Versicherungsoptimierer.net - Finanzlexikon - O

Finanzlexikon - O

Obergesellschaft (controlling company, parent company):

In der Sprache der EZB ein Unternehmen das aufgrund von Kapitalverflechtung oder sonstigen Beziehungen einen beherrschenden Einfluss auf andere Unternehmen ausübt (a controlling company has enough voting stock to influence of the board of directors and control the management and operations of the subsidiary companies [Tochter- oder Untergesellschaften]. Occasionally, a parent company will create subsidiaries for tax and liability purposes: creating separate entities with legal and financial shields to protect it the parent company from recourse or liability).

– Siehe Finanzkonglomerat, Gewinnverlagerung, Holding, Kontrolle, Konzern, Octopus, Präzipuum, Quersubventionierung, Verbindungen, enge, Unternehmensgruppe, horizontale, Versicherungs-Holdinggesellschaft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Objektfinanzierung (object financing, OF):

Gewährung eines Darlehns zur Beschaffung von Gegenständen - etwa: Schiff, Flugzeug -, wobei die Begleichung der Forderung von dem Cash Flow aus den finanzierten und an den Kreditgeber verpfändeten oder abgetretenen Objekt abhängt.

– Siehe Projektfinanzierung, Schiffsfinanzierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Objektgesellschaft (special purpose entity, SPE):

1 Allgemein ein Unternehmen mit satzungsgemäss genau abgegrenztem, engen Geschäftsbereich (line of business). Es wird allein mit der Absicht gegründet, bestimmte ausserbilanzielle Umsätze zu tätigen. Dies wird dadurch erreicht, dass ein Gründer (Initiator; initiator) der Objektgesellschaft Vermögenswerte überträgt, wie beispielsweise Baumaschinen oder Pensionsansprüche, welche die Objektgesellschaft dann vermietet bzw. verwaltet. Die Risiken aus der Tätigkeit der Objektgesellschaft trägt grundsätzlich diese allein, weil der Initiator in aller Regel an der Objektgesellschaft kapitalmässig nicht beteiligt ist, und er daher nach dem bisher herrschenden Stimmrecht-Kriterium (voting control rule) die Objektgesellschaft nicht konsolidieren, d.h. in seiner Rechnungslegung ausweisen musste.

2 Eine rechtlich im Inland errichtete Holding mit nur sehr wenig Personal - nicht selten mit bloss zwei Beschäftigten -, die ganz in ausländischem Besitz ist und deren Vermögen zum überwiegenden Teil aus Beteiligungen bzw. verbundenen Unternehmen im Ausland besteht.

3 Eine Conduit-Gesellschaft bzw. Zweckgesellschaft, bei der eine Bank - dann meistens Originator genannt - Asset-Backed Securities dem ausserbilanziell geführten Unternehmen überträgt. Die Zweckgesellschaft bringt diese Papiere dann in verschiedenen Tranchen bei Anlegern unter.

– Siehe Absenzkapitalismus, Endanleger, Reintermediation, Schattenbankbereich, Structured Investment Vehicle, Verbriefungspapiere-Selbstbehalt, Zweckgesellschaft.

– Vgl. Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 67 f. (umfassende Überarbeitung der Finanzkonglomerate-Richtlinie der EU-Kommission: SPEs sollen einbezogen werden) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Internationales".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Obligation (debenture, debt security, bond; obligation):

1 Jede als Wertpapier ausgestaltete Schuldverpflichtung mit festem oder variablem Zinssatz und gegebener Laufzeit; anderer Ausdruck für Schuldverschreibung.

2 Ein Schuldverhältnis zwischen zwei Personen. Derjenige, der schuldet, wird dabei als Schuldner bezeichnet, derjenige, dem ge-schuldet wird, als Gläubiger (any act by which a person becomes bound to do something to or for another, or to forbear something; it may also be defined to be a deed whereby a party binds itself under a penalty to do a thing).

– Siehe Anleihe, Finanzinstrument.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Obligo (liability; commitment[s]; open items; recourse):

In der älteren Finanzsprache sehr häufig gebrauchter Ausdruck in unterschiedlicher Bedeutung.

1 Allgemein jederart bindende Verpflichtung, eine Obliegenheit, eine Schuld (the state of being under a debt, as for lending money, of gratitude, for a favour, for a service, or for a benefit).

2 Das Eingehen (im Sinne von Übernehmen; share) eines Risikos (to go on risk, to underwrite a risk, to take a risk).

3 Ein Engagement und im Besonderen die Durchführung einer Investition oder die Beteiligung an einer solchen.

4 Die Verbindlichkeiten eines Kunden bei der Bank.

5 Eine Bürgschaft (guarantee) oder Sicherheitsleistung (Kaution; surety).

6 Verneinend (ohne Obligo; without recourse)

1. der Auskunftgeber will für die Richtigkeit seiner Angaben nicht haften

2. auf Wechseln der Unterschrift beigefügt: man hat zwar mitunterschrieben, übernimmt aber keine wechselrechtliche Haftung (Indossament ohne Obligo; restrictive endorsement).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Obolus (obolus, obol):

1 Zur Zeit Jesu in Griechenland eine Kleinmünze im Wert von acht Chalkoi; sechs Obolen waren gleich einer Drachme bzw. eines Denars.

2 Heute oftmals noch Bezeichnung für einen kleineren Geldbetrag, im Besonderen als Gebühr, Spende, Bedienungsgeld. - Bitte nicht - wie heutzutage selbst die akademischen teutonischen Dümmlinge (Teutonic academic imbeciles) - Obulus schreiben!

– Siehe Amalfiner, Dareiko, Drachme, Florentiner, Geldbeutel, Münze, Münzsystem, römisches, Numismatik, Samarkander, Sekel, Stater, Urukagina-Regel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Obristen-Darlehn (colonel's loan):

In alten Dokumenten (hoch)verzinsliche Darlehn, die Obristen - zu dieser Zeit im Allgemeinen gesagt von militärischen Kommandoführern über 4'000 bis 5'000 Mann - an Kaufleute und seltener auch an Privathaushalte zumeist kurzfristig verliehen. Bei dem verliehenen Geld handelte es sich von der landesherrlichen Kriegskasse (sovereign war chest) angewiesene Mittel, die zur pünktlichen Besoldung der Soldaten bestimmt waren. Indem die Obristen die Auszahlung des Soldes zeitlich streckten (extended the payment of the salaries to the soldiers), konnten sie durch Darlehnsgeschäfte reichlich Gewinn auf ihre eigene Rechnung erzielen. Wiewohl solche Geschäfte ausdrücklich verboten waren (were expressly prohibited), scheinen sie in den Heeren vieler Staaten nach Ausweis entsprechender Berichte üblich gewesen zu sein.

– Siehe Dänengeld, Festungsgeld, Grabengeld, Heergeld, Hussengeld, Kavalleriegeld, Knickgeld, Kontribution, Manubien, Marschroutengeld, Parallel Banking, Quartiergeld, Rockgeld, Satisfaktionsgeld, Schattenbank, Türkengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Obsidional-Münzen und Belagerungsmünzen (obsidional coins):

In einer von einem feindlichen Herr umzingelten (beleagured) Stadt geschlagene Geldstücke.

– Siehe Ersatzgeld, Ersatzmünzen, Notgeld, Numismatik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Obstpreise (fruit prices):

Als Bestandteil des HVPI von der EZB für das Eurogebiet erfasst. Dabei traten einige länderspezifische erfassungstechnische Unterschiede auf, die im Jahr 2011 weitgehend angeglichen wurden.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2011, S. 41 (Obstpreise 1996 bis 2010; Verordnung der EU über die statistische Behandlung saisonaler Erzeugnisse).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Obvention (obvention):

In älteren Dokumenten eine freiwillige, ausserordentliche Zuwendung, im Besonderen an eine Kirchengemeinde oder an ein Kloster (an occasional [religious] offering).

– Siehe Charisterium, Kirchgeld, Opfergeld, Peterspfennig, Stiftungsfonds.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Occupational Pensions Regulatory Authority, OPRA:

In England eigene Aufsichtsbehörde über Pensionsfonds. Die von der Behörde entwickelten Best Practices waren und sind auch für Pensionsfonds ausserhalb Grossbritanniens vorbildlich.

– Siehe Altersvermögensgesetz, Bilanz, ganzheitliche, Prudent man standard of care.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Octopus (octopus):

Im Jargon der Finanzwelt oft bissig gesagt von

1. der Konzernleitung (central group management) eines grossen, weltweit tätigen Instituts oder

2. einer Aufsichtsbehörde, seltener auch

3. in Bezug auf die heimische Zentralbank.

– Zoologisch ist ein Octopus ein achtarmiger Krake (Polyp; polyp), der alles umgreift, an sich zieht und nicht wieder loslässt.

– Siehe Ausschuss-Wahn, Bankfusionen, Corporate Centre, Dezentralisations-Prinzip, Downsizing, Entflechtung, Geldverbrennung, Gigabank, Konzernabschlag, Obergesellschaft, Subsidiaritätsprinzip, Synergiepotentiale.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Octroi und Octroy [das] (octroi, charter):

1 Allgemein eine mit staatlicher, landesherrlicher Bewilligung seitens mancher Städte in Europa früher erhobene Abgabe auf Verbrauchsgegenstände, vor allem auf Lebensmittel, wobei oftmals ein bestimmter Betrag der Armenkasse zugeführt werden musste.

2 Im Besonderen eine Steuer auf Lebensmittel, die von aussen in eine Stadt gebracht wurden (tax on commodities being brought into a town). Diese Abgabe hatte vor allem den Zweck, den eigenen Ackerbürger zu schützen. Ackerbürger (field-citizen) nannte man einen Einheimischen, der ausserhalb der Stadtmauern gelegene, aber zum Stadtgebiet gehörende landwirtschaftliche Flächen bewirtschaftete (peasant in a town who has all the rights of a citizen) und damit für die Nahversorgung (local provisions, local supply) der Stadt von grosser Bedeutung war.

3 Manchmal auch gesagt in Bezug auf die Grenzen, an denen diese Abgabe eingezogen wird (the boundary where this tax is collected).

– Siehe Akzise, Armengeld, Detz, Impost, Schokoladentaxe, Ungeld, Verzehrgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Odd Lot auch Fractional Lot (so auch oft im Deutschen gesagt; mitunter auch: Kleinmenge und Fraktion):

1 Börsenauftrag, bei dem die Anzahl der zu kaufenden oder zu verkaufenden Wertpapiere gering ist; in den USA üblicherweise weniger als hundert Aktien bzw. in einem engen Markt zehn Aktien, dann ein Round-Lot und Even-Lot genannt (share bought or sold in amounts less that the usual 100-share multiples). Die Banken bzw. Börsenmakler stellen für solche "krumme Posten" höhere Gebühren in Rechnung.

2 Bezeichnung für Restposten im Handel mit Wertpapieren.

– Siehe Alles-oder-Nichts-Auftrag, Arrondierung, Job Lot, Mindestschluss, Notierung, variable, Odd Lot-Zuschlag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Odd Lot-Theorie (so auch im Deutschen gesagt, seltener [unschön] Kleinanleger-Verhaltensanpassung):

Die Annahme, dass Kleinanleger immer gefühlsmässig entscheiden und daher zu falschen Zeiten an der Börse - und besonders bei Aktienkäufen - handeln. Wenn daher

1. bei steigenden Kursen viele Kleinanleger kaufen, dann wird dies als Anzeichen einer Marktschwäche angesehen;

2. man sollte daher jetzt möglichst rasch das entsprechende Wertpapier verkaufen.

3. Falls jedoch bei fallenden Kursen viele Kleinanleger verkaufen,

4. dann gilt das als Einstiegssignal (signal to entry) in diesen Markt bzw. in dieses Wertpapier (theory of technical analysis based on the assumption that odd-lotters [= small investors who deal in fewer than 100 shares at a time] are poorly informed and have a low risk tolerance. Small individual investors, therefore, are always wrong, and it is a good idea to trade contrary to their trading patterns; a good time to buy is when they are selling).

– Empirisch bewiesen ist diese Annahme freilich nicht; zumal auch Finanzjournalisten, Banken und Börsenmakler - nicht zuletzt auf öffentlichen Druck hin - besonders die Gruppe der Kleinanleger in der Regel gut beraten.

– Siehe Börsianer, Chase Winner, Euphoriephase, Herdenverhalten, Hindsight, Kurzsichtigkeit, Milchmädchen-Hausse, Noise Trader, Overtrading, Scalper.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Odd Lot-Zuschlag und Kleinmengenaufpreis (odd lot differential):

Eine zu der üblichen Kommission hinzutretende Forderung des Maklers, wenn eine Kleinmenge an der Börse gekauft wird, weil solche Aufträge in der Regel zusätzliche Kosten mit sich bringen (a fee attached on to the normal commission charge by a broker, because normally either extra processing or help of a specialist is necessary to handle an odd lot transaction).

– Siehe Odd Lot.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

OECD-Risiken (OECD-risks):

Gemäss Basel-I waren für Schuldner aus OECD-Staaten seitens der Banken niedrigere Anforderungen bezüglich des Risikomanagements zu stellen. Diese sachlich kaum zu begründende Vergünstigung fiel bei Basel-II weg. - Die OECD (Organisation für Economic Co-operation and Development) ist eine 1961 gegründete Einrichtung, der um die dreissig führende Industrieländer angehören. Ihr satzungsmässiges Ziel ist die Förderung der Wirtschaft in weitestem Sinne. Die OECD erarbeitet Untersuchungen, Empfehlungen und ständige Informationen; sie verfügt jedoch über keine supranationale Rechtsetzungsbefugnis. Leitendes Organ ist der Rat mit Vertretern aus allen Mitgliedsländern. An der Spitze des Sekretariats in Paris steht der Generalsekretair.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Offen (open):

Meint in Zusammenhang mit "Offenmarktpolitik" dreierlei:

1 Einmal bezieht es sich auf die Handlungsrichtung (direction of acting) der Zentralbank; diese öffnet sich und geht an den Markt.

2 Zum andern zielt es auf den Markt ab, der jedem offen (open to the public) und allen frei zugänglich (public domain) ist; dies ist der Kreditmarkt gesamthaft.

3 Schliesslich soll damit auch ausgedrückt werden, dass nur umlaufende Titel, nicht aber auch neu emittierte Wertpapiere Gegenstand der Interventionen, des Eingreifens in den Markt sind (open market = laufender, bestehender Markt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Offenheitsgrad (degree of openness):

1 Das Total an Ausfuhren und Einfuhren in Beziehung zum Bruttoinlandsprodukt (the ratio of the sum of total imports and exports to gross domestic product). Diese Kennzahl zeigt grob die weltwirtschaftliche Arbeitsteilung einer Volkswirtschaft an. - Der Offenheitsgrad Deutschlands lag im Jahr 2011 bei etwa 95 Prozent, im Jahr 1994 bei erst 49 Prozent. Das bedeutet aber auch, dass von der Aussenwirtschaft eine sehr starke Dämpfungswirkung (damping process) auf die heimische Wirtschaft ausgehen kann, wie sich in der Rezession nach der durch die Subprime-Krise 2007 ausgelösten Finanzkrise zeigte. Hinzu tritt, dass die Zusammensetzung der deutschen Ausfuhren - Maschinen, Fahrzeuge, Chemiewaren - verhältnismässig stark sowohl auf eine Steigerung als auch auf einen Rückgang der weltweiten Nachfrage reagiert.

2 Das Total von Auslandsforderungen und Auslandsverbindlichkeiten in Beziehung zum Bruttoinlandsprodukt. Diese Kennziffer gibt Aufschluss über die globale finanzielle Integration der jeweiligen Volkswirtschaft.

– Siehe Chinn-Ito-Index, Terms of Trade, Unit-Value-Relation.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2007, S. 16 f. (allgemein über diese Messgrössen; vergleichende Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Offenlegung, öffentliche (public disclosure):

Institute in Deutschland müssen seit Jahresbeginn 2007 einmal jährlich Befunde über das Eigenkapital, die Risikolage und das Risikomanagement veröffentlichen. Rechtsgrundlage ist § 26a KWG in Verbindung mit § 321 SolvV.

– Siehe Berichtsschwelle.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 113 (freie Wahl des Publikationsweges; Ausnahmen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Offenlegungspflichten (disclosure requirements, transparency regulations):

1 Bilanzrechtliche und aufsichtsrechtliche Regelungen, die Banken vorschreiben, die Öffentlichkeit über ihr Kapital, über eingegangene Risiken und die Kapitaladäquanz genau zu unterrichten. Nach Basel-II in gesteigertem Masse vorgeschrieben.

2 Vorschriften der Aufsichtsbehörde, bei Wertpapieranalysen sowie bei Empfehlungen zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren allfällige Interessenkonflikte (potential conflicts of interests) aufzudecken.

– Siehe Basel-III, Chinese Wall, Handelsoffenlegung, Kreditrisiko, Marktdisziplin, Marktmissbrauchs-Richtlinie, Offenlegung, öffentliche, Prognosebericht, Transparenz, Verbraucherbeschwerden, Vertraulichkeit.

– Vgl. hierzu Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 110 ff., Monatsbericht der EZB vom Januar 2005, S. 55, Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 125 (Probleme bei grenzüberschreitender Verbreitung von Kauf/Verkaufsempfehlungen), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 56 (neue Vorschriften zur Offenlegung) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2010, S. 69 ff. (Offenlegungspflichten im Zuge von Basel-III; S. 78: Leitlinien zu den Offenlegungspflichten; S. 80: Überblick).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Offenmarktgeschäft (open market operation):

Geldpolitischer Eingriff, der auf eigener Inangriffnahme der Zentralbank am Finanzmarkt durchgeführt wird. - Im Rahmen der EZB umfasst das Offenmarktgeschäft die folgenden Transaktionen:

1. definitiver Kauf oder Verkauf von Vermögenswerten per Kassa und per Termin,

2. Kauf oder Verkauf von Vermögenswerten im Rahmen einer Rückkaufsvereinbarung,

3. Kreditgewährung oder Kreditaufnahme gegen Sicherheiten,

4. Emission von Schuldverschreibungen der EZB,

5. Hereinnahme von Einlagen oder

6. Devisen-Swaps zwischen inländischer und ausländischer Währung.

– Siehe Cover Ratio, Pensionsgeschäft, Reverse-Repurchase-Agreement.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2004, S. 56 ff. (Offenmarktgeschäfte der EZB), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2007, S. 93 ff. (Vergleich der Regelungen für Sicherheiten bei der EZB mit USA und Japan; viele Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2009, S. 29 (Offenmarktgeschäfte während der Finanzkrise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2010, S. 26 ff. (Geldmarktsteuerung und Liquiditätsbedarf; detaillierte Übersicht der Offenmarktgeschäfte).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Offenmarkt-Tender-Operations-System, OMTOS:

Von der Deutschen Bundesbank seit Mitte November 2005 angewandtes Verfahren für Gebote und Bescheide über die Zuteilung im Zuge von Offenmarktgeschäften; das System ermöglicht einen synchronen (synchronous; concurrent in time; simultaneous) Austausch von Informationen. Es löste das bis dahin praktizierte Automatische Bietungssystem (ABS) ab.

– Siehe Bietungshöchstbetrag, Höchstbietungsgrenze, Reverse-Repurchase-Agreement, Swappolitik, Tender, Zinstender.

– Vgl. Geschäftsbericht 2005 der Deutschen Bundesbank, S. 99 f. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Öffentliche Hand (general government; public authorities; public sector entities):

Einzelne juristische Personen des öffentlichen Rechts, also Entitäten hoheitlichen Handelns bzw. diese in ihrer Gesamtheit.

– Siehe Gebietskörperschaften, Parafiskus, Staat, Stellen, öffentliche.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Office of Comptroller, OoC:

In den USA dem Finanzministerium zugeordnete Aufsichts¬behörde für die sog. "National Banks", nämlich Kreditinstitute, die sich bei den amerikani¬schen Bundesbehörden verzeichnen liessen.

– Siehe Aufsichtsbehörden, Nichtmitgliedsbank.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Office of National Insurance, OoNI:

In den USA im Gefolge der durch die Subprime-Krise ausgelösten Finanzkrise 2009 beim Finanzministerium des Bundes in Washington eingerichtete Behörde mit der Aufgabe, die in den einzelnen Bundesstaaten unterschiedlich gehandhabte Versicherungsaufsicht aufeinander abzustimmen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Office of Thrift Supervision, OTS:

In den USA dem Finanzministerium zugeordnete Aufsichtsbehörde für Sparkassenbereich (Savings & Loans Associations).

– Siehe Aufsichtsbehörden.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Offline Banking, Offline-Banking [mit Bindestrich] und [in einem Wort geschrieben] Offlinebanking (so auch im Deutschen gesagt; seltener [unschön] nichtnetzgebundenes Bankgeschäft):

Das übliche, gegenständliche Arbeitsgeschehen (normal workflow) auf dem Finanzmarkt, die Wirklichkeit des Tagesgeschäftes (CH: Courant normal; real-life of day-to-day business operations); meistens verstanden im Gegensatz zum Online Banking, nämlich die Erledigung von Bankgeschäften auf dem Weg über das Internet.

– Siehe Courant normal.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Öffnungsklausel (escape clause):

Allgemein eine in Verträgen eingebaute Nebenbestimmung (rider: an addition or amandment to a document), die es erlaubt, bei allfälligen für die Vertragsparteien nachteilig wirkenden Starrheiten (rigidities) abweichend vom Grundvertrag zu verfahren.

– Siehe Arbeitskosten, Mindestanforderungen an das Risikomanagement.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2009, S. 21 ff. (Öffnungsklauseln in Arbeitsverträgen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Offshore Banking und Offshore-Banking [mit Bindestrich], seltener [sprachlich unschön] Auslandsbankieren):

Wenn nicht anders definiert die Abwicklung von Geldgeschäften und die Verwaltung von Vermögen nicht im eigenen Heimatland, sondern in einem anderen Staat, etwa in der Schweiz oder in Singapur. Gründe dafür sind neben dem grösseren Vertrauen auf den auswärtig gewählten Finanzmarkt auch steuerliche Gesichtspunkte, wie etwa Flucht vor der EU-Zinsbesteuerung (bank to be found outside the country of residence of the client, usually in a low tax jurisdiction ["tax haven"] that provides pecuniary and legal advantages).

– Siehe Bankieren, International Business Company, Finanzflüchtling, Managed Bank. Meldeverfahren, Offshore-Booking Onshore-Banking.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Offshore Booking und Offshore-Booking [mit Bindestrich] [unschön] auslandsverlagerte Geschäftstätigkeit:

Die Abwicklung von Geschäften nicht innert des eigenen Währungsgebiets, sondern über Offshore Finanzplätze (a financial centre outside the own country used by banks to book certain deposits and loans, often with the aim to avoid regulatory restrictions and taxes). Dadurch wird der Politik der heimischen Zentralbank -unter Umständen sogar völlig - durchkreuzt. Die Aufsichtsbehörden wirken daher einer solchen Handhabung entgegen.

– Siehe Beaufsichtigung, indirekte, Eurodollar-Termineinlagen, Falsifikate, International Business Company.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Offshore Finanzplätze, Offshore Finanzplätze [mit Bindestrich] und [unschön] finanzgeschäftliche Sondergebiete (offshore financial centres, OFCs):

1 Territorien (jurisdictions: authorities of a sovereign power to govern or legislate), in denen der Finanzsektor einen beträchtlichen und unverhältnismässig hohen Anteil der Wirtschaftsbetätigungen (economic activities) ausmacht.

2 Nach anderer Definition Gebiete,

1. in denen die Finanzindustrie vor Ort den Hauptanteil der Transaktionen mit Personen ausserhalb des Gebiets abwickelt und die

2. Finanzinstrumente wie etwa die Verbriefung von Guthaben (asset securisation) zur Verfügung stellt, die in anderen Ländern nicht möglich sind.

3 In rechtlicher Hinsicht international ausgerichtete Finanzplätze, die von Aufsichtsbehörden garnicht oder allenfalls sehr lasch überwacht und geregelt werden, dann auch Schlupflöcher (loopholes) genannt. Auch ist die Durchsetzbarkeit von Rechtsansprüchen unter Umständen nicht gewährleistet. Hierzu zählen derzeit (Ende 2010) vor allem Bahamas, British Virgin Islands, Cayman Islands, Barbados, Bermudas, Channell Islands, die Niederländischen Antillen und Panama. - Die Nachfrage nach dort begebenen Wertpapieren speist sich zu einem Teil aus

1. Schwarzgeld, nämlich nicht der Steuerbehörde angezeigte Einnahmen,

2. Geldzuflüsse aus kriminellen Geschäften, einschliesslich Drogengeld sowie

3. dem Geld solcher Anleger, die von der hohen Zinsabschlagsteuer in ihren Heimatländern abgeschreckt werden.

– Viele nationale Aufsichtsbehörden verlangen von ihren Banken eine sehr hohe Eigenkapital-Unterlegung bei Krediten in Offshore Finanzplätze. Dadurch werden entsprechende Geschäfte unrentabel. Man nennt dieses Vorgehen der Aufsichtsbehörden oft eine indirekte Beaufsichtigung der Offshore Finanzplätze.

– Siehe Agiotage, Ausschuss-Wahn, Bad Bank, Beaufsichtigung, indirekte, Blind Pool, Daimonion, Domizil-Verschleierung, Finanzflüchtling, Firmenoase, Firmenbestatter, Geheimtip, Hawala, Hedge-Fonds-Unternehmen, Inkasso-Stelle, International Business Company, Kapitalmarkt, grauer, Marktmanipulation, grenzüberschreitende, Meldeverfahren, Nominee, Pump and Dump, Racheengel, Schattenbankbereich, Schwindelbank, Straitjacking, Treuhandkonto, Zweitausweis.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 32, Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 64 (Gespräche mit Behörden der Offshore-Zentren im Rahmen der IOSCO), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 69 f. (Memorandum of Understanding konnten abgeschlossen werden), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 67 (weitere Erfolge bei der Zusammenarbeit).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Offshore Funds und Offshore-Funds [mit Bindestrich], seltener Exotenfonds):

1 Kapitalverwaltungsgesellschaften, die Anteile an Anleger ausserhalb des Staates anbieten, an dem sie ihren rechtlichen Sitz haben (mutual funds offering their shares to persons resident outside the country in which the respective issuer is incorporated).

2 Finanzinstrumente jeder Art, die in Offshore Finanzplätzen (OFCs) aufgelegt wurden. Weil der Wettbewerb um Einlagen aus aller Welt in den OFCs sehr hoch ist, besteht ein Anreiz, Finanzinnovationen zu ersinnen und in das Angebot aufzunehmen; auch solche Finanzinstrumente, die von nationalen Aufsichtsbehörden untersagt sind.

– Siehe Beaufsichtigung, indirekte, Domizil-Verschleierung, Financial Action Task Force on Money Laundering, Finanzgeier, Forum für Finanzmarktstabilität, Geldwäsche, Groupe de Contact, High risk countries, International Business Company, Offshore Finanzplätze, Option, exotische, Parallel Banking, Underground Banking.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Offshoring (so auch im Deutschen gesagt; seltener Auslandsverlagerung):

Wenn nicht anders definiert, die vor allem aus steuerlichen Gründen (for tax purposes) auch bei Banken übliche die Verlegung von betrieblicher Aufgaben ins Ausland (movement to a location in another country of some part of a firm's activity, usually a part of its production process or, frequently, various back office functions). Diese Umsiedlung geht im Eurogebiet mit einer Nachfrageverschiebung zulasten der gering Qualifizierten (skill bias in labour demand) einher. Weil diese Entwicklung über die Zahlungsbilanz und über notwendige Transferzahlungen des Staates an Arbeitslose auch die Geldpolitik berührt, wird sie von der EZB beobachtet.

– Siehe Arbeitnehmerentgelt pro Kopf, Arbeitskosten, Arbeitsnachfrage, Phillips-Theorem, Wachstum-Beschäftigung-Zusammenhang, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2008, S. 88 ff. (gründliche Darstellung; Übersichten; Literaturangaben).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Offshore Leaks (so auch im Deutschen; seltener [unschön] mit auslandsverlagerte Steuerabflüsse übersetzt):

Geschäfte deutscher Banken im Ausland mit dem hauptsächlichen Zweck (primary purpose), sich der bei gleicher Tätigkeit im Inland anfallenden Abgaben zu entziehen. Oft wird darin auch die Flucht vor Überwachung von Geldwäsche einbezogen. - Wiewohl sog. "investigative Journalisten" (investigative journalists) mehrfach über solche angebliche Geschäfte höchst medienwirksam (highly media effective) berichteten und so einen Shitstorm gegen Banken anheizten, fand die Aufsichtsbehörde keine Hinweise auf solche Machenschaften.

– Siehe Bankenschelte, Blog, Finanzasophie, Finanzdümmling, Finanzgeier, Finanzgeier, Finanzsodomit, Finanzterrorist, Geldsauger, Internet-Foren, Know-Nots, Konzern, Misochrematie, Twitter, Verschwörungstheorien.

– Vgl. Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 108 (keine Hinweise auf missbräuchliche Geschäfte deutscher Institute).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Offtake Agreement (so auch im Deutschen gesagt; seltener Abnahmevereinbarung):

Vertrag, aus dem eine Verpflichtung zur Zahlung auch dann entsteht, wenn die vereinbarte Lieferung (noch) nicht erfolgt (an agreement between a producer of a resource and a buyer of a resource to purchase portions of the producer's future production). Häufig anzutreffen sind solche Verträge bei Firmen, die neue Energiequellen erschliessen, und wo sichergestellt werden soll, dass allfällige Funde auch auf dem Markt verkauft werden können (offtake agreements are often used in natural resource development, where the capital costs to extract the resource is considerable and the company wishes a guarantee that some of its product will be sold). - Entsprechende Verpflichtungen bergen ein sehr hohes Risiko; denn praktisch beteiligt sich der Abnehmer auch am Misserfolg einer Investition. Die Rechnungslegungs-Vorschriften verlangen daher eine besondere Erfassung dieser Risiken.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

OGAW-Fonds (UCITS funds):

Eine Kapitalverwaltungsgesellschaft, die gemäss Empfehlung der Europäischen Kommission vom 27. April 2004 neben Wertpapieren - Aktien, Obligationen - auch Investmentanteile und Derivate in ihrem Vermögen verwaltet.

– Siehe Geldmarktfonds, Investmentfonds, Investmentfonds, EU-richtlinienkonformer, Investmentvermögen, Kapitalanlagegesetzbuch, Super-OGAW-Fonds.

– Vgl. den Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Monetäre Entwicklungen, Banken und Investmentfonds" im jeweiligen Monatsbericht der EZB (dort Aufschlüsselung des Vermögens der bezüglichen Fonds), Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 179 (Zulassung), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 160 f. (Aufsicht über die [nicht]EU-richtlinienkonformen Fonds; Übersichten), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 188 f. (Einzelheiten zum OGAW-Umsetzungsgesetz), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 184 (neuere Rechtsentwicklung vom Investmentgesetz zum KAGB) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Oil Bulletin (so auch im Deutschen):

Von der Statistik- und Marktbeobachtung der Europäischen Kommission in Brüssel (statistics & market observatory: the European Commission created the market observatory body to attain a better insight into European and international energy markets) herausgegebene Information über die Verbraucherpreise für Mineralölprodukte. Die Preise werden auf Länderebene und in der Regel auf wöchentlicher Basis erhoben. Für die Geldpolitik der EZB sind diese Preisdaten wegen der hohen Bedeutung des Ölpreises im Preisindex der Lebenshaltung - sowohl hinsichtlich seines Gewichts als auch seiner Volatilität - von Wichtigkeit.

– Siehe Erdölpreis, Lohn, indexierter, Ölpreis-Ausgleich, Ölpreis-Schock.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2005, S. 35 ff. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ökoeffizienz und umweltpolitischer Wirkungsgrad (ecological efficiency):

Mittlerweile auch bei Banken zur Geltung gekommener Masstab, bei dem die Steigerung des Umsatzes bei gleichzeitiger Minderung der eingesetzten Materialien und der Emissionen erreicht werden soll (strategy that targets minimising ecological damage while maximising efficiency of the banking services, such as through the lesser use of energy and more recycling).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ökofonds und Umweltziele fördernder Fonds (ecological fund):

Eine Kapitalverwaltungsgesellschaft, die ein Vermögen ausschliesslich oder doch vorwiegend aus Wertpapieren von Unternehmen bildet, die sich ganz besonders dem Anliegen der nachhaltigen Wirtschaftsweise (sustainable strategy) verpflichtet fühlen.

– Siehe Anlage, ethische, Nachhaltigkeit, Ökorating, Sustainability-Fonds, Triple Bottom Line.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ökorating und umweltbezogene Benotung (ecological rating):

Bei der Beurteilung einer Anlageentscheidung werden auch oder gar ausschliesslich ökologische Merkmale gewichtet. Firmen mit besonderem Nachdruck auf Nachhaltigkeit (sustainability: ein Begriff aus der Forstwirtschaft; ein Förster pflegt seinen Wald nachhaltig, wenn er nur so viele Bäume schlägt, wie nachwachsen können) in ihrer Geschäftstätigkeit werden positiv gewichtet.

– Siehe Anlage, ethische, Fonds, ethische, Ökofonds, Triple Bottom Line.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Okunsches Gesetz (Okun law):

Beschreibung des Zusammenhangs zwischen dem Wachstum der Produktion und der Arbeitslosigkeit in einer Volkswirtschaft. Steigt das Wachstum über ein in Bezug auf eine Volkswirtschaft aufgrund langer Datenreihen als normal festgestelltes Mass, dann ist dies mit einem Rückgang der Arbeitslosenquote verbunden. Ist jedoch das Wirtschaftswachstum niedriger als das Wachstum der Produktion, so steigt die Arbeitslosenquote.

– Siehe Wachstum-Beschäftigung-Zusammenhang.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2011, S. 36 ff. (Okunsches Gesetz in Bezug auf die USA 1949 bis 2010; Erläuterungen; Literaturhinweise), Monatsbericht der EZB vom Juni 2011, S. 92 ff. (Okunsches Gesetz im Eurogebiet; Erklärung auffallender Abweichungen; Übersichten; Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Oldie-Geschäft (oldie clientele):

Finanzdienstleistungen mit der Personengruppe der wohlhabenden Älteren.

– Siehe All-Age-Produkte, Best Agers Business, Dinks-Geschäft, Gebissinvestition, Geldleute, Polyplusius, Private Banking, Singleïsierung, Silver Economy, Woopee-Geschäft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Oligokratie (oligocracy):

Mit Bezug auf den Finanzmarkt in der Bedeutung, dass dieser durch nur einige wenige Handelnde bestimmt werde. - Dies ist für Deutschland nachweislich falsch. Hier sind eigenständige, örtlich verankerte Sparkassen mit einem Marktanteil an allen Geschäften von etwa fünfzig Prozent, eigenständige Volksbanken, Grossbanken und viele kleinere Institute aller Art im Markt.

– Siehe Bankbetriebsgrösse, optimale, Bank, gemischte, Bankenmacht, Bankenschelte, Direktbank, Gibrat-Regel, Gigabank, Internetbank, Finanzdienstleistungsinstitut, Finanzinstitut, monetäres, Finanzkapital, Institut, Internetbank, Kreditbanken, Kreditinstitut, Markteintrittskosten, Multikanalbank, Online Banking, Subsidiaritätsprinzip, Underground Banking, Verschwörungstheorien.

– Vgl. das monatlich erscheinende Statistische Heft "Bankenstatistik" der Deutschen Bundesbank.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ölpreis (crude oil price):

Mit Blick auf

1. die längerfristig weltweit steigende Nachfrage - vor allem in China, Brasilien und Indien

2. bei gleichzeitig unelastischem Angebot

3. technisch begrenzter Möglichkeit der Energie-Einsparung

4. wenig Aussicht auf eine wirtschaftliche Nutzung von Alternativ-Energieträgern in überschaubarer Zeit sowie

5. den geopolitischen Risiken in Bezug auf Förderung und Transport wird der Preis für Rohöl tendenziell ansteigen. Ein hoher Ölpreis aber ist mit Verlust an Kaufkraft bei den Privathaushalten verbunden. Zudem belastet er die Rentabilität der Unternehmen und schränkt deren Ausgaben zur Investition ein.

– Andererseits führt ein hoher Ölpreis zwangsläufig dazu,

1. Substitute zum Erdöl einzusetzen, wie etwa Atomenergie, Kohle, Biogas, Erdwärme, Windkraft oder Solarenergie und

2. mit einer gegebenen Menge an Rohöl sparsamer umzugehen, wie etwa durch wirkungsvolle Ausnutzung des Erdöls in Verbrennungsanlagen und besserer Wärmedämmung in Gebäuden.

– Siehe Biotreibstoffe, Erdöl-Inflation, Erdölpreis, Gaspreis, Lohn, indexierter, Lohn-Preis-Spirale, Oil Bulletin, Ölpreis-Ausgleich, Ölpreis-Schocks, Schocks, strukturelle, Strompreis, Zweitrunden-Effekte.

– Vgl. den Stand des Ölpreises ausgewiesen im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Preise, Produktion, Nachfrage und Arbeitsmärkte" im jeweiligen Monatsbericht der EZB, Monatsbericht der EZB vom März 2010, S. 16 f. (Erdölmarkt 2000-2009; Übersichten), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 45 (keine Beweise für Beeinflussung des Ölpreises durch Finanzinvestoren), Monatsbericht der EZB vom August 2010, S. 81 ff. (ausführliche Darlegung der Bedeutung des Ölpreises für die Wirtschaft im Eurogebiet; viele Übersichten; Prognosen), Monatsbericht der EZB vom Februar 2011, S. 95 ff. (Aufsatz mit grundlegenden Darlegungen und neueren Erkenntnissen; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Mai 2013, S. 83 ff (Grundsätzliches zur Verlässlichkeit von Ölpreisvorausberechnungen; Übersichten; Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ölpreis-Ausgleich (crude oil price compensation):

Von der Öffentlichkeit und vor allem von den Gewerkschaften immer wieder erhobene Forderung nach mehr Lohn, wenn bei den autofahrenden Massen (car driving masses) die Lebenshaltungskosten infolge höherer Benzinpreise gestiegen sind. - Die Verteuerung des Öls ist aber ein Realeinkommens-Transfer an das Ausland: Geld, das im Inland nicht mehr verteilt werden kann. Es ist - um in der Sprache der Finanzjournalisten zu sprechen - "verfrühstückt" (swallowed up). Insofern würde ein "Ausgleich" (offset) sofort zur Inflation führen. - Zudem würde ein solcher Kaufkraft-Ausgleich das Zweite Preisgesetz (hoher Preis

1. drängt die Nachfrage [hier vor allem auch: durch sparsamerer Verwendung des Erdöls] zurück und

2. lockt das Angebot des Gutes sowie

3. die Produktion des Substitutes [hier beispielsweise: Atomkraft, Kohle, Windräder, Solaranlagen, Elektromotoren] hervor) ausser Kraft setzen, was der ökonomischen Vernunft zuwiderläuft.

– Siehe Biotreibstoffe, Erdöl-Inflation, Erdölpreis, Inflations-Ausgleich, Kaufkraft-Ausgleich, Klima-Inflation, Lohn, indexierter, Lohn-Preis-Spirale, Oil Bulletin, Ölpreis, Petrodollar, Protein-Inflation, Realkassen-Effekt, Ripples, Strompreis, Zweitrunden-Effekte.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juli 2004, S. 32 (Zweitrunden-Effekte), Monatsbericht der EZB vom Juli 2005, S. 14 ff. (Analyse der Auswirkungen einer Preiserhöhung; Tabellen), Monatsbericht der EZB vom Februar 2006, S. 38 ff. (Durchschlagen auf den HVPI; Preiselastizitäten; S. 41: empirische Faustregel: Anstieg des Ölpreises um 10 Prozent führt direkt zum Anstieg der Verbraucherpreise um 1,5 Prozent), Monatsbericht der EZB vom November 2006, S. 15 (Überschüsse in der Handelsbilanz bei den Erdöl exportierenden Staaten), Monatsbericht der EZB vom Januar 2012, S. 49 f. (die jährlichen Preissteigerungen bei Erdöl von knapp über fünf Prozent absorbieren das Einkommenswachstum; Erklärungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ölpreis-Schocks (shocks in the price of crude oil):

Unerwartet auftretende Erhöhungen der Weltmarktpreise für Rohöl haben bis anhin erhebliche Auswirkungen auf Produktion, Wachstum, Beschäftigung und Finanzmarktstabilität in den Industrieländern. Die Geldpolitik muss darauf entsprechend reagieren; sie kann indessen diese Ereignisse (Strukturbrüche; structural interruptions) in ihren Modellen nur sehr schwer im Voraus abschätzen. - Allerdings hat sich die Abhängigkeit der deutschen Volkswirtschaft vom Erdöl durch Einsparungen bei Verbrauch und stärkerem Einsatz anderer Energie-Quellen zwischen 1975 und 2005 in etwa halbiert. Zudem verwenden die wichtigsten erdölproduzierenden Staaten heute den Grossteil ihrer Einnahmen für den Import von Ausrüstungsgütern. Von diesem "Recycling" profitiert Deutschland besonders stark.

– Siehe Biotreibstoffe, Erdöl-Inflation, Erdöl-Lebensmittel-Zusammenhang, Erdölpreis, Hurrikan-Schocks, Kaufkraft-Abfluss, Modelle, geldpolitische, Modellunsicherheit, Oil Bulletin, Ölpreis-Ausgleich, Petrodollar, Ripples, Rohstoffpreise, Schock, externer, Schock-Bewältigung, monetäre.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2004, S. 20 f., Monatsbericht der EZB vom Juli 2004, S. 29 ff. (ausführliche Darlegung der direkten und indirekten Auswirkungen), Monatsbericht der EZB vom September 2004, S. 48 f., Monatsbericht der EZB vom November 2004, S. 55 ff. (mit vielen Daten und auch Literaturverweisen), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2004, S. 16 f. (Ölpreisprognose), Jahresbericht 2004 der EZB, S. 47 ff. (Auswirkung der Erdölpreise im Euroraum unter verschiedener Hinsicht), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2005, S. 12 f. (Belastungen durch höheren Ölpreis), Monatsbericht der EZB vom Juli 2005, S. 14 ff. (Probleme beim Recycling der Öleinnahmen der Förderländer; Tabellen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2005, S. 11 f. (hohes "Rückschlags-Potential"; zweiseitige Übersicht S. 12/13 mit wichtigen Erläuterungen in den Anmerkungen), Monatsbericht der EZB vom Januar 2006, S. 14 ff. (Ursachen der Ölpreisbewegungen), Jahresbericht 2005 der EZB, S. 40 ff. (ins Einzelne gehende Analyse; wertvolle Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2006, S. 12 f. (Niveau und Volatilität der Ölpreise 1998 bis 2006 mit Übersichten), Monatsbericht der EZB vom November 2006, S. 47 f. (Übersichten, Kommentar zu nachfrageseitig bedingten Marktbewegungen, wie Einführung von Benzin-Ethanol-Gemisch in den USA), Monatsbericht der EZB vom April 2007, S. 62 ff. (Auswirkungen des Recyclings der Petrodollar auf die Exporte im Euroraum; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Juli 2007, S. 85 ff. (wichtige Daten in Bezug auf die erdölexportierenden Länder; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Juli 2008, S. 67 ff. (Nachfrage der Erdölexporteure mildert die Wirkung der Preiserhöhungen; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2008, S. 48 (Reaktion einzelner ökonomischer Variabler auf einen Ölpreis-Schock), Vgl. Monatsbericht der EZB vom September 2008, S. 19 ff. (Schwankungen des Erdölpreises; Rolle von Indexfonds und Spekulanten; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom März 2010, S. 16 f. (Erdölmarkt 2000-2009; Übersichten), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 45 (keine Beweise für Beeinflussung des Ölpreises durch Finanzinvestoren), Monatsbericht der EZB vom August 2010, S. 81 ff. (ausführliche Darlegung der Bedeutung des Ölpreises für die Wirtschaft im Eurogebiet; viele Übersichten; Prognosen), Monatsbericht der EZB vom Januar 2012, S. 49 f. (die jährlichen Preissteigerungen bei Erdöl von knapp über fünf Prozent absorbieren das Einkommenswachstum; Erklärungen), Monatsbericht der EZB vom Mai 2013, S. 83 ff (Grundsätzliches zur Verlässlichkeit von Ölpreisvorausberechnungen; Übersichten; Literaturverweise), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2013, S. 70 f. (steuerliche Aspekte der Verbraucherpreise für Kraftstoffe; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ölwerte (oils):

Aktien und andere Titel, begeben von Erdöl fördernden und verteilenden Unternehmen.

– Siehe Offtake Agreement, Ölpreis.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ombudsleute (ombudspersons):

In Bezug auf den Finanzmarkt dort tätige Personen, die bei Streitigkeiten zwischen Unternehmen und Verbrauchern schlichtend wirken. Eine Richtlinie der EU (alternative dispute resolution, ADR) gibt einheitliche Mindestanforderungen an die Tätigkeit der Ombudsleute vor.

– Siehe Gütestelle, Gatekeeper, Schiedsverfahren, Streitbeilegung, alternative.

– Vgl. Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 229 (BaFin ruft Vertreter von 15 Ombudsleuten aus der deutschen Finanzwirtschaft zusammen; wichtiger Erfahrungsaustausch; europäische Plattform für Online-Streitbeilegung geplant); Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 52 f. (neuere Rechtsentwicklung durch EU-Richtlinien) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Querschnittsaufgaben".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Omnibus-II-Richtlinie (omnibus-II directive):

Von den Trilogparteien im Zuge der Umsetzung von Solvency-II vereinbarte Übereinkunft mit einer Reihe von Ergänzungen zu Solvency-II.

– Siehe Quick Fix.

– Vgl. Jahresbericht 2013 der BaFin, S, 118 ff. (ausführliche und begründende Darstellung des Übereinkommens).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Omnibus-Konto (general account):

Ein (Wertpapier)Finanzdienstleister verwahrt die im Kundengeschäft zugeflossenen Gelder nicht getrennt nach einzelnen Auftraggebern, sondern - möglicherweise gar mit anderen Posten des Unternehmens - auf nur einem einzigen Konto. In Deutschland ist diese Buchungspraxis nach § 34a, Abs. 1 WpHG verboten.

– Siehe Aberdepot, Depotbank, Depotgesetz, Pooling, Verwahrstelle, Zentralverwahrer, Zwischenverwahrung.

– Vgl. Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 86 f. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

One-Bank-Delivery (so auch im Deutschen gesagt; seltener [unschön] Mitarbeiter-Wissensverzahnung):

Geschäftspolitischer Grundsatz grosser, international tätiger Banken und Versicherungen, demzufolge jeder Mitarbeiter weltweit sämtliche Dienstleistungen des Instituts kennen sollte und aufgrund dessen auch vor Ort dem Kunden leicht zugänglich machen kann.

– Siehe Algorithmushandel, Behavioural Branding, Centre of Excellence, Diversity and Inclusion, Markteintrittskosten, Onshore Banking.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

One-Bank-Strategie, seltener Einheits-Optik (one bank strategy):

Eine Bank - etwa Credit Suisse - oder eine Institutsgruppe - etwa: Sparkassen, Volksbanken - treten auf dem Markt nur unter einem einheitlichen Namen und lediglich mit einem einzigen Firmenzeichen (Logo; company logo: distinctive design, mark, or symbol that uniquely identifies an institute [group]) auf. Alle Geschäftstätigkeiten werden unter dieser einzigen Marke gebündelt. Dies erleichtert eine klarere und einheitlichere Wahrnehmung bei den Marktteilnehmern. - Indessen empfiehlt es sich in manchen Fällen, vor allem nach Fusionen und Übernahmen und bei stark verbreiteten negativen Vorurteilen gegen ein Land, weiterhin unter dem Namen des heimischen Instituts zu firmieren.

– Siehe Badwill, Corporate Fashion, Kannibalismus-Effekt, Risiko, strategisches, Silo-Denken.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

One-Hit Wonder (so auch im Deutschen gesagt, seltener Zufallstreffer):

In der Finanzsprache der plötzliche, unerwartete starke Absatz eines Finanzproduktes, ohne dass jedoch die Kauflust anhält und es daher auch nicht zu Nachkäufen (post purchasing, further orders) kommt.

– Siehe High Flyer, Kursausbruch, Outperformance, Pump and Dump, Runup, Strong Buy.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

One-Night-Stand (so auch im Deutschen gesagt; seltener: Kurzfristeinstieg):

In Bezug auf den Finanzmarkt ein zeitlich äusserst kurzes Engagement und allein der raschen Gewinnerzielung wegen; in der Regel mit der Nebenbedeutung, dass der Investor den Anlagegegenstand überhaupt nicht näher kennt und auch garnicht näher kennenlernen möchte.

– Siehe Absenz-Kapitalismus, Outside-Aktionär.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Online Banking, Online-Banking [mit Bindestrich], Onlinebanking [also ein einem Wort] und [unschön] netzgebundenes Bankgeschäft; [der entsprechende Anbieter wird in der Regel als Direktbank angesprochen]:

Erledigung von Bankgeschäften auf dem Weg über das Internet, und zwar in Sekundenschnelle und zu günstigen Gebühren. Die Banken stellen in der Regel hierfür entsprechende Bankportale bereit. - Online Banking erleichtert den Zutritt von Auslandsbanken auf einen Markt. - Hemmend für die Verbreitung des Online Banking ist das bis anhin nicht zu unterbindende Phishing, das sich immer feiner ausgeklügelter Vorgehensweisen bedient.

– Siehe Automaten-Abhebegebühr, Bankportal, Bezahlverfahren, innovative, Benutzerfreundlichkeit, Direct Brokerage, Direktbank, Einlagensicherung, Finanzagent, Giropay, Internetbank, Kundennähe, Mobile Banking, Metcalfe-Regel, Moonlight Banking, Multikanalbank, Offline Banking, PayPal, Prosumer, Remote Banking, Safer Traffic, Sofa-Banking, Telephon-Banking.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2006, S. 24 f. (Probleme der Direktbanken; Ertragslage seit 2000) und in Fortschreibung den jeweiligen September-Bericht der Deutschen Bundesbank, Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 26 (Direktbanken versuchen, sich als Erstbankverbindung zu positionieren), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2009, S. 62 ff. (Entwicklung einzelner Verfahren des Online Banking).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Online-Streitbeilegung (online dispute resolution, ODR):

Gemäss der EU-Richtlinie über Streitschlichtung auf dem Finanzmarkt haben Anbieter auf ihrer Internet-Seite genaue Angaben einzustellen, die eine kostenfreie Online-Beschwerde ermöglichen. Innert 90 Tage muss eine allfällige Zuschrift bearbeitet sein, auch in grenzüberschrietenden Fällen.

– Siehe Gütestelle, Gatekeeper, Ombdusleute, Online-Streitbeilegung, Schiedsverfahren, Streitschlichtung, alternative.

– Vgl. Jahresbericht 2013 der BaFin, S, 52 f. (Grundsätzlicher; Rechtsentwickklung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Onliner (so auch im Deutschen gesagt; seltener Internetkunde):

Der über ein Bankportal auf die Dienstleistungen des Instituts zugehende Kunde (a person who uses the Internet to come in touch with the service of the bank).

– Siehe Internetbank, Online Banking.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Onshore Banking (so auch im Deutschen gesagt, [unschön] auch bankliche Kundenwohnsitzbegleitung):

Nach 2000 aufgekommener Begriff für die Ansiedlung einer Bank - nämlich die Eröffnung einer Niederlassung oder einer Filiale - im Heimatland des Kunden, beispielsweise der Credit Suisse in Australien (a bank that is located and registered in the country of the client and by this subjected to the rules and regulations of that country). - Mit zunehmendem Reifegrad lokaler Finanzmärkte - etwa: Kuwait, Dubai, Bahrain, Singapur - steigt der Anteil der dort angelegten Vermögen von Gebietsansässigen, die teilweise auch ihre im Zuge des Offshore-Banking etwa in der Schweiz investierten Beträge abziehen. Diese Entwicklung zwingt international tätige Institute von selbst zum Onshore Banking.

– Siehe Hedging, natürliches, One-Bank-Delivery.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Opel-Druck (Opel pressure):

Im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise geriet der nordamerikanische Automobilhersteller General Motors (Detroit, Michigan) in Absatzschwierigkeiten. Dies wirkte sich auf die deutsche Tochterfirma Adam Opel (Rüsselsheim, Hessen) und deren Zweigwerke aus. Ein bis dahin wohl beispielloser, über mehrere Monate währender Medien-Feldzug (media campaign) setzte daraufhin im Jahr 2009 ein, um die "Opel-Rettung" (Opel rescue) von der deutschen Regierung zu erzwingen. Es wurde von fast allen Seiten als Pflicht der Regierung hingestellt, die drohende Insolvenz bei Opel zu verhindern. Kein einziger Tag verging, ohne dass in Radio und Fernsehen nicht ausgiebig über die missliche Absatzlage bei Opel berichtet und der Staat zum Einschreiten aufgefordert wurde. - Trotz weltweit zu dieser Zeit vorhandenen Überkapazitäten von an die zwanzig Prozent in der Autobranche entschloss sich die deutsche Bundesregierung zu Bürgschaften von 4,5 Milliarden EUR. Jeder der 20'000 Arbeitsplätze wurde damit mit gut 200'000 EUR jährlich subventioniert. Das kam einer seitens einer Interessengruppe erzwungenen Vergrösserung der Staatsschulden gleich.

– Siehe Ausgabenmultiplikator, staatlicher, Automobilsektor, Investition, staatliche, Konjunkturprogramm, Wagnersches Gesetz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Open Contract (so auch im Deutschen gesagt; mitunter auch offener Vertrag):

Allgemein ein standardisierter Vertrag zwischen zwei oder mehreren Parteien, eine Leistung - etwa die Lieferung einer bestimmten Menge Rohöl - zu erbringen oder zu unterlassen. Der Kontrakt ist jedoch noch leer, das heisst, es wurde noch keine Lieferung getätigt. Oftmals werden solche Verträge an Dritte verkauft.

– Siehe Aufsaugphase, Option, Terminspekulant.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Open Interest (so auch im Deutschen gesagt und sächlichen Geschlechts):

Die Anzahl offener Positionen in einem bestimmten Future- oder Optionsvertrag (the number of outstanding option contracts which have neither been exercised nor reached expiration for a particular asset at a particular time; it is regarded as an important indicator in regard to the expected performance of a contract).

– Siehe Kontrakt, Leerverkauf, Long-Position; Short-Selling, Position, gedeckte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Open Order (so auch im Deutschen gesagt; seltener abzufertigender Auftrag):

In der Börsensprache eine Auftrag eines Kunden zum Kauf oder Verkauf, der noch nicht ausgeführt wurde.

– Siehe Ausführung, vollständige, Fill-or-kill Order, Iceberg Order, Open Contract, Karten-Stapel, Order, tagesgültige, Tageszeit-Auftrag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Operation (business operation; transaction):

In älteren Dokumenten auch gesagt für

1 den Geschäftsbetrieb; nach § 14 AO erklärt als

1. eine selbständige (self-employed) andauernde (enduring) Tätigkeit,

2. durch die Einnahmen oder andere wirtschaftliche Vorteile erzielt werden und

3. die über den Rahmen einer Vermögensverwaltung hinausgeht;

2 die Durchführung einer geplanten Tätigkeit im Finanzmarkt, eine Transaktion, ein Geschäft.

– Siehe Aktivität, Engagement, Investition, One-Night-Stand, Position.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Operation blanche (so auch im Deutschen gesagt, seltener neutrale Transaktion):

In der Börsensprache der Verkauf von Bezugsrechten unter Wiederanlage der erlösten Beträge in Aktien. - Genauer verkauft hier der Aktionär bei einer ordentlichen Kapitalerhöhung gerade so viele Bezugsrechte, dass er mit dem Erlös die verbleibenden Bezugsrechte nutzen und den Emissionspreis für die neuen Aktien bezahlen kann. Dadurch bleibt die absolute Höhe der Kapitalanlage des Anlegers in Aktien der betreffenden Gesellschaft unverändert. Es verringert sich allerdings sein Anteil am Grundkapital.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Operationen, strukturelle (structural operations):

Geschäfte, die von der EZB in erster Linie durchgeführt werden, um die grundlegende Liquiditätsposition des Finanzsektors gegenüber dem ESZB anzupassen. Im Einzelnen handelt es sich um

1. befristete Verträge,

2. endgültige Käufe bzw. Verkäufe und um

3. die Emission von Schuldverschreibungen der EZB.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Opfergeld auch Offertorium (sacrifice money):

Im frühchristlichen Gottesdienst, der Messfeier, schritten die Gläubigen zum Altar, um eine Opfergabe in Naturalien niederzulegen. Ab dem 12. Jht. wurde ein Beitrag in Geld üblich. Die Gabe war Ausdruck einer sichtbaren Gottesverehrung; sie diente zum Unterhalt der Priester und der Armen der Gemeinde. Heute geschieht das Einsammeln dieser Kollekte meistens durch Einzug des Opfergeldes an den Sitzplätzen der Gläubigen; der Opfergang zum Altar bildet die Ausnahme.

– Siehe Ablassgeld, Annaten, Armengeld, Beichtgeld, Charisterium, Kirchgeld, Klingelmeister, Obvention, Palliengeld, Peterspfennig, Platzgeld, Prokurationsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Opferverhältniszahl (sacrifice ratio):

In der Geldtheorie definiert als die Quote der in einer Phase der Disinflation (a considerable decrease in the rate of inflation) erlittenen Einkommensverluste zur erzielten Minderung der Inflationsrate. Die Kennzahl gibt an, wieviel Prozent des jährlichen Bruttoinlandproduktes "geopfert" werden müssen, um die Inflation um ein Prozent zu verringern. Die Opferverhältniszahl kann in diesem Sinne als Mass für die Kosten von Disinflation angesehen werden. - Freilich gilt es zu berücksichtigen, dass

1. die Opferverhältniszahl sich immer nur auf die Zeit des Rückgangs der Inflation bezieht, anstatt auf die Inflationszunahme gesamthaft,

2. man die Einkommensverluste nur nominal (in money terms), in Geldeinheiten errechnet, ohne die Kaufkraft des Einkommens zu berücksichtigen und

3. die vielschichtigen Umverteilungswirkungen (effects on the redistribution of incomes) der Inflation gänzlich ausser Acht gelassen werden. Insofern führt die Opferverhältniszahl sehr leicht zu Missverständnissen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Oppidanengeld (school fee for day-pupils):

In älteren Dokumenten ein Schulgeld, das diejenigen Schüler zu entrichten hatten, die zu Hause bei ihrer Familie wohnten und eine in der Stadt befindliche Heimschule (Internatsschule; boarding school: a school where pupils are provided with meals and lodging) besuchten; die also nicht in der Lehranstalt auch übernachteten.

– Siehe Fremdengschulgeld, Lehrgeld, Seminargeld, Unterrichtsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Opportunitätskosten (opportunity costs, shadow prices):

Verlorengegangener Ertrag, wenn man eine andere (im Schatten der Entscheidung stehende, bessere, opportunere; more favourable, more effective) Investition unterlassen hat; anders ausgedrückt: der entgangene Gewinn durch das Versäumnis einer günstigeren Gelegenheit, daher auch Gelegenheitseinbusse genannt. - Hat man beispielsweise sein Kapital in Grundstücken mit einem Ertrag von fünf Prozent angelegt und nicht in einen Terminkontrakt mit einer Rendite von zehn Prozent, so erleidet man rechnerisch eine Gelegenheitseinbusse von fünf Prozent.

– Siehe Anlage-Opportunitätskosten, Idle money, Klienten-Kapitalismus, Kosten, vermiedene, Risikovermeidungs-Politik, Schattenpreis, Sparsamkeit, Zinsverbot.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Opportunity-Fonds, seltener chancennutzender Fonds (opportunity fund):

Eine Kapitalverwaltungsgesellschaft, die nicht auf bestimmte Sparten - etwa: Edelmetalle, Wertpapiere, Unternehmensbeteiligungen - oder geographische Gebiete - etwa: Europa, China, USA - ausgerichtet ist, sondern Investitionen je nach sich bietender Gelegenheit in allen Bereichen und überall tätigt. Im Gegensatz zum Vulture Fund beteiligt sich ein Opportunity-Fonds auch bei gesunden Unternehmen. Ein US-amerikanischer Opportunity-Fonds beispielsweise kaufte im Frühjahr 2008 von der Deutschen Post AG ein Paket mit Immobilien für 1 Mia EUR und vermiete diese in einem an die Deutsche Post zurück.

– Siehe Bankenregulierungs-Paradoxon, Finanzinvestor, Hedge-Fonds, Leveraged Buy-out, Private-Equity-Funds, Risikokapital, Sale-and-Lease-Back, Sanierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Optimierungsplanung (optimisation routine):

Wenn nicht anders definiert bei einem Institut ein Arbeitsgang zur Berechnung der kostengünstigen Abwicklung eines Kundenauftrags (relating to order processing a procedure determining the efficient and cost-effective settlement of a customer order).

– Siehe Staumanagement.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Optimismus, unvernünftiger (irrational optimism):

Gesagt vor allem von Banken, welche den Aktionären Renditen versprechen, die

1. angesichts der ökonomischen Gegebenheiten (economic facts) sowie

2. in Hinblick auf die bisher erzielten Gewinne des Instituts bzw. der Branche aussichtslos (unrealistic) und

3. daher letztlich auch unredlich (dishonourable) sind.

– Wenn dann häufig in den Medien gefordert wurde, dass die Aufsichtsbehörde bzw. die Zentralbank derlei unlautere Verheissungen öffentlich oder in Schreiben an die entsprechenden Bankvorstände rügen müsse, so liegt in diesem Begehren eine Verkennung der Befugnisse der angesprochenen Behörden zugrunde. Diese sind grundsätzlich keine Kontrollorgane über die ausgewählte Unternehmenspolitik (corporate policy) von Bankvorständen.

– Siehe Abwicklungsverfügung, Anweisung, Bankenführerschein, Bestandskraft, Daimonion, Goldtäuschung, Racheengel, Zwangsschliessung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Opting-out-Vereinbarung und Vorbehaltsklausel (opting-out clause):

In Bezug auf den EU-Vertrag die Einschränkung, dass ein Mitglied wie Grossbritannien oder Dänemark nicht auch den EUR einzuführen verpflichtet ist.

– Siehe Eilbeitritt, Eurogebiet, Euroraum, Europäische Währungsunion, Euro-Währungsgebiet, Eurostaaten, Eurozone, Friedman-These, Griechenland-Krise, Plan C, Präklusivtermin, Rückkehr-Ideologie, Währungsraum, optimaler, Transferunion.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Option(svertrag) (option [contract]):

1 Ein Finanzderivat als bedingtes Termingeschäft, nämlich ein Vertrag, der

1. für den Käufer (buyer; Inhaber) das Recht, nicht jedoch auch die Verpflichtung enthält,

2. entweder an oder bis zu einem bezeichneten Datum (expiration date; Verfalltag),

3. eine bestimmte Menge eines genau bezeichneten Basiswertes (underlying asset: Finanzprodukt, Ware),

4. zu einem im Voraus festgelegten Basispreis (strike price; Ausübungspreis)

5. zu kaufen (Kaufoption, Call) oder

6. zu verkaufen (Verkaufsoption, Put).

– Für das Optionsrecht zahlt der Erwerber dem Verkäufer bei Geschäftsabschluss eine bestimmte Summe, die Optionsprämie. Der Verkäufer der Option wird als Stillhalter (option writer) bezeichnet, weil er gleichsam stillhalten, warten muss, bis bzw. ob überhaupt der Käufer sein Recht in Anspruch nimmt oder es verfallen lässt. Die Verkaufsoption ist damit eine Risikoverlagerung auf den Stillhalter. - Nur eine Vertragspartei, nämlich der Käufer, hat das Recht, die Leistung zu verlangen. Falls der Käufer sein Recht ausübt, muss der Verkäufer ungeachtet des gegenwärtigen Marktpreises zum vereinbarten Basispreis seine Verpflichtung erfüllen. Er trägt damit ein unter Umständen hohes Risiko, gegen das er sich grundsätzlich absichern muss. - Als mögliche Basiswerte einer Option kommen in Betracht

1. Vermögenswerte wie Aktien, Obligationen, Rohstoffe, Waren und Edelmetalle,

2. Referenzsätze wie Währungen, Zinssätze, Indizes,

3. Derivate oder

4. eine beliebige Kombination daraus.

2 Ein Ankaufsrecht (right to acquire a property) nach § 496 BGB.

– Siehe Abandon, Absicherungsverhältnis, Abwicklungsabteilung, Complex Option, Differenzgeschäft, Erfüllung, European Master Agreement, Finanzialisierung, Finanzinstrument, Indexoption, Kreditrisiko, Lieferung, physische, Money-back Warrant, Murabaha, Option, nackte, Optionswert, OTC-Option, Regenbogen-Option, Rohstoff-Terminvertrag, Rollenmischung, bankliche, Salam, Schadensersatzpflicht, Sleepy Warrant, Schreiber, Spreizung, Standardoption, Time-Spread, Tubos, Verfügbarkeitsprämie, Wiedereindeckungs-Risiko, Termingeschäft, Terminspekulant.

– Vgl. die Definitionen im Monatsbericht der EZB vom Mai 2000, S. 42.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Option, asiatische (Asian option):

Option, bei der vom Kurs des Basiswertes innert eines bestimmten Zeitraums ein Durchschnittswert gebildet wird. Dieser dient bei der Average-Rate-Option zur Ermittlung des Wertes des Basiswertes und bei der Average-Strike-Option zur Berechnung des Ausübungspreises.

1. Bei der Average-Rate-Option kann die Durchschnittsberechnung (averaging) des Kurses des Basiswertes dazu führen, dass der Wert der Option am Verfalltag für den Käufer wesentlich geringer und entsprechend für den Schreiber wesentlich höher ist als die Differenz zwischen Ausübungspreis und dem aktuellen Kurs am Verfallstag allein.

2. Bei der Average-Strike-Option kann der als Durchschnittswert berechnete Ausübungspreis einer Call-Option bedeutend höher sein als der ursprünglich festgelegte Preis. Bei einer Put-Option kann sich entsprechend ein niedrigerer Ausübungspreis als der ursprünglich festgelegte ergeben.

– Siehe Ausführung selbsttätige, European Master Agreement.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Option, ausbezahlte (payout option):

Option mit dem Anspruch auf einen gemäss vertraglichen Bedingungen im Voraus festgelegten Betrag.

1. Bei einer Digital-Option (binary option) erfolgt die Auszahlung, wenn der Kurs des Basiswertes innert eines bestimmten Zeitraums entweder einmal (one-touch-digital-option) oder genau am Verfalltag (all-or-nothing-option) einen festgelegten Wert erreicht.

2. Bei einer Aussperrungs-Option (lock-out option) kommt der vertraglich vereinbarte Betrag nur dann zur Auszahlung, falls der Kurs des Basiswertes innert eines bestimmten Zeitraums eine gesetzte Barriere nicht erreicht.

– Der Schreiber einer Payout-Option schuldet bei Erreichen der Barriere die vertraglich vereinbarte Summe in vollem Umfang sowie ganz unabhängig davon, ob und wie tief die Option bei der Ausübung oder am Verfalltag genau im Geld liegt. Der geschuldete Betrag kann daher erheblich grösser bzw. für den Käufer beträchtlich kleiner sein als der innere Wert der Option.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Option, digitale auch Option, binäre (bet option, binary option, digital option, nothing option):

Eine Option, die am Fälligkeitstag entweder einen Festbetrag oder gar nichts bringt (thus the option is binary in nature because there is only two possible outcomes: the payoff is either some fixed amount of some asset or nothing at all).

1. Bei der europäischen Art der digitalen Option kommt es zur Auszahlung, sobald er Kurs des Basiswertes - also der dem Vertrag zugrundeliegende Vermögensgegenstand - am Ausübungstag den Basispreis überschreitet (digitale Call-Option) bzw. unterschreitet (digitale Put-Option).

2. Für eine amerikanische Digital-Option ist der Festbetrag bei Erreichen dieses Umstands sofort - also nicht erst am Ausübungstag - fällig bzw. am Fälligkeitstag zugesichert. Dementsprechend ist die amerikanische Form preiswerter als die europäische, weil bei ihr die Aussichten auf Auszahlung höher sind.

– Nach der Art der Tilgung unterscheidet man Cash-or-Nothing-Optionen, bei denen eine feste Summe auszuzahlen ist, sobald sich der Basispreis über dem Ausübungspreis befindet. Demgegenüber erfolgt bei einer Asset-or-Nothing-Option bei Eintritt dieser Bedingung die Lieferung des Basiswertes.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Option, europäische (European option):

Kauf- oder Verkaufsoption, die ausschliesslich zu einem vereinbarten Endfälligkeitstermin (Verfalldatum; final maturity, expiration date) auszuüben ist, mithin also an einem im Voraus bestimmten Zeitpunkt. Die Handelbarkeit auf dem Sekundärmarkt - an einer Börse - ist jedoch damit grundsätzlich nicht eingeschränkt. - Das Gegenstück zur Europäischen Option ist die Amerikanische Option (American-style option), die während der gesamten Laufzeit bis hin zur Endfälligkeit an jedem Handelstag ausgeübt werden kann (the holder of an American option can exercise his right at any moment up to and including the expiration date).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Option, exotische (non plain-vanilla option, exotic option):

Im Gegensatz zu "gewöhnlichen" Optionen gelten hier besondere Bedingungen und Vereinbarungen, die meistens sehr risikoreich sind. Sie kommen besonders in der Form von Over-The-Counter-Optionen und als Optionsscheine vor, ausgegeben häufig in Offshore Finanzplätzen. - Die Erfahrung hat gezeigt, dass grössere Transaktionen bis unmittelbar vor Verfall der Option Kursbewegungen auslösen können, welche die Option unter Umständen wertlos machen.

– Siehe Aus dem Geld, Bermuda-Option, Regenbogen-Option, Sleepy Warrant, Standardoption.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Option, gesperrte (ratchet option):

Eine Option, bei welcher der Ausübungspreis in meist regelmässigen Zeitabständen für die folgende Periode dem Kurs des Basiswertes angepasst wird. Ein allfälliger innerer Wert der Option wird festgehalten (locked in). Die innert der gesamten Laufzeit anfallenden Lock-ins werden aufgerechnet. - Der Schreiber einer Ratchet-Option hat dem Käufer am Verfalltag neben einem allfälligen inneren Wert der Option auch alle angelaufenen Lock-ins zu bezahlen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Option, handelbare (traded option):

Option, die nicht in Wertpapierform verbrieft ist, aber börslich oder auch ausserbörslich gehandelt wird.

– Siehe European Master Agreement, OTC-Option, Standardoption.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Option, kombinierte (combined option):

Der Erwerb zwei oder mehrerer Optionen auf den gleichen Basiswert, die sich in der Optionsart (Call oder Put), der Menge, dem Ausübungspreis, dem Verfalltag oder der eingegangenen Position unterscheiden. Die Möglichkeiten solcher Kombinationsgeschäfte - aber auch die daraus fliessenden Risiken - sind beinahe unbegrenzt.

– Siehe Butterfly-Spread, Rohstoff-Termin¬vertrag, Time-Spread, Wiedereindeckungs-Risiko.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Option, kommerzielle (dealer option):

Ein Call oder Put auf ein vorhandenes, in den Lägern verfügbares Produkt, geschrieben von einem Unternehmen, das mit der bezüglichen Ware handelt. Solcherlei Verträge sind an der Börse in der Regel nicht handelbar.

– Siehe Option, materiell auszuliefernde, Over-The-Counter-Options, Übertrag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Option. landwirtschaftliche Handelsgüter (agricultural trade option):

Wenn nicht anders definiert Termingeschäfte in Agrarprodukten, die zwischen einzelnen Marktteilnehmern ausserhalb einer Warenbörse abgeschlossen werden (off-exchange options on agricultural commodities that are executed directly between commercial market participants for hedging or risk management purposes).

– Siehe Agrarrohstoffe, Agribulk, Erdöl-Lebensmittel-Zusammenhang, Nahrungsmittel, Rohstoff-Fonds, Rohstoffpreisrisiko, Spekulation, Terminkontrakt, Vertretbarkeit, Waren-Terminkontrakt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Option, leiterartige (ladder option):

Der Ausübungspreis einer Option wird beim Erreichen bestimmter Kurse des Basiswertes für die folgende Periode dem Kurs des Basiswertes angepasst. Ein allfälliger innerer Wert wird festgehalten (locked in). - Als Schreiber einer Ladder-Option schuldet man dem Käufer den höchsten Lock-in-Betrag. Es muss daher damit gerechnet werden, dass der Lock-in-Betrag deutlich grösser ist als der innere Wert der Option am Verfalltag.

– Siehe Option, pfadabhängige.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Option, materiell auszuliefernde (physical delivery option):

Ein Optionsvertrag auf einen festen Basiswert wie eine Ware, eine Aktie oder eine Währung. Wird die Option vom Halter ausgeübt, so muss der Vertragspartner den entsprechende Basiswert gegenständlich liefern (an option whose underlying is a physical asset, like a commodity, a share or a foreign currency. When that option is exercised by its owner, there is delivery of that physical asset from one brokerage or trading account to another).

– Siehe Index-Option, Option, kommerzielle.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Option, nackte und Option, ungedeckte (naked option):

Jederart Optionsvertrag, bei dem der vertraglich Verpflichtete den Basiswert zur Lieferungszeitpunkt nicht besitzt (a situation in which a trader sells an option contract without holding a position in the underlying asset as protection from an adverse shift in price). Solche Optionen bergen das Risiko eines unabsehbaren Verlustes. In der Regel werden daher solche Aufträge seitens eines Maklers nur von Geschäftspartnern angenommen, deren Verlustabsorptionsfähigkeit ausser Zweifel steht (generally brokers do not allow inexperienced business partners to place this type of order).

– Siehe Eventualschaden, Leerverkauf, Long-Position; Open Interest, Position, ungedeckte, Short-Selling, Position, gedeckte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Option, nicht-aktienbezogene (non-equity option):

Ein Optionsvertrag, bei dem der Basiswert sich nicht auf Aktien, sondern auf Waren, Währungen, Indizes oder andere bezieht (option contract that does not have common stock as the underlying asset, as options on commodities, foreign currencies, indexes, treasury security yields, etc.).

– Siehe Regenbogen-Option.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Option, out-of-the-money (so auch im Deutschen gesagt):

Optionsvertrag, bei dem der Ausübungspreis deutlich über bzw. deutlich unter dem Kurs des Basiswertes liegt. Danach ist

1. ein Call aus dem Geld, wenn der Marktwert des Basiswertes viel niedriger ist als der Ausübungspreis und

2. ein Put aus dem Geld, wenn der Marktwert des Basiswertes auffällig höher ist als der vertraglich festgelegte Ausübungspreis.

– Siehe Aus dem Geld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Option, pfadabhängige (barrier determined option):

Eine Option, bei welcher der Kurs des Basiswertes nicht bloss zum Zeitpunkt des Verfalls oder der Ausübung von Bedeutung ist. Vielmehr werden auch Kursschwankungen des Basiswertes während der Laufzeit der Option vertraglich einbezogen.

1. Bei einer Knock-in-Barriere-Option entstehen Optionsrechte erst dann, wenn der Kurs des Basiswertes innert eines bestimmten Zeitraums eine festgelegte Grenze (barrier; Barriere) erreicht.

2. Bei einer Knock-out-Barriere-Option erlangt man seine Optionsrechte erst dann, wenn der Kurs des Basiswertes innert dieses Zeitraums die Barriere erreicht.

3. Eine Double-Barriere-Option hat einen oberen und einen unteren Grenzpunkt. Sie kann sowohl als Knock-in-Barriere-Option als auch als Knock-out-Barriere-Option vorkommen.

4. Liegt die Barriere zwischen dem Kurs des Basiswertes zum Zeitpunkt des Eingehens der Option und dem Ausübungspreis, dann spricht man von einer Kick-in-Option bzw. Kick-out-Option.

– Als Käufer einer Barriere-Option entsteht das Optionsrecht erst mit dem Erreichen der Barriere durch den Marktpreis des Basiswertes (Knock-in-Option, Kick-in-Option), oder das Optionsrecht geht vollständig und unwiederbringlich verloren (Knock-out-Option, Kick-out-Option).

– Siehe Basisrisiko, Knock-in-Option, Knock-out-Wert, Option, leiterartige, Sleepy Warrant.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Option, zufällige (contingent option):

Als Käufer einer derartigen Option ist die Prämie nur dann zu zahlen, falls der Kurs des Basiswertes innert der Laufzeit der Option (amerikanische Option) oder am Verfallstag (europäische Option) den Ausübungspreis erreicht oder übersteigt. Es muss also die gesamte Prämie selbst auch dann bezahlt werden, wenn die Option nur gerade Am Geld oder knapp Im Geld ist.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Option, zurückschauende (look-back option):

Option, bei der während eines bestimmten zurückliegenden Zeitraums der Marktwert des Basiswertes periodisch festgehalten wird.

1. Bei der Price-Lookback-Option bleibt der Ausübungspreis unverändert. Aber es wird bei der Berechnung des Optionswertes für den Basiswert im Falle einer Call-Option dessen Höchstwert und im Falle einer Put-Option dessen Tiefstwert festgehalten

2. Bei der Price-Lookback-Option bestimmt der Tiefstwert im Falle der Call-Option oder der Höchstwert im Falle der Put-Option des Basiswertes den Ausübungspreis.

– Bei Lookback-Optionen können sowohl der ermittelte Ausübungspreis als auch der ermittelte Wert des Basiswertes deutlich von den am Verfalltag geltenden Kursen abweichen. Als Schreiber einer solchen Option muss man damit rechnen, dass immer zu dem ungünstigsten Wert ausgeübt wird. Entsprechend hoch ist daher auch das Risiko.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Option, zusammengesetzte, oft auch Compound Option (compound option):

Option, bei der eine andere Option den Basiswert bildet. Es handelt sich also um eine Option auf eine Option. - Als Schreiber einer solchen Option muss man mit allfällig hohen Verpflichtungen rechnen, weil hier eine besonders grosse Hebelwirkung möglich ist.

– Siehe Credit Default Swap im Quadrat, Derivat, Derivategeschäfte-Clearingpflicht, Derivategeschäfte-Meldepflicht, Novation, Verlängerungsgebühr.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Optionsanleihe (option loan):

Eine Anleihe mit Zusatzrechten. Der Inhaber hat hier innert einer festgesetzten Frist das Recht (die Voranwartschaft; remainder) aber nicht die Pflicht auf den Bezug von Aktien - bzw. auch zu festverzinslichen Wertpapieren oder Edelmetallen - in einem bestimmten, vor Begebung der Optionsanleihe festgelegten Verhältnis zum Nennwert des Wertpapiers. Man nennt dieses festgelegte Verhältnis auch den Hebel (leverage). Im gleichen Verhältnis wie der Hebel, also einem Vielfachen des Nennwertes, bewegen sich allfällige Kursgewinne oder Kursverluste. - In letzter Zeit sind sehr viele Varianten der Optionsanleihe marktgängig worden. Sie eröffnen ihrem Inhaber beispielsweise die Möglichkeit zum Bezug von

1. festverzinslichen Anleihestücken einer Folgeanleihe der Emittenten (Optionsanleihe ausgestattet mit Zins-Warrants; Bond-Warrants),

2. Aktien und Anleihestücken einer Folgeanleihe der Emittenten (Optionsanleihe ausgestattet mit Aktien- und Bond-Warrants),

3. Partizipationsscheinen der Emittenten,

4. einer bestimmten Menge von Währungseinheiten zu einem bestimmten Kurs (Optionsanleihe ausgestattet mit Währungswarrants; Currency-Warrants),

5. einer bestimmten Menge eines Edelmetalls (Platin, Gold) oder

6. von Waren, wie etwa Rohöl; in diesem Fall muss in den Anleihebestimmungen geregelt sein, ob diese Güter tatsächlich zu liefern sind, oder ob ein Barausgleich stattfinden soll.

– Siehe Bonbon, Cum, European Master Agreement, Warrants, Zwangswandelanleihe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Optionselastizität (option elasticity):

Die Veränderung des Wertes einer Option, wenn sich der Basiswert um ein Prozent verändert (the percentage change in the value of an option, given a one-percent change in the value of the underlying).

– Siehe Elastizität, Optionswert.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Optionsprämie (option premium):

Entgelt des Käufers einer Option an den Verkäufer (writer; Stillhalter). Dieser ist verpflichtet, die betreffende Menge des Basiswertes zum vereinbarten Preis zu kaufen (Call) oder zu verkaufen (Put), wenn der Inhaber seine Option ausübt. - Der Preis für eine Option gestaltet sich in der Regel nach

1. dem aktuellen Kurs des Basiswertes,

2. dem Ausübungspreis,

3. der Laufzeit der Option,

4. der (risikofreien) Verzinsung innert der Laufzeit der Option und

5. der Volatilität des Ertrags aus dem Basiswert.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Optionspreis (option price, premium):

1 Zahlung, welche der Käufer einer Option an den Stillhalter bei Abschluss des Geschäftes zu zahlen hat (the payment an option buyer makes to the option writer for granting an option contract).

2 Der Preis, welcher sich aus Optionsverträgen für ein bestimmtes Gut herausbildet.

– Siehe Ausübungspreis, Inflationsoptionen, Preis, zukunftbestimmter, Strike Price.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Optionsrisiken (option risks):

1 Beim Termin-Verkauf muss der Basiswert auch dann zum ursprünglich vereinbarten Preis geliefert werden, wenn der Kurs des Basiswertes seit Vertragsabschluss über den vereinbarten Preis gestiegen ist. Weil aber der Kurs des Basiswertes theoretisch unbegrenzt steigen kann, so ist auch das Verlustpotential unbegrenzt und kann erheblich über den Margenerfordernissen liegen.

2 Beim Termin-Kauf muss der Basiswert auch dann zum ursprünglich vereinbarten Preis übernommen werden, wenn der Kurs des Basiswertes seit Vertragsabschluss weit unter den vereinbarten Preis gefallen ist. Das Verlustrisiko liegt mithin in der Differenz dieser beiden Werte. Im äussersten Fall droht mithin ein Verlust in Höhe des ursprünglich vereinbarten Preises.

– Siehe Absicherungsverhältnis, Markt, inverser, OTC-Option, Sleepy Warrant.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Optionsschein (warrant):

Dokument, in welchem das Recht, nicht aber auch die Verpflichtung verbrieft wird, eine bestimmte Menge eines Basiswertes (underlying: Waren, Wertpapiere) zu kaufen (Call-Option) oder zu verkaufen (Put-Option). Der Unterschied zu einer Option ist der, dass die Börse allenfalls Handelsplattform, nicht aber Gegenpartei ist. Im Regelfall vereinnahmt der Emittent (die Bank) die Optionsprämie und der Erwerber erhält den Optionsschein in sein Depot. Im Gegensatz zu einer Option haben Optionsscheine eine längere Laufzeit, die bis zu zehn Jahren geht (the right but not the obligation to buy or sell a certain quantity of an underlying instrument at an agreed-upon price. The right to buy the underlying instrument is referred to as a call warrant; the right to sell it is known as a put warrant. In this way a warrant is very similar to an option. But the length of time available to exercise a warrant is much longer than in the case of option contracts. Most warrants have 5 to 10 years before they must be exercised or expire worthless). Optionsscheine können nur gekauft, nicht aber leerverkauft werden. - Unterschieden werden in erster Linie

1. nackte Optionsscheine (nacked warrants), die vom Emittenten als Call- oder Put-Optionsschein abgegeben werden, und

2. gedeckte Optionsscheine (covered warrants), bei denen der Emittent den Basiswert im eigenen Besitz hält. Neben den gewöhnlichen Optionsscheinen (plain vanilla warrants) findet man auch eine Reihe von besonderen Gestaltungen, wie beispielsweise auf die Volatilität des Basiswertes bezogen. Weil Optionsscheine Derivate sind, bestehen für die vertreibenden Institute gegenüber ihren Kunden besondere Informationspflichten.

– Häufig werden Optionsscheine in Zusammenhang mit einer Anleihe von Unternehmen ausgegeben. Sie verbriefen diesfalls das Recht, nach bestimmten Bedingungen Aktien der Firma zu erwerben (often warrants are issued in combination with a bond and represent the right to purchase shares of the company issuing the bond. Warrants are given out in this way as a sweetener to make the bond issue more attractive, and to reduce the interest rate that must be offered in the case of selling a bond issue).

– Siehe Abschlag, Derivategeschäfte-Clearingpflicht, Derivategeschäfte-Meldepflicht, Derivateverordnung, Gegenpartei, zentrale, Optionsschein, freistellender, Sleepy Warrant, Tubos, Warrant.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Optionsschein, freistellender (harmless warrant):

Bei einem Papier als Basiswert kann der Optionsscheinbesitzer nur dann, wenn einen gleichartigen Titel übergibt, das im Optionsschein bezeichnete Wertpapier erwerben (a warrant allowing users to buy bonds only on surrender of an existing bond that comes with similar terms as the new one).

– Siehe Optionsschein.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Optionsverkauf, proportionaler (ratio writing):

Der Verkauf von mehr als einer Option, um einen zugrundeliegenden Terminkontrakt abzusichern. Die Optionsverkäufe werden üblicherweise auf verschiedene Kontraktmonate verteilt; beispielsweise hält ein Marktteilnehmer eine Gold-Kaufposition für August, und er verkauft je einen Gold-Call für März und August.

– Siehe Hedge-Geschäft, Option.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Optionsverkäufer (option seller, writer, grantor):

Jemand, der eine Option verkauft und sich damit verpflichtet, zu einem vereinbarten Zeitpunkt einen Basiswert an den Optionskäufer zu liefern bzw. von diesem zu kaufen, falls dieser sein Optionsrecht ausüben möchte (the maker, writer, or issuer of an option contract who stands ready to purchase the underlying commodity in the case of a put option or to sell the underlying commodity in the case of a call option).

– Siehe Stillhalter.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Optionswert (value of an option):

Beim Preis einer Option während der Laufzeit wird zwischen dem inneren Wert und dem Zeitwert unterschieden. Der Zeitwert hängt von der Einschätzung der zukünftigen Preisentwicklung des Basiswertes ab. Der innere Wert errechnet sich aus dem Verhältnis zwischen dem Tageskurs des Basiswertes und dem Basispreis. Zur Kennzeichnung dieses Verhältnisses werden die Bezeichnungen im Geld, am Geld und aus dem Geld verwendet.

1. Eine Option notiert im Geld, wenn der Basispreis unterhalb des Kassakurses des Basiswertes liegt. In diesem Falle hat der Inhaber der Option einen Gewinn erzielt.

2. Liegt die Option jedoch am Geld, dann stimmen Basispreis und der Kassakurs des Basiswertes (nahezu, fast) überein; die Option steht an der Schwelle zu einem allfälligen Gewinn oder Verlust.

3. Eine Option befindet sich aus dem Geld, wenn der Basispreis oberhalb des Kassakurses des Basiswertes liegt; hier hat der Inhaber der Option einen Verlust erzielt.

– Siehe Elastizität, Optionselastizität.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Optionsperiode und Optionslebenszeit (option period, option lifetime):

Die Zeit zwischen dem Inkrafttreten eines Kontrakts und dem Verfalltag (the time from when an option contract is created by a writer of that option to the expiration date).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Order in älteren Dokumenten Ordre (order):

Wenn nicht anders definiert, der Auftrag an eine Bank, über die Börse Waren, Devisen, Wertpapiere oder andere marktfähige Vermögenswerte zu kaufen oder zu verkaufen.

– Siehe GTC-Auftrag, Karten-Stapel, Market Impact, Stop-Auftrag, Tagesauftrag, Tageszeit-Auftrag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Order, tagesgültige (day order):

An der Börse ein Auftrag zum Kauf oder Verkauf eines Finanzinstruments oder eines Terminkontraktes, der am Ende des Tages, an dem er eingegeben wurde, automatisch verfällt (an order given to a stock broker that will only last until the close of trading on the day in which they were given to the broker).

– Siehe Ausführung, vollständige, Daytrading, Fill-or-kill Order, Market-if-touched Order, Sell-Plus-Order, Tagesauftrag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Order-Capacity-Index (so auch im Deutschen gesagt; seltener Aufträge-Kapazität-Kennzahl):

Frühindikator - etwa vier Monate im Voraus - der industriellen Produktion, wobei der Auftragseingang ins Verhältnis zur Produktionskapazität gesetzt wird. Von der EZB im Rahmen des Zwei-Säulen-Prinzip beobachtet.

– Siehe Auftragseingangs-Statistik, Einkaufsmanager-Umfrage, Erhebung fachlicher Prognostiker, Konjunkturdiagnose, Krisen-Vorschatten, Odereingang, Produktionslücke, Turnaround, Vertrauensindikator.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Februar 2007, S. 54 f. (mit Zeitreihe ab 1993), Monatsbericht der EZB vom Juli 2013, S. 71 ff. (neuer EZB-Indikator als Auftragseingangs-Statistik im Eurogebiet; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ordnungsgeld (fine):

Allgemein eine Zahlung, die eine natürliche oder juristische Person als Strafe für schuldhafte Verletzung von Bestimmungen (legal provisions: Gesetze, Verordnungen, Verfügungen, Richtlinien, Verhaltensvorschriften [etwa bei Gericht] usw.) zu leisten hat (money paid usually to superior authority as punishment for a crime or other offence). - In der Regel können Aufsichtsbehörden ein Ordnungsgeld verfügen.

– Siehe Pönalgeld, Prokurationsgeld, Zwangsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Organidentität (organ identity):

In Bezug auf den Finanzmarkt die Tatsache, dass die Börse

1. einmal als ein verantwortlicher Börsenträger, in Deutschland als unselbständige öffentlich-rechtliche Anstalt,

2. zum andern als ein kommerzieller Bereich besteht.

– Über allfällige und tatsächlich aufgetretene Interessenkonflikte wurde besonders im Ausschuss der Europäischen Wertpapieraufsichtsbehörden beraten und bezügliche Richtlinien verabschiedet.

– Siehe Big Board, Nasdaq, NYSE.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Organisation (organisation):

1 In einem Institut und allgemein in einem Unternehmen die zweckmässige, auf das Betriebsziel hin ausgerichtete Anordnung aller Abteilungen und Bereiche.

2 Seit etwa 1950 in der Finanzwelt gängig für jederart Verband, Einrichtung, Institution, Zusammenschluss, Arbeitskreis, Anstalt, Forum, Fachgruppe, Gesprächsrunde, Rechtsträger und Anstalt. Vor allem Gremien mit internationaler Ausrichtung nennen sich vorzugsweise "Organisation".

3 Häufig - und auch in der Sprache der Aufsichtsbehörden - darüber hinaus wohltätige, gemeinnützige Körperschaften wie etwa eine Stiftung.

– Siehe Adresse, Entität, Organisationen, gemeinnützige, Organisationsplan, Rechtspersönlichkeit, Subsidiaritätsprinzip.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Organisationen, gemeinnützige (charitable organisations):

Zumeist in die rechtliche Form einer Stiftung oder eines gemeinnützigen Vereins verfasste Einrichtungen mit dem Zweck, in Bereichen der Gesellschaft wohltätig zu wirken. Solche Gebilde erfüllen in einem Staat äusserst wichtige Aufgaben. Sie füllen unter anderem Lücken staatlicher Verwaltung, pflegen Kulturgüter (protect the cultural heritage) und stärken den bürgerschaftlichen Zusammenhalt (strengthen the social cohesion). Da sie sich gutteilig aus einer Vermögensmasse finanzieren, sind sie durch Inflation und Finanzkrisen unmittelbar betroffen und in ihrer Existenz besonders gefährdet. Sie müssen deshalb gerade dann, wenn ihre ausgleichende Tätigkeit (subsidiary function) besonders nötig wäre, ihre Leistungen einschränken. So verlor beispielsweise die in der Fläche weltweit wohl grösste - mit einem Areal von 38 qkm und etwa 220 Gebäuden, die meisten davon in formvollendeter Neugotik errichtet - private Universität der Welt, die Duke University in Durham (North Carolina, USA), durch die auf die Subprime-Krise folgende Finanzkrise ungefähr ein Viertel ihres Stiftungsvermögens. In der Folge musste die grosszügige Stipendiengewährung zurückgefahren und auch viele Forschungsvorhaben gekürzt werden. Das wiederum hat hier wie auch anderswo langfristig Auswirkungen auf die Wirtschaft und Gesellschaft. Die Erhaltung des Geldwertes und die Sicherung der Finanzstabilität sind daher Aufgaben, die in einem langen Zeithorizont zu sehen sind.

– Siehe Inflation-Wachstums-Beziehung, Kultursponsoring, Stiftungsfonds, Stiftungsverwaltung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Organisationsplan (organisation plan, organigramme, organisation chart):

In Bezug auf den Finanzmarkt bei einem Antrag auf Erlaubnis bei der Aufsichtsbehörde die Vorlage eines Plans, aus dem der organisatorische Aufbau und die Art der vorgesehenen Geschäfte des Instituts deutlich werden. Rechtsquelle ist Artikel 7 und Artikel 22 der Richtlinie 2006/48/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 14. Juni 2006 über die Aufnahme und Ausübung der Tätigkeit der Kreditinstitute (Neufassung).

– Siehe Organisation, Organisationsvorschriften.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Organisationsvorschriften (organisational requirements):

Institute in Deutschland müssen vom Gesetz in § 25a KWG genau vorgegebenen internen Gliederungsanforderungen (organisational requirements) genügen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht überwacht die Einhaltung entsprechender Bestimmungen.

– Siehe Organisationsplan.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 75 (regelmässige Prüfung im Zuge der Risikotragfähigkeit).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren, OGAW (undertakings for collective investment in transferable securities, UCITS):

Entitäten, deren ausschliesslicher Zweck darin besteht, beim Publikum beschafftes Geld für gemeinsame Rechnung nach dem Grundsatz der Risikostreuung in Wertpapieren anzulegen. Sie bedürfen der Erlaubnis in nur einem Mitgliedsstaat und können dann in der gesamten EU ihre Operationen frei gestalten. Freilich haben einige Staaten in entsprechenden Umsetzungsgesetzen manche Einschränkungen des völlig freien Geschäftsverkehrs eingeführt (entities with the license to operate freely throughout the EU on the basis of a single authorisation from one Siehe . In practice, however, many EU member nations have imposed additional regulatory requirements).

– Siehe Geldmarktfonds, Investmentvermögen, OGAW-Fonds, Super-OGAW-Fonds.

– Vgl. Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 188 f. (Einzelheiten zum OGAW-Umsetzungsgesetz), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 162 (OGAWs im Kapitalanlagegesetzbuch neu umschrieben) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Organismus (undertaking):

In der Sprache der Finanzwelt eine rechtlich oder betriebswirtschaftlich wie etwa durch einen eigenständigen Rechnungskreis verselbständigte Einheit - auch Vehikel (vehicle) genannt), - in welcher eingesammeltes (pooled) Vermögen verwaltet wird.

– Siehe Entität, Investmentvermögen, Kapitalanlage-Rechnungslegungs-und Bewertungsverordnung, Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Organkredite (credits to executives and staff):

Im deutschen Aufsichtsrecht Oberbegriff für Ausleihungen an Vorstände, Gesellschafter, Aufsichtsorgane, Prokuristen sowie deren Familienangehörige und an nahestehende Unternehmen einer Bank. - Grundsätzlich verbieten die Aufsichtsbehörden solche Darlehn und machen Ausnahmen von mehreren Bedingungen abhängig; für Deutschland gilt die Aufzählung in § 15 KWG.

– Siehe Abschottung, Chinese Wall, Corporate Governance, Insider-Meldepflicht, Mitarbeiter mit besonderen Funktionen, Mitarbeiterleitsätze, Need-to-know-Prinzip, Nominee, System Securities Watch Application (SWAP), Verhaltenskodex, Wall Crossing.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Originate-to-distribute-Strategie (so auch im Deutschen gesagt; ab etwa 2005 manchmal mit KVV-Strategie wiedergegeben):

Geschäftliche Ausrichtung eines Instituts, bei der eigene, im Normalfall gut besicherte Forderungen aus verschiedenartigen Geschäftsbereichen - etwa: Darlehn an Industriebetriebe; Hausbaukredite - an eine Zweckgesellschaft verkauft werden. Der Anreiz zur Weiterreichung der Forderungen besteht darin, dass die originierende Bank einmal für die ausgelagerten Kredite das aufsichtsrechtlich vorgeschriebene Eigenkapital bisher noch kaum vorhalten musste, und zum anderen durch den Verkauf der Forderungen sofort Geld in die Kasse der Bank fliesst, das erneut zur Kreditvergabe eingesetzt werden kann. - Die Zweckgesellschaft (Conduit) ihrerseits

1. verpackt die Forderungen zu unterschiedlich gemischten Portfolios,

2. teilt sie in einzelne Tranchen mit in der Regel unterschiedlichem Risikogehalt auf und

3. gibt die entsprechenden - bei Gruppen-Originator-Verbriefung zuvor möglichst durch Rating-Agenturen bewerteten - Papiere weltweit ab (Repackaging). Daher spricht man manchmal auch von "Originate-, Repackage-and-Sell-Strategie", und stellte diesen Ausdruck der "Originate-and-Hold-Strategie" gegenüber, bei der eine Bank ein Darlehn in den Büchern behält.

– Anlässlich der Subprime-Krise hat sich gezeigt, dass diese Geschäftspolitik gleichsam über Nacht praktisch undurchführbar wird, weil die Nachfrage nach Verbriefungspapieren selbst der höchsten Bonitätsstufe versiegte.

– Siehe Absenzkapitalismus, Buy-and-hold-Praktik, Darlehn, nicht standardisiertes, Disclosure Act, Einzel-Originator-Verbriefung, Entwicklungsverfahren, iteratives, Home Mortgage Kreditvergabe-Grundregel, Krise der Sicherheiten, Luftpapiere, Mortgage Equity Withdrawal, Ninja-Loans, Papiere, toxische, Single Master Liquidity Conduit, Subprime-Wohnraumfinanzierung, Verbriefung, Verbriefungspapiere-Selbstbe¬halt, Verbriefungsstruktur, Zitronenhandel.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2008, S. 89 ff. (Auswirkungen der neuen Geschäftsstrategie auf die Geldpolitik; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Juli 2008, S. 22 (IAS 39 und aufsichtsrechtliche Bestimmungen erschweren bzw. verunmöglichen die Ausgliederung aus der Bilanz; Problem der Vergleichbarkeit), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 55 (Selbstbehalt-Vorschriften), Monatsbericht der EZB vom Januar 2012, S. 73 ff. (Erläuterung der Geschäfte und der dadurch gestalteten Beziehungen auf dem Finanzmarkt), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 54 f. (aufsichtsrechtliche Massnahmen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Originator (originator):

1 Bank, die Forderungen verbrieft, oft auch originierende Bank genannt (the entity that originated the assets to be securitised). - Manchmal spricht man auch statt von Originator von Initiator. Diese Bezeichnung sollte aber nur für ein Unternehmen gesagt werden, das eine Objektgesellschaft gründet, die keine Forderungsverbriefung zum Geschäftszweck hat, wie etwa eine Leasing-Objektgesellschaft oder eine Pensionsfondsgesellschaft.

2 (Rück)Versicherung, die übernommene Risiken auf dem Weg der Verbriefung über - zumeist tranchierte - Anleihen in der Regel an Hedge-Fonds weiterreicht.

– Siehe Back-to-Originator-Postulat, Einzel-Originator-Verbriefung, Embedded-Value Verbriefung, Insurance-Linked Securities, Krediterweiterung, Kreditkarten-Fiasko, Kreditzusage, unwiderrufliche, Originate-to-distribute-Strategie, Paket, Pay-Green-Initiative, Pool, Rating, Reintermediation, Retrozession, Rückschlag-Effekt, Rückzahlung, vorzeitige, Tranche, Verbriefung, Verbriefungspapiere-Selbstbehalt, XXX-Insurance-Linked Securities, Zweckgesellschaft.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2004, S. 85 f., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2006, S. 40 (Übersicht), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 55 (Selbstbehalt-Vorschriften).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ort (das und der; Plural: Orte, nach Zahlen genau wie im Singular; also etwa: fünf Ort):

1 In alten Dokumenten allgemein der vierte Teil einer Masses und im Besonderen eines Geldstücks. Von daher auch: 1 Ortstaler = 1/4 Taler, 1 Ortsgulden = 1/4 Gulden, 1 Örtgen = 1/4 Stüber.

2 Im 16. und 17. Jht. geprägte Münze: 1/2 Reichsort (Silber) = 1/8 Taler.

– Siehe Taler.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ortsbank (community bank):

Kreditinstitut, gekennzeichnet durch

1. geringe Grösse,

2. beschränkte geographische Reichweite und

3. breiten, aber flachen Wirkungskreis: sämtliche Geldgeschäfte werden abgewickelt, jedoch nur mit Privathaushalten und Kleinbetrieben vor Ort. In Deutschland sind dies vor allen Banken des Genossenschaftsbereichs im ländlichen Raum. Deren organisatorische Nachteile - vor allem in der Regel in Bezug auf die Kosten nicht bestmögliche Betriebsgrösse; weniger gut geschultes und weitergebildetes Personal - gelten durch den Vorteil bester Informationen über Einleger und Kreditnehmer als aufgewogen. Dank dieser ihrer Kundennähe und im Hinblick auf ihre grundsätzliche Zurückhaltung in Bezug auf Wachstum und Ausbreitung (branch expansion; Filialisierung) erwirtschaften Ortsbanken über die Jahrzehnte hinweg einen krisenfesten Gewinn. Dies zeigte sich deutlich auch während der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise. Die Genossenschaftsbanken bedurften keiner staatlichen Hilfe.

– Siehe Behördenmanagement, bankliches, Beziehungsbankgeschäfte, Benutzerfreundlichkeit, Clubbing, Hausbank, McDonaldisation, Regionalbank, Volksbanken, Volkswirtschaft, bankbezogene.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ortswechsel auch Wechsel von Ort zu Ort (local bill [of exchange]):

Jemand zahlt an einem Ort, etwa in Florenz, einen bestimmten Geldbetrag ein. Diese Summe wird an einem anderen, entfernten Ort, etwa in Lissabon, wieder eingezogen. Gegenwärtiges Geld wird also mit abwesenden Geld vertauscht. Es vollzieht sich ein wirklicher Tausch, und darum wurde auch für solche Geschäfte der Name Wechsel beibehalten.

– Siehe Cavata.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Outperformance (so auch oft im Deutschen gesagt; manchmal sprachlich unschön auch Überrundung):

Eine Wertentwicklung von Anlagegegenständen besser als der Durchschnitt (an investment achieves a higher return than its previously stated comparative index), besonders bei Fonds gesagt. Entsprechende Vermögensgegenstände und insbesondere Wertpapiere heissen auch "Outperformer."

– Siehe Bo Derek-Aktie, Inflationsbonds, One-Hit Wonder, Papiere, schwere, Performance, Underperformer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Outperformance-Zertifikat (outperformance certificate):

Laufzeitbegrenztes Finanzprodukt, das im Risikoprofil einem Engagement in den jeweiligen Basiswert (underlying: Aktie, Waren, Index) ähnlich ist. Jedoch lautet das entsprechende Zertifikat auf einen festgeschriebenen Basispreis. - Ist nun am Ende der Laufzeit der Kurs des Basiswertes (reference base; Bezugsbasis) höher als der vereinbarte Basispreis, so erhält der Anleger den Unterschied zwischen dem aktuellen Kurs und dem vertraglichen Basispreis, vervielfacht um einen Partizipationsfaktor grösser als eins. - Liegt jedoch der Kurs des Basispreises unterhalb der vereinbarten Grenze, dann erhält der Anleger den vollen vereinbarten Basispreis. - Es gibt zahlreiche Varianten dieses Grundmodells; beliebt geworden sind vor allem Protect-Outperformance-Zertifikate. Hier ist unterhalb des Basiskurses eine Barriere eingebaut, welche der Basiswert innert der gesamten Laufzeit des Vertrags nicht berühren darf. Tritt dies jedoch ein, dann erhält der Anleger sein eingesetztes Kapital am Fälligkeitstag zurück. Für diesen Vorzug muss der Anleger jedoch einen geringeren Partizipationsfaktor in Kauf nehmen.

– Siehe Airbag-Zertifikat, Basket-Zertifikat, Bonus-Zertifikat, Diskont-Zertifikat, Express-Zertifikat, Garantie-Zertifikat, Hebel-Zertifikat, Partizipations-Zertifikat, Quanto, Reverse-Zertifikat, Sprint-Zertifikat, Strategie-Zertifikat, Themen-Zertifikat, Twin-Win-Zertifikat.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Output-Gap (so häufig auch im Deutschen gesagt; sonst Produktionslücke):

Die meistens in Prozent ausgedrückte Abweichung zwischen dem Bruttoinlandsprodukt einerseits und den verfügbaren Produktionsmöglichkeiten einer Volkswirtschaft - also dem Produktionspotential - anderseits (the amount by which a country's output, or gross national product, falls short of what it could be given its available resources). Eine positive Output-Lücke kann auf eine mögliche Überhitzung der Wirtschaft (a possible overheating of the economy) und somit auf einen bevorstehenden Anstieg der Inflation hinweisen, während eine negative Output Lucke auf freie Kapazitäten und eine allfällige Disinflation hindeutet. Daher wird dieser Grösse seitens der EZB hohe Aufmerksamkeit gewidmet (is paid close attention).

– Siehe Druck, disinflationärer, Produktionslücke, Zwei-Säulen-Prinzip.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Output-Volatilität und Produktions-Schwankungsbreite (volatility of output):

Die Schwankungen (Oszillationen; oscillations: fluctuations above and below a mean value) in der Erzeugung von Waren und Dienstleistungen im Zeitverlauf. - Zu unterscheiden ist dabei die Volatilität auf einzelwirtschaftlicher Ebene (microeconomic level: Unternehmen) und in der Volkswirtschaft gesamthaft. Weil die Output-Volatilität auch von der Verfassung der Finanzmärkte (wesentlich!) beeinflusst wird, beobachten die Zentralbanken diese Entwicklung.

– Siehe Volatilität, Zwei-Säulen-Prinzip, Zyklik.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2009, S. 35 ff. (Grundsatzartikel, Übersichten; Literaturverweise; Output-Volatilität in der Finanzkrise), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2011, S. 82 ff. (Output-Volatilität in Zusammenhang mit Finanzkrisen; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Outright-Geschäfte, geldpolitische (outright monetary transactions, OMTs):

Im September 2012 vom EZB-Rat verabschiedetes Aufkaufprogramm von Staatsanleihen mit einer Laufzeit von einem Jahr bis drei Jahren, die nicht-wettbewerbsfähige Mitglieder der EWU, begeben haben. Diese Massnahme löste das bis dahin laufende Programm für Wertpapiermärkte (Securities Markets Programme, SMP) ab und stiess auf heftige Kritik vor allem in Deutschland. Denn die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit einiger Mitglieder der EWU ist keine geldpolitische anzugehende Entwicklung, sondern die unmittelbare Folge der national eigenverantwortlichen Wirtschafts- und Finanzpolitik. Wenn diese die Risiken im eigenen Land erhöht, und wenn dies zwangsläufig zu höheren Zinsen für Unternehmen führt, dann ist die Änderung dieses Zustands nicht Sache der EZB. Auch das Risiko, dass ein Land aus der EWU ausscheidet ist keine Rechtfertigung für das Eingreifen der EZB. Denn ob ein Staat in der EWU bleibt oder nicht, liegt allein in der Entscheidung des souveränen Staates; und die EZB ist keineswegs berechtigt, eine Gewähr für die derzeitige Zusammensetzung der EWU aussprechen. - Weil das OMT-Programm der EZB auch Auswirkungen auf die deutsche Fiskalpolitik hat - denn es ist mit hoher Wahrscheinlichkeit (with a high degree of probability) damit zu rechnen, dass die EZB auf den gekauften Staatsanleihen sitzen bleibt, weil die begebenden Länder der Südfront diese nicht einlösen können bzw. wollen, und die Verluste dann die Deutsche Bundesbank zu einem grossen Teil mittragen muss -, so hatten Kläger im Juni 2013 das Deutsche Bundesverfassungsgericht angerufen. Privatklagen von 5'216 Personen beim Europäischen Gerichtshof in Luxemburg gegen das OMT-Programm wurden abgewiesen. Das Gericht urteilte formaljuristisch (in strictly legal terms), dass Klagen gegen Grundsatzentscheidungen der EZB nicht statthaft seien, solange keine persönliche Betroffenheit (personal concern) der Kläger nachweisbar sei. - Wenn vorgebracht wird, die EZB kaufe ja Staatsanleihen nur auf dem Sekundärmarkt, so ist festzuhalten, dass dem Begriff "Sekundärmarkt" keine zeitliche Bestimmung zugeordnet ist. Eine Bank kann beispielsweise Staatsanleihen als Primärkäufer (Ersterbwerber; first buyer) erwerben und diese Papiere - im Extremfall (in an extreme case) innert einer Sekunde - an die Zentralbank weiterveräussern.

– Siehe Angst, perverse, Anmassung, zentralbankliche, Aufkäufe, zentralbankliche, Auslaufen, Bailout, Bilanzbereinigung, Demokratie-Defizit, Europäische Währungsunion, Grundfehler, EZB-Sicherheiten, EZB-Sündenfall, Italienische Methode, Retterei, Risikoprämie, Schattenstaat, Sicherheitsabschlag, Überregierung, Umverteilung, zentralbankbewirkte, Vermögensabgabe, Wettbewerbsfähigkeit, Zombiebank.

– Vgl. Jahresbericht 2012 der EZB, S. 89 (zum Programm), Monatsbericht der EBZ vom Mai 2014, S. 87 ff. (Wirkungen der Ankaufprogramme der EZB; Übersichten; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Outside-Aktionär (so auch im Deutschen gesagt):

Der Anteilseigner einer Aktiengesellschaft, der aus den Papieren der Gesellschaft lediglich einen guten Gewinn erzielen möchte, im übrigen aber sich mit dem Unternehmen nicht verbunden fühlt (shareholder who has no links with the company but has a financial interest in its operating performance).

– Siehe Inside-Aktionär, One-Night-Stand, Panikverkäufe, Rebbes.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Outside Day (so auch im Deutschen gesagt):

In der Börsensprache versteht man darunter einen Tag, an dem die Schwankungen (Oszillationen; oscillations) im Kurs eines bestimmten Finanzprodukts höher waren als die Schwankungen nach oben und unten am Vortag. The secret of the outside day is the bigger the better, and it has generally more meaning if found at the end of a trend.

– Siehe Analyse, technische, Charts, Histogramm, Kartierung, Kursbereich, gehandelter, Random-Walk-Hypothese, Strichdiagramm.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Outsourcing (outsourcing; manchmal auch mit Funktionsauslagerung ins Deutsche übersetzt):

In Bezug auf Banken allgemein die Auslagerung bestimmter Aufgabenbereiche an andere, zumeist grössere Unternehmen der Branche oder an eigens dafür spezialisierte Firmen - wie Steuerberater, EDV-Firmen, Werbeagenturen, Bewachungsdienste, Kreditfabriken, die sich ihrerseits mit ihren Dienstleistungen ausschliesslich oder vorwiegend auf Banken eingestellt haben (the transfer of a business function undertaken in-house to an external specialised service provider). - Mit dem Outsourcing werden Fixkosten (capacity costs) in variable Kosten umgewandelt; das Institut zahlt grundsätzlich nur für die tatsächlich in Anspruch genommenen Leistungen. Zudem wird durch Auslagerungen in der Regel die Organisation der Bank gestrafft. - Mit Zustimmung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen darf auch die Aufgabe des Geldwäsche-Beauftragten auf ein grösseres Institut ausgelagert werden. - In der Regel versteht man unter Outsourcing (Auslagerung) mehr die Übertragung von banklichen Hilfsdiensten. Werden zentrale Geschäftsfelder an andere - und in diesem Falle dann an andere Institute - übergeben, so spricht man häufig von Business Process Outsourcing (BPO). Werden

1. zusätzliche betriebliche Funktionen - etwa Tätigkeit als Inkubator - in die Bank aufgenommen oder

2. ausgelagerte Bereiche zurückgeholt, so spricht man von Insourcing.

– Siehe Auslagerung, Brokergeschäft, Insourcing, Kreditfabrik, Managed Account, Spin-off, Transaktionsbank, Treuhandmodelle.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 69, S. 85 f., Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 114 ff. (Neuregelung), S. 149 (Ausgliederung der Erstellung von Finanzanalysen), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 47 (IOSCO-Bericht über Outsourcing bei Börsen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Outsourcing-Risiken und Auslagerungsrisiken (outsourcing risks):

Bei einer Bank die Gefahren, die dadurch entstehen, dass bestimmte Bereiche (business functions; betriebliche Funktionen) an andere Unternehmen übertragen werden. Die Aufsichtsbehörden verlangen in diesem Fall besondere Sicherheitsvorkehrungen; vgl. für Deutschland § 25a KWG. Insbesondere dürfen durch die Auslagerung weder die Steuerungs- und Kontrollmöglichkeiten der Geschäftsleitung noch die Prüfungsrechte und Überwachungsaufgaben der Aufsichtsbehörden beeinträchtigt werden.

– Siehe Auslagerung, Brokergeschäft, Contractual Trust Arrangement, Datei-Verwaltung, zentralisierte, Hilfsdienste, bankbezogene, Outsourcing, Spin-off, Transaktionsbank, Treuhandmodelle.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Overbanked (so auch im Deutschen gesagt; seltener Bankenüberhang und Bankenübersättigung):

In einem geographischen Gebiet befinden sich zu viele Banken. Entweder wird dies allein auf gebäudliche Banken (brick and mortar banks) bezogen oder es werden sämtliche Dienstleistungsformen berücksichtigt. Zur Messung findet man unterschiedliche Grössen zugrundegelegt, in der Regel die Einwohnerzahl. Sind zu viele Anbieter auf einem (lokalen, regionalen, nationalen) Finanzmarkt, dann führt dies CETERIS PARIBUS zu starkem Wettbewerb mit niedrigen Zinsen.

– Siehe Bank, gemischte, Filialsystem, Internetbank, Marktbereinigung, bankliche, Multikanalbank, Online Banking, Pankratium.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Overkill, regulatorischer (regulatory overkill, seltener Überreglementierung):

Ein Zuviel an Vorschriften, behördlichem Dazwischenreden und prudentieller Einmischung in die Geschäfte auf dem Finanzmarkt.

– Siehe Aufsicht, präventive, Aufsichtsbehörden, Ausschuss-Wahn, Banana Skin Survey, Bankenaufsicht, europäische, Eigenhandel-Verbot, Octopus, Regulierungsdruck, Regulierungswut, Straitjacking, Subsidiaritätsprinzip, Transparenzgrad, Überregulierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Overnight Index[ed] Swap, OIS (so auch im Deutschen gesagt):

Ein Swap-Geschäft, bei dem ein an einen Referenz-Zinssatz für Tagesgeld - etwa dem EONIA - gebundener und daher variabler Zinssatz gegen einen festen Zinssatz getauscht wird (an interest rate swap, usually short-term, involving the overnight rate being exchanged for some fixed interest rate).

– Siehe Swap, zinsbedingter, Tagesgeldsatz-Swap.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2008, S. 73 (Risikoprofil beim OIS), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 30 (Dreimonats-Libor-OIS-Swaps 2009 und 2010), Monatsbericht der EZB vom Juli 2014, S. 76 f. (Erklärung; Umsätze; Aussagegehalt hinsichtlich der Markterwartungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Overnight-Spread (so auch im Deutschen gesagt):

Wenn nicht anders definiert der Abstand zwischen dem Tagesgeldsatz und dem Zinssatz beim Hauptrefinanzierungsinstrument der EZB.

– Siehe Mindestbietungssatz.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2003, S. 48 ff. (Berechnung; verschiedenartige Ursachen der Abweichung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Overtrading (ins Deutsche zuweilen mit Überspekulation übersetzt):

Auf dem Finanzmarkt gesamthaft oder in einzelnen Segmenten eine unerwartete und durch sachliche Gegebenheiten kaum begründbare Nachfrage; vor allem infolge eines Zustroms von gefühlsmässig handelnden, unerfahrenen Spekulanten.

– Siehe Blase, spekulative, Euphoriephase, Hausse, Herdenverhalten, Internet-Foren, Milchmädchen-Hausse, Nachahmung, informelle, Odd Lot-Theorie, Panikverkäufe, Rally, Rückkoppelungsschleife, Runup, Sell Out, Spekulationsblase, Trittbrettfahrer, Überbelastung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Over-The-Counter-Derivat oft nur OTC-Derivat (so auch im Deutschen gesagt):

Ein Derivat, das nicht an einer Börse oder einer anderen Handelsplattform gehandelt wird, sondern individuell zwischen Käufer und Verkäufer. Häufig werden dabei Vermittler eingeschaltet. Der OTC-Derivatehandel spielte sich daher auch ausserhalb der Kontrolle durch Aufsichtsbehörden ab. Die im August 2012 in Kraft getretene Verordnung über die europäische Marktinfrastruktur (European Market Infrastructure Regulation, EMIR) führte eine Meldepflicht für solche Geschäfte ein.

– Siehe Derivategeschäfte-Clearingpflicht, Derivategeschäfte-Meldepflicht, Gegenpartei, zentrale, Option, kommerzielle, Optionen, handelbare, Optionsschein, Over-The-Counter-Option, Verordnung über die europäische Marktinfrastruktur, Zertifikateschneider.

– Vgl. Jahresbericht 2012 der EZB, S. 145 (Rechtsentwicklung; Überwachungsfragen), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 75 (neuer Rechtsrahmen zur Besicherung von nicht zentral abgewickelten Geschäften wird vorgestellt) S. 163 (neue Vorgaben für OTC-Derivategeschäfte durch die novellierte DerivateV) sowie den jeweiligen Geschäftsbericht der EZB, Kapitel "Überwachung der Zahlungssysteme und Marktinfrastrukturen").

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Over-The-Counter-Option oft nur OTC-Option (so auch im Deutschen gesagt):

Option, die weder in Wertpapierform verbrieft noch an der Börse handelbar ist (an option which is traded in the over-the-counter market, is not listed on an options exchange and does not have standardised terms). Entsprechende Verträge werden ausserbörslich zwischen Schreiber und Käufer über Telekommunikationssysteme ausgehandelt. Ihre Aufhebung (offsetting; Glattstellung) vor dem Verfalltag bedarf eines entsprechenden Gegengeschäftes zwischen denselben Parteien (as opposed to a listed stock option, the OTC option has a straight link between buyer and seller, has no secondary market, and has no standardisation of striking prices and expiration dates. OTC transactions take place in general electronically or over the telephone). - OTC-Optionen mit Edelmetallen und Währungen als Basiswert werden manchmal auch als Standardprodukte öffentlich angeboten. Daneben gibt es für einzelne Anleger besonders geschaffene Optionen (tailor-made OTC options). Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich führt - bis anhin im Dreijahres-Rhythmus - Erhebungen über den Umfang der Geschäfte durch und veröffentlich diese. Die im August 2012 in Kraft getretene Verordnung über die europäische Marktinfrastruktur (European Market Infrastructure Regulation, EMIR) führte eine Meldepflicht für solche Transaktionen ein.

– Siehe Abwicklungsabteilung, Derivate, Option, kommerzielle, Optionen, handelbare, Optionsschein, Over-the-Counter Trading, Verordnung über die europäische Marktinfrastruktur, Zertifikateschneider.

– Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S, 14 f. (Unklarheiten bezüglich des Risiken), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 126 f. (Rückstauquoten bei OTC-Derivaten), Finanzstabilitätsbericht 2011, S. 43 f. (Intransparenz des OTC-Handels allgemein und der ausserbörslichen Derivatemärkte im Besonderen), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 92 ff. (intransparenter ausserbörslicher Derivatemarkt birgt Risiken).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Over-the-Counter Trading (so auch im Deutschen, daneben ausserbörslicher Handel):

Alle Formen von Geschäften auf dem Finanzmarkt, die nicht über eine Börse laufen (all methods of trading that do not involve a regulated market; in over-the-counter transactions participants trade directly with each other, usually through telephone or computer links).

– Siehe Ausserbörslich, Dark Pool, Derivategeschäfte-Clearingpflicht, Derivategeschäfte-Meldepflicht, Handelsplattform, Markt, dritter, Nachhandelstransparenz, Over-The-Counter-Derivat, Over-The-Counter-Option Telephonhandel.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 92 ff. (intransparenter ausserbörslicher Markt vor allem für Derivate birgt hohe Risiken), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2013, S. 63 (Verschiebungen im OTC-Handel hin zu zentralen Gegenparteien).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen