Versicherungsoptimierer.net - Finanzlexikon - M

Finanzlexikon - M

M1 (M1):

Nach der Definition der EZB

1. Bargeld (banknotes and coins; Noten und Münzen) sowie

2. Guthaben, die ohne weiteres in Bargeld umgewandelt (overnight deposits; täglich fällige Einlagen) oder

3. für bargeldlose Zahlungen eingesetzt werden können.

– M1 macht im Eurogebiet rund vierzig Prozent an M 3 aus, gilt als sehr zinsempfindlich und spiegelt hauptsächlich die Eigenschaft des Geldes als Zwischentauschmittel wieder; sprich: es besteht ein enger Bezug zwischen M1 und den tatsächlichen Ausgaben.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 1999, S. 15, Monatsbericht der EZB vom Mai 2001, S. 57, Monatsbericht der EZB vom September 2003, S. 11 (Übersicht), Monatsbericht der EZB vom Juli 2007, S. 70 ff. (Aufgliederung des Wachstums von M1; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2008, S. 17 ff. (Aussagegehalt von M1 in Bezug auf das Wachstum; Übersichten) sowie die laufende Erfassung im Anhang "Statistik des Euro-Währungs¬gebiets", Rubrik "Monetäre Entwicklungen, Banken und Investmentfonds", Unterrubrik "Geldmengenaggregate und Gegenposten" des jeweiligen Monatsberichts der EZB.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

M2 (M2):

In der Definition der EZB

1. M1 plus

2. Einlagen mit einer Laufzeit von bis zu zwei Jahren sowie

3. Einlagen mit vereinbarter Kündigungsfrist von bis zu drei Monaten.

– Je nach Geldgrad können solche Einlagen in Bestandteile der eng gefassten Geldmenge M 1 umgewandelt werden. Teilweise jedoch unterliegen sie auch Einschränkungen, wie beispielsweise einer Kündigungsfrist, Verzögerungen, Vorfälligkeits-Entschädi¬gungen oder Gebühren. - Die EZB nennt M2 auch "mittlere Geldmenge".

– Siehe M1.

– Vgl. die laufende Erfassung im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Monetäre Entwicklungen, Banken und Investmentfonds", Unterrubrik "Geldmengenaggregate und Gegenposten" des jeweiligen Monatsberichts der EZB.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

M3 (M3):

In der Definition der EZB

1. M2 plus

2. die von Monetären Finanzinstituten ausgegebenen Instrumente mit Marktfähigkeit. Hierzu zählen insbesondere Geldmarktfonds-Anteile, Geldmarktpapiere und Repo-Geschäfte. Aufgrund des hohen Liquiditätsgrades und der Kurssicherheit dieser Instrumente handelt es sich bei ihnen um enge Substitute für Einlagen.

– Die EZB nennt M3 auch "weit abgegrenzte Geldmenge" und gibt für das Wachstum von M3 einen Referenzwert vor.

– Siehe Aggregate, monetäre, Geldmenge, M1, Schwankungen, niederfrequente, Zwischenparken.

– Vgl. die laufende Erfassung im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Monetäre Entwicklungen, Banken und Investmentfonds", Unterrubrik "Geldmengenaggregate und Gegenposten" des jeweiligen Monatsberichts der EZB, Monatsbericht der EZB vom Februar 1999, S. 35 (Definitionen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2001, S. 41 ff., Jahresbericht 2001 der EZB, S. 18 f. (Veränderungen der Berechnung im Zuge der Umstellung auf den EUR), Monatsbericht der EZB vom März 2002, S. 22 ff. (dort auch Zahlenreihen), Monatsbericht der EZB vom Mai 2001, S. 9 ff., S. 44 ff. (wichtige Definitionen; S. 50 f.: Vorlaufeigenschaft von M3 für die zukünftige Preisentwicklung), Monatsbericht der EZB vom November 2001, S. 12 ff. (wegen der Berechnung), Monatsbericht der EZB vom September 2003 (Neuerungen in der Statistik), Geschäftsbericht 2003 der Deutschen Bundesbank, S. 35, Monatsbericht der EZB vom Januar 2004, S. 12 ff. (Vergleiche zu anderen Währungsräumen), Jahresbericht 2004 der EZB, S. 27, Monatsbericht der EZB vom September 2005, S. 22 (Einfluss der Kreditverbriefung auf M3), Jahresbericht 2005 der EZB, S. 31 f. (feingliedrige Analyse), Monatsbericht der EZB vom August 2006, S. 17 ff. (Zeitreihen über sektorale Bestände und aufgeschlüsselt nach Einlagen auf einzelne Finanzinstrumente), Geschäftsbericht 2006 der Deutschen Bundesbank, S. 37 (Entwicklung im Vergleich zum Referenzwert, 2001-2007), Monatsbericht der EZB vom Juli 2007, S. 59 f. (langfristiger Kausalzusammenhang zwischen M3 und der Inflationsrate), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2008, S. 47 (Aufgliederung der Jahreswachstumsrate von M3 seit 2006), Geschäftsbericht 2008 der Deutschen Bundesbank, S. 39 f. (Wachstum von M3 zwischen 2003 und Frühjahr 2009; Übersicht), Geschäftsbericht 2009 der Deutschen Bundesbank, S. 44 (Entwicklung von M3 im Eurogebiet 2003-2010), Monatsbericht der EZB vom März 2011, S. 27 ff. (Zunahme von M3 seit 2005; Aufschlüsselung der Wachstumsgrössen; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2011, S. 28 (Hauptkomponenten von M3 seit 2004), S. 33 (Gegenposten zu M3).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Maatschaftsgeld (partnership capital; company capital share):

In der älteren Finanzsprache

1 das Vermögen einer Maatschaft (= Zusammenschluss mehrerer Personen zur Erreichung eines wirtschaftlichen Erfolgs; corporation).

2 Die jeweilige Kapitaleinlage (share), die ein Maat (= Gesellschafter; partner) einbringt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Machbarkeitsstudie (feasibility study):

1 Allgemein die vorgängige Prüfung der technischen und wirtschaftlichen Durchführbarkeit eines Vorhabens (an investigation into a proposed plan or project to determine whether and how it can be successfully and profitably carried out).

2 Bei einem Institut die vorläufige Untersuchung, ob sich eine neue Geschäftstätigkeit

1. gewinnbringend umsetzen lässt und

2. aufsichtsrechtlich unbedenklich ist.

3 In Bezug auf Fusionen und Übernahmen ein Gutachten (expertise) hinsichtlich der (kartell)rechtlichen Zulässigkeit, der Risiken und der Erfolgsaussichten (prospects of success) eines Unternehmenskaufs.

– Siehe Due Diligence, Earn-out Klausel, Legal Opinion, Übernahmerisiken.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Madergeld auch Mahdergeld (cutting pay; cutting soccage emancipation payment):

1 Früher die Bezahlung für einen Mader (Mahder = Mäher; auch Gräser genannt; reaper: a person who cuts and collects crops), der sich oft als Tagelöhner (Lidl; daytaller = day-labourer: one who works by the day and usually applied to a farm labourer) bei landwirtschaftlichen Betrieben mit grösseren Erntefläche verdingte.

2 Zahlung zur Ablösung der Pflicht, für die Herrschaft Gras und Getreide mähen zu müssen.

– Siehe Dispensationsgeld, Frongeld, Lidlgeld, Urbarium.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Madoff-System (Madoff system):

Der im Dezember 2008 verhaftete amerikanische weltweit bekannte Finanzmann Bernard Madoff - dieser war massgeblich am Aufbau der Technologiebörse Nasdaq beteiligt; zeitweise war er deren Verwaltungsratsvorsitzender - schüttete jahrelang den Anlegern seiner verschiedenen Fonds angebliche Gewinne von etwa elf Prozent aus, die er jedoch gar nicht erwirtschaftete. Vielmehr wurden Einzahlungen von Neukunden an Altkunden weitergeleitet. - Dieses Schneeballsystem flog auf, als infolge der Finanzkrise im Herbst 2008 die Neukunden ausblieben. Madoff hatte bis dahin die unvorstellbar hohe Summe von 50 Mia USD bei Privathaushalten, Kapitalverwaltungsgesellschaften und sogar Grossbanken eingesammelt, unter anderem bei der französischen BNP Paribas, der schweizerischen UBS und der spanischen Banco Santander. Bitter war, dass durch Madoff namhafte jüdische Stiftungen ihr Vermögen verloren, misslich auch, dass nur zwei Monate nach der Insolvenz der weltweit tätigen Bank Lehman Brothers eine antisemitische Welle losgetreten wurde, die alle Finanzleute jüdischen Glaubens unter Generalverdacht stellte. - Nach diesem Skandal wurde gefragt, warum dieser Betrug nicht früher aufflog, obschon bereits seit 1999 Kritiker öffentlich darauf hinwiesen und allen zugänglichen Artikeln nachrechneten, dass die angebliche Anlagestrategie von Madoff - Aktieninvestments gekoppelt mit Optionen - nie und nimmer so hohe Erträge bringen kann.

– Siehe Pyramide, Vertrauen, Verschwörungstheorien.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 41 (CESR koordiniert den Informationsaustausch im Madoff-Fall), S. 194 (Investmentfonds von dem Madoff-Betrug betroffen), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 40, S. 218 (Umfrage über die Schäden aus dem Madoff-Betrug), S. 88 (Lehren aus dem Madoff-Betrug).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mahngebühr (arrears fee, dunning charge):

Zahlung, die ein Schuldner in Verzug (debtor in default) zu leisten hat für die Aufwendungen in Zusammenhang mit der Mahnung (reminder, dunning). Die Rechtsprechung hat im Einzelnen festgelegt, welche dem Gläubiger entstandene Kosten in die Mahngebühr eingerechnet werden dürfen, wie etwa Gebühren eines Anwalts oder Auslagen für ein Inkasso-Bureau.

– Siehe Geldvergessliche.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mailbomber (mail bomber):

Im Jargon ein Mitarbeiter eines Instituts - und allgemein in einem Unternehmen -, der jede Belanglosigkeit per Rundmail verbreitet.

– Siehe Airbag, Alleskönner, Behavioural Branding, Chief Copying Officer, Fallschirmspringer, High Flyer, Kontakt-Allergiker, Krokodil, Tauchsieder, Triple A, Unfallflüchtling.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mail Shot (so auch im Deutschen gesagt):

Im Finanzbereich

1. allgemein jede schriftlichen Verbindung zu einem Kunden, und

2. im Besonderen massenweise Anschreiben an bisher noch nicht zum Kundenkreis gehörige Privathaushalte und Unternehmen, um auf die Leistungen des Instituts aufmerksam zu machen (Direktwerbung; direct mail).

– Sendet man (zunächst) nur wenige Briefe ab, um die Resonanz auf die Nachricht abzuschätzen, so spricht man meistens von Mystery Letter (Testschreiben).

– Siehe Advance Letter, Beziehungspflege, Canvassing, Cold Calling, Customasing, Käserei, Scoring, Werbebeschränkungen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Main Street (so auch im Deutschen gesagt):

Im Finanzjournalismus gesagt für

1. das Geschehen auf dem Finanzmarkt im gesamten Land, in den jeweiligen Provinzen, vor allem in den einzelnen Bundesstaaten der USA und dann

2. meistens im Vergleich bzw. Gegensatz zur Wall Street.

– Siehe Wall-Street-Main-Street-Hypothese.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Majorisierung und Stagging (stagging):

Bei der Emission von Wertpapieren mit zu erwartender eingeschränkter Zuteilung - die Nachfrage übersteigt das Angebot - geben Zeichner höhere Beträge an, um

1. die tatsächlich angepeilte Menge auch zu erhalten oder

2. um auf dem überzeichneten Markt das Wertpapier gleich wieder mit Gewinn zu verkaufen (the practice of buying initial public offerings at the offering price and then reselling them once trading has begun, usually for a substantial profit).

– Siehe Auftragsverzögerung, Konzertzeichner, Mehrzuteilungs-Option, Rebbes, Wertpapierzuteilungs-Information, Überzeichnung, Zeichnung, Zweitplazierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Makkaroni-Abwehr (macaroni defense):

Ein Unternehmen begibt Anleihen mit der Klausel, dass in Falle einer Übernahme des Emittenten diese zu sehr hohem Preis getilgt werden müssen. Die Bezeichnung knüpft an Röhrennudeln (pasta tubes) an, die sich beim Kochen in Wasser um ein Mehrfaches vergrössern (a tactic that a company may employ to prevent a takeover by issuing bonds which must be redeemed at an excessively high price if the company is taken over. The name alludes to the price of the bonds expanding like macaroni being cooked in water, thus making the deal hard to swallow).

– Siehe Aktionärstimmenjagd, Aktientausch-Übernahme, Bieter, Blitzkrieg-Übernahmeangebot, Buy out, Dekapitalisierung, Erwerbsangebot, Freier, Fusionen und Übernahmen, Greenmail, Gifttablette, Handgeld, Kriegskasse, Material-Adverse-Change-Klausel, Pac-Man-Strategie, Pflichtangebot, Raider, Ritter, weisser, Shark Watcher, Spin-off, Squeeze-out, Übernahme-Ankündigung, Übernahme-Appell.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Make-up und Makeup (so auch im Deutschen gesagt):

Im Underground Banking verbreitete Praxis, minderen Angeboten durch eine Fülle entsprechender Kunstgriffe (dodges, tricks) den Anschein erstklassiger, höchst begehrter Produkte zu verschaffen. In erster Linie gehören dazu immer wieder

1. tatsächliche, in dem meisten Fällen aber gefälschte Empfehlungen von Prominenten (Referenznennung; name-dropping),

2. die aufwendige Gestaltung (formal boasting) an sich wertloser Papiere sowie

3. reine Billigkopien.

– Siehe Dingo-Werte, Finanzgeier, Finanzmüll, Frontrunning, Geheimtip, Geldwäsche, Ghettobanking, Glamour Stocks, Hawala, High risk countries, Internet-Angebote, Kapitalmarkt, grauer, Kursmanipulation, Offshore Finanzplätze, Papiermillionär, Pump and Dump, Scalping, Schattenbankbereich, Scheintransaktionen, Winkelmakler.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Makler in älteren Veröffentlichungen auch Mäkler, Meckler, Mediator, Proxenent, Courtier und Aktionator (mediator, middleman; broker):

1 Allgemein der Vermittler einer Gelegenheit zum Abschluss von Verträgen.

2 Auf dem Finanzmarkt eine Mittelsperson, die für Rechnung des Kunden, aber in eigenem Namen gewerbsmässig an der Börse Geschäftsabschlüsse tätigt, ein Broker.

3 Auf dem Immobilienmarkt nach § 34c GO ein Gewerbetreibender, der zur Miete oder zum Kauf anstehende Wohnräume, Häuser, Grundstücke und grundstücksgleiche Rechte an Mieter und Käufer vermittelt, im Gesetz auch Nachweismakler (referral agent) genannt.

4 Ein freier Versicherungsvermittler gemäss § 42a des Gesetzes über den Versicherungsvertrag (VVG).

– Siehe Börsenmakler, Börsenmitglieder, Börsianer, Broker, Kommissionshaus, Kursmakler, Nominee, Proxenetikum, Skontroführer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Maklergebühr in älteren Dokumenten auch Mäklergebühr und Sensarie (courtage):

1 Allgemein die Zahlung für die Dienstleistung eines Vermittlers (the fee taken by a broker); in alten Dokumenten auch Maklergeld, Mäklergeld und Maklereigeld genannt.

2 Auf dem Finanzmarkt die Vergütung an den Börsenmakler für die Vermittlung von Wertpapier-Geschäften: die Courtage.

– Siehe Abschlussprovision, Bankgebühren, Billing, Broker, Courtage, Disagio, Geschäfte, provisionsabhängige, Gebühr, Marge, Makler, Pauschaltarif, Provision, Odd Lot-Zuschlag, Proxenetikum.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Maklerkammer (brokers chamber):

In Deutschland von 1896 bis zur Abschaffung des amtlichen Handels 2002 berufsständische Körperschaft für öffentlich-recht¬lich bestellte, vereidigte Kursmakler.

– Siehe Makler, Markt, amtlicher, Sensal, Skontroführer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Makrofonds (macro fund):

Ein Hedge-Fonds, der auf erwartete Veränderungen in den gesamtwirtschaftlichen Gegebenheiten ausgerichtet ist, wie etwa Wachstum des Bruttosozialprodukts, verbesserte Unit-Value-Relation oder steigender Wechselkurs (a hedge fund that specialises in strategies designed to profit from expected macroeconomic events).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Makro-Hedges (so auch im Deutschen gesagt):

Besondere Art des Hedging. Das Verlustrisiko eines Portfolios wird dabei durch gegenläufige Positionen abgesichert, ohne dass jedoch die einzelnen Geschäfte genau einander zugeordnet sind.

– Siehe Absicherung, Hedge-Accounting, Hedging, Mikro-Hedges.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2004, S. 79 (Technik des Geschäftes).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Makroprudentiell (macro prudential):

Benennung für die Aufsicht, deren Augenmerk im Besonderen auf den störungsfreien Zustand des nationalen oder globalen Finanzsystems gesamthaft gerichtet ist. - Der Ausdruck "mikroprudentiell" bezieht sich demgegenüber auf die Überwachung einzelner Institute.

– Siehe Aufsicht, makroprudentielle, Bankenaufsicht, europäische, Banking Suvervisory Committee, Committee of European Banking Supervisors ESZB-Netzwerk für makroprudentielle Forschung.

– Vgl. Jahresbericht 2010 der EZB, S. 188 f. (Vorstellung des Netzwerkes zur makroprudentiellen Forschung der EZB), Finanzstabilitätsbericht 2011, S. 79 ff. (Anforderungen an eine systemische Risiken begrenzende makroprudentielle Aufsicht; Literaturhinweise), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 87 (zur makroprudentiellen Überwachung in Deutschland), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2013, S. 41 ff. (makroprudentielle Überwachung in Deutschland: ausführliche Darstellung, in den Anmerkungen wichtige Hinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Makrostress-Test und Makrostresstest (macro level stress test):

1 Im Zuge der makroprudentiellen Aufsicht vorgenommene Einschätzung der Stressfähigkeit (resistance to market distortions of any kind) einer Bank bzw. der Institute gesamthaft. Dabei werden die Auswirkungen bestimmter Szenarien auch über den Finanzsektor hinaus auf die gesamte Volkswirtschaft oder gar auf die Weltwirtschaft beurteilet. Ziel ist es, Systemrisiken beizeiten zu erkennen.

2 Von Banken selbst durchgeführte und nach Basel-II geforderte Untersuchungen, um jederart Risiken in allen Geschäftsbereichen (business areas) aufzudecken und abzuschätzen.

– Siehe Ansteckungswirkungen, Apfelernte-Schluss, Asset Quality Review, Bankenaufsicht, europäische, Banking Supervision Committee, Comprehensive Assessment, Dominostein-Effekt, ESZB-Netzwerk für makroprudentielle Forschung, Europäischer Rat für Systemrisiken, Makroprudentiell, Pankratium, Risiko, systeminhärentes, Solvenzaufsicht, Stress-Test, Systemkonflikt, finanzmarktlicher.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 59 ff. (Bedeutung der Makrostress-Tests; Ergebnisse), S. 62 (ausführliche Erklärung des Makrostress-Tests der Aufsichtsbehörden).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mammon (mammon, pelf; boodle):

1 Abschätzige Bezeichnung für Geld Das [spät]hebräisches Wort) hat die Nebenbedeutung, dass dadurch ein Mensch vom rechten Denken und Fühlen abgebracht und vom Geld gleichsam versklavt werde. Im Neuen Testament bezeichnet Jesus an verschiedenen Stellen den Mammon in diesem Sinne gleichsam als den Gegenpol zu Gott.

2 Im engeren Sinne zunächst unredlich erworbenes Geld, dann aber auch gesagt für Geld schlechthin (boodle originally referred to ill-gotten gains, such as counterfeit notes or the proceeds of a robbery, and also to a roll of banknotes, although in recent times the usage has extended to all sorts of money, usually in fairly large amounts).

– Siehe Actus-purus-Grundsatz, Allmacht-Doktrin, Ausgangstatsache, ökonomische, Geldethik, Geldfunktionen, Geldglaube, Geldrechenhaftigkeit, Geldstolz, Misochrematie, Monetarisierung, Rebbes, Pantheismus, monetärer, Ungüter.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mammonismus (mammonism):

1 Ausdruck für die Meinung, dass Geld die alles bestimmende Wirklichkeit (determining reality) in der Welt gesamthaft sei.

2 Eine verfestigte innere Haltung (deep-routed basic attitude), gekennzeichnet durch die Ausrichtung allein auf den Besitz von Vermögen ohne Rücksicht auf andere Gegebenheiten, die Habsucht.

3 In der sozialistischen Anklageliteratur (accusatory literature) gegen die freiheitliche Wirtschaftsordnung (marked-based economy) der Vorwurf, die eigenständige Entscheidung der Privathaushalte und Unternehmen am Markt führe mit innewohnender Notwendigkeit in eine Gesellschaft, in der bald alle nur noch auf Geld und Anhäufung von Vermögen auf Kosten anderer, schwächerer Personen und Unternehmen ausgerichtet seien; in diesem negativen Sinn auch Manchestertum (mancuniasm; Mancunium = der lateinische Name für die englische Industriestadt Manchester) genannt. - Dass der Staat durch Gesetze und eigene Dienststellen - wie etwa die Aufsichtsbehörden bei Kartellen oder in Bezug auf den Finanzmarkt - einen geordneten Wettbewerb erzwingen, und dass zudem eine wachsame Öffentlichkeit allfälligen Marktmissbrauch aufdecken und anprangern werde, glaubten die sozialistischen Unkenrufer (prophets of doom) nicht.

– Siehe Actus-purus-Grundsatz, Argyromanie, Allmacht-Doktrin, Ausgangstatsache, ökonomische, Chremagogik, Geiz, Geldethik, Geldfunktionen, Geldhai, Geldquetscher, Geldraffer, Geldversessenheit, Geldquetscher, Geldraffer, Geldrechenhaftigkeit, Geldstolz, Geldverkettung, Habsucht, Harpax, Misochrematie, Mammon, Monetisierung, Pantheismus, monetärer, Rebbes, Reichtum, Sparsamkeit, Ungüter, Zentralisation, monetäre.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Managed Bank, im Deutschen manchmal auch Türschildbank (brass-plate bank):

Ein Institut, das in einem Offshore-Finanzplatz angesiedelt ist, um bestimmten Geschäften eines ausländischen Unternehmens zur Verfügung zu stehen (financial institution established in a tax haven or offshore haven to provide the needs of a corporation or a group through a subcontracted local bank). Dabei muss die Managed Bank nicht unbedingt an dem Ort konkret, dinglich zugegen sein. Oft besteht sie nur aus einem Bereich einer im jeweiligen Rechtsgebiet niedergelassenen Entität, die als Verwaltungsgesellschaft für viele ausländische Briefkastenfirmen (letterbox companies, mail-drop companies) ihre Dienste anbietet (a managed bank is not required to maintain a physical presence in the licensing jurisdiction; its presence in the licensing jurisdiction often is passive with nominee directors and officers provided by a managing trust company with an own physical presence).

– Siehe Aufsichtsvermeidung, Auslagerung, Brokergeschäft, Finanzflüchtling, International Business Company, Managed Bank, Marktmanipulation, grenzüberschreitende, Meldeverfahren, Nominee, Offshore-Booking, Outsourcing, Rechtsangleichung, Schattenbankbereich, Verlust-Tarnung, Sarbanes-Oxley Act, Zombie-Bank, Zweckgesellschaft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Managed Account (so auch im Deutschen gesagt, aber in unterschiedlicher Bedeutung):

1 Allgemein eine Geldanlage, bei der eine Bank die Einlagen der Kunden zwar selbst buchhalterisch verwaltet, jedoch bei einem anderen Institut führen lässt. Damit ist ein erhöhtes Risiko verbunden.

2 Ein Portfolio, das ein Kunde von einem gewerblich tätigen Fachmann verwalten lässt (a portfolio of assets owned by an individual investor, but the account has a professional investment manager who makes decisions to buy and to sell).

– Siehe Anlageberatung, Auslagerung, Diskretionskonto, Finanzberater, Insourcing, Kreditfabrik, Outsourcing.

– Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 127 f. (Betrugsfall Phoenix: auch von Sonderprüfung der BaFin nicht erkannt), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 129 (Urteile im Betrugsfall Phoenix), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 177 (Auslagerung bei Fondsgesellschaften; Auslagerung in einen Drittstaat).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Managementbezüge, missbräuchliche (abusive earnings management):

Zahlungen an leitende Mitarbeiter eines Instituts, die aufgrund bewusst, absichtlich falsch ausgewiesener Geschäftsergebnisse geleistet werden (pays to the management that result - by use of various forms of gimmickry - in an intentional misrepresentation of results). Vor allem die nordamerikanische Aufsichtsbehörde (Securities and Exchange Commission) hat diesen offenbar nicht seltenen Tatbestand in ihr Blickfeld einbezogen.

– Siehe Bilanzkosmetik, Bonus, Buchführung, kreative, Buchführung, manipulative, Buchungs-Tricks, Sachverhaltsgestaltung, Verlusttarnung, Vorstandbezüge.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Management Buyin, MBI (so auch meistens im Deutschen):

Der Erwerb eines in der Regel (angeschlagenen; finanicially stricken) Unternehmens durch ein Management von aussen. Zumeist unterstützt eine Bank, eine Kapitalverwaltungsgesellschaft oder eine bedeutender Investor einschliesslich einer öffentlichen Stelle den Einkauf der Führungskräfte in das Unternehmen (the purchase of a company by an outside team of managers who have found financial backers and plan to manage the business actively themselves).

– Siehe Management Buyout, Restrukturierung, Sanierung, Vulture Fund.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Management Buyout, MBO (so auch meistens im Deutschen):

Die Übernahme eines Unternehmens oder einzelner Unternehmensteile durch die leitenden Mitarbeiter des eigenen Hauses bzw. weiterer Betriebsangehörigen (a leveraged buy-out undertaken by the existing management together with some or all of the company's employees). - Alle Umstände eines solchen Besitzwechsels haben die gesetzlich zuständigen Gremien zu regeln, bei einer Aktiengesellschaft der Beschluss im Aufsichtsrat. Auch bei Banken ist es nicht Sache der Aufsichtsbehörde, entsprechende Verträge zu beurteilen, solange die aufsichtsrechtlich geltenden Vorschriften eingehalten werden. Bei Verdacht missbräuchlicher, rechtswidriger Ausgliederung bei Instituten ist die Justiz, und nicht - wie oft angenommen und häufig gefordert - die Aufsichtsbehörde zuständig.

– Siehe Asset Sales Deal, Leveraged Buy-out.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Management by Walking (so auch im Deutschen gesagt):

Ein höherer Vorgesetzter besucht Mitarbeiter spontan - also ohne vorherige Ankündigung (without prior notice) - unmittelbar an deren Arbeitsplatz. Seit etwa 2008 und wohl nicht ganz ohne Zusammenhang mit der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise hat sich dies weltweit bei Grossbanken zu einem häufig anzutreffenden Führungsstil (leadership style) entwickelt.

– Siehe Airbag, Aktenschänder, Alleskönner, Autonom agierende Einheit, Chief Copying Officer, Druckbelegschaft, Kollege Harzenmoser, Kontakt-Allergiker, Krokodil, Loch, schwarzes, Mailbomber, Selbstverwirklicher, Sitzheizung, Totholz, Triple A, Umsatzbremse, Unfallflüchtling.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Management Commentary, Management's Discussion and Analysis und Directors´ Report so auch im Deutschen gesagt; daneben Lagebericht):

Angaben, die den Jahresbericht als Teil des Finanzberichts begleiten. Hier sollen unter Zugrundelegung der Daten im Berichtszeitraum (period under review, reporting period) die Erwartungen hinsichtlich der Branchenentwicklung, der Stellung des Unternehmens im Markt sowie weitere Merkmale begründend dargelegt werden. Fernziel ist es, den Lagebericht weltweit anzugleichen.

– Siehe Ad-hoc-Mitteilung, Aussagen, zukunftsgerichtete, Informations-Überladung, Kürteil, Kursmanipulation, Sarbanes-Oxley-Act, Verständlichkeit, Vorhersagen.

– Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 58, Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 211 (Unterlassung des Management Commentary ist ein wesentlicher Fehler im Lagebericht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Management-Informationssystem, MIS (management information system):

Von der deutschen Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht im Jahr 2003 zunächst auf freiwilliger Grundlage eingerichtete Vereinbarung, derzufolge Grossbanken der Aufsichtsbehörde monatlich wichtige Posten der Rechnungslegung auf allen Ebenen zuleiten. Im Rahmen der Solvenzaufsicht kann die Aufsichtsbehörde auf diese Weise allfällige Fehlentwicklungen (disastrous trends) frühzeitig erkennen. Aus dem Vergleich der eingegangenen Zahlen vermag sie Banken vor bedenklichen Entwicklungen in deren eigenen Geschäftsbereichen zu warnen.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 110, Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 127 (neues Berichtsformat für die MIS; Verwertung der Core Information der CEBS Guidelines on Financial Reporting [FINREP] für IFRS-Abschlüsse), S. 127 (MIS für Grossbanken) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Management-Vorschriften (management standards):

Für Banken schreiben die Aufsichtsbehörden in der Regel sehr genaue Qualitätsanforderungen hinsichtlich der Organisation und der Geschäftsführung vor; vgl. für Deutschland § 24 ff. KWG. Diese Anforderungen werden von der Aufsichtsbehörde überwacht.

– Siehe Abberufungs-Verfügung, Kompetenz, fachliche, Sachkunde, Sanktionskomitee, Zwangsschliessung.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 143 (Untersagungsverfügung wegen organisatorischer Mängel).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Manager-Umsiedlung (transfer of managers):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter die Sitzverlagerung von Spitzenverdienern aus der Finanzbranche von einem Land mit ungünstigen Umständen - wie vor allem schlechte Infrastruktur, politische Unsicherheit, bankenfeindliche Öffentlichkeit, hohe Steuern - in ein anderes Land, von wo aus dann die Geschäfte geführt werden. - So hatte die britische Regierung im Dezember 2009 eine Steuer von fünfzig Prozent auf die Boni aus dem Jahr 2009 ab einer gewissen Höhe verfügt. Daraufhin verlagerten in London ansässige Institute - allein die US-Bank Goldman Sachs beschäftigte zum Jahresbeginn 2010 um die 5'000 Mitarbeiter in der britischen Hauptstadt - zunächst einmal das Spitzenmanagement (top management) in die Schweiz. Die Umsiedlung weiterer gutverdienender Mitarbeiter (higher-income earners) wurde vorbereitet. Angeblich hatte vor allem der Kanton Genf zielstrebig versucht, solche Umsiedlungen zur Weltstadt an der Rhône für die Banker verlockend zu machen.

– Siehe Anwerbegeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Manifestgeld (manifest fee):

In der Regel im Frachtgeld enthaltener Ersatz für die Kosten des Manifestes, nämlich des Ladungsverzeichnisses, das der Zollbehörde vorzulegen ist (the customs document listing the contents put on a ship).

– Siehe Fährgeld, Furtgeld, Hafengeld, Halage, Ladegeld, Kalfatergeld, Kapplaken, Krangeld, Leichtergeld, Liegegeld, Pratikageld, Reedergeld, Sperrfrachtgeld, Tonnengeld, Transitgeld, Wartegeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Manifestierung und Patefaktion (affidavit of means, oath of disclosure):

In der älteren Finanzsprache regelmässig in der Bedeutung "den Offenbarungseid leisten" gebraucht.

– Siehe Bankrott, Insolvenz, Konkurs, Zahlungsunfähigkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Manipulationsfonds (fund for manœuvre purposes):

Allgemein ein angesammeltes und leicht liquidisierbares (easily liquidatable; rasch in Bargeld umzuwandelndes) Vermögen (reserve for manœuvre purposes, working reserve), um erforderlichenfalls (should the occasion arise) auf einem Markt als Käufer auftreten zu können, etwa als Unternehmen für eigene Titel; als Staat oder als Zentralbank für die eigene Währung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Männerdomäne (masculine domain):

In Bezug auf die Finanzbranche gesagt von der Tatsache, dass dort in den führenden Positionen fast ausschliesslich Herren und bis anhin so gut wie keine Damen tätig sind. Männern glaubt man jedoch eine bei weitem höhere Risikobereitschaft zuschreiben zu können als Frauen. Dass es in der Finanzbranche immer wieder zu sehr heftigen Ausschlägen durch waghalsige Geschäfte gekommen ist, schreiben Finanzpsychologen daher auch diesem Umstand zu. - Andere bestreiten, vor allem mit Hinweis auf fehlende beweisende Studien, jederart Zusammenhang zwischen Geschlecht und Risikoneigung.

– Siehe Feminisierung, Finanzpsychologie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Manubien (freebooting profit):

In der älteren Literatur Geld, das aus dem Verkauf von Kriegsbeute (war booty und war loot: treasures, valuables and property acquired by force from their lawful owners via looting during or after warfare) erlöst wurde.

– Siehe Brandschatzgeld, Friedensgeld, Kontribution, Marschroutengeld, Obristen-Darlehn, Ranzion, Satisfaktionsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Manzipation (mancipation, delivery):

In älteren Dokumenten allgemein die Aushändigung einer Urkunde und im Besonderen die gegenständliche Übergabe eines Papiers an den Kunden durch die Bank.

– Siehe Übertragungsurkunde.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Marathon-Anleihe (marathon bond; marathon = here: any long-distance undertaking):

Anleihen mit einer sehr langen Laufzeit; wenn nicht anders definiert, von fünfzig Jahren.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2005, S. 39.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Marge (margin):

1 Die Preisspanne zwischen Ankauf und Verkauf eines Vermögenswertes (the difference between the buying-in-price and selling price of an asset).

2 Der Abstand zwischen Ausgabekurs und Tagespreis eines Wertpapiers (the difference between the issue price and the current price of a paper).

3 Der Unterschied zwischen dem Kassapreis und dem Terminpreis einer börsengehandelten Ware (the difference between the spot price and forward price quoted for a commodity).

4 Bareinzahlung bei Wertpapierkäufen auf Kredit, die an manchen Börsen zur Sicherung der Forderungen aus Termingeschäften zu hinterlegen ist (the amount of money required for an investment in securities purchased on credit).

5 Sicherheitsleistung (security; Kaution) bei einer Terminposition, die Margendeckung (a collateral that the holder of a position in securities, options, or futures contracts has to deposit to cover the credit risk of his counterparty, most often his broker).

6 Die Gewinnspanne (profit margin) einer Bank; im grossen Ganzen der Unterschied zwischen den Zinssätzen im Einlagengeschäft und Kreditgeschäft.

– Siehe Bankgebühren, Courtage, Billing, Deduktion, Entgelt, Fristentransformation, Kreditaktien, Margendeckung, Margendruck, Mindesteinschuss-Sätze, Pauschaltarif.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2006, S. 15 ff. (Entwicklung der Margen bei deutschen Banken seit 1999; sehr viele Übersichten und feingegliederte Statistiken) sowie den jeweiligen Septemberbericht der Deutschen Bundesbank.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Margenausgleich (margin call):

1 Ein Verfahren im Zusammenhang mit der Anwendung von Schwankungsmargen. Dabei können die Zentralbanken, falls der regelmässig ermittelte Wert der Sicherheiten unter eine bestimmte Grenze fällt, die Geschäftspartner auffordern, zusätzliche Sicherheiten oder Barmittel zur Verfügung zu stellen. - Umgekehrt gibt die Zentralbank überschüssige Sicherheiten oder Barmittel an den Geschäftspartner zurück. Dies geschieht immer dann, wenn der Wert der Sicherheiten nach einer Neubewertung den Betrag, welchen die Geschäftspartner schulden, zuzüglich der Schwankungsmarge übersteigt.

2 Eine Nachschuss-Aufforderung (demand for additional payment, when an investor looks like it may make a loss).

– Siehe Barausgleich, Kaltstellung, Nachschuss-Aufforderung, Nachschuss-Vereinbarung, Repo-Geschäft.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Oktober 2007, S. 93 ff. (Vergleich der Regelungen für Sicherheiten bei der EZB mit USA und Japan; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Margendeckung (margin securities):

In Zusammenhang mit Optionsgeschäften die Verpflichtung für den Schreiber einer Option, innert der gesamten Laufzeit entweder die entsprechende Anzahl Basiswerte oder andere Sicherheiten bei seiner Bank zu hinterlegen. Erweist sich die Margendeckung aufgrund von Marktpreisänderungen als nicht mehr ausreichend, so kann die Bank weitere Sicherheiten verlangen (Nachschuss-Marge; margin call). - Die Höhe der bei Futures-Kontrakten geforderten Margendeckung wirkt sich unmittelbar auf die Marktliquidität aus. Niedrige Margin-Zahlungen bedeuten nämlich einen niedrigeren Kapitalbedarf, der zum Abschluss und zur Aufrechterhaltung einer Futures-Position notwendig ist. - In Zeiten beträchtlicher Volatilität besteht die Gefahr, dass Investoren eine entsprechend sehr hoch angesetzte Nachschuss-Marge nicht zahlen können. Sie werden

1. zur Aufgabe ihrer Futures-Positionen gezwungen,

2. das Angebot auf dem Markt steigt und

3. die Kurse sinken unter Umständen ruckartig, was

4. einen Crash einleiten kann.

– Siehe Anfangsmarge, Barausgleich, Bareinlage, Brady-Kommis¬sion, Futures-Märkte, Leverage-Theorie, Marge, Margenausgleich, Nachschuss-Auffor¬derung, Nachschuss-Schwelle, Nachschuss-Vereinbarung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Margendruck (margin pressure):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter einen Tiefstand (low level) der Erträge im Bereich der Banken eines Landes, ausgelöst in erster Linie durch starken Wettbewerb zwischen den Instituten. - Wenn aber Banken in ihrem angestammten Geschäftsbereich (line of business) kaum noch kostendeckend (hardly ever cost-covering) arbeiten, dann wenden sie sich erfahrungsgemäss Geschäften mit mehr Risiko (more risky engagements) zu. Das erhöht die Verwundbarkeit gegenüber Schocks aller Art. - Aus dieser Tatsache wird gefolgert, dass wenige, aufeinander abgestimmte Institute (collusive oligopoly: ein in stillem Einverständnis handelndes Oligopol; die grossen Anbieter sprechen sich hinsichtlich der Preise ab) für den Finanzmarkt eines Landes von Vorteil seien. Als Beispiel wird Kanada angeführt. Die fünf grossen, landesweit tätigen Geldhäuser sind gut kapitalisierte Universalbanken, die alles aus einer Hand anbieten: von Darlehn über den Wertpapierhandel bis zur Vermögensverwaltung. Sie wurden von der Subprime-Krise und der nachfolgenden Finanzkrise kaum berührt.

– Siehe Bankgebühren, Courtage, Billing, Deduktion, Entgelt, G-Sifi, Marktabsprache, Marktbereinigung, bankliche, Pauschaltarif.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 50 f. (veränderte Geschäftspolitik bei Margendruck).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Maritagium (maritagium):

1 Das Geld bzw. die Gütermasse, die eine Braut in die Ehe einbringt (money or property which was given with a daughter in marriage); die Aussteuer, die Mitgift.

2 In älteren Dokumenten auch die Zahlung an den Grundherrn für die Ausheirat einer weiblichen Person, eine Heiratsabgabe von Hörigen. Denn verliess die Tochter eines Vasallen den Feudalverband (feudal system or manorialism: the contractual relationship between a lord and his vassals; its basic element was the manor [Landgut], a self-sufficient [selbstversorgendes] country estate, or fief [Lehensgut], that was under the control of a lord who enjoyed a variety of rights over it and the peasants attached to it), so ging eine Arbeitskraft verloren.

– Siehe Brautgeld, Hielichgeld, Hochzeitsgeld, Kranzgeld, Paraphernalgeld, Vokationsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mark (mark; Achtung: im Amerikanischen oft auch mark = thousand!):

Währungseinheit in Deutschland von 1871 bis zur Währungsunion 1999. Der Name leitet sich aus einem mit einem Stempel (checkmark; Kontrollmarke) versehenen Metallbarren her. Zuvor war die Mark schon in Teilstaaten Grundeinheit. Die Kölner Mark zu 233,85 g Silber schuf bereits im Mittelalter ein Vorbild für viele andere spätere Markstücke. - Die Mark Banko hatte als Verrechnungsgeld von Hamburg aus Bedeutung gewonnen. - Die preussische Mark wurde 1838 zur sog. Münzmark des Deutschen Zollvereins, ein Zusammenschluss deutscher Bundesstaaten für den Bereich der Zoll- und Handelspolitik; der Zollvereinigungsvertrag trat am 1. Januar 1834 in Kraft.

– Siehe Goldmark, Halling, Münzfuss, Reichsmark, Ort, Pfennig, Taler, Währungsreform.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Marke in älteren Dokumenten auch Marque (bon, ticket; postal stamp; game token, counter, food stamp; brand mark, trade mark; grade; purchase voucher; hallmark; mark):

1 Ein Beleg für

1. einen anvertrauten Gegenstand, wie eine Garderobenmarke (cloakroom ticket) oder

2. etwas Bezahltes, wie etwa beim Zutritt in eine Veranstaltung als Quittung für die Eintrittsgebühr (a voucher to indicate that one has paid for admission to an event or establishment).

2 Ein Postwertzeichen, eine Freimarke, eine Briefmarke (adhesive paper evidence of a fee paid for postal services).

3 Spielgeld, ein Jeton, in der Regel in Form eines griffigen Stücks Metall oder Plastik.

4 Ein Gutschein zum Bezug von Waren; ein einzelner Abschnitt auf der Zuteilungskarte (Lebensmittelkarte; food ration card), vor allem von Nahrungsmitteln und Textilien in einer Zwangswirtschaft (a stamp or similar paper document issued to be exchanged in shops for food, or, by extension, for other essential provisions, notably in a rationing system).

5 Ein besonders geschütztes Zeichen, ein Wahrzeichen, ein Symbol in Wort oder/und Bild: ein Markenzeichen, wie etwa der rote Schriftzug "Sparkasse": ein Gütezeichen, ein Logo (logo), das für ein Unternehmen steht mit dem Zweck, das eigene Gut als Ware oder Leistung von Angeboten der Wettbewerber zu unterscheiden (a name, symbol, or other device identifying a product, officially registered and legally restricted to the use of the owner or manufacturer). Bezieht sich dies im Besonderen auf ein einzelnes Produkt, so spricht man auch von Individualmarke (single tag), etwa "Persil" für ein Waschmittel (washing agent) der Firma Henkel.

6 Bezeichnung, Benennung einer besonderen Warensorte (a distinctive category a particular kind of a good), etwa Bestmarke (best grade), Markenware (branded goods).

7 Im Zuge der Sozialpolitik an Privathaushalte ausgegebener Bon (voucher; Wertgutschein) der in bestimmten Geschäften zum Kauf von Lebensmitteln eingelöst werden kann, ein Kaufgutschein.

8 Von öffentlichen Stellen und Unternehmen ausgegebenes Notgeld.

9 Eine Einprägung (Punzierung; impression), vor allem als Feingehalts-Stempel bei Barren (ingots) und Waren aus Edelmetall, aber auch bei anderen Produkten wie Lederwaren (leather goods).

10 Lage, Rang, Stand, Stellung als Platz in einer Reihenfolge (a number, letter, or symbol used to indicate various grades of achievement).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Market-if-touched Order, oft auch MIT-Order und Board Order (so auch im Deutschen gesagt):

Der Auftrag zum Kauf oder Verkauf eines Vermögenswertes, sobald ein vertraglich festgelegter Kurs bzw. Preis erreicht wird (a conditional order that becomes a market order when a specified price is reached).

– Siehe Ausführung, vollständige, Fill-or-kill Order, Order, tagesgültige.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Market Impact (so auch im Deutschen gesagt, aber in unterschiedlicher Bedeutung):

1 Auf Börsen allgemein und auf Wertpapierbörsen im Besonderen eine durch die Tätigkeit als Käufer/Verkäufer ausgelöste Kursbewegung (the effect that a market participant has when it buys or sells an asset; it is the extent to which the buying or selling moves the price against the buyer or seller, i.e. upward when buying and downward when selling). Solche Wirkungen treten vor allem auf, wenn umfangreiche, schnell auszuführende Orders erteilt werden.

2 Die Auswirkung einer politischen Massnahme auf den Marktablauf gesamthaft oder auf einzelne Branchen (the effects on market processes of a policy decision).

– Siehe Börsenliquidität, Dominostein-Effekt, Iceberg Order, Karten-Stapel, Stimmungs-Umschwung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Market Maker (so auch im Deutschen gesagt, neuerdings auch mit Marktmacher übersetzt):

Personen bzw. Unternehmen, welche an den Finanzmärkten fortdauernd ihre Bereitschaft anzeigen, durch den An- und Verkauf von Finanzinstrumenten unter Einsatz des eigenen Kapitals Handel für eigene Rechnung zu den von ihr gestellten Kursen zu betreiben (an operator which supplies prices for an asset traded on a particular financial market and is prepared to buy or sell at those stated bid and ask prices). - Als im Zuge der sich zur weltweiten Finanzkrise ausgeweiteten Subprime-Krise es im Herbst 2008 zum Zusammenbruch des Geldmarktes kam - der Interbankenmarkt trocknete nahezu völlig aus; die Banken legten ihr Geld lieber zu sehr geringem Zinssatz bei der EZB an anstatt es zu einem höheren Zinssatz an andere Institute zu verleihen- , da mussten die Zentralbanken ungewollt die Rolle des Marktmachers auf dem Geldmarkt übernehmen.

– Siehe Gegenpartei, zentrale, Markt, aktiver, Marktfähigkeit, Marktwirksamkeits-Annahme.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2008, S. 21 ff. (Stellung des Marktmachers; Probleme).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Market Timing (so auch meistens im Deutschen gesagt):

1 Der Versuch, die künftige Entwicklung auf dem Finanzmarkt bzw. an der Börse abzuschätzen, in der Regel mit Hilfe der technischen Analyse und Charts, verknüpft oft auch mit ökonomischen Grunddaten (activity in attempting to predict the future direction of the market, typically through the use of technical indicators or/and economic data).

2 Der häufige Einstieg und Ausstieg aus einem Markt mit dem Ziel, Kursgewinne mitzunehmen, Kursverluste aber zu vermeiden (a strategy of moving in and out of a given market in order to take advantage of the market's positive, bullish, and negative, bearish, trends).

3 Der Umstieg von einem Anlagegegenstand in einen anderen, um einen höchstmöglichen Gewinn einzufahren. Für ein solches Vorgehen gibt es zahlreiche, zumeist stark mathematisierte Anleitungen, von denen sich jedoch keine bis anhin in der Praxis dauerhaft bewährte (moving between securities or asset classes, e.g. back and forth between cash and mutual funds, in an attempt to capture maximum portfolio returns. Numerous methods for timing have been devised, but no one method has ever been consistently successful over the long term).

4 Missbräuchliche Markttaktik, bei der Investoren mit Hilfe besonderer Computerprogramme für bloss sehr kurze Zeit - oft nur einige Sekunden - in einen Investmentfonds einsteigen und gleich wieder aussteigen, um Preisunterschiede in verschiedenen Zeitzonen zu nutzen (time zone spanning arbitrage; Zeitzonenarbitrage). Dies wurde von den Aufsichtsbehörden mehrfach durch Moral Suasion gerügt, aber bis anhin (wegen des sehr hohen Kontrollaufwandes) offenbar noch immer nicht völlig unterbunden.

– Siehe Agiotage, Devisenhandel, computerisierter, Markt, aktiver, Late Trading, Straitjacking.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 180 (Wohlverhaltensregeln).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Markets in Financial Instruments Directive, MiFID (so auch meistens im Deutschen; manchmal auch: EU-Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente):

Von der EU-Kommission zum Zweck der Integration der Finanzmärkte der Mitgliedsländer erarbeitete Richtlinie; diese musste ab November 2007 in nationales Recht umgesetzt sein; in Deutschland geschah dies durch das Finanzmarktrichtlinie-Umsetzungsgesetz (FRUG). Es handelt sich dabei gleichsam um ein Grundgesetz für alle Finanzdienstleister mit weitreichenden Folgen für jedes einzelne Institut; praktisch sind alle Geschäftsfelder und jederart Dienstleistungen geregelt.

– Siehe Financial Services Action Plan, Finanzmarktrichtlinie-Umsetzungsgesetz, Goldplating, Rechtsangleichung.

– Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 39 ff., S. 43 f., Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 32 (neuere Entwicklung; Vorschläge), S. 143 f. (Finanzmarktrichtlinie-Umsetzungsgesetz, FRUG), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 107 f. (wesentliche Inhalte des FRUG) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Geschäftsbericht 2007 der Deutschen Bundesbank, S. 95/99 (Umsetzung der MiFID), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 12 f. (Inkrafttreten der FRUG), S. 46 f. (MiFID-Datenbank; Datenaustausch; weitere Arbeiten), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 59 (Auswirkungen der MiFID auf die Sekundärmärkte von Aktien), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 91 (EU-Kommission legt Bericht über Novellierung der MiFID vor), Jahresbericht 2012 der EZB, S. 134 (Neufassung der Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 63 f. (Einzelfragen der Überarbeitung; künftige Ergänzungen), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 164 f. (harzige Trilog-Verhandlungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Markt (market):

1 Jederart Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage nach Waren, Zahlungsmitteln und Dienstleistungen. Vorausgesetzt wird dabei für den Normalfall, dass die Käufer und Verkäufer das Geschehen klar überblicken: dass sie Markttransparenz besitzen.

2 Die tatsächlichen Gegebenheiten oder die begründeten Aussichten für den Absatz eines Gutes (the actual or estimated level of sales for a product or service).

3 Personengruppe der am Finanzmarkt Handelnden, und in diesem Sinne häufig von Finanzjournalisten gebraucht ("der Markt ist der Ansicht, dass...").

– Siehe Marktabsprachen, Marktanomalie, Marktfähigkeit, Marktkräfte, Marktmechanismus, Marktversagen, Marktwirksamkeits-Annahme, Politikverzug, Systemkonflikt, finanzmarktlicher, Zufall, Zyklik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Markt, aktiver (activ market):

1 Begriff aus IAS (36.6, 38.7 und 41.8). In Bezug auf ein Finanzinstrument nach IAS 39 Angebot und Nachfrage unter der Voraussetzung, dass

1. Käufer und Verkäufer in der Regel jederzeit zusammenkommen können,

2. der sich ergebende Preis leicht und regelmässig (readily and regularly) von einer Börse, einem Händler oder Broker, einer Wirtschaftsvereinigung (industry group), einer Finanzservice-Agentur - etwa Reuters, Bloomberg - oder einer Aufsichtsbehörde verfügbar ist und

3. der angegebene Preis tatsächliche und regelmässig stattfindende (actual and regulary) Marktumsätze widerspiegelt.

2 Ein Handelsplatz, auf dem viele Umsätze getätigt werden (a market in which there is much trading).

– Siehe Friedhof-Markt, Kursmanipulation, Marktmacher, Prearranged Trading, Schlangenhandel, Wash Sales.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Markt, amtlicher (official market):

In der Börsenordnung genau umschriebenes Segment an deutschen Börsen; bis 2002 amtlicher Handel (official trade) genannt; vgl. § 29 ff. BörsG. Die im amtlichen Markt gehandelten Wertpapiere müssen in allem den Anforderungen der Europäischen Wertpapier-Dienstleistungs-Richtlinie genügen. Zudem ist bei der Börseneinführung ein von der Aufsichtsbehörde genehmigtes Prospekt zu veröffentlichen. - Am 1. November 2007 wurde die bis dahin bestehende Unterteilung der organisierten Zulassungssegmente in den amtlichen Markt und geregelter Markt aufgehoben.

– Siehe Markt, regulierter, Börsenzulassungsprospekt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Markt, auktionsbestimmter (auction market):

Handel, bei dem der Preis des Gutes durch das Zusammenspiel freier Entscheidungen der Käufer und Verkäufer zustande kommt, wie bei der Börse oder einer Versteigerung (market in which the prevailing price is determined through the free interaction of potential buyers and sellers, as on the floor of the stock exchange).

– Siehe Auktion, Festpreisverfahren, Tenderverfahren, Versteigerer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Markt, behaupteter (steady market):

An der Börse dann gesagt, wenn bei Börsenschluss die Kurse fest notieren, und diese auch bei Angebotsüberhang nicht oder nur sehr gering nachgeben (the quotations have remained relatively unchanged during the past trading day).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Markt, digitaler (digital market):

Wenn nicht anders definiert die Möglichkeit, auf einer einheitlichen Rechtsebene (uniform level of rights) Käufe und Verkäufe samt Zahlungen in digitaler Form (able to generate, record, process, receive, or display information that is represented in discrete numerical) tätigen zu können. - Mitte 2014 zeigte sich in der EU noch ein Gewirr von achtundzwanzig verschiedenen juristischen Regelungen, im Besonderen auch in Bezug auf wichtige Dinge wie Datenschutz, Haftung der Online-Vermittler und die Anerkennung elektronischer Verträge (legal recognition of electronic contracts, including electronic writing, electronic signatures and original information in electronic). Ein einheitlicher digitaler Markt in Europa würde das Bruttosozialprodukt der EU gesamthaft nach mehreren verlässlichen Berechnungen um etwa vier Prozent anwachsen lassen.

– Siehe E-Geld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Markt, dritter (third market):

Ausserbörslicher Handel mit Papieren, im engeren Sinne mit börsenzugelassenen Aktien, zwischen Entitäten mit hohem und zumeist auch stetigem Anlagebedarf, vor allem Firmenfonds, Kapitalverwaltungsgesellschaften, Versicherungen, Pensionsfonds und grössere Stiftungen (over-the-counter market trading of securities - and particularly of listed shares - by institutional investors and non-exchange-member broker/dealers; transaction sizes are usually large).

– Siehe Anleger, institutionelle, Geldmarkt-Segmente, Handelssystem, alternatives, Interbanken-Geldmarkt, Over-the-Counter Trading, Short-Term European Papers.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2008, S. 72 ff. (Übersicht der Umsätze in den einzelnen Segmenten des Geldmarktes seit 2000).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Markt, enger (narrow market, thin market):

1 Allgemein ein Handelsplatz, auf dem nur wenig Umsätze stattfinden (a market where there is very little trading going on).

2 An der Börse gesagt, wenn überhaupt nur wenige Stücke eines Titels handelbar sind. Die Nachfrage nach nur schon einer einzigen Aktie führt in diesem Fall regelmässig zu einer ungewöhnlich hohem Anstieg des Kurses (a market segment characterised by low liquidity, high spreads, and high volatility; small changes in supply and/or demand, therefore, can have a remarkable impact on market price). - Dies wiederum nutzen unsolide Börsenbriefe und Betreiber entsprechender Internet-Foren sowie bestechliche Blogger aus. Sie sagen hohe Gewinne bei diesem Papier voraus. Dann kaufen sie eine Aktie in dem engen Markt und führen den dadurch erzeugten Kurssprung als Beweis ihrer besonderen Marktkenntnis an. - Die Aufsichtsbehörden sind gegen diese Art der Kursmanipulation machtlos. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht verweist aber bei bezüglichen Verbraucherbeschwerden auf die von ihre verwaltete und über das Internet öffentlich zugängliche Stimmrecht-Datenbank. Dort kann sich jeder Anleger über die Mehrheitsverhältnisse bei Aktiengesellschaften und damit auch über die Marktbreite (breadth of market) unterrichten.

– Siehe Festbesitz, Hockeyschläger-Angebot, Markt, liquider, Marktmanipulation, Schrankpapier.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Markt, grauer (grey market; restricted securities market):

1 Auf den Finanzmärkten

1. Transaktionen mit Finanzprodukten und

2. hier vor allem mit Wertpapieren,

3. die von nicht den Aufsichtsbehörden überwachten Anbietern angeboten werden

4. in der Regel innert bestimmter gesellschaftlicher Gruppen.

2 Der vorbörsliche Handel institutioneller Anleger nach Bekanntgabe der Zeichnungsspanne und vor der ersten Börsennotiz eines Titels. Dies wird dadurch ermöglicht, dass in der Regel die ständigen Grossanleger und vor allem Fondsmanager schon vor der Zuteilung an Kleinanleger eine gewisse Stückzahl zugesagt bekommen, und die diese Papiere - in der Regel Aktien - dann möglicherweise bereits wieder unter Gewinnmitnahme verkaufen (the period between the setting of the price and the effective delivery of papers; these papers are traded on the grey market even though they do not technically exist. Transactions on the grey market are unwound [werden abgewickelt] after settlement, delivery and the first official quotations).

– Siehe Agiotage, Blue-sky laws, Daimonion, Darstellungswährung, Dingo-Werte, Domizil-Verschleierung, Finanzgeier, Ghettobanking, Gründungsschwindel, Hawala, High risk countries, Internet-Foren, Kapitalmarkt, grauer, Kreditplafondierung, Offshore Finanzplätze, Parallel Banking, Racheengel, Schattenbankbereich, Late Trading, Underground Banking, Verständlichkeit, Winkelmakler, Zweitplazierung.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 73 f., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 83 (dort Definition) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Markt, inverser (inverted market; backwardation):

1 Langfristige festverzinsliche Wertpapiere (long-term fixed rate securities) haben in der Regel eine höhere Rendite als kurzfristige. Bei sehr starker Nachfrage nach Papieren mit kurzer Laufzeit kann deren Verzinsung jedoch über jene von langfristigen Titeln ansteigen. In Deutschland war dies gelegentlich der Wiedervereinigung 1990 der Fall, weil der Staat und Unternehmen einen hohen kurzfristigen Kapitalbedarf für anstehende Investitionen hatten.

2 Auf dem Warenterminmarkt werden Lieferungen in den nahen Monaten mit einem höheren Preis gehandelt als Kontrakte mit weiter entfernt liegender Fälligkeit (a futures market in which the nearer months are selling at prices higher than the more distant months). Grund dafür ist vor allem ein vorübergehender Angebotsmangel oder entsprechende Erwartungen der Marktteilnehmer.

– Siehe Backwardation, Contango, Option, Zinsstruktur, inverse.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Markt, liquider (liquid market):

Allgemein und im Besonderen an der Börse ein Umfeld, gekennzeichnet durch

1. hohe Umsätze,

2. nur geringe Abweichungen zwischen Angebotspreis und Nachfragepreis und

3. der Möglichkeit, auch grössere Aufträge ohne bedeutsamen, weitreichenden Einfluss auf den Kurs unterzubringen (a trading atmosphere characterised by high exchange volume, a narrow spread between the bid and ask prices, and the ability to trade larger sized orders without significant price changes).

– Siehe Markt, enger.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Markt, neuer (new market):

An der Frankfurter Wertpapierbörse 1997 eingeführtes Handelssegment für Aktien von kleineren wachstumsstarken Unternehmen. Es gelten besondere Zulassungsvoraussetzungen.

– Siehe Dotcom-Blase, Emissionsprospekt, Nemax.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Markt, organisierter (organised market):

Gemäss § 2, Abs. 5 WpHG ein in Deutschland, in einem anderen Mitgliedstaat der EU oder einem anderen Vertragsstaat des Abkommens über den EWR betriebenes oder verwaltetes, durch staatliche Stellen genehmigtes, geregeltes und überwachtes multilaterales Handelssystem. Es bringt die Wünsche einer Vielzahl von Personen am Kauf und Verkauf von dort zum Handel zugelassenen Finanzinstrumenten innert des Systems nach festgelegten Bestimmungen zusammen bzw. fördert das Zusammenbringen, das dann zu einem Vertrag über den Kauf dieser Finanzinstrumente führt.

– Siehe Gegenpartei, zentrale.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Markt, regulierter (regulated market):

In der Börsenordnung genau umschriebenes Segment an deutschen Börsen mit festen Mindeststandards, welche der Europäischen Wertpapier-Dienstleistungs-Richtlinie entsprechen; vgl. § 49 ff. BörsG. -Unternehmen, die sich dieses Marktes bedienen, bedürfen bei der Einführung eines von der Aufsichtsbehörde genehmigten Prospektes. Unternehmen aus dem Europäischen Wirtschaftsraum oder einem Drittstaat können ohne Zulassung in den regulierten Markt einbezogen werden. Voraussetzung hierfür ist, dass der Emittent an der Heimatbörse Zulassungsvoraussetzungen und Zulassungspflichten unterliegt, die mit den Anforderungen an dieses Marktsegment vergleichbar sind. - Am 1. November 2007 wurde der geregelte Markt in den regulierten Markt überführt. Wertpapiere, die vor dem 1. November 2007 zum geregelten Markt zugelassen waren, gelten ab da als zum regulierten Markt zugelassen. - Im regulierten Markt gelten die Zulassungsvoraussetzungen und die Folgepflichten der Teilnehmer des amtlichen Marktes. Dies gilt auch für die Zulassungsvoraussetzungen, in denen sich der geregelte Markt bisher vom amtlichen Markt unterschied: Das Unternehmen muss seit mindestens drei Jahren bestehen; der voraussichtliche Kurswert der zuzulassenden Aktien oder - falls eine Schätzung nicht möglich ist - das Eigenkapital des Unternehmens muss mindestens 1,25 Mio EUR, der Streubesitzanteil mindestens fünfundzwanzig Prozent betragen. - Der regulierte Markt ist ein organisierter Markt im Sinne von § 2 Abs. 5 des Wertpapierhandelsgesetzes. Das bedeutet, dass die Zulassungsvoraussetzungen und die Folgepflichten der Teilnehmer sowie die Organisation des Handels selbst gesetzlich vorgegeben sind.

– Siehe Finanzbericht, Inlandsemittent, Markt, geregelter, Unternehmensbericht, Verordnung über die europäische Marktinfrastruktur.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Markt, relevanter (revelant market):

1 Sachlich gesehen ein Markt, auf dem alle gehandelten Waren oder Dienstleistungen seitens der Nachfrager in Bezug auf ihre Eigenschaften, ihre Preise und ihres vorgesehenen Verwendungszwecks als Substitute (substitutes: goods that meet the demand that another product fulfills) angesehen werden.

2 Geographisch betrachtet ein Gebiet, in dem die beteiligten Unternehmen sachlich gleichartige Güter anbieten, und wo die Wettbewerbsbedingungen (competitive situation: the standing of a company in its markets, compared with its competitors, when all players are designated in terms of their size, resources, capabilities, product range and quality, marketing strategies, opportunities, goals, intentions, behaviour and similar variables) im grossen und ganzen gleichartig sind. - Im Einzelnen ist der relevante Markt in der Verordnung (EG) № 139/2004 ausführlich erläutert.

– Siehe Kollusion, Marktabsprachen, Preisdiskriminierung, Wettbewerb.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Markt, schwacher (weak market):

Zustand an der Börse, bei dem die Verkäufer überwiegen (the number of sellers is greater than the number of buyers).

– Siehe Abwartehaltung, Attentismus, Bear, Baisse, Friedhof-Markt, Käufermarkt, Nachgeben, Stille.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Markt, schaukelnder (choppy market):

Zustand an der Börse, bei dem innert einer Sitzung stärker hin- und herschwankende Kurse zu beobachten sind, ohne dass sich jedoch eine klar erkennbare Tendenz herausbildet (a market condition whereby prices swing up and down significantly but with no resulting overall price movement in either direction).

– Siehe Bollinger Bänder, Volatilität.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Markt, seichter (thin market, shallow market):

Zustand an der Börse, bei dem die Umsätze gering sind, während gleichzeitig die Geld-Brief-Spanne, also der Unterschied zwischen dem Geldkurs (ask price; Nachfragepreis] und Briefkurs (bid price; Angebotspreis) eines Wertpapiers, auch Bid genannt) sehr gross ist (a market in which trading volume is low and in which thus bid and ask quotes are wide, and consequently the liquidity of the instrument traded is low).

– Siehe Markt, schwacher.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Markt, tiefer (deep market):

Bezeichnung für einen Zustand hoher Liquidität, wodurch sowohl Anbieter als auch Nachfrager nach Finanzprodukten leicht einen Partner finden (a market which displays a high liquidity; it is, therefore, easy to find buyers to which to sell an asset, or to find sellers from which to buy an asset. "Market" here can relate to a specific financial instrument, e.g. share, bond, or option, or to an entire stock exchange. e.g. Frankfurt Stock Exchange, or to an entire asset class, e.g. crude oil or commodities).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Markt, überkaufter (overbought market, sold-out market):

1 Allgemein eine Marktlage, bei der es an Angeboten fehlt.

2 Situation an der Börse, bei welcher der Kurs für ein Wertpapier und manchmal auch auf den Markt gesamthaft bezogen

1. ziemlich schnell gestiegen ist; zu rasch, um aufgrund der zugrunde liegenden Fundamentalanalyse gerechtfertigt zu sein und

2. mit einer Neigung zu schwächeren Kursen infolge von Gewinnmitnahmen (market where prices have risen too high, too fast, and a correction in price is expected by investors).

– Siehe Aktienmarkt-Volatilität, Blase, spekulative, Bollinger Bänder, Charts, Hausse, High Flyer, Histogramm, Kartierung, Kursbereich, gehandelter, Kursausbruch, Milchmädchen-Hausse, One-Hit Wonder, Random-Walk-Hypothese, Runup, Unterstützungslinie, Verkäufermarkt. Widerstandlinie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Markt, überverkaufter (oversold market):

1 Allgemein eine Marktlage, bei der es an Nachfrage fehlt: ein Käufermarkt.

2 Situation an der Börse, bei welcher der Kurs für ein Wertpapier und manchmal auch auf den Markt gesamthaft bezogen

1. ziemlich schnell gefallen ist; zu rasch, um aufgrund der zugrunde liegenden Fundamentalanalyse gerechtfertigt zu sein und

2. mit einer Neigung zur Erholung infolge von Deckungskäufen der Baissiers (a condition that occurs in the market when there are more sellers than buyers and stock prices fall to extremely low levels. An oversold market is on the edge for an upward movement).

– Siehe Baisse, zyklische, Akzelerator, finanzieller, Crash, Kreditbeschränkungs-Karussell, Markt, überkaufter, Markt, weicher, Marktschwemme.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Markt, vierter (fourth market):

In den USA der ausserbörsliche Handel mit börsennotierten Wertpapieren zwischen grossen institutionellen Anlegern ohne Dazwischenschalten eines Börsenmaklers (direct trading of large blocks of securities between institutional investors to avoid brokerage commissions; usually, the transactions are handled through electronic communications networks).

– Siehe Dark Pool, Handelsplattform, Over-the-Counter Trading.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Markt, vollkommener und Markt idealer (perfect market):

In vielen Überlegungen auch der Finanztheorie ein Idealbild mit im Wesentlichen folgenden Eigenschaften, nämlich

1. es gibt keinerlei Präferenzen, weder persönliche (individual preferences: die Marktteilnehmer haben keine Vorlieben gegenüber Partnern), noch zeitliche (temporal preferences: das Gut steht allen Marktteilnehmern zeitgleich zur Verfügung), noch räumliche (spatial preferences: alle Anbieter und Nachfrager befinden sich an zu gleicher Zeit an einem einzigen Ort),

2. die gehandelten Güter sind homogen, nämlich in allen Teilen völlig unterschiedslos in Bezug auf jede andere Menge,

3. die einzelnen, in Wettbewerb stehenden Marktteilnehmer übersehen Angebot und Nachfrage: es besteht völlige Markttransparenz und

4. die Anbieter und Nachfrager handeln unendlich schnell: sie passen sich sofort an Änderungen der Marktgegebenheiten an.

– Trifft auch nur eine dieser Annahmen nicht zu, so handelt es sich um einen unvollkommenen Markt (imperfect market). Aus den gedachten Abläufen auf dem vollkommenen Markt versucht die Wirtschaftstheorie, das Geschehen an den wirklichen, unvollkommenen Märkten besser verstehen zu können.

– Siehe Allokation, Marktdisziplin, Marktkräfte, Marktmechanismus, Nettowohlfahrtsverlust, Wettbewerb.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Markt, weicher (soft market):

1 Ein Käufermarkt: das Angebot übersteigt die Nachfrage (a market with more potential sellers than buyers).

2 Ein Industriezweig oder ein Anlagegegenstand, der längere Zeit hindurch durch ein Überangebot geprägt ist (an industry or a certain asset where supply is bigger than demand for a longer period).

– Siehe Markt, überverkaufter.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Marktabsprachen (market-sharing agreements):

Den Wettbewerb ausschliessende Übereinkommen von Anbietern auf einem Markt, die Kunden unter sich aufzuteilen. Es wird darin im Einzelnen festgelegt, wer, wo welche Geschäfte tätigt (agreements in which competitors divide markets among themselves. In such schemes, competing firms allocate specific customers or types of customers, products, or territories among themselves).

– Siehe Acting in Concert, Handeln, verdeckt gemeinsames, Kollusion. Margendruck, Marktdisziplin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Marktaktivität, vorgetäuschte und [nach dem Englischen] Gänseblümchenkette (daisy chain):

Jederart irreführendes Gebaren von Börsenmitgliedern, um den Anschein hoher Umsätze zu erwecken und dadurch Investoren anzulocken (whichever manipulation of the market by to generate the illusion of high sales volume with the aim to attract investors).

– Siehe Agiotage, Bear Raid, Beschores, Bull Raid, Citigroup-Manipulation, Finanzgeier, Geschäfte, abgesprochene, Handeln, verdeckt gemeinsames, Kristallisation, Kursmanipulation, Marktmanipulation, Pairoff, Rebbes, Round Tripping, Scheinkauf, Schmu, Umsatzzahlen, falsche, Wash Sales.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Marktanomalie (market anomaly, market inefficiency):

Auf der Angebotsseite oder der Nachfrageseite entfalten die Marktkräfte keine Wirkung. Ursache hierfür sind neben mangelnder Markttransparenz (lack of market transparency) vor allem den Wettbewerb einschränkende Marktabsprachen sowie andere Formen unlauteren Verhaltens (unfair competition).

– Siehe Acting in Concert, Agiotage, Anlageschutz, Bear Raid, Blog, Börsengerüchte, Bull Raid, Daimonion, Entscheidungsnützlichkeit, Handeln, verdeckt gemeinsames, Internet-Foren, Kreditgefährdung, Kursbetrug, Kursmanipulation, Markt, vollkommener, Marktdisziplin, Pervasive Constraint, Prearranged Trading, Pump and Dump, Scalping, Scheinkauf, Scheintransaktionen, Schlangenhandel, Siderismus, Übernahme-Ankündigung, Umsatzzahlen, falsche, Umstände, bewertungswichtige, Vorhersagen, Wash Sales.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Marktbereinigung, bankliche (market adjustment in banking):

Verhüllende Bezeichnung für das notwendige Ausscheiden von Banken, die keine dauerhaften Geschäftschancen haben. Solche Institute erzielen bereits jetzt schon keine angemessene Rendite (adequate rate of return). Weil aber durch schärfere aufsichtliche Vorschriften sich der Fixkostendruck in Zukunft verstärken wird, so ist abzusehen, dass die betroffenen Banken in die Verlustzone geraten (slide into in the red). Für diese Banken bleibt

1. der Verkauf des gesamten Unternehmens,

2. die Abgabe von Teilen an andere Anbieter und der Rückzug in eine wie immer auch ausgestaltete Marktnische (corner of the market, market niche), oder

3. die Fusion mit anderen Banken.

– Siehe Blind-Taub-Verbindung, Blutbad, Konsolidierung, Mitversicherungs-Effekt, Overbanked, Vertikalisierung, Westdeutsche Landesbank.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Marktbewertungsmethode (current exposure method):

Die Berechnung des Verlustes, der jetzt eintreten würde, falls ein Partner seinen vertraglichen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen könnte (the loss that would be incurred today on a contract or set of contracts if a counterparty failed to perform on its obligations). Zu den aktuellen Wiederbeschaffungskosten - diese entsprechen dem Betrag bei Neubewertung zu Marktpreisen, sofern dieser positiv ist, sonst sind sie gleich null - wird dabei ein Faktor beigezählt, mit dem allfälligen Risikoengagements während der Restlaufzeit (remaining term to maturity) des Kontrakts Rechnung getragen werden soll, der sogenannte Zuschlagfaktor (add-on).

– Siehe Risikomanagement.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Marktdisziplin (market discipline):

1 Die wirkenden Kräfte des frei ablaufenden Tauschverkehrs - Angebot, Nachfrage, Preis -, durch welche das Verhalten eines jeden Marktteilnehmers bestimmt wird (the forces in a market based on free exchange which tend to determine the activities of each market participant).

2 In Bezug auf den Finanzmarkt das Verhalten einer Bank, die Öffentlichkeit über ihr Kapital, über eingegangene Risiken und die Kapitaladäquanz umfassend und eindeutig zu unterrichten mit dem Ziel, günstige Bedingungen bei der Beschaffung neuen Fremdkapitals oder frischen Eigenkapitals an den Primärmärkten zu erreichen (direct market discipline; unmittelbare Marktdisziplin). In der Regel werden Rating-Agenturen bonitätsschwache Banken erkennen und entsprechend herabstufen.

3 Der Einfluss von Einleger, Gläubiger und Aktionären auf das Risikoverhalten einer Bank (indirect market discipline; mittelbare Marktdisziplin). Um einen entsprechenden Druck wirksam werden zu lassen, sollte die Einlagensicherung auf Kleinanleger beschränkt sein. Einflussreiche Gläubiger der Bank - wie nicht versicherte Einleger oder Inhaber hochverzinslicher nachrangiger Titel - müssen damit zu rechnen haben, dass sie ihre Depositen im Falle eines Bankzusammenbruchs verlieren.

– Siehe Bankaktionärs-Interesse, Basel-II, Crash, Handelsoffenlegung, Londoner Verfahren, Marktkräfte, Marktmechanismus, Marktwirksamkeits-Annahme, Mezzanin-Kapital, Moral Hazard, Rangfolge-Theorie, Offenlegungspflichten, Risikoprofil, Risikopuffer, Single Master Liquidity Conduit, Überlauf-System, Zwangswandelanleihe.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2005, S. 57 ff. (ausführliche Darstellung; wichtige Definitionen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2005, S. 73 ff. (lehrbuchmässige Darstellung; viele Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Markteintrittskosten (costs of market entrance):

Alle Aufwendungen eines Unternehmens in Zusammenhang mit

1. dem erstmaligen Zutritt in ein bis anhin noch nicht bedientes Geschäftsfeld oder

2. in einen fremden, ungewohnten inländischen oder ausländischen Handelsplatz.

– Für Banken sind die Aufwendungen für den Zugang in ein neues Segment des Finanzmarktes im Inland oder im Ausland ungleich höher als für Industriebetriebe, die im Wesentlichen lediglich Investitionen in Anlagen und Maschinen tätigen. Denn Finanzdienstleister müssen erst Reputation (reputation: good name; place in public esteem) und ein Kundennetzwerk aufbauen, vor allem auf ausländischen Märkten. Dazu gilt es, die jeweiligen aufsichtsrechtlichen Bestimmungen zu ergründen (to become acquainted with the financial supervision system valid in this country) und im Geschäftsbetrieb (business operations) zu beachten.

– Siehe Agglomerations-Effekt, Allianzen, grenzüberschreitende, Auslandszweigstelle, Behavioural Branding, Gigabank, Namensidentität, One-Bank-Delivery, Repräsentanz, Reputationsrisiko.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2005, S. 33 ff. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Marktfähigkeit (marketability, tradeability):

1 Die reibungslose, jederzeitige Handelbarkeit eines Finanzproduktes.

2 Die Eignung eines Wertpapiers, im Handelsverkehr angenommen zu werden, auch Handelsfähigkeit (saleability) genannt (securities that are easily sold or that can be readily converted into cash such as government bonds or commercial papers).

3 Die Bereitschaft eines Teils der Nachfrager, das Gut eines Anbieters derzeitig zu kaufen (being in demand by especially consumers).

– Siehe Bankkunden-Profil, Börse, Gegenpartei-Risiko, Gegenpartei, zentrale, Market Maker, Marktliquidität, Marktwirksamkeits-Annahme.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Marktgeld (market toll, market dues, market charges):

Abgabe eines Händlers oder Bürgers an den Marktherren - Landesfürst, König, Stadtverwaltung - für das Recht, Waren auf dem Markt feilbieten zu dürfen; entweder

1. als nach der jeweiligen räumlichen Lage auf dem Marktplatz gestaffeltes Standgeld,

2. als Anteil vom getätigten Umsatz oder

3. als pauschal festgesetzte Zahlung.

– Das Marktgeld war früher zumeist zweckgebunden für die ordnungs- und feuerpolizeiliche Beaufsichtigung der Märkte und Messen.

– Siehe Gebührfreiplatz, Kirchweihgeld, Messegeld, Taadil, Torgeld, Umlage, Ungeld, Wägegeld, Wassergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Marktkapitalisierung (market capitalisation):

1 Der Kurswert der Aktien in einem Wirtschaftsgebiet. Die Marktkapitalisierung der EU-Aktienmärkte stieg von knapp dreissig Prozent des Brutto-Inlandproduktes im Jahr 1995 auf gut neunzig Prozent im Jahr 2005. Der entsprechende Wert (Jahr 2005) für die Schweiz liegt bei zweihundertzwölf Prozent, für Japan bei sechsundsiebzig Prozent und für die USA bei einhundertfünfzig Prozent.

2 Die Bewertung einer Aktiengesellschaft an der Börse, auch Börsenkapitalisierung genannt. Sie ergibt sich aus der Multiplikation des Börsenkurses mit der Zahl der (frei handelbaren, could be freely traded) Aktien dieser Gesellschaft (market capitalisation is the market value of a company's equity, which is obtained by multiplying the total number of shares outstanding by the share price). Daraus bestimmt sich (unter anderem) bei Ranglisten die Grösse und Bedeutung eines Unternehmens.

– Siehe Bösenkapitalisierung, Mehrwert, Tobins Q, Unternehmenswert.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2007, S. 73 (Marktkapitalisierung an verschiedenen Börsen in Europa im Sommer 2007).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Marktkenntnis, zentralbankliche (central bank market knowledge):

Die richtige Einschätzung und Beurteilung der Verhältnisse von Angebot und Nachfrage in allen Bereichen der Volkswirtschaft durch die Zentralbank. - Im Regelfall kann nicht davon ausgegangen werden, dass eine Zentralbank die Angemessenheit von Preisänderungen besser einschätzen könne als der Markt. Daher kann (entgegen einer beständig wiederholten Forderung) eine Zentralbank auch kaum spekulativen Blasen vorzeitig erkennen und deren weiterem Aufblähen Einhalt gebieten; ganz abgesehen davon, dass sie das nicht vermöchte, ohne die Realwirtschaft ungewollt zu beeinflussen.

– Siehe Aktienblase, Blase, spekulative, Börsenpreis, Boom-Bust-Zyklus, Börsenfieber, Crash, Dotcom-Blase, Glücksspieleffekt, Hindsight, Immobilienblase, Kurzsichtigkeit, Marktpräsenz, zentralbankliche, Mississippi-Taumel, Spekulationsblase, Überbelastung, Überschwang, unvernünftiger, Vermögenseffekt, Vertrauens-Hypertrophie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Marktkräfte (market forces):

Alle Einflüsse und Wirkungen, die aus dem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage ausgehen. Grundsätzlich sind diese aus den Preisgesetzen ableitbar. Das Erste Preisgesetz sagt, dass Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen. Das Zweite Preisgesetz sagt, dass hoher Preis das Angebot - und auch das Angebot für Substitute - hervorlockt und die Nachfrage zurückdrängt. Das Dritte Preisgesetz besagt, dass sich - über einen langen Zeitraum betrachtet - bei Wettbewerb der Preis nahe den Produktionskosten eines Gutes einpendelt.

– Siehe Markt, Markt, vollkommener, Marktanomalie, Marktmechanismus, Marktwirksamkeits-Annahme, Nettowohlfahrtsverlust, Wettbewerb.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Marktliquidität (liquidity of the market; stock exchange liquidity):

1 Die Möglichkeit, am Finanzmarkt jederzeit Geld aufnehmen zu können. Im Gefolge der auf die Subprime-Krise folgenden weltweiten Finanzkrise versiegte die Marktliquidität plötzlich, und die Zentralbanken mussten den Markt vor dem völligen Austrocknen durch die Bereitstellung von Geld (freilich zu teilweise gesalzenen Zinsen) bewahren.

2 Bezug auf den Finanzmarkt auch allgemein gesagt von der Möglichkeit, ein grösseres Geschäft zügig vorzunehmen, ohne dadurch den Preis wesentlich zu beeinflussen oder einen grösseren Verlust hinnehmen zu müssen (the ability to sell an asset in a short period of time without causing a noteworthy movement in the price and with minimum loss). Die so definierte Marktliquidität wird bestimmt durch

1. die Marktbreite (breadth of market) als dem Masstab für die Geld-Brief-Spanne und damit die Kosten für das kurzfristige Auflösen einer Position,

2. die Markttiefe (depth of the market) als Ausdruck dafür, welche Menge ohne Beeinflussung der Preise sofort umgesetzt werden kann,

3. die Marktelastizität (elasticity of market) als Kenngrösse dafür, wie rasch sich der Marktpreis nach einer grösseren Transaktion wieder auf den Gleichgewichtspreis einpendelt und

4. den Zeitbedarf (time required) für die Ausführung einer Order, gemessen an der Frist zwischen Auflösung einer Position und dem bezüglichen endgültigen Abschluss.

– Siehe Finanzierungsliquidität, Liquiditätsformen, Liquiditätsrisiko, Marktliquiditätsrisiko, Markt, enger, Quantitative Easing.

– Vgl. Geschäftsbericht 2007 der Deutschen Bundesbank, S. 90 f. (Marktliquidität während der Subprime-Krise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2008, S. 41 (perfekt liquider Markt definiert), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2008, S. 60 f. (Bedeutung der Marktliquidität auf dem Hintergrund der Subprime-Krise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Marktliquiditätsrisiko (market liquidity risk):

Die Gefahr, aufgrund von aussergewöhnlichen Umständen auf dem Markt - etwa: Baisse an der Börse - jetzt zum Verkauf anstehende Vermögenswerte nur mit einem merklichen Abschlag veräussern (liquidisieren) zu können.

– Siehe Gegenpartei, zentrale, Liquiditätsformen, Liquiditätsrisiko, Marktliquidität, Risiko.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 56 (Vorschriften für das Liquiditätsrisiko-Management).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Markt-Makler (designated sponsors):

Wenn nichts anders definiert Banken, die für Wertpapiere verbindliche An- und Verkaufskurse stellen und dadurch auch bei umsatzschwachen Titeln die fortwährende Handelbarkeit (tradeability; Liquidität) sicherstellen (banks or specialised traders who bridge temporary imbalances between supply and demand in securities trading, thereby guaranteering market liquidity).

– Siehe Gegenpartei, zentrale.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Marktmanipulation (market manipulation):

In Bezug auf Finanzmärkte betrügerische Machenschaften (fraudulent practices)

1. in Bezug auf das Angebot, die Nachfrage oder

2. den Preis von Finanzprodukten. Darin eingeschlossen ist auch

3. das Gerüchtestreuen. Der Begriff umschliesst

4. ebenso sog. Informationsdelikte (criminal information acts). Darunter versteht man, dass falsche oder irreführende Angaben veröffentlicht oder dass Angaben verschwiegen werden, die aufgrund geltenden Rechts zu veröffentlichen sind; die genaue Definition findet sich in § 20a WpHG. In Deutschland kann die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht in solchem Falle ein Bussgeld bis zu 1,5 Mio EUR verhängen; ausserdem ist eine strafrechtliche Verfolgung möglich.

– Trotz strenger Aufsicht, hoher Strafandrohung (high threat of punishment) und einer eigenen Verordnung zur Konkretisierung des Verbots der Marktmanipulation (Marktmanipulations-Konkretisierungsverordnung, MaKonV) sind jedoch Marktmanipulationen aller Art nie ganz auszuschliessen; vor allem nicht im Internet und in Netzwerken wie Facebook oder Twitter. Der Grund dafür liegt in den schier unendlichen Möglichkeiten (almost infinite possibilities), im Geheimen auf das Marktgeschehen Einfluss zu nehmen.

– Siehe Agiotage, Aktienrückkauf, Anleger, verständiger, Anlageschutz, Bear Raid, Beschores, Blog, Börsengerüchte, Bull Raid, Daimonion, Deuteroskopie, Dissemination, Entscheidungsnützlichkeit, Handeln, verdeckt gemeinsames, Hockeyschläger-Angebot, Internet-Foren, Kreditgefährdung, Kristallisation, Kursbetrug, Kursmanipulation, Markt, enger, Marktaktivität, vorgetäuschte, Marktanomalie, Pairoff, Pankratium, Pervasive Constraint, Prearranged Trading, Pump and Dump, Rebbes, Referenzzinssatz, Scalping, Scheinkauf, Scheintransaktionen, Schlangenhandel, Schmu, Siderismus, Telephon-Auftrag, unbefugter, Übernahme-Ankündigung, Umsatzzahlen, falsche, Umstände, bewertungswichtige, Vorhersagen, Wash Sales.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 187, Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 174 (Tatbestand neu präzisiert durch die neue Marktmanipulations-Konkretisierungs-verordnung [MaKonV] vom März 2004), S. 186 f. (einzelne Fälle), S. 189 (Schwierigkeiten bei der Feststellung), S. 193 ff. Übersicht; einzelne Fälle), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 155 f. (Ergebnis von Analysen der BaFin), S. 161 ff.(Übersicht; einzelne Fälle), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 164 ff. (Übersicht; einzelne Fälle), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 172 ff. (hier auch Quelle von Verdachtsanzeigen), Jahresbericht 2008 der BaFin, S 154 ff. neue Meldepflichten verringern Marktmanipulations-Risiko), S. 161 ff. (einzelne aufgedeckte Fälle), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 180 (Aufschlüsselung der Marktmanipulations-Delikten; Manipulationen im Freiverkehr steigen an), S. 185 ff. (Bafin verdoppelt Untersuchungen; Erfolge), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 193 ff., S. 200 ff. (besondere Aufmerksamkeit der BaFin auf Staatsanleihen von europäischen Krisenstaaten; abgesprochene Geschäfte, Scalping; Freiverkehr besonders betroffen; einzelne Fälle) Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 182 ff. (BaFin geht der Marktmanipulation entschlossen nach; einzelne Fälle), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 167 f. (Übersichten der Fälle seit 2011; gerichtliche Verfahren) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Marktmanipulation, grenzüberschreitende (cross-border market manipulation):

Betrügerische Machenschaften auf Finanzmärkten werden nicht im eigenen Land ausgeführt, sondern

1. im Ausland und auf dortigen Handelsplätzen oder

2. vom Ausland aus in den heimischen Markt hinein. Die Betrüger glauben, auf solche Weise eher unentdeckt zu bleiben. Die enge Zusammenarbeit der nationalen Aufsichtsbehörden kann solche Machenschaften zwar eindämmen.

– Jedoch wie in anderen Bereichen auch, so lässt sich genau so wenig auf dem durch weltweite Verflechtung gekennzeichneten Finanzmarkt Betrügerei (fraudulency) verschiedener Art und Weise vermeiden. Dies gilt besonders dann, wenn Anleger angesichts einer Zusage auf angeblich aussergewöhnlich hohen Gewinn die nötige Achtsamkeit (cautiousness) hintansetzen.

– Siehe Aktienrückkauf, Aufsichtsvermeidung, Daimonion, Gründungsschwindel, International Business Company, Internet-Foren, Offshore Finanzplätze, Pump and Dump, Racheengel, Regulierungs-Arbitrage.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 182 (Zunahme der grenzüberschreitenden Delikte; Zusammenarbeit der Aufsichtsbehörden) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft."

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Marktmechanismus (market mechanism, market forces):

Ein in vielen Akten der Produktion, Finanzierung und Verteilung zusammenwirkendes, vermaschtes und vernetztes Gefüge, das ein den Käuferwünschen entsprechendes Angebot erreicht. Notwendige Voraussetzung für diesen Wirkmechanismus ist Preisstabilität. Denn nur ein stabiler Geldwert kann

1. die Knappheiten einwandfrei messen,

2. den erforderlichen Input an Faktoren genau bewerten und

3. so das entsprechende Güterangebot hervorbringen. Von daher zeigt sich die Notwendigkeit, dass eine Zentralbank die Masstabeigenschaft des Geldes gewährleisten muss.

– Siehe Geldabschaffung, Geld, sittliches, Geldrechenhaftigkeit, Geldwertstabilität, Inflation, Konstanz-Kriterium, Lug-und-Trug These, Markt, vollkommener, Marktdisziplin, Marktkräfte, Marktliquidität, Marktwirksamkeits-Annahme, Menükosten, Monetisierung, Money-matters-Theorem, Mutualismus, Nominalwertprinzip, Popitzsches Gesetz, Tausch-Gutschein, Zinsallkokations-Funktion, Zufall.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Marktmissbrauch (market abuse):

In Bezug auf den Finanzmarkt der rechtliche Oberbegriff für Insider-Transaktionen und Marktmanipulation. Beide, das Vertrauen der Marktteilnehmer zerstörende Tatbestände wurden dank besonderer Rechtsvorschriften (Marktmissbrauchs-Richtlinie) sowie der Aufmerksamkeit der Aufsichtsbehörden in den letzten Jahren zunehmend eingeschränkt. Auch bei einer europaweit einheitlichen Ahndung allfälliger Vergehen wurden Fortschritte erzielt. Dennoch lässt sich Marktmissbrauch nie völlig vermeiden.

– Siehe Deuteroskopie, Handeln, verdeckt gemeinsames, Hockeyschläger-Angebot, Marktmanipulation, Marktmanipulation, grenzüberschreitende, Verbraucherbeschwerden.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S 154 ff. (Tätigkeit der BaFin; Verdachtsanzeigen), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 69 f. (Peer Review zum Thema Marktmissbrauch) S. 175 ff. (BaFin geht der Marktmanipulation entschlossen nach; einzelne Fälle) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Internationales".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Marktmissbrauchs-Richtlinie und (in einem Wort) Marktmissbrauchsrichtlinie (EU market abuse directive, MAD):

Im April 2003 veröffentlichte Richtlinie bezüglich

1. Insider-Transaktionen,

2. Ad-hoc-Mitteilungen und

3. zu Verhaltenspflichten bei Wertpapieranalysen mit dem Ziel, europaweit einheitliche Standards zum Anlegerschutz zu gewährleisten.

– Siehe Anlage-Empfehlung, Compliance, Kundenberatung, Marktmanipulation, Nominee, Pump and Dump.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 46, S. 124 f., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 174 (Neufassung des Begriffs "Marktmanipulation" durch die Marktmanipulations-Konkretisierungsverordnung [MaKonV] aus dem Jahr 2004), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 133 (Anzeigepflicht; Überwachung auch von Journalisten), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 37 (Umfragen über praktische Erfahrungen), S. 139 (Überwachung von ausländischen Analysten), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 49 (Auslegungshilfen zur Marktmissbrauchs-Richtlinie durch das CESR; Übersicht der Sanktionen in den einzelnen Ländern der EU), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 47 (CESR-Vorschläge zu den Themen Insider-Transaktionen, Verdachtsanzeigen, Gerüchte als Insiderinformation und Aktienrückkaufs-Programmen), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 61 (Orientierungs- und Auslegungshilfen des CESR), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 211 (Überwachung von Journalisten) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft", Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 69 f. (Peer Review zum Thema Marktmissbrauch) S. 175 ff. (BaFin geht der Marktmanipulation entschlossen nach; einzelne Fälle), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 165 f. (Novellierung wird auch die Manipulation von Benchmarks wie den LIBOR einschliessen; Angleichung der Sanktionen durch die nationalen Aufsichtsbehörden) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Internationales".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mark-to-Funding-Ansatz (mark-to-funding approach):

Rechnungslegung, welche die Bewertung von Risikopositionen bei einer Bank davon abhängig macht, ob die entsprechenden Posten kurzfristig, mittelfristig oder langfristig refinanziert sind. Unabhängig davon, wie lange ein Institut eine Risikoposition in seinen Büchern halten möchte, wäre die Risikoposition nach diesem Vorschlag immer dann zum Marktpreis zu bewerten, falls sie kurzfristig refinanziert wurde. Zeigt sich eine Risikoposition aber langfristig - etwa durch die Ausgabe einer lang laufenden Anleihe - refinanziert, dann könnte diese zu einem Wert in die Bilanz gestellt werden, welcher die künftig zu erwartenden Zahlungsströme der Position berücksichtigt. Die Bewertung wäre diesfalls unabhängig von vorübergehenden Preisschwankungen am Finanzmarkt. - Im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise wurde dieses sog. Genfer Modell (Geneva model: die Vorschläge stammen im Wesentlichen aus dem International Centre for Monetary and Banking Studies in Genf) vielfach erörtert.

– Siehe Mark-to-Market-Ansatz, Prozyklizität.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mark-to-Market-Ansatz (mark-to-market approach):

1 Allgemein die Bewertung eines Vermögensgegenstandes nach dem Marktpreis bzw. nach dem Preis eines vergleichbaren Postens (the estimating of the market value of an asset based on the current market price or on prices that have been paid for a similar assets).

2 Im Besonderen die börsentägliche Neubewertung von offenen Positionen am Terminmarkt.

– Siehe Darstellung, glaubwürdige, Entstehungskurs, Fair Value, Mark-to-Funding-Ansatz, Neubewertungsverfahren, Prozyklizität, Regelgegründet, Vorsichtsprinzip.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mark-to-Model-Ansatz (mark-to-model approach):

Wenn für ein Finanzprodukt

1. keine Marktpreise zu ermitteln sind, oder

2. wenn die Marktpreise aufgrund einer bestimmten Lage auf dem Finanzmarkt gesamthaft oder einem Teilmarkt (sub-market, market segment) unwirklich (etwa: Panikverkäufe; capitulation selling, panic selling) sind, dann ist es nach IFRS ausnahmsweise gestattet, nach einem theoretischen Modell den Wert eines Titels individuell einzuschätzen.

– Es wurde am Beispiel völlig wertlos gewordener Verbriefungspapiere aus Tranchen von Collateralised Debt Obligations dagegengehalten, dass dieses Vorgehen dem Belieben Tür und Tor öffnete. Denn viele dieser Titel waren im Zuge der Subprime-Krise unabänderlich und für immer auf den Wert null gesunken und damit buchhalterisch zu einem Erinnerungsposten (pro memoria item) geworden.

– Siehe Absenzkapitalismus, Ansteckungswirkungen, Antizyklizität, Darstellung, glaubwürdige, Erstraten-Verzugsklausel, Finanzkrise, Kreditkarten-Fiasko, Krise der Sicherheiten, Notfall-Liquiditätshilfe, Mark-to-Funding-Ansatz, Mark-to-Market-Ansatz, Pay-Green-Initiative, Prozyklizität, Regelgegründet, Schock, externer, Subprime Lending, Vergleichbarkeit, Verbriefungsstruktur.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2007, S. 18 ff. (Auswirkung der Subprime-Krise auf die einzelnen Sektoren des Finanzmarktes).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Marktperformer (market performer):

Wenn nicht anders definiert, ein Wertpapier, dessen künftige Entwicklung im Rahmen eines bezüglichen (Börsen)Index gesehen wird. Liegen die Erwartungen hinsichtlich des Kursverlaufs darüber, so spricht man von einem Outperformer.

– Siehe High Flyer, Low Performer, Performance, Outperformance, Underperformer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Marktpflege (market management, nursing):

Auf dem Finanzmarkt die Begleitung einer Emission über die ganze Laufzeit mit dem Ziel, ungewöhnliche und die Anleger verunsichernde Kursauschläge zu glätten. Oftmals übernimmt das Emissionshaus diese Aufgabe und überträgt diese dann zur fachmännischen Bearbeitung (professional handling) einem Mitarbeiter (Produktbetreuer; product supporter) bzw. einer entsprechenden Arbeitsgruppe.

– Siehe Arranger, Bundeswertpapiere, Dividenden-Fonds, Fiscal Agent, Investment Banking, Kurspflege, Post Sale Management, Vorratsaktien.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Marktpflegebetrag (market management portion):

Teilbetrag von - meistens durch öffentliche Stellen emittierten - börsennotierten Anleihen, der zum Zweck der Kurspflege erst nach und nach an die Börse geschleust wird. In Deutschland sind solche Operationen anzeigepflichtig und müssen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht im Einzelnen gemeldet werden.

– Siehe Fiscal Agent, Kurspflege, Marktpflege, Rückfluss-Stücke.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 175 (Erlaubtheit).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Marktpräsenz, zentralbankliche (central bank presence):

Bezeichnung für die Tätigkeit einer Zentralbank am Markt, um ihre Geldpolitik umzusetzen. Die EZB verfolgt den Grundsatz des Nicht-Einmischens (hands-off) in das Marktgeschehen mit Ausnahme sehr weniger unmittelbaren Marktinterventionen.

– Siehe Aktivismus, zentralbankpolitischer, Aufkäufe, zentralbankliche, EZB-Sündenfall, Führung, verbale, Greenspeak, Marktkenntnis, zentralbankliche, Politik des offenen Mundes, Poltergeist, Quantitative Easing, Südfront, Unschärfe, konstruktive.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2008, S. 77 (die EZB stützt sich hauptsächlich auf dies selbstregulierenden Marktkräfte).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Marktpreis (market price, market-based price, going price, market value):

Allgemein

1. der Geldbetrag, welcher für ein Gut (product or service; Ware oder Dienstleistung)

2. zu einem bestimmten Zeitpunkt

3. tatsächlich (effectively; effektiv, wirklich, letztlich) zu bezahlen ist. Er hängt vornehmlich ab von Angebot und Nachfrage sowie der Marktstruktur, nämlich wie viele Anbieter bzw. Nachfrager den Tauschverkehr und damit im Normalfall auch das Ausmass des Wettbewerbs bestimmen.

– Auch staatlich festgesetzte oder durch ein Monopol vorgegebene Preise sind definitionsgemäss Marktpreise.

– Siehe Affektionspreis, Entstehungskurs, Fair Value, Gegenpartei-Risiko, Liebhaberwert, Mark-to-Market-Ansatz, Mark-to-Model-Ansatz, Marktkräfte, Marktwert, Marktwirksamkeits-Annahme, Mini-Bad-Bank, Preis, angegebener, Prozyklizität.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Marktpreisbewertung (marking to market):

1 Die Anpassung des Wertes von Vermögengegenständen allgemein und von hinterlegten Sicherheiten im Besonderen an den aktuellen Marktpreis (the practice of revaluing assets using current market prices).

2 Im Zuge des Transparenzgebots für Banken ein bestimmter Bewertungsansatz.

– Siehe Bewertung, Entstehungskurs, Fair Value, Margendeckung, Nachschusspflicht, Publizitätspflichten, Schwankungsmarge.

– Vgl. ausführlich Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2005, S. 73 ff. (dort auch Erörterung der Vor- und Nachteile einzelner Ansätze).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Marktrisiko (market risk, systematic risk, undiversifiable risk):

1 Allgemein das Ausgesetztsein gegenüber widrigen Einflüssen, die vom Markt

1. auf alle ökonomische Entscheidungen (the exposure to unfavourable trends as in product prices, interest rates, exchange rates, raw material prices or stock prices) und

2. auf Anlageentscheidungen im Besonderen (to varying degrees, market risk affects all securities) ausgehen, und diesfalls durch entsprechende Gestaltung des Portfolios nicht auszuschliessen sind (market risk represents the portion of risk that can not be eliminated even after taking advantage of diversification).

2 Risiko aufgrund der Tatsache, dass sich der Wert von Sicherheiten während der Laufzeit eines Kreditgeschäfts ändern kann. - Gewöhnlich werden die Marktrisiken in

1. Währungs-,

2. Rohstoffpreis-,

3. Credit-Spread-,

4. Volatilitäts-,

5. Zinsänderungs- und

6. Aktienpreis-Risiken unterteilt, wobei innert der beiden letztgenannten zudem zwischen titelspezifischen und allgemeinen Marktrisiken unterschieden wird. Während die titelspezifischen Risiken das Verlustpotential aus Preisänderungen beziffern, welche auf die Bonität der Emittenten zurückzuführen sind, messen die allgemeinen den Value at Risk aus den systematischen Risiken.

3 Beim Stress-Test des Bankensystems die Risiken einer Marktwertveränderung aufgrund von Änderungen in den Marktpreisen, meistens unterteilt in Zinsänderungs-Risiko, Aktienkurs-Risiko, Wechselkurs-Risiko und Volatilitäts-Risiko.

4 Bei den Financial Soundness Indicators ist das Marktrisiko (sensitivity to market risk) definiert als das Verhältnis zwischen offener Fremdwährungspositionen zu den regulatorischen Eigenmitteln.

– Siehe Abschmelzrisko, Ansteckungswirkungen, CAMELS, Ertragsschwäche, Korrelationsrisiko, allgemeines, Liquiditätskrisenplan, Margendeckung, Marktliquidität, Marktrisiko-Stresstest, Markttransparenz, Preisrisiko, Risiko, systematisches, Solvenzaufsicht.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2001, S. 58, Monatsbericht der EZB vom Mai 2001, S. 68 ff., Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 72 ff., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2003, S. 58 ff., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 62 ff. (Stressfaktoren und Stressindikatoren), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 117 f. (Risikomodelle bei Banken), Monatsbericht der deutschen Bundesbank vom Dezember 2005, S. 85 f. (neue Unterlegungsvorschriften), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 70 (antragsgetriebene Prüfungen der BaFin), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 103 (zur Einschätzung des Marktrisikos in den Risikoberichten der Versicherer), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 165 (Anforderungen an interne Marktrisikomodelle erhöht), Finanzstabilitätsbericht 2011, S. 43 f. (Marktrisiken steigen mit zunehmender Volatilität; Übersichten), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 39 (die Marktrisiken deutscher Institute seit Beginn der Finanzkrise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Marktrisiko-Stresstest (market risk stress test):

Von der Deutschen Bundesbank jährlich durchgeführte und im Finanzstabilitätsbericht veröffentlichte sowie ausführlich erörterte Modellrechnung. Dabei werden ausgewählte Institute Risikoereignissen in Bezug auf Zinsen, Aktienkursen, Wechselkursen, Volatilitäten und risikobedingten Zuschlägen an den Finanzmärkten ausgesetzt. Zur Beurteilung der Tragfähigkeit der daraus sich ergebenden Marktwertverluste der bilanziellen und ausserbilanziellen Posten wird das haftende Eigenkapital zum Zeitpunkt des unterstellten Schocks zugrunde gelegt.

– Siehe Abschmelzrisko, Ansteckungswirkungen, Asset Quality Review, Bilanztricks, staatliche, Comprehensive Assessment, Eckdaten, makroökonomische, Ertragsschwäche, Eventualschaden, Liquiditätskrisenplan, Marktrisiko, Modelle, geldpolitische, Stress-Test.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Marktschelte (market scolding):

Die Gepflogenheit etlicher Politiker und vieler Medien, krisenhafte Entwicklungen in der Wirtschaft finsteren Machenschaften (criminal behaviour) auf dem Finanzmarkt anzulasten. - Keineswegs jahrzehntelange Misswirtschaft (decades of mismanagement) auf allen Sektoren der Volkswirtschaft samt astronomischer Staatsverschuldung (astronomical government debt) sind dann die Ursachen, warum Anleger sich aus einem Land bzw. einer Währung zurückziehen. Vielmehr sind es Abzocker, Spekulanten, Hedge-Fonds, Short Seller, Finanzgeier und andere Übeltäter, die auf dem Markt agieren und eine Krise herbeigeführt haben. In der so in Umlauf gesetzten These vom Marktversagen drückt sich nicht zuletzt die Absicht aus, notwendige Sparprogramme zu vermeiden. Dass freilich das, was sich in Kursbewegungen vor aller Augen zeigt, das Ergebnis der Entscheidungen unzähliger Anleger, Versicherungen und Privathaushalte ist, wird völlig verschwiegen (completely concealed). Statt notweniger Massnahmen zur Wiedererlangung der Wettbewerbsfähigkeit ertönt der Ruf nach schärferer Regulierung (tighter regulation) des Finanzmarktes mit der Folge, dass viele heimische Wirtschaftssubjekte Vermögen lieber im Ausland anlegen, weil sie im Heimatland Beschränkungen befürchten. So flossen beispielsweise aus Griechenland, Italien und Spanien zwischen 2010 und 2012 um die 40 Mia EUR allein aus Privatkonten ab.

– Siehe Lug-und-Trug These, Marktmanipulation, Regulierungswut, Schuldendroge, Verschwörungstheorien, Vorwirkung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Marktschwäche (market off):

Auf den Finanzmarkt bezogen eine Lage, bei der die Kurse nachgeben (a financial product or index is currently trading below the earlier closing price).

– Siehe Abwartehaltung, Attentismus, Anlagenotstand, Baisse, Bear, Blase, spekulative, Crash, Dominostein-Effekt, Friedhofs-Markt, Käufermarkt, Liquiditätsfalle, Markt, schwacher, Markt, seichter, Massiv-Verkäufe, Panikverkäufe, Sell-Plus-Order, Stückemangel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Marktschwemme (glut on the market):

In Bezug auf den Finanzmarkt ein Überangebot an Titeln; eine Häufung von Emissionen, welche die Aufnahmefähigkeit der Anleger derzeit bei weitem übersteigt.

– Siehe Durchpressen, Markt, überverkaufter.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Markttransparenz (market transparency):

Anbieter und Nachfrager auf einem Teilmarkt (sub-market) besitzen Kenntnis über alle Umstände und Bedingungen auf diesem Handelsplatz. Im Ideal (in the ideal situation: dem Musterbild, das man sich in höchster Vollendung vorstellen kann) sind den Marktteilnehmern sämtliche Gegebenheiten auf dem Teilmarkt ohne jede Ausnahme bis ins Letzte bekannt, und so wird der Begriff auch in der Wirtschaftstheorie gebraucht. - Aus manchen Gründen ist dies jedoch tatsächlich, praktisch, im alltäglichen Tauschverkehr (normal commercial interaction) nicht zu verwirklichen, und auf dem Finanzmarkt eh nicht. So bedeutet Markttransparenz auch in den Vorschriften der Aufsichtsbehörden, dass die wesentlichen, ein Engagement hauptsächlich bestimmenden Tatsachen und Sachverhalte offenliegen, dass mit anderen Worten ein sehr hoher Informationsstand (high level of information) vorherrscht.

– Siehe Markt, vollkommener, Marktanomalie, Marktrisiko, Transparenz.

– Vgl. Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 69 ff. (laufende Massnahmen im Zuge der Markttransparenz).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Marktübereinstimmung auch Marktkongruenz (market conformity):

In Bezug auf den Finanzmarkt versteht man darunter die Angebotsbedingungen eines festverzinslichen (fixed interest bearing) Wertpapiers entsprechen in Bezug auf den Ausgabepreis, den Zinssatz, die Laufzeit und den Tilgungsbedingungen (redemption terms) den bei der Emission üblichen Gepflogenheiten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Marktversagen (market failure):

Ein knappes Gut - hinsichtlich des Finanzmarkts: das Geld - wird nicht dem besten Wirt zugeteilt: es gelangt nicht dorthin, wo es die höchste produktive Verwendung bewirkt (the situation where a market does not efficiently allocate resources to achieve the best possible result). - In einer breiten Öffentlichkeit gerade in Deutschland ist die Meinung weit verbreitet, dass Marktversagen vor allem im Finanzbereich unumgänglich sei; ja sogar, dass alle Geschäfte auf dem Finanzmarkt über kurz oder lang zwangsläufig, mit innewohnender Notwendigkeit (with their inherent necessity) in ein Chaos führen. Daher müsse die Politik den Finanzmarkt ganz besonders regeln. Dahinter steht letztlich der falsche Glaube, an die Machbarkeit wirtschaftlicher Abläufe und Ergebnisse durch die Politik und Verwaltung (political feasibility; feasibility = here; the ability to settle any plan straightforwardly, appropriately and successfully).

– Siehe Markt, vollkommener, Marktkräfte, Nachfragefinanzierung, Nettowohlfahrtsverlust, Produktivität, Regulierungswut, Wall-Street-Main-Street-Hypothese, Überregulierung, Wettbewerb, Zielzonen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Marktwechsel (bill to be honoured at market):

In der älteren Finanzsprache ein Wechsel, der auf den Zeitpunkt

1. einer Verkaufsmesse - und diese in älteren Dokumenten auch Exposition genannt - oder

2. eines besonderen Handelsplatzes gestellt ist, wie Viehmarkt oder Blumenmarkt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Marktwert (marketable value; market price, market value, mark-to-market, sales value):

1 Allgemein der Preis, zu welchem es möglich wäre,

1. zum Zeitpunkt der Bewertung

2. den betreffenden Gegenstand auf der Grundlage eines Privatvertrages zwischen freiwillig und unabhängig handelnden Partnern

3. unter der Voraussetzung zu verkaufen, dass der Gegenstand öffentlich auf dem Markt angeboten wird,

4. wobei unterstellt ist, dass die Marktbedingungen eine ordnungsgemässe Transaktion ermöglichen.

2 Der bei sofortigem Verkauf eines Vermögenswertes zu erzielende Nettogeldbetrag (the current price at which investors could sell a given asset).

3 Bei Warenbörsen der Wert eines Terminhandelskontos mit allen offenen Positionen im Verhältnis zum gegenwärtigen Börsenkurs, dann im Englischen equity genannt.

– Siehe Bewertbarkeit, Bewertungsreserve, Börsenwert, Darstellung, glaubwürdige, Entstehungskurs, Fair Value, Kassamarkt, Mark-to-Model-Ansatz, Prozyklizität, Regelgegründet, Verkehrswert, Wert, Zeitwert.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Marktwirksamkeits-Annahme (market efficiency hypothesis):

In Bezug auf den Finanzmarkt die Unterstellung, dass aus dem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage in jedem Fall ein Preis bildet. - In der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise hat sich deutlich gezeigt, dass dies nicht durchgehend, nicht immer, nicht ausnahmslos der Fall sein muss. Es zeigte sich nämlich, dass auf einigen Teilmärkten bestimmte Finanzprodukte zu keinem Preis verkäuflich waren. - Als Folgerung daraus wurde vielfach gefordert, dass vor allem die für ausserbörsliche Märkte üblichen zweiseitigen Abmachungen durch regulierte Börsen abgelöst werden müssten. Inwieweit das zum einen praktisch durchführbar und zum anderen in Hinblick auf eine allfällige Krisenvermeidung zweckvoll wäre, bleibt bestritten.

– Siehe Fair Value, Gegenpartei-Risiko, Gegenpartei, zentrale, Marktdisziplin, Marktfähigkeit, Marktkräfte, Markt-Makler, Wettbewerb.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Marktzins(satz) (market interest rate):

Der Zinssatz, der augenblicklich für das Angebot (interest on deposit account; Einlagezinsen) und die Nachfrage (interest on borrowings; Kreditzinsen) für Leihgeld in den jeweils verschiedenen Verwendungszwecken und daher in den einzelnen Marktsegmenten herrschend ist. Letztlich hängt der Marktzins mehr oder minder eng vom Leitzins der Zentralbank ab.

– Siehe Eurepo, EURIBOR, LIBOR, Zinsgefüge, Zinsniveau, Zinsweitergabe.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2009, S. 103 ff. (Abhängigkeiten theoretisch und empirisch aufgezeigt; Übersichten; Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Marktzugangsangabenverordnung, MarktangV (market access information ordinance):

Vorschriften für ausländische regulierte Märkte und ihre Betreiber, wenn sie inländischen Unternehmen einen unmittelbaren Marktzugang über ein elektronisches Handelssystem gewähren wollen.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 111 (wesentlicher Inhalt der zum 1. November 2007 novellierten Verordnung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Marschroutengeld (compensation for another marching route):

In älteren Dokumenten eine Zahlung von Gemeinden an Heerführer dafür, dass diese den Durchmarsch von Truppen durch den Ort vermeiden und einen anderen Weg wählen. Der Durchzug von fremden wie auch eigenen Soldaten war früher fast jedesmal (in almost every case) mit folgenschweren Unzukömmlichkeiten (serious encumbrances) verbunden, neben lästiger Einquartierung (burdensome billeting) vor allem Beraubungen und Vergewaltigungen.

– Siehe Ausmusterungszahlung Befreiungsgeld, Brandschatzgeld, Dänengeld, Dispensationsgeld Frongeld, Fudelgeld, Hussengeld, Kalbgeld, Kolonatikum, Kuhgeld, Lösegeldversicherung, Loskaufgeld, Manubien, Obristen-Darlehn, Quartiergeld, Ranzion, Satisfaktionsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Martin-Prinzip (Martin theorem):

Eine Zentralbank muss auf eine die Liquidität einschränkende Geldpolitik umschwenken, sobald sich erste Anzeichen einer Überhitzung und die Gefahr einer Blase zeigen ("take away the punchbowl [die Bowlenschüssel: die Trunkenheit bewirkenden Getränke, sprich: das billige Geld] just as the party got going"). Diese Daumenregel stellte William McChesney Martin (1906-1998) auf, der von 1951 bis 1970 als Chef der Zentralbank der USA amtete. - Dem wurde entgegengehalten, dass eine Einschränkung der Liquidität den Zins erhöht, damit Investitionen verteuert und deshalb die Gefahr der Arbeitslosigkeit in sich schliesse. Indessen ist aber zu beachten, dass ein leichter Anstieg der Arbeitslosigkeit jetzt (rise in unemployment now) weniger Wohlfahrtsverluste mit sich bringt als mehr Arbeitslosigkeit im Zuge einer Baisse oder gar einer Finanzkrise, wie die auf die Subprime-Krise folgende. - Übersehen werden darf freilich nicht die aus der Finanzgeschichte vielfach bewiesene Tatsache, dass eine Zentralbank eine Blase grundsätzlich nicht verhindern kann. Wenn - und gar weltweit - sehr viele Kleinanleger die Erwartung hegen, durch ein entsprechendes Engagement an der Börse jetzt auch endlich einmal zu Reichtum zu kommen, dann werden Kredite bei den Banken aufgenommen, um solche Geschäfte zu finanzieren. Auch ein sehr hoher Zins schreckt die Anleger diesfalls nicht ab. Das umso weniger, wenn sich - was ja eine Blase kennzeichnet - der Kurs des bezielten Vermögensgegenstandes - wie Tulpen, Immobilien, Aktien, Rohstoffe - aufgrund der Nachfrage sehr vieler Spekulanten sprunghaft erhöht. Ein Leaning against the wind ist in solchen Fällen aussichtslos. Der Zentralbank bleibt nur das Cleaning up after.

– Siehe Blase, spekulative, Dotcom-Blase, Finanzialisierung, Milchmädchen-Hausse, Rohstoffblase, Geldpolitik, Puffer, gegenzyklischer, Stabilitätsfonds, europäischer, Tulpencrash, Überschwang, unvernünftiger, Vermögensblase.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Maschinensprache (machine language):

Im Bankbetrieb und an der Börse die endgültige Sprache, die sämtliche Computer verwenden müssen. Dies ist heute die Binärsprache. Alle anderen Programmsprachen müssen, ehe sie in einen Prozessor eingespeichert werden können, kompiliert oder übersetzt werden, um schliesslich im Binärcode vorzuliegen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Masse auch Massa (bankrupt estate, bankruptcy assets):

In der älteren Finanzsprache auch die übrig gebliebenen, zur Verteilung an die Gläubiger verfügbaren Vermögenswerte eines in Insolvenz geratenen Unternehmens nach Abzug aller Kosten (all non-exempt assets belonging to the bankrupt at the date of the adjudication order [Konkurseröffnungs-Beschluss] form the bankrupt estate. Assets that are no longer owned by the bankrupt at the time of the adjudication are not included in the bankrupt estate unless their sale, transfer, or other disposal is voidable under special rules permitting the avoidance of fraudulent or preferential transactions).

– Siehe Bankrott, Debitmasse, Konkurs, Lokations-Urteil, Vorrangregel, unbedingte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Masseneinkommen (mass income):

Die Nettolöhne und Nettogehälter zuzüglich empfangener geldlicher Sozialleistungen in einem Wirtschaftsgebiet.

– Siehe Privathaushalte.

– Vgl. für Deutschland den statistischen Teil des jeweiligen Monatsberichts der Deutschen Bundesbank, Rubrik "Konjunkturlage", Unterrubrik "Einkommen der privaten Haushalte".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Massengeschäft (mass business; bulk business; retailisation, retail banking):

1 Allgemein ein Rechtsgeschäft, bei dem das Ansehen der Person keine oder nur eine nachrangige Rolle spielt und das typischerweise deshalb auch zu vergleichbaren Bedingungen in grossem Umfang begründet und durchgeführt wird, wie etwa beim Einkauf in einem Supermarkt.

2 Der Verkauf eines ungewöhnlich grossen Menge eines Gutes an einen einzigen Käufer, in der Regel zu einem besonders günstigen Preis, wie etwa im Verramscher-Gewerbe (any sale of a large quantity of materials, merchandise, supplies, or other inventory that is not in the seller's ordinary course of business, usually at a lower-than-market price).

3 Auf dem Finanzmarkt alle Produkte und Dienstleistungen, die zahlreich in gleicher Ausführung angeboten werden.

– Siehe Effekten, McDonaldisation, Mengengeschäft, Retailgeschäft.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 34 f. (Arbeitsgruppe "Customer Suitability" des IOSCO prüft die Retailisation).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Massenzahlungsverkehr, elektronischer, ENZ (electronic large scale payments):

Gemäss Artikel 127 AEUV (Lissabon-Vertrag 2009) hat die EZB für das reibungslose Funktionieren der Zahlungssysteme zu sorgen. Dies geschieht vor allem durch das TARGET-System. - Im August 2014 hat die EZB eine Verordnung zu den Anforderungen an die Überwachung systemrelevanter Zahlungsverkehrs-Systeme (systemically important payment systems, SIPS) erlassen.

– Siehe Business Continuity Programme, Clearing-Haus, automatisches, Finalität, Grossbetragszahlungen, Kapitaltransfersystem, elektronisches, Kontaktgruppe für strategische Fragen im Euro-Zahlungsverkehr, RTGS-System, Short-Term European Papers, TARGET-System.

– Vgl. zu dem Zahlungssystemen übersichtlich den Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 45 ff. (S. 50: Übersicht der Typologie der Systeme), Monatsbericht der EZB vom August 2006, S. 81 ff (ausführliche Darstellung der Grossbetrags-Zahlungssysteme), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2008, S. 49 ff. (Entwicklungstendenzen) sowie Statistiken mit Erläuterungen im jeweiligen Geschäftsbericht der Deutschen Bundesbank (Kapitel: "Aufgaben im Zahlungs- und Wertpapierverkehr"), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2012, S. 47 ff. (ausführlich Darstellung der Fortschritte im Massenzahlungsverkehr; Rechtsquellen; ISO 20022-Standard im Massenzahlungsverkehr; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2013, S. 29 ff. (Ausführliche Darstellung des Massenzahlungsverkehrs im Eurogebiet; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Massgeld auch Markscheidergeld (mine surveyor fee):

In älteren Dokumenten die von der zuständigen Bergbehörde festgelegte Gebühr für Vermessungsarbeiten im Bergbau. Der behördlich bestellte und in der Regel vereidigte Vermesser für Flächen untertage (underground) heisst auch in alten Dokumenten Markscheider (mine surveyor, colliery surveyor).

– Siehe Lachsteingeld, Vermessungsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Massiv-Verkäufe (hammering):

Das plötzliche massenhafte Abstossen einer Aktie oder eines anderen Vermögenswertes, weil die Meinung vorherrscht, das Wertpapier bzw. der Vermögensgegenstand sei überbewertet (the rapid and concentrated sale of an asset thought to be overvalued by the market. It is performed by investors and speculators who believe that prices are overstated and that a period of fall in price is forthcoming). Die Unterscheidung zu Panikverkäufen wird zumeist darin gesehen, dass bei diesen Vermögenswerte rasch abgestossen werden, weil man dringend Liquidität benötigt. Bei Massiv-Verkäufen hingegen sind entsprechende Erwartungen hinsichtlich des Preises des Vermögensgegenstandes ausschlaggebend für den Verkaufsdruck. Indes ist die Terminologie im Deutschen und auch im Englischen nicht einheitlich.

– Siehe Aktienblase, Baisse, zyklische, Blase, Boom-Bust-Zyklus, Börsenfieber, Crash, Euphoriephase, Liquiditätsklemme, Milchmädchen-Hausse, Rally, Rückkoppelungsschleife, Runup, Sell Out, Spekulationsblase, Trittbrettfahrer, Tulpencrash, Überbelastung, Vermögensblase, Zurückfindung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Massnahme (measure, action):

1 Allgemein ein zielgerichtetes Handeln in Form eines Tuns oder Unterlassens.

2 In Zusammenhang mit der Geldpolitik der Einsatz eines Mittels der Zentralbank. Der Einsatz ist marktkonform (in line with market conditions), wenn der Preis-Mengen-Mechanismus des Marktes nicht unmittelbar beeinflusst wird. Die Zentralbank ändert lediglich gewisse Daten (supply of money, interest; Geldmenge, Zins), um die Wirtschaftssubjekte zu einem gewünschten Verhalten zu veranlassen.

3 In Bezug auf den Finanzmarkt Verfügungen der Aufsichtsbehörde oder der Überwachungsstelle bei der Börse, um ordnungswidrigen Handlungen zu begegnen mit dem Ziel, den reibungslosen Ablauf (smooth functioning) von Angebot und Nachfrage zu gewährleisten.

– Siehe Bussgeld, Marktmechanismus, Sonderprüfung, Verwarnung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Massnahme bei Gefahr (emergency measures):

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ist nach § 46 KWG ermächtigt, bei einem problematischen Institut

1. Anweisungen an die Geschäftsführung des Instituts zu erlassen,

2. die Annahme von Geld oder anderer Vermögensgegenstände von Kunden zu verbieten,

3. Inhabern und Geschäftsleitern die Ausübung ihrer Tätigkeit zu beschränken oder zu untersagen,

4. kurzfristig ein Veräusserungs- und Zahlungsverbot an das Institut zu verfügen und schliesslich auch

5. die Schliessung des Instituts für den Verkehr mit der Kundschaft anzuordnen.

– Siehe Abberufungs-Verfügung, Bankenaufsicht, europäische, Bussgeld, Institut, problematisches, Sanktionskomitee, Sonderprüfung, Untersagung, Verwarnung, Whistleblower, Zwangsgeld.

– Vgl. Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 167 (2010 schritt die BaFin in acht Fällen ein) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute", Rubrik "Aufsichtshandeln".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Master-Conduit (so auch im Deutschen gesagt):

Wenn nicht anders definiert, eine Auffanggesellschaft, die im Oktober 2007 im Zuge der Subprime-Krise von führenden Banken zusammen mit dem Finanzministerium in den USA gegründet werden sollte. Ziel war es, hochbonitäre Papiere von solchen Zweckgesellschaften (Structured Investment Vehicles) aufzunehmen, die Schuldtitel begeben hatten. Dadurch wollte man einem Notverkauf und einem damit einhergehenden Preisverfall einen Riegel vorschieben. Zum Jahresende 2007 gaben die Beteiligten ihr Vorhaben aus verschiedenen Gründen auf.

– Siehe Schattenbankbereich, Zweckgesellschaft-Refinanzierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Master-Kapitalverwaltungsgesellschaft und Masterfonds (master fund):

Die Auslagerung von Kerntätigkeiten sowie Nebentätigkeiten wie Reporting, Controlling oder Buchhaltung aus einem Fonds. Die Übertragung kann entweder in eine neue, alle übertragenen Vermögenswerte einheitlich verwaltende Gesellschaft geschehen (Fonds-Pooling) oder aber eingebrachte Vermögen werden - zumindest rechnerisch - gesondert betreut.

– Siehe Auslagerung, Brokergeschäft.

– Vgl. Jahresbericht der BaFin 2004, S. 182 (Fragen der Zulassung), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 188 f. (Einzelheiten vor allem zu grenzüberschreitendem Pooling im Zuge des OGAW-Umsetzungsgesetzes, Aufsichtsrechtliches) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Matching (so auch im Deutschen gesagt; seltener Abstimmung und Abklärung):

1 Allgemein der Vorgang einer Prüfung daraufhin, ob die von einem Geschäftspartner erbrachte Leistung mit den abgemachten Vertragsbedingungen übereinstimmt (the procedure used for comparing the details of a contractual service provided by a business partner, in order to ensure that they agree on the terms contracted).

2 Der nach Höhe und Fristigkeit vorgenommene Abgleich (reconciliation) der erwarteten geldlichen Zuflüsse und Abflüsse in Bezug auf eine Anlage oder ein Geschäft, wie etwa hinsichtlich einer Fremdwährung (xeno currency), und diesfalls mit dem Ziel, Währungsrisiken zu vermeiden (equalising the profile of assets, as duration, currencies, fixed rate/floating rate, with the profile of liabilities, so that cash outflows are matched by the cash inflows).

– Siehe Bankregel, goldene, Derivat, Devisen-Swapgeschäft, Devisentermingeschäft, Erfüllungsrisiko, Fälligkeitsgliederung, Finanzierungsregel, goldene, Fristenkongruenz, Herstatt-Risiko, Rollover-Risiko, Tomorrow next, Vorauszahlungsrisiko.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2011, S. 58 ff. (Dollar-Refinanzierungslücke deutscher Banken; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Material, flottantes (floating supply; float):

1 Bezeichnung für Wertpapiere eines Emissions-Konsortiums, die noch nicht in die Kundschaft untergebracht sind; auch "schwimmendes" Material genannt.

2 Der Anteil der Aktien einer Gesellschaft, der an der Börse gehandelt wird (in relation to a listed company, the float refers to the shares which are not held by long-term strategic investors, but are available for trading. The float, expressed as percentage of total shares, is a key determinant of a share liquidity).

– Siehe Arranger, Konsortialkredit, Konsortialrisiko, Zweitplazierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Material-Adverse-Change-Klausel abgekürzt MAC-Klausel (so auch im Deutschen gesagt):

Im Zuge von Übernahme-Angeboten der Vorbehalt, dass bestimmte, zumeist ausführlich beschriebene Veränderungen bei der Zielgesellschaft (acquiree: the firm that should be acquired) das Angebot nichtig werden lassen (the clause that gives a buyer the right to terminate the agreement before its completion or at least to renegotiate its terms, if events occur that are detrimental to the business/assets of the target company) Diese Nebenbestimmung ist üblich, weil erfahrungsgemäss bei Zielgesellschaften die Neigung sehr gross ist, Mitarbeitern vor der Übernahme die Vertragsbedingungen grosszügig zu verbessern bzw. Änderungen am Vermögensstatus des Unternehmens vorzunehmen.

– Siehe Aktionärstimmenjagd, Aktientausch-Übernahme, Bieter, Buy out, Erwerbsangebot, Freier, Fusionen und Übernahmen, Gifttablette, Handgeld, Makkaroni-Abwehr, Pac-Man-Strategie, Pflichtangebot, Ritter, weisser, Shark Watcher, Spin-off, Squeeze-out, Stimmrecht-Datenbank, Synergiepotentiale, Totholz, Trade Sale, Transaktionsbonus.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der Bafin, S. 209 (zu MAC-Klauseln).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Materie, dunkle (dark matter):

Analogiebegriff in Zusammenhang mit Defiziten in der Leistungsbilanz der USA. Er entstammt der Astronomie und beschreibt dort die Widersprüchlichkeit zwischen der tatsächlichen Materie, ableitbar aus der in den Galaxien wirkenden Gravitationskraft einerseits und der sichtbaren Materie andererseits. So übersteigen auch die amerikanischen Auslands-Aktiva, gemessen an deren Ertragswert, die Verbindlichkeiten der USA gegenüber Ausländern. Die herkömmlichen Erfassungsmethoden der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung geben in Bezug auf die (Auslands)Vermögenswerte der Unternehmen offenbar ein entstelltes Bild.

– Siehe Leistungsbilanz, Loch, dunkles, Wechselkurs.

– Vgl. Geschäftsbericht 2005 der Deutschen Bundesbank, S. 31 (vergleichende Übersicht Leistungsbilanz-Positionen), Monatsbericht der EZB vom November 2007, S. 84 ff. (Probleme bei der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung für das Eurogebiet).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Materna (maternalia):

In der älteren Finanzsprache die Vermögenswerte aus einem mütterlichen Erbe. Entsprechend sprach man von Paterna (paternalia; pater = Vater)) bei dem aus väterlichem Erbe zugefallenen oder auch zu erwartendem Vermögen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Matratzengeld und Kopfkissengeld (mattrass money, money pillowsation):

Geld im Besitz von Privathaushalten, das keiner zinsbringenden Verwendung zugeführt, sondern in eigener Verwaltung irgendwo im häuslichen Bereich (under the mattrass; das Wort "Matratze leitet sich vom arabischen "Matrah" = Bodenkissen her) oder unter dem Kopfkissen (pillow) angehäuft und gelagert wird.

– Siehe Abwartehaltung, Anlage-Risiko, Attentismus, Eventual-Kasse, Geldjeans, Geldnutzen, Geldbestand, sektoraler, Geldmulde, Geldschatz, Horten, Idle money, Larghezza, Liquiditätspräferenz, Opportunitätskosten, Sparsamkeit, Sparstrumpf.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Matrikel (register):

In älteren Dokumenten auch ein Verzeichnis der Einkünfte aus einem geistlichen oder weltlichem Amt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Matrikularbeiträge (member states contributions):

1 In der Regel nicht zweckgebundene und aus allgemeinen Haushaltsmitteln bestrittene Zahlungen nachgeordneter an übergeordnete öffentliche Verbände; besonders im föderal gegliederten Bundesstaat die Zahlungen der Gliedstaaten an den Zentralstaat.

2 In früherer Zeit auch nichtgeldliche Leistungen - wie vor allem Truppen, Kriegsmaterial, Verpflegung - an den Zentralstaat, und in Deutschland in Bezug auf die Verfassungsgeschichte und Finanzgeschichte von grosser Bedeutung.

– Siehe Defensionergeld, Urbarium.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Matrosengeld auch Bootsknechtgeld und Mareage (sailor's pay):

Lohnzahlung an einen Matrosen (sailor, mariner, seaman: one whose occupation is to assist in the handling of ships on sea).

– Siehe Heuergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Matzhammelei (fraudulent entries):

In älteren Dokumenten betrügerische Machenschaften im Bergbau, vor allem durch falsche Abrechnungen ungetreuer Schichtmeister (shift supervisors, purser, inspector) und Schichtschreiber (clerks of the mine) zulasten der Bergleute und Gewerken. - Matz = taubes, leeres Gestein; in übertragenem Sinne: es wurden Ausgaben für Personen oder Sachen in Rechnung gestellt, die es in dieser Höhe oder gar nicht gab.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mauerblümchen (wallflower):

Im Jargon eine Aktie, welcher die Gunst der Käufer versagt ist. Gewöhnlich haben entsprechende Papiere ein ungünstiges Kurs-Gewinn-Verhältnis (share that has fallen out of favour with investors; such titles usually have a low price-earnings ratio).

– Siehe High Flyer, Low Coupon Papers, Low Performer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mauergeld auch Wallgeld und Ringgeld (wall duty):

In alten Dokumenten eine Abgabe zur Errichtung und dem Unterhalt der Stadtmauer. - In der geschichtlichen Entwicklung Europas kamen Städte hinsichtlich der Verfassung (constitution: weitgehende Selbstverwaltung), Besteuerung (taxation: eigene Einnahme- Ausgabewirtschaft neben der weiterbestehenden Abgabepflicht an den Landesherrn) und des Rechtswesens (judiciary: eigene Gerichtsbarkeit) schrittweise (gradual) zu einem Eigenleben. Um dieses abgrenzend zu sichern, war das engere Stadtgebiet mit umschliessenden Mauern, Gräben und Toren zu versehen. Es wird von Orten berichtet - wie beispielsweise Schwaz in Tirol -, die wegen der hohen Aufwendungen für die Mauern selbst sogar vom Landesherrn angetragene Verleihung der Stadtrechte ablehnten.

– Siehe Festungsgeld, Torgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mauschel (yid):

In der älteren Finanzsprache auch gesagt für einen Marktteilnehmer oder Vertragspartner jüdischen Glaubens (a Jewish person), in der Regel in geringschätzigem Sinne gemeint (a derogatory term). - Mauschel ist der Wortherkunft nach eine Koseform des Namens Moyshe, der seinerseits auf Mose bzw. Moses zurückgeht.

– Siehe Goi.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mäusefanggeld (payment for catching mice):

In einigen Dörfern bis ins 20. Jht. bezahlte Prämie für jede getötete Maus bzw. auch Ratte. In der Regel war der Schwanz des erlegten Tieres der von der Gemeinde beauftragten Person vorzulegen. Es wurde dann der Betrag bar ausbezahlt oder - wie zumeist beim Rabenfanggeld - eine zur Einlösung bei der Gemeindekasse geschriebene Quittung ausgehändigt. Die Beschränkung auf das Dorf sowie die Bestellung eines ortskundigen Beauftragten, der jeden Dorfbewohner kannte, sollte verhinderten, dass Mäuse um des Mäusefanggeldes gezüchtet wurden.

– Siehe Katzengeld, Kobra-Effekt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Maut (toll; road user charge):

1 Älterer Ausdruck für

1. eine Abgabe überhaupt und

2. im Besonderen für einen Zoll, der vom Mautner (Zöllner; tollkeeper) einkassiert wurde.

2 Heute vor allem in der Bedeutung einer Zahlung, die beim Befahren von bestimmten Strassen zu entrichten ist.

– Siehe Brückengeld, Chausseegeld, Citymaut, Dammzoll, Dieselgeld, Fährgeld, Furtgeld, Liegegeld, Mezetene, Taxe, Torgeld, Transitgeld, Ungeld, Verladegeld, Vignette, Wartegeld.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2010, S. 66 f. (Aussagewert der Maut-Statistik für ökonomische Untersuchungen; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mautgeld (toll surcharge):

Im Speditionsgewerbe (freight forwarder business) ein Aufschlag, der zusätzlich zum Frachtgeld (carriage charge) dem Vertragspartner in Rechnung gestellt wird. Der jeweilige Betrag richtet sich in der Regel nach der Höhe der aktuellen Strassenbenutzungsgebühr für Camions (Lastkraftwagen; lorrys, trucks) auf Autobahnen (autobahn toll) bzw. bei Anlieferung im innerstädtischen Bereich zusätzlich nach der dort allfällig erhobenen Citymaut (inner city toll). Verlangt die Lieferung auch das Befahren von gebührenpflichtigen Privatstrassen, so wird der Kunde daneben mit der dort erhobenen Maut (road user charge) belastet. - Weil die entsprechenden Nutzungsgebühren oftmals rasch erhöht werden - etwa die Citymaut (congestion charge, city toll) in Abhängigkeit von der innerstädtisch gemessenen Feinstaub-Belastung -, so müssen sich ein Spediteur (CH: Spetter; carrier, forwarder) von diesen schwer kalkulierbaren Kosten (erratic costs) freihalten, um nicht Verluste einzufahren.

– Siehe Dieselgeld, Manifestgeld, Maut, Referenzpreis, Standgeld, Wartegeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

McDonaldisation (so auch im Deutschen gesagt):

Gleicher äusserer und innerer Standard in allen (Bank)Geschäftsstellen, mit einem Schwerpunkt

1. auf nur wenige, aber leicht überschaubare und kaum erklärungsbedürftige Produkte,

2. unbedingte Kundenfreundlichkeit (customer friendliness),

3. zügige Abwicklung der Geschäfte und damit

4. Vertrauen in die Qualität der erbrachten Dienstleistung.

– Der Begriff leitet sich von der weltweit tätigen, von dem Amerikaner Ray Kroc erfolgreich zur Weltgeltung gebrachten Schnellimbiss-Kette McDonald's ab.

– Siehe Behavioural Branding, Benutzerfreundlichkeit, Beziehungsbankgeschäft, Behördenmanagement, bankliches, Container-Banking, Corporate Fashion, Kundenbindung, Massengeschäft, Ortsbank, Prosumer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Medaille (medal):

1 Nicht als Zahlungsmittel bestimmtes, in der Regel gerundetes Metallstück mit Inschrift und/oder figürlichen Darstellungen zu

1. Erinnerungszwecken oder

2. zur Auszeichnung für besondere Leistungen; umgangssprachlich im ersten Fall gewöhnlich Gedenkmünze genannt (a coin-like object in metal with no monetary value, generally in the form of a commemorative minting).

2 Nachgeprägte Kurantmünzen, die früher im Umlauf waren, heute jedoch

1. entweder keine gesetzlichen Zahlungsmittel mehr sind oder

2. zwar theoretisch Zahlungsmitteleigenschaft haben, aber wegen des hohen Stoffwertes, hauptsächlich in Form von Gold und Silber, nur noch als Anlageobjekt dienen, wie etwa Gold-Dollar, Vreneli (= alte Schweizer Goldmünze).

3 Neu geprägte Stücke, oft in Form von Münzen aus Edelmetall und auf eine Währung (auch EUR) lautend, denen die Eigenschaft eines gesetzlichen Zahlungsmittels abgeht, die aber trotzdem häufig als solches angeboten werden. - Die Abgrenzung zwischen Medaille und Münze ist nicht eindeutig. In der Alltagssprache werden in der Regel auch alle unter 2 und 3 genannten Stücke Münze genannt. Nach EU-Recht dürfen Medaillen nur in einer Form hergestellt oder verbreitet werden, welche die Gefahr einer Verwechslung mit Euro-Münzen ausschliesst.

– Siehe Anlage-Münze, Begültigung, Denkgeld, Edelmetall, Goldpreis, Kontorniaten, Missilien, Münze, Numismatik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mediation (mediation):

Wenn nicht anders definiert, die im Rahmen der nationalen Aufsichtsbehörden untereinander oder mit anderen Gremien gültigen Abstimmungs-Regeln.

– Siehe Bankenaufsicht, europäische, Memorandum of Understanding, Schiedsverfahren.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 30 f. (Mediation beim Ausschuss der Europäischen Wertpapier-Regulierungsbehörden [CESR]).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Medio (middle of the month):

In der älteren Finanzsprache häufig benutzter Ausdruck für die Monatsmitte, jedoch nie bezogen auf die Mitte der Woche oder des Jahres.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Medium Term Notes, MTN (so auch im Deutschen gesagt; seltener mittelfristige Schuldtitel):

Von einer Bank ausgegebene Inhaberschuldverschreibung, die einem bestimmten Unternehmen Kapital zumeist für einen Zeitraum von zwei bis fünfzehn Jahren zuführen soll. In der Regel werden die Papiere an der Börse eingeführt; sie kommen aber auch als Privatplazierung vor (essentially a plain vanilla debt security, generally with a fixed coupon and maturity date; MTNs represent senior, unsecured, investment grade).

– Siehe Commercial Papers, Credit-Linked Notes, Euro-Notes, Notes.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Megamanie (megamania):

Der Umstand, dass auf bestimmten Segmenten des Finanzmarktes nur wenige, weltweit agierende Banken tätig sind. Dadurch erhöht sich die Konzentration im Handel wichtiger Produkte, etwa von bestimmten Derivaten. In der Folge steigt gleichzeitig das Risiko eines Rush to exit.

– Siehe Bankbetriebsgrösse, optimale, Bankenaufsicht, europäische, Bestreitbarkeit, Derivategeschäfte-Clearingpflicht, Derivategeschäfte-Meldepflicht, Gibrat-Regel, Gigabank, Grossbankenbonus, Grössenvertrauen, Sifi-Oligopol, Subprime-Krise, Subsidiaritätsprinzip, Too big to fail-Grundsatz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Megamerger (so auch im Deutschen gesagt; seltener Grossfusion):

Auf dem Finanzmarkt der Zusammenschluss in der Regel zweier grosser Banken zu einem einzigen Institut. - Wie die Erfahrung gelehrt hat, dauert es oft ein Jahrzehnt und länger, bis die positiven Grössen-Effekte aus einer solchen Verschmelzung wirksam werden, falls es zu solchen überhaupt je kommt.

– Siehe Allianzen, grenzüberschreitende, Bankbetriebsgrösse, optimale, Bankfusionen, Bayrische Hypo- und Vereinsbank AG, Behauptungs-Strategie, Bestreitbarkeit, Dezentralisations-Prinzip, Downsizing, Gibrat-Regel, Gigabank, Grössen-Effekte, Konsolidierung, Korrespondenzbank-Beziehung, Megamanie, Octopus, Penrose-Theorem, Postbank, Subsidiaritätsprinzip, Synergiepotentiale.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2005, S. 83 ff. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mehrfachmandat (multiple mandate):

Ein Vorstandsmitglied eines Unternehmens ist gleichzeitig auch als Geschäftsleiter in einem oder mehreren anderen Unternehmen im Amt. Für den Finanzbereich haben die Aufsichtsbehörden für Mehrfachmandate Beschränkungen eingeführt.

– Vgl. Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 89 (Rechtsgrundlage; Merkblatt der BaFin).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mehrfachnotierung (multiple listing):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter den Handel der Aktien eines Unternehmens an Börsen in verschiedenen Währungsräumen. Aus dem jeweiligen Kurs lassen sich auch für die Zentralbank Rückschlüsse über den Wechselkurs der beteiligten Währungen ableiten.

– Siehe Arbitrage, Daytrading.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mehrfachverbindung (multiple bank accounts):

Wenn nicht anders definiert die Tatsache, dass ein Privathaushalt - seltener auch auf Unternehmen bezogen, weil dort herkömmlicherweise durchaus geschäftsüblich - Konten bei mehreren Banken unterhält. Weil in Deutschland nach Erhebungen knapp über fünfzig Prozent der Kunden die Entgelte für Bankdienstleistungen vergleichen, so muss sich das einzelne Institut bemühen, zur Zufriedenheit des Kunden zu arbeiten. Der Wettbewerb im Retailgeschäft ist entsprechend stark.

– Siehe Kredit-Punktbewertungsverfahren, Marktkräfte, McDonaldisation, Personalkredite, Privatkredit, Retailgeschäft, Wholesale Banking.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mehrheitsbeteiligung (controlling interest):

Eine Person oder Personengruppe besitzt so viele Anteile an einer Aktiengesellschaft, dass sie Entscheidungen des Managements bestimmen kann; in der Regel schliesst das den Besitz von über der Hälfte am stimmberechtigten Kapital eines Unternehmens ein (if one shareholder or a group acting in kind holds a high enough percentage of ownership in a company to enact changes at the highest level. By legal definition in Germany, this figure regulary is fifty percent of the outstanding shares or voting shares, plus one).

– Siehe Aktionär, aktiver, Kombinationseffekt, Paketzuschlag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mehrwert (surplus value; added value):

1 Allgemein der Gewinn.

2 Der positive Unterschied zwischen der Marktkapitalisierung einer Gesellschaft und den firmeneigenen Vermögenswerten.

3 Im Marxismus der Überschuss, den der Kapitalist im Produktionsprozess erzielt. Dem liegt die (irrige!) Ansicht zugrunde, die Arbeit - und sie ausschliesslich und allein - schaffe Wert. Mithin ist jedes Ding grundsätzlich soviel wert, wie Arbeit in ihm steckt (als "geronnene Arbeit": Arbeitswertlehre; labour theory of value).

4 Die von einem Unternehmen erwirtschaftete Wertschöpfung (net value added); bei der Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer, value added tax, VAT; offizielle Bezeichnung: Allphasen-Nettoum¬satzsteuer mit Vorsteuerabzug) für die Berechnung des abzuführenden Betrags zugrunde gelegt.

– Siehe Fair Value, Mark-to-Model-Ansatz, Marktwert, Plusmacherei, Profit, Rebbes, Tobins Q, Unternehmenswert, Verkehrswert, Wertschöpfung, Zeitwert.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mehrzuteilungs-Option und Greenshoe-Option (greenshoe):

Vertragliche Vereinbarung zwischen einer Bank bzw. einem Emissionskonsortium einerseits und einem Emittenten andererseits, wonach bei starker Nachfrage der Bank bzw. dem Konsortium weitere Papiere zu den ursprünglich vereinbarten Bedingungen gewährt werden (an option granted by the seller/issuer to the bank to buy at the price of offering a number of supplementary shares over and above the number offered to investors). Diese Voranwartschaft (pre-emptive scheduling) stellt somit eine Überzeichnungs-Reserve für den Bedarfsfall dar. Sie befreit damit die einzelne Bank zunächst einmal vor - den Kunden gegenüber unangenehmen und zusätzliche Kosten verursachenden - Zuteilungsmassnahmen. - The term derives from the Green Shoe Manufacturing Corporation, Boston (since 1966 The Stride Rite Corporation: a leading marketer of high quality children's footwear in the USA and a major marketer of athletic and casual footwear for children and adults), which first introduced this option in 1963.

– Siehe Emission, überzeichnete, Garantiesyndikat, Hot Issue, Konsortialrisiko, Nochgeschäft, Plazierungskraft, Repartierung, Überzeichnung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Meilengeld (milebased payment):

In älteren Dokumenten die Bezahlung eines Boten, der eilige Briefe bzw. Akten an einen Empfänger auszuliefern hatte. Grundlage für das Entgelt bildete dabei ganz oder doch zu einem hohen Prozentsatz die Länge des Weges, der aufgrund der geographischen Gegebenheiten zurückgelegt werden musste. Auf diese Weise wurden die Boten angehalten, die Strecke rasch und ohne zeitschindende Umwege auf Kosten des Auftraggebers (using time wasting behaviour at the cost of the consignor) zu gehen bzw. zu reiten.

– Siehe Sattelgeld, Stafettengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Meinungskauf (speculative buying):

Der Erwerb von börsennotierten Gegenständen (products, securities; Waren, Wertpapieren) allein aufgrund der Erwartung, dass der Kurs steigen werde und man so einen Gewinn erzielen könne. Es ist von vornherein nicht beabsichtigt, den entsprechenden Vermögenswert auf Dauer im Portfolio zu halten.

– Siehe Blase, Börsenbriefe, Geheimtip, Konzertzeichner, Milchmädchen-Hausse, Rebbes, Spekulation, Vorschatten-Effekte, Vertrauenshypertrophie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Meistereigeld (therapist's fee):

In älteren Dokumenten eine Zahlung seitens einer Person für in Anspruch genommene ärztliche Leistungen; Honorar für einen Heilkundigen (healing person, therapist: akademisch ausgebildeter Arzt, Wundarzt, Okulist, Feldscher und andere). Meisterei = hier: medizinische Heilbehandlung.

– Siehe Heilgeld, Liquidation, Rechnung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Meldepflicht (reporting obligation, notification requirement, obligation to notify):

Wenn nicht anders definiert die gesetzliche Auflage eines Instituts, der Aufsichtsbehörde laufend oder auf deren Verlangen Auskünfte zu erteilen. Die meldepflichtigen (subject to disclosure requirements) Positionen sind von der jeweiligen Aufsichtsbehörde vorgegeben; Verstösse gegen die Meldepflicht kann die Aufsichtsbehörde ahnden.

– Siehe Aggregation, Risk Reporting, Unregelmässigkeiten-Meldepflicht.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 143 (Erlaubnisentzug für Institut bei Verstoss gegen die Meldepflichten), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 140 f. (neue Erfordernisse an das aufsichtliche Meldewesen), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 147 (gemeinsames Melde -"Konzept" [ein für alles und daher für nichts stehender Ausdruck!] der BaFin und der Deutschen Bundebank), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 72 (Übersicht der bestehenden und beabsichtigten Meldevorgaben) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Meldepflichtstufe (reporting level):

In der Regel verlangen die Aufsichtsbehörden, dass an Waren- und Effektenbörsen ab einer bestimmten Höhe offener Positionen diese ihr gemeldet werden müssen.

– Siehe Aggregation, Commodity Futures Trading Commission, Positionen, meldepflichtige.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Meldeverfahren (reporting procedure):

Falls nicht anders definiert, so meint man damit den automatischen zwischenstaatlichen Austausch von Informationen über getätigte Zinszahlungen innert der Europäischen Union und in den so genannten abhängigen und assoziierten Gebieten, nämlich Channel Islands (Jersey, Guernsey, Isle of Man), Gibraltar, Madeira und British Virgin Islands.

– Siehe International Business Company, Offshore Banking, Zweitausweis.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Meliorationskredit (credit for cultivation of land, melioration loan):

Darlehn zur Verbesserung der agrikulturellen Bewirtschaftung von Grund und Boden. - Vor allem im 18. Jht. in den europäischen Ländern im Zuge der Politik "innerer Kolonisation" meistens vom Staat direkt oder durch eigens dazu gegründete Institute in den einzelnen Staaten (agricultural loan and irrigation banks; Landeskulturrentenbanken) vergeben. Auch wurden die Darlehn häufig zur Regulierung und Eindeichung (embankment) von Gewässern sowie zum Kanalbau vergeben. Der Schuldner hatte das Darlehn grundsätzlich durch Einräumung einer Hypothek oder Grundschuld an land- oder forstwirtschaftlich benutzbaren Grundstücken sicherzustellen. Meliorationskredite sind in letzter Zeit im Zuge der Entwicklungshilfe wieder bedeutend geworden.

– Siehe Bodenkreditinstitut, Ernte-Unterstützungskredit, Flüchtlingssiedlungskredit, Landeskulturrentenbanken, Schneegeld, Seehandlung, Siedlungskredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Memorandum of Understanding, MoU (so auch im Deutschen gesagt):

1 Allgemein auf dem Finanzmarkt eine Vereinbarung zwischen den Partnern, wie ein Geschäft im Einzelnen vonstatten gehen soll (when a framework for private negotiations has been defined, a memorandum of understanding is often signed to open the way to a transaction).

2 Beidseitige Vereinbarung zwischen den Aufsichtsbehörden verschiedener Länder. Sie enthalten Absichtserklärungen über den Austausch vertraulicher Informationen, um die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu erleichtern. Im Besonderen wird vereinbart, Auskunftsersuchen bei Ermittlungen in Insiderfällen, bei Marktmanipulation oder anderen Verstössen im Rahmen der jeweiligen nationalen Gesetze nachzukommen.

3 Absprachen über die Bewältigung allfälliger Finanzkrisen zwischen einzelnen Staaten der EU.

– Siehe Bankenaufsicht, europäische, Gentlemen's Agreement, Multilateral Memorandum of Understanding.

– Vgl. Jahresbericht 2001 des Bundesaufsichtsamts für den Wertpapierhandel, S. 50 f., Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 59 f. (Initiative der IOSCO; S. 60: Liste der MoUs zwischen der BaFin und Aufsichtsbehörden anderer Länder in den Bereichen Bankenaufsicht, Versicherungsaufsicht und Wertpapieraufsicht), Monatsbericht der EZB vom Februar 2007, S. 81 ff. (ausführliche Darstellung in Bezug auf MoU bei Finanzkrisen in der EU), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 62 (Übersicht bilateraler MoU in den einzelnen Aufsichtsbereichen), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 70 ff. (hier auch Übersicht der MoUs), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 68 ff. (weitere Abkommen), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 79 (neue Übersicht der MoUs) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Internationales".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Memorandum of Understanding, multilaterale, MMoU:

Plattform für die weltweite Zusammenarbeit der Versicherungsaufsichtsbehörden.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 71 f. (Anteil der BaFin am Zustandekommen; Bedingungen für die Aufnahme neuer Mitglieder; Einbindung in andere Gremien) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Internationales".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Memorial und teilweise auch Manual (journal):

In der älteren Literatur die Aufzeichnungen über alle Geschäftsvorfalle, welche nicht in das Kassenbuch, in das Rechnungsbuch (Fakturenbuch, invoice-book) oder das Versandbuch gehören.

– Siehe Faktura, Geheimbuch, Hauptbuch, Kassabuch, Kassenstrazze, Rapiat, Strazze.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Memoriengeld (requiem money):

In älteren Dokumenten eine Zahlung für eine in katholischen Gemeinden übliche Seelen-Messe (MISSA PRO DEFUNCTIS); oft bestimmungsgemäss an einem ausgemachten Tag jährlich gefeiert und gespeist aus den Zinsen (Memorienrente) eines entsprechend angelegten Stiftungs-Vermögens, dann früher auch Memoriengut (memorial foundation) genannt.

– Siehe Messegeld, Perpetuitäten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mengengeschäft auch Breitengeschäft (consumer banking; retail business):

Andere Bezeichnung für das Retailgeschäft einer Bank.

– Siehe Massengeschäft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mengen-Gewichts-Beziehung (unit-value relation):

Manchmal gebrauchte deutsche Bezeichnung für die Unit-Value-Relation.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mengentender auch Festsatz-Tender (fixed rate tender; volume tender):

Ausschreibungsverfahren, bei dem der Zinssatz im Voraus von der Zentralbank festgelegt wird. Die teilnehmenden Geschäftspartner bieten den Geldbetrag, für den sie zum vorgegebenen Zinssatz abschliessen wollen. - Die EZB hat Ende Juli 2000 vom Mengentender-Verfahren auf das Zinstender-Verfahren beim Hauptfinanzierungs-Instrument umgestellt. Während der Finanzkrise 2008 stellte sie im Oktober dieses Jahres auf Mengentender um und teilte die nachgefragte Menge an Liquidität zu einem festen Zinssatz voll zu.

– Siehe Offenmarkt-Tender-Operations-System, Quantitative Easing, Tenderverfahren, Zinstender, Zuteilungssatz, marginaler.

– Vgl. die Tender-Ergebnisse im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Monetäre Statistik" des jeweiligen Monatsberichts der EZB, Monatsbericht der EZB vom Juli 2000, S. 39 (Umstellung), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2008, S. 37 (Mengentender ab 15. Oktober 2008), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Februar 2009, S. 24 f. (Geldmarktsteuerung während der Finanzkrise; Umstellung auf Mengentender), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2010, S. 26 ff. (Geldmarktsteuerung und Liquiditätsbedarf), Monatsbericht der EZB vom Januar 2014, S. 75 ff. (Grundlinien der Liquiditätspolitik der EZB).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Menükosten (menu costs):

Allgemein aller Leistungsverzehr, welcher den Unternehmen bei Inflation aus dem Verlust der Masstabeigenschaft des Geldes entsteht. Dies sind vor allem Mehrausgaben für

1. die notwendige Anpassung der Selbstkostenrechnung (cost accounting),

2. die Aktualisierung (updating) aller für die Kunden bestimmten Prospekte, Preislisten und Kataloge sowie

3. die Angleichung der Lohn- und Gehaltskonten.

– Wie empirische Studien gezeigt haben, belasten diese Aufwendungen die Unternehmen erheblich. Von der Geldtheorie wurden diese Kosten lange weithin vernachlässigt; sie rückten erst ab etwa 1995 durchgängig in ihr Gesichtsfeld.

– Siehe Geldneutralität, langfristige, Inflation, Lug-und-Trug These Marktmechanismus, Nominalwertprinzip, Phillips-Theorem, Schuhsohlenkosten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Merchant Banking (so auch oft im Deutschen gesagt; zuweilen auch Firmenkundengeschäft):

Wenn nicht anders definiert sämtliche Dienstleistungen einer Bank für Unternehmen (bank business mainly in offering financial services to corporations).

– Siehe Investment Banking, Private Banking.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mergelgeld (marl payment):

1 Zahlung landwirtschaftlicher Betriebe an den in der Regel landesherrlichen Eigentümer (sovereign possessor) einer Mergelgrube (marl pit). Mergel war in früherer Zeit in vielen Gebieten ein zur Bodenverbesserung gern eingesetzter Stoff, der sowohl Kalk als auch andere Minerale enthält.

2 In alten Frachtrechnungen (freight [cargo] invoices) auch der Fuhrlohn (carriage costs) für den Transport des Mergels von der Grube zum Käufer.

– Siehe Frachtgeld, Fuhrgeld, Kärnergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Messegeld (fair fee; Mass stipend, Mass offering):

1 Abgabe eines Ausstellers an den Veranstalter einer Mustermesse (sample fair) oder Verkaufsmesse (trade fair). Dieses wird bis heute gewöhnlich in Form eines Standgeldes (stall money) in Rechnung gestellt.

2 In katholischen Kirchen eine Zahlung an den Geistlichen dafür,

1. dass er für die Gemeinde einen Gottesdienst hält (celebrates a mass; die Messe feiert); in vielen armen Ländern bis anhin das einzige Einkommen eines Priesters überhaupt oder

2. dass er des bestimmten Anliegens eines Lebenden bei der Messfeier gedenkt bzw. besonders für die Seelenruhe eines Toten betet. Die Gebühr wird auch Mess-Stipendium (offering for a Mass, Mass stipend) genannt, und über deren Höhe und Verwendungszwecke haben die Kirchenbehörden (dioceses, episcopal conferences; Diözesen, Bischofs-Konferenzen) entsprechende Vorschriften erlassen.

– Im Falle einer besonderen Messfeier - etwa Hinzuziehung eines Orchesters, eines Chors, so wie auch heute nicht selten bei einer Brautmesse oder bei einem Jubiläums-Gottesdienst - werden dem Auftraggeber die entstandenen Kosten in Rechnung gestellt bzw. es muss vom Besteller eine entsprechende Vorauszahlung geleistet werden. Eine feierliche Brautmesse (church wedding embodied into Holy Mass) kann bei dreissig Mitwirkenden derzeit bis zu 10'000 EUR kosten. Zu denken ist dabei an das Honorar der Musiker und Sänger, Frackgeld, Lohnausfallvergütung für Beteiligte, Fahrt-, Verpflegungs- und Übernachtungsaufwand und Versicherungsgebühren.

– Siehe Ablassgeld, Amtsgeld, Annaten, Denkgeld, Dispensationsgeld, Kathedralgeld, Kerzengeld, Kirchgeld, Läutegeld, Lustbarkeitsgebühr, Marktgeld, Memoriengeld, Musikgeld, Opfergeld, Palliengeld, Peterspfennig, Pönalgeld, Prokurationsgeld, Stipendium, Tanzkonzessionsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Metabasis (metabasis):

In älteren Dokumenten ein Umschwung der Geschäftstätigkeit, gewöhnlich im Sinne jetzt höherer Umsätze (a change in the course of economic activity and commonly understood in the direction of a rise in sales).

– Siehe Boom, Bull, Flor, Gewinnkonjunktur, Hausse, Konjunktur, Metabasis, Prosperität, Runup, Zyklik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Metaverbindung (joint transaction):

Eine besonders auf Finanzmärkten häufige Vereinbarung zwischen mehreren Beteiligten, alle Transaktionen aus Gründen der Kostenersparnis durch nur einen einzigen Partner (den Metisten) abwickeln zu lassen. Entstehende Gewinne und allfällige Verluste aus dem Geschäft werden dann zwischen den Konsorten gemäss den zuvor festgelegten vertraglichen Vereinbarungen aufgeteilt.

– Siehe Partizipationsgeschäft, Syndikat, Syndizierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Metall-Inflation (metal inflation):

Um 2005 aufgekommene Bezeichnung für die Tatsache, dass weltweit gesehen sich die Lebenshaltungskosten in allen Ländern erhöhen, wenn der Preis für Metalle steigt, und hier wieder besonders für Kupfer und Nickel. Bei global gleichbleibender Förderung von Metallen schwillt die Nachfrage vor allem in den Entwicklungs- und Schwelländern, die sich auf dem Weg zur Industrialisierung befinden, stark an. So schluckte allein China zwischen 2000 und 2009 ungefähr neunzig Prozent des zusätzlichen Weltangebots an Kupfer. - Andererseits bewirkt eine Preissteigerung bei Metallen - vor allem bei Nickel - in Industrieländern einen relativen Rückgang der Nachfrage, weil die Verwendung von Substituten steigt. Deren Herstellung wird nun rentabel; und die Kunden zeigen sich eher bereit, die Ersatzstoffe anzunehmen. Hinzu tritt, dass gerade in der metallverarbeitenden Industrie die Suche und Eignungsprüfung (suitability test) von Substituten zu den stark weltmarktpreisabhängigen Importrohstoffen eine sehr lange Tradition besitzt. Auch auf die technische Beratung (technical consulting) der Abnehmer über den Einsatz der Ersatzprodukte wurde schon seit Beginn des 20. Jhts. sehr grossen Wert gelegt, nicht zuletzt bedingt durch die Perioden der Kriegswirtschaft.

– Siehe Erdöl-Inflation, Finanzialisierung.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom September 2008, S. 21 (Schwankungen der Metallpreise in Abhängigkeit von Spekulanten; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Metalliques (metallics):

Anleihen - vor allem des russischen und österreichischen Staates im 19. Jht. -, die gemäss den Emissionsbedingungen in schwerem Geld verzinst werden sollten.

– Siehe Integralen, Lombarden.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Metallist (metallist):

In der älteren Finanzsprache Anhänger der Auffassung, dass der Wert des Geldes

1. ganz auf seinem Stoff - in der Regel Gold oder Silber - beruht oder doch

2. auf seiner Deckung durch Edelmetall.

– Siehe Banking-Theorie, Bimetallismus, Currency-Theorie, Geld, privates, Nominalismus.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Metcalfe-Regel (Metcalfe rule):

Die Vorteile eines Netzwerks steigen im Quadrat der Anzahl seiner Nutzer (the benefits of a network is proportional to the square of the number of connected users). - Bestätigt fand sich dieser Grundsatz unter anderem bei der Einführung des Online Banking, das durch die Vernetzungs-Effekte sehr rasch anwuchs. Entsprechendes gilt für Zahlungsverkehrssysteme.

– Siehe Flash Crash, Handelssystem, Migration, Rose-Effekt. Spill-over-Effekt, Wertpapierhandel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Methusalem-Syndrom (Methusalem syndrome):

Bezeichnung für die Tatsache, dass die Menschen in den entwickelten Staaten immer älter werden. Das führt in der Tendenz zu einem Druck auf die Währung der betroffenen Staaten bzw. Währungsgebiete die von der Überalterung besonders betroffen sind, wie vor allem im Euroraum. - Bereits jetzt wurden zu viele Zahlungsversprechen für die Zukunft übernommen, vor allem Pensions- und Sozialleistungen. Das erhöht weiter die Staatsverschuldung; bereits 2040 wird in Deutschland der angehäufte Schuldenberg fünfzehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Zinszahlungen verschlingen. - Wenn jeder Deutsche im Jahr 2050 drei Jahre länger als 2010 leben würde, dann kämen nach verlässlichen Berechnungen auf den Staat zusätzliche Ausgaben in Höhe von zwei Drittel des Bruttoinlandsprodukts zu. Geht man vom BIP des Jahres 2010 aus, dann entspricht das einem Ausgabenmehr von 2'245 Milliarden Euro. - Der Name leitet sich von einer biblischen männlichen Person ab, der für die damaligen Verhältnisse sehr alt wurde (78 Jahre?); wie alt genau lässt sich kaum sagen, weil die Zahlen in der Zeit der Entstehung des Alten Testaments nicht die heutige eindeutige kalendarische Bedeutung hatten.

– Siehe Altersquotient, Demographieverfestigung, Rücklagen-Verzehr, Schattenverschuldung, Schuldenbremse, Stagnation, säkulare, Überalterung, Vergreisung.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 19 (die ungünstige demographische Entwicklung birgt Gefahren für die Einrichtungen der Altersvorsorge).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mezetene (mecetine):

In alten Dokumenten die Abgabe bei der Einfuhr von Waren in den türkischen Herrschaftsbereich; ein Importzoll. Dieser lag zwischen acht und zehn Prozent des Warenwertes.

– Siehe Maut, Zollaufgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mezzanin-Fonds (mezzanine fund):

Sondervermögen einer Kapitalverwaltungsgesellschaft mit dem Zweck, Unternehmen wunschgemäss Mezzanin-Kapital zur Verfügung zu stellen. Dabei speist der Fonds in der Regel ein Unternehmen mit Debt Mezzanine Capital in Form von nachrangigen Darlehn. - Wegen des aus der Nachrangigkeit von Mezzanin-Kapital allgemein herrührenden höheren Risikos wird bei solchen Ausleihungen auch ein höherer Zinssatz fällig. Dieser liegt in der Regel zwischen zehn und zwanzig Prozent zuzüglich eines veränderlichen, erfolgsabhängigen Anteils. Weil aber bei banklichen Bonitätsprüfungen das Mezzanin-Kapital in der Regel dem Eigenkapital eines Unternehmens zugerechnet wird, so erhöht sich für die Firma die Kreditwürdigkeit, und der niedrigere Zinssatz für Bankkredite gleicht die hohen Kosten für Mezzanin-Kapital zumindest teilweise wieder aus.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mezzanin-Kapital (mezzanine capital):

1 Risikokapital in der Form von unbesicherten Darlehn mit Eigenkapitalcharakter; Kredite, welche die Finanzierungslücke zwischen Eigen- und Fremdkapital in der Kapitalstruktur insbesondere bei Wachstumsunternehmen sowie bei Übernahmen und Leveraged Buy-outs füllen. - Mezzanin-Kapital ist häufig der Oberbegriff für sämtliche unbesicherte Kreditformen, wie stille Beteiligungen oder Genussrechte. Er bezeichnet ein hybrides Finanzierungsinstrument mit sehr unterschiedlichen Ausprägungen. Allgemein wird zwischen dem

1. eigenkapitalgeprägten Equity Mezzanine Capital (Junior Mezzanine) und

2. dem fremdkapitalorientierten Debt Mezzanine Capital (Senior Mezzanine) unterschieden.

2 Die Mischung von Eigenkapital und Fremdkapital - in erster Linie bei Neugründungen (new business starts) - auf die Weise, dass im Konkursfall das Eigenkapital vorrangig, das Fremdkapital nachrangig behandelt wird. Das Eigenkapital ist damit weniger risikobehaftet, während das Fremdkapital zum Ausgleich dessen an den Gewinnchancen teilhaben kann.

– Siehe Equity Kicker, Erstverlust-Tranche, Kreditderivat, Krediterweiterung, Leveraged Buy-outs, Londoner Verfahren, Mezzanin-Fonds, Nachrangdarlehn, Originate-to-distribute-Strategie, Private-Equity-Finanzierung, Privatplazierung, Rangfolge-Theorie, Risikokapital, Roll-up, True-Sale-Verbriefung, Verbriefung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2004, S. 27 ff., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2005, S. 87 (Emissionen nachrangiger Verbindlichkeiten deutscher Banken 1990 bis 2004), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2007, S. 16 f. (Stellung der Mezzanin-Gläubiger bei Leveraged Buy-outs).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mezzanine-Tranche (mezzanine tranche):

Im Zuge einer True-Sale-Verbriefung die Anspruchsberechtigten zweiten Grades. Zunächst werden die Besitzer der Senior-Tranche bedient, zum Schluss die Halter der Erstverlust-Tranche (Equity-Tranche, Junior-Tranche).

– Siehe Equity Kicker, Originate-to-distribute-Strategie, Tranche, Tranchendicke, Verbriefung, Wasserfall-Prinzip.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 30 f., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2007, S. 16 f. (Stellung der Mezzanin-Gläubiger bei einem Leveraged Buy-out).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

MFI:

Bei der EZB die (besonderes auch in den Statistiken) gängige Abkürzung für ein Monetäres Finanzinstitut.

– Siehe Bank, Institut.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mid Caps, Mid-Caps auch Micas (so auch im Deutschen gesagt; seltener Mittelstandsaktien):

In der Börsensprache die Aktien mittelgrosser Unternehmen, soweit diese an einer Börse eingeführt sind (mid-cap stands for middle capitalisation; these are average-sized companies by market capitalisation in a given market, smaller than large caps although larger than small caps).

– Siehe Kleine und mittlere Unternehmen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Middle-Office-Bereich (so auch im Deutschen gesagt):

Um 2000 aufgekommene Bezeichnungen für bankliche Tätigkeitsfelder, die nicht dem Front-Office-Bereich zuzuordnen sind, sich andererseits aber auch kaum in den Back-Office-Bereich einbeziehen lassen. Als Beispiel wird hier oft das Risikomanagement genannt (risk management is typically considered as middle-office).

– Siehe Aktuar, Auslagerung, Call Centre, Grössen-Effekte, Infighting, Käserei, One-Bank-Delivery, Outsourcing-Risiken, Transaktionsbanken, Vermögensverwaltung, bankliche.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Miete in älteren Dokumenten und teilweise heute auch noch umgangssprachlich Mietzins (rent, hire charge):

Das Entgelt für die Gebrauchsüberlassung einer Sache; siehe § 353 BGB. - Die Ausgaben der Privathaushalte für die Wohnungsmiete haben im Harmonisierten Verbraucherpreisindex ein hohes Gewicht. Ihre Veränderung wird daher von der EZB im Rahmen des Zwei-Säulen-Prinzips besonders beobachtet.

– Siehe Leerstandsquote, Mietrendite, Pachtgeld, Wohneigentum.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2010, S. 54 ff. (Mietpreise und ihre Auswirkung auf den HVPI; Übersichten), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 55 ff. (Analyse des Immobilienmarktes; Übersichten; Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mietausfall-Versicherung (renting loss insurance):

Als besondere Form der Kreditversicherung können hier Mietforderungen (rental claims) an gewerbliche Mieter (commercial rentees) bis zu einer Höchstzeit von in der Regel sechs Monaten versichert werden. Bei längerer Versicherungszeit besteht seitens des Vermieters kein Anreiz, gegen den säumigen Mieter vorzugehen bzw. einen neuen Mieter für das Objekt zu suchen.

– Siehe Einzug, Existenzminimum, Geldeintreibung, Hard Claim, Inkassogeschäft, Moral Hazard.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mietrendite (rental yield):

Die Jahresmiete pro Quadratmeter, geteilt durch den Preis des Mietobjektes pro Quadratmeter und bereinigt um einen Aufschlag für die Erwerbskosten (acquisition costs) in Höhe von regelmässig zehn Prozent. Für die Beurteilung des Immobilienmarktes ist die Mietrendite ein wichtiger Richtwert (an important criterion) und wird von der Zentralbank wegen der sehr vorleistungsintensiven (characterised by considerable advance inputs) Baubranche beobachtet.

– Siehe Beleihungswert, Betongold, Gewerbeimmobilien, Hypothekenschulden, Immobilienblase, Immobilienpreise, Immobilienvermögen, Leerstandsquote, Miete, Real Estate Investment Trust, Vermögenspreise, Wohneigentum, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 61 (Entwicklung der Mietrendite für Eigentumswohnungen seit 1999; Übersicht), Monatsbericht der EZB vom Juli 2013, S. 55 ff. (Wohnimmobilien im Eurogebiet und ihr Wert; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Migration (migration):

Wenn nicht anders definiert, meint man damit in Zusammenhang mit der Single European Payment Area (SEPA) den Übergang von den bisherigen nationalen Zahlungsverkehrssystemen zu einem EU-einheitlichen Zahlungsverkehrsraum. Das dürfte auch bewirken, dass sich die Ausführung von Zahlungen in der EU mit der Zeit angleicht. Während 2009 in Deutschland fast neunzig Prozent aller Zahlungen auf dem Weg der Überweisungen und Lastschriften getätigt wurden, waren es in Portugal zur gleichen Zeit nur knapp 30 Prozent.

– Siehe Metcalfe-Regel.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2012, S. 47 ff. (ausführliche Darstellung des Zahlungsverkehrs im Eurogebiet; Übersichten; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mikro-Finanzierung und Mikrofinanzierung (micro lending):

1 Darlehn an Kleinstunternehmen, deren es weltweit etwa 550 Mio gibt. Vielfach sind diese Firmen von normalen Finanzdienstleistungen ausgeschlossen und oft genug dem Wucher ausgeliefert sind. Soweit Banken diesen Markt - in vielen Schwellenländern mit staatlicher Rückendeckung (backing of state authorities) oder gar Bürgschaften - bedienen, sind fast alle Darlehn pünktlich zurückbezahlt worden.

2 Die Gewährung von Darlehn an Existenzgründer, und hier wiederum besonders an Start-ups im Nebenerwerb. Bei den Banken erfordern solche Kredite bei knapper Zinsspanne einen erheblichen Bearbeitungsaufwand (administrative workload); sie bedürfen zudem eines breiten, nachhaltigen Betreuungsumfangs (lasting ongoing servicing) und verschaffen der Bank gleichzeitig ein hohes Kreditrisiko. Daher verlagerten sich solche Darlehn gutteilig auf

1. Risikokapitalfonds,

2. (halb)staatliche Sonderinstitute und

3. Corporate Venture Capital-Gesellschaften.

– Siehe Bootstrapping, Burn Rate, Business Angel, Drittphase-Finanzierung, Gründerbank, Inkubator, Innovationsfonds, Liebesgeld, Private Equity-Finanzierung, Qard al-Hasan, Seed Capital, Sweat Equity.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Oktober 2009, S. 105 ff. (Finanzierungsprobleme in Schwellenländern), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 158 (starker Aufschwung der Mikro-Finanzierung aus Deutschland; BaFin erteilt einem international tätigen deutschen Mikrofinanzierer die Bankerlaubnis), Monatsbericht der EZB vom März 2014, S. 11 ff. (Auswirkungen der Finanzkrise auf Schwellenländer; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mikro-Hedges (so auch im Deutschen gesagt):

Verfahren des Hedging, bei der die einzelne offene Position (underlying transaction; Grundgeschäft) durch den Aufbau einer gegenläufigen Position (hedging transaction; Sicherungsgeschäft) abgesichert wird. - Die Aufsichtsbehörden verlangen, dass Grund- und Sicherungsgeschäft eindeutig zugeordnet sind; dem Verlustrisiko des Grundgeschäftes muss ein allfälliger Gewinn aus dem Sicherungsgeschäft fest umrissen gegenüberstehen.

– Siehe Absicherung, Hedge-Accounting, Hedging, Makro-Hedges.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2004, S. 79.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Milchmädchen-Hausse (dairymaid boom, sucker rally, dead-cat bounce):

In der Börsensprache Bezeichnung für die letzte Phase einer Hausse. Jetzt werden Aktien bzw. andere Vermögenswerte erfahrungsgemäss von sehr vielen Personen, denen das Geschehen an der Börse völlig fremd ist (sucker = hier: Trottel, Ignorant, Hinterwäldler; someone easily led and not a leader), in Erwartung schneller Gewinne und baldigen Reichtums blindlings gekauft. Für viele Börsianer gilt dies als Signal, sich jetzt aus dem Markt zurückzuziehen.

– Siehe Blase, spekulative, Bull, Geschorener, Hausse nährt die Hausse, Headline-Hysterie, Nachahmung, informelle, Herdenverhalten, Odd Lot-Theorie, Rally, Trendhandel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Milchprodukte (dairy products):

Der Preis für Milch und Milchprodukte - wie Butter, Speisequark, Sahne oder Käse - hat für die Verbraucher eine Signalfunktion, auch wenn das Gewicht dieser Waren im Harmonisierten Verbraucherpreisindex vergleichsweise gering ist. Inflationserwartungen werden daher seitens der Privathaushalte von Änderungen des Milchpreises wesentlich mitbestimmt. Aus diesem Grund beobachtet die EZB im Rahmen ihres Zwei-Säulen-Prinzips auch hier den Preisverlauf.

– Siehe Agribulk, Geldpolitik, vorausschauende, Inflation, Nahrungsmittel, Preisanpassungen, Protein-Inflation, Rohstoffpreise, Vorschatten-Effekte.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2009, S. 62 f. (Ursachen der Preissausschläge bei Milch; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Millesime (millesime; date on coin; millennial figure in date):

In unterschiedlicher Bedeutung vorkommender Begriff.

1 In älteren Dokumenten und nur die beiden letzten Ziffern auf einem nach dem Jahr 1000 angefertigten Geldstück (the last two digits in the year of issue on a coin finished after the year 1000). Bei beispielsweise 1620 ist diesfalls 20 die - oder, wie nach dem Geschlecht im Französischen, so auch oft im Deutschen, der - Millesime.

2 Im weiteren Sinne auch die ganze Jahreszahl auf einer Münze (the year of issue of a coin), folglich im Beispielsfall 1620.

3 In anderer Definition bei Münzen die Jahrtausendzahl (the millennium as the first cipher on a coin), bei 1620 also die Zahl 1.

– Siehe Avers, Eteostichon, Fehlprägung, Kaisermünze, Revers.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Millionengrab (costly white elephant, financial disaster):

Ausdruck vor allem bei Finanzjournalisten für sehr hohe Verluste eines Unternehmens im Allgemeinen und eines Instituts im Besonderen.

– Siehe Abgesang, Bankenschelte, Blutbad, Bonifikation, Geldgrab, Geldverbrennung, Kopf-in-den-Sand-Verhalten, Mitarbeiter-Verantwortlichkeit, Prämie, Schlafgeld, Torpedokapital, Unsumme, Vergütung, Verlustübernahme, persönliche.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Millionenkredit (large-scale credit):

Sehr hohe Darlehn, die ein Kreditinstitut einem einzigen Schuldner bzw. an eine zusammenhängende Schuldnereinheit gewährt. Solche Ausleihungen werden von den Aufsichtsbehörden besonders überwacht. - In Deutschland gilt seit 1997 eine eigene "Grosskredit- und Millionenkreditverordnung, (GroMIKV)", in der die Berechnung der Grosskredite genau festgelegt wird.

– Siehe Adressen-Risiko, Arbeitsgruppe Evidenzzentralen, Evidenzzentrale, Gini-Koeffizient, Granularität, Grosskredite, Herfindahl-Hirschman-Index, Klumprisiko, Kontrahentenrisiko, Konzentrationsrisiko, Kreditereignis, Kreditversicherung, Solvenzrisiko, Value-at-Risk.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2002, S. 22 ff., Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 54, Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 116 (Inkrafttreten der GroMIKV; Verzahnung mit SolvV; Risikoberechnung), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 158 (Millionenkreditmeldungen an die BaFin ab Jahresbeginn 2010 auf Grundlage des Barwertes statt des Buchwertes zugelassen), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 141 (neues "Konzept" [Deutsch müsste man gelernt haben!] der Erfassung von Millionenkrediten in Vorbereitung) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute", Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2006, S. 39 f. (Adressenkonzentration-Risiken), Geschäftsbericht 2006 der Deutschen Bundesbank, S. 95 (Neufassung der GroMIKV), Geschäftsbericht 2009 der Deutschen Bundesbank, S. 105 (aufgeschlüsselte Statistik der Millionenkredite 2001-2009), Geschäftsbericht 2012 der Deutschen Bundesbank, S. 103 (Statistik 2006 bis 2012) sowie den jeweiligen Geschäftsbericht der Deutschen Bundesbank wegen der Fortschreibung, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2013, S. 72 (Änderung der Grosskredit- und Millionenkreditverordnung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Minenwerte (mine papers):

In der älteren Finanzsprache Aktien bzw. Kuxe von Bergwerksunternehmen.

– Siehe Poseidon-Hausse.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Minhas-Gerais-Problem (Minhas Gerais trap):

Ein hoch verschuldetes Mitglied einer Währungsunion wird zahlungsunfähig, was eine Krise und einen Currenry-Swing auslöst. - Im Jahr 1999 erklärte der Gouverneur der brasilianischen Provinz Minhas Gerais, dass die Schulden der Provinz nicht mehr bedient werden könnten. Der Grund lag darin, dass sich die Provinzen ohne gesamtwirtschaftliche Beschränkungen in ausländischer Währung verschulden konnten. Das Moratorium führte augenblicklich zu einer Kapitalflucht aus dem brasilianischen Real; dieser musste um vierzig Prozent abgewertet werden. Die Volkswirtschaft taumelte daraufhin in eine jahrelange schwere ökonomische und soziale Krise. - Diese Erfahrungen waren nicht zuletzt ausschlaggebend für die Unterstützung Griechenlands, das als erstens Mitglied der Eurozone vor dem Staatsbankrott stand.

– Siehe Crash, Currenry-Swing, Defizitneigung, Griechenland-Krise, Irland-Krise, Kontrollkonto, Prager Verlautbarung, Provinzialanleihe, Staatsbankrott, Staatsschuld(en), Stabilitäts- und Wachstumspakt, Verschuldung, Verschuldungsanreiz, Verschuldungsquote.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Minderschätzung künftiger Bedürfnisse (principle of positive time preference):

Die (Erfahrungs)Tatsache, dass Verbraucher gegenwärtigen Gütern grundsätzlich einen höheren Nutzen beimessen als den Zukunftsgütern (future goods). Gegenwartsgüter (to-day's goods) besitzen mit anderen Worten für eine Person eine höhere Stärke des Begehrens (a higher degree of desire). Wenn daher jemand heute auf Konsum verzichtet, also spart und Geld als Darlehn jemandem überträgt, so möchte er für diese Zeitpräferenz einen Ausgleich, ein Aufgeld (premium; Agio): den Zins.

– Siehe Finanzpsychologie, Sparen, Sparquote, Zins, Zinstheorien.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mindestanforderungen an das Kreditgeschäft, MaK (minimum requirements for credit operations):

Von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht im Dezember 2005 erlassene Richtlinien in Bezug auf die Organisation des Kreditgeschäftes (Best Practices) in Anlehnung an § 25a, Abs. 1 KWG. Sie gelten für sämtliche Kreditinstitute in Deutschland, während die qualitativen und quantitativen Mindestanforderungen der internen Ratingsätze von Basel-II nur für Banken gelten, die diese anwenden. Seit Anfang 2007 ist eine entsprechende EU-Richtlinie bindend.

– Siehe Due Diligence, Internal Capital Adequancy Assessment Process, Kapitalbedarf, ökonomischer, Monitoring. Mustergeschäftsplan, Nachvollziehbarkeit, Risiko- und Solvabilitätsbeurteilung, unternehmenseigene.

– Vgl. Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 55 ff., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 102 ff., Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 104 ff. (S. 105: Übersicht; Merkmale "Flexibilität, Praxisnähe, Deregulierung", S. 106: modularer Aufbau mit Übersicht) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 87 f. (Grundsatz der doppelten Proportionalität; S. 88: Übersicht der Module).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mindestanforderungen an das Risikomanagement, MaRisk (minimum requirements for risk management):

Von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht im Vorgriff auf die entsprechenden Bestimmungen von Basel-II bereits im Jahr 2005 erlassene Vorschriften, wie Banken ihre Risiken überschaubar und im Griff halten sollen. Die MaRisk konkretisieren § 25a KWG, indem sie im Einzelnen Anforderungen an eine "ordnungsgemässe Geschäftsorganisation" und an "angemessene interne Kontrollverfahren" stellen. Sie verzichten auf überzogene Dokumentationsanforderungen und sind durch den Einbau von General- und Öffnungsklauseln beweglich gestaltet.

– Siehe Basel-II, Emerging Markets, Funktion, Kreditverbriefung, Monitoring, Nachvollziehbarkeit, Risikoabteilung, Risikogewichtung, Risikokontrolle, Risiko-Messverfahren, Risk Reporting, Risikoüberwachung, gegliederte, Szenarien, aussergewöhnliche.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 96, S. 102 ff. (neu gefasster § 25a KWG; modularer Aufbau der MaRisk; Fachgremium), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 114 f. (Einbeziehung von Outsourcing-Regeln in die MaRisk, die Absicht und der Vollzug einer Auslagerung ist nicht mehr der BaFin anzuzeigen), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 74 f. (MaRisk für Versicherer im Januar 2009 veröffentlicht), S. 111 f. (Fortentwicklung der MaRsik), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 125 ff. (Überarbeitung nach festgestelltem Anpassungsbedarf) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute", Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2006, S. 39 f. (Berechnung der Konzentrations-Risiken), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2007, S. 57 ff. (eingehende Darstellung), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2008, S. 71 f. (Diversifizierungsgebot; Gliederung nach dem Liquiditätsgrad der Vermögenswerte; Berichterstattung an die Geschäftsleitung), Jahresbericht 2008 der EZB, S. 123 ff. (Neuregelungen in Bezug auf Geschäfte mit der EZB), , Geschäftsbericht 2009 der Deutschen Bundesbank, S. 109 f. (regulatorische Neuerungen), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 136 ff. (Novelle der MaRisk; wichtige Neuerungen), S. 189 (InvMaRisk für Investmentgesellschaften der BaFin), Geschäftsbericht 2012 der Deutschen Bundesbank, S. 100 f. (MaRisk wurden überarbeitet), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 123 f. (Novelle in ihren Grundzügen dargelegt und begründet), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 44 (organisatorische Misstände können auch strafrechtliche Folgen nach sich ziehen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mindestanforderungen an die Ausgestaltung von Sanierungsplänen, MaSan (minimum requirements for resolution regimes):

Von den Aufsichtsbehörden verfügte Vorkehrungen für den Fall, dass ein Institut in Schwierigkeiten gerät.

– Siehe Abwickelbarkeit, Abwicklungsmechanismus, einheitlicher, Bad Bank, Bail-out, Bank, systemische, Bankenkrankenhaus, Bankenrettungsgesetz, Banktestament, Crisis Management Groups, Grössenvertrauen, Konkursverfahren für Banken, G-Sifi, Notfallfonds für Krisenbanken, Pflichtwandelanleihe, Too big to fail-Grundsatz, Vermögensabgabe.

– Vgl. Geschäftsbericht 2012 der Deutschen Bundesbank, S. 101 (Rundschreiben MaSan von BaFin und Bundesbank), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 121 f. (der jeweilige Sanierungsplan soll in Abhängigkeit von der Grösse, Komplexität und Vernetzung des Instituts ausgestaltet werden).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mindestanlagesumme (minimum investment amount):

Bei Kapitalverwaltungsgesellschaften der - in der Regel satzungsmässig festgelegte - Betrag, den ein Anleger wenigstens für den Kauf von Fondsanteilen anzulegen hat (the smallest share quantity that an investor can purchase when investing in a specific fund).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mindestbietungssatz (minimum bid rate):

Der niedrigste Zinssatz, zu dem Geschäftspartner beim Zinstenderverfahren Gebote abgeben können. - Bei der EZB hat dieser Satz die Leitzinsfunktion übernommen, die zuvor der Mengentendersatz ausübte.

– Siehe EONIA, Geldmarkt-Operationen, Mengentender, Tagesgeldsatz, Zinstender.

– Vgl. den aktuellen Mindestbietungssatz im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Monetäre Statistik" des jeweiligen Monatsberichts der EZB, Monatsbericht der EZB vom Februar 2005, S. 69 ff. (Erläuterungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mindesteinschuss-Sätze (margin requirements):

Anordnung der Zentralbank - wie in den USA - oder der Aufsichtsbehörde, dass beim

1. Ratenkauf langfristiger Konsumgüter,

2. Kreditkauf von Wertpapieren, insbesondere von Aktien, der Käufer einen bestimmten Prozentsatz des Kaufpreises in bar begleichen muss. In Ländern, wo Aktienkäufe üblicherweise von Banken teilweise - in den USA etwa zu zwanzig Prozent - vorfinanziert werden, kann durch die Festlegung unterschiedlicher Sätze die Nachfrage nach Wertpapieren gesamthaft und nach einzelnen Titeln auf diese Weise beeinflusst werden.

– Ob und inwieweit allerdings eine Erhöhung/Senkung der Mindesteinschuss-Sätze Aktienblasen vermeiden kann, ist bestritten.

– Siehe Abzahlungsfrist, Aktienblase, Aktienpfandkauf, Blase, spekulative, Boom-Bust-Zyklus, Börsenfieber, Kreditaktien, Marge, Mindest-Raten, Teilzahlungskauf.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mindestkapitalanforderung (minimum capital requirement, MCR):

Siehe Eigenkapitalquote, aufsichtsrechtliche.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mindestlohn-Arbeitslosigkeit (unemployment related to minimum wage):

Beschäftigte, deren Leistung (Grenzprodukt der Arbeit; marginal product of labour: the change in output per unit change in labour) geringer ist als der vorgeschriebene Mindestlohn, werden über kurz oder lang freigesetzt. Sie fallen nun den Arbeitslosenkassen zur Last. Je länger diese Personen jedoch arbeitslos sind, desto schwieriger wird es, sie wieder in den Arbeitsprozess einzugliedern (depreciation of unemployed persons). Aus diesem Grund stehen Volkswirte einem gesetzlichen Mindestlohn ablehnend gegenüber.

– Siehe Arbeitnehmerentgelt pro Kopf, Arbeitskosten, Arbeitsnachfrage, Phillips-Theorem, Wachstum-Beschäftigung-Zusammenhang.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2009, S. 17 ff. (Problem der Mindestlöhne), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Februar 2010, S. 59 (branchenspezifische Mindestlöhne in Deutschland).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mindestpreis, fairer (fair minimum price):

Von den Aufsichtsbehörden berechneter Börsenpreis einer Aktie bei Übernahmen. Grundsätzlich wird der durchschnittliche gewichtete Börsenpreis der vergangenen drei Monate herangezogen.

– Siehe Börsensachverständigen-Kommission, Fair Value, Fusionen und Übernahmen, Mark-to-Model-Ansatz.

– Vgl. Jahresbericht 2001 des Bundesaufsichtsamts für den Wertpapierhandel, S. 26, Jahresbericht 2005 der BaFin, S, 170 ff. (grundsätzliche und aktuelle Informationen zu Unternehmensübernahmen), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 203 (Abweichung von der Dreimonatsfrist im Zug der Übernahme der HRE aufgrund des Finanzmarktstabilisierungsergänzungsgesetzes) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mindest-Raten (minimum down payments):

Vorschrift der Zentralbank - wie in den USA - oder der Aufsichtsbehörde, dass bei (Konsumenten)Darlehn die Banken zumindest den festgesetzten monatlichen Abzahlungssatz bei gegebenen Laufzeit fordern müssen. Eine Erhöhung des Prozentsatzes belastet die Kreditnehmer. Die Nachfrage nach Kredit wird daher CETERIS PARIBUS sinken.

– Siehe Abzahlungsfrist, Aktienpfandkauf, Darlehn, Höchstlaufzeiten, Ratenzahlung, Marge, Mindesteinschuss-Sätze.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mindestreserve (minimum reserve):

Wenn nicht anders definiert diejenige Summe, welche Banken bei der Zentralbank in deren Monopolgeld halten müssen.

– Siehe Mindestreserve-Pflicht, Mindestreserve-Soll.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mindestreserve-Basis (reserve basis):

Summe derjenigen Bilanzposten (items of the balance sheet), welche von der Zentralbank zur Berechnung des Mindestreserve-SoIIs eines Kreditinstituts herangezogen werden.

– Vgl. zu den einzelnen Bilanzposten den Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Monetäre Statistik" im jeweiligen Monatsbericht der EZB; dort auch die "Erläuterungen" am Ende des statistischen Teils beachten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mindestreserve-Erfüllungsperiode (maintenance period):

Zeitraum, für welchen die Einhaltung der Mindestreserve-Pflicht seitens der Zentralbank berechnet wird. - Die Mindestreserve-Erfüllungsperiode der EZB beginnt seit 2004 am Abwicklungstag des Hauptrefinanzierungsgeschäftes, das auf die erste Sitzung des EZB-Rates folgt. Es ist dies mithin der erste Tag, an dem allfällige Änderungen der Zentralbankzinssätze wirksam werden. Die Periode endet am Tag vor dem Abwicklungstag des Hauptrefinanzierungsgeschäftes, der sich der ersten Sitzung des EZB-Rates im Folgemonat anschliesst. Es ist dies also der letzte Tag, ehe eine allfällige erneute Änderung der Zentralbankzinssätze wirksam wird.

– Siehe Anbindungsfunktion, Arbitrage, intertemporale, EZB-Sitzungsrhythmus, Unterbietung, Zinskorridor.

– Vgl. die Termine sowie das Reserve-Soll im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Monetäre Statistik" des jeweiligen Monatsberichts der EZB, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2004, S. 67 (Übersicht), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2005, S. 27 ff. (Erläuterungen, Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Juli 2006, S. 27 (vom EZB-Rat geänderte Leitzinssätze werden ab Beginn der neuen Mindestreserve-Erfüllungsperiode angewendet, um zu verhindern, dass Erwartungen geänderter Leitzinsen das Bietungsverhalten bei den Hauptrefinanzierungsgeschäften beeinflussen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Februar 2009, S. 24 f. (Mindestreservepolitik während der Finanzkrise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mindestreserve-Pflicht (reserve requirement):

Pflicht der Banken, Mindestreserven bei der Zentralbank zu unterhalten. - Im Mindestreservesystem der EZB wird die Höhe der von einem Institut zu unterhaltenden Mindestreserven (Mindestreserve-Soll) durch Multiplikation der reservepflichtigen Bilanzpositionen des Instituts mit den jeweiligen Reservesätzen berechnet. Darüber hinaus ist es den Banken gestattet, einen pauschalen Freibetrag von ihrem Mindestreserve-Soll abzuziehen. Die Berechnung des Freibetrags kann den jeweiligen kreditpolitischen Zielen des Eurosystems angepasst werden. - Manche Fachleute bedauern, dass die EZB das Mittel der Mindestreserven kaum mehr nutzt. Die Veränderung des Mindestreserve-Satzes wird in vielen Untersuchungen gegenüber anderen Steuerungsmitteln der Geldpolitik als zielgenauer eingeschätzt; vor allem könne die Geldschöpfung so am ehesten beeinflusst werden. - Im jeweiligen Monatsbericht der EZB findet sich im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Monetäre Statistik" eine ausführliche Aufstellung aller die Mindestreserve betreffenden Posten sowie dazugehörenden Erläuterungen abgedruckt. Hier wird auch das Reserve-Soll dem Reserve-Ist gegenübergestellt sowie der jeweils geltende Zinssatz für die Mindestreserve ausgewiesen.

– Siehe Abzug, pauschaler, Anbindungsfunktion, Arbitrage, intertemporale, Geldschöpfungswilligkeit, Überschussreserven, Unterbietung.

– Vgl. Jahresbericht 2000 der Europäischen Zentralbank, S. 71 f., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2004, S. 55 f., Monatsbericht der EZB vom Oktober 2005 (über die Handhabung der Mindestreservepolitik durch die EZB; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Januar 2008, S. 103 (Gründe, warum Banken eine über die Mindestreserve hinausgehende Überschussreserve halten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2008, S. 26 (Handhabung der Mindestreservepolitik durch die EZB zur Normalisierung des durch die Subprime-Krise verworfenen Geldmarktes), S. 34 f. (keine Bremswirkungen der Ausleihungen an Unternehmen durch die Subprime-Krise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mindestreserve-Satz (reserve ratio):

Von der Zentralbank für jede Kategorie reservepflichtiger Bilanzposten festgelegter Satz. Die Sätze werden zur Berechnung des Mindestreserve-SolIs zugrunde gelegt.

– Vgl. die Reserve-Sätze im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Monetäre Statistik" des jeweiligen Monatsberichts der EZB.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mindestreserve-Soll (required minimum reserve):

Bei der EZB wird die Höhe der zu hinterlegenden Mindestreserve (das Mindestreserve-Soll) eines jeden Instituts zunächst errechnet, indem auf den Betrag der reservepflichtigen Verbindlichkeiten der Mindestreserve-Satz der entsprechenden Kategorie der Verbindlichkeiten (Mindestreserve-Basis) auf der Grundlage der der Bilanzdaten vom Ende eines jeden Kalendermonats angewendet werden. Anschliessend zieht jedes Institut von dieser Grösse einen Freibetrag von derzeit 100'000 EUR ab. - Erstmals in der neueren Zentralbankgeschichte stellte die EZB im Mai 2014 einen Negativzins von 0,1 Prozent in Rechnung für das Mindestreserve-Soll übersteigende Reserveguthaben der Banken bei der Zentralbank. Auf diese Weise will man die Institute davon abhalten, Geld sicher bei der Zentralbank zu parken, anstatt es an Kunden auszuleihen. Wenn freilich die Banken keine Kunden finden, bei denen die Rückzahlung ausgereichter Darlehn gesichert ist, so werden sie sich auf dem Aktien- und Immobilienmarkt engagieren, was auf diesen Märkten die Gefahr von Blasen erhöht.

– Siehe Reserveüberschuss, Strafzins.

– Vgl. zur Höhe der Sätze den Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Monetäre Statistik" im jeweiligen Monatsbericht der EZB sowie die "Erläuterungen" am Ende des statistischen Teils; Monatsbericht der EZB vom Februar 2008, S. 77 (die wichtigste Aufgabe des Mindestreserve-Solls besteht darin, die Geldmarktsätze anhand der Durchschnittserfüllung während jeder Mindestreserve-Erfüllungsperiode stabil zu halten), Monatsbericht der EZB vom März 2012, S. 47 (Übersicht der über das Mindestreserve-Soll hinausgehenden Guthaben der Banken bei der EZB seit 2007).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mindestreserve-Verzinsung (interest on minimum reserve):

Die Verzinsung der Mindestreserve entspricht bei der EZB dem Durchschnitt des marginalen Zuteilungssatzes für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte des Eurosystems während der jeweiligen Mindestreserve-Erfüllungsperiode, gewichtet nach der Anzahl der Kalendertage.

– Siehe Mindestreserve-Soll.

– Vgl. zur Höhe der Zinssätze den Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Monetärer Statistik" im jeweiligen Monatsbericht der EZB sowie die "Erläuterungen" am Ende des statistischen Teils.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mindestschluss auch Börsenschluss oder nur Schluss (minimum issue):

Geschäftsumfang, der wenigstens erreicht sein muss, damit an der Börse ein Abschluss zustande kommen kann. Die jeweilige Börsenordnung enthält hierüber in der Regel genaue Bestimmungen. - An der Börse in Frankfurt ist derzeit bei Aktien die Mindeststückzahl auf eine Aktie festgesetzt, bei Anleihen ab der kleinsten handelbaren Einheit.

– Siehe Non Opening, Odd Lot.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mindest-Überwachungsanforderungen (minimum control requirements):

Aufsichts-rechtlicher Begriff in Zusammenhang bankinternen Überwachungssystemen. Das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen setzte 1995 solche Standards für das interne Kontrollsystem im Bereich der Handelsgeschäfte - intern MaH genannt - und 2000 für die Innenrevision - intern MaIR genannt - in Kraft.

– Siehe Compliance, Regel 404, Sonderprüfungen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mindestzuführung (minimum appropriation):

1 Im deutschen Haushaltsrecht im Einzelnen haushaltsrechtlich geregelte Überweisung eines allfälligen Einnahmeüberschusses vom Verwaltungskonto an das Vermögenskonto zwecks Schuldentilgung (extinguishment of debts).

2 Bei einer Versicherung die Pflicht, bestimmte Erträge einer Rückstellung für Beitragsrückerstattung (provision for premium refunds) zuzubuchen.

– Siehe Mindestzuführungs-Verordnung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mindestzuführungs-Verordnung (minimum funding ordinance):

Aufsichtliche Vorschriften für Lebensversicherer, wie die Mindestzuführung zu einzurichten ist.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 81 f. (neue Mindestzuführungs-Verordnung ab Jahresbeginn 2008), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 82 (neuer Nachweis der Mindest-Zuführung) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über das Versicherungswesen und Pensionsfons".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mindestzuteilungs-Betrag (minimum allotment amount):

Niedrigster Betrag, der Geschäftspartnern bei einer Tenderoperation zugeteilt wird. Die EZB kann beschliessen, bei ihren Tenderoperationen jedem Geschäftspartner einen Mindestbetrag zuzuteilen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mindestzuteilungs-Quote (minimum allotment ratio):

Niedrigster Prozentsatz, der zum marginalen Zinssatz zugeteilten Geboten bei Tendergeschäften mit der EZB. Diese kann beschliessen, eine Mindestquote bei den Tendergeschäften einzuführen.

– Vgl. den Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Monetärer Statistik" im jeweiligen Monatsbericht der EZB sowie die "Erläuterungen" am Ende des statistischen Teils.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mini-Bad-Bank (mini bad bank):

Im Zuge der Finanzkrise 2008 aufgekommener Vorschlag, wonach sich jede Bank in einen guten und einen schlechten Teil aufspalten sollte. Der gute Teil bedient die gesunden Geschäftsfelder, der schlechte Teil - eine Zweckgesellschaft oder eine mit entsprechender Zielsetzung neu gegründete Aktiengesellschaft) -nimmt toxische Papiere auf. Die Institute müssten dann

1. ihre an die hauseigene Bad Bank übertragenen Papiere nicht unbedingt zu Marktpreisen und in der Krise gar zu Notverkaufspreisen bewerten,

2. was in einer Finanzkrise dazu führt, dass für die Banken ein hoher Abschreibungsbedarf entsteht,

3. ihre Bilanzen ins Ungleichgewicht kommen und

4. das Vertrauen in den Finanzmarkt gesamthaft schwindet.

– Der Gedanke einer Mini-Bad-Bank wirft im Einzelnen sehr viele Fragen auf, bis hin zu einer allfälligen Teilung der Aktien.

– Siehe Bad Bank, Banktestament, Bilanzbereinigung, Mark-to-Market-Ansatz, Mark-to-Model-Ansatz, Mittelstandsbank, Pflichtwandelanleihe, Risikokapital, Staatsfonds.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Minister und Zentralbankpräsidenten der G8 (ministers and central bank presidents of G8):

Beratungsrunde der Finanzminister und Zentralbankpräsidenten aus Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Kanada, England, Russlands und den USA.

– Siehe Monatsbericht der EZB vom Januar 2001, S. 81 (Vorstellung des Gremiums).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Minister und Zentralbankpräsidenten der G10 (ministers and central bank presidents of G10):

Beratungsrunde der Finanzminister und Zentralbankpräsidenten aus 11 Ländern, neben den G7 ohne Italien noch Belgien, Niederlande, Schweiz, Schweden und Kanada. Der Präsident der EZB nimmt als Beobachter an den Treffen teil.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2001, S. 81 (Vorstellung des Gremiums).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Minister und Zentralbankpräsidenten der G20 (ministers and central bank presidents of G20):

Beratungsrunde der Finanzminister und Zentralbankpräsidenten der G7-Länder sowie Argentinien, Brasilien, China, Indien, Indonesien, Mexiko, Russland, Saudi-Arabien, Südafrika, Südkorea und Türkei. Der Präsident der EZB sowie einige andere Spitzenfunktionaire internationaler Organisationen nehmen an den Sitzungen teil.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2001, S. 82 (Vorstellung des Gremiums).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mischkonzern (conglomerate):

Ein Grossunternehmen, in dem Firmen zusammengefasst sind, die nicht in einer gegenseitigen Beziehung als Lieferant oder Abnehmer stehen (a large corporation that consists of divisions of unrelated, dissimilar businesses). Der Ausdruck wird freilich nur selten auch auf den Finanzmarkt bezogen.

– Siehe Beteiligungsgesellschaft, Complex Group, Financial Services Authority, Finanzkonglomerat, Finanzholding, Gibrat-Regel, Gigabank, Joint Forum on Financial Conglomerates.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Misochrematie (rancour):

1 Allgemein eine bis zum Hass gehende Feindseligkeit (a deep-seated enemity) gegen alles, was mit dem Geld zusammenhängt (griechisch: misos = Hass, chrema = Geld). Ein solcher Widerwille findet sich vor allem bei manchen Literaten, die freilich in aller Regel auf den eigenen Besitz von möglichst vielen Finanzmitteln sehr stark erpicht sind.

2 Im Besonderen eine tiefe Abneigung (profound aversion) gegenüber Banken, vor allem gegenüber deren Führungspersönlichkeiten, denen man nur Schlechtes zutraut. Gelegentlich der Subprime-Krise und ihrer Nachwirkungen kam dies in der Öffentlichkeit - auch aus dem Munde führender Politiker - sehr deutlich zum Ausdruck. Persönlich durch und durch feile Journalisten (corrupt journalists) nannten alle im Finanzbereich Tätigen verallgemeinernd "Bankster".

– Siehe Bankenschelte, Banker, Bankist, Bankokratie, Bonus, Citigroup-Bonussystem, Finanzgeier, Finanzsodomit, Finanzkapital, Finanzoligarchie, Geldabschaffung, Geldleute, Geldmund, Handschlag, goldener, Hochfinanz, Kapital, Mammon, Offshore Leaks, Schwindelbank, Shitstorm.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Missbrauchsgesetz (law against financial abuse):

Wenn nicht anders definiert, so meint man damit das im Juli 2010 in Kraft getretene "Gesetz zur Vorbeugung gegen missbräuchliche Wertpapier- und Derivategeschäfte (WpMiVoG)". Ungedeckte Leerverkäufe in Aktien und in Titeln von öffentlichen Stellen aus dem Eurogebiet, die an einer Börse zum Handel im regulierten Markt zugelassen sind, wurden damit in Deutschland gesetzlich verboten.

– Siehe Aggregation, Leerverkaufs-Verbot, Meldepflicht.

– Vgl. Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 13 (wesentlicher Inhalt des Gesetzes).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Missilien (money dispersed to the crowd):

In alten Dokumenten Münzen oder Medaillen, die bei feierlichen Gelegenheiten unter die Volksmenge geworfen wurden. Heute ist dies noch teilweise bei sog. "Prominenten-Hochzeiten" in Schwang.

– Siehe Grielgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Misstandsaufsicht (abuse control):

Bei einer Aufsichtsbehörde der Bereich, welcher sich mit Übertretungen im Zuge des Übernahmerechts befasst. Hierzu zählen alle Handlungen, welche

1. die ordnungsgemässe Durchführung von Angebotsverfahren beeinträchtigen oder

2. erhebliche Nachteile auf dem Markt für Wertpapiere auslösen können. Darunter fallen vor allem nicht veröffentlichte Kontrollerlangungen.

– Siehe Fusionen und Übernahmen.

– Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 208 (Grundsätzliches; einzelne Fälle) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Querschnittsaufgaben".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mistrade ([englische Aussprache] so auch meistens im Deutschen gesagt; seltener: Falschtransaktion und im englischsprachigen Jargon auch bust):

Im Finanzmarkt ein Geschäftsabschluss, der durch die irrtümliche Eingabe von Aufträgen zustande kommt und rückgängig gemacht werden kann; ein irrtümliches Geschäft (a trade erroneous entered), ein Fehlhandel.

– Siehe Definitiver Kauf, definitiver, Kontraposition, Ristorno, Storno, Übertragung, endgültige, Verbraucherbeschwerden.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 67 (Beschwerden über undurchsichtige Mistrade-Regelungen), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 224 (Mistrade-Anträge [mistrade applications] im ausserbörslichen Zertifikate-Handel).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mitarbeiter mit besonderen Funktionen (employees with special functions):

Darunter verstehen die Aufsichtsbehörden Angestellte, die im Rahmen ihrer dienstlichen Aufgaben regelmässig Informationen erhalten, die geeignet sind, die Marktverhältnisse im Wertpapierhandel sowie im Handel mit Derivaten erheblich zu beeinflussen (to influence strongly).

– Siehe Abschottung, Chinese Wall, Citigroup-Manipulation, Corporate Governance, Insider, Insider-Meldepflicht, Kerviel-Skandal, Mitarbeiterleitsätze, Need-to-know-Prinzip, Nominee, Organkredite, System Securities Watch Application (SWAP), Verhaltenskodex.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mitarbeiter-Auskunftspflicht (employee's information requirement):

Beschäftigte einer Bank sind nach § 44, Abs. 1 KWG verpflichtet, der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht auf Verlangen Auskünfte zu erteilen.

– Siehe Falscherklärung, Whistleblower.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mitarbeiterleitsätze (rules of conduct):

Verhaltensregeln für das Personal einer Bank. Sie sollen verhindern, dass

1. Mitarbeiter ihre Stellung (Insiderwissen) unrechtmässig für eigene Geschäftsinteressen nutzen sowie

2. gegen die Interessen ihrer Institute und

3. deren Kunden verstossen.

– Von den Aufsichtsbehörden in Deutschland erstmals 1993 erlassen wurden entsprechende Leitsätze zeither nach und nach verfeinert und in genaue Richtlinien gefasst; deren Einhaltung wird eingehend überwacht.

– Siehe Abschottung, Banker-Stammtisch, Behavioural Branding, Beobachtungsliste, Chinese Wall, Compliance, Corporate Governance, Insider, Insider-Meldepflicht, Kerviel-Skandal, Kundenberatung, Management Buyout, Need-to-know-Prinzip, Nominee, One-Bank-Delivery, Organkredite, System Securities Watch Application (SWAP), Verhaltenskodex, Wall Crossing, Wohlverhaltensregeln.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mitarbeiter-Optionen (employee options):

Ein Unternehmen räumt seinen Beschäftigten die Möglichkeit ein, Beteiligungsrechte (ownership rights) an der Firma selbst oder einem nahestehenden Unternehmen zu erwerben. Vor allem bei Neugründungen (new business starts; Start-ups) mindert sich so unter Umständen der Lohnaufwand. - Mitarbeiter-Optionen gelten als Lohnbestandteil und unterliegen spätestens zum Zeitpunkt des unwiderruflichen Rechtserwerbs - Zuteilung, auch Vesting (ownership by an employee of benefits contributed on the employees behalf by an employer) genannt - der Besteuerung.

– Siehe Arbeitskosten, Fringe Benefits, Lohndrift, Lohnstückkosten, Prämie, Verlustübernahme, persönliche.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mitarbeiter-Register und auch Mitarbeiter- und Beschwerderegister (employee directory):

Alle Wertpapier-Dienstleistungs-Unternehmen müssen seit Jahresbeginn 2012 aufgrund der in Kraft getretenen, das Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) durch die WpHG-Mitarbeiteranzeigeverordnung (WpHGMaAnzV) sowie das Anlegerschutz- und Funktionsverbesserungsgesetz (AnSFuG) ergänzten Bestimmungen die Vertriebsmitarbeiter in einer Datenbank erfassen, welche der BaFin zuzuleiten ist. Die Aufsichtsbehörde kann eine Prüfung der Sachkunde und Zuverlässigkeit des jeweiligen Angestellten vornehmen. Das Register muss unter anderem auch Angaben darüber enthalten, welche Beschwerden über den Mitarbeiter seitens der Kunden eingegangen sind. Das gestattet es der BaFin, Auffälligkeiten rasch zu entdecken. Die BaFin kann weiterhin dem Institut den Einsatz eines bestimmten Mitarbeiters für die Dauer von bis zu zwei Jahren untersagen und gegebenenfalls diese Entscheidung auch veröffentlichen.

– Siehe Abberufungsverfügung, Anlageberatung, Anlage-Empfehlung, Aufzeichnungspflicht, Behavioural Branding, Beratungsqualität, Beschwerdehäufung, Finanzberater, Kompetenz., fachliche, Straitjacking, Überregulierung Wertpapierdienstleistungs-Prüfungsverordnung, Wertpapierdienstleistungs-Verhaltens- und Organisationsverordnung.

– Vgl. Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 138 ff. (Vorstellung der neuen Vorschriften, S. 140: die BaFin rüstet sich zu Vor-Ort-Prüfungen der Zuverlässigkeit und Sachkunde von Vertriebsmitarbeitern), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 163 f. (Erfahrungen mit dem Mitarbeiter- und Beschwerderegister; aufsichtliches Handeln), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 114 (Übersicht der Beschwerden, nach mehreren Kriterien unterteilt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mitarbeiter-Verantwortlichkeit (staffing liability):

Im Finanzbereich die Tatsache, dass vor allem Händler bei den Banken und Manager bei Hedge-Fonds über Prämien stark beteiligt sind, wenn die in grossem Stil auf irgendwelchen Wegen kurzzeitig den Gewinn steigern. Wenn jedoch aus den Engagements später für das Institut - und, wie bei der Subprime-Krise, sogar für die Weltwirtschaft gesamthaft - Verluste entstehen, dann bleiben sie unbehelligt. Von den Aufsichtsbehörden wurde wiederholt verlangt, solchen "systemgefährdenden Auswüchsen" zu begegnen. Dabei ist es in erster Linie Sache der Banken selbst, die Anreizsysteme institutsintern oder auf der Ebene der Verbände entsprechend anzupassen.

– Siehe Anlage-Haftung, Bonifikation, Bonus, Fixum, Fringe Benefits, Garantieprovision, Handschlag, goldener, Millionengrab, Prämie, Rebbes, Schlafgeld, Vergütung, Verlustübernahme, persönliche.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mitbegründer (corporator):

Bei Instituten und besonders bei Maklerfirmen gesagt von einer Person, die das Unternehmen (mit)errichtet hat und in den Geschäftsablauf eingebunden ist (a member of the staff who formed the financial institution).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mittel (funds, financial means; factors of production; instruments, mean):

1 Geld (Zahlungsmittel; assets in the form of money).

2 Produktionsfaktoren, Inputfaktoren als der gesamthafte Einsatz von Gütern, um ein Erzeugnis herzustellen (the requirements for production, usually represented as capital, labour, and land).

3 Massnahmen, um eine Ziel zu erreichen, besonders auch die Instrumente der Geldpolitik (monetary policy instruments available to a central bank).

4 Durchschnittswert in der Mathematik, wie das arithmetische Mittel (arithmetic mean).

– Siehe Geldmittel, Kapital, Liquidität, Summe, Vermögen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mittel, freie (uncommitted funds, excess funds, surplus, funds): In einem Unternehmen die zur einer Finanzanlage zur Verfügung stehenden Beträge; nämlich Geld, das zur Aufrechterhaltung des laufenden Zahlungsverkehrs entbehrlich (money above the necessary amount temporally required for handling payment transactions) und für betriebliche Vorhaben derzeit nicht benötigt wird.

– Siehe Barmittel, Cash-Management, Finanzplanung, Gap-Analyse, Liquiditätsformen, Selbstfinanzierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mittel, liquide (liquid resources):

1 Vermögenswerte, die sofort in Bargeld umgewandelt werden können (assets that can be readily converted to cash).

2 Die Summe aus dem Bestand an Zahlungsmitteln und freien Kreditlinien eines Unternehmens.

– Siehe Puffer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mittelaufkommen (revenue of resources):

Bei Immobilienfonds der Geldzufluss durch Ausgabe neuer Anteilscheine abzüglich des Geldabflusses durch Rückgabe von Anteilscheinen. - Im jeweiligen Monatsbericht der EZB finden sich im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets" unter der Rubrik "Monetäre Entwicklungen, Banken und Investmentfonds", Unterrubrik "Aktiva der Investmentfonds im Euro-Währungsgebiet nach Anlageschwerpunkten und Anlegergruppen" Aufstellungen über das Vermögen der Immobilienfonds, untergliedert nach verschiedenen Anlagegruppen. Im jeweiligen "Finanzstabilitätsbericht" der Deutschen Bundesbank ist das Mittelaufkommen offener Immobilienfonds in Deutschland ausgewiesen. - Das Mittelaufkommen und die Mittelverwendung (usage of funds) deutscher Unternehmen finden sich für die letzten drei Jahre jedesmal im Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember eines Jahres aufgeschlüsselt.

– Siehe Aufkommen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mittelfristig (medium term):

Grundsätzlich ist aus dem Textzusammenhang zu entnehmen, welcher Zeitraum jeweils gemeint ist, weil es eine einheitliche Definition leider nicht gibt.

1 In der Statistik EZB meint man damit Beträge, die eine vereinbarte Laufzeit bzw. Kündigungsfrist von über einem Jahr bis zu fünf Jahren haben.

2 In der Geldpolitik (auch der EZB) ist "mittelfristig" nicht nach Jahren oder Monaten auszudrücken, weil

1. zeitliche Verzögerungen (time-lags) erfahrungsgemäss nicht feststehend, sondern schwankend sind,

2. Transmissions-Mechanismen (nämlich die Auswirkung geldpolitischer Massnahmen auf die Realgrössen) sowohl in ihre Übertragungsgeschwindigkeit (speed of transmission) als auch in ihrer Übertragungsstärke (intensity of transmission) entscheidend vom ökonomischen Umfeld gesamthaft abhängen und

3. Schocks aller Art (vor allem: naturbedingte und politische) unvorhersehbar sind.

– Siehe Bremsweg, geldpolitischer, Erwartungen, Kurzfristig, Langfristig, London kurz, Long-Lag-Theorie, Schock, externer, Schocks, strukturelle.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mittelschicht, ausgequetschte (squeezed middle):

Bürger eines Landes, die durch Inflation - aber auch durch Massnahmen wie Gehaltsdeckelung und Etatkürzungen in Krisenzeiten - besonders betroffen werden (the section of society regarded as particularly affected by inflation, as well as by wage freezes and cuts in spending during a time of economic difficulty).

– Siehe Organisationen, gemeinnützige.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mittelsichten (medium term bills of exchange):

In der älteren Finanzsprache meinte man damit Wechsel mit einer Laufzeit von etwa drei Wochen bis zwei Monaten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mittelstand (small firm sector, small firms and traders):

Nach der Definition der EU zählen dazu

1. Kleinstunternehmen (konzernunabhängige, eigenständige Firmen, die weniger als zehn Mitarbeiter beschäftigen und deren Umsatz oder Jahresbilanz (end-of-period balance sheet) zwei Mio EUR nicht überschreitet)

2. die kleinen und mittleren Unternehmen sowie

3. die Freien Berufe (liberal professions), definiert als Arbeitende mit besonderer beruflicher Qualifikation oder schöpferischer Begabung, die persönlich, eigenverantwortlich und fachlich unabhängig Dienstleistungen erbringen (any occupation requiring substantial mastery of complex skills in the liberal arts or sciences which cannot be delegated to assistants).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mittelstandsbank (bank for small and medium-sized bussinesses):

Von Politikern in Deutschland geforderte staatlich bezuschusste Bank mit dem alleinigen Zweck der Kreditgewährung an mittelständische Firmen (medium-sized enterprises). - Die im internationalen Vergleich schlechte Ausstattung mit Eigenkapital der Mittelstandsfirmen kann aber über finanzpolitische Massnahmen wie die Entlastung bei der Gewinnbesteuerung eher erreicht werden als über eine Mittelstandsbank, die schlechte Risiken mit gleichen Konditionen bedient wie gute Adressen und damit die Zuführung des Kapitals an den besten Wirt (most favourable allocation of scarce resources) verhindert.

– Siehe Bad Bank, Bonitätsklasse, Kreditklemme, Kreditmediator, Negativauslese, Rate der Kreditkunden, Risikoadjustierung, Strukturumbruch.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mittelstandskredit (credit for small and medium-sized enterprises and handicrafts):

Kredite an kleinere und mittlere Unternehmen (KMUs) sowie an das Handwerk, in der Regel im Zuge der staatlichen Mittelstandsförderung (promotion of SMEs) und durch besondere Massnahmen - wie Zinsverbilligung (interest subsidy), Bürgschaften - begünstigt und abgestützt. - Weil KMUs in Deutschland einen bedeutenden Anteil an der Entwicklung neuer Ideen, Techniken und Produkte haben, so liegt eine möglichst reibungslose Versorgung dieser Unternehmen mit Darlehn im Interesse des Wachstums der Gesamtwirtschaft.

– Siehe Mittelstand, Unternehmensanleihen.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juli 2009, S. 75 (Auswirkung einer Bürgschaft auf die öffentlichen Finanzen), Monatsbericht der EZB vom Juli 2013, S. 44 ff. (Finanzierungsbedingungen von KMUs; viele Übersichten), Monatsbericht der EZB vom November 2013, S. 49 ff. (Finanzierungsbedingungen der KMUs seit 2009; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2014, S. 41 ff. (Finanzierungsbedingungen von KMUs im Eurogebiet; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Juli 2014, S. 87 ff. (Grundsätzliches zum Zugang von KMUs auf Kredite; Übersichten; Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mittelzufluss aus Geschäftstätigkeit (cash flow from operating activities, OCF):

In der Sprache der Aufsichtsbehörden die aus dem operativen Geschäft eines Unternehmens erarbeitete Beträge. Dies schliesst also nicht sämtliche Mittelzuflüsse ein, beispielsweise nicht Gewinne aus allfälligen als Reservepolster angelegten Papieren (the figure is calculated by adjusting net income to reflect depreciation expenses, deferred taxes, accounts payable, accounts receivable, and any extraordinary items. It shows how much money the company received from its actual business operations; but this does not include cash received from other sources, such as investments).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mitversicherung (co-insurance):

Vertrag, bei dem ein Risiko zwischen der Versicherung und dem Versicherungsnehmer prozentual geteilt wird (an insurance policy under which the policyholder bears a percentage of the loss together with the insurance company).

– Siehe Eigenversicherung, Selbstbehalt, Selbstversicherung, Verbriefung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mitversicherungs-Effekt (co-insurance effect):

Schliessen sich zwei Unternehmen zusammen, so sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass eine der beiden Firmen zahlungsunfähig wird (with the merger of two firms decreases the probability of default on either firm's debt). Diesen Lehrsatz glaubt man aus der Finanzgeschichte beweisen zu können; andere bestreiten indes wohl zurecht dessen Allgemeingültigkeit.

– Siehe Blind-Taub-Verbindung, Fusionen und Übernahmen, Landesbanken, Vertikalisierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mixed Technical Group (MTG) (so auch im Deutschen):

Im Jahr 1999 eingerichtetes Gremium der EU unter dem Vorsitz der Europäischen Kommission mit dem hauptsächlichen Ziel, diese in aufsichtsrechtlichen Fragen bei Finanzkonglomeraten zu beraten.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2002, S. 72, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2005, S. 48 f. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mobile Banking (so auch im Deutschen, seltener [und missverständlich!] mit ambulante Bankgeschäfte übersetzt):

Abwicklung von Bankgeschäften mittels WAP-tauglichem Mobiltelephon (Handy [Mehrzahl Handys und Handies] manchmal auch Händi: so nur im Deutschen gesagt; sonst cell[ullar] phone oder mobile [phone]).

– Siehe Bankportal, Bezahlverfahren, innovative, Container Banking, Electronic Banking, Finanzagent, Internetbank, Metcalfe-Regel, Multikanalbank, Online Banking, Phishing, Rechtsrisiken, Sofa-Banking, Telebanking.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2009, S. 62 ff. (Entwicklung einzelner Verfahren des Mobile-Banking; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mobiliarkredit (chattle mortgage, advances against pledging of personal property):

1 Allgemein jedes durch Mobiliarvermögen gesicherte Darlehn (any loan secured by personal property) und somit eine besondere Form des Realkredits.

2 Im engeren Sinne die Ausleihung einer Bank gegen Verpfändung (pledging) bzw. Sicherheitsübereignung (security transfer) von Wertpapieren oder Waren.

– Siehe Pfand, Realkredit, Vorschusskasse.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mobiliarvermögen (chattle):

1 Alle Sachen, die ohne Rücksicht auf ihre stoffliche Eigenart von einem Ort zu einen anderen gebracht werden können (all transferable items; it includes furniture, jewelry, movable machinery, rights such as copyright and patents, securities, or vehicles).

2 Im engeren und banksprachlichen Sinn die persönliche Habe einer Person oder eines Privathaushalts (all personal property that is not real property).

– Siehe Gebrauchsgüter, Grundvermögen, Guthaben, Investition, Kapital, Kapitalverwaltungsgesellschaft, Kapitalkoeffizient, Kapitalgut, Kapitalstock, Mittel, Mobiliarkredit, Pensionsfonds, Plutokratie, Privatvermögen, Vermögen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mobilität (mobility):

1 Im ökonomischen Sinne allgemein die Fähigkeit, sich leicht und - je nach den Verhältnissen - auch vergleichsweise rasch an veränderte Marktbedingungen anpassen zu können.

2 Auf dem Finanzmarkt das Vermögen, sich

1. aus eigenem Antrieb geschmeidig zu verändern bzw.

2. vollziehenden Umgestaltungen zeitig anzupassen (the ability of financial market participants to move or be moved easily).

3 Auf dem Arbeitsmarkt die Bereitschaft der Beschäftigten zum Wechsel

1. zu einem anderen Arbeitgeber,

2. in einen anderen Ort,

3. in einen anderen Beruf,

4. vom Status der Nichterwerbstätigkeit in den Status der Beschäftigung oder

5. vom Status der Beschäftigung in den Status der Nichterwerbstätigkeit.

4 Bei einem Unternehmen das Verhältnis von Umlaufvermögen (circulating assets) zu kurzfristigem Fremdkapital. Diese Beziehung gilt bei manchen Analysten als Kennzahl in Hinblick auf das finanzielle Gleichgewicht eines Unternehmens.

– Siehe Arbeitsmarkt-Flexibilität, Arbeitsnachfrage, Erpressungspotential, Markt, vollkommener, Wettbewerbsfähigkeit, Wettbewerbs-Status, internationaler, Working Capital, Zuwanderung.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom März 2011, S. 90 ff. (Arbeitsmarkt-Mobilität im Eurogebiet; Messgrössen; viele Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2011, S. 16 ff. (Vergleiche der Mobilität des Arbeitsmarktes in EU-Ländern; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2012, S. 13 ff. (Grundsätzliches zur Kapitalstruktur von Unternehmen; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Modelle, geldpolitische (models of central bank policy):

Die Zentralbank bedient sich ökonomischer Modelle, um sich ein Bild über die zu erwartende Entwicklung des Preisniveaus zu machen. Solche Modelle müssen möglichst treffend die Zusammenhänge zwischen Preisniveau, Geldmenge und anderen Einflussgrössen, wie etwa die Wechselkurse, die Einführung neuer Produktionsverfahren oder Veränderungen in den allgemeinen Rahmenbedingungen - bei der EZB vor allem die Aufnahme neuer Teilnehmer in die Währungsgemeinschaft - auf die Preise abbilden. - Weil aber nun aber Modelle immer Vereinfachungen der vielfältig vermaschten Wirklichkeit sind, so müssen zahlreiche Einflussgrössen ausser Betracht bleiben. Welche Modellgrössen mit welchem Gewicht in Ansatz zu bringen sind, und welche man ausser Acht lassen kann, bleibt jedoch umstritten. Das wird dann jedesmal zu einem Problem der Entscheidungsfindung, wenn verschieden gebildete Modelle unterschiedliche geldpolitische Handlungen empfehlen.

– Siehe Bremsweg, geldpolitischer, Eckdaten, makroökonomische, Elisabeth-Frage, Erdölpreis-Schocks, Gleichgewichtsmodelle, dynamisch-stochastische, Hurrikan-Schocks, Long-Lag-Theorie, Marktrisiko-Stresstest, Modellgläubigkeit, Modellunsicherheit, Schocks, strukturelle, Sparsamkeitsregel, Strukturunsicherheit, Taylor-Regel, Unsicherheit, VAR-Modell, Wort Case Szenario.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2004, S. 16 f. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Modellgläubigkeit (trustfulness in models, conceptual realism):

Übermässiges oder gar blindes Vertrauen (blind trust) in geldpolitische Modelle als vereinfachte gedankliche Abbildungen der Wirklichkeit. - Unbestritten ist, dass gerade in den entsprechenden Abteilungen der Institute und Zentralbanken keine Modellgläubigkeit besteht. Weiss man doch gerade dort aus vielerlei Erfahrung, dass sich Verhaltensweisen von Wirtschaftssubjekten beim Zusammentreffen verschiedener Umstände - wie dies für eine Marktwirtschaft ja kennzeichnend ist - so gut wie gar nicht vorhersagen lassen.

– Siehe Datenunsicherheit, Geldpolitik, vorausschauende, Gleichgewichtsmodelle, dynamisch-stochastische, Hurrikan-Schocks, Modelle, geldpolitische, Modellrisiko, Pandemie, Schocks, strukturelle, Strukturunsicherheit.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2013, S. 77 (Grundsatzartikel zur Verlässlichkeit modellgestützter Projektionen; viele Übersichten; Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Modellrisiko (model risk):

Eine Strategie des Risikomanagements wird unter der Annahme eines bestimmten Modells eingesetzt. Dabei ist aber nicht sicher, ob das zugrunde gelegte Modell auch die Realität zuverlässig abbildet. Ein Modellrisiko entsteht mithin immer dann, wenn die Modellvoraussetzungen mit der Wirklichkeit nicht völlig übereinstimmen (model risk arises when the model's assumptions do not exactly correspond to reality). - Häufig genanntes Beispiel für das Modellrisiko ist die rechentechnisch einfache Normalverteilung für Aktienrenditen. Wie jedoch die Erfahrung gezeigt hat, treten extrem negative Kursausschläge bei Aktien viel häufiger auf, als es bei Gültigkeit der Normalverteilung (Gaussian distribution: the theoretical frequency distribution for a set of variable data, commonly represented by a bell-shaped curve symmetrical about the mean) der Fall sein dürfte. Infolge dessen kann die Risikolage empfindlich unterschätzt werden.

– Siehe Worst Case Hedging.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2007, S. 65 (Modellrisiko im Rahmen der Risikoberechnung bei Banken).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Modellunsicherheit (model uncertainty):

Weil die Kenntnis über das sich fortwährend wandelnde Gefüge gesamtwirtschaftlicher Zusammenhänge lückenhaft ist, so kommt es vor allem bei der Politik der Zentralbank immer wieder zu einer Unsicherheit hinsichtlich der am besten geeigneten geldpolitischen Massnahmen. Nicht genau bestimmbar ist im Besonderen

1. die gegenwärtige Stärke und Bewegungskraft einzelner Modellvariabler,

2. die "richtige" Schätzmethode (technique of estimation) hinsichtlich der künftigen Veränderung der Variablen,

3. die exakte Abgrenzung wichtiger Variabler, etwa der Geldmenge nach M1, M2 und M3 oder die Messung des Preisniveaus und

4. inwieweit bisher beobachtete Gesetzmässigkeiten (regularities) und Verhaltensweisen (behaviours) für die Zukunft unterstellt werden dürfen.

5. Schliesslich wirft auch bereits die Auswahl der in ein - wie auch immer geartetes - Modell aufzunehmenden Variablen eine Reihe schwieriger Entscheidungsfragen auf.

– Siehe Anweisungen, geldpolitische, Datenunsicherheit, Geldpolitik, vorausschauende, Gleichgewichtsmodelle, dynamisch-stochastische, Hurrikan-Schocks, Modelle, geldpolitische, Modellgläubigkeit, Modellrisiko, Pandemie, Schocks, strukturelle, Sparsamkeitsregel, Strukturunsicherheit, Unsicherheit.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2004, S. 16 ff. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Models Task Force (so auch im Deutschen):

Arbeitsgruppe des Basler Ausschusses mit der Aufgabe, Verfahren zum nach Basel-II neu einzuführenden Internal Ratings-Based Approach (IRBA) zu gestalten.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 38 ff., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 99 f. (Beurteilung verschiedener Verfahren; Merkblatt), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 119 f. (Zulassungsverfahren), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 46 f. (Abgrenzungsfragen der Aufsicht), S. 114 (Institute können ihre intern genutzten Rating-Systeme dafür einsetzen, um die Unterlegung für Adressenrisiken zu ermitteln) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Modified Duration (so auch im Deutschen gesagt; seltener Anleihe-Sensibilität):

Kennzahl, die angibt, wie sich eine Anleihe bei einer Veränderung des Marktzinses um ein Prozent in ihrer Notierung an der Börse bis anhin verändert hat (the modified duration of a bond measures the observed percentage change in its price for a given change in interest rates). Je höher sich die Anleihe-Sensibilität eines Papiers bemisst, desto grösser werden CETERIS PARIBUS die erwarteten Kursgewinne bzw. Kursverluste bei fallenden bzw. steigenden Marktzinsen sein.

– Siehe Zinsintensivität.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Modigliani-Miller-Theorem (Modigliani-Miller proposition):

1 Auf einem vollkommenen Finanzmarkt und ohne Berücksichtigung der zu zahlenden Steuern ist es für den Marktwert eines Unternehmens gleichgültig, wie hoch die Verschuldungsquote dieses Unternehmens ist (in perfect markets and in the absence of taxation there is no such thing as an optimal capital structure; the overall cost of capital remains the same regardless of the firm's debt policy. Thus, the value of the levered company is equal to the value of the unlevered company). - Zwar sind die hier zugrundegelegten Voraussetzungen auf den Finanzmärkten weltweit nicht anzutreffen. Jedoch kann daraus in einem Rückschluss (inference: the logical conclusion from given data at premises) gefolgert werden, dass die jeweiligen Abweichungen vom Modell und damit die Wirklichkeit - vor allem: keine Markttransparenz, Steuerzahlungen spielen eine Rolle, Fremdkapital wird nicht mit Sicherheit zurückbezahlt - ganz bestimmte Einflüsse auf das tatsächliche Finanzierungsverhalten eines Unternehmen ausüben.

2 Bei einem Unternehmen ist nicht so sehr die Art der Finanzierung - etwa über Beteiligungskapital, Bankkredite oder die Begebung von Anleihen - wichtig. Vielmehr kommt es in erster Linie darauf an, ob aus der Verwendung des aufgenommenen Kapitals, also aus der Investition, ein befriedigender Gewinn fliesst. - Diesen beiden (so oder anders vorgetragenen) Aussagen schliessen sich weitere an, die in der finanztheoretischen Literatur ausführlich erörtert werden.

– Siehe Formeln, finanzmathematische, Finanzpsychologie, Irrelevanztheorie.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2012, S. 14 f. (zur Irrelevanzthese).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mofageld (autocycle money):

Nach 1970 aufgekommene volkstümliche Bezeichnung (popular name) für den in Deutschland geleisteten Zuschuss des Staates an ältere Schüler, um deren Schulausbildung zu finanzieren. Mofa = Motor-Fahrrad; Oberbegriff für verschiedene Kleinkrafträder; CH: Töffli.

– Siehe Biergeld, Kindergeld, Nachfragefinanzierung, Suffgeld, Zweckbindung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Momentum (momentum, speed):

1 Anderer Ausdruck für die Bewegungsgrösse.

2 Näherin das Mass für die Geschwindigkeit - auch Zugkraft genannt - einer Kursbewegung. Richtmass ist hierbei der gegenwärtige Kurs abzüglich des Kurses vor x Tagen (the difference between the closing price today and the close x days ago). Ein Momentum über null, zeigt dass der aktuelle Kurs höher ist als vor x Tagen; ein Momentum mit negativem Vorzeichen bedeutet, dass der aktuellen Kurs niedriger ist als der vor x Tagen.

3 Auch gesagt für den Zusammenhang zwischen günstigen Meldungen über ein Unternehmen und dem Anstieg der Kurse (when the positive news about a company's share is reflected only gradually, a pattern of ever increasing share price forms. This pattern is called a stock-price momentum, since positive initial returns are followed by the other positive returns in the mid-term).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Monatsausweis (monthly report):

Alle in Deutschland tätigen Institute sind nach § 25 KWG verpflichtet, bestimmte statistische Daten der Deutschen Bundesbank und der Aufsichtsbehörde zu melden.

– Vgl. den Statistischen Teil des jeweiligen Monatsberichts der Deutschen Bundesbank sowie den Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Monetäre Entwicklungen, Banken und Investmentfonds" im jeweiligen Monatsbericht der EZB.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Monatsgeld (monthly loans):

Darlehn, gegeben oder aufgenommen für einen Monat, nach dessen Ablauf unter Umständen eine Verlängerung (extension of a period) eintreten kann.

– Siehe Geldmarktsätze.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mondpreis auch Märchenpreis (unrealistic price, astronomical price, fictitious price):

1 Allgemein ein marktferner (not marktet-oriented), unrealistischer Angebotspreis.

2 Ein absichtlich sehr hoch angesetzter Preis, der aber nur dazu dient, um hohe Rabatte ausweisen zu können (a very high price which functions as the "original" price for discounts, but is never seriously demanded in full).

3 In der Finanzsprache im Besonderen auch gesagt in Bezug auf hoch bewertete Papiere im Portfolio einer Bank, die aus geschäftspolitischen Gründen die notwendige Verlustabschreibungen (necessary write-off) meidet.

– Siehe Bad Bank, Kopf-in-den-Sand-Verhalten, Papiere, toxische, Preis, angegebener, Staatsanleihen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Monat, hinterer (back month, deferred month):

Im Terminhandel die Bezeichnung für eine spätere, erst nach dem Vertragsabschluss zu leistende Lieferung (futures delivery months other than the spot or front month).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Monetaristen (monetarists):

In Bezug auf die Europäische Währungsunion die Vertreter der Meinung, dass eine geheimsame Währung über kurz oder lang zwanghaft die Vereinheitlichung eines auch unterschiedlich geprägten Wirtschaftsraums bewirken werde. - Dieser Ansicht standen die Ökonomisten gegenüber. Sie forderten zunächst eine Vereinheitlichung der Wirtschafts- und Finanzpolitik der zum Eintritt in eine Währungsunion bereiten Staaten. Die gemeinsame Währung könne und dürfe nur der krönende Abschluss (crowning conclusion, grand finale) eines Wirtschaftsgemeinschaft sein. - Der Vertrag über die EWU versuchte einen Kompromiss zwischen beiden Ansichten zu finden; der Stabilitäts- und Wachstumspakt sollte den wirtschaftspolitischen Gleichklang sichern. - Rückblickend hat sich der Standpunkt der Ökonomisten als im Grunde richtig gezeigt. Der Stabilitäts- und Wachstumspakt wurde nicht eingehalten; und im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise wurde die Geldpolitik der EZB weithin nur noch Antikrisenpolitik.

– Siehe Becket-Effekt, EZB-Sündenfall, Geldvermehrung, währungsunion-interne, Griechenland-Krise, Gruppendruck, Renationalisierung, geldpolitische, Rettungspaket, Sitzordnungsstreit, Südfront, Umverteilung, zentralbankbewirkte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Monetary-Conditions-Indizes, MCIs (so auch im Deutschen):

Formeln zur Messung kurzfristiger Zins- und Wechselkursänderungen, gewichtet nach deren entsprechendem Einfluss auf makroökonomische Veränderlichen, vor allem auf das reale Bruttoinlandsprodukt und die Preise. Solche Formeln werden von Zentralbanken zur Preisvorhersage teilweise, wenngleich mit vielen Vorbehalten, herangezogen.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juni 2002, S. 27 ff. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Monetary Control Act:

In den USA die seit 1980 geltende Vorschrift, dass sämtliche Leistungen der Zentralbank in einer Kostenrechnung (cost accounting) zu erfassen sind, welche den tatsächlich anfallenden bzw. verrechneten Kosten entsprechender privater Finanzdienstleister entspricht.

– Siehe Underpricing, Vollkostendeckung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Moneten (money):

In alten Dokumenten in der Regel noch sachliche, wertneutrale Bezeichnung für Zahlungsmittel; also nicht wie im heutigen Sprachgebrauch saloppe, lässige Bezeichnung für Geld, so wie etwa Zaster, Flöhe, Kröten oder Mäuse.

– Siehe Geldbezeichnungen, volkstümliche deutschsprachige, Penonse, Spores Raffel, Zucker.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Monetisierung (monetisation):

1 Einen Gegenstand, wie vor allem Metall oder einen bedruckten Schein, zum gesetzlichen Zahlungsmittel in einem Land einführen (establishing something, e.g. metal, paper notes, as the legal tender of a country).

2 Jede Umwandlung eines Vermögensgegenstandes in Geld (the conversion of any asset into money).

3 Der Plan und seine Verwirklichung, aus einer Sache einen Gewinn zu erlangen (the determination and carrying out of a plan to make a profit from whatever thing).

4 Besonders auch im Internet die Möglichkeit, aus einem Angebot wie Software-Anwendung, Webseite, Blog, Newsletter oder Rätsel Einnahmen zu erzielen (the ability to generate in the online world a revenue from apps, a web site, blog, game, newsletter or similar).

5 Die nach bestimmten, gesetzlich vorgeschriebenen oder vertraglich vereinbarten Regeln erfolgende Preisfeststellung in Geld eines Vermögensgegenstandes zu einem bestimmten Zeitpunkt; die Bewertung.

6 Die Absicherung der Erträge aus einem Kontrakt auf dem Warenterminmarkt (the securitisation of the gross revenues of a contract).

7 Die Staatsschulden durch die Ausgabe von Schuldtiteln finanzieren (financing public debt by issuing papers).

8 In der sozialistischen Anklageliteratur (accusatory literature) gegen die Marktwirtschaft (market-based economy) der (Haupt)Grund) der Entfremdung (alienation) des Menschen. Dadurch

1. dass die Arbeitsleistung in Geld bemessen und entlohnt wird, werde der Mensch von seiner Leistung getrennt und

2. weil alle Tauschvorgänge auf Geld bezogen sind,

3. so beherrscht das Geld als fremdes Wesen die einzelne Person und

4. darüber hinaus die Gesellschaft in allen ihren Teilen.

– Amtsträger (functionaries) der sozialistischen Partei müssen daher die Produktion und Verteilung der Güter geldlos regeln. Dann treten paradiesische Zustände (paradisiac conditions) ein, weil der Einzelne jetzt von seiner Entfremdung befreit ist, und die sozialistische Gesellschaft damit auch reich aufblühen kann. - Wer das nicht einsehen will, dem muss die sozialistischen Zukunftsgesellschaft (rosy future socialist society) Gelegenheit bieten, in entsprechend eingerichteten Lagern zur Selbstkritik (auto-criticism) zu gelangen, um vielleicht doch noch zu einem nützlichen Glied der Gesellschaft (useful member of the socialistic society) heranzureifen.

– Siehe Actus-purus-Grundsatz, Adäration, Finanzialisierung, Geldabschaffung, Geldrechenhaftigkeit, Mammon, Marktmechanismus, Misochrematie, Mutualismus, Zinsknechtschaft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Money-back Warrant (so auch im Deutschen gesagt):

Allgemein eine Option, die im Einzelnen so gestaltet ist, dass bei Erfüllung der vertraglich vereinbarten Voraussetzungen der Anleger das einbezahlte Geld ganz oder teilweise zurückerhält (a warrant that refunds part or the total investment in the event of an adverse move in the underlying).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Money-matters-Theorem (money matters theorem):

Zuwenig oder zuviel Geld in einem Staat bzw. Währungsgebiet führt über kurz oder lang zu wesentlichen Störungen im Wirtschaftsprozess (economic process: dem durch die Tatsache der menschlichen Wiederholungsbedürfnisse bedingten, stetig ineinander greifenden Akten der Produktion und Konsumtion). Die Masstabeigenschaft des Geldes muss daher zur Gewährleistung des Güteraustauschs unbedingt bewahrt werden.

– Siehe Finanzstabilität, Finanzsystem, Geld, sittliches, Geldschleier, Gut, öffentliches, Inflation, Lug-und-Trug These Marktmechanismus, Menükosten, Quantitätstheorie.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2007, S. 15 ff. (Zusammenhang zwischen Immobilienmarkt und Geldnachfrage; viele Übersichten), Monatsbericht der EZB vom November 2010, S. 101 ff. (Einfluss der Bankbilanzen au wirtschaftliche Wechsellagen; Übersichten; Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Monitoring (so auch im Deutschen gesagt, aber in unterschiedlicher Bedeutung):

1 Auf dem Finanzmarkt allgemein die planmässige, zielgerichtete Überwachung eines Geschäfts (the act of painstaking surveillance of a transaction).

2 Im Besonderen alle Massnahmen zum Aufspüren von illegalen Zahlungsströmen und Finanztransaktionen, auch im Massenzahlungsverkehr, durch den Einsatz geeigneter technischer Mittel. Nach § 25a KWG ist diese Zahlungsverkehr-Überwachung für Finanzdienstleister in Deutschland Pflicht.

– Siehe Beobachtungsliste, Falscherklärung, Kontenscreening, Nachvollziehbarkeit.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2002, S. 28 ff., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 81 (Umsetzungsrichtlinien), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 236 (Meldungen nach der EU-Geldtransferverordnung) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Querschnittsaufgaben".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Monitum (monition):

In der älteren Finanzsprache auch die Mahnung an den Schuldner, seinen Verpflichtungen nachzukommen.

– Siehe Geldvergessliche, Gläubiger, Liquidant, Verzug.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Monoline Insurance Company und Monoline Insurer (so auch meistens im Deutschen):

1 Versicherung, die sich auf die Absicherung von Kreditrisiken spezialisiert hat (an entity that provides credit default swaps [CDS] for specific types of assets).

2 Eine mit einem guten Rating versehene Versicherung steht dafür ein, dass bestimmte Anleihen bedient, nämlich ordnungsgemäss verzinst und zurückbezahlt werden (an insurance company which specialises in providing its own [high] corporate rating to a bond issue with a lower underlying rating, by effectively guaranteering [also called "wrapping"] the payment of all principal on the last maturity date, and all interests when due). Entsprechende Geschäfte sind in den USA vor allem in Bezug auf die dadurch hoch angesehenen - und sonst von Anlegern kaum besonders begehrten - Kommunalanleihen verbreitet (this mechanism is extensively used in the US municipal bond market). Als jedoch im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise grosse Versicherungen 2007 herabgestuft wurden (were downgraded in the financial crisis triggered by the sub-prime crisis in 2007), verloren viele von den Gesellschaften garantierte (packed; "verpackte") Anleihen plötzlich an Wert.

– Siehe Monoliner.

– Vgl. Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 18 (Risikobewertung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Monoliner und Anleiheversicherer (monoline):

In den USA Versicherungen, die ursprünglich nur Anleihen von Städten und Gemeinden gegen Ausfall versicherten, mithin auf lediglich einer einzigen Geschäftslinie (monoline) tätig waren. Durch den Nachweis einer solchen Versicherung werden die Darlehn für die öffentlichen Emittenten billiger, weil ja bei allfälliger Nichtbedienung der Anleihe durch den Schuldner die Versicherung eintritt, das jeweilige Papier also praktisch risikolos ist. Daher wurden auch lange Zeit durch Monoliner versicherte öffentliche Anleihen mit den besten Ratings versehen. - Schwierigkeiten entstehen jedoch, wenn

1. das Eigenkapital des Versicherers kleiner ist als die versicherten Verbindlichkeiten,

2. die versicherten Anleihen von den Rating-Agenturen herabgestuft werden,

3. der Monoliner selbst in eine niedrigere Bonitätsstufe abgleitet, was bedeutet, dass seine Refinanzierungskosten steigen und das Neugeschäft wegen Vertrauensverlustes harzt (stagnates),

4. und eine solche Herabstufung (downgrading) geschieht, weil die Anforderungen an die mit Versicherungsschutz ausgestatteten Papiere seitens der Monoliner herabgesetzt und am Ende selbst auch Credit Default Swaps im Quadrat versichert werden, wie gelegentlich der Subprime-Krise bekannt wurde.

– Siehe Kreditversicherung, Monoline Insurance Company, Portfolio-Versicherung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Monitorium und Mahnschreiben (monitory letter):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man im Finanzbereich darunter ein Mahnschreiben der Aufsichtsbehörde an ein Institut.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Monokausalismus (monocausalism):

In Bezug auf den Finanzmarkt die Behauptung, das Geschehen werde durch einen einzigen Grund (monokausal; monocausally) bestimmt. Dem ist jedoch nicht so. Denn nachweislich sind die Erwartungen der Anbieter und Nachfrager selbst auch im Verlauf bestimmten Marktsituationen - wie etwa in der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise - durchaus unterschiedlich.

– Siehe Astro-Prognose, Fibonacci-Folge, Finanzmarkt-Analyse, Siderismus, Verschwörungstheorien, Wechselkursverlauf, unerklärbarer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Monometallismus (monometallism):

Zahlungsmittel aus nur einem einzigen Metall, vor allem Gold oder Silber.

– Siehe Bimetallismus.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Montag, schwarzer (black Monday):

Wenn nicht anders definiert, Montag, der 19. Oktober 1987. An diesem Tag ereignete sich der in der (neueren) Finanzgeschichte stärkste weltweite Kurssturz; die Aktienkurse sanken über zwanzig Prozent ein (the black Monday refers to Monday 19th October 1987 when stock market values around the world fell heavily triggered by a large fall in US share prices. On Black Monday, the Dow Jones Industrial Average lost 22,6 percent). - Der Crash begann in Honkong und verbreitete sich durch alle Zeitzonen (international time zones). Eine überzeugende rationale Erklärung für dieses Ereignis gibt es trotz sehr vieler Untersuchungen bisher noch nicht. - In den USA sanken die Aktienkurse um etwa zehn Prozent auch am Montag, den 17. Oktober 2001, nachdem die Börsen wegen des islamistischen Terroranschlags auf das World Trade Centre am 11. September 2001 bis dahin geschlossen blieben.

– Siehe Freitag-13-Anomalie, Halloweenregel, Januar-Effekt, Kalender-Effekt, Montagseffekt, Sell-in-May-Effekt, Freitag, schwarzer, Small-Cap-Effekt, Weihnachts-Belebung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Montags-Effekt (Monday effect):

Die Tatsache, dass der Montag erfahrungsgemäss der schwächste Wochentag an der Börse ist. Warum das so ist, konnte die Finanzmarkttheorie bis anhin noch nicht völlig überzeugend erklären.

– Siehe Behavioural Finance, Freitag-13-Anomalie, Halloweenregel, Januar-Effekt, Kalender-Effekt, Sell-in-May-Effekt, Small-Cap-Effekt, Weihnachts-Belebung, Wochenend-Effekt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Montagsgeld (Monday compensation):

Frühere Zuzahlung für den Lohn eines Handwerkers, der am ersten Tag der Woche, dem Montag, arbeitete. - Trotz vieler Bemühungen seitens der Zünfte, der Landesherren und sogar des Reichstags durch Edikt aus dem Jahr 1731, den sog. blauen Montag (blue Monday) abzuschaffen, hielt sich dieser Ruhetag bei manchen Handwerkern bis in die Neuzeit hinein, in Deutschland etwa bis heute bei Coiffeuren. Um Handwerksleistungen an einem Montag zu erhalten, musste daher ein teilweise sehr hohes Aufgeld bezahlt werden.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Montanwerte (mines; coal and steel securities):

1 Im engeren Sinne Aktien von Bergwerksgesellschaften.

2 Wertpapiere und im Besonderen Aktien, die

1. vom Kohlenbergbau sowie

2. von der Eisen- und Stahlindustrie begeben wurden. Sie spielten in Europa bis in die erste Hälfte des 20. Jhts. hinein eine bedeutende Rolle, weil die Erzeugnisse dieser Branchen den Rückhalt der industriellen Wirtschaft und auch der Kriegswirtschaft (wartime economy) bildeten.

– In den damaligen Börsenberichten unterschied man zwischen Hüttenzechen als Eisenhütten (ironworks), die sich Kohlenzechen (coal mines) angegliedert hatten einerseits und andererseits Zechenhütten als Bergwerksgesellschaften (mining companies), die auch eine Eisenhütte besassen.

– Siehe Aktie, gemischte, Energiewerte, Nachrichtenwerte, Rüstungspapiere.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Monte (monte):

In älteren Dokumenten ein durch Pfand an unbeweglichen Gütern - auch Schmuck, Kleidung oder Geräte - besichertes Darlehn, vor allem an in Not geratene Privathaushalte und durch eigens zu diesem Zweck gegründete Institute (pawnbroking establishments: Pfandhäuser, Monte de Pietà, Monte de Piedad, Monte Pio, Mont de Piété und ähnlich genannt).

– Siehe Faustpfand, Pfandleiher, Vorschusskasse, Zahlhaus.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Montenegro-Problematik (Montenegro trouble):

Das früher als Teilstaat zu Jugoslawien gehörende Montenegro löste sich schrittweise von Serbien und führte ohne Rücksprache mit der EU im Jahr 2002 einseitig den EUR als Währung ein; vor allem auch, um sich von der inflationären serbischen Währung (dem RSD [Serbischer Dinar]) abzukoppeln. Montenegro (etwa 650'000 Bewohner, Hauptstadt Podgorica, bis 1992: Titograd) wurde 2006 unabhängig und unterschrieb im gleichen Jahr ein Assoziierungs-Abkommen mit der EU. Innert der EU und auch seitens der EZB gab es starke Bedenken gegen einen Beitritt Montenegros zur EU, weil das Land, welches die Beitritts-Kriterien bei weitem nicht erfüllt - auch, neben vielen anderen Problemen: Korruption, Geldwäsche, Zigarettenschmuggel -, mit Einführung des EUR als Währung zum Eurogebiet gehören würde.

– Siehe Beitritt, unilateraler, Unbefugte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Montist (montist, moneylender on real property):

In älteren Dokumenten jemand, der Geld gegen Besicherung durch Grundstücke (Realitäten) verleiht.

– Siehe Monte, Pfandleiher.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Moonlight Banking und Late-Night Banking (so auch im Deutschen gesagt; seltener Mondscheinbanking):

Das Angebot von Instituten, auch spätabends noch Kunden im Bankgebäude zu empfangen, in der Regel an einem ganz bestimmten Wochentag.

– Siehe Bank, Benutzerfreundlichkeit, Direktbank, Mobile Banking, Homebanking, Infrastructure Providing, , Prosumer, Safer Traffic, Sofa-Banking.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Moral Hazard (so auch im Deutschen; "hazard" ist ein aus dem Arabischen kommendes Wort [al zahr] und bedeutet "Spielwürfel"):

Verminderte Achtsamkeit im Verhalten, wenn man damit rechnen kann, dass andere - etwa: Krankenkasse, Versicherung, Zentralbank, Sicherungsfonds, Staat - allfällige Schäden (mit)tragen (the lack of any incentive to guard against a risk if you are protected against it). Daher übersetzen manche Moral Hazard mit "unseriöses Verhalten", andere gar mit "rücksichtsloser Unbekümmertheit".

– Siehe Anlage-Haftung, Aufkäufe, zentralbankliche, Bail-out, Banken-Triage, Bankzusammenbruch, Bradford-Verstaatlichung, Einlagensicherung, Euro-Anleihen, gemeinsame, Europäischer Währungsfonds, Fortis-Rettung, Geldmarkt-Operationen, Geldverleiher letzter Instanz, Haftung, Hypo Real Estate-Rettung, IndyMac-Pleite, Internationaler Währungsfonds, Kobra-Effekt, Krisenlasten-Verteilungsprogramm, Londoner Verfahren, Marktdisziplin, Northern Rock-Debakel, Risikoanhebung, subjektive, Rückschlag-Effekt, Single Master Liquidity Conduit, Selbstbesteuerung, Sunset-Vorbehalt, Too big to fail-Grundsatz, Versicherungsunsicherheiten, Verlustausgleich, steuerlicher, Verlustübernahme, persönliche, Vermögensabgabe, Vertragstreue, Vertrauen, Worst Case Szenario, Zwangsenteignung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Moral Suasion (so auch im Deutschen gesagt; seltener mit Verhaltensbeeinflussung übersetzt):

Mittels fein abstufbarer Verlautbarungen, vom gut gemeinten Wink (well meant advice) bis hin zum strengen Tadel (sharp disapprobation), wendet sich die Aufsichtsbehörde oder die Zentralbank an Akteure in den Finanzmärkten, um diese zu einem bestimmten Tun oder Unterlassen zu bewegen. Wie die Erfahrung lehrt, sprechen die Banken auf solche Kundgebungen - auch auf Druck ihrer Spitzenverbände (umbrella associations, central organisations) - rasch an.

– Siehe Codewörter, Forward Guidance, Greenspeak, Führung, verbale, Politik des offenen Mundes, Seelenmassage, Wohlverhaltensregeln.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Moratorium (respite; moratorium):

1 Allgemein eine Vereinbarung zwischen Gläubiger und Schuldner, dass der Anspruch aus einem Darlehn bzw. einer Begebung bis zur Besserung der finanziellen Lage des Verpflichteten einstweilen nicht geltend gemacht werden soll (the temporary suspension agreed by the lenders/investors of the reimbursement of principal [and sometimes even of the payment of interests] in relation with a loan/bond, until the borrower's creditworthiness improves).

2 Im Besonderen der Zahlungsaufschub, die verlängerte Zahlungsfrist, die verlängerte Kreditfrist - in der alten Finanzsprache auch Remise und Remiss - im zwischenstaatlichen Verkehr.

3 Ein durch die Aufsichtsbehörde verfügtes Veräusserungs- und Zahlungsverbot in Hinblick auf eine gefährdete Bank. So verfügte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht im September 2008 ein Moratorium gegenüber dem Lehman Brothers Bankhaus AG in Frankfurt am Main, nachdem mehrere Gesellschaften des Konzerns in den USA Gläubigerschutz beantragt hatten bzw. in Grossbritannien unter Verwaltung (administration) gestellt wurden. Freilich hatte die Konzernleitung von Lehman Brothers kurz vor der Insolvenz noch die Überweisung aller Barbestände aus den Auslandsfilialen an die Zentrale in Neuyork verfügt.

– Siehe Atermoiement, Lehman-Pleite, Posttag, Verzug, Zahlungsunfähigkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mortgage Backed Securities, MBS (so auch im Deutschen gesagt):

Allgemein alle durch Immobilen besicherte, handelbaren Titel (securities which are backed [collateralised] by a pool of mortgage loans; this instrument is one of the most frequently resorted to forms of securitisations).

– Siehe ABS-Fonds, Asset-Backed Securities, Besicherungsrisiko, Collateralised Bond Obligations, Collateralised Debt Obligations, Collateralised Loan Obligations, Commercial Mortgage Backed Securities, Residential Mortgage Backed Securities, Retrozession, Structured Investment Vehicle, Wohnungsbaukredite, verbriefte, Unterlegung, Verbriefungspapiere.

– Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 155 (etwa die Hälfte der Verbriefungspositionen deutscher Banken zum Jahresende 2009 waren MBSs), Monatsbericht der EZB vom November 2011, S. 88 ff. (MBSs im Refinanzierungsgefüge der Banken; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mortgage Equity Withdrawal, MEW, im Deutschen manchmal auch Immobilien-Zusatz-beleihung):

Eine zusätzliche Beleihung von bestehendem Wohneigentum. Steigt der Marktpreis von Wohneigentum, dann wird der nominelle Beleihungswert der Immobilie höher. Das ermöglicht es einem Privathaushalt, ein zusätzliches Darlehn zu Konsumzwecken auf das Beleihungsobjekt aufzunehmen, sprich: Kapital dem Grundeigentum zu entziehen und es zu liquidisieren. - In den USA - kaum in Europa - betrieben bis zur Subprime-Krise viele Institute teilweise übertrieben und leichtsinnig eine solche Finanzierungspolitik. Entweder wurde auf das nun mehr bewertete Grundeigentum

1. eine dem gestiegenen Wert angepasste, höhere Hypothek (Cash-Out Refinancing), oder

2. eine zweite, zusätzliche Hypothek (Home Equity Loan) aufgenommen.

– Als die Immobilienpreise 2007 sanken, da bangten die kreditgewährenden Banken um die Sicherheiten und kündigten die Darlehn. Die meisten Privathaushalte hatten indessen das durch die Hypothek gesicherte Darlehn längst für Ausstattungsgegenstände, neue Autos und Reisen ausgegeben. Sie waren nun zahlungsunfähig (moneyslack). Massenweise wurden Häuser zwangsversteigert. Dies drückte die Immobilienpreise weiter nach unten, und die Subprime-Krise verstärkte sich wesentlich.

– Siehe Apfelernte-Schluss, Ballon-Kredit, Bradford-Verstaatlichung, Hypo Real Estate-Rettung, Immobilienblase, Jingle Mail, Kredit, regressloser, Krise der Sicherheiten, Ninja-Loans, Northern Rock-Debakel, Originate-to-distribute-Strategie, Panikverkäufe, Rückschlag-Effekt, Subprime-Krise, Subprime-Wohnraumfinanzierung, Unterseeboot-Effekt, Zwei-Achtundzwanzig-Kredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mortifikation und Mortifizierung (debt redemption; cancellation):

1 In älteren Dokumenten häufiger Ausdruck für die Tilgung einer geldlichen Schuld (the removal of a financial obligation by paying off).

2 Die gerichtliche Kraftloserklärung (court declaration of invalidity) einer verloren gegangenen) Urkunde, insbesondere eines Wertpapiers.

– Siehe Amortisation; Kaduzierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

M-Payment (so auch im Deutschen gesagt):

Mobiles Bezahlen, eine Zahlung wird auf dem Wege über ein Mobiltelephon (Handy; mobile phone) abgewickelt.

– Siehe Bezahlverfahren, innovative, Bullet Payment, Zahlung, mobile.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

MSCI-Index (so auch im Deutschen):

Weltindex, welcher die Entwicklung der wichtigsten Aktien der Erde abbildet (Morgan Stanley Capital International, an international equity index). Aus seiner jeweiligen Höhe werden von manchen Schlüsse über die weltweite Liquiditäts-Versorgung (global supply of liquidity) gezogen.

– Siehe Carry Trades, Geldüberversorgung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mudaraba und Mudharaba (so auch im Deutschen gesagt):

Im Islamic Banking ein Kontrakt, nach dem im Regelfall eine Partei das Kapital für ein Vorhaben aufbringt, die andere Partei die Arbeit und auch die Geschäftsführung übernimmt. - Die Gewinnverteilung wird zuvor vertraglich festgelegt. Allfällige Verluste aus dem Projekt trägt bei den meisten Verträgen zur Gänze der Bereitsteller des Kapitals, also die Bank. Grundsätzlich ausgenommen ist der Fall, dass die andere Vertragspartei durch vertragswidriges Verhalten (behaviour in violation of the contract) den Verlust herbeigeführt hat (an agreement between a financial institution and a company, with the financial institution acting as provider of funds and the company as the manager, for investing in a pre-determined activity or class of assets, which grants each party a share of the earnings which is determined at the time of the investment).

– Siehe Ijara, Istisna, Murabaha, Salam, Sukuk.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mühe, grösste (best efforts):

In Verträgen auf dem Finanzmarkt häufig eingeflochtener Vorbehalt. Er besagt, dass sich der Geschäftspartner nach Kräften anstrengen wird, ein gutes Ergebnis zu erreichen. Er kann jedoch für das Gelingen eines Geschäftes nicht einstehen (designation that a certain financial result is not guaranteed, but that a good faith effort will be made to provide the result that is represented).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mühegeld (expense allowance):

In alten Dokumenten häufige Bezeichnung für eine Zahlung, um entstandene Aufwendungen in Zusammenhang mit einem Geschäft zu begleichen; eine Aufwandsentschädigung.

– Siehe Auslagen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mühlgeld und Mühlengeld (mill charge; grinding impost):

1 Früher von den gewerblichen Betreibern einer Mühle in Bargeld zu entrichtende Abgabe (water rate: Wasserzins als Abgeltung für die Nutzung der Wasserkraft). Gewässer galten als Staatseigentum. Die Nutzung des Wassers durch Betriebe begründete daher eine Abgabepflicht.

2 Beim Mahlen von Getreide in einer Mühle zum Mahllohn an den Müller hinzutretender Betrag (Mühlakzise, Mahlsteuer, in alter Dokumenten auch Muhlter).

– Siehe Wägegeld, Wassergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Multi-Boutique-Ansatz (multi-boutique approach):

1 Eine Bank bzw. ein Fonds gliedert sich in verschiedene Geschäftsbereiche (business areas), bei einer Bank oft dreigeteilt in Private Banking, Investment Banking und Asset Management. Diese Ressorts arbeiten zwar weitgehend unabhängig voneinander. Indessen sind sie auf verschiedenen Ebenen miteinander verbunden und wirken daher zusammen.

2 Bei einer Bank oder einem Fonds werden mehrere einzelne, eigenverantwortlich handelnde Arbeitsgruppen (investment boutiques; Investment-Boutiquen) eingerichtet. Diese sind jeweils auf ganz bestimmte Investitionsvorhaben ausgerichtet, oft geordnet nach

1. Wirtschaftsbereichen, etwa Landwirtschaft, Bergbau, Verarbeitendes Gewerbe,

2. Branchen, etwa: Nahrungsmittelverarbeitung, Elektronikindustrie,

3. Ländern oder

4. einer Kombination aus diesen.

– In der Regel haben die so gebildeten Spezialteams (teams of experts) sehr weitgehende Entscheidungsfreiheit (freedom of decision) und können daher eigenverantwortlich (self dependent) rasch am Markt handeln. - Freilich haftet für Fehlentscheidungen (wrong decisions) letztlich der Vorstand der Bank (bank top management). Die Finanzgeschichte kennt viele Fälle, bei denen Vorstandmitglieder (members of the board of directors) ihren Abschied nehmen mussten, weil eigenentscheidende Teams das Institut in eine Schieflage (financial crisis) brachten. Daher ist zwar bis anhin eher bei Fonds, weniger aber auch bei Banken der Multi-Boutique-Ansatz durchgedrungen.

– Siehe Bankgrösse, Chinese Wall, Dezentralisations-Prinzip, Empowerment, Subsidiaritätsprinzip.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Multi-Currency Klausel (so auch im Deutschen gesagt; seltener Währungswahlvereinbarung):

1 Eine Kreditfazilität (Kreditrahmen: der einem Darlehnsnehmer zugesagte Betrag, bis zu dessen Höhe er bei der Bank Kredite in Anspruch nehmen darf), die wahlweise in zwei oder mehreren der im Vertrag vereinbarten Währungen beansprucht werden kann, manchmal auch Multi-Currency Credit Line genannt.

2 Ein Unternehmen kann aufgrund einer vertraglichen Vereinbarung mit der Bank ein Darlehn wahlweise in einer von mehreren Währungen in Anspruch nehmen.

3 Eine Zahlung kann wahlweise in zwei (seltener darüber hinausgehend) Währungen laut Vertrag geleistet werden. Damit lässt sich das Währungsrisiko für den Schuldner mindern.

– Siehe Anleihe, währungswählbare, Doppelwährungsanleihe, Referenzwährung, Valutenklausel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Multijurisdictional Disclosure System, MDS:

In den USA Abkommen der Securities and Exchange Commission mit Aufsichtsbehörden anderer Staaten über bestimmte Fragen der Beaufsichtigung, im Besonderen über Offenlegungspflichten ausländischer, an US-Börsen zum Handel zugelassener Gesellschaften.

– Siehe Memorandum of Understanding.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Multilateral Investment Guarantee Agency, MIGA:

Institution der Weltbank, 1988 gegründet, mit Sitz in Washington, DC. Ihre Aufgabe ist die Förderung von Direktinvestitionen in Entwicklungsländer durch (Teil)Garantie-Übernahmen zur Deckung des politischen Risikos (Enteignung, Krieg und innere Unruhen, Kapitalverkehrs-Beschränkungen, Vertragsbruch).

– Siehe Devisenzwangswirtschaft, Kapitalverkehrskontrolle, Low Income Countries, Washington Concensus.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Multilateral Memorandum of Understanding, MMoU (so auch im Deutschen gesagt):

International einheitlich gestalteter Informationsaustausch in Bezug auf Wertpapiere zwischen den Aufsichtsbehörden.

– Siehe Memorandum of Understanding.

– Vgl. zu den Einzelheiten den Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 59.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Multikanalbank (multi-channel bank):

Institut, das dem Kunden die Möglichkeit bietet, auf verschiedenen Wegen mit ihm in Verbindung zu treten.

– Siehe Bank, gemischte, Bankportal, Benutzerfreundlichkeit, Call Centre, Direktbank, Electronic Banking, Internetbank, Metcalfe-Regel, Mobile Banking, Online Banking, Phishing, Prosumer, Rechtsrisiken, Safer Traffic, Sofa-Banking.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Multiple-Class Fund (so auch im Deutschen gesagt; in der deutschen Gesetzessprache Investmentfonds mit verschiedenen Anteilsklassen):

Investmentfonds, deren Anteile unterschiedliche Rechte und Pflichten (share classes; Anteilsklassen) haben. - Für die Anteilsklassen sind zahlreiche Gestaltungen möglich. Häufig findet seine eine Aufteilung nach

1. Anlegergruppe: Privatanleger, institutionelle Anleger,

2. der Gebührenberechnung: Anteile mit und ohne Ausgabe-Aufschlag oder

3. der Ertragsverwendung: Ausschüttung oder Thesaurierung (profit retention). Dennoch bilden aber die mit unterschiedlichen Rechten und Pflichten geleisteten Einzahlungen juristisch ein einheitliches Sondervermögen (funds which offer investors different types of shares, known as "classes"; each class will invest in the same investment portfolio of securities But each class will have different shareholder services and/or distribution arrangements with different fees and expenses and, therefore, different performance results. A multi-class structure offers investors the ability to select a fee and expense arrangement that is most appropriate for their investment goals, including the time that they expect to remain invested in the fund and their specific tax category).

– Die Aufsichtsbehörden verlangen den Nachweis eines fairen Interessensausgleichs - vor allem bei der Anteilspreisberechnung - innert der Anteilsinhaber gesamthaft.

– Siehe Mutual Fund.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Multisourcing (so auch im Deutschen gesagt; seltener [unschön] Mehrquellenkapitalaufbringung):

In Bezug auf Finanzierung bei grösseren Investitionen die Einwerbung von Kapital für das Vorhaben bei verschiedenen Darlehnsgebern - Banken, Fonds, staatliche Stellen - im Inland und Ausland.

– Siehe Co-Investment, Cornerstone Investor, Fundrasing, Landmark Building-Darlehn, Public Private Partnership, Roadshow.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Münchhausen, Baron auch Lügenbaron (Baron of Lies, Lying Baron):

Innert der Institute häufige Bezeichnung für den Pressereferenten (press referee) bzw. Öffentlichkeitsbeauftragten (public relation officer, information commissioner). Die Bezeichnung soll aus der Soldatensprache der Schweizer Armee eingedrungen sein, wo der Presse- und Informationsoffizier gemeinhin so genannt wird. - Der deutsche Freiherr Karl Friedrich von Münchhausen (1720-1797) erzählte nach einem unsteten Leben in fremden Ländern erlogene Abenteuer, die ihm den Titel eines "Lügenbarons" einbrachten. - Indessen haben viele Institute die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in darauf spezialisierte Unternehmen ausgelagert. Diese kennen die jeweilige Erwartungshaltung der Journalisten in unserer freien Informationsgesellschaft und versorgen diese mit den berufstypischen Wünschen (requests typical of pressmen in our free democratic society), wie vor allem bereits vorgefertigte Berichte, Übernahme allfälliger Reise-, Übernachtungs- und Bewirtungskosten (entertainment expenses) einschliesslich Begleitung (evening escort by a female or male person who offers regularly erotic pleasure) und oft genug dazu ein sattes Geldgeschenk (considerable cash gift).

– Siehe Auslagerung, Infighting, Käserei, Kiddies Manager, Kundendossier, Loss Leader, Roadshow, Sachverhaltsgestaltung, Spin Doctor.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mundell-Tobin-Effekt (Mundel-Tobin effect):

Ein Anstieg der Inflationserwartungsrate führt zu höheren Zinsen. Die tatsächliche Zinserhöhung ist jedoch geringer als der Inflationserwartungsrate. Dies gilt in der Regel solange, bis die tatsächliche oder erwartete)Rate der Inflation eine bestimmte Höhe nicht erreicht hat.

– Siehe Consensus Economics, Erhebung fachlicher Prognostiker, Geldpolitik, vorausschauende, Inflation, gefühlte, Inflation Targeting, Inflationskäufer, Preisanpassungen, Realzinsargument, Swap, inflationsindexierter, Theilscher Ungleichgewichtskoeffizient.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2006, S. 15 ff. (Probleme bei der Messung der Inflationserwartungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mündelgeld in älteren Dokumenten auch Kurantengeld und Pupillengeld (charge money, ward money):

Guthaben und geldnahe Vermögensgegenstände eines Minderjährigen bzw. einer entmündigten Person, die rechtlich unter der Aufsicht eines Vormunds (Kurators; guardian: an individual who is legally responsible for the care of another and the management of the property of the other person, such as a child, who is considered incompetent to achieve his or her own affairs) steht. Dieser darf das Geld nur in sichere Wertpapiere anlegen.

– Siehe Mündel, Kurant (charge, pupil, ward) = Pflegebefohlener, Bevormundeter, Schützling, Laxament, Mündelsicherheit, Treuhandkonto.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mündelsicherheit (trustee security status):

Gesetzlich geforderte Sicherheit für Anlagen aus Mündelgeld, siehe § 1807 BGB. Zulässig sind in der Regel Spareinlagen und Anleihen öffentlich-rechtlicher Emittenten; ausgeschlossen sind jedoch Aktien oder Derivate.

– Siehe Gilt Edged, Laxament, Mündelgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Münzcommis (coinage clerk):

In früherer Zeit ein Handlungsgehilfe, dem die Umrechnung des von inländischen und ausländischen Kunden zur Zahlung gegebenen Hartgeldes anvertraut war. - Von Amsterdam wird um 1720 berichtet, dass ein Münzcommis an die hundert weltweit kursierende Münzen kennen musste und zu bewerten hatte. Dazu verhalfen ihm nur teilweise sog. Resolvier-Tabellen (Resolvierungs-Tafeln; comparsion charts), nämlich Vergleichslisten, in denen der Wert jeweiliger Münzen verzeichnet war, auch Münztarif-Verzeichnis genannt. Denn oft änderte sich das Wertverhältnis der Geldstücke zueinander bereits während des Drucks der Resolvier-Tabellen. Dazu oblag dem Münzcommis auch noch, verfälschte Münzen zu entdecken und auszuscheiden.

– Siehe Aftergeld, Hartgeld, Kassenfuss, Münzfuss, Münzverträge, Rechenknecht, Wipper.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Münze in der älteren Sprache oft auch Numisma und Kerma (hard money, coin, specie; mint):

1 Allgemein und umgangssprachlich ein jedes

1. geprägte oder gegossene Metallstück

2. in runder oder eckiger Form

3. mit Inschrift und einer Wertangabe,

4. ohne Rücksicht auf seinen heutigen Verwendungszweck wie Zahlungsmittel, Kapitalanlage, Sammlerstück oder blosse Antiquität (antiquity: an object remaining from ancient times).

2 Als Zahlungsmittel jetzt gültiges und daher mit Annahmezwang ausgestattetes, in der Regel gerundetes Metallstück (coined money; Hartgeld).

3 Ort, an dem Geldstücke und Medaillen geprägt werden. - Die Abgrenzung zwischen Münze und Medaille ist nicht eindeutig. Oft werde alle unter 1 enthaltenen

1. später nachgefertigten Stücke

2. neu geprägte Exemplare ohne gesetzliche Zahlungsmitteleigenschaft sowie

3. die nur als Anlageobjekt nachgefragten, wiewohl rein theoretisch mit Zahlungsmitteleigenschaft versehenen Stücke - etwa: Gold-Dollar, Vreneli - als Medaille bezeichnet.

– Nach EU-Recht müssen Nachahmungen ausser Kurs gesetzter oder sonst als Zahlungsmittel ungültig gewordener Münzen eindeutig erkennbar sein. Im Gegenfall kann die Prägung als Falschgeld verdächtige Münze eingezogen werden. Zudem erwartet dem Ausgeber bzw. auch Verbreiter (circulator) ein Strafverfahren.

– Siehe Abnutzung, Alliage, Anlage-Münze, Annahmezwang, Argent, Aushingeld, Auswurfgeld, Avers, Bargeld, Begültigung, Billonnage, Bimetallismus, Demonetisation, Denkgeld, Eisengeld, Eteostichon, Fehlprägung, Geheimgeld, Geld, böses, Geld, schweres, Geldstein, Gequetschte, Goldwaage, Greshamsches Gesetz, Halling, Heller, Imperial, Infrangiblität, Kaisermünze, Katzengeld, Kipper, Koala, Kreuzer, Kurantmünze, Legende, Medaille, Missilien, Münzen-Paradoxon, Münzpflege, Münzregal, Münzschlagen, Nasarinchen, Noble, Numismatik, Numismatographie, Packungs-Effekt, Pagament, Passiergewicht, Permissgeld, Pezzi, Probemünze, Quaadschilling, Rändelung, Realgeld, Remedium, Revers, Scheidemünze, Spores Raffel, Subferraten, Verrechnungsmünze, Wipper, Zechine, Zisalien.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2009, S. 62 (Bestimmungsgründe für die Nachfrage nach Münzen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2013, S. 29 ff. (Allgemeines und besondere Gegebenheiten zum Münzgeldumlauf in der EWU: Übersichten; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Münze, gefälschte (counterfeit coin):

Geldstück aus Metall, das in Betrugsabsicht

1. umgearbeitet

2. oder, wie sehr viele als Sammlerstücke angebotene Münzen aus dem Altertum, gar neu hergestellt wurde.

– Siehe Aftergeld, Alliage, Billonnage, Eteostichon, Geld, böses, Goldwaage, Katzengeld, Kipper, Münzcommis, Passiergewicht, Rändelung, Wipper, Zisalien.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Münze, historische (historical coin):

Ein Geldstück, das in früherer Zeit der Zahlung diente, seit langem aber nicht mehr verwendet wird. - Es zählt zu den schwierigsten Aufgaben der Finanzgeschichte, den Wert entsprechender Zahlungsmittel festzustellen. Denn

1. es waren nacheinander und teilweise auch noch nebeneinander verschiedenwertige Münzen gleichen Namens im Umlauf, wie etwa der Gulden. Dazu kommt

2. dass sich die Kaufkraft gleichartiger umlaufender Münzen zu derselben Zeit in verschiedenen Landesteilen oft erheblich unterschied. Der Grund dessen liegt darin, dass der Güteraustausch sich vielfach im Wesentlichen auf eine Region beschränkte, also keine weiträumige Volkswirtschaft im heutigen Sinne mit Markttransparenz und regelmässigem Verkehr auf Strassen, Flüssen, Kanälen sowie später durch die Eisenbahn und in der Luft unterstellt werden darf. Aus diesem Grunde sind auch Münzverträge zur Bestimmung der Kaufkraft immer mit grossem Vorbehalt zu verwenden. Erst recht sind darauf aufgebaute Umrechnungstabellen selbst in angesehenen historischen Lehrbüchern kaum hilfreich. Auf wohl keinem anderen Gebiet der Geschichtswissenschaft, aber leider auch der Wirtschaftsgeschichte, wurden und werden immer noch derart viele Irrtümer verbreitet wie bei der Wertbestimmung alter Münzen.

– Siehe Geldkunde, Geldtheorie, Kontorwissenschaft, Konventionsgeld, Münzcommis, Numismatik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Münze, klingende (specie, large money):

1 Hartgeld, Metallgeld im Gegensatz zu Papiergeld (bank notes; Banknoten); früher auch schweres Geld genannt.

2 In älteren Veröffentlichungen in der Regel Münzen aus Silber und/oder Gold.

– Siehe Spores Raffel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Münze, monepigraphische (monepigraphic coin):

Metallgeld ohne Bild auf Avers oder Revers, allein mit einer Inschrift.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Münze, verfälschte und Subaerat (manipulated coin, subaerat):

Im Kern aus minderwertigem Metall hergestelltes Geldstück, das aussen eine Plattierung aus Gold oder Silber enthält. Man spricht hier auch in der älteren Literatur von einer gefütterten Münze. Eine solche Prägung soll Hartgeld aus reinem Edelmetall vortäuschen. Es handelt sich dabei aber häufig nicht um gefälschte Münzen, sondern um Verfälschungen im Auftrag des Münzherrn. Sie sind bereits bei römischen Denaren des 1. Jhts. n. Chr. massenweise zu finden.

– Siehe Assay-Stempel, Billonnage, Bleiling, Bullion, Doublé-Münze, Münzschlagen, Wardein.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Münzenlebensdauer (coin lifetime):

Den in der EWU ausgegebenen Münzen eignet eine Umlaufsfähigkeit (have a fitness for circulation) von zwanzig bis dreissig Jahren. Erst dann müssen sie aussortiert und durch neue Stücke ersetzt werden.

– Siehe Münzgeldbedarfsplanung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2013, S. 32.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Münzen-Paradoxon (coin paradox):

Aus zahlreichen Experimenten mit Versuchspersonen in aller Welt ergibt sich als unbestrittene Tatsache, dass Münzen

1. von gleichem Gewicht und gleicher Metallmischung,

2. von denen die einen dünner und grösser,

3. die anderen hingegen dicker und kleiner geformt wurden,

4. die dickeren, kleineren vorgezogen, als gewichtsmässig schwerer eingestuft und damit auch als werthaltiger angesehen werden.

– Siehe Kipper, Kurantmünze, Wipper.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Münzfuss (standard [of alloy], monetary standard):

Früher die Festlegung darüber, welche Anzahl Münzen aus einer bestimmte Menge Edelmetall gefertigt werden sollten (the figure which indicates how many coins may be minted from a weight unit of precious metal). - Für das damalige Deutschland setzte Kaiser Ferdinand I 1559 den Reichsmünzfuss in Kraft. Auf ein Gewichts-Mark, nach heutigem Masseinheit 233,856 g Feinsilber - sollten acht Taler (thaler: benannt nach der böhmischen Stadt Joachimsthal mit ihren reichen Silbervorkommen) ausgemünzt werden. - Im Jahr 1623 wurde der neue Reichsmünzfuss eingeführt. Auf ein Mark Silber entfielen nun neun Taler und zwei Groschen. - Schon 1697 vereinbarte man den Zinnischen Fuss, so genannt nach dem Kloster Zinna im Magdeburgschen, wo die Münz-Deputation tagte. Die Mark Silber stieg auf zehn Taler und 12 Groschen. - Dem folgte 1699 der Leipziger Fuss: das Mark Silber wird danach zu zwölf Taler ausgemünzt. - Im Jahr 1823 wurden in Preussen aus der Mark Silber vierzehn Taler geschlagen. - In einzelnen gab es neben diesen Reichsmünzen eine ungesunde Vielzahl (a disastrous number) anderer, von Münzherrschaften in Umlauf gebrachten Geldstücke. - Nach 1871 wurde der Taler in allen deutschen Ländern durch die Mark (= ein Drittel Taler) zu 100 Pfennig abgelöst. Mit Jahresbeginn 1999 löste der Euro die Mark als gesetzliches Zahlungsmittel in Deutschland ab.

– Siehe Münzcommis, Münzunion, lateinische, Münzverträge, Pfund.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Münzgeldbedarfsplanung (coin requirement planning):

Die Vorausschau der Nachfrage nach Münzen in einem Währungsgebiet und die zeitgerechte Anpassung des Angebots seitens der hierzu zuständigen Behörde.

– Siehe Münzenlebensdauer.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2013, S. 32 f. (einzelne Schritte der Bedarfsplanung für Deutschland; Prognosemodelle).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Münzgewinn (mining profit):

Der Unterschied zwischen

1. den Herstellungskosten einer Münze (coinage; Prägesatz) und

2. deren Nennwert (the difference between the production cost of a coin and its nominal value), der Schlagsatz.

– Siehe Seigniorage.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Münzgold (coin gold):

Goldlegierung mit einem Feingehalt von mindestens 899/1000.

– Siehe Bullion coins, Edelkupfer, Edelmetalle, Karat, Rauschgold.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Münzhoheit (prerogative of coinage):

Das Recht einer politischen Instanz, das Münzwesen gesetzlich zu regeln. - In der Bundesrepublik Deutschland stand dieses Recht nach Artikel 73 GG ausschliesslich dem Bund zu. Nach Artikel 128 AEUV ging das Münzrecht im Eurogebiet grundsätzlich auf den Rat der Europäischen Union über.

– Siehe Bargeld, Münze, Münzstätte, Scheidemünze, Seigniorage.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2013, S. 30 (Rechtslage zum Münzverkehr in der EWU).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Münzhorte (coin hoards; coin refuge):

Das über das zur Abwicklung des laufenden Zahlungsverkehrs hinausgehende Zurückhalten und Anhäufen von Scheidemünzen. Dies ist heute in erster Linie dem weit verbreiteten Hang zum Sammeln zuzurechnen, wie etwa bei den mit unterschiedlichen Merkmalen ausgestatteten Euromünzen. Weil aber bei Währungsumstellungen Scheidemünzen in der Regel im Verhältnis 1:1 in das neue Zahlungsmittel umgetauscht wurden, so dienen Münzhorte heute aber oft auch als Geldanlage. - Im Frühjahr 2011 befanden sich in Deutschland rund 110'000 Tonnen Euro-Münzen in Umlauf; pro Kopf gerechnet sind das 1,4 Kilogramm. Dies kann kaum allein mit dem Sammeln verschiedener nationalstaatlicher Euro-Münzen erklärt werden, sondern lässt auch auf Münzhorte schliessen.

– Siehe Geld, totes.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2009, S. 62 (vor der Einführung des EUR wurden in Deutschland zwischen zwanzig und dreissig Prozent der Münzen in Deutschland gehortet; bei EUR-Münzen gleiche Tendenz), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2013, S. 29 ff. (ausführliche Darstellung; viele Statistiken; Grundsätze der Münzgeldbedarfsplanung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Münzmigration (coin migration, commixtion of coins):

Wenn nicht anders definiert die grenzüberschreitende Verbreitung von Euromünzen innert der Eurozone. Im Gegensatz zu den Banknoten können die Münzen anhand der nationalen Rückseite dem jeweils ausgebenden Mitgliedsstaat zugeordnet werden. In Deutschland hatten Ende 2013 Münzen aus Italien, Frankreich, Spanien, Österreich, Belgien und den Niederlanden stückmässig die höchsten Anteile. - Jährlich wandern etwa 5 Prozent der deutschen Münzen ins Ausland. Demgegenüber kommen aus dem Ausland nur 1,8 Prozent der Münzen nach Deutschland zurück. Ginge dieser Trend so weiter, dann würde dies langfristig zu einem Anteil von 47 Prozent ausländischer Münzen in Deutschland und 11 Prozent deutscher Münzen im übrigen Euroraum führen.

– Siehe Aufrundung.

– Vgl Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2013, S. 36 f. (ausführliche Statistik; Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Münzpflege (coinage care):

Dienstleistungen der Zentralbank zur Gewährleistung der Funktionsfähigkeit (operational capability) aller als gesetzliches Zahlungsmittel ausgegebenen Münzen. Dazu zählen die Ausgabe prägefrischer Münzen (coins fresh from the mint), Spitzenausgleich (clearing transfer), Falschgeldbearbeitung (counterfeit currency analysis), Ersatzleistung für abgenützte Münzen, Abführung nicht mehr umlauffähiger Stücke an die Münzstätten und Ziehen einer qualitätssichernden Stichprobe (quality controlling sample) des im Rahmen des Spitzenausgleichs zur Zentralbank zurückfliessenden Hartgeldes.

– Siehe Abnutzung, Fehlprägung, Subferraten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Münzregal (right of coinage):

Das Recht

1. Geld überhaupt,

2. und, wo die Währung nur aus Geldstücken aus Metall besteht, Münzen als Teil der Geldeinheit in Umlauf zu bringen (the right to mint and issue coins).

– Siehe Münzhoheit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Münzrollenwechsler (coin roll dispenser):

Von Banken bereitgestellte Vorrichtung zur Selbstbedienung, durch welche man Banknoten in Münzrollen eintauschen kann (an apparatus for use in dispensing coin rolls).

– Siehe Bargeldbearbeitung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Münzschlagen und Münzpressen (striking):

Die Herstellung einer Münze durch Prägung eines Metall-Rohlings (cold forming of a planchet [Münzrohling: coin blank in the form of a metal disc] between two dies [Stempelbacken, Münzstempel] and a ferrule [Ferrule, Zwinge] through high pressure. In this way, the negative, recessed and laterally reversed, image of the die is transferred to the coin disc, forming the coin relief upon it).

– Siehe Millesime, Münzen-Paradoxon.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Münzstätte (mint):

1 Betrieb, in dem Münzen produktionstechnisch hergestellt werden (an industrial facility which manufactures coins for currency by authority of the government).

2 Die Stadt bzw. der Standort, wo Münzen im Zuge des Münzregals geprägt werden. Früher trugen die meisten Münzen einen eingeprägte Hinweis auf den Ort ihrer Herstellung. Für Münzsammler spielt oftmals die Herkunft der Münze aus einer bestimmten Münzstätte die entscheidende Rolle für deren Wert.

– Siehe Münzschlagen, Numismatik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Münzsystem, römisches (Roman system of coinage):

Im klassischen Römerreich gesamthaft galt - mit Ausnahme von Ägypten, wo ein eigenes Währungssystem in Kraft war -: 1 Aureus = fünfundzwanzig Denare; 1 Denar = vier Sesterz = acht Dupondien sowie 1 Aureus = sechzehn Asse = zweiunddreissig Semisse = vierundsechzig Quadranten. - Diese Gliederung kennt als einzige Goldmünze den Aureus mit etwa 8 Gramm Gewicht; der Denar ist eine Silbermünze. Alle darunterliegenden Münzen bestehen aus Messing (Sesterz, Dupondius, Semis) oder Kupfer (As, Quadrans). - Bei Gold- und Silbermünzen entspricht der Metallwert ungefähr dem Nominalwert, was bei den Scheidemünzen aus Erz nicht der Fall ist. Erzmünzen konnte man allerdings nicht ohne weiteres gegen Silbermünzen eintauschen; in diesem Fall war ein Agio fällig. Entsprechendes galt für den Umtausch von Silber- in Goldmünzen. - Wenn ein Land in den Status einer römischen Provinz überging, dann behielten die - in der Regel hellenistischen - Münzen ihren Kurswert. Provinzial- und Lokalprägungen orientierten sich oftmals auch weiterhin am griechischen System. Die zeitgenössischen Kaufleute beklagten immer wieder die Vielfalt der Münzen.

– Siehe Amalfiner, Dareiko, Florentiner, Kaisermünzen, Kontorniaten, Münze, Münzcommis, Numismatik, Numismatographie, Samarkander, Sekel, Stater, Urukagina-Regel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Münzunion, lateinische offiziell Union Monétaire Latine (Latin coin union):

Eine 1865 zwischen Frankreich, Belgien, Italien, Griechenland und der Schweiz (from 1868 Greece and from 1889 Romania, also Austria, Bulgaria, Venezuela, Serbia, Montenegro, San Marino and the Papal State joined the union) getroffene vertragliche Vereinbarung (Convention Monétaire), in Bezug auf

1. den Feingehalt,

2. die Form,

3. das Gewicht und

4. die zulässige Fehlergrenzen einheitliche Münzen aus Gold und Silber in Umlauf zu geben. Die Mitglieder verpflichteten sich gleichzeitig zur wechselseitigen Annahme der Unionsmünzen.

– Mehrere andere Staaten in Europa und Amerika prägten stillschweigend nach den Vorschriften der Münzunion, ohne aber förmliche Mitglieder des Vertrags zu werden. Die Erleichterung des Zahlungsverkehrs, ein gemeinsamer Münzumlauf sowie die Beseitigung von Wechselkursschwankungen waren zunächst die Ziele; eine einheitliche Weltwährung galt als Fernziel. - Die 1926 durch den Austritt Belgiens aufgelöste Union gilt heute als Vorläufer der am 1. Jänner 1999 begonnenen Europäischen Währungsunion mit dem EUR als gemeinsamer Währung.

– Siehe Lator, Münzunion, skandinavische, Münzverträge.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Münzunion, skandinavische auch Währungsunion, skandinavische (Scandinavian coin union, Scandinavian monetary union):

Eine 1872 zwischen Schweden und Dänemark getroffene Vereinbarung, wonach die Münzen des jeweiligen Landes und später auch die Banknoten in beiden Ländern Gültigkeit besassen. Norwegen, das zu jener Zeit in Personalunion mit Schweden stand, jedoch weitgehende Selbstverwaltungsrechte innehatte, trat 1877 der Münzunion ebenfalls bei. Im Gefolge der Skandinavischen Währungsunion wurde die bis dahin gültige dänische Währung, der Reichstaler sowie die schwedisch-norwegische Währung, der Specie-Taler, durch die Dezimalwährung 1 Krone = 100 Øre ersetzt. Fortan wurden die dänische, schwedische und norwegische Krone (Kroner) 1:1:1 getauscht. Es waren im Rahmen der Union drei verschiedene Goldmünzen zu 5, 10 und 20 Kronen in Umlauf. Zu der Skandinavischen Münzunion zählte auch Island, das sich seit 1380 in dänischem Besitz befand. Im Jahr 1918 wurde Island ein unabhängiges Königreich und führte ab 1922 die ersten eigenen Münzen ein. Die Union zerbrach 1924, weil die Währungspolitik der Mitglieder unterschiedliche Ziele verfolgte.

– Siehe Europäische Währungsunion, Münzunion, lateinische, Münzverträge.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Münzverhältnis (mint ratio):

1 In früherer Zeit

1. das gesetzlich festgelegte (legally fixed rate of exchange) oder

2. im Marktverkehr sich herausbildende (market mint ratio) Verhältnis der Goldmünzen zu den Silbermünzen.

2 Im engeren Sinne der Preis einer Unze Gold bezogen auf eine Unze Silber (price of one ounce of gold divided by the price of one ounce of silver).

– Siehe Infrangiblität, Münze, Münzsystem, römisches.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Münzverträge (coin conventions):

In früherer Zeit für den Handelsverkehr in Deutschland sehr wichtige Abmachungen zwischen den Inhabern eines Münzregals über die Angleichung bzw. gegenseitige Anerkennung der jeweiligen Gold- und Silbermünzen, auch Münzkonventionen genannt. Solche Übereinkommen waren in der Regel nur von kurzer Dauer, weil die Beteiligten ständig den Münzfuss (standard of alloy: die Gewichtseinheit Edelmetall je Münze) änderten.

– Siehe Geldkunde, Konventionsgeld, Münzcommis, Münzunion, lateinische, Münzunion, skandinavische, Numismatographie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Murabaha (so auch im Deutschen gesagt):

Im Islamic Banking ein Kauf- und Rückkaufvertrag, bei dem ein Vermögensgegenstand auftrags eines Kunden von der Bank erworben wird. Der Kunde kauft zu einem zuvor festgelegten Rückkaufpreis den Gegenstand von der Bank. In diesen Preis sind die Kosten der Bank sowie ein allfälliger Wertsteigerungs- und Risikozuschlag eingerechnet (a financial institution plays a role of sales intermediary, buying goods needed by clients and then selling them on later at a profit. This is similar to securitisation and nominee agreements).

– Siehe Ijara, Istisna, Mudaraba, Musharaka, Option, Qard al-Hasan, Salam, Sukuk, Zinsverbot.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Murphy's Gesetz (Murphy's law):

Eine aus der Vernunft und vielfältiger Erfahrung mit eng vermaschten Systemen gewonnene Einsicht; System hier verstanden als Geflecht von einzelnen Bestandteilen, die zusammen eine zweckgerechte, aufeinander bezogene und unter sich abhängige Einheit bilden, wie etwa das Finanzsystem. Das Gesetz wird zumeist ausgedrückt in dem Satz: "Was misslingen kann, das wird auch misslingen" (whatever can go wrong, will go wrong). Hinter dieser auf den ersten Blick scherzhaften Aussage verbirgt sich die Tatsache, dass

1. ohne entsprechende Sicherungen

2. in allen Systemen

3. der Ausfall lediglich eines einzigen Gliedes

4. unter Umständen sehr rasch

5. den Zusammenbruch des Gefüges gesamthaft nach sich zieht.

– Auf den Finanzmarkt angewendet bedeutet dies, dass durch entsprechende Vorkehrungen der Politik, der Aufsichtsbehörden und der Zentralbank von vornherein wirksame Schritte zur Vermeidung von Fehlentwicklungen (defect prevention) eingeplant und umgesetzt werden müssen.

– Siehe Crash, Dominostein-Effekt, Ertragsschwäche, Extremereignis, negatives, Finanzmarkt-Interdependenz, Finanzmarktschock, Krise, systemische, Liquiditätskrisenplan, Marktrisiko-Stresstest, Panikverkäufe, Risiko, Risikotragfähigkeit, Run, Rush to the exit, Schock, externer, Sensitivitätsanalyse, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Stress-Test, Volatilität, Worst Case Szenario.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Musharaka (so auch im Deutschen gesagt):

Im Islamic Banking ein Gewinn- und Verlustvertrag bei der Finanzierung eines Vorhabens. Die Bank und ihr Kunde erwerben an dem Projekt gemeinsam nach den geleisteten Kapital-Einlagen das Eigentum. Allfällige Verluste werden im Regelfall gleichfalls im Verhältnis der jeweiligen Kapitalanteilen getragen (a partnership between a financial institution and a company under which both the financial institution and the company invest in the project. The financial institution and its partner share the profits and the losses on the basis of pre-agreed ratios. This is very similar to the way industrial and financial players pool their resources in order to launch new ventures).

– Siehe Ijara, Istisna, Mudaraba, Murabaha, Qard al-Hasan, Salam, Sukuk.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Musikgeld (musician fee; honorarium for musicians; allowance for lay musicians; spending for sound storage media):

1 Von Musikanten, die im öffentlichen Raum auftreten, an die Gemeinde im Boraus zu zahlende Summe für die Erlaubnis, zu gewissen Tageszeiten musizieren zu dürfen, auch Musikantengebühr und Drehorgel-Geld genannt.

2 Von Gaststätten allgemein und Gartenlokalen im Besonderen an dort zumeist freiwillig auftretende Musikanten ausgehändigtes

1. Geld oder

2. Gutscheine (coupons), die für Speisen oder Getränke in dem betreffenden Restaurant in Zahlung gegeben werden können.

3 Geld, das in einem Ensemble (music ensemble) die Instrumental-Solisten (soloists) und Chorsänger (chorister) erhalten, in der Regel bezogen auf nicht festangestellte (not salaried) sondern freiwillig, ehrenamtlich Mitwirkende (amateur musicians).

4 Ausgaben für den Kauf von Tonträgern und für das Herunterladen von Musiktiteln (pieces of music) aus dem Internet, in diesem Sinne besonders von Jugendlichen gesagt.

– Siehe Bettlerglöckchen, Geldsaiten, Hochzeitstischgeld, Instrumentengeld, Lustbarkeitsgebühr, Rohrgeld, Saitengeld, Tanzkonzessionsgeld, Verzehrgeld, Verschongeld, Werkzeuggeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mustergeschäftsplan (model operating plan):

In Bezug auf den Finanzmarkt von der Aufsichtsbehörde veröffentlichter Entwurf, wie ein grundsätzlicher Ablauf des Betriebs festgelegt werden könnte. Solche Vorgaben haben Beispielscharakter und sollen dem zu beaufsichtigenden Unternehmen die Prüfung durch die Aufsichtsbehörde erleichtern.

– Siehe Due Diligence, Internal Capital Adequancy Assessment Process, Mindestanforderungen an das Kreditgeschäft, Nachvollziehbarkeit, Monitoring.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 98 (Mustergeschäftsplan für Versicherungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Muttergeld auch Müttergeld (weighing charges):

In alten Dokumenten die Gebühr für den vereidigten Mutter (Mütter; weighting master), der in öffentlichem Auftrag oder auf Wunsch der Vertragsparteien Getreide abwog, auch Kornmesser genannt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mutual Fund (so auch im Deutschen gesagt):

Ein offener Wertpapier-Fonds (a professionally managed firm that gathers money from many investors and puts it in stocks, bonds, short-term money market instruments, and other securities.).

– Siehe Kapitalverwaltungsgesellschaft, Multiple-Class Fund.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mutualismus (mutualism):

Wenn nicht anders definiert das besondere, von Pierre-Jospeh Proudhon (1809-1865) vorgeschlagene Tauschsystem ohne Geld. Unternehmen erhalten hier Darlehn ohne Zins. - Offen bleibt, wie Produzenten dazu gebracht werden sollten, auch diejenigen Güter bereitzustellen, welche die Verbraucher wünschen. Vertreter des Mutualismus auch in unseren Tagen weichen dieser zentralen Frage aus. Nur wenige sprechen klar aus, dass der Mutualismus die zwangsweise, durch besondere Dienststellen zu vollziehende Abstimmung zwischen Angebot und Nachfrage erfordert, letztlich also eine Kommandowirtschaft mit behördlichen Produktionsbefehlen und amtlicher Zuteilung der erzeugten Güter.

– Siehe Demonetisation, Geldabschaffung, Geldfunktionen, Geldherrschaft, Geldzweck, Marktmechanismus, Monetisierung, Paradoxomanie, Schwundgeld, Tausch-Gutschein, Unfruchtbarkeits-Theorie, Zinsallokations-Funktion, Zinsverbot.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Mützengeld (hat money):

Andere Bezeichnung für Kapplaken und heute vornehmlich gesagt im Speditionsgewerbe für eine Prämie an Camonieurs (teamster [trucker]: one who drives a lorry [a truck]; Prussian pug-ugly [monstrously] six-syllabled phrase: Last-kraft-wa-gen-fah-rer).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Myriade (myriad):

In älteren Dokumenten

1. Zehntausend (ten thousand: the cardinal number that is the product of ten and one thousand),

2. eine übergrosse Zahl, eine Unzahl, eine Unsumme (a large indefinite number).

– Siehe Unkosten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen