Versicherungsoptimierer.net - Finanzlexikon - P

Finanzlexikon - P

Pachtgeld und oft nur Pacht, in der älteren Finanzsprache auch Pachtzins, Locarium, Locatorium und Fermage (lease rent):

Der Betrag, den ein Pächter dem Verpächter zu zahlen hat, siehe § 581 BGB (a payment or series of payments made by the lessee to an owner for use of some property, facility, equipment, or service).

– Siehe Kanon.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Packaged Retail Investment Product, PRIP (so auch im Deutschen gesagt, seltener Anlageprodukt für Kleinanleger):

Finanzprodukt, das

1. typischerweise Privatkunden angeboten wird,

2. an der Wertentwicklung eines oder mehrerer Vermögenswerte teilhat und

3. einen gewissen Komplexitätsgrad aufweist.

– PRIPs in diesem Sinne sind vor allem Zertifikate, Derivate, Investmentfonds, Immobilienfonds und fondsgebundene Lebensversicherungen (even though there is no rigid definition of PRIPs and they take a variety of legal forms, they may well be distinguished by the broadly comparable functions they perform for retail investors. PRIPs characteristically combine exposures to multiple underlying assets; they are designed to deliver capital accumulation over a medium- to long-term investment period; they entail a degree of investment risk, although some provide capital guarantees; and they are normally marketed directly to retail investors. Broadly speaking, they can be categorised into four groups: investment funds, insurance-based investment products, retail structured securities and structured term deposits). - Die Märkte für PRIPs sind bis anhin gekennzeichnet durch beachtliche Informations-Asymmetrien zwischen den Emittenten und Vertrieb einerseits und den Privatanlegern auf der anderen Seite. Diese Intransparenz führt zur Schädigung der Anleger auf der Mikro-Ebene, wenn Produkte entgegen den eigentlichen Wünschen der Kunden gekauft bzw. verkauft werden. Auf der Makro-Ebene besteht die Gefahr, dass sich die Anleger von den Märkten bei Kursverfall plötzlich zurückziehen.

– Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 61 f. (Gesetzesinitiative der EU zum Verbraucherschutz), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 92 ff. (intransparenter ausserbörslicher Markt birgt Risiken).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Packhofgeld (storage charge in a duty free bonded warehouse):

In älteren Dokumenten die Gebühr für die Lagerung - früher oft auch: Magasinage und Emmagasinage - von Waren in einem Zollfreilager. - Packhof = in den deutschen am Meer gelegenen Städten ein Lagerhaus in einem Freihafen (duty-free port), in dem über See eingegangenes Stückgut (general cargo) bis zur Verzollung (customs clearance) oder der Wiederausfuhr (pending re-exportation) eingelagert (magaziniert; warehoused) werden konnte.

– Siehe Lagergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Packungs-Effekt (package effect):

Eine an einer einzigen Fläche aufgeschichtete Menge an Münzen oder Banknoten erscheint geringer, als wenn man dieselbe Menge an zwei oder mehreren Plätzen stapelt. - Diese von der Geldpsychologie nachgewiesene Tatsache wird als vergleichbar dem Packungs-Effekt in der Physik gesehen. Durch das Zusammenpacken von Nukleonen im Kern entsteht aufgrund der Bindungs-Energie der Nukleonen eine Massen-Verminderung.

– Siehe Finanzpsychologie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pac-Man-Strategie (pac man policy; pac man is a figure in a game that looks like a yellow circle with his mouth cut out of it, and a black dot as an eye):

Die Abwehr der feindlichen Übernahme eines Unternehmens dadurch, dass die Zielgesellschaft (acquiree: the firm that should be acquired) ihrerseits ein Übernahme-Angebot für den Bieter abgibt. - Eine solche Politik setzt für ihr Gelingen erfahrungsgemäss die Unterstützung durch

1. eine Bank,

2. einen Hedge-Fonds oder

3. eine öffentliche Stelle voraus.

– Viel Aufsehen erregte 2009 und in den beiden Jahren danach der Versuch von Porsche AG in Stuttgart, die Volkswagen AG in Wolfsburg zu übernehmen. Am Ende erfolgte die Übernahme von Porsche durch Volkswagen.

– Siehe Aktionärstimmenjagd, Bieter, Buy out, Erwerbsangebot, Fusionen und Übernahmen, Gifttablette, Greenmail, Handgeld, Konzentrationskurs, Makkaroni-Abwehr, Material-Adverse-Change-Klauseln, Pflichtangebot, Ritter, weisser, Shark Watcher, Spin-off, Squeeze-out, Stimmrecht-Datenbank, Synergiepotentiale, Trade Sale, Transaktionsbonus, Übernahme-Ankündigung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pagament, Pagamentum, Paiement und Pajement [die beiden letzten Wörter französisch ausgesprochen] (payment; payment week; coined gold; means of payment; agio; metal nugget; silver):

Häufiger Begriff in der älteren Finanzsprache in der Bedeutung:

1 Allgemein Zahlung, nämlich die Übereignung von Geld zur Befriedigung einer Forderung.

2 Zahlungswoche auf Messen.

3 Geprägtes Gold; Goldmünzen.

4 Zahlungsmittel allgemein, also alles, was im Tauschverkehr als Zwischentauschgut angenommen wird.

5 Aufgeld, das man bei Zahlung mit einer geringhaltigen Münzsorte (minor species) entrichten muss.

6 Roher Metallklumpen, der mehrere Bestandteile enthält, jedoch auch Silber einschliesst.

7 Silber in metallischer Form, auch silberne und zum Einschmelzen (melting) vorgesehene Gegenstände.

– Siehe Abmachung, Glattstellung, Münze, Münzen-Paradoxon, Posttag, Rechnungs-Stapelung, Spores Raffel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pairoff und Pair-off sowie Pair off (so auch im Deutschen gesagt; seltener Begebung-Rückkauf-Manöver):

In Bezug auf Wertpapiere eine Emission, die in der Regel eine einzige Adresse übernimmt. Nächstentags oder gar noch am gleichen Tag kauft der Emittent die Titel wieder zurück. Der Zweck der Transaktion besteht neben anderen Gründen auch darin, zu einem Bilanzstichtag höhere Schulden ausweisen zu können (a buy-back to offset and effectively liquidate a prior sale of securities, the offsetting position is usually transacted within the same day of the original purchase. Usually such a tactic is done as a way of decreasing the book value of the assets mostly for tax reasons, although many regulations are in place to prevent this, and most tax agencies have rules forbidding pair-off). Pairoff zählt zu den abgesprochenen Geschäften.

– Siehe Kristallisation, Kursmanipulation, Marktaktivität, vorgetäuschte, Round Tipping, Wash Sales.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Paket (package [parcel] of shares, block of shares; pool; package):

1 Grössere Anzahl von Aktien im Besitz einer einzigen Hand (Privateigentümer [einschl. Fonds und Stiftungen], Unternehmen, Staat). Der Handel damit (Pakethandel; package deal) findet in der Regel ausserhalb der Börse und unter Vermittlung einer Bank direkt zwischen den Beteiligten statt (usually 10'000 shares or more of stock is considered a block).

2 In Zusammenhang mit einer Verbriefung zusammengefasste Darlehn, die ein Originator an eine Zweckgesellschaft verkauft, auch Bündel, Sondervermögen, Pool (pool) und Portfolio (portfolio) genannt.

3 In Informationstechnik eine Einheit, die als Ganzes über das Netzwerk von einem Gerät zum anderen übertragen wird. Wichtiges Merkmal eines Pakets ist dabei, dass es neben den zu übermittelnden Daten auch die Zieladresse enthält.

– Siehe Blocktrading, Vendor Financing, Verkaufsbeschränkungen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Paketabschlag (block-trade discount):

Preisnachlass auf den Börsenkurs, der dem Käufer einer grösseren Anzahl von Aktien (block-trading; Pakethandel) gewährt wird (the difference between the market value of a security and its sale price when transacted under a block trade).

– Siehe Paket, Paketzuschlag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Paketdarlehn und Paketkredit (package loan):

Ein Immobiliendarlehn, mit dem neben dem Grundstückseigentum im engeren Sinne auch die für den Bezug eines (Wohn)Hau¬ses üblichen Zubehörteile wie Teppichböden, Vorhänge und Rolläden oder die Geräte-Grundausstattung finanziert werden (a real estate loan used to finance the acquisition of both real property and personal property, such as in the purchase of a new home that includes carpeting, window coverings and major appliances).

– Siehe Bausparkassen, Immobilienkredit, Wohnungsbaukredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Paketzuschlag (package agio, block sale premium, control premium):

Über den (Kurs)Wert gekaufter oder verkaufter Aktien von Käufer bezahlte bzw. vom Verkäufer verlangte Summe, wenn aufgrund der Anzahl der Aktien auch besondere Rechte verbunden sind, wie etwa eine Sperrminorität (blocking minority: the power needed to veto certain decisions of the extraordinary general meeting of shareholders: it represents one quarter or one third of the shares plus one share, depending on the country and the legal form of the company) oder ein Mehrheitsbesitz (majority interest).

– Siehe Blocktrading, Einzelverkehrsfähigkeit, Paket, Paketabschlag, Kombinationseffekt, Vermögenswert, eingebundener.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Palliengeld (pallium due):

Eine wohl bereits im 8. Jht. eingeführte und an den Papst zu zahlende Abgabe für erkorene Erzbischöfe, um die Amtsbestätigung durch Überreichen des Palliums (geweihte Schärpe als Amtszeichen des Erzbischofs; bei seinem Tode wird es ihm mit ins Grab gegeben; pallium: vestment consisting of a band encircling the shoulders with two lappets hanging in front and back) zu erlangen.

– Siehe Ablassgeld, Abtrag, Annaten, Beichtgeld, Dispensationsgeld, Kathedralgeld, Kirchgeld, Opfergeld, Peterspfennig, Prokurationsgeld, Seminargeld, Umlage.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Palmarium (fee of a successful advocate):

In älteren Dokumenten die Vergütung an einen Sachwalter - Rechtsanwalt, Advokaten, Fürsprecher, Patron - nach einem günstig beendeten Rechtsstreit.

– Siehe Kanzleigeld, Provision, Sportel, Taxe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pandemie, Landseuche und Massenerkrankung (pandemia):

Der Befall eines grösseren Teils der Bevölkerung eines Staates oder gar der Welt gesamthaft durch eine Krankheit (Epidemie: infectious disease that has spread through human populations across a large region or even worldwide). Weil in diesem Falle auch das Finanzsystem allein schon durch den Ausfall des Bankpersonals stark in Mitleidenschaft gezogen wird, sind Banken und Versicherungen gehalten, entsprechende Notfall-Pläne auszuarbeiten (prepare emergency plans).

– Siehe Katastrophenrisiko, Risiko, personelles, Worst Case Scenario, XXX-Insurance-Linked Securities.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 42 f. (Tätigkeit der Aufsichtsbehörden; internationale Kooperation).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Panik (panic):

Ein plötzlich auftretender Zustand auf dem Finanzmarkt, bei dem die Marktteilnehmer überlegte Entscheidungen durch ungestümes Handeln verdrängen (a sudden mass fear which replaces considered and precise action in financial markets).

– Siehe Börsenkrach, Crash, Euphoriephase, Headline-Hysterie, Herdenverhalten, Kurssturz, Massiv-Verkäufe, Nachgeben, Panikverkäufe, Rückwirkungen, systeminhärente, Run, Seelenmassage, Sell Out, Terror-Schock.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Panikmodell (panic model):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter die genau begründete und schrittweise durchdachte Vorausberechnung der Folgen, die ein (Teil)Zusammenbruch des Finanzsystems mit sich bringen würde.

– Siehe Finanzstabilität, Pandemie, Panik, Risiko, systemisches, Worst Case Scenario.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Panikverkäufe (fire sales, panic selling):

Auf dem Finanzmarkt ein plötzliches Überangebot

1. im engeren Sinne an Titeln,

2. im weiteren Sinne an Vermögenswerten überhaupt, weil sich die Verkäufer rasch Liquidität verschaffen müssen.

– Die Ursachen für den Verkaufsdruck selbst sowie den dadurch ausgelösten Preisverfall können unterschiedlicher Art sein. So wurden ab Sommer 2007 in den USA in grösserem Umfang an Hausbesitzer niedriger Bonität (sub-prime addresses) locker gewährte Hypothekarkredite (covenant-light credits) notleidend. Weil diese Kredite sich verbrieft im Portfolio vieler Institute weltweit befanden, so stiessen Banken diese Verbriefungspapiere ab. Sie mussten dadurch zwar Verluste hinnehmen, setzten so aber zumindest äusserst knappes Eigenkapital frei. - Nach Ausweis der Finanzgeschichte kommt es auch im Gefolge des Platzens jeder Blase zu Panikverkäufen. Die Banken drängen nämlich jetzt zur Glattstellung der aus kreditfinanzierten Engagements entstandenen Schulden. Vor allem Kapitalverwaltungsgesellschaften, aber auch weltweit sehr viele Kleinanleger, werden damit gezwungen, sich eilends von Vermögenswerten zu trennen. Dies löst einen starken Verkaufsdruck und sinkende Kurse über mehrere Marktsegmente aus.

– Siehe Abgabepanik, Aktienblase, Ansteckungswirkungen, Baisse, Blase, spekulative, Crash, Deflation, schlechte, Dominostein-Effekt, Dotcom-Blase, Erstraten-Verzugsklausel, Euphoriephase, Finanzmarkt-Stress, Headline-Hysterie, Jingle-Mail, Jojo-Aktie, Kredit, regressloser, Kreditkarten-Fiasko, Krisenversicherungspapiere, handelbare, Kurssturz, Liquiditätskrisenplan, Mark-to-Model-Ansatz, Murphy's Gesetz, Ninja-Loans, Outside-Aktionär, Overtrading, Panik, Pay-Green-Initiative, Prozyklizität, Rush to exit, Schock, externer, Schocks, strukturelle, Sell Out, Stress-Test, Subprime-Krise, Szenarien, aussergewöhnliche, Terror-Schocks, Überkonsum, Vertrauens-Hypertrophie, Volatilität, Zitronenhandel.

– Vgl. zur Subprime-Krise im Sommer 2007 den Monatsbericht der EZB vom September 2007, S. 33 ff. (ausführliche Darlegung auch der Massnahmen der EZB), Monatsbericht der EZB vom November 2007, S. 18 ff. (Auswirkung der Subprime-Krise auf die einzelnen Sektoren des Finanzmarktes).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pankratium und Pankration (pancratium):

In älteren Dokumenten in Bezug auf den Finanzmarkt ein völlig ungeordneter Konkurrenzkampf mit jederlei Mittel, auch bösartigen (pancratium signifies in ancient Greece an athletic contest involving both boxing and wrestling). - Es scheint die Neigung zu bestehen, dass sowohl einzelne Teile des Finanzmarktes als auch dieser gesamthaft ohne Aufsicht in ein Pankratium vor allen zulasten der Kunden und Anleger münden würde. Denn die einzelnen Anbieter würden sich gegenseitig in den Ruin treiben. Ein durch Gesetze geordneter und durch die Aufsichtsbehörden überwachter Wettbewerb gilt daher als eine Notwendigkeit.

– Siehe Abschreckung, aufsichtsrechtliche Anlegerschutz, Aufsichtsvermeidung, Ausschuss-Wahn, BaFin-Umlage, Banana Skins Survey, Beaufsichtigung, vollständige, Dissemination, Free Banking, Fragmentierung, aufsichtliche, Gerüchtestreuen, Kollusion, Moral Suasion, Murphy's Gesetz, Overbanked, Racheengel, Regulierungsdruck, Regulierungswut, Transparenzgrad, Überregulierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pantheismus, monetärer (monetary pantheism):

In der Geldphilosophie die Bezeichnung für die Tatsache, dass Geld weltweit die vordergründig alles bestimmende, gottähnliche Wirklichkeit ist; der Hauptgedanke der Allmacht-Doktrin.

– Siehe Actus-purus-Grundsatz, Finanzpsychologie, Geiz, Geldhai, Geldglaube, Geldversessenheit, Geldquetscher, Geldraffer, Geldrechenhaftigkeit, Geldstolz, Geldtheologie, Geldzweck, Habsucht, Harpax, Mammon, Mammonismus, Reichtum, Ungüter, Zentralisation, monetäre.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Papiere (papers):

Oberbegriff für alle auf dem Finanzmarkt handelbaren Verträge, die eine

1. Zahlung in Geld zum Gegenstand haben,

2. eine Lieferung von Waren - wie vor allem bei Optionen - einschliessen; und in sehr weitem Sinne auch

3. die Übergabe anderer Vermögensgegenstände bezeichnen.

– Die Verträge müssen dabei nicht als Schriftstück im engeren Sinne ausgestellt sein, also nicht auf dem Werkstoff Papier als Träger. Vielmehr genügen inzwischen weithin auch entsprechende elektronische Aufzeichnungen als rechtsgültige Vereinbarung. Auch ist die Börsenfähigkeit (marketability: the eligibility for an exchange listing) kein unerlässliches Merkmal des sehr weiten Begriffes.

– Siehe Aktie, Anleihe, Darlehn, Effekten, Hot Issue, Inhaberschuldverschreibung, Manzipation, Obligation, Option, Papiere, marktfähige, Privatplazierung, Produkt, Schuldverschreibung, Titel, Vertretbarkeit, Wertpapiere, Wertschriften.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Papiere, geratete (rated papers):

Sprachlich unschöne Bezeichnung für Wertpapiere allgemein und für Verbriefungspapiere im Besonderen, die von einer Rating-Agentur hinsichtlich ihrer Bonität eingestuft wurden.

– Siehe Entwicklungsverfahren, iteratives.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Papiere, grüne (agricultural papers):

Papiere mit Bezug zur Landwirtschaft allgemein und zu landwirtschaftlichen Genossenschaften im Besonderen (any of several credit vehicles used to finance agricultural transactions; they are adjusted to the specific financial needs of farmers, which are determined by planting, harvesting and marketing cycles. Short-term credit finances operating expenses, intermediate-term credit is used for farm machinery, and long-term credit is used for real-estate financing).

– Siehe Ernte-Unterstützungskredit, Inventarkredit, Landschaft, Meliorationskredit, Salam.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Papiere, indossierbare (indorsable papers):

Alle Titel, die durch Indossament von einem Eigentümer auf einen anderen übertragen werden können, wie etwa ein Wechsel oder im Regelfall ein Schuldschein.

– Siehe Allonge.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Papiere, marktfähige (marketable papers):

Wertpapiere, die an einer Börse registriert und zum Handel zugelassen sind; Effekten.

– Siehe Commercial Papers, Wertpapiere, unkotierte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Papiere, schwere (high shares, large denomination securities):

Aktien bzw. andere Finanzinstrumente, deren Kurswert weit über dem Durchschnitt liegt. Diese müssen nicht unbedingt auch Blue Chips - also Aktien bonitätsmässig erstklassiger Unternehmen - sein.

– Siehe Bo Derek-Aktie, Emission, überzeichnete, Hot Issue, Outperformance.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Papiere, toxische (toxic papers):

In Zusammenhang mit der durch die Subprime-Krise ausgelösten weltweiten Finanzkrise im Herbst 2008 aufgekommene Bezeichnung für Titel im Wertpapierportfolio der Banken, einschliesslich der Zentralbank, die so gut wie völlig wertlos sind, oft aber zu einem Mondpreis in der Bilanz stehen (the expression "toxic paper" or "toxic asset" was coined in the financial crisis of 2008/09, and referred to mortgage-backed securities, collateralised debt obligations and credit default swaps, all of which could not be sold after they exposed their holders to massive losses).

– Siehe Absenzkapitalismus, Bad Bank, Bilanzbereinigung, Finanzmarktstabilisierungsgesetz, Home Mortgage Disclosure Act, Kreditkarten-Fiasko, Kreditvergabe-Grundregel, Luftpapiere, Pay-Green-Initiative, Subprime Lending, Verbriefungspapiere, Vertrauensblase, Zitronenhandel.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2009, S. 47 (Abschreibungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Papiere, verlängerbare (extendible notes):

Titel, die mit dem vertraglich eingeräumten Recht des Gläubigers verbunden sind, die Laufzeit des jeweiligen Papiers zu verlängern (a note [security] the final repayment date of which, contractually agreed, can be extended at the borrower's will). - In der Regel ist die Laufzeitverlängerung dann auch mit einer Neufestsetzung der Zinszahlung (adjustment of interest payment) verbunden. - Der Gläubiger wird von dem Recht zur Verlängerung Gebrauch machen, wenn er die Erwartung hegt, dass für ihn die Geldbeschaffungskosten zur Tilgung der Schuld heute höher liegen als in der Zukunft.

– Siehe Anleihe, rückzahlungsverlängerbare.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Papiergeld in älteren Dokumenten auch Chartiaticum (paper money; paper fee):

1 Gegen Edelmetall einlösliche oder uneinlösliche Wertpapiere, von staatlicher Stelle oder Privaten ausgegeben: Banknoten.

2 Auf einen bestimmten Betrag lautende uneinlösliche Wertpapiere (bank notes; Banknoten) mit unbeschränkter gesetzlicher Zahlungskraft und Annahmezwang im jeweiligen Währungsgebiet (fiat money: paper currency made legal tender by law or fiat [= it should be]; it is not backed by gold or silver and is not necessarily redeemable in coin).

3 In der älteren Literatur auch Benennung für das Stempelgeld.

– Siehe Banknoten-Management, Banknoten-Wertbeschränkung, Begültigung, Brücke-Abneysches Phänomen, Chipkarte, Dead Presidents, Fälschungssicherung, Fenstergeld, Geldzeichen, Notenbank, Packungs-Effekt, Sicherheitsstreifen, Zahlung, Zahlungsmittel, Zettel.

– Vgl. zu den EU-Banknoten ausführlich Monatsbericht der EZB vom August 2004, S. 85 ff., Monatsbericht der EZB vom August 2005, S. 91 ff. (hier weitere Überlegungen auch hinsichtlich der zukünftigen Ausgabe der Noten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Papiergewinn (paper profit):

1 Ein durch erfolgreiches Engagement im Finanzmarkt entstandener Gewinn, der jedoch noch nicht ausbezahlt, nämlich als Gutschrift auf das Konto überwiesen wurde (yield on an investment, shown in the books but not realised in an disposable form).

2 Eine als Gutschrift zugebuchte Summe, die jedoch wertlos ist; etwa

1. weil der Geldbetrag keine Kaufkraft besitzt, wie in Zeiten der Hyperinflation,

2. das Geld nicht in heimische Währung umgetauscht werden darf, wie im Falle des Verbots der Konvertierung im Zuge der Devisenbewirtschaftung, oder

3. der Betrag wegen des Erreichens eines höheren Tarifbereichs an das Finanzamt [CH: Steueramt] abgeführt werden muss.

3 Bei Börsenspielen erzielter rechnerischer Gewinn (profit from paper trading which means virtual trading without real money with the purpose of training, education and testing).

– Siehe Abwicklungsbestätigung, Buchgewinn, Closing, Papiermillionär, Schlusschein, Settlement, Übertragung, endgültige, Zwangskurs.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Papiermillionär (millionaire on paper, paper millionaire):

1 Jemand im Besitz von Titeln oder anderen Vermögenswerten, die bei Verkauf heute mindestens eine Million EUR erbringen würden (a person who owns papers or real assets which, if traded now, would be worth at any rate one million EUR).

2 Jemand, der durch günstige Umstände am Markt bzw. im engeren Sinne an der an der Börse zu eine Million EUR gekommen ist; im Besonderen auch gesagt von Erstzeichnern, deren Papiere nach Börseneinführung um ein Vielfaches im Kurs gestiegen sind (an individual who has realised a high net worth as a result of the large total market value of the assets he or she holds, but are not in the form of cash. This phenomenon often has occurred when investors buy marketable securities that are later bid up to much higher prices on the open market).

3 Jemand im Besitz von Titeln, deren Wert gleich null ist.

– Siehe Billig-Kopie, Dingo-Werte, Finanzmüll, Frontrunning, Geheimtip, Glamour Stocks, Papiergewinn, Pump and Dump, Scalping, Schattenbankbereich, Scheintransaktionen, Winkelmakler.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Papierwährung, reine (paper currency alone; pure fiat standard):

In einem Währungsgebiet sind als Zahlungsmittel ausschliesslich Banknoten in Umlauf, nicht dazu auch Münzen. Derzeit haben etwa drei Viertel aller Staaten der Welt eine solche Währung. Italien und Griechenland hatten vor Einführung des EUR eine reine Papierwährung.

– Siehe Ein-Euro-Note-Bewegung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Paradoxomanie (paradoxomania):

In Bezug auf die Geldtheorie der Hang, aufseherregende, aber weit von der Mitte, der Hauptströmung (mainstream) der Wissenschaft entfernte Lehrmeinungen zu vertreten. Dies ist oft mit einem ausgeprägten Sendungsbewusstsein (vocation, sense of mission) bis hin zum Fanatismus (fanaticism: unreasoning zeal) verbunden, welcher die Vertreter für sachliche Darlegungen blind und taub macht. - Tatsache ist indessen, dass wer auch immer solche teilweise völlig widersinnige, versponnene Vorschläge in Bezug auf das Geld vorbringt, der Aufmerksamkeit der Medien sicher sein darf.

– Siehe Demonetisation, Frauengeld, Geldabschaffung, Geldherrschaft, Internet-Foren, Marktmechanismus, Mutualismus, Poltergeist, Regionalgeld, Schwundgeld, Systematomanie, Sparsamkeitsregel, Zinsverbot.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Parafiskus (near governmental unit):

Sondervermögen des Staates mit eigener Haushaltsführung, wie in Deutschland die Sozialversicherungsträger oder die Bundesagentur für Arbeit. Deren Finanzgebaren wird von der Zentralbank im Rahmen des Zwei-Säulen-Prinzips beobachtet.

– Siehe Bail-out, Finanzwissenschaft, Gesundheitsausgaben, Haushaltsdefizit, Inverzugsetzung, Krankenversicherung, gesetzliche, Lissabon-Agenda, Nachhaltigkeit, Nonaffektations-Prinzip, Pflegeversicherung, Rentenversicherung, gesetzliche, Schuldenquote, Staat, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Steuerfinanzierung, Tilgungsfonds.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2005, S. 67 ff., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2006, S. 63 ff. (eingehende Darlegung der arbeitsmarktbedingten Staatsausgaben; S. 70: Definition wichtiger Begriffe in diesem Zusammenhang) sowie im Statistischen Teil des jeweiligen Monatsberichts der Deutschen Bundesbank die Rubrik "Öffentliche Finanzen in Deutschland", Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2008, S. 51 ff. (Rentenversicherung 1999 bis 2020; ausführliche Darstellung; viele Übersichten, Literaturhinweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2011, S. 82 f. (Finanzierungssalden der BfA seit 1991), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2014, S. 31 ff. (gesetzliche Krankenversicherung angesichts der Alterung; viele Übersichten; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Parallel Banking (so oft auch zumeist im Deutschen, seltener bankentsprechender Sektor):

1 Gesetzlich errichtete und rechtlich einwandfrei verfasste Unternehmen,

1. die keine Banken sind,

2. trotzdem aber Finanzgeschäfte betreiben, indem sie

3. vor allem kurzfristige Mittel aufnehmen und diese

4. langfristig als Darlehn vergeben - also Fristentransformation betreiben - bzw. in von Insolvenz bedrohte Firmen leiten. Zu solchen Unternehmen zählen Hedge-Fonds und Structured Investment Vehicles. Diese Unternehmen werden bis anhin noch nicht von Aufsichtsbehörden überwacht.

2 Underground Banking, nämlich in die rechtmässigen weltweiten Finanzströme eingebundenes Geflecht von Finanzdienstleistungen, das weder gesetzlich noch aufsichtsrechtlich erlaubt ist. Das Verlustrisiko auf diesem Parallelmarkt ist sehr hoch.

– Siehe Bankenregulierungs-Paradoxon, Daimonion, Domizil-Verschleierung, Finanzinvestor, Frontrunning, Geheimtip, Geldwäsche, Ghettobanking, Geldtransfer-Vermittler, Geldwäsche, Gründungsschwindel, Kapitalmarkt, grauer, Obristen-Darlehn, Renditejagd, Peer-to-Peer Lending, Racheengel, Registriergeld, Remittance Services, Schattenbankbereich, Underground Banking, Winkelmakler.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 67 ff. (ausführliche Darstellung des Bereichs), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2014, S. 15 ff. (ausführliche Darstellung; Übersichten; Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Parallelitätsgebot (equilibrium necessity):

Bei der Devisenzwangswirtschaft die Pflicht der Devisenbehörde, im Voraus zeitlich abgestimmt nur jeweils so viele Devisen an Importeure abzugeben, wie Exporteure in dem betreffenden Fremdwährungsraum erlöst haben.

– Siehe Andienungspflicht, Ausfuhrprämie, Belassungsquote, Devisenfreibetragsverfahren, Devisenvorleistung, Devisenzwangswirtschaft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Parallelkredit und Gegenseitigkeitsdarlehn (back-to-back loan):

Wenn nicht anders definiert ein Darlehn, das sich zwei Unternehmen in der Währung des jeweils anderen Partners gewähren. Die Rückzahlung erfolgt wieder in der aufgenommenen - also auf das Darlehn denominierten - Währung zu einem vertraglich vereinbarten Termin (loan in which two companies in separate countries borrow each other's currency for a specific time period and repay the other's currency at an agreed upon maturity). Zweck solcher Verträge ist die Absicherung gegen Währungsschwankungen. Indessen sind solche Gegenseitigkeitsdarlehn heute seltener geworden und im grossen und ganzen nur noch innert von Konzernfirmen weltweit tätiger Unternehmen üblich, weil der Markt für Währungs-Swaps inzwischen ziemlich gut ausgebaut ist.

– Siehe Devisentermingeschäft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Parallelwährung (ancillary currency; parallel money):

1 Andere Bezeichnung für Nebenwährung.

2 Bei gleichzeitiger Verwendung von Gold und Silber als Währungsmetall fehlt ein gesetzlich vorgeschriebenes Wertverhältnis zwischen beiden Edelmetallen.

3 Nicht (nur) eine Zentralbank, sondern mehrere Banken bringen Zahlungsmittel in Umlauf. Der Wirtschaftsverkehr wir jenes Geld bevorzugen, das am wertstabilsten ist. Der Staat müsste sich darauf beschränken, die Gleichbehandlung der verschiedenen Zahlungsmittel zu gewährleisten, insbesondere zur Erfüllung der Steuerpflicht. Die Vorteile und die wohl überwiegenden Nachteile eines solchen Nebeneinanders wurden in der nationalökonomischen Geldtheorie um 1970 breit erörtert.

– Siehe Free Banking, Geld, privates.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Paraphernalgeld (paraphernalia):

In älteren Dokumenten gesagt von Bargeld oder Vermögensgegenständen, die

1. eine Braut bei der Heirat einbringt,

2. ehevertraglich jedoch ihr Eigentum bleibt (things a woman owned, apart from her dowry) und

3. von ihrem Mann als Sondergut verwaltet wird; von para = neben und phernē = Mitgift.

– Siehe Brautgeld, Frauengeld, Hielichgeld, Kindergeld, Wittum.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pariplatz (par point, par place):

In der älteren Finanzsprache ein Stelle, bei der Wechsel -manchmal auch zusätzlich bezogen auf Schecks - ohne Provision zum Inkasso angenommen werden; wie in der Regel bei den Filialen der Zentralbank.

– Siehe Cavata.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pariser Club (Paris Club):

Bei Bedarf zusammentretender Ausschuss von Vertretern der Gläubigerstaaten und Schuldnerstaaten im Falle von Zahlungsbilanzschwierigkeiten von Schuldnerländer. Das auf das Jahr 1956 zurückgehende Gremium berät über Anpassungsprogramme und Umschuldungen und arbeitet mit dem Internationalen Währungsfonds eng zusammen (an informal group of financial officials from the world's richest countries, which offers financial services such as debt restructuring, debt relief, and debt cancellation to indebted countries and their creditors).

– Siehe Internationales Finanzinstitut, Londoner Club, Prager Verlautbarung, Schuldenrückführungsmechanismus, unabhängiger, Staatsschulden, verweigerte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Parität (parity):

1 Die behördliche Festlegung des Wertes einer Währung gegenüber einem unterlegten Vergleichsmasstab, etwa 1 EUR = 1,180690 Sonderziehungsrechte. Der Wechselkurs als aus dem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage gebildeter Preis kann davon mehr oder minder stark und auch mehr oder minder lang abweichen.

2 Bei Wandelanleihen bestimmt das Bezugsverhältnis (conversion ratio), wie viele Aktien man pro Anleihe beziehen kann. Multipliziert mit dem jetzigen Aktienkurs, erhält man die Parität, nämlich den Marktwert der Wandelanleihe.

3 Preisgleichheit einer Ware oder eines Vermögensgegenstandes auf zwei verschiedenen Märkten (equality between prices of commodities or assets in two separate markets).

4 Bei einer Option der gleiche Wert einer Put-Option und einer Call-Option, bezogen auf den gleichen Basiswert und Verfalltag (a static price relationship between the prices of put and call options of the same class, i.e. same underlying, strike price and expiration date).

– Siehe Abwertung, Aufwertung, Todesspirale.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Parität, zeitindifferente (time indifferent parity):

In Bezug auf das Geld meint man damit den Grundsatz, dass Geld als Masstab durch die Zeit den gleichen Wert, also die gleiche Kaufkraft behalten muss.

– Siehe Geldwert, Inflation, Kaufkraft, Nominalwertprinzip.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Paritätsvorbehalt (parity clause):

Bei einem Hypotheken-Finanzierungsgeschäft durch mehrere Geldgeber die vertragliche Vereinbarung, dass im Falle des Zahlungsausfalls des Schuldners und einer allfälligen Zwangsvollstreckung (CH: Betreibung; levy upon property, compulsory enforcement) alle Gläubiger dieselben Ansprüche haben (a provision in a mortgage contract declaring that all notes are equally secured and that no holder of the collateral will receive preferential treatment in the event of default or foreclosure).

– Siehe Anleihe, nachrangige, Lokations-Urteil, Vorrangregel, unbedingte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Parkett ([trading] floor, ring):

Der Handel im Saal einer Börse (the area on the floor of an exchange where traders execute orders); die Makler bewegen sich dabei auf dem Holzfussboden (Parkett; parquet) der Halle.

– Siehe Computerbörse, Pit, Präsenzbörse.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Partecken (gradually arriving sums):

In der älteren Literatur gesagt für in mehreren kleinen Summen in die Kasse fliessende Einnahmen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Partialobligation (bond of a bond issue):

In der älteren Finanzsprache gesagt für einen Teil einer Schuldverschreibung. Nicht jedoch das Stück - also die Schuldverschreibung - ist dabei in Stücke getrennt, sondern die Begebung gesamthaft ist in einzelne Tranchen geteilt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Partie und Partita (debit):

In der älteren Finanzsprache auch in der Bedeutung: ein zur Zahlung ausstehender Betrag, Schuldposten, Sollposten, Debet.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Partikularzahlung (partial payment):

In älteren Dokumenten eine Geldleistung, durch die eine Rechnung nicht vollständig ausgeglichen wird: eine Schuldtilgung à conto (payment on account, down payment), eine Teilzahlung oder Rate.

– Siehe Abschlag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Partikulier und Partikulär (private citizen):

In der älteren bankbetrieblichen Praxis gesagt von einem Privatmann, einem Privatier, der (im Gegensatz zu einem Unternehmen) mit dem Institut in Geschäftsbeziehung steht. - Die Rechtsordnung selbst in den westlichen Industriestaaten gestatte es erst ab etwa der Mitte des 20. Jhts. durchgängig auch allen Frauen, eigenständig mit einer Bank in Verbindung zu treten.

– Siehe Privathaushalte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Partizipationsfaktor auch Partizipationsrate (factor of participation):

Verhältniszahl die angibt, in welchem Mass ein Anleger bei Zertifikaten am Gewinn des zugrundegelegten Basiswertes beteiligt ist.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Partizipationsgeschäft (undertaking on joint account):

1 Das vorübergehende Zusammenwirken zweier oder mehrerer Partner auf dem Finanzmarkt, um gemeinsam eine Transaktion durchzuführen.

2 Mehrere Institute verbinden sich für einen befristeten Zeitraum zwecks Durchführung einer Operation, wie vor allem bei der Begebung einer Anleihe.

– Siehe Konsortialkredit, Metaverbindung, Syndizierung, Teilrechnung, Verlustteilungsregelung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Partizipationsschein (participation certificate):

1 Wertpapier, das Vermögensrechte, nicht aber Mitgliedschaftsrechte an einer Aktiengesellschaft verkörpert. Partizipationsscheine werden vor allem in der Schweiz als Finanzierungsinstrument verwendet und sind dem deutschen Genussschein ähnlich. Aufgrund des fehlenden Stimmrechts dieser Wertpapiere können sich Unternehmen gegen eine Überfremdung (foreign infiltration, superalienation) schützen und dennoch risikotragendes, da unter Umständen an Verlusten partizipierendes Kapital beschaffen. Auf Seiten der Anleger sind jedoch keinerlei gesetzliche Regelungen vorgesehen, die es ihnen ermöglichen, steuernd auf die Geschäftspolitik der Unternehmung einzuwirken. Insofern ist der Partizipationsschein wie auch der deutsche Genussschein in gewisser Weise letztlich ein Mittel, zwingendes Aktienrecht zu umgehen.

2 Manchmal auch verwendete Bezeichnung für ein Index-Zertifikat.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Partizipations-Zertifikat (tracker certificate):

Ein Zertifikat, welches das Recht verbrieft, an der Entwicklung eines Basiswertes teilzunehmen. - Der Emittent - die Bank - wählt hierfür einen geeigneten Basiswert aus, legt einen Kursstand dieses Basiswertes als Startwert (strike price; Basispreis) fest und stückelt den Basiswert, falls zweckmässig - etwa: überaus hoher Kurs des betreffenden Vermögensgegenstandes -, durch ein frei gewähltes Verhältnis in kleinere Einheiten. Ein Partizipations-Zertifikat läuft in der Regel endlos (open-end); es gibt jedoch auch Papiere mit vereinbartem Fälligkeitstermin (date of maturity). - Ein solches Zertifikat eignet sich für Anleger, die

1. in Bezug auf den Basiswert von einem Wertzuwachs ausgehen,

2. eine gewisse Risikoneigung mitbringen; denn das Zertifikat nimmt ja auch an Kursverlusten teil und

3. deren Anlagehorizont eher langfristig ausgerichtet ist.

– Siehe Themen-Zertifikat.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Partnerkapital (partner capital):

1 Der Einschuss von Geld in ein Unternehmen durch einen Gesellschafter.

2 In einem Unternehmen die vorhandenen Beziehungen zu Kunden, Lieferanten, Banken und Behörden.

– Siehe Intangibels, Kundenbindung, Kundenkapital, Kundenzentrierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Parvenu und Neureicher (parvenu):

In älteren Dokumenten ein Person allgemein und ein Kaufmann im Besonderen, der durch gewinnträchtige Geschäfte plötzlich zu Reichtum gelangt ist, jedoch die neue, ihm damit zugefallene Rolle noch nicht eingenommen hat (one who has suddenly risen to an unaccustomed position of wealth and has not yet gained the prestige, dignity, or manner associated with it, resp. has up till now not gained social acceptance by others).

– Siehe Geldadel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Paschmaklik (pashmaclic):

1 In alten Dokumenten eine Steuer, die einigen von den Türken eroberten Gebieten zugunsten des Unterhaltes der Mutter des Sultans auferlegt wurde.

2 Im weiteren Sinne auch jede Abgabe für die Versorgung der (verwitweten; widowed) Mutter eines Herrschers.

– Siehe Brautgeld, Frauengeld, Nadelgeld, Paraphernalgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pasion-Falle (Pasion trap):

Eine Bank

1. nimmt Geld in Verwahrung, das

2. ein Einleger verbotenerweise bzw. als politisch Verfolgter besitzt,

3. die Bank bescheinigt aber gegenüber den Behörden, dass dieser mittellos sei und bei ihr keine Einlagen habe.

4. Möchte der Konteninhaber später dann auf sein Geld zugreifen, so bestreitet die Bank unter Hinweis auf die abgegebene Erklärung das Vorhandensein von Einlagen bei ihr.

– Die Bezeichnung leitet sich von dem athenischen Bankier Pasion (um 390 v. Chr.) ab. Dieser unterschlug auf diese Weise das Geld des bei dem Krimkönig Satyros I. (gest. 389 v. Chr.) zeitweilig in Ungnade gefallenen Ministers Sopaios. Im damals vielbeachteten Prozess um die Herausgabe des Geldes vertrat der berühmte griechische Redner Isokrates (436-338 v. Chr.) den Kläger. Die Schwarzmeer-Region war der wichtigste Getreidelieferant für Athen, und der Prozess war daher für den ungestörten Handelsaustausch von sehr grosser Bedeutung.

– Siehe Address Spoofing, Aktienanalyse, Depotunterschlagung, Frontrunning, Insider-Transaktion, Kursmanipulation, Nominee, Pairoff, Scalping, Scheintransaktionen, Strohmann, Treuhandvertrag, Vermögensverwalter.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Passage-Geld, Passgeld, Passage-Maut und Diagogion (transit duty):

Früher eine Abgabe für Schiffe und Fuhrwerke, die ein Hoheitsgebiet durchfuhren; Durchfahrtsgebühr, Transitzoll (a duty paid on goods that pass through a territory). Die durchfahrenden, mit Waren beladenen Fahrzeuge werden in alten Dokumenten auch (zollpflichtige; dutiable) Passagiere genannt.

– Siehe Transitgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Passiergewicht (least current weight; tolerance):

In älteren Dokumenten bedeutet dies: Kurantmünzen werden noch als vollwertig anerkannt, wenn

1. ihr Gewicht um nicht mehr als fünf Tausendstel hinter dem Sollgewicht zurückliegt und

2. sie nicht durch gewaltsame Beschädigung verunstaltet sind (are not defaced from damnage by force).

– Siehe Abnutzung, Alliage, Billonnage, Geld, böses, Geldstein, Goldwaage, Katzengeld, Lötigkeit, Münzpflege, Rändelung, Rauhgewicht, Remedium, Wardein, Wipper, Zisalien.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Passiva (liabilities):

Bei einem Unternehmen alle Posten, die über die Mittelherkunft Auskunft geben und auf der rechten Seite der Bilanz aufgelistet sind (money a company owes its creditors and any claims against its assets).

– Siehe Aktiva, Verbindlichkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Passivgeschäft (business on the liabilities side; deposit-taking business):

Transaktionen, durch welche man zum Schuldner wird. Bei einer Bank sind dies in erster Linie die von ihr übernommenen Geldeinlagen, aufgenommenen Kredite oder ausgegebenen Obligationen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Passivmanagement (liability management):

Die besondere Verwaltung der passivseitigen Positionen der Bilanz in Hinblick auf Ertrag, Risiko und Zahlungsfristen der Verbindlichkeiten. In Banken ist dies oft Aufgabe einer eigenen Arbeitsgruppe aus Mitarbeitern entsprechender Ressorts, oft Anlageabteilung, Rechnungswesen und Risikoabteilung.

– Siehe Bankkunden-Profil, Debitorenmanagement, Rechnungs-Stapelung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Passivzinsen (interest payable [to creditors]):

Zinsen, welche eine Bank ihren Einlegern zahlt.

– Siehe Aktivzinsen, Verzinsung, Zinsspanne.

– Vgl. den Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Finanzmärkte" im jeweiligen Monatsbericht der EZB. Dort sind in der Unterrubrik "Einlagezinsen" die entsprechenden Werten nach verschiedenen Merkmalen ausgewiesen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Patengeld (godfather gift):

1 Früher vom Paten (godfather: a man who becomes sponsor for a child at baptism) an das Patenkind (godchild) gegebenes Geldgeschenk bei dessen Geburt oder auch anlässlich späterer Gelegenheiten wie Erstkommunion (First Communion), Konfirmation (confirmation) oder Jugendweihe (youth initiation ceremony).

2 Heute eine Zahlung mancher Gemeinden an (kinderreiche; with many children) Familien bei Geburt eines weiteren Kindes.

– Siehe Begrüssungsgeld, Gevattergeld, Neujahrsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Patenterteilungen (grants of patents, patent issuances):

Die Anzahl der erteilten Patente, bezogen auf eine Volkswirtschaft oder einen Währungsraum, gilt als ein bedeutender Beurteilungsmasstab - besonders auch in Hinblick auf die längerfristige Einschätzung des Geldwerts. Die Zentralbanken beobachten deswegen diese Grösse. - In Europa gesamthaft wurden im Jahr 2009 insgesamt 52'000 Patente erteilt. Nach Portugal wurden gerade einmal 24 Patente vergeben; in die hinsichtlich der Bevölkerungszahl um drei Millionen kleinere Schweiz 2'421 Patente; nach Deutschland mit dem über Zehnfachen Bevölkerungszahl der Schweiz gingen 11'384 Patente. Die demographische Entwicklung lässt befürchten, dass Portugal und andere Länder im Süden des Eurogebiets in Zukunft bei den Patenterteilungen nicht aufholen können. Denn ihre Innovationskraft ist - nicht zuletzt auch wegen des durch die schlechte Wirtschaftslage verstärkten Brain Drains - sehr gering.

– Siehe Erpressungspotential, Forschungsquote, Griechenland-Krise, Portugal-Krise, Wettbewerbsfähigkeit, Zinsinsel, Zwei-Säulen-Prinzip.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Patronatserklärung (guarantee, letter of intent):

1 Allgemein die

1. von einem Unternehmen oder einer öffentlichen Stelle abgegebene Zusage,

2. wonach sich das Unternehmen bzw. die öffentliche Stelle verpflichtet,

3. dass eine kreditnehmende Tochtergesellschaft ihren Verpflichtungen aus einem Darlehn nachkommt,

4. indem es notfalls für diese eintritt (a letter of comfort signed by the mother-company of the borrower. In this letter the mother-company indicates that it is fully aware of its subsidiary's borrowing; and will do the necessary to procure that its subsidiary has the financial resources to reimburse the said borrowing). Eine Patronatserklärung begründet jedoch grundsätzlich keine Garantie für das Darlehn (does not constitute a legally-binding guarantee), es sei denn, dies ist eigens ausgesprochen.

2 In der Sprache der Aufsichtsbehörden eine Willenserklärung, durch die sich jemand verpflichtet, die Erfüllung der Verbindlichkeiten eines anderen sicherzustellen. Derartige Geschäfte fallen in Deutschland unter § 1 KWG und sind daher erlaubnispflichtig.

– Siehe Ausserbilanzgeschäft, Akkommodierung, Aval, Bail-out, Bürgschaft, Garantiegeschäft, Gefälligkeitsverpflichtung, Kreditzusage, unwiderrufliche.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Paulson-Plan (Paulson plan):

Als sich die Subprime-Krise im Herbst 2008 zu einer Finanzkrise verfestigte, bereitete der zu dieser Zeit amtierende US-Finanzminister Henry Paulson ein Rettungspaket (rescue package) vor, um den Finanzsektor der USA mit fast 800 Mia USD zu stabilisieren. Im Kern kaufte der Staat die toxischen Papiere aus dem Besitz der Banken auf. Im Gegenzug übernahm der Staat Anteile an den unterstützten Unternehmen. Ferner wurden die Gehälter und Bonuszahlungen der Manager begrenzt. Für Sparkonten gab die Regierung eine Garantieerklärung ab. Beide Kammern des Parlaments der USA (Senat und Repräsentantenhaus) stimmten dem Paulson-Plan zu.

– Siehe Exit-Strategie, EZB-Sündenfall, Staatsschulden-Rückführung, Tilgungsfonds, Tina.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pauschale auch Pauschalbetrag (lump sum):

In der Finanzsprache eine Summe, die ohne Einzelnachweis (itemisation, specification) geltend gemacht werden kann, wie etwa bei einer Kilometerpauschale (milage allowance) oder als Abzug bei einer Steuerschuld (tax payable).

– Siehe Abzug, pauschale, Freibetrag, Pauschaltarif.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pauschaltarif und Pauschalpreis (flat rate):

1 Bei einem Institut die Berechnung gewöhnlicher Dienstleistungen zu einem Festpreis, und zwar grundsätzlich unabhängig von der tatsächlichen Inanspruchnahme (a price calculation that charges a single fixed payment for a service, irrespective of usage). Für die Bank hat dies den Vorteil einer Kostenersparnis dadurch, dass nicht jedesmal eigens eine Gebühr berechnet werden muss. Der Kunde seinerseits ist vor unerwarteter Gebührenbelastung gefeit. Freilich behalten sich die Institute vor, bei Überschreitung einer bestimmten Nutzungsschwelle (when a certain ceiling [corridor] is exceeded) eine weitere Inanspruchnahme von Leistungen besonders zu berechnen.

2 In Bezug auf die Besteuerung ein einstufiger Einkommensteuertarif (single-stage income tax rate). Der Eingangs- und der Spitzensteuersatz sind in diesem Fall gleich; der Grenzsteuersatz (marginal rate of tax) ist also konstant.

3 Im Bereich der Telekommunikation der Zugang zum normalen Leistungsangebot des Anbieters (Telephonie; telephony, Internetzugang; internet-access) zu einem festen Preis.

4 Bei Veranstaltungen besonders für junge Menschen (Flatrate-Parties; all-you-can-drink parties) die im Eintrittspreis enthaltende Möglichkeit, Getränke innert eines bestimmten Rahmens frei zu geniessen. Solche Feiern stehen seit etwa 2005 besonders in der Kritik, weil sie das Rauschtrinken (binge drinking: imbibing heavily alcohol in a short space of time to get drunk, the effects lasting for at least a couple of days during which time the heavily intoxicated drinker drops out by not working, ignoring responsibilities, squandering money, causing car accidents and engaging in other harmful behaviours such as aggressive or unsafe sex) bei Jugendlichen begünstigen.

– Siehe Bankgebühren, Courtage, Entgelt, Festgebühr, Festpreisgeschäft, Grundpreis, Marge.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Payback (so auch meistens im Deutschen gesagt, seltener auch Rückerstattung):

Falls nicht anders definiert, so versteht man darunter den Betrag, der einem Anleger beim Ausstieg aus

1. einem Engagement allgemein und

2. aus einer kurzlebigen, zeitweisen (temporary) Investition im Besonderen zufliesst; also das eingesetzte Kapital plus dem Gewinn bzw. minus dem Verlust.

– Siehe Exit, Flip.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pay-Green-Initiative (pay-green action):

Im Herbst 2008 von Wirtschaftsverbänden, Regierungsstellen und der Zentralbank in den USA eingeleiteter Aufruf an die Privathaushalte, anstatt – wie weithin üblich - hauptsächlich mit Kreditkarten die Zahlungen vorzugsweise mit Bargeld zu leisten (greenbacks = any US legal-tender notes having the devices on the back printed in green). Die Verschuldung der Privathaushalte hatte durch leichtfertige Ausgabe von Kreditkarten astronomische Zahlen erreicht. Viele Privathaushalte übersahen gar nicht mehr ihren Schuldenstand auf oft mehreren Karten; und die Ausgeber von Karten gerieten wegen der hohen Ausfälle in Schwierigkeiten. Weil Forderungen der Ausgeber verbrieft und weltweit an Anleger verkauft wurden, so verschärfte dies die der Subprime-Krise folgende Finanzkrise.

– Siehe Kreditkarten-Fiasko, Phthisis, Verbriefungspapiere.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

PayDirect:

Computerzahlungs-System der Firma Yahoo, ursprünglich auf die Bezahlung im Rahmen der Internet-Versteigerungen durch Yahoo ausgerichtet und später um weitere Funktionen ausgestaltet. Zum Jahresende 2007 beschloss Yahoo, den Dienst völlig einzustellen, zumal er verlustbringend (loss-generating) war.

– Siehe Bezahlungsverfahren, innovative, Billpoint, Giropay.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

PayPal:

Computerzahlungs-System der Firma eBay. Zu Jahresbeginn 2011 verwaltete PayPal weltweit 210 Millionen Mitgliedskonten.

– Siehe Bezahlungsverfahren, innovative, Billpoint, Bitcoin, Giropay, Linden-Dollar, PayDirect, Quickgeld, Verrechnungsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Payez Mobile:

In Frankreich zwecks Beendigung bestehender Insellösungen (isolated applications) eingeführtes, leicht zu handhabendes und für Europa als vorbildlich eingeschätztes Bezahlsystem, das auf enger Zusammenarbeit von Banken, Mobilfunkanbietern, Ausgebern von Karten und Terminal-Herstellern beruht.

– Siehe Bezahlungsverfahren, innovative, Karten-Allianz, Kleinbetrags-Zahlungssysteme.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2009, S. 63. (flächendeckende Einführung von Payez Mobile).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pay-in-Kind-Anleihe und [ungenau] Ersatzleistungs-Anleihe (pay-in-kind bond, PIK bond):

Der Emittent der Schuldverschreibung hat hier das ihm vertraglich eingeräumte Wahlrecht (option),

1. entweder die aus der Begebung entstandenen Pflichten (Zinszahlungen; interest payments, Tilgung; redemption) bar zu leisten, oder

2. diese durch die Ausgabe neuer Anleihen zu bedienen, und

3. damit seine Zahlungsverpflichtungen zu verschieben (pay-in-kind or payment-in-kind securities involve investors receiving more bonds in place of cash interest, valued at par value).

– Solche Anleihen werden oft bei Leveraged Buy-outs eingesetzt (those bonds are issued to help fund the big leveraged buy-outs). In Zeiten von Verspannungen am Finanzmarkt wie etwa im Gefolge der Subprime-Krise steigt erfahrungsgemäss der Anteil solcher Anleihen verschiedener Fristigkeit stark an.

– Siehe Payment-in-Kind-Kredit, Toogle-Schuldtitel.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2007, S. 21.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Payment-in-Kind-Kredit und [unschön] fälligkeitsterminfixierte Anleihe (payment in kind credit):

Ein Darlehn, bei dem der Schuldner zwischen der Geldaufnahme und der Fälligkeit bzw. dem Refinanzierungstermin keine Zahlungen an den Gläubiger zu leisten hat. Solche Kredite werden vor allem von CLO-Fonds im Zuge von Fusionen und Übernahmen vergeben.

– Siehe Ballon-Kredit, Leveraged Buy-out, Pay-in-Kind-Anleihe, Second-Lien-Kredit, Toogle-Schuldtitel, Zwei-Achtundzwanzig-Kredit.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Dezember 2006, S. 46 (Gefahren dieser Finanzierungsart).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Payment-in-Kind-Tranche und [unschön] fälligkeitsterminfixierte Alternativanleihe (payment in kind tranche):

Der Begeber einer Anleihe hat bei Fälligkeit ein Wahlrecht (option) zwischen der Rückzahlung (redemption) in bar oder in Form einer weiteren Kredittranche bzw. Anleihe.

– Siehe Pay-in-Kind-Anleihe, Payment-in-Kind-Kredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pay per Touch und berührungstechnische Authentifizierung):

Bezahlverfahren, bei dem der Kunde an der Kasse seinen Geheimcode eingibt und dann seinen Finger auf ein entsprechend eingerichtetes Lesegerät legt. Der Kunde braucht keine Kreditkarte mehr, deren Verlust- und Missbrauchsrisiko fällt weg. Betrug ist in diesem System so gut wie ausgeschlossen.

– Siehe PIN-Code, Zeichenunterschrift.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Peanuts (so auch im Deutschen):

In der Finanzsprache eine obzwar absolut hohe, so doch vergleichsweise (comparatively) kleine Summe. Der Ausdruck wurde 1994 in Deutschland zum "Unwort des Jahres" (vogue word of the year). Hintergrund waren fünfzig Mio DEM ausstehende Handwerkerrechnungen aus einem aufsehenerregenden Insolvenzfall. Der seinerzeitige Chef der Deutschen Bank AG bezeichnete diesen Betrag als Peanuts im Vergleich zu den Gesamtforderungen aus der Insolvenz in Höhe von um die fünf Mia DM.

– Siehe Brunnengeld, Geldbezeichnungen, volkstümliche deutschsprachige, Hühnerfutter, Kleingeld, Lappalien, Liardieren.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Peelsche Bankakte (Peel's Bank [Charter] Act):

Im Jahr 1844 nach sehr langen und stür-mischen Debatten eingeführte Vorschrift für die allein zur Ausgabe von Zahlungsmitteln berechtigte Bank of England - heute die Zentralbank Grossbritanniens -, den Umlauf an Banknoten grundsätzlich nicht über den Eigenbestand an Edelmetallen zu erhöhen. - Dies bedeutete einen Sieg der Currency-Theorie, für welche der damalige verantwortliche Minister Robert Peel (1788-1850) entscheidend eintrat.

– Siehe Banking-Theorie, Dritteldeckung, Geld, privates, Geldmenge.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Peep (so auch im Deutschen):

Um 2000 in die deutsche (Jugend)Sprache eingedrungene Bezeichnung für freiwillig geleistete und in ihrer Höhe nicht im Voraus bestimmte Zahlung, Trinkgeld, Bedienungsgeld, auch Handgeld, Schmiergeld.

– Siehe Douceur, Handgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Peer Review und Peer-Review (so auch im Deutschen gesagt, seltener gegenseitige Begutachtung):

Im Aufsichtsrecht die Bewertung im Grad der Übereinstimmung von Vorschriften für einen besonderen Vorgang durch die Aufsichtsbehörden in verschiedenen Ländern (an assessment of the equivalence with regard to banking supervisory standards in different jurisdictions).

– Siehe Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 67 (in Bezug auf die Assekuranz), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 96 f. (Peer Reviews in Bezug auf Corporate Governance), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 69 f. (weitere Peer Reviews, auch zum Thema Marktmissbrauch), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 37 ff. (Peer Reviewes allgemein und in einzelnen; S. 3): Länder-Peer-Reviews) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Internationales".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Peer-to-Peer Lending (so auch im Deutschen gesagt, oft P2P-Lending geschrieben, daneben auch Collaborative Finance und manchmal auch partnerschaftliche Mittelbeschaffung):

Kapitalsuchende Privathaushalte bewerben sich um die von anderen Personen angebotene Darlehn, in der Regel über Internet-Portale (lending and borrowing which occurs directly between individuals or peers without the intermediation of a traditional financial institution, usually based on the internet). - Grundsätzlich ist für eine solche Vermittlung keine Erlaubnis erforderlich. Sobald jedoch über die entsprechende Plattform auch Bankgeschäfte abgewickelt werden, so begründet dies eine bankaufsichtliche Erlaubnispflicht. Die wird vor allem darin gesehen, dass

1. gewisse Anbieter solche Darlehn-Gesuche gewerbsmässig befriedigen (was häufig der Fall ist; which is frequently the case) bzw. auch

2. private Nachfrager das auf diese Weise aufgenommene Geld gewerbsmässig anlegen.

– Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hat am 14. Mai 2007 ein Merkblatt "Hinweise zur Erlaubnispflicht der Betreiber und Nutzer einer internetbasierten Kreditvermittlungsplattform nach dem KWG" veröffentlicht.

– Siehe Bankenführerschein, Bönhase, Crowdfunding, eLolly, Kreditvermittlungsplattform, Schattenbankbereich, Social Lending Platform, Underground Banking.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 198 (Beobachtung dieses Marktes durch die BaFin), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 208 f. (grundsätzlich keine Erlaubnispflicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pekulat (peculation):

In älteren Dokumenten

1. die Veruntreuung von anvertrauten Vermögenswerten oder Geld allgemein (embezzlement: the act of dishonestly appropriating or secreting assets, usually financial in nature, by one or more individuals to whom such assets have been entrusted) und

2. der Kassendiebstahl (theft from the till) im Besonderen.

– Siehe Verhaltensrisiko.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pekulium (peculium):

1 Früher das selbsterworbene Vermögen eines auch minderjährigen Sohnes, das dieser mit der Zustimmung des Vaters eigenständig verwalten durfte.

2 Ein Fonds für persönliche Zwecke (a special fund for private and personal uses), der wichtigen Entscheidungsträgern zur Verfügung gestellt wird.

3 Summe, die einem entlassenen Strafgefangenen als Hilfe zur Wiedereingliederung ausbezahlt wird (amount which off paid off a convict).

– Siehe Eigengeld, Hausgeld, Überbrückungsgeld, Übergangsgeld, Taschengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pekuniös (moneyed, monied):

Älteres Eigenschaftswort der Finanzsprache in der Bedeutung geldreich, finanzkräftig, wohlsituiert, vermögend (affluent: having an abundant supply of money or possessions of value).

– Siehe Geldheini.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Penny-Bank (penny bank):

1 Eine Spardose, häufig in Form eines Schweins, in das man durch einen Schlitz Münzen einwerfen kann (a small container, frequently having the shape of a pig, provided with a slot at the top to receive small coins).

2 In älteren Dokumenten die für die Finanzgeschichte bedeutsame Sparkasse für ärmere Leute in London.

– Siehe Sparbüchse.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Penny Stocks (so auch im Deutschen gesagt; seltener Wagnisaktien):

Hauptsächlich in den USA und Kanada verbreitete Aktien, die von kleineren Unternehmen begeben und zu ausserordentlich geringen Kursen - bisweilen unter einem USD - eingeführt werden (low-priced speculative issues of stock trading in the over-the-counter market). Damit finanzieren die Unternehmen meist risikoreiche Tätigkeiten, wie etwa die Suche nach Rohstoffen. Penny Stocks sind demgemäss äusserst spekulative Aktien.

– Siehe Baby Bonds, Dingo-Werte, Geheimtip, Junk-Bonds, Pyramide, Spottpreis, Terror-Papiere, Zitterprämie.

– Vgl. Jahresbericht 2001 des Bundesaufsichtsamts für den Wertpapierhandel, S, 21 f. (hinsichtlich der Schwierigkeiten bei der Überwachung dieser Aktien), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 142 (Erlaubnisentzug eines Vermittlers von Penny Stocks), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 138 (Erlaubnisentzug), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 247 (zu nachtschlafender Zeit werden Penny-Stocks per Telefax angeboten) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Querschnittsaufgaben".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pennyweight (Kurzzeichen dwt):

Masseneinheit für Edelmetalle und Edelsteine in England und den USA: 1 dwt. = 1,555 Gramm (unit of mass that is equal to 24 grains, 1/240 of a troy pound, 1/20 of a troy ounce, approximately 0.054875 avoirdupois ounce and approximately 1.555 grams).

– Siehe Alliage, Assay-Stempel, Edelmetalle, Diamanten, Edelsteine, Farbsteine, Gold, Juwelen, Münzgold, Troy-Unze, Unze.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Penonse (dosh, money):

In älteren Dokumenten auftretendes Wort für Geld, und meistens in der Bedeutung einer grösseren Summe.

– Siehe Geldbezeichnungen, volkstümliche deutschsprachige, Gequetschte, Hühnerfutter, Kleingeld, Moneten, Pezzi, Spores Raffel, Zucker.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Penrose-Theorem (Penrose theorem):

1. Ein Unternehmen allgemein und eine Bank im Besonderen ist hinsichtlich jener Ressourcen begrenzt, die für den Anschub, die Ingangsetzung und für die durchgreifende Verwirklichung von Wachstumsprogrammen jeder Art einschliesslich Fusionen notwendig sind.

2. Hat man entsprechende Ressourcen - vor allem: Managementkapazitäten, einschliesslich fachkundige Juristen (specialised lawyers: Aufsichtsprobleme; problems with supervisory authorities!) und EDV-Spezialisten - aber nicht in ausreichendem Masse verfügbar, so kommt es leicht zu einer Überbeanspruchung (overstraining, overstress) dieser knappen Ressourcen (limited resources). Die Folge ist, dass Gefüge, Systeme und Prozesse schlecht angepasst (matched unsuitably; mismatched) werden.

3. Um dies zu beheben, müssen wiederum Ressourcen aufgewendet werden, die dann für den reibungslosen Ablauf der normalen Geschäftstätigkeit (day-to-day business) fehlen.

4. Daher sollte das Verhältnis zwischen der Wachstumsrate und den verfügbaren Ressourcen eine bestimmte Grenze nicht überschreiten.

– Anders ausgedrückt: weil das Wachstum der notwendigen Ressourcen selbst Grenzen unterliegt, ist die Rate eines gewinnbringenden Wachstums begrenzt.

– Siehe Bankbetriebsgrösse, optimale, Bankgrösse, Behauptungs-Strategie, Downsizing, Gibrat-Regel, Subsidiaritätsprinzip, Intangibels, Risiko, personelles, Unternehmenswachstum.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pension (pension; vom Lateinischen PĔNSIO = hier in der Bedeutung: eine Zahlung leisten; bitte N I C H T [wie leider die Masse der teutonischen Dümmlinge] krottenfalsch französisierend Panksion aussprechen: es ist weder ein "a" noch ein "k" in dem Wort enthalten!):

1 Regelmässige Zahlung eines Ruhegehaltes oder einer Invalidenrente an eine Person (benefits or allowances from a private or government fund, paid regular to a person upon his or her retirement or disability); im Besonderen an ehemalige Beschäftigte im öffentlichen Dienst (old-age pensioners, OAPs; Pensionäre, Pensionisten, Rentner, in älteren Dokumenten auch Quiëszenten).

2 Früher auch aus öffentlicher Kasse zum ausdrücklichen Dank für die zum Nutzen des Gemeinwohls geleisteten Dienste bezahltes Ehrengehalt (honorarium, gratuity) für eine herausragende Person; diese wurde dann oft Staatspensionär (state pensioner) genannt (a stated and certain allowance granted by the government to an individual for valuable services performed by him for the country).

3 Manchmal auch für den Vorgang der Pensionierung (to retire or dismiss with a pension) gesagt.

– Siehe Apanage, Leibrente, Pensionskasse, Pensionsverpflichtungen, Rentner.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pensionierung (repurchase operation, repo):

1 Allgemein ein Vertrag, bei dem eine Partei von einem Partner Bargeld gegen die Hinterlegung von Sicherheiten für eine festgelegte Zeit erhält. Die Rechte aus den hinterlegten Sicherheiten - in der Regel Papiere - gehen während der Vertragszeit auf den Besitzer über (agreement under which institutional investors or companies can exchange cash for securities for a fixed period of time. At the end of the contract, which can take various legal forms, the securities are returned to their initial owner. All title and rights to the securities are transferred to the buyer of the securities for the duration of the contract).

2 Im Besonderen gesagt von einer Bank, die sich Zentralbankgeld verschafft durch die vorübergehende Überlassung von Wertpapieren bei ihrer Zentralbank; wobei es offen ist, zu welchem Prozentsatz die Zentralbank die eingereichten Papiere mit ihrem Geld bedient. - Der Begriff "Pensionierung" hat in der Sprache der Zentralbanken den Ausdruck "Lombardierung" (pledging of securities: Darlehn gegen Verpfändung von Wertpapieren) seit etwa 1980 verdrängt.

– Siehe Depotgeld, Kostgeschäft, Pensionsgeschäft, Pensionssatz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pensionsfonds ([occupational] pensions fund):

1 Allgemein ein Vermögen (capital stock; Kapitalstock) mit dem Zweck, in diesen einzahlenden Beschäftigten nach deren Zurruhesetzung ein Rente zu gewährleisten. Als global agierende Arbitrageure und Spekulanten, als Käufer von oft auch riskanten Papieren und selbst von Kunstwerken sind Pensionsfonds in den letzten Jahren besonders ins Visier der Aufsichtsbehörden geraten. - Allein das CALPERS (California Public Employee Retirement System: ein Fonds kalifornischer öffentlicher Bediensteter) verwaltet derzeit ein Vermögen von über 100 Mia USD.

2 In Deutschland im engeren Sinne die durch eine eigenes "Altersvorsorgeverträge-Zertifizierungsgesetz" zugelassenen und überwachten Fonds, die Verträge nach dem Altersvermögensgesetz abschliessen dürfen. Sie gelten nach § 31a WpHG als professionelle Kunden. - In den USA, Grossbritannien und der Schweiz wird ein wesentlicher Teil der Altersvorsorge nach dem Kapitaldeckungsverfahren finanziert. Fondsmanager handeln dabei nach professionellen Kriterien der Risiko-Diversifikation. Diese sind nicht nur für die Entwicklung des Aktienmarktes als Wertpapierkäufer von Bedeutung. Sie tragen auch dazu bei, die asymmetrische Informationen zu nivellieren. Andererseits jedoch zeigte sich angesichts der auf die Subprime-Krise 2007 folgenden Finanzkrise, dass Fondsmanager ihren Depots auch riskante Papiere aller Art beigemischt hatten, die zum Teil auf null abgeschrieben werden mussten.

– SieheAblauffonds, Altersvermögensgesetz, Altersvorsorge-Einrichtung, Anlegerschutz, Anwartschaftszeit, Ausgewogen, Bankenregulierungs-Paradoxon, Beamtenvereine, Bilanz, ganzheitliche, Bogey, Contractual Trust Arrangement, Credit Default Swap, Destinatär, Gehaltsverzicht, Inhouse-Fund, Kreditverbriefung, Lebensversicherung, Leibrente, Nominalwertgarantie, Occupational Pensions Regulatory Authority, Pensionsfonds-Richtlinie, Pensionskasse, Pensionsverpflichtungen, Planvermögen, Prudent man standard of care, Rabbi Trust, Regel, goldene, Regulierungs-Arbitrage, Spezialfonds, Straitjacking, Tontine, Treuhandmodelle, Zertifizierung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2002, S. 25 ff., Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 81 (im Oktober 2005 in Kraft getretene Verordnung zur Berichterstattung von Pensionsfonds), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 80 (Neuregelung in Bezug auf die aufsichtliche Behandlung von Pensionsplänen), S. 86 (Deckungsrückstellungsverordnung; Kapitalausstattungsverordnung), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 104 f. (geplante Flexibilisierung der Bedeckungsregeln), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 74 (Pensionsfonds-Mindestzuführungs-Verordnung), S. 103 (Wertverluste durch die Finanzkrise; Prognoserechnung der BaFin), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 238 ff. (Zertifizierungen; Zertifizierungspflicht für Basisverträge; Aufzählung der Zertifizierungs-Voraussetzungen), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 121 (widerstandsfähige wirtschaftliche Lage der Pensionsfonds), Jahresbericht 2011 der BaFin, S, 93 ff. (grundsätzliche und aktuelle aufsichtsrechtliche Fragen; IOPS-Standards), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 140 (Übersicht der Vermögensanlagen der Pensionsfonds) sowie den jeweilige Jahresbericht der BaFin (dort auch jedesmal Statistisches und Aufsichtsrechtliches), und auch die laufende Erfassung in der "Statistik des Euro-Währungsgebiets" im jeweiligen Monatsbericht der EZB; Monatsbericht der EZB vom Juni 2005, S. 19 ff. (Pensionskassen als Finanzintermediäre). - Im monatlich erscheinenden Statistische Beiheft "Kapitalmarktstatistik" der Deutschen Bundesbank auch Zahlen über die Anzahl, das Mittelaufkommen und das Vermögen inländischer Pensions-Fonds, nach verschiedenen Gesichtspunkten aufgeschlüsselt. Im jeweiligen Jahresbericht "Statistik Erstversicherungsunternehmen und Pensionsfonds" der BaFin auch Übersicht über Beiträge, Vermögensanlagen und die Ertragslage der Unternehmen in Deutschland sowie weitere Kennzahlen mit Erläuterungen, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2014, S. 18 (Pensionsfonds als Teil des Schattenbanksystems).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pensionsfonds-Richtlinie (EU pensions fund directive):

EU-weit angeglichene Bestimmungen in Bezug auf den Betrieb eines Pensionsfonds, die Auskunftspflichten gegenüber den Versorgungsanwärtern (persons entitled to a pension) und Leistungsempfängern (benefit recipients, beneficiaries), die Bemessung und Bedeckung der Rückstellungen, der Grundsätze der Anlagepolitik, die Vorschriften über Vermögensverwaltung sowie die grenzüberschreitende Tätigkeit. Die im Juni 2003 erlassene Richtlinie musste bis September 2005 in nationales Recht umgesetzt werden.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 49, Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 61 ff., S. 140 ff. (Umsetzung der Pensionsfondsrichtlinie), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 79 (Legaldefinition "Pensionskasse" durch Einführung des § 118a VAG), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 80 (neue Regeln in Bezug auf das Auslandsgeschäft), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 54 ff. (weitere aufsichtsrechtliche Entwicklung; Bericht zur risikobasierten Aufsicht), Jahresbericht 2011 der BaFin, S, 93 ff. (grundsätzliche und aktuelle aufsichtsrechtliche Fragen; IOPS-Standards) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pensionsgeschäft in der älteren Literatur auch Kostgeschäft (repurchase agreement, [vor allen in Bezug auf die Geschäfte mit der Zentralbank] repurchase operation; repo):

1 Allgemein jeder zeitlich befristete Tausch von Vermögensgegenständen gegen Geld, eine Pensionierung.

2 Der Kauf eines Vermögensgegenstandes mit gleichzeitiger Vereinbarung des Rückkaufs zu einem späteren, vertraglich genau festgelegten Termin.

3 Die Zentralbank

1. leitet Primärliquidität für bestimmte Zeit in den Kreislauf,

2. um den Markt zu verflüssigen sowie

3. angesichts der Interdependenz der Zinsen (interdependency of interest rates)

4. allfällige "Zinsausreisser" nach oben zu glätten, und

5. damit schädlichen Wirkungen durch das Eindringen heissen Geldes vorzubeugen. Sie kauft hierob von den Banken Wertpapiere an. Die Partner verpflichten sich, diese Papiere nach einer vertraglich vereinbarten Zeit von der Zentralbank zurückzukaufen.

4 Die Zentralbank

1. saugt Primärliquidität für bestimmte Zeit ab,

2. um den Markt zu versteifen, nämlich den Überhang an ihrem Geld abzubauen sowie

3. um einem unerwünschten Zinssturz und

4. dadurch ausgelöstem Geldexport zuvorzukommen. Sie bietet hierob den Banken Wertpapiere zum Kauf an. Die Partner nehmen diese für eine vertraglich festgelegte Zeit in ihr Portefeuille. Nach Ablauf der vereinbarten Zeit kauft die Zentralbank die Papiere zurück.

– Die EZB führt entsprechende Geschäfte im Rahmen des Hauptfinanzierungs-Instruments, der Längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte, der Strukturellen Operationen sowie der Feinsteuerungs-Operationen durch.

– Siehe Kostgeschäft, Repo-Geschäft, Pensionierung, Pensionssatz, Zuteilungsverfahren, holländisches.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 72 ff. (Pensionsgeschäfte im Sinne von 1 erhöhen die Prozyklizität; eine Wiederverwendung der den Geschäften zugrunde liegenden Sicherheiten ist möglich, was besondere Gefahren mit sich bringt), Monatsbericht der EZB vom Januar 2014, S. 75 ff. (zur Liquiditätspolitik der EZB; ausführliche Darstellung; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pensionsgeschäft, umgekehrtes (reverse repurchase operation, reverse repo):

1 Allgemein der Kauf eines Vermögensgegenstandes mit der gleichzeitigen Vereinbarung, Gegenstände der gleichen Art und in gleicher Höhe zu einem späteren Zeitpunkt an den Vertragspartner zu verkaufen.

2 Im Besonderen die zeitlich durch Vertrag geregelte Überlassung von Wertpapieren gegen Bargeld (deal that works in the opposite direction to a repo transaction: securities are exchanged for cash).

– Siehe Pensionierung, Pensionsgeschäft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pensionsgeschäft, Verbuchung (book entry of repurchase operations):

In der Bilanz der Zentralbank ist ein Pensionsgeschäft als besicherte Kreditaufnahme auf der Passivseite der Bilanz ausgewiesen. Auf der Aktivseite werden die Vermögensgegenstände eingestellt, die als Sicherheiten dienen. Ein umgekehrtes Pensionsgeschäft (reverse repo) wird in Höhe des Darlehnsbetrags auf der Aktivseite der Bilanz als besicherter Kredit ausgewiesen.

– Siehe Geschäftsbericht 2006 der Deutschen Bundesbank, S. 130, S 132 (Grundsätze der Rechnungslegung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pensionskasse ([occupational] pension fund):

Betrieblicher Fonds für die Altersversorgung der Beschäftigten (any plan, fund, or scheme established by an employer which provides retirement income). In Deutschland werden im Gefolge des Altersvermögensgesetzes solche Einrichtungen auch staatlicherseits gefördert. Die Kassen unterliegen in dabei der Überwachung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht; in deren jeweiligen Jahresbericht finden sich statistische und aufsichtsrechtliche Informationen.

– Siehe Altersvorsorgeverträge, Anwartschaftszeit, Bilanz, ganzheitliche, Contractual Trust Arrangement, Gehaltsverzicht, Leibrente, Pensionsfonds, Rabbi Trust.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2012, S. 66 (Definition "Pensionskasse"), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 114 (Beitragseinnahmen), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 116 f. (das Urteil des EuGH über Unisextarife betrifft nicht die betriebliche Altersversorgung), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2013, S. 41 (statistische Erfassung der Pensionskassen soll verfeinert werden), Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 19 (die ungünstige demographische Entwicklung birgt Gefahren für Einrichtungen der Altersvorsorge).

– Vgl. zur Finanzierungsrechnung der Pensionskassen auch die vierteljährliche Erhebung durch die EZB, im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets" ausgewiesen. Im jeweiligen Jahresbericht "Statistik Erstversicherungsunternehmen und Pensionsfonds" der BaFin auch Übersicht über Beiträge, Vermögensanlagen und die Ertragslage der Unternehmen in Deutschland sowie weitere Kennzahlen mit Erläuterungen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pensionssatz (repo rate):

1 Im Rahmen des liquiditätszuführendes Geschäftes mit der Zentralbank der Unterschied zwischen dem höheren Ankaufspreis - etwa: 100 - und dem vertraglich festgelegten niedrigeren Rückkaufspreis - etwa: 99,5 - durch die Banken, auf Jahresprozente umgerechnet.

2 Beim Liquidität absaugenden Geschäft mit der Zentralbank die Differenz zwischen dem niedrigeren Verkaufspreis - etwa: 99,5 - und dem höheren Rückkaufspreis - etwa: 100 - der Zentralbank, in Jahresprozenten gerechnet. - Die EZB weist (in ihren Monatsberichten, dort im Teil "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Monetäre Statistik", Unter-Rubrik "Hauptrefinanzierungsgeschäfte" und "Sonstige Tendergeschäfte") die entsprechenden Sätze aus.

– Siehe Pensionsgeschäft, Repo-Geschäft, Zuteilungssatz, marginaler, Zuteilungsverfahren, holländisches.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pensionsverpflichtungen (pension liabilities):

Verbindlichkeiten eines Unternehmens aus der vertraglichen Zusage von künftigen Ruhegehaltszahlungen (Betriebsrenten; company pension, employee pension) an Angestellte. - Gemäss den International Accounting Standards müssen solche genau ausgewiesen werden. Da dieses Regelwerk aber für Banken in der EU vor 2005 nicht verbindlich war, so fehlte in der Bilanz häufig ein entsprechender Posten, was in die Beurteilung der Aktien der bezüglichen Banken schwierig machte. Die Aufsichtsbehörden in Europa konnten eine Bilanzierung zwar empfehlen, aber nicht erzwingen. - Sind Pensionsrückstellungen als Fremdkapital zu bewerten, dann werden Firmen mit hohen Rückstellungsbeträgen - etwa: Deutsche Post AG)- in ihrem Rating herabgestuft. Eine Herabstufung (downrating; Downrating) bedeutet aber, dass die Geldaufnahme am Kapitalmarkt teurer wird.

– Siehe Altersvorsorge, Behördenmanagement, bankliches, Contractual Trust Arrangement, Darstellung, glaubhafte, Nichts, bilanzielles, Pensionsfonds, Rating, Treuhandmodelle, Wesentlichkeit.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 70 f. (aufsichtsrechtliche Forderungen an die Bilanzierung der tatsächliche Verpflichtungshöhe), Jahresbericht 2005 der BaFin (risikobasierte Aufsicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pensionswechsel (bill deposited as collateral):

In der älteren Finanzsprache ein Wechsel, der nicht zur Diskontierung vorgesehen ist, sondern als Sicherheit für eine Verbindlichkeit ins Depot genommen (pledged; lombardiert, pensioniert) wird.

– Siehe Pensionierung, Pensionsgeschäft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Perennität (perennity):

Als Fachausdruck aus der Altersversicherung (old-age insurance) der Umstand, dass bei den beitragszahlenden Versicherten die Abgänge durch Neuzugänge ersetzt werden (old-age pensions are paid directly from contributions of the current period, without a capital stock must be established).

– Siehe Kapitaldeckungsverfahren, Pensionsfonds, Pensionskasse, Sterbekasse, Tontine.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Performance (so auch im Deutschen; seltener [und teilweise missverständlich] Gebarung):

1 Der Kursverlauf eines Wertpapiers innert eines Zeitraums (price movements of a negotiable instrument over a period).

2 Indexverlauf eines Teilmarktes oder des Gesamtmarktes, etwa: Swiss Performance Index.

3 Ertrag aus einer Kapitalanlage: der gesamthafte Wertzuwachs in Prozent innert eines bestimmten Zeitraums.

4 Die Wertentwicklung eines Portefeuilles.

5 Die anlagepolitische Leistung eines Vermögensverwalters, einer Fondsleitung usw. in Bezug auf das angestrebte und dem Kunden in Aussicht gestellte Ziel.

6 Die Ablösung einer Forderung durch Zahlung (the fulfillment of a claim).

7 Die Leistung eines Mitarbeiters (observable behaviours and actions which explain how a job is performed; in the Teutonic financial industry, of course, indubitably only with the highest mark reachable).

– Siehe Blue Chips, Bo Derek-Aktie, Bogey, Outperformance, Performancedruck, Performance-Index.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Performancedruck und Erfolgszwang (performance pressure):

Die Manager von Kapitalverwaltungsgesellschaften sind aus Wettbewerbsgründen gezwungen, einen hohen Ertrag zu erwirtschaften. Gelingt dies mit "gewöhnlichen" Wertpapieren nicht, so wird die Risikoneigung steigen, und in das Portefeuille nimmt man dann auch sehr risikoreiche Engagements (Pick-ups) auf. Die Gefahr eines Rush to the exit steigt damit.

– Siehe Performance, Risikoprofil.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Performance Incentive Plan, PIP (so auch im Deutschen, seltener Prämienlohnplan):

Wenn nicht anders definiert ein Programm zur Motivation leitender Mitarbeiter eines Instituts. Letzten Endes laufen die entsprechenden, im Einzelnen sehr unterschiedlich ausgestalteten Pläne auf eine satte Zusatzvergütung (variable bonus) hinaus. - Als im Zuge der Subprime-Krise und der sie auslösende Finanzkrise im Jahr 2008 Bankmanager aus den PIPs mit Millionenbeträgen beschert wurden, derweil das betreffende Institut hohe Verluste buchte und Anleger teilweise ihre - beispielsweise in Zertifikate der amerikanischen Bank Lehman Brothers angelegte - Ersparnisse verloren, wurden die PIPs in der Öffentlichkeit heftig angegriffen.

– Siehe Bonus, Handschlag, goldener, Prämie, Vergütung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Performance-Index (performance index):

Aktienindex, bei dem die Ausschüttungen eines Unternehmens an die Aktionäre nach einem bestimmten Verfahren herausgerechnet werden; denn bei einer Aktie fällt der Börsenwert am Tag der Zahlung der Dividende schlagartig. Damit wird die Vergleichbarkeit (comparability) einer Aktie mit dem Index verzerrt.

– Siehe Kursindex, Performance.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Performance Linked Note (so auch im Deutschen gesagt; seltener erfolgsabhängige Anleihe):

Allgemein eine Schuldverschreibung, deren Verzinsung an die Wertentwicklung eines zugrundegelegten Gegenstandes - oft an ein Landmark Building-Projekt - gebunden ist (any bond whose value is interrelated to the attainment of a reference asset, or pool of assets).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Periptose (turn, change of tendency):

In der älteren Literatur gesagt für einen Umschwung (turnround) auf dem Markt, der sich auf die Geschäftstätigkeit in einer Branche oder in der Volkswirtschaft gesamthaft auswirkt.

– Siehe Konjunktur, Rückprall-Effekt, Turnaround, Zyklik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Permissgeld (permitted change):

In älteren Dokumenten amtlich erlaubte Zahlung, vor allem durch Wechsel, in bestimmten Geldeinheiten - genauer: in im Einzelnen festgelegten Rechnungsmünzen - an den Plätzen Brüssel, Gent und Antwerpen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Permissionsgeld (charter due):

Wenn nicht anders definiert in früherer Zeit die Zahlung in Bargeld für die Urkunde, in welcher einem Reisenden - vor allem einem Kaufmann - freies und sicheres Geleit durch ein bestimmtes Gebiet zugesichert wurde; die Gebühr für einen Freibrief (charter; cart blanche).

– Siehe Chausseegeld, Fussgeld, Geleitgeld, Schirmgeld, Schutzgeld, Torgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Perpetuitäten (dead hand estate):

In alten Dokumenten zweckgebundenes Stiftungsvermögen (endowment capital), das dem Geschäftsverkehr insofern entzogen blieb, als es weder verkäuflich noch beleihbar war. Wohl aber durfte das Vermögen - in erster Linie Grundstücke, Waldungen, Gewässer, Oberbegriff dazu: Realitäten - zur wirtschaftlichen Nutzung verpachtet werden.

– Siehe Amortisation, Benefiziengeld, Fideïkommiss, Soft Money, Stiftungsfonds.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Perpetuum Mobile (perpetuum mobile):

Um 2010 aufgekommene, abwertende Bezeichnung für den - in erster Linie von Politikern eingebrachten - Vorschlag, den Europäischen Stabilisierungsmechanismus mit einer Bankerlaubnis (banking licence) auszustatten. Der ESM wäre dann in der Lage,

1. Staatsanleihen auf dem Sekundärmarkt zu erwerben,

2. diese umgehend der EZB als Sicherheiten anzudienen,

3. um von dem dadurch zugeflossenen Zentralbankgeld gleich wieder neue Papiere kaufen zu können. Auf diesem Wege hätte der ESM einen gewaltigen Hebel und könnte unbegrenzt Summen zur Stützung überschuldeter Mitglieder zur Verfügung stellen. Damit würde das ordnungspolitisch (regulative) motivierte Verbot einer Staatsfinanzierung durch die Zentralbank ersichtlich unterlaufen.

– Der Vorschlag fand besonders in Deutschland scharfe Kritik. Denn damit wird der mittelbaren Schuldenfinanzierung über eine europäische Institution Tür und Tor geöffnet und Haftung ohne Kontrolle eingeführt. Der Druck zur Konsolidierung der Staatsschulden liesse nach. - Auf dem Treffen der EU-Regierungsspitzen Ende Oktober 2011 wurde dieser von vielen bis zuletzt immer wieder stark begünstigte Vorschlag - besonders durch den Einspruch von Deutschland, den Niederlanden und Finnland - endgültig (?) beiseite gelegt.

– Siehe Bail-out, Fiskalpakt, Japanisierung, Moral Hazard, TARGET-Missbrauch.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Persistent Bidders (so auch im Deutschen gesagt; seltener Dauerbieter; bidder = someone who bids; in this case: at an auction of the central bank):

Um 2010 aufgekommene Bezeichnung für Banken, die laufend, ständig auf die Fazilitäten der Zentralbank zurückgreifen, weil

1. sie derzeit keinen Zugang zum Interbankenmarkt haben und daher - wie es im Jargon heisst - "am Tropf der Zentralbank hängen" (are on the drip-feed of the central bank) oder

2. Geschäfte mit der Zentralbank zinsgünstiger sind als jene mit Partnern auf dem Interbankenmarkt.

– In beiden Fällen zeigt sich ein Problem; einmal hinsichtlich der Kreditwürdigkeit des sich ständig bei der Zentralbank mit Liquidität eindeckenden Instituts, zum andern bezüglich der Zinspolitik der Zentralbank.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Personalaufwandsquote (personnel expenditure quota, staff costs quota):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter bei einem Unternehmen die gesamthaften Ausgaben für die Beschäftigten im Verhältnis zum Erlös (cash flow from operating activities) in einem bestimmten Zeitraum. Beim Rating der Banken spielt diese Kennzahl eine Rolle; sagt sie doch im Regelfall etwas über die Arbeitsproduktivität als dem Verhältnis von Belegschaftszahl zur Leistung aus.

– Siehe Deckungsbeitrag, Produktivität.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Personalkredit (personal loan, signature loan):

Darlehn, das einer Person lediglich ob ihrer Vertrauenswürdigkeit, wegen ihres Einkommens bzw. aufgrund ihrer Vermögenslage (financial situation, financial status) gewährt wird, ohne dass besondere Sachwerte des Kreditnehmers als Pfand haften; manchmal auch Blankokredit genannt.

– Siehe Abstattungskredit, Akkommodierung, Beziehungsbankgeschäft, Blankokredit, Buchkredit, Darlehn, nicht standardisiertes, Dispositionskredit, Ninja-Loans, Privatkredit, Retailgeschäft, Überziehung, Vorlage.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Personen, gemeinsam handelnde (person acting jointly):

Begriff aus dem Aufsichtsrecht. Es handelt sich dabei um natürliche oder juristische Personen, die ihr Verhalten

1. in Hinblick auf den Erwerb von Wertpapieren einer Zielgesellschaft oder

2. ihre Ausübung von Stimmrechten aus Aktien der Zielgesellschaft (acquiree: the firm that should be acquired) mit einem Bieter aufgrund einer Vereinbarung oder in sonstiger Weise abstimmen, siehe § 2, Abs. 2 WpÜG.

– Siehe Aktionärstimmenjagd, Aktientausch-Übernahme, Angebot, gemeinsames, Anteilseigner-Kontrolle, Fusionen und Übernahmen, Greenmail, Stimmen-Bündelung, Stimmrecht-Datenbank, Übernahme-Angebot, Unternehmensübername.

– Vgl. Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 224 (Definition von Acting in Concert einerseits und geheinsam handelnde Personen andererseits) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Personen, politisch exponierte (politically exposed persons, PEPs):

In Zusammenhang mit der Geldwäsche und der Terrorismus-Bekämpfung verdächtige Persönlichkeiten sowie deren familiäres und vertrautes Umfeld. Ein im Juni 2013 veröffentlichter Leitfaden der Financial Action Task Force on Money Laundering (FATF) mit eingehenden Anweisungen in Bezug auf die Sorgfaltspflichten der Institute zählt auch Merkmale auf, wie die PEP-Eigenschaft eines Kunden festzustellen ist.

– Siehe Banknoten-Wertbeschränkung, Address Spoofing, Bargeldkontrolle, Beobachtungsvermerk, Domizil-Verschleierung, Drogengeld, Financial Intelligence Unit, Finanzflüchtling, Geldtransferverordnung, Gefährdungsanalyse, Geld, schmutziges, Geldtransfer-Vermittler, Identitätsdiebstahl, Konto, falsches, Kontenoffenlegung, Kontensperre, Kundendaten-Informationspflicht, Londoner System, Registriergeld, Versteigerer, Zweitausweis.

– Vgl. Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 56 f. (Rechtsentwicklung in der EU).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Personenkraftwagen-Neuzulassungen (passenger car registrations):

Die EZB erfasst die Erstzulassungen von Automobilen im Eurogebiet und weist diese im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets" in der Rubrik "Preise, Produktion, Nachfrage und Arbeitsmärkte" monatlich aus. Denn Käufe von Autos durch Privathaushalte erwiesen sich bis anhin als ein verlässlicher Konjunktur-Barometer; sie führen auch - vor allem durch kreditfinanzierte Neuwagenkäufe - zu Veränderungen des Ausgabeverhaltens (spending behaviour).

– Siehe Erhebung fachlicher Prognostiker, Konjunkturdiagnose, Order-Capacity-Index, Produktionslücke, Turnaround, Vertrauensindikator, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2013, S. 23 (Erstzulassungen im Eurogebiet seit 2009), Monatsbericht der EZBvom Mai 2014, S. 103 ff. (Automobilindustrie in der EWU seit 2008; Übersichten; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pervasive Constraint (so meistens auch im Deutschen, seltener: leitende Einschränkung):

Begriff aus dem Rechnungswesen als herrschender Grundsatz, wonach der aus einer Information abzuleitende Vorteil höher sein muss als die Kosten für die Bereitstellung dieser Information (benefits should justify the costs).

– Siehe Entscheidungsnützlichkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Peso-Effekt (Peso effect):

Um 1975 war der MXN fest an den USD gebunden, und die damalige mexikanische Regierung betrieb eine erfolgreich scheinende Stabilitätspolitik. Trotzdem wurde der MXN mit einem hohen Deport an den Terminbörsen gehandelt. - Die Erklärung liegt darin, dass die Marktteilnehmer aufgrund der Fundamentaldaten eine Abwertung des MXN für wahrscheinlich hielten. Von daher spricht man allgemein bei pessimistischen Erwartungen in einem Währungsraum vom "Peso-Effekt", auch: Peso-Problem und Peso-Paradoxon genannt.

– Siehe Devisentermingeschäft, Report, Swapsatz, Währungsrisiko.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2005, S. 40 f. (hier auch Literatur-Angaben zum Peso-Effekt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Peter-Regel (Peter principle):

Eine durch lange Beobachtung gewonnene Einsicht in ein regelmässig ablaufendes Geschehen (empirical law; empirisches Gesetz). In einem abgestuften, hierarchisch gegliederten Sozialgebilde wie in einer Bank herrscht die Tendenz vor, dass ein Mitarbeiter bis zu seiner Stufe der Unfähigkeit aufsteigt. Denn

1. wer in seinem Arbeitsbereich Überdurchschnittliches leistet, der fällt auf, und

2. er wird in der Regel nach oben befördert. Das

3. geschieht nun freilich so lange, bis er schlussendlich eine Stellung erreicht hat,

4. für deren Aufgabenbereich (field of activity) er weder das nötige Sachwissen noch die erforderliche Erfahrung mitbringt.

5. Er verliert deswegen leicht den Überblick und fällt für das Unternehmen kostspielige Entscheidungen. Da sich dies insbesondere bei einer Bank verheerend auf die Einleger auswirken könnte, bedarf es auch aus diesem Grunde einer Aufsichtsbehörde.

– Die Peter-Regel gilt aber nicht auch für die höheren Positionen bei staatlichen Behörden und bei der Zentralbank! Denn dort ist für den Aufstieg bzw. Einstieg in die Spitze ja gewöhnlich die Mitgliedschaft in einer politischen Partei massgebend.

– Siehe Allrounder, Behauptung-Strategie, High Flyer, High Potential, Hot Spot, Infighting, Intangibels, Job-Hopper, Lemons-Problem, Low Performer, Risiko, personelles, Senkrechtstarter, Underperformer, Verdienst.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Peterspfennig auch Petersgroschen und kirchenamtlich Denarius Petri (Peter pence):

In den katholischen Ortskirchen der ganzen Welt jährlich am Fest der Apostel Petrus und Paulus am 29. Juni bzw. am nachfolgenden Sonntag veranstaltete Kollekte (collection of charity), deren Ertrag dem Papst zur freien Verfügung nach Rom überwiesen wird. Diese Umlage geht auf eine regelmässige Spende aus England des 8. Jhts. zurück, von daher kommt auch der Name. Aufkommen und Verwendung des Peterspfennig wurde in dem Rundschreiben "SAEPE VENERABILIS" des Papstes Pius IX vom 5. August 1871 im Einzelnen geregelt.

– Siehe Ablassgeld, Annaten, Anzugsgeld, Beichtgeld, Charisterium, Dispensationsgeld, Kirchgeld, Obvention, Opfergeld, Palliengeld, Prokurationsgeld, Seminargeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Petrodollar (petrodollar):

Einnahmen der erdölfördernden Staaten aus dem internationalen Verkauf des Erdöls; Rohöl wird bis anhin weltweit in USD bepreist. Einen grossen Teil der Öleinnahmen verwenden die Förderstaaten zum Kauf von Industriegütern. Dieses "Recycling der Petrodollar" kommt vor allem auch den Staaten der Eurozone und hier wieder besonders Deutschland zugute.

– Siehe Biotreibstoffe, Dollar, Erdöl-Lebensmittel-Zusammenhang, Erdölpreis, Ölpreis, Ölpreis-Schocks, Rohstoffpreise, Schocks, strukturelle, Strompreis, Zweitrunden-Effekte.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2005, S. 11 ff., Jahresbericht 2005 der EZB, S. 77 ff. (Recycling der Erdöl-Einnahmen aufgegliedert), Monatsbericht der EZB vom April 2007, S. 62 ff. (Auswirkungen des Recyclings der Petrodollar auf die Exporte im Euroraum; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Juli 2007, S. 85 ff. (wichtige Daten in Bezug auf die erdölexportierenden Länder; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom August 2010, S. 91 ff. (Rückfluss von Erdöleinnahmen; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pezzi (coins):

In der älteren Finanzsprache oft für Münzgeld gesagt; auch in der Einzahlform Pezzo (= ein kleines Stück, ein Happen).

– Siehe Bargeld, Deut, Münze, Münzen-Paradoxon, Nasarinchen, Pitis, Zahlungsmittel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pfand (pledge, pawn, collateral):

Der zur Unterlegung (collateralisation; Besicherung) einer Verbindlichkeit zur Verfügung gestellte Vermögenswert (the delivery of an asset in order to secure the performance of an obligation by one party [the debtor] vis-à-vis another [the secured party]. For the secured party, a pledge creates a security interest [Sicherungsrecht: ein Recht, welches einen Anspruch des Gläubigers absichert, indem es dem Gläubiger beim Ausfall der Leistung des Schuldners ein zusätzliches Recht zur Befriedigung einräumt] in the asset delivered, while ownership of the asset remains further on with the debtor).

– Siehe Aktienpfandkauf, Anleihepfandkauf, Beleihbarkeit, Buchschuld, Default, Depotgeld, Faustpfand, Kaffeesteuer, Kinderpfand, Kredit, besicherter, Leichenpfand, Lombardierung, Mobiliarkredit, Monte, Pensionsgeschäft, Realsicherheit, Sicherheiten, Tertiarisierung, Wucher.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pfandbrief, seit 2005 offiziell Hypothekenpfandbrief (mortgage bond):

Durch Hypotheken oder Staatsgarantie gedeckte Schuldverschreibung. - In der über zweihundertjährigen Geschichte dieses Produktes ist noch nie ein deutscher Pfandbrief ausgefallen; er gilt daher als eine äusserst sichere Geldanlage. Gleichwohl erfasste die auf die Subprime-Krise folgende Finanzkrise auch dieses Refinanzierungsinstrument und bewirkte zeitweise nahezu eine Austrocknung des Marktes. Eine noch grössere Störung blieb dem Pfandbriefmarkt nicht zuletzt dadurch erspart, weil der Staat den in Deutschland grössten Emittenten, die Hypo Real Estate Holding (HRE) vor dem Zusammenbruch bewahrte.

– Siehe Commercial Mortgage Backed Securities, Covered Bonds, Flugzeug-Pfandbrief, Hypothekenbank, Jumbo-Pfandbrief, Langfristkultur, Sozialpfandbrief, Zinseinfrierung.

– Vgl. das monatlich erscheinende Statistische Beiheft "Kapitalmarktstatistik" der Deutschen Bundesbank zum Umfang der Begebungen und in den Erläuterungen wichtige Definitionen und Einteilungen, Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 105 f. (Definition, Einteilungen, neue Rechtslage durch das neue Pfandbriefgesetz [PfandBG] vom 19. Juli 2005), Monatsbericht der Deutschen Bundes-bank vom März 2006, S. 40 (vergleichende Übersicht zu anderen Verbriefungsarten), S. 43 (Qualitäts-Merkmale), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 111 ff. (erste Erfahrungen mit dem neuen Recht; Dauerhaftigkeit des Pfandbriefgeschäftes im Blickpunkt der Aufsichtsbehörde; Beleihungswert-Ermittlungsverordnung), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 70 ff. (Deckungsprüfungen), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 111 (Novelle des Pfandbriefgesetzes), Monatsbericht der EZB vom August 2009, S. 18 ff. (rechtliche Unterschiede zwischen den Hypothekenmärkten im Eurogebiet und den USA), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 129 (die Zahl der Pfandbriefe emittierenden Banken wächst an), Finanzstabilitätsbericht 2009, S. 22 f. (Pfandbriefe in der Finanzkrise), Jahresbericht 2010 der Bafin, S. 131 f. (Novelle des Pfandbriefgesetzes; Neuerungen im Zuge des Restrukturierungsgesetzes), S. 151 (Pfandbriefumlauf rückläufig), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 124 ff. (Pfandbriefgesetz-Novelle: Aufzählung der Änderungen), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 81 f. (weitere Novellierung durch das IAFM-Umsetzungsgesetz).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pfandbrief, öffentlicher (public mortgage bonds):

Von öffentlich-rechtlichen Kreditanstalten ausgegebene Kommunalschuldverschreibungen sowie verwandte Schuldverschreibungen wie Landesbodenbriefe, Bodenkultur-Schuldverschreibung und kommunalverbürgte Anleihen für die Schiffsbaufinanzierung.

– Siehe Bankschuldverschreibung.

– Vgl. das monatlich erscheinende Statistische Beiheft "Kapitalmarktstatistik" der Deutschen Bundesbank zum Umfang der Begebungen und in den Erläuterungen wichtige Definitionen und Einteilungen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pfandbriefanstalten und Pfandbriefbanken (mortgage banks):

Vermittler zwischen dem anlagesuchenden Kapital und den kreditbedürftigen Grundbesitzer, die durch Ausgabe von Schuldverschreibungen (mortgage bonds; Pfandbriefen, Hypothekenpfandbriefen) die erforderlichen Mittel zur Gewährung von Hypotheken an den Grundbesitz beschaffen. - Die Pfandbriefe (mortgage bonds, covered bonds, debentures by mortgages) sind börsengängig und daher in der Regel leicht liquidisierbar. Für den Schuldner bietet das Pfandbriefrecht den Vorteil eines unkündbaren Kredits. - In Deutschland dürfen seit 2005 alle Banken nach Erwerb einer entsprechenden Emissionslizenz (emission licence) Pfandbriefe begeben; bis dahin war dies nur bestimmten Instituten erlaubt.

– Siehe Amortisation, negative, Beleihungswert, Deckungsquote, Hypothekenbank, Mobiliarkredit, Pfandbrief, Realkredit, Verbriefung.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 105 ff. (Voraussetzungen für die Erlaubniserteilung zur Ausgabe von Pfandbriefen); S. 107 (befürchtete Qualitätsminderung; aufsichtsrechtliche Deckungsprüfungen), S. 119 (neues Marktumfeld für die herkömmlichen Hypothekenbanken; Auslandsengagement), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 11 ff. (Erfahrungen mit den neuen Recht), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 124 f. (Pfandbriefmarkt von Subprime-Krise kaum berührt), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 111 (Novelle des Pfandbriefgesetzes), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 146 (Zahl der Pfandbriefbanken steigt), S. 150 ff. (Geschäftslage der Pfandbriefbanken) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute", Monatsbericht der EZB vom August 2009, S. 18 ff. (rechtliche Unterschiede zwischen den Hypothekenmärkten im Eurogebiet und den USA), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 94 (Zahl der Pfandbriefbanken; Tendenzen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pfandgeld (money lend on pawn; [security] deposit money):

1 Gegen Hinterlegung eines Vermögenswertes bei der Bank aufgenommenes Darlehn; die verpfändeten Gegenstände werden in der älteren Finanzsprache auch Pignoratitia genannt.

2 Eine Summe, die man für einen Gegenstand wie Flasche (Pfandflasche; deposit bottle, returnable bottle: an empty beverage container that may be returned for repay), Behälter (returnable receptacles), Container und Verpackung (packaging) zunächst bezahlen muss. Gibt man diesen Gegenstand wieder zurück, so erhält man das Pfand (CH: Depot) erstattet.

– Siehe Darlehn, Kredit, besicherter, Pfand, Sicherheit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pfandleiher (pawnbroker):

Betriebe, die gewerbsmässig verzinsliche Darlehn gegen die Verpfändung von persönlichen (Wert)Gegenständen gewähren (an individual or business that offers secured loans to people, with items of personal property used as collateral). Sie gelten in Deutschland zwar nach § 2, Abs. 1 KWG nicht als Kreditinstitute, sind aber im Zuge der Geldwäsche in das Visier der Behörden gekommen. Ihr Betrieb ist in Deutschland erlaubnispflichtig.

– Siehe Beleihungswert, Faustpfand, Monte, Vorschusskasse, Zahlhaus.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pfandpoolverfahren (pooling system):

System zur Verwaltung von Sicherheiten durch die Zentralbanken, bei dem die Geschäftspartner Aktiva in einen Pool einbringen, die als Sicherheit für ihre Geschäfte mit der Zentralbank allgemein dienen. - Anders als bei einem Kennzeichnungsverfahren, so werden bei einem Pfandpoolverfahren die Sicherheiten nicht als Deckung für ganz bestimmte Geschäfte gekennzeichnet.

– Siehe Pooling.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Oktober 2007, S. 93 ff. (Vergleich der Regelungen für Sicherheiten bei der EZB mit USA und Japan; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pfändungsschutz-Konto und P-Konto (pledge-free account):

Bei einem Institut geführtes Konto, an dem ein Schuldner am unbaren Zahlungsverkehr teilnehmen und über den unpfändbaren Teil seiner Einkünfte verfügen kann. Solche Konten sind seit Juli 2010 in Deutschland eingeführt. Freilich ist es den Banken gestattet, für derartige Konten besondere Kontoführungsgebühren zu berechnen und auch für den jeweiligen Kontoinhaber das volle Leistungsangebot des Instituts zu beschränken.

– Siehe Unbanked.

– Vgl. Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 255 f. (BaFin weist Beschwerden wegen der Nutzungseinschränkung zurück; auch die Teilnahme am Online Banking kann für ein P-Konto verweigert werden).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pfeffergeld (pepper money):

1 Früher eine in ihrer Höhe von der jeweiligen Zunftversammlung beschlossene, in der Regel jährliche Umlage, die alle Mitglieder der Zunft zu leisten hatten.

2 Ursprünglich in einer bestimmten Anzahl von Pfefferkörnern (peppercorns) zu leistende, später in eine Zahlung umgewandelte Abgabe für verschiedene Zwecke.

– Siehe Annehmungsgeld, Aufleggeld, Dispensationsgeld, Fahnengeld, Fordergeld, Innungsgeld, Zunftgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pfennig (penny):

1 Alte deutsche Münze; zwischen 1871 und 1999 der hundertste Teil einer Mark; über die genaue Wortherkunft besteht bis heute keine Einigkeit.

2 Anteil an einer Niederwald-Genossenschaft (rotation coppice: Hauberg: der Gewinnung von Holzkohle dienende, besondere Form der Forstwirtschaft).

3 Auf dem Reichstag zu Worms 1495 beschlossene Steuer zur Aufstellung eines Heeres gegen die Truppen der Franzosen und Türken.

– Siehe Benediktuspfennig, Dänengeld, Defensionergeld, Goldmark, Halling, Hussengeld, Mark, Reichsmark, Ort, Pfennig, Segenspfennig, Superindukt, Taler.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pfennigmeister (paymaster, chamberlain; coiner):

1 Früher der oberste rechnungsführende Beamte (the treasurer or receiver of public money) bei einer Behörde (auch beim Heer: here he was responsible for the regular disbursement of the pay and managed the financial transactions of the army unit), auch Tresorier genannt.

2 Manchmal auch heute noch vorzufindende Bezeichnung für den Kassenwart eines gesellschaftlichen Verbands, wie Verein, Club, Loge, Gilde, Zunft, auch Schatzmeister, Säckelmeister, Büchsenmeister, Boursière genannt.

3 Ein Münzer, der zum Schlagen von Pfennigstücken und manchmal auch allgemein von Münzen berechtigt war.

– Siehe Kammergerichtsgeld, Zahlmeister.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pflegegeld (aliments; care allowance, nursing allowance):

1 In älteren Dokumenten zumeist in der Bedeutung Unterhaltszahlung eines Vaters für ein nichteheliches Kind (illegitimate child); Alimente.

2 Früher auch gesagt bei Zahlungen der Eltern für die Unterbringung eines Sohnes in einem Alumnat bzw. Internat (boarding school: Wohnschule als Lehranstalt, in welcher die Schüler untergebracht sind und verköstigt werden).

3 Öffentliche Zuwendungen an eine Person, welche der Betreuung bedarf.

– Siehe Pflegeversicherung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pflegeversicherung (compulsory long-term care insurance):

In Deutschland seit 1. Januar 1995 eingeführte Zwangsversicherung (statutory insurance) zur Bestreitung der Ausgaben bei Hinfälligkeit im Alter (frailness in later days). Die Pflegeversicherung ist inzwischen ein bedeutender Parafiskus, über dessen Haushaltsentwicklung laufend berichtet wird im Statistischen Teil des jeweiligen Monatsberichts der Deutschen Bundesbank, Rubrik "Öffentliche Finanzen in Deutschland".

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2007, S. 29 ff. (mit wichtigen Übersichten, auch zu rechtlichen Gegebenheiten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2008, S. 12 f. (Eckwerte der Pflegeversicherung; Übersicht), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2009, S. 11 (Defizite bei der Pflegeversicherung; Übersicht), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 127 f. (Reformen durch das Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz [PNG]; Überschussverordnung [ÜbschV] legt Zuführungssatz fest).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pferdegeld (horse fee):

1 Kavalleriegeld: frühere Zwangsabgabe (mandatory levy) zur

1. Aufstellung (Rekrutierung, Formierung; recruitment) oder

2. laufendem Unterhalt von Heereseinheiten zu Pferde (Reiterei, Kavallerie; cavalry).

2 Abgabe, die früher den privaten Haltern von (Reit)Pferden vor allem in grossen Städten wie Berlin auferlegt wurde (Pferdesteuer; horse tax).

3 Bei Pferderennen (horse-racing) erhobene Abgabe, in der Regel als Zuschlag in den Eintrittspreis (admission charge) auf den Rennplatz eingerechnet.

4 Andere Bezeichnung für das Zugtiergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pflichtangebot (mandatory offer):

Nach dem deutschen Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz (WpÜG) aus dem Jahr 2002 muss ein öffentliches Angebot abgegeben werden, wenn eine natürliche oder juristische Person oder Personengesellschaften gemeinsam mit anderen Personen über mindestens dreissig Prozent einer Zielgesellschaft (acquiree: the firm that should be acquired) verfügen.

– Siehe Aktientausch-Übernahme, Bieter, Buy out, Erwerbsangebot, Fusionen und Übernahmen, Konzentrationskurs, Shark Watcher, Squeeze-out, Stimmrecht-Daten¬bank, Synergiepotentiale, Transaktionsbonus, Übernahme-Angebot, Zielgesellschaft.

– Vgl. Jahresbericht 2001 des Bundesaufsichtsamts für den Wertpapierhandel, S. 36 ff., Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 170 ff. (Verfahren; Bussgeldbescheide; S. 173: Zulässigkeit eines Tausch-Übernahme-Angebots, S. 175 f.: Rechtslage bei Angebots-Änderungen), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 201 ff. (Angebotsverfahren seit 2005; besondere Fälle) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pflichtwandelanleihe (contingent convertible, CoCo):

1 Eine Schuldverschreibung, die ein Emittent vertragsgemäss mit Aktien zurückzahlt (bonds that have to be converted into shares of the issuing company). Nur die laufend zu zahlenden Zinsen werden in diesem Falle in bar entrichtet. - Verlierer einer solchen Anleihe sind in jedem Fall die Altaktionäre einer Gesellschaft. Denn die Rückzahlung mit eigenen Aktien des Unternehmens wirkt wie eine Kapitalerhöhung und verursacht eine Verwässerung des Kapitals.

2 Andere Bezeichnung für eine Zwangswandelanleihe als der von einem Institut begebene Anleihe, die dann zwangsweise in Aktien umgetauscht wird, wenn die Kernkapitalquote des Instituts unter eine in den Anleihebedingungen vertraglich festgelegte Schwelle sinkt.

– Siehe G-Sifi, Mindestanforderungen an die Ausgestaltung von Sanierungsplänen, Todesspirale, Umtausch-Anleihe, Vermögensabgabe, Wandelanleihe, Wandelprämie, Zwangsenteignung.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 56 f. (Grundsätzliches; Emissionsvolumen [in Anmerkungen]; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pfluggeld (ploughing pay; rent):

1 In älteren Dokumenten eine Zahlung an den Grundherrn in Ablösung der Pflichtigkeit (Fron; soccage),

1. an bestimmten Tagen persönlich sowie mit eigenem Gerät und Zugvieh (draught cattle) die herrschaftlichen Grundstücke pflügen (plough) bzw.

2. gegenständlich Korn an den Grundherrn (manorial lord) abliefern zu müssen.

2 Früher auch der Pachtzins für die Nutzung des grundherrschaftlichen (manorial) oder gemeindlichen (communal owned) Landes. - Pflug bezeichnet hier - ähnlich wie Hufe - ein Flächenmass unterschiedlicher Grösse. Den Pächter selbst nannte man auch Pflüger.

– Siehe Dispensationsgeld, Erlösung, Hufengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pfründner auch Präbendat und Präbendar (prebendary):

In älteren Dokumenten eine Person, die eine Leibrente (annuity for life) bezieht. Heute noch gesagt von einem katholischen Geistlichen (Stiftsherr, Kapitular; capitular), der - meistens an einer Bischofskirche (cathedral church) - sein Einkommen aus einer kirchlichen Stiftung (prepend, Präbende, Pfründe) erhält: der präpendiert (prepended) ist.

– Siehe Benefiziengeld, Titel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pfund (pound):

Alte Gewichtseinheit, die dem Münzfuss zugrunde gelegt wurde. - Das in Deutschland ab etwa 800 geltende Karlspfund - von Karl dem Grossen, 747/768-814 eingeführt -, hatte ein Gewicht von 367,1 g Silber: daraus wurden 240 karolingische Denare geprägt. Im Mittelalter ersetzte die Gewichtsmark zu 233,85 g Feinsilber weithin das Grundgewicht bei Münzen in Deutschland.

– Siehe Mark, Münzfuss, Taler.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pfundgeld (pound toll; registration fee, full coins):

1 In deutschen Seestädten eine (Sonder)Steuer auf Schiffe und deren Waren.

2 Eine Abgabe an den Lehnsherrn als Eigentümer (lateinischer Name der Abgabe: LAUDEMIA), sobald ein unfreies Grundstück eine Besitzänderung erfuhr, also eine Gebühr für die Beurkundung im herrschaftlichen Register; Ehrschatz.

3 Münzen mit gesetzlich vorgeschriebener Lötigkeit; vollwertig ausgeprägte Geldstücke: Kurantmünzen.

– Siehe Abfertigungsgeld, Ankergeld, Auseisunggeld, Bordinggeld, Ehrschatz, Fremdhafengeld, Furtgeld, Hafengeld, Kaigeld, Krangeld, Lastgeld, Leichtergeld, Liegegeld, Leuchtturmgeld, Lotsengeld, Mützengeld, Pfundzoll, Pratikageld, Schleusengeld, Tonnengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pfundzoll (poundage):

1 Im Mittelalter in England eine zeitweise erhobene Abgabe auf eingeführte Waren, berechnet nach dem Wert in Pfund Sterling oder nach dem Gewicht in Pfund = 453,59237 Gramm.

2 In Deutschland eine - wohl zuerst 1361 von der Hanse eingeführte - Abgabe, die nachmals häufig auch von Städten erhoben wurde.

– Siehe Pfundgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Phantomeinkommen (phantom income):

Einkünfte, die einer Steuerpflicht unterliegen, jedoch nicht auch zu einem Mittelzufluss bei dem Steuerzahler führen (income that is reportable as taxable income but that does not generate cash flow for the taxpayer).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Phantomrisiken (phantom risks):

Wenn nicht anders definiert das Auftreten

1. gesellschaftlicher Ungewissheit,

2. wobei - in der Regel ohne Nachweis einer naturwissenschaftlichen oder sachlichen Ursächlichkeit - ökonomische Sanktions-Potentiale (boastful threats) aufgebaut werden,

3. indem von streitbaren, sich jeder demokratischen Kontrolle entziehenden, jedoch von den Medien gehätschelten Pressure Groups, wie Attac, Greenpeace, Robin Hood, "Wutbürger" 2010 in Stuttgart,

4. gesellschaftliche Erregung (public excitement), über Medien massenhaft verstärkt,

5. in Kaufverweigerung (purchase refusal) oder Klagedrohung (threat to sue) umgesetzt wird (etwa: Atomenergie-Nutzung, Pflanzenzüchtung; auch Verträge der Versicherungen und Banken). Beim Rating von Unternehmen wichtig geworden, um Chancen-Gefahren-Profile risikogerecht einzuschätzen.

– Siehe Helvetophobie, IBAN, Intangibels, Risiko, Shitstorm, Schweigegeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pharming und Domain Spoofing (so auch im Deutschen gesagt):

Die rechtswidrige Umleitung (redirect) auf eine gefälschte Website einer Bank mit dem Ziel, Username und Passwort abzufangen (an attack in which a user can be fooled into entering sensitive data such as a password or credit card number into a malicious website that impersonates a legitimate website). - Eine beliebte Methode ist die lokale Beeinflussung der Host-Datei. Hierbei wird unter Zuhilfenahme eines Trojaners oder eines Virus die gezielte Manipulation des Systems vorgenommen mit der Folge, dass von diesem System nur noch gefälschte Websites abrufbar sind, selbst wenn die Adresse richtig eingegeben wird.

– Siehe Finanzagent, Holzhammerangriff, IT-Risiken, Kaufaufträge, unbefugt erteilte, Phishing, Rechtsrisiken.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Phillips-Theorem (Phillips theorem):

Wenn die Inflation steigt, dann sinken die Reallöhne (real income: Nominallohn minus Preisanstieg). Die Unternehmen fragen daher zusätzliche Arbeitskräfte nach, was die Beschäftigung erhöht. Inflation führt daher zu mehr Beschäftigung. - Diese Folgerung ist jedoch nachweislich falsch. Denn

1. die Unternehmen lassen sich durch eine höhere Inflationsrate nicht überraschen, schon wegen steigender Menükosten.

2. Die Gewerkschaften können unter dem Druck ihrer Mitglieder inflationsbedingte Einkommensverluste (inflation-caused loss of income) kaum lang hinnehmen; und sie werden sehr rasch höhere - wie die Erfahrung gelehrt hat: überkompensierende, nämlich den Inflationsfortschritt im Voraus schon einbeziehende - Tarifabschlüsse (collective agreements) durchsetzen.

– Siehe Arbeitslosenquote, inflationsstabile, Disinflation, Geldüberversorgung, Immobilienblase, Inflation, Inflations-Ausgleich, Kaufkraft-Theorie, Lohn-Preis-Spirale, Menükosten, Niedrigzinspolitik, Nullzins, Nominalwertprinzip, Opferverhältniszahl, Wachstum-Beschäftigung-Zusammen¬hang, Zweitrunden-Effekte.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juni 2011, S. 12 ff. (Beurteilung der Inflation seit 1999 anhand einer Philipps-Kurve), Monatsbericht der EZB vom November 2013, S. 102 ff. (Zusammenhang zwischen Unterauslastung und Inflation), Monatsbericht der >Deutschen Bundesbank vom April 2014, S. 21 (HVPI und Arbeitslosigkeit; HVPI und Produktionslücke; Übersichten; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Phishing (so auch im Deutschen gesagt):

Auf dem Finanzmarkt

1. der kriminelle Versuch,

2. einem Bank-Kunden (seit 2004 mehr und mehr daneben einem Versandhaus- oder Auktionshaus-Kunden) vorwiegend über den E-Mail-Verkehr und gefälschte Internet-Seiten, seltener auch durch telephonischen Anruf,

3. Zugangsdaten (wie Login-Name, Passwort, Pin-Code, Transaktionsnummer [transaction authentication, TAN]) auf sein Konto zu entlocken,

4. um dieses dann zu ausrauben.

– Phishing schadet der Internet-Wirtschaft beträchtlich, weil es das Vertrauen in Online Banking und andere Webdienste untergräbt. - Phishing zu bekämpfen ist schwer, da sich die oft von Offshore Finanzplätzen aus verbreiteten gefälschten Mails und Seiten von den echten kaum unterscheiden, und daher viele Privathaushalte und selbst Firmen sich täuschen lassen. - Die Bezeichnung leitet sich

1. entweder von "Fischen" (fishing) ab; wobei die Ersetzung des Eff durch ein Peha eine in der Fachsprache der Internet-Insider (Leetspeak [auch Leetspeek geschrieben] = das Austauschen von Buchstaben durch ähnlich aussehende Zahlenzeichen bzw. Codes sowie durch andere Reihenfolge der Schriftzeichen: Heteroklita, Hypallage) eine nicht selten anzutreffende Verfremdung ist, oder aber

2. der Ausdruck geht auf password harvesting fishing zurück. Im Jahr 2005 bereits tauchten allein in Deutschland rund 12'000 Phishing-Seiten pro Monat auf.

– Siehe Finanzagent, Holzhammerangriff, IT-Risiken, Kaufaufträge, unbefugt erteilte, Pharming, Rechtsrisiken.

– Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 185 (kriminelle Übertragung an Finanzagenten, die dafür Provision beziehen), S. 194 (keine Möglichkeiten der BaFin, derartige Manipulationen abzustellen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 101 f. (internationale Rechtsunsicherheiten), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 181 (Phishing bei Pump and Dump), S 215 abgephischte Beträge werden durch Phishing-Betrüger [phishing fraudsters] in baltische Staaten transferiert) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft" sowie Kapitel "Querschnittsaufgaben".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Phoenix-Pleite (Phoenix bankruptcy):

Das Unternehmen Phoenix Kapitaldienst GmbH in Frankfurt am Main musste 2005 nach teilweise kriminellen Handlungen der Manager Insolvenz anmelden; dreissigtausend Anleger verloren ihr Geld. Das Entschädigungsverfahren nach dem Einlagesicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz (EAEG) aus dem Jahr 1998 offenbarte einige Lücken in der tatsächlichen Fähigkeit, die Ansprüche der Geschädigten (claimants: injured persons) zumindest teilweise zu befriedigen. Dies löste eine breite Diskussion über die Beaufsichtigung von Kapitalverwaltungsgesellschaften und über die deutschen Einlagesicherungs-Systeme aus.

– Siehe Feuerwehrfonds, Islandbanken-Falle, Managed Account.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 143 (Nachwirkungen der Pleite), S. 206 f. (Rechtstreit verzögert das Insolvenzverfahren), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 200 f. (Bundesgerichtshof urteilt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Phthisis (phthisis):

In älteren Dokumenten ein aus der Medizin entlehnter Begriff (dort: Auszehrung: the wasting away or atrophy of the body oder Lungenschwindsucht: pulmonary tuberculosis, involving the lungs with progressive wasting of the body) in der Bedeutung stark geschrumpftes Vermögen, Ebbe in der Kasse, Geldmangel (shortage of money).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pigou-Steuer (Pigovian tax):

Eine besondere Abgabe für umweltbelastende Unternehmen (a tax enacted to correct the effects of negative externality).

– Siehe Ersatzgeld, Nachhaltigkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pille und in älteren Dokumenten auch Blatte (inner part of the coin):

Der Rohling (blank) einer Münze.

– Siehe Assay-Stempel, Billonnage, Bleiling, Bullion, Doublé-Münze, Münze, verfälschte, Münzschlagen, Wardein.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Münze, verfälschte und Subaerat (manipulated coin, subaerat):

Im Kern aus minderwertigem Metall hergestelltes Geldstück, das aussen eine Plattierung aus Gold oder Silber enthält. Man spricht hier auch in der älteren Literatur von einer gefütterten Münze. Eine solche Prägung soll Hartgeld aus reinem Edelmetall vortäuschen. Es handelt sich dabei aber häufig nicht um gefälschte Münzen, sondern um Verfälschungen im Auftrag des Münzherrn. Sie sind bereits bei römischen Denaren des 1. Jhts. n. Chr. massenweise zu finden.

– Siehe Assay-Stempel, Billonnage, Bleiling, Bullion, Doublé-Münze, Münze, verfälschte, Münzschlagen, Wardein.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

PIN-Code oft nur PIN (so auch im Deutschen; seltener persönliche Identifikationsnummer):

Abkürzung für Personal Identification Number; ein personengebundenes, vertrauliches Erkennungszeichen aus einer Kombination von Ziffern und/oder Buchstaben im Verkehr zwischen Kunde und Bankautomatik (a personal and confidential numerical and/or letter code which the user of a payment instrument may need to use in order to verify his/her identity). Bei elektronischen Transkationen gilt die PIN als rechtlich gleichwertig mit einer Unterschrift (in electronic transactions, the PIN legally is seen as the equivalent of a personal signature).

– Siehe Pay per Touch, Zeichenunterschrift.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 100 f. (Sicherheit der PIN im Kartengeschäft).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pips (so auch im Deutschen gesagt, seltener Kursdezimale):

Wenn nicht anders definiert die dritte, vierte und möglicherweise auch fünfte Nachkommastelle (decimal place) bei der der Angabe eines Wechselkurses (the smallest commonly quoted change of an exchange rate of a currency pair) - Die Devisenhändler nennen unter sich in der Regel nur den Angebots- und Nachfragepreis in Pips; und in den Pips liegt auch ihr allfälliger Handelsgewinn.

– Siehe Akataphasie, Bid-ask-Spread, Big Figure, Gequetschte, Handle, Punkt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pit (so auch im Deutschen; oft auch Parkett):

1 Die sachliche bzw. auch räumliche Abteilung (der Handelsbereich; area) an einer Börse, etwa für Weizen (that part of the floor of exchange devoted to a special branch of business, as: wheat pit).

2 Der Stand (workstation; Arbeits-Platz) eines Maklers an der Börse, der Händlerstand.

– Siehe Floor.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pitch (so auch im Deutschen gesagt, aber in unterschiedlicher Bedeutung):

1 Auf dem Finanzmarkt allgemein das Gespräch einer Bank mit einem möglichen Kunden (sales talk, promotion by means of argument and demonstration).

2 Im Besonderen eine Sitzung mit einem Kunden, bei welcher die Bank ihrerseits dem Kunden bestimmte Vorschläge unterbreitet (meeting during which the bank will set out its ideas using a formal presentation), im Jargon der Finanzwelt oft auch Beauty Contest (= a competition in which the contestants, usually women, are judged on their attractiveness, Prussian: Schönheits-Wettbewerb) genannt.

3 Verkaufstechnisches Vorgehen, das - in der Regel durch immer wieder neues, überredungskräftiges Zugehen auf den möglichen Kunden - auf dessen Beeinflussung abzielt (a persuasive sales talk, esp one routinely repeated).

4 Statt Pit gesagt vom Händlerstand (trader's station) an einer Börse oder auf einer Messe sowie auch einem Verkaufsstand auf der Strasse.

– Siehe Platzgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pitis auch Pitschis und Pitjdes (pitis):

Früher in Asien im Umlauf befindliche kleine Münze - das Wort ist malaysischer Herkunft - eine Scheidemünze (a tin coin issued by several South-East Asian states), und von daher manchmal allgemein für eine geringe Summe oder eine geringwertige Münze gesagt.

– Siehe Deut, Liardieren, Peanuts, Pezzi.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Plakatsäule (babbler, gossipist):

Im Jargon der Institute eine Person, die betriebsinterne Neuigkeiten aller Art verbreitet.

– Siehe Delator, Flurfunk.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Plan C (schedule C = emergency measures that work if anything planned goes awry):

1 Wenn nicht anders definiert die Überlegung, im Falle einer sehr tiefgehenden Finanz- und Wirtschaftskrise den EU-Vertrag für jene Mitgliedsländer auszusetzen, die sich weit von dem Maastricht-Kriterium "gesunde Staatsfinanzen" - das Haushaltsdefizit darf höchstens drei Prozent, der Schuldenstand maximal sechzig Prozent des Bruttoinlandsprodukts betragen - entfernt haben. - Zwar ist auch im Lissabon-Vertrag (Artikel 125 AEUV) eine Non-Bail-out-Klausel eingebaut, und die Gemeinschaft haftet infolgedessen nicht für die Verbindlichkeiten irgendwelcher öffentlicher Stellen in den Mitgliedsländern. Das schliesst auch ein, dass die EZB nicht direkt zur Hilfe kommen darf, wenn einem Mitglied der Währungsunion (etwa: Griechenland) der Staatsbankrott droht. Aber oft wurde bezweifelt, ob sich das im Notfall durchhalten lässt, und daher die EZB schlussendlich nicht doch zur Rettung antreten muss. Denn sobald zugelassen wird, dass ein Mitglied der Eurozone bankrott geht,

1. ruft dies sofort einen sehr hohen Spekulationsdruck auf andere Mitgliedsstaaten mit schwacher Finanzlage hervor. Auch

2. würde ein Zahlungsverzug mehrerer Mitgliedsländer zu einem Unterbruch des Handelsaustauschs führen und

3. die Banken stark treffen, weil diese ihre Portfolios an Staatsanleihen der betreffenden Länder abschreiben müssten.

– Verhältnismässig hohe Zinsaufschläge für Staatsanleihen aus Italien, Griechenland oder Portugal zeigen, dass die Anleger dem Verlassen einzelner Länder aus der Europäischen Währungsunion eine gewisse Wahrscheinlichkeit zumessen. Der am 1. Dezember 2009 in Kraft getretene Lissabon-Vertrag (Artikel 50 EUV) sieht die Möglichkeit eines Austritts von Mitgliedsstaaten aus der EU ausdrücklich vor. Freilich ist ein Ausschluss nach Artikel 7 EUV nur möglich, wenn grundlegende Regeln des Vertrags durch ein Mitgliedsstaat verletzt werden. Zudem ist in diesem Fall Einstimmigkeit erforderlich.

2 Manchmal auch in dem Sinne verstanden, dass ein Staat nach eigenem Ermessen aus der Eurozone austritt - ob ein Land selbst entscheiden kann, die Eurozone zu verlassen, ist in den Verträgen zur EU nicht geregelt - und wieder zu seiner alten Währung bzw. auch zu dann ganz neu einzuführendem Geld zurückkehrt. Anreiz für eine solche Massnahme wäre, dass durch Abwertung der eigenen Währung die internationale Wettbewerbsfähigkeit verbessert werden könnte; wiewohl unbestreitbar ist, dass diese letztlich ganz allein in den Unternehmen bewirkt und erreicht wird. Aber wenn ein Mitglied der Europäischen Währungsunion diesen Weg gehen würde, dann stünde es vor einem gewaltigen Berg von in EUR abzuzahlenden Schulden: das Wagnis scheint schon deshalb ziemlich gross. Zudem käme ein solches Ausscheiden politisch wie wirtschaftlich einer Bankrotterklärung (confession of failure) gleich und würde den entsprechenden Staat für lange Zeit als nicht kreditwürdig herausstellen.

3 Seit etwa 2009 auch in der Bedeutung gebraucht, dass sich das heutige Eurogebiet in zwei Blöcke aufspaltet, nämlich in einen "Euro-Süd" mit den Mittelmeerländern und einen "Euro-Nord" mit den meisten übrigen jetzigen Mitgliedern der Union. Durchgespielt wurden Vorschläge, wie die EZB für zwei Währungen und damit auch für zwei unterschiedliche Noten und Münzen verantwortlich sein kann, oder ob eine eigene Zentralbank für den "Euro-Süd" einzurichten sei.

– Siehe Abwertung, fiskalische, Anleihe-Spread, Aufkäufe, zentralbankliche, Auslands-Vermögens¬lage, Bail-out, Blame game, ClubMed, Eilbeitritt, Erpressungspotential, EU-Finanzhilfe, Euro-Bonds, Euro-Anleihen, gemeinsame, Europäischer Stabilisierungsmechanismus, Europäischer Währungsfonds, EWU-Sprengsatz, Exit, Gläubigervorrang, Government Spreads, Griechenland-Krise, Hellenoschwärmerei, Islandbanken-Falle, Länder-Bonus, Letztsicherungsvorkehrung, Notausstieg, Pflichtwandelanleihe, Retterei, Rettungspaket, Rückkehr-Ideologie, Rückkopplungs-Mechanismus, Schuldentilgungspakt, europäischer, Solidarität, finanzielle, Staatsverschuldung, Wirkungen, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Tina, Too big to save-Grundsatz, Transfergemeinschaft, Verfassungsartikel eins, Vermögensabgabe, Vertragstreue, Wachstum-Schulden-Tatsache, geschichtliche, Währungsunion 2, Zwei-Wege-Option.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2011, S. 43 (Aufschläge für Staatsanleihen der Pigs seit 2009), Monatsbericht der EZB vom Mail 2012, S. 111 ff. (Auseinanderdriften des Südblocks und Nordblocks der Eurozone; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Mai 2013, S. 93 ff (eingehende Analyse des Ist-Zustands der Mitglieder der Eurozone; Übersichten; Literaturverweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2014, S. 23 ff. (Anpassungsbemühungen in der Eurozone).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Plangewinn (planned profit, budgeted profit):

Bei einem Institut der vorausberechnete Überschuss der Erträge über dem Aufwand, bezogen auf einen bestimmten Zeitabschnitt, und wenn nicht anders angegeben auf ein Geschäftsjahr.

– Siehe Gewinn.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2013, S. 42 (Plangewinn in der Risikoberechnung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Planvermögen (plan assets [of an employee benefit plan]):

Begriff aus den IAS; gemeint sind Investitionen, aus deren Ertrag Leistungen an ausgeschiedene Beschäftigte bezahlt werden.

– Siehe Abfindungsgeld, Entlassungsgeld, Pensionsfonds, Pensionsverpflich¬tungen, Vermögen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Plata (plate):

In älteren Dokumenten häufig benutzter Gattungsbegriff für Geldstücke aus reinem Silber (a coin made of silver); im Gegensatz zu Vellon (vellon), einer Münze aus einer Kupfer-Silber-Legierung oder gar aus reinem Kupfer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Plastikgeld (plastic money):

Volksläufige Bezeichnung aller Karten, die im Zahlungsverkehr anstelle von Bargeld verwendet werden (popular name for all types of bank cards, credit cards, debit cards, smart cards, etc.).

– Siehe Chipkarte, Geld, elektronisches, Geldkarte, Karte, Rahmenwerk für das europäische Kartengeschäft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Platz (place):

In der Finanzsprache ein bestimmter Ort, eine Stätte, wo Geschäfte in besonderen Einrichtungen abgewickelt werde, wie vor allem an einer Börse (stock exchange centre; Börsenplatz), in einer Stadt (financial centre; Finanzplatz) oder einem Land (any centre functioning for the purpose of financial transactions).

– Siehe Adresse, Bankgeheimnis, Bankfurt, Bankplatz, Finanzindustrie, Finanzplatz, International Business Company, Offshore-Finanzplatz, Pit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Platzgebrauch (local customs, usual terms of the place):

In Bezug auf den Finanzmarkt die an einem bestimmten Platz üblichen Bestimmungen und Geschäftsregeln. Diese sind an manchen Orten garnicht oder nur in groben Zügen nicht schriftlich niedergelegt. Sie stützen sich diesfalls auf lange Gepflogenheiten an dem jeweiligen Ort. - Die Computerisierung und Globalisierung des Handels hat in den letzten Jahrzehnten dazu beigetragen, dass Platzgebräuche im Bereich der Börsen an Bedeutung stark eingebüsst haben.

– Siehe Börse, elektronische, Börsenfunktionen, Börsenordnung, Broker, Devisenhandel, computerisierter, Handelssystem, alternatives, Dematerialisierung, Disintermediation, Kabinen, Taubengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Platzgeld (church seat money; debut fee; market fee):

1 Besondere Form des Kirchgelds. Beim Bau oder der Renovierung einer Kirche konnten Gläubige früher durch Zahlung einer Summe für sich selbst oder auch für ihre ganze Familie einen - dann entsprechend gekennzeichneten - Sitzplatz im Gotteshaus für eine bestimmte Zeit oder "auf ewig" (for evermore) erwerben, manchmal auch Bankgeld und Sitzgeld genannt.

2 Das früher von Zugezogenen von der jeweiligen Kirchengemeinde geforderte Einstandsgeld.

3 Die von Ausstellern bei einer Messe zu zahlende Gebühr an den Veranstalter, das Standgeld.

4 Von Städten erhobene Gebühr für einen Strassenhändler (street vendor: one who sells takeaway food [Imbissbude], newspapers [Zeitungsstand] or wares in public places).

– Siehe Anzugsgeld, Ablassgeld, Gebührfreiplatz, Kirchgeld, Opfergeld, Peterspfennig, Pitch, Präsenzgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Platzscheck (walks cheque):

Früher eine Zahlungsanweisung (money-order: a certificate that allows the stated payee to receive cash on-demand), die lediglich durch Boten einziehbar ist. Heute noch sind im Bereich des Underground Banking solche Schecks teilweise üblich.

– Siehe Hawala.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Platzwechsel (local bill [of exchange]):

In der älteren Finanzsprache ein Wechsel, der am Platze - "im Ressort", wie man auch sagte - der ankaufenden Bank zahlbar ist.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Plausibilitäts-Beurteilung (certificate of plausibility):

Von Banken wird bei einem Kreditantrag eines Geschäftskunden in der Regel verlangt, eine von einem Wirtschaftsprüfer oder Steuerberater nach § 18 KWG bestätigte (certified) Bilanz vorzulegen. Die Aufsichtsbehörden halten diese Anforderung für berechtigt.

– Siehe Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 74.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Plazierung (placing):

Die Unterbringung von Finanzinstrumenten im Kapitalmarkt oder bei einen begrenzten Kreis von Anlegern im Rahmen einer Emission. - Aus der Definition ergibt sich, dass nur solche Tätigkeiten unter Plazierung fallen, bei denen eine Plazierungsabrede (placing agreement) vorliegt. Unter einer Plazierungsabrede ist eine Vereinbarung zu verstehen, durch welche der Emittent den oder die Plazierenden mit der Unterbringung der von ihm begebenen Finanzinstrumente im Kapitalmarkt oder an einen begrenzten Anlegerkreis beauftragt (Übernahmevertrag; takeover agreement). - Für den Tatbestand des Emissionsgeschäfts ist das Plazierungsverfahren unerheblich. Es kommt also nicht darauf an, ob es sich um eine öffentliche Plazierung (public placement) oder um eine Privatplazierung (private placement) handelt. - Für den Tatbestand des Emissionsgeschäfts ist ferner unwesentlich, ob der Ausgabepreis nach dem Festpreisverfahren oder nach dem Bookbuilding-Verfahren festgelegt wird. Auch die Zuteilungsmethode (method of allocation) von Emissionen ist für den Tatbestand des Emissionsgeschäfts belanglos. - Ein Unternehmen, das ausschliesslich im Auftrag eines Erwerbers Finanzinstrumente aus einer Begebung ankauft, ohne dass zwischen ihm und dem Emittenten oder einer Konsortialbank eine Plazierungsabrede besteht, erbringt hierdurch kein Emissionsgeschäft. Gegebenenfalls kann dies aber die Anlage-Vermittlung bzw. Abschlussvermittlung oder ein Finanzkommissionsgeschäft für den Erwerber darstellen.

– Siehe Anleihe-Vertrag, Begebung, Bezugspreis, Bookbuilding, Bought Deal, Durchpressen, Emission, Emissions-Rendite, Endanleger, Finanzdienstleistungsinstitute, KWG-Vermittlerverordnung, Mehrzuteilungs-Option, Plazierungskraft, Plazierungsvereinbarung, Roadshow, Wertpapier-Dienstleistungen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Plazierungskraft (placing power):

1 Die Möglichkeit eines Emittenten, ohne Dazwischenschalten eines Emissionshauses neu begebene Wertpapiere unmittelbar bei den Anlegern unterzubringen (place).

2 Die Fähigkeit einer Bank oder eines Emissionskonsortiums, eine Begebung möglichst restlos am Markt abzusetzen.

– Siehe Eigenemission, Endanleger, Plazierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Plazierungsvereinbarung (placing agreement):

Wenn nicht anders definiert der Vertrag zwischen einem Unternehmen und einem Institut, eine Emission auf den Markt zu bringen (a contract for privately placed debt). Hierfür bieten sich Musterverträge an, die auf die jeweiligen Gegebenheiten angepasst sind.

– Siehe Plazierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pleite (bankrupt, collapse):

Aus dem Jiddischen in die deutsche Sprache im 19. Jhdt. eingedrungene Bezeichnung für Zahlungsunfähigkeit, finanzieller Ruin, Konkurs. Ursprünglich nur auf Kaufleute und Unternehmen bezogen, bringt man das Wort heute auch mit Staaten in Verbindung und spricht im Finanzjournalismus dann von einem Pleite-Staat.

– Siehe Bankrott, Insolvenz, Verausgabung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pleitegeier (bankrupt; bailiff's seal):

1 Umgangssprachliche Benennung eines Bankrotteurs: einer Person oder auch einer Firma, die ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann.

2 Verbreitete Bezeichnung für das Pfandsiegel (bailiff's seal; die Pfändungsmarke), die im Rahmen einer Zwangsvollstreckung (distraint: the legally regulated procedure of confiscation of someone's property in order to obtain payment for money owed) bei der Pfändung von Sachen des Schuldners vom Gerichtsvollzieher (bailiff: an officer of the court empowered to collect debts) angebracht wird, um die Beschlagnahme nach § 808 ZPO öffentlich zu bekunden, volkstümlich auch Kuckuck genannt.

– Siehe Bankrott, Insolvenz, Konkurs.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Plott ([precious] metal sheet):

1 Früher gesagt von einer dünnen Platte aus (Edel)Metall.

2 Eine ehemalige schwedische Münze, zunächst aus Silber, später aus Kupfer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Plusgeschäft (in the black):

Im Finanzjargon eine gewinnbringende Operation (informal expression denoting a profitable business; it derives from the traditional practice of showing positive numbers in black, and negative numbers in red). Entsprechend spricht man auch von einem Minusgeschäft (in the red).

– Siehe Gewinn, Rebbes, Vorteil.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Plusmacherei auch Geldschneiderei ([public] daylight robbery):

1 Einem Kunden wird ein Preis abverlangt, der weit über dem Wert des gekauften Gegenstandes bzw. der erbrachten Dienstleistung liegt (someone is charged a price that is much too high). Bei Banken und Versicherungen in Deutschland ist solches Verhalten völlig unbekannt.

2 In älteren Dokumenten auch die übermässige Vermehrung der Einkünfte seitens öffentlicher Stellen zum Nachteil der Bürger.

3 In der sozialistischen Anklageliteratur gegen das das marktwirtschaftliche System (marked-based economy) die Behauptung, die Menschen würden bei freiem Tauschverkehr zwangsläufig, unabwendbar von den am Markt Stärkeren übervorteilt.

– Siehe Mehrwert, Rebbes.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Plutoed (so auch oft im Deutschen, sonst herabgestuft):

In die Finanzsprache eingedrungenes Wort für eine starke Herabstufung. - Plutoed (to demote or devalue someone or something with considerable cause) war in den USA das Wort des Jahres 2006, nachdem dem Planeten Pluto sein Status als neunter Wandelstern unseres Sonnensystems von der Internationalen Astronomischen Union (IAU) aberkannt wurde, und man Pluto annähernd zu einem normalen Himmelskörper erklärte.

– Siehe Downrating, Herabstufung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Plutokratie und Timokratie, seltener Argyrokratie (plutocracy, timocracy, argyrocracy):

In älteren Veröffentlichungen und insbesondere in der sozialistischen Anklageliteratur (accusatory literature) des 19. Jhts. gegen das marktwirtschaftlich System (marked-based economy) früher häufig gebrauchter Begriff. Er bezeichnet die Zusammenballung (concentration) von Reichtum bzw. Vermögen und damit einhergehend von Macht in den Händen nur Weniger (Plutokraten, Timokraten, Argyrokraten). - Als Kehrseite der Plutokratie wurde der Pauperismus (pauperism) gesehen, nämlich die wachsende Armut (Pauperität, "Verelendung", immiseration, pauperisation) breiter Bevölkerungskreise.

– Siehe Chrysokratie, Geldherrschaft, Mehrwert, Plusmacherei, Polyplusius.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Point of Sale, POS und Point of Purchase, POP (so auch im Deutschen gesagt; seltener Abwicklungsstelle):

1 Eine Niederlassung, Zweigstelle, Filiale.

2 Der Ort, an dem eine Übergabe von Zahlungsmitteln in Form von Bargeld oder mittels Karte) stattfindet (the location of a store where customers can pay for their purchases; the term is normally used to describe systems that record financial transactions such as electric cash registers or an integrated computer system that records the data that comprises a business). Im Einzelhandel (CH: Detailhandel; retail trade) ist der POS in der Regel verbunden mit dem Packtisch (checkout counter), bei Tankstellen ist es die Kasse (cash register).

– Siehe Bargeld.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2013, S. 47 (Kartenzahlungen mit dem Smartphone: mobiler Point of Sale), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2014, S. 71 ff. (Bargeldabhebungen am Point of Sale; ausführliche Darstellung; zahlreiche Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Policenbörse (life insurance policy exchange):

1 In Deutschland an den Börsen Hamburg und Hannover seit Herbst 2008 angebotene Handelsplattform für gebrauchte Lebensversicherungen. Auf diesem Zweitmarkt bietet sich damit die Gelegenheit, Lebensversicherungen nach den Grundsätzen einer Börse zu handeln, nämlich transparent, neutral und überwacht. In einem Auktionsverfahren kann eine Vielzahl von Käufern auf die angebotenen Policen jeweils Gebote abgeben. Dies bildet die Grundlage für im Grunde faire, marktgerechte und nachvollziehbare Preise.

2 Ausserhalb der Börse von Unternehmen Privathaushalten angebotene gebrauchte Lebensversicherung, wobei der Kaufpreis ganz oder teilweise einbehalten wird. Oft verspricht das Unternehmen, den einbehaltenen Betrag für den Käufer der gebrauchten Lebensversicherung anzulegen. Dieser Betrag soll zu einem späteren Zeitpunkt, verzinst und in Raten, ausbezahlt werden. Je nach Ausgestaltung der Verträge handelt es sich bei diesen Geschäften um erlaubnispflichtige Sachverhalte.

– Siehe Lebensversicherungen, Zweitmarkt, Versicherungs-Zweitmarkt, Viatikalmarkt.

– Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 229 (Erlaubnispflicht entsprechender Verträge), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 60 f. (laufende Fragen aus den Geschäften).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Policenkredit und Policendarlehen (policy loan):

Besondere Form des Darlehns, bei dem als Sicherheit eine Lebensversicherungspolice hinterlegt wird. Der darin ausgewiesene Rückkaufswert bestimmt dann auch die maximale Kredithöhe. In der Regel verzichten die Darlehnsgeber daher auf die sonst für die Kreditvergabe notwendige Bonitätsauskunft. Als Darlehnsgeber sind sowohl die Versicherungsgesellschaften selbst als auch Banken sowie Unternehmen im Zweitmarkt für Lebensversicherungen tätig. Gesetzliche Grundlage für das Policendarlehen ist der §169 VVG.

– Siehe Policenbörse, Lebensversicherungen, Zweitmarkt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Politik der versteckten Hand (policy of hidden hand):

Die Zentralbank betreibt Geschäfte, zu denen sie nicht befugt ist. - So verkaufte die britische Zentralbank (Bank of England) vor 1914 gelegentlich Schatzwechsel, in deren Besitz sie durch Kreditgewährung an den Staat gekommen war, meistbietend am offenen Markt (frühe Offenmarktpolitik). Gesetzlich hatte sie dazu keine Berechtigung. Die deutsche Reichsbank betrieb auf demselben Weg Offenmarktpolitik, wiewohl auch hier eine rechtliche Grundlage für solche Geschäfte fehlte. Heute ist angesichts der Transparenz der Entscheidungsprozesse und in Hinblick auf die argwöhnische Überwachung aller zentralbankpolitischen Aktivitäten durch die Öffentlichkeit eine solche Politik einer Zentralbank wohl kaum mehr möglich.

– Siehe Angst, perverse, EZB-Sündenfall.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Politik des offenen Mundes (policy of open mouth):

Die Zentralbank kündigt - vornehmlich durch ihren Präsidenten - der Öffentlichkeit im Voraus ihre Massnahmen mehr oder minder deutlich an. Über die Vorteile, nämlich die Märkte können sich rechtzeitig auf entsprechende Zinsschritte einstellen und die Nachteile wie vor allem:

1. die Beschlussorgane werden entmachtet,

2. Gefahr, dass verschiedene Stimmen aus der Zentralbank laut werden,

3. die Zentralbank läuft Gefahr, zur Sklavin der Presse zu werden, wurde und wird noch immer kontrovers diskutiert.

– Die EZB begründete ihre geldpolitischen Entscheidungen von Anfang an unmittelbar nach einer jeden Sitzung des Zentralbankrates, und zwar in aller Regel sehr ausführlich. Diese Informationspolitik wurde inzwischen zum Vorbild der meisten Zentralbanken der Welt.

– Siehe Aktentaschen-Indikator, Auskünfte, marktsensible, Codewörter, EZB-Protokolle, Veröffentlichung, Geldpolitik, Forward Guidance, Führung, verbale, Greenspeak, Restriktionstendenz, Signalwirkung, Tarnkappen-Politik, Unschärfe, konstruktive.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2004, S. 23 (Gefahren eines "Hin und Her"), Monatsbericht der EZB vom Januar 2006, S, 59 ff. (Berechenbarkeit der Geldpolitik der EZB; ausführliche Darlegung mit vielen Übersichten), Monatsbericht der EZB vom April 2007 ff. (ausführliche, lehrbuchmässige Darlegung), Monatsbericht der EZB vom November 2009, S. 77 ff. (Kommunikation der Zentralbank in Zeiten von Turbulenzen: ausführliche Darstellung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Politikklammer (political bonds):

Um 2010 in Zusammenhang mit der Griechenland-Krise und der Irland-Krise aufgekommener Begriff in der Bedeutung, dass dem auf lange Frist geplanten europäischen Einigungsprozess (European unification process) Vorrang gegenüber gegenwärtigen, im Augenblick vorherrschenden Schwierigkeiten einzelner Länder zukommen müsse. In diesem Sinne wurde Artikel 122 AEVU - der ein Bailout lediglich im Falle von "Naturkatastrophen oder aussergewöhnlichen Ereignissen" vorsieht - grosszügig ausgelegt, und die EU trotz vielerlei Bedenken auf den Weg in Richtung einer Transferunion gebracht. Dabei widerspricht es jeder Erfahrung, dass ein Land, welches hohe Staatschulden anhäuft, dann sein Verhalten ändert, wenn ihm notfalls der Zugriff auf das Geld anderer Staaten eingeräumt wird.

– Siehe Aufkäufe, zentralbankliche, Bail-out, Blame game, ClubMed, Euro-Anleihen, gemeinsame, Europäische Finanzmarktstabilisierungsfazilität, Europäische Währungsunion, Grundfehler, Eurostat, Exit, EZB-Sündenfall, Griechenland-Krise, Irland-Krise, Moral Hazard, Plan C, Politikverzug, Stabilisierungsmechanismus, europäischer, Staatsschulden-Rückführung, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Grundfehler, Schuldenclub, Staatsverschuldung, Südfront, Transfergemeinschaft, Wirkungen, Statistikbehörde, Vermögensabgabe, Verschuldung-Produktivität-Verkettung, Wachstum-Schulden-Tatsache, geschichtliche, Zwangsenteignung, Zwei-Wege-Option.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Politikverzug und Politikrückstand (delay of political decision-making):

In Hinsicht auf den Finanzmarkt gesagt von

1 dem Systemkonflikt (system conflict: a state of tension between incompatible and, therefore, hardly to combine appropriately targets) zwischen

1. Finanzmärkten, die im Sekunden-Takt neu bewerten und

2. politisch gesteuerten wirtschaftlichen Veränderungen, die sich in der Regel über lange Jahre hinziehen;

2 dem schwerfälligen Handeln (slowness in the actions) der Regierungen und Parlamente in einem demokratisch verfassten Staat einerseits und der Zentralbank andererseits. Wie sich insbesondere gelegentlich der Subprime-Krise und der sich anschliessenden Finanzkrise deutlich gezeigt hat, ist die Zentralbank die einzige Institution, die in einer Krisenlage (emergency situation: a critical, problematic, or striking set of circumstances that happens unexpectedly in the financial market and demands immediate action) schnell zu handeln vermag. - Diese Tatsache hat vor allem der EZB eine Vorrangstellung in den europäischen Institutionen verschafft, deren sich die Zentralbanker in Frankfurt sehr wohl bewusst sind. Andererseits keimte daraus aber auch Misstrauen gegenüber der Vormacht der EZB, und mit Übertragung der europäischen Bankenaufsicht an die EZB 2014 gar vernehmliche Kritik an der Machtfülle der keiner parlamentarischen Kontrolle unterworfenen (not be subjected to Parliament control) Zentralbank.

– Siehe Anmassung, zentralbankliche, Demokratie-Defizit, Politikklammer, Systemkonflikt, finanzmarktlicher.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Polizei (police):

In älteren Dokumenten gleichzusetzen mit "Innere Verwaltung" (interior administration), wozu auch die Ordnung des Geldes als eigener Bereich zählte. - Als Polizeiwissenschaft (policy science) und auch Kameralwissenschaft (Cameralia; cameral science) bezeichnete man die hierauf bezogene Lehre von der Landesverwaltung (state administration). Aus dieser ging die Staatswirtschaftslehre (political economics) und die heutige Volkswirtschaftslehre (economics) hervor.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Poltergeist (poltergeist, noisy ghost):

Im Jargon der Zentralbanker

1. ein geltungssüchtiger Wissenschaftler, Gewerkschaftsfunktionair oder Politiker,

2. der sich lautstark öffentlichkeitswirksam (with effective publicity) mit Forderungen an die Zentralbank wendet,

3. in der Regel mit der Aufforderung, die Zinsen zu senken.

– Nach Untersuchungen kritisieren Regierungsvertreter die EZB besonders dann, wenn es im eigenen Land schlecht bestellt ist (things are in a bad condition) und die Zentralbank dann als Sündenbock (scapegoat: someone who is blamed or punished for the errors and misdeeds of others) dienen kann. Zudem betrachten Regierungsvertreter in der Europäischen Währungsunion die EZB zumeist durch ihre nationale Brille (on national spectacles) und verkennen, dass die EZB für die Preisstabilität in der Währungsunion gesamthaft verpflichtet ist.

– Siehe Anweisungen, geldpolitische, Codewörter, Falke, Handlungsbereitschaft, Know-Nots, Paradoxomanie, Niedrigzinspolitik, Praxis, Staatsverschuldungs-Druck, Südfront, Tarnkappen-Politik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Polyplusius (polyplutus):

In der älteren Finanzsprache ein sehr reicher Bürger.

– Siehe Finanzkapital, Geldleute, Hochfinanz, Kapital, Oldie-Geschäft, Plutokratie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pönalgeld auch [die oder das] Pönale (penalty; penitent fee; administrative fine, administrative penalty):

1 Zahlung, die bei Verzug oder Vertragsbruch (breach of contract) zu leisten ist; auch Vertragsstrafe, Konventionalstrafe und Konventionsstrafe genannt (a payment required for not fulfilling a contract).

2 In der alten Kirche in Zusammenhang mit dem Buss-Sakrament dem Beichtenden auferlegte Verpflichtung, einen bestimmten Betrag an Geld an eine vom Beichtvater (confessor: a priest who hears confessions and is authorised to grant absolution [Lossprechung, Absolution]) vorbezeichnete Adresse zu leisten; in der Regel an eine Person oder Institution, die durch Handlungen des Beichtenden (penitent) Schaden erlitt.

3 Das von einem Gericht oder einer Behörde verfügte Bussgeld bzw. Strafgeld.

4 Im Besonderen auch der vom Finanzamt (CH: Steueramt; revenue office) auferlegter Zuschlag zur Zahlung wegen Übertretung steuerrechtlicher Bestimmungen (punitive tax applied to prevent non-compliance, such as underpayment of income tax or disregard of the rules governing a business activity).

5 Eine von einem Sportgericht verfügte Sperre oder Strafzahlung gegen einen Spieler oder gegen eine ganze Mannschaft (a handicap or monetary default fine awarded against a player or team for illegal play).

– Siehe Ablassgeld, Amende, Annaten, Beichtgeld, Bussgeld, Covenant, Dispensationsgeld, Geldvergessliche, Kathedralgeld, Kirchgeld, Neglekten-Geld, Opfergeld, Ordnungseld, Palliengeld, Peterspfennig, Prokurationsgeld, Zwangsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pool (so auch im Deutschen):

1 Allgemein eine Interessensgemeinschaft zur Durchführung von gemeinsamen Massnahmen oder zur direkten geschäftlichen Zusammenarbeit.

2 In negativen Sinne ein Zusammenschluss von Personen oder Entitäten auf dem Finanzmarkt, um Marktpreise zugunsten des Zweckbündnisses zu beeinflussen (a combination of persons or groups for speculative or manipulative purposes on financial markets).

3 Bei Wetten der gesamthafte Bestand an Geld aus den Einzahlungen einzelner Teilnehmenden (a fund holding all the money bet in a game of chance or on the outcome of an event).

4 Im Besonderen beim Kreditrisiko-Transfer auch gesagt von einem Korb mit Einzelrisiken, den eine Bank, dann regelmässig Originator (originator) genannt, zu einem Sondervermögen, zu einem eigenen Portfolio (Paket, Bündel) zusammenfasst, um entweder nur die Risiken oder das Portfolio gesamthaft über eine Zweckgesellschaft bzw. eine Conduit-Gesellschaft in Tranchen am Markt an Anleger zu verkaufen.

5 Ein Bestand an Lebensversicherungs-Verträgen im Besitz einer Versicherung, besonders in Zusammenhang mit der Embedded-Value Verbriefung gesagt.

6 Im Sinne von Sicherungspool (protection scheme) eine Entschädigungseinrichtung (compensation fund), die Einlagen und Verbindlichkeiten der Banken sichert.

– Siehe Asset-Backed Securities, Credit Default Swap, Finanzwetten, Kreditderivat, Lotterie, Originate-to-distribute-Strategie, Rückführungs-Option, Sicherungspflicht, Single Master Liquidity Conduit, Straddle, Verbriefung, Verbriefungsstruktur, Zweckgesellschaft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pooling (so auch im Deutschen; seltener Zusammenlegung):

1 Auf dem Finanzmarkt allgemein das Zusammenführen, das Zentralisieren einzelner Ressourcen, um auf diese Weise einen höheren Gewinn zu erzielen oder einen Verlust zu verringern (the grouping together of resources [assets, equipment, effort, etc.] for the purpose of maximising advantage and/or minimising risk).

2 Eine Bank fasst im Rahmen des Cash-Managements die in unterschiedlichen Fremdwährungen geführten Konten der betreuten Kunden zusammen und verdichtet diese Devisen auf einem gemeinsamen Konto.

3 Ein Originator bündelt eine grössere Zahl von Forderungen - in der Regel aus gleichartigen Darlehn, etwa Hypothekarkrediten bestehend - zu einem Portfolio. Dieses Paket wird dann an eine Zweckgesellschaft weitergegeben, die daraus Verbriefungspapiere ableitet und bei Anlegern unterbringt.

– Siehe Absenzkapitalismus, Omnibus-Konto, Pfandpoolverfahren, Pool, Verbriefung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Popitzsches Gesetz (Popitz' Law, law of attraction of the larger budget):

In bundesstaatlich gegliederten (federal structured) Ländern steigen die Ausgaben des Gesamtstaats (nation state) im Zeitverlauf rascher als die Ausgaben der Gliedeinheiten. - Der Grund hierfür ist, dass der Zentralstaat im Zuge der laufenden Gesetzgebung immer mehr Angelegenheiten an sich zieht; die Einnahme-Quellen der Gliedeinheiten (minor public entities, smaller states: Länder, Kreise, Gemeinden) sind zu schwach. Je höher aber der Anteil des gesamtstaatlichen Budgets, desto stärker ist auch

1. der staatliche Einfluss auf den Markmechanismus und

2. allfälliger Druck auf die Zentralbank.

– Benannt ist dieses empirische Gesetz (Empirem) nach dem deutschen Finanzpolitiker Johannes Popitz (1884-1945). Es wird jedoch in der Wirtschaftsgeschichte schon sehr früh nachgewiesen. so in Babylonien und im Römerreich.

– Siehe Bail-out, Defizitquote, Finanzpolitik, Finanzreferendum, Haushaltsdefizit, Kinder-Tagesbetreuung, Megamanie, Nachhaltigkeit, Octopus, Penrose-Theorem, Steuerwettbewerb, Synergiepotentiale, Schuldenquote, staatliche, Staatsverschuldung, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Subsidiaritätsprinzip, Wagnersches Gesetz.

– Vgl. zur Bestätigung des Gesetzes auch den Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Öffentliche Finanzen", Unterrubrik "Verschuldung" im jeweiligen Monatsbericht der EZB.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Portabilität (portability):

1 Die Gelegenheit, die auf einem Rechner gespeicherten Informationen auch auf anderen Computern innert einer Bank, einer Institutsgruppe und im weitesten Sinne auch darüber hinaus zu öffnen und zu bearbeiten, unabhängig vom jeweiligen Betriebssystem (the ability to import and export data without requiring major rework between operating systems). - Im Finanzbereich wurde die Systemintegration europaweit - und weltweit - sehr stark vorangetrieben, was zu bedeutenden Kostensenkungen bei den Instituten führte.

2 Die Möglichkeit eines Arbeitnehmers, bei einem Wechsel des Arbeitgebers alle bis dahin gebildeten Anwartschaften zum neuen Arbeitgeber oder einem anderen Versorgungsträger ohne Einbussen zu übertragen (the ability to conserve and transfer acquired social security rights from one private, occupational, or public social security scheme to another without any disadvantage like the loss of contributions and benefits).

3 Die Mitnahme einer Telephon-Nummer bzw. einer Kontonummer, falls der Kunde zu einem anderen Fernmeldeanbieter bzw. zu einem anderen Institut wechselt (the ability to retain the phone number resp. the account number if the customer switchs to another service provider resp. bank). - Bei der Verschmelzung der Dresdner Bank mit der Commerzbank im Jahr 2008 wurde allen Kunden der Dresdner Bank die Mitnahme der Kontomitnahme (account portability) vom Vorstand zugesichert. Diese Zusage erwies sich in der Folge als mit unvorhergesehenem, ausserordentlich hohen Aufwand verbunden.

– Siehe Bankenfusionsjahr, deutsches, IKT-anwendende Sektoren, Informations-Sicherung, Infrastructure Providing, Interoptabilität, IT-Risiken.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Portaldienst (aggregator):

Auf Finanzmärkten ein Internetprovider, der das gleichartige Angebot verschiedener Finanzdienstleister übersichtlich geordnet zusammenfasst und es damit ermöglicht, auf Tastendruck eine verbesserte Markttransparenz zu gewinnen (a provider who gathers and displays Web-content such as offers to buy or to sell, quotations, market prices or exchange rates from multiple websites to a single location). - Die Aufsichtsbehörden prüften in letzter Zeit verstärkt, ob bei solchen Angeboten erlaubnispflichtige Finanzdienstleistungen erbracht werden. In Deutschland ist die erlaubnispflichtige Anlage-Vermittlung schon dann erfüllt, wenn neben der Informationsbeschaffung über Finanzinstrumente der Anbieter genannt wird, und wenn über eine Weiterleitung die Verbindung mit ihm erfolgt.

– Siehe Anlage-Vermittlung, Flash Crash, Handelssystem, alternatives, Peer-to-Peer Lending, Phishing.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Portefeuille (portfolio):

1 Summe aller Vermögenswerte - einschliesslich Edelmetalle und Grundstücke, Realitäten -, die ein Wirtschaftssubjekt besitzen (the total of investments held by an institution or an individual).

2 Im engeren Sinne die Gesamtheit der Wertpapiere, die einem Wirtschaftssubjekt eignet und in der Regel von einer Bank verwaltet wird, im Deutschen häufig auch Depot genannt, seltener Basket. - In Deutschland hat seit etwa 1990 der englische Ausdruck "Portfolio" mit der Mehrzahl "Portfolios" und "Portfolien" die bis dahin übliche, französische Bezeichnung "Portefeuille" verdrängt.

– Siehe Depot, Epuration, Investition, Portfolio-Versicherung, Vermögen.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2004, S. 36 (wegen der Zusammensetzung der Portefeuilles deutscher Privatpersonen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Portfolio, Mehrzahl Portfolios und Portfolien (portfolio):

Andere Bezeichnung für Portefeuille; also die Gesamtheit der Anlage in Vermögenswerten, die eine Person oder eine Firma besitzt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Portfolio, optimales (optimal portfolio):

In vielen Prospekten und sogar in verbreiteten Lehrbüchern vorzufindende, aber (absichtlich?) unklare, schleierhafte Kennzeichnung. Das Wort "optimal" ist die dritte Steigerungsform (Superlativ; superlative) von "gut". Damit aber ist nichts über den Bezug ausgesagt: am besten hinsichtlich

1. der Sicherheit?

2. des Gewinns?

3. der steuerlichen Behandlung?

4. anderer Merkmale der Anlage?

– Unsinnig ist es auch, von einer "optimalsten" Vermögensanlage zu sprechen, obzwar dies nicht selten geschieht. Denn hier wird der Superlativ gleich zweimal ausgedrückt: einmal lateinisch (optimal) und zum andern in deutscher Sprache (durch die Endung "-st").

– Siehe Portfolio, wirtschaftliches, Verzehnfacher, Vieleck, magisches.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Portfolio, wirtschaftliches (efficient portfolio):

Wenn nicht anders definiert eine Anlage in Vermögenswerten, die unter Berücksichtigung des Risikos den höchsten Ertrag abwirft (a portfolio that provides the highest expected return for a given level of risk, or equivalently, the lowest risk for a given expected return).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Portfolio-Angleichung (portfolio rebalancing):

Die Umschichtung eines Bestandes an Vermögenswerten, um ein ursprünglich vorgesehenes Mischungsverhältnis wieder zu erreichen (the action of restoring the weightings of a portfolio. If the portfolio has deviated away from one's target allocation, assets need to be bought or sold to maintain the original desired level of asset allocation).

– Siehe Epuration, Portfolio-Optimierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Portfolioinvestition (portfolio investment):

Grundsätzlich der Erwerb von jederart Wertpapieren sowie von Anteilen an Unternehmen, sofern damit keine Einflussnahme auf die Geschäftstätigkeit der Gesellschaft beabsichtig und verbunden ist (stock and bond purchases that, unlike direct investment, do not create a lasting interest in or effective management control over an enterprise).

– Siehe Direktinvestition, Investition.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2008, S. 18 (internationale Portfolioinvestitionen; Anteile einzelner Regionen), Monatsbericht der EZB vom Januar 2009, S. 18 ff. (Portfolio-Umschichtungen in Zuge der Finanzkrise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Portfolio-Optimierung (portfolio optimum):

Zustand, bei dem durch Umschichtungen ein Portefeuille keinen besseren Ertrag abwerfen kann. In vielem Berechnungen der Finanztheorie modelliert, jedoch wegen der zugrunde gelegten Annahmen (vor allem auch die völlige Ausserachtlassung [total neglect] steuerlicher Gesichtspunkte) für die Praxis oftmals kaum von Bedeutung.

– Siehe Anlagemodell, Epuration, Financial Engineering, Finanzmathematik, Portfolio, optimales, Portfolio-Angleichung, Portfoliotheorien.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Portfoliotheorien (portfolio theories):

Lehrgebäude über die bestmögliche Finanzanlage allgemein und über die Anlagestreuung im Besonderen. - In Lehrbüchern finden sich diese teilweise stark mathematisiert ausgebreitet, aber immer unter bestimmten Annahmen und/oder unter Ausschluss wesentlicher anlageentscheidender Umstände, wie vor allem

1. die aufsichtsrechtliche Beurteilung (supervisory issue),

2. die sehr wichtigen steuerlichen Gesichtspunkte (tax aspect) bei der Einrichtung eines Portefeuilles oder

3. die devisenrechtlichen Gegebenheiten (foreign exchange regulations) in Bezug auf Auslandsanlagen.

– Siehe Anlagemodell, Behavioural Finance, Finanzmarkt-Stress, Finanztheorie, Modellunsicherheit, Phantomrisiken, Portfolio, optimales, Portfolio-Angleichung, Preisänderung, gleichlaufende, Risiko, systematisches.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Portfolio-Umschichtung (portfolio regrouping, redeployment of capital):

Wenn nicht anders definiert, die Verlagerung von kurzfristig angelegtem Geld in langfristige Finanzanlagen oder umgekehrt, von den Zentralbanken genau beobachtet.

1. Fliesst Liquidität (hier: Zentralbankgeld, nämlich Bargeld und Zentralbankguthaben) verstärkt in Immobilien, dann besteht die Gefahr einer spekulativen Blase auf diesem Teilmarkt (sub-market).

2. Strömt das Geld in Investitionskredite, dann könnte das dadurch hervorgerufene Wachs¬tum eine allfällige Überschuss-Liquidität inflationsfrei absorbieren.

3. Fliesst das Geld in den Konsum, so könnte die so gesteigerte Nachfrage zu einem Risiko für die Preisstabilität werden.

4. Wird Bargeld gehalten, so erhöht sich M3.

– Siehe Aufwertungsdruck, Carry Trades, Ejektierung, Geldlücke, Goldpreis, Immobilienblase, Portfolio-Versicherung, Zwischenparken.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juli 2004, S. 13 f., Monatsbericht der EZB vom Oktober 2004, S. 52, Monatsbericht der EZB vom Januar 2005, S. 14 ff. (dort auch Abbildungen über Umschichtungs-Verläufe), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2005, S. 18 ff. (Wirkungen der Umschichtungen auf den Zusammenhang zwischen Geldmenge und Preise), Monatsbericht der EZB vom Februar 2005, S. 21 f. (Statistisches), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2005, S. 63 (Umschichtungen aufgrund erhöhter Unsicherheit), Monatsbericht der EZB vom März 2006, S. 19 ff. (Umschichtungen als Ausdruck grundsätzlich veränderten Anlegerverhaltens), Monatsbericht der EZB vom September 2006, S. 17 (Portfolio- und M3 seit 1999), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2007, S. 44 f. (Portfolio-Umschichtungen als Mass für Risiko-Einschätzung der Anleger), Monatsbericht der EZB vom Juni 2008, S. 22 ff. (Umschichtungen 2003 bis 2007; Übersichten; Erklärungen), Monatsbericht der EZB vom Januar 2009, S. 18 ff. (Portfolio-Umschichtungen in Zuge der Finanzmarktkrise), Monatsbericht der EZB vom Januar 2012, S. 20 ff. (Portfolio-Umschichtungen werden von Unsicherheiten der Anleger beeinflusst).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Portfolio-Verhalten (portfolio behaviour):

Entscheidungen der Anleger darüber, in welcher Form sie Geldanlagen tätigen.

– Siehe Anlagestreuung, Einkommensstreben, Portfoliotheorien, Portfolio-Umschichtung, Zinsallkokations-Funktion.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2005, S. 14 ff., Monatsbericht der EZB vom Juni 2008, S. 22 ff. (bei Privathaushalten scheint das Streben nach Zinsmaximum an der erster Stelle zu stehen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Portfolio-Versicherung (portfolio insurance):

1 Alle eigenen Operationen eines Anlegers, um den Wert eines Portfolios zu erhalten (a type of self-insurance that investors use to minimise potential losses in a portfolio).

2 Vertrag, bei dem eine Versicherung gegen entsprechende Prämie den Besitzer eines Portfolios ganz oder in vertraglich vereinbarten Teilen vor Wertverlusten schützt (insurance wherein the insurer takes on a portion of the clients entire portfolio; this can be done across all classes or just in one class of coverage). - Dieses Geschäft brachte dem weltgrössten reinen Rückversicherer, der Schweizerischen Rückversicherungs-Gesellschaft - kurz Schweizer Rück; das Unternehmen firmiert im Ausland unter der Bezeichnung Swiss Reinsurance Company, tritt jedoch weltweit in der Regel unter der Marke "Swiss Re" am Markt auf - im Jahr 2007 im Zuge der Subprime-Krise in den USA einen Verlust von 1,2 Mia CHF ein. Ein Kunde hatte sich gegen Risiken in seinem hauptsächlich aus Verbriefungspapieren (Collateralised Debt Obligations) aus dem US-Subprimegeschäft bestehenden Portfolio versichert. Die Papiere verloren unerwartet an Wert. Die American International Group (AIG) verlor im gleichen Jahr an Portfolio-Versicherungen etwas mehr als 5 Mia USD. - Im Frühjahr 2007 kostete die Versicherung eines Portfolios von 10 Mio USD bei der AIG kaum 10'000 USD; ein Jahr später war die Prämie auf knapp 200'000 USD angestiegen. Daraus ist zu schliessen, dass es bei der genauen Berechnung des Risikos bei der AIG - aber nicht nur da! - wohl zu folgenreichen Fehlbewertungen (incorrect valuation with significant consequences) kam.

– Siehe Aktuar, Asset-Backed Securities, CLO-Fonds, Credit Default Swaps, Embedded-Value Verbriefung, Equity Kicker, Erstverlust-Tranche, Mezzanine-Tranche, Monoliner, Mortgage Equity Withdrawal, Originate-to-distribute-Strategie, Residential Mortgage Backed Securities, Krise der Sicherheiten, Single Master Liquidity Conduit, Subprime-Krise, Verbriefungsstruktur, True-Sale-Verbriefung, Zinseinfrierung, Zitronenhandel, Zweckgesellschaft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Portfolioverwaltung (portfolio management):

Die Verwaltung einzelner in Finanzinstrumenten angelegter Vermögen für Dritte mit Entscheidungsspielraum (aim to maximise the value of a portfolio by careful examination of candidate projects and programmes for inclusion in the portfolio and the timely exclusion of projects not meeting the portfolio's strategic objectives). In Deutschland unterliegen entsprechende Dienstleister der Kontrolle durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Sie bedürfen ferner einer Erlaubnis gemäss § 32 KWG.

– Siehe Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 124 (einem Anlagevermittler ist es nicht erlaubt, auch als Portfolioverwalter tätig zu sein).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Porto (postage):

Die Gebühr für eine Dienstleistung von Unternehmen, die Briefe und Pakete befördern und zustellen (Postdienstleister; postal service providers). In der Regel ist das Porto im Voraus zu entrichten (the charge is to pay beforehand); die jeweilige Sendung ist freizumachen (frankieren; prepay).

– Siehe Rollgeld, Taxe, Verladegeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Portokasse (imprest fund, petty cash [fund]):

Bei einem Unternehmen oder einer öffentlichen Stelle eine Kassette mit einem gewissen Geldvorrat, um laufende kleinere Ausgaben bar bestreiten zu können (available money of a designated amount maintained in order to pay for small, routine operating expenses of a business or public sector entity).

– Siehe Kaffee-Kasse.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Portugal-Krise (Portugal crisis):

Zu Jahresbeginn 2011 stellte sich eindeutig heraus, dass das Mitglied des Eurosystems Portugal so hoch verschuldet ist, dass es aus eigener Kraft kaum mehr zum finanziellen Gleichgewicht zurückfinden wird. Wie im Falle von Griechenland und Irland musste ein Hilfspaket (aid package) geschnürt werden; Deutschland hatte im Zuge dessen eine Bürgschaft von (zunächst) 15 Mia EUR zu leisten. - Nicht nur in Deutschland löste dies heftigen Streit über das Vorgehen zur Hilfe von Portugal aus. Denn die portugiesischen Abgeordneten hatten ein Programm der eigenen sozialistischen Regierung als unannehmbar abgelehnt, das einen strikten Sparkurs (rigid austerity course) mit Schritten wie längere Arbeitszeit und einen Lohnstop vorsah. Dass nun schon wieder den europäischen Steuerzahlern die Sanierung eines Landes zugemutet wird, das offensichtlich jahrelang über seine Verhältnisse gelebt hatte, führte nachweislich zu einer Zunahme der Europaverdrossenheit (dissatisfication towards Europe) in weiten Kreisen der Bevölkerung. Der Unmut gerade in Deutschland verstärkte sich noch, weil - wie im Falle der Griechenland-Krise - die Schuld für das eigene Unvermögen und Versagen in der portugiesischen Öffentlichkeit weithin den "starken" Euroländern zugeschoben wurde, vor allem Deutschland und den Niederlanden. Auch in Kreisen der Wissenschaft wurde jetzt das bis dahin regelmässig und formelhaft als "unsinnig" oder "indiskutabel" bezeichnete Exit eines Mitgliedes des Eurosystems erörtert. - Aufgrund der schlechten Wirtschaftslage setzte in Portugal ein verstärkter Brain Drain ein. Allein im Jahr 2011 verliessen über 150'000 gut ausgebildete jüngere Personen Portugal, die meisten davon wanderten nach Brasilien und Angola aus. Dies und andere Umstände - die Innovationskraft ist gleich Null: von den 52'000 in Europa erteilten Patente im Jahr 2009 entfielen auf Portugal gerade einmal 24 - lassen es als unwahrscheinlich (remote) erscheinen, dass Portugal in absehbarer Zeit wieder auf eigene Güsse zu stehen kommt.

– Siehe Bail-out, Blame game, ClubMed, Currency-Swing, Ekart, Euro-Anleihen, gemeinsame, Europäischer Stabilitätsmechanismus, Exit, Griechenland-Krise, Irland-Krise, Minhas-Gerais-Problem, Moral Hazard, Patenterteilungen, Plan C, Politikklammer, Politikverzug, Solidarität, finanzielle, Stabilisierungsmechanismus, europäischer, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Grundfehler, Staatsverschuldung, Wirkungen, Stabilisierungsmechanismus, europäischer, Statistikbehörde, Südfront, Transferunion, Verschuldung-Produktivität-Verkettung, Vertragstreue.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2011, S. 53 ff. (Massnahmen zur Vermeidung weiterer Staatsschulden-Krisen), Monatsbericht der EZB vom März 2012, S. 109 ff. (zur Staatsverschuldung in Portugal; viele Übersichten; verschiedene Projektionen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Porzellangeld (porcelain subsidy):

Frühere Zahlungen des Staates als Zuschuss an die Porzellanmanufaktur. - Im 17. und 18. Jht. galt Porzellan als "weisses Gold" (white gold) und wurde mehr aus Gründen des staatlichen Ansehens als aus anderen Motiven (Förderung der Kunst; Export ins Ausland) begünstigt. Einige Länder (wie Preussen, Sachsen, Württemberg, Bayern) betrieben die Herstellung von Porzellan durchgängig auf Staatsrechnung (at the expense of the State).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

POS-Banking (so auch im Deutschen gesagt):

Das bargeldlose Bezahlen von Waren und Dienstleistungen unmittelbar am Point of Sale mittels einer Karte.

– Siehe Bargeld, Community Card, Computerzahlung, Chipkarte, Geld, elektronisches, Karte, Karte, multifunktionale, Pay-Green-Initiative, Radio Frequency Identification, Ticketing, electronic.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Poseidon-Blase (Poseidon bubble):

Eine Hausse auf dem Markt für Minenwerte in Aus-tralien um 1969, die bald darauf platzte (a stock market bubble in which the price of Australian mining shares climbed up in late 1969, then crashed in early 1970). - Der Name leitet sich von der Firma "Poseidon Nickel Limited" ab, die in Australien vielversprechende Nickelvorkommen auszubeuten gedachte, am Ende aber die hohen Erwartungen nicht zu befriedigen vermochte, weil die Produktionskosten zu hoch waren.

– Siehe Base, Blase, spekulative, Crash, Dotcom-Blase, Glücksspieleffekt, Mississippi-Taumel, Spekulationsblase, Tulpencrash, Überbelastung, Überschwang, unvernünftiger, Vermögensblase.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Position (item; position; post):

1 Eine einzelnes Stück, ein einzelner Gegenstand in einer listenmässigen Aufstellung oder im Rechnungswesen (balance; Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung); im Besonderen ein Vermögenswert und dann gleichbedeutend wie Posten (item) gebraucht.

2 Im Devisen- und Börsengeschäft der Stand der Verpflichtungen (Engagements) einer Marktteilnehmers in Bezug auf ein bestimmtes Finanzmarktinstrument (an investors commitment in a security or market). Es kann sich dabei grundsätzlich um eine Long Position (Kaufverpflichtung) oder Short Position (Verkaufsverpflichtung) handeln.

3 In einem Institut - und in einem Unternehmen allgemein - das auf fachliche Leistung oder individuelle Charaktereigenschaft gegründete Ansehen, das Prestige (personal reputation) einer Person innert der Kollegenschaft, sein sozialer Status (social status: the honour or prestige attached to one's position in a collective).

4 Die einem bestimmten Aufgabenbereich zugeordnete Stellung eines Mitarbeiters in einer Bank und allgemein in einem Unternehmen, wie etwa Abteilungsleiter (department head) oder Vorstandmitglied (management board member).

– Siehe Deal, Engagement, European Master Agreement, High Potential, Peter-Regel, Posten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Position, gedeckte (covered position):

1 Eine Transaktion, die durch ein entgegengesetztes, aber gleichwertiges Geschäft ausgeglichen ist. - Wenn beispielsweise Orangensaft-Futures gekauft wurden, und später eine Kaufoption mit der gleichen Warenmenge und dem gleichen Andienungstermin verkauft wird, so ist die Optionsposition des Marktteilnehmers gedeckt (covered). Er besitzt einen Terminkontrakt, der lieferbar ist, falls die Option ausgeübt wird.

2 Bezeichnung für ein Geschäft, bei dem ein vorher verkaufter Kontrakt zurückgekauft wird, also eine Verkaufsposition (short position) durch eine Kaufposition (long position) eine Glattstellung erfährt.

– Siehe Erfüllung, Leerverkauf, Position, offene, Position, schwache, Spekulation, Rohstoff-Terminvertrag, Wiedereindeckungs-Risiko.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Position, offene (open position):

1 Allgemein ein Zustand, bei dem die Forderungen und Verbindlichkeiten auseinanderklaffen (position where the assets and liabilities are unequal).

2 Auf Finanzmärkten oder Warenmärkten jederart Verpflichtungen aus einem Terminkontrakt (any forward contract that is not liquidated by an offsetting contract or by the delivery of the underlying asset).

– Siehe Absicherung, Aggregation, Hedge-Geschäft, Hedging, Open Interest.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Position, schwache und schwache Hände (weak hands):

1 In Bezug auf Warentermin-Kontrakte gesagt von einem Vertragspartner, der an der Erfüllung durch Lieferung des Basiswertes kein Verlangen zeigt und den Barausgleich vorzieht (in connection with a futures contract the term means that the party does not intend to retain ownership of the commodity and prefers cash clearing).

2 Bei Verträgen über den Kauf oder Verkauf eines Gutes mit festgesetzter Menge und Güte an einem bestimmten zukünftigen Lieferdatum meint man mit schwacher Position Terminkontrakte in der Hand kleiner und finanzschwacher Spekulanten (when used with regard to futures positions, weak hands means positions held by small und financially weak speculators).

– Siehe Aufsaugphase, Call, Option, Put, Rohstoffpreisrisiko, Rohstoff-Terminvertrag, Spekulation.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Position, synthetische (synthetic position):

Eine Strategie des Hedge-Geschäftes, mit der man Futures und Futures-Optionen zur Preisabsicherung und Gewinnmöglichkeiten kombiniert. - Wenn ein Marktteilnehmer beispielshalber eine Put-Option kauft und eine Call-Option verkauft (schreibt), so kann er eine Position konstruieren, die einer Futures-Verkaufsposition gleichkommt. Diese Position wird dann "synthetische" (künstliche) Short-Futures-Position genannt; sie bringt dann einen Gewinn, wenn die Terminpreise fallen. Falls allerdings die Terminpreise steigen, so entstehen Nachschussforderungen. - Synthetische Positionen gelten als eine besondere Form der Arbitrage.

– Siehe Butterfly-Spread, Hedge-Geschäft, Hedging, Nachschuss-Aufforderung, Option.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Position, ungedeckte (naked position):

Vertragliche Verpflichtung aus einem Terminkontrakt, die nicht durch eine entgegengesetzte Position gleichen Umfangs abgesichert ist (the sale of a call or put option without holding an equal and opposite position in the underlying asset). Die solche Risiken eingehenden Marktteilnehmer haben allemal bestimmte Erwartungen bezüglich der Preise zum Erfüllungszeitpunkt und rechnen mit einem Gewinn.

– Siehe Leerverkauf, Long-Position; Open Interest, Short-Selling, Position, gedeckte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Positionen, meldepflichtige (reportable items):

An den Warenbörsen der USA Kontrakte, welche die von der jeweiligen Aufsichtsbehörde festgesetzte bzw. in der Commodity Exchange Act bestimmte Meldepflichtstufe übersteigen.

– Siehe Aggregation, Commodity Futures Trading Commission.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Positionierung (positioning):

1 Alle Schritte seitens eines Instituts mit dem Ziel, ein besonderes Finanzprodukt gegenüber anderen Angeboten der Konkurrenz hervorzuheben und damit für den Kunden begehrenswert zu machen (all actions in order to control the public's awareness of a financial product as it relates to competitive products).

2 Das absichtliche und berechnete Eingehen einer Risiko-Position auf dem Finanzmarkt.

– Siehe Leerverkauf, Risikoneigung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Postauftrag (postal order):

Früher übernahm der staatliche Postdienst gegen Gebühr auch die Einziehung von Forderungen, einschliesslich von Wechseln. Hierzu musste der Auftraggeber ein eigen darauf zugeschnittenes Formular ausfüllen. In diesem Vordruck war auch anzugeben, wie bei Nichtzahlung zu verfahren sei; bei Wechseln "sofort zum Protest" oder "ohne Protest zurück".

– Siehe Geldbrief, Postkartenscheck, Postüberweisung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Posten (item; sum of money; asset, position; lot, batch):

1 Einzelne Einheit in einem rechnungsmässigen (buchhalterischen; book-keeping) Zahlenwerk, vor allem in der Bilanz.

2 Ein Geldbetrag.

3 Gesonderter Vermögensgegenstand in einer summarischen (zusammengefassten; summary) Aufstellung.

4 Eine Partie Waren (a lot of goods).

– Siehe Position, Rechnung, Zeitwertbilanzierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Posten, monetäre (monetary items):

1 Begriff aus den IAS und dort definiert als

1. Zahlungsmittel,

2. auf Geldbeträge lautende Ansprüche sowie

3. Verpflichtungen, die mit einem festen oder bestimmten Betrag in Geld beglichen werden müssen.

2 Manchmal auch gesagt für eine Position in der Bilanz.

– Siehe Position.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Postkartenscheck (cheque printed on a post card):

Früher auch in Deutschland verbreitete Form eines Schecks, der

1. auf einer Postkarte gedruckt und

2. grundsätzlich nur bei der Bank des genau bezeichneten Zahlungsempfängers einlösbar war.

– Der Postkartenscheck ist nicht zu verwechseln mit dem Postscheck, nämlich einem Scheck auf ein Postscheckamt (später: Postgirobank, dann Postbank).

– Siehe Geldbrief, Postauftrag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Postkreditbrief (postal letter of credit):

In Deutschland früher von den Postscheckämtern (1909 gegründet; Vorgänger der Postbank) ausgestellte Wertpapiere, die bei fast jeder Postanstalt eingelöst werden konnten, und die sich deshalb breiter Beliebtheit (broad acceptance and great popularity) erfreuten.

– Siehe Baby Bonds, Postauftrag, Postsparbuch.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Postsparbuch (postal savings book):

Von der Postbank - früherer Name in Deutschland ab der Gründung 1909 bis 1978: Postscheckamt, dann 1989 in Postgiroamt umbenannt; seit Ende 2010 ist die Deutsche Bank AG Mehrheitsaktionär der Postbank - ausgegebenes Sparbuch bzw. Sparheft. - Grundsätzlich ist das Sparbuch ein Guthabenkonto ohne feste Laufzeit. Dem Kunden wird ein gegenständliches Sparbuch ausgehändigt. In dieses werden die Kontobewegungen, wie Einzahlungen, Abhebungen und Zinsgutschriften eingetragen; mittlerweile werden aber auch Online-Formen des Sparbuchs angeboten. - Das Postsparbuch galt früher als die in der gesellschaftlichen Unter- und Mittelschicht beliebteste Form des Sparens. Auch Handlanger, Knechte, Mägde, Hausangestellte und Ausländer hatten weniger Scheu in eines der ehemals in dichtem Netz über Stadt und Land vertretenen Postämter einzutreten, als die Tür einer Sparkasse oder gar einer Bank zu öffnen. Zudem waren die Postschalter ehedem auch samstags geöffnet. Bevor es Geldausgabeautomaten gab, war dies ein entscheidender Wettbewerbsvorteil (crucial competitive advantage).

– Siehe Megamergers, Reisekreditbrief, Sparbuch, Sparbüchse, Sparzins, Tante Milly.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Post Sales-Management und Postsales-Management (so auch im Deutschen):

Allgemein die Nachbetreuung des Kunden, der mit einer Bank ein Geschäft abgeschlossen hat. Entsprechend spricht man auch von Presales Management und meint damit alle Schritte zur Geschäftsanbahnung (initial business contact).

– Siehe Nachgeschäft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Posttag (post day):

In älteren Dokumenten häufige Zeitangabe, vor allem bei Zahlungsfristen. Zugrundegelegt wird dabei das Datum, an welchem der übliche staatliche Postdienst Sendungen zustellt und/oder abholt. - In fernab gelegenen Plätzen konnte die Bedienung der Kunden durch die Post in früheren Zeiten manchmal nur wöchentlich geschehen. Erst die Einführung der Telegraphie (teletypewriter; Fernschreiber: ein in den 1930er Jahren eingeführtes Gerät zur Übermittlung von Nachrichten in Schriftform vermittels elektrischer Signale über das Telephonnetz) und dann ab etwa 1980 die weltweite Vernetzung durch Computer glich den Posttag im grossen und ganzen dem Kalendertag bzw. Werktag an.

– Siehe Bezahlung, Bezahlverfahren, Pagament, Realisierung, Zahlungsmodalitäten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Post Trading Expert Group, PTEG:

Im Jahr 2007 ins Leben gerufene Arbeitsgruppe des CESR mit dem Ziel, Transparenz in alle nach einem Geschäftsabschluss an der Börse zu tätigenden technischen und juristischen einschliesslich aufsichtsrechtlichen Gegebenheiten zu gewinnen. Auch sollen Fragen der Interoptabilität und Kostenkontrolle einbezogen werden.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 48 (Aufgabenliste; Beginn der Arbeiten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Postüberweisung (mail payment, postal cheque account transfer, mail transfer, postal giro transfer):

Durch den Postdienst, früher in Deutschland durch eigene Geldbriefträger (postman who delivers money orders) vorgenommene Zahlungen, zumeist an Privathaushalte. In den USA und anderen Staaten heute noch zur Bedienung der Unbanked von Bedeutung.

– Siehe Geldbrief, Konto für Jedermann, Postauftrag, Postkreditbrief, Zahlungsauftrag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Postulat und Postulation (requisition):

In älteren Dokumenten auch die Antrag der Regierung an die für die Bewilligung von Mitteln zuständige Kammer (Landstände; estates of the country) um Zuweisung von Geld für bestimmte Staatsaufgaben, häufig auch verbunden mit dem Antrag auf Einführung einer diese zusätzlichen Ausgaben deckenden neuen Abgabe.

– Siehe Bewilligungsrecht, Budget, Kreditvotum.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Potentialwachstum (potential growth):

Der Zuwachs an Bruttoinlandsprodukt eines Jahres im Falle vollständiger Auslastung der vorhandenen Produktionskapazitäten. - Das Potentialwachstum gibt damit an, wie stark eine Volkswirtschaft im langfristigen Trend - also konjunkturbereinigt - inflationsfrei wachsen kann. Es ist damit eine wichtige Messgrösse zur Ermittlung der tatsächlichen Auslastung der Produktionskapazitäten. Seine Berechnung wirft im Einzelnen viele Probleme auf. Von der EZB im Rahmen des Zwei-Säulen-Prinzip wird das Potentialwachstum beobachtet.

– Siehe Kapazitätsauslastung, Produktionspotential, Produktionslücke, Stabilitätspolitik.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2012, S. 13 ff. (Projektion des Potentialwachstums der deutschen Wirtschaft; viele Übersichten; Literaturhinweise; S. 28: wichtige Schlussfolgerungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Power-age financial offers (so oft auch im Deutschen gesagt, seltener [umständlich übersetzt] auf die nach der Lebensmitte stehenden Personen ausgerichtete Angebote):

Finanzdienstleistungen, besonders angepasst auf Menschen der Altersgruppe zwischen 50 und 80 Jahren (power age).

– Siehe All-Age-Produkte, Dinks-Geschäft, Gebissinvestition, Geldleute, Geomarketing, bankliches, Oldie-Geschäft, Singleïsierung, Woopee-Geschäft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Prager Verlautbarung (Prague communiqué):

Bei seiner Sitzung in Prag im September 2000 beschloss der Internationale Ausschuss für Geld und Finanzen (International Monetary and Financial Committee) des Internationalen Währungsfonds (IMF), im Falle der Zahlungsunfähigkeit eines Staates fortan auch private Gläubiger an den Lasten zu beteiligen. Eine Bevorzugung von Gläubigergruppen soll es nicht mehr geben. - Zweck der Regelung (purpose of the regulation) ist es zu vermeiden, dass private Geldgeber (private lender) in ein schon vom Staatsbankrott gezeichnetes Land (wie etwa 2000 Argentinien, 2002 Brasilien) Kredite vergeben in der Erwartung, dass die uneinbringlichen Forderungen von anderen (praktisch dem IMF) befriedigt werden.

– Siehe Londoner Verfahren, Moral Hazard, Risikoanhebung, subjektive, Schuldenrückführungsmechanismus, unabhängiger, Staatsschulden, verweigerte, Umschuldungs-Klauseln, Vermögensabgabe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Prägesatz (coinage):

Die Herstellungskosten (Materialkosten, Fertigungskosten, Verwaltungsgemeinkosten) einer Münze.

– Siehe Münzgewinn, Schlagsatz, Seigniorage.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Prahmgeld (barge fee):

Gebühr für die Benutzung eines Prahms (Lastkahn: a roomy boat, usually flat-bottomed, used chiefly on rivers and canals).

– Siehe Bordinggeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Präklusivtermin und Umtauschfrist (date of preclusion):

In Bezug auf die in nationaler Währung begebenen Banknoten der Mitglieder der EWU die zeitliche Dauer, innert der diese in EUR umgetauscht werden können. Gemäss Vertrag über die EWU gibt es hierzu keine Frist; die alten Banknoten können also unbegrenzt gegen auf EUR lautende Banknoten bei der jeweiligen nationalen Zentralbank gebührenfrei eingetauscht werden. - Zu Jahresende 2012 waren noch rund 171 Mio D-Mark-Scheine und rund 23,7 Mia D-Mark-Münzen im Umlauf. Rechnet man den Wert aller Münzen zusammen, so kommt man auf eine Gesamtsumme (grand total) von 13,2 Mia DEM oder umgerechnet 6,75 Mia EUR. Ein Gutteil dieses Geldes dürfte in den ehemaligen Ostblockstaaten sowie in der Türkei in Umlauf sein; dort war die DEM jahrzehntelang Nebenwährung.

– Siehe Sparstrumpf.

– Vgl. Jahresbericht 2011 der Deutschen Bundesbank, S. 107 (DM-Bargeldumlauf 2009-2011).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Prämie (premium):

1 Allgemein jederart Vergütung (payment: Entgelt, Provision, Bonifikation, in der älteren Finanzsprache auch Renumeration), im Regelfall in Geld ausgedrückt.

2 Eine Zusatzentlohnung: neben der normalen Vergütung bezahlte geldliche Zuwendung, vor allem auch an die Kaderleute einer Bank (an amount paid to managers in addition to the standard salary) und dem Begriff Bonus im grossen und ganzen gleich.

3 Zugabe, Beigabe (add-on) beim Warenverkauf.

4 Belohnung für ein besonderes Tun (a reward or recompense for a particular act), wie etwa für den Fund vermisster Gegenstände oder die Ergreifung von Straftätern (capture of offenders).

5 Gewinn bei Verlosungen aller Art (draws: Lotterie, Lotto, Toto).

6 Im Börsenhandel allgemein der Unterschied zwischen dem Nennwert und dem höheren Kurswert eines Wertpapiers, ausgedrückt in Prozent des Nennwertes (the difference between the face value [par value] of a security and its market price when the latter is greater).

7 Betrag, welchen der Käufer eines Optionsrechts bezahlen muss und welchen der Verkäufer dieses Rechts aufgrund seiner Bereitschaft erhält, auf Verlangen des Käufers bis zum Verfalltermin jederzeit den Bezugswert zum vereinbarten Preis zu liefern bzw. abzunehmen (the price of an option, paid by the buyer of an option to the seller of an option).

8 Leistung, welche der Versicherungsnehmer (policyholder) dem Versicherer für Übernahme des Versicherungsschutzes schuldet (a regular periodic payment for an insurance policy: an insurance premium).

9 Vom Staat gewährte Zuschüsse,

1. um besondere wirtschaftliche Aktivitäten, wie früher etwa die Porzellanmanufaktur, heute Sparen, Wohnungsbau oder Ausfuhren anzuregen bzw.

2. um ein bestimmtes Verhalten in einzelnen Wirtschaftszweigen zu bewirken, wie etwa in der Landwirtschaft Flächen stillzulegen (Flächenstillegungsprämie; set-aside premium) oder Vieh abzuschlachten (Schlachtprämie; slaughtering premium).

10 Das Entgelt, welche ein Vermögensverwalter für seine Dienstleistung berechnet.

– Siehe Agio, Aufgeld, Ausfuhrprämie, Bonus, Credit Default Swap, Facility Fee, Fixum, Fringe Benefits, Gebühr, Handschlag, goldener, Hurdle Rate, Instituts-Vergütungsordung, Jubelgeld, Kaplaken, Kobra-Effekt, Mützengeld, Option, Performance Incentive Plan, Preis, Preisgeld, Report, Risikoprämie, Salär, Schlafgeld, Verlustübernahme, persönliche, Vorstandsvergütung, Werbegeld, Zentimetergeld, Zinsverbot, Zuschuss.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Prämiengeschäft (premium deal):

Besondere Art des Termingeschäftes, bei dem der Käufer oder Verkäufer durch Bezahlung einer im Voraus festgesetzten Prämie - auch Rückprämie (put premium) genannt - vom Terminkontakt zurücktreten (abandonnieren; abandon) kann.

– Siehe Abandon, Abstandsgeld, Reuegeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Prämien-Obligation (lottery bond, premium bond):

1 Jede Schuldverschreibung, die über ihrem Nennwert notiert (a bond which is trading higher than its par value).

2 Eine Schuldverschreibung, bei welcher der Ausgeber (issuer; Gläubiger) ausser der Rückzahlung des Nennwertes auch noch einen Aufschlag zahlt, wobei dieser aber durch Losverfahren nur auf bestimmte Papiere fällt in der Regel nach Nummern geordnet (sorted by their issue numbers).

– Siehe Losanleihe, Prämien-Schatzanweisung, Premium Bond, Sparprämienanleihe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Prämien-Rückstand (premium delay):

Bei einer Versicherung die überaus personalkostenintensive (extrem costly as to the input of personnel) Aufgabe, sich säumigen Beitragszahlern (defaulting premium payers) widmen zu müssen. - In der Branche haben sich verschiedene einzelne Schritte im Umgang mit säumigen Prämienzahlern herausgebildet, an deren Ende die Stornierung (cancellation) des Vertrags steht. - Besonders in der Lebensversicherung sind Zahlungsrückstände (Rezesse; arrears) und Zahlungsausstände (outstanding payments) seitens der Policeninhaber nachteilig, weil dann im Zuge einer allfälligen Embedded-Value Verbriefung entsprechend bemessene Abschläge auf den Pool berechnet werden müssen.

– Siehe Kunde, fauler, Retrozession, Risikoteilung, Verbriefung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Prämien-Schatzanweisung (Premium Treasury Bond):

In Deutschland 1951 ausgegebene Schatzanweisungen in Stücken von 10 DEM. Die Rückzahlung erfolgte nach längstens zehn Jahren zum Nennwert. Statt einer Verzinsung wurden nach einem Verlosungsplan Lotterie-Prämien ausgespielt. Diese "Baby Bonds" erfreuten sich äusserst grosser Beliebtheit (gained great popularity among all layers of population).

– Siehe Baby Bonds, Losanleihe, Postsparbrief, Stücke, kleine.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pränumeration (prepayment, cash in advance):

In älteren Dokumenten aus der Finanzwelt gesagt für

1. eine Vorauszahlung (payment in advance) oder

2. Anzahlung (earnest: money given by the buyer to the seller to bind the bargain). Der Vorausbezahler (prepayer) hiess auch Pränumerant.

– Siehe Vorschuss, Zahlung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pränumerationsvorbehalt und Vorauszahlungsklausel (prepayment clause):

Bei Schuldurkunden jeder Art und bei Wechseln im Besonderen die vertragliche Vereinbarung, dass der Schuldner zu einer vorzeitigen Rückzahlung schadlos - das heisst: ohne irgendwelche Nachteile in Kauf nehmen zu müssen - berechtigt ist (a provision in a promissory note stating the amount a borrower may repay ahead of schedule without incurring any penalty).

– Siehe Abruffrist, Rückzahlung, vorzeitige, Umschuldungs-Blase, Vorauszahlungsrisiko, Vorfälligkeits-Entschädigung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Präsenzbörse (parquet exchange, open outcry system, floor exchange):

Der Handel in Wertpapieren oder Waren findet in einem Börsensaal statt (floor trading; Parketthandel). Vertragsabschlüsse erfolgen zwischen den Händlern und Maklern durch Zuruf oder Handzeichen. Man spricht daher manchmal auch vom Zuruf-System oder Criée-Handel (open outcry: the trading manner by which competing market makers and floor brokers representing public orders make bids and offers on the trading floor).

– Siehe Akataphasie, Börse, Börse, elektronische, Eurex, Handelsplattform, Homebanking, Mobile Banking, Parketthandel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Präsentant (bearer of a bill):

In der älteren Finanzsprache der Inhaber eines Wechsels.

– Siehe Akzept, Aussteller, Bezogener, Cavata, Diskont, Diskonten, Diskonteur.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Präsentationsgeld (presentation fee):

1 In ihrer Höhe zumeist vertraglich festgelegte Bezahlung an Freiberufler allgemein und an Architekten im Besonderen für den Vorentwurf (preliminary draft) eines Projektes, für die Vorführung an den Auftraggeber: die Präsentation.

2 Die Zahlung eines Herstellers an den Einzelhändler, in dessen Geschäftsräume er der Kundschaft sein Produkt vorstellen (präsentieren; present) darf.

3 Bei einer Modell-Agenturen (modelling agency) üblicherweise im Voraus zu leistende Zahlung eines Bewerbers für die Kosten zur Erstellung der Modellphotokartei (sedcard; Sedcard, so benannt nach dem Erfinder Sebastian Sed, der um 1960 in die Branche auf Drängen der Filmstudios einheitlich gestaltete Bewerbungsunterlagen [application documents] einführte).

4 In älteren Dokumenten auch die Zahlung, welche in einigen deutschen protestantischen Landeskirchen (regional churches) der in eine Stelle eingewiesene Pfarrer an den Superintendenten zu leisten hatte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Präsenzgeld auch Anwesenheitsgeld (attendance fee):

Allgemein eine Zahlung an Personen, die als Mitglied eines Gremiums - wie Volksvertretung, Aufsichtsrat, Kammer - an dessen Sitzungen (sessions) teilnehmen.

– Siehe Platzgeld, Sachkunde, Schlafgeld, Sitzgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Prästanda (duties):

In älteren Dokumenten allgemeine Bezeichnung für Abgaben jeder Art, die ein Kaufmann als verpflichtende Geldleistungen im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit - Einkauf, Transport, Lagerung, Verkauf - zu erbringen hat.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pratikageld (pratique due):

In älteren Dokumenten die Zahlung eines Schiffes, das aus einem Seuchengebiet einfährt, zur Erlangung der Pratika (pratique), nämlich

1. der behördlichen Erlaubnis im Hafen zu landen (the license to enter port on conviction that the ship is free of contagious disease) bzw.

2. nach vorgeschriebener Quarantänezeit (once quarantine and other regulations have been complied with) die Fahrt fortzusetzen.

– Siehe Quarantänegeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Praxis (praxis):

Auch im Finanzbereich sehr häufig benutztes Wort in der Bedeutung:

1 Handeln nach sachbezogenen Grundsätzen und der Tätigkeit zugrundeliegendem fachkundigem Wissen (theoretischer Unterbau; theoretical grounding, scientific basis).

2 Die Gesamtheit der Kenntnisse und Erfahrungen, die aus beruflicher Verrichtung im Finanzbereich gewonnen wurden.

3 Das eingespielte Verhalten und übliche Vorgehen, die durchgängige Verfahrensweise bei Entscheidungen in besonderen Fällen, wie etwa bei Kundenreklamationen oder beim Verdacht der Geldwäsche, und in diesem Sinne in der Regel bei Verlautbarungen der Aufsichtsbehörde gemeint; dann auch häufig Praktik (practice: customary established and general accepted way to make a decision) genannt.

4 Alle im Finanzsektor tätigen Personen, sämtliche Finanzgeschäfte ausübenden fachkundigen Mitarbeiter als Berufsgruppe, und in dieser Bedeutung besonders auf deren Einstellungen und Meinungen gegenüber Ansinnen der Politik, Vorgaben (performance targets) der Aufsichtsbehörde oder Belehrungen besserwisserischer Professoren bezogen.

– Siehe Bankgewerbe, Banking, Poltergeist, Theoretiker.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Präzipuum (negotiating commission; premium pay; advance payment):

1 Vor allem in der älteren Finanzsprache die Vergütung, die eine Bank als Lead Manager im Konsortialgeschäft berechnet (the part of the management fee that the lead manager reserves as its remuneration).

2 Vorzugsanteil bei der Gewinnausschüttung an einen Gesellschafter für dessen besondere Leistungen.

3 Eine im Voraus geleistete Zahlung, im Besonderen innert von Konzernen die Vorabüberweisung (prepayment) von erzieltem Gewinn eines Konzernbetriebs an die Muttergesellschaft.

– Siehe Emissionshaus, Prämie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Prearranged Trading (so auch im Deutschen gesagt, seltener vereinbarter Handelsverkehr):

1 Geschäftsabschlüsse an der Börse, die nach vorheriger Absprache zweier Handelsteilnehmer

1. durch die unmittelbar aufeinander folgende Eingabe gleichartiger,

2. aber gegenläufiger Aufträge herbeigeführt werden (any purchase or sale transaction or series of transactions coupled with an agreement, arrangement or understanding directly or indirectly to reverse such transaction or series of transactions or limit the risk of either party to the transaction). Solche Verträge sind in den Börsenordnungen fast immer ausdrücklich verboten. Weil es sich um eine Form der Marktmanipulation handelt - denn es findet ja kein tatsächlicher wirtschaftlicher Austausch von Finanzinstrumenten oder Waren statt -, so verfolgen auch die Aufsichtsbehörden derartige Geschäfte.

2 Vertragliche Abmachung, die einen Partner ermächtigt, Geschäfte auf dem Finanzmarkt und im Besonderen die Umschichtung von Vermögenswerten aller Art auf Rechnung des Vollmachtgebers vorzunehmen (a written agreement allowing the contractual partner to execute certain acts on behalf of another in financial markets, especially moving of assets between investment opportunities).

– Siehe Bear Raid, Bull Raid, Diskretionskonto, Geschäfte, abgesprochene, Handeln, verdeckt gemeinsames, Kristallisation, Kursmanipulation, Marktmanipulation, Pairoff, Wash Sales.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 186 (aufgedeckte Fälle), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 164 (Schwerpunkt aufgedeckter Fälle liegt bei Freiverkehrswerten), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 183 f. (einzelne Fälle) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft."

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Preis (price; prize):

1 Der im Regelfall in Geld ausgedrückte Gegenwert eines Gutes im wirtschaftlichen Tauschverkehr. - Volkswirtschaftlich gesehen hat der Preis vor allem die Aufgabe,

1. den Ausgleich von Angebot und Nachfrage am Markt herbeizuführen (equalisation function; Ausgleichsfunktion) und

2. in seiner Höhe den Knappheitsgrad eines Gutes anzuzeigen (signal function; Signalfunktion).

3. Der Preis erfüllt zudem eine Lenkungsfunktion (incentive function), indem er Produktion und Investition auf die im Preis zum Ausdruck kommende Nachfrage hinsteuert. Die Produktionsfaktoren wechseln damit von der Produktion mit abnehmender Rentabilität zur Produktion mit zunehmender Rentabilität: sie gelangen mit anderen Worten in die Hände des besten Wirts (to the most favourable allocation of resources).

4. Der Preismechanismus gesamthaft sorgt für die Abstimmung der Pläne sowohl auf einem Markt wie etwa dem Finanzmarkt als auch auf allen dazu in Beziehung stehenden Märkten (Planabstimmungsfunktion; coordination function).

2 Das für die Ergreifung einer gesuchten Person ausgesetzte Geld (the sum offered for the capture of a person alive or dead).

3 Der Betrag, der von käuflichen Journalisten, geldgierigen Politikern und unredlichen Amtsträger für eine Gefälligkeit verlangt wird (the sum for which favourable reporting, support, consent, etc. may be obtained from a journalist, politician, or office holder).

4 In übertragenem Sinne alles, was man zur Erreichung eines Zieles aufwenden muss (that which must be given, done, or undergone in order to obtain a thing), und zwar auch nicht-ökonomische Dinge wie etwa ein Schaden an der Gesundheit oder der Verlust alter Freunde (loss of old friends).

5 [prize] Die für den Sieger in einem Wettkampf ausgelobte Summe oder sonstige Ehrung.

– Siehe Ausübungspreis, Bezugskurs, Börsenpreis, Break-Even-Preis, Defaveur, Draufgeld, Emissionspreis, Entstehungskurs, Fair Value, Geldzweck, Kaufpreis, Markt, aktiver, Preisgeld, Rückkaufspreis, Rückvergütung, Schmiergeld, Soft Money, Terminpreis, Wechselkurs, Wettbewerb.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Preis, administrierter (administered prices):

Von Behörden in irgendwelcher Form beeinflusster Marktpreis. Einzelne Mittel sind hier hauptsächlich

1. Marktregulierung (regulation of markets),

2. steuerliche Sonderbehandlung (special tax treatment),

3. Höchstpreisverordnung (ceiling price regulation),

4. Subventionen,

5. besondere Abgaben, etwa in Form von Fremdhafengeld oder

6. Zuschüsse, etwa für Erziehung und Unterricht, den öffentlichen Nahverkehr oder Mieten. Solcherart behördlich beeinflusste Preise müssen bei der Berechnung der Inflationsrate besonders beachtet werden.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom März 2003, S. 41 f., Monatsbericht der EZB vom Mai 2007, S. 42 ff. (Einfluss auf den HVPI-Gesamtindex; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Juli 2008, S. 79 ff. (Gewicht administrierter Preise im HVPI; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Preis, angegebener (posted price):

1 Der von einer Firma genannte Preis, zu dem sie ein angebotenes Gut kaufen bzw. an Kunden verkaufen möchte (the announced or advertised price indicating what a firm will pay for a commodity or the price at which the firm will sell it).

2 Ein extra übertrieben hoch angesetzter Preis, der aber nur bezweckt, hohe Rabatte ausweisen zu können; mit Umsatz zu diesem Preis wird von vornherein nicht gerechnet (a very high price which functions as the "original" price for discounts, but is never seriously demanded in full).

– Siehe Fabrikpreis, Marktpreis, Mondpreis.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Preis, manipulierter (artificial price):

Ein ausgewiesener Preis, der aufgrund von unlauteren Machenschaften (dishonest practices, unfair machinations) nicht dem Preis entspricht, wie er aus dem freien Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage zustande gekommen wäre (a price that has been affected by manipulation and is thus higher or lower than it would have been if it reflected the forces of supply and demand).

– Siehe Bear Raid, Bull Raid, Diskretionskonto, Geschäfte, abgesprochene, Handeln, verdeckt gemeinsames, Kursmanipulation, Marktmanipulation, Wash Sales.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Preis, zukunftbestimmter (price basing on forward price):

Ein Marktpreis heute, der sich an dem Preis für Termingeschäfte für das betreffende Gut ausrichtet. Häufig ist dies bei Getreide und Metallen zu beobachten (situation where producers, processors, merchants, or consumers of a commodity establish commercial transaction prices based on the futures prices for that commodity. This phenomenon is frequently observed in grain and metal markets).

– Siehe Ausübungspreis, Optionspreis.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Preisänderungen, gleichlaufende (parallel price movements):

Auf dem Finanzmarkt die Erscheinung, dass in Phasen ausgeprägter - gar globaler - Aktienkursänderungen ein Gleichlauf innert aller Titel zu beobachten ist. Durch Anlagestreuung kann man sich gegen eine solche marktweite Entwicklung kaum schützen.

– Siehe Modellunsicherheit, Phantomrisiken, Risiko, systematisches, Subprime-Krise, Szenarien, aussergewöhnliche, Volatilität.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 62 ff. (Volatilität, Stress; S. 65 ff.: Versuche zur Modellierung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Preisanpassungen (price alignments, price adjustments):

Wenn nicht anders definiert die Angleichung der Einzelhandelspreise an geänderte Marktverhältnisse. - Die Anpassungsgeschwindigkeit (speed of adjustment) ist dabei für die Geldpolitik von besonderer Bedeutung - vor allem in Bezug auf die Inflationserwartungen - und wird daher von den Zentralbanken beobachtet.

– Siehe Erhebung fachlicher Prognostiker, Geldpolitik, vorausschauende, Inflation, gefühlte, Inflation Targeting, Warenhorte, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2006, S: 85 ff. (mit vergleichenden Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Preisanpassungskosten (menu costs):

Aufwendungen, die einem Unternehmen dadurch entstehen, dass Preise einschliesslich der Abgaben - zumeist im Gefolge einer Inflation - neu berechnet werden müssen. Solche Kosten schlagen grundsätzlich umso stärker zu Buche,

1. je vielfältiger das Angebot eines Unternehmens ist und

2. je kürzer die Zeitabstände sind, die zu einer Neukalkulation zwingen (compel to recalculations). Ab an einer gewissen Belastungsgrenze (breaking point) vollzieht sich der Handelsaustausch erfahrungsgemäss zunehmend in Form von Baratgeschäften.

– Siehe Gegenseitigkeitsgeschäft, Geldfunktionen, sekundäre, Geldwertstabilität, Inflation, Kompensation, Menükosten, Schuhsohlenkosten, Zigarettenwährung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Preisdiskriminierung (price discrimination):

Ein Verkäufer stellt einzelnen Abnehmern für das gleiche Produkt unterschiedliche Preise in Rechnung. Dies gilt als missbräuchlich ausgeübte Marktmacht (abuse of market power) und ist nach § 19, Abs. 4 und § 20, Abs. 1 des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) verboten. - Umgangen wird das Verbot der Preisdiskriminierung vor allem dadurch, dass Unternehmen die Zahlungsbedingungen einzelnen Kunden gegenüber unterschiedlich gestalten, insbesondre die Zahlungsfristen und Skonti. Im wettbewerbsrechtlichen Schrifttum (competitive-juridical literature) kennt daneben viele weitere Umgehungstaktiken (sidesteps), auch bei Banken.

– Siehe Lieferantenkredit, Regulierungsdichte.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2012, S. 56 (Möglichkeiten der Preisdiskriminierung im Zuge des Lieferantenkredits).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Preisempfinden (price feeling):

Von Marktteilnehmern subjektiv (subjective: it is the opposite of objective and applies to reality as it is perceived, while objective relates to reality as it exists) empfundene Höhe der Preise auf einem Teilmarkt (sub-market, market segment) oder auf dem Markt gesamthaft (total market). Für die Geldpolitik eine wichtige Grösse, weil das Preisempfinden nachweislich das Ausgabeverhalten der Privathaushalte bestimmt und über höhere Lohnforderungen gar Zweitrunden-Effekte auslösen kann.

– Siehe Banknoten-Wertbeschränkung, Güter, kaufhäufige, Finanzpsychologie, Inflation, gefühlte, Inflations-Ausgleich, Inflationserwartungen, Preisvergleich, Vertrauensindikator, Teuro.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2004, S. 15 ff. (ausführliche Darstellung), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2008, S. 43, S. 46 (zunächst gestiegenes Preisempfinden in Deutschland nach Einführung des EUR; Literaturhinweis).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Preisgeld (prize money, trophy money):

1 Zahlung aufgrund einer Auslosung (Tombola; tombola).

2 Die wegen einer besonderen Leistung (victory ceremony; Siegerehrung) getätigte geldliche Zuwendung an eine Person (a sum awarded for winning or coming a place in a contest).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Preisgestaltungsaufschub (deferred pricing):

Der Besitzer eines Rohstoffes oder der Hersteller einer börsengängigen Ware verkauft eine bestellte, aber erst später zu liefernde Menge sofort aus seinem Lager. Gleichzeitig kauft er mit dem erlösten Geld einen Terminkontrakt für dasselbe Gut in der Erwartung, aus einem niedrigeren Marktpreis am Erfüllungsdatum einen Gewinn erzielen zu können.

– Siehe Option, Rohstoff-Terminvertrag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Preisindex der Lebenshaltung (cost of living index):

Statistischer Messwert, der Veränderungen in den Preisen für Güter ausdrückt, wie diese von Privathaushalten nachgefragt werden. Volkswirtschaftlich betrachtet die wichtigste Messgrösse; denn sie beeinflusst vor allem direkt und indirekt

1. die Politik der Zentralbank,

2. die Transferleistungen des Staates, besonders auf dem Gebiet der Sozialhilfe

3. die Dispositionen der Privathaushalte und Unternehmen,

4. das Verhalten der Tarifparteien und ist

5. in der EU ein Konvergenz-Kriterium gemäss Titel VII und Titel XVII des EU-Vertrags.

– Siehe Bio-Aufschlag, Cost-Push-Inflation, Demand-Pull-Inflation, Demand-Shift-Inflation, Harmonisierter Verbraucherpreisindex, Indexanleihe, Inflation, Inflations-Ausgleich, Inflationsmessung, Inflationsursachen, Kompositions-Effekt, Lohn, indexierter, Preisempfinden, Preisvergleich, Produktneuheiten, Qualitätsänderungen, Rampe, Reizschwelle, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Substitutionsverhalten, Vertrauensindikator, Wohnraum, selbstgenutzter, Zweitrunden-Effekte.

– Vgl. die Werte im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Preise, Produktion, Nachfrage und Arbeitsmärkte" im jeweiligen Monatsbericht der EZB, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2002, S. 40 f. (über Bereinigungen des Index), Monatsbericht der EZB vom September 2003, S. 28 (Vergleich Eurogebiet/Deutschland ab 1955), Monatsbericht der EZB vom März 2004, S. 44 f. (Aktualisierung der Gewichte), Monatsbericht der EZB vom Juli 2005, S. 61 ff. (sehr tiefgehende Erörterung; Besprechung von Sonderproblemen), Geschäftsbericht 2006 der Deutschen Bundesbank, S. 28 (detaillierte Übersicht EU, 2001 bis 2006).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Preisindex, hedonistischer (hedonistic price index):

In der Fachsprache der Statistiker ein Preisindex, bei dem Qualitäts-Veränderungen (quality alterations) der erfassten Produkte mit eingerechnet werden. Als Beispiel wird hier oft der Computer genannt. Denn ein Standard-PC von heute ist ein ganz anderes Produkt als noch vor fünf Jahren: grössere Festplatte und Speicher, schneller arbeitender Prozessor, geringerer Stromverbrauch und weitere Verbesserungen.

– Siehe Deflationierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Preiskonvergenz (convergence of prices):

Wenn nicht anders definiert die Angleichung der Preise für Waren und Dienstleistungen in einem gemeinsamen Währungsraum, im Besonderen im Eurogebiet. - In einem gemeinsamen Markt müssen eigentlich die Preise gleichartiger, international handelbarer Güter an unterschiedlichen Orten die gleichen sein, da sonst über Arbitrage-Geschäfte risikofreie Gewinne zu erzielen sind; hierbei wird das Gut am günstigsten Ort erworben und am teuersten mit Gewinn verkauft. Auf diese Weise werden Preisunterschiede durch die Marktkräfte ausgeglichen (nivelliert; leveled). - Treten nun aber im Euroraum tatsächlich Preisunterschiede auf, so sind diese ein Signal um zu erforschen, welche Gründe - etwa nationalstaatliche Marktinterventionen (national market interventions) - ursächlich sind.

– Siehe Preisstreuung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2009, S. 35 ff. (ausführliche Darstellung; Übersichten; Literaturangaben).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Preiskurant und Preis-Courant (price-current, price list):

In älteren Dokumenten gesagt für eine Preisliste (a table of items for sale with their prices), auch ein Preisverzeichnis für die Dienstleistungen einer Bank. - In Deutschland sind Banken gesetzlich verpflichtet, eine Aufstellung mit den Preisen für ihre hauptsächlichen Leistungen anzufertigen und im Geschäftslokal anzubringen. Für Internetbanken gilt Entsprechendes.

– Siehe Bankgebühren, Grundpreis, Pauschaltarif, Preisvergleich.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Preislücke (price gap):

In der Terminologie der Zentralbanken die noch nicht durch Preissteigerungen und/oder durch Wirtschaftswachstum absorbierte Liquidität (M 3) in der Volkswirtschaft. Die Preislücke vergrössert/verkleinert sich, wenn das reale Geldmengen-Wachstum über/unter dem Trendwachstum (trend growth, underlying growth: the long run average rate of economic growth for a country over a period of time) des realen Bruttoinlandsprodukts liegt. Entsprechend dieser Vergrösserung oder Verkleinerung steigt oder sinkt CETERIS PARIBUS der Inflationsdruck.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juli 2005, S. 51 ff. (Darstellung; Beziehungen zum Potentialwachstum).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Preisniveau (level of prices):

Die durchschnittliche Höhe aller Preise in einem Gebiet, also einem räumlich abgegrenzten Raum, wie Bundesland, Staat, EU. Weil sich die Preise für sämtliche Güter - deren sind mehrere Millionen - praktisch nicht ständig ermitteln lassen, wird eine bestimmte Anzahl von Gütern, ein repräsentativer Güterkorb (sample of goods; nicht: Warenkorb, wie fälschlich oft wo auch immer zu lesen ist; denn auch Dienstleistungen werden erfasst!) beobachtet. Daraus wird der Preisindex der Lebenshaltung errechnet. - Der Geldwert steht somit im reziproken Verhältnis zum Preisniveau.

– Siehe Harmonisierter Verbraucherpreisindex, Teuerungsdruck, sektoraler.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Preisniveausteuerung (price level targeting):

Vorgeschlagene Politik für eine Zentralbank, bei der diese nicht eine bestimmte zahlenmässige Vorgabe für die Inflationsrate - wie bei der EZB - festlegt (Inflation Targeting). Vielmehr gibt sie einen Zielpfad (target range) für das Preisniveau vor und verpflichtet sich, Abweichungen von diesem Zielpfad innert eines bestimmten Zeitraums zu glätten. Steigt jetzt das Preisniveau stark an, etwa aufgrund eines Ölpreis-Schocks, dann müsste die Zentralbank die Geldmenge vermindern. Kommt es zu einer Rezession mit sinkenden Preisen, dann könnte die Geldpolitik durch Massnahmen wie das Quantitative Easing nunmehr Liquidität bereitstellen und die Nachfrage stützen, einen Abschwung also (vielleicht) bremsen. - Als Vorteil eines solchen Zielpfades glaubt man, dass so der Ungewissheit über das zukünftige Preisniveau vermindert würde. Als Nachteil sieht man wahrscheinlich höhere Schwankungen (Oszillationen; oscillations) in der Inflationsrate. Auch wird bezweifelt, ob die Preisniveausteuerung das Vertrauen in die Geldpolitik befördern würde. Zudem ist zu fragen, wo hier die Grenzen der Geldpolitik enden und Konjunkturpolitik beginnt. Für eine solche aber hat die Zentralbank - zumindest gilt das für die EZB - weder das nötige Instrumentarium noch vor allem die demokratische Legitimität (democratic legitimacy).

– Siehe Aktivismus, zentralbankpolitischer, Ausrichtung, einzielige, Inflation Prognose-Modell, Targeting, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2010, S. 30 ff. (ausführliche Darstellung, sprachlich jedoch teilweise unschön; Übersichten; Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Preisrisiko (price risk):

Ein allfälliger Verlust aus dem Umstand, dass sich Marktpreise ungünstig entwickeln (the possibility of losses - in both: on-balance sheet and off-balance sheet positions - arising from movements in market prices).

– Siehe Defaveur, Marktrisiko, Marktrisiko-Stresstest, Rohstoffpreisrisiko.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Preisrückgang (disappreciation):

Wenn nicht anders definiert das Wiedereinpendeln der Preise auf einen Stand vor einer aussergewöhnlichen Teuerung.

– Siehe Deflation, Disinflation, Inflation.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Preissetzungsmacht (pricing power):

Die Möglichkeit eines Unternehmens, die Angebotspreise in gewissem Rahmen zu bestimmen. Dies ist vor allem möglich aufgrund

1. eines (Quasi)Monopols, wie etwa die OPEC,

2. dank einer hervorragenden Unit-Value-Relation, die eine sehr hohe Produktqualität und damit im Regelfall eine technologische Spitzenstellung (leading technological position) ausdrückt

3. oder anderer Präferenzen wie Markenname (brand name) und weiterer Umstände, wie beispielsweise staatliche Rückendeckung in jedwelcher Form.

– Weil für Darlehn an solche Firmen das Risiko geringer als im Durchschnitt der Kreditnehmer einer Bank ist, so werden diese in der Regel auch zu günstigeren Konditionen bedient. Dies wiederum stärkt die Ertragskraft (earning power) der betreffenden Unternehmen.

– Siehe Bonitätsklasse, Erzeugerpreise, industrielle, Importgehalt, Kreditrisiko, Kreditrisiko-Prämie, Krisenanfälligkeit, Offenheitsgrad, Risikoadjustierung, Strukturwandel, Terms of Trade, Wechselkurs, Wettbewerbsfähigkeit, Zinsallkokations-Funktion.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Preisstreuung (price variance):

Die Abweichungen der Preise vom Mittelwert in einem Wirtschaftsraum. Für die Geldpolitik ist die Kenntnis von Unterschieden von Bedeutung.

– Siehe Inflationsdifferenzen, Kompositions-Effekt, Preiskonvergenz, Realzinsargument, Teuerungsdruck, sektoraler, Wechselkurs-Effekt, realer.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2002, S. 43 ff. (ausführliche Darstellung in Bezug auf Euroland), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2008, S. 39 f. (Veränderung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit innert der EWU-Staaten seit 1999), Jahresbericht 2008 der EZB, S. 93 ff. (unterschiedliche Wettbewerbsfähigkeit einzelner EU-Mitgliedsstaaten; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2009, S. 35 ff. (ausführliche Darstellung in Bezug auf die EWU; Übersichten; Literaturangaben).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Preisstabilität (price stability):

Bei der EZB der Anstieg des Harmonisierten Verbraucherpreisindex gegenüber dem Vorjahr in der mittleren Frist um zwei Prozent. Durch die Bezugnahme auf den Harmonisierten Verbraucherpreisindex ist klargestellt, dass die Verbraucherpreise gemeint sind. Die Stabilität von Vermögenspreisen fällt also nicht unter diese Festlegung. Aus ist damit ebenfalls ausgeschlossen, dass nur die sog. Kerninflation gemessen wird, also aus dem Güterkorb bestimmte, stark preisschwankende (volatile) Bestandteile (etwa Erdöl) herausgefiltert werden. - Logisch und sachlich wäre ein Anstieg von null Prozent als "Preisstabilität" zu benennen. Da jedoch innert der EU-Mitglieds¬staaten die statistische Erfassung von Preisänderungen noch uneinheitlich ist (unterschiedliche Güterkörbe; different samples of goods), so glaubt man diesen Spielraum einrechnen zu müssen.

– Siehe Asset-Price Inflation, Geldlücke, Geldwertstabilität, Greenspan-Doktrin, Harmonisierter Verbraucherpreisindex, Inflation, Inflationsdifferenzen, Kompositions-Effekt, Sparquote.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juni 2002, S. 38 ff., Monatsbericht der EZB vom Mai 2008, S. 79 ff. (Preisstabilität und Wachstum; viele Übersichten; wichtige Aufschlüsselungen; Probleme der Messfehler; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Preisvergleich (comparison of prices):

Die prüfende Gegenüberstellung von des Betrages, der beim Kauf eines Gutes bezahlt werden muss. Ein solcher Vergleich wird wesentlich erleichtert/erschwert, wenn er auf das gleiche/unterschiedliche Geld bezogen wird. Für die Einführung des EUR war die Vergleichbarkeit der Preise ein wichtiges Argument; zumal auch nach verlässlichen Untersuchungen kein Zehntel der deutschen Bevölkerung in der Lage ist, eine Dreisatzrechnung auszuführen (rule of three: aus drei bekannten Grössen ist eine zu ihnen im Verhältnis stehende vierte unbekannte Grösse zu finden).

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2008, S. 34 (statistische Erhebung; Literaturverweis).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pre-Marketing (so auch im Deutschen gesagt, zuweilen auch [unschön] Versuchsvermarktung):

In Bezug auf das Bookbuilding der Versand von Analysten-Studien an allfällige - in der Regel institutionelle - Investoren mit dem Ziel, deren Kaufbereitschaft auszuloten. Oft wird in einem auch vorgefühlt, welchen Preis für die neue Emission seitens der Kontaktpersonen - im Wesentlichen Fonds-Manager - als angemessen betrachtet wird. Die entsprechenden Rückmeldungen helfen den Emissionsbanken, die Begebung entsprechend zu gestalten. Das Pre-Marketing geschieht in der Regel kurz vor der Roadshow.

– Siehe Arranger, Ausgabenaufschlag, Begebung, Bonbon, Bookbuilding, Club Deal, Deal, Emissionsgeschäft, Emissionshaus, Emissions-Rendite, Ersterwerber, Garantiesyndikat, Investment Banking, Intercreditor Agreement, Konzertzeichner, Marktpflege, Metaverbindung, Roadshow, Secondary Offering, Underwriter, Wertpapier-Emissionen, Wertpapier-Verkaufsprospekt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Premium Bond (so auch im Deutschen gesagt; seltener Überparianleihe):

Der Kurs einer Anleihe liegt über dem Nominalwert (face value: 100). In diesem Fall ist CETERIS PARIBUS die Kuponrate höher als die Marktverzinsung. Die Nachfrage nach einer solchen Anleihe wird steigen, der Kurs erhöht sich, und die Effektivverzinsung wird sich auf diese Weise der Marktverzinsung selbsttätig angleichen.

– Siehe Effektivverzinsung, Kuponrate, Prämie, Prämien-Obligation.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Present Value of a Basispoint, PVBP (so auch im Deutschen gesagt, seltener basispunktbezogene Wertänderung):

Wenn nicht anders definiert eine Kennzahl die angibt, um wieviel sich der Barwert eines Finanzinstruments oder eines Portefeuilles ändert, wenn sich der Zinssatz um 0,01 Prozent, also um einen Basispunkt ändert (a measure of the change in the cash value of a financial instrument or a portfolio if the market interest rate changes by one basis point).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Préstamo (forced contribution):

Ein spanisches Wort, das strenggenommen mit Darlehn zu übersetzen ist. In Südamerika hat es aber inzwischen auch die unschöne Nebenbedeutung (ugly secondary meaning) einer erzwungenen Spende. Als reich eingeschätzte Nordamerikaner, Asiaten und Europäer werden oft genug in Behörden von Angestellten und selbst in Hospitälern vom Pflegepersonal um ein Préstamo gebeten, ja schon nachdrücklich aufgefordert (asked insistently). Unmittelbar, förmlich wird zwar nur um Leihe von Geld gebeten. Daher fällt es auch den Anti-Korruptionsstellen (anti-corruption authorities which are said to be infiltrated by corrupt elements themselves) schwer, gegen diese Unsitte einzuschreiten. Aber die oft ausdrücklich nur für einige Tage geliehene Summe wird natürlich nie wieder zurückbezahlt; und einer entsprechenden Nachfrage hat man sich tunlich zu enthalten. Nicht wenige Bedienstete verschaffen sich auf diese Weise ein erkleckliches Zubrot. Dies wiederum hält viele Investoren davon ab, sich in Lateinamerika zu engagieren.

– Siehe Handgeld, Douceur, Kapplaken, Peep, Schmiergeld, Trinkgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Primahaus (first-rate house):

In der älteren Finanzsprache eine Bank, die höchstes Ansehen geniesst.

– Siehe Finanzdienstleistungsinstitut, Finanzinstitut, monetäres, Institut, Kreditinstitut, Schwindelbank.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Primäreinkommen (primary income):

Im Jahr 2014 neu eingeführte Erfassungseinheit innert der volkswirtschaftlichen Leistungsbilanz. Das Primäreinkommen umfasst die Erwerbs- und Vermögenseinkommen nebst den Produktions- und Importausgaben sowie Subventionen und Pachteinkommen.

– Siehe Sekundäreinkommen.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2014, S. 59 ff. (Umordnung der Erfassungsmethodik, ausführliche Darstellung mit Übersichten und wichtigen Informationen in den Anmerkungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Primärliquidität (primary liquidity):

Bargeld und Sichteinlagen bei der Zentralbank.

– Siehe Basisgeld, Geldbasis, Liquidität, M1.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Primärmarkt (primary market):

Der Handel mit Wertpapieren oder anderen Finanzinstrumenten in der Erstplazierung (initial placing).

– Siehe Begebung, Emission, Sekundärmarkt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Primärsaldo (primary balance):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter das öffentliche Finanzierungssaldo (government net lending/borrowing) eines Staates abzüglich der Zinszahlungen.

– Siehe Staatsschulden, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Steuerwettbewerb, Tragfähigkeitslücke, Verfassungsartikel eins, Verschuldungsquote, öffentliche, Wagner'sche Gesetz.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom März 2011, S. 104 ff. (Erläuterungen; Berechnungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Primärüberschuss (primary surplus):

Grob definiert die positive Differenz zwischen staatlichen Einnahmen und Ausgaben; im Falle einer negativen Abweichung spricht man von Primärdefizit. Ein Primärüberschuss bedeutet damit, dass die Einnahmen zureichen, um die Kernausgaben und darüber hinaus noch einen Teil der Zinslasten zu finanzieren. - Ein Primärdefizit dagegen weist darauf hin, dass die Einnahmen nicht ausreichen, um die Kernausgaben zu bezahlen.

– Siehe Defizitquote, Finanzpolitik, Frühwarnrecht, Geldpolitik, Gruppendruck, Haushaltsdefizit, Haushalts-Vorabstimmung, europäische, Nachhaltigkeit, Schuldenquote, Solidarität, finanzielle, Staatsverschuldung, Stabilitäts- und Wachstumspakt.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juni 2010, S. 103 ff. (Primärüberschuss in den EU-Ländern im Vergleich).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Prime Broker (so auch im Deutschen gesagt; seltener Hedge-Fonds-Makler):

Finanzdienstleister, welche ganz oder überwiegend auf die Bedienung von Hedge-Fonds ausgerichtet sind. Dabei handelt es sich vor allem um

1. die Bereitstellung von Fremdkapital gegen Sicherheiten zur Finanzierung von Einschuss- und Nachschuss-Aufforderungen an Terminmärkten,

2. die Beschaffung von Wertpapieren,

3. Intermediärdienste in Zusammenhang mit einer Wertpapieranleihe,

4. die Besorgung und Abrechnung von Wertpapiergeschäften, welche der Hedge-Fonds tätigt sowie auch

5. die Verwahrung von Wertpapieren.

– Siehe Hedge-Fonds, Hedge-Fonds-Gefahren, Master-Kapitalverwaltungsgesellschaft, Zweckgesellschaft.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 213, Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 182 (Merkblatt), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 168 f. (neue Definition des Prime Broker in § 2, Abs 15 InvG; Aufgabenbeschreibung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Prime Rate (ins Deutsche manchmal mit Eckzins übersetzt):

In den USA und Kanada üblicher Zinssatz, den "erste Adressen" (first-class borrower: Unternehmen, die sich in der Vergangenheit als vorbildliche Schuldner [ideal debtors] erwiesen haben) für die Aufnahme von kurzfristigen Krediten an ihre Banken zahlen müssen. Der Prime Rate kommt in den USA der Charakter eines Leitzinssatzes zu. - Steigt die Prime Rate, dann müssen die Unternehmen konsequenterweise höhere Zinsen zahlen, was CETERIS PARIBUS die Ertragskraft (earning power) drückt. Als Folge fallen in der Regel die Aktienkurse der Gesellschaften. - Eine sinkende Prime Rate hat im Regelfall die gegenteilige, positive Auswirkung auf die Börse.

– Siehe Basiszins, Leitzins, Zinsweitergabe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Principal-Agent-Problem (so auch im Deutschen gesagt; zuweilen auch Kapitalgeber-Management-Dilemma):

1 Handlungen und Entscheidungen der Unternehmensleitung stehen in Widerspruch zu den Interessen des Auftraggebers bzw. der Eigentümer. Dadurch kann es durch gewagtes oder gar betrügerisches Handeln der Manager - Enron-Skandal 2001, WorldCom-Skandal 2002 - zu Insolvenzen mit weitreichenden Folgen sogar für die Stabilität des weltweiten Finanzsystems kommen.

2 Ein kreditgebendes Institut (principal; Prinzipal) ist grundsätzlich im Informationsnachteil gegenüber dem Management (agent; Agent) eines Unternehmens.

– Siehe Aktivitäts-Verlagerung, bilanzbestimmte, Anderson-Skandal, Corporate Governance, Peter-Regel.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2005, S. 95 ff., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2012, S. 15 (Principal-Agent-Problem und die Theorie der Finanzierungshierarchie).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Privatbanken (private banks):

In der Statistik in der Regel der Oberbegriff für Privatbankiers, Regionalbanken und Spezialbanken. In Deutschland werden diese Institute von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht mit besonderem Auge überwacht, weil hier immer wieder gravierende aufsichtliche Beanstandungen zu verzeichnen waren.

– Siehe Autobank, Bank, Bankier, Einzelfirma, bankliche, Firmenbank, Front Desk, Honorar-zurück-Garantie, Inhaberkontrollverfahren, Privatbankier.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 116 f. (Definition; Prüfungsergebnisse) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Beiheft "Bankenstatistik" der Deutschen Bundesbank, Anhang "Erläuterungen".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Privatbankier (private banker, individual banker):

Persönlich mit ihrem Vermögen haftende Inhaber bzw. Teilhaber von Banken in der Rechtsform der Einzelfirma oder Kommanditgesellschaft. - In Deutschland sind solche Firmen grundsätzlich nicht erlaubt. In der Schweiz bestehen solche, teilweise traditionsreiche und in der Regel auf einen bestimmten Kundenkreis oder auf ein Geschäftsfeld spezialisierte Bankhäuser (privately owned and managed bank) vor allem in Basel, Genf, Lausanne und Zürich.

– Siehe Bankier, Behauptungs-Strategie, Einzelfirma, bankliche, Gibrat-Regel, Helvetophobie, Kundennähe, Zinsinsel.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 117 (Inhaberkontrollverfahren bei Privatbanken; Fragen zur Erlaubnis für die Rechtsform einer Personenhandelsgesellschaft).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Privatdiskontsatz (market discount rate; USA: prime rate):

Diskontsatz, zu dem die Banken erstklassige Handelswechsel und Bankakzepte diskontieren.

– Siehe Prime Rate, Rediskontieren.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Private Banking (so auch im Deutschen gesagt; seltener Privatkundengeschäft):

Anlageberatung und Vermögensverwaltung der Bank für private und institutionelle Kunden (banking services, including lending and investment management, for wealthy individuals and institutional clients). Im engeren Sinne mein Private Banking lediglich Geschäfte mit vermögenden Privatpersonen.

– Siehe Anlageberatung, Anleger, institutionelle, Festpreisgeschäft, Merchant Banking, Mitarbeiter-Register, Multi-Boutique-Ansatz, Partikulier, Privatvermögen.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 69 (erhöhtes Geldwäsche-Risiko).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Private Equity (so auch meistens in Deutschen; seltener Privates Eigenkapital und Ausserbörsliches Eigenkapital):

Oberbegriff für jede Form der ausserbörslichen Unternehmensfinanzierung (general term for the private market including all forms of equity or quasi-equity investment). Dabei stellen Privathaushalte, Unternehmen, Banken oder Versicherungen entweder Eigenkapital oder eigenkapitalähnliche Aktiva für eine bestimmte, vertraglich festgelegte Zeit zur Verfügung. Die Abgrenzung zum Risikokapital ist im Einzelnen sehr schwer.

– Siehe Bankenregulierungs-Paradoxon, Buyout-Kapital, Finanzinvestor, Risikokapital, Schattenbank.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Private-Equity-Finanzierung (so auch im Deutschen gesagt, seltener privatarrangiertes Mittelaufkommen):

Die Beschaffung von Kapital bei vermögenden Privathaushalten und bei institutionellen Anlegern - also an privaten statt an öffentlichen Märkten, daher: "private" - mit dem vornehmlichen Zweck,

1. das Risiko bei Geschäftsneugründungen (new business starts; Start-ups) mitzutragen, oder

2. die Neuordnung (restructuring; Restrukturierung, oft mit dem Ziel eines anschliessenden Börsengangs) eines Unternehmens zu finanzieren.

– Siehe Buyout-Kapital, Gründerbank, Inkubator, Leveraged Buy-out, Mikro-Finanzierung, Risikokapital, Seed Capital, Toogle-Schuldtitel.

– Vgl. ausführlich Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2007, S. 16 ff., Monatsbericht der EZB vom Juni 2007, S. 51 ff. (Gründe für die Zunahme von Private-Equity-Geschäften; Gefahren; Übersichten), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 51 (besondere Risiken; Massnahmen zum Anlegerschutz).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Private Equity Fund (so auch im Deutschen gesagt; seltener privater Beteiligungsfonds):

In mancherlei Form vorkommende und im Einzelnen vielfältig gestaltete Kapitalverwaltungsgesellschaft, die grundsätzlich risikogestreut in oft nicht börsennotierte Firmen investiert (an investment firm which raises funds and invests into companies according to specific strategies). Häufig ist der jeweilige Fonds auf die besonderen steuerlichen Gegebenheiten einzelner Zeichnergruppen (classes of potential subscribers) zugeschnitten. - Im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise wurde den im Grund durch Aufsichtsbehörden nicht überwachten Private Equity Funds eine Mitschuld für die Verursachung der Krise zugesprochen. Dafür gibt es jedoch keinerlei überzeugende Beweise (absolutely no manifest evidence).

– Siehe Anleger, institutionelle, Ausschlachten, Bankenregulierungs-Paradoxon, Beteiligungsgesellschaft, Burn-Out Turnaround, Buyout-Kapital, Eigenhandel, Finanzinvestor, Firmenfonds, G-Sifis, Investmentfonds, alternativer, Kapitalverwaltungsgesellschaft, Kapital-Abzapfung, Private-Equity-Finanzierung, Rekapitalisierung, Renditejagd, Restrukturierung, Risikokapital, Risikoüberwachung, gegliederte, Schattenbank, Vulture Fund.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Oktober 2005, S. 23 ff. (Private-Equity-Markt in Europa mit Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Private-Label Asset-Backed Securities, PL-ABS (so auch meistens im Deutschen, seltener tranchierte Auftragsfonds-Papiere):

Forderungsbesicherte Wertpapiere aus einem Pool, den ein Vermögensverwalter in einem Auftragsfonds (Private Label Fund) zusammengestellt und tranchiert hat. Entsprechende Verbriefungspapiere werden in der Regel bei institutionellen Anlegern untergebracht. Unter bestimmten Voraussetzungen besitzt die Senior-Tranche aus der Verbriefung bei der EZB die Notenbankfähigkeit.

– Siehe Asset-Backed Securities, Kapitalverwaltungsgesellschaft, Verbriefung.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2008, S. 102 (Notenbankfähigkeit bei der EZB, nicht jedoch beim Federal Reserve System der USA).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Privathaushalt in der älteren Literatur auch Domestizität und Menage (private household):

Wirtschaftseinheit, in der Güter zur persönlichen Bedürfnisbefriedigung - zur Erhaltung und Gestaltung des Lebens, des Daseins - verwendet werden. - Dessen sämtliche das Geld betreffenden Entscheidungen werden von der EZB erfasst und nach Komponenten unterteilt - vor allem: Sachvermögensbildung, Geldvermögensbildung, Nettozugänge an Verbindlichkeiten - ausgewiesen. - Der private Verbrauch macht etwa siebzig Prozent der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage im Eurogebiet aus; in den USA liegt dieser Anteil in etwa auf gleicher Höhe.

– Siehe Baulandvermögen, Einkommen, verfügbares, Gebrauchsgüter, Geldzweck, Kapitalgesellschaften, nichtfinanzielle, Partikulier, Privathaushalte, Abgrenzung, Sparwut, Überschusseinheiten, Verschuldungsquote, private, Wohneigentum, Wohnraum, selbstgenutzter.

– Vgl. den Anhang "Statistik des Euro-Währungs¬gebiets" des jeweiligen Monatsberichts der EZB, sowie für Deutschland im "Statistischen Teil" des jeweiligen Monatsberichts der Deutschen Bundesbank, Rubrik "Konjunkturlage", Unterrubrik "Einkommen der privaten Haushalte", Monatsbericht der EZB vom März 2006, S. 52 ff. (Darlehn von nichtmonetären Finanzinstituten an Privathaushalte), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2006, S. 71 ff. (wichtige Neuerungen in der Erfassung und Darstellung; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Juni 2007, S. 74 ff. (Quartals-Sektorkonten; Übersichten), Vgl. Monatsbericht der EZB vom Oktober 2007, S. 75 ff. (langfristige Entwicklung der Darlehn; Einteilung nach Arten und Zwecken; viele Übersichten), Monatsbericht der EZB vom März 2008, S. 63 (Anstieg der Verschuldung im Verhältnis zum Bruttoeinkommen und bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt, 2000 - 2007), Monatsbericht der EZB vom Juli 2008, S. 20 ff. (vergleichende Übersicht der Kredite an Privathaushalte, 2000–2007), Monatsbericht der EZB vom April 2009, S. 75 ff. (Vergleich der Finanzierung von Privathaushalten und nichtfinanzieller Kapitalgesellschaften zwischen den USA und dem Eurogebiet; lehrbuchmässige Darstellung; viele Übersichten), Finanzstabilitätsbericht 2010, S. 79 f. (Geldvermögen und Verschuldung seit 1991), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2012, S. 29 ff. (Vermögen der Privathaushalte in Deutschland; ausführliche Darstellung; viele Übersichten), S. 66: ein Drittel der finanziellen Vermögenswerte der Privathaushalte besteht aus Ansprüchen an Versicherungen und Pensionskassen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Privathaushalt, Abgrenzung (definition of private household):

Bei zwischenstaatlichen Vergleichen ist zu beachten, dass im Eurogebiet den Privathaushalten in der Statistik auch Einpersonenunternehmen, Freiberufler und Personengruppen beigezählt werden. Diese werden in den USA dem Unternehmenssektor zugeordnet. Diese Tatsache erschwert die Vergleichbarkeit entsprechender Zahlen.

– Siehe Kapitalgesellschaften, nichtfinanzielle.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2012, S. 30 (einen "repräsentativen Privathaushalt" gibt es nicht, was die Geldpolitik zu beachten hat).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Privatkredit (private credit):

Allgemein jederart Darlehn einer Bank an Privathaushalte. - Bankbetrieblich verursacht dieser Geschäftszweig zwar verhältnismässig hohe Fixkosten. Er gilt andererseits aber auch weithin als dauerhafte Rückendeckung (backing, stability), besonders bei einlagefinanzierten Instituten wie Volksbanken und Sparkassen. - Im Jahr 2008 wurden fünfundvierzig Prozent der inländischen Kreditvergabe - ohne Staats- und Interbankredite - der deutschen Banken von Privathaushalten in Anspruch genommen. Etwas mehr als drei Viertel davon waren Darlehn im Zusammenhang mit dem Wohnungsbau bzw. der Wohnungsnutzung.

– Siehe Abstattungskredit, Abzahlungsfrist, Bank Lending Survey, Blankokredit, Barkredit, Buchkredit, Corporate Finance, Dispositionskredit, Kredit-Punktbewertungs¬verfahren, Konsumkredit, Laufzeitgeld, Mehrfachverbindung, Mindestanzahlung, Paketdarlehn, Personalkredit, Qard al-Hasan, Retailgeschäft, Überziehung, Verschuldungsquote, private, Vorlage, Zinsstatistik, Zinsverbot.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juni 2001, S. 15 ff. zur Aufschlüsselung. Im Teil "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Monetäre Entwicklungen, Banken und Investmentfonds" des jeweiligen Monatsberichts der EZB im neuesten Stand ausgewiesen, Jahresbericht 2004 der EZB, S. 39; Monatsbericht der EZB vom Juli 2005, S. 99 (Zinsunterschiede zwischen Kredite an Unternehmen und Privathaushalte), Monatsbericht der EZB vom Mai 2006, S. 17 ff. (längerfristige Entwicklung der Privatkredite mit vielen Übersichten), Jahresbericht 2005 der EZB, S. 45 ff. (Unterschiede in einzelnen Ländern des Euroraums), Monatsbericht der EZB vom Juni 2007, S. 57 ff. (Verlaufsmuster der Darlehn an Privathaushalte; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2009, S. 19 ff. (Privatkredite im Konjunkturzyklus; Übersichten; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Privatsektor-Beteiligung (private sector sharing):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter alle Formen des Beitrags privater Gläubiger am Abbau von Staatsschulden. Im Zuge des Griechenland-Krise und der Einrichtung von Rettungspaketen trat diese Praxis in das Scheinwerferlicht der europäischen Öffentlichkeit.

– Siehe Pflichtwandelanleihe, Vermögensabgabe, Zwangsenteignung.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Oktober 2011, S. 45 f. (die Einbindung privater Gläubiger birgt weitreichende Gefahren; in der Fussnote 1 Definition des zusammengesetzten Begriffes "Beteiligung des privaten Sektors"), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2014, S. 52 ff. (einmalige Privatsektor-Beteiligung wird begründet; Probleme).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Privatisierung (privatisation):

1 Allgemein der Übergang einer öffentlich-rechtlichen, staatlichen Aufgabe an nicht-öffentlich verfasstes Unternehmen (the economic process of transferring property from public ownership to private ownership; an opposite process is nationalisation).

2 In Bezug auf den Finanzsektor im Besonderen gesagt von der völligen oder teilweisen (Teilprivatisierung; partial privatisation) Eigentumsübergabe eines bis anhin staatlichen Instituts an private Eigner. - In der Vergangenheit geschah dies zumeist dann, wenn das Institut durch unfähige aber hochbezahlte Personen aus den politischen Parteien (incompetent, high-salaried party comrades) dem Bankrott nahe oder an diesen schon herangekommen war.

– Siehe Free Banking, Hypo Real Estate-Rettung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2009, S. 19 (Einzelfallprüfung bei jedem Privatisierungsvorhaben geboten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Privatvermögen (private assets):

Wenn nicht anders definiert, die im Besitz von Privathaushalten befindlichen Vermögensgegenstände, und hier in erster Linie Wohneigentum, und Wertpapiere.

– Siehe Baulandvermögen, Gebrauchsgüter, Mobiliarvermögen, Private Banking, Vermögen, Vermögenseffekt, Vermögenspreise.

– Vgl. die Berechnung und die ermittelten Werte in der Rubrik "Finanzkonten und nichtfinanzielle Konten", Unterrubrik "Jährliche Ersparnis, Investitionen und Finanzierung" im Teil "Statistik des Euro-Währungsgebiets" im jeweiligen Monatsbericht der EZB, Monatsbericht der EZB vom Dezember 2006, S. 51 ff. (Statistik Grundbesitz; Berechnung des Reinvermögens), S. 22 ff. (Statistik finanzielle Vermögenswerte; beidesmal mit wichtigen Übersichten und Erläuterungen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2007, S. 41 ff. (Entwicklung des Privatvermögens seit 1991; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Privatplazierung (private placement) auch Eigenemission und (wie im Englischen) Private Placement:

1 Schuldverschreibung, die am Euromarkt tätige Institute

1. zur eigenen Refinanzierung oder

2. im Auftrag von Kunden bei einem beschränkten Kreis von Anlegern unmittelbar unterbringen.

2 In Deutschland Angebot an einen kleinen Kreis von Kunden (institutional investors; institutionelle Anleger wie vor allem Kapitalverwaltungsgesellschaften und Versicherungen) zum Kauf von Wertpapieren und insbesondere von Anleihen, für die keine Börsenzulassung vorgesehen ist (an issue that is offered to a single or a few investors as opposed to being publicly offered). Die Emission kann auf diese Weise sehr rasch und kostengünstig untergebracht werden, weil die Ausgabe-Belastungen für die Prospekterstellung und Börseneinführung entfallen (private placement often is chosen when the issuer wants to avoid complexities as regulation or information disclosure of a public offering).

3 Im weitesten Sinne: einer beschränkten Zahl von Investoren (institutional investors: Banken, Kapitalverwaltungsgesellschaften, Versicherungen) wird ein Angebot zur Übernahme von Titeln unterbreitet. - Das Spektrum anzubietender Beteiligungsmöglichkeiten im Rahmen eines solchen Angebots ist sehr viel breiter und attraktiver als eine Wertpapieremission über die Börse und deckt den gesamten Bereich der Finanzinstrumente, einschliesslich der vielen Formen des Mezzanin-Kapitals ab. Insbesondere können am ausserbörslichen Finanzmarkt wertpapierlose – und damit kostengünstigere – stimmrechtslose Beteiligungen (long-term equity investments) und dazu zum Teil mit erheblichen Steuervorteilen für Unternehmen und Anleger angeboten und vertrieben werden. - Statistisch steigt der Anteil der Privatplazierungen seit 2000 gegenüber der Begebung von Anleihen über die Börse stetig an; es gibt freilich nur Schätzungen und bis anhin keine genaue Zahlen über den Umfang der Geschäfte.

– Siehe Commercial Papers, Endanleger, Equity Kicker, Erstverlust-Tranche, Katastrophen-Anleihen, Kreditderivat, Krediterweiterung, Medium Term Notes, Originator, Papiere, Private-Equity-Finanzierung, Prospektpflicht, Register für qualifizierte Anleger, Retrozession, Risikokapital, Single Hedge-Fonds, Titel, Terror-Papiere, True-Sale-Verbriefung, Verbriefung. Vertrieb, öffentlicher, Wetterderivat.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 183 f. (Bedingungen einer Erlaubnis für das Auflegen von Hedge-Fonds allgemein und des Vertriebs auf dem Wege der Privatplazierung), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2008, S. 36 (Vor- und Nachteile privatplazierter Anleihen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Probability of Default, PoD (so auch im Deutschen gesagt: daneben Ausfallwahrscheinlichkeit):

In Zusammenhang mit dem Risikomanagement einer Bank die Wahrscheinlichkeit, dass eine Gegenpartei innert eines bestimmten Zeitraums - meistens auf ein Jahr bezogen - ausfällt (the likelihood that counterpart will fall into default).

– Siehe Ausfallrisiko, Event of Default, Home Equity Loan, Kredit, notleidender, Kreditqualität, Kreditrisiko, Liquiditätsrisiko.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Probator (auditor; probator):

In älteren Dokumenten

1 Rechnungsprüfer (accountant: a person authorised to examine accounts),

2 Revisor (controller, comptroller: an officer appointed to check expenditures) oder

3 vereidigter (Ehren)Beamter, der den Gehalt von Metallen bestimmt, und hier im Besonderen die Mischung von edlem und unedlem Metall in Münzen feststellt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Probemünze auch Peuille (pattern, specimen):

Eine vorab angefertigte Münze zu Testzwecken (testing purpose). Oft waren solche Stücke nicht aus dem später verwendeten teuren Metall hergestellt und unterschieden sich dadurch von den später in Umlauf kommenden Münzen. Als solche Besonderheiten sind sie bei Sammlern heute sehr begehrt.

– Siehe Fehlprägung, Geldstein, Gequetschte, Goldwaage, Kurantmünze, Münzen-Paradoxon, Münzpflege, Numismatik, Numismatographie, Rändelung, Remedium, Revers, Scheidemünze, Schmelzofen, Wardein.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Product Placement (so auch im Deutschen gesagt¸ seltener Produktplazierung):

Die Einbindung

1. des Namen eines Unternehmens,

2. des Firmen- bzw. Gruppenlogos wie etwa das Signet der Sparkassen oder Volksbanken,

3. der äusseren Betriebsgebäude,

4. der Darstellung von geschäftlichen Abläufen wie Kundenbetrieb in der Kassenhalle, am Bankschalter

5. und anderer kennzeichnenden Merkmale vor allem in Fernseh-Sendungen, Filmen sowie immer häufiger in Hinblick auf die Zielgruppe der Jugendlichen und vereinsamten Singles auch in Computerspielen und virtuellen Welten wie Second Life.

– Dabei werden oftmals entsprechende Szenen in die filmische Spielfolge so eingegliedert, dass sie gleichsam für den Handlungsablauf notwendig erscheinen. Dem durchschnittlichen Betrachter bleibt es deshalb verborgen, dass es sich bei den Auftritten um bezahlte Werbung handelt. - Entgegen einer weit verbreiteten Meinung ist Product Placement in Deutschland nicht verboten und auch bei Finanzdienstleistern von den Aufsichtsbehörden bis anhin nicht gerügt worden. Auch ist Product Placement von Schleichwerbung (surreptitious advertising) abzugrenzen. Bei dieser handelt es sich um

1. die Erwähnung oder Darstellung von Waren eines Herstellers oder eines Erbringers von Dienstleistungen (supplier of services)

2. in Medien wie Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen,

3. wenn sie vom jeweiligen Veranstalter - etwa: Rundfunkredaktion - absichtlich zu Werbezwecken vorgesehen ist und, was besonders zu beachten ist,

4. die Allgemeinheit hinsichtlich des eigentlichen Zwecks dieser Erwähnung oder Darstellung irreführen kann. Schleichwerbung ist nach § 4, Abs. 3 UWG unzulässig.

– Siehe Cobranding, Cross-Selling-Potential, Jubiläums-Veranstaltung, Kultursponsoring, Loss Leader, Schleichwerbung, Sponsoring, Werbebeschränkungen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Produkt (product):

In der Sprache der Finanzwelt ist damit immer ein Finanzprodukt jedwelcher Art und Ausgestaltung gemeint.

– Siehe Effekten, Endanleger, Papier, Schuldtitel, Titel, Wertpapier.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Produktaufsicht und - Überwachung (product oversight and governance):

Die Forderung an Wertpapierdienstleistungsunternehmen zur verantwortungsvollen Umgang bei der Auswahl und dem Vertrieb neuer Produkte. Hierzu zählen die Bestimmung der Kundengruppe, das Beschwerdemanagement, Stresstests, Kostentransparenz und die Überwachung des Vertriebs. Darüber hinaus sollten Wertpapierdienstleister auch in der Pflicht genommen werden, falls ein Papier sich als höher risikobehaftet erweist als ursprünglich angenommen.

– Siehe Anlegerschutz, Aufzeichnungspflicht, Geeignetheit, Geeignetheits- und Angemessenheitsprüfung Straightjacking, Überregulierung, Wertpapierdienstleistungs-Verhaltens- und Organisationsverordnung.

– Vgl. Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 165 (Stand der übernationalen Beratungen zur product oversight and governance für Wertpapierdienstleister).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Produktion (production, output):

1 In Bezug auf ein Unternehmen alles, was innert eines Zeitraums - in der Regel ein Jahr - hergestellt wurde wobei Lagerveränderungen, für den eigenen Bedarf hervorgebrachte Güter und halbfertige Waren eingerechnet werden (the sum of net sales, changes in inventories in work in progress and finished goods at cost price and production for own use, reflecting the work performed by the company for itself and carried at cost).

2 In der volkswirtschaftlichen Statistik die Herstellung von Waren und Bereitstellung von Dienstleistungen innert eines Wirtschaftsraumes, häufig auf eine bestimmte Zeit bezogen.

– Siehe Finanzmarkt, Verarbeitungsmenge, Wachstumsbedeutung, Wachstum.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom März 2009, S. 13 (Produktion 2000-2008 im internationalen Vergleich).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Produktionshemmnisse (production hindrances):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter nicht nachgefragte Angebote, ungenutzte Kapazitäten am Güter-, Ausrüstungs- und Arbeitsmarkt. Weil diese für die Beurteilung der Konjunkturlage von entscheidender Bedeutung sind, so werden sie von der Zentralbank gemessen und im Detail beurteilt.

– Siehe Potentialwachstum, Produktionslücke, Produktionspotential, Stabilitätspolitik, Zwei-Säulen-Prinzip, Wettbewerbsfähigkeit.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2007, S. 45 ff. (Aufspaltung der Produktionshemmnisse in drei Gruppen; erläuternde Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Produktionskosten (production costs):

Der für die Herstellung eines Gutes jeweils erforderliche Aufwand. - Beim internationalen Vergleich der Produktionskosten kommt es nicht allein auf deren absoluten Höhe an, um die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes zu beurteilen. Vor allem um Investoren anzulocken, müssen auch weitere Umstände passend sein, wie besonders

1. ein günstiger Gesamteindruck (positive overall impression) in dem Herstellerland,

2. zweckvolle Verwaltungsgliederung (smoothly running administrative structure) samt Rechtssystem (legal system),

3. funktionierende Verkehrswege (functioning transport system),

4. ein hoher ökologischer Standard (high ecological standard) und

5. ein fachkundiges Bankensystem. Sind diese und weitere Gegebenheiten nicht vorhanden, so werden selbst heimische Anleger ihr Geld lieber im Ausland anlegen, wie sich beispielsweise im Zuge der Griechenland-Krise deutlich gezeigt hat. Ohne Strukturreformen wie Entbürokratisierung (debureaucratisation), Flexibilisierung der Arbeitsmärkte, Vereinfachung des Markeintritts (simplification of market entry) oder Durchsetzung des Subsidiaritätsprinzips wird die Wirtschaftskraft (economic strength) auch von Staaten mit sehr niedrigen Produktionskosten nicht steigen können - sonst müsste so mancher Staat in Afrika heute ja ein Boomland (booming country) sein.

– Siehe Arbeitsmarkt-Flexibilität, Balassa-Index, Erzeugerpreise, industrielle, Europäischer Stabilisierungsmechanismus, EWU-Sprengsatz, Forschungsquote, Geldheimat, Patenterteilungen, Produktionskosten, Strukturwandel, Terms Unit-Value-Relation Wettbewerbs-Status, internationaler.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Produktionskredit (production loan):

Ein Darlehn an ein Unternehmen mit dem regelmässigen Zweck, den Kauf von Rohstoffen und Waren zu finanzieren, aus denen ein Endprodukt hergestellt wird. Der Kredit wird im Normalfall aus dem Verkaufserlös der gefertigten Güter getilgt (loan for the manufacture of merchandises, the repayment typically is linked to the sale of the products). - Die Abgrenzung zum Investitionskredit ist in den - auch internationalen - Lehrbüchern wie auch in der bankgeschäftlichen Praxis fliessend.

– Siehe Privatkredit, Produktivkredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Produktionslücke auch Output-Lücke (output gap):

Der Unterschied zwischen der tatsächlichen Produktion in einem Wirtschaftsgebiet und jener bei ausgelasteten Kapazitäten (dem Produktionspotential; productive capacity) und damit eine Kennziffer für die ungenutzten Kapazitäten gesamthaft. Von den Zentralbanken wird diese Grösse zur Vorhersage spekulativer Blasen herangezogen. - Die Vergangenheit hat allerdings gezeigt, dass aufgrund der schwierigen Erfassung - die Produktionslücke ist nicht unmittelbar beobachtbar: sie muss weithin geschätzt werden - nachträglich notwendig gewordene statistische Korrekturen der Produktionslücke sehr stark sind, ja sich sogar manchmal das Vorzeichen geändert hat.

– Siehe Anweisungen, geldpolitische, Auslastungsgrad, Datenunsicherheit, Kapazitätsauslastung, Konjunkturdiagnose, Order-Capacity-Index, Potentialwachstum, Produktionshemmnisse, Saysches Gesetz, Stagnation, säkulare, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2005, S. 45 ff. (Erfassungsschwierigkeiten, Statistisches), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2008, S. 74 ff. (Entwicklung des Produktionspotentials angesichts veränderter Ölpreise; wichtige methodische Feststellungen), Monatsbericht der EZB vom Juli 2009, S. 53 (Produktionslücke schwer berechenbar), Monatsbericht der EZB vom Januar 2011, S. 87 ff. (Produktionslücke und Inflation; Übersicht; Literaturverweise), Monatsbericht der EZB vom Juni 2011, S. 78 ff. (Produktionslücke seit 1995; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom November 2011, S. 55 ff. (neue Schätzungen; Aussagekraft der Produktionslücke für die Inflationsprognose; Literaturhinweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2014, S. 13 ff. (tiefgehende Erörterung der Probleme in Zusammenhang mit der Messung und Interpretation der Produktionslücke).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Produktionspotential (production potential, productive capacity):

Wenn nicht anders definiert die zur Verfügung stehenden Angebotsmöglichkeiten einer Volkswirtschaft. Anders ausgedrückt: die gesamtwirtschaftlichen Produktionsmöglichkeiten, die

1. bei einer gegebenen Ausstattung mit natürlichen Ressourcen durch

2. die zur Verfügung stehenden Produktionsfaktoren Arbeit, Kapital,

3. den Stand des technischen Wissens sowie

4. durch die Ordnungs- und Wachstumspolitik des Staates bestimmt werden.

– Siehe Arbeitskräftepotential, Auslastungsgrad, Frauenarbeitsquote, Infrastruktur, Kapazitätsauslastung, Potentialwachstum, Produktionslücke, Saysches Gesetz, Unterauslastung, Verarbeitungsmenge, Volatilität.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juli 2009, S. 48 ff. (Schwierigkeiten bei der Berechnung des Produktionspotentials im Eurogebiet; Auswirkungen auf die Geldpolitik; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2009, S. 18 f. (Produktionspotential und staatliche Infrastruktur-Investi¬tionen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2009, S. 26 f. (Produktionspotential in Deutschland erleidet angesichts der Finanzkrise bis 2011 einen "Potentialschaden" von mindestens zwei Prozent; Übersicht), Monatsbericht der EZB vom Januar 2011, S. 79 ff. (ausführliche, lehrbuchmässige Darstellung; viele Übersichten und Vergleiche; Literaturhinweise), Monatsbericht der EZB vom November 2013, S. 89 ff. (Definitions- und Erfassungsprobleme; tiefgehende Analyse der Entwicklung seit 2000; Übersichten; Literaturhinweise), Monatsbericht der EZB vom April 2014, S. 52 ff. (grundsätzliche und aktuelle Fragen in Zusammenhang mit der Berechnung des Produktionspotentials; Literaturhinweise; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Produktivität (productivity):

Das nach bestimmten Regeln der Datenerfassung und Zurechnung ermittelte Verhältnis von Faktoreinsatz zu Leistung (output; Output).

– Siehe Effizienz, IKT-anwendende Sektoren, KLEMS-Datenbank, Niedrigzinspolitik, Personalaufwandsquote, Produktivitätsmessung, Unit-Value-Relation, Wettbewerbsfähigkeit.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2008, S. 67 ff. (Produktivitätsentwicklung und Geldpolitik: sehr ausführliche Darstellung, Vergleiche Eurogebiet zu USA; beunruhigende Verlangsamung des Produktivitätswachstums [slowdown in productivity growth] im Eurogebiet; viele Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Juli 2010, S. 34 f. (Produktivitätsentwicklung im Eurogebiet seit 2008), Monatsbericht der EZB vom Juli 2011, S. 55 ff. (Produktivitätsentwicklung im Eurogebiet seit 2001; Übersichten; Abhängigkeiten), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2011, S. 95 ff. (Entwicklung seit 2005 im Vergleich mit den USA, nach Branchen aufgeschlüsselt; Schlussfolgerungen für die Wirtschaftspolitik), Monatsbericht der EZB vom November 2013, S. 93 ff. (Produktivitätswachstum in der EWU und in den USA seit 2000; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Produktivitätsmessung (measurement of productivity):

Errechnung des Beitrags einzelner Wirtschaftszweige zur Steigerung der gesamtwirtschaftlichen Produktivität. Von der EZB wurde die Produktivitätsmessung in den letzten Jahren im Zuge der Inflationsanalyse durch entsprechende Verfahren Schritt für Schritt verfeinert.

– Siehe IKT-anwendende Sektoren, KLEMS-Datenbank, Produktivität.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juli 2001, S. 55 ff.; Monatsbericht der EZB vom April 2007, S. 92 f. (strukturpolitische Massnahmen in ihren Wirkungen auf Produktivität und Beschäftigung), Jahresbericht 2006 der EZB, S. 69 ff. (Unterschiede in der Produktivitäts-Entwicklung und deren Gründe dargelegt; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Juli 2011, S. 55 ff. (Produktivitätsentwicklung im Eurogebiet seit 2001; Übersichten; Abhängigkeiten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Produktivkapital (productive capital):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter das volkswirtschaftliche Anlagevermögen in seiner Gesamtheit, den Kapitalstock. Der Begriff gilt als Synonym zu Realkapital. - In betriebswirtschaftlicher Sicht umfasst der Begriff sämtliche gegenständliche Vermögenswerte eines Unternehmens wie vor allem Maschinen, Anlagen, Gebäude und Grundstücke, und damit dem Begriff Sachvermögen gleich.

– Siehe Investition, Sachkapital, Vermögen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Produktivkredit (productive credit):

Wenn nicht anders definiert, so meint man damit ein Darlehn, gewährt für Investitionszwecke.

– Siehe Investition, Konsumtivkredit, Privatkredit, Produktionskredit, Realkredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Produktneuheiten (new product bias):

Bei der Berechnung des Preisindex der Lebenshaltung einzurechnende, von den Verbrauchern kürzlich in den Güterkorb aufgenommene Waren. Dabei unterscheidet die Statistik, ob ein neues Gut

1. neben den alten Gütern von den Privathaushalten gekauft wird, etwa Mikrowellengerät neben herkömmlichen Gas- und Elektroherden oder

2. das alte Gut ganz ersetzt, etwa Inline-Skates statt Rollschuhe; letztere verschwinden vom Markt.

– Grundsätzlich werden Produktneuheiten in die Berechnung des Preisindex der Lebenshaltung dann einbezogen, wenn sie sich am Markt durchgesetzt und eine gewisse Umsatzschwelle überschritten haben. Im einzelnen wirft das eine Reihe umstrittener Mess-Verfahren auf.

– Siehe Beschaffungs-Umschichtungen, Harmonisierter Verbraucherpreisindex, Inflationsmessung, Kompositions-Effekt, Qualitätsänderungen, Reizschwelle, Substitutionsverhalten.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2014, S. 46 (wenn eine neue Ware bei über 0,1 Prozent der Konsumausgaben eines Privathaushalts liegt, dann wird das Produkt nach zwölf Monaten in die Berechnung einbezogen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Produktregistrierung (product registration):

Forderung, dass ein Finanzprodukt nur dann auf den Markt gebracht werden dürfe, wenn dieses zuvor

1. von einer Behörde geprüft und

2. für den Verkehr allgemein oder

3. zum Erwerb für bestimmte Anlegergruppen ausdrücklich freigegeben wurde. Das Verfahren bei der Zulassung von Arzneimitteln steht bei diesem Gedanken Pate.

– Absicht ist es, systemische Risiken von vornherein auszuschliessen, die durch undurchsichtige Papiere ausgelöst werden können, wie sich angesichts der Subprime-Krise gezeigt hat. Ein solches Zulassungsverfahren wird von den Aufsichtsbehörden und Zentralbanken allgemein befürwortet, von der Wissenschaft und Praxis jedoch eher vorsichtig beurteilt.

– Siehe Rating-Agentur.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Profiling (so auch im Deutschen gesagt, seltener Kundenprofilerstellung):

Bei einer Bank das Sammeln von - jedoch nicht ausschliesslich persönlichkeitsbezogenen - Informationen über Geschäftspartner. Ziel ist dabei, ein möglichst genaues Kundenprofil (customer profile) anzulegen, um dieses zur Vertiefung oder Verbreiterung der Beziehung (offers of new products; Angebot neuer Produkte), aber auch zur Einschätzung eines allfälligen Risikos zu nutzen. - Profiling geht in der Regel dem Rating voraus.

– Siehe Bankkunden-Profil, Beziehungsbankgeschäfte, Beziehungsmanagement, Clubbing, Fact Sheet, Firmen-Kurzportrait, Gigabank, Hausbank, Internetbank, reine, Kundenkapital, Kundenbindung, Kundenzentrierung, Need-to-know-Prinzip, Regenmacher, Übermut.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Profit (profit):

Anderes Wort für Gewinn. - Durch die sozialistische Anklageliteratur gegen das marktwirtschaftliche System (socialistic accusatory writings against the market economy regime) wohnt dem Ausdruck ausserhalb der volkswirtschaftlichen Fachliteratur heute vorwiegend eine missfällige Bedeutung bei. Das heisst, dass ein erzielter Gewinn nicht als Belohnung dafür angesehen wird, dass eine Person oder ein Unternehmen nachgefragte Güter bereitgestellt hat. Vielmehr steht, wer Gewinn erzielt hat, unter dem Generalverdacht, diesen durch unrechtmässige Mittel eingeheimst zu haben.

– Siehe Beschores Darkrooming, Finanzgeier, Geldkirche, Geldsauger, Geldschröpfer, Geldzweck, Finanz, Hohlgewinn, Nassgewinn, Pump and Dump, Rebbes.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Profit Centre und Profitcenter (so auch im Deutschen gesagt, aber in unterschiedlicher Bedeutung):

1 Der Teil eines Unternehmens, welcher regelmässig Gewinne einfährt (a division of a corporation that continually add to its profit).

2 Die Abteilung in einem Unternehmen und besonders auch bei einem Fonds, welcher die Kontrolle der Einnahmen und Ausgaben obliegt, jedoch keine Entscheidungsbefugnis über die Verwendung eingesetzter Mittel besitzt (the division of a company whose manager has control over cost and revenue, but has no power over the use of investment funds).

3 Eine mit weitreichenden Vollmachten ausgestattete Arbeitsgruppe bei einer Bank oder einem Fonds, die Anlageentscheidungen (investment decisions) trifft und entsprechende Investitionen tätigt.

– Siehe Quersubventionierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Prognosebericht (forecasting report):

Kapitalgesellschaften müssen im Zuge des dem Jahresabschluss beizufügenden Lageberichts gemäss § 289, Abs. 2 HGB bzw. § 15, Abs. 1 HGB auch zukunftsgerichtete Aussagen (forward-looking statements) über den Geschäftsverlauf veröffentlichen. Zweck der Vorschrift ist es, Anleger über die zu erwartende Lage des Unternehmens hinsichtlich des Ertrags, der Liquidität und des Vermögens zu informieren.

– Siehe Astro-Prognose, Aussagen, zukunftsgerichtete, Marktmanipulation, Offenlegungspflichten.

– Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 211 (Prognosebericht kann nicht aufgrund unüberschaubarer Lage in der Gesamtwirtschaft unterlassen werden).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Prognose-Modell (forecast[ing] model):

Aufgrund

1. statistischer Erhebungen,

2. Befragungen und

3. der nach besonderen Verfahren vorgenommenen Verarbeitung der gewonnenen Angaben gebildete Vorausberechnung des wirtschaftlichen Verlaufs eines Unternehmens, einzelner Branchen, eines Staates oder eines Ländergruppe wie etwa die EWU.

– Siehe Datenunsicherheit, Erhebung fachlicher Prognostiker, Geldpolitik, vorausschauende, Gleichgewichtsmodelle, dynamisch-stochastische, Prognoseproblem, geldpolitisches, Prognoseunsicherheit, Stellenanzeigen-Index, Stimmungs-Indikatoren, Stress-Test, Trendprognosen, Wachstumsprognose, Wirtschaftsindikatoren, wichtige.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2013, S. 69 ff. (Werkstattbericht mit Darlegung der bei Prognose-Modellen auftauchenden Fragen; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Prognoseproblem, geldpolitisches (central bank's dilemma of policy choice):

Eine Zentralbank verfügt nur über Daten aus der Vergangenheit. Daraus muss aber

1. auf den gegenwärtigen Zustand der Wirtschaft geschlossen und

2. Entscheidungen getroffen werden, die weit in die Zukunft weisen. Verglichen wurde daher die Zentralbankpolitik mit Autofahren ohne Sicht nach vorn, und nur mit Blick in den Rückspiegel.

– Siehe Astro-Prognose, Datenunsicherheit, Erhebung fachlicher Prognostiker, Geldpolitik, vorausschau¬ende, Gleichgewichtsmodelle, dynamisch-stochastische, Prognoseunsicherheit, Stimmungs-Indikatoren, Stress-Test, Vorbehalte, Trendprognosen, Wachstumsprognose, Wirtschaftsindikatoren, wichtige.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2007, S: 28 f. (Grundsätzliches zu den Unsicherheiten bei der Vorausschätzung), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2010, S, 29 ff. (eingehende Darlegung der Prognoseprobleme; Übersichten; Literaturhinweise), Monatsbericht der EZB vom Mai 2013, S. 77 (Grundsatzartikel zur Verlässlichkeit gesamtwirtschaftlicher Projektionen; viele Übersichten; Literaturverweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2013, S. 69 ff. (Werkstattbericht mit Darlegung der bei Prognose-Modellen auftauchenden Fragen; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Prognoseunsicherheit (forecasting error zone):

Unbestritten ist heute, dass jeder Konjunkturzyklus etwas Einmaliges ist; genauer: dass

1. dieser auslösende Ursachen für den Aufschwung wie auch für den Abschwung enthält,

2. die zumindest in der entsprechenden Form und Zusammensetzung zuvor nicht gegeben waren. - Das macht es für die Wirtschaftspolitik allgemein und auch für die Zentralbank schwierig, Massnahmen zur Dämpfung konjunktureller Wellen genau einzusetzen. Besondere Schwierigkeiten treten auf, wenn eine konjunkturelle Krise mit einer Finanzkrise zusammentrifft, wie bei der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise.

– Siehe Prognoseproblem, geldpolitisches, Stress-Test, Vorbehalte, Wachstumsprognose, Trendprognosen, Zyklik.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2010, S, 29 ff. (eingehende Darlegung der Prognoseprobleme; Übersichten; Literaturhinweise), Monatsbericht der EZB vom Mai 2013, S. 77 (Grundsatzartikel zur Verlässlichkeit gesamtwirtschaftlicher Projektionen; viele Übersichten; Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Projektfinanzierung (project financing, PF):

Die Bereitstellung von Geld, bei der ein Kre¬ditgeber in erster Linie die aus der betreffenden Investition erzielbaren Einkünfte

1. als Quelle für die Begleichung seiner Forderungen sowie

2. als Sicherheit für seine Forderungen zugrunde legt.

– Üblich ist diese Form der Finanzierung bei Grossvorhaben (large-scale projects) mit sehr hohen Kosten (with very hight costs, such as oil extraction, mining, oil refinieries, purchase of methane tankers, or the construction of power plants). Die Rückzahlung des Kredits hängt hier vor allem vom Cash Flow aus dem Vorhaben sowie aus dem Sicherheitswert der Projekt-Aktiva - etwa Bergwerk, Kraftwerksanlage - ab. Wegen des damit verbundenen hohen Risikos geschieht die Projektfinanzierung bei grösseren Vorhaben daher meistens in Form der Finanzierung durch mehrere Banken (syndication).

– Siehe Ausstiegsrisiko, Konsortialkredit, Kosten, vermiedene, Objektfinanzierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Projektierungskredit auch Erschliessungskredit (development loan):

Wenn nicht anders definiert, so meint man damit ein Darlehn mit dem Zweck, bis anhin unbebauten Boden für Bauwerke jeder Art herzurichten (a loan made to finance the arranging of raw land for the construction of buildings; such preparation may include topographical survey [Vermessung] and the installation of utilities [Wasser, Gas, Elektrizität, Kanalisation] and roads). Häufig ist das Darlehn gebende Institut an dem Bauvorhaben in irgend einer Form beteiligt.

– Siehe Bauland, Developer, Kosten, vermiedene, Kredit, Landmark Building-Darlehn, Projektfinanzierung, Wohnungsbaukredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Progression, kalte (sly progressive taxation):

Wenn der Einkommensteuertarif nicht fortgesetzt angepasst wird, dann führt eine inflationsausgleichende Einkommenssteigerung zu einem höheren Steuersatz (progression effect; Progressionstarif: die Zunahme des Steuersatzes bei wachsender Grösse der Bemessungsgrundlage) und damit zu einer grösseren Steuerbelastung, wiewohl das kaufkräftige Einkommen gleich bleibt. In der Schweiz gibt es daher eine Bindung des Gesetzgebers an einen Ausgleich der kalten Progression; in Deutschland liess sich dies bis anhin nicht erreichen. - Die EZB berechnet die kalte Progression im Zuge des Zwei-Säulen-Prinzips.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2006, S. 67 (Formel), S. 74 f. (Progressions-Wirkung bei der Lohnsteuer).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Prohibitivsystem (prohibitive system):

Aussenhandelspolitik, die auf

1. Zölle,

2. Mengenbeschränkungen und

3. administrativen Protektionismus (administrative regulations: lästige, hemmende und daher zusätzliche Kosten verursachende Verwaltungsvorschriften, die Einfuhren oder Ausfuhren behindern) setzt, um die Exporte und Importe und damit die Zahlungsbilanz ins Gleichgewicht zu bringen.

– Siehe Achtzehnhundertneunzehn-Krise, Ausfuhrabgabe, Ring fencing, Protektionismus, Ungleichgewichte, weltweite.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2010, S. 113 f. (verdeckte Formen des Prohibitivsystems), Monatsbericht der EZB vom Juli 2013, S. 95 ff. (schleichender Protektionismus weltweit; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Prokurationsgeld, auch nur Prokuration (episcopal visiting due):

Eine frühere Zahlung, die Kirchengemeinden zu leisten hatten, wenn der zuständige Bischof sie besucht. Ursprünglich eine Naturalabgabe zum Unterhalt des zur Aufsicht (visitation; Visitation) und Spendung des Sakraments der Firmung vor Ort weilenden Oberhirten, wurde die Abgabe in eine Zahlung in Geld umgewandelt und im Jahr 1338 durch Papst Benedikt XII. für verschiedene Länder als eine grundsätzlich feste Gebühr bestimmt.

– Siehe Ablassgeld, Abtrag, Annaten, Beichtgeld, Charisterium, Dispensationsgeld, Kathedralgeld, Kirchgeld, Opfergeld, Palliengeld, Peterspfennig, Quatembergeld, Seminargeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Prolongation auch Prorogation (prolongation, rollover, extension):

1 Allgemein die zeitliche Ausdehnung eines bestehenden Schuldverhältnisses, und im Besonderen die Verlängerung einer Fälligkeit, also ein Zahlungsaufschub (extension of payment time), in älteren Dokumenten auch Remise und Remiss genannt.

2 In der älteren Finanzsprache im Besonderen auch der Ersatz eines fälligen Wechsels durch Ausstellen eines neuen Wechsels mit hinausgeschobenem Verfalltermin.

– Siehe Atermoiement.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Promesse (promissory note):

Das

1. schriftlich abgegebene Versprechen,

2. eine bestimmte Leistung, neben Geld auch bezogen auf Wertpapiere oder Waren an der Börse,

3. auf Verlangen des Begünstigten oder

4. zu einem festgelegten Zeitpunkt zu erbringen (a written debt instrument which lists a specified liability promised to a particular party, to be paid on demand or at a certain time).

– Siehe Handschein.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Properhandel und Proprehandel (dealings for one's own account; proprietary trading):

In der Finanzbranche im Gegensatz zum Kommissionshandel (trade on commission; Kundengeschäft) Transaktionen mit Finanzinstrumenten in eigenem Namen und auf eigene Rechnung.

– Siehe Eigenhandel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Proportionalität, doppelte (double proportionality):

In Zusammenhang mit der internen bzw. aufsichtsrechtlichen Risikorechnung der Grundsatz, dass die Methoden zur Risikosteuerung um so anspruchsvoller sein müssen, je bedeutender die Art des Risiko und je vielschichtiger die betriebenen Geschäfte sind.

– Siehe Risikogewichtung, Risikomanagement.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Prospect Theory (so häufig auch im Deutschen gesagt):

Der Versuch, eine Entscheidungsfindung bei Unsicherheit schlüssig herzuleiten.

– Siehe Erwartungstheorie, neue.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Prospekt-Datenbank (prospectus database):

Liste aller bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen hinterlegten Wertpapier-Verkaufsprospekte. Damit wird eine Recherche nach Emittent, Anbieter und Wertpapier-Kennummer sehr leicht möglich. Die bezügliche Adresse ist http://www.bafin.de/ .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Prospektpflicht (securities prospectus requirement):

1 In Deutschland muss seit 1990 jedem öffentlichen Verkaufsangebot von Wertpapieren ein Wertpapier-Verkaufsprospekt vorangehen. Für die Handelszulassung an deutschen Börsen bedarf es darüber hinaus im Segment amtlichen Markt eines Börsenzulassungsprospektes und im regulierten Markt eines Unternehmensberichts, die jeweils alle vor Veröffentlichung dem Bundesaufsichtsamt für Finanzdienstleistungsaufsicht zur Genehmigung vorzulegen sind.

2 Ab 1. Juli 2005 ist in Deutschland auch eine Prospektpflicht für Vermögensanlagen eingeführt. Den Inhalt des Verkaufsprospektes regelt eine eigene Vermögensanlagen-Verkaufsprospektverordnung. Prospektpflichtig sind im Zuge dessen gemäss § 8 f Absatz 1 VerkProspG grundsätzlich alle nicht in Wertpapieren verbriefte Unternehmensanteile, Namensschuldverschreibungen, Anteile an Treuhandvermögen und sonstigen geschlossenen Fonds. Zu den Unternehmensanteilen gehören insbesondere Anteile an Personengesellschaften wie Kommanditanteile und GbR-Anteile. Aber auch GmbH-Anteile, unverbriefte Genussrechte und stille Beteiligungen sind prospektpflichtig. Von der Prospektpflicht erfasst sind ebenso Anteile an ausländischen Gesellschaften, insoweit diese in Deutschland öffentlich angeboten werden. Ein öffentliches Angebot liegt jedesmal dann vor, wenn über ein beliebiges Medium - auch über das Internet - ein unbestimmter Personenkreis aufgefordert wird, ein Kaufangebot (bid, buying offer) abzugeben.

– Siehe Beteiligungsofferten, Complex Financial History, Information, asymmetrische, Privatplazierung, Prospekt-Datenbank, Prospekt-Rechtssetzung der EU, Register für qualifizierte Anleger, Umtausch-Angebot, Wertpapier-(Verkaufs)Prospektgesetz.

– Vgl. Jahresbericht 2001 des Bundesaufsichtsamts für den Wertpapierhandel, S. 16 ff., Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 196 ff., Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 38 f. (Harmonisierung des Prospektrechts), S. 138 f. (Prospektpflicht für Vermögensanlagen), S. 140 (Übersicht der gesetzlichen Regelungen), S. 143 f. (Vermögensanlagen-Verkaufsprospekte), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 34 (neue Arbeitsgruppe des CESR zur europaweiten praktischen Angleichung des Prospektrechts), S. 148 f. (laufende Prospektprüfung), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 156 ff. (BaFin schreitet gegen Internet-Angebote ein; Prospektprüfungen: Mängel; Rechtsfragen; Register für qualifizierte Anleger wenig genutzt), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 48 (Erfahrungen mit vereinfachtem Verkaufsprospekt), S. 175 (Urteil zur Gebührenberechnung der BaFin), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 196 f. (unerlaubte Angebote im Internet), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 213 (Billigungsverfahren aufgeschlüsselt), Jahresbericht 2013, S. 177 /Billigungen 2012 und 2013; Einbezug weiterer Produkte in die Prospektpflicht; Bezugsrechtsänderungen prospektpflichtig) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Prospektprüfung (prospectus control; due diligence):

Nach dem Wertpapierprospektgesetz (WpPG) vorgeschriebene Durchsicht eines Verkaufsprospekts durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht daraufhin, ob das Prospekt vollständig, verständlich und in sich widerspruchsfrei ist. Versagt die BaFin die Billigung, so darf das Prospekt nicht veröffentlicht werden.

– Siehe Privatplazierung, Prospekt-Datenbank, Prospekt-Rechts¬setzung der EU, Prospekt-Verstösse, Wertpapier-(verkaufs)prospektgesetz.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 148 ff. (laufende Fragen der Prospektprüfung; Möglichkeiten des Prüfens durch ausländische Aufsichtsbehörden; Wertgutachten bei Reits; häufige Fehler bei Erstellung des Risikoabschnitts in Prospekten), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 156 (BaFin schreitet gegen Internet-Angebote ohne Prospekt ein), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 170 f. (Übersicht Anträge), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 215 (geänderte Wertpapierprospekte-Gebührenverordnung [WpPGebV]; Bussgeldverfahren der BaFin, Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 193 ff. (Übersicht der Billigungen durch die BaFin nach Emittentengruppen) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Rubrik "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Prospekt-Rechtssetzung der EU (EU prospectus lawgiving):

1 Im Dezember 2003 in Kraft getretene Richtlinie mit dem Ziel, EU-weit Wertpapiere öffentlich anzubieten oder deren Zulassung zum Börsenhandel zu beantragen, wenn die zuständige Behörde des Herkunftslandes das Prospekt gebilligt hat. Die Richtlinie war bis zum 1. Juli 2005 in nationales Recht umzusetzen; allerdings geschah das fristgerecht nicht in allen Mitgliedsstaaten der EU, wohl aber in Deutschland.

2 Am 1. März 2007 ist eine Verordnung der Europäischen Kommission in Kraft getreten, welche die besonderen Anforderungen an die Prospekt-Angaben für Emittenten mit einer komplexen finanztechnischen Vorgeschichte (complex financial history) zum Gegenstand hat. Eine komplexe finanztechnische Vorgeschichte wird einem Emittenten zugesprochen, dessen operatives Geschäft nicht umfassend und abschliessend in seinen eigenen, der Öffentlichkeit dargelegten Unterlagen klar zum Ausdruck kommt. Dadurch ist der Anleger nicht in der Lage, sich ein Bild über die Ertrags- und Vermögenslage des Emittenten zu machen.

– Siehe Privatplazierung, Prospektprüfung, Umtausch-Angebot, Vertrieb, öffentlicher, Wertpapier-Verkaufsprospekt¬gesetz.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 46, Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 138 (Prospektrichtlinie-Umsetzungsgesetz vom 22. Juni 2005 im Überblick), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 33 f. (komplexe finanztechnische Vorgeschichte), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 49 f. (Bemühungen des CESR zu prospektrechtlichen Fragen), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 48 (Verzeichnis gemeinsamer Positionen zu einem einheitlichen Prospektrecht durch das CESR; allfällige Revision der Prospekt-Richtlinie), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 62 (Änderung der Prospekt-Richtlinie der EU), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 69 (neue Prospektrichtlinie veröffentlicht), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 92 (Überarbeitung der Prospektverordnung), Jahresbericht 2012, der BaFin, S. 121 f. (Umsetzung der geänderten Prospektrichtlinie) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Prospekt-Verstösse (errors in prospectuses):

Bei Verkaufsprospekten für Vermögensanlagen (non-securities investment prospectuses) rügte die Aufsichtsbehörde in letzter Zeit neben

1. der ungenügenden Darstellung des Risikos insbesondere

2. den lückenhaften Ausweis der mit dem Erwerb des Vermögensgegenstandes verbundenen Kosten,

3. die gesamthafte Höhe der geleisteten Provisionen sowie

4. unzureichende Angaben hinsichtlich der Gesamtbezüge der Gründungsgesellschafter und der Geschäftsführung. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht untersagt in diesen Fällen die Veröffentlichung des Prospektes.

– Siehe Prospekt-Datenbank, Prospektpflicht, Prospekt-Rechtssetzung der EU, Register für qualifizierte Anleger, Wertpapier-(Verkaufs)Pro¬spektgesetz.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 161 (Mängelliste) Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 180 f. (Lücke in Bezug auf Freiverkehrswerte wird geschlossen) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Prosperität (prosperity):

Im älteren Schrifttum oft gesagt für (bank)geschäftliche Aufwärtsentwicklung, ein nach oben gerichteter Verlauf der Umsätze, lebhafte Nachfrage, guter Gewinn. Heute hie und da noch als Zeitwort gebraucht: prosperieren (prosper).

– Siehe Boom, Bull, Flor, Gewinnkonjunktur, Hausse, Konjunktur, Metabasis, Runup.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Prosumer (prosumer):

Nach 2000 auch in die Finanzsprache eingedrungenes Kunstwort, aus "Produzent" und "Konsument" gebildet (the term is said to be coined by the futurologist Alvin Toffler in 1980). Es soll in diesem Fall damit zum Ausdruck kommen, dass der Kunde einer Bank sich weithin nicht mehr nur vom Personal bedienen lässt, sondern zumindest teilweise selbsttätig an der Erstellung einer Dienstleistung mitwirkt. Man nennt diese Art der Arbeitsteilung auch Prosuming. Als Beispiel seien Automaten genannt, an denen der Kunde sich rund um die Uhr Auszüge ausdrucken lassen oder Bargeld abheben kann. Auch die heute weithin übliche Abwicklung von Überweisungen des Kunden durch dessen Zugriff auf eine von dem Institut zur Verfügung gestellte Plattform auf dem Weg über den heimischen Computer macht den Kunden zum "Mit-Produzenten" dieser Leistung. - Das Prosuming setzte bei den Banken Ressourcen frei, vor allem im Front-Office-Bereich. Freilich mussten die Institute auch Investitionen in die entsprechende EDV-Infrastruktur tätigen. Dazu entstehen auch laufend Kosten, um Prosuming reibungslos und zur Zufriedenheit der Kunden zu gewährleisten. Innert der Banken ist durch das Prosuming eine ganz neue Form des Wettbewerbs entstanden. Dieser geschieht in der sich ständig verbessernden Bereitstellung von möglichst benutzerfreundlichen Geräten und Plattformen sowie auch in den Services Lines für solche Kunden, die eine Anleitung zu deren Benutzung suchen. Schlecht gepflegte Automaten und Plattformen sowie fehlerhafte Software verursachen nachweislich sehr rasch eine Abwanderung von Kunden zu Konkurrenzunternehmen.

– Siehe Akzessibilität, Auszug, Bank, Bankendichte, Benutzerfreundlichkeit, Call-Centre, Container-Banking, Customasing, Fernzugang, Geld(ausgabe)automat, Gutgeführt, Homebanking, Hotliner, Infrastructure Providing, Kontostands-Abfrage, Moonlight Banking, Remote Banking, , Service Line, Safer Traffic, Sofa-Banking, Skimming, Telebanking.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Protein-Inflation (protein inflation):

Um 2005 aufgekommene Bezeichnung für die Tatsache, dass proteinhaltige, also an Eiweiss reiche Nahrungsmittel seit etwa 2000 global im Preis aussergewöhnlich anstiegen, was dann in den jeweiligen Güterkörben der einzelnen Länder verhältnismässig stark zu Buche schlägt und die Kaufkraft mindert. Als Gründe für den Preisanstieg gelten vor allem

1. die Überfischung (over-fishing) der Gewässer, wodurch das Angebot an Meeresfrüchten (seafood) sank sowie

2. der gestiegene Bedarf an proteinhaltigen Lebensmitteln seitens der Entwicklungs- und Schwellenländer. China ist seit 2006 der weltweit grösste Importeur von Sojabohnen (soybeans) und kaufte 2007 etwa vierzig Prozent des Weltmarkt-Angebots (world market supply) auf. Ob, wann und in welchem Masse sich die Preise für proteinhaltige Nahrungsmittel mindern, ist auch unter Fachleuten bestritten. Denn viele schwer einschätzbare Entwicklungslinien - wie vor allem: durch hohen Preis hervorgelockte Mehrproduktion einerseits; wachsende Nachfrage in den nächsten Jahrzehnten andererseits; aber auch vom Erdölpreis abhängige zusätzliche Umwandlung von Agrarfrüchten in Biotreibstoffe - müssten im Einzelnen sowie in ihrem Zusammenwirken vorausschauend einigermassen verlässlich abgeschätzt werden können.

– Siehe Biotreibstoffe, Energie-Inflation-Zusammenhang, Erdöl-Lebensmittel-Zusammenhang, Inflations-Ausgleich, Kaufkraft-Abfluss, Klima-Inflation, Kohlendioxid-Inflation, Lohn, indexierter, Lohn-Preis-Spirale, Ölpreis, Ölpreis-Schocks, Petrodollar, Rohstoffpreise, Schocks, strukturelle, Spreizung, warenbezogene, Strompreis, Zweitrunden-Effekte.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom September 2008, S. 13 ff. (Anstieg der Nahrungsmittelpreise; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Juni 2010, S. 60 ff. (Preise für Agrarrohstoffe und Nahrungsmittel seit 2007; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2013, S. 66 f. (Nahrungsmittelpreise auf dem Weltmarkt und in der EU; Übersicht; Tendenz zum Gleichlauf), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2014, S, 13 ff. (Bestimmungsgründe der Nahrungsmittelpreise; Übersichten; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Protektionismus (protectionism):

Alle Massnahmen eines Staates, die auf eine Lenkung der Aussenhandels zielen; in der Regel mit der Absicht,

1. einzelnen Wirtschaftszweigen einen Schutz vor ausländischer Konkurrenz (protection from foreign competition) zu verschaffen oder

2. eine ausgewogene Zahlungsbilanz zu erreichen.

– Siehe Achtzehnhundertneunzehn-Krise, Prohibitivsystem, Ring fencing, Ungleichgewichte, weltweite.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom September 2009, S. 17 ff. (Risiken des Protektionismus; Literaturhinweise), Monatsbericht der EZB vom August 2010, S. 101 ff. (ausführliche Darstellung zum Handel im Eurogebiet), S. 113 f. (verdeckte Formen des Protektionismus; Literaturhinweise), Monatsbericht der EZB vom Juli 2013, S. 95 ff. (schleichender Protektionismus weltweit; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Protest (protest):

In der älteren Finanzsprache die Rechtsverwahrung wegen eines nicht angenommenen oder bei Fälligkeit nicht bezahlten Wechsels (declaration of non-payment of a bill).

– Siehe Protestation.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Protestation (protestation):

In älteren Dokumenten die Erklärung eines Wechselinhabers, dass er seine Pflichten rechtzeitig und am rechten Ort erfüllt habe, nebst Verwahrung gegen jeden Schaden.

– Siehe Protest.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Protestliste (bill protest list):

Früher eine Aufstellung "geplatzter", nämlich vom Zahlungsverpflichteten (acceptor of the bill; Akzeptanten) nicht eingelöster, zu Protest gegebener Wechsel, die Banken gegenseitig austauschten. Wer auf einer Protestliste verzeichnet war, galt allgemein als kreditunwürdig (unworthy of credit).

– Siehe Präsentant, Stockwechsel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pröve (mixed compensation):

In älteren Dokumenten die Zahlung teils in Geld, teils in Naturalien an die in der Landwirtschaft arbeitenden Knechte und Mägde.

– Siehe Arbeitgeber-Darlehn, Baugeld, Beschlaggeld, Fringe Benefits, Hausgeldabzug, Kostgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Provinzialanleihe (provincial loan):

Nicht vom Zentralstaat, sondern von Gliedern (constituent states: Ländern, Distrikten, Kantonen, Provinzen) begebene öffentliche Anleihen.

– Siehe Minhas-Gerais-Problem, Staat.

– Vgl. zu den öffentlichen Schuldnergruppen (aufgeschlüsselt auch nach einzelnen Ländern in der Eurozone) den Anhang "Statistik des Euro-Währungs¬gebiets", Rubrik "Öffentliche Finanzen", Unterrubrik "Verschuldung" im jeweiligen Monatsbericht der EZB.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Provinzbanker (provincial banker):

Abschätzige Bezeichnung in Deutschland für - leitende - Mitarbeiter der Landesbanken. - Die Geringschätzung (contempt) leitet sich in erster Linie wohl daraus ab, dass die entsprechenden Posten weithin vom jeweiligen Parteibuch abhängig sind. Hinzu traten die im Zuge der Subprime-Krise folgenden Finanzkrise offen zutage tretenden Fehlleistungen der Landesbanken. Sie hatten die Exportüberschüsse, welche die deutsche Industrie erwirtschaftete, fahrlässig in Schrottpapiere investiert sowie auch im Vertrauen auf ein Bail-out durch den Staat waghalsige Finanzgeschäfte getätigt.

– Siehe Bankregel, goldene, Bankzusammenbrüche, Fristentransformations-Risiko, Hypo Real Estate-Rettung, Moral Hazard, Staatshaftung, Tilgungsfonds, Too big to fail-Grundsatz, Unternehmen, staatliche geförderte.

– Siehe Absenzkapitalismus, Bail-out, Bradford-Verstaatlichung, Exit-Strategie, Fortis-Rettung, Home Equity Loan, Immobilienblase, Krise, systemische, Liquiditätsschock, Moral Hazard, Mortgage Equity Withdrawal, Ninja-Loans, Northern Rock-Debakel, Payment-in-Kind-Kredit, Pfandbrief, Realkredit, Refinanzierungs-Risiko, Rettungspaket, Too big to fail-Grundsatz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Provinzialhilfskassen (provincial aid budget items):

In Deutschland bis zu Beginn des 20. Jhts. bestehende, staatlicherseits eingerichtete Fonds, aus dem arme Gemeinden wie etwa in der Eifel (Eifel relief fund; "Eifelfonds") Zuschüsse erhielten.

– Siehe Fiscal Agent, Meliorationskredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Provision (commission):

1 Allgemein eine Zahlung für eine Person, die in Ausübung ihres Handelsgewerbes Geschäfte besorgt bzw. Dienstleistungen erbringt (the fee allotted to an agent for services rendered); siehe § 354 HGB.

2 Auf dem Finanzmarkt die Vergütung (commission income; Provisionsertrag) bzw. Zahlung (commissions expenses; Provisionsaufwendung, Kommission) für alle Dienstleistungen eines Instituts, die nicht im Rahmen eines Darlehns erbracht werden.

3 Im Besonderen die Gebühr, in der Regel als Anteil (Promillesatz; count per thousand, Prozentsatz; percentage) berechnet, mit der Banken bei der Abwicklung von Wertpapiergeschäften dem Kunden belasten.

4 Maklergebühr: die Zahlung an den Vermittler eines (Finanz)Vertrags (the fee paid to a broker for executing a trade).

5 In der Wirtschaftspresse auch häufig mit Kommission gleichgesetzt.

6 Bissig, hintergründig auch gesagt für Schmiergeld.

– Siehe Bankgebühren, Disagio, Entgelt, Facility Fee, Geschäfte, provisionsabhängige, Gebühr, Maklergebühr, Preis, Prämie, Proxenetikum, Reedergeld, Roadshow, Vergütung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2007, S. 15 ff. (S. 29 ff.: viele wichtige Daten aus der Gewinn- und Verlustrechnung sowie der Aufwands- und Ertragsrechnung deutscher Banken seit 2000, untergliedert nach Bankengruppen; S. 32: Provisions-Aufwendungen und Provisionserträge seit 1999), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2008, S. 17 ff. (Fortschreibung bis 2007), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2009, S. 37 ff. (Fortschreibung; viele Übersichten), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 74 (Neuregelung für die Provision von freien Versicherungsmittelern).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Provisions-Teilung (split of commission payment):

Besonders in der Assekuranz verbreitete Praxis (widespread practice), wobei der Versicherungsvertreter die von dem Versicherungsunternehmen an ihn bezahlte Provision mit dem Endkunden teilt. Dies gilt als Misstand (nuisance). Er wird darin gesehen, dass dadurch der Vermittler von der Versicherung immer höhere Provisionen verlangt und somit das Prämien-Niveau (level of premium) zulasten aller Versicherten steigt. - Die BaFin hat unter Berufung auf ältere Rechtsvorschriften - zuletzt 1934 - ein Provisionsabgabeverbot (prohibition to pass on provisions) verfügt. Durch Gerichtsurteil wurde dieses Verbot jedoch als nicht mit dem Grundgesetz vereinbar aufgehoben. Daraufhin leitete die BaFin im April 2012 ein Konsultationsverfahren (consultation procedure) zum Verbot der Provisions-Teilung ein. Es ist zu erwarten, dass innert der nächsten Jahre eine grundgesetzkonforme (in conformity with German constitution) Verbotsregelung veröffentlich wird.

– Vgl. Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 129 (Bericht über die Rechtslage).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Provisions-Überschuss (net commission income):

Bei einem Institut der positive Saldo aus Aufwendungen an und Erträgen aus Provisionen. Beides entsteht in Zusammenhang mit Geschäften in Wertpapieren, in der Vermögensverwaltung, bei Bürgschaften, im Zahlungsverkehr und in anderen Bereichen. Im jeweiligen September-Bericht der Deutschen Bundesbank wird der Provisions-Überschuss in einer Übersicht wichtiger Posten der Bankbilanzen, aufgeschlüsselt nach Bankengruppen, ausgewiesen und erläutert.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Proxenetikum (brokerage):

In älteren Dokumenten Bezeichnung für den Maklerlohn: den an einen Vermittler - Agenten, Unterhändler, Makler, Proxenenten - zu zahlenden Betrag (fee or commission to act as intermediary between buyer and seller).

– Siehe Maklergebühr.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Proxy (so auch im Deutschen gesagt, aber in unterschiedlicher Bedeutung):

1 Zum Handeln bevollmächtigte Person (a person authorised to act for another), in Bezug auf den Finanzmarkt besonders auf der Hauptversammlung einer Gesellschaft (the shareholder mandates a third party, which may or may not be a shareholder, to vote during an upcoming shareholder's assembly).

2 Vertretungs-Vollmacht (power of representation, procuration).

3 Server eines Providers, auf dem die Zwischenspeicherung von oft abgerufenen Informationen aus dem Internet erfolgt (term of informatics; Begriff der Informatik).

– Siehe Innominat, Nominee, Prearranged Trading, Strohmann.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Prozentpunkt (percentage point):

Allgemein der Unterschied zwischen zwei Angaben, die als Grössen vom Hundert (percent; Prozent) vorliegen. - Freilich finden sich leider auch andere Definitionen des Begriffes, der damit nicht in jedem Fall eindeutig ist und immer wieder die Gerichte beschäftigte. Daher empfiehlt die DIN 5477, die Bezeichnung Prozentpunkt zu vermeiden.

– Siehe Basispunkt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Prozessor (processor, member service provider):

Auf dem Finanzmarkt im Kartengeschäft ein Unternehmen, das für die Karten ausgebende Bank(en) - diese auch Ausgeber, Emittent und Issuer genannt - Kartenverwaltungsaufgaben übernimmt. Hierzu gehören vor allem Bereiche wie Autorisierung, Genehmigungsdienst, Reklamationsbearbeitung (handling of complaints), Fälschungsabwehr (detection of falsifications), Missbrauchsbearbeitung, Karten-Echtheitsprüfung, Rechnungsausstellung, Ersatzkartenservice, Dialogverarbeitung (transaction processing: Informationsaustausch zwischen einer Daten eingebenden Person und einem Rechner) und Kartenversand.

– Siehe Computerzahlung, Counterfeit Card, Einziehung, Geld, elektronisches, Geldkarte, Geldbörse, elektronische, Guilloche, Identitätsprüfungspflicht, Karte, Karten-Echtheitsprüfung, Karteneinsatzdatei, Kreditkarte, Netzgeldgeschäft, Pay-Green-Initiative, Frequency Identification, Ticketing, elektronisches.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Prozyklizität auch Prozyklik (pro-cyclicality):

1 Die Tatsache, dass das Kreditgeschäft der Banken tendenziell das gleiche Verhaltensmuster aufweist wie die Realwirtschaft, also starkes Wachstum bei einem konjunkturellen Aufschwung und minimes oder gar rückläufiges Wachstum innert des Abschwungs. - Prozyklische Erscheinungen im Finanzsektor sind unvermeidbar, weil zuversichtliche Erwartungen das Handeln der Beteiligten (investors; Investoren, institutes; Banken) zu Zeiten eines wirtschaftlichen Aufschwungs bestimmen. Aufgabe der Wirtschaftspolitik ist es jedoch, geeignete Massnahmen zu entwickeln, um die Prozyklizität zu dämpfen.

2 Die Erscheinung, dass aufgrund der nach IFRS vorgeschriebenen Bewertung nach dem Grundsatz des Fair Value die Banken gezwungen sind, bei einer Hausse an der Börse ihre nun im Kurs stark gestiegenen Wertpapiere zum Marktwert auszuweisen. - Brechen die Kurse aber

1. anlässlich besonderer Umstände wie der Subprime-Krise oder allgemein auch in der Abschwungsphase des Konjunkturzyklus stark ein, dann

2. müssen entsprechende Verluste ausgewiesen werden.

3. Diese Verlustmeldungen veranlassen Marktteilnehmer, ihre Papiere - wie sie glauben: rechtzeitig - abzustossen, was

4. die Baisse auf dem Finanzmarkt verstärkt.

– Den Instituten zu erlauben, in solchen Fällen nach dem Mark-to-Model-Ansatz die Vermögensgegenstände zu bewerten, wirft vielerlei Fragen auf. So waren im Zuge der Subprime-Krise bestimmte Verbriefungspapiere definitiv und für immer völlig wertlos geworden, infolgedessen als Nonvaleurs einzustufen. Es widerspräche einer glaubhaften Darstellung, wenn Banken diese Papiere zu irgendeinem Wert grösser als null in der Bilanz ansetzten. - Der deutsche Gesetzgeber öffnete daher im Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG), das zum 1. Januar 2010 in Kraft trat, einen Ausweg aus dieser Zwickmühle. Danach ist es erlaubt, einen bestimmten Teil des Zeitwertgewinns aus Finanzinstrumenten in eine Rücklage einzustellen. Auf diese Weise kann ein antizyklischer Puffer für Abschwungsphasen gebildet werden.

– Siehe Absenzkapitalismus, Ansteckungswirkungen, Audit, Basel-III, Bewertbarkeit, Bewertung, Blase, spekulative, Darstellung, glaubwürdige, Inventarwert, Insolvenzfälle, Kombinationseffekt, Mark-to-Model-Ansatz, Marktwert, Rating-Agentur, Verlust, eingetretener, Vermögenswert, eingebundener, Zeitwert, Zyklik.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2005, S. 59 ff. (Parallelität Darlehn-Wachstum; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Prudent man standard of care (so auch im Deutschen gesagt):

Besonders sorgfältige, durch Gesetze vorgeschriebene oder durch Aufsichtsbehörden erzwungene Anlagestrategie für Fonds bei Altersvorsorgeverträgen. Die auch international und im Deutschen benutzte Formel ist in Section 1104 der US-amerikanischen "Employee Retirement Income Security Act (ERISA)" erläutert.

– Siehe Altersvermögensgesetz, Ausgewogen, Best Practices, Bilanz, ganzheitliche, Nominalwertgarantie, Occupational Pensions Regulatory Authority, Pensionsfonds, Rabbi Trust, Straitjacking.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2002, S. 37 (in Anm. 32 auch Hinweis auf entsprechende Vorschrift in England), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2007, S. 71 (szenariobasierte Stresstests).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Prudential Filter (so auch im Deutschen gesagt):

Bestimmte, aufsichtsrechtlich geforderte Ansätze bei der Bewertung von Eigenmitteln vor allem bei

1. immateriellen Vermögenswerten,

2. latenten Steuern und

3. unrealisierten Gewinnen. Ziel ist die Sicherung der Nachhaltigkeit der Eigenmittel einer Bank sowie deren internationale Vergleichbarkeit.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S, 69 f. (Definition; Umsetzungsprobleme), Jahresbe¬richt 2005 der BaFin, S. 108 (ausführliche Erklärung) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Prudentiell (prudential):

Fachwort aus dem Aufsichtsrecht, auf die Tätigkeit der Aufsichtsbehörden bezogen. Das Adjektiv (Eigenschaftswort) kommt aus dem Lateinischen; dort bedeutet PRUDENTER "mit Umsicht", "mit Vorbedacht".

– Siehe Aufsicht, makroprudentielle, Aufsicht, mikroprudentielle, Aufsichtsbehörden, Ausschuss für Finanzstabilität, BaFin-Umlage, Banking Supervisory Committee, Committee of European Banking Supervisors, Finanzmarktaufsicht, europäische, Lamfalussy-Verfahren, Overkill, regulatorischer, Regulierungsdruck, Regulierungswut, Straitjacking, Transparenzgrad, Überregulierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Prüfung, mangelfreie (satisfactory audit):

Die Aufsichtsbehörde hat im Zuge einer Kontrolle eines Wertpapier-Dienstleistungsunternehmens nach § 36 WpHG keine Fehler oder Mängel gefunden. Was Fehler und Mängel sind, definiert in Deutschland die zu Jahresbeginn 2005 in Kraft getretene Wertpapier-Dienstleistungs-Prüfungsverordnung (WpDPV). Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht kann im Falle mangelfreier Prüfung in einem Jahr in den nächsten Jahren eine vereinfachte Prüfung vornehmen.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 109, Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 109 (neugefasste WpDVP).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Prüfungsbefreiung (relief from audit):

Eine Befreiung von der jährlichen Prüfung durch die Aufsichtsbehörde ist nach § 36 WpHG bei Finanzdienstleistungsfirmen möglich, wenn die Prüfung in Hinblick auf Art und Umfang der Geschäftstätigkeit des betreffenden Instituts nicht erforderlich erscheint.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 147 (die BaFin kann für einen Zeitraum von bis zu drei Jahren befreien; Bedingungen), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 169 (Zunahme der Befreiungen) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Prüfungsberichtsverordnung, PrüfbV (audit report regulation):

Die Aufsichtsbehörden gewinnen wichtige Informationen aus den Jahresberichten der Abschlussprüfer. Das legt es nahe, Form und Inhalt der Berichte zu vereinheitlichen. Zu diesem Zweck wurden von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen 1998 entsprechende Richtlinien erlassen, nämlich die "Verordnung über die Prüfung der Jahresabschlüsse und Zwischenabschlüsse der Kreditinstitute und Finanzleistungsinstitute und über die Prüfung nach § 12 Abs, 1 Satz 3 des Gesetzes über Kapitalgesellschaften sowie die darüber zu erstellenden Berichte". Die Verordnung wird von Zeit zu Zeit an sich verändernde Verhältnisse angepasst.

– Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 110 (grundlegende Umgestaltung der Vorgaben), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 120 f. (Entwurf einer neuen PrüfbV).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Public Company Accounting Oversight Board, PCAOB:

In den USA im Zuge der Sarbanes-Oxley Act 2002 errichtete und der Securities and Exchange Commission (SEC) beigeordnete Behörde, welcher die uneingeschränkte Prüfung der Jahresabschlüsse börsennotierter Aktiengesellschaften obliegt. Diese müssen jede beanstandete Position berichtigen (refiling). - Anlass war die Tatsache, dass durch geschönte Bilanzen der Aktienkurs vieler Gesellschaften hochgetrieben wurde. Deren Niedergang - wie 2001 Enron und 2002: WorldCom - wirkte sich unter anderem auf die Sicherheiten der Kreditinstitute und Versicherungen durch jetzt ungenügende Unterlegung ungünstig aus. - Die von der Behörde erlassenen Vorschriften gelten auch für ausländische Unternehmen, deren Aktien zum Handel an Börsen der USA zugelassen sind. Die Behörde überwacht zudem den Berufsstand der Wirtschaftsprüfer. Eine entsprechende Behörde für Deutschland oder Europa ist bis anhin noch nicht geplant.

– Siehe Anderson-Skandal, Angaben unrichtige, Anlegerschutz, Aufsichtsbehörden, Aufsichts-Kommission, Bilanz-Skandal, Corporate Governance, IFRS-Dialekte, Prozyklizität, Verlust-Tarnung, Straitjacking.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2005, S. 93 ff., Monatsbericht der EZB vom Mai 2005, S. 103.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Public Disclosure (so auch meistens im Deutschen gesagt):

Wenn nicht anders definiert die von den Aufsichtsbehörden den Instituten auferlegte Pflicht, der Öffentlichkeit gewisse Informationen über bestimmte Gegebenheiten zu übermitteln, wie beispielsweise die angemessene Eigenmittelausstattung (capital adequacy: an appropriate amount of own funds in order to meet fulfill all obligations to customers). Der Sinn dieser Vorschrift besteht darin, dem Publikum die Möglichkeit zu bieten, die finanzielle Lage und die Solvenz des Instituts einschätzen zu können.

– Siehe Ad-hoc-Mitteilung, Aktionärsbrief, Publizität, situationsbezogene, Salami-Taktik.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 53 f. (Empfehlungen der CEIOPS).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Public Private Partnerships, PPP (so auch meistens in Deutschen gesagt; manchmal auch Öffentlich-Private Partnerschaft[en], ÖPP):

1 Allgemein ein Vertrag, durch den ein privates Unternehmen für eine längere Zeit Aufgaben der öffentlichen Hand übernimmt, weil das privat geführte Unternehmen diese Aufgaben kostengünstiger erfüllen kann.

2 Im Besonderen die gemeinsame Finanzierung von Infrastruktur-Vorhaben - und hier wieder in erster Linie von Strassen-Neubauten - durch Banken einerseits und staatlichen Stellen andererseits; beide Partner gründen zu diesem Zweck ein neues Unternehmen. - Die Verwirklichung der in Deutschland bis etwa 2050 angestrebte Quote von fünfzehn Prozent der PPP bei infrastrukturellen Investitionen scheitert bis anhin vor allen noch an

1. mangelnder Vereinheitlichung (standardisation) entsprechender Verträge,

2. bundeseinheitlichen (at federal level) Regeln bei der Wirtschaftlichkeitsrechnung einzelner Vorhaben,

3. Fragen der Eigenkapital-Aufbringung bei einzelnen Projekt-Gesellschaften sowie last not least

4. am starken Widerstand der staatlichen Verwaltung und der Gewerkschaften.

– Im September 2005 wurde zwar ein PPP-Beschleunigungsgesetz bundesweit rechtskräftig, welches die Rahmenbedingungen für PPP verbessert. Im Besonderen schuf man eine steuerliche Gleichbehandlung (equal tax treatment) von öffentlicher und PPP-Beschaffung, etwa auch durch Befreiung einer PPP-Gesellschaft von Grundsteuer und Grunderwerbssteuer (property acquisition tax). Allerdings sind einige Fragen hinsichtlich des Risikomanagement - auch in Bezug auf Basel-II - noch nicht bis ins Letzte geklärt.

– Siehe Co-Investment, Cornerstone Investor, Innovationsfonds, Landmark Buildung-Darlehn.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin. S. 147 (vorgesehene Erleichterungen für solche Fonds); Economic Issues 40: Public Investment and Public-Private Partnerships.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Public-to-Private, P2P (so auch im Deutschen gesagt):

Die Aktien eines Unternehmens werden von der Gesellschaft selbst, von einem Investor oder von einem Übernahmewilligen an der Börse von den Aktionären - in der Regel über einen längeren Zeitraum und im Falle von geplanten Übernahmen oft auch im Verborgenen - erworben; und die Aktie wird zuletzt aus dem Handel an der Börse herausgenommen.

– Siehe Delisting, Deregistrierung, Iceberg Order, Regel 404, Sarbanes-Oxley Act, Umtausch-Angebot.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Publikumsfonds (investment fund open to the general public):

1 Allgemein Vermögen einer Kapitalverwaltungsgesellschaft, über das an Börsen notierte Anteilscheine ausgegeben sind und damit jedermann die Teilhabe offensteht.

2 Investmentfonds, die gezielt auf Privathaushalte als Erwerber der Anteilscheine zugeschnitten sind. – Im jeweiligen Monatsbericht der EZB, Rubrik "Statistik des Euro-Währungsgebiets" finden sich detaillierte Aufstellungen über die Publikumsfonds im Eurogebiet.

– Siehe Aktienfonds, Angebot, öffentliches, Anteilschein, Finanzintermediäre, Fonds, öffentlicher, Hedge-Fonds, Immobilienfonds, Inventarwert, Kapitalanlagegesetzbuch, Rentenfonds, Spezialfonds.

– Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 145 (Umstellung auf Vorgaben des Investmentgesetzes; Fonds mit Anteilsklassen; risikoorientierte Aufsicht), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 162 (vereinfachtes Genehmigungsverfahren für Publikumsfonds), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 215 (Anzahl und Vermögen der Publikumsfonds), S. 220 (Immobilien-Publikumsfonds) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel " Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft", Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2013, S. 16 ff. (detaillierte Marktstudie zu inländischen Publikumsfonds). - Im monatlich erscheinenden Statistische Beiheft "Kapitalmarktstatistik" der Deutschen Bundesbank auch Zahlen über die Anzahl, den Anteilumlauf und das Vermögen inländischer Investmentfonds (domestic mutual funds), nach verschiedenen Gesichtspunkten aufgeschlüsselt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Publizität, situationsbezogene (situative publicity):

Börsenzugelassene Unternehmen in Deutschland sind neben der Regelpublizität (compulsory and periodical reporting: die Veröffentlichung des Jahresabschlusses einschl. Anhang und Lagebericht) zu einer Ad-hoc-Mitteilung verpflichtet, um den Marktteilnehmern zwischen den Stichtagen (reporting dates) der Regelpublizität den raschen Zugang zu Informationen über wichtige Unternehmensereignisse zu gestatten. Dies ist in § 15, Abs. 1 WpHG vorgeschrieben.

– Siehe Ad-hoc-Mitteilung, Aktionärsbrief, Delisting, Frontrunning, Kursmanipulation, Marktdisziplin, Pairoff, Scalping, Stimmrecht-Offenlegung, Wirtschaftsprüfer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Publizitätspflichten (publicity requirements):

Die nach dem Finanzmarktrecht vorgeschriebenen und durch die Aufsichtsbehörden überwachten Bestimmungen hinsichtlich der Offenlegung der finanziellen Verhältnisse eines Unternehmens.

– Siehe Bilanz-Skandal, Corporate Governance, Public Disclosure, Transparentgebot.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2005, S. 73 (Übersicht der Regelungen für Deutschland).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Puffer (buffer):

1 Der Bestand an Bargeld (cash; Kasse), Guthaben bei Banken und ungenutzte Kreditlinien einer Wirtschaftseinheit.

2 Die Fähigkeit einer Wirtschaftseinheit, auch bei aussergewöhnlichen Umständen (exceptional circumstances) die Zahlungsfähigkeit (solvency: ability to pay, to meet financial obligations) zu bewahren.

– Siehe Basel-III, Bodensatz, Debt Tail, Kapitalerhaltungspuffer, Mittel, liquide, Liquiditätsrisiko-Management, Puffer, gegenzyklischer, Risikotragfähigkeit, Zyklik.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Dezember 2008, S. 29 (Banken nutzen vor allem öffentliche Schuldtitel als Liquiditätspuffer), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 51 (Empfehlungen der CEBS zur Zusammensetzung des Liquiditätspuffers).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pump and Dump (so auch im Deutschen gesagt):

In einem ersten Schritt werden vor allem in

1. Börsenbriefen sowie durch telephonische Anrufe und E-Mails Aktien meist ausländischer Gesellschaften empfohlen.

2. Angeblich unabhängige Experten bescheinigen dem Papier eine kurz bevorstehende hohe Kurssteigerung.

3. Wenn der Umsatz und der Kurs aufgrund der künstlich erzeugten Nachfrage gestiegen ist,

4. dann verkaufen die Ratgeber ihre vor den Empfehlungen erworbenen Titel mit hohem Gewinn.

5. Die durch diese Marktmanipulation nun wieder im Wert (oft auf null) gesunkenen Titel bescheren den Käufern einen Verlust.

– Siehe Anlage-Empfehlung, Billigkopie, Blue-sky laws, Dampfstube, Dingo-Werte, Frontrunning, Geheimtip, Glamour Stocks, Hockeyschläger-Angebot, Internet-Angebote, Kapitalmarkt, grauer, Marktmissbrauch, One-Hit Wonder, Push, Rebbes, Scalping, Spam-Mails, Verbraucherbeschwerden.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 173 (Pump and Dump-Aktivitäten nahmen 2007 zu), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 156 f. (Pump and Dump bei Freiverkehrswerten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Punkt (point):

1 Bei der Notierung an US-amerikanischen Börsen ist ein Punkt gleich 1,00 USD.

2 Der in Deutschland weithin noch übliche Punkt zwischen Tausender und Hunderter einer Zahl, etwa: 1.000 für Eintausend, wird weltweit regelmässig als Stellen hinter einer ganzen Zahl gelesen, hier also: 1,000 und folglich als Pips aufgefasst. Daher schreiben die statistischen Behörden wie auch die Zentralbanken hier keinen Punkt, sondern setzen eine Lücke (also: 1 000 für Eintausend). In der Schweiz ist weithin ein Hochkomma (Oberstrich; apostrophe) üblich, also 1'000 für Eintausend.

– Siehe Basispunkt, Handle, Pips, Stop.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Puffer, gegenzyklischer (countercyclical capital buffer, CCCB):

Im Vorgriff auf allfällige Regelungen in Basel-III bereits zu Jahresende 2010 von den wichtigsten Industrienationen getroffene Vereinbarung, derzufolge die nationalen Aufsichtsbehörden heimische Banken zwingen können, ihre Eigenkapitalquote zu erhöhen, sobald sich Hinweise einer Blase zeigen. Als Masstab für eine Blase soll das Verhältnis der ausgereichten Kredite zum Bruttoinlandsprodukt gelten (the ratio of credit to gross domestic product). Der so verordnete Puffer soll einerseits die Banken vor Verlusten schützen und andererseits der Blase die Luft nehmen (while the buffers are designated to protect banks, they are also likely to raise the price of credit which could help to deflate a bubble). Um aber zu verhindern, dass Darlehn zur Finanzierung der Blase im Ausland aufgenommen werden, sollten sich auch die Aufsichtsbehörden anderer Länder dieser Massnahme anschliessen. - Bezweifelt wurde, ob solche gegenseitige Übereinkommen (reciprocal arrangements) im Ernstfall auch umgesetzt werden. Denn angenommen, man stellt fest, dass in England eine Blase im Entstehen ist. Die Banken dort müssen nun ihre Kernkapitalquote erhöhen (are forced to increase their minimum tier one capital ratio from the global minimum of 7 percent to up to 9,5). Dies bewirkt aber, dass alle Darlehn teurer werden, so auch Kredite zur Verbesserung oder Erweiterung des Produktionsapparats. Das Wirtschaftswachstum mindert sich daher. Gemäss dem Abkommen wäre nun jedoch beispielsweise auch die EZB und die Schweizerische Nationalbank gezwungen, ihren Banken mehr Kernkapital abzuverlangen. Sie müssten also Wachstumsverluste in den jeweiligen Volkswirtschaften in Kauf nehmen (because the impact of the extra capital requirement is to be expected greater on its economy than on banks). Dass dies geschieht, erscheint ziemlich unwahrscheinlich (remote). - Im Grunde ist es aber durchaus der richtige Weg, die Verantwortung für ausgereichte Darlehn jeder Art so weit als möglich bei den Banken zu belassen. Denn nachweislich werden Finanzkrisen damit am ehesten vermieden.

– Siehe Anlage-Haftung, Marktkenntnis, zentralbankliche, Martin-Prinzip, Moral Hazard, Puffer.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2013, S. 52 (Definitionen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Push (so auch im Deutschen gesagt):

In der Börsensprache Bezeichnung dafür, dass der Kurs einer Aktie durch unredliche Mittel wie Gerüchtestreuen oder vielversprechende Berichte seitens feiler Journalisten gewaltsam nach oben gedrückt wird.

– Siehe Ad-hoc-Mitteilung, Geldhut, Internet-Foren, Marktmanipulation, Pump and Dump, Rally.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Put (so auch im Deutschen gesagt):

Allgemein eine Verkaufsposition, ein Angebot, eine Offerte, ein Feilbieten, ein Verkäufer.

– Siehe Call.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Put-Option (put option):

Die Verpflichtung eines Verkäufers einer Option (option writer; Schreibers), den Basiswert bis zum Verfalltag zum Ausübungspreis zu verkaufen, unabhängig vom aktuellen Kurs des Basiswertes (an option contract that gives the owner the right to sell the underlying asset at a specific price, its strike price, for a certain, fixed period of time. For the writer of a put option, the contract represents an obligation to buy the underlying asset from the option owner if the option is assigned).

– Siehe Ausführung automatische, Call-Option, Erfüllung, Option, Option, digitale, Parität, Position, schwache, Rohstoff-Terminvertrag, Strip, Tulpencrash, Verfügbarkeitsprämie, Wiedereindeckungs-Risiko.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Pyramide (pyramid[ing]):

1 Schneeballsystem, bei dem Anlegern ausserordentlich hohe Gewinne versprochen und zunächst aus ausbezahlt werden. Die Auszahlungen erfolgen jedoch nicht aus am Markt erzielten Erträgen. Vielmehr werde diese aus den Einzahlungen neu geworbener Mitglieder bestritten. Diese Gestaltungsweise bricht immer dann zusammen, wenn weniger neue Mitglieder geworben werden als Ausschüttungen an die Altmitglieder zu leisten sind (a fraudulent mechanism whereby a person or group of persons wilfully promises exceptionally high returns, and simply uses the amount invested by new entrants to fund the "exceptional" returns paid to the first entrants. The scheme collapses when investors stop bringing new money in the structure, and therefore the exceptional returns suddenly vanish).

2 Die Anlage noch gar nicht realisierter Spekulationsgewinne in neue Engagements bereits jetzt (using unrealised profits on an existing security or commodity position as collateral to increase the size of the position). In der Regel handelt es sich bei Wertpapieren in diesem Fall um hoch spekulative Titel (cats and dogs).

– Siehe Geheimtip, Go-go-Fonds, Junk-Bonds, Madoff-System, Penny-Stocks, Rendite-Risiko-Grundsatz, Risikokapital, Supergewinn, Terror-Papiere.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen