Versicherungsoptimierer.net - Finanzlexikon - K

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Kaaggeld (cargo boat fee):

In älteren Dokumenten die Gebühr zur Miete einer Kaag, eines einmastigen, flachbodigen Güterkahns. Die ungefähr fünfzehn Meter langen Schiffe dienten vor allem der Güterbeförderung auf den Binnengewässern (internal waters).

– Siehe Abfertigungsgeld, Auseisunggeld, Bordinggeld, Bugsiergeld, Gussgeld, Hafengeld, Halage, Kaigeld, Kapgeld, Krangeld, Lastgeld, Leuchtturmgeld, Lotsengeld, Mützengeld, Pfundgeld, Pratikageld, Schleusengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kabelkurs (cable rate):

In älteren Veröffentlichungen der Kurs eines Wertpapiers oder einer Ware, der über Fernschreiber (Telegraph; teleprinter, telex, ticker) übermittelt wurde. Der Fernschreiber war vor der Computerisierung eine kabelgebundenes (cable-based) Gerät zur Übermittlung von Informationen, ähnlich dem Festnetz-Telephon und dem Faxgerät. Am Empfangsgerät (receiver terminal) wurden die gesendeten Schriftzeichen selbsttätig mit Hilfe eines Farbbandes (inked ribbon) ausgedruckt.

– Siehe Ticker.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kabinen (booths):

An der Börse - vor allem von Neuyork und London gesagt - Arbeitsplätze in unmittelbarer Nähe des Börsenraums (workspaces around the perimeter of the stock exchange trading floor). Hier können Börsenmitglieder und Makler abhörsicher (bug-proof, tap-proof: [wire]tap = here: any form of electronic eavesdropping accomplished by seizing or overhearing communications by means of a hidden recording or listening device connected to the transmission line) in Verbindung über Computer oder Telephon mit Auftraggebern treten.

– Siehe Börse, elektronische, Börsenfunktionen, Börsenordnung, Broker, Devisenhandel, computerisierter, Disintermediation, Dual Listing, Dual Trading, Handelssystem, alternatives, Hochfrequenzhandel, Inhouse-System, Platzgebrauch Quote-Stuffing-Taktik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kaduzierung (forteiture of papers):

Die Nichtigkeitserklärung eines Wertpapiers und besonders einer Aktie. - Eine Aktie kann auch ohne gerichtliches Urteil für nichtig erklärt werden, wenn etwa trotz ordnungsgemässer Aufforderung der Inhaber die ausstehende Vollzahlung nicht leistet.

– Siehe Mortifikation.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kaffee-Kasse (thank-you box, coffee kitty):

Oft in Arztpraxen, Krankenhäusern und anderen Dienstleistungs-Betrieben aufgestellte Sammelbüchse zur Aufnahme von Trinkgeld durch Patienten und Besucher. Mit dem so eingegangenen Geld wird in der Regel Kaffee oder andere Getränke zur Beköstigung der dort Beschäftigten eingekauft.

– Siehe Einstandsgeld, Kasse, Portokasse.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kaffeesteuer (impost on coffee):

Im 18. Jahrhundert verboten viele landesherrlichen Verordnungen in Deutschland den Genuss von Kaffee überhaupt. Schon der Besitz von Kaffeemühlen wurde hie und da zum Straftatbestand erklärt. - In anderen Gebieten belastete man den Kaffee mit ausserordentlich hohen Abgaben und setzte ergänzend weitere Beschränkungen. So konnten etwa

1. Kaffeeschulden nicht eingeklagt werden,

2. Kaffee vermochte auch nicht als Pfand für ein Darlehn zu dienen,

3. nur eine sehr hoch angesetzte Mindestmenge von Kaffee durfte verkauft werden bei gleichzeitigem Verbot, dass der Käufer - in der Regel ein Gastwirt - von seinem Vorrat kleinere Mengen wiederverkauft oder

4. lediglich rohe Kaffeebohnen waren zum Handel bewilligt, kein gerösteter oder gemahlener Kaffee. Die zeitgenössischen Verordnungen sind reich an weiteren Massnahmen zur Regelung des Marktes mit Kaffee. Denn Kaffee galt weithin als gesundheitsschädliche Droge.

– Bis heute ist der Marktverkehr mit Kaffee in vielen Ländern mit Belastungen bebürdet. So erhebt etwa Deutschland eine Kaffeesteuer nach dem mehrmals novellierten Kaffeesteuergesetz. Der Steuersatz liegt derzeit für Röstkaffee 2,19 Euro je Kilogramm und für löslichen Kaffee 4,78 Euro je Kilogramm. Das Aufkommen aus dieser Abgabe betrug im Jahr 2013 etwa 1 Mrd Euro. - Im Februar 2013 wurde eine Petition (petition: a written document that many people sign to express that they want the government to do or change something) zur Abschaffung der Kaffeesteuer von zuständigen Ausschuss des Deutschen Bundestags endgültig abgelehnt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Käfig (cage):

Im Jargon die Abteilung eines Instituts oder einer Wertpapierhandelsfirma, wo Wertpapiere laufend gegenständlich hereingenommen, herausgegeben und auch zumindest für kurze Zeit aufbewahrt werden (the department of an institute or brokerage firm that receives, distributes and maintains securities in physical form). Die Bezeichnung kommt wahrscheinlich von daher, weil - zumindest früher - dieser Arbeitsbereich zum Schutz vor Diebstahl und Raub durch hohe Gitter ringsum abgetrennt war.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kaigeld auch Quaigeld und Quaiage (wharfage):

Unterschiedlich ausgestatte Abgabe, die Schiffe zu entrichten haben, die

1. am Kai (Quai: Hafendamm [Mole; mole, seewall, breakwater] bzw. Uferdamm [Pier; pier, dock]) anlegen,

2. dort löschen (= Güter ausladen; discharge, unship) oder Güter laden bzw.

3. heute vor allem bei Kreuzfahrtschiffen (cruise liner) auch Fahrgäste an Land lassen oder vom Festland an Bord aufnehmen.

– Siehe Ankergeld, Auseisunggeld, Hafengeld, Furtgeld, Krangeld, Lastgeld, Liegegeld, Lotsengeld, Pratikageld, Wägegeld, Reedergeld, Tonnengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kaisermünzen (empire coins):

1 Geldstücke aus Metall mit

1. dem Bildnis eines Kaisers,

2. in weiterem Sinne auch in Bezug auf den übergeordneten Herrscher gesagt.

2 Münzen mit dem Abbild des römischen Kaisers auf dem Revers. Im Römerreich behielt sich seit Augustus (63/44 v. Chr.-12 n. Chr.) der jeweilige Kaiser das Recht vor, Münzen aus Gold und Silber in Umlauf zu geben. Kleinere Geldstücke aus anderem Metall wie Kupfer und Messing konnte der Senat ausprägen lassen.

3 In Deutschland früher auch gesagt von Reichsmünzen, im Gegensatz zu Herrengeld.

– Siehe Bischofsgeld, Doublé-Münze, Eteostichon, Herrengeld, Infrangiblität, Münzen-Paradoxon, Münzsystem, römisches.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kalbgeld (calf money):

1 in älteren Dokumenten

1. die Bezahlung beim Kauf eines Kalbes oder

2. die vertraglich vereinbarte Zahlung bei der Viehleihe (lending of cattle: customarily by the rich to the poor members of a community) und Viehpacht.

2 Frühere regelmässige, meist jährliche Zahlung an die Grundherrschaft infolge einer abgelösten Pflichtigkeit (Fron; soccage), Kälber dinglich, gegenständlich zu liefern, auch Kalbbede genannt.

– Siehe Abgaben, Dispensationsgeld, Freikaufgeld, Frongeld, Hammelgeld, Kuhgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kaldor-Hicks-Kriterium (Kaldor-Hicks criterion):

Jede wirtschaftspolitische Massnahme einschliesslich jederart Politik der Zentralbank führt dann nur zu einem gesamtgesellschaftlichen Wohlstand-Anstieg, wenn

1. Personen, die einen Wohlstandanstieg erfahren,

2. jene Menschen voll entschädigen können, welche Wohlstandeinbussen erleiden,

3. indessen aber doch einen Teil des ursprünglichen Wohlstandgewinns erhalten (any economic policy measure improves the overall economic welfare only if those who gain can compensate those who lose, and still be better off). Im Zuge der Krisenpolitik der EZB wurde das Kaldor-Hick-Kriterium zur Begründung herangezogen. Indessen wird beim Kaldor-Hicks-Kriterium stillschweigend eine einheitlich verfasste Gesellschaft, ein Staat unterstellt. Die EWU ist aber kein Staat in diesem Sinne.

– Siehe Anmassung, zentralbankliche, Angst, perverse, Aufkäufe, zentralbankliche, Bail-out, Bazooka, Erpressungspotential, Euro-Bonds, EZB-Sündenfall, Moral Hazard, Niedrigzins, Nuklearoption, Nullzins, Perpetuum Mobile, Plan C, Renationalisierung, geldpolitische, Rettungspaket, Weginflationierung, Zwangsenteignung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kalender-Effekt (calendar effect):

1 In Statistiken allgemein und in Finanzmarkt-Statis¬tiken im Besonderen Verzerrungen der zahlenmässig abgebildeten Transaktionen aufgrund der Tatsache, dass

1. Monate unterschiedlich lang sind und

2. sich Feiertage manchmal mit Wochenenden unmittelbar oder unter Dazwischenschaltung eines Arbeitstages mittelbar aneinanderreihen (sog. Brückentag bzw. [in Österreich] Fenstertag; bridge day: a non-working day to fill the gap between a holiday Thursday or Tuesday and the weekend; such bridge days are fairly common, even if they are not officially recognised).

2 Empirisch zu beobachtende aussergewöhnliche Umstände an bestimmten Tagen (Jahresultimo-Börse; exchange on year-end) oder Monaten (Januar-Effekt) auf Finanzmärkten.

– Siehe Emissionskalender, Freitag-13-Anomalie, Halloweenregel, Januar-Effekt, Montags-Effekt, Sell-in-May-Effekt, Weihnachts-Belebung, Wochenend-Effekt.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2006, S. 49 ff. (ausführliche Darstellung mit Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2012, S. 53 ff. (erschöpfende, lehrbuchmässige Darstellung im Sinne von 1; detaillierte Beschreibung auch in Bezug auf einzelne Branchen), Monatsbericht der EZB vom Mai 2014, S. 49 ff. (Kalender-Effekte bei der Messung der Inflation).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kalenderjahr (calender year):

Der Zeitraum vom 1. Januar bis zum 31 Dezember eines Jahres. Viele Unternehmen wählen aber für ihre Bilanz und den Geschäftsbericht nicht das Kalenderjahr, sondern das Geschäftsjahr (business year, accounting year: the twelve-months period for which financial statements are produced, and in relation to which the tax liabilities are calculated). Dies geschieht meistens wegen der Saisonabhängigkeit (seasonality) der Geschäfte - wie etwa in der Touristikbranche oder im Baugewerbe -, die eine vom Kalenderjahr abweichende Rechnungsperiode sinnvoll und angeraten erscheinen lässt. Bei statistischen Vergleichen, die auf Bilanzdaten beruhen, ist diese Verschiebung stets zu beachten.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2012, S. 53 ff. (kalendertägliche statistische Erfassung in einzelnen Branchen; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kalender-Spread (calendar spread):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter zwei zur gleichen Zeit eingegebene Einzelaufträge über Kauf und Verkauf derselben Anzahl von Kontrakten desselben Produkts, die sich nur in Bezug auf Fälligkeit unterscheiden (an option strategy which generally involves the purchase of a farther-term option, call or put, and the writing of an equal number of nearer-term options of the same underlying asset and strike price).

– Siehe Bandspreizung, Butterfly-Spread, Future, Long-Hedge, Option, Long-Position, Short-Position, Straddle, Time-Spread.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kalendertag (calendar day):

Bei Verträgen auf dem Finanzmarkt das dort genannte Datum. Es wird dabei keine Rücksicht genommen, ob der betreffende Tag ein Arbeitstag oder ein Feiertag ist (any day of the year, regardless of whether this is or not a working day).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kalfatergeld (caulking fee):

Betrag, den früher der Reeder für das Dichten des - meistenteils aus Holz gefertigten - Schiffes zu zahlen hatte. - Ritzen und kleine Löcher an der Schiffsaussenwand sowie an Deck wurden dabei vermittels besonderer Werkzeuge - wie Klamei-Eisen (horsing iron; Werkzeug, um die dicken Seitenplanken eines Schiffes zu kalfatern), Kalfateisen, Dichthammer und Rabatteisen (making iron) - mit Werg (tow), Talg (tallow), Pech (pitch) und Teer (tar) ausgefüllt. Versicherer machten das regelmässige Kalfatern oft zur Pflicht für den Schiffseigner; sonst wurde die Versicherung mit der einschränkenden Klausel "frei von Leckage" (free from leakage) abgeschlossen. In den Seehäfen waren daher auf das Kalfatern spezialisierte Unternehmen tätig. Das Kalfatergeld wurde in der Regel in das Frachtgeld eingerechnet.

– Siehe Gussgeld, Kapplaken, Leakage, Ladegeld, Reedergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kalibrierung (calibration; calibrate = to standardise by determining the deviation from a standard so as to ascertain the proper correction factors):

1 Die Einstellung der Risikogewichte auf die jeweiligen Kreditrisiken; näherhin die Zuweisung von Ausfallwahrscheinlichkeiten zu den einzelnen Rating-Klassen. - Ein Ratingsystem gilt als gut kalibriert, wenn die angesetzten Ausfallwahrscheinlichkeiten gar nicht oder nur unbedeutend von der eintretenden Ausfallquote (default rate) abweichen. Im Zuge von Basel-II ist die Kalibrierung methodisch vorgegeben bzw. empfohlen.

2 In weiterem Sinne zählt man zur Kalibrierung auch die Einplanung weiterer Risiko-Einflussgrössen, wie vor allem die Verlustquote und die Höhe der Kreditsumme zum Zeitpunkt des Ausfalls.

– Siehe Ausfallwahrscheinlichkeit, Rating, Trennschärfe, Validierung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2001, S. 29 f., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2003, S. 64 f., Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 37, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2004, S. 80 ff. (S. 93: Übersicht der Mindestanforderungen nach Basel-II), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2006, S. 35 ff. (breite, zusammenfassende Darstellung mit Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kalkulationszinssatz auch Kalkulationszinsfuss (adequate target rate, required rate of return):

Allgemein die von einem Investor bei einer Wirtschaftlichkeitsrechnung angesetzte Mindest-Verzinsung seines Kapitals (the rate of return the providers of funds can reasonably ask for given the level of risk of the project, company, venture, etc., they invest in).

– Siehe Ertrag, Rendite.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kalkulationsverordnung, KalV (calculation ordinance):

Wenn nicht anders definiert die aufsichtlichen Vorgaben für die Versicherung, wie in bestimmten Fällen die Kosten zu berechnen sind.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 82 f. (Einzelheiten zur neuen Verordnung), Jahresbericht der BaFin 2008, S 73 (Änderung der KalV), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 246 (Streitfragen zur KalV).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kalmäuser (penny-pincher):

In älteren Dokumenten in Bezug auf den kaufmännischen Verkehr eine Person, die übertrieben-genau und schon ins Krankhafte gehend (in pathological overdrive) bei Zahlungen handelt. Das Gebaren in diesem Sinne wurde auch als Kalmäuserei bezeichnet.

– Siehe Argyromanie, Chrematonomie, Chrysokratie, Geiz, Geldhai, Geldquetscher, Geldraffer, Geldversessenheit, Harpax, Mammonismus.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kaltaquise (canvassing from door to door):

In der Branche (unreeller; wildcat: characterised by unreliable, untrustworthy business methods) Finanzberater; geläufiger Ausdruck in Bezug auf die kundenfängerische Tür-zu-Tür-Werbung für Finanzprodukte.

– Siehe Cold Calling.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kaltstellung (sidelining, frozing out):

1 Machenschaften (racketeering) eines Grossaktionärs (principal shareholder), um Kleinaktionäre zum Verkauf ihrer Aktien zu bewegen.

2 Sperre für einen Spekulanten, der nicht imstande ist, einer Nachschuss-Aufforderung seines Maklers (seiner Bank) nachzukommen.

– Siehe Aushungern, Gerüchtestreuen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kaminfegergeld und Schornsteinfegergeld (chimney sweeper fee):

Gebühr, die für das Reinigen der Schornsteine (Rauchfänge, Kamine, Kimmiche, Schlote) und die Kontrolle der Feuerungsanlagen in allen Gebäuden entrichtet werden muss. - In Deutschland herrscht seit dem 17. Jht. aus Gründen der Feuersicherheit (fire prevention) Kehrzwang für jederart Kamine (compulsory furnace and chimney cleaning); Rechtsgrundlage ist heute das inzwischen mehrmals novellierte Schornsteinfegergesetz (SchfG) aus dem Jahr 1969.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kamerale (national finances):

In älteren Dokumenten die Einnahme-Ausgabe-Wirtschaft des Staates, der Staatshaushalt.

– Siehe Budget, Etat.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kämmerei, Kammer sowie Tresor, Tresorerie und Ärarium (treasure chamber, finance department):

In der älteren Literatur Bezeichnung für die Geld- und Vermögensverwaltung einer öffentlichen Stelle oder eines Kirchenbezirks, etwa Bistum oder Landeskirche. - Kämmerer (chamberlain, treasurer) ist der mit der Verwaltung der Finanzen betraute (obere) Beamte.

– Siehe Defterdar, Hypogäum, Schatzkammer, Staatsschatz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kammergerichtsgeld (levy for the maintenance of the Imperial High Court):

Im Jahr 1507 eingeführte Reichssteuer zur Unterhaltung des Reichskammergerichts als dem Obersten Gerichtshof im Deutschen Reich zwischen 1495 und 1806, auch Kammerzieler (Zieler = hier: Steuer) genannt. Das eingehende Geld wurde vom "Kayserlichen Reichs-Cammer-Gerichts Pfenningmeister" verwaltet. - Der Gerichtshof hatte seinen Sitz zunächst in Frankfurt am Main, später in Speyer und wegen der kriegerischen Einfälle der Franzosen (French war attacks) ab 1693 in Wetzlar. - Die Gebühren für das Gericht (Expensen) waren zuletzt in der Kammergerichts-Ordnung aus dem Jahr 1555 im Einzelnen geregelt.

– Siehe Bankgeld, Dreidingsgeld, Expensen, Gerichtsgeld, Inrotulationsgeld, Justitiengeld, Platzgeld, Schöffengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kammer für Wertpapierbereinigung (securities validation tribunal):

Nach dem Zweiten Weltkrieg (1939-1945) eingerichtete und mit dem Gesetz zur Bereinigung des Wertpapierwesens (Wertpapierbereinigungsgesetz, WPapBerG; Securities Validation Law) vom 19. August 1949 in ihrem Aufgabenkreis näher bestimmte Dienststelle. Zweck war es, nach den Kriegsereignissen und Gebietsverlusten Deutschlands die in Kraft bleibenden von den für kraftlos zu erklärenden Wertpapieren zu trennen, um damit Verlässlichkeit und Vertrauen auf dem Markt wiederherzustellen.

– Siehe Dawes-Anleihe, Reichstitel, Young-Anleihe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kandidatenwette und politischer Terminkontrakt (political futures):

In den USA verbreitetes Glücksspiel, bei dem auf das Abschneiden eines Kandidaten - in der Regel eines Bewerbers für ein Gouverneursamt oder die Präsidentschaft - gewettet wird (an investment that is directly tied to the outcome of political elections. The investor pays a flat fee and will receive a certain amount - say $100 - if the candidate chosen wins; if the candidate loses, the payout is zero. The price changes frequently during an election based on the support candidates receive).

– Siehe Buchmacher, Finanzwetten, Lotterie, Wettbüros.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kannibalismus-Effekt (cannibalism effect, negative goodwill):

Eine ungünstige, abträgliche Ausstrahlung, die von einem Anbieter im Geschäftsverkehr allgemein und im Besonderen auf dem Finanzmarkt

1. von einem Institut bzw. auch

2. von einem besonderen Ereignis ausgeht.

– Mitte Dezember 2012 durchsuchte ein Grossaufgebot von ungefähr 500 Beamten der Polizei, des Bundeskriminalamtes und der Steuerfahndung die Geschäftsräume der Deutschen Bank in Frankfurt am Main; entsprechende Bilder gingen tagelang durch die ganze Welt. Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt beschuldigte einige Beschäftigte des Geldhauses der schweren Steuerhinterziehung, der Geldwäsche und der Strafvereitelung (obstruction of justice). Der durch diese Razzia verursachte Image-Schaden (damnage to reputation) wurde von der Geschäftsleitung des Instituts auf mehrere Millionen EUR beziffert. - Die deutsche Ergo-Versicherung entsandte offenbar mit Gutheissung der Geschäftsleitung auf Rechnung des Unternehmens sog. "leistungsstarke Mitarbeiter" 2007 in Freudenhäuser nach Budapest und 2012 zu Sex-Reisen nach Mallorca sowie ins ferne Jamaika. Das brachte dem Unternehmen den volkstümlichen Namen "Puff-Versicherung" ein, und es stellte die Aussendienstmitarbeiter aller Versicherungen sowie die Branche gesamthaft in ein schlechtes Licht (put all insurance salesmen and also the whole insurance sector in a bad light).

– Siehe Badwill, Bonität, Gnomen von Zürich, Goodwill, Helvetophobie, Incentive-Reise One-Bank-Strategie, Reputationsrisiko, Risiko, strategisches, Spill-over-Effekt, Vertrauen.

– Vgl. Jahresbericht 2013 der BaFin (Aufsichtsbehörde rügt imageschädigende Incentive-Reisen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kanon (canon, ground rent):

In älteren Dokumenten auch

1. die regelmässige Abgabe in geernteten Früchten (harvest crops) bzw.

2. eine die gegenständliche Lieferung ablösende Zahlung in Geld eines Pächters an den Grundbesitzer.

– Siehe Befreiungsgeld, Detz, Dispensationsgeld, Freikaufgeld, Pachtgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kantonalbank (cantonal bank):

In der Schweiz ein Institut, das sich bis anhin ganz oder mehrheitlich im Eigentum eines Kantons befindet, und für welches der Kanton unbeschränkt haftet. Sämtliche Kantonalbanken sind dem eidgenössischen Bankengesetz (BankG) und der umfassenden Aufsicht der Eidgenössischen Bankenkommission (EBK) unterstellt. - Im Jahr 2013 hatten die 24 Kantonalbanken einen Marktanteil - bezogen auf das Geschäftsvolumen in der Schweiz - von etwa dreissig Prozent.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kanzleigeld (chancellery fee; receipts of barrister):

1 Früher eine Gebühr für

1. die Abfassung und schriftliche Ausfertigung oder

2. die Abschrift eines Dokumentes (Kopialiengeld) durch eine Behörde.

2 Im Besonderen auch die Zahlung, welche nach einem von Papst Leo X. im Jahr 1514 herausgegebenen Verzeichnis für die Inbesitznahme geistlicher Ämter, Dispensationen und Ablässe dem Apostolischen Stuhl zu überweisen war (taxa cancellariae Apostolicae).

3 Heute noch gesagt von

1. Geld, das ein Rechtsanwalt aufgrund von Honoraren vereinnahmt oder

2. Kapital, das ein Anwalt aus eigener Tasche in die Kanzlei - auch als Geschäftsanteil - einzahlt.

– Siehe Ablassgeld, Annaten, Beichtgeld, Deserviten, Dispensationsgeld, Gebühr, Karniergeld, Kathedralgeld, Kirchgeld, Opfergeld, Palliengeld, Palmarium, Peterspfennig, Prokurationsgeld, Seminargeld, Sportel, Taxe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapazitätsauslastung (capacity utilisation; operating rate):

Kennziffer, bei welcher die höchstmögliche Produktionsleistung einer Volkswirtschaft bzw. eines Unternehmens auf die tatsächliche Ausbringung bezogen wird.

– Siehe Auslastungsgrad, Produktionslücke.

– Vgl. die jeweiligen Veränderungsraten im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets" des jeweiligen Monatsberichts der EZB; Geschäftsbericht 2006 der Deutschen Bundesbank, S. 27 (Zahlen 2000 bis 2007), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2007, S. 50 ff. (Erklärung der Messtechniken; viele Übersichten; Zusammenhang zwischen Kapazitätsauslastung und Preisen), Monatsbericht der EZB vom September 2009, S. 74 ff. (Zusammenhang zwischen Konjunkturphase und Kapazitätsauslastung; Übersichten; Literatur), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2010, S. 46 ff. (Kapazitätsauslastung in der Eurozone seit 1985; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Februar 2011, S. 70 ff. (Zusammenhänge zwischen Kapazitätsauslastung und Investitionstätigkeit; viele Übersichten), Geschäftsbericht 2010 der Deutschen Bundesbank, S. 33 (Kapazitätsauslastung 2004-2010), Monatsbericht der EZB vom Juni 2011, S. 78 ff. (Kapazitätsauslastung und Produktionslücke seit 1995; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom August 2014, S. 65 ff. (neues Bestimmungsmass für die Kapazitätsauslastung im Dienstleistungssektor vorgestellt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapgeld (cape lighting fee):

Früher von einlaufenden Schiffen erhobene zweckgebundene Abgabe für den Unterhalt der Signalbeleuchtung (Warnlicht; warning light) eines Kaps (headland: für Schiffe gefährlicher, weil in der Regel mit Riffen und Klippen weit ins Meer hineinragender Landvorsprung).

– Siehe Auseisunggeld, Bordinggeld, Hafengeld, Kaigeld, Kapplaken, Krangeld, Ladegeld, Lastgeld, Leuchtturmgeld, Liegegeld, Lotsengeld, Mützengeld, Pratikageld, Tonnengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapital (capital):

1 Jede Summe Geld überhaupt (Geldkapital; monetary capital).

2 Geld, das allgemein zur gewinnbringenden, zinsträchtigen Anlage bestimmt ist (Erwerbskapital; earning capital).

3 Geld, das zur Investition, nämlich zur

1. Errichtung,

2. Erweiterung oder

3. Verbesserung von Sachgütern, die zur Erzielung von künftigen Erträgen dienen (physical assets: Sachkapital, Realkapital, Kapitalstock), verwendet wird (Anlagevermögen; invested capital).

4 In Bezug auf ein Unternehmen: alle Vermögenswerte, die zur Leistungserstellung erforderlich sind (assets owned or used in operating a business).

5 Schicht von Personen und Unternehmen, die Verfügungsgewalt über Erwerbskapital und/oder Eigentum an Sachkapital innehat (Finanzkapital; capital economics: ein soziologischer Begriff).

5 Firmenkapital (equity, company capital), oft unterteilt in Kernkapital - wie einbezahltes Geld, offene Rücklagen - und Ergänzungskapital, wie etwa nicht realisierte Reserven); vgl. für Deutschland die genau Aufzählung der einzelnen Posten in § 10 KWG.

– Siehe Entität, Finanzmittel, Finanzoligarchie, Formalkapital, Gebrauchsgüter, Infrastrukturkapital, Investition, Kapitalangebot, Kapitalintensität, Kapitalpuffer, antizyklischer, Kapitalstock, Leasinggeschäft, Misochrematie, Vermögen, Zinsallkokations-Funktion, Zwangswandelanleihe.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2002, S. 43 (zum Begriff Kernkapital), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 48 (neue Regeln für Kernkapital und ergänzungskapital).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapital, infrastrukturelles (infrastructural capital):

Das soziale Vermögen einer Volkswirtschaft.

– Siehe Infrastrukturkapital.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapital, intellektuelles (intellectual capital):

Sehr weit gefasst: alle auf menschliche Beziehungen (social interaction) beruhende Gegebenheiten in einem Unternehmen bzw. in einer Volkswirtschaft.

– Siehe Humankapital, Intangibels.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapital, internes (internal capital):

Bei einem Unternehmen manchmal gesagt von den angehäuften Gewinnen aus Geschäftstätigkeit, die nicht an die Teilhaber - Gesellschafter, Aktionäre - ausgeschüttet wurden (periodical profits which are not distributed to company members or shareholders).

– Siehe Nullausschüttung, Rangfolge-Theorie, Selbstfinanzierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapital, konstantes (constant capital):

In der marxistischen Wirtschaftslehre die Produktionsmittel, nämlich die Gebäude, Maschinen, Werkzeuge und Werkstoffe, mit denen Güter erzeugt werden.

– Siehe Kapitalstock, Realkapital.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapital, variables (variable capital):

In der marxistischen Wirtschaftslehre die Geldsummen, mit denen die Löhne und Gehälter bezahlt werden.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapital, verfügbares (disposable capital):

Begriff aus Solvency-II, nämlich die Differenz zwischen

1. marktentsprechend bewertetem Vermögen einerseits und

2. gemäss den aufsichtsrechtlichen Vorschriften bewerteten Verbindlichkeiten einer Versicherung.

– Das verfügbare Kapital wird dabei in drei Qualitätsklassen (Tier 1, Tier 2 Insurance Tier 3) unterteilt.

– Siehe Erwartungs-Rückstellung, Solvenzbilanz.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 51 (nähere Erläuterungen; Zuordnungsmerkmale der jeweiligen Qualitätsklasse).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapital, zirkulierendes (circulating capital):

In der älteren Nationalökonomie und in der marxistischen Wirtschaftslehre Geld, das für den Kauf von Rohstoffen und Hilfsstoffen (short-lived items that are used in production) sowie zur Bezahlung von Arbeitskräften nötig sind, und das nach Herstellung und Verkauf des Gutes an das Unternehmen zurückfliesst.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapital, zweckbestimmtes (dedicated capital):

1 Eine angehäufte Summe mit dem Ziel, ein besonderes Vorhaben zu verwirklichen; bei einem Unternehmen oft eine Übernahme (accumulated money determined for a special purpose, frequently to finance a takeover).

2 Das in einem Unternehmen eingesetzte Eigenkapital und Fremdkapital, soweit es zum Vollzug des Betriebszweckes erforderlich ist; manchmal auch betriebsbedingtes Kapital genannt.

3 Bei einer Aktiengesellschaft der Nennwert aller ausgegebenen Aktien (the total par value of the shares; the initial price of the shares when they are issued).

– Siehe Fusionen und Übernahmen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapital-Abschottung (foreign capital ban):

Die Politik einiger (Entwicklungs)Staaten, den freien Eintritt ausländischer Banken zum heimischen Finanzmarkt und damit den Zustrom ausländischer Investitionen zu erschweren (to hamper) oder ganz zu verbieten (total ban). - Der internationale Strom von Kapital belebt (stimulates) nachweislich entlegene Produktionsreserven, Arbeitskräfte, schöpferische Begabungen, Rohstoff- und Energiequellen, Verkehrswege und Fremdenverkehrs-Einrichtungen und spornt diese an. Ein wichtiger Beitrag zur Steigerung des realen Wachstums, des Profkopfeinkommens und zur Wohlfahrtsstreuung wird daher durch die Abschottung unterbunden.

– Siehe Colbertismus, Devisenzwangswirtschaft, Globalisierung, Kapitalmarktöffnung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapital-Abzapfung auch Ausquetschen (capital tap, company tapping, squeeze out):

Nach 2000 verbreitete Bezeichnung für eine besondere Vorgehensweise seitens einiger Private-Equity-Funds.

1. Diese kaufen sich zunächst mit über fünfzig Prozent bei einer Aktiengesellschaft ein.

2. Durch Mehrheits-Beschluss in der Hauptversammlung wird dann das Unternehmen gezwungen, eine sehr hohe (Sonder)Dividende auszuschütten.

3. Diese muss teilweise - im Extremfall sogar ganz - aus der Substanz des Unternehmens bezahlt werden. Die Eigenkapitalquote der Gesellschaft sinkt dadurch.

4. Im Rating der Banken erhält das Unternehmen daraufhin ein höheres Risikogewicht; und es muss sich deshalb bei Darlehn mit einem höheren Zinssatz abfinden.

– Die Manager der Fonds rechnen in der Regel vor, dass das abgezapfte Kapital anderswo viel günstiger angelegt werden könne; sprich: die Eigenkapital-Rentabilität in dem Unternehmen niedriger lag als der Gewinn, welcher mit dem der Aktiengesellschaft entzogenen Geld in anderer Verwendung erzielt werden kann. - Im Einzelnen führt dies zu äusserst schwer abwägbaren Entscheidungsfragen. So übernahm beispielsweise der in London ansässige Fonds Permira 2007 mehrheitlich - über seine Tochtergesellschaft Valentino Fashion Group im Mailand - den Modekonzern Hugo Boss AG und setzte eine Sonderdividende durch. Die Eigenkapitalquote der Firma Hugo Boss sank dadurch von 52 Prozent auf 18 Prozent, was aber immerhin noch über dem Durchschnitt deutscher Unternehmen im Jahr 2007 mit 16,6 Prozent lag. - Die Permira-Manager wiesen aber darauf hin, dass in der Bilanz der nach ihrer Einschätzung weidlich überkapitalisierten (overcapitalised) Hugo Boss AG allein der entgeltlich erworbene Firmenwert (goodwill acquired for consideration) mit 1 Mia EUR anzusetzen sei, und auch andere Positionen der Bilanz eine Neubewertung erfahren müssten. Bilanzanalysten und IFRS-Kenner gaben dieser Sichtweise teils recht, während andere die Kapital-Abzapfung scharf verurteilten.

– Siehe Asset Deal, Ausschlachten, Burn-Out Turnaround, Finanzgeier, Go-go-Fonds, Hedge-Fonds, Heuschrecken, Leveraged Buy-out, Opportunitätskosten, Private-Equity-Funds, Risikokapital, Trade Sale, Vulture Fund, Window on Technology.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitaladäquanz (capital adequacy):

Als aufsichtsrechtlicher Begriff die angemessene Ausstattung eines Instituts mit Eigenkapital.

– Siehe Cook-Ratio, Deckungsquote, Eigenkapitalquote, aufsichtsrechtliche, Kapitaladäquanz-Richtlinie Leverage Ratio.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitaladäquanz-Richtlinie (capital requirements directive, CRD):

Von der EU-Kom¬mission erlassene Vorschrift in Bezug auf die einheitliche Ermittlung des aufsichtlich vorgeschriebenen Eigenkapitals der Banken. Diese war bis Ende 2006 in den Mitgliedstaaten umzusetzen.

– Siehe Basel-II, Capital Requirements Directive Transposition Group, Cook-Ratio, Eigenkapitalquote, aufsichtsrechtliche, Kapitalbedarfs-Verordnung, Risiko, operationelles, Unterlegung.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 96 (Umsetzung in deutsches Recht), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 71 (Verabschiedung der Richtlinie durch das Europäische Parlament), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 44 (Anwendungs- und Auslegungsfragen), S. 60 (SON soll die national unterschiedlichen Umsetzungsbemühungen bei der CRD angleichen), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 55 f. (Novellierung der Kapitaladäquanz-Richtlinie), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 123 ff. (Umsetzung der CRD; Auswirkungen auf die einzelnen Bereiche), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 63 ff. (ausführlicher Bericht über den Stand und die geplanten Fortschritte der CRD), Geschäftsbericht 2012 der Deutschen Bundesbank, S. 97 (laufende Arbeiten an der CRD), S. 99 f. (weitere gesetzgeberische Schritte), Jahresbericht 2012 der EZB, S. 133 (Eigenkapitalrichtlinie und -Verordnung [CRD IV/CRR] der Europäischen Kommission), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2013, S. 58 f. (Umsetzung der Capital Requirements Directive und der Capital Requirements Regulation), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2013, S. 57 ff. (ausführliche Darstellung der Umsetzung von Basel-III in nationales Recht; viele wichtige Erklärungen; Übersichten), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 69 ff. (Darlegung; Rechtliches).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitalangebot (availability of capital):

Wenn nicht anders definiert die Gesamtheit des Kapitals, das innert eines Staates, eines Währungsraums oder in Bezug auf die Welt gesamthaft dem Markt zugeführt wird. - Anbieter sind

1. Privathaushalte,

2. institutionelle Anleger (Versicherungen, Kapitalverwaltungsgesellschaften, Pensionsfonds)

3. Unternehmen,

4. Banken, die ihrerseits wieder Einlagen von Privathaushalten, institutionellen Anlegern, Unternehmen und öffentlichen Stellen entgegennehmen sowie

5. Non- und Nearbanks, wie Versicherungen, hauseigene Banken von grossen Unternehmen und manchmal auch öffentlichen Kassen.

– Siehe Kapitalmarkt, Zinsallkokations-Funktion.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitalanlage ([capital] investment):

Allgemein jede Verwendung von Geld mit der Absicht,

1. einen Ertrag zu erzielen oder

2. zumindest die Kaufkraft der eingesetzten Summe zu bewahren (any outlay of a sum of money to be used in such a way that a profit may be expected or at least the purchasing power of the amount spended may be preserved).

– Siehe Geldanlage, Investition, Investmentfirma, Kapitalanlagegesetzbuch, Performance, Screening, Vermögensanlage, Vermögenswert, Verzehnfacher, Vieleck, magisches.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitalanlagegesetzbuch, KAGB (German capital investments act):

Rechtlicher Rahmen für deutsche Investmentvermögen sowie den Vertrieb von Anteilen an in- und ausländischen Investmentvermögen.

– Siehe Kapitalanlage-Rechnungslegungs- und Bewertungsverordnung, Verordnung zur Konkretisierung der Verhaltensregeln und Organisationsregeln nach dem Kapitalanlagegesetzbuch.

– Vgl. Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 169 f. (Vorstellung des neuen Gesetzes), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 162 f. (wichtige Neuregelungen aus dem KAGB) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitalanlage-Mustervertrag (standard investment contract):

Auf Drängen der Aufsichtsbehörden bei Kapitalverwaltungsgesellschaften je nach Fondstyp besonders ausgestaltete Verträge, die

1. den gesetzlichen Vorschriften in allem entsprechen und

2. dem Käufer der Anteilscheine die Durchsichtigkeit hinsichtlich aller Bedingungen ermöglicht.

– Siehe Anleger-Informationspflicht, Aufklärungspflicht, Derivate-Informationspflicht, Derivate-Kodex, Kapitalanlagegesetzbuch, Risikobericht, Risikoüberwachung, gegliederte, Schlusschein.

– Vgl. Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 89, Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 154 (Erleichterungen für Garantiefonds).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitalanlage-Rechnungslegungs- und Bewertungsverordnung, KARBV (German capital investment accounting and valuation regulation):

Im Jahr 2013 in Kraft getretene Rechtsverordnung. Sie enthält Vorschriften, welche einzelne Angaben die Jahresberichte von Investmentvermögen enthalten müssen und wie Vermögensgegenstände zu bewerten sind. Vorgegeben ist auch, dass deutlich Erläuterungen zu veröffentlichen sind, die sich auf die Art und Weise der vorgenommenen Rechnungslegung, zum Risikoprofil zur Liquiditätsplanung und zu anderen Posten beziehen.

– Siehe Kapitalanlagegesetzbuch, Overkill, regulatorischer, Verordnung zur Konkretisierung der Verhaltensregeln und Organisationsregeln nach dem Kapitalanlagegesetzbuch.

– Vgl. Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 163 (Vorstellung der KARBV).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitalausstattung (capital endowment, capitalisation):

Wenn nicht anders definiert, so meint man damit in Geldgrössen gerechnet den Gesamtbetrag aus Grundkapital plus eingehaltener Gewinne minus der Verschuldung (the amount of stock and retained earrnings of a company minus the total amount of debt) in einem Unternehmen. - Daneben gibt es eine Reihe anderer Definitionen, vor allen in bezüglichen Gesetzen und Verordnungen.

– Siehe Kapitalintensität, Kapitalkoeffizient, Kapitalplanung, Kapitalstock, Kapitalumschlag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitalbedarf, ökonomischer (model capital requirement):

Bei der Berechnung des Risikos das Ergebnis aus der Unterlegung aller Risiken: des Gesamtrisikoprofils). - Gemäss den Mindestanforderungen an das Risikomanagement muss ein Institut, das wesentliche Risiken nicht in die Berechnung des ökonomischen Kapitalbedarfs einbezieht, dies gegenüber der Aufsichtsbehörde nachvollziehbar begründen.

– Siehe Abrufrisiko, Aktiva, illiquide, Anlagestreuung, Ansteckungswirkungen, Bankkunden-Profil, Basel-II, Covenant, Due Diligence, Emerging Markets, Funktion, Internen Ratings Basierender Ansatz, Internal Capital Adequancy Assessment Process, Kredit-Punktbewertungsverfahren, Kreditverbriefung, Liquiditätsrisiko, Mark-to-Model-Ansatz, Mindestanforderungen an das Risikomanagement, Passivmanagement, Prozyklizität, Rating-Agenturen, Risikoabteilung, Risikodeckungsmasse, Risikogewichtung, Risikokontrolle, Risiko-Messverfahren, Risikoübernahme-Grundregel, Risiko- und Solvabilitätsbeurteilung, unternehmenseigene, Risk Reporting, Risikoüberwachung, gegliederte, Szenarien, aussergewöhnliche, Verlustereignis, Warehousing Risk.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2007, S. 59 f. (in die Berechnung einzubeziehende Risiken; Grenzen in Bezug auf die zukünftigen Risiken), S. 63 (Übersicht), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 63 ff. (Bemühungen um eine EU-weite Harmonisierung im Zuge von Basel-III; Zeitplan).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitalbedarfs-Verordnung (capital requirements regulation, CRR):

Mit Jahresbeginn 2014 zusammen mit der neuen Kapitaladäquanz-Richtlinie zur Anwendung kommende Regelung mit dem Ziel, eine nach Menge und Beschaffenheit bessere Ausstattung mit Eigenmitteln bei Instituten sicherzustellen. In Verfolg dieses Zieles regelt die CRR vor allem den Begriff Eigenmittel und stellt Anforderungen an die Höhe der Mindest-Eigenmittel sowie an deren Liquiditätsgrad. Die Verordnung gibt auch ein Verfahren zur Berechnung und Meldung einer Verschuldungsquote vor, auf dessen Grundlage die zuständigen Aufsichtsbehörden ein Institut zu überprüfen haben. Ab 2015 werden die Institute die Verschuldungsquote auch veröffentlichen müssen.

– Siehe Basel-III.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2013, S. 57 ff. (ausführliche Darstellung der Umsetzung von Basel-III in nationales Recht; viele wichtige Erklärungen; Übersichten), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 69 ff. (Darlegung; Rechtliches).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitalbewegungen, internationale (international capital movements):

Der Fluss von Kapital über die Landesgrenzen und Währungsräume hinweg. Die Abflüsse (capital-push) und Zuflüsse (capital-pull) hängen im Einzelnen von mehreren Umstände ab; neben Gewinnerwartungen vor allem von den jeweiligen politischen, wirtschaftlichen und finanztechnischen - wie Ausprägung des Bankensystems, funktionierende Börsen, Vertrauen in die Aufsichtsbehörden - Rahmenbedingungen (framework conditions).

– Siehe Kapital-Abschottung, Kapitalbilanz, Kapitalflucht, Kapitalmarktöffnung, Kapitalstrom-Paradoxon. Reverse Flows, Round Tripping.

– Vgl. den Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Aussenwirtschaft" im jeweiligen Monatsbericht der EZB, Monatsbericht der EZB vom September 2013, S. 34 ff. (Kapitalbilanz Eurogebiet seit 2007 aufgeschlüsselt; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitalbilanz (capital account, net capital movement):

Statistisch sämtliche aussenwirtschaftliche Transaktionen mit Finanzkapital. Unterteilt werden diese in Direktinvestitionen, Wertpapieranlagen, Finanzderivate, übriger Kapitalverkehr und Währungsreserven.

– Siehe Handelsbilanz, Zahlungsbilanz.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2012, S. 122 f. (Kapitalbilanz des Eurogebiets; Definitionen; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom März 2012, S. 33 ff. (Hauptposten der Kapitalbilanz seit 2007; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Juni 2012, S. 39 ff. (Aufschlüsselung der Kapitalbilanz für den Euroraum; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2012, S. 36 ff. (Kapitalbilanz des Eurogebiets seit 2007; viele Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Juni 2013, S. 31 ff. (Fortschreibung), Monatsbericht der EZB vom September 2013, S. 34 ff. (Kapitalbilanz und Zahlungsbilanz im Eurogebiet seit 2007; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2013, S. 29 ff. (Fortschreibung), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2014, S. 75 (Übersicht der Target-Salden seit 2008). Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2014, S. 77 (unterschiedliche Entwicklung der Kapitalbilanz bei den Mitgliedern der Eurozone; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2014, S. 44 ff. (ausführliche Darstellung; Übersichten; Literaturverweise), Monatsbericht der EZB vom März 2014, S. 28 ff. (Tendenzen in der Kapitalbilanz des Eurogebiets; Übersichten), Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2014, S. 52 ff. (Fragen der Berechnung; Literaturhinweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2014, S. 65 f. (neue Erfassung und damit bessere Unterscheidung zwischen Kapitalbilanz, Auslandsvermögensstatus und den daraus fliessenden Einkommen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitalbindungsdauer (cash conversion cycle, cash-to-cash cycle time):

Wenn nicht anders definiert die Anzahl der (Geschäfts)Tage, in denen ein Unternehmen in der Lage ist, seine Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen durch Einnahmen aus verkauften Waren oder Dienstleistungen (cash flow from operating activities; Erlösen) glattzustellen (in short: the length of time between the maturity date of payables and the collection of receivables). Bei der Einschätzung der Bonität eines Kunden von Banken im Zuge des Ratings häufig zugrunde gelegte Kennzahl.

– Siehe Bilanz, Sachverhaltsgestaltung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitaldeckungsverfahren (capital cover system):

Methode zur Finanzierung der Alters¬vorsorge. Dabei werden Beiträge der Versicherten einem gebundenen Vermögen zugeführt, so dass die Erträge dieses Kapitalstocks und der Fonds selbst die jeweils fällig werdenden Ansprüche der Versicherten abdecken können. - Demgegenüber wird beim Umlageverfahren (assessment system, pay-as-you-go system) kein Fonds gebildet, sondern die Beiträge der aktiven Versicherten (activ insurants; Beitragszahler: Personen, die ihre Anwartschaften durch das Entrichten von Beiträgen erwerben bzw. für welche Beiträge als entrichtet gelten) dienen in derselben Periode zur Deckung der Rentenansprüche der passiven Versicherten (allen, die in der Vergangenheit eine Anwartschaft erworben haben, aber noch keine Rente beziehen). Beide Verfahren haben Auswirkungen auf den Finanzmarkt.

– Siehe Anwartschaftszeit, Bilanz, ganzheitliche, Pensionsfonds, Pensionskasse, Perennität, Sterbekasse, Tontine.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2002, S. 25 ff. (kapitalgedeckte Altersvorsorge und ihre Auswirkungen auf den Finanzmarkt; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2004 (Rolle der Versicherungen als Finanzintermediär).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitaleinkommen und Kapitaleinkünfte (income upon investments):

Allgemein jeder Gewinn aus einer Investition, im Regelfall in Form von Zins oder Dividende. Kapitaleinkommen unterliegt regelmässig einer besonderen Abgabe, nämlich der Kapitalertragssteuer (withholding tax, capital yield tax).

– Siehe Erfolg, Ertrag, Investition, Kapital, Kapitalertragssteuer-Absetzbetrag, Profitrate, Rendite, Vermögen, Vermögenswert.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitalerhaltungspuffer (capital conservation buffer):

Gemäss Basel-III müssen Banken ab 2016 einen besonderen Puffer zur Abfederung in Stresszeiten allfällig auftretender Verluste vorhalten. Dieser muss aus hartem Kernkapital bestehen; der Puffer darf allerdings in Krisenzeiten ausnahmsweise unterschritten werden. Der Kapitalerhaltungspuffer wird anfänglich 0,625 Prozent der Aktiva betragen und schrittweise bis 2019 auf 2,5 Prozent erhöht.

– Siehe Aktiva-Minderung, Eventualschaden, Kapitalpuffer, antizyklischer, Kapitalplanung, Liquiditätsrisiko-Management, Puffer, gegenzyklischer, Risikotragfähigkeit, Zyklik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitalertragssteuer-Absetzbetrag (dividend tax credit):

Die Gewinne einer Aktiengesellschaft werden zunächst an der Quelle besteuert (profits and accordingly dividends are taxed by corporate income). Die einem Anleger ausbezahlte Dividende muss dieser in den meisten Staaten nochmals bei der Einkommenssteuer (personal income tax of the shareholder) versteuern. Um diese Doppelbesteuerung zu vermeiden (to avoid this double taxation), kann in vielen Ländern die ausbezahlte Dividende, meistens im Rahmen eines Freibetrags (tax-free allowance), als abzugsfähig von der Steuerschuld anerkannt werden.

– Siehe Gewinnbesteuerung, Kapitaleinkommen, Kapitalertragsteuer-Paradoxon, Zinsabschlagsteuer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitalertragsteuer-Paradoxon (paradox of capital revenue tax):

Die Tatsache, dass eine Senkung der Steuersätze bei der Kapitalertragsteuer - zumindest bis zu einer gewissen Grenze - ein Mehr an Steuereinnahmen bewirkt. - Erklärt wird diese statistische gut belegte Erscheinung damit, dass die Steuerpflichtigen bei niedrigem Satz (low rate of taxation) grössere Anreize verspüren, Finanzanlagen am Markt zu kaufen bzw. zu verkaufen und Gewinne mitzunehmen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitalerweiterung (capital widening):

Zusätzliche Arbeitskräfte - in einem Betrieb, in der Volkswirtschaft - werden mit der gleichen Menge an Sachkapital ausgestattet wie die bis anhin Beschäftigten (the situation where capital stock is increasing at the same rate as the labour force, thus capital per worker remains constant). Die Arbeitsproduktivität ändert sich somit nicht.

– Siehe Kapitalvertiefung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitalflucht (capital flight; flight from the currency):

1 Investoren bevorzugen in grossem Stil (to a great extent) Anlagen im Ausland, weil sie für Investitionen im dortigen Währungsgebiet bessere Erwartungen hegen (generally in defiance of the political and/or economic conditions in their own country).

2 Privathaushalte und Unternehmen wechseln heimisches Geld in ausländisches um, da sie kein Vertrauen mehr in den Geldwert haben.

– Siehe Altersquotient, Auslandsinvestitionen, demographiebedingte, Brain Drain, Demographieverfestigung, Dollarisierung, Euroisierung, Exotikomanie, Fünfhunderteuro-Schein, Geldvertrauen, Kapitalbewegungen, internationale, Konstanz-Kriterium, Nebenwährung, Round Tripping, Überalterung, Vorschatten-Effekte.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2005, S. 43 f. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitalflussrechnung auch Finanzflussrechnung und Geldflussrechnung (cash flow accounting, cash flow statement, statement of cash receipts and disbursements):

Wenn nicht anders definiert, die periodenbezogene Erfassung der Zahlungsströme sowie der Bestände an Zahlungsmitteln eines Unternehmen. Wichtigstes Ziel ist dabei, darüber Aufklärung zu bieten,

1. wie das Unternehmen finanzielle Mittel erwirtschaftet hat und

2. welche eine Zahlung bewirkende Investitions- und Finanzierungsvorgänge ausgeführt wurden. Damit ist die Kapitalflussrechnung als liquiditätsbezogene Zeitraumrechnung und somit als Ausweis der Bestandveränderungen samt der zugrunde liegenden Bewegungen innert einer Periode eine Ergänzung zu der auf einen Zeitpunkt bezogenen Bilanz.

– Siehe Cashflow, Gewinn, Intangibels, Kapitalplanung, Leasinggeschäft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitalgarantie (capital-back guarantee):

Wenn nicht anders definiert bei Zertifikaten die vertragliche Festlegung, dass der Käufer des Zertifikats in jedem Falle den Kaufpreis für das Papier bei Fälligkeit zurückerhält. Freilich muss er schlimmstenfalls auf eine Verzinsung verzichten; er hat aber dafür die Chance, an günstigen Veränderungen des Basiswertes teilzuhaben.

– Siehe Anleihe, inflationsgeschützte, Kapitalschutz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitalgesellschaften, nichtfinanzielle (non-financial corporations):

In der Statistik der EZB

1. alle im Inland ansässigen Aktiengesellschaften, Kommanditgesellschaften auf Aktien und Gesellschaften mit beschränkter Haftung sowie

2. sämtliche sog. Quasi-Kapitalgesellschaften, nämlich Personengesellschaften, offene Handelsgesellschaften (general commercial partnerships) und Kommanditgesellschaften, die keine Institute sind.

– Alle anderen Personen und Personengruppen, die dem Markt Güter zuführen, wie vor allem Einzelunternehmer und Freiberufler, werden statistisch den Privathaushalten zugerechnet.

– Siehe Privathaushalte, Abgrenzung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2012, S. 17 ff. (zur Finanzierung der nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften; Übersichten; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitalgewinn (capital gain):

1 Einkünfte aus Vermögenswerten; die genaue Definition ist in § 20 EStG gegeben.

2 Wertsteigerung einer Kapitalanlage, wie etwa der Kursanstieg einer Aktie.

3 Gewinn beim Verlauf von Vermögenswerten (the income received from selling an asset).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitalgüter (capital goods; durable goods):

Produzierte Produktionsmittel wie Werkzeuge, Maschinen, Produktionsanlagen und Gebäude, die über mehrere Zeitperioden Leistungen zur Herstellung von Endprodukten - Konsumgütern, Dienstleistungen - liefern (a factor-of-production category consisting of manufactured products used in the process of production). - Manche Güter können sowohl als Kapitalgut wie auch als Konsumgut zugeordnet werden, je nach ihrer Verwendung, etwa bei einem Auto oder einem Computer (some goods could be regarded as capital goods, or as consumer goods according to usage; for example cars and computers).

– Siehe Investition, Investitionsgüter, Kapital, konstantes, Leasinggeschäft, Schwundgeld, Unfruchtbarkeits-Theorie, Vermögen, Vermögenswert, Zinsverbot.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitalintensität (capital intensity):

Menge des eingesetzten Sachkapitals, gemessen je Arbeitseinheit oder je Umsatzeinheit (the level of sales generated by a given amount of capital.) und damit ein Kennzahl für die Kapitalausstattung in einem Betrieb, einer Branche oder in der Volkswirtschaft gesamthaft. - Hohe Kapitalintensität (a

1. company [steelwork],

2. project [retaining dam, barrage] or

3. sector of activity [infirmary] requires an unusually high quantity of fixed assets to be able to operate) schafft eine wesentliche Eintrittsbarriere (barrier to entry) für Wettbewerber. Daher stehen die entsprechenden Branchen - Stahlerzeugung, Elektrizitätswirtschaft, Infrastrukturbereich wie Spitäler, Strassen oder Flughäfen - besonders im Blick der Kartellbehörden. Auch sind entsprechende Firmen und Branchen in der Regel stark vom Kapitalmarkt abhängig und gelten als sehr zinsempfindlich.

– Siehe Investition, Kapital, Kapitalkoeffizient, Kapitalstock, Kapitalumschlag, Leasinggeschäft.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2012, S. 25 f. (Projektion der Kapitalintensität bis 2020; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitalisierung (capitalisation):

1 Die Zinsen mit Zinseszins anwachsen lassen, in der älteren Literatur auch Admassierung (computation of compound interest) genannt.

2 Die Berechnung des Gegenwartswertes (Barwertes) wiederkehrender künftiger Zahlungen durch Abzinsung (at a given date the conversion into the equivalent capital worth of a series of net receipts by method of discounting).

3 Der gegenwärtige Börsenwert einer Aktiengesellschaft. Dieser errechnet sich aus der Anzahl der Aktien multipliziert mit dem Aktienkurs (the market value of a listed company, equal to the product of the number of its shares and their price).

4 Die Zusammensetzung von Eigenkapital und Fremdkapital in einem Unternehmen (the equity and debt mix that fund the assets of a business).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitalisierungsgeschäfte (capital redemption operations):

In der Lebensversicherung angebotene Verträge, bei denen ein Anleger eine feste Summe in eine gut verzinste Lebensversicherung einzahlt. Es ist aber möglich, den Versicherungsvertrag kurzfristig und ohne Verluste zu kündigen. Die Kalkulation der Vertragspartner stützt sich nur auf die beiden Rechnungsgrundlagen Zins und Kosten; es sind keine lebensstatistische Daten (biometric data) wie etwa Sterbetafeln (mortality tables) erforderlich. Insofern sind Kapitalisierungsgeschäfte keine Versicherungsgeschäfte im ursprünglichen Sinne. Die Aufsichtsbehörden haben für solche Verträge mittlerweile eigene Vorschriften erlassen.

– Siehe Lebensversicherungs-Policehandel, Policenbörse, Viatikalmarkt.

– Vgl. Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 87 f. (Verfügungen in Bezug auf Kapitalisierungsgeschäfte).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitalist (capitalist):

1 Jemand mit Verfügungsgewalt (decision power) über Kapitalgüter; in diesem Sinne ein wertfreier, sachlicher Begriff der älteren Nationalökonomik.

2 In der marxistischen Anklagliteratur gegen die marktgesteuerte Wirtschaftsweise (Marxist accusatory writings against the marked-based organisation of the economy) sehr stark negativ besetzter Ausdruck. Es wird allgemein unterstellt, dass der Besitzer von Produktionsmitteln zwangsläufig darauf aus ist, andere Menschen auszubeuten (exploit), um seinen Profit zu erhöhen.

3 Ein Bezieher von Einkünften überwiegend aus Zinsen und Gewinnen: ein Rentier.

4 Eine sehr reiche Person (a very wealthy person).

5 Jemand, der viel Geld in ein Unternehmen einschiesst (a person who invests capital in a business enterprise, especially a large business): ein bedeutender Investor.

6 Abwertend auch als Schimpfwort für eine Person gebraucht, welche die marktwirtschaftliche Ordnung gegenüber anderen Ordnungsentwürfen - vor allem den sozialistischen jeder Schattierung - vorzieht (derogatory referring to a person advocating the market economy and reservations about the socialist paradise on earth).

– Siehe Coupon, Geldkapital, Geldleute, Geldsauger, Mehrwert, Polyplusius, Rentier.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitalkoeffizient (capital-output ratio):

Allgemein der zur Erzeugung einer Mengeneinheit Produktion (output) notwendige Einsatz an Sachkapital. Volkswirtschaftlich als Quotient (quotient; Teilungsergebnis) von Bruttoanlagevermögen - grob: das zur dauernden Nutzung bestimmte Vermögen - zu Bruttoinlandsprodukt berechnet. - Der Kapitalkoeffizient ist der Kehrwert der Kapitalproduktivität (output-capital ratio).

– Siehe Arbeitskoeffizient, Investition, Kapital, Kapitalintensität, Kapitalstock.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitalkosten-Effekt (capital cost effect):

Die Tatsache, dass

1. eine Erhöhung der Refinanzierungskosten der Banken von diesen an die Kunden weitergegeben werden (müssen).

2. Steigende Zinsen für Darlehn aber führen über kurz oder lang zu einem geringeren Wachstum der Kredite und

3. damit zu einer Dämpfung der kreditfinanzierten Nachfrage, in erster Linie bei betrieblichen Investitionen sowie im Wohnungsbau.

– Bei einer Senkung der Zinsen kann nicht unbedingt auch mit zusätzlichen Investitionen gerechnet werden, weil hier in erster Linie - und bei einem an sich schon niedrigen Zinsniveau zumal - vor allem Erwartungen hinsichtlich des Gewinns die entscheidende Rolle spielen.

– Siehe Bremsweg, geldpolitischer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitalmarkt (capital market):

1 Oberbegriff für alle Märkte, auf denen langfristige Kredite und Beteiligungskapital gehandelt werden (market in which long-term debt instruments are bought and sold).

2 Im engeren Sinne wird unter Kapitalmarkt nur der organisierte Handel in Wertpapieren verstanden (Börse). Der Wertpapiermarkt gliedert sich wiederum in den Rentenmarkt (Markt für Schuldverschreibungen) und den Aktienmarkt (Markt für Beteiligungen an Aktiengesellschaften).- Zum Wertpapiermarkt zählen schliesslich auch die Zertifikate der Investmentfonds. Diese Anteilscheine stellen, sofern die Investmentfonds ihrerseits Wertpapiere kaufen, nämlich eine indirekte Form des Erwerbs von Schuldverschreibungen oder Aktien dar.

– Siehe Immobilienfonds, offener, Kapitalangebot, Kapitalbewegungen, internationale, Langfristig, Zinsallkokations-Funktion.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2007, S. 51 ff. (institutionelle Gegebenheiten auf dem Kapitalmarkt in Deutschland).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitalmarkt, grauer (grey capital market):

Allgemein das ungeregelte, nicht organisierte Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage nach Finanzprodukten. Der im Einzelnen nur sehr schwer abgrenzbare graue Kapitalmarkt vollzieht sich (appears) grösstenteils im Anzeigenbereich von Tageszeitungen sowie im Internet mit entsprechenden Seiten und eigens zu diesem Zweck gespeisten Internet-Foren. - Die Nachteile dieses Marktes sind insbesondere

1. das häufig sehr hohe Risiko und

2. die weitgehend fehlende Markttransparenz bei den Transaktionen und den gehandelten Papieren sowie die

3. Rechtsunsicherheit; eine Rechtsverfolgung selbst bei Betrug ist oftmals kaum möglich.

– Zwar wurde die Informationslage für Anleger erheblich verbessert durch die am 1. Juli 2005 in Kraft getretene Prospektpflicht. Insoweit aber entsprechende Geschäfte aus Offshore Finanzplätzen oder aus dem heimischen Schattenbankbereich angeboten werden, so können nationale Aufsichtsbehörden jedoch kaum Einfluss nehmen.

– Siehe Beaufsichtigung, indirekte, Beschores, Billigkopie, Blue-sky laws, Daimonion, Dampfstube, Dingo-Werte, Domizil-Verschleierung, Enforcement, Frontrunning, Geheimtip, Geldwäsche, Ghettobanking, Groll-Effekt, Gründungsschwindel, High Risk Countries, Kapitalmerkt, schwarzer, Nominee, Offshore Finanzplätze, Pump and Dump, Parallel Banking, Racheengel, Überweisungsbetrug, Underground Banking.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 73 f., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 83 ff. (dort "schwarzer" Kapitalmarkt genannt und definiert), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 139 (Prospektpflicht), S. 189 (weitreichende Ermittlungs- und Eingriffskompetenzen der BaFin), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 200 f. (Untersagungsbescheide; Gerichtsverfahren), Jahresbericht der BaFin 2007, S. 210 ff. (Massnahmen der BaFin; statt "grauer" wird jetzt der Begriff "schwarzer" Kapitalmarkt gebraucht), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 202 f. (Rechtsentwicklung), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 230 f. (unbefriedigende Judikatur), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 246 f. (Koordinierungsstelle BaFin/Justiz eingerichtet; laufende aufsichtliche Tätigkeit), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 214 ff. (Aufsichts- und Ermittlungstätigkeit der BaFin) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Querschnittsaufgaben", Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 67 ff. (weitläufige Analyse und Risikobewertung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitalmarkt, schwarzer (black capital market):

Das Betreiben von Geschäften auf dem Finanzmarkt ohne Erlaubnis, obwohl eine solche rechtlich verbindlich ist.

– Siehe Kapitalmarkt, grauer.

– Vgl. Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 60 (Definition).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitalmarktöffnung (capital account liberalisation; global financial market integration):

Die Einbeziehung eines Landes in den internationalen Kapitalstrom. - Wie theoretisch erklärbar und statistisch zweifelsfrei nachzuweisen ist,

1. nützt eine solche Öffnung grundsätzlich nur solchen Staaten, die über verlässliche Institutionen verfügen.

2. Ländern mit ungenügender Wirtschaftsstruktur (vor allem dürftigem Rechtssystem und fehlender politischer Stabilität; weak political-economy ramifications) schadet gar die Kapitalmarktöffnung über kurz oder lang.

– Siehe Carry Trades, Geldheimat, Kapital-Abschottung, Kapitalbewegungen, internationale, Kapitalstrom-Paradoxon, Round Tripping.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitalmarktzins (capital market interest):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen (more precisely: the average interest rate in terms of the return on the most recent ten-year government loan) solcher Länder, die nach Einschätzung der Anleger ihre aufgenommenen Kredite auch zurückzahlen können und wollen.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 17.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitalnutzungskosten (capital use costs):

Der Preis für die Nutzung von Sachkapital innert einer Periode. - Langfristig werden erwerbswirtschaftliche Unternehmen ihr Sachkapital (capital stock; Kapitalstock) so lange erweitern oder verringern, bis der Ertrag der letzten Kapitaleinheit gerade die Kosten seiner Nutzung deckt. Diese bestimmen sich grob aus

1. den Finanzierungskosten, in erster Line aus dem Kapitalmarktzins,

2. den realen Abschreibungskosten und

3. fiskalische Belastungen, vor allem der Körperschaftsteuer.

– Siehe Investition, Kapital, Kapitalkoeffizient, Staatsverschuldung-Zins-Zusammenhang, Vermögen, Zins.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2002, S. 43 f. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitalplanung (capital planning):

Die vorausschauende Ermittlung des Bedarfs an Eigenmittel eines Unternehmens und eines Instituts im Besonderen. Aufsichtsrechtlich bestehen fest umrissene Anforderungen an eine mehrjährige Kapitalplanung bei Banken.

– Siehe Kapitalerhaltungspuffer, Liquditätsmanagement.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2013, S. 42 f. (Darlegung der Erfordernisse mehrjähriger Kapitalplanung aufgrund von Basel-II).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitalpuffer, antizyklischer (countercyclical capital buffer, CCCB):

Vom Konjunkturzyklus abhängiger zusätzlicher Kapitalzuschlag. Er bemisst sich als Quotient (quotient; Teilungsergebnis) aus hartem Kernkapital und risikogewichteten Aktiva.

– Siehe Deckungsquote, Eigenkapitalpuffer, Liquiditätspuffer, Leverage Ratio, Puffer, gegenzyklischer.

– Vgl.– Siehe Deckungsquote, Eigenkapitalpuffer, Liquiditätspuffer, Leverage Ratio, Puffer, gegenzyklischer. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2013, S. 52 (Definition), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2013, S. 69 (Übersicht der Kapitalpuffer nach CRD-IV), Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 103 ff. (Erläuterungen zum CCCB; Festlegung der Höhe; Rolle der BaFin).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitalsammelstellen (institutional investors):

Allgemein Unternehmen, denen im Zuge ihrer Geschäftstätigkeit laufend Geld zufliesst, und die wesentliche Teilbeträge davon wieder anlegen (entities which pool large sums of money and invest those sums in companies), wie vor allem Versicherungen und Kapitalverwaltungsgesellschaften.

– Siehe Anleger, institutionelle, Überschusseinheiten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitalschutz (investment share protection):

1 Die Bewahrung des Wertes eines auf Geldeinheiten bezogenen (denominierten; denominated) Vermögensgegenstandes. Dies kann umfassend, für alle geltend lediglich durch Geldwertstabilität erreicht werden, nämlich durch Erhaltung der Masstab-Eigenschaft des Geldes.

2 Die Gewähr, dass die Rechtsordnung das Privateigentum von Anlegern im eigenen Land auch gegen Mehrheitsbeschlüsse in jederart öffentlichen Gremien beschützt.

3 Sicherung von im Ausland getätigten Investitionen heimischer Unternehmen vor Schikanen aller Art bis hin zur Enteignung (dispossession). Die Erfahrung hat gezeigt, dass besser als jedes zwischenstaatliche Kapitalschutz-Abkommen (investment protection agreement) die kapitalmässige Verflechtung (cross-ownership, capital interlocking, financial intertwinning) von Volkswirtschaften vor den Hindernisse und Beeinträchtigungen fremdländischer Investoren schützt.

4 Bei einem strukturierten Finanzprodukt der Betrag, der in jedem Fall zurückbezahlt wird, und zwar unabhängig von der Preisentwicklung des Basiswertes.

– Siehe Anleihe, inflationsgeschützte, Betreibermodell, Geldwertstabilität, Inflations-Ausgleich, Inflationsschutz, Kapitalgarantie, Kapitalstrom-Paradoxon, Kapitalverflechtung, Preisstabilität.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitalschutzgesetze (blue-sky laws):

Alle staatlichen Bestimmungen zum Schutze der Anleger (state regulations covering the issue and trading of securities and designed to protect investors against securities fraud).

– Siehe Anlegerschutz, Aufsichtsbehörden, BaFin-Umlage, Beaufsichtigung, vollständige, Kapitalschutz, Regulierungsdruck, Regulierungswut, Transparenzgrad, Überregulierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitalstock (capital stock):

1 Im weitesten Sinne jede angehäufte Menge von Geld oder Anlagevermögen, die einem bestimmten Zweck dient.

2 Das nach bestimmten Regeln des volkswirtschaftlichen Rechnungswesens ermittelte und bewertete Anlagevermögen eines Landes, manchmal auch in Bezug auf eine Branche oder eines Unternehmens gesagt.

3 Die Gesamtheit der Aktien einer Gesellschaft (all shares representing ownership in a corporation).

4 Sondervermögen (Fonds) einer Kapitalverwaltungsgesellschaft, über das in der Regel eine feste (closed-end fund; geschlossener Fonds) oder veränderliche (open-end fund; offener Fonds) Anzahl von Anteilsscheinen ausgegeben wird.

– Siehe Investition, Investitionsquote, Kapital, Kapitalkoeffizient, Realkapital, Sachkapital, Zinsallkokations-Funktion.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2012, S. 18 (Brutto-Kapitalstock in Deutschland, 1992–2011).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitalstrom-Paradoxon (paradox of international capital flows):

Die Tatsache, dass anlagesuchendes Kapital eher von den armen Ländern in reiche Staaten fliesst als umgekehrt. - Der Grund für diesen empirischen Befund liegt darin, dass die Investoren zwar rechnerisch in kapitalarmen Volkswirtschaften einen höheren Gewinn erzielen könnten, sie aber weniger Vertrauen in die Infrastruktur haben, wie vor allem schlecht ausgebildete und gesundheitlich wenig leistungsfähige Arbeitskräfte, Korruption, brüchige Rechtsordnung, politische Instabilität, Kapitalverkehrsbeschränkungen oder Gefahr von Enteignung.

– Siehe Fluchtgeld, Geldheimat, Geld, sittliches, Hafen, sicherer, Institution, Kapitalbewegungen, internationale, Kapitalmarktöffnung, Kapitalschutz, Lucas-Paradoxon.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitalströme (capital movements):

Zuflüsse und Abflüsse von Direktinvestitionen und Wertpapieren zwischen dem Eurogebiet und Drittländern werden von der EZB erfasst und für ihre Geldpolitik ausgewertet.

– Siehe Direktinvestitionen, Kapitalbewegungen, internationale, Reverse Flows, Round Tripping.

– Vgl. die Werte, nach verschiedenen Merkmalen unterteilt, im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Aussenwirtschaft" des jeweiligen Monatsberichts der EZB, Monatsbericht der EZB vom Juli 2002, S. 69 ff., Monatsbericht der EZB vom Juli 2005, S. 21 ff. (tiefgreifende Analyse; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Februar 2012, S. 117 ff. (grenzüberschreitende Kapitalströme im Eurogebiet; ausführliche Darstellung; viele Übersichten), Monatsbericht der EZB vom September 2013, S. 34 ff. (Kapitalbilanz Eurogebiet seit 2007 aufgeschlüsselt; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitalstruktur (capital structure):

1 Die Zusammensetzung des Anlagevermögens einer Volkswirtschaft oder eines Unternehmens, oft unterteilt nach Investitionsjahrgängen (vintages: years of origin).

2 Die Anteile von Eigenkapital und Fremdkapital (borrowed capital) in einem Unternehmen (the combination of capital sources that a business has tapped for the money to invest in its assets, and in particular the mix of its interest-bearing long-term debt and its owners' equity).

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2012, S. 13 ff. (Grundsätzliches zur Kapitalstruktur von Unternehmen; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitalumschlag (asset turnover):

Mass für das notwendige Kapital, um eine bestimmte Umsatzhöhe zu erreichen (the capital needed to generate a given level of sales) und der Kehrwert (Reziprokwert; reciprocal) der Kapitalintensität.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitalverflechtung (financial interlocking):

In der Zahlungsbilanzstatistik die Vermögensbestände

1. ausländischer Investoren im Inland einerseits und

2. die Bestände der heimischen Investoren im Ausland andrerseits. Wegen der damit verbundenen Kapitalflüsse werden diese Beziehungen von den Zentralbanken beobachtet.

– Siehe Kapitalschutz.

– Vgl. die Werte, nach verschiedenen Merkmalen unterteilt, im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Aussenwirtschaft" des jeweiligen Monatsberichts der EZB, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2003, S. 51 ff. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitalverkehrskontrolle (capital [transactions] control):

Genehmigungspflicht für Kapitaltransfers ins Ausland, von der Zentralbank oder einer Regierungsbehörde aufgrund entsprechender gesetzlicher Bestimmungen organisiert (restriction of the free movement of capital; it consists of measures taken to limit the flow of foreign capital in and out of a country or currency area). - Alle Kapitalverkehrsbeschränkungen innert der EU wurden bereits 1990 grundsätzlich aufgehoben (Artikel 56 ff. EGV).

– Siehe Kapitalabschottung, Bardepot, Carry Trades, Geld, heisses, Devisenzwangswirtschaft, Multilateral Investment Guarantee Agency.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2001, S. 15 ff. (Freizügigkeit in der EU), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2020, S. 57 f. (im Zuge der Finanzkrise greifen mehrere Staaten zu Kapitalverkehrskontrollen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitaltransfersystem, elektronisches (electronic funds transfer system, EFTS):

1 Die Abwicklung und Verrechnung von Geschäften auf dem Finanzmarkt über elektronisch gesteuerte Anlagen.

2 Vorgeplante, meistens regelmässig durchgeführte Kontenbewegungen mit Hilfe eines elektronischen Netzwerkes.

– Siehe Abwicklungssysteme, Börsenkonzentration, europäische, Clearing-Haus, automatisches, Euroclear, Fernzugang, Massenzahlungsverkehr, elektronischer, Target, Target 2-Securities, Trade Assignment, Überweisungssystem.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitalvertiefung (capital deepening):

Der Mehreinsatz von Sachkapital bei gleichbleibendem Arbeitseinsatz; die Kapitalintensität steigt (capital per worker is increasing, it is an increase in the capital intensity. Capital deepening is often measured by the capital stock per labour hour). Dadurch erhöht sich im Regelfall auch die Arbeitsproduktivität.

– Siehe Kapitalerweiterung, Kapitalintensität, Produktivität.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitalverwaltungsgesellschaft, vor Inkrafttreten des KAGB im Jahr 2013 Kapitalanlagegesellschaft (asset management company, investment trust; mutual fund):

Ein Unternehmen, das ihm gegen Anteilscheine anvertraute Mittel so anzulegen sucht, dass

1. die mit der Anlage verbundenen Risiken durch Streuung des Besitzes (spreading of investments) möglichst kleingehalten werden und

2. das angelegte Vermögen aber die höchstmögliche Wertsteigerung (maximum increase of value) erfährt.

– Neben der alten und neuen gesetzlichen Benennung wird auch in der Finanzwelt häufig die Bezeichnung Investmentgesellschaft und Fondsgesellschaft verwendet. - In Deutschland regelte ein eigenes "Gesetz über Kapitalverwaltungsgesellschaften (KAGG)" die Geschäftstätigkeit dieser Institute, die Investmentfonds in Form von Sondervermögen auflegen und Anteilscheine daran ausgeben. Mit Jahresbeginn 2004 wurde das Gesetz sowie das Auslandsinvestment-Gesetz in das neue Investmentgesetz (InvG) eingebracht. Aufsichtsrechtlich zählen Kapitalverwaltungsgesellschaften zu den (Spezial)Kreditinstituten und unterliegen daher der Kontrolle durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Die meisten grossen Kapitalverwaltungsgesellschaften sind Tochterunternehmen (subsidiaries) von Banken. Die üblichen Rechtsformen einer Fondsgesellschaft sind KG oder GmbH & Co. KG. - Durch das Investmentänderungesetz vom Dezember 2007 ist eine Kapitalverwaltungsgesellschaft verpflichtet, sich eine Geschäftsordnung (CH: Reglement; rules of procedure) zu geben, die mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht abzustimmen ist. - International tauscht die Enlarged Contact Group on the Supervision of Collective Investment Funds aufsichtsrechtliche Erfahrungen aus.

– Siehe Aktienfonds, Anlageausschuss, Anlageklasse, Anteilschein, Anlage-Diversifizierung, Auftragsfonds, Bogey, Captive Fund, Effektenfonds, Finanzintermediäre, Finanzmarktstatistik, Firmenfonds, Fonds, ethischer, Forward Pricing, Immobilienfonds, Inventarwert, Investmentmodernisierungsgesetz, Kapitalanlagegesetzbuch, Kapitaldeckungsverfahren, Kostenvorausbelastung, Länderfonds, Legal Opinion, Publikumsfonds, Rentenfonds, Risikoüberwachung, gegliederte, Spezialfonds, Steuerspar-Fonds, Thesaurierungs-Fonds, Verbraucherbeschwerden, Vermögensverwalter, Verordnung zur Konkretisierung der Verhaltensregeln und Organisationsregeln nach dem Kapitalanlagegesetzbuch Waldfonds, Zweiggesellschaft.

– Vgl. Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 15 und S. 41 f. (wegen besonderer Vorschriften hinsichtlich der Fondsanteile), S. 88 ff., S. 91 (ausländische Investmentfonds in Deutschland), Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 210 ff. (Neuerungen aufgrund des Investmentgesetzes), Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 89, S. 177 (Richtlinie über Fondskategorien), S. 178 f. (Aufsichtsrechtliches), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 138, S. 143 (Prospektpflicht auch für Vermögensanlagen), S. 145 f. (Aufsichtsrechtliches), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 75 f. ("Fachkonzept" [klare Sprache müsste man in der Schule gelernt haben!] zur besseren Risiko-Unterscheidung), S. 147 (Novellierung des InvG), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 162 (Beschwerden bei der BaFin über Wertentwicklung von Fonds; vereinfachtes Genehmigungsverfahren für Publikumsfonds), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 191 f. (Auswirkungen Finanzkrise; Risikoklassifizierung durch die BaFin), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 189 (Möglichkeit, auf nicht mehr als zwei DIN A-4-Seiten einen Fonds vorstellen; ein weiterreichendes Verkaufsprospekt wird nicht mehr benötigt), S. 234 f. (Prüfung der Risikostruktur von Kapitalverwaltungsgesellschaften) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Rubrik "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft", Monatsbericht der EZB vom Juni 2007, S. 28 ff. (Übersicht der Fonds), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 186 (Risiko-Klassifizierung der KWGs). - Im jeweiligen Monatsbericht der EZB ("Statistik des Euro-Währungsgebiets") finden sich in der Rubrik "Monetäre Entwicklungen, Banken und Investmentfonds" verschiedene detaillierte Aufstellungen (wie: Anzahl, Vermögen) zu den Kapitalverwaltungsgesellschaften.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitalwellen, internationale (capital ebbs and flows):

Die statistisch belegte Tatsache, dass zusätzliches Geld für Investitionszwecke nicht gleichmässig über die Zeit weltweit verfügbar ist, sondern im Angebot - weniger auch in der Nachfrage- deutlich Wellen erkennbar sind. Im Trend gesehen steigt aber das internationale Kapitalangebot beträchtlich; es verfünffachte sich etwa zwischen 1960 und 2005.

– Siehe Carry Trades, Kapitalmarktöffnung, Kapitalbewegungen, internationale, Round Tripping, Zyklik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitalwert (capitalised value):

Wenn nicht anders definiert, die durch Abzinsung (discounting; Diskontierung) auf einen Bezugszeitpunkt hin errechneten Nettoerträge (Quasirenten; quasi rents) aus einer Investition.

– Siehe Barwert, Ertragswert, Netto-Kapitalwert.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kapitalzuschlag (capital add-on):

1 Die aufsichtsrechtlich im Zuge von Basel-II verfügte Bereitstellung zusätzlicher Eigenmittel einer Bank, um allfällige Risiken zu decken.

2 Nach Solvency-II der Anordnung der Aufsichtsbehörde, zusätzliche Eigenmittel zur Verfügung zu stellen, falls das Risikoprofil eines Instituts ein solches Erfordernis angezeigt erscheinen lässt.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 52 (europaweite Harmonisierung der Kapitalzuschläge).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kappengeld auch Pirschgeld (cape money, stalk charge):

Festgelegter (stipulated) oder nach freien Stücken (voluntarily) bemessene Summe, den eingeladene Teilnehmer einer Jagd an den Jagdherrn (owner of a hunting ground) als Veranstalter der Jagd zahlen. Darin ist in der Regel der Betrag für die vorgängige (Jagdfrühstück; hunting breakfast) und anschliessende Bewirtung (Jagdessen, Jagdschmaus; hunting dinner) nicht enthalten.

– Siehe Jagdgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kaplaken und Kapplaken auch Primgeld (hat money):

1 Besondere Zahlung des Befrachters an den Schiffskapitän, damit derselbe den Frachtstücken vorzugsweise Sorgfalt zuwende; siehe § 621 HGB.

2 Heute hie und da an Camion-Chauffeure (Camonieurs, Lastkraftwagenfahrer) bezahlte Prämie mit dem gleichen Zweck der besonderen Obacht und persönlichen Sorge in Bezug auf das Ladegut und die termingemässe Zustellung der Ware.

– Siehe Abfertigungsgeld, Douceur, Handgeld, Kärnergeld, Mützengeld, Prämie, Reedergeld, Verpackungsgeld, Wartegeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Karat und auch Kirat (carat):

1 Feinheitsbezeichnung bei Gold. Reines Gold nennt man 24karätig; in der älteren Literatur auch als Obryzum, Obrissum und Obrussum (obrussum: finest gold) bezeichnet. - Eine 22karätige Goldlegierung enthält somit 916 Tausendstel reines Gold, eine 19karätige 750 Tausendstel.

2 Gewichtsmass bei Edelsteinen; 1 Karat = 0,2053 Gramm. Kleine Steine werden üblicherweise in Punkten (points) gemessen, wobei 1 Punkt dem hundertsten Teil eines Karats entspricht, also 1 ct = 100 Punkte.

– Siehe Alliage, Assay-Stempel, Diamanten, Edelkupfer, Edelmetalle, Edelsteine, Farbsteine, Juwelen, London Good Delivery Standard, Münzgold, Pennyweight, Troy-Unze, Unze.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Karbatsch (gombeen-man, shylock):

Ältere Bezeichnung für einen Kredithai: einen Geldverleiher, der Personen ein Darlehn ohne entsprechende Sicherheiten gewährt. - Im Englischen findet sich "Shylock" oft auch grossgeschrieben; es handelt sich um eine Gestalt aus dem Lustspiel "Der Kaufmann von Venedig" (The Comical History of the Merchant of Venice) des englischen klassischen Schriftstellers William Shakespeare (1564-1616). Der Geldverleiher Shylock verlangt in diesem Bühnenstück ein Pfund Fleisch aus dem Körper des leichtsinnigen Kreditnehmers Antonio.

– Siehe Kredithai.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Karenzzeit (abstinence time, deferred redemption period):

1 Allgemein ein Zeitraum, der zusätzlich auf das Zahlungsziel eingeräumt wird, und nach dessen Ablauf erst das Inkasso vorgenommen wird.

2 Bei (Finanz)Verträgen eine Zeitspanne, die einen der Vertragspartner während der vereinbarten Frist von der Leistung freistellt. Bei Aktien ist dies in der Regel der Anspruch auf Dividende, bei Versicherungen die Pflicht zur Zahlung im Schadensfalle, bei Anleihen die vertraglich festgelegte rückzahlungsfreie Laufzeit (the grace period, generally at the beginning of the bond's life, during which the issuer does not have to repay the principal).

– Siehe Einzug, Endfälligkeit, Geldeintreibung, Mahngebühr, Respekttage, Respiro.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kärnergeld (carriage fee):

Frühere Zahlung an den Kärner (carter, coachman: Karrer, Kerner = Karrenfuhrmann, Kutscher; auch Heinzeler und Wagenmann genannt) für erbrachte Fuhrleistungen.

– Siehe Fuhrgeld, Frachtgeld, Kaplaken, Mergelgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Karniergeld auch Lettergeld (record fee):

In alten Dokumenten die Gebühr für die Ausfertigung einer Urkunde seitens einer Behörde. - Karnier (Behältnis, Ledertasche) = hier: Aktenablage.

– Siehe Kanzleigeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Karte (card):

1 Allgemein ein Datenträger, der Informationen in einer maschinell verarbeitbaren (machinable) Form enthält.

2 Einsteckbare Einheit in eine Maschine generell und in einen Computer im Besonderen, die gedruckte Schaltungen und Bauteile enthält.

3 In Zusammenhang mit dem Zahlungsverkehr ein regelmässig

1. aus Kunststoff verfertigter,

2. grafisch je nach Ausgeber unterschiedlich gestalteter,

3. handtellergrosser,

4. computerlesbarer Ausweis,

5. mit dem sich auf verschiedene Weise und in verschiedenem Umfang die Zahlung durch Bargeld ersetzen lässt (plastic card, with a magnetic strip or an embedded microchip, connected to a credit account and used to buy goods or to withdraw money).

– Siehe Auszahlung, Barzahlungsklausel, Bezahlverfahren, innovative, Card Verification Value, Chipkarte, Community Card, Computerzahlung, Europäisches Forum zur Sicherheit von Massenzahlungen, Firmenkreditkarte, Geld, elektronisches, Geldkarte, Geldnutzen, Guilloche, Interoptabilität, Karte, multifunktionale vorausbezahlte, Karten-Allianz, Kartenbetrug, Karten-Echtheitsprüfung, Kreditkarte, Kreditkarten-Fiasko, Konto, anonymes, Kreditkarte, Kundenkarte, Netzgeldgeschäft, Pay-Green-Initiative, Pay per Touch, Plastikgeld, POS-Banking, Prozessor, Schuldurkunde, Single European Payment Area, Ticketing, electronic.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2009, S. 52 f. (im Jahr 2008 zahlten 58 Prozent der Deutschen mit Bargeld und nur 26 Prozent mit Karte; Entwicklungslinien), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2013, S. 29 ff. (ausführliche Darstellung des Massenzahlungsverkehrs im Eurogebiet; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Karte, multifunktionale vorausbezahlte (multi-purpose prepaid card):

Zu verschiedenen Zwecken verwendbares elektronisches Zahlungsmittel in Form einer Geldkarte. Ist diese aufladbar (rechargeable), so wird auch von elektronischer Geldbörse gesprochen.

– Siehe Geld, elektronisches, Kartenbetrug, Notruf-Nummer, Pay-Green-Initiative, Ticketing, electronic.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Karten-Allianz (card alliance):

1 Die Absprache zweier oder mehrerer Ausgeber von Karten über verschiedene, vor allem die gegenseitige Anerkennung betreffende Geschäftsfelder.

2 In Bezug auf Europa der Vorschlag, die zersplitterte Karten-Landschaft in Einklang zu bringen, um den beiden international führenden US-Anbietern (Visa und MasterCard) eine gleichwertige Karte an die Seite zu stellen.

– Siehe Cobranding-Karte, Interchange Fee, EMV-Richtschnur, Kundenkarte, Payez Mobile, Pay-Green-Initiative, SEPA-Rat, Single European Payment Area, Rahmenwerk für das Europäische Kartengeschäft.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 93 ff. (derzeitiger Stand bei Chipkarten; künftige Entwicklung; wichtige Übersichten), Jahresbericht 2007 der EZB, S. 172 (Überwachungsrahmen für Kartenzahlungs-Systeme), Monatsbericht der EZB vom Januar 2012, S. 81 ff. (Weg zu einer einheitlichen Kartenzahlungsmöglichkeit in Europa; ausführliche Darstellung des Istzustandes; viele Übersichten und Schemata).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kartenbetrug (card fraud):

Rechtswidrige Transkationen in Zusammenhang mit Zahlung auf dem Weg über eine Karte. Dem beigezählt wird auch das betrügerische Kopieren und Vertauschen - die echte Karte wird einbehalten und dem Kunden eine täuschend ähnliche Karte zurückgegeben - gelegentlich einer Zahlung in Ladengeschäften und Tankstellen. Die EZB veröffentlicht regelmässig eine Statistik über Betrugsfälle, die auf der Webseite der EZB abrufbar ist. Mit dem Wachstum des Online-Handels steigt auch das Ausmass des Kartenbetrugs. Im Jahr 2012 ging 1 EUR je 2'635 EUR durch dieserart Betrug verloren. Dabei entfielen etwa sechzig Prozent des Schadens auf sog. Card-not-present (CNP)-Transkationen. Hierbei wird ohne gegenständliche Vorlage einer Karte - zumeist per Internet - bezahlt. Frankreich, England und Luxemburg verzeichneten die höchsten betrugsbedingten Schäden gemessen an den üblichen Transkationen. - Zu beachten ist indessen, dass die von der EZB veröffentlichte Statistik nur jene Fälle enthält, bei denen Anzeige erstattet wurde.

– Siehe Card Validation Code, Computerzahlung, Counterfeit Card, Einziehung, Europäisches Forum zur Sicherheit von Massenzahlungen, Karten-Echtheitsprüfung, Phishing, Skimming, Racheengel.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2012, S. 92 (Definition des Skimming in Anmerkung 92).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Karten-Echtheitsprüfung (mutual authentification):

Prüfung im Chipumfeld einer Geldkarte. Dabei wird das Kryptogramm der ausgebenden Bank bzw. dem Prozessor zugeleitet. Dort wird es durch den Chip mit ihrer Zentraldatei (ihrem Autorisierungs-System) abgeglichen.

– Siehe Ablehnung, Community Card, Computerzahlung, Chipkarte, EFTPOS, Geld, elektronisches, Guilloche, Karte, multifunktionale, Karteneinsatzdatei, Netzgeldgeschäft, Sparbuch, Ticketing, electronic.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Karteneinsatzdatei (activity file):

Gespeicherte Transaktionsdaten für ein Kartenkonto innert eines Zeitraums. - Bei "auftrags einer Karten ausgebenden Bank" ausgeführten Leistungen (on-behalf services) erfolgt vor jeder Autorisierung eines Geschäftes ein Abgleich (reconciliation) mit dieser Datei. Dadurch soll sichergestellt werden, dass der seitens der jeweiligen Karten ausgebenden Bank vorgegebene Verfügungsrahmen (line of credit; Kreditlinie) eingehalten wird.

– Siehe Chipkarte, Computerzahlung, Firmenkreditkarte, Geld, elektronisches, Geldkarte, Karte, multifunktionale, Karten-Echtheitsprüfung, Netzgeldgeschäft, Pay-Green-Initiative, Pay per Touch, Prozessor, Radio Frequency Identification.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kartengeld (map copy-fee):

Frühere Gebühr, die bei der Ausfertigung einer topographischen Karte seitens der Kartenkammer (land register office; Behörde, die Flurpläne verwahrte: heute Fluramt oder Grundbuchamt) zu zahlen war.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kartenleistungsbeleg (sales slip, charge slip, sales draft, sales ticket):

Der Inhaber einer Geldkarte bekommt als Nachweis seiner getätigten Transaktionen gewöhnlich vom Terminal einen Beleg in Papier. Falls der Kunde einen von Hand erstellten bzw. von einer Registrierkasse gedruckten Beleg erhält, so ist dieser regelmässig zwecks Anerkennung (Authentifizierung; authentification) des gebuchten Betrags von ihm zu unterschreiben.

– Siehe Lastschriftverfahren, elektronisches, Pay-Green-Initiative.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Karten-Stapel (deck):

Die noch nicht ausgeführten Aufträge an der Börse, die ein Saalhändler in Bereitschaft hat (the orders for purchase or sale of futures and option contracts held by a floor broker.). - Früher waren die Orders auf kartonierten Zetteln vermerkt, die der Makler als Packen sichtbar bei sich in der Hand trug. Weil von der Höhe des Karten-Stapels auf die Geschäftstätigkeit des Maklers geschlossen wurde, so bauschten - nach Aussagen der Memoiren-Literatur - manche Saalhändler ihren Packen durch Leerkarten (blank cards) etwas auf.

– Siehe Börsenmitglieder, Commercials, Iceberg Order, Kulisse, Open Order, Spekulation, Tagesauftrag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kartierung (charting):

In Bezug auf den Finanzmarkt versteht man darunter Schaubilder, die Kennzeichen über Finanz- oder Warenmärkte - vor allem in börsennotierten Werten - in einen stimmigen Zusammenhang zu bringen suchen. Dazu gehören vor allen vergangene bewegungen, Umsatzvolumina (volume of sales), ausstehende Terminkontrakte und andere.

– Siehe Analyse, technische, Charts, Histogramm, Hurrikan-Schock, Kursbereich, gehandelter, Modellunsicherheit, Ölpreis-Schocks, Random-Walk-Hypothe¬se, Schock, externer, Spielbank-Doktrin, Strichdiagramm, Terror-Schock, Unsicherheit, Worst Case Szenario.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Käsegeld (government subsidy for cheese dairies; cheese redemption payment):

1 Von der Regierung der Schweiz an Käsereien (cheese dairies) im Alpengebiet (alpine region) bezahlte Subvention.

2 Früher die in eine einmalige oder regelmässige Zahlung umgewandelte Pflichtigkeit (soccage; Fron) eines Leibeigenen (villein), dem Grundherrn eine bestimmte Menge an Käse abgeben zu müssen.

3 Nunmehr in den Lohn eingerechnete frühere Verpflichtung eines Arbeitgebers, den Beschäftigten ein Quantum Käse als Lohnbestandteil auszuliefern.

– Siehe Befreiungsgeld, Deputat, Subvention.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Käserei (cheese dairy):

Im Jargon der Institute abwertende Bezeichnung für einzelne Abteilungen, zumeist bezogen auf Bereiche wie die Langfristplanung (strategy planning; Strategie-Abteilung) und den gesamten Marketingbereich.

– Siehe Event Marketing, Infighting, Kiddies Manager, Kundenabwehrdienst, Münchhausen, Baron, Spin Doctor, Regenmacher, Sitzheizung, Umsatzbremse.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kaskaden (cascades):

Allgemein nach gewissen Mustern ablaufende Unruhen (Turbulenzen; turbulences) auf dem Finanzmarkt.

– Siehe Dominostein-Effekt, Herdenverhalten, Kreditzyklus, Krise, systemische, Schockwelle.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kassabuch auch Kassenbuch (cash account book, cash journal):

Verzeichnis, in das alle eingehenden und ausgehenden Beträge aus einer Kasse eingetragen werden.

– Siehe Hauptbuch, Kassenstrazze, Memorial, Rapiat, Strazze.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kassageld und Kassengeld (cash outpayment; payment receivable; money debt; money accepted;):

1 Geld, das bis zu einer gewissen Höhe an der Kasse (checkout counter) bei einigen (Lebensmittel)Filialisten und Tankstellen der Kunde mit einer Karte sich auszahlen lassen kann.

2 In älteren Dokumenten ein Betrag, der ordnungsgemäss in eine (öffentliche) Kasse (public banking account) einzubezahlen ist.

3 Der einer (öffentlichen) Kasse (treasury: the place where public revenues are deposited) geschuldete Betrag.

4 Sorten, die von einer (öffentlichen) Kasse oder im kaufmännischen Verkehr zur Zahlung angenommen wurden.

– Siehe Lizentgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kassageschäft (spot operation):

Auf dem Finanzmarkt eine Transaktion, bei der Lieferung und Bezahlung sofort, spätestens aber innert zweier (Börsen)Tage zu erfolgen hat.

– Siehe Komptantgeschäft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kassa-Instrument (actual):

1 Eine im Kassamarkt abgewickelten Transaktionen, im Unterschied zu dem im Terminmarkt gehandelten Kontrakt.

2 Finanzinstrument, dessen Preis sich unmittelbar auf einen Markt bezieht.

– Siehe Actuals.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kassakurs (spot rate):

1 Allgemein der Preis bei sofortiger Zahlung, der Barpreis eines Gutes.

2 Der Preis einer ausländischen Währung am Devisenmarkt (day's rate; Tageskurs).

3 An deutschen Börsen der Einheitskurs (standard quotation).

– Siehe Bankenmarkt, Einheitskurs, Kurs, Marktpreis, Swapsatz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kassamarkt (cash market):

1 Allgemein jede Transaktion, deren Erfüllung zum Zeitpunkt des Geschäftsabschlusses erfolgt, wie etwa das Wechseln von heimischem Geld in eine Fremdwährung (xeno currency).

2 Im Besonderen an der Börse: Lieferung und Bezahlung der umgesetzten Stücke muss sofort, spätestens aber innert zweier (Börsen)Tage nach Geschäftsabschluss erfolgen. Im Gegensatz dazu werden im Terminmarkt regelmässig Kontrakte zur zukünftigen Lieferung gehandelt.

3 Manchmal ist damit auch (etwas verwirrend) der Markt für langfristige Darlehn und Kapitalanlagen gemeint, wobei die Geschäfte zu einem jetzt vereinbarten festen Kurs (Kassakurs) abgewickelt werden.

– Siehe Kassa-Instrument, Lokomarkt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kassaregulierung (settlement by cash):

In der älteren Literatur gebräuchliche Bezeichnung für Barauszahlung (cash payment).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kassaspekulant (spot speculator):

An der Devisenbörse ein Marktteilnehmer, der Kassadevisen erwirbt/veräussert und abwartet, bis deren Kassakurs gestiegen/gefallen ist. Sobald er einen angemessenen Gewinn zu realisieren scheint, tätigt der Spekulant ein neues Kassageschäft in umgekehrter Richtung. - Die Kassa-Spekulation hat für den Berufsspekulanten den Nachteil, dass sie ansehnliche Transaktionsmittel bindet. Denn der Spekulant muss

1. entweder Devisen halten, bis deren Kurs hinreichend gestiegen ist, oder

2. heimische Währung verfügbar halten, bis er bei sinkendem Kurs der Fremdwährung (xeno currency) diese zum Devisenkauf einsetzen kann. Wie die Finanzgeschichte lehrt, trieben solche Geschäfte auffallend viele Spekulanten immer wieder in den Ruin.

– Siehe Barfusspilger, Gnadengeld, Rebbes, Rendite, implizite, Spekulant, Terminspekulant.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kasse in älteren Dokumenten auch Kassa (immediate payment; cash; health insurance, public purse; cashier's office; checkout counter; cash desk; money box):

1 In Verbindung mit einer Zahlung die sofortige Begleichung einer Schuld durch Bargeld ("per Kasse"; immediate payment).

2 Der Bestand an Zahlungsmitteln im Besitz einer Wirtschaftseinheit (cash resources).

3 Umgangssprachlich eine Versicherung, die bei Krankheit, Mutterschaft und Tod sowie zur Früherkennung und Verhütung von Krankheiten Leistungen erbringt (health insurance).

4 Haushaltsmittel des Staates (public purse).

5 Bei einer Bank der Raum oder Schalter, an dem Zahlungen der Kundschaft abgewickelt werden (cashier's office).

6 Der Ort, an dem im Einzelhandel (CH: Detailhandel; retail trade) eine Übergabe von Zahlungsmitteln in Form von Bargeld oder mittels Karte stattfindet, in der Regel mit dem Packtisch (checkout counter) verbunden.

7 Bei einem Kaufhaus der ausgeschilderte Ort, an dem die Zahlung gegen Aushändigung der Ware entgegengenommen wird (cash desk).

8 Ein Behältnis zum Aufbewahren von Geld, Kassette (money box, casket).

9 Eine staatliche oder privatrechtlich organisierte Entität - wie Stiftung, Förderverein -, die satzungsgemäss Geld für einen dauerhaften Zweck bereitstellt, wie etwa der Gewährung von Beihilfen (benefits, financial aid) oder Stipendien.

9 1 Ein Fonds, der Mittel für bestimmte Zwecke ansammelt und verwaltet, wie etwa in einem Unternehmen zu einer Jubiläumsfeier (to celebrate a jubilee) oder bei einer Behörde zur Unterstützung von Armen (Amenkasse; poor box).

– Siehe Point of Sale, Quästur.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kasse, schwarze (black budget):

Ausserhalb des regulären Rechnungswesens vereinnahmte Summen (money that is secretly collected from the overall income of a country, a corporation, a society of any form, a political party or a national department). Sie dienen in fast jedem Fall dazu, Ausgaben ohne Wissen und Überwachung durch die dazu Beauftragten zu tätigen. - In der Regel fasst man unter diesem Begriff auch die Zweckverschleierung von Ausgaben (masking of the expenditure targets), besonders bei öffentlichen Stellen. So flossen in Deutschland nach 1918 hohe Beträge aus dem Reichshaushalt an Reservistenverbände zwecks Traditionspflege und zur Unterstützung in Not geratener Kameraden (to reservist associations for maintenance of traditions and for the support of comrades in need). Tatsächlich wurden die zugewiesenen Zuschüsse dort zum Kauf von Rüstungsmaterial und zur Waffenausbildung im Ausland verwendet. Das Heeresministerium umging auf diese Weise Vorgaben des Versailler Vertrags (peace treaty 1919 on the end of World War I; the contract forced Germany to disarm, make substantial territorial concessions, and pay reparations to countries that fought against Germany) sowie Proteste der Abgeordneten (the widespread slogans of those years were "no re-armament", "never again war") im Reichstag.

– Siehe Falscherklärung, Geheimgeld, Geldzahlungsgeste, Handgeld, Handschuhgeld, Investition, persönliche, Rückvergütung, Schmiergeld, Schweigegeld, Soft Money, Stiefelgeld, Wahlgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kassenanweisung (order for payment; exchequer bill):

1 In Zusammenhang mit der Haushaltgebarung von öffentlichen Stellen und auch manchmal in Unternehmen die Erklärung, durch die ein Berechtigter nach Feststellung der sachlichen Richtigkeit eine Zahlung veranlasst.

2 Eine frühere Form staatlichen Papiergelds ohne Annahmezwang: ein Tresorschein.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kassenbestand (cash assets, cash at balance):

1 In einem Betrieb die Einnahmen in Bargeld (encashments), in der Regel bezogen auf das Tagesende (at the close of business; zu Geschäftsschluss).

2 Bei einer Bank das vorhandene Bargeld in allen Kassen, einschliesslich der Sortenkasse und Portokasse. Allfällig eingelegte Quittungen für Vorlagen (advances; Vorschüsse) werden dem hinzugezählt.

3 In weiterem Sinne Bargeld sowie jederzeit sofort verfügbare Guthaben.

4 Manchmal in sehr weiter Abgrenzung neben dem Bargeld und Sichtguthaben auch die Wertpapierbestände, insoweit diese börsenfähig (negotiable) sind und tatsächlich auch an der Börse ohne weiteres verkauft werden können.

– Siehe Kassenkontrollbuch, Liquiditätspräferenz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kassenfuss (conversion rate):

In älteren Dokumenten der Betrag, zu dem eine fremde Währung (Münze, Wechsel) beim Eintrag in das Kassenbuch angesetzt wird. In der Regel vereinbarte man in Verträgen der Kassenfuss; sonst wurde der Wechselkurs der führenden Devisenbörse zugrunde gelegt.

– Siehe Devisenhandel, Devisenkurs, Münzcommis, Wechselkurs.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kassenkladde auch Kassenstrazze und Cassa-Stazza (cash memorandum book, cash blotter):

In der älteren Literatur ein in zeitlicher Reihenfolge geführtes Notizbuch, das Einzahlungen in eine Kasse und Auszahlungen aus dieser vorerst im laufenden Geschäftsbetrieb aufnimmt, ehe diese dann ins Kassenbuch übertragen und dort verbucht werden. Später dann durch maschinelle (Registrierkasse; cash register: 1879 in den USA erfunden) und heute durch elektronische Zählsysteme ersetzt. Die Letzteren bestehen derzeit im Wesentlichen aus einem Computer mit besonders eingerichteter Hardwareperipherie und Software. Das Ganze ist in der Regel mit einem Warenwirtschaftssystem (merchandise planning and control system) zur Rechnungslegung, Überwachung der Lagerhaltung und zur Nachbestellung der verkauften Ware verbunden.

– Siehe Geheimbuch, Kassenkontrollbuch, Memorial.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kassenkontrollbuch (check ledger, cash book):

Früher die im Zuge der Kassenrevision (cash audit) - bei einer Bank in der Regel täglich nach Geschäftsschluss - getätigten Eintragungen über den Kassenverkehr (Einzahlungen, Auszahlungen) und den Kassenbestand (cash at balance).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kassenkredit (reserve bank credit):

Wenn nicht anders definiert ein kurzfristiges Darlehn, das eine Zentralbank an öffentliche Stellen (public sector entities) zur Überbrückung von Engpässen an Liquidität im Verlauf des Haushaltsvollzugs gewährt. - In der Europäischen Währungsunion sind solche Darlehn der Zentralbank an öffentliche Haushalte untersagt.

– Siehe EZB-Sündenfall, Italienische Methode.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kassenobligation (public medium term bond):

Vom Staat oder Instituten ausgegebene fest oder variabel verzinsliche (variable interest bearing) Papiere mit einer Laufzeit bis zu sechs Jahren. Sie werden in Deutschland in der Regel bei institutionellen Anlegern untergebracht.

– Siehe Staatsschuld, Schulden, schwebende.

– Vgl. den Anhang "Statistik des "Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Öffentliche Finanzen", Unterrubrik "Verschuldung" im jeweiligen Monatsbericht der EZB.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kassenschein (cash certificate; emergency note; sales check [US: sales slip]; panel patient prescription; certificate of training as a cashier):

1 In älteren Dokumenten die von einer Bank ausgestellte Urkunde, in welcher die Einzahlung eines bestimmten Geldbetrags bescheinigt wird.

2 Früher in Deutschland von der Reichsschuldenverwaltung (German national debt office; Vorgängerin der heutigen Bundeswertpapierverwaltung) ausgegebene Geldzeichen, die im Geschäftsverkehr weitgehend wie Banknoten in Umlauf waren.

3 Während der Inflationszeit nach dem Ersten Weltkrieg (1914 bis 1918) in Deutschland und Österreich sowie auch in den anderen vier von der Hyperinflation betroffenen Staaten wie Ungarn, Polen, Russland und Rumänien von einigen Gemeinden zwischen 1920 und 1924 ausgegebenes Notgeld, heute von Sammlern begehrt - und offenbar in neuester Zeit auch zur Befriedigung des Kaufinteresses nachgedruckt.

4 Beim Kauf einer Ware ausgedruckter Zahlungsbeleg.

5 Im Gesundheitswesen die von einem Arzt oder zugelassenen Heilpraktiker ausgestellte Verschreibung (Rezept; medical prescription) zu Lasten einer (Pflicht)Krankenkasse.

6 Zeugnis, das nach einer (Kurz)Ausbildung Personen ausgehändigt wird, die den Umgang mit Kassensystemen vor allem im Einzelhandel erlernt haben.

– Siehe Behelfsgeldschein, Ersatzgeld, Ersatzmünzen, Geldsurrogate, Inflation, galoppierende.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kassenschluss auch Kassaschluss (final account; cash [desk] closing time; ticket office closing time):

1 In der älteren Literatur vor allem das regelmässige Abschliessen der Buchungen im Kassabuch; die Schlussabrechnung einer Kasse.

2 Termin, ab dem Zahlungsaufträge an eine Kasse - auch bei einer öffentlichen Stelle oder einer Bausparkasse - nicht mehr angenommen werden.

3 Zeitpunkt, ab dem bei einer Veranstaltung der Verkauf von Eintrittskarten (tickets, vouchers) eingestellt wird.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kassenstrazze auch Cassa-Stazza (cash memorandum book):

In der älteren Literatur ein Notizbuch, in das Eingänge und Ausgänge in eine Kasse vorerst (in ongoing business operations; im laufenden Geschäftsbetrieb) aufgenommen werden, ehe sie dann ins Kassenbuch übertragen und dort verbucht werden.

– Siehe Memorial.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kassensturz (cashing-up):

Prüfung der Kassenbestände und Abgleich mit den Rechnungsunterlagen (Kassenbücher) in einem Unternehmen oder bei einer öffentlichen Stelle. Aufgrund des bargeldlosen Zahlungsverkehrs mit Computerisierung (computerisation) der Geldgeschäfte ist der Kassensturz heute in der Regel nur noch von minderer Bedeutung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kassenverstärkungsrücklage (special strengthening reserve):

Begriff aus dem deutschen Haushaltsrecht, in § 62 Bundeshaushaltsordnung näher erklärt. Danach soll zur Vermeidung von Kreditermächtigungen eine Reserve in Bargeld durch möglichst regelmässige Zuführung von Haushaltsmitteln auf einem Sonderkonto bei der Deutschen Bundesbank aufgebaut werden.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kassetierung (encashment, collection; incasement; locking up in a strongbox, coffering):

Heute seltener gesagt für

1 den Einzug von Geld, die Einkassierung, das Inkasso, in älteren Dokumenten auch die Exaktion (exaction). Den Geldeintreiber (debt collector) nennt die ältere Finanzsprache auch Exaktor (exactor, exacter) und Inkassant.

2 Das Wegschliessen von Bargeld bzw. Wertgegenständen in einen Kassenschrank (coffer = here: a chest for storing money and valuables) bzw. in eine Stahlkammer (vault: a room or section for safekeeping of valuables).

– Siehe Eintreibung, Einzugszeit, Geldeintreibung, Geldschrank, Inkassogeschäft, Inkassostrategie, Tresorboom.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kastnergeld auch Kästnergeld (grain steward fee):

Bezahlung des herrschaftlichen Beamten, dem früher die Verwaltung des Getreidespeichers (Kastens) oblag. - Zu den Aufgaben des Kasterns (grain steward) gehörte in der Regel auch die Kontrolle der Abgaben (tithe; Zehnten) der fronpflichtigen Bauern sowie geeignete Massnahmen zur Geringhaltung der Kastenschwendung (= Schwund) aus dem Getreidespeicher, in erster Linie durch Unterschleif (peculation), Mäusefrass (damage done by mice) und unsachgemässe Lagerung (inappropriate storage).

– Siehe Katzengeld, Mäusefanggeld, Rabenfanggeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Katastergeld (cadastre fee):

Die Gebühr für einen behördlichen Eintrag in das Grundbuch (Flurbuch; terrier, land register).

– Siehe Sportel, Taxe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Katastrophen-Anleihen (catastrophe bonds, [euphemistisch!] abgekürzt oft: cat bonds und auch im Deutschen häufig nur Cats):

In der Regel

1. von Versicherungen

2. vorwiegend über eigens dazu gegründete Zweckgesellschaften begebene

3. hochverzinsliche (high interest bearing) und

4. meistens auf relativ kurze Zeiträume begrenzte,

5. oft auch in Tranchen aufgeteilte Wertpapiere. Sie sind

6. auf ganz bestimmte Schadensereignisse - etwa Schäden aus Stürmen in Europa oder Erdbeben in Japan - bezogen. Tritt der Schadensfall ein, so sinkt der Wert der Anleihe auf höchstens Null. Entsprechende Papiere werden bis anhin noch fast ganz von Hedge-Fonds übernommen, neuerdings aber auch vermögenden Privatpersonen (wealthy individuals) angeboten.

– Siehe Hölle-und-Flut-Vertrag, Hurrikan-Schock, Insurance Linked Securities, Retrozession, Risikoneigung, Risikoteilung, Single Hedge-Fonds, Terror-Papiere, Wetterderivat, XXX-Insurance-Linked Securities, Zitterprämie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Katastrophenfonds (catastrophe fund):

In öffentlichen Haushalten eine aus den Staats¬einnahmen gespeiste angehäufte Summe, um bei schwerwiegenden Störungen des gesellschaftlichen Lebens - wie Erdbeben, Massenerkrankung, Überflutung oder klimabedingtem Ernteausfall - sofort zur Verfügung zu stehen.

– Siehe Eventualfonds, Härtefonds, Katastrophenrisiko, Schock, externer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Katastrophenrisiko (catastrophe risk):

Teil des operationellen Risikos. Unter die Katastrophenrisiken fallen Brände, Unwetter - Sturmschäden, Überschwemmungen -, Erdbeben und damit verbundene Störungen der Energieversorgung (electricity cuts; Stromausfälle) und ähnliches. Auch eine Pandemie zählt man in der Regel dem Katastrophenrisiko bei.

– Siehe Flash Crash, Hölle-und-Flut-Vertrag, Hurrikan-Schock, Informations-Sicherung, Insurance-Linked Securities, Katastrophen-Anleihen, Schock, externer, Stromrisiko, Terror-Schock, Unsicherheit, Wetterderivat, Worst Case Szenario.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2014, S. 23 ff. (witterungsbedingte Einflüsse auf das Sozialprodukt am Beispiel der USA; Übersichten; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kategorie-1-Sicherheit (tier-one asset; tier = hier: Stufe, Ebene):

Bei der EZB ursprünglich marktfähige Sicherheit, die bestimmte, für den Euro-Währungsraum gesamthaft einheitliche, von der EZB festgelegte Zulassungskriterien erfüllt. - Zu diesen Kriterien gehörten

1. die Wertangabe (Denominierung) in EUR,

2. die Emission (oder Garantie) durch Stellen in EWR-Ländern und

3. die Hinterlegung bei einer nationalen Zentralbank oder zentralen Verwahrstelle innert des Euro-Währungsraums.

– Ab Jahresbeginn 2007 wurde ein einheitliches Sicherheiten-Verzeichnis eingerichtet und gleichzeitig der Bereich der notenbankfähigen Sicherheiten erweitert. Damit einher ging die Vereinheitlichung der Zulassungsmerkmale. Dieses Verzeichnis ist auf der Webseite der EZB abrufbar.

– Siehe Rahmenwerk für die Bonitätsbeurteilungen, Sicherheitsverzeichnis, einheitliches.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2001, S. 55 ff., Jahresbericht 2001 der EZB, S. 78 f., Jahresbericht 2003 der EZB, S. 86 f. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kategorie-2-Sicherheit (tier-two asset; tier = hier: Stufe, Ebene):

Bei der EZB früher eine marktfähige oder nicht marktfähige Sicherheit, für welche die jeweilige nationale Zentralbank vorbehaltlich der Zustimmung der EZB die Zulassungskriterien festlegte. - In Deutschland konnten so als Sicherheit für die Refinanzierung auch Wechsel bei den Landeszentralbanken eingereicht werden; wiewohl es keinen Rediskontkredit zu bevorzugten Konditionen mehr gibt. Man nannte solche Wechsel auch "Tier-2-Papiere". Mit Jahresbeginn 2007 wurde ein einheitliches Sicherheiten-Register für den Euro-Währungsraum eingeführt. - Im Mai 2007 beschloss der EZB-Rat, dass vor Ultimo Mai 2007 begebene marktfähige Sicherheiten, welche an nicht regulierten Märkten gehandelt werden - und die derzeit die Anforderungen des Eurosystems bezüglich Sicherheit und Zugänglichkeit, nicht aber hinsichtlich der Transparenz erfüllen - ihre Notenbankfähigkeit bis zum Ultimo Dezember 2009 behalten. Sie sind seit diesem Zeitpunkt jedoch für Kreditgeschäfte des Eurosystems nicht mehr zulässig. Ungedeckte marktfähige Kategorie-2-Sicherheiten, die von Instituten emittiert wurden, waren bereits mit Wirkung vom 1. Juni 2007 nicht mehr notenbankfähig.

– Siehe Erstklassenwechsel, Kategorie-1-Sicherheit, Quantitative Easing, Rahmenwerk für die Bonitätsbeurteilungen, Sicherheiten, Sicherheitsverzeichnis, einheitliches, Wechsel.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2001, S. 55 ff., Jahresbericht 2001 der EZB, S. 78 f. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kathedralgeld und Kathedraticum (cathedral due, cathedraticum):

Eine regelmässige - meist jährliche - Umlage aller (katholischen) Kirchen einer Diözese an die Bischofskirche (Kathedrale; cathedral), die in einigen Ländern bis heute eingeführt ist (a moderate contribution payable annually to a diocesan bishop by the various churches subject to his jurisdiction). - In Deutschland war ihr Ertrag in der Regel zur Besoldung der Geistlichen an der Bischofskirche bestimmt. Nur in den Schaltjahren (leap years: Jahre, deren zwei Endziffern durch vier teilbar sind, mit Ausnahme der Jahrhundertdaten) floss das Kathedralgeld dem Bischof zu dessen freier Verwendung unmittelbar zu.

– Siehe Ablassgeld, Abtrag, Amtsgeld, Annaten, Anzugsgeld, Beichtgeld, Kirchgeld, Memoriengeld, Messegeld, Obvention, Opfergeld, Palliengeld, Prokurationsgeld, Stolgeld, Vokationsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Katzengeld (cat fee; minor coin):

1 Früher von (Hafen)Städten erhobene Abgabe für die Katzenhaltung in öffentlichen Speichern und Kellern, auch Katzenpfennig, Katzengulden und ähnlich benannt.

2 Von privaten Katzenhaltern seitens der Gemeinde eingeforderte Abgabe; Katzensteuer.

3 Älterer Ausdruck für Münzen

1. mit geringem Metallwert (hoher Alliage) oder

2. hohem Grad der Abnutzung.

– Siehe Aftergeld, Ballast, Brakteat, Doublé-Münze, Eisengeld, Geld, böses, Gequetschte, Geschaugeld, Halbgeld, Hammelgeld, Hundegeld, Hochzeitstischgeld, Infrangiblität, Mäusefanggeld, Münzcommis, Münzen-Paradoxon, Quaadgeld, Rabenfanggeld, Wardein, Wipper.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kaufaufträge, unbefugt erteilte (surreptitious buying orders):

In der Regel in Zusammenhang mit Phishing getätigter Erwerb von wertlosen Titeln zu Lasten eines Kontoinhabers. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hat in einem eigenen Merkblatt Hinweise zum Schutz gegen derartigen Missbrauch herausgegeben.

– Siehe Finanzagent, Holzhammerangriff, IT-Risiken, Pharming, Rechtsrisiken.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Käufermarkt (buyer's market):

Das Angebot übersteigt die Nachfrage; die Folge sind sinkende Preise.

– Siehe Markt, weicher.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kauffreigeld (one-off payment):

Früher eine Abgabe bei der Veräusserung von Immobilien; Vorläufer der heutigen Grunderwerbsteuer. Häufig floss ein Teil des Aufkommens in die Armenkasse.

– Siehe Ärariengeld, Armengeld, Ehrschatz, Fallgeld, Handgeld, Nonagium.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kaufgutschein (purchase voucher):

In einer Rezession oder Krise von öffentlichen Stellen ausgegebener Bon (Marke, Wertzeichen) an Privathaushalte, der in bestimmten Geschäften eingelöst werden kann. Zweck der Massnahme ist es, die Nachfrage anzuregen und vor allem den örtlichen Einzelhandel (CH: Detailhandel; retail trade) zu stützen. - Es hat sich gezeigt, dass Kaufgutscheine ihren Zweck kaum erreichen. Denn die Empfänger werden oder müssen wegen der Verfallzeit (expiry time) zwar den Gutschein einlösen. Sie werden dafür aber angesichts der ungünstigen Erwartungen in einer Krise an anderer Stelle sparen. Die Staatsverschuldung steigt aber durch die Ausgabe der Bons.

– Siehe Verschuldungsquote, private.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kaufkraft (purchasing power):

1 Die Fähigkeit einer Geldeinheit, eine bestimmte Menge von Gütern (Waren und Dienstleistungen) am Markt zu erwerben; in älteren Veröffentlichungen auch Zahlkraft genannt.

2 Die gesamtwirtschaftliche Nachfrage (aggregate demand), die dem Angebot gegenübertritt. Die Kaufkraft in diesem Sinne wird im Wesentlichen bestimmt (is largely determined) durch die ausbezahlten Löhne und Gehälter.

– Siehe Assignaten, Deflations-Spirale, Geldwert, Geldwertstabilität, Inflation, Leitwährung, Preisindex der Lebenshaltung, Sparquote, Valorisationsklage.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kaufkraft-Abfluss (drain of purchasing power):

Für aus dem Ausland bezogene Güter - wie vor allem für Erdöl - muss mehr bezahlt werden, was eine Minderung der Kaufkraft im Inland bewirkt und damit definitionsgemäss zu Inflation führt. - Mit den Mitteln der Geldpolitik kann einer Übertragung von Kaufkraft in das Ausland nicht begegnet werden. Es ist mit anderen Worten nicht Sache der Zentralbank, sondern der Wirtschaftspolitik, den so ausgelösten Preisanstieg anzuhalten. Der einzige, langfristig (noncurrent) wirksame Weg zur Verringerung des Abflusses von Kaufkraft sind weniger Importe. Das setzt einen Rückgang im inländischen Bedarf des Gutes voraus durch

1. Nachfrageverschiebung auf Substitute - im Falle des Erdöls auf andere, heimisch erzeugbare Energiequellen wie Atomkraft, Kohle, Biogas, Wasser, Sonne oder Wind - und

2. sparsamere Verwendung des Gutes, hier vor allem: niedrigerer Verbrauch von Erdölprodukten in Motoren; gebäudliche Wärmedämmung.

– Siehe Erdöl-Inflation, Inflations-Ausgleich, Lohn, indexierter, Ölpreis-Ausgleich, Realkassen-Effekt, Zweitrunden-Effekte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kaufkraft-Ausgleich (cost-of-living adjustment):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter die Entschädigung für den durch Geldwertverschlechterung erlittenen Kaufkraftverlust abhängig Beschäftigter. Im Regelfall geschieht dies über eine Anhebung der Verdienste (increase of earnings).

– Siehe Deputat, Geldwertstabilität, Indexlohn, Lohn-Preis-Spirale, Ölpreis-Ausgleich.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kaufkraft-Parität (purchasing power parity):

Der tatsächliche Aussenwert einer Währung unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Preisstände im jeweiligen Land. - Wenn ein bestimmter Güterkorb in den USA 100 jetzt USD kostet, und derselbe Güterkorb im Eurogebiet zu gleicher Zeit 110 EUR, dann liegt der Paritätskurs bei 1,10 EUR für einen USD. - Auf lange Sicht bewegt sich der Wechselkurs auf die Kaufkraft-Parität zu, soweit nicht andere Umstände - wie Naturkatastrophen, politische Umstürze, entsprechende Erwartungen - diese Angleichung hemmen.

– Siehe Balassa-Samuelson-Effekt, Geldheimat, Schocks, externe, Schocks, strukturelle, Wechselkurs-Berechnung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2004, S. 29 ff., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2007, S. 45 ff. (Berechnung; Übersicht; Literatur-Hinweise [sprachlich schlecht!]).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kaufkraft-Theorie (purchasing power theory):

Die Meinung, dass eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um 100 EUR die Binnennachfrage um den gleichen Betrag, also um 100 EUR, steigere. - Tatsache aber ist, dass (Jahresmitte 2010) von diesem Betrag weniger als 29 EUR im Inland nachfragewirksam werden (have an impact on domestic demand). Denn

1. etwas mehr als die Hälfte des Betrags saugen Sozialabgaben (social security contributions; Rentenversicherung, Krankenkasse, Arbeitslosenbeitrag, Pflegekasse) und Steuern auf,

2. 8 EUR werden gespart und

3. 12 Euro gehen in den Bezug von Importwaren bzw. Importbestandteile der heimischen Waren. Trotz dieser statistisch eindeutig nachweisbaren Tatsachen wird die Kaufkraft-Theorie noch immer - vor allem von Gewerkschafts-Funktionairen - beharrlich vertreten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kauflust (animation):

In der Börsensprache allgemein die Neigung der Nachfrager, Wertpapiere zu erstehen. Geringe Kauflust (little animation among buyers) meint, dass sich Anleger mit Aufträgen zurückhalten.

– Siehe Friedhofmarkt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kaufoption (call):

Das vertraglich erworbene Recht, einen Basiswert zu vorab vereinbarten Bedingungen zu erwerben.

– Siehe Call-Option, Option.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kaufposition (long):

Ein Marktteilnehmer, der

1. im Terminhandel einen Kontrakt gekauft hat oder

2. das entsprechende Gut (Finanzprodukt, Ware) jetzt besitzt.

– Halter von Kaufpositionen hegen die Erwartung eines Anstiegs des be Preises in der Zukunft.

– Siehe Aufsaugphase, Fixgeschäft, Spekulation, Terminspekulant.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kaufpreis (purchase price):

Auf dem Finanzmarkt der Preis, zu dem Vermögenswerte bei Fälligkeit an einen Abnehmer vom Verkäufer verkauft werden oder zu veräussern sind.

– Siehe Kauftag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kaufpreis-Absicherung (long hedge):

Wenn jemand in der Zukunft eine Ware oder ein Finanzprodukt erwerben will, dann kauft er jetzt einen Terminkontrakt, um sich gegen eine mögliche Preissteigerung abzusichern. Die Kaufpreisabsicherung ist auch als Ersatzkauf oder vorzeitiger Kauf (anticipated purchase) zu verstehen.

– Siehe Basis, fallende, Ersatz-Sicherungsgeschäft, Hedge-Geschäft, Option, Rohstoff-Terminvertrag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kaufpreis-(Teil)Stundung (deferred purchase price, DPP):

Vor allem bei einem Unternehmenskauf übliche Finanzierungsform, bei der ein Teil des vereinbarten Preises erst nach der Übernahme durch den Erwerber beglichen werden muss (a payment mechanism whereby a portion of the purchase price is not paid up-front, but later). Hauptzweck solcher Vereinbarungen ist es, dem neuen Eigentümer die Gelegenheit zu bieten, sich von der Werthaltigkeit der Vermögensgegenstände zu überzeugen (the DPP is used to reflect a post-sale fluctuation in the value of the assets transferred).

– Siehe Earn-out Klausel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kaufschilling (purchase price, buying price):

In alten Dokumenten der Kaufpreis, im Besonderen in Zusammenhang mit dem Erwerb von Liegenschaften (estate property) gesagt.

– Siehe Schilling.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kauftag (purchase date):

Datum, an dem der Verkauf von Vermögenswerten durch den Verkäufer an den Käufer wirksam wird.

– Siehe Kaufpreis.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kauf-Verkaufs-Klausel (buy-sell provision, Dutch clause, shotgun clause):

Wenn nicht anders definiert, eine Exit-Abmachung in Verträgen über Aktien. Dabei bietet Aktionär A dem Aktionär B an, ihm seine Aktien zum Preis x zu überlassen. Aktionäre B

1. nimmt entweder das Angebot an und kauft die Aktien zum Preis x oder

2. er muss A seinen Aktienanteil zum Preis x überlassen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kauris (cowries):

Kleine Muscheln, die noch bis zu Beginn des 20. Jhts. in Teilen der Westküste von Afrika und in Ostindien als Scheidemünzen verwendet wurden.

– Siehe Geldzeichen, Warengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kaution (bail, security):

1 Die Hinterlegung einer Geldsumme oder das Andienen einer anderen Sicherheit - etwa Aushändigung von Wertpapieren oder die Bürgschaft einer Bank -, um die Befriedigung allfälliger Ansprüche einer Partei aus Vertragsverletzung (default of contract) zu gewährleisten.

2 In älteren Dokumenten auch gesagt für eine Bürgschaft.

– Siehe Angeld, Haftgeld, Sicherheit, Waarborgsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kautionseffekten (securities deposited as a guarantee):

1 In älteren Dokumenten Wertpapiere, die zur Sicherstellung des Verwahrers hinterlegt werden; und zwar in dem Sinne, dass der Hinterleger dadurch anzeigt, dass er treue Dienste leisten bzw. für einen allfälligen Schaden aufkommen will.

2 Wertpapiere, die

1. eine Bank bei einer öffentlichen Stelle hinterlegt und

2. die dafür einstehen sollen, dass ein Kunde Verpflichtungen gegenüber dieser Behörde nachkommt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kavalleriegeld (cavalry impost):

Frühere Abgabe, die steuerpflichtige Personen zum Unterhalt der zu Pferde kämpfenden Heereseinheiten (Reiterei, Kavallerie; cavalry) zu entrichten hatten. - Grundbesitzer mussten oftmals eine bedeutend höheres Kavalleriegeld (auch Pferdegeld genannt) bezahlen; die Abgabe wurde häufig in die Grundbesitzsteuer (Generalhufenschoss: eine Einheitssteuer für Bodenbesitzer in Preussen) eingerechnet.

– Siehe Heergeld, Quartiergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Keichengeld und Carceraticum (imprisonment fee):

Früher zu zahlender Betrag zur Deckung der Ausgaben für eine kurzzeitige Inhaftierung. - Keiche = Karzer, Gefängnis; auch Kittchen, Kitt, Kitte, Kütte (für Haus, Herberge).

– Siehe Arrestgeld, Bankgeld, Fanggeld, Gerichtsgeld, Justitiengeld, Keichengeld, Kammergerichtsgeld, Platzgeld, Schöffengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Keksdosenpolitik (cookie jar policy):

Steigerung der Ausgaben während dieser Rechnungsperiode in einem Unternehmen mit dem Ziel der Vorwegnahme künftiger Zahlungen (an accrual of operating expenses and the creation of liability accounts done in an effort with the aim to reduce future-year operating expenses). Dies geschieht in der Regel aus bilanzpolitischen oder steuerlichen Gründen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kellerwechsel (kite, fictitious bill, wind bill bogus bill):

Allgemein ein Wechsel zweifelhafter Güte, und im Besonderen ein Wechsel,

1. den jemand begibt, der nicht kreditwürdig ist, gleichwohl das Papier am Verfalltag einlösen wird (best case scenario; günstigster Fall),

2. der Unterschriften nicht zahlungsfähiger und vermögensloser Adressen aufweist oder

3. bei dem der Bezogene garnicht existiert (worst case scenario; ungünstigster Fall: Wechselbetrug).

– Siehe Reitwechsel, Stockwechsel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kennzeichnungsverfahren (earmarking system):

Bei der EZB System zur Verwaltung von Sicherheiten durch die Zentralbank. Im Zuge dessen wird Liquidität (= Zentralbankgeld) bereitgestellt gegen Sicherheiten, die als Deckung für jedes einzelne Geschäft gekennzeichnet sind (a method for categorising collateral whereby assets provided as collateral are attributed to individual transactions).

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Oktober 2007, S. 93 ff. (Vergleich der Regelungen für Sicherheiten bei der EZB mit USA und Japan; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kerbstock (tally):

In alten Dokumenten ein Zählstab mit dem Zweck, eine Geldschuld zu beurkunden. Bei des Lesens und Schreibens Unkundigen hielt sich diese Art der Dokumentation auch in (Ost)Europa bis ins 20. Jahrhundert hinein.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kernaufgabe, bankliche (core bank business area):

Alle Dienstleistungen in Zusammenhang mit der Kreditversorgung (supply of credit) für investitionswillige Unternehmen, für Privathaushalte und für öffentliche Stellen. - Die Finanzgeschichte lehrt unzweideutig (shows unequivocally), dass sobald die Institute schwerpunktmässig in riskante Fristentransformationen sowie ab etwa 2000 in Zertifikateschneiderei einliessen, dies in Krisen mit Insolvenz selbst auch hoch angesehener Geldhäuser mündete.

– Siehe Aktiva-Produktivität, Basisgewinn, Dividendenrendite, Effizienz, Ergebnis, Erlös, Ertragswert, Finanzkrise, Kernkompetenz, Kreditverbot, Rendite, Rentabilität, Subprime-Krise.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kerneinlagen (core deposits):

Auf der Passivseite der Bankbilanz stehende Posten, die

1. einer Bank gewöhnlich dauerhaft zur Verfügung stehen und

2. die im Zeitablauf keinen allzu grossen Veränderungen unterworfen sind. Hierzu zählen Sichteinlagen und Spareinlagen von Privathaushalten; deren Höhe erfahrungsgemäss weniger von der Zyklik bestimmt. Indessen lässt sich mit diesen vornehmlich beständigen Einlageformen kein schnelles Wachstum der Bilanzsumme durch grosszügige Kreditvergabe bewerkstelligen. In Phasen des Booms mit starker Kreditnachfrage greifen daher die Banken auf Mittel zurück, die kurzfristig im Inland oder Ausland beschafft, aber unter Umständen auch wieder kurzfristig abgezogen werden können. - Die nachweisbaren starken Schwankungen der Nicht-Kern-Einlagen (non-core deposits) bieten ein Erklärungsgrund für die Anfälligkeit der Banken im Konjunkturzyklus.

– Siehe Bodensatz, Depositen, Fristentransformation, Kreditzyklus, Kreditklemme, Krisen-Vorschatten, Prozyklizität, Wirtschaftsindikatoren, wichtige, Zyklik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kernerträge (core earnings):

Der Netto-Zufluss an Geld (Einnahmen aus Umsatz und sonstigen laufenden Aktivitäten abzüglich aller Kosten) aus der Hauptgeschäftstätigkeit eines Unternehmens (earnings that include merely the results of the primary operating activities of the firm).

– Siehe Aktiva-Produktivität, Basisgewinn, Cashflow, Dividendenrendite, Effizienz, Ergebnis, Erlös, Ertragswert, Gewinn, Payback, Rendite, Rentabilität, Run Rate, Verlust.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kerninflation (core inflation):

Das dauerhafte Ansteigen der Preise. Herausgerechnet werden vorübergehende (sektorspezifische bzw. sprunghafte, erratische; erratic) Preisbewegungen, wie vor allem der Erdölpreis; oft auch Headline-Inflation genannt. - Freilich führte das Ausscheiden bestimmter Bestandteile aus dem Harmonisierten Verbraucherpreisindex (was immer wieder vorgeschlagen wird) dazu, dass dieser für die Geldpolitik so wichtige Index als Masstab für die Preisänderungen unbrauchbar würde. So haben Energiepreise und unverarbeitete Nahrungsmittel (zwei Bestandteile, die in der Kerninflation meistens fehlen) im HVPI ein Gewicht von über zwanzig Prozent. Es wird (durchaus überzeugend) vorgetragen, dass die Verbraucher nicht mit "Kern-Geld" ihren Lebensunterhalt bestreiten, sondern etwa steigende Erdölpreise ganz aus ihrem Einkommen bezahlen müssen. - Andererseits wird die Berechnung der Kerninflation damit gerechtfertigt, dass so der Trend im Harmonisierten Verbraucherpreisindex klarer erkennbar wird (the prices for food and energy tend to fluctuate sharply, as was seen in earlier decades; this volatility is then passed on into the general price index, in turn making it difficult to interpret the overall direction, the trend).

– Siehe Basiseffekt, Energie-Inflation-Zusammenhang, Erdöl-Lebensmittel-Zusammenhang, Geldmenge, Geldmengen-Fetischismus, Inflation, Lug-und-Trug These, Nahrungsmittel, Ölpreis, Preisstabilität, Protein-Inflation, Quantitätstheorie, Rohstoffpreise, Schocks, strukturelle.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juli 2001, S. 55 ff.; Monatsbericht der EZB vom Juni 2002, S. 38 ff., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2005, S. 24 ff., Monatsbericht der EZB vom September 2007, S. 66 ff. (Einfluss der Nahrungsmittelpreise auf den HVPI; Übersichten), Monatsbericht vom Dezember 2007, S. 62 ff. (Nahrungsmittel im HVPI, nach Ländern aufgegliedert), Monatsbericht der EZB vom März 2008, S. 66 ff. (Kerninflation 1999-2007; Übersichten; Fragen der Messung), Monatsbericht der EZB vom September 2008, S. 13 ff. (Anstieg der Nahrungsmittelpreise; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Juni 2009, S. 61 ff. Messgrössen für die Kerninflation im Eurogebiet; Querschnittsverteilung; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Juni 2010, S. 60 ff. (Preise für Agrarrohstoffe und Nahrungsmittel seit 2007; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2013, S. 66 f. (Nahrungsmittelpreise auf dem Weltmarkt und in der EU; Übersicht; Tendenz zum Gleichlauf), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2013, S. 68 ff. (tiefgehende Analyse zur Messung der Kerninflation). Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2014, S, 13 ff. (Bestimmungsgründe der Nahrungsmittelpreise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kernkapital (core capital, common equity):

Nach § 10 KWG Eigenmittel, die ein Institut zur Erfüllung seiner Verpflichtungen gegenüber den Gläubigern sowie zur Sicherheit der anvertrauten Vermögenswerte nachweisen muss. Es umfasst derzeit im Wesentlichen das einbezahlte Kapital, Einlagen stiller Gesellschafter, offene Rücklagen, die Sonderposition für allgemeine Bankrisiken gemäss § 340h HGB sowie (in begrenztem Ausmass) auch hybride Finanzprodukte. - Als Lehre aus der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise müssen Banken in der EU bis 2012 die Hälfte der Eigenmittel in hartem Eigenkapital (core tier one, common equity), nämlich Stammaktien und Gewinnrücklagen halten. Die andere Hälfte kann neben dem Bestand an Bargeld aus Staatsanleihen (it should be clarified: by creditworthy public debtors only), erstklassigen Unternehmensanleihen und Covered Bonds wie Pfandbriefen bestehen. Weil indessen gerade bei Staatsanleihen selbst von Mitgliedern der EWU ein sehr hohes Risiko besteht, müsste auch hier nach der Bonität unterschieden werden.

– Siehe Basel-III, Eigenkapital, Eigenkapital, hartes, Eigenkapitalaustattung, Eigenmittel, Eigenkapitalquote, mindestfordernde, Hybridkapital, Kapital, Kapitalerhaltungspuffer, Kernkapitalquote, Liquiditätspuffer, Puffer, gegenzyklischer, Risikodeckungsmasse, Stopfgangs-Strategie, Unterlegung, Zwangswandelanleihe.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 49 (Qualität des Kernkapitals; Anerkennungsfähigkeit durch die Aufsichtsbehörden), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 10, S. 48 ff. (neue Leitlinien; Einzelheiten der Zusammensetzung), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 125 (durch die in Kraft getretene Kapitaladäquanz-Richtlinie wird die Anerkennungsfähigkeit hybrider Kapitalbestandteile als aufsichtliche Eigenmittel bei Instituten bestimmt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kernkapital, hartes (core tier one):

Nach Basel-III auf die Rechtsform einer Bank bezogen und umfassend nur ausgegebene Aktien und einbehaltene Gewinne. Alle anderen Kapitalbestandteile, mögen sie auch durchaus verlustabdeckend ausgestaltet sein wie etwa stille Einlagen oder Genusskapital, sind nur noch als sonstiges Kernkapital (other tier one) und dann mit 1,5 Prozent der künftig geltenden Kernkapitalquote von 8,5 Prozent anerkennungsfähig.

– Siehe Stress-Test.

– Vgl. Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 153 (Definition von hartem Kernkapital durch die EBA).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kernkapitalquote (core capital quota):

Bei einer Bank das harte, bei Verlusten sofort haftende Eigenkapital im Verhältnis zu den Risikopositionen, praktisch den gewährten Darlehn. Wiewohl nach Basel-II nur eine Mindest-Kernkapitalquote von vier Prozent vorgeschrieben war, galten Werte unter sechs Prozent als bedenklich. - Nach Basel-III müssen mindestens 4,5 Prozent der risikogewichteten Aktiva aus hartem Kernkapital bestehen, nämlich offene Rücklagen sowie eingezahltes Stammkapital (common equity) bzw. vergleichbare Kapitalformen bei Nicht-Aktiengesellschaften; hinzu treten noch 1,5 Prozent sonstiges Kernkapital (other tier one) und zusätzlich ein Kapitalerhaltungspuffer von 2,5 Prozent, der ebenfalls aus hartem Kernkapital (core tier one, common equity) bestehen muss. Gesamthaft steigt damit nach Basel-III das mindestens vorzuhaltende harte Kernkapital auf 4,5 + 2,5 = 7 Prozent oder um den Faktor 3,5. Das Mindestkapital gesamthaft steigt von 4 Prozent auf 8,5 Prozent. Unter Einschluss des Ergänzungskapitals (tier two) beträgt die Mindestkapitalquote damit nach Basel-III dann 10,5 Prozent. - Es gilt als der beste Weg, Finanzkrisen zu vermeiden, die Haftung bei den Banken zu belassen. Daher sind alle nationalen und internationalen Bestimmungen zur Erhöhung der Eigenkapitalquote und der Einrichtung entsprechender Puffer zu begrüssen. - Die zwölf grössten deutschen Banken wiesen im Juni 2013 eine durchschnittliche Kernkapitalquote von 15,3 Prozent auf.

– Siehe Anlage-Haftung, Basel-III, Kernkapital, Puffer, gegenzyklischer, Risiko, Risikodeckungsmasse, Risikotransformation, bankliche, Zwangswandelanleihe.

– Vgl. Geschäftsbericht 2010 der Deutschen Bundesbank, S. 118 (Kernkapitalquote deutscher Institute zum Jahresende 2010), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2010, S. 37 (Kernkapitalquote deutscher Institute 2008 bis 2010), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 125 (durch die in Kraft getretene Kapitaladäquanz-Richtlinie wird die Anerkennungsfähigkeit auch hybrider Kapitalbestandteile als aufsichtliches Kernkapital bestimmt), S. 148 f. (gute Ergebnisse für die Kernkapitalquote beim Stress-Test 2010), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 38 f. (die Aktiva-Produktivität deutscher Institute seit 2002; Übersicht), Geschäftsbericht 2012 der Deutschen Bundesbank, S. 104 (Statistik).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kernkompetenz (core competency):

Bei einem Unternehmen und bei einer Bank die Geschäftsbereiche (business areas), in denen eine besonders hohe Erfolgsquote zu verzeichnen ist (fields or tasks at which a company does extremly well).

– Siehe Kernaufgabe, bankliche.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kerviel-Skandal (Kerviel fraud scandal):

Der gutbezahlte Devisenhändler Jérôme Kerviel kaufte Anfang Januar 2008 im Namen seiner Bank, der Société Générale (zweigrösstes Institut in Frankreich; im Jargon SocGen genannt), 140'000 Dax-Futures an der Eurex. Die Terminkontrakte waren auf einen Stand des Dax von 8'000 ausgestellt; bei jedem Punkt über dieser Indexhöhe wäre ein Gewinn von 25 Euro je Kontrakt angefallen. - Tatsächlich sank der Dax, und er entstand aus dem Optionsgeschäft ein Verlust von annährend 5 Mia USD. Das warf vielerlei Fragen hinsichtlich der Risikokontrolle bei der Société Générale auf; die Bank erlitt einen starken Imageschaden (a considerable damage of image, i.e. the perception, the mental impression people have when they come across the name Société Générale). - Der viel beachtete Skandal war jedoch der Anlass, dass daraufhin Banken in der ganzen Welt ihre Sicherheits- und Überwachungssysteme auf ihre Verlässlichkeit prüften.

– Siehe Aktienindex, Citigroup-Manipulation, Compliance, Mitarbeiterleitsätze, Risikotransparenz, Spread Bets.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kerzengeld (candle money):

1 Früher festgelegter Beitrag der Gläubigen zur Bezahlung der (Wachs)Kerzen für den gottesdienstlichen Gebrauch in der Kirchengemeinde; heute allgemein durch einen entsprechenden Opferstock zur freiwilligen Bewidmung ersetzt.

2 Abgabe der Gläubigen für das Gehalt des Pfarrers, zur Zeit vor allem in Russland deren Hauptbesoldungsanteil.

3 Gebühr für individuelle Amtshandlungen eines Geistlichen (Kasualien [occasional services] wie Abdankung, Krankensalbung, Taufe oder Hochzeit); Stolgeld.

4 In neuerer Zeit von nicht elektrisch erhellten (Nobel)Restaurants (luxury restaurants) in den Preis eingerechneter Betrag für die Beleuchtung mit Kerzen.

– Siehe Amtsgeld, Beleuchtungsgeld, Kirchgeld, Konduktgeld, Lichtgeld, Memorialgeld, Messegeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Key Account (so auch zumeist im Deutschen gesagt, seltener Hauptkunde):

Bei einem Institut ein Kunde, mit dem ein bedeutender Anteil der Geschäfte abgewickelt wird; ein Grosskunde (major customer).

– Siehe Klumprisiko, Kunde.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kick Back (so auch im Deutschen gesagt):

Besondere Art der Spesenreiterei. Ein Finanzdienstleister beauftragt einen (unredlichen) Makler (in der Regel mit Sitz im Ausland) mit der Erledigung des Auftrags eines Kunden. Der Beauftragte stellt stark überhöhte Gebühren in Rechnung und gibt dem Finanzdienstleister einen Teil davon ab. - Hat in Deutschland ein Finanzdienstleister mit einem Makler einen solchen Weiterleitungsvertrag abgeschlossen, so muss er das dem Kunden zuvor deutlich bekanntgeben; vgl. § 31 WpHG.

– Siehe Kapitalmarkt, grauer, Klientenüberweisung, Offshore Finanzplätze, Racheengel, Schlangenhandel, Spesenreiterei.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kick-it-out-Order (so auch im Deutschen gesagt):

Eine Anweisung an die Bank bzw. an den Makler, eine Position ohne Rücksicht auf den Kurs glattzustellen (even up the account); also eine Kaufposition decken bzw. eine Verkaufsposition schliessen.

– Siehe Glattstellung, Option, pfadabhängige.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kiddies Manager (so auch im Deutschen; seltener Jugendpromoter):

Mitarbeiter einer Bank, der durch geeignete Massnahmen (wie etwa Besuche in Kindergärten, die Organisation von Kinderfesten [hosting of children's parties]) bei Kindern als den Kunden von morgen um Vertrauen für das Institut wirbt. - In der Regel erstreckt sich der Aufgabenbereich (area of functions) des Kiddies Managers auch auf ältere Schüler, die durch auf sie zugeschnittene Angebote (wie etwa Geschenk eines Sparbuchs zur Erstkommunion, Konfirmation oder Jugendweihe; gebührenfrei geführtes Konto; Börsenspiele) an das Institut gebunden werden sollen. - Verschiedene Untersuchungen scheinen zu bestätigen, dass ein rühriger Kiddies Manager im Vergleich zu gleichgerichteten Werbemassnahmen den höchsten Zuwachs an Konten erreicht. Die Umsätze auf diesen Konten erreichen nach einer zeitlichen Verzögerung (bedingt durch Schulabschluss, Ausbildungszeit und Berufseintritt) die kundenüblichen Höhen.

– Siehe Finanzwelt, virtuelle, Käserei, Kundenpfleger, Loss Leader, Münchhausen, Baron, Roadshow, Spin Doctor.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kindergeld (children's allowance):

1 Zuschlag zum Gehalt (vor allem bei Beamten) für unterhaltsberechtigte Kinder.

2 Zahlungen des Staates an Familien bzw. Ledige und Geschiedene für Kinder; in der Regel unabhängig vom Einkommen der Erziehungsberechtigten. Solche Transferzahlungen sind der von manchen empfohlenen Subventionierung bestimmter Güter (etwa Milch) vorzuziehen, weil sie unmittelbar die Zielgruppe erreichen (sonst laben auch Bezieher [CH: Bezüger] hoher Einkommen ihre Katzen verschwenderisch mit subventionierter Milch). - Andererseits wird die unmittelbare Zahlung des Kindergeldes in sozialschwachen Familien (socially disadvantaged families) oft zum zusätzlichen Konsum des im Haushalt lebenden männlichen Erziehungsberechtigten (Biergeld) zweckentfremdet. Daher fordern viele Sozialpolitiker, statt Geld dem bezüglichen Personenkreis ausschliesslich nicht-übertragbare, auf genau festgelegte Güter (Kinderkleidung, Gutschein für Bildungsangebote) ausgestellte Gutscheine auszuhändigen.

– Siehe Biergeld, Elterngeld, Erziehungsgeld, Frauengeld, Geldhete, Kinder-Tagesbetreuung, Mofageld, Nachfragefinanzierung, Suffgeld, Vorschusskasse, Waisengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kindergarten-Argument (kindergarten argument):

In Bezug auf die EU und im Besonderen auf die EWU bezogen, die Forderung, dass sich die EU-Kommission bzw. die EZB - ausser im Falle von Naturkatastrophen - nicht fürsorglich um die Angelegenheiten der Mitglieder kümmern sollte. In Schieflage geratene Staaten müssten ihre ökonomischen Verhältnisse selbst regeln. Es sollte ihnen nicht von aussen vorgeschrieben werden, wie sie das zu erreichen trachten oder - falls sie das nicht wollen - ob sie die EU bzw. die EWU verlassen. Bedingt gewährte Hilfen (conditional aids) empfinden die Bürger der betroffenen Länder als Einmischung von aussen, wie sich im Falle der Griechenland-Krise deutlich zeigte. Die Folge ist, dass die Bereitschaft sinkt, Fehlentwicklungen (deficiencies) im eigenen Land zu ändern, und dass im Bewusstsein vieler Bürger die Helfer am Ende gar noch als die Verursacher der Ungleichgewichte empfunden werden.

– Siehe Ausstieg, Ausstiegsrisiko, Bailout, Bankenrettung, Blame Game, Blutzoll, Buyer of last resort, Disease Management, Ein-Stimmen-Prinzip, Europayer, Europäische Währungsunion, Grundfehler, EWU-Sprengsatz, Exit, EZB-Sündenfall, Friedman-These, Geldkuh, Grexit, Gruppendruck, Hegemon, milder, Neuro, Notausstieg, Pflichtwandelanleihe, Plan C, Rettungseuropäer, Rettungspaket, Rettungsroutine, Rückkehr-Ideologie, Strukturreformen, Subsidiaritätsprinzip, Tina, Transfer, verschleierter, Transferunion, Troika, Zinsglättung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kinderpfand (loan on children pledged):

Der Schuldner

1. bietet als Pfand für ein Darlehn seine Kinder an bzw.

2. die Rechtsordnung gestattet es, dass der Zahlung fordernde Gläubiger (in der älteren Finanzsprache auch Liquidant genannt) die Kinder des säumigen Schuldners abholt und diese zwecks Abzahlung der Verbindlichkeiten des Vaters für sich arbeiten lässt.

– In den alten Kulturen und dann auch im Römerreich war dieses Verfahren durchaus üblich und offenbar auch sehr wirkungsvoll; es wurde von Kaiser Theodosius 390 auf Drängen des Heiligen Ambrosius, Bischof von Mailand (340–397) abgemildert.

– Siehe Arrestgeld, Einzug, Erster, trauriger, Existenzminimum, Faustpfand, Kredithai, Geldeintreibung, Kunde, fauler, Leibbürge, Leichenpfand, Übersatz, Verzug, Wucher, Wucher-Herausforderung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kinder-Tagesbetreuung (day care for children):

In Deutschland ist die Betreuung von Kindern unter drei Jahren rechtlich (gemäss Sozialgesetzbuch, SGB) Pflichtaufgabe der Länder und Kommunen. Weil aber damit bei diesen auch die Finanzierungsverantwortung (financial responsability) liegt, so kommt es bei steigenden Forderungen nach Betreuung zu erheblichen Mehrausgaben auf dieser staatlichen Ebene. Das kann zu einem Anstieg der Staatsschulden gesamthaft führen, der mit den Zielen des Stabilitäts- und Wachstumspaktes nicht vereinbar ist. Aus diesem Grund beobachten auch die Zentralbanken die bezüglichen Finanzierungströme.

– Siehe Defizitquote, Haushaltsdefizit, Geldhete, Kindergeld, Methusalem-Syndrom, Nachfragefinanzierung, Popitzsches Gesetz, Regel, goldene, Schuldenbremse, Schuldenquote, Sozialstaat-Falle, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Verfassungsartikel eins, Verschuldungsquote, öffentliche, Wagnersches Gesetz.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2007, S. 44 (Ausbau der Kinder-Tagesbetreuung; Konflikte).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kinogeld (cinema tax, movie tax):

Eine Abgabe, die Gemeinden vom Lichtspielgewerbe einfordern, in der Regel als Prozentsatz von den verkauften Einlasskarten berechnet. Sie ist eine Unterart der Vergnügungssteuer und brachte 2009 den Gemeinden in Deutschland immerhin etwa 6 Mio EUR ein.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kipper (melter):

Münzherren oder unbefugte Münzverfälscher, die Kurantmünzen einschmolzen, dem Edelmetall (Korn) minderes Metall (Schrot) beimischten und die Münzen als böses Geld in Umlauf gaben.

– Siehe Alliage, Doublé-Münze, Geld, böses, Geld, sittliches, Goldwaage, Infrangiblität, Katzengeld, Lot, Münzen-Paradoxon, Wardein, Wipper.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kirchgeld (church fee):

1 Abgabe der Glaubensangehörigen direkt an die Ortskirchengemeinde auf freiwilliger Basis oder aufgrund einer von der jeweiligen Vertreterversammlung bestimmten Richtschnur; zu unterscheiden von der Kirchensteuer (church tax), deren Erträgnis zunächst die an die jeweilige Oberbehörde (Landeskirche, Diözese) fliesst.

2 Früher eine Zahlung in Bargeld an die Kirche zur Ablösung der in Deutschland seit dem 9. Jht. geltenden Zehntabgabe in Naturalien.

3 Einmalige Zahlung an eine Ortskirchengemeinde von Zuzüglern, manchmal verbunden mit einem gekennzeichneten Sitzplatz im Kirchengebäude, dann auch Platzgeld, Bankgeld und Sitzgeld genannt.

– Siehe Ablassgeld, Beichtgeld, Anzugsgeld, Kathedralgeld, Kerzengeld, Obvention, Opfergeld, Peterspfennig, Platzgeld, Prokurationsgeld, Stolgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kirchweihgeld auch Kirchtaggeld (patron day money):

1 Frühere Abgabe der Händler und Schausteller anlässlich des (Dorf-)Festes am jährlichen Gedenktag der Weihe des Gotteshauses bzw. am Tag des Heiligen, der Schutzpatron (patron saint) der jeweiligen Kirche ist. Die Gebühr diente der Aufrechterhaltung des Kirchtagsfriedens, zu dessen Sicherung (nach Ausweis alter Dokumente vor allem: Schutz vor angetrunkenen, krakeelender und randalierenden jungen Männern) in der Regel zusätzliche Ordnungshüter bestellt werden mussten.

2 (Gehalts-)Zahlung aus

1. der Kasse der Gemeinde oder

2. den einzelnen Familien der schulpflichtigen Kinder an den (Dorf-)Lehrer, am Tag der Kirchweihe fällig.

3 Früher auch Taschengeld (pocket money) an Bedienstete und Kinder am Tag der Kirchweihe, damit diese sich der Lustbarkeiten auf dem Jahrmarkt erfreuen, auch Jahrmarktgeld (funfair money) genannt.

– Siehe Lustbarkeitsgebühr, Marktgeld, Sackgeld, Tanzkonzessionsgeld, Urlaubsgeld, Zuwendung, vormundschaftliche.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kizeh, Kitzeh und Kitz (kizeh, gold purse):

In älteren Dokumenten auch die Schatulle eines Fürsten, aus der er verdiente Mitarbeiter durch eine Sonderzuwendung (gratuity: a voluntary return for loyal service) belohnt. Ursprünglich ein Beutel Goldes, womit in der Türkei der Sultan seine Günstlinge beschenkte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kiwi (so auch im Deutschen gesagt):

In der Finanzsprache

1. der neuseeländische Dollar oder

2. in NZD begebene Staatsanleihen Neuseelands.

– Gelegentlich der Griechenland-Krise im Frühjahr 2010 empfahlen Anlageberater den Kauf solcher Papiere. Freilich ist der Markt für diese Titel sehr eng; und auch der Hinweis, die Anleihen seien auf einen hinsichtlich der volkswirtschaftlichen Grunddaten (basic economic data) soliden Staat bezogen, ändert daran nichts. - Die Bezeichnung Kiwi für die Bewohner von Neuseeland leitet sich übrigens nicht, wie vielfach zu lesen, von der Kiwi-Frucht (chinesische Stachelbeere [Chinese gooseberry, kiwi fruit]) ab. Vielmehr ist der dort lebende Schnepfenstrauss (Apterix) Namensgeber: ein schwanzloser Nachtvogel mit verkümmerten Flügeln, der mit einem der Lautfolge "Kiwi" ähnlichen Schrei zu vernehmen ist.

– Siehe Aussie, Loonie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kladde, Kladbuch und Primanote (memorandum book, day-book):

In der älteren Finanzsprache die vorläufig zu Papier gebrachten Aufzeichnungen (eines am Finanzmarkt Tätigen), in das die laufend getätigten Geschäfte eingetragen, um dann später buchhalterisch in das Rechnungswesen eingegliedert zu werden.

– Siehe Geheimbuch, Memorial, Rapiat, Strazze.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Klarierung (clearance):

Die Bezahlung des Zolls für ein Schiff, beurkundet durch einen Klarierungsschein (clearance slip).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Klartext (cleartext, plaintext; plain English):

1 Allgemein eine Folge von schriftlichen Aussagen, die in einem sinnvollen Zusammenhang stehen und von jedermann gelesen werden können, also nicht verschlüsselt sind.

2 Die gesetzliche bzw. aufsichtsrechtliche Vorschrift, in allen Aussagen auf dem Finanzmarkt sich einer eindeutigen Sprache zu bedienen, die jede Form von Irrtum und Verwechslung ausschliesst.

– Siehe Angaben, verschleierte, Börsensprache, Informations-Überladung, Kürteil, Sarbanes-Oxley Act, Stetigkeit, Substance-over-form-Grundsatz, Verständlichkeit, Vorhersagen, Wesentlichkeit, Zuverlässigkeit, Zweckdienlichkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kleidergeld (vesture money; clothing expenses; extra payment for clothing; tax deductions for clothing):

1 In volkswirtschaftlichen Lehrbüchern gesagt von einem Zwischentauschgut, das aus Kleidungsstücken und hier wieder im Besonderen aus Pelzen besteht, wie früher bei den Ureinwohnern in Nordamerika und Kanada.

2 In der Statistik gelegentlich gebraucht in Bezug auf die Ausgaben der Privathaushalte für Bekleidungsstücke (einschliesslich Schuhwerk).

3 Gehaltszulage an Beschäftigte, die berufsmässig eine bestimmte Garderobe (working clothes) tragen, wie Schaffner, Zugbegleiter, Polizisten, Soldaten (hier noch Uniform, Montur und früher auch Montierung genannt), Bäcker, Ärzte, Schwestern (weisse Kleidung [whites]) oder Kaminfeger (black clothes); in dieser Bedeutung früher auch Kluftgeld genannt (Kluft vom hebräischen chalîphốth = Wechselkleider.

4 Zuschuss zur Leistung der Sozialhilfe in besonderen Fällen, etwa bei Schwangerschaft oder besonderen Krankheiten.

5 Steuerlich absetzbarer (Pauschal)Betrag für Kleidung bei bestimmten Berufsgruppen wie Fussballer, Schiedsrichter oder Musiker.

– Siehe Frackgeld, Stiefelgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kleiderverwahrgeld (fee for safekeeping of garments):

In älteren Dokumenten eine Zahlung an einen Dienstleister, der in der Regel im Frühjahr die Winterkleidung und im Herbst die Sommerkleidung eines Privathaushalts mottensicher (mothproof)) einlagerte. Zumeist waren dies Unternehmen aus dem Textilreinigungsgewerbe (A: Putzereien; garment care trade, textile cleaning trade), und damit verbunden war meistens auch die Reinigung der zum Verwahr angenommenen Kleidungsstücke. - Bis etwa 1950 wurde Gewebe aus Wolle auch in Deutschland regelmässig von Kleidermotten (cloth moths: any of various moths of the family TINEIDAE, whose larvae [the newly hatched, wingless, often wormlike form of many insects before metamorphosis] feed on wool, hair, fur, and feathers) angegriffen und geschädigt. Erst ab dann gelang es, Textilien durchgängig mit Chemikalien zu tränken, die Motten abhalten und diese zusamt ihrer Brut töten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kleinanleger (small investor, individual investor, retail investor):

In der Sprache der Aufsichtsbehörden auf dem Finanzmarkt jeder, der nicht geschäftsmässig (berufsmässig) dort tätig ist (a person who infrequently, occasionally buys and sells in financial markets, usually in rather small amounts. Even though there are millions of small investors, their total holdings are dwarfed by the share ownership of large institutions, chiefly all sorts of funds and insurance companies).

– Siehe Anleger.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kleinbetrags-Zahlung (small sum payment, micropayment):

Nach der Definition der EZB die Übereignung von Geld im Geschäftsverkehr bis zu 20 Euro. Bis anhin werden in Deutschland solche Zahlungen überwiegend noch immer bevorzugt mit Bargeld getätigt.

– Siehe Bezahlungsverfahren, innovative, Kleinbetrags-Zahlungssysteme.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2009, S. 62 f. (Aussichten für die bargeldlosen Bezahlverfahren; Anteil des Bargelds; Problem der Insellösungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kleinbetrags-Zahlungssysteme (retail funds tranfer systems):

Verfahren zur Vereinfachung des unbaren Zahlungsverkehrs von

1. betragsmässig vergleichsweise kleinen, jedoch

2. sehr häufig und

3. in grossen Mengen anfallenden Aufträgen.

– Siehe EFTPOS, Kapitaltransfersystem, elektronisches, Kontaktgruppe für strategische Fragen im Euro-Zahlungsverkehr, Massenzahlungsverkehr, elektronischer, TGS-System, TARGET-System.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2002, S. 51 ff., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 45 ff. (sehr ausführliche Darstellung mit wichtigen Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2008, S. 49 ff. (Entwicklungslinien im Massenzahlungsverkehr).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kleine und mittlere Unternehmen, KMU (small and medium-sized business, SMB):

1 In der Definition von Basel-II zur Zeit Unternehmen mit einem konsolidierten Jahresumsatz von weniger als 50 Mio EUR.

2 In der seit Jahresbeginn 2005 gültigen Empfehlung 2003/361/EG der Europäischen Kommission sind zu verstehen unter

1. Kleinstunternehmen alle Betriebe bis zu 9 Beschäftigten, mit einem Umsatz oder einer Bilanzsumme von bis 2 Mio EUR,

2. Kleinunternehmen sind Firmen, die weniger als 50 Personen beschäftigen und deren Jahresumsatz oder Bilanzsumme 10 Mio EUR nicht übersteigt.

3. Mittlere Unternehmen sind solche, die weniger als 250 Personen beschäftigen und deren Jahresumsatz 50 Mio EUR bzw. die Bilanz 43 Mio EUR nicht überschreitet. Die Beschäftigten-Zahlen sowie der Umsatz von verbundenen Unternehmen und Partnerunternehmen (Beteiligungen von mehr als 25 Prozent) sind dabei mitzuzählen.

– Weil es jedoch auch mehrere andere Einteilungen KMUs gibt, so ist bei entsprechenden Angaben immer genau auf die zugrundeliegenden Abgrenzungen zu achten. - In Deutschland waren 2009 über 50 Prozent der Arbeitnehmer in KMUs beschäftigt.

– Siehe Familien- und Freunde-Kapital, Factoring, mittelstandbezogenes, Gründerbank, Leasinggeschäft, Mid Cap, Mittelstand, Mittelstandskredit, Unternehmensanleihen.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 37 ff. (ausführliche Darstellung der Lage der KMU seit 1997; viele wichtige Übersichten [auch einzelne Bilanzposten der KMU, und diese auch im Vergleich mit Grossunternehmen], S. 39: statistische Abgrenzungen) sowie die aktualisierende Fortschreibung im jeweiligen Dezember-Bericht der Deutschen Bundesbank, im Monatsbericht Dezember 2012, S. 29 ff. auch Gegenüberstellung der Auswirkungen der Finanzkrise auf KMUs und Grossunternehmen; Monatsbericht der EZB vom August 2007, S. 83 ff. (Finanzierung der KMU im Eurogebiet; Übersichten, Literaturverweise), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2009, S. 36 ff. (Versorgung der KMU mit Darlehn während der Finanzkrise; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Juli 2013, S. 44 ff. (Finanzierungsbedingungen von KMUs; viele Übersichten), Monatsbericht der EZB vom August 2013, S. 22 ff. (Indikator der wahrgenommenen Aussenfinanzierungslücke für KMUs als Masstab allfälliger Finanzierungsbeschränkungen; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom November 2013, S. 49 ff. (Finanzierungsbedingungen der KMUs seit 2009; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Mai 2014, S. 37 ff. (Finanzierungsbedingungen der KMUS bis März 2014; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2014, S. 41 ff. (Finanzierungsbedingungen von KMUs im Eurogebiet; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kleingeld und Münzgeld (small change; money shrapnel; richness):

1 Andere Bezeichnung für Scheidemünzen allgemein; in alten Dokumenten auch Blasengeld genannt; Blase = hier: Beutel, Portemonnaie).

2 Münzen, die kaum (noch) Kaufkraft besitzen, und die sich im Geldbeutel ansammeln (little coins that have only next to zero value, but that regularly get clogged up in the money bag).

3 Umgangssprachlich im Deutschen (jemand hat das nötige Kleingeld [someone has the necessary wherewithal]) auch Bezeichnung für Reichtum und Vermögen.

– Siehe Aufrundung, Aushingeld, Brunnengeld, Geldbeutel, Geldtüte, Geldbezeichnungen, volkstümliche deutschsprachige, Gequetschte, Hühnerfutter, Nasarinchen, Penonse, Pezzi, Spores Raffel, Zucker.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2013, S. 30 ff. (Münzgeld in der EWU und in Deutschland; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kleinstversicherer (micro insurance firm):

Eine Versicherung, die

1. aufgrund festgelegter Geschäftspolitik lediglich eine bestimmte Gruppe (etwa: Reisbauern) bezielt oder

2. wegen zu geringer Nachfrage nach Versicherungsleistungen auf eine nur geringe Anzahl von Versicherungsnehmern (policyholders) beschränkt bleibt.

– Diese, in Ländern der sog. Dritten Welt häufig anzutreffenden - und von wohlmeinenden Gruppen in Industriestaaten befürwortete - Institute sind erfahrungsgemäss leicht von (betrügerisch herbeigeführter) Insolvenz bedroht, zumal dann, wenn keine Aufsichtsbehörde in dem betreffenden Staat die Geschäftstätigkeit überwacht.

– Siehe Aufsicht, Versicherungsunternehmen, Versicherungsvertrag.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 64 (Runder Tisch zur Kleinstversicherern in der Dritten Welt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

KLEMS-Datenbank (EU KLEMS database):

Eine Zahlenübersicht, in welcher die Entwicklung des Wirtschaftswachstums in die Beiträge der Produktionsfaktoren und Vorleistungen aufgeteilt wird, nämlich Kapital (K, capital), Arbeit (L, labour), Energie (E, energy), Material (M, material) und Dienstleistungen (S, services); EU KLEMS has also created individual country spreadsheets (Übersichtstabellen) with industry level growth accounting tables covering. Die Zahlen sind im Internet abrufbar.

– Siehe IKT-anwendende Sektoren, Produktivität, Strukturwandel, Verkrustungen, strukturelle.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2008, S. 51 ff. (Vorstellung der Datenbank; wichtige Ergebnisse; Vergleiche Euro-Währungsgebiet zu USA; Übersichten; Literaturhinweise), S. 67 ff. (ausführlicher Grundsatzartikel mit vielen Literaturhinweisen und Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Februar 2010, S. 115 f. (Verbesserungen an der KLEMS-Datenbank).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Klienten-Effekt (clientele effect):

Hochverzinsliche Papiere (high interest-bearing titles) werden vorwiegend von Anlegern gekauft, die in einer niedrigen Steuerklasse liegen (investors who face low tax rates). Demgegenüber werden Titel mit niedrigem Ertrag eher von Personen erworben, die im oberen Bereich der Steuerbelastung angesiedelt sind (investors in the highest tax brackets). Bei der Begebung von Wertpapieren muss diese Tatsache vom Emittenten berücksichtigt werden.

– Siehe Emissionsgeschäft, Ersterwerber, Kleinanleger, Wertpapier-Emission.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Klienten-Kapitalismus auch Vetternwirtschaft und Cliquienwirtschaft (crony capitalism):

Abschätzige Bezeichnung für eine Volkswirtschaft, in der persönliche Beziehungen wesentlich den Ablauf bestimmen, und die knappen Mittel daher nicht dem besten Wirt zugeleitet werden (pejorative expression, denoting a type of free market economy in which business success is heavily dependent upon one's connections. In such a system, business decisions are significantly influenced by friendships and family ties, rather than by market forces and open competition). Auch die Ausreichung von Darlehn durch die Banken wird in einer solchen Volkswirtschaft - derzeit werden Indonesien und teilweise auch Japan hierhin eingestuft - gutteilig von persönlichen Verbindungen bestimmt. Vom Klienten-Kapitalismus gezeichnete Volkswirtschaften zeigen vielerlei Stagnationserscheinungen und haben ein niedrigeres Wachstum, als dies CETERIS PARIBUS bei Wettbewerb möglich wäre.

– Siehe Opportunitätskosten, Schattenpreis, Underground Banking.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Klientenüberweisung (giving up):

Vor allen an den Warenbörsen der USA ein Auftrag, der von einem Börsenmakler für den Kunden eines anderen Maklers ausgeführt wird. Nach Erledigung des Auftrags wird das Geschäft an den regulären Broker zurückgegeben; nur dieser rechnet mit seinem Kunden ab.

– Siehe Churning, Kick Back, Schlangenhandel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Klima-Inflation (climate-induced inflation):

Nach 2000 aufgekommene Bezeichnung für den Zusammenhang, dass

1. weltweit durch den wachsenden Ausstoss von Kohlendioxid (carbon emissions) eine Klimaerwärmung (overall warming) eintritt, wodurch

2. sich vor allem bei Getreide die Ernteerträge (crop yields) vermindern; denn diese Pflanzen wachsen bei steigender Temperatur rascher und tragen weniger Früchte (speed through their development, producing less grain in the process),

3. gerade Kulturpflanzen bei einer Erhöhung der Aussenwärme die für ihr Wachstum bestmögliche Versorgung mit Feuchtigkeit nicht mehr erreichen, auch

4. mit der Erhöhung der Temperatur (bei manchen Pflanzen sogar überproportional) ein Feuchtigkeitsverlust (increased transpiration) eintritt; man spricht hier von Evapotranspiration (evapotranspiration: transporting moisture from the soil to the atmosphere), während

5. gleichzeitig die globale Temperaturerhöhung zu starken, von Sturm begleiteten Regenfällen (rainstorms, cloudbursts) und zu Wirbelstürmen (hurricanes) führt, die eine fortschreitende Evapotranspiration nicht ausgleichen können, ja sogar für die meisten Nahrungspflanzen nachteilig sind, weswegen

6. nach Schätzungen der Weltbank ab 2080 die Produktivität in der Landwirtschaft (agricultural productivity: output per hectare) um 16 Prozent ohne Einsatz von Düngemitteln sinkt, und immerhin noch um 3 Prozent unter der Voraussetzung verstärkten Einsatzes von chemischen Düngemitteln (artificial fertiliser), verbunden mit vermehrtem Anbau von Feldfrüchten, die eine Dürre besser vertragen (more drought-restistant crops), was

7. angesichts des daher sinkenden Angebots einerseits und einer wachsenden Weltbevölkerung (Fachleute schätzen einen Anstieg der Nachfrage nach Feldfrüchten zwischen 2008 und 2080 um das Dreifache) andererseits zu einer starken Erhöhung der Lebensmittelpreise führen und damit

8. die Kaufkraft weltweit entsprechend mindern wird.

– Nähere Untersuchungen der Weltbank gehen davon aus, dass nach diesen Vorausberechnungen (long-ranging projections) die USA, Kanada und Deutschland von der Entwicklung möglicherweise Nutzen ziehen könnten. Denn diese Länder

1. liegen ganz (Deutschland) oder teilweise (USA, Kanada) in einer verhältnismässig günstigen Klimazone (favourable latitudinal location),

2. sind weltweit an Universitäten und Forschungseinrichtungen bahnbrechend in der Phytologie (phytology; Botanik; botany), und hier wieder besonders auf dem Gebiet der Pflanzenzüchtung (plant cultivation: das Hervorbringen neuer Gewächs-Sorten durch Kreuzung und genetische Mutationen mit dem Ziel, die Pflanzen ertragreicher zu gestalten bzw. an veränderte Umweltgegebenheiten anzupassen),

3. verfügen über grosses Wissen und Erfahrung in der Agrarchemie (agrarian chemistry), vor allem auch in Bezug auf einzelne gewächstypische Kunstdüngerarten (specific plant-adequate artificial fertiliser) und pflanzenschützende Schädlingsbekämpfungsmittel (Pestizide; pesticides) und

4. sind gleichzeitig auch führend im Landmaschinenbau (engineering as well as machine-building). Steigende Weltmarktpreise werden daher in diesen Ländern Investitionen in den Landbau (agrarian investment) und im Gefolge dessen eine vermehrte landwirtschaftliche Produktion anregen, die (auch dort auftretende) klimabedingte Ernteverluste zumindest aufwiegt.

– Für die EU gesamthaft könnten diese für Deutschland günstigen Bedingungen einen Ausgleich bringen, weil Spanien, Portugal, Italien und Griechenland durch den Einfluss des Klimawandels nach Vorausschätzungen Ernteertrags-Verluste bis zu 30 Prozent erleiden werden.

– Siehe Biotreibstoffe, Energie-Inflation-Zusammenhang, Erdöl-Lebensmittel-Zusammenhang, Inflations-Ausgleich, Kaufkraft-Abfluss, Kerninflation, Kohlendioxid-Inflation, Lohn-Preis-Spirale, Ölpreis, Protein-Inflation, Rohstoffpreise, Schocks, strukturelle, Zweitrunden-Effekte.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juni 2008, S. 10 ff. (gegenwärtige Lage; Aussichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Klingelmeister auch Heiligenmeister (offerings collector):

Im Gottesdienst der christlichen Gemeinden schritt früher nach der Predigt ein Kirchendiener (sexton, vergar) mit einem an langer Stange befestigten, unten mit einer Klingel versehenen Beutel durch das Kirchenschiff (nave). Vom Gang aus bewegte er den Beutel an der Stange vor den Platz eines jeden Anwesenden. Die Gläubigen warfen eine Münze in den Klingelbeutel (collection bag). Der Beutel wurde nach Einzug des Geldes vom Klingelmeister zum Altar getragen und dort, den Gläubigen sichtbar, an einen Haken gehängt. Das eingesammelte Geld (Kollekte; collection) diente der Bezahlung des Personals, dem Unterhalt der Gebäude sowie auch der Unterstützung von Armen der Gemeinde.

– Siehe Ablassgeld, Beichtgeld, Anzugsgeld, Kathedralgeld, Kerzengeld, Opfergeld, Peterspfennig, Platzgeld, Prokurationsgeld, Stolgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Klippen-Effekt (cliff effect):

In Bezug auf den Finanzmarkt die Tatsache, dass Papiere schlagartig an Wert verlieren, wenn diese von Regelerstellern oder der Aufsichtsbehörde als weniger liquide eingeordnet werden. - Im Zuge von Basel-III befürchtete man einen solchen Klippensturz für in Deutschland begebene hochbonitäre Unternehmensanleihen sowie für Covered Bonds. Eine eigene Arbeitsgruppe des Basler Ausschusses widmete sich auf deutschen Wunsch hin dieser Angelegenheit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Klumprisiko (lump risk):

Die Ballung der Ausleihungen einer Bank auf einige wenige einzelne oder miteinander verbundene Kreditnehmer. Nach Basel-II wird in solchen Fällen eine besondere Risikoberechnung erforderlich (for there is a precise link between portfolio lumpiness and risk). Durch entsprechende Kreditderivate lassen sich Klumprisiken mindern. - Häufig wurden die Regeln zur Vermeidung von Klumprisiken durch die Gründung mehrerer Aufkauf-Gesellschaften und formale Aufteilung der Darlehn umgangen, was die Aufsichtsbehörden scharf rügten.

– Siehe Granularität, Gruppe verbundener Kunden, Key Account, Konzentrationsrisiko, Kreditderivat, Kumul, Unterseeboot-Effekt.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2001, S. 26, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2006, S. 35 ff. (ausführliche, lehrbuchmässige Darstellung; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Knappheitsregel, monetäre (principle of money scarcity):

Nur knappes Geld ist gutes Geld.

– Siehe Ausgangstatsache, ökonomische, Geldfunktionen, Geldmengen-Fetischis¬mus, Geldwert, Inflation, Lug-und-Trug These, Money-matters-Theorem, Quantitätstheorie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Knickgeld (quickset contribution):

Eine Umlage, die früher von den Bewohnern für die Unterhaltung des Knicks erhoben wurde. - Der Knick war und ist in Norddeutschland ein lebendiger Zaun von bis zu fünf Meter Breite, der jedes dritte oder vierte Jahr gekappt (geknickt; knicken = hier: abbrechen) wurde. Ein Knick diente ursprünglich wohl zunächst bloss als Feldbegrenzung, dann aber darüber hinaus als Wehrhecke gegen den Abtrag von Erdboden durch Stürme sowie auch als Schutzwall gegen feindliche Angriffe im Kriegsfall. - Heute gibt es schätzungsweise 50 000 Kilometer Knick im Norden Deutschlands. Seine Pflege ist teilweise in Naturschutzverordnungen (nature conservation regulations) festgeschrieben, weil der Knick vor allem als Nistplatz (nesting site) vieler für die Landwirtschaft nützlicher Vogelarten eine erhebliche wirtschaftliche Bedeutung (economic relevance) hat.

– Siehe Dammgeld, Deichgeld, Festungsgeld, Flächenstillegungsprämie, Hardesgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Knock-in-Option (so auch im Deutschen gesagt):

An den Märkten für Devisen und Edelmetallen häufige Form der vertraglichen Vereinbarung. Hier tritt die Call-Option nur dann in Kraft, wenn der Basiswert eine bestimmte Grenze (Barriere, Knock-out-Level) überschritten hat (a latent option contract that begins to function as a normal option [knocking in = an instance of striking or colliding] only once a certain price level is reached before expiration). - Andererseits spricht man von einer Knock-out-Option, wenn der Basiswert die Barriere unterschritten hat.

– Siehe Barriere-Option, Basisrisiko, Option, pfadabhängige, Sleepy Warrant, Unterwasser.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Knock-out-Put (so auch im Deutschen gesagt):

Finanzprodukt,

1. dessen Preis sich in einer geradlinigen Beziehung zum jeweiligen Basiswert befindet,

2. über einen Hebel auf diesen Basiswert verfügt und

3. bei dem ein über dem aktuellen Kurs des Basiswertes festgelegter Ausübungspreis (Basispreis) vereinbart ist.

– Käufer von Knock-out-Puts bezahlen umgerechnet auf das Bezugsverhältnis somit nur denjenigen Teil des jeweiligen Basiswertes, der unterhalb dieser Basis liegt. Die Laufzeit von Knock-out-Puts endet vorzeitig, sobald der Kurs des jeweiligen Basiswertes den Ausübungspreis oder eine vertraglich vereinbarte darunter liegende Knock-out-Schwelle (Barriere) des Puts berührt oder überschreitet.

– Siehe Abgeld, Barriere-Option, Basisrisiko, Knock-out-Wert, Option, pfadabhängige.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Knock-out-Wert (knock-out product):

Allgemein ein Finanzprodukt

1. ohne feste Fälligkeit,

2. dessen Preis sich in einer geradlinigen Beziehung zum jeweiligen Basiswert befindet und der

3. beim Erreichen eines vertraglich festgelegten Kurses sofort fällig wird.

– Siehe Barriere-Option, Knock-in-Option, Knock-out-Put, Option, pfadabhängige, Zertifikat.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Knopfabschneider (button cutter):

Früher fast gewerbsmässig arbeitende Diebe, die vor allem in Kutschen und auf Fähren sowie bei Theater-, Musik- und Tanzveranstaltungen sowohl Damen als auch Herren silberne und goldene oder gar edelsteinbesetzte (gem-set, jewel-studded) Knöpfe von ihrer Kleidung unbemerkt abschnitten. Über Hehler (dealer in stolen goods) wurden die Knöpfe wieder in den Knopfhandel (regular button trading) eingeschleust, oder man schmolz das Edelmetall ein und machte es auf diesem Weg zu Bargeld. - Zur Abwehr der Knopfabschneiderei verband man wertvolle Knöpfe über sehr harte metallische Ringe oder Ösen (tough metallic rings or shanks) mit der Kleidung. Vor allem bei den Gala-Uniformen hoher Offiziere (gala uniforms [full dress] of senior officers) kennzeichnete man die Edelmetallknöpfe auf verschiedene Weise, um diese somit im kriminellen Umfeld zu entdecken.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Knotenpunkt (hub, nodal point):

In Bezug auf den Finanzmarkt eine Stelle, bei der massenweise (on a huge scale) Geschäfte zusammentreffen und sich verzweigen. Knotenpunkte in diesem Sinne sind vor allem Börsen und Zentrale Gegenparteien. Ihre sie kennzeichnende Eigenart erfordert eine besondere Überwachung durch Aufsichtsbehörden.

– Siehe Ausfallrisiko, Credit Default Swap, Euro General Collateral Pooling, Eurex Credit Clear, General Collateral-Repos, Gruppe verbundener Kunden, Korrelationsrisiko, besonderes, Pfandpoolverfahren.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 96 f. (ZGPs als bedeutende Knotenpunkte im Finanzsystem; Fragen der besonderen Aufsichtskultur angesichts systemischer Risiken).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Know-Nots (so auch meistens im Deutschen gesagt; seltener Unkundige):

In der Finanzsprache abschätzig gesagt von Personen, die viel über das Geldwesen reden und/oder schreiben, aber

1. von den Zusammenhängen auf dem Finanzmarkt wenig Ahnung haben bzw.

2. das tägliche Bankgeschäft (day-today banking business) gar nicht oder nur oberflächlich (cursorily) kennen.

– Die Erfahrung scheint zu bestätigen, dass Know-Nots in allen Medien - Zeitungen, Rundfunk, Fernsehen, Foren, sozialen Netzwerken - versuchen, tonangebend zu sein.

– Siehe Blog, Finanzasophie, Finanzdümmling, Finanzforen, Geldblogger, Internet-Foren, Kursmanipulation, Poltergeist, Theoretiker, Twitter, Verschwörungstheorien.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Koala (so auch im Deutschen):

Australische Anlage-Münze in Platin, deren Münzbild den Koala-Bären (Beutelbären) zeigt. Das Geldstück wird seit 1987 ausgegeben und ist ein vor allem in Asien bevorzugtes Anlageobjekt.

– Siehe Noble.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kobra-Effekt (Kobra effect):

Eine geldpolitische (allgemein: eine wirtschaftspolitische) Massnahme muss allfällige mittelbare Anreizwirkungen (subsequent incentive effects) auf die Marktteilnehmer bedenken. Es könnte sonst nämlich das angestrebte Ziel in das Gegenteil verkehrt werden. - Die britische Kolonialverwaltung in Indien wollte die höchst gefährlichen Brillenschlangen (spectacled cobra, Indian cobra: a snake of tropical Africa and Asia) begrenzen. Für jede gefangene Kobra zahlte die Behörde daher eine Belohnung in Bargeld. In der Folge züchtete man im grossen Stil Kobras, um diese zwecks Empfang der Prämie bei der zuständigen Dienststelle abzuliefern. - Als jedoch das Kopfgeld wegen dieses Missbrauchs nun wieder aufgehoben wurde, setzten die Züchter ihre Schlangen aus; denn diese waren für sie ja jetzt wertlos geworden. Dadurch vervielfachte sich schlussendlich die Zahl dieser Giftschlangen.

– Siehe Geldpolitik, vorausschauende, Moral Hazard, Round Tripping, Zinseinfrierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kochgeld (cook money; cooking expenses compensation):

1 Früher gesagt für die Bezahlung des für besondere Anlässe - wie Taufe, Hochzeit, Abdankung (Leichenfeier; [funeral reception]) oder Jubiläen - bestellten Kochs bzw. der Köchin.

2 In hauswirtschaftlichen Schulen und Kursen noch heute erhobene Abgabe für den Verbrauch der Lebensmittel und Sachkosten in der Versuchsküche (test kitchen, experimental kitchen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Köderangebot (bail and switch):

1 Allgemein eine sittenwidrige Verkaufstechnik, bei der Waren zu einem billigen Preis in der Werbung herausgestellt werden. Kommt der Kunde dann in das Geschäft, so ist dieses Produkt nicht verfügbar (an unethical sales practice where low priced goods are advertised but not available when customers come to the store).

2 Bei Banken die Ankündigung hoher Zinsen für auch nur kurzfristige Einlagen. Zwar wird diese Verzinsung auch geboten. Aber die Kontoführungsgebühr ist so hoch, dass der Zinsvorteil auf diese Weise bei weitem aufgewogen wird. - Dieses Vorgehen und andere kundentäuschende Kniffe sind im Finanzsektor in Deutschland heute sehr selten, weil die Medien sehr rasch Köderangebote aufdecken, und das Risiko eines Imageschadens (damage of image) für das Institut damit zu hoch ist.

– Siehe Bankgebühren, Pauschaltarif, Rampe, Tante Milly, Whistleblower.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kohlendioxid-Inflation auch CO2-Inflation (carbon-induced inflation):

Um 2005 aufgekommene Bezeichnung für die Tatsache, dass über kurz oder lang zur Sicherung der Lebensqualität in allen Staaten

1. Grenzwerte für den Ausstoss an Kohlen(stoff)dioxid (= CO2) festgeschrieben werden, was

2. Unternehmen dazu zwingt, in neue Technologien (clean technologies) zu investieren, welche den Ausstoss an CO2 und anderen Treibhausgasen (neben CO2, das international als masstabsetzende Grösse [Referenzwert; reference level] gilt, betrifft dies auch Methan [CH4], Distickstoffoxid [Lachgas, N2O], teilhalogenierte und perfluorierte Fluorkohlenwasserstoffe [H-FKW/HFCs] sowie Schwefelhexafluorid [SF6]) mindern (greenhouse gases [GHGs] mitigation), mit der Folge, dass

3. die gestiegenen Ausgaben für diese, kaum von einem Kapazitäts-Erweiterungseffekt begleitenden Investitionen über höhere Preise auf die Verbraucher überwälzt werden müssen, was deren Kaufkraft mindert.

– Über weltweiten Emissionshandel (falls dieser zustande kommen sollte) lässt sich gemäss mehrerer Gutachten der Weltbank die Kohlendioxid-Inflation möglicherweise mildern, aber nicht vermeiden. Um aber so verursachten ruckartigem Preiserhöhungen auszuweichen, sollten den Schadstoff-Ausstoss mindernde Vorschriften nach ihrer Einführung schrittweise verschärft werden (policy of gradual increases). - Im Einzelnen sind die mit der Kohlendioxid-Inflation zusammenhängenden Fragen zu einem inzwischen viel beachteten Sondergebiet interdisziplinärer Forschung geworden.

– Siehe Biotreibstoffe, Energie-Inflation-Zusammenhang, Erdöl-Inflation, Erdöl-Lebensmittel-Zusammenhang, Inflations-Ausgleich, Kaufkraft-Abfluss, Klima-Inflation, Lohn, indexierter, Lohn-Preis-Spirale, Ölpreis, Ölpreis-Schocks, Petrodollar, Protein-Inflation, Rohstoffpreise, Schocks, strukturelle, Strompreis, Treibhausgas-Emissions¬handel, Zweitrunden-Effekte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kohlengeld und Kohlegeld (charcoal fee; coal subsidy):

1 Frühere Abgabe an den Landesherrn

1. seitens des Köhlers (charcoal burner) für die Erlaubnis, im herrschaftlichen Wald Holzkohle (charcoal: a black, porous, carbonaceous material, chiefly consisting of carbon, produced by the destructive distillation of wood) herstellen zu dürfen,

2. für den Bezug von Holzkohle aus einem Meiler (charcoal kiln) im Eigentum der Landesherrschaft.

2 In Deutschland im März 1923 eingeführte Abgabe in Höhe von 40 Prozent des Preises für heimisch gewonnene oder importierte Kohle als Grundbetrag, von dem für die einzelnen Kohlensorten verschiedene Teilbeträge erhoben wurden. Diese ökonomisch und sozial sinnwidrige (social problematic and awkward) Steuer wurde im Februar 1924 wieder abgeschafft.

3 In den Strompreis einberechnete Subvention für deutsche Steinkohle, in Deutschland von 1975 bis 1995 eingeführt.

4 Bis etwa 1950 eine besondere Zahlung der Wohlfahrtsbehörden (social assistance administration) an einkommensschwache Privathaushalte, um ihnen das Beheizen von Wohnraum zu ermöglichen.

– Siehe Armengeld, Hochzeitstischgeld, Kindergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kollationiergeld (collating fee):

Eine gleichlautende Urkunde für den Rechts- und Geschäftsverkehr wie etwa: eine landesherrliche Schürferlaubnis musste früher in zahlreichen Exemplaren (im Beispiel:

1. für das Archiv [in älteren Dokumenten auch Repositur genannt],

2. für verschiedene Ministerien,

3. für das Oberbergamt [chief mine inspectorate],

4. für das Bergamt, [divisional mine inspectorate]

5. für den Bergmeister [bar-master] vor Ort,

6. für eine grössere Zahl von Gewerken [mine shareholders, adventurers] als die Besitzer von Kuxen mit Anrecht auf die Ausbeute und der Verpflichtung, Zubusse zu leisten, falls die Bergwerks-Gewerkschaft weitere Geldmittel benötigte) von mehreren Schreibkräften (Kopisten; scribes, copyists) handschriftlich angefertigt werden; Schreibmaschinen (typewriters) setzen sich erst ab der Zeit nach 1880 durch. Vor allem bei Zahlenangaben kam es dabei häufig zu Abschreibfehler (slips on the pen, clerical error).

– Ein eigens dazu angestellter Bediensteter (Kollator; collator) musste daher bei Behörden die Übereinstimmung der jeweiligen Abschrift mit dem Originaldokument überprüfen und bestätigen. Die dafür anfallenden Kosten wurden zusammen mit der Schreibgebühr auf die Begünstigten (hier: die Betreiber eines Abbaubetriebs, die Gewerken) umgelegt.

– Siehe Beglaubigungsgeld, Gewährgeld, Kanzleigeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kollege Harzenmoser (slop):

Im Jargon ein männlicher Mitarbeiter in der Bank, der ob seines schludrigen, unprofessionellen Handelns den Kollegen Mehrarbeit, den Kunden Ärger und den Vorgesetzten Wut beschert (a male employee who works in a slipshod and non-professional manner such causing extra work for colleagues, customer irritation and a lot of anger to his line manager). Der Ausdruck ist nachweislich aus der Schweizer Armeesprache - dort Bezeichnung für einen Soldaten, der sich nicht gefechtsmässig verhält - wahrscheinlich über schweizerische Institute in die Finanzsprache eingedrungen. Es ist aber nachdrücklich darauf hinzuweisen, dass derartige Kollegen in der Teutonie völlig unbekannt sind.

– Siehe Airbag, Aktenschänder, Alleskönner, Autonom agierende Einheit, Behavioural Branding, Chief Copying Officer, Druckbelegschaft, Kontakt-Allergiker, Krokodil, Loch, schwarzes, Mailbomber, Selbstverwirklicher, Sitzheizung, Tenu-Schlamper, Totholz, Triple A, Umsatzbremse, Unfallflüchtling.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kollusion auch Absprachen (collusion):

In Bezug auf den Finanzmarkt kartellrechtswidrige Vereinbarungen (agreements against antitrust laws) mehrerer zueinander in Konkurrenz stehender Institute mit dem Ziel, zugunsten aller Beteiligten den Wettbewerb zu beschränken (rival instituts cooperate for their mutual benefit).

– Siehe Beaufsichtigung, Marktabsprachen, Marktkräfte, Pankratium.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kolonatikum (colonaticum):

In der älteren Literatur allgemein gesagt für

1. die einem Grundherrn zu leistenden Dienste des Hörigen bzw.

2. das jeweilige Befreiungsgeld zur Ablösung dieser Fron (soccage).

– Siehe Dienstgeld, Ehrenfahrtgeld, Erlösung, Freikaufgeld, Frongeld, Holzfuhrgeld, Kalbgeld, Käsegeld, Kuhgeld, Zinser.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kombinationseffekt (combination effect):

Als Begriff aus den International Financial Reporting Standards (IFRS) wird damit beschrieben, dass über den Wert eines einzelnen zugehenden oder abgehenden Vermögensgegenstandes hinaus in bestimmten Fällen ein Vermögen beträchtlich an Wert gewinnen oder verlieren kann. - Dies wäre beispielsweise der Fall, wenn ein Unternehmen zwar bloss eine einzige Aktie einer Gesellschaft hinzukauft, damit jedoch auf einen Stimmrechtsanteil von über fünfzig Prozent kommt, und somit eine entscheidungsbestimmende Mehrheitsstellung (controlling stake position) bei der Aktiengesellschaft erlangt. Bis anhin sind nach IFRS solche Kopplungs-Wirkungen bei der Ermittlung des Fair Value teils zu beachten, teils nicht in Ansatz zu bringen. In der bezüglichen Fachliteratur werden diese Ungereimtheiten (inconsistencies, conflicts) ausführlich besprochen.

– Siehe Bewertbarkeit, Blocktrading, Einzelverkehrsfähigkeit, Entscheidungsnützlichkeit, Mehrheitsbeteiligung, Paketzuschlag, Vermögenswert, eingebundener.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Komatologie-Verfahren (committee process):

Möglichkeit der beschleunigten Gesetzgebung innert der EU. Der Rat oder das Europäische Parlament erarbeiten einen Vorschlag für eine Richtlinie oder eine Verordnung. Anschliessend wird dieser Vorschlag von bestimmten Komitees (daher der Name), die mit Vertretern der Mitglieds-Regierungen besetzt sind, erörtert und nach Verabschiedung durch den Rat oder das Parlament umgesetzt und auch überwacht. In Bezug auf Finanzmärkte ist dies wichtig, weil hier mehrere international besetzte Komitees (international operating committees) arbeiten.

– Vgl. Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 45 f. (auf S. 46 ein mehrfarbiges Ablaufschema, welches das Verfahren erläutert).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Komitee für Regulierung und Internationales (committee on regulation and international issues):

Innert der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht tätiger, abteilungsübergreifender Ausschuss mit dem Ziel, für die Vertretung wichtiger deutscher Standpunkte in internationalen Gremien gemeinsame Leitlinien herauszuarbeiten.

– Vgl. Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 237 f. (Vorstellung des Ausschusses; Aufgabenbeschreibung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kommandite (branch, affiliate):

In der älteren Finanzsprache die Zweigniederlassung eines Unternehmens, auch einer Bank (agent bank).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kommastelle (decimal point):

Bei Geldbeträgen werden in Europa die Dezimalstellen in der Regel durch Beistrich (Komma; comma), in den USA durch Punkt (decimal point) getrennt. - Die Zentralbanken setzen, um Missverständnisse zu vermeiden, zwischen die Tausender und Hunderter - entsprechendes gilt auch für Millionen und Tausend - regelmässig eine Lücke. Der in der deutschen Bankpraxis beliebte Punkt führt erfahrungsgemäss leicht zu irrtümlicher Ausdeutung und in der Folge zu teils langwierigem Rechtsstreit. In der Schweiz ist hierfür das Hochkomma (apostrophe, inverted comma; Oberstrich, Apostroph) üblich, also etwa für dreitausend Franken: 3'000 CHF.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kommerzialisierung, auch Ökonomisierung (commodification):

1 Die Umwandlung eines Nicht-Gutes, wie etwa einer aussergewöhnlichen Geschäfts-Idee oder eines neuartigen Computer-Programms, in ein handelbares Gut (the transformation of a non-commodity into a commodity; to assign a monetary value to something that traditionally would not be considered in monetary terms), die Vermarktung.

2 Die Anwendung wirtschaftlicher Betrachtungsweise auf kulturelle und soziale Bereiche, wie etwa die Bildung, die Kunst, die Krankenpflege oder die Seelsorge. Weil es aber auch auf diesen Gebieten gilt, knappe Ressourcen dem besten Wirt (der günstigsten Verwendung: to the most efficient allocation of scarce resources) zuzuführen, so müssen dort alle Vorgänge und Abläufe (auch) dem wirtschaftlichen Prinzip unterworfen werden. Dadurch kann man zumindest feststellen, was es kostet, eine bestimmte Dienstleistung bereitzustellen, ohne dass damit zwangsläufig schon eine Entscheidung zugunsten des sparsamsten Weges verbunden sein muss.

3 Manchmal auch gesagt von der Umwandlung von Zahlungsmitteln in Vermögenswerte.

– Siehe Opportunitätskosten, Pastoraltheologie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kommission (commission):

1 Die Vergütung, die ein Finanzdienstleister dem Kunden in Rechnung stellt (remuneration for services rendered by a financial institute on behalf of the customer) und im Normalfall vom laufenden Konto abbucht; im Geschäftsverkehr mit Provision gleichgesetzt und oft auch Entgelt genannt.

2 Ein Negativzins, das heisst: eine in regelmässigen Terminen vorgenommene Minderung des bei einer Bank eingelegten Kapitals.

3 Früher auch die jährliche Zahlung an einen Geistlichen, der nicht ordentlich und ständig (IN TITULUM), sondern nur fürsorglich und widerruflich (IN COMMENDAM) in ein Amt eingewiesen wurde. Mit der Zahlung (auch Kommendegeld [commandery payment] genannt; Kommende = hier: die vorläufige Übertragung eines Amtes) verlängerte sich im Regelfall die vorübergehende, vertretungsweise Bestallung um ein weiteres Jahr.

4 Kurzbenennung für die Europäische Kommission (European Commission) in Brüssel als die Exekutive der EU.

– Siehe All-in-Fee, Disagio, Entgelt, Geschäfte, provisionsabhängige, Handelskosten, Negativzins, Prämie, Salär.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kommissionshaus (commission house):

Eine andere Bezeichnung für Maklerfirma (brokerage firm), weil der Gewinn des Unternehmens im Wesentlichen aus der Berechnung von Kommissionen für Vermittlungsgeschäfte erzielt wird.

– Siehe Börsenmakler, Skontroführer.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 120 f. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kommunalanleihe (municipial loan, municipalities):

Emission, die von Städten, Gemeinden und Gemeindeverbänden am Kapitalmarkt begeben wird. Als Sicherheit dienen Vermögen und Steuerkraft des jeweiligen Emittenten.

– Siehe Anleihe, Bankschuldverschreibung, Gemeindeanleihe, Monoliner, Pfandbrief, öffentlicher.

– Vgl. das monatlich erscheinende Statistische Beiheft "Kapitalmarktstatistik" der Deutschen Bundesbank zum Umfang und zur Aufschlüsselung der Begebungen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kommunikationskosten (communication costs):

Wenn nicht anders definiert die Ausgaben für den Informationsaustausch in einem Unternehmen oder in einer Branche. Von der EZB wird der Anteil dieser Kosten berechnet, weil sich daraus vergleichende Rückschlüsse auf die Produktivitätsentwicklung herleiten lassen. So

1. senken Computer und das Internet die Kommunikationskosten,

2. ermöglichen dadurch schnellere Anpassungen an veränderte Gegebenheiten und

3. fördern dezentrale Organisationsformen. Der Grad an Flexibilität einer Volkswirtschaft ist aber für den Erfolg der Geldpolitik - sogar entscheidend - mitbestimmend.

– Siehe Akzessibilität, Empowerment, Fernzugang, IKT-anwendende Branchen, KLEMS-Datenbank, Produktivität, Verkrustungen, strukturelle.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2008, S. 69 ff. (hier auch Literaturhinweise in den Anmerkungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kompaniebillet auch Compagnie-Billet (company billet):

In älteren Dokumenten die Schuldverschreibung eines erstklassigen Unternehmens bzw. einer Bank, welche wie bares Geld (at least in commercial dealings; zumindest im kaufmännischen Verkehr) zur Zahlung angenommen wird.

– Siehe Banknote, Geldmenge, Geldsurrogate.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kompensation (compensation, sett-off; balancing):

1 Die Glattstellung gegenseitiger Forderungen in Geld auf dem Wege einer Verrechnung; der Ausgleich einer Schuld durch eine entsprechende Gegenforderung (counter claim, cross claim). - Geschieht dies nur zwischen Banken, so spricht man allgemein von Clearing, im Falle von Unternehmen oft von Netting.

2 Bei Wertpapieraufträgen die Erledigung von Käufen und Verkäufen auf Rechnung eines Kunden ohne Dazwischenschaltung der Börse. In Deutschland haben sich die Banken freiwillig verpflichtet, sämtliche Aufträge über die Börse auszuführen

3 Der Austausch Ware gegen Ware auf der Ebene von Unternehmen oder Staaten - wie etwa im ehemaligen Ostblock -, auch Barat(t)-Geschäft genannt und dort üblich, wo das Geld seine Funktion als Zwischentauschmittel nicht erfüllen kann. Freilich müssen sich auch hier die Tauschpartner - was häufig übersehen wird - in jedem Fall auf einen gemeinsamen Wertmesser einigen; im einstigen Verbund der Ostblock-Staaten waren dies in der Regel die Weltmarktpreise in USD.

4 In Mangel- und Planwirtschaften der - verbotene und strafbare - Tausch knapper, allgemein begehrter Güter gegen andere Dinge (Waren oder Dienstleistungen).

– Siehe Abmachung, Abschlag, Baratgeschäft, Bettkantenwährung, Clearing, Erfüllung, Geldabschaffung, Gutschein, Netting, Tausch-Gutschein, Warengeld, Zahlung, Zigarettenwährung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kompetenz (competence, means for the necessaries of life):

In älteren Dokumenten auch der Betrag, der einem Schuldner zum Lebensunterhalt nach Abtretung seines Vermögens an den Gläubiger ausgesetzt wird.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kompetenz, fachliche (professional competence, operational ability):

Allgemein die Befähigung, sein Wissen in der täglichen Berufspraxis erfolgreich anwenden zu können (requirement for an individual to properly perform a specific job). - Bei einer Bank - wie auch in bei einem anderen Unternehmen - beschränkt sich die fachliche Kompetenz der Mitarbeiter in aller Regel auf bestimmte Teilbereiche, etwa: Überweisungsverkehr, Sortengeschäft, Anlageberatung), was

1. eine Arbeitsteilung im Front-Office-Bereich und Back-Office-Bereich notwendig macht, und

2. die Beratungsqualität sehr kleiner Institute vergleichsweise mindert.

– Von Kaderleuten verlangt man neben einer möglichst breiten fachlichen Kompetenz auch eine ausgeprägte persönlichkeitsbezogene Kompetenz (Commitment), eine soziale und führungsmässige Kompetenz sowie eine unternehmerische Kompetenz.

– Siehe Akzessibilität, Beschwerdehäufung, Empowerment, Management-Vorschriften, Mitarbeiter-Register.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kompetenz-Konflikt, aufsichtsrechtlicher (clash between prudential authorities):

Bei allfälligen Streitigkeiten über die Zuständigkeit verschiedener Behörden bei der direkten Beaufsichtigung von Finanzinstituten in Deutschland - praktisch: Deutsche Bundesbank und Bundesaufsichtsamt für Finanzdienstleistungsaufsicht - entscheidet das zuständige Verwaltungsgericht. Nach herrschender Meinung gilt dies auch für allfällige Auseinandersetzungen zwischen dem Bundesaufsichtsamt für Finanzdienstleistungsaufsicht und der EZB als Aufsichtsbehörde für Grossbanken.

– Siehe Bankenaufsicht, europäische, Fragmentierung, aufsichtliche, Regulierungswut, Überregulierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kompetenz-Zentrum (competence centre):

Im Jahr 2004 von der Stiftung "Geld und Währung" der Deutschen Bundesbank an der Universität Frankfurt errichtete, drei Professuren umfassende Forschungseinrichtung.

– Siehe Absorptionsfähigkeit, Geldgrab, Geldverbrennung, Internationales Forschungsforum zur Geldpolitik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Komplementärtag (complementary day):

In älteren Dokumenten der Ergänzungstag im Februar eines Schaltjahres (leap year).

– Siehe Actual/Actual, Eurozinsmethode, Wertstellung, Zinstagezählung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kompositions-Effekt (composition effect):

Die Tatsache, dass sich Preisänderungen - wie etwa bei Mineralölprodukten - in denjenigen Güterkörben stärker niederschlagen, bei denen das preisveränderte Gut ein verhältnismässig hohes Gewicht hat. - Vor allem zur Erklärung der Unterschiede in der Preisentwicklung einzelner Länder innert des Eurolandes beim Harmonisierten Verbraucherpreis-Index ist diese Erscheinung sehr wichtig und wird von der EZB besonders ins Auge gefasst.

– Siehe Erdöl-Inflation, Inflation, gefühlte, Inflationsdifferenzen, Metall-Inflation, Qualitätsänderungen, Preisindex der Lebenshaltung, Preisstreuung, Reizschwelle, Substitutionsverhalten, Wechselkurs-Effekt, realer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Komptantgeschäft (dealing for cash, cash transaction):

In der älteren Literatur Bezeichnung für solche Transaktionen, die zum Tagespreis sofort bezahlt oder in laufender Rechnung belastet werden (a transaction where exchange is immediate, as contrasted to a forward contract, which calls for future delivery of an asset at an agreed-upon price).

– Siehe Kassageschäft, Termingeschäft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konditionalität (conditionality):

Wenn nicht anders definiert, so bezieht sich dies auf die Bedingungen des Internationalen Währungsfonds an Staaten, welche dessen Hilfe in Anspruch nehmen. Dazu zählen in erster Linie Auflagen (conditions) hinsichtlich

1. der Staatsausgaben,

2. der Geldmenge und

3. seit etwa 1980 auch mehr und mehr in Bezug auf das politische Umfeld (political environment) sowie

4. das wirtschaftliche Rahmenwerk (Wirtschaftsstruktur; economic framework) des Empfängerlandes.

– Die vom IWF verlangten Reformen an in Not geratene Länder führten in der Vergangenheit immer wieder dazu, dass man die Ursache von volkswirtschaftlichen Verwerfungen nicht in einer oft jahrzehntelangen eigenen fehlerhaften Politik suchte. Vielmehr wurden notwendige Schritte zur Gesundung, die fast immer auch eine Einschränkung des schuldenfinanzierten Konsums (debt-financed consumption) mit sich brachten, nunmehr den Auflagen des IMF zugeschrieben. Konditionalität wurde auf diese Weise häufig zu einem Synonym für Bevormundung (dictation) durch den IMF. Auf der anderen Seite verstärkten sich seitens der Geberländer die Klagen über die offenbar unzulängliche Konditionalität. Denn oft genug versickerten die vom IMF bereitgestellten Hilfen in korrupten Schichten des aufgeblähten Staatsapparates (inflated apparatus of state) der Empfängerländer und wurden dort in den Luxuskonsum geleitet.

– Siehe Bail-out, Geldheimat, Rettungsroutine, Sicherheitsnetz, globales, Verfassungsartikel eins.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konditionen-Nachweis und Auflagenübersicht (payoff statement, letter of demand):

In Zusammenhang mit einem Darlehn von einer Bank dem Kunden übergebenes Schriftstück, in dem die Einzelheiten zu dem erbetenen Kredit aufgeführt sind (document showing the amount of the loan, all sums and times due and the rate of interest).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konditionen-Spreizung (spread of lending terms):

Die Tatsache, dass Banken in der Bepreisung von Darlehn zurecht zwischen guten und schlechten Risiken unterscheiden, und dass es dadurch bei gleichen Gattungen - etwa: Wohnungsbaukredite an Privathaushalte - zu oft erheblichen Unterschieden im Zins kommt.

– Siehe Bonitätsklasse, Kreditrisiko, Kreditrisiko-Prämie, Preissetzungsmacht, Risikoadjustierung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Februar 2009, S. 31 (Bankkonditionen in Deutschland 2004 bis 2009), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2011, S. 37 (dasselbe 2002 bis 2011), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Februar 2012, S. 33 (Bankkonditionen seit 2002 untergliedert).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konduktgeld (funeral cortege fee):

Frühere Zahlung an Personen, die einem Leichenzug (Kondukt; funeral cortege) folgen, in der Regel Geistliche und - vor allem im dörflichen Umfeld – auch Schulklassen; letztere trugen passende Gesänge vor. Kondukt vom lateinischen CONDUCERE = begleiten.

– Siehe Läutegeld, Kerzengeld, Taxe, Trägergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konferenz der Versicherungs-Aufsichtsbehörden (Conference of Insurance Supervisory Authorities, CIS):

Im Jahr 1958 eingesetztes Gremium mit dem Ziel der aufsichtsrechtlichen Zusammenarbeit und des Informationsaustauschs. Ein ausführliches Regel- und Verfahrenswerk wurde zu diesem Zweck erarbeitet.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2002, S. 71.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konferenz zur Rechnungslegung (conference on accounting):

Von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht erstmals im Februar 2010 eingerichtete Veranstaltung mit dem Ziel des Austauschs von Erfahrungen des weiten Kreises der mit der Rechnungslegung befassten Personen aus allen Bereichen.

– Siehe Ausschuss-Wahn, Geldverbrennung.

– Vgl. Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 65 f. (Ziele der Konferenz; Teilnehmer).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konfidenzniveau (confidence level):

In Bezug auf den Finanzmarkt ein Mass für die Aussagesicherheit in Bezug auf eine Verlust-Erwartung; nämlich

1. die Wahrscheinlichkeit, mit der

2. ein durch den Value at Risk (value at risk: der errechnete Verlust, der bei einer ungünstigen Marktentwicklung innert eines Risikohorizonts auftreten kann) ermittelter Wert

3. in der Nähe dieser vorberechneten Erwartungsgrösse liegt.

– Siehe Eventualschaden, Gini-Koeffizient, Herfindahl-Hirschman-Index, Risiko.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2007, S. 59 ff. (Masse und Messverfahren).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Königsberger System, Anweisungssystem und Schecksystem (system of shopping cheques):

Bis um 1950 in Deutschland verbreitete Form des Konsumentenkredits. Der Kunde beantragt hier bei der Bank ein Darlehn für Konsumzwecke, im engeren Sinne für Gebrauchsgüter wie Kleidung, Möbel oder Elektrogeräte. Nach Anzahlung eines festen Betrags erhält er von der Bank ein Heft mit auf verschiedene feste Beträge lautende Zahlungsanweisungen mit begrenzter Gültigkeitsdauer. Diese Zahlungsanweisungen - auch "Schecks" genannt; gesamthaft gesehen rechtlich ein Warenkreditbrief (commercial letter of credit) - können nun zum Kauf von Gebrauchsgütern bei denjenigen Firmen verwendet werden, welche mit der betreffenden Bank in einem auf die Einlösung der Zahlungsanweisungen ausgerichteten Vertragsverhältnis stehen. Die Vertragsfirmen rechnen eingelöste Schecks periodisch mit der Bank ab. Die Tilgungsraten zuzüglich der Kreditkosten hat der Käufer nach einem Tilgungsplan unmittelbar an die Bank zu entrichten. Für diese Geschäfte gab es eigene Teilzahlungsbanken (consumer credit institutions).

– Siehe Abstattungskredit, Barkredit, Blankokredit, Dispositionskredit, Konsumentenkredit, Kontokorrentkredit, Personalkredit, Privatkredit, Ratenzahlung, Überziehung, Vorlage.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konjunktur (booming tendency; economic cycle):

1 Eine nach aufwärts gerichtete wirtschaftliche Grundrichtung in einer Branche oder in der Volkswirtschaft gesamthaft: ein Boom, in der älteren Literatur oft auch Flor und Prosperität genannt.

2 Wirtschaftliche Wechsellagen, nämlich das sich mit einer gewissen Regelmässigkeit (business cycle; Konjunkturzyklus) wiederholende Auf und Ab letztlich immer der Nachfrage (demand; Verkäufe; sales) in einem Wirtschaftszweig oder in der Gesamtwirtschaft.

– Siehe Baisse, Blase, spekulative, Boom, Bull, Gewinnkonjunktur, Hausse, Hausse nährt die Hausse, Hindsight, Jackson Hole-Konsens, Konjunkturdiagnose, Konjunkturstatistik, Kurzsichtigkeit, Metabasis, Milchmädchen-Hausse, Periptose, Rally, Rückprall-Effekt, Runup, Zyklik.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2012, S. 12 ff. (Gewicht und Einfluss der Eurozone an der Weltkonjunktur).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konjunkturdiagnose (business cycle diagnosis):

Von der EZB für das Euro-Währungs¬gebiet laufend vorgenommene Erfassungen wirtschaftlicher Wechsellagen (economic fluctuations: das zyklische Auf und Ab der wirtschaftlichen Lage gesamthaft und einzelner Branchen) auf verschiedenen Wegen, vor allem auch über Umfragen. Verbunden damit ist in der Regel auch eine Konjunkturprognose (short-term forecast of economic activity). Jeder Monatsbericht der EZB beginnt in der Regel mit einer Konjunkturdiagnose, und auch der jeweilige Monatsbericht der Deutschen Bundesbank leitet herkömmlich mit einer Beurteilung der konjunkturellen Lage ein.

– Siehe Auftragsfluss, Einkaufsmanager-Umfrage, Erhebung fachlicher Prognostiker, Erwartungen, unangemessene, Gewinnkonjunktur, Krisen-Vorschatten, Konjunktur, Konjunkturstatistik, Personenkraftwagen-Neuzulassungen, Order-Capacity-Index, Produktionslücke, Prognose-Modell, Rückprall-Effekt, Stellenanzeigen-Index, Turnaround, Vertrauensindikator, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2004, S. 61 ff., Monatsbericht der EZB vom September 2004, S. 66 ff., Monatsbericht der EZB vom April 2008, S. 79 ff. (lehrbuchmässige Darstellung; viele Übersichten), Monatsbericht der EZB vom November 2008, S. 61 ff. (Verlässlichkeit von Umfrageergebnissen in turbulenten Zeiten; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2009, S. 31 ff. (ausführliche Darstellung; S. 43 ff. auch wichtige mathematische Ansätze; viele Literaturhinweise), Monatsbericht der EZB vom August 2009, S. 68 ff. (Schwierigkeiten bei der Erfassung der Konjunktur-Indikatoren; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Mai 2011, S. 61 ff. (Prognose des Konjunkturzyklus im Eurogebiet; viele Übersichten; Literaturhinweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2013, S. 70 f. (Probleme der Konjunkturdiagnose), Monatsbericht der EZB vom Juli 2014, S. 54 ff. (Problem der Prognose konjunktureller Erholungsphasen; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konjunkturpolitik (business cycle policy, [economic] stabilisation policy):

Massnahmen der staatlichen Wirtschaftspolitik, um glättend auf den Konjunkturzyklus einzuwirken und dadurch wirtschaftliches Wachstum zu ermöglichen sowie auch zu verstetigen. Diese freilich haben lediglich dann Aussicht auf Erfolg, wenn die Masstabeigenschaft des Geldes unverändert bleibt. - Konjunkturpolitik ist allemal Sache der von der Mehrheit im Parlament (parliamentary majority) getragenen Regierung. Sie darf aus verfassungsrechtlichen Gründen (principles of constitutional law) nicht in die Hände einer von der parlamentarischen Kontrolle unabhängigen Zentralbank gelegt werden. Zudem hat die Geldpolitik auch nicht die Instrumente, um Konjunkturpolitik gestalten zu können.

– Siehe Ausrichtung, einzielige, Fiskalpolitik, Geldpolitik, Konjunktur, Poltergeist, Preisniveausteuerung, Prognose-Modell.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konjunkturprogramm auch Konjunkturpaket (business activity support programme, injection of credit for the purpose of stimulating or maintaining economic activity, stimulus package):

Sonderausgaben des Staates, um die Nachfrage in einzelnen Branchen bzw. in der Volkswirtschaft gesamthaft anzuregen. Das hierzu eingesetzte Geld muss entweder

1. aus anderen Aufgabengebieten (Ressorts; portfolios, departments) abgezogen oder

2. über Schuldenaufnahme des Staates aufgebracht werden. Weil in beiden Fällen kaum übersehbare verteilungspolitische Nebenwirkungen (distributive incidental consequences) - und oft sogar über mehrere Generationen hinweg - entstehen, so gelten Konjunkturprogramme heute als Mittel im äussersten Falle.

– Die in vielen Lehrbüchern vorgetragene Meinung, dass der Staat gezielt mehr Geld zur Belebung der Binnenwirtschaft ausgibt, um die zu diesem Zweck aufgenommenen Schulden später über üppig fliessende Steuern zurückzuerhalten, konnte bis anhin nicht belegt werden. Statt dessen verpufften die meisten Programme (Strohfeuer-Effekt; straw fire effect), derweil sich staatlichen Schuldenberge wachsend zementierten.

– Siehe Finanzakzelerator, Fiskalpolitik, Kobra-Effekt, Konjunkturdiagnose, Krisen-Vorschatten, Rettungsroutine, Rückprall-Effekt.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2009, S, 61 (hier auch zur Frage der richtigen Einschätzung einer Schieflage), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2009, S. 24 (staatliche Investitionen veranlasst durch die Finanzkrise; ausführliche Darstellung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konjunkturstatistik (business cycle statistics):

Die zahlenmässige Erfassung

1. der volkswirtschaftlichen Kreislaufgrössen in ihrer Ganzheit, wie Produktion, Konsum, Investition,

2. als auch die möglichst weitgehende Erhebung aller sie bildenden Einzelteile, vor allem Preise, Kapazitäts-Auslastung-Kennziffern, Arbeitsmarktdaten, Wechselkurse,

3. mit dem Ziel, Einsicht in die Triebkräfte des ökonomischen Geschehens in einem Gebiet zu erlangen.

– In der EU ist eine einheitliche statistische Systematik in allen Teilnehmerstaaten vorgeschrieben. Die wichtigsten Ergebnisse der Erhebung im Eurogebiet sind im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets" des jeweiligen Monatsberichts der EZB in der vorangestellten "Übersicht über volkswirtschaftliche Indikatoren für das Euro-Währungsgebiet" wiedergegeben.

– Siehe Einkaufsmanager-Umfrage, Erhebung fachlicher Prognostiker, Konjunkturdiagnose, Krisen-Vorschatten, Prognose-Modell, Stellenanzeigen-Index.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2009, S. 46 ff. (Veränderungen in der Konjunkturstatistik; in den Anmerkungen auch Rechtsquellen; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom August 2009, S. 68 ff. (Schwierigkeiten bei der Erfassung der Konjunktur-Indikatoren; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom November 2009, S. 105 ff. (Konjunkturverläufe historisch und in Bezug auf Teile der Welt), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2011, S. 64 f. (Qualitätsanforderungen an die Konjunkturstatistik), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2012, S. 12 ff. (Gewicht und Einfluss der Eurozone an der Weltkonjunktur), Monatsbericht der EZB vom April 2013, S. 51 ff. (neues Referenzjahr für Indizes und Gewichte in der Konjunkturstatistik).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konjunkturzyklus (business cycle):

Breit angelegte, wiederkehrende mittelfristige Schwankungen (Oszillationen; oscillations: fluctuations above and below a mean value) der wirtschaftlichen Tätigkeit. Die mit vielen Problemen verbundene empirische Erfassung der Reihenfolge der Aufs und Abs ist für die Geldpolitik sehr wichtig.

– Siehe Aktienkurs-Gleichlauf, Erwartungen, unangemessene, Fiskalpolitik, Konjunktur, Konjunkturdiagnose, Konjunkturprogramm, Kerneinlagen, Kreditzyklus, Krise, Krisen-Vorschatten, Metabasis, Prozyklizität, Rückprall-Effekt, Turnaround, Unsicherheit, Wirtschaftsindikatoren, wichtige, Zwei-Säulen-Prinzip, Zyklik.

– Vgl. Jahresbericht 2001 der EZB, S. 56 f., Monatsbericht der EZB vom November 2001, S. 45 ff. (ausführliche Darstellung), Monatsbericht der EZB vom Juli 2002, S. 41 ff., Monatsbericht der EZB vom Juli 2003, S. 25 f., Monatsbericht der EZB vom September 2003, S. 50 (Bericht über Fortschritte und Mängel bei der Daten-Erfassung), Monatsbericht der EZB vom August 2009, S. 68 ff. (Schwierigkeiten bei der Erfassung der Konjunktur-Indikatoren; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom September 2009, S. 60 ff. (Zusammenhang zwischen Konjunkturphase und Inflation; Übersichten; Literatur), Monatsbericht der EZB vom November 2009, S. 105 ff. (Konjunkturverläufe historisch und in Bezug auf Teile der Welt; viele Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Mai 2011, S. 61 ff. (Prognose des Konjunkturzyklus im Eurogebiet; viele Übersichten; Literaturhinweise); S. 75 ff. (Verlaufsmuster der Zyklen im Eurogebiet und in den USA; viele Übersichten; Literaturhinweise), Monatsbericht der EZB vom Mai 2012, S. 72 ff. (zyklische Signale und Konjunkturdiagnose; detaillierte Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2012, S. 12 ff. (Gewicht und Einfluss der Eurozone an der Weltkonjunktur), Monatsbericht der EZB vom April 2013, S. 51 ff. (neues Referenzjahr für Indizes und Gewichte in der Konjunkturstatistik), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2013, S. 21 ff. (Kreditvergabe im Verlaufe eines Konjunkturzyklus; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konkurrenz (competition; competitors, rivals):

1 Das Bemühen mehrerer um die Erreichung eines Zieles; anderes Wort für Wettbewerb.

2 Im ökonomischen Sinne die oder auch nur der Mitbewerber: der Konkurrent, der Rivale im geschäftlichen Bereich (a company in the same industry or a similar industry which offers a similar product or service).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konkurs (bankruptcy):

1 Frühere deutsche juristische Bezeichnung für Insolvenz (inability to discharge debts as they come due).

2 Auch heute noch umgangssprachlich gesagt vom völligen Niedergang eines Unternehmens oder eines Staates im Sinne von Bankrott, Pleite, Zusammenbruch, Ruin.

– Siehe Debitmasse, Finanzonkologe, Inrotulationsgeld, Insolvenzkosten, Lokations-Urteil, Manifestierung, Masse, Paritätsvorbehalt, Pleitegeier, Spieler-Pleite, Vorrangregel, unbedingte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konkursausfallgeld (bankruptcy compensation payment, insolvency loss money):

Frühere Bezeichnung für Übergangszahlung an Beschäftigte, deren Arbeitgeber zahlungsunfähig wurde.

– Siehe Gehalts-Stop, Insolvenzgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konkursverfahren für Banken (financial institutions bankruptcy process):

Bei Insolvenz eines Instituts im Gebiet der Europäischen Union ist hierzu eine darauf bezogene EU-Richtlinie zu beachten.

– Siehe Abwicklungsmechanismus, einheitlicher, Bad Bank, Bail-out, Bank, systemische, Bankenkrankenhaus, Banking, begrenztes, Banktestament, Grössenvertrauen, G-Sifi, Mindestanforderungen an die Ausgestaltung von Sanierungsplänen, Notfallfonds für Krisenbanken, Pflichtwandelanleihe, Vermögensabgabe, Zwangsenteignung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2002, S. 30.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konservierung (preservation):

In der älteren Literatur Bezeichnung dafür, dass ein Papier und vornehmlich ein Wechsel bis zur Fälligkeit im Eigenbestand gehalten wird. Eine gemässe Vereinbarung (Konservierungsklausel; preservation clause) liess sich der Besitzer des Titels - der damit ja auf eine Diskontierung, Weitergabe, Verpfändung usw. verzichtet - entsprechend vergüten.

– Siehe Darlehnforderungs-Verkauf, Kredit-Abtretung, Subrogation, Verbriefung, Weiterverpfändung, Zession, Zweckgesellschaft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konsignationslager, monetäres (extended custodial inventory, ECI):

Bei der EZB ein von einer Bank ausserhalb des Eurogebiets vorgehaltener Bestand an Euro-Bargeld. Weil im Jahr 2007 etwa fünfzehn Prozent der Münzen und Banknoten in Euro im Ausland umliefen, so erscheinen solche Lager zweckmässig.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der EZB, S. 121 (Einrichtung eines Konsignationslagers in Hongkong und Singapur), Jahresbericht 2011 der EZB, S. 105 (weitere Konsignationslager in den USA und im Nahen Osten sind geplant), Jahresbericht 2012 der EZB, S. 107 (Ausschreibungsverfahren).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konsolidation (consolidation):

1 Die Zusammenfassung mehrerer älterer begebener Anleihen zu einer neuen Anleihe mit marktgerechteren Bedingungen, meistens durch den Fiscal Agent. Die in die neue Anleihe einbezogenen älteren Papiere werden oft auch Konsols (consols) genannt.

2 Kurzfristige Verbindlichkeiten - vor allem öffentlicher Schuldner - werden durch die Ausgabe von Anleihen abgelöst: eine besondere Form der Umschuldung.

3 In Zusammenhang mit Fusionen und Übernahmen gesagt von der Eingliederung kleinerer Unternehmen in ein auf diese Weise entstandenes Grossunternehmen (as to mergers or acquisitions the act of merging many smaller companies into a much larger one).

– Siehe Akquisition, strategische, Konsolidierungsdarlehn, Konversionsanleihe, Umwandlung, Verschmelzung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konsolidierung (consolidation; stengthening):

1 Das Erreichen normaler Bedingungen von Angebot und Nachfrage nach Zeiten aussergewöhnlicher Marktverhältnisse.

2 Die Einbeziehung von Unternehmen in die Bilanz, die unter dem beherrschenden Einfluss der Berichtsgesellschaft, also es bilanzierenden Unternehmens stehen (the results obtained on balance sheet when the accounts of a parent company and its subsidiaries are combined to mirror the financial position and operating results of the group as if it operated as a single entity). - In der Regel wurde dabei - selbst auch nach IFRS - lange Zeit nur von einer Stimmrecht-Mehrheit (voting control) ausgegangen. Das führte dazu, dass für Banken keine Konsolidierungspflicht für ihre Zweckgesellschaften bestand, wiewohl der Originator über verschiedene Schienen - und vor allem im Zuge des Credit Enhancements über unwiderrufliche Kreditzusagen - letztlich das Liquiditäts- und Insolvenzrisiko des Conduits trug. - Erst gelegentlich der Subprime-Krise schienen diese Mängel plötzlich grell auf. Zweckgesellschaften mussten jetzt, als es zur Absatzstockung bei Asset-Backed Securities kam, die Fazilitäten in Anspruch nehmen. Dies brachte einige der originierenden Banken in Schieflage und zwang die Zentralbanken dazu, in Sonderaktionen Liquidität bereitzustellen um das völlige Austrocknen des Marktes für kurzfristige Ausleihungen zu vermeiden.

3 Die Zusammenziehung von Geschäftsprozessen oder Geschäftsbereichen bei einer Bank mit dem hauptsächlichen Ziel, eine Senkung der Fixkosten zu erreichen. Wege dahin sind vor allem

1. Fusionen und Übernahmen,

2. Outsourcing und Insourcing,

3. Zusammenarbeit zwischen Banken und

4. Rationalisierung innert eines Instituts.

4 In Bezug auf reformunwillige Mitglieder der Eurozone meint Konsolidierung notwendige Strukturreformen, um zum makroökonomischen Gleichgewicht im eigenen Land zurückzufinden und die Währungsunion nicht zu gefährden.

– Siehe Aktivitäts-Verlagerung, bilanzbestimmte, Call-Centre, Fairness Opinion, Marktbereinigung, bankliche, Stimmrecht-Kriterium.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2007, S. 18 ff. (Auswirkungen der Subprime-Krise; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2007, S. 32 ff. (Liquiditätssteuerung durch die Mindestreservepolitik während der Subprime-Krise), S. 45 ff. (Umfrage zum Kreditgeschäft in Zusammenhang der Subprime-Krise; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Januar 2008, S. 16 ff. (Liquiditätshilfen der EZB), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2014, S. 21 ff., S. 48 ff. (Konsolidierung in Peripheriestaaten der EWU).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konsolidierungsdarlehn und Konsolidierungskredit (consolidation loan):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter einen Kredit, der mehrere vergebene Darlehn eines Schuldners zu einem neuen Vertrag zusammenfasst, in der Regel mit dem Ziel, gesamthaft günstigere Bedingungen zu gewinnen (a loan that consolidates, or pays off, several old loans and replaces them with one new loan, usually to obtain a lower interest rate or lessen monthly payment by extending the loan over a longer period of time).

– Siehe Konsolidation.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konsortium (consortium):

Auf dem Finanzmarkt das fallweise Zusammengehen mehrerer Institute; in der Regel mit dem Ziel, eine grössere Anleihe am Markt unterzubringen (an alliance of banks, set up to fund projects requiring large capital resources).

– Siehe Konsortialkredit, Syndikat, Verlustteilungsregelung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konsols (consols):

1 Die bei einer Konsolidation in den neu ausgegebenen Titel eingegangene Papiere.

2 Staatspapiere, für die eine Tilgung nicht vorgesehen bzw. kein Tilgungsplan (redemption schedule) aufgestellt ist.

– Siehe Anleihe, ewige, Gilt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konsortialkredit (syndicated credit, consortium loan, participation loan):

Mehrere, in der Regel international tätige und auch bei diesem Geschäft schon aufeinander eingespielte Banken schliessen sich fallweise zur Kreditgewährung an eine Adresse mit sehr hohem Kreditbedarf zusammen, wobei jedes Institut einen bestimmten Teil der an den Darlehnsnehmer ausgereichten Summe beiträgt. - Diese Form des Kredits erlaubt der einzelnen Bank

1. einen in ihrem Ermessen stehenden Teilbetrag (amount of finance) des Darlehns gesamthaft zu bestimmen,

2. ihr Risiko geographisch und in Bezug auf Wirtschaftsbereiche zu streuen,

3. ihre Kosten zur Überwachung des Schuldners zu senken, weil entsprechende Aufgaben zwischen den Teilnehmern des - oft auch international gebildeten - Konsortiums (Syndikats) in der Regel genau aufgeteilt werden und

4. einen höheren Gewinn zu erzielen, als dies im Normalfall bei anderen Geschäften möglich ist.

– Siehe Allianzen, grenzüberschreitende, Bought Deal, Flex-Klausel, Gestionsprovision, Intercreditor Agreement, Investment Banking, Partizipationsgeschäft, Projektfinanzierung, Risiko, operationelles, Risikotransfer, Risikotransformation, bankliche, Syndikat, Teilrechnung, Verbriefung.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2002, S. 57.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konsortialrisiko (syndication risk):

Die Gefahr, dass

1. ein Konsortium von Banken bei der Plazierung von Papieren eines Kunden diese am Markt nicht vollständig unterbringen kann und

2. die beteiligten Institute das flottante Material daher ins eigene Portefeuille nehmen müssen.

– So blieben beispielsweise die Citigroup und die UBS im August 2008 auf über siebzig Prozent einer Kapitalerhöhung um rund 500 Mio EUR sitzen, die sie für das britische Bankhaus Bradford & Bingley mit Hauptsitz in Bingley, Yorkshire am Markt plazieren wollten. Das hauptsächlich in der Hypothekenfinanzierung (mortgage financing) tätige Institut geriet im Zuge der Finanzkrise ins Schlittern und wurde im September 2008 verstaatlicht.

– Siehe Allianzen, grenzüberschreitende, Arranger, Ausstiegsrisiko, Bought Deal, Durchpressen, Intercreditor Agreement, Investment Banking, Konsortialkredit, Material, flottantes, Projektfinanzierung, Risiko, operationelles, Risikotransfer, Risikoübernahme-Grundregel, Syndikat, Verbriefung, Verlustteilungsregelung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konstanz-Hypothese (constancy hypothesis):

In Bezug auf den Finanzmarkt die Annahme, dass Korrelationen und Volatilitäten von Finanzmarktprodukten im Zeitverlauf im Grunde gleichbleibend seien. Spätestens seit der Subprime-Krise hat sich diese Annahme - die in vielen mathematischen Modellen der Finanztheorie unterstellt war und teilweise sogar noch bis heute ist - als trügerisch erwiesen.

– Siehe Elisabeth-Frage, Finanzmarktmodelle.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konstanz-Kriterium (criterion of constancy):

Wenn nicht anders definiert, so meint man damit, dass die Wirtschaftspolitik der Regierung in Stetigkeit auf verlässlichen, voraussehbaren Geleisen verläuft. Dies gilt weithin als Bedingung auch für eine ordentliche, planvolle Geldpolitik. Der wegweisende deutsche Nationalökonom Walter Eucken (1891–1960) bezeichnete die Konstanz der Wirtschaftspolitik (constancy of economic policy) als wesensbestimmende Grundlage (constitutive principle) der marktwirtschaftlichen Ordnung und damit auch der Geldpolitik, und er erkannte in der "nervösen Unrast" (excitable [jumpily] restlessness) der Wirtschaftspolitik, die heute verwirft, was gestern noch galt, eine Gefahr für den Geldwert.

– Siehe Geldvertrauen, Inflationsrate, erwartete, Kapitalflucht, Stabilitätspolitik, Vertrauensindikator.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konsultationsprozess, multilateraler (multilateral consultation on global imbalances):

Ein vom Internationalen Währungsfonds 2007 ins Leben gerufenes Gremium, in dem Massnahmen gegen weltwirtschaftliche Ungleichgewichte besprochen werden. Vorerst stehen Fragen wie eine höhere Flexibilität der Wechselkurse in verschiedenen Ländern Asiens - und China insonders - sowie die Verwendung der Öleinnahmen der erdölexportierenden Staaten an.

– Siehe Ausschuss-Wahn.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konsumausgaben (consumer spending, consumption expenditure):

Wenn nicht anders definiert der der Teil des Bruttoinlandsprodukts, der zum Kauf von Waren und Dienstleistungen im Inland verwendet wird. Dieser Anteil liegt im Eurogebiet - und in den USA - bei ungefähr siebzig Prozent der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage.

– Siehe Sparen, Vertrauensindikator.

– Vgl. die Werte im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Preise, Produktion, Nachfrage und Arbeitsmärkte", Unterrubrik "Verwendung des Bruttoinlandsprodukts" im jeweiligen Monatsbericht der EZB; Monatsbericht der EZB vom Juli 2008, S. 52 f. (Auswirkungen von Preissteigerungen auf das Ausgabeverhalten; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2008, S. 70 f. (Konsumausgaben angesichts der Finanzkrise; Übersicht), Monatsbericht der EZB vom Juli 2011, S. 45 ff (Entwicklung im Eurogebiet seit 2004; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2011, S. 18 f. (privater Konsum in den USA seit 1991; Bestimmungsgründe des Wachstums untergliedert), Monatsbericht der EZB vom März 2012, S. 85 ff. (Verbrauchervertrauen und Konsumausgaben in ihrer Beziehung zueinander; Übersichten; Vergleiche Deutschland, Spanien, Frankreich, Italien), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2013, S, 23 ff. (typische Verlaufsmuster des Konsums in den USA; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konsumentengeld (money in the hand of consumers):

Wenn nicht anders definiert Zahlungsmittel im Besitz der privaten Haushalte.

– Siehe Privathaushalte, Sparen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konsumentenkredit auch Konsumkredit und Konsumtivkredit (consumer credit, consumer loan):

1 Im weiteren Sinne jederart Darlehn einer Bank an einen einzelnen Kunden oder an einen Privathaushalt (a line of credit extended for an individual or a private household). - In Deutschland machten die Darlehn an Privathaushalte mit etwas über vierzig Prozent im Jahr 2010 den grössten Anteil am inländischen Kreditgeschäft - ohne Staats- und Interbankenkredite - aus. Davon entfiel gut ein Drittel auf den Wohnungsbau. Die Zinsbindung solcher Kredite ist überwiegend längerfristig. - In der Schweiz ist diese Form der Kreditgewährung seit 2001 durch ein eigenes Gesetz geregelt.

2 Im engerer Bedeutung ein Darlehn ausschliesslich zum Kauf lebensnotwendiger, nämlich zur Erhaltung von Leben und Bewahrung der Gesundheit unentbehrlicher Güter. In diesem Gedankeninhalt spielt der Konsumentenkredit in den alten Zinstheorien eine wichtige Rolle, die eine Rechtfertigung des Zinsnehmens auch bei Notleidenden zu ergründen suchten.

– Siehe Anschreiben, Barkredit, Höchstlaufzeiten, Königsberger System, Kreditzweck, Laufzeitgeld, Privatkredit, Mehrfachverbindung, Ratenzahlung, Verschuldungsquote, private, Vorlage, Übersatz, Wucher, Zinsverbot.

– Vgl. den Ausweis der Konsumentenkredite, untergliedert auch nach ihrer Fristigkeit, im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets" in der Rubrik "Monetäre Entwicklungen, Banken und Investmentfonds", Unterrubrik "Kredite der MFIs, Aufschlüsselung"; Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 21 (sprunghaft gestiegene Zahl der Verbraucherinsolvenzen als Folge ausgeweiteter Konsumentenkredite), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2007, S. 75 ff. (ausführliche Darlegung und Untergliederung der Konsumentenkredite; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2009, S. 18 ff. (Kreditvergabe an Privathaushalte während der Finanzkrise; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2009, S. 19 ff. (Privatkredite im Konjunkturzyklus; Übersichten; Literaturhinweise), Monatsbericht der EZB vom September 2010, S. 53 (Kredite an Privathaushalte seit 2003 aufgeschlüsselt), Monatsbericht der EZB vom März 2011, S. 59 ff. (Konsumentenkredite im Vergleich zu Wohnbaudarlehn; Übersichten), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 31 (Verbraucherinsolvenzen gehen nach Höchststand 2010 zurück) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Wirtschaftliches Umfeld".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konsumentenpreise (consumer prices):

Die anhand eines Güterkorbs statistisch für eine bestimmte Periode gemessenen Ausgaben der Privathaushalte für Waren und Dienstleistungen.

– Siehe Güter, kaufhäufige, HVPI; Preisindex der Lebenshaltung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konsumgüter (consumer goods, consumer products):

Mittel, die menschliche Bedürfnisse unmittelbar befriedigen. Sie tun dies entweder

1. einmalig wie Nahrungsmittel, dann spricht man von Verbrauchsgütern (consumables) oder aber

2. mehrmalig wie etwa Kleidung, Möbel, Autos oder Haushaltsgeräte, sie sind dann Gebrauchsgüter (non-consumables), häufig auch langlebige Konsumgüter (consumer durables) genannt.

– Die Geldpolitik hat auf die Nachfrage nach Verbrauchsgütern einen geringen Einfluss. Mehr wirken sich Änderungen im Zinssatz auf die Nachfrage nach Gebrauchsgütern aus.

– Siehe Abstattungskredit, Barkredit, Blankokredit, Dispositionskredit, Königsberger System, Konsumentenkredit, Kontokorrentkredit, Luxuskonsum, Personalkredit, Privatkredit, Ratenzahlung, Überziehung, Vorlage.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konsumneigung, marginale aus Aktienvermögen (marginal propensity to consume from assets in share form):

Kennziffer, die angibt, wieviel Cent Privathaushalte mehr/weniger ausgeben, wenn ihr Aktienvermögen um 1 USD (1 EUR) steigt/sinkt. - In den USA lag dieser Wert 2002 bei etwa 0,05, in Europa bei 0,01. Das heisst, dass in den USA die Konsumausgaben um 5 Cent, hingegen in Europa 1 Cent steigen/sinken, wenn das Aktienvermögen um 1 USD bzw. 1 EUR höher/niedriger bewertet wird. Strittig ist, inwieweit solche Erfahrungswerte (historical experience values) für die Zukunft fortgeschrieben werden können. Denn dass Anlageverhalten wird nachweislich sehr stark auch von der gegenwärtigen Wirtschaftslage (economic climate) und von Erwartungen bestimmt.

– Siehe Ausrichtung, aktienkursbestimmte, Sparquote.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom September 2002, S. 30 ff. (Darlegung mit Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konsumschwäche (consumption restraint):

Die Privathaushalte sparen - im Vergleich zu einem längeren Beobachtungszeitraum davor - einen überdurchschnittlich hohen Anteil ihres Einkommens. Dies wird von den Zentralbanken genau beobachtet. Denn eine Konsumschwäche hat direkte Auswirkungen auf den Finanzmarkt. Vor allem die von der Konsumgüterindustrie und von Warenhäusern begebene Papiere erleiden in Zuge dessen Kursverluste.

– Siehe Angstsparen, Friedhofs-Markt, Güter, kaufhäufige, Vertrauensindikator, Zwei-Säulen-Prinzip.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konsumtivkredit (credit granted for consumption):

Darlehn gewährt für Verbrauchszwecke.

– Siehe Anschreiben, Konsumentenkredit, Kreditzweck, Produktivkredit, Ratenzahlung.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Oktober 2007, S. 89 ff. (Abgrenzungsfragen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konsumwerte (quoted consumption shares):

Börsennotierte Aktien von Unternehmen, die hauptsächlich Verbrauchsgüter herstellen oder vertreiben, wie etwa: Nestlé, Jelmoli, Metro.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kontakt-Allergiker (loner, maverick):

Im Jargon ein nicht teamfähiger Kollege bzw. eine Kollegin in einem Institut, der/die weithin die Berührung mit anderen Mitarbeitern meidet, folglich auch auf deren Rat und Hilfe verzichtet (a workmate not able to work in a team, who avoids the company and, therefore, the aid and assistance of coworkers).

– Siehe Airbag, Aktenschänder, Alleskönner, Autonom agierende Einheit, Chief Copying Officer, Druckbelegschaft, Kollege Harzenmoser, Kontakt-Allergiker, Krokodil, Loch, schwarzes, Mailbomber, Selbstverwirklicher, Sitzheizung, Tenu-Schlamper, Totholz, Triple A, Umsatzbremse, Unfallflüchtling.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kontaktgruppe für strategische Fragen im Euro-Zahlungsverkehr (contact group on Euro payments strategy, COGEPS):

Arbeitskreis aus Vertretern europäischer Banken und der Zentralbanken mit dem Ziel, Zahlungsverkehrssysteme möglichst reibungslos miteinander zu vernetzen.

– Siehe Business Continuity Programme, EFTPOS, Intratageskredit, Kleinbetrags-Zahlungssysteme, Massenzahlungsverkehr, elektronischer, Migration, Single European Payment Area (SEPA), TGS-System, TARGET-System.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der EZB, S. 117.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kontenabrufverfahren (account access procedure):

Der Zugriff öffentlicher Stellen auf die Unterlagen eines Kunden bei der Bank. Rechtsgrundlage ist das Gesetz zur Förderung der Steuerehrlichkeit vom 23. Dezember 2003. Im Jahr 2011 (2013) gab es grob 106'000 (123'000) Kontenabrufe irgendwelcher deutscher Beamter. Verfahrensrechtlich (procedural) handelt es sich bei der Kontenabfrage um eine behördeninterne Massnahme. Sie ist weder durch Widerspruch nach §§ 68 ff VwGO (objection: anfechtende Stellungnahme, durch welche der Verwaltungsakt zumindest gehindert wird, und dessen erfolglose Durchführung zugleich Sachentscheidungsvoraussetzung eines späteren gerichtlichen Verfahrens ist) noch durch Einspruch (contestation: Erklärung, dass man das Vorgehen der Behörde nicht hinzunehmen gewillt ist) angreifbar.

– Siehe Bestandskraft, Kontenoffenlegung, Kontensperre, Konto, Zweitausweis.

– Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 237 f. (Nutzung durch die BaFin; über neunzigtausend Anfragen im Jahr 2009), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 253 (Datenschutzrechtliches) Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 220 f. (Übersicht der Abrufe 2011 und 2012), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 113 (Übersicht, untergliedert nach abrufenden Behörden und Abrufanzahl) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Querschnittsaufgaben".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kontenoffenlegung und Konten-Offenlegung (discovery of accounts):

In Deutschland ist seit dem 1. April 2003 jedes Kreditinstitut gemäss § 24c KWG verpflichtet, eine auf dem neuesten Stand gehaltene Datei mit allen im Inland geführten Konten und Depots - enthaltend Namen, Geburtsdatum des Inhabers und allfälliger Verfügungsberechtigter - bereitzuhalten und der Aufsichtsbehörde auf Verlangen daraus entsprechende Auskünfte zu geben. - Auch Behörden dürfen Kontendaten im Zuge eines Kontenabrufverfahrens abfragen; ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Juli 2007 bestätigte die Verfassungsmässigkeit (constitutionality) der Abrufe durch Behörden. - Informationen über Konten deutscher Staatsbürger im Ausland werden fallweise auch unter Hintansetzung verfassungsrechtlicher Bedenken und mit grossem Beifall einer breiten Öffentlichkeit (with wide applause by the broad public) durch den deutschen Geheimdienst (Bundesnachrichtendienst; Federal Intelligence Service) beschafft, wie im Februar 2007 in Bezug auf das Fürstentum Lichtenstein offenkundig geworden.

– Siehe Address Spoofing, Authentifizierungsgebot, Bankauskunft, Bankgeheimnis, Bargeldkontrolle, Beobachtungsvermerk, Fluchtgeld, Geldwäsche, Hawala, Identitätsdiebstahl, Identitätsprüfungspflicht, Kontensperre, Konto, falsches, Kundendaten-Informationspflicht, Nominee, Strohmann, Vermögensstatus, Vertraulichkeit, Winkelmakler, Zahlungsverkehrsverordnung, Zweitausweis.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 71 f., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 81, S. 87 (zu § 24c KWG), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 186 (Anzahl und Auftraggeber von Kontenabrufen), S. 187 (seit 1. April 2005 auch Offenlegung für Zwecke der Finanzbehörden), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 216 (Ermittlungsverfahren), Jahresbericht 2009 der Bafin, S. 237 f. (Erfolge des Kontenabrufverfahrens auch bei der Verbrechensbekämpfung) Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 221 (BaFin überprüft bei Instituten vor Ort die Qualität der Handlungen zur Identifizierung der Bankkunden; Datenqualität teilweise zu beanstanden) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Querschnittsaufgaben".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kontenplan (chart of accounts):

Die durchdachte Gliederung aller Konten der Buchführung einer Bank und eines Unternehmens überhaupt, zugeschnitten auf die Gegebenheiten des Geschäftsbetriebs (a list of all accounts tracked by a single accounting system, designed to capture financial information).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kontenscreening (account screening):

Wenn nicht anders definiert das Aufspüren von Zahlungen, die auf verbotswidrige Geschäfte hindeuten (the targeted search for illegal transactions).

– Siehe Beobachtungsvermerk, Geldwäsche, Kontensperre, Monitoring.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kontensparen (saving through savings accounts, savings on savings accounts):

Wenn nicht anders definiert das Ansammeln von Geld bei einem Institut seitens der Privathaushalte.

– Siehe Geldschnitt, Sparbuch, Sparen, Spareinlagen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kontensperre auch Kontensperrung (account blocking):

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht kann gemäss § 6a KWG bei Verdacht der Terrorismus- Finanzierung (terrorist financing: the processing of funds to sponsor or facilitate terrorist activity) oder im Falle unerlaubt betriebener Finanzdienstleistungsgeschäfte die Sperre entsprechender Konten verfügen.

– Siehe Beobachtungsvermerk, Bestandskraft, Inkasso-Stelle, Kontenabrufverfahren, Kontenoffenlegung.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 208 f. (Konten eines Studenten syrischer Herkunft mit deutschem Pass werden eingefroren; die Klage des Mannes gegen die Blockierung wurde vom zuständigen Verwaltungsgericht abgewiesen [diese Tatsache nicht im Bericht der Bafin]) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Querschnittsaufgaben".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kontenstände-Anpassung, automatische und Kontentransfer, automatischer ([account] sweep):

Vereinbarung mit einer Bank, dass diese bei zwei Konten, von denen eines hochverzinslich ist, nicht abgerufene Beträge automatisch von dem nichtzinstragenden oder niederverzinslichen Konto auf das hochverzinsliche überweist (an arrangement to maximise the interest earned by a customer who has both a high-interest rate account and a low- or no-interest account at the same financial institution. Funds not being instantly used in the low-interest account are automatically transferred [swept] to the high-interest account, where they remain until the balance in the low-interest account drops below a certain minimum, and the funds are transmitted back to the first account). Dank der elektronischen Datenverarbeitung sind solche, früher äusserst personalkostenintensive (extreme labour cost intensive) Aufträge heute leicht durchzuführen.

– Siehe Konto, automatisch ausgeglichenes, Transferkonto.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kontensuche (account search):

Bei der Ermittlung nach unbekannten Konten von Erblassern oder betreuten Personen bieten Verbände der Kreditwirtschaft teilweise Hilfe. Eine solche kann aber nicht von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht gefordert werden, wiewohl diese die im Zuge der Kontenoffenlegung alle Konteninhaber ausfindig machen könnte.

– Siehe Kontenoffenlegung.

– Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 195.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kontermine (bears):

An der Börse früher häufig gesagt von der Gruppe der Baissiers: Verkäufer, welche die Erwartung hegen, dass die Kurse fallen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konto in der Mehrzahl Konten und [heute seltener] Konti (account; bank[ing] acount):

1 Allgemein die buchhalterische Darstellung von Beständen an Geld und Vermögen und deren Bewegungen.

2 Im Verkehr eines Instituts mit dem Kunden die Rechnungslegung über alle getätigten Einzahlungen und Auszahlungen bzw. aller Forderungen und Verbindlichkeiten.

3 In der elektronischen Datenverarbeitung der Berechtigung zum Zugang auf ein bestimmtes Internetangebot, wie etwa bei einem Mailserver.

– Siehe Bankkonto, Kontenplan, Kontohopper, Managed Account, Omnibus-Konto, Sonderkonto, Vostrokonto, Unbanked.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konto, anonymes (anonymous account):

Abrechnungsverkehr mit einer Bank, ohne dass die Identität des Geschäftspartners allen Bankmitarbeitern bekannt ist, in der Regel in Form eines Nummernkontos (numbered account: bank account where the name of the account holder is kept secret, and he identifies himself to the bank by means of a code word known only by the account holder and a restricted number of executive bank employees). In Deutschland sind solche Konten bis anhin nicht erlaubt.

– Siehe Address Spoofing, Authentifizierungsgebot, Geldwäsche, Identitätsdiebstahl, Identitätsprüfungspflicht, Konto-Offenlegung, Kontosperre, Kundendaten-Informationspflicht, Nominee, Tafelgeschäft, Zweitausweis.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konto, automatisch ausgeglichenes (zero-balance account, ZBA):

Ein Kunde wickelt seine Geschäfte über ein Konto bei der Bank ab, welches das Institut jeweils ausgeglichen hält. Denn allfällige Überziehungen werden von einem zweiten Konto des Kunden bei der Bank, dem übergeordneten Konto (parent account, concentration account) sofort glattgestellt. Andererseits überweist ein sich ansammelndes Guthaben auf dem Konto das elektronische System auf das übergeordnete Konto des Kunden (a bank checking account that can accept deposits and/or make disbursements but that is always kept at a zero balance. This is maintained by transferring just enough funds from or to a second account of the customer, the concentration account, to offset each day's activity. The concentration account is sometimes called the parent account and the zero-balance account is now and then called the daughter or subsidiary account).

– Siehe Kontenstände-Anpassung, Transferkonto.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konto, falsches (wrong account):

Ein durch die Vorlage falscher oder gefälschter Unterlagen bei einer Bank eröffnetes Konto. - Nicht selten werden solche Konten auf den Namen tatsächlich lebender Personen ohne deren Wissen eingerichtet. Sie dienen vor allem der Geldwäsche oder anderen strafbaren Handlungen. Erfahrungsgemäss werden entsprechende Konten baldig wieder gelöscht, in vielen Fällen nach Abschluss der unzulässigen Geschäfte. - Im Zuge des europaweiten Datenabgleichs (data collation) der Steuerbehörden und einer öffentlichen Jagd auf Steuersünder (tax evaders) stieg auch in Deutschland die Zahl der falschen Konten an. Sie wurde zu Jahresbeginn 2013 von Insidern (insiders: persons who have special knowledge or/and access to confidential information in banking or criminal prosecution) mit fünf Prozent angegeben. In Internet-Foren werden dazu Ratschläge gegeben und Erfahrungen ausgetauscht.

– Siehe Address Spoofing, Authentifizierungsgebot, Bankauskunft, Financial Action Task Force on Money Laundering, Geld, schmutziges, Identitätsdiebstahl, Kontenoffenlegung, Kontosperre, Nominee, Zahlungsverkehrsverordnung, Zweitausweis.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konto, lebendes (living acount):

In der älteren Literatur ein Konto mit einem Kunden, sei es eine Person oder eine Entität. Ein unpersönliches Konto, wie etwa das Gehaltskonto (salary account) oder das Effektenkonto (securities account), nannte man totes Konto.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konto, mitnehmbares (portable account):

Die Forderung, dass bei Wechsel eines Kunden von einer Bank zu einem anderen Institut die Kontonummer an den neuen Anbieter übertragen werden muss. - Die heute in Deutschland üblichen Kontonummern sind nach unterschiedlichen Systematiken (different classification and organising methods) vergeben. Die Übertragung in ein anderes numerisches System ist deshalb so gut wie unmöglich bzw. würde nur zu äusserst hohen Kosten möglich sein. Man verlangt ja auch von der Post nicht, dass bei Umzug eines Kunden in eine andere Stadt die bisherige Strasse und Hausnummer beibehalten werden muss. Bei näherem Bedacht erweisen sich diesbezügliche Ansinnen, von Verbraucherverbänden (consumers' associations) immer wieder in die Öffentlichkeit getragen, als in mehrerer Hinsicht wirklichkeitsfremd (unrealistic).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konto, nachrichtenloses (dormant account):

Ein Konto, bei dem die Verbindung der Bank zum Kunden abgebrochen ist. Dies ist besonders der Fall, wenn

1. Schreiben der Bank als unzustellbar zurückkommen,

2. bei banklagernder Korrespondenz und Depots das Institut davon Kenntnis hat, dass der Kunde verstorben ist und keine Anschrift eines Bevollmächtigten oder Erben vorliegt,

3. ein Kontakt mit dem Kunden bzw. dessen Bevollmächtigten oder Erben in der Regel seit zehn Jahren nicht mehr möglich war, obzwar sich die Bank darum bemüht hat. Die jeweiligen nationalen Vorschriften bestimmen im Einzelnen, wie ein Institut mit solchen Konten umzugehen hat.

– Der italienische Staat erliess 2008 ein Gesetz, wonach nachrichtenlose Konti dem Fiskus anheimfallen.

– Siehe Konto, schlafendes.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konto, schlafendes (latent account, dormant account):

Wenn nicht anders definiert in Deutschland allgemein ein Konto, auf das in einem Zeitraum von dreissig Monaten nicht zugegriffen wurde (an account that has not been accessed for thirty month). In vielen Ländern ist diese Frist teils banküblich, teils durch Gesetz kürzer oder länger abgegrenzt.

– Siehe Konto, nachrichtenloses.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konto für Jedermann (account for everyone):

Von den Banken in Deutschland 1995 eingegangene Verpflichtung, jeder Person grundsätzlich auf Wunsch ein Girokonto zur Verfügung zu stellen, das zumindest die Entgegennahme von Gutschriften, Bareinzahlungen und Barauszahlungen sowie die Teilnahme am Überweisungsverkehr ermöglicht.

– Siehe Demarketing, Festgebühr, Kunde, fauler, Unbanked.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 73 f. (kein Anspruch auf Zweitkonto), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 193 (Konto ist durch ständige Pfändungen blockiert), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 204 (zwingende Gründe für die Verweigerung der Einrichtung eines Kontos).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kontoführungsgebühr oft nur Kontogebühr (account maintenance fee, activity fee):

Von einer Bank in Rechnung gestellter Betrag

1. als Ausgleich für die Kosten, die das Institut durch die Verbindung zum Kunden entstehen (the fee a bank charges for administrative expenses including the costs for establishing and maintaining the variable account option) und damit gleichzeitig auch

2. um umsatzlose Konten (inoperative accounts) abzuwehren.

– Für viele vor allem kleinere Institute stellen diese Gebühren eine dauerhafte, so gut wie gleichbleibende und daher vorhersehbare (predictable) Einnahmequelle (revenue stream) dar, aus der ein Gutteil der Fixkosten (capacity costs) gedeckt werden kann.

– Siehe Aufschreibgeld, Bearbeitungsgebühr, Festgebühr, Köderangebot, Kunden, Rampe, Tagesgeldkonto.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kontohopper (account hopper):

Im Jargon der Bankenbranche Kunden, die nur für kurze Zeit ein Konto bei einer Bank einrichten - meistens nur, um bei diesem Institut augenblicklich angebotene günstige Leistungen in Anspruch nehmen zu können -, danach aber das Konto wieder auflösen und zu einer anderen Bank wechseln. Solche "mobile Kunden" verursachen hohe Kosten, die durch Quersubventionierung von allen mitbezahlt werden müssen. - Strittig ist, ob man das Konto-Hopping durch entsprechende Klauseln in den Geschäftsbedingungen eindämmen kann. Ein Institut müsste diesfalls eine Kommission berechnen, wenn das Konto vor Ablauf einer bestimmten Frist gekündigt wird.

– Siehe Chasing Winner, Least-Cost Customer, Noise Traders, Scalper, Switcher, Zinsschnäppchenjäger, Umschuldungs-Blase.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kontokorrentkredit (open credit, agreed overdraft, credit in current account):

1 Allgemein eine laufende Rechnung zwischen zwei Vertragspartnern, wobei diese

1. sich ihre gegenseitigen Forderungen stunden (grant respite for mutual claims),

2. in vertraglich vereinbarten Abständen gegeneinander aufrechnen und

3. den Saldo dann durch Zahlung begleichen.

2 Im Besonderen seitens der Bank die Überlassung von Geld an einen Geschäftskunden (bei Privatkunden spricht man eher von Dispositionskredit), ohne dass dieser jeweils einen Darlehnsantrag stellen muss. Über das Konto kann der Kunde je nach Bedarf in wechselndem Umfang bis zu der vereinbarten Höchstgrenze verfügen (bank account from which withdrawals are allowed without any restriction on frequency or amount, so long as there is a credit balance). Die Abrechnung der Zahlungseingänge und Zahlungsausgänge erfolgt in bestimmten Zeitabständen - zumeist monatlich - zusammen mit der Zinsberechnung. - Eine Überziehung des Kontos ist in der Regel günstiger als die Inanspruchnahme einer Kreditlinie auf dem Wege einer Kreditkarte.

– Siehe Buchkredite, Dispositionskredit, Epoche, Rahmenkredit, Rechnung, laufende, Überziehung, Überziehungsentgelt.

– Vgl. zur Höhe der Überziehungsentgelte den Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Finanzmärkte", Unterrubrik "Zinssätze für Kredite an private Haushalte", Spalte "Überziehungskredit" im jeweiligen Monatsbericht der EZB.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kontorniaten auch Randrinnen-Münzen (contorniats):

Sammelbegriff für Medaillen mit auffälligem, sich stark abzeichnenden Rand, der nachträglich durch eine tiefe Rille eingeschliffen wurde. Echte Stücke stammen aus Rom der späteren Kaiserzeit (4. bis 5. Jht.) Die meisten Kontorniaten sind aus Messing oder Bronze; es finden sich aber auch andere Legierungen. Ihr Zweck scheint noch immer nicht zweifelsfrei geklärt. Vermutungen erstrecken sich über eine Verwendung als Spiel- oder Ausweismarken, Siegespreise bei Spielen bis zur Annahme, dass es sich um Erinnerungsmedaillen handelt.

– Siehe Amalfiner, Dareiko, Florentiner, Infrangiblität, Kaisermünzen, Kontorniaten, Münze, Münzcommis, Münzen-Paradoxon, Numismatik, Samarkander, Sekel, Stater.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kontorwissenschaft (counting house science):

In älteren Dokumenten die Lehre von den Verrichtungen eines Kaufmanns in seinem Arbeitszimmer (Kontor; counting house, comptoir), umfassend vor allem die drei Bereiche Schriftwechsel (correspondence), Finanzverkehr (payments) einschliesslich der Geldkunde (monetary practice) und Rechnungswesen (bookkeeping, accounting). - Die Kontorwissenschaft ist die Wiege der Handelswissenschaft (diese Bezeichnung ab etwa 1860) und der heutigen Betriebswirtschaftslehre.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kontosperre (account blocking):

Seit November 2003 hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht gemäss § 6a KWG das Recht, Banken (Zahlungs-)Aufträge betreffend bestimmter bei ihr unterhaltenden Konten zu untersagen. Diese Befugnis wurde im Zuge der Terrorismus-Finanzierung eingeführt.

– Siehe Address Spoofing, Beobachtungsvermerk, Financial Action Task Force on Money Laundering, Geldwäsche, Identitätsdiebstahl, Kontenoffenlegung, Konto, falsches, Kundendaten-Informationspflicht.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 72, Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 216 (Anfragen von Strafverfolgungsbehörden) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Querschnittsaufgaben".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kontostands-Abfrage (balance inquriy):

Von Banken angebotene Möglichkeit, die letzten erfolgten Zahlungsvorgänge (the latest activities of account) und den Kontostand (account position)

1. über einen Datentransportweg (data highway) wie Telephon, Fax, Internet oder Mobile abzufragen oder

2. über eine Karte an einem Geldautomaten abzurufen, dann häufig auch mit - in der Regel gebührenpflichtiger (chargeable) - Ausgabe in Papierform durch einen Kontendrucker (auch: Kontoauszugsdrucker; bank statement [account] printer) verbunden.

– Siehe Auszug, Geschäftsstelle, vollautomatische.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kontrahentenrisiko (counterparty risk):

Gefahr des Ausfalls eines Geschäftspartners (risk to each party of a contract that the counterparty will not live up to its contractual obligations).

– Siehe Adressen-Risiko, Anbietungsgrenze, Erfüllung, Gini-Koeffizient, Herstatt-Risiko, Korrelationsrisiko, besonderes, Kreditereignis, Kreditversicherung, Solvenzrisiko, Wiedereindeckungs-Risiko, Zinssatz, risikoloser.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2006, S. 35 ff. (Grundsätzliches zu den Risiken in Kreditportfolios der Banken), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 66 (geplante Vorschriften im Zuge von Basel-III; Risikogewichte für bestimmte Positionen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2013, S. 63 (Eigenkapitalunterlegung von Kontrahenten-Ausfallrisiken nach Basel-III).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kontrakt (contract):

1 Auf dem Finanzmarkt oft für jederart rechtsgültiger vertraglicher Vereinbarung gesagt (any binding legal agreement that is enforceable in a court of law or by binding arbitration).

2 Grundbegriff an den Warenterminbörsen (commodity futures exchanges). Es handelt sich dabei näherhin um

1. eine juristisch verbindliche Vereinbarung zwischen zwei oder mehreren Parteien,

2. eine Leistung zu erbringen oder zu unterlassen. Damit verbunden ist

3. ein in allen Einzelheiten genau festgelegter Vertragsinhalt, z. B. die Lieferung einer bestimmten Menge (lot; Lot) von Ware - etwa , Getreide - einer bestimmten Güteklasse zu einem bestimmten Liefertermin, Lieferort und Preis.

4. Die Schriftform (writtenness) ist nicht unbedingt nötig und an Börsen in der Regel auch nicht üblich.

– Siehe Anlage, European Master Agreement, Kontrakt, übertragbarer, Legal Opinion, Non-deliverable Forwards, Option, Rohstoff-Terminkontrakt, Terminkontrakt, Terminspekulant, Transaktion.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kontrakt, übertragbarer (assignable contract):

An der Warenterminbörse ein Liefervertrag, der an eine dritte Partei abgetreten werden kann (a contract that permits the holder to transfer his rights to a third party; exchange-traded contracts in general are not assignable).

– Siehe Terminkontrakt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kontraposition (contraposition):

In der älteren Finanzsprache auch gesagt für

1 die Abtragung einer Wechselschuld;

2 die Berichtigung eines Fehlers in der Buchhaltung.

– Siehe Mistrade, Ristorno, Storno.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konträrspekulation (contrary speculation):

Anlageentscheidungen gegen den - durch die Erwartungen einer Mehrheit der Anleger bestimmten - Trend auf dem Finanzmarkt.

– Siehe Gegenspekulations-Theorie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kontribution (contribution):

1 In sehr weitem Sinne jederart zwangsweise erhobene Abgabe in Geld und/oder Naturalien.

2 Sondersteuer zur Aufstellung und Bewaffnung eines Heeres (Kriegssteuer, in älteren Dokumenten auch Hostilitium).

3 Die von einer Siegermacht (victorious power) der Bevölkerung auferlegten Geldleistungen, beispielsweise 10'000 Talente (1 Talent = 26,196 kg) Gold, die Karthago 201 v. Chr. an Rom als Kriegsentschädigung (reparations) zu zahlen hatte.

– Siehe Charadsch, Detz, Friedensgeld, Heergeld, Kavalleriegeld, Manubien, Marschroutengeld, Obristen-Darlehn, Quartiergeld, Rockgeld, Satisfaktionsgeld, Umlage.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kontrolle (control):

Im Sinne von Beherrschung ist diese nach § 1 KWG dann gegeben, "wenn ein Unternehmen im Verhältnis zu einem anderen Unternehmen als Mutterunternehmen gilt oder wenn zwischen einer natürlichen oder einer juristischen Person und einem Unternehmen ein gleichartiges Verhältnis besteht." § 29 WpÜG definiert in Zusammenhang mit Übernahmen: "Kontrolle ist das Halten von mindestens 30 Prozent der Stimmrechte an der Zielgesellschaft."

– Siehe Aktionärstimmenjagd, Beherrschung, Beteiligung, qualifizierte, Fusionen und Übernahmen, Übernahme-Angebot.

– Vgl. Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 221 (Interpretationsfragen in Zusammenhang mit der Übernahme der Postbank AG durch die Deutsche Bank AG).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kontrollkonto auch Ausgleichkonto (control account):

Begriff aus dem deutschen Haushaltsrecht in Zusammenhang mit dem Stabilitäts- und Wachstumspakt. Danach vollzieht sich in Deutschland die sog. Schuldenbremse (debt limit, debt ceiling) für den Bundeshaushalt über ein Kontrollkonto. Auf diesem Konto werden nach Abschluss eines jeden Haushaltsjahrs die Abweichungen von der zulässigen Kreditaufnahme festgehalten und saldiert. Bei einer Unterschreitung der Verschuldungsgrenze im jeweiligen Haushaltsjahr kommt es zu einer Gutschrift auf dem Kontrollkonto. Hingegen führt eine Überschreitung zu einer Belastung des Kontos. Überschreitet ein allfälliger negativer Saldo des Kontrollkontos einen Schwellenwert von 1,5 Promille des Bruttoinlandsprodukts, dann ist diese Überschreitung nach den Vorgaben des Grundgesetzes konjunkturgerecht zurückzuführen. Weil aber der Abbau in seinem Verlauf zeitlich gestreckt werden muss, so setzt die Abbauverpflichtung bereits bei dem niedrigeren Schwellenwert in Höhe von 1 Promille des BIP ein.

– Siehe Deficit-Debt-Adjustment, Defizitneigung, Fiscal Drag, Inverzugsetzung, Minhas-Gerais-Problem, Nettogläubiger, Staatsschuld(en), Stabilitäts- und Wachstumspakt, Überalterung, Verschuldung, Verschuldungsanreiz, Vertrauensverlust.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konventionsgeld (convention coins):

In älteren Dokumenten allgemein Münzen, die aufgrund eines Münzvertrags (Münzkonvention; monetary convention) zwischen zwei oder mehreren Münzherrschaften in Umlauf gebracht wurden, wie beispielsweise 1750 aufgrund einer Übereinkunft der deutschen Reichsstände (German principalities, estates of the old German Reich).

– Siehe Geldkunde, Gulden, Münze, historische, Münzunion, lateinische, Münzverträge.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konvergenz (convergence):

1 In der Börsensprache meint man damit, der Kassakurs und Terminpreis nähern sich einander mehr oder weniger stetig bis zum letzten Handelstag eines Terminkontrakts (the narrowing of futures prices to cash prices as the delivery date approaches. At the start, the contract price is higher because of the time value. But as the contract nears expiration, the futures price and the cash price come together).

2 In der Sprache der Europäischen Behörden die Angleichung der Wirtschaftspolitik der Teilnehmerländer; im EU-Vertrag durch annähernd genau beschriebene Merkmale festgelegt (Konvergenzkriterien; convergence criteria).

– Siehe Defizitquote, Schuldenquote, Stabilitäts- und Wachstumspakt.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2002, S. 7 f., Monatsbericht der EZB vom Mai 2009, S. 99 ff. (ausführliche Darstellung der Konvergenz im Eurogebiet; viele Übersichten), Geschäftsbericht 2012 der EZB, S. 154 (Konvergenzberichte der EZB), Monatsbericht der EZB vom Mai 2012, S. 91 ff. (wirtschaftspolitische Koordination und Konvergenz; Grundsätzliches; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konvergenz, internationale (global convergence):

In Bezug auf den Finanzmarkt die Tatsache, dass sich die Marktgegebenheiten weltweit immer mehr angleichen. Gründe dafür sind

1. die Entwicklung entsprechender Finanzinnovationen und die Fortschritte in der Informations- und Kommunikationstechnologie,

2. die in allen Staaten zu beobachtende Liberalisierung und Deregulierung der Finanzmärkte und

3. die Angleichung der Vorschriften nationaler Aufsichtsbehörden bis hin zur einheitlichen Rechnungslegung, wie etwa der IFRS.

– Siehe Allianzen, grenzüberschreitende, Bankenaufsicht, europäische, Basel-II, IAS, Weltbörse.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konvergenz, rechtliche (legal convergence):

In Zusammenhang mit dem EU-Vertrag bestimmte Vorschriften; dazu zählt insonders die Eigenständigkeit der jeweiligen nationalen Zentralbank.

– Siehe Konvergenz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konvergenzlösung (convergence system):

Bei einer Bank die enge Verzahnung von Informationstechnik, Telekommunikation und operativem Geschäft, in der Regel nach internationalen Standards, so dass weltweit nach nur einem einzigen System gearbeitet wird.

– Siehe Datei-Verwaltung, zentrale.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konversion auch Konvertierung (conversion):

1 In der Finanzsprache

1. allgemein die Veränderung der Konditionen einer Begebung bzw.

2. im Besonderen des Zinssatzes einer Anleihe nach unten oder oben.

2 Der Umtausch eines Geldbetrags von einer Währung in eine andere (act of exchanging one type of money for another).

– Siehe Devisenhandel, Devisenmarkt, Kassenfuss, Konversionsanleihe, Wechselkurs, Zwangskurs.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konversion, inverse (inverse conversion):

Bei Optionen eine besondere Vorgehensweise. Man verknüpft

1. ein Short-Future mit

2. einem synthetischen Long-Future, nämlich Long-Call und Short-Put mit demselben Ausübungspreis,

3. bezogen jeweils auf denselben Basiswert.

– Siehe Position, synthetische.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konversionsanleihe auch Konvertierungsanleihe (conversion bond):

Grundsätzlich hat der Ausgeber (issuer; Emittent) bei dieser Form der Obligation die Möglichkeit, die Anleihebedingungen (bond terms; Konditionen) zu ändern. Er bedient sich dieser Konvertierung, um zum Beispiel die Zinsen zu senken oder die Laufzeit zu verlängern bzw. diese zu verkürzen. Voraussetzung zur Konversion ist, dass die Anleihe nach den bis zu diesem Zeitpunkt geltenden vertraglichen Bedingungen kündbar ist. - Ein Anleiheschuldner, der ohne Kündigung den Zinssatz herabsetzen muss, macht zufolge einer alten Bankregel (banking rule based on experience) einen halben Bankrott.

– Siehe Anleihe, variabel verzinsliche, Euro-Bonds, Floater, Floor, Inhaberschuldverschreibung, Konversion, Konversionsprämie Kündigungsoption, Step-down-Anleihe, Umwandlung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konversionsprämie auch Konvertierungsprämie (premium on interest conversion):

Eine Vergütung, die allgemein vom Aussteller eines Wertpapiers denjenigen Inhabern des Titels zugestanden wird, die

1. nicht von der Konversion Gebrauch machen und

2. im Besonderen bei Anleihen in die Herabsetzung des Zinses einwilligen, ohne die Obligation zu kündigen und die Rückzahlung zu verlangen.

– Siehe Konversionsanleihe, Kündigungsoption.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konvertibilität (convertibility):

1 Zusage einer Zentralbank, ihr angebotene ausländische Zahlungsmittel zum Tageskurs in ihr Monopolgeld (central bank money; Basisgeld) umzutauschen. Damit bedeutet Konvertibilität einer Währung deren Freiheit von devisenzwangswirtschaftlichen Beschränkungen (foreign exchange limitations) im internationalen Zahlungsverkehr.

2 Bei der EZB auch gesagt von der Möglichkeit der Umwandlung von Finanzinstrumenten in Bargeld.

– Siehe Bardepot, Devisenzwangswirtschaft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konzentrationskurs (rising quotation due to corporate acquisition):

In der älteren Literatur gesagt vom steigenden Börsenkurs einer Firma, verursacht durch Zukäufe (buying-in activities) von einem Unternehmen, das diese Firma beherrschen bzw. übernehmen möchte.

– Siehe Fusionen und Übernahmen, Greenmail, Raider, Schmiergeld, Shark Watcher.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konzentrationsquote (concentration ratio):

Masstab für den Marktanteil (market share) der grössten Banken eines Landes. Bezugsgrössen sind dabei vor allem

1. die Bilanzsumme (balance sheet total),

2. die gewährten Kredite (total of lending)

3. die Höhe der Einlagen (total of deposits), manchmal auch

4. die Anzahl der geführten Konten (number of accounts kept [managed]) sowie

5. der Grad der Filialisierung (number of local branches).

– Jede der genannten Kennzahlen und auch weitere Kriterien (further criteria) werfen im Einzelnen viele Fragen auf. Daher ist allemal eine vergleichende Heranziehung mehrerer Merkmale zur Berechnung der Konzentrationsquote angeraten.

– Siehe Bankbetriebsgrösse, optimale, Bankenaufsicht, europäische, Drei-Säulen-Modell, Gigabank.

– Vgl. Formeln und Berechnung für Deutschland im Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2001, S. 61.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konzentrationsrisiko (concentration risk):

Gefahren einer Bank aus ungleichmässiger Verteilung von Kreditforderungen gegenüber

1. einzelnen Kreditnehmern (Adressen-Konzentration: a major portion of the loans are extended to a just few borrowers); hierzu zählen auch Darlehn an durch enge Geschäftsbeziehungen miteinander verbundenen Unternehmen,

2. einzelnen Wirtschaftsbereichen (sector concentration: Branchen-Konzentration),

3. einzelnen geographischen Gebieten (regional concentration; Regional-Konzentration) sowie

4. gegenüber einzelnen Fremdgeldräumen (foreign exchange concentration; Währungs-Konzentration).

– Für Spezialbanken - wie etwa für Bausparkassen oder Schiffshypothekenbanken - und regional tätige Institute kann es aber durchaus sinnvoll sein, Kreditkonzentration planvoll einzugehen, um Informationsvorteile nutzen zu können, wie hier vor allem aufgrund der besonderen Marktkenntnis oder der Ortsnähe. Im Zuge des Risikomanagements müssen jedoch in jedem Fall besondere Risikomasstäbe angewendet und vor allem aufsichtlich vorgegebene Konzentrationslimite beachtet werden. - Mindern lässt sich das Konzentrationsrisiko unter anderem durch entsprechende Verfahren der Verbriefung.

– Siehe Amaranth-Verlust, Branchenkonzentration, Darlehn-gegen-Papiere-Geschäft, Gini-Koeffizient, Gruppe verbundener Kunden, Herfindahl-Hirschman-Index, Granularität, Klumprisiko, Korrelationsrisiko, allgemeines, Kreditderivat, Kreditdiversifizierung, Leverage-Ratio, True-Sale-Verbriefung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2006, S. 35 ff. (ausführliche, lehrbuchmässige Darstellung; Übersichten, mathematische Formeln zur Berechnung), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 41 (aufsichtsrechtliche Leitlinien).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konzern ([affiliated, corporate] group, group of [consolidated] companies, group combine, companies under common control):

1 § 18 AktG definiert: "Sind ein herrschendes und ein oder mehrere abhängige Unternehmen unter der einheitlichen Leitung des herrschenden Unternehmens zusammengefasst, so bilden sie einen Konzern; die einzelnen Unternehmen sind Konzernunternehmen". Die wesentliche Eigenschaft des Konzerns ist somit die Zusammenfassung rechtlich selbständiger Unternehmen unter eine einheitliche Führung.

2 In der sozialistischen Anklageliteratur gegen die durch freie Entscheidung der einzelnen Bürger geprägten Wirtschaftsform (market economy; Marktwirtschaft) und bei Wirrlingen aller Art ein allgemein gehaltenes, inhaltlich und umfänglich kaum eingrenzbares Schimpfwort gegen Anbieter von Waren und Dienstleistungen.

– Siehe Bankokratie, Cash Pooling, Finanzkonglomerat, Gewinnverlagerung, Hochfinanz, Holding, Konglomerat, Kontrolle, Konzernbank, Octopus, Präzipuum, Obergesellschaft, Quersubventionierung, Self Tender, Spin-off, Verbindungen, enge, Unternehmensgruppe, horizontale, Versicherungs-Holdinggesellschaft, Verschwörungstheorien.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2012, S. 23 (Finanzierungstätigkeiten der Konzerne).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konzernabschlag (conglomerate discount):

An der Börse zu beobachtende Erscheinung, dass Anleger für verschachtelte Unternehmen weniger zu zahlen bereit sind, als sich aus dem Fair Value der einzelnen Teile des Konzerns rechnerisch ergibt (the fact that a conglomerate is worth less than the sum of its parts). - Die Begründung wird darin gesehen, dass

1. Konzerne in der Regel unwirtschaftlich arbeiten: das Verhältnis von Kosten zu Leistung ist zumeist ungünstiger als bei einem ungebundenen Unternehmen; sie sind mit anderen Worten nicht "der beste Wirt" (there is a poor, a sub-optimal allocation of resources) und

2. vor allem die Konzernleitungen von den Investoren weithin als wasserköpfige Gebilde (bloated machinery) eingeschätzt werden, die in die Konzernbetriebe (group companies) zu deren Schaden hineinregieren.

– Siehe Bankfusionen, Dezentralisations-Prinzip, Gigabank, Konzernumlage, Octopus, Quersubventionierung, Subsidiaritätsprinzip.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konzernabschlussüberleitungsverordnung, KonÜV (group financial statements transition ordinance):

Mit Jahresbeginn 2007 in Kraft getretene Regelung, der zufolge Instituts-Gruppen und Finanzholdings unter anderem

1. ein aufsichtliches Zusammenfassungsverfahren in Anspruch nehmen sowie

2. Angaben aus dem handelsrechtlichen Konzernabschluss in die Ermittlung der zusammengefassten Gruppen-Eigenmittel nach § 10a KWG überführen können.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 113 (wesentlicher Inhalt der Verordnung), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2014, S. 53 ff. (zur Konzernabschluss-Statistik; Übersichten; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konzernbank (trust bank, captive):

Ein Konzernunternehmen (intra-corporate operating unit), das Finanzdienstleistungen ausschliesslich im Konzernverbund (corporate group) innert der Mutter-, Tochter- und Schwesterunternehmen erbringt. - Solche Firmen gelten bis anhin im deutschen Aufsichtsrecht grundsätzlich nicht als Kreditinstitut und auch nicht als Finanzdienstleistungsinstitut; siehe § 2, Abs. 1 KWG, № 7: kein Kreditinstitut)und Abs. 6, № 5: kein Finanzdienstleistungsinstitut.

– Siehe Autobank, Binnenfinanzierung, Bonitätsverschlechterung, konzernbedingte, Firmenbank, Kredit, gruppeninterner, Unternehmensgruppe, horizontale.

– Vgl. Jahresbericht 2010 der Bafin, S. 148 (die Siemens Bank GmbH erhält die Erlaubnis zum Betreiben von Bankgeschäften), S. 152 f. (Probleme mit der zum insolventen Karstadt-Konzern gehörigen Valovis Bank), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2012, S. 19 (Konzerne finanzieren ihre ausländischen Niederlassungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konzernumlage (group allocation, concern apportionment, group charges):

Nach bestimmtem Schlüssel berechnete Zahlungen eines konzernabhängigen Unternehmens an die Konzernzentrale (corporate head office, central management) als Entgelt für

1. die Mitgliedschaft im Konzern sowie für

2. die Dienstleistungen - wie Rechtsberatung, Patentverwaltung, Finanzierungshilfen, Bereitstellung von IT-Systemen, Planung und Vorbereitung des Eintritts in Auslandsmärkte - der Konzernleitung an die jeweiligen Konzernfirmen.

– Siehe Annaten, Konzernabschlag, Konzernbank, Octopus, Palliengelder.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konzernumsätze (group turnover, group sales):

Lieferungen von Waren, Austausch von Dienstleistungen (supply of services) und Finanztransaktionen innert einer Gruppe verbundener Unternehmen. - Weltweit machten diese Umsätze im Jahr 2010 nach Schätzungen knapp ein Drittel des durch die Aussenhandels-Statistik gemessenen Welthandels aus. - Grosse multinationale Unternehmen begreifen sich nicht mehr als nationale Entitäten. Ihr Handeln ist global ausgerichtet. Sie können ihren juristischen Sitz in der Rechtsform der Europa-AG (Societas Europea) sogar in mehreren Staaten gleichzeitig haben. Auch die Wertschöpfungskette (value [added] chain) ist über mehrere Länder und oft sogar über Kontinente verteilt. Das macht es für die Statistik - und hier besonders für die Aussenhandels-Statistik - äusserst schwer, die bezüglichen Geschäfte sachgemäss zu erfassen. Bei allen Statistiken sollte man daher genau die in der Regel im Anhang beigegebenen Erklärungen und Einschränkungen genau beachten.

– Siehe Ausfuhrabgabe, Konzern.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2014, S. 65 f. (neue Erfassung der Finanzierungsströme zwischen Schwestergesellschaften eines Konzerns).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konzert und in älteren Dokumenten auch Konzertation und Konzertierung (concert, concertation, accordance):

In der Finanzsprache die Übereinkunft mehrerer, am Markt handelnder Partner in Bezug auf ein geplantes Ziel (agreement in a simultaneous action).

– Siehe Akkord, Konzertzeichner.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konzertzeichner (stag):

1 Marktteilnehmer, der ein Wertpapier - sogar auch in grossen Mengen: in Paketen - lediglich in der Erwartung zeichnet, dass nach der Begebung Kursgewinne zu erwarten sind. Der Erwerb des Wertpapiers als feste, dauernde Kapitalanlage ist dabei von vornherein nicht beabsichtigt (a market participant who trades in and out of shares, holding them for only short time in order to make rapid profits).

2 Jemand, der gemäss Konzert mit anderen Marktteilnehmern eine bestimmte Anzahl eines Wertpapiers im Zuge einer Begebung kauft.

– Siehe Agiotage, Spekulation, Verkaufsbeschränkungen, Zweitplazierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konzessionsgeld (licence fee):

1 Eine früher zu entrichtende Abgabe für die behördliche Erlaubnis,

1. ein konzessionspflichtiges Gewerbe (licensed business, etwa: Apotheke) ausüben zu können oder

2. auf einem abgesteckten Gebiet Bodenschätze abzubauen zu dürfen, dann auch Berggeld genannt; dieses ist nicht zu verwechseln mit dem Bergzehnten, der vom Ertrag - der Ausbeute [yield] - der Mine, zu entrichten war. Das Konzessionsgeld ist ein Vorläufer der heutigen Gewerbesteuer (trade tax, business tax).

2 Vorwiegend in der Schweiz gesagt für die Zwangsabgabe von Privathaushalten und Unternehmen an die öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten; Rundfunkgebühr (radio and TV licence fee).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Konzessionsprinzip (license rule):

In Bezug auf Finanzmärkte die behördliche Erlaubnis für Banken. In Deutschland erteilt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht bzw. die europäische Bankenaufsicht die bezügliche Konzession. Mehrere Klagen gegen diese Einschränkung des die Berufsfreiheit begründenden Art. 12 GG wurden vom Bundesverfassungsgericht (Federal Constitutional Court) mit der Erklärung abgewiesen, dass die Sicherstellung einer verlässlichen Ordnung des Geldwesens eine Grundbedingung für das Gemeinwohl sei.

– Siehe Bankenführerschein, Bönhase, Free Banking, Geldwertstabilität, Finanzmarktstabilität.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Koordination, europäische wirtschaftspolitische, abgekürzt EU2020 (European economic coordination):

Wenn nicht anders definiert die gemeinsamen Massnahmen und die für alle gleichgeltend angestrebten Ziele, wie dies gelegentlich der Tagung der europäischen Staats- und Regierungschefs im Juni 2010 beschlossen wurde. Es handelt sich dabei um eine Fortführung der Lissabon Agenda.

– Vgl. Geschäftsbericht der Deutschen Bundesbank 2010, S. 35 ff. (ausführliche Darstellung; Beurteilung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kopfbetrag (per capita quota):

Im Zuge der Währungsreform in Westdeutschland am 21. Juni 1948 an jeden Bürger ausgegebene Summe neuen Geldes in Höhe von 60 Deutsche Mark, wofür 60 Reichsmark in Zahlung zu geben waren; auch Kopfgeld genannt.

– Siehe Währungsreform.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kopfgeld (poll tax, head tax; bounty on head; third punter pay; per capita quota):

1 Ein seit dem Altertum bekannter Vorläufer der Einkommensteuer (income tax), bei der jede Person in der Regel mit dem gleichen Betrag zu einer Abgabe herangezogen wurde (a tax of a uniform, fixed amount per individual), ohne Rücksicht auf ihre Leistungsfähigkeit oder auf ihre Einkommens- und Vermögensverhältnisse; auch Kopfsteuer, Personalsteuer, in alten Dokumenten verschiedentlich auch Bauergeld und Capitation (capitation) genannt.

2 Von Unternehmen zu leistende Abgabe, berechnet nach der Anzahl der beschäftigten Arbeitnehmer (Lohnkopfsteuer; employed persons tax).

3 Prämie für denjenigen, der eine von den Behörden bzw. von anderen - wie etwa einem Racheengel - gesuchte Person aufspürt (payment for acts such as catching criminals or detecting fraudulent individuals acting in the financial market). Dadurch, dass sich geschädigte Personen - möglicherweise gar noch weltweit - über Foren verbünden und einen entsprechenden Fonds speisen, wird für das Aufspüren eines abgetauchten Finanzgeiers häufig ein erstaunlich hohes Kopfgeld geboten.

4 Einnahme einer Dirne vom dritten Kunden des Tages.

5 Kopfbetrag bei der Währungsreform 1948 in Deutschland.

– Siehe Familien-Abgabe, Fixum, Fussgeld, Handgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kopf-in-den-Sand-Verhalten (sunk cost-fallacy):

In Bezug auf den Finanzmarkt ein Gebaren, bei dem an einem Engagement deshalb weiterhin festgehalten wird, weil schon zu viel Mittel dorthin geflossen sind, also versunkene, verlorene Kosten (sunk cost) entstanden sind. Die bereits getätigten Investitionen beeinflussen damit künftige Entscheidungen, und nicht selten wird dann gutes Geld dem schlechten Geld hinterhergeworfen. - Beim Treffen der Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaft in Lindau am Bodensee im Jahr 2014 wurde dieses Verhalten in Bezug auf die EWU festgestellt. Ein Ausstieg aus der EWU sei kostspielig, ein Dabeibleiben aber auch: diese Kernaussage (core statement) wurde mit einsichtigen Beweisgründen untermauert.

– Siehe Abgesang, Geldgrab, Geldverbrennung, Geldverprass, Millionengrab, Verlustfalle, Write-off.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kopfzins (per capita duty; usufruct rent):

1 Personenbezogene Abgabe, die dazu Verpflichtete (Zinspflichtige; subjected to pay) an die Obrigkeit in Bargeld zu leisten hatten.

2 Alte Abgabe in Bargeld oder Naturalien des Pächters an den Besitzer für die Nutzung des Bodens. In älteren Dokumenten wird der Besitzer oft auch Possessor (possessor) bzw. Lehnsherr (feudal lord) genannt.

– Siehe Detz, Frongeld, Kopfgeld, Übersatz, Zins.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Korbpfennige auch Marketings und Schwänzelpfennige (secreted pennies):

In alten Dokumenten das Geld, welches sich Hausangestellte (domestics) beim Einkauf zum Nachteil der Herrschaft in die eigene Tasche stecken, vor allem bei günstigem Bezug (minderwertiger Ware; low grade products) unter der Viktualien-Taxe auf dem Markt.

– Siehe Depekulation, Veruntreuung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Korrelationsrisiko, allgemeines (general wrong-way risk):

Risiko, das bei einer hohen Wechselbeziehung zwischen

1. der Ausfallwahrscheinlichkeit von Gegenparteien und

2. dem allgemeinen Marktrisiko gegeben ist.

– Siehe Gruppe verbundener Kunden, Kontrahentenrisiko, Konzentrationsrisiko, Risiko, systematisches, Risikomodelle, Stress-Test.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Korrelationsrisiko, besonderes (specific wrong-way risk):

Risiko, das bei einer hohen Wechselbeziehung zwischen

1. der Ausfallwahrscheinlichkeit (expected default frequency) einer Gegenpartei und

2. dem Wiederbeschaffungswert (replacement cost) der mit diesem Partner bestehenden Geschäfte gegeben ist.

– Siehe Adressenausfall-Risiko, Knotenpunkt, Kontrahentenrisiko, Konzentrationsrisiko, Verfügbarkeitsprämie, Wiedereindeckungs-Risiko.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Korrespondenzbank-Beziehung (correspondent banking):

Vereinbarung, in deren Rahmen eine Bank (Korrespondent; correspondent) Zahlungsverkehrs- und andere Dienstleistungen für eine andere Bank (Respondent; respondent) erbringt, in der Regel grenzüberschreitend (an arrangement whereby one bank, the settlement bank, service-providing bank or correspondent, makes or receives payments - potentially performing other banking services in addition - on behalf of another bank, the customer bank, user bank or respondent). - Zahlungen durch Korrespondenzbanken werden oft über gegenseitige Konten, sogenannte Nostro- und Loro-Konten, ausgeführt. Diese können mit Kreditlinien verbunden sein. - Ein Nostrokonto (nostro = unser) ist ein Konto der inländischen, im Eurogebiet ansässigen Bank, das sie in fremder Währung - praktisch in USD, CHF oder JPY - bei einer ausländischen Bank unterhält. Ein Lorokonto (loro = ihr, sie) ist ein Konto, welches die inländische Bank für die ausländische Korrespondenzbank in inländischer Währung - praktisch in EUR - führt.

– Siehe Allianzen, grenzüberschreitende, Aktien-Zertifikat, Bewachungsgeld, Lorokonto, Transaktionsbank.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Korrespondenz-Zentralbankmodell (correspondent central banking model, CCBM):

Von der EZB eingerichtetes automatisiertes Verfahren mit dem Ziel, es den Geschäftspartnern zu ermöglichen, refinanzierungsfähige Sicherheiten auf grenzüberschreitender Basis zu nutzen (an automated process established by the European System of Central Banks with the purpose of enabling counterparties to use eligible collateral in a cross-border context. In the CCBM, national central banks act as custodians for one another. In practice this means that each national central bank has a securities account in its securities administration for each of the other national central banks and the ECB). - Beim Korrespondenz-Zentralbankmodell handeln die nationalen Zentralbanken als Verwahrer füreinander. Das bedeutet, dass die nationalen Zentralbanken gegenseitig Depots füreinander - und für die EZB - führen. - Die EZB kann bei der grenzüberschreitenden Nutzung von nicht-marktfähigen Sicherheiten auf besondere Ausgestaltungen dieses Modells (special versions of the system) zurückgreifen.

– Siehe Abwicklung, vollautomatisierte.

– Vgl. Jahresbericht 2001 der EZB, S. 140 f., Jahresbericht 2003 der EZB, S. 97 (übersichtliche Darstellung der einzelnen Schritte des Systems), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2007, S. 93 ff. (Vergleich der Regelungen für Sicherheiten bei der EZB mit USA und Japan; viele Übersichten), Jahresbericht 2007 der EZB, S 121 ff. (Verbesserung des Systems; Vernetzungen; Umfang der Transaktionen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kosten in älteren Dokumenten auch Expensen und Impensen (cost[s]):

1 Umgangssprachlich gleichbedeutend mit Auslagen, also Geld, das für bestimmte Zwecke verausgabt wird (money that has been used for a special purpose).

2 In der Wirtschaftslehre der in Geld bewertete und in Geld ausgedrückte Verzehr an Produktionsfaktoren - Arbeit, Betriebsmittel, Werkstoffe - sowie in Geld bewertete Dienstleistungen Dritter und öffentliche Abgaben, die bei der betrieblichen Leistungserstellung (der Wertschöpfung; value added) verbraucht werden (the amount spent for merchandises and services, including money and time and labour, to produce something). - Davon zu unterscheiden sind die Begriffe Aufwand und Ausgaben. Kosten nach betriebswirtschaftlicher Definition einerseits und Aufwand nach dem Steuer- und Handelsrecht andererseits können in einer Periode erheblich voneinander abweichen; beispielsweise weil nach dem Handelsrecht Wirtschaftsgüter schneller abgeschrieben werden können, als es der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer (useful life) entspricht, welche für die Kostenrechnung (cost accounting) massgeblich ist. - Die Ausgaben unterscheiden sich von den Kosten meist noch stärker, und zwar insbesondere durch die kalkulatorischen Abschreibungen (imputed depreciation) und Zinsen. Entsprechendes gilt für die Begriffe Erlös, Ertrag und Einnahmen.

– Siehe Accrual-Prinzip, Auslagen, Basisgewinn, Cashflow, Ertrag, General Accepted Accounting Principles, Ertrag, Gewinn, Handelskosten, Herstellungskosten, Unkosten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kosten, vermiedene (avoided cost):

In Zusammenhang mit einer Projektfinanzierung alle Ausgaben, die dann anfallen, wenn das Vorhaben nicht nach Plan voranschreitet (in context of project financing, all expenses that would have to be spent if the project did not proceed).

– Siehe Developer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kosteneffizienz (cost efficiency):

1 Im Finanzbereich allgemein die Kosten eines Instituts bezogen auf den Output gesamthaft, also jederart Dienstleistungen.

2 In anderem Sinne bei einer Bank auch die Kosten bezogen auf je 1'000 EUR gewährter Darlehn.

3 Bei einem Fonds das über einer gewählten Benchmark liegende Ergebnis, geteilt durch die Ausgaben für das Fondsmanagement (the ratio of the excess return over a fund's benchmark, divided by management expenses; it calculates the value added, namely the excess over index returns, contributed by each percentage point of management expenses).

– Siehe Cashflow, CROCI, Gewinn, operativer, Leverage Multiples, Mittelzufluss aus Geschäftstätigkeit, Reingewinn.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kostentransparenz (cost transparency):

In Bezug auf den Finanzmarkt die Forderung, dass Banken und Versicherungen den Kunden gegenüber ihre Kosten und hier insbesondere die Verwaltungskosten (administration costs: expenses incurred in directing and controlling an institute; the salaries of senior executives and expenditures for general services as data processing centre fall under this heading) offenlegen. Dadurch können Kunden verschiedene Angebote besser vergleichen.

– Siehe Bearbeitungsgebühr, Kostenvorausbelastung, Zillmerung.

– Vgl. Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 159 (Aufsichtsbehörde mahnt transparentere Kostenangaben bei Versicherungen an).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kostenübernahme-Vereinbarung (cost company arrangement):

Vertrag, zwischen dem Hersteller eines Gutes und den Kapitalgebern. Danach erhalten die Finanziers das Gut unentgeltlich, also ohne Zahlung, wenn sie sämtliche damit zusammenhängenden Kosten tragen (an agreement between the producer of a product or project and its financiers whereby the financiers are entitled to receive the product for free, provided they agree to pay all the costs associated with producing it). - Solche Verträge waren früher vor allem bei staatlichen Aufträgen im Zuge der Entwicklung neuer Waffentechnik (weapons technology) üblich. In jüngster Zeit schlossen auch Institute entsprechende Verträge mit Software-Entwicklern ab.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kostenvorausbelastung (advance charging of costs):

Vor allem bei Sparplanverträgen (saving-plan contracts) eingebaute übliche Bestimmung, nach welcher die ersten monatlichen Sparraten (promotion rates) zu einem Gutteil - bis zu neunzig Prozent - zur Deckung der Kosten für den Vertragsabschluss verwendet werden. Auch einige Kapitalverwaltungsgesellschaften buchten trotz des Verbots in § 125 InvG solche hohe Abzüge. - Den Aufsichtsbehörden sind angesichts der verflochtenen Rechtsbeziehungen in diesem Bereich oftmals die Hände gebunden, um eine Zillmerung der Kosten durchzusetzen.

– Siehe Kostentransparenz, Vorfälligkeits-Entschädigung, Zillmerung.

– Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 168 f. (wichtiges Urteil zur Kostenvorausbelastung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kostgeld (boarding wages):

1 Zahlung für die Verköstigung und Versorgung einer Person (boarder: a tenant in someone's house) in einem Privathaushalt oder in einer Gemeinschaft, wie einem Schülerheim (Internat; boarding school).

2 Die Abgabe, die bereits im Berufsleben stehende Kinder mit eigenem Einkommen entrichten, die noch im Elternhaus wohnen.

3 Vorübergehende oder dauerhafte Gehaltszulage (additional pay) an Beschäftigte seitens des Unternehmens für deren Unterbringung und Verköstigung.

– Siehe Fringe Benefits, Pflegegeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kostgeschäft (repurchase transaction):

Wenn nicht anders definiert, in der älteren Literatur die Hereinnahme von festverzinslichen Wertpapieren zu festem Preis am Börsenultimo - am letzten Tag eines Monats, an dem Börsenhandel betrieben wird - gegen Rückgabe zu demselben Preis samt einem Zinssaufschlag am nächsten Börsenultimo. Die Papiere werden in Kost, in Pension genommen und bringen dem Kostgeber (caregiver) Zinsen.

– Siehe Pensionsgeschäft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kotierung auch Quotation (official admission, quotation):

Die Aufnahme eines Wertpapiers zum Handel an der Börse seitens der Zulassungsstelle (exchange admission board). Danach erscheint der Titel auch im laufenden Kursverzeichnis.

– Siehe Begebung, Zweitplazierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Krankengeld (sick pay, daily sickness benefit, sickness benefit):

Eine jeweils vertraglich geregelte Verdienst-Ersatzleistung (compensation for loss of earnings) von Krankenkassen und Versicherungen an Personen, die aufgrund von Arbeitsunfähigkeit (incapacity to work, disability) vorübergehend kein Einkommen beziehen. Das Krankengeld ist in Deutschland derzeit - einschliesslich Lohn- oder Gehaltsfortzahlung - auf 78 Wochen innert dreier Jahren beschränkt.

– Siehe Gesundheitsausgaben, Krangeld, Krankenversicherung, gesetzliche, Steuerfinanzierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kraftfahrzeugversicherer (car insurance):

Diese für den Finanzmarkt aufgrund der Beitragseinnahmen (regular payment of dues) und der Vermögensanlage wichtigen Unternehmen unterliegen in Deutschland der Aufsicht durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Die Behörde prüft in Stress-Tests auch deren Solvabilität. - Statistisch wird die Kraftfahrzeug-Unfallversicherung ab 2005 in Deutschland den Unfallversicherern beigezählt.

– Vgl. Statistik 2012 der BaFin (Erstversicherungsunternehmen und Pensionsfonds), hier wichtige Informationen und Übersichten, auch zur Haftpflichtversicherung für Fahrzeuge sowie des statistischen Berichtes der BaFin für das jeweilige Jahr.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Krangeld (crane charge):

1 Frühere - und mancherorts auch noch bis heute fortbestehende - Gebühr für die Nutzung einer öffentlichen Hebemaschine (hoist machine), um Waren in erster Linie vom Landverkehr auf ein Schiff oder umgekehrt zu laden.

2 Früher auch in manchen Städten bei sämtlichen Handeltreibenden eingezogene Abgabe, um einen Kran (als "gemeinheitliche Anstalt"; public good) anzuschaffen.

3 Heute teilweise in Wassersportvereinen (aquatic sports clubs; Bootclubs) von den Mitgliedern verlangte Umlage für die Beschaffung und Wartung eines Lastenhebers (lifting device).

4 Zahlung für die Inanspruchnahme eines Mobilkrans (Autokrans, Fahrzeugkrans; mobile crane), vor allem bei jederart Bauten, einschliesslich von Funktürmen (radio transmission towers) und Windkraftanlagen (wind power plants).

5 Im Jargon auch - abkürzend? oder weil die Zahlung aus finanziellem Tiefstand aufrichtet? - gesagt vom Krankengeld.

– Siehe Abfertigungsgeld, Ankergeld, Auseisunggeld, Bordinggeld, Einkaufgeld, Fremdhafengeld, Hafengeld, Furtgeld, Kaigeld, Kapgeld, Lastgeld, Liegegeld, Leuchtturmgeld, Lotsengeld, Mützengeld, Pfundgeld, Pratikageld, Schleusengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Krankenversicherer (health insurance firms):

Die für den Finanzmarkt aufgrund der Beitragseinnahmen und der Vermögensanlage wichtigen Krankenversicherer unterliegen in Deutschland der Aufsicht durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Die Behörde prüft in Stress-Tests auch deren Solvabilität.

– Siehe Risiko- und Solvabilitätsbeurteilung, unternehmenseigene.

– Vgl. Jahresbericht der BaFin 2004, S. 159 ff. (verschiedene aufsichtsrechtliche Fragen) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Statistik 2012 der BaFin (Erstversicherungsunternehmen und Pensionsfonds), S. 45 ff (sehr ausführliche Informationen und Nachweise), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 149 (Krankenversicherer im Niedrigzinsumfeld), S. 151 (AUZ-Verfahren deckt bei privaten Krankenversichern Gefahren auf) sowie des statistischen Berichtes der BaFin für die jeweiligen Jahre.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Krankenversicherung, gesetzliche (compulsory health insurance [funds]):

Seit 1883 in Deutschland eingeführte Versicherung. - Ihre wesentlichen Gestaltungsmerkmale sind

1. gleichgeordnete Finanzierung durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer,

2. Selbstverwaltung (self-administration) und

3. Nebeneinanderbestehen verschiedener einzelner Kassen.

– Inzwischen ist die gesetzliche Krankenversicherung zu einem bedeutenden Parafiskus herangewachsen; über dessen Haushaltsentwicklung wird laufend berichtet im Statistischen Teil des jeweiligen Monatsberichts der Deutschen Bundesbank, Rubrik "Öffentliche Finanzen in Deutschland".

– Siehe Demographieverfestigung, Gesundheitsausgaben, Krankengeld, Pflegeversicherung, Steuerfinanzierung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2008, S. 10 ff. (Eckwerte der gesetzlichen Krankenversicherung einschliesslich der Pflegeversicherung; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2009, S. 9 ff. (Steigerung der Ausgaben; Bundeszuweisungen; Übersicht). Im jeweiligen Jahresbericht "Statistik Erstversicherungsunternehmen und Pensionsfonds" der BaFin auch Übersicht über Beiträge, Vermögensanlagen und die Ertragslage der Krankenversicherungs-Unternehmen in Deutschland sowie weitere Kennzahlen mit Erläuterungen; Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2014, S. 31 ff. (ausführliche Darstellung der Krankenversicherung im Finanzkreislauf; viele Übersichten: wichtige Zusammenhänge empirisch abgebildet).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kranzgeld (illegitimate child duty; defloration punitive damages):

1 Frühere Abgabe, die Eltern nichtehelicher Kinder (children born out of wedlock, children born to an unmarried mother) zu leisten hatten.

2 Strafgeld (punitive damages), das ein Mann zahlen musste, der eine Jungfrau entehrt (deflorated: deprived of virginity) hatte, auch Deflorationsgeld genannt. - In Deutschland galt bis 1998 (Gesetz zur Neuordnung des Eheschliessungsrechtes) ein entsprechender Rechtsanspruch nach § 1300 BGB der entjungferten Braut gegenüber dem Bräutigam, welcher das Verlöbnis löste.

– Siehe Ehrschatz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreationstheorie (theory of creation of credits):

Vor allem in der älteren Literatur mit breiter Diskussion verbundene Annahme, dass der Aussteller einer Schuldurkunde (Wertpapiers) mit der Niederschrift und der Unterschrift - etwa bei einem Wechsel - den Verpflichtungswillen bereits festgelegt habe. Dem wurde entgegengehalten, dass erst noch ein Nehmen (acquisition, purchase; Kaufen) des Papiers hinzutreten müsse.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kredit (credit, loan):

1 Im sehr weiten Sinne der volkswirtschaftlichen Geldnachfrage-Theorie alle handelbaren Schuldtitel und dann meistens dem Geld gegenübergestellt; (money and credit; Geld und Kredit).

2 Gesamtwirtschaftlich betrachtet die Summe aller Verbindlichkeiten gegenüber dem Bankensystem (provison of funds; Mittelbereitstellung).

3 Jeder von einer Bank oder einem Unternehmen (etwa: Arbeitgeber-Darlehn; loan from the company, employers' loan) einem Schuldner vertraglich gewährte, rückzahlbare Geldbetrag (Borg, Gelddarlehn; money loaned).

4 Die auf Darlehnsgewährung gerichtete Erwartung eines Wirtschafters: sein Ansehen, seine Bonität, seine Kreditwürdigkeit (creditworthiness: the ability of an economic unit to borrow money).

5 Die monetären Verbindlichkeiten einer Wirtschaftseinheit, die aufgenommenen Darlehn, die Schulden (liabilities).

6 In der Statistik und bei den Aufsichtsbehörden in Bezug auf die Bankbilanzen genau erläuterte einzelne Posten; vgl. für Deutschland § 19 KWG und § 21 KWG, dort ausführliche Aufzählung. - Hier gilt es freilich zu beachten, dass es über den Weg einer True-Sale-Verbriefung für ein Institut möglich ist, Kredite aus der Bilanz auszubuchen, so dass diese nicht mehr von der amtlichen Statistik erfasst werden (in the case of true-sale securitisation, financial market developments make it possible for credit to be taken off the balance sheet and thus disappear from official statistics based on bank balance sheets).

– Siehe Bereitstellungsgebühr, Borg, Darlehn, Gelddarlehn, Investition, Investitionskredit, Laufzeitgeld, Leasinggeschäft, Nichtabnahme-Entschädigung, Paketdarlehn, Pfandgeld, Projektierungskredit, Rating, Standarddarlehn, Term Loan, Überbrückungskredit, Vorlage, Zins, Zinsallkokations-Funktion.

– Vgl. die einzelnen Posten im Sinne der Definition 3 im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Monetäre Entwicklungen, Banken und Investmentfonds", Unterrubrik "Kredite der MFIs, Aufschlüsselung" des jeweiligen Monatsberichts der EZB, Monatsbericht der EZB vom April 2005, S. 74 (Probleme der statistischen Vergleichbarkeit), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2009, S. 58 ff. (Kredite im Eurogebiet seit 2004, aufgeschlüsselt nach verschiedenen Merkmalen), Monatsbericht der EZB vom November 2010, S. 83 (Anmerkung 28: Schwierigkeit, Kredite statistisch genau zu messen), Monatsbericht der EZB vom Mai 2013, S. 44 ff. (ausführliche Statistiken über Kredite an KMUs), Monatsbericht der EZB vom Juli 2013, S. 44 ff. (Finanzierungsbedingungen von KMUs; viele Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2014, S. 41 ff. (Finanzierungsbedingungen von KMUs im Eurogebiet; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kredit, ausfallgefährdeter (problem loan, troubled credit):

Darlehn an einen Kunden, das von diesem nach Lage der Dinge aller Voraussicht nach nicht (mehr) vertragsgemäss bedient werden kann. In der Regel verlängert die Bank solche Kredite unter abgeschwächten Bedingungen. Entsprechende Verträge sind ab 2014 meldepflichtig.

– Siehe Stundung.

– Vgl. Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 72.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kredit, besicherter (covered loan):

1 In der Sprache der EZB die befristete Überlassung von Liquidität gegen besondere Sicherstellung, in erster Linie durch Wertpapiere; manchmal auch gedeckter Kredit (credit secured by securities) genannt.

2 Bei einer Bank die Gewährung eins Darlehns gegen entsprechende Sicherheiten.

– Siehe Pfand, Pfandgeld, Sicherheiten, Standarddarlehn, Unterlegung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kredit, durchlaufender auch Weiterleitungskredit (transmitted loan):

Summe, die ein Institut einem Kunden auszahlt, wobei aber der Darlehnsbetrag nicht die Bank selbst zur Verfügung stellt, sondern ein Dritter, in der Regel eine staatliche Stelle.

– Siehe Durchleitkredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kredit, gruppeninterner (intra-group loan):

Bei Banken die Ausleihungen zwischen einem Mutter- und Tochterinstitut. Im Zuge von Basel-II wurden diese Geldbewegungen viel erörtert, weil solche Kredite mit einem Risikogewicht von null Prozent angesetzt werden sollten. Derartige Darlehn sind aber nicht völlig risikolos; und dies auch dann nicht, wenn die Beteiligungsquote deutlich unter hundert Prozent liegt.

– Siehe Interbankkredit, Konzernbank.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kredit, immergrüner (evergreen credit):

Ein revolvierender Kredit ohne zeitliche Beschränkung (a revolving credit without maturity).

– Siehe Benutzungsgebühr.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kredit, kleinvolumiger auch: kleinteiliger (small-sized loan):

Ausleihungen einer Bank vor allem an kleinere und mittlere Unternehmen; manchmal finden sich auch Kredite an Privathaushalte und Hausbaudarlehn beigezählt. - Solche mittelständische Darlehn (loans to small and medium-sized enterprises) sind aus der Sicht der Kreditinstitute im Vergleich zu Grosskrediten mit höheren Kosten verbunden, und sie tragen daher zum Gewinn eines Instituts in der Regel auch wenig bei. Die Folge ist, dass Banken (auch wegen Basel-II) sich mit Krediten an den Mittelstand zurückhalten. Das wiederum ist der Grund dafür, dass es sich lohnt, Kreditfabriken - in Deutschland auch mit Unterstützung der Politik - einzurichten.

– Siehe Gewinn, operativer, Gründerbank, Kosteneffizienz, Kreditfabrik, Kreditklemme, Kreditmediator, Mikro-Finanzierung, Verlust-Darlehn-Beziehung.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2013, S. 44 ff. (ausführliche Statistiken über Kredite an KMUs), Monatsbericht der EZB vom Juli 2014, S. 87 ff. (Grundsätzliches zum Zugang von KMUs auf Kredite; Übersichten; Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kredit, kurzfristiger (short-term loan):

Ein Darlehn, das eine Bank kurzfristig und - wenn nicht anders angegeben - in diesem Fall bis zu zwei Jahren gewährt. Aus der Sicht einer Bank steigt im Regelfall mit der Laufzeit eines Darlehns auch das Ausfallrisiko. Denn es ist allemal schwierig, den Wert angedienter Sicherheiten des Kunden über einen längeren Zeitraum einzuschätzen. Daher ist eine Bank eher geneigt, einen kurzfristigen Kredit zu verlängern, als einen langfristigen Kredit einzuräumen. - Dieses Verhalten wurde und wird noch immer missdeutet und dann behauptet, eine Bank erziele

1. aus kurzfristigen Darlehn und deren Verlängerung (Prolongation; prolongation) einen höheren Gewinn,

2. mache dadurch vor allem kreditsuchende Kleinunternehmer (small businessmen als applicants for credit) von sich abhängig, insofern der Schuldner auf die Prolongation des Kredits angewiesen sei,

3. bringe damit in die Geschäftstätigkeit des Darlehnsnehmers eine grosse Unsicherheit, weil dieser immer wieder mit einer Verweigerung (Refusion; refusion) der Kreditverlängerung rechnen müsse, und

4. weil die Banken bei den geringsten Anzeichen einer Krise die Verlängerung der Kredite verweigern bzw. gar das Darlehn kündigen, so wirke sich dies in einer Verstärkung der Schwankungen im Konjunkturzyklus der Volkswirtschaft aus.

– Diese Argumentation ist keineswegs schlüssig. Ein kurzfristiger Kredit ist seinem Wesen nach auf kurzfristige Vorhaben in einem Unternehmen zweckgerichtet. Für längerfristige Planungen, vor allem für Investitionen und Gebäude und Maschinen, bietet eine Bank den Unternehmen eine ganze Reihe anderer Finanzierungsmöglichkeiten an. Soweit Privathaushalte sich langfristig für Eigenheime verschulden, so stehen Darlehn der Bausparkassen zur Verfügung. - Wenn also ein Unternehmen eine betriebswirtschaftlich höchst bedenkliche Finanzierungspolitik betreibt und leichtsinnig auf lange Zeiträume ausgerichtete Planungen mit kurzfristigem Kredit bestreiten möchte, dann ist dies wohl kaum den Banken anzulasten.

– Siehe Ausfallrate, erwartete, Ausfallwahrscheinlichkeit, Bonitätsrisiko, Branchenkonzentration, Darlehn, unfreiwilliges langfristiges, Darlehn-gegen-Papiere-Geschäft, Ernte-Unterstützungskredit, Geldmarkt-Segmente, Kreditereignis, Konditionen-Spreizung, Kreditrisiko-Prämie, Kreditqualität, Kreditvergabe-Grundregel, Kreditzusage, unwiderrufliche, Mikro-Finanzierung, Probability of Default, Rating-Schritte, Risiko, Risikotransparenz, Saisonkredit, Terminrisiko, Term Loan, Unterlegung, Validierung, Veranstaltungskredit, Zyklik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kredit, leistungsgestörter (troubled loan):

Andere Bezeichnung für einen notleidenden Kredit.

– Siehe Kredit, nichtlaufender.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kredit, nichtlaufender (non-current loan):

Ein Darlehen, bei dem die vereinbarten Rückzahlungen hinter dem Fristenplan liegen (a loan in which payments have fallen befind schedule).

– Siehe Ausfall, Forderung, dubiose, Kreditausfälle, Kreditereignis, Nonperforming Loans.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kredit, nichtverkäulicher (untransferable credit):

Ein von einer Bank gewährtes Darlehn, das diese in ihren Büchern behält; mit anderen Worten die Forderung nicht abtreten bzw. verbriefen (securitise) darf. Grundsätzlich ist ein Institut zur Forderungsabtretung (assignment of claim) berechtigt. Jedoch kann der Kunde dies durch Vertrag mit der Bank ausschliessen. Dafür muss er jedoch im Regelfall einen höheren Zins zahlen.

– Siehe Darlehnforderungs-Verkauf, Konservierung, Kredit-Abtretung, Subrogation, Verbriefung, Weiterverpfändung, Zession, Zweckgesellschaft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kredit, notleidender (non performing loan, NPL):

1 Allgemein ein Darlehn, dessen vollständige Rückzahlung fraglich ist, und für das seitens der Bank ein Einzelwertberichtungs-Bedarf (specific valuation allowance) entsteht. In Deutschland wurde im Jahr 2005 der Anteil notleidender (leistungsgestörter, "fauler"; distressed) Kredite am Kreditvolumen gesamthaft auf sieben Prozent geschätzt.

2 Ein Darlehen, das nach Fälligkeit nicht zur Gänze zurückbezahlt wurde (the maturity date has passed and payment in full has not been made).

3 Nach der Begriffsbestimmung der Financial Soundness Indicators ein leistungsgestörtes Darlehn mit einem Zahlungsverzug von neunzig Tagen (principal or interest is ninety days or more delinquent). - Notleidende Kredite können von den Banken verkauft werden; mit einem Anteil von etwa vier Fünftel nehmen Hedge-Fonds im Markt für leistungsgestörte Kredite heute die führende Rolle ein.

– Siehe Ausfall, Bilanzbereinigung, Default, Einzug, Forderung, kontaminierte, Forderung, dubiose, Kredit, nichtlaufender, Kreditausfälle, Kreditereignis, Kreditvergabe-Grundregel, Kunde, fauler, Luftpapiere, Nonperforming Loans, Papiere, toxische, Reintermediation, Risikoabteilung, Subprime-Krise, Verlustausgleich, steuerlicher, Wertberichtigung, Zitronenhandel.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 131 f. (Übersicht der NPLs seit 1998), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 137 f. (Rechtslage beim Verkauf von NPLs), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 134 (Umfang der NPLs ging zurück; Schaubild) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2008, S. 25 (Anteil der Hedge-Fonds am Handel mit notleidenden Krediten), Finanzstabilitätsbericht 2009, S. 45 (NPLs deutscher Banken seit 2000, nach Institutsgruppen aufgeschlüsselt), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 28 ff. (notleidende Kredite im Eurogebiet seit 2007; Übersicht nach Mitgliedsländern; Forderungen deutscher Institute gegenüber Mitgliedsländern), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 98 (Umfang leistungsgestörter Kredite).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kredit, öffentlicher (state borrowing):

1 Von den Banken an öffentliche Stellen (public sector entities) gewährte Darlehn. Von der EZB im Zuge ihrer auf Preisstabilität gerichteten Geldpolitik genau untersucht und beurteilt.

2 Von einem öffentlichen Arbeitgeber an Beschäftigte gewährte Darlehn (employer loan; Arbeitgeber-Darlehn).

– Siehe Stabilitäts- und Wachstumspakt, Zentralbankkredit, öffentlicher.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2004, S. 60 ff., Jahresbericht 2003 der EZB, S. 11.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kredit, regressloser (non-recourse loan):

Ein zweckgebundenes Darlehn, das nur durch den Wert des Vermögensgegenstandes - in der Regel durch eine Immobilie - gedeckt ist, der mit dem Darlehn erworben wird. Wenn der Darlehnsnehmer (creditor; Schuldner) nicht mehr zahlungsfähig ist, so kann der Kreditgeber auf die Sicherheit - auf die Immobilie - als Entschädigung zurückgreifen. Aber auch selbst wenn die Sicherheit nicht den vollen Wert des Ausfalls deckt, so darf der Kreditgeber vom Kreditnehmer keine weitere Entschädigungen fordern. Der Schuldner trägt also keinerlei persönliche Haftung (personal liability) für das Darlehn. - Auf dem Immobilienmarkt in den USA führten solche Darlehn im Zuge der Subprime-Krise zu starken Verlusten für die kreditgewährenden Banken bzw. für die Besitzer der Papiere, die weltweit über Verbriefung das Risiko der regresslosen Kredite übernommen hatten.

– Siehe Abzahlungshilfen, Ballon-Kredit, Community Reinvestment Act, Darlehn, nicht standardisiertes, Home Mortgage Disclosure Act, Jingle Mail, Luftpapiere, Ninja-Loans, Subprime Lending, Subprime-Wohnraumfinanzierung, Zitronenhandel, Zwei-Achtundzwanzig-Kredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kredit, revolvierender (revolving credit):

Vertrag zwischen einem Gläubiger und einem Schuldner (borrower; Kreditnehmer), der es dem Schuldner gestattet, die in ihrer Höhe festgelegte Kreditlinie innert eines festgelegten Zeitabschnitts fortdauernd in Anspruch zu nehmen (an agreement between the creditor and debtor allowing the borrower to draw down funds up to a quantified maximum for a stated period).

– Siehe Benutzungsgebühr, Kredit, immergrüner.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kredit, syndizierter (syndicated loan):

Von mehreren Gläubigern an einen Schuldner vergebenes Darlehn (a loan advanced jointly by two or more financial institutions).

– Siehe Flex-Klausel, Konsortialkredit, Verlustteilungsregelung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kredit, titrierter (titrated loan):

Darlehn an einen Emittenten von Wertpapieren durch Ankauf dieser Titel.

– Siehe Italienische Methode.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kredit-Absorption (credit absorption):

Wenn nicht anders definiert, die Tatsache, dass Banken dann,

1. wenn sie weniger überlebensfähigen (less viable) Unternehmen Kredite bewilligen, sie

2. weniger Darlehn bzw. Kredite zu schlechteren Bedingungen an Unternehmen mit guten Gewinnchancen gewähren können.

3. Die schlechten Unternehmen saugen, absorbieren (absorp, suck up) gleichsam das gegebene und nicht beliebig vermehrbare Kreditvolumen auf. Dadurch

4. gelangt das Geld und damit die knappen, auf einen gegebenen Vorrat begrenzten Produktionsfaktoren nicht zu besten Wirt (most favourable allocation of scarce resources), und

5. es entsteht so für die Volkswirtschaft gesamthaft ein Schaden.

– Siehe Negativauslese, Risikoignoranz.

– Vgl. IMF: Economic Issues 31: Corporate Sector Restructuring.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kredit-Abtretung (assignment of loan):

Banken in Deutschland ist es erlaubt, einzelne Kredite oder ganze Kreditportfolios an Dritte zu verkaufen; das Bundesverfassungsgericht hat dies im Juli 2007 bestätigt. - Die Aufsichtsbehörde rät jedoch den Instituten, die Kunden vor Abschluss eines Darlehnsvertrags darauf hinzuweisen, dass eine Abtretung erfolgen kann. Auch sollte der Kunde über die getätigte Abtretung informiert werden; besonders dann, wenn die Bearbeitung (handling) und das Inkasso des Darlehns nicht bei der kreditgebenden Bank verbleibt. Verträge mit Abtretungs-Ausschluss sollten möglich sein.

– Siehe Ausplazierung, Darlehn-gegen-Papiere-Geschäft, Kredit, nichtverkäulicher, Subrogation, Verbriefung, Weiterverpfändung, Zession.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 138 (BGH-Urteil zum Darlehnsverkauf).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditaktien (credit shares):

Kauf von Aktien nicht bar, also gegen sofortige Kasse, sondern über die Aufnahme von Schulden, in aller Regel bei einer Bank. - In Zeiten, zu denen Darlehn zu sehr niedrigem Zinssatz und gleichzeitig auch Aktien zu tiefem Kurs erhältlich sind, besteht ein starker Anreiz zu solchen Geschäften. Der Anleger hegt die Erwartung, dass er die auf Kredit gekauften Aktien bei gestiegenem Kurs verkaufen, das aufgenommene Darlehn damit tilgen und obendrein noch einen satten Gewinn einfahren kann. Sinkt jedoch der Kurs der mit dem Darlehn erworbenen Aktien, so hat der Anleger Verluste zu tragen. Diese Tatsache veranlasst Banken in Deutschland, Geschäfte dieser Art grundsätzlich nicht (in principle not) zu tätigen.

– Siehe Mindesteinschuss-Sätze.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditaufnahme (borrowing, raising of credit):

Der leihweise Erhalt von Geld mit der Vereinbarung, den aufgenommenen Betrag zurückzuzahlen (to obtain or receive money on loan with the promise that it will be repaid).

– Siehe Darlehn, Kredit, Verschuldung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditausfall-Swap und Kreditausfallswap (credit default swap, CDS):

Die Übertragung eines Kreditrisikos an einen Sicherungsgeber gegen eine entsprechend bemessene Prämie (one party in the swap is a lender who faces credit risk from a third party, and the counterparty in the credit default swap agrees to insure this risk in exchange of regular periodic payments; if the third party defaults, the party providing insurance will have to purchase the defaulted asset with it the right to recover the loan at some later time). - Im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise stiegen die Kreditausfallswap-Prämien erheblich an. Besonders betroffen waren und blieben Länder, die eine hohe Schuldenquote oder einen aussergewöhnlichen Zuwachs derselben aufwiesen.

– Siehe Credit Default Swap, Derivate-Clearingpflicht, General Collateral-Repos, Kreditverbriefung, Risk Taker.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 31 f. (abrupter Umschwung bei den CDSs im Zuge der Subprime-Krise; Übersicht), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 15 (beunruhigende Höhen für Griechenland, Polen und Russland), S. 26 f. (CDSs für deutsche Grossbanken) und den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Wirtschaftliches Umfeld", Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2010, S. 47 ff. (ausführliche Erläuterungen zum Markt für CDSs; wichtige Definitionen; Marktstrukturdaten [Oligopol]; Übersichten; allfällige Regulierungsmassnahmen), Geschäftsbericht 2010 der Deutschen Bundesbank, S. 91 (Prämien 2007 bis 2011), Finanzstabilitätsbericht 2011, S. 80 (die tatsächlichen, durch CDS, übernommenen Risiken werden in den Bilanzen häufig nur unvollkommen abgebildet; Transparenzvorschriften sind erforderlich; Übersicht; Literaturhinweise), Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 96 f. (Tendenz zur Einschaltung von Zentralen Gegenparteien; Übersicht: CDSs über Zentrale Gegenparteien [ZGPs] abgewickelt; ZGP-Abwicklungspflicht in Japan und den USA), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 97 (Kreditausfallprämien deutscher Grossbanken 2010-2013).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditausfälle (credit losses; ailing loans):

Die Verluste der Banken bei der Kreditgewährung dadurch, dass einige Darlehn gar nicht oder nur teilweise zurückbezahlt werden. - Entsprechende Risiken versuchen die Banken auf dem Wege über Verbriefung oder durch Nutzung von Kreditderivaten abzusichern. Von den Zentralbanken werden Kreditausfälle wegen allfälliger Risiken für das Finanzsystem gesamthaft laufend beobachtet.

– Siehe Ausfall, Credit Default Swap, Darlehn-gegen-Papiere-Geschäft, Default, Eventualschaden, Kredit, notleidender, Kreditausfall-Swap, Kreditereignis, Kreditkarten-Fiasko, Kreditqualität, Kreditrisiko, Kreditvergabe-Grundregel, Kunde, fauler, Luftpapiere, Papiere, toxische, Pay-Green-Initiative, Reintermediation, Risikoabteilung.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom März 2004, S. 39 ff. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditauskunft (credit report):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter die im Zuge der Bank Lending Survey bei den Banken erfragten Grössen. Dies sind neben den Kreditbedingungen auch Merkmale wie Kreditnebenkosten (incidentals: verschiedene Arten von Gebühren wie Bereitstellungsprovision für revolvierende Kredite, Verwaltungsgebühren, Kosten für Nachforschungen, Garantien und Kreditversicherung), Sicherheitserfordernisse, Zusatzvereinbarungen, bei Wohnungsbaukrediten die Beleihungsquote und weitere Details. Die entsprechenden Daten werden im Rahmen der Bank Lending Survey von der EZB veröffentlicht.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2009, S. 16 (Aufzählung in Fussnote 4), S. 27 (Zusatzfragen seit Herbst 2007).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditausweitung (lending expansion):

Von der Zentralbank statistisch erfasste und beurteilte Grösse, umfassend alle Darlehn an Privathaushalte, Unternehmen und öffentliche Stellen. Angebotsseitige Einflüsse (supply-side isssues), wie etwa strengere Vergabebedingungen in Hinblick auf die Richtlinien von Basel-II, und nachfrageseitige Umstände (demand-side factors), wie etwa eine gesamtwirtschaftliche Nachfrageschwäche, werden in ihrem jeweiligen Gewicht abgeschätzt.

– Vgl. Geschäftsbericht 2003 der Deutschen Bundesbank, S. 51 f. (Erläuterungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditbanken (commercial banks):

In der Statistik der Deutschen Bundesbank der Oberbegriff von

1. Grossbanken,

2. Regionalbanken,

3. sonstige Kreditbanken sowie

4. Zweigstellen ausländischer Banken.

– Siehe Bank, Direktbank, Finanzdienstleistungsinstitut, Finanzinstitut, monetäres, Internetbank, Kreditinstitut.

– Vgl. den Statistischen Teil des jeweiligen Monatsberichts der Deutschen Bundesbank, Rubrik "Banken".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditbeschränkungs-Karussell (merry-go-round in credit limitations, credit-curtailing carousel):

1. Eine Pleitewelle - in einer Branche - beschert den Banken eine Menge uneinbringlicher Kredite (bad debts) oder es sinken die Aktienkurse plötzlich sehr stark, so dass die Kreditsicherheiten der Banken weniger wert sind.

2. Infolge dessen halten sich die Banken mit der Kreditvergabe zurück.

3. Die Verweigerung zusätzlicher Kredite treibt weitere Unternehmen in den Konkurs.

4. Die in 1. beschriebene Lage verschlimmert sich.

– Manche Konjunkturforscher glauben, in diesem Kreislauf den Beginn einer allgemeinen Krise zu erkennen und sprechen hier von einer gleichsam zwangsläufig ablaufenden "zyklischen Baisse" (cyclical slump). Sie fordern daher sogleich in Phase 1. staatliche Kreditgarantien. Dem wird entgegengehalten, dass es nachweislich in jeder Krise auch immer Unternehmen gab, die dank verschiedener Umstände kaum in Schwierigkeiten gerieten und ihre Kreditwürdigkeit nicht verloren. Staatliche Eingriffe aber würden nicht überlebensfähige Unternehmen (non-viable companies) stützen, die eigentlich vom Markt verschwinden müssen, weil sie - aus welchen Gründen auch immer - ihr Produkt im Vergleich zu anderen Firmen zu teuer anbieten.

– Siehe Akzelerator, finanzieller, Baisse, zyklische, Hedge-Fonds-Gefahren, Kreditklemme, Kreditlücke, Kreditrisiko, Marktbereinigung, bankliche, Wert, zyklischer.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank von Juli 2002, S. 47 f., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2005, S. 16 ff. (mit empirischen Untersuchungen), Monatsbericht der EZB vom Mai 2013, S. 44 ff. (ausführliche Statistiken).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditbrief (letter of credit):

Die Anweisung an einen Dritten - in der Regel an eine Bank -, dem Inhaber der Urkunde eine Zahlung bis zu einer bestimmten Höhe zu Lasten des Ausstellers zu leisten; in der älteren Literatur auch offener Wechsel genannt.

– Siehe Akkreditiv.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditderivat (credit derivative):

1 Im weitesten Sinne jeder Vertrag, mit welchem das Kreditrisiko eines Darlehns an eine dritte Partei abgetreten wird (any agreement by which a credit event such as a default or bankruptcy of a borrower is shiftet to the contractual partner).

2 In engerer Bedeutung

1. alle Finanzkontrakte, die es ermöglichen,

2. das Kreditrisiko

3. eines fest abgegrenzten Darlehnspools, nämlich eines Korbs mit einer begrenzten Anzahl von Darlehn an genau bezeichnete Kreditnehmer

4. vom Finanzierungsvorgang zu trennen und

5. die Risiken handelbar zu machen (sie auszuplazieren; place out).

– Die Marktfähigkeit erfordert ein hohes Mass an Standardisierung der Kontrakte, was zumeist durch Bezugnahme auf Musterverträge der International Swaps and Derivatives Association geschieht. Zudem bestimmen Kreditderivate die Höhe der vereinbarten Ausgleichszahlung unabhängig vom tatsächlichen Schaden, den ein Sicherungsnehmer (floating rate payer) erleidet; damit entfällt eine einzelne Schadensprüfung. - Entwickelte Märkte für den Transfer von Kreditrisiken tragen grundsätzlich zur Stabilität des internationalen Finanzsystems bei. Sie steigern auch im Regelfall die Durchsichtigkeit innert der Banken, weil so Kreditrisiken infolge ihrer Marktfähigkeit und Handelbarkeit verlässlich zu bewerten und anpassungsgenauer (more adjustable) mit den Marktgegebenheiten abzustimmen sind. Aufgrund ihrer rascheren Verarbeitung neuer Informationen haben die Preise der Kreditderivate vielfach die Preisführerschaft für den Kassamarkt übernommen. - Andererseits machen es Derivate den Zentralbanken immer schwieriger, die Geldmenge genau zu erfassen. - Im Jahr 2006 entfiel nach Schätzungen knapp sechzig Prozent des Handels in Kreditderivaten auf Hedge-Fonds.

– Siehe Abwicklungsabteilung, Abwicklungsbestätigung, Aktiva, illiquide, Anlagemut, Credit Default Swap, Credit Linked Notes, Darlehn-gegen-Papiere-Geschäft, Derivategeschäfte-Clearingpflicht, Derivategeschäfte, bilaterale, Derivategeschäfte-Meldepflicht, First-to-default-Basket, Handelssystem, organisiertes, Kreditrisiko, Kreditverbriefung, Liquiditätsformen, Marktliquidität, Risiko, Risikotransformation, bankliche, Risikoübernahme-Grundregel, Risk Taker, Swap, Total Return Swap, Verbriefungsstruktur, Zweckgesellschaft.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2002, S. 56 f., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2004, S. 28 ff., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2004, S. 43 ff. (dort auch Übersichten), Monatsbericht der EZB vom September 2005, S. 20 ff. (mit Schwerpunkt auf die Sicht der Zentralbank), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 18 f. (Daten zur Entwicklung der Märkte; Gefahren), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 16 f. (Wachstumskräfte; Risikolage), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2010, S. 47 ff. (ausführliche Erläuterungen zum Markt für CDSs; wichtige Definitionen; Marktstrukturdaten [Oligopol]; Übersichten; allfällige Regulierungsmassnahmen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditdiversifizierung (credit [risk] diversification):

Politik einer Bank, durch geeignete Massnahmen von Einzelrisiken wegzukommen, welche die Geschäftstätigkeit einschränkend bestimmen. - Solche ins Gewicht fallende Einzelrisiken sind vor allem

1. die Abhängigkeit im Rahmen einer Hausbankbeziehung (relationship bank link) sowie

2. die Schwerpunktbildung (specialisation) auf einzelne Branchen, Länder, Regionen oder Währungsräume. Hauptinstrument zur Diversifizierung sind heute die vielen Formen der Kreditderivate, die eine Trennung des Kreditrisikos vom Finanzierungsgeschäft ermöglichen.

– Siehe Branchenkonzentration, Darlehn-gegen-Papiere-Geschäft, Gini-Koeffizient, Gruppe verbundener Kunden, Hausbank, Herfindahl-Hirschman-Index, Granularität, Klumprisiko, Konzentrationsrisiko, Korrelationsrisiko, allgemeines, Kreditderivat, Kreditverbriefung, Leverage-Ratio, Nichtabnahme-Entschädigung, True-Sale-Verbriefung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2006, S. 35 ff. (Berechnung von Konzentrationsrisiken aller Art).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kredite an den privaten Sektor (credit to the private sector):

In der Statistik der EZB eine breit gefasste Summengrösse. Sie umfasst

1. Buchkredite,

2. Erwerb von Schuldverschreibungen (financing provided through purchases of debt securities) sowie

3. von Nichtbanken emittierte Aktien und sonstige Anteilsrechte (shares and other equity issued by non-banks), darunter auch Verbriefungspapiere.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2008, S. 98 f. (Aufgliederung), Monatsbericht der EZB vom Januar 2011, S. 61 ff. (ausführliche Darstellung der angebotsseitigen und nachfrageseitigen Bestimmungsgründe; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditereignis (credit event):

1 Allgemein der Schadensfall, bei dem ein Schuldner die Ansprüche des Gläubigers aus der Gewährung eines Darlehns nicht erfüllen kann (an occurrence such as a debt default or bankruptcy that will affect the payoff on a credit and leaves the obligor unable to meet his financial obligations).

2 Gemäss der Definition der International Swaps and Derivatives Association (ISDA) eines der folgenden Geschehnisse allein oder in Kombination:

1. Insolvenz und Zahlungsunfähigkeit (bankruptcy),

2. Vorzeitige Fälligkeit einer Verbindlichkeit aufgrund eines Umstandes, der nicht in der Verbindlichkeit selbst begründet ist (obligation acceleration),

3. Ausfall einer Verbindlichkeit aufgrund eines Umstandes, der nicht selbst in der Verbindlichkeit begründet ist (obligation default),

4. Zahlungsausfall (failure to pay),

5. Ablehnung der Verbindlichkeit (DE JURE oder DE FACTO repudiation)

6. Aufschub der Zahlung (moratorium) und

7. Umstrukturierung der Verbindlichkeit (restructuring).

– Siehe Arrangement, Ausfall, Crash, Credit Darlehn, widerrufenes, Default Swap, Default, Delinquent, Drittfälligkeits-Klausel, Drittverzugs-Klausel, Einzug, Intercreditor Agreement, Kreditausfälle, Kreditvergabe-Grundregel, Pleitegeier, Prolongation, Risikoprofil, Säumnisquote, Solvenzrisiko, Staatschulden, verweigerte, Zahlungsausstand.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 70 (Modell zur Ermittlung des Kreditereignisses in Bezug auf das Kursrisiko, das in Zinsnettopositionen enthalten ist), S. 132 (Investitionen in [gemischte] Portfolios von NPLs).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditersatzgeschäft (lending alternative business, lending substitution activities):

Im Zuge der Subprime-Krise 2007 aufgekommene Bezeichnung für den Umstand, dass Banken

1. anstatt Darlehn an Unternehmen zu vergeben,

2. es aus Gründen der Gewinnmaximierung vorziehen,

3. gutverzinsliche Wertpapier-Portfolios in eigener Rechnung aufzubauen.

– Dabei wurden allenthalben die Risiken unterschätzt, die vor allem in ausländischen sowie auf fremde Währungen denominierte Papieren liegen; aber selbst auf EUR lautende Staatsanleihen erwiesen sich in manchen Fällen als heikle Anlage. - Die unverhältnismässig hohen Bestände der europäischen Banken an Staatsanleihen wackeliger Mitglieder der Europäischen Währungsunion belebte ab 2010 die Forderung,

1. die Besitzer solcher Titel an den Ausgaben für die Hilfen für die entsprechenden Staaten zu beteiligen; etwa dadurch, dass die Verzinsung der Anleihen vermindert oder gar eingestellt wird. Dadurch

2. würde die Nachfrage nach den Staatsanleihen verschuldeter Länder sinken,

3. diese könnten letztlich kaum mehr neuen Schulden aufnehmen und

4. wären so gezwungen, an die Heilung der Ursachen ihrer Ungleichgewichte heranzugehen.

– Siehe Aktivitäts-Verlagerung, bilanzbestimmte, Anreizsystem, Asset-Backed Securities, Ausfall-Verlust, Darlehn, nicht standardisiertes, Entkopplungs-These, Finanzkrise, Glaubwürdigkeits-Paradoxon, Griechenland-Krise, Irland-Krise, Kreditklemme, Kreditrisiko, Krise der Sicherheiten, Ninja-Loans, Pflichtwandelanleihe, Rendite-Risiko-Grundsatz, Rückschlag-Effekt, Staatsfonds, Verlust-Darlehn-Beziehung, Verbriefungsstruktur, Vertrauen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditermächtigung (credit authorisation):

Begriff aus dem deutschen Haushaltsrecht, in § 18 Bundeshaushaltsordnung weitläufig erklärt. Kernpunkt ist die Vorschrift aus Artikel 115 Grundgesetz, wonach Einnahmen aus Krediten grundsätzlich nur bis zur Höhe der Ausgaben für Investitionen in den (Bundes)Haushaltsplan eingestellt werden dürfen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Krediterweiterung (credit enhancement):

1 Allgemein Verfahren mit dem Ziel, das Ausfallrisiko für ein Papier zu mindern, um dadurch ein besseres Rating zu erreichen (measures taken with the aim of reducing credit risk and improving the credit rating of a security).

2 Eine vertragliche Vereinbarung, bei welcher die Bank eine Verbriefungsposition zurückbehält bzw. selbst übernimmt. Sie bietet dadurch zu einem bestimmten Ausmass anderen Beteiligten an der Transaktion zusätzlichen Schutz vor Verlusten.

– Siehe Kreditzusage, unwiderrufliche, Moral Hazard, Single Master Liquidity Conduit, Verbriefung, Wasserfall-Prinzip, Zweckgesellschaft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditfabrik (credit factory):

Um 2002 aufgekommene Bezeichnung für besonders ausgerichtete Dienstleister (specialised service provider), welche

1. die Masse der kleinvolumigen Kreditanträge (small-sized loan applications) prüfen und oft in einem auch

2. eine (Vor)Entscheidung über die Gewährung eines Darlehns treffen.

– Kreditfabriken können innert einer einzigen Bankengruppe - etwa: Sparkassen - arbeiten, aber auch institutsübergreifend (cross-institutional) handeln, dann in eigener Rechtsform. Ziel der Kreditfabrik ist es, die Bearbeitung des kleinteiligen Kreditgeschäftes kostengünstiger (more cost-effective; at considerably lower prices) zu gestalten. - Ob auf diese Weise die Kreditvergabe überhaupt und wenn ja innert welcher Grenzen standardisierbar (standardisable) ist, bleibt umstritten.

– Siehe Call-Centre, Kredit, kleinvolumiger, Kredit, kurzfristiger, Kreditsachbearbeiter, Kredit-Punktbewertungsverfahren, Outsourcing, Silo-Denken, Spin-off, Standarddarlehn, Transaktionsbank.

– Vgl. zu diesem Outsourcing und seinen aufsichtsrechtlichen Konsequenzen den Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 85 f., Monatsbericht der EZB vom April 2012, S. 22 ff. (Einflussfaktoren der Kreditvergabe an Privathaushalte seit 1999; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditgefährdung (injury to commercial reputation):

Nach § 824 BGB die

1. wahrheitswidrige Behauptung von Tatsachen oder

2. die Verbreitung von Nachrichten, die geeignet sind,

3. das Vertrauen in die Kreditwürdigkeit einer Person bzw. eines Unternehmens in Frage zu stellen oder

4. sonstige Nachteile für deren bzw. dessen Erwerb oder Fortkommen herbeizuführen.

– Durch die Masse von meinungsäussernden Botschaften aller Art in Printmedien, Radio und Fernsehen sowie in den elektronischen Medien ist es inzwischen sehr schwer geworden, eine Kreditgefährdung festzustellen und rechtlich zu verfolgen. Darüber können auch aufseherregende Gerichtsverfahren (spectacular lawsuits) wie der 2012/13 geführte Prozess der Erben von Leo Kirch gegen die Deutsche Bank - Vorstandmitglieder hatten die Kreditwürdigkeit des Medienunternehmers öffentlich infrage gestellt - nicht hinwegtäuschen. - Vor allem in Internet-Foren finden sich immer wieder abträgliche Beurteilungen von Finanzprodukten zumeist der grossen Institute, die eindeutig den Tatbestand der Kreditgefährdung erfüllen, derweil jedoch gleichzeitig offensichtliche Dingo-Werte und Anlagen in Glamour Stocks warm empfohlen werden.

– Siehe Banker-Stammtisch, Börsengerüchte, Dissemination, Gerüchtestreuen, Hoax, Kursmanipulation, Leumund, Marktmissbrauch, Pairoff, Pankratium, Zahlungsmoral.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditgeld (credit money):

Wenn nicht anders definiert, im weitesten Sinne Zahlungsmittel, die von jemand anderem als der Zentralbank in den Wirtschaftskreislauf gelangen, in der Regel durch Darlehnsgewährung der Banken an ihre Kunden (money that is backed by a promise to pay made by someone other than the appropriate central bank as the issuer of banknotes and coins).

– Siehe Geld, Geldschöpfung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditgenossenschaften (credit unions; credit co-operatives):

1 Allgemein Personengruppen, die ihr gespartes Geld zusammenlegen und zu günstigen Bedingungen an die kreditnachfragenden Mitglieder ausleihen. Den Geschäftsbetrieb besorgen - oft nebenamtlich; as a second job) dafür gewählte Genossen. In den USA gibt es an die 25'000 solcher Institute, fast ausschliesslich im Sektor der Landwirtschaft.

2 In Deutschland unter der namentlich geschützten Gattungsbezeichnung Genossenschaftsbanken und auf eigene Weise juristisch verfasst.

– Siehe Drei-Säulen-Modell, eLolly, Investment-Club, Kreditgenossenschaft, Kreditvermittlungsplattform, Nachschuss-Pflicht, Peer-To-Peer-Lending, Social Lending Platform, Volksbank.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 113 (Statistik), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 121 (Veränderungen bei den genossenschaftlichen Banken).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditgeschäft (credit business):

1 Bei einer Bank die Ausleihungen gesamthaft.

2 Bei der EZB die Gewährung von Darlehn gegen Stellung entsprechender Sicherheiten.

– Siehe Darlehn, Konsumentenkredit, Prozyklizität, Rahmenwerk zur Beurteilung von Wertpapier-Abwicklungssystemen, Standarddarlehn.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditgewährung, kompensatorische (compensatory lending):

Der jahreszeitlich unterschiedliche Kreditbedarf der einzelnen Unternehmen und Branchen führt dazu, dass sich

1. bei den Banken zeitweise Überschüsse an Einlagen bilden, während

2. zu gleicher Zeit andere Wirtschaftszweige in verstärktem Umfang Darlehn nachfragen. Man bezeichnet die Gewährung von Darlehn, die aufgrund einer solchen Stillegung von Geld erfolgt - denn die der Bank gegen Zinsvergütung anvertrauten Beträge ruhen auf Konten - als kompensatorische Kreditgewährung. Diese wird von der Zentralbank jeweils berechnet.

– Bei zunehmender Wirtschaftstätigkeit tritt eine Nachfrage nach Darlehn auf, die den Umfang der beschriebenen Geldstillegung überschreitet. Jetzt benötigen die Banken zusätzliches Zentralbankgeld, das sie sich bei der Zentralbank auf verschiedenen Wegen beschaffen können.

– Siehe Endogenitäts-Prinzip, Einlage-Fazilität; Fazilität, ständige, Geld, Geldbasis, Geldmenge, Kreditausweitung, Kreditklemme, Liquidität, M1, Spitzenrefinanzierungs-Fazilität, Zahlungsmittel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kredithai (loan shark, gombeen-man, shylock):

Abfällige Bezeichnung für ein Unternehmen, das Darlehn zu sehr hohen Zinsen solchen Kreditnehmern gewährt, die überhaupt keine oder nur ungenügende Sicherheiten bieten können. Weil jedoch die Ausfallrate (loss rate) bei diesem, von den Banken nicht mehr bedienten Kundenkreis beträchtlich ist, muss der Zinssatz entsprechend hoch angesetzt werden. In Deutschland bedürfen auch solche Unternehmen einer Erlaubnis und unterliegen der Aufsicht durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. - In alten Dokumenten wird der Kredithai auch Karbatsch genannt; vermutlich deshalb, weil er leichtfertige säumige Zahler karbatschen (= mit der Karbatsche [Riemenpeitsche, Knute] schlagen) liess. Freilich wird auch von früher oft genug berichtet, wie Habenichtse (have-nots: Hörige, Taglöhner [= ungelernte Arbeiter, Lidl], Dienstboten, Knechte) und gar Armenhäusler (paupers from the almhouse) beim Geldverleiher in der nächsten Stadt ein Darlehn aufnahmen, im Wirtshaus den grossen reichen Herrn spielten und das geliehene Geld verplemperten (blued, wasted: frittered away). - Falsch ist es, den Kredithai mit dem Finanzgeier gleichzusetzen, wie dies nicht selten geschieht. Angebotsseitig (on the supply side) hat der Kredithai klare, unverhüllte Bedingungen für sein Geschäfte, der Finanzgeier dagegen nicht. Nachfrageseitig (on the demand side) bedient der Kredithai finanziell blanke Privathaushalte und Kleingewerbetreibende (small-scale businessmen, unregistered traders). Der Finanzgeier hingegen hat durchweg geldgierige (profit-hungry) reichere Personen als Kunden.

– Siehe Agiotage, Ausfall-Verlust, Ausfallwahrscheinlichkeit, Danismus, Einzug, Finanzgeier, Fraudulent, Geldeintreibung, Geldraffer, Harpax, Karbatsch, Kunde, fauler, Racheengel, Subprime Lending, Sündengeld, Übersatz, Wucher.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditierung (lending):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter die Gewährung eines Darlehns (to provide money temporarily on condition that the amount borrowed be returned, usually with an interest fee).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditinstitut (financial institution, credit institution):

1 In der Umgangssprache sehr weit gefasster Begriff, in etwa den Ausdrücken Bank und teilweise auch Finanzdienstleister entsprechend.

2 Innert des ESZB bezieht sich der Begriff immer auf ein Institut gemäss der Definition in Artikel 1 der Ersten Bankrechtskoordinierungs-Richtlinie der EU (2000/28/EC vom 18. September 2000), nämlich ein Unternehmen,

1. dessen Tätigkeit darin besteht, Einlagen oder andere rückzahlbare Gelder des Publikums (einschliesslich der Erlöse aus dem Verkauf von Bankschuldverschreibungen an das Publikum) entgegenzunehmen und Kredite für eigene Rechnung zu gewähren (an undertaking whose business is to receive deposits or other repayable funds from the public and to grant credits for its own account), oder

2. elektronisches Geld ausgibt (which issues means of payment in the form of electronic money).

3 In Deutschland sind nach der Definition des § 1 KWG diejenigen Unternehmen Kreditinstitute, die bestimmte Bankgeschäfte gewerbsmässig betreiben, sofern der Umfang dieser Aktivitäten einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert. Aufgezählt sind in § 1 KWG vor allem Einlagen-, Kredit-, Diskont-, Effekten-, Depot-, Investment-, Garantie-, Emissions-, Geldkarten-, Netzgeld- (network money; Computergeld) und Giro-Geschäfte sowie der Ankauf von Forderungen vor Fälligkeit.

– Siehe Bank, Finanzdienstleister, Finanzdienstleistungsinstitut, Finanzinstitut, monetäres, Institut, Investmentfirma, Kreditbanken.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 1999, S. 47, Monatsbericht der EZB vom Januar 2012, S. 65 (ausführliche und erläuternde Definition "Kreditinstitute").

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditinstitut, grenzüberschreitend tätiges (transborder financial institution):

Nach § 53b Abs. 1 KWG können Kreditinstitute im Rahmen der EU-Dienstleistungsfreiheit in Deutschland auch ohne örtliche Niederlassung grenzüberschreitend tätig werden. Die Beaufsichtigung erfolgt in diesem Fall ausschliesslich durch die Aufsichtsbehörde des Herkunftslandes. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht führt ein Verzeichnis der entsprechenden Unternehmen, das auf der Homepage eingesehen werden kann.

– Siehe Auslandsbanken, Abschottung, Allianzen, grenzüberschreitende, Auslandzweigstelle, Bankenaufsicht, europäische, Cassis-de-Dijon-Urteil, Einlagesicherung, Europäischer Pass, Islandbanken-Falle, Lead Economy, Markteintrittskosten, Repräsentanz.

– Vgl. Geschäftsbericht 2009 der Deutschen Bundesbank, S. 102 f. (Vorschläge zur Stabilisierung dieser Institute in einer Krise), Jahresbericht 2011 der Deutschen Bundesbank, S. 117 ff. (deutsche Institute im Ausland; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditkanal (credit channel):

Wenn nicht anders definiert, so meint man damit die Übertragung einer Massnahme der Zentralbank auf das Kreditvergabe-Verhalten der Banken. - Oft unterscheidet man dabei vor allem einen

1. Bankenkanal (bank lending channel), wo institutsspezifische Verhaltensänderungen (institute-specific changes in business policy) entscheidungsbestimmend sind, im Einzelnen abhängig vor allem von der jeweiligen Liquiditätslage und den aufsichtlichen Eigenkapitalvorschriften, und

2. den Bilanzkanal (balance sheet channel), in dem ein allfälliger Wertverlust von der Bank angedienten Kreditsicherheiten die Geschäfte beeinflusst.

– Siehe Bremsweg, geldpolitischer, Hausse, zyklische, Information, asymmetrische, Transmissionsmechanismus, monetärer.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2011, S. 95 f. (grundsätzliche Aussagen zum Kreditkanal; weitere Komponenten; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditkarte (credit card, charge card):

Karte, bei der eine vom Karteninhaber genutzte Leistung erst nach dem Bezug verrechnet wird, in der Regel mit einer Monats-Abrechnung (pay-later-Prinzip). Daneben werden auch Karten ausgegeben, die mit einer eigenständigen Kreditlinie ausgestattet sind (delayed debit card). Im Vergleich zur Debitkarte ist die Gebühren-Belastung bei der Kreditkarte höher. Auch ist in der Regel der Zins bei Inanspruchnahme eines Kredits über die Karte höher als bei einem Dispositionskredit auf einem Girokonto. - Emittenten solcher Karten gelten in Deutschland als Finanzunternehmen. Sie bedürfen einer Erlaubnis und unterliegen der Aufsicht; siehe § 1, Abs. 3, № 4 KWG. - Im Gegensatz zu anderen Staaten kommt der Kreditkarte in Deutschland keine nennenswerte Bedeutung zu. Ihr Anteil an den Umsätzen des Einzelhandels liegt seit Jahren bei etwas über fünf Prozent. Erklärt wird dies vor allem mit den vergleichsweise hohen Gebühren sowie mit dem in Deutschland weit verbreiteten Dispositionskredit, auf den Verbraucher bei Bedarf zurückgreifen können.

– Siehe Auszahlung, Card Verification Value, Chipkarte, Geld, elektronisches, Firmenkreditkarte, Geldkarte, Interchange Fee, Karte, multifunktionale, Kreditkarten-Fiasko, Kreditkarten-Limit, Kundenkarte, Pay-Green-Initiative, Pay per Touch, Prozessor, Überziehung, Verbraucherbeschwerden.

– Vgl. Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 84 hinsichtlich der Erlaubnis, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 93 ff. (ausführliche Darstellung der Bezahlverfahren; viele Übersichten), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 212 f. (Kundenbeschwerden wegen Sperrung der Karten von Kontoinhabern der Direktbanken bei den Geldausgabeautomaten der Sparkassen und Volksbanken).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditkarten-Fiasko (credit card fiasco [fiasco = a complete failure], credit card collapse):

In den USA besass im Herbst 2008 jeder Bürger durchschnittlich vier Kreditkarten. Auch an einkommensschwache Kunden (low-income customers) mit geringer Bonität wurden grosszügig Karten vergeben. Im Verfolg der sich zur Finanzkrise ausgeweiteten Subprime-Krise kam es dann massenweise zu sehr hohen Kreditkartenschulden (credit card debts). Die auch im Kreditkartengeschäft (credit-card business) tätige grösste US-Sparkasse Washington Mutual (WaMu) in Seattle, Bundesstaat Washington musste bei Karten eine Ausfallrate von fünfundvierzig Prozent buchen. Sie stand im September 2008 nicht zuletzt auch deswegen vor dem Ruin, und wurde zu einem Schnäppchenpreis (bargain price) von der Bank J.P. Morgan Chase (das zweitgrösste US-Geldinstitut nach der Bank of America) übernommen. Aber auch die Bank of America musste bis Herbst 2008 knapp 3 Mia USD an Wertberichtungen wegen geplatzter Kreditkartenschulden vornehmen. Die Kreditkartenschulden in den USA lagen nach der Statistik der US-Zentralbank Ende Oktober 2008 bei 951 Mia USD. Verlässliche Schätzungen gingen davon aus, dass davon mehr als 400 Mia USD auf Wertpapierkäufe mittels Kreditkarte entfielen. - Soweit die Ausgeber der Karten das Ausfallrisiko über Verbriefung weitergegeben hatten - nach verlässlichen Schätzungen immerhin fast fünfzig Prozent der Kreditkartenschulden -, so führten diese toxischen Papiere zu Verlusten bei den Käufern der Verbriefungspapiere in der gesamten Welt, was die Finanzkrise weiter verschärfte. - Bemerkenswert ist, dass sich die meisten Portfolios der verbrieften Forderungen nicht aus den Kreditkartenforderungen der Schuldner gesamthaft zusammensetzten. Vielmehr wurden fast nur Forderungen gegenüber bonitätsschwachen Schuldnern (bad debts, irrecoverable debts) verbrieft. Die einbringlichen Forderungen (lucrative debts) behielten die Ausgeber bzw. Banken in ihrer Bilanz.

– Siehe Absenzkapitalismus, Karte, Kreditkarten-Limit, Kreditvergabe-Grundregel, Pay-Green-Initiative.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditkarten-Limit (credit card limit):

Die Höhe, bis zu welcher der Inhaber einer Kreditkarte mit dieser Käufe tätigen darf (the amount wherein a credit card holder is entitled to spend). Diese Obergrenze kann auf Antrag des Karteninhabers bei den meisten Ausgebern erhöht werden (the maximum amount can be increased at the option of the creditor if a person has shown to have settled his obligations on time or in full).

– Siehe Card Verification Value, Chipkarte, Geld, elektronisches, Firmenkreditkarte, Geldkarte, Interchange Fee, Karte, multifunktionale, Kreditkarten-Fiasko, Kundenkarte, Pay-Green-Initiative, Pay per Touch, Prozessor, Überziehung, Verbraucherbeschwerden.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditkasse (advance checkout):

In älteren Dokumenten die Vorschusskasse als besondere Abteilung einer Bank, bei der vor allem Bauern und Handwerker gegen die Verpfändung von Waren oder Forderungen ein Darlehn erlangen konnten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditklemme (credit crunch, credit stringency):

Zustand, bei dem

1. ein einzelnes Unternehmen oder

2. die Wirtschaft gesamthaft von den Banken

3. nur noch sehr zögerlich (quite hesitant) oder

4. gar nicht mehr mit Darlehn versorgt wird (a general economic situation in which loans are harder to obtain).

– Erfahrungsgemäss (as experience teaches) werden die Banken in konjunkturellen Abschwungsphasen (cyclical decline stage) in der Kreditvergabe, besonders an heikle Branchen (vulnerable sectors), vorsichtiger und verschärfen ihre Bedingungen, weil auch die Ausfallrisiken für die Institute steigen. - Um eine Kreditklemme zu lösen, könnte die Zentralbank notfalls Wertpapiere (wie etwa Commercial Papers) privater Unternehmen ankaufen: ein Weg, den die US-Zentralbank sowie die Bank of England im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise beschritten. Freilich würde das nur den grösseren Unternehmen nützen. Die Vielzahl der kleinen und mittleren Unternehmen finanziert sich in erster Linie über Bankkredite.

– Siehe Bankbasierung, Dotcom-Blase, Dreijahrestender, Insolvenzfälle, Kreditbeschränkungs-Karussell, Kreditersatzgeschäft, Kreditmediator, Quantitative Easing, Tarnkappen-Politik, Verlust-Darlehn-Beziehung, Vollzuteilung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2009, S. 22 ff. (Kreditklemme im Zuge der Finanzkrise kaum nachweisbar; S. 25: ökonometrische Schätzgleichung), Jahresbericht 2009 der EZB, S. 39 ff. (Erklärung der Zurückhaltung der Banken bei der Kreditvergabe; Übersichten). Monatsbericht der EZB vom März 2010, S. 46 ff. (ausführliche Darstellung in Hinblick auf KMUs und das Jahr 2009), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2010, S. 42 f. (Auswirkungen der Finanzkrise bei Unternehmen, Haushalten und dem Staat), Monatsbericht der EZB vom August 2010, S. 29 f. (Meldungen der Banken über ihre Verhalten bei der Kreditvergabe), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2010, S. 40 ff. (Kreditvergabe-Bedingungen deutscher Banken im Spiegel der Finanzkrise; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom November 2010, S. 39 ff. (Zugang von KMUs zu Krediten gemäss einer Sonderbefragung; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Februar 2012, S. 35 (Sonderumfrage der Deutschen Bundesbank; Ergebnisse in Übersicht), Monatsbericht der EZB vom Mai 2011, S. 41 ff. (Zugang vom KMUs zu Finanzmitteln seit 2009; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2011, S. 59 ff. (ausführliche Darstellung der Entwicklung seit 2009; Übersichten; Ergebnisse von Umfragen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2012, S. 15 (in Anmerkung 10 [sprachlich unschöne] Definition der Kreditklemme), Monatsbericht der EZB vom April 2012, S. 22 ff. (Einflussfaktoren der Kreditvergabe an Privathaushalte seit 1999; Übersichten), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 32 (Kreditvergabe der Banken in der Finanzkrise blieb stabil), Monatsbericht der EZB vom Mai 2013, S. 44 ff. (ausführliche Statistiken in Bezug aufs KMUs), Monatsbericht der EZB vom Juli 2013, S. 44 ff. (Finanzierungsbedingungen von KMUs; viele Übersichten), Monatsbericht der EZB vom November 2013, S. 49 ff. (Zugang vor allem der KMUs zu Darlehn; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2014, S. 41 ff. (Finanzierungsbedingungen von KMUs im Eurogebiet; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Juli 2014, S. 87 ff. (Grundsätzliches zum Zugang von KMUs auf Kredite; Übersichten; Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditklima und Kreditlage (credit climate, credit situation):

Im Finanzjournalismus gebrauchter Begriff, der sich entweder

1 auf die Politik einer Zentralbank bezieht, die Geldmenge einzuschränken bzw. zu vermehren oder

2 auf die Geschäftspolitik der Institute, bei gegebener Politik der Zentralbank mehr oder weniger bereitwillig Darlehn zu gewähren.

– Siehe Kreditbeschränkungs-Karussell, Kreditklemme, Verlust-Darlehn-Beziehung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditlimitierung (credit ceilings):

Wenn nicht anders definiert Massnahmen der Zentralbank, um die Kredite in einem Währungsgebiet mengenmässig zu beschränken.

– Siehe Kreditplafondierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditlinie (credit line, bank line):

Der einer Wirtschaftseinheit von der Bank eingeräumte Kredit-Grenzbetrag, manchmal auch Kreditrahmen (credit limit) und Fazilität (credit facility) genannt. Bis zu dessen Erreichen können bei der Bank jederzeit Darlehn in Anspruch genommen werden (a commitment of the bank to provide funds at the request of the borrower; a credit line can be seen as an option to raise a loan on predetermined terms and conditions). Man spricht dann oft auch - im Besonderen bei Kreditlinien für Privatkonten - von einem Dispo[sitions]kredit. - Solange aus der Kreditlinie noch keine Zahlung geleistet wurde, handelt es sich um eine ausserbilanzielle Position des Instituts. Sobald jedoch eine Kreditlinie vom Kreditnehmer tatsächlich in Anspruch genommen ist, so wird sie - wie jedes Darlehn - zu einer bilanziellen Position (item of the balance sheet). - Seit Jahresbeginn 2008 gelten besondere Unterlegungsvorschriften, wenn Banken für Verbriefungen unwiderrufliche Kreditlinien an Zweckgesellschaften vergeben.

– Siehe Abrufrisiko, Ausserbilanzgeschäft, Back-Up-Facility, Bankkunden-Profil, Bereitstellungsgebühr, Darlehn, Borgkraft, Insolvenz, Kredit, kurzfristiger, Kreditkarten-Limit, Kreditzusage, unwiderrufliche, Mittel, liquide, Nichtabnahme-Entschädigung, Puffer, Rückübertragungs-Klausel, Subprime-Krise, Übermut, Überziehungsentgelt, Überschreitung, Unterlegung.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 219 f. (grosszügige interne Limite [internal limit that is too generous and that well exceeds the approved credit line] erhöhen die Gefahr einer missbräuchlichen Nutzung des Kontos).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditlücke (credit gap):

Auffällige Pausen in der Kreditvergabe der Banken, gemessen an einem langfristigen Trend. Solche Unterbrüche gelten als Messgrösse des Verschuldungsgrades der Wirtschaft gesamthaft (credit gaps provide a measure of leverage for the economy as a whole) und werden von der Zentralbank in ihren Prognosemodellen entsprechend beurteilt.

– Siehe Kreditbeschränkungs-Karussell.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2010, S. 83 ff. (Signalfunktion von Kreditlücken; S. 86: Kreditlücke erwies sich als brauchbares Warnsignal), Monatsbericht der EZB vom Mai 2013, S. 44 ff. (ausführliche Statistiken in Bezug auf KMUs).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditmediator (credit mediator):

In Deutschland im Frühjahr 2010 von der Bundesregierung eingerichteter, zunächst auf zwei Jahre befristeter Dienst (office), bei dem kleinere und mittlere Unternehmen Klagen über von Banken abgelehnte Anträge auf Gewährung eines Darlehns vortragen können. Über regionale Kammern und Förderbanken soll dann in einem Schiedsverfahren (mediation process) geprüft werden, wie den Abgewiesenen zu helfen ist. - Die Einrichtung wurde teils begrüsst, teils aber auch als völlig überflüssig (entirely superfluous) eingestuft; zumal als bekannt wurde, wie hoch sich das Salär des aus Steuermitteln bezahlten Kreditmediators und seiner acht Mitarbeiter bemass.

– Siehe Ausschuss-Wahn, Geldverbrennung, Insolvenzfälle, Kreditbeschränkungs-Karussell, Kreditklemme, Kreditlinie, Kreditrichtlinien, Kreditrisiko.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2013, S. 44 ff. (ausführliche Statistiken über Kredite an KMUs), Monatsbericht der EZB vom Juli 2013, S. 44 ff. (Finanzierungsbedingungen von KMUs; viele Übersichten), Monatsbericht der EZB vom November 2013, S. 49 ff. (Zugang vor allem der KMUs zu Darlehn; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2014, S. 41 ff. (Finanzierungsbedingungen von KMUs im Eurogebiet; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Juli 2014, S. 87 ff. (Grundsätzliches zum Zugang von KMUs auf Kredite; Übersichten; Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditnehmer (borrower, credit receiver):

Wer bei einer Bank einen Kredit - mit einem anderen Wort: ein Darlehn - aufnimmt. In § 19, Abs. 2 KWG findet sich der Begriff inhaltlich und umfänglich durch Aufzählung genauer bestimmt.

– Siehe Kreditzusage.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditnehmerstatistik (borrower statistics):

1 Von der EZB monatlich veröffentlichter Nachweis, untergliedert nach

1. Unternehmen und Privathaushalten sowie

2. öffentliche Haushalten im Eurogebiet. Dazu werden auch

3. die Nettoforderungen gegenüber dem Nicht-Eurogebiet ausgewiesen. Im jeweiligen Monatsbericht der Deutschen Bundesbank findet sich für diese Zahlen auch der entsprechende deutsche Beitrag verzeichnet.

2 Von der EZB in verfeinertem Masstab vierteljährlich erhobene Statistik. Sie gliedert sich in die kurz-, mittel- und langfristigen Kredite an den privaten, nichtfinanziellen Sektor. Unterteilt wird nach wichtigen Kreditnehmergruppen, nämlich

1. nichtfinanzielle Unternehmen, Privathaushalte, Organisationen ohne Erwerbszweck und

2. Kredite an Privathaushalte, und hier zusätzlich nach ihrem Verwendungszweck, und zwar Konsumentenkredite, Wohnungsbaukredite sowie Sonstige.

– Siehe Evidenz-Zentrale, Internationales Finanzinstitut, Kreditklemme, Verlust-Darlehn-Beziehung.

– Vgl. den Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets" im jeweiligen Monatsbericht der EZB zu den einzelnen Komponenten; dort auch die nachgestellten "Erläuterungen" beachten; Monatsbericht der EZB vom Januar 2011, S. 61 ff. (ausführliche Darstellung der angebotsseitigen und nachfrageseitigen Bestimmungsgründe nach Krediten; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditorenlaufzeit (days payables outstanding):

Frist die angibt, wie lange ein Unternehmen im Durchschnitt braucht, um seine Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen zu begleichen. Die entsprechende Messziffer errechnet sich aus den Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen (trade payables) mal 365 geteilt durch die Erlöse, nämlich sämtliche Erträge, die aus Transaktionen mit Geschäftspartnern herrühren, und die sich auf einen Leistungsaustausch beziehen. - Mit der so gewonnenen Kennzahl ist bei Vergleichen freilich äusserst vorsichtig umzugehen, weil es nachweislich ohne Wissen um die Hintergründe der Finanzierung und der besonderen Zahlungsgewohnheiten in einer Branche sehr leicht zu groben Fehleinschätzungen (crass misjudgement) kommen kann.

– Siehe Debitorenlaufzeit, Working Capital.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditplafondierung (quantitative credit restrictions, credit ceilings):

1 Massnahme der Zentralbank, um die Kredite in einem Währungsgebiet zu beschränken. Dies kann im Einzelnen geschehen durch

1. Verfügung an die Banken, das Total ihrer gewährten Darlehn zu verringern, praktisch also Kredite zurückzurufen (withdraw credits),

2. Vorgabe einer höchstens erlaubten Wachstumsrate der Darlehn einer Bank, manchmal auch Limes (limit) genannt,

3. Zuweisung eines Höchstbetrages (ceiling amount) der Kreditvergabe an die Banken gesamthaft (global fund; Globalplafonds) oder an jede Bank im Einzelnen (individual bank-related ceilings; institutsbezogene Plafondierung) sowie

4. im äussersten Falle - wie etwa bei sehr hoher Inflation - ein ausnahmsloser Kreditstopp (stoppage of credit) für alle Banken.

– Im Einzelnen lässt sich dieses Instrument auf vielfältige Weise ausgestalten. Die Erfahrungen in vielen Ländern haben gezeigt, dass Angebot und Nachfrage nach Darlehn im Falle der Kreditplafondierung sofort auf graue Kapitalmärkte ausweicht.

2 In Deutschland wird damit auch die Einschränkung der Kredite aller öffentlichen Haushalte bezeichnet; dies ist in § 19 Stabilitäts- und Wachstumsgesetz näher geregelt.

– Siehe Kapitalmarkt, grauer, Kreditlimitierung, Schattenbankbereich, Offshore Finanzplätze, Parallel Banking, Schuldenbremse, Underground Banking.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditportfolio (credit portfolio):

Wenn nicht anders definiert, die von einer Bank an die einzelnen Kundengruppen gesamthaft gewährten Darlehn, nach Basel-II unterschieden in

1. Unternehmen,

2. Staat und öffentliche Stellen,

3. Banken,

4. Privathaushalte sowie Kleine und mittelständische Unternehmen.

– Siehe Kredit-Abtretung, Kreditverkauf, Rating.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kredit-Punktbewertungsverfahren (credit scoring):

In erster Linie beim Privatkredit, aber auch bei Kleingewerbetreibenden (small-scale enterprises, petty traders) angewandtes Verfahren zur Abschätzung des Risikos. Dabei werden bestimmte Merkmale - wie Adresse, Alter, Geschlecht, Nationalität, Familienstand, Kinderzahl, Bildungsstand, Religionszugehörigkeit, berufliche Qualifikation, Arbeitgeber, Einkommen, Vermögen, Dauer des Mietverhältnisses, Gesundheitszustand, Anzahl von Verträgen, Konten und Kreditkarten, Zahlungsverhalten und Informationsbereitschaft des Kunden - mit Punkten (scores: evalutative records) bewertet. Die Gesamtzahl der so vergebenen Punkte führt zur Einstufung in eine Risiko-Klasse. Bei Darlehn-Anträgen wird die Preiskalkulation (cost-based pricing), also der zu zahlende Zinssatz, dem durch das Verfahren festgestellten Kreditausfall-Risiko (credit default risk) angepasst. - Die Ergebnisse werden auch dazu genutzt, um bestimmte Kundengruppen im Retailgeschäft durch Marketingmassnahmen anzusprechen.

– Siehe Abzahlungsfrist, Bank Lending Survey, Bankkunden-Profil, Buchkredit, Covenant, Customasing, Fact Sheet, Kreditfabrik, Kreditklemme, Kreditvergabe-Grundregel, Kundendossier, Mindestanzahlung, Personalkredit, Product Placement, Retailgeschäft, Risikogewichtung, Risikomanagement, Scoring, Übermut, Verschuldungsquote, private, Zahlungsmoral, Zinsstatistik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditqualität (credit quality):

Wenn nicht anders definiert, so meint man damit die Bonität der Darlehnsnehmer einer Bank gesamthaft, gemessen in der Regel am Wertberichtigungs-Bedarf (allowance for doubtful accounts receivable).

– Siehe Bonitätsrisiko, Credit Default Swap, Investment Grade, Kredit, kurzfristiger, Kredit, notleidender, Kreditereignis, Kreditkarten-Fiasko, Kredit-Punktbewertungsverfahren, Kreditvergabe-Grundregel, Kunde, fauler, Luftpapiere, Papiere, toxische, Pay-Green-Initiative, Risikoabteilung, Rating, Zahlungsmoral.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom März 2004, S. 39 ff., Finanzstabilitätsbericht 2010, S. 65 (Messgrössen zur Kreditqualität in verschiedenen Staaten seit 1994).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditregister, öffentliches (public credit register):

1 Von manch gefordertem Verzeichnis aller Darlehn, die Banken in einem Währungsgebiet - und dazu vielleicht auch an wen - vergeben haben; also nicht nur wie jetzt bereits auf Grosskredite beschränkt. Eine solche Übersicht sollte nicht nur der Markttransparenz auf dem Finanzmarkt dienen, sondern auch den Aufsichtsbehörden bei ihren Aufgaben von Nutzen sein. - Datenschützer (data privacy activists) trugen gegen entsprechende Vorschläge gewichtige Einwände (weighty objections) vor. Sie sehen darin den ersten Schritt zum gläsernen Kunden (transparent [see-through, glass] customer) in weiteren Zweigen und schlussendlich gar in allen Bereichen der Wirtschaft.

2 Eine öffentliche Auflistung aller Darlehn, die Banken

1. weltweit und

2. an welche Schuldner vergeben haben (Risikolandkarte; risk map). Ein solches internationales Kreditregister ziehen viele einer zentralen Weltbankenaufsicht (worldwide central supervision of banks) vor. In europäischen Rahmen ist dies bereits eingeführt. Im Frühjahr 2010 beteiligten sich jedoch nur sieben der 27 EU-Mitglieder an dem Vorhaben.

– Siehe Kundendaten-Informationspflicht, Nominee, Zweitausweis.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditrichtlinien (credit guidelines):

Die innert einer Bank gültigen Regeln für die Vergabe von Darlehn. Diese bestehen in der Hauptsache aus schriftlich niedergelegten oder ungeschriebenen Anweisungen (unwritten rules) vor allem in Hinblick darauf,

1. welche Art von Darlehn ein Institut für wünschenswert erachtet und welche nicht,

2. welche geographischen Schwerpunkte zu setzen sind und

3. welche Sicherheiten der Darlehnsnehmer beizubringen hat.

– Im Rahmen der Bank Lending Survey werden Änderungen der Kreditrichtlinien von der EZB erfragt und entsprechend bewertet.

– Siehe Kreditfabrik, Kreditrisiko, Kreditklemme, Kreditmediator, Kreditqualität, Kreditverbreifung, Kreditvergabe-Grundregel, Standarddarlehn, Verlust-Darlehn-Beziehung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2009, S. 16 (Bedeutung der Kreditrichtlinien), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Februar 2009, S. 31 (Bankkonditionen in Deutschland 2004 bis 2009), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2011, S. 37 (Bankkonditionen seit 2002 untergliedert) und die Fortschreibung gewöhnlich im jeweiligen November-Bericht.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditrisiko (credit risk):

1 Allgemein das Verlustrisiko aufgrund ungünstiger Veränderungen in der Bonität von Gegenparteien (Kunden, Lieferanten, Makler, Versicherer).

2 Bei einer Bank die Gefahr, dass ein Geschäftspartner nicht in der Lage sein wird, ein gewährtes Darlehn zuzüglich der Zinsen bei Fälligkeit zurückzuzahlen (the risk that a loan will not be repaid). Näherin unterscheidet man häufig ein

1. Kreditausfallrisiko (credit default risk: der gesamhafte oder teilweise Verlust des Darlehensbetrags einschliesslich der Zinszahlungen),

2. Liquiditätsrisiko (liquidity risk: Verzüge von den vereinbarten Zinszahlungen und Tilgungen seitens des Kunden),

3. Bonitätsrisiko (creditworthiness risk: die gegenwärtige und künftige Zahlungsfähigkeit des Kunden wurde nicht genau eingeschätzt),

4. Besicherungsrisiko (collateralisation risk: der Bank überlassene Sicherheiten sind nicht ausreichend verwertbar) sowie

5. Marktrisiken (market risks: die sich aus Geldwertverschlechterungen oder Änderung des Wechselkurses im Falle von Fremdwährungsdarlehn sowie externen Schocks ergebenden möglichen Verluste).

– Banken versuchen, durch geeignetes Risikomanagement jede Ausleihung - vor allem auch auf dem Interbanken-Geldmarkt - zu besichern bzw. nur Gegenparteien (counterparties; Kreditnehmer) mit eindeutigen Ratings zu bedienen. Die Aufsichtsbehörden verlangen von den Banken im Einzelnen eine Unterlegung für Kredite.

– Siehe Ausfallrate, erwartete, Ausfallwahrscheinlichkeit, Basel-II, Bereitstellungsgebühr, Bonitätsrisiko, Branchenkonzentration, Darlehn-gegen-Papiere-Geschäft, Eventualschaden, Geldmarkt-Segmente, Kredit, kurzfristiger, Kreditereignis, Konditionen-Spreizung, Kreditrisiko-Prämie, Kreditqualität, Kreditvergabe-Grundregel, Kreditzusage, unwiderrufliche, Leveraged Buy-out Risiken, Marktdisziplin, Mikro-Finanzierung, Nichtabnahme-Entschädigung, Pfandgeld, Rating, Krediterweiterung, Probability of Default, Rating-Schritte, Risiko, Risikotransparenz, Subprime-Krise, TED-Spread, Terminrisiko, Unterlegung, Unterseeboot-Effekt, Validierung, Verbriefung, Vorratskredit.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2003, S. 56 ff., Monatsbericht der EZB vom Januar 2005, S. 56 f., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2006, S. 35 ff. (Methoden der Risikomessung), Monatsbericht der EZB vom November 2006, S. 43 (Rating-Änderungen und Reaktion der Märkte; mit Übersichten), Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 33 f. (zur aufsichtsrechtlichen Seite), Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 97 ff. (Umsetzung entsprechender Regeln in Zusammenhang mit Basel-II: Methoden der Eigenkapitalberechnung für das Kreditrisiko) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 79 ff. (neu vorgeschriebene Messverfahren, S. 81 f.: Kreditrisiko-Minderungstechniken), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 58 (Vorschläge des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht zur aufsichtsrechtlichen Bewertung von Kreditrisiken), S. 114 (Berücksichtigung externer Bonitäts-Beurteilungen beim Kreditrisiko-Standardansatz), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2007, S. 36 ff. (Neubewertung der Kreditrisiken aufgrund der Verwerfungen im Zusammenhang mit der Subprime-Krise; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Februar 2008, S. 73 ff. (Kreditrisiko auf dem Geldmarkt in den einzelnen Segmenten), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2008, S. 76 (Risikoprämien angesichts der Finanzkrise; Auswirkungen auf das Potentialwachstum), Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 63 (einzelne sektorale Kreditrisiken in Stress-Tests).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditrisiko-Arbitrage (credit spread arbitrage):

Besonders von Hedge-Fonds betriebene Geschäfte, bei denen solche hochbonitäre Wertpapiere oder Derivate gekauft werden, deren Kreditrisiko am Markt überbewertet erscheint. Das Laufzeitenrisiko wird durch den Kauf ähnlicher Titel abgesichert. - Ist man der Meinung, das Kreditrisiko eines Emittenten sei unterbewertet, so werden diese aus dem Portfolio des Fonds abgestossen.

– Siehe Anleihe, Hedge-Fonds-Strategien, Gegenspekulations-Theorie, Substanzwertanleger.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditrisiko-Prämie (credit swap):

Der von der Bonität des jeweiligen Schuldners abhängige, in Rating-Klassen gemessene Risikozuschlag (risk add-on, risk premium) bei den Darlehn einer Bank. Ein Anstieg der Prämie deutet auf bereits eingetretene oder erwartete Verluste aus dem Kreditgeschäft hin.

– Siehe Bonitätsklasse, Bonitätsrisiko, Konditionen-Spreizung, Risikoadjustierung.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Dezember 2008, S. 76 (Erhöhung der Prämien angesichts der Finanzkrise; Auswirkungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditrisiko-Transfer (credit risk transfer, CRT):

Angebot und Nachfrage nach von Banken ausplazierten Risikopositionen (placed risk positions) vor allem in Zusammenhang mit Darlehn bei Leveraged Buy-outs und bei Verbriefungen. Ausgelöst vor allem durch die Subprime-Krise, hat sich dieser Markt stark ausgedehnt; und auch die einzelnen Instrumente der Risikoübertragung haben sich vervielfältigt (since the subprime-crisis the range of CRT instruments and the circumstances in which they are used have widened significantly). Inzwischen ist der Kreditrisiko-Transfer zu einem eigenen Fachgebiet geworden.

– Siehe Aktiva, illiquide, Collateralised Debt Obligations.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2007, S. 106 f. (entstehende Abhängigkeiten), Monatsbericht der EZB vom November 2007, S. 26 ff (Rückgang der LBO-Aktivitäten und ihre Gründe; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditsachbearbeiter (loan officer, loan representative):

Angestellte einer Bank, die alle Arbeiten erledigen, die in Zusammenhang mit der Abwicklung von Darlehn an Firmen und Privathaushalte sowie mit den sich allfällig daraus ergebenden Umschuldungen stehen. Sie beraten die Kunden in Kreditfragen, bearbeiten die Kreditanträge und fertigen damit zusammenhängende Berichte an. Unter Beachtung des Kreditwesengesetzes überwachen sie die laufenden Kredite. Ausserdem prüfen sie die Kreditunterlagen - bei grösseren Summen ist in der Regel noch ein weiterer, höhergestellter Angestellter oder gar ein Vorstandsmitglied eingeschaltet - und setzen weithin selbständig die Sätze für Zinsen und Tilgung fest. Sie vertreten somit die Bank gegenüber dem Kunden, aber auch den Darlehnsnehmer gegenüber dem Institut (they are the representative of the lending institution, and they represent the borrower to the lending institution). - Aus der Aufgabenbeschreibung (job characteristics) wird deutlich, dass diese Mitarbeiter über eine Reihe besonderer Fähigkeiten verfügen müssen. Erfahrungsgemäss sind solche Personen aus dem Bankpersonal aber nur sehr schwer zu rekrutieren. Dies ist ein Hauptgrund dafür, dass man die Masse der anfallenden Entscheidungen in diesem Bereich (the large volume of decisions in this field) häufig einer Kreditfabrik überträgt. Kreditsachbearbeiter sind damit für die Bedienung der besonderen Fällen frei.

– Siehe Kredit-Punktbewertungsverfahren, Kundenberatung, Kundenmitnahme, Outsourcing, Standarddarlehn.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditsperre (ban on credit, credit blocking):

1 Eine Bank stoppt darlehnsvertraglich vereinbarte Zahlungen an einen Kunden vorübergehend oder völlig, weil in der Regel)Tatsachen bekannt wurden, welche die Kreditwürdigkeit (creditworthiness) des Darlehnsnehmers infrage stellen.

2 Im Zuge der Schuldenbremse die zeitweilige Untersagung der Aufnahme neuer - auch parlamentarisch schon bewilligter - Kredite durch den Staat.

– Siehe Darlehn, widerrufenes, Downgrade-Trigger-Klausel, Drittverzugs-Klausel, Erstraten-Verzugsklausel, Event of Default, Kredit-Punktbewertungsverfahren, Kreditklemme, Kreditqualität, Übermut, Verwirkungsklausel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditspread (credit spread):

Wenn nichts anders definiert, so versteht man darunter den Unterschied in der Rendite einer festverzinslichen (fixed interest bearing) Anleihe eines Unternehmens und einer Staatsanleihe mit gleicher Laufzeit und in gleicher Währung (yield spread between a corporate bond and an equivalent government bond). Freilich gilt es, wenn man Schlüsse aus dem so gemessenen Kreditspread herleiten möchte, gerade auch bei Staatsanleihen die Bonität des jeweiligen Emittenten genau einzuschätzen. Die selbst noch in neueren Lehrbüchern vorgetragene Meinung, Staatsanleihen seien in jedem Falle eine sichere Anlage, ist durch die Erfahrung eindeutig widerlegt (falsifiziert; falsified: is proven to be wrong).

– Siehe Spreizungsrisiko, Zwangsenteignung.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 17 (Gefahren durch Leistungsbilanz-Ungleichgewichte auf den jeweiligen Markt für Staatsanleihen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2010, S. 63 f. (Wirkung der Leistungsbilanz-Ungleichgewichte in der Finanzkrise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kredittermingeschäft (loan forward contract):

Eine Bank verpflichtet sich, einem Kunden

1. ein in seiner Höhe festgelegtes Darlehn

2. zu einem bestimmten Zeitpunkt und

3. zu einem im vorab vereinbarten Zinssatz zur Verfügung zu stellen. Für die Bank entsteht damit neben dem Kreditrisiko auch ein Zinsänderungsrisiko; beides erfordert ein besonderes Risikomanagement.

– Siehe Absicherung, Kreditsachbearbeiter, Kreditzusage, konditionsfixierende, Zinsoption, Zinstauschgeschäft, Zinsterminkontrakt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditunterstützung, erweiterte (enhanced credit support):

In der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise häufig benutzte Bezeichnung für die Politik einer Zentralbank, den Märkten auf verschiedenen Wegen möglichst viel Liquidität zuzuleiten, um eine Kreditklemme zu vermeiden.

– Siehe Aufkäufe, zentralbankliche, Carry Trades, Dreijahrestender, EZB-Sündenfall, Larghezza, Quantitative Easing, Tarnkappen-Politik, Vollzuteilung.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2009, S. 37 ff. (Auswirkungen des ersten längerfristigen Refinanzierungsgeschäftes mit einjähriger Laufzeit), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2009, S. 46 (Ankauf von gedeckten Schuldverschreibungen durch die EZB; Übersichten), Finanzstabilitätsbericht 2011, S. 21 f (Vollzuteilung bei den Refinanzierungsgeschäften der EZB wird beibehalten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditverbot (credit ban):

Die Forderung, dass Institute sich lediglich auf die Verwaltung (management, control) von Geld und Vermögen beschränken sollten, aber keine Darlehn gewähren dürften. - Ein solches Verlangen, von wem auch immer - und vor allem in Internet-Foren - vorgetragen, verkennt wesentliche volkswirtschaftliche Zusammenhänge. So wird durch den Kredit vor allem bewirkt, dass

1. Geld aus der Hand des Sparers zur Verfügung des Unternehmers kommt, und dabei

2. durch die Sachkunde (expert knowledge) einer Bank grundsätzlich der tüchtigste Unternehmer, der beste Wirt ausgewählt wird, nämlich derjenige, der mit dem Darlehn den höchsten Ertrag erzielt (unschön "optimale Allokation der Ressourcen" genannt), während

3. der Sparer angeregt wird, auf Konsum zu verzichten, weil er die Möglichkeit findet, ohne eigene Arbeit Zins zu beziehen, und auch

4. der Staat mit aufgenommenem Kredit Leistungen für die gesamtwirtschaftliche Wohlstandsmehrung (etwa: Förderung von Wissen und Können in der Erwerbsbevölkerung, Bau von Verkehrswegen und Kommunikationskanälen) erbringen kann.

– Ob die genannten und andere Wirkungen des Kredits durch einen wie auch immer zusammengesetzten Ausschuss überhaupt - und dazu gar auch noch besser - geleistet werden könnten, erscheint höchst fraglich. Die Erfahrungen mit der zentralen Kreditvergabe (central credit allocation) in den sozialistischen Ländern jedenfalls zeigen ohne Zweifel, dass die knappen Mittel (limited resources) dort nicht zum besten Wirt (most succesful enterpriser) gelangten. Im Gegenteil, die Vergeudung der Ressourcen (squandering of resources) erreichte in den sozialistischen Staaten auf allen Gebieten einen geschichtlichen Höchststand (historical maximum).

– Siehe Crowding out, Fristentransformation, Intermediation, Kernaufgabe, bankliche, Liquiditätsmanagement, Verbriefung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditverbriefung (loan syndication):

Allgemein eine Tätigkeit der Banken, bei der

1. nicht handelbare Vermögenswerte. wie etwa Hypotheken-Forderungen oder Kredite an Unternehmen, zusammengefasst,

2. zu marktfähigen Wertpapieren (marketable papers) umgestaltet und

3. an Anleger verkauft werden. Die Banken geben solche Schuldtitel meistens nur an weltweit agierende institutionelle Anleger ab. Sie sind allein gedeckt durch die Rückzahlung der von Banken gewährten Kredite. Damit übertragen die Banken das Kreditrisiko an andere Marktteilnehmer.

– Im wesentlichen unterscheidet man

1. die True-Sale-Verbriefung, bei der die abgegebenen Forderungen nicht mehr in der Bankbilanz ausgewiesen werden, und die

2. synthetische Verbriefung, bei der lediglich die Kreditrisiken weitergereicht werden, während jedoch die Kreditforderung selbst in der Bilanz der Bank (des Originators; originators) verbleibt.

– Für die Aufsichtsbehörden ergibt sich daraus die Pflicht, vor allem die Fonds besonders daraufhin zu überwachen, ob sie sich nicht zu sehr mit solchen risikobehafteten Titeln (risk bearing assets) belastet haben. Denn die Banken werden bei der Kreditgewährung grosszügiger (more generous) sein, wenn den Ausfall-Verlust andere tragen müssen (moral hazard: an economic subject changes the behaviour to lower mindfulness if other parties have to shoulder potential losses).

– Siehe Aktiva, illiquide, Asset-Backed Securities, Back-to-Originator-Postulat, Credit Default Swap, Credit Linked Notes, Einzel-Originator-Verbriefung, Good Bank, Kreditderivat, Krediterweiterung, Kreditrisiko-Transfer, Moral Hazard, Risikoanhebung, subjektive, Risikotransformation, bankliche, Risikoübernahme-Grundregel, Risk Taker, Rückschlag-Effekt, Rückzahlung, vorzeitige, Single Master Liquidity Conduit, Subprime-Krise, Total Linked Notes, Umsatzverbriefung, Unterstützung, stillschweigende, Verbriefung, Verbriefungspapiere-Selbstbehalt, Wertpapiere, forderungsbesicherte.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2004, S. 29 ff., Monatsbericht der EZB vom September 2005, S. 20 ff. (S. 21 erklärendes Schaubild der Verbriefungs-Vorgänge; S. 22 ff. Analyse der Auswirkungen der Kreditverbriefung auf die Geldpolitik; in den Fussnoten auch nützliche Literaturhinweise), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 55 (Selbstbehalt-Regelungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditvergabe-Grundregel (bank lending basic rule):

Ein Darlehn darf nur bekommen, wer

<1. subjektiv willens (is willing) und/p>

2. objektiv in der Lage (is able) ist, den Kredit zurückzuzahlen.

– Die Finanzgeschichte zeigt deutlich, dass sobald diese beiden Umstände nicht gewissenhaft berücksichtigt werden, es über kurz oder lang zu Bankzusammenbrüchen mit weitreichenden Folgen kommt, sowie im Zuge der Subprime-Krise.

– Siehe Abzahlungshilfen, Community Investment Act, Kredit, kurzfristiger, Kreditverbreifung, Kreditkarten-Fiasko, Kredit-Punktbewertungsverfahren, Kreditverlust, Luftpapiere, Ninja Loans, Papiere, toxische, Subprime Lending, Subprime-Wohnraumfinanzierung, Zitronenhandel, Zwei-Achtundzwanzig-Kredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditvergabe-Verhalten (lending behaviour):

Interne Richtlinien der Banken zur Kreditgewährung an die Geschäftskunden und Privathaushalte. Die Zentralbank muss allfällige Verhaltensänderungen der Banken bei ihrer Geldpolitik berücksichtigen. Über Umfragen verschafft sich daher die EZB einen entsprechenden Überblick.

– Siehe Bank Lending Survey, Kreditklemme, Kredit-Punktbewertungsverfahren, Kreditsachbearbeiter, Verlust-Darlehn-Beziehung.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2003, S. 10 ff., Monatsbericht der EZB vom November 2008, S. 61 ff. (Verlässlichkeit von Umfrageergebnissen in turbulenten Zeiten; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Februar 2009, S. 31 (Bankkonditionen in Deutschland 2004 bis 2009), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2010, S. 37 (Bankkonditionen 2002-2010), Monatsbericht der EZB vom November 2010, S. 19 ff. (Kreditvergabe-Verhalten in Bezug auf einzelne Wirtschaftszweige seit 2004; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Januar 2011, S. 61 ff. (ausführliche Darstellung der angebotsseitigen und nachfrageseitigen Bestimmungsgründe auf dem Kreditmarkt; viele Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2011, S. 37 (Bankkonditionen seit 2002 untergliedert) sowie die Fortschreibung im jeweiligen November-Bericht.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditverlust (credit default):

Der durch Zahlungsunfähigkeit eines Kreditnehmers eingetretene Verlust einer Bank. Dessen genaue Höhe wird der Bank erst nach dem Abwicklungszeitraum bekannt. Diese Zeit kann, abhängig vom Kreditvertrag und von der Besicherung, unterschiedlich ausfallen. Sie liegt in der Regel zwischen achtzehn Monaten und drei Jahren, kann aber in Ausnahmefällen mehr als zehn Jahre betragen.

– Siehe Ausfallwahrscheinlichkeit, Eventualschaden, Kreditereignis, Kreditrisiko, Rating, Verlustquote.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditverkauf (sale of credits):

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht zählt in einem eigenen Merkblatt zum Kreditgeschäft die folgenden Geschäfte zum Kreditverkauf.

1. Die synthetische Transaktion. Hierbei sucht die Bank vertraglich das Risiko auf einen Dritten zu übertragen - in der Regel auf dem Weg über Kreditderivate -, behält den Kredit aber weiter in den Bilanzen und bearbeitet ihn.

2. Die Ausgliederung oder Abspaltung. Dabei wird ein Kreditportfolio nach dem Umwandlungsgesetz zunächst auf eine eigens dafür ausgegliederte oder abgespaltete Gesellschaft durch die Ausgliederung oder Abspaltung im Wege der Gesamtrechtsnachfolge übertragen.

3. Die vertragliche Übertragung eines Kreditportfolios. Hier tritt der Erwerber an die Stelle des Veräusserers - mit Einwilligung des jeweiligen Schuldners - in die einzelnen Kreditverhältnisse ein.

4. Der Forderungsverkauf (true sale). Diesfalls wird das Kreditportfolio an eine Zweckgesellschaft oder anderen Dritten im Wege der stillen oder offenen Abtretung der Darlehensforderungen veräussert.

5. Das Unterbeteiligungsmodell (sub participation). Dabei bildet der Investor im Wege der Einräumung einer offenen oder stillen Unterbeteiligung eine bürgerlich-rechtlichen Innen- oder stille Gesellschaft.

– Das Merkblatt der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht enthält zur Erlaubnispflicht der aufgezählten Transaktionen nähere Erläuterungen.

– Siehe Darlehnforderungs-Verkauf, Kredit-Abtretung, Kreditverbriefung, Subrogation, Verbriefung, Weiterverpfändung, Zession, Zweckgesellschaft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditvermittlungsplattform (credit brokerage platform):

Hauptsächlich im Internet wirkende Dienste, die das Angebot und die Nachfrage nach Darlehn zusammenbringen. Wenn es hier bei der reinen Vermittlung bleibt, so ist für ein solches Geschäft keine Erlaubnis notwendig. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht beobachtet jedoch die Betreiber der entsprechenden Onlineplattformen (online platforms) in Hinblick darauf, ob nicht auch das erlaubnispflichtige Kredit- und Einlagegeschäft betrieben wird.

– Siehe Crowdfunding, eLolly, Internet-Foren, Peer-To-Peer-Lending, Social Lending Platform.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 208 f. (auch bei Verdachtsfällen kann die BaFin im Rahmen der allgemeinen Gefahrenabwehr [within the framework of general risk prevention] gegen Dienstleister vorgehen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditversicherung (credit insurance):

1 Das Abtreten des Adressen-Risikos an einen Versicherer gegen Zahlung einer Prämie. - Weltweit ist die Anzahl entsprechender Policen minim, weil

1. die Assekuranzbranche, also Versicherungen und Rückversicherungen, gerade in dieser Sparte eine äusserst strenge Annahmepolitik (underwriting policy) betreibt und

2. die Prämien verhältnismässig hoch sind (insurance companies specialising in appraising default risk guarantee companies reimbursement of a debt in exchange for a premium equivalent to at least 0,3 percent of the nominal).

3. Hinzu tritt: in der Kreditversicherung besteht beim Abschluss von Mantelverträgen - im Gegensatz zur Einzelforderungs-Absicherung und Einzeldebitoren-Absicherung - der Grundsatz, dass der Versicherungsnehmer seine gesamthaften Forderungen gegen alle seine gegenwärtigen und zukünftigen Abnehmer dem Kreditversicherer anzubieten hat (Anbietungspflicht; offering obligation).

4. Ferner hat der Versicherungsnehmer alle ihm bei Beantragung des Versicherungsschutzes bekannten sowie die ihm anschliessend bekannt werdenden Umstände, welche für die Übernahme des Versicherungsschutzes - insbesondere für die Beurteilung der Kreditwürdigkeit seiner einzelnen Kunden - erheblich sein können, der Versicherung anzuzeigen, wie etwa die Nichteinlösung eines Schecks.

5. Schliesslich enthalten die Verträge regelmässig die Klausel, dass jederart gefahrerhöhende Umstände (risk-aggravating factors) gegenüber der Versicherung unverzüglich anzeigepflichtig sind.

2 Meistens von Bausparkassen vertragsgemäss geforderte Versicherung eines Bausparers für den Fall, dass dieser vor der Rückzahlung des Bauspardarlehns stirbt oder arbeitsunfähig (disabled) wird (insurance designed to pay the balance due on a loan if the building society saver dies before the loan is repaid; an optional disability insurance often is added to cover the insured portion of the periodic mortgage payments for as long as the insured building society saver remains disabled).

– Siehe Anbietungsgrenze, Ausfallwahrscheinlichkeit, Bonitätsrisiko, Borgkraft, Default, Einzug, Factoring, Franchise, Kredit, notleidender, Kreditlinie, Kreditqualität, Mietausfall-Versicherung, Monoliner, Portfolio-Versicherung, Probability of Default, Rating, Reintermediation, Schulden, notleidende, Übermut.

– Vgl. für Deutschland Statistiken und Beschreibungen im jeweiligen Jahresbericht der BaFin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditvolumen (credit volume, total borrowings):

Wenn nicht anders definiert, so meint man damit die Summe aller gewährten Darlehn in

1. einer Volkswirtschaft,

2. einem Währungsgebiet oder

3. der Welt gesamthaft zu einem bestimmten Zeitpunkt.

– Die statistische Erfassung muss sich hierbei in jedem Fall auf Bankbilanzen gründen. Weil es aber Instituten möglich ist, auf dem Weg der True-Sale-Verbriefung gewährte Kredite aus der Bilanz auszubuchen, so ist es in jedem Fall sehr schwierig, das genaue Kreditvolumen zu berechnen (since by true-sale securitisation it is possible for credit to be taken off the balance sheet, it thus disappear from official statistics based on bank balance sheets).

– Siehe Darlehn, Konzernbank.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditvotum (granting of funds):

In älteren Dokumenten die Zustimmung parlamentarischer Körperschaften (Landstände; provincial legislatures as elected representatives, estates of the country) zu Begehren der Regierung auf Zuweisung von Geld für bestimmte Staatszwecke.

– Siehe Bewilligungsrecht, Budget, Postulat.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditwirtschaft und Kreditgewerbe (banking industry):

Verbreitete, aber von der Deutschen Bundesbank und der EZB gemiedene Bezeichnungen für die Gesamtheit aller Institute; man bevorzugt dort die Bezeichnung Bankensektor (banking sector). - Kreditwirtschaft bezeichnet mehr das organisatorische Gefüge (organisatorial structure) des Bankensektors: seine Interessensvertretungen (interest representations) und Vereinigungen (professional associations), wie etwa den Bundesverband öffentlicher Banken oder den Deutscher Sparkassen- und Giroverband.

– Siehe Bank, Bankgewerbe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditzinsen (interest on borrowings):

Die

1. Höhe des Zinses in Prozent gerechnet für ein Darlehn oder

2. die seitens der Bank vom Konto abgebuchte Summe für in Anspruch genommenen Kredit.

– Siehe Aktivzinsen, Einlagenzinsen, Negativzins. Zinsweitergabe.

Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2009, S. 105 ff. (Abhängigkeit der Kreditzinsen vom Leitzins der Zentralbank theoretisch und empirisch; Übersichten; Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditzusage (commitment):

Bei einem Institut das rechtsverbindliche Versprechen, einem Kunden zu einem vereinbarten Zeitpunkt ein Darlehn zu gewähren (the promise of a bank to lend an agreed sum of money at a future date). Meistens ist dabei eingeschlossen, dass sich der Kreditnehmer in einem verpflichtet, das Darlehn auch anzunehmen.

– Siehe Bereitstellungsgebühr, Kreditsachbearbeiter, Kreditzusage, konditionsfixierende, Kreditzusage, unwiderrufliche, Kreditzweck, Nichtabnahme-Entschädigung. Wirtschaftsauskunftei.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditzusage, konditionsfixierende (fixed-term loan commitment):

Eine Bank räumt einem Kunden eine Fazilität unter vertraglich festgelegten Bedingungen ein. Bis zur Ziehung der Fazilität - dem Abruf des Darlehns - kann eine längere Zeit liegen. Üblicherweise behält sich daher die Bank vor, das Darlehn dann nicht auszuzahlen, wenn es bis zum Abruf der Mittel zu einer erkennbaren Verschlechterung der Bonität des Kunden kommt. - Bei Festzinsdarlehen erwächst der Bank aus dem Schwebezeitraum zwischen Vertragsabschluss und Auszahlung ein Laufzeitenrisiko. Denn sie kann eine allfällige zwischenzeitlich eingetretene Erhöhung der Zinsen nicht weitergeben. Dieses Zinsänderungsrisiko muss durch entsprechende Vorkehrungen (provisions for contingent losses; Drohverlust-Rückstellung, Zinsswap) ausgeglichen werden.

– Siehe Absicherung, Aktiva-Passiva-Ausschuss, Bereitstellungsgebühr, Cash Flow Hedge, Contingent Swap, Kreditqualität, Kredittermingeschäft, Kreditzusage, unwiderrufliche, Laufzeitprämie, Nichtabnahme-Entschädigung, Zinsbindung, Zinsoption, Zinsswap.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditzusage, unwiderrufliche (unconditional loan commitment):

Eine Bank räumt einem Kunden eine Fazilität ein, über die dieser jederzeit bedingungslos verfügen kann. - Eine solche Zusicherung der Bank bewirkt eine Verstärkung der Bonität (enhancement of soundness) und gleicht einer Garantieerklärung. - Im Zuge der Subprime-Krise mussten viele Zweckgesellschaften die ihnen von dem Originator eingeräumten Fazilitäten ziehen, den zugesagten Darlehnsbetrag also voll in Anspruch nehmen, um ausgegebene Verbriefungspapiere weiterhin bedienen zu können bzw. auch kreditgebenden Dritten gegenüber zahlungsfähig zu bleiben. Das brachte einige der originierenden Banken an den Rand der Insolvenz. - Seltsamerweise mussten aber solche Kreditzusagen mit Gewährleistungsrang (nach IAS 37.23) nur dann als Rückstellungen in der Bilanz ausgewiesen werden, wenn eine überwiegende Wahrscheinlichkeit der Inanspruchnahme zu erwarten war. Weil jedoch bis zur Subprime-Krise die Fazilitäten des Originators von der Zweckgesellschaft kaum gezogen wurden, so verschwanden die Kreditzusagen in das sog. "bilanzielle Nichts" (were not reported on the balance sheet): sie fanden sich lediglich in beiläufigen Anhang- oder Lageberichtsangaben festgehalten. - Ihrer Natur nach ist eine unwiderrufliche Kreditzusagen eindeutig ein Finanzinstrument (financial instrument: Vertrag, aus dem für eine der beteiligten Partner ein finanzieller Vermögenswert, für den anderen Partner hingegen eine finanzielle Verbindlichkeit fliesst).

– Siehe Ausserbilanzgeschäft, Aval, Back-to-Originator-Postulat, Bonitäts-Verbesserung, Credit Enhancement, Bürgschaft, Credit Enhancement, Garantie, Garantiegeschäft, Kreditqualität, Patronatserklärung, Rückübertragungs-Klausel, Rückzahlung, vorzeitige, Unterstützung, stillschweigende, Verbriefungspapiere-Selbstbe¬halt, Zweckgesellschaft-Konsolidierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditzweck (purpose of a credit):

Das Vorhaben, welches ein Kunde mit dem gewährten Darlehn durchzuführen beabsichtigt. Beim Kreditvergabe-Verhalten der Banken ist dies eine sehr wichtige Grösse. Auch für die Zentralbank sind entsprechende Kenntnisse zur Inflationsprognose von entscheidender Bedeutung. Denn Darlehn, die für Investitionen aufgenommen werden, um Produktionskapazitäten zu erweitern, wirken anders auf die Inflation als Konsumentenkredite oder Immobilienkredite.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreditzyklus auch Kreditvergabezyklus (credit cycle):

Die empirische Tatsache, dass die gesamthafte Nachfrage nach Darlehn in der Zeit nicht gleichmässig verläuft, sondern sinuskurvenähnlichen Schwankungen (sinusoidal oscillations) unterliegt, die im Regelfall vom Konjunkturzyklus abhängig sind (the sequence begins at a certain period where funds are easily borrowed, followed by a contraction. It is in this stage wherein interest rates climb up and rules pertaining to lending have become a lot stricter. Once the risk has lessened, the cycle will again commence).

– Siehe Aktienkurs-Gleichlauf, Börsenkrach, Crash, Erwartungen, Kaskaden, Kreditklemme, Krisen-Vorschatten, Konjunkturdiagnose, Krise, Prozyklizität, Sinuskurven-Fetischismus, Stabilisatoren, automatische, Turnaround, Verlust-Darlehn-Beziehung, Wirtschaftsindikatoren, wichtige, Zyklik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreïrung (creation of new products; issue of state papers):

1 Das Ausarbeiten und/oder die Markteinführung (market launch) neuer Finanzprodukte im Zuge des Financial Engineering.

2 In der älteren Finanzsprache auch gesagt für die Emission von Staatspapieren.

– Siehe Anlage, innovative, Behavioural Finance, Qualitätssteuerung, Staatsanleihe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreisgeld (district administration fee):

Frühere Abgabe, die an den Kreis in Sinne von Gemeinde-Verband zu leisten war, auch Kreisanliegenheit, Kreisanschlag, Kreisextraordinarium, Kreisgebührnis, Kreisprästanda, Kreisschatzung, Kreisumlage und ähnlich genannt. Das Kreisgeld wurde

1. teils von allen im Kreis ansässigen Personen (Kreiseingesessene; district dwellers),

2. teils von begüterten Personen (well-to-do persons),

3. teils als Umlage bei den einzelnen Gemeindekassen eingezogen.

– Die Abgabe diente in erster Linie dazu, Infrastrukturmassnahmen für den Bezirk (to develop infrastructure of the area) zu finanzieren, wie etwa die Anlegung von Strassen, die Schaffung von Anlagen zur Brandsicherung wie Löschteiche, Geräte und Wagen, die Einrichtung und Unterhaltung von besonderen Schulen oder den Bau und den Betrieb von Altenheimen (old-age homes) und Krankenhäusern.

– Siehe Brandgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kreuzer (cruiser):

1 Ursprünglich volkstümliche Bezeichnung für den Tiroler Groschen im 13. Jahrhundert, weil auf diesem ein Doppel-Kreuz geprägt war. Von da aus wurde der Kreuzer zu einer weit verbreiteten Münze, abgekürzt in alten Dokumenten in der Regel mit Kr oder Xr.

2 Von 1510 bis 1892 die Währungseinheit in Österreich.

– Siehe Heller, Verrechnungsmünze.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Krida (creditor's meeting; deceptive insolvency practices):

1 In der älteren Finanzsprache die Einladung zu einer Zusammenkunft der Zahlung fordernden Gläubiger - dann auch Liquidanten genannt - bei drohender oder bereits eingetretener Zahlungsunfähigkeit eines Schuldners.

2 Betrügerische Machenschaften in Zusammenhang mit einem Konkurs. Krida begeht demzufolge, wer schuldhaft die Befriedigung seiner Gläubiger beeinträchtigt.

– Siehe Bankrott, Finanzonkologe, Insolvenz, Liquidität, Pleitegeier.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kriegsanleihe (war bonds):

Von Regierungen zur Finanzierung eines Krieges aufgelegte Schuldverschreibung (debt securities issued by a government for the purpose of financing war), in der Vergangenheit sehr oft mit Kaufzwang (obligation to buy) für alle Staatsbürger oder bestimmte Schichten - wie Bezieher höherer Einkommen, Grundbesitzer - und juristische Personen verbunden.

– Siehe Anleihe, Festungsgeld, Hussitengeld, Obristen-Darlehn, Türkengeld, Zwangsanleihe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kriegskasse (war chest):

1 Öffentliche Haushaltsmittel, die ein Staat für einen geplanten oder gegnerischerseits erwarteten Krieg anhäuft.

2 Bei einem Unternehmen die angesammelten Mittel, um im Zuge von Fusionen und Übernahmen rasch handeln zu können (a company's cash reserve set aside to be used for expansion like purchasing other firms or to defend against a hostile takeover).

– Siehe Aktionärstimmenjagd, Barofferte, Blitzkrieg-Übernahmeangebot, Geldsockel, Greenmail, Handgeld, Makkaroni-Abwehr, Radar-Überwachung, Raider, Risiko, personelles, Übernahme, feindliche, Übernahme-Angebot, Übernahme-Appell, Überraschungsangriff.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Krise auch Geschäftslosigkeit und in alten Dokumenten zuweilen Desokkupation (crisis, dead calm):

Im ökonomischen Sinne

1 allgemein ein schwieriger Zustand mit Absatzstockung (stagnation of sales) auf einem Teilmarkt (sub-market) oder in der Volkswirtschaft gesamthaft.

2 Der Zeitraum period of time), in dem sich in der Entwicklungsrichtung ein aussergewöhnlicher, anhaltender Abschwung ereignet.

– Siehe Baisse, Börsenkrach, Crash, Depression, Dialemma, Finanzkrise, Finanzmarktschock, Friedhof-Markt, Frühlingstriebe, Insolvenzfälle, Jobless Recovery, Konjunkturzyklus, Kreditzyklus, Krisenpeitsche, Krisenplan, Krisen-Vorschatten, Landung, weiche, Panikverkäufe, Rezession, Verschuldungsquote, private, Wirtschaftskrise.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2013, S. 69 ff. (Krisenanpassung innert der EWU; ausführliche Darstellung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Krise, systemische (systemic crisis):

Die Gefahr

1. einer schweren Störung oder

2. gar des Zusammenbruchs der regelmässigen Tauschbeziehungen innert einer Volkswirtschaft oder der Weltwirtschaft gesamthaft (extremely severe and widespread troubles that affect the whole financial and monetary system).

– Der Zusammenbruch des US-Bankhauses Lehman Brothers Mitte September 2008 hat gelehrt, dass eine - sogar weltweite - systemische Krise von der Insolvenz einer in vielen Teilbereichen der Wirtschaft verflochtenen Bank ausgehen kann.

– Siehe Bank, systemische, Dominostein-Effekt, Finanzmarkt-Interdependenz, G-Sifi, Imponderabilien, Krisenplan, Murphy's Gesetz, Risiko, systemisches, Stabilisatoren, automatische, Too big to fail-Grundsatz, Wirtschaftskrise.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2009, S. 118 ff. (Bankensektor in systemischen Krise; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2010, S. 42 f. (Auswirkungen der Finanzkrise bei Unternehmen, Haushalten und dem Staat), Monatsbericht der EZB vom Juli 2011, S. 91 ff. (EU-Rahmen für das Krisenmanagement im Finanzsektor), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 98 (weiterhin Gefahren durch den möglichen Zusammenbruch global vernetzter Institute), Geschäftsbericht 2012 der Deutschen Bundesbank, S. 97 (Entwurf für das Krisenmanagement bei in Schieflage geratenen Instituten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Krise, zentralbankbewirkte (crisis caused by central bank activity):

Die Auffassung, dass die Politik der Zentralbank Ursache (would be the cause of or reason for) einer Krise sein könne. Im Besonderen wird dabei die Hochzinspolitik oder Niedrigzinspolitik der Zentralbank genannt. Indessen gibt es keinen einzigen überzeugenden empirischen Befund und daher auch keinen schlagenden Beweis für diese Meinung. - So ist zwar tatsächlich ein durch die Zentralbank veranlasster Nullzins höchst gefährlich; und besonders der EZB wurden daher ab 2012 heftige Vorwürfe gemacht. Aber der Euroraum steckt nicht in Schwierigkeiten, weil die Zinsen nahe Null sind. Vielmehr begegnet die Zentralbank mit ihrer Politik krisenhaften Zuständen (crisis-ridden developments) im Euroraum wie mangelnder Wettbewerbsfähigkeit in einigen Ländern, hoher Staatsverschuldung und angeschlagenen Banken (troubled banks, floundering institutes) bei absehbarer demographischer Belastung (demographic burden in the foreseeable future). Gewiss ist die Besserung in den genannten und anderen Problemfeldern vorab Aufgabe der politischen Entscheidungsträger in Regierungen und Parlamenten. Die Zentralbank muss jedoch durch ihre Massnahmen zumindest unterstützend wirken. Daneben hat sich gezeigt - sehr deutlich bei den auf die Subprime-Krise ab 2007 folgenden und sich weltweit ausbreitenden Verwerfungen auf dem Finanzmarkt, - dass bei Politikverzug (political immobilism: the inaction of policy makers) allein die Zentralbank zu raschem Handeln fähig ist.

– Siehe Aufkäufe, zentralbankliche, Blase, spekulative, Erpressungspotential, EZB-Sündenfall, Finanzkrise, Vermeidbarkeit, Geld, billiges, Geldinondation, Geldüberversorgung, Immobilienblase, Lug-und-Trug These, Quantitative Easing, Repression, finanzielle, Tarnkappen-Politik, Zinssenkungs-Politik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Krise der Sicherheiten (crisis of collaterals):

Im Jahr 2007 aufgekommener Begriff in Zu¬sammenhang mit der Subprime-Krise. - In den USA

1. wurden an Hausbesitzer niedriger Bonität (sub-prime addresses)

2. in stattlichem Umfang locker gewährte Hypothekarkredite (covenant-light credits) notleidend. Weil

3. diese Kredite sich verbrieft im Portfolio vieler Institute weltweit befanden,

4. traten Zweifel an der Bonität von Geschäftspartnern auf. Selbst

5. auf dem Interbanken-Geldmarkt stockte das Geschäft, weil

6. unbekannt war, welche Forderungen aus Verbriefungen (und hier aus Papieren aller Tranchen) auf das einzelne Institut zukommen werden.

7. Es kam deshalb allgemein zu einem Liquiditäts-Engpass (liquidity bottleneck), den

8. die Zentralbanken durch reichliche Liquiditäts-Zufuhr aufzubrechen versuchten.

9. Als diese Massnahmen allein nicht den gewünschten Erfolg versprachen, griff der deutsche Staat im Herbst 2008 mit dem Finanzmarktstabilisierungsgesetz (German Financial Markets Stabilisation Act) zur Wiedergewinnung und Sicherung der Finanzmarktstabilität ein.

– Siehe Ansteckungswirkungen, Bankengeld¬markt, Elisabeth-Frage, EURIBOR, Garantiefonds, Liquiditätsrisiko, Mark-to-Model-Ansatz, Prozyklizität, Notfall-Liquiditätshilfe, Originate-to-distribute-Strategie, Quantitative Easing, Reintermediation, Rückschlag-Effekt, Subprime Lending, Unterseeboot-Effekt, Verbriefungsstruktur, Vollzuteilung, Zinstender.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom September 2007, S. 33 f.(Chronologie der Ereignisse und sehr detailliert die Massnahmen der EZB), Monatsbericht der EZB vom November 2007, S. 18 ff. (Auswirkung der Subprime-Krise auf die einzelnen Sektoren des Finanzmarktes), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 56 (Vorschriften für das Liquiditätsrisiko-Management).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Krisenanfälligkeit (vulnerability to crises):

Die Auswirkung eines Nachfragerückgangs von (in der Regel gerechnet) zehn Prozent auf die Produktion und Beschäftigung in

1. einem Unternehmen,

2. einer Branche oder

3. in einem Wirtschaftsgebiet, nämlich einer Region, einer Volkswirtschaft oder einem länderübergreifenden Wirtschaftsraum wie die EU (the effects of a ten percent decline in demand on production and employment in a company, a branch, a region. a national economy, or an economic territory). Die Höhe des Nachfragerückgangs wird dabei nicht einheitlich mit zehn Prozent definiert.

– Die Krisenanfälligkeit von Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes unterscheidet sich je nach Wirtschaftszweig, Rechtsform, Eigenkapitalausstattung und Grössenklasse. Gesellschaften mit hoher Unit-Value-Relation sind kaum krisenanfällig. Überhaupt hat sich die Schockabsorptionsfähigkeit (shock absorption capacity) der deutschen Industrie nach Berechnungen der Deutschen Bundesbank in den letzten Jahren deutlich verbessert. Dadurch sank auch die Gefahr einer allfälligen Ansteckung des Finanzsektors.

– Siehe Gearing, Preissetzungsmacht, Sektorkonzentration.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2014, S. 62 ff. (Bestimmungsgründe für die Krisenanfälligkeit von Unternehmen; einzelne Risikofaktoren; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Krisen-Frühwarnsystem (early crisis warning system):

Unter dem Eindruck der Subprime-Krise und der sich anschliessenden Finanzkrise vom Internationalen Währungsfonds und dem Forum für Finanzmarktstabilität gemeinsam entwickeltes Programm mit dem Ziel, Mängel auf den Finanzmärkten beizeiten zu erkennen (to detect in an early stage) und damit einen (grösseren) Einbruch zu verhindern. - Skeptiker wiesen darauf hin, dass

1. geschichtlich betrachtet die Krisen ihre Eigenart immer wieder verändert haben; Ursache waren zumeist zunächst Defizite in der Zahlungsbilanz; dann in der Leistungsbilanz, bei der Subprime-Krise aber auch bankgeschäftliche Gründe, nämlich vor allem die Verbriefung von Subprime-Krediten, und

2. es daher kaum möglich sein dürfte, künftige Fehlentwicklungen im Voraus treffend zu erkennen.

– Demgegenüber scheint es empirisch gesichert, dass sich eine übermässige Kreditschöpfung (measured by the deviation of the global credit-to-GDP ratio from its trend level) sich als ein brauchbarer Frühwarnindikator (early warning indicator) erweisen kann.

– Siehe Elisabeth-Frage, Erwartungen, unangemessene, Frühwarnsysteme, Konjunkturdiagnose, Krisen-Vorschatten, Wirtschaftskrise.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2010, S. 85 ff. (Frühwarnindikatoren dargelegt), Monatsbericht der EZB vom Juli 2011, S. 91 ff. (EU-Rahmen für das Krisenmanagement im Finanzsektor).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Krisenpeitsche (crisis stimulus):

Einschneidend verändernde Massnahmen auf dem Finanzmarkt - und das gilt ebenso in Bezug auf andere Sachgebiete - lassen sich gelegentlich einer Krise am besten gesetzgeberisch und/oder verwaltungsmässig durchsetzen. Anders ausgedrückt: eine Krise verschafft den Anstoss zu Veränderungen, die sonst kaum durchzusetzen wäre. Das zeigte sich bei der aus der Subprime-Krise 2007 hervorgegangenen Finanzkrise, auf derem Höhepunkt viele hinausgeschobene Vorhaben verwirklicht und selbst gesetzliche Bestimmungen wie etwa in Bezug auf die Höhe des Salärs von Kaderleuten erreicht werden konnten. Auch das weitreichende deutsche Finanzmarktstabilisierungsgesetz ging in Rekordzeit durch Gesetzgebungsorgane (passed through the legislative organs in record time).

– Siehe Anpassungsdruck.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Krisenplan (desaster revovery plan):

Wenn nicht anders definiert bei einem Institut ein Schubladenprogramm (drawer programme) für den Fall, dass die Geschäftstätigkeit (business activity) durch ausserordentliche Ereignisse (exceptional events) gestört wird. Die nationalen Aufsichtsbehörden verlangen vielfach einen entsprechenden Notfallplan.

– Siehe Krise, systemische, Krisenlasten-Verteilungsprogramm, Liquiditätskrisenplan, Risiko, strategisches, Risikoabteilung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Krisenversicherungspapiere, handelbare (tradable insurance credits, TICs):

Vorschlag aus der Wissenschaft, wonach die Zentralbank den Banken in ertragreichen Zeiten gegen Gebühr ein ganz bestimmt ausgestaltetes Papier zum Kauf anbietet. In Krisenzeiten ist das Papier dann in Kreditgarantien für vom Wertzerfall bedrohte Finanzprodukte umtauschbar. Hintergrund dieses Gedankens ist, durch die Garantie der Zentralbank allfällige Panikverkäufe zu vermeiden und so die volkswirtschaftlichen Einbussen einer Krise deutlich zu mindern. - Kritiker verwiesen darauf, dass derartige Krisensicherungspapiere die Banken zu leichtsinnigem Geschäftsgebaren (careless business practices) anregen könnten.

– Siehe Moral Hazard.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Krisenlasten-Verteilungsprogramm (burden sharing programme):

1 Eine im Voraus getroffene und allen Beteiligten bekannte Vereinbarung darüber, wie im Falle einer Finanzkrise entstehende Verluste aufzuteilen sind. Von einigen als Massnahme kluger, vorausschauender Politik befürwortet, von anderen als kennbare Einladung zu sorglosem Verhalten abgelehnt.

2 Interne vertrauliche (internal and confidential: also nicht veröffentlichte und nur einem kleinen Kreis in Einzelheiten bekannte) Notfall-Programme (emergency programmes), die Behörden - Regierung, Zentralbank, Aufsichtsbehörde - für solche Krisenfälle schubladisiert halten (have shelved).

3 Die beabsichtigte oder tatsächliche Belastung einzelner Wirtschaftssubjekte im Zuge einer Krise. So mussten beispielsweise über eine Diätrendite (diet yield: äusserst niedrige Verzinsung für Bankeinlagen) die Sparer in Deutschland einen Gutteil der Lasten - zufolge verlässlicher Berechnungen etwa 36 Mia Euro jährlich - gezwungenermassen (of necessity) für die Bewältigung der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise aufbringen.

– Siehe Bankenkrise, Crash, Eventualschaden, Finanzkrise, Finanzstabilitätsbericht, Krisenplan, Londoner Verfahren, Modelle, geldpolitische, Modellunsicherheit, Moral Hazard, Risikotragfähigkeit, Schock-Bewältigung, Single Master Liquidity Conduit, Stress-Test, Verlustteilungsregelung, Worst Case Szenario.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Krisen-Vorschatten (precisis environment):

Eine Krise zeigt sich auf dem Finanzmarkt erfahrungsgemäss gesamthaft gesehen durch eine auffällige Hochstimmung (noticeable financial euphoria) und entsprechende Erwartungen an. Im Einzelnen kann man jeweils eine Reihe regelmässig eintretender Umstände beobachten, nämlich

1. die Kreditvergabe ist grosszügig (lenders provide easy credit),

2. die Preise für Vermögenswerte steigen ungewöhnlich an (investors bid up asst prices) und

3. es werden Investitionen getätigt, welche die knappe Ressourcen (limited resources) nicht in die beste Verwendung leiten (businesses invest unwisely).

– Auf diese Weise steigen die Ausgaben, und über kurz oder lang häufen sich bei Privathaushalten und Unternehmen Schulden an (debt builds up).

– Siehe Abschwung, Baisse, Erwartungen, unangemessene, Frühwarnsysteme, Konjunkturdiagnose, Order-Capacity-Index, Vertrauensindikator.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2010, S. 75 (ausführliche Darstellung; Indikatoren für eine Früherkennung; viele Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kristallisation (crystallisation, crystallising):

Ein Vermögensgegenstand wird verkauft, aber zeitig - oft gleichentags - wieder zurückgekauft. Eine solche Transaktion geschieht aus bilanzpolitischen und oft auch aus steuerpolitischen Erwägungen (a routine method used to change book values without changing beneficial ownership. An example of this occurs when a company needs to take a capital loss for a particular asset, but one believes it still represents a solid investment. Thus one sells the asset in oder to a crystallise capital loss, but buys it back immediately).

– Siehe Aktienrückkauf, Bilanzkosmetik, Buchführung, kreative, Sachverhaltsgestaltung, Kursmanipulation, Marktmanipulation, Pairoff, Ultimo-Factoring, Wash Sales.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kroatien-Beitritt (Croatia accession):

Am 1. Juli 2013 wurde Kroatien als 28. Mitgliedsstaat in die EU aufgenommen, jedoch nicht - wie fälschlich wiederholt zu lesen war - auch in den Euroraum. Weil sich jedoch der Bankensektor in Kroatien zu gut 90 Prozent in ausländischer Hand - und hier wieder vor allem von Instituten aus der EU - befindet, so dürfte ein späterer Beitritt des Landes auch zum Eurogebiet erleichtert werden.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juli 2013, S. 19 ff. (ausführliche Analyse der kroatischen Wirtschaft; Entwicklungsperspektiven).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Krokodil (crocodile):

Im Jargon der Institute - und einer Entität allgemein - die Bezeichnung

1. für einen unliebsamen Vorgesetzten (unpleasant superior) und

2. im Besonderen für einen besserwisserischen Höherstehenden aus der Konzernzentrale (a know-all of higher hierarchical position from corporate centre), der unerwartet auftaucht, seinen Mund weit aufreisst und dann wieder abtaucht.

– Siehe High Flyer, Hot Spot, Lemons-Problem, Underperformer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Krügergeld, Kruggeld, Grügergeld sowie [der] Lizent (village inn fee):

Frühere Abgabe, die ein Gastwirt (innkeeper; Krüger, auch Kröger und Gröger) zu zahlen hatte, der einen Krug (= ländliche Bierschenke; rural alehouse) betrieb; der heutigen Schankerlaubnissteuer (liquor license tax) nahekommend. Diese wird in der Regel heute als Abgabe von Gemeinden, Landkreisen und kreisfreien Städten in Deutschland erhoben.

– Siehe Akzise, Biergeld, Tanzkonzessionsgeld, Trinkgeld, Ungeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ktematometer (ktematometer):

Masstab für das Vermögen; in älteren Lehrbüchern die Bezeichnung für die Aufgabe des Geldes, sämtliche Güter zu bewerten.

– Siehe Geldfunktionen, Geldwert, Geldzweck.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Küchengeld (feeding duty; household entering fee):

1 Frühere, zu einer Abgabe in Geld umgewandelte Pflichtigkeit (Fron; soccage) des Leibeigenen (villein) zur Lieferung von Nahrungsmitteln zwecks Beköstigung herrschaftlichen Personals.

2 Zahlung, die mancherorts bei Einheirat in den Hausstand einer Witwe bzw. eines Witwers zu entrichten war; dieses Geld floss in der Regel in die Gemeindekasse.

– Siehe Befreiungsgeld, Einbürgerungsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kuhgeld (cattle tax; cow paddock fee, agistment fee; milk soccage redemption payment):

1 Frühere Steuer, nach der Anzahl der Kühe bemessen.

2 Abgabe an den Grundstücksbesitzer für das Recht, auf seiner Fläche Kühe weiden zu lassen (agistment, grazing right; to agist = to take cattle to graze, in exchange for payment).

3 Ablösung der Pflichtigkeit (Fron; soccage) seitens eines Hörigen (Leibeigenen; villein), dem Grundherrn dinglich, gegenständlich Milch oder Butter liefern zu müssen.

– Siehe Abgaben, Cerozensual, Befreiungsgeld, Detz, Erlösung, Freikaufgeld, Frongeld, Hammelgeld, Jägergeld, Holzfuhrgeld, Kalbgeld, Küchengeld, Triftgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kulanz (accomodation arrangement, gesture of goodwill, obligingness):

Zwischen Vertragspartnern auf dem Finanzmarkt ein Entgegenkommen nach Vertragsabschluss (arrangement on a good-will-basis after conclusion of the contract) und damit ein Verzicht auf eine juristische Auseinandersetzung. - Zum Problem wurden seit etwa 1970 Fragen der Kulanz im Verhältnis zwischen Bank und Kunde. Denn ständig fordern hier Verbraucherverbände (consumer associations) von den Instituten Kulanz ein, wenn der Kunde ersichtlich - und oft wohl auch absichtlich, berechnend - die Allgemeinen Geschäftsbedingungen missachtet.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kulisse (curb market; street market):

1 An Börsen die Gesamtheit der Wertpapierhändler (auch Kulissiers [unofficial dealer] und Kulisseure genannt), die berufsmässig im freien Verkehr für eigene Rechnung oder für Auftraggeber Geschäfte abschliessen. - In Deutschland unterliegen auch Kulissiers der Kontrolle durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Sie müssen demgemäss alle Aufträge zum Kauf und zum Verkauf in ihr Buch (order-book; Makler-Skontro) eintragen. - Bankenvertreter (Effektenhändler), die im Auftrag ihres Instituts handeln, werden nicht der Kulisse beigezählt.

2 In anderer Bedeutung an der Börse viele kleine Spekulanten, die weder im Stande sind, die verkauften Wertpapiere zu liefern, noch die gekauften zu beziehen und zu bezahlen. Es handelt sich um reine Differenzgeschäfte. Solche Kulissiers - in der älteren Literatur auch Stockjobber genannt - pflegen heute ihre Abschlüsse vorwiegend nach Börsenschluss über Telephon oder das Internet zu tätigen.

– Siehe Agiotage, Börsenmakler, Börsianer, Daytrading, Option, Spekulation.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kultursponsoring (cultural sponsorship):

Der Einsatz von Geld oder Sachleistungen - bei Banken vor allem die Bereitstellung von Räumlichkeiten - seitens eines Unternehmens mit dem Ziel, künstlerisches Schaffen jeder Art (artistic creation of every kind) zu unterstützen. Dabei spielt - im Gegensatz zum Spendewesen oder Mäzenatentum - immer auch der werbliche Nutzen (marketing purpose, promotional advantage) für den Sponsor eine Rolle: dieser will sich einer möglichst breiten Öffentlichkeit empfehlen. - Kein anderer Wirtschaftsbereich engagiert sich in Deutschland so reichlich für die Pflege der geistigen und künstlerischen Lebensäusserungen der Gesellschaft wie die Banken. Die Schalterhallen vor allem der Sparkassen in Deutschland gelten inzwischen als die grössten Aussteller vor allem junger und bis anhin unbekannter lokaler Talente.

– Siehe Event Marketing, Product Placement, Schleichwerbung, Sponsor, Werbebeschränkungen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kumul (cumulus):

In Bezug auf das Risiko im Finanzbereich mehrere bei derselben Gesellschaft versicherte Risiken mit der dadurch begründeten Gefahr, dass von einem Schadensereignis alle gleichzeitig betroffen werden können.

– Siehe Aktuar, Ausfallrisiko, Gini-Koeffizient, Granularität, Gruppe verbundener Kunden, Herfindahl-Hirschman-Index, Klumprisiko, Kontrahentenrisiko, Konzentrationsrisiko, Kreditereignis, Kreditversicherung, Kunde, fauler, Millionenkredit, Risikomanagement, Solvenzrisiko, Value-at-Risk.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2006, S. 35 ff. (Gefahren von Konzentrationsrisiken aller Art).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kunde (customer, client):

1 Allgemein jeder, der ein Gut bei einem Anbieter bestellt mit der Absicht, die entsprechend Ware oder Dienstleistung gegen Bezahlung jetzt oder später abzunehmen. Das Wort leitet sich von "kennen" und "kund sein" = "bekannt sein" ab (groups or individuals who have a business relationship with an entity; those who receive and use or are directly affected by the merchandises and services of the supplier).

2 Auf dem Finanzmarkt alle öffentlichen Stellen, Unternehmen und Privathaushalte, die Dienstleistungen einer Bank oder einer Versicherung in Anspruch nehmen.

3 Gemäss Definition in § 31a WpHG - dort eine ausführliche Aufzählung - sind Kunden alle natürlichen oder juristischen Personen, für die Wertpapier-Dienstleistungsunternehmen

1. Wertpapier-Dienstleistungen oder

2. Wertpapier-Nebendienstleistungen entweder anbahnen oder erbringen.

– Professionelle Kunden (professionals) sind in diesem Zusammenhang solche, bei denen das Wertpapier-Dienstleistungsunternehmen davon ausgehen kann, dass sie über hinreichende Erfahrungen, Kenntnisse und Sachverstand verfügen, um

1. ihre Anlage-Entscheidungen zu treffen und

2. die damit verbundenen Risiken angemessen einschätzen zu können.

– Bankbetrieblich unterscheidet man häufig Dauerkunden (permanent customers) von Gelegenheitskunden (casual customers), wobei als Unterscheidungsmerkmal in der Regel eine Kontoverbindung (accounting relationship) mit der Bank gilt.

– Siehe Anlagemut, Aufzeichnungspflicht, Geschäftskunde, Konto, anonymes, Key Account, Kunde, fauler, Kundendaten-Informationspflicht, Kundenkapital, Kundennähe, Kundenpfleger, Lemons-Problem, Onliner, Partikulier, Rechtssicherheit, Zuwendungsverbot.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kunde, fauler (defaulting customer, ugly customer):

Bankinterne Bezeichnung für Kreditnehmer, die ihr Darlehn gar nicht oder nicht vertragsgemäss zurückzahlen.

– Siehe Ausfallwahrscheinlichkeit, Aushaftung, Bonitätsrisiko, Borgkraft, Default, Delinquent, Demarketing, Einzug, Fraudulent, Inkassostrategie, Kredit, notleidender, Kreditereignis, Kredithai, Kreditlinie, Kreditqualität, Lemons-Problem, Leumund, Probability of Default, Rechnungs-Stapelung, Reintermediation, Säumnisquote, Schulden, notleidende, Zahlungsausstand.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kundenabwehrdienst (hold-off-service):

Im Jargon der Institute unfreundliche Bezeichnung für

1. alle mit der Kundenpflege (customer care) betrauten Mitarbeiter und

2. das Call-Centre.

– Siehe Canvassing, Gatekeeper, Hotliner, Infighting, Käserei, Kundenpfleger, Profiling, Regenmacher, Sitzheizung, Umsatzbremse.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kundenberatung (customer advisory service):

Bei einer Bank die Raterteilung an Kontoinhaber (account-holders) allgemein und bei Geldanlage im Besonderen. Die Aufsichtsbehörden verlangen, dass hierbei Interessens-Konflikte (collisions of interests) zwischen den Kunden und dem Institut sowie zwischen verschiedenen Kunden durch organisatorische Vorkehrungen (compliance officer; Compliance-Beauftragter) möglichst gering gehalten werden.

– Siehe Abschottung, Banker-Stammtisch, Beobachtungsliste, Call Centre, Chinese Wall, Corporate Governance, Due Diligence, Gatekeeper, Hotliner, Insider, Käserei, Kreditsachbearbeiter, Kundenabwehrdienst, Kundenmitnahme, Kundenpfleger, Mitarbeiterleitsätze, Need-to-know-Prinzip, Organkredite, Regel 404, Service Line, Sperrlisten, System Securities Watch Application (SWAP), Transaktionsüberwachung, Verhaltenskodex, Wall Crossing, Wohlverhaltensregeln.

– Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 131 (schwerpunktmässige Prüfung der Kundenberatung) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kundenbindung (customer loyality):

In Bezug auf Institute der Aufbau und die Pflege eines Vertrauensverhältnisses (bond of trust) zwischen der Bank und dem Kunden. - Ab etwa 1990 wurde dies weltweit bei (Gross)Banken vielfach durch das Bereitstellen und/oder Ausliefern grosser Datenmengen via Internet versucht (electronic customer communications; elektronischer Kundenkontakt). Ab etwa 2000 setzte dann eine Rückkehr zur persönlichen Fühlungnahme (individual contact) ein. In eigenen "Loyalitäts-Programmen" bemüht man sich zeither vielfach wieder vermittels eigener Programme (relationship marketing programmes) um die klassischen Formen der Kundenbindung. Entsprechende Bemühungen sind freilich kostenintensiv (cost-intensive), und als Engpassfaktor (capacity bottleneck) gelten Mitarbeiter, die glaubwürdig dem Kunden gegenübertreten (customer orientated) und Vertrauen aufbauen bzw. bestärken können und in vielen Fällen dies auch wollen.

– Siehe Abwanderungsquote, Behördenmanagement, bankliches, Beziehungsbankgeschäfte, Beziehungsmanagement, Clubbing, Gigabank, Hausbank, Intensivstation, Internetbank, reine, Kreditsachbearbeiter, Kredit-Punktebewertungsverfahren, Kundenkapital, Kundeninteresse, Kundenmitnahme, Kundennähe, Kundenpfleger, Kundenzentrierung, McDonaldisation, Nachgeschäft, Online Banking, Ortsbank, Post Sales-Management, Profiling, Regenmacher.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kundendaten-Informationspflicht (duty of customer information):

In Deutschland haben gemäss § 24c KWG Banken sämtliche Kundenstamm- und Bewegungsdaten zum automatisierten Abruf bereitzuhalten. Nach der 2005 in Kraft getretenen Zinsinformationsverordnung (ZIV) müssen auch sämtliche Zinserträge in der EU automatisch dem dafür zuständigen Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) in Bonn gemeldet werden. - Sensible Geldübertragungen (sensitive transactions) werden daher zunehmend in Bargeld vollzogen, bzw. man bedient sich eines Nominees oder eines Strohmanns.

– Siehe Address Spoofing, Authentifizierungsgebot, Bankauskunft, Beobachtungsvermerk, Fluchtgeld, Geld, schmutziges, Geldwäsche, Hawala, Identitätsdiebstahl, Identitätsprüfungspflicht, Informationspflicht, Innominat, Insider-Transaktion, Kontenoffenlegung, Kontensperre, Konto, anonymes, Kreditregister, öffentliches, Nominee, Nummernkonto, Offshore Finanzplätze, Outsourcing, Pasion-Falle, Zahlungsverkehrsverordnung, Zinsinformationsverordnung, Zweitausweis.

– Vgl. Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 85. (Empfehlungen zur Kundenauthentifizierung durch das European Forum on the Security of Internet Payments).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kundendossier und Bonitätsgeschichte (credit history):

Aufzeichnungen einer Bank über die Vergabe von Darlehn an einen Kunden, über dessen wirtschaftliche Verhältnisse, seine Zahlungstreue und andere für den Geschäftsverkehr mit ihm wichtige Hinweise (a record of an individual's or company's past borrowing and repaying as well as on other circumstances).

– Siehe Fact Sheet, Kredit-Punktbewertungsverfahren, Leumund, Need-to-know-Prinzip, Übermut, Wirtschaftsauskunftei.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kundenempfehlung (customer recommendation):

Im Finanzbereich der Rat des Kunden eines Anbieters an andere, in Geschäftsbeziehung mit dem herausstellten Geschäftspartner zu treten. - Wie in anderen Branchen, so sind Kundenempfehlungen auch für ein Institut der preiswerteste (most cost-saving) Weg, das Image zu stärken und Neukunden zu gewinnen. Um solche Empfehlungen daher zu begünstigen, so erhalten empfehlende Kunden bei Gewinnung eines Neukunden oftmals eine Prämie gutgeschrieben. - Insoweit der Kunde einer Bank auf einen möglichen Neukunden lediglich hinweist, und die Bank daraufhin diesen unter Bezugnahme auf die Empfehlung ihres Kunden anruft, so handelt es sich um verbotenes Cold Calling.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 146 (Schwerpunktprüfung auf solche Fälle).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kundengeldabsicherung (safeguarding of the customer's money):

Besondere Geschäfte, üblich vor allem auf dem Markt für Reiseleistungen. Eine Bank oder ein Versicherungsunternehmen gewährleistet dabei dem Reisekunden, dass er seinen bezahlten Preis für die gebuchte Reise zurückerhält, wenn der Reiseveranstalter zahlungsunfähig geworden ist.

– Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 111 (Risikoberechnung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kundeninteresse auch Kundenvorteil (customer interest):

Bei einer Bank das Bestreben, in allem so zu handeln, dass das Wohl des Kunden an erster Stelle steht, und dass deshalb in Zweifelsfällen der Vorteil für den Kunden über den des Instituts gestellt wird.

– Siehe Kreditsachbearbeiter, Kundenbindung, Kundennähe, Kundenpfleger, Kundenzentrierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kundenkapital (client capital):

Auf dem Finanzmarkt als Bestandteil der Intangibels bei einem Institut

1. der bestehende Kundenstamm (customer base) als zahlenmässige Grösse

2. gewichtet mit der Treue der Kunden zum Institut (customer loyality). Diese Grösse ist sehr schwer zu messen, weil die Anhänglichkeit an eine Bank - neben wirtschaftlichen Überlegungen wie Angebotsumfang der Bank oder Kosten - nachweisbar auch von vielen subjektiven Bestimmungsgründen (subjective reasons) abhängig ist.

– Siehe Humankapital, Key Account, Kundenbindung, Kundenpfleger, Kundenzentrierung, Nachgeschäft, Partnerkapital.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kundenkarte (store card):

Karte, bei denen der Ausgeber gleichzeitig auch Erbringer der Leistung ist. Sie werden in Deutschland vor allem von Kaufhäusern ausgegeben und sind lediglich dort zur verwendbar. In der Regel bieten diese Karten besondere Vorteile, wie vor allem

1. einen Rabatt auf alle gekauften Waren (continuing discounts),

2. besondere Einkauftage für Kartenbesitzer (exclusive shopping days) und

3. eine Reihe anderer Vergünstigungen für häufige Kunden (other rewards that would benefit frequent shoppers), wie beispielsweise einen gebührenfreien Parkplatz (free parking space). Auch kann

4. der Kunde mit der Karte zumeist bis zu einem jeweils festgelegten Betrag beim Ausgeber - dem Handelsunternehmen - unbar (without the use of cash) einkaufen: die Kundenkarte wird damit gleichzeitig auch zur Kreditkarte; freilich liegt der Zinssatz hier nach Feststellungen der Verbraucherverbände nicht selten bei zwanzig Prozent. Mit diesem hohen Zins (prohibitive interest rate) wehren die Warenhausunternehmen die Nutzung ihrer Karte für Kreditkäufe ab.

– Auf Kundenkarten gegründete "zweiseitige Systeme" (bilateral systems) in der Sprache der Aufsichtsbehörden unterliegen noch nicht der Genehmigung und Aufsicht. Bis anhin gibt es keine verlässlichen Angaben über den Umfang der Geschäfte mit Kundenkarten.

– Siehe Cobranding-Karte, Firmenkreditkarte, Geldkarte, Interchange Fee, Karte, multifunktionale, Karten-Allianz, Kundenzentrierung, Pay-Green-Initiative.

– Vgl. Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 84.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kundenkarte, zentrale (community storecard):

Von mehreren Ausgebern sich ergänzender Konsumbereiche herausgegebene Karte, die in der Regel auch verschiedene Funktionen - zum Beispiel Rabatte, Kreditgewährung - bündelt. Auf diese Weise besteht die Möglichkeit, die Leistungen mehrerer Anbieter - wie Bank, Kaufhaus, Tankstelle - in eine bestehende Kundenverbindung mit einzubringen und so das Cross-Selling-Potential auszunützen.

– Siehe Cobranding-Karte, Concession Shop, Cross-Selling-Potential, Karte, Kundenkarte, Pay-Green-Initiative.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kundenkredit (customer loan):

1 Von einem Unternehmen - also nicht von einer Bank - einem Abnehmer gewährtes Darlehn. Es dient seitens des kreditgewährenden Unternehmens der Absatzsicherung und/oder der Einflussnahme auf die Geschäftsführung des Kunden. Man spricht in diesem Zusammenhang manchmal auch von Aktivfinanzierung (customer retention method of sourcing).

2 Von dem Lieferanten bei einem Kunden aufgenommenes Darlehn. Dieses dient vor allem bei hochwertigen Produkten (high-quality products) der Vorfinanzierung (pre-financing) durch den Hersteller, der seinerseits in Vorleistungen bei ihn beliefernden Unternehmen treten muss. Hier ist oft von Passivfinanzierung (customer pre-finance method of sourcing) die Rede.

– Siehe Vorauszahlung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2012, S. 54 f. (Abgrenzungen; Bedeutung für die Finanzierung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kundenmitnahme (enticement [entrainment, alienation] of customers):

Bei einem Institut der Umstand, dass

1. ein Angestellter nach Arbeitsplatz-Wechsel zu einer anderen Bank

2. mit bisher von ihm betreuten Kunden in Verbindung tritt,

3. um diese für den neuen Arbeitgeber zu gewinnen. Soweit dies telephonisch geschieht, stuft die Aufsichtsbehörde es als verbotenes Cold Calling ein.

– Manche Bankangestellte - und vor allem Kreditsachbearbeiter - bauen mit den Kunden des Arbeitgebers bewusst eine so enge persönliche Beziehung auf, dass diese ihnen beim Arbeitgeberwechsel (change of employer) ohne weiteres folgen. Zu diesem Fragenkreis (set of problems) gibt es international eine Fülle an Erörterungen (an abundance of international literature).

– Siehe Beziehungspflege, Kundenpfleger.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 146 (Einverständnis des Kunden gegenüber dem neuen Arbeitgeber erforderlich).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kundennähe (customer proximity):

Ein auch in der Finanzwelt sehr häufig benutzter Begriff, gleichwohl aber gerade dort im Einzelnen schwierig genau zu bestimmen. Denn man kann Kundennähe auffassen vor allem

1. geographisch: wie weit hat es der Kunde zur nächsten Filiale bzw. Automaten?

2. persönlich: kennt der Kunde die Mitarbeiter der Bank bzw. die Angestellten den Kunden, und ist ein (fern)mündliches Zusammentreffen zwischen beiden leicht erreichbar?

3. informationstechnisch: kann der Kunde - über ein Call-Centre? - und zu welcher Zeit mit sachkundigen Mitarbeitern des Instituts in Verbindung treten? - Daneben finden sich noch andere Definitionen, die aber in der Regel aus Verknüpfungen der hier genannten drei genannten Umstände gebildet sind. Im Falle von 2. stehen Privatbankiers an der Spitze, gefolgt von Genossenschaftsbanken und Sparkassen, bei 3. sind dies Online-Banken, die häufig rund um die Uhr ihre Dienste über Telephon oder Internet anbieten.

– Siehe Automaten-Abhebegebühr, Gigabank, Kundenbindung, Kundendossier, Kundenkapital, Kundenpfleger, Kundenzentrierung, McDonaldisation, Megamanie, Online Banking, Ortsbank, Profiling, Vertikalisierung, Vorschläge, offene.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kundenpfleger und Kundenbetreuer (calling officer, accountant executive):

Mitarbeiter in einem Institut mit der alleinigen Aufgabe, mit den einzelnen Kunden in Tuchfühlung zu bleiben (a financial institution employee who goes out to keep contact with current customers in order to strengthen their affiliation with the institution). Dabei wird nicht nur das Angebot von Finanzprodukten bezweckt. Vielmehr steht die Festigung der Kundenbindung an erster Stelle. Im Einzelnen geschieht dies durch Anruf, E-Mail oder Briefpost zu bestimmten Ereignissen im persönlichen Umfeld des Kunden, wie beispielsweise zum Geburtstag, Hochzeit, Geburt eines Kindes, eine Beglückwünschung bei beruflicher Beförderung oder beim Jubiläum eines Unternehmens. - Untersuchungen haben gezeigt, dass der Einsatz eines Kundenpflegers bzw. eine Kundenpflegerin für das Institut in vieler Hinsicht einträglich ist, und dass Kundenpfleger - wiewohl das ja nicht ihre unmittelbare Aufgabe ist - in erstaunlich viele Aufträge für die Bank hereinholen.

– Siehe Abwanderungsquote, Advance Letter, Akzessibilität, Auslagerung, Behördenmanagement, bankliches, Beziehungspflege, Call Centre, Canvassing, Dampfstube, Fernzugang, Gatekeeper, Hotliner, Intensivstation, Kiddies Manager, Kreditsachbearbeiter, Kundenabwehrdienst, Kundenbindung, Kundendossier, Kundenmitnahme, Münchhausen, Baron, Nachgeschäft, Outsourcing-Risiken, Post Sales-Management, Scoring, Service Line, Spin Doctor.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kundenzentrierung (client centricity):

Bemühungen einer Bank, ihr gesamtes Wissen einem Kunden möglichst vorteilhaft anzubieten, so dass der Bankkunde sämtliche Geschäfte nur noch mit diesem einen Institut abwickelt. Dabei werden heute in der Regel ausgefeilte Segmentierungs-Analysen eingesetzt, um nicht allein das Verhalten und die Gewohnheiten des Kontoinhabers zu erforschen, sondern ihm auch zum eigenen Vorteil - und dem der Bank - bisher nicht ins Auge gefasste Geschäfte vorzuschlagen. Entsprechende Bemühungen gelten auch bei einer Versicherung.

– Siehe Abwanderungsquote, Bankkunden-Profil, Customasing, Fact Sheet, Firmen-Kurzportrait, Kundenbindung, Kundendossier, Kundenkapital, Kundenkarte, Übermut, Zielgruppe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kündigungsoption (option of extraordinary termination):

Wenn nicht anders definiert, so meint man damit bei einer Anleihe im Voraus festgelegte Vereinbarungen, die dem Ausgeber oder Erwerber des Papiers ein ausserordentliches Kündigungsrecht einräumen.

– Siehe Konversionsanleihe, Umwandlung, Yield-to-Call.

<– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2008, S. 37 (Anleihen deutscher Bundesländer mit Kündigungsoption)./p> Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kündigungsstichtag (call date):

Der früheste Termin, zu dem eine Anleihe vom Ausgeber getilgt werden kann (the earliest possible date on which the issuer of the bond may redeem the bond).

– Siehe Kündigungsoption.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kupon und vor allem in älteren Dokumenten Coupon (coupon):

1 Der Zins- oder Dividendenschein (dividend certificate), der zur Einlösung des jeweiligen Ertrags aus einer Anleihe bzw. einer Aktie berechtigt; siehe auch § 803 BGB. - Die Zahlungen erfolgen bei einer Anleihe im Regelfall jedes Jahr bis zur Fälligkeit (regulary interest is paid every year until the bond reaches maturity. It was named a coupon payment, because a bondholder, in order to obtain interest payment, had to clip off a coupon and to forward it to the bond issuer, who then sent the bondholder the payment. Today, this process is no longer required for most coupon bonds).

2 In der Sprache der Finanzwelt oft auch gesagt für

1. die Verzinsung einer Anleihe - also den Zinssatz - und manchmal auch für

2. die Zinszahlung (the periodic interest payment made to the bondholders during the life of the bond).

– Siehe Rentier, Stückzinsen, Talon.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kuponkurs (rate of exchange for foreign coupons):

Die Notierung für Zins- oder Dividendenscheine (coupons; Kupons), auf ausländischer Währung lautend.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kuponrate (coupon rate):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter bei einer Anleihe die künftigen Zahlungen an Zinsen während der Restlaufzeit (remaining running time) plus die Tilgungszahlung am Fälligkeitstermin. - Ist die so errechnete Kuponrate - etwa: vier Prozent - kleiner als die Verzinsung von entsprechenden - gleiches Risiko, gleiche steuerliche Belastung, gleicher Informationsstand - Alternativanlagen - im Beispiel: fünf Prozent -, so werden viele Anleger die niedriger verzinste Anleihe verkaufen. Der Kurs für diese Anleihe fällt dadurch, und die Effektivverzinsung erhöht sich damit für Neuerwerber.

– Siehe Informationseffizienz, strenge, Premium Bond.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kuponschneider (coupon redeemer):

Jemand, der von Kapitaleinkünften oder Immobilienerträgen lebt, ohne - noch - selbsttätig am Geschäftsleben teilzunehmen; redeem = hier: to convert a coupon into cash. - Der Ausdruck wird zumeist in abschätzigem Sinne gebraucht; er war früher regelmässiger Bestandteil der marxistischen Anklageliteratur gegen die marktwirtschaftliche Ordnung (Marxist accusatory writings against the marked-based economy: the economic system based on private ownership, freedom of contract and competition). Denn Einkünfte aus Kapitalvermögen darf es in der sozialistischen Wirtschaft nicht geben, weil sich hier der Kapitalstock im Eigentum des Volkes befindet und von Amtswaltern der sozialistischen Partei bestens und nur zum Vorteil der werktätigen Massen (for the benefit of the labouring masses) verwaltet wird.

– Siehe Kupon, Rente, kapitalgedeckte, Rentier, Stockjobber.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kuponsteuer (securities transfer tax):

In Deutschland 1958 eingeführte und erst 1990 abgeschaffte Sondersteuer von fünfundzwanzig Prozent auf die Erträge von Schuldverschreibungen im Besitz von Gebietsfremden. Zweck der Steuer war es, den Zustrom ausländischen Geldes nach Deutschland zu bremsen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kuponswap auch Festzinsswap (par swap, plain vanilla swap):

Der vertragliche Austausch einer festen gegen eine variable Zinszahlung, berechnet

1. auf einen bestimmten Nominalbetrag (notional amount),

2. für eine vereinbarte Laufzeit (duration) und

3. unter Zugrundelegung eines marktnotierten Zinssatzes, bei Kontrakten in EUR oft der EURIBOR oder LIBOR.

– Siehe LIBOR-Spread, Zinsswap.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kupontermin (coupon settled day):

Vertraglich festgelegter Zeitpunkt, zu dem die Zahlung (coupon; Kupon) eines zinstragenden Finanzinstruments zu leisten ist.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kurantbank (currency money bank):

In älteren Dokumenten ein Institut, das seinen Zahlungsverkehr durchgängig auf Kurantmünzen abgestellt hat.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kurantmünze (full embodied coin):

Vollwertig ausgeprägte Münze aus Edelmetall - in der Regel Gold oder Silber -, bei welcher der Nennwert mit dem Metallwert entsprechend der gesetzlichen Parität übereinstimmt (the metal value corresponds to the nominal value of the coin at the applicable monetary standard).

– Siehe Abnutzung, Alliage, Amalfiner, Aufgeld, Auswurfgeld, Demonetisation, Doublé-Münze, Florentiner, Goldwährung, Goldparität, Goldwaage, Katzengeld, Kurantbank, Lötigkeit, Münze, Münzen-Paradoxon, Pagament, Passiergewicht, Pfundgeld, Rändelung, Rauhgewicht, Remedium, Riffelung, Samarkander, Scheidemünzen, Unze, Urukagina-Regel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kurantschulden (uncovered debts):

In der älteren Finanzsprache Aussenstände in kleinen Beträgen ohne besondere Sicherheitsleistung des Schuldners.

– Siehe Abstattungskredit, Anschaffungskredit, Barkredit, Blankokredit, Bianco, Buchkredit, Darlehn, gedecktes, Konsumentenkredit, Kontokorrentkredit, Kredit, gedeckter, Personalkredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kuratoriumsgeld (film subsidy):

Im Zuge der deutschen Filmförderung von dem dazu gesetzlich beauftragten Gremium (board of trustees), dem 1965 eingerichteten "Kuratorium junger deutscher Film", bewilligte Mittel (support money).

– Siehe Geldgrab.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kurmutgeld auch Kurmedezahlung (death fee):

Frühere Abgabe, die beim Tod des Pächters die Erben an den Lehnsherrn (landlord; Grundbesitzer) aufgrund der Kurmede (right of the landowner of a sum payable by the successors of a lessee of life; Todfallsrecht) in Bargeld zu entrichten hatten. - Ursprünglich war die Kurmut als Pflichtigkeit (Fron; soccage) eine Naturalabgabe (tribute in kind), bei welcher das beste Stück Vieh abgegeben werden musste; von daher rührt auch die gleichbedeutende Bezeichnung "Besthauptgeld". Seinem Wesen nach war das Kurmutgeld - in manchen Gegenden auch Ablait genannt - eine Erbschaftsteuer (succession duty, inheritance tax).

– Siehe Abzugsgeld, Befreiungsgeld, Cerozensual, Detz, Erbschaftsteuer, Fallgeld, Sterbegeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kurs (price, quotation; exchange rate):

1 Der Handelspreis eines Finanzproduktes.

2 Der Preis einer Währung gegenüber einer anderen Währung (exchange rate; Wechselkurs, Devisenkurs).

3 Der Preis, zu dem ein Zahlungsmittel in einer Transaktion tatsächlich im Tauschverkehr - vor allem als Nebenwährung im Grenzverkehr - angenommen wird. - Kurs vom lateinischen CURSUS = hier: der Verlauf, die Abfolge.

– Siehe Anti-Greshamsches Gesetz, Höchstpreis, Kassakurs, Steuerkurs, Terminkurs.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kurs, angegebener oder günstiger (at [given rate] or better):

Im englischen Wortlaut übliche Anweisung an einen Makler bei einem Börsenauftrag.

– Siehe Kurslimitauftrag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kurs, genannter (nominal price, nominal quotation):

An der Börse Bezeichnung dafür, dass zu dem angegebenen Kurs keine Abschlüsse stattfanden, weil

1. Anbieter oder Nachfrager fehlten bzw.

2. aus anderen Gründen eine amtliche Kursfeststellung nicht möglich war.

– Siehe Kursbereich, gehandelter, Notierung, genannte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kursänderungs-Begrenzung (tick):

An Warenbörsen der USA die kleinste, von der Börsenbehörde erlaubte Kursschwankung nach oben oder nach unten für einen Terminkontrakt (the minimum amount that the price of a contract can fluctuate upward or downward). Unterschiedliche Kontrakte haben jeweils ihrer eigene, festgelegte Tick-Grösse. Börsenmakler sind verpflichtet, im Rahmen ihrer Aufklärungspflicht über allfällige Ticks zu informieren.

– Siehe Algorithmushandel, Arrondierung, Bonus-Zertifikat, Commodity Fund, Gap, Kursschwankungs-Limit, Odd Lot, Strichnotiz, Tick.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kursausbruch (price break):

Plötzliche, unvorhergesehene Kursbewegungen nach oben oder nach unten. - Werden auf dem Finanzmarkt die Kurse in betrügerischer Absicht hochgetrieben (painting the tape; market rigging), so ist das nur schwer von durch Marktkräfte bewirkten Transaktionen zu unterscheiden und stellt die Aufsichtsbehörden vor Probleme.

– Siehe Agiotage, Algorithmushandel, Baisse, Blase, spekulative, Bundeswertpapiere, Handeln, verdeckt gemeinsames, Hausse, Jojo-Aktie, Kristallisation, Kursmanipulation, Kurspflege, Kurssprung, Kurssturz, Marktmanipulation, Marktpflege, Massiv-Verkäufe, Pairoff, Panikverkäufe, Pump and Dump, Runup, Volatilität.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 187.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kursbereich (price range):

An der Börse der Unterschied zwischen dem höchsten und niedrigsten festgestellten Preis für einen Wert - Währung, Wertpapier, Kontrakt - innert einer gewissen Zeitspanne (the difference between the highest and lowest prices at which a particular item has traded over a certain time period). Wenn nichts anders gesagt, so ist die Bezugszeit (reference time) jeweils eine Börsensitzung (trading session). - Es ist damit jedoch nicht gesagt, dass im angegebenen Kursbereich auch tatsächlich Umsätze getätigt wurden. Der Kursbereich ist ein Mass für die Volatilität des jeweiligen börsengehandelten Gegenstandes (the price range is a good indication of the volatility of the proper exchange-traded item).

– Siehe Charts, Kurs, genannter, Kursbereich, gehandelter, Kurslücke, Loch in der Wand.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kursbereich, gehandelter (trading range):

An der Börse alle Kurse innert des Höchst- und Niedrigkurses, zu denen während eines bestimmten Zeitraums - Tag, Woche, Monat, Laufzeit des Kontrakts - tatsächlich Geschäfte stattfanden. - Es ist damit aber noch nichts über die Häufigkeitsverteilung (frequency scale) der getätigten Umsätze ausgesagt. Für Analysten ist der gehandelte Kursbereich eine wichtige Grösse zur Kursvorhersage.

– Siehe Analyse, technische, Bonus-Zertifikat, Histogramm, Kartierung, Kursbereich.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kursbetrug (course fraud):

In Bereicherungsabsicht (aim of personal gain) durch Täuschung verursachte Schädigung des Vermögens anderer dadurch, dass im Finanzmarkt falsche Angaben über markterhebliche Tatsachen (facts concerning market conditions) verbreitet werden, in der Regel durch falsche Ad-hoc-Mitteilungen.

– Siehe Agiotage, Hoax, Internet-Foren, Kreditgefährdung, Kursmanipulation, Kursschnitt, Kurssprung, Marktmanipulation, Pairoff, Schlangenhandel, Überweisungsbetrug.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 192 (Met@box-Fall).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kurs-Cashflow-Verhältnis, KCV (price-to-cash-flow ratio, PCR):

Bei Unternehmen der Börsenpreis (market value; Kurswert) geteilt durch den Cash Flow als dem den Reinzugang an verfügbaren Mitteln und ausdrückt pro Aktie. Das KCV gilt weithin als eine beliebte Kennzahl zur Bewertung einer Aktie. - Dem KCV wird oft höhere Aussagekraft zugeschrieben als dem Kurs-Gewinn-Verhältnis, weil der Cashflow geringeren buchhalterischen Gestaltungseinflüssen unterliegt als dies beim Gewinn selbst auch nach IFRS der Fall ist (because accounting laws on depreciation vary across jurisdictions, the price-to-cash-flow ratio can allow investors to assess foreign companies from the same industry with a little more reliability). - Freilich sind auch hier Einschränkungen zu berücksichtigen. So muss vor allem geklärt werden, ob und inwieweit beim Ausweis des Cash Flow Steuern und Zinsen berücksichtigt wurden. - Bei den marktbreiten Aktienindizes lag das Kurs-Cashflow-Verhältnis in Durchschnitt zwischen 1980 und 2005 in Deutschland bei 4,3 Prozent, in den USA bei 9,6 Prozent.

– Siehe Analyse, technische, Charts, CROCI, Fortschritt-Rückschritt-Zahl, Histogramm, Kartierung, Kursbereich, gehandelter, Kurs-Gewinn-Verhältnis, Kurs-Umsatz-Verhältnis, Mauerblümchen, Strichdiagramm, Verwässerung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2010, S. 20 f. (Probleme bei der Ermittlung der Eigenkapitalrendite und Umsatzrendite).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kursdifferenzhandel (spreading):

Der vor allem an Warenbörsen verbreitete Kauf eines Terminkontrakts und der Verkauf eines anderen, unterschiedlichen mit dem Ziel, aus Kursunterschieden zwischen beiden Kontrakten einen Gewinn zu erzielen. - Solche Arbitragegeschäfte können sich auf Verträge an der eigenen Börse beziehen (intra-market transaction; Intramarktgeschäft), aber auch Kursunterschiede an verschiedenen Börsen (inter-market transaction; Intermarktgeschäft). Die Arbitrageure sorgen so dafür, dass sich die Marktbedingungen für die Kontrakte angleichen.

– Siehe Arbitrage, Butterfly-Spread, Commodity Fund, Differenzgeschäft, Event-Driven Fund, Index-Arbitrage, Rohstoff-Terminkontrakt, Spekulation, Terminspekulant, Value Fund.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kurseinbruch (retreat of prices, plunge):

Die Notierungen

1. für ein Wertpapier an der Börse oder

2. die Kurse sämtlicher Titel

3. fallen nach einer Zeit der Aufwärtsentwicklung (upward trend)

4. plötzlich zurück;

5. sie folgen jedoch nach einiger Zeit wieder dem bisherigen Verlauf.

– Geschieht ein solcher Unterbruch in Bezug auf nur ein einzelnes Papier mehrmals - also bei sonst unauffälligem Kursverlauf gesamthaft, gemessen am jeweiligen Index -, so meiden erfahrungsgemäss die Anleger diesen Titel. Dessen Kurs sinkt daraufhin absolut oder zumindest im Vergleich zu anderen Papieren. Um dies zu vermeiden, greifen Unternehmen diesfalls häufig durch Kurspflege in den Markt ein.

– Siehe Algorithmushandel, Bundeswertpapiere, Dividenden-Fonds, Kursausbruch, Kurssturz, Luftloch, Marktpflege, Nachgeben, Zyklik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kursfeststellung, amtliche (price determination by official brokers):

In Deutschland war eine solche bis 2002 an Börsen im Segment amtlicher Handel (official trade) eingeführt. Ab da bleibt es den Börsen in der jeweiligen Börsenordnung überlassen, wie sie die von ihnen eingerichteten Segmente amtlicher Markt, regulierter Markt und Freiverkehr sowie die Handelskanäle Parkett und elektronischer Handel ausgestalten.

– Siehe Börsensegmente, Handel, amtlicher, Kurs, genannter, Segmentbindung, Skontroführer, Ticker, Wertpapier-Dienstleistungs-Richtlinie, Europäische.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kurs-Gewinn-Verhältnis, KGV (price-earnings ratio, PER auch: price-profit ratio, PPR):

Die Beziehung zwischen der Aktiennotierung eines Unternehmens an der Börse und den Erträgen; wenn nicht anders definiert, wird dabei der Gewinn je Aktie vor Steuern und ein Zeitraum von zwölf Monaten zugrunde gelegt (price per share of a stock, divided by its last twelve months of earnings). - Mit Hilfe dieser Kennzahl glaubt man, das Anlagepotential (investment potential: die Aussicht, dass Anleger sich diesem Papier zuwenden) von Unternehmen vergleichen zu können. Das KGV wird daher von manchen Börsenbeobachtern und Fondsmanagern bei Entscheidungen und Prognosen ins Auge gefasst. - Die Schwierigkeit liegt jedoch darin, dass der Ausweis des Gewinns durch eine Aktiengesellschaft sehr viele Unsicherheiten in sich schliesst, wie etwa: Bildung und Auflösung stiller Reserven; Veränderung von Zahlungsbedingungen; einmalige ausserordentliche Erträge (income from discontinued operations) bzw. Aufwendungen; Abweichungen im Konsolidierungskreis in Bezug auf Konzernunternehmen; Steuervorauszahlungen bzw. Tilgung von Steuerschulden aus vergangenen Perioden und eine Reihe weiterer Umstände. Diese Unsicherheiten bestehen auch dann, wenn die Bilanz vorschriftsmässig streng nach IFRS aufgestellt wurde. - In den USA liegt das KGV bei den 500 grössten börsennotierten Firmen langfristig im Durchschnitt nahe fünfzehn, freilich bei starken zeitlichen Schwankungen, vor allem aufgrund spekulativer Blasen.

– Siehe CROCI, Gewinn, Gewinnbesteuerung, Kurs-Cashflow-Verhältnis, High Flyer, KCV, Rentabilität, Substanzwertanleger.

– Vgl. Geschäftsbericht 2008 der Deutschen Bundesbank, S. 26 ff. (KGW 2004–2008), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2008, S. 24 ff. (KGV hat Tendenz zu einem Gleichgewicht; Übersichten, Literaturverweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2009, S. 25 (KGV bei Dax-Werten seit 1991), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2010, S. 20 f. (Berechnungsprobleme).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kurs-Gewinn-Verhältnis, aktuelles (current price-profit ratio):

Wenn nicht anders ausgewiesen, so meint man damit

1. das Verhältnis des aktuellen Kurses

2. geteilt durch den Ertrag je Anteil (EPA) der letzten zwei Quartale

3. plus des geschätzten Ertrags je Anteil der nächsten zwei Vierteljahre. Bei manchen Aktienanalysten gilt dies als bevorzugte Kennziffer, über deren Aussagekraft es freilich sehr unterschiedliche Meinungen gibt. Jedenfalls sind die beim Kurs-Gewinn-Verhältnis genannten Einschränkungen auch hier zu berücksichtigen.

– Siehe Analyse, technische, Charts, CROCI, Fortschritt-Rückschritt-Zahl, Histogramm, Kartierung, Kursbereich, gehandelter, Kurs-Cashflow-Verhältnis, Kurs-Umsatz-Verhältnis, Mauerblümchen, Strichdiagramm.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kurs-Umsatz-Verhältnis, KUV (price-to-sales ratio, PSR):

Kennzahl, bei welcher der aktuelle Aktienkurs durch den Umsatz je Aktie geteilt wird. Der Umsatz je Aktie errechnet sich dabei aus dem Umsatz des Unternehmens in den vergangenen zwölf Monate geteilt durch die Anzahl der umlaufenden Aktien. Von manchen Analysten wird das KUV besonders bei Kaufempfehlungen (buy recommendations) bevorzugt. Indessen ist das KUV für sich allein in Hinblick auf Anlageentscheidungen nicht ausreichend, zumal - neben anderen Bedenken - das KUV überhaupt nichts über einen allfälligen Gewinn oder Verlust in dem Zeitraum aussagt (because it does not take any expenses or profit into account, the ratio is somewhat limited in its informational content).

– Siehe Analyse, technische, Charts, CROCI, Ertrag, Fortschritt-Rückschritt-Zahl, Histogramm, Kartierung, Kursbereich, gehandelter, Kurs-Cashflow-Verhältnis, Kurs-Gewinn-Verhältnis, Run Rate, Strichdiagramm.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2010, S. 20 f. (Berechnungsprobleme).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kursindex (share price index):

Aktienindex, welcher die reine Kursentwicklung der Indextitel angibt.

– Vgl. Kursindices, aufgeschlüsselt nach Branchen, im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Finanzmärkte" im jeweiligen Monatsbericht der EZB, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2014, S. 31 f. (Zusammenhang zwischen Kurverlauf und Einlagen bei Finanzintermediären; Schaubilder).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kursklausel (clause relating to rate of exchange):

Auf dem Finanzmarkt gesagt von einem vertraglichen Vorbehalt, wonach bei entsprechenden Geschäften allfällige Schwankungen (Oszillationen; oscillations: fluctuations above and below a mean value) im Wechselkurs nicht zum Nachteil einer der Vertragsparteien wirken dürfen. Das heisst mit anderen Worten, dass einer der Partner die Kurssicherungskosten (costs of hedging against exchange risk) voll übernehmen muss.

– Siehe Back-to-Back-Loan, Kurssicherung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kurslücke (gap):

Kursveränderung, bei der ein gewisser Kursbereich übersprungen wurde. Zufolge einer alten Börsenregel wird im Normalfall eine Kurslücke bald wieder gefüllt.

– Siehe Kursbereich, Kurseinbruch, Loch in der Wand, Luftloch.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kurslimitauftrag (limit order):

Der Auftrag, an der Börse einen Vermögenswert zu einem bestimmten Preis zu kaufen oder zu verkaufen (a trading order placed with a broker to buy or sell an asset at a specific price).

– Siehe Kurs, angegebener oder günstiger.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kursmakler (official broker):

1 Eine öffentlich bestellte Person, welcher an der Börse die Preisfeststellung obliegt.

2 In Deutschland seit 1896 im Mittelpunkt des Börsengeschehens stehende und in eigenen Kammern organisierte Persönlichkeiten mit der Hauptaufgabe der neutralen Börsenpreisfeststellung. Ab 2002 gingen diese Aufgaben auf den Skontroführer über.

– Siehe Börsenmakler, Börsenmitglieder, Makler, Sensal, Skontroführer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kursmanipulation (market price manipulation):

Aktivitäten mit dem Ziel, den Kurs eines - im engeren Sinne: börsennotierten - Wertpapiers unrechtmässig zu beeinflussen. Solches geschieht in den letzten Jahren vermehrt im rechtsfreien Raum des Internet vor allem durch

1. Verbreitung falscher Tatsachenbehauptungen (counterfeit statements of facts), auch bei Twitter,

2. gefälschte Aktionärsbriefe,

3. Berichte von angeblichen Pressekonferenzen,

4. Anpreisung wertloser Papiere in entsprechenden Internet-Websites und Tweets (messages at Twitter; Meldungen bei Twitter),

5. Bekanntgabe gefälschter Ad-hoc-Mitteilungen

6. schönfärberische Verlautbarungen (euphemistic statements) von Vorstandsmitgliedern und Leuten in Schlüsselposition (keypeople) in den Medien sowie

7. begeisterten Zuschriften von angeblich durch Engagement in der betreffenden Aktie reich gewordenen Personen in Leserbriefen, Internet-Foren, Blogs und Tweets.

– Die Aufsichtsbehörden haben in den letzten Jahren ihre Methoden zur Aufspürung von Kursmanipulationen verfeinert, sind aber gegenüber manchen Aktionen - wie vor allem die unter 6. und 7. genannten - oft machtlos, trotz der Ende November 2003 in Kraft getretenen "Verordnung zur Konkretisierung der Kurs- und Marktmanipulation (KuMaKV)".

– Siehe Algorithmushandel, Blog, Daimonion, Dampfstube, Deuteroskopie, Gerüchtestreuen, Handeln, verdeckt gemeinsames, Hoax, Internet-Foren, Kreditgefährdung, Kurssprung, Kristallisation, Marktaktivität, vorgetäuschte, Marktmissbrauch, Marktpflege, Know-Nots, Pairoff, Scalping, Wahrsagergeld.

– Vgl. Jahresbericht 2001 des Bundesaufsichtsamts für den Wertpapierhandel, S. 27 f., Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 151 ff., Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 186 ff. (mit aufgedeckten Fällen), Jahresbericht der BaFin 2004, S. 174 (Tatbestand neu präzisiert durch die neue Marktmanipulations-Konkretisierungsverordnung [MaKonV] vom März 2005), S. 189 (grundsätzliche Aussagen zur Feststellung), S. 193 ff. (Übersicht; einzelne Fälle) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kurspflege (price nursing):

An der Börse die Verhinderung grösserer Zufallsschwankungen in der Kursbildung, indem

1. bei übermässigem Kursauftrieb (excessive upswing of quotations) Effekten bzw. Waren an der Produktbörse oder Devisen an der Devisenbörse verkauft und

2. bei übermässigem Kursdruck (excessive price drop) gekauft (Stützungskauf; support purchase) werden.

– Siehe Arranger, Bundeswertpapiere, Dividenden-Fonds, Jahresultimo-Börse, Kursausbruch, Kurseinbruch, Kurssprung, Kurssturz, Marktpflege, Marktpflegebetrag, Rückfluss-Stücke, Verwässerung, Vorratsaktien.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kursrisiko (price risk):

Mögliche Verluste eines Vermögensgegenstandes infolge von Marktpreisschwankungen bzw. Änderungen des Wechselkurses.

– Siehe Anleihe, währungswandelbare, Back-to-Back-Loan, Earn-out Klausel, Eventualschaden, Kurssicherung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kursrisiko, besonderes (specific price risk):

Risiko, das sich aufgrund allfälliger Abweichungen

1. der Kursschwankungen bei zins- und aktienkursbezogenen Finanzinstrumenten

2. von den Änderungen der zugehörigen allgemeinen Markt-Indizes ergibt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kursschnitt auch Kursschneiderei (price fraud, unfair profit):

Eine Transaktion wird dem Kunden seitens einer Bank oder eines Maklers zu einem Preis abgerechnet, der weit höher liegt als der Börsenkurs zuzüglich der üblichen Kosten.

– Siehe Round Tripping, Scheintransaktionen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kursschwankungs-Limit (limit move):

An manchen vor allem: US-amerikanische Warenbörsen errichtete Bremse. Wenn beispielsweise Sorgho-Terminkontrakte am Vortag einen Schlusskurs von 5,50 USD hatten, und wenn das Kurslimit 0,30 USD ist, so kann während der nächsten Börsensitzung höchstens ein Kurs von 5,80 USD nach oben oder 5,20 USD nach unten erreicht werden - Die meisten Börsen behalten sich das allerdings Recht vor, diese Limits auszuweiten, wenn an einem, zwei oder drei aufeinander folgenden Tagen das Kurslimit in einer Richtung erreicht wurde. - Wenn die Limits automatisch nach wiederholten Limitbewegungen geändert wurden, dann spricht man von variablen Limits.

– Siehe Algorithmushandel, Gap, Kursänderungs-Begrenzung, Kurslimitauftrag, Strichnotiz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kursschwelle auch Kursbarriere (barrier, price threshold):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter bei einem Wertpapier die Tatsache, dass der erste Börsenkurs des Titels über dem Emissionskurs liegt.

– Siehe Emissionsrendite.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kurssicherung ([foreign] currency hedging):

Die Ausschaltung des Kursrisikos beim Umtausch von Währungen, falls Abschluss und Ausführung des Geschäftes nicht gleichzeitig erfolgen (hedging strategy used to reduce or eliminate risks in the foreign exchange market).

– Siehe Herstatt-Risiko, Kursklausel, Lagging, Quanto, Swapgeschäft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kurssprung (upward spurt, bull movement):

Der Preis eines Papiers an der Börse schnellt unversehens weit nach oben. - Solche Bewegungen werden heute von der Börsenaufsichtsbehörde wachsam beobachtet und auf allfällige Kursmanipulation hin geprüft. Aber auch die mit dem Börsengeschehen vertrauten Finanzjournalisten widmen erfahrungsgemäss einem Kurssprung sofort ihre Aufmerksamkeit und versuchen, die Ursachen für die Nachfragesteigerung zu ergründen. Wie sich dabei wiederholt herausgestellt hat, sind auffällige jähe Kursbewegungen nach oben häufig einer Kaufempfehlung in Börsenbriefen bzw. seit etwa 1990 auch vermehrt in Internet-Foren und Blogs zuzuschreiben.

– Siehe Agiotage, Algorithmushandel, Blase, spekulative, Bundeswertpapiere, Dividenden-Fonds, Geheimtip, Hockeyschläger-Angebot, Jahresultimo-Börse, Kursausbruch, Kursbetrug, Kurseinbruch, Kurspflege, Kursschwankungs-Limit, Kurssturz, Markt, enger, Marktmanipulation, Marktpflege, Massiv-Verkäufe, Panikverkäufe, Pump and Dump, Runup, Tick, Volatilität.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kurssturz (downward spurt; slump):

1 Der unerwartete und rasche Verkaufsdruck bei einem Titel an der Börse. Ursache dafür ist erfahrungsgemäss in erster Linie eine Verlustmeldung des betreffenden Unternehmens.

2 Der plötzliche starke Rückgang der Notierungen an der Aktienbörse (plunging stock prices) gesamthaft. Wie die Finanzgeschichte lehrt, wird ein solcher Börsenkrach (stock exchange crash) entweder

1. durch ein unerwartetes Begebnis ausgelöst, etwa ein katastrophales Naturereignis, ein Krieg oder ein Ereignis wie der islamistische Anschlag auf das World Trade Center in Neuyork am 11. September 2001, bzw.

2. er tritt ein nach einem längeren Schwelen (smoulder) mit zunächst noch unregelmässigem Einbruch der Kurse, gefolgt von einem schleichenden Zerfall, der bei fortschreitendem Verlust des Vertrauens in die Finanzmärkte in einen Absturz einmündet, so wie im Gefolge der Subprime-Krise. Hier mussten die Regierungen vieler Staaten nach fünfviertel Jahren seit Ausbruch der im Sommer 2007 ausgebrochenen Subprime-Krise durch Garantiefonds und Rettungspakete eingreifen, um den völligen Zusammenbruch des Finanzsystems zu vermeiden.

– Siehe Abgabepanik, Abschwung, Aufkäufe, zentralbankliche, Baisse, Bundeswertpapiere, Dividenden-Fonds, Euphoriephase, Finanzkrise, Headline-Hysterie, Herdenverhalten, Kurspflege, Kurssprung, Marktpflege, Massiv-Verkäufe, Milchmädchen-Hausse, Nachgeben, Panikverkäufe, Schock, externer, Sell Out, Spottpreis.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kursunterschied (basis):

Wenn nicht anders gesagt, auf Finanzmärkten der Unterschied zwischen dem Futures- und Kassapreis (the value differential between a call option and a put option). Kassapreis minus Futurespreis = Basis.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kurswert (market value):

Bei einem Wertpapier oder einer Ware der gegenwärtige Preis des Vermögensgegenstandes an der Börse: der Börsenwert. - Das letztere Wort wird aber in der Finanzsprache möglichst vermieden, weil leicht zu Missverständnissen führt (Börsenwert = marketable security: Wertpapier, das zum Börsenhandel zugelassen ist).

– Siehe Façon, Steuerkurs.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kurszettel auch Börsenzettel (stock exchange list):

1 Vor allem in der älteren Finanzsprache gesagt von einer Liste, in der Papiere aufgeführt sind, die an einer Börse zum Handel zugelassen sind und deren Kurs dort festgesellt wird.

2 Verzeichnis der Kurse von Wertpapieren an einer oder mehrerer Börsen, in der Regel als Beilage im Wirtschaftsteil entsprechender Zeitungen ausgedruckt sowie im Internet abrufbar.

– Siehe Lokalpapiere, Nebenplatz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kürteil (additional company information [disclosure(s)], voluntary [elective] information section [part]):

In Geschäftsberichten auch der Banken seit etwa 2000 stark zunehmende, in der Regel langatmige (long-winded) Darlegungen zum allgemeinen Geschäftsumfeld, zur ökonomischen Entwicklung auf der Welt heute und in der Zukunft, beschönigende Erklärungen zum Jahresergebnis sowie manchmal schon peinliche, auch noch photographisch ins grelle Licht gesetzte)Selbstbeweihräucherung (self-adulation, vaunt) leitender Mitarbeiter. Der Informationsgehalt des Kürteils, quantitativ in Bits gemessen, ist in der Regel nahe null.

– Siehe Angaben, verschleierte, Börsensprache, Informations-Überla¬dung, Klartext, Management Commentary, Reporting, Stetigkeit, Substance-over-form-Grundsatz, Verständlichkeit, Vorhersagen, Wesentlichkeit, Zuverlässigkeit, Zweckdienlichkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kurzfristig (short-term):

Es ist in jedem einzelnen Fall sehr genau auf den Textzusammenhang zu achten, weil dieser sehr häufig gebrauchte Begriff nicht einheitlich verstanden und selbst sogar innert ein und derselben Veröffentlichung manchmal unterschiedlich gebraucht wird.

1 Bei der EZB Geldbeträge, die

1. täglich fällig sind oder

2. eine vereinbarte Laufzeit (contract period) bzw. Kündigungsfrist von bis zu einem Jahr haben.

2 Kurzfristige Wertpapiere sind bei der EZB in der Regel Schuldverschreibungen mit einer Fälligkeit von einem Jahr oder weniger, in Ausnahmefällen auch bis einschliesslich zwei Jahren.

3 In der volkswirtschaftlichen Literatur ist "kurzfristig" nicht genau festgelegt; es bezieht sich aber in Bezug auf Finanzmärkte in aller Regel auf einen Zeitraum nicht über vierundzwanzig Monate. - Hinsichtlich des Güterangebots versteht die volkswirtschaftliche Produktionstheorie einen kalendermässig nicht festgelegten Zeitraum, in dem die Produktionskapazitäten nicht verändert werden können.

– Siehe Geldmarkt-Segmente, Geldmarktsätze, Kredit, kurzfristiger, Langfristig, London kurz, Mittelfristig, Tagesgeld.

– Vgl. zur Definition näherhin die Erläuterungen bei der Rubrik "Finanzmärkte" im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets" im jeweiligen Monatsbericht der EZB.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kurzläufer (short dated securities; oft nur: shorts):

Wenn nicht anders definiert, so meint man damit (festverzinsliche) Wertpapiere mit einer Laufzeit (contract period) bis zu vier Jahren.

– Siehe Langläufer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kurzsichtigkeit (myopia, myopy):

Auf Aktienmärkten die empirisch festgestellte Tatsache, dass Anleger kürzlich gemachte Erfahrungen auch für die Zukunft unterstellen und weiter zurückliegende Erfahrungen vergessen. - Wenn daher also die Kurse einige Zeit aufwärts gerichtet sind, dann verdrängen viele Anleger die Möglichkeit einer Abwärtsbewegung. Nach einer langen Abwärtsbewegung des Marktes ist ebenso das Umgekehrte möglich.

– Siehe Animal Spirits, Erinnerungsfähigkeit, Erwartungen, Finanzpsychologie, Glücksspieleffekt, Herdenverhalten, Hindsight, Odd Lot-Theorie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kux (mine share certificate):

Börsengehandelter Anteil an einem Bergwerk und im weiteren Sinne auch eines mit einem Bergwerk (mine, colliery) verbundenen Betriebs (etwa Schmelzhütte; smeltery). - Das Wort "Kux" bedeutete im alten Sprachgebrauch einen Teil des Ganzen. Ursprünglich war ein Kux der 128ste Teil einer Zeche bzw. des einer Gewerkschaft verliehenen Feldes samt allfälliger dazugehöriger Gebäude und Anlagen.

– Siehe Ausbeute, Kuxkränzler, Minenwerte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Kuxkränzler (mine share negotiator):

In älteren Dokumenten jemand, die Kuxe verkauft und so die nötigen Mittel für die Erschliessung und/oder den Betrieb eines Bergwerks einwirbt. Das Wort "Kränzler" leitet sich von "kränzeln" ab: im Land umherziehen. - Während die Kuxkränzler in der Regel eine behördlich vereidigte Person war, galt dies nicht für den Kuxpartierer. Bei diesem handelt es sich um jemand, der vor allem betrügerisch Kuxe von nicht bestehenden Bergwerksbetrieben verkauft, andererseits aber auch hoch im Kurs stehende Kuxe unbewanderten (naïve) Besitzern zu einem Spottpreis (give-away price: ridiculously low amount) abschwätzte (wheedled). Partierer = hier: Betrüger, Hehler (chat: one who deceives or defrauds).

– Siehe Börsenmakler.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

KVV-Strategie (originate-and-distribute model):

Um 2005 in die deutsche Finanzsprache eingedrungene Bezeichnung für ein Geschäft, bei dem Kredite kreiert, dann verbrieft und schliesslich an Investoren in Tranchen verkauft werden.

– Siehe Originate-to-distribute-Strategie, Verbriefung. – Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2012, S. 73 ff. (Erläuterung der Geschäfte und der dadurch gestalteten Beziehungen auf dem Finanzmarkt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

KWG-Vermittlerverordnung, KWGVermV (KWG-tied agents ordinance):

Regelungen für die Anzeige derjenigen Personen, welche die Anlage- und Abschlussvermittlung, das Plazierungeschäft (securities placement) oder die Anlageberatung auf Rechnung eines Instituts erbringen. Seit dem 1. Januar 2008 müssen diese vertraglich gebundenen Vermittler in einem öffentlichen elektronischen Verzeichnis gelistet sein. Dieses Register ist auf der Homepage der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht abrufbar.

– Siehe Anlageberatung, Anlagevermittlung, Haftungsdach, Mitarbeiter-Register.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 110 (wesentlicher In¬halt der Verordnung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen