Versicherungsoptimierer.net - Finanzlexikon - S

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Saalhändler (locals):

In den USA von der Börse zugelassene und überwachte Marktteilnehmer, die ausschliesslich auf eigene Rechnung Kontrakte kaufen und verkaufen. Soweit Saalhändler Aufträge von Dritten erhalten, so sind sie nach der Börsenordnung in der Regel streng verpflichtet, diese im Rahmen der Klientenüberweisung abzuwickeln (member of a futures exchange who trades for his own account. The traders in a futures pit are composed of locals and employees of various brokerage firms. Locals initiate their own transactions on the floor of the exchange. Some, termed dual traders, also perform orders on behalf of customers). - An der Börse in London heisst der Saalhändler auch Stockjobber.

– Siehe Arbitrage, Börsenhändler, individueller, Börsenmitglieder, Commercials, Daytrading, Karten-Stapel, Kulisse, Spekulation.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sachdividende (dividend in kind, property dividend):

Eine Aktiengesellschaft schüttet die Dividende an die Anteilseigner nicht in Geld aus, sondern auf dem Weg über Wirtschaftsgüter (§ 58, Abs. 5 AktG). Praktisch geschieht dies heute in der Regel dadurch, dass Aktien von Tochtergesellschaften übertragen werden.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sachkapital und Realkapital (real capital; physical capital):

1 Das nach bestimmten Regeln des volkswirtschaftlichen Rechnungswesens ermittelte Anlagevermögen, der Kapitalstock eines Landes bzw. eines Wirtschaftsraums; auch Produktivvermögen (capital assets) genannt.

2 Die Gesamtheit der gegenständlichen, gebrauchsfähigen Betriebsmittel (equipment, production facilities: Anlagen, Maschinen, Geräte, Transporteinrichtungen, Gebäude) in einem Unternehmen.

– Siehe Intangibels, Investition, Risiko, leistungswirtschaftliches, Sachvermögen, Vermögen.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2012, S. 23 ff. (Sachkapitalbildung in Deutschland).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sachkunde (expertise):

Im wesentlichen die Eigenschaft, dass ein Mitglied der Geschäftsleitung oder des Aufsichtsrats in einem Unternehmen des Finanzbereichs die von dem Unternehmen betriebenen Geschäfte versteht sowie die Risikoplanung nachvollziehen und beurteilen kann. Auch wird von den betreffenden Personen verlangt, dass sie sich fortbilden und ihrer übertragenen Aufgabe genügend Zeit widmen. Seit 2012 fordert die Aufsichtsbehörde in Deutschland gar auch noch die Vorlage eines polizeilichen Führungszeugnisses (police clearance record, criminal record certificate) für diesen Personenkreis. Böse Zungen (malicious tongues) behaupten, diese Massnahme der Aufsichtsbehörde habe eine merkliche Verknappung des Angebots von Führungspersönlichkeiten in der Finanzbranche bewirkt.

– Siehe Aufsichtsrats-Mitglied, Bankaktionärs-Interesse, Westdeutsche Landesbank.

– Vgl. Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 142 f. (erweiterte aufsichtliche Sachkundeprüfung im Zuge des Gesetzes zur Stärkung der Finanzmarkt- und der Versicherungsaufsicht), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 122 f. (Merkblatt der BaFin).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sachverhaltsgestaltung (styling of facts):

Beschönigende, verharmlosende Benennung für alle Kunstgriffe und Winkelzüge, mit denen eine Bilanz so gestaltet wird (cooked up), dass sie einem gewünschten Ergebnis dient. - Im Grunde wird dabei immer

1. ein Gewinn verborgen, etwa gegenüber dem Finanzamt oder einer Subventionen gewährenden Behörde, oder

2. ein Verlust verschleiert, beispielsweise gegenüber der kreditgewährenden Bank.

– Wie die Erfahrung gelehrt hat (as past experience has shown), waren leider sogar auf die Bilanzanalyse (interpretation of financial statements) einer bestimmten Branche ausgerichtete Wirtschaftsprüfer in vielen Fällen nicht in der Lage, entsprechende Sachverhaltsgestaltung zu durchschauen. Offenbar schienen die Wirtschaftsprüfer dazu umso weniger fähig, je mehr mathematisch-statistische Verfahren zur Anwendung kamen, wie etwa Diskriminanz-Analyse oder logistische Regression).

– Siehe Angaben, verschleierte, Ausserbilanzgeschäft, Bilanzkosmetik, Börsenbetrug, Buchführung, kreative, Buchführung, manipulative, Corporate Governance, Enforcement, Finanzbericht, Finanzmathematik, Informations-Überladung, Intra Quarter Ballooning, Kristallisation, Managementbezüge, missbräuchliche, Rosinenpickerei, Stetigkeit, Substance-over-Form-Grundsatz, Verlusttarnung, Verständlichkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sachvermögen (material assets, tangible assets, fixed assets):

1 In der Volkswirtschaftslehre die von Natur aus gegebenen, also nicht-produzierten Dinge wie Grund und Boden, Bodenschätze, freie Tier- und Pflanzenbestände oder Wasserreserven. - Die genaue Definition bereitet deshalb Schwierigkeiten, weil der gewöhnlich in der Wirtschaftstheorie zugrunde gelegte Begriffsinhalt mit dem der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung nicht übereinstimmt.

2 Auf der Ebene des Unternehmens die Summe aller betriebsnotwendigen Wirtschaftsgüter (assets necessary for operation) ohne die eine Ausübung der betrieblichen Tätigkeit nicht möglich wäre, wie Grundstücke, Fabrikgebäude, Maschinen und Fahrzeuge. - Freilich ist auch hier die Abgrenzung nicht einheitlich. Häufig werden auch eingelagerte und hergestellte Güter - also die Vorräte in einem Unternehmen - dem Sachvermögen (im Englischen dann: current assets) beigezählt. Selbst wenn also der Einkaufsleiter (purchase manager) nicht verarbeitungsfähiges Material gestapelt hat, und auch wenn die im Unternehmen produzierten Waren nicht am Markt absetzbar sind, ja am Ende vielleicht gar noch kostspielig entsorgt werden müssen, dann werden sie dem Sachvermögen beigezählt. Das widerspricht grundsätzlich (fundamentally contradicts) der in der Wirtschaftslehre üblichen Bedeutung von Vermögen.

3 Bei Privathaushalten in der Statistik der Household Finance and Consumption Survey die Posten

1. selbst genutztes Haus- und Wohnungseigentum,

2. anderer Haus- und Grundbesitz,

3. eingerichteter Gewerbebetrieb - es werden in der Statistik den Privathaushalten auch Einpersonenunternehmen und Freiberufler zugezählt -sowie

4. Fahrzeuge, Sammlungen und Schmuck.

– Siehe Anlagevermögen, Infrastrukturkapital, Kapitalstock, Privathaushalt, Abgrenzung, Sachkapital, Vermögen, Vermögenswert.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 212, S. 31 (Aufzählung Sachvermögen der Privathaushalte), Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2013, S. 85 ff. (ausführliche und tiefgehende Darstellung der Haushaltsbefragung des Eurosystems; Übersichten; Literaturverweise; wichtige Ergebnisse).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sachwert und Realwert (material value, real value, real asset, material property):

1 Vermögensobjekte in gegenständlicher Form.

2 (Anlage)Gegenstand, der seinen Wert in sich selbst, also in seiner Substanz, in seinem Stoff, in seinem Material trägt (intrinsic value). Im Gegensatz dazu stehen

1. Geld als Anspruch auf einen Teil des Sozialprodukts sowie

2. Papiere jeder Art, die letztlich immer Forderungen ausdrücken.

– Sachwerte gewähren damit einen Schutz vor Inflation und je nach Art des Gegenstandes auch gegen Enteignung (expropriation). Beliebt sind für nach wie vor weltweit Edelmetalle, insbesondere Platin und Gold, sowie Edelsteine. Hieraus ist auch die Tatsache zu erklären, dass in Zeiten von Finanzkrisen der Goldpreis stark ansteigt.

– Siehe Aktivvermögen, Anlagevermögen, Edelsteine, Diamanten, Geldwert, Realitäten, Sachvermögen, Vermögenswert, Wertrelativität, Wertsachen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sachwertanleihen (real value securities):

Besondere Art indexierter Emissionen, wobei der Gläubiger dem Schuldner Geld leiht gegen die Verpflichtung, bei Fälligkeit in Menge und Qualität festgelegte Sachwerte zurückzuerhalten. Auch die Verzinsung wird in dem entsprechenden Sachwert vereinbart. In Deutschland waren solche Papiere während der Inflationszeit ab 1923 eingeführt (Kohleanleihen, Kalianleihen, Getreideanleihen).

– Siehe Anleihe, warenbezogene, Roggenanleihe, Salinenscheine.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sackgeld (corn duty; pocket money):

1 Alte Abgabe, die zunächst aus dem gedroschen Korn (threshed grain) in der Regel als Zehntabgabe (corn tithe; Sackzehnter) gegenständlich in Getreide zu entrichten war, und die später in eine Geldzahlung umgewandelt wurde, auch Getreidegeld, Sackage und Saccage genannt.

2 Taschengeld, meistens in der Bedeutung einer regelmässigen Übertragung von Bargeld an noch nicht im Erwerbsleben stehende Jugendliche durch Eltern und Verwandte (sum of money given to youngsters periodically by parents and relatives as an allowance).

– Siehe Frongeld, Kirchweihgeld, Marktgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Safe Haven Flows (so auch im Deutschen gesagt; seltener Zufluchtsströme):

Portfolio-Umschichtungen von Aktien hin zu hochbonitären Staatspapieren (prime-rated government securities).

– Siehe Crowding out, Hafen, sicherer, Notzeit-Anlagen, Risikoaversion, Risikoneigung, Risikotoleranz, Rush to the Exit.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2007, S. 44 f. (Portfolio-Umschichtungen als Mass für Risiko-Einschätzung der Anleger), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2010, S. 32 f. (Renditen deutscher Bundesanleihen unter dem Einfluss von Safe-Haven-Entscheidungen der Anleger; Übersicht; Literaturverweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2014, S. 19 ff. (Definitionsfragen; empirische Befunde).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Safer Traffic (so auch im Deutschen, seltener Kontaktsicherung):

Im Finanzbereich meint man damit der vor unbefugten Eingriffen gesicherte Datenverkehr einer Bank mit dem Kunden.

– Siehe Benutzerfreundlichkeit, Prosumer, Remote Banking.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Saisonbereinigung (seasonal adjustment):

Statistische Verfahren, um regelmässig auftretende jahreszeitliche (seasonal; saisonale) Bewegungen aus einer Zahlenreihe herauszurechnen, um so die Grundrichtung eines Verlaufs zu erkennen.

– Siehe Trendprognosen, Zyklik.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2012, S. 56 ff. (Saisonbereinigung in den Konjunkturstatistiken; Erklärungen; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Saisonkredit (seasonal loan):

Darlehn zur Befriedigung des Finanzbedarfes in bestimmten Monaten eines nur zeitenweise voll ausgelasteten Unternehmens (credit that permits firms to pay their expenses despite seasonal swings in their cash flow), etwa im Falle von lediglich in der Sommerzeit ausgebuchte Hotels, die in der Winterzeit Räume instand setzen und Umbauten für die kommende Reisezeit tätigen müssen.

– Siehe Ernte-Unterstützungskredit, Kredit, kurzfristiger, Veranstaltungskredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Saitengeld (string payment; reimbursement of expenses; musicians' fee):

1 Zahlung an das Mitglied eines Orchesters, welches auf dem eigenen Saiteninstrument (stringed instrument) spielt und verantwortlich dafür ist, dass sich dieses jederzeit in gutem Zustand (in good order and condition) befindet.

2 In Musikschulen der von den Schülern aufzubringende Betrag als Ersatz der Kosten für Verbrauchsmaterial wie Saiten, Notenblätter, Mundstücke oder Reinigungsmittel, also nicht allein auf die Pflege von Saiteninstrumenten bezogen.

3 In älteren Dokumenten auch die Entlohnung für die zum Aufspielen bestellten Musiker.

– Siehe Instrumentengeld, Musikgeld, Rohrgeld, Verzehrgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Salam (so auch im Deutschen gesagt):

Im Islamic Banking ein kurzfristig angelegter Vertrag, bei dem sich der Verkäufer verpflichtet, bestimmte Waren zu einem späteren Zeitpunkt zu liefern. Der Käufer bezahlt diese Waren jedoch sofort in Bargeld (a short-term agreement under which a financial institution pays, in advance, amounts corresponding to the future delivery of a defined quantity of goods). Derartige Verträge sind besonders im Landwirtschaftssektor (agricultural sector) verbreitet.

– Siehe Ernte-Unterstützungskredit, Ijara, Istisna, Landschaft, Mudaraba, Murabaha, Option, Quard al-Hasan, Sukuk, Zinsverbot.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Salami-Taktik (salami tactics):

Im Zuge der Subprime-Krise aufgekommene Bezeichnung für die Geschäftspolitik auch grosser Banken und Versicherungen, ihre Verluste nicht auf einmal bekanntzugeben, sondern nach und nach, scheibchenweise (in slices) in die Öffentlichkeit zu bringen. - Die EZB rügte dieses Verhalten, weil eine solche Kommunikationspolitik dazu geeignet sei, die allgemeine Unsicherheit zu verstärken. Eingefahrene Verluste sickern in jedem Fall durch: sie begründen Gerüchte und schaden einer Bank am Ende mehr als eine sofortige Veröffentlichung der schlechten Nachricht.

– Siehe Ad-hoc-Mitteilung, Aktionärsbrief, Informations-Aufschub, Sachverhaltsgestaltung, Schlafgeld, Verlust-Tarnung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Salär (salary, pay):

Lohn bzw. (Monats)Gehalt in Geld ausgedrückt (compensation received by an employee for services performed; a fixed sum paid for a specific period of time worked, usually once-a-month). Der Ausdruck ist vor allem im der Schweizerdeutschen üblich und weist auf das lateinische Wort SALARIUM hin: auf eine Salzzuteilung, die römische Beamte und Soldaten als Teil ihres Naturallohnes erhielten.

– Siehe Amtsgeld, Bezahlung, Bonus, Deputat, Fixum, Fringe Benefits, Garantieprovision.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Saldierungsbüro auch Skontrierungsbüro (clearing office for securities dealt):

In der älteren Finanzsprache häufig erwähnte Dienstleister an den Wertpapierbörsen, die Forderungen und Verbindlichkeiten zwischen Börsenmitgliedern verrechneten, so dass nur der Saldo zu begleichen war. Statt Saldierung findet sich in älteren Dokumenten manchmal auch Exäquation (exequitation). - Am Platz London wurden auf diesem Wege zwischen 1900 und 1914 gut neunzig Prozent der gegenseitigen Verpflichtungen glattgestellt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Saldierungsverbot (balancing prohibition):

Grundregel, nach der in keinem Fall Schulden mit Vermögenswerten aufgerechnet werden dürfen; beide sind allemal getrennt voneinander auszuweisen; siehe § 246 HGB. Ebenso dürfen Aufwendungen nicht mit Erträgen oder Grundstücksrechte nicht mit Lasten aus Grundstücken verrechnet werden.

– Siehe Saldo.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Saldo (balance, bottom line):

1 Allgemein der Unterschiedsbetrag zwischen der Habenseite und der Sollseite eines Kontos.

2 Im Besonderen bei einer Bilanz die letzte Zeile mit dem Ergebnis als Gewinn oder Verlust (the result [gain or loss] reported by a business, which is the last, or bottom line, in its income statement. – By the way: in English language the term "bottom line" as a accounting-based word has taken on a much broader connotation in everyday use, referring to the ultimate or most important effect or outcome of something). Bei Verlust spricht man auch von einem Habensaldo (credit balance), bei Gewinn von einem Sollsaldo (debit balance).

– Siehe Aufwandüberschuss, Betriebsergebnis, Handelsergebnis Saldierungsverbot, Saldozahlung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Saldozahlung (closing payment):

Vor allem in der älteren Finanzsprache häufig gesagt für die letzte Zahlung eines vertraglich in Raten zu tilgenden Betrags.

– Siehe Abschlag, Endfälligkeit, Glattstellung, Ratenzahlung, Tilgung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sale-and-Lease-Back und Sale-Leaseback (so auch im Deutschen gesagt; seltener Verkauf-Miete-Geschäft):

Der Verkauf eines Gegenstandes einschliesslich einer Immobilie, etwa die Gebäude einer Bank, an eine Leasinggesellschaft bei gleichzeitiger Miete dieses Wirtschaftsgutes (Rückvermietung: leaseback) über einen entsprechenden Vertrag (a company that owns equipment or other industrial or commercial assets sells the asset to a leasing company, which then immediately makes it available to the company through a leasing transaction). - Bilanztechnisch ermöglicht das Sale-and-Lease-Back im Unternehmen gebundenes Kapital in Bargeld einzutauschen. Daneben haben entsprechende Geschäfte in der Regel auch einen steuerlichen Vorteil (tax advantage) für mindestens einen der Partner.

– Siehe Leasinggeschäft, Opportunity-Fonds.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Salinenscheine (saltworks notes):

In Österreich um 1850 vom Staat emittierte Banknoten, die durch die staatlichen Salinen (saltworks: Anlagen zur Kochsalzgewinnung) gedeckt waren.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Salzgeld (salt levy):

Eine frühere, je nach Landschaft in verschiedener Weise berechnete Abgabe auf Salz. - In Deutschland gab es bis Jahresende 1992 eine Steuer auf Speisesalz (salt tax); in Österreich wurde diese erst mit dem Beitritt zur EU 1995 abgeschafft.

– Siehe Salär.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Samarkander (samercanders):

(Gold-)Münzen aus dem alten Samarkand, an der Fluss-Oase des Serawschan im heutigen Usbekistan gelegen und damals wichtiges Handelszentrum, vor allem auch für Pfeffer, Ingwer und Gewürznelken). - Um 970 werden Samarkander unter anderem in Mainz erwähnt, die aus Handlebeziehungen auf dem Landweg über Zentralasien und Osteuropa kamen.

– Siehe Amalfiner, Dareiko, Drachme, Florentiner, Gulden, Münze, Numismatik, Obolus, Sekel, Stater, Talent, Urukagina-Regel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sammlerstück (collectible, collectable, collector's item):

Allgemein ein Gegenstand jeder Art, der von Menschen angehäuft und gehortet wird, wobei grundsätzlich die gefühlsmässige Hingabe an das betreffenden Objekt (Sammelleidenschaft; collection passion) im Mittelpunkt steht. Ökonomisch spielen solche Gegenstände dann eine Rolle, wenn

1. ein Sammler zum Erwerb eines Stückes wie etwa eines teuren Gemäldes ein Darlehn bei der Bank aufnimmt,

2. Sammlerstücke und ganze Sammlungen versichert werden und

3. ein Sammler Dinge aus seinem Besitz verkauft oder vergantet.

– Weil aber bei Sammlerstücken in aller Regel ganz besondere Fachkenntnisse notwendig sind, und weil es für die meisten dieser Objekte an Markttransparenz fehlt, so sind sie zur Vermögensanlage nur in Ausnahmefällen geeignet.

– Siehe Dareiko, Münze, Schmuckanleihe, Verzehnfacher, Vieleck, magisches.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Samurai-Bonds (samurai bonds):

In Japan begebene, auf JPY lautende Anleihen ausländischer Schuldner (foreign bond issued by non-Japanese companies on the Japanese market and denominated in JPY).

– Siehe Bulldogge-Anleihe Drachen-Anleihe, Shogun-Bonds.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sanierung (restrcuturing, recapitalisation):

Wenn nicht anders definiert die Gesundung eines notleidenden Unternehmens (stricken enterprise) durch finanzielle, betriebswirtschaftliche und marktpolitische Massnahmen.

– Siehe Bankrott, Extensum, Insolvenz, Insolvenzkosten, Management Buyin, Notlage, finanzielle, Restrukturierung, Ruin, Umschuldung, Vulture Fund, Zahlungsunfähigkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sanktionen der EZB (ECB coercive measures):

Aufgrund des EU-Rechts kann die EZB Geschäftspartner vom Verkehr ausschliessen, wenn diese ihre Verpflichtungen gegenüber der EZB nicht erfüllen. Hierzu zählen insbesondere

1. Verstösse gegen die Tender-Regeln oder die Regeln bei bilateralen Geschäften. So ist ein Geschäftspartner etwa nicht in der Lage, ausreichend refinanzierungsfähige Sicherheiten anzuschaffen, um den zugeteilten Liquiditätsbetrag zu besichern bzw. den ihm in einem liquiditätsabschöpfenden Geschäft zugeteilten Betrag bereitzustellen;

2. Pflichtverletzungen, welche die Nutzung refinanzierungsfähiger Sicherheiten betreffen. Hierzu zählt der Fall, das ein Geschäftspartner Sicherheiten verwendet, die nicht oder nicht mehr refinanzierungsfähig sind;

3. Verstösse in Zusammenhang mit dem Zugang zur Spitzenrefinanzierungs-Fazilität. Beispielsweise erfüllt ein Geschäftspartner, der am Tagesende einen Sollsaldo auf dem Zahlungsausgleichkonto aufweist, nicht die Zugangsbedingungen zu dieser Fazilität.

– Vgl. im Einzelnen EZB: Die einheitliche Geldpolitik in Stufe 3, S. 11 f. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sanktionsausschuss (sanction commission):

Nach § 20 BörsG kann durch die zuständige Landesregierung ein Gremium gebildet werden, das Personen mit einer Geldstrafe belegt, die

1. gegen börsenrechtliche Vorschriften oder Anordnungen verstösst, welche eine ordnungsmässige Durchführung des Handels an der Börse oder der Börsengeschäftsabwicklung sicherstellen sollen, oder

2. in Zusammenhang mit der Tätigkeit an der Börse den Anspruch auf kaufmännisches Vertrauen oder die Ehre eines anderen Handelsteilnehmers verletzt.

– Siehe Agiotage, Börse, Gerüchtestreuen, Kreditgefährdung, Kursmanipulation, Marktmanipulation, Nominee, Pairoff, Prearranged Trading, Scalping, Scheintransaktionen, Schlangenhandel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sanktionskomitee (sanction committee):

Innerbehördliche, dem Geschäftsbereich des Präsidenten zugeordnete Einrichtung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, in der in erster Linie übergreifende Sanktions-Strategien entwickelt und Einzelfallmassnahmen wie Abberufungen von Geschäftsleitern erörtert werden.

– Siehe Abberufungs-Verfügung, Abwicklungsanweisung, Antragsgetrieben, Institut, problematisches, Massnahme bei Gefahr, Untersagung, Verwarnung, Zwangsschliessung.

– Vgl. Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 193 (Vorstellung des Komitees).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sarbanes-Oxley Act, SOX:

Im Jahr 2002 in den USA in Kraft getretenes Gesetz, das die Befugnisse der Aufsichtsbehörden erweitert und eigene Behörde zur Überwachung auch der Rechnungslegung von börsennotierten Aktiengesellschaften errichtete. Die bezüglichen Vorschriften gelten ohne Einschränkung auch für ausländische Firmen, deren Aktien zum Handel an einer nordamerikanischen Börse zugelassen sind. - Die in Zusammenhang mit dem Gesetz geforderten Anlegerschutzauflagen führten zwar zu teilweise erheblichen Mehrkosten bei den betroffenen Unternehmen. Aber es hat sich gezeigt, dass die durch die SOX vorgeschriebenen, weitreichenden internen Kontrollmassnahmen auch beträchtliche Vergeudung von Ressourcen und mithin Verlustquellen für das Unternehmen aufgespürt haben. Dem wird andererseits entgegengehalten, dass SOX Wandel und Innovationen bremse, weil ein übervorsichtige (overcautious), am Hergebrachten festhaltende Geschäftspolitik begünstigt werde.

– Siehe Anderson-Skandal, Angaben, verschleierte, Informations-Überladung, Kristallisation, Public Company Accounting Oversight Board, Klartext, Rechnungslegung, waghalsige, Regelgegründet, Securities and Exchange Commission, Verständlichkeit, Vorhersagen, Wesentlichkeit, Zuverlässigkeit, Zweckdienlichkeit.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom September 2002, S. 35 f., Monatsbericht der EZB vom Mai 2005, S. 102 f. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Satisfaktionsgeld (satisfaction payment):

1 Von siegreichen Kriegsherren (victorious warlords) früher eingeforderte Zahlung - meistens nur in Münzen aus Gold - als Entschädigung für ihre Auslagen, wie vor allem Anwerbung, Bewaffnung, Verpflegung und Besoldung von Kriegern und Bereitstellung von Transportmitteln.

2 Im Besonderen eine Zahlung, die von Schweden vielen evangelischen Provinzen und Städten in Deutschland - als POENA PACIS - auferlegt wurde, denen Schweden im Dreissigjährigen Krieg (1618-1648) zur Hilfe gekommen waren.

– Siehe Festungsgeld, Friedensgeld, Grabengeld, Heergeld, Kavalleriegeld, Kontribution, Manubien, Marschroutengeld, Obristen-Darlehn, Quartiergeld, Ranzion, Rockgeld, Sühnegeld, Türkengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sattelgeld (saddle money; saddle payment):

1 Kunstvoll gestaltetes, sattelförmiges (saddle-shaped) Silbergeld aus China des 19. Jhts., auch Schildkrötengeld und Stuhlgeld sowie Sycee genannt. Sattelgeld war in Asien bis weit in das 20 Jht. in Asien im Umlauf und wird heute noch auch als originalgetreue Nachbildung (replica) geschätzt.

2 Der von den Teilnehmern im Voraus zu zahlende Betrag bei einer Velosportveranstaltung (D: Radsportrennen; cycling race, bicycle race). Das eingeforderte Geld dient dabei grundsätzlich zur Bezahlung der Aufwendungen für die Durchführung des Rennens.

3 In Reitsportvereinen (equestrian clubs) zumeist von allen Mitgliedern verlangter Betrag zur Deckung des Ausgaben für die Unterbringung und Versorgung der Pferde.

4 Bei einem Pferdehalter (horse keeper) eingezogene Abgabe zur Unterhaltung der besonders angelegten Reitwege (bridleways).

5 Früher das Trinkgeld, das man dem Angestellten eines Pferdeverleihers oder dem Pferdeknecht (groom: one in charge of horses) in einem Gasthof für das Aufzäumen des Pferdes (bridling of a horse) gab, auch Zaumgeld genannt.

6 In alten Dokumenten auch die Zahlung für die Dienste eines Boten zu Pferde (mounted messenger).

– Siehe Meilengeld, Stafettengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Satz (rate):

In der Finanzsprache die Berechnung oder Zahlung in Bezug auf eine Grundgesamtheit (amount of a charge or payment relative to some basis), wie etwa ein Zinssatz, Prozentsatz (percentage), Beitragssatz (contribution rate), Hebesatz (collection rate) oder Steuersatz (tax rate).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Satzgeld (prize money; shooting fee; pawnage; right of abode fee; wager; attendance money):

1 Bei Brieftaubenflügen (carrier pigeon race) der Betrag (Einsatz; bet), der auf den Sieg der jeweilige Taube (racing pigeon) gesetzt wird.

2 Bei Schützenvereinen (shooting associations) die Zahlung für eine bestimmte Anzahl von Schüssen (shots). Das Geld dient vor allem der Unterhaltung der Schiessportanlage (shooting range).

3 In älteren Dokumenten

1. eine Summe, die als Pfand hinterlegt wird oder

2. die zu entrichtende Gebühr bei Verpfändung, in alten Dokumenten auch Impignoration (impignoration) genannt,

3. mitunter auch der Betrag einer Bürgschaft.

4 Früher eine besondere Abgabe eines Auswärtigen, der einen Zweitwohnsitz (secondary residence) in einer Stadt hatte; dieser wurde auch Satzbürger (inherent burgess) genannt.

5 Der Wetteinsatz (bet) bei einem Spiel.

6 In früherer Zeit auch gesagt für das Sitzgeld (Sitzungsgeld) im Sinne einer Aufwandsentschädigung (expense allowance) für die Teilnahme an einer Zusammenkunft.

7 Die Kosten zur Herstellung eines Schriftsatzes in der Setzerei (composition room = workshop for setting of written material into type).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Säumnisquote (delinquency rate):

Wenn nicht anders definiert, bei den von einem Institut gewährten Darlehn der Anteil der Schuldner, die mit ihren Verpflichtungen (redemption; Rückzahlung, interest payment; Zinsen) in Verzug sind (the percentage of outstanding loans in a loan portfolio that are delinquent). Auch in Geschäftsberichten jener Institute, die durch Informations-Überladung herausragen, fehlt in aller Regel eine Angabe über die Säumnisquote - von einer Aufschlüsselung gar nicht zu reden.

– Siehe Ausbuchung, Ausfall, Ausfall-Verlust, Default, Delinquent, Fraudulent, Geldvergessliche, Inkassostrategie, Herfindahl-Hirschman-Index, Kalibrierung, Kreditereignis, Kreditrisiko, Kunde, fauler, Rating, Rechnungs-Stapelung, Risikotransparenz, Risikoprofil, Schulden, notleidende, Subprime Lending, Verlust, Verzug, Zahlungsausfall.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Säumniszuschlag (late payment penalty):

Zusätzlich zu leistende Zahlung, falls ein geschuldeter Betrag nicht zum vereinbarten Zeitpunkt beglichen wird.

– Siehe Bonitätsrisiko, Kredit, notleidender, Strafzins.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Saysches Gesetz (Say's law):

Nach dem französischen Ökonomen Jean-Baptiste Say (1767–1832) benanntes Theorem. Danach schafft sich jedes Angebot seine Nachfrage selbst (supply creates its own demand); es stellt sich also immer ein Marktgleichgewicht ein. - Die volkswirtschaftliche Literatur ist reich an Erörterungen über die stillschweigenden Voraussetzungen (implied conditions) dieses Lehrsatzes. Heute besteht weithin Einigkeit darüber, dass das Saysche Gesetz nur in einem besonderen Fall gültig ist, nämlich dann, sich wenn die getätigten Investitionen mit den Ersparnissen bei ausgelastetem Produktionspotential decken.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sborso (disbursement, expenditure):

In der älteren Finanzsprache häufig für Geldauslage, Zahlung (money paid out), besonders in der Bedeutung einer Anzahlung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Scalper (so auch im Deutschen gesagt; [unschön] auch mit Kurzfristspekulant übersetzt):

An der Börse auf kurzzeitige Gewinnmitnahme bedachte Marktteilnehmer (market participants who seek to profit from small price fluctuations from the bid-ask spread). In der Regel stellen sie ihre Positionen zu Börsenschluss glatt. - Das Wort to scalp meint hier: kleine Gewinne machen (to trade for small gains).

– Siehe Börsenhändler, individueller, Chasing Winners, Daytrading, Devisenhandel, computerisierter, Flipper, Noise Traders, Schlusskurs-Strategie, Spekulant, Tagesgeschäft, Zinsschnäppchenjäger.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Scalping (so auch im Deutschen; seltener Abzockerei [ein erst nach 2000 in die deutsche Hochsprache eingedrungenes Wort; auch in der Form Abzocke]):

1 Allgemein die Empfehlungen von unredlichen)Finanzjournalisten in Presse, Rundfunk oder Fernsehen, um den Kurs eines Wertpapiers erheblich zu beeinflussen mit dem Ziel, für die Auftraggeber Vorteile zu erreichen. Die Aufsichtsbehörden betrachten dies als verbotene Insider-Transaktion. Schwer beizukommen ist dem Scalping in Internet-Foren, Blogs und auf Twitter, wo entsprechende Beiträge (Tweets; tweets: postings made on the social media website Twitter) kaum zu durchschauen sind.

2 Im Besonderen

1. der Erwerb von Wertpapieren durch einen bestimmten Käufer,

2. der anschliessend eine öffentliche Kaufempfehlung ausspricht.

3. Steigt der Kurs dann infolge der Empfehlung, so kann der Erwerber die Wertpapiere mit Gewinn wieder verkaufen (the practice of purchasing a security for one's own account shortly before recommending that security for long-term investment and then immediately selling the security at a profit upon the rise in the market price following the recommendation).

3 Die Geschäfte eines Scalpers (a legitimate method of arbitrage of small price gaps created by the bid-ask spread).

– Siehe Aktienanalyse, Analyst, Blog, Börsenbriefe, Bucketing, Daimonion, Enabler, Finanzgeier, Frontrunning, Geheimtip, Goldtäuschung, Iceberg Orders, Insider-Transaktion, Kreditgefährdung, Kursmanipulation, Nominee, Pairoff, Pump and Dump, Racheengel, Scheintransaktionen, Strong Buy, Twitter, Wash Sales, Wertpapieranalyse.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 191 (strafrechtliche Seite), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 173 f. (einzelne Fälle), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 173 (Scalping betrifft etwa die Hälfte der aufgedeckten Manipulationsfälle), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 186 (Schwerpunkt Scalping im Freiverkehr) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin (Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft", Rubrik "Kontrolle der Markttransparenz und -integrität").

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schachtelgesellschaft (interrelated company):

1 Kapitalgesellschaft, an der eine andere Gesellschaft mit mindestens fünfundzwanzig Prozent und damit einer Sperrminorität (blocking minority) beteiligt ist; es gibt hinsichtlich des prozentualen Anteils auch andere Festlegungen.

2 In älteren Veröffentlichungen eine Firma, die gleichsam als Abladestätte der sie begründenden Muttergesellschaft (parent company) dient, und welche die Muttergesellschaft selbst (oft aus Reputationsgründen; reputational issues, image reasons) nicht führen will.

– Siehe Conduit-Gesellschaft, Zweckgesellschaft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schaden (damage):

In Bezug auf den Finanzmarkt allgemein der in Geld bemessene Verlust aus einem Engagement (the amount of money lost from a financial transaction).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schaden-Kosten-Quote (damage-cost-ratio):

Bei einer Versicherung das meist auf ein Geschäftsjahr bezogene Verhältnis zwischen den Einnahmen an Prämien einerseits und den Aufwendungen für Schadensleistungen, Verwaltung und Abschlusskosten andererseits. - Die jeweiligen Werte finden sich aufgeschlüsselt im jährlichen Bericht Statistik der Versicherungsunternehmen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ausgewiesen, getrennt nach Erstversicherungsunternehmen und Rückversicherungsunternehmen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schadensersatzpflicht (claim compensation):

1 Wer auf dem Finanzmarkt durch

1. grob fahrlässig,

2. schuldhaft unvollständig oder

3. unrichtig abgegebene Ad-hoc-Mitteilungen eine Einbusse erleidet, kann in Deutschland von den handelnden Unternehmensvertretern Schadensersatz fordern.

2 Eine Schadensersatzpflicht gegenüber Anlegern besteht nach § 37b und § 37c WpHG auch dann, wenn kursbeeinflussende Informationen seitens der Gesellschaft bei der Begebung von Wertpapieren gar nicht, zu spät oder unrichtig dargeboten werden.

3 Kunden, die ihre Bank nicht förmlich, nämlich durch Unterschrift unter ein entsprechendes Schriftstück über die mit Optionsgeschäften verbundenen Risiken aufgeklärt hat, können in Deutschland nach § 37d WpHG bei einem Verlustgeschäft auf Rückabwicklung bestehen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schalterhalle auch Kassenhalle (service hall, counter area):

Bis etwa 1980 war bei den grösseren Banken ein - in der Regel sehr hoher: die Höhe galt bei manchen nämlich als Ausdruck der Bedeutung des Instituts - Grossraum üblich, in der an Schaltern die Geschäfte abgewickelt wurden. Nach und nach wurden diese Hallen umgestaltet und einzelne Servicepoints (locations where bank employees come into contact with the customer) eingerichtet, um die Kundennähe (customer proximity) zu verbessern.

– Siehe Bankschalter, Behördenmanagement, bankliches, Geldtempel, Kultursponsoring, McDonaldisation, Warteschlange.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schanghaiengeld (shanghaiing provision):

1 Zahlung von Schiffseignern an eine darauf spezialisierte Werber-Kolonne (press-gang: a group of males employed to recruit men with cunning and wits - or even more - forcibly, under duress, for service as a seaman), die Seeleute auf unterbemannte (undermanned, short-handed) Schiffe mit List - wie Alkohol, Drogen falsche Versprechungen - oder Gewalt verschleppen (the practice of recruiting men as sailors by coercive techniques such as to provoke of getting drunk, persuasion, trickery, intimidation, or violence): eine besondere Art des Kidnapping.

2 Im weiteren Sinne auch jede Vermittlungsgebühr an solche Kundenwerber (canvasser), die mit unlauteren Mitteln meistens ahnungslose, unerfahrene Personen zur Unterschrift unter aufwendige Verträge, auch in Bezug auf Finanzprodukte, bringen. - In Deutschland ist trotz Verbraucheraufklärung, Rechtsverfolgung und Spezialgesetzgebung wie dem Widerrufsrecht bei sog. Haustür-Verträgen das Schanghaien im letzteren Sinne noch nicht ausgestorben. Erfahrungsgemäss melden sich viele Geschädigte aus Furcht vor Blossstellung und Häme nicht. Privatpersonen, die sehr hohe Verluste erlitten, suchen eher nach anderen Geschädigten und sind geneigt, auf gemeinsame Rechnung einen Racheengel zu dingen.

– Siehe Canvassing, Dampfstube, Daimonion, Douceur, Finanzgeier, Geld, weiches, Geldzahlungsgeste, Handgeld, Kapitalmarkt, grauer, Préstamo, Pump and Dump, Racheengel, Reedergeld, Schmiergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schattenbankbereich (parallel banking sector; extra-legal banking sector, underground banking sector):

1 Gesetzlich errichtete und rechtlich einwandfrei verfasste Unternehmen, die

1. wiewohl sie keine Banken sind,

2. dennoch laufend oder auch nur gelegentlich herkömmliche, den Banken eigene Finanzgeschäfte betreiben,

3. indem sie vor allem Mittel aufnehmen und diese als Darlehn vergeben

4. bzw. in von Insolvenz bedrohte Firmen leiten und damit Kreditintermediation (credit intermediation) betreiben, also an der Kreditvergabe mitwirken.

– Zu solchen Unternehmen zählen vor allem Hedge-Fonds, Private Equity Fonds, Vulture-Funds und Structured Investment Vehicles. In den USA werden auch die öffentlichen Hypothekenfinanzierer Federal National Mortgage Association (FNMA, meistens "Fannie Mae" genannt) sowie die Federal Home Loan Mortgage Corporation (FHLMC, meistens "Freddie Mac" genannt) dem Schattenbankbereich in dieser Bedeutung zugeordnet. In der Subprime-Krise trat offen zu Tage, dass diese Unternehmen durch ihre Verbindung zu systemrelevanten Instituten ein hoher Risikofaktor für das weltweite Finanzsystem darstellen. - Indessen ist die häufig anzutreffende Kriminalisierung (criminalisation) und Verteufelung (demonisation) der Schattenbanken im definierten Sinne unbegründet. Es kann durchaus vorteilhaft für alle Beteiligten sein, wenn bestimmte Geschäfte nicht von Banken, sondern von spezialisierten Unternehmen durchgeführt werden, die auch die mit damit verbundenen Risiken besser beherrschen. - Weil aber, wie die Finanzkrise gezeigt hat, von Schattenbanken in dieser Definition sehr leicht systemische Risiken ausgehen, so ist es durchaus einsichtig, wenn Aufsichtsbehörden sie überwachen. - Nach Schätzungen ist der weltweite Markt der Schattenbanken von 45 Billionen USD im Jahr 2002 auf 74 Billionen USD im Jahre 2013 angestiegen.

2 Ausserhalb der Bilanzen der Institute geführte Conduits, Objektgesellschaften, Structured Investment Vehicles und Zweckgesellschaften. Ihre Gründung hat vielfach den Zweck, rechtswidrig aufsichtliche Vorschriften vor allem in Bezug auf die Unterlegung mit Eigenkapital zu umgehen. Dabei wurde hier ausserhalb des Blickfelds der Aufsichtsbehörden ein ausserordentlich hohes Mass an Risiken aufgebaut, was sich in seiner ganzen Bedeutung erst im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise zeigte. Viele Banken mussten jetzt plötzlich aus Reputationsgründen (for reputational issues) die zuvor ausgelagerten Risiken in ihre Bilanz nehmen. Das trug beträchtlich zur Verschlechterung ihrer Eigenkapitalausstattung (worsening of the equity base) und zur Verschärfung der Liquiditätslage bei. Daher wurde von den Ministern und Zentralbankpräsidenten der G20 beschlossen, diese Unternehmen bis Ende 2011 dem Regelwerk Basel-II zu unterwerfen.

3 Neben lizenzierten, von den Aufsichtsbehörden überwachten Instituten betätigen sich Unternehmen, die unerlaubt, rechtswidrig Geldgeschäfte aller Art betreiben. In Deutschland besteht eine weitverzweigte Gruppe solcher Unternehmen. Die Einlagen werden häufig von hier lebenden Menschen ausländischer Herkunft geleistet. Nach Feststellungen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht wird der Schattenbankbereich in dieser Bedeutung häufig auch zur Geldwäsche benutzt. Zudem ist jener Schwarzmarkt auch ein idealer Umschlagsplatz für gefälschte und verfälschte Wertpapiere sowie für Counterfeit Cards. - Der Anteil betrügerischer Machenschaften seitens der anbietenden Dienstleister ist in diesem Bereich äusserst hoch; eine Rechtsverfolgung (satisfactory prosecution) aber aus verschiedenen Gründen schier aussichtslos. Enabler bieten sich daher an, Personen (avenging angels; Racheengel) zu suchen, die verlorenes Geld zumindest teilweise wieder zurückbringen. - Im März 2012 legte die EU-Kommission ein Grünbuch zum Schattenbankbereich vor. Darin wird der Schattenbankbereich definiert als "System der Kreditvermittlung, an dem Unternehmen und Tätigkeiten ausserhalb des regulären Bankensystems beteiligt sind" und im Einzelnen näher sowie ins Einzelne gehend aufgelistet.

– Siehe Address Spoofing, Bankenregulierungs-Paradoxon, Blind Pool, Cash Pooling, Daimonion, Dampfstube, Domizil-Verschleierung, Einziehung, Finanzgeier, Finanzsystem, Firmenbestatter, Geheimtip, Geldtransfer-Vermittler, Ghettobanking, Groll-Effekt, Identitätsdiebstahl, International Business Company, Internet-Angebote, Hawala, High risk countries, Kapitalmarkt, grauer, Nicht-Bank, Nominee, Obristen-Darlehn, Offshore Finanzplätze, Parallel Banking, Peer-to-Peer Lending, Racheengel, Regulierungs-Arbitrage, Regulierungsdruck, Remittance Services, Renditejagd, Schattenbanken-Regulierung, Underground Banking, Verständlichkeit, Winkelmakler, Zwei-Achtundzwanzig-Kredit.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 71 ff., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 83 ff. sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin (Rubrik "Erlaubnispflicht und Verfolgung unerlaubt betriebener Geschäfte"), Finanzstabilitätsbericht 2010, S. 127 (durch im Schattenbankbereich angebotene gehebelte Produkte entstehen hohe Risiken), Finanzstabilitätsbericht 2011, S. 74 (Überwachung und Regulierung; Empfehlungen des Financial Stability Boards), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 56 ff. (Definitionsfragen; internationale Regulierungsbemühungen), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 67 ff. (ausführliche Darstellung des Schattenbankbereichs; viele Übersichten; Literaturangaben); S. 75 ff. (ausländische Schattenbanken entpuppen sich teilweise als von deutschen Instituten im Ausland errichtetet Geschäftseinheiten; Risiken). Monatsbericht der EZB vom Februar 2013, S. 99 ff. (Zur Überwachung des Schattenbankbereichs; Abgrenzungsfragen; Rolle des Finanzstabilitätsrats; viele Übersichten), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 13 f. (Regulierungsbemühungen auf internationaler Ebene), S. 51 ff. (Aufzählung regulatorischer Massnahmen); Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2014, S. 15 ff. (ausführliche Darstellung; Übersichten; Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schattenbanken-Regulierung (regulation of parallel banking):

Weil keine Aufsichtsbehörde eine Übersicht darüber hat, welche Risiken in den Schattenbankbereich ausgelagert wurden, schlug die EZB zu Jahresbeginn 2012 vor, hier eine indirekte Regulierung einzuführen. Dies soll vorerst nur in einem Schritt geschehen, nämlich dass alle Beziehungen der Institute zu Schattenbanken offengelegt und der Aufsicht unterworfen werden.

– Siehe Beaufsichtigung, indirekte, Financial Stability Board, Peer-to-Peer Lending.

– Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 56 ff. (ausführlicher Bericht über Definitionsfragen, zur Risikoüberwachung und zu den Ansätzen einer international abgestimmten Regulierung), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 78 (unsichere Datenlage), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2013, S. 54 ff. (Überwachung und Regulierung des Schattenbankbereichs durch den Finanzstabilitätsrat), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 27 ff. (Regulierung auf globaler Ebene).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schattenbestand (shadow inventory):

Wenn nicht anders definiert bei einem Institut die übernommenen Immobilien, die noch nicht wieder verwertet werden konnten (real property that has been taken over by the bank and is not at the market yet). - So war beispielsweise die Deutsche Bank 2008 zum Besitzer einer Spielbank in Las Vegas geworden; der Kunde hatte seine Kredite nicht mehr abbezahlen können. Jahrelang versuchte das Institut, die Immobilie abzustossen. Erst im Mai 2014 konnte die Deutsche Bank das Kasino an den Finanzinvestor Blackstone Group in Neuyork verkaufen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schattenhaushalt und Schattenetat sowie Geheimbudget (black budget, secret bud-get):

Budgetposten eines Staates, die verfassungswidrig (unconstitutionally) ausserhalb parlamentarischer Kontrolle von der Regierung geführt werden. - In entsprechender Bedeutung spricht man auch von einem Schattenhaushalt auch bei einer Unternehmen und jeder anderen Entität.

– Siehe Budget, Finanzwissenschaft, Fondswirtschaft, Nachtragshaushalt, Nonaffektations-Prinzip, Parafiskus.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schattenpreis (shadow price):

1 Andere Bezeichnung für die Opportunitätskosten, nämlich entgangener Erlös dadurch, dass vorhandene Möglichkeiten (opportunities; Opportunitäten) zur Gewinnerzielung

1. überhaupt nicht oder

2. nicht unter Wahrung des wirtschaftlichen Prinzips (not regarding the most effective allocation of scarce resources) wie etwa beim Klienten-Kapitalismus wahrgenommen werden.

2 Die möglich wirklichkeitsnahe Berechnung eines Wertes für ein Gut, das nicht in den Markt eingeführt ist (the assignment of value to a non-marketed product).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schattenrating und Rating, hausinternes (internal rating):

Unternehmensinterne Einstufung (in-house assessement) aller Bereiche; in der Regel unter Anlegung von Beurteilungs-Kriterien strenger als jene der Rating-Agenturen. - Im Finanzsektor der ganzen Welt, mehr und mehr aber auch bei vom Finanzmarkt abhängigen Firmen, wird ein solches Schattenrating in kurzen Zeitabständen vorgenommen, um einer Herabstufung durch Rating-Agenturen zuvorzukommen bzw. um allfälliger Risikofaktoren möglichst rasch gewahr zu werden. - Schattenrating als definitionsgemäss von eigenen Mitarbeitern durchgeführte Beurteilung ist kostengünstiger als das Shadow-Rating, bei dem eine Rating-Agentur mit dieser Aufgabe betraut wird.

– Siehe Shadow Rating.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schattenstaat (shadow state):

Um 2012 aufgekommene Bezeichnung für die Eurozone. Ausgedrückt ist damit, dass man hinter dem Rücken der Bürger der beteiligten Staaten ein Gebilde schuf, in dem vor allem der EZB eine weithin andere Aufgabe zukommt als in den Verträgen festgelegt nämlich die Preisstabilität zu gewährleisten, und diese nun zum Bankenregulierer, Krisenmanager und Kreditgeber letzter Instanz geworden ist. Die gesetzgebende zusamt der ausführenden Gewalt sehen viele in Händen der schon zur Gewohnheit gewordenen Krisengipfeln (crises summits) der Finanzminister. - Andererseits nützt es den Regierungen in den Geberländern wie Deutschland, wenn die EZB einen Gutteil der Kosten für die Retterei übernimmt. Denn für Belastungen, die sich tief in den unübersichtlichen Bilanzen der Zentralbank verbergen, müssen sich die Regierungen nicht rechtfertigen - anders als für höhere Steuern oder neue Schulden im Staatshaushalt.

– Siehe AIG-Deal, Anmassung, zentralbankliche, Aufkäufe, zentralbankliche, Aval, Bank, systemische, Bankenrettung, Bankenrettung, umgekehrte, Bazooka, Bailout, Bilanzbereinigung, Bürgschaft, Defizit-Finanzierungsverbot, Demokratie-Defizit, Finnland, Euro-Anleihen, gemeinsame, Europäische Finanzstabilisierungsfazilität, Europäische Währungsunion, Grundfehler, Eventualforderung, EZB-Sündenfall, Friedman-These, Garantie, Geldmarkt-Operationen, Geldverleiher letzter Instanz, Government Guaranteed Bond, Government Spreads, Gruppendruck, Lohnpolitik, koordinierte, Moral Hazard, Plan C, Politikklammer, Politikverzug, Rückkehr-Ideologie, Schattenverschuldung, Schuldentilgungspakt, europäischer, Sicherheitsnetz, globales, Single Master Liquidity Conduit, Stabilisierungsmechanismus, europäischer, Stabilitätsfonds, europäischer, Stand-by-Kredit, Strukturreformen, Transferunion, Umverteilung, zentralbankbewirkte, Verschuldung-Produktivität-Verkettung, Vertragstreue, Wachstum-Schulden-Tatsache, geschichtliche, Währungsunion 2, Zwei-Wege-Option.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schattenverschuldung (hidden debt):

Nicht sofort erkennbare Lasten, die zu einer späteren Zeit auf eine Volkswirtschaft zukommen. Dazu zählt man vor allem

1. die mit zunehmender Vergreisung auftretenden Ausgaben sowie

2. die Einlösung von Bürgschaften, wie etwa in Zusammenhang mit der Tätigkeit des Europäischer Stabilisierungsmechanismus.

– Siehe Altersquotient, Demographieverfestigung, Griechenland-Krise, Retterei, Rücklagen-Verzehr, Schattenstaat, Schuldenbremse, Staatsverschuldung, Überalterung.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2012, S. 63 ff. (ausführliche Darstellung der Schuldentragfähigkeit in Bezug auf das Eurogebiet gesamthaft und einzelne Mitglieder; viele Übersichten), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 21 f. (Zweifel an der Schuldentragfähigkeit einiger EWU-Mitglieder führen zur Vertrauenskrise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2014, S. 41 ff. (Überwindung der Vertrauenskrise; viele Übersichten; Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schatulle (casket):

1 Behältnis, Kästchen, besonders zum Aufbewahren von Geld und Schmuck (a small case or chest, as for money, jewels and other precious items).

2 Privatkasse eines Regenten, dann oft Privatschatulle und in der älteren Literatur auch Hafne - ursprünglich nur die Privatkasse eines Sultans - genannt.

– Siehe Handgeld, Kizeh, Zivilliste.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schatzanweisungen (Treasury bills, Treasury notes, oft nur Treasuries):

Verzinsliche (interest bearing), kurz- bis mittelfristige Schuldverpflichtungen des Staates in wechselähnlicher Form. - In den USA unterscheidet man zwischen

1. den kurzfristigen Treasury bills (Schatzwechsel oder Schatzscheine) mit einer Laufzeit von 3 bis 12 Monaten und

2. den mittelfristigen Treasury notes mit einer Laufzeit von 1 bis 5 Jahren.

– Im Zuge der Subprime-Krise stieg der Kurs amerikanischer Schatzanweisungen im Herbst 2008 zeitweise so stark, dass die Rendite auf null sank: ein Zeichen für mangelndes Vertrauen der Anleger in jederart nicht-öffentlicher Wertpapiere. - Die meisten Länder der Welt haben ihre USD-Währungsreserven in Treasury Notes angelegt.

– Siehe Dollar-Crash, Reskription, Safe Haven Flows, Schuldschein, Tresorschein.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schatzanweisungen, unverzinsliche "Bubills" (Treasury discount papers):

In Deutschland vom Bund emittierte Wertpapiere mit einer Laufzeit sechs oder zwölf Monaten. Wie die Finanzierungsschätze, so sind auch sie Diskontpapiere; die Verzinsung entspricht also dem Unterschied zwischen Nennwert und Kaufpreis. Sie werden regelmässig in vierteljährlichem Rhythmus - Januar, April, Juli, Oktober - im Tenderverfahren über die Bietergruppe Bundesemissionen begeben. Ihre Mindeststückelung beträgt 0,5 Mio EUR. Bubills werden nicht in den Börsenhandel eingeführt und in der Regel von institutionellen Anlegern und ausländischen Zentralbanken übernommen.

– Siehe Abzinsungspapier.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schatzgräbergeld (treasure seeker's payment):

In älteren Dokumenten die Bezahlung für den Schatzgräber (a person who searches for a hidden treasure). Entgegen behördlicher Warnungen und teilweise sogar entsprechender Verbote gab es Leichtgläubige, die umherziehenden Schatzgräbern glaubten, wenn diese einen vergrabenen Reichtum auf ihrem Grundstück zu fühlen vorgaben. Oft genug verlangten die Schatzgräber eine Vorauszahlung und verschwanden dann mit dem Geld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schatzkammer (treasure chamber; national property):

In älteren Dokumenten

1 der Aufbewahrungsort - in früherer Zeit gutbewachte Gewölbe - staatlicher Einnahmen, auch Gazophylakium und Kazine (cacine: dieses Wort ursprünglich nur die Bezeichnung für die Schatzkammer des türkischen Sultans) sowie Ärarium (aerarium: nach der Staatskasse im alten Rom) genannt.

2 Der Ausschuss, das Kollegium, welches die öffentlichen Einkünfte verwaltet.

3 Das in Geld und geldnahen Aktiva angesammelte Vermögen des Staates.

– Siehe Hypogäum, Kämmerei, Staatsschatz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schatzung (direct tax):

In älteren Dokumenten meistens der Oberbegriff für jede regelmässige Abgabe, die den Verpflichteten unmittelbar zur Zahlung bindet. Im Gegensatz dazu werden Auflagen - in der Regel nur als Mehrzahlbegriff - in die Preise eingerechneten Abgaben genannt. - Die Terminologie ist jedoch auch in der älteren Literatur nicht einheitlich.

– Siehe Auflagen, Beitrag, Gebühren, Maut.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schatzwechsel (Treasury Bills):

In Deutschland für die Offenmarktpolitik der Bundesbank früher eingesetzte Wertpapiere mit einer Laufzeit von in der Regel drei Tagen. Sie dienten der kurzfristigen Liquiditätsabschöpfung am Geldmarkt. Formal handelte es sich um Bundesemissionen; tatsächlich galten sie aber als Bundesbankpapiere.

– Siehe Reskription, Schatzanweisungen, Tap.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schätzwert (estimated value, appraised value):

Auf dem Finanzmarkt die genäherte Bestimmung (approximated assessement) eines Marktpreises in der Regel

1. durch Besichtigung (inspection; vor allem bei dinghaften Vermögensgegenständen),

2. Umfrage (survey; wie bei einer Roadshow),

3. Vergleich mit ähnlichen Preisen der Gattung (price comparsions; im Besonderen an der Börse bei einem Wertpapier, für das augenblicklich keine Kauf- oder Verkaufsaufträge vorliegen),

4. Erfahrung (empirical knowledge) oder

5. statistisch-mathematische Methoden (statistical and mathematical methods).

– Siehe Mark-to-Model-Ansatz, Strichnotiz, Taxkurs.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Scheck CH: Cheque (cheque):

Wertpapier, das eine unbedingte Zahlungsanweisung eines Kunden eines Kreditinstituts an seine Bank (Bezogener) enthält, an einen Dritten (Begünstigter, Remittent; drawee) auf Sicht (at sight: payable when presented) eine bestimmte Summe zu zahlen. Beim Verrechnungsscheck (collection only cheque; cheque for deposit only; bank [transfer] cheque) erfolgt die Zahlung nicht in bar, sondern im Wege der Gutschrift beim Begünstigten. - Der Scheck als Zahlungsmittel hat in den meisten Ländern seine Bedeutung verloren. In Deutschland betrug 2012 der Anteil der Zahlungen mit Scheck am Zahlungsverkehr gesamthaft 0,19 Prozent.

– Siehe Platzscheck, Postkartenscheck, Reisescheck.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Scheckabbild, Scheckkopie und Scheckimage (substitute cheque, cheque image):

Im Zuge des imagegestützten Scheckeinzugsverfahrens elektronisch eingelesener Scheck (the digital reproduction of an original paper check; financial institutions and payment processing centres electronically transmit data from substitute checks for settlement through the central bank). Ein Scheckimage ersetzt rechtlich in Deutschland - so auch in anderen Ländern, wie beispielsweise in den USA - einen papiernen Scheck (a substitute check maintains the status of a legal check in lieu of the original paper check).

– Siehe Trunkierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Scheckeinzugsverfahren, imagegestütztes, ISE (image-based cheque collection system):

Im September 2007 in Deutschland von den Verbänden der Kreditwirtschaft zusammen mit der Deutschen Bundesbank eingeführter Weg, um papierene Schecks ab einem Betrag von 6'000 EUR durch die Übermittlung elektronischer Abbilder (Images) zu verrechnen. Weil arbeitstäglich in Deutschland zu jener Zeit noch um die 30'000 Schecks über 6'000 EUR abgewickelt wurden, so brachte das imagegestützte Einzugsverfahren wesentliche Vorteile, wie vor allem den Wegfall der Bearbeitung von Formularen und des Schecktransports. Für Schecks unter 6'000 Euro galt bereits die beleglose Abwicklung.

– Siehe Scheckabbild, Trunkierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Scheckverfügungssperre (cheque access block):

Kunden können über einen bei der Bank eingereichten Scheck in der Regel erst nach Ablauf einer gewissen Frist verfügen. Im Inland sind dies bis zu zehn Bankarbeitstage (banking workdays) und bei Schecks, die auf ein ausländisches Institut eingereicht werden, bis zu einem Monat. Auf wiederholte Verbraucherbeschwerden hin erklärte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht dies für angemessen.

– Siehe Einzugszeit.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 219 (Begründung der Verfügungssperre).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Scheidemünze in alten Dokumenten auch Kollyben und Menuaille (token coin, divisional coin, minor coin, small money):

In Metall geprägtes Geld, dessen Metallwert geringer ist als der Nominalwert, das aber dennoch begültigt ist und daher volle gesetzliche Zahlungskraft, mithin auch Annahmezwang besitzt. - Weil bei vorangegangenen Währungsumstellungen in Deutschland, nämlich

1. 1923 von der Mark zur Rentenmark,

2. 1924 von der Rentenmark zur Reichsmark und

3. 1948 von der Reichsmark zur Deutschen Mark, alle Scheidemünzen jeweils ihren vollen Wert behielten, so werden sie auch heute bevorzugt gehortet.

– Die Umlaufsgeschwindigkeit der Scheidemünzen ist im allgemeinen ein Vielfaches jener der Kurantmünzen.

– Siehe Abnutzung, Aushingeld, Begültigung, Geld, totes, Gequetschte, Heller, Katzengeld, Kreuzer, Münze, Münzhorte, Münzpflege, Obolus, Reichsbank, Schilling, Verrechnungsmünze, Währungsreform.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Scheinkauf (fictitious purchase):

In Bezug auf den Finanzmarkt ein vorgetäuschtes Kaufgeschäft, hier regelmässig mit der Absicht der Kursmanipulation. - Entsprechendes gilt auch für den Scheinverkauf (fictitious sale).

– Siehe Kristallisation, Marktaktivität, vorgetäuschte, Round Tripping, Pairoff, Prearranged Trading, Scheintransaktionen, Wash Sales.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Scheintransaktionen (wash sales, oft auch im Deutschen Wash Sales):

Aufsichtsrechtlich verbotene Geschäfte, bei denen in demselben Kontrakt sowie an derselben Börse auf denselben Termin gleichzeitig Käufe und Verkäufe oder umgekehrt vorgenommen werden. Tatsächlich wird auf diese Weise keine Position eingenommen. Es entsteht aber der Eindruck, dass ein Kauf bzw. Verkauf gegeben sei (entering into, or declaring to enter into, transactions to give the appearance that purchases and sales have been made, without a change in the trader's market position). - Scheintransaktionen haben in der Regel den Zweck, die (Termin)Umsätze hochzutreiben, um dadurch andere Marktteilnehmer zum Einsteigen in diesen Teilmarkt (sub-market) zu locken. Durch die Wachsamkeit der Aufsichtsbehörden kommen Scheintransaktionen an den kontrollierten Börsen jetzt kaum noch vor. Sie sind aber bis heute in Offshore Finanzplätzen nicht selten.

– Siehe Bear Raid, Blog, Bull Raid, Daimonion, Geheimtip, Geschäfte, abgesprochene, Iceberg Orders, Internet-Foren, Dampfstube, Firmenbestatter, Frontrunning, Kellerwechsel, Kristallisation, Kursmanipulation, Marktmanipulation, Pairoff, Prearranged Trading, Pump and Dump, Reitwechsel, Round Tripping, Scalping, Scheinkauf, Schlangenhandel, Terminspekulant, Twitter, Wash Sales, Winkelmakler.

– Vgl. Jahresbericht 2001 des Bundesaufsichtsamts für den Wertpapierhandel, S. 27, Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 181, S. 190, Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 174 f. (Wash Sales fallen unter die im März 2005 in Kraft getretene Marktmanipulations-Konkretisierungsverordnung [MaKonV], da sie irreführende Signale setzen), S. 186 f. (einzelne Fälle), S. 194 f. (weitere Fälle), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 164 f. (Mehrzahl der aufgedeckten Fälle betrifft Freiverkehrswerte) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schiebemulde (tranfer tray):

Drehbare, heute in den meisten Fällen in besonderer Weise technisch gesicherte Vorrichtung am Kassenschalter einer Bank zum Austausch von Geld und Dokumenten zwischen dem Kunden und dem Bankmitarbeiter.

– Siehe Registriergeld, Warteschlange.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schiedsverfahren (arbitration [procedure]):

Vorgang, bei dem Unstimmigkeiten zwischen

1. Kunden und der Bank,

2. einzelnen Teilnehmern an der Börse oder

3. anderen Marktparteien einvernehmlich durch Schlichtung durch einen dazu bestelltes Gremium (Gütestelle: arbitration committee, jury) beigelegt werden sollen.

– An vielen Börsen besteht für die Mitglieder die Pflicht, am Schiedsverfahren teilzunehmen. Eine gerichtliche Klage setzt in diesen Fällen ein nicht erfolgreiches Verfahren bei der Gütestelle voraus. - § 37h WpHG bestimmt: "Schiedsvereinbarungen über künftige Rechtsstreitigkeiten aus Wertpapier-Dienstleistungen, Wertpapiernebendienstleistungen oder Finanztermingeschäften (financial futures transactions) sind nur verbindlich, wenn beide Vertragsteile Kaufleute oder juristische Personen des öffentlichen Rechts sind."

– Siehe Beschwerdeverfahren, Gatekeeper, Gütestelle, Ombudsleute.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schiffsfinanzierung (ship financing):

Darlehn

1. zum Bau,

2. zur Neugestaltung (redesign; Umbau, Renovation) oder

3. zur Ausbesserung (reworking, repair; Renovation, Reparatur) eines Wasserfahrzeugs. Herkömmlich sind mit Ausleihungen dieser Art bestimmte Institute befasst, die damit eine grosse Erfahrung in diesem Geschäftszweig besitzen. Diese Institute sind andererseits aber auch besonders risikoanfällig (vulnerable to risk). Sie werden daher von den Aufsichtsbehörden in besonderen Stress-Tests beobachtet.

– Siehe Beilbrief, Bodmerei, Denaro, Objektfinanzierung, Projektfinanzierung, Schiffspfandbrief.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 63 (Bestand an Forderungen aus der Schiffsfinanzierung beläuft sich bei einigen Instituten auf einem bedenklich hohen Niveau), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 88 f. (BaFin widmet den Schiffsportfolien der Banken besondere Aufmerksamkeit; hoher Risikogehalt festgestellt; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schiffsgeld (charter):

In älteren Dokumenten die Ausgaben für die Miete (engagement for service under a term of contract) von Schiffsraum (hold: the space below the decks of a ship where cargo is stowed), die Schiffsmiete.

– Siehe Ankergeld, Tonnengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schiffspfandbrief (bottomry bond, ship mortgage bond):

Anleihe zur Finanzierung von Schiffbauten. Gedeckt wird der Pfandbrief durch eine Schiffshypothek. Im einzelnen gilt die Schiffsbeleihungswertermittlungsverordnung - Verordnung über die Ermittlung der Beleihungswerte von Schiffen und Schiffsbauwerken nach § 24 Abs. 1 bis 3 des Pfandbriefgesetzes (SchiffsBelWertV) vom Mai 2008.

– Siehe Bankschuldverschreibung, Beilbrief, Schiffsfinanzierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schiffswechsel (navy bills):

In älteren Dokumenten Papiere, die auf Kredite an die britische Admiralität ausgestellt waren.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schilling (shilling):

Alte Münze; der Name leitet sich vielleicht von der schildartigen Form ab (in contest; bestritten). In Österreich war der Schilling seit 1925 bis zum Beitritt zur Europäischen Währungsunion 1999 die Währungsbezeichnung, wobei 1 Schilling = 100 Groschen.

– Siehe Alpendollar, Heller, Kreuzer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schirmgeld (protection fee):

1 In Deutschland Abgabe an den Kaiser seitens reichsunmittelbarer Herrschaften (free imperial estates being subjected directly to the German Emperor), um in ihrem Rechtsbestand gegenüber Reichsfürsten (imperial princes) gesichert zu sein.

2 In manchen deutschen Städten und Territorialstaaten sowie auch in Österreich und der Schweiz seitens der konfessionell von der Mehrheit abweichenden oder stammesfremden Bewohner - vor allem Bewohner mosaischen Glaubens (tribute to be payed by individuals of Jewish faith; "Judentribut") zu zahlende Abgabe mit der Begründung, sie vor allfälligen Angriffen beschirmen zu müssen: ein Schutzgeld.

– Siehe Bewachungsgeld, Geleitgeld, Schuldschein-Beurkundungsgeld, Synagogengeld, Toleranzgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schlafgeld (bedroom rent; billet compensation; residence fee; overnight fee; sleeping money; sleeper's premium):

1 Früher die in der Regel wöchentlich fällige)Zahlung für Bett und Tisch (board and lodging) an einen Quartiergeber, der Gäste in seine Haushaltung aufnahm; in der Regel sog "Schlafburschen" (paying tenants, lodger) , nämlich wandernde Handwerksgesellen, die bei einem ortsansässigen Meister eine zeitlang arbeiteten und dort auch teilweise verpflegt wurden, jedoch nicht beim Meister nächtigten.

2 Für die zwangsweise Unterbringung von Soldaten in Privathaushalten ehedem von der Heeresverwaltung bezahlte Entschädigung, auch Quartiergeld genannt.

3 Von Städten und Gemeinden früher von Besuchern - oft nur von Juden - erhobene Abgabe für jeden Tag ihres Aufenthalts.

4 Gebühr für die Übernachtung in Jugendherbergen.

5 Auf manchen Campingplätzen erhobene Abgabe an den Platzbetreiber.

6 Zahlungsmittel im Besitz von Privathaushalten, und zwar

1. in alter Währung, und hier wieder im Besonderen bezüglich der Münzen und Noten auf Deutsche Mark lautend gesagt, oder

2. als jetzt gültiges Geld, das keiner zinsbringenden Verwendung zugeführt, sondern im häuslichen Bereich angehäuft und gelagert wird, auch Matratzengeld (mattress money) genannt.

7 Boshaft auch vom Salär der Beschäftigten in manchen - vor allem staatlichen - Bureaux gesagt.

8 Hämisch gesagt auch vom Sitzgeld, das Mitglieder eines Gremiums zusteht, und denen eine Sitzung vornehmlich zu einem (Halb)Schlummer (doze) dient.

9 Ab etwa 2005 auch Bezeichnung für das hohe Abfindungsgeld, das Kaderleuten erhalten, nachdem sie das Unternehmen nahe in die Insolvenz führten.

10 Im Zuge der Subprime-Krise von hohen Boni gesagt, die Vorstände von Banken bezogen: gleichsam als Belohnung dafür, dass sie Milliarden Verluste einfuhren und sich damit entschuldigten, sie hätten das Geschehen nicht überblickt.

– Siehe Bankenschelte, Bettengeld, Bonus, Geld, leichtverdientes, Handschlag, goldener, Low Performer, Präsenzgeld, Quartiergeld, Salami-Taktik, Servicegeld, Shitstorm, Sitzgeld, Synagogengeld, Verpflegungsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schlagsatz (seigniorage, seignorage):

1 Bei Kurantmünzen der Unterschied zwischen dem Stoffwert der Münze und ihrem Nennwert. Ist diese Differenz verhältnismässig hoch, dann besteht ein Anreiz, die entsprechende Münze unerlaubt nachzuprägen.

2 Bei Medaillen in Form der Nachprägung alter Münzen oder der Prägung von ganz neuen Stücken der Unterschied zwischen dem Stoffwert und dem Verkaufspreis. Weil hier der Markt ausserhalb des Kreises der an Numismatik unmittelbar Beteiligten schwer durchschaubar ist, so beträgt der Schlagschatz oft 100 Prozent und mehr.

– Siehe Aufgeld, Ausmünzungsbilanz, Münze, Münzgewinn, Numismatik, Prägesatz, Regionalgeld, Seigniorage.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schlangenhandel (snake trade):

Das systematische Durchsuchen der Auftragsbücher nach Bestens-Aufträgen in börsennotierten Titeln, für welche keine Geld- bzw. Briefkurse existieren. Absicht ist dabei, Geld- oder Briefkurse zu stellen, die stark von marktgerechten Preisen abweichen, um so zu günstigen Ausführungen, sprich: hohen Provisionen zu kommen. Die Börsenordnungen untersagen derartiges Vorgehen, und die Aufsichtsbehörden verfolgen entsprechende Praktiken.

– Siehe Agiotage, Iceberg Orders, Intelligent Miner, Leerverkauf, Scheintransaktionen, Spesenreiterei.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schleichwerbung (surreptitious advertising, covered advertising, plug):

Marketingstrategie, bei der

1. eine Werbebotschaft an den Hörer, Leser, Zuschauer oder Spieler - und hier vor allem im Zuge von Computerspielen für Jugendliche - gerichtet wird,

2. deren reklamehaltiger Inhalt nicht unmittelbar erkennbar ist. In Deutschland ist Schleichwerbung im Finanzsektor bis anhin selten. Die Institute setzen, wie etwa bei Börsenspielen für Jugendliche, mehr auf offene Werbung.

– Siehe Finanzwelt, virtuelle, Internet-Foren, Kiddies Manager, Kultursponsoring, Loss Leader, Product Placement, Spin Doctor, Werbebeschränkungen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schleusengeld (sluice fee, lockage):

Abgabe, die ein Schiff beim Durchlauf einer Schleuse bzw. auch in einem Schiffshebewerk (ship canal lift) zu entrichten hat; in alten Dokumenten auch Archengeld (Arche = Schleuse) genannt.

– Siehe Ankergeld, Furtgeld, Hafengeld, Hebegeld, Kaaggeld, Kapgeld, Krangeld, Rheinoctroi, Tonnengeld, Torgeld, Wassergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schlüsselgeld (key money):

1 Vertraglich vereinbarte letzte Zahlung des Käufers einer Immobilie mit Übergabe der Schlüssel.

2 Gleichsam als Sicherheitsleistung die von einem Vermieter geforderte Summe beim Einzug eines neues Mieters (a fee payment required from a new tenant of a house or flat before he moves in).

3 An einigen Orten übliches Geschenk des Käufers einer Immobilie an die Gattin oder Tochter des Verkäufers.

4 Eine Abstandszahlung an einen Geschäftsinhaber in einer Top-Einkaufslage, wenn dieser sich zurückzieht und die Verkaufsräume einem anderen überlässt; also der Kaufpreis für einen Geschäftsmietvertrag. Schlüsselgeld in dieser Bedeutung führte dazu, dass in bestimmten Strassen, wie etwa der Bahnhofstrasse in Zürich oder der Königsallee in Düsseldorf, nur noch Prestigeläden (flagship stores) anzutreffen sind. Mietabtretungsverträge mit der Bedingung der Zahlung eines Schlüsselgeldes beschäftigten wiederholt die Gerichte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schlusskurs (closing range; closing quotation, auch nur close; closing rate):

1 Kursbereich innert der beiden letzten Minuten einer Börsensitzung.

2 Der letzte notierte Kurs für ein bestimmtes Wertpapier während einer Börsensitzung (the last price a security traded at the End of the trading day), im Gegensatz zum Eröffnungskurs (open price).

3 Nach IAS (21.7) der zum Zeitpunkt der Bilanzerstellung an der Devisenbörse notierte oder - wo keine Börsenpreise vorliegen - auf andere Weise festgestellte Wechselkurs einer Währung.

– Siehe Gap, Notierung, variable, Referenzpreis, Schätzwert, Strichdiagramm, Tagesendwert.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schlusskurs-Strategie (buy/sell-on-close strategy):

Der Kauf oder Verkauf an einer Börse gegen Börsenschluss (the buying or selling at the end of the trading session at a price within the closing range). Dem gegenüber steht die Politik, ein Geschäft im Eröffnungsbereich zu tätigen (to buy or sell at the beginning of a trading session at a price within the opening range).

– Siehe Late Trading, Market Timing, Scalper.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schlussrechnung auch Endrechnung (final account):

Die abschliessende Abrechnung einer Geldforderung unter Berücksichtigung aller bis zu diesem Zeitpunkt geleisteten Zahlungen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schlusschein auch Schlusszettel (contract note):

Ein rechtsgültiger, schriftlicher Beleg über den Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten, insbes. Aktien. Darin sind alle wichtigen Vertragsbedingungen aufgeführt (the written confirmation of a trade describing the market, the unit of trading, the action [buy or sell], the price and the expiry date, issued immediately after the deal is struck).

– Siehe Abwicklungsbestätigung, Buchgewinn, Closing, Kapitalanlage-Mustervertrag, Kontrakt, Schlusscheinstempel, Settlement, Übertragung, endgültige.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schlussscheinstempel (contract stamp, tranfer stamp):

Der Schlusschein beim Umsatz von Wertpapieren musste in Deutschland seit 1871 mit einer Schlusstempelmarke versehen werden. Diese Steuermarke (revenue stamp) war zu entwerten.

– Siehe Börsenumsatzsteuer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schlüsselzinssätze der EZB (key ECB interest rates):

Der jeweilige Zinssatz für

1. die Einlage-Fazilität,

2. Hauptrefinanzierungs-Geschäfte und

3. die Spitzenrefinanzierungs-Fazilität im Verkehr mit der EZB. Diese Sätze werden von der EZB auf ihrer Homepage veröffentlicht und finden sich für die letzten Jahre ausgewiesen im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Monetäre Statistik", Unterrubrik "Schlüsselzinssätze der EZB" des jeweiligen Monatsberichts der EZB.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schmelzofen auch Probierofen, Capelle und Chapelle (melting furnace):

Wenn nicht anders definiert eine Gerätschaft, um Edelmetalle zu schmelzen. - Um Münzverfälschungen zu begrenzen, war der Besitz eines Schmelzofens bis in die Neuzeit hinein bei strenger Strafe verboten. Juweliere, Posamentierer (loop maker; Posamente [passementries] sind Borten, Fransen, Quasten, Zierschnüre oder Zierknöpfe als Abschluss oder Blickfang für Kleider, Mützen, Gardinen, Uniformen, Polster oder Fahnen), Drahtzieher und andere Silber und Gold verarbeitende Handwerker mussten sich gegen entsprechende Gebühr des Schmelzofens des zuständigen Wardeins oder eines vereidigten Juweliers bedienen.

– Siehe Abnutzung, Alliage, Fehlprägung, Geld, böses, Geld, schweres, Geschaugeld, Kaisermünze, Katzengeld, Kipper, Koala, Kurantmünze, Medaille, Münze, Münzpflege, Münzregal, Passiergewicht, Probemünze, Rändelung, Remedium, Revers, Scheidemünze, Wardein, Wipper.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schmerzensgeld, A: Schmerzgeld, CH: Genugtuung (pain and suffering money, compensation for personal suffering, US: smart money):

Ausgleich in Geld für Schäden nicht vermögensrechtlicher Art. Genauer findet sich die Zusprechung des entsprechenden Betrages in den jeweiligen Gesetzen im Grundsatz festgeschrieben und durch die höchst richterliche Rechtsprechung (jurisdiction of the supreme court) im Einzelnen entschieden.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schmiergeld (lubrication fee, axle grease; bribe, slush fund, kickback):

1 Zur Postkutschenzeit in die Taxe eingerechneter Betrag zur Beschaffung von Schmierfett (lubricating grease) zwecks Bestreichens der in gleitendem Kontakt sich gegeneinander bewegenden Teile der Räder Dies diente als Schutz vor Abrieb, vor allem aber auch, um die bei den alten Wagen sehr lästigen Quietsch-Töne (squealing) zu vermeiden.

2 Zahlungen zur Bestechung (im Englischen scherzhaft auch moneypulating) von Personen, in der Regel Amtsträger in Behörden, manchmal auch Draufgeld und Schmieralien genannt. - Das Anbieten entsprechender - auch nichtgeldlicher, wie etwa der nette Besuch des Freundin des Studenten beim Professor vor der Prüfung - Leistungen wird als aktive Bestechung strafrechtlich verfolgt. Die Entgegennahme entsprechender Vorteile gilt als passive Bestechung. Diese wird in älteren Dokumenten auch Malversation genannt und ist gleichfalls eine Straftat, deren Verfolgung von Amts wegen eintritt.

– Siehe Abwerbegeld, Anerkennungsprämie, Bestechungsgeld, Douceur, Draufgeld, Geheimgeld, Geldzahlungsgeste, Gratuist, Handgeld, Handschuhgeld, Investition, persönliche, Kasse, schwarze, Knopfabschneider, Peep, Préstamo, Rückvergütung, Schweigegeld, Supplikationsgeld, Transaktionsbonus, Stiefelgeld, Trinkgeld, Veruntreuung, Vokationsgeld, Wagenmeistergeld, Wahlgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schmu (cheat):

In der älteren Finanzsprache in der Bedeutung

1 einer Verfälschung von Abrechnungen (manipulation of accounts) sowie

2 trickreichem Verhalten (trickery behaviour) gegenüber einem Geschäftspartner zu dessen Nachteil. Das Wort leitet sich aus dem Jiddischen ab.

– Siehe Agiotage, Dampfstube, Finanzgeier, Geheimtip, Gründungsschwindel, International Business Company, Jobberei, Kapitalmarkt, grauer, Marktaktivität, vorgetäuschte, Pairoff, Offshore Finanzplätze, Goldtäuschung, Racheengel, Rebbes, Schwindelbank, Spekulation, Stockjobber, Telephon-Auftrag, unbefugter, Übersatz, Underground Banking, Wucher. Wucher-Herausforderung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schmuckanleihe (ornamental loan, artwork loan):

Ein Wertpapier in Form einer Urkunde, das hochwertig gedruckt ist und Motive aufweist, denen die Eigenschaft eines Kunstwerks zukommt. In der Regel werden solche Titel mit niedrigem Nominalwert ausgegeben. Der Emittent rechnet damit, dass das Papier nicht eingelöst, sondern als Sammlerstück über den Verfalltag hinaus aufbewahrt wird. Werden die Anleihen gar noch in verschiedenen Tranchen unterschiedlich künstlerisch ausgestaltet und unter Umständen von bekannten Meister-Grafikern, die ihrerseits wieder aus dem Auftrag Nutzen für ihre eigene Berühmtheit ziehen, so steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Käufer der Papiere diese behalten, sprich: der Emittent das Geld von den Erwerbern der Anleihe geschenkt bekommt. - Tatsächlich gibt es einen breiten Markt für Schmuckanleihen und auch Schmuckaktien. Dabei kommt es vor, dass der Sammlerwert des Papiers den Nennwert sogar um ein Vielfaches übersteigt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schmuckgeld (ornamental money):

In der Geldpsychologie und Geldsoziologie Bezeichnung für den Umstand, dass Geld jeder Form auch als Schmuck bzw. als Ausdrucksmittel für den gesellschaftlichen Rang des Trägers gelten kann. So wurden noch bis ins 20. Jht. Münzen in französischen Kolonialgebieten mit einer Bohrung in der Mitte in Umlauf gegeben, weil viele Geldbesitzer sich diese Stücke um den Hals hingen. Reiche Bürger und Bauern trugen vielenorts auch in Deutschland an der Festtagsgewandung (holiday clothes) Knöpfe aus Gold- oder Silbermünzen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schneeballsystem und Ponzi-Spiel (ponzi scheme):

Betrügerische Machenschaft, bei der unter Vorspiegelung erwirtschafteter Gewinne bisherige Anleger mit dem Geld aus den Einzahlungen neu gewonnener Investoren bedient werden (a manoeuvre intended to defraud investors in which no new wealth is created and creditors are paid off by borrowing ever larger amounts from new investors).

– Siehe Geheimtip, Madoff-System, Pyramide.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schneegeld (deliquested funds, wasted development aid funds):

Boshafte Bezeichnung für verfehlte Geldleistungen der Entwicklungshilfe, vor allem in Bezug auf den afrikanischen Kontinent (African continent). Zahlungen im Zuge der Entwicklungshilfe (development aid) wurden zumeist auf Konten von Ministerien überwiesen. Von dort verschwand das Geld oft genug in dunkle Kanäle (murky channels), um dann auf Konten afrikanischer Potentaten (power-crazed potentates) vor allem in der Schweiz wieder aufzutauchen. - Eine unmittelbare Zuwendung der Beträge aus der Entwicklungshilfe an klein- und mittelständische Betriebe vor Ort oder an landwirtschaftliche Genossenschaften ist bis heute noch aufgrund rechtlicher Schranken vielerorts nicht möglich, weil dies als unerwünschte Einmischung (unwanted interference, undesirable meddling) in die Wirtschaftspolitik des betreffenden Staates verstanden wird.

– Siehe Impfkapital.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schneeräumgeld (snow clearance pay):

Zahlung an private oder öffentliche - wie städtische Betriebe oder Feuerwehr - Dienstleister, die bei starkem Schneefall tätig werden. Hierzu zählt vor allem die Freihaltung der Zugangswege zu einem Institut und allgemein zu einem Unternehmen sowie die Räumung der Dächer vor einbruchgefährdenden Schneelasten (snow loads) und Lawinen (avalanches).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schnelltender (quick tender):

Tenderverfahren, das bei der EZB für befristete Verträge im Rahmen der Feinsteuerungs-Operationen genutzt wird. - Schnelltender werden in der Regel nur neunzig Minuten vorher angekündigt und innert einer Stunde durchgeführt. Sie können aber auch auf Grundlage bilateraler Geschäfte vor allem bei liquiditätsabschöpfenden Operationen vorkommen, wobei eine begrenzte Anzahl von Geschäftspartnern ausgewählt werden kann. In Hinblick auf eine gleichberechtigte Berücksichtigung der Geschäftspartner erfolgt diesfalls - also wenn die Transaktion nicht mit allen Geschäftspartnern abgewickelt werden kann - die Auswahl nach einer Umlauffolge (rotation system). - In der Regel werden Schnelltender von den nationalen Zentralbanken abgewickelt; jedoch kann auch die EZB selbst solche durchführen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schnuppi (trainee):

Im Jargon eine Praktikantin oder ein Praktikant, nämlich zumeist jüngere Menschen, die durch ihre Mitarbeit in verschiedenen Bereichen die Arbeitsvorgänge in einem Institut kennenlernen sollen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schock und seltener auch Choque (shock):

In Bezug auf den Finanzmarkt ein Ereignis, welches das übliche, regelmässige Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage nachhaltig stört.

– Siehe Börsenkrach, Finanzkrise, Risiko, systemisches, Risiko, systematisches, Schock, externer, Schockwelle, Sensitivitätsanalyse, Verbriefungsmarkt, Verteilung, stabile.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2010, S. 42 f. (Auswirkungen der Finanzkrise bei Unternehmen, Haushalten und dem Staat).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schock, externer und Schock, exogener (external shock, exogenous shock):

Unsicherheiten auf (Finanz)Märkten, hervorgerufen durch unvorhersehbare, nicht berechenbare Ereignisse wie Tod eines Geschäftspartners, Zahlungsunfähigkeit eines Staates, Revolution, Krieg, Erdbeben, Überflutungen und andere Naturkatastrophen sowie auch politische Ereignisse wie etwa der islamistische Anschlag auf das World Trade Center in Neuyork am 11. September 2001. - Kennzeichnend für externe Schocks ist ein Dominostein-Effekt: die Einbussen eines Marktpartners wirken sich der Reihe nach und in der Regel sehr rasch auf alle andere aus. Externe Schocks verhindern, dass sich das Geschehen auf (Finanz)Märkten mathematisch genau vorherbestimmen lässt.

– Siehe Börsenkrach, Crash, Dominostein-Effekt, Eurostaaten, Formeln, finanzmathematische, Headline-Hysterie, Herdenverhalten, Hurrikan-Schocks, Liquiditätskrisenplan, Mittelfristig, Modellunsicherheit, Modigliani-Miller-Theorem, Murphy's Gesetz, Ölpreis-Schock, Panikverkäufe, Prager Verlautbarung, Restrisiko, Ripples, Risiko, systemisches, Risiko, systematisches, Risikotragfähigkeit, Rückwirkungen, systeminhärente, Run, Schock-Bewältigung, monetäre, Schocks, strukturelle, Staatsschulden, verweigerte, Stress-Test, Terror-Schock, Unsicherheit, Verteilung, stabile. Währungsraum, optimaler, Worst Case Szenario.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2004, S. 28 ff., Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 19 ff., Monatsbericht der EZB vom Oktober 2005, S. 67 ff. (Schocks und Geldmenge: ausführliche Darstellung), Monatsbericht der EZB vom Januar 2008, S. 72 f. (Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schock-Bewältigung, monetäre (central-bank shock overcoming):

Die Anpassung einer Zentralbank an plötzlich auftretende und/oder unvorhergesehene Herausforderungen. - So hatte die EZB im Jahr 1999 eine

1. neue Währung, nämlich den EUR, als

2. eben gerade gegründete Zentralbank eingeführt, da

3. stieg der für die Preisentwicklung so bedeutende Erdölpreis steil an,

4. die Aktienmärkte stürzten weltweit 2000 ab,

5. zwei Kriege - Afghanistan, Irak - brachen aus,

6. ein Anschlag im Zentrum von Neuyork erschütterte die Finanzwelt: und alle diese Schock-Ereignisse wurden von der Geldpolitik gut bewältigt.

– Die auf die Subprime-Krise folgende globale Finanzkrise war in ihrer Breite und Tiefe freilich derart, dass die Geldpolitik für sich allein überfordert war, und weltweit die Regierungen mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln - vor allem auch: Erlass neuer rechtlicher Vorschriften - die Bemühungen der Zentralbanken um eine Rückgewinnung der Finanzstabilität mittragen mussten.

– Siehe Crash, Erdölpreis, Finanzmarktstabilisierungsanstalt, Hurrikan-Schocks, Liquiditätskrisenplan, Modelle, geldpolitische, Modellunsicherheit, Moral Suasion, Oil Bulletin, Panikverkäufe, Petrodollar, Prager Verlautbarung, Risikotragfähigkeit, Rohstoffpreise, Schock, externer, Seelenmassage, Stress-Test.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2006, S. 83 ff. (Schockbewältigung im Euro-Währungsgebiet), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2007, S. 40 f. (asymmetrische Schocks in Eurogebiet begründet).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schocks, strukturelle (structural shocks):

In der Sprache der EZB Ereignisse, welche das stetige Wachstum der Produktivität stören. Sie werden eingeteilt in

1. Technologieschocks (technology shocks), die angebotsseitig auf Entwicklungsverläufe einwirken,

2. Nachfrageschocks (demand shocks), die sich auf das Ausgabeverhalten der Privathaushalte und der öffentlichen Stellen auswirken,

3. Preisschocks (mark-up shocks) wie etwa der Ölpreis-Schock, wodurch unter Umständen die Inflation anheizende Zweitrunden-Effekte ausgelöst werden und

4. externe Schocks (external shocks), wie etwa ein Hurrikan-Schock oder ein Terror-Schock.

– Die Technologieschocks werden in vorübergehende, dauerhafte und investitionsspezifische (investment-specific) Schocks unterteilt.

– Siehe Basislinie, Crash, Ripples, Schockbewältigung, monetäre, Stress-Test, Trendprognosen.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2008, S. 72 ff. (nähere Erläuterungen; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schockwelle (shock wave):

Auf dem Finanzmarkt gesagt von einem sich - gar weltweit - ausbreitenden Vertrauensverlust in die Stabilität des Finanzsystems mit der hauptsächlichen Folge, dass Anleger und vor allem Privathaushalte ihr Geld bei Banken abziehen. Auslöser einer solchen Welle sind bestimmte Ereignisse, wie etwa die Lehman-Pleite im September 2008 oder auch - freilich minder stark - die Finanznöte des Emirats Dubai im November 2009.

– Siehe Börsenkrach, Crash, Dominostein-Effekt, Einlagegarantie, staatliche, Euphoriephase, Liquiditätskrisenplan, Headline-Hysterie, Herdenverhalten, Panik, Run, Schock, externer, Sell Out, Stress-Test, Verteilung, stabile.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schöffengeld (adjunct's fee; lay judge allowance):

1 Eine Aufwandsentschädigung, auf die früher diejenigen Personen in deutschen Landgemeinden einen Rechtsanspruch hatten, welche den Gemeindevorsteher ehrenamtlich zu unterstützen und bei Abwesenheit zu vertreten hatten (adjuncts; Schöffen).

2 In der Regel nach Sitzungstagen und Anreiseweg bemessenes Entgelt für die Mitwirkung sachkundiger Persönlichkeiten bei verwaltenden und rechtsprechenden Körperschaften, wie etwa im Bergbau (Bergschöffe [mine inspector} im Bergverhör [barmote]: Gremium, das die im Bergbau anfallenden strittigen Sachfragen verhandelte), auch Aufzuggeld und Dinggeld genannt.

3 Vergütung für Beisitzer (Geschworene) an Gerichten, auch Gerichtsgeld genannt.

– Siehe Bankgeld, Dreidingsgeld, Gerichtsgeld, Justitiengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schokoladentaxe in alten Dokumenten auch (nach dem Italienischen) Ciaccolata-Taxe (levy on chocolate):

In einigen deutschen Territorialstaaten eine besondere Belastung des Marktverkehrs von Schokolade. Der Grundstoff Kakao [Aussprache in Deutschland zumeist zweisilbig Ka-Kau, in der Schweiz und Süddeutschland dreisilbig Ka-ka-o] - von Südamerika über Spanien und die Niederlande nach Europa kommend - sah man auch als Mittel zum Anreiz und zur Kräftigung des Geschlechtstriebs (aphrodisiac agent) an. Schokolade wurde daher in manchen Gegenden bis ins 18. Jht. in Apotheken verkauft.

– Siehe Akzisant, Biergeld, Brotlizent, Detz, Krügergeld, Octroi, Verzehrgeld, Ungeld, Zehnt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schongeld (amount of exemption):

Beträge, die einem Sozialhilfeempfänger nicht auf seine Einkünfte angerechnet werden, wie etwa ihm zugesprochenes Schmerzensgeld (injury award).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schopengeld (round timber pay):

In älteren Dokumenten der Preis für sehr hochwertiges Rundholz (= Schopen) möglichst aus Ahorn (maple), aus welchem der Schopenhauer (scoop cutter) Schöpfkellen (scoops) und Schöpflöffel (ladles) herstellte. - Wegen des hohen Preises des Ahornholzes waren die Löffelmacher (Löffler; spoonmaker) oftmals auf Birkenholz (birchwood) angewiesen. Ein daraus verfertigter Holzlöffel wird durch den Gebrauch mit der Zeit schmutzig-grau und rauht auf. Ware aus Ahorn hingegen zeigt sich nach und nach goldgelb und wird sehr glatt. - Bis etwa 1820 waren Holzlöffel in den Privathaushalten üblich; billige Blechware aus den Löffelwalzen (wheeling machines) verdrängte ab da die Holzlöffel aus dem Markt.

– Siehe Wittergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schöpfgeld (scooping fee):

In alten Dokumenten eine Abgabe für das Recht, einem Gewässer - in der Regel aus einem dörflichen Bach - Wasser entnehmen zu dürfen. Zumeist war das mit der Zahlung verbundene Schöpfrecht (right to scoop out water) mengenmässig begrenzt, vor allem an jahreszeitlich wasserarmen Bachläufen.

– Siehe Brunnengeld, Wassergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schrankpapier (cabinet security):

Im Jargon eine an einer grossen Börse gelistete Aktie oder Anleihe ohne nennenswerte Umsätze (a share or bond listed on a major exchange with low trading volume; the term derives from the type of storage unit [cabinet = Aktenschrank] in which orders for these securities are kept in former times until needed for execution).

– Siehe Festbesitz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schreiber (writer):

Wenn nicht anders definiert, so meint man damit den Verkäufer einer Option. Dieser muss, unabhängig vom aktuellen Kurs des Basiswertes, dem Käufer bis zum Verfalltag den Basiswert zum Ausübungspreis verkaufen (Call-Option) oder den Basiswert zum Ausübungspreis vom Käufer abnehmen (Put-Option), wenn er die Option ausübt.

– Siehe Call.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schreibschulgeld (writing school fee):

In alten Dokumenten die Gebühr, die für Schreibkurse (learning with the aim to acquire the ability to form letters or numbers on a surface with a pen) erhoben wurde. - Zwar wurde weithin in Deutschland schon sehr früh in den Schulen für alle Volksklassen das Lesen eingeübt. Indessen lehrte man - wie heute noch in vielen Entwicklungsländern - nicht auch in einem das Schreiben. Sich selbst in der Schrift auszudrücken, bot man daher in eigenen Kursen auch noch für Personen im Erwachsenenalter an.

– Siehe Schulgeld, Unterrichtsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schrottpapiere (scrap papers):

Im Finanzjournalismus beliebte Bezeichnung für wertlose Schuldtitel. Dabei ist eingeschlossen, dass der Nullwert (blank value) der Tatsache zugeschrieben wird, dass der Schuldner zahlungsunfähig ist und es vielleicht auch schon immer war.

– Siehe Absenzkapitalismus, Bad Bank, Europäische Währungsunion, Grundfehler, EZB-Sündenfall, Kreditvergabe-Grund¬regel, Luftpapiere, Papiere, toxische, Provinzbanker, Subprime Lending, Umverteilung, zentralbankbewirkte, Verbriefungspapiere, Vertrauensblase, Zitronenhandel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schuhsohlenkosten (shoe-leather costs):

Bei Inflation sind die Wirtschaftssubjekte gezwungen, häufiger Bankgeschäfte durch Gang an den Bankschalter bzw. Einloggen zur Datenverarbeitungsanlage der Bank tätigen zu müssen, um ihre Geldübertragungen auszuführen (essentially, shoe-leather costs refer to the time and effort people take to minimise the effect of inflation on the eroding purchasing power of money. People wear out their shoes on the way back and forth to the bank, so to speak, trying to protect the value of their assets). Bei sehr hoher Inflationsrate kann dies zu einem Zusammenbruch des Geldkreislaufs führen.

– Siehe Geldwertanpassungskosten, Inflation, Marktmechanismus, Menükosten, Nominalwertprinzip, Phillips-Theorem.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schuld, schwebende (floating debt):

In Bezug auf die Staatsschuld ausgegebene kurz- bis mittelfristige Titel - wie Schatzwechsel, Kassenobligationen, Schuldschein -, die noch nicht definitiv am Kapitalmarkt untergebracht sind. Die endgültig plazierte Schuld nennt man demgegenüber fundierte Schuld (funded debt).

– Siehe Deficit-Debt-Adjustment.

– Vgl. den aktuellen Stand der schwebenden Schuld und der fundierten Schuld in Deutschland im Statistischen Teil des jeweiligen Monatsberichts der Deutschen Bundesbank, Rubrik "Öffentliche Finanzen in Deutschland", Unterrubrik "Verschuldung der öffentlichen Haushalte" (dort nach verschiedenen Merkmalen aufgeschlüsselt) und für den Euroraum im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Öffentliche Finanzen", Unterrubrik "Verschuldung" im jeweiligen Monatsbericht der EZB, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2006, S. 29 ff. (grundsätzliche Darlegungen auch zur Fristigkeit der Schuldtitel des Staates).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schuldbuch (debt register):

Wenn nicht anders definiert in Deutschland heute eine Kartei, in der Forderungen gegen den Staat verzeichnet sind. In der Regel werden Schuldverschreibungen des Bundes nicht als Urkunde ausgegeben. Vielmehr wird der Gläubiger in das Verzeichnis bei der Bundeschuldenverwaltung mit Sitz in Bad Homburg, Hessen aufgenommen. Dieser Behörde obliegt auch die Bedienung der Papiere.

– Siehe Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur, Bundeswertpapierverwaltung, Fiscal Agent, Schuldbuchforderung, Wertrecht.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schuldbuchforderung (debt register claim):

Eine öffentliche Anleihe wird nicht verbrieft, sondern der Gläubiger in ein Schuldbuch eingetragen. In Deutschland unterliegen die Schuldbücher dem gesetzlich verankerten Schuldbuchgeheimnis, das im Grunde dem Bankgeheimnis entspricht. - Das in ein Schuldbuch des Bundes oder eines Landes eingetragene Forderungsrecht nennt man auch Wertrecht. Für die Verwahrung und Verwaltung der Schuldbuchforderungen gelten in Deutschland die Bestimmungen des Depotgesetzes.

– Siehe Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur, Bundeswertpapierverwaltung, Fiscal Agent, Wertrecht.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schulden (debt, liabilities):

1 Bei einem Privathaushalt die Summe der Forderungen der Kreditgeber (amount of money a private household owes to creditors).

2 In Bezug auf eine Firma das in dem Unternehmen arbeitende Fremdkapital (the borrowings of any kind that the business may have arranged).

3 Die Forderungen kreditgebender Gläubiger an den Staat (public debt; Staatsschulden).

– Siehe Darlehn, Finanzpolitik, Kapitalbedarfs-Verordnung, Kredit, Nettogläubiger, Phthisis, Schulden-Schulden-Rezept, Sachverhaltsgestaltung, Verlusttarnung, Verschuldungsquote, öffentliche, Vertrauensverlust, Verbindlichkeiten.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2012, S. 13 ff. (Grundsätzliches zur Kapitalstruktur von Unternehmen; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schulden, notleidende (distressed debt):

Bei einer Bank ausfallgefährdete (impaired) oder bereits als uneinbringlich (irrecoverable, uncollectible) festgestellte Darlehn.

– Siehe Arrangement, Ausfallrate, erwartete, Ausfall-Verlust, Ausfallwahrscheinlichkeit, Debt-Equity-Swap, Default, Reintermediation, Entfernung zur Zahlungsunfähigkeit, Kalibrierung, Kredit, notleidender, Kreditverlust, Staatsschulden, verweigerte, Trennschärfe, Validierung, Verlustquote, Zahlungsausstand.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schuldenbombe (debt bomb):

Der Zusammenbruch einer systemischen Bank, wodurch die Realwirtschaft gesamthaft - gar international - in Mitleidenschaft gezogen wird (a default on debts and/or other obligations taken on by a large financial institutions that disrupts not only the economy of the financial institution's home country, but perhaps also the global financial community).

– Siehe Aufsicht, weltweite, Bear Stearns-Pleite, Crash, G-Sifi, Hypo Real Estate-Rettung, Lehman-Pleite, Megamanie, Moratorium, Risiko, systemisches, Rush to exit, Schockwelle, Single Master Liquidity Conduit, Too big to fail-Grundsatz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schuldenbremse (debt brake, debt limit):

1 Allgemein die Deckelung (cap) der Neuverschuldung des Staates. Als erster Staat der Welt führte die Schweiz nach einer Volksabstimmung 2001 eine in die Bundesverfassung (Artikel 126) aufgenommene Schuldenbremse ein, die bis anhin auch eingehalten wurde.

2 Die Verbindung der Einnahmen mit den Ausgaben des Staates derart, dass die Höhe der Einnahmen, ergänzt um einen bestimmten Prozentsatz, die höchst zulässigen Ausgaben bestimmt; manchmal auch Ausgabenplafond (ceiling; Plafond = französisch Höchstgrenze; expenditure upper limit) genannt. - Bei längerer Planung sind auch "unsichtbares" Belastungen des Staatshaushalts einzuplanen, wie etwa die Übernahme von Garantien.

3 In Deutschland im Juni 2009 vorgenommene Änderung des Grundgesetzes (Artikel 143d), wonach

1. der Bund von 2016 an seine Neuverschuldung auf höchstens 0,35 Prozent des Bruttoinlandsproduktes beschränkt und

2. die Länder von 2020 an in wirtschaftlich normalen Zeiten gar keine neuen Kredite aufnehmen dürfen.

– Am 1. März 2012 wurde auf einem Gipfeltreffen der EU auch für alle Mitgliedsländer eine verbindliche Schuldenbremse ab 2013 vereinbart; nur Grossbritannien und Tschechien verweigerten sich dieser Vereinbarung.

– Siehe Ausgabenbeschränkung, öffentliche, Exit-Strategie, Finanzreferendum, Finanzmarktstabilisierungsanstalt, Haushalts-Vorabstimmung, europäische, Kreditsperre, Niedrigzinspolitik, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Steuerungsrahmen, Tilgungsfonds, Verfassungsartikel eins.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2010, S. 88 f. (Kritisches zur Schuldenbremse in Deutschland), Jahresbericht 2010 der EZB, S. 83 ff (Kosten und Nutzen einer Haushaltskonsolidierung; Literaturhinweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2011, S. 74 f. (Rechtslage; quantitative Einschätzungen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2011, S. 79 (Auflistung der Einnahmen und Ausgaben bis 2015 gemäss der beschlossenen Schuldenbremse), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2011, S. 15 ff. (ausführliche Darstellung; viele Statistiken; Umsetzungsprobleme; offene Fragen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2011, S. 73 (Kritisches zur Konjunkturkomponente), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Februar 2012, S. 70 f. (Sicherheitsabstand zur Verfassungsgrenze für die Neuverschuldung ist unerlässlich), Monatsbericht der EZB vom Februar 2013, S. 81 ff. (Umfang und Bedeutung einzelner Regelungen; ausführliche Darstellung; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schuldenclub (debt club):

Um 2009 in Zusammenhang mit der Griechenland-Krise und Irland-Krise aufgekommene abschätzige Bezeichnung (derogatory term) für die Europäische Währungsunion. Diese sei zu einer Transferunion und Bürgschaftsgemeinschaft verkommen, in der Rettungsschirme aufgespannt und Garantien nach links und rechts vergeben werden. Es habe sich gezeigt, dass eine gemeinsame Währung bei weiterhin nationaler Haushaltspolitik (zentrale Geldpolitik bei fiskal-föderaler Ordnung; single currency but fiscal policy in national sovereignty) ausarte. - Diese verbreitete Einschätzung übersieht, dass inzwischen wohl allenthalben die Einsicht gereift ist, den Stabilitäts- und Wachstumspakt zu härten und übermässige Defizite in den nationalen Budgets zu vermeiden.

– Siehe Bail-out, Binnenflexibilität, Blame game, Buyer of last resort, Defizit-Finanzierungsverbot, Ein-Stimmen-Prinzip, Europäische Währungsunion, Grundfehler, Hegemon, milder, Europayer, EZB-Sündenfall, EZB-Unabhängigkeit, Finanzsolidarität, Geldkuh, Geldvermehrung, währungsunion-interne, Italienische Methode, Inverzugsetzung, Politikklammer, Politikverzug, Retterei, Rettungseuropäer, Rettungsroutine, Risikoträger, endgültiger, Schattenstaat, Schuldendroge, Schulden-Schulden-Rezept, Schuldendroge, Schuldenunion, Solidarität, finanzielle, Stabilisierungsmechanismus, europäischer, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Grundfehler, Semester, europäisches, Südfront, Vermögensabgabe, Verschuldung-Produktivität-Verkettung, Vertragstreue, Vertrauensblase, Wachstum-Schulden-Tatsache, geschichtliche.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2012, S. 13 ff. (tiefe Erörterung der Hemmnisse in der EWU; Übersichten; Literaturhinweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2012, S. 22 ff. (Defizite im Staatshaushalt im Euroraum gesamthaft und in den Problemländern; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2014, S. 21 ff. (Stand der Reformmassnahmen in den Schuldenländern; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schuldendeckungsquote (debt service coverage ratio, DSCR):

Wenn nicht ausdrücklich anders definiert, so versteht man darunter das Verhältnis von Cashflow zum Schuldendienst eines Unternehmens (the amount of cash flow available to meet annual interest and principal payments on debt, including potential sinking fund [Tilgungsfonds] payments) und damit eine Kennzahl für die Fähigkeit, den Schuldendienst zu bedienen. Eine Quote von 1,3 bedeutet, dass der Cashflow in einem Zeitraum um dreissig Prozent höher ist als die im gleichen Zeitraum anfallenden Belastungen für die Zinsen und Abzahlungen aus aufgenommenen Darlehn.

– Siehe Asset-Backed Securities, Schuldenmanagement Verbriefung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schuldendienst (debt service, debt servicing):

Wenn nicht anders definiert die laufenden Zahlungen für Verzinsung und Tilgung eines auf Kredit erworbenen Vermögensgegenstandes (the payments of principal and interest by a borrower to a lender).

– Siehe Schuldentragfähigkeit, Schuldtitel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schuldendienst-Deckungsquote (debt service coverage margin):

Besonders bei Immobilien gebräuchliche Kennzahl, die Netto-Einkünfte aus einer Liegenschaft mit den anfallenden Kosten des Schuldendienstes in Beziehung setzt (annual debt service as a percentage of net yield).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schuldendienstquote (debt service quota):

Beim Staat der Schuldendienst im Verhältnis zu den Ausgaben. Die Rate gibt an, wie der Ausgabenspielraum durch die Kreditaufnahme früherer Perioden bereits eingeengt ist.

– Siehe Nettogläubiger, Schulden-Schulden-Rezept, Schuldenquote, staatliche.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2011, S. 22 f. (Schuldenquote der Mitglieder des Eurogebiets seit 2009; Prognose bis 2013).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schuldendroge (debt drug):

In Zusammenhang mit der Griechenland-Krise und den erheblichen Ungleichgewichten in den Staatshaushalten südeuropäischer Mitgliedsländer der EWU im Finanzjournalismus aufgekommene Bezeichnung (derogatory term). Der Ausdruck will kennzeichnen, dass ähnlich wie eine Person sehr rasch dem Rauschgift verfallen ist und dann das vernünftige Denken aussetzt, so auch Staaten abhängig werden von der wie ein Suchtmittel wirkenden Staatsverschuldung. Dies gilt zumal dann, wenn andere Staaten - bzw. in der EWU auch die Zentralbank - die verschuldeten Mitglieder immer wieder mit Geld versorgen. Die Bürger in den Defizitstaaten (countries with excessive deficits) sehen binnen kurzem nicht mehr ein, dass Einschränkungen nötig sind, um Einnahmen und Ausgaben wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Regierungen wollen sich nicht den Unmut des Staatsvolks zuziehen und verhandeln lieber mit Geldgebern über neue Kredite; wobei freilich Aufmärsche von Wutbürgern (enraged citizens) durchaus gelegen kommen, weil diese einen Erpressungsdruck (pressure: an insistent, forcefully appeal to act) gegenüber den Kreditgebern unterstützen. Auf diese Weise verfestigt sich die Gepflogenheit, mehr auszugeben als einzunehmen. Gleich einer Droge ist der Staat so der Verschuldung ausgeliefert. - Die Kreditgeber glauben, der bessere Weg sei es, laufend Kaufkraft auf die Defizitstaaten zu übertragen, in der blassen Hoffnung (vague hope), das Geld eines Tages wiederzusehen.

– Siehe Bazooka, Bail-out, Bilanzbereinigung, Binnenflexibilität, Blame game, Defizit-Finanzierungsverbot, Enteignung, kalte, Europäische Währungsunion, Grundfehler, Europäischer Stabilisierungsmechanismus, Europayer, EZB-Sündenfall, Finanzsolidarität, Geldkuh, Geldvermehrung, währungsunion-interne, Gläubigervorrang, Hegemon, milder, Inverzugsetzung, Italienische Methode, Moral Suasion, Niedrigzinspolitik, Nullzins, Plan C, Politikklammer, Politikverzug, Repression, finanzielle, Retterei, Rettungseuropäer, Rettungsroutine, Risikoträger, endgültiger, Rogoff-Studie, Schattenstaat, Schulden-Schulden-Rezept, Schuldenunion, Solidarität, finanzielle, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Grundfehler, Südfront, Verfassungsartikel eins, Verschuldung-Produktivität-Verkettung, Verschuldungsanreiz, Vertragstreue, Wachstum-Schulden-Tatsache, geschichtliche, Weginflationierung, Zwei-Wege-Option.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2012, S. 13 ff. (tiefe Erörterung der schuldenbedingten Hemmnisse in der EWU; Übersichten; Literaturhinweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2012, S. 22 ff. (Defizite im Staatshaushalt im Euroraum gesamthaft und in den Problemländern; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2014, S. 41 ff. (ausführliche, tiefgreifende Erörterung der Lage in der EWU).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schuldenmanagement (debt management):

1 Allgemein alle Massnahmen zur Schuldenüberwachung (any act of trying to get debt under control), und etwas weiter gefasst alle Bemühungen, durch den Einsatz geeigneter Finanzierungsinstrumente und Laufzeiten eine ausgewogene Gläubigerstruktur zu erreichen.

2 In Bezug auf einen Privathaushalt die Bemühungen, eingegangene Verpflichtungen (common financial obligations like credit card bills, loans, mortgages and the like) mit dem verfügbaren Einkommen wieder in Einklang zu bringen.

3 Hinsichtlich der öffentlichen Hand die bankmässige Verwaltung und Bedienung der Staatsschulden (that means policy of minimising financing costs over the long term, taking account of risk, and managing the aggregate cash needs of the public budget in the most cost-effective way). In Deutschland wird diese Aufgabe von der Bundeswertpapierverwaltung durchgeführt.

– Siehe Arrangierung, Bankregel, goldene, Fälligkeitsgliederung, Schuldenquote, staatliche.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schuldenquote, industrielle (industrial debt ratio):

Wenn nicht anders definiert die Summe aufgenommener Darlehn von nichtfinanziellen Unternehmen, bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt.

– Siehe Anspannungsgrad.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom September 2006, S. 43 (Entwicklung seit 1999), Monatsbericht der EZB vom Juni 2008, S. 55 (Schuldenquote nichtfinanzieller Kapitalgesellschaften 2000 bis 2007; Zinsbelastung; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schuldenquote, staatliche (macro-economic debt ratio, debt-to-GDP ratio):

Eines der in Artikel 104 Abs. 2 des EGV festgelegten Konvergenzmerkmale. Die Schuldenquote ist definiert als "Verhältnis zwischen dem öffentlichen Schuldenstand und dem Brutto-Inlandsprodukt zu Marktpreisen". Nähere Definitionen sind im Protokoll № 20 "Verfahren bei einem übermässigem Defizit" des EGV festgelegt. - Im Sommer 2009 beschloss die EU, die zur Bankenrettung gelegentlich der Finanzkrise gegründeten Zweckgesellschaften aus der Staatsverschuldung herauszurechnen, was wohl zurecht als eine "verhängnisvolle Fehlentscheidung" kritisiert wurde. - Deutschland hatte im Jahr 2007 eine Schuldenquote von 65 Prozent, Ende 2011 war diese auf 84 Prozent angestiegen. Ursächlich für diese Steigerung waren vor allem Leistungen in Zusammenhang mit dem Bankenrettungsgesetz.

– Siehe Ausgabenquote, öffentliche, Bankenrettung, umgekehrte, Deficit-Debt-Adjustment, Defizitquote, Drittgattingeld, Finanzpolitik, Finanzreferendum, Haushaltsdefizit, Haushalts-Kennziffern, Inverzugsetzung, Methusalem-Syndrom, Nachhaltigkeit, Nettogläubiger, Rogoff-Studie, Schuld, schwebende, Schuldenbremse, Schulden-Schulden-Rezept, Schuldentragfähigkeit, Semester, europäisches, Sozialstaat-Falle, Staatsschulden-Rückführung, Staatsverschuldungs-Druck, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Sunset-Vorbehalt, Tragfähigkeit öffentlicher Finanzen, Verfassungsartikel eins, Vertragstreue, Zahltag-Grundregel, Zweitgattingeld.

– Vgl. zum Verfahren bei übermässigem Defizit auch Monatsbericht der EZB vom Juni 2003, S. 64 f., S. 67; Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2005, S. 15 ff. (völlig veränderte Lage nach der "Reform" des Stabilitäts- und Wachstumspaktes) und S. 23 ff. (ausführliche Darlegungen zur Stabilitäts-"Kultur"), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2006, S. 58 (Projektion bis 2050, unterteilt auch nach einzelnen Ausgabegruppen und Ländern), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2009, S. 25 (Eventualverbindlichkeiten müssten bei Staatsverschuldung eingerechnet werden), Monatsbericht der EZB vom März 2010, S. 95 (Erwägungen zur Finanzpolitik: vier schwerwiegende Folgen hoher Schuldenquoten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2011, S. 53 ff. (Massnahmen zur Verhinderung steigender Schuldenquote), Jahresbericht 2010 der EZB, S. 83 ff (Kosten und Nutzen einer Haushaltskonsolidierung; Literaturhinweise), Monatsbericht der EZB vom April 2011, S. 63 ff. (ausführliche Erörterung; viele Übersichten; in den Anmerkungen wichtige Quellenhinweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2011, S. 22 f. (Schuldenquote der Mitglieder des Eurogebiets seit 2009), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2012, S. 60 ff. (Schuldenquote weiter gestiegen; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom März 2013, S. 92 ff. (Wachstumshemmung hoher Staatsverschuldung; Übersichten; Literaturhinweise), Monatsbericht der EZB vom Mai 2013, S. 93 ff (eingehende Analyse des Schuldenstandes der Mitglieder der Eurozone; Übersichten; Literaturverweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2013, S. 62 ff. (Schuldenquote in EWU steigt; Übersicht), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2014, S. 41 ff. (ausführliche, tiefgreifende Erörterung der Lage in der EWU).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schuldenschnitt (debt cut, haircut):

Der Erlass von Schulden zugunsten eines in Schwierigkeiten geratenen Unternehmens oder Staates im Zuge eines Restrukturierungsprogramms (in debt restructuring agreements a percentage reduction of the amount that will be repaid to creditors). Beispielsweise mussten Gläubiger 2011 bis zu 75 Prozent Verlust auf argentinische Staatsanleihen hinnehmen. Im März 2013 waren ähnliche Einbussen im Zuge der Zypern-Krise und zuvor schon in Gefolge der Griechenland-Krise zu verschmerzen.

– Siehe Enteignung, kalte, Finanzmarktintegration, europäische, Haftung, Renationalisierung Transferunion, Vermögensabgabe, Vertragstreue, Zwangsenteignung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schuldenrückführungsmechanismus, unabhängiger (Sovereign Debt Restructuring Mechanism, SDRM):

Nach dem finanziellen Kollaps südamerikanischer Staaten vom IMF 2001 vorgeschlagenes und von verschiedenen internationalen Fachgremien gebilligtes Programm, das auf der Grundlage vertraglicher Abmachungen folgende Schritte enthält.

1. Stellt ein Staat seine Zahlungen ein, so wird er bis auf weiteres gegen Rechtsverfolgung seitens privater Gläubiger geschützt.

2. Der betroffene Staat garantiert den Gläubigern ein faires Verhalten während des Zahlungsaufschubs.

3. Wer jetzt frisches Geld in das verschuldete Land einbringt, der erhält einen Vorzugsstatus.

4. Die Mehrheit der Gläubiger erhält das Recht, im Namen sämtlicher Gläubiger Vereinbarungen über die Rückführung der Schulden zu treffen.

– Siehe Europäischer Stabilitätsmechanismus, Londoner Club, Londoner Verfahren, Prager Verlautbarung, Schuldenmanagement, Schuldenschnitt, Staatsschulden, verweigerte, Umschuldungs-Klauseln.

– Vgl. Geschäftsbericht 2003 der Deutschen Bundesbank, S. 110 ff. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schulden-Schulden-Rezept (debt reduction by debt rising):

Der von manchen Politikern und Know-Nots in den Medien empfohlene Weg, eine hohe Staatsverschuldung durch die Aufnahme neuer Schulden abzubauen. Das jedoch gelänge nur in dem Fall, wenn

1. das neu aufgenommene Geld ausschliesslich zur Verbesserung und Erweiterung des volkswirtschaftlichen Kapitalstocks eingesetzt würde,

2. die so getätigten Investitionen umfänglich und zeitlich in etwa gleichlaufend mit dem Schuldendienst

3. zu einer Mehrproduktion und

4. in einem damit auch zu einem Zuwachs an internationalen Wettbewerbsfähigkeit führten.

– Bis anhin ist aus der Wirtschaftsgeschichte noch kein einziger Fall bekannt, wo dies gelang. Schon die erste Bedingung liess sich nicht verwirklichen. Die über Schulden aufgenommenen Mittel flossen grösstenteils in die heimische Wirtschaftskraft kaum stärkende Bauten und in den (Luxus)Konsum. Am Ende dieses Weges stand immer der Staatsbankrott und/oder eine sehr hohe Inflation, durch die alle Bürger letztlich enteignet wurden.

– Siehe Ausgabenquote, öffentliche, Bail-out, Deficit-Debt-Adjustment, Defizitquote, Erpressungspotential, Finanzpolitik, Finanzreferendum, Fiskalpakt, Haushaltsdefizit, Haushalts-Kennziffern, Methusalem-Syndrom, Nachhaltigkeit, Rogoff-Studie, Schuld, schwebende, Schuldenbremse, Schuldenschnitt, Sozialstaat-Falle, Staatsschulden-Rückführung, Staatsverschuldungs-Druck, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Sunset-Vorbehalt, Tragfähigkeit öffentlicher Finanzen, Ungleichgewichte, EWU-interne, Verfassungsartikel eins, Vermögensabgabe, Zahltag-Grundregel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schuldenstand (debt level general government):

In Zusammenhang mit dem Stabilitäts- und Wachstumspakt

1. der Brutto-Gesamtschuldenstand zum Nominalwert

2. am Jahresende

3. nach saldierender Umrechnung innert und zwischen den einzelnen Bereichen des Staatssektors.

– Siehe Nettogläubiger, Schuld, schwebende, Schuldenquote, staatliche, Semester, europäisches.

– Vgl. zur Höhe der Schulden den Anhang "Statistik des Euro-Währungs-gebiets", Rubrik "Öffentliche Finanzen" im jeweiligen Monatsbericht der EZB.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2009, S. 25 (Eventualverbindlichkeiten müssten bei Staatsverschuldung eingerechnet werden), Monatsbericht der EZB vom Mai 2013, S. 93 ff (eingehende Analyse des Schuldenstandes der Mitglieder der Eurozone; Übersichten; Literaturverweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2014, S. 41 ff. (Stand der Schulden und Aussichten auf Abbau in der EWU; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schuldentilgungspakt [manchmal auch: Schuldentilgungsfonds], europäischer (European Redemption Pact, ERD):

Vom deutschen Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (German Council of Economic Experts) im Januar 2012 vorgeschlagene Einrichtung, in der Mitglieder der EWU ihre Staatsschulden grösstenteils einbringen, und zwar für fünfundzwanzig Jahre. Der Fonds verwaltet diese und sorgt für deren Bedienung (servicing: interest payment [Verzinsung] and redemption [Rückzahlung]) durch eine Umlage auf sämtliche Mitglieder der Währungsunion. Damit würden die Verbindlichkeiten der Defizitländer vergemeinschaftet (communitised). Dies jedoch ist mit der Non-Bail-out-Klausel in Artikel 125 AEUV unvereinbar und bedürfte besonderer vertraglicher Abmachungen sowie (zumindest in Deutschland) auch parlamentarischer Zustimmung. Derzeit (Frühjahr 2014) sind dazu aber Deutschland, Österreich, Finnland und die Niederlande noch nicht bereit. Zudem stünde der gemeinsamen Haftung überhaupt kein entsprechender Einfluss auf das Finanzgebaren der beteiligten Mitglieder gegenüber; und nichts zwänge die Schuldnerstaaten, sich um Reformen und Wiedererlangung der Wettbewerbsfähigkeit zu kümmern. Weil jedoch der Zinsdruck (interest pressure) der Finanzmärkte von den hoch verschuldeten Staaten genommen wäre, so bestünde auch kein Anreiz mehr, mit Einschnitten in bisherige Besitzstände (acquired rights and possessions) verbundene und daher unbequeme Reformen einzuleiten. Als Gegenleistung für die Verbilligung des Schuldendienstes - zu der die Gemeinhaftung ja führt, weil die bonitätsschwachen Staaten von der guten Bonität anderer haftender Mitglieder wie die Niederlande oder Deutschland profitieren - sollen die Teilnehmer Devisen oder Gold als Pfand hinterlegen und Steuern erhöhen; die zusätzlichen Steuereinnahmen sollen zur Schuldentilgung (extinguishment of debts) eingesetzt werden. - In der politischen Praxis dürfte sich das nicht durchsetzen lassen, weshalb der Plan eines gemeinsamen Schuldentopfes sich letztlich als Euro-Bonds durch die Hintertür entpuppt. Überdies ist an der Befristung (time limit) des Paktes zu zweifeln: der Fonds würde nach aller bisherigen Erfahrung im europäischen politischen Geschäft zu einer Dauereinrichtung (permanent institution).

– Siehe Bad Bank, Bürgschaft, Defizit-Finanzierungsverbot, Finnland, Euro-Anleihen, gemeinsame, Europäische Finanzstabilisierungsfazilität, Europäische Währungsunion, Grundfehler, EZB-Sündenfall, Garantie, Moral Hazard, Plan C, Politikklammer, Politikverzug, Rettungseuropäer, Rettungsroutine, Rückkehr-Ideologie, Schuldenunion, Sicherheitsnetz, globales, Stabilisierungsmechanismus, europäischer, Stand-by-Kredit, Transferunion, Troika, Verfassungsartikel eins, Verschuldung-Produktivität-Verkettung, Vertragstreue, Wachstum-Schulden-Tatsache, geschichtliche, Währungsunion 2, Zwei-Wege-Option.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2012, S. 8 ff. (scharfe, im Einzelnen begründende Kritik an dem vorgeschlagenen Schuldentilgungspakt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schuldentragfähigkeit (debt sustainability):

Die Befähigung einer Wirtschaftseinheit (economic unit: Privathaushalt, Unternehmen, Staat), aufgenommene Darlehn vertragsgemäss zu bedienen (the ability to fulfill the contractual debt service obligations). Es gibt viele Vorlagen und Masstäbe, die zur Einschätzung der Schuldentragfähigkeit jeweils herangezogen werden. Wahrscheinlich müssen aber in jedem einzelnen Fall (in each individual case) sowohl sachliche Gegebenheiten als auch subjektive Grössen wie vor allem die Zahlungswilligkeit (willingness of repayment) berücksichtigt und entsprechend gewichtet werden.

– Siehe Bail-out, Finanznot, Insolvenz, Moral Hazard, Schuldenmanagement, Schuldenschnitt, Staatsverschuldung, Überkonsum, Verschuldung, Verzug, Zahlungsunfähigkeit.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2012, S. 63 ff. (ausführliche Darstellung der Schuldentragfähigkeit in Bezug auf das Eurogebiet gesamthaft und einzelne Mitglieder; viele Übersichten; Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 61 f. (Schuldentragfähigkeit deutscher Privathaushalte).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schuldenüberhang (debt overhang):

1 Im engeren Sinne die Auslandsverschuldung eines Staates.

2 Im weiteren Sinne die Staatsverschuldung gesamthaft.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom März 2013, S. 93 (Anmerkung 3), Monatsbericht der EZB vom April 2013, S. 24 ff. Verbindlichkeiten einzelner Euromitgliedsstaaten gegenüber dem Ausland; Übersichten; Tendenzen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2014, S. 72 ff. (Auslandsverschuldung der Peripherieländer im Euroraum beunruhigend hoch; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schuldenunion (debt alliance):

Nach 2010 neben dem Ausdruck Schuldenclub aufgekommene spöttische Bezeichnung für die Eurozone. Durch Massnahmen wie Rettungsfonds, Euro-Bonds, Bankenunion oder satzungsmässig kaum zulässige Käufe von Staatsanleihen durch die EZB glaubt man, der hohen Staatsverschuldung in einigen Ländern Herr zu werden. In dessen bedarf es keiner besonderen ökonomischen Kenntnisse, um klar zu erkennen, dass die ständige Ausweitung der Gemeinschaftshaftung die Ursachen hoher Schuldenstände - nämlich verschlepptes Vorgehen zur Anpassung an die sich fortwährend ändernden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Gegebenheiten - nicht ändern kann. Im Gegenteil: die Abneigung gegen zunächst mit Einschnitten verbundene Umbildungen wächst damit, und der Reformstau (reform backlog) häuft sich weiter auf. Vergessen wird zu oft der tragende Pfeiler der EWU, nämlich dass jedes Mitglied für die Folgen verfehlter Wirtschafts- und Sozialpolitik selbst haftet.

– Siehe Angst, perverse, Bail-out, Blame game, Defizit-Finanzierungsverbot, Europäische Währungsunion, Grundfehler, EZB-Sündenfall, Geldvermehrung, währungsunion-interne, Inverzugsetzung, Politikklammer, Politikverzug, Rettungseuropäer, Rettungsroutine, Risikoträger, endgültiger, Schattenstaat, Schulden-Schulden-Rezept, Schuldenschnitt, Schuldentilgungspakt, europäischer, Solidarität, finanzielle, Stabilisierungsmechanismus, europäischer, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Grundfehler, Südfront, Verfassungsartikel eins, Vermögensabgabe, Verschuldung-Produktivität-Verkettung, Vertragstreue, Wachstum-Schulden-Tatsache, geschichtliche, Zwangsenteignung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schuldner in älteren Dokumenten auch Defizient (debtor, obligor):

Nach § 241 BGB jeder, der vertragsgemäss dem Gläubiger eine Leistung zu erbringen hat. Wenn nicht ausdrücklich anders gesagt, so bezieht sich in Zusammenhang mit dem Finanzmarkt das Erbringen der Leistung auf die Zahlung von Geld (a person or entity who is obliged to pay money. If the debt is in the form of a loan from a financial institution, the debtor is referred to as a borrower. If the debt is in the form of securities, such as bonds, the debtor is called an issuer. - In the financial context, the term obligor refers commonly to a bond issuer, who is contractually bound to make all principal repayments and interest payments on outstanding debt. The recipient of the payment is called the obligee).

– Siehe Abtauchen, Ausfall, Default, Delinquent, Exekution, Fälligkeit, Geldeintreibung, Geldvergessliche, Inkassogeschäft, Insolvenz, Kassetierung, Kinderpfand, Kompetenz, Monitum, Novation, Respiro, Schuldturm, Zahlungsausstand, Zahlungsmoral, Zahlungsort.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schuldnerberatung (credit counseling):

Der Beistand für einen in hohe Schulden geratenen Privathaushalt durch eine fachkundigen Person (helping consumers to manage and control their debt load. One of the key tasks of credit counseling is to warn consumers about the dangers of accumulating unduly debt). Entsprechende Angebote stellen in Deutschland Kirchen, politische Gemeinden, gemeinnützige Organisationen, manchmal auch Institute und daneben auf Honorarbasis (on a fee basis) arbeitende Freiberufler zur Verfügung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schuldnergewinn (profit accruing to debtors):

1 Der Vorteil eines Schuldners bei Inflation. Dieser Profit kommt dadurch zustande, dass der Schuldner kaufkräftiges Geld erhielt und in weniger kaufkräftigem Geld (money with lower purchasing power) zurückzahlt.

2 Der Vorteil eines Schuldners, der ihm beim Währungsschnitt von einer inflationären (currency curtailment in Germany 1948: hundert Reichsmark) auf eine stabile (well-funded money: zehn Deutsche Mark) Währung zufällt.

– Siehe Kopfbetrag, Währungsreform.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schuldposten, zweiseitige (bilateral exposure):

Auf dem Finanzmarkt die zwischen zwei Vertragsparteien bestehenden gegenseitigen Schuldverhältnisse (one party's exposure to another party).

– Siehe Clearing, Netting, Rechnung, laufende.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schuldschein in der älteren Literatur auch Handschein und Teskereh (certificate of debt):

1 Allgemein eine Urkunde über das Bestehen einer Schuld, siehe § 371 BGB.

2 Im Besonderen ein kurzfristiges Papier über eine schwebende Schuld, ausgegeben von einer öffentlichen Stelle.

– Siehe Schatzanweisungen, Schuldtitel, Schuldverschreibung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schuldschein, vorgreifender (bank anticipation note, BAN):

Vor allem in den USA verbreitete

1. kurzfristig ausgelegte und

2. der Bezahlung dringend anstehender Vorhaben dienende

3. Begebung seitens öffentlicher Stellen

4. im Vorgriff auf eine geplante langfristige Finanzierung (notes issued by public sector entities - primarily states and municipalities - to obtain interim financing for urgent projects that will eventually be funded long term through the sale of a bond issue).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schuldschein-Beurkundungsgeld (payment for the authentication of certificates of debt):

In deutschen Territorialstaaten früher vorgeschriebene Zahlung in Zusammenhang mit der amtlichen Bestätigung von Schuldscheinen, wenn der Geldgeber Jude und der Schuldner Christ war. Einzelheiten der Beurkundung waren in Verordnungen festgelegt; so musste vor allem der Schuldschein in deutscher Sprache ausgestellt sein.

– Siehe Schutzgeld, Synagogengeld, Toleranzgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schuldtitel (debt instrument):

1 Allgemein ein Dokument, das ein Darlehn oder eine vertragliche Verpflichtung ausweist (any document that is issued with a promise of repayment on a certain maturity date at a specified rate of interest. These kinds of securities include bonds, debentures, preferred stock, collateralised securities, promissory notes and zero-coupon securities.).

2 Schuldverschreibungen im Sinne von § 793 BGB, wie bei Warenkrediten, Bankdepositen, Wechselschulden, Obligationen, usw. üblich.

3 Rechtlich verbindliche Schuldscheine im Sinne von § 371 BGB, die ausgestellt werden, wenn jemand Geld entleiht.

4 Jederart durch einen Vermögenswert besichertes Wertpapier, einschliesslich der Verbriefungspapiere.

5 Schuldverschreibung.

– Siehe Effekten, Papiere, Titel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schuldtitel, festverzinslicher (fixed-rate instrument):

Finanzinstrument, bei dem der Zinssatz für die gesamte Laufzeit des Vertrags festgelegt ist.

– Siehe Verzinsung, Zinsbindung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schuldtitel, variabel verzinslicher (floating rate instrument):

Finanzinstrument, bei dem der Zinssatz in regelmässigen Abständen anhand eines Referenzindexes (reference index, benchmark index) neu festgesetzt und damit den Veränderungen der kurz- oder mittelfristigen Marktzinsen angepasst wird. Bei Schuldtiteln mit variabler Verzinsung werden die Zinsen entweder im Voraus oder im nachhinein festgesetzt.

– Siehe Floater, Rollover-Kredit, Step-down-Anleihe, Verzinsung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schuldturm (debtor's prison):

In älteren Dokumenten ein Kerker - nicht unbedingt in der baulichen Form eines Turms, - in dem zahlungsunwillige Schuldner (recalcitrant debtors; defaulters unwilling to pay) gefangengehalten wurden. Die Haftbedingungen in dem Schuldnerverlies (conditions of detention in the debtor's dungeon) waren gemäss zeitgenössischen Berichten mancherorts nicht gerade zimperlich (not at all squeamish) und würden heute den Bürgerrechtsbeauftragten (civil rights commissioner) zum sofortigen Einschreiten bewegen.

– Siehe Abtauchen, Arrestgeld, Defizient, Erster, trauriger, Exekution, Geldeintreibung, Geldvergessliche, Kinderpfand, Kompetenz, Leibbürge, Leichenpfand, Zahlungsmoral.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schuldurkunde (debt instrument):

Allgemein jederart Erklärung, in der ein Schuldner seinen Willen bekundet, eine Zahlung an einen Gläubiger zu leisten. - Der Begriff "Urkunde" wird in der überkommenden Rechtslehre weithin als Sprachabbild, bestehend

1. aus Material und Geschriebenem (Skriptur; scripture), verstanden

2. und deshalb für den Regelfall verlangt, dass das Dokument als Schriftstück ohne technische Hilfsmittel lesbar sei.

– Ob und inwieweit andere Formen wie etwa eine Karte dem Begriff "Schuldurkunde" beigezählt werden dürfen, ist immer noch umstritten. Neuerdings indessen scheint der Begriff "Urkunde" allgemein weiter gefasst zu werden, nämlich als jederart eindeutig dargetane und verkörperte menschliche Gedankenerklärung. - In English legal theory a document commonly is seen as a form of information; it could, therefore, be put ordinarily into an electronic form and stored in a computer as a file.

– Siehe Manzipation, Namenspapier, Übertragungsurkunde.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schuldverschreibung in älteren Schriften auch nur Verschreibung (debenture; debt security):

Als

1. Wertpapier gestaltete Schuldverpflichtung, nämlich Versprechen des Schuldners (issuer; Emittenten), dem Inhaber (creditor; Gläubiger) Zahlungen zu einem bestimmten Termin zu leisten (a commitment by a borrower to repay an amount of money) mit

2. in der Regel festem, manchmal aber auch variablem Zinssatz, seltener zinslos (zero-coupon bond; Nullkupon-Anleihe) oder als Losanleihe gestaltet und

3. von Ausnahmen (lottery loan; Losanleihe) abgesehen, mit einer festen Fälligkeit versehen; auch Obligation oder Rentenpapier genannt; siehe auch die Definition in § 793 BGB.

– Eine Schuldverschreibung ist nicht durch ein Underlying gedeckt. Die einzige Sicherheit ist die, dass der Schuldner das Papier aus seinen erwirtschafteten Erträgen bedient (a debenture is not accompanied by any collateral used as security; the only source of repayment is the borrower's cash flows). - Bei der EZB werden Schuldverschreibungen mit einer Ursprungslaufzeit von mehr als einem Jahr als langfristig eingestuft.

– Siehe Abzinsungspapier, Anleihe, Bankschuldverschreibung, Collateralised Debt Obligation, Duration, Finanzinstrument, Inhaberschuldverschreibung, Informationsblätter für Finanzinstrumente, Laufzeit, Schuldtitel, Todesspirale, Verlosung, Wandelanleihe.

– Vgl. den Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets" im jeweiligen Monatsbericht der EZB, Rubrik "Finanzmärkte"; bei den "Erläuterungen" wichtige Definitionen; Monatsbericht der EZB vom Februar 2005, S. 26 ff. (Statistisches), Monatsbericht der EZB vom April 2005, S. 74 (Vergleichbarkeit der Statistiken), Monatsbericht der EZB vom April 2007, S. 23 ff. (ausführliche Darstellung der Emissionen seit 1992; viele Übersichten), Jahresbericht 2008 der EZB, S. 82 ff. (Entwicklung der Schuldverschreibungen öffentlicher Haushalte seit 1999; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom August 2010, S. 18 ff. (Schuldverschreibungen im Eurogebiet seit 2006; Typologie; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom November 2011, S. 82 ff. (ungedeckte Schuldverschreibungen im Refinanzierungsgefüge der Banken; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schuldverschreibung, gedeckte (covered debenture, covered bond):

1 Allgemein Papiere mit doppeltem Schutz für den Anleger, nämlich

1. durch Haftung des ausgebenden Instituts und

2. Bedeckung durch einen Sicherungspool.

2 In Deutschland Pfandbriefe, Forderungen an den Staat und weitere in § 20a KWG im Einzelnen aufgezählte Positionen. Ihre Vorteile für Anleger sind

1. die feste und bekannte Laufzeit,

2. ihre zusätzliche Sicherheit aufgrund besonderer Rechtsvorschriften und

3. die hohe Liquidität: die Papiere lassen sich rasch verkaufen und auch beleihen. Insofern sind die kaum durch Asset-Backed Securities zu ersetzen.

– Siehe Zentralbank-Eigenportfolio.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2008, S. 91 (ABSs werden von anderen Anlegern nachgefragt als gedeckte Schuldverschreibungen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2009, S. 46 (Ankauf von gedeckten Schuldverschreibungen durch die EZB; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom August 2010, S. 34 ff. (Marktentwicklung seit 2008; Übersichten, auch über Laufzeiten), Jahresbericht 2010 der EZB, S. 111 (Aufkäufe von gedeckten Schuldverschreibungen durch die EZB), Monatsbericht der EZB vom November 2011, S. 82 ff., S. 86 ff. (gedeckte Schuldverschreibungen im Refinanzierungsgefüge der Banken; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2011, S. 44 (neuere Zahlen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schuldverschreibungen, kurzfristige (commercial papers):

1 Fremdkapital mit einer Fälligkeit in der Regel zwischen 30 und 270 Tagen vom Zeitpunkt der Ausgabe. Solche kurzfristigen Inhaber-Schuldverschreibungen werden von Firmen mit einem guten Rating ausgegeben (debt securities in the form of unsecured promissory notes issued on the money market by companies with a high credit rating for maturities ranging from 30 to 270 days).

2 Von Monetären Finanzinstituten begebene Schuldverschreibungen mit einer vereinbarten Laufzeit von bis zu zwei Jahren. Derartige Papiere sind Bestandteil der weit gefassten Geldmenge M3; sie werden von der Zentralbank nach verschiedenen Gesichtspunkten - vor allem: ihr Anteil am Bestand M3 sowie an marktfähigen Finanzinstrumenten gesamthaft - untergliedert und beobachtet.

– Siehe Commercial Papers, Einlagezertifikate, Euro-Notes, Notes, Privatplazierungen.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2007, S. 16 ff. (Entwicklung der kurzfristigen Schuldverschreibungen innert der Geldmenge M3; das Angebot und die Nachfrage bestimmende Faktoren), Jahresbericht 2008 der EZB, S. 82 ff. (Zunahme der kurzfristigen Schuldverschreibungen der öffentlichen Hand; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schuldverschreibung, variabel verzinsliche (variabel interest bearing debenture):

Obligation, bei welcher der Zinssatz in vertraglich vereinbarten Zeitabständen unter Bezugnahme auf einen Referenzzinssatz oder Index neu festgesetzt wird.

– Siehe Anleihe, variable verzinsliche, Anleihe, zinssteigende, Floater, Rollover-Kredit, Schuldtitel, variabel verzinslicher, Step-down-Anleihe.

– Vgl. den Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets" des jeweiligen Monatsberichts der EZB, Rubrik "Finanzmärkte" sowie die Abgrenzungen in den nachgestellten "Erläuterungen".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schulgeld (tution fee[s], school fees; school transfers):

1 Zahlungen, gefordert von Besuchern einer Bildungseinrichtung bzw. deren Eltern (the charge or fee for instruction at any school, college, university or other educational institution)) für den Unterhalt der Gebäude, die Besoldung des Lehrpersonals, Unterrichtsmaterial, Beköstigung, Schuluniformen und andere Ausgaben. - Von den öffentlichen Schulträgern (public educational authorities: Gemeinde, Kreis, Kanton, Landschaftsverband [regional environment authority]) können in vielen Ländern und früher auch in Deutschland für Schulneu- und Umbaukosten besondere Schulgelder erhoben werden.

2 Zweckgebundene Überweisungen

1. des Zentralstaates an Teilstaaten bzw.

2. von Gebietskörperschaften (regional administrative bodies: Länder, Kantone, Kreise) an Gemeinden für Schulzwecke.

– Siehe Brandgeld, Fremdenschulgeld, Hörergeld, Oppidanengeld, Schreibschulgeld, Seminargeld, Unterrichtsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schulökonomie (mainstream economics):

Die (Volks)Wirtschaftslehre, so wie diese an den Universitäten und Fachhochschulen alltäglich, regelrecht, üblicherweise gelehrt wird (economics normally taught in universities and colleges). - Zu beachten ist, dass bei öffentlichen Auftritten von Ökonomen vor allem im Fernsehen fast immer Aussenseiter (outsider) zur Wort kommen, nämlich akademische Lehrer, die sich selbst durch von der Schulökonomie abweichende Meinungen ins Licht setzen (throw their weight around). Das gilt im Besonderen für Aussagen zum Finanzmarkt, die zwar für den Laien auf den ersten Blick einsichtig erscheinen. In Wirklichkeit enthalten sie aber immer eine verkürzte, nämlich den Gesamtzusammenhang gar nicht oder nur unvollkommen berücksichtigende Sicht der Dinge. - Nebenbei gilt das auch für andere Disziplinen, wie vor allem die Medizin oder Theologie. Auch hier kommen in der Regel Outsider (because they have a high attention to the public) zu Wort.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schumpeter-Theorem (Schumpeter theorem):

In einem demokratischen Parteienstaat ist es nicht möglich, auf Dauer eine Haushaltsreserve anzulegen, weil die Begehrlichkeiten der verschiedenen Interessentengruppen (lobbyists: groups that influence the public opinion, parliaments and government on behalf of special interests) zu stark sind. Dem österreichischen Nationalökonomen Joseph A. Schumpeter (1883-1950) wird die Aussage zugeschrieben: eher legt ein Hund einen Wurstvorrat an, als eine demokratische Regierung eine Haushaltsreserve.

– Siehe Härtefonds, Katastrophenfonds, Schattenstaat, Staatsschatz, Stabilitäts- und Wachstumspakt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schussgeld (shoot impost):

1 Zahlung in Bargeld, welche der Jagdherr für das zur Strecke gekommene Wild bezahlt. In vielen Ländern durch die jeweilige Jagdordnung (hunting rules) genauer festgesetzt.

2 In deutschen Schützenvereinen (shooting associations) die Zuwendung an den Schützenkönig (champion shot), der aus diesem Geld innert seiner Amtszeit

1. in der Vereinssatzung festgelegte (statutory) oder

2. durch Herkommen übliche (customary) Ausgaben zu leisten hat.

– Siehe Abschussgeld, Jagdgeld, Wildbanngeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schutzaktie (cumulative voting share):

In Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg (1918) von verschiedenen Aktiengesellschaften mit mehrfachem Stimmrecht ausgestattete Aktie mit der Absicht zu verhindern, dass heimische Gesellschaften durch Ausländer erworben werden.

– Siehe Anschleichen, Anteilseigner-Kontrolle, Shark Watcher, Stimmrecht-Datenbank, Stimmrecht-Kriterium, Transparenz-Richtlinie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schutzgeld in alten Dokumenten auch Beschutzgeld (protection money):

1 Unter Androhung von Gewalt erpresstes Geld (blackmailed money; "Pizzu"), meist durch darauf spezialisierte kriminelle Organisationen.

2 Anderer Ausdruck für das frühere Schirmgeld:

1. im Altertum von den Römern den Völkern mit sich gegenseitig befehdenden Gruppen auferlegt, so etwa den Galliern und Juden; denn das römische Heer musste bewaffneten Konflikten der verfeindeten Parteien zuvorkommen;

2. in der Neuzeit als Abgabe, von den Dänen (Norsemen; Wikingern) auferlegt;

3. im Mittelalter eine Abgabe mit dem Zweck, Ansässige - und hier vor allem Bürger mosaischen Glaubens in Städten - vor angeblicher oder tatsächlicher Bedrohung zu schützen (Jews tribute; Judentribut).

3 Frühere Zahlung, um einen Freibrief und damit sicheres Geleit durch ein Gebiet zu erlangen; Permissionsgeld.

4 In alten Dokumenten auch zur Bezeichnung für das Hütegeld im Sinne der Beitragszahlung in eine Schutzgenossenschaft gebraucht.

4 Ab etwa 2000 ferner gesagt in Bezug auf die Ausgaben der Reedereien zur Begleitung von Handelsschiffen durch ausgebildete und bewaffnete Fachleute. Diesen obliegt es, Angriffe von Piraten vor allem am Horn von Afrika (horn of Africa: a region of North-East Africa, comprising Somalia and neighbouring territories) und in asiatischen Gewässern abzuwehren.

– Siehe Bettelgeld, Bewachungsgeld, Charadsch, Dänengeld, Detz, Geleitgeld, Harai, Hussengeld, Hütegeld, Racheengel, Satisfaktionsgeld, Schirmgeld, Schuldschein-Beurkundungsgeld, Schweigegeld, Superindukt, Synagogengeld, Toleranzgeld, Umlage, Verbittsgeld, York-Antwerp Rules.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schwaigergeld auch Schweigergeld (alpine herder pay):

Früher die Bezahlung des Schwaigers (herder; Schweiger = Betreuer einer Viehherde [Herder] auf einer Alm, Alphirt, Käser).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schwankungen, niederfrequente (low frequency fluctuations):

Begriff der Geldstatistik der EZB in Zusammenhang mit der verfeinerten Analyse von M3. Dabei werden Portfolio-Umschichtungen aus der M3-Statistik herausgefiltert. Die sich so ergebenden Veränderungen von M3 - die mittelfristigen Schwankungen - erweisen sich als eine gute Grundlage für die Vorhersage der Inflationsentwicklung.

– Siehe Aggregate, monetäre, Geldmenge, Goldpreis, Geldüberhang, Immobilienblase, Liquidität, M3, Zwischenparken.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schwankungsmarge (variation margin; marking to market):

Die EZB verlangt, dass der Wert der Sicherheiten während der Laufzeit einer liquiditätszuführenden befristeten Transaktion innert einer bestimmten Marge bleiben muss. Falls der regelmässig neu ermittelte Marktpreis der Sicherheiten unter die Schwankungsmarge sinkt, so müssen die Geschäftspartner zusätzliche Sicherheiten oder Barmittel zur Verfügung stellen. - Wenn andererseits der Marktwert der Sicherheiten nach ihrer Neubewertung den von einem Geschäftspartner geschuldeten Betrag zuzüglich der Schwankungsmarge übersteigt, so gibt die Zentralbank dem Geschäftspartner die überschüssigen Sicherheiten oder Barmittel zurück.

– Siehe Barausgleich, Close-and-Reprice-Contract, Margenausgleich, Nachschuss-Aufforderung, Nachschuss-Vereinbarung.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2004, S. 81, Monatsbericht der EZB vom Oktober 2007, S. 93 ff. (Vergleich der Regelungen für Sicherheiten bei der EZB mit USA und Japan; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schwankungsrückstellung (equalisation fund):

Bei Banken zum Ausgleich der Aufs und Abs im Volumen der Kreditausfälle künftiger Jahre gebildete Passivposten in der Bilanz. Für Versicherungsunternehmen ist dies in Bezug auf den Schadensverlauf innert der EU in Einzelheiten vorgeschrieben und wird von den Aufsichtsbehörden überwacht.

– Siehe Rückstellungen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schwarzgeld (dirty money):

1 Erträge aus der Schattenwirtschaft (black economy, shadow economy), nämlich allen ökonomischen Tätigkeiten, die nicht in der Statistik des Bruttoinlandsprodukts erscheinen (illegally-earned money, illegal income).

2 Vermögenswerte, deren Besitz aus rechtswidrigen Handlungen herrührt (criminal income; wie aus Bestechung oder aus Drogengeschäften).

3 Steuerrechtlich gesehen Einnahmen, die einer ordnungsgemässen Veranlagung vorenthalten wurden (untaxed revenues). - Soweit deutsche Staatsbürger Schwarzgeld-Konten im Ausland unterhalten, spürt diese der deutsche Geheimdienst (Bundesnachrichtendienst; Federal Intelligence Service) mit allen Mitteln auf, wie im Februar 2007 in Bezug auf das Fürstentum Lichtenstein geschehen. Auch von Kriminellen angebotene Datenträger mit Adressen von tatsächlichen und angeblichen Steuerhinterziehern (tax dodgers) kauften deutsche Behörden anfangs 2010 begierig auf. Der Schweiz wurde dabei in der Öffentlichkeit der Vorwurf gemacht, die Steuerhinterziehung (tax evasion) zu begünstigen.

– Siehe Beobachtungsvermerk, Drogengeld, Geheimbuch, Geld, schmutziges, Geldwäsche, Helvetophobie, International Business Company, Kontenoffenlegung, Offshore Finanzplätze, Schutzgeld, Schweigegeld, Underground Banking.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schwarzmarktkurs (black-market rate):

Der Preis, zu dem eine der Devisenzwangswirtschaft unterliegende Währung auf dem Schwarzmarkt (black-market: a form of economic activity that takes place outside of government-sanctioned channels) gehandelt wird.

– Siehe Wechselkurs-Überwachung, Zwangskurs, Zwangsumtausch.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schweigegeld (hush money, tut money):

Zahlung an eine einzelne Person oder einen bestimmten Personenkreis, etwa Zeitungs-Redaktion, öffentliche oder selbsternannte Verbraucher-Beschützer oder ausserparlamentarische Pressure-Groups (a self-directed organisation without public control that endeavours to influence public policy; those groups usually seek to exert influence in a number of ways, including arranging boycotts of products, creating adverse publicity for the business, hidden or public threats [that is to say: terrorisations], holding public demonstrations, and 'lobbying' democratically elected representatives and policy-makers) wie Attac, Greenpeace oder Robin Hood, vor allem

1. um deren Stillhalten in Bezug auf negative Aussagen - etwa über Fehler im eigenen Produkt - bzw. positive Äusserungen - etwa über die guten Eigenschaften eines Erzeugnisses des Wettbewerbers - zu bewirken oder

2. den Empfänger der Zahlung vor Anzeigen bei Behörden abzuhalten.

– Oft wird dem Zahler von Schweigegeld dieses abgenötigt, indem man nachteilige Veröffentlichungen über die Firma, das hergestellte Erzeugnis oder andere Interessensbereiche androht bzw. gar schon einleitet (Erpressung; extorsion).

– Siehe Avanie, Bettelgeld, Branntweingeld, Bunga-Bunga-Prämie, Geldzahlungsgeste, Kannibalismus-Effekt, Phantomrisiken, Schmiergeld, Schutzgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schweizer Börse (Swiss Exchange, SIX):

Im Frühjahr 1995 durch Zusammenschluss der drei Börsen in Basel, Genf und Zürich entstandener Handelsplatz mit Sitz in Zürich, rechtlich seit Mai 2002 eine Aktiengesellschaft.

– Siehe Eurex Credit Clear, International Securities Exchange Holdings.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schwellenländer (threshold countries, newly industrialised countries, NIC):

Staaten, bei denen sich im Innern ein regelmässiger Güteraustausch meistens noch nicht voll herausgebildet und verfestigt hat, und die am internationalen Warenaustausch gesamthaft zunächst noch gering beteiligt sind. Gleichwohl spielen sie für die Finanzmärkte eine Rolle, weil sie in der Regel Kapitalimporteure sind.

– Siehe BRIC-Länder, High Yields.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2005, S. 65 ff. (mit vielen Übersichten), Monatsbericht der EZB vom August 2005, S. 81 ff. (sehr ausführlich Darlegungen mit vielen Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2009, S. 105 ff. (Finanzsektor in Schwellenländern; Übersichten; Literaturverweise), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2010, S. 10 ff. (wachsende Bedeutung der Schwellenländer; Übersichten), Finanzstabilitätsbericht 2011, S. 41 f. (Auslandsaktiva deutscher Banken gegenüber ausgewählten Schwellenländern und die damit verbundenen Risiken), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2012, S. 17 (Übersicht Produktionswachstum und Inflationsraten in ausgewählten Schwellenländern), Monatsbericht der EZB vom März 2014, S. 11 ff. (Auswirkungen der Finanzkrise auf Schwellenländer; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schwellenwert (trigger point):

1 Bei der Zentralbank im Voraus festgelegte Höhe der bereitgestellten Liquidität, bei deren Erreichen ein Margenausgleich vorgenommen wird.

2 Höhe des haftenden Eigenkapitals eines Schuldners, ab der ein Kreditinstitut nach § 18 KWG verpflichtet ist, sich die wirtschaftlichen Verhältnisse des Kreditnehmers offenlegen zu lassen.

– Vgl. Jahresbericht der BaFin 2005, S. 109 (Anhebung des Schwellenwertes auf 10 Prozent des haftenden Eigenkapitals bzw. auf 0,75 Mio EUR).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schwere (heaviness):

An der Börse gesagt von beharrenden Kursen mit einer leichten Neigung zu Verlusten (quotations demonstrating an inability to advance with even a slight tendency to decline).

– Siehe Verfestigung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schwerpunktbeobachtung (activity [control] centre):

Bei einem Institut ein Geschäftsbereich, der hinsichtlich seines Beitrags zum Gewinn im Blickpunkt der Geschäftsleitung steht (section of service process for which management wants to distinctly report the costs of the activities performed).

– Siehe Aktivitätsanalyse.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schwindelbank (wild cat bank):

1 Ältere Bezeichnung für ein Kreditinstitut, gegründet von vornherein mit der Absicht, Einlagen von Kunden einzuwerben, die dann von den Bankgründern unterschlagen werden. Dank der Erlaubnispflicht für eine Bank und der Überwachung durch die Aufsichtsbehörden sind solche Institute heute wohl nur noch in Offshore Finanzplätzen zu finden.

2 Volkstümlich gesagt auch von einem Institut, das zu Lasten der Kunden unlauter arbeitet (an institute operating outside the banking norms of standard and ethical business procedures).

– Siehe Agiotage, Cold Calling, Daimonion, Enabler, Finanzgeier, Geheimtip, Geldschröpfer, Gründungsschwindel, International Business Company, Internet-Foren, Kapitalmarkt, grauer, Misochrematie, Racheengel, Schattenbankbereich, Underground Banking.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schwund (shrinkage):

Bei vielen börsengehandelten Waren die Einbusse, welche das Gut infolge natürlicher Umstände befällt (a reduction in units arising from an inherent characteristic of things in stock; it includes decreases caused by evaporation, dehydration, leakage, and oxydation). Die jeweils üblichen Schwundquoten sind für einzelne Güter meistens in den Geschäftsbedingungen der Warenbörsen (general terms and conditions of business of the commodity exchange) festgelegt.

– Siehe Basiswert, Lagerfähigkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schwundgeld (srcip money):

Die Forderung, dass Zentralbankgeld - etwa: wöchentlich ein Tausendstel - an Wert verlieren solle. Jedermann würde diesfalls danach trachten, das Geld schnell loszuwerden. - Hinter dieser von Vertretern der "Freigeldlehre" auch heute noch eifrig vertretenen Forderung steht der Gedanke, dass Geld zurückgehalten und damit in seiner Funktion als Zwischentauschmittel behindert werde. - Zins darf es nach dieser Lehre nicht geben. Es wird nicht erkannt, dass Kapital gleichbedeutend ist mit sachlichen Produktionsmitteln, deren Überlassung zur Nutzung - sei es in Form von Arbeitsmitteln oder von Geld zum Erwerb von solchen - den Eigentümer zum Zinsbezug berechtigt, weil damit eine erhöhte Produktivität des Arbeitsprozesses verbunden ist. - Weil das Geld bei diesem Vorschlag seiner Funktion als Wertaufbewahrungsmittel beraubt ist, müssten die Wirtschaftssubjekte Ersparnisse in Wertgegenständen anlegen. Vor allem der Goldpreis stiege ins Unermessliche.

– Siehe Frauengeld, Geldabschaffung, Geldfunktionen, Geldzweck, Idle Money, Mutualismus, Netzwerkgeld, Paradoxomanie, Regionalgeld, Seigniorage, Stempelgeld, Unfruchtbarkeits-Theorie, Verzinsung, Zinsallokations-Funktion, Zinsverbot.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Schwundquote (attrition rate):

Wenn nicht anders definiert in Bezug auf den Finanzmarkt gesamthaft - und häufig besonders auf Hedge-Fonds bezogen - der Prozentsatz der Anbieter, die jährlich vom Markt abtreten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Scoring (so auch im Deutschen gesagt, seltener Kredit-Check [credit check] und Kreditwürdigkeitsprüfung):

1 Wenn nicht anders definiert, so meint man damit das Kredit-Punktbewertungsverfahren, welches Banken zur Beurteilung der Kreditwürdigkeit (financial standing; Bonität) und damit zur Berechnung des Kreditausfall-Risikos von Privathaushalten und Antragstellern für ein Darlehn aus dem Kreis der Kleingewerbetreibenden (unregistered traders) anwenden. Im Jargon wird ein Nachfrager nach einem Darlehn "gescort".

2 Im Marketing der Banken auch von der zielgenauen Werbung (one-to-one marketing) bei allfälligen Kunden von Finanzdienstleistungen aller Art gesagt.

3 Bei Call-Centres (call centre; zentrale Stelle, bei der Telephongespräche angenommen und verarbeitet werden) der Institute entscheidet häufig der Computer anhand der Ergebnisse des Scoring, welcher Anrufer in der Warteschlange (caller placed on hold) als nächstes bedient wird. In der Regel ist dies der Umsatzstärkste: die Telephonstimme fragt daher in der Regel vorab nach der Kontonummer.

– Siehe Bankkunden-Profil, Cold Calling, Customasing, Fact Sheet, Internet-Angebote, Kundendossier, Mail Shot, Product Placement, Staumanagement, Übermut, Ultimo-Factoring, Vorauswahl, Wirtschaftsauskunftei.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2009, S. 65 (Scoringsysteme im Sinne von 1).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Scratch (so auch im Deutschen):

Um 2000 in die Finanzsprache eingedrungenes Wort aus dem Jargon der amerikanischen Unterschicht in der Bedeutung sofort verfügbares Geld (readily available money).

– Siehe Geldbezeichnungen, volkstümliche.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Screening (so auch im Deutschen gesagt, seltener Anlage-Vorauswahl):

In Bezug auf eine geplante Kapitalanlage die zunächst noch unverbindliche, ergebnisoffene Vorprüfung allfälliger Engagements (the first decision made in evaluating capital projects; it indicates whether an engagement is principally appropriate based on established criteria). Bedeutende Fonds erhalten laufend Anträge auf eine Beteiligung von überallher. In der Regel ist hier eine eigene Arbeitsgruppe damit befasst, die eingehenden Angebote zu sichten, eine Vorauswahl zu treffen und die für den Fonds grundsätzlich infragekommenden Engagements an das Fondsmanagement weiterzuleiten.

– Siehe Security Analyst.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Secondary Offering (so auch im Deutschen gesagt, seltener Zweitangebot):

Eine börsennotierte Aktiengesellschaft erhöht ihr Kapital durch die Ausgabe neuer Aktien; die erste Begebung wird dann im Gegensatz dazu oft auch als Initial Public Offering bezeichnet.

– Siehe Aktie, Aktienmarkt, Begebung, Emissionsgeschäft, Ersterwerber, Garantiesyndikat, Konzertzeichner, Privatplazierung, Wertpapier-Emissionen, Wertpapier-Verkaufsprospekt, Zulassungsstelle, Zweitplazierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Secondary Purchase (so auch im Deutschen gesagt, aber in unterschiedlicher Bedeutung):

1 Der Erwerb einer Aktie von einem Anteilseigner und nicht unmittelbar von der Gesellschaft (purchase of a share in a company from a shareholder rather than acquiring the share directly from the company).

2 Verkauf von Anteilen an einer Investition an eine andere Adresse, in der Regel an einen institutionellen Anleger.

– Siehe Sekundärmarkt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Second-Lien-Kredit (second-lien credit):

Die nachrangige Kreditgewährung zu bereits bestehenden Darlehen, besonders von CLO-Fonds im Zuge von Leveraged Buy-outs eingesetzt.

– Siehe Payment-in-Kind-Kredit, Toogle-Schuldtitel.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Dezember 2006, S. 46 f. (Bedenken gegen diese Art der Finanzierung wegen der sehr hohen Risiken mit Rückwirkung auf die allgemeine Wirtschaftslage).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Securities and Exchange Commission, SEC:

In den USA Aufsichtsbehörde für Investmentbanken und Brokerfirmen mit weitreichenden Vollmachten. So steht der Behörde auch eine buchhalterische Prüfung der Bilanzen zu.

– Siehe Public Company Accounting Managementbezüge, missbräuchliche. Oversight Board, Verlust-Tarnung, Sarbanes-Oxley Act.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Securities Investor Protection Corporation, SIPC:

In den USA im Jahr 1970 gegründeter Fonds mit dem Ziel, dass den Anlegern im Insolvenzfall einer Bank die Aktien und Anleihen in den Depots nach einer bestimmten Verfahrensweise zurückgegeben werden. Sitz der Auffangeinrichtung ist Washington, DC. Nicht alle Wertpapiere fallen allerdings unter den SIPC-Schutz; ausgenommen sind Rohstoff-Kontrakte, Devisen, festverzinsliche Annuitäten und Anlageverträge wie beispielsweise stille Beteiligungen. - Beim Zusammenbruch der angesehenen Bankhäuser Bear Stearns, Lehman Brothers und Merrill Lynch im Herbst 2008 im Zuge der sich zu einer internationalen Finanzkrise ausgeweiteten Subprime-Krise wurden Kleinanleger durch die SIPC weitgehend vor Verlusten bewahrt.

– Siehe Federal Deposit Insurance Corporation.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Securities Watch Application (SWAP):

Europaweit eingesetztes automatisches Verfahren der Marktüberwachung an Börsen. Anhand mathematisch-statistischer Modelle werden laufend Auffälligkeits-Kennziffern (indices of conspicuous issues) für bestimmte Grössen im Handel mit Wertpapieren berechnet, und vor allem solche, die auf Insider-Transaktionen hindeuten, Bei Überschreiten der eingegebenen Schwellwerte erfolgt eine eingehendere Prüfung bzw. es werden die Aufsichtsbehörden eingeschaltet. - Über den Erfolg des Systems gibt es widersprüchliche Aussagen (contradictory statements). Es wird sich wohl kaum vermeiden lassen, dass ungetreue leitende Mitarbeiter im Ausland Firmen gründen, die als Strohmann (nominee) handeln, und denen rechtlich nur schwer oder gar nicht beizukommen ist.

– Siehe Ausreisser, Beobachtungsliste, Falscherklärung, Handelsüberwachungsstelle, Nominee, Szenarien, aussergewöhnliche, Transaktionsmeldungen.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 180 f., Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 178 f. (Meldungen verdächtiger Geschäfte) Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 175 ff. (BaFin geht der Marktmanipulation entschlossen nach; einzelne Fälle) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Securitised Lending Operation, SLO (so auch zumeist im Deutschen; seltener besicherte Wertpapierverpfändung):

Geschäft, bei dem Vermögenswerte allgemein und Papiere im engeren Sinne als Pfand für ein Darlehn übergeben werden. Im Gegensatz zu einem Repo-Geschäft findet hier jedoch kein Eigentümerwechsel statt.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2013, S. 72 (SLOs als Ausweichmöglichkeit bei einer allfälligen Finanztransaktionssteuer; Nachteile).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Securitisierung und wertpapiergestützte Kreditaufnahme (securitisation):

Wenn nicht anders definiert die an den internationalen Finanzmärkten erkennbare Tendenz, Fremdkapital vermehrt durch die Begebung von Wertpapieren aller Art anstatt über Bankkredite zu beschaffen (international tendency to use securities enabling investors to lend directly to borrowers without using banks as intermediaries).

– Siehe Commercial Papers, Hausbank, Ortsbank, Verbriefung, Volkswirtschaft, bankbasierte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Security Analyst (so auch im Deutschen gesagt, seltener Wertpapierbegutachter):

Im Finanzbereich Person, die in einem Institut fachmännisch Wertpapiere durchleuchtet und bewertet (an employee of a bank, brokerage, advisor, or mutual fund who studies companies and makes buy and sell recommendations, often specialising in a single sector or industry).

– Siehe Analyst, Screening.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Seed Capital (so auch im Deutschen gesagt, auch mit Startkapital übersetzt):

Die Finanzierung einer technischen Entdeckung (invention) oder auch einer Geschäftsidee (business idea), um diese ausreifen und mit Aussicht auf Gewinn umsetzen zu können (capital used for financing projects during their start-up phase, before production commences). Am erfolgreichen Ende steht in der Regel die Neugründung eines Unternehmens (start-up company), wobei der bisherige Investor dann häufig Teilhaber wird.

– Siehe Business Angel, Drittphase-Finanzierung, Grundkapital, Inkubator, Innovationsfonds, Mikro-Finanzierung, Private-Equity-Finanzierung, Sweat Equity, Start-up, Unternehmensbeteiligungsgesellschaft, Vendor Financing.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Seehandlung (Bank of Prussia):

Im Jahr 1772 gegründete staatliche Gesellschaft mit ursprünglich sehr weitem Geschäftskreis, seit 1845 reines Bankhaus, 1918 umbenannt in "Preussische Staatsbank (Seehandlung)", 1947 mit der Auflösung Preussens liquidiert und das Restvermögen in eine Stiftung mit dem Zweck der Vergabe von Stipendien für Schriftsteller aus Osteuropa eingebracht. In der Wirtschaftsgeschichte Preussens - wie vor allem bei der Handelsförderung und der inneren Kolonisation (internal colonisation: the efforts with regard to economic and social improvement of underdeveloped provinces within Prussia) - spielte dieses Institut eine bedeutende Rolle.

– Siehe Bodenkreditinstitut, Meliorationskredit, Siedlungskredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Seelenmassage und Protreptik (soul-massage, protreptics):

In Bezug auf den Finanzmarkt beschwichtigende Verlautbarungen (calming statements) der Regierung und/oder der Zentralbank, um aufgetretene Beunruhigung am Markt zu glätten.

– Siehe Bankzusammenbruch, Börsenkrach, Crash, Dominostein-Effekt, Führung, verbale, Furchtthese, Headline-Hysterie, Herdenverhalten, Kurssturz, Massiv-Verkäufe, Moral Suasion, Panik, Rückwirkungen, systeminhärente, Rush to exit, Sell Off, Schock-Bewältigung, monetäre, Sell Out, Signalwirkung, Vorschatten-Effekte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Segenspfennig und Glückspfennig (consecrated coin):

Eine geweihte geringwertige Münze, die man früher im Geldbeutel behielt, damit dieser sich nimmer leert. - Ungeachtet strenger kirchlicher Verbote und des Verweises auf offenkundigen Aberglauben ist dieses Amulett (protective amulet: ein Gegenstand, dem Schutz vor Unheil bzw. überirdische, zauberische Kräfte zugeschrieben werden) bis heute noch verbreitet.

– Siehe Benediktuspfennig.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Segment (sector):

Wenn nicht anders definiert, auf dem Finanzmarkt solche Wertpapiere, die in Bezug auf ihre Ausstattungsmerkmale ähnliche Kennzeichen aufweisen (a group of securities that are comparable with respect to maturity, type, rating, industry, and/or coupon).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Segmentbindung (single form of price determination):

An Wertpapierbörsen in Deutschland wurde 2002 die Vorschrift aufgehoben, dass eine Aktie nur einem einzigen Marktsegment - amtlicher Markt, regulierter Markt, Freiverkehr - gehandelt werden darf.

– Siehe Börsensegmente, Wertpapier-Dienstleistungs-Richtlinie, Europäische.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Seifengeld (soap fee; soap tax):

1 Früher den Besuchern von gemeindlichen Hallen-Bädern abverlangte Zahlung, um für den Betrag ein kleines Stück Seife gezwungenerweise mit der Einlasskarte zu erwerben.

2 In manchen Ländern - England bis 1853, Frankreich bis 1878 - geltende Abgabe auf Seife (soap tax; Seifensteuer). Sie wurde aber aus seuchenpolizeilichen Gründen (for reasons of epidemics control) wieder abgeschafft. Seife galt ursprünglich als Luxusgut (soap was heavily taxed as a luxury item, and so it was only readily available to the rich). Bis heute ist Seife in einigen Regionen der Erde Luxusgut (luxury product: eine für den durchschnittlichen Privathaushalt unerschwingliche Ware) geblieben.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Seigniorage (seigniorage):

1 Früher und in älteren Veröffentlichungen

1. der Prägelohn für den Münzer (minter; auch Münzschroter: den Hersteller einer Metallmünze) sowie

2. dessen jeweils genau festgesetzte Abgabe an dem Münzherrn.

2 Heute allgemein der Unterschied zwischen den Herstellungskosten und dem Nominalwert eines Geldzeichens als Schein oder Münze (the profit that results from the difference in the cost of manufacturing money and the face value of that money). Im Eurogebiet fliesst der Seigniorage für Scheine der EZB und für Münzen den einzelnen Regierungen der EWU noch einen festgelegten Schlüssel zu.

3 In anderer Bedeutung versteht man unter Seigniorage auch die Einnahmen eines Staates, der seine Ausgaben über das in seiner Hand befindliche - also nicht einer unabhängigen Zentralbank überantworteten - Monopol zur Geldausgabe finanziert. - Seigniorage, ein Ausdruck aus dem Französischen, ist - wie alle französischen Wörter mit der Endsilbe –age, –ege, –ment - männlichen Geschlechts. Es wird aber dennoch in Lehrbüchern teutonischer Dümmlinge oft weiblich gebraucht.

– Siehe Ausmünzungsbilanz, Münze, Münzregal, Regionalgeld, Schlagschatz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Seitwärts (sideways):

Markt mit sehr engem Kursbereich, also geringer Aufwärts- oder Abwärtsbewegung der Kurse.

– Siehe Attentismus, Volatilität.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sekel auch Scheckel (shekel):

Weithin gebräuchliche Münze im frühen Altertum; der Name bezeichnet ein ehemaliges hebräisches, phönizisches und babylonisches Gewicht. Viele alte Dokumente, vor allem auch die Schriften des Alten Testaments, drücken Wertangaben in dieser Geldeinheit aus. Ausgrabungen weisen einen unterschiedlichen Edelmetall-Gehalt - in der Regel Silber, daneben seltener auch Gold - des Sekels auf. Auch das Gewicht der Fundstücke (found pieces) schwankt erheblich, was auf einen Wandel der Münze durch die Jahrhunderte hindeutet. Die genaue Bestimmung

1. des zur jeweiligen Zeit gültigen Geldwertes eines Sekel und damit seiner Kaufkraft im Binnenverkehr sowie

2. die Umrechnung in andere zeitgenössische Geldeinheiten (exchange rate; Aussenwert des Sekels) ist daher ein besonderes Gebiet der Numismatik geworden.

– Es galt ab etwa 100 v. Chr. grundsätzlich 60 Sekel = 1 Mine und 60 Minen = 1 Talent.

– Siehe Amalfiner, Dareiko, Drachme, Florentiner, Münze, Münzsystem, römisches, Obolus, Samarkander, Stater, Urukagina-Regel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sektorkonten (sector accounts):

Die statistische Beschreibung der verschiedenen Abläufe in den einzelnen Bereichen des Wirtschaftskreislaufes als Teil der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. Dargestellt werden vor allem

1. die Produktion (production; Herstellung von Waren und Dienstleistungen),

2. die primäre Einkommensverteilung (primary distribution of income: das Erwerbs- und Vermögenseinkommen; neue Bezeichnung seit 2014: Primäreinkommen),

3. die sekundäre Einkommensverteilung (secondary distribution of income: Umverteilung),

4. die Einkommensverwendung (consumption and saving; Verbrauch und Sparen) sowie

5. die Vermögensbildung (capital formation; vor allem Investitionen).

– Siehe Balance of Payments Manual, Bruttoinlandsprodukt, Lohnquote, Volkseinkommen, Wertschöpfung.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2011, S. 44 ff. (Entwicklung seit 2000), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2014, S. 59 ff. (Umstellung der Erfassungsmethodik, ausführliche Darstellung mit Übersichten und wichtigen Informationen in den Anmerkungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sektorkonzentration (industry concentration):

Das starke Gewicht eines einzelnen Wirtschaftszweigs innert eines geographisch abgegrenzten Raums. Volkswirtschaftlich gesehen (from the viewpoint of economics) gilt eine Sektorkonzentration als unerwünscht und gefährlich, weil die Krisenanfälligkeit (vulnerability to crises: even a moderate decline in demand causes an overall reduction in production and employment in the region) des entsprechenden Gebietes damit überdurchschnittlich hoch (higher than average) ist.

– Siehe Branchenkonzentration.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2014, S. 67 (Gründe für Krisenanfälligkeit).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sektoren, nichtfinanzielle (non-financial sectors):

Bei der EZB umfasst dies

1. öffentliche Haushalte,

2. nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften sowie

3. Privathaushalte, einschliesslich privater Organisationen ohne Erwerbszweck.

– Siehe Sektorkonten, Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juni 2002, S. 15 ff., Monatsbericht der EZB vom Oktober 2006, S. 71 ff. (ausführliche Darstellung; neue Erhebungen, S. 82 f.: wichtige Kontenübersicht), Monatsbericht der EZB vom Mai 2011, S. 44 ff. (Darstellung seit 2000; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sekunda in der Mehrzahl Sekunden (second):

In der älteren Finanzsprache die zweite Ausfertigung eines Wechsels.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sekundäreinkommen (secondary income):

Im Jahr 2014 neu benannte Einheit innert der Leistungsbilanz: die früheren laufenden Übertragungen, manchmal auch Übertragungsbilanz (transfer balance) genannt. In ihr werden alle Leistungen verbucht, die ohne unmittelbare Gegenleistung erfolgen, grob gesagt (broadly speaking) der unentgeltliche Transfer zwischen Inland und Ausland. Dazu zählen beispielsweise Überweisungen von ausländischen Arbeitnehmern in ihre Heimatländer, Beiträge an internationale Organisationen und der Gesamtbereich der Entwicklungshilfe.

– Siehe Primäreinkommen.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2014, S. 59 ff. (Umordnung der Erfassungsmethodik, ausführliche Darstellung mit Übersichten und wichtigen Informationen in den Anmerkungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sekundärmarkt (secondary market, after market):

Der Handel mit Wertpapieren oder anderen Finanzinstrumenten im Anschluss an die Erstplazierung gelegentlich der Begebung: dem Primärmarkt (the financial market for trading of already issued securities. In the secondary market, securities are sold by and transferred from one investor to another). - Funktionsfähige Sekundärmärkte ermöglichen es Anlegern, im Falle eines unerwartet auftretenden Mittelbedarfs, sich kostengünstig von ihren Wertpapieren zu trennen. Liquide Wertpapiermärkte erhöhen damit zugleich die Bereitschaft, in die entsprechenden Titel überhaupt erst zu investieren. - Indessen gilt es festzuhalten, dass dem Begriff "Sekundärmarkt" keine zeitliche Bestimmung zugeordnet ist. Eine Bank kann beispielsweise Staatsanleihen als Primärkäufer (Ersterbwerber; first buyer) erwerben und diese Papiere - im Extremfall (in an extreme case) innert einer Sekunde - an die Zentralbank weiterveräussern.

– Siehe Börsenpreis, EZB-Sündenfall, Flüssigmachung, Konzertzeichner, Marktmacher, Secondary Purchase, Staatspapiere, Zweitplazierung.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 34 (Aufsichtsrechtliches), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 48 (Vorarbeiten zu einem detaillierten Bericht). Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 59 f. (wichtige Ergebnisse aus dem Bericht) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Internationales".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Selbstbehalt (deductible, retention, percentage excess; ownership stake; patient's contribution):

1 Das Risiko, welches

1. nicht an einen Versicherer übertragen wird oder das

2. Versicherungen nicht an Rückversicherer (reassurer) weitergeben bzw.

3. der Versicherer oder Rückversicherer dem Versicherungsnehmer vertraglich auferlegt und gleichsam eine Einschränkung des Deckungsumfangs darstellt (specifications in an insurance policy that need an insured to pay an initial quota of a loss before getting insurance benefits).

2 Bei Verbriefungen die Forderung, dass der Originator einen bestimmten Anteil der Papiere von einzelnen Tranchen im eigenen Portfolio hält, weil ihm dann auch eher daran gelegen ist, den Schuldner banküblich (customary in banking) zu überwachen.

3 In anderer Bedeutung neuerdings oft auch die (legally obliged; gesetzlich vorgeschriebene) Gebühr, die Patienten beim Kauf von Arzneimitteln zu entrichten haben.

– Siehe Absenzkapitalismus, Eigenversicherung, Mitversicherung, Selbstversicherung, Verbriefung, Verbriefungspapiere-Selbstbehalt, Zuzahlung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Selbsteintritt (own-name transaction):

Wird einer Bank der Auftrag zum Ankauf oder Verkauf von Papieren erteilt, so kann sie selbst als Lieferer oder Erwerber auftreten. In der Regel sehen die Geschäftsbedingungen vor, dass der Bank ein Selbsteintritt gestattet ist (right to act as a contracting party), wenn im Einzelfall der Kunde das nicht bei der Auftragserteilung ausschliesst.

– Siehe Ausführungsanspruch, Börsenpflicht, Inhouse-System.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Selbstfinanzierung, Innenfinanzierung und endogene Finanzierung (self-financing, in-house-financing, internal financing, auto-financing):

Allgemein in einem Unternehmen die Anhäufung von Geld, das durch eigene Wirtschaftstätigkeit aufgebracht wurde. In der Regel sind nicht ausgeschüttete Gewinne die Quelle der Selbstfinanzierung. Daneben fliessen auch aus dem Verkauf von Vermögenswerten - wie etwa Unternehmensteilen: Desinvestition; disinvestment - Mittel zu. Eine weitere Möglichkeit ist das Finanzierungsleasing. - Den zur Selbstfinanzierung in grösserem Umfang befähigten Unternehmen wächst die Möglichkeit zu, unabhängig von Banken und in der Regel auch vom Aufsichtsrat Geschäftspolitik zu betreiben. Bestritten ist, ob bei selbstfinanzierten im Vergleich zu (teil)fremdfinanzierten Unternehmen die Gefahr der Kapitalfehlleitungen (misallocation of capital) ansteigt. Wohl aber sieht man allgemein Gefahren darin, wenn die Selbstfinanzierung über längere Zeiträume hinweg aufgrund erstarrter monopolistischer oder oligopolistischer Marktstellungen bei fehlender Substitutionskonkurrenz (such as the German electricity industry; Elektrizitätswirtschaft in Deutschland) ermöglicht wird.

– Siehe Abschottung, Bootstrapping, Finanzierung, Immunisierung, Kapital, internes, Nullausschüttung, Rangfolge-Theorie, Rücklagen, Wachstumsaktien, Zinsallokations-Funktion.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2012, S. 18 ff. (Innenfinanzierungsmöglichkeiten; empirische Daten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Selbstversicherung (self insurance):

Ein Unternehmen behält ein Risiko in den eigenen Büchern und bildet eine Rückstellung für den allfälligen Eintritt des Schadenfalls (a risk is retained, but a calculated amount of money is set aside to compensate for the potential future loss). Auf diese Weise spart man die Versicherungsprämie, und in manchen Fällen lohnt sich die Selbstversicherung auch aus bilanziellen und steuerrechtlichen Gründen.

– Siehe Eigenversicherung, Selbstbehalt, Versicherung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Selbstverwirklicher (self-realiser):

In einem Institut - und bei einer Entität allgemein - im Jargon gesagt von ein Mitarbeiter bzw. eine Mitarbeiterin, der/die sich um die Kunden und Kollegenschaft wenig kümmert und Beruf als persönliche Selbstverwirklichung (self-realisation: the act of fulfilling one's own ambitions, wishes, longings and goals) begreift.

– Siehe Autonom agierende Einheit, Airbag, Alleskönner, Behavioural Branding, Chief Copying Officer, Druckbelegschaft, Fallschirmspringer, Infighting, Kollege Harzenmoser, Loch, schwarzes, Mailbomber, One-Bank-Delivery, Sitzheizung, Talentknappheit, Tenu-Schlamper, Totholz, Triple A, Umsatzbremse, Unfallflüchtling.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Self-Factoring (so auch im Deutschen gesagt):

Ein Unternehmen gründet eine eigene Finanzierungsgesellschaft. Auf diese werden die Forderungen aus dem Verkauf von Gütern übertragen. Die Finanzierungsgesellschaft

1. übernimmt den Einzug der Forderungen (Inkassogeschäft; debt-collection business),

2. haftet für den Eingang der Zahlungen (Delkredere-Übernahme; responsibility for doubtful debts) und

3. und bevorschusst die Forderungen (Vorfinanzierungsleistung; pre-financing service).

– In der Regel verkauft die Finanzierungsgesellschaft die Forderungen ihrerseits wieder an ein Factoring-Unter¬nehmen, um sich selbst auf diesem Wege zu refinanzieren und gegen Ausfall-Risiken abzusichern.

– Siehe Factoring, Finanzunternehmen, Ultimo-Factoring.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Self Tender (so manchmal auch im Deutschen gesagt):

Der Rückkauf eigener Aktien oder bei einem Konzern von Aktien beherrschter Gesellschaften unmittelbar bei Aktionären, also nicht über die Börse. - Vom Self Tender unterscheidet man in der Regel ein Buyback, bei dem Anteile von einem Grossaktionär (principal shareholder) erworben werden; die Terminologie ist aber in dieser Hinsicht nicht einheitlich (an offer by a company to repurchase some of its own shares from shareholders. A self-tender may be preferable to purchasing the securities in the open market, because a self-tender is quicker and will not disrupt public trading in the securities. A self-tender is similar to a buyback, except that buybacks often refer to repurchases from a large holders).

– Siehe Aktienrückkauf.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 208 (aufsichtsrechtliche Vorschriften).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Seller' Note (so auch im Deutschen gesagt):

Wenn nicht anders definiert auf dem Finanzmarkt eine Kaufpreisstundung (the seller agrees to receive a portion of the purchase price as a series of instalment payments). Der Verkäufer eines Papiers gewährt dem Käufer auf diese Weise ein Darlehn, in der Regel unter vertraglich genau festgelegten Bedingungen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sell-in-May-Effekt (Sell-in-May effect; sell in May and go away):

Die Tatsache, dass erfahrungsgemäss Aktien zwischen Anfang Mai und Ende September schwächer notieren als zwischen Oktober und April. Die Finanzmarkttheorie versucht das mit dem geringeren Nachrichtenfluss und fehlender Dividendenprognosen innert dieser Monate zu erklären. Für rational handelnde Investoren dürfte jedoch die Jahreszeit keine Rolle spielen; denn die Fundamentaldaten haben sich ja kaum verändert.

– Siehe Behavioural Finance, Finanzmathematik, Finanzpsychologie, Januar-Effekt, Halloweenregel, Montags-Effekt, Modellunsicherheit, Freitag, schwarzer, Sentiment, Small-Cap-Effekt, Übertragungseffekt, psychologischer, Vorschatteneffekte, Weihnachts-Belebung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sell Off (so auch im Deutschen, manchmal mit Veräusserungsdruck übersetzt):

Ausdruck - besonders an der Börse - für eine Welle von Verkaufsaufträgen.

– Siehe Hausse, Run, Schock, Sell Out.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sell Out (so auch im Deutschen gesagt, seltener Ausverkaufswelle):

Plötzliche geballte Verkäufe von Wertpapieren, Waren oder Immobilien, die starke Kursstürze an der Börse auslösen. - Zwei Ursachen werden in erster Linie dafür verantwortlich erachtet, nämlich

1. eine eingetretene Liquiditätsklemme, die viele Anleger zwecks Glattstellung ihres Kontos bei der Bank zum Verkauf zwingt; man spricht diesfalls von Panikverkäufen, oder

2. ungünstige Erwartungen über den Preis von Vermögenswerten; in diesem Falle spricht man von Massen-Verkäufen. Leider ist die Begriffsabgrenzung im Deutschen und auch im Englischen nicht einheitlich; indessen wird Sell Out immer als Oberbegriff verstanden.

– Siehe Abgabepanik, Baisse, Blase, spekulative, Crash, Dominostein-Effekt, Euphoriephase, Headline-Hysterie, Herdenverhalten, Panik, Rally, Run, Schock, Sell off, Subprime-Krise.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sell-Plus-Order (so auch im Deutschen gesagt):

An der Börse ein Verkaufsauftrag, der aber nur dann ausgeführt werden soll, wenn die letzte Preisbewegung nach oben gerichtet war (an order instructing a broker to sell a given security at a price that is above the market price at the time the order is placed. This type of order is not executed until the price reaches the rate specified by the investor). - Viele einzelne kleine oder wenige bedeutende Orders dieser Art können leicht eine Abwärtsbewegung an einer Börse einleiten; zumal dann, wenn computergesteuerte Kaufprogramme nachbörslich bzw. zeitversetzt an anderen Börsen der Welt gehäufte Aufträge auslösen.

– Siehe Baisse, Bear, Blase, spekulative, Crash, Devisenhandel, computerisierter, Dominostein-Effekt, Flaute, Friedhof-Markt, Herdenverhalten, Karten-Stapel, Stückemangel, Up-Tick Rule.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Semester, europäisches (European semester; semester from Latin semestris = six-monthly):

Im Jahr 2014 von der Europäischen Kommission erstmals angewandtes Verfahren, bei dem

1. eine genaue Beobachtung der Finanz- und Wirtschaftspolitik eines jeden Mitgliedslandes vorgenommen wird und aufgrund dessen

2. wirtschaftspolitische Empfehlungen ausgesprochen werden; für deren Umsetzung gelten bestimmte Fristen. Ziel des europäischen Semesters ist es, die WWU gefährdende Ungleichgewichte klar zu erkennen und ihnen frühzeitig entgegenzusteuern.

– Siehe Defizitquote, Europäisches Finanzministerium, Haushaltsdefizit, Haushaltes-Vorabstimmung, europäische, Inverzugsetzung, Schuldenquote, staatliche, Solidarität, finanzielle, Steuerungsrahmen, Verschuldungsquote, öffentliche, Wirtschaftspolitik, europäische, Wirtschaftsregierung, europäische, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Zweierpaket.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom März 2014, S. 90 ff. (ausführliche Darstellung; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Seminargeld (seminary due):

1 Zahlung für den Besuch eines Lehrer-Seminars, allwo in den meisten Gegenden Deutschlands seit Ende des 18. Jhts. die Ausbildung der Volksschullehrer stattfand. Die Kandidaten wurden dort in einem zwei- bis dreijährigen Kurs auf ihren Beruf vorbereitet und wohnten auch regelmässig im Seminargebäude. - Ab etwa 1920 errichtete man in Deutschland Pädagogische Akademien mit viersemestrigem Studium für Lehrer; diese gingen um 1970 nach und nach in die Universitäten ein.

2 In der Katholischen Kirche eine im Konzil von Trient 1563 gestattete Umlage (Seminaristicum, Alumnaticum, auch TAXA CONCILIARIS), die ein Bischof von den Kirchengemeinden einziehen darf zum Zwecke der Errichtung und Erhaltung eines diözesanen Seminars als Ausbildungsstätte für Geistliche (an institution for the training of candidates for the priesterhood).

– Siehe Ablassgeld, Annaten, Dispensationsgeld, Kathedralgeld, Kirchgeld, Opfergeld, Peterspfennig, Prokurationsgeld, Schulgeld, Titelkirchen-Einstandsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Seniorität (seniority):

Wenn nicht anders definiert, der vertraglich vereinbarte Vorrang einer Anlage vor Eigenkapital oder Mezzanin-Kapital im Falle des Konkurses eines Unternehmens (the benefit of ranking ahead of the claims of other creditors in right of payment in the case of liquidation).

– Siehe Londoner Verfahren, Subordinated Debt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Senior Supervisors, SSG:

Arbeitskreis internationaler Bankaufsichtsbehörden mit der Aufgabe des Erfahrungsaustauschs.

– Vgl. Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 44 (Bericht der Gruppe zum Risikoappetit).

– Siehe Ausschuss-Wahn.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Senior-Tranche (senior tranche):

Bei einer True Sale Verbriefung diejenigen Obligationäre, die als letzte bei Verlusten im Falle säumiger Schuldner haften, und zwar nach den Besitzern der Erstverlust-Tranche (junior tranche; Equity-Tranche, Junior-Tranche] und der Mezzanine-Tranche. Entsprechend tragen sie ein geringeres Risiko, sie beziehen aber auch eine niedrigere Verzinsung. Die risikoarme Senior-Tranche ist vor allem für Versicherungen sowie für Kapitalverwaltungsgesellschaften und Pensionsfonds attraktiv. - Manchmal wird die Senior-Tranche in weitere Sub-Tranchen (sub-tranches) aufgegliedert, von denen jede die gleiche Bonität besitzt, aber jeweils mit einer unterschiedlichen Laufzeit (maturity date) ausgestattet ist. Damit bieten sich die entsprechenden Papiere solchen Anlegern besonders an, die eine (tagesgenaue; day-based) Liquiditätsplanung vornehmen müssen.

– Siehe Originate-to-distribute-Strategie, Subordinated Debt, Tranchendicke, True-Sale-Verbriefung, Wasserfall-Prinzip, Zweckgesellschaft.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2008, S. 91 (Sub-Tranchen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sensal (broker):

(In Österreich) Bezeichnung für öffentlich bestellte, vereidigte Kursmakler. Dessen Gebühr heisst in älteren Dokumenten Sensalie und Sensarie.

– Siehe Börsenmakler, Börsianer, Skontroführer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sensitivitätsanalyse (sensitivity analysis):

Im Finanzbereich eine Modellrechnung mit dem Ziel, allfällige Auswirkungen eines bestimmten Risikofaktors auf ein Portfolio im Voraus abzuschätzen. Die Sensitivitätsanalyse steht damit im Gegensatz zum Stress-Test, bei dem sämtliche Risiken einbezogen werden. - Solche Berechnungen sind vor allem zur Offenlegung sehr kurzfristiger Schockwirkungen geeignet, wie etwa ein Börsenkrach oder ein Anstieg der Zinsen. Sie werden sowohl auf der Ebene der einzelnen Bank als auch von Institutsgruppen und für das Finanzsystem gesamthaft durchgeführt und für Deutschland teilweise im Finanzstabilitätsbericht veröffentlicht.

– Siehe Crash, Dominostein-Effekt, Formeln, finanzmathematische, Hurrikan-Schocks, Herdenverhalten, Mittelfristig, Modellunsicherheit, Modigliani-Miller-Theorem, Ölpreis-Schock, Panik, Panikverkäufe, Restrisiko, Risikotragfähigkeit, Rückwirkungen, systeminhärente, Run, Schock-Bewältigung, monetäre, Schocks, strukturelle, Staatsschulden, verweigerte, Stress-Test, Vorbehalte, Terror-Schock, Unsicherheit, Trendprognosen, Verteilung, stabile. Vertrauen, Währungsraum, optimaler, Worst Case Szenario.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2008, S. 66 (Solvabilitätsanalyse im Verhältnis zur Sensitivitätsanalyse), Monatsbericht der EZB vom März 2014, S. 103 ff. (Sensitivitätsanalyse in Bezug auf die gesamtwirtschaftliche Projektionen), Monatsbericht der EZB vom Juni 2014, S. 118 f. (zur Sensitivität einzelner Projektionsgrössen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sensitivitätsanalyse, haushaltspolitische (budget-orientated sensitivity analysis):

Von der EZB durchgeführte Untersuchung für das Eurogebiet. Im Mittelpunkt steht die Abweichung zwischen den Haushaltszielen der Regierungen und dem tatsächlichen Ausgabevolumen.

– Siehe Defizitquote, Europäische Währungsunion, Grundfehler, Europäisches Finanzministerium, Frühwarnrecht, Haushaltsdefizit, Haushalts-Kennziffern, Haushalts-Vorabstimmung, europäische, Inverzugsetzung, Schuldenquote, Solidarität, finanzielle, Staatsschulden-Rückführung, Staatsverschuldungs-Druck, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Grundfehler, Steuerungsrahmen, Tragfähigkeit öffentlicher Finanzen.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Dezember 2013, S. 112 ff. (Vorstellung der haushaltspolitischen Sensitivitätsanalyse; Übersichten; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sentiment (sentiment):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter die Stimmung (opinion based more on emotion than on reason) an der Börse; näherhin die bei den Anbietern und/oder Nachfragern vorherrschenden und in ihren Handlungen zum Ausdruck kommenden Einschätzungen der Märkte, einschliesslich der Erwartungen. Eigene Sentiment-Analysten versuchen auf verschiedenen Wegen, die Entwicklungsrichtung für die Börse gesamthaft, für Papiere einzelner Wirtschaftszweige oder auch für einzelne Titel zu erforschen. Entsprechendes gilt auch für Warenbörsen, wiewohl dort dem Sentiment allgemein eine geringere Bedeutung zugeschrieben wird als an Wertpapierbörsen. - Soweit börsliche Erwartungen öffentlich - auch im Zuge einer Astro-Prognose, in Internet-Foren, in Blogs oder bei Twitter - bekanntgemacht werden, ist Misstrauen angebracht. Denn auch auf diesem Wege versuchen häufig genug auf Kursmanipulation ausgerichtete Fachleute, Anleger zu entsprechenden Entscheidungen zu veranlassen. - Als verlässlich für die Darstellung der Stimmungslage auf dem amerikanischen Aktienmarkt gilt der täglich veröffentlichte CBOE Volatility Index (Vix), der auf Grundlage von an der Terminbörse in Chicago (Chicago Board Options Exchange [CBOE], eine der weltgrössten Options-Börsen mit einem jährlichen Handelsvolumen von über einer Milliarde Kontrakten) gehandelten Optionen ein Mass für die erwarteten Kurssteigerungen am US-Aktienmarkt ist; im Jargon auch "Angstbarometer" (fear barometer) genannt. - In Europa dient derzeit der Rendite-Abstand zwischen italienischen und deutschen zehnjährigen Staatsanleihen als ein wichtiges Merkmal für die Stimmung im Eurogebiet. - In welchem Zustand sich die Finanzbranche befindet, lässt sich anhand des Depo-Repo-Spreads, des Unterschieds zwischen einem dreimonatigen EURIBOR sowie einem Zinssatz für risikolose Übernachtkredite (EONIA) berechnen. In der Regel wird die entsprechende Abweichung in Basispunkten angegeben und bezieht sich auf Dreimonatsgeld. Der Spread ist ein Mass für Unsicherheit und Vertrauen/Misstrauen am europäischen Geldmarkt. - Während der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise stieg die Abweichung beider Zinssätze von zuvor durchschnittlich sieben Basispunkten auf bis zu einhundertachtzig Basispunkten an.

– Siehe Bewertbarkeit, Daimonion, Euro-Breakup-Index, Finanzgeier, Frontrunning, Gleichlauf-Problem, Grundstimmung, Hedge-Fonds-Strategien, Montag, schwarzer, Freitag, schwarzer, Renditejagd, Sell-in-May-Effekt, Sensitivitätsanalyse, Übermut, Übertragungseffekt, psychologischer, Vorschatten-Effekte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

SEPA-Rat (SEPA Council):

Für alle Fragen in Betreff der Single European Payment Area zuständiges Gremium auf europäischer Ebene. Im gehören unter dem gemeinsamen Vorsitz der EZB und der Europäischen Kommission Vertreter der Interessensgruppen im Zahlungsverkehrsmarkt an. Der SEPA-Rat stellt auf diese Weise die entsprechende Einbindung aller Beteiligten sicher; er erörtert und beschliesst Massnahmen zur Vervollkommnung der Single European Payment Area. - Das Bundesministerium der Finanzen und die Deutsche Bundesbank haben im Mai 2011 eigens einen deutschen SEPA-Rat nach dem Vorbild des europäischen SEPA Rats gegründet. Zu dem Teilnehmerkreis gehören Spitzenvertreter der Angebotsseite (Kreditwirtschaft; banking sector;) und der Nachfrageseite (Handel, Versicherungen, Verbraucher; associations representing trade and commerce, insurance companies as well as consumers' associations) des deutschen Zahlungsverkehrsmarktes. Der deutsche SEPA-Rat tagt vier Mal jährlich und arbeitet dem europäischen SEPA-Rat zu. Mit Gründung des Euro Retail Payment Board im Dezember 2013 gingen die Aufgaben des SEPA-Rats in das neugeschaffene Gremium über.

– Siehe Europäischer Zahlungverkehrsrat, Finanzmarktintegration, europäische.

– Vgl. Jahresbericht 2012 der EZB, S. 137 sowie den jeweiligen Jahresbericht der EZB, Kapital "Finanzmarktintegration", Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 66 (kaum systemisches Risiko infolge der SEPA-Umstellung), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 87 f. (Einzelfragen zu SEPA).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

SEPA-Lastschriftverfahren (SEPA Direct Debit Scheme; SDD):

Zahlungen im System in der Single European Payment Area. - Im Sommer 2014 waren bereits 93 Prozent aller Überweisungen in Deutschland SEPA-Überweisungen. Der SEPA-Anteil bei den Lastschriften lag zu gleicher Zeit 84 Prozent. Durchschnittlich werden in Deutschland pro Tag rund 25 Mio Überweisungen und rund 35 Mio Lastschriften abgewickelt. - Privathaushalte können für Inlandsüberweisungen bis zum 1. Februar 2016 anstelle der IBAN noch weiterhin Kontonummer und Bankleitzahl nutzen.

– Siehe International Bank Account Number, Zahlungssystem.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2012, S. 47 ff. (ausführliche Darstellung des Zahlungsverkehrs im Eurogebiet; Übersichten; Literaturhinweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2013, S. 29 ff. (ausführliche Darstellung des Massenzahlungsverkehrs im Eurogebiet; viele Übersichten), Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 66 (kaum systemisches Risiko infolge der SEPA-Umstellung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sermaye Piyasasi Kurulu, SPK:

Kapitalmarkt-Aufsichtsbehörde der Türkei, für welche die deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht im Rahmen des EU-Twinning-Vorhabens der ratgebende Partner ist.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 63 (Angleichungsbemühungen), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 72 (weitere Zusammenarbeit in Hinblick auf einen Beitritt zur EU), Monatsbericht der EZB vom Juli 2008, S. 112 (hier noch andere Twinning-Projekte), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 153 f. (Zusammenarbeit mit der türkischen Aufsichtsbehörde).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Service-Agent (servicer):

Wenn nicht anders definiert, bei einer Verbriefung diejenige Entität, welche für den Fluss der aus dem Pool anfallenden Zahlungen sorgt. - In Europa nimmt die Aufgabe des Service-Agenten in der Regel der Originator wahr; anderswo findet man auch einen von der Zweckgesellschaft beauftragten Finanzverwalter (Einzieher; financial manager).

– Siehe Zweckgesellschaft, Zweckgesellschaft-Mitarbeiter.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2008, S. 90 (Schema der Beziehungen zwischen Originator, Service-Agenten, Treuhänder und Anleger).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Servicegeld und Einlagergeld (subsistence charge):

In älteren Dokumenten eine Abgabe, die den Einwohnern zwecks Verpflegung von Soldaten auferlegt wurde.

– Siehe Heergeld, Kavalleriegeld, Marschroutengeld, Obristen-Darlehn, Quartiergeld, Rüstgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Service Line (so auch im Deutschen gesagt; seltener Kundenkontaktdienst):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter im Finanzbereich die Möglichkeit, mit einem Institut telephonisch oder rechnergestützt in Verbindung zu treten und dort zunächst eine Anlaufstelle (single point of contact, SPOC) zu erreichen.

– Siehe Call Centre, Gatekeeper, Hotliner, Kundenabwehrdienst, Kundenbetreuung, Kundenpfleger, Telebanking, Telephon-Banking.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Service-Shift (so auch im Deutschen gesagt, seltener Dienstleistungsverlagerung):

Die Tatsache, dass der Dienstleistungssektor (Tertiärsektor; tertiary sector) in einer entwickelten Volkswirtschaft im Verhältnis zum verarbeitenden Gewerbe zunimmt. Damit einher geht auch eine Anpassung der Banken an die besonderen Finanzierungsbedürfnisse des Dienstleistungsgewerbes.

– Siehe Tertiarisierung.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2006, S. 63 ff. (Entwicklung in Zahlen; Gründe für den Anstieg).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Settlement (so oft im Deutschen, auch mit Abwicklung übersetzt):

1 Allgemein die Erfüllung eines Finanzgeschäfts durch Zahlung von Geld (generally speaking the completion of any financial operation by monetary payment).

2 Die Erledigung eines Auftrags an der Börse. Das Gut (product; Wertpapier, Ware, Devise) wurde beschafft, und der Auftraggeber hat den ihm in Rechnung gestellten Betrag beglichen.

– Siehe Abwicklungsbestätigung, Buchgewinn, Closing, Glattstellung, Papiergewinn, STEP2, Übertragung, endgültige.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sexschwarzgeld (sex black money, illicit earnings from prostitution):

Beträge, die für sexuelle Dienstleistungen ausserhalb des finanzamtlich erfassten Gewerbes ausgegeben werden (money spent in prostitution circles not filed by tax authorities) und die sich daher der statistischen Datenerhebung entziehen. Anbieter sind hier Einzelpersonen beiderlei Geschlechts, die entsprechende Dienste im Privathaushalt andienen. Über die Höhe dieser Umsätze gibt es sehr unterschiedliche Schätzungen. - Indessen scheint nachgewiesen, dass in Staaten, wo die Rechtsordnung Bordellbetriebe (brothel trade) zulässt, das Sexschwarzgeld eine eher untergeordnete Rolle spielt. Denn zugelassene und steuerzahlende Betriebe dieser Branche unternehmen einiges, um ausserhalb auftretende Privatanbieter auszuscheiden. Das geschieht unter anderem dadurch, dass beispielsweise stipendienbeziehende und als Callboy sich anbietende Studenten oder Sozialhilfe empfangende Callgirls den zuständigen Behörden zur Anzeige gebracht werden.

– Siehe Enabler, Finanzdetektiv, Racheengel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Shadow Rating (so auch im Deutschen gesagt):

Die im Auftrag eines Unternehmens von einer Rating-Agentur durchgeführte bewertende Einstufung, die jedoch ausschliesslich unternehmensinternen Zwecken dient (the rating, which by request of the rated company is not immediately published by the rating agency and is kept confidential). - Die begriffliche Abgrenzung zwischen Shadow Rating - also eine Agentur besorgt das Rating - und Schattenrating - das Unternehmen selbst führt hier das Rating durch - ist in der Literatur nicht immer erkennbar.

– Siehe Basel-II, Downrating, Kalibrierung, Rating, Rating, internes, Schattenrating.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Shareholder Value (so auch im Deutschen; seltener mit Eigentümerwert übersetzt):

1 Der Marktwert des Eigenkapitals; dieser wird zumeist durch die auf den Bezugszeitpunkt abgezinsten künftigen Cashflows ermittelt, abzüglich des Marktwerts des Fremdkapitals.

2 Die Verzinsung, die ein Aktionär aus seinem Aktienbesitz erzielt, verglichen mit dem Ertrag aus einer in etwa gleichen Investition (the amount of interest the shareholders of a company could earn on their money invested in the firm, in an alternative investment at the same level of risk).

3 Der Gegenwartswert der erwarteten Dividendenzahlungen (the present value of the future dividend stream expected to be generated by a company).

4 Als Unternehmensziel verstanden: alle Bemühungen, eine hohe, aber gesunde Wertsteigerung der Gesellschaft im Interesse der Anteilseigner und Mitarbeiter zu erreichen (attempts of the management of a company to attain financial value to its shareholders, which are its literal owners, as well as to its employees). - Es finden sich daneben auch eine Reihe weiterer, im Grund aber ähnlicher Definitionen dieses Begriffs.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Shark Watcher (so auch im Deutschen gesagt, seltener Umsatzbeobachter):

Dienstleister, der darauf spezialisiert ist, den Handel mit Aktien und anderen Finanzinstrumenten im Auftrag eines Kunden zu beobachten. Ziel ist es dabei, weltweit Käufer und Verkäufer im Einzelnen (in particular: known by name) zu festzustellen; vor allem deshalb, um unerwünschte Übernahmen möglichst rasch zu erkennen und so frühzeitig allfällige Gegenmassnahmen (shark repellents) ergreifen zu können. - Shark Watchers finden sich häufig als Arbeitsgruppe in grossen Banken. Weil sie personell und in Bezug auf die Ausstattung mit elektronischen Mitteln zielgerichtet auf ihre Aufgabe ausgestattet sind, so lohnt sich die übliche Radar-Überwachung in einem Unternehmen - kostenwirtschaftlich betrachtet - in den meisten Fällen nicht. - Indessen hat sich gezeigt, dass auch Raider immer wieder Mittel und Wege finden, um sich der Aufmerksamkeit der Shark Watcher zu entziehen.

– Siehe Aktionärstimmenjagd, Anschleichen, Blitzkrieg-Übernahmeangebot, Freier, Fusionen und Übernahmen, Greenmail, Kriegskasse, Makkaroni-Abwehr, Material-Adverse-Change-Klausel, Pac-Man-Strategie, Ritter, schwarzer, Stammaktie, Stimmrecht-Offenlegung, Stimmrecht-Datenbank, Übernahme, feindliche, Übernahme-Appell, Überraschungsangriff, Transparenz-Richtlinie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sharpe-Relation (Sharpe ratio):

Nach dem Nobelpreisträger William Sharpe genanntes Messverfahren zur Beurteilung der Rendite der Anteile von Kapitalverwaltungsgesellschaften. Haben zwei Fonds in der gleichen Zeit dieselbe Rendite erwirtschaftet, so ist eine Anlage in jenen Fonds vorzuziehen, der dieses Ergebnis mit der geringeren Volatilität erreicht hat. - Die

1. risikolos zu erzielende Rendite aus der Anlage in festverzinsliche (fixed interest bearing) öffentlichen Papiere (Minuend; minuend) wird

2. von der erwirtschafteten Fondsrendite (Subtrahend: subtrahend) abgezogen.

3. Die Differenz als Dividend der nächsten Rechenoperation wird dann

4. ins Verhältnis zur Volatilität des jeweiligen Fonds (Divisor; divisor) gesetzt.

5. Der Quotient ist die Sharpe-Relation. Je höher dieser Wert ausfällt, desto empfehlenswerter ist die Anlage in diesen Fonds. Vorausgesetzt ist dabei freilich die gleiche steuerliche Behandlung (the same tax treatment) in beiden Fällen.

– Siehe Jojo-Aktie, Leverage-Theorie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Shitstorm (so auch im Deutschen gesagt; shit = hier: Kot, Mist; nicht: Rauschgift wie vor allem Cannabis und Heroin):

Um 2009 vor allem in Zusammenhang mit der Finanzkrise aufgekommene Bezeichnung für eine

1. unvermittelte,

2. lang anhaltende,

3. über soziale Netzwerke, Blogs und Tweets verbreitete

4. Welle der Empörung über das Verhalten von Personen oder Einrichtungen. Kennzeichnend ist dabei, dass sich die so erzeugte Erregung sehr rasch vom eigentlichen Anlass und sachlichen Kern entfernt. Sie mündet dann fast jedesmal in allgemeine Verdammung ganzer Wirtschaftszweige wie vor allem der Banken und der dort Beschäftigten ("nur ein arbeitsloser Banker ist ein guter Banker"; a jobless banker merely is a good banker). Laut Ausweis der Rechtschreibung und Sprache wohl kaum über das Abgangszeugnis einer Sonderschule hinausgekommene Zuschreiber äussern sich hier "fachmännisch" über die verwickeltsten Zusammenhänge auf dem Finanzmarkt und beurteilen diese.

– Stets um Leser, Zuhörer und Zuschauer bemüht, schwimmen dann sehr bald die herkömmlichen Medien auf dieser Welle mit. - In Deutschland wurde das Wort zum Anglizismus des Jahres 2011 erkoren; Shitstorm ist inzwischen in die deutschen Wörterbücher einbezogen.

– Siehe Bankbeamter, Bankenmacht, Bankenschelte, Bankenverstaatlichung, Bankier, Bankieren, Bankist, Behavioural Finance, Blog, Bonus, Bonussystem, Citigroup-Bonussystem, Deuteroskopie, Europhobie, Finanzasophie, Finanzdümmling, Finanzgeier, Finanzgeier, Finanzsodomit, Finanzterrorist, Geldsauger, Internet-Foren, Know-Nots, Konzern, Misochrematie, Offshore Leaks, Phantomrisiken, Twitter, Verschwörungstheorien.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Shogun-Bonds (shogun bonds):

In Japan aufgelegte Auslandsanleihen, die nicht auf JPY lauten (bonds issued in Japan by a non-Japanese entity and denominated in another currency than JPY).

– Siehe Bulldogge-Anleihe, Drachen-Anleihe, Samurai-Bonds.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Shopping (so auch im Deutschen gesagt; seltener Abklappern und Abklopfen):

In Bezug auf den Finanzmarkt gesagt von der Kontaktaufnahme zu verschiedenen Adressen, um das günstigste Angebot herauszufinden (search for the best bid or offer available by contacting a number of dealers and/or brokers via telephone or internet).

– Siehe Roadshow.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Short (so auch im Deutschen gesagt):

Ein Anleger, der eine Position leerverkauft hat: also verkauft, ohne sie zu besitzen. Er veräussert in der Erwartung, seine offene Position zu einem niedrigeren Preis zurückkaufen zu können.

– Siehe Call, Long, Put, Short Selling, Short-Selling-Fund, Rohstoff-Terminvertrag, Verfügbarkeitsprämie, Wiedereindeckungs-Risiko.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Short Call und verkaufte Verkaufsoption (short call, call sale):

Eine Position, die sich aus dem Verkauf eines Call ergibt. Sie verpflichtet den Käufer, den Basiswert im Falle der Ausübung der Option zum vereinbarten Preis zu liefern. Die Glattstellung eines Short Calls erfolgt, indem ein gleicher Call gekauft wird, ansonsten ist die Position nackt.

– Siehe Call, Long Call Short Put, Short Hedge, Short Position, Short Put, Short Selling.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Short Covering (so auch im Deutschen gesagt, aber in unterschiedlicher Bedeutung):

1 Das Ausgleichen von Short-Positionen durch entsprechende Käufe (the purchase of securities or commodities by a short seller to close out a short position).

2 Käufe, um einer gegenwärtigen Unterversorgung in Bezug auf eine Währung oder einen Vermögensgegenstand zu begegnen (buying to unwind a shortage of a particular currency or asset).

– Siehe Short Call, Rohstoff-Terminvertrag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Short Hedge (short hedge, selling hedge):

Das Eingehen einer Short-Position auf dem Terminmarkt zum Zwecke der Absicherung einer Long-Position auf dem Kassamarkt.

– Siehe Long-Hedge, Short-Selling-Fund, Verkaufsabsicherung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Short-Position (short position):

Verkaufsposition in börsenmässig gehandelten Vermögenswerten, welche noch nicht durch den Kauf einer entgegengesetzten Position glattgestellt wurde (selling a borrowed asset [an item the seller does not own], with the expectation that the price will fall, at which time the asset would be bought back in order to make a profit. The market risk on a short position is the risk of an increase in market value of the asset).

– Siehe Bandspreizung, Dedicated Short Bias, Short Call, Leerverkauf, Future, Long-Position, Position, ungedeckte, Short, Short Selling, Short-Selling-Fund.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Short Put und verkaufte Kaufoption (short put):

Position, die sich aus dem Verkauf eines Puts ergibt. Sie verpflichtet den Käufer, den Basiswert im Falle der Ausübung der Option zum vereinbarten Preis entgegenzunehmen. Diese ist nackt, solange nicht ein genläufiges Geschäft abgeschlossen wurde.

– Siehe Konversion, inverse, Long-Put, Short Call.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Short-Selling (so auch im Deutschen; seltener Baisse-Spekulation):

Allgemein der Versuch, aus sinkenden Preisen auf einem Markt Gewinn zu erzielen (the practice of investors borrowing assets to sell them in the hope that they can buy them back at a lower price and profit from the difference). - Angenommen, auf dem Finanzmarkt liegt der Kurs griechischer Staatsanleihen zu nominal (in money terms) 100 EUR heute bei 90 EUR. Der Short Seller erwartet einen weiteren Rückgang des Kurses. Er leiht sich heute bei einem Broker 100 Anleihen, zahlt dafür 9'000 EUR und verkauft sie heute zum Tagespreis von 90 EUR. Zum vereinbarten Termin muss der Short Seller nun die Papiere dem Broker wieder zurückgeben. Diese Anleihe kann er, wenn seine Erwartung zutreffend war, jetzt zu 80 EUR das Stück kaufen; er muss also 8'000 EUR aufwenden und hat einen Gewinn von 1'000 EUR erzielt. Stiege aber der Kurs griechischer Staatsanleihen auf 100, dann hätte der Short Seller einen Verlust von 1'000 EUR hinzunehmen.

– Siehe Leerverkauf, Position, ungedeckte, Renten-Arbitrage, Short-Selling-Fund, Spekulation, Schlangenhandel, Stockjobber.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Short-Selling-Fund (so auch im Deutschen gesagt):

Ein Hedge-Fonds, der nach seiner Einschätzung überbewertete Aktien

1. für eine festgelegte Zeit leiht und diese

2. sofort am Markt verkauft. Die Fondsmanager rechnen damit, die Aktien zu einem späteren Zeitpunkt billiger zurückkaufen und dann ihr Konto bei dem Verleiher (broker; Broker) glattstellen zu können.

– Die aus dem Verkauf der Aktien erlösten Mittel werden in der Regel in anderen Vermögensgegenständen angelegt, die dann vor allem der Besicherung des Rückkaufs der Aktien dienen. - Einen Verlust erleidet ein Short Seller, wenn er sich in seinen Annahmen geirrt hat, und die geliehenen Aktien an Wert zulegen. Dann muss er diese Papiere zu einem nunmehr höheren Kurs zurückkaufen.

– Siehe Hedge-Fonds-Strategien, Index-Arbitrage, Leerverkauf, Risiko, Short Position, Single Hedge-Fonds, Value- Fund, Zombie-Bank.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Short-Term European Papers, STEP (in der Abkürzung so auch im Deutschen; manchmal auch Step [also kleingeschrieben]):

Gütesigel auf den Markt für Geldmarktpapiere mit kurzer Laufzeit - im Regelfall bis zu einem Jahr - auf dem Primärmarkt in Europa. Ziel ist es, die rechtlich oftmals unterschiedlichen Märkte für solche Papiere zu integrieren. Die Initiative dazu ging von der EU-Bankenvereinigung zusammen mit Financial Market Association aus und führte dazu, dass die STEP-Standards von mehreren EU-Staaten in nationales Recht übernommen wurden. Zur Besicherung bei Kreditgeschäften können STEPs beim Eurosystem zugelassen werden. - Freilich bestehen seit etwa 2011 an der Güte vieler STEP-Papiere berechtigte Zweifel. Zu Jahresbeginn 2013 waren 966 Anleihen im Wert von 44,5 Mrd EUR allein von der französischen BNP Parisbas emittiert und von der französischen Zentralbank mit dem SEP-Gütesigel versehen worden. Die wenigsten dieser Papiere indessen genügen nach dem Urteil der Sachkenner dem Regelwerk des Eurosystems; und ein Grossteil der in Frankreich zu STEP-Papieren erhobenen Titel dient nachweislich nur der kurzfristigen Geldbeschaffung grosser französischer Banken.

– Siehe Geldmarkt-Segmente, Massenzahlungsverkehr, elektronischer, Sicherheiten, Sicherungsfondsanleihe.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der EZB, S. 172 (Überwachung durch die EZB).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sicherheit ([collateral] security):

1 Allgemein ein Vermögensgegenstand, der dazu geeignet ist, das mit einem Darlehn verbundene Risiko zu mindern (the characteristic of an asset assigned/pledged by a borrower to a lender as a form of credit enhancement designed to reduce the risk attached to lending it some money).

2 Im Besonderen auch die

1. Hinterlegung von Geld oder Wertpapieren,

2. die Verpfändung von Forderungen und beweglicher Sachen oder

3. die Bestellung von Hypotheken zur vorläufigen Durchsetzung von Rechten wie etwa eine Zwangsvollstreckung oder

4. zur Abwehr von Gegenrechten, beispielsweise des Zurückbehaltungsrechts (lien: right of retention). Nach § 234 BGB kann mit Wertpapieren Sicherheit nur in Höhe von drei Vierteln des Kurswertes geleistet werden.

3 Im Rahmen der Beurteilung von Wertpapieren die Tatsache, dass der Veräusserungswert eines Finanzinstruments in der jeweiligen Währung im Voraus genau bekannt ist.

4 In Bezug auf Leveraged Buy-outs die Fähigkeit des Zielunternehmens, durch Erfolg am Absatzmarkt soviel an Cashflow zu erreichen, dass die eingegangenen Zahlungsverpflichtungen gegenüber dem Finanzinvestor erfüllt werden können.

– Siehe Kredit, besicherter, Pfandgeld, Sicherheiten, Sicherheitseinbehalt, Sicherungsgeld, Unterlegung., Unterpfand.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sicherheit, tote (dead security):

Ein dem Gläubiger - der Bank - übergebene Hinterlage, die nicht zu verwerten ist, beispielsweise weil das Wertpapier gestohlen wurde.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sicherheiten (collateral[s]):

1 In der Bankpraxis: anerkannte Unterlegung für gewährte Kredite (an asset or third-party commitment that is accepted by the collateral taker to secure an obligation of the collateral provider vis-à-vis the collateral taker); in diesem Sinne grob gesprochen die Mehrzahlform von Sicherheit.

2 Vermögenswerte, die Kreditinstitute zur Besicherung von kurzfristigen Liquiditätskrediten der Zentralbank als Pfand bei dieser hinterlegen sowie Vermögenswerte, welche die EZB von Kreditinstituten im Zuge liquiditätszuführenden Pensionsgeschäften ankauft (assets which can be used as collateral in order to obtain credit from the ECB), auch refinanzierungsfähige Sicherheiten (eligible collateral, eligible assets) genannt. - Mit Jahresbeginn 2007 wurde bei der EZB ein einheitliches Sicherheiten-Register eingeführt, das die bis dahin aus der Kategorie-1-Sicherheiten und Kategorie-2-Sicherheiten bestehenden beiden Kategorien ersetzte. - Zur Beurteilung der Bonität der bei der EZB eingereichten Sicherheiten legt diese im Regelfall ein eigenes Verfahren zugrunde, das Rahmenwerk für die Bonitätsbeurteilungen im Eurosystem. - Zu Jahresbeginn 2013 umfasste die Liste notenbankfähiger Sicherheiten bei der EZB rund 40'000 Positionen. Angesichts schwer durchschaubarer Merkmale scheint kaum noch jemand genau zu überblicken, wie sicher diese Papiere jeweils sind, und ob sie so eingestuft werden, wie es ihrem Ausfallrisiko entspricht.

– Siehe Beleihbarkeit, Blankokredit, Covenant, Covered Bonds, Finanzsicherheiten, General Collateral-Repos, Immobilien-Sicherheiten, IRB-Ansatz, Kategorie-1-Sicherheit, Notenbankfähigkeit, Pfand, Rahmenwerk für die Bonitätsbeurteilungen, Rating, Repomarkt, Short-Term European Papers, Sicherheit, Sicherheiten, marktfähige, Sicherheitsverzeichnis, einheitliches, Umverteilung, zentralbankbewirkte, Unterpfand.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2001, S. 22 (Aufzählung der Sicherheiten nach Basel-II), Monatsbericht der EZB vom April 2001, S. 55 ff. (Übersicht S. 60, Darstellung der Politik auch anderer Zentralbanken S. 68 f.), Monatsbericht der EZB vom Mai 2004, S. 81 f. (Ausschluss-Bestimmung: S. 82), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2004, S. 40 f. (EU-Richtlinie über Finanzsicherheiten), Monatsbericht der EZB vom Februar 2006, S. 92 (Gebrauch staatlicher Schuldtitel zur Besicherung von Kreditgeschäften bei der EZB), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2006, S. 31 ff. (Schaffung eines einheitlichen Verzeichnisses für zentralbankfähige Sicherheiten im Euroraum), S. 36: Zulassungskriterien (Übersicht), S. 39: Bonitätsklassen (Übersicht), sowie S. 81 ff., lehrbuchmässige Darstellung), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 39 (neuere aufsichtsrechtliche Entwicklung in Bezug auf Versicherungen), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2007, S. 93 ff. (Vergleich der Regelungen für Sicherheiten bei der EZB mit USA und Japan; viele Übersichten), Jahresbericht 2008 der EZB, S. 117 f., S. 121 ff. (Ausweitung des Verzeichnisses notenbankfähiger Sicherheiten während der Finanzkrise; Übersichten), Jahresbericht 2009 der EZB, S. 113 f. (Ankauf gedeckter Schuldverschreibungen durch die EZB), Jahresbericht 2011 der EZB, S. 92 (Aufschlüsselung der bei der EZB hinterlegten Sicherheiten seit 2006; erweiterter Katalog der Sicherheiten), Monatsbericht der EZB vom Februar 2012, S. 33 f. (Ausweitung des Verzeichnisses notenbankfähiger Sicherheiten im EZB-Rat durchgesetzt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sicherheiten, marktfähige (collaterals marketable, collaterals traded in the market):

Bei den meisten Zentralbanken, so auch bei der EZB, werden im Regelfall zur Besicherung nur solche Vermögensgegenstände angenommenen, die auf dem Markt gehandelt werden und sich somit auch zu einem Marktpreis bewerten lassen.

– Siehe Notenbankfähigkeit, Pfand, Quantitative Easing, Short-Term European Papers, Sicherheiten, Sicherheitsabschlag.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2012, S. 33 f. (Ausweitung des Verzeichnisses notenbankfähiger Sicherheiten im EZB-Rat durchgesetzt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sicherheitenmarge (initial margin; security margin):

Bei der EZB Risikokontrollmassnahme bei befristeten Transaktionen, wobei der Geschäftspartner Sicherheiten zur Verfügung stellen muss, deren Wert dem des gewährten Kredits zuzüglich des Wertes der Sicherheiten entspricht. - Die EZB staffelt die Sicherheitenmargen nach der Dauer der mit einer Transaktion verbundenen Kreditgewährung an den Geschäftspartner.

– Siehe Nachschuss-Vereinbarung, Schwankungsmarge.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2001, S. 58, Monatsbericht der EZB vom Mai 2004, S. 81, Monatsbericht der EZB vom Oktober 2007, S. 93 ff. (Vergleich der Regelungen für Sicherheiten bei der EZB mit USA und Japan; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sicherheitsabschlag (haircut):

1 Im Bankgeschäft bei Darlehn die Einrechnung möglicher Wertverluste der zur Besicherung angedienten Vermögenswerte wie etwa: Wertpapiere oder Lebensversicherungspolicen.

2 Bei der Zentralbank der von ihr vorgegebene Bewertungsabschlag (the percentage that is subtracted from the market value of the assets that are being used as collateral; the size of the haircut mirrors the calculated risk associated with holding the assets). - Im Rahmen des Quantitative Easing senkte die EZB die Schwelle der Wertpapiere, die als Pfand gegen Liquidität angenommen wurden; der Sicherheitsabschlag wurde aber teilweise erhöht. Dagegen verschärfte die EZB die Anforderungen für Asset-Backed Securities.

– Siehe Liquiditäts-Tausch, Sicherheit, Sicherheiten.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2012, S. 33 f. (Ausweitung des Verzeichnisses notenbankfähiger Sicherheiten im EZB-Rat durchgesetzt), Monatsbericht der EZB vom Juli 2013, S. 89 ff. (Bewertungsabschläge der EZB seit 2008; verschiedene Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sicherheitssperre (protective stop):

Die Begrenzung anstehender Verluste beim Kauf oder Verkauf von Papieren und Vermögenswerten allgemein dadurch, dass ein Preis angegeben wird, ab dem die Nachfrage bzw. das Angebot vorerst ausgesetzt wird (an action taken to limit potential losses caused by excessive changes in the price of an asset A trader may stating conditions in advance that will halt trading of the asset above or below pre-specified price ranges).

– Siehe Airbag-Zertifikat, Cap, Kursschwankungs-Limit, Limitierung, Limits, variable, Stop-Auftrag, Tick, Verschuldungsgrenze.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sicherungseinbehalt (contract holdback):

Beim Factoring üblicher Abzug - in der Regel ein Fünftel - bei der Auszahlung der gekauften Forderungen. Der Betrag dient dazu, allfällige Schwierigkeiten jeder Art in Zusammenhang mit der Forderung auszugleichen. Ist die Forderung voll beglichen - hat also der Schuldner ohne weiteres bezahlt -, dann wird der Sicherungseinbehalt von dem Factoring-Unternehmen an den Factoringkunden überwiesen. - Im Rahmen einer Kreditversicherung kann ein berechtigt getätigter Sicherungseinbehalt und in der Regel der volle Kürzungsbetrag versichert werden.

– Siehe Self-Factoring, Sicherheit, Sicherungsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sicherheitsnetz, weltweites (global safety net, GSN):

Vom Internationalen Währungsfonds im Jahr 2010 angesichts der Nachwehen der Subprime-Krise vorgeschlagene Zusage, Staaten in Liquiditätsschwierigkeiten bedingungslos beizustehen, um Ansteckungswirkungen auf internationaler Ebene zu vermeiden. - Der Gedanke fand vor allem bei der EZB und auch bei den meisten europäischen Regierungen keine Zustimmung. Denn eine solche Zusicherung würde in vielen Ländern alle Anstrengungen um Wahrung der Finanzstabilität untergraben.

– Siehe Bail-out, Griechenland-Krise, Konditionalität, Moral Hazard.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sicherheitsstreifen (security strip):

Bei Banknoten ein heute übliches Ausgestaltungsmerkmals, das Fälschungen erschweren soll. Bei den Euronoten verläuft ein schmaler, in das Papier eingearbeiteter Faden. Gegen eine Lichtquelle betrachtet, erscheint dieser dunkel. Bei echten Noten ist das Wort "Euro" und die Wertzahl des Geldscheins erkennbar.

– Siehe Banknoten-Management, Brücke-Abneysches Phänomen, Chipkarte, Fälschungssicherung, Fenstergeld, Guilloche, Super Notes.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sicherheitsverzeichnis, einheitliches (single-list framework):

Bei der EZB in zwei Schritten (bis Mai 2005 und bis Januar 2007) eingeführtes Register von Vermögenswerten, die Kreditinstitute der Zentralbank zur Besicherung von kurzfristigen Krediten als Pfand hinterlegen können sowie Vermögenswerten, welche die EZB von Kreditinstituten im Zuge liquiditätszuführenden Pensionsgeschäften ankauft. Das einheitliche Sicherheitsverzeichnis löste das 1998 eingeführte, aus zwei Kategorien bestehende Sicherheitsverzeichnis (two-tier collateral framework) ab. - Ab Jahresbeginn verlor der Handelswechsel seine Stellung als notenbankfähige Sicherheit. Gleichsam zum Ersatz wurden Kreditforderungen in allen Ländern der Europäischen Währungsunion als notenbankfähige Sicherheiten anerkannt.

– Siehe Finanzsicherheiten, IRB-Ansatz, Kategorie-1-Sicherheit, Notenbankfähigkeit, Rahmenwerk für die Bonitätsbeurteilung, Short-Term European Papers, Sicherheit, Sicherheiten, Umverteilung, zentralbankbewirkte, Wechselkredit.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2012, S. 33 f. (Ausweitung des Verzeichnisses notenbankfähiger Sicherheiten im EZB-Rat durchgesetzt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sicherungsfonds (safeguard fund):

In Deutschland ein nach § 124 ff. VAG für Lebens- und Krankenversicherer vorgeschriebenes Sondervermögen, das von den Assekuranzunternehmen zu speisen ist. Der Fonds ist darauf ausgerichtet, die Verträge eines in Not geratenen Versicherers weiterzuführen.

– Siehe Auslandsbank-Einlagen, Einlagesicherung, Garantiefonds, Feuerwehrfonds, Haftungsverbund, Internationale Vereinigung der Einlagesicherungen, Islandbanken-Falle, Sicherungspflicht.

– Vgl. Details im Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 136 f., S. 155 (Protektor Lebensversicherungs-AG), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 46 (Harmonisierungsbestrebungen in der EU durch die CEIOPS).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sicherungsgeld (security amount):

1 Bei Verträgen die Vereinbarung, dass Geldbetrag (Kaution; bail money) hinterlegt wird, um die spätere Leistung des Vertragspartners zu gewährleisten.

2 Vom Hotel verlangte, im Voraus zu hinterlegende Summe, die Gäste aufzubringen haben, denen besondere Leistungen zu Verfügung stehen, wie eine hauseigene Telephonanlage mit freier Durchwahl oder ein Internet-Anschluss.

3 In Deutschland in der Zeit der Regierung des Kanzlers Hitler (1933-1945) unliebsamen Personen - vor allem katholischen Geistlichen - einmalig auferlegte oder jährlich abverlangte Zahlung, um sie so vor regierungskritischen Äusserungen zu warnen.

4 Im deutschen Steuerrecht eine der Konventionalstrafe entsprechende Zahlung. Sie wird dem Steuerpflichtigen für den Fall auferlegt, dass er gewisse Bedingungen nicht beachtet, unter denen ihm eine Steuervergünstigung (favourable tax treatment) gewährt wurde.

– Siehe Sicherheit, Sicherheitseinbehalt, Waarborgsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sicherungsgeschäft (hedging transaction):

Allgemein alle Transaktionen, die dazu dienen, einen allfälligen Verlust abzufedern oder ganz zu vermeiden.

– Siehe Hedge-Geschäft, Risikomanagement.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sicherungspflicht (protection requirement):

Gemäss § 2 des Einlagesicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetzes aus dem Jahr 1998 sind in Deutschland die Institute verpflichtet, ihre Einlagen und Verbindlichkeiten aus Wertpapiergeschäften nach Massgabe dieses Gesetzes durch Zugehörigkeit zu einer Entschädigungseinrichtung (protection scheme) zu sichern.

– Siehe Einlagensicherung, Entschädigungseinrichtung für Wertpapierhandelsunternehmen, Feuerwehrfonds, Pool, Sicherungsfonds für Lebensversicherer.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 205 (Liste der von der BaFin überwachten Entschädigungseinrichtungen), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 63 (Bemühungen um eine EU-weite Vereinheitlichung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sicherungsfondsanleihe (sinkable bond):

Der Emittent einer Begebung errichtet einen Tilgungsfonds, der im Regelfall durch laufende Erträge aus der Geschäftstätigkeit gespeist wird; die Bedienung der Anleihe wird dadurch gesichert (a special type of bond that a company will issue that is backed by a sinking fund, which sets aside money on a consistent basis in order to ensure investors that principal and interest payments will be paid out as promised). In der Regel sind derartige Papiere wegen des geringeren Risikos für den Anleger auch mit einem niedrigeren Zinssatz ausgestattet.

– Siehe Anleihe, besicherte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sicherungsfonds für Lebensversicherer (protection fund for life insurers):

Durch Änderung des Versicherungsaufsichtsgesetzes (insurance supervision law) vom 15. Dezember 2004 ist in Deutschland die Errichtung eines Sicherungsfonds für die Lebensversicherer rechtlich vorgeschrieben. Dieser Sicherungsfonds dient dem Schutz der Ansprüche der Versicherungsnehmer, der versicherten Personen, der Bezugsberechtigten und sonstigen aus dem Lebensversicherungsvertrag begünstigten Personen. - Die Protektor Lebensversicherungs-AG in Berlin wurde vom Bundesministerium der Finanzen durch Rechtsverordnung mit den Aufgaben und Befugnissen des Sicherungsfonds für die Lebensversicherer betraut. Diese Entschädigungseinrichtung unterliegt der Überwachung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.

– Siehe Einlagensicherung, Feuerwehrfonds, Sicherungspflicht.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 205 (Liste der von der BaFin überwachten Entschädigungseinrichtungen) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Querschnittsaufgaben".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sicherungsfonds für private Krankenversicherer (protection fund for private health insurers):

Nach den Vorschriften des Versicherungsaufsichtsgesetzes (insurance supervision law) müssen alle Unternehmen, welche die Krankheitskostenvollversicherung (comprehensive health insurance) betreiben, einem Sicherungsfonds angehören. Für die private Krankenversicherung nimmt diese Aufgabe durch Rechtsverordnung des Bundesministeriums der Finanzen seit Mai 2006 die Medicator AG in Köln wahr. Diese Entschädigungseinrichtung unterliegt der Überwachung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.

– Siehe Einlagensicherung, Feuerwehrfonds, Sicherungsfonds für Lebensversicherer, Sicherungspflicht.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 205 (Liste der von der BaFin überwachten Entschädigungseinrichtungen) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Querschnittsaufgaben".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sicherungspool (central memory unit; protection scheme):

1 Bei Banken und Versicherungen ein Zentralserver, der automatisch jede auf einem einzelnen Computern gespeicherte Datei verwahrt. Aus diesem Verzeichnis können dann auch verlorene oder versehentlich gelöschte Dateien zurückgeholt werden. Durch entsprechende Gestaltung dieses Hauptspeichers ist es den Berechtigten (der Geschäftsleitung: management) jederzeit möglich, alle Geschäftsvorfälle im Blick zu haben.

2 Eine Entschädigungseinrichtung, die Einlagen der Kunden bei einem Institut im Falle von Insolvenz garantiert.

– Siehe Pool, Schuldverschreibung, gedeckte, Sicherungspflicht.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sicherungsvermögen (coverage assets):

Anlagen, die gemäss gesetzlichen Vorschriften Versicherungsunternehmen für künftig fällig werdende Versicherungsleistungen halten müssen, früher Deckungsstock genannt.

– Siehe Aktienkurs-Risiko, Aktuar, Bedeckungssatz, Garantiefonds.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 143 ff. (Änderung der Anlageverordnung; Hedge-Fonds-Anteile), S 156 (Sterbetafel und Deckungsrückstellung in der Rentenversicherung), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 85 (neue Formulare; Treuhänder), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 89 f. (Überarbeitung Rundschreiben zum Sicherungsvermögen). Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 129 (aufsichtliche Regelungen für die Auswahl, Bestellung und Abberufung der Treuhänder für das Sicherungsvermögen) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Versicherungsunternehmen und Pensionsfonds". Im jeweiligen Jahresbericht "Statistik Erstversicherungsunternehmen und Pensionsfonds" der BaFin auch eine detaillierte Übersicht über den Umfang des Sicherungsvermögens, untergliedert nach Versicherungsarten sowie einem Soll-Ist-Vergleich.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sicht (sight):

In der Finanzsprache meint man damit immer "fällig bei Vorlegung", also

1. sobald der Gläubiger dem Schuldner oder

2. der Kreditnehmer dem Geldgeber das entsprechende Dokument vorlegt, ist die Zahlung zu leisten (payable when the document is presented to the appropriate party).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sichteinlagen (demand deposits; checkable deposits, sight deposits):

Guthaben bei einer Bank, über das sofort durch Scheck, Überweisung oder Debitkarte verfügt werden kann. Sie haben aus der Sicht der Zentralbank einen sehr hohen Geldgrad (Liquiditätsgrad; degree of liquidity).

– Siehe Guthaben, verfügbares, Liquiditätspräferenz, M1.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sichtwechsel (sight bill, demand draft):

Ein Wechsel der keinen bestimmten Tag als Fälligkeitsdatum vorsieht. Er steht vielmehr zur Zahlung an, sobald er vorgelegt wird.

– Siehe Respekttage, Sicht.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Siderismus (siderialism):

Allgemein die Überzeugung, dass die Himmelskörper (celestial bodies) den Ablauf in der Welt bestimmen, und im Besonderen die Annahme, dass das Geschehen auf den Finanzmärkten von der Stellung bestimmter Gestirne abhänge. Schätzungen zufolge gab es Mitte 2010 weltweit etwa einhundertfünfzig Internet-Plattformen, Blogs und Foren - die Hälfte davon in Asien -, in denen entsprechende Anlageempfehlungen dargelegt werden. In diesen ist fast immer nur von auffälligen Erfolgen die Rede; Verluste scheint es hier kaum zu geben.

– Siehe Astro-Prognose, Behavioural Finance, Blind Pool, Blog, Daimonion, Deuteroskopie, Fibonacci-Folge, Finanzasophie, Geheimtip, Internet-Foren, Marktmanipulation, Monokausalismus, Noise Traders, Sentiment, Übermut, Verschwörungstheorien, Wechselkursverlauf, unerklärbarer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Siebenprozent-Grenze (seven percent limit):

Die Meinung, dass bei Staatsanleihen eine Verzinsung von sieben Prozent eine Schallmauer (sonic barrier) darstelle. Zu einem höheren Zinssatz könne sich ein Land nicht verschulden. Für diese, in Zusammenhang mit dem EZB-Sündenfall häufig vorgetragene - von wem auch immer - Meinung gibt es überhaupt keine überzeugende ökonomische Begründung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Siedlungskredit (land settlement credit, settlement loan):

Besonders günstige Darlehn einer Bank, in der Regel einer Staatsbank, um die Gründung oder Verbesserung agrarischer, dörflicher oder auch städtischer) Wohnsitze zu finanzieren.

– Siehe Bodenkreditinstitut, Flüchtlingssiedlungskredit, Ernte-Unterstützungskredit, Langfristkultur, Meliorationskredit, Paketdarlehn, Rahmenkredit, Seehandlung, Sozialpfandbrief, Wohnungsbauanleihe, Wohnungsbaukredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Siena-Protokoll (Siena protocol):

Vereinbarung über die Zusammenarbeit der Aufsichtsbehörden der EG-Mitgliedstaaten aus dem Jahr 1997, insbesondere bei der Anwendung der Richtlinien über Lebensversicherungen und Nicht-Lebensversicherungen.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 72 (Überarbeitung des Protokolls), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 68 f. (Bukarest-Protokoll lehnt sich an Siena-Protokoll an) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Internationales".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sifi-Oligopol (so auch im Deutschen):

Wenige systemrelevante Banken (systemically important financial institutions, SIFIs), die sich gemäss dem Too big to fail-Grundsatz einer starken Marktstellung auf dem heimischen Markt oder international erfreuen und diesfalls G-Sifi genannt. Denn

1. die Rating-Agenturen gewähren ihnen wegen der im Notfall wohl zu erwartenden Staatshilfe höhere Noten; man spricht hier von unterstützten Ratings. Das verschafft diesen Banken einen Finanzierungsvorteil.

2. Dazu werden viele Anleger eine Sifi bevorzugen, weil ihnen ihre Einlagen dort sicherer erscheinen als bei Konkurrenten ohne allfälligen staatlichen Schutzschirm.

– Über Mittel und Wege, das Sifi-Oligopol abzubauen - wie strengere mikroprudentielle Aufsicht; Recht des Staates zur Zerschlagung und Aufspaltung von Holdings auf dem Finanzmarkt -, gibt es inzwischen viele Überlegungen. Aber nach wie vor besteht eine Schwierigkeit darin, Sifis genau abzugrenzen (based on criteria such as size, interconnectedness, substitutability and complexity).

– Siehe Bad Bank-Modell, deutsches, Bank, systemische, Bankbasierung, Bankbetriebsgrösse, optimale, Bankenrettung, umgekehrte, Bankenrettungsgesetz, Bazooka, Exit-Strategie, Finanzmarktstabilisierungsanstalt, Finanzmarkt-Interdependenz, Finanzstabilität, Grössenvertrauen, Margendruck, Money-matters-Theorem, Moral Hazard, Notfallfonds für Krisenbanken, Restrukturierungsverwaltung, Rückwirkungen, systeminhärente, Stabilitätsfonds, europäischer, Systemrelevanz, Too big to save-Grundsatz, Zwangswandelanleihe.

– Vgl. Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 50 ff. (ausführlicher Bericht über internationale Bemühungen zur Identifikation und Regulierung von Sifis), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 98 (weiterhin Gefahren durch den Zusammenbruch global vernetzter Institute), Finanzstabilitätsbericht 2013, 104 f. (Kapitalzuschläge für Sifis, sog. Sifi-Puffer).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Signal-to-Noise-Verhältnis (so auch im Deutschen gesagt):

Von den Aufsichtsbehörden verwendetes Mass für die Abbildung von Risikofaktoren und damit für die Anfälligkeit des Finanzsystems gesamthaft.

– Siehe Abstand zur Ausfallschwelle, Asset Quality Review, Forum für Finanzmarktstabilität, Risiko, systematisches, Risikomanagement, Simulationstest.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2005, S. 64 f. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Signalwirkung (signalling effect, announcement effect):

In Zusammenhang der Geldpolitik eine Massnahme, welche die Einschätzungen und Erwartungen der Zentralbank der Öffentlichkeit gegenüber deutlich zum Ausdruck bringt. Vor allem den Zinsschritten der Zentralbank schreibt man eine solche Wirkung zu.

– Siehe Aktentaschen-Indikator, Codewörter, EZB-Protokolle, Veröffentlichung, Forward Guidance, Führung, verbale, Moral Suasion, Politik des offenen Mundes, Poltergeist, Seelenmassage, Vorschatten-Effekte, Tarnkappen-Politik, Unschärfe, konstruktive.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2007, S. 67 ff. (ausführliche, lehrbuchmässige Darstellung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Silberling (silverling):

In älteren Dokumenten die Bezeichnung für eine Münze aus Silber.

– Siehe Amalfiner, Florentiner, Numismatik, Samarkander, Sekel, Stater, Talent, Urukagina-Regel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Silberwährung (silver standard):

Gesetzliches Zahlungsmittel ist in diesem Falle ausschliesslich Silber; alle Verbindlichkeiten können allein durch Silbermünzen erfüllt werden. Deutschland hatte bis 1875 eine Silberwährung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Silo-Denken (silo mentality):

In der Finanzbranche gesagt in Bezug auf

1. von anderen Bereichen desselben Instituts abgekapselte Arbeitsweise einer Abteilung oder

2. der geschäftlichen Gesamtausrichtung lediglich auf die eigene Institutsgruppe, beispielsweise nur auf den Sektor der Sparkassen.

– Siehe Chinese Wall, Corporate Fashion, Dreierblock, Vertikalisierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Silver Economy (so auch im Deutschen gesagt; seltener Ü-50-Leute-Geschäft):

Personen über dem 50. Altersjahr und in Bezug auf den Finanzbereich die besonderen Angebote, auf die sich Banken und Versicherungen einstellen.

– Siehe Best Agers Business, Dinks-Geschäft, Gebissinvestition, Geldleute, Private Banking, Oldie-Geschäft, Power-age financial market, Woopee-Geschäft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Simonie (simony):

Der Kauf oder Verkauf kirchlicher Gnadengaben, Ämter oder Einkünfte (the buying or selling of ecclesiastical pardons, offices, or emoluments). Das Wort leitet sich von dem Zauberer Simon her, welcher den Aposteln Geld bot, damit sie ihm ihre Charismata (extraordinary powers, such as the ability to perform miracles, granted by the Holy Spirit) übertrugen; vgl. Apg 8, 9 ff. .

– Siehe Ablassgeld, Dispensationsgeld, Kirchgeld, Opfergeld, Palliengeld, Peterspfennig, Pönalgeld, Prokurationsgeld, Temporalien.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Simulationstest (simulation test):

Allgemein die modellhafte Nachbildung von Systemabläufen, um allfällige Schwachstellen frühzeitig zu erkennen, und im Besonderen Stress-Tests in Bezug auf das Finanzsystem.

– Siehe Abschmelzrisko, Asset Quality Review, Comprehensive Assessment, Ertragsschwäche, Liquiditätskrisenplan, Marktrisiko-Stresstest, Risikomanagement, Shadow Rating, Stress-Test.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2007, S. 81 ff. (Simulationstests innert der EU; Vorstellung der bezüglichen institutionellen Gegebenheiten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Singleïsierung (singleisation):

Die Tatsache, dass die Zahl der Einpersonenhaushalte wachsend zunimmt. Auch in Deutschland wird deren Anteil an den Privathaushalten im Jahr 2025 gemäss Berechnungen und Schätzungen auf 41 Prozent im Vergleich zu 37 Prozent Zweipersonenhaushalte und 22 Prozent Haushalte mit drei und mehr Personen angestiegen sein. Für Bausparkassen und Banken bedeutet dies, noch mehr als bisher auf diese Zielgruppe mit entsprechenden Angeboten einzugehen.

– Siehe Dinks-Geschäft, Power-age financial market, Silver Economy, Woopee-Geschäft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Single European Payment Area, SEPA (so auch im Deutschen gesagt; seltener: Einheitlicher Europäischer Zahlungsverkehrsraum):

Von der EU-Kommission zunächst im Jahre 2002 vorgegebenes Ziel, wonach innert des Eurogebietes EU ab 1. Juli 2003 Preise für grenzüberschreitende Überweisungen bis 12'500 EUR - gleich ob per Kreditkarte, Debitkarte, Banküberweisung (bank wire transfer), Lastschrift oder auf einem anderen Weg - den inländischen Preisen anzugleichen waren. Nachdem aus verschiedenen - vor allem auch: organisatorischen - Gründen dieses Ziel nicht erreicht wurde, geschah die Einführung am 28. Januar 2008 und bezog nun sämtliche Zahlungsvorgänge ein. Zudem wurde ein straffes Regelwerk geschaffen, das einen reibungslosen technischen Ablauf garantieren soll. - Die Einführung des SEPA in gar 31 europäischen Ländern wurde jener des EUR gleichgestellt. Denn es handelte sich auch hier um eine grundlegende Veränderung oft jahrhundertelang eingefahrener nationaler Verrechnungssysteme hin zu einer EU-weiten Angleichung. Eine solche gilt auch als Voraussetzung für eine europäische Karten-Allianz. - Bis dahin wurden jährlich rund 60 Mia Transaktionen über die Bankkonten in den EU-Staaten auf unterschiedlichen technischen Systemen sowie auch nach ländereigenen Sicherheits-Standards abgewickelt. Die Systeme waren in der Regel nicht verträglich miteinander, sondern "Insellösungen" (isolated applications). Die Umstellung auf SEPA kostete den beteiligten Banken rund zehn Mia. EUR. - Mit Electronic SEPA (eSEPA) sollen in einem nächsten Schritt alle Kommunikationsmittel, einschliesslich der Mobiltelephone und des Internets, für den Zahlungsverkehr im Eurogebiet organisiert werden. - Ab Februar 2014 und einer zugestanden Verlängerungsfrist von sechs Monaten dürfen die nationalen Verfahren für Überweisungen und Lastschriften nicht mehr angeboten werden. Anfang November 2012 hat der Deutsche Bundestag den Beitritt zum Einheitlichen Europäischen Zahlungsverkehrsraum förmlich bestätigt. - Privathaushalte in Deutschland können für Inlandsüberweisungen bis zum 1. Februar 2016 anstelle der IBAN noch weiterhin Kontonummer und Bankleitzahl nutzen.

– Siehe Bezahlverfahren, innovative, European Payments Council, International Bank Account Number, Payez Mobile, SEPA-Rat.

– Vgl. sehr ausführlich Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2005, S. 29 ff. (mit zahlreichen Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 98 ff. (Stand des Vorhabens; Verrechnung von Kartentransaktionen im System), Geschäftsbericht 2007 der Deutschen Bundesbank, S. 110 (Fortschritte; Bemühungen um ein gesamteuropäisches Karten-System), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2008, S. 52 ff. Entwicklung des Verfahrens, Übersichten; SEPA für Kartenzahlungen), Geschäftsbericht 2009 der Deutschen Bundesbank, S. 118 f. (laufende Entwicklung), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2012, S. 47 ff. (ausführliche Darstellung; viele Übersichten; Rechtsquellen), Jahresbericht 2012 der EZB, S. 136 ff. (Erläuterung verschiedener Massnahmen zur Verbesserung des Systems), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2013, S. 29 ff. (ausführliche Darstellung des Massenzahlungsverkehrs im Eurogebiet; viele Übersichten), Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 66 (keine systemische Risiken durch die Umstellung), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 87 f. (Einzelfragen zu SEPA).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Single Hedge-Fonds (single hedge fund):

Hedge-Fonds mit besonders hohen Risiken. Sie sind in ihrer Strategie gesetzlich kaum beschränkt. Für sie sind die Aufnahme von Krediten, der Einsatz von Derivaten, Hebel-Effekte aller Art und Leerverkäufe unbegrenzt zulässig. Jedoch dürfen sie in Deutschland bis anhin nicht über öffentlichen Vertrieb, sondern lediglich auf dem Wege der Privatplazierung vertrieben werden.

– Siehe Hedge-Fonds, Katastrophen-Anleihen, Risiko-Fonds, Risikomanagement, Short-Selling Fund, Terror-Papiere, Vertrieb, öffentlicher, Zitterprämie, Zombie-Bank.

– Vgl. zur Definition und zur aufsichtsrechtlichen Seite Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 182 ff. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Single Master Liquidity Conduit (so auch im Deutschen):

Von international tätigen Banken zu errichtender Fonds mit der Absicht, in Finanznot geratenen Zweckgesellschaften forderungsbesicherte Wertpapiere guter Bonität abzukaufen, um so einen allfälligen Preissturz auf diesem Teilmarkt (sub-market) abzufangen. Über die Vorteile und Nachteile eines solchen geplanten Fonds gehen die Meinungen auseinander.

– Siehe Moral Hazard, Reintermediation, Rückschlag-Effekt, Risikoübernahme-Grundregel, Verbriefungsstruktur.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sinuskurven-Fetischismus (sinusoid fetishism):

Die Neigung vieler Marktteilnehmer, nach einem Aufschwung einen Abschwung und VICE VERSA zu vorherzusehen. Solche Erwartungen können erwiesenermassen tatsächlich eine entgegenlaufende Bewegung auslösen.

– Siehe Animal Spirits, Bewertbarkeit, Dominostein-Effekt, Erwartungen, Finanzmarkt-Analyse, Finanzpsychologie, Furchtthese, Herdenverhalten, Insolvenzfälle, Vorschatten-Effekte, Zahltag-Grundregel.

– Vgl. zu der entsprechenden Entwicklung auf den Aktienmärkten in Deutschland und den USA den Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 65 ff. (Schaubild; Erklärungsversuche; in den Fussnoten Hinweise auf weiterführende Literatur).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sitzgeld (attendance money; church fee; minimum turnover money):

1 Aufwandsentschädigung (expense allowance) für die Teilnahme an der Beratung eines Gremiums wie Partei, Aufsichtsrat, Parlamentsausschuss; auch Satzgeld, Sitzungsgeld, Taggeld, Tagesgeld, Tagungsgeld, Diurnum, Präsenzgeld und Diäten genannt.

2 Andere Bezeichnung für das frühere Anzugsgeld bzw. für den Einkauf eines Zugezogenen in eine Kirchengemeinde als besondere Form des Kirchgeldes.

3 Berechnung eines Mindestverzehrs bei Besuchern im Gaststättengewerbe.

4 Gehalt an Mitarbeiter in einem Unternehmen oder bei einer Behörde, deren Arbeitsleistung als minim beurteilt wird, Schlafgeld.

– Siehe Gerichtsgeld, Platzgeld, Präsenzgeld, Sachkunde, Satzgeld, Schlafgeld, Schöffengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sitzheizung (seat heater):

Im Jargon der Institute eine Person, die den Bureaustuhl warm hält, sonst aber wenig oder garnichts leistet. In der Regel wird der Ausdruck bezogen auf Mitarbeiter im Back-Office-Bereich allgemein und in den oberen Etagen des Instituts im Besonderen.

– Siehe Aktenschänder, Alleskönner, Autonom agierende Einheit, Druckbelegschaft, Käserei, Kollege Harzenmoser, Kontakt-Allergiker, Krokodil, Loch, schwarzes, Mailbomber, Schlafgeld, Selbstverwirklicher, Talentknappheit, Tenu-Schlamper, Totholz, Umsatzbremse, Unfallflüchtling.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sitzordnungsstreit (seating arrangement dispute):

Bei der ersten Sitzung der Europäischen Zentralbank 1998 trugen alle Mitglieder des EZB-Rats Namensschilder, die mit ihrer nationalen Herkunft beschriftet waren; auch sassen die Mitglieder aus dem Direktorium und den nationalen Zentralbanken getrennt nach Ländern zusammen. Der damalige Präsident der Deutschen Bundesbank, Hans Tietmeyer, erreichte beim ersten Präsidenten der EZB, Wim Duisenberg, dass dies umgehend geändert wurde. Schon bei der zweiten Tagung wurde die Sitzordnung dahin umgestaltet, dass die Mitglieder in der Buchstabenfolge ihres Nachnamens Platz nahmen und auf jede nationale Kennzeichnung verzichtet wurde. Darin soll zum Ausdruck kommen, dass sich die einzelnen Persönlichkeiten nicht als Vertreter ihrer heimischen Zentralbanken fühlen, sondern als Europäer und Entscheider in Verantwortung für die Eurozone als Ganzes.

– Siehe Becket-Effekt, Ein-Stimmen-Prinzip, EZB-Protokolle, Veröffentlichung, Südfront.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sitzungssaal-Putsch, auch Handstreich auf der Vorstandebene und Konferenz-Coup (boardroom coup):

Der unerwartete Sturz leitender Persönlichkeiten eines Unternehmens allgemein und einer Bank im Besonderen durch eine (stimmrechtsmächtige; endowed with majority of voting rights) Einzelperson oder durch eine kleinere Gruppe. Ein entsprechender Wechsel wird in der Regel im Unternehmen selbst ausgesonnen (the sudden overthrow of the managment or governing body of a corporation by an individual or small group of individuals, usually from within the company), er kann aber auch vom Aufsichtsrat ausgehen, und dort vor allem von unzufriedenen Vertretern der Aktionäre bzw. der Belegschaft oder von Bankenvertretern. Bei angeschlagenen Unternehmen hat ein Sitzungssaal-Putsch in der Vergangenheit oftmals eine Wende zum Besseren eingeleitet, und die Aktie des entsprechenden Unternehmens legte zu.

– Siehe Lemons-Problem, Schlafgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Skadenz und Scadenz (value date):

1 Bezeichnung für

1. die Wertstellung von Buchungen allgemein und

2. im Besonderen bei einer Bank gesagt hinsichtlich des Buchungsdatums auf dem Konto eines Kunden (the calendar date on which a credit movement is credited to a client's account).

2 Der Verfalltermin (day of maturity) eines Wechsels.

3 In der Assekuranz Datum der Fälligkeit einer Versicherungsprämie für die vereinbarte Versicherungsperiode.

– Siehe Abwicklungsbestätigung, Closing, Buchgewinn, Finalität, Mistrade, Übertragung, endgültige, Valutierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Skimming (so auch im Deutschen gesagt, seltener Datenklau):

Das rechtwidrige Ausspähen von Bankdaten und vor allem der Geheimnummer an Gelde(ausgabe)automaten durch Personen oder entsprechende Einbauten (devices). Auch das bei Karten häufige Kopieren und Vertauschen - die echte Karte wird einbehalten und dem Kunden eine täuschend ähnliche Karte derselben Gattung zurückgegeben - gelegentlich einer Zahlung in Geschäften und Tankstellen wird allgemein dem Skimming beigezählt. - Das fahrlässige Verhalten von Personen an Geld(ausgabe)automaten und in Bezug auf Karten überhaupt nennt man auch Skinny-Dipping (eigentlich: Nacktbaden).

– Siehe Brücke-Abneysches Phänomen, Card Validation Code, Computerzahlung, Counterfeit Card, Einziehung, Enabler, Europäisches Forum zur Sicherheit von Massenzahlungen, Finanzagent, Geld, böses, Konto, falsches, Phishing, Racheengel.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2012, S. 92 (Definition des Skimming in Anmerkung 92).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Skonto (cash discount):

Bestimmte Zahlungsbedingungen für gekaufte Güter, die einen Preisnachlass bei Sofortzahlung zum Inhalt haben (an incentive offered by the seller to encourage the buyer to pay within a stipulated time). Die Formel: "2 Prozent Skonto innert 10 Tagen, sonst innert 30 Tagen netto" bedeutet, dass der Kunde bei Nichtausnutzung des Skontos für den Lieferantenkredit von 30 Tagen einen Zins von 2 Prozent zahlt, was einem Jahreszinssatz von 24 Prozent entspricht. Überzieht aber der Kreditnehmer bei diesen Zahlungsbedingungen um 30 (60) Tage, so zahlt er für den Lieferantenkredit nur noch 12 (8) Prozent. Die Ausnützung des Skontos hängt grundsätzlich vom Preis anderer Kreditarten ab.

– Siehe Abschlag, Einschlag, Lieferantenkredit, Rechnung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Skontro und Scontro (settlement of accounts):

1 Allgemein: Gegenüberstellung von Einnahmen und Ausgaben.

2 Die kontenmässige Stückeverrechnung, vor allem die Zu- und Abbuchung von Wertpapieren als Stücke, also nicht umgerechnet zum Kurs.

3 In der älteren Literatur auch das Buch, in dem entsprechende Zu- und Abbuchungen erfolgen.

4 Im Börsenhandel die Umsätze an der Börse; alle börslichen Geschäfte. Die Aufsichtsorgane verpflichten die Börsen in der Regel sehr streng zur Skontro-Aufzeichnung (Orderbuch) und überwachen diese.

– Siehe Iceberg Order, Skontroführer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Skontroführer (settlement authorised person):

1 Allgemein ein Börsenmakler.

2 Ein Kursmakler.

3 In Deutschland zum Börsenhandel zugelassene Kreditinstitute und Finanzdienstleistungsinstitute. Seit 2002 unterliegen die Skontroführer-Unternehmen - und jetzt nicht mehr die von diesen mit der Preisfeststellung betrauten Personen: die Kursmakler - besonderen gesetzlichen Regelungen. Die von den Mitarbeitern persönlich einzuhaltenden Pflichten wie vor allem Unparteilichkeit bei der Preisfeststellung müssen vom Skontroführer-Unternehmen gewährleistet werden. Entsprechende dienstvertragliche Regelungen sind erforderlich und werden von den Aufsichtsbehörden überwacht; vgl. § 26, § 27 BörsG. Eine eigene "Skontroführer-Monatsausweisverordnung" schreibt im Einzelnen vor, welche Posten der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht zu melden sind.

– Siehe Börsenmakler, Börsianer, Handel, amtlicher, Kursmakler, Sensal, Skontro.

– Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 167 f. (Sonderprüfungen bei Skontroführern wegen des Verdachts der Kursmanipulation: erhebliche Mängel wurden aufgedeckt) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Skorso und Scorso (expiration date of a bill of exchange):

In der älteren Finanzsprache die Verfallzeit eines Wechsels.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sleepy Warrant (so auch im Deutschen gesagt; manchmal auch nur Sleepy, seltener spannenbezogene Option):

In vielerlei Ausgestaltungen vorkommende Optionsverträge, denen der Bezug auf eine Kursspanne (range) innert einer vertraglich festgelegten Laufzeit gemeinsam ist. Inhaltlich betreffen die häufig auf sehr hohe Summen lautenden Verträge Indizes oder Devisenkurse. Befindet sich der Bezugskurs (strike price; Basispreis) zum Erfüllungszeitpunkt am Ende der Laufzeit innert der abgemachten Spanne, dann wird dem Inhaber der Option ein festgelegter Betrag ausbezahlt. Liegt der Kurs jedoch ausserhalb der Spanne, dann verfällt die Option, oder - je nach Vereinbarung - der Inhaber wird mit einem geringen Betrag (sleepy = hier im Sinne von Einschlafhilfe) entschädigt.

– Siehe Bootom-down, Option, exotische, Swapsatz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Small-Cap-Effekt (so auch im Deutschen gesagt):

Die empirisch belegte aber bis anhin von der Finanzmarkttheorie nicht befriedigend erklärte Tatsache, dass die Aktien kleinerer Unternehmen langfristig besser abschneiden als die grosser Unternehmen. Es mangelt nicht an Erklärungen (part of the small cap effect often is explained by the fact that these firms are riskier and, therefore, have higher returns. In addition, small firms have lower stock prices and, thus, what would be a small price appreciation for a large firm can, in fact, be huge for a small firm. Some analysts attribute the small-firm effect to the fact that small firms have more opportunities to grow than large firms do). Inwieweit diese Begründungen zutreffen, ist umstritten.

– Siehe Behavioural Finance, Finanzpsychologie, Gibrat-Regel, Halloweenregel, Januar-Effekt, Montags-Effekt, Sell-in-May-Effekt, Weihnachts-Belebung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Smartkarte auch Prozessorkarte und Krypotokarte (smart card):

Eine multifunktionale Chipkarte, heute nur noch als Plastikkarte in der Standardgrösse von 85,6 x 54 x 0,76 mm und mit den gleichen physikalischen Eigenschaften wie eine Magnetstreifenkarte. Ein in die Karte implantierter Chip enthält einen Mikroprozessor und Speicher. - Der Ausdruck "Smartcard" ist ein eingetragenes Warenzeichen der kanadischen Firma Groupmark.

– Siehe Chipkarte, Geldkarte, Karte, Kreditkarten-Fiasko.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Social Lending Platform (so auch im Deutschen gesagt):

Internet-Portale, die ausserhalb des Bankensystems Anbieter und Nachfrager von Darlehn zusammenbringen; man spricht hier auch von Collaborative Finance. Soweit keine Kreditvermittlung durch den Betreiber selbst stattfindet, sondern lediglich ein Peer-to-Peer Lending eingerichtet wird, so sind derartige Portale bis anhin noch nicht erlaubnispflichtig. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hat am 14. Mai 2007 ein Merkblatt "Hinweise zur Erlaubnispflicht der Betreiber und Nutzer einer internetbasierten Kreditvermittlungsplattform nach dem KWG" veröffentlicht.

– Siehe Crowdfunding, eLolly, Kreditgenossenschaft, Kreditvermittlungsplattform, Peer-to-Peer Lending.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 208 f. (entsprechende Anbieter werden von der BaFin beobachtet und können im Rahmen der allgemeinen Gefahrenabwehr [within the framework of general risk prevention] verboten werden).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication (SWIFT):

Ein im Jahr 1973 von Banken Europas und Nordamerikas gegründeter, genossenschaftlich verfasster Dienstleister mit Sitz in Brüssel mit dem Ziel, den internationalen Zahlungsverkehr zu beschleunigen und zu standardisieren (a computer network to support funds transfer messages internationally between member banks worldwide). Ein gemeinsam entwickeltes System wurde inzwischen dahingehend erweitert, dass neben dem internationalen Zahlungsverkehr auch Inkasso- und Akkreditivgeschäfte, Wertpapier-, Devisen-, Edelmetall- und sonstige Transaktionen abgewickelt werden können. Ihm sind inzwischen weltweit über 8'000 Kreditinstitute angeschlossen.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der EZB, S. 130 (Aufsichtsrechtliches) sowie den jeweiligen Finanzstabilitätsbericht der Deutschen Bundesbank, Geschäftsbericht 2007 der Deutschen Bundesbank, S. 112 (Überwachung durch die Bundesbank); Jahresbericht 2007 der EZB, S. 171 f. (aufsichtlicher Erwartungs-Katalog an SWIFT), Jahresbericht 2012 der EZB, S. 143 (Gründung eines Oversight Forums; weitere Aktivitäten) sowie den jeweiligen Jahresbericht der EZB, Kapitel "Überwachung der Zahlungssysteme und Marktinfrastrukturen".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sofa-Banking auch Fernsehsessel-Banking (sofa banking, armchair banking):

Die Erledigung von Bankgeschäften von zu Hause mittels entsprechender elektronischer Geräte.

– Siehe Bank, gemischte, Bezahlverfahren, innovative, Benutzerfreundlichkeit, Container-Bank, Direct Brokerage, Generation@, Internetbank, Metcalfe-Regel, Moonlight Banking, k, Mobile Banking, Multikanalbank, Online Banking, Phishing, Prosumer, Telephon-Banking.

– Vgl. Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 53 ff. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Soft Landing (so auch im Deutschen gesagt, seltener sanfte Landung):

In Bezug auf Finanzmärkte eine geordnete Rückkehr in eine gleichgewichtige Lage nach Verwerfungen auf dem Markt (market turmoils).

– Siehe Blase, spekulative, Boom-Bust-Zyklus, Marktkenntnis, zentralbankliche, Panikverkäufe, Schock, Spekulationsblase.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Soft Money (so auch im Deutschen gesagt, seltener weiches Geld):

1 Kapitel, das keinem unmittelbaren Zwang zur Rendite unterliegt; beispielweise die Haushaltsüberschüsse einer Gemeinde oder das Kapital einer Stiftung.

2 Papiergeld im Gegensatz zu dem auf Edelmetall gegründeten Zahlungsmitteln (paper currency, as opposed to gold, silver, or some other coined metal).

3 Zur politischen Einflussnahme gespendetes Geld (money raised for political activities in favour of or opposed to a certain candidate; colloquially, soft money connotes large amounts donated by special interest groups for these purposes).

– Siehe Geld, weiches, Geheimgeld, Geldzahlungsgeste, Kasse, schwarze, Losschnallen, Perpetuitäten, Preis, Schmiergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Solawechsel (sola bill, promissory note):

1 Ein vom Aussteller auf sich selbst gezogener Wechsel (a written promise, via a bill of exchange, to pay a certain sum of money, at a future time, unconditionally).

2 Seltener auch gesagt in der Bedeutung, dass lediglich ein einziger Wechsel ausgestellt wurde, im Gegensatz zu einem ganzen Bündel gezogener Wechsel (a single bill, as distinguished from bills drawn in sets).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Solarenergie (solar energy, solar power):

Industriezweig, der die volle technische Reife derzeit wohl noch nicht erlangt hat; mit der Folge, dass Banken mit Darlehn in diese Branche zurückhaltend sind. Das führt wiederum dazu, dass Unternehmen ihren Bedarf an Geld für Forschung, Entwicklung und Produktion durch die Emission von teilweise waghalsigen Finanzprodukten zu decken versuchen. Entsprechend hoch sind deshalb auch die Anzeigen der Anleger bei der Aufsichtsbehörde.

– Siehe Business Angel, Inkubator.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 163 (Beschwerden in Bezug auf Solarenergie), S. 173 f. (Betrugsfall), Jahresbericht der BaFin 2007, S. 177 f. (Insidergeschäfte), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 198 (Fonds zur Finanzierung von Photovoltaik-Anlagen gewinnen an Bedeutung), S. 200 (unerlaubtes Anbieten von Anteilen an Solaranlagen), Jahresbericht 2010 der Bafin, S. 217 (BaFin entdeckt im Internet öffentliche Angebote ohne Prospekt für Bürgersolaranlagen) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Solidarität, finanzielle (financial solidarity):

Mit der Griechenland-Krise vor allem dort aufgekommene Forderung, dass Mitgliedsländer mit guter Wettbewerbsfähigkeit innert der EWU einen Teil ihres erwirtschafteten Sozialprodukts "schwächeren" Mitgliedsstaaten freiwillig abtreten. Als Zahler kämen hierfür teilweise auch Länder infrage, die einen niedrigeren Lebensstandard aufweisen als die möglichen Empfänger. - Einem solchen Verlangen ist entgegenzuhalten, dass die EWU vertraglich bewusst nicht als Transferunion gestaltet wurde. Jedes Mitglied hat dafür Sorge zu tragen, dass es seinen Staatshaushalt im Gleichgewicht hält. Im völkerrechtlich verbindlichen Stabilitäts- und Wachstumspakt haben sich die teilnehmenden Staaten dazu ausdrücklich verpflichtet. Würden die "reicheren" Mitglieder der EWU die "ärmeren" Teilnehmer auf die geforderte Weise unterstützen, dann bestünde für diese kaum mehr ein Anreiz, ihre Staatsschulden zu mindern und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. - Freilich hat sich seit etwa 2010 immer deutlicher gezeigt, dass die die hohe Schulden, die einige Mitgliedsstaaten der Eurozone aufgetürmt haben, auf die eine oder andere Weise über die monetäre Schiene vergemeinschaftet (communitised) werden.

– Siehe Abwertung, fiskalische, Bail-out, Bilanzbereinigung, Blame game, Defizit-Falke, Erpressungspotential, Europäische Währungsunion, Grundfehler, Europayer, EWU-Sprengsatz, EZB-Sündenfall, Goldopfer, Griechenland-Krise, Inverzugsetzung, Irland-Krise, Moral Hazard, Murphy's Gesetz, Politikklammer, Politikverzug, Rettungspaket, Rückkehr-Ideologie, Schattenstaat, Schuldenclub, Schuldendroge, Semester, europäisches, Sensitivitätsanalyse, haushaltspolitische, Sonderziehungsrecht, Staatsverschuldungs-Druck, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Grundfehler, TARGET-Missbrauch, Transferunion, Verfassungsartikel eins, Vermögensabgabe, Verschuldung-Produktivität-Verkettung, Vertragstreue, Wachstum-Schulden-Tatsache, geschichtliche, Währungsunion 2.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom September 2013, S. 113 ff. (Ergebnisse der Stärkung des Stabilitäts- und Wachstumspaktes; weitere Verbesserungen sind erforderlich).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Solvabilität (solvability):

1 Im Sinne von Liquidität die Fähigkeit eines Schuldners, seinen Verpflichtungen jederzeit pünktlich nachkommen zu können (the ability of a debtor to pay his liabilities when due), gleichbedeutend mit Liquidität.

2 Die Schulden eines Unternehmens im Verhältnis zum Eigenkapital plus Fremdkapital (the debts of a company shown as a percentage of its equity plus loan capital).

3 Das Verhältnis zwischen der Summe aus Fremdkapital und Kapital aus Vorzugsaktien einerseits und dem Nominalwert des Grundkapitals einer Aktiengesellschaft (the relationship between the amount of loan and preference share capital on the one hand, and the nominal amount of ordinary capital on the other).

4 Bei einem Institut die Verpflichtung (nach § 10 KWG), angemessenes Eigenkapital zur Erfüllung seiner Verbindlichkeiten gegenüber der Kundschaft vorzuhalten. Im Einzelnen sind nach Basel-II genaue Vorgaben für die einzelnen Risiken verlangt.

5 Als versicherungstechnischer Begriff bei der Lebensversicherung das Verhältnis des verfügbaren Eigenkapitals zur Deckungsrückstellung.

– Siehe Basel-III, Finanzkraft, Kernkapital, Liquidität, Liquiditätsformen, Liquiditätsrisiko, Risiko, Risiko- und Solvabilitätsbeurteilung, unternehmenseigene, Solvabilitätsverordnung, Solvenz, Solvenzrisiko, Stammaktie.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 125 f. (Verlauf der Solvabilität; Übersicht), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 90 f. (zufriedenstellender Bedeckungssatz der Erst- und Rückversicherer), S. 127 f. (Meldepflichten seit Jahresbeginn 2008), Monatsbericht der EZB vom August 2013, S. 102 ff. (zur Solvabilitätsanalyse bei Banken, lehrbuchmässige Darstellung; viele Übersichten und Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Solvabilitätsverordnung, SolvV (solvability regulation):

Im Zuge von Basel-II ein umfangreiches Regelwerk im Besonderen für die Zulassungsvoraussetzungen, Eigenmittelanforderungen und Risikomessverfahren von Banken sowie auch für die Zulassung externer Rating-Agenturen. In Deutschland ist das Regelwerk seit Jahresbeginn 2008 verpflichtend.

– Siehe Common Reporting, Liquiditätsverordnung, Risiko- und Solvabilitätsbeurteilung, unternehmenseigene, Solvency-II.

– Vgl. Jahresbericht der BaFin 2004, S. 96, Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 87 (bereinigte Solvabilität), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 119 (zur Verwaltungspraxis) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 70 ff. (Umsetzung von Basel-II in deutsches Recht; S. 71: Übersicht, S. 89. EU-weit einheitliches Solvabilitäts-Meldesystem), S. 114 ff. (einzelne Themenbereiche), Jahresbericht der BaFin 2008, S. 73 (Solvabilitätsbereinigung-Verordnung für die Assekuranz), S. 131 (seit Jahresbeginn Pflicht für alle Institute, das in der SolvV vorgeschriebene Verfahren anzuwenden) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute", Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2013, S: 71 f. (Neufassung der SolvV).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Solvency-I (so auch im Deutschen gesagt):

Das Regelwerk für die europäische Versicherungsaufsicht.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 53 ff, Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 147 f., Statistik 2005 der BaFin (Erstversicherungsunternehmen), S. 79 f. (Zahlen in Bezug auf Schaden- und Unfallversicherer).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Solvency-II (so auch im Deutschen gesagt):

Von der EU-Kommission erarbeitete vom Europäischen Parlament im April 2009 angenommene Rahmenrichtlinie in Bezug auf die Rechtsangleichung in der Versicherungsbranche der EU, die Solvency-I ab 2010 ablösen und bis 31. Oktober 2012 umzusetzen war. In Anlehnung an Basel-II enthält die Neuregelung eine dreigegliederte Anordnung (three part directive), nämlich

1. Bestimmung hinsichtlich der Kapitalanforderungen,

2. Vorschriften für das Risikomanagement und

3. Offenlegungspflichten, Risiko- und Solvabilitätsbeurteilung, unternehmenseigene.

– Siehe Liquiditätsrisiko, Qick Fix, Solvency Capital Requirement, Solvenzrisiko.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 48 f. (Auswirkungsstudien), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 45 (laufende Arbeiten), S. 60 ff. (weitere Beratungen; Vorbereitung auf die neue Rechtslage), S. 95 f. (interne Modelle), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 58 ff. (Durchführungsbestimmungen, Auswirkungsstudien), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 55 ff. (Stand der Reform; Durchführungsbestimmungen; Arbeitsgruppen und deren Aufgaben), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 59 ff. (Durchführungsbestimmungen; Auswirkungsstudien, europäische Harmonisierung der Aufsichtspraxis) Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 69 ff. (weitere aufsichtsrechtliche Massnahmen), S. 103 (Umsetzungsfragen), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 59 (Umsetzung verzögert sich), S. 83 ff. (Teilbereiche werden vorgezogen), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 118 f. (einzelne Schritte zur Rechtssetzung; Übersicht) sowie auch den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Internationales".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Solvency Capital Requirement, SCR (so auch meistens in Deutschen gesagt):

Aufsichtsrechtlich vorgeschriebene Rückstellungen, um die Liquidität einer Versicherung zu gewährleisten (supervisory regulations with regard to the level of eligible own funds that enables insurance and reinsurance undertakings to absorb significant losses and that gives reasonable assurance to policyholders and beneficiaries that payments will be made as they fall due).

– Siehe Eigenkapitalquote, aufsichtsrechtliche, Liquiditätsrisiko, Solvency-II, Solvenzbilanz, Solvenzrisiko.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Solvenz (solvency):

1 Allgemein die Fähigkeit, allen laufenden Zahlungsverpflichtungen pünktlich nachkommen zu können (ability to meet financial obligations) und dann mit Liquidität gleichgesetzt.

2 Die Möglichkeit eines Unternehmens, im Falle der Insolvenz sämtliche Verbindlichkeiten decken zu können (the ability of a company to honour its commitments in the event of liquidation, i.e. if its operations are wound up and assets are put up for sale).

– Siehe Liquiditätsrisiko, Solvabilität, Solvenzrisiko, Zahlungsfähigkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Solvenzaufsicht (solvency supervision):

Die Prüfung der Banken und Versicherungen durch die Aufsichtsbehörde in Hinblick auf der Aufrechterhaltung ihrer ständigen Zahlungsfähigkeit. - Grundsätzlich betrachtet die Solvenzaufsicht Risikofaktoren als exogen, also als von aussen auf die Institute und Versicherungen treffend. Sie bemüht sich darum, Risikopositionen durch einheitliche Regeln (Level Playing Field) zu begrenzen. Damit steht die Verwundbarkeit des einzelnen Unternehmens im Blickpunkt. Verknüpfungen mit anderen Teilen des Finanzsystems werden nur insofern berücksichtigt, als sich aufgrund vertraglicher Beziehungen unmittelbare Bedrohungen erkennen lassen.

– Siehe Ansteckungswirkungen, Kontrahentenrisiko, Liquiditätsrisiko, Solvency-II.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Solvenzbilanz (solvency balance):

Aufsichtsrechtlich vorgeschriebene, nach bestimmten Gesichtspunkten gestaltete Gegenüberstellung von Zahlungsverpflichtungen und Rückstellungen. Nach Solvency-II wird dies für Versicherungen zur Pflicht gemacht.

– Siehe Cost-of-Capital-Ansatz, Erwartungswert-Rückstellung, Kapital, verfügbares, Solvency Capital Requirement, Solvenzrisiko, Unternehmensfinanzierung.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 48 f. (Aufbau der Solvenzbilanz; Qualitätsklassen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Solvenzkapital (solvency capital requirement):

Begriff in Zusammenhang mit Solvency-II, nämlich die nach bestimmter Methode zu errechnenden versicherungstechnischen Rückstellungen.

– Siehe Erwartungswert-Rückstellungen, Risikomarge, Solvency Capital Requirement.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 50 ff. (Berechnungsansätze; zukunftsgerichtete Analysepflicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Solvenzmeldewesen (solvency reporting):

Die durch EU-rechtliche Vorgaben verpflichtende Meldung der Institute in Bezug auf ihre angemessene Ausstattung mit Eigenkapital.

– Siehe COREP, Solvency Capital Requirement.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Solvenzrisiko (solvency risk):

Verlustrisiko aufgrund der Zahlungsunfähigkeit (insolvency; Insolvenz) vor allem

1. des Emittenten eines Finanzinstruments oder

2. aufgrund der Insolvenz des Geschäftspartners. (Often there is a confusion as to liquidity risk and solvency risk. If a company has no cash, it will be liquidity risk; but if a company is not capable to pay debt, it will be solvency risk.

– Solvency risk is more dangerous risk than liquidity because, if a firm has not cash, it can borrow for paying debt. But if the liabilities exceed the assets, nobody will give a loan and the company turns into insolvency).

– Siehe Adressen-Risiko, Crash, Emerging Markets, Informationsblätter für Finanzinstrumente, Intercreditor Agreement, Liquiditätsrisiko, Londoner Verfahren, Manifestierung, Risiko, Risikomanagement, Solvenz.

– Vgl. Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 82 ff. sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sonderdividende (extra[ordinary] dividend, bonus):

Die einmalige Ausschüttung eines grösseren Geldbetrags an die Aktionäre ausserhalb der regelmässigen Dividendenzahlung. - Solche Leistungen einer Gesellschaft sind vor allem auch in Zusammenhang mit feindlichen Übernahmen bekannt geworden. Eine Gesellschaft leert so ihre Kassen und verschuldet sich unter Umständen obendrein auch noch für lange Zeit bei den Banken, um für den Bieter an Attraktivität zu verlieren, andererseits aber die Aktionären an das Unternehmen zu binden.

– Siehe Dekapitalisierung, Gratisaktie, Pac-Man-Strategie, Transaktionsbonus.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sonderprüfung (special audit):

Massnahme der Aufsichtsbehörde im Falle von Verdacht des Handelns gegen Gesetze und Vorschriften bei Instituten. Rechtsgrundlage ist § 44 KWG. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht kann dabei eigene Prüfungen durchführen, aber auch die Deutsche Bundesbank oder - vor allem bei Zweifel hinsichtlich der ordnungsgemässen Buchführung - Wirtschaftsprüfer damit beauftragen. Die Aufsichtsbehörde handelt dabei entweder

1. aufgrund von (by reason of) Verbraucherbeschwerden, nach Hinweisen aus der Branche bzw. oft auch aus dem eigenen Hause ("antragsgetrieben"; upon application submitted),

2. aufgrund eigener Erkenntnisse, etwa aus dem Managementinformationssystem ("aufsichtsgetrieben"; on the initiative of the supervisory authority) oder auch

3. turnusgemäss (according to schedule). Der Schwerpunkt der Sonderprüfungen lag in den letzten Jahren bei den Genossenschaftsbanken.

– Im Jahr 2010 gab es in Deutschland knapp über die 2'000 Institute. Bei diesen wurden in demselben Jahr 258 Prüfungen - in Bezug auf die MaK allein 166 - durchgeführt: eine von der Kreditwirtschaft oft beseufzte Belastung.

– Siehe Bussgeld, Falscherklärung, Massnahme bei Gefahr, Verwarnung, Whistleblower, Zwangsgeld.

– Vgl. die jeweiligen Jahresberichte der BaFin; dort unter der jeweiligen Bankengruppe; Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 116 (Übersicht der Prüfungsgegenstände), Jahresbericht 2006 der BaFin, S: 68 f. (226 aufsichtsgetriebene Sonderprüfungen Jahr 2006), S. 134 f. (einzelne Fälle), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 129 f. (168 aufsichtsgetriebene Prüfungen; Fall West LB), S. 133 f. (Beanstandungen bei Genossenschaftsbanken), S. 215 (Sonderprüfungen bei Zweigstellen ausländischer Banken deckten Mängel auf), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 126 ff. (Sonderprüfungen nach verschiedenen Gesichtspunkten untergliedert; Ergebnisse; "problematische Institute"), S. 139 f. (Erlaubnisentzug für fehlbares Institut), S. 140 (in Bezug auf die Compliance fehlbares Institut), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 142 f. (routinemässige Prüfungen sind rechtens), S 144 (Verteilung der Sonderprüfungen nach Institutsgruppen), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 161 ff. (Ergebnisse der Prüfungstätigkeit 2010; Schwerpunkt bei problematischen Instituten), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 164 ff. (aufsichtsgetriebene Sonderprüfungen nahmen zu), Jahresbericht 2012 der Bafin, S. 145 ff. (jedes dritte problematische Institut war Gegenstand einer aufsichtsgetriebenen Prüfung; Prüfung zu Vergütungssystemen), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 106 f. (Statistik der Sonderprüfungen) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute", Rubrik "Aufsichtshandeln".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sonder-Refinanzierungsfazilität (term auction facility):

1 Von der EZB angesichts aussergewöhnlicher Marktverhältnisse Geschäftspartnern angebotene Liquidität, unter Umständen auch in Fremdwährung (xeno currency). So stellte die EZB, teilweise in Zusammenarbeit mit anderen Zentralbanken der Welt, im Zuge der Subprime-Krise mehrmals auch USD und CHF zur Verfügung, die in EUR zu besichern waren.

2 Im Besonderen auch gesagt von den "Gezielten längerfristigen Refinanzierungsgeschäften, GLRGs" (targeted longerterm refinancing operations, TLTROs) der EZB im Juni 2014 mit dem offenbaren Ziel, Geld den Staaten in Südeuropa zuzuleiten.

– Siehe Refinanzierungsgeschäft, längerfristiges.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der EZB, S. 109, S. 113 (Termine; Umfang der Geschäfte), Monatsbericht der EZB vom August 2009, S. 37 ff. (Auswirkungen des ersten längerfristigen Refinanzierungsgeschäftes mit einjähriger Laufzeit).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sondervorteil (special benefit):

In der Sprache der Aufsichtsbehörden der Gewinn, den ein Insider durch entsprechende Geschäfte erzielt.

– Siehe Insider-Transaktionen, Insiderüberwachung.

– Vgl. Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 199 f. (im gesamten unbefriedigende Abschöpfung der Sondervorteile durch die Gerichte) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sonderzahlung (special payment):

Möglichkeit, auf ein Konto neben den vertraglich vereinbarten regelmässigen Beträgen auch gesondert (verzinsliche; interest bearing) Einzahlungen vornehmen zu können. Häufig jedoch sind solche Überweisungen in den Geschäftsbedingungen ausgeschlossen, besonders bei Bausparkassen und Versicherungen, zumal diese oft für Guthaben eine über dem Einlagezins bei Banken liegende Verzinsung bieten. Die Verweigerung der Annahme von Sonderzahlungen ist aufsichtsrechtlich nicht zu beanstanden.

– Siehe Zinsschnäppchenjäger, Umschuldungs-Blase.

– Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 194 (entsprechende Verbraucherbeschwerden sind unbegründet).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sonderziehungsrecht, SZR (special drawing right, SDR):

Im Verkehr zwischen den Zentralbanken: das vom Internationalen Währungsfonds (IWF) an die Mitgliedsstaaten abgegebene Zahlungsmittel. Das SZR (SDR; davon abweichend ISO-Code: XDR) hat nicht die Eigenschaft einer Währungseinheit. Es ist primär Recheneinheit und Buchgeld. Verwendet wird es auch von öffentlichen und privaten Stellen, unter anderem als Nachfolger jener Rechnungseinheiten, die ehedem in Goldwerten (etwa: Goldfranken; [Swiss] gold francs) ausgedrückt waren. Auch die meisten Paritäten werden in SZR ausgedrückt. - Das SDR wurde 1969 vom Internationalen Währungsfonds eingeführt, um die Schaffung zusätzlicher Liquidität zu ermöglichen. Die SDRs werden an alle Mitgliedsstaaten entsprechend ihrer Kapitalquote beim IWF verteilt. Sie sind kostenlos und nicht an Bedingungen geknüpft. Mitgliedsstaaten der IWF können ihre zugeteilten SZRs gegen Landeswährung bei den jeweiligen Zentralbanken eintauschen. Die Kritiker sehen daher in den SZRs ein Hubschrauber-Geld und eine die weltweite Inflation anheizende Form der Entwicklungshilfe. - SDRs sollen den Mitgliedern des IWF ermöglichen, bei den teilnehmenden Zentralbanken frei verfügbare Reservewährungen wie den USD und EUR zu mobilisieren; sie sind gleichsam Gutscheine auf eine Währung. SDRs jedoch als allgemeine Reservewährung einzuführen, wie dies manchmal gefordert wird, würde darauf hinauslaufen, dass der Internationale Währungsfonds künftig wie eine Weltzentralbank handelt und dementsprechend auch eine globale Geldpolitik betreiben würde. Das stünde in Widerspruch zu der jeweiligen nationalen Zuständigkeit für die Geldpolitik und ist daher nicht wünschenswert. - Auch ist es ein offenkundiger Verstoss gegen die Abmachungen in der EWU, wenn im Namen der finanziellen Solidarität verlangt wird, dass die Zentralbanken der reichen - sprich: ihre Wettbewerbsfähigkeit mühsam erkämpften - Mitglieder ihre Bestände an SZRs in einen Fonds einbringen, aus dem dann auf die eine oder andere Weise die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität gespeist wird. - Der Wert des SZR wird täglich offiziell aufgrund der Wechselkurse des zugrundeliegenden Währungskorbes berechnet. Die Zusammensetzung des Währungskorbes sowie das Gewicht und die Menge der Währungen im Korb werden im Abstand von jeweils fünf Jahren neu festgelegt. Bei der Bestimmung des SZR am 30. Dezember 2008 waren nur noch fünf Währungen (USD, EUR. JPY und GBP) im Korb enthalten.

– Siehe Abwertung, Aufwertung, Bail-out, Hubschrauber-Geld, Goldopfer, Neuro, Parität, Verrechnungsgeld, Transferunion, Währung.

– Vgl. Jahresbericht 2000 der Europäischen Zentralbank, S. 109, Monatsbericht der EZB vom März 2010, S. 57 ff. (Problematik der Ausweitung der SZRs; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sonderziehungsrecht-Anleihen (special drawing right loans):

Papiere, die auf SZR lauten (securities denominated in SDR). Bis anhin (Ende 2013) gibt es solche Titel noch nicht. Es wird aber vorgeschlagen, dass der IWF SZR-Anleihen begibt, um damit das für seine vielfältigen und wachsenden Aufgaben notwendige Kapital zu erhalten. Diese Möglichkeit ist in der Satzung (bylaws) des IWF auch vorgesehen. Die Vorteile und Nachteile der Emission von SZR-Anleihen durch den IMF sind schwer gegeneinander abzuwägen.

– Siehe Sonderziehungsrecht.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Soros-Spekulation (Soros speculation):

Eine von dem in den USA ansässigen ungarischen Finanzmagnaten und Hedge-Fonds-Manager (proprietor of Quantum Fund) Georges [György] Soros gegen verschiedene Währungen geführte, auf Gewinne durch zukünftige Veränderungen der Devisenkurse abzielenden Käufe bzw. Verkäufe an den internationalen Devisenmärkten. Soros erzwang unter anderem am 16. September 1992 von England die Abwertung des GBP. Der Quantum Fund fuhr allein mit diesem Engagement einen Gewinn von schätzungsweise 1 Mia USD ein. England hatte sich geweigert, die längst fällige Abwertung des GBP innert des Europäischen Wechselkurssystems zuzulassen. Soros erkannte die Unhaltbarkeit dieser gegen jede ökonomische Vernunft gefällten Entscheidung. - Die Geschäfte von Soros halfen nicht zuletzt dazu, dass viele der Europäischen Währungsunion zunächst noch misstrauisch Gegenüberstehende ihre Meinung änderten und für eine gemeinsame, gegen Devisenspekulation kaum anfällige europäische Gemeinschaftswährung eintraten.

– Siehe Hedge-Fonds, Spekulation, Spekulation, destruktive.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sorten (foreign notes and coins):

Im Bankgeschäft übliche Bezeichnung für ausländisches Bargeld (banknotes and coins; Noten und Münzen). - Wer gewerbsmässig den Handel mit Sorten betreibt, bedarf in Deutschland einer Erlaubnis gemäss § 32 KWG. Ferner unterliegen entsprechende Dienstleister der Kontrolle durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.

– Siehe Münzkommis, Rechenknecht, Wechselstube.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sortenabteilung (foreign money department):

In einer Bank der Arbeitsbereich, dem die Verwaltung der Sorten obliegt. Die entsprechenden Mitarbeiter müssen nicht nur Kenntnisse aller Währungen der Welt besitzen, sondern auch zum Vorteil des Kunden fremdes Geld günstigst beschaffen (trading with and managing the purchase and sale of foreign currencies and is a very specialised business. Regulary the foreign exchange department works closely with the foreign exchange markets in each country, thereby dealing with the financial centres worldwide).

– Siehe Münzkommis.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sovereign:

Gattungsbezeichnung für englische Goldmünzen im Nennwert von einem Pfund; als Nachprägung zu Anlagezwecken weltweit gehandelt.

– Siehe Medaille, Münze.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sozialkapital (social overhead capital):

Bezeichnung für

1. die steuerfinanzierten (tax-founded) Dauereinrichtungen in einer Volkswirtschaft,

2. welche für den Güteraustausch grundlegende Dienste abgeben,

3. ohne im Regelfall im erwerbswirtschaftlichen Sinne genutzt zu werden: das Infrastrukturkapital. Hierzu zählen Einrichtungen wie Dämme, Verkehrsanlagen zu Lande und an Küsten, Kommunikationswege, Wasser- und Energieversorgung, Parks und Naturschutzgebiete, Gesundheitswesen, Rechtspflege sowie Ausstattung mit Bildungsstätten aller Art.

– Richtiger wäre es, hier von Sozialvermögen (social overhead assets) zu sprechen.

– Siehe Infrastruktur, Kapital, Vermögen, soziales.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sozialpartnerschaft (social partnership):

Das Geflecht der Zusammenarbeit von Arbeitnehmer und Arbeitgebern bzw. der sie vertretenden Interessensverbände mit dem Ziel, sozialen Frieden - im Gegensatz zum Klassenkampf (class war[fare]) - zu gewährleisten. Spärlich ausgeprägte Sozialpartnerschaft wird aufgrund vielfältiger Erfahrung als ein wesentlicher Grund für hohe Staatsverschuldung angesehen, die über kurz oder lang auch in die Krise führt.

– Siehe Haushalts-Kennziffern, Schuldenquote, staatliche, Verfassungsartikel eins.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sozialpfandbrief (social mortgage bond):

In Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg vom Bund begebene Schuldverschreibungen, deren Gegenwert in erster Linie zum Wohnungsbau für Flüchtlinge (refugees), Heimatvertriebene (expellees) und Umsiedler aus dem Osten (ethnic German repatriates from the East) bestimmt war.

– Siehe Bodenkreditinstitut, Flüchtlingssiedlungskredit, Langfristkultur, Wohnungsbauanleihe, Wohnungsbaukredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sozialprodukt (social product, national product):

Der in Geld ausgedrückte Wert aller – wenn nicht anders angegeben - in einem Jahr neu geschaffenen Waren und Dienstleistungen innert einer Volkswirtschaft oder eines Wirtschaftsraums und nach bestimmten, international einheitlichen statistischen Regeln erfasst.

1. Das Bruttosozialprodukt (gross national product) gibt die Wertschöpfung eines Kalenderjahrs gesamthaft an. Es misst die Wirtschaftsleistung aller Gebietsansässigen, unabhängig davon, ob diese im Inland oder im Ausland entstand. Das Bruttoinlandsprodukt (gross domestic product) zeigt den Wert der Gesamtproduktion von Waren und Dienstleistungen, erbracht innert der Landesgrenzen, nach Abzug der Vorleistungen zuzüglich der um Subventionen verminderten Produktions- und Importabgaben.

– Im jeweiligen Monatsbericht der EZB finden sich im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets" in der Rubrik "Preise, Produktion, Nachfrage und Arbeitsmärkte" Angaben zur Verwendungsseite des Sozialproduktes in verschiedenen Unterteilungen ausgewiesen.

– Siehe Balance of Payments Manual, Fiskalquote, Lohnquote, Volkseinkommen, Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, Wertschöpfung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sozialstaat-Falle (welfare state trap):

Der heute in Europa dicht geregelte Sozialstaat begründet Ansprüche ohne Grundlage: er macht den Einzelnen unabhängig von

1. einem Arbeitgeber sowie

2. von eigener Leistung. Dies ist sogar der Leitgedanke des Sozialstaates. Damit versperrt man jedoch dem Einzelnen den vertraglichen Zugang zu der ihm bei der Gestaltung seines ökonomischen Lebens einzig hilfreichen Kraft, nämlich dem Unternehmer, der neue Wege versucht, um am Markt Geld zu verdienen.

– Deshalb führt mehr Sozialstaat zwangsläufig

3. in immer grössere Arbeitslosigkeit,

4. zu wachsender Steuerbelastung mit der Folge einer Abwanderung befähigter Arbeitskräfte sowie von Unternehmen ins Ausland,

5. zu steigenden Staatsausgaben (im Bundeshaushalt 2013 rund siebenundfünfzig Prozent der Ausgaben) und

6. am Ende zur Inflation.

– Siehe Abgabenquote, Anpassungs-Inflation, zwingende, Bürgergeld, Drittgattingeld, Kinder-Tagesbetreuung, Schuldenquote, staatliche, Steuerlastquote, Subsidiaritätsprinzip, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Steuerlastquote, Tragfähigkeit öffentlicher Finanzen, Transferzahlungen, Verfassungsartikel eins, Wagnersches Gesetz, Zweitgattingeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Spam-Mails (spam mails):

In Bezug auf den Finanzmarkt unerwünschte Zusendungen von Kaufangeboten für Papiere aller Art über die elektronische Post. Durch Einschreiten der Aufsichtsbehörden und der Staatsanwaltschaften wurde diese Kontaktanbahndung stark zurückgedrängt.

– Siehe Cold Calling, Daimonion, Darkrooming, Finanzforen, Finanzgeier, Frontrunning, Geheimtip, High risk countries, Internet-Foren, Kapitalmarkt, grauer, Kreditvermittlungsplattform, Mail Shot, Parallel Banking, Racheengel, Twitter, Winkelmakler, Zinssatz, zweistelliger.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S 156 (Spam-Mails gehen zurück), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 186 (Scalping über Spam-Mails) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sparbriefe (savings certificates):

Von Banken ausgegebene Schuldverschreibungen, die vom Anleger für eine feste, nicht kündbare Laufzeit - überwiegend vier bis acht Jahre - zu einem in der Regel festgeschriebenen Zinssatz erworben werden können (certificate of deposit for a specific sum of money for a fixed time and usually at a stated interest rate). Ein Börsenhandel findet nicht statt. Sparbriefe mit einer Laufzeit von bis zu zwei Jahren werden bei der EZB zu M2 gezählt; liegt die Laufzeit darüber, so gehören sie zu M3. - In der EZB-Statistik tauchen Sparbriefe nicht mehr als eigene Position auf. Sie werden, soweit es sich um Namenspapiere handelt, den Einlagen mit vereinbarter Laufzeit zugerechnet. Handelt es sich um nicht-börsenfähige Inhaberschuldverschreibungen, so rechnet man sie den Bankschuldverschreibungen zu. - Die Deutsche Bundesbank weist im Statistischen Teil ihres jeweiligen Monatsberichts Sparbriefe nach dem Emissionswert bei Auflegung gesondert aus, und zwar unterteilt nach Abgeber-Gruppen.

– Siehe Depositen, Fristentransformation, Sparbauch, Sparprämienanleihe, Sparschuldverschreibung.

– Vgl. das monatlich erscheinende Heft "Bankenstatistik" der Deutschen Bundesbank, Rubrik "Banken (MFIs) in Deutschland", Unterrubrik "Passiva" zum Umfang der ausgegebenen Sparbriefe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sparbuch ([savings account-]pass book, savings book, bank book):

In Deutschland immer noch beliebte Form des Sparens, bei dem eine Bank dem Kunden eine Urkunde in Form eines handlichen Heftes aushändigt, worin Einzahlungen, Abhebungen und der jeweilige Kontostand eingetragen werden (a small book in ledger form in which all deposits, withdrawals and earnings of a customer's savings account are recorded), siehe auch § 808 BGB. Aufgrund seiner niedrigen Rendite ist das Sparbuch für hohe Beträge und für eine langfristige Geldanlage wenig geeignet. Auch wurde es durch andere Formen des bargeldlosen Zahlungsverkehrs weitgehend verdrängt.

– Siehe Computerzahlung, Chipkarte, Einkommensstreben, Fristentransformation, Geld, elektronisches, Geldschnitt, Geldkarte, Karte, multifunktionale, Postsparbuch, Reisekreditbrief, Sparbriefe, Sparheft, Sparwut, Sparzins, Tante Milly.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sparbuch-Darlehn (passbook loan):

Ein Kredit der Bank, der durch das Guthaben auf einem Sparbuch bei dem gleichen Institut gesichert ist; das Sparbuch ist bis zur Rückzahlung des Darlehns gesperrt (a loan secured by funds in a savings account on deposit with the same institution originating the loan. The pledged funds may not be withdrawn during the life of the loan).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sparbüchse in älteren Dokumenten auch Tirelire (savings box, money-box; rainy day fund):

1 Von Banken und besonders von Sparkassen früher an Privathaushalte (daher auch: Heimsparbüchse [home safe]) ausgeliehene kleine abgeschlossene Behälter, die mit einem Spalt (Schlitz) zum Einwerfen hauptsächlich von Münzen und oft auch mit einer Sperre gegen das Auskippen des Geldes versehen waren. Die Leerung der Sparbüchse konnte nur im ausgebenden Institut erfolgen und wurde in der Regel im Sparbuch gutgeschrieben.

2 Im übertragenen Sinne Ersparnisse vor allem für Notzeiten (nest egg); ein Hort.

– Siehe Geldjeans, Kasse, Spareinlagen, Sparstrumpf, Sparzins.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Spareinlagen (savings deposits; U.S. oft auch: thrift deposits):

Einlagen von Privathaushalten bei Banken. Sie werden in aller Regel getätigt, um längerfristige Vorhaben (projects at medium and long term) zu finanzieren oder auch nur, um einen Zinsertrag zu erhalten. Freilich ist es grundsätzlich möglich, Sparguthaben mit gesetzlicher Kündigungsfrist (legally fixed advance notice) sofort aufzulösen, wenn auch meistens zu noch ungünstigeren Bedingungen (prepayment penalty; compensation for early termination; Vorfälligkeits-Entschädigung) als bei Termineinlagen. Sie haben mit anderen Worten einen sehr geringen Liquiditätsgrad. Weil jedoch möglicherweise auch Sparguthaben in Bargeld umgewandelt werden könnten, so fasst sie die Geldstatistik ins Auge.

– Siehe Depositen, Geldwerte, Kontensparen, Sparwut, Sparzins, Zinsberechnung.

– Vgl. zur Höhe der Spareinlagen, nach Kündigungsfristen unterteilt, den Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Monetäre Entwicklungen, Banken und Investmentfonds" im jeweiligen Monatsbericht der EZB, sowie Monatsbericht der EZB vom September 2009, S. 23 ff. (Spareinlagen während der Finanzkrise; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2013, S. 44 (Spareinlagen der Privathaushalte aufgeschlüsselt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sparen (saving):

1 Allgemein der Nichtverbrauch von Einkommen und in der Regel auf Privathaushalte bezogen (the portion of household income not used in consumption expenditure). Dabei bleibt zunächst unberücksichtigt,

1. warum auf Konsum verzichtet wird und

2. wie die nicht konsumtiv genutzten Einkommensteile angelegt werden.

2 In der Jugendsprache auch Geld für unnötige Dinge (unnecessary things; superfluous items) ausgeben, hergeleitet von der dümmlichen, mögliche Kunden als Deppen einschätzenden Reklame (canvassing ballyhoo; media hullabaloo), dass man bei einem Kauf immer nur Geld sparen würde.

– Siehe Ersparnis, Geldsparverhalten, Geldschnitt, Horten, Konsumausgaben, Konsumentengeld, Kontensparen, Minderschätzung künftiger Bedürfnisse, Schumpeter-Theorem, Spareinlagen, Sparquote, Sparsamkeit, Staatsverschuldung, konsummindernde.

– Vgl. die Definitionen sowie die Bestands- und Zuwachsgrössen unter der Rubrik "Finanzkonten und nichtfinanzielle Konten", Unterrubrik "Jährliche Ersparnis, Investitionen und Finanzierung" im Teil "Statistik des Euro-Währungsgebiets" des jeweiligen Monatsberichts der EZB; Jahresbericht 2010 der EZB, S. 70 ff. (Sparverhalten der Privathaushalte seit 2000; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sparerschutz (savers protection):

Die Fürsorgepflicht des Staates gegenüber den Bürgern als Einleger ihrer Ersparnisse bei Banken. Die Mehrzahl der Kunden - und ärmere, wirtschaftlich schwache Personen zumal - sind nicht in der Lage, sich selbst zu schützen. Es muss daher jemand stellvertretend für sie die Kontrolle ihrer Einlagen übernehmen (Vertretungs-Vorbehalt; representation hypothesis). Das ist die Aufsichtsbehörde.

– Siehe Anlegerschutz, Aufsicht.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sparheft (savings book):

In der Schweiz übliche Bezeichnung für Sparbuch. Die meisten Banken in der Schweiz haben ab 2000 nach und nach die Sparhefte gekündigt und den Kunden dafür Sparkonten eingerichtet. Diese bieten eine höhere Verzinsung und mehr Sicherheit, wie Auszahlung nur an den Kontoinhaber oder Bevollmächtigten, kein Verlust oder Diebstahl der Urkunde ist mehr möglich.

– Siehe Sparbriefe, Sparzins, Tante Milly.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sparkasse in älteren Dokumenten auch Sparkassa (savings bank, bis etwa 1880: penny bank):

Bank, die sich im Passivgeschäft hauptsächlich mit der Entgegennahme und Verwaltung von Spareinlagen befasst. Im Deutschland ursprünglich von Städten und Kreisen ab etwa 1820 gegründet, sollten Sparkassen die sichere und zinsbringende Anlage kleiner Geldbeträge für die minderbegüterten Schichten der Bevölkerung ermöglichen. Bis Juli 2005 bestand eine Haftungsgarantie der Gewährträger (guarantors: Städte, Kreise) für allfällige Schulden der Institute. Wegen des Bezeichnungsschutzes in Deutschland vgl. § 40 KWG. - Sparkassen haben sich während der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise

1. aufgrund ihrer örtlichen Verankerung,

2. ob ihrer breiten Einlagefinanzierung, nämlich sehr viele Konten regelmässiger Einkommensbezieher und Sparer und

3. wegen der im Allgemeinen geringen Grösse der Institute als risikoabschirmend und damit als stabilisierend für das Finanzsystem erwiesen.

– Im Jahr 2013 hatten die Sparkassen - bezogen auf das Geschäftsvolumen in Deutschland - einen Marktanteil von etwa zweiunddreissig Prozent.

– Siehe Event Marketing, Gewährträgerhaftung, Girozentrale, Landesbank, Namensidentität, Penny-Bank, Retailgeschäft, Sparbüchse.

– Vgl. Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 64, Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 93 f., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 110 ff., Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 120 (Anzahl der Sparkassen 1998 bis 2007), S. 211 f. (vermeintliche EU-Sparkassen: Untersagungsverfügung der BaFin), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 114 (Übersicht: Zahl der Sparkassen 1999 bis 2008; Fusionsprozess), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 128 f. (weitere Zusammenschlüsse von Sparkassen; Statistik seit 1999), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 145 (weiterhin abnehmende Zahl durch Fusionen), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 149 (Zahl der Institute sinkt weiter; S. 159 f.: Auswirkungen von Basel-III auf die Sparkassen), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 93 (Zahl der Sparkassen 2003-2013) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sparkasse KölnBonn:

Diese zweitgrösste Sparkasse Deutschland geriet durch verantwortungslose Geschäftspolitik ab 2008 in die Verlustzone. Unter anderem genehmigte der Vorstandvorsitzende hohe Darlehn an einen undurchsichtigen TV-Studiobetreiber unter Umgehung wesentlicher bankgeschäftlicher Gebote. Auch weitere, der Verhaltensweise des Kölner Klüngels (Cologne cliques: ein von aussen kaum wahrnehmbares, dichtes Geflecht von auf Gegenseitigkeit beruhenden Gefälligkeiten innert des Kreises einflussreicher Personen, das über pflichtwidrige Gefälligkeiten und Schliche oft genug in schiere Korruption mündet) eigentümliche und am Ende höchst verlustreiche Entscheidungen wurden getroffen. Das Institut musste mit frischem Kapital ausgestattet werden. Dies löste ein Verfahren wegen unzulässiger Beihilfen seitens der Kommission in Brüssel (EU state aid proceedings) aus.

– Siehe Aufsichtsrats-Mitglied, Sachkunde, Nord-Ostsee Sparkasse.

– Vgl. Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 157 (Umstrukturierungsmassnahmen bis 2014).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sparkassen-Umwandlung (conversion of savings banks):

Die Forderung, alle Sparkassen und Landesbanken in Deutschland zu entkommunalisieren, zu privatisieren und in eine einzige grosse Bank einzubringen, die dann mit einem geschätzten Anteil von knapp über fünfzig Prozent der Umsätze auf dem Finanzmarkt marktbeherrschend wäre. In Italien wurde dies im grossen und ganzen vollzogen; die so entstandene UniCredit übernahm 2005 die Bayrische Hypo- und Vereinsbank.

– Siehe Gigabank, Kundennähe, Megamanie, Rush to exit, Subsidiaritätsprinzip, Vertikalisierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sparkommissar und Sanierer (hatchet man):

Im Jargon der Institute ein zumeist jüngerer männlicher Mitarbeiter, der unangenehme Entscheidungen gegenüber der Belegschaft durchzusetzen hat (junior executive who is given the task of executing unpopular decisions including of firing employees).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sparmahlzeiten und in älteren Dokumenten auch Phiditien (money-saving meals, spare meals):

Speisung mit Gerichten, die zwar schmackhaft und ernährungsphysiologisch (nutritionally: in regard to nutrition as the process by which a living person assimilates food) hinreichend sind. Die Ausgaben für die Bereitstellung des Essens sind jedoch bewusst, planmässig sehr niedrig gehalten. Oft dient das eingesparte Geld dazu, einem wohltätigen Zweck zugeführt zu werden (the money saved is donated for charities).

– Siehe Sparsamkeit, Tafelgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sparmarke auch Rabattmarke (discount ticket, trading stamp):

Früher von Einzelhändlern bei Barkauf (cash purchase, cash buying) ausgegebenes, ähnlich einer kleinen Briefmarke gestaltetes, gummiertes (gummed) Wertzeichen. Die Marken wurden in ein Rabattheft (Rabattbuch; passbook) oder auf einer Rabattkarte (payback card) geklebt. Ein volles Rabattbuch konnte dann beim Warenkauf eingelöst werden. - Zweck der Sparmarken war es,

1. dem im deutschen Einzelhandel sehr weit verbreiteten Kaufen auf Pump (Ankreiden; chalking up: taking on credit) entgegenzuwirken und in einem

2. die Kundenbindung zu stärken, um damit ein Abwandern der Käufer zu

3. Konsumgenossenschaften mit in der Regel hohen Rückvergütungen oder

4. zu Kaufhäusern mit teilweise erheblich niedrigeren Nettopreisen zu verhindern.

– Siehe Anschreiben Rabatt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sparprämienanleihe (lottery loan; premium bonds):

Anleihe, deren Tilgung durch jährliche Auslosung erfolgt. In Deutschland wurde 1919 ein solches Papier erstmals in Höhe von 5 Milliarden Mark aufgelegt. Die Nachfrage nach diesen, von dem talentvollen Mathematiker Felix Bernstein (1878-1956) entwickelten Titeln blieb aber sehr gering.

– Siehe Baby Bonds, Losanleihe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sparprogramm (austerity programme):

Vor allem im Zuge der Griechenland-Krise gehäuft verwendeter Begriff in der Bedeutung, dass eine Regierung Massnahmen zur Minderung der Staatsverschuldung und zur Wiedererlangung der Wettbewerbsfähigkeit einleitet und gegen Widerstand durchsetzt. Zu Unrecht werden solche Anstrengungen als wachstumshemmend beurteilt (are criticised for undermining growth). Denn ohne entsprechende Schritte driftet ein Staat immer mehr in die Verschuldung ab und gewinnt das Vertrauen der Handelspartner und Investoren nicht wieder zurück. Ob aber nach jahrelangem Nichtstun wie im Falle Griechenland Sparprogramme überhaupt noch anschlagen, ist eine schwer zu beantwortende Frage (the question, however, is, whether after long delay, rising bond yields, worsening economies and declining market confidence, such a programme could still be done). Am Ende werden alle Mitgliedsstaaten der EWU gezwungen, über die monetäre Schiene die Verluste der Defizitstaaten zu übernehmen.

– Siehe Angleichungsautomatismus, Bail-out, Blame game, Disfunktionalität, währungsraumbezogene, Erpressungspotential, Europäische Währungsunion, Grundfehler, EWU-Sprengsatz, Klippe, fiskalische, Moral Suasion, Perpetuum Mobile, Politikklammer, Politikverzug, Portugal-Krise, Rettungspaket, Risikoprämie, Rogoff-Studie, Schattenstaat, Schuldendroge, Schuldenunion, Solidarität, finanzielle, Staatsverschuldungs-Druck, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Grundfehler, Transferunion, Ungleichgewichte, EWU-interne, Verfassungsartikel eins, Verschuldung-Produktivität-Verkettung, Vertragstreue, Wachstum-Schulden-Tatsache, geschichtliche, Wachstumsförderung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sparquote (propensity to save):

Das Verhältnis des Sparens zum Einkommen, in der Regel nur auf die Privathaushalte bezogen. - Die Erfahrung zeigt, dass mit steigendem Einkommen und unter der Voraussetzung von

1. Preisstabilität,

2. unveränderten Erwartungen,

3. gleichbleibender Steuerbelastung,

4. wertbeständiger Vermögenslage (assets will hold their value; der Marktpreis des Portfolios in Wertpapieren und anderen Anlagegegenständen ändert sich nicht) und

5. feststehenden Kauf-Gewohnheiten (constant preferences; konstantem Präferenzen-Gefüge) mehr gespart und damit weniger verbraucht wird; der Grenzhang zum Sparen (marginal rate of savings; die marginale Sparquote: das Mehr an Sparen bei einer Erhöhung des Einkommens um 1 GE) steigt an.

– Siehe Entsparen, Geldschnitt, Inflation, Sparen, Sparwut, Staatsverschuldung, konsummindernde.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2007, S. 41 ff. (Konsum und Sparen in Deutschland seit 1991; viele Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2009, S. 76 ff. (Sparquote der Privathaushalte seit 2000; Übersichten), Geschäftsbericht 2009 der Deutschen Bundesbank, S. 19 (Übersicht Sparquote in den USA), Jahresbericht 2010 der EZB, S. 70 ff. (Sparverhalten der Privathaushalte im Eurogebiet seit 2000; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sparsamkeit (thrift, economicalness):

Das

1. planvolle, freiwillige Unterlassen der Verausgabung gegenwärtig zur Verfügung stehender Zahlungsmittel - manchmal auch auf materielle Güter (Sachgüter, physical goods) bezogen - und

2. deren dadurch bedingte Anhäufung

3. zwecks späterer, besserer und zweckentsprechenderer Verwendung.

– Die freiwillige Zurücklegen von Geld durch Verzicht auf die gegenwärtige Verausgabung (current spending) hat die Sparsamkeit zwar mit dem Geiz und der Habsucht gemein. Aber bei der Sparsamkeit geschieht das Anhäufen aus ganz anderer Einsicht, aus anderen Gründen und Zwecken. Veranlassung und Absicht der Sparsamkeit sind die Möglichkeit und der Wille zu späterer besserer und zweckmässigeren Verwendung, als diese in der Gegenwart geschehen könnte (possibility and willingness on better and more effective use at a later time than it could be currently), und nicht die aus Überschätzung hervorgehende Begierde nach Besitz von Reichtum. Die Sparsamkeit geht somit als Handlung aus richtiger Sacheinsicht (acting on the basis of right understanding of the matter) und aus sittlich guter Willensrichtung (morally good purposes) des vernünftigen Menschen hervor. Sie ist daher eine sittliche Tugend (moral virtue), die mithilft, den Menschen in rechte Beziehung und Ordnung zum Geld und den Sachgütern zu setzen, und diese dabei dem Menschen und seiner Bestimmung unterzuordnen. Daher ist es durchaus richtig, wenn in der frühkindlichen Erziehung bereits (already in childhood education and care) Sparsamkeit eingeübt wird.

– Siehe Argyromanie, Chremagogik, Geldethik, Geldglaube. Geldsparverhalten, Geldpsychologie, Geldstolz, Harpax, Horten, Konsumausgaben, Konsumentengeld, Kontensparen, Mammonismus, Minderschätzung künftiger Bedürfnisse, Misochrematie, Opportunitätskosten, Polyplusius, Sparen, Sparmahlzeiten, Sparquote, Vorsichtssparen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sparsamkeitsregel und Prinzip der Parsimonität (principle of parsimony; parsimony = late Latin artificial word from parcimōnia, from parcere = here: to spare, and monia = money):

In Bezug auf die Wissenschaft allgemein und damit auch auf die Geldtheorie weithin anerkannte Richtschnur. Danach sollen zur Begründung und Erklärung eines Zusammenhangs nur wenige Annahmen und Variablen herangezogen werden, wenn der bezügliche Sachverhalt damit hinlänglich begründet werden kann. Je weniger Hypothesen (hypotheses: suppositions or explanations which are provisionally accepted in order to interpret certain events or phenomena, and to provide guidance for further investigation) und Variable (variables: magnitudes capable of assuming any of a set of values) nämlich eingeführt sind, desto leichter lassen sich diese falsifizieren (falsify; a statement, hypothesis, or theory is termed falsifiable if it is possible to conceive an observation or an argument which proves the proposition in question to be false). - Indessen handelt es sich um einen Grundsatz, der lediglich ein einziges, obzwar wichtiges Kennzeichen für die Zweckdienlichkeit einer Theorie ausdrückt. Über die Gültigkeit von Erklärungsansätzen (validity of explanatory approaches) sagt die Sparsamkeitsregel nichts aus.

– Siehe Datenunsicherheit, Eckdaten, makroökonomische, Geldpolitik, vorausschauende, Gleichgewichtsmodelle, dynamisch-stochastische, Modelle, geldpolitische, Modellunsicherheit, Paradoxomanie, Strukturunsicherheit, Systematomanie, Unsicherheit, Vorhersagetauglichkeit, Wechselkursverlauf, unerklärbarer, Zwei-Säulen-Prinzip.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sparschuldverschreibung auch Sparobligation (saving bond):

Ein verzinsliches (interest bearing) Wertpapier, das ein Institut begibt und seiner Natur nach als Orderpapier (order paper) ausgestaltet ist. Bestimmte Emissionen sind börsenfähig (marketable).

– Siehe Sparbriefe, Sparprämienanleihe.

– Vgl. das monatlich erscheinende Statistische Beiheft "Kapitalmarktstatistik" der Deutschen Bundesbank zum Umfang der Begebungen und in den Erläuterungen wichtige Definitionen und Einteilungen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sparstrumpf (money sock):

Bargeld in eigener Verwaltung, dem Begriff Matratzengeld inhaltlich und umfänglich gleich. Das Wort "Strumpf" bedeutet wortgeschichtlich (etymologic) "Hose", also Geld in der Hosentasche aufbewahren. Der Nachteil dieser Art der Geldaufbewahrung liegt unter anderem darin, dass der Besitzer und seine Erben nicht mehr wissen, wo sie das Geld verwahrt hatten. Zu Jahresbeginn 2012 waren noch 13 Mia DEM in Umlauf, nach Vermutung der Deutschen Bundesbank ein beachtlicher Teil in längst vergessenen Sparstrümpfen.

– Siehe Abwartehaltung, Anlage-Risiko, Attentismus, Eventual-Kasse, Geld, totes, Geldbestand, sektoraler, Geldjeans, Geldmulde, Geldnutzen, Geldschatz, Horten, Idle money, Liquiditätspräferenz, Opportunitätskosten, Präklusivtermin, Sparsamkeit.

– Vgl. Jahresbericht 2011 der Deutschen Bundesbank, S. 107 (DM-Bargeldumlauf 2009-2011).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sparverein (provident society, savings club):

Eine Gruppe von Personen, die sich zur Erreichung eines bestimmten Sparziels zusammengeschlossen hat. - In der Regel wird

1. auf ein Ereignis hin (event: Weihnachtsfest, Hochzeit, längere Reise) oder

2. zur Unterstützung eines Vorhabens (financing a project: Errichtung eines Denkmals, Brunnen in einer Missionsstation in Afrika) gespart. Im 19. Jht. waren Sparvereine häufig; heute sind sie selten geworden. Soweit das Sparziel der Erwerb von Wohneigentum ist, sind Bausparkassen an die Stelle der entsprechenden und oft nur auf einen Ort beschränkten Vereine getreten.

– In Österreich ist die Errichtung eines Sparvereins anzeigepflichtig; der Vereinsgründer (Proponent; proponent) hat bei der Sicherheits-Direktion des betreffenden Bundeslandes eine Genehmigung einzuholen.

– Siehe Investment-Club, Vereinskonto.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sparwut und Sparschwemme (savings glut):

1 Privathaushalte legen

1. zu gewissen Zeiten aufgrund bestimmter Erwartungen oder

2. allgemein wegen Überalterung einen ungewöhnlich hohen (unduly high) Anteil ihres Einkommens zurück.

2 Unternehmen legen, statt Investitionen zu tätigen, Geld in zinstragende Papiere an.

– Siehe Ersparnis, Geldsparverhalten, Geldschnitt, Horten, Sparbüchse, Spareinlagen, Sparen, Sparquote, Sparsamkeit, Vorsichtssparen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sparzins (savings interest):

Der Zinssatz, den eine Bank für Spareinlagen bietet.

– Siehe Ausfallrisiko, Negativzins, Postsparbuch.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Speisergeld (payment for caterer service):

In älteren Dokumenten die Zahlung an Verpfleger - früher neben Speiser auch Oeconomi genannt -, die vor allem Kostgänger an niedrigen und hohen Schulen - zeitgenössisch auch Convictoristen geheissen - mit Speise und Trank versorgten. Von der Obrigkeit bestellte Inspektoren überwachten zwar meistens die Speiser. Freilich sind Klagen über Unterschleif und Betrug in diesem Gewerbe aus früherer Zeit häufig.

– Siehe Verpflegungsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Spektralanalyse (spectrum analysis):

Wenn nicht anders definiert, in Bezug auf den Finanzmarkt der Zusammenhang zwischen Darlehn der Banken und der jeweiligen Phase der Konjunktur bzw. dem Bruttoinlandsprodukt.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2011, S. 72 f. (ausführliche Erklärung; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Spekulant (speculator):

Marktteilnehmer, der

1. Erwartungen über künftige Preise hegt,

2. heute danach handelt, um so einen Verlust zu vermeiden oder einen Gewinn zu erzielen und damit

3. ein Risiko auf sich nimmt; denn seine Einschätzung der kommenden Marktverhältnisse kann auch unzutreffend sein. Speculators play a fundamental role in the market by assuming risks that other participants do not want to accept. In this way, speculators minimise the risk borne by others.

– Spekulanten als "marktstörende Elemente" hinzustellen und zu verteufeln, greift in jedem Fall zu kurz. Wenn beispielsweise Spekulanten Leerverkäufe in griechischen Staatsanleihen tätigen, und der Kurs dieser Papiere (weiter) sinkt, dann ist nicht auf die Spekulanten zu schimpfen. Vielmehr ist dafür zu sorgen, dass die Marktteilnehmer Vertrauen in diese Staatsanleihen wiedergewinnen. Die Vernunft gebietet es, den Ursachen der entsprechenden Erwartungen der Spekulanten Beachtung zu schenken.

– Siehe Absicherung, Aufsaugphase, Barfusspilger, Credit Default Swap-Spekulation, Erwartungen, Gnadengeld, Kassaspekulant, Leerverkäufe, Lug-und-Trug These, Option, Overtrading, Rendite, implizite, Risikomanagement, Risk-Taker, Soros-Spekulation, Spekulation, Spekulation, destruktive, Spekulationshändler, Terminhändler, kapitalkräftige, Terminspekulant, Vertrauensverlust, Warentermin-Kontrakt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Spekulation (speculation):

1 Allgemein die Tätigkeit mit dem Ziel, aus einer für die Zukunft erwarteten Marktveränderung Nachteile zu vermeiden bzw. Vorteile zu gewinnen.

2 Geschäfte, bei denen sehr hohe Risiken hinsichtlich des Gewinns oder des Verlustes eingegangen werden

3 An Börsen der Versuch, durch den Kauf/Verkauf von Terminkontrakten aus Preisänderungen auf dem Finanzmarkt oder Warenmarkt Gewinn zu erzielen. Der Spekulant übernimmt dabei das Risiko, welches der Absicherer (hedger; Hedger) einem Partner zu übertragen sucht. Damit verschafft der Spekulant dem Markt die notwendige Liquidität. In Deutschland ist es nach § 23 BörsG verboten, Unerfahrene zu Spekulationsgeschäften zu verleiten.

4 Abwertende Bezeichnung für risikofreudige Marktteilnehmer überhaupt mit der Behauptung, sie würden - gar weltweit - Ungleichgewichte hervorrufen. Nicht also die Ursache wie schlechte Politik und dadurch entsprechende Erwartungen der Wirtschaftssubjekte wird angeprangert, Vielmehr wird nur grell die Wirkung - hier: Rückzug aus den krisenverdächtigen Engagements - beleuchtet.

– Siehe Agiotage, Aufklärungspflicht, Blase, Blase, spekulative, Derivate-Informationspflicht, Derivate-Kodex, Differenzgeschäfte, Finanzgeier, Finanzialisierung, Fixing, Herstatt-Pleite, Leerverkauf, Martin-Prinzip, Meinungskäufe, Option, Position, ungedeckte, Rendite, implizite, Risikobericht, Risikotransfer, Rohstoffpreisrisiko, Rohstoff-Terminvertrag, Short-Selling, Soros-Spekulation, Spekulant, Spread Bets, Stag, Terminspekulant, Vieleck, magisches, Vorschatten-Effekte, Waren-Terminkontrakt, Zitronenhandel.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom September 2008, S. 21 (Schwankungen der Rohstoffpreise in Abhängigkeit von Spekulanten: Übersicht), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2012, S. 34 f. (zum Einfluss der Spekulation auf dem Erdölmarkt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Spekulation, destruktive (destructive speculation):

Die immer wieder vorgetragene Behauptung, Spekulanten würden Papiere oder gar ganze Staaten durch ihre Entscheidungen in Zwangslagen bringen. - Hier wird leicht erkennbar die Ursache mit der Wirkung verwechselt. Wenn Spekulanten auf ungünstige Gegebenheiten in einem Unternehmen oder in einem Staat ansprechen, dann sollten diese nachteiligen Umstände abgeändert und richtiggestellt werden. Tatsache ist, dass Spekulanten oft genug Besserungen erzwungen haben, den Vorständen von Firmen und Politikern jahrelang hintangesetzt haben. Als Beispiel gilt Griechenland, dessen Bewegung zum Staatsbankrott 2010 von den Behörden der EU jahrelang kaum gerügt wurde. Erst als die Risikoprämien für griechische Staatsanleihen beunruhigende Grössen erreichten, kam Bewegung in die Sanierung der Staatsfinanzen Griechenlands.

– Siehe Aufkäufe, zentralbankliche, Bail-out, Soros-Spekulation, Staatsverschuldung, Verfassungsartikel ein, Wettbewerbsfähigkeit, Wirkungen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Spekulationsblase, extrinsische (extrinsic bubble):

1. Anleger kaufen augenblicklich stark nachgefragte Aktien - manchmal auch auf andere börsengängige Handelsgegenstände bezogen - in der Erwartung weiteren Kursanstiegs,

2. was von selbst deren Kurs erhöht,

3. und dies veranlasst weitere Anleger, diesen High Flyer zu kaufen weil sie annehmen, dass die bisherigen Käufer über Informationen verfügen, die sich aus den allen zugänglichen Grunddaten nicht ablesen lassen,

4. was abermals einen Kursanstieg bewirkt, und so weiter.

– Siehe Aktienblase, Asset Price Inflation, Baisse, zyklische, Blase, spekulative, Dominostein-Effekt, Hausse, Headline-Hysterie, Herdenverhalten, High Flyer, Immobilienblase, Kurzsichtigkeit, Marktkenntnis, zentralbankliche, Milchmädchenhausse, Nullzins, Rally, Rückkoppelungsschleife, Runup, Sinuskurven-Fetischismus, Soft Landing, Tulpencrash, Überschwang, unvernünftiger, Vermögenseffekt, Vorschatten-Effekte, Zinsdifferenzgeschäft.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2002, S. 49.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Spekulationsblase, intrinsische (intrinsic bubble):

Anleger auf dem Aktienmarkt überreagieren aufgrund günstiger Meldungen in Hinblick auf Gewinn und Dividendenzahlung; der Kurs der Aktie steigt dadurch unverhältnismässig stark an.

– Siehe Ad-hoc-Mitteilung, Blase, spekulative, Frontrunning, Internet-Foren, Kursmanipulation, Rally.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2002, S. 49.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Spekulationshändler (spectail):

Ein Börsenhändler, der zwar Aufträge seiner Kunden ausführt, dem aber in erster Linie an spekulativen Eigengeschäften gelegen ist (a dealer on an exchange who conducts transactions for clients, but is focused more on acquiring and financing own speculative positions. - The term is a combination of "speculative" and "retail": that is, the dealer is involved in retail transactions for clients, yet is most interested in own speculative transactions).

– Siehe Börsenhändler, individueller, Börsianer, Kursmakler, Local,, Nostro Flag, Spekulant.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Spekulationsteuer (speculation tax):

1 In Deutschland eine Steuer auf den Gewinn von Wertpapieren, die innert einer Frist von weniger als einem Jahr gekauft und verkauft wurden. Im März 2004 wurde diese Abgabe vom Bundesverfassungsgericht als teilweise verfassungswidrig erklärt.

2 Die vorgeschlagene Belastung kurzfristiger Devisentransaktionen mit einer Abgabe. Dies würde zu einer teilweisen Abwanderung der Geschäfte in Offshore Finanzplätze oder auch in das Underground Banking führen.

– Siehe Abgeltungsteuer, Groll-Effekt, International Business Company, Tobin-Steuer, Zweitausweis.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sperrfrachtgeld (bulky goods charge):

Im Transportgewerbe (carrying business) ein Zuschlag zum Frachtgeld für Stücke, die verhältnismässig viel Raum einnehmen (bulky goods as furniture, whitegoods [Weisse Ware: elektrische Haushaltsgeräte wie vor allem Kühlschränke, Tiefkühltruhen, Waschmaschinen, Wäschetrockner und Gasherde], electrical equipment, bedding and manchester [Bettwäsche, Handtücher], lighting, automotive parts [Fahrzeugteile], camping and outdoor equipment, tools, building materials and homemaker products [Maschinen und Geräte für Heimwerker]).

– Siehe Ladegeld, Lastgeld, Verpackungsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sperrfrist (blackout period; blocking period):

1 Allgemein der Zeitraum, in dem ein Wertpapier seitens der Eigentümer aufgrund vertraglicher Vereinbarungen nicht veräussert werden darf.

2 Im Besonderen das Verbot des Kaufs oder Verkaufs von Aktien eines Unternehmens durch leitende Mitarbeiter innert einer vom Gesetz - in den USA § 306 a Sarbanes-Oxley-Act - oder der Aufsichtsbehörde festgelegten Zeitspanne (the phase prior to the release of financial information during which certain employees [insiders] of a public company are prohibited from trading in the firm's shares).

3 Zeitspanne, in der Dokumente vertraglich oder durch Gesetz nicht veröffentlicht werden dürfen (lenght of time during which records are not allowed to be disclosed, to meet contractual or legal requirements).

– Siehe Anleihe, variable verzinsliche, Bonifikation, Compliance, Handelszeit, erlaubte, Sperrkonto, Tag-along Rights, Verkaufsbeschränkungen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sperrkonto (blocked account, frozen account):

1 Guthaben bei einer Bank, über das vertraglich innert einer bestimmten Zeit grundsätzlich nicht frei verfügt werden darf, sprich: keine Abhebungen möglich sind: Festgeld.

2 Guthaben bei einer Bank, über das erst nach Eintritt einer vereinbarten Bedingung frei bestimmt werden kann, beispielsweise nach Volljährigkeit.

3 Während der Devisenzwangswirtschaft in Deutschland 1931 eingerichtete Konten für Gebietsfremde, die deutsche Titel in Besitz hatten, fortan aber die Erträge nicht mehr in ihre heimische Währung umgetauscht bekamen. Überwiesen wurden die Zahlungen in Sperrmark (blocked mark), die grundsätzlich lediglich in Deutschland ausgegeben werden konnte.

4 Durch Verfügung des Staates, eines Gerichts oder einer Aufsichtsbehörde veranlasstes Einfrieren (blocking) einer Bankverbindung; im Besonderen auch

1. ab 1938 in Deutschland aus dem (Zwangs)Verkauf des Eigentums jüdischer Mitbürger erlöste Beträge, die auf entsprechenden Konten einzuzahlen waren; Zugriff hatten bestimmte Dienststellen des Staates;

2. nach 1945 Organisationen, Amtswaltern und teilweise auch nur gewöhnlichen Mitgliedern der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei bzw. deren Gliederungen weggenommenes Geld, in aller Regel unabhängig von der Höhe der Einlagen.

5 In Zusammenhang mit den Finanzhilfen im Zuge des Europäischen Stabilisierungsmechanismus und der Griechenland-Krise von der deutschen Bundesregierung eingebrachter Vorschlag, Hilfen der Mitglieder der Eurozone für in Not geratene Mitglieder auf ein von der EU verwaltetes Sonderkonto zu überweisen, aus dem die aufgelaufenen Schulden getilgt werden. Das soll sicherstellen, dass die Finanzhilfen nicht für andere Zwecke, wie etwa für Luxuskonsum, verwendet werden. Man folgerte, dass auch ein Spielsüchtiger (gambling addict) oder ein Drogenabhängiger (drug hype) ihm zugewiesenes Geld zu seiner Heilung kaum für den eigentlichen Zweck verausgaben könne. Eigenartigerweise wurde dies von den sozialdemokratischen und grünen Politikern in Europa nachdrücklich abgelehnt.

– Siehe Festkonto, Sperrfrist, Vermögen, gesperrtes, Vorfälligkeits-Entschädigung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sperrlisten (restricted lists):

1 Im Verfolg der Compliance ein Verfahren, bei dem alle Geschäfte in bestimmten Wertpapieren verboten werden; es sei denn, diese beruhen ausschliesslich auf einer eindeutigen, dokumentierten Kundenweisung. Von den Aufsichtsbehörden ist dies empfohlen und teilweise sogar vorgeschrieben.

2 Veröffentlichtes Verzeichnis gestohlener und auf andere Weise abhanden gekommener Wertpapiere, um vor deren Kauf zu warnen.

– Siehe Beobachtungsliste, Handelsüberwachungsstelle, Insider-Meldepflicht, Insider-Transaktionen, Insider-Überwachung, Nominee, System Securities Watch Application (SWAP), Steuerberater, Wirtschaftsprüfer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sperrminorität (blocking minority):

Die Möglichkeit einer Minderheit, bei Abstimmungen, und hier wieder im Besonderen gelegentlich der Hauptversammlung einer Aktiengesellschaft, einen Beschluss zu verhindern (the minority needed to block certain decisions of the general meeting of shareholders). Allgemein entstehen Sperrminoritäten dort, wo bei Entscheidungen eine qualifizierte Mehrheit vorgeschrieben ist.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Spesenreiterei (churning):

Ein Börsenmakler bzw. eine Bank handelt übermässig und unnötigerweise für ein Kundenkonto, um sich so an zusätzlichen Provisionseinnahmen zu bereichern.

– Siehe Churning, Kick Back, Klientenüberweisung, Schlangenhandel.

– Vgl. Jahresbericht 2001 des Bundesaufsichtsamts für den Wertpapierhandel, S. 14 f., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 79, S. 123 (Massnahmen gegen fehlbares Institut), S. 124 (kriminalpolizeiliche Durchsuchung) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Spezialbank (specialised commercial bank):

Ein Institut, das sich ausschliesslich auf ganz bestimmte Geschäftsfelder ausrichtet.

– Siehe Bankdiscounter, Autobank, Privatbanken.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Spezialfonds (special fund; specialised fund):

1 Angesammelte Mittel zur Förderung einer genau bezeichneten Zweckes, wie etwa die Finanzierung einer Missionsstation oder ein Entwicklungsvorhaben (fund sources that are restricted for explicit purposes, as to support a mission station or a development project).

2 Ein Fonds, der sich in seiner Anlagepolitik auf bestimmte Marktsegmente festlegt, etwa: Chemiewerte; chemicals.

3 In der deutschen Rechtssprache Sondervermögen, dessen Anteilscheine auf Grund schriftlicher Vereinbarungen mit der Kapitalverwaltungsgesellschaft jeweils von höchstens zehn Anteilinhabern gehalten werden, die nicht natürliche Personen sind. Dabei ist sicherzustellen, dass die Anteilscheine nur mit Zustimmung der Kapitalverwaltungsgesellschaft von den Anteilinhabern übertragen werden dürfen; vgl. § 1, Abs. 2 KAGG. Spezialfonds in diesem Sinne sind ein Bestandteil des Schattenbankbereichs und wichtige Geschäftspartner von Banken. Im September 2012 hatten Spezialfonds Schuldverschreibungen deutscher Institute in Höhe von 50,5 Mia. Euro im Portfolio.

– Siehe Altersvorsorgeeinrichtung, Auftragsfonds, Fonds, ethischer, Fonds, offener, Generalist, Investmentfonds, Waldfonds, Zinskontrolle.

– Im jeweiligen Monatsbericht der EZB ("Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Monetäre Entwicklungen, Banken und Investmentfonds", Unterrubrik "Aktiva der Investmentfonds im Euro-Währungsgebiet nach Anlageschwerpunkten und Anlegergruppen") finden sich bilanzielle Aufstellungen über die Spezialfonds im Euroland. Auch das monatlich erscheinende Statistische Beiheft "Kapitalmarktstatistik" der Deutschen Bundesbank veröffentlicht Zahlen zum Absatz und Erwerb Spezialfonds in Deutschland, nach verschiedenen Gesichtspunkten aufgeschlüsselt; Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 58 f. (kritische Darstellung der verschiedenen Rollen; Übersicht), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2013, S. 18 (Spezialfonds gekennzeichnet durch im gesamten konstante Mittelzuflüsse).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Spielbank auch (Spiel)Kasino (gambling house, casino):

Eine Räumlichkeit oder Einrichtung, in der Glücksspiel (gambling) ausgeübt wird. - Der Betrieb einer Spielbank ist in Deutschland erlaubnispflichtig und unterliegt der staatlichen Aufsicht. Das Gesetz über das Aufspüren von Gewinnen aus schweren Straftaten (Geldwäschegesetz [GwG]) aus dem Jahr 1993 schreibt in § 14 im Einzelnen vor, inwieweit Spielbanken interne Vorkehrungen gegen Geldwäsche treffen müssen. In Artikel 10 der Richtlinie 2005/60/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Oktober 2005 zur Verhinderung der Nutzung des Finanzsystems zum Zwecke der Geldwäsche und der Terrorismus-Finanzierung wird vorgeschrieben, dass Spielbanken die Registrierung, Feststellung und Überprüfung der Identität ihrer Besucher unabhängig von der Höhe gekaufter Jetons vornehmen müssen, und zwar unmittelbar vor oder bei Betreten des Kasinos.

– Siehe Buchmacher, Finanzwetten, Geldharke, Jeton, Kontenoffenlegung, Lotterie, Wettbüros, Zweitausweis.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Spielbank-Doktrin (casino approach):

Die Auffassung, wonach das Geschehen an den Finanzmärkten gesamthaft und an den Börsen insonders mit Erklärungs-Ansätzen erfasst (explained: nachgezeichnet, häufig gar: vorgezeichnet) werden könne, die mathematisch an Abläufen bei (Roulette)Spielen herausgearbeitet wurden. - Dies ist erkennbar falsch. Denn Preise auf den Finanzmärkten sind das Ergebnis von eingetretenen oder erwarteten Vorgängen in der Realwirtschaft, einschliesslich des politischen Umfeldes. Sie spiegeln also, ganz anders wie beim (Roulette)Spiel, die monetäre Seite dieser grundsätzlich mit Unsicherheit behafteten Gegebenheiten wider.

– Siehe Bewertbarkeit, Erwartungen, Finanzpsychologie, Formeln, finanzmathematische, Furchtthese, Geldheimat, Modigliani-Miller-Theorem, Zufall.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Spieler-Pleite (gambler's ruin):

Selbst wenn die langfristigen Gewinnaussichten in einem Unternehmen sehr gut sind, so kann dennoch eine Reihe hintereinander auftretender unerwarteter Verluste in den Konkurs führen (an unfavourable sequence of unexpected losses could lead to bankruptcy, although the long-run cash flows in a company are at best).

– Siehe Bankrott, Insolvenz, Ruin, Zahlungsunfähigkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Spielgeld (play money, toy money; input sum; start money; salary bonus; squandered money):

1 Ein Schein, eine bedruckte kleine Karte oder eine Marke (Chip, Jeton), die einen gewissen Betrag verkörpern und unter Spielern als Geldersatz Verwendung finden.

2 Der Einsatz bei einem Glücksspiel (gambling game), ausgedrückt in einer Summe.

3 Im Sport und besonders im Fussball die Zahlung an Spieler, die an einem Wettkampf teilnehmen, Antrittsgeld.

4 An angestellte Künstler, Schauspieler und Musiker zusätzlich zu ihrem Salär geleistete Zahlung, wenn diese bei einer Veranstaltung mehrere Auftritte zu leisten haben.

5 In manchen Lokalen von den Gästen gegen Bargeld einzutauschende Jetons, die als Trinkgeld an das Personal gegeben werden. Diese Jetons können dann von den Angestellten beim Lokalbetreiber in Geld zurückgetauscht werden.

6 Waghalsige Investitionen in Papiere, wo man von vornherein einen hohen Verlust einrechnet, sich aber auch Hoffnung auf einen satten Gewinn (high profit) macht.

7 Abfällig gesagt von einer Währung, deren Kaufkraft stark gesunken ist.

8 Seit etwa 2012 auch spöttische Bezeichnung für Hilfsgelder, die im Zuge der Griechenland-Krise nach Griechenland und andere Wackelkandidaten (totter candidates: countries, wahre the EUR is on a shaky ground) der Eurozone flossen.

– Siehe Bubengeld, Frackgeld, Gelddauerspielerei, Geldharke, Geldwettkampf, Glücksspieleffekt, Jeton, Linden-Dollar, Lotterie, Quickgeld, Spielbank, Stiefelgeld, Tantes, Verrechnungsgeld, Wettbüros.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Spielkartensteuer (impost on playing cards):

Eine in vielen deutschen Territorialstaaten geltende und später auch vom Reich übernommene Abgabe auf die Herstellung von Spielkarten. Der Gebrauch von nicht mit einem obrigkeitlichen Stempel versehenen Spielkarten unterlag teilweise harschen Strafen. In zeitgenössischen Verfügungen wird darüber hinaus jedem eine Belohnung - "mit Verschweigung seines Namens", wie es in der hessen-darmstädtischen "Verordnung, wegen der gestempelten Spielcharten" vom 11. April 1771 heisst - zugesichert, der Spieler zur Anzeige bringt, die nicht-versteuerte Spielkarten in die Hand nehmen. - In der Bundesrepublik Deutschland wurde die Spielkartensteuer erst zum 1. Januar 1981 wegen des geringen Aufkommens abgeschafft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Spielregeln, niveauangleichende internationale (international level playing fields):

Aufsichtsrechtlicher Begriff, der das Ziel einer weltweit möglichst einheitlichen Bankenaufsicht beschreibt, um Wettbewerbsverzerrungen (distortions of competition) zu minimieren.

– Siehe Aufsichtsbehörde, Ausschuss für Bankenaufsicht, International Business Company, Internationale Organisation der Wertpapier-Aufsichtsbehörden, Offshore Finanzplätze.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Spill-over-Effekt, Spillover-Effekt und Carry-over-Effekt (so auch im Deutschen gesagt, aber in unterschiedlicher Bedeutung):

1 Im Finanzbereich die Wirkung des Images (image: gemeint hier als Vorstellung, die eine Person bzw. eine Mehrheit von Personen über einen Gegenstand hat) einer Bank - etwa: Credit Suisse; Deutsche Bank - auf einen bestimmten anderen Vorstellungsinhalt - hier: Schweiz; Deutschland - und umgekehrt. Dieser Ausstrahlungseffekt (Partizipationswirkung; participation effect) kann auch negativ sein. Als Beispiel sei die deutsche Ergo-Versicherung genannt. Sie zeichnete jahrelang "leistungsstarke Mitarbeiter" mit Bordellbesuchen aus. Der Kunde rechnet in diesem Fall, dass ein Teil seiner Prämie ins Rotlichtmilieu (world of pimps and prostitutes) fliesst und meidet den Anbieter. Man spricht diesfalls auch von Kannibalismus-Effekt (cannibalism effect).

2 Die bei einer absatzpolitischen Massnahme - etwa: Werbung für Festgeldanlagen - über die ursprüngliche Zielsetzung hinausgehende Wirkung; im Beispiel: Zunahme der Aktiendepots.

3 Die Auswirkungen der Wirtschaftspolitik eines einzelnen Landes allgemein und der Haushaltspolitik im Besonderen auf die übrigen Mitglieder in einem Währungsverbund wie der Eurozone.

4 In der EU die Tatsache, dass die Vergemeinschaftung bestimmter Bereiche - etwa: freier Kapitalverkehr - von selbst starke Kräfte freisetzt, angrenzende Politikbereiche an die Gemeinschaft zu übertragen, hier: gemeinsame Währungspolitik und Zentralbank.

– Siehe Badwill, Cassis-de-Dijon-Urteil, Externalität, Gnomen von Zürich, Helvetophobie, Metcalfe-Regel, Reputationsrisiko.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2010, S. 32 f. (Spill-over-Effekte der Haushaltspolitik in der EU).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Spin Doctor (so auch im Deutschen, seltener Öffentlichkeitsbeauftragter):

1 Bei einem Institut eine Person, die für die Öffentlichkeitsarbeit - nicht unbedingt jedoch auch für die Werbung - zuständig ist. Der Begriff wird hier weitgehend positiv gebraucht; sonst ist damit auch vielfach die abschätzige Bedeutung Manipulator, Schönredner, Tatsachenverdreher, Lügenbaron verbunden.

2 Im Besonderen jemand, der auch unliebsame Nachrichten aus einem Institut so der Öffentlichkeit übermittelt, dass diese keinen Imageschaden verursachen (someone in a bank who provides an interpretation of news or an event in a way that makes the news or event work to the advantage of the institute).

– Siehe Abwanderungsquote, Event Marketing, Käserei, Kiddies Manager, Münchhausen, Baron, Sachverhaltsgestaltung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Spinne (spider):

Besonderer Indexfonds, als das von einer Kapitalverwaltungsgesellschaft aufgelegte und verwaltete Sondervermögen, welches einen Index kopiert. Hier im Besonderen bildeten 1993 die Standard & Poor's Depositary Receipts (SPDR) die Grundlage. Wegen der Abkürzung SPDR wurden diese Papiere Spider genannt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Spin-off und Spinoff (so auch im Deutschen gesagt, seltener Abspaltung):

Bei verzweigten Unternehmen und auch Banken die Ausgliederung eines Geschäftsbereichs, in der Regel mit der Absicht, diese Sparte sofort oder später als selbständige Firma an die Börse zu bringen. Spin-offs bieten vor allem Konzernen die Möglichkeit, kurzfristig Kapital zu erlangen. Generally, all-finance groups wishing to streamline their operations often sell less productive, or unrelated subsidiary businesses as spin-offs. The spun-off companies are expected to be worth more as independent entities than as parts of a larger business. Vielfach sind Spin-offs daher der erste Schritt zur vollständigen Trennung von einer Sparte.

– Siehe Auslagerung, Contractual Trust Arrangement, Datei-Verwaltung, zentralisierte, Hilfsdienste, bankbezogene, Insourcing, Outsourcing, Subsidiaritätsprinzip, Treuhandvertrag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Spinnweben-Modell (cobweb model):

Die Nachzeichnung einer Zyklik von Angebot und Nachfrage, bei der eine verhältnismässig lange Zeit zwischen dem Ansporn zu mehr Produktion aufgrund gestiegener Marktpreise einerseits und dem Ergebnis der so bewirkten Mehrerzeugung andererseits besteht. Vorherrschend ist dies in der landwirtschaftlichen Erzeugung, weil hier eine Abhängigkeit zum Naturrhythmus gilt (as there is a natural given lag between planting and harvesting).

– Siehe Agrarrohstoffe, Apfelernte-Schluss, Cash crop, Flächenstillegungsprämie, Kerninflation.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Spitzeninstitut (central institution; head bank):

1 Früher gesagt von der jeweiligen Landesbank (giro centre; Girozentrale) der Sparkassen in den einzelnen Bundesländern.

2 Die frühere Zentralkasse des genossenschaftlichen Sektors (cooperative banking institutions: Raiffeisenbanken, Volksbanken, Kreditgenossenschaften).

3 Eine hervorragende, vor allem in Bezug auf die Konditionen für Darlehn und die Kundenfreundlichkeit (customer friendliness) erstklassige Bank.

– Siehe Helvetophobie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Spitzenrefinanzierungs-Fazilität (marginal lending facility):

Ständige Fazilität der EZB, welche die Geschäftspartner nutzen können, um Übernachtkredit (overnight credit) zu einem im Voraus festgelegten Zinssatz gegen refinanzierungsfähige Sicherheiten zu erhalten. - Der Zinssatz für die Spitzenrefinanzierungs-Fazilität bildet generell die Obergrenze des Tagesgeldsatzes. Denn keine Bank wird Geld zu einem höheren Zinssatz aufnehmen als dem, zu welchen sie von der Zentralbank bedient wird.

– Siehe Einlage-Fazilität, Negativzins, Unterbietung, Zinskorridor.

– Vgl. den Anhang "Statistik" des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Monetäre Statistik", Unterrubrik "Schlüsselzinssätze der EZB" im jeweiligen Monatsbericht der EZB wegen des Umfangs der Geschäfte, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2008, S. 25 (Übersicht des Spitzen-Refinanzierungssatzes 1999 bis 2008).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Spitzenwechsel (top-level rotation):

Die in Europa verbreitete Unsitte (bad habit) des Wechsels eines altersbedingt ausscheidenden Vorstandsvorsitzenden einer Bank - und allgemeiner einer Aktiengesellschaft - in den Vorsitz des Aufsichtsrats. Beanstandet wird hier, dass

1. der frühere Vorstandsvorsitzende auf dem neuen Posten seine eigenen Fehler kaschieren, verhehlen (conceal: withdraw from discussion) und/oder

2. seinem Nachfolger Knüppel zwischen die Beine (throw obstacles in the path) werfen kann. Zur Transparenz eines Unternehmens trägt der Spitzenwechsel auf keinen Fall bei.

– Anlegerschutzgruppen forderten daher von den Aufsichtsbehörden in Bezug für Banken ein Verbot. Es liegt indessen nicht im Machtbereich der Aufsichtsbehörden (within the power of supervisory authorities), in aktienrechtlich geregelte Bestimmungen (legal provisions of German Stock Corporation Act [Aktiengesetz]) einzugreifen. Wenn der viel gerügte Spitzenwechsel bei Banken abgestellt werden soll, dann führt der Weg nur institutsbezogen über entsprechende Beschlüsse der Hauptversammlung oder allgemein über eine Änderung des Aktiengesetzes.

– Siehe Sachkunde.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Spitzenwerte (blue chips, leaders):

Wertpapiere - in erster Linie Aktien - von erstklassig eingestuften Emittenten (= a company which is highly-regarded by investors, particularly by those seeking a conservative investment in shares).

– Siehe Billigkopie, Blue Chips, Bo Derek-Aktie, Lombarden, Papiere, schwere, Standardwerte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sponsor (sponsor):

1 Auf dem Finanzmarkt ein Institut - beispielsweise die Northern Rock -, das Zahlungen an Organisationen jeder Art - hier an den Fussballverein Newcastle United und an den Rugby-Club Newcastle Falcons - leistet. Im Gegenzug werben die Zahlungsempfänger (die Gesponserten; the sponsored) vertragsgemäss in vereinseigenen Räumlichkeiten wie Turnhallen und Stadien sowie auf andere Weise (bei Sportvereinen in der Regel auf der Kleidung: den Trikots; in the case of sport clubs regulary with the logo of the sponsor on sports wear) für den Sponsor. Damit entsteht eine Image-Verknüpfung, die sich unter Umständen nachteilig auf einen der Partner auswirken kann. Im Beispiel schlug die Beinahe-Insolvenz der Northern Rock ungünstig auf Newcastle United zurück.

2 Im Rahmen von Verbriefungen aufsichtsrechtlich definiert als

1. ein Kreditinstitut,

2. bei dem es sich jedoch nicht um einen Originator handelt,

3. welches ein forderungsgedecktes Geldmarktpapier-Programm oder ein anderes Verbriefungsprogramm, bei dem Forderungen Dritter aufgekauft werden,

4. auflegt und verwaltet.

– Siehe Branding, Cross-Selling-Potential, Kannibalismus-Effekt, Kultursponsoring, Product Placement, Verbriefungsstruktur.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Spores Raffel (hard cash, sparkling coin):

1 In älteren Dokumenten häufiger Ausdruck für Barzahlung in Hartgeld, die sofortige Begleichung einer Schuld in Münzen.

2 Im engeren Sinne die Begleichung einer Schuld mit vollwichtigen, unverfälschten (full-weight, unadulterated) Münzen aus Gold und/oder Silber. - Der Ausdruck kommt aus dem Jiddischen; die genaue Herkunftsbedeutung scheint aber noch immer nicht völlig zweifelsfrei geklärt.

– Siehe Adäration, Geld, schweres, Münze, klingende, Pagament.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sportel meistens in der Mehrzahlform Sporteln (charge, due):

1 Früher die direkte Zahlung gemäss Tarif an einen öffentlich Bediensteten oder an einen Geistlichen für die von ihm vorgenommene Amtshandlung. Im 18. Jht. wurden Sporteln grösstenteils durch regelmässige Entlohnung des Amtsträgers seitens des Dienstherrn (Besoldung, Gehalt; salary) ersetzt. - Der Sporteleinforderer hiess auch Sportulant, und die Erhebung von Sporteln nannte man sportulieren.

2 Die Gebühr für eine staatliche Leistung, insbesondere bei Gerichten (Gerichtsgeld).

– Siehe Abgabe, Gebühr, Inrotulationsgeld, Justitiengeld, Kanzleigeld, Stolgeld, Taxe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Spotmarkt (so auch im Deutschen gesagt):

Im Finanzbereich allgemein das Angebot und die Nachfrage nach Sofortgeschäften (demand and supply for an asset for immediate delivery), im Gegensatz zum Terminmarkt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Spottpreis (giveaway price):

1 Die Preissetzung eines Verkäufers, bei welcher der Preis für einen Vermögensgegenstand ungewöhnlich niedrig angesetzt ist, wie etwa bei Penny-Stocks oder der Einführungspreis (opening price) bei Auktionen, hier mit der ausdrücklichen Absicht, möglichst viele Bieter anzulocken. - Auffällig niedrige Preise sollten mit Misstrauen betrachtet werden; denn es handelt sich gerade bei Angeboten im Internet oft um Billigkopien von Effekten oder um gestohlene Stücke. Die regelmässige Rechtsprechung (settled case-law; judicature) geht davon aus, dass bei einem erkennbaren Missverhältnis zwischen dem Wert bzw. Leistung und dem Preis - gerade auch bei den in Internet-Foren häufig angebotenen Notverkäufen von Vermögenswerten (forced liquidation of assets) - der Käufer sich der strafrechtlich geahndeten Absatzhehlerei (dealing in stolen goods: der Hehler dient dem Vortäter beim Absetzen der Beute) schuldig macht.

2 Der Tiefstkurs eines Titels.

– Siehe Billigkopie, Headline-Hysterie, Kurssturz, Panikverkäufe, Schock, externer, Sell Out, Schrottpapiere.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sprachimperialismus (linguistic imperialism):

Wenn nicht anders definiert der Vorwurf, die englische Sprache durchdringe beherrschend den Globus, und die Finanzwelt sei mit ihrem Jargon der Vorreiter (forerunner) dieser Entwicklung. - Tatsache jedoch ist, dass auch auf anderen Gebieten sich international die englische Sprache durchgesetzt hat. Selbst in den Dikasterien (dicasteries: the administrative sections of the papal curia) des Vatikans unterhalten sich die dort aus aller Welt kommenden Angestellten inzwischen in Englisch.

– Siehe Akataphasie, Anglizismen, Börsensprache, Finanzsprache, Finanzwelt, Verständlichkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Spread Bet (so auch im Deutschen gesagt, seltener Abstandwette und Differenzwette):

Wette auf die künftigen Kurse von Finanzinstrumenten oder Indizes. Mit geringem Einsatz von Kapital und hohem Hebel spekuliert man hierbei auf Veränderungen des Abstands (Spread; spread) des Basiswertes, wie beispielsweise der Aktie des bezielten Unternehmens oder auch eines bestimmten Index, etwa dem Dax. Im Gegensatz zu einer Option hat der Wettende nicht die Absicht, den Basiswert je zu erwerben; und oft genug kennt er diesen noch nicht einmal näher (a leveraged instrument that gives a person the opportunity to trade the financial markets without ever taking physical ownership of the underlying instrument. This means that the trader can speculate in the direction of any financial instrument without ever owing them).

– Siehe Aktienindex, Bucketshop, Kandidatenwette, Kerviel-Skandal, Option, Sleepy Warrant, Spekulation, Straddle.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 164 f. (Kontrolle durch die BaFin; Verdacht auf Marktmissbrauch).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Spreizung und Spread (spread):

1 Der Unterschied zwischen Angebotspreis (offered price; Briefkurs) und Nachfragepreis (demand price, bid price; Geldkurs) eines Finanzinstrumentes (the difference between the bid and offer price of a financial instrument: bid-ask spread).

2 Die Abweichung im Ertrag zwischen einer gegebenen Anleihe und einer solchen, welche dem jeweiligen allgemeinen Marktindex entspricht (the difference between the rate of return on a given bond and that on a benchmark used by the market).

3 Der höhere Preis für eine neu begebene Aktie im freihändigen Verkauf an Anleger im Gegensatz zu dem Preis, den Vorabzeichner zahlten (the excess of the price at which shares are offered for public sale over the price paid for the same shares by an underwriter).

4 Der Unterschied zwischen den Renditen von Wertpapieren gleicher Art, aber in verschiedener Währung denominiert (foreign exchange-spread; Währungs-Spread).

5 Bei Optionen ein Straddle, nämlich der gleichzeitige Kauf und Verkauf einer Option für den denselben Basiswert, aber mit unterschiedlicher Laufzeit (the simultaneous purchase and sale of futures or options contracts for the same commodity but for delivery in different months).

6 Der Unterschiedsbetrag zwischen einer Kaufoption und einer Verkaufsoption (the difference in the value of two options, when the value of the one sold exceeds the value of the one bought).

7 Der Kursunterschied zwischen zwei in bis auf das Rating gleich ausgestatteten Papieren, wobei der eine Titel einen privaten Schuldner hat, der vergleichbare aber ein Staatspapier ist (the spread between Treasury securities and non-Treasury papers that are identical in all respects except for the quality rating; the spread thus will show the additional yield that could be earned from a paper which has a higher risk).

8 Bei fixierten Wechselkursen der Bereich, der dem freien Marktverkehr überlassen wird, ehe die Zentralbank interveniert.

9 Bei der Lebensversicherung die Saldierung der Gesamtverzinsung eines Jahres in Abhängigkeit vom garantierten Rechnungszins.

– Siehe Flight to Quality, Handelsbandbreite, Hausse-Spread, Intermarkt-Spread, Interventionspunkte, Option, Option, kombinierte, Optionsverkauf, proportionaler, Spreizungsrisiko, Straddle, Subprime-Krise, Wechselkurs, Zinsdifferenz.

– Vgl. vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 155 (zum Spread im Sinne von 7).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Spreizung, warenbezogene (commodity-product spread):

An Terminbörsen der Kauf bzw. Verkauf einer Rohware - etwa: Erdöl - und der gleichzeitige Verkauf bzw. Kauf eines Endproduktes aus dieser Rohware im Beispiel: Raffinerieerzeugnisse (refinery products) wie Benzin, Kerosin, Heizöl. Bitumen, Russ usw.).

– Siehe Crush Spread, Rohstoff-Terminvertrag, Wiedereindeckungs-Risiko.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Spreizungsrisiko (spread risk):

In einer Kreditbeziehung die Gefahr, dass sich durch besondere Marktumstände die Zinsdifferenz aus einer risikobehafteten und einer risikolosen Anleihe bei gleichbleibender Bonität verändern kann.

– Siehe Kreditrisiko, Credit Default Swap, Risikomanagement.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2006, S. 43 (Beziehung zwischen Kreditspreads und impliziter Aktienkursvolatilität; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Springer (runners):

An der Präsenzbörse gesagt von Angestellten, die über verschiedene Kommunikationskanäle eingehende Aufträge an den Makler auf dem Parkett weiterleiten (messengers who bring orders received by various communication channels to brokers for execution in the pit).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sprint-Zertifikat auch Bandbreiten-Zertifikat (runner certificate, speeder certificate):

Zertifikat, das dem Anleger innert eines bestimmten Kursbandes mit dem Höchstkurs nach oben und dem Basiskurs nach unten eine erhöhte Gewinnchance in Bezug auf die Bezugsbasis bietet. Die Verträge haben in der Regel eine Laufzeit von zwölf bis fünfzehn Monaten. Sie eigenen sich besonders für Anleger, die in Bezug auf den Basiswert mit steigenden Preisen rechnen und daran überproportional - also mit einem entsprechen hohen Partizipationsfaktor - verdienen wollen.

1. Unterhalb des Bandes verhält sich das Sprint-Zertifikat wie der Basiswert selbst.

2. An einem Höhenflug oberhalb der Bandbreite nimmt der Anleger nicht teil, weil hier ein Cap als Begrenzung wirkt.

3. Notiert demnach der Basiswert am Fälligkeitstag unterhalb des Schwellenkurses, dann erfolgt die Auszahlung zum vereinbarten Basiskurs.

4. Innert der Bandbreite werden die Gewinne mit dem vereinbarten Partizipationsfaktor vervielfacht.

5. Steigt der Marktpreis der Bezugsbasis über den Höchstkurs, dann erhält der Anleger am Fälligkeitstag nur den Höchstkurs ausbezahlt.

– Auch bei dieser Form des Zertifikats finden sich sehr viele Varianten. Als Sprint-Plus-Zertifikat werden Verträge bezeichnet, bei denen am Fälligkeitstag der Erhalt des eingesetzten Kapitals gewährleistet wird. Rolling-Sprint-Zertifikate übertragen einen Gewinn am Fälligkeitstag automatisch in ein neues Sprint-Zertifikat; sie haben damit theoretisch eine endlose Laufzeit.

– Siehe Airbag-Zertifikat, Basket-Zertifikat, Bonus-Zertifikat, Diskont-Zertifikat, Express-Zertifikat, Garantie-Zertifikat, Hebel-Zertifikat, Outperformance-Zertifikat, Partizipations-Zertifikat, Quanto, Regenbogen-Option, Sicherheitssperre, Sprint-Zertifikat, Strategie-Zertifikat, Themen-Zertifikat, Twin-Win-Zertifikat.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Squeeze-out (so auch im Deutschen gesagt; seltener Zwangsausschluss):

Der Ausschluss von Minderheitsaktionären (outside shareholders) aus einer AG oder KGaA (the possibility for the majority shareholder to force the buy-back of minority shareholders). - Hält in Deutschland ein Mehrheitsaktionär fünfundneunzig Prozent des Aktienkapitals, so kann er (nach § 327a AktG seit 2002) von den Minderheitsaktionären verlangen, dass diese ihm gegen Barabfindung ihre Anteile abtreten.

– Siehe Aktienrückkauf, Buy out, Erwerbsangebot, Greenmail, Pflichtangebot, Raider, Sweat Equity.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 181 f. (Rechtsprechung), Jahresbericht 2011 der BaFin, S: 97 (Empfehlungen des Committee on Corporate Governance zum Schutz der Minderheits-Aktionäre).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Squeeze-out, übernahmerechtliches (squeeze-out under takeover law):

Bei einem übernahmerechtlichen Squeeze-out gemäss § 39 WpÜG, eingeführt durch das Übernahmerichtlinie-Umsetzungsgesetz vom 8. Juli 2006, kann ein Bieter alle übrigen Aktionäre aus einer Gesellschaft ausschliessen, wenn ihm nach einem Übernahme-Angebot (takeover bid) bzw. Pflichtangebot (mandatory offer) fünfundneunzig Prozent des Grundkapitals der Zielgesellschaft (acquiree: the firm that should be acquired) gehören.

– Siehe Greenmail, Squeeze-out.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S 194 (Abgrenzung zum normalen Squeeze-out; erster Fall).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Staat (state; general government):

1 Politisch gesehen eine Entität, bestehend aus

1. einem abgegrenzten Gebiet (Staatsgebiet; national territory),

2. einer darin lebenden Bevölkerung (Staatsvolk; citizenship) und

3. ein Geflecht von zu verbindlichen Entscheidungen fähigen Instanzen.

2 In wirtschaftlicher Betrachtung die öffentlichen Gemeinwesen (public entities: Gebietskörperschaften, Sozialversicherungsträger, Arbeitsverwaltung), die eine eigene, aus Zwangsbeiträgen (compulsory levies: Steuern, Abgaben) gespeiste Haushaltsführung betreiben.

3 Bei der EZB fasst man unter Staat - wie auch im System der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung - den Zentralstaat (central state; Bund), die regionalen (territorial entities; Länder) und lokalen (regional administrative bodies; Kreise, Kreisverbände, Städte) Gebietskörperschaften sowie alle Einheiten, die sich vornehmlich mittels Zwangsabgaben finanzieren.

– Siehe Finanzwissenschaft, Gebietskörperschaften, Parafiskus, Stellen, öffentliche.

– Vgl. Geschäftsbericht 2006 der Deutschen Bundesbank, S. 64 (Übersicht 2009-2011), Geschäftsbericht 2011 der Deutschen Bundesbank, S. 59 (der Staat in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung) sowie den jeweiligen Geschäftsbericht der Deutschen Bundesbank. Über die Einnahmen und Ausgaben in den einzelnen Ländern der Eurozone finden sich nähere Angaben im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Öffentliche Finanzen" Unterrubrik "Einnahmen, Ausgaben und Finanzierungssaldo" im jeweiligen Monatsbericht der EZB.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Staatsanleihe (public loan, national loan, government loan):

Eine vom Gesamtstaat - in machen Statistiken einschliesslich der von öffentlichen Stellen innert des Staates gesamthaft - begebenen Anleihe. - In Zeiten der Unsicherheit am Finanzmarkt werden Staatspapiere vermehrt nachgefragt, wodurch deren Kurs steigt und die Rendite sich damit mindert. Die Bonität des Staates als Emittent von Anleihen wird von den Anlegern offenbar höher eingeschätzt als jene von Unternehmen. Denn allein der Staat hat die Möglichkeit, Zwangsabgaben zu erheben. Auf diesem Weg kann er sich die Mittel zur Erhaltung seiner finanziellen Handlungsfähigkeit und Bedienung seiner Schulden verschaffen. - Freilich zeigte sich mehrfach und besonders gelegentlich der Griechenland-Krise, dass bei Überschuldung eines Staates und drohendem Staatsbankrott das Vertrauen in diese Papiere schlagartig schwand (diminished suddenly) und die Anleger entsprechende Portfolios leerten. Bedenklich ist aber, wenn in solchen Fällen die Staatsanleihen durch Einrichtungen wie den Europäischen Stabilisierungsmechanismus garantiert wurden. Dadurch setzt man falsche Anreize für Defizitstaaten und für die Käufer von deren Schuldtitel. Denn man kann ja darauf vertrauen, dass die Steuerzahler anderer Staaten notfalls einspringen. Zurecht wurde daher - vor allem auf Druck von Deutschland - der Stabilisierungsfonds für finanzschwache Euro-Mitglieder nur bis zum Jahr 2013 eingerichtet. Ab da müssen sich Besitzer von Staatsanleihen darauf einstellen, dass sie zur Rettung eines in Schwierigkeiten geratenen Staates auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten müssen. Allein diese Ankündigung bewirkte bereits, dass ab 2013 fällige Staatsanleihen von wackligen Mitgliedsstaaten der EWU wie Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und Italien mit hohem Abschlag gehandelt wurden. Dies wiederum führte zu teilweise heftigen Vorwürfen gegenüber Deutschland, dem - als Hauptfinanzier der Staatsschulden dieser Länder - mangelnde Solidarität vorgeworfen wurde. Wie häufig, so tadelte man diejenigen Staaten, welche einen Teil des von ihren Bürgern erwirtschafteten Sozialprodukts zur Rettung anderer zur Verfügung stellten, anstatt den Druck auf diejenigen zu erhöhen, die über ihre Verhältnisse leben. - Anfang März 2012 wurden die Inhaber griechischer Staatsanleihen "freiwillig gezwungen" (voluntarily compelled), auf die Hälfte ihrer Forderungen zu verzichten. - Dass freilich die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität nach den Vorstellungen vieler Politiker - unter Umgehung geltenden Rechts - gleichsam als Auffangbecken für wertlos gewordene Staatsanleihen dienen soll, setzt bedenkliche Signale für die Zukunft der Eurozone. - Die Erfahrungen mit den 2011 im Marktwert teilweise bis zur Hälfte gesunkenen griechischen Staatsanleihen hat dazu geführt, dass viele Banken auch Staatsanleihen in ihren Büchern mit Eigenkapital unterlegen, über die Eigenkapitalvorschriften von Basel-III hinaus. Bei der Asset Quality Review gilt die Bewertung von Staatsanleihen als eines der grössten Probleme. Indessen gilt es inzwischen als unbestritten, diesen Papieren in jedem Falle ein genau begründetes Risikogewicht beizumessen. "Sichere Staatsanleihen" (safe-haven government bonds) gibt es nicht mehr.

– Siehe Agency Bonds, Bail-out, Bilanztricks, staatliche, Blame game, Europäische Währungsunion, Grundfehler, EZB-Sündenfall, Fiscal Agent, Geldvermehrung, währungsunion-interne, Kreïrung, Moral Hazard, Politikverzug, Schuldentragfähigkeit, Siebenprozent-Grenze, Staatspapiere, Südfront, Transferunion, Vermögensabgabe, Vertragstreue, Vorwirkung, Zinsstrukturkurve, Zwangsenteignung.

– Vgl. zu den internationalen Unterschieden in der Rendite und den Folgerungen daraus Monatsbericht der EZB vom April 2005, S. 10 ff., Monatsbericht der EZB vom September 2005, S. 35 f. (hier auch Verbindung der Renditeunterschiede einzelner Staatsanleihen mit der Bonitätseinstufung), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2006, S, 29 ff. (ausführliche Darstellung mit vielen Übersichten), Monatsbericht der EZB vom November 2008, S. 34 ff. (Renditeabstände auch zwischen den Anleihen einzelner Mitglieder der Eurozone; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2008, S. 39 ff. (starke Volatilität der Renditen von Staatsanleihen infolge der Finanzkrise; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom September 2009, S. 38 ff. (Renditeabstände von Staatsanleihen im Eurogebiet während der Finanzkrise, Übersichten; Literaturhinweise), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 23 (Vergleich der Renditen zehnjähriger Staatsanleihen Deutschland und USA seit 2005), Finanzstabilitätsbericht 2010, S. 34 ff. (Rückschlag-Gefahren bei Staatsanleihen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2011, S. 29 ff. (Rendite-Unterschiede von Staatsanleihen im Euroraum; Übersichten; Erklärungsansätze), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2011, S. 43 (Aufschläge für Staatsanleihen der Pigs seit 2009), Jahresbericht 2011 der EZB, S. 43 ff. (Übertragungseffekte der Unsicherheiten bei Staatsanleihen auf andere Sektoren der Wirtschaft; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom März 2012, S. 51 ff. (Emissionen und Bestände an Staatsanleihen seit 2006 im Eurogebiet nach verschiedenen Gesichtspunkten aufgeschlüsselt; zahlreiche Abbildungen; Tendenz zur Substitution langfristiger Anleihen durch kurzfristige Papiere), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2013, S. 33 f. (Staatsanleihen im Beitz heimischer Banken in Eurogebiet; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Staatsanleihen-Zinsdeckelung, zentralbankbewirkte (central bank-effected interest cap on government bonds):

Im Sommer 2012 von der EZB bekanntgegebene Absicht, Zinsobergrenzen (interest rate ceilings [limits], ceiling rates, [interest] caps) für die Staatsanleihen strauchelnder Mitglieder der EWU einzuziehen. Die EZB wird in diesem Falle am Markt immer dann Papiere kaufen, wenn deren Kurse unter eine bestimmte Schwelle sinken bzw. deren Verzinsung eine bestimmte Grenze überschreitet. - Die Politik der EZB, Obergrenzen für Zinsen von Staatsanleihen festzulegen, ab deren Erreichen sie interveniert, hat leicht erkennbar eine Reihe schwerwiegender negativer Folgen.

1. Die Staaten werden damit von der Sanktionswirkung des Kapitalmarkts abgeschottet, was einer Einladung zu laxer Finanzpolitik gleichkommt: der Reformwille wird gelähmt und Anleger wenden sich vom Eurogebiet überhaupt ab.

2. Investoren werden gegen Kursverluste abgesichert, was das Anlageverhalten zugunsten von Staatsanleihen und zulasten anderer Papiere verzerrt.

3. Die Geldpolitik verliert ihre Unabhängigkeit gegenüber der Finanzpolitik.

4. Aufkäufe von Staatsanleihen durch die EZB haben grundsätzlich eine Verteilungswirkung innert der Mitgliedsländer der EWU und gehören von sich aus nicht zu einer regelgebundenen Geldpolitik.

5. Die EZB kann nicht unbeschränkt ausfallgefährdete Staatsanleihen in ihr Portfolio nehmen, letztlich haften ja die Mitglieder mit vorsichtiger und solider Haushaltspolitik für die Risiken, und damit steigt die Europaverdrossenheit (disenchantment with Europe: "not that Europe!"; "Europa: so nicht!") in der Bevölkerung mit weitreichenden langfristigen Folgen.

6. Last not least: im EU-Vertrag (Artikel 125 AEUV) ist ausdrücklich eine Non-Bail-out-Klausel eingebaut: die Gemeinschaft haftet nicht für die Verbindlichkeiten irgendwelcher öffentlicher Stellen in den Mitgliedsländern. Die Staatsanleihen-Zinsdeckelung verstösst eindeutig gegen diese Vereinbarung.

– Siehe Anmassung, zentralbankliche, Aufkäufe, zentralbankliche, Bail-out, Binnenflexibilität, Blame game, Defizit-Finanzierungsverbot, Europäischer Stabilisierungsmechanismus, Ein-Stimmen-Prinzip, EWU-Sprengsatz, EZB-Sündenfall, Exit, Gruppenzwang, Kindergarten-Argument, Neuro, Politikklammer, Retterei, Rettungsschirm, Schattenstaat, Schuldenclub, Siebenprozent-Grenze, Solidarität, finanzielle, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Stabilisierungsmechanismus, europäischer, Südfront, Umverteilung, zentralbankbewirkte, Verschuldung-Produktivität-Verkettung, Vertragstreue, Zinsglättung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2012, S. 19 f. (jederart Finanzhilfen verschaffen nur eine Atempause, die zu Reformmassnahmen genutzt werden muss).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Staatsausgaben (public expenditure, government spending):

Die finanziellen Aufwendungen des Staates zum Kauf von Dienstleistungen, wie z. B. Löhne für Beamte, Sachgütern wie etwa der Bau einer Schule sowie für Transferzahlungen an Privathaushalte und Unternehmen (subsiedies; Subventionen). Auch die Zinsausgaben für die Staatsschulden zählen statistisch zu den Transferzahlungen.

– Siehe Ausgabenbeschränkung, öffentliche, Primärdefizit.

– Die laufenden Staatsausgaben sind für das Eurogebiet ausgewiesen im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets" des jeweiligen Monatsberichts der EZB, Kapitel "Öffentliche Finanzen". Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2009, S. 101 ff. (Staatsausgaben in der EU gesamthaft und ihre Gliederung nach Aufgabenbereichen; wichtige Unterscheidungen, sehr viele Übersichten; in den Fussnoten auch Literaturverweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2013, S. 47 ff. (staatliche Zinsausgaben in Deutschland; viele Übersichten; S. 59: Zinsausgaben in der EWU).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Staatsbank (state bank):

Jedes Institut im ausschliesslichen oder mehrheitlichen Besitz der öffentlichen Hand (a bank owned by the state), wobei die Zentralbank nicht mitgezählt wird.

– Siehe Förderbank, Landesbank, Siedlungskredit, Sparkasse, Staat.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Staatsbankrott (national bankruptcy):

Eine Volkswirtschaft, die innert eines längeren Zeitraums mehr Güter vom Ausland bezieht, als sie selbst an andere Volkswirtschaften liefert, kommt CETERIS PARIBUS - vor allem: sie besitzt nicht ausreichend gewinnbringende Vermögenswerte im Ausland, wie beispielsweise die USA, die Schweiz oder Deutschland - über kurz oder lang in Insolvenz. Beschleunigt wird dies durch den Abzug des Kapitals ausländischer Anleger in diesem Staat. - Im Oktober 2008 geriet Island im Verfolg der sich zur weltweiten Finanzkrise ausgefächerten Subprime-Krise in den Staatsbankrott; der Internationale Währungsfonds gewährte dem Land einen Kredit in Höhe von 2 Mia. USD, um die verhängnisvollsten Auswirkungen (famine; Hungersnot) abzuwenden. Betroffen davon wurden auch deutsche Anleger, die ihr Geld bei der in Insolvenz gegangenen isländischen Kaupthing-Bank angelegt hatten. - Anfangs 2010 näherte sich das dem Eurogebiet zugehörige Griechenland dem Staatsbankrott. Hilfsmassnahmen der EU und des Internationalen Währungsfonds konnten das Schlimmste verhindern. - Strittig ist, ob es zugelassen werden kann, dass ein Mitglied der Europäischen Währungsunion, dann aber auch unter Beteiligung auch der privaten Gläubiger, in den Staatsbankrott geht. Die Mehrheit der Ökonomen befürwortet dies, um die finanzpolitische Eigenverantwortung eines jeden Mitglieds zu festigen. Fast alle politischen Entscheidungsträger trachten danach, eine solche Möglichkeit mit allen Mitteln zu verhindern.

– Siehe Aufkäufe, zentralbankliche, Bail-out, Bankenrettung, umgekehrte, Bankenrettungsgesetz, Blame game, Europäische Währungsunion, Grundfehler, EZB-Sündenfall, Griechenland-Krise, Islandbanken-Falle, Moral Hazard, Plan C, Rettungspaket, Risiko-Rangliste, Rückkopplungs-Mechanismus, Schuldenclub, Schuldendroge, Semester, europäisches, Solidarität, finanzielle, Solvenz, Sperrkonto, Staatsverschuldung, Wirkungen, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Grundfehler, Südfront, Too big to save-Grundsatz, Transferunion, Vertragstreue, Vertrauen.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 122 (Zahlungsunfähigkeit der Kaupthing Bank und die Folgen für Einleger), S. 211 f. (Beschwerden der Anleger im Zuge der Kaupthing-Pleite), Jahresbericht 2009 der BaFin (deutsche Einleger der Kaupthing Bank werden entschädigt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Staatsbonität (creditworthiness of the state):

Das Vertrauen der Anleger, dass ein Staat die von ihm begebenen Anleihen bedient und damit die Möglichkeit, weitere entsprechende Papiere am Markt unterzubringen. Verliert sich dieses Vertrauen, dann werden die Titel dieses Staates aus den Portfolios der Anleger abgestossen, und der Kurs solcher Papiere sinkt. - Im Frühjahr 2010 schwand das Vertrauen in das hochverschuldete Griechenland, das jahrelang der Öffentlichkeit gefälschte Zahlen über die volkswirtschaftlichen Grunddaten vorlegte. Auch in EUR denominierte griechische Staatsanleihen standen unter sehr starkem Verkaufsdruck. Sie mussten durch Aufkäufe der EZB vor dem völligen Abgleiten gerettet werden.

– Siehe Aufkäufe, zentralbankliche, EZB-Sündenfall, Geldvermehrung, währungsunion-interne, Griechenland-Krise, Staatsverschuldung, Südfront, Wirkungen.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juni 2010, S. 38 ff. (Abfall der Anleihen Griechenlands und anderer hochverschuldeter Staaten der Eurozone).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Staatsfonds (sovereign wealth fund):

1 Das Vermögen einer Kapitalverwaltungsgesellschaft im Besitz eines Staates bzw. einer Regierung mit dem Ziel, Beteiligungen vor allem im Ausland zu erwerben (fund fully owned by a country and which manages money chiefly drawn from taxes, reserves, and natural-resource payments). Neben der Rendite aus dem eingesetzten Kapital ist die Anlagepolitik bei vielen Staatsfonds auch auf nicht-finanzielle Ziele ausgerichtet, die häufig sogar den rein ökonomischen Überlegungen untergeordnet werden. - Weil die Fonds ihr Kapital in der Regel nicht aus Geschäftstätigkeit am Markt beziehen, sondern vornehmlich mit Steuermitteln ausgestattet werden, so können sie eine Beteiligungspolitik betreiben, die auf Rendite nicht in erster Linie Rücksicht nehmen muss. Seit etwa 2005 gerieten die Staatsfonds verstärkt in das Blickfeld der Regierungen der Gastländer sowie auch der Aufsichtsbehörden. - Andererseits nahm man mit Befriedigung zur Kenntnis, dass asiatische Staatsfonds im Zuge der Subprime-Krise verlustreichen Instituten wie der Citigroup - die nach dem Börsenwert gerechnet 2007 grösste Bank der Welt -, der Washington Mutual - die grösste Bausparkasse der USA - sowie der Union Bank of Switzerland - UBS, grösste Bank der Schweiz - über Beteiligungen Kapital zuleiteten. Im Falle der UBS schoss die staatliche Government of Singapore Investment Corporation (GIC) 11 Mia CHF (!!) ein. Der im Zuge der Subprime-Krise folgenden Finanzkrise ebenfalls in Schwierigkeiten geratenen, weltweit tätigen britischen Barclays Group wurde von arabischen Staatsfonds mit neuem Kapital versehen; zu Jahresende 2008 betrug die Beteiligung arabischer Aktionäre an der Bank zweiunddreissig Prozent. - Im Herbst 2008 verwalteten weltweit die Staatsfonds mit einem Vermögen von 3'000 Milliarden USD ungefähr das Doppelte wie die Hedge-Fonds. Dabei liegt die Fondsverwaltung häufig in den Händen international tätiger Anlagefirmen. Andererseits mussten manche Staatsfonds infolge der Finanzkrise Buchverluste bis zu einem Viertel ihres Vermögens hinnehmen, hauptsächlich auf ihre Engagements in Bankaktien.

2 Vom Staat im Zuge eines Bail-outs übernommene Schulden privater Unternehmen, wie etwa im Herbst 2008 im Zuge der Subprime-Krise in den USA errichtet. Der Fonds kaufte den Instituten im Zuge eines vom Parlament beschlossenen "troubled asset relief programme" für 700 Mia USD notleidende Wertpapiere ab.

– Siehe AIG-Deal, Aktionär, aktiver, Anteilseigner-Kontrolle, Ausschlachten, Bad Bank, Beteiligungsgesellschaft, Bail-out, Burn-Out Turnaround, Global Player, Finanzmarktstabilisierungsanstalt, Go-go-Fonds, Hedge-Fonds, Heuschrecken, Leveraged Buy-out, Moral Hazard, Private-Equity-Funds, Rettungspaket, Risikokapital, Stabilitätsfonds, europäischer, Trade Sale, Window on Technology.

– Vgl. Geschäftsbericht 2007 der Deutschen Bundesbank, S. 77 ff. (Übersicht der einzelnen Staatsfonds; Beurteilung), Monatsbericht der EZB vom Januar 2009, S. 79 ff. (Auslandvermögen öffentlicher Schwellenländer und deren Anlagepolitik; ausführliche Darstellung; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Staatshaftung (state liability, governmental guarantee):

Wenn nicht anders definiert die Bürgschaft des Staates für Schulden eines Unternehmens, und im Besonderen für die Verbindlichkeiten einer Bank.

– Siehe Aufsichtshaftung, Bail-out, Bankenrettung, umgekehrte, Bankenrettungsgesetz, Geldmarkt-Operationen, Fortis-Rettung, Geldverleiher letzter Instanz, Gewährträgerhaftung, Grössenvertrauen, Hypo Real Estate-Rettung, Moral Hazard, Northern Rock-Debakel, Provinzbanker, Rettungspaket, Rückkopplungs-Mechanismus, Staatsbank, Stellen, öffentliche, Too big to save-Grundsatz, Vermögensabgabe, Vertrauen.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juli 2009, S. 75 (Auswirkung einer Bürgschaftserklärung auf die öffentlichen Finanzen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Staatshilfe (public aid, government support):

Die Unterstützung notleidender Unternehmen (stricken enterprises) oder ganzer Branchen durch den Staat. Im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise in vielfacher Form und in fast allen betroffenen Ländern angewendet.

– Siehe Finanzspritze, Steuervergünstigung, Stipendium, Zahltag-Grundregel.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2009, S. 22 ff. (Übersicht der Massnahmen im Zuge der Finanzkrise, Auswirkungen; Schlussfolgerungen), Jahresbericht 2008 der EZB, S. 85 f. (statistische Verbuchung der Staatshilfen), Monatsbericht der EZB vom Juli 2009, S. 71 ff. (Auswirkungen der staatlichen Hilfen für den Bankensektor; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Staatsmark (mark of Luebeck):

In älteren Dokumenten eine für den Handel im Norden Europas lange Zeit wichtige Münze aus Silber, die durch Abkommen zwischen den Städten Lübeck, Hamburg, Lüneburg und Wismar aus dem Jahr 1506 als gemeinschaftliche Währung im Umlauf war. Die gemäss Münzvertrag hergestellten Markstücke haben auf der Vorderseite in der Regel die Wappen der Stadt, wo sie geprägt wurden, und die Schilde der andern - in ein Dreieck gestellt - auf der Rückseite.

– Siehe Mark.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Staatspapiere in älteren Dokumente auf Staatseffekten (public debt securities):

Die von öffentlichen Stellen (public entities: Gesamtstaat, Gliedstaaten, Gemeinden) begebenen Wertpapiere. - In Deutschland findet der Grossteil des Handels mit Wertpapieren des Bundes im ausserbörslichen Telephonhandel statt, wobei im Primärhandel die Bietergruppe Bundesemissionen die ausschlaggebende Rolle spielt. Auf dem Sekundärmarkt werden Staatspapiere auf verschiedenen Plattformen gehandelt, was zwar eine gewisse Zersplitterung bedeutet, aber den Vorteil des offenen Marktzugangs (open market access) und mehr Wettbewerb bietet. - Nach § 36 BörsG sind in Deutschland Schuldverschreibungen des Bundes, seiner Sondervermögen oder eines Bundeslandes - auch soweit sie in das Bundesschuldbuch oder in die Schuldbücher der Bundesländer eingetragen sind - sowie Schuldverschreibungen, die von einem anderen Mitgliedstaat der EU oder von einem anderen Vertragsstaat des Abkommens über den EWR ausgegeben werden, an jeder inländischen Börse zum amtlichen Markt zugelassen. - Grundlage für das Vertrauen in Staatspapiere ist, dass die Emittenten ihre Schulden ordnungsgemäss bedienen. Sobald dieses Vertrauen schwindet, dann stossen die Anleger im Portfolio befindliche Titel erfahrungsgemäss ab, und der Absatz neuer Emissionen harzt.

– Siehe ClubMed, Kreïrung, Over-the-Counter Trading, Plan C, Safe Haven Flows, Schuld, schwebende, Siebenprozent-Grenze, Stocks, Wertpapiere, risikolose.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2004, S. 37 (Integrationsgrad des Marktes für Staatsanleihen im Euroraum), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2006, S. 34 f. (weiteres Zusammenwachsen der Märkte für Staatsanleihen im Euro-Währungsgebiet), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2007, S. 44 f. (Portfolio-Umschich¬tungen hin zu Staatspapieren als Mass für Risiko-Einschätzung der Anleger), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2008, S. 34 (die jeweilige Lage der öffentlichen Finanzen auch in der Eurozone ziehen die Anleger sehr wohl in Betracht), Monatsbericht der EZB vom Juni 2009, S. 25 ff. (Erwerb von Schuldverschreibungen öffentlicher Haushalte seit 1999). - Im Teil "Statistik des Euro-Währungsgebiets" des jeweiligen Monatsberichts der EZB sind in der Rubrik "Finanzmärkte" Renditen von Staatsanleihen (auch im Vergleich zu Anleihen der USA und Japans) ausgewiesen; dort auch die "Erläuterungen" beachten. Im Monatlichen erscheinenden Beiheft "Kapitalmarktstatistik" der Deutschen Bundesbank vielfach aufgegliederte Zahlen zum Umlauf von Staatspapieren.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Staatsquote (public expenditure quota):

Der Anteil des Verbrauchs der öffentlichen Hand am Sozialprodukt.

– Siehe Ausgabenquote, Wagnersches Gesetz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Staatsschatz (extra treasure; treasury):

Früher gesagt in Bezug auf das vom Zentralstaat angesammeltes Vermögen ("Staatsaktiv-Kapital"; capital accessible immediately by the government) mit dem Ziel, bei besonderen Aufgaben eingesetzt zu werden. In Deutschland blieb der Staatschatz im Wesentlichen Kriegsschatz (war chest, fighting fund). Man sprach von "Juliusturm": benannt nach einem Bauwerk innert der Festung in Berlin-Spandau (a square construction with four bastions); dort wurde seit 1871 der Reichs-[Kriegs-]Schatz aufbewahrt.

– Siehe Ausgabenbeschränkung, öffentliche, Haushaltsreserve, Kämmerei, Larghezza.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Staatsschuld(en) in der älteren Literatur häufig auch Nationalschuld(en) (public debt):

1 Im engeren Sinne die Summe aller verbrieften und statistisch erfassten Verbindlichkeiten der öffentlichen Hand (explicit public debt; explizite Staatsschuld).

2 Im weiteren Sinne 1 plus alle bereits beschlossenen Ausgaben, die erst in der Zukunft wirksam werden (implicit public debt; implizite Staatsschuld). So enthalten insonders Sozialversicherungen, die im Umlageverfahren finanziert werden, bereits heute Zahlungsverpflichtungen für die Zukunft. Diese Verpflichtungen stellen eine Schuld dar, die in den heutigen Budgets nicht zum Ausdruck kommt; sie müssen zum grössten Teil von zukünftigen Generationen bestritten werden. Weil als Folge der Alterung der Gesellschaft eine stets kleiner werdende Anzahl an Beitragszahlern einer wachsenden Zahl von Leistungsempfängern gegenübersteht, so birgt die implizite Staatsschuld eine Fülle von Problemen.

3 Man nennt die Summe von 1 und 2 auch wahre Staatschuld (veritable [genuine} public debt). Diese wurde für Deutschland im Jahre 2010 auf 290 (!!) Prozent des Bruttoinlandsprodukts geschätzt. - Eine hohe Staatschuld bedeutet zwangsläufig hohe Ausgaben des Staates für Zinszahlungen. Im Jahr 2040 verschlingt der in Deutschland über die Jahrzehnte aufgehäufte Schuldenberg fünfzehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts über Zinszahlungen. Das wiederum führt dazu, dass die Zentralbank bedrängt wird, die Zinsen sehr niedrig zu lassen oder gar absichtlich, gewollt einer Inflation Vorschub zu leisten. - Im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise kaufte die US-Zentralbank Staatsanleihen der eigenen Regierung auf. Dies kommt einer schier zügellosen Vermehrung der Geldmenge (einer monetären Parektasis; monetary parectasis) gleich und wurde als leichtfertiger Angriff auf die Ersparnisse der Bürger gerügt wurden; denn damit wird eine Inflation programmiert.

– Siehe Altersquotient, Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH, Defizit-Falke, Defizitquote, Europäische Währungsunion, Grundfehler, EZB-Sündenfall, Finanzreferendum, Inverzugsetzung, Kinder-Tagesbetreuung, Kontrollkonto, Kreditsperre, Nettogläubiger, Politikverzug, Primärsaldo, Privatsektor-Beteiligung, Rogoff-Studie, Schuld, schwebende, Schuldenbremse, Sensitivitätsanalyse, haushaltspolitische, Solidarität, finanzielle, Staatsverschuldungs-Druck, Staatsverschuldung-Zins-Zusammenhang, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Steuerwettbewerb, Steuerungsrahmen, Sunset-Vorbehalt, Tragfähigkeitslücke, Verfassungsartikel eins, Verschuldungsquote, öffentliche, Wagner'sche Gesetz, Weginflationierung, Zahltag-Grundregel, Zinslast, Zinsswap.

– Vgl. den Schuldenstand, aufgegliedert für die Mitglieder der Währungsunion und der EU, im Statistics Pocket Book der EZB; die Gesamtverschuldung (Bestands- und Veränderungsgrössen) im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Öffentliche Finanzen" des jeweiligen Monatsberichts der EZB, Monatsbericht der EZB vom April 2005 (wegen der statistischen Vergleichbarkeit der ausgewiesenen Zahlen), Jahresbericht 2004 der EZB, S. 63 ff. (verschiedene Übersichten), Monatsbericht der EZB vom August 2005, S. 78 (kommentierte Übersicht der Verschuldung in den einzelnen Staaten), Monatsbericht der EZB vom Februar 2007, S. 65 ff. (ausführliche Begutachtung der Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen in der Währungsunion), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2007, S. 48 ff. (Überlegungen zu einer wirksamen Begrenzung), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2009, S. 25 (Eventualverbindlichkeiten müssten bei Staatsverschuldung eingerechnet werden), Monatsbericht der EZB vom September 2009, S. 94 ff. (Senkung der Staatsschulden: Erfahrungen im Eurogebiet; Tabelle; Literaturangaben), Monatsbericht der EZB vom Mai 2010, S. 34 ff. (Höhe und Gliederung der staatlichen Kreditaufnahme im Eurogebiet seit 2008; Übersichten; Emissionsverhalten der Staaten), Geschäftsbericht der Deutschen Bundesbank 2010, S. 64 (Kennzahlen 1998 bis 2010), S. 92 ff. (Massnahmen zur Eindämmung der Staatsschulden in Europa), Finanzstabilitätsbericht 2010, S. 28 f. (Verschuldungs-Wachstum-Zusammenhang), Monatsbericht der EZB vom März 2011, S. 104 ff. (Schuldenstand gemessen am Primärsaldo; Übersichten; Literaturhinweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2011, S. 53 ff. (Massnahmen zur Vermeidung von Staatsschuldenkrisen), Monatsbericht der EZB vom April 2012, S. 63 ff. (ausführliche Darstellung der Schuldentragfähigkeit in Bezug auf das Eurogebiet gesamthaft und einzelne Mitglieder; viele Übersichten), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 18 ff. (ausführliche Darstellung der Staatsschuldenkrise; viele Übersichten; Literaturverweise), Vgl. Monatsbericht der EZB vom März 2013, S. 92 ff. (Wachstumshemmung hoher Staatsverschuldung; Übersichten; Literaturhinweise), Monatsbericht der EZB vom April 2013, S. 24 ff. Verbindlichkeiten einzelner Euromitgliedsstaaten gegenüber dem Ausland; Übersichten; Tendenzen), Monatsbericht der EZB vom Mai 2013, S. 93 ff (eingehende Analyse des Schuldenstandes der Mitglieder der Eurozone; Übersichten; Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Staatsschuld(en), äussere (external public debt):

Im Ausland aufgelegte und im Regelfall auf die Währung des Gläubigerlandes lautende Anleihen und Kredite.

– Siehe Nettogläubiger.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Staatsschuld(en), fremdwährungsindexierte (foreign currency indexed public debt):

Die Bindung der öffentlichen Verschuldung eines Landes an eine andere Währung, derzeit praktisch an den USD oder EUR. Zweck der Massnahme ist es, den inländischen und ausländischen Zeichnern im Falle hoher Inflationsrate oder Abwertung der heimischen Währung eine Sicherheit zu bieten. Wenn jedoch (wie in Brasilien 2002) die Besitzer solcher indexierter Anleihen Zweifel daran haben, ob der Staat seinen Verpflichtungen in der Fremdwährung (xeno currency) auch nachkommen kann, dann verkaufen diese ihre Anleihen massenweise. Dies zehrt die Währungsreserven des Staates auf und treibt ihn in den Staatsbankrott; das Finanzsystem gesamthaft bricht zusammen.

– Siehe Crash, Run, Staatsverschuldung, Wirkungen, Staatsverschuldung-Zins-Zusammenhang.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Staatsschuld(en), verweigerte (odious public debt):

1 Von Ländern mit nicht demokratisch gewählter Regierung im Ausland aufgenommene Darlehn, deren Bedienung (servicing: Verzinsung und Tilgung) die Nachfolge-Regierung verweigert. Für Anleger sind daher (auch mit den günstigen Konditionen ausgestattete) Papiere aus diktatorischen Staaten äusserst risikoreich.

2 Von demokratischen Staaten aufgenommene Auslandschulden, die eine nachfolgende diktatorische Regierung (wie beispielsweise die national-sozialistische Regierung in Deutschland ab 1933) nicht mehr bedient.

– Siehe Anleihe, notleidende, Bankenkrise, Dawes-Anleihe, Debt-Equity-Swap, Kapital-Abschottung, Risikokapital, Transferrisiken, Wertpapiere, risikolose, Young-Anleihe, Zitterprämie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Staatsschuldenkrise und - in der Regel gleichbedeutend - Euro-Krise (sovereign-debt crisis, euro crisis):

Im Zuge der Griechenland-Krise 2009 aufgekommener Ausdruck in der Bedeutung, dass einige Mitgliedsländer der Europäischen Währungsunion nicht mehr in der Lage sind, ohne fremde Hilfe ihren überschuldeten Staatshaushalt wieder ins Gleichgewicht zu bringen. - Mit der 2010 errichteten Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität und dem 2011 danach gebildeten Europäischen Stabilitätsmechanismus wurden innergemeinschaftlich Rettungsschirme aufgespannt. Die EZB griff auf verschiedene Weise ein. Sie gab den Krisenstaaten sowie deren Banken grosszügig Kredite und stellte ihnen immer wieder Liquidität zur Verfügung. Als langfristige (noncurrent) Massnahmen gegen die tieferen Krisenursachen wurde der Fiskalpakt sowie das Europäische System der Finanzaufsicht eingerichtet.

– Siehe Angleichungsautomatismus, Bail-out, Blame game, Blutzoll, Euro-Bonds, Europäische Schuldenagentur, Euro-Krise, Europäische Währungsunion, Grundfehler, Europäischer Währungsfonds, Enteignung, kalte, Eventualschuld, EWU-Sprengsatz, EZB-Bilanz, Finanzstabilität, Goldopfer, Grexit, Gruppendruck, Haushaltskonsolidierung, Kindergarten-Argument, Neuro, Politikklammer, Politikverzug, Repatriierungs-Effekt, Retterei, Rogoff-Studie, Schattenstaat, Semester, europäisches, Solidarität, finanzielle, Staatsverschuldungs-Druck, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Grundfehler, Steuerungsrahmen, Transferunion, Übernachfrage, volkswirtschaftliche, Verfassungsartikel eins, Verschuldung-Produktivität-Verkettung, Vertragstreue, Wachstum-Schulden-Tatsache, geschichtliche, Zwangsenteignung.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2012, S. 28 f. (Auswirkung der Staatsschuldenkrise auf die Refinanzierungsbedingungen), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 18 ff. (Staatsschuldenkrise hat sich ausgeweitet und verschlimmert; Übersichten; dadurch ausgelöste Vertrauenskrise), Monatsbericht der EZB vom April 2013, S. 24 ff. Verbindlichkeiten einzelner Euromitgliedsstaaten gegenüber dem Ausland; Übersichten; Tendenzen), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 19 ff. (gute zusammenfassende Darstellung; Übersichten), Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 21 ff. (ausführliche Darstellung der europäischen Staatsschuldenkrise; Übersichten, S. 33: Quellenverzeichnis), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2014, S. 41 ff. (Überwindung der durch hohe Verschuldung ausgelösten Vertrauenskrise; viele Übersichten; Literaturverweise), Monatsbericht der EZB vom Februar 2014, S. 36 ff, (Beurteilung der Staatsschuldenkrise in Hinblick auf Finanzierungsbedingungen im Zuge der Umfrage zum Kreditgeschäft; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Staatsschulden-Rückführung (repayment of public debt):

Das Geld, welches einem überschuldeten Staat fehlt, kann nur aus vier Quellen kommen, nämlich

1. die Steuerzahler des betreffenden Landes bringen es selbst auf,

2. die Gläubiger leisten Verzicht,

3. die Steuerzahler anderer Länder springen ein oder

4. man beschreitet den verlockenden, aber zugleich gefährlichsten Weg: die Zentralbank mindert den Druck der Staatsschulden durch Inflation (Monetisierung der Staatsschulden; monetisation of public debt). In diesem Falle kommen dann zunächst alle Besitzer von Geld für die Schulden auf: ihre Kaufkraft wird eingeschränkt. Bei näherem Besicht aber sind es in erster Linie die Festangestellten und Sozialhilfeempfänger, welche die Hauptlast tragen müssen. Wie die Geschichte lehrt bricht diesfalls die Wirtschaft zusammen, und die Gesellschaft gerät über kurz oder lang aus den Fugen. Das musste gerade auch in Deutschland erleben: eine Hyperinflation stellte sich ein. Anfangs 1923 war der Preis für 1 Liter Milch auf 200 Milliarden Mark gestiegen; das Porto für einen Brief kostete mehrere Millionen Mark und die national-sozialistische Bewegung erhielt Zulauf. Aus diesem Grunde sollte sich eine Zentralbank davor hüten, auf welchen Wegen auch immer Staatsschulden zu finanzieren.

– Siehe Europäische Währungsunion, Grundfehler, EZB-Sündenfall, Geldeigentumsrecht, Geldfunktionen, primäre, Geldpolitik, Geldwertstabilität, Inflations-Ausgleich, Kaufkraft, Nominalwertprinzip, Politikverzug, Preisindex der Lebenshaltung, Preisstabilität, Schattenstaat, Sparquote, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Umverteilung, zentralbankbewirkte, Verfassungsartikel eins, Weginflationierung, Zahltag-Grundregel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Staatsverschuldung (public debt):

Alle Verbindlichkeiten des Staates, so vor allem in Zusammenhang mit dem EU-Vertrag bzw. dem Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) gemeint. - Im Sommer 2009 beschloss die EU, die zur Bankenrettung gelegentlich der Finanzkrise gegründeten Zweckgesellschaften aus der Staatsverschuldung herauszurechnen, was als eine "verhängnisvolle Fehlentscheidung" (disastrous fault) kritisiert wurde.

– Siehe Euro-Krise, Fiscal Drag, Rogoff-Studie, Schattenverschuldung, Sensitivitätsanalyse, haushaltspolitische, Siebenprozent-Grenze, Staatsschulden, Staatsschuldenkrise, Staatsschulden-Rückführung, Staatsverschuldung-Zins-Zusammenhang, Tragfähigkeitslücke, Verschuldungsquote, öffentliche.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2010, S. 15 ff. (Zahlen für Deutschland; S. 21: wichtige Abgrenzungen), Geschäftsbericht 2010 der Deutschen Bundesbank, S. 92 ff. (Massnahmen zur Eindämmung der Staatsverschuldung), Jahresbericht 2010 der EZB, S. 83 ff (Kosten und Nutzen einer Haushaltskonsolidierung; Literaturhinweise), Monatsbericht der EZB vom April 2012, S. 63 ff. (ausführliche Darstellung der Schuldentragfähigkeit in Bezug auf das Eurogebiet gesamthaft und einzelne Mitglieder; viele Übersichten), (ausführliche Darstellung der Staatschuldenkrise; viele Übersichten; Literaturverweise), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 21 f. (Zweifel an der Schuldentragfähigkeit einiger EWU-Mitglieder führen zur Vertrauenskrise), Vgl. Monatsbericht der EZB vom März 2013, S. 92 ff. (Wachstumshemmung hoher Staatsverschuldung; Übersichten; Literaturhinweise), Monatsbericht der EZB vom April 2013, S. 24 ff. Verbindlichkeiten einzelner Euromitgliedsstaaten gegenüber dem Ausland; Übersichten; Tendenzen), Monatsbericht der EZB vom Mai 2013, S. 93 ff (eingehende Analyse des Schuldenstandes der Mitglieder der Eurozone; Übersichten; Literaturverweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2014, S. 41 ff. (Überwindung der durch zu hohe Staatsverschuldung ausgelösten Vertrauenskrise; viele Übersichten; Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Staatsverschuldung, konsummindernde (consumption reducing public debt):

Die Tatsache, dass

1. bei hoher Staatsverschuldung aber

2. relativer Geldwertstabilität und

3. entsprechend niedrige Inflationserwartungen viele Privathaushalte ihren gegenwärtigen Konsum zugunsten des Sparens einschränken, weil sie für die nahe Zukunft eine höhere Steuerlastquote erwarten. Ein solcher Zusammenhang glaubt man für das Eurogebiet statistisch nachweisen zu können.

– Erwarten die Privathaushalte allerdings aufgrund hoher Staatsverschuldung einen Preisanstieg, so tritt das Gegenteil ein: die Sparquote sinkt und die Konsumquote steigt.

– Siehe Konstanz-Kriterium, Ricardo-Effekt, Fiscal Drag, Staatsschulden-Rückführung, Staatsverschuldung-Zins-Zusammenhang, Weginflationierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Staatsverschuldung, Wirkungen (effects of public debt):

Eine hohe Staatsverschuldung

1. zweigt Mittel zur Bedienung der Schuld (debt service) ab, die für produktive Ausgaben - vor allem: Investitionen zur Anpassung der Produktion an den technischen Fortschritt und damit zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit (future viability) von Wirtschaft und Gesellschaft - nicht mehr zur Verfügung stehen; denn die Ressourcen wurden ja von der jetzt lebenden Altersgruppe zu Lasten kommender Generationen "verfrühstückt" (breakfasted, gobbled up),

2. führt zu einem erhöhten Zinsniveau, welchen der erhöhte Wettbewerb um Anleger auslöst (Crowding-out),

3. was wiederum schädlich auf die Wachstumsdynamik (growth dynamics) einer Volkswirtschaft wirkt, weil die Unternehmen jetzt bei den Banken zu ungünstigeren Bedingungen Investitionskredite aufnehmen müssen; die Finanzierung lohnender Investitionen wird dadurch zunehmend schwieriger; aber auch

4. die mit steigender Staatsverschuldung eintretende Verunsicherung (insecurities: nämlich die Unklarheit darüber, ob der Staat die Schulden durch Ausgabesenkungen, Steuererhöhungen oder durch Inflation zurückführen wird) wirkt sich auf das Wachstum unmittelbar aus, insofern sich die Unsicherheit unternehmerischen Handelns verstärkt;

5. mindert das inländische Einkommen, insoweit die Anleihen auf ausländische Währung denominiert sind,

6. lässt den Spielraum für die Fiskalpolitik mit zunehmendem Schuldendienst enger werden, mit anderen Worten: der Staat kann in einer konjunkturellen Schwächephase die gesamtwirtschaftliche Nachfrage nicht beleben, beispielsweise durch Unterstützung Erwerbsloser, eine sinkende Steuerbelastung oder öffentlich finanzierte Sonderbauten, was wiederum auch

7. die Möglichkeiten des Staates einschränkt, Infrastrukturvorhaben zu finanzieren; dies löst ebenfalls wachstumshemmende Wirkungen (growth-inhibiting effects) aus;

8. weckt ab einem gewissen Schuldenstand Zweifel an der Staatsbonität, was - wie die neuere Finanzgeschichte vielfach darlegen kann - sehr rasch in einen Staatsbankrott einmünden kann.

– Siehe Fiscal Drag, Inverzugsetzung, Politikverzug, Rogoff-Studie, Staatsanleihe, Staatsschulden-Rückführung, Staatsverschuldung, Staatsverschuldung, konsummindernde, Staatsverschuldungs-Druck, Staatsverschuldung-Zins-Zusammenhang.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juni 2010, S. 91 ff. (Kosten und Nutzen der Rückführung von Staatsschulden; Erfahrungen), S. 94 ff. (Bruttoschuldenstand und Finanzvermögen im Eurogebiet 1999-2009; Übersichten), Jahresbericht 2010 der EZB, S. 83 ff (Kosten und Nutzen einer Haushaltskonsolidierung; Literaturhinweise), Finanzstabilitätsbericht 2010, S. 28 f. (Verschuldungs-Wachstum-Zusammenhang), Monatsbericht der EZB vom April 2012, S. 63 ff. (ausführliche Darstellung der Schuldentragfähigkeit in Bezug auf das Eurogebiet gesamthaft und einzelne Mitglieder; viele Übersichten), Finanzstabilitätsbericht 1012, S. 21 f. (Zweifel an der Schuldentragfähigkeit einiger EWU-Mitglieder führen zur Vertrauenskrise), Vgl. Monatsbericht der EZB vom März 2013, S. 92 ff. (Wachstumshemmung hoher Staatsverschuldung; Übersichten; Literaturhinweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2014, S. 41 ff. (Wege zur Überwindung der Vertrauenskrise; viele Übersichten; Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Staatsverschuldungs-Druck (public debt pressure):

Eine hohe Staatsverschuldung in der Eurozone macht die Regierungen überempfindlich in Bezug auf Zinsschritte der Zentralbank. Denn wie sich finanzmathematisch nachrechnen lässt, belastet eine auch nur geringe Anhebung der Leitzinsen den Schuldendienst der öffentlichen Haushalte weit höher als die vollzogene nominelle Zinserhöhung. - Das jedoch fordert Auseinandersetzungen der Schuldnerstaaten (at various levels: Regierungen, Parlamente, Presse, Gesellschaft) mit der Zentralbank heraus. In der öffentlichen Wahrnehmung ist dann unversehens nicht mehr der ausserordentlich hohe eigene Schuldenstand das Übel, sondern die auf Geldwertstabilität und damit auf die Bewahrung der Masstabeigenschaft des Geldes ausgerichtete Politik der Zentralbank. Erfahrungsgemäss setzt nunmehr ein Trommelfeuer (barrage) gegen die Zentralbank ein. Letzten Endes werden Falken dann über Nacht (between nightfall and daybreak) durch Personen ersetzt, die eher geneigt sind, eine Inflation zuzulassen.

– Siehe Ausgabenquote, öffentliche, Blame game, Defizitquote, Euro-Krise, Europäische Währungsunion, Grundfehler, Geld, sittliches, Geldeigentumsrecht, Geldpolitik, Geldvertrauen, Geldwertstabilität, Inflations-Steuer, Nettogläubiger, Nominalwertprinzip, Poltergeist, Schuldenbremse, Schuldenquote, Semester, europäisches, Siebenprozent-Grenze, Solidarität, finanzielle, Staatsschuld, Staatsverschuldung, konsummindernde, Staatsschulden-Rückführung, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Verschuldungsquote, öffentliche, Transferunion, Weginflationierung, Zahltag-Grundregel, Zinsautonomie.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom März 2010, S. 95 (Erwägungen zur Finanzpolitik: vier schwerwiegende Folgen hoher Haushaltsdefizite), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 17 ff. (Staatsschulden wirken auf fast alle volkswirtschaftlichen Grössen ein; ausführliche Darstellung), Vgl. Monatsbericht der EZB vom März 2013, S. 92 ff. (Wachstumshemmung hoher Staatsverschuldung; Übersichten; Literaturhinweise), Monatsbericht der EZB vom Mai 2013, S. 93 ff (eingehende Analyse des Schuldenstandes der Mitglieder der Eurozone; Übersichten; Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Staatsverschuldung-Zins-Zusammenhang (interrelation between public debt and interest rate level):

Eine zusätzliche Staatsverschuldung über die Marke von zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts hinaus in Höhe von einem Prozent führt erweislich im Durchschnitt zu einem Anstieg der Zinsen um zusätzliche vierzehn Basispunkte. - Dieser Erfahrungswert steigt im Falle von

1. schwachen staatlichen Institutionen,

2. verbreiteter Unsicherheit auf dem Finanzmarkt, gemessen an der Volatilität der Aktienkurse,

3. hohen Inflationserwartungen und

4. einer ungünstigen demographischen Entwicklung.

– Andererseits fällt der Zinsanstieg geringer aus, wenn

1. die Sparquote sehr hoch ist,

2. sich die Unternehmen vorwiegend durch Bankkredite und weniger über den Kapitalmarkt finanzieren oder

3. hohe Kapitalzuflüsse aus dem Ausland stattfinden.

– Siehe Staatsverschuldung, Wirkungen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stabilisatoren, automatische (automatic stabilisers):

In Bezug auf Institute die von der Wissenschaft und den Aufsichtsbehörden vorgetragene Forderung, dass - vor allem systemische Banken - in guten Zeiten ein Eigenkapital-Polster aufbauen müssen, das sie in schlechten Zeiten vor der Insolvenz schützt. - Es wird jedoch zu bedenken gegeben, dass

1. bereits die Echtzeit-Feststellung von Aufschwungs- und Abschwungsphasen im Kreditzyklus selbst die Fachleute in den Zentralbanken vor grosse Probleme stellt, weil hier nämlich eindeutige (clear-cut), allgemeingültige (over each economic cycle applicable), empirisch fassbare (empirically feasible) und damit aussagekräftige Kennzeichen kaum bereitstehen und

2. auch kein ein verlässliches Verfahren (clear procedure) zu finden ist, das festlegt, wie die Eigenkapital-Anforderungen im Einzelnen mit dem Kreditzyklus getaktet (clocked) werden sollen.

– Siehe Bankentestament, Eigenkapitalquote, aufsichtsrechtliche, Eigenmittel, Insolvenzfälle.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stabilisierungsfonds (stabilisation fund):

Ein Sondervermögen mit dem Zweck, in Warenmärkte mit hoher Volatilität ausgleichend einzugreifen. Zum Schutz der Verbraucher vor allzu hohen Preisen und in einem auch der Erzeuger vor nicht-kostendeckenden Erlösen (not cost-covering proceeds) geschieht ein Markteingriff, der das Angebot mit der Nachfrage weitgehend abstimmt. Solche Fonds sind in Deutschland vor allem auf dem Agrarmarkt mit staatlicher Unterstützung eingerichtet worden, unter anderem schon 1961 bei Wein und 1971 durch Gewährung eines Startdarlehns (start-up loan) seitens des Staates auch bei Mastgeflügel.

– Siehe Staatsfonds.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stabilisierungsmechanismus, europäischer (zuweilen auch: Stabilitätsmechanismus und Euro-Krisenfonds), ESM (European Stabilisation Mechanism, ESM):

Im März 2011 von den europäischen Politikern endgültig verabschiedetes Verfahren, das die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität im März 2012 abgelöst hat. - Organisatorisch ist der ESM ein neues Gebilde nach dem Vorbild des Internationalen Währungsfonds. Führungsorgan ist ein Gouverneursrat, dessen stimmberechtigte Mitglieder die Finanzminister der Länder des Eurogebiets sind. Dieses Gremium entscheidet einstimmig über die Vergabe, Höhe und Bedingungen von Finanzhilfen. Alle anderen Entscheidungen fallen mit einer Mehrheit von achtzig Prozent; das Stimmengewicht folgt dabei dem Kapitalschlüssel. Sitz des ESM ist Luxemburg. Der bisherige Krisenfonds, die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität, arbeitete bis Juni 2013 weiter und ging dann in den ESM auf. - Wichtige Bestimmungen sind:

1. Der ESM erhält ein Kapital von 800 Mia EUR. Davon sind 500 Mia EUR verleihbar; 300 Mia EUR dienen als Reserve. 80 Mia werden in bar als Grundkapital (capital subscribed) von den Mitgliedsstaaten der Eurozone einbezahlt.

2. Die Beiträge zum ESM seitens der einzelnen Mitglieder werden nach einem Schlüssel ermittelt, der sich am Kapitalanteil bei der EZB ausrichtet.

3. Deutschland trägt 27,15 Prozent der Bareinzahlungen und des abrufbaren Kapitals oder der Garantien; es werden damit 21,7 Mia EUR fällig. Hinzu treten 168,3 Mia EUR, für die Deutschland mit abrufbarem Kapital oder Garantien einstehen muss. Die Bareinlage von gesamthaft 22 Mia EUR ist von Deutschland in fünf gleichen Raten in den Jahren 2013 bis 2017 an den ESM abzuführen

4. Die Einzahlungen in den ESM werden auf die Staatsverschuldung in der Abgrenzung des Maastrichter Vertrags - der Schuldenstand darf sechzig Prozent des Bruttoinlandsprodukts nicht überschreiten - angerechnet, nicht aber auch auf das Haushaltsdefizit - die jährliche Nettoneuverschuldung darf nicht mehr als drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmachen; siehe auch Art. 140 ARUV.

5. Der Internationale Währungsfonds soll die gesamthaft für Ausleihungen verfügbare Summe um die Hälfte erhöhen. Zu den 500 Mia EUR treten damit weitere 250 Mia EUR hinzu.

6. Der ESM darf Darlehn an Mitgliedsstaaten nur dann vergeben, wenn die Finanzstabilität im Eurogebiet als Ganzes gefährdet ist. Ausserdem sind die Darlehn an wirtschafts- und finanzpolitische Auflagen geknüpft.

7. In allen von den Eurostaaten ab 2013 ausgegebenen Anleihen werden Umschuldungs-Klauseln (CACs) eingefügt. Danach können die privaten Gläubiger von Fall zu Fall beteiligt werden, falls ein Staat seine Schulden nicht mehr bedienen kann. Auf eine zwangsläufige Einbindung privater Gläubiger hat man allerdings verzichtet.

8. Gegenüber sämtlichen anderen Gläubigern mit Ausnahme des Internationalen Währungsfonds erhält der ESM eine Vorzugsstellung; seine Forderungen müssen zuerst bedient werden.

9. Der ESM darf grundsätzlich auch Staatsanleihen bedrohter Mitglieder ankaufen.

10. Wenn ein Mitglied seinen Zahlungsverpflichtungen in den ESM nicht nachkommt, so müssen die anderen Staaten automatisch Kapital nachschiessen. Weil auch hoch verschuldete Länder wie Griechenland, Portugal oder Spanien einen Teil des Kapitals beisteuern sollen, so scheint hier ein Zahlungsausfall in Sichtweite; auf Deutschland kämen diesfalls weitere Lasten zu.

– Die Kritik am ESM hob hervor, dass sich die Mitglieder der Eurozone durch die Hintertür vom Stabilitäts- und Wachstumspakt verabschiedet hätten. Der ESM lade dazu ein, im Vertrauen auf die Hilfe der Gemeinschaft eine unziemliche Wirtschafts- und Finanzpolitik zu betreiben (moral hazard; Moral Hazard); die gegenüber der Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität vorgetragenen Besorgnisse haben sich verstärkt. Auch aus staatsrechtlicher Sicht wurden starke Bedenken laut. Denn durch die Übernahme einer Bürgschaft (Deutschland allein bürgte im Frühjahr 2011 für 168 Mia EUR zugunsten von Griechenland, Irland und Portugal) wird ein Verfahren in Gang gesetzt, an dessen Ende die Pflicht zur Zahlung sehr hoher Summen stehen kann, ohne dass das deutsche Parlament darauf Einfluss hätte. Das alles widerspricht dem Artikel 125 des Lissabon-Vertrags, der gegenseitige Beistandspflichten ausschliesst. - Allein die verfassungsrechtlichen Fragen in Zusammenhang mit dem EFSF und dem ESM sind inzwischen zu einem Sondergebiet der Jurisprudenz geworden. Am 18. März 2014 hat das deutsche Bundesverfassungsgericht mehrere Klagen gegen den ESM abgewiesen. Die Deutungen und Kommentare zu diesem Urteil sind zahlreich. Immerhin aber darf das deutsche Haftungsrisiko nicht automatisch über die ausgehandelten 190 Mrd EUR steigen; bei jeder Aufstockung muss der Bundestag entscheiden.- Gesamthaft gesehen kann der ESM Zeit verschaffen, strukturelle Probleme in einigen Mitgliedsstaaten der EWU zu lösen; der Anpassungspfad (adjustment path) in den betreffenden Ländern wird auf diese Weise zeitlich gestreckt und so erheblich erleichtert. Der ESM kann jedoch auch sich heraus die anstehende Lösung nicht bewirken. - Im Sommer 2013 beschlossen die Regierungschefs der beteiligten Staaten, dass der ESM auch maroden Instituten helfen darf. Zwar wurde der für die direkte Banken-Rekapitalisierung zur Verfügung stehende Betrag auf 60 Milliarden Euro gedeckelt. Der ESM-Gouverneursrat kann diese Summe aber erhöhen, wenn dies als notwendig erachtet wird. - Auch darf der ESM Staatsanleihen wackeliger Mitglieder auf dem Sekundärmarkt ankaufen. Indessen gilt es festzuhalten, dass dem Begriff "Sekundärmarkt" keine zeitliche Bestimmung zugeordnet ist. Eine Bank kann beispielsweise Staatsanleihen als Primärkäufer (Ersterbwerber; first buyer) erwerben und diese Papiere - im Extremfall (in an extreme case) innert einer Sekunde - an den ESM weiterveräussern.

– Siehe Angleichungsautomatismus, Anlegerstreik, Bail-out, Blame game, Credit Default Swap-Verflechtungen, Disfunktionalität, währungsraumbezogene, Europäische Schuldenagentur, Europäische Währungsunion, Grundfehler, Europäischer Stabilitätsmechanismus, Euro-Plus-Paket, EZB-Bilanz, Finanzstabilität, Fiskalpakt, Griechenland-Krise, Gruppendruck, Irland-Krise, Japanisierung, Perpetuum Mobile, Politikklammer, Politikverzug, Portugal-Krise, Retterei, Rettungspaket, Risikoträger, endgültiger, Schattenverschuldung, Schattenstaat, Semester, europäisches, Solidarität, finanzielle, Sperrkonto, Staatsverschuldungs-Druck, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Grundfehler, Transferunion, Umverteilung, zentralbankbewirkte, Ungleichgewichte, EWU-interne, Vermögensabgabe, Verschuldung-Produktivität-Verkettung, Vertragstreue, Wachstum-Schulden-Tatsache, geschichtliche, Wachstumsförderung, Wachstumskräfte-Mobilisierung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Februar 2011, S. 72 f. (voraussehbare Probleme im Falle von Sekundärmarktkäufe des ESM), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2011, S. 53 ff. (Massnahmen zur Vermeidung weiterer Staatsschulden-Krisen), Monatsbericht der EZB vom Juli 2011, S. 76 ff. (ausführliche Darstellung; hilfreiche Übersichten, Beurteilung; Literaturverweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2011, S. 43 (Aufschläge für Staatsanleihen der Pigs seit 2009), Jahresbericht 2012 der EZB, S. 150 f. (Inkrafttreten des Vertrags; Vereinbarungen zur Stärkung der Finanzkraft des ESM; weitere Beschlüsse der Staats- und Regierungschefs), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Februar 2012, S. 66 f. (Darstellung und Beurteilung des ESM).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stabilitätsfonds, europäischer (European Stability Fund):

In Zusammenhang mit der auf die Subprime-Krise folgende Finanzkrise in Vorschlag gebrachter Reservetopf, in den systemische Banken einzahlen müssen. Dadurch sollte vor allem

1. der Antrieb für ein Institut abgeschwächt werden, systemisch (systemrelevant) anzuwachsen,

2. damit auch die Wirkungsstärke künftiger Krisen gemindert und

3. ein Teil der Stützungskosten (costs for rescue operations) bei allfälligen Krisen durch die Banken (zumindest teilweise) vorfinanziert werden.

– Vorbild solcher Überlegungen ist der 2008 eingerichtete schwedische Stabilitätsfonds, der schon ein Jahr später ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts umfasste und im Lauf der Jahre auf 2,5 Prozent des BIP anwachsen wird.

– Siehe Abwicklungsmechanismus, einheitlicher, Bailout, Bank, systemische, Bankenrettungsgesetz, Banktestament, Bazooka, G-Sifi, Moral Hazard, Notfallfonds für Krisenbanken, Schattenstaat, Stopfgans-Strategie, Too big to fail-Grundsatz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stabilitätspolitik (stabilisation policy):

1 Massnahmen des Staates, um die gesamtwirtschaftliche Produktion nahe am Potentialwachstum zu halten (government activities which aim to keep the overall economic production close to the level of potential output).

2 In Bezug auf die Zentralbank die Bemühungen um die Sicherung des Geldwerts.

3 Die Begrenzung der Haushaltsdefizite und der Verschuldung des Staates. In der EU wurden ins einzelne gehende entsprechende Vorschriften bereits in den Vertrag von Maastricht aufgenommen; und zu Jahresbeginn 2013 trat ein neuer, die Ausgaben auf die Einnahmen verbindlich bezogener Pakt in Kraft. Ihm traten ausser Tschechien und Grossbritannien alle EU-Mitgliedsstaaten bei.

– Siehe Defizit-Falke, Ecofin-Rat, Geldpolitik, Haushaltsdefizit, Konjunkturpolitik, Konstanz-Kriterium, Lissabon-Agenda, Minhas-Gerais-Problem, Nachhaltigkeit, Parafiskus, Politikverzug, Prognose-Modell, Regel, goldene, Schuldenbremse, Schuldenquote. Stabilitäts- und Wachstumspakt.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2013, S. 93 ff (eingehende Analyse des Ist-Zustands der Mitglieder der Eurozone; Übersichten; Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stabilitätsrat (stability council):

In Deutschland durch Gesetz im August 2009 eingerichtetes Gremium in der Nachfolge des Finanzplanungsrates. Aufgabe des Stabilitätsrates ist es vor allem, Haushaltsnotlagen beim Bund oder einzelnen Bundesländern festzustellen und allfällige Sanierungsmassnahmen (remediation measures) vorzuschlagen.

– Siehe Finanzrat, Haushaltsüberwachung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2011, S. 20 ff. (ausführliche Darstellung der Aufgaben des Stabilitätsrats), Monatsbericht der EZB vom Juni 2014, S. 106 (Übersicht der Einrichtungen mit gleicher Aufgabe in der EU gemäss dem Zweierpakt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stabilitäts- und Wachstumspakt, SWP (stability and growth pact, SGP):

In der Europäischen Währungsunion die Geldpolitik unterstützende, 1996 in Dublin getroffene Verpflichtung der Mitglieder, ihren Haushalt auszugleichen, um so zur Stabilität der gemeinsamen Währung beizutragen. In Artikel 126 AEUV wurde der SWP bekräftigt. Aus einigen wichtigen Gründen kann eine Währungsgemeinschaft mit einer einheitlichen Geldpolitik langfristig nicht ohne eine genaue Abstimmung der ja bei den Mitgliedsstaaten in souveräner Entscheidung verbleibenden Haushaltspolitik gelingen. - Der SWP war aus deutscher Sicht eine wesentliche Geschäftsgrundlage für die Währungsunion. Ohne ihn hätte es 1999 nicht die gemeinsame Währung gegeben. Als am 25. November 2003 der Ecofin-Rat beschloss, gegen Deutschland und Frankreich kein Verfahren wegen der Defizitüberschreitung zu eröffnen, wurde dieser zentrale politische Stabilitätskonsens praktisch aufgehoben. Überhaupt wird es als der schwere Konstruktionsfehler des Paktes betrachtet, dass der Ministerrat und nicht ein unabhängiges Rating-Gremium mit der Überwachung der Defizitstände befasst ist. - Im Sommer 2009 beschloss die EU, die zur Bankenrettung gelegentlich der Finanzkrise gegründeten Zweckgesellschaften aus der Staatsverschuldung herauszurechnen, was wohl zurecht als eine "verhängnisvolle Fehlentscheidung" (disastrous fault) kritisiert wurde. Überhaupt wird immer wieder vorgeschlagen, dass der Pakt nicht Anteile öffentlicher Defizite, sondern die staatlichen Ausgaben zugrunde legen sollte. - Einer Verbesserung - sprich: Verschärfung - des SWP hat sich der hierfür nach Artikel 15 EUV allein zuständige Europäische Rat lange Zeit grundsätzlich widersetzt. Erst mit Jahresbeginn 2013 konnte eine Schuldenbremse vereinbart werden, zu der sich ausser Grossbritannien und Tschechen alle EU-Mitgliedsstaaten verpflichteten.

– Siehe Aufkäufe, zentralbankliche, Bail-out, Blame game, Currency-Swing, Altersquotient, Defizit-Finanzierungsverbot, Defizitquote, Demographieverfestigung, Ecofin-Rat, Euro-Anleihen, Euro-Bonds, Europäische Schuldenagentur, Europäische Währungsunion, Grundfehler, Europäisches Finanzministerium, Frühwarnrecht, Geldpolitik, Gruppendruck, Haushaltsdefizit, Haushalts-Kennziffern, Haushalts-Vorabstimmung, europäische, Inverzugsetzung, Lissabon-Agenda, Murphy's Gesetz, Minhas-Gerais-Problem, Nachhaltigkeit, Parafiskus, Politikklammer, Politikverzug, Primärüberschuss, Regel, goldene, Schattenstaat, Schuldenclub, Schuldenbremse, Schuldenquote, Semester, europäisches, Sensitivitätsanalyse, haushaltspolitische, Solidarität, finanzielle, Staatsschulden-Rückführung, Staatsverschuldungs-Druck, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Grundfehler, Steuerungsrahmen, Tragfähigkeit öffentlicher Finanzen, Transferunion, Vertragstreue, Wettbewerbs-Status, internationaler, Währungsunion 2, Wirtschaftspolitik, europäische.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2003, S. 53; Monatsbericht der EZB vom Januar 2004, S. 49 ff. (mit wertvollen Statistiken), Monatsbericht der EZB vom April 2004, S. 58 f., Geschäftsbericht 2003 der Deutschen Bundesbank, S. 87, S. 94 ff. ("schwere Beschädigung" des Paktes), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2004, S. 66 (der Pakt nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 13. Juli 2004), Monatsbericht der EZB vom September 2004, S. 72, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2005, S. 43 ff. (wichtiges Gutachten zur "Reform" des Paktes), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2005, S. 15 ff. und S. 23 ff. (sehr ausführlich begründende Darstellung), Monatsbericht der EZB vom August 2005, S. 54 ff. (Leitlinien des Ecofin-Rates), S. 63 ff. (zur "Reform" des Paktes sehr eingehende Darlegung und [durchweg pessimistische] Beurteilung), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2005, S. 70 f. (Prognose), Geschäftsbericht 2005 der Deutschen Bundesbank, S. 73 ff. (skeptische Beurteilung), Monatsbericht der EZB vom Februar 2006, S. 79 ff. (hier Grundsätzliches zur Wirkung der Finanzpolitik auf die Finanzmärkte), Monatsbericht der EZB vom April 2006, S. 67 ff. (eingehende Erörterung des Verhältnisses zwischen Staatsausgaben, ökonomischer und finanzieller Stabilität), Monatsbericht der EZB vom Februar 2007, S. 77 ff. (Gefährdung des Paktes durch implizite Staatsschuld), Monatsbericht der EZB vom März 2007 (Interpretationsfragen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2007, S. 48 ff. (Überlegungen zu einer wirksamen Begrenzung der Staatsverschuldung), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2007, S. 87 ff. (neue Verpflichtungserklärungen; Bedenken hinsichtlich der detaillierten Ausgestaltung), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2008, S. 22 f. (Defizitquote einzelner Mitgliedsländer im Eurogebiet; [pessimistische] Beurteilung; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2008, S. 59 ff. (zehnjähriges Bestehen des Paktes: ausführliche Beurteilung; viele Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2008, S. 33 (kritische Einschätzung im Zehnjahresrückblick zur Währungsunion), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2009, S. 25 (Eventualverbindlichkeiten müssten bei Staatsverschuldung eingerechnet werden), Monatsbericht der EZB vom September 2009, S. 92 f. (nationalstaatliche Regeln zur Flankierung des SWP), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2009, S. 65 ff. (Defizitverfahren für dreizehn Mitgliedstaaten des Eurogebiets), Geschäftsbericht 2009 der Deutschen Bundesbank, S. 33 (Zunahme der Defizite aufgrund von Konjunkturprogrammen), Monatsbericht der EZB vom März 2010, S. 91 f. (tabellarische Übersicht der Finanzlage aller Mitglieder im Eurogebiet 2008-2012, ab 2010 Vorausberechnungen), Monatsbericht der EZB vom März 2010, S. 50 f. (Frühwarnrecht der Kommission), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2010, S. 12 f. (zu den Garantien im Zuge des Europäischen Stabilisierungsmechanismus), Monatsbericht der EZB vom März 2010, S. 109 ff. (weit ausholende, tiefgründige Überlegungen zur Reform des SWP; viele Übersichten und [S. 130 ff.] klar formulierte Schlussfolgerungen), Geschäftsbericht 2010 der Deutschen Bundesbank, S. 92 ff. (Massnahmen zur Eindämmung der Staatsschulden), Jahresbericht 2011 der EZB, S. 146 ff. ([zu] viele Gremien sind mit den Fragen befasst) sowie den jeweiligen Jahresbericht der EZB, Kapitel "Europäische Themen", Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2011, S. 53 ff. (Massnahmen zur Vermeidung von Staatsschuldenkrisen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2011, S. 22 f. (Schuldenquote der Mitglieder des Eurogebiets seit 2009; Prognose für das Jahr 2013), (ausführliche Darstellung der Staatsschuldenkrise; viele Übersichten; Literaturverweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2012, S. 13 ff. (tiefe Erörterung der Staatschuldenkrise in der EWU; Übersichten; Literaturhinweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2012, S. 22 ff. (Defizite im Staatshaushalt im Euroraum gesamthaft und in den Problemländern; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2013, S. 71 ff. (neue Entscheidungen zu Defizitverfahren), Monatsbericht der EZB vom September 2013, S. 113 ff. (Ergebnisse der Stärkung des Stabilitäts- und Wachstumspaktes; weitere Verbesserungen sind erforderlich), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2014, S. 41 ff. (Grundsätzliches; Stand und Entwicklung in einzelnen Ländern der EWU).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stabilitäts- und Wachstumspakt, Grundfehler (inherent error of the stability and growth pact):

Wie Kritiker von Anfang gesehen haben und die Erfahrung inzwischen bestätigte, liegen in dem 1996 beschlossenen Stabilitäts- und Wachstumspakt zwei schwere Konstruktionsfehler (constructional faults).

1. Die Feststellungsbefugnis (competence of ascertainment, fact finding) über einen Verstoss gegen die vereinbarten Regeln nämlich drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für das Defizit, sechzig Prozent für den Schuldenstand, liegt nicht bei einer unabhängigen übernationalen Behörde wie etwa der Europäischen Kommission in Brüssel. Vielmehr melden die nationalen Regierungen entsprechende Zahlen nach Brüssel. Das führte dazu, dass gefälschte Zahlen herausgegeben wurden, wie dies eindeutig im Falle Griechenlands geschah, das sich so bereits den Beitritt zur Europäischen Währungsunion erschlich.

2. Über haushaltspolitische Verfehlungen entscheidet der Ministerrat; Sünder sitzen also über Sünder zu Gericht. - Statt dessen sollte nach den Vorstellungen auch der EZB ein Sanktions-Automatismus (sanctioning mechanism) einsetzen. Sobald danach ein Mitglied die vertraglich festgelegten Höchstgrenzen überschreitet, so wird ihm vorübergehend das Stimmrecht im Ministerrat entzogen (suspension of voting rights for the country that breach budget limits) und es von Zahlungen aus EU-Kassen ausgeschlossen (adjournment of EU aid payments). - Ob es freilich hinsichtlich dieser oder ähnlicher Sanktionsmassnahmen zu einer Einigung unter den Mitgliedern der Eurozone kommen wird, scheint derzeit zumindest fraglich.

– Im Regelfall fällt ein Währungsgebiet mit dem Staatsgebiet zusammen. Bei der EWU ist das jedoch nicht gegeben. Mit dem SWP hat man daher versucht, die Staatshaushalte der Mitglieder auf die Erfordernisse der Währungsunion abzustimmen. Der Grundgedanke besteht darin, die nationale Entscheidungsfreiheit in Fragen der Finanzpolitik im Einzelnen nicht anzutasten. Es soll lediglich bei der Gestaltung der öffentlichen Finanzen auf für alle Mitglieder geltende Begrenzungen geachtet werden. Es muss im Interesse aller gewährleistet sein, dass sich auch jedes Mitglied an die völkerrechtlich verbindliche Vereinbarung - eine solche ist der Stabilitäts- und Wachstumspakt, also keine blosse Absichts-Erklärung - auch hält.

– Siehe Bail-out, Defizit-Falke, Eurostat, Inverzugsetzung, Politikverzug, Schattenstaat, Semester, europäisches, Solidarität, finanzielle, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Statistikbehörde, Steuerungsrahmen, Vermögensabgabe, Vertragstreue, Währungsunion 2.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2010, S. 11 (Warnung vor Versuchen einer makroökonomischen Feinsteuerung), Monatsbericht der EZB vom September 2013, S. 113 ff. (Ergebnisse der Stärkung des Stabilitäts- und Wachstumspaktes; weitere Verbesserungen sind erforderlich), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2014, S. 41 ff. (Grundsätzliches; Stand und Entwicklung in einzelnen Ländern der EWU).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stabilitäts- und Wachstumspakt, Reform (reform of the stability and growth pact):

Viele Vorschläge zur Neuregelung des Stabilitäts- und Wachstumspaktes mit dem Ziel einer frühzeitigen Abwendung von Haushaltsdefiziten bei den Mitgliedern der Währungsunion wurden im Einzelnen zur Sprache gebracht. Um die beiden Grundfehler des Stabilitäts- und Wachstumspaktes zu berichtigen, scheint die Empfehlung eines umgekehrten Abstimmungsmodus (reverse voting mode) von Seiten des deutschen Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (German Council of Economic Experts) der beste Weg. Danach erhält bei dem vertraglich festgelegten Defizitverfahren (excessive deficit procedure) die Europäische Kommission die ursprüngliche Entscheidungsbefugnis (initial power of decision). Sie schlägt auch allfällige Sanktionen vor. Der Ministerrat sollte diese Entscheidungen nur mit Zweidrittelmehrheit (two-third majority) zurückweisen können. Eine solche umgekehrte Abstimmung kann bewirken, dass gegen den SWP handelnde Mitglieder auch tatsächlich gebüsst werden.

– Siehe Anpassungsdruck, Defizit-Finanzierungsverbot, Defizitquote, Gruppenzwang, Inverzugsetzung, Schuldenbremse, Semester, europäisches, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Grundfehler.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom März 2010, S. 109 ff. (weit ausholende, tiefgründige Überlegungen zur Reform des SWP; viele Übersichten und [S. 130 ff.] klar formulierte Schlussfolgerungen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2013, S. 71 ff. (neue Entscheidungen zu Defizitverfahren), Monatsbericht der EZB vom September 2013, S. 113 ff. (Ergebnisse der Stärkung des Stabilitäts- und Wachstumspaktes; weitere Verbesserungen sind erforderlich), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2014, S. 41 ff. (Grundsätzliches; Stand und Entwicklung in einzelnen Ländern der EWU).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stabilitäts-Verzahnung (stability link):

Nach 2000 aufgekommene Bezeichnung für die (Erfahrungs)Tatsache, dass bei strenger, beharrlicher Überwachung der Banken durch die Aufsichtsbehörden ein völliger finanzieller Zusammenbruch einer Volkswirtschaft nahezu ausgeschlossen bleibt. In den USA floss diese Einsicht 2002 in die Sarbanes-Oxley Act ein. - Freilich setzt dies in erster Linie wohl voraus, dass die Institute ihre Risiken auch in der Bilanz ausweisen, und nicht - wie im Zuge der Subprime-Krise offenbar wurde - an ausserbilanzielle Zweckgesellschaften übertragen.

– Siehe Finanz-Alchemie, Verbriefungsstruktur.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stadtschaften (municipial mortgage corporations):

Öffentliche, zufolge staatlicher Verleihung rechtsfähige Institute (public-law institutes through state awarding), welche durch Vereinigung von

1. Eigentümern bebauter

2. oder in der Bebauung befindlicher Hausgrundstücke

3. oder von Erbbauberechtigten

4. zu dem Zweck gegründet werden, um den Mitgliedern der Vereinigung durch Hypotheken oder Grundschulden gesicherte Tilgungs- und Abzahlungsdarlehn zu gewähren. Sie spielten besonders in Preussen nach 1918 eine Rolle und wurden staatlicherseits gefördert (encouraged by the Prussian state).

– Siehe Realkredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Staffelung ([value] averaging; staggering):

1 Der Zukauf eines Wertpapiers dann, wenn dessen Kurs gesunken ist, um die durchschnittlichen Kosten für den Besitz der Kapitalanlage zu senken.

2 Anlagestrategie, bei der ein Anfangsvermögen nicht auf einmal etwa auf dem Aktienmarkt - investiert wird, sondern über mehrere Monate verteilt. Dies ist eine Art Absicherung gegen hohe Anfangsverluste, weil man nie voll investiert in eine Baisse schreitet. Ein Teilverlust des Startkapitals (here: initial investment) schmerzt erfahrungsgemäss bei weitem mehr als der spätere Verlust eines Teils der erzielten Gewinne.

– Siehe Cost-Average-Effekt, Daimonion, Glücksspieleffekt, Tag, Verlustempfinden, inkongruentes, Verlustfalle.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stafettengeld, Staffettengeld und Estafettengeld (courier fee):

In älteren Dokumenten die Bezahlung für einen berittenen Boten, der eine Eilpost überbrachte (express messenger service) auch Hastreiter genannt. - Im türkischen Herrschaftsbereich hatte der Hastreiter, dort Ulacid genannt, die Befugnis, das Pferd eines jeden ihm begegnenden Reiters gegen sein ermattetes Tier auszutauschen.

– Siehe Meilengeld, Sattelgeld, Taxe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stagflation (stagflation):

Inflatorische Depression; nämlich

1. gesamtwirtschaftlich sinkt die Auslastung der Kapazitäten (Stagnation; stagnation);

2. die Fixkosten (capacity costs) pro Ausbringungseinheiten steigen daher an,

3. was die einzelnen Unternehmen zur Erhöhung der Preise zwingt.

– Siehe Inflation, Produktionspotential.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Staglio (rough calculation):

In älteren Dokumenten der Überschlag, die grobe Schätzung eines Betrags, die noch nicht genaue, sondern ungefähre Vorauskalkulation einer Summe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stagnation, säkulare (secular stagnation):

Der in der Volkswirtschaftslehre erörterte Zustand eines Marktgleichgewichts bei Unterauslastung der Produktionskapazitäten (under-utilisation of production capacities), in der Regel verbunden mit hoher Arbeitslosenquote (high rate of unemployment). In Zusammenhang mit dem demographischen Wandel in reifen Volkswirtschaften (demographic change: a decrease in the rate of births and an increase in the life expectancy) wurde diese Möglichkeit neuerdings wieder ins Auge gefasst.

– Siehe Auslastungsgrad, Datenunsicherheit, Kapazitätsauslastung, Konjunkturdiagnose, Order-Capacity-Index, Potentialwachstum, Produktionshemmnisse, Produktionslücke, Saysches Gesetz, Überalterung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2014, S. 15 ff. (theoretischer Rahmen; Möglichkeiten der Geldpolitik; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stakeholder (so auch meistens im Deutschen, seltener Anspruchsgruppen):

1 Einem Unternehmen gegenüberstehende Gruppierungen - seltener auch auf einzelne Personen bezogen - wie vor allem die Eigentümer (Aktionäre; shareholder), Manager, Mitarbeiter, Gewerkschaften, Kunden, Banken, Lieferanten, Gläubiger, Fiskus und die Bevölkerung am Standort der Firma oder darüber hinaus (groups that have direct or indirect stake in a company because they can affect or be affected by the company's actions, objectives, and policies).

2 Einzelne Personen und gesellschaftliche Gruppen, die von einem Vorhaben wie einer Baumassnahme (building project, constructial measure) betroffen sind und auf seine Ausführung einwirken (a person or group who will be influenced by a specific project or its outcomes and try to impact on this project).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stallgeld (stallage):

Frühere Zahlung, die Fuhrleute zu entrichten hatten, die anlässlich der Abholung oder Zustellung von Frachtgut mehrere Tage unterwegs waren, und die ihre Pferde für die Nacht in einen Mietstall (renting stable) unterbringen mussten. In aller Regel boten die Fuhrmann-Gasthäuser (carter hotels) auch die Versorgung der Pferde an.

– Siehe Deichselgeld, Wagenmeistergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stammaktie (common share, voting share):

Eine gewöhnliche Aktie, die dem Inhaber alle nach dem deutschen Aktiengesetz zustehenden Rechte verbrieft. Daneben geben manche Gesellschaften noch Vorzugsaktien aus. Eine Vorzugsaktie (auch Prioritätsaktie; preference share, US: preferred stock) ist in der Regel mit keinem Stimmrecht ausgestattet. Zum Ausgleich wird sie begünstigt bedient, vor allem hinsichtlich der Dividendenzahlung. Im Regelfall zeigt sich an der Börse ein Unterschied im Kurs von Stammaktien -"Stämmen" im Börsenjargon - und für Raider kaum begehrte Vorzugsaktien - "Vorzügen" im Börsenjargon - einer Gesellschaft.

– Siehe Aktie, stimmrechtslose, Schutzaktie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Standardbarren (standard bullion):

1 Wenn nicht anders definiert, so meint man heute damit Gold und andere Edelmetalle nach den Vorgaben des London Good Delivery Standard.

2 In älteren Veröffentlichungen Barren zu 400 Unzen bzw. 12,5 Kilogramm Gewicht mit einem Feingehalt von mindestens 99,5 Prozent.

– Siehe Assay-Stempel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Standarddarlehn und Standardkredit (conforming loan):

Die Ausleihung einer Bank an einen Kunden, welche den üblichen Kreditrichtlinien des Instituts folgt (a loan that conforms to principal parameters such as loan-to-value ratio, term and other characteristics).

– Siehe Darlehn, Gelddarlehn, Investitionskredit, Konditionen-Spreizung, Kredit, Kredit, kurzfristiger, Kreditfabrik, Kreditlinie, Kreditmediator, Kreditqualität, Kreditrisiko, Kreditvergabe-Grundregel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Standardised Consolidated Financial Reporting Framework, FINREP (in der Abkürzung meistens so auch im Deutschen gesagt):

Von der CEBS empfohlenes Rahmenwerk für die einheitliche Finanzberichterstattung an die jeweilige Aufsichtsbehörde, um vor allem international tätige Banken zu entlasten.

– Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 45 ff. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Standardoption seltener Vanillaoption (vanilla option):

Ein Optionsvertrag, der

1. leicht handelbar und

2. in allen Bedingungen leicht durchschaubar ist (an option may be described as vanilla if it is well-established in the financial markets and easy to trade; vanilla options characteristically have good liquidity at a wide range of strike prices and maturities).

– Siehe Option, handelbare, Option, exotische.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Standardklauseln (boilerplate):

Die auf dem Finanzmarkt die bei den üblichen Geschäften zugrunde gelegten Geschäftsbedingungen (in the field of finance in contracts used standard formulations; the small print [US: fine print]: Kleingedruckte: die leicht zu übersehenden, scheinbar beiläufigen und zumeist absichtlich in winzigen Buchstaben gedruckten Ergänzungen als hinzugesetzte Bestimmungen] on documents that gets tacked on by lawyers to protect themselves and their clients).

– Siehe Feilschen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Standardtender (standard tender):

Tenderverfahren, das bei der EZB bei regelmässigen Offenmarktgeschäften verwendet wird. - Standardtender werden innert von vierundzwanzig Stunden durchgeführt. Alle Geschäftspartner, welche die allgemeinen Zulassungskriterien erfüllen, sind berechtigt, bei Standardtendern Gebote abzugeben.

– Siehe Schnelltender.

– Vgl. zum Umfang der Geschäfte den Anhang "Statistik des Euro-Währungs¬gebiets", Rubrik "Monetäre Statistik", Unterrubrik "Geldpolitische Geschäfte des Eurosystems (Tenderverfahren)" im jeweiligen Monatsbericht der EZB.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Standardwerte (large caps, barometer stocks):

An der Börse rege gehandelte Aktien erstklassiger, hochkapitalisierter Unternehmen (the biggest companies by market capitalisa¬tion in a given market) mit breitem Bekanntheitsgrad, deren Kursbewegungen an der Börse im Regelfall die Tendenz des Marktes gesamthaft anzeigt.

– Siehe Blue Chips. Spitzenwerte, Papiere, schwere.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stand-by-Kredit (standby credit):

Wenn nicht anders definiert ein Überbrückungs- oder Bereitschaftskredit an ein Land bzw. an eine Zentralbank bei Zahlungsbilanzschwierigkeiten (balance of payments difficulties). Solche Kredite gewährt der Internationale Währungsfonds.

– Siehe Bail-out, Defizit-Finanzierungsverbot.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Standgeld (stall money, market fee; delay charge):

1 Die von einem Händler auf einem örtlichen Markt oder einem Aussteller auf einer Messe an den Veranstalter zu zahlende Gebühr, regional auch Ellengeld, Etablage, Platzgeld und Placage genannt.

2 Betrag, der seitens eines Spediteurs (CH: Spetters) dem Frachtempfänger in Rechnung gestellt wird, wenn dieser das zügige Abladen (speedy unloading) schuldhaft verzögert, auch Wartegeld genannt.

– Siehe Dieselgeld, Ellengeld, Gebührfreiplatz, Liegegeld, Marktgeld, Messegeld, Taadil, Wartegeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Starttag (start date):

Bei der EZB Datum, an dem das erste Teilgeschäft einer geldpolitischen Operation abgewickelt wird. Der Starttag entspricht bei Rückkaufsvereinbarungen und Devisen-Swapgeschäften dem Kauftag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Start-up und New Business Start (so auch oft im Deutschen gesagt, seltener Firmenneugründung):

Der Eintritt eines neuen, bis anhin noch nicht im Wirtschaftsverkehr handelnden, also nicht durch Fusionen und Übernahmen entstandenen Unternehmens in den Markt.

– Siehe Bootstrapping, Business Angel, Explorer-Werte, Gründerbank, Gründungsgeld, Inkubator, Innovationsfonds, Leveraged Buy-out, Mikro-Finanzierung, Private-Equity-Finanzierung, Risikokapital, Seed Capital, Sweat Equity.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Statement of Financial Accounting Standards, SFAS:

Vorschrift(en) für die Rechnungslegung für US-Unternehmen, erlassen vom Financial Accounting Standards Board. Seit etwa 2000 ist man bemüht, die SFAS den IAS bzw. IFRS so gut wie möglich anzugleichen. Mehrfach wurden Fälle vorgestellt, bei denen nach SFAS ein Gewinn ausgewiesen ist, während bei gleicher Datengrundlage nach IFRS die Bilanz mit einem Verlust abschliesst - und umgekehrt.

– Siehe Audit, International Accounting Standards Board, GAAP, International Financial Reporting Standards.

– Vgl. Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 66 f. (Standardentwurf des FASB zur Bilanzierung von Finanzinstrumenten) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Internationales".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stater (stater):

1 Bezeichnung für verschiedene alte asiatische und griechische Münzen aus Silber und Gold.

2 Name einer verbreiteten jüdischen Silbermünze (silverling; Silberling) zur Zeit Christi. Es galt lange Zeit 1 Stater = 1 Tertradrachme = vier Drachmen = 1 Sekel.

– Siehe Amalfiner, Dareiko, Florentiner, Gulden, Münze, Münzsystem, römisches, Numismatik, Obolus, Samarkander, Sekel, Talent, Urukagina-Regel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stationarität (stationarity):

Bei schwankender Inflationsrate innert mehrerer Jahre die Rückkehr zum Mittelwert.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2010, S. 34 (Definition).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Statistics Pocket Book:

Von der EZB monatlich veröffentlichte und herausgegebene, sehr klein gedruckte Schrift mit allen wichtigen Angaben zu ökonomischen Gegebenheiten im Eurogebiet und der EU gesamthaft mit dem Schwerpunkt auf dem Finanzsektor. Die meisten Angaben sind auch über die Homepage der EZB abrufbar. Das in englischer Sprache veröffentlichte Pocket Book ergänzt den Anhang "Statistik des Euro-Währungs¬gebiets" im jeweiligen Monatsbericht der EZB.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2009, S. 40 ff. (rechtliche Grundlagen zur Erfassung statistischer Daten durch die EZB).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Statistik (statistics):

1 Die Wissenschaft von der Sammlung (collection), Aufbereitung (classification) und Deutung (interpretation) von Daten als die Wirklichkeit abbildende Sachverhalte, gewonnen aus Messungen, Beobachtungen oder anderen Informationen.

2 In älteren Dokumenten die Beschreibung eines Staates, einschliesslich seiner wirtschaftlichen Gegebenheiten samt seiner Geldverfassung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Statistiken (statistics):

Für eine Zentralbank sind verlässliche Zahlen über das ökonomische Ablaufgeschehen von ganz entscheidender Bedeutung. Daher unterhalten die Zentralbanken auch entsprechende Abteilungen. Die meisten Verbesserungen in der zahlenmässigen Erfassung des Wirtschaftsablaufs gingen in den letzten Jahren auf Initiative der Zentralbanken zurück. - Bei den von der EZB veröffentlichten Statistiken sind in jedem Falle (schon wegen der Gebiets-Abgrenzung) unbedingt die "Technischen Hinweise" bzw. "Erläuterungen" zu beachten.

– Siehe Statistics Pocket Book, Statistikbehörde.

– Vgl. für den Euroraum Monatsbericht der EZB vom September 2004, S. 61 ff., Monatsbericht der EZB vom November 2009, S. 40 ff. (rechtliche Grundlagen zur Erfassung statistischer Daten durch die EZB).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Statistikbehörde (statistical agency):

Mit der Erfassung und Verarbeitung von Daten in einem Staat betraute öffentliche Stelle. - Von den vor Ort jeweils erhobenen Zahlen hängt nicht nur die Geldpolitik ab, sondern auch fast alle anderen Politikbereiche, wie etwa die Wirtschaftspolitik, Sozialpolitik oder Verkehrspolitik. Entscheidungen in allen Sachgebieten müssen sich daher auf genaue, verlässliche Zahlen gründen. Um dies zu gewährleisten, sollen die nationalen Statistikbehörden neben der entsprechenden personellen und sachlichen Ausstattung auch eine weitreichende Unabhängigkeit besitzen. - Die Griechenland-Krise 2009 ist ursprünglich auf falsche Haushaltszahlen zurückzuführen. Die EU-Kommission nahm dies zum Anlass, um das Recht zu verlangen, an Ort und Stelle die Stichhaltigkeit ihr vorgelegter Daten zu prüfen.

– Siehe Eurostat, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Grundfehler, Sperrkonto, Statistik.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom März 2011, S, 123 ff. (Verhaltenskodex für die Statistikbehörden; ein gesamteuropäisches statistisches Amt als Fernziel).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Status (financial position):

In der älteren Literatur auch die Gegenüberstellung von Vermögen und Schulden (status of the assets, liabilities, and owners' equity of an entity, as reflected in its financial statements).

– Siehe Vermögensstatus.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Staugeld (stowage fee):

Frühere Abgabe, die in einen Hafen einlaufende oder aus einem Hafen auslaufende Schiffe zu zahlen hatten; in der Regel berechnet nach dem Laderaum (hold).

– Siehe Hafengeld, Lastgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Staumanagement und Warteschlage-Steuerung (queue management):

In einem Institut die festgelegten Verfahrensweisen im Umgang mit Warteschlangen vor Bankschaltern, vor Bedienungsstellen (service points) oder bei der Abwicklung von Überweisungsaufträgen (rules and procedures that determine the order in which could be released a queue before windows, service points or in the field of transfer orders).

– Siehe Optimierungsplanung, Scoring, Warteschlange.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stein der Weisen (philosopher's stone):

In der älteren Literatur häufig erwähntes Zaubermittel, mit dessen Hilfe man unter anderem sämtliche Metalle in Gold verwandeln und damit unendlichen Reichtum erwerben könne (a much sought imaginary stone believed to have the power of transmuting the baser metals into gold).

– Siehe Chrysopöie, Geldmännchen, Goldmacher.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stellagegeschäft (put and call option):

Ein

1. Vertrag, bei dem jemand

2. gegen eine im Voraus festgesetzte Prämie, auch Stellgeld genannt,

3. das Recht erwirbt, die Wertpapiere oder andere Vermögensgegenstände am Erfüllungstag

4. zu einem beim Abschluss vereinbarten höheren Kurs zu verlangen oder

5. zu einem ebenfalls im Voraus festgelegten niedrigeren Kurs zu liefern.

– Siehe Butterfly-Spread, Option, Straddle.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stellen, öffentliche (public sector entities):

Aufsichtsrechtlich definiert in der Richtlinie 2006/48/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 14. Juni 2006 über die Aufnahme und Ausübung der Tätigkeit der Kreditinstitute als "nicht-gewerbliche Verwaltungseinrichtungen, die von Zentralstaaten, Gebietskörperschaften oder von Behörden, die in den Augen der zuständigen Behörden die gleichen Aufgaben wie regionale und lokale Behörden wahrnehmen, getragen werden, oder im Besitz von Zentralstaaten befindliche Unternehmen ohne Erwerbszweck, für die eine einer ausdrücklichen Garantie gleichstehende Haftung gilt, einschliesslich selbst verwalteter Einrichtungen des öffentlichen Rechts, die einer öffentlichen Beaufsichtigung unterliegen".

– Siehe Bail-out, Finanzkraft Gebietskörperschaften, Parafiskus, Staat.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stellenanzeigen-Index (help-wanted index, HWI; help-wanted ad = job advertisement):

In den USA eine amtliche Messgrösse, die Stellenanzeigen in den führenden Tageszeitungen samt den Bundesstaaten, in denen offene Stellen angeboten werden, für Zwecke der Konjunkturdiagnose zusammenfasst (an index that summarises the number of job advertisements in major American newspapers and the areas in which companies offer employment opportunities. The index shows the general strength or weakness of the national labour market by providing information on how many positions need to be filled).

– Siehe Arbeitsmarkt-Flexibilität, Beverdige-Kurve, Konjunkturstatistik, Zwei-Säulen-Prinzip.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stempelgeld (paper fee; dole money; expired money):

1 Papiermacher brachten früher häufig mürbes (crumbly), schlecht geleimtes (careless glued) Papier in den Verkehr, auf dem Geschriebenes nach kurzer Zeit oft völlig ausblich. Um die Rechtssicherheit in Bezug auf Dokumente zu gewährleisten, so sahen sich die Obrigkeiten nicht zuletzt auf Druck der Kaufmannschaft genötigt, Papier von Mühlen mit behördlicher festgestellter Qualität besonders zu kennzeichnen. Dafür mussten die Verwender dieser Bogen eine entsprechend bemessene Abgabe zahlen, aus der sich nach und nach das Stempelgeld als eine Finanzquelle für den Staat herausbildete.

2 Öffentliche, regelmässige Zahlung an Arbeitslose (money that is given regularly by the government to persons who are unemployed). Die Bezeichnung kommt daher, dass früher jeder Arbeitslose einen Ausweis in Form einer Karte erhielt. Mit dieser ging er regelmässig zum Arbeitsamt (employment agency); er erhielt mit dem ausbezahlten Geld einen Stempel in die Karte.

3 Nach der Freigeldtheorie soll jeder Geldschein in bestimmten zeitlichen Abständen seine Gültigkeit verlieren. Er muss dann mit einem kostenpflichtigen Stempel wieder neu begültigt werden.

– Siehe Geldabschaffung, Gebühr, Regionalgeld, Schwundgeld, Unfruchtbarkeits-Theorie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

STEP2:

Ein vom Euro-Bankenverband betriebenes europaweites automatisiertes Clearinghaus - im Jargon: Clearer - für auf EUR lautende Massenzahlungen, das am 28.4.2003 den Betrieb aufgenommen hat. Zu beachten ist, dass STEP2 lediglich das Clearing übernimmt, also die Entgegennahme, Sortierung, gegenseitige Verrechnung und Auslieferung der Zahlungsinformationen. Das Settlement, also die Übertragung der Geldbeträge oder Deckungs-Anschaffung, geschieht ausserhalb von STEP2 in existierenden Systemen wie EURO1, oder TARGET. - Im August 2014 hat die EZB eine Verordnung zu den Anforderungen an die Überwachung systemrelevanter Zahlungsverkehrs-Systeme (systemically important payment systems, SIPS) erlassen.

– Siehe Zahlungsverkehrssysteme.

– Vgl. Jahresbericht 2012 der EZB, S. 144. (Überwachungsfragen) und den jeweiligen Geschäftsbericht der EZB, Kapitel "Überwachung der Zahlungssysteme und Marktinfrastrukturen").

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Step-down-Anleihe und Anleihe, zinssinkende (step-down bond):

Eine Schuldverschreibung, bei der die Höhe des (halb)jährlichen Zinses während der Laufzeit einmalig oder in mehreren Schritten gesenkt wird (the coupon payable decreases over time. It could be a one-off large decrease, or a more frequent small decrease, or any other type of combination). - Entsprechend wird bei einer Step-up-Anleihe der Zins erhöht.

– Siehe Anleihe, variable verzinsliche, Euro-Bonds, Floater, Floor, Konversionsanleihe, Zinsbindung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sterbegeld (death grant; funeral benefit; accural duty):

1 Vom Arbeitgeber geleistete Zahlung an die Angehörigen beim Tod des Beschäftigten. In Deutschland galt früher bei Beamten in der Regel die Weiterzahlung des (Grund)Gehalts während dreier Monate.

2 Aufgrund eines besonderen Vertrags mit einer Versicherung im Falle des Todes ausbezahlte Summe, um die Ausgaben im Zusammenhang mit der Bestattung zu decken. Gesetzliche Krankenkassen in Deutschland zahlen seit Jahresbeginn 2004 kein Sterbegeld mehr.

3 In früherer Zeit auch eine Abgabe, die beim Tod eines vermögenden Bürgers von den Erben zu zahlen war, auch Fallgeld, Mortuar und Sterbepfundgeld genannt: praktisch eine Erbschaftsteuer.

– Siehe Abzugsgeld, Fallgeld, Kurmutgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sterbekasse (burial funds):

Unternehmen, welches den Mitgliedern gegen Beiträge eine Leistung beim Sterbefall (decease) der versicherten Person gewährt. In älterer Zeit war eine solch Einrichtung auch unter der Bezeichnung Grabkasse, Leichenkasse, Totenkasse, Sterbeladen und Begräbniskasse bekannt und zumeist genossenschaftlich organisiert. - In Deutschland unterliegen entsprechende Versicherungen der Überwachung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht; in deren Jahresberichten finden sich jeweils statistische und aufsichtsrechtliche Informationen.

– Siehe Lebensversicherung, Sterbegeld, Trägergeld.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 158 (Solvabilität der Sterbekassen), Statistik 2005 der BaFin (Erstversicherungsunternehmen), S. 41 ff. (ausführliche Informationen), Jahresbericht 2006 der BaFin, S: 87 (Freistellungsmöglichkeit von der Aufsicht), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 83, S. 89 (Statistisches) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Versicherungsunternehmen und Pensionsfonds". Im jeweiligen Jahresbericht "Statistik Erstversicherungsunternehmen und Pensionsfonds" der BaFin auch Übersicht über Beiträge, Vermögensanlagen und die Ertragslage der Unternehmen in Deutschland sowie weitere Kennzahlen mit Erläuterungen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sterling-Gebiet auch Sterlingblock (sterling area):

Ehemaliger bedeutender Verbund von Staaten - vor allem sämtliche Commonwealth-Länder mit Ausnahme von Kanada -, die ihre Währung am Pfund Sterling ausrichteten; bis etwa 1950 war die Hälfte des weltweiten Güteraustauschs in GBP fakturiert. - Der Ursprung geht auf das Jahr 1931 zurück, als England den Goldstandard aufgab. Die Exchange Control Act 1947 umschrieb die Gemeinschaft näher. Die Währungsreserven wurden in London gebündelt und Zahlungen zwischen den Teilnehmern von Massnahmen der Devisenbewirtschaftung freigestellt. Im Zuge der Annäherung Englands an Europa und der wachsenden Bedeutung der USA löste sich der Verbund 1952 auf.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stetigkeit (consistency):

1 In Bezug auf die Politik der Zentralbank die Forderung, dass alle Massnahmen ihrer Politik in einsichtiger, überschaubarer Aufeinanderfolge zu geschehen haben. Technische Änderungen auch beim Einsatz einzelner zentralbankpolitischer Mittel - wie beispielsweise der Übergang vom Mengentender zum Zinstender bei der EZB - sollten zuvor angekündigt, begründet und erläutert werden.

2 In Zusammenhang mit der Rechnungslegung die Vorschrift, dass in allen Bereichen des Abschlusses jedwelche Änderungen in den Erfassungs- und Darstellungsmethoden von einer Periode zur anderen einsichtig zu erläutern und in ihrer betragsmässigen Auswirkung genau auszuweisen sind.

– Siehe Forward Guidance, Führung, verbale, Informations-Überladung, Klartext, Politik des offenen Mundes, Regelgegründet, Unschärfe, konstruktive, Verständlichkeit, Wesentlichkeit, Zuverlässigkeit, Zweckdienlichkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Steuerbelastung, ungleichseitige (asymmetric tax burden):

Wenn nicht anders definiert in Bezug auf den Finanzmarkt der Umstand, dass bei einem Geschäft die jeweiligen Partner unterschiedliche Steuern zahlen müssen (a situation in which participants in a transaction have to pay different tax rates).

– Siehe Steuerdumping.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Steuerberater, CH: Treuhänder (tax adviser, tax consultant):

Obgleich Steuerberater zwangsläufig vertrauliche Erkenntnisse in Wertpapier-Dienstleistungsunternehmen gewinnen, gelten für sie bis anhin noch nicht die Mitarbeiter-Leitsätze. Dasselbe gilt auch für Wirtschaftsprüfer.

– Siehe Public Company Accounting Oversight Board.

– Vgl. Jahresbericht 2001 des Bundesaufsichtsamts für den Wertpapierhandel, S. 8.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Steuerberatung (tax consultancy, tax counselling):

In Deutschland ist es Banken aufgrund des geltenden Steuerberatungsgesetzes (StBerG) untersagt, Kunden hinsichtlich der steuerlichen Behandlung von Transaktionen Rat zu erteilen. Eine Ausnahme gilt nur insoweit, als nach § 4 StBerG Verwahrer und Verwalter fremden oder zu treuen Händen oder zu Sicherungszwecken übereigneten Vermögens entsprechende Auskünfte geben dürfen. Auch fast alle Finanzpläne, Ansparformeln usw. berücksichtigen daher ganz selten die steuerlichen Auswirkungen. Sie sind daher immer nur bedingt zu verwenden. - In der Schweiz verfügen die Banken in der Regel über eine sehr einflussreiche und leistungsfähige Steuerabteilung. Diese informiert auf allen Ebenen des Unternehmens und der Hierarchie über steuerrechtliche Auswirkungen auch beispielsweise von geplanten, neuen Finanzprodukten und arbeitet weltweit mit externen Steuerberatern vor Ort eng zusammen. Dem Kunden wird auf Verlangen entsprechendes Wissen angedient.

– Siehe Finanzmathematik, Gnomen von Zürich, Steuerhinweise, Theoretiker, Zinsinsel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Steuerdumping (tax dumping, tax competition):

Einzelne Gebiete - etwa Estland - eines grösseren Wirtschaftsraums - etwa: der EU - setzen ihre Abgabesätze für Personen oder Unternehmen sehr tief an, bzw. sie verzichten sogar für eine bestimmte Dauer ganz auf eine Besteuerung. Ziel der Massnahme ist, entsprechende Ansiedlungen zu fördern. Man rechnet in der Regel damit, auf lange Sicht die jetzigen Ausfälle durch spätere Steuerzahlungen der Angelockten auszugleichen.

– Siehe Steueroase, Steuersenkungs-Wettlauf.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Steuererhöhung, inflationsbedingte (bracket creep by inflation):

Die Tatsache, dass bei Inflation vor allem die Bezieher [CH: Bezüger] mittlerer Einkommen rasch in eine höhere Zone des Progressionstarifs gelangen, der Grenzsteuersatz (marginal rate of tax: die zusätzlich zu leistende Abgabe bei Anstieg des Einkommens um eine Einkommenseinheit) mit anderen Worten steil anschwillt. Gleichzeitig verlieren Steuerfreibeträge (tax-free allowance) an Wert, weil mit dem gleichen Betrag infolge der Inflation real weniger Güter gekauft werden können.

– Siehe Inflations-Steuer, Progression, kalte, Steuerlastquote, Steuerverzerrungs-Effekt.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom März 2011, S. (Auswirkung indirekter Steuern auf die Inflation; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Steuerfinanzierung (public financing, government funding):

Die Zuweisung von Geld an Einzelne, Unternehmen oder öffentliche Körperschaften ohne Rückzahlungsverpflichtung (financial assistance the government gives to eligible individuals, businesses, or statutory corporations with no payback requirements). - Sobald der Staat mit Steuermitteln die Kosten von Körperschaften - vor allem: Sozialversicherung, Krankenversicherung, aber auch Zuweisungen an Gebietskörperschaften, so wie im Falle der Investitionszulage an die neuen Bundesländern in Deutschland (in the course of German re-unification 1990) - teilweise oder gar völlig übernimmt, dann steigen dort die Ausgaben an. Denn durch die Hilfe des Staates wird jetzt der Druck genommen, über

1. die genaue Offenlegung aller einzelnen Posten,

2. mehr Wettbewerb sowie

3. mehr Eigenbeteiligung die Effizienz des jeweiligen Systems zu steigern und damit die Kosten in Schach zu halten (to keep expenses in check).

– Siehe Moral Hazard, Stipendium, Subventionen.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2014, S. 45 (steuerfinanzierter Anteil an der gesetzlichen Krankenversicherung seit 2004).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Steuerfreiheit in älteren Dokumenten auch Inkontribuabilität (tax exemption):

Die teilweise oder völlige Entlastung eines Steuerpflichtigen von der Abgabepflicht. Beispiele sind gemeinnützige Organisationen (non-profit institutions) oder Unternehmen, die am ausländischen Hauptsitz besteuert werden und im Gastland - in der Regel aufgrund eines Gegenseitigkeitsabkommens (mutual recognition agreement, MRA) zwischen den Staaten - von bestimmten Steuern freigestellt sind.

– Siehe Steuervergünstigungen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Steuergutschrift (tax credit):

Die Aussetzung oder gar Tilgung einer Steuerschuld, falls das steuerpflichtige Unternehmen bzw. der Privathaushalt bestimmte Auflagen erfüllt; wenn bei einem Betrieb etwa in Zeiten eines Tiefstands der Wirtschaft Investitionen getätigt werden bzw. ein Privathaushalt erneuerbare Energien verwendet. Erfahrungsgemäss lassen sich mit dieser Massnahme Geldströme in einer Volkswirtschaft auch in kurzer Frist in eine gewünschte Richtung lenken.

– Siehe Moratorium., Steuervergünstigung, Subventionen, Sunset-Vorbehalt, Zuschuss.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Steuerhinweise (tax-efficient tips):

Wenn nicht anders definiert der Rat einer Bank an den Kunden, wie er eine Anlage steuersparend gestalten kann. - Eine individuelle steuerliche Beratung ist Instituten in Deutschland grundsätzlich nicht erlaubt. Insoweit Wertpapier-Dienstleistungsunternehmen in ihren Prospekten die steuerliche Behandlung der Investition oder der Erträge daraus ansprechen, so bedarf es des deutlichen Hinweises, dass solche Angaben letztlich immer von den persönlichen Umständen des Kunden abhängen.

– Siehe Helvetophobie, Steuerberatung.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 147 (klarer Hinweis in Verkaufsprospekten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Steuerkurs (tax value):

Der von der Steuerverwaltung festgesetzte Wert eines Titels, wie er bei der Berechnung der Steuerschuld zugrunde gelegt wird.

– Siehe Kurs, Wert.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Steuerlastquote (tax load ratio):

Der Anteil der erhobenen Steuern zum Bruttoinlandsprodukt. Diese Quote lag in Deutschland im Jahr 2009 bei knapp 24 Prozent. - Ab einer bestimmten Höhe der Steuerlast veranlasst dies befähigte Arbeitskräfte und Unternehmen, sich im Ausland niederzulassen. Auch steigt der Anteil der Schwarzarbeit (black labour) auf fast allen Märkten in der hochbesteuerten Volkswirtschaft. - Eine Erhöhung der Umsatzsteuer um ein Prozent würde nach Berechnungen im Jahr 2010 in Deutschland zu einem Mehraufkommen (additional tax revenue) von 8,5 Mia EUR führen; das sind etwas mehr als 0,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

– Siehe Abgabenquote, Drittgattingeld, Sozialstaat-Falle, Verfassungsartikel eins, Wagnersches Gesetz, Zweitgattingeld.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2008, S. 31 ff. (Preiswirkungen der Umsatzsteuer-Erhöhung in Deutschland zu Jahresbeginn 2007; Übersichten); Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2008, S. 35 ff. (Abgabenquoten im Vergleich; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom November 2009, S. 50 ff. (Steuern und Inflation), Monatsbericht der EZB vom März 2012, S. 70 f. (Änderung indirekter Steuern auf die Verbraucherpreise; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Steueroase und Steuerparadies (tax haven):

1 Gebiete, die wesentlich niedrigere Steuersätze als ihre Nachbarn erheben und dadurch vor allem hohe Einkommensbezieher und Vermögende anlocken. - In Deutschland galten vor 1914 die Städte Bonn und Wiesbaden dank niedriger Zuschläge zur Einkommensteuer als Steueroasen. Viele Rentner aus anderen Städten zogen aus diesem Grund dorthin.

2 Staaten, die steuerliche Anreize für bestimmte wirtschaftliche Tätigkeiten bieten, wie etwa für Investitionen oder Ausfuhren (a nation with tax incentives for undertaking specific activities such as investing or exporting).

3 Ab etwa 2007 auch gesagt von Staaten - wie Luxemburg, Österreich, Lichtenstein oder die Schweiz -, die in Steuerstrafsachen (tax penalty matters) mit ausländischen Behörden gar nicht oder nur unzureichend zusammenarbeiten. Auf den G20-Gipfel im April 2009 in London wurde vereinbaret, solche Staaten auf eine schwarze Liste zu setzen und sie damit der internationalen Ächtung preiszugeben.

– Siehe Firmenoase, Helvetophobie, Offshore-Finanzplatz, Steuerdumping.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Steuerquote (tax quota):

Der Anteil der Steuern des Staates am Bruttoinlandsprodukt, und direkt abhängig vom Steuersatz als dem Verhältnis der zu zahlenden Zwangsabgabe zur Besteuerungsgrundlage, hier vor allem Einkommen und Umsatz. Ist der Steuersatz hoch, dann bleibt wenig Spielraum auf der Einnahmeseite, vorübergehende oder strukturelle Mehrausgaben zu finanzieren, was sich über kurz oder lang auf den Geldwert auswirken muss.

– Siehe Altersquotient, Einnahmequote, Finanzpolitik, Nachhaltigkeit, Schuldenquote, Staatsschulden, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Steuervergünstigungen, Überalterung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2008, S. 31 ff. (Steuerlastquote und Verbraucherverhalten), Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2008, S. 35 ff. (Entwicklung der Steuerquote; Übersichten), Vgl. Monatsbericht der EZB vom März 2011, S. (Auswirkung indirekter Steuern auf die Inflation; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Steuersenkungs-Wettlauf (race to the bottom):

Teilnehmer einer Währungsunion wie der EWU versuchen, "hinter" der einheitlichen Geldpolitik durch niedrige (Unternehmens)Be¬steuerung ausländische Investoren anzuziehen. - Die Erfahrung zeigt, dass auch eine vergleichsweise hohe Steuerlastquote hingenommen wird, wenn damit höhere Gegenleistungen verbunden sind, wie vor allem: Gewährleistung innerer und äusserer Sicherheit, Bereitstellung von Infrastruktur, Bildungseinrichtungen und verlässliche soziale Sicherungssysteme.

– Siehe Anwerbegeld, Steuerdumping, Steuerwettbewerb.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Steuerspar-Fonds (tax-managed [mutual] fund):

Ein Investmentfonds dessen Anlagepolitik in erster Linie darauf ausgerichtet ist, die für den Anleger anfallenden Abgaben jeder Art so gering wie möglich zu halten (a mutual fund that invests in securities supposed to have given fund shareholders the least possible tax liability).

– Siehe Aktienfonds, Anteilschein, Auftragsfonds, Bogey, Finanzintermediäre, Immobilienfonds, Inventarwert, Kapitalverwaltungsgesellschaft, Kapitalanlagegesetzbuch, Publikumsfonds, Rentenfonds, Spezialfonds, Steuerhinweise, Thesaurierungs-Fonds, Vermögensverwalter.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Steuertermine (tax maturity dates):

Tage, an dem bestimmte Steuern fällig und an die Staatskasse abgeführt werden. Sie sind dadurch gekennzeichnet, dass grosse Geldbeträge von den Konten der Unternehmen sowie der Privathaushalte auf Konten des Staates fliessen. Die Steuertermine beeinflussen daher die Finanzmärkte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Steuerung, institutsinterne (internal governance):

Die innert eines Instituts geltenden Regeln für die jeweiligen Bereiche des Geschäftsablaufs sowie deren organisatorisches Gefüge.

– Siehe Aktiva-Passiva-Management-Ausschuss, Aktuar, Anlage-Ausschuss, Chief Risk Officer, Controlling, Funktion, Gesamtbank-Steuerung, Risiko-Ausschuss, Stress-Test.

– Vgl. Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 97 f. (aufsichtliche Vorgaben für die institutsinterne Steuerung; EBA-Richtlinie im Einzelnen), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 123 f. (EU-Bankenrichtlinie und Vorgaben der EBA zur Internal Governance bestimmen die MaRisk-Novelle 2012).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Steuerungsrahmen (governance framework):

Mitte Dezember 2011 in Kraft getretenes sog. Reformpaket (reform package) der EU mit dem Ziel, den zutage getretenen Schwächen im Stabilitäts- und Wachstumspakt entgegenzutreten.

– Siehe Abwertung, fiskalische, Bail-out, Bankenaufsicht, europäische, Defizit-Finanzierungsverbot, Defizitquote, Demographieverfestigung, Ecofin-Rat, Euro-Anleihen, Euro-Bonds, Europäische Schuldenagentur, Europäisches Finanzministerium, Frühwarnrecht, Gruppendruck, Inverzugsetzung, Haushalts-Vorabstimmung, europäische, Krise, zentralbankbewirkte, Politikklammer, Politikverzug, Schuldenclub, Schuldenquote, Semester, europäisches, Solidarität, finanzielle, Staatsschulden-Rückführung, Staatsverschuldungs-Druck, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Grundfehler, Tragfähigkeit öffentlicher Finanzen, Transferunion, Wettbewerbs-Status, internationaler, Währungsunion 2, Wirtschaftspolitik, europäische.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Dezember 2011, S. 107 ff. (Vorstellung des Steuerungsrahmens; nachhaltige Kritik zu den einzelnen Massnahmen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Steuerverzerrungs-Effekt (tax distorsion effect):

Die Tatsache, dass bei einem auf Nominalwerten gründenden und gar noch im Tarif progressiv gestaltenden Steuersystem bei Inflation die Steuerbelastung für Privathaushalte und Unternehmen unverhältnismässig stark ansteigt, was das reale Wachstum stark hemmt.

– Siehe Inflations-Steuer, Menükosten, Progression, kalte, Steuererhöhung, inflationsbedingte, Valorisationsklage.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Steuervergünstigung (favourable tax treatment, tax concession, tax privilege):

Die einem Unternehmen oder anderen Steuerpflichtigen gewährte zeitlich begrenzte oder dauernde Minderung der Abgabenlast. Dies führt zwangsläufig dazu, dass andere Gruppen höhere Abgaben zu entrichten haben, weil eine gegebene Ausgabensumme (a fixed amount of expenditure) aufgebracht werden muss.

– Siehe Staatshilfe, Steuergutschrift, Steuerquote, Verfassungsartikel eins, Zahltag-Grundregel.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2008, S. 51 (Steuervergünstigungen in Deutschland 2003 bis 2008; S. 56 ff.: Rechtsquellen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Steuerwettbewerb (tax competition):

Die Politik

1. einzelner Staaten oder

2. der Gliedstaaten innert eines Landes - etwa der Kantone und Gemeinden in der Schweiz, dort rechtlich erlaubt nach Artikel 129 der Bundesverfassung -, durch eine tiefe Steuerbelastung (low tax burden) juristische und natürliche Personen in das jeweilige Gebiet anzulocken.

– Siehe Anwerbegeld, Steuerdumping, Steueroase, Steuersenkungs-Wettlauf.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Steuerzinsen (delay [penalty] interest):

Von der Finanzverwaltung (financial administration) eines Staates berechnete Zinsen bei rückständigen Steuern; sie stellen einen Ausgleich für die Nutzung des dem Staate zustehenden Geldes durch den säumigen Steuerpflichtigen dar. - Im Einzelnen unterscheidet man Verzugszinsen (default interest), Aufschubzinsen (respite interest) und Stundungszinsen (moratorium interest). - Je höher die Steuerzinsen angesetzt werden, um so mehr Steuerschuldner (tax debtors) stellen erfahrungsgemäss ihr Konto glatt. Das deutsche Steuerzinsgesetz vom 11. August 1923 gab dem Reichsfinanzminister das Recht, über die damals zunächst festgesetzten vierundzwanzig Prozent hinaus noch weitere Zuschläge zu erheben.

– Siehe Remission.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stichtag (settlement date, settling day):

In der älteren Finanzsprache meint man damit einen bestimmten Tag, an dem eine Schlussrechnung - seitens der Bank, seitens eines Maklers - vorgelegt wird.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stiefelgeld (boot money):

1 Zuschuss zur Dienstkleidung für bestimmte uniformtragende Berufe (supplementary pay [grant] for people in uniform), wie etwa Feuerwehrleute (firefighters) und Polizisten im Aussendienst, und dem Frackgeld für auftretende Künstler oder dem Saitengeld für Musiker entsprechend.

2 Geheimgehaltene Bonuszahlungen von Sportvereinen an die eigenen Spieler (unofficial bonuses in the form of illegal cash payments made by a professional sports club to its players). Bezahlt wird das Stiefelgeld regelmässig aus schwarzen Kassen, und diese speisen sich wiederum aus Verschleierung der tatsächlichen Einnahmen und/oder aus vorgetäuschten Ausgaben der zahlenden Organisation.

– Siehe Bonus, Douceur, Draufgeld, Handgeld, Handschuhgeld, Kleidergeld, Musikgeld, Rohrgeld, Transaktionsbonus, Stiefelgeld, Trinkgeld, Wahlgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stiftungsfonds (endowment fund):

1 In älteren Dokumenten angesammeltes Kapital oder eine Vermögensmasse zwecks Finanzierung der Ausgaben einer Kirche, eines Klosters oder einer mildtätigen Stiftung vor allem in der Alten- und Krankenbetreuung.

2 Kapitalverwaltungsgesellschaft, die ihre Erträge ausschliesslich zur Speisung einer Stiftung einsetzt (an investment fund set up by an institution in which proceeds from the invested capital are used for current operations of a non-profit oganisation such as schools, universities, museums, hospitals and churches).

– Siehe Losschnallen, Obvention, Organisationen, gemeinnützige, Perpetuitäten, Soft Money, Stiftungsverwaltung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stiftungsverwaltung (endowment administration):

Dienstleistungen einer Bank, die sich auf die professionelle Betreuung einer gemeinnützigen Stiftung bezieht und in der Regel neben der fachkundigen Vermögensverwaltung, Projektcontrolling (project controlling: alle Tätigkeiten, die notwendig sind, um ein Vorhaben über seine gesamte Laufzeit hinweg zu steuern) und Revision auch juristische Beratung einschliesst. - Wie sich gezeigt hat, erhöht sich bei banklicher Stiftungsverwaltung das Vertrauen in die Stiftung und damit die Neigung der Spender, die entsprechende Stiftung zu bewidmen (CH: zu äufnen]. Ferner steigert dies auch den Wirkungsgrad der Spenden, weil eigene kostenträchtige Organe der Stiftung überflüssig werden. Für die eine Stiftung betreuende Bank steht in der Regel der dadurch erlangte Zuwachs an Image im Vordergrund.

– Siehe Kultursponsoring, Losschnallen, Organisationen, gemeinnützige, Stiftungsfonds.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stille und Stillstand (inanimation, standstill):

In Bezug auf die Börse gesagt von einer Abwartehaltung der Marktteilnehmer (an interruption of normal activity on exchange). Dies halten sich aufgrund bestimmter Erwartungen mit Aufträgen zurück.

– Siehe Anlage-Notstand, Attentismus, Baisse, Codewörter, Flaute, Friedhof-Markt, Liquiditätsfalle, Marktschwäche, Rush to exit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stillhalter (option writer):

Beim Terminkontrakt derjenige, welcher die Verpflichtung eingeht, zu kaufen bei einer Verkaufsoption oder zu verkaufen im Falle einer Kaufoption (the seller of either a call or put option; the option writer receives payment, called a premium, and is obligated to buy or sell the underlying asset at a specified price, within a certain period of time).

– Siehe Ausübung, Call, Option, Prämie, Put, Stillhalter-Geschäft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stillhalter, gedeckter (covered writer):

Schreiber eines Calls, der eine Kaufposition im Basiswert hält (the covered writer owns the underlying asset, and makes money from the premium paid by other investors who purchase the option).

– Siehe Long-Position, Option.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stillhalter-Geschäft und Stillhaltergeschäft (covered option transaction):

Kauf eines Basiswertes (underlying: hier vor allem: Aktie, Währung) bei gleichzeitigem Schreiben einer Call-Option auf die dieselbe Bezugsbasis (reference base). - Die Aussicht auf Gewinn bei einem solchen Geschäft ist auf den Wertzuwachs bis zum Ausübungspreis der Option begrenzt. Beim klassischen Stillhaltergeschäft muss der Basiswert als Sicherheit hinterlegt werden. Für das Risiko eines Preisrückgangs des Basiswertes erhält der Käufer eine Prämie. - Werden sowohl der Basiswert als auch die Call-Option nicht auf einen bestimmten Basiswert bezogen, sondern auf ein Derivat, so spricht man von einem synthetischen Stillhaltergeschäft (synthetic covered option). - Bei Stillhaltergeschäften besteht keine Absicherung gegen Kursverluste des Basiswertes. Freilich fällt ein allfälliger Verlust beim Basiswert weniger hoch aus als dann, wenn man den Basiswert unmittelbar gekauft hätte. Die Optionsprämie begrenzt hier also einen Kursverlust der Bezugsbasis.

– Siehe Stillhalter, Stillhalter, gedeckter.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stimmen-Bündelung und Stimmrechts-Pooling (block voting):

Mehrere Aktionäre schliessen sich zusammen, um auf der Hauptversammlung ihre Stimme gemeinsam und gleichgerichtet abzugeben (a group of shareholders acting together to vote their shares aligned in a single block). Durch eine solche Massnahme kann sich auch ein Kleinaktionär (minor shareholder, small shareholder: a shareholder whose percentage of shares is too small to confer any power to exert influence over corporate action) auf der Hauptversammlung Gehör verschaffen. Banken haben zwar bis anhin kaum Neigung gezeigt, Kleinaktionäre unter einen Hut zu bringen. Dank der neuen Medien jedoch ist es einfacher geworden, verstreute Aktienbesitzer sogar weltweit ausfindig zu machen und für eine Stimmrecht-Bündelung zu gewinnen.

– Siehe Acting in Concert, Personen, gemeinsam handelnde.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stimmrecht-Ermächtigung und Vertretungsvollmacht (proxy):

Ein Formblatt, mit dem der Aktionär einer Aktiengesellschaft einen Vertreter zur Teilnahme an der Hauptversammlung bestimmt. Das Recht des Aktionärs, einen Vertreter zu entsenden, ist in den meisten Ländern gesetzlich vorgeschrieben, und es kann durch entgegenstehende Bestimmungen in der Satzung der Gesellschaft nicht ausgeschlossen werden (a written or electronic authorisation used by a shareholder to empower someone else to vote on their behalf at a shareholders meeting. In most countries corporations are legally obliged to send out proxies to all shareholders).

– Siehe Aktionar, passiver.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stimmrecht-Kriterium (voting control rule):

Bei der Rechnungslegung einer Bank und eines Unternehmens überhaupt sind grundsätzlich alle Betriebe einzubeziehen, die infolge Stimmrechten von dem bilanzierenden Unternehmen abhängen (voting control rule). - Die Einführung allein nur dieses Merkmals für die Konsolidierungspflicht führte dazu, dass Banken ihre Zweckgesellschaften bis zur Subprime-Krise 2007 nur im Ausserbilanzgeschäft erwähnten. Denn die originierende Bank (originator; Originator) hielt selten Stimmrechte, und schon gar nicht eine Stimmrechtsmehrheit. Daher sah man sich auch nicht veranlasst, Risiken bei den Conduits in der Bilanz auszuweisen; und dies selbst dann nicht, wenn der Originator der Zweckgesellschaft bonitätsverstärkende Fazilitäten (credit-quality enhancing facilities) in Form von unwiderruflichen Kreditzusagen eingeräumt hatte.

– Siehe Aktivitäts-Verlagerung, bilanzbestimmte, Konsolidierung, Nichts, bilanzielles, Stimmrecht-Offenlegung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stimmrecht-Offenlegung und Stimmrechtsmitteilung (voting rights information, voting rights notification):

In Deutschland müssen natürliche und juristische Personen nach § 21 WpHG

1. der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht und

2. der börsennotierten Gesellschaft ihre Stimmrechte mitteilen, sofern sie einen der Schwellenwerte von bereits 3 (nach dem Transparenzrichtlinie-Umsetzungsgesetz aus dem Jahr 2007: ein unbemerktes Anschleichen an Emittenten soll so erschwert werden), 5, 10, 15, 20, 25, 30, 50 oder 75 Prozent erreichen, überschreiten oder unterschreiten. Die bezügliche Gesellschaft ihrerseits ist gesetzlich nach § 25 WpHG verpflichtet, diese Tatsache unverzüglich öffentlich bekanntzumachen.

– Seit März 2009 müssen Stimmrechte aus §§ 21, 22 WpHG und Stimmrechte, die durch Finanzinstrumente bezogen werden können, zusammengerechnet werden. - Ab Mai 2009 gilt eine zusätzliche Auflage, wenn Meldepflichtige die Zehnprozentschwelle erreichen oder überschreiten. Dann muss der Meldepflichtige gegenüber dem Emittenten innert zwanzig Handelstagen offenlegen, was er mit der Beteiligung beabsichtigt und woher die eingesetzten Mittel stammen.

– Siehe Acting in Concert, Ad-hoc-Mitteilung, Anschleichen, Anteilseigner-Kontrolle, Armlänge, Inhaberkontrollverordnung, Namensaktie, Publizität, situationsbezogene, Risikobegrenzungsgesetz, Stimmrecht-Datenbank, Stimmrecht-Ermächtigung, Stimmrecht-Kriterium, Transparenz-Richtlinie, Verbindung, enge, Zweitausweis.

– Vgl. Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 166 ff., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 198 ff., Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 145 (neue Vorschriften nach dem Transparenzrichtlinie-Umsetzungsgesetz, [TUG]; Stimmrecht-Datenbank der BaFin mit Abb. der Suchmaske und Erläuterungen), S. 178 ff. (neue Methode der Stimmrechts-Zurechnung), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 62 f. (auch das Halten bestimmter Finanzinstrumente, die zum Erwerb von mit Stimmrechten ausgestatteten Aktien berechtigen, führt zur Mitteilungspflicht), S. 194 (Zurechnung der Stimmrechte minderjähriger Kinder) Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 186 f. (neue Rechtslage durch das Anlegerschutz- und Funktionsverbesserungsgesetz), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 192 (seit Februar 2012 gelten erweiterte Mitteilungspflichten; Rechtsquellen; Übersicht der Meldungen), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 176 (Übersicht Stimmrechtsmeldungen seit 2009; weitere Meldungen nach dem WpHG) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft", Rubrik "Stimmrechte".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stimmrecht-Datenbank (database of voting rights):

In Deutschland von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht eingerichtete öffentliche Auskunftsstelle über bedeutende Stimmrechtsanteile an den im Amtlichen Handel notierten Gesellschaften. Sie ist über die Homepage der Anstalt http://www.bafin.de (dort: "Datenbanken und Statistiken") abrufbar und wird ständig aktualisiert.

– Siehe Aktientausch-Übernahme, Anschleichen, Buy out, Erwerbsangebot, Pflichtangebot, Squeeze-out, Stimmrecht-Kriterium, Übernahme-Angebot.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 199 f., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 198 f., Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 170 (Verfahren wegen des Verdachts der unterlassenen, nicht rechtzeitigen, nicht richtigen oder nicht vollständigen Mitteilung oder Veröffentlichung bedeutender Stimmrechtsanteile), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 167 f. (Mitteilungen 2004 bis 2008; Präzisierung bei der Zusammenrechnung von Stimmrechtsanteilen) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Rubrik "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stimmungs-Barometer (barometer of public opinion):

Vom Stadtpunkt der statistischen Methodenlehre aus gesehen mehr oder minder exakte Befragungen von Personen über

1. deren Einschätzungen zu bestimmten Gegenständen, Ereignissen und Vorkommnissen oder

2. hinsichtlich ihrer Erwartungen.

– Was diese anbelangt, so scheint es erwiesen, dass bei einem Abschwung das Stimmungs-Barometer bereits steigt, wenn die Beschleunigung - als die zweite Ableitung der Bewegung in der Zeit - des Abwärtsganges nachlässt.

– Siehe Barometer-Aktie, Datenunsicherheit, Erhebung fachlicher Prognostiker, Geldpolitik, vorausschauende, Insolvenzfälle, Stimmungs-Indikatoren.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stimmungs-Indikatoren (business climate indicators):

Aus

1. statistisch erfassten Grössen und

2. Befragungen abgeleitete Einschätzung der Erwartungen in der Wirtschaft. Für die vorausschauende Wirtschaftspolitik allgemein und die Politik der Zentralbank sind solche Erwartungswerte von grosser Bedeutung.

– Siehe Behavioural Finance, Consensus Economics, Erhebung fachlicher Prognostiker, Euro-Breakup-Index, Grundstimmung, Konjunkturdiagnose, Konjunkturstatistik, Krisen-Vorschatten, Prognoseunsicherheit, Stimmungs-Barometer, Trendhandel, Übertragungseffekt, psychologischer, Vorlaufindikatoren, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2013, S. 77 (Grundsatzartikel zur Verlässlichkeit gesamtwirtschaftlicher Projektionen; viele Übersichten; Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stimmungs-Umschwung (change of economic climate):

Plötzlich oder schleichend - wie etwa im Zuge der Subprime-Krise - auftretende Änderungen in den Erwartungen der Marktteilnehmer allgemein und der Handelnden auf dem Finanzmarkt im Besonderen. - Wie die Finanzpsychologie nachweisen konnte, vermag eine Stimmungswende Angebot und Nachfrage auf den Finanzmärkten fast völlig unabhängig von realwirtschaftlichen Gegebenheiten entscheidend zu beeinflussen. Es gilt heute als unbestritten, dass ein negativer Stimmungs-Umschwung so viel Schubkraft (shearing force) besitzen kann, dass eine Volkswirtschaft in einen abwärts gerichteten Sog (depressive maelstrom) steuert.

– Siehe Animal Spirits, Bankenkrise, Erinnerungsfähigkeit, Finanzkrise, Furchtthese, Headline-Hysterie, Herdenverhalten, Market Impact, Stimmungs-Indikatoren, Vertrauensverlust, Zahltag-Grundregel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stipendium (stipend, grant; scholarship programme):

1 In der älteren Literatur der Lohn für Dienstleistungen (compensation for services).

2 Heute Zahlung - in der Regel aus einer Einrichtung mit dem Zweck der dauernden Bereitstellung von Unterhalt wie öffentliche Kasse, Stiftung oder Förderverein - an Schüler, Studierende, Künstler und Gelehrte zum Studium, zur Weiterbildung oder zur Ermöglichung besonderer wissenschaftlicher oder künstlerischer Sonderzwecke, wie etwa ein Reise-Stipendium (travel grant); Unterstützungsgeld. Der Empfänger eines Stipendiums heisst in er älteren Literatur auch Stipendiat (stipendiary).

3 An katholische Geistliche seitens der Gläubigen geleistete Zahlung für die Zuwendung (Applikation; application) der Früchte des Messopfers an eine bestimmte Person oder für ein besonderes Anliegen (Mess-Stipendium; mass stipend: an offering given to a priest with the understanding that the fruits of a Mass the priest offers will be applied for a particular person or purpose).

– Siehe Aufnahmeverweigerung, finanzielle, Bonus, Honorar, Messegeld, Staatshilfe, Steuerfinanzierung, Subsidien, Tantieme.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stock Approach (so auch im Deutschen gesagt):

Verfahren im Zuge des Liquiditätsmanagements. Vorgeschrieben wird hier institutsintern (in-house, within the company) ein Mindestbestand liquider Aktiva, in der Regel bezogen auf die kurzfristigen Verbindlichkeiten.

– Siehe Liquiditätskrisenplan, Liquiditätsmanagement, Value at Risk, Solvenz, Stress-Test.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2008, S. 65 (dort als "einfaches Verfahren" eingestuft).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stockdividende (stock dividend, bonus share):

Eine Aktiengesellschaft schüttet die Dividende nicht in bar aus, sondern in Form zusätzlicher, kostenloser Aktien (bonus shares; Gratisaktien, Berichtigungsaktien).

– Siehe Sachdividende.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stockjobber in älteren Dokumenten oft auch nur Jobber (so auch im Deutschen gesagt, aber in unterschiedlicher Bedeutung):

1 Marktteilnehmer, die sich alleinig auf Differenzgeschäfte an der Börse verlegt haben.

2 An der Börse in London Bezeichnung für

1. Saalhändler sowie

2. für alle Makler, die gleichsam als Grosshändler auftreten, also keine Geschäfte mit dem Publikum abwickeln.

3 Das Wort Stockjobber erhielt im Deutschen durch die sozialistische Anklageliteratur (socialistic accusatory writings), vor allem durch Karl Marx (1818-1883), aber auch durch gefeierte deutsche Literaten (highly acclaimed and celebrated literati) wie Heinrich Heine (1797-1856), einen stark negativen Anstrich: Stockjobber = Wucherer, Profiteuer, Betrüger, "Ausbeuter".

– Siehe Agiotage, Börsianer, Commercials, Geldsauger, Kapitalist, Kuponschneider, Kulisse, Lug-und-Trug These, Misochrematie, Profit, Spekulation.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stockmaster (so auch im Deutschen gesagt):

Endgerät für den Abruf wichtiger Finanzdaten (Aktienkurse, Dividenden usw.) von einem zentralen Provider (device which can be used to call up information on securities as prices, dividends, earnings per share, etc. from a central electronic system).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stocks (so auch im Deutschen):

In der älteren Finanzsprache häufig gesagt für jederart Staatspapiere.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stockwechsel (outstanding bills):

In der älteren Finanzsprache und auch noch in den Jahresberichten der Deutschen Reichsbank unbezahlt gebliebene Wechsel.

– Siehe Kellerwechsel, Protestliste, Reitwechsel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stolgeld auch Stoltaxe und Stolgebühr (stole fees):

Feste Beträge, die den Geistlichen vor Ort sowie dem Kirchenpersonal - wie Organist, Küster, Bedienstete des Pfarrsekretariats in Grossstadtpfarreien - gelegentlich gewisser kirchlicher Amtshandlungen wie Taufe, Trauung, Abdankung - früher zustanden. - Ursprünglich eine freie Gabe, wurde das Stolgeld im Laterankonzil 1215 als pflichtgemässe Leistung anerkannt und kirchenrechtlich festgeschrieben. Dabei ist zu berücksichtigen, dass in Deutschland bis 1874 den Geistlichen auch die gesamte Beurkundung aller Taufen, Aufgebote, Eheschliessungen und Sterbefällen oblag. Die Pflege der jeweiligen Kirchbücher sowie das Ausstellen entsprechender Bescheinigungen nahm nach Berechnungen in Hamburg um 1860 mehr als die Hälfte der Dienstzeit eines Geistlichen in Anspruch. - Stolgeld von Stola = über beide Schultern herabhängende Amtsschärpe des (katholischen und lutherischen) Geistlichen.

– Siehe Amtsgeld, Beichtgeld, Denkgeld, Kerzengeld, Memoriengeld, Messegeld, Taxe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stop (stop):

In älteren auf den Finanzmarkt bezüglichen Dokumenten sowie auch in Telegrammen (Depeschen; cables) ein Wort, welches ausdrückt, dass an diese Stelle ein Punkt als Satzzeichen (point as punctation character) zu setzen sei. Es wird also nicht - wie manchmal zu lesen ist - die Annullierung eines Auftrags (cancellation of an order) verfügt.

– Siehe Stop-Auftrag, Storno.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stop-Auftrag (stop order):

1 Bedingter Börsenauftrag zur vorsorglichen Verlustbegrenzung. Durch den Stop-Auftrag wird die Bank bzw. der Makler beauftragt, ein Gut bestmöglich zu verkaufen, falls der Börsenkurs unter eine bestimmte Linie sinkt. Solche bedingte Aufträge sind im Devisen-, Edelmetall- und Rohwarenhandel verbreitet (an order to a broker to sell when the price of an asset falls to a designated level).

2 Eine Anweisung an den Makler bzw. die Bank, erteilte Beauftragungen zu streichen (an order to cancel pending transactions that are placed with the broker or the bank).

– Siehe Alles-oder-Nichts-Auftrag, Cap, GTC-Auftrag, Limitierung, Sicherheitssperre, Storno, Tagesauftrag.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 173 (Tatbestand des Stop Order Fishings).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stop Loss Rules (so auch im Deutschen gesagt):

Merkmale, welche der (Geld)Politik einen Wandel ihrer Strategie nahelegen; und in der Regel als Fachausdruck in Bezug auf die Arbeit des Internationaler Währungsfonds im Falle von Krisenländern gebraucht.

– Siehe Bankenkrise, Vertrauensverlust.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stopfgans-Strategie (stuffed goose strategy):

Im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise vorgeschlagene Teilverstaatlichung von unterkapitalisierten Banken. Gemäss diesem Vorschlag muss jedes Institut, das am Markt nicht genug Eigenkapital findet, um

1. das Bilanzvolumen - im Durchschnitt der letzten drei Jahre - mit mindestens vier Prozent Eigenkapital und

2. die risikogewichteten Aktiva mit mindestens acht Prozent Kernkapital zu unterlegen, wohl oder übel hinnehmen, dass der Staat das Eigenkapital auffüllt und Teilhaber wird. Über die Einzelheiten dieses Vorschlags wurde viel diskutiert.

– Siehe Abwicklungsmechanismus, einheitlicher, Bankenrettungsgesetz, Banktestament, Basel-III, Crisis Management Groups, Eigenkapitalausstattung, Eigenmittel, Kapital, Kernkapital, Mindestanforderungen an die Ausgestaltung von Sanierungsplänen, Moral Hazard, Notfallfonds für Krisenbanken, Stabilitätsfonds, europäischer, Too big to fail-Grundsatz, Unterlegung, Vermögensabgabe, Zwangswandelanleihe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Störfall (incident):

Bei der EZB definiert als Zustand, bei dem ein - für den Finanzmarkt wichtiges - System

1. nur mit erheblicher Verzögerungen (substantial delays) oder

2. im Extremfall gar nicht mehr arbeitet (collapse of the system).

– Siehe Risiko, systemisches, Subprime-Krise.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Störkosten (troubling costs):

Falls nicht anders definiert, so versteht man darunter Aufwendungen aufgrund von (by reason of)

1. unsicherer Infrastruktur (unreliable infrastructure),

2. Problemen hinsichtlich der Aufsicht (problems with supervisory authorities: zu hohe Regulierungsdichte; undurchsichtige Vorschriften; willkürliche Anwendung),

3. Verbreitetsein von Bestechungszahlungen (briberies: the offering, giving, receiving, or soliciting of something of value for the purpose of influencing the action of an official in the discharge of his or her public or legal duties) an verschiedene Behörden,

4. hohem Mass an Kriminalität im Land gesamthaft, im Finanzsektor und hier im Besonderen in Bezug auf Engagements im Ausland sowie

5. arbeitsrechtliche Unsicherheiten (contract enforcement difficulties).

– Siehe Auslandsbank-Filiale, Risiko, Störfall.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Storno (contra entry, correction entry; payment; cancellation; stop order):

1 Die Aufhebung eines Buchungspostens durch eine Gegenbuchung anstelle des Durchstreichens.

2 In der älteren Finanzsprache die Begleichung einer Schuld, auch Stornierung genannt.

3 Die Rückgängigmachung (rescission) einer vertraglichen Vereinbarung allgemein und eines Versicherungsvertrags im Besonderen.

4 Der Widerruf eines Auftrags an einen Makler, abgemachte Geschäfte auf ausführen.

– Siehe Ausgleichsbuchung, Glattstellung, Mistrade, Stop-Auftrag, Stornoquote, Zahlung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stornoquote (cancellation quota):

Wenn nicht anders definiert die aufgekündigten Versicherungs-Verträge, unterteilt nach

1. Frühstorno (early termination: Abgang in den ersten vierundzwanzig Monaten nach Vertragsabschluss innert des Geschäftsjahres in Prozent des mittleren Neugeschäftes [= die Hälfte des Neuzugangs im Geschäftsjahr plus die Hälfte des Neuzugangs des Vorjahres] auf der Grundlage von Monatssoll-Beiträgen der jeweiligen Versicherungsart) und

2. Spätstorno (late termination: Abgang nach den ersten vierundzwanzig Monaten innert des Geschäftsjahres in Prozent des Bestandes zu Beginn des Geschäftsjahres und auf Grundlage von Monats-Sollbeiträgen der jeweiligen Versicherungsart berechnet).

– Die Stornoquote gilt unter anderem auch als ein Konjunktur-Indikator.

– Siehe die Stornoquoten für einzelne Versicherungssparten in Deutschland ausgewiesen im jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Versicherungsunternehmen und Pensionsfonds".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Straddle (so auch im Deutschen gesagt, seltener Grätsche; straddle = mit gespreizten Beinen stehen):

1 Der Kauf oder Verkauf einer gleichgrossen Zahl von Puts und Calls, im Einzelnen auf dieselben Vertragsbedingungen bezogen (the purchase or sale of an equal number of puts and calls having the same terms).

2 Option, bei welcher

1. der Auftraggeber gegen Zahlung einer Prämie

2. das Recht erwirbt,

3. innert einer bestimmten Frist

4. einen Basiswert zu einem bestimmten Preis zu kaufen (Call-Geschäft) und/oder zu verkaufen (Put-Geschäft) oder

5. ganz auf eine Transaktion zu verzichten.

3 Bei Wetten und auch Finanzwetten die Verdoppelung des Einsatzes (a method of betting where the previous bet is doubled).

– Siehe Butterfly Spread, Kandidatenwette, Option, Spread Bet, Stellagegeschäft, Strangle.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Strafbrief (notice for non-fulfilment):

Früher in Grossbritannien vom Finanzminister an den Gouverneur der Zentralbank gerichtetes Schreiben, wenn die Inflation über zwei Prozent anstieg. Darin musste die Zentralbank ausführlich begründen, warum das festgelegte Inflationsziel überschritten wurde.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Strafgeld und Geldbusse (fine, monetary penalty):

Zahlung, die eine Person oder ein Unternehmen wegen Verstosses gegen Gesetze zu leisten hat.

– Siehe Neglekten-Geld, Pönalgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Strafzins (penalty interest, penalty rate):

1 Der Preis für die von der Zentralbank in ausserordentlichen Fällen den Banken zugeleiteten Summen, um einen Liquiditäts-Engpass (liquidity bottleneck) aufzubrechen.

2 Volkstümlich auch Bezeichnung für die Vorfälligkeits-Entschädigung, nämlich von Banken berechnete Gebühr, wenn ein Kreditvertrag vor Ablauf der vereinbarten Laufzeit seitens des Kunden zurückbezahlt wird.

3 Eine Zahlung von x Prozent, die selbstanzeigende Steuersünder (tax evader) auf die gesamte, der Steuerbehörde verheimlichte Summe bei der Nachversteuerung (tax arrears) zu errichten haben.

4 Ein Sonderzins, den eine Zentralbank für das Unterschreiten des Mindestreserve-Solls berechnet.

5 Eine Zinszahlung, die Gläubiger bei Zahlungsverzug der geschuldeten Summe zuschlagen: Verzugszinsen.

– Siehe Bail-out, Geldmarkt-Operatio¬nen, Geldverleiher letzter Instanz, Negativzins, Panikverkäufe, Pränumerationsvorbehalt, Säumniszuschlag, Umschuldungs-Blase.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Straight Bond (so auch im Deutschen gesagt, seltener Normalschuldverschreibung):

Eine gewöhnliche Schuldverschreibung, ausgestattet mit bis zum Laufzeitende gleichbleibendem Zinssatz, ohne Rückrufklauseln und damit einem genau festgelegten Rück¬zahlungstermin (bond paying back the principal on its maturity date, paying a coupon rate on specific dates, and not carrying any special features).

– Siehe Anleihe, unkündbare.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Straitjacking (so auch im Deutschen; seltener mit behördlicher Zwängerei, aufsichtliche Zwangsjacke und ähnlich übersetzt):

Auf Finanzmärkten die möglichst vollständige Überwachung aller Marktteilnehmer durch die Aufsichtsbehörde. - In der Regel wird der Begriff von Seiten der Finanzindustrie missbilligend gegen angeblich die Handlungsfreiheit der Marktteilnehmer einengende Vorschriften durch Regelersteller und Aufsichtsbehörden gebraucht.

– Siehe Abschreckung, aufsichtsrechtliche, Anlage-Haftung, Anlegerschutz, Aufsichtsvermeidung, Ausschuss-Wahn, BaFin-Umlage, Banana Skins Survey, Fragmentierung, aufsichtliche, Beaufsichtigung, vollständige, Kapitalschutzgesetze, Managed Bank, Moral Suasion, Murphy's Gesetz, Pankratium, Reform Regulierungsdruck, Regulierungswut, Transparenzgrad, Überregulierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Streitbeilegung alternative (alternative dispute resolution, ADR):

Zur Vermeidung kostspieliger Gerichtsverfahren gemäss EU-Richtlinie einzurichtende Stellen, in denen finanzmarktliche Verbraucherbeschwerden abgeklärt werden sollen. Bis Juli 2015 muss jedes Land entsprechende Schlichtungsstellen eingerichtet haben.

– Siehe Gütestelle, Gatekeeper, Ombudsleute, Online-Streitbeilegung, Schiedsverfahren.

– Vgl. Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 52 f. (Stand der Rechtsentwicklung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stralzierung und Stralzio (winding-up):

In der älteren Finanzsprache die beabsichtigte, gütliche Auflösung einer Firma (a process that entails selling all the assets of a business entity, paying off creditors, distributing any remaining properties to the principals, and then closing the business), vgl. § 145 ff. HGB (German Code of Commerce).

– Siehe Bankrott, Defizient, Extensum, Insolvenz, Insolvenzkosten, Liquidation, Management Buyin, Notlage, finanzielle, Restrukturierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Strangle (so auch im Deutschen):

1 Ein Geschäft, bei der auf den gleichen Basiswert dieselbe Anzahl von Verkaufsoptionen (Puts) und Kaufoptionen (Calls) mit demselben Verfallsdatum verkauft bzw. gekauft werden. Der Ausübungspreis des Calls ist aber höher als derjenige des Puts; der Marktteilnehmer erwartet also einen Preisanstieg für den Basiswert (reference base: Finanzprodukt, Ware).

2 Ein Kombination einer Aus dem Geld-Kaufoption mit einer Aus dem Geld-Verkaufsoption, die sich beide in der Hand einer Handelspartei befinden. Wie beim Risk Reversal, so verfallen auch hier beide Optionen zum gleichen Termin und lauten auf Ausübungspreise, deren prozentualer Abstand vom Terminpreis zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses gleich gross ist (buying or selling an out-of-the-money put option and call option on the same underlying asset, with the same expiration; profits are made only if there is a drastic change in the price of the underlying asset). - Die (Börsen)Notierung des Strangles auf Devisenmärkten wird oft als Anzeichen für herannahende Wechselkursbewegungen gedeutet.

– Siehe Butterfly-Spread, Option, Risk Reversal, Straddle, Strap, Strip.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2001, S. 34 ff. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Strap (so auch im Deutschen gesagt):

Optionsstrategie aus

1. zwei Calls und einem Put

2. auf den gleichen Basiswert sowie

3. mit übereinstimmendem Ausübungspreis und Datum.

– Siehe Option, Straddle, Strangle, Strip, Rohstoff-Terminvertrag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Strategie-Zertifikat (performance certificate):

Besondere Art eines Basket-Zertifikats, bei welchem der Emittent laufend eine Neugewichtung des Basiswertes vornimmt. Dabei wird

1. entweder die Weiterentwicklung der einzelnen Bestandteile in dem Basket an bestimmten Beobachtungsterminen rückwirkend betrachtet und Werte, die sich schlechter entwickelt haben, herausgenommen (momentum approach; Momentum-Ansatz), oder

2. Basiswerte, die sich auf dem Markt überdurchschnittlich entwickelt haben, jetzt neu in das Basket aufgenommen (value approach; Value-Ansatz) oder es werden

3. Papiere mit niedrigerer Rendite wie vor allem Aktien mit geringer Dividende ausgeschieden (growth approach; Growth-Ansatz).

– Siehe Partizipations-Zertifikat, Strong Buy, Themen-Zertifikat.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Strazze auch Kladde und Memorial (momorandum book, day-book):

1 In der älteren Finanzsprache dasjenige Geschäftsbuch, in welches erste Aufzeichnungen einer Transaktion eingetragen werden (journal: account of daily transactions).

2 Strazze nannte man später im Bankbetrieb auch einen Vordruck (form), in welchen der Kassenabschluss (closing the cash accounts) von Geldautomaten eingetragen wurde; heute geschieht dies durch Eingabe in den Computer oder automatisch durch das eingebaute Zählsystem.

– Siehe Auszug, Geheimbuch, Geld(ausgabe)automat, Kladde, Kontenstands-Abfrage, Rapiat.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Street Name und Kundenauftragsverwahrung (street name):

Eine Aktie, die von der Maklerfirma bzw. der Bank für einen Kunden gekauft wurde, aber unter dem Namen des Instituts verwahrt wird (a share that is held in the name of a brokerage firm or bank, instead of the actual purchaser of the share). Dies geschieht häufig dann, wenn der Kunde in einem anderen Staat beheimatet ist und die Eigenverwaltung für ihn selbst mit zu viel Aufwand oder anderen Unzukömmlichkeiten verbunden ist. - Die Institute achten darauf, dass diese Dienstleistung nicht zu verbotenen Handlungen und insbesondere zu Verdeckung von Insider-Transaktionen missbraucht wird.

– Siehe Depot, Depotbank, Depotgeschäft, Depotgesetz, Euro General Collateral Pooling, Nominee, Omnibus-Konto, Street Name, Strohmann, Verwahrstelle, Wertpapier-Nebendienstleistungen, Zwischenverwahrung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stress (stress):

1 Allgemein eine gefühlte, von einem Menschen wahrgenommene hohe körperliche und/oder seelische Anspannung und Bedrängnis.

2 In Bezug auf den Finanzmarkt der Druck, welcher durch Unsicherheit und sich verändernde Erwartungen in Hinblick auf allfällige Verluste auf die Akteure ausgeübt wird.

– Siehe Finanzmarkt-Stress, Liquiditätspuffer, Schock, Vertrauen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stress-Test und Stresstest (stress testing):

1 Allgemein eine Modellrechnung, die darauf ausgerichtet ist, Risiken in einem Portfolio aufzuspüren und zu bewerten. Abgestellt wird dabei auf aussergewöhnliche, aber durchaus vorstellbare Veränderungen im ökonomischem Umfeld gesamthaft sowie in einzelnen Bereichen (Schocks; shocks).

2 Vom Internationalen Währungsfonds unregelmässig durchgeführte Untersuchung des Finanzsystems eines Staates hinsichtlich seiner Widerstandskraft gegenüber angenommenen und in einem Rechenmodell unterstellten negativen Entwicklungen im makroökonomischen Umfeld. Die Ergebnisse werden veröffentlicht.

3 Die von Aufsichtsbehörden verfügten oder selbst vorgenommenen Untersuchungen hinsichtlich der Risikotragfähigkeit von Banken und Versicherungsunternehmen. Gemäss der Solvabilitätsverordnung müssen Institute in der EU für alle wichtigen Risikoarten regelmässige Stress-Tests durchführen. Gelegentlich der zur weltweiten Finanzkrise ausgeuferten Subprime-Krise hat sich gezeigt, dass in den Modellrechnungen der denkbare Verlust viel zu niedrig - in der Regel enthielten die Ansätze einen Verlust in Höhe von einem Quartalsgewinn - angesetzt war, und auch die Möglichkeit unberücksichtigt blieb, dass Angebot und Nachfrage auf dem Finanzmarkt zeitweise weltweit völlig zusammenbrechen kann. - Einheitliche Stress-Tests für alle Banken in der EU werden oftmals gefordert; diese dürften aber wegen der Verschiedenartigkeit der Institute und Geschäftsmodelle zu wenig sinnvollen und wohl gar irreführenden Ergebnissen führen. Trotzdem veröffentlichte die European Banking Authority im Juli 2011 erstmals Ergebnisse von Stress-Tests für 91 Institute, darunter 14 deutsche Adressen. Die Reaktionen des Marktes auf die Veröffentlichung deuteten darauf hin, dass hierdurch das Vertrauen in die Banken zugenommen hat.

4 Seit 2005 veröffentlicht die Deutsche Bundesbank im November einen Finanzstabilitätsbericht, der sehr eingehend alle Risikofaktoren des Finanzsystems gesamthaft und im Einzelnen darzulegen versucht.

– Siehe Abschmelzrisko, Asset Quality Review, Comprehensive Assessment, Crash, Dominostein-Effekt, Ertragsschwäche, Extremereignis, negatives, EZB-Sündenfall, Finanzmarktstabilität, Finanzsystem, Herdenverhalten, Hybridbank, Liquiditätskrisenplan, Marktrisiko-Stresstest, Murphy's Gesetz, Risikotragfähigkeit, Risiko- und Solvabilitätsbeurteilung, unternehmenseigene, Schock, externer, Sensitivitätsanalyse, Stress-Test, Vorbehalte, Vertrauen, Volatilität, Worst Case Szenario.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2003, S. 55 ff., Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 24 f., S. 44 (in Bezug auf Versicherungsunternehmen), Monatsbericht der EZB vom Januar 2005, S. 61 (in Bezug auf die Prozyklizität in der EU), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 61 ff. (sehr ausführliche Darstellung; Übersichten; Literaturhinweise), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2005, S. 79 ff. (lehrbuchmässige Darstellung; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Februar 2007, S. 90 ff. (Krisen-Simulationstests in der EU), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 94 ff. Stress-Test bei Versicherungen), S. 121 f. (Bedeutung der Tests in Zusammenhang mit Basel-II; Erkenntnisse aus durchgeführten Stress-Tests bei Banken), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 91 f. (unterschiedliche Ergebnisse), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2008, S. 66 ff. (Liquiditätsrisiko-Stresstests), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 56 (Vorschriften für das Liquiditätsrisiko-Management). Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 92 (Tests der Bafin), Monatsbericht der EZB vom August 2010, S. 43 ff. (Stress-Test zeigt offensichtlich Kapitallücken auf), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 12 (deutsche Banken nahmen am Stress-Test teil), S. 45 f. (EU-Stresstests)., S. 102 f. (Ergebnisse der Stress-Tests der BaFin), S. 139 (neue Anforderungen an Stress-Tests; inverse Stress-Tests: ermittelt werden soll, durch welches Zusammenwirken welcher Risikotreiber ein Institut gefährdet ist), Finanzstabilitätsbericht 2011, S. 45 ff. (Einschätzung der Risikotragfähigkeit deutscher Institute; Übersichten), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 59 ff. (Fortschritte bei international abgestimmten Stresstests), S. 123 f (Stresstest der BaFin für Versicherungsunternehmen: Ergebnisse), S. 152 f. (Stresstest der EBA: Ergebnisse), Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 11 (zusammenfassender Stressindikator für das deutsche Finanzsystem seit 2007), S. 59 ff. (Ergebnisse von Stresstests), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 37 (einheitliche Stresstest-Leitlinien der EBA), S. 132 f. (Stress-Test bei Versicherungen auch durch die EIOPA; Einzelheiten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stress-Test, Vorbehalte (restrictions of stress testing):

Stress-Tests sind ein sinnvolles und notwendiges Werkzeug der Bankenaufsicht. Aber

1. sie vermögen immer nur auszugsweise abzubilden, wie ein externer Schock ein Bankensystem treffen kann. Indessen kann sich die Wucht eines Schocks über alle denkbaren Übertragungswege und Rückkoppelungen auf einmal auswirken, wie sich angesichts der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise gezeigt hat;

2. veröffentlichte Stress-Tests können auch selbst zur Quelle von Risiken werden; das gilt besonders für die Bekanntgabe der auf einzelne Institute bezogenen Daten;

3. ihnen kommt grundsätzlich nicht die Eigenschaft zur Vorhersage zu, wiewohl sich gezeigt hat, dass die veröffentlichten Tests vor allen im Finanzjournalismus zu Prognosezwecken verwendet werden.

– Aus alledem ist stets besondere Sorgfalt bei der Auslegung der Ergebnisse von Stress-Tests geboten.

– Siehe Datenunsicherheit, Prognoseunsicherheit, Unsicherheit, Trendprognosen, Vertrauen.

– Vgl. Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 137 (neue Anforderungen durch die MaRisk-Novelle 2010), S. 148 f. (Ergebnisse des Stress-Tests 2010, an dem zwanzig EU-Mitgliedsstaaten teilnahmen), S. 189 (Veröffentlichung der einer MaRisk eigens für Kapitalverwaltungsgesellschaften durch die BaFin) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Streubesitz (free float):

Bei Aktien einer Gattung derjenige Teil, welcher an der Börse gehandelt, also nicht in Festbesitz auf Dauer gehalten wird (the proportion of shares available to purely financial investors. Free float does not include shares that are kept for other reasons, i.e. control, sentimental attachment or buy-and-hold-strategies).

– Siehe Claw-back-Klausel, Erwerbsangebot, Squeeze-out, Stimmrecht-Datenbank, Zweitplazierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Strichnotiz (no quotation):

In Kurszetteln der Börse bedeutet ein Strich hinter dem Namen des Papiers oder der Ware, dass

1. keine Umsätze stattfanden oder

2. dass aufgrund besonderer Umstände - etwa: zufälligerweise war das Angebot oder die Nachfrage an diesem Tag aussergewöhnlich - auf eine Kursfeststellung verzichtet wurde.

– Siehe Kursänderungs-Begrenzung, Kursschwankungs-Limit, Taxe, Tick.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Strichdiagramm (bar chart):

Graphische Darstellung von täglichen Kursbewegungen an der Börse. - Im Regelfall wird für jeden Börsentag in der Graphik in entsprechender Kurshöhe ein senkrechter Balken eingezeichnet; die Länge des Balkens entspricht dabei den täglichen Kursschwankungen (price fluctuations: Höchst- und Niedrigstkurs). Ein kurzer, waagrechter Strich, an der linken Seite des Balkens angehängt, kennzeichnet den Eröffnungskurs, an der rechten Seite den Schlusskurs. Nach einiger Zeit ergibt sich in der Graphik ein gewisses Muster. Manche Analysten (technicians; Techniker) glauben, dieses für Preisvorhersagen auswerten zu können.

– Siehe Analyse, technische, Charts, Histogramm, Kartierung, Kursbereich, gehandelter, Outside Day, Random-Walk-Hypothese.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Strike Price manchmal auch nur Strike (so auch im Deutschen gesagt. auch Basispreis):

Zahlung für einen Terminkontrakt, die zu einem genau festgesetzten Betrag ausgeführt werden muss; anders ausgedrückt: der Ausübungspreis einer Option, definiert als vertraglich festgelegter Preis, zu dem der Inhaber der Option das Recht hat, den Basiswert bei einer Call-Option zu kaufen oder bei einer Put-Option zu verkaufen (the price at which the underlying asset of an option can be bought or sold).

– Siehe Optionspreis.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Strip (strip):

1 Nullkupon-Anleihe, die geschaffen wird, damit

1. Ansprüche auf bestimmte Zahlungsströme aus einem Wertpapier einerseits und

2. der Kapitalbetrag des Wertpapiers andererseits getrennt gehandelt werden können; Strip ist hier die Abkürzung von separate trading of interest and principal.

2 Optionsstrategie aus

1. zwei Puts und einem Call

2. auf den gleichen Basiswert sowie

3. mit gleichlautendem Ausübungspreis und Verfalldatum (expiration date).

– Siehe Butterfly-Spread, Option, Strangle, Strap.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Strohmann (nominee, figurehead, dummy):

In Bezug auf Finanzmärkte eine Einzelperson oder eine Firma, die nach aussenhin Geschäfte auf eigene Rechnung tätigt, in Wirklichkeit aber Aufträge eines unbekannt bleibenden Dritten ausführt. Auf diese Weise treten vor allem Insider und Kriminelle an den Markt; aber auch die Steuervermeidung (tax avoidance) spielt eine Rolle, vor allem bei der Eröffnung entsprechender Konten.

– Siehe Address Spoofing, Fluchtgeld, Geldwäsche, Identitätsprüfungspflicht, Insider-Transaktion, Kontensperre, Konto, falsches, Kundendaten-Informationspflicht, Nominee, Pasion-Falle, Proxy, Scalping, Scheintransaktionen, Street Name, Treuhandvertrag, Untertunnelung, Wash Sales, Zahlungsverkehrsverordnung, Zweitausweis.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Strombörse (electricity exchange):

Marktteilnehmer, die Stromterminverträge börslich - etwa an der Internationalen Strombörse (European Energy Exchange, EEX) in Leipzig: dort kamen im Frühjahr 2007 zwei Drittel der Marktteilnehmer mit mehr als der Hälfte des Handelsvolumens aus dem Ausland - oder ausserbörslich handeln und/oder vermitteln, erbringen erlaubnispflichtige Bankgeschäfte oder Finanzdienstleistungen. Sie unterliegen in Deutschland daher der Erlaubnis und Kontrolle durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.

– Siehe Henry Hub, Stromhändler.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 83 f., S. 101 f., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 121 (aufsichtsrechtliche Sonderregeln bei der Eigenkapitalanforderungen), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 126 (Europäischer Pass für Stromhandel), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 139 (schwaches Geschäft) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute", Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2014, S. 62 f. (Umordnung der Erfassungsmethodik beim Stromhandel in der Zahlungsbilanz).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stromhändler (electricity traders):

Jeder, der Bankgeschäfte oder Finanzdienstleistungen mit Stromderivaten erbringt. Entsprechende Händler unterliegen in Deutschland der Aufsicht durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.

– Siehe Derivategeschäfte-Clearingpflicht, Derivategeschäfte-Meldepflicht, Strombörse.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2014, S. 62 f. (Umordnung der Erfassungsmethodik beim Stromhandel in der Zahlungsbilanz).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Strompreis (electricity rate):

Als wichtiger Kostenbestandteil in der Kalkulation der Unternehmen werden die Märkte für Strom und Gas von der Zentralbank, - auch in Hinblick auf Unterschiede in einem Währungsraum - genau beobachtet.

– Siehe Energiepreise, Erdölpreis, Henry Hub, Ölpreis, Strombörse, Zwei-Säulen-Prinzip, Zweitrunden-Effekte.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Dezember 2004, S. 60 ff., Monatsbericht der EZB vom Februar 2006, S. 38 ff. (ausführliche Darstellung des Durchschlagens von Preiserhöhungen auf den HVPI), Monatsbericht der EZB vom September 2008, S. 67 (Vergleichende Übersicht Strompreis zu Erdölpreis).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stromrisiko (blackout risk):

Die Verlustmöglichkeit aufgrund des Umstands, dass die Versorgung mit Elektrizität einen Unterbruch erfährt. Weil Elektrizität in fast jedem Unternehmen sowie über alle Branchen hinweg - und auch bei Polizei und Militair; 1997 löste die Schweizer Armee trotz gewichtiger Einwände den militärischen Brieftaubendienst offiziell auf; Brieftauben hiessen in der Definition der Eidgenössischen Heeresverwaltung "selbstreproduzierende Kleinflugkörper auf biologischer Basis mit festprogrammierter automatischer Rückkehr aus beliebigen Richtungen" - grundlegende Voraussetzung für die betriebliche Leistungserstellung ist, so führt ein Blackout (a cutoff of electrical power) zum Zusammenbruch des Wirtschaftslebens gesamthaft Auch die IT-Netzwerke fallen aus, und dazu ist die Informations-Sicherung über Satellitennetze diesfalls nicht mehr möglich. Durch in empfindlichen Bereichen installierte Stromspeicher (accumulators) und Notstrom-Aggregate (emergency generators) können allenfalls die schlimmsten Auswirkungen abgemildert werden. - Im Rahmen einer Betriebsunterbrechungsversicherung (business interruption insurance) kann dieses Risiko an eine Versicherung übertragen werden. Die entsprechenden Verträge enthalten aber in der Regel den Vorbehalt, dass bei einem landesweiten Unterbruch der Elektrizitätsversorgung (country-wide blackout) die Versicherung für den Schaden nicht aufkommt.

– Siehe Defekte, Event Risk, Flash Crash, Informations-Sicherung, Geschäftskontinuität, IT-Risiken, Katastrophenrisiko, Länderrisiko, Models Task Force, Pandemie, Rating-Schritte, Rechtsrisiken, Reputationsrisiko, Risiko, banktechnisches, Risiko, personelles, Risikokapital, ökonomisches, Phantomrisiken, Systemkollaps, Systemrisiko, Taubengeld, Technologie-Risiken, Transferrisiken, Verhaltensrisiko, Videokonferenz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Strong Buy (so auch im Deutschen gesagt. seltener starkes Kaufsignal):

In der Finanzsprache ein zum sofortigen Kauf unbedingt empfehlenswertes Papier oder Vermögensgegenstand: eine sehr gute Kaufgelegenheit (type of purchasing recommendation given by an analyst for an asset that is expected to considerably outperform the average market return). - Entsprechend spricht bei einem Anlagegegenstand, den man schleunigst abstossen sollte, von einem Strong Sell (starkes Verkaufssignal).

– Siehe Frontrunning, Geheimtip, Kursmanipulation, Pump and Dump.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Structured Investment Vehicle, SIV (so auch im Deutschen gesagt, seltener [unschön] konstruiertes Anlageinstrument):

1 Allgemein eine Zweckgesellschaft, die sich zusätzlich durch die Emission von Papieren mit einer Fristigkeit in der Regel zwischen einem und drei Jahren refinanziert.

2 Im Besonderen auch eine Zweckgesellschaft, die einen Pool von langfristigen Forderungsbesicherten Wertpapieren (ABSs) verwaltet, dessen Einnahmen höher liegen als die Ausgaben für die Emission kurzfristiger Papiere, im Regelfall forderungsbesicherte Wertpapiere (Asset-Backed Securities, ASBs). Die Conduit-Gesellschaft erfreut sich also einer Gewinnspanne (excess margin), die sich ergibt

1. aus dem Ertrag des Portfolios ihrer langfristig angelegten ABSs,

2. abzüglich des Aufwands zur Bedienung der von dem SVI zur Finanzierung des Portfolios aufgenommen kurzfristigen Schulden.

– Im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise versiegten grösstenteils die Einnahmen aus dem Pool der ABSs, während die Schulden weiter bedient werden mussten. Das brachte viele SIVs in eine Schieflage. Originierende Banken mussten die von ihnen gegründeten SIVs nunmehr auffangen, was eine Reihe von Institute weltweit kaum verkrafteten. (A conduit which is used by financial institutions to generate a profit by

1. buying a pool of generally medium and long-term Asset-Backed Securities generating in aggregate an excess margin over

2. the cost of the short-term Asset-Backed Commercial Paper issued by the SIV. When the excess margin becomes negative, as a result of the sub-prime crisis, many banks had to directly refinance the conduits they had sponsored. as they were called on their liquidity lines when it became difficult to roll-over the financing in the ABCP market).

– Versicherungen in Deutschland ist es nicht erlaubt, an SIVs Darlehn zu gewähren.

– Siehe Reintermediation, Rückübertragungs-Klausel, Schattenbankbereich, Subprime-Krise, Unterstützung, stillschweigende, Verbriefung, Vermögen, gebundenes, Zweckgesellschaft-Refinanzierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Strukturkapital (intra-organisatorial capital):

In Bezug auf Institute Bezeichnung für die Tatsache der eingespielten und reibungslosen Gruppenarbeit (teamworking) einzelner Mitarbeiter, vermittelst eines das Zusammenwirken im Einzelnen gestaltenden Gefüges; unschön auch "organisationale Struktur" genannt (features of social life, i.e. networks, norms and beliefs, that enable participants to act together more effectively to pursue shared objectives).

– Siehe Humankapital, Intangibels.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Strukturkonservativismus (structural conservatism):

Ein organisatorisches Gebilde (organisational structure: the framework around which a group is structured, a formal system of job relationship that harmonises employees to achieve the goals: the rules, regulations and chain of authority that govern the functioning of any particular group) zeigt starke Beharrungskräfte (perservances) und sperrt sich gegen Veränderungen in eingespielten Abläufen. - Seitens mancher Kritiker häufig von Zentralbanken allgemein und der EZB im Besonderen gesagt, und hier vor allem in Zusammenhang mit dem Rotationsprinzip. Auch den Banken gesamthaft wird von Soziologen oft Strukturkonservativismus bescheinigt. - Dieses Urteil dürfte indessen wohl auf Unkenntnis beruhen. Denn es ist leicht nachzuweisen, dass kaum ein anderer Wirtschaftszweig sich so schnell an jede neue Entwicklung - sei es organisatorisch, sei es in Bezug auf alle Arten der Veränderungen am Markt - angepasst hat wie gerade der Finanzsektor. Auch Zentralbanken und Aufsichtsbehörden zeigten sich bis anhin in keiner Weise strukturkonservativ. Dass man aber erfolgreich bewährte Verfahren (best practices) beibehält, zeugt von ökonomischer Vernunft und keineswegs von Konservatismus.

– Siehe Verkrustungen, strukturelle.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Strukturreformen (structural reforms):

Alle Massnahmen zur Anpassung einer Volkswirtschaft an veränderte Gegebenheiten im eigenen Land und damit verbunden in Bezug auf die Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt. In erster Linie sind dabei

1. die Gütermärkte und

2. der Arbeitsmarkt (hier vor allem durch Regelungen für den Ruhestand [retirement plans], Schulungsmassnahmen, wirkungsvolle Arbeitsvermittlung, flexible Lohnsetzung, Lockerung des Kündigungsschutzes [easing of dismissal protection]) betroffen. Indessen bedarf es oftmals auch

3. einer Umgestaltung des beruflichen Bildungswesens (reorganisation of the vocational training),

4. des Ausbaus der Verkehrswege (expansion of traffic network) und der Telekommunikation (telecommunications sector) sowie

5. eines Technologieschubs (better promotion of innovation and technology). Geschieht das alles nicht laufend, sondern wird verschleppt (is delayed), so verschlechtert sich der Aussenwert der Währung. Das Land gleitet mehr oder minder schnell in den Staatsbankrott ab.

– In einem gemeinsamen Währungsraum wie dem Eurogebiet kann ein reformunwilliges Mitglied alle anderen Teilnehmer in eine Krise stürzen. Es ist daher durchaus berechtigt, wenn reformunwillige (reform-averse) Teilnehmer der EWU durch Gruppendruck zum Abbau makroökonomischer Ungleichgewichte gedrängt werden.

– Siehe Angleichungsautomatismus, Bail-out, Blame game, Erpressungspotential, Euro-Bonds, Europäische Schuldenagentur, Europäische Währungsunion, Grundfehler, Europäischer Stabilitätsmechanismus, EWU-Sprengsatz, Finanzstabilität, Goldopfer, Grexit, Gruppendruck, Haushaltskonsolidierung, Irland-Krise, Neuro, Politikklammer, Politikverzug, Rückschlag-Effekt, Schuldenclub, Schuldendroge, Schuldentragfähigkeit, Semester, europäisches, Solidarität, finanzielle, Staatsverschuldungs-Druck, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Grundfehler, Steuerungsrahmen, Transferunion, Verfassungsartikel eins, Verkrustungen, strukturelle, Verschuldung-Produktivität-Verkettung, Vertragstreue, Wachstum-Schulden-Tatsache, geschichtliche.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2014, S. 21 ff. (ausführliche Darstellung der Wirkungen verpasster Strukturreformen bei Mitgliedern der EWU; viele Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Juli 2014, S. 63 ff. (kurzfristige und langfristige Wirkungen von Strukturreformen, Übertragungseffekte; Literaturhinweise; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Strukturumbruch (structural upheaval):

Ein plötzlich, also unerwartet und unvorhergesehen eintretender Strukturwandel und fast immer auch verbunden mit schweren Störungen auf dem Finanzmarkt. - Dies tritt vor allem dann ein, wenn beständige, durch den Marktmechanismus bedingte Anteilsverschiebungen zwischen Wirtschaftssektoren und Branchen verhindert werden. Je länger wettbewerbsverzerrende Regulierungen (regulations leading to a distortion of competition) eine Anpassung an die Marktkräfte verzögern oder sogar verhindern, desto einschneidender fällt in der Regel der Strukturumbruch aus. Zu nennen sind vor allem Betriebsschliessungen und Massenentlassungen, was politische Spannungen (political tensions) hervorruft. - Über die Zeit hinweg verschlechtert sich zunehmend die Produktivität (productivity: Verhältnis Faktoreinsatz zu Leistung) und Wirtschaftlichkeit (cost effectiveness: Verhältnis Kosten zu Leistung) der geschützten Branchen. Der Missmut der Verbraucher steigt, und die ausländische Konkurrenz strebt nach einer stärkeren Marktpräsenz. Das führt schliesslich dazu, dass der Schutz (protection) für die Branchen unterlaufen oder aufgehoben wird.

– Siehe Griechenland-Krise, Schock, Subventionen, Verkrustungen, strukturelle.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Strukturunsicherheit (structural uncertainty):

In Bezug auf die Geldpolitik meint damit die Tatsache, dass "wahre" Zusammenhänge zwischen

1. dem Preisniveau,

2. den geldpolitischen Massnahmen und

3. exogen Schocks, wie vor allem unerwartete Änderungen der Aussenhandelspreise, der Wechselkurse, neuer Technologien sowie politisch-institutionelle Rahmenbildungen weder genau erfasst noch gar vorausgeschätzt werden können. Zudem

3. ändern sich die Strukturbeziehungen zwischen exogenen Schocks, den geldpolitischen Massnahmen und den von der Zentralbank bezielten Grössen im Zeitablauf.

– Diese Unsicherheit können auch empirische Modelle nicht aufheben, weil sie immer nur Gesetzmässigkeiten und Verhaltensweisen erfassen, die in einem vergangenen Zeitraum galten.

– Siehe Anweisungen, geldpolitische, Ausrichtung, Feinsteuerung, Geldpolitik, vorausschauende, Datenunsicherheit, Erdölpreise, Hurrikan-Schocks, Modellunsicherheit, Risiko, systemisches, Schocks, strukturelle, Sparsamkeitsregel, Strukturumbruch, Strukturwandel, Trendprognosen, Verteilung, stabile.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2004, S. 15 ff., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2013, S. 69 ff. (Werkstattbericht mit Darlegung der bei Prognose-Modellen auftauchenden Fragen; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Strukturwandel (structural change):

Wenn nicht anders definiert die Anteilsverschiebungen zwischen Sektoren und Branchen innert einer Volkswirtschaft über die Zeit hinweg. Weil damit auch Änderungen in den Finanzierungsströmen sowie im Aussenhandel und den entsprechenden Zahlungsströmen einhergehen, so wird der Strukturwandel auch von den Zentralbanken in ihrer Langfristanalyse beobachtet.

– Siehe Balassa-Index, Forschungsquote, Importgehalt, Preissetzungsmacht, Service-Shift, Strukturumbruch, Subventionen, Unit-Value-Relation, Verkrustungen, strukturelle, Terms of Trade, Tertiarisierung, Wachstumsbeitrag, Wechselkurs, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2007, S. 92 f. (strukturpolitische Massnahmen in ihren Wirkungen auf Produktivität und Beschäftigung), Monatsbericht der EZB vom Januar 2008, S. 81 ff. (strukturelle Verschiebungen im Eurogebiet), Monatsbericht der EZB vom April 2009, S. 63 ff. (strukturpolitische Vorrangigkeiten im Euro-Währungsgebiet: Aufzählung, Beurteilung; Literaturangaben).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stücke, effektive (actual pieces):

Wertpapiere, die im Rahmen eines Tafelgeschäftes an den Kunden gegenständlich ausgeliefert, also nicht in einem Depot bei der Bank gelagert werden. Die Eigenverwahrung (private safekeeping) spart Gebühren und schirmt den Inhaber vor Nachforschungen durch (Steuer)Behörden ab. Andererseits muss der Eigenverwahrer jedoch selbst auf die Zinstermine und Fälligkeiten achten, und er trägt das Risiko des Abhandenkommens, etwa durch Diebstahl oder Brand.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stücke, kleine (small pieces):

An der Börse Bezeichnung für Schuldverschreibungen mit einem geringeren Nennwert (an der Börse in Frankfurt derzeit unter 500 EUR; debt securities the denomination per unit of which is at Frankfurt exchange less than 500 euro), und bei der Notierung des Kurses häufig mit dem Zusatz "kl. St." gekennzeichnet.

– Siehe Baby Bonds, Postkreditbrief, Prämien-Schatzanweisung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stückelung (denomination):

1 In der Finanzsprache allgemein die Zerlegung in Einzelstücke, und vor allem in Bezug auf Geld und Wertpapiere sowie bei Transaktionen an der Börse gesagt.

2 Seitens einer Bank die Aufteilung der gesamthaft zu gewährenden Darlehn an möglichst viele kreditwürdige Adressen (credit-worthy addresses).

– Siehe Adressenausfall-Risiko, Iceberg Order.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stückemangel (scarcity of securities):

An der Börse und besonders an der Wertpapierbörse gesagt, wenn es schwer fällt, alle Käufer zufriedenzustellen. Die Nachfrage übersteigt also vorübergehend das Angebot.

– Siehe Abwartehaltung, Anlagenotstand, Attentismus, Baisse, Bear, Blase, spekulative, Crash, Dominostein-Effekt, Friedhofs-Markt, Sell-Plus-Order, Strong buy, Up-Tick Rule.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stückgewinn (per-unit profit):

Der Gewinn pro verkaufter Einheit und damit die Spanne zwischen Erlös und Kosten, bezogen auf eine Einheit des abgesetzten Gutes.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom März 2013, S. 63 f. (Bedeutung der Stückgewinne in Zusammenhang mit der Preisentwicklung; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stückzinsen und Marchzins (accrued interest):

Beim Erwerb einer Anleihe hat der Vorbesitzer neben dem durch den jeweiligen Kurs das Papiers bestimmten Preis auch das Recht, den Anteil am Kupon bis zum Verkaufstag zu fordern. Denn diesen Anspruch hat der Verkäufer wirtschaftlich ja bereits erworben und tritt ihn jetzt an den Käufer ab.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Studiengeld auch Studiengebühr und in älteren Dokumenten Minerval (enrolment fee, tuition fee, minerval):

Zahlung, die von Studierenden an einer Hochschule an die jeweilige Lehranstalt zu entrichten ist. - Solche Zahlungen seitens der Studierenden sind schon deshalb gerechtfertigt, damit sich Professoren mit Ehefrau samt Hund sowie Assistenten und Sekretärinnen den Wunsch auf teure Forschungs-Reisen (pleasure trips on the pretext of research: from my experience nearly eighty percent of research trips) auch standesgemäss erfüllen können.

– Siehe Amortisation, Hörergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stundenproduktiviät und Arbeitsproduktivität je Erwerbstätigenstunde (hourly productivity of labour):

Volkswirtschaftlich betrachtet die reale Produktion bezogen auf die geleisteten Arbeitsstunden aller Beschäftigten. Eine Veränderung dieser Grösse wirkt sich mittelbar auch auf den Geldwert aus, weswegen die Zentralbanken die Stundenproduktivität beobachten.

– Siehe Arbeitnehmerentgelt pro Kopf, Arbeitskosten, Arbeitsmarkt-Flexibilität, Arbeitsproduktivität, Arbeitskräftepotential, Kapitalvertiefung, Kommunikationskosten, Lohndrift, Offshoring, Produktivität, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2012, S. 25 f. (Projektion der Stundenproduktivität bis 2020; Einflussgrössen; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stundung (deferment of payment; forbearance):

1 Die Bank verzichtet im Falle von aussergewöhnlichen Umständen bei einem Kunden auf die terminlich vereinbarte Zahlungen in Zusammenhang mit einem Darlehn; dieses muss aber gleichwohl voll und zu den ursprünglichen Bedingungen abgetragen werden.

2 Die Bank verlängert einen ausfallgefährdeten Kredit unter abgeschwächsten Bedingungen; die Belastung des Kunden wird also verringert. Eine Stundung in diesem Sinne ist seit 2014 meldepflichtig.

– Siehe Zinsstundung.

– Vgl. Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 72.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Stützungskauf in der älteren Literatur auch Interventionskauf (support purchase):

1 Der Kauf der eigenen Währung auf dem Devisenmarkt durch die Zentralbank, um ein Sinken des Wechselkurses zu vermeiden.

2 Kurspflege eines Wertpapiers durch den Emittenten oder andere Stellen.

– Siehe Dividenden-Fonds, Fiscal Agent, Kurspflege, Marktpflegebetrag.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 175 (Erlaubtheit in Einzelfällen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Subferraten und Subaraten (silverplated iron coins):

In älteren Dokumenten Silbermünzen mit einem eisernen Kern (Eisenschröttling; iron planchet). Solche Münzen wurden häufig in betrügerischer Absicht in Umlauf gebracht wurden. - Lange bevor das Galvanisieren (Elektroplattieren; galvanisation) in der Zeit nach 1800 grosstechnisch zum Einsatz kam, setzten ungetreue Münzer ausgefuchste Techniken (tricky techniques) ein, um Geldstücke zu verfälschen.

– Siehe Ballast, Geld, böses, Doublé-Münzen, Falschgeld, Falschmünzer, Geld, böses, Katzengeld, Münze, Subplumbaten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Submission (submission):

Älterer Ausdruck für Tender (bid: a formal application to buy at a specified price).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Subordinated Debt (so auch oft im Deutschen gesagt; seltener Nachrangverpflichtung):

Nachrangige Fremdmittel oder Mezzanin-Kapital. Die Nachrangigkeit (subordination) bezieht sich dabei auf die Bedienung der Fremdkapitalgeber im Falle der Insolvenz (the debt repaid after the claims of the other creditors, in particular the senior creditors, have been settled. Subordinated debt is also called junior debt).

– Siehe Seniorität, Senior-Tranche.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Subplumbaten (silverplated lead coins):

In älteren Dokumenten Münzen mit einem bleiernen Kern (Bleischröttling; Schröttling = Metallrohling; metal planchet) und nur dünner Schicht von Silber.

– Siehe Ballast, Geld, böses, Doublé-Münzen, Falschgeld, Falschmünzer, Geld, böses, Katzengeld, Münze, Subferraten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Subprime-Kredite, seltener Zweitklassen-Kredite (subprime credits):

1 Allgemein die Vergabe von Darlehn an private Kunden mit schlechter Bonität (a loan given to individuals who have a bad credit record). Das höhere Ausfallrisiko versucht die Bank bei diesen Krediten durch einen höheren Zinssatz auszugleichen (the interest rate on a subprime loan is typically significant higher than an interest rate on a standard loan from a bank).

2 Im Besonderen die Vergabe von Wohnimmobilienkredite an einkommensschwache Privathaushalte in den USA (the award of residential real-estate loans to low-income private persons in the United States). - Wesentlich ausgelöst wurden solche Darlehn durch die sich an die Home Mortgage Disclosure Act von 1975 anschliessende Community Investment Act aus dem Jahr 1999. In diesem Gesetz wurden die Erfordernisse an die Bonität für private Immobilienkredite so weit herabgesetzt, dass auch Darlehn an Privathaushalte mit geringer Kreditwürdigkeit vergeben werden konnten. Bereits 2001 umfasste daher dieser Geschäftszweig schon 2,6 Prozent aller ausstehenden Wohnungsbaukredite in den USA; er erhöhte sich aber bis 2007 auf 14 Prozent. In absoluten Zahlen vergaben Banken in den USA in den Jahren 2005 und 2006 über 3'000 Mia USD an schlecht besicherten Immobiliendarlehn. Diese letztlich uneinbringlichen Ausleihungen landeten zu einem Gutteil als Verbriefungspapiere in den Bilanzen von Instituten in der ganzen Welt. Das wiederum führte zur Subprime-Krise im Jahr 2007, aus der sich eine globale Finanzkrise entwickelte. - Der Internationale Währungsfonds schätze im Frühjahr 2009 den weltweiten Schaden aus den Subprime-Krediten auf zwei Billionen USD (eine Eins mit zwölf Nullen!).

– Siehe Absenzkapitalismus, Ballon-Kredit, Darlehnhaftung, beschränkte, Home Mortgage Disclosure Act, Jingle Mail, Kreditvergabe-Grundregel, Kreditkarten-Fiasko, Lemons-Problem, Luftpapiere, Papiere, toxische, Pay-Green-Initiative, Provinzbanker, Subprime-Kredite, Subprime Lending, Zitronenhandel, Zwei-Achtundzwanzig-Kredit.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 15 f. (Darstellung der Zusammenhänge), Monatsbericht der EZB vom November 2013, S. 13 ff. (Schuldenlast der Privathaushalte in den USA seit 1980; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Subprime-Krise (sub-prime crisis):

Im Sommer 2007 kam es in den USA zu steigenden Kreditausfallraten auf dem Markt für zweitklassige Hypothekarkredite, den sog. Subprime-Krediten. Weil diese Darlehn

1. verbrieft waren und

2. sich im Portfolio fast aller Institute weltweit befanden, so kam es angesichts des plötzlichen Wertzerfalls dieser Papiere

3. zu einer starken Inanspruchnahme von Kreditlinien (Ziehung von Fazilitäten) seitens der Zweckgesellschaften und anderer Institute mit unerwartetem Abschreibungsbedarf (Unterseeboot-Effekt). Das

4. überstieg das Liquiditätsmanagement der meisten Banken; einige Institute kamen ins Trudeln.

– Gleichzeitig sank angesichts dieser Lage die Bereitschaft, Geld ohne Besicherung für eine Woche oder länger zu verleihen; der Interbanken-Geldmarkt trocknete fast völlig aus. Infolgedessen kam es zu erheblichen Abweichungen zwischen besicherter und unbesicherter Kreditaufnahme; die Spreizung zwischen beiden Arten bei dreimonatiger Laufzeit stieg in der Spitze auf siebzig Basispunkte. Die Zentralbanken mussten zur Beruhigung des Finanzmarktes eingreifen (bei der EZB über Feinsteuerungs-Operationen und längerfristige Refinanzierungsgeschäfte; letztere, um auch Verspannungen auf den Märkten für längere Laufzeiten zu begegnen) und reichlich Liquidität bereitstellen. Das half allerdings zunächst kaum, das Vertrauen in die Finanzmärkte wieder herzustellen. - Innert eines Jahres weitete sich die Subprime-Krise zu einer weltweiten Finanzkrise aus. Mehrere angesehene Institute in den USA und Europa mussten vom Staat gestützt werden oder wurden gar, um einen Zusammenbruch des Finanzsystems zu vermeiden, ganz in staatliche Hand überführt. Erst das Eingreifen der Regierungen im Oktober 2008 konnte das verloren gegangene Vertrauen nach und nach wieder zurückgewinnen.

– Siehe Aktivitäts-Verlagerung, bilanzbestimmte, Anreizsystem, Asset-Backed Securities, Ausfall-Verlust, Ausserbilanzgeschäft, Back-to-Originator-Postulat, Banken-Triage, Bradford-Verstaatlichung, Conduit-Gesellschaft, Darlehnhaftung, beschränkte, Darlehn, nicht standardisiertes, Darlehn-gegen-Papiere-Geschäft, Entkopplungs-These, Earn-out Klausel, Erstraten-Verzugsklausel, Erstverlust-Tranche, Finanz-Alchemie, Finanzkrise, Fortis-Rettung, Friedhof-Markt, Garantiefonds, Hypo Real Estate-Rettung, Immobilien-Zusatzbeleihung, IndyMac-Pleite, Informationsverteilung, asymmetrische, Kreditderivat, Kreditereignis, Kreditersatzgeschäft, Kreditrisiko, Krise der Sicherheiten, Liquiditätspool, Luftpapiere, Mortgage Equity Withdrawal, Ninja-Loans, Northern Rock-Debakel, Notfall-Liquiditätshilfe, Originate-to-distribute-Strategie, Panikverkäufe, Quantitative Easing, Rendite-Risiko-Grundsatz, Risikokultur, Risikowahrnehmung, Rückschlag-Effekt, Staatsfonds, Stimmrecht-Kriterium, Structured Investment Vehicle, Subprime-Wohnraumfinanzierung, Unkosten, Unterseeboot-Effekt, Verbriefung, traditionelle, Verbriefungsstruktur, Vertrauen, Zitronenhandel, Zweckgesellschaft, Zwei-Achtundzwanzig-Kredit.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom September 2007, S. 33 ff. (krisenabwehrende Offenmarktgeschäfte der EZB), Monatsbericht der EZB vom November 2007, S. 18 ff. (Auswirkungen der Subprime-Krise; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2007, S. 32 ff. (Liquiditätssteuerung durch die Mindestreservepolitik während der Subprime-Krise), S. 45 ff. (Umfrage zum Kreditgeschäft in Zusammenhang der Subprime-Krise; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Januar 2008, S. 16 ff. (Liquiditätshilfen der EZB), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Februar 2008, S. 32 (Auswirkungen der Subprime-Krise auf die Kreditvergabe deutscher Banken; Übersicht), Jahresbericht 2007 der EZB, S. 106 ff. (Liquiditäts-Bereitstellung während der Subprime-Krise), Monatsbericht der EZB vom Mai 2008, S. 99 ff. (Überblick der Massnahmen der EZB während der Subprime-Krise; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2008, S. 26 (Handhabung der Mindestreservepolitik durch die EZB zur Normalisierung des durch die Subprime-Krise verworfenen Geldmarktes), S. 34 f. (keine Bremswirkungen der Ausleihungen an Unternehmen durch die Subprime-Krise), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 22 ff. (chronologische Übersicht der Ereignisse), S. 123 ff. (einzelne Institute unterschiedlich betroffen), Monatsbericht der EZB vom August 2008, S. 73 ff. (Auswirkungen der Subprime-Krise auf die grenzüberschreitenden Finanzströme im Euroraum; Übersichten; S. 75: Direktinvestitionen kaum betroffen), Monatsbericht der EZB vom August 2009, S. 37 ff. (Auswirkungen des ersten längerfristigen Refinanzierungsgeschäftes mit einjähriger Laufzeit), Monatsbericht der EZB vom September 2010, S. 12 ff. (Immobilienmarkt in den USA seit 2002; Übersichten; skeptische Gesamtbeurteilung), Monatsbericht der EZB vom November 2013, S. 13 ff. (Schuldenlast der Privathaushalte in den USA seit 1980; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Subprime-Krise, Ursache (cause of sub-prime crisis):

1 Die Subprime-Krise wird als das Zusammenspiel mehrerer Gründe angesehen, vor allem

1. die Ausbreitung zahlreicher, häufig sehr vielschichtiger Finanzinstrumente wie Residential Mortgage Backed Securities, Credit Default Swaps und Collateralised Debt Obligations;

2. die weltweite Verbreitung der Originate-to-distribute-Strategie;

3. der Markteintritt neuer und oftmals kaum oder garnicht der Aufsicht unterworfenen Unternehmen wie Hedge-Fonds - gar als Offshore Funds - und Zweckgesellschaften;

4. der starke Bedeutungsgewinn des Investment Banking;

5. die durch das global betriebene und nicht nur auf Banken beschränkte Verbriefungsgeschäft verstärkte und gleichzeitig weltweit ausgebreitete asymmetrische Information, was zur Unkenntnis über die tatsächliche Verteilung der Risiken führte; zwischen dem Originator und dem (End)Anleger wurde die Kette teilweise immer länger und damit unübersichtlicher;

6. das ungenügende Risikomanagement bei vielen Instituten; in häufigen Fällen hatte das Risikomanagement mit den Finanzinnovationen nicht Schritt gehalten;

7. die Gewährung von Subprime-Krediten im Zuge der "Community Investment Act" aus dem Jahr 1999 in den USA, was zu einem bedeutenden Anstieg von Darlehn an bonitätsschwache Privathaushalte führte und gleichsam der unmittelbare Auslöser der Krise war;

8. die Zahlung eines Bonus an Banker auch dann, wenn das entsprechende Engagement zukünftig (at medium and long term) zum Verlust führt.

– Die Bonus-Systeme waren allgemein nur auf den kurzfristigen Erfolg ausgerichtet. Für einen Banker war es daher völlig rational, höchste Risiken einzugehen, um hohe Renditen zu erzielen und entsprechende Boni zu erhalten. Im Falle des Misserfolgs fiel der Banker lediglich auf sein Grundgehalt zurück. Dies gilt als Musterbeispiel dafür, wie eine Haftungs-Beschränkung zur unverantwortlichem Geschäftsgebaren führt (brings forward irresponsible business behaviour) sowie

9. last not least die zwanzigjährige Niedrigzinspolitik der Zentralbank in den USA: immer wenn ein wirtschaftlicher Abschwung drohte - so nach dem Börsenkrach 1987, in der Asien-Krise 1997/98, nach dem Platzen der Dotcom-Blase und nach den islamistischen Terror-Anschlägen vom 11. September 2001 -, dann begegnete die Zentralbank dem mit einer Senkung des Leitzinses.

– Die meisten der genannten und anderer Ursachen sind mit einander verwoben (interrelated) und stehen in teilweise im Einzelnen kaum abzuschätzender Wechselbeziehung.

2 Eine andere Ursachen-Erklärung geht von der Haltung der Anbieter und Nachfrager auf dem Markt aus. Genannt werden dann sieben Todsünden (mortal sins), in die Banker und auch ihre Kunden verfallen seien: Gier, Masslosigkeit, Anmassung, Eitelkeit, Übertreibung, Unvernunft und Untauglichkeit.

– Siehe Risikokultur.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 9 ff. (sehr gute Darstellung; S. 22 ff.: chronologische Übersicht der Ereignisse).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Subprime Lending (so auch im Deutschen gesagt, seltener Zweitklassen-Kreditver-gabe):

Allgemein die Gewährung von Darlehn an Schuldner minderer Bonität (practice of making loans to borrowers with a weak credit history or less of a capacity to repay). Institute, die solche Kredite vergeben, entledigen sich des hohen Risikos dadurch, dass sie die Forderungen verbriefen und an Anleger abgeben bzw. zu Paketen verpacken und als forderungsbesicherte Schuldverschreibungen an Investoren verkaufen (subprime loans can be securitised and sold to investors as pass-through securities or in more complex packages such as collateralised debt obligations [CDOs]. Individual and institutional buyers purchase these products for the promise of higher than average returns despite the greater risk of default).

– Siehe Anreizsystem, Ausfall-Verlust, Ausfallwahrscheinlichkeit, Ballon-Kredit, Einzug, Entkapitalisierung, Erstraten-Verzugsklausel, Home Mortgage Disclosure Act, IndyMac-Pleite, Jingle Mail, Kreditvergabe-Grundregel, Krise der Sicherheiten, Kunde, fauler, Kundendossier, Lemons-Problem, Mortgage Equity Withdrawal, Ninja-Loans, Reintermediation, Subprime-Kredite, Subprime-Krise, Subprime-Krise, Ursache, Subprime-Wohnraumfinanzierung, Unterseeboot-Effekt, Verbriefungsstruktur, Zitronenhandel, Zwei-Achtund¬zwanzig-Kredit.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2012, S. 22 ff. (Einflussfaktoren der Kreditvergabe an Privathaushalte seit 1999; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Subprime-Wohnraumfinanzierung (sub-prime residential property financing):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter die in den USA bis zur Subprime-Krise 2007 übliche Formen der Gewährung von Darlehn an kaum zahlungsfähige Kunden im Zuge der sog. "Fair housing policy". Dazu gehörten vor allem

1. Zwei-Achtundzwanzig-Kredit (2/28 mortgage credit): bei dieser Form zahlen die Darlehnsnehmer anfänglich für einen bestimmte Zeitabschnitt nur geringe Beträge. Jedoch decken die Abzahlungen (Lockraten; teaser rates) weder die tatsächlich anfallenden Zinsen noch die Tilgungskosten. Das Ergebnis ist eine negative Schuldenabtragung (negative amortisation): der ausstehende Darlehensbetrag vergrössert sich zunächst noch,

2. Hypotheken mit flexibler Verzinsung (adjustable rate mortgages, ARMs): hier zahlt der Darlehnsnehmer zu Beginn einen sehr niedrigen Zins; nach einer vertraglich festgelegten Zeit wird ein variabler Zinssatz berechnet,

3. Huckepack-Darlehn (piggyback loans). Überschreitet der Anteil der Fremdfinanzierung achtzig Prozent des Immobilienwertes, so ist in den USA der Abschluss einer Ausfallversicherung (private mortgage insurance, PMI) erforderlich. Die Zahlungen dafür waren bis zum Jahr 2007 steuerlich nicht abzugsfähig. Deswegen ging man dazu über, bei hohen Fremdfinanzierungsanteilen neben einem ersten Hypothekenkredit von in der Regel achtzig Prozent gleichzeitig einen zweiten, nachrangigen Kredit (piggyback loan) aufzunehmen, mit dem man einer Versicherung ausweichen konnte. Beim Vergleich der beiden Finanzierungsformen führte die steuerliche Abzugsfähigkeit des zweiten Darlehns in der Regel zu Kostenvorteilen gegenüber der Versicherungslösung, gleichzeitig aber zu einer gänzlichen Fremdfinanzierung,

4. Selbstbeglaubigungs-Darlehn (self-certification loans, stated income loans): hierbei verzichtete die darlehngewährende Bank auf eine Prüfung der Kreditwürdigkeit. Das geschah jedoch weniger aus Risikoignoranz, als vielmehr im Vertrauen darauf, die Kredite verbriefen und damit das hohe Risiko anderen Marktteilnehmern weltweit übertragen zu können.

– Weil die Darlehnsnehmer anfänglich lediglich einen Teil der späteren monatlichen Belastungen leisten mussten, so war ihnen ihre mangelnde Schuldendienstfähigkeit oft nicht sofort bewusst. Auch rechneten sie - und auch viele Banken - damit, dass die Immobilienpreise stetig steigen, und sich damit allfällige Schwierigkeiten gleichsam von selbst lösen.

– Siehe Ballon-Kredit, Home Mortgage Disclosure Act, Immobilienpreise, Kreditvergabe-Grundregel, Ninja-Loans, Zwei-Achtundzwanzig-Kredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Subrogation und Rechtseintritt (subrogation):

Die Übertragung einer Forderung von einem Gläubiger auf einen anderen (the replacement of one person for another in reference to a debt, claim or right).

– Siehe Darlehnforderungs-Verkauf, Konservierung, Kredit, nichtverkäuflicher, Kredit-Abtretung, Kreditverkauf, Verbriefung, Weiterverpfändung, Zession, Zweckgesellschaft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Subsidiaritätsprinzip auch Dezentralisationsprinzip (principle of subsidiarity):

Leitender Richtsatz für die Gliederung der Gesellschaft, dem EU-Vertrag in der Präambel vorangestellt und in Artikel 5 EGV ausdrücklich bekräftigt. Negativ organisatorisch besagt dies: Sozialgebilde aller Art dürfen nicht bureaukratisch, nämlich von oben nach unten bevormundend und befehligend verwaltet werden. Angelegenheiten wie das Geldwesen, die aus Gründen des Gesamtinteresses grundsätzlich von einer oberen Ebene geregelt werden müssen, sind zur Durchführung im Einzelnen den unteren Stufen zuzuweisen (Rückverlagerungsgebot; rule of relocation). Dem trägt das Europäisches System der Zentralbanken grundsätzlich Rechnung. - Eine Rechtsangleichung innert der EU gerade auch auf dem Gebiet des Finanzmarktes samt aller damit zusammenhängenden Fragen bedeutet nicht auch zwangsläufig eine Verlagerung von Kompetenzen an die Kommission (improving the workings of the financial markets does not automatically require stronger centralisation), wie oft dann behauptet wird, wenn man das dem Subsidiaritätsprinzip wegweisend innewohnende Rückverlagerungsgebot nicht beachtet.

– Siehe Allianzen, grenzüberschreitende, Bankbetriebsgrösse, optimale, Bankfusionen, Bonitätsprüfung, Commitment, Dezentralisations-Prinzip, Downsizing, Empowerment, Gibrat-Regel, Gigabank, Korrespondenzbank-Beziehung, Markt, digitaler, Megamanie, Octopus, Penrose-Theorem, Popitzsches Gesetz, Synergiepotentiale, Umlage, Wagnersches Gesetz.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom März 2010, S. 51 (auch nach dem Lissabon-Vertrag ändert sich an der subsidiären Gliederung der EZB nichts).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Subsidien (subsidies):

In älteren Dokumenten gesagt für Hilfsgeld jeder Art (any gift made by way of financial aid), und besonders für

1. Subventionen des Staates an Unternehmen und Wirtschaftszweige (government grant to assist a private enterprise or branch) sowie

2. die finanzielle Unterstützung eines Staates, der einen Krieg führt (aid in the prosecution of a war), auch Succursgeld und Sukkursgeld (support payment) genannt.

– Siehe Stipendium, Zuschuss.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Subskription seltener Vorausbesorgung (subscription):

1 Allgemein eine Vertriebsart, bei der im vorab ein Vermögensgegenstand per Erscheinen verkauft wird (signing up and committing to invest in an asset, before the actual closing of the purchase).

2 Die Durchführung des Absatzes von Wertpapieren, die zur Zeichnung aufgelegt werden.

– Siehe Emission, Roadshow, Zeichnung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Substance-over-Form-Grundsatz seltener Darstellung der wirtschaftlichen Sichtweise und Vorrang des Inhalts über die Form (substance over principle):

1 Gebot aus dem US-Rechnungswesen, wonach es bei der rechnungslegenden Abbildung eines Sachverhalts (accounting treatment of a particular event) weniger auf den äusserlichen, formalen, rechtlichen Zuschnitt ankommt, als vielmehr auf die dem Vorgang zugrundeliegende ökonomische Bedeutung (substance-based accounting and presentation: the financial statements should show the financial reality of the entity, the economic substance, rather than the legal form of transactions).

2 Im Besonderen auch gesagt im Zuge der Diskussion um das Eigenkapital, das ein Institut vorhalten muss. Genauer verbindet man damit die Forderung, dass Posten unabhängig von der Rechtsform dann zum Kernkapital gezählt werden sollen, wenn sie an den Verlusten teilnehmen.

– Siehe Bilanzkosmetik, Informations-Überladung, Klartext, Pervasive Constraint, Regelgegründet, Sachverhaltsgestaltung, Stetigkeit, Verständlichkeit, Vorhersagen, Wesentlichkeit, Zuverlässigkeit, Zweckdienlichkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Substanzverringerung (depletion):

Wenn nicht anders definiert die Minderung des Wertes eines nichterneuerbaren Vermögensgegenstandes in Abhängigkeit von dessen Nutzung (the loss in value of a non-renewable asset, such as an oil well [Erdölquelle] or iron ore deposit [Erzlagerstätte], with each production unit).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Substanzwert (intrinsic value):

1 Der angenommene Wert eines Gegenstandes, unabhängig von seinem Marktpreis oder seiner Zweckdienlichkeit (the supposed value of an object, regardless of its actual price at any given time and independent of its value to humans).

2 Die Einschätzung des Wertes einer Sache aufgrund der persönlichen Beurteilung und den Erwartungen eines Anlegers oder eines Analysten (an estimate of value that is determined according to the particular views and expectations of an individual investor or analyst).

3 Bei umlaufenden Münzen aus Edelmetall die Beschaffenheit des Geldstücks in Bezug auf seinen Gehalt an Gold oder Silber (how much the metal in the coin is worth), also unabhängig von der aufgeprägten Nominalbezeichnung.

4 Bei Optionsgeschäften die positive Differenz zwischen Basispreis einer Option und aktuellem Kurs des dem Vertrag zugrundeliegenden Gegenstandes (the positive difference between the price of the underlying asset and the option's strike price; for a put option, it is the opposite. By definition, intrinsic value is never negative).

– Siehe Katzengeld, Kurantmünze, Substance-over-Form-Grundsatz, Wert, innerer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Substanzwertanleger oft auch wie im Englischen Value Investor (value investor):

Jemand, der dann Aktien kauft, wenn diese unterbewertet erscheinen, um sie später wieder abzustossen. Überbewertete Papiere in seinem Portfolio werden mit Gewinn verkauft (someone who buys shares of a company when the stock looks to be underpriced, and takes profits when the stock appears to be overvalued). Vor allem berufsmässige Substanzwertanleger stützen sich bei ihrer Einschätzung auf verschiedene Formen der Fundamentalanalyse (a value investors buying and selling decisions are typically determined by using various forms of fundamental analysis, and often the price-earnings ratio [Kurs-Gewinn-Verhältnis] is a key valuation measure used). Durch ihre weltweit getätigten Käufe und Verkäufe bringen die Substanzwertanleger Bewegung in den Kurs der Papiere - neben in Aktien auch in Anleihen - der betroffenen Aktiengesellschaften.

– Siehe Aktienmarkt-Volatilität, Analyse, technische, Analyst, Arbitrage, statistische, Audit, Bewertung, Bollinger Bänder, Bottom-up-Ansatz, Charts, Daytrading, Hedge-Fonds, Histogramm, Kartierung, Kursbereich, gehandelter, Long-Short-Arbitrage, Random-Walk-Hypothese, Unterstützungslinie, Value-Fonds, Value-Management, Widerstandlinie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Substitutionsverhalten (substitution behaviour):

In der Sprache der Preisstatistiker der Erscheinung, dass Waren mit niedrigerer Preissteigerungsrate mehr, hingegen solche mit höherem Preisanstieg weniger gekauft werden. Dies ändert die Gewichtungsstruktur (weighting structure) eines Preisindex.

– Siehe Basiseffekt, Beschaffungs-Umschichtungen, Harmonisierter Verbraucherpreisindex, Inflationsmessung, Kompositions-Effekt, Produktneuheiten, Qualitätsänderungen.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2014, S. 45 f. (Einfluss des Substitutionsfehlers; Neugewichtung; Literaturhinweis).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Subventionen (subsidies, grant-in-aid, subventions):

1 Unterstützungszahlungen öffentlicher Stellen an bestimmte Branchen, Wirtschaftsgebiete oder auch an einzelne Unternehmen ohne Gegenleistung, manchmal auch Bezuschussung (subsidisation) genannt. Unterschieden wird dabei zwischen direkten Subventionen als unmittelbare Zahlungen des Staates und indirekten Subventionen; durch diese wächst den Nutzniessern infolge der staatlichen Massnahme ein Vorteil zu, wie etwa im Falle von Steuervergünstigungen (favourable tax treatment) oder die Übernahme von Bürgschaften. - Von den Zentralbanken werden Subventionen beobachtet und regelmässig beanstandet. Denn Subventionen

1. binden beträchtliche Finanzmittel - in Deutschland im Jahr 2009 etwa 165 Mia EUR -,

2. verzerren den Einsatz der Produktionsfaktoren: die knappen Mittel werden so kaum zum "besten Wirt" (to the point of most favourable allocation of resources) geleitet,

3. hemmen deswegen die kostengünstigste Produktion und

4. drücken damit auch über kurz oder lang auch auf den Geldwert.

2 In einem Unternehmensverbund (Konzern) Zuschüsse des Mutterunternehmens an Betriebe, die nicht kostendeckend arbeiten. - Durch zeitliche Befristung oder durch einen im Voraus festgelegten stufenweisen Abbau der Zahlungen mittels eines Sunset-Vorbehalts können auf der Ebene des Staates oder eines Konzern Anreize geschaffen werden, von Subventionen ehest unabhängig zu werden.

– Siehe Bank, systemische, Käsegeld, Primäreinkommen, Querfinanzierung, Steuerfinanzierung, Steuergutschrift, Strukturumbruch, Strukturwandel, Subsidien, Sunset-Vorbehalt, Zuschuss.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Success Rates (so auch im Deutschen gesagt, seltener [undeutlich] Etablierungsquoten):

Wenn nicht anders definiert auf dem Markt für Devisentermingeschäfte die relative Anzahl der Wochen, in denen Spekulanten

1. Long-Positionen erhöht haben, und die bezielte Währung aufwertete oder

2. Long-Positionen verminderten, und die betreffende Währung abwertete.

– Siehe Curreny Futures, Soros-Spekulation, Swap, devisenbezogener.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Februar 2007, S. 33 (auch Schätzergebnisse).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Succumbenzgeld und Sukkumbenzgeld (succumbent money):

Früher gesagt von bei Gericht einbezahlte Summe in Zusammenhang einer Strafe oder auch zur Hinterlegung im Rahmen einer vom Gericht angeordneten Sicherheitsleistung (amount of recognisance ordered by a court). - Um auf blosse Prozessverschleppung (protraction of a case: its extension in time) zielenden Einsprüche zu unterbinden, konnten von einem zur Zahlung einer Schuld Verurteilten die entsprechend Summe sofort eingezogen und bei Gericht hinterlegt werden, auch - und gerade wenn - der Beschuldigte gegen das Urteil Rechtsmittel einlegte (appealed: transferred the case from a lower to a higher court for a new hearing).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Südfront (southern front):

Im Finanzjournalismus gesagt von der Mehrheit der Mitglieder im EZB-Rat aus den südeuropäischen Staaten der EWU. Diese erzwangen von der EZB mit deren Satzung und Aufgabe kaum zu vereinbarende Entscheidungen, wie etwa den Ankauf von Staatsanleihen hochverschuldeter Mitgliedsstaaten.

– Siehe Anmassung, zentralbankliche, Bankenunion, europäische, Becket-Effekt, Demokratie-Defizit, Europäische Währungsunion, Grundfehler, EZB-Protokolle, Veröffentlichung, EZB-Sündenfall, Geldvermehrung, währungsunion-interne, Gruppendruck, Monetaristen, Rahmenwerk für die Bonitätsbeurteilungen, Renationalisierung, geldpolitische, Rettungspaket, Sitzordnungsstreit, Umverteilung, zentralbankbewirkte, Zentralbank-Reputation.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mail 2012, S. 111 ff. (Auseinanderdriften des Südblocks und Nordblocks; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Suffgeld (boozing subsidy):

Volkstümliche Bezeichnung für das Kindergeld und für das Erziehungsgeld. Es wird hier unterstellt, dass besonders in Patchwork-Familien (patchwork families: new families made up from the remnants of divorced families) der sozialen Unterschicht (underclass, "riff-raff") der jetzige Herr im Haus bzw. die alkoholsüchtige Mutter das zugewiesene Geld zum Bezug berauschender Getränke verausgabt und so zweckentfremdet.

– Siehe Biergeld, Mofageld, Zweckbindung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sühnegeld (atonement fee, expiation fee):

1 Im alten Israel ein am Versöhnungstag (day of atonement) zu leistendes Kopfgeld. Die Erhebung dieser Abgabe diente in erster Linie dazu, die Zahl der Auserwählten Israels zu ermitteln (statistical reason: 2 Mose 30, 11-16), in zweiter Linie galt sie als Freikaufgeld (ransom).

2 Im germanischen und fränkischen Recht eine Zahlung, die einmalig oder regelmässig bei fahrlässiger Tötung - etwa: ein gefällter Baum erdrückt den Nachbarn - an die Hinterbliebenen zu leisten war, auch Wergeld, Maggeld und Manngeld genannt.

3 Zwangsabgabe (compulsory levy) von zwanzig Prozent auf das Vermögen jüdischer Mitbürger im November 1938 nach der Ermordung des deutschen Botschafts-Angestellten Ernst von Rath in Paris.

4 Die von einer Spruchkammer - mit Laien besetzte Ausschüsse, die in Form eines Gerichts zwischen 1946 und 1954 tätig waren - gegen National-Sozialisten minderer Schuld verhängte Strafe.

5 Heute auch die von einem Schiedsamt (arbitration board) in Zuge von Streitigkeiten im Nachbarschaftsrecht sowie bei minderen Fällen von Körperverletzung, Beleidigung, Verleumdung, Bedrohung, Sachbeschädigung und weitere verhängte Geldstrafe.

– Siehe Blutgeld, Dreidingsgeld, Friedensgeld, Heergeld, Kontribution, Quartiergeld, Satisfaktionsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sukuk (sukuk):

Im Islamic Banking ein der Verbriefung ähnliches Finanzprodukt. Der Sukuk ist näherhin einen Kreditvertrag, dessen Fälligkeit von vornherein festgelegt ist. Das Darlehn wird durch ein Underlying gesichert. Der Darlehnsgeber (die Bank) darf den Ertrag aus dem als Sicherheit angedienten Vermögensgegenstand (dem Underlying) vertragsgemäss einbehalten. Dadurch kann auf die Verzinsung des Darlehns verzichtet werden (the sukuk has a maturity that is determined in advance and is backed by an asset which makes it possible for the investment to earn a return without the payment of interest. Unsurprisingly, sukuks are structured in such a way that their holders run a credit risk and receive part of the profit and not a fixed interest payment in advance). - Im einzelnen gibt es viele besondere Ausgestaltungen eines Sukuk, die unter anderem auch eine allfällige Nachschusspflicht oder den Fall regeln, dass aus dem Underlying ein Verlust entsteht.

– Siehe Ijara, Istisna, Mudaraba, Murabaha, Quard al-Hasan.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Summe in älteren Dokumenten auch Summa (amount, sum, total):

Wenn nicht ausdrücklich anders - vor allem: algebraisch - definiert, so meint man in der Finanzsprache damit ein Quantum an Geld (quantum of money), eine Menge an Zahlungsmitteln (a quantity of currency). Vor allem in älteren Veröffentlichungen findet man häufig noch "Summe Geldes".

– Siehe Barzahlung, Betrag, Fazit, Geldbetrag, Mittel, Total.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sündengeld (illgotten money, filthy lucre):

In älteren Dokumenten

1. der Gewinn oder

2. das angehäufte Vermögen aus wucherischen Geschäften (the profit resp. the capital gained from usurious dealings).

– Siehe Agiotage, Blutgeld, Danismus, Einzug, Finanz, Finanzgeier, Geldeintreibung, Kinderpfand, Kredithai, Leichenpfand, Plusmacherei, Rebbes, Übersatz, Unfruchtbarkeits-Theorie, Verzinsung, Wucher.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sündensteuer (sin tax):

Volkstümliche Bezeichnung der - verhältnismässig hohen - Verbrauchssteuer auf bestimmte gesundheitsschädliche (deleterious: harmful to health) Waren wie Alkohol und Tabak (a tax on damaging goods such as tobacco and alcohol).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sunset-Vorbehalt (sunset clause):

Die lediglich für einen fest umrissenen, genau festgelegten Zeitraum zugesagte Subvention oder Kreditgewährung. Der Begriff wird in der Regel in Bezug auf staatliche Finanzleistungen, seltener auch hinsichtlich der Finanzströme in einem - dann oft global tätigen - Firmenverbund zwischen Konzernmutter (parent company) und Zweiggesellschaft (subsidiary) verwendet. - Die Kenntnis darüber, dass eine Defizitgarantie fristgemäss endet, schafft von Beginn an einen Zwang, kostendeckend (cost-covering) zu wirtschaften.

– Siehe Moral Hazard, Steuerfinanzierung, Strukturumbruch, Strukturwandel, Subventionen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Superdividende (super dividend und superdividend):

Ein die übliche Dividende als Gewinnanteil übersteigende Ausschüttung an die Anteilseigner einer Aktiengesellschaft.

– Siehe Dividendenperle.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Supergewinn (excess profit):

Das Versprechen leichtsinniger Anlageberater, aus dem ihnen anvertrauten Geld Nettorenditen in zweistelliger Höhe (double-digit profits) zu erwirtschaften. Solche Zusagen müssen das Misstrauen eines jeden Vernunftbegabten (rational being) wecken, weil im Geldsektor grundsätzlich nicht mehr Ertrag zu erwirtschaften ist als im spiegelbildlich darauf bezogenen Realsektor der Wirtschaft (real sector: all activities related to the aggregate supply and aggregate demand of goods in an economy).

– Siehe Daimonion, Dampfstube, Finanzgeier, Geheimtip, Internet-Foren, Rendite-Risiko-Grundsatz, Übermut.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Superindukt (extra duty):

In älteren Dokumenten eine ausserordentliche Abgabe. Sie wurde den Steuerpflichtigen auferlegt, wenn die gewöhnlichen Steuereinnahmen nicht zur Deckung des Staatsbedarfs ausreichten, und dies geschah regelmässig in Kriegszeiten (this regularly occurred in times of war).

– Siehe Dänengeld, Defensionergeld, Festungsgeld, Friedensgeld, Heergeld, Hussengeld, Türkengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Super Notes (so auch meistens im Deutschen gesagt, seltener Glanzstücke und Perlen):

Gefälschte Banknoten, die von echten Stücken kaum unterscheidbar sind. - Besonders bekannt geworden sind ab etwa 1990 in Nordkorea hergestellte Dollarscheine, die selbst von Fachleuten als echte Banknoten eingestuft werden (superdollar as a faultless counterfeit of US banknote is produced and distributed by the North Korean government as a source of income and to destabilise the US economy).

– Siehe Banknoten-Management, Banknoten-Wertbeschränkung, Blüten, Brücke-Abneysches Phänomen, Fälschungssicherung, Fenstergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Super-OGAW-Fonds (super UTIC-fund):

Das Sondervermögen einer Kapitalverwaltungsgesellschaft, das neben Aktien und Anleihen auch Geldmarktpapiere und Derivate enthält. Solche Fonds sind in Deutschland seit 2004 zugelassen.

– Siehe Geldmarktfonds, Investmentvermögen, OGWA-Fonds.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 179 (Genehmigung eines entsprechenden EU-richtlinienkonformen Fonds), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 183 (aufsichtliche Anforderungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Supervisory Review and Evaluation Process, SREP (so auch im Deutschen gesagt, seltener aufsichtsrechtlicher Überwachungsprozess):

Nach Basel-II ab 2007 für die nationalen Aufsichtsbehörden geltende Vorschrift, einmal jährlich jede Bank hinsichtlich der Risikolage, des Risikomanagements, der internen Organisation sowie der Qualität der Leitungsorgane zu durchleuchten.

– Siehe Accounting Task Force, Consolidated Supervisor.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2004, S. 88 ff. (S. 90: Übersicht der Aufgaben der Aufseher nach Basel-II), Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 101 f. (dort auch zum Internal Capital Adequancy Assessment Process, ICAAP), Jahresbericht 2005 der BaFin, S, 104. (dort zum "Prinzip der doppelten Proportionalität"), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 47 f. (notwendige Kooperation der Aufsichtsbehörden bei grenzüberschreitend tätigen Instituten) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2007, S. 68 ff. (Ziel des SREP; Vergleich mit anderen Aufsichtsbehörden), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2008, S. 59 ff. (Steuerung der Liquiditätsrisiken).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Superrevision (re-auditing, follow-up check):

In älteren Dokumenten gesagt von der nochmalige Durchsicht und Begutachtung von abgewickelten Geschäftsvorfällen und insbesondere von Rechnungen durch einen zwecks dessen vorübergehend eingerichteten Ausschuss in einer Bank, allgemein bei einem Unternehmen oder bei einer öffentlichen Stelle.

– Siehe After Action Review, Rechnungshof.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Supplikationsgeld auch Supplikgeld (petitionary letter pay):

Früher eine Zahlung, die man beim Einreichen einer Supplik (supplication, petition; Bittschrift, Gesuch, Eingabe, Petition; besonders auch Bewerbung um eine Anstellung bei einer Behörde)

1. der dieses Schriftstück niederschreibenden (Amts)Person für die Abfassung,

2. nach festgesetzter Gebühr oder Gewohnheit - dann gleichsam als Handgeld - der eine Bittschrift weiterleitenden Person aber

3. oft auch für beide Dienste zu leisten hatte.

– Supplik vom lateinischen SUPPLICARE = jemanden flehentlich bitten.

– Siehe Douceur, Draufgeld, Handgeld, Handschuhgeld, Trinkgeld, Vokationsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sursatgebühr (fee for an export of corn license):

In alten Dokumenten eine Zahlung für den Erlaubnisschein zur Ausfuhr von Getreide. - Das Wort Sursat ist türkischen Ursprungs, zusammengesetzt aus den Befehlsformen sur und sat: führe aus und verkaufe.

– Siehe Ausfuhrprämie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Surveillance-Richtlinie des IMF (IMF surveillance decision):

Vom Internationalen Währungsfonds im Juni 2007 herausgegebene neue Regelungen in Bezug auf die Wechselkurspolitik der Mitglieder. Die Überwachung (surveillance) der Wirtschafts- und Währungspolitik ist eine Kernaufgabe des IMF.

– Vgl. Geschäftsbericht 2007 der Deutschen Bundesbank, S. 81.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sustainability-Fund (so auch häufig im Deutschen, daneben Nachhaltigkeitsfonds):

Vermögen (assets; Kapitalstock), das ausschliesslich oder doch grösstenteils Papiere enthält, die nach ökologischen und ethischen Gesichtspunkten ausgewählt wurden. Man spricht in diesem Zusammenhang dann auch von sozialverantwortlichem Investieren (socially responsible investing, SRI). Vor allem von Pensionsfonds wurde in den letzten Jahren die Aufnahme solcher Papiere in das Portfolio erzwungen, in der Regel durch Satzungsänderungen (forced by amandments to the articles of the fund).

– Siehe Anlage, ethische, Fonds, ethische, Ökofonds, Ökorating, Waldfonds.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Swap und Tauschgeschäft (swap):

Ein Finanzderivat, bei dem für eine bestimmte Zeit ein Austausch von Risiken auf Finanzmärkten zwischen zwei oder mehreren Partnern vereinbart wird (an exchange of financial assets or flows between two or more entities during a certain period of time. Unlike financial assets, swap contracts are traded over the counter, with no impact on the balance sheet. By this they allow the parties to modify the exchange or interest rate terms, or both simultaneously, on current or future assets or liabilities).

– Siehe Derivate, Devisentermingeschäft, LIBOR-Spread, Option, Sleepy Warrant, Terminkontrakte, Swaption, Zinsswap.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2006, S. 56 ff. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Swap, devisenbezogener (foreign rate transaction):

Die Verbindung eines Devisenkassageschäftes (spot transaction in foreign exchanges) mit einem Devisentermingeschäft (forward transaction in foreign exchanges). Der Marktteilnehmer verbindet also den Kassa-Verkauf von Devisen mit einem gleichzeitigen Rückkauf auf Termin; oder aber er verknüpft einen Kassa-Kauf von Devisen mit einem gleichzeitigen Verkauf auf Termin.

– Siehe Back-to-Back-Loan, Devisenmarkt, Devisentermingeschäft, Herstatt-Risiko, Kurssicherung, Non-deliverable Forwards, Option, Success Rates, Swap, Währungsoption.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2005, S. 29 ff. (dort auch Formeln und Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Swap, inflationsindexierter und manchmal auch Inflations-Swap (swap based on the cost of living [index]):

Übereinkommen, bei dem sich ein Partner A gegenüber dem Vertragspartner B verpflichtet, Zahlungen in fester Höhe gegen an die Inflationsrate gebundene Zahlungen zu leisten. Die Zahlungen können

1. bei Fälligkeit des Swaps: inflationsindexierter Nullkupon-Swap (inflation-linked zero-coupon swap) oder

2. alljährlich innert der Laufzeit des Swaps: inflationsindexierte Swaps mit mehrfacher Zahlung (inflation-linked swap with multiple payment) erfolgen. Ein inflationsindexierter Nullkupon-Swap drückt die Inflationserwartung der Beteiligten aus und ist daher für die vorausschauende Geldpolitik von hohem Interesse.

– Siehe Anleihe, indexgebundene, Emission, indexierte, Hafen, sicherer, Indexgeld, Inflationskäufer, Inflationsrate, erwartete, Mundell-Tobin-Effekt, Notzeit-Anlagen, Nullkupon-Anleihe, Swap, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom September 2003, S. 34 f. (Erläuterungen), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 98 (Fragen der Erlaubtheit von Inflations-Swaps bei Versicherungen und Pensionsfonds).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Swap massgeschneiderter (bespoke swap):

Ein auf die besonderen Gegebenheiten und Wünsche eines Kunden bezogener Risikoaustausch mit jeweils unterschiedlicher, vertraglich festgelegter Risikoteilung (a decidedly tailored swap, constructed around the needs of a sophisticated customer with specialised risk exposure).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Swap, zinsbedingter (coupon swap):

Der Austausch von Zinszahlungsverpflichtungen in einer Währung für eine bestimmte Laufzeit. Zweck eines solchen Tausches ist es, den entsprechenden Vorteil, den jeweils ein Vertragspartner gegenüber dem anderen aufgrund seiner Stellung an einem bestimmten Finanzmarkt hat, mit der anderen Partei zu tauschen.

– Siehe Overnight Indexed Swap, Swap, Tagesgeldsatz-Swap, Zinsswap.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Swap-Karussell (merry-go-round contracts in central bank covered forward exchange):

Unsolide Geschäfte zwischen Banken und der Zentralbank, die nach folgender Reihe ablaufen:

1. Banken kaufen günstige, das heisst: über den allgemeinen Marktbedingungen liegende kursgesicherte Termindevisen (hedged forward currency, praktisch: USD) bei ihrer Zentralbank.

2. Diese Kontrakte verkaufen die Banken an das Ausland. Dem Gewinn entspricht dabei der Unterschied zwischen dem Swapsatz des freien Marktes (angenommen: Report von 3 Prozent - und dem günstigeren Satz mit der Zentralbank - angenommen: Report von 4 Prozent.

3. Mit dem Gegenwert aus dem Verkauf der Termindollar-Kontrakte beschaffen sich die Banken bei ihrer Zentralbank gleich wieder kursgesicherte Termindevisen. Diese werden an Gebietsfremde abermals gewinnbringend verkauft.

4. Der Erlös wird erneut zum Erwerb von Kontrakten eingesetzt; siehe 1. .

– Auf solche Weise wird dem Ziel der Swappolitik der Zentralbank in diesem Fall, nämlich die Banken zum Engagement auf dem Terminmarkt (money exports; Geldexport) zu locken und Kursausbrüche zwischen Währungsblöcken im Voraus zu glätten, nach Kräften entgegen gearbeitet.

– Siehe Swappolitik, Swapsatz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Swaplinie (swap line):

Wenn nicht anders definiert, die Vereinbarung einer Zentralbank mit einer oder mehreren anderen Zentralbanken, bei Bedarf Liquidität in Fremdwährung (xeno currency) bei der betreffenden Zentralbank schnell und bequem aufzunehmen. Im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise schloss die EZB vor allem mit der schweizerischen und der US-Zentralbank solche Verträge ab.

– Siehe Dollar-Lücke.

– Vgl. Jahresbericht 2009 der EZB, S. 113 (Einzelheiten über die Swaplinien mit den Zentralbanken der USA und der Schweiz); Finanzstabilitätsbericht 2011, S. 59 f. (Swaplinie zur Glättung der Dollar-Refinanzierungslücke deutscher Banken).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Swappolitik (forward rate policy):

Die Zentralbank

1. verkauft an die heimischen Banken USD per Kasse und

2. kauft sie zu einem vertraglich vereinbarten Kurs per Termin zurück.

– Bei der EZB dienen Devisen-Swapgeschäfte zur Liquiditätsbeschaffung durch zeitlich begrenzte Übernahme von USD gegen EUR oder zur Liquiditätsabschöpfung durch Übernahme von EUR gegen USD. Diese Operationen sind ein besonderes Instrument der Geldmengensteuerung. Für die Banken sind solche Geschäfte mit der Zentralbank ohne Risiko.

– Siehe Devisentermingeschäft, Devisen-Swapgeschäft, Reverse-Repurchase-Agreement, Swap-Karussell, Swapsatz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Swapsatz ([currency] forward margin):

1 Die Differenz zwischen Kassakurs und Terminpreis einer Devise, auf Jahresprozente umgerechnet.

1. Ist der Kassakurs (spot rate) höher als der Terminpreis (forward rate), so wird die Termindevise mit einem Deport (Abschlag; discount) gehandelt.

2. Ist der Kassakurs niedriger als der Terminpreis, so wird die Termindevise mit einem Report (Aufschlag; premium) gehandelt.

– Normale, börsenübliche Verträge (contracts) beziehen sich zeitlich immer auf neunzig Tage.

2 Unterschiedsbetrag zwischen dem Wechselkurs der Termintransaktion und dem Wechselkurs der Kassa-Transaktion bei einem Devisen-Swapgeschäft mit der Zentralbank. - Bietet die Zentralbank den Banken den Rückkauf der zum Kassakurs (Tageskurs; spot rate) von ihr erworbenen Devisen zu einem höheren Terminkurs (forward rate) an, so spricht man von einem Report (Aufschlag, premium). Liegt der Terminkurs unter dem Tageskurs, so nennt man den Unterschied Deport (Abschlag, discount).

– Siehe Abschlag, Deport, Devisenmarkt, Devisentermingeschäft, Liquiditäts-Tausch, Matching, Non-deliverable Forwards, Report, Sleepy Warrant, Swapgeschäft, Swap-Karussell, Währungsoption, Währungsrisiko, Zinsdifferenz.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2005, S. 29 ff. (dort auch Formeln zur Berechnung des Swapsatzes), Monatsbericht der EZB vom Mai 2008, S. 98 (Abstand zwischen Einlagezins und Swapsatz erklärt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Swapsatz, marginaler (marginal swap point quotation):

Swapsatz, bei dem die von der EZB im Rahmen ihrer Swappolitik gewünschte Zuteilungsmenge im Tenderverfahren erreicht wird.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Swaption (so auch im Deutschen gesagt):

Option auf ein Swap. Der Käufer der Option hat das Recht,

1. gegen Zahlung einer Optionsprämie

2. zu einem vertraglich festgelegten Zeitpunkt

3. in einen in Bezug auf Laufzeit und Zinshöhe bestimmten Swap einzutreten (option under which the seller grants the purchaser the right, but not the obligation, to enter into a currency or interest rate swap at a predetermined price by or on a set date).

– Siehe Option, Swap, zinsbedingter, Sleepy Warrant.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Sweat Equity (so auch oft im Deutschen gesagt; seltener Gründerentschädigung):

1 Unternehmensanteile, welche der Gründer als Vergütung für seine erfolgreiche Arbeit erhält (the efforts put into a start-up company by the founders in exchange for ownership shares of the company, also called "shares for services" and sometimes "equity compensation"). In der Regel werden diese Anteile beim Exit übertragen; nicht selten auch mit der verborgenen Absicht, den Gründer nach Erreichen des Break-even-Points (the point at which the income from sale of a product or service equals the invested costs, resulting in neither profit nor loss; the stage at which income equals expenditure) zum Ausscheiden zu bewegen.

2 Anreizvergütung in Form von Aktien der Gesellschaft für das Management (shares allocated to the management as an additional motivation for continuing hard work for the firm's success).

3 Bei einem reparaturbedürftigen Eigenheim die selbstgeleistete Arbeit (a contribution to the value of real estate in the form of labour provided or services rendered; sweat equity is normally associated with someone who purchases property that needs work).

– Siehe Bonus, Buy out, Drittphase-Finanzierung, Familien-und Freunde-Kapital, Seed Capital, Squeeze out, Transaktionsbonus.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Swiss Finish (so auch im Deutschen gesagt; seltener Schweizer Sondervorschriften):

Die besonderen, sich an Basel-III anschliessenden Vorschriften für die Schweiz. - Die Bilanzsummen der beiden Schweizer Grossbanken USB und Credit Suisse waren im Jahr 2010 sechsmal grösser als das Volkseinkommen der Schweiz. Die Schieflage nur eines der Institute könnte die schweizerische Wirtschaft gesamthaft sehr stark in Mitleidenschaft ziehen bzw. den Staat zwingen, mit Steuergeldern eine Bankenpleite abzuwenden. Daher sollen USB und Credit Suisse mindestens zehn Prozent hartes Kernkapital vorhalten. Das entspricht einen Zuschlag von vierzig Prozent gegenüber den Vorgaben von Basel-III. Zählt man die harten und weichen Kapitalanforderungen im Einzelnen zusammen, so müssen die Schweizer Banken eine Quote von neunzehn Prozent Kernkapital vorhalten.

– Siehe German Finish, IFRS-Dialekte, Regelwerk, einheitliches, Staatsfonds.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Swiss Market Index:

Aktienindex für zwanzig Schweizer Blue Chips. In ihm waren Mitte 2010 die drei Unternehmen Novartis, Nestlé und Roche zu über 60 Prozent vertreten, gefolgt von den beiden Grossbanken Credit Suisse und UBS mit zusammen 13,6 Prozent. Der schweizerische Aktienmarkt wird so sehr stark geprägt von diesen drei Unternehmen, die damit das Börsengeschehen übermässig prägen und folglich die auf das jeweilige einzelne Unternehmen bezogenen Risiken für Anleger übergewichten. In den Aktienindizes der europäischen Börsen und auch im vergleichbaren Dow Jones Index der USA sind die Grossunternehmen nur zu knapp zwanzig Prozent vertreten.

– Siehe Aktienindex, Dax, Dow-Jones-Average, Kursindex, Nemax, Performanceindex, Swiss Finish, Xetra.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Swissy (swissy):

Im Börsenjargon gesagt für den CHF (currency exchange parlance for Swiss Franc).

– Siehe Aussie, Kiwi, Loonie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Switcher sowie [seltener] Wechselanleger und Umsteiger (switcher):

Bei Kapitalverwaltungsgesellschaften solche Anleger, die professionell und manchmal aufgrund der Berechnung der Sharpe-Relation von einem Fonds in den andern wechseln. Geschieht das innert verschiedener Fonds derselben Kapitalverwaltungsgesellschaft, so fällt in der Regel nur ein minimes Aufgeld (switch charges; Switchgebühr) an. Switcher zwingen die Fondsmanager, die Performance ständig zu verbessern.

– Siehe Annoucement, Fondsfusionen, Kontohopper, Least-Cost Customer, Zinsschnäppchenjäger.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Symboltheorie (symbol doctrine):

In Bezug auf das Geld die von der Geldphilosophie besonders herausgestellte Tatsache, dass das heutige, in Form von Papiergeld und Scheidemünzen bestehende Geld "reine Abstraktion" sei, nämlich ein Zeichen (symbol; Symbol) und Ausdruck für

1. für die Begehrtheit, für die Wertschätzung, die wirtschaftliche Brauchbarkeit eines Gegenstandes bzw.

2. für seine Tauschbarkeit.

– Dabei ist zu berücksichtigen, dass diese Eigenschaften dem Geld nur dann voll anhaften, wenn es auch eine entsprechende Kaufkraft verkörpert und wenn der freier Marktzutritt, mithin also Kontaktfreiheit (freedom of contact) und Kontraktfreiheit (Vertragsfreiheit; freedom of contract), gewährleistet ist.

– Siehe Actus-purus-Grundsatz, Allmacht-Doktrin, Begültigung, Geld, sittliches, Geldethik, Geldglaube, Geldrechenhaftigkeit, Geldzweck, Inflation, Mammon, Mammonismus, Pantheismus, monetärer, Ungüter, Zahlungsmittel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Synagogengeld (impost on synagogues):

In einigen deutschen Territorialstaaten früher den Bürgern mosaischen Glaubens (persons of mosaic religion) auferlegte Zahlung

1. für die Genehmigung zum Neubau einer Synagoge oder/und

2. für die laufende Nutzung ihres Gotteshauses.

– Siehe Schuldschein-Beurkundungsgeld, Schutzgeld, Toleranzgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Syndikat (syndicate):

In Bezug auf den Finanzmarkt die fallweise Zusammenarbeit mehrerer Banken, um gemeinsame bestimmte Geschäfte durchzuführen, wie etwa die Ausreichung eines grossvolumigen Kredits an ein Unternehmen oder die Begebung neuer Anleihen (a group of banks that acts jointly, on a temporary basis, such as when a loan is too large to be provided by a single bank, or to underwrite a new issue of bonds) und in der Regel mit dem Begriff Konsortium gleichgesetzt.

– Siehe Allianzen, grenzüberschreitende, Bought Deal, Flex-Klausel, Intercreditor Agreement, Partizipationsgeschäft, Projektfinanzierung, Risiko, operationelles, Risikotransfer, Risikotransformation, bankliche, Syndizierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Syndizierung (syndication):

Wenn nicht anders definiert

1. die Gewährung eines sehr hohen Darlehns (a relatively large loan to a single borrower)

2. durch ein Bankenkonsortium (provided by a group of banks),

3. meistens auf internationaler Ebene und

4. von einem Konsortialführer betreut (structured by a lead manager).

– Siehe Allianzen, grenzüberschreitende, Arranger, Bookrunner, Bought Deal, Flex-Klausel, Intercreditor Agreement, Investment Banking, Konsortialkredit, Lead Manager, Risiko, operationelles, Risikotransfer, Risikotransformation, bankliche, Risikoübernahme-Grundregel, Roadshow, Syndikat, Verbriefung, Verlustteilungsregelung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Synergiepotentiale (synergetic potentials):

Wenn nicht anders definiert die möglichen Gelegenheiten zur Minderung der Kosten mit Hilfe von Fusionen und Übernahmen. - Bei Fusionen und Übernahmen im Finanzsektor müssen zufolge einer Faustformel mindestens achtzig Prozent der möglichen Einsparungen auf allen Ebenen im ersten Jahr des Zusammenschlusses erreicht sein. In den allerwenigsten Fällen trat dies jedoch bei grösseren Fusionen bis anhin ein. Hingegen gibt es Fälle genug, wo nach einer Verschmelzung von Banken die Kosten sogar stark anschwollen. Man spricht in solchen Fällen auch von negativer Synergie oder Anergie (anergy: instead of a "2+2=5" effect, anergy implies "2+2=3").

– Siehe Allianzen, grenzüberschreitende, Bankbetriebsgrösse, optimale, Bankfusionen, Behauptungs-Strategie, Bestreitbarkeit, Gibrat-Regel, Gigabank, Grössen-Effekte, Konsolidierung, Megamanie, Octopus, Penrose-Theorem, Subsidiaritätsprinzip, Totholz, Transaktionsbonus, Übernahme-Angebot.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2005, S. 83 ff. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Systematomanie (systematomania):

In Bezug auf die Geldtheorie das krampfhafte Bestreben, alle Erscheinungen, alles Geschehen auf den Finanzmärkten in ein Lehrgebäude zu zwingen (the excessive endeavour to systemise all everyday realities and activities on the financial markets).

– Siehe Finanzgeschichte, Geldethik, Geldlehre, Paradoxomanie, Sparsamkeitsregel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Systemgefährdung (threat of system collapse):

Aufsichtrechtlicher Begriff aus § 48 KWG. Danach liegt diese vor, wenn die Bestandsgefährdung eines Instituts sich auf andere Teilnehmer des Finanzsystems auswirkt.

– Siehe Bankenaufsicht, europäische, Dominostein-Effekt, Insolvenz, Risiko, systemisches, Sifi-Oligopol, Systemrisiko.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2011, S. 69 (nähere Erklärung des Tatbestands).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Systemintegration (system integration):

Andere Bezeichnung für die Konvergenzlösung, nämlich eine gleichartige IT-Landschaft bei einem - weltweit tätigen - Institut.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Systemisch auch systemrelevant (systemic):

In zusammengesetzten Begriffen aus der Finanzwelt wird dieses Wort als Adjektiv (adjective; Eigenschaftswort, Wiewort, Beiwort) oder Adverb (adverb; Umstandswort, Zuwort) immer auf das Finanzsystem bezogen, nämlich auf die Gesamtheit der institutionellen Gegebenheiten, welche das Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage nach Kapital sowie sämtlichen damit verbundenen Dienstleistungen bedienen. - Angesichts der heute weithin vorherrschenden globalen Vernetzung der Banken wird der Begriff "systemisch" fast immer auf die Welt gesamthaft bezogen, also nicht nur auf ein einzelner Land oder einen Währungsraum wie die Eurozone.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Systemkollaps (gridlock):

Besondere Art des Technologie-Risikos, wobei der dem gesamten Datenaustausch vor allem zwecks Überweisungen und Börsenaufträgen dienende Verbund der IT-Geräte zusammenbricht. Weil jedoch das heutige Finanzsystem gutteilig von der elektronischen Vernetzung der Handelnden - einschliesslich der Zentralbank - abhängt, so wird ein solcher Unterbruch unermessliche Schäden (incalculable damage) auslösen. Daher steht bei Behörden und auch bei Banken die Sicherung des Datenverkehrs auch an oberster Stelle.

– Siehe Ausschuss für Informationstechnologie, Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, Stromrisiko.

– Vgl. Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 85 f. (aufsichtliches Handeln in Bezug auf die IT-Sicherheit bei Instituten; internationale Regeln).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Systemkonflikt, finanzmarktlicher (system conflict inherent to financial markets):

Andere Bezeichnung für den Politikverzug, auch Politikrückstand genannt. - Auf dem Finanzmarkt treffen zwei unterschiedlich geartete Systeme (system; System = hier: Gesamtheit von einzelnen Gliedern, die derart aufeinander bezogen sind und in einer Weise ineinander greifen, dass sie als eine zweckgebundene Einheit bilden) aufeinander. Dies ist

1. der weltweit vernetzte, im Sekundentakt und selbst darunter Preise feststellende Markt einerseits und

2. die Rahmensetzung (regulatory framework) durch die Politik allgemein und durch die Aufsichtsbehörden im Besonderen andererseits. Aus vielerlei Gründen arbeitet das politische System langsam, und in demokratisch verfassten Staaten zumal. Es wird wegen dieser Verschiedenartigkeit - so wie in der Vergangenheit - auch in Zukunft grundsätzlich immer Konflikte (conflicts: tension between this two disparate systems, characterised evidently by a lot of dissimilar elements) geben.

– Siehe Aufsichtsgespräche, Capture-Theorie, Calls for Advice, Finanzmarktintegration, europäische, Renationalisierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Systemrelevanz (system relevance, relevance to the system):

Wenn nicht anders definiert die Bezeichnung dafür, inwieweit der Zusammenbruch eines einzigen Instituts nachhaltige Auswirkungen auf das - nationale, weltweite - Finanzsystem gesamthaft hat. - Eine eindeutige Benennung der Merkmale des Begriffes "Systemrelevanz" und "systemrelevantes Institut" (systemically important financial institution, SIFI) gibt es bis anhin nicht. Denn neben

1. der Grösse einer Bank wird deren Systemrelevanz vor allem auch bestimmt von

2. der Vernetzung in die nationale oder internationale Finanzwirtschaft (interconnectedness),

3. die mögliche Ersetzbarkeit dieses Instituts sowie

4. dem allgemeinen Zustand der Märkte.

– Siehe Bank, systemische, Bankenaufsicht, europäische, G-Sifi, Grossbank, Lehman-Pleite, Sifi-Oligopol, Systemrisiko.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Systemrisiko (systemic risk):

1 Allgemein die Gefährdung der Funktionstüchtigkeit der internationalen Finanzordnung vor allem

1. auf Grund nicht mehr beherrschbarer Kettenreaktionen von Abwertungsspekulationen oder

2. wie im Gefolge der Subprime-Krise infolge Vertrauensschwunds (loss of confidence) und dadurch hervorgerufener Bankenzusammenbrüche.

2 Im Besonderen das Risiko, dass

1. infolge der Unfähigkeit eines Teilnehmers innert eines Zahlungsverkehrssystems, seinen Verpflichtungen nachzukommen, oder

2. durch Fehler im System selbst auch weitere Teilnehmer in anderen Bereichen des Finanzsystems in Schwierigkeiten geraten.

– Siehe Aufsicht, makroprudentielle, Ausschuss für Finanzstabilität, Dominostein-Effekt, Event Risk, Finanzmarkt-Interdependenz, Herdenverhalten, Krise, systemische, Risiko, Risikominderungstechniken, erweiterte, Single European Payment Area (SEPA), Subprime-Krise, Systemgefährdung, Unterseeboot-Effekt, Vertrauen.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2004, S. 30 f., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 19 (Hedge-Fonds als mögliche Auslöser), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2013, S. 41 ff. (makroprudentielle Überwachung in Deutschland: ausführliche Darstellung, in den Anmerkungen wichtige Hinweise), Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 104 (Vorgaben für die Liquiditätsvorsorge).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Szenarien, aussergewöhnliche (extraordinary scenarios):

Von den Aufsichtsbehörden beim Management von Liquiditätsrisiken den Banken vorgeschriebene Planspiele (simulation games). Sie sollen Fälle ins Auge fassen, welche die Zahlungsfähigkeit der Bank in Gefahr bringen könnte, wie etwa

1. der Ausfall bedeutender Kreditgeber/Kreditnehmer (counterparty risk; Kontrahentenrisiko),

2. ein vollständiger oder teilweiser Abzug von Interbankeinlagen

3. das Unvermögen eines Vertragspartners, im Rahmen eines Optionsvertrags den Basiswert zu liefern (replacement risk; Wiedereindeckungs-Risiko) oder

4. der Kursverfall für Wertpapiere in der Liquiditätsreserve.

– Siehe Asset Quality Review, Basel-II, Bilanzposten-Deckelung, Bilanztricks, staatliche, Comprehensive Assessment, Crash, Erfüllung, Emerging Markets, Extremereignis, negatives, Granularität, Grosskredite, Herfindahl-Hirschman-Index, Klumprisiko, Konzentrationsrisiko, Kreditverbriefung, Liquiditätskrisenplan, Liquiditätsmanagement, Mindestanforderungen an das Risikomanagement, Panikverkäufe, Preisänderungen, gleichlaufende, Risikoabteilung, Risikogewichtung, Risikokontrolle, Risiko-Messverfahren, Risk Reporting, Risikoüberwachung, gegliederte, Schock-Bewältigung, monetäre, Stresstest, System Securities Watch Application, Vertrauens-Hypertrophie.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 88 ff. (Modellansätze in der Praxis; Backtesting-Ergebnisse) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin (Rubrik "Risikomodelle"), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 115 f. (aufsichtliche Vorschriften zum Liquiditätsrisiko-Management), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 56 (neue Vorschriften für das Liquiditätsrisiko-Management).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen