Versicherungsoptimierer.net - Finanzlexikon - R

Finanzlexikon - R

Rabatt in älteren Dokumenten auch Rabaissement, Eskompte, Ribasso und Drawback (rebate, reduction, discount):

1 Allgemein ein geldlicher Preisnachlass, den ein Verkäufer dem Käufer aus unterschiedlichen Gründen gewährt (a reduction or return of an amount that has already been paid), auch Barrabatt (cash rebate) genannt.

2 Eine Draufgabe (Zugabe; bonus, extra) in Form der Aushändigung von Waren, dann als Naturalrabatt (rebate in kind) bezeichnet; siehe § 336 BGB.

– Siehe Abbassamento, Mondpreis, Nachlass, Preisdifferenzierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rabbi Trust und Grantor Trust (so auch im Deutschen gesagt seltener Gehalts-Treuhandfonds):

Ein Trust (trust; hier: Rechtsinstitut, bei dem Vermögenswerte für einen bestimmten Zweck abgesondert und der gebundenen [= gesetzesabhängigen, gesetzesakzessorischen] Verwaltung eines Treuhänders unterstellt werden), in den ein Arbeitgeber einen bestimmten Anteil des Salärs eines Angestellten einzahlt. Zu einem vertraglich festgelegten späteren Zeitpunkt kann der Begünstigte über das angesammelte Vermögen verfügen; in der Regel nach seiner Pensionierung. Auf diese Weise lässt sich unter Umständen die lebenslange Einkommensteuerlast mindern. Auch ist der Trust unabhängig von dem einzahlenden Arbeitgeber (a nonqualified deferred compensation plan whereby an employer and employee agree to defer a percentage of payment for the employees services, and deposited in a trust until a specified future date. Such taxation is deferred to a future date. This is done most commonly when the compensation would be deposited otherwise into a retirement plan that is not tax deductible. Moreover such a form of trust creates security for employees because the assets within the trust are typically outside the control of the employers and are irrevocable). Die Bezeichnung soll daher kommen, weil eine Synagoge in den USA ihrem Rabbi (rabbi: the leading religious official of a synagogue, trained regularly in a theological seminary and duly ordained, who delivers the sermon at a religious service and performs ritualistic, pastoral, educational, and other functions in a Jewish community) einen solchen Vertrag gewährte.

– SieheAltersvermögensgesetz, Altersvorsorge-Einrichtung, Anlegerschutz, Anwartschaftszeit, Ausgewogen, Beamtenvereine, Bogey, Contractual Trust Arrangement, Credit Default Swap, Destinatär, Gehaltsverzicht, Inhouse-Fund, Kreditverbriefung, Lebensversicherung, Leibrente, Nominalwertgarantie, Occupational Pensions Regulatory Authority, Pensionsfonds-Richtlinie, Pensionskasse, Pensionsverpflichtungen, Planvermögen, Prudent man standard of care, Spezialfonds, Treuhandmodelle, Zertifizierung.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 85 (zur Erlaubnispflicht entsprechender Trusts in Deutschland).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rabenfanggeld (payment for catching ravens):

Durch landesherrliche Verordnung früher bezahlte Summe für das Töten eines Rabens bzw. auch einer Dohle (daw) oder Krähe (crow). Der Kopf des erlegten Tieres war bei der Ortsbehörde - in der Regel beim Bürgermeister oder beim Amtmann als dem von der Landesbehörde eingesetzten Verwalter - gegen Empfangsschein abzugeben. Der Schein konnte dann bei der jeweils zuständigen Kasse in Bargeld eingetauscht werden.

– Siehe Kobra-Effekt, Mäusefanggeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Racheengel auch Racheboten und Würgeengel (avenging angel, hammašchît;):

In Bezug auf den Finanzmarkt ein Dienstleister, der

1. im Auftrag von durch Finanzgeier betrogenen Personen und Unternehmen

2. den Schädiger (tortfeasor) aufspürt und diesem

3. im geschäftlichen und privaten Ansehen, wie beispielsweise durch massenhaften Versand rufzerstörender Schreiben und E-Mails,

4. an Vermögenswerten, etwa durch Abbrennen seines Hauses (burning down the domicile) oder gar

5. an Leib und Leben (live and limb) Ungemach zufügt.

– Zwar wurden entsprechende Foren, die im Internet Angebot und Nachfrage nach derartigen Dienstleistungen bündelten, weltweit durch die Provider geschlossen. Es finden sich aber immer wieder Wege, um Racheengel zu finden, die im Zuge der Selbsthilfe (vigilante justice) sogar in Offshore Finanzplätzen befindliche Finanzgeier ausfindig machen und zur Rechenschaft ziehen. Nicht selten arbeiten entsprechende Dienstleister in Gemeinschaftsarbeit (Gruppenarbeit; teamwork). Sie nähern sich dann dem Finanzgeier zunächst durch attraktive junge Frauen bzw. junge Männer.

– Siehe Anlegerschutz, Enabler, Goldtäuschung, Gründungsschwindel, International Business Company, Kopfgeld, Pankratium, Sexschwarzgeld, Skimming, Verbraucherbeschwerden.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Radar-Überwachung (radar alert):

Bei einer Aktiengesellschaft die ständige Beobachtung der Umsätze eigener Aktien bei allen Börsen, an denen das Papier zum Handel eingeführt ist, um auffällige, auf eine allfällige Übernahme abzielende Käufe frühzeitig zu erkennen (permanent and systematic monitoring of trading patterns in a company's equity turnover (to detect unusual buying activity that might signal a takeover attempt). Aus Kostengründen wird diese Aufgabe oft ausgelagert und einem Shark Watcher übertragen.

– Siehe Aktionärstimmenjagd, Anschleichen, Blitzkrieg-Übernahmeangebot, Fusionen und Übernahmen, Greenmail, Kriegskasse, Makkaroni-Abwehr, Pac-Man-Strategie Raider, Ritter, schwarzer, Stimmrecht-Offenlegung, Stimmrecht-Datenbank, Übernahme, feindliche, Übernahme-Appell, Überraschungsangriff, Transparenz-Richtlinie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Radcliffe-Bericht (Radcliffe report):

Im Jahr 1959 erschiene, gedruckte Schlussdokumentation der Ergebnisse eines von der britischen Regierung im April 1957 eingesetzten Ausschusses mit dem Auftrag, den Ablauf des Finanzsystems (inquiry into the working of the monetary and credit system) zu untersuchen. Dem Berichtsband selbst sind vier Unterlagen-Bände (volumes of evidence) beigegeben. - Der Radcliffe-Bericht wurde von den einen als eine hervorragende Analyse der Finanzmärkte gerühmt, und von anderen als die grösste Ressourcen-Verschwendung des Jahrhunderts beanstandet. Das letztere Urteil hängt wohl damit zusammen, dass bei den äusserst raschen Veränderungen auf dem Finanzmarkt gesamthaft und in allen seinen Teilbereichen eine derart umfangreiche Momentaufnahme bloss wenig aussagekräftig sein kann.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Radiofrequenz-Identifikation, RFID (Radio Frequency Identification, RFID):

1 Allgemein ein maschinelles Verfahren zum Suchen und Erkennen von Gegenständen und Personen über Funk.

2 In den USA von den Firmen Exxon und Mobile erstmals 1997 eingeführtes besonderes Bezahlverfahren für Autofahrer (CH: Automobilisten). Diese können mit einer Chipkarte bezahlen, die einen Minisender enthält. Dadurch wird eine drahtlose Kommunikation zwischen dem Kassenterminal und der Plastikkarte möglich.

– Siehe Community Card, Computerzahlung, Chipkarte, Geld, elektronisches, Karte, Karte, multifunktionale, Pay-Green-Initiative, POS-Banking, Ticketing, electronic.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ragionenbuch (exchange trader record; cumulated register of companies):

1 In älteren Dokumenten ein öffentliches Verzeichnis der an einer Börse zugelassenen Händler.

2 In der Schweiz bis 2004 eine Nachschlagewerk, in dem die Handelsregistereinträge von Unternehmen in einer Zusammenfassung angezeigt wurden.

– Siehe Bönase, Börsenmakler.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rahmenkredit (global credit arrangement, framework credit, global credit line; blanket loan):

1 Ein Darlehn, das

1. von einem Kunden der Bank, in der Regel einem Unternehmen oder einer öffentlichen Stelle

2. in Teilbeträgen bis zur festgelegten Obergrenze (maximum line, ceiling)

3. innert einer vertraglich festgelegten Zeit in Anspruch genommen werden kann. Ein Rahmenkredit hat im Normalfall einen variablen Zinssatz und kann meistens ohne weiteres vorzeitig getilgt werden. In diesem Sinne spricht man auch von einem Abrufkredit (call credit facility).

2 Von einer Bank gewährtes Darlehen oder eine Hypothek für ein grösseres Vorhaben, das seitens des Kunden in kleinere Einheiten aufgeteilt wird. Üblich sind entsprechende Darlehnsverträge besonders bei umfangreichen Projekten im Wohnungs- und Siedlungsbau (frequently used by developers who have purchased a single tract of land intending to subdivide into individual parcels).

– Siehe Benutzungsgebühr, Blankokredit, Bodenkreditinstitut, Flüchtlingssiedlungskredit, Meliorationskredit, Seehandlung, Siedlungskredit, Sozialpfandbrief, Wohnungsbaukredit.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2001, S. 58.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rahmenwerk für die Bonitätsbeurteilungen [im Eurosystem] (Eurosystem credit assessment framework, ECAF):

Verfahren zur einheitlichen Beurteilung der Bonität der bei der EZB eingereichten Sicherheiten (underlyings: Vermögenswerte, die Kreditinstitute zur Besicherung von kurzfristigen Liquiditätskrediten der Zentralbank als Pfand bei dieser hinterlegen sowie Vermögenswerte, welche die EZB von Kreditinstituten im Zuge liquiditätszuführenden Pensionsgeschäften ankauft). - Dieser für die EWU gesamthaft geltende Sicherheitsrahmen wurde Anfang Februar 2012 aufgegeben. Die nationalen Zentralbanken können ihre Banken ab da auch gegen schwächere Sicherheiten mit Geld versorgen. Ein wichtiger Baustein der einheitlichen Geldpolitik fiel damit dahin, und diese Re-Nationalisierung (renationalisation) wurde von Beobachtern durchwegs mit grosser Besorgnis, bei einigen gar mit blankem Entsetzen (sheer horror) beurteilt.

– Siehe Notfall-Liquiditätshelfe, Pfand, Sicherheiten, Umverteilung, zentralbankbewirkte.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der EZB, S. 112 (Darstellung des ECAF-Verfahrens), Jahresbericht 2011 der Deutschen Bundesbank, S. 46 f. (notenbankfähige Sicherheiten allgemein und die Senkung der Standards; Zusammensetzung der bei der Deutschen Bundesbank eingereichten Sicherheiten), Monatsbericht der EZB vom Februar 2012, S. 33 f. (Ausweitung des Verzeichnisses notenbankfähiger Sicherheiten im EZB-Rat durchgesetzt), Monatsbericht der EZB vom Juli 2013, S. 77 ff. (ausführliche Darstellung der Entwicklung des Sicherheitsrahmens, der Haircuts und der Sicherheiten; viele Übersichten), Monatsbericht der EZB vom April 2014, S. 31 ff. (ausführliche Darstellung; neue Ratingklassen; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rahmenwerk für das europäische Kartengeschäft (SEPA cards framework, SCF):

Im Rahmen der Bemühungen der Europäischen Kommission um einen einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum (Single European Payment Area, SEPA) aufgestellte Eckpunkte für eine mit Interoptabilität ausgestattete Karte.

– Siehe Card Verification Value, Chipkarte, Community Card, Computerzahlung, EMV-Richtschnur, Geld, elektronisches, Geldautomaten-Sperre, Geldkarte, Geldnutzen, Interoptabilität, Karte, multifunktionale vorausbezahlte, Karten-Allianz, Karten-Echtheitsprüfung, Kreditkarte, Konto, anonymes, Kundenkarte, Netzgeldgeschäft, Pay-Green-Initiative, Pay per Touch, Plastikgeld, POS-Banking, Prozessor, Single European Payment Area, Ticketing, electronic.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 98 f. (Vorgaben der EU-Kommission; noch offene Fragen der Verrechnung), Geschäftsbericht 2006 der Deutschen Bundesbank, S. 108 (Stand der Arbeiten an dem System), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2012, S. 47 ff. (ausführliche Darstellung des Zahlungsverkehrs im Eurogebiet; Übersichten; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rahmenwerk zur Beurteilung von Wertpapier-Abwicklungssystemen (framework for the assessment of securities settlement systems):

Die EZB führt Kreditgeschäfte gegen Hinterlegung angemessener Sicherheiten durch und führt diese über von nationalen und internationalen Zentralverwahrern betriebene Abwicklungssysteme aus. Zur Gewährleistung hoher Standards schreibt die EZB Durchführungsgrundsätze vor, die ins Einzelne gehende Bestimmungen für diese Geschäfte enthalten. Von Zeit zu Zeit werden dieser Beurteilungsrahmen neuen Gegebenheiten angepasst.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rahmenprospekt (preliminary issue prospectus):

In Deutschland möglicher Weg, zunächst einen unvollständigen Verkaufsprospekt zu veröffentlichen, um erst kurz vor dem öffentlichen Angebot eines Wertpapiers die einzelnen Angebotsbedingungen endgültig im Einzelnen festzulegen. - Auch Rahmenprospekte unterliegen in jedem Falle der Kontrolle der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, ein eigenes Verkaufsprospekt-Gesetz regelt die Einzelheiten.

– Siehe Prospekt-Datenbank, Prospektpflicht, Register für qualifizierte Anleger, Zertifikat.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Raider, so auch zumeist im Deutschen gesagt, seit etwa 2000 auch Heuschrecke (raider, black knight, locust):

Allgemein ein Investor, der ein Unternehmen gegen den Willen des Managements zu übernehmen sucht (an individual or corporate investor who attempts to acquire other firms in an unfriendly takeover). - Raiding in Bezug auf Banken ist weniger wahrscheinlich, weil die Aufsichtsbehörden dies in aller Regel kaum zulassen. In Deutschland muss nämlich nach § 2b KWG jede beabsichtigte bedeutende Beteiligung an einem Kreditinstitut der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht angezeigt werden. Die Aufsichtsbehörde kann eine Untersagung nach § 44b KWG verfügen.

– Siehe Aktionärstimmenjagd, Bieter, Blitzkrieg-Übernahmeangebot, Europa-AG, Freier, Fusionen und Übernahmen, Gifttablette, Greenmail, Konzentrationskurs, Kriegskasse, Makkaroni-Abwehr, Material-Adverse-Change-Klausel, Radar-Überwachung, Ritter, schwarzer, Ritter, weisser, Shark Watcher, Squeeze-out, Übernahme, feindliche, Übernahme-Angebot, Übernahme-Appell, Übernahmebeirat, Übernahmerisiken, Überraschungsangriff, Zielgesellschaft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rally und Rallye (so auch oft im Deutschen gesagt und dann weiblichen Geschlechts; seltener Markterholung):

An der Börse ein Zustand meist nur kurz stark steigender Kurse, ein Runup bei tendentiell fallen Kursen (investors break a downward trend in prices, in relation to shares, bonds etc., and flock to prop up prices).

– Siehe Blase, spekulative, Crash, Hausse, High Flyer, Leerverkaufs-Verbot, Push, Runup, Sell Out, Spekulationsblase, Up-Tick Rule.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rampe (ramp):

Im Jargon der Finanzsprache ein Vorgehen, bei dem eine angepeilte Erhöhung von Gebühren nicht auf einmal vorgenommen wird. Vielmehr geht man den Weg über mehrere, zeitlich gestreckte, von dem Kunden kaum oder gar nicht wahrgenommene Stufen (Kleckerbeträge; peanuts: trivial amounts of money). So wird dann eine beschlossene Erhöhung um beispielsweise eine GE in fünf oder gar zehn kleinen Schritten durchgesetzt (a projected change in rates with small, equal, incremental changes in each time period over a series of time periods until the full amount of the projected change is achieved). Wie die Erfahrung gezeigt hat, sind solche sehr kleine Erhöhungen auch kein Thema in den Medien. Demgegenüber erregt eine einmalige Gebührenerhöhung allgemeine Aufmerksamkeit und rückt - zum Schaden für das Image der Bank - selbst in die Schlagzeilen angesehener Printmedien vor.

– Siehe Abschlussgebühr, All-in-Fee, Aufhebungsentgelt, Bankgebühren, Bankenschelte, Courtage, Grundpreis, Courtage, Entgelt, Festgebühr, Köderangebot, Kontogebühr, Margendeckung, Reizschwelle, Vergütung, Vorfälligkeits-Entschädigung, Überziehungsentgelt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rändelung (milling):

Bestimmtes Muster aus meist parallelen Kerben (rills; Rillen) auf dem Rand einer Münze

1. um sie griffiger werden zu lassen und ein Abrutschen aus den Fingern einzuschränken, aber auch

2. zur besseren Erkennung im Zahlungsverkehr.

– Manche alte Münzen weisen eine Zahnung (toothing: sägeartige Einschnitte am Rand) auf, um sie vor betrügerischem Beschneiden (chipping; Wippen) zu schützen. Bei neueren Münzen findet sich am Rand nicht selten auch einen Text eingerändelt (grooved).

– Siehe Billonnage, Eteostichon, Geld, böses, Riffelung, Wipper.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Random-Walk-Hypothese (random walk conjecture; random walk = Zufallsbewegung; manchmal auch Theorie der symmetrischen Irrfahrt):

Die Auffassung, dass an Börsen die Kurse aus dem bisherigen Verlauf grundsätzlich nicht vorhersehbar sind. Sie steht damit dem Standpunkt der sog. Chartisten entgegen, die auf vielfältige Weise Aussagen über den künftigen Kursverlauf eines Finanzprodukts allgemein und einer Aktie im Besonderen aus der Vergangenheit zu begründen suchen. - Ob und wieweit die Random-Walk-Hypothese zutreffend ist oder nicht, wird in unzähligen theoretischen und empirischen Abhandlungen bis heute erörtert. Eine eindeutig beweisende Aussage daraus ist jedoch - entgegen mancher gegenteiliger Behauptungen - nicht zu gewinnen.

– Siehe Analyse, technische, Charts, Erwartungen, Histogramm, Kartierung, Siderismus, Strichdiagramm, Techniker.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Randomisierung (randomisation):

1 In der Statistik die Zuordnung der Elemente einer Stichprobe zu verschiedenen (Versuchs)Gruppen gemäss zufälliger Auswahl (nach dem Münzwurf-Prinzip; principle of coin toss).

2 In der Geldpolitik mathematisches Verfahren mit dem Ziel, eine Wirkung - etwa einen Anstieg der Zinsen - aus einer bezüglichen Massnahme der Zentralbank zu erklären, und damit andere Einflussgrössen auszuschliessen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rangfolge-Theorie (pecking order theory):

Erfahrungsgemäss wählen gewinnträchtige Unternehmen bevorzugt die Selbstfinanzierung (profitable companies prioritise their sources of financing from internal financing). Auf diese Weise kann sich die Unternehmensleitung am ehesten der Kontrolle von Banken als Kapitalgeber, von neuen Aktionären oder Gesellschaftern, aber auch der Wachsamkeit der Konkurrenten sowie unerwünschter Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit (Wirtschaftspresse; Politiker) entziehen. Es müssen so keine Angaben über allfällige Investitionen bzw. über die geplanten Geschäftsziele preisgegeben werden. - Dass diese Annahme der Wirklichkeit entspricht, erhellt sich daraus, dass erfolgreiche Unternehmen eine branchendurchschnittlich niedrige Verschuldungsquote (low debt to equity ratio compared to the sector average) aufweisen.

– Siehe Abschottung, Eigenkapital, Gesamtkapitalkostensatz, Hebel(wirkung), Immunisierung, Kapital, internes, Leverage, Mezzanin-Kapital, Nachrangdarlehn, Nullausschüttung, Rate der Kreditkunden.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ranking (so auch im Deutschen; seltener Plazierung):

Eine Rangliste und im Besonderen auf dem Finanzmarkt die (by whom and how; von wem und wie vorgenommene?) Einstufung (position on a scale in relation to others) von Instituten. Weil aber oft völlig unterschiedliche Bezugsgrössen, wie beispielsweise Marktanteil (in which sector of business; in welchem Geschäftsbereich?), Anzahl der Filialen, Bilanzsumme oder Beliebtheitsgrad bei den Kunden zugrunde gelegt werden, so sind veröffentlichte Klassifizierungen immer mit gehörigem Misstrauen (strong distrust) zu betrachten. - Ranking ist nicht mit Rating als der sachgemässen Bonitätsbeurteilung gleichzusetzen, wiewohl dies sehr häufig geschieht.

– Siehe Primahaus.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ranzion auch Ranzionierung (ransom):

In älteren Dokumenten

1. allgemein eine Zahlung zum Zurückkauf einer Sache oder

2. zum Loskauf (Auslösung, Befreiung; release) im Sinne eines Freikaufgeldes und Loskaufgeldes.

– Bei kriegführenden Mächten (belligerent nations) galten teilweise Ranzions-Übereinkommen (ransom agreements), in denen genau festgeschrieben war, welche Summe für den Freikauf eines Kriegsgefangenen zu bezahlen war. Die Zahlung war grundsätzlich nach dem militairischen Rang (rank) des Gefangenen (prisoner of war) gestaffelt (graded, differentiated). Erst um 1800 bildete sich in Europa statt der Ranzion der Gefangenen-Austausch (exchange of prisoners) Mann gegen Mann (man by man) heraus, freilich auch hier nach Dienstgraden.

– Siehe Abgaben, Abzugsgeld, Allodgeld, Angariegeld, Anzugsgeld, Brandschatzgeld, Dänengeld, Defensionergeld, Fersengeld, Frongeld, Fudelgeld, Hussengeld, Manubien, Satisfaktionsgeld, Schatzung, Superindukt, Tribut.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rapiat (cash journal):

In älteren Dokumenten ein Kassenbuch (Rechnungsbuch; account book), in das die Einnahmen und Ausgaben eingetragen wurden.

– Siehe Geheimbuch, Kladde, Memorial, Strazze.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Raroc (so auch im Deutschen gesagt):

Kurzbezeichnung für Kredite an Unternehmen, bei denen die Bank im Besonderen das Risiko in die Gewinnplanung einrechnet (vom Englischen Risk Adjusted Return On Capital). Mittelständische Unternehmen - in Deutschland immerhin 3,3 Millionen mit grob 21 Millionen Arbeitsplätzen - mit geringer Eigenkapital-Ausstattung haben demgemäss höhere Zinsen für Darlehn zu zahlen.

– Siehe Ausfallwahrscheinlichkeit, Bonitätsklasse, Konditionen-Spreizung, Kredit-Absorption, Kreditrisiko-Prämie, Mittelstandsbank, Negativauslese, Risikoignoranz, Zinsallokations-Funktion.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rasur (erasure):

In älteren Dokumenten gesagt für eine - in der Regel in betrügerischer Absicht vorgenommenen - Entfernung von Text und/oder Zahlen in einem Schriftstück allgemein und auf kaufmännischen Urkunden wie Schecks und Wechsel im Bsonderen.

– Siehe Überweisungsbetrug, Ziffernbetrug.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rata (rate):

In der älteren Finanzsprache der verhältnismässige Anteil einer Person, eines Unternehmens oder auch einer Gemeinde zur Aufbringung eines grösseren Betrags.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rate (instal[l]ment):

Zahlung eines Geldbetrags, in vertraglich festgelegter Höhe und an bestimmten Terminen (instalment schedule), entweder

1. im Voraus (praenumerando, etwa Bausparvertrag) oder

2. im nachhinein (postnumerando, etwa: Tilgung eines Darlehns).

– Siehe Abschlag, Endfälligkeit, Partikularzahlung, Ratenzahlung, Saldozahlung, Tilgung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rate der Kreditkunden (rate of borrowing customer):

1 Prozentuale Gliederung der Darlehensnehmer gesamthaft entweder bei einer einzelnen Bank oder bei den Kreditinstituten innert eines Landes.

2 Aufschlüsselung der Kredite an Unternehmen in der Regel nach der Betriebsgrösse, und hier dann gezählt nach der Anzahl der Beschäftigten. Diese Zahl wird von den meisten Zentralbanken beobachtet und von der EZB im Rahmen des Zwei-Säulen-Prinzips ausgewertet. Die Rate in diesem Sinne betrug 2004 in Deutschland [Grossbritannien/Schweiz] bei

1. Mikro-Unternehmen (mircoenterprises: 1 bis 9 Beschäftigte) 43 Prozent [55 Prozent/35 Prozent],

2. Kleinunternehmen (small firms: 10 bis 49 Beschäftigte) 37 Prozent [40 Prozent/47 Prozent]. Für die USA ist die Rate der Kreditkunden nicht bekannt.

– Die Behauptung, Banken hätten für die Unternehmensfinanzierung ein nur geringes Gewicht, lässt sich anhand dieser Daten nicht belegen.

– Siehe Bad Bank, Bonitätsklasse, Mittelstandsbank, Rangfolge-Theorie, Unternehmenskredite.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ratenanleihe (instal[l]ment bond):

Eine Schuldverschreibung, bei welcher die Tilgungszahlungen gleich bleiben, die Zinsbelastung jedoch fortdauernd sinkt. Dadurch mindern sich die jährlichen Belastungen für den Emittenten.

– Siehe Anleihe, Annuitätenanleihe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ratendarlehn (instal[l]ment loan):

Eine Ausleihung, bei welcher die Höhe der Rückzahlungen ständig abnimmt, weil der Zinsanteil bei gleichbleibender Tilgung immer kleiner wird.

– Siehe Annuitätendarlehn, Ballon-Kredit, Bullet Payment, Freijahre, Term Loan, Verwirkungsklausel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ratenzahlung (payment by instal[l]ments):

Tilgung einer Schuld auf dem Wege mehrerer, in der Regel in Bezug auf Betrag und Zeitpunkt vertraglich genau festgelegter Teilrückzahlungen. - Die Anzahl und die Höhe der Ratenzahlungs-Verträge (hire purchase agree¬ments) im Bereich der Privathaushalte werden von der Zentralbank beobachtet, weil sie Rückschlüsse auf die Erwartungen der Konsumenten auch hinsichtlich des Geldwertes einschliessen.

– Siehe Abzahlungsfrist, Darlehn, Einmalzahlungs-Engagement, Endfälligkeit, Höchstlaufzeiten, Königsberger System, Konsumentenkredit, Mindestraten, Mindesteinschuss-Sätze, Rate, Verwirkungsklausel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rating (rating):

1 Bankintern die Einstufung (grading: Benotung, Bewertung) von Schuldnern nach Bonitätsgraden (Kreditwürdigkeit [creditworthiness] und Kreditfähigkeit (borrowing capacity, credit standing]).

2 Die öffentliche Einstufung der Bonität einer Wirtschaftseinheit (economic entity: Staat, Unternehmen) durch unabhängige Agenturen. Ergebnis des Ratings sind Zensur-Skalen. Je schlechter die Note ausfällt, um so höher sind die vom Markt geforderten Zinssätze bei Emissionen der entsprechenden Wirtschaftseinheit. Schuldner ohne Rating werden von Investoren gemieden. - Vielfach werden Ratings im Sinne von 2 als Rendite-Prognosen ausgedeutet, was aber durchaus nicht richtig ist.

– Siehe Bonitätsanalyse, zentralbankliche, Bonitätsklasse, Credit Default Swap, Debitorenmanagement, Downrating, Entwicklungsverfahren, iteratives, Firmen-Kurzportrait, Internen Ratings Basierender Ansatz, Investment Grade, Kalibrierung, Kreditrisiko, Models Task Force, Plutoed, Profiling, Ranking, Rating-Agentur, Risikoprofil, Run Rate, Shadow Rating, Trennschärfe, Übermut.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2003, S. 45 ff., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2003, S. 61 ff. (Methodisches), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2004, S. 59 ff. (S. 70 Erklärung der Verfahren Diskriminanz-Analyse und Expertensystem beim Rating durch die Zentralbank), Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 65 (Code of Conduct, Fundamentals für Rating-Agenturen), Monatsbericht der EZB vom September 2005, S. 35 f. (Rendite-Abstände von Staatsanleihen aufgrund der unterschiedlichen Bonitätseinstufung), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2009, S. 65 (Methodik von Ratingmodellen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rating, externes (external rating):

Vorschrift einer Aufsichtsbehörde, wodurch Banken verpflichtet werden, die Schuldnerbonität (borrowers' creditworthiness, credit ranking of the debtors) durch eine unabhängige Rating-Agentur - also nicht bankintern - einschätzen zu lassen. Hierbei entsteht die Notwendigkeit, auch die Rating-Agenturen einer internationalen Aufsicht zu unterstellen. Denn dass praktisch drei Firmen und ihre paar Dutzend Analysten die Steuerung von Hunderten von Milliarden EUR übernehmen, wirft vielerlei Fragen auf.

– Siehe Bonitätsklasse, Mindestanforderungen an das Risikomanagement, Rating-Agentur, Risikomanagement.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2001, S. 21 (zu den fünf Kriterien, die eine Rating-Agentur erfüllen muss), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2009, S. 65 (Methodik von Ratingmodellen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rating, internes (internal rating):

1 Einwilligung einer Aufsichtsbehörde, bankeigene Risiko-Messmethoden anzuwenden. Nach Basel-II können entsprechende Verfahren anerkannt werden.

2 Andere Bezeichnung für das Shadow Rating.

– Siehe Bankkunden-Profil, Debitorenmanagement, Downrating, Enforcement, Mark-to-Model-Ansatz, Mindestanforderungen an das Risikomanagement, Models Task Force, Rating, externes, Risikomanagement.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2001, S. 23 ff., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2003, S. 61 ff. (Methoden), Monatsbericht der EZB vom Mai 2001, S. 66 und S. 77, Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 38 ff. (Umfrage-Ergebnisse), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2004, S. 78 ff. (gute Erklärung des IRB-Ansatzes; S. 79: Übersicht der bezüglichen Rating-Klassen), Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 97 ff. (dort auch zur Beurteilung einzelner Verfahren und Ergebnisse einer Umfrage) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2009, S. 65 (Methodik von Ratingmodellen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rating, politisches (political rating):

Der Vorschlag, private Rating-Agenturen beim Länder-Rating zu entmachten und zumindest für Europa der EZB zu übertragen. - Stark zu bezweifeln ist, ob dies der Offenlegung der Verhältnisse bei den Staatsfinanzen (budgetären Transparenz; budgetary transparency) dienen würde. Denn im Rat der EZB sitzen die Zentralbankpräsidenten von Staaten, die zumeist auch, teilweise sogar erhebliche Budget Probleme (imbalanced budgets) haben. Entsprechend würden die Märkte einem solchen Bonitätsurteil kaum vertrauen. Überdies ist ja kein Anleger gezwungen, sich am Urteil der privatwirtschaftlich betriebenen Rating-Agenturen überhaupt und in Bezug auf Staatsanleihen im Besonderen auszurichten.

– Siehe Downrating, Spekulation, destruktive, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Südfront.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rating-Agentur auch Ratingagentur (rating agency, external credit assessment institution, ECAI):

Dienstleistungsunternehmen, das gewerbsmässig Wirtschaftseinheiten (economic entities: Staaten, Firmen, Fonds, einzelne Papiere) nach Bonitätsklassen bewertet (an organisation that evaluates the probability of default on debt securities traded in the market). Diese Bewertung wird im Wesentlichen mit Buchstaben ausgedrückt. AAA (Triple A) steht für höchste Bonität und nahezu kein Ausfallrisiko, C für schlechte Bonität und D praktisch für Zahlungsunfähigkeit. Ziffern werden teilweise als Zusatz verwendet. Diese Benotung ist entscheidend dafür, welche Konditionen die Banken bei Krediten an die jeweilige Firma gewährt. International sind die beiden Agenturen Standard & Poor's (S&P) sowie Moody's führend, an dritter Stelle steht Fitch. - Rating-Agenturen als unabhängige Informationsvermittler vermögen mit hohem Sachverstand die in der Regel nur sehr schwer zu durchschauende Vielschichtigkeit von Unternehmensdaten in einer jedermann sofort einsichtigen Note auszudrücken. Damit erhöhen sie die Effizienz der Finanzmärkte. Fehlerhafte Beurteilungen können auf der anderen Seite schwerwiegende Folgen für Anleger und gar für das die Finanzmarktstabilität nach sich ziehen. Dies zeigte sich bei den Verwerfungen auf dem Hypothekenmarkt der USA im Sommer 2007 (subprime crises; Subprime-Krise, die eine weltweite Finanzkrise einleitete). In diesem Zusammenhang wurde bezweifelt, ob überhaupt die Rating-Agentur die immer komplizierter werdenden Finanzinstrumente mit einem eindimensionalen Urteil - wie bei Anleihen sicher sinnvoll und überzeugend - beurteilen könne. - Grundsätzlich jedoch ist zu beachten: Noten der Rating-Agenturen sollten die eigene Risiko-Einschätzung der Investoren lediglich ergänzen. Ein Ersatz für eine breit angelegte eigene Risiko-Beurteilung können und dürfen sie nicht sein. Auch sollte bedacht werden, dass die Ratings der Agenturen angesichts ihrer grundsätzlichen Ausrichtung auf langfristige (noncurrent), grundlegende Grössen eine kurzfristig auftretende, marktgetriebene Abwärtsbewegung kaum erfassen können. - Fest steht, dass Rating-Agenturen die Prozyklizität in der Vergangenheit verstärkt haben. Vor der Subprime-Krise wurden offensichtlich zu günstige Einstufungen vorgenommen. Im Zuge der Krise wurde dies dann plötzlich berichtigt (corrected abruptly), was viele Anleger zu Panikverkäufen veranlasste. - Die Erfahrung der letzten Jahre hat auch gezeigt, dass die Prämien bei Credit Default Swaps (CDSs) Rating-Einschätzungen der Agenturen vorwegnehmen. - Die Herabstufung der Bonität von Staatsanleihen einiger Mitglieder des Eurogebiets durch die Rating-Agenturen im Sommer 2011 wurde von vielen Politikern lautstark gerügt. Jedoch hat sich gezeigt, dass die Benotung durchaus angemessen war; und die Schelte man eher auf die teilweise verhängnisvolle Finanzpolitik der herabgestuften Länder richten sollte, anstatt auf die Rating-Agenturen, welche die für die EWU gefahrbringenden Umstände anprangern.

– Siehe Bonitätsnote, Downrating, Firmen-Kurzportrait, Portfolio-Versicherung, Produktregistrierung, Rating Service Unit, Rating-Stufungen, Rating-Agentur, gesetzliche Vorgaben, Shadow Rating, Triple A, Untergewicht.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 35 f. (aufsichtsrechtliche Verhaltensregeln für Rating-Agenturen), Monatsbericht der EZB vom Mai 2005, S. 102 (EU-Initiativen), S. 105 (Code of Conduct Fundamentals für Rating-Agenturen, von der IOSCO erarbeitet), Jahresbericht 2004 der BaFin, S 12 (Verhaltenskodex für Rating-Agenturen), S. 66 (Rolle der Rating-Agenturen im Kapitalmarkt), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 46 f. (Registrierung, Transparenz), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 79 (Voraussetzungen der aufsichtsrechtlichen Anerkennung einer Agentur), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 39 f. (aufsichtsrechtliche Beurteilung), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 59 f. (internationale Bemühungen um Überwachung der Rating-Agenturen), Monatsbericht der EZB vom Mai 2009, S. 115 (Grundsatzfragen; Beurteilung verschiedener Vorschläge; Literaturhinweise), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 45 f. (Bemühungen zur Aufsicht über die Rating-Agenturen; EU-Verordnung bringt Registrierungspflicht bis September 2010), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 57 ff. (Näheres zur Registrierungspflicht; Rotationsprinzip: eine Rating-Agentur darf nur für einen begrenzten Zeitraum Ratings für ein und dasselbe Unternehmen erstellen; Rating-Agenturen aus Drittländern; Zuständigkeiten der Aufsicht), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 68 f. (Umsetzung der Aufsicht über die Agenturen; Überarbeitung der Rating-Verordnung), S. 187 (nähere Erläuterungen in Bezug auf das Ausführungsgesetz zur EU-Ratingverordnung), S. 212 f. (laufende Aufsicht; Verhaltens- und Organisationsregeln) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Internationales" und Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft", Finanzstabilitätsbericht 2010, S. 119 (Ratingurteile der Agenturen weisen im Vergleich zu marktbezogenen Kennzahlen eine höhere Stabilität auf und wirken damit weniger prozyklisch). Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 85 f. (Aufsicht über die Agenturen), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 68 f. (weitere regulatorische Bemühungen; neue Verordnung), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 34 (Beaufsichtigung und Prüfung durch die BaFin) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Internationales".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rating-Agentur, europäische (European rating agency):

Nach der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise aufgetretene Forderung, sich von den weltweit tätigen amerikanischen Rating-Agenturen (Standard & Poor's, Moody's, Fitch: diese befindet sich mehrheitlich in französischem Besitz) unabhängig zu machen und eine eigene Agentur, zunächst vielleicht nur für das Eurogebiet, zu schaffen. Entsprechende Schritte wurden mit der Gründung der Rating Service Unit eingeleitet. - Solchem Vorhaben steht jedoch entgegen, dass

1. die Markteintrittskosten (cost of market entrance) für eine solche Agentur sehr hoch sind.

2. Auch ist überhaupt nicht sicher, dass eine europäische Rating-Agentur ihre Aufgaben besser erfüllen würde als die bisher tätigen Agenturen, die nebenbei auch untereinander in starkem Wettbewerb stehen.

3. Weiterhin besteht die Gefahr, dass eine solche europäische Rating-Agentur stark unter den Druck der Politik geriete und in ihren Urteilen nicht nach unstreitiger Sachlage entscheiden bzw. die entsprechenden Bewertungen nicht frei veröffentlichen könnte.

4. Schliesslich (last not least) ist überhaupt nicht einzusehen, warum man auf schlechte Ratings der Agenturen mit Verärgerung und Gründung einer eigenen Agentur antworten solle. Vielmehr gilt es dafür zu sorgen, dass die von den internationalen Rating-Agenturen offengelegten Mängel beseitigt werden.

– Die von europäischen Politikern nicht nur der Südfront vorgetragene Dauerschelte der Rating-Agenturen erinnert an die Verteufelung des Fieberthermometers (clinical thermometer) anstatt das Fieber zu verwünschen.

– Siehe Rating-Agentur, gesetzliche Vorgaben.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rating-Agentur, gesetzliche Vorgaben (statutory standards for rating agencies):

In der EU tätige Rating-Agenturen müssen gemäss der Verordnung der EU zur Regulierung von Rating-Agenturen, in Kraft getreten am 7. Dezember 2009,

1. einer Registrierungspflicht und der Überwachung durch die Aufsichtsbehörde des Heimatlandes unterworfen werden;

2. dürfen keine gleichzeitige Beratungs- und Ratingtätigkeit für ein Unternehmen erbringen; damit soll vor allem einem allfälligen Interessenskonflikt zwischen Bonitätsbewertung und Beratung bei strukturierten Finanzprodukten vorgebeugt werden;

3. müssen das Zustandekommen ihrer Ratings für jedermann verständlich offenlegen;

4. sind angehalten, die Gültigkeit der Urteile von Grund auf fortlaufend überprüfen;

5. haben für strukturierte Finanzprodukte und für Verbriefungspapiere eine eigens auf solche Titel zugeschnittene Masseinteilung beim Rating anzuwenden und

6. sind verpflichtet, eine ausreichende Anzahl sachkundiger Mitarbeiter beschäftigen, die

7. zudem in angemessenen Zeitabständen mit neuen Aufgaben zu betrauen sind, um einer Betriebsblindheit vorzubeugen; eine Rating-Agentur darf nur für einen begrenzten Zeitraum Ratings für ein und dasselbe Unternehmen erstellen.

– Ein solcher Rechtsrahmen für die Rating-Agenturen wurde für notwendig gehalten, weil man den Agenturen eine Mitschuld für das Entstehen der Subprime-Krise zuschreibt, die sich im Herbst 2008 zu einer weltweiten Finanzkrise verstärkte. - Auf der anderen Seite wird befürchtet, dass das Zulassungs- und Beaufsichtigungsverfahren für Rating-Agenturen dazu führen könnte, dass deren Rolle als allwissende Beurteilungsinstanz (omniscient appraisal authority) gestärkt wird, was unter anderem wiederum die gebotene Wachsamkeit der Anleger mindert.

– Siehe Rating-Agentur.

– Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 57 ff. (wesentlicher Inhalt der EU-Verordnung; Guidelines zu einzelnen Punkten der Regulierungsverordnung), S. 121 (Bussgeldkatalog in Hinblick auf Rating-Agenturen), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 138 (Näheres zur Verordnung über Rating-Agenturen in Bezug auf Versicherungsunternehmen) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rating-Anpassung (rating adjustment):

Der im Auftrag einer Zweckgesellschaft handelnde Arrangeur

1. entpackt zunächst den ihm vom Originator übergebenen Pool (pool; Korb von Einzelrisiken) von Asset-Backed Securities.

2. Mit Hilfe der Fachleute einer Rating-Agentur werden die Risiken dann entsprechend durchmischt und neu zu Tranchen verpackt,

3. denen die beteiligte Rating-Agentur jetzt bereits im Voraus ein auf den jeweiligen Risikogehalt abgestimmtes Rating mitgeben kann.

4. Mit dieser Bewertung im Rücken vermag der Arrangeur nun auf Roadshow zu gehen.

– Die Anpassung der einzelnen Verbriefungspapiere an das erstrebte Rating bzw. die Mitwirkung der Rating-Agenturen bei der Zusammenstellung der Tranchen wurde vielfach beanstandet. Soweit es jedoch hierbei um eine gewissenhafte Prüfung der Risiken geht, ist dagegen kaum etwas einzuwenden. Zudem ist niemand gezwungen, sich auf das Rating-Urteil einer Agentur zu verlassen.

– Siehe Arrangeur, Entwicklungsverfahren, iteratives, Rating-Agentur, gesetzliche Vorgaben, Rating-Offenlegung, Rating-Stufungen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rating-Migration (rating migration):

Um 2008 aufgekommene Bezeichnung für die plötzliche starke Herabstufung

1. ganzer Gattungen von Wertpapieren, vor allem strukturierter Finanzprodukte; manchmal sprach man hier auch von einer Achterbahnfahrt (roller coaster ride) sowie auch

2. der Bonitätsnoten von Unternehmen bzw. Emittenten.

– Dabei ist zu beachten, dass Ratings gemäss den Richtlinien des Basler Ausschuss für Bankenaufsicht als Ausgangslage zur Bestimmung des nötigen Eigenkapitals dienen. Eine Veränderung der Einstufung eines Papiers um eine Stufe kann für eine Bank bereits die Vervierfachung der Kapitalanforderungen zur Folge haben.

– Siehe Bonität, Downrating, Insolvenzfälle, Plutoed, Produktregistrierung, Rating-Agentur, gesetzliche Vorgaben, Rating-Schritte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rating-Offenlegung (rating mandatory disclosure):

Die im Besonderen nach der Subprime-Krise verstärkt vorgetragene Forderung, dass Rating-Agenturen ihre Bewertungsmodelle durch Gesetz oder Verordnung der Aufsichtsbehörde bis ins Einzelne offenlegen müssen. - Dies würde jedoch dazu führen, dass

1. die Rating-Agenturen nur noch solche Informationen verwenden, die öffentlich zugänglich sind; private, vertrauliche Auskünfte - nicht zuletzt auch von Informanden aus dem jeweiligen Unternehmen - könnten in das Urteil nicht mehr einfliessen; das Rating würde daher im Ergebnis schlechter;

2. beurteilte Unternehmen ihre Daten so gestalten und gliedern, dass sie bessere Noten (notches) bekämen; und

3. auch neue Finanzprodukte würde in das Raster der Rating-Agentur von vornherein eingepasst (adjusted in advance; "hinneindesignet" im Jargon), weil man die Bewertungsmasstäbe ja kennt: genau das jedoch hat - wie sich gelegentlich der Subprime-Krise gezeigt hat - letztlich wertlose Verbriefungspapiere hervorgebracht.

– Siehe Rating-Agentur, gesetzliche Vorgaben, Rating-Anpassung, Whistleblower.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rating-Schritte (rating steps):

Im Anschluss an Basel-II werden vier Einzelmassnahmen der Bank im Zuge des Ratings genannt, nämlich

1. Identifikation: das Einordnen des Kunden in eine Ratingklasse,

2. Messung: jeder Ratingklasse wird eine Ausfallwahrscheinlichkeit zugeordnet,

3. Kalkulation: die Ausfallwahrscheinlichkeit muss zu einen risikogerechten Zinssatz verrechnet werden (risk adjusted pricing),

4. die gewonnen Werte bilden schliesslich die Grundlage für die Steuerung des Kreditportfolios bzw. für das Portfoliomanagement.

– Siehe Kapitaladäquanz-Richtlinie, Mark-to-Model-Ansatz, Risiko, operationelles.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2009, S. 65 (Methodik von Ratingmodellen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rating Service Unit, RSU (so auch im Deutschen gesagt):

Von deutschen Banken gegründete Einrichtung mit dem Ziel,

1. die jeweiligen internen Bonitätsnoten-Systeme anzugleichen,

2. diese an den Anforderungen von Basel-II auszurichten und

3. langfristig sich neben den grossen internationalen Rating-Agenturen (Standard & Poor's, Moody's, Fitch) durchzusetzen.

– Siehe Rating-Agentur, europäische.

– Vgl. zu den Verhaltensregeln Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 35 f. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rating-Stabilität (rating stability):

Bezeichnung für die Prognosegüte beim Rating. - Eine hohe Stabilität wird dadurch erreicht, dass

1. die Ursache-Wirkungs-Beziehung zwischen den einzelnen Risikofaktoren und der Bonität genau erkannt und

2. unter Beachtung der zugrunde liegenden Zeiträume fachgerecht aufeinander bezogen wird.

– Siehe Kalibrierung, Rating-Agentur, Trennschärfe.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2003, S. 63 ff. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rating-Stufungen (notches):

Änderungen in der Bewertung von Finanzprodukten durch Rating-Agenturen. - Die Erfahrung in der Vergangenheit hat gezeigt, dass die Bewertung von Derivaten beständiger ist als Ratings für Unternehmensanleihen. Allerdings ist bei strukturierten Finanzprodukten die Herabstufung um gleich mehrere Stufen wahrscheinlicher.

– Siehe Bonitätsnote, Downrating, Entwicklungsverfahren, iteratives, Portfolio-Versicherung, Produktregistrierung, Rating Service Unit, Rating-Agentur, gesetzliche Vorgaben, Rating-Anpassung, Rating-Migration, Rating-Offenlegung, Shadow Rating, Sicherheiten, Untergewicht.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rationalisierung (rationalisation):

In Bezug auf Anleger in dem aus der Psychologie kommenden Begriffsinhalt gebraucht, nämlich dass ein rein gefühlsmässig handelnder Investor nach dem Kauf eines Vermögenswertes sachliche Gründe in Bezug auf seine Entscheidung für sich selbst und auch anderen gegenüber vorbringt (a defense mechanism whereby an emotionally acting investor protects himself by creating self-justifying rational explanations for his investment decision).

– Siehe Blase, spekulative, Börsenfieber, Dotcom-Blase, Glücksspieleffekt, Hindsight, Immobilienblase, Kurzsichtigkeit, Martin-Prinzip, Milchmädchen-Hausse, Mississippi-Taumel, Noise Traders, Panikverkäufe, Trittbrettfahrer, Tulpencrash, Überschwang, unvernünftiger.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rattengeld (rat control fee):

1 Anteil, den früher Privathaushalte in grösseren Städten zu den Kosten der Rattenbekämpfung (rat control) und der Vertilgung von schädlichen Nagetieren (nocent gnawers) überhaupt zu leisten hatten.

2 In der Jugendsprache heute auch oft gesagt für einen sehr hohen Betrag, eine Unsumme.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rauhgewicht (full weight):

Bei Münzen aus Edelmetall die Schwere der ganzen Münze; im Gegensatz zum Feingewicht (fineness), das nur den Anteil des Edelmetalls (Korn) bezeichnet.

– Siehe Geld, böses, Geld, schweres, Münzen-Paradoxon, Wardein.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Räumegeld (discharge payment, unloading charges):

Früher die Zahlung, um den Ablad (= das Löschen, das Ausladen; unloading, unshipping) eines Schiffes zu erreichen. - Bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jht. hinein geschah dies durch Sackträger (back carriers), die in vielen Häfen zunftähnlich organisiert waren. Die ab etwa 1970 eingetretene Umstellung auf Seefracht-Container (metallene Grossraumbehälter; freight containers), durch welche das Verladen, Befördern, Lagern und Entladen von Gütern vereinfacht und beschleunigt wurde, liess diesen traditionsreichen Berufszweig aussterben.

– Siehe Ankergeld, Auseisunggeld, Hafengeld, Kaigeld, Kapplaken, Krangeld, Ladegeld, Lastgeld, Liegegeld, Leuchtturmgeld, Lotsengeld, Mützengeld, Sperrfrachtgeld, Staugeld, Tonnengeld, Wägegeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rauschgold auch Schlaggold und Flittergold (tinsel, gold foil, Dutch metal):

Sehr dünne Folie aus Messing (brass: any of various metal alloys consisting mainly of copper and zinc), die durch entsprechende Bearbeitung dem Blattgold (beatgold, gold foil)) täuschend ähnlich sieht und früher - auch in betrügerischer Absicht (with fraudulent intent) - nicht selten als Ersatz beim Vergolden (gold plating) verwendet wurde.

– Siehe Edelkupfer, Edelmetalle, Münzgold, Zwischgold.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Reaktion, technische (technical reaction):

1 Allgemein die Stockung innert einer längeren Phase gleichgerichteter Marktentwicklung.

2 Im Besondern: Kursrückschlag an der Börse nach einer längeren Hausse.

– Siehe Baisse, Rally.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Realeinkommen (real income):

Das um die Inflationsrate bereinigte Einkommen (deflating any income flow by a price index in order to measure the purchasing power of the item in question).

– Siehe Lohn-Preis-Spirale, Umverteilung, zentralbankbewirkte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Real Estate Investment Trust, REIT (so oft auch im Deutschen gesagt; meistens in der Abkürzung und dann in der Regel "Reit" [also nicht in Grossbuchstaben] geschrieben; in der deutschen Rechtssprache: Immobilien-Aktiengesellschaft mit börsennotierten Anteilen):

Eine

1. an der Börse zugelassene Aktiengesellschaft (as a rule; Regelfall; andere Rechtsformen sind möglich),

2. die Kapital in Gebäude und Grundstücke sowie auch in grundstückbesicherte Papiere anlegt,

3. diese bewirtschaftet und

4. über Mieteinnahmen und Wertsteigerungen eine Rendite zu erzielen sucht (company which is formed to pool funds from a large number of investors in order to acquire a significant portfolio of real estate properties and/or interest in mortgage-backed securities/loans).

– Der Wert der Reits-Aktien wird über Angebot und Nachfrage an der Börse ermittelt. Deshalb unterschieden sie sich klar von den - besonders in Deutschland verbreiteten - offenen Immobilienfonds, deren Anteilspreis vor allem auf Wertgutachten über den Marktpreis der zugrunde liegenden Liegenschaften beruht. - Reits "leiden" nicht unter dem Verkauf ihrer Anteile (shares; Aktien), da diese nicht an den Reit zurückfliessen, sondern an der Börse einen neuen Käufer finden. Der Reit kann daher gänzlich unbeeinflusst von Verkäufen seinen Geschäften nachgehen. Hinzu kommt, dass Reits den Anlegern in der Regel eine höhere Sicherheit als die üblichen offenen Immobilienfonds bieten. Denn Reits und deren Immobilienbesitz werden laufend am Markt neu bewertet, während sich bei offenen Immobilienfonds versteckte Überbewertungen (overvaluations) durch die Jahre hindurch auftürmen können, wie die Erfahrung lehrte. - In vielen Ländern halfen Reits der öffentlichen Hand, ihren Immobilienbesitz loszuwerden. Auf die Gewinne aus den Verkäufen an einen Reit wurde dabei als Anreiz ein ermässigter Steuersatz erhoben (exit tax). - In Deutschland wurden Reits teilweise regelrecht verteufelt (demonised) und ihnen pauschal vorgeworfen, sie würden Mietwucher (exorbitant rents) fördern. Soweit es durch Reits jedoch zu marktgerechten Mieten in bisherigen "Sozial-Wohnungen" gekommen wäre, ist die Unterstützung armer Privathaushalte allemal zielgenauer als Wohnungsmieten weit unter dem Kostenpreis. So aber wurde nun im deutschen Reit-Gesetz vom Mai 2007 festgelegt, dass in Reits keine Wohnimmobilien eingebracht werden dürfen, die vor dem Jahresbeginn 2007 fertiggestellt wurden.

– Siehe Betongold, Bodenkreditinstitut, Exchange Traded Funds, Fonds, geschlossener, Immobilienfonds, Immobilienfonds, offener, Immobilienpreise, Verfassungsartikel eins.

– Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 148 f. (REITs im Sog von illiquiden offenen Immobilienfonds), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 146 f. (neue rechtliche Grundlage durch das Gesetz über deutsche Immobilien-Aktiengesellschaften mit börsennotierten Anteilen (REIT-Gesetz - REITG) vom 28. Mai 2007), S. 151 (Anforderungen an Prospekt), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 80 f. (Versicherer können in REITs investieren), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 49 (IOSCO veröffentlicht Bericht über aufsichtliche Bestimmungen von Immobilienfonds und REITs in verschiedenen Staaten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Realgeld (coined money, hard money):

In älteren Dokumenten meint man damit Münzen aus Silber oder Gold; im Unterschied zu

1. Geldscheinen (currency made of metal, as opposed to paper currency) oder

2. Urkunden wie einen Scheck oder Wechsel.

– Siehe Geld, Spores Raffel, Zahlungsmittel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Realignment (so auch im Deutschen gesagt: seltener Wechselkurs-Neufestsetzung):

Veränderung der Leitparität einer Währung, die an einem Wechselkurssystem mit festen, aber anpassbaren Wechselkurverhältnissen teilnimmt. - Im WKM II bedeutet Realignment eine Veränderung des Euro-Leitkurses.

– Siehe Parität.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Realisierbarkeit (viability):

Die Möglichkeit, ein Gut auf dem Markt anzubieten und möglichst einen Gewinn zu erzielen (the ability of product or service to enter in market and probably to make a profit).

– Siehe Erreichbar.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Realisierung und Realisation (realisation):

Vor allem in der älteren Finanzsprache gesagt für Geld, das man für eine offene Forderungen - bzw. für Ansprüche überhaupt - erhält.

– Siehe Abmachung, Erfüllung, Flüssigmachung, Glattstellung, Zahlung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Realitäten (land):

In der älteren Literatur als reiner Mehrzahlbegriff (PLURALE TANTUM; plural-only noun) häufig gesagt für Grundstücke, für Grundeigentum, besonders in Hinblick auf den Kauf, Verkauf, die Beleihung und die Besteuerung (any ground, soil, or earth whatsoever regarded as the subject of ownership).

– Siehe Baulandvermögen, Hypothekengewinnabgabe, Terrain-Aktien.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Realkassen-Effekt (basis money effect; negative output effect):

1 Mehr Bargeld in den Händen der Privathaushalte kann bewirken, dass diese sich vermögender wähnen und deshalb entsprechend mehr nachfragen.

2 Durch den globalen Wettbewerb können Unternehmen gestiegene Preise für Rohstoffe kaum mehr auf die Absatzpreise überwälzen, aber auch keine höheren Löhne zahlen. Die Preissteigerungen - vor allem bei Energie - mindern so die realen Einkommen und Gewinne. Auf diese Weise eingetretene Verluste im Output und in der Beschäftigung treffen einzelne Volkswirtschaften unterschiedlich.

– Siehe Balassa-Samuelson-Effekt, Globalisierung, inflationsmindernde, Erdölpreis, Inflations-Ausgleich, Kaufkraft-Ausgleich, Lohn-Preis-Spirale, Produktionspotential, Wettbewerbsfähigkeit, Zweitrunden-Effekte.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2005, S. 21 f. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Realkapital (real capital):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter das volkswirtschaftliche Anlagevermögen, den Kapitalstock (the physical assets in a national economy used to produce goods).

– Siehe Investition, Sachkapital, Vermögen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Realkredit (real-estate credit, loan based on real estate, secured credit):

Darlehn, besichert durch hypothekarische Belastung von Immobilien. Je nach Bonität der Kreditnehmer unterscheidet man grob

1. erstklassige (prime) Hypothekarkredite; dies sind in der Regel durch Grundstücke im Eigentum von Unternehmen gesicherte Darlehn, und

2. zweitklassige (sub-prime) Realkredite; dies sind Baukredite an finanzschwache Schuldner, vor allem an Privathaushalte ("Häuslebauer", home-builder).

– Zur Verbriefung eigenen sich seit der weltweiten Krise auf dem Realkreditmarkt im Sommer 2007 praktisch nur noch hochbonitäre Realkredite.

– Siehe Amortisation, negative, Beleihungswert, Erstraten-Verzugsklausel, Home Mortgage Disclosure Act, Immobilienpreise, Kreditvergabe-Grund¬regel, Langfristkultur, Mobiliarkredit, Mortgage Equity Withdrawal, Panikverkäufe, Pfandbriefanstalten, Produktivkredit, Stadtschaften, Subprime Lending, Subprime-Krise, Taxe, Wohneigentum.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2009 (rechtliche Unterschiede zwischen den Hypothekenmärkten im Eurogebiet und den USA).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Realkredit, gewerblicher hochvolatiler (high volatile commercial real-estate credit, HVCRE):

Von den Aufsichtsbehörden besonders ins Auge gefasste Darlehn. Diese dienen der Finanzierung von Immobilien, die eine vergleichsweise hohe Volatilität der Verlustrate aufweisen. Hierzu zählen insbesondere

1. Kredite zur Bezahlung des Aufwands während der Grunderwerbs-, Erschliessungs- und Bebauungsphase sowie

2. Darlehn zum Zwecke der Kaufpreisfinanzierung bzw. zur Finanzierung von Erschliessungs- und Bebauungsmassnahmen jedwelchen Grundbesitzes, bei denen die Quelle zur Rückzahlung zum Zeitpunkt der Kreditgewährung entweder der zukünftige unsichere Verkauf des Objekts oder künftige Zahlungen sind, die aus unsicheren Quellen stammen - etwa weil das Objekt noch nicht zu einem in dem jeweiligen regionalen Markt für den betreffenden Immobilientyp üblichen Preis vermietet werden konnte -; es sei denn, der Kreditnehmer verfügt über entsprechend bemessenes Eigenkapital.

– Siehe Realkredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Reallast (land charge; real estate tax):

1 Das Recht, aus einem Grundstück wiederkehrende Leistungen zu verlangen, § 1105 BGB.

2 In älteren Dokumenten auch gesagt für die Grundsteuer: die Abgabe auf das Eigentum an einem Grundstück (property).

– Siehe Immobilien.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Realsicherheit (real estate collateral; real backing):

1 Allgemein die Übertragung einer Immobilie zur Besicherung eines Darlehns.

2 Von einem Anleihegläubiger verlangtes Faustpfand, wenn dem Emittenten einer Anleihe nicht genügend Vertrauen entgegengebracht wird. In Zusammenhang mit der Dawes-Anleihe 1924 mussten so von Deutschland die Reichseisenbahn, die Zolleinnahmen und Verbrauchssteuern verpfändet werden.

– Siehe Besicherungsrisiko, Developer, Immobilien-Sicherheiten, Londoner Schuldenkonferenz, Pfand, Realkredit,. Rhein-Ruhr-Abgabe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Realzins-Argument (real interest rate reproach):

Die Feststellung, dass im Euroraum bei gleichem nominalen Zinssatz und unterdurchschnittlicher Inflationsrate in einem Mitgliedsland - wie etwa Deutschland - der Realzinssatz für dieses Mitglied überdurchschnittlich und daher wachstumshemmend sei. - Dieser Nachteil wird jedoch dadurch ausgeglichen, dass

1. durch die niedrigere Inflationsrate eine Verbesserung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den anderen Teilnehmerstaaten entsteht und

2. somit ein (wahrscheinlich die Realzinserhöhung mehr als aufwiegender; probably over-compensating) realer Wachstumseffekt entspringt.

– Siehe Abwertung, fiskalische, Inflationsdifferenzen, Wachstum, Wechselkurs-Effekt, realer.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2008, S. 38 f. (Veränderung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit innert der EWU-Staaten seit 1999).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Realzinssatz (real interest rate):

1 Ein um das Mass der

1. tatsächlich gemessenen, realisierten Inflationsrate oder der erwarteten Inflationsrate berichtigter nominaler Zinssatz (the inflation-adjusted return on invested funds). In die Kalkulationsgrundlage langfristiger Investitions- und Konsumentscheidungen geht der erwartete Realzinssatz ein, auch EX-ANTE-Realzinssatz genannt.

– Ist die Inflationsrate höher als der Zinssatz, so spricht man oft von einem negativen Realzinssatz.

2 Bei Auslandsanlagen manchmal auch der nominale Zinssatz unter Berücksichtigung der Kurssicherungskosten (hedging costs; Swapsatz).

– Siehe Eigenkapitalkosten, Fisher-Parität, Inflationsdifferenzen, Realzinsargument, Zinssatz, realer.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2001, S. 33 ff., Monatsbericht der EZB vom Juli 2005, S. 32 ff. (Messung der erwarteten Veränderungen auch der realen Terminzinsen; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2008, S. 38 (unterschiedliche Realzinssätze in der Europäischen Währungsunion), Monatsbericht der EZB vom Juli 2014, S. 33 ff. (Realzins in der EWU in Abhängigkeit von verschiedenen Grössen; Einfluss der Bevölkerungsalterung und veränderter Grundsätze zur Rechnungslegung; vergleichende Übersichten; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rebbes auch Rebbach, Reiwach und Reibbach (profit; killing):

In der älteren Finanzsprache häufig benutzter Ausdruck in der Bedeutung

1 durch günstige, gleichwohl aber rechtlich statthafte Gelegenheit (legal opportunity)

1. ein schnelles, gewinnträchtiges Geschäft (lucrative fast deal) abzuschliessen,

2. rasch Reichtum anzuhäufen (obtain instant riches).

2 Gewinn, der

1. durch Übervorteilung (overreaching), Nepp (CH: Abriss; swindle, rip-off), Übertölpelung (taking-in) oder

2. Wucher erzielt wurde.

– Das Wort kommt aus dem Jiddischen, nicht - wie mitunter zu lesen ist - aus dem Lateinischen (raptus = der Raub).

– Siehe Agiotage, Dampfstube, Finanzgeier, Goldtäuschung, Gründungsschwindel, Insider-Überwachung, Jobberei, Kapitalmarkt, grauer, Kristallisation, Leerverkauf, Marktaktivität, vorgetäuschte, Misochrematie, Pairoff, Plusgeschäft, Plusmacherei, Offshore Finanzplätze, Racheengel, Rohstoff-Terminvertrag, Schmu, Schwindelbank, Spekulation, Stockjobber, Sündengeld, Übersatz, Underground Banking, Verzehnfacher, Vorteil, Wash Sales, Wucher, Wucher-Herausforderung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rechenknecht (table of reduction):

1 Früher zunächst handgeschriebene, später gedruckte Umrechnungstafeln für die Vielzahl an fremdem Geld - auch an Mass und Gewicht -, in der älteren Literatur auch Faullenzer (in this orthographical form; so geschrieben, also mit zwei Ell) und Münztarif genannt. - Ein eigenes dafür betrauter Angestellter hatte vor allem bei Banken in Küstenstädten und an grossen Marktplätzen die sich häufig verändernden Wertbeziehungen zwischen dem jeweiligen Geld (exchange rate; Wechselkurs) mit Hilfe solcher Tabellen mit manchmal bis zu vierzig Spalten und anhand der neuen Kurszettel zu berechnen.

2 Heute manchmal volkstümliche Bezeichnung für einen Computer (a device that accepts information in the form of digitalised data and handles it for some result based on a programme or sequence of instructions on how the data is to be processed).

– Siehe Kassenfuss, Münzcommis.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rechenschaftslegung (accountability):

Der vermittels des Rechnungswesens vorgetragene Nachweis, dass die Manager eines Instituts - und eines Unternehmens allgemein - die Belange der Firma und der Stakeholder bestens vertreten und die Entität dank ihrer Leistung zum Erfolg geführt haben (the process of satisfying stakeholders in a company and specifically in an institute that managers have acted in the best interests of the stakeholders, as a result of the stewardship function of managers, which takes place through accounting).

– Siehe Abschlussprüfungs-Richtlinie, Anderson-Skandal, Bilanzkosmetik, Bilanz-Skandal, Buchführung, manipulative, Enforcement, Rechnungslegung, waghalsige, Sarbanes-Oxley Act, Schlafgeld, Substance-over-Form-Grundsatz, Wirtschaftsprüfer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rechnung in älteren Dokumenten auch Reitung sowie Raitung und im kaufmännischen Verkehr auch Nota und Faktur(a) (account, bill; budget; commitment):

1 Ein oder mehrere Posten, die einem Schuldner gegenüber als Forderung geltend gemacht werden. Die Forderung beruht dabei im der Regel aus der Lieferung von Waren oder Dienstleistungen und ist in Geldeinheiten ausgedrückt. - Die Rechnung eines Arztes wird in Deutschland meistens Liquidation (doctor's bill) genannt.

2 In der Finanzwissenschaft die Gegenüberstellung von Einnahmen und Ausgaben einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft (statement of revenues and expenditures), die Staatsrechnung, das Budget, der Haushalt.

3 Anderer Ausdruck für die Haftung, für die Verantwortlichkeit und Übernahme des Risikos bei einem Geschäft, in der älteren Finanzsprache auch Obligo genannt. In diesem Sinne besonders bei den Redewendungen "auf eigene Rechnung" (on own account) und "auf fremde Rechnung" (on third-party account) im Finanzbereich und auch in der Gesetzessprache weithin üblich.

– Siehe Abschlag, Bankkonto, Defektur, Heilgeld, Skonto, Superrevision.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rechnung, laufende auch Kontokorrent (current account, outstanding account):

Eine Geschäftsverbindung, bei der wechselseitige Vorgänge in Kontenform gebucht werden; von Zeit zu Zeit findet dann ein Saldenausgleich statt; vgl. § 355 HGB.

– Siehe Aufrechnung, Kontokorrentkredit, Nota.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rechnungsablage (statement):

In der älteren Literatur

1 die mit Belegen beglaubigte Auflistung der Einnahmen und Ausgaben aus einem zur Verwaltung gegebenen Vermögenswert.

2 Der für einen bestimmten Zeitraum für den Kunden erstellte Kontenabschluss seitens einer Bank (a document showing credits and debits).

– Siehe Bilanz, Richtigbefinden.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rechnungs-Stapelung ([invoice] batching):

1 Allgemein das Anschwellen eingegangener unbezahlter Rechnungen.

2 Besonders in einem Unternehmen das Anhäufen erhaltener Fakturen, ehe diese beglichen werden (the gathering of invoices received prior to processing), weil

1. betriebsorganisatorisch Engpässe in den mit der Sichtung und Prüfung betrauten Arbeitsbereichen aufgetreten sind oder

2. die Konten der Entität leer und die Kreditlinien bereits ausgeschöpft sind; in dieser letzteren Bedeutung als Anzeichen einer bevorstehenden Insolvenz gedeutet.

– Siehe Arreragen, Banker-Stammtisch, Delinquent, Geldvergessliche, Säumnisquote, Verzug, Zahlungsausstand.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rechnungseinheit, europäische, ERE (European unit of account, EUA):

Verrechnungseinheit innert der Europäischen Zahlungsunion, praktisch der USD. - Soweit vor allem die Agrarpreise in ERE festgelegt waren, so wurden die Güterpreise durch Paritäts-Änderungen der Mitgliedsländer tiefgreifend beeinflusst. Denn bei einer Abwertung steigen diese Preise im abwertenden Land in nationaler Währung um den Abwertungssatz. Bei einer Aufwertung sinken diese Preise im aufwertenden Land in nationaler Währung um den Aufwertungssatz. - Im August 1969 wertete beispielsweise der FRF um 12,5 Prozent ab, im Oktober die DEM um 8,5 Prozent auf. Während jetzt die Franzosen mehr FRF für eine ERE bei Umrechnungen einsetzen konnten, so ermässigte sich der Aufwand in DEM für eine ERE von DEM 4,00 auf DEM 3,66. Damit führte die Aufwertung der DEM in der Bundesrepublik Deutschland zu einer Verminderung sämtlicher in ERE ausgedrückten Preise, Erstattungen und Prämien, während es in Frankreich zu entsprechenden Erhöhungen kam. Aus solchen Wettbewerbsverzerrungen im Agrarsektor entstand ein starker Druck, die Einführung einer gemeinsamen europäischen Währung voranzutreiben.

– Siehe Europäische Währungsunion.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rechnungshof in älteren Dokumenten auch Oberrechnungskammer (audit court, board of audit):

In der öffentlichen Verwaltung die oberste Behörde mit der hauptsächlichen Aufgabe,

1. sämtliche Rechnungen des Staates zu kontrollieren und

2. die Ausgaben mit den Ansätzen des Budgets zu vergleichen. In Deutschland besteht für den Bund der Bundesrechnungshof (federal audit court) mit Sitz in Bonn. Die Bundesländer haben jeweils einen Landesrechnungshof (court of audit of the federal state), und bei Städten und Kreisen sind Rechnungsprüfungsämter (audit offices) eingerichtet.

– Siehe Defektur, Europäischer Rechnungshof.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rechnungslegung, waghalsige (dodgy accounting):

Die Erstellung einer zwar formal richtigen Bilanz, in der jedoch ins Gewicht fallende Risiken unterbewertet sind. - Oft schon gaben Wirtschaftsprüfer ihr uneingeschränktes Testat für solche irreführende Bilanzen wie im Zuge des Enron-Konkurses 2001 und des WorldCom-Konkurses 2002. Dies kommt einen Betrug nahe und führt bei betroffenen Banken zu beträchtlichen Kreditausfällen. Auch Lieferanten und andere Gläubiger erlitten dadurch teilweise existenzbedrohende Verluste.

– Siehe Anderson-Skandal, Bilanzkosmetik, Bilanz-Skandal, Buchführung, manipulative, Enforcement, Intra Quarter Ballooning, Sarbanes-Oxley Act, Substance-over-Form-Grundsatz, Wirtschaftsprüfer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Recht, gesichertes (vested interest):

1 In Verträgen auf dem Finanzmarkt allgemein die Befugnis, einen Vermögensgegenstand zu einem späteren Zeitpunkt in Besitz und Eigentum überführen zu können (a fixed interest in an asset, although the right of possession, use and enjoyment may be deferred until some future date or until the happening of some specified event).

2 Bei einer Pensionskasse das Recht des Beschäftigten, nach einer festgelegten Zeit einen Anspruch aus den einbezahlten Beträgen des Arbeitgebers zu erwerben. Die selbst geleisteten Zahlungen eines Arbeitnehmers müssen nach der Pensionsfonds-Richtlinie der EU auf jeden Fall angerechnet werden (employees are always fully vested in their own contributions).

– Siehe Anwartschaftszeit, Pensionskasse.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rechtsangleichung (legal harmonisation, legislative alignment):

In Bezug auf den europäischen Finanzmarkt allgemein und auf den Euroraum im Besonderen die Bemühungen um eine gleiche Rechtsgrundlage (one level playing field) für alle Finanzdienstleister. Weil aber Finanzdienstleistungen rund um die Welt, rund um die Uhr gehandelt werden, bedarf es über die europäische Harmonisierung hinausgehende Regelungen, die jedoch zu erreichen überaus harzig ist.

– Siehe Financial Services Action Plan, Finanzmarktintegration, europäische, Goldplating, Lamfalussy-Vorschlag, Markets in Financial Instruments Directive.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rechtsausschuss (Legal Committee, LEGO):

Gremium des ESZB mit dem Ziel, dessen Rechtsakte vorzubereiten, zu koordinieren und zu begleiten.

– Vgl. Geschäftsbericht der Deutschen Bundesbank 200, S. 144.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rechtspersönlichkeit (legal entity):

Auf dem Finanzmarkt jede natürliche oder juristische Person, die eigenständig Träger von Rechten und Pflichten sein kann (any individual or legal person that has, in the eyes of the law, the capacity to make a contract or an agreement and the abilities to assume an obligation).

– Siehe Entität.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rechtsrisiken (legal risks):

Gefahr eines Verlustes aus verborgenen Rechtsfehlern sowie infolge aussergerichtlicher und gerichtlicher Auseinandersetzungen; sie gelten als Teil des operationellen Risikos. - Zu verborgenen Rechtsfehlern zählen beispielsweise die Nichtbeachtung bestehender Gesetze und Vorschriften (the unintentionally overlooking of a law or regulation), und bei Verträgen vor allem solche Mängel, die aus falschen Annahmen (wrong assumptions), schlecht gewählten Formulierungen (bad chosen wording) oder falscher Übersetzung (incorrect translation) aus einer Fremdsprache oder in eine solche entstehen. Rechtsrisiken können Kreditrisiken oder Liquiditätsrisiken verursachen oder verschärfen. - Die Rechtsrisiken der Banken sind in den letzten zehn Jahren erheblich gestiegen. Gründe dafür sind vor allem

1. die Internationalisierung der Geschäfte und damit die Frage des anwendbaren Rechts (applicable law),

2. die zunehmende Komplexität neuer Finanzprodukte,

3. eine Flut neuer Gesetze und Verordnungen vor allem im Zuge der Stärkung des Anlegerschutzes,

4. steigende Eingriffe in den Finanzsektor durch die Aufsichtsbehörden sowie

5. rascher Anstieg des Electronic Banking, was für die Bank vielerlei und teilweise beträchtliche Einzelrisiken birgt, vor allem Schäden aus Hackerangriffen der verschiedensten Art.

– Siehe Aufsicht, Beaufsichtigung, vollständige, Electronic Banking, Finanzagent, Legal Opinion, Marktmissbrauchs-Richtlinie, Pharming, Phishing, Rechtsangleichung, Rechtswahl, Rechtswiderstreit, Risiko, banktechnisches, Straightjacking, Zeichenunterschrift.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2004, S. 30 ff. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rechtswahl (choice of law):

1 Vor allem bei globalen Engagements übliche vertragliche Klausel (contractual provision), durch die festgelegt wird, welchem (Aufsichts)Recht das vereinbarte Geschäft unterliegen soll.

2 Im Besonderen auch eine Bestimmung darüber, welches Recht in Falle von Auseinandersetzungen (legal dispute, lawsuit) zur Anwendung kommen soll (what law should govern in the case of a conflict).

– Siehe Legal Opinion, Rechtsrisiken, Rechtswiderstreit, Termsheet.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rechtswiderstreit (conflict of laws):

Der vor allem der bei globalen Transaktionen nicht seltene Fall, dass bei einem Geschäft auf dem Finanzmarkt verschiedene Rechtsordnungen zu einer unterschiedlichen juristischen Beurteilung führen (that two or more sets of laws that appropriately apply to a particular transaction require different results). Um auf diese Weise entstehende Rechtsrisiken auszuschliessen, bedarf es in Verträgen einer vorherigen Einigung der Partner in Bezug auf die Rechtswahl.

– Siehe Legal Opinion, Rechtswahl, Rechtsrisiken.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rediskontieren (rediscounting):

Ankauf der von Banken diskontierten Wechsel durch entsprechende Spezialinstitute, wie in England, in der Regel aber durch die Zentralbank. - Die EZB betreibt keine Rediskontierung.

– Siehe Diskontpolitik, Diskontsatz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rediskontsatz (official discount rate; bank-rate):

Satz, zu dem Spezialinstitute (rediscount banks; Rediskontbanken) oder eine Zentralbank von Banken diskontierte Wechsel bevorschussen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Reedergeld und Rhedergeld (husbandage):

1 Provision, die ein Verlader an den Schiffahrtsunternehmer (Reeder und Rheder; ship owner) bzw. an dessen verantwortlichen Angestellten (Besteder, Reederei-Manager; husband) zahlt.

2 Gebühr, die ein Schiff entrichten muss, das auf einer Reede (Rhede; roadstead: Platz in der Nähe eines Hafens, wo Schiffe vor Sturm geschützt festmachen können) ankert.

– Siehe Abfertigungsgeld, Handgeld, Douceur, Kapplaken, Lagegeld, Peep, Préstamo, Schmiergeld, Trinkgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Refaktie und Refaktion (abatement):

1 Eine freiwillig oder unter besonderen Bedingungen, vertraglich vereinbarte Rückvergütung bei der Frachtberechnung.

2 Preisabzug gemäss § 380 HGB bei fehlerhafter bzw. beschädigter Ware.

– Siehe Bonifikation, Deduktion, Dekort, Einschlag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Referenzaktiva (reference assets):

Bei Kreditderivaten der Inhalt der zu einem Bündel (pool; Portfolio, Sondervermögen, Pool) zusammengefassten in der Regel gleichartigen Kreditbeziehungen zwischen einer Bank und Schuldnern. Dabei kann es sich um Unternehmenskredite, Forderungen aus Kreditkartenverträgen, Ausleihungen an das Ausland und hier wieder an bestimmte Länder und Regionen, Hypothekarkredite, Kredite an den Staat, aber auch um nach bestimmter Bonität zusammengestellten Forderungen handeln.

– Siehe First-to-default-Basket, Originate-to-distribute-Strategie, Unterseeboot-Effekt, Verbriefung, Verbriefungsstruktur.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Referenzpreis (reference price; anchor price; regulatory price; exercise price of an option):

1 Ein Grundpreis, zu dem je nach Marktlage bzw. fiskalische Belastungen - wie etwa dem Mautgeld im Transportgewerbe - Zuschläge oder Abschläge (price corridors; Preis-Korridore) gerechnet werden.

2 In der Wahrnehmung der Verbraucher eine Ankergrösse wie der Preis für Milch, Brötchen oder Benzin, anhand derer sie die Inflation beurteilen.

3 Der erzwungene - wie vor allem bei Arzneimitteln - Preis im Herstellerland, der dann auch von Behörden in den Exportländern dem Anbieter vorgeschrieben wird.

4 An der Börse manchmal für den Kurs des letzten Abschlusses, für den Schlusskurs (closing price) gesagt.

5 Der vertraglich festgelegte Preis, zu dem man einen Optionsvertrag ausüben kann; auch Basispreis und Ausübungspreis genannt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Referenzwährung (reference currency):

1 Währung, auf die sich ein (Options)Vertrag bezieht.

2 Geld, in dem ein Wirtschaftssubjekt bei bestimmten Entscheidungen zahlt, besonders in einer Grenzregion (border area) mit täglichem Ineinandergreifen des Handels und der Dienstleister aus zwei verschiedenen Währungsräumen.

3 Währung, in welcher die Wertentwicklung eines Fonds gemessen wird.

– Siehe Nebenwährung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Referenzzinssatz (reference [interest] rate, benchmark [interest] rate):

1 Allgemein ein Zinssatz, auf den sich eine grosse Zahl von Geschäften bezieht, wie etwa der LIBOR. Eine solche Massgrösse muss verschiedene Bedingungen erfüllen, wie vor allem

1. Transparenz: das Verfahren für die Festlegung des Zinssatzes muss hinreichend offen und durchsichtig sein,

2. Verlässlichkeit: der Zinssatz sollte hinsichtlich unlauterer Beeinflussung jeder Art gefeit, also gegenüber Marktmanipulation gesichert sein,

3. Repräsentanz: der Zinssatz muss für den zu messenden Markt massgeblich und aussagekräftig sein, also das Marktgeschehen genau abbilden,

4. Verwendbarkeit: der Zinssatz sollte täglich verfügbar, einfach zu berechnen und von hoher Volatilität frei sein.

2 Zinssatz, auf den sich bei einem Darlehn beide Parteien grundsätzlich einigen. In vielen Verträgen wird jedoch eine periodische Anpassung dieses Zinssatzes vereinbart, und zwar anhand eines bestimmten Satzes, etwa den EURIBOR. Damit wird eine marktgerechte Verzinsung erreicht.

– Siehe Langfristkultur, Rollover-Kredit, TIBOR, Zinsänderung, Zinsbindung, Zinsswap.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Oktober 2013, S. 77 ff. (sehr ausführliche Darstellung des Wesens und der Bedeutung der Referenzzinssätze; Übersichten; Literaturhinweise), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 79 (aufsichtliche Massnahmen zur Überwachung der Referenzzinssätze).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Refinanzierung (refinancing; recourse to central bank):

1 Allgemein die Beschaffung von Liquidität, um einen Geldabfluss jetzt oder später auszugleichen.

2 Die Ablösung eines Darlehns durch die Aufnahme eines neuen Kredits, zumeist in gleicher Höhe und mit der gleichen Besicherung, aber zu anderen Bedingungen (paying off an existing loan with the proceeds from a new loan, usually of the same size, and using the same asset as collateral, but under new terms).

3 Auf dem Kreditwege von der Bank bei der Zentralbank beschafftes Zentralbankgeld. - Während sich ein einzelnes Kreditinstitut auch am (Interbanken)Geldmarkt mit Liquidität versorgen kann, besteht für das Bankensystem gesamthaft die Notwendigkeit, sich bei der Zentralbank über deren Fazilitäten zu refinanzieren.

– Siehe Liquiditätsmanagement.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2008, S. 61 (Refinanzierungs-Quellen deutscher Banken, 1990 bis 2007), Monatsbericht der EZB vom November 2011, S. 81 ff. (ausführliche, lehrbuchmässige Darstellung der Refinanzierungswege der Banken), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2012, S. 27 ff. (Refinanzierungsbedingungen der Banken und Unternehmen seit 2007; viele Übersichten; Auswirkungen der Staatsschuldenkrise), Monatsbericht der EZB vom Januar 2014, S. 75 ff. (ausführliche Darstellung der Refinanzierungspolitik der EZB).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Refinanzierungsgeschäft, längerfristiges, LRG im Jargon der Finanzjournalisten auch Refi (Ionger-term refinancing operation, LTRO):

1 Regelmässige Offenmarktgeschäfte, die von der EZB in Form von befristeten Transaktionen durchgeführt werden. - Längerfristige Refinanzierungsgeschäfte werden im Wege von monatlichen Standardtendern mit in der Regel einer Laufzeit von drei Monaten ausgeführt, und zwar als Zinstender mit vorab angekündigtem Zuteilungsvolumen. Im Jahresdurchschnitt 2006 betrug der Anteil der Deutschen Bundesbank an den Refinanzierungsgeschäften mit den Banken ungefähr fünfzig Prozent aller Geschäfte im Euroraum, das heisst: die Deutsche Bundesbank wickelte ein genau so hohes Volumen ab wie allen nationalen Zentralbanken des Eurosystems zusammen. - Darüber hinaus bietet die EZB in Einzelfällen besondere Fazilitäten auf diesem Wege an, wie etwa im Frühherbst 2007 angesichts einer Krise der Sicherheiten mit dadurch bedingter Verknappung der Liquidität. - Der Zinssatz für die normalen Geschäfte ist in Deutschland der Basiszins im juristischen Sinne gemäss § 1 des Diskontsatz-Überleitungs-Gesetzes vom 9. Juni 1998.

2 Besondere Refinanzierungsgeschäfte der Zentralbank. So bot die EZB im Juni 2014 Langfristkredite über ein Zeitfenster von vier Jahren an, man nannte es "Gezielte längerfristige Refinanzierungsgeschäfte, GLRGs" (targeted longerterm refinancing operations TLTROs), und zwar zum zu dieser Zeit äussert niedrigen Leitzins, praktisch zum Nullzins. Offenbare Absicht dieser Massnahme war es, Kapitalströme nach Südeuropa umzuleiten, um dort die Wirtschaft anzukurbeln. Die offizielle Begründung der EZB sprach von "Massnahme zur Verbesserung des Funktionierens des geldpolitischen Transmissionsmechanismus". - Indessen gilt als sicher, dass die Zuleitung von immer mehr Geld allein keineswegs zu den in den Staaten der Südfront dringend benötigten Anlageinvestitionen führt. Voraussetzung dafür sind vielmehr günstige Erwartungen der Unternehmen. Diese herbeizuführen liegt aber in der Hand der nationalen Wirtschaftspolitik dieser Staaten. Grundsätzlich kann nicht über längere Zeit hinweg mehr verbraucht als hergestellt werden. Die so entstandene und teilweise noch anwachsende hohe Staatsverschuldung muss dort zurückgeführt und die Wettbewerbsfähigkeit durch entsprechende Massnahmen gestärkt werden.

– Siehe Finanzkrise, Krise der Sicherheiten, Liquiditätspool, Notfall-Liquiditätshilfe, Repo-Geschäft, Sonder-Refinanzierungsfazilität, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Subprime-Krise.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2003, S. 17 ff., Jahresbericht 2007 der EZB, S. 106 ff. (LRGs während der Subprime-Krise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2008, S. 26 (Übersicht der Geschäfte 1999 bis 2008), Monatsbericht der EZB vom August 2009, S. 37 ff. (Auswirkungen des ersten längerfristigen Refinanzierungsgeschäftes mit einjähriger Laufzeit), Monatsbericht der EZB vom März 2012, S. 43 ff. (Auswirkungen der Refinanzierungsgeschäfte mit dreijähriger Laufzeit), Monatsbericht der EZB vom Juli 2013, S, 31 ff. (vorzeitige Rückzahlungen; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Refinanzierungskredit (refinancing credit):

1 Befristete und besicherte Zuleitung von Geld durch die Zentralbank, um die kurzfristige Liquidität der Institute zu gewährleisten.

2 Ein von einer staatlichen Förderbank an eine Bank vergebenes Darlehn, damit das Institut seinerseits einem bestimmten Kunden einen Kredit gewähren kann. Der Endkreditnehmer (final borrower) hat dabei das weitergereichte Geld für den angegebenen Zweck einzusetzen; die Mittel dürfen vor allem nicht zur Umschuldung verwendet werden.

– Siehe Durchleitkredit, Liquiditätsmanagement, Refinanzierung, Refinanzierungsgeschäft, längerfristiges.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Refinanzierungsregister (refinancing register):

In Deutschland im KWG (§§ 22a ff.) vorgeschriebene Aufstellung mit dem Ziel, bei True-Sale-Transaktionen insolvenzfeste Ansprüche (insolvency-proof claims) des Emittenten, wie z. B. einer Zweckgesellschaft, auf Übertragung der verbrieften Vermögenswerte zu gewährleisten, ohne auf weniger sichere Treuhandabreden oder eine Vollrechtsübertragung (title transfer) zurückgreifen zu müssen. Eine eigene Refinanzierungsregister-Verordnung (RefiRegV) regelt Form und Inhalt der Aufzeichnungen, welche in das Register aufzunehmen sind.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S, 120 (Einzelheiten zur RefiRegV), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 99 f. (Erklärung des Registers; Übertragungsberechtigte sollen auch Versicherungen und Einrichtungen der Altersversorgung werden) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Versicherungsunternehmen und Pensionsfonds".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Refinanzierungs-Risiko (risk of refinancing):

Das

1. Risiko einer Bank oder eines Unternehmens,

2. im Falle aussergewöhnlicher Bedingungen auf dem Finanzmarkt wie bei unzureichender Marktliquidität,

3. finanziellen Verpflichtungen nicht nachkommen zu können,

4. weil die erforderlichen Zahlungsmittel nur sehr teuer - allenfalls auch infolge einer Rating-Herabstufung - oder

5. überhaupt nicht beschafft werden können. Man spricht daher manchmal auch vom Marktliquiditäts-Risiko; dieses wird als ein Sonderfall des Liquiditätsrisikos gesehen.

– Siehe Abrufrisiko, Fristentransformations-Risiko, Liquiditätsmanagement, Refinanzierungs-Risiko, Risikomanagement, Terminrisiko.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2007, S. 62 (Unterlegung dieses Risikos mit ökonomischem Kapital), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2008, S. 61 ff. (Refinanzierungsrisiken in Extremlagen), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 56 (Vorschriften für das Liquiditätsrisiko-Management), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 50 f. (Basler Ausschuss entwickelt Leitlinien) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Internationales".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Reform im älteren Schrifttum Reformation (reform, reformation):

In Bezug auf den Finanzmarkt sowohl in staatlichen Gesetzen und Verordnungen, in den Anweisungen und Verfügungen der Aufsichtsbehörden als auch in bezüglichen Lehrbüchern und in der Praxis häufig verwendeter Begriff.

1 In seiner ursprünglichen Bedeutung meint Reform eingreifende Veränderungen mit dem Ziel der Wiederherstellung eines anfänglichen Zustandes.

2 In weiterem Sinne versteht man heute unter Reform

1. das Anhalten und Abstellen eingetretener Fehlentwicklungen (blocking and correcting of occurred undesirable developments) auf dem Finanzmarkt sowie auch in der Volkswirtschaft allgemein und/oder

2. die Anpassung von Finanzdienstleistungen an neue Gegebenheiten (adaptation of financial services to new conditions and circumstances), wie beispielsweise an die Zahlung über das Internet, aber auch

3. die völlige oder grundlegende Umformung und Neugestaltung (restructuring and realignment) eines Bereichs, wie gelegentlich einer Währungsreform oder der Aufsicht im Eurogebiet durch die europäische Bankenaufsicht.

– Siehe Banana Skins Survey, Kapitalschutzgesetze, Regulierungsdruck, Regulierungswut, Straitjacking, Transparenzgrad, Überregulierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Regel 404 (rule 404):

Nach der Sarbanes-Oxley Act aus dem Jahr 2002 stehen die Vorstandschefs von Unternehmen persönlich dafür gerade, dass die internen Kontrollsysteme die sehr strengen Auflagen des Gesetzes erfüllen. Die Wirtschaftsprüfer müssen die firmeneigenen Überwachungs-Einrichtungen durchleuchten und testieren. Für nicht-amerikanische Unternehmen sahen manche darin eine übermässige Erschwernis, die über kurz oder lang Anlass zum Verlassen der US-Börsen werden könnte.

– Siehe Compliance, Delisting, Deregulierung, Wirtschaftsprüfer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Regel, goldene (golden rule):

1 In der Ethik der Leitsatz jeglichen Handelns, auch des Tuns und Lassens auf dem Finanzmarkt: nämlich alles zu vermeiden, was man selbst nicht möchte, dass es andere einem antun (the precept of doing to others as we would have them to do us).

2 In der Finanzpolitik die Forderung, dass die öffentlichen Defizite die öffentlichen Investitionen nicht übersteigen dürfen. Bei Verletzung dieser Regel droht Inflation und Stagnation; eine sachgerechte Geldpolitik wird unmöglich.

3 Bei Pensionsfonds die Bestimmung, dass die Verzinsung der Altersguthaben nicht von der Inflationsrate übertroffen wird.

– Siehe Defizitquote, Finanzpolitik, Finanzreferendum, Geldpolitik, Geldwert, Haushaltsdefizit, Schuldenbremse, Stabilitäts- und Wachstumspakt.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2005, S. 23 ff. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Regelersteller auch Standardsetter (standard setter; self-regulatory organisation, SRO):

1 Fachgremien, Beiräte, Ausschüsse und Kommissionen, die Regeln (standards; Standards) für Abläufe auf dem Finanzmarkt vorschlagen. Diese werden dann vom Gesetzgeber bzw. den Aufsichtsbehörden als allgemeingültige Vorschriften eingeführt. Den Standardsettern in diesem Sinne zählt man auch alle Kommissionen bei, die Anleitungen für die Rechnungslegung nach IFRS oder US-GAAP) erarbeiten und vorschlagen.

2 Fachgremien in Verbänden, die für alle Mitglieder verbindliche Verhaltensregeln (binding rules of behaviour, mandatory rules of conduct) festlegen. Auf dem Finanzmarkt sind dies in erster Linie Anforderungen an das redliche Handeln gegenüber den Kunden (an SRO's first concern is to protect investors through the creation of rules that support ethics and equality).

– Siehe Aufsichtsgespräche, Auswirkungsstudien, Calls for Advice, Finanzstabilitätsrat, IFRS, Informations-Überladung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Regelwerk, einheitliches (single rulebook):

In Zusammenhang mit der Rechtsangleichung auf dem Finanzmarkt die grenzüberschreitend einheitlichen Vorschriften für alle Institute in der EU. Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde stellt im Zuge dessen technische Durchführungs- und Regulierungsstandards bereit.

– Siehe Aufsicht, europäische, Basel III, CRD-IV/CRR-Paket, German Finish, IFRS-Dialekte, Trilog-Verfahren.

– Vgl. Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 58 (laufende Arbeiten am Regelwerk; Zeitplan), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2013, S. 58 f. (Basler Standards überhaupt; nationaler Gestaltungsraum; Mitwirkung der EBA).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Regelgegründet (rule-based):

Im Rechnungswesen und im Aufsichtsrecht Einzelfall-Vorschriften, die verbindlich sind (a list of detailed rules that must be followed when preparing financial statements). Dies hat immer den Nachteil, dass derartige genaue Weisungen den Anreiz setzen, umgangen zu werden. - Im Gegensatz dazu sind grundsatzbegründete (principle-based) Vorgaben Richtlinien, die sich an übergeordneten Gesichtspunkten ausrichten - wie etwa Verständlichkeit, Wesentlichkeit, Zweckdienlichkeit - und Entscheidungen aus dieser Warte verlangen. Die glaubwürdige Darstellung eines Sachverhalts ist letztlich entscheidend. - Bei der Rechnungslegung sind die US-GAAP mehr regelgegründet, die IFRS mehr grundsatzbegründet. - Bei der Aufsicht in Deutschland findet sich eine sinnvolle, auf einzelne Regulierungsthemen jeweils bezogene Mischung beider Grundsätze.

– Siehe Angaben, verschleierte, Bewertbarkeit, Informations-Überladung, Klartext, Publizität, situationsbezogene, Regulierung, Stetigkeit, Substance-over-Form-Grundsatz, Transparenz, Zuverlässigkeit, Zweckdienlichkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Regelgleichheit (same risk, same rules):

Die Forderung, dass für gleiche Sachverhalte rechnungstechnisch die gleichen Regeln angewendet werden müssen; und zwar

1. unabhängig davon, ob sich ein Sachverhalt innert der Bilanz oder ausserhalb - wie etwa in Zweckgesellschaften - abspielt,

2. ohne Rücksicht darauf, ob bestimmte Finanzinstrumente im Handelsbuch oder im Bankbuch gehalten werden sowie auch

3. ohne Unterschied, um welches Unternehmen es sich handelt: ob eine der Aufsicht unterstehende Bank oder eine andere Firma wie etwa ein Hedge-Fonds.

– Weitergehend versteht man unter Regelgleichheit auch

4. international gleiche Grundsätze der Rechnungslegung bei Finanzprodukten zur Anwendung kommen. Dies wurde im November 2008 für die meisten Staaten der Welt, einschliesslich der USA und China, grundsätzlich vereinbart: dem Finanzsektor-Bewertungsprogramm des IWF schlossen sich alle wichtige Länder an. Strittig ist, wann (und ob überhaupt je) die Regelgleichheit weltweit erreicht wird.

– Siehe Harmonisierung, Regulierung, Regulierungs-Arbitrage.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Regenbogen-Option (rainbow option):

Ein bedingtes Termingeschäft mit zwei oder mehr Bezugsbasen - im Jargon auch Farben (colours) genannt -, die aber hinsichtlich des Risikogehalts gleichgeartet sind, wie etwa zwei Aktienindizes oder zwei Währungen (an option having two or more underlying assets, called colours, which have the same type risk factor).

– Siehe Option, zusammengesetzte, Risiko.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Regenmacher (rainmaker):

1 Im Jargon der Finanzbranche ein Manager, ein herausragender Mitarbeiter oder auch ein Unternehmensberater, der neues Leben in erstarrte Geschäftsabläufe bringt (a manager, valuable employee or subcontracted person who brings new business to a company).

2 Bei einer Bank im Besonderen auch ein Mitarbeiter, der dem Institut viele reiche Einzelpersonen oder Firmen als Kunden zuführt (an employee of a bank who brings a large amount of wealthy individuals or corporations to the bank's client base).

– Siehe Abwanderungsquote, Beziehungsbankgeschäfte, Beziehungsmanagement, Canvassing, Clubbing, Kiddies Manager, Kundenabwehrdienst, Kundenkapital, Kundennähe, Kundenpfleger, Profiling.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Regime 26 (26 regime):

Im Zuge der Zusammenführung der ursprünglich 26 (hence the naming twenty-six) und inzwischen 28 nationalen Rechtsordnungen auf dem Finanzmarkt in der EU vorgeschlagene neue, paneuropäische Rechtsordnung. Sie soll es jedem Institut ermöglichen, mit Hilfe standardisierter Produkte rasch über die Grenzen hinweg in den jeweiligen nationalen Markt einzutreten. Das Regime 26 wirft viele aufsichtsrechtliche, geschäftspolitische und den Verbraucherschutz betreffende Fragen auf, deren Lösung bis anhin noch aussteht, und die umso schwieriger wird, je mehr weitere Mitglieder der EU beitreten.

– Siehe European Financial Services Round Table, Rechtsangleichung, Regelgleichheit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Region, dollarbestimmte (dollarised region):

Ein geographisches Gebiet ausserhalb der USA, in welchem der USD

1. als Währungseinheit offiziell eingeführt ist, wie dies 2001 in Argentinien und Ecuador der Fall war, oder

2. als Nebenwährung eine bedeutende Rolle spielt, wie vielerorts in Lateinamerika. In diesem Falle spricht man auch von faktischer Dollarisation (DE FACTO-dollarisation).

– Siehe Dollarisation, Euroisierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Region, eurobestimmte (euroised region):

Ein geographisches Gebiet ausserhalb von Euroland, in welchem der EUR als Nebenwährung eine Rolle spielt, wie derzeit etwa in der Türkei und in Nordafrika. In diesem Falle spricht man auch von faktischer Euroisierung (DE FACTO-euroisation).

– Siehe Euroisierung, Parallelwährung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Regionalbank (regional bank):

1 Im engeren Sinne ein Institut, das in seiner Geschäftstätigkeit auf ein bestimmtes räumliches Gebiet begrenzt ist (is confined to a geographical region).

2 Im weiteren Sinne und so auch in der Bankenstatistik der Deutschen Bundesbank zwar ursprünglich lediglich auf einen bestimmten Landsteil - etwa: Badische Beamtenbank - ausgerichtetes Institut, das aber inzwischen

1. durch Filialgründungen (setting up branches) oder

2. aufgrund von (by reason of) Fusionen und Übernahmen - etwa: Landesbank Rheinland-Pfalz - über das anfängliche Heimatgebiet hinausgreift.

– Siehe Ortsbank, Privatbanken.

– Vgl. das monatlich erscheinende Heft "Bankenstatistik" der Deutschen Bundesbank, Anhang "Erläuterungen".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Regionalgeld (regional money):

Vor allem in Deutschland nach Einführung des EUR aus privater Inangriffnahme (by private initiative) in bestimmten Bezirken ausgegebenes Geld-Surrogat. Sein Umlauf beschränkt sich auf ein räumlich abgegrenztes Gebiet und auf denjenigen Personenkreis, der sich zur Annahme bereit erklärt. Dem Regionalgeld fehlt die Begültigung; seine rechtliche Zulässigkeit überhaupt ist umstritten. - Wegen vieler Nachteile dieser Zahlungsform und wegen des aufdringlichen Verhaftetseins in Ideologien (Ideologie hier verstanden als Geflecht von Vorurteilen und Wertungen, hervorgegangen aus Unwissenheit, Verständnislosigkeit, Voreingenommenheit, Rechthaberei, Verbohrtheit und Ressentiment) seitens der meisten Ausgeber wie Euro-Gegner, Globalisierungskritiker, Schwundgeld-Anhänger, Wutbürger, Besserwisser, Wichtigtuer) wird das Regionalgeld trotz lautstarker Propaganda eine Randerscheinung bleiben (will remain on the fringe of payment transactions; will continue to be a marginal phenomenon). Bis anhin kann Regionalgeld auch zumeist nur mit einem Abschlag (deduction; Abzug) in EUR zurückgetauscht werden. Unklarheit herrscht auch grösstenteils über die Verwendung der Seigniorage.

– Siehe Ausmünzungsbilanz, Europhobie, Geheimgeld, Geldheimat, Geldzweck, Münzgewinn, Nebenwährung, Netzgeld, Schwundgeld, Unfruchtbarkeits-Theorie, Wirtschaftspatriotismus.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Register für qualifizierte Anleger (register for qualified investors):

Von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht öffentlich angebotenes Verzeichnis solcher Emittenten, die von der Prospektpflicht befreit sind, weil sie sich nur an private Käufer wenden, die

1. in grösserem Umfang Geschäfte an Wertpapiermärkten durchgeführt haben,

2. ein Wertpapierportfolio im Wert von über 0,5 Mia EUR besitzen oder

3. im Finanzsektor beruflich tätig sind. Ähnliche Merkmale sind für Unternehmen als Käufer von Papieren festgelegt.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 159 f. (Beschreibung des Registers; Aufzählung der Kriterien).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Registriergeld (marked notes; money to be declared):

1 Für das normale Auge kaum sichtbar gekennzeichnete Geldscheine, die Banken

1. bei Barauszahlung allgemein oder bei Abgabe in Geldautomaten im Besonderen verwenden. Manchmal zählt man auch noch

2. präparierte Banknoten hinzu, die sich bei unbefugter Entnahme wie Bankraub, Aushebeln der Schiebemulde oder Aufbrechen des Automaten verfärben und damit als Zahlungsmittel unbrauchbar werden.

2 Im Falle von Staaten mit Devisenbewirtschaftung bei der Einreise und/oder Ausreise gegenüber der Behörde anzugebende Beträge in heimischer oder fremder Währung.

3 Gemäss Verordnung (EG) № 1889/2005, die seit dem 15. Juni 2007 in Kraft ist, müssen Reisende, welche

1. in die EU einreisen, auch aus einem Staat des EWR wie der Schweiz, oder

2. aus der EU ausreisen, mitgeführte Barmittel im Wert von 10'000 EUR und mehr bei der für den Grenzübertritt zuständigen Zollstelle registrieren lassen. Hauptzweck der Registrierungs-Vorschrift (obligation of registering; registration requirement) war es, die Geldwäsche einzudämmen. Inzwischen ist aber auch die Jagd auf Steuersünder (hunt for tax evaders) zumindest bei deutschen Behörden (teutonic authorities) hinzugetreten.

– Siehe Bargeldkontrolle, Domizil-Verschleierung, Drogengeld, Financial Action Task Force on Money Laundering, Finanzbeschränkungen, Gefährdungsanalyse, Helvetophobie, Wechselkurs-Überwachung, Vertraulichkeit, Zweitausweis.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Regulierung (regulation, oft im Englischen abgekürzt nur reg):

In Bezug auf den Finanzmarkt sämtliche durch rechtliche Vorschriften bestimmte und von den Aufsichtsbehörden überwachten Massnahmen mit dem vorrangigen Ziel, Marktversagen zu vermeiden und den Wettbewerb zu stärken. - Im Einzelnen unterscheidet man eine

1. eine grundsatzgegründete (principles-based: vorgegebene Richtsätze sollen eingehalten werden) und

2. regelgegründete (rule-based: die Einhaltung bestimmter Kennziffern wird vorgeschrieben) Regulierung. Ferner bezeichnet bei der Regulierung

3. die Prozessebene (process level) das Zustandekommen regulatorischer Anweisungen,

4. die Substanzebene (material level) hingegen alle Einzelheiten der inhaltliche Ausgestaltung.

– Die vielfältigen und vielschichtigen Fragen der Finanzmarktregulierung sind inzwischen zu einem Sondergebiet der Rechtswissenschaft geworden. - Auch für jederart Regulierung sollte der Grundsatz der Marktwirtschaft gelten, nämlich dass die Anreiz- und Sanktionskräfte nicht beeinträchtigt, sondern gestärkt werden. Näherin muss eine Bank, die Risiken eingeht, um einen Gewinn zu erwirtschaften, auch für allfällige Verluste einstehen. Sind die Kapitalgeber dazu nicht bereit oder nicht in der Lage, dann ist das Institut abzuwickeln. Es geht nicht an, dass die Steuerzahler in Haftung treten müssen.

– Siehe Anlegerschutz, Aufsicht, Aufsichtsvermeidung, Ausschuss-Wahn, Banana Skins Survey, Beaufsichtigung, vollständige, Capture-Theorie, Core Principles for Effective Banking Supervision, Finanzmarktrecht, Kompetenz-Konflikt, aufsichtsrechtlicher, Moral Suasion, Regelgegründet, Regulierungs-Arbitrage, Regulierungsdruck, Regulierungswut, Retterei, Straitjacking, Subsidiaritätsprinzip, Systemkonflikt, finanzmarktlicher, Transparenzgrad, Überregulierung, Vermögensabgabe, Vorwirkung, Zwangswandelanleihe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Regulierungs-Arbitrage und (in einem Wort) Regulierungsarbitrage (regulatory arbitrage):

1 ie Auslagerung von Geschäftsaktivitäten aus den Aufsichtsbehörden unterworfenen Bereichen zu nicht der Aufsicht unterworfenen Handlungsträgern (financial engineering designed to evade regulation).

2 Die Verlegung von aufsichtsrechtlich überwachten Transaktionen

1. aus dem Inland zu eigenen Niederlassungen in Länder mit minder strenger Beaufsichtigung auch innert der EU bzw.

2. in nicht der strengen Aufsicht unterliegende Bereiche des weltweiten Finanzmarktes, wie vor allem in hauseigene Hedge-Fonds, Private-Equity-Funds, Geldmarktfonds, Vulture-Funds und Handelsfirmen. Zu Jahresbeginn 2011 schätzte man für die USA diesen Schattenbankbereich (parallel banking sector) in seinem Umfang um ein Viertel höher als das herkömmliche Bankensystem. Allgemein gilt: je enger die Regulierung, desto stärker sind die Anreize für Regulierungs-Arbitrage.

3 Die Verlagerung der Kreditrisiken von Banken an Pensionsfonds, Hedge-Fonds und Versicherungsunternehmen sowie in verbriefter Form auch an Zweckgesellschaften. Die Beurteilung der Bilanzen der Auslagerer wird dadurch in der Regel sehr schwierig, wie sich angesichts des Enron-Skandals Ende 2001 in den USA und gelegentlich der Subprime-Krise 2007 gezeigt hat. - Es ist inzwischen unbestritten, dass bankliche Geschäfte überall der gleichen Regulierung unterliegen müssen, unabhängig davon, wo sie getätigt werden; "something that looks like a bank und acts like a bank should also be treated like a bank", wie hier der Grundsatz lautet.

– Siehe Aggregation, Anderson-Skandal, Aufsichtsvermeidung, Auslagerung, Ausschuss-Wahn, Bankenregulierungs-Paradoxon, Corporate Governance, Enforcement, Financial Engineering, Finanzinvestor, Harmonisierung, Managed Bank, Marktmanipulation, grenzüberschreitende, Outsourcing, Rechtsangleichung, Regelgleichheit, Schattenbankbereich, Sarbanes-Oxley Act, Verlust-Tarnung, Vorwirkung, Zombie-Bank, Zweckgesellschaften.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2005, S. 93 ff., Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 149 (internationale Angleichung mindert Regulierungs-Arbitrage; Bedeutung der Colleges) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Regulierungsdichte auch Regulierungsdruck (regulation density, regulation pressure):

Zusätzliche aufsichtliche Vorschriften für Banken, besonders hinsichtlich der Anforderungen an das vorzuhaltende Eigenkapital,

1. belasten die Banken mit höheren Kosten,

2. schmälern ihren Gewinn,

3. mindern ihre Fähigkeit zur Kreditvergabe und

4. können ungünstigenfalls zu einer Kreditklemme führen.

– Auf der anderen Seite jedoch gilt die durch strengere Regulierung bewirkte Finanzstabilität allgemein als das höheres Ziel. Denn die Vermeidung von Krisen sichert und steigert den Wohlstand aller und liegt damit auch im langfristigen Interesse der Institute. - Unbestritten macht eine dichtere Regulierung die Banken widerstandsfähiger gegenüber Krisen. Das jedoch schlägt sich in einer Verringerung ihrer Refinanzierungskosten nieder. Zumindest ein Teil der durch höhere aufsichtliche Anforderungen entstehenden Kosten kann auf diesem Weg ausgeglichen werden. - Andererseits gilt aber auch: je enger die Regulierungsdichte, desto stärker sind die Anreize für Regulierungs-Arbitrage. Mit jeder zusätzlichen Regulierung der Banken werden gleichzeitig auch Anreize geschaffen, Geschäfte in den weniger regulierten Schattenbankbereich zu verlagern. Weil die Transparenz in diesem Sektor bis anhin noch beschränkt ist, so können sich dort unbemerkt Risiken aufbauen, die zu einer Gefahr für die Finanzstabilität gesamthaft werden. - Im Grunde ist es aber durchaus der richtige Weg, durch entsprechende Massnahmen die Verantwortung für Geschäfte jeder Art so weit als möglich bei den Banken zu belassen bzw. sie dahin wieder zurückverlagern. Denn nachweislich werden Finanzkrisen damit am ehesten vermieden.

– Siehe Anlage-Haftung, Aufsichtsvermeidung, Ausschuss-Wahn, Banana Skins Survey, Basel-III, Harmonisierung, Moral Hazard, Overkill, regulatorischer, Regulierung, Regulierungswut, Schattenbankbereich, Straitjacking, Systemkonflikt, finanzmarktlicher, Überregulierung, Vorwirkung.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 67 ff. (Gefahren aus den weniger regulierten Bereichen des Finanzmarkts).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Regulierungswut (regulation spleen):

Die in Hinsicht auf Finanzmärkte vorgebrachte Klage, dass der Gesetzgeber darauf erpicht sei, stetsfort neue Vorschriften zu ersinnen, auch bürokratischer Overkill (bureaucratic overkill) genannt. Im Zuge dessen werde den Aufsichtsbehörden immer mehr Macht in die Hand gegeben. Eine regulatorische Pause (regulatory break) wird angemahnt. - Demgegenüber stehen die Hilferufe der durch frevlerische Machenschaften (criminal machinations; wheeling and dealing) geschädigten Anleger, die dem Gesetzgeber Untätigkeit und den Aufsichtsbehörden Schlafmützigkeit (oscitancy: the state of being drowsy or inattentive: indolence, dullness, lethargy, lassitude) vorwerfen. - Unbestritten ist jedoch, dass es grundsätzlich nicht mehr, sondern besserer Regulierung und Transparenz bedarf. Ebenso gilt die Erfahrungstatsache: je enger die Regulierung, desto stärker sind die Anreize für Regulierungs-Arbitrage.

– Siehe Abschreckung, aufsichtsrechtliche, Anlegerschutz, Aufsicht, Aufsicht, europäische, Aufsicht, präventive, Aufsichtsbehörden, Aufsichtsvermeidung, Ausschuss-Wahn, BaFin-Umlage, Banana Skins Survey, Finanzmarktaufsicht, europäische, Eigenhandel-Verbot, Fragmentierung, aufsichtliche, Harmonisierung, Informations-Überladung, Moral Suasion, Overkill, regulatorischer, Racheengel, Regulierungsdichte, Straitjacking, Transparenzgrad, Überregulierung, Vorwirkung.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 35 (Übersicht der Gremien), S. 35 ff. (Beschreibung der wichtigsten Gremien).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Reichnis (additional benefit):

In älteren Dokumenten eine geldwerte Leistung im Rahmen eines Vertrags, etwa die Lieferung von Getreide, Wein oder Holz an Beschäftigte. Heute ist der Begriff so gut wie nur noch in Zusammenhang mit Brauereidarlehn gebräuchlich.

– Siehe Deputat, Fringe Benefits.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Reichsbank, Deutsche (Bank of Germany):

Von 1875 bis 1945 die Zentralbank für Deutschland mit Sitz in Berlin. Die Geschäftsführung lag in der Hand des Reichsbankdirektoriums, dem der Reichsbankpräsident vorstand. Die Oberaufsicht übte das Reichsbankkuratorium aus. Hinsichtlich ihrer Verfassung und Geschäftsführung war die Reichsbank ein Vorbild für viele später gegründete Zentralbanken in anderen Staaten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Reichskassenscheine (treasury notes):

In Deutschland ab 1874 von der Reichsschuldenverwaltung (National Debt Office) in Berlin in einem gesetzlich festgelegten Rahmen ausgefertigte Geldzeichen. Sie wurden im Nennwert von 5, 10, 20 und 50 Mark in Umlauf gebracht und waren bei jeder Filiale der Deutschen Reichsbank in Noten oder Münzen der Reichsbank umtauschbar, wurden aber vom Publikum weithin als allgemeines Zahlungsmittel angenommen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Reichsmark, RM (reichsmark):

Zwischen 1924 und 1948 die gesetzliche Währungseinheit in Deutschland; ISO-Code XXR.

– Siehe Goldmark, Livre, Mark, Ort, Rentenmark, Taler, Währungsreform.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Reichstitel (securities of the German Reich):

Wertpapiere, die bis zum Untergang des Deutschen Reiches im Jahr 1945 begeben wurden.

– Siehe Dawes-Anleihe, Kammer für Wertpapierbereinigung, Londoner Schuldenkonferenz, Staatsschulden, verweigerte, Young-Anleihe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Reichtum in älteren Dokumenten in Bezug auf 1 auch Opulenz (richness, wealthiness, opulence; national wealth):

1 Die wirtschaftliche Lage einer Person, bei welcher das Total der verfügbaren Vermögenswerte den durchschnittlichen Stand des materiellen Wohl¬stands bei anderen Mitgliedern in der Gesellschaft wesentlich übersteigt. - Bei vielen älteren und neueren Autoren wird Reichtum als etwas grundsätzlich Schlechtes, als ein charakterverderbendes Übel bezeichnet. Das aber lässt sich kaum allgemein begründen. Denn Reichtum

1. befreit eine Person von überladener Sorge um das Auskommen

2. verschafft ihr die Gelegenheit, an der Vermehrung ihrer Kenntnisse und der Besserung der Gesinnungen zu arbeiten

3. ist Schutz vor Taten des Unrechts, der Schmeichelei (flattery), der Lüge und Selbstentfremdung (self-alienation), die aus der peinigenden Lage der Sorge um das irdische Überleben (economic survival) leicht entstehen,

4. verschafft Entschlossenheit und Mut, für Wahrheit und Gerechtigkeit einzutreten, weil und insofern der Reiche unabhängig und ohne Furcht vor wirtschaftlichen Druckmittel anderer (Repressalien; reprisals) sich zu äussern sowie auch zu betätigen vermag und

5. bietet die Gelegenheit, zum Wohle der Armen und Notleidenden etwas zu tun.

– Dass Reichtum immer zur Hintansetzung der Bildung der eigenen Person, zu Geiz, Stolz, Unmässigkeit, Verachtung anderer und zur Unterdrückung von Mitmenschen führe, kann aus der Geschichte allgemein und aus der Wirtschaftsgeschichte im Besonderen nicht beweiskräftig hergeleitet werden.

2 In der älteren nationalökonomischen Literatur das Realvermögen (real assets; grob: Maschinen, Gebäude, Grundstücke, dauerhafte Konsumgüter) eines Landes zuzüglich aller Gegebenheiten, die einer dauerhaften Entfaltung der ökonomischen Kräfte in einer Volkswirtschaft dienen, auch Volkswohlstand genannt.

– Siehe Argyromanie, Chrematologie, Edelmetallhorte, Finanzvermögen, Geiz, Geldmittel, Geldhai, Geldtheologie, Geldversessenheit, Habsucht, Harpax, Mammonismus, Sparsamkeit, Stein der Weisen, Ungüter, Verkehrsunfall, Vermögen, Wohlstand, Wohlstandposition.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Reintermediation und Notrücknahme (re-intermediation):

Banken übernehmen von ihnen selbst oder von nahestehenden Zweckgesellschaften ausgegebene notleidende Papiere. Oft geschieht dies nicht aus vertraglicher Verpflichtung im Zuge einer Rückübertragungs-Klausel, sondern - wie häufig bei Asset-Backed Securities im Gefolge der Subprime-Krise 2007 geschehen - um die Reputation des Instituts zu wahren.

– Siehe Krise der Sicherheiten, Papiere, toxische, Risikoprofil, Structured Investment Vehicle, Unterstützung, stillschweigende, Verbriefung, Verlustabsorbierung, Wasserfall-Prinzip, Zweckgesellschaft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Reinvermögen (net assets, equity):

Das Total der im Eigentum einer Wirtschaftseinheit befindlichen Vermögenswerte (assets: unbewegliches Vermögen [Grundstücke] und bewegliches Vermögen, nämlich Sachen, Wertpapiere, Beteiligungen, Forderungen samt daraus fälligen Zinsen sowie immaterielle Ansprüche [Eigentums-, Forderungs- und Nutzungsrechte]) abzüglich der Verbindlichkeiten; accounting figure, obtained by subtracting all debts, both existing and potential, from all assets).

– Siehe Intangibels, Privatvermögen, Quotenaktie, Vermögen.

– Vgl. die Berechnung und die ermittelten Werte in der Rubrik "Finanzkonten und nichtfinanzielle Konten", Unterrubrik "Jährliche Ersparnis, Investitionen und Finanzierung" im Teil "Statistik des Euro-Währungsgebiets" im jeweiligen Monatsbericht der EZB.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Reisebureau und Touristikbüro (travel agency, tourist agency):

Ein Unternehmen, bei dem in einem Geschäftsraum oder über eine webbasierte Technologie - das heisst: auf dem World Wide Web beruhend, mit ihm arbeitend - herkömmlicherweise

1. Reisen vermittelt,

2. Fahrausweise verkauft,

3. Buchungen aufgenommen und

4. Beratung über Ziele und Wege einer Reise geboten werden. Solche Firmen unterliegen nicht der aufsichtlichen Erlaubnispflicht. Sobald jedoch in Zusammenhang mit diesen Geschäftsfeldern auch Versicherungen angeboten werden, so handelt es sich um eine Versicherungs-Vermittlung; diese unterliegt den entsprechenden aufsichtlichen Vorschriften. Auch bedarf die Beschaffung von Reisedevisen für Kunden einer besonderen Erlaubnis.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Reisekreditbrief (traveller's letter of credit):

An eine Bank oder mehrere Institute im Inland oder Ausland gerichtete Anweisung, dem Begünstigten eine bestimmte Summe an Zahlungsmitteln auszuhändigen. Massenweise kamen Reisekreditbriefe in Deutschland - "Rob" = Reise ohne Bargeld - nach 1920 auf; sie wurden jedoch spätestens ab 1950 durch Reiseschecks verdrängt. Auch stand der Reisekreditbrief weithin in Wettbewerb zum Postsparbuch.

– Siehe Reisescheck, Reise-Zahlungsmittel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Reisegeld früher auch Zehrgeld und Viatorium (travelling money):

1 Zahlung an eine Person, die in dienstlichem Auftrag einen entfernten Ort besuchen muss. Damit sollen die Fahrtkosten (travelling costs) und die Mehrausgaben (additional expenditure) für Verpflegung ausgeglichen werden.

2 Zahlungsmittel - auch in einer fremden Währung - die für eine Urlaubsreise gespart oder bei einer Bank als Darlehn aufgenommen werden.

– Siehe Reise-Zahlungsmittel, Verpflegungsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Reisescheck (traveller's cheque):

Von Banken oder Finanzunternehmen ausgegebene Schecks, die vor allem im internationalen Reiseverkehr Verwendung finden, auf feste Beträge in einer bestimmten Währung lauten und bei Zahlungsempfang mit einer (Vergleichs)Unterschrift quittiert werden müssen. Die Ausgabe solcher Schecks ist in Deutschland erlaubnispflichtig, das Geschäft unterliegt der Aufsicht; siehe auch § 1, Abs. 3, № 4 KWG.

– Siehe Karte, Reisekreditbrief, Reise-Zahlungsmittel.

– Vgl. Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 84.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Reiseversicherung (travel insurance):

Als Oberbegriff jederart Versicherung, die im Rahmen einer Reise abgeschlossen wird. Der Begriff "Reise" umfasst dabei sowohl eine Ortsveränderung selbst als auch den Aufenthalt am Zielort. Im einzelnen unterscheidet man verschiedene Einzelverträge, wie vor allem die Reiserücktrittskosten-Versicherung (travel resignation cost insurance), die Reise-Krankenversicherung (travel medical insurance), die Reise-Rechtsschutzversicherung (travel legal protection insurance) und die Reisegepäck-Versicherung (travel luggage insurance). Entsprechende Verträge werden von Versicherungsunternehmen, Ausgeber von Kreditkarten wie auch von Verkehrsclubs angeboten. Die Anbieter einer wie immer gearteten Reiseversicherung bedürfen der Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.

– Vgl Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 227 f. (Beschwerden über undurchsichtige Verträge).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Reise-Zahlungsmittel (traveller's currency):

Heimisches Zentralbankgeld, das Personen für dienstliche oder private Aufenthalte im Ausland ausgeben. Für die Zahlungsbilanz-Statistik eines Landes sind entsprechende Bewegungen von Bedeutung. - Durch die Einführung des Euro-Bargeldes ist die statistische Erfassung dieser Position sehr schwierig geworden. Sie wird zeither durch Direktbefragungen von Reisenden auf der Grundlage von Stichproben (sample tests) ergänzt bzw. ersetzt.

– Siehe Bargeldtransaktionen, Reisebüro, Reisegeld, Reisekreditbrief, Reisescheck.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2011, S. 32 ff. (Auslandsumlauf von in Deutschland ausgegebenen Banknoten; Bewegungen durch den Reiseverkehr: hier auch Ergebnisse der Haushaltsbefragung zu Reiseausgaben seit 2002; S. 42: Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Reitwechsel (kite, kite flyer):

Mehrere Parteien ziehen gegenseitig Wechsel und akzeptieren diese, ohne dass jedoch diesen Wechseln irgendwelche wirklichen Geschäfte zugrunde liegen. Solche Wechsel dienen einer oder allen beteiligten Parteien lediglich zur Geldbeschaffung, da sie durch Weitergabe zur Begleichung von Verbindlichkeiten eingesetzt werden können. Wechselreiterei (kiting, kite flying) ist in Deutschland nach § 263 StGB eine Straftatbestand.

– Siehe Akzept, Erstklasse-Wechsel, Geldsurrogate, Giro, Kellerwechsel, Pensionswechsel, Prolongation, Rediskontieren, Retoure, Wechselkredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Reizschwelle (detection threshold):

In der Psychologie die untere Grenze, von der ab ein Sinnesorgan Reize empfindet (the level at which an increase in a detected stimulus can be perceived). Das Wort wurde von da auf die von den Verbrauchern wahrgenommene Inflation übertragen. Im Zuge dessen scheint es sicher, dass die Reizschwelle auch bei sehr kleinen Preiserhöhungen im Bereich jener Güter ausserordentlich niedrig ist - die Kunden reagieren mit anderen Worten auf minime Preisänderungen -, die laufend, gar täglich gekauft werden. Dazu gehören bei einem Privathaushalt vor allem Lebensmittel und für Autofahrer (CH: Automobilisten) das Benzin. Durch Kostensteigerungen notwendige offenkundige, sichtbare Preisanpassungen versuchen die Anbieter daher zu vermeiden. Man strebt zunächst andere Wege an, wie etwa Änderungen in der Qualität oder bei abgepackten Waren die Minderung des Gewichts. Das wiederum beschert der amtlichen Statistik und der Inflationsmessung der Zentralbank besondere Probleme.

– Siehe Banknoten-Wertbeschränkung, Inflation, gefühlte, Rampe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rekapitalisierung (recapitalisation):

1 Die Änderung in der Zusammensetzung des Kapitals eines Unternehmens, etwa durch den Austausch von Anleihen durch Aktien, in der Regel mit dem Ziel, die Kapitalstruktur zu verbessern und damit auch den Kurs der Aktie des Unternehmens zu erhöhen (a change in a company's capital structure, such as an exchange of bonds for stock. Recapitalisation frequently is undertaken with the aim of making the company's capital structure more stable, or to boost the company's stock price).

2 Der Ersatz des durch Verluste aufgezehrten Kapitals eines Unternehmens.

3 Die besondere Politik von Private Equity Funds. Im Zuge dessen muss das vom Fonds beherrschte Unternehmen Darlehn bei Banken aufnehmen, die dann als Sonderdividende an den Private Equity Fund ausgeschüttet werden. Auf solche Weise fliesst ein Teil des eingesetzten Kapitals an den Fonds zurück. - Dieses Verfahren wurde vielfach getadelt. Aber eine Bank wird dem vom Private Equity Fund übernommenen Unternehmen nur dann Kredite gewähren, wenn diese durch Sicherheiten, die das selbst Unternehmen bietet, voll gedeckt sind. Die jedoch wird nur dann der Fall sein, wenn die durch den Fonds sanierte Firma wieder am Markt erfolgreich ist.

– Siehe Ausschlachten, Burn-Out Turnaround, Buyout-Kapital, Delisting, Kapitalverwaltungsgesellschaft, Private-Equity-Finan¬zierung, Restrukturierung, Risikokapital, Risikoüberwachung, gegliederte, Vulture Fund, Zwangskapitalisierung.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Oktober 2005, S. 23 ff. (Private-Equity-Markt in Europa mit Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2007, S. 20 (die Rekapitalisierungs-Fähigkeit kann auch ein Anzeichen für die nunmehr gut laufenden Geschäfte bei dem Zielunternehmen sein), Monatsbericht der EZB vom Juli 2009, S. 75 (Rekapitalisierungen und öffentliche Finanzen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rekapitulation (recapitulaton):

In der älteren Finanzsprache auch in der Bedeutung

1 Rechnungen (nach Fälligkeit; after the due date) ordnen;

2 die Salden der Hauptbuch-Konten, zumeist gruppiert nach Aktiva, Passiva, Aufwand und Ertrag, am Schluss als Summen je Kontoart ausweisen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rekognitionsgeld (notarisation fee; ship charge):

1 Eine frühere Zahlung, die bei Beglaubigung von Dokumenten zu entrichten war.

2 Eine Abgabe, die Schiffen beim Befahren bestimmter Flüsse auferlegt wurde.

– Siehe Furtgeld, Octroi, Rheinoctroi, Schleusengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rekonstruktion (reconstruction):

1 Wiedervereinigung einer durch Stripping getrennten Anleihe. Im Falle von Bundesanleihen in Deutschland ist die Rekonstruktion Banken lediglich für deren Eigenbestände erlaubt.

2 Das Bemühen, beschädigtes (Papier)Geld in seinen wesentlichen Merkmalen insoweit wiederherzustellen, dass die Gültigkeit der Banknote zweifelsfrei erkennbar wird. Die Zentralbanken unterhalten zu diesem Zweck oft eigene, hoch spezialisierte Arbeitsgruppen.

– Siehe Geld, beschädigtes.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2011, S. 23 ff. (ausführliche Darstellung des Banknoten-Recycling).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Relegationsgebühr (relegation fee):

Frühere Zahlung an die Quästur der Hochschule für die Erstattung der mit der Relegation - nämlich des Verweises von der Universität - verbundenen Verwaltungskosten. Der Relegat war angehalten, diese Zahlung zu leisten, weil ihm sonst die Hochschule seine Papiere nicht aushändigte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rembourskredit (reimbursement credit):

Ein Darlehn der Bank auf Waren - in der Regel aus Übersee - gegen Aushändigung des Verladescheins, auch Konnossement; bill of lading (nicht loading!) genannt (a document issued by a transporter and confirming that this party has loaded specific goods on board and acknowledges certain characteristics of the journey, such as the applicable incoterm, the origin/destination, and the party[-ies] having legal interest in the cargo).

– Siehe Denaro.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Remedium (remedy, tolerance):

Bei Kurantmünzen der gesetzlich erlaubte Münzfehler bei der Prägung. Nach dem deutschen Münzgesetz vom 7. Dezember 1871 war beispielsweise diese Abweichung auf zweieinhalb Tausendstel des Gewichts und zwei Tausendstel am Feingehalt (fineness: the proportion of pure precious metal) der Goldmark begrenzt.

– Siehe Abnutzung, Alliage, Geld, böses, Lötigkeit, Münze, Münzen-Paradoxon, Passiergewicht. Rauhgewicht.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Remission (remission):

In älteren Dokumenten die Stundung (deferment, deferral) oder der Nachlass (abatement) von Abgaben, wenn dem Pflichtigen aufgrund aussergewöhnlicher Umstände (exceptional circumstances) - vor allem bei Missernte (bad harvest, crop failure) und Viehseuchen (cattle plagues, epizootic diseases) - die Zahlung kaum möglich wäre. Alte landesherrliche Remissionsordnungen enthalten dazu in der Regel bis ins einzelne gehende und für die Wirtschaftsgeschichte beachtenswerte Bestimmungen.

– Siehe Aufschub-Frist.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Remittance Services (so zumeist auch im Deutschen gesagt, seltener Geldtransferdienstleistungen):

Die Besorgung der Zustellung von Bargeld, Giralgeld oder elektronischen Zahlungsmitteln von einem Auftraggeber zu dessen Kunden. Seit Oktober 2009 gilt für den gewerbsmässigen Betrieb solcher Geschäfte das Zahlungsdienste-Aufsichtsgesetz. - Ein ernsthaftes Problem stellen die nicht lizenzierten Finanztransfer-Dienstleister dar, in der Regel in ethnisch abgeschottetem Umfeld. Sie gelten unter anderem als der Geldwäsche sowie der Terrorismus-Finanzierung verdächtig.

– Siehe Dampfstube, Finanzagent, Geldwäsche, Hawala, Geldtransfer-Vermittler, Ghettobanking, Underground Banking, Winkelmakler, Zahlungsinstitut.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 71, Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 83 ff. (besondere Aufsichts- und Ermittlungsmassnahmen) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Remote Banking (so auch im Deutschen gesagt):

Der automatisierte Zugang auf Finanzdienstleistungsinstitute (the use of programmable machines to carry out banking transactions).

– Siehe Bankportal, Benutzerfreundlichkeit, Direct Brokerage, Internet-Bank, Metcalfe-Regel, Moonlight Banking, Mobile Banking, Multikanalbank, Online Banking, Phishing, Prosumer, Safer Traffic, Sofa-Banking.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Renationalisierung und Desintegration (renationalisation, disintegration):

In Zusammenhang mit der EWU um 2012 aufgekommene Bezeichnung für die Geschäftspolitik europäischer Banken, bei der Kreditvergabe nur noch heimische Unternehmen zu bedienen. Der europäischen Finanzmarktintegration wird dadurch entgegengewirkt. Grund für diese Erscheinung ist die Tatsache, dass sich die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen (macroeconomic environment) einiger Mitgliedsstaaten der EWU besorgniserregend verschlechtert hatten, und die Institute hier ein hohes Ausfallrisiko befürchten, zumal Gläubiger im Zuge der Rettungsmassnahmen etwa für Griechenland und Zypern auf einen Grossteil ihrer Forderungen im Rahmen eines Schuldenschnitts verzichten mussten. Dadurch erhält beispielsweise derzeit (im Sommer 2013) ein auf dem Weltmarkt sehr erfolgreicher Mittelständler (medium sized firm) in Norditalien Kredit - wenn überhaupt - zu, bei weitem höheren Zinsen als der Konkurrent im benachbarten Österreich. Dies ist eine Wettbewerbsverzerrung (distortion of competition) und für einen gemeinsamen Binnenmarkt untragbar.

– Siehe Bankenunion, Enteignung, kalte, Finanzmarktintegration, Giovanni-Barrieren, Griechenland-Krise, Home Bias, Rechtsangleichung, Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente, SEPA-Rat, Stabilitätsfonds, europäischer, Südfront, Systemkonflikt, finanzmarktlicher. Transferunion, Vermögensabgabe, Vertragstreue, Zwangsenteignung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Renationalisierung, geldpolitische (renationalisation of European monetary policy):

Nach der ursprünglichen Absicht der EZB setzt diese die für alle verbindlichen Regeln fest, nach denen die nationalen Zentralbanken der Mitgliedsstaaten Kredite vergeben. Nach der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise wurde die Geldpolitik der EZB immer mehr zur Kriseneindämmungspolitik. Im Zuge dessen gestattete es der EZB-Rat mit der Mehrheit der Mitglieder der Südfront, dass Zentralbanken der Mitgliedsstaaten Darlehn an heimische Banken auch gegen Sicherheiten gewähren, die unter dem Standard des Rahmenwerks für die Bonitätsbeurteilungen der EZB liegen.

– Siehe Becket-Effekt, Europäische Währungsunion, Grundfehler, EZB-Protokolle, Veröffentlichung, EZB-Sündenfall, Friedman-These, Geldvermehrung, währungsunion-interne, Griechenland-Krise, Gruppendruck, Monetaristen, Rettungspaket, Sitzordnungsstreit, Südfront, Umverteilung, zentralbankbewirkte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rendite (rate of return, yield, return on investment, ROI):

Wenn nicht ausdrücklich anders definiert, so meint man das Verhältnis des meist in Prozenten ausgedrückten Gewinns zum eingesetzten Geldbetrag (capital; Kapital, Investition) innert eines Zeitraums; in der älteren volkswirtschaftlichen Literatur auch Profitrate (rate of profit) genannt. - Dabei bezeichnet Brutto-Rendite den Gewinn als solchen, Netto-Rendite den

1. um Kosten einschliesslich allfälliger Währungs-Transferkosten und/oder

2. um Abgaben verminderten Gewinn.

– Siehe Economic Value Added, Erfolg, Ergebnis, Ertrag, Profit, Rendite-Risiko-Grundsatz, Rentabilität, Verzehnfacher, Yield-to-Call, Zitronenhandel.

– Im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets" sind jeweils in der Rubrik "Finanzmärkte" Renditen von Staatsanleihen nach verschiedenen Gesichtspunkten ausgegliedert.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rendite, implizite (implied repo rate):

Der Gewinn, welcher sich ergibt

1. beim Erwerb eines Finanzinstruments oder einer Ware auf dem Kassamarkt und

2. seinen gleichzeitigen Verkauf am Terminmarkt,

3. in Jahresprozenten gerechnet (the rate of return that can be obtained from buying a debt instrument and simultaneously selling it against that futures contract, calculated in percent per annum).

– Siehe Kassaspekulant, Rohstoff-Terminvertrag, Terminspekulant.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rendite-Abstand und Renditeabstand (yield spread, yield distance):

1 Auf dem Finanzmarkt allgemein der Unterschied im Ertrag aus verschiedenem Wertpapieren (the difference in yields on different types of debt securities).

2 Bei der EZB im Besonderen auch der Unterschied zwischen dem Ertrag aus Unternehmensanleihen einerseits und Staatsanleihen andererseits. Die Rendite von Staatsanleihen wird im Teil "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Finanzmärkte", Unterrubrik "Rendite von Staatsanleihen" des jeweiligen Monatsberichts der EZB - teilweise vergleichend mit den USA und Japan - ausgewiesen.

3 Besonderes Mass zur Beurteilung der Stabilität auf Finanzmärkten. Hier wird der Unterschied zwischen nachrangigen Schuldverschreibungen von Banken und Staatsanleihen berechnet.

– Siehe Abstand zur Ausfallschwelle, Crowding out, Laufzeitprämie, Rentenwerte, Unternehmensanleihen.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2001, S. 16 ff., Monatsbericht der EZB vom August 2002, S. 66, Monatsbericht der EZB vom April 2003, S. 20 (), Monatsbericht der EZB vom Januar 2005, S. 25 f. (mit Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Juni 2005, S. 33 f. (Unterschiede bei Unternehmen mit BBB-Rating erklärt), Monatsbericht der EZB vom September 2006, S. 39 (Übersicht der Rendite-Abstände seit 1999), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2006, S. 41 (Rendite-Abstand von normalen zu inflationsgeschützen Anleihen), Monatsbericht der EZB vom November 2006 (Rendite-Abstände von Unternehmensanleihen; Anfälligkeit der Märkte bei zunehmender impliziten Volatilität; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2007, S. 37 ff. (ökonometrisches Modell zur Erklärung von Rendite-Abständen bei Anleihen), Monatsbericht der EZB vom Mai 2008, S. 37 ff. (Rendite-Abstände von Staatsanleihen seit 1999; Übersichten, Erklärungsansätze), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2008, S. 34 (die jeweilige Lage der öffentlichen Finanzen auch in der Eurozone ziehen die Anleger in Betracht), Jahresbericht 2008 der EZB, S. 82 ff. (Entwicklung seit 1999; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Juli 2009, S. 31 ff. (Renditeabstände während der Finanzkrise; Vergleich Eurogebiet zu USA; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Juli 2009, S. 75 (Gründe für Rendite-Abstände langfristiger Staatsanleihen innert des Eurogebiets), Geschäftsbericht 2009 der Deutschen Bundesbank, S. 27 (Renditeabstände von Anreihen aus dem Eurogebiet 2006-2010), Geschäftsbericht 2010 der Deutschen Bundesbank, S. 27 (mehrere Rendite-Abstände im Vergleich), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2011, S. 43 (Aufschläge für Staatsanleihen der Pigs seit 2009), Monatsbericht der EZB vom Juni 2013, S. 46 ff. (ausführliche Darstellung der Rendite-Abstände seit 2007; viele Übersichten; Erklärungsansätze), Monatsbericht der EZBvom Mai 2014, S. 73 ff. (ausführliche Darstellung der Rendite-Abstände in der EWU seit 1999; viele Übersichten; Wirkung des Ankauf-Programms der EZB; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Renditejagd (hunt for returns, chase after returns):

Besonders im Umfeld einer Niedrigzinspolitik anschwellende Neigung, hohe Risiken einzugehen, um Erträge zu erwirtschaften. - Versicherungen, die ihren Kunden eine Mindestverzinsung zugesagt haben, geraten bei einer nahe Null liegenden Verzinsung von Einlagen in eine Klemme; denn sie müssen höhere Zinsen zahlen als sie für die herkömmliche Anlage der eingehenden Prämien erhalten. Sie werden also versuchen, Engagements einzugehen, die eine höhere Rendite - jedoch nach dem Rendite-Risiko-Grundsatz auch eine höhere Verlustgefahr - erwarten lassen. Beispielsweise vergeben sie Darlehn an Finanzinvestoren oder betätigen sich auf Rohstoffmärkten, soweit dies aufsichtsrechtlich statthaft ist. - Gerade auch Finanzinvestoren müssen jetzt riskanteren Engagements zuwenden, und dabei verschulden sich erfahrungsgemäss diese Unternehmen in bedenklichem Umfang. Geraten sie nun in eine Liquiditätsklemme, so sind sie gezwungen, ihre Vermögenswerte zu jedem Preis zu verkaufen. Das hat vielfache Auswirkungen auf die entsprechenden Märkte und bringt den Finanzinvestor selbst leicht in den Ruin. Diese Gefahr ist deshalb so gross, weil der Schattenbankbereich bis anhin von den Aufsichtsbehörden noch nicht überwacht wird.

– Siehe Bankenregulierungs-Paradoxon, Finanzialisierung, Geheimtip, Gleiches Geschäft - Gleiche Regel-Grundsatz, Go-go-Fonds, Hölle-und-Flut-Vertrag, Junk-Bonds, Penny-Stocks, Pump and Dump, Risikokapital, Risikoneigung, Schattenbank Terror-Papiere, Zitterprämie.

– Vgl. Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 118 ff. (Probleme der Versicherungen und Pensionsfonds in einem Niedrigzins-Umfeld einerseits und Solvency-II andererseits).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rendite-Risiko-Grundsatz (yield-risk axiom):

Eine hohe Rendite auf jedem Teilmarkt (sub-market) des Finanzmarktes gesamthaft (total financial market) spiegelt immer auch ein höheres Risiko wieder. - Manchmal wird dieser Grundsatz auch mit dem Hauptsatz des Pythagoras (bei einem rechtwinkligen Dreieck ist die Summe der Quadrate über den Katheten gleich dem Quadrat über der Hypotenuse) für die Geometrie vergleichen. Beidesmal ist ein unmittelbar gewisses Urteil (axiom; Axiom) und damit ein unverrückbarer Richtsatz ausgedrückt. - Gelegentlich der Subprime-Krise wurde deutlich, dass viele und selbst sogar professionelle Anleger diesem Grundsatz zuwiderhandelten. Es wurde völlig übersehen, dass auf dem Finanzmarkt nicht mit Leichtigkeit zweistellige Renditen zu erwarten sind, wenn im Produktionsbereich der Wirtschaft schon sechs Prozent als Glanzleistung (masterly-achievement) gelten. Denn letztlich spiegelt ja der Finanzmarkt den Gütermarkt wider.

– Siehe Geheimtip, Go-go-Fonds, Hölle-und-Flut-Vertrag, Junk-Bonds, Penny-Stocks, Pump and Dump, Renditejagd, Risikokapital, Risikoneigung, Staatsschulden, verweigerte, Supergewinn, Terror-Papiere, Zitterprämie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Renominalisation und Nennwertangleichung (re-nominalisation):

Wenn nicht anders definiert, beim Übergang von nationalen Währungen zum EUR die Änderung der Nennbetrags von Wertpapieren mit den Ziel, "runde" Einheiten - etwa: 100 EUR - und damit eine bessere Handelbarkeit (Marktfähigkeit; tradeability) zu erreichen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rentabilität (profitability; return on equity):

1 Allgemein das Verhältnis des Erfolgs zum eingesetzten Kapital und in der Regel dem Begriff Rendite gleichgesetzt (the ratio of profit or loss to the capital that had to be invested to generate this result).

2 Im engeren Sinne das Verhältnis des während einer bestimmten Periode erwirtschafteten Reingewinns, also des Gewinns nach Abzug sämtlicher Aufwendungen, Steuern und Abgaben, zum Eigenkapital, die Eigenkapital-Rendite (the sum of net profit, i.e. the gross revenue after running costs and taxes have been deducted, relative to the amount of equity).

– Siehe Bruttoertrag, EBITDA, Gewinn, Kurs-Gewinn-Verhältnis, Rendite, Rendite-Risiko-Grundsatz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rente (rent; annuity; old-age pension):

1 Allgemein eine regelmässige Zahlung in Geld.

2 Einkommen aus Vermögen.

3 Die Erträge aus einer Investition.

4 Laufende Zahlungen an Personen, die aus dem Berufsleben ausgeschieden sind; im Besonderen

1. Leistungsbezüge im Ruhestand aus den gesetzlichen Sozialversicherungssystemen sowie 2. durch Unfall oder Krankheit gar nicht oder nur beschränkt Arbeitsfähige.

5 In der Nationalökonomik

1. die regelmässige Zahlung für die Nutzung fremden Grund und Bodens (a payment made periodically by a tenant to a landlord in return for the use of land) oder

2. der Überschuss zwischen Ertrag aus einem Grundstück bzw. einer Immobilie und den Produktionskosten (the leftover of the produce or return yielded by a given piece of cultivated land over the cost of production; the yield from a piece of land or real estate), auch Grundrente genannt.

6 In der Politologie leistungsloses Einkommen, das unter Ausnutzung des Staates erkämpft wird; vor allem durch unmittelbare staatliche Transfers, aber auch auf dem Weg der gewaltsame Zurücksetzung von Wettbewerbern auf dem Markt.

– Siehe Ausgleichsabgabe, Beamtenvereine, Erbgeld, Ewiggeld, Pensionsfonds, Rentabilität, Wittum.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rente, kapitalgedeckte (funded old-age provision, capital-based old-age scheme):

Gegenstück zur gesetzlichen Rentenversicherung (statutory public pension scheme). Bei der kapitalgedeckten Form werden die geleisteten Versicherungsbeiträge als Vermögen angesammelt. Der Sparanteil wird vom Versicherer verwaltet und am Kapitalmarkt in Aktien, festverzinsliche Wertpapiere, und andere Titel investiert. Der Versicherungsnehmer bekommt von der Versicherung die Garantie, auf alle Fälle sein eingezahltes Kapital samt Zinsen nach Ende der Laufzeit als Altersrente nutzen zu können. Die Versicherungsleistung speist sich somit aus angespartem Kapital, Zinserträgen und dem Gewinn aus den angelegten Wertpapieren. - Die kapitalgedeckte Rente wurde in Deutschland ab etwa 2000 immer mehr empfohlen und schliesslich 2001 im Altersvermögensgesetz geregelt. Ziel ist es, von der ausschliesslich umlagefinanzierten Rente schrittweise wegzukommen und das Gewicht der Kapitaldeckung in der Alterssicherung zu erhöhen. Eine teilweise Kapitaldeckung in der Alterssicherung hilft, das demographische Risiko des Umlagesystems zu entschärfen. Bis Ende 2012 hatten knapp sechzehn Millionen Deutsche entsprechende Verträge abgeschlossen. Die auf diese Weise erzeugte Nachfrage nach Papieren erwies sich als stabilisierendes Gewicht auf dem Kapitalmarkt auch in Krisenzeiten.

– Siehe Alterung, Altersquotient, Altersvorsorge-Verträge, Nominalwertgarantie, Pensionsfonds, Prudent man standard of care, Rabbi Trust, Rentenversicherung, gesetzliche, Tontine.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Renten (bonds, debt securities; old-age pensions):

1 In Deutschland übliche ältere Bezeichnung für festverzinsliche (fixed interest bearing) Schuldverschreibungen.

2 Allgemein die Zahlungen an nicht mehr im Erwerbsprozess stehende Menschen.

– Siehe Apanage, Gilt, Nachhaltigkeit, Pension, Pensionsfonds, Rente.

– Vgl. das monatlich erscheinende Statistische Beiheft "Kapitalmarktstatistik" der Deutschen Bundesbank zum Absatz und Erwerb von Renten in Deutschland, nach verschiedenen Gesichtspunkten aufgeschlüsselt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rentenanleihe (perpetual government loan, perpetual):

In der Regel von einer staatlichen Stelle begebenes Wertpapier, ohne die Absicht, eine bestimmte Tilgung durchzuführen. Es wird lediglich zugesichert, die Zinsen zu bezahlen (perpetuals are never redeemable and thus continue to pay interest as long as the borrower remains solvent. They have no duration because there is no contractual undertaking for repayment, which nevertheless in most cases may take place when the issuer so wishes).

– Siehe Nullkupon-Anleihe, Rentenwerte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Renten-Arbitrage (fixed income arbitrage):

1 Der Kauf von günstig bewerteten Anleihen und Leerverkauf verwandter Papiere.

2 Das Ausnutzen von Marktunvollkommenheiten (market failures, market imperfections, in erster Linie die Ungleichverteilung von Informationen) bei festverzinslichen (fixed interest bearing) Wertpapieren (an investment strategy that aims to profit from temporary price inefficiencies by taking long/short positions in related fixed income securities). Vor allem Hedge-Fonds widmen sich diesem Geschäftsfeld.

– Siehe Differenzgeschäft, Position, ungedeckte, Spekulation.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rentenbank (mortgage bank):

Bank, welche die Ablösung laufender Renten dadurch erleichtert, dass sie dem Rentenschuldner zur sofortigen Auszahlung der kapitalisierten Renten entsprechende Summen vorschiesst, und sich diese dann als Tilgungsbeträge von ihm abzahlen lässt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rentenfonds (bond-based fund):

Im wesentlichen in festverzinslichen (fixed interest bearing) Schuldverschreibungen angelegtes Vermögen einer Kapitalverwaltungsgesellschaft.

– Siehe Obligationen, Renten.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juni 2007, S. 28 ff. (anteilsmässige Gliederung der Fonds). Im jeweiligen Monatsbericht der EZB ("Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Monetäre Entwicklungen Banken und Investmentfonds", Unterrubrik "Fonds nach Anlageschwerpunkten") finden sich bilanzielle Aufstellungen über die Rentenfonds im Euroland. - Im monatlich erscheinenden Statistische Beiheft "Kapitalmarktstatistik" der Deutschen Bundesbank auch Zahlen über die Anzahl, den Anteilumlauf und das Vermögen inländischer Rentenfonds (domestic bond-based funds), nach verschiedenen Gesichtspunkten aufgeschlüsselt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rentenmark, RM (renten mark):

Währungsbezeichnung einer im Oktober 1923 eingeführten deutschen Zwischenwährung zur Überwindung der Inflation; es galt 1 RM = 100 Rentenpfennig. Der Rentenmarkt löste im Verhältnis 1:1 Billion die völlig entwertete Papiermark ab. Die in Verkehr befindlichen Reichskupfermünzen wurden den neuen Rentenpfennigen gleichgestellt, also zur Gänze in die neue Einheit umgetauscht. Im August 1924 wurde die Rentenmark durch die Reichsmark ersetzt.

– Siehe Münzhorte, Reichsbank, Scheidemünze, Währungsreform.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rentenversicherung, gesetzliche (statutory pension insurance, old age pension scheme):

In Deutschland auf das Jahr 1889 zurückgehende Zwangsversicherung (statutory insurance), um Einkommen bei unfallbedingter Erwerbsunfähigkeit und Altersruhegeld zu gewährleisten. Vielfach umgestaltet und auf die jeweiligen Gegebenheiten angepasst, stellt sie heute einen wichtigen Parafiskus dar.

– Siehe Altersvorsorge-Verträge, Bundesagentur für Arbeit, Gesundheitsausgaben, Krankenversicherung, gesetzliche, Rente, kapitalgedeckte, Pflegeversicherung, Steuerfinanzierung.

– Vgl. das Finanzgebaren der gesetzlichen Rentenversicherung ausgewiesen im Statistischen Teil des jeweiligen Monatsberichts der Deutschen Bundesbank, Rubrik "Öffentliche Finanzen in Deutschland", Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2008, S. 51 ff. (gründliche Darstellung; Ausblick; Übersichten; im Anhang wichtige rechtliche Regelungen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2011, S. 77 (Finanzlage seit 2009).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rentenwerte (fixed interst bearing securities, bonds):

Wertpapiere mit fester Verzinsung. Demgegenüber bringen Dividendenwerte wie etwa Aktien ein in ihrer Höhe abwechselnde Rendite.

– Siehe Renten, Rentenanleihe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rentier und Rentner (rentier, man of private means):

1 In der älteren Finanzsprache jemand, der vom Ertrag seines Vermögens und im Besonderen vom Ertrag aus einem zinsträchtigen Portfolio lebt (someone whose income is from property rents or bond interest and other investments), früher häufig auch Kuponschneider genannt.

2 Heute oft gesagt in Bezug auf eine Person, die Ruhegehalt bezieht, und hier im Besonderen ehemalige Beschäftigte im öffentlichen Dienst (pensioners, retirees; Pensionäre, Pensionisten, in älteren Dokumenten auch Quiëszenten).

– Siehe Coupon, Dividende, Geldleute, Oldie-Geschäft, Kapitalist, Pension, Polyplusius, Power-age financial market, Private Banking, Rente, kapitalgedeckte, Silver Economy, Wealth Management.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Renumeration (renumeration):

In der älteren Finanzsprache häufig gesagt

1. allgemein für jederart Vergütung für Dienstleistungen und

2. im Besonderen für das Entgelt geleisteter Arbeit (wages and other benefits received as compensation for employment).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Repackaging (so auch im Deutschen gesagt, seltener Umpackung):

In der Finanzsprache das Weiterreichen von Risiken an Dritte seitens einer Bank, im Wesentlichen durch das Mittel der Verbriefung.

– Siehe Originate-to-distribute-Strategie, Verpackungskunst, Verbriefungsstruktur, Zweckgesellschaft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Repartierung (repartition):

1 Bei der Emission von Wertpapieren das Übersteigen der Summe der gezeichneten Beträge über den angebotenen Gesamtbetrag; es bewirkt diesfalls meist eine Rationierung, eine beschränkte Zuteilung.

2 Die Zuteilung des Angebots der Zentralbank nach Quoten im Falle einer Übernachfrage. - Beim Abschluss von Offenmarktgeschäften übersteigen häufig die Gebote der Banken das von der Zentralbank als bedarfsgerecht bemessene Zuteilungsvolumen. Damit wird eine Repartierung notwendig. - Bei einem Mengentender werden von der EZB alle Gebote zu einem einheitlichen Repartierungssatz (average allotment ratio: vorgesehenes Volumen geteilt durch den Gesamtbetrag der Gebote) zugeteilt. Bei einem Zinstender werden allein die Gebote zum marginalen Zuteilungssatz entsprechend repartiert, sämtliche darüber liegenden Gebote hingegen voll zugeteilt.

– Siehe Emission, überzeichnete, Überzeichnung, Zuteilungsverfahren, amerikanisches.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juli 2000, S. 40 (Erläuterungen zum Verfahren), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2009, S. 29 (Repatriierungssatz von hundert Prozent während der Finanzkrise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Repatriierung seltener Heimholung (repatriation):

1 Die Rückführung von in fremden Währungsgebieten angelegten Vermögenswerten in das (Währungs)Inland (the return of capital from a foreign currency area to the investor's home currency zone).

2 Die Überweisung von Gewinnen einer ausländischen Filiale an die heimische Muttergesellschaft (the act of remitting profits from a foreign affiliate to the parent firm).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Repatriierungs-Effekt seltener Abzugsfolgen (repatriation effect):

Schwindet das Vertrauen ausländischer Investoren in die Verlässlichkeit der Wirtschaftspolitik im Anlegerland, dann werden dort angelegte Summen abgezogen. Das verschärft in aller Regel die Schwierigkeiten in dem entsprechenden Staat und kann weitreichende Folgen bis hin zum Staatsbankrott haben. Vor allem Island, die baltischen Staaten und osteuropäische Staaten wie Ungarn und Rumänien bekamen das Ende 2008 deutlich zu spüren. Island musste vom Internationalen Währungsfonds vor dem Staatsbankrott (national bankruptcy) geschützt werden. - Die Repatriierung grosser Summen aus den osteuropäischen Staaten wurde vielfach gerügt. Dabei blieb aber fast immer die Ursache unerwähnt, nämlich schlechte Wirtschaftspolitik in dem Gastland, zweistellige Defizite in der Zahlungsbilanz, zu hohe Staatsverschuldung, verschlechterte Bedingungen für ausländische Investoren, um sich greifende Korruption und tief verwurzelte Schlamperei im Staatssektor, Allein nur die Wirkung (repatriation of capital; Rückholung des Kapitals) wurde anklagend herausgestellt.

– Siehe Islandbanken-Falle.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Replacement Capital (so zumeist auch im Deutschen gesagt, seltener Ersatzkapital):

1 Angesammelte Mittel, um damit Anteile von Eignern zu erwerben, die aus einem Engagement aussteigen (funds set aside to acquire capital shares from investors who wish to sell). Häufig sind die Einzelheiten einer allfälligen Übernahme durch Miteigner im Voraus bereits vertraglich festgelegt.

2 Geld für Ersatzinvestitionen, nämlich Kapitaleinsatz, um abgenutzte Teile des Produktionsapparats zu erneuern (capital required to replace productive capacity depreciated during a reporting period).

– Siehe Flip, Exit, Investition.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Repo-Geschäft (sale and repurchase agreement):

Rückkaufsvereinbarung bei Wertpapiergeschäften - also ein Verkauf unter gleichzeitigem Termin-Rückkauf -, meistens bezogen auf den Verkehr zwischen Zentralbank und Geschäftsbanken. - Der Rückkaufpreis setzt sich dabei zusammen aus Kaufpreis und Zins (agreement under which institutional investors or companies can exchange cash for securities for a fixed period of time. At the end of the contract, which can take various legal forms, the securities are returned to their initial owner. All title and rights to the securities are transferred to the buyer of the securities for the duration of the contract). - Wirtschaftlich betrachtet gilt das Repo-Geschäft als gedeckter Kredit, wobei jedoch Kursschwankungen während der Laufzeit im Fall einer Über- oder Unterdeckung des Kredits zu einem regelmässigen Margenausgleich führen. Zweck der Repo-Geschäfte mit der Zentralbank ist die kurzfristige Liquiditätssteuerung (short-term cash management) durch diese.

– Siehe Finanzmarktintegration, europäische, Geldschöpfung, Geldmarkt-Segmente, Inter-Quarter Ballooning, Pensionsgeschäft, liquiditätszuführendes, Pensionssatz, Refinanzierungsgeschäft, längerfristiges, Reverse-Repurchase-Geschäft.

– Vgl. ausführlich Monatsbericht der EZB vom November 2002, S. 61 ff, Monatsbericht der EZB vom Dezember 2009, S. 26 ff. (Repo-Geschäfte während der Finanzkrise; Übersichten), Finanzstabilitätsbericht 2009, S. 39 (Zusammenhang zwischen Verschuldungsgrad und Repo-Markt), Monatsbericht der EZB vom Februar 2010, S. 71 ff. (lehrbuchmässige Erklärung der Geschäfte; Euro-Repomärkte während der Finanzkrise; viele Übersichten), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 54 f. (aufsichtsrechtliche Massnahmen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2013, S. 59 ff. (ausführliche Darstellung der Repo-Geschäfte und ihre Bedeutung für den Finanzmarkt; viele Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Januar 2014, S. 75 ff. (zur Liquiditätspolitik der EZB; viele Übersichten), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 31 (zur Beaufsichtigung und Regulierung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Repomarkt (repurchase market):

Allgemein der Ort, auf dem die Marktteilnehmer kurzfristige Liquidität gegen Sicherheiten handeln.

– Siehe General Collateral-Repos, Repo-Geschäft.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2014, S. 73 f. (Ausblick: wachsende Bedeutung der Repomärkte).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Report (premium):

1 Der Terminpreis einer Devise liegt über dem Kassakurs (day's rate; Tageskurs).

2 Manchmal auch gesagt von der Zahlung, die der Käufer einer Option dem Verkäufer bezahlt (the price of an option, paid by the buyer of an option to the seller of an option).

– Siehe Abschlag, Deport, Devisentermingeschäft, Swapsatz, Zuteilungsverfahren, holländisches.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Reporting (so auch im Deutschen gesagt, seltener Informationsvermittlung und Unterrichtung):

1 Berichterstattung eines Unternehmens über den Geschäftsablauf.

2 Meldung der Abschlüsse in Effekten, die über die Börse gehandelt wurden. An den meisten Börsen besteht für alle Marktsegmente eine strenge Reporting-Pflicht.

3 Informationen einer Bank an die Anleger über den aktuellen Kurs der jeweiligen Finanzprodukte; heute in der Regel auf elektronischem Wege frei oder für Anleger mit persönlich zugeschnittenem Portfolio mit Kennwort abzurufen.

– Siehe Klartext, Kürteil, Meldepflicht.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Repräsentanz und Firmenvertretung (representative office):

Auf dem Finanzmarkt die Niederlassung von ausländischen Instituten im Inland (an office established by a bank in a foreign country where a branch office or subsidiary seems not advisable). - Die Aufsichtsbehörden haben solche Betriebe besonders im Auge. Denn oft hat sich gezeigt, dass sie auch unerlaubt Bankgeschäfte betreiben bzw. andere Finanzdienstleistungen anbieten. In Deutschland in § 53a KWG sowie in § 24 der Anzeigeverordnung im Einzelnen rechtlich geordnet.

– Siehe Agentur, Agglomerations-Effekt, Allianzen, grenzüberschreitende, Auslandsbanken, Auslandszweigstelle, Bankenaufsicht, europäische Europa-AG, Europäischer Pass, Internationalisierung, Kreditinstitut, grenzüberschreitend tätiges, Markteintrittskosten, Ring fencing.

– Vgl. Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 188 (Auflistung der 102 zum Jahresende 2002 in Deutschland registrierten Repräsentanzen nach Herkunftsland), Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 115 f. (Schweizer Kreditinstitute in Deutschland), Jahresbericht 2011 der Deutschen Bundesbank, S. 117 ff. deutsche Institute im Ausland; Übersicht), Finanzstabilitätsbericht 2012 S. 75 ff. (ausländische Schattenbanken).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Repräsentationsproblem (problem of representation):

In Bezug auf die EZB der Umstand, dass Deutschland zwar siebenundzwanzig Prozent des Grundkapitals (capital subscribed) der Zentralbank bereitstellt, aber das gleiche Stimmengewicht (votes weight) hat wie etwa das Mitglied Malta, das lediglich 0,4 Prozent einbezahlt hat. - Solange der EZB-Rat mit der gemeinsamen Geldpolitik im Euroraum befasst ist, dürfte der Grundsatz: "One-member-one-vote" angemessen sein. Wenn indessen die EZB Mitglieder wie Griechenland, Italien oder Spanien durch Mehrheitsbeschluss im EZB-Rat mit Aufkäufen von Staatsanleihen dient, dann kann und darf diese Regel nicht mehr gelten. Denn Deutschland trägt immerhin 27 Prozent des Risikos solcher Transaktionen und Malta nur 0,4 Prozent. Dieser Umstand reizt zwangsläufig zu einem Moral-Hazard-Spiel. In Kenntnis der Tatsache, dass letztlich Deutschland Europayer ist, wird die Südfront die EZB dazu ausnutzen, Staatsfinanzen in den jeweiligen Heimatländern zu finanzieren.

– Siehe Becket-Effekt, Demokratie-Defizit, Ein-Stimmen-Prinzip, EZB-Protokolle, Veröffentlichung, EZB-Rat, Europäische Währungsunion, Grundfehler, EZB-Sündenfall, Geldkuh, Handlungsbereitschaft, Hegemon, milder, Retterei, Rotationsprinzip, Sitzordnungsstreit, Südfront, Transfer, verschleierter.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Repression, finanzielle und kalte staatliche Beraubung (financial repression, silent expropriation):

1 Im engeren Sinne meint man damit Zwangsmassnahmen, mit denen Staaten ihre Finanzierungskosten niedrig halten, ohne auf Ausgabenkürzungen vornehmen und damit gegen Verfassungsartikel Eins verstossen zu müssen. Die Massnahmen - in der Regel von der heimischen Zentralbank umgesetzt - zielen demzufolge darauf ab, dem Staat Zugang zu frischem Kapital zu verschaffen und zwar zu Bedingungen, die am freien Markt nicht zu erreichen wären. Im Zuge dessen werden die Zinsen herabgedrückt, und die dadurch bewirkten sehr niedrigen Einlagezinsen durch die Inflation aufgezehrt. Dies führt dann zu negativen Realzinsen. Durch sie erleiden die Sparer, Altersversicherte und Anleger Kaufkraft- und Kapitalverluste. Diese Verluste der Besitzer der Anleihen mindern letztlich die Staatsschulden. - Es handelt sich mit anderen Worten um die heimliche, keiner demokratischen Willensbildung unterworfene Beeinflussung der Nominalzinsen mit dem Zweck der Umverteilung von Ersparnissen hin zum Schuldner und damit vor allem zu den verschuldeten Staaten.

2 In weiterem Sinne auch Massnahmen wie

1. die Vorschrift für Banken, eine bestimmte Menge an Staatsanleihen zu kaufen und in ihrem Portfolio zu halten (requiring domestic banks to buy and hold government debt instruments via regulations), wie dies lange Zeit in Italien geschah,

2. Eingriffe in den freien Kapitalverkehr (government restrictions on the transfer of moneys abroad through the imposition of capital controls) oder gar

3. die Übernahme der Kontrolle der Institute durch den Staat (government ownership or control of domestic banks and financial institutions with simultaneous placing of barriers before other institutions seeking to enter the market).

– Siehe Anmassung, zentralbankliche, Carry Traders, Enteignung, kalte, Finanzinvestition, Führung, verbale, Italienische Methode, Negativzins, Niedrigzinspolitik, Nullzins, Quantitative Easing, Schuldendroge, Umverteilung, zentralbankbewirkte, Verschuldungsanreiz, Weginflationierung, Zinsallokations-Funktion, Zinssenkungs-Politik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Reputation und Renommee (reputation):

Der gute Name, das Ansehen, die Kreditwürdigkeit, die Bonität eines Akteurs auf dem Finanzmarkt.

– Siehe Ring fencing, Übermut, Vertrauen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Reputationsrisiko und Rufschaden-Risiko (reputation risk):

Gefahr, dass eine Bank und allgemein: ein Unternehmen durch fehlerhaftes Verhalten einzelner, von Gruppen bzw. auch aufgrund besonderer Umstände - wie etwa durch notleidende Papiere der ihr nahestehenden Zweckgesellschaften oder durch widrige Vorkommnisse in nahestehenden Unternehmen, aber auch durch Ereignisse wie einen Stromausfall - einen Vertrauensschwund bei Geschäftspartnern und Kunden erleidet. So brachen Kunden ihre Beziehungen zur Ergo-Versicherung ab, nachdem 2007 "leistungsstarke Mitarbeiter" (high-performing employees) auf Kosten der Firma und offenbar mit Gutheissung der Geschäftsleitung zu Bordellen in Budapest und 2012 zu Sex-Reisen nach Mallorca sowie ins ferne Jamaika entsendet wurden. - Das Reputationsrisiko gilt als spezielle Form des operationellen Risikos und wird von den Aufsichtsbehörden seit etwa 1998 besonders ins Auge gefasst.

– Siehe Auslagerung, Badwill, Brokergeschäft, Compliance, Fehlertoleranz, Fehlerveröffentlichung, Incentive Reisen, Insourcing, Outsourcing-Risiken, Risiko, banktechnisches, Risiko, operationelles, Risiko, personelles, Risiko, strategisches, Rückschlag-Effekt, Spill-over-Effekt, Zweckgesellschaft-Zuordnung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Research Coordination Committee (so auch im Deutschen; seltener Beratender Koordinierungsausschuss für Forschung):

Gremium der EZB, das die hauseigenen Forschungsarbeiten aufeinander abstimmt und entsprechende Fremdaufträge vergibt.

– Siehe Absorptionsfähigkeit, Forschung, Forschungsnetzwerk zur Inflationspersistenz und Preissetzungsverhalten, Geldverbrennung, Internationales Forschungsforum zur Geldpolitik.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der EZB, S. 131 ff. (Tätigkeitsbericht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Reserve (reserve):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter im Finanzbereich allgemein angesammelte Zahlungsmittel, die für einen späteren Zweck eingesetzt werden (money that is stored so that it can be used for a special purpose at a later time).

– Siehe Bedeckung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Reserveguthaben (reserve holdings):

Bei der EZB Guthaben der Geschäftspartner auf ihren Reservekonten, welche der Erfüllung der Mindestreserve-Pflicht dienen. Deren Höhe findet sich ausgewiesen im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Monetäre Statistik" im jeweiligen Monatsbericht der EZB.

– Siehe Reserveüberschuss.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Reservekonto (reserve account):

Konto, auf dem ein Geschäftspartner Reserveguthaben unterhält. Die Zahlungsausgleichskonten der Geschäftspartner bei den nationalen Zentralbanken können als Reservekonten genutzt werden.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Reservesockel und Pufferreserve (reserve base, cash money cushion):

Bei Banken über den täglichen Bedarf an Bargeld im Publikumsverkehr (opening hours) gehaltene Beträge an Zentralbankgeld, um das Risiko einer vorübergehenden Illiquidität auszuschliessen.

– Siehe Eventual-Kasse, Liquidität, Liquiditätspräferenz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Reserveüberschuss (reserve excess):

Bei der EZB das Guthaben der Banken gesamthaft auf den Konten der Zentralbank, welche das Mindestreserve-Soll überschreitet, jeweils an einen bestimmten Tag gerechnet.

– Siehe Reserveguthaben.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2008, S. 17 (auffallende Veränderungen im Reservesoll während des Beginns der Subprime-Krise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Reservewährung (reserve currency):

Weltweit geschätztes Geld - wie derzeit vor allem der CHF, EUR und USD -, das Zentralbanken neben Gold vorzugsweise in Rücklage für Notfälle halten.

– Siehe Währungsreserven.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Residential Mortgage Backed Securities, RMBS (so auch meistens im Deutschen gesagt, seltener verbriefte besicherte private Wohnungsdarlehn):

Segment des Verbriefungsmarktes, in dem verschiedene Hypothekar-Kredite bzw. durch private Wohnimmobilien besicherte Anleihen in einem Pool gebracht werden (asset-backed securities which are collateralised by a portfolio of residential properties).

– Siehe Asset-Backed Securities, Commercial Mortgage Backed Securities, Darlehn, nicht standardisiertes, Kreditderivat, Mortgage Equity Withdrawal, Ninja-Loans, Portfolio-Versicherung, Rückschlag-Effekt, Subprime-Krise, Subprime-Wohnraumfinanzierung, Verbriefung, True-Sales-Initiative, Wohnungsbaukredite, verbriefte, Zinseinfrierung, Zitronenhandel, Zweckgesellschaft.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2006, S. 40 (Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Reskription (rescription):

1 In älteren Dokumenten ein schriftlicher Auftrag zur Auszahlung eines Geldbetrags, ein Zahlungsauftrag (payment oder).

2 Heute vor allem in der Schweiz verbreiteter Ausdruck für Schatzanweisung des Bundes bzw. Schatzwechsel eines Kantons oder einer Kommune mit einer Laufzeit von bis zu vier Jahren. Reskriptionen dienen in der Regel der vorübergehenden Mittelbeschaffung öffentlicher Stellen. Teilweise werden mit ihnen auch konjunktur- oder kapitalmarktpolitische Ziele verfolgt. Banken können die Papiere unter Umständen bei der Zentralbank in Pension geben.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Respekttage, in älteren Dokumenten auch Diskretionstage (days of grace, grace period):

1 Allgemein die Frist, die ein Gläubiger nach Fälligkeit einer Forderung dem Schuldner einräumt (the period of time offered to a borrower to remedy a default situation before an event of default is formell declared).

2 Früher bei Wechseln nach deren Verfall oftmals eingeräumte zwei Tage, um dem Inhaber Zeit zur Protesterhebung zu gewähren, auch Respiro-Tage, Respittage, Diskretionstage und Faveurtage genannt.

– Siehe Karenzzeit, Nachschuss-Schwelle, Respiro, Sichtwechsel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Respiro (time limit after due date):

Eine Nachfrist (respite) für eine verspätete Zahlung des Schuldners, im Allgemeinen ohne Rechtsfolgen (without consequences of default).

– Siehe Geldvergessliche, Karenzzeit, Respekttage, Verzug, Zahlungsausstand.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Restanten (outstanding sum; taxable entities in default):

In der älteren Literatur häufig gebrauchte Bezeichnung für

1 eine noch zur Zahlung ausstehende Summe sowie auch

2 Bürger und Firmen, die ihrer Abgabepflicht noch nicht nachgekommen sind.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Restantenlisten und Ausstandslisten (lists of bonds drawn but not yet presented):

In der älteren Finanzsprache in Fachblättern veröffentlichte Verzeichnisse der gekündigten bzw. auch der verlosten, aber noch nicht zur Zahlung vorgelegten Wertpapiere.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Restriktionstendenz (tightening bias):

Die angekündigte Absicht einer Zentralbank, in mehreren einzelnen Schritten und auf verschiedenen Wegen die Geldmenge zu verknappen.

– Siehe Aktentaschen-Indikator, Forward Guidance, Führung, verbale, Signalwirkung, Tarnkappen-Politik, Unschärfe, konstruktive.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Restrisiko (residual risk; diversifiable risk):

1 In Bezug auf Finanzmärkte bleibende Unsicherheit, die sich auch nicht durch entsprechende Absicherungsstrategien wie etwa Hedge-Geschäfte ausschalten lässt (exposition to loss remaining after other identified risks have been eliminated, hedged, factored in, or otherwise accounted). - Typisch für diese Unsicherheit sind vor allem externe Schocks, wie etwa der Bankrott eines Partners oder eines Staates mit entsprechenden Dominostein-Effekten, das heisst, dass sich diese Störungen zwangsläufig von einem der auf den Finanzmärkten Agierenden meistens sehr rasch auf den Marktteilnehmer auswirkt.

2 Das für ein einzelnes Unternehmen eigentümliche Risiko, wie etwa ein Strike, aufwendiger Rechtsstreit oder Naturereignis; dieses Risiko kann durch Diversifikation weitgehend ausgeschaltet werden (the risk that is unique to a company such as a strike, the outcome of unfavourable litigation, or a natural catastrophe that can be eliminated pretty much through diversification).

– Siehe Formeln, finanzmathematische, Herdenverhalten, Imponderabilien, Kursrisiko, besonderes, Liquiditätskrisenplan, Naturereignis, Reputationsrisiko, Risiko, systemisches, Risikotragfähigkeit, Staatsschulden, verweigerte, Stress-Test, Unsicherheit, Worst Case Szenario.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Restrukturierung und Neuaufstellung (restructuring; burn-out turnaround):

Wenn nicht anders definiert, so meint man damit ein besonderes Geschäft der Private Equity Funds.

1. Angeschlagene, insolvente und von den Banken meistens schon ganz aufgegebene Unternehmen werden vom Fonds mit Eigenkapital aus dessen Mitteln versehen, unter die Kontrolle des Fonds gebracht und zumeist auch mit einem neuen Management ausgestattet.

2. Dadurch wird das Unternehmen wieder kreditwürdig und kann Darlehn - manchmal auch vom Fonds selbst - bekommen.

3. Die Produktion läuft wieder weiter, und die Beschäftigten behalten ihren Arbeitsplatz.

Diese Tätigkeit der Fonds wurde kritisiert, weil es den Fonds nur um die Schaffung finanzwirtschaftlicher Wertsteigerung (accretion: increase in money value) gehe. Das ist zwar im Kern richtig. Aber durch die Sanierung werden Arbeitsplätze erhalten, und (for what reasons; warum?) ins Trudeln gekommene Betriebe können, nunmehr restrukturiert, auf dem Markt wieder erfolgreich werden.

– Siehe Ausschlachten, Burn-Out Turnaround, Buyout-Kapital, Delisting, Event-Driven Fund, Greenmail, Hedge-Fonds-Kredite, Heuschrecken, Insolvenz, Insolvenzkosten, Management Buyin, Non-performing loans, Raider, Sanierung, Rettungsbeihilfe, Vulture Fund, Zahlungsunfähigkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Restrukturierungsfonds (restructuring fund):

1 Mit dem Restrukturierungsgesetz eingeführter Kapitalstock, in den welchen die Bankenabgabe fliesst. Der Fonds wird von der Finanzmarktstabilisierungsanstalt verwaltet und unterliegt der Fachaufsicht des Bundesministeriums für Finanzen.

2 Auf europäischer Ebene errichtete Abwicklungsbehörde mit der Vollmacht, durch frühzeitiges Eingreifen (early intervention) eine Schieflage bei einem Institut im Vorfeld abzuwenden.

– Siehe Abwicklungsmechanismus, einheitlicher, Bad Bank-Modell, deutsches, Bankenkrankenhaus, Bankenrettungsgesetz, Banktestament, Brückeninstitut.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2009, S. 82 (Grundsätzliches zur Restrukturierung und Abwicklung systemrelevanter Institute), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 129 f. (Vorstellung des Restrukturierungsfonds), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2014, S. 31 ff. (ausführliche Darstellung der EU-weiten Regelung; Hinweise auf die Rechtsquellen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Restrukturierungsgesetz (restructuring law):

1 Zu Jahresbeginn 2011 in Kraft getretenes Gesetz (offiziell: "Gesetz zur Restrukturierung und geordneten Abwicklung von Kreditinstituten, zur Errichtung eines Restrukturierungsfonds für Kreditinstitute und zur Verlängerung der Verjährungsfrist der aktienrechtlichen Organhaftung") mit dem hauptsächlichen Ziel, die Lasten allfälliger Bankenkrisen auf die Institute zu verlagern. Staatliche Stützungsmassnahmen werden als letztes Mittel auf das zur Stabilisierung des Finanzmarktes unbedingt notwendige Nass beschränkt. Das Gesetz räumt der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht weitreichende neue Befugnisse ein.

2 Der von der EU-Kommission vorgelegte einheitliche rechtliche Rahmen für die Sanierung und Abwicklung von Banken: der einheitliche Abwicklungsmechanismus.

– Siehe Bankenkrankenhaus, Bankenrettungsgesetz, Bankenunion, Banktestament, Massnahme bei Gefahr, Restrukturierungsfonds, Rettungspakte, Sanierungsanordnung, Übertragungsanordnung, Vermögensabgabe, Zwangsenteignung.

– Vgl. Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 127 ff. (ausführliche Darstellung und Begründung des Gesetzes), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2011, S. 63 ff. (Vorstellung des Gesetzes; Einzelfragen; Literaturverweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2014, S. 31 ff. (einheitlicher europäischer Abwicklungsmechanismus; ausführliche Darstellung; Rechtsquellen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Restrukturierungsverwaltung (restructuring administration):

Im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise aufgekommene Forderung, eine systemrelevante Bank sofort dann, wenn diese ihren Verpflichtungen gegenüber den Gläubigern nicht mehr pünktlich nachkommen kann, unter Zwangsregie der Aufsichtsbehörde zu stellen. In Deutschland wurde dazu ein eigenes Gesetz beschlossen, das zu Jahresbeginn 2011 in Kraft trat.

– Siehe Bankenrettung, Massnahme bei Gefahr, Restrukturierungsgesetz.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2009, S. 82 (Grundsätzliches zur Restrukturierung und Abwicklung systemrelevanter Institute), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 11 (Grundzüge des Restrukturierungsgesetzes), S. 127 ff. (ausführliche Darstellung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Restwert (declining balance):

Die Höhe der noch zu bedienenden Schulden, die sich mit jeder Zahlung mindert (the balance of remaining debt that declines with each payment).

– Siehe Begleichung, Bezahlung, Eintreibung, Fälligkeit, Forderung, Vorauszahlung, Ziel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Retailgeschäft (retail banking, consumer banking):

Alle Umsätze einer Bank mit der Masse der Privathaushalte. Hierzu zählen auch Firmenkredite an kleine Gewerbetreibende (small business owners) und Handwerker. - Das kundennahe Retailgeschäft gilt zwar als besonders fixkostenintensiv (provokes a high level of fixed costs), es sichert aber der Bank in der Regel einen dauerhaften, stabilen Umsatz und sollte gemäss einer alten Faustregel aus der Bankpraxis möglichst die Hälfte des Gewinns bringen. Ausfälle sind im Retailgeschäft verhältnismässig gering; zumal dann, wenn die Institute eine sorgfältige Bonitätsprüfung vornehmen. Freilich ist der Wettbewerb zwischen den Banken im Retailgeschäft sehr hoch. Das zwingt jedes Institut, der Kundenbindung besondere Aufmerksamkeit zu widmen.

– Siehe Blankokredit, Kredit-Punktbewertungsverfahren, Massengeschäft, Mehrfachverbindung, Personalkredite, Privatkredit, Wholesale Banking.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Retoure (returned bill [of exchange]):

In der älteren Finanzsprache ein mangels Akzept oder mangels Zahlung an den Vormann (preceding endorser) zurückgehender Wechsel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Retrozession (retrocession):

1 Allgemein die Abgabe von Risiken, die von einer Versicherung übernommen wurden, an Vertragspartner (retrocessionaires; Retrozessionäre) gegen eine vereinbarte Prämie.

2 Im Besonderen die Verbriefung von Risiken, die eine Rückversicherung übernommen hat. Dabei werden diese Risiken über in der Regel tranchierte, mit unterschiedlicher Tranchendicke ausgestattete und dann nach dem Wasserfall-Prinzip gestufte Katastrophen-Anleihen in Privatplazierung weitergegeben. Käufer entsprechender Papiere sind vor allem Hedge-Fonds.

– Siehe Aktiva, illiquide, Credit Default Swap, Credit Linked Notes, Embedded-Value Verbriefung, Insurance-Linked Securities, Katastrophen-Anleihen, Kreditderivat, Kreditverbriefung, Portfolio-Versicherung, Risikominderungstechniken, erweiterte, Risikotransfer, Risikotransformation, bankliche, Risikoübernahme-Grundregel, Single Hedge-Fonds, Total Return Swaps, Verbriefungsstruktur, Verlustabsorbierung, Wetterderivat, XXX-Insurance-Linked Securities.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Retterei (unlicensed rescue, rescue without authorisation):

In Bezug auf die geldpolitischen Outright-Geschäfte der EZB - dem OMT-Programm: dem Kauf von Staatsanleihen schwächelnder Mitglieder der EWU, um diese zu unterstützen: damit wird der disziplinierende Druck des Marktes (disciplinary pressure of the market) ausgehebelt, der zur ausgeglichenen Haushaltsgebarung zwingt - bei der Anhörung vor dem Bundesverfassungsgericht (German Federal Constitutional Court) im Juni 2013 geprägter Ausdruck. - Auch für alle Massnahmen der Zentralbank sollte der Grundsatz der Marktwirtschaft gelten, nämlich dass die Anreiz- und Sanktionskräfte nicht beeinträchtigt, sondern gestärkt werden. Eine Bank, die Risiken eingeht, um einen Gewinn zu erwirtschaften, muss auch für allfällige Verluste einstehen. Sind die Kapitalgeber dazu nicht bereit oder nicht in der Lage, dann ist das Institut abzuwickeln. Es geht nicht an, dass die Zentralbank diese Zombiebanken künstlich am Leben erhält und/oder Steuerzahler in Haftung treten müssen.

– Siehe Anmassung, zentralbankliche, Aufkäufe, zentralbankliche, Bailout, Bilanzbereinigung, Europäische Währungsunion, Grundfehler, EZB-Sicherheiten, EZB-Sündenfall, Friedman-These, Letztsicherungsvorkehrung, Repression, finanzielle, Gläubigervorrang, Rettungseuropäer, Rettungsroutine, Risikoträger, endgültiger, Schattenstaat, Sekundärmarkt, Sicherheitsabschlag, Überregierung, Umverteilung, zentralbankbewirkte, Vertragstreue, Vermögensabgabe, Wettbewerbsfähigkeit.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2014, S. 87 ff. (Wirkungen der Ankaufprogramme der EZB; Übersichten; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rettungsbeihilfe (public rescue aid):

Ein Darlehn der öffentlichen Hand zur kurzfristigen Aufrechterhaltung der Liquidität eines Unternehmens; in der Regel auf sechs Monate begrenzt und mit dem Zweck, einen Plan zur Sanierung während dieser Zeit erstellen zu können. Für Unternehmen in der EU gelten dabei die Vorschriften aus den "Leitlinien der Gemeinschaft für staatliche Beihilfen zur Rettung und Umstrukturierung von Unternehmen in Schwierigkeiten (2004/C 244/02)". Sie sollen verhindern, dass aus einer Rettungsbeihilfe ein öffentlicher Umstrukturierungs-Zuschuss (restructuring grant) oder eine Dauersubvention (permanent subsidy) erwächst.

– Siehe Adressenauffallrisiko, Abwicklungsmechanismus, einheitlicher, Bankrott, Gehalts-Stop, Insolvenz, Insolvenzkosten, Manifestierung, Sanierung, Zahlungsunfähigkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rettungseuropäer (rescue Europeans):

Im Jahr 2011 in Zusammenhang mit der zutage getretenen hohen Staatsverschuldung von Mitgliedsstaaten der EWU und der daraufhin aufgespannten Rettungsschirme aufgekommene, höhnische Bezeichnung für die Mitglieder der EWU in den Medien.

– Siehe Erpressungspotential, Europäische Finanzstabilisierungsfazilität, Gläubigervorrang, Retterei, Rettungspaket, Rettungsroutine, Risikoträger, endgültiger, Schattenstaat, Troika, Zwei-Wege-Option.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rettungspaket (rescue package) und Rettungsschirm (rescue parachute) und Krisenbewältigungsmechanismus (crisis management mechanism):

1 Im Jahr 2008 in der Finanzwelt aufgekommener Begriff in der Bedeutung, dass der Staat strudelnden Banken zur Hilfe kommt. - Die von den Regierungen einzelner Länder im Zuge der mit der Subprime-Krise ausgebrochenen Finanzkrise 2008 in Kraft gesetzten Rettungspakte enthielten grundsätzlich drei Instrumente, nämlich

1. Garantieübernahmen,

2. Rekapitalisierungen der Institute mit freiwilliger oder pflichtiger Beteiligung und

3. Übernahme von Risikopositionen. Es setzte sich aber auch Einsicht durch, dass fallweise Rettungsaktionen allein nicht ausreichen, um gegen eine zunehmend systemische Finanzkrise vorzugehen.

– Nach Schätzungen des IMF haben die Industrienationen zur Glättung der Finanzkrise für Kapitalspritzen, Rettungskäufe, Garantien und die Bereitstellung von Liquidität gut dreissig Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausgegeben.

2 Auch gesagt von den Hilfen, die seitens der EZB, des IMF sowie anderer Staaten und Institutionen einigen auf den Staatsbankrott zusteuernden Ländern der EWU gewährt wurden. - Allein die Politik ist demokratisch legitimiert, Rettungspakete zu schnüren. Wenn jedoch die Geldpolitik hier einspringt, dann führt dies dazu, dass die Finanzpolitik gar nicht oder zu spät handelt.

– Siehe Abwicklungsmechanismus, einheitlicher, Bad Bank-Modell, deutsches, Bankbasierung, Bankenrettung, umgekehrte, Bankenrettungsgesetz, Bazooka, Erpressungspotential, Europäische Finanzstabilisierungsfazilität, Europäische Währungsunion, Grundfehler, Exit-Strategie, EZB-Sündenfall, Finanzmarktstabilisierungsanstalt, Friedman-These, Gläubigervorrang, Griechenland-Krise, Irland-Krise, Pflichtwandelanleihe, Portugal-Krise, Privatsektor-Beteiligung, Restrukturierungsgesetz, Retterei, Rettungseuropäer, Rettungsroutine, Risikoträger, endgültiger, Schuldenclub, Sifi-Oligopol, Stabilitätsfonds, europäischer, Südfront, Tina, Too big to save-Grundsatz, Transferunion, Troika, Wachstum-Schulden-Tatsache, geschichtliche, Wachstumskräfte-Mobilisierung, Zombiebank, Zwangswandelanleihe, Zwei-Wege-Option, Zypern-Krise.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Dezember 2008, S. 81 ff. (Grundsätzliches zu Rettungspaketen in Krisenzeiten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2008, S. 8 f. (Eckwerte des Stabilisierungsprogramms der Bundesregierung), Monatsbericht der EZB vom März 2009, S. 84 ff. (Grundsätzliches zu den Rettungspaketen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rettungsroutine (rescue routine):

Als "Wort des Jahres 2012" in Deutschland gewählter Ausdruck. Er verbindet - sprachlich ungewöhnlich - zwei widersprüchliche Begriffe und soll damit zum Ausdruck bringen, dass die ständig wiederkehrenden Massnahmen zur Stabilisierung hochverschuldeter Mitglieder der EWU letztlich wohl ins Leere laufen (will be in vain: run out, and the moneys spent are dissipated into thin air).

– Siehe Europäische Finanzstabilisierungsfazilität, Europayer, Gläubigervorrang, Konditionalität, Letztsicherungsvorkehrung, Retterei, Rettungseuropäer, Rettungspaket, Risikoträger, endgültiger, Schattenstaat, Zwei-Wege-Option.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Retuschier-Kredit und Retuschierkredit (credit for the purpose of retouching):

Andere Bezeichnung für einen Non-performing loan, nämlich ein Darlehn mit dem alleinigen Zweck, das Bilanzgefüge zu verbessern (to improve the balance sheet structure; retouch = to correct in order to get a more desirable appearance).

– Siehe Angaben, verschleierte, Bilanzkosmetik, Buchführung, kreative, Buchführung, manipulative, Informations-Überladung, Intra Quarter Ballooning, Kristallisation, Sachverhaltsgestaltung, Ultimo-Factoring, Verlustfalle, Rosinenpickerei.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Reuegeld und Reugeld (forfeit, fine; conscience money):

1 Vergütung, die bei zwei Vertragspartnern einer dem anderen bezahlt, um sich das Rücktrittsrecht vom Vertrag vorzubehalten; auch Wandelgeld genannt. Es entspricht im Grossen und Ganzen der Prämie bei Spekulationsgeschäften.

2 Zahlung, um Unrecht wiedergutzumachen; im Besonderen auch gesagt für eine freiwillige oder von der Finanzbehörde festgelegte Nachzahlung bei Steuerverkürzung (money paid willingly to compensate for dishonesty, as well as money paid by assessment of tax authority for taxes formerly evaded).

– Siehe Angeld, Abstandsgeld, Optionsgeschäft, Prämiengeschäft, Spekulation.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Revers (back side):

Wenn nicht anders definiert, die Rückseite einer Münze.

– Siehe Avers, Bajoire, Eteostichon, Kaisermünze, Millesime.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Reversal (so auch im Deutschen gesagt):

Wenn nicht anders definiert einer der Wege, um Risiken aus einem Zinsswap abzusichern. Dabei schliesst die Bank einen zweiten gegenläufigen Zinsswap - üblicherweise mit einem anderen Partner - über den gleichen Nominalbetrag und die gleiche Laufzeit ab. Aus den Zinszahlungen entstehen somit in der Zukunft feststehende Gewinne oder Verluste.

– Siehe LIBOR-Spread, Swapgeschäft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Reverse Auction manchmal auch Buyer's Auction (so auch im Deutschen gesagt):

Eine Versteigerung (Gant; auction), bei der nicht der Bieter mit dem höchsten Angebot den Zuschlag erhält, sondern jener mit dem tiefsten Angebot (auction in which sellers bid prices for which they are willing to sell items ). - Diese umgekehrte Auktion bringt Käufern den Vorteil, den niedrigsten Anbieter unter Lieferanten bzw. Verkäufern zu finden. Der Preis des Versteigerungs-Gegenstandes fällt fortlaufend, bis der erste Bieter annimmt. Das Verfahren wurde in Zusammenhang mit dem Kauf problematischer Aktiva durch das Finanzministerium der USA im Zuge der Subprime-Krise lebhaft erörtert.

– Siehe Tenderverfahren, Versteigerer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Reverse Dumping (so auch im Deutschen, seltener [unschön] Verarbeitungsrückstrom:

Wird ein heimisch gewonnener Grundstoff unter den Marktpreisen ins Ausland verkauft, so strömt das damit hergestellte Gut billig ins Inland zurück Dies treibt mit den höheren Rohstoffpreisen belastete einheimische Hersteller in den Ruin. Das hat immer auch Auswirkungen auf den Finanzmarkt, weil die Banken ihre Darlehn an die nun zahlungsunfähigen Firmen abschreiben müssen.

– Siehe Rückgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Reverse Floater, Inverse Floater und Bull Floater (so auch im Deutschen gesagt; manchmal auch umgekehrter Floater):

Sonderform von variabel verzinslichen (interest bearing) Papieren, bei welcher der Zinsertrag mit dem Referenzzinssatz negativ korreliert ist, sich zu ihm also gegenläufig entwickelt (a structured note where the rate of interest paid to the holder of the instrument varies inversely with changes in a certain reference interest rate). - Der Zinsertrag wird ermittelt durch Abzug (Subtraktion; subtraction) des Basis- oder Referenzzinssatzes von dem in den Anleihebedingungen vorgegebenen Festzins. Als Basiszins dienen in Europa in der Regel der EURIBOR oder der LIBOR. - Reverse Floater sind zumeist mit einem höheren Zinssatz ausgestattet als übliche Floater. Das hat zur Folge, dass sich bei einer Änderung des Basiszinses viel stärkere Kursschwankungen an der Börse zeigen als dies bei normalen Titeln der Fall ist. Bei gängigen Reverse Floatern geht man von einer etwa doppelt so hohen Schwankung (Oszillationen; oscillations) aus. - Noch spekulativer (highly speculative: involving much more risks) sind Formen, die mit einem doppelten Satz ausgestattet sind. Hier ist die Volatilität dreimal höher als jene der normalen Floater. Die Investition lohnt sich insbesondere bei der Erwartung von fallenden Zinsen und sollte in der Nähe des unteren Marktzinses veräussert werden. Da sich jedoch die Verzinsung nach den Kurzfristzinsen richtet, die Kursbewegung aber nach dem langfristigen Marktzins, so ist das Risiko für einen Anleger besonders hoch, wenn sich der Anstieg der langfristigen Marktzinsen anbahnt; selbst dann, wenn die kurzfristigen (noch) fallen sollten.

– Siehe Anleihe, variabel verzinsliche, Anleihe, zinssteigende, Euro-Bonds, Floater, Floor, Rollover-Kredit, Schuldtitel, variabel verzinslicher, Step-down-Anleihe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Reverse Flows (so auch im Deutschen als Begriff der Zahlungsbilanzstatistik):

Kreditaufnahmen heimischer Unternehmen bei

1. ihren ausländischen Töchtern oder

2. über ihre im Ausland tätigen Finanzierungsgesellschaften, die sich auf die Begebung internationaler Anleihen spezialisiert haben. Diese Kredite müssen statistisch bei den Direktinvestitionen berücksichtigt werden.

– Siehe Direktinvestitionen, Inhouse-System, Kapitalbewegungen, internationale.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2001, S. 71, Monatsbericht der EZB vom Juli 2005, S. 22 ff. (Analyse der Zahlungsströme; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Reverse-Repurchase-Agreement (so auch im Deutschen gesagt):

Der Kauf von Wertpapieren mit einer Verkaufsverpflichtung. Es werden im Zuge dessen

1. bestimmte Titel

2. heute

3. für einen im Voraus festgelegten Zeitraum gekauft und

4. zugleich zu einem jetzt vereinbarten Preis zurückverkauft.

– Ähnlich wie beim Verkauf von Titeln mit einer Rückkaufsverpflichtung (Repurchase-Geschäfte), findet dabei in der Regel kein wirtschaftlicher Verkauf statt. Solche Operationen werden daher als besicherte Finanzaktionen behandelt und in der Bilanz in Höhe der geleisteten bzw. erhaltenen Bardeckung ausgewiesen. Reverse-Repurchase-Geschäfte stehen bei einer Bank in der Bilanz als (besicherte) Aktiva, während Repurchase-Agreements als Verbindlichkeit erfasst werden. - Die Zentralbank geht solche Geschäfte im Rahmen ihrer Offenmarktgeschäfte ein; sie befindet sich aber nicht wie bei entsprechenden Transaktionen zwischen gewerblichen Geschäftspartnern in einer Leerposition (also in der Lage eines Partners, der durch eine offene Position ein Risiko einging).

– Siehe Repo-Geschäft, Rollenmischung, bankliche, Rückkaufsvereinbarung, Swappolitik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Reverse-Zertifikat (short certificate, bear certificate):

Zertifikat, das dem Anleger die Möglichkeit bietet, aus fallenden Kursen des Basiswertes einen Gewinn zu erzielen. Es gibt für fast alle Gattungen der Zertifikate auch eine Reverse-Variante. Um aber den Anleger vor allzu starken Verlusten zu schützen, so ist ein Reverse in der Regel mit einem Kurslimit (stop-loss) ausgestattet. Erreicht der Basiswert diese Schwelle, dann wird das Zertifikat fällig gestellt, und der Anleger erhält sein eingesetztes Kapital zurück.

– Siehe Airbag-Zertifikat, Basket-Zertifikat, Bonus-Zertifikat, Diskont-Zertifikat, Express-Zertifikat, Garantie-Zertifikat, Hebel-Zertifikat, Kurslimitauftrag, Outperformance-Zertifikat, Partizipations-Zertifikat, Quanto, Risikopuffer, Sprint-Zertifikat, Strategie-Zertifikat, Themen-Zertifikat, Twin-Win-Zertifikat.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Revolvinggeschäft (revolving business):

Nach § 1, Abs, 1, Satz 2, № 7 KWG die Eingehung der Verpflichtung, zuvor veräusserte Darlehensforderungen vor Fälligkeit zurückzuerwerben. - Zweck dieser Geschäfte ist es, Kreditnehmer, die Darlehn mit längerer Laufzeit benötigen und Geldgeber, die Geld für kürzere Zeiträume zu einem festem Zinssatz anlegen wollen, so zusammenzuführen, dass durch mehrere kurzlaufende, sich ablösende (revolvierende; revolving) Kreditgewährungen verschiedener Geldgeber die Mittel für längerfristige Darlehnsvergaben aufgebracht werden. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hat zum Revolvinggeschäft ein erläuterndes Merkblatt herausgegeben.

– Siehe Darlehn.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rezession und öfters auch Slowdown (recession):

1 In der Definition der amtlichen Statistik und der Zentralbanken ein Rückgang des Bruttoinlandsprodukts über zwei Vierteljahre hinweg (a decline in the gross domestic product over a period of two quarters)

2 Im Sprachgebrauch der Finanzjournalisten und auch der Öffentlichkeit spätestens seit der Subprime-Krise 2007

1. jedwelcher Rückgang volkswirtschaftlicher Kennzahlen wie Auftragseingang, Börsenkurse, Beschäftigung, Konsum, Investitionen oder Ausfuhren

2. bzw. auch auf einzelne Branchen - wie etwa die Automobilindustrie - bezogen.

– Siehe Abschwung, Konjunkturdiagnose, Konjunkturstatistik, Krisen-Vorschatten, Verschuldungsquote, private, Zyklik.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2009, S. 56 ff. (Vergleich der Rezessionen seit 1974; Auswirkungen auf einzelne Bereiche; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom April 2009, S. 10 ff. (Darstellung verschiedenes Rezessions-Typen in den USA; Übersichten, Literaturhinweise), Monatsbericht der EZB vom November 2009, S. 105 ff. (Rezession im Eurogebiet geschichtlich betrachtet; viele Übersichten), Monatsbericht der EZB vom April 2010, S. 48 ff. (Investitionen und Kapazitätsauslastung in der Rezession; Übersichten, S. 51 ff. Erholung aus der Rezession aus historischer Sicht; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2012, S. 12 ff. (Gewicht und Einfluss der Eurozone an der Weltkonjunktur).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rezessions-Widerstandsfähigkeit (recession resistence):

Die Eigenschaft eines Vermögenswertes, einer Branche, eines Unternehmens oder einer Beschäftigtengruppe, dass diese von einem vorübergehenden Rückgang der Bruttoinlandsproduktes kaum oder gar nicht betroffen werden (an asset, company, industry or occupational group which is not significantly or not at all affected by a recession). Zu den rezessionsresistenten Branchen zählt die Lebensmittelindustrie, zu den rezessionsresistenten (recession resistant) Berufen die Beamten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rheinoctroi (Rhine octroi):

Früher eine Geldzahlung, die Schiffe beim Befahren des Rheins zu entrichten hatten. Ihr Ertrag floss grösstenteils in die Unterhaltung der Leinpfade (towpaths; Treidelwege an den Ufern; treideln = ein Schiff vom Ufer aus flussaufwärts ziehen) sowie zur Finanzierung der zur Rheinschiffahrt erforderlichen Arbeiten zu. - In der zeitgenössischen Literatur wird die Vielzahl der Zollstellen (customs stations) am Rhein heftig beklagt; das jeweils erzwungene Anlanden erschwerte den Transport von Personen und Waren beträchtlich.

– Siehe Bugsiergeld, Furtgeld, Naulum, Octroi, Rekognitionsgeld, Schleusengeld, Wassermaut.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rhein-Ruhr-Abgabe (Rhine-Ruhr levy):

Ein Sonderzuschlag zur Steuer, die durch Reichsgesetz vom 11. August 1923 alle Einkommens-, Körperschafts- und Kraftfahrzeugsteuerpflichtigen nach dem Einmarsch der französischen und belgischen Truppen in das Ruhrgebiet zu zahlen hatten. Wegen ausstehender Reparationsleistungen - aufgrund des Versailler Vertrags hatte Deutschland unter anderem an Frankreich zehn Jahre lang 7 Mio t Kohle, an Belgien 8 Mio t, an Italien 8,5 Mio t zu liefern, ferner auch bestimmte Mengen an Benzol [benzene], Kohlenteer [coal tar], schwefelsaures Ammoniak [ammonium sulphate] und andere Güter sowie 47'000 t Gold - besetzten zwischen dem 11. und dem 16. Januar 1923 französische und belgische Truppen in einer Stärke von anfangs 60'000, später 100'000 Mann das gesamte Ruhrgebiet bis Dortmund. Vorübergehend wurden im Frühjahr und Sommer desselben Jahres auch Teile des bergischen Industriegebiets von französische Verbänden okkupiert. Die Rhein-Ruhr-Abgabe sollte die der Reichsregierung in Weimar ausfallende Einnahmen ausgleichen und gleichzeitig Mittel zur Bezahlung der von den Besatzungsmächten entlassenen Personen im besetzten Ruhrgebiet aufbringen.

– Siehe Dawes-Anleihe, Londoner Schuldenkonferenz, Reichstitel, Ruhrgeld, Wohlstandsindex.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ricambio (re-draft, re-exchange):

In der älteren Finanzsprache ein Rückwechsel, der vom Regressnehmer auf den Regresspflichtigen gezogen wird. Er ist auf Sicht zahlbar (payable on demand) zu stellen und unmittelbar (a drittura) auf den Regeresspflichtigen auszustellen. Der Rückwechsel muss eingelöst werden gegen Aushändigung des Ursprungswechsels (change in origin; Hauptwechsels) nebst Protesturkunde. - Ab etwa 1920 erschienen Rückwechsel nur noch selten. Statt dessen wurde es üblich, dem Regresspflichtigen den protestierten Ursprungswechsel zuzuleiten mit der Aufforderung, den Gegenwert sofort zu vergüten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ricardo-Effekt (Ricardo effect):

Mit dieser Bezeichnung werden verschiedene Erscheinungen benannt.

1 Die Veränderung der Kapitalintensität in einer Volkswirtschaft steht in Abhängigkeit von den Marktpreisen für Arbeit und Kapital.

2 Hohe Staatsverschuldung führt zu einem Vertrauensverlust auf dem Kapitalmarkt. Die Zinsen steigen dort, weil eine höhere Risikoprämie in den Preis für Leihkapital eingerechnet wird; in dieser Bedeutung auch Barro-Effekt genannt.

3 Senkt der Staat seine Ausgaben, so kommt es bei den Privathaushalten zu einem Rückgang der Sparquote, weil bisher durch staatliche Transferzahlungen finanzierte Ausgaben jetzt vom Privathaushalt selbst bezahlt werden müssen.

4 Ab einem bestimmten Stand der Staatsverschuldung läuft die Politik des Staates, durch mehr Staatsausgaben die Nachfrage anzuregen, ins Leere. Denn Unternehmen und Privathaushalte hegen die Erwartung, dass die höhere Verschuldung mit einer Erhöhung der Steuern verbunden ist. Sie halten sich daher mit Ausgaben zurück.

– Siehe Repression, finanzielle, Staatsverschuldung, konsummindernde.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2006, S. 14 (in Bezug auf die unter 3 erklärte Bedeutung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente, MiFID (Markets in Financial Instruments Directive, MIFID):

In Nachfolge und Fortschreibung der Europäischen Wertpapier-Dienstleistungs-Richtlinie im April 2004 von der Europäischen Kommission veröffentlicht. Sie gilt als das Grundgesetz für den europäischen Binnenmarkt für Finanzdienstleistungen und trat in Deutschland am 1. November 2007 in Kraft als "Gesetz zur Umsetzung der Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente (RiL 2004/39/EG, MiFID) und der Durchführungsrichtlinie (RiL 2006/73/EG) der Kommission (Finanzmarkt-Richtlinie-Umsetzungsgesetz) vom 16. Juli .2007, BGBl. I 2007, 1330 vom 19. Juli 2007". - Die MiFID gilt als das Herzstück des EU-Aktionsplans zur Schaffung eines unbeschränkten Binnenmarktes für Finanzdienstleistungen. Inhaltlich zielt sie auf eine Stärkung des Anlegerschutzes und des auch grenzüberschreitenden Wettbewerbs der Anbieter untereinander.

– Siehe Best Execution, Goldplating, Rechtsangleichung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2004, S. 39 f. (Vorstellung der MiFID), Jahresbericht 2012 der EZB, S. 134 (Neufassung der Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 165 (Stand der Beratungen zur Produktaufsicht und - Überwachung bei Wertpapierdienstleistungsunternehmen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Richtigbefinden (correctness):

In der älteren Literatur als Hauptwort oft gebraucht in der Bedeutung von Anerkennung, Bestätigung, Beglaubigung einer unterbreiteten Abrechnung allgemein und des von einer Bank vorgelegten Kontoauszugs (bank statement) im Besonderen.

– Siehe Rechnungsablage.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Riffelung (ribbing, edge lettering):

Eine Markierung - oft eine Aufschrift - auf dem Rand einer Münze (inscription on the outside edge of a coin). Das Anbringen einer Kennzeichnung geschah regelmässig im Zuge des Herstellungsprozesses für alle Münzen einer Gattung. Manchmal aber wurden von Besitzern auch einzelne Stücke auf diese Weise persönlich gekennzeichnet (the inscription may be made by the owner of the coin). Bei älteren Münzen hatte die Riffelung das Hauptziel, betrügerisches Beschneiden des Geldstücks aufzudecken.

– Siehe Legende, Rändelung, Wipper.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ring fencing (so auch im Deutschen gesagt, seltener Einzäunung):

1 Eine

1. am Markt weniger bekannte - beispielsweise die aus dem Gerling-Bereich ausgegliederte, aber von den Agenturen mit besten Ratings ausgezeichnete "Revios Rückversicherung GmbH"; diese ist inzwischen in den französischen SCOR-Konzern eingegliedert - Firma

2. geht - gegen entsprechende Bezahlung - treuhänderisch unter das Dach eines bekannten Unternehmens - hier: der Vereinigten Hannoverischen Versicherung a. G. -,

3. um mit dem Namen des Treuhänders am Markt Vertrauen zu gewinnen. Derartige Verbindungen im Bereich von Finanzdienstleistungen bedürfen in den meisten Staaten und so auch in Deutschland der Einwilligung der Aufsichtsbehörden.

2 Die nationale Aufsichtsbehörde eines Staates setzt besondere, überaus hohe, sachlich nicht gerechtfertigte Anforderungen an ausländische Niederlassungen von Banken. Man spricht hier auch von aufsichtlichem Protektionismus (supervisory protectionism). - Ring fencing in dieser Absicht schadet über kurz oder lang dem betreffenden Land, das den Wettbewerb durch leistungsfähige Anbieter aus dem Ausland (competitive suppliers from abroad) einschränkt. Denn die Massnahme verhindert die bestmögliche Versorgung mit Kapital. Wohlstandsverluste für die entsprechende Volkswirtschaft sind die Folge.

– Siehe Aufsicht, europäische, Aufsicht, weltweite, Aufsichtsharmonisierung, Branding, Protektionismus, Repräsentanz, Reputation.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ripples (so auch im Deutschen gesagt):

1 Bestimmte Ereignisse auf dem Finanzmarkt, die

1. wellenförmige (undulatory, wavelike: von einem Zentrum aus sich anhaltend ausbreitende),

2. geographisch meistens sehr weit reichende und

3. zeitlich unter Umständen lang anhaltende Auswirkungen haben, so wie etwa gelegentlich der Subprime-Krise).

2 Neuerdings auch in dem Sinn gesagt, dass steigende Rohstoffpreise über höhere Kosten für die Verarbeiter zuletzt auf den Preisindex der Lebenshaltung durchschlagen.

– Siehe Zyklik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risiko (risk):

1 Allgemein die Möglichkeit des Eintritts von unerwünschten zukünftigen Ereignissen und Handlungsfolgen, weil - bedingt durch den Zeitverlauf - in nahezu allem eine mangelhafte Voraussehbarkeit des Kommenden vorherrscht (in nearly all types of human engagement there is the potential for events and consequences that constitute chances for benefit [upside] or loss [downside]).

2 Statistisch-mathematisch definiert: das Produkt aus

1. der Eintretens-Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses (probability of occurrence) und

2. dem Schadens-Ausmass (amount of damages [im Englischen hier zumeist die Pluralform]) dieses Ereignisses.

– Von bestimmten Ausnahmen abgesehen - wie vor allem in der Versicherungsmathematik -, ist die Wahrscheinlichkeits-Einschätzung jedoch nicht objektiv, sachlich völlig unvoreingenommen zu messen. Sie bleibt, was leider oft mit mathematischen Formeln verkleistert und daher nicht wahrgenommen wird, in jedem Fall abhängig von Bedingungen (premises; Prämissen, Urteils-Vordersätzen). Daher können selbst die ausgefeiltesten Risiko-Berechnungen denknotwendig nichts anderes ausdrücken als Erwartungen - und auf dem Finanzmarkt zumal.

3 Bei einem Engagement auf dem Finanzmarkt die Ungewissheit hinsichtlich des künftigen Wertes des Vermögensgegenstandes und der Höhe des Ertrages in der geplanten Anlagezeit (the uncertainty over future asset values and future returns in respect to the investment timeframe).

4 In der Versicherung häufig auch vom versicherten Gegenstand bzw. der Person gesagt.

– Siehe Absicherung, Abrufrisiko, Allfinanz-Risikokomitee, Anlage-Risiko, Bilanzposten-Deckelung, Bonitätsrisiko, Due Diligence, Eventualschaden, Expected Shortfall, Finanzstabilitätsbericht, Fristentransformations-Risiko, Fussangelgeschäft, Garantieprodukt, Gefährdung, Informations-Überladung, Korrelationsrisiko, allgemeines, Kumul, Liquiditätsrisiko, Marktliquiditätsrisiko, Phantomrisiken, Refinanzierungs-Risiko, Restrisiko, Rendite-Risiko-Grundsatz, Reputationsrisiko, Risikoinventur, Risiko, leistungswirtschaftliches, Risikokultur, Risikovermeidungs-Politik, Risikoträger, endgültiger, Rohstoff-Terminvertrag, Rückschlag-Effekt, Solvabilität, Solvenzrisiko, Spekulant, Spreizungs-Risiko, Terminrisiko, Tracking Error, Umsatzrisiko, Unsicherheit, Value at Risk, Verlustrisiko, Versicherungsvertrag, Verwässerungsrisiko, Volatilität, Wiedereindeckungs-Risiko, Zitronenhandel, Zwölf-Felder-Risikomatrix.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 62 f. (Zusammenhang von Risiko und Volatilität auf Finanzmärkten), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 56 (Vorschriften für das Liquiditätsrisiko-Management).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risiko, bankliches (banking risk):

Der mögliche Eintritt von unangenehmen Geschäftslagen im Bankgeschäft. Es gilt nach wie vor der Satz: "banking is risk taking"; und durch noch so strenge Regulierung können bankgeschäftliche Risiken nie ausgeschlossen werden. In dem eng verflochtenen weltweiten Finanzsystem wird es immer Gefahren geben, die unterschätzt werden oder gar unerkannt bleiben. Niemand kann auch ausschliessen, dass solche verborgenen Risiken in einem misslichen Zusammentreffen sogar ein systemgefährdendes Ausmass erreichen (may reach an unforeseen dimension that threatens the whole financial system).

– Siehe Risikokultur, Subprime-Krise.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risiko, banktechnisches (bank management risk):

Teil des operationellen Risikos. Zu den Risiken im banktechnischen Management (bank processing, banking issues) zählen in erster Linie die Abwicklungsrisiken, Betriebskostenrisiken und Modellrisiken.

1 Abwicklungsrisiken (processing risks) ergeben sich aus Fehlern und Defiziten, die den technisch-organisatorischen Einsatzfaktoren bzw. deren Zusammenwirken direkt zugeordnet werden können. Sie entstehen, wenn

1. der Umfang bzw. die Menge oder die Qualität der Mittel, die für einen reibungslosen Ablauf erforderlich sind, nicht ausreichen, oder

2. wenn einzelne Abschnitte eines Geschäftsprozesses Schwachstellen aufweisen und zu Fehlern bei der Bearbeitung führen.

2 Betriebskostenrisiken (operating-cost risks) lassen sich zurückführen auf die finanzielle Bewertung der Einsatzfaktoren und den damit verbundenen Kosten. Betriebskostenrisiken können weiter in

1. Kostenabbaurisiken und

2. Kostenerhöhungsrisiken unterteilt werden.

3 Modellrisiken (model risks) sind falschen Annahmen in den zugrunde liegenden Berechnungsmodellen zuzuschreiben. Hierzu zählen in erster Linie Fehler bei der Bewertung und Messung von Finanzpositionen.

– Siehe Defekte, Downside Risk, Due Diligence, Flash Crash, Formeln, finanzmathematische, Geschäftskontinuität, Informations-Sicherung, Intangibels, IT-Risiken, Kursrisiko, besonderes, Marktliquiditätsrisiko, Modellunsicherheit, Rechtsrisiken, Risiko, bankliches, Risikokultur, Risikovermeidungs-Politik, Rückschlag-Effekt, Spreizungs-Risiko, Stromrisiko, Unsicherheit, Value at Risk, Verlustereignis, Videokonferenz, Warehousing Risk.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2005, S. 89 (Risiko-Diversifizierung), Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 99 f. (aufsichtsrechtliche Genehmigung für "Full Use") sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risiko, begrenztes (limited risk):

Bei Geldanlagen der ungünstigste Fall, dass ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals eintritt. Nachschuss-Verpflichtungen, also über den Kapitalverlust hinausgehende Verbindlichkeiten, bestehen jedoch nicht.

– Siehe Bankaktionärs-Interesse, Risiko, unbegrenztes.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risiko, idiosynkratisches (idiosyncratic risk):

1 Gefahren aus Umständen in einem einzelnen Unternehmen. Durch entsprechende Streuung der Investitionen kann man diese Gefahr vermindern (the risk that is firm specific and can be diversified through holding a portfolio of shares).

2 In Zusammenhang mit Verbriefungspapieren von der Gefahr gesagt, die sich auf die Forderung des Originators gegenüber einem einzelnen Darlehnsnehmer - etwa aus einer Hypothek - bezieht. Indem man eine Gattung gleichartiger Forderungen in einen Pool einbringt - im Beispiel also sämtliche Hypothekarkredite des Originators -, dann dürfte infolge der grosse Zahl der im Regelfall verhältnismässig kleinen Darlehns-Beträge diese Form des Risikos stark vermindert sein. - Freilich bleibt das systematische Risiko und das systemische Risiko bestehen. Fallende Preise für Wohnimmobilien und ein damit einhergehender Vertrauensverlust in Bezug auf Collateralised Debt Obligations haben bei der Subprime-Krise gezeigt, dass auch gut gemischte Portfolios einen sehr starken Wertverlust erleiden können.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2008, S. 93 (Minimierung des idiosynkratischen Risikos schliesst das Marktrisiko nicht aus).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risiko, geographisches (geographic risk):

Besondere Gefahren, die daraus entstehen, dass in einem vor allem durch Hurrikan oder Erdbeben gefährdeten Gebiet

1. eine Firma ihre Operationen tätigt oder

2. eine Versicherung in nennenswertem Umfang Verträge abgeschlossen hat (risk that arises when a business operates or an issuer has policies concentrated inside certain geographic areas with feasible damage from a cyclone or an earthquake).

– Siehe Katastrophen-Anleihe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risiko, leistungswirtschaftliches (cost-structure related risk):

Auswirkung von Umsatzschwankungen auf den Gewinn eines Unternehmens unter Berücksichtigung des Kostengefüges. Mit steigendem Fixkostenanteil nimmt die Widerstandsfähigkeit gegenüber Gewinnschmälerungen ab (operating leverage effect). Denn mit zunehmender Kapitalintensität, sprich: ansteigende Investitionen in das Sachkapital, sind im Regelfall höhere Fixkosten (capacity costs) und verhältnismässig niedrigere variable Kosten verbunden. Kommt es nun durch marktbedingten Nachfragerückgang im Konjunkturzyklus zu einer Minderung des Umsatzes, dann hat der Fixkostenanteil gleichsam eine Hebelwirkung auf den Gewinn. Anders ausgedrückt: der Druck der fixen Kosten (pressure of overhead costs) presst den Gewinn.

– Siehe Umsatzrisiko.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risiko, unternehmenspezifisches und Risiko, operationelles (operational risk):

Bei einer Firma allgemein und bei einem Institut im Besonderen alle von Innen und von Aussen kommenden Störungen, welche ein Unternehmen bei der Erbringung der Leistungserstellung behindern und zu Verlusten führen können. Als Risikokategorien gelten dabei vor allem

1. das Personal einschliesslich Management und Aufsichtsrat,

2. die Organisation im weitesten Sinne,

3. die eingesetzte Technologie und

4. externe Einflüsse (the risk that human error or management failures, deficiencies in technology used, or the organisation in the widest sense, will result in unexpected losses. This relates to both internal and external events).

– Nach Basel-II muss das operationelle Risiko durch im Einzelnen festgelegten Kriterien mit Eigenkapital unterlegt werden. Es gilt jedoch als bestritten, ob man operationelle Risiken mittels zusätzlichen Eigenkapitals mindern könne. - Gemäss Basel-II sind die Institute zudem verpflichtet, das unternehmensspezifische Risiko grundsätzlich nach ganz bestimmten Methoden zu messen. Entsprechende Messverfahren sind Bestandteil der nunmehr verabschiedeten Kapitaladäquanz-Richtlinie (CRD). Im einzelnen sind drei Verfahren vorgesehen, mit denen die Institute bestimmen können, wieviel Eigenkapital sie mindestens vorhalten müssen, um ihr operationelles Risiko angemessen abzudecken. Es sind dies

1. der Basisindikatoren-Ansatz (basic indicator approach)

2. der Standard-Ansatz (standard approach) sowie

3. der fortgeschrittene Messansatz (advanced measurement approach, AMA).

– Siehe Ansteckungswirkungen, Defekte, Due Diligence, Fehlertoleranz, Flash Crash, Geschäftskontinuität, Informations-Sicherung, IT-Risiken, Kapitaladäquanz-Richtlinie, Katastrophenrisiko, Länderrisiko, Mark-to-Model-Ansatz, Models Task Force, Pandemie, Phantomrisiken, Rating-Schritte, Rechtsrisiken, Reputationsrisiko, Restrisiko, Risiko, banktechnisches, Risiko, personelles, Risiko, unternehmenspezifisches, Risikokapital, ökonomisches, Risikokultur, Risiko- und Solvabilitätsbeurteilung, unternehmenseigene, Risikovermeidungs-Politik, Stromrisiko, Systemrisiko, Technologie-Risiko, Transferrisiken, Verhaltensrisiko, Verlustereignis, Videokonferenz, Wartungszeit.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2001, S. 28, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2004, S. 86 f. (Behandlung des operationellen Risikos nach Basel-II; auf S. 87 Übersicht), Monatsbericht der EZB vom Januar 2005, S. 54 (Basel-II), Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 100 ff. (Risikomessverfahren in der Praxis; Industrieaktion AMA), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 121 (Anträge zur Nutzung des AMA), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 115 (ausdrückliche Eigenmittel-Anforderungen an das operationelle Risiko durch die SolvV), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 135 f. (neue AMA-Zulassungen), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 132 f. (Zulassungsverfahren für den Advanced Measurement Approach; Gespräche über Basisindikator-Ansatz), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 152 f. (gemeinsame Studie der Deutschen Bundesbank und der BaFin hinsichtlich der Institute, die den Basisindikatoransatz verwenden), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 165 (weitere Institute haben Zulassung zur Nutzung des AMA erhalten) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute", Rubrik "Aufsichtshandeln", Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2006, S. 36 f. (Abhängigkeit von einem bestimmten IT-System als besondere Form des Konzentrationsrisikos), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2007, S. 64 (Modellrisiko-Standards), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2009, S. 73 (Bestandteile des AMA-Ansatzes), Finanzstabilitätsbericht 2011, S. 23 ff (Länderrisiko schlägt angesichts der Staatsschuldenkrise in der EWU auf beide Seiten der Bankbilanz durch), Jahresbericht 2012 der EZB, S. 133 (Eigenkapitalrichtlinie und -Verordnung [CRD IV/CRR] der Europäischen Kommission).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risiko, personelles (personnel risk, staff risk):

Wichtigster Teil des operationellen Risikos nach Basel-II. Im Einzelnen unterscheidet man ein

1. Engpassrisiko (supply risk, bottleneck risk, risk of a lack of high performance employees): fachkundige Leistungsträger fehlen im Unternehmen;

2. Anpassungsrisiko (adjustment risk): unpassend qualifizierte Mitarbeiter sind beschäftigt oder Mitarbeiter können/wollen sich an den erforderlichen Wandel nicht anpassen;

3. Austrittsrisiko (departure risk, risk of leaving): betriebliche Leistungsträger, vor allem in Schlüsselpositionen, verlassen das Unternehmen sowie

4. Motivationsrisiko (motivation risk): schlecht auf die Berufsausübung hingeordnete Mitarbeiter halten ihre Leistungen zurück.

– Personal-Risiken schlagen gerade im Finanzdienstleistungsbereich rasch über den Markt auf den Erfolg eines Unternehmens durch. Sie werden daher mit gutem Grund bei den meisten Risiko-Erkennungssystemen an die erste Stelle gesetzt.

– Siehe Druckbelegschaft, Intangibels, Low Performer, Risiko, banktechnisches, Pandemie, Reputationsrisiko, Übernahmerisiken, Verlustereignis, Verlustübernahme. personelle.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risiko, strategisches (strategical risk):

Das Risiko, dass

1. Aktivitäten eines Unternehmens allgemein und einer Bank im Besonderen ungenügend auf sich verändernde Geschäfts- oder Marktbedingungen ausgerichtet sind oder

2. auftretende Imageschäden (loss of reputation) das Handlungsumfeld behindern.

– Siehe Badwill, Downrating, Gnomen von Zürich, Kannibalismus-Effekt, Liquidity Value at Risk, Phantomrisiken, Rechtsrisiken, Reputationsrisiko, Risiko, personelles.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risiko, systematisches (systematic risk):

1 Bei Geldanlagen alle Gefahren, die von Umständen abhängen, welche den Markt gesamthaft beeinflussen und kaum durch entsprechende Anlagestreuung gemindert oder ausgeschlossen werden können (chiefly the exposure to unfavourable trends in product prices, interest rates, exchange rates, raw material prices, or stock prices).

2 Die Tatsache, dass viele Banken ein Kreditengagement in demselben Sektor eingegangen sind. Dies kann schlimmstenfalls zu einer Störung des Finanzsystems, verbunden mit hohen sozialen Kosten führen. - Achtung: die Abgrenzung zum systeminhärentem Risiko und zum systemischen Risiko ist in vielen Veröffentlichungen unklar oder/und ungenau!

– Siehe Allfinanz-Risikokomitee, Anlage-Risiko, Event Risk, Forum für Finanzmarktstabilität, Finanzmarkt-Stress, Herdenverhalten, Korrelationsrisiko, allgemeines, Liquiditätsrisiko, Marktliquiditätsrisiko, Phantomrisiken, Portfoliotheorien, Preisänderungen, gleichlaufende, Restrisiko, Risikovermeidungs-Politik, Rückschlag-Effekt, Schock, Systemgefährdung, Systemrisiko, Warehousing Risk.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2005, S. 57, Monatsbericht der EZB vom Februar 2005, S, 62 ff., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 61 ff. (Volatilität, Stressfaktoren), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2006, S. 40 ff. (Granularitätsmessung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risiko, systeminhärentes (system [inherent] risk):

Bei Geldanlagen die Gefahren, welche aus der Staats- und Wirtschaftspolitik des entsprechenden Anlagelandes erwachsen.

– Siehe Anlage-Risiko, Aufsicht, makroprudentielle, Fussangelgeschäft, Länderrisiko, Nettogläubiger, Restrisiko, Risiko-Rangliste, Risikoträger, endgültiger, Staatsschulden, verweigerte, Währungsrisiko.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risiko, systemisches manchmal auch systemrelevantes und Systemrisiko (systemic risk, system-relevant risk):

Die Gefahr, dass das internationale Finanzsystem gesamthaft schwere Störungen erleidet oder gar zusammenbricht mit der Folge, dass auch der regelmässige Tauschverkehr weltweit darunter leidet. - Systemische Risiken spiegeln grundsätzlich Störungen wider, die dann auftreten, wenn einzelwirtschaftlich rationales Verhalten der Marktteilnehmer im Gefolge wechselseitiger geschäftlicher Abhängigkeiten zu einer unerwünschten Fehlsteuerung (dysfunction) im Finanzsystem (financial system: die Gesamtheit aller institutionellen Gegebenheiten, welche das Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage nach Kapital sowie allen damit verbundenen Dienstleistungen bedienen) führt. Eine erste Ursache sind hier Ansteckungswirkungen. Eine zweite Quelle des systemischen Risikos bilden erfahrungsgemäss Verstärkungsmechanismen (amplification mechanisms) oder Spiralen, etwa beim Aufbau und Abbau von Hebeln oder beim Zugang und Abfluss von Liquidität. Dies kann beispielsweise eintreten, wenn die Zentralbanken ein Überangebot an Geld schaffen oder Liquidität ruckartig absaugen. - Eine systemische Krise trat weltweit spätestens ab Oktober 2008 auf, als sich die Subprime-Krise zu einer globalen Finanzkrise ausweitete und international den Eingriff der Zentralbanken und vieler Regierungen in den Markt nötig machte. Nicht ein einziger Grund führte in diese, das weltweite Finanzsystem jahrelang erschütternde Lage, sondern das Zusammenspiel aus

1. einer Trendwende am Wohnungs- und Hypothekenmarkt in den USA,

2. einer verbreiteten Vernachlässigung von Liquiditätsrisiken,

3. einem umgebremsten Risikoneigung in Bezug auf neuartige, oft genug kaum durchsichtige Finanzprodukte und

4. das vorbehaltlose Vertrauen in das Urteil der Rating-Agenturen.

– Kleinere Staaten mit verhältnismässig hohem Beitrag der Finanzbranche am Bruttoinlandsprodukt - etwa: Schweiz, Luxemburg - könnten durch den Zusammenbruch einer Grossbank in einen Abwärts-Strudel (depressive tumble) geraten. Die Behörden der Schweiz drohten daher zur Zeit der Finanzkrise im Juni 2009 den beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse an, Marktanteilsgrenzen festzulegen oder diese Institute gar zu entflechten. - Wahrscheinlich ist das systemische Risiko umso höher, je grösser eine Bank ist. Denn im Vertrauen auf die Rettung durch den Staat im schlimmsten Falle werden grosse Institute auch hohe Risiken eingehen. - Das allerdings wird oft bestritten und hervorgehoben, dass Systemrisiken vom Engagement in Finanzprodukte auf globalen, von miteinander vermaschten Märkten abhängig seien. Um also Systemrisiken zu vermeiden, sollten die Aufsichtsbehörden ihr Augenmerk auf die Ausbreitung undurchsichtiger Produkte legen, anstatt die Grossbanken schärfer zu überwachen.

– Siehe Allfinanz-Risikokomitee, Ansteckungswirkungen, Aufsicht, makroprudentielle, Ausschuss für Finanzstabilität, Bail-out, Bank, systemische, Bankenkrankenhaus, Community Reinvestment Act, Euphoriephase, Event Risk, G-Sifis, Dominostein-Effekt, ESZB-Netzwerk für makroprudentielle Forschung, Finanzmarkt-Zusammenbruch, Gleichlauf-Problem, Herdenverhalten, Home Mortgage Disclosure Act, Imponderabilien, Krise, systemische, Leaning against the wind, Lender of Last Resort, Produktregistrierung, Restrukturierungsverwaltung, Risikokultur, Solvenzaufsicht, Subprime-Krise, Systemrisiko, Too big to fail-Grundsatz, Vertrauen.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2010, S. 56 ff. (Instrumente zur Aufdeckung systemischer Risiken bei der Deutschen Bundesbank; Übersichten; Literaturverweise), Finanzstabilitätsbericht 2009, S. 58 f. (zur Messung des systemischen Risikos bei Banken; Literaturverweise). Finanzstabilitätsbericht 2011, S. 78 (Schaubild zu den Ursachen systemischer Risiken), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 98 (weiterhin Gefahren durch den Zusammenbruch global vernetzter Institute), Monatsbericht der EZB vom Februar 2013, S. 106 f. (Aufzählung der Systemrisiken), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 42 ff. (über die weltweiten Bemühungen zur Eindämmung systemischer Risiken) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Internationales", Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2013, S. 65 f. (nationale Aufsichtsbehörden können Anforderungen verschärfen), Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 87 (systemische Risiken in der Assekuranzbranche; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risiko, unbegrenztes (unlimited risk):

Bei Geldanlagen die Gefahr, dass man über den verlorenen investierten Betrag hinaus nachschusspflichtig ist. Eine solche Nachschuss-Aufforderung kann ein Mehrfaches des Kaufpreises betragen. Zu Finanzprodukten mit unbegrenztem Risiko zählen insbesondere

1. das Schreiben einer Call-Option ohne Deckung,

2. das Schreiben einer Put-Option oder

3. gewisse Termingeschäfte.

– Siehe Derivat, Fussangelgeschäft, Position, ungedeckte, Risiko, begrenztes, Unterwasser.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risiko, unkalkulierbares (not calculable risk):

Möglicher Eintritt eines Verlustes in Fällen, bei denen wegen fehlenden Datenmaterials eine mathematische Wahrscheinlichkeit nicht errechenbar ist.

– Siehe Flash Crash, Erwartungstheorie, neue, Imponderabilien, Restrisiko, Risikoträger, endgültiger, Unsicherheit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risiko, unsystematisches (unsystematic risk):

Bei Geldanlagen die Zufälligkeiten, welche sich auf einen bestimmten Anlagegegenstand auswirken: von einer neuen Erfindung bis zum Wechsel der Firmenleitung. - Das unsystematische Risiko kann man mindern, indem man sein Portfolio diversifiziert, also auf verschiedene Anlage-Objekte verteilt.

– Siehe Anlagestreuung, Portfoliotheorien, Risiko, unternehmenspezifisches.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2006, S. 35 ff. (grundsätzliche Darlegungen zum Risiko allgemein und zu Konzentrationsrisiken im Besonderen; Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risiko, unternehmenspezifisches (company risk):

Die Gefahr, dass bei einer Geldanlage in ein Unternehmen dieses aufgrund nur schwer vorhersehbarer besonderer Umstände in eine Schieflage gerät. Ein Beispiel dafür sind verseuchte Gebäude und Böden, die mit hohen Kosten dekontaminiert (decontaminated) werden müssen (the company owns properties with significant environmental problems, and cleaning up these properties will lead to a serious financial drain).

– Siehe Risiko, operationelles.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risikoabteilung (risk office):

Eigene Abteilung einer Bank mit dem Zweck der Beschaffung aller für das Risikomanagement notwendigen Informationen. Der Risikoabteilung obliegt es auch, Pläne für Ereignisse durchzuspielen, die ausserhalb der statistischen Wahrscheinlichkeit liegen, das Überleben des Instituts aber sicherstellen.

– Siehe Abschottung, Krisenplan, Mindest-Überwachungsanforderungen, Passivmanagement, Rendite-Risiko-Grundsatz, Risiko, Risikokultur, Risikomanagement, Risikopuffer, Risikotransparenz, Risikoübernahme-Grundregel, Szenarien, aussergewöhnliche, Unsicherheit, Value at Risk, Verlustereignis.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 88 ff (verschiedene Risikomodelle in der Praxis; Backtesting-Ergebnisse) und den jeweiligen Jahresbericht der BaFin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risiko-Ausschuss (risk committee):

Wenn nicht anders definiert das Gremium im Aufsichtsrat eines Instituts, das die Gesamtrisikolage überwacht und zwecks dessen vom Chief Risk Officer der Bank laufend und umfassend informiert wird. Zusammen mit dem Vorstand - dem grundsätzlich das Risikomanagement obliegt - gewährleistet der Risiko-Ausschuss die Risikokontrolle aufgrund möglichst vollständiger Risikotransparenz.

– Siehe Aktiva-Passiva-Management-Ausschuss, Aktuar, Allfinanz-Risikokomitee, Anlage-Ausschuss, Chief Risk Officer, Controlling, Funktion, Gesamtbank-Steuerung, Risikokultur, Risikotragfähigkeit, Risikoprofil, Steuerung, institutsinterne, Sachkunde, Stress-Test.

– Vgl. Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 97 f. (aufsichtliche Vorgaben aufgrund der einschlägigen EBA-Richtlinie).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risikoabschirmungsgesetz (German risk shield law):

Im August 2013 in Kraft getretenes Gesetz mit dem hauptsächlichen Ziel, Kundeneinlagen zu schützen sowie Fehlanreize bei Instituten zu vermeiden, die sich einer stillschweigenden Staatsgarantie sicher fühlen.

– Siehe Abwickelbarkeit, Bail-out, Bank, national systemische, Bankbetriebsgrösse, optimale, Grossbank, Grössenvertrauen, G-Sifi, Moral Hazard, Pflichtwandelanleihe, Restrukturierungsverwaltung, Rollenmischung, bankliche, Sifi-Oligopol, Systemrelevanz, Too big to fail-Grundsatz, Trennbanksystem.

– Vgl. Jahresbericht 2013 der BaFin, S, 76 f. (Vorstellung des Gesetzes).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risikoadjustierung (risk adjustment):

Die Tatsache, dass Kreditnehmer gemäss ihrer durch Rating jeweils ermittelten Bonitätsklasse Zinsen für ein Darlehn zahlen müssen. Dies ist nach Basel-II vorgeschrieben. - In Deutschland mussten vor allem gesunde mittelständische Unternehmen durch die von Banken weithin einheitlich festgelegten Zinssätze (uniform fixed interest rates) für Kredite auch ungesunder Firmen mitzahlen. Das führt allemal zu einer volkswirtschaftlich unerwünschten Umverteilung zugunsten schwacher Unternehmen. Die knappen finanziellen Mittel gelangen damit nicht zum "besten Wirt" (to the most favourable allocation of scarce resources).

– Siehe Ausfallwahrscheinlichkeit, Basel-II, Bonitätsklasse, Eventualschaden, Konditionen-Spreizung, Kreditrisiko-Prämie, Mittelstandsbank, Negativauslese, Quersubventionierung, Raroc, Rating, Strukturumbruch.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risikoanhebung, subjektive (moral hazard):

1 Verhaltensänderung bei asymmetrischer Information, wenn die zu erwartende schlechte Lösung von anderen (mit)getragen wird (especially when debt no longer acts as an incentive for management, and corporate managers will be tempted to continue expanding using debt until the group becomes too big to fail).

2 Im Besonderen eine weniger sorgfältige Geschäftspolitik, wenn die Zentralbank oder internationale Institutionen sich als "lender of last resort" (Geldverleiher letzter Instanz) zur Verfügung stellen. Dies führt dazu, dass Banken bestimmte Marktrisiken wie Konzentrationsrisiko, Marktwertrisiko und Devisenkursrisiko weniger streng beachten.

– Siehe Aufkäufe, zentralbankliche, Bail-out, Geldverleiher letzter Instanz, Internationaler Währungsfonds, Krediterweiterung, Kreditverbriefung, Moral Hazard, Rückschlag-Effekt, Single Master Liquidity Conduit, Too-big-to-fail-Grundsatz, Versicherungsunsicherheiten, Worst Case Szenario.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risikoanleger (venture capitalist):

Person, die mehr oder minder behutsam in risikobehaftete Engagements einsteigt.

– Siehe Anlagemut, Anlage-Risiko, Fussangelgeschäft, Geschorener, Investmentfonds, alternativer, Risikofähigkeit, Risiko-Fonds, Risk Taker, Wagniskapital.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risikoarbitrage (risk arbitrage):

Wenn nicht anders definiert an der Effektenbörse das Eingehen von entgegengesetzten Positionen in Aktien eines Übernahmekandidaten (takeover candidate; Zielgesellschaft) und seines voraussichtlichen Übernehmers (prospective acquirer, potential buyer; Bieters). Dies gilt als äusserst risikoreiche (wegen allfälliger Abwehrmassnahmen der Zielgesellschaft; vgl. für Deutschland § 33, Abs. 1 WpÜG) Anlagestrategie; sie ist seit etwa 1985 weltweit in Mode gekommen.

– Siehe Event-Driven Fund, Konzentrationskurs, Übernahme-Angebot, Übernahmerisiko.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risikoaversion (risk aversion):

1 Die grundsätzlich bestehende Scheu, ein Risiko einzugehen. Diese Abneigung kann nur überwunden werden, wenn ein entsprechend hoher Anreiz auf Gewinn lockt, so wie dies etwa bei Glücksspielen (gambling activities) der Fall ist.

2 Bei einer Versicherung die mangelnde Bereitschaft des Kunden, für die Befreiung von einem Risiko einen Geldbetrag (insurance premium; Prämie) zu zahlen.

3 Auf dem Finanzmarkt die Vorliebe der Anleger für sichere Anlageformen. Es gibt Verfahren, diese empirisch zu messen; so etwa aus dem Vergleich der Renditen von längerfristigen hochbonitären Staatsanleihen (prime rated government bonds: Titel von solchen Staaten, die nach vernünftiger ökonomischer Abwägung und Einschätzung der Anleger ihre aufgenommenen Kredite auch zurückzahlen können und wollen).

4 Die Tatsache, dass Investoren langfristige (noncurrent) Investitionen in Neuerung mit vorhersehbaren Folgeinvestitionen in alternden Gesellschaften meiden. Deshalb droht das wirtschaftliche Wachstum abzuflauen und der Geldwert über kurz oder lang zu sinken.

– Siehe Altersquotient, Anlage-Risiko, Garantieprodukt, Methusalem-Syndrom, Nachhaltigkeit, Rendite-Risiko-Grundsatz, Risikoneigung, Risikovermeidungs-Politik, Schattenverschuldung, Überalterung.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Dezember 2004, S. 19 ff., Monatsbericht der EZB vom Januar 2005, S. 15, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 73 (Index der Risikoaversion wird hergeleitet), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2005, S. 92 ff. (ausführliche Darstellung), Monatsbericht der EZB vom Februar 2012, S. 128 ff. (zur Messung der Risikoaversion; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risikobegrenzungsgesetz, RisikoBegrG (risk limitation act):

Das im August 2008 in Kraft getretene "Gesetz zur Begrenzung der mit Finanzinvestitionen verbundenen Risiken" soll Investoren bei Finanzanlagen schützen. Die Mehrzahl der Marktteilnehmer sieht in dem Gesetz freilich eher eine merkliche Ausweitung von Risiken und einen regulatorischen Overkill.

– Siehe Stimmrecht-Offenlegung, Straightjacking, Subsidiaritätsprinzip.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 149 (Einzelheiten zum Gesetz; erweiterte Offenlegungspflichten), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 193 (Erweiterung der Transparenzpflichten durch das RisikoBegrG), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 165 (Anforderungen an interne Marktrisikomodelle erhöht), Finanzstabilitätsbericht 2011, S. 43 f. (Marktrisiken steigen mit zunehmender Volatilität; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risikobericht (risk disclosure statement):

1 Ein Dokument, das möglich deutlich die Risiken und Unsicherheiten benennt, die mit einem Optionsgeschäft bzw. einen bestimmten Termingeschäft verbunden sind. In der Regel ist eine genaue Angabe der anfallenden Gebühren und manchmal auch der Steuern beigefügt. Ein derartiger Risikobericht wird von den führenden Maklern dem (Privat)Kunden ohne dessen Aufforderung zugestellt; vor allem auch deswegen, um anschliessende rechtliche Auseinandersetzungen zu vermeiden. In Deutschland ist die Aufklärungspflicht bei Derivatgeschäften gesetzlich vorgeschrieben, und diese wird von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht überwacht.

2 In einem Wertpapier-Verkaufsprospekt sind in einem besonderen Abschnitt, der ausschliesslich diese Angaben enthält, alle mit dem Erwerb des Papiers verbundenen Risiken deutlich darzustellen.

– Siehe Anleger-Informationspflicht, Aufklärungspflicht, Derivate-Informationspflicht, Derivate-Kodex, Eventualschaden, Informations-Überladung, Proportionalität, doppelte.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 161 (Veröffentlichung von Prospekten wird verweigert, weil keine klare Risikodarlegungen), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 56 (Vorschriften für das Liquiditätsrisiko-Management), S. 92 f. Risikoberichte bei Versicherungen), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 101 ff. (Auswertung von Risikoberichten: ausführliche Darlegung), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 108 ff. (Übersicht besonders bedeutsamer Risiken; neue Anforderungen an die Risikoberichterstattung) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Versicherungsunternehmen und Pensionsfonds".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risikodeckungsmasse auch Risikodeckungspotential (risk covering potential):

Wenn nicht anders definiert, so meint man damit das zum Ausgleich allfälliger Verluste verfügbare Kapital einer Bank.

– Siehe Basel-II, Kapitalbedarf, ökonomischer, Kernkapital.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2013, S. 41 f. (Bestandteile der Risikodeckungsmasse; Einzelfragen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risikofähigkeit (risk carrying capacity):

Das Vermögen eines Anlegers, bei einem Engagement ein gewisses Risiko einzugehen, ohne damit bei allfälligen Verlusten in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten. Der Anleger sollte mit anderen Worten jederzeit über eine seiner Lebenshaltung angemessene und ausreichende Liquidität verfügen.

– Siehe Rendite-Risiko-Grundsatz, Risikoanleger, Risikotragfähigkeit.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 56 (Vorschriften für das Liquiditätsrisiko-Management).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risiko-Fonds und Risikofonds (risk funds):

Das Vermögen einer Kapitalverwaltungsgesellschaft, das dem Investor

1. zwar bei Erfolg eine überdurchschnittliche Rendite verspricht, zwangsläufig jedoch

2. auch gemäss dem Rendite-Risiko-Grundsatz die Möglichkeit einschiesst, das eingesetzte Geld zu verlieren.

– Siehe Anlagemut, Anlage-Risiko, Geheimtip, Go-go-Fonds, Hedge-Fonds, Junk-Bonds, Katastrophen-Anleihen, Penny-Stocks, Risikoanleger, Risikokapital, Risikoneigung, Single Hedge-Fonds, Terror-Papiere, Senior-Tranche, Zitterprämie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risikogewichtung (risk weighting):

Bei der Bank Verfahren, bei dem jedem bilanziellen und ausserbilanziellen Geschäft eine prozentuale Gewichtung zugeordnet wird, welche das geschätzte Kreditrisiko wiedergibt. Geschäfte mit einem bestimmten Risikogewicht werden dann in Risikogruppen zusammengefasst.

– Siehe Chief Risk Officer, Due Diligence, Funktion, Konditionen-Spreizung, Kredit-Punktbewertungsverfahren, Kumul, Liquiditätsrisiko, Mindestanforderungen an das Risikomanagement, Risk Assessment System, Proportionalität, doppelte, Rendite-Risiko-Grundsatz, Risikoabteilung, Risikokontrolle, Risikomanagement, Risikopuffer, Rückschlag-Effekt, Verlustereignis, Szenarien, aussergewöhnliche.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2001, S. 65 ff., Monatsbericht der EZB vom Januar 2005, S. 57, Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 121 (Pflicht einer umfassenden, im Jahresturnus aktualisierten Risikobewertung ab 1. Januar 2007), S. 123 (Ergebnisse der Risikoklassifizierung der Banken vom November 2005), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 165 (höhere Anforderungen an interne Risikomodelle; Risikomodelle und Faktorspannen seit 2000)) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2006, S. 35 ff. (mit besonderem Gewicht auf Konzentrationsrisiken).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risikohorizont (risk horizon):

Der kalendarisch bestimmte Zeitraum, für den Risiken ge¬messen werden. Für jederart Risikorechnung ist die genaue Festlegung dieser Spanne eine Grundvoraussetzung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2013, S. 39 f. (Näheres zum Risiko-Betrachtungshorizont; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risikoignoranz (risk ignorance):

Der Vorwurf an Banken, leichtfertig Darlehn zu vergeben, ohne das jeweilige Risiko genau zu kennen bzw. zu beachten. Man warf den Instituten vor, durch risikoignorantes Gebaren die auf die Subprime-Krise folgende Finanzkrise mitverursacht zu haben. Als dann die Banken in der Finanzkrise sich mit riskanten Krediten zurückhielten, bezichtigte man sie, eine Kreditklemme verursacht zu haben und so letztlich die Finanzkrise zu verstärken.

– Siehe Kredit-Absorption, Negativauslese, Risikokultur, Risikoprofil.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risikoinventur (risk inventory):

In Bezug auf Institute die umfassende, vollständige Bestandsaufnahme der Risiken, denen eine Bank ausgesetzt ist. In der Regel wird darin einbezogen das Adressenausfall-Risiko, sämtliche Marktpreisrisiken einschliesslich der Zinsänderungsrisiken, unternehmensspezifische Risiken sowie eine allfällige Risikokonzentration.

– Siehe Comprehensive Assessment, Due Diligence, Risiko, Risikokultur, Risikomanagement, Risk Assessment System, Risiko- und Solvabilitätsbeurteilung, unternehmenseigene.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2013, S. 35 f. (Grundsätzliches zur Risikoinventur).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risikokapital auch Wagniskapital (risk capital; venture capital):

1 Allgemein die Geldanlage in eine Transaktion mit vorhersehbarer beträchtlicher Verlustgefahr, gleichzeitig aber auch mit der Aussicht auf überdurchschnittlich hohe Gewinne (money directed in a risky undertaking).

2 Im Besonderen oft auch gesagt für Darlehn, die einem jungen Unternehmen (Start up) zur Verfügung gestellt wird (capital which is devoted to new firms that show probable above-average growth rates, a significant potential for market expansion and the need for knock-on financing [Anschub-Finanzierung]).

– Siehe Anlagemut, Anlagenotstand, Antiverwässerungsklausel, Bad Bank, Burn-Out Turnaround, Business Angel, Buy-out, Dingo-Werte, Equity-Banking, Explorer-Werte, Glamour Stocks, Glücksspieleffekt, Hedge-Fonds, Heuschrecken, Inkubator, Investmentfonds, alternativer, Junk-Bonds, Katastrophen-Anleihen, Mikro-Finanzierung, Penny-Stocks, Private Equity, Private-Equity-Finanzierung, Rendite-Risiko-Grundsatz, Risikoanleger, Risk Taker, Seed Capital, Single Hedge-Fonds, Sweat Equity, Terror-Papiere, Turnaround Financing, Übermut, Unternehmensbeteiligungsgesellschaft, Wagniskapitalbeteiligungsgesetz, Zitterprämie.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Oktober 2005, S. 23 ff. (Entwicklung des Risikokapitalmarktes in Europa seit 1995 mit Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2009, S. 56 f. (Allgemeinheit darf nicht zum Risikokapitalgeber werden).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risikokapital, ökonomisches (economic risk capital, ERC):

Wenn nicht anders definiert der Betrag an Kapital, welcher sicherstellt, dass ein Unternehmen auch in aussergewöhnlichen Situationen für ein bestimmtes, angestrebtes Solvenzniveau (targeted solvency level: langfristiges Kredit-Rating) zahlungs- und handlungsfähig bleibt. Zur Feststellung des notwendigen Betrags an Kapital werden in Theorie und Praxis - und hier besonders in den Geschäftsberichten grösserer Institute - verschiedene Berechnungsarten vorgestellt.

– Siehe Basel-II, Liquiditätsrisiko, Risiko, operationelles, Übermut.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risikokapital[anlagen]quote (risk asset ratio):

1 Bei einem Unternehmen der Anteil an Fremdkapital am Kapital gesamthaft; eine beliebte Kennzahl zur Beurteilung der finanziellen Stabilität des Unternehmens.

2 Bei einer Bank der Anteil der Aktiva, der Verluste tragen kann (the proportion of a bank's total capital assets that carry risk) bzw. anders ausgedrückt der Anteil der Aktiva, der aus risikobehafteten Posten besteht (the proportion of a bank's capital which is in risk assets).

3 In der Assekuranz die Erlaubnis, dass Versicherungsunternehmen in Deutschland bis zu fünfunddreissig Prozent ihres gebundenen Vermögens in bestimmte, mit höherem Risiko behaftete Anlagen investieren dürfen. Gestattet sind im Einzelnen Genussrechte, Forderungen aus nachrangigen Verbindlichkeiten und Hedge-Fonds.

– Siehe Bankgrösse, Basel-III, Cook Ratio, Gewinnbesteuerung, Kernkapitalquote, Risikomarge, Risikotragfähigkeit, Solvency-II, Zwangswandelanleihe.

– Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 86 ff. (dort auch detaillierte Übersichten), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 93 (Übersicht, gegliedert nach der zum Jahresende 2007 in Kraft getretenen Anlageverordnung). Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 94 (Zusammensetzung der Risikokapitalquote), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 97 ff. (neuere Zahlen), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 101 (der nach der Anlageverordnung erlaubte Anteil von 35 Prozent in mit höherem Risiko behafteten Kapitalanlagen wird deutlich unterschritten), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 138 f. (Zusammensetzung der Risiko-Kapitalanlagequote; diese gesamthaft bei 11 Prozent) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Versicherungsunternehmen und Pensionsfonds".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risikoklassifizierung (risk classification):

Wenn nicht anders definiert, die aufsichtliche Zuordnung zu einer Risikoklasse. Diese dient der Festlegung der Aufsichtsintensität.

– Siehe Risikoinventur, Risikokapital(anlagen)quote, Risk Assessment System, Zwölf-Felder-Risikomatrix.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 96 f. (Anwenderhandbuch der BaFin; Tabelle der Ergebnisse der Risikoklassifizierung 2007), S. 128 f. (Ergebnisse der Risikoklassifizierung 2006 und 2007), S. 140 f. (Risikoklassifizierung bei Finanzdienstleistungsinstituten), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 90, S. 126 (Ergebnis der Klassifizierung im Dezember 2008; Einfluss von Fusionen), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 98 ff. (Risiko-Zuordnung durch die BaFin), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 105 f. (BaFin errichtet Risikoklassen für Versicherungen), S. 160 f. (Benotung sagt grundsätzlich nichts über allfällige Schieflage aus; Ergebnisse der Risikoklassifizierung 2010), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 162 f. (bei Banken doppelte Einordung, einmal nach der Qualitätseinstufung von A bis D, zum anderen nach der systemischen Bedeutung in "niedrig" und "hoch), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 129 ff. (Risikoklassifizierung der Versicherer; Übersichten) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute", Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2013, S. 35 ff. (Risikoarten und Risikoquantifizierung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risikokomitee (risk committee):

Aus Vertretern der Deutschen Bundesbank und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht zusammengesetztes und im September 2009 eingerichtetes Gremium mit der Aufgabe, die frühzeitige Risikoerkennung in allen Bereichen des Finanzmarktes zu stärken. Dem Komitee ist ein eigenes Sekretariat zugeordnet.

– Siehe Allfinanz-Risikokomitee, Ausschuss-Wahn, Geldverbrennung, Überregulierung.

– Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 147 f. ([sprachlich schauderhafte] Begründung für das neue Gremium; Aufgabenstellung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risikokontrolle (risk control):

die n Einrichtungen und Massnahmen mit dem Ziel, Risiken bei Geschäftspartnern zu erkennen und zu bewerten.

– Siehe Aktuar, Allfinanz-Risikokomitee, Chief Risk Officer, Handlungsgebot, dringendes, Kredit-Punktbewertungsverfahren, Rating, externes, Rating, internes, Risiko, Risikoabteilung, Risikoinventur, Risikokultur, Risikomanagement, Risikoprofil, Risk Assessment System, Zwölf-Felder-Risikomatrix.

– Vgl. Jahresbericht 2001 der EZB, S. 86 ff., Monatsbericht der EZB vom Mai 2004, S. 75 ff. (ausführliche Darstellung mit Erläuterungen und Schaubildern).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risikokosten, erwartete (expected risk costs):

Banktechnische Kennzahl, in der Regel definiert als

1. Ausfallwahrscheinlichkeit pro Kunden-Risikoklasse

2. mal Verlustquote pro Transaktionsart und

3. mal Kreditbetrag, um von Prozenten auf Geldeinheiten zu kommen.

– Banken teilen intern die Risiken in der Regel in drei Klassen (geringe, mittlere, hohe) ein und unterscheiden in jeder Klasse wieder verschiedene Unterklassen.

– Siehe Eventualschaden, Risikogewichtung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risikokultur (risk culture):

In der Sprache der Aufsichtsbehörden eine durch alle Stufen eines Instituts ziehende Empfindlichkeit (sensibility) für Risiken. Sämtliche Mitarbeiter müssen willens und in der Lage sein, Risiken zu erkennen, fachgerecht einzuschätzen sowie entsprechende risikomindernde Entscheidungen vorzuschlagen bzw. selbst zu treffen. Fehlender Risikokultur wird letztlich die auf die Subprime-Krise folgende Finanzkrise zugeschrieben.

– Siehe Risikoinventur, Risikomanagement, Risikotransparenz.

– Vgl. Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 76 (Erarbeitung einer guidance on supervisory interaction with financial institutions on risk culture durch die Supervisory Intensity and Effectiveness Group).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risikomanagement (risk management):

1 Bei Kreditinstituten Führungsinstrument zur umfassenden und systematischen Feststellung, Einschätzung und Überwachung von Risiken auf den mit dem Bankgeschäft verbundenen Engagements (the process to recognise, control, and minimise the impact of uncertain events). Die Aufsichtsbehörden schreiben entsprechende Massnahmen vor; siehe für Deutschland § 25a KWG; in den USA durch die Sarbanes-Oxley Act 2002 genau festgelegt.

2 Dienstleistungspaket von Banken an Firmenkunden zur Begrenzung derer Risiken durch Einsatz verschiedener Absicherungs-Instrumente.

– Siehe Abrufrisiko, Aktuar, Anlagestreuung, Ansteckungswirkungen, Bankkunden-Profil, Basel-II, Bilanzposten-Deckelung, Chief Risk Officer, Covenant, Debitorenmanagement, Disziplinierungszwang, Emerging Markets, Entwicklungsverfahren, iteratives, Eventualschaden, Expected Shortfall, Geschäftsstrategie, nachhaltige, Handlungsgebot, dringendes, Internen Ratings Basierender Ansatz, Kapitalbedarf, ökonomischer, Kerviel-Skandal, Kredit-Punktbewertungsverfahren, Kreditverbriefung, Liquiditätskrisenplan, Liquiditätsrisiko, Mark-to-Model-Ansatz, Marktbewertungsmethode, Middle-Office-Bereich, Mindestanforderungen an das Risikomanagement, Passivmanagement, Proportionalität, doppelte, Rating-Agenturen, Risikoabteilung, Risikogewichtung, Risikoinventur, Risikokontrolle, Risikokosten, erwartete, Risiko-Messverfahren, Risikopuffer, Risikoübernahme-Grundregel, Risikovermeidungs-Politik, Risk Assessment System, Risk Reporting, Risikokultur, Risikoüberwachung, gegliederte, Risiko- und Solvabilitätsbeurteilung, unternehmenseigene, Sicherungsgeschäft, Szenarien, aussergewöhnliche, Value at Risk, Verlustereignis, Warehousing Risk, Zwölf-Felder-Risikomatrix.

– Vgl. Jahresbericht 1999 der EZB, S. 62 f. und S. 106 f., Monatsbericht der EZB vom August 2002, S. 68, Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 94 ff. (nationale Umsetzung von Basel-II), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 103 ff. (Supervisory Review Process), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 40 f. (neuere aufsichtsrechtliche Entwicklung) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2006, S. 35 ff. (Umgang mit Konzentrationsrisiken bei Banken), Jahresbericht 2008 der EZB, S. 123 ff., 126 f. (neue Regelungen hinsichtlich des Risikomanagements bei Geschäften mit der EZB), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 56 (Vorschriften für das Liquiditätsrisiko-Management), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2013, S. 31 ff. (Ermittlung der Risikotragfähigkeit; eingehende Darstellung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risikomarge (margin of risk):

Nach Solvency-II ein Risikopuffer, der

1. zusätzlich zur Erwartungswert-Rückstellung von Versicherungen aufzustellen und

2. nach dem Cost-of-Capital-Ansatz zu ermitteln ist.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 49 (Harmonisierung der Berechnung in Europa).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risiko-Messverfahren (risk calculating methods):

Bei Banken

1. die gesetzlich und/oder von den Aufsichtsbehörden vorgeschriebenen Musterrechnungen für die Risiken bzw.

2. die eigens für bestimmte Banken erlaubten, von der Musterrechnung abweichenden Berechnungsmethoden.

– Siehe Internen Ratings Basierender Ansatz, Rating-Agenturen, Risiko, Risikoabteilung, Risikogewichtung, Risikokontrolle, Risikomanagement, Risk Assessment System.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 94 ff., Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 121 (formalisierte Verfahren zur Risiko-Profilierung und Risiko-Klassifizierung), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 75 f. (neue Messverfahren) sowie die jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2006, S. 42 ff. (Messverfahren zur Adressen-, Länder- und Branchenkonzentration; mit Übersichten und Formeln), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 56 (Vorschriften für das Liquiditätsrisiko-Management).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risikominderungstechniken, erweiterte (credit-risk-mitigation techniques):

Aufsichts-rechtlicher Bezeichnung für die Möglichkeit, beim Risikomanagement der Banken einzelne Sicherheiten wie etwa eine Kreditversicherung anzuerkennen. Bei Basel-II sind die entsprechenden Möglichkeiten im Einzelnen festgelegt.

– Siehe Aktiva, illiquide, Retrozession, Risikotransformation, bankliche, Risikoübernahme-Grundregel, Sicherungsgeschäft.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2004, S. 75 ff., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2004, S. 48 ff. (Gefahr: Risiko wird auf Akteure ausserhalb des Bankensystems übertragen; die Banken nutzen dann den so gewonnenen Risikospielraum zum Eingehen neuer Risiken aus, was schlussendlich zu Schocks führen kann).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risikomodelle (risk calculating models):

Nach der Definition in § 1, Abs. 13 KWG

1. zeitbezogene stochastische Darstellungen der Veränderungen

2. von Marktkursen, Marktpreisen oder Marktwerten sowie Marktzinssätzen und

3. ihrer Auswirkungen auf den Marktwert einzelner Finanzinstrumente oder Gruppen von Finanzinstrumenten (potential risk amounts; potentielle Risikobeträge)

4. auf der Grundlage der Empfindlichkeit (sensitivity; Sensitivität) dieser Finanzinstrumente oder Finanzinstruments-Gruppen

5. gegenüber Veränderungen der für sie massgeblichen risikobestimmenden Faktoren.

– Risikomodelle beinhalten aufgrund der Vorgaben im KWG mathematisch-statistische Gefüge und Verteilungen zur Ermittlung risikobeschreibender Kennzahlen. Es handelt sich dabei besonders um die Feststellung des Ausmasses und Zusammenhangs von Kurs-, Preis- und Zinssatzschwankungen (volatility; Volatilität, correlation; Korrelation) sowie der Sensitivität der Finanzinstrumente und Finanzinstruments-Gruppen. Diese Berechnungen werden durch angemessene EDV-gestützte Verfahren und insbesondere Zeitreihenanalysen von darauf spezialisierten Fachkräften durchgeführt (risk calculating models comprise mathematical-statistical structures and distributions that are used for calculating key ratios which are determined by means of appropriate computer-assisted procedures, notably time series analyses).

– Siehe Abschmelzrisko, Backtesting, Complacency, Internen Ratings Basierender Ansatz, Kernkapitalquote, Liquiditätskrisenplan, Risikomanagement, Risikopuffer, Risk Assessment System, Szenarien, aussergewöhnliche, Übermut, Zwangswandelanleihe.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 102 ff., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 88 ff. (Modellierungsansätze und deren Verlässlichkeit), S. 100 ff. (neuere Entwicklung der Messtechniken; Gremien; aufsichtsrechtliche Merkblätter), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 132 ff. (Tätigkeit der BaFin; Übersicht) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin (Rubrik "Risikomodelle"), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2006, S. 35 ff. (genauere Rechenansätze für Konzentrationsrisiken nach Basel-II), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 56 (Vorschriften für das Liquiditätsrisiko-Management), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 140 f. (mehr als die Hälfte der systemrelevanten Banken wurden 2009 als problematisch oder gar besorgniserregend eingestuft), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 165 (vierzehn Institute verfügen über die Bestätigung der BaFin, dass ihr internes Risikomodell den aufsichtlichen Anforderungen genügt), S. 165 f. (Anforderungen an interne Marktrisikomodell erhöht), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 62 ff. (rechtliche und aufsichtsrechtliche Entwicklung) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute", Rubrik "Aufsichtshandeln".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risikoneigung auch Risikobereitschaft (risk appetite):

1 Allgemein die Neigung der Marktteilnehmer zur Übernahme eines Risikos (the amount of capital an investor is willing to lose in order to generate a potential profit). Im Blickpunkt der Zentralbanken steht dabei im Besonderen die Risikoneigung von Banken als Schritt im Transmissionsprozess der Geldpolitik (risk taking channel).

2 Auf Finanzmärkten die Vorliebe von Anlegern, Engagements mit hoher Verlustgefahr einzugehen. Eine sinkende Risikoneigung führt zu höheren Finanzierungskosten, weil die Renditeforderung der Anleger trotz gleich bleibenden Risikos steigt.

– Siehe Anlagenotstand, Eventualschaden, Herdenverhalten, Katastrophen-Anleihen, Performancedruck, Positionierung, Risikoanleger, Risikoaversion, Risikokultur, Risikotoleranz, Risikovermeidungs-Politik, Risikopuffer, Risikoscheu, Risikoteilung, Safe Haven Flows, Single Hedge-Fonds, Terror-Papiere, Wahrnehmungsverzerrungen, Zitterprämie.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2005, S. 91 ff. (ausführliche Darstellung; auch Indikatoren zur Messung der Risikoneigung werden vorgestellt), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2007, S. 44 f. (Portfolio-Umschichtungen als Mass für Risiko-Einschätzung der Anleger), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2008, S. 40 f. (Bestimmungsgründe des Risikoappetits; Formeln; Übersichten; Literaturhinweise), Monatsbericht der EZB vom August 2008, S. 96 ff. (Risikobereitschaft in ihrer Wirkung auf den geldpolitischen Transmissionsprozess; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risikoneigungskanal (risk inclination channel):

Es gilt als eine empirisch gut belegte Tatsache, dass die Finanzmarktteilnehmer ihre Renditeerwartungen nur sehr träge an die Entwicklung der Marktzinsen anpassen. Dadurch geschieht es, dass diese bei niedrigem Zinsniveau mehr Risikoneigung zeigen, also höhere Risiken eingehen. Die Geldpolitik muss diese Tatsache bei ihren Entscheidungen berücksichtigen, und darf nicht allein den Zinskanal für sich allein im Auge haben.

– Siehe Transmissionsmechanismus. monetärer, Zinsweitergabe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risikoprämie (risk premium, default premium):

1 Das bei einem Darlehn in den Preis für das Leihkapital eingerechnete Entgelt für besonders gefahrvolle Umstände bei dem Schuldner. Die Risikoprämie in dieser Bedeutung ist eines der wichtigsten marktwirtschaftlichen Signale. Sie steigt dann, wenn die Anleger befürchten müssen, ihr Geld nicht wie versprochen zurückzuerhalten. Eine hohe Risikoprämie wird indessen die Schuldner anspornen, alles zu tun, um Vertrauen bei den Anlegern zurückzugewinnen. Verhindert man dies - etwa durch den Ankauf von mit hohem Risiko behafteten Staatsanleihen von Ländern der Südfront durch die EZB -, so werden die Schuldner ihre Anstrengungen mindern und damit weiter an Wettbewerbsfähigkeit verlieren.

2 Die in den Zinssatz eingerechnete Entschädigung für erwartete Minderung des Geldwerts, auch Laufzeitprämie (term premium) genannt.

3 Abschlag beim Handel mit Credit Default Swaps. Hohe Prämien deuten auf entsprechend schlechte Bonität bei dem zugehörenden Basiswert hin.

4 Der Unterschied zwischen dem erwarteten Gewinn aus einem Finanzinstrument und einem risikofreien Engagement, etwa in hochbonitäre Staatsanleihen (the difference between the expected return on a financial security and the return on the risk-free asset, such as a prime rated government bond).

5 Vergütung beim Kauf einer Anleihe, bei der das Risiko auf Verlust verhältnismässig hoch ist (benefit that compensates the investor for the risk inherent in purchasing a corporate bond that entails some risk of default).

– Siehe Eigenkapitalkosten, Gewinnerwartung, Laufzeitprämie, Outright-Geschäfte, geldpolitische, Ricardo-Effekt, Spekulation, destruktive, Zins, roher, Zitterprämie.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Dezember 2006, S. 34 ff. (Risikoprämien und Zinsstrukturen-Kurve; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom April 2007, S. 30 ff. (Risikoprämien im Eurogebiet seit 1999; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2014, S. 31 f. (Aussagegehalt der jeweiligen Risikoprämie auf dem Geldmarkt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risikoprofil (risk profile):

Wenn nicht anders definiert, im Zuge von Basel-II die Offenlegung von Kreditrisiken bei einer Bank. Hier sollten Angaben über das Portfolio-Gefüge, die wichtigsten Arten der Kreditrisiken, ihre geographische und branchenmässige Verteilung und Einzelheiten über notleidende Kredite kundmacht werden. Auch Mitteilungen über das Risikomanagement sowie Angaben hinsichtlich allfälliger risikomindernder Verfahren (risk mitigation measures, risk-reducing factors) und über Verbriefungen zählt man zum Risikoprofil.

– Siehe Abrufrisiko, Aktiva-Produktivität, Ausfallrate, erwartete, Aushaftung, Basel-II, Chief Risk Officer, Ertragseffizienz, Funktion, Internen Ratings Basierender Ansatz, Informations-Überladung, Kapitalanlage-Rechnungslegungs-und Bewertungsverordnung, Kapitalzuschlag, Korrelationsrisiko, besonderes, Kreditereignis, Laufzeitprämie, Liquiditätsrisiko, Marktdisziplin, Offenlegungspflichten, Rating, Reintermediation, Risiko-Ausschuss, Risikokultur, Risiko- und Solvabilitätsbeurteilung, unternehmenseigene, Risikotransparenz, Risk Assessment System, Rückschlag-Effekt, Terminrisiko, Unterlegung, Validierung, Verlustereignis, Verbriefung, Warehousing Risk, Zwölf-Felder-Risikomatrix.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2005, S. 57 ff., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 88 ff. (Risikomodelle in der Praxis; Ergebnisse von Backtesting), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 67 (Ergebnisse der Risikoklassifizierung), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 125 f. (Risikoprofil und Aufsichtshandeln) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin (Rubrik "Risikomodelle"), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2006, S. 35 ff. (mit Schwerpunkt auf Risiken in Kreditportfolios der Banken).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risikopuffer und Risikorücklage (risk buffer, sovereign-capital buffer):

Massnahmen die darauf abzielen, das Eingehen zu grosser Risikopositionen bei einer Bank zu verhindern: ihre Risikoneigung also zu dämpfen. Als Mittel der Wahl (means to this end) gelten mit der Aufnahme von Fremdkapital (borrowed capital) proportional oder gar überproportional (disproportionately high) steigende Anforderungen an das Eigenkapital.

– Siehe Anlage-Haftung, Basel-III, Moral Hazard, Risikogewichtung, Risikokontrolle, Risiko-Messverfahren, Risikoübernahme-Grundregel, Risikovermeidungs-Politik, Risk Reporting, Risikoüberwachung, gegliederte, Szenarien, aussergewöhnliche, Unterlegung, Value at Risk, Verlustereignis, Warehousing Risk, Zwölf-Felder-Risikomatrix.

– Vgl. Vgl. Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 154 f. (Berechnung einer Risikorücklage aufgrund der Beschlüsse der EU-Finanzminister vom Oktober 2011).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risiko-Rangliste (risk ranking list):

Von Rating-Agenturen und/oder anderen internationalen Beobachtern erstellte Aufstellung jener Länder, bei denen ein Staatsbankrott wahrscheinlich ist, und in die zu investieren ein sehr hohes Risiko in sich schliesst. Im Frühjahr 2014 stand Venezuela an der Spitze der Liste, gefolgt von Ägypten und Argentinien. In die Risiko-Rangliste eingereihte Staaten sind damit so gut wie ganz vom internationalen Kapitalverkehr ausgeschlossen.

– Siehe Länderrisiko, Risiko, systeminhärentes.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risikoscheu (risk aversion):

Die Zurückhaltung eines Anlegers, sich einer Investition mit zwar hoher Rendite, aber auch drohender Verlustgefahr zu engagieren.

– Siehe Hafen, sicherer, Rendite-Risiko-Grundsatz, Risikoaversion, Risikoneigung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risikoschirm (risk umbrella):

Eine Person, in der Regel aber eine öffentliche Stelle wie etwa das Bundesland Nordrhein-Westfalen oder der Kanton Zürich, verpflichtet sich, für allfällige Verluste eines Unternehmens - im Beispiel: der Westdeutschen Landesbank bzw. der Zürcher Kantonalbank - unbedingt einzustehen.

– Siehe Europäischer Stabilisierungsmechanismus, Risikoträger, endgültiger.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risiko-Strukturausgleich (compulsory risk settlement; risk adjustment scheme):

In Deutschland die gesetzlich festgeschriebene Auflage, der zufolge Krankenversicherer mit guten Risiken für Unternehmen mit schlechten Risiken eintreten müssen.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2004, S. 20 sowie S. 24 f. (Aufzählung der bezüglichen Gesetze und Verordnungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risikoteilung (risk sharing):

Wenn nicht anders definiert eine besondere Geschäftspraxis der Assekuranzbranche, und hier wieder im Besonderen der Rückversicherer. Sie besteht darin, dass - in der Regel über Zweckgesellschaften - hochverzinsliche Katastrophen-Anleihen begeben werden, die von dem Rückversicherer übernommene Risiken auf die Zeichner der entsprechenden Papiere verteilen. Tritt der Schadensfall ein, so tragen die Besitzer der Verbriefungspapiere mit ihrem in der Regel nach dem Wasserfall-Prinzip gestuften Anteil zur Leistung des Rückversicherers bei.

– Siehe Embedded-Value Verbriefung, Katastrophen-Anleihen, Retrozession, Single Hedge-Fonds, Terror-Papiere, XXX-Insurance-Linked Securities, Zwangswandelanleihe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risikoteilung, internationale (international risk sharing):

Wenn nicht anders definiert die Möglichkeit,

1. vorübergehende Schwankungen (Oszillationen; oscillations: fluctuations in a system) des Bruttoinlandsprodukts eines Staates dank seiner wirtschaftlichen Verflechtung mit der Weltwirtschaft abzumildern,

2. insonders die unmittelbaren Auswirkungen auf den Konsum zu lindern

3. und damit allfälligen inneren Unruhen vorzubeugen.

– Siehe Euro-Währungsraum, Finanzmarktintegration, europäische, Globalisierung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2009, S. 46 f. (Internationale Konsumglättung in der EWU; Formeln).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risikotoleranz (risk tolerance):

Die Höhe möglicher Kursschwankungen, die ein Anleger bei einem Engagement einzugehen gewillt ist, um ein angepeiltes Anlageziel zu erreichen. Die Risikotoleranz ist für die Wahl einer bestimmten Anlageform - wie festverzinsliche Anleihe einerseits, hochspekulatives Engagement andererseits - entscheidend.

– Siehe Risikoaversion, Risikoneigung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risikotragfähigkeit (risk bearing ability):

Das Fassungsvermögen der Puffer, mit denen Schocks von einer Bank aufgefangen werden können. Dazu zählen vor allem

1. die laufenden Erträge,

2. die Risiko-Vorsorgebestände (substantial financial reserves; Reserveausstattung) und

3. die Ausstattung mit Eigenkapital. Institutsübergreifend rechnet man auch

4. Haftungsverbünde und Sicherungseinrichtungen zu den Puffern.

– Siehe Börsenkrach, Crash, Dominostein-Effekt, Ertragsschwäche, Eventualschaden, Formeln, finanzmathematische, Hurrikan-Schocks, Hybridbank, Institut, problematisches, Kernkapitalquote, Liquiditätskrisenplan, Liquiditätsrisiko, Modellunsicherheit, Risiko, Ölpreis-Schock, Prager Verlautbarung, Puffer, Restrisiko, Risikofähigkeit, Risikovermeidungs-Politik, Risikoübernahme-Grundregel, Risiko- und Solvabilitätsbeurteilung, unternehmenseigene, Risk Assessment System, Rückwirkungen, systeminhärente, Run, Schock-Bewältigung, monetäre, Schocks, strukturelle, Staatsschulden, verweigerte, Stress-Test, Terror-Schock, Übermut, Unsicherheit, Worst Case Szenario, Zwangswandelanleihe.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 56 (Vorschriften für das Liquiditätsrisiko-Management), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 140 f. (mehr als die Hälfte der systemrelevanten Banken wurden 2009 als problematisch oder gar besorgniserregend eingestuft), S. 149 (Quervergleiche als Hilfe zur Beurteilung der Risikotragfähigkeit), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 144 f. (Vorstellung des neuen Leitfadens der BaFin) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute", Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 37 ff. (die Risikotragfähigkeit deutscher Institute verbessert sich), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2013, S. 31 ff. (bankinterne Methoden der Ermittlung der Risikotragfähigkeit; eingehende Darlegung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risikoträger, endgültiger (ultimate risk taker):

Die Person oder Entität, die bei einem Ausfall letztlich Zahlung leisten muss. - Ist ein Kredit, so wie im Zuge der Hilfen durch den Europäischer Stabilisierungsmechanismus, durch Garantien von Mitgliedsstaaten der EWU besichert, so haben die Staatshaushalte der betreffenden Länder für diese Summen einzustehen. Nicht ganz auszuschliessen ist, dass neu gewählte Parlamente und daraus hervorgegangene Regierungen die Zahlung verweigern. Die Besitzer von betroffenen Schuldtiteln - etwa Staatsanleihen von Griechenland - wären dann die endgültigen Risikoträger. Soweit etwa Pensionsfonds in diese Titel investiert haben, verlagerte sich der Schaden auf die ruheständigen Personen.

– Siehe Gläubigervorrang, Letztsicherungsvorkehrung, Retterei, Risikoschirm, Risikotransfer, Staatsschulden, verweigerte, Vermögensabgabe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risikotransfer auch Risikotransformation und Risikoübertragung (risk transformation):

Allgemein die Weiterreichung einer eingegangenen Verlustgefahr an einen anderen. - Besonders bei der Weitergabe von Kreditrisiken ist immer zu bedenken, dass die transferierten Risiken nicht verschwunden sind. Sie liegen lediglich woanders mit der Gefahr, dort gegebenenfalls wie im Falle der Subprime-Krise geballt wieder aufzutauchen.

– Siehe Finanz-Alchemie, Risikoteilung, Risikoübernahme-Grundregel, Risikoträger, endgültiger, Schattenbank, Verbriefung, Terror-Papiere, XXX-Insurance-Linked Securities, Zwangswandelanleihe, Zweckgesellschaft.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2004, S. 27 ff. (einzelne Instrumente; Bezug zur Finanzstabilität), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2014, S. 76 ff. (Daten zur Risikoübertragung zwischen Versicherungen und anderen Wirtschaftszweigen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risikotransformation, bankliche (bank risk transformation):

Banken begegnen Risiken hauptsächlich dadurch, dass sie

1. die Zinssätze so wählen, dass jede Kreditrisikoklasse die Ausfälle selber trägt,

2. grösseren Kreditausfällen durch eine entsprechende Rückstellungs- und Eigenmittelpolitik begegnen,

3. auf dem Wege der Kreditverbriefung einen allfälligen Ausfall-Verlust an institutionelle Anleger übertragen,

4. Kredite mit hohem Risiko auf dem Wege des Konsortialkredits mit Partnerinstituten teilen,

5. die Ansprüche aus gewährten Darlehn an Zweckgesellschaften verkaufen und allgemein

6. entsprechend zugeschnittene Kreditderivate in den Markt einführen.

– Siehe Aktiva, illiquide, Credit Default Swap, Credit Linked Notes, Kreditderivat, Kreditverbriefung, Liquiditätsrisiko, Retrozession, Risikominderungstechniken, erweiterte, Risikoübernahme-Grundregel, Rückschlag-Effekt, Single Master Liquidity Conduit, Total Return Swaps, Underwriter, Unterseeboot-Effekt, Verbriefungsstruktur, Warehousing Risk.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2002, S. 56 f., Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 21 f., S. 33 f. sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin (Rubrik "Risikomodelle"), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2006, S. 35 ff. (Berechnung der Konzentrationsrisiken).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risikotransparenz (risk transparency):

Der Versuch, durch geeignete Massnahmen des Risikomanagements offensichtliche und verborgene Risiken aufzuspüren. Bei Finanzdienstleistern ist dies von den Aufsichtsbehörden mehr oder minder streng vorgeschrieben.

– Siehe Risikokultur, Mindestanforderungen an das Risikomanagement, Kerviel-Skandal, Risikoabteilung, Risikomanagement, Risk Assessment System.

– Vgl. auch Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 33 (internationale Gremien zu dieser Thematik), Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 88 ff. (Risikomodelle in der Praxis; Backtesting-Ergebnisse) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2006, S. 35 ff. (Ermittlung von Konzentrationsrisiken).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risikoübernahme-Grundregel (general rule of risk transfer):

Wer Risiken übernimmt,

1. muss über ein gleich gutes Risikomanagement verfügen wie derjenige, welcher die Risiken weitergegeben hat und

2. er sollte Verluste aus den Positionen mindestens ebenso gut verkraften können wie jener.

– Siehe Anlage-Haftung, Fussangelgeschäft, Risikopuffer, Risikovermeidungs-Politik, Risikotragfähigkeit, Rückschlag-Effekt, Unterseeboot-Effekt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risikoüberwachung, gegliederte (structured risk monitoring):

Eine Kapitalverwaltungsgesellschaft muss für jedes ihrer Sondervermögen, in denen Derivate enthalten sind, über ein eigenes Risikomanagement verfügen, das die Risiken des Sondervermögens unter Verwendung von hinreichend fortgeschrittenen Techniken des Risikomanagements fortlaufend erfasst, misst und steuert. Dabei sind sowohl die Risikoprofile der einzelnen Vermögensgegenstände eines Sondervermögens als auch das vollständige Risikoprofil des Sondervermögens gesamthaft zu beachten. Die angewendeten Risikomanagement-Techniken haben sich dabei am aktuellen Stand der Entwicklung zu orientieren. - Dies schreibt die deutsche Verordnung über Risikomanagement und Risikomessung beim Einsatz von Derivaten in Sondervermögen nach dem Investmentgesetz (Derivateverordnung [DerivateV]) vom 6. Februar 2004) im Einzelnen vor.

– Siehe Derivate, Derivateverordnung, Kapitalverwaltungsgesellschaft, Risikomanagement.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 89 (Schwierigkeiten der Risikomessung bei Dach-Hedge-Fonds) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin (Rubrik "Risikomodelle"), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 167 (Risikomanagement für strukturierte Finanzprodukte).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risiko- und Solvabilitätsbeurteilung, unternehmenseigene (own risk- and solvency assessment, ORSA):

Versicherungen und Pensionsfonds können im Zuge von Solvency-II alle geschäftseigenen Risiken selbst ermitteln und den sich daraus ergebenden Kapitalbedarf errechnen. Die vorausschauende Abschätzung der unternehmenseigenen Risiken in mehrjähriger Sicht (forward looking assessment of own risk, FLAOR) war erstmals 2014 vorzunehmen. Über das Ergebnis der Beurteilung berichten die Unternehmen an die zuständige Aufsichtsbehörde.

– Siehe Auswirkungsstudie zu langfristigen Garantien, Solvabilitätsverordnung., Zinsgarantiereserve.

– Vgl. Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 120 f. (Vorstellung der FLAOR).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risikovermeidungs-Politik (risk avoidance policy):

Bei einer Bank die besondere Geschäftspolitik, die jederart Risikoposition ausweicht, indem sie ein Risiko nach Möglichkeit meidet bzw. eingegangene Risiken voll mit Eigenkapital unterlegt. - Eine solche Politik wäre mit hohen Opportunitätskosten verbunden. Denn würde eine Bank alle bekannten Gefahren, selbst solche mit minimer Eintrittswahrscheinlichkeit (low probability of occurrence), voll absichern, dann bände dies Kapital, das anderswo gewinnbringend eingesetzt werden könnte. So ist das Abwägen zwischen den eingegangenen Risiken und deren Abdeckung immer eine Optimierungsrechnung. Was dabei als "optimales" Risiko zu gelten hat, ist von Institut - etwa: Schiffshypothekenbank - zu Institut - etwa: Kundenkreditbank - verschieden; aber null wird es wohl nie sein. Denn das Eingehen von Risiken gehört zum Bankgeschäft; denn ohne Risiko lassen sich kaum Gewinne erzielen. Wichtig bleibt jedoch das passende Risikomanagement.

– Siehe Bilanzposten-Deckelung, Risiko, Risiko, systematisches, Risikotragfähigkeit, Risikoübernahme-Grundregel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risikowahrnehmung (risk sensitiveness):

Wenn nicht anders definiert das Empfinden, Gespür und Einsehen von Risiken auf dem Finanzmarkt seitens der Anleger. Wie sich nachweisen lässt, sinkt die Risikowahrnehmung in Boomzeiten, und eine Scheinsicherheit verbreitet sich.

– Siehe Dominostein-Effekt, Headline-Hysterie, Herdenverhalten, Milchmädchen-Hausse, Prozyklizität, Stimmungs-Umschwung, Vertrauensverlust, Wahrnehmungsverzerrungen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risikozuschlag (danger money, US: hazard pay):

Eine Prämie an Beschäftigte, die unter gefährlichen Umständen eine Arbeit verrichten (extra payment for working under dangerous surroundings), wie etwa bei der Entschärfung von Minen oder Bomben.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risk Assessment System, RAS (so auch im Deutschen):

Von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht und der Deutschen Bundesbank entwickeltes System zur Früherkennung und Bewertung der Risiken der Banken. Im Mittelpunkt steht eine vergleichende Übersicht, die es einer einzelnen Bank relativ rasch und treffend erlaubt, sich mit ihren Konkurrenten zu vergleichen.

– Siehe Risikokultur, Risikomanagement, Zwölf-Felder-Risikomatrix.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 104 (Früherkennung von Probleminstituten), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 67 (Ergebnisse der Risikoklassifizierung) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Riskierer (risker):

Jemand, der ein Risiko eingeht (one who risks).

– Siehe Anlagemut, Barfusspilger, Fussangelgeschäft, Geschorener, Risikoanleger, Risk Taker, Spekulant.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risk Management Group, REG (so auch im Deutschen):

In Zusammenhang mit Basel-II ein Gremium, das sich mit den Bereichen Zinsänderungs-Risiko im Bankbuch und operationelles Risiko sowie auch mit dem nach Basel-II neu einzuführenden Vor-Ort-Prüfung befasst.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 94 f. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risk Reporting (so auch im Deutschen gesagt; seltener Risikoberichterstattung):

Meldepflicht der Banken an die Aufsichtsbehörde über die Einzelheiten ihres Risikomanagements, nämlich ihre Schritte zum Erkennen, Bewerten und Steuern von Risiken.

– Siehe Abschmelzrisko, Basel-III, Risikomanagement, Risikoabteilung, Risikomanagement, Risikoprofi, Risiko- und Solvabilitätsbeurteilung, unternehmenseigene, Risk Assessment System.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 88 f. (Backtesting-Ergebnisse), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 56 (Vorschriften für das Liquiditätsrisiko-Management), Jahresbericht 2009 der BaFin, S 96 ff. (Grundzüge der risikoorientierten Aufsicht), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 165 (Anforderungen an interne Marktrisikomodelle erhöht) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Versicherungsunternehmen und Pensionsfonds".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risk Reversal (so auch im Deutschen gesagt; seltener Risikoumkehrstrategie):

Eine Aus dem Geld-Kaufoption wird erworben und gleichzeitig damit eine Aus dem Geld-Verkaufsoption auf denselben Basiswert veräussert (purchase or sale of a call option combined with the sale or purchase of a put option, based on the same underlying instrument). - Beide Optionen

1. verfallen zum gleichen Termin und

2. lauten auf Ausübungspreise, deren prozentualer Abstand vom Terminpreis zum Zeitpunkt der Vertragsabschlusses gleich gross ist.

– Bezieht sich die Transaktion auf Devisen als Basiswert, so kann aus dem Marktpreis der Risk Reversals ersehen werden, wie die Marktteilnehmer allfällige Wertänderungen der zugrunde gelegten Währung einschätzen, sprich: wie ihre Erwartungen hinsichtlich des Kurses sind.

– Siehe Butterfly-Spread, Option, Strangle.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2001, S. 34 ff. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Risk Taker (so auch im Deutschen; mitunter auch Risikonehmer):

1 Personen ("Finanzstrategen"; finance strategists) oder Unternehmen, die vor allem bei Optionsgeschäften unbekümmert hohe Risiken eingehen bzw. Unsicherheiten auf sich nehmen. Wie die Finanzgeschichte lehrt, enden solche Vabanque-Operationen durchwegs früher oder später im Bankrott des Riskierers.

2 Marktteilnehmer und vor allem weltweit tätige Fonds, die

1. auf dem Wege der Kreditverbriefung,

2. über Kreditderivate oder auf anderen Wegen

3. bestimmte Kreditrisiken geschäftsmässig übernehmen, in diesem Falle oft auch Sicherungsgeber (fixed rate payer) genannt.

3 Mitarbeiter in Banken, die massgeblich das Risikoprofil des Instituts prägen.

– Siehe Anlagemut, Barfusspilger, Börsenspieler, Fussangelgeschäft, Geschorener, Kreditderivat, Reintermediation, Risikoanleger, Riskierer, Risikotransfer, Risikotransformation, bankliche, Risikoübernahme-Grundregel, Riskierer, Spekulant, Unterseeboot-Effekt, Verbriefung, Vergütungssystem, angemessenes, Wahrnehmungsverzerrungen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ristorno seltener Gegenbuchung (contra entry, offsetting entry):

1 Im Rechnungswesen die Zurückbuchung (back posting) eines irrtümlich gebuchten Postens (entry that is entered on the opposite side of an earlier entry to cancel its effect on the account balance).

2 In der Schadensversicherung (indemnity insurance) das Recht des Versicherungsnehmers (insurant, insured party), die bezahlten Prämien von der Versicherung zurückzufordern, falls das versicherte Geschäft gar nicht zustande gekommen und das damit verbundene Risiko mithin garnicht entstanden ist. Der Versicherer (assurer, insurance provider) darf diesfalls jedoch eine seine Kosten ausgleichende Rücktrittsgebühr (cancellation fee) in Abzug bringen; vgl. § 894 HGB.

– Siehe Mistrade, Storno.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ritter, schwarzer (black knight, raider):

Ein Investor, welcher ein Unternehmen gegen den Willen von dessen Management und/oder Belegschaftsvertreter aufkaufen will (an unfriendly bidder in a hostile takeover).

– Siehe Aktionärstimmenjagd, Anschleichen, Bieter, Freier, Fusionen und Übernahmen, Gifttablette, Greenmail, Konzentrationskurs, Kriegskasse, Makkaroni-Abwehr, Material-Adverse-Change-Klausel, Radar-Überwachung, Raider, Ritter, weisser, Shark Watcher, Squeeze-out, Übernahme-Angebot, Übernahme-Appell, Übernahmebeirat, Übernahmerisiken, Überraschungsangriff, Zielgesellschaft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ritter, weisser auch Apotropäer (white knight, apotropaic):

Ein Investor, der bei einer feindlichen Übernahme dem bezielten Unternehmen zu Hilfe kommt (a counter-bidder welcomed by the management of a company which is the target of a hostile takeover bid); Apotropäer vom griechischen APOTRÉPEIN = [ein Übel] abwenden. Dies geschieht immer dann zum Vorteil der Zielgesellschaft, wenn der weisse Ritter auf lange Sicht betrachtet (viewed long-term) bessere Bedingungen bietet.

– Siehe Abwehrmassnahme, Aktionärstimmenjagd, Aktientausch-Übernahme, Bieter, Buy out, Erwerbsangebot, Fusionen und Übernahmen, Gifttablette, Greenmail, Material-Adverse-Change-Klauseln, Pac-Man-Strategie, Pflichtangebot, Shark Watcher, Spin-off, Squeeze-out, Stimmrecht-Datenbank, Synergiepotentiale, Trade Sale, Transaktionsbonus, Übernahme-Angebot, Übernahme-Ankündigung.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 182 ff (Bayer AG als weisser Ritter bei Schering).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Roadshow (so auch im Deutschen gesagt, aber in unterschiedlicher Bedeutung):

1 Die Auswahl der geeigneten Finanzplätze im Inland und Ausland im Zuge einer Begebung von Papieren.

2 Die Werbung für eine neue Emission bei institutionellen Anlegern, in der Regel durch den Konsortialführer (a meeting of the book runner [= the managing underwriter for a new issue; the book runner maintains the book of securities sold] with potential investors), dann auch Präsentation (presentation) genannt.

3 Öffentlichkeitsarbeit eines Unternehmens allgemein und einer Bank oder einer Kapitalverwaltungsgesellschaft im Besonderen. Ziel ist es dabei in erster Linie, im breiten Publikum möglichst viele Kunden bzw. Investoren zu gewinnen; im Jargon abfällig auch Strassentheater (street theatre) genannt. In der Finanzpresse, in bezüglichen Foren und von Analysten werden entsprechende Anpreisungen von Kapitalverwaltungsgesellschaften in den letzten Jahren sehr kritisch durchleuchtet. Die Werber für solche Engagements wenden sich daher in letzter Zeit an Steuerberater (tax counsellors, tax advisors) und locken diese mit sehr hohen Provisionen.

– Siehe Absichtserklärung, Arranger, Bonbon, Bought Deal, Co-Investment, Erfolgsgeschichte, Emissionsgeschäft, Emissionshaus, Investment Banking, Käserei, Multicourcing, Pre-Marketing, Schätzwert, Shopping, Spin Doctor.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rockgeld (clothing impost):

Frühere Zwangsabgabe (mandatory contribution. compulsory levy) zur Ausrüstung eines Heeres.

– Siehe Hussengeld, Rüstgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Roggenanleihen (rye bonds):

Auf den Geldwert bestimmter Gewichtsmengen von Roggen lautende Sachwertanleihen. Diese gab in Deutschland während der Inflationszeit die im Herbst 1922 eigens dazu gegründeten Roggenrentenbank AG aus. Auch die Verzinsung geschah in Gewichtseinheiten Roggen. Die Anleihen wurden durch Gesetz im Frühjahr 1934 in Reichsmarkanleihen auf der Basis 50 kg Roggen = RM 7,50 umgewandelt.

– Siehe Anleihe, Getreidewert, Sachwertanleihen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Roggengeld (rye duty):

Früher die in eine Geldzahlung abgelöste Pflichtigkeit (Fron; soccage) zur Lieferung von Roggen an den Grundherrn seitens des Leibeigenen (villain).

– Siehe Befreiungsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rogoff-Studie (Rogoff paper):

Im Jahr 2010 veröffentlichten die beiden Starökonomen Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff - dieser war Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds - eine empirische Untersuchung über den Zusammenhang zwischen Staatsverschuldung und Wirtschaftswachstum in zwanzig Industrieländern nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass das Wachstum in Ländern mit Verschuldung von mehr als 90 Prozent des Bruttoinlandprodukts um grob einen Prozent niedriger lag als in Staaten mit niedriger Verschuldung. In einem weltweit anlegten Feldzug in allen Medien wurde im Frühjahr 2013 die Rogoff-Studie als gefälscht dargestellt, weil angeblich der Untersuchung zugrunde gelegten Zahlen willkürlich ausgewählt worden seien. - Widerlegt wurde freilich die Studie weder empirisch noch sachlich. Denn

1. sind die öffentlichen Schulden erdrückend gross,

2. dann muss der Staat auf die Dauer höhere Steuern erheben.

3. Diese aber bremsen die Wirtschaft,

4. und es wird weniger investiert.

5. Dazu nehmen bei hoher Steuerlastquote die Leistungsanreize ab.

6. Es sinkt damit auch das Angebot an Innovationen; die Patenterteilungen in hoch verschuldeten Staaten sind nachweislich gering.

– Siehe Ausgabenquote, öffentliche, Bankenrettung, umgekehrte, Deficit-Debt-Adjustment, Defizitquote, Finanzpolitik, Finanzreferendum, Forschungsquote, Haushaltsdefizit, Haushalts-Kennziffern, Methusalem-Syndrom, Nachhaltigkeit, Nettogläubiger, Schuld, schwebende, Schuldenbremse, Schuldendroge, Schulden-Schulden-Rezept, Schuldentragfähigkeit, Sozialstaat-Falle, Staatsverschuldung, Wirkungen, Staatsschulden-Rückführung, Staatsverschuldungs-Druck, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Sunset-Vorbehalt, Wachstum-Schulden-Tatsache, geschichtliche, Tragfähigkeit öffentlicher Finanzen, Verfassungsartikel eins, Zahltag-Grundregel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rohrgeld (wind instrument maintenance payment; fire arm duty; water supply payment):

1 Tarifvertraglich (CH: gesamtarbeitsvertraglich; collectively agreed) festgelegte Zahlung an Mitglieder eines Orchesters, die ihr privates Blasinstrument (wind instrument) wie Fagott (bassoon), Flöte (flute) oder Oboe (oboe) spielen und dieses in einwandfreiem Zustand halten müssen.

2 In älteren Dokumenten eine Abgabe zur Beschaffung von Feuerwaffen.

3 In einigen Landschaften früher auch gesagt für das Wassergeld (water money): die Bezahlung für aus Rohrleitungen geliefertes Trinkwasser.

– Siehe Instrumentengeld, Musikgeld, Saitengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rohstoff-Portfolio (commodities portfolio):

Die Investition in

1. Aktien von Rohwaren produzierenden Firmen (vor allem in dem Bereich Erdöl, Erdgas, Uran, Kupfer, Aluminium, Holz und Früchte),

2. einen möglichst breit gefächerten (spread as widely as possible) Rohstoff-Fonds oder

3. einen Rohstoff-Terminvertrag.

– Siehe Energiewerte, Finanzialisierung, Multi-Boutique-Ansatz, Rohstoffblase, Rohstoff-Fonds.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rohstoffblase (raw material bubble):

Das

1. hastige Ansteigen der Rohstoffpreise, vor allem für Erdöl und Metalle, und hier insbesondere für Kupfer,

2. welches mit normalen Verhältnissen von Angebot und Nachfrage auf dem jeweiligen Markt kaum zu erklären ist, und

3. das auf vorübergehende spekulative Käufe hindeutet.

– Solchen Hochpreiszeiten folgen erfahrungsgemäss über kurz oder lang unerwartete Verkäufe grossen Umfangs, was zu einem Preisverfall mit finanziellem Ruin vieler Lagerhalter führen kann. Die Zentralbanken beobachten zwar die Rohstoffmärkte auf solche Übertreibungsphasen. Es hat sich aber gezeigt, dass "echte" Blasen auch mit den Mitteln der Marktforschung kaum genau feststellbar sind.

– Siehe Blase, spekulative, Dotcom-Blase, Finanzialisierung, Immobilienblase, Luftloch, Martin-Prinzip, Poseidon-Blase, Rückkoppelungsschleife, Spekulation, Tulpencrash, Überschwang, unvernünftiger, Vermögensblase, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom September 2008, S. 21 (Schwankungen der Rohstoffpreise in Abhängigkeit von Spekulanten; Übersicht), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 44 f. (Ansätze zur weltweiten Regulierung der Rohstoffmärkte).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rohstoff-Finanzierung (raw material financing):

Die Zurverfügungstellung von Geld (provision of money), um

1. Rohstoffquellen zu entdecken (prospektieren; discover),

2. abzubauen (to quarry, to mine) sowie auch

3. gewonnene Rohstoffe zu verteilen und zu transportieren.

– Zu Jahresende 2010 wurden etwa sechzig Prozent der weltweiten Rohstoff-Finanzierung von der Schweiz aus abgewickelt, mit Schwerpunkt in Genf. Dort werden neben den Energieprodukten Rohöl, Kohle und Strom vor allem auch Getreide, Ölsaaten und Zucker mitsamt den dazu erforderlichen Ladekapazitäten (cargo capacities, carrying capacities) zu Wasser und zu Land von international tätigen Instituten und in der Regel mit diesen verbundenen Handelshäusern besorgt.

– Siehe Agribulk, Rohstoffhandelsfinanzierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rohstoff-Fonds (raw material fund):

1 Vermögen einer Kapitalverwaltungsgesellschaft, angelegt in Wertpapiere von Firmen, die Güter zur Weiterverarbeitung oder Veredelung bereitstellen, vor allem

1. Gewinnung von Bodenschätzen wie Metalle, Kohle, Erdöl oder Steinsalz,

2. Agrarfabriken, die pflanzliche und tierische Grundprodukte erzeugen, einschliesslich der Forstbetriebe. Manchmal werden auch Titel von rohstoffhandelnden Unternehmen in das Fondsvermögen aufgenommen.

2 Auf börsennotierte Rohstoffe bezogener Indexfonds. Die darauf ausgegebenen Wertpapiere nennt man Exchange Traded Commodities; der Begriff bezieht sich also auf emittierte Titel und nicht auf die zugrunde liegenden Waren.

3 Manchmal auch gesagt von einem reinen Edelmetall-Fonds.

– Siehe Finanzialisierung, Rohstoff-Finanzierung, Waldfonds, Warentermin-Investmentfonds.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 81 (Versicherungen dürfen grundsätzlich auch in Rohstoffen investieren), Finanzstabilitätsbericht 2011, S. 42 ff. (Zunahme der Finanzialisierung; damit verbundene Risiken; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rohstoffhandelsfinanzierung (commodity trade financing, CTF):

Kurzfristige Darlehn zum Erwerb von Vorräten (inventories) oder Forderungen aus börsengehandelten Rohstoffen. Das Darlehn wird dabei vertragsgemäss aus dem Verkaufserlös (sales return) der finanzierten Waren getilgt.

– Siehe Agribulk, Finanzialisierung, Objektfinanzierung, Projektfinanzierung, Rohstoff-Finanzierung, Rohstoff-Fonds.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2011, S. 42 ff. (Zunahme der Finanzialisierung; damit verbundene Risiken; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rohstoffpreise (commodity prices, prices for basic materials, prices for raw materials):

Der auf dem Markt zu zahlende Geldbetrag für international gehandelte Grundwerkstoffe (Rohwaren). In ihren Veränderungen wirken sich Rohstoffpreise auf die Preise für Vorleistungsgüter (intermediate inputs) aus. Weil diese aber im Eurogebiet rund dreissig Prozent im Erzeugerpreisindex ausmachen und über kurz oder lang auf den HVPI durchschlagen, so werden sie von der Zentralbank genau beobachtet. - In der Verarbeitenden Industrie (manufacturing industry) gesamthaft versucht man zwar, Erhöhungen der Rohstoffpreise möglichst aufzufangen. Dazu diesen vor allem Mittel wie

1. Senkung der Produktionskosten,

2. Verwendung von Substituten,

3. Änderung der Rezepturen oder

4. Einsparungen im Verwaltungsbereich.

– Markenartikler (brand owners) haben mit in der Regel sehr hohen Investitionen in Werbung und Verkaufsförderung (sales promotion) starke, preisunelastische Marken (price-inelastic trademarks) aufgebaut. Hier führt eine Preiserhöhung um ein Prozent zu einem Nachfragerückgang von bei weitem weniger als ein Prozent. Die damit erlangte Preissetzungsmacht (price-setting power) erlaubte es in der Vergangenheit den jeweiligen Unternehmen, gestiegene Preise vor allem bei Agrarrohstoffen sofort durch höhere Endproduktpreise anzugleichen; häufig genug sogar überkompensierend (over-compensating: they raised the prices more than to offset the higher costs associated with the raise of raw material prices).

– Siehe Agrarpolitik, Biotreibstoffe, Cost-Push-Inflation, Erdöl-Lebensmittel-Zusammenhang, Erdölpreis, Finanzialisierung, Inflation, weltweite, Klima-Inflation, Kohlendioxid-Inflation, Konjunkturdiagnose, Protein-Inflation, Rohstoffblase, Zwei-Säulen-Prinzip, Zweitrunden-Effekte.

– Vgl. den Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Preise, Produktion, Nachfrage und Arbeitsmärkte" im jeweiligen Monatsbericht der EZB (aufgeteilt mit und ohne Energiepreise), Monatsbericht der EZB vom März 2004, S. 47 ff. (Bedeutung der Rohstoffpreise für die Geldpolitik), Monatsbericht der EZB vom Januar 2008, S. 91 (Nachfrage der Schwellenländer lässt Rohstoffpreise steigen und wirkt auf den HVPI ein), Monatsbericht der EZB vom September 2008, S. 21 (Schwankungen der Rohstoffpreise in Abhängigkeit von Spekulanten: Übersicht), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2008, S. 37 ff. (Trends bei den Rohstoffpreisen; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2008, S. 15 ff. (von der EZB ausgewiesene Indizes, Übersichten), Monatsbericht der EZB vom März 2009, S. 17 f. (auffallende Abwärtsbewegung 2008; Übersicht), Jahresbericht 2008 der EZB, S. 65 ff. (Entwicklung während der Finanzkrise; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom März 2010, S. 16 f. (Erdölmarkt 2000-2009; Übersichten), Jahresbericht 2010 der EZB, S. 60 f. (Rohstoffpreise und HVPI; Aufschlüsselung der Auswirkungen auf einzelne Sektoren; viele Übersichten; Literaturhinweise), Monatsbericht der EZB vom Januar 2011, S. 13 ff. (Marktzustand und Aussichten; Preise seit 2006; Literaturhinweise), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2011, S. 52 ff. (Grundsätzliches und Aktuelles zu den Ansteckungswirkungen; Übersichten), Jahresbericht 2011 der EZB, S. 53 ff. (Übertragungseffekte auf andere Sektoren der Wirtschaft; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2013, S. 59 ff. (sehr ausführliche Darstellung; viele Übersichten; Literaturverweise), Monatsbericht der EZB vom Juli 2014, S. 15 ff. (Rohstoffpreise seit 1999; Einfluss auf die Inflation; Übersichten; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rohstoffpreisrisiko (raw material prices risk):

Preisänderungen bei international gehandelten Rohstoffen, die sich auf die Kosten und damit auch auf den Gewinn eines Unternehmens auswirken (raw material prices risk is linked to the fluctuations in commodities markets as oil, sugar, metals, etc. and their impact on the profitability of the companies dependent on these markets, both for their revenues and costs). Durch Rohstoff-Terminverträge lässt sich dieses Risiko eingrenzen.

– Siehe Absicherung, Option, Preisrisiko, Rohstoffpreise, Terminkontakt, Waren-Terminkontakt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rohstoff-Terminvertrag (raw material future contract):

Spekulationsgeschäft an der Warenbörse zur Verankerung der Inputpreise während der Verarbeitung.

1. Eine Mühle beispielsweise verkauft die eben eingelagerte Rohware zu einem bestimmten Preis - angenommen: 10 GE - auf einen späteren Termin, zu dem das Lager wieder aufgefüllt und erneut Getreide gekauft werden muss.

2. Ist nun der Marktpreis für Getreide und damit auch der für Mehl zum Erfüllungszeitpunkt niedriger - angenommen: 8 GE - als der vertraglich festgelegte Preis, so hat die Mühle einen Gewinn. Sie beschafft sich das Getreide zum heutigen Preis von 8 GE und erhält dafür vom Vertragspartner die im Kontrakt festgelegten 10 GE.

3. Ist der Getreidepreis zum Erfüllungszeitpunkt höher - angenommen: 12 GE -, dann wird die Mühle im Termingeschäft zwar verlieren; denn sie muss jetzt den Unterschied zwischen dem vertraglich vereinbarten Preis von 10 GE und dem Marktpreis am Erfüllungstermin von 12 GE zahlen. Aber ein Ausgleich ist wahrscheinlich über den nunmehr gestiegenen Mehlpreis zu erwirtschaften.

– In jedem der beiden Fälle hat die Mühle über das Spekulationsgeschäft unerwartet hohe, überraschende Verluste vermieden und die Sicherung ihrer Einnahmen (securing revenues) erreicht. - In gleicher Weise müssen auch alle Unternehmen handeln, die Rohstoffe kaufen und zu Fertigwaren verarbeiten, wie beispielsweise Früchte bei Joghurthersteller, Kakao bei Chocoladiers oder Erz bei Hütten und Rohöl bei Raffinieren. Manche bezeichnen die entsprechenden Verträge auch als "Finanzialisierung (so!) von Rohstoffen" (financialisation of raw material).

– Siehe Agribulk, Aufsaugphase, Baisse-Spreizung, Call, Commercials, Commodity Fund, Contango, Hedge-Geschäft, Option, Put, Rendite, implizite, Risiko, Rohstoff-Fonds, Rohstoffpreisrisiko, Spekulation, Terminkontrakt, Verfügbarkeitsprämie, Vertretbarkeit, Warenbescheinigung, Waren-Terminkontrakt, Wiedereindeckungs-Risiko.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 41 f. (aufsichtsrechtliche Leitlinien), Monatsbericht der EZB vom September 2008, S. 21 (Schwankungen der Rohstoffpreise in Abhängigkeit von Spekulanten: Übersicht), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2011, S. 13 ff. (sehr ausführliche Darstellung; Vergleiche zwischen Rohstoff- und Finanzmarkterträgen; Übersichten, Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rollenmischung, bankliche (mixed sides of the market in banking business):

Während auf den Gütermarkten die Rolle (role: the proper or customary activity and action) von Anbietern und Nachfragern klar getrennt ist, und damit auch bestimmte Verhaltensweisen festgelegt sind - der Verkäufer will ein Gut zum höchstmöglichen Preis, jedoch nicht unter seinen Gestehungskosten verkaufen, der Käufer aber zum niedrigsten Preis kaufen -, wechseln auf Finanzmärkten die Teilnehmer ständig die Seiten: sie kaufen und verkaufen wieder. Auch bei Verbriefungen sind Banken teilweise Verkäufer, indem sie entsprechende Papiere originieren und abgeben, und andererseits Käufer, indem sie Collateralised Debt Obligations verschiedener Pools kaufen. Viele sehen in dieser Tatsache den Grund dafür, dass der Marktmechanismus auf Finanzmärkten häufig versagt und es immer wieder zu Verwerfungen (turmoils) kommt.

– Siehe Interbanken-Geldmarkt, Reintermediation, Risk Taker.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rollgeld (cartage, wheelage; rolled coins, roll of nickel, money cone):

1 Entgelt für das Befördern des Frachtgutes vom Versender zur Bahn und/oder von der Bahn zum Empfänger durch einen Spediteur (CH: Spetter; carrier) bzw. Transportunternehmer (CH: Camionneur, A: Frächter; haulier).

2 In Papier gewickelte Münzen, in der Regel von Banken in eigens hierfür gefertigte und mit entsprechendem Aufdruck versehene Bogen gepackt und als Wechselgeld (Kleingeld; change) für Handelsbetriebe abgegeben. Auch Bargeldbearbeiter (Geldtransportunternehmen; cash transportation service provider), heute regelmässig mit maschinellen Geräten zur Geldzählung ausgestattet, bereiten häufig Rollgeld zu und tauschen des bei ihren Kunden auf Wunsch in andere Geldformen um.

– Siehe Brückengeld, Chausseegeld, Citymaut, Dieselgeld, Fährgeld, Furtgeld, Geldrolle, Liegegeld, Mautgeld, Porto, Rollgeld, Taxe, Torgeld, Transitgeld, Ungeld, Verladegeld, Vignette Wartegeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rollover-Kredit (roll over credit):

Auf dem Euromarkt

1. Darlehn in sehr hohen Beträgen mit einer Mindestsumme von in der Regel 0,5 Mio EUR,

2. mit einer Laufzeit (period: time to run; Befristung) bis zu sieben Jahren und

3. mit einer besonderen Zinsvereinbarung; bei dieser wird in der Regel der EURIBOR oder der LIBOR als Zinssatz zugrundegelegt,

4. jedoch nicht für die Laufzeit gesamthaft fest vereinbart, sondern

5. in vertraglich ausgemachten Abständen den jeweiligen Marktverhältnissen angepasst. Diese Regelung ist für den Schuldner bei sinkenden Zinsen günstig, jedoch bei steigenden Zinsen ungünstig. Das Risiko steigender Zinsen muss daher durch entsprechende Absicherung begrenzt werden.

– Siehe Absicherung, Cap, Hedge-Geschäft, Referenz-Zinssatz, Reverse Floater, Schuldtitel, variabel verzinslicher, Zinsoption, Zinsrisiko.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rollover-Risiko und Anschlussfinanzierungsrisiko (maturity mismatch risk):

1 Allgemein die Möglichkeit, dass Gläubiger Kreditzusagen aufgrund bestimmter Umstände zurücknehmen bzw. Kreditlinien nicht verlängern.

2 Im Besonderen die Gefahr, welche dann eintritt, wenn ein Schuldner seine Aktiva langfristig und zumeist unkündbar festgelegt hat, und nun plötzlich seine Verbindlichkeiten mit kurzfristigen Mitteln - und vielleicht gar noch in einer anderen Währung - zurückzahlen muss.

– Siehe Bankregel, goldene, Bilanzregel, goldene, Covenant, Default, Devisen-Swapgeschäft, Downgrade-Trigger-Klausel, Drittfälligkeits-Klausel, Erstraten-Verzugsklausel, Fälligkeitsgliederung, Herstatt-Risiko, Matching, Pränumerationsvorbehalt, Verwirkungsklausel, Vorfälligkeitsklausel, wechselseitige.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Roll-up (so auch im Deutschen gesagt):

Vertragliche Festlegung bei Mezzanin-Kapital, wonach ein bestimmter Anteil der laufenden Verzinsung im Vorhinein kapitalisiert wird. Dem Investor wird diesfalls jedoch der Zins erst im Nachhinein, am Ende der Laufzeit ausbezahlt. Solche Zinskapitalisierungs-Klauseln (interest capitalisation clauses) sind weithin regelmässiger Bestandteil entsprechender Verträge.

– Siehe Annuität, Balloon, Verzinsung, antizipative.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Roosa-Effekt (locking-in effect):

Wertpapiere haben bei einem hohen Marktzinssatz einen niederen Kurswert; ein Verkauf und damit Geldschöpfung zahlt sich nicht aus. Die Inhaber der Titel warten daher ab, bis der Zinssatz wieder sinkt, und verkaufen eher dann erst.

– Siehe Anlage-Opportunitätskosten, Bärenfalle, Liquiditätspräferenz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rose-Effekt (Rose effect):

Die Steigerung des Handelsvolumens in einer Währungsgemeinschaft - wie dem Eurogebiet - geht über das Mass hinaus, das rechnerisch dem Wegfall des Wechselkurs-Risikos (foreign exchange risk) zuzuschreiben ist.

– Siehe Metcalfe-Regel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rosinenpickerei (cherry picking):

Der Verkauf bestimmter Vermögenswerte mit dem Ziel, eine günstige Bilanz ausweisen zu können (selecting specific assets for sale with the aim to record desired gains or losses).

– Siehe Angaben, verschleierte, Buchführung, kreative, Corporate Governance, Enforcement, Finanzbericht, Informations-Überladung, Kristallisation, Rosinenpickerei, Sachverhaltsgestaltung, Verlusttarnung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rotationsprinzip und Rotationsverfahren (rotation system, rotation scheme, rotation procedure):

Die Sozialpsychologie lehrt und Erfahrung zeigt, dass

1. eine Gruppe von einer bestimmten Grösse an

2. sich in ihren Beziehungen auf vielfältige Weise verändert,

3. was bei entscheidungsfindenden Gruppen gleichzeitig mit einem erheblichen Verlust an Handlungsfähigkeit einhergeht;

4. In der Fachliteratur wird oft die Zahl fünfzehn als Grenze genannt.

– Beim EZB-Rat hat man daher im Dezember 2008 durch Beschluss die Grenze auf achtzehn gesetzt. Danach muss das geldpolitische Entscheidungsgremium der EZB erst dann zu einem anderen Abstimmungsverfahren wechseln, wenn der gemeinsame Währungsraum mehr als achtzehn Staaten umfasst. - Man entschied sich dabei zu folgendem Verfahren: die Stimmrechte unter den Zentralbankpräsidenten rotieren (rotate, alternate) nach einem Monat. Die Anzahl der rotierenden Präsidenten ergibt sich aus dem Unterschied zwischen der Anzahl der Präsidenten und der Anzahl der jeder Gruppe zugeteilten Stimmrechte abzüglich zwei, wobei im Fall einer negativen Zahl der absolute Wert gilt. - Dieses Rotationsmodell soll es ermöglichen, kurze Zeiträume ohne Stimmrecht für die einzelnen Präsidenten mit einer vergleichsweise beständigen Zusammensetzung des stimmberechtigten Kollegiums zu verbinden. - Die Kritik gegen diesen Beschluss der EZB richtete sich weniger gegen das Verfahren, als vielmehr gegen die Zahl achtzehn, die als bei weitem zu hoch angesehen wird. Denn neben den achtzehn Zentralbankpräsidenten gehören auch die sechs Mitglieder des Direktoriums der EZB dem EZB-Rat an, gesamthaft also vierundzwanzig Personen. Im Federal Reserve System der USA entscheiden zwölf, bei der Bank of England neun stimmberechtigte Personen. - Bei der EZB sehen Kritiker die Gefahr, dass angesichts der schwer überschaubaren Gremiums es ausserhalb des EZB-Rats im Vorfeld von Sitzungen (beforehand: ahead of the meetings) zu Zusammenkünften im kleineren Kreis (circlet) und entsprechenden Absprachen (preliminary arrangements) kommt. - Als mit Jahresbeginn 2009 die Slowakei mit Glied der EWU wurde, hätte man den Rotationsplan umsetzen müssen. Indessen geschah dies nicht. Der EZB-Rat nutzte eine Klausel, nach der die Systemumstellungen vertagt werden kann, bis neunzehn Staaten an der Währungsunion teilnehmen. Dahinter stand starker politischer Druck: keines der kleineren Länder wollte ausgeschlossen werden, wenn auch nur zeitweise. Mit dem Beitritt Lettlands zu Jahresbeginn 2014 wurde das Rotationsverfahren eingeführt. Kritiker des Rotationsprinzips betonten, dass damit die Rolle des Präsidenten und des Direktoriums noch weiter gestärkt wurde. Vorbei seien die Zeiten nachhaltiger sachlicher Auseinandersetzung mit den geldpolitischen Herausforderungen, eines ausgeprägten Teamgeistes im EZB-Rat und der Entscheidungen mit Einstimmigkeit oder zumindest mit breitem Konsens (broad consensus) bei grundsätzlichen Fragen, wie dies bis Anfang 2010 gelungen war.

– Siehe Becket-Effekt, EZB-Protokolle, Veröffentlichung, Südfront.

– Vgl. Geschäftsbericht 2008 der Deutschen Bundesbank, S. 84 (beschlossene Regelung im EZB-Rat), Monatsbericht der EZB vom Juli 2009, S. 101 ff. (Erläuterung des Rotations-Verfahrens; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Round Tripping (so auch im Deutschen gesagt):

Dieser Ausdruck wird zur Bezeichnung verschiedener Erscheinungen verwendet.

1 Ein Staat bietet besondere Anreize, um ausländische Direktinvestitionen anzulocken. Anleger bringen daraufhin ihr Kapital in eine ausländische Firma ein. Diese tätigt nun die Investition, um damit in den Genuss der Vergünstigungen zu kommen. Neben niedrigerer Steuerbelastung handelt es sich dabei oft um weitere Vorzugsbedingungen, wie etwa grosszügigere Landnutzungsrechte. Die Gewinne aus der Investition werden in das Heimatland des Investors überwiesen.

2 Ein Staat - etwa: Indonesien - gewährt Anlegern besondere Vorteile, in der Regel einen attraktiven Zinssatz, wenn sie bei einer dortigen Bank ihr Geld anlegen. Die daraufhin einfliessenden Beträge werden nun seitens der Banken für Darlehen in einem anderen Land - hier: China - verwendet.

3 Ein Unternehmen verkauft einen Vermögensgegenstand mit dem Absprache des Rückkaufs zu einem vereinbarten Zeitpunkt (a firm sells an asset to another firm with an agreement that the asset will be bought back at an agreed time in future). Solche Abmachungen haben in der Regel den alleinigen Zweck, Umsätze aufzublähen (this tactic is used to increase the apparent amount of revenue and sales that have been made during a specific period of time).

4 Der Verkauf und kurz darauf folgende Kauf eines Wertpapiers oder eines Warenkontrakts an der Börse, um Umsätze vorzutäuschen, auch Wash Sale genannt (such transcations are done to create the impression of great demand).

5 Die Aufnahme eines Kredits zu einem günstigen Zinssatz, nur um diesen Betrag gleich wieder zu einem höheren Zinssatz weiterzuverleihen (the practice of borrowing at one rate of interest and lending the same money at a higher rate).

– Siehe Carry Trades, Kapitalbewegungen, internationale, Kobra-Effekt, Kristallisation, Marktaktivität, vorgetäuschte, Marktmanipulation, Pairoff, Rebbes, Reverse Flows, Scheintransaktionen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

RTGS-System (real-time gross settlement system, RTGS-system):

Zahlungssystem in Echtzeit, das heisst: jede Transaktion wird laufend in Echtzeit verarbeitet und ausgeglichen (settlement system in which processing and settlement take place on a transaction-by-transaction basis in real time).

– Siehe Brutto-Abwicklungssystem, Clearing-Haus, automatisches, Kapitaltransfersystem, elektronisches, Massenzahlungsverkehr, elektronischer, TARGET-System.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 45 ff. (ausführliche Darlegung der Zahlungssysteme; S. 50: wichtige Gegenüberstellung der Systeme mit ihren Vorteilen und Nachteilen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rückbelastung (back charge, backcharge):

Eine Forderung auf Zahlung, die sich aus Lieferungen oder Leistungen in einer vorangegangenen Rechnungsperiode ergibt (to charge a person or a firm an amount of money in order to make corrections for previous transactions). In den meisten Fällen bezieht sich das auf eine Summe, die erst nach der Endabrechnung genau festgestellt werden kann (the amount was not billable until a later date due to timing issues); so etwa bei der Jahresendabrechnung der Stromlieferer, bei denen sich eine Nachforderung aus der Rechnung gesamthaft abzüglich geleisteter Abschlagszahlungen herleitet.

– Siehe Rückvergütung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rückbürgschaft (countersecurity, backbond, surety for a surety):

Ein Bürge, in älteren Dokumenten auch Interzedent genannt, steht hier nicht - wie dies sogar in Lehrbüchern zu lesen ist - vertraglich gegenüber dem eigentlichen Gläubiger ein, etwa der ein Darlehn gewährenden Bank. Vielmehr gewährleistet er die Leistung des Bürgen. Der Rückbürge ist dem Bürgen gegenüber zur Leistung verpflichtet, wenn dieser von dem Gläubiger aus der Bürgschaft in Anspruch genommen wird und von dem Hauptschuldner keinen Ersatz erlangen konnte. Der Rückbürge wird in älteren Dokumenten auch Certificator und Certificateur genannt. Er sichert also die Rückgriffsansprüche eines anderen Bürgen gegenüber dem Hauptschuldner. - Bei Darlehn an Unternehmen ist nicht selten der Bund oder ein Bundesland Rückbürge.

– Siehe Exportkreditgarantie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rückdatierung (backdating):

1 Bei einem Geschäft auf dem Finanzmarkt wird nicht das Datum des Vertragsabschlusses zugrundegelegt, sondern ein früherer Zeitpunkt. Dies geschieht aus unterschiedlichen Gründen, häufig zwecks Steuervermeidung (tax avoidance, tax circumvention).

2 In der (Lebens)Versicherung gibt der Kunde ein früheres oder späteres Geburtsjahr an, um Prämien zu sparen oder in den Genuss sonstiger Vorteile zu kommen (in insurance used to make the age of the consumer at policy issue lower than it really is in order to get a lower premium or to obtain other advantages). Nach beständiger Rechtsprechung (constant judicature, invariable jurisdiction of law courts) kann dies die Nichtigkeit eines Vertrags zur Folge haben.

– Siehe Information, asymmetrische.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rückerstattung (refund, tax return):

Wenn nicht anders definiert die Überweisung von zuviel bezahlten Steuern durch das Finanzamt (money owed to taxpayers when their whole tax payments are greater than the total tax).

– Siehe Rückvergütung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rückgeld auch Rückzoll (draw-back):

Die Erstattung bezahlter Abgaben - wie etwa der Zuckersteuer (tax on sugar) -, wenn das Gut ins Ausland verkauft wird. - Liegt das Rückgeld über dem wirklich bezahlten Betrag, so entsteht eine Ausfuhrprämie (export bonus). So kostete deutscher Zucker Mitte bis Ende des 19. Jhts. im Ausland bei weitem weniger als im Inland. Die Folge war, dass bestimmte Waren - wie Bonbons [CH: Zelti], Chocolade, Gelee, Konfekt [CH; Guetzli], Konfitüre [CH: Gonfi, Gumfi], Kekse, Marzipan, Pralinés - aus dem Nachbarländern in Deutschland sehr billig angeboten werden konnten. Die heimischen Verarbeiter von teurem Zucker konnten bei diesen Preisen nicht mithalten und wurden scharenweise in den Konkurs getrieben. Die Banken mussten Kredite an diese Firmen abschreiben. - Man spricht in diesem Zusammenhang auch von Reverse Dumping: wird ein Rohstoff unter den Marktpreisen ins Ausland verkauft, so strömt das damit hergestellte Gut billig ins Inland zurück und treibt die mit den höheren Rohstoffpreisen belasteten einheimischen Hersteller in den Ruin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rückfluss-Stücke (reflux papers):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter in der älteren Finanzsprache solche Pfandbriefe, die von den Hypothekenbanken zurückerworben werden, damit diese den Markt nicht drücken.

– Siehe Kurspflege, Marktpflege.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rückführungs-Option (clean-up call option):

Im Rahmen einer Verbriefung

1. die vertraglich ausbedungene Möglichkeit seitens des Originators bzw. des Forderungsverwalters (servicer; Sponsor),

2. der zufolge er die Verbriefungspositionen zurückkaufen oder aufheben kann,

3. bevor alle zugrunde liegenden Forderungen glattgestellt wurden,

4. falls der Restbetrag der noch ausstehenden Forderungen unter einen bestimmten Grenzwert - aufsichtsrechtlich in der Regel unter zehn Prozent festgelegt - fällt.

– Die Aufsichtsbehörden verlangen, dass die Rückführungs-Option nicht so gestaltet ist, dass mit ihr die Zuweisung von Verlusten zu Bonitäts-Verbesserungs-Positionen oder anderen von den Anlegern gehaltenen Positionen vermieden wird, und dass sie auch nicht anderweitig im Hinblick auf eine Bonitäts-Verbesserung hingeordnet ist.

– Siehe Reintermediation, Unterstützung, stillschweigende.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rückkaufschutz und Kündigungsschutz (call protection):

Bei einer Begebung die Klausel, dass innert einer bestimmten Zeit das Papier vom Emittenten nicht zur Einlösung (repayment) aufgerufen werden darf (a clause in a paper and especially in a callable bond that guarantees an initial period when the paper may not be called).

– Siehe Anleihe, kündbare, Anleihe, kündigungsbegrenzte, Novation, Straight Bond.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rückkaufspreis (repurchase price):

Preis, zu dem der Käufer verpflichtet ist, dem Verkäufer Vermögenswerte im Rahmen einer Rückkaufsvereinbarung äussern. - Der Rückkaufspreis ist in der Regel gleich der Summe aus dem Kaufpreis und dem Preisaufschlag, der dem Zins auf den zur Verfügung gestellten Liquiditätsbetrag für die Laufzeit der Operation entspricht.

– Siehe Option.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rückkaufstag (repurchase date):

Datum, an dem der Käufer verpflichtet ist, dem Verkäufer Vermögenswerte im Rahmen einer Rückkaufsvereinbarung zurückzuverkaufen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rückkaufsvereinbarung (repurchase agreement, back-buying deal):

Vereinbarung, nach der

1. ein Vermögensgegenstand verkauft wird,

2. aber den Verkäufer gleichzeitig berechtigt und verpflichtet,

3. diesen Vermögensgegenstand zu einem bestimmten Preis und

4. zu einem künftigen Zeitpunkt oder auf Anforderung zurückzukaufen (the sale of an asset; at the same time an agreement is made to repurchase the asset at a specified price on a given date or on demand).

– Eine solche Vereinbarung gleicht wirtschaftlich einem besicherten Kredit, allerdings ohne dass dabei das Eigentum an den Sicherheiten übertragen wird. Die EZB nutzt bei seinen befristeten Transaktionen Rückkaufsvereinbarungen mit fester Fälligkeit.

– Siehe General Collateral-Repos, Repo-Geschäft, Reverse-Repurchase-Agreement, Rückführungs-Option.

– Vgl. Jahresbericht 2001 der EZB, S. 232 (zur genaueren Abgrenzung), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2007, S. 93 ff. (Vergleich der Regelungen für Sicherheiten bei der EZB mit USA und Japan; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rückkaufswert (surrender value):

Bei einer Lebensversicherung das übriggebliebene Guthaben nach Abzug von Vertriebskosten, Provisionen, Storno-Gebühren und anderen Abzügen (the value of a life assurance policy after surrender charges and related premium taxes are subtracted from the total accumulated cash value). Seit Jahresbeginn 2008 gelten für die Berechnung des Rückkaufswertes genauere gesetzliche Bestimmungen, die von der Aufsichtsbehörde überwacht werden.

– Siehe Policenbörse, Zillmerung.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 77 (Neuregelung § 169 VVG).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rückkehr-Ideologie (reversion ideology):

Wenn nicht anders definiert der Standpunkt, Deutschland solle aus der EWU austreten und

1. entweder zu seiner alten Währung, nämlich zu der bis 2002 umlaufenden Deutschen Mark, zurückkehren

2. oder zusammen mit den Niederlanden und Österreich eigenes Geld einführen; der vorgeschlagene Name dafür ist Neuro; andere wünschen sich die Bezeichnung Mark zurück.

– Wurde diese Forderung zunächst nur von Wenigen vertreten, so stieg ab etwa 2010 die Zahl der Personen, die für ein Verlassen der EWU eintreten. Auch ernstzunehmende Fachleute wechselten in das Lager der Rückkehr-Bewegung über. Denn hauptsächlich wegen des Verfassungsartikels eins wird es den Defizitstaaten in der EWU unmöglich sein, ihre Schulden abzubauen. Dazu werden dort obendrein wahrscheinlich auch neue Staatsschulden wegen der fehlenden Wettbewerbsfähigkeit der Volkswirtschaften zusätzlich jedes Jahr angehäuft. Am Ende steigt der politische Druck zu einem Bail-out durch Leistungen seitens der stabilitätsbewussten Teilnehmer der EWU. - Angesichts dessen jedoch ist es letztlich eine Abwägung, ob der einmalig zu verbuchende Verlust infolge des Exit aus der EWU nicht geringer ist als immerfort anhaltende und wegen des Moral Hazard wahrscheinlich progressiv steigende Zahlungen in einer Transferunion. Fällt dieses Kalkül zugunsten des Exit aus, dann werden sich Kräfte durchsetzen, die das Ausscheiden aus der EWU durchsetzen. Auch in den Niederlanden und in Österreich mehrten sich ab 2010 die Stimmen für einen Exit. - Für Deutschland hätte ein Exit ohne Zweifel nachteilige Folgen. Der Neuro bzw. die Mark würde stark aufwerten; die Exporte gingen um weit mehr als die Hälfte zurück; hohe Arbeitslosigkeit wäre die Folge.

– Siehe Abwertung, fiskalische, Ausstieg, Bail-out, Blame game, Europäische Währungsunion, Grundfehler, Europäisches Finanzministerium, Europhobie, Europayer, EWU-Sprengsatz, EZB-Sündenfall, Geldvertrauen, Goldopfer, Hegemon, milder, Plan C, Rettungseuropäer, Rettungsroutine, Solidarität, finanzielle, Staatsschulden-Rückführung, Stabilitäts- und Wachstumspakt, TARGET-Missbrauch, Vermögensabgabe, Vertragstreue, Währungsunion 2, Wirtschaftspatriotismus, Zwei-Wege-Option.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rückkopplungs-Mechanismus (feedback mechanism):

Nach 2005 in die Finanzsprache eingedrungenes Fachwort in der Bedeutung

1 der Zusammenbrauch einer Bank kann sich auf einen Staat gesamthaft auswirken und diesen in einen Abwärtssog (downward economic spiral) reissen oder

2 die Zahlungsprobleme eines Landes können Banken in den Bankrott treiben, insofern diese hohe Bestände an Staatsanleihen des betreffenden Staates in ihrem Portfolio halten.

– Siehe Islandbanken-Falle, Risiko, systemisches, Sifi-Oligopol, Too big to save-Grundsatz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rückkoppelungsschleife (feedback loop):

Wenn nicht anders definiert die Tatsache, dass Anleger

1. nicht alle Informationen verarbeiten können und

2. sich daher bei ihren Entscheidungen auf einfache Verankerungsregeln (simple anchoring rules) verlassen.

– Der naheliegende Anker ist die letzte Entwicklung der Vermögenspreise, etwa der Aktienkurse. Notierungen, die über einige Jahre hindurch steigen, dienen dann den Anlegern als ausschlaggebendes Motiv weiterer Entscheidungen. Dies kann zu einer sich selbst verstärkenden Bewegung führen, in derem Verlauf eine zweite Runde von Kurssteigerungen noch höhere Aktienkurse bewirkt, was sich dann in einer Endlosschleife (infinite loop) fortsetzt.

– Siehe Aktienblase, Animal Spirits, Behavioural Finance, Blase, spekulative, Dominostein-Effekt, Euphoriephase, Headline-Hysterie, Herdenverhalten, Informations-Überladung, Immobilienblase, Nachahmung, informelle.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2008, S. 99 f. (Erklärung der Schleife aus der Behavioural Finance).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rücklagen (reserves):

Allgemein Überschüsse aus wirtschaftlicher Tätigkeit, die für bestimmte zukünftige Zwecke verwahrt sind.

– Siehe Rückstellungen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rücklagen-Verzehr (exhaustion of reserves):

Auf die gesetzliche Krankenversicherung (statutory health insurance) bezogen, so meint man damit die Tatsache, dass aufgrund der Alterung die Kassen ihre Rücklagen alsbald verlieren.

1. Entweder müssen dann die Beitragssätze erheblich erhöht werden (contributions have to be drastically increased), und zwar nach Berechnungen von derzeit 15,5 Prozent auf 21,5 Prozent im Jahr 2060.

2. Oder der Staat muss die Krankenkassen mit Steuermitteln bezuschussen (must subsidise the sickness funds from the national budget).

3. Eine dritte Möglichkeit wäre die kräftige Senkung der Leistungen der Krankenversicherung (a drastic reduction of health insurance benefits). Jede dieser Wege hat erhebliche Auswirkungen auf die Volkswirtschaft gesamthaft, zumal die Gesetzlichen Krankenversicherungen im Umfang ihrer Ausgaben (volume of expenditure) im Jahr 2014 etwa sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmachten.

– Siehe Altersquotient, Gesundheitsausgaben, Japan-Syndrom, Methusalem-Syndrom, Nachhaltigkeit, Kapitalflucht, Risikoaversion, Schattenverschuldung, Staatsverschuldung, Überalterung, Vergreisung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2014, S. 31 ff. (ausführliche Darstellung; viele Übersichten und Tabellen; S. 49 ff. Auflistung wichtiger bezüglicher Rechtsquellen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rücknahme-Gebühr (redemption fee, back-end load):

Abzug, den die Verwaltung mancher Fonds in Rechnung stellt, wenn ein Anleger seinen Anteil an die Fondsgesellschaft zurückgibt (a sales commission charged to investors for the sale of shares in a mutual fund). Oft verringert sich diese Gebühr mit zunehmender Dauer des Engagements. Absicht ist dabei, die Langfrist-Eigenart solcher Anlagen - und besonders bei einem Hedge-Fonds - zu bekräftigen und die Investoren vor häufigem Wechsel von Fonds zu Fonds abzuhalten.

– Siehe All-in-Fee, Investmentfonds, No-Load Fund.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rücknahme-Sperre (suspension of redemption):

Wenn nicht anders definiert, bei einem Investmentfonds bzw. Immobilienfonds die Entscheidung des Fondsmanagement, die Rücknahme ausgegebener Anteilscheine auszusetzen. - Eine solche Aussetzung ist in besonderen Fällen für die Dauer von zweieinhalb Jahren gesetzlich erlaubt. Der Inhaber eines Anteilscheins kann diesen aber am freien Markt verkaufen, wo sich der Preis nach Angebot und Nachfrage richtet. Unter Umständen muss dann freilich ein ansehnlicher Verlust hingenommen werden. - Als sich die Subprime-Krise im Herbst 2008 zu einer Finanzkrise ausfächerte, führten viele Fonds eine Rücknahme-Sperre ein. Denn Portfolio-Umschichtungen bei grossen Investoren führten zu einem Verkaufsdruck auch bei durch und durch gesunden Immobilienfonds. Als die Bundesregierung im Oktober 2008 eine Sicherheitsgarantie für Spareinlagen abgab, wähnten zahlreiche verunsicherte Kleinanleger im Umkehrschluss, dass es für ihre Anlagen in einen Fonds keinen Schutzschirm gäbe. Sie stiegen daher vor allem aus Immobilienfonds aus und legten das Geld auf ein Sparkonto.

– Siehe Immobilienfonds, offener, Real Estate Investment Trust.

– Vgl. Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 187 (im Gefolge des Anlegerschutz- und Funktionsverbesserungsgesetzes [AnSFuG] wurde die vorübergehende Aussetzung der Rücknahme von Anteilen von zwei auf zweieinhalb Jahre verlängert).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rückprall-Effekt (rebound effect):

In Zusammenhang mit der Konjunkturdiagnose die empirisch belegte Tatsache, dass grundsätzlich (as a rule, i.e.: there are exceptions) eine wirtschaftliche Erholung umso stärker eintritt, je schwächer das Bruttoinlandsprodukt in den Perioden davor wuchs.

– Siehe Ansteckungswirkungen, Antizyklizität, Apfelernte-Schluss, Baisse, zyklische, Konjunktur, Konjunkturzyklus, Periptose, Prozyklizität, Spinnweben-Modell, Zyklik.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juli 2014, S. 57 (Erklärung des Rückprall-Effektes; Situationsbedingtheit; Literaturhinweise; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rückschlag-Effekt (setback effect, backstroke effect):

1 In Bezug auf Verbriefungen die Tatsache, dass von Banken an Zweckgesellschaften übertragene Risiken wieder zu dem Originator zurückkehren, dort Eingang in die Bilanz finden und mit Eigenkapital unterlegt werden müssen. Ursache dafür kann vor allem sein, dass

1. die originierende Bank der ihr nahestehenden Zweckgesellschaft gegenüber eine Liquiditäts-Garantie abgegeben hat; bei Turbulenzen auf dem Finanzmarkt - wie etwa bei der Subprime-Krise im Sommer 2007 - geraten die Conduits nun in einen Liquiditätsengpass, und die Bank muss Aktiva der Zweckgesellschaft wohl oder übel ankaufen;

2. für den Originator ein hohes Reputationsrisiko : die Käufer von Verbriefungspapieren fühlten sich über die Risikolage nur unzureichend informiert. Für die Bank ist es im Interesse ihrer langfristigen (noncurrent) Geschäftspolitik daher angeraten, die von ihr nahestehenden Zweckgesellschaften ausgegebenen Tranchen zu übernehmen.

– Bei der Subprime-Krise kam es dadurch weltweit zu erheblichen Anspannungen an den Finanzmärkten mit Insolvenz einzelner Banken und im Gefolge zu Übernahmen und Fusionen; so in Deutschland etwa die öffentlich-rechtliche Sachsen LB: sie wurde samt ihren hochriskanten und verlustreichen Zweckgesellschaften Sachsen Funding, Ormond Quay und Synapse ABS von der Landesbank Baden-Württemberg [LBBW] übernommen. Die Zentralbanken mussten als Geldverleiher letzter Instanz stabilisierend in den Markt eingreifen.

2 In anderer Bedeutung die empirisch gesicherte (empirically proven) Tatsache, dass Schuldner leicht dazu neigen, ihre missliche Lage nicht vor allem sich selbst zuzuschreiben, sondern den Gläubigern. Sehr deutlich zeigte sich dies gelegentlich der Griechenland-Krise. Schuld an der verfahrenen Lage (deadlocked situation) war im Bewusstsein der Mehrheit der Bevölkerung nicht die Misswirtschaft und Korruption im eigenen Land. Vielmehr wurde in der Presse und auf Plakaten bei den unzählbaren Aufmärschen und Strikes Deutschland als die Ursache aller Schwierigkeiten hingestellt. Die feindseligen teutonischen Barbaren wollten das kulturträchtige Volk der Hellenen in den Würgegriff nehmen: das war nicht nur die Meinung der Leute auf der Strasse (people on the street).

3 Verbieten die Aufsichtsbehörden den Banken bestimmte Operationen, so werden diese Geschäftsfelder erfahrungsgemäss von Entitäten aus dem Schattenbankbereich bedient. Zwecks dessen verschulden diese sich bei den Banken. Die Risiken, welche die Aufsichtsbehörden von den Instituten abwenden wollen, kehren auf diesem Weg wieder in das Bankensystem zurück.

4 In anderer Bedeutung der Verlust an Vertrauen, den ein Unternehmen dann erleidet, wenn in den Augen der Öffentlichkeit missfällige Entscheidungen und Handlungen getätigt werden. So schickte die Ergo-Versicherung "leistungsstarke Mitarbeiter" zur Belohnung auf Incentive-Reisen in Bordelle ins ferne Ausland. Das trug der Firma den volkstümlichen Namen "Puff-Versicherung" ein.

– Siehe Absenzkapitalismus, Bail-out, Bankenregulierungs-Paradoxon, Darlehn, nicht standardisiertes, Europayer, Geldmarkt-Operationen, Geldverleiher letzter Instanz, Lemons-Problem, Mortgage Equity Withdrawal, Ninja-Loans, Reputationsrisiko, Risikoübernahme-Grundregel, Rückübertragungs-Klausel, Single Master Liquidity Conduit, Subprime-Kredite, Subprime-Wohnraumfinanzierung, Unterseeboot-Effekt, Verbreifungsstruktur, Vermögensabgabe, Zitronenhandel.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 124 (Fusion der Sachsen LB mit der LBBW; Gründe), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 29 (keine Fortschritte keine weiteren Konsolidierungen bei den Landesbanken), S. 135 f. ff. (Lage der Landesbanken) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rückstellungen (accrued liabilities, provisions for liabilities and charges):

In einem Unternehmen das Ansammeln von Kapital mit dem Zweck, künftigen Zahlungen nachzukommen, deren Höhe und Fälligkeit noch nicht genau bekannt ist; siehe § 249 HGB. - Als erwartete Verbindlichkeiten gehören Rückstellungen zu den Passiva der Bilanz und müssen dort grundsätzlich abgezinst ausgewiesen werden.

– Siehe Rücklagen, Schwankungsrückstellung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rücktausch-Verpflichtung (repayment requirement):

Inhaber von E-Geld können dessen Rücktausch zum Nennwert bar oder durch Überweisung verlangen, wenn der Rücktausch¬betrag 10 EUR überschreitet; siehe § 22a KWG.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2002, S. 21 f. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rückübertragungs-Klausel (retransfer clause):

Bei Verbriefungen die vertragliche Vereinbarung, dass Papiere, deren Bedienung innert der ersten Monate stockt, an die bzw. an den Originator zurückgegeben werden können. Das hat zur Folge, dass

1. Käufer der Verbriefungspapiere die Kreditqualität der ins Portfolio übernommenen Tranchen weniger genau prüfen: Moral Hazard,

2. die Zweckgesellschaft bzw. der Originator alle Kreditlinien in Anspruch nehmen muss, weil die Ursprungskredite infolge Insolvenz des Kreditnehmers uneinbringlich werden wie im Zuge der Subprime-Krise 2007, was wieder

3. zu steigenden Zinsen auf dem Finanzmarkt sowie zu starker Risikoaversion führen kann.

– Siehe Aktiva, illiquide, Asset-Backed Securities-Collateralised Debt Obligation, Credit Default Swaps, Darlehn-gegen-Papiere-Geschäft, Entwicklungsverfahren, iteratives, Herdenverhalten, Kapitalverwaltungsgesellschaft, Kreditkarten-Fiasko, Krise der Sicherheiten, Originate-to-distribute-Strategie, Pay-Green-Initiative, Preisänderungen, gleichlaufende Reintermediation, Risikoprofil, Rückschlag-Effekt, Single Master Liquidity Conduit, Structured Investment Vehicle, True-Sale-Verbriefung, Unterseeboot-Effekt, Verbriefung, Verbriefungsstruktur, Wasserfallprinzip, Zweckgesellschaft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rückvergütung (kick-back, auch kick back und kickback):

1 Jederlei Gutschrift eines Teils des vertraglich geleisteten Geldbetrags zugunsten des Einzahlers.

2 Zahlung einer Prämie oder Gewährung besonderer Vorteile dafür, dass ein neuer Kunde zugeführt wurde (payment made in return for a referral which leads to a transaction or contract).

3 Die Abtretung eines bestimmten Prozentsatzes vom monatlichen Salär an eine Person, welche den Zahlenden in die betreffende berufliche Stellung gebracht hat (a percentage of income, given to a person in a position of power or influence, as recompense for having made the income possible). Als Annaten in der alten Kirche üblich, gelten heute entsprechende Vereinbarungen als sittenwidrig.

4 Zahlung an

1. einen Abgeordneten oder

2. an einen Amtsträger bis in die örtliche Ebene dafür, dass er sich im Stillen für ein bestimmtes Anliegen einsetzt (money paid to an official for secretly supporting an organisation, individual, or initiative) und damit Schmiergeld. Solches Gebaren ist allerdings in Deutschland völlig unbekannt.

5 Zuweilen auch gesagt für die Rückerstattung, nämlich die Überweisung von zuviel bezahlten Steuern durch as Finanzamt [CH: Steueramt].

– Siehe Abtrag, Anerkennungsprämie, Bonifikation. Bonus, Douceur, Geld, weiches, Geldzahlungsgeste, Gratuist, Handgeld, Handschuhgeld, Investition, persönliche, Rückbelastung, Transaktionsbonus, Vermögensverwalter.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 218 (höchstrichterliches Urteil bezüglich verdeckter Kick-backs bei Banken).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rückversicherung früher oft auch Gegenversicherung und Reassekuranz (reinsurance business):

Die Versicherung eines von einem Erstversicherer übernommenen Risikos. - Der Versicherer, der das Risiko abgibt, wird Zedent genannt. Aufgrund des Grundsatzes der Risikoteilung und der Beschränkung auf Gross-Risiken ist Rückversicherung ihrer Natur nach seit jeher ein internationales Geschäft. Von den weltweit fünf grössten Rückversicherern haben zwei ihren Hauptsitz in Deutschland. - Wer immer in Deutschland von einem Versicherer ein Teilwagnis übernimmt, wird einer besonderen Kontrolle durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht unterstellt.

– Vgl. Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 16, S. 43, S. 96 f., Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 122 f. (Änderungen bei der Aufsicht; Erlaubnis), Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 137 f. (erweiterte Aufsicht über die Unternehmen; Schaffung eines Solvabilitäts-Systems), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 82 f. (Konkretisierung der seit Dezember 2004 geltenden gesetzlichen Bestimmungen zur Rückversicherungs-Aufsicht), Jahresbericht 2006 der BaFin, S, 53 (Solvency-II-Regeln gelten auch für Rückversicherer), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 79 f. (Europäische Rückversicherungsrichtlinie in Kraft; Einzelheiten), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 91 (Bedeckungsquote befriedigend), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 119 f. (aufsichtsrechtliche Fragen) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Versicherungsunternehmen und Pensionsfonds".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rückwirkungen, systeminhärente (systemic repercussions):

1 Auswirkungen der Geschäftspolitik grosser (Bank)Firmen auf die ganze (Finanz)Branche oder gar die Volkswirtschaft gesamthaft.

2 Der hastige Abzug von Einlagen seitens der Kundschaft nicht bloss bei einer strudelnden Bank, sondern auch bei allen anderen Kreditinstituten.

– Siehe Dominostein-Effekt, Finanzmarkt-Interdependenz, Murphy's Gesetz, Run, Risiko, Rush to exit, Sifi-Oligopol.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rückzahlung, vorzeitige (early amortisation):

1 Die vertraglich ausbedungene Möglichkeit, die Anleger von Wertpapieren vor Ablauf der ursprünglich festgelegten Laufzeit auszuzahlen, falls ein vereinbarter auslösender Umstand (contingency) eintritt.

2 Die Tilgung eines Darlehns bei einem Institut vor Ablauf der vereinbarten Kündigungsfrist.

– Siehe Back-to-Originator-Postulat, Festlaufzeit, Matching, Pränumerationsvorbehalt, Reintermediation, Rückführungs-Option, Überweisungsheft, Umschuldungs-Blase, Vorfälligkeits-Entschädigung, Zwischenzins.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ruheübung (doing nothing):

Im Jargon gesagt für Zeiten, in denen wenig oder nichts an Arbeit anfällt, und besonders im Front-Office-Bereich sich keine Kunden einstellen. Vor allem am Bargeldschalter (bank counter of the paying teller, paying teller's window) liess früher ab etwa der Monatsmitte der Kundenverkehr merklich nach. Bankangestellte selbst empfinden diese Totzeiten (dead times: periods during which a bank clerk is idled) erfahrungsgemäss als unangenehm.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ruhrgeld (Ruhr impost):

In Deutschland von sämtlichen Einkommen- und Körperschaft-Steuerpflichtigen erhobene ausserordentliche Abgabe aus Anlass der Besetzung des Ruhrgebiets durch Belgien und Frankreich am 11. Januar 1923.

– Siehe Dawes-Anleihe, Londoner Schuldenkonferenz, Rhein-Ruhr-Abgabe, Young-Anleihe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ruin (economic ruin):

Die durch besondere Umstände erzwungene Aufgabe der Geschäftstätigkeit (business activity) eines Unternehmens.

– Siehe Bankrott, Insolvenz, Insolvenzkosten, Konkurs, Sanierung, Spieler-Pleite.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Run (so auch im Deutschen gesagt):

Der sofortige, überstürzte Abzug von Einlagen bei einer einzelnen Bank oder den Kreditinstituten gesamthaft, was die Volkswirtschaft in einen depressiven Strudel reissen kann. Ursache eines Runs ist immer mangelndes Vertrauen bzw. entsprechende Erwartungen der Kundschaft hinsichtlich eines Instituts oder in Bezug auf das Finanzsystem allgemein (a panic reaction which occurs when a large number of depositors in a short time take their savings out of a bank, which they fear is financially unsound, or the financial system is about to collapse). - Grundsätzlich besteht immer die Gefahr, dass der Abzug der Einlagen bei nur einem einzelnen Institut zu einem Ansturm auf alle Banken führt. Ziehen aber die Kunden ihre kurzfristigen Einlagen ab, so können die Banken die bereits vergebenen Darlehn nicht mehr aus neu eingehendem Geld bedienen. Notwendig schrumpft dann ihr Eigenkapital. Um einen Zusammenbruch des Finanzsystems zu vermeiden, muss jetzt die Zentralbank und am Ende wie bei der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise der Staat eingreifen.

– Siehe Bankzusammenbruch, Bear Stearns-Pleite, Börsenkrach, Crash, Dominostein-Effekt, Fünfhunderteuro-Schein, Furchtthese, Headline-Hysterie, Herdenverhalten, IndyMac-Pleite, Northern Rock-Debakel, Reizschwelle, Rückwirkungen, systeminhärente, Rush to exit, Seelenmassage, Sell Off, Sell Out, Vorschatten-Effekte, Zahlungsbilanz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Runder Tisch der Regulierungsbehörden (Cross-Sector Roundtable of Regulators, CRR):

Im Jahr 2001 bei der Europäischen Kommission errichtetes Gremium (die Vorsitzenden der jeweiligen Sekretariate) mit dem Ziel des Informationsaustauschs zwischen den mit Spezialfragen befassten Ausschüssen.

– Siehe Vereinbarungen über den Informationsaustausch.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2002, S. 71.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Runder Tisch zu Kleinstversicherern (Roundtable at Small Insurer):

Gremium zur Regulierung und Beaufsichtigung von Kleinstversicherern, vor allem in Deutschland die Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit und Genossenschaften.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 69 (Vorbereitung eines Leitfadens für die Beaufsichtigung von Kleinstversicherern).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Runup und Run-up (so auch oft auch im Deutschen gesagt, seltener Hochlauf):

Ein sehr starker Kursanstieg innert verhältnismässig kurzer Zeit, in Bezug auf ein einzelnes Wertpapier (a substantial increase in the price of securities over a relatively short period of time), manchmal auch auf den Markt gesamthaft bezogen.

– Siehe Boom, Bull, Blase, Blase, spekulative, Börsenfieber, Hausse, Hausse nährt die Hausse, High Flyer, Hindsight, Kurzsichtigkeit, Markt, überkaufter, Milchmädchen-Hausse, Prosperität, Rally, Überschwang, unvernünftiger.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rush to the exit (so auch oft im Deutschen gesagt, seltener Ausstiegshast):

Die gleichgerichtete Handlungsweise von Investoren, die in Krisenzeiten zu gleicher Zeit versuchen, ihre Positionen abzubauen. Dadurch verstärkt sich eine Finanzkrise. Vor allem sehr risikoreiche Engagements werden erfahrungsgemäss von Vermögensverwaltern bei schon ersten Anzeichen einer Krise rasch ausgesondert. Auch verstärkt sich die Gefahr eines Rush to exit, wenn nur wenige grosse Banken, und diese gar weltweit, in einem bestimmten Segment des Finanzmarkts tätig sind. - Kaum vorhersehbar ist, wohin das aus den aufgelösten Engagements erlöste Geld hinfliesst. Denn gerade auf dem Finanzmarkt ist jeder Ausstieg ein Einstieg woanders (every exit is an entry anywhere else).

– Siehe Bankenkrise, Blase, spekulative, Derivategeschäfte-Clearingpflicht, Derivategeschäfte-Meldepflicht, Dominostein-Effekt, Euphoriephase, Gigabank, Hedge-Fonds, Derivategeschäfte, bilaterale, Headline-Hysterie, Herdenverhalten, Megamanie, Murphy's Gesetz, Rückwirkungen, systeminhärente, Run, Sifi-Oligopol, Vertrauensverlust.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rüstgeld (armament impost):

Frühere (Zwangs)Abgabe für die Ausstattung und den Unterhalt des Heeres; auch Rockgeld und Kleidergulden genannt.

– Siehe Heergeld, Kavalleriegeld, Obristen-Darlehn.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rüstungshausse (armaments boom):

An der Börse steigende Kurse für Rüstungspapiere.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Rüstungspapiere, Rüstungswerte und Militärwerte (armament papers):

Aktien und andere Wertpapiere von Unternehmen, die ausschliesslich oder vorwiegend Güter für die Land-, Luft- und Seestreitkräfte (military weapons and equipment) herstellen (Militair-Industrie; military industry). - Anlageberater empfehlen, in ein grösseres Portfolio immer einen bestimmten Prozentsatz solcher Titel aufzunehmen, da sie als sicher und ertragreich gelten. Freilich könnte sich das ändern, wenn es in der von einigen Philosophen vorhergesagten postmodernen Vernunftgesellschaft (postmodern reason-ruled society) keiner Waffen mehr bedarf, weil dann das Böse aus der Welt verschwunden ist und alle Menschen der Erde verträglich zusammenleben.

– Siehe Energiewerte, Montanwerte, Nachrichtenwerte, Rohstoff-Finanzierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Recycling (so auch im Deutschen gesagt; seltener: Rückfluss):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter in Zusammenhang mit Finanzströmen die Ausgaben der erdölexportierenden Staaten zum Kauf von Gütern in jenen (Industrie)Ländern, welche das Erdöl beziehen.

– Siehe Erdölpreis, Ölpreis-Schocks, Petrodollar.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2010, S. 91 ff. (Recycling heute und in der weiteren Zukunft).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Run Rate und Ergebnis, hochgerechnetes (run rate):

Eine Vorausschau des Ergebnisses eines Unternehmens, gestützt auf bis dahin erwirtschafteten Erfolg (how the financial performance of a company would appear if one extrapolated current results out over a certain period). Zwar wird die Run Rate zurecht als höchst fraglich eingestuft, weil sie in vor allem gleichmässige Umsätze über die kommende Zeit unterstellt. Andererseits jedoch bietet sie für eine grobe Vorausplanung im Unternehmen eine Hilfe. Auch Banken stützen sich bei Kreditanträgen gern auf die Run Rate; und bei der Beantragung von Fördermitteln wird regelmässig die Run Rate erfragt. Für die Rating-Agenturen bildet die Run Rate eine wertvolle Entscheidungsgrundlage.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen