leben, Unfall, Haftpflicht, Rechtschutz, Transport.

– Vgl. im Einzelnen den jährlich erscheinenden Bericht "Statistik der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht" mit einer Fülle an Darlegungen und Übersichten, untergliedert in eine Ausgabe für Erstversicherungsunternehmen und eine solche für Rückversicherungsunternehmen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Versicherungs-Namensschutz (right to use the name insurance):

Gemäss § 4 des Gesetzes über die Beaufsichtigung der Versicherungsunternehmen (Insurance Supervision Act, Versicherungsaufsichtsgesetz [VAG]) aus dem Jahr 1992 dürfen in Deutschland die Bezeichnung "Versicherung", "Versicherer", "Assekuranz", "Rückversicherung", "Rückversicherer" und entsprechende fremdsprachliche Bezeichnungen sowie eine Bezeichnung, in der eines dieser Worte enthalten ist, in der Firma, als Zusatz zur Firma, zur Bezeichnung des Geschäftszwecks oder zu Werbezwecken grundsätzlich nur aufsichtspflichtige Versicherungsunternehmen sowie deren Verbände führen. - Versicherungs-Vermittler ist es nur gestattet, die oben genannten Bezeichnungen zu führen, wenn sie mit einem die Vermittlereigenschaft klarstellenden Zusatz versehen sind (insurance brokers may only use such terms if they are supplemented by a clarifying term referring to their function as brokers).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Versicherung, nutzungsabhängige (usage-dependent insurance):

Vertrag, bei dem nur die tatsächliche Verwendung (real use: der Gebrauch, die Nutzung) eines Gegenstandes versichert wird. Derartige Policen setzen voraus, dass die wirkliche Nutzung objektiv und eindeutig messbar ist (is objective and unmistakably measurable [quantifiable]), etwa bei Fahrzeugen, Baumaschinen oder Yachten durch das Global Positioning System (GPS-Technologie).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Versicherungsaufsicht (insurance supervision):

In Deutschland unterliegen alle Versicherungsunternehmen, auch diejenigen aus anderen Staaten, grundsätzlich der Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen.

– Siehe Office of National Insurance, Solvency-I.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 129 ff. (S. 135: wichtige rechtliche Neuerungen), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 11 f. (höchstrichterliche Rechtsprechung zwingt zu verschärfter Prüfung) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Versicherungsunternehmen und Pensionsfonds".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Versicherungsausschuss der Europäischen Kommission (EU Insurance Committee, IC):

Im Jahr 1992 ins Leben gerufenes Gremium der EU, das unter Vorsitz der Europäischen Kommission diese bei gemeinschaftsrechtlichen Fragen der Assekuranz berät und EU-Richtlinien vorbereitet.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2002, S. 71, Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 55 ff. (Bericht auch über Ausschüsse und Unterausschüsse), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 72 ff. (neue Versicherungsvermittler-Richtlinie der EU-Kommission).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Versicherungs-Holdinggesellschaft (insurance holding company):

Im Assekuranzbereich eine Dachgesellschaft (central management; Konzernzentrale) und mehrere, rechtlich und organisatorisch selbständige, im Erst- und Rückversicherungsgeschäft tätige Tochterunternehmen (subsidiaries), an denen die Dachgesellschaft eine Kapitalbeteiligung hält; in § 1b VAG eine Legaldefinition. Solche Konzerne unterliegen in Deutschland der besonderen Aufsicht durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 139 f., Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 77 ff. (Anzeigepflichten von Aufsichtsratsmitgliedern in einer Versicherungs-Holding; Beschränkung der Zahl der Geschäftsleitermandate; Ausnahmebestimmungen für Holdingsgesellschaften aufgehoben; Holdinggesellschaften selbst müssen über eine ordnungsgemässe Geschäftsorganisation verfügen) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Versicherungsunternehmen und Pensionsfonds".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Versicherungs-Informationen (insurance informations):

Wer lediglich Informationen bezüglich des Versicherungsmarktes bereitstellt, der gilt nicht als Versicherungsvermittler und ist daher bis anhin auch noch nicht in die Versicherungsvermittler-Richtlinie (insurance mediation directive) der EU einbezogen. - Strittig ist, inwiefern Internet-Portale, die Versicherungsprodukte miteinander vergleichen und oft auch Ranglisten erstellen, unter die Aufsicht fallen. Tatsache ist indessen, dass solche Portale für die Entscheidungen der Verbraucher von hoher Bedeutung sind.

– Siehe Versicherungsvermittlung.

– Vgl. Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 72 ff. (neue Versicherungsvermittler-Richtlinie der EU-Kommission erfasst nicht die Bereitstellung von Informationen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Versicherungs-Kapitalanlagen (investment portfolio of insurance companies):

Investitionen der Versicherungen, näherhin Geld, das diese in Vermögenswerten angelegt haben. Mit einem Vermögen von rund 1,2 Mia EUR zu Jahresende 2012 sind Versicherungen in Deutschland wichtige Akteure auf dem Finanzmarkt.

– Siehe Anleger, institutionelle, Endanleger, Kapitalanlagegesetzbuch, Kapitalsammelstellen.

– Vgl. Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 134 f. (Kapitalanlagen von Versicherungsunternehmen mehrfach aufgeschlüsselt). Im jeweiligen Jahresbericht "Statistik Erstversicherungsunternehmen und Pensionsfonds" der BaFin auch eine detaillierte Übersicht über die einzelnen Posten nach Buchwert und Prozentanteilen der einzelnen Anlagekategorien nebst Erläuterungen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Versicherungsperiode (period of insurance):

Gemäss § 9 VVG der Zeitraum eines Jahres, falls nicht die Prämie nach kürzeren Zeitabschnitten bemessen ist.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Versicherungssparen (insurance savings):

Wenn nicht anders definiert die Ausgaben der Privathaushalte für Versicherungsschutz (insurance coverage).

– Siehe Versicherungsdichte.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2004, S. 35 f. (dort auch Statistiken).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Versicherungsunsicherheiten (insurance uncertainties):

Die aus der Tatsache asymmetrischer Information (Informations-Asymmetrie; information asymmetry) sich ergebenden Unsicherheiten in Zusammenhang mit dem Risikotransfer in einem Versicherungsvertrag. Im Einzelnen unterscheidet man eine

1. Qualitätsunsicherheit, bei der ein Risikokäufer das ihm zum Kauf angebotene Risiko nicht kostenlos zu prüfen vermag, etwa: Verschweigen von Vorerkrankungen bei der Krankenversicherung,

2. Verhaltensunsicherheit; diese besteht darin, dass der Risikokäufer nicht kostenlos feststellen kann, ob der Risikoverkäufer das Risiko vertragswidrig erhöht, etwa: halsbrecherischer Fahrstil nach Haftpflichtvertrag: Problem des Moral Hazard, und

3. Ergebnisunsicherheit: der Risikokäufer kann nicht ohne Kosten überprüfen, ob der Schadensfall der Sache und der Höhe nach auch tatsächlich eingetreten ist, etwa: Vortäuschen des Diebstahls einer wertvollen Kamera bei der Reisegepäckversicherung.

– Zur Begrenzung dieser Informationssymmetrien fügen die Versicherungsunternehmen viele Klauseln in die Verträge ein, unterhalten hauseigene Detekteien (in-house detective departments) und beauftragen auch - oft international tätige - Ermittlungsbureaux.

– Siehe Einmalzahlung, Finanzkontrakt, Information, asymmetrische, Moral Hazard, Risikoanhebung, subjektive, Risikoübernahme-Grundregel, Tarifstrukturzuschlag, Versicherungsvertrag.

– Vgl. Deutschen Bundesbank vom Juli 2014, S. 71 ff. (Zusammenhänge zwischen Assekuranz und Finanzstabilität; Übersichten; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Versicherungsunternehmen (insurance enterprise, insurance company):

Private und öffentlich-rechtliche Versicherungsunternehmen zählen in Deutschland bis anhin nicht zu den Kreditinstituten und auch nicht zu den Finanzdienstleistungsinstituten, siehe § 2, Abs. 1, № 4 und Abs. 6, № 4 KWG. - In § 1 VAG wird der aufsichtsrechtliche Begriff Versicherungsunternehmen näher definiert.

– Siehe Assekuranz, Ausschüttungs-Sperre, Versicherung, Versicherungsvermittlung.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juni 2005, S. 19 ff. (Versicherungen als Finanzintermediäre), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2013, S. 41 (statistische Erfassung des Assekuranzsektors soll verbessert werden).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Versicherungsunternehmen, systemrelevantes (global systematically important insurer, G-SII):

Im Jahr 2013 hat der Finanzstabilitätsrat erstmals eine Liste entsprechender Firmen veröffentlicht. Die Internationale Vereinigung von Versicherungsaufsehern erarbeitete derweil ein Rahmenwerk für die aufsichtliche Regelung von G-SIIs (common framework for the supervision of internationally active insurance groups [ComFrame]).

– Siehe Bank, systemische, Overkill, regulatorischer.

– Vgl. Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 125 ff. (Inhalt des Rahmenwerks; Rückversicherer noch ausgenommen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Versicherungs-Vergütungsordnung, VersVergV (ordinance on renumeration policies and practices):

Im Oktober 2010 in Kraft getretene Vorschriften für Versicherungen mit dem Ziel, Vergütungssystem angemessen, transparent und nachhaltig zu gestalten. Ins Einzelne gehende Vorgaben zur Ausgestaltung der VersVergV hat das Bundesfinanzministerium in nachfolgenden Rechtsverordnungen geregelt.

– Siehe Bonus, Instituts-Vergütungsverordnung, Regulierungswut.

– Vgl. Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 85 (Vorstellung der Verordnung), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 74 (Neuregelung für die Provision von freien Versicherungsmittelern).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Versicherungsvermittler (insurance salesman):

Gemäss § 42a des Gesetzes über den Versicherungsvertrag (VVG) umfasst diese Bezeichnung als Oberbegriff sowohl Versicherungsvertreter (insurance agent) als auch Versicherungsmakler (insurance broker). - Versicherungsvertreter ist nach VVG, wer von einer Versicherung oder einem Versicherungsvertreter damit betraut ist, gewerbsmässig Versicherungsverträge zu vermitteln oder abzuschliessen (gebundener Versicherungsvermittler; tied insurance intermediary). - Versicherungsmakler (insurance broker) im Sinne des VVG ist, wer gewerbsmässig für den Auftraggeber die Vermittlung oder den Abschluss von Versicherungsverträgen übernimmt, ohne von einem Versicherer oder von einem Versicherungsvertreter damit betraut zu sein (freier Versicherungsmakler; independent insurance broker). Als Versicherungsmakler gilt auch, wer gegenüber dem Versicherungsnehmer den Anschein erweckt, er erbringe seine Leistungen als Versicherungsmakler. - Versicherungsberater (insurance consultant) in der Definition des VVG ist, wer gewerbsmässig Dritte bei der Vereinbarung, Änderung oder Prüfung von Versicherungsverträgen oder bei der Wahrnehmung von Ansprüchen aus Versicherungsverträgen im Versicherungsfall berät oder gegenüber dem Versicherer aussergerichtlich vertritt, ohne von einem Versicherer einen wirtschaftlichen Vorteil zu erhalten oder in anderer Weise von ihm abhängig zu sein.

– Siehe Haftungsdach, Unregelmässigkeiten-Meldepflicht, Versicherung, Versicherungs-Namensschutz, Versicherungsvermittlung.

– Vgl. Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 72 ff. (neue Versicherungsvermittler-Richtlinie der EU-Kommission; S. 74: Neuregelung für die Provision von freien Versicherungsmittelern).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Versicherungsvermittlung (insurance procuration):

Am 22. Mai 2007 traten in Kraft

1. das "Gesetz zur Neuregelung des Versicherungsvermittlerrechts" sowie

2. die "Verordnung über die Versicherungsvermittlung und Beratung", durch welche die Richtlinie 2002/92 EG über Versicherungsvermittlung - ABl EG 2003 Nr. L 9 S. 3 - in deutsches Recht umgesetzt wurde. Mit diesem Gesetz wird der bisher frei zugängliche Beruf des Versicherungsvermittlers (insurance broker) neu geregelt. Gemäss den Vorgaben der Richtlinie wird die Versicherungsvermittlung zu einer Tätigkeit, die grundsätzlich einer Erlaubnis gemäss § 34d Abs. 1 Gewerbeordnung (GewO) sowie einer Registrierung bedarf. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hat dazu am 4. Juni 2007 ein Merkblatt in ihre Internetseite gestellt, das die neue Rechtslage erläutert. Freilich führt diese Behörde auch zukünftig keine unmittelbare Aufsicht über Versicherungsvermittler, auch nicht über gebundene Vermittler.

– In Deutschland dürfen an heimische Kunden grundsätzlich nur Versicherungsverträge solcher Gesellschaften vermittelt werden, die eine Erlaubnis zum Betrieb des Versicherungsgeschäftes besitzen. Jedoch wurden allein im ersten Halbjahr 2003 etwa 10'000 Lebensversicherungsverträge vermittelt, die dieser Vorschrift nicht genügen.

– Siehe Underground Banking, Reisebureau, Versicherungs-Informationen, Versicherungsvermittler, Versicherungs-Zweitmarkt, Unregelmässigkeiten-Meldepflicht, Winkelmakler.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 75, Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 81 (die Versicherungsvermittlung ist zu einem erlaubnispflichtigen Gewerbe geworden; EU-Versicherungsvermittler-Richtlinie), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 128 f. (BaFin nimmt Prüfungen bei Krankenversicherern vor, die durch Zahlung ungewöhnlicher Vermittlerprovisionen aufgefallen sind; weitere Anlassprüfungen), Vgl. Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 72 ff. (neue Versicherungsvermittler-Richtlinie der Eu-Kommission) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Versicherungsunternehmen und Pensionsfonds".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Versicherungsvertrag (insurance contract):

Besondere Form eines Finanzkontrakts. Im Grunde handelt es sich dabei um einen Risikotransfer. Der Versicherte (Risikoverkäufer; risk seller) überträgt sein Risiko auf den Kontraktpartner, den Risikokäufer (risk assumer; risk taker) und bezahlt hierfür eine Versicherungsprämie.

– Siehe Abschlussgebühr, Finanzkontrakt, Risiko, Risikoübernahme-Grundregel, Versicherung, Versicherungswert.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 83 (Gesetzentwurf zur Reform des Versicherungsvertragsrechts: Darlegung des Inhalts im Einzelnen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Versicherungswert (insured value, insurance value):

Die im Versicherungsvertrag vereinbarte Höchstsumme, bis zu der eine Versicherung einzustehen hat. - Die Versicherungssumme darf den Wert der versicherten Sachen nicht übersteigen. Ist die Versicherungssumme erheblich höher als der tatsächliche Versicherungswert (Überversicherung; overinsurance), so können beide Vertragspartner die Herabsetzung der Versicherungssumme und damit verbunden der Versicherungsprämie verlangen. Ist die Überversicherung vom Versicherungsnehmer in der Absicht geschlossen worden, um sich einen rechtswidrigen Vermögensvorteil (illegal [unlawful] pecunary advantage) zu verschaffen, so ist der Versicherungsvertrag nichtig.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Versicherungs-Zweckgesellschaft (insurance special purpose vehicle):

Eigens errichtete Firma, die Risiken von Erst- oder Rückversicherern übernimmt, ohne selbst Versicherung zu sein. - Zweckgesellschaften sichern Schadenrisiken vollständig über die Begebung von Schuldtiteln oder auf anderem Wege ab.

– Siehe Verbriefung, Terror-Papiere, XXX-Insurance-Linked Securities, Zweckgesellschaft.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 79 f. (Aufsichtsrechtliches), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 78 (Beschränkung der Geschäftsleitermandate bei Versicherungs-Zweckgesellschaften) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Versicherungsunternehmen und Pensionsfonds".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Versicherungs-Zweitmarkt (second police market):

Unternehmen, die (Lebens)Versi¬cherungsverträge

1. von Personen ankaufen, die ihre laufende Prämie an die Versicherung aufgrund persönlicher Umstände - in der Praxis meistens Ehescheidung oder Arbeitsplatzverlust - nicht mehr zahlen können. Das Unternehmen

2. zahlt die Beiträge weiter und

3. räumt in der Regel dem Verkäufer des Vertrags ein Rückkaufsrecht (repurchase right) ein, falls er wieder in den Vertrag eintreten möchte. Dieser Weg ist in aller Regel einer Vertrags-Kündigung bei der Versicherung vorzuziehen.

– Siehe Policenbörse, Lebensversicherungen, Zweitmarkt, Viatikalmarkt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Versorgungsschein (benefit certificate; pass for disabled mineworker):

1 Früher in Deutschland an ausscheidende Angehörige des Heeres, der Polizei und des Zivilschutzes (civil protection service) ausgestellter Ausweis mit der Berechtigung, eine offene Stelle im öffentlichen Dienst - einschliesslich Reichsbahn und Reichspost - bevorzugt einnehmen zu können. Auf diesem Wege wurden die sonst erforderlichen Beträge für die Pensionszahlungen der Versorgungsberechtigten jetzt von den jeweiligen, diese Personen beschäftigenden Behörden getragen.

2 In Deutschland auch Bescheinigung für Bergleute, die nach längerer Tätigkeit ihre Untertagearbeit (underground working, underground mining) nicht mehr ausüben können. Sie werden damit in etwa den Schwerbehinderten gleichgestellt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verstädterung auch Urbanisation (urbanisation):

Die weltweit zu beobachtende Tendenz, dass Wanderungsbewegungen von ländlichen Regionen in die grossen Städte bzw. Ballungsgebiete (agglomerations; Verdichtungsräume mit mehr als 1'000 Einwohner pro qkm) stattfinden. Nur ein Drittel der Weltbevölkerung lebte im Jahr 1950 in Städten; im Jahr 2000 war es schon über die Hälfte; Vorausschätzungen gehen davon aus, dass im Jahr 2050 zwei Drittel der Weltbevölkerung in Ballungsgebieten wohnen wird. - Anlagepolitisch wird daraus der Schluss gezogen, dass Investitionen in Infrastruktureinrichtungen (infrastructure facilities: Verkehr, Kommunikation, Energie, Wasserversorgung, Kanalisationssysteme) langfristig sehr ertragreich sind; zumindest in Staaten mit politisch stabilem Rahmenwerk.

– Siehe Bauinvestitionen, Emerging Markets, Event-Driven Fund, Geldheimat, Global Macro, Infrastruktur, Public Private Partnerships.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verständlichkeit (understandability):

1 Allgemein die Eigenschaft von Kundmachungen jeder Art und jeder Form - Sprache; Schrift: hier vor allem Tabelle, Kurve, Abrechnung, Geschäfts-Bericht, Bilanz -, von dem bezielten Empfänger inhaltlich richtig und schnell aufgenommen zu werden. - In vielen Fällen stösst dies an Grenzen menschlicher Aufnahmefähigkeit. So umfassten Beschreibungen der Quadrat-CDOs, in ausgeklügeltem Juristenenglisch (sophisticated English legalese) abgefasst, manchmal bis zu 300 Seiten. Sie enthielten Klauseln, die von den meisten Käufern der Papiere und darunter auch von vielen deutschen Instituten nicht gelesen, nicht verstanden oder nicht genau bedacht wurden. Fast immer vertraute man ausschliesslich der Benotung seitens einer Rating-Agentur.

2 Im Besonderen soll sich nach IFRS ein fachkundiger Dritter auf Grundlage der Bilanz innert angemessener Zeit ein Bild über das Unternehmen verschaffen können (the financial information provided by a company should be such that its meaning is capable of being perceived by a person with a sound knowledge of business and accounting and a willingness to study it with reasonable diligence). Der Grundsatz bezieht sich hauptsächlich auf die Darstellungsart (style [type] of representation) der Informationen und nicht auf ihre Auswahl (selection). Damit ist ein enger Bezug zum deutschen handelsrechtlichen Grundsatz der Klarheit und Übersichtlichkeit gegeben. - Seitens der Gesetzgeber, der Aufsichtsbehörden und der Berufsverbände wurde in jüngster Zeit sehr viel getan, um verschleierte Angaben auf dem Finanzmarkt einzudämmen. Sie wuchern freilich nach wie vor im Underground Banking.

– Siehe Address Spoofing, Ad-hoc-Mitteilung, Angaben, verschleierte, Aussagen, zukunftsgerichtete, Börsensprache, Darstellung, glaubwürdige, Domizil-Verschleierung, Entscheidungsnützlichkeit, Finanzgeier, Informations-Aufschub, Informations-Überladung, International Financial Reporting Standards, Klartext, Kürteil, Sarbanes-Oxley-Act, Pervasive Constraint, Stetigkeit, Verlust-Tarnung, Vorhersagen, Wesentlichkeit, Zuverlässigkeit, Zweckdienlichkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Versteigerer in älteren Dokumenten auch Verauktionierer (auctioneer):

Wer Gegenstände gewerbsmässig vergantet (sells by auction; auktioniert: an dem Meistbietenden [an den Lizitanten in der älteren Literatur] zum Verkauf zuleitet; offers to several potential buyers, who compete with each other), hat gemäss § 14 des Gesetzes über das Aufspüren von Gewinnen aus schweren Straftaten (money laundering law; Geldwäschegesetz aus dem Jahr 1993) interne Vorkehrungen zu treffen, dass seine Tätigkeit nicht zur Geldwäsche missbraucht werden kann.

– Siehe Auktion, Markt, auktionsbestimmter, Tender.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verteilung, stabile (stable distribution):

Bezeichnung eines finanzmathematischen Grund¬modells, welches die Verluste eines Portfolios herabzumindern versucht, und das auch als Softwareprodukt in verschiedenen Ausführungen für Vermögensverwalter und Risikomanager angeboten wird. - Weil aber die wirtschaftliche Realität immer auch von unvorhersehbaren ausserökonomischen Einwirkungen wie Klimakatastrophen, Erdbeben, politische Unruhen oder Kriege sehr stark bestimmt wird, so kann es eine Vermögensanlage ohne Risiko grundsätzlich nicht geben.

– Siehe Normalverteilung, Normalverteilungs-Doktrin, Schock, Unsicherheit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vertikalisierung (vertical integration):

Fachbegriff in Deutschland in Bezug auf die Landesbanken. Weil einige der Girozentralen durch waghalsige Geschäfte und durch Misswirtschaft ins Strudeln gerieten, schlug man vor, dass sich einzelne grosse Sparkassen mit der Landesbank verschmelzen. Im Besonderen bei der im Zuge der Subprime-Krise in Wirren geratenen WestLB glaubte man, hier einen Ausweg aus deren Schwierigkeiten zu erkennen. Die grossen Sparkassen weigerten sich aber, der Vertikalisierung zuzustimmen. Ihnen warf man deswegen zu Unrecht Silo-Denken vor. Denn sie wären diesfalls nämlich nur noch vergleichsweise machtlose Töchter innert eines Finanzkonzerns; sie verlören also ihre Unabhängigkeit.

– Siehe Blind-Taub-Verbindung, Blutbad, Marktbereinigung, bankliche, Mitversicherungs-Effekt, Sparkasse KölnBonn, Subsidiaritätsprinzip.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 129 (Sonderprüfung bei der WestLB im März 2007 deckt schwerwiegende Verstösse gegen Gesetze fest), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 135 ff. Umstrukturierung der WestLB und der HSN Nordbank) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vertragstreue (sanctity of contracts):

1 Allgemein die gewissenhafte Erfüllung vertraglicher Abmachungen.

2 In Bezug auf die EU und vor allem auf die EWU die Beachtung und Einhaltung der beschlossenen Vereinbarungen im EU-Vertrag, und in Bezug auf die EWU der Regelungen, wie diese auf der Konferenz der Staats- und Regierungschefs der EG am 9./10.12.1991 in Maastricht entschieden und danach in mehreren Schritten angepasst wurden. - Wie sich jedoch inzwischen eindeutig gezeigt hat, schätzen einige Mitglieder der EWU die Vertragstreue als eine skurrile, absonderliche und typisch deutsche Eigenheit ein. Die Mahnung zur Vertragstreue gilt als deutsche Bevormundung (German paternalism). Zumindest in der öffentlichen Meinung von Mitgliedsstaaten wie Griechenland und Zypern ist diese Ansicht weit verbreitet.

3 In Bezug auf die EZB die Erwartung, dass sich diese in ihren Entscheidungen und Handlungen streng an das hält, was zwischen den vertragsschliessenden Parteien im "Protokoll über die Satzung des Europäischen Systems der Zentralbanken und der Europäischen Zentralbank" vom Juli 1992 bzw. den nachfolgend vereinbarten Änderungen festgelegt wurde. Auch bei der EZB zeigte sich unverkennbar, dass der Zentralbankrat Mahnrufe deutscherseits, sich an die Statuten zu halten, missbilligend aufnahm und nicht beachtete. Das deutsche Bundesverfassungsgericht musste sich im Juni 2013 mit den offenkundigen Vertragsverletzungen befassen.

4 Mit Bezug auf die EU-Kommission deren Aufgabe in Art. 17 EUV, als Hüterin der Verträge (guardian of the treaties) zu handeln. Offenbar erfüllt die Kommission in Fällen wie dem Europäischen Abwicklungsfonds oder der Einrichtung zur Bankenabwicklung diese Pflicht nicht und dehnt ihre Befugnisse zulasten der nationalen Parlamente unbefugt aus.

– Siehe AIG-Deal, Aufkäufe, zentralbankliche, Bail-out, Bankenunion, Risikoteilung, Bazooka, Blame game, Bürgschaft, ClubMed, Defizit-Finanzierungsverbot, Finnland, Euro-Anleihen, gemeinsame, Europäische Finanzstabilisierungsfazilität, Europäische Währungsunion, Grundfehler, Eventualforderung, EZB-Sündenfall, Garantie, Geldmarkt-Operationen, Geldverleiher letzter Instanz, Goldopfer, Government Guaranteed Bond, Government Spreads, Griechenland-Krise, Gruppendruck, Lohnpolitik, koordinierte, Moral Hazard, Plan C, Politikklammer, Politikverzug, Rückkehr-Ideologie, Schattenstaat, Schuldenclub, Schuldendroge, Schuldentilgungspakt, europäischer, Sicherheitsnetz, globales, Single Master Liquidity Conduit, Stabilisierungsmechanismus, europäischer, Stabilitätsfonds, europäischer, Stand-by-Kredit, Südfront, TARGET-Missbrauch, Transferunion, Umverteilung, zentralbankbewirkte, Verlustübernahme, persönliche, Vermögensabgabe, Verschuldung-Produktivität-Verkettung, Verschuldungsanreiz, Währungsunion 2. Zwei-Wege-Option.

– Vgl. den Statistischen Teil im jeweiligen Monatsbericht der Deutschen Bundesbank, Kapitel "Öffentliche Finanzen in Deutschland" zum Schuldenstand in der Maastricht-Abgrenzung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vertrauen (confidence):

1 Allgemein die Überzeugung, dass eine Person oder Institution

1. fachmännisch, sachrichtig (in a professional way) und

2. ehrlich, wahrhaftig (in honesty) handelt.

2 Im Finanzbereich die Zuversicht aller Marktteilnehmer, dass auf fachkundiges Handeln der Banken Verlass sei und die Finanzmärkte glatt gehen. Weil eine Bank gewöhnlich zehn bis dreissigmal mehr Schulden als Eigenkapital in ihrer Bilanz ausweist, so sind alle Institute darauf angewiesen, dass

1. die Kunden ihre Einlagen als sicher einschätzen und

2. eine Bank sich jederzeit Geld bei einer anderen Bank leihen kann. Fehlt das Vertrauen der Kunden, dann kommt es zu einem Run. Trocknet der Interbanken-Geldmarkt aus, so wie im Gefolge der Subprime-Krise, dann brechen vor allem die zur Refinanzierung auf kurzfristige Darlehn angewiesene Institute zusammen. Es hat sich gezeigt, dass in beiden Fällen nur noch der Staat durch Garantien für die Bürger bzw. durch - vorübergehende oder endgültige - Verstaatlichung besonders betroffener Banken einen Zusammenbruch des Finanzsystems verhindern kann.

3 Im Besonderen auch die Erwartung, dass ein Staat aufgenommene Schulden bedienen kann. Als Vertrauens-Masstab zeigt sich hier der Zinssatz, zu dem Staatsanleihen gehandelt werden. Länder mit hoher Staatsverschuldung müssen für ihre Anleihen einen höheren Zinssatz bieten bzw. bereits begebene Papiere sind nur mit einem Abschlag zu verkaufen, weil die Anleger einen Staatsbankrott nicht ausschliessen.

– Siehe Bail-out, Depo-Repo-Spread, Finanzstabilität, Garantiefonds, Griechenland-Krise, Gut, öffentliches, Intensivstation, Islandbanken-Falle, Krise der Sicherheiten, Kurssturz, Panik, Phthisis, Rendite-Risiko-Grundsatz, Repatriierungs-Effekt, Reputation, Risiko, systemisches, Staatsverschuldung, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Wirkungen, Tresorboom, Vertragstreue, Zentralbank-Reputation.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2013, S. 53 ff. (Bedeutung des Vertrauens in der Wirtschaft; ausführliche Darlegung; Übersichten; Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vertrauens-Anker (anchor of confidence):

Ein Land mit einem hohen Anteil am Welthandel - wie etwa die USA - oder starkem Gewicht in einer Staatengruppe - wie etwa Deutschland innert der Eurozone und auch innert der EU -, an dem sich die Wirtschaftspolitik allgemein und die Geldpolitik im Besonderen seitens anderer Staaten stillschweigend ausrichtet.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2012, S. 12 ff. (Gewicht und Einfluss der Eurozone am Welthandel).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vertrauensblase (bubble in confidence):

Um 2013 aufgekommener Ausdruck mit Bezug zur EZB. Genauer will man damit zum Ausdruck bringen, dass die verschiedenen Hilfsprogramme der EZB für schwächelnde Mitgliedsländer der Eurozone nicht nur Zweifel an deren Dienlichkeit erwecken, sondern auch die Erwartung stärken, dass die EZB zu einer Bad Bank wird.

– Siehe AIG-Deal, Angst, perverse, Anmassung, zentralbankliche, Bail-out, Bankenunion, Bazooka, Blame game, ClubMed, Defizit-Finanzierungsverbot, Demokratie-Defizit, Enteignung, kalte, Euro-Anleihen, gemeinsame, Europäische Währungsunion, Grundfehler, EZB-Sündenfall, Moral Hazard, Nuklearoption, Plan C, Quantitative Easing, Retterei, Siebenprozent-Grenze, Staatsschulden-Rückführung, Schuldendroge, Südfront, Transferunion, Umverteilung, zentralbankbewirkte, Unschärfe, konstruktive, Vertragstreue.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vertrauens-Hypertrophie und Übervertrauen (overconfidence):

Auf Aktienmärkten kaufen Kleinanleger (small investors) ohne Rücksicht auf die Grunddaten ("fundamentals" wie Vermögen, Gewinn, Stellung im Markt, künftige Absatzaussichten) Aktien eines Unternehmens, weil sie auf den Namen des Unternehmens oder auf den Ruf des Vorstands bauen. Erfahrungsgemäss kommt es bei dieser Gruppe der Investoren aufgrund irgendwelcher schwer vorausschaubarer Ereignisse sehr rasch zu einer Gegenbewegung: die entsprechenden Titel werden dann schlagartig aus dem Portfolio abgestossen (abruptly removed from portfolio), was zu einem Dominostein-Effekt führen kann.

– Siehe Abgabepanik, Blase, spekulative, Euphoriephase, Headline-Hysterie, Herdenverhalten, Massiv-Verkäufe, Panikverkäufe, Überschwang, unvernünftiger.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vertrauensindikator (indicator of confidence):

1 Allgemein die Erwartung der Wirtschaftssubjekte auf überschaubare, verlässliche und dauerhafte Rahmenbedingungen, die hinreichenden Freiraum für private Entscheidungen lassen; dazu gehört auch das Zutrauen in die geldwertsichernde Politik der Zentralbank.

2 Für Industrie und Verbraucher getrennt durchgeführte Konjunktur-Umfrage, von Eurostat ermittelt und bei der EZB für die Vorausplanung der Geldpolitik von Bedeutung. - Der Stand und Verlauf des Vertrauensindikators wird regelmässig in den Monatsberichten der EZB (Anhang: "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Preise, Produktion, Nachfrage und Arbeitsmärkte", Unterrubrik "Branchen- und Verbraucherumfragen") veröffentlicht.

– Siehe Depo-Repo-Spread, Erwartungsparadoxon, Konjunkturdiagnose, Konstanz-Kriterium, Order-Capacity-Index, Vertrauen.

– Vgl. Jahresbericht 2001 der EZB, S. 43, Monatsbericht der EZB vom August 2007, S. 53 ff. (hier auch zum festgestellten Unterschied zwischen Verbrauchervertrauen und getätigten Konsumausgaben; aussagekräftige Übersichten), Monatsbericht der EZB vom November 2008, S. 61 ff. (Verlässlichkeit von Umfrageergebnissen in turbulenten Zeiten; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Mai 2009, S. 65 (Vertrauensindikator während der Finanzkrise; Übersicht), Monatsbericht der EZB vom März 2010, S. 75 ff. (Berechnung des Indikators; Aussagekraft; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2011, S. 60 (Vertrauensindikator für den Einzelhandel und die Verbraucher seit 2004), Jahresbericht 2011 der EZB, S. 61 (Vertrauens-Indikatoren 2006 bis 2011)), Monatsbericht der EZB vom März 2012, S. 85 ff. (Verbrauchervertrauen und Konsumausgaben in ihrer Beziehung zueinander; Übersichten; Vergleiche Deutschland, Spanien, Frankreich, Italien), Monatsbericht der EZB vom Januar 2013, S. 53 ff. (Bedeutung des Vertrauens in der Wirtschaft; ausführliche Darlegung; Übersichten; Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vertrauens-Schock (collapse of confidence):

Das Fehlverhalten einzelner Unternehmen in einem Währungsgebiet führt dazu, dass die Anleger allgemeine Zweifel hinsichtlich der Glaubwürdigkeit von Vorständen, Wirtschaftsprüfern und Banken hegen, und sie sich in andere Anlageformen - vor allem festverzinsliche Staatsanleihen sowie in den Kauf von Edelmetallen - zurückziehen. - Empirisch wurde dies immer wieder beobachtet; so im Jahr 2002 in den USA anlässlich der Skandale bei Enron und WorldCom, die vorgetäuschte Gewinne statt der tatsächlich eingetretenen Milliarden-Verluste in ihren Bilanzen auswiesen; dann 2007 angesichts der Subprime-Krise, die sich gar zu einer weltweiten Finanzkrise ausweitete, und die erst durch nachhaltige Stützungsmassnahmen der Regierungen vieler Länder der Welt begrenzt werden konnte, und schliesslich gelegentlich der Staatsschuldenkrise.

– Siehe Bilanz-Skandal, Börsenkrach, Corporate Governance, Crash, Garantiefonds, Panik, Risikowahrnehmung, Rückwirkungen, systeminhärente, Run, Sarbanes-Oxley Act, Sell Out, Terror-Schock, Verschuldungs-Koeffizient.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2005, S. 93 ff., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 66 (Einwirkung auf den Dax).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vertrauensverlust (lack of confidence):

1 Die - zumeist unerwartete - Einschätzung der internationalen Gläubiger, dass ein Staat seine Schulden aufgrund sehr hoher Zinsbelastung oder anderer Umstände nicht mehr bedienen kann. Dies führt zu einem raschen Abzug von Kapital und einem Versiegen von Neuzuflüssen, wie etwa 1999 im Falle Brasiliens, 2000 im Falle der Türkei und wenig später bei der Griechenland-Krise zu beobachten war. Jedesmal steht hinter dem Vertrauensverlust in die öffentlichen Finanzen der betreffenden Länder immer eine schwerwiegende Fehlentwicklung (fundamental erroneous trend) - und nicht das Tun übelwollender Spekulanten.

2 Entmutigende Erwartungen der Wirtschaftssubjekte hinsichtlich der Politik der (neuen) Regierung und der Zentralbank. Dies löst eine Kapitalflucht aus, wie etwa Ende 2005 nach der Wahl des Linkssozialisten Evo Morales zum Präsidenten Boliviens. Selbst hohe Strafandrohungen verhindern dann nicht die Kapitalflucht bzw. das Ausweichen in eine Nebenwährung.

3 Häufig plötzlich auftretende entmutigende Erwartungen hinsichtlich des Verlaufs volkswirtschaftlicher Krengrössen bzw. der Entwicklung auf dem Finanzmarkt. Das kann wie im Gefolge der Subprime-Krise in eine gar weltweite Finanzkrise einmünden, bei der auch der Interbankenmarkt austrocknet, weil jedes Institut dem anderen misstraut, in diesem Falle hinsichtlich des Bestandes an toxischen Papieren und der Werthaltigkeit (intrinsic value) ausgewiesener Aktiva. Ein Stimmungs-Umschwung ist in einer solchen Lage erfahrungsgemäss wohl nur mit kräftiger Hilfe des Staates zu erreichen. Aufkäufe der Zentralbank haben in dieser Lage erwiesenermassen keine nachhaltige Wirkung (have provably no lasting impact).

– Siehe Bankenkrise, Dollarisierung, Dominostein-Effekt, Euroisierung, Europäische Währungsunion, Grundfehler, EZB-Sündenfall, Finanzmarktstabilisierungsanstalt, Furchtthese, Griechenland-Krise, Headline-Hysterie, Herdenverhalten, Interbankenmarkt, Londoner Verfahren, Minhas-Gerais-Problem, Prager Verlautbarung, Risikowahrnehmung, Rush to the exit, Staatsschulden, verweigerte, Stop Loss Rules, Vorschatten-Effekte, Weginflationierung.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 20 ff. (Vertrauenskrise in der EWU und ihre Gründe), Monatsbericht der EZB vom Januar 2013, S. 53 ff. (Bedeutung des Vertrauens in der Wirtschaft; ausführliche Darlegung; Übersichten; Literaturverweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2014, S. 44 ff. (Vertrauensverlust durch Anhäufung von Staatsschulden; Übersichten; Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vertraulichkeit (confidentiality):

1 Auf dem Finanzmarkt die Sicherheit, vor unbefugter Offenlegung gesichert zu sein (the quality of being protected against unauthorised disclosure). Vollen Schutz in diesem Sinne gibt es grundsätzlich nicht. Dies gilt insonders dann nicht, wenn Geheimdienste wie etwa der deutsche Auslands-Geheimdienst (Bundesnachrichtendienst; Federal Intelligence Service) durch Schmiergeld an ungetreue Bankangestellte sog. Steuersünder (tax evaders) im Nachbarstaat Lichtenstein aufspürt, wie Anfang 2008 unter grossem Beifall der deutschen Öffentlichkeit geschehen.

2 Bei Instituten die Wahrung der Firmen- und Geschäftsgeheimnisse gegenüber Konkurrenten. Durch zahlreiche Offenlegungspflichten ist die Vertraulichkeit teilweise erheblich eingeschränkt.

– Siehe Address Spoofing, Authentifizierungsgebot, Bankauskunft, Bankgeheimnis, Bargeldkontrolle, Chinese Wall, Fluchtgeld, Geldwäsche, Hawala, Identitätsdiebstahl, Identitätsprüfungspflicht, Insourcing, Kasse, schwarze, Kontenoffenlegung, Kundendaten-Informationspflicht, Low Performer, Transparenz, Vermögensstatus, Verschwiegenheitspflicht, Wall Crossing, Zahlungsverkehrsverordnung, Zweitausweis.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2010, S. 78 (Übersicht der Offenlegungspflichten; S. 80: weitere Transparenzanforderungen im Zuge von Basel-III).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vertraulichkeitsvereinbarung und Geheimhaltungsabkommen (confidentiality agree-ment, non-disclosure agreement, NDA):

Auf dem Finanzmarkt eine vertragliche Abmachung zweier oder mehrerer Markteilnehmer - in der Regel Banken -, bestimmte Informationen nicht zu verbreiten (contractual document whereby two or more parties undertake to maintain the confidentiality of certain information). Entsprechende Verträge werden in der Regel auf der höchsten Rangstufe (C-suite, executive board level; Vorstandsebene) abgeschlossen und betreffen meistens gemeinsam geplante Engagements, vor allem auch aus dem Bereich Fusionen und Übernahmen.

– Siehe Geschäfte, abgesprochene, Handeln, verdeckt gemeinsames, Marktmanipulation.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vertretbarkeit (fungibility):

Die Eigenschaft jeder Einheit eines Handelsgutes an der Börse, durch eine andere Einheit ersetzt werden zu können (the ability of being substitutable, that is being of such nature or kind as to be without restrictions exchangeable or replaceable, in whole or in part, for another of like nature or kind). - An der Devisen- und Effektenbörse ist die Vertretbarkeit, auch Homogenität und Fungibilität genannt, durch die jeweils kennzeichnende gegenständliche Eigenart (foreign exchanges, Devisen) gegeben oder sie wird durch entsprechende Gestaltung (financial product; Finanzprodukt) erreicht. An der Produktenbörse geschieht dies durch eine äusserst genaue Festlegung der Qualität der jeweiligen Ware. - Erst die Vertretbarkeit der an der Börse gehandelten Güter macht ihre gegenständliche Anwesenheit unnötig; das Gut muss weder besichtigt noch geprüft werden. Weil auch die Lieferungs- und Zahlungsbedingungen genau festgelegt sind, so können an der Börse jetzt lediglich Preis und Menge die Marktvariablen sein.

– Siehe Effekten, Warenbescheinigung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vertrieb, öffentlicher (public sale):

Auf Finanzmärkten nach der Definition von § 2, Abs. 11 InvG der Verkauf von Finanzprodukten auf dem Wege des öffentlichen Anbietens, der öffentlichen Werbung oder in ähnlicher Weise, was auch das Internet einschliesst. Ein solcher Vertrieb ist für bestimmte Produkte in Deutschland aufsichtsrechtlich verboten, wie etwa für Anteile von Single-Hedge-Fonds.

– Siehe Privatplazierung, Tenderverfahren.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vertriebsdruck (sales pressure):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter im Finanzsektor die unmittelbare oder mittelbare - und hier vor allem durch entsprechend gestaltete Provisionsgewährung an die erfolgreichen Verkäufer - Auflage an die Mitarbeiter von Banken, Finanzprodukte auch gegen das offensichtliche Kundeninteresse zu verkaufen.

– Siehe Bonus, Dampfstube, Pump and Dump, Transaktionsüberwachung.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 122 f. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Veruntreuung in älteren Dokumenten auch Malversation (misappropriation, embezzlement, malversation):

Wenn nicht anders definiert die Unterschlagung von Geld, über das eine Person aufgrund eines besonderen Vertrauensverhältnisses eine Verfügungsmacht hat. - Alle Fälle der Veruntreuung bei Versicherungen müssen in Deutschland seit 1994 der Aufsichtsbehörde gemeldet werden. Im Jahr 2005/2012 wurden Veruntreuungen von 20,6/18,1 Mio EUR berichtet, an denen 458/401 Personen beteiligt waren.

– Siehe Depekulation, Finanzschurke, Korbpfennige, Pekulat, Untertunnelung, Verhaltensrisiko.

– Vgl. Statistik 2005 der BaFin (Erstversicherungsunternehmen), S. 17 sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verwahrstelle (depositary):

Im Sinne von § 1 DepotG Einrichtung mit der Hauptfunktion, Wertpapiere entweder

1. in greifbarer Form zu verwahren oder

2. elektronisch aufzuzeichnen und

3. über das Eigentum an den Wertpapieren Buch zu führen (safe-deposit ledger; Verwahrungsbuch nach § 14 DepotG).

– Siehe Aberdepot, Dematerialisierung, Depot, Depotgeschäft, Depotgesetz, Depotunterschlagung, Immobilisierung, Street Name, Verwahrung, Wertpapier-Nebendienstleistungen, Zentralverwahrer, Zwischenverwahrung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verwahrung (custody):

In Bezug auf den Finanzbereich die Lagerung und Verwaltung von im Eigentum Dritter befindlicher Vermögensgegenstände aller Art durch eine hierzu beauftragte Entität (the holding and administration of any kind of assets in the ownership of a third party by an entity entrusted with such tasks).

– Siehe Aberdepot, Dematerialisierung, Depot, Depotbank, Depotgeschäft, Depotgesetz, Omnibus-Konto, Verwahrstelle, Wertpapier-Nebendienstleistungen, Zwischenverwahrung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verwahrungsrisiko (custody risk):

Die Gefahr, dass in Verwahrung bei einem Vermögensverwalter oder bei einer Bank gegebene Vermögensgegenstände durch

1. Vertrauensbruch (betrayal of confidence, breach of trust: das Vertrauen, dass der Verwahrer die notwendigen Fähigkeiten für dieses Geschäft besitzt und im Kundeninteresse handelt, erweist sich als verfehlt)

2. Spionage (espionage: der deutsche Auslandsgeheimdienst [Federal Intelligence Service; Bundesnachrichtendienst] spähte im Frühjahr 2008 Konten deutscher Staatsbürger mit breitem öffentlichem Beifall im angrenzenden Ausland aus),

3. Unachtsamkeit (carelessness, negligence: Handeln ohne die nötige Konzentration und Sorgfalt),

4. Insolvenz oder

5. Betrug (fraudulent action) ganz oder teilweise verlustig gehen.

– Siehe Pasion-Falle, Risikomanagement, Street Name, Vermögensverwalter, Vertrauen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verwaltungsaufwendungen (administrative expenditure):

Bei Banken im Wesentlichen die Posten

1. Sachaufwand,

2. Aufwendungen für externe Dienstleistungen sowie

3. Abschreibungen auf Sachanlagen (property, plant and equipment).

– Die Personalkosten werden in der Regel nicht dem Verwaltungsaufwand zugerechnet.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2006, S. 15 ff. (detaillierte Aufstellungen für deutsche Institute seit 1999), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2008, S. 19 ff. (Fortschreibung) sowie den jeweiligen September-Bericht der Deutschen Bundesbank.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verwaltungsgebühr (management fee; administrative fee):

1 Bei einer Bank die Abgeltung der Kosten, die durch besondere Dienste des Instituts gegenüber dem Kunden entstanden sind, wie etwa bei Trecker-Zertifikaten.

2 Zahlung, die für eine behördliche Massnahme zur Regelung eines Einzelfalls fällig wird, wie etwa bei einer Baugenehmigung (building licence) oder einer Passausstellung (passport issuance).

– Siehe Gebühr.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verwarnung (warning, reprimand):

Mittel der Aufsichtsbehörde in Form einer offen ausgesprochenen Rüge im Falle von minderen Ordnungswidrigkeiten bzw. Fehlverhalten. - Verwarnt werden immer einzelne Personen; was in der Regel dazu führt, dass diese von den internen Aufsichtsorganen (internal supervisory boards: Verwaltungsrat, Aufsichtsrat) abberufen werden. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht kann auch unmittelbar die Abberufung der gerügten Personen verlangen. - Verwarnt wurden in den letzten Jahren in Deutschland vor allem Vorstandmitglieder bzw. Geschäftsführer in Sparkassen und Genossenschaftsbanken.

– Siehe Abberufungs-Verfügung, Bussgeld, Massnahme bei Gefahr, Sachkunde, Sonderprüfung, Zwangsgeld.

– Vgl. den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute", Rubrik "Aufsichtshandeln"; Geschäftsbericht 2009 der Deutschen Bundesbank, S. 108 (Nachweis der fachlichen Eignung der Kontrollorgane eines Instituts), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 43 (wichtiges Urteil zur Verwarnung durch die BaFin).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verwässerung (dilution):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter die Ausgabe neuer Aktien einer Gesellschaft, wodurch der Kurs im Regelfall sinkt (a decrease in the equity position [Wertanteil] of a share because of the issuance of additional shares. Dilution is generally disadvantageous to the position of existing shareholders because it weakens their proportional claim on earnings and assets). In einigen Fällen wurde der Kursrückgang infolge der Emission neuer Aktien durch geschickte Kurspflege seitens der Gesellschaft aufgefangen.

– Siehe Antiverwässerungsklausel, Dividenden-Fonds, Todesspirale, Verwässerungsschutz, Zwangswandelanleihe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verwässerungsrisiko (dilution risk):

Aufsichtsrechtlich definiert als das Risiko, dass sich der Betrag einer angekauften Forderung durch bare oder unbare Ansprüche des Forderungs-Schuldners vermindert; die Forderung mithin weniger werthaltig (carrying less value) ist als ihr bilanzieller Wert.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verwässerungsschutz (anti-dilution):

1 Alle Massnahmen mit dem Zweck, die jetzigen Aktionäre einer Aktiengesellschaft bzw. auch Eigentümer anderer Papiere von einer Verwässerung zu schützen.

2 Im Besonderen bei der Finanzierung einer Geschäftsneugründung (business start-up; Start-up) vertragliche Bedingung des Investors, dass nur mit dessen ausdrücklicher Einwilligung weiteres Kapital aufgebracht werden darf.

– Siehe Antiverwässerungsklausel, Risikokapital, Todesspirale, Verwässerung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verwertung (realisation):

Vor allem in der älteren Finanzsprache der Verkauf einer Sache, um daraus Geld zu erlangen (a sale in order to obtain money), und besonders gesagt in Bezug auf das noch vorhandene Vermögen im Falle einer Insolvenz.

– Siehe Verwertungsrate.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verwertungsrate und Erlösquote (recovery rate):

Wenn nicht anders definiert der Anteil an eingelegtem Geld, den ein Gläubiger bei Insolvenz eines Unternehmens erhält (the amount recovered through foreclosure or bankruptcy procedures in event of a default, expressed as a fraction of face value). - Im Besonderen bei Leveraged Buy-outs gesagt, bei denen vor- und nachrangige Darlehn mit jeweils unterschiedlichem Risiko zum Einsatz kommen.

– Siehe Verwertung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2007, S. 16 f. (Aufriss des Finanzierungsgefüges).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verwertungsüberschuss in älteren Dokumenten auch Hyperocha (securities surplus):

Die vom Darlehnsnehmer gestellte Sicherheit bringt bei allfälliger Verwertung mehr als die von der Bank gewährte Darlehnssumme.

– Siehe Underlying, Unterlegung, Unterpfand, Verwertungsrate.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verwirkungsklausel auch kassatorische Klausel (forteiture clause):

Bei Ratenzahlungs-Verträgen die hier übliche Abrede, dass bei Zahlungsrückstand (Rezess; arrears) auch nur einer einzigen Rate der Restbetrag gesamthaft sofort fällig wird (forfeiture clause in a hire purchase agreement gives the lender [the bank] the right to cancel the contract and to demand the immediate repayment of all liabilities). Verwirkungsklauseln sind häufig gerichtlich angefochten worden. Sie gelten grundsätzlich jedoch als statthaft.

– Siehe Abzahlungsfrist, Covenant, Darlehn, widerrufenes, Default, Downgrade-Trigger-Klausel, Drittfälligkeits-Klausel, Drittverzugs-Klausel, Endfälligkeit, Erstraten-Verzugsklausel, Höchstlaufzeiten, Mindestraten, Mindesteinschuss-Sätze, Verfall, Verzug.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verzehnfacher (ten bagger):

In der Börsensprache von einer Investition gesagt, welche das Zehnfache des Kaufpreises eingebracht hat (an investment which is worth ten times its original purchase price). - Entsprechend spricht man auch von Verdreifacher (three bagger), Verfünffacher (five bagger) usw. (the term "bagger" and was adapted from baseball where "bag" is an informal name for "base", and extra-base hits like doubles, triples etc. are colloquially called two-, three-, or four-baggers).

– Siehe Ertrag, Gewinn, Rendite, Vermögensanlage, Vieleck, magisches.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verzehrgeld (duty on victuals imported; consuming pay; consuming allowance; honorarium):

1 In älteren Dokumenten ein Warenzoll auf eingeführte Lebensmittel, eine Verbrauchsteuer.

2 Ausgaben für die Verpflegung, vor allem bei auswärtiger Verköstigung (eating out); Verpflegungsgeld.

3 Die Erstattung des Arbeitgebers an Beschäftigte, die berufsmässig vom Arbeitsplatz abwesend (auf Dienstreise; away on business, on business travel) sind und sich ausser Haus verpflegen müssen. Im weiteren Sinne - was jedoch auch andere Aufwendungen einschliesst - werden diese Ausgaben auch mit dem steuerrechtlichen Begriff (fiscal law term) Auslagenersatz (reimbursement of out-of-pocket expenses) benannt.

4 Von Veranstaltern bei allen Gästen in gleicher Höhe eingezogener Betrag für in der Regel an einem Büffet (buffet) angebotene Speisen und Getränke.

5 Von Gaststätten und im Besonderen von Gartenlokalen an dort freiwillig auftretende Musiker überreichtes

1. Geld oder

2. ausgehändigter Gutschein (coupon), der für Speisen oder Getränke in dem betreffenden Restaurant in Zahlung gegeben werden kann.

– Siehe Anhebgeld, Detz, Fahrgeld, Musikgeld, Rohrgeld, Saitengeld, Speisergeld, Verpflegungsgeld, Verschongeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verzinsung (interest yield, rate on investment):

Wenn nicht ausdrücklich anders definiert, der (Brutto)Ertrag aus einer Geldanlage; die Abgeltung für Leihkapital.

– Siehe Bonität, Bonitätsklasse, Effektivverzinsung, Konditionen-Spreizung, Minderschätzung künftiger Bedürfnisse, Risikoadjustierung, Schwundgeld, Unfruchtbarkeits-Theorie, Zins(satz), Zinssatz, realer, Zinsverbot, Zinsstruktur.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verzinsung, antizipative auch vorschüssige (anticipative interest yield):

Im Vorhinein wird der Zins für die vereinbarte Periode bezahlt. Im Gegensatz dazu wird bei dekursiver, nachschüssiger Verzinsung (decursive interest yield) die Zahlung des Zinses am Ende der jeweiligen Abrechnungsperiode geleistet.

– Siehe Annuität, Roll-up.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verzinsungsverbot (ban on interest):

Die von der Regierung oder der Zentralbank ausgesprochene Verfügung an die Banken, bestimmten Einlegern keine Zinsen gutzuschreiben. In der Regel ist ein solches Verbot gegen ausländisches heisses Geld gerichtet und wurde um 1972 in vielen europäischen Staaten eingeführt. Gleichzeitig versuchte man, allfällige Umgehungsgeschäfte, wie etwa der Kauf von Immobilien, Aktien - hier wurde teilweise gesetzlich eine Vinkulierung vorgeschrieben -, Gesellschaftsanteilen oder das Engagement in Grundpfandrechten aller Art ausgeschlossen.

– Siehe Negativzins.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verzug in älteren Dokumenten auch Mora und Morosität (delay in payment, arrears):

Eine Pflichtverletzung in einem Darlehnsvertrag, die dann eintritt, wenn der Debitor seinen Zahlungsverpflichtungen gegenüber dem Gläubiger (creditor; Kreditor) nicht nachkommt (a failure to pay financial debts), vgl. § 286 BGB.

– Siehe Arreragen, Ausfall, Ausfall-Verlust, Covenant, Darlehn, widerrufenes, Delinquent, Downgrade-Trigger-Klausel, Default, Drittfälligkeits-Klausel, Drittverzugs-Klausel, Erstraten-Verzugsklausel, Event of Default, Geldvergessliche, Intercreditor Agreement, Liquidant, Probability of Default, Rechnungs-Stapelung, Respiro, Verlust, Verwirkungsklausel, Vorfälligkeitsklausel, wechselseitige, Zahlungsausstand, Zahlungsunfähigkeit, Zinsen, rückständige.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Verzugszinsen (interest for delay, interest on late payments, default interest):

Zinsen, die auf die Zeit vom Fälligkeitstermin einer Position bis zum Tag des Zahlungseingangs (time between the original due date until the date of payment) in Rechnung gestellt werden, wenn der vereinbarte Zahlungszeitpunkt Time of payment) verabsäumt wurde. Nach § 288 BGB ist eine Geldschuld während des Verzugs zu verzinsen. § 497 BGB enthält wichtige Rechtssätze in Bezug auf die Verzugszinsen bei Konsumentenkrediten.

– Siehe Strafgeld, Versäumnisgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vespergeld (vesper bonus):

In älteren Dokumenten eine Zulage (extra pay) an Beschäftigte, die in langer Arbeitszeit bis spätabends (late in the evening) anwesend sein muss¬ten; Vesper = hier: der Spätnachmittag und frühe Abend.

– Siehe Bibalien, Trinkgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Veteranengeld (veteran soldier's aid):

In Deutschland früher aus Reichsmitteln bezahlte monatliche Beihilfe an bedürftige Kriegsteilnehmer der Kriege 1864 gegen Dänemark, 1866 gegen Österreich und die mit ihm verbündeten deutschen Staaten sowie 1870/71 gegen Frankreich.

– Siehe Abzugsgeld, Detraktion.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vetorecht (veto right):

Bei einer Aktiengesellschaft ist es gesetzlich verboten, einzelnen Aktionären gegen Entscheidungen des Vorstands oder Beschlüsse der Hauptversammlung ein Einspruchsrecht einzuräumen, wodurch die entsprechenden Entscheidungen oder Beschlüsse aufgehalten oder gar aufgehoben werden. Wohl darf dem Vorstand nach § 77 AktG bei Stimmengleichheit eine doppelte Stimme übertragen werden (Dirimierungsrecht: decisive vote in case of equality of votes). Auch kann eine Mehrheit der Aktionäre (vetoing stock: the ability to vote for or against corporate matters) entsprechende Macht ausüben. Falsch ist es indessen, dass Vertreter von Banken im Aufsichtsrat (bank representatives in the supervisory board) ein Vetorecht hätten, wiewohl das immer wieder behauptet wird. Dafür gibt es keine gesetzliche Grundlage. Wohl aber behalten sich Institute häufig das vertragliche Recht vor, bei waghalsigen Entscheidungen einen dadurch gefährdeten Kredit sofort fällig zu stellen.

– Siehe Bankenmacht, Elephant, weisser.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Videokonferenz (video conference):

Bei weltweit tätigen Instituten ein seit etwa 2005 ein zunehmend beliebtes Kommunikationsverfahren, das Reisekosten spart und die Umweltbelastung durch Flugzeugnutzung mindert. Die neueren Systeme erzeugen eine "Raum-in-Raum-Umgebung" (present in the room ambiente), die so den Anwesenden den Eindruck einer körperlichen Gegenwart vermitteln. Neben der Kommunikation in Echtzeit ist auch jeder Gesichtsausdruck, jede Geste klar zu erkennen, selbst wenn sich die Teilnehmer in verschiedenen Zeitzonen befinden. Die Aufsichtsbehörden verlangen, dass die entsprechenden Video-Konferenzsysteme abhörsicher sind; verschiedene Anbieter integrieren daher in ihre IT-Netzwerk-Technologie Verschlüsselungssysteme. - Skeptiker indessen glauben beweisen zu können, dass mit dem Aufkommen von Video-Konferenzen die Flüge der reiselustigen Bankmitarbeiter (peripatetic bank employees) eher zugenommen haben.

– Siehe Holzhammerangriff, IT-Risiken.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Viehgeld (livestock due):

Früher eine Abgabe, bemessen nach der Anzahl der Nutztiere, auch Klauensteuer (claw tax) genannt. Ausgenommen vom Viehgeld waren in der Regel Zugtiere (draught animals; Lastvieh), das oftmals eigens besteuert wurde.

– Siehe Detz, Pferdegeld, Quickgeld, Zugtiergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Viehkredit (livestock credit):

1 Landwirten geliehenes Geld, um damit Nutzvieh zu züchten oder einen bereits vorhandenen Bestand zu erweitern.

2 In der älteren Literatur auch Darlehn an kreditwürdige Landwirte, um geeignete Produkte für die ganzjährige Fütterung des Viehs einzulagern. - Bis etwa 1650 musste in Europa das meiste Vieh im Winter wegen Futtermangels geschlachtet werden. Erst dann setzte sich, von Flandern kommend, mit Vermehrfachung der Erträge die Dreifelderwirtschaft (Norfolk-System: Anbaufolge von Korn, Rüben und Klee) durch. Auch Kleinbauern konnten jetzt ihr Vieh durchfüttern, und der bäuerliche Tierfutter-Kredit verlor an Dringlichkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Viehschnittgeld (castration tax):

In älteren Dokumenten die zumeist nach einzelnen Nutztieren untergliederte, behördlich festgesetzte Taxe für den Viehschnitter (cattle castrator), der teilweise davon wieder einen bestimmten Prozentsatz als Abgabe an die Landeskasse abführen musste.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Viehseuchengeld (cattle plague payment):

In älteren Dokumenten eine Beihilfe (financial aid) aus öffentlicher Kasse an Tierhalter, die aufgrund einer Viehseuche (epizootic disease) Nutztiere verloren. Entsprechende landesherrliche Verordnungen regelten im Einzelnen die Schätzung des Einkommensverlustes (loss of earnings) sowie die Zahlungen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vieleck, magisches (magical polygon):

In Bezug auf Anlage-Entscheidungen die Tatsache, dass Magie (Zauberei; magic: an extraordinary power or influence seemingly from a supernatural source) notwendig wäre, um alle Ziele einer Kapitalanlage zu erreichen. In der Wirklichkeit lassen sich

1. ansehnliche Rendite,

2. geringes Risiko,

3. hohe Liquidität,

4. geringe Besteuerung der Erträge,

5. genaue Abstimmung der Fälligkeiten,

6. laufende Marktpreisnotierung und andere Planvorhaben weder bei einem einzelnen Portfolio nach bei einer Kapitalverwaltungsgesellschaft ohne Widersprüche unter ein gemeinsames Dach bringen. In der Praxis kommt es daher in den Anlageausschüssen in aller Regel nicht leicht zu Entscheidungen.

– Siehe Aufklärungspflicht, Derivate-Informa¬tionspflicht, Internet-Foren, Risikobericht, Verzehnfacher, Wiegendruck-Investition.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vignette (vignette, single regional sticker):

Die in Form eines im Voraus zu zahlenden Aufklebers (sticker) verlangte Gebühr von Motorfahrzeugen für die Berechtigung, gewisse Strassen zu befahren.

– Siehe Chausseegeld, Citymaut, Maut, Transitgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Viktualien-Taxe (magisterial price-fixing relating to victuals):

Früher in manchen Städten und Herrschaftsgebieten amtlich festgesetzter Höchstpreis für Lebensmittel. - Wie die Wirtschaftsgeschichte nachweisen kann, lag der so verordnete Preis oft sehr weit über dem Preis an vergleichbaren Orten ohne eine behördliche Preisverordnung. Die Erklärung liegt darin, dass bei niedrigem Preis für die Erzeuger wenig Anreiz besteht, das Angebot auszudehnen.

– Siehe Akzise, Anschreiben, Detz, Impost, Octroi, Ungeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vinkulationsgeschäft (advances relating to rolling goods):

Ein Vorschuss auf Waren (Container), die

1. soeben mit dem Schiff, der Bahn oder dem Camion (lorry; Lastkraftwagen) schon unterwegs sind und

2. die in Kürze angeliefert werden.

– Siehe Lombardierung, Vorratskredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vinkulierung (restricted transferability):

1 Allgemein die Bindung des Rechtes der Übertragung eines Wertpapiers an die Genehmigung des Emittenten.

2 Im Besonderen die Beschränkung der Übergabe von Aktien, in der Regel dadurch, dass der Vorstand der Gesellschaft seine Einwilligung geben muss.

– Siehe Verzinsungsverbot.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Viatikalmarkt (viatical settlement):

Totkranke und meistens auch wirtschaftlich schlecht gestellte Menschen treten ihre Lebensversicherung an eine andere Person bzw. auch an eine gewerbsmässig solche Geschäfte betreibende Firma gegen Bargeld ab (the selling of one's own life insurance policy to another in exchange for an immediate percentage of the death benefit [Sterbegeld: die vertraglich vereinbarte Versicherungsleistung im Todesfall]. The person - or in many cases, professional buyers - purchasing the rights to the policy have high expectation of the imminent decease of the previous owner. The sooner the death of the original policyholder, the higher the profit. - Statistical knowledge about such transactions is poor, and also little is known about the entities that fund the companies acquiring policies of moribund persons). - Die Benennung im Deutschen und Englischen leitet sich von der Praxis in der Katholischen Kirche her, Sterbenskranken die Kommunion gleichsam als Wegzehrung für die Reise in die Ewigkeit zu reichen, lateinisch VIATICUM (the holy Communion as given to a person close to death; it literally means "food for the journey") genannt.

– Siehe Lebensversicherungspolice, überschriebene, Policenbörse, Lebensversicherungs-Policehandel, Versicherungs-Zweitmarkt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vokationsgeld (vocation allowance):

Die kirchenrechtlich verbotene, dennoch aber in Deutschland in früherer Zeit weithin gebräuchliche Zahlung an die Mitglieder eines Gremiums, das für die Besetzung einer freigewordenen Stelle im Pfarramt zuständig war. - In einer rechtlichen Grauzone (legal limbo) bewegte sich die sog. Vokation unter der Schürze. Hier musste sich der Bewerber verpflichten, die Witwe oder Tochter des verstorbenen Amtsvorgängers zu heiraten (appointment to pastorate on condition that the applicant marries the widow or daughter of the deceased office holder). Auch vom fest besoldeten Kirchenmusiker und sogar vom Sigristen (sexton: an official of a church charged with taking care of the edifice and its contents, ringing the bell, etc., and sometimes with burying the dead; Prussian: Küster, Sakristan, Kirchendiener) verlangte man Vokationsgeld oder machte die Berufung in das Amt von der Heirat der Witwe des Vorgängers abhängig. Erst die Einrichtung von Witwen- und Waisenfonds in den meisten Landeskirchen im 18. Jht. liess die Vokation unter der Schürze aussterben.

– Siehe Abtrag, Annaten, Bestechungsgeld, Douceur, Draufgeld, Handgeld, Handschuhgeld, Schmiergeld, Supplikationsgeld, Zuckerguss.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vogtgeld auch Fautgeld und Vogtpfennig (bailiff due, protector due):

In alten Dokumenten eine Abgabe zur Besoldung des Vogts - auch Faut[h] geschrieben = Schirmherr, beaufsichtigender Beamter; lateinischen ADVOCATUS = Anwalt -, zunächst besonders für Schutz und Sicherheit sowie das friedliche Zusammenleben der Hörigen geistlicher Herrschaften zuständig. - Im Einzelnen waren die Aufgaben und Befugnisse des Vogtes je nach Land und Zeitalter unterschiedlich. In vielen Städten gab es auch einen Prachervogt, dem die Beaufsichtigung der Pracher (beggars; Bettler; prachern = zudringlich betteln) oblag.

– Siehe Beisassgeld, Geleitgeld, Satisfaktionsgeld, Schirmgeld, Schutzgeld, Toleranzgeld, Tribut.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Volatilität (volatility):

1 Allgemein das

1. Ausmass und

2. die Häufigkeit auftretender Preisschwankungen eines Vermögensgegenstandes innert eines bestimmten Zeitraums (the amplitude and the frequency of the fluctuations with regard to the price of an asset). Diese spiegelt auf Finanzmärkten die sich ändernden Marktverhältnisse sowie die Erwartungen der Akteure wieder und bestimmt damit letztlich auch das Risiko eines Engagements.

2 Oft auch im Sinne einer nicht den gewöhnlichen Marktbedingungen entsprechenden Preisschwankung von Vermögenswerten gesagt; dann auch Überschussvolatilität (excess volatility) genannt und auf Finanzmärkten in der Regel durch Spekulation, Liquiditätsengpässe oder ein negatives Extremereignis verursacht.

3 Die Schwankungsbreite im Kurs eines bestimmten Wertpapiers, oft als Standardabweichung von einem aus längerer Beobachtung gewonnenen mittleren Kurs berechnet und von manchen Analysten als Risikomass (mit)herangezogen. Allgemein werden mit einer höheren Volatilität eines Anlagegegenstandes aber auch höhere Ertragschancen verbunden.

4 Bei Investitionen das Auf und Ab der entsprechenden Ausgaben, wobei private Investitionen - offenbar durch den Konjunkturzyklus bedingt - deutlich volatiler sind als die staatlichen Investitionen.

5 Die Schwankungsbreite der Produktion im Zeitverlauf (output volatility; Output-Volatilität). Diese ist nachweislich (auch) von der Verfassung der Finanzmärkte abhängig.

– Siehe Aktienmarkt-Volatilität, Bollinger Bänder, Derivategeschäfte-Clearingpflicht, Derivategeschäfte-Meldepflicht, Dominostein-Effekt, Finanzmarkt-Stress, Fundamentalanalyse, Headline-Hysterie, Herdenverhalten, Geldmarkt-Volatilität, Jojo-Aktie, Leverage-Theorie, Margendeckung, Sharpe-Relation, Stabilisierungsfonds, Tracking Error, Varianz, Vertrauen, Vieleck, magisches, Volatilitätsrisiko, Vorschatten-Effekte.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2000, S. 20 ff., Monatsbericht der EZB vom Juli 2003, S. 18 ff., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 61 ff. (sehr ausführliche Darstellung mit wertvollen Übersichten; Literaturhinweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2006, S. 60 ff. (Einfluss von Futures und Derivaten auf die Volatilität), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2006, S. 38 (Unterscheidung von Marktvolatilität und idiosynkratische Volatilität), Monatsbericht der EZB vom Februar 2008, S. 79 ff. (Messung der Volatilität am Geldmarkt; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom März 2008, S. 45 ff. (Volatilität der Aktienkurse angesichts der Subprime-Krise; Übersichten), Jahresbericht 2008 der EZB, S. 51 ff. (Volatilität im Verlauf der Finanzkrise; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2009, S. 16 ff. (Volatilität der Investitionen; Übersichten), S. 35 ff. (Output-Volatilität; Erklärungen, Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Volatilität, implizite (implicit volatility, implied volatility):

Messgrösse für die erwartete Standardabweichung - bezogen in der Regel auf die jahresdurchschnittliche prozentuale Veränderung - von Finanzprodukten allgemein und Optionsprämien im Besonderen. Sie lässt sich im letzteren Fall errechnen aus

1. vertragsmässig festgelegten Grössen (contractual factors: Laufzeit und Ausübungspreis) einerseits und

2. marktabhängiger Grössen (market-related factors: Zinsen und Kassakurs des Basiswertes) andererseits sowie

3. der nicht unmittelbar beobachtbaren)erwarteten Varianz des Basiswertes. Die implizite Volatilität gilt als Mass für die von den Marktteilnehmern erwartete relative Schwankungsbreite des unterliegenden Wertpapiers über die Laufzeit der Option bzw. auch als Indikator für die Unsicherheit der Marktteilnehmer über die kurzfristige Entwicklung an den jeweiligen Finanzmärkten.

– Siehe Erwartungen, Grundstimmung, Option, Volatilitätsprognose, Vorschatten-Effekte, Zinsvolatilität, implizite.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2001, S, 34 ff., Monatsbericht der EZB vom Mai 2002, S. 14 f., Monatsbericht der EZB vom Juli 2003, S. 18 ff., Monatsbericht der EZB vom Dezember 2004, S. 48 f., Jahresbericht 2004 der EZB, S. 34 ff., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 61 ff. (Volatilitätsmuster und deren Erklärung mit Übersichten und Formeln), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2005, S. 30 ff. (mit zahlreichen Vergleichen), Monatsbericht der EZB vom November 2006, S. 43 (Rendite-Abstände von Unternehmens-Anleihen in Abhängigkeit von der impliziten Volatilität), Monatsbericht der EZB vom Februar 2008, S. 80 ff. (Grundsätzliches zur Messgrösse; Grenzen der Aussagefähigkeit; Übersichten), Jahresbericht 2008 der EZB, S. 55 (implizite Volatilität im Verlauf der Finanzkrise; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Volatilitätsprognose (volatility forecast):

Die Abschätzung der zukünftigen Schwankungsbreite eines Finanzinstruments im Allgemeinen und einer Aktie im Besonderen. - In vielen Vorausberechnungen wird auf die künftige Volatilität aus der Schwankungsbreite eines vorhergehenden Zeitraums geschlossen. Wenn aber der Kurs einer bestimmten Aktie stark sinkt, so ist das in aller Regel auch mit einem starken Anstieg der Volatilität verbunden.

– Siehe Informationsblätter für Finanzinstrumente, Modellrisiko, Volatilität, implizite.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 72 ff. (Prognose-Modelle, CMAX-Index), Monatsbericht der EZB vom Juli 2006, S. 26 ff. (S. 29: mathematische Formeln zur Berechnung der Volatilität des Tagesgeldsatzes).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Volatilitätsrisiko (volatility risk):

Als Teil des Marktrisikos die Gefahr, dass ein Vermögensgegenstand von einer starken Preisschwankung nach unten gerade dann erfasst wird, wenn dieser veräussert werden muss, so wie dies im Zuge der Subprime-Krise in grossem Ausmass der Fall war und dann zu teilweise erheblichen Verlusten führte.

– Siehe Abschmelzrisko, Ausfallrisiko, Bonitätsrisiko, Credit-Spread-Risiko, Liquidität, Stress-Test.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Volksbank (peopels bank, co-operative credit bank):

Genossenschaftliche Kreditinstitute in Deutschland. - Die Bezeichnung "Volksbank" oder eine Bezeichnung, in der das Wort "Volksbank" enthalten ist, dürfen in Deutschland grundsätzlich nur Kreditinstitute führen, welche in der Rechtsform einer eingetragenen Genossenschaft betrieben werden und einem entsprechenden Prüfungsverband angehören; siehe § 39, Abs. 2 KWG.

– Siehe Genossenschaftsbanken, Ortsbank, Kreditgenossenschaften, Sparkasse, Verbundinstitute, Verwarnung, Vorschussvereine.

– Vgl. Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 64 f. sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Volkseinkommen (aggregate income, national income):

Häufige Bezugsgrösse auch in der Finanzwelt. Man versteht darunter die Summe der Einkommen, welche gebietsansässige Entitäten als Entschädigung für ihren Beitrag zur Produktionstätigkeit im Wirtschaftsgebiet eines Landes oder in der übrigen Welt erhalten. Die Berechnung geschieht nach international einheitlichen statistischen Erfassungsregeln der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung.

– Siehe Balance of Payments Manual, Bruttoinlandsprodukt, Lohnquote, Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, Sozialprodukt, Swiss Finish, Wertschöpfung.

– Vgl. Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt für ausgewählte Länder der Europäischen Währungsunion im Statistischen Teil des jeweiligen Monatsberichts der Deutschen Bundesbank, Rubrik "Wichtige Wirtschaftsdaten für die Europäische Währungsunion", Unterrubrik "Allgemeine Wirtschaftsindikatoren".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Volkswirtschaft, bankbasierte (bank based-economy, credit-based economy):

In einem Land - manchmal auch auf einen Währungsraum wie die Eurozone bezogen - haben Darlehn der Banken ein sehr hohes Gewicht (bank financing predominates, and companies borrow heavily from banks, whose refinancing needs are in turn covered by the central bank). Die Banken stellen dabei den Kunden eine breite und sichere Finanzierungsgrundlage zur Verfügung. Die Finanzierung über den Kapitalmarkt, wie vor allem durch die Emission von Aktien, tritt demgegenüber zurück.

– Siehe Beziehungsbankgeschäfte, Benutzerfreundlichkeit, Clubbing, Hausbank, McDonaldisation, Ortsbank, Securitisierung, Unternehmensanleihen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, VGR (national accounting):

Die nach einem eigenen Regelwerk erfassten und bewerteten Ströme von Gütern (goods: Waren und Dienstleistungen) in einer Volkswirtschaft bzw. in einem Währungsgebiet. Für die Geldpolitik sind die jeweils erfassten Bestands- und Veränderungsgrössen gesamthaft von grosser Bedeutung, also nicht bloss die ausgewiesenen Finanzkonten.

– Siehe Balance of Payments Manual, Bruttoinlandsprodukt, Lohnquote, Sektorkonten, Sozialprodukt, Volkseinkommen, Wertschöpfung.

– Vgl. das Erfassungs-Muster und die jeweiligen (Quartals)Zahlen im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen für das Euro-Währungsgebiet"; hier auch ausführlich gegliedert in einzelne Konten; Monatsbericht der EZB vom November 2007, S. 84 ff. (die von der EZB veröffentlichte Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung für das Eurogebiet ist nicht gleich der Summe der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung der Euro-Länder), Monatsbericht der EZB vom Februar 2010, S. 103 ff. (Verbesserungen in der statistischen Erfassung und Zuordnung; wichtige Wirtschaftsindikatoren für das Eurogebiet), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2011, S. 20 f. (VGR in den USA), Monatsbericht der EZB vom Januar 2012, S. 57 ff. (neue Systematik der Wirtschaftszweige in der VGR), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2014, S. 60 f. (neue Grundsätze der statistischen Erfassung; Auswirkungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vollgeld (fully reserve-backed money):

Grundsätzlich kann eine Bank in weitem Rahmen Kredite vergeben und damit neues Geld schaffen. Denn ein Darlehn zahlt sie aus, indem sie die entsprechende Summe dem Kunden auf seinem Konto gutschreibt. Der Kunde zahlt mit dem bereitgestellten Betrag Rechnungen und bringt damit dieses Geld, das zuvor nicht gab, in Umlauf. Dieser Vorgang ist die Geldschöpfung der Banken. - Weil diese nun angeblich der hauptsächliche Grund ökonomischer Verwerfungen und Krisen sei, so müsse die Geldschöpfung durch Banken nach Meinung der Vertreter eines Vollgeldsystems untersagt werde. Diesen Vorschlägen zufolge darf nur noch eine einzige Stelle, nämlich die Zentralbank, Geld schöpfen. Die Banken müssen diesen Forderungen zufolge ganz einfach alle Kredite, die sie einräumen, zu hundert Prozent mit Zentralbankgeld decken; die Zentralbank also eine Mindestreserve vom hundert Prozent festsetzen. Nach den Befürwortern dieser radikalen Umgestaltung des Geldwesens sind damit nur Vorteile verbunden, die in der entsprechenden Literatur gebetsmühlenartig wiederholt werden (vor allem werden genannt

1. much better control of abrupt increases and contractions of bank credit and, by this, of the supply of bank-created money, which is assumed to be the major source of business cycle fluctuations;

2. complete exclusion of bank runs;

3. reduction of the public debt on a dramatic scale;

4. massive decline of private debt and last not least

5. an inflation rate of zero).

– Indessen bleibt die Frage letztlich immer unbeantwortet, ob in einem Vollgeldsystem vorteilhafter, also mit einem höheren Grad an Sicherheit als bei der Kreditvergabe jetzt, darüber entschieden wird, dass Geld als Anspruch auf knappe Ressourcen in die beste Verwendung fliesst, sprich: dem "besten Wirt" (to the most favourable allocation of resources) zugeteilt wird. Bedauerlicherweise sind die Überlegungen zum Vollgeld schon sehr nahe an einen Glaubenskrieg gekommen - mit allen einen solchen kennzeichnenden unschönen Begleitumständen. Das macht es schwer, einzelne Gedanken aus dem Vollgeldsystem - etwa: nach bestimmten Gesichtspunkten gestaffelte Mindestreserve-Sätze für Kredite der Banken - sachlich zu erörtern.

– Siehe Banking Theorie, Chicago-Plan, Currency Theorie, Free Banking, Geld, privates, Geldsystem, Parallelwährung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vollkostendeckung (full cost calculation):

In Zusammenhang mit Leistungen der Zentralbank: diese sind zu Preisen abzugeben, welche der Kalkulation eines gewinnorientierten Unternehmens in allem entspricht. Für das Zentralbanksystem der USA - den zwölf Federal Reserve Banks - durch die Monetary Control Act aus dem Jahr 1980 vorgeschrieben und durch verschiedene Ausführungsbestimmungen im Einzelnen festgelegt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vollzuteilung (full allotment):

Eine Zentralbank bedient die Banken zum herrschenden Zinssatz mit jeder gewünschten Menge Liquidität, ausreichende Sicherheiten vorausgesetzt. - Im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise schlug die EZB diese Politik zeitweise ein, um den völlig ausgetrockneten Interbankenmarkt zu beleben und das Finanzsystem dadurch zu kräftigen. Über Mengentender reichte sie den Banken die gewünschte Menge an Zentralbankgeld aus (allotted liquidity by means of volume tender).

– Siehe Cleaning up after, Quantitative Easing, Zwölfmonatstender.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2011, S. 21 f (Vollzuteilung bei den Refinanzierungsgeschäften der EZB wird beibehalten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vorabprüfung (vetting):

1 Die geflissentliche, gründliche Erforschung aller Umstände eines Engagements auf dem Finanzmarkt, ehe man eine Entscheidung trifft (the foregoing systematic and thoroughgoing evaluation of an investment opportunity; the result of the findings will decide whether the engagement is done nor not).

2 Das Beschaffen und Bewerten von Auskünften über eine Person, ehe diese eine wichtige Position in einem Institut - und in einem Unternehmen allgemein - übernimmt (collection of information regarding a high-rank person in an institute prior to a hiring. Malicious tongues claim that in the Teutonie this is done chiefly in the milieu of golf clubs, duelling fraternities and high-class call girls resp. call boys. Accordingly, this would be mirrored in the composition of the management boards of the Teutonic banking, and undoubtedly a main reason for the poor image of this branch. Whether that is true?).

– Siehe Banker, Hot Spot, New Hire, Lemon, Low Performer, Peter-Regel, Totholz, Underperformer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Voranschlag, niedrig gehaltener (too low calculated estimate of costs):

Bereits in alten Dokumenten häufig beklagte (frequently lamented) und vor allem in der Baubranche nicht seltene List, besonders im privaten Wohnungsbau (private housing). Es werden dabei die tatsächlichen Ausgaben für das geplante Bauwerk zwecks Auftragserteilung sehr niedrig angesetzt. Erst nach und nach, während der Bauausführung (during the execution of construction work), kommen die dazugehörigen sachlich notwendigen Ausgaben (factual necessary expenditures) zutage. Weil die entsprechenden Verträge für private Bauherrn (for private builders) oft undurchsichtig sind, so ist die Rechtsverfolgung (prosecution: the institution and carrying on of legal proceedings against the construction firm) dieser Taktik bis heute sehr schwierig geblieben. Indessen haben mittlerweile kreditgewährende Banken und auch Bausparkassen besonderes Augenmerk (devote particular attention) darauf, dass die tatsächlichen Baukosten wirklichkeitsentsprechend angegeben werden, um die Insolvenz des Kreditnehmers und damit für das Institut das Risiko des Verlustes niedrig zu halten.

– Siehe Bauabschluss-Kreditzusage, Baufortschritts-Kredit, Bauinvestitionen, Bauvollendung-Versicherung, Betongold, Immobilienkredit-Beschränkung, Wohneigentum, Wohnungsbaukredit, Zementgold.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vorauswahl (pre-qualification):

Bankbetrieblich im Retailgeschäft die Prüfung der von einem Antragsteller vorgelegten Unterlagen durch einen Kreditsachbearbeiter. Bei persönlichem Erscheinen ist dies oft auch schon verbunden mit einer freibleibenden Stellungnahme des Sachbearbeiters (in retail finance it means that a loan officer has taken some information from the borrower, and made a tentative decision, but not verified any of it).

– Siehe Front Loading Fee, Scoring, Übermut.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vorauszahlung und Vorausbezahlung (advance payment):

1 Allgemein die Erfüllung einer Geldforderung vor dem vertraglich vereinbarten Termin (any type of payment that is made ahead of its regular schedule; such payments are sometimes required by sellers as protection against non-payment).

2 Vom Finanzamt verfügte Vorausleistung auf die vermutliche anstehende Steuerschuld, also ehe die im endgültigen Steuerbescheid (final tax assessement) festgesetzte Zahlung gesamthaft wirksam wird (periodic advance payment of taxes which are based upon the amount of revenue earned and the sum of estimated tax liability that will be incurred as a result).

– Siehe Angeld, Anzahlung, Pränumeration, Vorschuss, Zahlung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vorempfang auch Erbvor[be]zug (advancement):

Geld oder Vermögenswerte, die ein Erblasser im Vorgriff auf eine testamentarisch verfügte Hinterlassenschaft bereits zu Lebzeiten an Erben überträgt (money or property given to heirs by the deceased before death and intended as an advance against the beneficiary's share in the testament).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vorauszahlungsrisiko (prepayment risk):

Bei einer Bank der mögliche Fall, dass, ein Kreditnehmer sein Darlehn vor dem vereinbarten Fälligkeitstermin zurückzahlt (the risk to a bank that part or all of the principal of a loan will be paid prior to the scheduled maturity). Dies schafft für das Institut ein Risiko in der termingenauen Liquiditätsplanung. (cash planning).

– Siehe Abruffrist, Balance Reporting, Barmittelquote, Call, Cash-Management, Downside Risk, Festlaufzeit, Finanzierungsregel, goldene, Finanzplanung, Liquiditäts-Ablaufbilanz, Matching, Pränumerationsvorbehalt, Rückzahlung, vorzeitige, Terminrisiko, Vorfälligkeits-Entschädigung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vorbenachrichtigung (prenotification):

Die Mitteilung eines Gläubigers an den Schuldner, wann ein genau bezeichneter Betrag zur Zahlung ansteht (the advance announcement provided by the creditor to the debtor as regards the amount of the next payment and the date of collection). Üblich sind solche Benachrichtigungen vor allem im Zuge der Steuerbescheide (tax assessment notes) der Finanzbehörden sowie bei den Versorgern von Strom und Gas, die fällig werdende Beträge im Lastschriftverfahren einziehen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vorfälligkeits-Entschädigung und Vorfälligkeitsentschädigung (prepayment penalty, acceleration fee):

Von Banken berechnete Gebühr, wenn ein Kreditvertrag vor Ablauf der vereinbarten Laufzeit gekündigt wird (a fee assessed by a bank on a debtor who repays all or part of the principal of a loan before it is due). - Die vorzeitige Kündigung kann der Bank einen Refinanzierungsverlust und ein Zinsmargenschaden bringen. Das Institut muss sich über die Laufzeit des Darlehns am Markt refinanzieren. Hat der Kunde sein Darlehn etwa über zehn Jahre fest zu fünf Prozent abgeschlossen, und hat sich die Bank zu vier Prozent refinanziert, so erleidet die Bank einen Verlust, wenn sie das Geld aus der vorzeitigen Kündigung jetzt lediglich zu einem niedrigeren Zinssatz anlegen kann, im Beispiel vielleicht bloss zu drei Prozent.

– Siehe Aufhebungsentgelt, Bankgebühren, Deduktion, Entgelt, Festlaufzeit, Kostenvorausbelastung, Pränumerationsvorbehalt, Sperrkonto, Strafzins, Überziehungsentgelt, Umschuldungs-Blase, Vorauszahlungsrisiko, Zwischenzins.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 63 (zur Rechtslage und zu Beschwerden), Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 75 (detaillierte Berechnung), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 194 (Abgrenzung zum Aufhebungsentgelt) und den jeweiligen Jahresbericht der BaFin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vorfälligkeitsklausel (acceleration clause):

Vorbehalt der sofortigen Fälligstellung (immediate maturity) eines Betrags, sobald bestimmte, vertraglich festgelegte Umstände eingetreten bzw. nicht erfüllt sind (clause causing immediate repayment of a debt, if specified events occur or are not met).

– Siehe Call, Darlehn, widerrufenes, Drittfälligkeits-Klausel, Downgrade-Trigger-Klausel, Drittverzugs-Klausel, Erstraten-Verzugsklausel, Event of Default, Kreditsperre, Verwirkungsklausel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vorfälligkeitsklausel, wechselseitige (cross-acceleration clause):

Ein Versäumnis in den Zahlungsverpflichtungen bei einer Forderung zieht automatisch und sofort

1. die Rückzahlungsverpflichtung des gesamten Betrags dieser Forderung (if one loan payment is late, the loan is considered to be in default, thereby making all outstanding payments due and payable at once) wie auch

2. sämtlicher anderen Forderungen des Gläubigers nach sich.

– Siehe Covenant, Default, Downgrade-Trigger-Klausel, Drittfälligkeits-Klausel, Drittverzugs-Klausel, Erstraten-Verzugsklausel, Intercreditor Agreement, Probability of Default, Verwirkungsklausel, Vorfälligkeitsklausel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vorgeschichte, komplexe finanztechnische (complex financial history):

Begriff aus dem Prospektrecht der EU. Eine solche ist beispielsweise gegeben, wenn eine Konzernzentrale eine Anleihe begibt; der Emittent selbst aber keine operativen Geschäfte betreibt, sondern diese in den formalrechtlich eigenständigen (independent as to legal form) Tochtergesellschaften stattfindet. In diesen Fällen ist die Finanzlage des Emittenten so eng mit der anderer Gesellschaften verbunden, dass ohne genauere Informationen über diese Firmen ein Anleger sich kein ein gesichertes Urteil über die Finanzlage und die Zukunftsaussichten des Emittenten bilden kann. Das Prospektrecht schreibt daher vor, dass solche geschäftlichen Umstände genau anzugeben sind, um eine klare Durchsichtigkeit auch der organisatorischen Verkettungen zu gewährleisten.

– Siehe Prospekt-Rechtssetzung der EU.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 33 f. (Erläuterung der bezüglichen Verordnung der EU vom März 2007).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vorgriff (anticipating expenditure):

Im öffentlichen Haushaltsrecht Ausgaben, die jetzt getätigt werden (müssen, etwa bei Katastrophenhilfe; desaster relief, civil protection assistance), aber augenblicklich, in dieser Rechnungsperiode, noch nicht parlamentarisch bewilligt (approved by Parliament) sind.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vorhandelstransparenz (pre-trade transparency):

Durch die Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente (MiFID) für die EU einheitlich festgelegte Veröffentlichungspflichten für Börsen und andere Handelsplattformen. Im Wesentlichen handelt es sich darum, regelmässig die aktuellen Geld- und Briefkurse von im regulierten Markt gehandelten Aktien und Aktien-Zertifikaten sowie die Tiefe der Handelspositionen zu diesen Kursen zu veröffentlichen (§ 31g WpHG). Auch systematische Internalisierer müssen in bestimmtem Rahmen für die von ihnen angebotenen Papiere verbindliche Kursofferten (quotes) bekanntmachen (§ 32a WpHG).

– Siehe Nachhandelstransparenz.

– Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 59 f. (Ausnahmen von der Vorhandelstransparenz; Probleme eines einheitlichen europäischen Verfahrens) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Internationales".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vorhersagen (forward-looking statements):

Allgemein jederart Stellungnahme eines Unternehmens zu geschäftlichen Ereignissen, die sich nicht auf gegenwärtige oder vergangene Tatsachen gründet (opinions expressed which do not relate to past or existing facts). - In den USA müssen börsennotierte Unternehmen auf Risiken und Unsicherheiten hinweisen, wenn sie in der Öffentlichkeit über die zukünftige Geschäftsentwicklung berichten. Diese Vorschrift gilt auch für Gesellschaften, die ihren Sitz in einem anderen Staat haben, deren Aktien jedoch an US-amerikanischen Börsen gehandelt werden. Im Besonderen verlangt die Aufsichtsbehörde dies bei allen Sätzen, die "believes", "anticipates", "expects", "intends" oder ähnliche Wörter bzw. deren Verneinung in der Satzaussage enthalten. - In den Verlautbarungen - vor allem: Aktionärsbriefen - und Geschäftsberichten deutscher Sprache schreibt die amerikanische Aufsichtsbehörde für jede an US-Börsen notierte Gesellschaft vor, dass alle Aussagen in Bezug auf den Geschäftsverlauf, welche

1. "glaubt", "erwartet", "kann", "wird", "wird weiterhin", "sollte", "würde sein", "versucht", "rechnet mit" und

2. ähnliche Ausdrücke

3. samt deren Verneinungen enthalten, in jedem Fall mit einem ausführlichen und sprachlich eindeutigen Hinweis auf entsprechende Risiken und Unsicherheiten zu begleiten sind.

– Siehe Ad-hoc-Mitteilung, Aktionärsbrief, Angaben, verschleierte, Aussagen, zukunftsgerichtete, Darstellung, glaubwürdige, Entscheidungsnützlichkeit, Informations-Überladung, Klartext, Management Commentary, Publizität, situationsbezogene, Sarbanes-Oxley-Act, Substance-over-Form-Grundsatz, Verlust-Tarnung, Verständlichkeit, Wachstumsprognose, Zuverlässigkeit, Zweckdienlichkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vorhersagetauglichkeit (predictive value):

In Bezug auf den Finanzmarkt die Brauchbarkeit, die sachdienliche Eignung bestimmter Grössen, als Anzeichen für erwartete Änderungen auf dem Markt zu dienen.

– Siehe Astro-Prognose, Behavioural Finance, Charts, Deuteroskopie, Finanzpsychologie, Modelle, geldpolitische, Sparsamkeitsregel, Vorschatten-Effekte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vorlage (special fixed term loan):

Besonders in Österreich Bezeichnung für ein einmaliges Darlehn an Privathaushalte oder kleine Firmen mit fester Laufzeit - in der Regel bis höchstens sechs Monate - und einem festen Zinssatz.

– Siehe Akkommodierung, Blankokredit, Dispositionskredit, Laufzeitgeld, Personalkredit, Privatkredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vorlaufindikatoren (forward indicators, upstream indicators):

Kennzahlen, in denen sich der künftige Verlauf der Wirtschaft abzeichnet. Im Rahmen des Zwei-Säulen-Prinzips werden diese bei der EZB auf verschiedene Weise bei ihren Massnahmen berücksichtigt.

– Siehe Bank Landung Survey, Economic Sentiment Indicator, Erhebung fachlicher Prognostiker, Euro-Breakup-Index, Inflationsrate, erwartete, Kreditvergabe-Verhalten, Konjunkturdiagnose, Krisen-Vorschatten, Stimmungs-Indikatoren.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vorlegepflicht (submitting requirement):

Wenn nicht anders definiert das Recht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, gemäss § 55c VAG sich von Versicherungen deren für die Geschäftsleitung erstellten Risiko- und Revisionsberichte vorlegen zu lassen.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 75 f. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vor-Ort-Prüfung (on-site inspections, supervisory review process, SRP):

Die Kontrolle der Geschäfte eines Instituts durch die Aufsichtsbehörde mit dem Ziel, die Einhaltung der Bestimmungen über das Risikomanagement zu überwachen; nach Basel-II verpflichtend. In Deutschland ist die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht in bestimmten Verdachtsfällen zu einer Vor-Ort-Prüfung befugt und nimmt diese Berechtigung auch selbst oder durch von ihr beauftragte Wirtschaftsprüfer wahr.

– Siehe Abschlussprüfungs-Richtlinie, Aufsichtshandeln, Bankenaufsicht, europäische, Zwölf-Felder-Risikomatrix.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 67, S. 74 f. (Ergebnisse der Risikoklassifizierung), S. 113 (die BaFin kann festlegen, welche Prüfungsgegenstände bei der Jahresabschlussprüfung besonders zu berücksichtigen sind), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 97 f. (Bestimmung der Prüfungen anhand der Risikoklassifizierung), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 56 (Anforderungen an das Risiko-Management), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 100 f. (Anzahl der Prüfungen; Verteilung nach Risikoklassen), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 131 (Prüfungen bei Versicherungen erfolgten aufgrund der Ergebnisse der Risikoklassifizierung sowie der bisherigen Prüfungshäufigkeit) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht übe Versicherungsunternehmen und Pensionsfonds", Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2007, S. 57 ff. (Darlegung der Verfahren zur bankinternen Risiko-Steuerung), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 100 f., S. 142 ff. (getätigte und vorgesehene Prüfungen; Ergebnisbericht), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 107 (Übersicht der getätigten 63 Prüfungen), S. 161 ff. (ausführliche Darlegungen zu den Prüfungen) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Versicherungsunternehmen und Pensionsfonds" sowie Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute", Rubrik "Aufsichtshandeln".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vorrangregel, unbedingte (absolute pirority rule):

Vertraglich vereinbarte Bestimmung, nach der bei allfälligem Konkurs bevorzugte Gläubiger vor allen anderen bedient werden müssen (bankruptcy rule that allows for senior creditors to be paid completely before any junior creditors or other claimholders collect payments).

– Siehe Adressenauffallrisiko, Bankrott, Bewertungsergebnis, Crash, Debitmasse, Einzug, Existenzminimum, Geldeintreibung, Insolvenz, Intercreditor Agreement, Krida, Liquiditätskrisenplan, Lokations-Urteil, Manifestierung, Notlage, finanzielle, Rettungsbeihilfe, Sanierung, Verlustteilungsregelung, Wasserfall-Prinzip, Zahlungsunfähigkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vorratsaktien (holdings of corporation's own shares):

Wenn nicht anders definiert Aktien im Eigenbesitz einer Aktiengesellschaft.

– Siehe Aktie, Aktienrückkauf, Kurspflege.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vorratskredit (inventory loan, credit for the purpose of carrying a stock of goods; forward loan):

1 Einem Unternehmen gewährtes Darlehen mit dem Zweck,

1. Rohstoffe zu kaufen und zu lagern (inventories of raw materials) oder

2. das Fertigwarenlager (goods for sale) zu finanzieren.

2 Darlehnsvertrag, heute mit einer Bank in seinen Bedingungen festgelegt und rechtlich zum Abschluss gebracht. Das Geld wird jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt abgerufen. Zweck (practical effect) einer solchen Vorgangsweise ist es, sich Kreditkonditionen für die Zukunft zu sichern. Dies gilt vor allem dann, wenn Erwartungen auf steigende Zinsen oder eine Kreditklemme vorherrschen.

– Siehe Abrufrisiko, Deal, Downside Risk, Terminrisiko, Vinkulationsgeschäft.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2011, S. 42 ff. (Zunahme der Finanzialisierung; damit verbundene Risiken; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vorratsveränderungen (stock changes):

Wegen ihrer Bedeutung für die Konjunkturzyklen sind Verringerungen und Erhöhungen der Läger in einer Volkswirtschaft auch für die Geld¬politik wichtig. Die EZB beobachtet diese im Rahmen des Zwei-Säulen-Prinzips und weist diese im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Preise, Produktion, Nachfrage und Arbeitsmärkte", Unterrubrik "Verwendung des Bruttoinlandsprodukts" im jeweiligen Monatsbericht aus.

– Siehe Lagerinvestitionen, Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juni 2003, S. 59 f. (zur Berechnung), Monatsbericht der EZB vom Juni 2007, S. 72 ff. (Vorratsveränderungen seit 1998; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Mai 2012, S. 72 ff. (Lagerhaltung im Konjunkturzyklus; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom März 2013, S. 71 ff. (Lagerzyklen seit 2004; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vorschatten-Effekte auch Wirkungsvorwegnahmen (anticipative actions, leads):

Unternehmen und Privathaushalte richten sich bereits jetzt

1. an rechtlichen Bestimmungen aus, die lediglich angekündigt wurden bzw.

2. beziehen in ihre heutigen Entscheidungen Vorgänge und Abläufe - wie etwa die Überalterung oder eine hohe Staatsverschuldung - ein, deren Eintreten und Zustandekommen erwartet wird. So handelten Banken bei der Kreditvergabe weithin schon nach dem Regelwerk Basel-II, noch ehe dieses aufsichtsrechtlich verpflichtend (compulsory by prudential standards) wurde.

– Siehe Behavioural Finance, Erwartungen, Staatsverschuldung, konsummindernde, Stimmungs-Umschwung, Vorhersagetauglichkeit, Vorwirkung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2007, S. 72 (Vorschatten-Effekte beim Arbeitslosengeld).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vorschläge, offene (open innovation):

In Bezug auf den Finanzsektor allgemein und Banken im Besonderen Hinweise und Anregungen der Kunden zur Verbesserung der Dienstleistungen. Entsprechende Bemühungen werden häufig durch öffentliche Ausschreibung angeregt und mit dem Angebot einer Belohnung für eingereichte Empfehlungen verbunden. - Das Mittel der Open Innovation - so oft auch in der deutschen Fachliteratur bezeichnet - ergänzt in vielfältiger Weise das innerbetriebliche Vorschlagswesen und hat sowohl im Bereich der Konsumgüterherstellung als auch bei der Produktion von Investitionsgütern teilweise beachtliche Erfolge gebracht. - Bei Instituten in Deutschland wird dies freilich nach vielfacher Erfahrung bis anhin kaum genutzt. Denn hier weiss nämlich im Regelfall ja die Geschäftsleitung immer am allerbesten, was für die Kundschaft gut ist. Selbst auch Verbesserungsvorschläge der Mitarbeiter gelten vielenorts als Papierkorbfüller (material predestined for the waste-paper basket).

– Siehe Bankbeamter, Behördenmanagement, bankliches, High Potential, Innovation, Kundennähe, McDonaldisation, Peter-Regel, Schalterhalle, Talentknappheit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vorschuss in der älteren Literatur auch Antizipation und Disborso (payment in advance, cash-advance):

1 Gelddarlehen im Sinne des § 488 BGB.

2 Als Vorausleistung in Erwartung auf eine eigene, noch nicht fällige Verbindlichkeit geleistete Zahlung. Hier liegt mangels vereinbarter Rückerstattungspflicht grundsätzlich kein Darlehensvertrag und damit auch kein erlaubnispflichtiges Kreditgeschäft vor. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hat dazu ein Merkblatt veröffentlicht, in dem näher erläutert wird, wann ein Vorschuss zu einem Darlehn wird.

– Siehe Abschlag, Angeld, Pränumeration, Vorauszahlung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vorschusskasse (credit association; advance checkout; child benefit fund):

1 Früher in der Regel auf genossenschaftlicher Basis arbeitende Vereine (corporative credit associations; Vorschussvereine) und später Institute, die Landwirten und kleineren Gewerbetreibenden ein Darlehn gewährten.

2 Früher besondere Abteilung einer Bank, bei der vor allem Bauern und Handwerker gegen die Verpfändung - in alten Dokumenten auch Impignoration genannt - von Waren oder Forderungen ein Darlehn erlangen konnten. Manchmal wurde die betreffende Abteilung bankbetrieblich auch Kreditkasse genannt.

3 Heute bei den Jugendämtern eingerichteter Fonds, aus dem vorübergehend Kindergeld ausbezahlt wird, bis der nach Gesetz Zahlungspflichtige seine Leistungen erbringt.

– Siehe Darlehn, gedecktes, Mobiliarkredit, Realkredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vorschussvereine (corporative credit associations):

In Deutschland ab 1850 entstandene genossenschaftliche (d. h. auf dem Grundsatz der Selbsthilfe organisierte) Kreditinstitute, die in der Regel an Gewerbetreibende vor allem Wechselkredite auf drei Monate gewährten. Sie gelten als die Wiege der späteren Volksbanken.

– Siehe Beamtenvereine, Genossenschaftsbanken, Kreditgenossenschaften, Vorschusskasse.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vorsichtsmotiv (precautionary motive):

In der älteren Literatur sehr breit dargelegte und oft kontrovers geführte Erörterungen darüber, ob und bis zu welcher Grenze Privathaushalte über den notwendigen Bestand hinaus Bargeld (contingency fund: cash held for unexpected situations) halten, um

1. allfällig auftretenden günstigen Möglichkeiten (contingencies: money for incidental expenses, pin money) und

1. nicht vorhersehbaren Belastungen (unexpected outflows of money) gegenüber gewappnet zu sein. Die ganze Thematik gilt heute als überholt, weil inzwischen Karten die Möglichkeit bieten, im Falle besonderer Gelegenheiten unbar etwas zu kaufen bzw. unvorhergesehene Ausgaben abzufedern.

– Siehe Einkommensmotiv, Liquiditätspräferenz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vorsichtsprinzip (caution principle; prudence principle, principle of conservatism):

1 Für die Rechnungslegung nach HGB (German Code of Commerce) grundlegender Richtsatz, in § 252 HGB ausgedrückt. Dieser verlangt im Besonderen auch, dass alle Risiken zu berücksichtigen sind. Gewinne dürfen dann nur angerechnet werden, wenn die Gutschrift durch eine entsprechende Zahlung erfolgt ist.

2 Nach GAAP schwächer ausgedrückt: bei zwei als gleich wahrscheinlich erwarteten Geldzuflüssen soll der ungünstigere gewählt werden.

– Siehe Bewertung, Carrying Amount, Fair Value, Marktwert, Option, Verkehrswert, Wertminderungsaufwand.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vorsichtssparen (caution savings):

Dispositionen eines Privathaushalts hinsichtlich des langfristigen (noncurrent) Konsumverzichts unter Berücksichtigung vor allem auch allfälligen Unterbruchs des Einkommensbezugs (unemployment; Arbeitslosigkeit) und der zu erwartenden Einkommensminderungen im Ruhestand.

– Siehe Sparsamkeit, Sparwut.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2004, S. 25, S. 28 f. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vorstandsbezüge (chief executive officer's [CEOs] compensation):

Die Forderung an die Aufsichtsbehörden, Bezüge der Bankvorstände auf ihre Angemessenheit hin zu prüfen, wurde bis anhin von diesen abgelehnt, weil dafür die durch Gesetz vorgeschriebenen Kontrollorgane einer Bank (supervisory bodies: Aufsichtsrat, Verwaltungsrat) zuständig sind, und diese die Verantwortung hierfür tragen. - In Deutschland hielt man allzu üppiges Salär an leitende Mitarbeiter durch ein im August 2009 in Kraft getretenes Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung (VorstAG) in Schranken. Im Vorfeld wurden die Befürchtung laut, dass manche Bank durch dieses Gesetz Vorstände verlieren würde. Allein es ist zu fragen, ob ein Institut die richtigen Kaderleute besitzt, wenn es von einer solchen Abwanderungsgefahr (exodus of members of the executive board) ausgehen muss. In dem zu Jahresbeginn 2011 in Kraft getretenen Restrukturierungsgesetz wurde schliesslich die Vergütung für alle Mitarbeiter eines Instituts, also nicht bloss für Vorstände, auf fünfhunderttausend Euro pro Jahr begrenzt.

– Siehe Aktien-Optionen, Bankaktionärs-Interesse, Bankenverstaatlichung, Bonus, Gratifikation, Hands-on-Prinzip, Handschlag, goldener, Hurdle-Rate, Instituts-Vergütungsordung Managementbezüge, missbräuchliche, Sachkunde, Vorauswahl.

– Vgl. Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 132 ff. (Grundsätzliches und Besonderes zu Vergütungssystemen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vorteil (profit):

In der älteren Finanzsprache auch im Sinne des Gewinns aus einem Geschäft gesagt.

– Siehe Erfolg, Ergebnis, Rebbes, Rendite, Verlust.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vorteilhaftigkeit (profitability):

In der Finanzsprache gesagt von den vorausberechneten Gewinnaussichten aus einer Transaktion, insbesondere bei der Beteiligung an einer längerfristigen Investition (the calculated amount of expected profit received relative to the amount invested, often measured by a rate of profit or rate of return on investment).

– Siehe Erwartungen, Gewinn, Vorteil.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vorverteilung (frontloading):

Die Ausgabe von und Münzen an bestimmte Zielgruppen (professional firms: Banken, Handelsunternehmen, Geldtransportfirmen, Automaten-Betreiber) bereits vor dem Einführungstermin des EUR am 1. Jänner 2002.

– Siehe Euro, Frontloading.

– Vgl. Jahresbericht 2000 der EZB, S. 145 f. sowie Monatsbericht der EZB vom Mai 2002, S. 75 f. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vorwirkung (lead; lead = here: position taken in advance):

In Bezug auf das Aufsichtsrecht (supervisory regulations) die empirisch nachweisbare Tatsache, dass Institute sich an neue regulatorische Anforderungen anpassen, noch ehe diese ausdrücklich in Kraft gesetzt werden. - Ähnliche Wirkungs-Vorwegnahmen sind auch auf anderen Gebieten der Wirtschaft zu beobachten. So waren beispielsweise Ankündigungen hinsichtlich gesetzgeberischer Massnahmen gegen Fahrzeuge mit zu hohem Schadstoffausstoss (exhaust emission) das Signal für die Autohersteller, den späteren Anforderungen entsprechende Fahrzeuge zu bauen.

– Siehe Banana Skins Survey, Basel-III, Overkill, regulatorischer, Regulierung, Regulierungswut, Straitjacking, Überregulierung, Vorschatten-Effekte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vorzeigung (presentation):

In der älteren Finanzsprache die Präsentation einer fälligen Schuldurkunde und insbes. eines Wechsels mit der Aufforderung an den Schuldner, den entsprechenden Betrag zu bezahlen.

– Siehe Einzug, Existenzminimum, Fälligkeit, Geldeintreibung, Inkassogeschäft, Kassetierung, Zahlung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vostrokonto (vostro account):

Verbindlichkeiten einer Bank, herrührend aus einem Konto, das für ein auswärtiges Institut geführt wird.

– Siehe Lorokonto.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Vulture Fund (so oft im Deutschen gesagt, manchmal auch [Aas]Geierfonds):

Kapitalverwaltungsgesellschaft mit dem Zweck, die Schulden angeschlagener Unternehmen anzukaufen (an investment fund that buys the debt of companies in difficulty). Dadurch möchte man Kontrollrechte an diesen Unternehmen gewinnen, entweder um

1. die Firmen zu übernehmen,

2. sie vor allem an Konkurrenten im In- und Ausland zu veräussern oder

3. zu liquidieren.

– Siehe Asset Sales Deal, Ausschlachten, Bankenregulierungs-Paradoxon, Burn-Out Turnaround, Finanzinvestor, Go-go-Fonds, Hedge-Fonds, Heuschrecken, Leveraged Buy-out, Londoner Verfahren, Management Buyin, Notlage, finanzielle, Opportunity-Fonds, Private-Equity-Funds, Renditejagd, Risikokapital, Sanierung, Termsheet, Trade Sale, Venture Fund, Window on Technology, Zahlungsunfähigkeit.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Dezember 2006, S. 45 f. (Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen