Versicherungsoptimierer.net - Finanzlexikon - L

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L3-Gremien (L3-Committees):

Die drei Gremien

1. Ausschuss der Europäischen Wertpapieraufsichtsbehörden (CESR),

2. Ausschuss der Europäischen Bankenaufsichtsbehörden (CEBS) und

3. Ausschuss der Europäischen Aufsichtsbehörden für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (CEIOPS).

– Siehe Ausschuss-Wahn, Bankenaufsicht, europäische, Three Level three Committees, Taskforce on Cross-Sectoral Risks to Financial Stability in Europe.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 43 f. (Stärkung der Rolle der L3-Gremien bei der Angleichung der Aufsichtspraxis; Verfahrensregelungen; Rechtsverbindlichkeit der Beschlüsse), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2009, S. 63 (Leitfaden für die Arbeit und Zusammenarbeit der Aufsichtsgremien), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 61 f. (die L3-Gremien nehmen ihre Arbeit auf).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lachsteingeld (boundary-stone fee):

Frühere Gebühr, die beim Setzen eines Grenzsteins (Lachsteins; merestone) im Bergbau an den Geometer (surveyor; Vermesser, im Bergbau auch Markscheider [mine surveyor] genannt) bzw. an den Bergmeister (bar master, mine-inspector) zu entrichten war. Gemäss Bergrecht (mining law) hatte der Bergmeister in der Regel das Recht, einen Markscheider zu bestellen und die Aufwendungen für die Vermessung auf die Gewerken als die Eigentümer des Bergwerks anteilsmässig umzulegen (was authorised to rule a survey and to allocate the costs for the survey proportionately to the shareholders of the pit).

– Siehe Diäten, Massgeld, Vermessungsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ladegeld (loading fee):

Die für das Einladen (Befrachten; freight a vessel; Stauen; dann auch Staugeld [stowage] genannt) oder Ausladen (Entleeren, Löschen; discharge, unload) von Gütern im Hafen oder auch an Land zu entrichtende Zahlung. - Seeschiffe benötigten zum Auslaufen früher ein hafenbehördliches Stauer-Attest (certificate of stowage). Darin wird auch gegenüber der Versicherung bescheinigt, dass das Ladegut durch fachkundige Leute (Stauer; stevedores) befrachtet wurde.

– Siehe Abfertigungsgeld, Auseisunggeld, Furtgeld, Kaigeld, Kapplaken, Lastgeld, Liegegeld, Leuchtturmgeld, Lotsengeld, Mützengeld, Reedergeld, Schleusengeld, Sperrfrachtgeld, Umladegeld, Verladegeld, Verpackungsgeld, Wartegeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lagerbestände (stock buildings):

Die Vorräte (inventories) in einem Betrieb, in der Volkswirtschaft bzw. in einem Währungsraum. Von der EZB im Rahmen des Zwei-Säulen-Prinzips laufend beobachtet.

– Siehe Investition, Lagerinvestition.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2009, S. 61 ff. (Lagerbestände und Vorratsveränderungen in der Finanzkrise; Aufschlüsselung; empirische Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen Lagerhaltung und Konjunktur), Monatsbericht der EZB vom Mai 2012, S. 72 ff. (Lagerhaltung im Konjunkturzyklus; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lagerfähigkeit (shell life):

Für Warenbörsen wichtige Eigenschaft eines Gutes. Man versteht darunter den Zeitraum, während dem ein Warenvorrat aufgespeichert werden kann, ehe er verdirbt (the period during which inventory can be retained in stock and beyond which it becomes unusable).

– Siehe Basiswert, Schwund.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lagergeld (storage charge; overnight stay redemption payment):

1 Betrag, der beim Einspeichern von Waren dem Vermieter (Lagerhaus; warehouse) vertragsgemäss zu zahlen ist; in alten Dokumenten auch Emmagasinage, Magasinage und Gredgeld genannt, der Gred = ein überdachter Platz; covered place, roofed area.

2 Die Zahlung, welche der Käufer einer Ware dem Verkäufer dann zu leisten hat, wenn dieser den Handelsgegenstand nicht in der vertragsgemässen Zeit abholt, siehe § 354 HGB.

3 In alten Dokumenten auch eine Zahlung zwecks Ablösung der Beherbergungspflicht (soccage of accomodation) gegenüber herrschaftlichen Personen. Im Rahmen des Fronverhältnisses bestand eine solche Pflichtigkeit (Fron) vor allem in Bezug auf Jagdgesellschaften.

– Siehe Cerozensual, Dienstgeld, Dispensationsgeld, Erlösung, Freikaufgeld, Frongeld, Jägergeld, Lagerkosten, Legegeld, Liegegeld, Packhofgeld, Quartiergeld, Standgeld, Wartegeld, Wildbanngeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lagerinvestition (stock investment):

Wenn nicht anders definiert der Unterschied zwischen der Produktion und dem Absatz in einer Volkswirtschaft, auf einen bestimmten Zeitraum bezogen.

– Siehe Investition, Lagerbestände, Umsatz.

– Vgl. den Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Preise, Produktion, Nachfrage und Arbeitsmärkte", Unterrubrik "Verwendung des Bruttoinlandsprodukts", Spalte "Vorratsveränderungen" im jeweiligen Monatsbericht der EZB, Monatsbericht der EZB vom Juni 2007, S. 72 ff. (Lagerinvestitionen seit 1998; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom März 2013, S. 71 ff. (Lagerzyklen seit 2004; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lagerkosten und Aufbewahrungskosten (carrying costs):

Aufwendungen für den Verwahrsam von Vermögensgegenständen, insbesondere von Waren. Sie steigen in der Regel mit zunehmender Menge des Vermögenswertes an (costs that increase typically with increases in the level of investment in current assets).

– Siehe Finanzierungskosten, Haltekosten, Lagergeld, Verfügbarkeitsprämie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lagging (so auch im Deutschen gesagt, to lag = hier: to move slowly toward a goal):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter in Zusammenhang mit Zahlungsverpflichtungen in ausländischer Währung einen Aufschub des Umtauschs bis zum letztmöglichen Zeitpunkt. Grund dafür sind entsprechende Erwartungen hinsichtlich des Verlaufs des Wechselkurses der betroffenen Währungen. - Wird der Umtausch aus gleichen Gründen zum frühest möglichen Termin vorgenommen, so spricht man von Leading.

– Siehe Devisen-Swapgeschäft, Kurssicherung, Tomorrow next.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lamfalussy-Verfahren (Lamfalussy process):

Nach seinem Vorsitzenden, dem belgischen Baron Alexandre Lamfalussy benannter und von den Regierungen der EU im November 2000 eingerichteter Vierstufen-Plan mit dem Ziel einer Rechtsangleichung auf dem Finanzmarkt der EU. In Stufe 1 wird jeweils eine Rahmengesetzgebung für die EU-Organe (Parlament, Ministerrat, Kommission) vorbereitet. In einem nächsten Schritt erfolgt die Erarbeitung von Durchführungsbestimmungen. In Stufe 3 wird die einheitliche Umsetzung sowie auch die Einpassung der neuen Regelungen in die jeweiligen nationalen aufsichtsrechtlichen Gegebenheiten vorgenommen. Die letzte Stufe verfolgte das Ziel, die Anwendung und Durchsetzung des auf diesem Wege geschaffenen EU-Rechts (Aufsichtskonvergenz; prudential convergence) zu gewährleisten. Mit der europäischen Bankenaufsicht 2014 ist dieses Ziel im grossen und ganzen erreicht. - Auf allen vier Stufen wirkten die einzelnen europäischen Aufsichtsbehörden durch ihre Arbeitsgruppen mit. - Kritisch begleitet wurde das Lamfalussy-Verfahren durch eine Interinstitutionelle Überwachungsgruppe, die vor allem auch mit der Beurteilung der praktischen Anwendung der rechtsangleichenden Schritte befasst war.

– Siehe Aktionsplan für Finanzdienstleistungen, Aufsicht, europäische, Finanzmarktaufsicht, europäische, Larosière-Ausschuss, Subsidiaritätsprinzip, Überregulierung.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der EZB, S. 191 (zum Vier-Stufen-Plan, hier "Konzept" genannt), Monatsbericht der EZB vom April 2008, S. 88 ff. (Umsetzungsfortschritte), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 43 f. (Bericht der IIMG über den Stand des Lamfalussy-Verfahrens) Jahresbericht 2007 der EZB, S. 160 f. (Zusammenspiel der Einschätzungen verschiedener Gremien).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lamfalussy-Vorschlag (Lamfalussy recommendation):

Von der - im November 2000 von den EU-Regierungen eingesetzten - Arbeitsgruppe unter Leitung des ehemaligen Präsidenten des Europäischen Währungsinstituts, Baron Alexandre Lamfalussy erarbeiteter Plan einer gesamteuropäischen zentralen Aufsichtsbehörde, verbunden mit einem einheitlichen europäischen Verwaltungs- und Vollstreckungsrecht sowie einem europäischen Rechtsschutzsystem. - Der Plan steht gegen das bestehende, dezentrale Aufsichtsgefüge, das durch nationale Zuständigkeit und europaweite Zusammenarbeit geprägt ist; dieses nutzt die Nähe und besonderen Kenntnisse der verantwortlichen nationalen Instanzen in der Aufsicht und verbindet dies mit verschiedenen Formen der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. Denn trotz zunehmender Vernetzung der nationalen Märkte sind die Unterschiede in den einzelnen Finanzsystemen nach wie vor beachtlich. Zumindest für den Euroraum wurde der Lamfalussy-Vorschlag durch die Errichtung der europäische Bankenaufsicht weithin verwirklicht.

– Siehe Aktionsplan für Finanzdienstleistungen, Allfinanzaufsicht, Aufsicht, europäische, Aufsichtsbehörden, Finanzmarktaufsicht, europäische, Subsidiaritätsprinzip.

– Vgl. auch Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 45, Jahresbericht 2003 der EZB, S. 120, Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 48 ff. (S. 50 wichtige Graphik über den Gesetzgebungsweg), Monatsbericht der EZB vom November 2004, S. 93 ff., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 41 f. (Arbeit in den Ausschüssen) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2006, S. 50 (Stufenplan), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 43 (Stärkung der Rolle der 3L3-Gremien), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 40 (Zusammenarbeit der Lamfalussy-Gremien) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Internationales".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Länder-Bonitätsskala (international state rating):

Weltweit viel beachtete, auf Befragungen in der Finanzwelt sich gründende Einstufung der Staaten der Erde hinsichtlich ihrer Kreditwürdigkeit durch das amerikanische "Institutional Investor Magazine". Im Jahr 2011 lag Deutschland auf Platz 8, Dänemark auf Platz 6, gefolgt von Finnland, den Niederlanden, Luxemburg und Norwegen. Spitzenreiter (frontrunner, number one) ist durch die Jahre bis anhin immer die Schweiz.

– Siehe Länder-Bonus, Zinsinsel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Länder-Bonus (national bonus):

Von den Rating-Agenturen im Zuge der auf die Subprime-Krise 2007 folgenden Finanzkrise an vordere Stelle gerückter Beurteilungsmasstab, bei dem die ökonomische Kraft des Heimatlandes einer Emission berücksichtigt wird. Genauer wird vor allem eingeschätzt,

1. ob ein Schuldner - und im Besonderen eine Bank- sich notfalls auf Hilfe des Staates verlassen kann bzw.

2. inwieweit die Steuereinnahmen eines Landes reichen, um Staatsanleihen auch in Notzeiten zu bedienen.

– Siehe Aufkäufe, zentralbankliche, Anleihe-Spread, Auslands-Vermögenslage, Bail-out, EU-Finanzhilfe, Euro-Bonds, Euro-Anleihen, gemeinsame, Government Guaranteed Bond, Government Spreads, Länder-Bonitätsskala, Rettungspaket, Too big to save-Grundsatz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Länderfonds (country-specific fund):

Vermögen einer Kapitalverwaltungsgesellschaft, dessen Portefeuille auf

1. ein einziges Land, etwa auf die Schweiz, oder

2. auf ein Währungsgebiet wie die Eurozone ausgerichtet ist.

– Siehe Aktienfonds, Anteilschein, Auftragsfonds, Finanzintermediäre, Immobilienfonds, Inventarwert, Kapitalverwaltungsgesellschaft, Publikumsfonds, Rentenfonds, Spezialfonds, Steuerspar-Fonds, Vermögensverwalter.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Länderrisiko (country risk, international risk):

Form des operationellen Risikos einer Bank, die auch nennenswert im Ausland tätig ist. In erster Linie ist hierbei ein politisches Risiko und ein Transferrisiko angesprochen. Da einige Grossbanken im Eurogebiet ein Viertel ihrer Erträge aus dem Geschäft mit den USA erzielen, andere Institute wie in Spanien und Portugal traditionell stark in Lateinamerika vertreten sind, so stellt dies an das Risikomanagement besondere Anforderungen. So mussten beispielsweise spanische Banken gelegentlich einer Finanzkrise in Argentinien 2001 ihr gesamtes Kreditengagement in diesem Land abschreiben. Um Länderrisiko-Konzentrationen deutscher Banken frühzeitig zu erkennen und aufsichtsrechtlich zu überwachen, müssen diese vierteljährlich gemäss § 25, Abs. 3 KWG Meldungen zum Auslandskreditvolumen einreichen. Im Einzelnen ist dies in einer mehrfach novellierten Länderrisikoverordnung (LrV) festgelegt.

– Siehe Allianzen, grenzüberschreitende, Asset-Korrelation, Auslandskreditvolumen, Bankenaufsicht, europäische, Gigabank, Herfindahl-Hirschman-Index, Risiko, systeminhärentes, Risiko-Rangliste, Transferrisiken.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2002, S. 58 ff., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2006, S. 43 (Fragen der Messung), S. 53 (Rechtsquellen), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 111 (Änderung der Länderrisikoverordnung), Finanzstabilitätsbericht 2011, S. 23 ff (Länderrisiko schlägt angesichts der Staatsschuldenkrise in der EWU auf beide Seiten der Bankbilanz durch), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 18 ff. (ausführliche Darstellung der Staatsschuldenkrise; viele Übersichten; Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Landesbank (Land bank):

In Deutschland ehemals Spitzeninstitut der Sparkassen mit öffentlich-rechtlichem Charakter; in den Statistiken der Bundesbank bis 1998 Girozentrale (giro centre) genannt. Von der Europäischen Kommission als wettbewerbsverzerrend gerügt, befinden sich die Landesbanken derzeit in einem Umwandlungsprozess. Bestehende Staatsgarantien - die sog. Gewährträgerhaftung - mussten bereits bis Mitte 2005 fallen. Zeither ist die Entwicklung im Fluss und ihr Ende schwer abschätzbar. Es ist nicht völlig ausgeschlossen, dass es in Deutschland über kurz oder lang zu nur einem einzigen Institut (top land bank; Top-Landesbank) kommt. Die SachsenLB war im Zuge der Subprime-Krise gezwungen, sich mit der Landesbank Baden-Württemberg zu verschmelzen. - Lange Jahre hatten die Landesbanken im Sinne der jeweiligen Landesregierung Vorhaben zu Dumpingpreisen finanziert. Weil der Staat im Notfall einspringt, so war die Bonität der Landesbanken erstklassig, und die Refinanzierung der Darlehn entsprechend günstig. Die Vorstands- und Aufsichtsrats-Posten waren weithin mit Parteitreuen (factionists) besetzt. Diese träumten in vielen Fällen davon, ihr Institut zu einer Weltfirma (global player) zu machen, anstatt sich um Darlehn im eigenen Bundesland zu kümmern. - Beim Übergang von der privilegierten Staatsbank zu einem normalen Institut zeigten sich indessen die Schwächen im Gefüge der Landesbanken. Die Wesdeutsche Landesbank und die Landesbank Baden-Württemberg fuhren 2007 Verluste von jeweils rund 1 Milliarden Euro ein, die Bayrische Landesbank verlor 1,9 Milliarden Euro. In allen Fällen geschah eine Sanierung aus Steuermitteln. Das verhinderte, dass es zu einer grundlegenden Neuordnung der oft wirr erscheinenden Geschäftstätigkeit dieser Institute samt Abbau von teilweise beachtlichen Überkapazitäten kam.

– Siehe Arrangierung, Blind-Taub-Verbindung, Geldverbrennung, Geschäftsmodell-Analyse, Gewährträgerhaftung, Gigabank, Marktbereinigung, bankliche, Mitversicherungs-Effekt, Risikoabschirmungsgesetz, Spitzeninstitut, Vertikalisierung, Westdeutsche Landesbank, Zentralkasse.

– Vgl. Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 63 f., Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 23, S. 91 ff., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 110 f. (Umstrukturierungs-Massnahmen), Jahresbericht 2005 der BaFin, S 25 f. (Beschreibung der verschiedenen Strategien der Landesbanken zur Anpassung an die neue Rechtslage), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 19 f. (auch Auslandsgeschäft rückt wieder vor), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 135 ff. (Umstrukturierung der WestLB; existenzgefährdende Zustände bei der HSH Nordbank), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 159 (im gesamten schlechte Noten für die Landesbanken), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 101 (Lage der Landesbanken hat sich leicht verbessert) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Landesgeld (domestic currency):

In alten Dokumenten die Bezeichnung für Münzen, die als offizielles Zahlungsmittel im jeweiligen Staatsgebiet anerkannt waren und in Zahlung genommen wurden.

– Siehe Nasarinchen, Pezzi.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Landeskulturkredit (internal colonisation credit):

Darlehn für die heimische Agrarwirtschaft (agrarian economy).

– Siehe Ernte-Unterstützungskredit, Inventarkredit, Landeskulturrentenbanken, Landschaft, Meliorationskredit, Papiere, grüne.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Landeskulturrentenbanken (agricultural loan and irrigation banks):

In deutschen Teilstaaten - Preussen, Sachsen, Hessen - nach 1850 gegründete staatliche Institute mit der Aufgabe, durch zinsgünstige Darlehn an die Landwirtschaft diesen Wirtschaftszweig zu fördern. Die dazu notwendigen Mittel wurden hauptsächlich durch Schuldverschreibungen in Form der Landeskultur-Rentenscheine (auch Landeskultur-Rentenbriefe [Preussen] und Landeskultur-Obligationen [Hessen]; agricultural funded bonds, irrigation bonds) aufgebracht. Die jeweiligen Banken wurden 1945 aufgelöst.

– Siehe Bodenkreditinstitut, Ernte-Unterstützungskredit, Flüchtlingssiedlungskredit, Landeskulturkredit, Landschaft, Meliorationskredit, Seehandlung, Siedlungskredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Landeszentralbank, LZB (Land Central Bank):

Niederlassung der Deutschen Bundesbank mit Hauptstellen und Nebenstellen in den einzelnen Bundesländern. Sie sind Teil des Europäischen Systems der Zentralbanken.

– Siehe Bank Deutscher Länder.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Landmark Building-Darlehn (landmark building financing):

In der Regel grösseres Engagement einer Bank oder mehrerer Banken, manchmal im Konsortium mit Bausparkassen und oft auch im Rahmen einer Public Private Partnership, um ein Bauwerk herausragender architektonischer Gestaltung und überdurchschnittlichen Flächenmasses zu errichten. Oft geht mit Landmark Building auch eine Aufwertung des Stadtteils einher, in dem der Gebäudekomplex (complex of buildings) gelegen ist.

– Siehe Co-Investment, Cornerstone Investor, Fundraising, Multisourcing, Performance Linked Note, Projektierungskredit, Roadshow.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Landschaft (land proprietor's loan society):

Früher auf dem Finanzmarkt ein Verband von landwirtschaftlichen Grundbesitzern auf öffentlich-rechtlicher Grundlage (of legally authorised public standing) mit dem Ziel, Finanzmittel durch die Begebung von landwirtschaftlichen Pfandbriefen aufzubringen.

– Siehe Ernte-Unterstützungskredit, Inventarkredit, Landeskulturkredit, Meliorationskredit, Papiere, grüne, Salam.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Landung, weiche (soft landing):

1 Geschäftsbereich, der sich zwar im Abwärtsgang befindet, indessen aber kein plötzlicher Absturz (Crash) zu erwarten ist (a market segment or industry sector that is expected to slow down, but to not crash).

2 Im Konjunkturverlauf auch gesagt für einen Abschwung, der aber nicht in eine Krise mündet (in the business cycle the process of an economy shifting from growth to slow-growth to potentially flat, but avoids a crisis).

– Siehe Rezession, Stimmungs-Barometer, Zyklik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Langfristig (long-term):

Es ist in jedem Fall genau auf den Textzusammenhang zu achten, weil dieser gerade für die Finanzwelt wichtige Begriff nicht einheitlich verstanden wird.

1 Bei der EZB allgemein Geldbeträge, die eine vereinbarte Laufzeit bzw. Kündigungsfrist von mehr als fünf Jahren haben.

2 In der Emissionsstatistik der EZB gelten Wertpapiere

1. mit einer längeren Laufzeit als einem Jahr,

2. mit fakultativen Laufzeiten, von denen eine mindestens länger als ein Jahr ist, und

3. mit beliebig langer Laufzeit als langfristige Wertpapiere.

3 In der volkswirtschaftlichen Literatur ist "langfristig" ebenfalls nicht eindeutig definiert; das Wort bezieht sich aber in Bezug auf Finanzmärkte in aller Regel auf einen Zeitraum von über vierundzwanzig Monaten.

– Siehe Kurzfristig, London kurz, Mittelfristig.

– Vgl. zur Definition und Einteilung näherhin die Erläuterungen unter der Rubrik "Finanzmärkte" im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets" im jeweiligen Monatsbericht der EZB.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Langläufer (long-dated securities, oft nur: longs):

Wenn nicht anders definiert Wertpapiere mit einer Restlaufzeit (remaining term to maturity) von zehn Jahren und mehr.

– Siehe Kapitalmarkt, Kurzläufer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Langfristkultur (fixed interest rate principle):

Bezeichnung für eine Geschäftspolitik, die bei Darlehn auf variable Zinsen verzichtet und über die gesamte Laufzeit mit dem Schuldner einen Festzins vereinbart. Die Erfahrung hat gezeigt, dass solche Verträge für den Kreditnehmer günstiger sind, zumal bei langfristigen Darlehn wie Pfandbriefen. Zudem verschaffen sie eine verlässliche Kalkulationsgrundlage (reliable basis for calculation).

– Siehe Cap-Hypothek.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2011, S. 81 ff. (ausführliche, lehrbuchmässige Darstellung der langfristigen Refinanzierungsinstrumente für Banken).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Langlebigkeit (longevity):

Bei der Börse in Bezug auf eine Aktie gesagt, die seit weit zurückliegender Zeit im Handel steht. An der Börse in Neuyork ist beispielsweise die Aktie der Con Edison - damals noch unter dem Namen "The New York Gas Light Company" - seit 1824 eingeführt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lappalien und Minuiten (trifle [amount], small change. chicken feed):

In älteren Dokumenten ein kleiner Geldbetrag, eine geringe Summe, die zu bezahlen leicht ist.

– Siehe Hühnerfutter, Préstamo, Peanuts.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Larghezza (abundance of money, largeness of funds):

In der alten Finanzsprache gesagt für

1 ein Überangebot an Geld oder

2 einen bedeutenden Geldvorrat auf einem Platz.

– Siehe Geld, billiges, Geldinondation, Geldschatz, Geldüberversorgung, Liquiditätsbereitstellung, Liquiditätsfalle, Quantitative Easing, Sparstrumpf, Staatsschatz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Larosière-Ausschuss (Larosière expert group):

Von der EU-Kommission Anfang 2009 eingerichtetes Gremium unter Leitung des ehemaligen geschäftsführenden Direktors des Internationalen Währungsfonds und späteren Präsidenten der französischen Zentralbank Jacques de Larosière mit der Aufgabe, die Möglichkeiten einer EU-weiten Finanzaufsicht auszuloten.

– Siehe Aufsicht, europäische, Ausschuss-Wahn, Lamfalussy-Verfahren.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lasten, stille (hidden burdens):

1 Allgemein Wertansätze in der Bilanz, die über dem augenblicklichen Marktpreis liegen.

2 Bei Banken und Fonds die Bestände an Wertpapieren,

1. deren aktueller Börsenkurs unter dem Buchwert (carrying amount) liegt,

2. eine dauerhafte Wertminderung (impairment: loss in value) erwartet werden muss und

3. auf die noch keine Wertberichtigung stattgefunden hat.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 90 f., Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 114 (stille Lasten bei Pensionsfonds), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2013, S. 42 (stille Lasten in Bezug auf die Risikodeckungsmasse).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lastenverschiebung, intertemporale (intertemporal debt transfer):

Die Verschuldung des Staates ohne Erhöhung des infrastrukturellen Vermögens -wie Schulen, Krankenhäuser, Verkehrswege, Kommunikationseinrichtungen - und damit auf Kosten kommender Generationen. Dies führt über kurz oder lang zu Inflation und Stagnation; eine sachgerechte Geldpolitik wird unmöglich.

– Siehe Altersquotient, Defizitquote, Finanzreferendum, Haushaltsdefizit, Kinder-Tagesbetreuung, Lug-und-Trug These, Regel, goldene, Schuldenbremse, Schuldenquote, Staatsverschuldungs-Druck, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Verfassungsartikel eins.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2005, S. 23 ff., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2009, S. 25 (Eventualverbindlichkeiten müssten bei Staatsverschuldung eingerechnet werden).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lastgeld (tonnage fee; stowage):

1 Abgabe, die nach Befrachten (Beladen; freighting) eines Schiffes an die Hafenmeisterei (habour master's office) zu entrichten war; Lastgeld ist nicht mit dem Ladegeld zu verwechseln.

2 Zahlung, die einlaufende (auslaufende) Schiffe in Verhältnis

1. zum Fassungsvermögen (Ladekapazität, nämlich der Schiffsraum für Frachtgüter, auch Lastigkeit und Räumte [hold of a ship; stowage factor] genannt) bzw.

2. zur tatsächlichen Fracht, beidesmal in [Schis]ast (loading capability )gerechnet, wobei im Zuge der Metrifikation ab 1869 dann 1 Last = 2'000 Kilogramm = 2 Tonnen zu zahlen hatten.

– Siehe Ankergeld, Auseisunggeld, Bordinggeld, Furtgeld, Hafengeld, Kaigeld, Kapplaken, Krangeld, Ladegeld, Liegegeld, Leuchtturmgeld, Lotsengeld, Mützengeld, Pratikageld, Räumegeld, Schleusengeld, Sperrfrachtgeld, Staugeld, Tonnengeld, Wägegeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lästigkeitswert, A: Sekkaturwert (trouble maker value, annoyance force):

Gewicht einer Person, die durch unziemliches Auftreten und/oder ungelegene Fragen vor allem bei Hauptversammlungen einer Aktiengesellschaft ein Image und dadurch auch Macht erlangte. Je stärker der so erreichte Lästigkeitswert ist, desto höher bemisst sich der Betrag, den diese Person als Verschongeld bei Nichterscheinen unmittelbar oder mittelbar von dem Unternehmen bzw. auch anderen Aktionärsgruppen einstreichen kann.

– Siehe Abstandsgeld, Bettlerglöckchen, Drehorgel-Geld, Musikgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lastschrift (payment made by direct debit):

Im Zahlungsverkehr der Einzug eines Betrags vom Konto eines Schuldners (debtor, payer; Zahlungspflichtigen) mit dessen Zustimmung auf das Konto eines Gläubigers (payee, recipient of the payment; Zahlungsempfängers) durch Vermittlung einer Bank (paying agent; Zahlstelle). Die Abbuchung geschieht durch

1. Einzugsermächtigung (debit authorisation): der Zahlungsempfänger ist vom Zahlungspflichtigen bevollmächtigt, eine bestimmte Summe an festgelegten Fälligkeitstagen vom Konto des Zahlungspflichtigen einzuziehen oder

2. Abbuchungsverfahren (direct debiting): der Zahlungspflichtige erteilt seiner Bank die Ermächtigung, eine Abbuchung an bestimmten Fälligkeitstagen vorzunehmen, also Geld vom Konto des Zahlungspflichtigen auf das Konto des Zahlungsempfängers zu übertragen. Entsprechende Übertagungen werden heute fast ausschliesslich auf elektronischem Wege durchgeführt.

– Siehe Abbuchungsgenehmigung, Lastschriftverfahren, elektronisches, Single European Payment Area, Übertragung, bedingte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lastschriftverfahren, elektronisches, ELV (electronic direct debiting scheme):

Vom Handel entwickelte, auf eine Debitkarte gestützte Zahlungsmöglichkeit ohne PIN-Code mit Unterschrift zur Einzugs-Ermächtigung. Dieses Zahlverfahren hatte im Jahr 2010 einen wertmässigen Marktanteil von knapp über zwölf Prozent an den Transaktionen im deutschen Einzelhandel. Aufgrund der SEPA-Verordnung der EU darf dieses Verfahren nur noch bis zum 01. Februar 2016 genutzt werden.

– Siehe Abbuchungsgenehmigung, Kartenleistungsbeleg, Geld, elektronisches.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 94 f. (Verbreitung; S. 95: Übersicht), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2012, S. 51 (Auslaufen des ELV).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Latenzzeit (latency time):

Aus der Informatik eingedrungener Begriff zur Kennzeichnung der Frist zwischen

1. der Auftragserteilung (receipt of a order) an eine Bank und

2. der Ausführung dieses Auftrags (execution of the order).

– Siehe Ausführung, sofortige, Ausführungsanspruch, Auftragsverzögerung, Best Execution, Schlangenhandel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Late Trading und Curb Trading (so auch im Deutschen gesagt):

In den USA die Möglichkeit für institutionelle Anleger, auch nach Börsenschluss Handelsabschlüsse für Fondsanteile zum alten Preis zu tätigen (placing orders for mutual fund shares after market close, but still getting that day's earlier price, rather than the next day's closing price). Von der Aufsichtsbehörde mehrfach durch Moral Suasion gerügt, aber offenbar noch immer nicht ganz unterbunden, wohl wegen des hierzu nötigen hohen Überwachungsaufwands (costs of control, high checking requirements).

– Siehe Market Timing, Markt, grauer, Nachbörse, Regulierungswut, Schlusskurs-Strategie, Straitjacking, Überregulierung.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 214, Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 180 (Umsetzung entsprechender Wohlverhaltensregeln), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 146 (Sonderprüfungen) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Later Stage Finanzierung (so auch im Deutschen gesagt):

Die Beschaffung von Darlehn zur

1. Erweiterung eines bereits bestehenden Unternehmens,

2. Überbrückung von Engpässen (bottlenecks: resources whose capacity is unable to match the demand

volume required of them) und

3. Durchführung von Übernahmen. In der Regel wird der Ausdruck auf mittelständische Firmen bezogen.

– Siehe Corporate Finance, Drittphase-Finanzierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Laternengeld (payment for lantern lighting):

Früher vor allem von den Bewohnern der Residenzstädte (residence cities)) in Deutschland eingeforderte Zahlung für die nächtliche, in der Regel zwischen September und April währende Beleuchtung der Stadt. Mit dem Ertrag der Abgabe wurden die Lampenfüller (oil refiller) und Laternenknechte (lantern servants: Männer, deren Aufgabe im Einhängen und Anzünden der Lampen bestand und denen auch Überwachung ihrer Gebrauchstüchtigkeit oblag; in alten Verordnungen sind die Aufgaben der Laternenknecht bis ins Einzelne aufgezählt) bezahlt.

– Siehe Beleuchtungsgeld, Kerzengeld, Lichtgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lator (Lator):

Gattungsbezeichnung für die von den Mitgliedern der Lateinischen Münzunion herausgegebenen Goldmünzen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lauergeld auch Löhergeld (tanner impost):

Frühere Abgabe, die Lauer (= Gerber, Lederer; tanner) für die Wassernutzung an Bächen zu entrichten hatten, vor allem für das Ableiten der Gewässer zur Füllung des Lohgrabens (tanning pit). In der Regel wurden die Weissgerber (auch: Löscher, Erchmacher, Rössler = Gerber von Pferdehäuten; tawer) mit der gleichen Abgabe belastet.

– Siehe Dechergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Laufzeit (maturity, duration, contract period):

1 Bei einem Darlehn der Zeitraum von Vertragsbeginn bis

1. zum vereinbarten Rückzahlungstermin bzw.

2. zur tatsächlich erfolgten gänzlichen Tilgung, und in der Regel in Monaten angegeben.

2 Bei einer Option die Zeitspanne zwischen aktuellen Datum und dem Tag, an dem man das Optionsrecht letztmalig ausüben kann, dem Verfalltag.

3 Die Geltungsdauer einer Schuldverschreibung.

1. Längste Laufzeit (maximum maturity) ist der Zeitraum vom Beginn der vertragsgemässen Verzinsung bis zur Endfälligkeit (final maturity).

2. Restlaufzeit (residual maturity) ist der Zeitraum von jetzt bis zur Fälligkeit bei gesamtfälligen Anleihen (issues falling due en bloc).

3. Längste Restlaufzeit (maximum residual maturity) ist der Zeitraum von jetzt bis zur Fälligkeit der letzten Rate bei Tilgungsanleihen (redeemable issues).

4. Kürzeste Restlaufzeit (minimum residual maturity) ist der Zeitraum von jetzt bis zur Fälligkeit der nächsten Rate bei Tilgungsanleihen.

5. Mittlere Restlaufzeit (mean residual maturity) ist die Summe aus kürzester und längster Restlaufzeit geteilt durch zwei.

6. Rechnerische Restlaufzeit (computed residual maturity) ist diejenige Laufzeit, nach der eine Tilgungsanleihe auf einmal getilgt werden muss, wenn man sie als eine gesamtfällige Anleihe (if it is regarded as an issue falling due en bloc) mit gleichem Nominalzinssatz (a constant nominal interest rate) gleichem Kurs und gleicher Rendite betrachtet.

<4 In der Assekuranz die Zeit, wie lange ein mit der Versicherung abgeschlossener Vertrag läuft. Bei Abschluss einer mehrjährigen Laufzeit kann der Vertrag im Regelfall erst mit Ablauf des dritten Vertragsjahres gekündigt werden. Vorher ist dies nur möglich, wenn ein Schaden eingetreten ist oder die Versicherung zwar die Beiträge, nicht aber auch die Leistungen erhöht./p>

– Siehe Abzinsungspapier, Anleihe, Annuitätsdarlehn, Ausführung automatische, Balloon, Bullet Payment, Duration.

– Vgl. das monatlich erscheinende Statistische Beiheft "Kapitalmarktstatistik" der Deutschen Bundesbank zum Umfang der Papiere und in den Erläuterungen die hier gegebenen Unterscheidungen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Laufzeitenrisiko (maturity risk):

1 Bei einem von der Bank eingeräumten Festzinsdarlehn die Gefahr, dass sich der Zinssatz bis zum Abruf der Fazilität durch den Darlehnsnehmer erhöht; sich die kreditgewährende Bank also zu einem höheren Zins im Interbankenmarkt, oder bei der Zentralbank) refinanzieren muss, als sie dem Kunden in Rechnung gestellt hat. Dieses Risiko gilt es durch entsprechende Vorkehrungen zu decken, etwa durch Drohverlust-Rückstellung (provisions for contingent losses) oder über einen Zinsswap.

2 Die Gefahr, welche von Zinsänderungen auf den Kurs einer Anleihe ausgeht. Vereinfacht gesagt birgt diejenige von zwei Anleihen eines Emittenten mit sonst gleicher Ausstattung das grössere Risiko, welche die längere Restlaufzeit (remaining term to maturity) aufweist. Denn dieses Papier unterliegt noch über einen längeren Zeitraum hinweg dem Zinsänderungsrisiko. Der Kurs wird daher im Allgemeinen niedriger notieren und stärkeren Schwankungen (Oszillationen; oscillations: fluctuations above and below a mean value) bei eintretenden Änderungen der Zinsen ausgesetzt sein. Nach einer Faustregel (rule of thumb on the stock exchange) entspricht die Kursschwankung der Änderung des Zinsniveaus mal Restlaufzeit (remaining term to maturity) in Jahren.

– Siehe Anleihe, Duration, Eventualschaden, Kreditzusage, unwiderrufliche, Liquiditätsprämie, konditionsfixierende, , Zinsswap.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Laufzeitenstruktur (term structure):

Wenn nicht anders definiert das Verhältnis zwischen der Rendite festverzinslicher Papiere und ihrer Fälligkeiten. Erwartungen in Bezug auf Zinsänderungen verändern dieses Verhältnis (the relationship between the yields on fixed-interest securities and their maturity dates; expectations of changes in interest rates affect term structure).

– Siehe Niedrigzinspolitik, Zinsgefüge, Zinsstrukturkurve.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Laufzeitfonds (fixed maturity funds):

Besondere Art von Investmentfonds. Üblicherweise ist die Laufzeit (contract period) von Fonds unbegrenzt. Der Anleger erwirbt Fondsanteile, die er jederzeit wieder zurückgeben kann. Demgegenüber haben Laufzeitfonds eine vertraglich begrenzte Lebensdauer. Zum festgesetzten Termin wird der Fonds aufgelöst, und die Anleger erhalten ihr Kapital samt Verzinsung ausbezahlt. Die meisten Laufzeitfonds investieren in Rentenwerte, also in festverzinsliche Wertpapiere, deren Fälligkeit im Idealfall mit dem Ende des Fonds zusammenfällt.

– Siehe Kapitalverwaltungsgesellschaft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Laufzeitgeld (money at fixed period):

In älteren Dokumenten die Bezeichnung für jede Form von Darlehn.

– Siehe Kredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Laufzeitprämie (maturity premium):

Wenn nicht anders definiert der Unterschied in der Rendite zwischen langfristigen und kurzfristigen (Staats)Anleihen (extra average return from investing in long-term versus short-term Treasury securities). Sie gilt als Masstab für die von den Marktteilnehmern erwartete Einschätzung des Zinsrisikos.

– Siehe Contingent Swap, Laufzeitenstruktur, Liquiditätsprämie, Rendite-Abstand, Risikoprämie, Zinsstrukturkurve, Zinsswap.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2006, S. 43 (Trennung von Liquiditätsrisiko und Zinsrisiko und dadurch Einsparung der Laufzeitprämie), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2006, S. 34 ff. (Zusammenhang zwischen Laufzeitprämie und Zinsgefälle; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Läutegeld auch Pulsantengeld (bell-ringing pay):

Die Bezahlung für den Glöckner (bell ringer: a person who rings church bells) bei besonderen Anlässen wie Hochzeiten (Hochzeitsglocken; wedding bells), Todesfall (Anschlagen der Sterbeglocke; death knell) oder Beerdigungen (funeral service). - Das Glockenläuten (ringing of bells) war früher eine körperlich sehr anstrengende Arbeit (physical strenuous work), weil ein schwerer Klöppel (clapper: the tongue of the bell, more precisely a metallic device that generates noise by the banging it against a bell) mittels eines Seils an die Glocke angeschlagen werden musste.

– Siehe Ablassgeld, Beichtgeld, Dispensationsgeld, Kathedralgeld, Kirchgeld, Konduktgeld, Opfergeld, Palliengeld, Peterspfennig, Prokurationsgeld, Seminargeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Laxament (permit to lend by the legal guardian):

In älteren Dokumenten die - in der Regel auf zwei Monate begrenzte - Vollmacht eines Vormunds, Geld aus dem Besitz seines Mündels zu verleihen.

– Siehe Gerhabgeld, Gerhabschaftsgeld, Mündelsicherheit, Zuwendung, vormundschaftliche.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

LBO-Finanzierung (LBO financing):

Die Bereitstellung von Fremdkapital durch Banken im Zuge des Leveraged Buy-outs.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2007, S. 16 (Übersicht des Finanzierungsgefüges), Monatsbericht der EZB vom November 2007, S. 26 ff (Rückgang der LBO-Aktivitäten und ihre Gründe; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lead Economy (so auch im Deutschen, seltener Hauptwirtschaftsmacht):

Eine Land mit überragendem Anteil an der

1. weltweiten - wie etwa die USA oder die Eurozone - oder

2. regionalen - wie beispielsweise Deutschland mit einem Anteil von ungefähr einem Viertel innert der Eurozone) Wirtschaft. Für Banken auch aus kleineren Staaten ist es von Vorteil, in einer Lead Economy vertreten zu sein.

– Siehe Auslandsbanken, Allianzen, grenzüberschreitende, Auslandzweigstelle, Markteintrittskosten, Repräsentanz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lead Investor (so auch im Deutschen gesagt):

Wenn nicht anders definiert bei einem Joint Venture der Partner

1. mit dem höchsten Kapitaleinschuss oder

2. der aufgrund einer vertraglichen Abmachung mit den anderen Darlehnsgebern die Aufgabe übernimmt, die Verwendung des Kredits nach dem Hands-on-Prinzip zu überwachen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lead Manager (so auch im Deutschen gesagt, daneben manchmal Konsortialführer und wie im Englischen Bookrunner und Global Coordinator):

Bank, die in einem Konsortium die Organisation eines gemeinsamen Engagements übernimmt und vor allem die Finanzierungspartner (Investoren) koordiniert. - Bei einer Public Private Partnership kann auch der Staat diese Aufgabe übernehmen, im Besonderen bei Landmark Building-Darlehen im Zuge einer Stadtteil-Sanierung.

– Siehe Arranger, Begebung, Bookbuilding, Club Deal, Deal, Emissionsgeschäft, Emissionshaus, Emissions-Rendite, Ersterwerber, Garantiesyndikat, Investment Banking, Intercreditor Agreement, Multisourcing, Präzipuum, Roadshow, Underwriter, Wertpapier-Emissionen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lead Supervisor (so auch im Deutschen gesagt):

Im Jahr 2004 von der EU-Kommission ins Gespräch gebrachte finanzmarktliche Aufsichtsinstanz für eine Institutsgruppe gesamthaft, also auch aller ihrer Filialen und selbständigen Zweiggesellschaften (subsidaries) in anderen Staaten der EU. Danach sollte die Aufsichtsbehörde des Mutterinstituts die letzte Entscheidung auch über die Zulassung der anzuwendenden Risikomessverfahren haben. - Durch die Errichtung der europäischen Bankenaufsicht wurde dieser Vorschlag 2014 grundsätzlich verwirklicht.

– Siehe Gigabank, G-Sifis, Lamfalussy-Vorschlag, Mischkonzern, Subsidiaritätsprinzip.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Leaning against the wind (so auch im Deutschen gesagt):

In Zusammenhang mit der Aufsicht gesagt für alle Massnahmen mit dem Ziel, ein systemisches Risiko allgemein und eine Blase im Besonderen auszuschliessen. - Ein hauptsächlicher Ansatz zielt darauf ab, dass Institute im konjunkturellen Aufschwung verstärkt Puffer aus Eigenkapital (capital cushion) anlegen müssen, etwa über die Bildung von Rückstellungen. Ein anderer, viel erörterter Vorschlag ist, risikoempfindliche (risk sensitive) Eigenkapitalvorschriften zu erlassen und diese darüber hinaus durch antizyklisch schwankende Eigenkapitalaufschläge zu ergänzen. Grundsätzlich vermögen weltweit gültige schärfere Vorschriften für die Unterlegung übertriebenen Geschäften mit Hebeln und anderen sehr risikoreichen Engagements durchaus entgegenzuwirken: darin besteht Übereinstimmung. Solches umzusetzen wird jedoch als sehr schwierig angesehen, weil bereits die Feststellung des gegenwärtigen Standes in einem Konjunkturzyklus nur ungenau zu bestimmen ist; Konjunkturzyklen und Blasen zeigen sich in rückschauender Betrachtung nämlich als sehr unterschiedlich. Zudem entstünde für international aufgestellte Institute ein Problem, weil sich Konjunkturzyklen nicht unbedingt gleichzeitig und auch nicht gleicherweise über verschiedene Wirtschaftsräume ausbreiten. - Allgemein jedoch wird es unmöglich bleiben, jederart Übertreibungen auf dem Finanzmarkt auszuschliessen, selbst wenn man weltweit sämtliche Massnahmen abstimmen würde. Denn sobald rauschhafte Erwartungen (euphoric expectations) auf Gewinn und Reichtum die Anleger anfeuern und beflügeln, lassen sich diese von nichts und niemanden davon abhalten, in entsprechende Engagements einzusteigen.

– Siehe Aktienblase, Ansteckungswirkungen, Aufsicht, makroprudentielle, Aufsicht, weltweite, Ausschuss für Finanzstabilität, Bank, systemische, Blase, spekulative, Carry Trades, Cleaning up after, Dotcom-Blase, Europäischer Rat für Systemrisiken, Event Risk, Finanzmarkt-Zusammenbruch, Gleichlauf-Problem, Jackson Hole-Konsens, Krise, systemische, Lenkungs-Steuer, Rebbes, Solvenzaufsicht, Too big to fail-Grundsatz, Unternehmensfinanzierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Leaps (so auch im Deutschen gesagt; Abkürzung für long-term equity anticipation securities):

Optionsvertäge auf Aktien oder seltener auf einen Aktienindex mit einer Verfallzeit von über einem Jahr und in der Regel bis zu drei Jahren, die als standardisierte Kontrakte an einer Börse gehandelt werden und nicht in Wertpapierform verbrieft sind. - Als Call bieten sie die Möglichkeit, an steigendem Kurs der Papiere einer Aktiengesellschaft bzw. der im Index enthaltenen Aktien teilzuhaben, ohne ständig Aktien zukaufen zu müssen. Als Put gewähren sie dem Anleger einen Schutz gegen starke Kursverluste des Basiswertes (leaps in the form of calls can afford long-term share market investors an opportunity to profit from the growth of companies without having to make continually share purchases; leaps as puts can provide a hedge for investors against substantial declines in underlying equities). Zur Jahresmitte 2012 wurden weltweit um die 2'500 Leaps auf Aktien und etwa 20 auf Aktienindexes gehandelt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Leasinggeschäft (leasing business):

Unternehmen, deren Haupttätigkeit im Abschluss von Verträgen über die Vermietung von Anlagen, Maschinen, einschliesslich Fahrzeugen, und - seltener - langlebigen Konsumgütern besteht. - Der Vorteil des Leasings besteht - neben steuerlichen Zweckmässigkeiten; fiscal effects - vornehmlich in der Nutzung von Investitionsgütern ohne Eigenkapital bzw. ohne die Aufnahme von Darlehn, so dass ein gegebener Finanzierungsspielraum für das Unternehmen erhalten bleibt. Im Jahr 2009 waren um die 25 Prozent der Investitionen in Deutschland mit Leasing-Verträgen verbunden: Leasing hat eine hohe Bedeutung vor allem bei Kleinen und mittlere Unternehmen erlangt. - In Deutschland werden entsprechende Dienstleister nach § 1, Abs. 3, № 3 den Finanzunternehmen beigezählt; sie bedürfen einer Erlaubnis nach § 32 KWG und unterliegen der Aufsicht durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.

– Siehe Sale-and-Lease-Back, V-Institute.

– Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 158 (Fragen der Aufsicht; Geldwäsche-Vorbeugung) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute", Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2011, S. 39 ff. (Leasingfinanzierung in Deutschland; zahlreiche Übersichten, Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Leasing-Papiere, verbriefte (equipment leasing backed securities, ELBS):

Unternehmen aus dem Leasinggeschäft bündeln - in der Regel unter Dazwischenschaltung einer Bank - die ihnen von den Leasingnehmern übergebenen Sicherheiten und übertragen diese an eine Zweckgesellschaft. Diese wandelt die Forderungen in Verbriefungspapiere (Collateralised Debt Obligations) um und verkauft sie rein oder unter Beimischung anderer Verschuldungsinstrumente - etwa Bankkredite, Anleihen, verschiedenen Schuldverschreibungen der öffentlichen Hand - an Anleger.

– Siehe Absenzkapitalismus, Verbriefung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Least-Cost Customer (so auch zumeist im Deutschen gesagt; seltener Sparkunde):

Bei einer Bank gesagt von einem Kunden, der streng darauf achtet, Dienstleistungen des Instituts - nur, andernfalls aber nicht - zu einem sehr günstigen Preis in Anspruch zu nehmen.

– Siehe Flipper, Kontohopper, Loss Leader, Switcher, Zinsschnäppchenjäger, Umschuldungs-Blase.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lebensversicherung (life insurance):

Eine Versicherung, die beim Tod des Versicherungsnehmers

1. für dessen Schulden bis zu einer gewissen, im Vertrag festgelegten Obergrenze eintritt (pays off a specific amount of debt) und/oder

2. an die vertraglich genannten Begünstigten eine bestimmte Summe ausbezahlt.

– Siehe Annuität, Auswirkungsstudie zu langfristigen Garantien, Embedded-Value Verbriefung, Einmalzahlung, Kapitalisierungsgeschäft, Leistungsanspruch, Policenbörse, Risiko- und Solvabilitätsbeurteilung, unternehmenseigene, Rückkaufswert, Sicherungsfonds für Lebensversicherer, Solvabilität, Spreizung, Sterbekasse, Tontine, Überschussbeteiligung, XXX-Insurance-Linked Securities, Viatikalmarkt, Zillmerung, Zinssplitting.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 445 ff. (Nachteile für die Versicherer aufgrund der Niedrigzinspolitik; Kapitalanlagen der Lebensversicherer seit 2006; Übersichten), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 118 ff. (Probleme der Versicherer im Zuge von Solvency-II), S. 141 (Anmeldungen von Unternehmen aus dem EWR), S. 142 f. (Probleme im Niedrigzinsumfeld). Im jeweiligen Jahresbericht "Statistik Erstversicherungsunternehmen und Pensionsfonds" der BaFin auch Übersicht über die Marktanteile und die Ertragslage der Unternehmen in Deutschland sowie über das Beitragsaufkommen und andere Kennzahlen, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2014, S. 78 ff. (Risiken infolge des Niedrigzins-Umfelds).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lebensversicherungen, Zweitmarkt (trade in life-insurance policies):

Geschäft, bei dem Verträge vom Versicherungsnehmer (policyholder) gekauft und an andere übertragen werden. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen dem US-amerikanischen, britischen und deutschen Zweitmarkthandel. Diese drei Zweitmärkte weisen zum Teil stark voneinander abweichende Merkmale auf.

1 Die Lebensversicherung in den USA dient - anders als in Deutschland - nicht vorrangig zur Altersvorsorge, sondern zur Absicherung des Todesfalls. Insonders ältere und kranke Versicherungsnehmer können ihren Vertrag vorzeitig veräussern. Der Verkäufer gewinnt dabei von der vorzeitigen Auszahlung der angesparten Summe, welche er beispielsweise für Behandlungskosten aufbringen kann. Wer eine solche Lebensversicherung erwirbt, lässt sich als Begünstigter in die Police eintragen und übernimmt die gesamthaften Zahlungsverpflichtungen. Bei Eintritt des Todesfalls der versicherten Person erhält er die Todesfallsumme ausbezahlt. Die Rendite bemisst sich an der Differenz zwischen Todesfallsumme sowie bezahltem Kaufpreis zuzüglich Prämienzahlungen. Die Kalkulation der Rendite erfolgt auf Grundlage von Gutachten medizinischer Einrichtungen.

2 Auf dem britischen Lebensversicherungs-Zweitmarkt werden - ähnlich wie in Deutschland - Kapital-Lebensversicherungen (Traded Endowment Policies, TEPs) gehandelt, die eine Auszahlung im Erlebensfall vorsehen, jedoch von den Inhabern vor Ablauf der Vertragsfrist auf dem Zweitmarkt verkauft werden können. Die TEP-Rendite besteht aus

1. der eigentlichen garantierten Versicherungssumme,

2. den jährlichen, ebenfalls in ihrer Höhe garantierten Bonuszahlungen sowie

3. einem variablen Schlussbonus. Anders als in Deutschland, so dürfen britische Lebensversicherungen auf dem Kapitalmarkt wesentlich höhere Risiken eingehen, was dort zu einer höheren Risikovolatilität führt.

3 Auch auf dem deutschen Zweitmarkt für Lebensversicherungen können Kapital-Lebensversicherungen innert ihrer Vertragslaufzeit gehandelt werden. Der Verkauf der Lebensversicherung stellt eine Wahlmöglichkeit gegenüber der Kündigung dar. Hier kauft der Policenankäufer die Versicherung über Rückkaufswert an und führt diese an Stelle des ursprünglichen Versicherungsnehmers bis zur Endfälligkeit weiter. Der Käufer gewinnt dabei durch die Wertentwicklung der Police, etwa durch die Zahlung der Schlussüberschüsse bei Vertragsende. Der Verkäufer hat zunächst einen finanziellen Mehrwert verglichen mit der Kündigung. Zusätzlich bleibt ihm aber aufgrund der Weiterführung der Prämienzahlungen zunächst ein Rest-Todesfallschutz erhalten, welcher sich im Laufe der Zeit jedoch aufzehrt. Die Zweitmarktpolice ist dann ein reines Anlageprodukt und kann von privaten und institutionellen Investoren erworben werden. - Der internationale Zweitmarkt für Lebensversicherungen wird in Deutschland institutionell durch den Bundesverband Vermögensanlagen im Zweitmarkt für Lebensversicherungen (BVZL) in München vertreten. - Der Ankauf von Lebensversicherungen unter Fortführung derselben, also der blosse Kauf von Lebensversicherungen, ist keine nach dem KWG erlaubnispflichtige Geschäftstätigkeit. Auch ein Weiterverkauf solcher Lebensversicherungen an Dritte stellt keine nach dem KWG erlaubnispflichtige Geschäftstätigkeit dar. Derartige Zweitmarkt-Anbieter werden daher nicht von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht beaufsichtigt. Die BaFin beurteilt im Zusammenhang mit gebrauchten Lebensversicherungen in erster Linie die Frage, ob im Zuge dessen Bankgeschäfte ohne Erlaubnis betrieben werden.

– Siehe Policenbörse, Policenkredit.

– Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 229 (undurchsichtige Ausgestaltung entsprechender Verträge), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 214 f. (Fragen der Erlaubnis für entsprechende Geschäfte) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Querschnittsaufgaben".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lebensversicherungspolice, überschriebene (life settlement contract):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter die Verpfändung (pledging) eines Lebensversicherungs-Vertrags an eine Bank als Sicherheit für ein Darlehn. Dabei wird im Einzelfall festgelegt, wer die laufenden Prämienzahlungen zu leisten hat.

– Siehe Kapitalisierungsgeschäfte, Lebensversicherungen, Zweitmarkt, Policenbörse, Policenkredit, Reverse-Repurchase-Geschäft, Viatikalmarkt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Leckage (leakage):

1 Abzug bei einer Rechnung für den Verlust durch Verfliessen während des Transports.

2 Der Schaden durch Ausrinnen einer Flüssigkeit, in älteren Dokumenten auch Geleck (that which leaks out) genannt.

– Siehe Kalfatergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Leeraktie (partly paid share, not fully paid share, undeposited share):

Häufige Bezeichnung für eine nicht voll einbezahlte Aktie eines Unternehmens, bei dem aber in der Regel daneben auch voll einbezahlte Aktien ausgegeben sind. - Im Zuge der Mitarbeiter-Beteiligung ist die Ausgabe von Leeraktien beliebt geworden; meistens ist damit ein zeitlicher Einzahlungsplan oder eine Einzahlungs-Option verbunden. Beschäftigte des Unternehmens können dann an vorgegebenen Fristen (Einzahlungsplan; periodical contributions programme) oder nach eigener Entscheidung (freies Anwartschaftsrecht; free expectant right) die Leeraktie voll einbezahlen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Leerstandsquote (vacancy rate):

Der Anteil nicht vermieteter, sowohl gewerblicher als auch dem Wohnungsbereich zuzurechnender Immobilen. Von den Zentralbanken wird dieser Anteil beobachtet, weil die Kennzahl unter anderem auch Rückschlüsse auf die zu erwartende, vorleistungsintensive (characterised by considerable advance inputs) Bautätigkeit und den Finanzbedarf dieser Branche zulässt.

– Siehe Betongold, Blase, spekulative, Gewerbeimmobilien, Hypothekenschulden, Immobilienpreise, Immobilien-Sicherheiten, Marktkenntnis, zentralbankliche.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 59 (Leerstandsquote und Mieten für Büroimmobilien seit 1991).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Leerverkauf auch Blankoverkauf (short sale, short selling):

Verkauf von Wertpapieren oder Waren einschliesslich von Edelmetallen per Termin, die sich noch nicht im Besitz des Verkäufers befinden (sale of securities or commodity futures not owned by the seller). - Bei ungedeckten (nackten) Leerverkäufen (uncovered sales, naked sales) leiht er sich der Verkäufer diese noch nicht einmal zu dem entsprechenden Verkaufstermin. - Entsprechende Geschäfte haben rein spekulativen Charakter. Der Verkäufer hofft, dass zwischen dem Zeitpunkt des Vertragsabschlusses und dem vereinbarten Liefertermin der Kurs des betreffenden Wertpapiers oder die Preise der bezüglichen Ware fallen. Tritt eine solche Erwartung ein, dann könnte er sich billiger eindecken und einen Gewinn erzielen. - Solche Geschäfte stehen in Verdacht, den Abwärtsdruck vor allem bei Aktien zu verschärfen. Jedoch sind grundsätzlich nicht die Leerverkäufe für den Kursverfall eines Papiers - beispielsweise für Staatsanleihen Griechenlands ab Frühjahr 2010 - verantwortlich. Vielmehr wird dies bewirkt durch entsprechende Erwartungen der Marktteilnehmer, und diese Erwartungen haben ihren Grund in Misswirtschaft der entsprechenden Firma bzw. des jeweiligen Staates. - Überdies haben Leerverkäufe auch die Wirkung, Preisübertreibungen nach oben zu brechen, so für eine Beruhigung der Märkte zu sorgen und spekulative Blasen zu hemmen. Andererseits können Leerverkäufe jedoch auch Übertreibungen nach oben dann hervorrufen oder verstärken, wenn zum Fälligkeitstermin (due date) eine zu geringe Verkaufsbereitschaft (disposition to sell) vorhanden ist. - Am 27. Juli 2010 trat daher in Deutschland das Gesetz zur Vorbeugung gegen missbräuchliche Wertpapier- und Derivategeschäfte in Kraft. Grundsätzlich sind damit ungedeckte (nackte) Leerverkäufe in Aktien und gewissen Schuldtiteln sowie bestimmte ungedeckte Kreditderivate nicht mehr zulässig. Ausnahmen bestehen jedoch für Wertpapier-Dienstleistungsunternehmen, die als Market Maker, Skontroführer, Designated Sponsor (= ein Börsenmakler, der im elektronischen Handelssystem für Wertpapiere an der Deutschen Börse AG in Frankfurt am Main [Xetra] tätig ist und dort die für den fortlaufenden Handel notwendige Verfügbarkeit der Aktien im Auftrag eines Emittenten besorgt) oder in vergleichbarer Tätigkeit solche Geschäfte tätigen. In diesem Fall besteht für Wertpapier-Dienstleistungsunternehmen jedoch die Pflicht, diese Tätigkeit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht unter Angabe aller betroffenen Finanzinstrumente anzuzeigen.

– Siehe Aggregation, Agiotage, Barmarge, Corner, Derivategeschäfte-Clearingpflicht, Derivategeschäfte-Meldepflicht, Differenzgeschäft, Gnadengeld, Leerverkaufs-Verbot, Missbrauchsgesetz, Option, nackte, Position, ungedeckte, Renten-Arbitrage, Short-Selling, Spekulation, Schlangenhandel, Stockjobber, Terminspekulant, Tulpencrash.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 40 f. (Transparenzanforderungen bei Leerverkäufen; Einrichtung einer eigenen Taskforce im Rahmen des CESR), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 44 f. (Entwurf zur aufsichtlichen Kontrolle), S. 173 f. (Gefahren durch Leerverkäufe), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 48 (Details zur angestrebten Kontrolle und Zeitplan), S. 190 ff. (ausführliche Darstellung der neuen Rechtslage durch das WpMiVoG; Verbotsausnahmen; Überwachung der BaFin), S 192 f. (Mitteilungspflicht in zehn ausgewählten Papieren), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 171 (neue EU-Leerverkaufsverordnung); S. 172 ff. (Anpassung an deutsches Recht im Einzelnen), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 171 f. (es gilt europäisches Recht; BaFin untersucht noch einige Fälle auf Verstösse gegen das nationale Leerverkaufsverbot) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Leerverkaufs-Verbot (prohibition of short sales [uncovered sales]):

In Deutschland kann die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht bei drohender erheblicher Marktstörung Leerverkäufe auf dem Wertpapiermarkt untersagen. Sie tat dies erstmals für die Aktien von elf Banken im Zuge der Subprime-Krise im September 2008, als der Umfang entsprechender Geschäfte die Gefahr weiterer Marktstörungen heraufbeschwor. Zu etwa gleicher Zeit verlangte die Börsenaufsichtsbehörde der USA, dass Hedge-Fonds täglich ihre Leerverkäufe offenlegen müssen. Im Zuge der Griechenland-Krise erliess die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht abermals ein Leerverkaufsverbot für Aktien von zehn deutschen Instituten, Staatsanleihen aus dem Euroraum und Credit Default Swaps. Mit dem im Juli 2010 in Kraft getretenen Missbrauchsgesetz wurde die Vorbeugung gegen solche Geschäfte auf eine neue rechtliche Grundlage gestellt. - Indessen werden Leerverkaufs-Verbote, so populär sie in der öffentlichen Meinung auch sind, von der Fachwelt kritisch betrachtet. Denn wenn Marktteilnehmer die Erwartung hegen, dass ein Preis in der Zukunft sinkt, und sie sich aufgrund dessen beispielsweise von Staatsanleihen hochverschuldeter Länder trennen, dann verlangt die ökonomische Vernunft zu fragen, warum die Spekulanten diesen Papieren kein Vertrauen entgegenbringen. Die Ursachen der negativen Erwartungshaltung wären zu bekämpfen; die Leerverkäufe sind nur das Symptom: das sichtbare Kennzeichen mangelnden Vertrauens in die zukünftigen Marktverhältnisse. - Am 26. März 2012 traten § 30i WpHG sowie die Netto-Leerverkaufs¬positionsverordnung (NLPosV) in Kraft. Die Vorschriften führen erweiterte Mitteilungs- und Veröffentlichungspflichten für Netto-Leerverkaufspositionen ein und bestimmen unter anderem den elektronischen Meldeweg. Die Einzelheiten hierzu sind auf der Homepage der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht abrufbar.

– Siehe Aggregation, Derivategeschäfte-Clearingpflicht, Derivategeschäfte-Meldepflicht, Leerverkauf, Meldepflicht, Missbrauchsgesetz, Spekulant.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 147 (Verbot durch die BaFin; Begründung; Erläuterungen), Jahresbericht 2009 der Bafin, S. 173 f. (neue Rechtslage), Jahresbericht 2010 der Bafin, S. 185 f. (Inkrafttreten des Gesetzes zur Vorbeugung gegen missbräuchliche Wertpapier- und Derivategeschäfte [WpMiVoG], das der BaFin neue Kompetenzen einräumt),S. 190 ff. (Einzelheiten zur neuen Rechtslage), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 171 (Leerverkaufsverordnung der EU), S. 172 ff. (Übergang in deutsches Recht im Einzelnen) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft", Finanzstabilitätsbericht 2011, S. 75 (pauschale Leerverkaufs-Verbote sind abzulehnen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Legal Opinion (so in diesem Zusammenhang auch im Deutschen gesagt; seltener mit Rechtsgutachten übersetzt):

In Bezug auf den Finanzmarkt allgemein die sachverständige Stellungnahme eines Fachjuristen in Bezug auf ein Engagement, und hier im Besonderen hinsichtlich einer vertraglichen Bindung in einer fremden Sprache und in einem ausländischem Rechtsraum. - Kapitalverwaltungsgesellschaften beschäftigen oftmals einen Stab von Vertragsrechtlern (contract lawyers) aus den jeweiligen Rechtsordnungen; auch bei grossen Instituten sind häufig juristische Berater aus verschiedenen Regionen der Erde angestellt. - Manchmal kommt es auch zu entsprechenden Abmachungen zwischen global tätigen Instituten. Danach prüft der jeweilige im Land ansässige Partner durch die Experten seines Hauses die auf die heimische Rechtsordnung bezogenen Vereinbarung eines ausländischen Partners. - Die hohen Aufwendungen für die Rechtsberatung führte in der letzten Zeit dazu, dass von internationalen Spitzenverbänden der im Finanzmarkt Tätigen eine Reihe Musterverträge (standard-form contracts, model contracts) - in der Regel in englischer Sprache - für fast jede gebräuchliche Transaktion erarbeitet und bei entsprechenden Geschäften zugrunde gelegt werden.

– Siehe European Master Agreement, International Swaps and Derivates Association, Leveraged Buy-out-Risiken, Rechtswahl, Rechtswiderstreit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Legat (bequest, legacy):

1 Der Vorgang, testamentarisch jemanden etwas zu hinterlassen (the act of giving or leaving personal property by a will).

2 Ein Vermögensgegenstand, der durch letztwillige Verfügung rechtswirksam auf eine Person oder Körperschaft übertragen wird (something that is bequeathed).

– Siehe Begünstigter, Destinar.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Legegeld und Leggeld (basic capital; price surcharge; guild membership fee; court fee; storage charges, bail money):

In der älteren Literatur sehr häufig auftauchender Begriff in verschiedener Bedeutung

1 Grundkapital, Betriebskapital (current operating capita) eines einzelnen Kaufmanns oder einer Gesellschaft;

2 Zuschlag zum Preis bei Verkauf oder Versteigerung (Gant, in der älteren Finanzsprache auch Lizitation; licitation: the act of offering for sale to the highest bidder), ein Aufgeld;

3 regelmässiger Mitgliedsbeitrag in die Zunftkasse, Zunftgeld;

4 Summe, die bei Gericht vor Verfahrensbeginn von den Beteiligten zu hinterlegen ist, um die Zahlung die Gerichtskosten (court costs) sicherzustellen, Gerichtsgeld;

5 Ersatz der Aufwendungen bei Einlagerung von Waren;

6 Hinterlegung einer Summe vor Antritt eines öffentlichen Amtes als Haftgeld oder Kaution, Gewährgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Legende (circumscription):

In der älteren Literatur auch gesagt für die Umschrift auf einer Münze (an inscription round a coin).

– Siehe Alliage, Avers, Eteostichon, Infrangiblität, Kaisermünze, Katzengeld, Kipper, Numismatik, Rändelung, Realgeld, Remedium, Revers, Riffelung, Scheidemünze, Spores Raffel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lehman-Pleite (Lehman bankruptcy):

Mitte September 2008 wurde die Investmentbank Lehman Brothers mit Hauptsitz in Neuyork zahlungsunfähig. Die US-Regierung weigerte sich, dem Institut zur Hilfe zu kommen. Der Grund für die verweigerte Staatshilfe dürfte wohl besonders auch darin gelegen haben, dass Lehman Brothers durch die Jahre immer wieder wegen Verstössen gegen Börsen- und Bilanzregeln zu teils erheblichen Geldstrafen verurteilt und abgemahnt wurde. Gegen keine andere Bank in den USA liefen ähnlich viele Verfahren der Aufsichtsbehörde; kein anderes Unternehmen hatte eine so dicke Akte mit derartig schwerwiegenden Verfehlungen wie Lehman Brothers. Böse Zungen unterstellten dem damaligen US-Finanzminister Henry Paulson, dem früheren Chef von Goldman Sachs, er habe seiner alten Firma eine Gefälligkeit erweisen wollen und deshalb einen führenden Konkurrenten untergehen lassen. - Den Zusammenbruch von Lehman Brothers sieht man als den Übergang der Subprime-Krise in eine weltweite Finanzkrise an, weil das Institut international auf allen Finanzmärkten verwurzelt war und der Ruin der Bank eine Schockwelle auslöste. - Lehman Deutschland hatte zum Zeitpunkt des Zusammenbruchs im Herbst 2008 in Frankfurt am Main eine Filiale mit rund 150 Mitarbeitern und im Jahr 2007 eine Bilanzsumme von 16,2 Milliarden EUR, das entsprach in etwa jener der Frankfurter Sparkasse. - Aufsichtsrechtlich traten bei dem Zusammenbruch einige folgenreiche Schwächen zutage. Obgleich Lehman Brothers in London als eigenständige Rechtseinheit (independent legal entity) firmierte und direkt von der FSA beaufsichtigt wurde, so waren der englischen Aufsichtsbehörde die Hände gebunden, als die Londoner Niederlassung von Lehman Brothers Milliardenbeträge an die Hauptverwaltung in Neuyork überwies. Auch war die FSA ohnmächtig gegenüber der in den USA getroffenen Entscheidung (found powerless in the face of the decision in the USA), einen Zusammenbruch von Lehman Brothers hinzunehmen, obzwar dieser Beschluss schwerwiegende Folgen für den Finanzplatz London und die Stabilität des britischen Finanzsystems hatte. - Die EZB blieb auf ihr als Pfand angedienten Lehmann-Sicherheiten sitzen, die 2008 mit 5,7 Mia Euro bilanziert wurden. In den folgenden Jahren konnten diese grösstenteils verwertet - sprich: an Abnehmer aus aller Welt - verkauft werden.

– Siehe Aufsicht, weltweite, Bear Stearns-Pleite, Crash, Einzelfallentscheidung, Fachbankensystem, Gewährträgerhaftung, Gibrat-Regel, Gigabank, G-Sifi, Hypo Real Estate-Rettung, Megamanie, Moratorium, Rush to exit, Schockwelle, Schuldenbombe, Single Master Liquidity Conduit, Pflichtwandelanleihe, Too big to fail-Grundsatz, Subsidiaritätsprinzip, Trennbanksystem, Verbraucherbeschwerden, Vertrauen.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 41 (Informationsstelle des CESR zu der Lehman-Pleite), S 120 (Übersicht der Schwierigkeiten bis zur Abwicklung), S. 141 (Kundenbeschwerden in Bezug auf Lehman-Zertifikate), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 163 f. (Sonderprüfungen der BaFin in Bezug auf Lehman-Zertifikate), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 98 (weiterhin Gefahren durch den Zusammenbruch global vernetzter Institute).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lehrgeld (apprentice pay ["prentice" in early modern usage]):

Bis weit ins 19. Jh. hinein wurden Lehrjungen vor allem im Handwerk ganz in die Familie des Lehrherrn eingegliedert. Zu ihrer Beherbergung, Verköstigung und Versorgung - Kleidung, Wäsche, Arztleistung im Krankheitsfall - hatten die Eltern einen entsprechend bemessenen Beitrag zu entrichten. In den Zunftordnungen (guild statutes) wurde oft festgelegt, dass (Halb)Waise in zu Lasten der Zunftkasse (guild treasury) vom Lehrgeld befreit werden konnten. - Das Lehrgeld war also nicht eine Vergütung dafür, dass der Lehrling unter Aufsicht des Meisters und der Gesellen ein Handwerk lernt, wie es der Name vermuten lässt und wie auch häufig - selbst in verbreiteten Schulbüchern - zu lesen ist.

– Siehe Innungsgeld, Zunftgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Leibbürge (body pawn):

Die Überstellung einer Person an den Gläubiger zur Sicherung eines Darlehns. - Daneben konnte auch bei Nichtbezahlen der Schuld am Fälligkeitstermin (deadline) der Schuldner oder eine ihm nahestehende Person - Geschwister, Ehefrau, Kinder - als Schuldsklave (debt-bound slave) dem Gläubiger übergeben werden. Dies findet sich früh im Einzelnen geregelt, so bereits im Codex Hammurapi: einer Rechtssammlung, die unter dem König Hammurapis von Babylon um 1750 v. Chr. veröffentlicht wurde. Die Gestellung eines Leibbürgen (provision of a body pawn) ist in manchen Gegenden der Welt bis heute noch nicht ganz ausgestorben.

– Siehe Erster, trauriger, Freikauf, Kinderpfand, Leichenpfand, Loskaufgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Leibrente (life annuity):

Eine wiederkehrende Zahlung, die üblicherweise bis zum Tod des Empfängers geleistet wird; vgl. §§ 759 ff. BGB (a type of pension contract that guarantees periodic income payments throughout the lifetime of a named person, called the annuitant).

– Siehe Rente, Pensionsfonds.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Leichenpfand (dead body pawn):

Die Beschlagnahme der Leiche eines Schuldners mit dem Ziel, die offenstehenden Verbindlichkeiten des Verstorbenen durch die Angehörigen zu erzwingen. Im Römerreich war dies weithin üblich; es wurde indessen von christlichen Kirchenvätern (early Christian church fathers) wie dem Heiligen Ambrosius (340-397), Bischof von Mailand, als unsittlich verurteilt.

– Siehe Einzug, Existenzminimum, Faustpfandkredit, Freikauf, Geldeintreibung, Kinderpfand, Leibbürge, Loskaufgeld, Pfand, Übersatz, Wucher, Wucher-Herausforderung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Leichtergeld (lighterage):

Die für das Ausladen (= Leichtern; lightering) eines Transportmittels allgemein und eines Schiffes im Besonderen anstehende Bezahlung (price for unloading cargo).

– Siehe Abfertigungsgeld, Ankergeld, Auseisunggeld, Bordinggeld, Ehrschatz, Fremdhafengeld, Furtgeld, Hafengeld, Kaigeld, Krangeld, Lastgeld, Liegegeld, Leuchtturmgeld, Lotsengeld, Mützengeld, Pratikageld, Schleusengeld, Tonnengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Leichtuchgeld (shroud fee):

Frühere Gebühr für die Leihe eines Leichtuchs (winding sheet: the cloth that wraps a corpse), welches oft der Küster (Kirchendiener, Kirchner, Mesner, Sigrist; sacristan, sexton) zur Verfügung stellte. - Da Gewebe jeder Art grösstenteils in Handarbeit gefertigt wurden, und vor allem weil auch grössere Webstücke teuer waren, so gab man in der Regel das Leichtuch dem Verstorbenen nicht mit ins Grab. Es wurde vielmehr nach Gebrauch gewaschen und für die nächsten Abdankungen (funeral services) wiederkehrend verwendet.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Leihkapital (loan):

1 Allgemein Beträge, die auf Zeit und gegen Verzinsung auf dem Finanzmarkt angeboten und nachgefragt werden.

2 Im engeren Sinne Geld, das zu Investitionszwecke von Banken verliehen wird.

– Siehe Ausleihung, Darlehn, Kredit.

– Vgl. den Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Monetäre Entwicklungen, Banken und Investmentfonds" zu den einzelnen Posten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Leistungsanspruch (claim; entitlement):

1 Das Recht, von einer Versicherung eine vertragliche vereinbarte Zahlung zu verlangen (request for payment of benefits under the terms of an insurance policy.

2 Das Recht, bei Vorliegen gesetzlich festgelegter Umstände (meeting the eligibility requirements) vom Staat Unterstützung zu den Lebenshaltungskosten zu erhalten.

– Siehe Drittgattingeld, Geldbewusstsein, Sozialstaat-Falle, Subsidiaritätsprinzip, Tragfähigkeit öffentlicher Finanzen, Verfassungsartikel eins, Wagnersches Gesetz, Zweitgattingeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Leistungsbilanz (balance of payments on current account):

Die kontenmässige Gegenüberstellung des Wirtschaftsverkehrs mit dem Ausland innert einer bestimmten Periode. - Überschüsse oder Fehlbeträge in einer Leistungsbilanz sind das Ergebnis millionenfacher individueller Entscheidungen und daher - ausser in zentralgeplanten Volkswirtschaften - keine Zielgrösse, welche durch die Politik und erst recht nicht durch die Zentralbank gesteuert werden kann. Auch die damit einhergehenden Veränderungen im Wechselkurs sind kaum vorhersagbar und so gut wie nicht zu beeinflussen. - Der Saldo der Leistungsbilanz eines Landes zählt zu den Kenngrössen des Überwachungsverfahrens (monitoring procedure) der EU, das 2011 eingeführt wurde; es soll Ungleichgewichte innert und zwischen den europäischen Staaten zeitig erkennen.

– Siehe Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2007, S. 35 ff. (Leistungsbilanzsalden im Euroraum mit vielen Übersichten; Erklärung der Abweichungen), Monatsbericht der EZB vom Juli 2007, S. 51 ff. (Leistungsbilanzsalden in Bezug auf Ersparnis und Investition; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2012, S. 18 ff. (zur Entwicklung der Leistungsbilanz in Deutschland seit 1999; Übersichten; Erklärungen, Literaturverweise); S. 21 ff.: "unsichtbare" Leistungstranskationen), Monatsbericht der EZB vom April 2012, S. 22 ff. (Umschwünge in der Leistungsbilanz analysiert und erklärt; viele Übersichten; Literaturhinweis), Monatsbericht der EZB vom Juli 2013, S. 66 ff. (Hauptkomponenten des Leistungsbilanz-Saldos der Mittglieder der EWU; viele Übersichten), Monatsbericht der EZB vom November 2013, S. 75 ff. (Leistungsbilanz in der EWU seit 2004; Übersichten). Monatsbericht der EZB vom Dezember 2013, S. 58 ff. (Leistungsbilanz-Ungleichgewichte in der EWU seit 2000; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Januar 2014, S. 52 ff. (Leistungsbilanz angeschlagener Mitglieder des Eurogebiets [Irland, Griechenland, Spanien, Portugal] lässt erkennen, dass Strukturreformen ungenügend waren), Monatsbericht der EZB vom Februar 2014, S. 18 ff. (Leistungsbilanz der EU-Mitgliedsstaaten in Mittel- und Osteuropa; Übersichten; Beurteilung).

– Vgl. einzelne Posten der Leistungsbilanz des Eurogebiets laufend wiedergegeben im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Aussenwirtschaft" im jeweiligen Monatsbericht der EZB; dort auch die nachgestellten "Erläuterungen" beachten, Geschäftsbericht 2013 der Deutschen Bundesbank, S. 46 (Definition "Leistungsbilanz"; Aussagekraft), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2014, S. 38 ff. (ausführliche Darstellung; Übersichten; Literaturverweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2014, S. 59 ff. (Umstellung der Erfassungsmethodik, ausführliche Darstellung mit Übersichten und wichtigen Informationen in den Anmerkungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Leistungsbilanz-Defizit (deficit on current account):

Grob gesagt (roughly speaking): in einem Staat wird mehr verbraucht als produziert; es wird mehr Geld ausgegeben als vorhanden ist, und ausgeglichen wird dieses Ungleichgewicht durch Kapitalzuflüsse von aussen. Über mehrere Jahre sich hinziehende Defizite in der Leistungsbilanz deuten im Regelfall - Ausnahmen sind beispielsweise Kriege oder Naturkatastrophen (natural disasters) auf einen unwirtschaftlichen (inefficient. the scarce resources do not reach the most favourable allocation) Einsatz der Produktionsfaktoren hin. - Ist die gesamtwirtschaftliche Ersparnis in einer Periode kleiner als die Investition, so gibt der negative Saldo der Leistungsbilanz die Ersparnislücke an. Diese muss notwendigerweise im Ausland über einen Abbau dort befindlicher Guthaben oder eine Verschuldung gedeckt werden. - Der weltweit verflochtene Finanzmarkt erlaubt es Volkswirtschaften mit hoher Wachstumskraft, sich zur Finanzierung des Wachstums im Ausland zu verschulden, also mehr Investitionen zu tätigen als durch die eigene Sparleistung möglich ist. Die dadurch bewirkte Erweiterung und Verbesserung des Kapitalstocks schafft - ökonomisch sinnvoller Einsatz des aufgenommenen Kapitals vorausgesetzt - in den Folgeperioden eine Zunahme des Wachstums. Die Verzinsung und Abzahlung der im Ausland aufgenommenen Schulden kann damit ohne Einschränkung des Konsums geleistet werden.

– Siehe Anpassung, symmetrische, Griechenland-Krise, Wachstumsunterschiede, währungsrauminterne.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2010, S. 17 ff. (Grundsätzliches zu Leistungsbilanz-Defiziten; Übersichten; Literaturhinweise), S. 63 f. (Wirkung von Leistungsbilanz-Defiziten in der Finanzkrise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2011, S. 50 ff. (Leistungsbilanzdefizite im Rahmen der EU- Überwachung), Monatsbericht der EZB vom Januar 2013, S. 45 ff. (Belastung der Leistungsbilanz durch Erdöleinfuhren im Eurogebiet, nach Ländern aufgegliedert).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Leitbildfestlegung und Zielvorstellung (values statement):

In Bezug auf eine Bank die jedem Mitarbeiter vorgegebenen Auflagen, die sein Verhalten im Institut (inhouse) und im Verkehr mit der Kundschaft (in dealing with customers) prägen sollten. Eine solche Unternehmenskultur (corporate culture) ist zumeist durch schriftlich festgelegte Grundsätze umschrieben, wie etwa Ehrlichkeit, Kundenfreundlichkeit, Kulanz und Redlichkeit; sie kann sich auch auf Äusserlichkeiten wie Corporate Fashion erstrecken (a bank's standards that reflect its culture by classifying fundamental rules concerning conduct and behaviour in all business related matters, quite often including corporate fashion and beyond that).

– Siehe Banker-Stammtisch, Behavioural Branding, Corporate Governance, Dress Code, Silodenken, Tenu-Schlamper.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Leitkurs ([angel] central rate; central parity):

1 Allgemein der Wechselkurs einer Währung innert eines Wechselkurssystems, der in Bezug auf die Interventionswährung möglichst stabil gehalten werden soll.

2 Im Besonderen der Wechselkurs einer am Wechselkursmechanismus II teilnehmenden Währung gegenüber dem EUR, um den herum die Bandbreiten festgelegt sind.

– Siehe Wechselkurs-Anpassung, Wechselkursmechanismus II.

– Vgl. die (weltweiten) Leitkurse im vierteljährlich erscheinenden Heft "Devisenkursstatistik" der Deutschen Bundesbank.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Leitkurs, bilateraler (bilateral central rate):

Wenn nicht anders definiert, der offizielle Wechselkurs zwischen jeweils zwei am ehemaligen EWS-Wechselkursmechanismus teilnehmenden Währungen, um den herum die Schwankungsbreiten festgelegt waren.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Leitwährung (key currency):

1 Eine Währung, die bei internationalen Geschäften vorzugsweise zugrunde gelegt wird (a currency used ordinarily in international transactions), wie derzeit der USD und der EUR.

2 Eine Währung, an der sich andere Länder bei mit ihrer eigenen Währung ausrichten und in der Regel auch mit der bei weltweiten Transaktionen zugrunde gelegten Währung zusammenfallend. Die Ausrichtung geschieht vor allem dadurch, dass

1. man den Wechselkurs der heimischen Währung gegenüber dieser Leitwährung festlegt,

2. die heimische Zentralbank sich in ihren geld- und zinspolitischen Entscheidungen mehr oder minder direkt an die entsprechenden Entscheidungen des Leitwährungslandes anschliesst bzw. ihre Politik auf diese abstimmt und auch

3. die eigenen Währungsreserven gutteilig in diesem Geld gehalten werden (central banks hold key currencies in their reserve).

– Um als Leitwährung fungieren zu können, muss das entsprechende Geld

1. voll konvertierbar,

2. auf den Devisenmärkten von jederart Beschränkung frei sein,

3. eine entsprechende Geldheimat haben und

4. es sollte hinter dieser Währung auch ein beträchtliches Sozialprodukt stehen.

– Leitwährungen in diesem Sinne sind derzeit praktisch ebenfalls der USD und der EUR.

– Siehe Eurodollar, Geldheimat, Fluchtgeld, Geld, heisses, Hafen, sicherer, Leitkurs.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Leitwert (key value, signal value):

Aktie - oder Gruppe von Aktien: dann in der Mehrzahlform gebraucht) -, die sich

1. über längere Zeit gewöhnlich im allgemeinen Kurstrend bewegt, aber

2. Kursänderungen vorab schon anzeigt, also bereits vor einer nachfolgenden allgemeinen Veränderung der Kurse nach oben oder unten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Leitzins (prime rate, key interest rate, central rate):

Zinssatz bzw. Zinssätze der Zentralbank, welche als Richtgrösse für Finanztransaktionen im allgemeinen Geltung besitzen und den Marktteilnehmern eine Ausrichtung für ihre Geschäftstätigkeit bieten sollten. - Innert des Eurosystems sind dies

1. der Mindestbietungssatz für Hauptrefinanzierungsgeschäfte,

2. der Zinssatz für die Spitzenrefinanzierungs-Fazilität sowie

3. der Zinssatz für die Einlage-Fazilität.

– Vor der Umstellung vom Mengen- auf den Zinstender bei den Hauptrefinanzierungsgeschäften war der Mengentendersatz der wichtigste Leitzins. Diese Funktion kommt jetzt dem Mindestbietungssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte der EZB zu. - Empirisch sicher nachgewiesen ist (it has been empirically proven beyond doubt), dass eine Leitzinssenkung - entgegen der Darlegungen in vielen Lehrbüchern - für sich allein noch keine Investitionen bewirkt.

– Siehe Bankrate, Basiszins, Beobachtung, [sehr] enge, Fragmentierung, Negativzins, Prime Rate, Tarnkappen-Politik, Transmissionsmechanismus, monetärer, Zins(satz), Zinskanal, Zinskorridor, Zinssatz, niedrig gehaltener, Zinstransmission, Zinsweitergabe.

– Vgl. die jeweiligen Daten im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Anhang "Monetäre Statistik" des jeweiligen Monatsbericht der EZB; dort auch die nachgestellten "Erläuterungen" beachten; Monatsbericht der EZB vom Dezember 2008, S. 49 ff. (Zusammenhang zwischen Leitzins der EZB und die Kurzfristzinsen auf dem Markt während der Finanzkrise; Übersichten, Monatsbericht der EZB vom August 2009, S. 103 ff. (Wirkung einer Leitzinsänderung theoretisch und empirisch; Übersichten), Jahresbericht 2009 der EZB, S. 53 ff. (Weitergabe von Leitzinsänderungen theoretisch und empirisch; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom August 2013, S. 83 ff. (ausführliche, lehrbuchmässige Darstellung; zahlreiche Übersichten) Monatsbericht der EZB vom Januar 2014, S. 75 ff. (zur Zinspolitik der EZB; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lemons-Problem (so auch im Deutschen gesagt, aber in unterschiedlicher Bedeutung; [lemon = here: a person or thing that proves to be sub-standard, defective, unsatisfactory: Niete, Flasche, Versager]):

1 Eine Bank bedient viele Kunden minderer Bonität.

2 Das Management - seltener auch in Bezug auf das Personal gesamthaft gesagt - einer Bank setzt sich aus "Nieten in Nadelstreifen" (bunglers in pinstriped suits) zusammen. In der Bochie (Teutonie = High German: Deutschland) und in der Helvetie (official name: Schweizerische Eidgenossenschaft) kommt dies allerdings überhaupt nicht vor. Denn dort können nur höchstbefähigte, bestens für ihren Aufgabenkreis geeignete Personen in obere Positionen und gar zur Vorstandsebene aufsteigen.

– Siehe Bonitätsrisiko, Commitment, Kunde, fauler, Sitzungssaal-Putsch, Subprime Lending.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2009, S. 105 (Banken geben Zinsänderungen der Zentralbank nicht weiter, um keine Lemon-Kunden anzulocken).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lenkungs-Steuer (steering tax):

Eine Abgabe mit dem vornehmlichen Zweck (main purpose, primary aim), das Verhalten der Unternehmen und/oder Privathaushalte in eine vom Gesetzgeber erwünschte Richtung hinzuordnen. - Im Finanzbereich zählt hierzu etwa die vorgeschlagene Belastung kurzfristiger Devisentransaktionen mit einer Steuer bis zu 0,5 Prozent. - Oft wird der Begriff auch auf Auswirkungen bestehender Steuern bezogen. So führt etwa eine Börsenumsatzsteuer - die es bis 1991 auch in Deutschland gab - dazu, dass Geschäfte an Börsen im Ausland verlagert werden, die keine steuerliche Belastung (fiscal burden) der Umsätze vornehmen.

– Siehe Groll-Effekt, Leaning against the wind, Spekulationssteuer, Tobin-Steuer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lettland (Lativa):

Zu Jahresbeginn trat Lettland als 18. Mitglied dem Euroraum bei. Weil die Einwohnerzahl mit etwa 2 Mio im Vergleich zu über 333 Mio Bevölkerung im Eurogebiet zu diesem Zeitpunkt gering war, so sah man mit der Aufnahme Lettlands in den Währungsraum nur unbedeutende gesamtwirtschaftliche Veränderungen für die Eurozone voraus.

– Siehe EU-Finanzhilfe.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2014, S. 19 ff. (Allgemeines zum Beitritt Lettlands; ausführliche Statistiken), Monatsbericht der EZB vom Februar 2014, S. 23 ff. (Auswirkungen auf die Statistik des Eurogebiets durch den Beitritt den Lettlands; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Letztsicherungsvorkehrung (backstop arrangement):

Eine im Voraus genau festgelegte Vereinbarung, wie im Falle einer zahlungsunfähigen Bank gehandelt werden muss. Der Begriff tauchte 2013 in Zusammenhang mit der Frage auf, welcher der europäischen Institutionen die Abwicklung eines überschuldeten Instituts obliegen soll.

– Siehe Abwickelbarkeit, Amortisation, negative, Anlegerschutz, Bail-out, Bad Bank-Modell, deutsches, Bank, systemische, Bankenrettung, umgekehrte, Bankzusammenbrüche, Bazooka, Bradford-Verstaatlichung, Europäischer Abwicklungsfonds, Europäischer Stabilitätsmechanismus, Exit-Strategie, Finanzmarktstabilisierungsanstalt, Japanisierung, Rettungspaket, Retterei, Risikoträger, endgültiger, Sifi-Oligopol, Staatshaftung, Stabilitätsfonds, europäischer, Tilgungsfonds, Unternehmen, staatliche geförderte, Vertragstreue, Vertrauen, Zetts, drei, Zombiebank.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Leuchtturmgeld auch Leuchtfeuergeld und Feuergeld (light-house charges):

Von Schiffen beim Einfahren in einen mit Leuchtturm versehenen Hafen bzw. eines durch Lichtzeichen gesicherten Umfelds zu entrichtende Abgabe, meistens in das Hafengeld eingerechnet; siehe § 621 HGB.

– Siehe Ankergeld, Auseisunggeld, Bordinggeld, Hafengeld, Kaigeld, Kapgeld, Krangeld, Liegegeld, Lotsengeld, Mützengeld, Pratikageld, Tonnengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Leumund (character):

Der Ruf, den ein Kunde allgemein und ein Schuldner im Besonderen bei einer Bank geniesst (the reputation of a customer in the eyes of a bank, particularly the degree to which a potential borrower feels a moral obligation to repay debts as evidenced by the borower's credit and payment history).

– Siehe Banker-Stammtisch, Bonität, Borgkaft, Kunde, fauler, Kundenbindung, Kundendossier, Lemons-Problem, Scoring, Übermut.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Leverage (so auch im Deutschen gesagt; hier wird dem Wort teils männliches, teils [wie bei der Deutschen Bundesbank] sächliches Geschlecht zugeordnet; manchmal übersetzt ins Deutsche mit Hebel[effekt]):

Bei einem Unternehmen die Abhängigkeit der Rentabilität des Eigenkapitals vom Anteil der Fremdfinanzierung. - Ein positiver Leverage-Effekt tritt ein, wenn die Rentabilität des Kapitals gesamthaft höher ist als der Zins für das Fremdkapital. Mit Hilfe des Leverage erhöht sich im Normalfall die Eigenkapitalrentabilität bei steigender Verschuldung, was eine Reihe von Risiken in sich birgt.

– Siehe Deleveraging, Gewinn, Gewinnbesteuerung, Eigenkapital, Einlagen, Fremdmittel, Hebel(wirkung), Leverage-Ratio, Kapital, Prudential Filter.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2012, S. 13 ff. (Grundsätzliches zur Kapitalstruktur von Unternehmen; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Leverage Multiples (so auch im Deutschen gesagt, aber in unterschiedlicher Bedeutung):

1 Das Verhältnis des Fremdkapitals zum Eigenkapital eines Unternehmens.

2 Der Bezug der Schulden eines Unternehmens auf das Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA).

– Siehe Hebel(wirkung), Leverage-Ratio, Leveraged Buy-out, Rangfolge-Theorie.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2007, S. 19 f. (Steigerungsrate der Leverage Multiples), S. 23 (Übersicht), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2012, S. 13 ff. (Grundsätzliches zur Kapitalstruktur von Unternehmen; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Leverage Ratio, LR (so auch im Deutschen gesagt; seltener: Leverage-Quote und Höchstverschuldungsquote sowie Verschuldungsobergrenze):

Bei einer Bank das Verhältnis von Eigenkapital zu Bilanzaktiva; genauer: aus Kernkapital und dem Total aller bilanziellen und ausserbilanziellen Positionen. Im Grunde soll dadurch den Banken ein Mindestkapital für ihre Vermögensanlagen und damit eine Verschuldungsgrenze vorgeschrieben werden. Im Zuge von Basel-III soll diese in Höhe von drei Prozent ab 2018 eingeführt werden. - Vor allem wegen ihrer fehlenden Risiko-Empfindlichkeit sagt diese Kennzahl wenig aus. Daher kann sie nur für sich allein auch kein Masstab für das aufsichtsrechtlich vorgeschriebene Mindestkapital sein, weil sie falsche Anreize für Institute mit niedrigem Risikoprofil setzen, und beispielsweise Konzentrationsrisiken überhaupt nicht ausdrücken kann. Letztlich würden Banken bei Beachtung lediglich dieser einen Kennzahl dazu angehalten, die risikoärmeren und damit margenschwachen Geschäfte zugunsten risikoreicher Aktivitäten zu ersetzen. - In den USA konnte die dort aufsichtlich eingeführte Leverage Ratio die auf die Subprime-Krise folgende Finanzkrise nicht verhindern; denn die Banken lagerten in grossem Stil Bilanzaktiva in Zweckgesellschaften aus. - Wenn die Leverage Ratio im Zuge von Basel-III mit vorläufig 3 Prozent weltweit eingeführt wird, dann müsste auch gewährleistet sein, dass bis dahin die Regeln für die Rechnungslegung (accounting rules, financial reporting standards) zumindest vergleichbar, wenn nicht gar vereinheitlicht werden. Denn sonst bezieht sich die Berechnung von Eigenkapital und Bilanzaktiva auf unterschiedliche Posten. Das gilt auch für die in den USA ab 2018 vorgeschriebenen 8 Prozent Leverage Ratio. - Die Leverage Ratio der acht grossen, auch international tätigen deutschen Institute lag zur Jahresmitte 2013 bei gerade einmal 2,2 Prozent. Auf 1 EUR Eigenkapital kamen daher 45 EUR Schulden.

– Siehe Basel-III, Beleihungsobergrenze, Cook-Ratio, Deckungsquote, Eigenkapitalquote, aufsichtsrechtliche, Finanzstabilität, Kapitalbedarfs-Verordnung, Liquiditätskrisenplan, Liquiditätspuffer, Verlustabsorptionsfähigkeit.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2006, S. 35 ff. (Notwendigkeit der genauen Messung der Konzentrationsrisiken), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 85 f. (Ermittlung der Mindestkapital-Anforderungen nach Basel-II; Formel), Geschäftsbericht 2009 der Deutschen Bundesbank, S. 100 (geforderte Leverage Ratio als bilanzielle Eigenkapitalquote), S. 108 (gesetzliche Regelung), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2010, S. 9 (ergebnisoffene Prüfung im Zuge von Basel-III; bindende Vorschrift ab 2018), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 52 f. (Arbeiten des Baseler Ausschusses in Bezug auf die Leverage Ratio), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 66 f. (Berechnung der Leverage Ratio soll ab 2018 verbindlich vorgeschrieben werden), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2013, S. 52 (Definition; Beurteilung), Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 106 (Überlegungen zu einer zeitvariablen Ausgestaltung der Verschuldungsobergrenze), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 70 f. (Leverage Ratio kann nach dem Ermessen der Aufsichtsbehörde angewendet werden).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Leverage-Theorie seltener auch Hebel-Theorie (leverage hypothesis):

Versuch einer Erklärung der empirisch feststellbaren Tatsache, dass

1. ein Anstieg der Volatilität am Aktienmarkt mit Kursrückgang einhergeht, und dass

2. die Aktienkurse bei abnehmender Volatilität steigen.

– Die Begründung wird darin gesehen, dass bei sinkendem Unternehmenswert der prozentuale Anteil des Eigenkapitals fällt und damit das Leverage steigt. Dies wiederum hat zur Folge, dass viele Anleger die entsprechenden Aktien abstossen; die Volatilität steigt. Die Zunahme der Volatilität wird die Banken veranlassen, ihre Kreditbedingungen anzupassen, sprich: den Zins für weitere Darlehn zu erhöhen. - Freilich können auch andere Gründe, wie etwa ein allgemeiner oder auf eine Branche bezogener Umschwung der Erwartungen (a turnaround in expectations), ursächlich für die beschriebene Wechselwirkung sein.

– Siehe Aktienmarkt-Volatilität, Bewertbarkeit, Deleveraging, Dominostein-Effekt, Finanzmarkt-Stress, Grundstimmung, Kurs-Cashflow-Verhältnis, Margendeckung, Sharpe-Relation, Varianz, Volatilität.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Leveraged Buy-out, LBO (so auch im Deutschen gesagt, seltener fremdkapitalfinanzierte Firmenübernahme):

1 Allgemein die Übernahme eines Unternehmens vorwiegend durch Fremdkapital (a substantially debt-weighted financing of an acquisition).

2 Im Besonderen:

1. eine Kapitalverwaltungsgesellschaft, in der Regel ein Vulture Fund,

2. finanziert den Kauf eines - angeschlagenen, nicht mehr wettbewerbsfähigen - Unternehmens mit einem hohen Anteil an Darlehn,

3. deren Bedienung, also die Verzinsung und Rückzahlung, aus dem zukünftigen Ertrag der übernommen und nunmehr neu am Markt ausgerichteten Firma oder

4. aus der Veräusserung von Unternehmensteilen beglichen wird.

– Siehe Abwehrmassnahmen, Akquisitionsfinanzierung, Ausschlachten, Bankenregulierungs-Paradoxon, Burn-Out Turnaround, Cash-Sweep-Vereinbarung, Delisting, Financial Covenant, Finanzinvestor, Fairness Opinion, Fusionen und Übernahmen, Gifttablette, Kapitalverwaltungsgesellschaft, Makkaroni-Abwehr, Material-Adverse-Change-Klausel, Pay-in-Kind-Anleihe, Private-Equity-Finanzierung, Renditejagd, Restrukturierung, Risikokapital, Risikoüberwachung, gegliederte, Shark Watcher, Sicherheit, Toogle-Schuldtitel, Trade Sale, Unterseeboot-Effekt, Warehousing Risk.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Dezember 2006, S. 44 ff. (Arten des Leverage Buyout erklärt; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2007, S. 35 (Übersicht; in Anmerkung 8 auch Prozentzahlen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2007, S. 15 ff. (ausführliche, lehrbuchmässige Darstellung; viele Übersichten), Monatsbericht der EZB vom August 2007, S. 99 ff. (lehrbuchmässige Darstellung; begriffliche Abgrenzungen; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom November 2007, S. 26 ff (Rückgang der LBO-Aktivitäten und ihre Gründe; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Leveraged Buy-out-Risiken (leveraged buy-out risks):

In Zusammenhang mit Leveraged Buy-outs werden drei Arten von Risiken gesehen, die eine Bank zu tragen hat.

1. Das Kreditrisiko aufgrund der Finanzierung bzw. des Engagements als Underwriter;

2. das Ausbleiben von Honoraren und damit eines Verlustes für die - sehr kostenintensive und Fachleute verschiedener Eignung (experts in various fields, specialists from different professional disciplines) erfordernde - Planung und Vorbereitung eines Leveraged Buy-outs und

3. die Beteiligungsrisiken (holding risks) aus der auf eigene Rechnung erfolgenden Kapitalbeteiligung. Diese Risikolage veranlasst Banken, von vornherein Covenants verschiedener Art einzubauen und alle Möglichkeiten eines Risiko-Transfers zu nutzen.

– Siehe Buying Centre, Legal Opinion.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2007, S. 102 (Aufzählung der Risiken; einzelne Covenants in den Fussnoten), Monatsbericht der EZB vom November 2007, S. 26 ff. (Rückgang der LBO-Aktivitäten und ihre Gründe; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Leveraged Loan (so auch im Deutschen gesagt; dem englischen Wort loan wird im Deutschen teils männliches, teils sächliches Geschlecht zugeordnet, seltener Gnadenkredit):

Ein besicherte Darlehn an Unternehmen mit einem Rating unterhalb der Anlage-Qualität (Non-Investment Grade: praktisch unter BBB-Rating). - Entsprechend des höheren Risikos müssen solche Darlehn auch besser verzinst werden; üblicherweise liegt der Zins mindestens 150 Basispunkte (1,5 Prozent) über dem LIBOR. Dazu werden dem Unternehmen Beschränkungen auferlegt; je schlechter der Schuldner, desto strenger sind die Covenants. Werden diese nicht eingehalten, so kann die Bank das Darlehn sofort fällig stellen. - Entsprechende Kredite werden von Banken dann oft zu einem Pool zusammengefasst und als sog. Syndicated High Yield Corporate Loans durch Ausgabe von Asset-Backed Securities auf dem Markt refinanziert. Meistens werden die so geschaffenen Verbriefungspapiere aber nicht weiter tranchiert, sondern nur in einer einzigen Junior-Tranche begeben. - Ende 2007 setzten sich die von deutschen Banken gehaltenen Leveraged-Loan-Portfolios im Schnitt aus etwa einhundert verschiedenen Tranchen zusammen. Das durchschnittlich zurückbehaltene Kreditvolumen pro Transaktion (final take) machte etwa 30 Mio EUR aus.

– Siehe Downgrade-Trigger-Klausel, Erstraten-Verzugsklausel, Lemons-Problem, Verbriefung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Leveraging (so auch im Deutschen):

1 Allgemein der Einsatz von Fremdkapital zum Eigenkapital bei der Finanzierung eines Geschäftes im Zuge des Leverages (investing with borrowed money as a way to amplify potential gains, but at the risk of greater losses).

2 Bei Investmentfonds das Überschreiten des Investitionsgrades (hundred percent limit; die 100-Prozent-Grenze). Es dürfen grundsätzlich seitens des Fondsmanagements keine Risiken eingegangen werden, die das Fondsvolumen übersteigen. Von den Aufsichtsbehörden wird dies in der Regel streng überwacht (is closely monitored).

– Siehe Deleveraging, Derivate, Dominostein-Effekt, Einschuss, Ertragseffizienz, Hebel(wirkung), Hedge-Fonds-Gefahren, Leverage, Leverage-Ratio, Rangfolge-Theorie, Spread Bets.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Liability-Swap (so auch im Deutschen gesagt):

Ein Swapgeschäft, bei dem

1. eine feste in eine variable Refinanzierung (fixed-rate receiver swap; Festzinsempfänger-Swap) oder

2. eine variable in eine feste Refinanzierung (fixed rate payer swap; Festzinszahler-Swap)getauscht wird.

– Siehe Asset-Swap.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Liardieren (liardise, scrap together):

In der älteren Finanzsprache gesagt für

1. das Einsammeln einer Summe bei

2. sehr vielen Personen und

3. in sehr kleinen Einzelbeträgen.

– Der Begriff geht zurück auf den Liard, einer alten französischen, bis 1793 umlaufenden Kleinmünze, die ihrerseits nach dem Münzmeister G. Liard benannt ist.

– Siehe Deut, Hühnerfutter, Kleingeld, Lappalien, Liebesgeld, Peanuts, Pitis.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

LIBOR (so auch im Deutschen; Abkürzung für London Interbank Offered Rate):

Zinssatz, zu dem sich Banken untereinander Geld ausleihen, und zwar für unterschiedliche Fristen bis zu einem Jahr. Derzeit wird der LIBOR

1. täglich

2. für fünfzehn Fristen (time limits) und

3. für zehn Währungen berechnet. Nach dem LIBOR richten sich weltweit zahlreiche variabel verzinsliche (variable interest bearing) Geschäfte der verschiedensten Art.

– Im Herbst 2008 war der LIBOR für die Verzinsung von Finanzprodukten im Wert von 350 Mia USD in allen Teilen der Welt massgebend. Die Höhe der an den LIBOR gebundenen Darlehn wurde zum gleichen Zeitpunkt sogar mit 7'000 Mia USD angegeben. Der LIBOR ist damit einer der wichtigsten Eckwerte für die Finanzwelt. - Im Frühjahr 2012 wurde bekannt, dass der LIBOR durch betrügerische Machenschaften in den Jahren 2007 und 2008 manipuliert wurde; die britische Aufsichtsbehörde und auch die Zentralbank sollen von diesen Manipulationen gewusst haben; sie seien aber aus Reputationsgründen für den Platz London nicht eingeschritten. - Anfang Dezember 2013 wurde bekannt, dass die EU-Kommission wegen der Manipulation von Zinssätzen eine Strafe von gesamthaft 1,7 Mrd EUR gegen mehrere Grossbanken verhängt hat. Betroffen waren die Deutsche Bank, die französische Société Générale, die Royal Bank of Scotland, sowie die US-amerikanischen Geldhäuser Citigroup, JP Morgan Chase und RP Martin. Die an der Manipulation auch beteiligten Banken Barclays und UBS erhielten keine Geldbussen, da sie massgeblich zur Aufklärung der Betrügereien beigetragen hatten.

– Siehe Basispunkt, EURIBOR, Reverse Floater, TED-Spread, TIBOR.

– Vgl. den Verlauf des LIBOR im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Anhang "Finanzmärkte" im jeweiligen Monatsbericht der EZB, Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 151 (Aufsicht geht Manipulationen nach), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2013, S. 77 ff. (Bedeutung, Berechnung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

LIBOR-Spread (so auch im Deutschen gesagt, aber in unterschiedlicher Bedeutung):

1 Der Abstand im Zinssatz zwischen dem LIBOR in Bezug auf verschiedene Laufzeiten; im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Anhang "Finanzmärkte" im jeweiligen Monatsbericht der EZB finden sich die Abstände ausgewiesen.

2 Swap-Geschäft, bei dem feste Zahlungsverpflichtungen in variable Zahlungsströme auf LIBOR-Basis getauscht werden, auch andere Bezugsgrössen wie der EURIBOR sind üblich. Es handelt sich also um einen Umstieg von einer festen auf eine variable Refinanzierung.

– Siehe Liability-Swap, Option, Overnight Indexed Swap, Sleepy Warrant, Swaption, Zinsswap.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2006, S. 41 f. (ASW-Spreads; Übersicht), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 30 (Dreimonats-Libor-Spreads 2009 und 2010), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 34 (Dreimonats-Spreads 2010 und 2011 nach Ländern aufgeschlüsselt) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Wirtschaftliches Umfeld".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Liberierung (payment for subscribed securities; payment date; payment in full):

1 Die Einzahlung auf gezeichnete Obligationen oder Aktien, also die teilweise (minimum subscription payment; Mindestliberierung) oder volle Bezahlung der zugeteilten Papiere. - Besteht die Liberierung bei einer AG ganz oder teilweise nicht aus Bargeld, sondern sie wird auf dem Weg einer Sacheinlage (contribution in kind, non-cash capital contribution) geleistet, so spricht man von Apportgründung (formation by subscription in specie); siehe Artikel 628 OR. Eine Liberierung kann auch durch Verrechnung mit Forderungen erfolgen.

2 Das Datum, zu dem eine Zahlung für gezeichnete Effekten durch den Käufer zu leisten ist.

3 In der älteren Finanzsprache auch allgemein die Freistellung von einer Schuld durch Zahlung.

– Siehe Abmachung, Aktien-Optionen, Belegschaftsaktien, Kompensation, Zeichnung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lichtgeld (light money; ship lighting outlay):

1 Früher in verschiedenen Orten Deutschlands eine Abgabe der Schüler an die Lehrer - Schulmeister (schoolmaster) und Hilfslehrer (assistant teacher, supply teacher), dieser in der älteren Literatur auch Behelfer genannt - und Gehaltsbestandteil für diese.

2 Ausgabe für die Schiffsbeleuchtung.

– Siehe Beleuchtungsgeld, Kerzengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Liebesgeld (love money):

1 Finanzmittel, die nahe Verwandte, Angehörige und Freunde in eine Investition zur Errichtung eines kleineren neuen Unternehmens (small start-up during the early stage) leiten. Das Leihkapital wird dabei zumeist angesichts persönlicher Bindungen zu dem Kreditnehmer zur Verfügung gestellt und weniger aufgrund von Rentabilitätserwägungen (such lending is usually based on the relationship between individuals rather than on a formalised risk assessment).

2 Bezahlung für die Dienstleistungen eines Lustknaben (callboy: a male engaging in sexual acts for money) oder eine Dirne (Metze; prostitute).

– Siehe Bunga-Bunga-Prämie, Business Angel, Dotcom-Blas, Geldaugen, Innovationsfonds, Later Stage Finanzierung, Liardieren, Mikro-Finanzierung, Seed Capital, Sweat Equity.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Liebhaberwert (sentimental value; collectors's value; scarcity value, rarity value):

1 Eine Person misst einem Gegenstand einen Wert - beispielsweise einem Brief als Andenken an ein verstorbenes Familienmitglied - bei, der über dem gemeinen Wert dieser Sache (fair market value) liegt. Man spricht hier auch von subjektivem Wert, Affektionswert und manchmal auch vom inneren Wert. Dieser ist nicht versicherbar (non-insurable) und auch von besonderer Schadensersatzpflicht (liability for damages) frei; siehe § 253 BGB.

2 Unter Sammlern (collectors) getauschte seltene Gegenstände aller Art, wie etwa historische Wertpapiere oder alte Bücher. Aus Angebot und Nachfrage ist hier in der Regel ein Preis feststellbar bzw. anhand von Marktbewegungen wie etwa Auktionen oder Preise vergleichbarer Stücke schätzbar (ratable, assessable). Bei dieser Art handelt es sich um einen versicherbaren (insurable) objektiven Liebhaberwert.

3 Ausgesuchte, von einem bestimmten Käuferkreis nachgefragte Vermögensgegenstände, wie etwa Immobilien in besonderer Lage. In diesem Fall handelt ist eine Bestimmung des Marktpreises möglich; und Liebhaberwert meint hier letztlich einen im Marktverkehr (commercial intercourse) sich einstellenden ungewöhnlich hohen Preis.

– Siehe Affektionspreis, Fair Value, Wert, innerer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lidlgeld (day labourer pay):

In älteren Dokumenten die (ortsübliche; customary) Zahlung, die ein Lidl (Tagelöhner, Mietling, Heuerling; hireling: an unskilled worker hired and waged by the day; in modern English the word "hireling" generally is used derogatory: a person who is willing to perform unpleasant or even illegal tasks for people in order to earn money) erhielt.

– Siehe Madergeld, Salär.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lieferantenkredit (suppliers credit, trade credit):

Ein

1. urkundlich nicht gesichertes,

2. aus einem Kaufvertrag

3. durch Stundung (deferment of payment; zeitlicher Aufschub der Zahlung) des Kaufpreises entstandenes Darlehn

4. von Unternehmen an andere Firmen, oft auch undeutlich Firmenkredit, Buchkredit, Geschäftskredit und Handelskredit genannt.

– Solche Darlehn sind für die kreditgewährende Firma in aller Regel lohnend, weil sie dadurch ihre Stellung gegenüber Lieferanten bzw. Abnehmer stärken und unter Umständen durch entsprechende Abschreibungen auf diese Darlehn die anstehende Steuerlast mindern kann. - Verknappt die Zentralbank die Geldmenge, so steigen erfahrungsgemäss auch die Lieferantenkredite. - Empirisch sind "echte" Lieferantenkredite nur sehr schwer zu ermitteln, weil diese nicht selten auch der Bilanzkosmetik dienen: Unternehmen wollen möglichst wenig Bankkredite in der Bilanz ausweisen.

– Siehe Handelskredit, Seller's Note, Skonto, Ultimo-Factoring.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2011, S. 25 ff. (Funktion der Lieferantenkredite; Inanspruchnahme seitens der Unternehmen im Eurogebiet seit 2001; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lieferung (delivery):

1 Die Übergabe von Vermögensgegenständen - im Finanzbereich von Wertpapieren und börsengehandelten Waren

1. durch gegenständliche Aushändigung oder

2. auf dem Weg der Zubuchung (the transfer of assets - in the financial world of financial instruments or exchange-traded products - by means of physical exchange or obligatory [= binding in law] book entry).

2 Als Vorgang: die Durchführung der Zustellung, wie etwa bei Strom die Zuleitung aus dem Elektrizitätswerk oder bei Waren die Verschickung und Beförderung durch einen Verfrachter (the dispatch and transportation of any type of goods to a designated recipient).

– Siehe Erfüllung, Lieferung, physische.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lieferung-gegen-Zahlung-System, LIZ-System (delivery versus payment system, DVP):

Verfahren in einem besonderen Wertaustausch-System. Dieses stellt sicher, dass die endgültige Übertragung eines Vermögenswertes dann - und nur dann - erfolgt, wenn auch die endgültige Übertragung des anderen Vermögenswertes oder der anderen Vermögenswerte zustande kommt (a mechanism in an exchange-for-value settlement system that ensures that the final transfer of one asset occurs if and only if the final transfer of [an]other asset[s] occurs.) Vermögenswerte können Wertpapiere oder andere Finanzinstrumente sein.

– Siehe Abwicklungssysteme, Business Continuity Programme, Euroclear, Clearing-Haus, automatisches, Kapitaltransfersystem, elektronisches, Kontaktgruppe für strategische Fragen im Euro-Zahlungsverkehr, Massenzahlungsverkehr, elektronischer, Trade Assignment, Überweisungssystem.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lieferung, physische (physical settlement):

1 Bei einer Call-Option kann vertraglich vereinbart werden, dass die Gegenpartei - der Schreiber der Option - bei der Ausübung den Basiswert gegenständlich liefert. Dieser ist auch dann zu erbringen, wenn der Preis des Basiswertes seit Vertragsabschluss weit über den vereinbarten Preis gestiegen ist. Das Verlustrisiko entspricht hier der Differenz zwischen beiden Preisen. Da nun aber der Kurs des Basiswertes theoretisch unbegrenzt steigen kann, so wird die physische Lieferung unter Umständen zu einer äusserst teuren Leistung.

2 Bei einer Put-Option muss der Schreiber den Basiswert zum ursprünglich vereinbarten Preis, abnehmen, wenn dies vertraglich festgelegt wurde. Ist der Marktpreis des Basiswertes weit unter den vereinbarten Preis gefallen, so entsteht ein Verlust in Höhe des Unterschiedes zwischen den beiden Preisen. Im äusserten Falle droht ein Verlust in Höhe des ursprünglich vereinbarten Preises. - Sieht eine Option hingegen den Barausgleich (cash settlement) vor, dann ist nur ein Geldbetrag zu zahlen. Dieser entspricht der Differenz zwischen dem Ausübungspreis und dem Kurs des Basiswertes am Erfüllungstermin. Die gegenständliche Lieferung schliesst somit ein höheres Risiko ein als der Barausgleich (cash settlement; die Barabfindung).

– Siehe Erfüllung, Option, europäische, Position, schwache, Rohstoff-Terminvertrag, Termingeschäft, Verfügbarkeitsprämie, Wiedereindeckungs-Risiko.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Liegegeld und Demurrage (demurrage):

1 Zahlung an den Schiffseigner (Reeder; proprietor of a ship), wenn das Schiff nicht gemäss vertraglicher Vereinbarung zwischen ihm und dem Schiffsmieter (Charterer; charterer) rechtzeitig beladen (loaded) oder entladen (discharged) wird (Überliegezeit; idle period, detention), siehe für Deutschland § 568 ff. HGB. Für ein anderes Transportmittel gilt Entsprechendes (a corresponding regulation shall apply to other cargo conveyances).

2 Bei Käufen an der Warenbörse die Zuzahlung zum Preis, wenn die gekaufte Ware nicht innert der vereinbarten Frist abgeholt wird; in diesem Fall oft auch Lagergeld (storage charge, warehousing charges) genannt.

3 Gebühr für das Ankern von Yachten im Bootshafen (marina: a dock for small yachts and cabin cruisers, usually also offering supply, repair, and other facilities for pleasure boats [Freizeitboote]), auch Ankergeld (yacht groundage) und Bootsgeld (boat harbour fee) genannt.

– Siehe Auseisunggeld, Bordinggeld, Furtgeld, Gussgeld, Hafengeld, Kaaggeld, Kaigeld, Krangeld, Lastgeld, Leichtergeld, Leuchtturmgeld, Lotsengeld, Mützengeld, Packhofgeld, Pratikageld, Standgeld, Wartegeld, Schleusengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Liikanen-Bericht Liikanen report):

Empfehlungen einer Arbeitsgruppe unter dem Vorsitz des finnischen Zentralbankpräsidenten Erkki Liikanen, die der EU-Kommission im Oktober 2012 übergeben wurden. Danach sollen international tätige Banken

1. ihr Handelsaktivitäten in eine rechtlich selbständige Gesellschaft ausgliedern müssen; darin eingeschlossen sind sowohl der Eigenhandel (proprietary trading) als auch Transkationen mit und für Kunden (market making) sowie Hedging für den Eigenbedarf;

2. ein Kapitalpolster bilden müssen, damit in Schieflagen keine Staatshilfe nötig wird.

– Die EU-Kommission stellte es in das Ermessen der zuständigen Aufsichtsbehörde, ob die Handelsaktivitäten bei einem Institut ausgegliedert werden müssen. In einer Stellungnahme zum Liikanen-Bericht wird die Trennung für den Fall angekündigt, dass die betreffende Bank nicht in der Lage ist, ein überzeugendes Risikomanagement (credible risk assessment) vorzuweisen.

– Siehe Anlage-Haftung, Bank, systemische, Basel-III, Capital Requirements Directive, Cook Ratio, Eigenhandel-Verbot, Eigenkapitalausstattung, Eigenkapitalpuffer, variabler, Financial Soundness Indicators, Kapitalpuffer, antizyklischer, Kernkapital, Leverage-Ratio, Liquiditätspuffer, Mark-to-Funding-Ansatz, Risikopuffer, Stabilisatoren, automatische, Trennbanksystem, Ultimo-Factoring, Waiver-Regelung, Zwangswandelanleihe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Limit (so auch im Deutschen gesagt):

In der Finanzsprache meint man damit immer eine Beschränkung, eine Deckelung (cap), eine Sperre (barrier), und zwar vor allem im Sinne

1. eines Höchstpreises (maximum price, peak price),

2. einer Kurshöchstgrenze (upper limit),

3. einer vereinbarten Preisgrenze (ceiling) beim Kauf oder Verkauf an der Börse,

4. einer Schranke beim Eingehen eines Risikos (risk limit) oder

4. einer Höchstschwelle bei der Staatsverschuldung.

– Siehe Cap, Kursschwankungs-Limit, Limitierung, Limits, variable, Sicherheitssperre, Tick, Verschuldungsgrenze.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Limitierung (limit):

In der älteren Finanzsprache die Begrenzung eines Auftrags nach oben oder unten, in besonderen beim Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Waren zu einem Börsenpreis.

– Siehe Alles-oder-Nichts-Auftrag, Cap, GTC-Auftrag, Limit, Sicherheitssperre, Storno, Tagesauftrag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Limits, variable (variable limits):

Begrenzungen der Kursveränderung für ein Handelsgut innert einer Börsensitzung durch den Börsenveranstalter.

– Siehe Kursschwankungs-Limit, Limit, Tick.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Linden-Dollar, L$ (linden-dollar):

Zahlungsmittel im globalen Meta-Universum "Second Life", einer nutzerbestimmten virtuellen Parallelwelt. Das seit 2003 bereitgestellte System hat rund 28 Millionen eingeschriebene Benutzer, und rund um die Uhr sind weltweit bis zu 60'000 Mitglieder zugegen. Der Linden-Dollar lässt sich gegen reale Währung kaufen. Derzeit (Februar 2012) sind täglich umgerechnet etwas über eine halbe Million USD in Form von L$ in Umlauf; die Tendenz ist leicht steigend. Der Tauschkurs betrug im Februar 2012 ungefähr 270 L$ zu 1 USD bzw. ungefähr 345 L$ zu 1 EUR:

– Siehe Bitcoins, Bubengeld, Gelddauerspielerei, Netzgeld, Quickgeld, Spielgeld, Verrechnungsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Liquidant (petitioning creditor):

In älteren Dokumenten Bezeichnung für einen Gläubiger, der seine Forderung geltend macht. Der bezügliche Schuldner wird in diesem Zusammenhang dann auch Liquidat (respondent debtor) genannt.

– Siehe Verzug, Zahlung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Liquidation (liquidation; doctor's bill):

1 Die Stillegung der Geschäfte einer Firma und Auflösung der Vermögenswerte des Unternehmens, siehe § 145 ff. HGB, in älteren Dokumenten oft auch Stralzio (in English sometimes also called winding-up and dissolution, although dissolution exactingly refers to the last stage of liquidation) und im Deutschen auch Liquidierung genannt.

2 Der Ausgleich einer offenen Position durch Glattstellung.

3 Die Rechnung eines Arztes.

– Siehe Heilgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Liquidität (liquidity, moneyness):

tial liquidity genannt.

1 In Bezug auf Finanzmärkte die Möglichkeit,

1. Wertpapiere oder andere Werte (financial assets)

2. leicht, rasch und zu möglichst geringen Spesen

3. zu kaufen/verkaufen oder

4. in Bargeld bzw.

5. in einen anderen Vermögensgegenstand umzuwandeln (the ease and rate with which an asset can be converted into a medium of exchange).

2 und Bereitschaft und damit auch termingerecht und betragsgenau (the ability of a firm to meet its payment obligations on time without being forced to raise new funds). - Diese wird unter normalen Bedingungen als bankaufsichtlich gegeben angesehen, wenn

1. die vom jeweiligen Meldestichtag an gerechnet

2. in einem Monat zur Verfügung stehenden Zahlungsmittel

3. die während dieses Zeitraums zu erwarteten Zahlungsabflüsse mindestens decken. Beurteilt wird dies anhand einer monatlich zu meldenden Liquiditätskennzahl, die als Quotient der verfügbaren Zahlungsmittel zu den abrufbaren Zahlungsverpflichtungen im jeweils ersten Laufzeitband ermittelt wird, und die mindestens 1,0 betragen muss.

3 In der Betriebswirtschaftslehre auch Mass für die Geschwindigkeit, mit welcher sich die Aktiva im Vergleich zu den Passiva in der Bilanz umschlagen (the speed at which assets turn over compared with liabilities).

4 Von Wertpapier-Analysten aufgestellte Berechnungsansätze, wie vor allem die Qick Ratio.

5 Aufsichtsrechtlich vorgeschriebene Rückstellungen (provisions) einer Bank oder Versicherung, im Zuge von Basel-II im Einzelnen festgelegt. - Von der Liquidität ist die Solvenz zu unterscheiden. Diese bedeutet, dass

1. eine Wirtschaftseinheit laufenden Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen,

2. aber wegen Überschuldung und damit fehlender Kreditwürdigkeit auch keine neue Mittel aufnehmen kann.

– Siehe Acid Ratio, Anleihe-Spread, Barmittel, Bankgrösse, Bargeld lacht, Basel-III, Börsenliquidität, CAMELS, Endogenitäts-Prinzip, Flüssigmachung, Geldmarkt-Segmente, Finanzkraft, Geldschöpfung, Liquiditätsbereitstellung, Liquiditätsbudget, Liquiditätsdeckungsziffer, Liquiditätsgrad, Liquiditätsgrad der Schuldner, Liquiditätspuffer, Liquiditätsposition, Liquiditäts-Koeffizient, Liquiditätsprämien-Theorie, Liquiditätsquote, M1, Monetäres Finanzinstitut, Qick Fix, Qick Ratio, Risikofähigkeit, Solvabilität, Solvency-II, Solvenzaufsicht, Unternehmensfinanzierung, Zentralbankgeld, Zahlungsmittelfonds, Zwischenparken.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2007, S. 16 f. (höhere Liquiditäts-Präferenz führt zu einer höheren Bargeldquote), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2009, S. 28 f. (Geldmarktsteuerung und Liquiditätsbedarf), Monatsbericht der EZB vom Juni 2010, S. 24 ff. (Unterschiedliche Liquiditätsbegriffe (["Konzepte", wie dort steht: gutes Deutsch müsste man halt können!]), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2010, S. 26 ff. (Geldmarktsteuerung und Liquiditätsbedarf), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 56 (neue Anforderungen an die Liquidität im Zuge von Basel-III).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Liquidität ersten Grades (cash ratio):

1 Bei einem Unternehmen das Verhältnis von Bargeld und Zahlungsmitteläquivalenten zu den Verbindlichkeiten (ratio of cash and cash equivalents to liabilities).

2 Bei einer Bank das Verhältnis von Bargeld zu den Einlagen der Kunden gesamthaft (the ratio of cash to total deposit liabilities).

– Siehe Liquiditätsdeckungsziffer, Liquiditätsgrad, Liquiditätspuffer, Qick Ratio.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Liquidität, internationale (international liquidity):

1 Im engeren Sinne die Summe der im Besitz von allen Zentralbanken der Welt befindlichen Reserven an Devisen und Gold.

2 In der weiteren Definition werden auch alle im Besitz von Banken und Privathaushalten ausgewiesenen Bestände an Zahlungsmitteln und Gold hinzugezählt. Die genaue statistische Erfassung im Sinne von 2 ist mit vielen Schwierigkeiten verbunden.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 35 ff: (Gefahren reichlicher globaler Liquidität; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Liquidität des Bankensystems (liquidity of the financial sector):

Bei der EZB genau definierte Grösse, die sich aus den geldpolitischen Geschäften des Eurosystems und den autonomen Liquiditätsfaktoren zusammensetzt.

– Siehe Benchmark-Zuteilung, Geldmarkt-Operationen, Geldschöpfungssektor, Liquiditätsbedarf, Liquiditätsbereitstellung.

– Vgl. zur Höhe der einzelnen Posten den Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Monetäre Statistik" im jeweiligen Monatsbericht der EZB sowie auch die bezüglichen "Erläuterungen" am Ende des statistischen Teils, Monatsbericht der EZB vom Februar 2001, S. 17 (wegen der einzelnen Komponenten), Monatsbericht der EZB vom Mai 2002, S. 45 ff. (zu grundsätzlichen Fragen der Liquiditätssteuerung), Geschäftsbericht 2006 der Deutschen Bundesbank, S. 33 ff. (liquiditätsbestimmende Faktoren; Übersicht), Geschäftsbericht 2009 der Deutschen Bundesbank, S. 37 (Übersicht der Liquiditätssteuerung im Eurogebiet 2009-2010), Monatsbericht der EZB vom Januar 2014, S. 75 ff. (ausführliche Darstellung der Liquiditätspolitik der EZB; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Liquidität, optimale (optimum liquidity):

Bei einem Unternehmen - einer Bank - ein Zustand, bei dem man

1. allen fälligen Zahlungsverpflichtungen aktuell und zukünftig uneingeschränkt nachkommen kann und dabei

2. Zahlungsmittel nur in dem Umfang eingesetzt werden, um alle geschäftlichen Ziele und Aufgaben ordnungsgemäss zu erfüllen. In der betriebswirtschaftlichen Fachliteratur werden viele nützliche - und leider fast noch mehr untaugliche, realitätsferne - Modelle zur Erreichung dieses Zieles vorgestellt.

– Siehe Balance Reporting, Bankgrösse, Barmittel, Barmittelquote, Cash-Management, Finanzmathematik, Finanzplanung, Gap-Analyse, Liquiditätsdeckungsziffer, Liquiditätsformen, Liquiditäts-Koeffizient, Liquiditätspuffer, Unterliquidität.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Liquiditätsbedarf (liquidity needs):

Bei Banken das Total aus

1. autonomen Faktoren,

2. Mindestreserve-Soll und

3. Überschussreserven (also Guthaben der Institute bei der Zentralbank, die über das Mindestreserve-Soll hinausgehen.

– Siehe Liquidität des Bankensystems, Liquiditätsbereitstellung.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Dezember 2008, S. 37 (Liquiditätsbedarf und Liquiditätsversorgung während der Finanzkrise im Herbst 2008; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2009, S. 28 f. (Geldmarktsteuerung und Liquiditätsbedarf; Übersicht), Geschäftsbericht 2009 der Deutschen Bundesbank, S. 41 (liquiditätsbestimmende Faktoren), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2010, S. 26 ff. (Geldmarktsteuerung und Liquiditätsbedarf), Monatsbericht der EZB vom Januar 2014, S. 75 ff. (ausführliche Darstellung der Liquiditätspolitik der EZB; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Liquiditätsbudget (cash budget):

Teil des Finanzplans einer Wirtschaftseinheit mit dem Ziel, jederzeit eine ausreichende Zahlungsfähigkeit zu gewährleisten (internal scheduling used to keep track of inflows and outflows of cash transactions).

– Siehe Balance Reporting, Bankgrösse, Barmittel, Barmittelquote, Cash-Management, Finanzplanung, Gap-Analyse, Liquiditätsformen, Liquiditäts-Koeffizient, Liquiditätspuffer, Unterliquidität.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Liquiditätsformen (dimensions of liquidity):

Liquidität (capacity to pay; Zahlungsfähigkeit) zeigt sich in einem Unternehmen allgemein und in einer Bank im Besonderen in mindestens vier Formen.

1. Zunächst ist hier die kurzfristige Liquidität, nämlich die Fähigkeit einer Bank, laufenden Zahlungsverpflichtungen jederzeit nachkommen zu können.

2. Die langfristige Liquidität bezeichnet das Vermögen, genügend Refinanzierungsmittel mit längerer Laufzeit ohne weiteres aufzunehmen.

3. Als nächstes ist die Handelbarkeit (Fungibilität; fungibility) zu nennen, nämlich die Möglichkeit, Finanzprodukte jederzeit zu einem angemessenen Preis auf dem Finanzmarkt verkaufen zu können, um sich so im Bedarfsfall Bargeld zu verschaffen.

4. Schliesslich gilt es die Marktliquidität ins Auge zu fassen als der Möglichkeit, jederzeit Geld über die Märkte aufzunehmen.

– Bei der Subprime-Krise zeigte sich, dass die beiden letzten Gelegenheiten plötzlich nicht mehr gegeben waren.

– Siehe Acid Ratio, Barmittel, Börsenliquidität, Flüssigmachung, Geldmarkt-Segmente, Geldschöpfung, Liquidität, Liquiditätsdeckungsziffer, Liquiditätsgrad, Liquiditätsposition, Liquiditätsprämien-Theorie, Liquiditätspuffer, Liquiditätsquote, Marktliquiditätsrisiko, Qick Ratio, Risikofähigkeit, Risiko- und Solvabilitätsbeurteilung, unternehmenseigene, Solvabilität.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 56 (Vorschriften für das Liquiditätsrisiko-Management).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Liquiditäts-Ablaufbilanz (maturity-ladder-reporting, MLR, gap analysis):

Bei einer Bank die vorausschauende Berechnung der Abflüsse und Zuflüsse an Liquidität. - Ein Liquiditätslücke (liquidity gap) liegt vor, wenn zu einem bestimmten Zeitpunkt die vorausberechneten Abflüsse von Zahlungsmitteln grösser sind als die errechneten Zuflüsse. Durch geeignete Massnahmen des Liquiditätsmanagements der Bank muss die vorhersehbare Liquiditätslücke (gap) diesfalls überbrückt werden.

– Siehe Bankgrösse, Gap-Analyse, Liquiditätsdeckungsziffer, Liquiditätsformen, Liquiditäts-Koeffizient, Liquiditätsmanagement, Liquiditätspuffer.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2008, S. 59 ff. (Massnahmen der Liquiditätssteuerung), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 56 (Vorschriften für das Liquiditätsrisiko-Management), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 50 f. (Basler Ausschuss definiert Eckpfeiler für das Liquiditäts-Management), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 66 (im Zuge von Basel-III soll neben der LCR und NSFR auch MLR verpflichtend werden) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Internationales".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Liquiditätsanforderungen gegenüber Aktivposten (liquidity assets ratio, LAR):

Bei einer Bank der Bestand an hochliquiden Aktiva bezogen auf die Bilanzsumme.

– Siehe Eigenkapital, Finanzierungskennziffer, mittelfristige, Finanzkraft, Flüssigmachung, Kernkapital, Liquiditäts-Ablaufbilanz, Liquiditätsdeckungsziffer, Liquiditäts-Koeffizient, Liquiditätsmanagement, Liquiditätspuffer, Liquiditätsrisiko.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2013, S. 53 f. (Definitorisches; Beurteilung; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Liquiditätsbereitstellung (provision of liquidity):

Wenn nicht anders definiert die Deckung des Bedarfs an Zentralbankgeld durch die jeweilige Zentralbank. - Die EZB hat grundsätzlich die Versorgung solventer Banken mit Liquidität sicherzustellen, und sie kann dadurch Liquiditätsengpässen (liquidity squeezes, liquidity shortages) entgegenwirken. Indessen zählt es nicht zu ihren Aufgaben, die verlorengegangene Solvenz von Banken oder gar Staaten wiederherzustellen.

– Siehe Europäische Währungsunion, Grundfehler, EZB-Sündenfall, Larghezza, Liquidität des Bankensystems, Quantitative Easing.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2014, S. 75 ff. (ausführliche Darstellung der Liquiditätspolitik der EZB; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Liquiditätsdeckungsziffer und häufig auch Liquiditätsdeckungsquote sowie manchmal Liquiditätsdeckungs-Anforderung, Mindestliquiditätsquote und Monatliche Liquiditätskennziffer genannt (liquidity coverage ratio; LCR):

Auf den Zeitraum von dreissig Tagen bezogen, setzt diese Kennzahl den Bestand an hochliquiden Aktiva eines Instituts ins Verhältnis zu seinen Netto-Zahlungsverbindlichkeiten unter Stress. Mittels einer Untergrenze für die LCR kann ein Mindestbestand bestimmter hochliquider Aktiva als kurzfristige Liquiditätsreserve vorgeschrieben werden. Gemäss Basel-III wird die Berechnung dieser Kennziffer spätestens zu Jahresbeginn 2015 aufsichtlich für jede Bank zur Pflicht. Damit soll das Überleben einer Bank auch bei einem plötzlichen Abzug der Einlagen gewährleistet werden. - Ursprünglich war vorgesehen, neben Bargeld und Guthaben bei der Zentralbank nur marktfähige Schuldverschreibungen von Staaten und öffentlichen Stellen höchster Bonität den hochliquiden Aktiva zuzurechnen. Vor allem auf Begehren Deutschlands, aber auch nach den Erfahrungen der Griechenland-Krise - die Staatsanleihen von Griechenland sanken fast auf Ramsch-Niveau (junk status: rated BB and lower because of the increased possibility of default) - dürfen nach Basel-II jetzt auch bis zu vierzig Prozent Schuldverschreibungen privater Emittenten mit vergleichbarer Marktfähigkeit Bestandteil der hochliquiden Aktiva sein.

– Siehe Bankenaufsicht, europäische, Eigenkapital, Finanzierungskennziffer, mittelfristige, Finanzkraft, Flüssigmachung, Kernkapital, Liquiditäts-Ablaufbilanz, Liquiditätsanforderungen gegenüber Aktivposten, Liquiditäts-Koeffizient, Liquiditätsmanagement, Liquiditätspuffer, Liquiditätsquote, strukturelle, Liquiditätsrisiko.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2010, S. 8 f. (Einführungstermin der Liquiditätsdeckungsziffer), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 65 f. (verpflichtende Einführung der LCR rückt näher), Geschäftsbericht 2012 der Deutschen Bundesbank, S. 96 (Anpassungs-Vorschriften), Monatsbericht der EZB vom April 2013, S. 86 ff. (Definition. wichtige Erläuterungen; Einführungsdatum), S. 94 ff. (Anpassungsschritte der Banken zur Erfüllung der LCR; viele Übersichten und Erläuterungen), Geschäftsbericht 2012 der Deutschen Bundesbank, S. 105 (Statistik), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2013, S. 53 f. (Definitorisches; Beurteilung; Literaturhinweise), Jahresbericht 2012 der EZB, S. 132 (Zeitrahmen für die LCR; nationale Aufsichtsbehörden dürfen auch erstklassige liquide Aktiva [high-quality liquid assets {HQLA}] der neuen Stufe 2B zulassen; Erläuterung in Anmerkung 18), Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 105 f. (Möglichkeit der nationalen Aufsichtsbehörden, Vorgaben zur LCR zu erlassen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Liquiditätsfaktoren, autonome (autonomous liquidity factors):

Bei der EZB alle nicht aus dem Einsatz geldpolitischer Instrumente herrührenden Einflüsse. Dazu zählen

1. der Umlauf von Banknoten der EZB,

2. die Einlagen öffentlicher Haushalte bei der Zentralbank

3. das Mindestreserve-Soll samt allfällige, über das Soll hinausgehende Guthaben der Banken bei der Zentralbank und

4. die Netto-Fremdwährungsposition des Eurosystems.

– Siehe Überschuss-Liquidität.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der EZB, S. 90 f., Monatsbericht der EZB vom November 2006, S. 93 (Aufzählung; Prognose in Zusammenhang mit der Benchmark-Zuteilung), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2007, S. 16 f. (höhere Liquiditäts-Präferenz führt zu einer höheren Bargeldquote).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Liquiditätsfalle (liquidity trap):

Die Zentralbank stellt sehr günstig Liquidität bereit, doch wird das Geld nicht nachgefragt, weil die Privathaushalte und Unternehmen

1. Preissenkungen erwarten und sich daher mit Ausgaben und mit der Kreditaufnahme zurückhalten,

2. die Anlage in Vermögenstiteln bei vorherrschender Verzinsung nicht erstrebenswert ist und kaum einmal die Kosten der Investition deckt oder

3. andere, vor allem auch politische Aussichten (political prospects) wie das Auslaufen der Amtszeit einer Regierung (the present government's term of office expires and a new legislation relevant to business [and particularly important to external trade] is expected), eine Abwartehaltung verfestigen.

– Siehe Attentismus, Baisse, Bear, Blase, spekulative, Carry Trades, Crash, Dominostein-Effekt, Finanzinvestition, Friedhof-Markt, Geldnutzen, Kapitalkosten-Effekt, Liquiditätspräferenz, Niedrigzinspolitik, Quantitative Easing, Sell-Plus-Order, Wicksell-Effekt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Liquiditätsfazilität (liquidity facility):

1 Allgemein die Verpflichtung, einem Vertragspartner Liquidität zur Verfügung zu stellen, auch Liquiditätslinie genannt.

2 Der einer Wirtschaftseinheit von der Bank eingeräumte Kredit-Grenzbetrag, die Kreditlinie (credit line committed by a bank in favour of a customer in order to provide it with funding [liquidity], if needed, and at pre-agreed conditions as rates, repayment schedule, collateral etc.).

3 Im Rahmen einer Verbriefung eine in ihrer Höhe entsprechend bemessene Position. Sie soll die zeitgerechte, reibungslose Weiterleitung der Zahlungen

1. der Ursprungsforderungen an den Originator (die originierende Bank),

2. von diesem an die Zweckgesellschaft und

3. von dieser an die Anleger der einzelnen Tranchen gewährleisten. Falls es zu Zahlungsstörungen kommen sollte, dann federt die Liquiditätsfazilität das Risiko ab; denn die finanziell in der Regel schwach ausgestattete Zweckgesellschaft ist dazu allein kaum in der Lage. Aufsichtsrechtlich sind eine Reihe von Bestimmungen an die Ziehung der Liquiditätsfazilität geknüpft; siehe genauer die Richtlinie 2006/48/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 14. Juni 2006 über die Aufnahme und Ausübung der Tätigkeit der Kreditinstitute (Neufassung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Liquiditätsgrad (degree of liquidity):

Wenn nicht anders definiert die vergleichsweise Möglichkeit, einen Vermögensgenestand rasch in Bargeld zu überführen. Dem Geld kommt der höchste Liquiditätsgrad zu. Denn Zahlungsmittel müssen nicht erst umgewandelt werden, um ein Gut zu kaufen (money does not need to be converted into anything in order to make purchases).

– Siehe Geldgrad, Liquidität, Liquiditätspuffer, Zahlung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Liquiditätsgrad der Schuldner (accounting liquidity of debtors):

Die Fähigkeit der Schuldner, ihre Darlehn bei Fälligkeit zu tilgen (the ability of debtors to pay their debts as and when they fall due; usually it is expressed as a ratio or a percentage of current liabilities).

– Siehe Liquiditätsbudget, Liquiditätsdeckungsziffer, Liquiditätsgrad, Liquiditätspuffer, Liquiditätsposition, Liquiditäts-Koeffizient.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Liquiditätsklemme und Liquiditätsengpass (liquidity squeeze, cashout):

1 Wirtschaftssubjekte - Unternehmen, Privathaushalte - verfügen nicht über genug Bargeld und können sich solches auch wegen bereits erschöpfter Refinanzierungsmöglichkeiten

1. nicht termingerecht

2. nur zu sehr hohen Kosten oder

3. überhaupt nicht beschaffen; ist dies wegen Überschuldung der Fall, so handelt es sich um Insolvenz.

2 Seltener auch in Bezug auf den Markt gesamthaft gesagt: Bargeld ist kaum im Angebot (a reduction in the general availability of liquidity).

– Siehe Arrangement, Disagio, Gehalts-Stop, Gewinn, Kreditklemme, Liquiditätspuffer, Liquiditätsrisiko, Schuldentragfähigkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Liquiditäts-Koeffizient (current ratio):

Wenn nicht anders definiert, so meint man damit die verfügbaren flüssigen Mittel bestehend aus Kassenbestand, Guthaben bei Instituten und Papieren (current assets: cash and other assets that are capable of being converted into cash within a relatively short time period, usually one year or less), ins Verhältnis gesetzt zu den kurzfristigen Schulden, vor allem erhaltene Anzahlungen, Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen und sonstiger Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit (remaining term to maturity) von unter einem Jahr (current liabilities: debts currently owed for taxes, salaries, interest, accounts payable and notes payable, that are due within one year).

– Siehe Acid Ratio, Liquidität, Liquiditätsanforderungen gegenüber Aktivposten, Liquiditätsdeckungsziffer, Liquiditätspuffer, Quick Ratio.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Liquiditätskrisenplan (contingency plan):

Wenn nicht anders definiert bei einer Bank organisatorische Vorkehrungen (organisational precautionaries) für den Fall, dass ein Liquiditätsengpass auftritt. - Der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht verlangt angesichts der Erfahrungen aus der Subprime-Krise und der ihr folgenden Finanzkrise, dass die Institute inskünftig in einem Stress-Test auf Sicht von dreissig Tagen mehr hartes Eigenkapital als Verbindlichkeiten aufweisen müssen. Dieselbe Vorgabe (performance target) für das Liquiditätsmanagement soll auch auf Einjahressicht gelten, freilich dann nicht unter den Bedingungen eines Worst Case Szenario.

– Siehe Abschmelzrisiko, Arrangement, Asset Quality Review, Bilanztricks, staatliche, Ertragsschwäche, Krisenplan, Liquiditätsdeckungsziffer, Liquiditätspuffer, Liquiditätsrisiko, Liquiditätsschock, Marktrisiko-Stresstest, Risikomanagement, Risikotragfähigkeit, Schock, externer, Sensitivitätsanalyse, Vertrauen, Volatilität, Worst Case Szenario.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 116 (aufsichtlicher Schwerpunkt auf Liquiditätskrisenpläne), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 56 (Vorschriften für das Liquiditätsrisiko-Management); Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 51 (Empfehlungen der CEBS zur angemessenen Höhe und Zusammensetzung des Liquiditätspuffers) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Internationales".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Liquiditätsplanung und Liquiditätsmanagement (cash planning, liquidity planning, liquidity management):

Bei einer Bank alle Massnahmen, welche die jederzeitige (at any time), unbeschränkte (unconditional, unrestricted) Zahlungsfähigkeit des Instituts sicherstellen. - Im Zuge der Subprime-Krise und der sich daraus entwickelnden Finanzkrise zeigte sich, dass hier bei manchen Banken teilweise erhebliche organisatorische Mängel (organisatorial deficiencies) bestanden, und es an einer Abstimmung zwischen den Verantwortlichen im Geschäft vor Ort, den für die Risikokontrolle zuständigen Mitarbeitern und der obersten Führungsebene fehlte. - Nach § 11 KWG muss

1. jedes Institut seine Mittel so anlegen, dass jederzeit eine ausreichende Zahlungsbereitschaft gewährleistet ist.

2. Zudem verlangt die Aufsichtsbehörde, dass jede Bank für einen geeigneten Zeitraum eine Liquiditätsübersicht zu erstellen hat.

3. Diese muss so ausgestaltet sein, dass regelmässig angemessene Szenariobetrachtungen (scenario observations, scenario analyses) zur Erkennung allfällig auftretender Liquiditätsklemmen durchgeführt werden können.

– Siehe Acid Ratio, Bankregel, goldene, Barmittel, Controlling, finanzielles, Funktion, Kapitalanlage-Rechnungslegungs-und Bewertungsverordnung, Liquiditäts-Ablaufbilanz, Liquiditätsanforderungen gegenüber Aktivposten, Liquiditätsdeckungsziffer, Liquiditätskrisenplan, Liquiditätspuffer, Liquiditätsrisiko, Liquiditätsschock, Liquiditätsverordnung, Liquidity at Risk, Notreserve, Quick Ratio. Solvenz, Solenzaufsicht, Stock Approach, Szenarien, aussergewöhnliche.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2008, S. 63 (ungenügende Berücksichtigung aussergewöhnlicher Risiken; Mängel in der Koordination innert der Institute), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 51 (CEBS fordert Puffer aus ständig liquidisierbaren Aktiva), S. 55 (Regelungen für das Liquiditätsrisiko-Management), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 50 f. (Standards für das das Liquiditätsrisiko-Management durch den Basler Ausschuss) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Internationales", Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2013, S. 63 f. (Anforderungen an das Liquiditätsmanagement der Institute im Zuge von Basel-III).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Liquiditätsmeldungen (liquidity calls):

Im Zuge der sich zuspitzenden Finanzkrise von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht im September 2008 vorübergehend eingeführte tägliche, später wöchentliche Meldepflicht bestimmter Institute über deren Liquiditätslage.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 131 (Begründung der Massnahme).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Liquiditätspolitik (availability policy):

1 Alle Massnahmen der Zentralbank, dem Bankensystem ihr Monopolgeld zuzuleiten oder dieses abzusaugen.

2 Bereitstellung von reichlicher Liquidität mit dem Ziel, Staatsschulden abzubauen. Dies wird als der falsche Weg angesehen. Denn eine Staatsschuldenkrise entstand ja durch mehr Ausgaben als Einnahmen. Man kann jedoch nicht mit Mitteln, die eine Krise mitverursacht haben, diese Krise bekämpfen.

– Siehe Geldmarkt-Operationen, Liquidität des Bankensystems, Liquiditätsklemme, Liquiditätsposition, Liquiditätspuffer, Liquiditätsschock, Liquiditätsverordnung, Quantitativ Easing.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2008, S. 95 ff. (nähere Bestimmung der Liquiditätspolitik), Geschäftsbericht 2009 der Deutschen Bundesbank, S. 41 (liquiditätsbestimmende Faktoren), (ausführliche Darstellung der Staatsschuldenkrise; viele Übersichten; Literaturverweise), Monatsbericht der EZB vom Januar 2014, S. 75 ff. (ausführliche Darstellung der Liquiditätspolitik der EZB; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Liquiditätspool (liquidity pool):

Von manchen Ökonomen gefordertes Bargeld-Konto, in das grössere Banken nach einem bestimmten Verteilungs-Schlüssel einzahlen. Bei Engpässen könnten die Institute aus diesem Pool gespeist werden. Damit wären die Zentralbanken entlastet und kämen nicht in die Zwangslage - wie etwa im Sommer 2007 im Zuge der Subprime-Krise -, als Geldverleiher letzter Instanz einspringen zu müssen.

– Siehe Abwicklungsmechanismus, einheitlicher, Banktestament, Bail-out, Liquiditätskrisenplan, Liquiditätspuffer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Liquiditätsposition (liquidity position):

In der Statistik der EZB bezieht sich dies auf das Bankensystem des Euro-Währungsgebiets gesamthaft und umfasst die Euro-Guthaben auf den Girokonten der Kreditinstitute beim Eurosystem. Diese für die Zentralbankpolitik wichtige Grösse wird, unterschieden in liquiditätszuführende Faktoren und liquiditätsabschöpfende Faktoren sowie weiterhin nach Geschäften unterteilt, im jeweiligen Monatsbericht der EZB, Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Monetäre Statistik" sowie im Statistischen Teil des jeweiligen Monatsberichts der Deutschen Bundesbank, Rubrik "Bankenstatistische Gesamtrechnungen in der Europäischen Währungsunion" ausgewiesen. - Wann Liquidität aber letztlich nachfragewirksam wird, kann die Zentralbank schwer vorhersagen; zumal auch Änderungen in den Erwartungen der Teilnehmer auf dem Finanzmarkt einen Liquiditätsüberhang (abundance of liquidity) erklären können.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Liquiditätspräferenz (liquidity preference):

1 Die Neigung der Wirtschaftssubjekte, Bargeld und Sichteinlagen zu halten, anstatt zinsbringende Wertpapiere zu kaufen. In der Nationalökonomik wird dieses Verhalten in verschiedenen Modellen mit unterschiedlicher Überzeugungskraft erklärt. Empirische Untersuchungen haben indessen eindeutig gezeigt (a number of empirical studies have shown unequivocally), dass die Stärke einer bestehenden Liquiditätspräferenz von

1. bestimmten aktuellen ökonomischen, gesellschaftlichen und politischen Einflussgrössen sowie

2. von Erwartungen bestimmt wird. Sie kann jedenfalls nicht monokausal, aus nur einem einzigen Grund erklärt werden.

2 Die Aussage, dass alle Anleger kurzfristige Engagements bevorzugen würden. Wer immer andere Papiere anbietet, müsse einen Vorteil - letztlich einen höhere Verzinsung - gewähren, um die Anleger anzulocken (all investors prefer short-term securities; any longer-dated security, therefore, will necessitate paying a premium to investors buying it). Ob diese Erklärung (preferred habitat theory) das tatsächlichen Verhalten der Anleger richtig wiedergibt, ist bestritten.

– Siehe Abwartehaltung, Attentismus, Erwartungen, Eventual-Kasse, Geldnutzen, Idle Money, Immobilienfonds, offener, Liquiditätsformen, Liquiditätsprämie, Minderschätzung künftiger Bedürfnisse, Reservesockel, Transaktionskasse, Zinstheorien.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom September 2006, S. 44 ff. (Erhöhung der Liquiditätspräferenz bei Unternehmen und ihre Gründe; mit Übersichten. S. 44: Hinweise auf vertiefende Literatur), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2007, S. 16 f. (höhere Liquiditäts-Präferenz führt zu einer höheren Bargeldquote), Monatsbericht der EZB vom März 2008, S. 54 ff. (Zunahme hochliquider Anlagen bei Unternehmen empirisch dargelegt und ins einzelne gehend erklärt; acht erläuternde Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Liquiditätsprämie (liquidity premium):

1 Der Preis, den jemand dafür zu zahlen bereit ist, dass er einen sofort in Bargeld umzuwandelnden Vermögenswert besitzt (the price someone is willing to pay, usually in the form of a lower return, for a liquid asset compared with an illiquid one).

2 Bei einem Darlehn der in den Zinssatz eingerechnete Ausgleich dafür, dass der Gläubiger über das verliehene Geld innert der Laufzeit des Vertrags nicht verfügen kann.

– Siehe Flüssigmachung, Laufzeitprämie, Liquiditätsposition, Liquiditätsprämien-Theorie, Liquiditätspräferenz, Liquiditätsquote, Qick Ratio, Zinsrisiko.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2008, S. 26 ff. (Liquiditätsprämien und Break-Even-Inflationsrate: Erklärungen, Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2008, S. 36 (Prämie für privatplazierte öffentliche Anleihen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Liquiditätsprämien-Theorie (theory of liquidity premium):

Kurzfristige Anlagen auf dem Finanzmarkt können relativ problemlos und ohne Kursrisiken in Liquidität umgewandelt werden. Bei langfristigen Engagements steigen mit zunehmender Fristigkeit auch die Kursrisiken. Hohe Liquidität und geringe Kursrisiken werden deshalb auf dem Finanzmarkt mit niedrigem Zins abgegolten. Risikofreude und Liquiditätsverzicht bei langfristigen (noncurrent) Anlagen werden hingegen mit höherem Zins belohnt.

– Siehe Liquiditätsprämie, Liquiditätsformen, Liquiditätspräferenz.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2008, S. 26 ff. (Liquiditäts-Prämien und Break-Even-Inflationsrate: Erklärungen, Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Liquiditätspuffer auch Liquiditätskissen (liquidity buffer, financial cushion):

1 Allgemein alle Vermögenswerte der Unternehmen und Banken, die im Falle einer Finanzkrise ohne weiteres in Bargeld umgewandelt werden können (are readily saleable and, therefore, can be easily converted into cash). - Im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise zeigte sich plötzlich, dass der entscheidende Engpassfaktor (bottleneck factor) auf dem Finanzmarkt nicht in erster Linie das Kapital war, sondern die Möglichkeit, angesichts ungünstiger Marktbedingungen Vermögenswerte zu veräussern und zu Geld zu machen (to monetise: to convert an asset into currency). Diese Erfahrung führte zu einem grundsätzlichen Umdenken (basic rethinking): Nicht mehr allein die Höhe der Vermögenswerte wird zeither als das Entscheidende angesehen. Vielmehr steht auf gleicher Linie auch deren Liquiditätsgrad. Zeither bemühen sich Unternehmen, Banken sowie die heimischen und internationalen Aufsichtsbehörden darum, auch bei Stress auf dem Finanzmarkt die jederzeitige Zahlungsbereitschaft (ability to fulfill payment obligations at all times by constantly available payment reserves as well as appropriate and sufficient refinancing possibilities) sicherzustellen.

2 Bei einem Privathaushalt manchmal gesagt von der Möglichkeit, das (Gehalts)Konto formlos zu überziehen und so einen Dispositionskredit in Anspruch nehmen zu können.

– Siehe Acid Ratio, Basel-III, Eigenkapital, Finanzierungskennziffer, mittelfristige, Finanzkraft, Flüssigmachung, Gegenpartei, zentrale, Handelsplattform, Handelssystem, multilaterales, Kapitalpuffer, antizyklischer, Kernkapital, Liquiditäts-Ablaufbilanz, Liquiditätsanforderungen gegenüber Aktivposten, Liquiditätsdeckungsziffer, Liquiditätskrisenplan, Liquiditätsmanagement, Liquiditätsquote, strukturelle, Liquiditätsreserve, Liquiditätsrisiko, Liquiditätsverordnung, Quick Ratio, Stock Approach, Szenarien, aussergewöhnliche Stress-Test, Zwangswandelanleihe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Liquiditätsquote (liquidity ratio):

1 Nach verschiedenen Formeln berechnete Höhe der Liquidität im Sinne und Bereitschaft r Bank - und einesüberhaupt -termingerecht und betragsgenau (ratios measure the liquidity of a company).

2 Freie Liquiditätsreserven in Bezug zu den Einlagen einer Bank.

3 Andere Bezeichnung für die von der EZB errechnete Liquiditätsposition.

– Siehe Bankgrösse, Liquiditätsanforderungen gegenüber Aktivposten, Liquiditätspuffer, Qick Ratio.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Liquiditätsquote, strukturelle (net stable funding ratio, NSFR):

Der Quotient aus der verfügbaren und der von den Aufsichtsbehörden geforderten stabilen Refinanzierung. Die NSFR soll damit erreichen, dass Institute nicht übermässig von kurzfristigen und damit vergleichsweise stark schwankenden (volatilen; volatile) und nur schwer vorauszuberechnenden (unpredictable) Refinanzierungsquellen abhängig sind. Es wird mit anderen Worten ein Anreiz geschaffen, die langfristigen Refinanzierungsquellen stärker zu nutzen. - Im Zuge der aus der Subprime-Krise hervorgegangen Finanzkrise wurde deutlich, dass der grosse Engpassfaktor (bottleneck factor) auf dem Finanzmarkt nicht in erster Linie das Kapital war, sondern die Möglichkeit, angesichts ungünstiger Marktbedingungen Vermögenswerte zu veräussern und in Geld umzuwandeln. Aus diesem Grunde müssen Banken in der EU bis Anfang 2019 - ursprünglich war Ende 2012 vorgesehen - überwiegend - nämlich über aber nicht unter fünfzig Prozent - ihrer Liquiditätspuffer in hartem Eigenkapital vorhalten. Der restliche Teil darf aus Bargeld, Staatsanleihen, hochwertigen Unternehmensanleihen und Covered Bonds wie Pfandbriefen bestehen. Im Falle von Staatsanleihen entstand die Forderung, ausschliesslich hochbonitäre Papiere anzuerkennen, nämlich Titel von solchen Staaten, die nach vernünftiger sachlicher Abwägung und Einschätzung der Anleger ihre aufgenommenen Kredite auch zurückzahlen können und wollen. Dem zugrunde liegt ein Zeithorizont von zwölf Monaten.

– Siehe Liquiditätsdeckungsziffer, Liquiditätskrisenplan, Liquiditätspuffer, Liquiditätsrisiko, Liquiditätsschock, Liquiditätsverordnung, Liquidity at Risk, Notreserve, Quick Ratio. Solvenz, Solenzaufsicht, Stock Approach, Szenarien, aussergewöhnliche.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 51 (CEBS fordert Puffer aus ständig liquidisierbaren Aktiva), S. 56 (Vorschriften für das Liquiditätsrisiko-Management), Monatsbericht der EZB vom Juli 2009, S. 17 ff. (Tendenz zur Erhöhung des Liquiditätskissens in der Finanzkrise; Übersichten), Geschäftsbericht 2009 der Deutschen Bundesbank, S. 99 (Liquiditätspuffer als Schutz vor systemischer Krise), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 51 (Empfehlungen der CEBS zur angemessenen Höhe und Zusammensetzung des Liquiditätspuffers), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 137 (detaillierte Vorschriften im Zuge der MaRisk-Novelle 2010), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 66 (Festlegung von Einzelheiten der Berechnung) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute", Monatsbericht der EZB vom April 2013, S. 86 (Definition), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2013, S. 63 f. (Anforderungen an das Liquiditätsmanagement der Institute im Zuge von Basel-III), Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 105 (NSFR schliesst nicht aus, das nationale Aufsichtsbehörden weitere verbindliche Liquiditätskennziffern festlegen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Liquiditätsreserve (liquidity reserve):

1 Bei einem Unternehmen geldnahe Aktiva.

2 Bei einer Bank nicht in Anspruch genommene Refinanzierungsmöglichkeiten bei der Zentralbank und jederzeit an die Zentralbank veräusserbare Aktiva.

3 Bei einem offenen Immobilienfonds ein Bestand an geldnahen Aktiva, die den reibungslosen Rückkauf angebotener Zertifikate gewährleisten.

– Siehe Flüssigmachung, Liquiditätsformen, Liquiditätspuffer, Liquiditätsmanagement, Liquiditätspolitik, Liquiditätspuffer, Liquiditätsverordnung, Notreserve, Qick Ratio.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Liquiditätsrisiko (liquidity risk):

1 Allgemein die Gefahr, nicht genügend Liquidität zur Verfügung zu haben, um fällige Verbindlichkeiten pünktlich zu begleichen (the eventuality of not having access to liquidity or unutilised credit facilities in order to settle payments due). Durch eine genaue Finanzplanung lässt sich dieses Risiko mindern. Durch geeignetes Liquiditätsmanagement muss sichergestellt werden, dass ein Unternehmen allgemein und Institut im Besonderen auch in Krisenzeiten zahlungsfähig bleibt.

2 Bei Banken ein allfälliger Verlust vor allem daraus, dass

1. eine grosse Zahl von Einlegern aus irgend einem Grund ihre Depositen gleichzeitig abhebt (Abrufrisiko) und

2. die Bank ihre kurzfristige Kreditaufnahme nicht oder nur zu gestiegenen Kosten über den Interbanken-Geldmarkt verlängern kann (Refinanzierungsrisiko); Grund dafür könnte beispielsweise die Herabstufung des Instituts durch Rating-Agenturen sein.

– Allgemein sieht man ein höheres Liquiditätsrisiko bei sehr grossen, weitverzweigten Instituten.

3 Seit etwa 2007 rechnet man dem auch die Gefahr bei, aufgrund aussergewöhnlicher Umstände Vermögenswerte gar nicht oder nur mit einemunverhältnismässig hohen Abschlag am Markt in Bargeld umwandeln zu können, das Marktliquiditätsrisiko (the risk that assets can not be converted into cash because of reduced access to or demand from the market, which either precludes the purchase or sale of such items, or would require their sale at a loss). Dieses Risiko zeigte sich besonders bei der im Gefolge der Subprime-Krise 2007 aufgetretenen Finanzkrise. Weltweit mussten sich viele Anleger - unter anderem auch Hedge-Fonds - plötzlich von Vermögenswerten trennen, was zu einem starken Preisverfall führte. - Schwierigkeiten bereitet oft die Unterscheidung zwischen Liquiditätsrisiko und Solvenzrisiko. Ein Liquiditätsrisiko bedeutet, dass augenblicklich kein Bargeld zur Verfügung steht, um Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Im Regelfall kann aber ein Unternehmen bei dieser Lage bei der Bank ein Darlehn aufnehmen und so die Liquiditätsklemme überwinden. Hingegen bedeutet Insolvenzrisiko die Gefahr, dass die Passiva die Aktiva übersteigen, In diesem Falle wird kaum ein Institut einen Kredit ausreichen, und die Firma gerät in Konkurs.

– Siehe Abschmelzrisko, Bankengeldmarkt, EURIBOR, Eventualschaden, Gegenpartei, zentrale, Gigabank, LIBOR, Liquiditätsformen, Liquiditätskrisenplan, Liquiditätspuffer, Liquiditäts-Tausch, Liquiditätsverordnung, Marktfähigkeit, Marktrisiko, Risiko, banktechnisches, Risiko, operationelles, Risikomanagement, Solvenzaufsicht, Solvenzrisiko, Terminrisiko.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2002, S. 60 f., Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 115 f. (neue Regeln zum Liquiditätsrisiko-Management; ab Jahresbeginn 2008 sind die MaRisk auf Liquiditätsrisiken anzuwenden; Praxisstudien), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2008, S. 59 ff. (Steuerung der Liquiditätsrisiken), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 56 (Vorschriften für das Liquiditätsrisiko-Manage¬ment), S. 133 (Prüfungen institutsinterner Risikomodelle), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 50 f. (Eckpfeiler für das Liquiditätsrisiko-Management), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 189 (eigene MaRisk für Kapitalverwaltungsgesellschaften).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Liquiditätsschock (liquidity shock):

Der plötzliche, unerwartete Mangel an Liquidität für

1. ein einzelnes Institut oder

2. für den Markt gesamthaft, wie dies im Zuge der Subprime-Krise eintrat und selbst grosse Banken in die Insolvenz trieb. Die Folge davon ist, dass sich die Institute nur noch sehr teuer refinanzieren können - gleichsam hohe Einkaufspreise für Geld haben - und entsprechend ihre Zinsen bei Ausleihungen erhöhen müssen.

– Um dies in Zukunft zu vermeiden, sollen Banken genügend hochliquide Aktiva halten, um einem kurzfristig starken Liquiditätsbedarf nachkommen zu können. Darüber hinaus bedarf es bei den Instituten eines auf lange Zeiträume ausgerichteten Liquiditätsmanagements, verbunden mit einem Risikomanagement, das krisenanfällige Refinanzierungsmuster (ways of refinancing susceptible to risks) verhindert. Durch viele nationale und internationale aufsichtliche Massnahmen soll erreicht werden, dass vor allem Banken auch bei Stress liquide, also jederzeit zahlungsfähig bleiben.

– Siehe Bankregel, goldene, Hypo Real Estate-Rettung, Kreditklemme, Liquiditätsklemme, Liquiditätskrisenplan, Liquiditätspolster, Liquiditätspuffer, Liquiditätsverordnung, Liquidity at Risk, Stress-Test, Quantitative Easing, Unternehmensfinanzierung, Verlust-Darlehn-Beziehung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Liquiditäts-Tausch und oft wie im Englischen Liquidity Swap (liquidity swap, collateral swap, collateral upgrade trade):

1 Allgemein Tauschgeschäfte auf dem Finanzmarkt im Falle eines bedeutenden Liquiditätsgefälles (liquidity differential) in Bezug auf Vermögensgegenstände.

2 Im Besonderen entsprechende Geschäfte zwischen Banken und Versicherungen. Im Rahmen von Liquidity Swaps werden vor allem vergleichsweise illiquide Wertpapiere von Banken gegen hochliquide Effekten von Versicherungen für einen bestimmten Zeitraum und mit einem Sicherheitsabschlag getauscht (transactions which effect a liquidity transfer between an insurer and a bank by usually exchange high-credit quality, liquid assets such as gilts [top bonds that are rightly considered low risk] held by the insurer with less liquid assets held by the bank). Institute können die geliehenen Papiere einsetzen, um aufsichtsrechtliche Liquiditätsvorgaben (supervisory liquidity requirements) zu erfüllen und die kurzfristige Refinanzierung zu besichern. Andererseits können Versicherungen durch den befristeten Tausch die Verzinsung ihrer Kapitalanlagen erhöhen.

– Siehe Debt-Equity-Swaps, Devisen-Swaps, Liquiditätsrisiko, Marktliquiditätsrisiko, Währungs-Swap, Zinsswap.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 49 f. (Erklärung der Transaktionen; unbefriedigende Transparenz des Marktes; Ansteckungswirkungen sind zu befürchten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Liquiditätsverordnung, LiqV (liquidity ordinance):

Aufsichtsrechtliche, durch EU-Richt¬linie im Jahr 2007 verfügte Vorschriften über die Liquiditätsausstattung der Banken einschliesslich der Emittenten von elektronischem Geld. Die Liquidität eines Instituts wird gemäss der LiqV grundsätzlich dann als ausreichend angesehen, wenn

1. die - vom jeweiligen Meldestichtag an gerechnet - für den folgenden Monat (erstes Laufzeitband; maturity band) zur Verfügung stehenden Zahlungsmittel

2. die für diesen Zeitraum zur Verfügung stehenden Zahlungsverpflichtungen

3. mindestens decken.

– Dieser Standardansatz (standard approach) kann angesichts ungleicher Institutsgrössen, teilweise sehr unterschiedlicher Geschäftsfelder und bei Berücksichtigung gar weltweiter Betätigungen eines Instituts nicht in jedem Falle befriedigend sein. Die infragekommenden Banken müssen daher in bankinternen Risikoberechnungen den Standardansatz entsprechend ergänzen. - Die Forderung nach Gewährleistung der jederzeitigen Zahlungsbereitschaft in der LiqV greift die gesetzliche Vorgabe in § 11 KWG auf. Falls es aber zu seinem Zusammenbruch der Refinanzierungskanäle kommen sollte (wie im Gefolge der Subprime-Krise), dann kann es trotz geplanter Vollziehung des Standardansatzes zu Liquiditäts-Engpässen und gar Insolvenzen kommen.

– Siehe Gegenpartei, zentrale, Liquiditätspuffer, Risiko- und Solvabilitätsbeurteilung, unternehmenseigene, Solvabilitätsverordnung.

– Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 109, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 87 f. (Novellierung der LiqV), Geschäftsbericht 2006 der Deutschen Bundesbank, S. 95 f. (Inkrafttreten zum 1. Jänner 2007), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 118 (einzelne Posten), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 115 f. (Instituten steht es frei, ihre eigenen, institutsinternen Risikomessverfahren einzusetzen, anstatt die aufsichtlichen Anforderungen im Wege einer vorgegebenen Liquiditätskennziffer zu erfüllen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2008, S. 69 f. (einzelne Vorschriften; Weiterentwicklung der Bestimmungen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2008, S. 69 f. (Probleme; Öffnungsklauseln), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 153 (Zulassung institutsinterner Modelle).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Liquidity at Risk, LaR (so auch im Deutschen gesagt):

Bei einer Bank die Liquiditätsanforderung, die während eines Geschäftstages mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit nicht überschritten wird (the potential net funding requirement of the bank over an horizon at a specified confidence level). Mit Hilfe dieser Messzahl lässt sich grob bestimmen, wieviel Liquidität ein Institut zur Sicherstellung seiner Zahlungsbereitschaft bereithalten muss.

– Siehe Liquiditäts-Ablaufbilanz, Liquiditätsanforderungen gegenüber Aktivposten, Liquiditätskrisenplan, Liquiditätsmanagement, Liquiditätspuffer, Stock Approach, Szenarien, aussergewöhnliche.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2013, S. 63 f. (Anforderungen an das Liquiditätsmanagement der Institute im Zuge von Basel-III).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Liquidity Value at Risk, LVaR (so auch im Deutschen gesagt):

Kennzahl, welche den Vermögensverlust ausdrückt, der infolge höherer Refinanzierungskosten für eine Bank entstehen, aber mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit nicht überschritten wird. In der Fachliteratur gibt es verschiedene Vorlagen zur Berechnung dieser Grösse.

– Siehe Bonitätsrisiko, Downrating.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2008, S. 64 f. (Anwendung der Verfahren).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lissabon Agenda (Lisbon targets, Lisbon Agenda for Growth and Jobs):

Im Jahr 2000 vom Europäischen Rat formulierte Ziele für den EU-Raum gesamthaft. Danach soll die Europäische Union zum wettbewerbsfähigsten und veränderungsfreudigsten Wirtschaftsraum der Welt gemacht werden. Die Verwirklichung der gesteckten Ziele würde auch den EUR auf Dauer zur begehrtesten Währung der Welt werden lassen. In Wirklichkeit freilich dürften diese Ziele innert absehbarer Frist und wegen des ungünstigen Altersquotienten in der EU auch längerfristig (at medium and long term) wohl kaum erreicht werden. - Ende 2007 wurde die Lissabon-Agenda aktualisiert und vier Vorrang-Ziele für den Zeitraum 2008 bis 2010 festgelegt, nämlich

1. Wissen und Innovation,

2. Unternehmenspotential,

3. Arbeitsmärkte und

4. Energiesicherung.

– Siehe Altersquotient, Demographieverfestigung, Europa 2020, Koordination, europäische wirtschaftspolitische, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Überalterung.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der EZB, S. 53 ff. (Vorgaben und Realisierung), Monatsbericht der EZB vom Juli 2005, S. 77 ff. (ungeschminkte Darstellung von Soll und Ist; wertvolle Übersichten; S. 89 f.: thesenartige Zusammenfassung der Literatur zu diesem Thema), Monatsbericht der EZB vom Januar 2006, S. 44 ff. (Darlegung der Leitlinien für die Jahre 2005 bis 2008; Kritik daran), Jahresbericht 2007 der EZB, S. 179 (neu definierte Schlüssel-Prioritäten), Monatsbericht der EZB vom April 2008, S. 48 ff. (Aktualisierung der Leitlinien; Beurteilung), Geschäftsbericht 2010 der Deutschen Bundesbank, S. 38 (Vergleich zur EU2020).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lissabon-Vertrag (Lisbon treaty):

Im Dezember 2007 von den Staats-und Regierungs¬chefs unterzeichnete und die EU weiterführende Vereinbarung, die am 1. Dezember 2009 nach Ratifizierung der 27 Teilnehmerstaaten in Kraft trat und damit den zuletzt gültigen Vertrag von Nizza ablöste.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Dezember 2007, S. 89 ff. (Kommentierung der die Währungsunion betreffenden Änderungen), Jahresbericht 2007 der EZB, S. 179 f. (Ernennung der Mitglieder des Direktoriums der EZB nun mit Dreiviertelmehrheit des Ecofin-Rates), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2010, S. 45 ff. (Erläuterung der in Bezug auf Wirtschaft und Währung wichtigsten Änderungen gegenüber dem Nizza-Vertrag).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Livre (im Deutschen teils weiblichen, teils sächlichen Geschlechts):

In Frankreich die Währungseinheit vom 9. bis zum 18. Jahrhundert. - Von 1795 bis 2002 galt der französische Franc (ISO-Code: FRF) als Währungseinheit, ab 2002 der Euro.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lizentgeld (currency accepted by authorities):

In alten Dokumenten Münzen, die eine Behörde zahlungshalber annimmt. In dieser Bedeutung manchmal auch Kassengeld genannt.

– Siehe Annahmezwang, Bargeld, Geldzeichen, Kassageld, Landgeld, Übertragung, endgültige, Zahlung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lizenz und Lizenzgeld (licence, licensing fee):

1 In älteren Dokumenten

1. die Bezeichnung einer gewerblichen Sondersteuer (special business tax), die auf eine Reihe von Betrieben erhoben wurden, auch von Notaren, Auktionaren und ähnlichen Berufen;

2. eine in deutschen Territorialstaaten eingeführte Verbrauchssteuer.

2 Zahlung für die Nutzung eines Rechtes, das sich im Eigentum einer Person oder Entität befindet (a business arrangement in which a person or company gives another person or company permission to use the licensed material, such as patents, trademarks, copyrights, designs, and other intellectual property for a specified payment).

– Siehe Akzise, Gebühr.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Loan-to-Value Ratio, LTVR (so auch im Deutschen gesagt; mitunter auch Beleihungsquote):

Besonders bei Immobilien das Verhältnis zwischen der Höhe eines Darlehns und dem Marktwert des zu erwerbenden Vermögensgegenstandes (the ratio of the amount of a potential mortgage to the value of the property it is intended to finance, expressed as a percentage).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Local (floor trader, local):

An der Börse ein persönlich anwesender Händler, der ausschliesslich Geschäfte für eigene Rechnung tätigt (a person with exchange trading privileges who executes his own trades by being personally present in the pit or ring for trading).

– Siehe Börsenhändler, individueller, Daytrading, Kulisse, Kursmakler, Markt, amtlicher, Nostro Flag, Skontroführer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Loch, schwarzes und Loch, dunkles (black hole, dark hole):

1 Andere Benennung für dunkle Materie (financial systems possess a kind of "negative energy" in the form of debt).

2 im Jargon ein schlecht informierter Mitarbeiter bei einer Bank, der regemässig behauptet, zu ihm sei nichts durchgedrungen.

3 Jemand, der dafür bekannt ist, dass er bei Freunden und Bekannten geliehenes Geld nicht zurückzahlt (someone notorious for not returning money borrowed from friends and acquaintances).

4 Im Jargon auch ein lästiger Kunde, der einen Bankangestellten in ein nicht enden wollendes Gespräch verstrickt (a boring client who will trap a bank clerk and never let him/her escape a conversation). Hierzu zählen vor allem vereinsamte alte Menschen; und in Personalschulungen (staff training) werden Wege aufgezeigt, von solchen Gesprächen loszukommen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Loch in der Wand (hole-in-the-wall):

In der Börsensprache eine plötzlich auftretende Kurslücke, wie diese fast regelmässig nach einer Markterholungsphase zu beobachten ist (an sudden down gap that - as experience teaches - immediately comes after a major rally).

– Siehe Kursbereich, Kurseinbruch.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lock-up-Fristen (lock-up periods):

Andere Bezeichnung für Verkaufsbeschränkungen (an amount of time decreed beforehand, following an initial public offering, during which employees and close associates of the company who are given shares are not allowed to sell those papers).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Locking-in-Effekt (so auch im Deutschen, seltener Einriegel-Wirkung oder ähnlich ausgedrückt):

Bei steigenden Zinsen und infolge dessen sinkenden Kursen für Wertpapiere neigen Banken und auch Unternehmen dazu, zunächst ihre Bestände an Wertpapieren zu halten, um nicht Kursverluste ausweisen zu müssen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lohn, indexierter (index-linked wage, indexed wage):

Verträge zwischen den Tarifparteien auf dem Arbeitsmarkt, wonach der vereinbarte Lohn automatisch der - in der Regel durch den Preisindex der Lebenshaltung gemessenen - Inflation angepasst wird. Von den Zentralbanken werden solche Vereinbarungen mit Misstrauen beobachtet. Denn in vielen Fällen gingen höhere Zahlungen an das Ausland, wie etwa bei Anstieg des Erdölpreises und allgemein höherer Ausgaben für Importgüter. Dieses Geld steht jetzt zur Verteilung im Inland nicht mehr zur Verfügung. Es ist in der Sprache der Finanzjournalisten "verfrühstückt" (swallowed up). Die Indexklausel (escalation clause) bewirkt so ein weiterer Anstieg der Inflation: eine Lohn-Preis-Spirale wird in Gang gesetzt. - In der Eurozone haben derzeit (Ende 2013) sieben Mitgliedsstaaten entsprechende Indexierungsklauseln (Belgien, Frankreich, Spanien, Luxemburg, Zypern, Slowenien und Malta), was etwa sechzehn Prozent im HVPI ausmacht. Die EZB verlangt immer wieder die Aufhebung der entsprechenden Arbeitsverträge.

– Siehe Erdölpreis, Inflation, importierte, Ölpreis, Ölpreis-Ausgleich, Ölpreis-Schocks, Petrodollar, Rohstoffpreise, Schocks, strukturelle, Strompreis, Zweitrunden-Effekte, automatisierte.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2008, S. 55 ff. (Lohnindexierung im Eurogebiet; detaillierte Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lohnabrechnung und Gehaltszettel (pay stub):

Ein manchmal noch schriftliche, mehr und mehr aber elektronische Mitteilung des Arbeitgebers über die erfolgte Überweisung von Lohn bzw. Gehalt auf das Konto des Arbeitnehmers (a piece of paper or electronic message provided by employer to an employee as indication of payment of wages or salary; it usually includes details such as the amount of tax withheld). - Lohn wurde bis etwa 1960 in der Regel freitags an die Beschäftigen in Bargeld ausgehändigt; und zwar in einem kleinen braunen Papierbeutel, der Lohntüte (wage[s] packet, pay packet). Von daher wird auch heute noch manchmal von "Lohntüte" gesprochen.

– Siehe Gehalts-Scheck.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lohndrift (wage drift):

Das Auseinanderklaffen des tariflich vereinbarten Lohns, des Tarif-Verdiensts (negotiated earnings), mit dem tatsächlichen Lohn, dem Effektiv-Verdienst (the amount by which actual earnings exceed negotiated earnings). - Manchmal wird nur der Prozess der Spreizung als Lohndrift bezeichnet, und der Zustand dann Lohnspanne (wage range) genannt.

– Siehe Arbeitnehmerentgelt pro Kopf, Arbeitskosten, Arbeitslosenquote, Balassa-Samuelson-Effekt, Deputat, Fringe Benefits, Index der Tarifverdienste, Lohnstückkosten, Mindestlohn-Arbeitslosigkeit, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Oktober 2006, S. 36 ff. (Entwicklung des Lohndrifts im Euro-Währungsgebiet seit 1996), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2011, S. 17 (Lohndrift in Deutschland seit 2007; Übersicht), Monatsbericht der EZB vom Januar 2013, S. 40 ff. (Lohndrift im Eurogebiet; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lohnkosten (labour costs):

Volkswirtschaftlich gesehen die Summe aller lohnbezogenen Ausgaben, die in einem bestimmten Zeitraum von Arbeitgebern an Arbeitnehmer bezahlt werden (as to the definition given by Eurostat [the European Community statistical office] the "core expenditure borne by employers for the purpose of employing staff". They include employee compensation, with wages and salaries in cash and in kind, employers' social security contributions and employment taxes regarded as labour costs minus any subsidies received, but not vocational training costs or other expenditure such as recruitment costs and spending on working clothes). - Die Lohnkosten werden von den Zentralbanken im Zuge der Inflationsanalyse besonders beobachtet. Denn etwa siebzig Prozent der Wertschöpfung im Eurogebiet entfallen auf Dienstleistungen. Daher stehen marktbestimmte - wie etwa Handel, Verkehr oder Finanzdienstleistungen - und nicht-marktbestimmte - wie öffentliche Verwaltung, Bildung, Gesundheitswesen; deren Anteil am Dienstleistungsbereich liegt bei fünfundfünfzig Prozent - Lohnkosten bei Dienstleistungen im Mittelpunkt der Betrachtung.

– Siehe Anpassung, symmetrische, Arbeitnehmerentgelt pro Kopf, Arbeitskosten, Arbeitslosenquote, Balassa-Samuelson-Effekt, Fringe Benefits, Index der Tarifverdienste, Lidlgeld, Lohnrigiditäten, Lohnsteuer, Lohnstückkosten, Mindestlohn-Arbeitslosigkeit, Zuwanderung, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. ausführlich Monatsbericht der EZB vom September 2005, S. 56 ff. (Definitionen, Übersichten, Erklärungen eines Lohn-Drifts zwischen beiden Bereichen), Monatsbericht der EZB vom Juni 2007, S. 87 ff. (Verlauf der Lohnkosten im öffentlichen Sektor in den einzelnen Saaten des Eurogebiets; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2009, S. 17 ff. (hier auch Problem der Mindestlöhne), Monatsbericht der EZB vom Mai 2010, S. 64 ff. (Vergleich der Lohnentwicklung 2005 bis 2009 zwischen dem Eurogebiet und den USA; institutionelle Unterschiede; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2010, S. 70 f. (Zusammenhang zwischen Arbeitsvolumen und Lohnkosten seit 1970; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom März 2012, S. 112 (Anmerkung 3: eine Senkung der Lohnkosten um fünfzehn Prozent führt nach sieben Jahren zu einem Anstieg des Bruttosozialprodukts um acht Prozent).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lohnkostenanteil, banklicher (bank labour cost ratio):

An den Gesamtkosten der Banken in Europa schlugen 2010 die Ausgaben für Löhne und Gehälter im Durchschnitt mit achtundvierzig Prozent zu Buche; in Japan sind es nahe fünfzig Prozent und in den USA um zweiundvierzig Prozent.

– Siehe Arbeitskosten, Fringe Benefits.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lohnpolitik, koordinierte (coordinated wage policy):

Forderung - vor allem seitens einiger Defizitländer innert der EU, um 2010 erhoben und dann als Vorschlag von der EU-Kommission aufgegriffen -, in der EU gesamthaft die Lohnkosten anzugleichen. Hintergrund solcher Verlangen ist es, dass Exporterfolge einiger Staaten - wie vor allem Deutschland und die Niederlanden - der Tatsache zuzuschreiben sei, dass der Lohnkostenanteil im Vergleich zu anderen Mitgliedsländern zu niedrig wäre. - Hier wird neben anderem - wie unterschiedliche branchenwirtschaftliche und volkswirtschaftliche Produktionsfunktion in den einzelnen Staaten - übersehen, dass eine Erhöhung der Löhne in einem Überschussland der EU nicht im geringsten die strukturellen Mängel (structural weakness) in einem Defizitland lösen kann. Jedes Mitglied der Gemeinschaft muss selbst dafür sorgen, dass seine Volkswirtschaft wettbewerbsfähiger (more competitive) wird.

– Siehe Bail-out, ClubMed, Euro-Anleihen, gemeinsame, Eurostaaten, Moral Hazard, Solidarität, finanzielle, Wachstumsunterschiede, währungsrauminterne, Währungsraum, optimaler.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2014, S. 23 ff. (Nominallöhne im Eurogebiet in Bezug zu Anpassungsmassnahmen; Literaturhinweise; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lohn-Preis-Spirale (wage-price spiral, inflationary spiral):

Ein Preisanstieg - etwa für Nahrungsmittel oder Benzin - mindert das Realeinkommen der Beschäftigten. Diese fordern daraufhin eine, oft in Vorwegnahme weiterer erwarteter Preiserhöhungen bemessene höhere Lohnzahlung. Die Unternehmen rechnen die gestiegenen Lohnkosten in die Preise ein, was wiederum zu einer Preiserhöhung führt, und so weiter.

– Siehe Agrarpolitik, Cost-Push-Inflation, Inflation, gefühlte, Inflations-Ausgleich, Kaufkraft-Abfluss, Lohn, indexierter, Lohnsteuer, Lug-und-Trug These, Ölpreis-Ausgleich, Reizschwelle, Realkassen-Effekt, Zweitrunden-Effekte, automatisierte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lohnrigiditäten (wages rigidities):

Wenn nicht anders definiert die fehlende Möglichkeit, Nominallöhne nach unten anzupassen (an economic situation in which a decline of demand and, therefore, a fall in profit is not accompanied by a fall in wages: a downward inflexibility). Lohnrigiditäten werden der EZB im Zuge des Zwei-Säulen-Prinzips beobachtet. Denn können die Lohnkosten bei Nachfrageminderung nach den Produkten eines Unternehmens bzw. der Volkswirtschaft gesamthaft nicht gesenkt werden, dann tritt eine Lage ein, bei welcher die Grenzkosten (incremental costs) der Arbeit - grob: das, was ein Arbeiter in der Stunde kostet - höher liegen als das Grenzprodukt der Arbeit - grob: das, was der Beschäftigte in einer Stunde an Wert schafft. Das aber führt zum Abbau von Arbeit: zur Arbeitslosigkeit.

– Siehe Bereitschaftsgeld, Lohnstückkosten, Verkrustungen, strukturelle.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2006, S. 75 f. (Vergleich USA mit dem Euroraum; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lohnsteuer (payroll tax):

Durch Abzug vom Arbeitslohn erhobene Steuer auf Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit (a tax an employer withholds or pays on behalf of their employee based on the salary of the employee; this tax is also known as withholding tax, pay-as-you-earn tax [PAYE], or pay-as-you-go tax [PAYG]).

– Siehe Lohnkosten, Progression, kalte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lohnstückkosten (unit labour costs, ULC):

Die Arbeitskosten gesamthaft, auf die Produkteinheit bezogen (the average cost of labour per unit of output, calculated as the ratio of total labour costs to real output). Für das Eurogebiet berechnet als Quotient aus dem Arbeitnehmerentgelt in jeweiligen Preisen je Arbeitnehmer und der Wertschöpfung je Erwerbstätigen. Von den Zentralbanken in ihren Veränderungen deshalb beobachtet, weil sich hieraus über Verschiebung der Nachfrage allfällige Auswirkungen auf die Preise ableiten lassen. - Zu berücksichtigen sind bei der ausgewiesenen Prozentzahl jeweils auch Sondereinflüsse (exceptional circumstances). So erhöhten sich beispielsweise im Jahr 2009 im Vergleich zum Vorjahr die Lohnstückkosten um über fünf Prozent. Das lag daran, dass viele Unternehmen im Jahr 2009 trotz Produktionsausfalls im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden weltweiten Rezession an ihrer Belegschaft (workforce) festhielten. Die Beschäftigten stellten aber weniger Güter her, und so stiegen die Lohnkosten je gefertigtes Stück Ware, mithin auch die Lohnstückkosten.

– Siehe Arbeitnehmerentgelt pro Kopf, Arbeitskosten, Arbeitslosenquote, Fringe Benefits, Index der Tarifverdienste, Lohndrift, Lohnrigiditäten, Mindestlohn-Arbeitslosigkeit, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Im jeweiligen Monatsbericht der EZB finden sich im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets" in der Rubrik "Preise, Produktion, Nachfrage und Arbeitsmärkte" die Lohnstückkosten, nach verschiedenen Gesichtspunkten unterteilt sowie auch nach Wirtschaftszweigen ausgewiesen; in der Rubrik "Entwicklungen ausserhalb des Euro-Währungsgebiets" zudem Vergleiche zu anderen Ländern. Vgl. auch Monatsbericht der EZB vom März 2003, S. 45 ff., Monatsbericht der EZB vom September 2004, S. 55 ff. (mit Graphiken), Monatsbericht der EZB vom April 2005, S. 80 f. (Vergleichbarkeit von Statistiken), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2009, S. 17 ff. (hier auch Problem der Mindestlöhne).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lohnquote (wages share, labour income shares, share of national income accounted for by wages):

Der Anteil der Löhne und Gehälter (Arbeitnehmerentgelte; compensation of employees) am Volkseinkommen; er liegt in Deutschland bei siebzig Prozent.

– Siehe Lohnstückkosten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lokalpapiere auch Lokalwerte (securities only of local interest):

In der älteren Finanzsprache allgemein Wertpapiere und im Besonderen Aktien, die nur in einem begrenzten Gebiet bekannt sind und vornehmlich dort gehandelt werden. In Deutschland heute noch gesagt von einigen Aktien, die nur an weniger bedeutenden Börsen (Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Hannover, Stuttgart, München) im Kurszettel verzeichnet sind.

– Siehe Nebenplatz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lokations-Urteil (order-of-rank decision):

Früher gesagt für die bei einem Konkurs anstehende richterliche Entscheidung, wodurch jedem Gläubiger sein Platz in der Reihenfolge der Forderungen angewiesen wird.

– Siehe Arrangement, Debitmasse, Extensum, Inrotulationsgeld, Insolvenz, Insolvenzkosten, Konkurs, Krida, Masse, Paritätsvorbehalt, Staatsbankrott, Vorrangregel, unbedingte, Zahlungsunfähigkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lokomarkt (spot market, cash market):

In der Sprache der Warenbörsen ein Markt, auf dem Waren zur sofortigen Übergabe erhältlich sind und gehandelt werden.

– Siehe Kassamarkt, Vertretbarkeit, Warenbescheinigung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lombarden (shares of the Austrian South Railway):

In der älteren Börsensprache gesagt von Aktien der österreichischen Südbahn. Diese 1858 gegründete Eisenbahngesellschaft war, nach der Verstaatlichung der meisten Eisenbahnen in der zweiten Hälfte des 19. Jh., das wichtigste in Privatbesitz verbliebene Eisenbahnunternehmen in Europa und bis zum Zerfall Österreich-Ungarns 1919 eines der grössten privaten Firmen überhaupt. In der Wirtschafts- und Sozialgeschichte Österreichs spielte das Unternehmen ein bedeutende Rolle und hier vor allem im Arbeiterwohnungsbau. Entsprechend genossen die auch an vielen Börsen der Welt gehandelten Aktien eine weit herausragende Stellung. - Aufgrund der Friedensbestimmungen von St. Germain (1919) fiel der weitaus grösste Teil, über siebzig Prozent des Netzes den Nachfolgestaaten zu. Auch das rollende Material (rolling stock: railway vehicles) wurde aufgeteilt. Die Schulden des Unternehmens freilich musste der österreichische Staat ganz allein tragen. Erst Ende des Jahres 1982 wurde das Unternehmen als "Donau-Save-Adria-Eisenbahngesellschaft (DOSAG)" aus dem österreichischen Handelsregister gelöscht.

– Siehe Blue Chips, Metalliques.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lombardierung (lending on securities, pledging of securities, lodging of securities as cover):

1 Allgemein die Gewährung eines Darlehns gegen Hergabe eines Pfandes als Sicherheit.

2 Im Besonderen die Beleihung von Papieren. Diese muss man, wenn ein Pfandrecht entstehen soll, beim Kreditgeber oder für den Kreditgeber bei einer Verwahrstelle hinterlegen. - Der Ausdruck "Lombardierung" in Bezug auf Papiere wurde in neuerer Zeit mehr und mehr durch "Pensionierung" ersetzt.

– Siehe Vinkulationsgeschäft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

London kurz (London short):

Früher Wechsel mit in der Regel achttägiger Fälligkeit, auf GBP lautend und auf ein Adresse in London bezogen. - Entsprechend enthalten die älteren Börsenzettel auch Bezeichnungen wie "Mailand kurz", "Neuyork kurz" oder "Paris kurz". - Bei Wechseln bedeutete früher

1. "kurz" eine Fälligkeit von acht Tagen bis einige Wochen,

2. "mittel" sechs Wochen und mehr sowie

3. "lang" neun Wochen und mehr.

– Siehe Kurzfristig, Langfristig, Mittelfristig.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

London International Financial Futures Exchange(LIFE):

Ort, an dem seit September 1982 standardisierte Financial Futures gehandelt werden.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Londoner Club (Club of London):

Informeller Gesprächskreis weltweit tätiger Banken mit dem Zweck, gemeinsam und mit einer einzigen Stimme Verhandlungen über Umschuldungsprogramme mit Staaten zu führen, die ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen. Der Club hat keinen festen Tagungsort und auch kein Sekretariat. London bot sich bei der Namensgebung deshalb an, weil hier fast alle international tätigen Banken vertreten sind, und weil die meisten Verhandlungen zur Umschuldung anfänglich dort stattfanden.

– Siehe Brady-Bonds, Internationales Finanzinstitut, Pariser Club, Prager Verlautbarung, Schuldenrückführungsmechanismus, unabhängiger, Staatsschulden, verweigerte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Londoner Schuldenkonferenz (London debt conference):

1 Im März und Mai 1921 in London tagendes Gremium aus Vertretern der Siegermächte des Ersten Weltkriegs (1914-1918) über Deutschland, das einen harten Zahlungsplan sowie einen umfangreichen Sachleistungsplan (obligation to deliver goods) aufstellte. Beide Pläne wurden Deutschland als Ultimatum überreicht (ultimatum: a final, uncompromising statement setting forth conditions, and that expresses or implies the threat of serious penalties if the terms are not accepted; bei Nichtannahme wurde die Besetzung deutschen Territoriums angekündigt) Zwar musste das Ultimatum von Deutschland angenommen werden. Weil aber das Wirtschaftsleben in Deutschland weithin zusammenbrach, konnten die Ansprüche der Sieger nicht erfüllt werden. Belgier und Franzosen besetzten daraufhin im Januar 1923 das Ruhrgebiet.

2 Im Jahr 1952 in London tagende Besammlung mit dem Ziel, eine Regelung für die 14 Mia DEM Auslandsschulden Deutschlands einen Tilgungsplan aufzustellen. Dieser bestimmte bis 1958 eine jährliche Zahlung (West)Deutschlands von 600 Mio DEM und ab 1958 von 750 Mio DEM.

– Siehe Dawes-Anleihe, Reichstitel, Rhein-Ruhr-Abgabe, Ruhrgeld, Wohlstandsindex.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Londoner System (London system):

In Zusammenhang mit der Geldwäsche entscheiden die Banken nicht von sich aus, wie sie mit verdächtigen Fällen umgehen, sondern sie melden einen Verdacht den Behörden. Dadurch gerät eine Bank nicht in die Gefahr, selbst zur Rechenschaft gezogen zu werden. - Andererseits hat sich gezeigt, dass die Behörden mit der Fülle an Meldungen überfordert sind, und dass den gemeldeten Verdachtsfällen daher nur ungenügend nachgegangen wird. Es gilt daher als passender, die Aufspürung von Geldwäscherei der einzelnen Bank (aufsichts)rechtlich zuzuweisen.

– Siehe Beobachtungsvermerk, Financial Action Task Force on Money Laundering, Gefährdungsanalyse, Geld, schmutziges, Geldtransfer-Vermittler, Konto, falsches, Kontenoffenlegung, Kontensperre, Kundendaten-Informationspflicht, Offshore Finanzplätze, Outsourcing, Underground Banking.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Londoner Verfahren (London approach):

Ein unter der Schirmherrschaft der Bank von England aufgestellte Vereinbarung für den Fall, dass es in England zum Zusammenbruch grosser Unternehmen kommt. Kern der Absprache ist, dass

1. eine Bank ihre ausstehenden Kredite vorerst nicht eintreibt und auch nicht auf ein Insolvenzverfahren (insolvency proceedings) drängt,

2. die von notleidenden Darlehn an das Unternehmen betroffenen Banken zusammenarbeiten und sich in allen Schritten abstimmen sowie

3. die betroffenen Banken allfällige Verluste nach einem bestimmten System teilen.

– Hintergrund des Londoner Verfahrens ist die Tatsache, dass sich die Banken und alle Beteiligten erfahrungsgemäss besser stellen, wenn das Unternehmen weitermacht und aus der Krise herausgeführt wird, als wenn es in Konkurs geht.

– Siehe Crash, Hedge-Fonds, Insolvenz, Intercreditor Agreement, Krisenlasten-Verteilungsprogramm, Reintermediation, Risikokapital, Verlustteilungsregelung, Vorrangregel, unbedingte.

– Vgl. IMF: Economic Issues 31: Corporate Sector Restructuring.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

London Good Delivery Standard; LGDS (so auch im Deutschen):

Gütebezeichnung für Standardbarren (19,0 bis 13,4 kg) Gold, wie sie im Verkehr zwischen Zentralbanken festgelegt sind. Die Barren sollen einen Mindestfeingehalt von 99,5 Prozent haben. Auf jedem Stück müssen Seriennummer, Feingehalt, Produktionsjahr und Prüfstempel der Raffinerie eingeprägt sein. - Die Mehrzahl der Goldhändler hält sich auch bei kleineren Barren an diese Vorgaben. Es gibt indessen keine gesetzliche Vorschrift, die sie dazu zwingt. Daher ist beim Goldkauf immer auf die entsprechenden Angaben zu achten. Viele Raffinerien - vor allem in Deutschland und der Schweiz - übertreffen den LGDS bei auch kleinsten Barren und bieten Gold zu einem Feingehalt von 99,9 Prozent an.

– Siehe Assay-Stempel, Blanko-Goldverkauf, Capellengold, Chrysomanie, Drittelgold, Edelkupfer, Goldgramm, Goldpreis, Goldreserve, Karat, Monometallismus, Münzgold, Pagament, Rauschgold, Standardbarren, Währung, gemischte, Wertaufbewahrungsmittel, Zerimahbub, Zwischengold.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Long (so auch im Deutschen gesagt, aber in unterschiedlicher Bedeutung):

1 Allgemein die Stellung eines Bestellers, Erwerbers, eine Kaufposition.

2 Der Besitzer eines Vermögenswertes hegt die Erwartung, dass der Preis steigt (the holder of an asset expects a profit from rising price).

– Siehe London kurz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Long-Call (long call, call purchase, call buying, long call position):

Position, die sich aus dem Kauf eines Call ergibt und dem Käufer (vendee: a buyer of an option, an asset or good) das Recht einräumt, den Basiswert zum festgelegten Preis zu kaufen.

– Siehe Call, Erfüllung, Konversion, inverse, Option, Position, schwache, Rohstoff-Terminvertrag, Short Call, Stillhalter, gedeckter.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Long-Hedge (long hedge, buying hedge, purchasing hedge):

Eingehen einer Long-Position auf dem Terminmarkt zur Absicherung einer Short Position auf dem Kassamarkt.

– Siehe Konversion, Option, Short Covering, Short Position, Success Rates.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Long-Lag-Theorie (long-lag hypothesis):

Die in der Nationalökonomik erörterte Meinung, dass die Politik der Zentralbank

1. eine sehr lange Wirkungsverzögerung habe - bis zu zwei Jahren,

2. daher am Ende oft das Gegenteil von dem bewirke, was sie erreichen möchte und

3. somit wirtschaftliche Wechsellagen unter Umständen verstärke.

– Empirisch scheint sich für den Euroraum eher eine Short-Lag-Annahme zu bestätigen. Danach beträgt die Wirkungsverzögerung im Normalfall maximal sechs Monate; und es dauert im Regelfall vier bis sechs Quartale, bis eine Änderung der Leitzinsen ihre stärkste Wirkung auf das Bruttoinlandsprodukt entfaltet.

– Siehe Bremsweg, geldpolitischer, Elisabeth-Frage, Geldpolitik, vorausschauende, Modelle, geldpolitische, Transmissionsmechanismus, monetärer, Zinsweitergabe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Long-Position (long position):

Kaufposition in börsenmässig gehandelten Werten -Waren, Finanzinstrumente -, die noch nicht durch eine entgegengesetzte Position glattgestellt worden ist.

– Siehe Bandspreizung, Butterfly-Spread, Future, Glattstellung, Long-Hedge, Option, Short-Position.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Long-Put (long put, put purchase):

Position, die sich aus dem Kauf eines Put ergibt. Sie räumt dem Käufer das Recht ein, den Basiswert - Finanzinstrument, Ware - zum festgelegten Preis am vertraglich vereinbarten Termin zu verkaufen.

– Siehe Option, Long-Hedge, Long-Position.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Long-Short-Arbitrage (so auch im Deutschen gesagt, aber in unterschiedlicher Bedeutung):

1 Allgemein das planvolle Ausnutzen von Marktunvollkommenheiten bei der Preisbildung von Vermögenswerten, insbesondere von Aktien.

2 Bei Hedge-Fonds eine Strategie, bei der nach Ansicht der Manager

1. unterbewertete (undervalued: traded below its real value, although it is always problematic to determine a "real" value) Aktien gekauft (Long Strategie) und (im Gegensatz zum üblichen Aktienfonds)

2. gleichzeitig überbewertete Aktien verkauft werden (Short Strategie). Man spricht auch von Pair Trades, sofern eine vermeintlich unterbewertete Position gekauft und eine als überbewertet erscheinende Position derselben Gattung im gleichen Umfang leerverkauft wird.

– Wenn ein Hedge-Fonds-Manager ein Positionsübergewicht auf der Kaufseite hält, dann spricht man von einem Long Bias; entsprechend heisst ein Übergewicht auf der Verkaufsseite Short Bias.

– Siehe Hedge-Fonds-Strategien, Index-Arbitrage, Substanzwertanleger, Value-Management.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Loonie (so auch im Deutschen):

In der Finanzsprache

1 die kanadische Ein-Dollar-Münze (a gold-coloured bronze-plated coin, introduced in 1987; it bears images of a common loon, a well-known Canadian bird, on the reverse, and of Queen Elizabeth II on the face).

2 Staatsanleihen des kanadischen Bundesstaates. - Gelegentlich der Griechenland-Krise im Frühjahr 2010 empfahlen Anlageberater den Kauf solcher Papiere. Freilich ist der Markt für diese Titel verhältnismässig eng; er wies im Juni 2010 wies ein Volumen von 380 Mia CAD (etwa 303 Mia EUR) auf. Das ist weniger als ein Zehntel des Marktes für Anleihen aus den USA. Auch der - nur eingeschränkt gültige - Hinweis, die Anleihen Kanadas seien mit dem CAD auf eine "Rohstoffwährung" (raw material based currency) bezogen, ändert an diesem Umstand nichts. - Die Bezeichnung Loonie - auch als Spitzname für Kanadier überhaupt - ist übrigens nicht mit "Verrückter" (in this case written: loony) in Zusammenhang zu bringen, wie oft zu lesen. Vielmehr leitet sie sich ab von der Abbildung eines Seetauchers, engl. loon (in zoological classification a member of the genus Gavia, family Gaviidae), eines im Kanada in vielen Arten verbreiteten Schwimm- und Tauchvogels, abgebildet auf der Rückseite des CAD.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lorokonto (loro account):

1 Vor allem in der älteren Finanzsprache häufig vorkommende Bezeichnung für Kundenkonten, die in den Geschäftsbüchern eines Unternehmens geführt werden.

2 In einer Korrespondenzbank-Beziehung aus der Sicht von Bank X ein Konto, das die Bank Y bei der Bank X unterhält, in der Schweiz sagt man in diesem Fall Vostrokonto (an account held by bank X on behalf of [correspondent] bank Y).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Losanleihe (lottery loan):

Anleihe, die zwar voll getilgt, jedoch nicht oder nur gering verzinst wird. Der Gläubiger erhält dafür Lotterie-Prämien, deren Anzahl und Höhe nach einem Verlosungsplan (raffle schedule) festgelegt wird.

– Siehe Anlehnlose, Auslosungs-Versicherung, Prämien-Obligation, Prämien-Schatzanweisung, Sparprämienanleihe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lösegeldversicherung (kidnap and ransom insurance):

Anbieter dieser Art des Versicherungsschutzes haben besondere aufsichtliche Vorgaben zu beachten. So darf vor allem

1. für Lösegeldversicherungen keine Werbung betrieben werden,

2. es ist nicht gestattet, entsprechende Policen mit anderen Versicherungen gebündelt anzubieten und

3. es sind besondere Vorkehrungen in Bezug auf den Datenschutz zu treffen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hat dazu ein Merkblatt veröffentlicht, das auf ihrer Homepage abrufbar ist.

– Siehe Freikaufgeld, Ranzion.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Loskaufgeld (manumission payment; ransom):

1 Von einem Hörigen (Leibeigenen; bondman, villain) für den Befreiung aus der Leibeigenschaft (villainage, peonage: in manorial system a condition of compulsory servitude by which a person is restrained of his or her liberty and obliged to work for a lord of the manor; manor = lordship over land and subjects) früher zu entrichtender Geldbetrag, auch Freikaufgeld und Lediglassungsgeld und Lytrum genannt.

2 Der Freikauf (redemption) einer gewaltsam und rechtswidrig ergriffenen und festgehaltenen

1. Person (Geisel; hostage; auch Kriegsgefangener; prisoner of war) oder

2. eines Vermögensgegenstandes, insbesondere eines Schiffes, gegen Zahlung von Bargeld, in älteren Dokumenten auch Ranzion genannt

3 Manchmal auch vom Dispensationsgeld in allen seinen Bedeutungen gesagt.

– Siehe Fersengeld, Freikaufgeld, Fudelgeld, Kolonatikum, Lösegeldversicherung, Ranzion.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Losgrössen-Transformation (lot size transformation):

1 Die Tatsache, dass eine Bank von vielen Kleinanlegern das Geld sammelt und es in wenige grossvolumige Darlehn umwandelt.

2 Ein Unternehmen finanziert eine grössere Investition durch

1. die Einlagen mehrerer einzelner Geldgeber, die in der Regel am Gewinn beteiligt werden (Beteiligungs-Finanzierung; participation financing),

2. durch die Aufnahme mehrerer einzelner Darlehn bei verschiedenen inländischen und ausländischen Banken (Kredit-Finanzierung; credit financing) oder

3. die Begebung einer Anleihe bzw. der Ausgabe neuer Aktien.

– Siehe Fristentransformation, Modigliani-Miller-Theorem.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Loskurs (price drawn by lot):

An der Börse der Kurs eines Wertpapiers,

1. das gleichzeitig viele Nachfrager von lediglich einem einzigen Anbieter kaufen möchten oder

2. mehrere Anbieter gleichzeitig an allein einen einzigen Nachfrager verkaufen wollen.

An den Börsen wird diesfalls zumeist durch Los (lot: an object used in making a determination at random) entschieden, wer zum Zuge kommen kann. - Ein Loskurs muss in der Regel gemäss der jeweiligen Börsenordnung im Kursblatt besonders gekennzeichnet werden.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Loss Leader und Low-Budget Offer (so auch im Deutschen gesagt; manchmal auch Lockangebot und Niedrigpreisofferte):

Im Finanzbereich ein zu kaum kostendeckenden (cost-covering) Preis angebotenes Produkt mit der Absicht,

1. neue Kunden damit zu gewinnen oder

2. das Abwandern von Kunden (customer desertion, customer churn) zur Konkurrenz aufzuhalten.

– Siehe Cold Calling, Internet-Angebote, Kiddies Manager, Jubiläums-Veranstaltung, Mail Shot, Product Placement, Schleichwerbung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Losschnallen (unbuckling):

Die Möglichkeit einkommensstarker Bürger vor allem der USA, durch Stiftungen Steuern zu sparen. Das Stiftungsvermögen wird dabei in der Regel, weil teilweise gesetzlich vorgeschrieben, in langfristigen öffentlichen Papieren angelegt. Es macht daher in den USA einen nicht unbedeutenden Teil der Nachfrage auf diesem Markt aus.

– Siehe Soft Money, Stiftungsfonds.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Losung (daily proceeds; earning duty):

1 Bei einem Unternehmen die Bargeldeinnahmen eines Tages aus dem Verkauf.

2 In alten Dokumenten auch eine Abgabe, die als Prozentsatz

1. vom (Gewerbe)Ertrag bzw.

2. vom Vermögen zu entrichten war.

– Siehe Detz, Kopfgeld, Trinkgeld, Viehgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lot (so auch im Deutschen gesagt, aber in unterschiedlicher Bedeutung):

1 Die Mengeneinheit eines Kontraktes (one unit of trading: the minimum contract size).

2 Altes Edelmetallgewicht: 1 Lot = 18 Grän = 1/16 Mark.

3 Bei Münzen ehedem die Masseinheit für den Feingehalt (Korn) zum Gewicht der Münze gesamthaft (Schrot; shred).

– Siehe Alliage, Geld, böses, Kipper, Lötigkeit, Odd Lot.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lötigkeit (fineness):

Bei den alten Münzen das Verhältnis zwischen Edelmetall - etwa: Gold; auch Korn genannt - und dem Zusatz anderer Metalle - etwa: Kupfer; auch Schrot genannt. Schrot und Korn zusammen nannte man in der älteren Literatur auch die Lega (mixture).

– Siehe Abnutzung, Alliage, Demonetisation, Doublé-Münze, Feinheit, Goldwaage, Infrangiblität, Lot, Münzen-Paradoxon, Passiergewicht, Pfundgeld, Raugewicht, Remedium, Wardein, Wipper.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lotsengeld auch Pilotengeld und in älteren Dokumenten auch Pilotage (pilotage):

Beim Ein- und Auslaufen von Häfen bzw. gefährlichen Küstenabschnitten besteht für Schiffe oftmals die Pflicht, einen Lotsen (Piloten; pilot) an Bord zu nehmen; in alten Dokumenten manchmal Bootsmann und dann auch Bootsmanngeld genannt. Die Schiffseigner haben dafür eine behördlich festgelegte Gebühr zu entrichten; § 621 HGB.

– Siehe Ankergeld, Auseisunggeld, Bordinggeld, Hafengeld, Kapgeld, Kaigeld, Krangeld, Ladegeld, Lastgeld, Leichtergeld, Liegegeld, Leuchtturmgeld, Mützengeld, Pratikageld, Schleusengeld, Tonnengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lottchen, doppeltes (two time Lotte):

Im Börsenjargon gesagt von Asset-Backed Securities-Collateralised Debt Obligations (ABS-CDO), also Asset-Backed Securities, die selbst wieder Asset-Backed Securities enthalten. In der Regel sind solche Papiere vor allem hinsichtlich ihres Risikogehalts nur sehr schwer durchschaubar.

– Siehe Credit Default Swap im Quadrat, Finanzarchitektur, Krise der Sicherheiten, Monoliner, Papiere, toxische, Produktregistrierung, Reintermediation, Verpackungskunst, Verständlichkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lotterie (lottery):

Eine besondere Art des Glücksspiels (gambling game). Der hauptsächliche Unterschied zum Glücksspiel i. S. von § 284 StGB liegt darin, dass die Lotterie das Vorliegen eines Spielplans voraussetzt. Dieser wird regelmässig vom Veranstalter vorgegeben. Der Spielplan regelt den Spielbetrieb im Allgemeinen und gibt die Teilnahme-Bedingungen an. - Eine Sportwette (sport bet) ist keine Lotterie, da der Spieler seinen Einsatz selber bestimmen kann. Zusätzlich ist die Gewinnquote zwischen Wetter und Buchmacher für jede Spielpaarung individuell; sie wird jedes Mal neu festgelegt. - Von der Lotterie ist die Ausspielung (Tombola) zu unterscheiden, bei der ein Gewinn nicht in Geld, sondern in Gegenständen geschieht. Soweit diese in einer geschlossenes Gesellschaft (etwa: Pfarrfest, Betriebsjubiläum) stattfindet, so ist eine behördliche Genehmigung nicht erforderlich. Sonst bedarf jede Form des öffentlichen Glückspiel-Betriebs der behördlichen Genehmigung. Im Gegensatz zu einer weit verbreiteten Meinung unterliegen Glückspiel-Unternehmen jedoch nicht der Aufsicht durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, wiewohl in diesem Bereich beträchtliche Summen bewegt werden und der Markt ziemlich unübersichtlich geworden ist.

– Siehe Finanzwetten, Losanleihe, Wettbüro.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Louisiana-Pleite auch Mississippi-Taumel (Louisiana flop):

Von dem in Frankreich seit 1712 als Generalkontrolleur der Finanzen tätigen schottischen Geldtheoretiker John Law (1671-1729) gegründete Aktiengesellschaft (Compagnie de la Louisiane ou d'Occident, kurz: Mississippi-Kompanie) mit dem Ziel, die damals unter französischer Herrschaft stehenden Mississippi-Länder zu erschliessen. - Durch das Wecken völlig überzogener Hoffnungen auf Gewinne stieg der Kurs der Aktien fortwährend. Die Anzahl der Aktien wurde stillschweigend vermehrt. Tatsächlich jedoch kam kein einziger der viele Pläne zur Ausführung. Die Gesellschaft ging schliesslich in Konkurs. Tausende von Kleinanlegern verloren ihre häufig auf Kredit finanzierten Einlagen. Das Vertrauen in Banken und Aktiengesellschaften war in Frankreich für lange Zeit geschwunden.

– Siehe Crash, Darien-Pleite, Finanzkrise, lasten, Spekulation, Tulpencrash, Überschwang, unvernünftiger.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Louvre-Akkord (Louvre accord):

Im Februar 1987 vereinbartes Abkommen der führenden Industrienationen mit dem Ziel, das weitere Sinken des Kurses des USD aufzuhalten und entsprechend Stützungskäufe zu tätigen. Trotzdem setzte der USD lange Zeit seinen Abwärtstrend unter starken Schwankungen fort. - Am 19. Oktober 1987 verlor der der US-Aktienindex Dow Jones 22,6 Prozent: der bis dahin grösste Tagesverlust aller Zeiten. Wie sich herausstellte, trug das Algorithmushandel wesentlich zur Beschleunigung des Kursverfalls bei.

– Siehe Brady-Kommission.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Low (so hier auch im Deutschen gesagt):

Der an einem Börsentag niedrigste Preis für ein Future (the lowest price of the day for a particular futures or options on futures contract).

– Siehe Option, Rohstoff-Terminvertrag, Termingeschäft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Low Coupon Papers (so auch im Deutschen gesagt):

Sammelbegriff für Titel, die über eine niedrige Nominalverzinsung verfügen und weit unter dem Rückzahlungswert von hundert Prozent notieren. Die jeweiligen Emittenten haben die Papiere in Zeiten niedriger Marktzinsen begeben. Innert der Laufzeit ist jedoch das Zinsniveau gestiegen, und die Papiere sind daher im Kurs entsprechend gefallen.

– Siehe High Yields, Low Performer, Mauerblümchen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Low-Excercise-Price-Option, LEPO (so auch im Deutschen gesagt):

Bei Index-Zertifi¬katen eine Call-Option mit einem Ausübungspreis ziemlich nahe bei null. Dadurch ist die Call-Option sehr tief im Geld und vollzieht fast die gleiche Preisentwicklung wie der Basiswert selbst. Da eine LEPO auf Aktien bzw. Indizes keine Dividende ausschüttet, so ergibt sich ihr Fair Value aus dem aktuellen Kurs des Basiswertes, vermindert um den Barwert der erwarteten Dividende. Soll beispielsweise eine Aktie mit einer Option kombiniert werden, so nutzt der Emittent in der Praxis anstelle der Aktie eine LEPO als Basiswert.

– Siehe Call-Option, Unterwasser, Zertifikat.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Low Income Countries, LICs (so oft auch im Deutschen gesagt, mitunter auch einkommensschwache Staaten):

In der Fachsprache der Entwicklungspolitik Länder mit sehr niedrigem Lebensstandard der Bevölkerung. Der Internationale Währungsfonds und die Weltbank haben verschiedene Masstäbe veröffentlicht, wo neben dem gemessenen Prokopf-Einkommen auch Umstände wie die Trinkwasser-Versorgung, der Gesundheitszustand der Bevölkerung, der Anteil der Analphabeten, die Stabilität des Finanzsystems sowie andere Merkmale berücksichtigt und entsprechend bewertet werden.

– Siehe Bankenkrise, BRIC-Länder, Finanzierung, erfolgsabhängige, High Yields, Mikro-Finanzierung, Ungleichheits-Falle, Washington Consensus.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Low Performer und Lowperformer (so auch oft im Deutschen, daneben Niete):

1 Bestandteil in einem Portfolio, der einen vergleichsweise nur geringen Ertrag bringt.

2 Ein leistungsschwacher (inefficient, under-performing) einzelner Mitarbeiter (an employee with characteristics as: negative attitude, incompetence, lack of initiative, stirs-up trouble, blames others [in Germany - and in Switzerland particulary - an unknown fellow]), das Gegenteil ist ein High Performer.

3 Im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise auch von einem Banker allgemein gesagt, wiewohl eine solche Verallgemeinerung sachlich unberechtigt ist; denn die überwiegende Zahl der Banker in Deutschland - gerade bei Sparkassen und Volksbanken - handelten keineswegs leichtsinnig.

– Siehe Bankenschelte, Finanzsodomit, High Flyer, High Potential, Hot Spot, Infighting, Job-Hopper, Lemons-Problem, Low Kupon Papers, Marktperformer, Mauerblümchen, New Hire, Peter-Regel, Risiko, personelles, Schlafgeld, Talentknappheit, Underperformer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Löwengeld (lion coin):

In alten Dokumenten Münzen, mit dem Löwen auf dem Revers. Aus der Zeit, dem Ort und dem Textzusammenhang muss dabei gefolgert werden, um welche Geldstücke es sich jedesmal handelt.

– Siehe Landgeld, Lizentgeld, Numismatik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lucas-Paradoxon (Lucas paradox):

Geld für Investitionszwecke fliesst eher von armen Ländern in reiche Staaten als umgekehrt.

– Siehe Kapitalstrom-Paradoxon.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Luftloch (air pocket; pocket = here: Loch):

An der Warenbörse gesagt von einer bestimmten Marktlage, bei der es vorübergehend an Kaufaufträgen fehlt, jedoch bald mit einer Nachfragebelebung zu rechnen ist. Näherhin bleiben Limitaufträgen (limit orders: orders placed with a broker to buy or sell a set number of papers at a specified price or better) aus. Das führt bei einem vorübergehenden Rückgang der Nachfrage gesamthaft dazu, das schon ein kleiner Überhang von Leerverkäufen bewirkt, dass die Kurse durchsacken (drop suddenly: stall out), vergleichbar einem Flugzeug, das durch ein Luftloch plötzlich an Höhe verliert.

– Siehe Kurseinbruch, Kurslücke.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Luftpapiere (values in the air):

Mit der Subprime-Krise 2007 aufgekommene Bezeichnung für

1. hochbonitär scheinende Begebungen

2. selbst auch erster Adressen, also keine Dingo-Werte zweifelhafter Emittenten oder gar Finanzgeier,

3. die aber im Grunde wertlos sind.

– Das weltweit angesehene Investmenthaus Goldman Sachs (GS) mit Hauptsitz in Neuyork tranchierte beispielsweise 2006 einen Pool, in dem 8'274 Hauskredite, überwiegend in Kalifornien, gebündelt waren. Der Wert dieses Portfolios wurde ursprünglich mit 494 Millionen USD angesetzt. Wie sich später herausstellte, standen hinter den verbrieften Hausbau-Darlehn gerade einmal 0,71 Millionen USD Eigenkapital. Die Revisoren deckten ferner auf, dass bei fast sechzig Prozent der Schuldner die Einkommensverhältnisse überhaupt nicht oder grob fahrlässig überprüft wurden: es handelte sich ganz klar um Ninja-Loans.

– Siehe Asset-Backed Securities, Ausfall-Verlust, Bad Bank, Ballon-Kredit, Billigkopie, Blue-sky laws, Darlehn, nicht standardisiertes, Finanzkrise, Finanzmarktstabilisierungsgesetz, Hypo Real Estate-Rettung, IndyMac-Pleite, Jingle Mail, Kredit, regressloser, Kreditvergabe-Grundregel, Krise der Sicherheiten, Liquiditätspool, Northern Rock-Debakel, Originate-to-distribute-Strategie, Panikverkäufe, Papiere, toxische, Rückschlag-Effekt, Subprime-Krise, Subprime Lending, Unterseeboot-Effekt, Verbriefung, traditionelle, Verbriefungsstruktur, Vertrauensblase, Zitronenhandel, Zweckgesellschaft, Zwei-Achtundzwanzig-Kredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lug-und-Trug These (lies and deception proposition):

Von dem Nationalökonomen Friedrich August von Hayek (1899-1992) in Bezug auf den Umgang des Staates mit dem Geld aus der Menschheitsgeschichte hergeleitete Feststellung in Form eines Lehrsatzes. Immer sind Herrscher - und selbst auch vom Volk gewählte Regierungen - den zunächst bequemen Weg über eine Vermehrung der Geldmenge gegangen, um anstehende Probleme zu lösen. Die Erklärung hierfür ist einfach. Die Änderung der Masstabeigenschaft des Geldes

1. ist in der Regel nicht sofort sichtbar,

2. über den durch die Inflation bewirkten Kaufkraftentzug werden Lasten, die eigentlich bestimmte Gruppen tragen müssten, nach dem Rasenmäherprinzip (lawn mover princple, drip-feed method) auf alle verteilt und

3. die für die Wirtschafts- und Sozialpolitik Verantwortlichen können die durch ihre Massnahmen bewirkte Geldwertverschlechterung als das böse Tun anderer hinstellen; laut Ausweis der Geschichte waren schon immer Abzocker, Geldwechsler (money changer) Wucherer (extortioners), Spekulanten, Devisenschieber (currency profiteers), Geldsauger, Juden, Stockjobber, Multis (multinational companies), Kriegsgewinnler (war profiteers), Geschäftemacher (racketeers), Finanzgeier und andere finstere, missliebige Kreise Schuld am Geldwertzerfall. Das das hat sich bis heute kaum geändert.

– Siehe Assignaten, Diätrendite, Europäische Währungsunion, Grundfehler, EZB-Sündenfall, Falke, Finanzinvestition, Friedman-These, Führung, verbale, Geld, billiges, Geld, sittliches, Geldeingentumsrecht, Geldwertstabilität, Inflations-Steuer, Konstanz-Kriterium, Krise, zentralbankbewirkte, Marktschelte, Menükosten, Money-matters-Theorem, Nominalwertprinzip, Niedrigzinspolitik, Nullzins, Phillips-Theorem, Quantitative Easing, Repression, finanzielle, Subprime-Krise, Tarnkappen-Politik, Tresorboom, Verfassungsartikel eins, Verschuldungsanreiz, Weginflationierung, Zahltag-Grundregel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lumpensammlergeld (payment for authorising to collect used clothing and textiles, concession levy on ragmen):

Von Papiermühlen (paper mills) zum Sammeln von Lumpen angestellte Personen bedurften in einigen deutschen Territorialstaaten eines Erlaubnisscheins mit Namen des Lumpensammlers und Angabe der Papiermühle sowie Beschreibung der Gegend, in welcher dieser tätig ist. Für diesen Pass war - in der Regel einmalig - eine Zahlung an die Konzessionsbehörde (licensing authority) zu leisten. - Das früher nur handwerklich betriebene Textilgewerbe führte immer wieder - und in Kriegszeiten zumal - zu Versorgungsengpässen (shortages of supply) bei Kleidung und zu hohen Preisen für Webwaren. Dies schlug auch auf Lumpen durch. Die Erlaubnispflicht für das Lumpensammeln sollte verhindern, dass die knapp gewordenen Lumpen nicht zum Nachteil heimischer Papiermühlen in benachbarte Gegenden verkauft wurden.

– Siehe Hammelgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Lustbarkeitsgebühr (entertainment fee):

In älteren Dokumenten eine Abgabe für die ordnungs- und feuerpolizeiliche Überwachung von Lustbarkeiten. Als solche galten alle Veranstaltungen, Darbietungen und Vorführungen, welche nach Absicht des Veranstaltenden zur Ergötzung und Unterhaltung geeignet sind. Dabei spielte es in der Regel keine Rolle, ob höhere Belange der Kunst oder Wissenschaft obwalteten, ob Eintrittsgeld erhoben wurde und ob das Eintrittsgeld und allfällige weitere Einnahmen einem wohltätigen Zweck (charitable purpose) zuflossen.

<– Siehe Abstandsgeld, Bettlerglöckchen, Drehorgel-Geld, Marktgeld, Messegeld, Tanzkonzessionsgeld, Türgeld./p> Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Luxusgeld (mad money, pin money):

Mittel, die eine Privatperson für Ausgaben verwendet, die weit über die gewöhnliche Lebensführung reichen (money for frivolous purchases or little luxuries; money for a bit of riotous, unruly living-it-up).

– Siehe Geldtheologie, Luxuskonsum, Verbraucher, geltungssüchtiger.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Luxuskonsum (luxurious consumption):

Allgemein die Nachfrage nach Gütern, welche

1. über die in einem Land (in a society)

2. zu einer bestimmten Zeit

3. durchschnittlich vorherrschenden Verbrauchsgewohnheiten (averaging consumer habits) auffällig (remarkable) hinausgeht.

– Siehe Luxusgeld, Verbraucher, geltungssüchtiger.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen