Versicherungsoptimierer.net - Finanzlexikon - T

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Taadil (taadil, market fee):

In älteren Dokumenten eine Abgabe, die Kaufleute beim Feilbieten von Waren im ehemaligen türkischen Herrschaftsgebiet zu entrichten hatten (a market charge for merchants in the former Turkish territory).

– Siehe Marktgeld, Messegeld, Standgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tachetgeld (clay-extraction fee):

Früher eine Abgabe, die beim Abbau von Tachet (= Töpfererde, Ton; clay: a natural earthy substance that is malleable when wet, and used typically for making bricks, pottery, stoneware and ceramics) zu entrichten war.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tael:

Traditionelles chinesisches Gewichtsmass für Edelmetalle, im asiatischen Raum auch heute noch teilweise verbreitet. 1 Tael = 37,429 Gramm; handelsüblich sind Bullions (ingots, bars; Barren) von 1 und 5 Tael.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tafelgeld (call money; table benefits):

1 Ältere Bezeichnung für die täglich fälligen Einlagen bei einer Bank, vgl. diese ausgewiesen im Anhang "Statistik des Euro-Währungs¬gebiets", Rubrik "Finanzkonten und nichtfinanzielle Konten", Unterrubrik "Wichtige Forderungen der nichtfinanziellen Sektoren" im jeweiligen Monatsbericht der EZB.

2 Frühere Zwangsabgabe zur Verköstigung von fremden Militairpersonen (former compulsory levy for the catering of foreign soldiers).

3 Bei bestimmten Gelegenheiten - wie Festen, Bällen, Banketten, Jubiläen und Trauerfeiern - eingesammelter Betrag zugunsten Bedürftiger.

4 Früher eine Unterhaltszahlung an vom Dienst abgesetzte Offiziere und - heute noch - an suspendierte, von ihren beruflichen Obliegenheiten zeitweise oder für immer entbundene Geistliche.

5 Eine frühere Abgabe in Bargeld an die obere Kirchenbehörde (Diözese) seitens eines Pluralisten (pluralist), nämlich eines Geistlichen, der Einkommen aus mehr als einer besoldeten Anstellung (Pfründe; prepend) bezog (clergyman of two or more benefices at one time), auch Absentgeld genannt.

– Siehe Annaten, Quartiergeld, Quasgeld, Sparmahlzeiten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tafelgeschäft (trade across the window, US: over the counter; auch off-exchange trading):

Der Verkauf und Ankauf von Devisen, Edelmetallen, Wertpapieren und anderen Vermögensgegenständen durch eine Bank am Bankschalter: auf der Tafel = auf dem Tisch. Dies ist bei manchen Kunden wegen der Anonymität der Transaktion auch heute noch sehr beliebt. Im Zuge der Massnahmen gegen die Geldwäsche und Steuerhinterziehung (fiscal evasion) wurden Tafelgeschäfte jedoch in vielen Ländern von den Aufsichtsbehörden mit einschränkenden Auflagen versehen. Daher ist heute auch aufgrund bankinterner Anweisungen (bank internal instructions) bei Tafelgeschäften eine Identitätsprüfungspflicht (obligation of identity testing, responsibility to verify the identity) üblich geworden.

– Siehe Authentifizierungsgebot, Geldwäsche, Identitätsprüfungspflicht, Konto, anonymes, Konto-Offenlegung, Kontosperre, , Kundendaten-Informationspflicht, Markt, dritter, Over-the-Counter Trading, Nominee, Stücke, effektive, Zweitausweis.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tag-along Rights und Co-Sales Rights (so auch oft im Deutschen gesagt; auch Pull along, seltener Mitverkaufsrechte):

Das vertraglich festgelegte Recht eines Investors auf die Veräusserung seiner Anteile, falls andere Vertragspartner, wie Eigentümer, Gesellschafter oder auch eine Bank ihrerseits Anteile verkaufen. In der Regel schliesst dieses Veräusserungsrecht auch ein, dass ein Kleinanleger zu den gleichen Bedingungen wie ein Mehrheitseigner seine Anteile abgeben kann (the contractually guaranteed right of an investor to sell his share in a company if the majority shareholder does so. Additionally, tag-along rights guarantee the same terms to the minority shareholder).

– Siehe Verkaufsbeschränkungen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tagegeld (subsistence allowance):

Vom Arbeitgeber geleistete Zahlung für Mitarbeiter, die sich in dienstlichem Auftrag vom Arbeitsort entfernt aufhalten (money paid to an employee traveling on company's business to cover cost of travel, lodging, meals, clean washing, and other associated expenses). Tagegeld wird entweder als Pauschalbetrag (lumped sum) oder auf Vorlage der Belege geleistet.

– Siehe Meilengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tagesauftrag (day order):

Bei der Börse ein Auftrag zum Kauf oder Verkauf, der von selbst verfällt, wenn er bis zum Ende der Börsenzeit nicht ausgeführt werden konnte (order which instructs the broker to cancel any unfilled portion of the order at the close of trading on the day the order is first entered). Zumeist werden gemäss der jeweiligen Börsenordnung alle Orders als Tagesauftrag behandelt, wenn keine anderweitigen Anweisungen des Kunden vorliegen.

– Siehe Ausführung, vollständige, Fill-or-kill Order, Iceberg Order, Order, tagesgültige, Karten-Stapel, Saalhändler, Sell-Plus-Order.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tagesendwert (daily settlement price):

Von der Börse am Ende jedes Handelstages aufgrund der während der letzten Handelsminuten bezahlten Preise festgelegter Kurs. Er dient vor allem an Warenbörsen zur Ermittlung der Wertveränderung der offenen Positionen gegenüber dem Börsenvortag (previous exchange day).

– Siehe Schlusskurs, Tagespreis.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tagesgeld auch Callgeld und Übernachtgeld sowie Übernachtkredit (day-to-day-money, call money, overnight money; attendance fee):

1 Beträge, die zwischen Banken in grossen Beträgen ausgeliehen werden. Die geldgebende Bank kann den Betrag täglich abrufen; die geldnehmende Bank kann ohne Kündigung jederzeit zurückbezahlen. - Durch die ständigen Fazilitäten der EZB werden im Eurogebiet die Obergrenze und die Untergrenze für den jeweiligen Zinssatz des Tagesgeldes festgelegt. - In Krisenlagen kann der Tagesgeldsatz sehr stark ansteigen; im Zuge der Subprime-Krise kostete Tagesgeld Mitte September 2008 auf dem Interbankenmarkt acht Prozent, üblich waren zuvor noch zwei Prozent.

2 Andere Bezeichnung für das Sitzgeld (expense allowance; Tagungsgeld, Präsenzgeld, Diäten).

– Siehe Einlage-Fazilität, Geldmarkt-Segmente, Intertageskredit, Spitzenrefinanzierungs-Fazilität, Tageskredit, Zinskorridor.

– Vgl. die Tagesgeldsätze im Sinne von 1 (vergleichend auch mit anderen Währungsräumen) im Anhang "Statistik des Euro-Währungs¬gebiets", Rubrik "Finanzmärkte", Unterrubrik "Geldmarktsätze" im jeweiligen Monatsbericht der EZB, Monatsbericht der EZB vom August 2003, S. 48 ff., (Formeln für Tagesgeldsatz), Monatsbericht der EZB vom Februar 2005, S. 73 f., Monatsbericht der EZB vom August 2005, S. 26 ff. (es gibt keine Transmission der Volatilität des Tagesgeldsatzes auf die anderen Zinssätze), Monatsbericht der EZB vom Juli 2006, S. 26 ff. (mathematische Messgrössen für die Volatilität des Tagesgeldsatzes), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2006, S. 25 ff. (Tagesgeldsatz im Vergleich zu anderen Zinssätzen in den USA), Monatsbericht der EZB vom August 2007, S. 28 ff. (Volatilität des Tagesgeldsatzes und die Übertragungswege; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tagesgeldkonto (access savings account):

Ein übliches Bankkonto, über dessen Guthaben der Inhaber jederzeit verfügen kann (savings account in which funds are accessible to the account holder by check, telephone order, debit card or similar device in addition to in-person withdrawals). Im Regelfall bringen Guthabensalden auf diesen Konten keine Zinsen; dazu ist auch die Kontoführungsgebühr (account management charge) vergleichsweise hoch.

– Siehe Köderangebot.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tagesgeldsatz-Swap (overnight index[ed] swap, OIS):

Zinsderivat, bei dem ein Festzins gegen einen Referenzzins getauscht wird (an interest rate swap involving the overnight rate being exchanged for some fixed interest rate). In Bezug auf den EUR ist der Referenzzins in der Regel der EONIA.

– Siehe Overnight Indexed Swap, Swap, zinsbedingter, Zinsswap.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2008, S. 73 (das Risiko derartiger Geschäfte ist gering; denn der vereinbarte Zinssatz bezieht sich auf ein eintägiges Geschäft, selbst wenn die Laufzeit des Vertrags mehrere Monate beträgt), Monatsbericht der EZB vom Juli 2014, S. 76 f. (zwei Arten der Geschäfte; Laufzeiten; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tagesgeschäft (day trade, day trading):

1 Ein Kauf, bei welchem Papiere oder Waren am Tag des Abschlusses gegen Barzahlung geliefert und abgenommen werden.

2 Eingehen von Positionen, die gleichentags noch glattgestellt werden (anyone who actively trades but generally liquidates all positions within the course of the same day).

– Siehe Daytrading, Devisenhandel, computerisierter, Fill-or-kill Order, Order, tagesgültige, Scalper, Tagesauftrag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tageskredit (day-to-day loan, call loan):

Falls nicht anders definiert, so meint man damit an der Börse ein kurzfristiges Darlehn unter Beleihung börsengängiger Wertpapiere (a loan which can be called at any time, meaning that the lender may request its reimbursement at any time; brokers generally offer callable loans secured by shares, bonds and other securities, in the context of margin call financing).

– Siehe Geld, tägliches, Nachschuss-Aufforderung, Nachdeckung, Nachschuss-Vereinbarung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tageslösung (daily proceeds):

In älteren Dokumenten eine andere Bezeichnung für die Losung, nämlich die Einnahmen aus dem Verkauf am Ende eines Tages.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tagespreis und Tageskurs (day rate, current market value):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter den Marktwert eines Vermögensgegenstandes zu einem gegebenen Zeitpunkt. Bei manchen börsennotierten Gütern kann der Preis innert eines Tages unter Umständen sehr stark schwanken. Daher ist der genaue Zeitpunkt in entsprechenden Verträgen näher (mit der Uhrzeit; with exact time of day) zu bestimmen. Geschieht dies nicht, so wird bei börsengängigen (listed, quoted) Gegenständen üblicherweise der Kurs vor Beendigung der Börsenzeit (Börsenschlusskurs; closing exchange price) zugrunde gelegt.

– Siehe Entstehungskurs, Fair Value, Schlusskurs, Transaktionskosten-Abweichung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tagesschluss (end-of-day):

Bei der EZB Zeitpunkt am Ende des Geschäftstages - nach Schliessung des TARGET-Systems -, an dem die Arbeiten im Zusammenhang mit den an diesem Tag im TARGET-System abgewickelten Zahlungen beendet sind.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tageszeit-Auftrag und uhrzeitbezogene Order (time-of-day oder):

An der Börse die Order des Kunden an den Makler, ein Geschäft zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt an einem Tag zu tätigen (an order that is to be performed at a definite minute in the session; for example on the commodity exchange: "buy 10 May gold at 12:30 p.m.").

– Siehe Ausführung, vollständige, Fill-or-kill Order, Iceberg Order, Open Contract, Karten-Stapel, Order, tagesgültige.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tag-und-Nacht-Service (around-the-clock business hours):

Bei Internetbanken die Notwendigkeit, Dienstleistungen im 24-Stunden-Rhythmus (24-hour call centre) anzubieten. Dies verursacht sehr hohe Kosten, vor allem auch wegen der zu zahlenden Nachtzuschläge (night shift premium) und Sonntagszulage (Sunday premium) an die einzusetzenden fachkundigen Mitarbeiter.

– Siehe Benutzerfreundlichkeit, Direct Brokerage, Electronic Banking, Generation@, Handelsplattform, Homebanking, Metcalfe-Regel, Mobile Banking, Moonlight Banking, Online Banking, Phishing, Prosumer, Sofa-Banking, Telephon-Banking.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2006, S. 24 f. (Probleme der Direktbanken; Ertragslage seit 2000) sowie den jeweiligen September-Bericht der Deutschen Bundesbank mit Fortschreibung der Daten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Talent (talent):

Grundlegende antike Gewichts- und Geldeinheit in Silber. Regional und zeitlich unterscheidet sich das Gewicht - zwischen zwanzig und vierzig Kilogramm - und damit die Kaufkraft beträchtlich. - Zur Zeit Jesu war das Talent eine in Griechenland und Rom verbreitete Silbermünze, gegliedert (hexagesimal; hexagesimal: based on the number 60; the division of an hour into 60 minutes and of a minute into 60 seconds is due to the hexagesimal numeration used by the Babylonians) in sechzig Minen zu (zentesimal; centesimal: pertaining to division into hundredths) je hundert Drachmen griechisch bzw. hundert Denare römisch. Die Drachme wurde ihrerseits hexagesimal in sechs Obolen als Kleinmünzen unterteilt. - Im Neuen Testament wird die übliche Bezahlung eines Taglöhners (day labourer; ungelernter Arbeiter) bei Matthäus 20, 2 mit einem Denar angegeben. Von daher lässt sich die Kaufkraft des Talents zu jener Zeit schätzen.

– Siehe Amalfiner, Dareiko, Florentiner, Geldbeutel, Münze, Münzsystem, römisches, Numismatik, Obolus, Pfund, Samarkander, Sekel, Stater, Urukagina-Regel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Talentknappheit (shortage of talents):

In Bezug auf die Finanzbranche der allenthalben beklagte - angebliche oder tatsächliche - Mangel an Mitarbeitern, die betont kundenorientiert (markedly customer focussed) bankgeschäftliche Aufgaben erfüllen können. Viele Institute beauftragen eigene Talentsucher (talent spotter, talent scouts), die für bestimmte Sparten - wie vor allem Anlageberatung, Woopee-Geschäft, Tätigkeiten in Zusammenhang mit einer Plazierung - geeignete Fachkräfte suchen bzw. - so die häufige Klage aus den Banken - diese von anderen Instituten abwerben.

– Siehe Bankbeamter, High Potential, Mitarbeiter-Register, Peter-Regel, Selbstverwirklicher.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Taler (thaler):

Ursprünglich eine begehrte Silbermünze, die ab 1500 zunächst in St. Joachimsthal - heute: Jáchymov - im nordwestlichen Böhmen geprägt wurde. Die Münze erreichte wegen ihrer weiten Verbreitung zunächst durch die deutsche Münzordnung von 1524 Masstabcharakter als Reichstaler. Nach 1871 wurde der Taler in allen deutschen Ländern durch die Mark (one third thaler; ein Drittel Taler) zu 100 Pfennig abgelöst. - Taler, Mark und Pfennig haben als Währungsbezeichnung - ebenso wie Dollar und Euro - offiziell keine Pluralform.

– Siehe ECU, Münzfuss, Neuro, Ort, Pfund, Terra.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Talon (renewal certificate; talon):

1 Erneuerungsschein bei Wertpapieren, der dazu berechtigt, eine neue Reihe von Zinsscheine (Kupons) bzw. von Dividendenabschnitten bei Vorzeigung (presentation: to put before a person for acceptance) zu erhalten.

2 Bei Spielen nicht ausgegebene Karten oder Spielsteine, die erst im Laufe des Spiels eingebracht werden.

– Siehe Spielgeld, Stückzinsen, Tantes.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Talonsteuer (talon tax, tax on coupon sheets):

In Deutschland im Jahr 1909 eingeführte Reichssteuer auf die Ausreichung neuer Zins- und Dividendenscheine. Der Dividendenschein (dividend warrant) ist ein Teil des Bogens einer Aktie und berechtigt zum Bezug der Dividende; siehe zum Zinsschein (coupon; Kupon) auch § 803 BGB. Die Talonsteuer brachte 1911 über 11 Mio Mark in die Reichskasse. Im Zuge der 1922 eingeführten Reichsvermögenssteuer wurde die Talonsteuer aufgehoben.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tankkarte (fuel card):

Wenn nicht anders definiert eine Karte, mit der das Auftanken von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor an Tankstellen (petrol stations) bezahlt werden kann. Solche Geldkarten werden von Unternehmen an das Führungspersonal (managerial staff) ausgegeben, während oft Mitarbeiter der unteren Ränge (the lower ranking crew) eine vorausbezahlte Karte zum Bahnfahren erhalten.

– Siehe Bonus, Community Card, Geld, elektronisches, Firmenkreditkarte, Fringe Benefits.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tante Milly (aunt Millie):

1 Im Jargon

1. ein wenig intelligenter, ahnungsloser Anleger (an uneducated or unsophisticated investor); oft auch

2. in der Nebenbedeutung dass er/sie auf den Bankbeamten gutgläubig vertraut und sich daher auch wertlose Papiere aufschwätzen lässt.

2 Als Gattungsbegriff eine einfache, durchschaubare und nicht erklärungsbedürftige Geldanlage (a simple, low-risk investment), im engeren Sinne ein Sparbuch.

– Siehe Banker, Milchmädchen-Hausse, Nachahmung, informelle, Herdenverhalten, Köderangebot, Rampe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tantes und Dantes (game token):

In älteren Dokumenten eine damals übliche Spielmarke, nämlich ein geprägtes Metallstück aus Messing - früher vor allem hergestellt in Nürnberg und Fürth - oder auch aus Silber und Gold - zumeist in Frankreich in Gebrauch -, die beim Spielen das Geld ersetzen. Man kennt auch Exemplare aus geschnitztem Elfenbein und anderem Material. - Das Wort kommt das dem Spanischen (tantos, Plural zu: tanto = Zahl, Menge). Tantes sind heute ein begehrtes Sammlerobjekt (coveted collector's item). Die Staatliche Münzsammlung München besitzt eine Vielzahl von Tantes aller Art.

– Siehe Bitcoins, Bubengeld, Gelddauerspielerei, Geldwettkampf, Jeton, Linden-Dollar, Lotterie, Quickgeld, Spielbank, Spielgeld, Talon, Verrechnungsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tantieme (share in profits; author's fee; capital share):

1 Vergütung an leitende Angestellte, die in einem bestimmten Anteil am Gewinn besteht.

2 Zahlung an den Autor von Bühnenwerken, manchmal auch an den Verfasser von Büchern gesagt: das Honorar.

3 In älteren Dokumenten auch der Prozentsatz des Kapitals an einem Unternehmen, den ein Partner eingeschossen hat: der Geschäftsanteil (share in a company).

– Siehe Anreizsystem, Bonifikation, Bonus, Bonussystem, Handschlag, goldener, Honorar, Mitarbeiter-Verantwortlichkeit, Prämie, Rückvergütung, Stipendium, Sweat Equity, Vergütung, Vergütungssystem. Vorstandsbezüge, Verlustübernahme, persönliche.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tanzkonzessionsgeld (payment for the permission of dance entertainment):

In deutschen Territorialstaaten früher von Gastwirten zu zahlende Gebühr für die Erlaubnis, dass Tanzvergnügen in ihren Räumen stattfinden. In der Regel war die Höhe der Zahlung abhängig von der Anzahl der Tänzer. Die Wirte legten die ihnen als Zahlungspflichtigen auferlegte Summe zumeist auf die Tänzer um, wenn nicht ehehin durch Verordnung die Tanzgebühr von jedem Tänzer zu entrichten war. Oftmals wurde die Abgabe auch gestaffelt nach einheimischen sowie von anderen Orten kommenden Tänzern. - In der bezüglichen hessen-darmstädtischen Verordnung vom 29. Juni 1751 heisst es: "Juden müssen künftighin ... das doppelte Tanzconcessiongeld, nach obgemeldtem Ansatz, entrichten."

– Siehe Bettlerglöckchen, Drehorgel-Geld, Gebühr, Hochzeitstischgeld, Kirchweihgeld, Musikgeld, Lustbarkeitsgebühr, Toleranzgeld, Verschongeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tap (so auch im Deutschen gesagt):

1 Eine öffentliche Anleihe; manchmal auch von einem Schatzwechsel (tap bill) gesagt.

2 Eine Emission, die in einzelnen Abschnitten (Tranchen: the tap-issue has the exact same maturity and exact same coupon as the outstanding bonds, and is fungible with them; the only adjustment is that the tap bonds are placed at the current trading level) zeitlich versetzt an den Markt gebracht wird (rather to a new bond issue, this process presents several advantages as rapid execution, since no new prospectus is needed, lower arrangement and legal costs, and increased liquidity of the existing bonds).

– Siehe Begebung, Daueremission, Staffelung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

TARGET-System (Transeuropäisches Automatisiertes Echtzeit-Brutto-Express-Überweisungssystem) (TARGET-System, Trans-European Automated Real-time Gross Settlement Express Transfer System):

Zahlungsverkehrssystem, das sich aus jeweils einem Brutto-Abwicklungssystem in Echtzeit (real-time gross settlement system; RTGS) jener Mitgliedstaaten zusammensetzt, die dem Eurosystem angehören. Die nationalen RTGS-Systeme sind durch das Interlinking-System miteinander verbunden, so dass eine taggleiche Abwicklung (same-day processing) grenzüberschreitender Überweisungen im gesamten Euro-Währungsgebiet ermöglicht wird. - Auch RTGS-Systeme von nicht am Euro-Währungsgebiet teilnehmenden Mitgliedstaaten können an das TARGET-System angeschlossen werden, aber nur dann, wenn sie in der Lage sind, Zahlungen in EUR abzuwickeln. - Ende 2002 kündigte die EZB eine Neuorganisation des TARGET-Systems (TARGET2 genannt) an; dieses ging am 19. November 2007 in Betrieb. Im Verlauf des Jahres 2011 liefen über TARGET2 im Euroraum fast 600'000 Mia EUR. Dies entspricht pro Tag Zahlungen in der Grössenordnung des jährlichen Bruttosozialprodukts in Deutschland, das 2010 bei grob 2'500 Mia EUR lag. - Zu beachten ist - was in Berichten oft falsch dargestellt wird! -, dass TARGET nicht finanzieret, kein Geld schafft, sondern nur Überweisungen von vorhandenem Zentralbankgeld ermöglicht.

– Siehe Fernzugang, Kapitaltransfersystem, elektronisches, SEPA-Rat, Single European Payment Area (SEPA), TARGET-Missbrauch.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der EZB, 93 ff., Monatsbericht der EZB vom November 1999, S. 49, Monatsbericht der EZB vom April 2002, S. 58 f., Monatsbericht der EZB vom April 2004, S. 65 ff. (sehr ausführlich), Geschäftsbericht 2002 der Deutschen Bundesbank, S. 129 ff., Jahresbericht 2004 der EZB, S. 95 ff. (mit einigen Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 51 ff. (Vor- und Nachteile des Systems; laufende Verbesserungen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2005, S. 29 ff. (ausführliche Darstellung der Zahlungsverkehrs-Systeme mit vielen Übersichten), Monatsbericht der EZB vom September 2006, Anhang nach dem Statistischen Teil, S. V (Darstellung, aktuelle Übersichten), Geschäftsbericht 2006 der Deutschen Bundesbank, S. 139 (Verbuchung und bilanzieller Ausweis der Verrechnungssalden zwischen den Zentralbanken), Geschäftsbericht 2007 der Deutschen Bundesbank, S. 113 (Weiterentwicklung), Jahresbericht 2007 der EZB, S. 116 ff. (Nutzung des Systems; Übersicht der Transaktionen), S. 167 (Start von TARGET2), S. 169 (laufende Verbesserungen), Monatsbericht der EZB vom November 2008, S. 107 ff. (ausführliche, lehrbuchmässige Darstellung; Übersichten), Jahresbericht 2008 der EZB, S. 127 ff. (laufende Entwicklung; Übersicht der Zahlungen), Geschäftsbericht 2009 der Deutschen Bundesbank, S. 119 f. (Zentralbanken des Eurosystems müssen Target nutzen; S. 120: Übersicht unbarer Zahlungsverkehr der Deutschen Bundesbank), Jahresbericht 2009 der EZB, S. 117 ff. (Fortschritte in Target 2-System), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2010, S. 133 (unbarer Zahlungsverkehr in Deutschland), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2011, S. 36 ff. (Target 2-Salden: ausführlich Darstellung; Übersichten; Literaturverweise), Jahresbericht 2011 der EZB, S. 97 ff. (Grundsätzliches und Aktuelles zu TARGET; Übersicht). Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2012, S. 28 (Erklärung ungewöhnlicher Salden; Übersicht), Geschäftsbericht 2012 der Deutschen Bundesbank, S. 113 (hohe Akzeptanz des Systems), Geschäftsbericht 2012 der EZB, S. 141 f. (operationelle Risiken werden abgeschätzt) sowie den jeweiligen Geschäftsbericht der EZB, Kapital "Finanzmarktintegration", Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2014, S. 75 (Übersicht der Target-Salden seit 2008).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

TARGET-Missbrauch (abuse of TARGET-system):

Bei der Deutsche Bundesbank hatten sich bis Jahresbeginn 2013 gut 650 Mia Forderungen gegen die Zentralbanken der EWU-Mitglieder aus der Südfront angehäuft. Marktgängige Schuldtitel wurden gegen TARGET-Positionen ersetzt. Diese Forderungen werden mit einem Prozent Zins bedient. Das bietet einen Anreiz, Salden im TARGET-Verkehr stehen zu lassen. - Bei einem Exit von hochverschuldeten Mitgliedern aus der EWU oder im Falle des Staatsbankrotts eines Teilnehmers müsste Deutschland mit 27 Prozent - das entspricht dem Anteil am Grundkapital der EZB - für die TARGET-Schulden dieser Staaten einstehen. Nach Berechnungen käme das einer Last von etwa 16'000 Euro pro Erwerbstätigen in Deutschland gleich. - Weil aber in keinen der europäischen Verträge eine solche verdeckte Risikoübernahme vorgesehen ist, so erstattete der Münchener Strafrechtsprofessor Bernd Schünemann sowie andere im Frühjahr 2012 Strafanzeige gegen den Vorstand der Deutschen Bundesbank wegen des dringenden Verdachts auf schwere Pflichtverletzung, schweren Betrug und Untreue. - Praktisch sind die TARGET-Schulden ein Pfand, das Mitglieder der Eurozone hinterlegt haben und bei einem Exit verloren geht.

– Siehe Perpetuum Mobile.

– Vgl. Jahresbericht 2011 der Deutschen Bundesbank, S. 52 ff. (zur Problematik der TARGET-Salden; Übersicht), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2012, S. 28 (Erklärung ungewöhnlicher Salden; Übersicht), Jahresbericht 2011 der EZB, S. 37 ff. (ausführliche Erklärung der TARGET-Salden; viele Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2012, S. 52 (TARGET-Salden seit 2004; Erläuterungen), Geschäftsbericht 2012 der Deutschen Bundesbank, S. 115 (Entwicklung der TARGET-Salden 2011 und 2012) sowie die Fortschreibung im jeweiligen Geschäftsbericht der Deutschen Bundesbank, Monatsbericht der EZB vom Mai 2013, S. 113 ff. (eingehende Analyse der TARGET-Salden; Übersichten; Literaturverweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2014, S. 75 (Übersicht der Target-Salden seit 2008).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

TARGET 2-Securities, T2S (so auch im Deutschen):

Von der EZB eingerichtetes Abwicklungssystem für die Wertpapier-Übertragungen - genauer: Transaktionen, die von Instituten mit Zentralbankgeld bezahlt werden; man spricht auch vom Settlement-Geschäft - im Eurogebiet. Ziel des Vorhabens war es, den stark zersplitterten Markt für Wertpapiere in Eurogebiet leistungsfähiger zu machen. - Diese Initiative der EZB löste erhebliche Bedenken aus. Denn private Dienstleistungen werden hierbei durch öffentliche ersetzt. Auch wurde befürchtet, dass ein monopolistischer Anbieter langfristig die Wirtschaftlichkeit der Abwicklung in Europa und damit die Anziehungskraft seiner Finanzmärkte behindere. Denn Kundendienst und Anwendung neuer Technologien lassen sich grundsätzlich nur durch Wettbewerb sichern.

– Siehe Abwicklungssysteme, Börsenkonzentration, europäische Clearing-Haus, automatisches, Euroclear, Kapitaltransfersystem, elektronisches, Massenzahlungsverkehr, elektronischer, Target 2-Securities, Trade Assignment, Überweisungssystem.

– Vgl. Geschäftsbericht 2006 der Deutschen Bundesbank, S. 104; Geschäftsbericht 2006 der EZB, S. 115 f. (Darstellung; Wirtschaftlichkeit), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2007, S. 69 ff. (ausführliche Darstellung von Target 2; Übersichten; S. 81 f.: Besonderes zur Wertpapierverrechnung), Geschäftsbericht 2007 der Deutschen Bundesbank, S. 113 ff. (Fortschritte bei der Verwirklichung), Jahresbericht 2007 der EZB, S. 119 ff. (Fortschritte; Vernetzung mit TARGET), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2009, S. 56 ff. (geschichtliche Entwicklung; Übersichten), Geschäftsbericht 2008 der Deutschen Bundesbank, S. 111 (Statistik), Geschäftsbericht 2009 der Deutschen Bundesbank, S. 121 (T2s-Programme Boards; volle Inbetriebnahme Mitte 2010), Jahresbericht 2009 der EZB, S. 119 f. (Fortschritte bei T2S).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tarif (tariff [from Arabic ta'rif = information, notification, a making known; inventory of fees to be paid]):

1 Allgemein ein Verzeichnis von Preisen (a schedule of prices).

2 Eine Aufstellung von Abgaben für den Import oder Export bestimmter Waren, ein Zolltarif (customs tariff).

3 Übersicht des zu entrichtenden Fahrgelds bei Verkehrsmitteln (schedule of traffic rates).

4 Tabelle der zu zahlenden Steuern, ein Steuertarif (tax scale, tax table).

5 In der älteren Literatur ein Münzanschlag, nämlich Umrechnungstafeln für die Vielzahl an fremdem Geld, auch Rechenknecht und Faullenzer genannt.

6 Von Behörden geforderte Entgelte für gewisse Dienstleistungen, die Gebührenordnung (scale of charges).

7 Die seitens der Anbieter von Telephonleistungen ausgeschriebenen Nutzungsentgelte, Telephongebühr (call rate).

8 Von Versicherungen in Rechnung gestellte Beträge für den Versicherungsschutz, der Versicherungstarif (insurance tariff).

9 Die zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern vereinbarten Ecklöhne (base wage), der Lohntarif (labour rate, pay scale).

– Siehe Tarifstrukturzuschlag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tarifautonomie (freedom of collective bargaining, autonomy of pay settlement):

In Deutschland das verfassungsmässig festgeschriebene Recht (right accorded by the German constitution) der Arbeitnehmer, ohne Einmischung Dritter die Arbeitsbedingungen und Lohnzahlungen mit den Arbeitgebern vertraglich aushandeln zu können. - Immer wieder wird seitens der Tarifpartner (social partners) der Zentralbank vorgeworfen, sie mische sich mit drohenden Worten (threatening pronouncements) in die Verhandlungen ein. Dem ist entgegenzuhalten, dass die Aufgabe der Zentralbank in der Gewährleistung der Masstab-Eigenschaft des Geldes besteht. Wenn durch überzogene Lohnabschlüsse (escalations in the wage bargaining process: der vereinbarte Lohn liegt weiter über dem Grenzprodukt der Arbeit) die Preisstabilität gefährdet wird, dann ist es durchaus berechtigt, wenn die Zentralbank darauf deutlich hinweist.

– Siehe Inflations-Ausgleich, Lohn, indexierter, Lohn-Preis-Spirale, Ölpreis-Ausgleich, Zweitrunden-Effekte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tarifstrukturzuschlag (tariff structure surcharge):

In der privaten Krankenversicherung berechneter Risikozuschlag, wenn ein Versicherter von einem Tarif in einen anderen wechselt. - Durch höchstrichterliche Entscheidung (high court decision) aus dem Jahr 2010 wurden Tarifstrukturzuschläge als unzulässig erklärt.

– Siehe Versicherungsunsicherheiten.

– Vgl. Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 117 (Begründung des Verbotsurteils).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tarnkappen-Politik (magic-cap policy):

Nach 2005 aufgekommene Bezeichnung für eine Vorgehensweise der Zentralbank, die auf Zinsschritte verzichtet, weil

1. diese mittlerweile in der Öffentlichkeit zu viel Beachtung finden,

2. im Falle einer Zinserhöhung zu einen Aufschrei seitens unbedarfter Politiker (lowbrow politicians) und dümmlicher Zeitungsschreiber (foolish newspaper hacks) führen und

3. die Gremien der Zentralbank dadurch unter öffentlichen Druck setzen.

– So hat etwa die EZB in der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise

1. den Banken im Eurogebiet gedeckte Schuldverschreibungen - wozu auch der deutsche Pfandbrief gehört - abgekauft,

2. die Laufzeiten für Refinanzierungsgeschäfte auf zwölf Monate ausgeweitet,

3. eine breite Palette an Sicherheiten mit deutlich niedriger Bonität als in Normalzeiten zugelassen und

4. den Instituten zu einem festen Zinssatz unbeschränkt Liquidität ausgereicht. Jede dieser Massnahmen konnte die Zentralbank ziemlich unauffällig zurücknehmen, ohne den Leitzins anzutasten und ohne lästige Poltergeister (very unpleasant poltergeists) zu wecken.

– Siehe Anweisungen, geldpolitische, Aufkäufe, zentralbankliche, Basiszins, Carry Trades, Führung, verbale, Geld, billiges, Greenspeak, Krise, zentralbankbewirkte, Leitzins, Niedrigzinspolitik, Nullzins, Politik des offenen Mundes, Quantitative Easing, Repression, finanzielle, Signalwirkung, TARGET-Missbrauch, Tender, besonderer, Unschärfe, konstruktive, Weginflationierung, Zinsallokations-Funktion, Zinsuntergrenze.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2009, S. 37 ff. (Auswirkungen des ersten längerfristigen Refinanzierungsgeschäftes mit einjähriger Laufzeit), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2009, S. 46 (Ankauf von gedeckten Schuldverschreibungen durch die EZB; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Taschengeld (pocket money; slush money):

1 Die Übertragung von Bargeld an noch nicht im Erwerbsleben stehende Jugendliche durch Eltern und Verwandte (spending money; Sackgeld).

2 Nach § 46 StVollzG-NRW von der Vollzuganstalt an unverschuldet arbeitslose Häftlinge, die nicht über Eigengeld verfügen, ausbezahlte angemessene Summe zum Einkauf persönlicher Dinge.

3 Volkstümlich auch in der Bedeutung einer kleinen Summe, oft mit der Nebenbedeutung, dass diese Zahlung als zu niedrig empfunden und man mit dem Betrag "abgespeist" (fobbed) wird.

4 Umgangssprachlich auch für Schmiergeld im Sinne von Bestechungszahlung (bribe payment) gesagt.

– Siehe Geheimgeld, Geldbewusstsein, Hausgeld, Pekulium, Rückvergütung, Überbrückungsgeld, Zuwendung, vormundschaftliche.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Taskforce on Cross-Sectoral Risks to Financial Stability in Europe:

Von den L3-Gremien gebildete Arbeitsgruppe mit dem Ziel, Ansteckungswirkungen und säulenübergreifende Risiken für die Finanzstabilität frühzeitig zu erkennen.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 44 (Gründung des Gremiums; Aufgaben).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Taubengeld (messenger pigeon fee, carrier pigeon charge):

Früher an Börsen von den Marktteilnehmern erhobene Abgabe, um Einrichtungen und Betrieb der für die Übermittlung von Kursen unentbehrlichen Brieftauben (pavedettes; Posttauben, Pavedetten) zu bestreiten. - Ein von der Börse angestellter Taubenmeister (pigeonmaster) war für die Pflege der in der Regel auf dem Flachdach der Börse untergebrachten eigenen und fremden Tiere in den verschiedenen Taubenhäusern (pigeon lofts) zuständig. Ihm oblag auch die Beförderung der eigenen Tauben mittels eigens dafür ausgerüsteter Fuhrwerke (pigeon transport trolleys) an die auswärtigen Börsen, etwa von Frankfurt nach Brüssel und Paris. Erst in der Zeit nach 1840 wurden Brieftauben - in der Definition der Eidgenössischen Heeresverwaltung "selbstreproduzierende Kleinflugkörper auf biologischer Basis mit festprogrammierter automatischer Rückkehr aus beliebigen Richtungen" - durch die damals neu aufgekommene Telegraphie (telegraphy) ersetzt.

– Siehe Informations-Sicherung, IT-Risiken, Stromrisiko, Technologie-Risiken.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tauchsieder (immersion heater):

Im Jargon ein Kollege bzw. eine Kollegin in einer Bank, der/die sich in alles hineinhängt und einen Kommentar abgibt, vor allem in Kundengespräche eines anderen (a fellow-worker in a bank with the drive of intruding into everything and especially in conversations of a colleague with a client).

– Siehe Airbag, Alleskönner, Behavioural Branding, Chief Copying Officer, Fallschirmspringer, High Flyer, Infighting, Kollege Harzenmoser, Kontakt-Allergiker, Krokodil, Selbstverwirklicher, Sitzheizung, Tenu-Schlamper, Totholz, Triple A, Umsatzbremse, Unfallflüchtling.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tausch-Gutschein (barter slip):

Anstelle des Geldes eine den Austausch der Güter vermittelnde - aber wie zu berechnende? - Bescheinigung. Von manchen Kritikern der Geldwirtschaft werden solche als "gerecht" empfohlen.

– Siehe Geldabschaffung, Geldrechenhaftigkeit, Geldstolz, Gutschein, Geldzweck, Marktmechanismus, Mutualismus, Paradoxomanie, Regionalgeld, Schwundgeld, Symboltheorie, Unfruchtbarkeits-Theorie, Wucher, Zinsallkokations-Funktion, Zinsverbot.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tax Due Diligence (so auch im Deutschen gesagt):

Bei einer geplanten Unternehmensübernahme die fachmännische Prüfung in Bezug auf allfällige Steuerschulden (tax due) im Inland und Ausland.

– Siehe Due Diligence, Earn-out Klausel, Fusionen und Übernahmen, Kaufpreis-(Teil)Stundung, Übernahmerisiken.

– Vgl. Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 196 f. (EU-Übernahmerichtlinie).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Taxe (fee; carriage fee; set rate; special pastoral act fee; taxation; assessed quotation):

1 Allgemein gebraucht für in Geld gerechnete Abgabe, Beitrag, Gebühr, Porto, Preis, Steuer, Tarif.

2 Der früher für die Beförderung von Personen und Gepäck mit der Postkutsche zu entrichtender Geldbetrag. In diese Summe flossen regelmässig auch

1. die Einschreibegebühr, hier für die vorhergehende vertragliche Bereitstellung eines Sitzplatzes in der Kutsche,

2. zu entrichtendes Brückengeld, Chausseegeld, Furtgeld, Schmiergeld, Torgeld,

3. Douceur für den Schwager (Postkutscher; postil[l]ion) und

4. andere Abgaben ein.

– Für den grössten Teil der Privatpersonen blieb daher das Reisen wegen der sehr hohen Taxe verwehrt. Erst die Eisenbahnen - in Deutschland ab ungefähr 1840 - machten Fahrten nach und nach für jedermann erschwinglich.

3 Behördlich festgesetzter Preis; im Besonderen die für Ärzte (medical fee regulation) und Apotheker (drug tariff; Arzneitaxe: amtliches Preisverzeichnis und Berechnungsgrundlage für alle in der Apotheke angefertigten und abgegebenen Arzneien) geltende, nach der erlassenen Gebührenordnung festgesetzten Preise für deren Dienstleistung.

4 Für besondere kirchliche Amtshandlungen wie Taufe, Trauung oder Abdankung eingeforderte Zahlung.

5 Bei Immobilienkrediten die Ermittlung des Beleihungswertes durch einen Sachverständigen im Auftrag des Darlehn gebenden Instituts.

6 Als Zusatzvermerk bei einem Börsenpreis heisst Taxe, dass der entsprechende Titel zwar vom Verkauf angeboten wurde, aber keine Nachfrage bestand: Taxkurs.

– Siehe Bankgebühren, Charadsch, Courtage, Detz, Entgelt, Gebühr, Kanzleigeld, Knopfabschneider, Konduktgeld, Marge, Palmarium, Provision, Sportel, Stafettengeld, Strichnotiz, Tarif, Vergütung, Überziehungsentgelt, Viehschnittgeld, Wagenmeistergeld, Zustellgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Taxkurs auch Schätzkurs (assessed quotation, indicative price):

Geschätzter Marktpreis

1. allgemein für einen Vermögensgegenstand und

2. im Besonderen für ein Wertpapier, für das derzeit an der Börse keine Kauf- oder Verkaufsaufträge vorliegen.

– Siehe Mark-to-Model-Ansatz, Panikverkäufe, Schätzwert, Strichnotiz, Taxe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Taylor-Regel (Taylor rule):

Oft in Form einer linearen Gleichung dargestellter Zusammenhang zwischen Geldwert-Minderung und den zu erwartenden Folgen.

1. Auf Anzeichen eines Aufkeimens der Inflation reagiert danach die Zentralbank umgehend mittels die Geldmenge einengender Massnahmen.

2. Dadurch steigt nach dem Ersten Preisgesetz (law of supply and demand: Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis) der Realzins.

3. Dieser Anstieg des Realzinses wird bewirken, dass allfälligen über die Inflationserwartungen auf die aktuellen Konsum- und Investitionsentscheide wirkenden destabilisierenden Kräften entgegengesteuert wird. Denn die gesamtwirtschaftlichen Ausgaben werden so gedämpft, und die Wirtschaft auf ein Gleichgewicht zurückgeführt.

– Über die Taylor-Regel gibt es eine Fülle von Literatur. Im Besonderen wird darin auch der angemessene Zinssatz (appropriate [reasonable] intererst rate] in einer Währungsunion erörtert. Denn angesichts unterschiedlicher Inflations- und Konjunkturdaten etwa in der EWU ist es sehr schwierig, einen angemessenen Zinssatz zu bestimmen.

– Siehe Bremsweg, geldpolitischer, Modelle, geldpolitische, Sparsamkeitsregel.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Oktober 2001, S. 50 f. (Darstellung und Kritik), Monatsbericht der EZB vom Mai 2014, S. 93 ff. (unterschiedliche sektorale Entwicklung in der EWU seit 2008; Übersichten; Vergleiche zu den USA; Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Techniker (technician):

1 In Bezug auf die Börse allgemein Analysten, die sich der technischen Analyse bedienen.

2 Im Besonderen Analysten, die sich ausschliesslich auf Strichdiagramme zur Beurteilung der künftigen Kurse an der Börse bedienen.

– Siehe Analyst, Charts, Analyse, technische, Fibonacci-Folge, Histogramm, Kartierung, Random-Walk-Hypothese, Strichdiagramm, Unsicherheit.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 126 (erhöhte Anforderungen aufgrund des Anlegerschutzverbesserungsgesetzes).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Technologie-Boom (high-tech boom):

Der in einem Zeitraum sich vermehrende Einsatz neuer arbeitssparender und kapitalsparender Erfindungen in die gesamtwirtschaftliche Produktion. Dies hat Auswirkungen auch auf die Mittelbereitstellung der Banken und auf die Politik der Zentralbank.

– Siehe Dotcom-Blase, Innovationsfonds, Investition, Modellunsicherheit.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2004, S. 21 f. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Technologiefonds (innovation fund):

Sondervermögen einer Kapitalverwaltungsgesellschaft, das ausschliesslich oder überwiegend die produktionstechnische Umsetzung von Erfindungen zum Zweck hat.

– Siehe Dotcom-Blase, Innovationsfonds.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Technologie-Risiken (technological risks):

Zu dieser Art des operationellen Risikos gehören

1. Risiken im Kommunikationsbereich, wie Fehler aufgrund schlechter Datenübertragung etwa bei Faxgeräten,

2. Risiken in der Datenerfassung und -aufnahme, und hier vor allem Einlesefehler,

3. Risiken der Gebäudesicherheit, zum Beispiel nicht funktionierende Alarmanlagen und

4. IT-Risiken, dazu zählt vor allem das Risiko des Stillstands (breakdown; Ausfalls, Kollabierens) eines gesamten Systems (gridlock).

– Kreditinstitute sind in Deutschland gesetzlich dazu verpflichtet, angemessene Sicherheitsvorkehrungen gegen Computerversagen, Computermissbrauch und Computerkriminalität zu einzurichten; vgl. § 25a KWG.

– Siehe Flash Crash, Geschäftskontinuität, Informations-Sicherung, Mistrade, Risiko, banktechnisches, Risiko operationelles, Stromrisiko, Systemkollaps, Videokonferenz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

TED-Spread (so auch im Deutschen gesagt; TED = Treasury Bill Eurodollar Difference):

1 Die Differenz zwischen dem Drei-Monats-LIBOR und dem Zinssatz für amerikanische Dreimonats-Anleihen bei Geschäften auf dem Interbankenmarkt.

2 Der Unterschied zwischen dem Preis eines Terminkontrakts auf amerikanische Dreimonats-Staatsanleihen und dem Preis eines auf Dreimonats-Eurodollar lautenden Terminkontrakts mit gleichem Verfalltag (the difference between the price of the three-month US-Treasury bill futures contract and the price of the three-month Eurodollar time deposit futures contract with the same expiration day). Der Preisunterschied zwischen beiden Sätzen gilt weithin als Masstab für das Kreditrisiko.

– Siehe Depo-Repo-Spread, Eurodollar, LIBOR.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Teilgruppen-Aufsicht (subgroup supervision):

Besitzt eine Versicherung, deren Zentrale von einer nationalen Aufsichtsbehörde überwacht wird, in einem anderen Mitgliedsstaat der EU durch eine Filiale oder ein zum Konzern gehörendes Institut einen beachtlichen Marktanteil, so kann die Aufsichtsbehörde dieses Landes im Zuge von Solvency-II diese Teilgruppe ihrer Aufsicht unterwerfen. Dasselbe gilt, wenn eine Teilgruppe in eine finanzielle Schieflage gerät.

– Siehe Consolidating Supervisor, Fragmentierung, aufsichtliche.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 54 f. (CEIOPS-Vorschläge; Probleme in Zusammenhang mit einer Drittland-Aufsicht), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 110 f. (Ausweitung der Versicherungs-Gruppenaufsicht), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 61 (aufsichtsrechtlicher Fortgang).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Teilrechnung (part payment invoice; account in participation):

1 Faktura über die bis zum Zeitpunkt der Ausstellung (day of issue) gelieferten Waren oder erbrachten Dienstleistungen ("Leistung vor Zahlung"; providing products or services before payment). - Diese Geldforderung ist

1. von der Teilzahlungsrechnung (Anzahlungsrechnung; down payment invoice) zu unterscheiden, die vor der Lieferung der Ware bzw. dem Erbringen einer Teilleistung ausgestellt wird ("Zahlung vor Leistung"; a payment before the products or services are provided) sowie

2. der Abschlagsrechnung (invoice on account), bei der vor allem im Rahmen Sukzessiv-Lieferungsvertrags (apportioned contract, multiple delivery contract) wie Stromlieferung laufende Zahlungen eingefordert werden ("Zahlung nach Leistung"; pay for performance).

2 Bei einem gemeinsamen Geschäft an die einzelnen Beteiligten jeweils ausgestellte Endabrechnung.

– Siehe Partizipationsgeschäft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Teilzahlungskauf auch Ratenkauf (hire purchase):

Kauf, bei dem der erworbene Gegenstand - Ware, Wertpapier - in mehreren Teilzahlungen beglichen wird. Das Eigentum an den Käufer geht diesfalls rechtlich erst mit Zahlung der letzten Rate (final payment) über (form of purchase in which payment for goods is made in installments over a period of time and in which title to the goods supplied - in other words: ownership - does not pass to the purchaser until all such payments have been made).

– Siehe Abzahlung, Abzahlungsfrist, Blase, spekulative, Kreditaktien, Mindest-Raten, Mindesteinschuss-Sätze.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Telebanking (so auch im Deutschen gesagt):

Die Erledigung von Finanzgeschäften jeder Art über Fernmeldeeinrichtungen bzw. über feste oder bewegliche Datenübertragungsgeräte (fixed or mobile data transfer devices).

– Siehe Bank, gemischte, Bankportal, Benutzerfreundlichkeit, Bezahlverfahren, innovative, Direct Brokerage, Direktbank, Homebanking, Internetbank, Metcalfe-Regel, Mobile Banking, Moonlight Banking, Online Banking, Prosumer, Service Line, Sofa-Banking, Telephon-Banking.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Telephon-Auftrag, unbefugter (unauthorised telephone order):

Personen wenden sich über das Telephon an ein Institut, geben sich als dessen Kunden aus und erteilen Aufträge zum Erwerb von fragwürdigen Freiverkehrswerten. Damit steigt der Kurs dieser Papiere. Dies nutzen die Täter, um eigene Stücke dieser Titel gewinnbringend abzusetzen. Gegenüber der Auftrag annehmenden Bank weisen sich die Täter mit Angaben aus, die sie zuvor durch Tricks von den tatsächlichen Depotinhabern erschlichen haben.

– Siehe Börsenbriefe, Bull Raid, Geschäfte, abgesprochene, Finanzgeier, Kursmanipulation, Marktaktivität, vorgetäuschte, Marktmanipulation, Pairoff, Pump and Dump, Scalping, Scheinkauf, Scheintransaktionen, Wash Sales.

– Vgl. Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 169 (Warnung der BaFin vor diesem Betrugssegment).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Telephon-Banking (telephone banking):

Die Abwicklung von Finanzgeschäften über das Telephon, ab etwa 1990 von den meisten Banken eingeführt. Für Kontostands-Abfragen, Bestellung von Formularen, Erteilung von (Dauer)Aufträgen und für ähnliche standardisierte Vorgänge hat sich dieses Verfahren weithin bewährt. Als Gesprächspartner für die Kunden sind rund um die Uhr Bankmitarbeiter und/oder Sprachcomputer tätig.

– Siehe Benutzerfreundlichkeit, Call Centre, Direct Brokerage, Direktbank, Electronic Banking, Generation@, Handelsplattform, Homebanking, Metcalfe-Regel, Moonlight Banking, Mobile Banking, Online Banking, Phishing, Prosumer, Rechtsrisiken, Service Line, Sofa-Banking, Tag-und-Nacht-Service.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Telephonhandel (telephone dealing):

Oberbegriff für den ausserbörslichen Handel in Wertpapieren. Die Marktteilnehmer, in erster Linie Banken und Makler, vereinbaren dabei untereinander für jedes Geschäft frei die Preise. Früher wurden die Umsätze in der Regel über das Telephon abgewickelt, von daher blieb es bei der heutigen Benennung. - Heute geschieht die Abwicklung über Bildschirme und Computer. Eingeteilt wird der Telephonhandel häufig in den

1. ausserbörslichen Terminhandel von Erstplazierungen von Aktien, Obligationen und anderen Finanzinstrumenten (trading on terms of issue; Handel per Erscheinen, Pre-IPO-Handel [wobei IPO die börsenübliche Bezeichnung für Initial Public Offer bedeutet]; manchmal auch bridge financing genannt),

2. ausserbörslicher Handel von unnotierten Titeln sowie

3. vor- und ausserbörslicher Handel von börsennotierten Wertpapieren, also der Handel ausserhalb der Börsen-Öffnungszeiten. Der Telephonhandel unterliegt bis anhin keiner besondern Aufsicht.

– Siehe Over-the-Counter Trading.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Telquel-Kurs (net rate; US: flat):

1 Allgemein die Angabe eines (Devisen)Kurses ohne Berücksichtigung allfälliger Zinsen und Spesen.

2 Im Handel mit festverzinslichen (fixed interest bearing) Wertpapieren wird damit klargestellt, dass sich der Preis des Titels einschliesslich der laufenden und der allfällig verfallenen, noch nicht bezahlten Zinsen versteht.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Temporalien (temporalities):

In älteren Dokumenten die gesamthaften wirtschaftlichen Gegebenheiten, die mit einem geistlichen Amt verbunden sind, einschliesslich aller Einkünfte (the material goods attached to an ecclesiastical office; this includes the income and revenues of the office).

– Siehe Ablassgeld, Dispensationsgeld, Kirchgeld, Obvention, Opfergeld, Palliengeld, Peterspfennig, Pönalgeld, Prokurationsgeld, Simonie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tender (so heute auch im Deutschen gesagt):

1 Im Wirtschaftsleben allgemein jedes Angebot (any offer or proposal made for acceptance).

2 Auf dem Finanzmarkt ein Geschäft am Markt in der Form der Auktion (Versteigerung Gant, Lizitation, Subhastation; auction, licitation: the act of offering for sale to the highest bidder).

3 Im Besonderen die Versteigerung von Liquidität durch die Zentralbank (offering of liquidity by the central bank through competitive bidding). Die klassische Form dieses Tenders wurde vom englischen Schatzamt entwickelt. Es erging ein Angebot an die Bezieher von Schatzwechseln, einen bestimmten Betrag zur Diskontierung entgegenzunehmen, wobei das Schatzamt die günstigsten ihm unterbreiteten Angebote berücksichtigte.

4 Bei Unternehmen der Rückkauf von Obligationen vor ihrer Fälligkeit oder der Erwerb von Aktien - wie z. B. zur Tilgung oder zur Übernahme der Aktienmehrheit - über eine Auktion.

– Siehe Anleihe, kündbare, Festpreisverfahren, Markt, auktionsbestimmter, Tenderverfahren, Vertrieb, öffentlicher.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tender, beschränkter (restricted tender):

Eine Einladung (der EZB), Gebote abzugeben, die aber nur an einen ausgewählten Kreis von Bietern ergeht, so dass sich also nicht jeder mit einem Gebot an dem Geschäft beteiligen kann.

– Siehe Bid-to-cover-ratio, Höchstbietungsbetrag, Höchstbietungssatz, Offenmarkt-Tender-Operations-System, Verkauf, freihändiger, Tender, beschränkter, Tenderverfahren, Zuteilungssatz, Zuteilungsverfahren, amerikanisches.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tender, besonderer (special tender):

Von der EZB eingeleitete, liquiditätszuführende Geschäfte bei aussergewöhnlicher Marktanspannung, wie im Zuge der Subprime-Krise. Die EZB bediente hier in einem Tenderverfahren alle Gebote (fixed rate with full allotment), um vor allem heftigen Zinsausschlägen zum Jahresende entgegenzuwirken.

– Siehe Aufkäufe, zentralbankliche, Dreijahrestender, Quantitative Easing, Tarnkappen-Politik, Vollzuteilung, Zwölfmonatstender.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2008, S. 93 ff. (ausführliche Darstellung der Massnahmen; viele Übersichten), Finanzstabilitätsbericht 2011, S. 21 f (Vollzuteilung bei den Refinanzierungsgeschäften der EZB wird beibehalten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tender-Splitting (tender splitting):

Die EZB führte angesichts der Tatsache, dass beim Hauptrefinanzierungsgeschäft in Erwartung einer Zinssenkung der Mindestbietungssatz nicht erreicht wurde, zeitgleich mit dem Zwei-Wochen-Tender auch Sieben-Tage-Geschäfte ein. Diese gelten seit April 2002 als Hauptrefinanzierungsgeschäfte und gehen damit auch in die Berechnung der Mindestreserve-Verzinsung ein. Denn das Mindestreserve-Soll der Banken wird zum durchschnittlichen marginalen Zuteilungssatz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte der betreffenden Erfüllungsperiode verzinst.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2003, S. 17 (Erläuterungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tenderverfahren (tender procedure):

In Zusammenhang mit der Geldpolitik

1. eine Massnahme,

2. bei welcher die Zentralbank

3. auf der Grundlage konkurrierender Gebote der Geschäftspartner

4. dem Markt Liquidität zuführt oder vom Markt abschöpft.

5. Die für die Zentralbank günstigsten Gebote kommen vorrangig zum Zuge, bis jener Gesamtbetrag an Liquidität erreicht ist, der von der Zentralbank zugeführt oder aufgesaugt werden soll.

– Für die EZB führt die Deutsche Bundesbank das Gebotsverfahren für deutsche Institute im Offenmarkt-Tender-Operations-System (OMTOS) durch. Derzeit können um die 800 mit der Deutschen Bundesbank elektronisch vernetzte Banken in Deutschland über OMTOS Angebote abgeben. - Es ist grundsätzlich möglich, mehrere Summen zu unterschiedlichen Zinsen zu bieten. Wer den höchsten Zinssatz bietet, der bekommt dann am meisten Geld zugeteilt. Die EZB behält sich dabei jedoch vor, Bietungshöchstbeträge einzuführen.

– Siehe Auktion, Bid-to-cover-ratio, Geldmarkt-Operationen, Höchstbietungsbetrag, Höchstbietungssatz, Markt, auktionsbestimmter, Mengentender, Mindestbietungssatz, Offenmarkt-Tender-Operations-System, Tarnkappen-Politik, Tender, Unterbietung, Vollzuteilung, Zinstender, Zuteilungssatz, marginaler, Zuteilungsverfahren, Zwölfmonatstender.

– Vgl. die Ergebnisse der Tendergeschäfte der EZB im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Monetäre Statistik" im jeweiligen Monatsbericht der EZB, Monatsbericht der EZB vom Juli 2000, S. 39 ff. (allgemeine Erläuterungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tenu-Schlamper, Tenu-Schlampe (sloppily dressed person; Tenu = hier äusseres Aussehen, Daherkommen):

Im Jargon ein Kollege oder eine Kollegin, der/die allgemein ungepflegt und im Besonderen nachlässig gekleidet ist. Der Ausdruck ist aus dem Schweizerdeutschen eingedrungen. - Indessen gilt es als Tatsache, dass in keinem Bereich der Wirtschaft die Mitarbeiter gepflegter auftreten und geschmackvoller angezogen sind als in Banken. Auf Personalschulungen wird auf das äussere Auftreten der Angestellten herkömmlicherweise besonderen Wert gelegt. Auch ist bekannt, dass in Arbeitszeugnissen aus dem Bankbereich auf diesen Umstand regelmässig eingegangen wird - was in anderen Wirtschaftszweigen unüblich ist.

– Siehe Autonom agierende Einheit, Corporate Fashion, Dress Code, Druckbelegschaft, High Flyer, High Potential, Hot Spot, Infighting, Intangibels, Job-Hopper, Kollege Harzenmoser, Kontakt-Allergiker, Krokodil, Lemons-Problem, Loch, schwarzes, Low Performer, Mailbomber, New Hire, Peter-Regel, Risiko, personelles, Schlafgeld, Selbstverwirklicher, Sitzheizung, Tauschsieder, Totholz, Underperformer, Umsatzbremse, Unfallflüchtling.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Term Auction Facility, TAF (so auch im Deutschen wiedergegeben):

Im Zuge der Subprime-Krise von dem Federal Reserve System der USA eingeführtes liquiditätszuführendes Verfahren. Es geht ähnlich vonstatten wie das Tenderverfahren der EZB. Die Liste der von den Banken zu hinterlegenden Sicherheiten ist dabei aber weiter - sprich: weniger streng - gefasst als bei der EZB. Die Laufzeit einer Transaktion liegt im Normalfall bei achtundzwanzig Tagen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Terminal und Endgerät (terminal):

Beim bargeldlosen Zahlungsverkehr alle diesem Zweck dienenden Einrichtungen im Handel; im engeren Sinne das an der Kasse eingebaute (stationäre; stationary) oder bewegliche (mobile; portable) Kartenlesegerät (card reader, card reading device).

– Siehe Geschäftsstelle, vollautomatische, Kartenleistungsbeleg, Payez Mobile, Telebanking.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2013, S. 29 ff. (ausführliche Darstellung des Massenzahlungsverkehrs im Eurogebiet; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Terminbörse auch Futures-Börse (futures exchange):

Handelsplatz zum Kauf und Verkauf von Terminkontrakten auf Waren (commodities) oder Finanzprodukte (financials).

– Siehe Call, Eurex, Euronext, Put, Option, Rohstoff-Terminvertrag, Strike Price, Terminbörse, Terminspekulant, Vertretbarkeit, Waren-Terminkontrakt, Verfügbarkeitsprämie, Wiedereindeckungs-Risiko.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Termineinlagen (time deposits, fixed-term deposits, core deposits):

Guthaben (bank deposits; Einlagen, Depositen), welche den Banken befristet für einen Zeitraum von mindestens dreissig Tagen zur Verfügung gestellt werden. - Aufsichtsrechtlich gab es um diese - so auch im Deutschen genannten - Core Deposits im Zuge von Basel-II lange Diskussionen, weil diese nach den Hedge-Accounting-Regeln nicht zur Absicherung längerfristiger Aktivgeschäfte herangezogen werden dürfen. Das International Accounting Standards Board (IASB) verwies zur Begründung dafür auf die Möglichkeit des jederzeitigen Abzugs solcher Einlagen. Die Praxis hält dem die sog. Bodensatz-Theorie entgegen. Danach haben Core Deposits erfahrungsgemäss eine längere Verweildauer in der Bankbilanz als es ihrer vertraglichen Fälligkeit entspricht. - Die EZB kann im Rahmen der Feinsteuerungs-Operationen über Schnelltender oder über bilaterale Geschäfte jederzeit Termineinlagen der Banken für eine gewisse Zeit zu für die Banken günstigen Bedingungen hereinnehmen.

– Siehe Bodensatz, Fristentransformation, Hereinnahme, IAS 39.

– Vgl. die Termineinlagen aufgeschlüsselt nach Einlegern im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Monetäre Entwicklungen, Banken und Investmentfonds" im jeweiligen Monatsbericht der EZB.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Termingeschäft und Zeitgeschäft (time deal, forward transaction):

Allgemein jeder Kauf bzw. Verkauf eines Gutes heute, wobei die Lieferung jedoch zu einem späteren Zeitpunkt erfolgt (any buy or sell transaction with delayed performance).

– Siehe Futures, Option, Termingeschäft im engeren Sinne, Terminbörse, Terminkontrakt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Termingeschäft im engeren Sinn (forward contract):

Vertrag, der

1. ausserbörslich (off-market, meaning: not dealt on a recognised exchange) von zwei Parteien eingegangen wird, die

2. sich nach individuell ausgehandelten Bedingungen

3. auf den Kauf/Verkauf eines

4. in Menge und Güte genau bestimmten Gutes (underlying asset; Basiswertes)

5. zu einem festgesetzten späteren Zeitpunkt einigen.

– Anders als bei der Option hat der Käufer jedoch in einem solchen Termingeschäft nicht das Recht, sondern die Pflicht, an dem bestimmten Datum die vertraglich vereinbarte Menge eines Basiswertes zu liefern bzw. abzunehmen. Meistens aber wird der Basiswert nicht physisch geliefert, sondern man stellt die Vertragsverpflichtung durch eine entsprechende Gegenposition glatt. - Der Unterschied zum Terminkontrakt - oft nur Kontrakt genannt; leider ist die Terminologie nicht einheitlich - besteht darin, dass Terminbörsen die Vertragsbedingungen für alle Kontrakte einheitlich festsetzen (standardisieren; standardise), um diese so börsengängig (marketable) zu machen.

– Siehe Futures, Option, Spotmarkt, Terminbörse.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Terminhändler, kapitalkräftige, auch starke Hände (strong hands):

Bedeutende Lieferanten - wie etwa Rohölfirmen -, grosse, einflussreiche Verarbeiter - wie etwa Raffinerien - und in weiterem Sinne überhaupt finanzstarke Spekulanten, die im Besitz von Kontrakten sind (positions held by trade interests or well-financed speculators). In der Regel wird jedoch dabei unterstellt, dass der betreffende Marktteilnehmer den Basiswert auch tatsächlich verkaufen bzw. kaufen möchte (a strong hand is assumed to take possession of the underlying, but they are the overwhelming minority in futures trading).

– Siehe Absicherung, Aufsaugphase, Option, Option, nackte, Position, ungedeckte, Put, Rendite, implizite, Risiko, Rohstoffpreisrisiko, Rohstoff-Terminvertrag, Sicherheiten, Spekulant, Spekulation, Terminspekulant, Vertretbarkeit, Warentermin-Kontrakt.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2012, S. 34 f. (strong hands auf dem Markt für Rohöl-Futures und deren Beitrag zur Marktstabilität).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Terminkontrakt (futures contract):

Ein Finanzderivat in Form eines einheitlich ausgestalteten (standardisierten; standardised), juristisch verbindlichen Vertrags über den Kauf oder Verkauf eines Gutes mit festgesetzter Menge und Güte an einem bestimmten zukünftigen Lieferdatum. - Die Vereinheitlichung (Standardisierung; standartisation) der Kontrakte ermöglicht eine bequeme Übertragbarkeit an Finanz- oder Warenterminbörsen. - Terminkontrakte werden den (Finanz)Derivaten beigezählt, weil sie von der Entwicklung des Termingeschäfts zugrunde liegenden Basiswert abhängen. Grundformen sind Optionen und Futures bzw. Forwards. - Bei Termingeschäften fallen das Verpflichtungs- und das Erfüllungsgeschäft zeitlich auseinander. Daher müssen die Parteien bereits bei Vertragsabschluss eine Sicherheitsleistung (margin) auf dem Margin-Konto der Terminbörse oder bei dem Broker hinterlegen (margin cover; Margendeckung); es sei denn, sie führen abgesicherte Geschäfte aus, wie etwa der Verkauf einer Kaufoption auf Aktien im eigenen Besitz.

– Siehe Bund-Future Call, Futures, Put, Gegenpartei, zentrale, Option, Position, schwache, Rohstoffpreisrisiko, Rohstoff-Terminvertrag, Spotmarkt, Strike Price, TED-Spread, Terminbörse, Termingeschäft im engeren Sinne, Terminspekulant, Verfügbarkeitsprämie, Vertretbarkeit, Waren-Terminkontrakt, Wiedereindeckungs-Risiko.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Terminkurs (forward rate):

Der Terminpreis eines jeden Vermögensgegenstandes allgemein und der eines Wertpapiers oder einer Währung im Besonderen (a rate, set today, for a future foreign deal).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Terminmarkt (forward market):

Geschäfte, abgeschlossen auf einen späteren Zeitpunkt, wobei der dem Kauf bzw. Verkauf zugrunde liegende Preis, der Ausübungspreis, grundsätzlich bereits bei Vertragsabschluss vereinbart wird (marketplace that sets the price of a financial instrument or asset for future delivery).

– Siehe Abschlag, Option, Spotmarkt, Terminbörse, Termingeschäft, Terminspekulant.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Terminpreis (forward price):

1 Preis eines Gutes (underlying asset; Basiswertes) zu einem vereinbarten späteren Zeitpunkt. - Bei ruhigen Marktverhältnissen kann man davon ausgehen, dass

1. auf Warenmärkten der Terminpreis - vor allem infolge der mit der Warenhaltung verbundenen Zins-, Lager- und Versicherungskosten - über dem entsprechenden Kassapreis liegt, und

2. die Ware der nahen Termine billiger ist als die gleiche Ware der ferneren Zeitpunkte.

2 Preis einer ausländischen Währung am Devisenmarkt in - wenn nicht ausdrücklich anders angegeben - neunzig Tagen.

– Siehe Abschlag, Devisentermingeschäft, Herstatt-Risiko, Kassakurs, Option, Swapsatz, Termingeschäft, Währungsoption.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Terminrisiko (scheduling risk):

In Bezug auf den Finanzmarkt die Gefahr, dass die geplante Liquidität zum vorgesehenen Zeitpunkt nicht verfügbar ist. Als Teil des Liquiditätsrisikos ist dies in der Regel dadurch bedingt, dass

1. Schuldner ihre Zahlungen nicht wie vereinbart erbringen oder

2. Markthemmnisse wie etwa im Gefolge der Subprime-Krise den Geldfluss verzögern.

– Siehe Abrufrisiko; Bonitätsrisiko, Liquiditätsmanagement, Liquidity at Risk, Vorratskredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Terminspekulant (forward speculator):

1 An der Devisenbörse ein Marktteilnehmer, der per Termin Devisen erwirbt/veräussert in der Erwartung, dass der Kassakurs der gewählten Währung bei Fälligkeit höher/niedriger sein wird als der vertraglich festgelegte Terminpreis. - Bei der Terminspekulation kann der Spekulant weitgehend ohne Mitteleinsatz arbeiten. Denn sieht man von Kosten und Sicherheitsleistungen (provisions of a security; Unterlegung) ab, so gleichen sich

1. das Erfüllungsgeschäft des Spekulanten aus dem Terminabschluss sowie

2. das bei Terminfälligkeit getätigte gegenläufige Kassageschäft bis auf die eingetroffene (realisierte; realised) Gewinn- bzw. Verlustsumme aus. Die Transaktionskasse des Spekulanten wird also nur in Höhe eines allfälligen Verlustes beansprucht. Das Potential der Terminspekulation ist daher ungleich grösser als jenes der Kassa-Spekulation.

2 Der Kauf von Waren heute, aber zur Lieferung zu einem späteren Termin. Dadurch ist es möglich,

1. dass sich Produzenten und Verarbeiter von Rohstoffen gegen Preisrisiken absichern. Dies mindert die mit der Rohstoffproduktion verbundene Unsicherheit und führt im Regelfall dazu, dass sich das Angebot an Rohstoffen erhöht und die Preise sinken sowie

2. auf den Märkten Transparenz zu gewinnen. Denn die Kontrakte sind standardisiert und haben eine Signalfunktion auch für die entsprechenden Kassamärkte und die ausserbörslichen Terminmärkte.

– In den USA verfügte die zuständige Aufsichtsbehörde zu Jahresbeginn 2012 eine Mengenbegrenzung auf dem Warenterminmarkt; diese bezieht sich auf achtundzwanzig Rohstoffe, unter anderem auch Weizen, Zucker und Gold. Wichtigste Bestimmung ist dabei die Mengenbegrenzung der Kontrakte, die eine Entität - wie Händler, Bank, Warentermin-onds (commodity pool) - halten darf. Die neue Rechtsetzung soll verhindert, dass einzelne Marktteilnehmer über Derivate einen Zugriff auf mehr als einem Viertel der kurzfristig lieferbaren Menge eines Rohstoffs erhalten.

– Siehe Absicherung, Agribulk, Aufsaugphase, Call, Fontange, Differenzgeschäft, Fixing, Hebel, Indemnität, Kassaspekulant, Option, Option, nackte, Position, ungedeckte, Put, Rendite, implizite, Risiko, Rohstoffpreisrisiko, Rohstoff-Terminvertrag, Sicherheiten, Spekulant, Spekulation, Stockjobber, Terminhändler, kapitalkräftige, Terminspekulant, Vertretbarkeit, Warentermin-Kontrakt.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2012, S. 34 f. (zum Einfluss der Terminspekulation auf dem Erdölmarkt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Terminverwalter (commodity pool operator, CPO):

In den USA Einzelpersonen oder Unternehmen, die Geld oder Sicherheiten von Kunden annehmen, um an Warenterminmärkten Futures zu handeln. Sie fassen die Kundeneinlagen oft zu einem Warentermin-Investmentfonds zusammen. Je grösser der Pool ist, desto eher können CETERIS PARIBUS Talfahrten an der Börse überstanden werden.

– Siehe Pool, Risiko, Rohstoff-Terminvertrag, Warenterminfonds.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Terminzinssatz, impliziter (implicit forward interest rate):

Von der EZB laufende berechnete und im Monatsbericht wiedergegebene (Hilfs)Grösse, um die künftige Höhe der Kurzfrist-Zinsen zu schätzen.

– Vgl. zur Berechnung Monatsbericht der EZB vom Januar 1999, S. 28 f. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Term Loan (so auch im Deutschen gesagt, aber in unterschiedlicher Bedeutung):

1 Eine Bank überlässt einem Kreditnehmer gegen Zinszahlung Geld zur zeitweiligen Nutzung mit einer festen Laufzeit - in der Regel zwischen zwölf Monaten und zehn Jahren - und einer genau bestimmten Tilgung (a loan for a specific amount of money which has either a fixed or variable interest rate, matures in between one and ten years and has a set repayment schedule).

2 Ein kurzfristiger Kredit, für den der Kreditnehmer zunächst nur Zinsen zahlen muss. Die Rückzahlung des Darlehns erfolgt bei Vertragsende (a short-term loan requiring interest-only payments until maturity, at which time the entire principal is due and payable).

3 Darlehn an ein Unternehmen mit einer Laufzeit von über einem Jahr mit der Bestimmung, Vermögensgegenstände zu beschaffen und Investitionen wie etwa in Fabrikgebäude zu tätigen (business loan with a maturity of over one year, usually used to finance the purchase of fixed assets).

4 Ein Darlehn, das an einem festgelegten Zeitpunkt völlig zurückbezahlt werden muss, auch wenn geleistete Teilabzahlungen bis dahin noch nicht die Höhe der Darlehnssumme erreicht haben (a loan that comes due on a given date, often before the periodic payments would pay the loan out).

– Siehe Amortisation, Anleihe, Ballon-Kredit, Bankkredit, Bullet Payment, Freijahre, Investitionskredit, Kredit, Tilgung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Termsheet und Finanzierungsofferte (term sheet):

1 Auf dem Finanzmarkt die schriftliche, die wesentlichen Bedingungen bestimmende Darlegung eines Kauf- oder Verkaufsangebots, in der Regel bezogen auf einen Vulture Fund (a list of the major points of the projected financing being presented by an investor).

2 Bei Beteiligungen der Vorvertrag, in dem das finanzielle Engagement des Investors sowie weitere Details niedergelegt werden (the list of terms of a syndicated loan agreed between the borrower and the mandated lead arranger before the latter starts to market the loan).

– Siehe Bookrunner, European Master Agreement, Lead Manager, Rechtswahl, Syndizierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Terms of Trade (so auch im Deutschen; seltener übersetzt mit Austauschverhältnis im Aussenhandel):

Das Verhältnis der Exportpreise zu den Importpreisen (the price of a country's exports relative to the price of its imports), nach bestimmten Regeln der Statistik berechnet.

– Siehe Abwertung, fiskalische, Forschungsquote, Handelsbilanz, Importgehalt, Offenheitsgrad, Preissetzungsmacht, Strukturwandel, Unit-Value-Relation, Wechselkurs, Wettbewerbsfähigkeit.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2008, S. 42 f. (Zusammenhang zwischen preislicher Wettbewerbsfähigkeit und Wirtschaftswachstum), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2008, S. 102 ff. (Neuberechnung der Indizes), Jahresbericht 2008 der EZB, S. 93 ff. (unterschiedliche Wettbewerbsfähigkeit einzelner EU-Mitgliedsstaaten; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Terra (terra):

Name der von einigen Autoren vorgeschlagenen, bis wohl erst in einigen hundert Jahren eingeführten Weltwährung.

– Siehe Asian Currency Unit, Geld, privates, Globo, Münzunion, lateinische.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Terrain-Aktien (real estate shares [US: stocks]):

1 Anteile von Gesellschaften, die gewerbsmässig Bauerwartungsland (prospective building land) und baureife Grundstücke (developed land) erwerben, um diese bei günstiger Gelegenheit mit Gewinn wieder zu verkaufen.

2 Anteile von Gesellschaften, deren ursprüngliches Geschäft - etwa: Ziegelei (brickworks), Kiesgrube (gravel quarry) oder Steinbruch (stone pit) - erloschen ist, die aber im Besitz wertvoller und häufig inzwischen stadtnaher Baugründe sind. - Weil weltweit staatliche Behörden die Grundstücksgeschäfte zunehmend durch Vorschriften beschränken, gelten Terrain-Aktien heute vielfach als spekulative Anlage.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Terror-Papiere (terror bonds):

Von Erstversicherern begebene Anleihen, welche der Verbriefung von Grossrisiken zur Plazierung direkt auf dem Kapitalmarkt dienen. Die Papiere bieten dabei dem Anleger eine Rendite in Abhängigkeit vom Versicherungs-Ereignis. Nach den islamistischen Terror-Anschlägen vom 11. September 2001 wurden Terror-Papiere mehrfach erwogen, da die Rückversicherer infolge dieses Vorfalls eine Terrordeckung ausschlossen und Terror-Risiken damit unversicherbar wurden. - Weltweit herrscht die Erwartung weiter zunehmender islamischer Terrorakte (Islamistic acts of terror) vor. Denn etliche einflussreiche Korangelehrte (a number of influential professors of the Koran) stellen Terror als erlaubtes, ja sogar als gottwohlgefälliges Mittel (God well pleasing act) zwecks Bekehrung der Welt zum Islam dar. Daher dürften solche Anleihen nur beschränkt Käufer finden. Als Privatplazierung sind Terror-Papiere im Telephonhandel hingegen bereits Gegenstand von Geschäften.

– Siehe Dampfstube, Dingo-Werte, Explorer-Werte, Geheimtip, Glamour Stocks, Go-go-Fonds, Katastrophen-Anleihen, Over-the-Counter Trading, Rendite-Risiko-Grundsatz, Risiko-Fonds, Risikokapital, Single Hedge-Fonds, XXX-Insurance-Linked Securities, Terror-Schocks, Versicherungs-Zweckgesellschaft, Wetterderivat, Zitterprämie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Terror-Schocks (terror shocks):

Auf den internationalen Finanzmärkten zu beobachtende Reaktionen nach aufsehenerregenden Terrorakten.

– Siehe Aktie, strudelnde, Crash, Finanzmarkt-Stress, Schocks, strukturelle, Terror-Papiere, Verteilung, stabile.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2004, S. 28 ff. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Terrorismus-Finanzierung und Terrorismusfinanzierung (financing of terrorism, terrorist financing):

Einrichtungen zur Überwachung von Zahlungen für terroristische Handlungen sind bei den Aufsichtsbehörden und internationalen Gremien bis anhin noch der Geldwäsche-Bekämpfung zugeordnet. Eine Zusammenarbeit mit den entsprechenden Fachstellen bei den Geheimdiensten (intelligence services) findet statt und führte seit 2001 auch zu mehreren Erfolgen.

– Siehe Bankenaufsicht, europäische, Bargeldkontrolle, Beobachtungsvermerk, Fluchgeld, Gefährdungsanalyse, Geldwäsche, Hawala, Remittance Services, Terror-Papiere.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 68 ff., Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 182 (Sonderempfehlungen für den Zahlungsverkehr sowie für Bargeld-Kuriere), Monatsbericht der EZB vom Februar 2007, S. 95 ff. (im Kontext der Zahlungen von Migranten) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Querschnittsaufgaben".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tertiarisierung (tertiarisation):

Die Tatsache, dass in entwickelten Volkswirtschaften der Anteil der Dienstleistungen

1. gemessen am Bruttoinlandsprodukt oder

2. bezogen auf den Aussenhandel steigt.

– Für Banken bedeutet dies besondere Überlegungen bei der Besicherung (underlying; Unterlegung) von Darlehn an Dienstleister, weil oft Gebäude, Maschinen und Warenvorräte als Pfand nicht vorhanden sind.

– Siehe Exportquote, Forschungsquote, Importgehalt, Risiko, Service-Shift, Strukturwandel, Unit-Value-Relation, Terms of Trade, Umsatzverbriefung, Wachstumsbeitrag, Wertschöpfung, industrielle.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2007, S. 79 ff. (Beitrag des Dienstleistungs-Sektors im Eurogebiet; lehrbuchmässige Darstellung; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Teuerung (dearness):

1 Der Anstieg der Preise, gleichbedeutend mit Inflation.

2 In manchen Veröffentlichungen ein lediglich geringer Kaufkraftschwund (schleichende Inflation; creeping inflation), wobei aber die Prozentzahlen sehr unterschiedlich - und bis zehn Prozent! - angegeben werden.

3 Der Zeitraum, innert dessen sich die Lebenshaltungskosten erhöht haben.

– Siehe Disinflation, Valorisationsklage.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Teuro (EURxxxthousand; TEuro):

1 Die Behauptung, dass infolge der Einführung des Euro-Bargeldes zum 1. Jänner 2000 ein Teuerungsschub (inflationary push) eingetreten sei; mit der realwirtschaftlichen Folge, dass die Privathaushalte in ihrem Ausgabeverhalten vorsichtiger wurden. - In Wirklichkeit hingen Preissteigerungen mit höheren Steuern auf Energie, Tabakwaren und Versicherungen zusammen; zudem herrschte ein sehr kaltes Winterwetter (beastly cold winter weather). Nur in wenigen Fällen gab es Preisübertreibungen (price exaggerations), die aber durch Wettbewerb auf den entsprechen Teilmärkten über kurz oder lang zurückgeführt wurden. - Zu behaupten - was vielfach geschah -, dass das neu eingeführte Geld aus sich heraus zu Änderungen der Preisrelationen geführt habe, ist natürlich völlig unsinnig (is quite absurd). Bei Einführung des Metermasses in Deutschland 1870 wurden auch die gemessenen Gegenstände weder kleiner noch grösser.

2 Tausend Euro, oftmals wird dann auch im Deutschen TEuro geschrieben.

– Siehe Europhobie, Geldabschaffung, Güter, kaufhäufige, Inflation, gefühlte, Neuro, Wohnungsmieten, Währungsbezeichnung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2004, S. 15 ff. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Teuerungsdruck, sektoraler (sectoral price level pressure):

1 Die Preisentwicklung (price trend) in einem Wirtschaftszweig, in Beziehung gesetzt zur Veränderung des durchschnittlichen Preisniveaus in der Volkswirtschaft.

2 Der Anstieg der Preise in einzelnen Bereichen, wie etwa Energie oder Nahrungsmittel, bezogen auf den Preisindex gesamthaft.

– Siehe Deflation, digitale, Inflation, Inflationsdifferenzen, Kerninflation.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2007, S. 20 f. (Einfluss der Globalisierung; Übersichten einzelner Sektoren), Monatsbericht der EZB vom März 2008, S. 65 (Übersichten des Preisverlaufs in ausgewählten Bereichen im Vergleich zum HVPI, 2004 bis 2007), Monatsbericht der EZB vom September 2008, S. 13 ff. (Anstieg der Nahrungsmittelpreise; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Juni 2010, S. 60 ff. (Preise für Agrarrohstoffe und Nahrungsmittel seit 2007; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2013, S. 66 f. (Nahrungsmittelpreise auf dem Weltmarkt und in der EU; Übersicht; Tendenz zum Gleichlauf), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2014, S, 13 ff. (Bestimmungsgründe der Nahrungsmittelpreise; Übersichten; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Textilmarkt (market for textiles):

Wegen des Gewichtes der Käufe der Privathaushalte für die Bekleidung im Preisindex der Lebenshaltung sowie auch wegen seiner möglichen Bedeutung für den Aussenhandel wird der Markt für Textilien von den Zentralbanken besonders beobachtet.

– Siehe Unit-Value-Relation, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Dezember 2004, S, 64 ff., Monatsbericht der EZB vom Oktober 2005, S. 40 ff. (ausführliche Darstellung, Übersichten; S. 42: Anteil der Ausgaben von Bekleidung und Schuhwerk im HVPI).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Theilscher Ungleichgewichtskoeffizient (Theil unequality factor):

Bei den Zentralbanken im Zuge der Messung der Inflationserwartungen eine beliebte mathematische Formel zur Verbesserung der Prognosegüte (forecasting quality). Dabei werden durch Umfragen gewonnene Werte in Bezug zu statistisch gewonnenen Vorhersagen (data gained statistically) in Beziehung gesetzt. Auf diese Weise lassen sich Prognosefehler (forecast errors: differences between the factual rate of inflation and is predicted value) grundsätzlich verringern.

– Siehe Trendprognosen.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2001, S. 41, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2006, S: 27 (Übersicht der so errechneten Prognosefehler), Monatsbericht der EZB vom November 2006, S. 93 f. (Prognosefehler bei der Vorausschätzung der Liquidität), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2007, S: 28 f. (Grundsätzliches zu den Unsicherheiten bei der Vorausschätzung), Monatsbericht der EZB vom November 2008, S. 61 ff. (Verlässlichkeit von Umfrageergebnissen in turbulenten Zeiten; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Themen-Zertifikat (special centered certificate):

Wenn nicht anders definiert ein Partizipations-Zertifikat, das als Basiswert besondere, meist im augenblicklichen Trend liegende Vermögensgegenstände enthält. Dies sind derzeit vor allem Aktien von Unternehmen, deren Tätigkeitsfeld auf dem Gebiet der erneuerbare Energien (renewable energies), der Entsorgung (waste management) oder der Wasserwirtschaft (water supply and distribution) liegt.

– Siehe Basket-Zertifikat, Option, Trendhandel, Zertifikat.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Theoretiker (theoretician, theoriser):

In der Finanzwelt eine abfällige Bezeichnung für Personen - und vor allem für geltungssüchtige Politiker (big-headed and egotistical politicians) und selbstgefällige Professoren (complacent university teachers) -, die sich mit Belehrungen und besserwisserischen Vorschlägen ins Gespräch bringen. Sie besitzen jedoch von dem tagtäglichen Geschäftsablauf mit seinen vielfältigen Verflechtungen und steuerlichen Auswirkungen ein allenfalls kümmerliches Wissen. Deren soll es besonders in Deutschland viele geben. Sie sind indessen - vor allem wegen ihrer terribles simplifications (those who cannot resist the temptation to make simply and overgeneralised statements concerning a highly complex nexus) - die Lieblinge der Medien.

– Siehe Animal Spirits, Behavioural Finance, Financial Engineering, Finanzmathematik, Finanzpsychologie, Formeln, finanzmathematische, Know-Not, Normalverteilungs-Doktrin, Poltergeist, Praxis, Steuerberatung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Thesaurierungs-Fonds auch Anreicherungsfonds und Wachstumsfonds (cumulative fund, accumulation fund):

Sondervermögen einer Kapitalverwaltungsgesellschaft, bei dem die Erträge nicht an die durch Anteilsscheine berechtigen Investoren ausgeschüttet, sondern bei Zufluss sogleich zur Wiederanlage verwendet werden. In Deutschland werden steuerrechtlich die Erträge als dem Anteilseigner zugeflossen angesehen und sind von diesem zu versteuern. - Im Gegensatz dazu wird bei einem Ausschüttungs-Fonds (distribution fund) der Ertrag dem Konto des Anlegers gutgeschrieben.

– Siehe Fonds, Investmentfonds, Kapitalanlagegesetzbuch, Publikumsfonds, Rentenfonds, Spezialfonds, Steuerspar-Fonds.

– Vgl. im monatlich erscheinenden Statistische Beiheft "Kapitalmarktstatistik" der Deutschen Bundesbank die Zahlen über die Anzahl, den Anteilumlauf und das Vermögen inländischer Thesaurierungs-Fonds (domestic cumulative funds), nach verschiedenen Gesichtspunkten aufgeschlüsselt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Theta (so auch im Deutschen und sächlichen Geschlechts):

Mass für die Abhängigkeit einer Option vom Zeitverlauf (measures the sensitivity of the price of an option to the passage of time). Im Regelfall besitzt eine Option umso weniger an Wert, je näher sich das Ausübungsdatum nähert.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Three Level three Committees auch 3Level3 Committees, L3-Gremien und kurz 3L3 geschrieben:

Die drei Gremien

1. Ausschuss der Europäischen Wertpapieraufsichtsbehörden (CESR),

2. Ausschuss der Europäischen Bankenaufsichtsbehörden (CEBS) und

3. Ausschuss der Europäischen Aufsichtsbehörden für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (CEIOPS). Eine gemeinsame Arbeitsgruppe der drei Gremien widmete sich seit 2007 auch dem Austausch von Personal und der Mitarbeiterschulung.

– Siehe Ausschuss-Wahn, Bankenaufsicht, europäische, L3-Gremien, Taskforce on Cross-Sectoral Risks to Financial Stability in Europe.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 67 ("Konzepte" [genaue Sprache und damit klarer Ausdruck der Gedanken ist nicht gerade die Stärke der hochbezahlten BaFin-Mitarbeiter!], Impact Assessment Seminar), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 43 f. (enge Abstimmung der Gremien in einem gemeinsamen Protokoll; neue Aufgabenliste) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2009, S. 63 (Leitfaden für die Arbeit und Zusammenarbeit der Aufsichtsgremien), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 61 f. (die L3-Gremien nehmen ihre Arbeit auf) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Internationales".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

TIAA-CREF (Teachers Insurance Annuity Association-College Retirement Equity Fund):

Bundesweiter Lehrer-Pensionsfonds in den USA. Dessen Management mischt sich weltweit aktiv in das Geschäftsgebaren - und hier vor allem in die Höhe der Bezahlung leitender Mitarbeiter sowie in die Risikokontrolle - von Unternehmen ein, die anteilsmässig im Fondsvermögen vertreten sind. Der Fonds besass nach Schätzungen zu Jahresbeginn 2014 etwa 1,8 Prozent aller an der Börse in Neuyork gehandelten Werte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

TIBOR (Tokio Interbank Offered Rate):

Marktzins für kurzfristige Ausleihungen zwischen erstklassigen Banken, berechnet vom japanischen Bankenverband. Es gibt zwei unterschiedliche TIBOR-Notierungen, nämlich

1. den Yen-TIBOR, der sich ausschliesslich auf den unbesicherten japanischen Geldmarkt bezieht und

2. den Euroyen-TIBOR, der auf den Markt ennet Japans abstellt.

– Siehe Basispunkt, EURIBOR, LIBOR.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Oktober 2013, S. 79 (Bedeutung; Berechnung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tick (so auch im Deutschen gesagt, aber in verschiedener Bedeutung):

1 Andere Bezeichnung für eine börsenamtlich eingeführte Kursänderungs-Begrenzung (the maximum amount that the price of a exchange-traded item can fluctuate upward or downward).

2 In anderem Sinne nennt man Tick auch einen Preissprung nach oben oder nach unten (the term "tick" is also used in reference to the direction of the price of an exchange-traded asset, with an "uptick" denoting a trade where the transaction has occurred at a price higher than the foregoing transaction, and a "downtick" meaning a transaction that has occurred at a lower price).

– Siehe Kurssprung, Limit, Strichnotiz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ticker (so auch im Deutschen gesagt, aber in zwei Bedeutungen):

1 An der Börse ein System zur Kursübermittlung; früher durch Fernschreiber (ticker = teleprinter), heute auf elektronischem Wege. Börsenticker (stock tickers) übermitteln in der Regel Realtime-Kurse: ohne Zeitverzögerung wird der Preis des Finanzprodukts bei seiner Entstehung in das System automatisch eingespeist.

2 Meistens der untere Bereich auf dem (Fernseh)Bildschirm, in dem Nachrichten rollend ablaufen; dabei fliesst der Text der Laufschrift regelmässig von rechts nach links.

– Siehe Kabelkurs.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ticketing, electronic (so auch im Deutschen gesagt, seltener elektronisches Fahrausweissystem):

Bei Verkehrsunternehmen (transport companies) die Möglichkeit, durch Einschieben einer Karte

1. den Fahrpreis auszulesen,

2. den Betrag abzubuchen und

3. den Fahrschein drucken zu lassen.

– Siehe Chipkarte, Fahrgeld, Geldbörse, elektronische, Geldkarte, Geldpassage, Karte multifunktionale, Pay-Green-Initiative, Prozessor, Wertkarte.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2009, S. 62 f. (Entwicklung einzelner Verfahren; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tier 1 (tier one):

1 Gemäss der Definition der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, der sich die meisten Aufsichtsbehörden angeschlossen haben,

1. das Kernkapital einer Bank, bestehend aus Grundkapital, offene Reserven und Gewinnvortrag (bank own resources; eigene Mittel) sowie

2. das zu einem gewissen Teil angerechnete ergänzende Kapital, bestehend aus stillen Reserven und nachrangigen Anleihen.

– In Deutschland grenzt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht durch entsprechende Richtlinien die Anforderungen im Einzelnen ab.

2 Nach Solvency-II beste Qualitätsklasse, in erster Linie das eingezahlte Grundkapital (capital subscribed).

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 51 (Bestandteile der Solvenzbilanz), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 136 (Tier-1-Quoten deutscher Banken; Erläuterungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tier-I-Papiere (tier one asset):

Siehe Kategorie-1-Sicherheit; entsprechendes gilt für Tier-II-Sicherheit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tilgung in älteren Dokumenten auch Amortisation, Extinktion, Mortifikation, Prästation, Renumeration und Rifondo (redemption, debt retirement, amortisation, extinction):

Allgemein die vertragliche Abzahlung (Abtragung; payoff) einer in Geld ausgedrückten Schuld (the complete repayment of loan principal, interest and any other sums due; payoff occurs either over the scheduled full term of the loan, or through one or more prepayments). - Die einzelnen Abschlagszahlungen eines grösseren Betrags heissen auch heute noch gewöhnlich Rate (instal[l]ment), in der älteren Literatur oft Partikularzahlung (partial payment). - Eine in Papierform ausgestellte Schuldverschreibung gilt rechtlich als getilgt (a debt security is considered to have been redeemed), wenn sie

1. endgültig aus dem Verkehr gezogen,

2. für kraftlos erklärt, entwertet, vernichtet oder

3. einem Treuhänder zur Vernichtung (handed to a trustee for destruction) übergeben ist.

– Siehe Amortisation, Anleihe, Annuitätsanleihe, Auslosung, Effektivverzinsung, Darlehn, endfälliges, Festlaufzeit, Fondstilgung, Glattstellung, Kündigung, vorzeitige, Rentenanleihe, Rückzahlung, vorzeitige, Saldozahlung, Verzinsung, Vorauszahlungsrisiko, Vorfälligkeits-Entschädigung, Zahlung, Zwischenzins.

– Vgl. das monatlich erscheinende Statistische Beiheft "Kapitalmarktstatistik" der Deutschen Bundesbank zur Tilgung von Papieren, nach Wertpapierarten und Laufzeiten untergliedert.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tilgungsfonds (sinking fund):

1 Angesammeltes Geld, um daraus Verpflichtungen aus der Begebung einer Anleihe zu leisten, auch Sicherungsfonds genannt (a fund set up to accumulate money for the purpose of redeeming debt securities).

2 Ein Emittent kauft an der Börse einen Teil der Begebung auf. - Ein solcher freihändiger Rückkauf (direct repurchase) bietet sich insonders dann an, wenn der Börsenkurs unter dem Rückzahlungskurs des Papiers liegt, weil der Emittent bzw. das Unternehmen dadurch ausserordentliche Erträge (income from discontinued operations) erzielen kann. - Dieser Fall tritt vor allem dann ein, wenn das allgemeine Zinsniveau steigt. Denn wegen ihrer festen Verzinsung wirkt die Anleihe in diesem Fall vergleichsweise unattraktiv. Viele Anleger verkaufen daher das Papier, und deshalb fällt der Kurs. Der Rückkauf stellt eine stille Art und Weise der Tilgung dar und stützt gleichzeitig - wegen der eigenen Nachfrage nach der Anleihe - imagepflegend auch den Kurs des Papiers (a portion of the issued bonds is acquired on a regular basis. Such purchase takes place at the lower of the then current market price or the par value. This mechanism reduces the risk of default by the issuer, since the bullet repayment becomes lower. It also allows the issuer to refinance its debt over time therefore potentially benefiting from decreasing interest rates).

3 Im Besonderen das von der deutschen Bundesregierung im Zuge der Stabilisierungsmassnahmen nach der Subprime-Krise gebildete Sondervermögen, amtlich "Investitions- und Tilgungsfonds" benannt. In dieses wurde ein Teil der Ausgaben des Bundes für diesen Zweck (Konjunkturpakte; stimulus packages) ausgegliedert. Die aufgenommenen Schulden für die Konjunkturprogramme sollen in diesen Fonds zurückbezahlt werden. Weiterhin wird ein Teil der Bundesbankgewinne dem Sondervermögen zufliessen. - Die Kritik an dem Tilgungsfonds bezeichnete diesen als Parafiskus (Schattenhaushalt; shadow budget), der gegen die Regeln einer ordnungsgemässen Haushaltsführung des Staates verstosse.

– Siehe Exit-Strategie, Finanzmarktstabilisierungsanstalt, Investition, staatliche, Nonaffektations-Prinzip, Sicherungsfondsanleihe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tilgungsträger (repayment vehicle):

Ein Finanzinstrument, in dem Geld zur Zahlung eines endfälligen Darlehns angespart wird (an investment which is used to repay a credit at the end of the term).

– Siehe Ballon-Kredit, Balloon, Bullet Payment, Freijahre, Nullkupon-Anleihe, Term Loan, Tilgung, Zinsen, antizipative.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Timeline (so auch im Deutschen, daneben Zeitachse, Zeitleiste und ähnlich):

Die Darstellung des Zahlungsstroms und der beigeordneten Termine aus einer Investition (the representation of the amounts and timing of all inflows and outflows from a capital project).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Time-Spread (horizontal spread, calendar spread, seltener Optionsspanne):

Bei Optionen eine Position bestehend aus Calls und Puts mit demselben Ausübungspreis. Jedoch wird

1. die Option mit näherliegendem Verfallsdatum verkauft, und

2. die Option mit später liegendem Verfallsdatum gekauft.

– Siehe Basispreis, Butterfly-Spread, Call, Erfüllung, Kalender-Spread, Option, kombinierte, Optionsverkauf, proportionaler, Put, Spreizung, Rohstoff-Terminvertrag, Wiedereindeckungs-Risiko.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tina (there is no alternative):

Im Zuge der Rettungspakte um 2012 in die Finanzsprache eingedrungenes Kunstwort, und jedesmal spöttisch gemeint.

– Siehe Bailout, Blutzoll, Crisis Management Groups, Gläubigervorrang, Hypo Real Estate-Rettung, Notausstieg, Plan C, Retterei.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Titel (titles, papers; debt instrument; claim; element of expenditure; emoluments):

1 Oberbegriff für jeder Art Finanzinstrumente, unabhängig auch von deren Ausgestaltung und dem Vertriebsweg wie etwa Börse, Privatplazierung.

2 Oftmals als anderer Begriff für Papiere gebraucht.

3 Schuldtitel.

4 In älteren Dokumenten auch ein rechtsgültiger Anspruch auf Zahlung (legal claim for payment).

5 Ein Ausgabeposten bei einer öffentlichen Stelle (budget expenditure item).

6 Im Kirchenrecht (ecclesiastical law) auch die Einkünfte - vor allem aus einem Stiftungsvermögen oder aus verpachteten Ländereien - zum Lebensunterhalt eines Geistlichen. Der Unterhaltsempfänger heisst in älteren Dokumenten auch Titulant und Benefiziant (beneficiary).

– Siehe Benefiziengeld, Perpetuitäten, Pfründner.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Titel, marktfähige (marketable papers):

Auf organisierten Märkten (exchanges; Börsen) regelmässig notierte und gehandelte Papiere (any equity or debt instrument that it readily saleable and can be converted into cash, or exchanged with ease).

– Siehe Börsenliquidität, Marktfähigkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Titelkirchen-Einstandsgeld (titular church debut spending):

Wenn früher der Papst einen Kardinal ernannte (kreierte; created) und ihm dabei eine Titelkirche - nämlich eine der Kirchen in der Stadt Rom zuwies (assigned), - so hatte der Kardinal herkömmlicherweise für die zu seiner Titelkirche (titular church) zählenden Gläubigen ein Fest ausrichten, LA FACIATA genannt. Alt und Jung, Arm und Reich, Hudel und Hädel schmausten bei aufwendiger Orchester-Musik an zwei Abenden üppig auf Kosten des neuen Kardinals. Erst 1771 wurde dieser Brauch auf Betreiben von Kardinal François-Joachim de Bernis (1715–1794) unter Murren der Bevölkerung Roms abgeschafft und die dafür vorgesehene Summe nutzbringenden Zwecken zugewendet.

– Siehe Ablassgeld, Annaten, Dispensationsgeld, Kathedralgeld, Kirchgeld, Opfergeld, Peterspfennig, Prokurationsgeld, Schulgeld, Seminargeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tobin-Steuer (Tobin tax):

Die Belastung kurzfristiger Devisentransaktionen mit einer Abgabe bis zu 0,5 Prozent. Nach einem Vorschlag des US-Ökonomen James Tobin sollten dadurch - also durch die Belastung kurzfristiger Geschäfte gegenüber den langfristigen - die Devisenmärkte stabilisiert werden. - Dagegen spricht, dass Erwartungen auf Abwertungsverluste/Aufwertungsgewinne in Krisensituationen derart hoch sind, dass diese Steuer entsprechende Dispositionen kaum verhindern könnte. Zudem müssten sämtliche Staaten der Welt eine solche Devisen-Spekulationsteuer gleichzeitig einführen; denn sonst bestehen Ausweichmöglichkeiten (loopholes). - Grössere Verschiebungen auf den Devisenmärkten sind immer Ausdruck des Misstrauens der Anleger in die (Wirtschafts)Politik des betreffenden Landes. Diese Zweifel gilt es glaubhaft auszuräumen (kausale Therapie; causal therapy). Der Eingriff in den Devisenmarkt als symptomatische Therapie (symptomatic therapy) heilt die Grundprobleme nie, sondern verstärkt sie erfahrungsgemäss.

– Siehe Abgeltungsteuer, Bankenstrafsteuer, Finanztransaktionssteuer, Geldabschaffung, Groll-Effekt, Lenkungssteuer, Spekulant, Spekulationsteuer, Strukturumbruch.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tochtergesellschaft (daughter company, subsidiary, group company):

1 Allgemein eine rechtlich selbständig verfasste Firma, die von einem anderen Unternehmen, der Muttergesellschaft (parent company), beherrscht wird (an enterprising entity that is controlled by another company; the parent company must not necessarily be the larger or more powerful entity; it is possible for the parent company to be smaller than a subsidiary).

2 Im Besonderen eine Zweiggesellschaft als Tochterunternehmen im Ausland.

– Siehe Konzern, Obergesellschaft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tobins Q auch Q-Verhältnis und Kurs-Substanzwert-Verhältnis (Tobin's Q):

1 Der Marktwert aller an der Börse notierten Unternehmen einer Volkswirtschaft sollte dem Wiederbeschaffungswert entsprechen (the combined market value of all the companies on the stock market should be about equal to their replacement costs. Tobin's Q ratio is calculated by dividing the market value of assets by their replacement value).

2 In Bezug auf ein Unternehmen das Verhältnis von Marktwert der Gesellschaft zu den Wiederbeschaffungskosten aller firmeneigenen Vermögensgegenstände. Ist diese Kennzahl grösser als eins, so bedeutet dies, dass die Firma an der Börse teurer gehandelt wird als das Total ihrer Vermögenswerte. Ein solcher Mehrwert kann dadurch erklärt werden, dass ein Unternehmen höhere Erträge erwirtschaftet, als dies aufgrund der vorhandenen Vermögenswerte anzunehmen ist. Auch entsprechende Erwartungen in Bezug auf das Unternehmen können den Mehrwert begründen. - Falls diese Kennzahl jedoch kleiner als eins ist, dann ist das Unternehmen an der Börse offenbar unter Wert vertreten: der Marktwert ist geringer als die sich im Besitz des Unternehmens befindlichen Vermögenswerte. - Die grosse Schwierigkeit im Umgang mit diesen Verhältniszahlen liegt in der entsprechenden Bewertung der Vermögensgegenstände. So bezifferte sich beispielsweise der Unterschied in der Bewertung zwischen IFRS und GAAP bei der Deutschen Bank AG im Jahr 2009 auf gut 300 Mia EUR. Bis nicht bei sämtlichen Bewertungen streng ein einheitlicher Masstab zugrunde gelegt wird, solange taugt Tobins Q für die Praxis - und damit auch für Anlageentscheidungen - verhältnismässig wenig.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Todesspirale (death spiral [financing], toxic convertibles, floorless convertibles):

Eine in der Regel windige, skrupellose Aktiengesellschaft

1. begibt eine ungewöhnlich hohe Zahl von Wandelanleihen.

2. Werden diese zum Fälligkeitstermin in eine Aktie umgetauscht, dann tritt eine Verwässerung des Grundkapitals ein, und

3. der Kurs der Aktie sinkt entsprechend.

4. Reifen dann weitere Wandelanleihen zum Umtausch an, so erhalten die Besitzer dieser Papiere immer weniger an Wert, weil sich die Aktie zwangsläufig mit jedem Umtausch mehr verwässert und daher CETERIS PARIBUS niedriger notiert.

5. Die Zeichner der Wandelanleihen, die mit dem Kauf des Papiers ja Bargeld in die Kasse des Unternehmens einbezahlt haben, bekommen auf diesem Wege am Ende nur noch einen Bruchteil ihrer Investition zurück.

– Siehe Antiverwässerungsklausel, Dividenden-Fonds, Durchpressen, Parität, Umtausch-Anleihe, Verwässerungsschutz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tola:

Traditionelles indisches Gewichtsmass für Edelmetalle, im asiatischen Raum auch heute noch verbreitet. 1 Tola = 11,6638 Gramm; handelsüblich sind Bullions (bars; Barren, Ingots) zu 10 Tola.

– Siehe Assay-Stempel, Karat, Troy-Unze.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Toleranzgeld (tolerance impost):

Wenn nicht anders definiert, die früher in Österreich-Ungarn jüdischen Mitbürgern auferlegte Sondersteuer (TAXA TOLERANTIALIS).

– Siehe Charadsch, Schirmgeld, Schutzgeld, Tanzkonzessionsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tomorrow next (so auch im Deutschen gesagt, seltener Heute für Morgen):

Wenn nicht anders definiert ein Devisen-Swapgeschäft, bei dem eine Währung heute verkauft und für den nächsten Tag zurückgekauft wird oder umgekehrt (simultaneous buying and selling of a currency for delivery the following day and selling for the next day or vice versa). Solche Transaktionen dienen in erster der Kurssicherung bei Aussenhandelsgeschäften.

– Siehe Devisentermingeschäft, Herstatt-Risiko, Matching, Parallelkredit, Quanto, Swapgeschäft, Swapsatz, Zinsswap.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tonne (ton):

Im Börsenjargon gesagt von einhundert Millionen (an exchange parlance used by traders for one hundred million).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tonnengeld auch Tonnage (tonnage):

Früher eine Abgabe (duty, impost) auf die Schiffsladung, und zwar berechnet nach dem Ladegewicht (Tonnenbetrag; based on tons carried). Tonnengeld wurde besonders für die Nutzung der Kanäle erhoben; die Einnahmen daraus waren zumeist zweckgebunden für den Bau und Unterhalt von Wasserwegen (appropriated for construction and maintenance of gateways).

– Siehe Abfertigungsgeld, Ankergeld, Auseisunggeld, Bordinggeld, Hafengeld, Kaigeld, Kapplaken, Krangeld, Ladegeld, Lastgeld, Liegegeld, Leuchtturmgeld, Lotsengeld, Pfundgeld, Räumegeld, Reedergeld, Mützengeld, Schleusengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tontine auch Leibrentengesellschaft (tontine):

In einer Gruppe von Anlegern (Tontiniers; tontiners)

1. zahlt jeder einmalig eine Summe auf ein Konto ein.

2. Das eingesammelte Geld, im Regelfall in hochbonitäre Staatsanleihen angelegt, wird nach einer vertraglich festgelegten Zeit mit Zins und Zinseszins an die überlebenden Beteiligten (beneficiaries) ausbezahlt.

3. Der Anteil der bis dahin Verstorbenen geht an die Überlebenden (upon the death of each beneficary his share is enjoyed by the survivors).

4. Der Letzte oder je nach Vertrag die Letzten der Anleger erhalten schlussendlich das angesammelte Kapital zur Gänze ausbezahlt.

– Diese Form einer Altersversorgung durch gegenseitige Beerbung (mutual inheritance) geht wohl auf den Italiener Lorenzo Tonti (1602-1684?) zurück. Sie erfreute sich früher grosser Beliebtheit und wird in der Fachliteratur als Vorläufer der heutigen Lebensversicherung angesehen.

– Siehe Pensionsfonds, Versicherung.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2011, S. 64 (in Anmerkung 6 Begriffserklärung Tontinenversicherung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Too big to fail-Grundsatz (too big to fail principle):

Die Meinung, dass ein Unternehmen und im Besonderen: eine Bank ab einer bestimmten - wie gemessenen? - Grösse vor Insolvenz gefeit sei. - Bei einer Bank kommt im Besonderen in Betracht, inwieweit das Institut mit dem Rest der Branche so stark verwoben ist, dass ihr Absturz die Stabilität des Finanzsystems gesamthaft gefährden würde. Weil nun aber diese Banken sich darauf verlassen, dass sie im Notfall vom Staat aufgefangen werden, so geraten sie in die Versuchung, viel zu hohe Risiken einzugehen. - Tatsächlich hat sich gezeigt, dass Regierungen - wie in England in Bezug auf das Northern Rock-Debakel und in Deutschland bei der Hypo Real Estate - oder Zentralbanken, wie in den USA hinsichtlich der Hypothekenbank Bear Stearns, die im Zuge der Subprime Krise im März 2008 vor dem Zusammenbruch stand eingreifen, um grössere volkswirtschaftliche Schäden zu vermeiden. - Das aber bringt den sehr grossen, europaweit oder gar weltweit handelnden Instituten wiederum Vorteile. Denn

1. die Unterstützung einer systemischen Bank kommt einer heimlichen Subventionierung (silent subvention) gleich und

2. führt zu einer Verzerrung des Wettbewerbs (distorsion of competition) zu Lasten kleiner bzw. solide finanzierter Institute. Weiter

3. darf die systemische Bank auf höheres Vertrauen hoffen, weil die Kunden mit einem Bail-out für den Krisenfall rechnen. Die Bank

4. bekommt daher auch viele Einlagen von Anlegern, was ihre Refinanzierungskosten (refinancing costs) verringert. Zudem

5. entsteht hier das bereits angesprochene Problem des Moral Hazard; die systemische Bank wird im Bewusstsein der Hilfe des Staates - genauer: der Steuerzahler - weniger sorgsam in ihrer Geschäftspolitik.

– Viele Überlegungen wurden angestellt, um diesen Abläufen entgegenzuwirken. Im Mittelpunkt steht der Vorschlag, dass die Behörden jene Teile, welche für das Finanzsystem lebensnotwendig sind - und hier vor allem die Verpflichtungen der Geldhäuser untereinander, die im Handelsgeschäft oder durch Kreditlinien entstehen, - rasch und reibungslos abtrennen und auf eine neue Entität übertragen. Der Rest des Instituts könnte dann in die Insolvenz gehen. - Weiterhin wurde gefordert, dass ein Institut mit zunehmender Grösse Vernetzung wachsende Anforderungen an Eigenkapital und Liquiditätspuffer erfüllen muss. Damit wirken den Ertragssteigerungen durch wachsende Grösse oder weltweite Verflechtung (economics of scale, economics of complexity) zwangsläufig aufsichtliche Nachteile (diseconomics) entgegen.

– Siehe Abwicklungsmechanismus, einheitlicher, Bankenaufsicht, europäische, Bankenrettung, umgekehrte, Bankenrettungsgesetz, Banken-Triage, Banktestament, Bear Stearns-Pleite, Crisis Management Groups, Downsizing, Einzelfallentscheidung, Grössenvertrauen, Megamanie, Mindestanforderungen an die Ausgestaltung von Sanierungsplänen, Moral Hazard, Provinzbanker, Rettungspaket, Risiko, systemisches, Sifi-Oligopol, Stabilitätsfonds, europäischer, Tina, Too big to save-Grundsatz, Vermögensabgabe, Vertrauen, Zwangswandelanleihe.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 98 (weiterhin Gefahren durch den Zusammenbruch global vernetzter Institute).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Too big to save-Grundsatz auch Too big to rescue-Grundsatz (too big to save [to rescue] principle):

Falls nicht anders dargelegt, so bezeichnet dies die Tatsache, dass ein inländische Bank so gross ist, dass sie vom vergleichsweise kleinen Heimatstaat nicht mehr gerettet werden kann. Man spricht dann auch von einer systemically important financial institution (Sifi). - Die isländische Kaupthing-Bank geriet 2008 in Insolvenz und riss das gesamte Land in den Staatsbankrott. Die Union Bank of Switzerland (UBS) fuhr 20 Mia CHF Verlust ein und transferierte 2008 toxische Papiere in Höhe von fast 40 Mia CHF an den Staat: gesamthaft fast ein Viertel aller eidgenössischen Steuereinnahmen des Jahres 2009. Die Insolvenz der USB hätte zufolge verlässlicher Berechnungen kurzfristig Belastungen für die Volkswirtschaft in Höhe von bis zu dreissig Prozent des Bruttoinlandsproduktes verursachen können. - Die beiden niederländischen Marktführer wiesen 2008 dreimal mehr Aktiva aus als der Gesamtstaat im Jahr. Die niederländische Grossbank ING - Abkürzung für Internationale Nederlanden Groep - hatte zur Jahresmitte 2010 Aussenstände, die das Doppelte des Bruttoinlandsprodukts der Niederlande überstiegen. Im Jahr 2009 kam das spanische Bruttoinlandsprodukt nicht einmal auf die Hälfte der Summe, die in den Bilanzen der drei grössten iberischen Banken schlummert. - Noch auffälliger wird das Bild, wenn man das Finanzsystem eines Landes gesamthaft betrachtet. In Grossbritannien beliefen sich 2010 die Zahlungsverpflichtungen aller Institute auf das Fünfeinhalbfache der Wirtschaftsleistung; in der Schweiz waren sie zum gleichen Zeitpunkt gar sechsmal so gross. - Gelegentlich der Subprime-Krise und er daraus entspringenden Finanzkrise hat sich eindeutig gezeigt, dass Grossbanken ihre Heimatländer in arge Bedrängnis und sogar in den Staatsbankrott bringen können.

– Siehe Bankenaufsicht, europäische, Bonus, Eigenhandel-Verbot, Islandbanken-Falle, Risiko, systemisches, Rückkopplungs-Mechanismus, Sifi-Oligopol, Staatsfonds.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 98 (weiterhin Gefahren durch den Zusammenbruch global vernetzter Institute).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Toggle-Schuldtitel und Zins-Zusatzstücke-Wahltitel (toggle notes):

Papiere - in der Regel Anleihen -, bei denen es vertragsgemäss dem Begeber freisteht, entweder den Titel zu verzinsen oder anstelle des Zinses neue Papiere zu liefern (debt represented by bonds, where the issuer has the choice either to pay cash interest or to issue new bonds in its place. It is like a payement-in-kind note with an option to pay cash interest, and these notes often are used to finance big leveraged buy-outs).

– Siehe Leveraged Buy-out, Payment-in-Kind-Kredit, Second-Lien-Kredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Top-Down-Ansatz, seltener auch Allgemein-Detail-Bewertung (top-down approach):

1 Bei der Beurteilung von Aktien zunächst die Abschätzung der wirtschaftlichen Gesamtlage und der Branche, ehe der einzelne Titel ins Auge gefasst wird.

2 Das Augenmerk eines Anlegers ist zunächst auf

1. die Art eines Finanzinstruments einerseits und

2. den jeweiligen Markt, auf dem er eine Investition tätigen möchte andererseits gerichtet, ehe er sich für ein ganz bestimmtes Papier entscheidet (in a top-down approach, investors focus on the asset class [shares, bonds, money-market funds, etc.] and the international markets wherein they wish to invest; in comparsion the choice of individual securities is of less importance).

3 Im Management eines Fonds die Strategie, zunächst nicht so sehr das einzelne Papier in den Mittelpunkt zu stellen, als vielmehr die aus der Fundamentalanalyse gewonnenen Erkenntnisse zu verwerten.

4 Beim Stress-Test die Berechnung der Stabilität des Bankensystems durch die Aufsichtsbehörde.

– Siehe Analyst, Analyse, technische, Bewertbarkeit, Bottom-up-Ansatz, Charts, Fibonacci-Folge, Fundamentalanalyse, Histogramm, Kartierung, Kursbereich, gehandelter, Random-Walk-Hypothese, Sentiment, Unterstützungslinie, Widerstandlinie.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2003, S. 57 sowie in Bezug zu 1 sehr ausführlich den jährlichen Finanzstabilitätsbericht der Deutschen Bundesbank.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Topf (pot, fund):

In älteren Dokumenten auch Bezeichnung für angesammeltes Geld oder angehäufte Vermögenswerte: ein Fonds. Jetzt noch häufig gesagt in Bezug auf den zusammengekommenen (accumulated) und auszuschüttenden (distributable) Spielgewinn bei Lotto, Toto und ähnlichen Glücksspielen, der Gewinntopf (Jackpot; jack pot).

– Siehe Fondswirtschaft, Titel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Topping out (so auch im Deutschen gesagt, seltener Hausse-Ende):

An der Börse die Bezeichnung für ein Wertpapier - manchmal auch auf den Markt gesamthaft ausgesagt -, das am Ende einer Aufwärtsbewegung ist, und von dem nun allgemein sinkende Kurse erwartet werden (market or security that has reached a point where its price is no longer rising; it is expected to decline).

– Siehe Bottoming out, Gewinnkonjunktur, Sinuskurven-Fetischismus.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Torgeld auch Pfortengeld (town gate fee):

Abgabe, die ehedem beim Betreten einer Stadt

1. durch eine Person und dann auch Fussgeld genannt oder

2. durch ein beladenes Fahrzeug (laden vehicle, loaded carrier) in Bargeld zu entrichten war; im zweiten Fall praktisch ein Binnenzoll, auch Oktroi (internal tariff) genannt. Der Ertrag aus dem Torgeld war häufig zum Unterhalt der Stadtmauern und Torwachen zweckgebunden (was appropriated to the maintenance of city wall and gate guards); ein Teil wurde auch manchmal der Armenkasse zugewiesen.

– Inhaber eines Freibriefs (charter) waren von der Entrichtung des Torgelds in der Regel befreit; denn dieses galt mit der Zahlung des Permissionsgeldes als beglichen.

– Siehe Brückengeld, Chausseegeld, Citymaut, Fährgeld, Furtgeld, Hafengeld, Krangeld, Mauergeld, Schleusengeld, Ungeld, Wachtgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Torpedokapital (torpedo stock):

Grundkapital einer Aktiengesellschaft, das in sehr kurzer Zeit an Wert einbüsst, ohne dass vernünftige Aussichten auf eine Besserung zu erkennen sind (a stock that is declining in value very fast with no chance to foreseeable reversal). Das geschieht erfahrungsgemäss dann, wenn sich das Marktumfeld, in dem die Gesellschaft tätig ist, rasch verschlechtert, die Gewinne sinken und das Management unfähig ist, den Abwärtstrend aufzuhalten. Die Aktionäre stossen diesfalls ihre Aktien zu jedem Preis ab (in that case shareholders sell their stock for whatever they can receive).

– Siehe Geldgrab, Geldverbrennung, Imparitätsprinzip, Lemons-Problem, Millionengrab, Verlustfalle, Waste Watcher, Zahlen, rote.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tort (damnage):

In älteren Dokumenten auch der Schaden, die Einbusse, der Verlust aus einem fehlgeschlagenen Geschäft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Total und [unschön] auch Totalbetrag (full amount, total [amount], grand total):

In der Finanzsprache die aus Zusammenzählung mehrerer Grössen sich ergebende Zahl, die Summe gesamthaft, der Endbetrag (the whole sum, the entire amount).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Total Return Swap, TRS (so auch im Deutschen gesagt, seltener [undeutlich] Ertragstausch und Performance-Swap):

1 Allgemein der Tausch der aus einem Vermögensgegenstand - in der Regel aus einem Wertpapier - fliessenden laufenden Erträge gegen Zahlungen, die auf einen vertraglich ausgemachten Referenzzinssatz (reference rate) geleistet werden (payment of all cash flows generated by the asset in exchange for payments based on a reference rate such as EURIBOR).

2 Besondere Art eines Kreditderivats, welches das gesamte wirtschaftliche Risiko einer Kreditbeziehung zum Gegenstand hat.

1. Der Sicherungsnehmer (floating rate payer) tauscht dabei mit dem Sicherungsgeber (fixed rate payer) die Erträge aus einem Referenzaktivum sowie dessen Wertsteigerung gegen Zahlung eines hauptsächlich von der Bonität das Referenzaktivums abhängigen variablen Zinses periodisch aus.

2. Der Sicherungsgeber übernimmt neben dem Kreditrisiko des Referenzaktivums auch dessen Marktpreisrisiko.

– In der Regel sind die Vertragspartner bei diesem Geschäft in verschiedenen Ländern bzw. Währungsräumen angesiedelt.

– Siehe Kreditderivat, Kreditereignis, Option, Sleepy Warrant.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2004, S. 30 (Übersicht der üblichen Vertragsbeziehungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Total Shareholder Return, TSR (so auch im Deutschen gesagt; seltener Aktiengesamtrendite und Aktienrentabilität):

Bei Aktien eine Kennzahl, um die - meist auf ein Jahr bezogene - Entwicklung eines Portfolios abzubilden. Dabei werden Gewinne und Verluste aus Aktienbesitz saldiert, und die Dividendenzahlungen rechnerisch so behandelt, also ob sie in das entsprechende Papier sofort wieder reinvestiert worden wären (a proportion that corresponds to the addition of the return on the share [dividends/value of the share] and the capital gains rate [capital gains during the period divided by the initial share value]. It is the return earned by a shareholder who bought the share at the beginning of a period, earned dividends, and then sold the share at the end of the period. To smoothen out market volatility, TSR sometimes is measured over long periods, like five or ten years). - In Zusammenhang mit der öffentlichen Kritik an den Vergütungen leitender Mitarbeiter von Aktiengesellschaften wurde diese Kennzahl häufig mit der Steigerung der Managergehälter verglichen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Totholz (dead wood):

Mitarbeiter einer Bank und eines Unternehmens überhaupt, die

1 vor allem nach einer Umorganisation oder im Gefolge von Fusionen und Übernahmen entbehrlich sind (employees that are no longer considered useful or necessary by the firm) bzw.

2 innerlich gekündigt haben und daher als eine Last angesehen werden (staffers who have given up mentally resp. switched off inside, thus are not able to contribute to the firm's output and are seen, therefore, as burdensome).

– Siehe Airbag, Alleskönner, Autonom agierende Einheit, Banker, Chief Copying Officer, Druckbelegschaft, High Flyer, High Potential, Hot Spot, Infighting, Intangibels, Job-Hopper, Kollege Harzenmoser, Kontakt-Allergiker, Krokodil, Lemons-Problem, Loch, schwarzes, Low Performer, Mailbomber, New Hire, Peter-Regel, Risiko, personelles, Schlafgeld, Selbstverwirklicher, Sitzheizung, Tauschsieder, Tenu-Schlamper, Triple A, Übernahmerisiken, Underperformer, Umsatzbremse, Unfallflüchtling.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tournée-Geld (business traveling expenses):

In älteren kaufmännischen Dokumenten die Ausgaben für eine Geschäftsreise bzw. ein Betrag, der für diesen Zweck eingeplant und zurückgestellt wird.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tracker-Zertifikat (tracker certificate; seltener rein basiswertbezogenes Zertifikat):

Zertifikat im Sinne einer Forderung, die auf einen bestimmten Basiswert (Bezugsbasis; underlying [asset]: Vermögensgegenstand, der dem Geschäft zugrunde liegt) lautet. Damit entspricht der Preis des Zertifikats im Grunde stets der Bezugsbasis (a tracker certificate has the same payoff profile as the underlying asset resp. reference base upon which it is based. As such, there is no optionality involved in this product category, and there is neither cap nor protection; its risk is identical to the underlying asset(s): it tracks [es bleibt auf dem Geleise]). - Freilich ist neben den Gebühren an den Aussteller des Zertifikats (management fee) auch ein Währungsrisiko für den Fall zu berücksichtigen, dass der Basiswert und der Rechnungswert des Zertifikats auf verschiedenen Währungen bezogen sind (composite; Composite). - Allgemein ermöglicht es ein Tracker-Zertifikat, ohne viel Mühe (der Anleger muss nicht etwa unmittelbar über einen Broker in einem anderen Land an die Börse gehen) an der Preisentwicklung eines Basiswertes teilzuhaben.

– Siehe Option, Quanto, Zertifikat.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tracking Error (so auch im Deutschen gesagt; seltener Abweichungsunterschied):

Bei einem Fonds eine Kennzahl dafür, wie weit sich innert eines gewissen Zeitraums dessen Rendite von jener eines Referenzwertes - etwa: anderer vergleichbarer Fonds, Börsenindex - unterscheidet. Diese Benchmark dient zur Beurteilung der Performance des betreffenden, von einer Kapitalverwaltungsgesellschaft aufgelegten und verwaltete Sondervermögens (capital stock; Kapitalstock), über das Anteilscheine ausgegeben wurden (a ratio expressed as a percentage which measures the deviation of the return of a fund compared to the return of a benchmark over a fixed period of time).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Trade Assignment (so auch im Deutschen gesagt; seltener [undeutlich] Weiterverkauf):

Wenn nicht anders definiert die Übertragung eines Credit Default Swaps (CDS) vom ursprünglichen Verkäufer zu einem anderen Marktteilnehmer. - Knapp die Hälfte der CDS wurden im Herbst 2006 auf diesem Wege weitergegeben. Die Aufsichtsbehörden rügten, dass oft die notwendige Dokumentation für eine Derivategeschäft noch nicht einmal ausgestellt ist, wenn der Kontrakt unter Umständen schon mehrmals die Hand gewechselt hat. - Die International Swaps and Derivates Association (ISDA) mit Sitz in Neuyork bemühte sich inzwischen erfolgreich um die automatische Abwicklung der Kontrakte, so dass das Dokumentationsrisiko (documentation risk) weithin entschärft werden konnte.

– Siehe Abwicklung, vollautomatisierte, Abwicklungsbestätigung, Business Continuity Programme, Collateralised Debt Obligation, synthetische, Derivategeschäfte-Clearingpflicht, Derivategeschäfte-Meldepflicht, ,Kreditderivat, Pfandpoolverfahren, Schlusschein, Spekulant.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 45 ff. (Darstellung der verschiedenen Übertragungssysteme).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Trade Sale (so auch im Deutschen gesagt; manchmal auch Unternehmensübertragung):

Wenn nicht anders definiert die Übergabe eines Unternehmens an einen anderen Eigentümer, welcher die Firma kauft und weiterführt (the sale of a company to an industrial player, as opposed to a financial one, such as a private equity fund).

– Siehe Fusionen und Übernahmen, Leveraged Buy-out, Vulture Fund.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Dezember 2006, S. 45.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Trägergeld in älteren Dokumenten auch Apportage und Portage (porterage; compensation payment for loss of earnings):

1 Allgemein die Bezahlung für einen Lastenträger (the charge for carrying burdens by a porter).

2 In manchen Gegenden im Besonderen auch die Zahlung an jene Männer, die bei Sterbefällen in einer Dorfgemeinschaft den Sarg trugen (Sargträger; pallbearer, coffin-bearer) und für den Verdienstausfall entschädigt werden mussten. Das dafür nötige Geld war mancherorts aber nicht unmittelbar von den Hinterbliebenen (surviving dependants) zu aufzubringen. Vielmehr wurde die Zahlung von der Totenbeliebung (rural burial insurance) verrichtet. Hierbei handelte es sich um eine die Dorfbewohner umfassende Versicherung auf Gegenseitigkeit. Diese leistete bei Sterbefällen einen Zuschuss zu den bei einem Trauerfall entstehenden Aufwendungen.

– Siehe Ankergeld, Betgeld, Hafengeld, Kaigeld, Konduktgeld, Kapplaken, Krangeld, Ladegeld, Lastgeld, Liegegeld, Leuchtturmgeld, Lotsengeld, Mützengeld, Räumegeld, Sperrfrachtgeld, Staugeld, Sterbekasse, Tonnengeld, Tontine, Wägegeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tragfähigkeit öffentlicher Finanzen (sustainability of public finance):

Das Vermögen der öffentlichen Haushalte (public budgets: Bund, Länder, Kommunen, Parafisci), alle Verbindlichkeiten im Zeitablauf zu bedienen. Bestehen Zweifel daran, so werden die Wirtschaftssubjekte durch entsprechende Handlungen - wie etwa kürzere Laufzeiten bei Darlehn, Verträge zur Absicherung der Folgen ausfallender staatlichen Leistungen - reagieren, was sich auf die Finanzmärkte in vielfältiger Weise niederschlägt.

– Siehe Alterung, Anpassungs-Inflation, zwingende, Ausgabenquote, Europäischer Währungsfonds, Haushalts-Tricks, Haushalts-Vorabstimmung, europäische, Nachhaltigkeit, Schattenstaat, Schuldenquote, Semester, europäisches, Staatsschulden-Rückführung, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Steuerungsrahmen, Sozialstaat-Falle, Verfassungsartikel eins Wagnersches Gesetz.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2007, S. 65 ff. (Tragfähigkeit innert der EU), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2009, S. 97 ff. (Tragfähigkeitsbericht der Europäischen Kommission 2009; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom März 2010, S. 96 ff. (Vorausschau bis 2028 im Eurogebiet; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Juli 2011, S. 31 ff. (Vorausschau bis 2020).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tragfähigkeitslücke (demographic carrying gap):

Wenn nicht anders definiert alle auf die Zukunft bezogenen Einnahmen des Staates, verglichen mit den zu leistenden Ausgaben.

– Siehe Alterung, Demographieverfestigung, Lissabon-Agenda, Staatsschuld, Tragfähigkeit öffentlicher Finanzen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Traktat (treaty):

In der älteren Literatur häufig gesagt für

1. Vertrag, Kontrakt (contract) allgemein,

2. Kreditvereinbarungsklausel (credit covenant: an agreement relating to terms in lending) oder

3. Vergleich, Abschluss (arrangement, settlement) zwischen der Bank und ihrem Kunden.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tranche (tranche, manchmal auch piece):

Teilausgabe einer Begebung von Finanzinstrumenten (a specific part of a larger transaction; each purchase and resale of a separate block of bank instruments within the total transaction is known as a tranche). Neben Obligationen im herkömmlichen Sinne - was mit dem Begriff in der älteren Literatur noch allein verbunden ist - werden immer mehr auch andere handelbare Finanzinstrumente in Stücke mit unterschiedlichem Risiko und demzufolge unterschiedlicher Verzinsung zerlegt und weltweit Investoren zum Kauf angeboten. - Nach § 2 der Verordnung über die buchhalterische Darstellung, Rechnungslegung und Wertermittlung der Anteilklassen von Sondervermögen (Anteilklassenverordnung [AntKlV]) aus dem Jahr 2005 muss die Buchführung so beschaffen sein, dass sich nach ihr jeder, eine einzelne Anteilklasse des Sondervermögens betreffende, Geschäftsvorfall in seiner Entstehung und Abwicklung nach Art und Zeitpunkt verfolgen lässt, und seine Zurechnung zu der jeweiligen Anteilklasse ersichtlich ist.

– Siehe Aktie, Aktiva, illiquide, Credit Default Swaps, Darlehn-gegen-Papiere-Geschäft, Kapitalverwaltungsgesellschaft, Originate-to-distribute-Strategie, Partialobligation, Pool, Reintermediation, Rückübertragungs-Klausel, Single Master Liquidity Conduit, Tranchendicke, True-Sale-Verbriefung, Verbriefung, Verbriefungsstruktur, Zweckgesellschaft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tranchendicke (thickness of tranche):

Besonders in Bezug auf die Verbriefungsstruktur gesagt vom Anteil einer einzelnen Tranche, bezogen auf den Pool gesamthaft und in der Regel in Geldeinheiten ausgedrückt. - Ein zur Verbriefung zusammengestellter Forderungspool kann prozentual (proportionally; anteilsmässig) beliebig in einzelne Teilstücke zerlegt werden. Auch bei der weithin üblichen Dreiteilung der Tranchen bei einer Verbriefung - Erstverlusttranche, Mezzanine-Tranche, Senior-Tranche - liegt es ganz im Ermessen der Zweckgesellschaft, mit welcher Quote (quota; Anteil, Prozentsatz) des Pools sie die einzelnen Tranchen ausstattet. - Selbst in angesehenen Lehrbüchern wird unterstellt, dass die Tranchen bei einer Verbriefung anteilmässig immer gleich seien, der Pool also zu gleichen Teilen auf die einzelnen Tranchen verteilt werde. Das jedoch entspricht keineswegs der Wirklichkeit.

– Siehe Aufprallträger, Verbriefung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Transaktion (transaction):

1 Allgemein gesagt von jedem neuen Geschäftsabschluss oder dessen endgültiger Ausführung (the entry or liquidation of a trade) und dem Begriff Geschäft entsprechend.

2 In der Finanzsprache

1. jederart Bewegung von Geld, auch

2. jedes aktive Tun (the act of conducting or carrying out business, negotiations, plans) auf dem Finanzmarkt und damit in etwa dem Begriff Geschäft und Engagement sowie zumeist auch Umsatz gleich.

3 Im engeren Sinne auf dem Finanzmarkt

1. der rechtsgültige, vom Partner bestätigte Abschluss eines Vertrags (agreement between two or more parties that establishes a legal obligation) oder

2. das Erfüllungsgeschäft, die Erbringung der beiderseitig vereinbarte Leistung, aus dem Kontrakt (the act of carrying out such an obligation).

– Siehe Abwicklungsbestätigung, Buchgewinn, Closing, Deal, European Master Agreement, Komptantgeschäft, Mistrade, Operation, Scheintransaktionen, Übertragung, bedingte, Übertragung, endgültige, Schlusschein, Zahlungshalber.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Transaktion, befristete (reverse transaction):

Geschäft, bei dem die Zentralbank Vermögenswerte gemäss einer Rückkaufsvereinbarung kauft bzw. verkauft oder Darlehn gegen Verpfändung von Sicherheiten gewährt.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Oktober 2007, S. 93 ff. (Vergleich der Regelungen für Sicherheiten bei der EZB mit USA und Japan; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Transaktion, komplette (round turn):

Begriff aus Optionsverträgen. Er bezeichnet eine abgeschlossene Futures-Transaktion, nämlich das Eingehen und Beendigen eines Terminkontraktes; etwa einen Verkauf, um einen Kauf zu decken; oder einen Kauf, um einen Verkauf auszugleichen (a completed transaction involving both a purchase and a liquidating sale, or a sale followed by a covering purchase).

– Siehe Call, Erfüllung, Put, Option, Rohstoff-Terminvertrag, Transaktion, Wiedereindeckungs-Risiko.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Transaktionskasse (transaction cash):

Wenn nicht anders definiert das Bargeld, welches Privathaushalte für die laufenden Käufe von Waren und Dienstleistungen halten. In der älteren Volkswirtschaftslehre wurden viele Lehrmeinungen über die Höhe der -einkommensabhängigen? - Transaktionskasse angestellt. Angesichts veränderter Zahlungsgewohnheiten und vor allem durch den Siegeszug der Karten sind diese Überlegungen jedoch heute grösstenteils gegenstandlos.

– Siehe Eventual-Kasse, Idle Money, Karte, Liquiditätspräferenz.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2009, S. 52 f. (Transaktionskassenhaltung in Zusammenhang mit der Kartenzahlung), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2010, S. 33 ff. (Verwendung von Bargeld in Deutschland; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2014, S, 81 (durchschnittliche gehaltene Transaktionskasse in Deutschland; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Transaktionsbank (transaction bank):

1 Eine Bank, die im Auftrag und auf Rechnung eines anderen Instituts für ein Geschäft tätig wird. In fast jedem Fall kann das beauftragte Institut die Dienstleistung kostengünstiger erbringen als die beauftragende Bank.

2 Firm, die Back-Office-Geschäfte sowie die im Bank-zu-Bank-Geschäft üblichen Dienstleistungen erbring.

– Siehe Aktivitätsanalyse, Allianzen, grenzüberschreitende, Auslagerung, Call-Centre, Contractual Trust Arrangement, Brokergeschäft, Datei-Verwaltung, zentralisierte, Hilfsdienste, bankbezogene, Korrespondenzbank-Beziehung, Outsourcing-Risiken, Spin-off.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Transaktionsbonus (transaction premium):

Wenn nicht anders definiert die Zahlungen eines Bieters an Entscheidungsträger eines Zielunternehmens in Zusammenhang mit einer Übernahme. - Weil dabei organschaftliche Treuepflichten (functional fiduciary rules) sowie die Interessen der Mitarbeiter und Aktionäre in jedem Falle berührt werden, so sind solche - häufig gar nicht offengelegte - Zahlungen an Personen in der Zielgesellschaft übernahmerechtlich (according to takeover laws) in vieler Hinsicht bestritten. Dies wurde deutlich beim sog. Mannesmann-Verfahren 2004 und 2006 in Deutschland; auch der Betriebsratsvorsitzende wurde wegen treuepflichtwidriger Schädigung angeklagt. In der Öffentlichkeit gelten solche Anerkennungsprämien als Douceur bzw. als Schmiergeld. - Auf Transaktionsboni bei Unternehmen im Finanzbereich hat die Aufsichtsbehörde entgegen einer weit verbreiteten Meinung (contrary to a widely held opinion even in respective textbooks) keinen unmittelbaren Einfluss.

– Siehe Aktientausch-Übernahme, Aktionärstimmenjagd, Bieter, Blitzkrieg-Übernahmeangebot, Buy out, Douceur, Draufgeld, Erwerbsangebot, Fusionen und Übernahmen, Geheimgeld, Greenmail, Handgeld, Material-Adverse-Change-Klauseln, Pflichtangebot, Rückvergütung, Schmiergeld, Stimmrecht-Datenbank, Übernahme-Angebot.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Transaktionskosten (transaction costs):

1 Auf dem Finanzmarkt allgemein die Summe aller Kosten, die bei einem Geschäft entstehen (all the costs of executing a financial transaction; these include brokerage commissions, fees for exercise and/or assignment, exchange fees, and margin interest).

2 Als Begriff aus den International Financial Reporting Standards (IFRS) sämtliche Ausgaben, welche bei Kauf oder Verkauf eines Vermögensgegenstandes anfallen. Grundsätzlich müssten solche Beträge bei der Ermittlung des Fair Value in jedem Fall berücksichtigt werden. Bis anhin sind aber je nach der Art des Vermögensgegenstandes verschiedene Regelungen vorgesehen. In der bezüglichen Fachliteratur werden die damit zusammenhängenden Fragen ausführlich erörtert.

2 Auf Finanzmärkten manchmal auch gesagt von dem Aufwand zur Minderung asymmetrischer Information.

3 Verzehr von Produktionsfaktoren, wie Leistungen von Bankmitarbeitern oder Dienste von Verrechnungs-Systemen, der beim Umtausch von einer Währung in eine andere entsteht (the costs of changing one currency into another).

– Siehe Risikoanhebung, subjektive, Versicherungsunsicherheiten.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2008, S. 35 (sinkende Transaktionskosten im Sinne von 3 in der Währungsunion).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Transaktionskosten-Abweichung (slippage):

Der Unterschied zwischen den veranschlagten Ausgaben im Zuge eines Engagements und den am Ende der Transaktion tatsächlich angefallenen Zahlungen (the difference between estimated transaction costs and final transaction costs). Vor allem bei an der Börse zu Tagespreis gehandelten Vermögensgegenständen kann sich so ein über oder unter der Planung liegender Betrag ergeben.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Transaktionsmeldung (mandatory transaction report):

Nach § 9 WpHG müssen Finanz¬dienstleister der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht sämtliche Geschäfte in Finanzinstrumenten melden. Im Jahr 2006 (2005) erhielt die BaFin 707 Mio (560 Mio) entsprechender Meldungen, die hinsichtlich allfälligen Marktmissbrauchs und Insider-Transaktionen durchleuchtet werden.

– Siehe Insider-Meldepflicht, Nominee, Sarbanes-Oxley-Act, System Securities Watch Application (SWAP).

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 164 f (Verdachtsfälle) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Transaktionsüberwachung (transaction monitoring):

Bei Banken meistens in der Internen Revision (audit department) oder Compliance-Abteilung angesiedelte Stelle, die sich der nachträglichen Prüfung durchgeführter Geschäfte allgemein und der Beratungsleistung (advisory services, investment consulting) im Besonderen widmet. Dabei sollen nicht nur Auffälligkeiten entdeckt werden. Vielmehr bieten die entsprechenden Berichte erfahrungsgemäss auch wertvolle Anregungen für die Personalschulung (are a valuable source for staff training).

– Siehe After Action Review, Ausreisser, Dampfstube, Superrevision, Vertriebsdruck.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 123, Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 166 f. (unterschiedliches Gewicht der Transaktionsüberwachung bei einzelnen Instituten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Transaktionsregister (trade repository):

Stelle, bei der elektronische Aufzeichnungen über Umsätze auf dem Finanzmarkt aufgezeichnet werden müssen. Aufsichtsbehörden, Zentralbanken und Marktteilnehmer haben einen Bedarf an zuverlässigen Transaktionsregistern, weil diese durch das Sammeln, Speichern und Weitergeben von Daten zur Transparenz der Finanzmärkte wesentlich beitragen. - In Umsetzung dieser Ziele und zur Schaffung eines einheitlichen aufsichtlichen Rahmens über Zentrale Gegenparteien ist seit August 2012 die Verordnung (EU) № 648/2012 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 4. Juli 2012 über OTC-Derivate, zentrale Gegenparteien und Transaktionsregister, die European Market Infrastructure Regulation, EMIR in Kraft getreten. - Gemäss Art. 9 EMIR muss der Abschluss von Derivategeschäften ab dem 12.02.2014 an ein Transaktionsregister gemeldet werden. Auch Derivategeschäfte, die seit dem 16.08.2012 bestehen oder bestanden, unterfallen einer Nachmeldepflicht. Dabei gilt eine 90-Tagesfrist, falls der Kontrakt am 12.02.2014 immer noch läuft. Eine dreijährige Frist ist zu beachten, wenn der Kontrakt zum 12.02.2014 bereits ausgelaufen ist.

– Siehe Derivategeschäfte-Clearingpflicht, Derivategeschäfte-Meldepflicht, Transaktionsmeldung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2012, S. 39 (Bedeutung der Transaktionsregister für die Markttransparenz), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 163 (neue Vorgaben für OTC-Derivategeschäfte durch die novellierte DerivateV).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Transfer, verschleierter (backdoor transfer):

Bezogen auf den EZB-Sündenfall die Subventionierung der Staatshaushalte strauchelnder Mitglieder der EWU, und damit eine Umlenkung von Kaufkraft vom Kern der Währungsunion an dessen Randgebiet. Für diese, von der Südfront im EZB-Rat erzwungene Politik fehlt der Zentralbank jede demokratische Legitimation (any democratic legitimacy). Hinzu tritt, dass alle bis anhin auf diesem Wege vorgenommenen Transfers die aus fehlender Wettbewerbsfähigkeit herrührenden Probleme in den Empfängerländern überhaupt nicht löst, wie sich im Falle Griechenlands deutlich genug gezeigt hat. Vieles spricht dafür, dass durch die Aufkäufe sogar die notwendigen Reformen in den Empfängerstaaten weiterhin verschleppt werden. - Eine zentralbankbewirkte Umverteilung widerspricht dem Grundgedanken der Europäischen Verträge, bewirkt einen starken Vertrauensverlust gegenüber der EZB und schürt das Misstrauen gegenüber allen europäischen Institutionen sowie dadurch auch einer europäischen Einigung in der Bevölkerung ("Europa – so nicht!").

– Siehe Anmassung, zentralbankliche, Aufkäufe, zentralbankliche, Bail-out, Bilanzbereinigung, Binnenflexibilität, Blame Game, Buyer of last resort, Covered Bonds, Credit Default Swap-Verflechtungen, Defizit-Finanzierungsverbot, Demokratie-Defizit, Europäische Währungsunion, Grundfehler, Italienische Methode, Defizit-Finanzierungsverbot, Ein-Stimmen-Prinzip, Erpressungspotential, Euro-Bonds, Finanzsolidarität, Griechenland-Krise, Japanisierung, Kindergarten-Argument, Kredit, titrierter, Monetaristen, Moral Hazard, Perpetuum Mobile, Plan C, Renationalisierung, geldpolitische, Rettungspaket, Repräsentationsproblem, Risikoträger, endgültiger, Schrottpapiere, Schuldenclub, Siebenprozent-Grenze, Salami-Taktik, Staatsanleihen-Zinsdeckelung, zentralbankbewirkte, Staatsschulden-Rückführung, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Grundfehler, Südfront, Transferunion, Überregierung, Umverteilung, zentralbankbewirkte, Vermögensabgabe, Währungsunion 2, Weginflationierung, Zentralbankkredit, öffentlicher.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Oktober 2012, S. 7 ff. (argumentativ fragwürdige Verteidigung der Geschäfte der EZB als Buyer of last resort), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2012, S. 27 f. (eine Zentralbank darf keine "quasi-fiskalische Rolle" einnehmen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Transferkonto (sweep account):

Zwei bei derselben Bank unterhaltende Konten, von denen

1. das eine verzinslich ist und die darauf liegenden Beträge zur längeren Anlage vorgesehen sind;

2. das andere Konto dient demgegenüber den täglichen geldlichen Umsätzen (a combination of two accounts at the same bank; this is useful in managing a steady cash flow between a cash account used to make scheduled payments, and an investment account where the cash is able to accrue a higher return). Manche Banken und auch Kreditkartenunternehmen bieten heute privaten Kunden und Kleinunternehmen ein Transferkonto an.

– Siehe Konto, automatisch ausgeglichenes, Kontenstände-Anpassung, automatische.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Transferrisiken (intermediary risks; translation risks):

1 Bei Darlehn einer Bank in fremde Währungsgebiete die Möglichkeit, dass

1. die Bedienung (servicing; Verzinsung und Tilgung) in frei konvertierbarer Währung von politischen Instanzen untersagt wird oder gar

2. die Schulden von einer neuen Regierung nicht anerkannt werden (odious public debt).

2 Risiken, die in Zusammenhang mit Kreditderivaten in erster Linie bei Intermediärbanken entstehen. Hierzu zählt vor allem das

1. Basis-Risiko (underlying mismatch risk): zwei gegenläufige Absicherungsgeschäfte sind nicht vollständig deckungsgleich, etwa: sie beziehen sich nicht auf gleichartige Referenzaktiva,

2. Kontrahentenrisiko: der Sicherungsgeber ist wirtschaftlich nicht in der Lage, die vereinbarte Leistung zu erbringen,

3. Rechtsrisiko (legal risk): die Einschätzung eines Vorgangs als Eintritt der Kreditereignisses ist zwischen Sicherungsgeber und Sicherungsnehmer umstritten und

4. operationelles Risiko: die organisatorische (organisational: personelle, technische) Infrastruktur versagt.

3 Die Möglichkeit eines Verlustes dadurch, dass Posten, in fremder Währung bewertet, in die Bilanz eingehen (possible loss from the conversion of foreign currency items on the balance sheet; these foreign exchange fluctuations are not offset by balance sheet items in the same currency).

4 Manchmal auch in Hinblick auf allfälliger Verluste durch Unterbruch der IT-Technologie gesagt. also für Technologie-Risiken.

– Siehe Informations-Sicherung, IT-Risiken, Länderrisiko, Risiko, Risiko, systeminhärentes Staatsschulden, verweigerte, Wertpapiere, risikolose, Technologie-Risiken, Videokonferenz.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2004, S. 38.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Transferunion auch Transfergemeinschaft (transfer union):

Im Frühjahr 2010 verbreitet aufgekommene, anzügliche Benennung in Zusammenhang mit der Einrichtung des Europäischen Stabilisierungsmechanismus und den Hilfen für das dem Staatsbankrott nahe Griechenland, und dann schon ein Jahr später auch für Portugal und weitere Mitglieder des Eurogebiets. - Wesentliche Säule der Europäischen Währungsunion war der Grundsatz, dass kein Mitgliedsstaat für die Verbindlichkeiten eines anderen haftet. Eine solche Non Bail-out-Klausel ist ausdrücklich niedergelegt in Artikel 125 AEVU. Weiter wurde von jedem Mitglied verlangt und erwartet, dass es fair gegenüber der gemeinsamen Währung handelt. Durch Hilfen wie im Falle Griechenland, Portugal, Spanien, Zypern und andere werden Anreize falsch gesetzt: die Haushaltsdisziplin wird aufgeweicht. Anstelle der Solidarität gegenüber der gemeinsamen Währung - Griechenland erhielt mit dem EUR seit vielen Jahrzehnten das erste Mal in seiner Geschichte stabiles Geld und ein bis dahin nicht gekanntes niedriges Zinsniveau - wird auf die Opferbereitschaft der Bürger anderer, sich an die vertraglichen Regeln haltenden Mitgliedsstaaten gesetzt. - Der häufig vorgebrachte Einwurf, die EU sei eh schon eine Transferunion, ist ersichtlich falsch. Denn die Transfers zwischen den Mitgliedsstaaten wie etwa bei den Agrarzahlungen sind nach ihrem Zweck genau bestimmt und in Bezug auf die Summe begrenzt. Transfers aufgrund zu hoher Haushaltsdefizite in einem Land oder - was damit in der Regel verbunden ist - Verlust der Wettbewerbsfähigkeit unterliegen nach dem EU-Vertrag keiner Zahlungsverpflichtung seitens anderer Mitglieder. Dazu ist es eine Erfahrungstatsache, dass solche Fehlentwicklungen in einen, in vielerlei Hinsicht ungehemmten Schwung mit immer stärkerer Triebkraft münden. Bald wird ein Ausmass erreicht, das am Ende den Lebensstandard der Menschen in den Geberländern spürbar beeinträchtigt. Damit kommen Parteien an die politische Macht, die ein Exit in ihr Programm geschrieben haben ("Europa – so nicht!").

– Siehe Abwertung, fiskalische, Aufkäufe, zentralbankliche, Bail-out, Bankenunion, Risikoteilung, Blame game, Defizit-Finanzierungsverbot, Einrichtung zur Bankenabwicklung, Europäischer Abwicklungsfonds, Europäischer Stabilisierungsmechanismus, EWU-Sprengsatz, EZB-Sündenfall, Goldopfer, Griechenland-Krise, Gruppenzwang, Hellenoschwärmerei, Irland-Krise, Neuro, Politikklammer, Portugal-Krise, Retterei, Rettungsschirm, Schuldenclub, Schuldendroge, Siebenprozent-Grenze, Solidarität, finanzielle, Sperrkonto, Staatsanleihe, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Stabilisierungsmechanismus, europäischer, Vermögensabgabe, Vertragstreue, Verschuldung-Produktivität-Verkettung, Wachstum-Schulden-Tatsache, geschichtliche.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2010, S. 12 f. (zu den Garantien im Zuge des Europäischen Stabilisierungsmechanismus), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2010, S. 11 f., S. 67 (entsprechender Hilfe müssen glaubwürdige Konsolidierungsmassnahmen der Problemländer vorangehen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2011, S. 66 ff. (schwere Bedenken gegen den indirekten Marsch in eine Transferunion).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Transferzahlungen (transfer payments):

Falls nicht ausdrücklich anders definiert, so meint man damit Geldleistungen des Staates an Privathaushalte (unearned benefits paid out to private households by the government, e.g. relief payments, unemployment, disability and child allowances or education grants).

– Siehe Bürgergeld, Drittgattingeld, Geldbewusstsein, Sozialstaat-Falle, Staatsausgaben, Subsidiaritätsprinzip, Subventionen, Verfassungsartikel eins, Wagnersches Gesetz, Zweitgattingeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Transitgeld auch Durchgangszoll und in alten Dokumenten oft nur Transit (transit duty):

Abgabe, die von Warensendungen erhoben wird, welche vom Ausland - etwa: Rotterdam - kommend, durch das Staatsgebiet - hier. Deutschland - transportiert werden und wieder ins Ausland - etwa: Basel - gehen. - Berechnungsgrundlage kann

1. eine Menge wie etwa die Anzahl der Eisenbahnwaggons,

2. das Gewicht,

3. der Wert oder

4. eine Kombination aus diesen Masstäben der Durchgangsgüter (Transitwaren; transit goods) sein.

– Soweit in entsprechenden Verträgen (Freihandelsabkommen; free trade agreement) auf Transitgeld gegenseitig verzichtet wurde - etwa: Deutschland-Schweiz -, so kam es manchmal in anderer Form, besonders als Maut oder Verladegeld, gleichsam durch die Hintertür (by way of the back door) wieder auf.

– Siehe Chausseegeld, Citymaut, Esito-Geld, Fährgeld, Furtgeld, Geleitgeld, Hafengeld, Krangeld, Ladegeld, Maut, Passage-Geld, Ungeld, Verladegeld, Vignette, Wägegeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Transmissionsmechanismus, monetärer (monetary transmission mechanism):

Die Art und Weise, wie sich geldpolitische Entscheidungen (monetary policy decisions) letztlich auf eine Volkswirtschaft bzw. auf ein Währungsgebiet auswirken, und hier wieder vor allem auf die Produktion und auf die Preise. Die Übertragungswege entsprechender Massnahmen (impulses; Impulse) nennt man Transmissionskanäle (transmission channels). Geldpolitische Impulse werden über Zinskanal, Kreditkanal, Wechselkurskanal und Vermögenskanal übertragen. - Die in Modellen abgeschätzten und in Statistiken im Nachhinein errechneten Zusammenhänge sind zu einem Spezialgebiet der Geldtheorie geworden. Für den Euroraum scheint festzustehen, dass unter gewöhnlichen Umständen (under normal circumstances) ein Anstieg der kurzfristigen Zinssätze CETERIS PARIBUS zu einer vorübergehenden Verringerung der Produktion führt. Diese Schrumpfung erreicht bei gewöhnlichen wirtschaftlichen Verhältnissen etwa zwei Jahre nach dem eigentlichen Impuls ihre Spitze, um dann wieder auf den ursprünglichen Stand zurückzukehren. Gleichzeitig sinken die Preise schrittweise (gradual) auf ein dauerhaft niedrigeres Niveau.

– Siehe Bremsweg, geldpolitischer, Erdölpreis-Schocks, Hurrikan-Schocks, Long-Lag-Theorie, Modellunsicherheit, Sparsamkeitsregel, Strukturunsicherheit, Systematomanie, Taylor-Regel, Unsicherheit, Wort Case Szenario.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2005, S. 26 ff. (es lässt sich keine Übertragung der Volatilität des Tagesgeldsatzes auf die längerfristigen Zinssätze nachweisen), Monatsbericht der EZB vom August 2008, S. 93 ff. (breite, lehrbuchmässige Darstellung; viele Übersichten; wichtige Literaturhinweise), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2009, S. 69 ff. (Geldpolitik und Geldangebot im Euroraum; viele Übersichten; Literaturverweise), Monatsbericht der EZB vom November 2011, S. 95 ff. (grundsätzliche Feststellungen zum Transmissionsmechanismus), S. 97 ff. (Auswirkungen der Regulierung auf den Transmissionsmechanismus).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Transparency Group (so auch im Deutschen):

Ein Ausschuss in Zusammenhang mit Basel-II, der detaillierte Richtlinien für die Offenlegungspflichten erarbeitet.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Transparenz auch Durchsichtigkeit (transparency of financial statement):

1 Die Möglichkeit eines gewöhnlichen Anlegers, aus dem vorgelegten Zahlenwerk eines Unternehmens allgemein und eines Instituts im Besonderen dessen genau geschäftliche Lage zu erkennen.

2 Die Möglichkeit, die Verhältnisse von Angebot und Nachfrage auf einem Markt zu durchschauen. Hierbei sind unterschiedliche Grade der Markttransparenz zu beachten.

– Siehe Corporate Governance, Darstellung, glaubwürdige, Finanzialisierung, Informations-Überladung, Kürteil, Offenlegungspflichten, Regulierungsdichte, Regelgegründet, Schattenbankbereich, Transparenzgebot, Transparenz-Richtlinie, Vertraulichkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Transparenzgebot (transparency requirement):

1 In Bezug auf die Geldpolitik die Darlegung der Entscheidungsgründe für die allgemeine Leitlinie sowie für bestimmte Massnahmen einer Zentralbank.

2 In Bezug auf ein Unternehmen die Offenlegung der Vermögenswerte und Schulden, um Banken und Anlegern eine genaue Beurteilung der Lage der Firma zu ermöglichen.

– Siehe Bilanz-Skandal, Codewörter, Corporate Governance, Disziplinierungszwang, Fair Value, Forward Guidance, Politik des offenen Mundes, Prospekt-Rechtssetzung der EU, Publizitätspflichten, Tarnkappen-Politik, Unschärfe, konstruktive.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2002, S. 63 ff., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2004, S. 15 f., Monatsbericht der EZB vom Mai 2005, S. 93 ff. (in Bezug auf Unternehmen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2005, S. 77 f. (mit Übersicht der Transparenzregeln für Banken), Monatsbericht der EZB vom April 2007, S. 67 ff. (ausführliche Darlegungen der Beziehungen zwischen transparenter Geldpolitik und dem Finanzmarkt; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom November 2009, S. 77 ff. (Kommunikation der Zentralbank in Zeiten von Turbulenzen), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 213 f. (BaFin führte im Jahr 2009 eine Transparenzinitiative durch, die viele Mängel zutage treten liess sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Transparenzgrad (degree of transparency):

Auf einem nationalen Finanzmarkt Bezeichnung dafür, inwieweit die aufsichtsrechtlichen Vorschriften

1. juristisch eindeutig beschrieben sowie

2. anwendungstechnisch sachlich, objektiv und schnell vollzogen werden.

– Empirisch nachweisbar ist, dass im Zuge der Internationalisierung der Banken man Niederlassungen lediglich in solchen Staaten aufbaut, die über ein transparentes Bankenaufsichtssystem verfügen.

– Siehe Allianzen, grenzüberschreitende, Aufsichtsbehörden, Fragmentierung, aufsichtliche, Regulierungswut, Straitjacking, Überregulierung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2005, S. 38 f. (hinsichtlich der bezüglichen Geschäftspolitik deutscher Banken).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Transparenz-Richtlinie und (in einem Wort) Transparenzrichtlinie (EU transparency directive):

Verordnung der EU aus dem Jahr 2004 mit dem Ziel, EU-weit die Emittenten einheitlichen Anforderungen an die Transparenz - vor allem: regelmässige Finanzberichte, Offenlegung der Beteiligungen - zu unterwerfen. Bis zum Jahr 2007 musste die Richtlinie in nationales Recht umgesetzt sein. In Deutschland geschah dies durch das Transparenzrichtlinie-Umsetzungsgesetz (TUG).

– Siehe Darstellung, glaubwürdige, Prospekt-Rechtssetzung der EU, Transparenz.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 47, Monatsbericht der EZB vom Mai 2005, S. 99, Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 42, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2005, S. 73 ff. (breite, lehrbuchmässige Darstellung Übersicht auf S. 84), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 39, Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 145 (Inhalt des Transparenzrichtlinie-Umsetzungsgesetzes), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 47 (Standards für Speichersysteme; Expertengruppe zur Angleichung der einzelstaatlichen Regelungen), S. 154 (Inkrafttreten der Transparenzrichtlinie-Durchführungsverordnung), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 213 f. (BaFin führte im Jahr 2009 eine Transparenzinitiative durch, die viele Mängel zutage treten liess), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 166 (novellierte Transparenzrichtlinie trat im November 2013 in Kraft; wesentlicher Inhalt der Neuregelungen sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Transparenzrichtlinie-Durchführungsverordnung (regulating ordinance implementing the transparency directive):

Im März 2008 in Kraft getretene Vorschriften in Zusammenhang mit der Transparenz-Richtlinie der EU. Im Zuge dessen wurden zusätzliche Meldeschwellen bei Stimmrechtsveränderungen (3, 15, 20 und 30 Prozent) eingeführt und die Veröffentlichungspflichten inhaltlich und umfänglich erweitert.

– Siehe Transparenz, Transparenzgebot.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 154 (wesentlicher Inhalt der Verordnung), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 213 f. (BaFin führte im Jahr 2009 eine Transparenzinitiative durch, die viele Mängel zutage treten liess) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Transparenzstandard (level of transparency):

Bei Emittenten die Entscheidung, welche Zulassungs-Folgepflichten sie bei Kotierung an der Börse übernehmen wollen. Mit einer solchen Einordnung zeigt das Unternehmen gegenüber den Anlegern auf, inwieweit es sich zur Durchsichtigkeit öffnet. - An der Börse in Frankfurt haben Emittenten die Wahl zwischen drei Transparenzstandards:

1. dem Entry Standard mit geringen Zulassungsfolgepflichten,

2. dem General Standard, für den die gesetzlichen Mindestanforderungen gelten, und

3. dem Prime Standard mit hohen, internationalen Richtmassen voll genügenden Transparenzanforderungen.

– Siehe Darstellung, glaubwürdige, Enforcement, Finanzbericht, Informations-Überladung, Kürteil.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Trassant (drafter, drawer):

1 Der Aussteller eines Wechsels (a writer of a draft), also der Wechselgläubiger.

2 In älteren Dokumenten auch überhaupt gesagt von jemanden, der eine Schuld einzieht. In alten Redewendungen wie: "a punto trassieren" = "bis auf den letzten Heller einkassieren" kommt dies noch häufig zum Ausdruck.

– Siehe Aussteller.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Trassat (acceptor, drawee):

Bezogener, auf den ein Wechsel gestellt ist und der ihn zu bezahlen hat (the party directed to pay the amount of a draft), also der Wechselschuldner.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Treibhausgas-Emissionshandel (greenhouse-gas emissions trading):

Durch das Treibhausgas-Emissionshandelsgesetz, TEHG vom 21. Juli 2011 wurde der Handel mit Berechtigungen zur Emission von Treibhausgasen zu einem erlaubnisgebundenen Geschäft gemacht. Die Erlaubnis erteilt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.

– Siehe Kohlendioxid-Inflation.

– Vgl. Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 134 (Rechtsgrundlage; Anforderungen an die Erlaubnis).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Trendhandel (directorial trading; directorial = hier: to follow a lengthened course):

Geschäfte an der Börse hauptsächlich in Hinblick auf die längerfristigen Aussichten des zugrundeliegenden Vermögenswertes und weniger mit Rücksicht auf augenblickliche Gegebenheiten (trading strategies intended to speculate on the direction of the underlying market, especially in contrast to volatility trading).

– Siehe Milchmädchen-Hausse, Themen-Zertifikat, Wachstumsaktien, Wachstumswert.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Trendprognosen (trend forecasts, scoring models):

Von Banken und Forschungsinstituten angestellte Vorhersagen über die ökonomische Entwicklung in der Zukunft. - Wie sich mehrfach gezeigt hat, sind solche Prognosen nur bedingt brauchbar. Denn Änderungen der wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen, exogene Schocks und Kriege, Naturkatastrophen, Terror-Anschläge sowie Strukturbrüche und konjunkturelle Einflüsse führen in der Regel dazu, dass das Potentialwachstum in einzelnen Jahren unter- oder überschritten wird. - Man beschränkt sich heute in der Regel auf sog. "Mega-Trends", wie nachfrageseitig Altersquotient, Gesundheitsbewusstsein, Wellness-Streben, Erlebnis- und Freizeitorientierung, Umweltbewusstsein und Mobilität, sowie angebotsseitig vor allem internationale Verflechtung und Wettbewerb (globalisation; Globalisierung), Deregulierung der Märkte, Tertiarisierung und Verbreitung neuer Kommunikationstechnologien.

– Siehe Astro-Prognose, Basislinie, Datenunsicherheit, Erhebung fachlicher Prognostiker, Geldpolitik, vorausschauende, Gleichgewichtsmodelle, dynamisch-stochastische, Prognoseunsicherheit, Saisonbereinigung, Schocks, strukturelle, Stimmungs-Indikatoren, Theilscher Ungleichgewichtskoeffizient, Wachstumsprognose, Wirtschaftsindikatoren, wichtige, Worst Case Szenario.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2013, S. 77 (Grundsatzartikel zur Verlässlichkeit gesamtwirtschaftlicher Projektionen; viele Übersichten; Literaturverweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2013, S. 74 f. (Probleme bei der Abbildung von Prognoseunsicherheiten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Trennbanksystem (dual banking system):

Aufgrund rechtlicher Vorschriften darf das

1. Kreditgeschäft nur von Banken (commercial banks) und das

2. Wertpapiergeschäft lediglich von darauf spezialisierten Firmen (investment banks, broker banks) betrieben werden. Universalbanken (Institute, die sämtliche Finanzgeschäfte betreiben) sind verboten.

– In den USA wurde dies 1931 eingeführt (Glass-Steagall Act), ab 1990 erst nach und nach, und dann 2000 fast ganz aufgehoben. - Die Trennung führte in den USA dazu, dass grosse Universalbanken (vor allem auch aus Deutschland und der Schweiz) sich als Konkurrenten nur beschränkt auf dem US-Markt betätigen konnten. - In der Diskussion um die Ursachen der Subprime-Krise 2007 und der ihr folgenden Finanzkrise wurde von vielen Fachleuten empfohlen, allgemein und weltweit zum Trennbanksystem zurückzukehren. Auf diese Weise sollte erschwert werden, dass die Einlagen der Kunden für riskante Geschäfte aufs Spiel gesetzt werden. - Diese Vorschläge verkennen freilich die Wirklichkeit. In unserer Zeit sind Investmentbanken und Geschäftsbanken auf vielfältige Weise vernetzt. Der Zusammenbruch der Investmentbank Lehmann Brothers Mitte September 2008 machte dies augenfällig. Ein Dominostein-Effekt trat ein, der weltweit die mit Geschäften untereinander vermaschten Banken erschütterte. – Mit dem Risikoabschirmungsgesetz freilich folgte der deutsche Gesetzgeber im Grunde entsprechenden Empfehlungen, die eine rechtliche und organisatorische Trennung von risikoreichen Finanzgeschäften vom Einlagegeschäft der Institute vorschreiben. So soll verhindert werden, dass verlustreiche Finanzgeschäfte von den Einlegern getragen werden müssen.

– Siehe Fachbankensystem, Glass-Steagall-Gesetz, Lehman-Pleite.

– Vgl. Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 78 (erläuternde Darstellung der neuen gesetzlichen Vorgaben).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Trennschärfe ([rating] accuracy):

In Zusammenhang mit dem Rating die Eigenschaft einer angewandten Methode, die guten und schlechten Engagements im Voraus richtig zu erkennen. It is proposed that efforts to improve rating accuracy will be hampered by a preoccupation with observation. Attention, therefore, was focussed on the inferential accuracy of the rater and the cognitive processes and implicit theories upon which raters rely.

– Siehe Kalibrierung, Rating.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2003, S, 61 ff. (Methodisches).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Treppenzins (ascending interest rate):

Zinssatz bei einer Anleihe, der mit zunehmender Laufzeit zum Ausgleich des Wertverlustes durch Inflation automatisch ansteigt.

– Siehe Anleihe, indexgebundene, Anleihe, inflationsgeschützte, Kapitalschutz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tresorboom (strongbox boom):

Immer dann, wenn der Zinssatz sehr niedrig und/oder das Vertrauen in die Banken sehr gering ist, dann werden Geldschränke (safes; Panzerschränke, Safes) vermehrt nachgefragt. Denn die Unternehmen und Privathaushalte ziehen es unter diesen Umständen weithin vor, ihr Geld zuhause aufzubewahren, anstatt es wackeligen Banken zu niedrigem Zins anzuvertrauen. In den 1990er-Jahren waren Tresore ein wahrer Verkaufsschlager (a real market hit) in der zu jener Zeit krisenhaften Volkswirtschaft Japans.

– Siehe Niedrigzinspolitik, Nullzins.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tresorschein (exchequer bill):

1 Allgemein bis ins 19. Jht. hinein von der Staatsverwaltung ausgegebenes reines Papiergeld ohne Annahmezwang; auch Kassenanweisung (pay voucher) genannt. Dadurch aber, dass der Tresorschein zur Ablösung staatlicher Forderungen (duties; Abgaben) verwendet werden konnte, kam er dem normalen, damals noch in Edelmetall einlösbaren Papiergeld in der Verwendung sehr nahe.

2 Im Besonderen zwischen 1806 und 1809 in Preussen ausgegebenes Papiergeld.

– Siehe Schatzanweisungen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Treuhänder (trustee, escrow, fiduciary):

1 Eine Person oder ein Unternehmen, das mit der Verwaltung von Geld, Gütern, Dokumenten oder geistigem Eigentum bis zur Erfüllung bestimmter, vertraglich festgelegter Bedingungen befasst ist (a person or entity, appointed to manage the affairs of a company or institution including assets and debts); in älteren Dokumenten und teilweise bis heute auch Salmann genannt.

2 In der Schweiz die Berufsbezeichnung für Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Unternehmensberater sowie alle Personen - etwa auch Architekten oder Ingenieure -, die stellvertretend für einen Auftragsgeber dessen Belange wahrnehmen.

– Siehe Mündelgeld, Rabbi Trust, Treuhandkonto, Treuhandvertrag, Zweckgesellschaft-Mitarbeiter.

– Vgl. Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 129 (aufsichtliche Vorschriften für Treuhänder bei Sicherungsvermögen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Treuhandkonto auch Anderkonto (fiduciary account):

1 Allgemein ein Konto, das in eigenem Namen auf fremde Rechnung treuhänderisch geführt wird (an account established at a financial institution in the name of a guardian who acts on behalf of a ward).

2 Im Besonderen eine Termineinlage, die eine inländische Bank von einem Kunden erhielt, und die von dieser Bank bei einem Institut im Ausland unter eigenem Namen angelegt wird. Grund für diese Verlagerung ist in der Regel, die im Inland geltende Quellensteuer auf die Erträge zu umgehen (an amount usually deposited with a domestic bank which will redeposit the sum with a third party bank in a foreign country in its own name, chiefly to eliminate withholding tax on interest).

– Siehe Gehabschaftsgeld, Mündelgeld, Nominee, Treuhänder, Zinsabschlagsteuer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Treuhandkredit (trustee credit):

In der Sprache der Aufsichtsbehörden Geld- oder Sachdarlehn, die

1. ein Institut aus Mitteln, die ihm ein Dritter zur Verfügung stellt,

2. im eigenen Namen für fremde Rechnung gewährt,

3. unter der Voraussetzung, das sich die Haftung des Treuhänders auf die ordnungsgemässe Verwaltung der Darlehn und die Abführung der Zins- und Tilgungsleistungen beschränkt; siehe § 1, Abs. 6 der deutschen "Grosskredit- und Millionenkreditverordnung".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Treuhandmodelle (contractual trust arrangements):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter in der Finanzwelt die Ausgliederung von Rückstellungen für Pensions¬zahlungen von der Bilanz einer Firma auf ein Treuhandunternehmen. Dieses legt das Geld in verschiedene Finanzinstrumente an.

– Siehe Outsourcing, Pensionsfonds, Rabbi-Trust.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 85 (zur Erlaubnispflicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Treuhandvertrag (trustee contract, trust deed):

Allgemein die Einsetzung einer Person oder einer Firma zur selbständigen Wahrnehmung von Geschäften, wie etwa die Verwaltung von Vermögen, um die man sich selbst nicht kümmern kann, will oder darf. - Im Bereich der Versicherungen musste die Aufsichtsbehörde mehrere Vereinbarungen rügen, die Treuhänder teilweise zu Unternehmensberatern (management consultant) machten.

– Siehe Auslagerung, Contractual Trust Arrangement, Datei-Verwaltung, zentralisierte, Hilfsdienste, bankbezogene Nominee, Outsourcing, Spin-off, Treuhänder, Treuhandkonto, Treuhandmodelle.

– Vgl. Jahresbericht der BaFin 2005, S. 95, Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 206 (Rolle der Treuhänderin bei Veräusserungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tribut (tribute):

1 In älteren Dokumenten häufig Oberbegriff für Abgaben.

2 Eine einmalige oder regelmässige Zahlung, in der Regel an einen Herrscher für dessen Vorherrschaft oder Schutz (as an acknowledgment of submission, or as the price for protection).

– Siehe Brandschatzgeld, Dänengeld, Freikaufgeld, Harai, Hussengeld, Ranzion, Satisfaktionsgeld, Superindukt, Türkengeld, Vogtgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Trickle-Down-Theorem (so auch im Deutschen gesagt, seltener Durchsicker-These):

Von einem Wirtschaftsaufschwung in einem Land gewinnen über kurz oder lang alle Einkommensbezieher. Diese Tatsache lässt sich aus der Geschichte mit ziemlicher Sicherheit belegen.

– Siehe Ungleichheits-Falle.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Triffin-Theorem (Triffin theorem):

Ein Land, dessen Währung weltweit angenommen wird und in der viele international gehandelte Waren bewertet werden - wie der USD - sieht sich entweder

1. einer ausufernden Geldschöpfung oder

2. einem beständig steigenden Leistungsbilanz-Defizit gegenüber.

– Die Nutzer eines solchen, global akzeptierten Zahlungsmittels geniessen den Vorteil, dass sie statt der Gesamtsumme (grand total) der Wechselkurse aller ihrer Handelspartner nur den des eigenen Landes zur allgemein anerkannten Währung - also derzeit dem USD - kennen müssen. Denn die Weltmarktpreise vor allem für Erdöl, Agrarrohstoffe oder Metalle werden in dieser Währung notiert. Aber das Inhaberland dieses Zahlungsmittels - also derzeit die USA - müssen nicht nur sich selbst, sondern auch Drittstaaten monetär versorgen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Triftgeld (log driving charge; faldfee; pasture fee):

1 Gebühr für die Nutzung einer Wasserstrasse für die Trift, nämlich das Flössen: den Transport von schwimmenden Baumstämmen oder Schnittholz.

2 Zahlung an den Besitzer (in älteren Dokumenten oft auch Possessor; proprietor) eines Grundstücks für den Niessbrauch (usufruct: das zeitweilige Nutzungsrecht) der Geländes, um

1. darüber Vieh zur Weide (pasture; Hut, Hutung) zu führen (fee paid for the privilege of moving cattle about a plot); Trift meint hier den Weg zwischen Stall und Weidegrund, bzw. auch

2. dort Vieh weiden zu lassen.

– In vielen deutschen Gegenden gab es ein Triftrecht (pasture right; auch Triebrecht, Triftgerechtigkeit, Weidegang, Hut genannt) als die Befugnis, über fremdes Brachfeld (fallow ground) sein Vieh auf die Weide zu treiben. Daneben aber kannte man auch eigene, gemeindliche Viehwege (communal cattle tracks; Treibwege), zu deren Unterhalt die Nutzer durch das Triftgeld beizutragen hatten.

– Siehe Alpgeld, Bugsiergeld, Eckergeld, Gussgeld, Hallage, Hammelgeld, Holzfuhrgeld, Kuhgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Trilog-Parteien (trilog parties):

In Zusammenhang mit der Rechtssetzung in der EU (EU community law) die Europäische Kommission, der Ministerrat und das Europäische Parlament.

– Siehe Trilog-Verfahren.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Trilog-Verfahren (trilog procedure):

Innert der EU eine Praxis zur Vermittlung zwischen den drei am Gesetzgebungsprozess beteiligen Institutionen, nämlich

1. der EU-Kommission,

2. dem Ministerrat und

3. dem EU-Parlament. In einem formellen Verfahren wird ein Vermittlungs-Ausschuss eingesetzt, der zu gleichen Teilen aus Mitgliedern des Ministerrats und des EU-Parlaments zusammengesetzt ist; die Kommission nimmt dabei nur eine moderierende (moderating: präsidierende, rein verwaltungsmässige) Rolle wahr und hat kein Stimmrecht.

– Weil sich indessen Trilog-Verfahren zeitlich oft in die Länge ziehen, so strebt man in vielen Fällen gerade auf dem Feld der Finanzmarktregulierung eine Einigung in einem sog. informellen Trilog (informal trilog procedure) an. Dabei handelt es sich um eine ungezwungene Zusammenkunft (informal meeting) der Beteiligten mit dem Ziel eines Übereinkommens.

– Siehe Aufsichtsbehörde, CRD-IV/CRR-Paket, Finanzmarktaufsicht, europäische, Finanzmarktrecht, Produktregistrierung, Regelwerk, einheitliches, Systemkonflikt, finanzmarktlicher, Trilog-Parteien.

– Vgl. Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 61 ff. (informelles Trilog-Verfahren in Bezug auf Einlagesicherung und Anleger-Entschädigung), Geschäftsbericht 2012 der Deutschen Bundesbank, S. 97 (Trilog-Verhandlungen in Bezug auf die Kapitaladäquanz-Richtlinie), Jahresbericht 2012 der BaFin, 58 (Trilog-Verfahren für das CRD-IV-Paket), S. 65 (Trilog-Verfahren bei Änderung der Einlagensicherungsrichtlinie scheitert).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Trinkgeld (tip, gratuity):

1 Eine Zahlung in Bargeld als besondere Anerkennung für eine Dienstleistung (gratuity to in return for a service, beyond the compensation agreed on) und vor allem im Hotel- und Gaststättengewerbe üblich. Oft wird es dort als Bedienungsgeld (Bakschisch; bakshish) in den Preis der Leistung eingerechnet. In alten Dokumenten wird das Trinkgeld auch Badgeld, Bechergeld, Bibaliengeld und Gratial genannt. A widespread - obviously at bottom humorously meant - etymology for "tip" states, that it is an abbreviation which stands for "to insure promptness".

2 Geldzahlung zum Zwecke der Erlangung besonderer Vorteile, vor allem von Amtsträgern (bribe; Handgeld, Schmiergeld; in der älteren Literatur auch Schmieralien genannt).

3 In alten Dokumenten oft auch eine Abgabe auf den Verzehr von Bier, Wein und Most, praktisch eine Getränkesteuer (beverage tax); in einigen Gegenden früher auch Datzgeld und Detz genannt.

4 In Brauereien auch teilweise heute noch ein Jeton (chip; Chip, Wertmarke), mit der Angestellte eine bestimmte Menge Freibier vom Arbeitgeber als Deputat (payment in kind) beziehen können; der Haustrunk war früher fester Lohnbestandteil der Bierbrauer.

– Siehe Abfertigungsgeld, Biergeld, Douceur, Freundschaftsgeschäft, Geheimgeld, Geldzahlungsgeste, Gleichengeld, Kaffee-Kasse, Krügergeld, Octroi, Peep, Préstamo, Reedergeld, Rückvergütung, Suffgeld, Taxe, Umgeld, Ungeld, Zentimetergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Triple A (so auch im Deutschen gesagt. seltener dreifache Spitze):

1 Bei Rating-Agenturen ein Code, der die höchste Bonität (AAA) bezeichnet (the phrase triple A, or AAA, refers to the top score awarded for a specific paper by various rating agencies. It indicates that this investment is very safe and there is little risk of default).

2 Im internen Jargon der Banken eine Mitarbeiterin - seltener auch auf einen männlichen Kollegen bezogen - der höchstes Ansehen zukommt; freilich meistens weniger ob ihrer dienstlichen Leistungen, sondern eher wegen ihrer weiblichen Ausstrahlung auf Männer. Im Falle eines Kollegen gilt dies sinngemäss.

– Siehe Airbag, Alleskönner, Autonom agierende Einheit, Behavioural Branding, Chief Copying Officer, Druckbelegschaft, High Flyer, High Potential, Hot Spot, Infighting, Kollege Harzenmoser, Kontakt-Allergiker, Krokodil, Lemons-Problem, Loch, schwarzes, Low Performer, Mailbomber, New Hire, Selbstverwirklicher, Sitzheizung, Tauschsieder, Tenu-Schlamper, Underperformer, Umsatzbremse, Unfallflüchtling.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Triple Bottom Line, 3BL (so auch im Deutschen gesagt; manchmal auch Dreifachsaldo):

Mittlerweile auch bei Banken und Kapitalverwaltungsgesellschaften zugrunde gelegtes Geschäftsprinzip zur Beurteilung eines Unternehmens anhand der Ergebnisse in den drei Bereichen

1. Finanzergebnis,

2. Schonung der Umwelt und

3. gesellschaftliche Verantwortung (business and development philosophy incorporating the three E's: equity, environment, economics, and by this adding social and environmental dimensions to the traditional monetary benchmark).

– Siehe Anlage, ethische, Fonds, ethische, Geld, ethisches, Ökofonds, Ökorating.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Trittbrettfahrer (free rider):

Ein Anleger, der sich Mühe und Kosten eigener Informationsgewinnung auf einem Markt erspart und seine Entscheidungen an anderen ausrichtet (a follower who evades the cost of finding the best course of action and by simply imitating the behaviour of a leader who made these investments).

– Siehe Boom, Bull, Blase, Blase, spekulative, Börsenfieber, Hausse, Hausse nährt die Hausse, High Flyer, Hindsight, Kurzsichtigkeit, Markt, überkaufter, Milchmädchen-Hausse, Prosperität, Rally, Überschwang, unvernünftiger.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Troika (troika):

In Zusammenhang mit der Eurozone das Dreiergespann aus Europäischer Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds. Diese Drei wirkten vor allem bei den Rettungsplänen für Griechenland und Zypern zusammen und stellte entsprechende Sanierungspläne auf. Man nannte die Troika daher auch Rettungsmanager (rescue manager). - Dabei wurde offenkundig, dass die EU-Kommission bei Beschlüssen nicht so sehr auf volkswirtschaftliche Vernunft setzt, sondern eher auf möglich breite Zustimmung in den Schuldnerländern. - Die Beteiligung der EZB an den Verhandlungen zur Abwehr des Staatsbankrotts wurde vielfach gerügt. Viele erblicken darin einen verhängnisvollen ordnungspolitischen Fehler, weil hier die Zentralbank Aufgaben der Regierung bzw. der Finanzpolitik übernimmt. Der Internationale Währungsfonds ist satzungsgemäss nicht für die Unterstützung entwickelter Länder der Eurozone da. Die EU-Kommission ist eine hochpolitisierte Behörde (highly political authority), deren Unterhändler oft unter dem Druck jener Staaten stehen, die sie kontrollieren sollen. Das hat sich gelegentlich des Stabilitäts- und Wachstumspaktes deutlich gezeigt.

– Siehe EZB-Sündenfall, Griechenland-Krise, Rettungseuropäer, Vertragstreue, Zypern-Krise.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Trophäen-Gebäude (trophy buildings):

Herausragende, der breiten Öffentlichkeit bekannte Baulichkeiten, in erster Linie in grossen Städten, die gern von Fonds aller Art, besonders auch von Staatsfonds, erworben werden. Vorrangiges Ziel ist dabei nachweislich oft der damit verbundene Aufmerksamkeits- und Werbeeffekt für den jeweiligen Fonds (attracts a great deal of attention and has a high promoting impact). - Freilich erspart der Sitz in einem solchen Bauwerk für Besucher auch lästige Nachforschungen nach dem Weg; und dies ist besonders für Grosstädte ein gewichtiges Argument für die Niederlassung in einem Trophäen-Gebäude.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Troy-Unze (troy ounce):

Angelsächsisches Gewichtsmass für Edelmetalle. 1 Troy-Unze und auch Feinunze genannt = 31,1034768 Gramm; Troy von der französischen Stadt Troyes an der Seine, früher eine bedeutende Handels- und Messestadt. - In der EU ist diese Masseinheit im Handelsverkehr nicht zulässig. Auch bei Edelmetallen muss das Gewicht in Werten der Metrifikation - also Gramm, Dekagramm und Kilogramm - angegeben werden. Lediglich für Grossbritannien besteht (noch) eine Ausnahme-Regelung. Sie führte dazu, dass Anbieter aus anderen EU-Ländern in England eine Filiale eröffneten, nur um von dort weiterhin in Unzen anbieten zu können.

– Siehe Assay-Stempel, Karat, Tola, Unze.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Trucksystem seltener Warenlohnsystem (truck system; to truck = hier: tauschen):

Die zumindest teilweise Entlohnung durch Güter wie Feldfrüchte oder Waren anstatt auf dem Wege einer Zahlung in Geld, auch Naturallohn (wage in kind) genannt. - Die Berechtigung des Trucksystems hängt davon ab, ob dem Beschäftigten gegenüber dem Geldlohn Verluste entstehen, etwa weil er die Güter nicht eintauschen kann bzw. unter dem Marktpreis anbieten muss. Bei grosser Güterknappheit hat der Naturallohn grosse Vorteile; und wirtschaftsgeschichtlich bescherte er vielen abhängig Beschäftigten in den Zeiten der Hungersnot (periods of famine) die Sicherung des Lebensunterhalts. Zudem wurden so Familien - und in erster Linie geistig unbedarfte sowie eingewanderte, der Landessprache unkundige und im Einkaufsverhalten unerfahrene Arbeiterfrauen - vor sie übervorteilenden und betrügerischen Händlern geschützt. Ergänzend dazu und dem gleichen Zweck dienend, richteten manche Fabrikherren eigene Lebensmittelgeschäfte ein, die preiswerte, gediegene Waren für die Werksangehörigen anboten. So gründete etwa die Firma Krupp in Essen die Kruppsche Konsumanstalt mit Filialen über das gesamte Ruhrgebiet; diese Geschäfte genossen ein aussergewöhnliches Vertrauen. - Hie und da wird heute noch teilweise in Sachwerten oder Dienstleistungen bezahlt, etwa Deputate wie "Haustrunk" bei Brauereibeschäftigten; Anrechnung der Verpflegung bei Matrosen; Abzug der Miete bei Werkswohnungen oder der Gebühren für einen Autoabstellplatz (Garagenplatz; car park) auf das Salär.

– Siehe Deputat, Fringe Benefits, Gehalts-Nebenleistungen, Salär.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

True-Sales-Initiative, TSI (so auch im Deutschen):

Segment des Verbriefungsmarktes, von deutschen Banken im April 2003 ins Leben gerufen.

– Siehe Originate-to-distribute-Strategie, Verbriefung, True-Sale-Verbriefung.

– Vgl. Geschäftsbericht der Deutschen Bundesbank 2003, S. 55 (Vorstellung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

True-Sale-Verbriefung und paketierter Forderungsverkauf (true-sale securitisation):

Forderungen einer oder mehrerer Banken werden

1. zu einem einzigen Paket (portfolio; Sondervermögen, Portfolio) zusammengefasst,

2. von einer Zweckgesellschaft

3. mitsamt dem Risiko angekauft und

4. nach Aufteilung in Tranchen mit unterschiedlichem Risikogehalt und in der Regel: Senior-, Mezzanin- und Junior-Tranche

5. am Kapitalmarkt an Investoren verkauft.

– Die Käufer der Papiere tragen gegen Risikoprämie allfällige Verluste, die nach Erwerb eintreten könnten. - Banken erhalten durch das Ausplazieren der bestehenden Kredite liquide Mittel, reduzieren ihre Eigenkapitalbelastung und schaffen Spielräume zur Vergabe neuer Kredite. Davon profitieren dann grundsätzlich auch kleine und mittlere Unternehmen. - Der Unterschied zwischen der True-Sale-Verbriefung und der synthetischen Verbriefung besteht darin, dass bei der Letzteren die Kreditforderung bei der Bank verbleibt; lediglich das Kreditrisiko wird an die Zweckgesellschaft verkauft. Bei der True-Sale-Verbriefung hingegen handelt es sich immer um die vollständige, endgültige unwiderrufliche Übertragung der Erträge und Risiken an einen Dritten. Entsprechende Posten erscheinen jetzt auch nicht mehr in der Bilanz des Verkäufers. Man spricht daher auch in Bezug auf die True-Sale-Verbriefung von einem Ausbilanzierungsverfahren (off-balance sheet technique). Dadurch wird es für die Statistik schwierig, das Kreditvolumen gesamthaft zu messen (by means of true-sale securitisation, it is possible for credit to be taken off the balance sheet and thus disappear from official statistics based on bank balance sheets).

– Siehe Aktiva, illiquide, Asset-Backed Securities, Darlehn-gegen-Papiere-Geschäft, Equity Kicker, Erstverlust-Tranche, Finanz-Alchemie, Kreditderivat, Kreditereignis, Notenbankfähigkeit, Originate-to-distribute-Strategie, Pool, Reintermediation, Rückführungs-Option, Single Master Liquidity Conduit, Subprime-Krise, Übertragung, endgültige, Unterseeboot-Effekt, Verbriefung, Verbriefung, synthetische, Verbriefung, traditionelle, Verbriefungsstruktur.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2004, S. 27 ff., Monatsbericht der EZB vom März 2008, S. 26 f. (Fragen der Rechnungslegung), Monatsbericht der EZB vom September 2008, S. 28 ff. (Einfluss der True-Sale-Verbriefung auf der Entwicklung der Kredite der Banken; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom November 2010, S. 83 (Anm. 28: durch die True-Sale Verbriefung wird es schwierig, das Kreditvolumen gesamthaft statistisch zu messen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Trunkierung (truncation):

In der Finanzsprache der heute weithin übliche Vorgang, dass ein eingereichter Scheck bei der Bank verbleibt, und diese auf elektronischem Wege die entsprechenden Daten weiterleitet (the practice of holding a check at the institution at which it was deposited - or at an intermediary institution - and electronically forwarding the essential information on the check to the institution on which it was written). - In weiterem Sinne gilt dies auch für das Einlesen (Sannen) der Daten von Überweisungen und anderen papiergebundenen Dokumenten (in a broader sense this procedure is used in cases of paper-based transfer orders or other financial instruments which get replaced, in whole or in part, by an electronic record of the content for the purposes of further processing and transmission).

– Siehe Scheckabbild, Scheckeinzugsverfahren, imagegestütztes.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tulpencrash (Dutch tulip crash):

Die erstmals 1554 aus dem Orient nach Europa gebrachten Tulpen (tulips; Blumen der Gattung der Liliengewächse) wurden vor allem in den Niederlanden gezüchtet. Es wurden bald über 1'000 Sorten gezählt. Man sprach in den Niederlanden von einer Tulpomanie (tulipomania; Dutch names include: tulpenmanie, tulpomanie, tulpenwoede, tulpengekte and bollengekte). Seltene Stücke erzielten astronomische Preise. Im Jahr 1637 brach der börslich organisierte Markt plötzlich ein. Dieser Crash führte viele Züchter und Spekulanten (speculators; Terminkäufer) in den Ruin. Zahlreiche gescheiterte Spekulanten wurden im Zuge des Tulpencrashs in den Selbstmord getrieben (driven into suicide).

– Siehe Blase, spekulative, Börsenpreis, Finanzkrise, Lasten, Mississippi-Taumel, Put-Option, Spekulation, Überschwang, unvernünftiger.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Türgeld (door money):

1 Früher von Gläubigen beim Eintritt zum Gottesdienst in der Kirche erbetene Abgabe zur Erhaltung des Gebäudes (upkeep of the church). Wiederholt untersagten die Päpste das Türgeld nachdrücklich, und ein entsprechendes Verbot wurde kirchenrechtlich (canonical) für die gesamte Katholische Kirche erlassen (promulgiert; promulgated). Auch die Protestantischen Kirchen gestatteten kein Türgeld für den Besuch des Gottesdienstes. Diese Verbote erreichten, dass der Zugang zu den gottesdienstlichen Handlungen (church services) für jedermann frei blieb. Die Mehrzahl der Gemeinden (parishes) erbittet statt des Türgeldes heute am Ende des Gottesdienstes um eine freiwillige Spende (voluntary contribution) für die Unterhaltung der Kirchengebäude.

2 Gebühr, die einige Gemeinden für die alte Gebäude wie Burgen, Schlösser oder historische Rathäuser stark belastende Begehung durch Touristen (sightseers) beim Betreten verlangen. Die Einnahmen aus dem Türgeld dienen der Erhaltung der Bausubstanz (basic structure, building stock).

3 In Diskotheken (discotheques), Tanzbars (dance bars) und ähnlichen Stätten beim Betreten zumeist im Zuge der Ausweiskontrolle (asking for identification, proof of age) zu zahlender Betrag, Dessen Empfang wird vielfach durch Stempel auf den Handrücken (back of the hand) bescheinigt.

4 Bei manchen Veranstaltungen - auch bei Konzerten und Theateraufführungen (theatre play) - eingeforderte Gebühr für Personen, die verspätet, nach Schliessung der Türen (closing time) noch eintreten möchten. Durch eine in der Höhe entsprechend bemessene Gebühr kann erfahrungsgemäss erreicht werden, dass sich die Besucher pünktlich einfinden und die Veranstaltung nicht durch den laufenden Zustrom von regelmässigen Zuspätkommern (notorious latecomers) gestört wird.

5 Betrag, der von zumeist fragwürdigen Spendensammlern (dubious door-to-door charity fundraiser, charity mugger) an Haustüren erbettelt wird; meistens in der Nebenbedeutung, dass die Angesprochenen (visited persons) etwas spenden, um den Spendensammler loszuwerden (get rid of the fundraiser).

6 Andere Bezeichnung für das Eintrittsgeld.

– Siehe Sitzgeld, Torgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Türkei-Beitritt (Turkey's accession):

Obzwar sich nach einer ziemlich verlässlichen Befragung (rather reliable survey) im Jahr 2012 offenbar eine Mehrheit der türkischen Bevölkerung gegen einen Beitritt ihres Landes zur EU aussprach, befürworten diesen die führenden Verbände der Wirtschaft. Auf vielen Ebenen - auch im Finanzsektor - gibt es derzeit (Ende 2013) vielerlei Bemühungen (diverse efforts), nationale türkische Systeme in der Gesetzgebung, Verwaltung und Rechtsprechung an den in der EU geltenden Regelungen auszurichten (align to the current regulations established in the EU). Der EUR spielt in der Türkei - zumindest gebietsweise - eine Rolle als Nebenwährung. Auf lange Sicht wird die Aufnahme der Türkei in die EU als sehr wahrscheinlich (highly probable) eingeschätzt.

– Siehe Minister und Zentralbankpräsidenten der G20, Region, eurobestimmte, Sermaye Piyasasi Kurulu, Twinning.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2012, S. 102 f. (Analyse der Politik der Türkischen Zentralbank; Übersicht), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 153 f. (Zusammenarbeit mit der türkischen Aufsichtsbehörde).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Türkengeld auch Türkenzieler und Türkensteuer (Turkish danger levy):

Umlage zur Unterhaltung eines Heeres zwecks Abwehr der Türken. Diese drängten seit 1453 nach der Eroberung von Byzanz - dem heutigen Istanbul - unaufhaltsam nach Norden. Das türkische Heer umzingelte unter Führung des Grosswesirs Kara Mustafa Pascha 1683 die damalige Reichshauptstadt Wien. - Der belagerten Stadt eilte auf eindringliche Bitte des Papstes Innozenz XI. der polnische König Jan III Sobieski (1629/1674-1696) zu Hilfe. Das polnische Entsatzheer (relief force) schlug am 19. September 1683 die Türken in der Schlacht am Kahlenberg vor Wien vernichtend. Die Türken zogen sich daraufhin nach Süden auf den Balkan zurück.

– Siehe Dänengeld, Defensionergeld, Festungsgeld, Friedensgeld, Heergeld, Hussengeld, Pfennig, Ranzion, Satifikationsgeld, Schatzung, Superindukt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Turn[a]round (so auch oft im Deutschen gesagt; zuweilen auch Umschwungphase):

Zeitpunkt, zu dem eine Trendwende (reversion: turning in the opposite direction) sichtbar wird, vor allem

1. innert einer Branche,

2. bei einem Unternehmen oder

3. hinsichtlich eines bestimmten Wechselkurses.

– An der Börse wird diesfalls von einem Kauf- oder Verkaufssignal ausgegangen.

– Siehe Kerneinlagen, Kreditzyklus, Konjunkturdiagnose, Krisen-Vorschatten, Order-Capacity-Index, Periptose, Wirtschaftsindikatoren, wichtige.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Turn[a]round Financing (so auch im Deutschen gesagt; zuweilen auch Sanierungsfinanzierung):

Die Zuführung von frischem Kapital an Unternehmen, die aus der Bahn gekommen sind, und die nun unter neuer Führung, mit neuen Produkten und/oder in neuen Märkten tätig werden wollen (capital provided to an established firm that is undergoing financial distress or a major re-organisation, but is perceived as having long-term commercial viability).

– Siehe Insolvenz, Risikokapital, Vulture Fund.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Tubos (so auch im Englischen):

Ein vom Bankhaus Trinkaus & Burkhardt 1983 eingeführter Index, der sämtliche an den deutschen Börsen gehandelte Optionsscheine enthält. Er ist so zusammengesetzt, dass auslaufende Scheine herausfallen und neu eingeführte in die Berechnung einbezogen werden. Dabei werden die Optionsscheine mit ihrem (zum Handel an der Börse zugelassenen) Emissionsvolumen gewichtet.

– Siehe Dax.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Twin-Engine-Strategie (so auch im Deutschen gesagt; engine = hier: Funktionseinheit):

Bei einer Versicherung die Pflege der beiden Geschäftszweige Lebens- und Nichtlebens(rück)versicherung (life and non-life) unter einem einzigen Firmendach.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Twinning (so auch im Deutschen gesagt; seltener institutionelle Partnerschaft; twin = hier in der Bedeutung: to be mated with another in the same task):

Wenn nicht anders definiert die technische Unterstützung

1. einer EU-Zentralbank für die Zentralbank bzw. und nicht selten darin auch mit eingeschlossen

2. einer EU-Aufsichtsbehörde für die Aufsichtsbehörde eines Neumitglieds.

– Siehe Bankenaufsicht, europäische, Vereinbarungen über den Informationsaustausch, Zentralbank-Kooperation, technische.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juli 2008, S. 103 ff. (ausführliche Darstellung der Projekte; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Twin-Win-Zertifikat und Win-Win-Zertifikat (butterfly certificate):

In der Regel liegt der Ausgabepreis eines solchen Zertifikats um mindestens fünfzig Prozent unterhalb des Kurses des Basiswertes. Damit ist ein verhältnismässig hoher Sicherheitspuffer gegen fallende Preise des Basiswertes geboten. Bei steigenden Kursen des Basiswertes sorgt ein hoher Partizipationsfaktor dafür, dass der Anleger am Preisanstieg teilnehmen kann. - Bewegt sich der Basiskurs allerdings seitwärts, und liegt er am Fälligkeitstag auf dem Startkurs, dann erhält der Anleger nur seinen unverzinsten Einsatz zurück. - Die Laufzeit dieser Zertifikate beträgt in der Regel zwischen drei und sechs Jahren. Sie eigenen sich vor allem für Anleger, die keine bestimmte Erwartung hinsichtlich der Preisentwicklung des Basiswertes haben. - Auch hier gibt es vielerlei Varianten. Genannt seien zunächst

1. die Twin-Win-Bonus-Zertifikate. Hier wird ein Bonus-Mechanismus eingebaut, für den jedoch ein kleinerer Sicherheitspuffer hingenommen werden muss.

2. Bei einem Twin-Win-Cap-Zertifikat sind die Gewinne aus dem Zertifikat durch einen Cap begrenzt.

3. Multi-Twin-Win-Zertifikate beziehen sich auf mehrere Basiswerte, und in der Regel zählt die Wertentwicklung des schlechtesten Basiswertes am Fälligkeitstag, was ein höheres Risiko für den Anleger bedeutet.

– Siehe Airbag-Zertifikat, Basket-Zertifikat, Bonus-Zertifikat, Diskont-Zertifikat, Express-Zertifikat, Garantie-Zertifikat, Hebel-Zertifikat, Outperformance-Zertifi¬kat, Partizipations-Zertifikat, Quanto, Sicherheitssperre, Sprint-Zertifikat, Strategie-Zertifikat, Themen-Zertifikat, Twin-Win-Zertifikat.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Twitter (so auch im Deutschen gesagt):

Ein 2006 aufgekommener Blogging-Dienst, über den angemeldete Nutzer Textnachrichten senden und bestellen können. Beiträge auf Twitter werden als Tweets bezeichnet. - Insofern darin Nachrichten aus der Finanzwelt verbreitet werden, ist grösste Vorsicht geboten. Denn absichtlich gelenkten und gefälschten bzw. verfälschten Nachrichten und damit der Marktmanipulation ist hier Tür und Tor geöffnet, und den Bloggern ist eine schädigende Absicht in den seltensten Fällen nachzuweisen.

– Siehe Blog, Börsengerüchte, Daimonion, Dampfstube, Darkrooming, Finanzforen, Finanzgeier, Frontrunning, Geheimtip, Geldblogger, Internet-Foren, Kursmanipulation, Know-Nots, Oligarchie, Shitstorm, Siderismus, Spam-Mails, Übernahme-Ankündigung, Verschwörungstheorien.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen