Versicherungsoptimierer.net - Finanzlexikon - J

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Jackson Hole-Konsens (Jackson Hole consensus):

Benannt nach dem jährlichen Treffen von Zentralbankern der USA in Jackson Hole im Bundesstaat Wyoming, versteht man darunter

1 in engerer Bedeutung die Meinung, dass eine Zentralbank allfällige spekulative Blasen nicht verhindern kann. Ihr obliegt es lediglich, die Schäden nach Platzen der Blase (bursting of the bubble) so gering wie möglich zu halten, auch "Mop-up-These" genannt.

2 In weiterem Sinne fasst man darunter auch acht Kernaussagen zur Rolle der Geldpolitik, nämlich

1. Discretionary fiscal policy is rejected as an instrument of demand management.

2. The principal economic policy instrument is to be monetary policy, operated by the management of short-term interest rates.

3. The monetary transmission mechanism operates mainly through longer-term interest rates, asset prices and expectations of future inflation.

4. The conduct of monetary policy is best delegated to an independent central bank.

5. The link between intermediate monetary targets (such as the money supply) and policy objectives is too unstable for their policy use, although they may serve as indicators of future demand and inflation.

6. Monetary action should instead be targeted directly on the price level, but with some "constrained discretion" towards the pursuit of output stability.

7. Asset markets provide an efficient means of risk distribution and are not normally amenable to monetary policy action.

8. Financial markets are generally well developed and well regulated, and systematic crises are therefore unlikely, deren einige umstritten sind und bis heute diskutiert werden. Böse Zungen ergänzten die acht aufgeführten Konsenssätze um einen richtungweisenden Leitsatz, nämlich

9. central bankers act not always wrong.

– Siehe Blase, Cleaning up after, Immobilienblase, Leaning against the wind, Marktkenntnis, zentralbankliche, Rückkoppelungsschleife, Runup, Spekulationsblase, Trittbrettfahrer, Tulpencrash, Überbelastung, Überschwang, unvernünftiger, Vermögensblase, Zurückfindung.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2010, S. 75 ff. (Möglichkeiten der Geldpolitik, Blasen zu vermeiden; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Jagdfrevelgeld (poaching fine):

In älteren Dokumenten die Geldbusse (monetary penalty), die einem Wilddieb (Wilderer; poacher) auferlegt wurde.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Jagdgeld (hunting permit; tenancy of a shoot; contribution to hunting costs; bounty for shot pests; selling brokerage; bridegroom debut):

1 Gebühr für die Erlaubnis, die Jagd in einem bestimmten Gebiet ausüben zu dürfen, insbesondere gegenüber Inhabern eines Jagdscheins (hunting license), der nicht im eigenen Land ausgestellt wurde.

2 Zahlung des Jägers an die Besitzer - einzelne Eigner bzw. gemeinschaftliche, wie etwa Jagdgenossenschaft (hunting cooperative), Feldmarkgenossenschaft (parish land cooperative) oder Forstgenossenschaft (forest cooperative) -, auf deren Gebiet er die Jagd ausübt, auch Jagdpacht, Jachtpachtschilling und Jägergeld genannt.

3 Festgelegte oder nach freien Stücken bemessene Zahlung, die eingeladene Teilnehmer einer Jagd an den Jagdherrn als Veranstalter der Jagd zahlen. Darin ist in der Regel der Betrag für die vorgängige (breakfast before the chasing; Jagdfrühstück) und anschliessende Bewirtung (Jagdessen, Jagdschmaus; hunter feasting) nicht enthalten. Jagdgeld in diesem Sinne wird auch heute noch teilweise Kappengeld (cape money) genannt, weil es früher häufig mit einer Kappe eingesammelt wurde; auch die Bezeichnung Pirschgeld (stalk charge) war in einzelnen Gegenden üblich.

4 Früher auch eine Abgabe von Grundstücksbesitzer in Form von Geld oder Naturalien (Wildbret; venison) an den Jagdherrn, damit dieser in dem betreffenden Revier die Jagd nicht ausübt und Flurschäden (crop damages) so vermieden werden, ein Abstandsgeld.

5 Zahlung an den Jäger, der auf Anforderung von Gemeinden, Grundstücksbesitzern, Schafhaltern oder anderen Auftraggebern Raubtiere (predators) und Raubvögel (raptors) erlegte, auch Abschussgeld und Schussgeld genannt.

6 Bissig gesagt von Boni und Prämien, die

1. Banker beziehen, wenn sie an unbedarfte Kunden wertlose Papiere verkauft haben,

2. (Haustür)Werber, Handelsvertreter und allgemein Verkäufer (Drücker; hawkers) erhalten, die gutgläubigen Verbrauchern für deren Bedarf unbrauchbare Waren oder Dienstleistungen aufgeschwatzten.

7 Geldgeschenk an die ansässige reifere Dorfjugend seitens eines auswärtigen Mannes, der eine Braut aus diesem Ort heiraten möchte, auch Brautgeld, Gassengeld und Ortseinstandgeld genannt.

– Siehe Bankenschelte, Jagdfrevelgeld, Jägergeld, Instituts-Vergütungsordung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Jägergeld (redemption for hunting accomodation; tenancy of a shoot):

1 Frühere Zahlung zur Ablösung der Pflichtigkeit (Fron; soccage) eines Leibeigenen (villein), einem Jagdherrn das Jagdlager (hunting camp; auch: Jagdablager genannt) zu gewähren, nämlich Unterkunft und Verpflegung für

1. die Jäger selbst zusamt dem Jagdtross als Gruppe von Personen, die zu Fuss - meistens im Frondienst - die berittenen Jagdherren zu begleiten hatten,

2. die Jagdpferde (hunters) und

3. die Hunde (hounds = hunting dogs) bereitzustellen.

2 Frühere Abgabe an den Jagdherrn (master of the hounds) bei Umwandlung von Forsten in Bauland, auch Stockgarbe, Jägerhanf und Jägergarbe genannt.

3 Heute manchmal noch gesagt von der Jagdpacht (pay for hunting rights).

– Siehe Befreiungsgeld, Dienstgeld, Dispensationsgeld, Erlösung, Forestagium, Freikaufgeld, Frongeld, Hundegeld, Kalbgeld, Kanon, Käsegeld, Kuhgeld, Lagergeld, Wildbanngeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Jahresfinanzbericht (annual financial report):

Gesetzliche Vorschrift nach § 37 WpHG für inländische Emittenten, für den Schluss eines jeden Geschäftsjahrs im Gesetz genau vorgeschriebene Angaben in einem Bericht zu erstellen und spätestens vier Monate nach Ablauf eines jeden Geschäftsjahrs der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Zusätzlich hat der Emittent bekanntzugeben, ab welchem Zeitpunkt und unter welcher Internet-Adresse (uniform resource locator, URL: also known as web address) diese Angaben öffentlich zugänglich sind.

– Siehe Finanzbericht.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Jahresultimo-Börse (year end stock exchange dealings):

Geschäfte an der Börse am letzten Handelstag des Jahres, in der Regel am Vormittag des 31. Dezember (Silvester; (New Year's Eve). Erfahrungsgemäss kommt es an diesem Tag aus verschiedenen Gründen (bilanzpolitische, steuerliche Motive; aims of accounting or tax payment policy) zu auffallenden Kurssprüngen. Die Handelsüberwachungsstelle der jeweiligen Börse sowie auch die Aufsichtsbehörden haben dieser Erscheinung in den letzten Jahren erhöhte Aufmerksamkeit gewidmet.

– Siehe Kalender-Effekt, Ultimo-Factoring, Weihnachts-Belebung.

– Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 186 (Verdacht auf Marktmanipulation).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Januar-Effekt (January effect):

Die Tatsache, dass Aktien kleinerer Gesellschaften im Monat Januar erfahrungsgemäss überdurchschnittlich hohe Renditen abwerfen (the systematic outperformance of small stocks with respect to large stocks during January). Eine voll überzeugende und rationale Erklärung dafür (wie etwa: steuerbedingte Entscheidungen bestimmter Anlegergruppen: the rally then is ascribed to an increase in buying, which follows the drop in price that usually happens in December when investors, seeking to create tax losses to offset capital gains, prompt a sell-off) konnte die Finanzmarkttheorie bis anhin noch nicht andienen.

– Siehe Animal Spirits, Behavioural Finance, Emissionskalender, Finanzpsychologie, Freitag-13-Anomalie, Halloweenregel, Kalender-Effekt, Montag, schwarzer, Montagseffekt, Freitag, schwarzer, Sell-in-May-Effekt, Small-Cap-Effekt, Weihnachts-Belebung, Wochenend-Effekt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Japanisierung (japanisation):

Der Grossteil der (hohen) Staatsverschuldung in Japan wird in Form von Papieren von öffentlichen Stellen gehalten. Bei Fälligkeit eines Titels wird dieser zu Niedrigzinsen umgeschuldet (rescheduled, restructured). - Entsprechend bezieht man den Begriff auch auf die EWU. Die hohe Staatsverschuldung etwa Griechenlands wird in eine niedrig verzinsliche, möglichst lang laufende Verbindlichkeit gegenüber dem Europäischen Stabilitätsmechanismus verwandet. Damit wird der griechische Staat von der Notwendigkeit befreit, begebene Staatsanleihen bei Fälligkeit bedienen zu müssen. - Auf diese Weise wird die erdrückende Kreditlast (overwhelming load burden) der EWU-Schuldenländer in eine federleichte, fast unverzinsliche, ewig laufende Verbindlichkeit zu Lasten der Gemeinschaft verwandelt. Gleichzeitig mindert sich so der Druck in den Defizitstaaten (countries with excessive deficit), Einnahmen und Ausgaben ins Gleichgewicht zu bringen und vor allem die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Wirtschaft dem internationalen Standard anzupassen.

– Siehe Bail-out, Blame game, Erpressungspotential, Euro-Bonds, Europäische Schuldenagentur, Europäischer Währungsfonds, Eventualschuld, EZB-Bilanz, Finanzstabilität, Goldopfer, Griechenland-Krise, Gruppendruck, Haushaltskonsolidierung, Irland-Krise, Letztsicherungsvorkehrung, Moral Hazard, Neuro, Politikklammer, Politikverzug, Retterei, Risikoträger, endgültiger, Solidarität, finanzielle, Staatsverschuldungs-Druck, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Grundfehler, Steuerungsrahmen, Transferunion, Verschuldung-Produktivität-Verkettung, Vermögensabgabe, Vertragstreue, Wachstum-Schulden-Tatsache, geschichtliche, Transfer, verschleierter, Verfassungsartikel eins, Wachstumskräfte-Mobilisierung, Wettbewerbsfähigkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Japan-Syndrom (Japanese syndrome):

Um 2009 aufgekommene Bezeichnung für eine Volkswirtschaft

1. mit sehr hoher Staatsverschuldung - diese belief sich in Japan zur Jahresmitte 2014 auf um 211 Prozent - bei

2. starker Alterung der Wohnbevölkerung und

3. gleichzeitig hoher Lebenserwartung - sie lag in Japan im Jahr 2009 bei 82,5 Jahren - sowie andererseits

4. nur spärlicher Zuwanderung; Japan legt hohen Wert auf seine volkhafte Einheitlichkeit (ethnic homogeneity) und versteht sich nicht als Einwanderungsland; der Anteil der Zuwanderer lag zu Jahresbeginn 2013 bei etwa 1,6 Prozent der Wohnbevölkerung von grob 128 Mio Personen.

– Siehe Altersquotient, Alterungs-Effekt.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2012, S. 87 ff. (ökonomische Stagnationsphase in Japan).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Jargon (jargon, slang):

Die Fachsprache (technical terminology) und übliche Ausdrucksweise (mode of expression, parlance, phrasing) einer bestimmten Gruppe. In Bezug auf den Finanzmarkt die dort üblichen und von den Beteiligten unmissverständlich erfassten Mitteilungsformen.

– Siehe Akataphasie, Börsensprache, Finanzforen, Finanzjournalist, Finanzsprache.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Jeton in der älteren Literatur auch Fiche, Fichet und Brincoli (chip, token):

Spielgeld, in der Regel in Form von Plastikmarken, das bei Gesellschaftsspielen (parlour games) und bei Glücksspielen (games of hazard) in einem Kasino (casino: a public room or building for gambling) in Gebrauch ist. - In der Regel werden Jetons mit Bargeld an einem hauseigenen Zahlschalter (cash desk) gekauft und auch nur dort wieder in Bargeld zurückgetauscht. Jetons zählen daher nicht zur Geldmenge. - Im Zuge der Massnahmen gegen die Geldwäsche wird der Umsatz mit Jetons in Kasinos von den zuständigen Behörden überwacht.

– Siehe Buchmacher, Bubengeld, Finanzwetten, Gelddauerspielerei, Geldharke, Geldwettkampf, Kontenoffenlegung, Lotterie, Spielbank, Spielgeld, Straddle, Wettbüros.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Jingle Mail (so auch im Deutschen gesagt):

In den USA können Hausbesitzer dann, wenn der Verkehrswert (current market value) der Immobilie geringer ist als die darauf liegende Hypothek, das Haus ohne weiteres verlassen (walk away: to leave callously and disregarding the distress of the creditor; sich aus dem Staube machen) und der Gläubigerbank per Post den Schlüssel schicken (daher der Name: jingle mail: eine klimpernde Postsendung). - Im Zuge der Subprime-Krise wurde davon massenhaft Gebrauch gemacht. Das auf das jeweilige Haus aufgenommene Geld hatten die meisten dieser Personen schon längst für andere Zwecke verausgabt, vor allem für langlebige Konsumgüter wie Autos und für Reisen. - In der Mehrzahl der der US-Bundesstaaten kann eine Bank zwar durch Zwangsversteigerung (foreclosure) eine Immobilie verwerten. Ein Rückgriff auf den Schuldner des Darlehns ist aber ausgeschlossen. In vielen Fällen liegt der Versteigerungserlös der Immobilie weit unter dem Betrag an Darlehn, das eine oder mehrere Banken gewährt haben (negative equity; im Jargon der Finanzjournalisten: under water). - In Europa bleiben Kreditnehmer für den Unterschied zwischen dem Verkehrswert einer Immobilie und dem darauf lastenden Kreditbetrag haftbar.

– Siehe Ballon-Kredit, Community Reinvestment Act, Darlehn, nicht standardisiertes, Entkapitalisierung, Home Mortgage Disclosure Act, Kreditvergabe-Grundregel, Luftpapiere, Mortgage Equity Withdrawal, Ninja-Loans, Originate-to-distribute-Strategie, Panikverkäufe, Papiere, toxische, Rückschlag-Effekt, Überkonsum, Unterseeboot-Effekt, Zitronenhandel, Zwei-Achtundzwanzig-Kredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Jobberei (jobbery):

In der älteren Finanzsprache gesagt für

1 das Differenzgeschäft, nämlich Engagements an der Börse, die nicht auf den Erwerb der Titel bzw. Waren gerichtet sind, sondern lediglich einen allfälligen Gewinn aus dem Kursunterschied zwischen Kauf und Verkauf bezielen.

2 Wucherische Geschäfte (hawkish deals) auf dem Finanzmarkt, und in dieser Bedeutung vor allem in der sozialistischen Anklageliteratur (accusatory literature) gegen die marktwirtschaftliche Ordnung (market-based organisation of economic activities) häufig.

– Siehe Agiotage, Beschores, Finanz, Finanzgeier, Option, Rebbes, Spekulation, Terminspekulant, Wucher, Wucher-Herausforderung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Job Floater (so auch im Deutschen gesagt):

Im Zuge der Arbeitsmarktpolitik (labour market policy) in Deutschland Ende 2002 angebotenes zinsgünstiges Darlehn an Klein- und Mittelbetriebe, die einen Arbeitslosen dauerhaft einstellen. Die Finanzierung der Arbeitslosigkeit soll auf diesem Weg durch Finanzierung der Arbeit ersetzt werden.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Job-Hopper (so auch im Deutschen gesagt; seltener Springer):

1 Mitarbeiter in einem Institut, der bereit und in der Lage ist, bei plötzlichen Personal-Ausfällen (sudden staff shortages) in einer Abteilung einzuspringen, um die dort anstehenden Aufgaben zu erledigen.

2 Jemand, der durch häufigen Arbeitsplatzwechsel (job rotation) Karriere machen möchte.

– Siehe Allrounder, High Flyer, Peter-Regel, Risiko, personelles.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Jobless Recovery (so auch meistens im Deutschen gesagt; mitunter [unschön] auch beschäftigungsaussparende Erholung):

Ein Aufschwung nach einer wirtschaftlichen Krise, der jedoch noch nicht zu steigender Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt führt (an economic recovery, following a recession, where the economy as a whole increases, but the unemployment rate remains high or even continues to rise over a period of time. This effect may be a result of cautious of employers that add hours to existing employees in order to increase production capacity rather than hiring new workers). - Mit den Mitteln der Geldpolitik ist in diesem Falle keine durchgreifende und nachhaltige Besserung zu erreichen, wiewohl das immer wieder - selbst in angesehenen Lehrbüchern - behauptet und gefordert wird. Der beste Beitrag einer Zentralbank für die Beschäftigung ist es, die Masstabeigenschaft des Geldes zu sichern.

– Siehe Depression, Finanzkrise, Frühlingstriebe, Geldfunktionen, Insolvenzfälle, Konjunkturzyklus, Krisenpeitsche.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Job Lot (aus auch im Deutschen, seltener Kleinauftrag):

An der Warenbörse der Kauf einer kleineren Losgrösse, als diese an dem entsprechenden Platz handelsüblich ist (a deal denominated in a smaller unit of trading than is featured in a regular contract).

– Siehe Mindesteinschuss, Odd Lot.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Joint Committee on Financial Conglomerates, JCFC:

Auf Beschluss der EU-Kom¬mission im Jänner 2009 gegründetes Gremium, welches die Arbeit des bis anhin wirkenden Interim Working Committees on Financial Conglomerates in neuer Form weiterzuführen beauftragt ist. Das Komitee soll die gleichmässige und vollständige Anwendung der Finanzkonglomerate-Richtlinie der EU in den einzelnen Mitgliedsstaaten unterstützen.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 44 f. (Arbeiten der IWCFC; Änderungsvorschläge für die Finanzkonglomerate-Richtlinie durch das JCFC), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 43 f. (Vorschläge zur Änderung der EU-Richtlinie), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 49 ff. (Einrichtung von Aufsichtskollegien; EU-Kommission verschärft Aufsichtsregeln für Finanzkonglomerate) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Internationales".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Joint Forum [on Financial Conglomerates] (so auch im Deutschen):

Im Jahr 1996 gegründetes internationales Gremium aus Vertretern der Finanzmarktaufsicht mit dem Hauptziel, Grundsätze für die Beaufsichtigung von Finanzkonglomeraten zu entwickeln (an international group bringing together financial regulatory representatives from banking, insurance and securities. It works under the international bodies for these sectors, the Basel Committee on Banking Supervision (BCBS), the International Organisation of Securities Commissions (IOSCO) and the International Association of Insurance Supervisors (IAIS). The group develops guidance, principles and identifies best practices that are of common interest to all three areas). Es sind im Einzelnen verschiedene Arbeitsgruppen eingerichtet.

– Siehe Ausschuss-Wahn, Finanzkonglomerat, Geldverbrennung, Gigabank, Interim Working Committees on Financial Conglomerates, Joint Committee on Financial Conglomerates.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 32 f., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2005, S, 48 ff., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 38 (Studie über Kreditrisiko-Transfer), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 38 f. (Empfehlungen zur Kapitalausstattung auf internationaler Ebene sowie zu sektorübergreifenden Aufsichtsgrundsätzen), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 43 f. (Bericht zur Risiko-Aggregation) und den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Internationales".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Joint Securitisation Group (so auch im Deutschen):

In Zusammenhang mit Basel-II ein Gremium aus Vertretern der Capital Group und der Models Task Force mit den Zweck, die Fragen in Zusammenhang mit der Verbriefung von Forderungen zu beraten.

– Siehe Ausschusswahn, Verbriefungsstruktur.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Joint Venture (so auch im Deutschen gesagt; seltener mit Gemeinschaftsunternehmen übersetzt):

Wenn nicht anders definiert, auf dem Finanzmarkt das - meist vorübergehende, projektbezogene (project-related) - Zusammengehen mehrerer Finanzdienstleister, um gemeinsam und nach festgelegten Anteilen eine Investition zu finanzieren.

– Siehe Allianzen, grenzüberschreitende, Lead Investor.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Joint Working Group of Standard Setters, JWG:

Arbeitsgruppe aus Vertretern verschiedener Fachgremien, die sich unter anderem mit der Bewertung von Finanzinstrumenten befasst.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2004, S. 77 f. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Jojo-Aktie (yo-yo share):

In der Börsensprache eine Aktie, die durch eine hohe Volatilität gekennzeichnet ist (a share that is highly volatile, moving up and down similar to a yo-yo (yo-yo is a toy consisting of a spool attached to a string, the end of which is held while it is repeatedly spun out and reeled in).

– Siehe Aktienmarkt-Volatilität, Dominostein-Effekt, Herdenverhalten, Geldmarkt-Volatilität, Sharpe-Relation, Volatilitätsrisiko.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Jojo-Effekt (yo-yo effect):

Eine Massnahme wird - von der Zentralbank, von der Regierung - eingeleitet und bald darauf wieder zurückgenommen. In der Regel verbindet man mit der Rücknahme der Entscheidung nicht sachliche Gründe, sondern politischen Druck, wie etwa bei der Einführung der Rente mit 67 Jahren in Deutschland im Jahr 2007.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Journalisierung (journalisation):

In der älteren Finanzsprache häufig gebrauchter Ausdruck in der Bedeutung

1 die Rechnungslegung auf dem laufenden (à jour; up-to-date) halten;

2 bei der Bank - und allgemein bei einem Unternehmen - ankommende und ausgehende Schriftstücke in ein Tagebuch (Journal; journal) eintragen. Neuerdings manchmal auch gesagt

3 von täglichen Meldepflichten von Instituten und Fonds an die Aufsichtsbehörde in Zeiten einer Finanzkrise.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Journalisten-Privileg (journalist privilege):

Die Befreiung der Fachjournalisten von der Überwachung der Finanzanalysten nach § 34b WpHG, sofern sie einer angemessenen beruflichen Selbstkontrolle unterliegen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht behält sich aber vor, allfälligen Beschwerden nachzugehen.

– Siehe Analyst, Blog, Börsenspiele, Börsianer, Finanzanalyse, Geldhut, Hoax, Internet-Foren, Kursmanipulation, Marktmanipulation, Twitter, Verbraucherbeschwerden.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 107 (mit Hinweis auf die Ende 2004 in Kraft getretene Finanzanalyseverordnung [FinAV]), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 135 (Umsetzung der Verordnung; Prüfungen), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 140 (interne Richtlinien in Presse und Rundfunk nach Aufsichtsgesprächen), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 109 (Novellierung der Finanzanalyseverordnung), S. 150 f. (BaFin wirkt auf Landesmedienanstalten [state regulatory authorities for broadcasting] ein, um Missbrauch vorzubeugen), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 171 (keine Kontrolle der BaFin über Journalisten, die einer Selbstkontrolle unterliegen) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Jubelgeld (jubilee coin; jubilee payment):

1 Eine Münze oder Medaille, die gelegentlich eines Festtages zur Erinnerung (commemorative coin, commemorative medal) ausgegeben wird; in alten Dokumenten auch Jubeltaler, Jubelgulden und ähnlich genannt.

2 Sonderzahlung an die Beschäftigten aus Anlass eines Firmenjubiläums, auch Jubiläumsgeld (anniversary money) genannt.

– Siehe Gratifikation.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Jubiläums-Veranstaltung (jubilee action):

Einem breiten Publikum, also nicht nur der Kundschaft, zugewendete Festlichkeit mit der Absicht, auf diesem Weg auch neue Kunden zu gewinnen. - Bei Banken sind entsprechende Aktionen zwar nach den für alle Unternehmen gültigen Bestimmungen in § 7 UWG grundsätzlich zur Feier des Bestehens nach Ablauf von jeweils fünfundzwanzig Jahren erlaubt. Jedoch halten die meisten Institute entsprechende Auftritte in Grenzen bzw. verzichten darauf und treten in der Regel jeweils am Weltspartag (International Saving Day: einem Tag in der letzten Oktoberwoche) gemeinsam an das Publikum heran. - Insoweit kleinere Institute bereits ihr zehnjähriges Bestehen an einem (Vor)Ort über die durch das UWG gebotenen Grenzen hinaus aufwendig und üppig feierten (celebrated elaborately and ostentatiously), wurden diese bis anhin von Abmahnvereinen (associations to watch against unfair practices) kräftig zur Kasse gebeten.

– Siehe Cobranding, Cross-Selling-Potential, Kultursponsoring, Loss Leader, Schleichwerbung, Sponsor, Werbebeschränkungen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Jugendarbeitslosigkeit (youth unemployment):

Wenn nicht anders definiert die Zahl der Arbeitslosen in der Altersgruppe von 15 bis 24 Jahren. Manchmal wird auch die Altersklasse von 25 bis 29 Jahren dazugezählt. Von der EZB wird diese Zahl beobachtet, weil hohe Jugendarbeitslosigkeit auch längerfristig (at medium and long term) gesehen höhere Sozialausgaben des Staates nach sich ziehen. - Es ist völlig kraus und unzutreffend, wenn ein hoher Prozentsatz an Jugendarbeitslosigkeit dem Finanzmarkt oder den Spekulanten zur Last gelegt wird, wie dies häufig geschieht. Allein richtig ist, dass die Wurzel dieses Übels tief in den betreffenden Gesellschaften zu finden ist.

– Siehe Arbeitskosten, Arbeitsnachfrage, Wachstum-Beschäftigung-Zusammenhang, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom September 2008, S. 84 ff. (Aufschlüsselung; Übersichten seit 1983; mögliche Massnahmen gegen Jugendarbeitslosigkeit), Monatsbericht der EZB vom Februar 2013, S. 75 ff. (Arbeitslosigkeit im Eurogebiet aufgeschlüsselt nach Altersgruppen und Mitgliedsländern), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2013, S. 23 ff. (ausführliche Darstellung; Anpassungsfunktion in der EWU; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Februar 2014, S. 77 ff. (Jugendarbeitslosigkeit seit 2004; viele Übersichten; S. 81: Mahnruf an die Politik).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Jumbo-Anleihe (jumbo bond; jumbo = Koloss, Riese):

Begebung einer Anleihe mit einem sehr hohen Emissionsvolumen (an issue of securities for a high nominal amount, often in excess of EUR 1 bn). Jumbo-Anleihen werden hauptsächlich von Staaten und staatlichen oder übernationalen Institutionen, in Europa oft aber auch von Hypothekenbanken aufgelegt. Sie verringern die Emissionskosten und gewährleisten eine hohe Liquidität, sprich: eine gute Handelbarkeit (a jumbo issue both minimises issue costs and increases the liquidity of the security).

– Siehe Emissions-Kalender, Jumbo-Pfandbrief.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2008, S. 37 ("Länder-Jumbos").

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Jumbo-Pfandbrief (jumbo mortgage bond):

Pfandbriefe mit einem sehr hohen Emissionsvolumen, in Deutschland von mindestens 1 Mia EUR. Solche Schuldverschreibungen zeichnen sich in der Regel durch gute Handelbarkeit aus, und damit auch durch die Möglichkeit der raschen Liquidisierung einzelner Stücke.

– Siehe Hypothekenbank, Jumbo-Anleihe, Liquiditätsformen, Marktliquidität.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 106, Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 131 (Begebung von Jumbo-Pfandbriefen als Signal auf dem Finanzmarkt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Junior-Tranche und Juniortranche (first loss piece):

Neben Equity-Tranche eine weitere Bezeichnung für die Erstverlust-Tranche: bei einer Verbriefung: die erste, nachrangige und daher gemäss dem Wasserfall-Prinzip vorab einen allfälligen Verlust aufnehmende, dafür aber auch hoch verzinsliche (high interest bearing) Teilausgabe einer Begebung von Finanzinstrumenten.

– Siehe Tranche, Verbriefung, Verbriefungsstruktur.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Junk-Bonds (junk bonds; high-yield bonds; cats and dogs):

Hochriskante Anleihen von Unternehmen mit zweifelhafter Zahlungsfähigkeit; sie haben mit anderen Worten ein schlechtes Rating. Es besteht ein hohes Ausfallrisiko, gleichzeitig wird jedoch eine ungewöhnlich hohe Verzinsung in Aussicht gestellt (bonds issued by companies that are thought to be highly speculative. Junk bonds have low ratings a high risk of default). - Mit solchen Junk-Bonds (junk = Schrott, Ramsch) wurden in den USA früher häufig Firmenübernahmen finanziert. Die Anleger hofften auf eine wirtschaftliche Erholung des Unternehmens und somit auf eine weit überdurchschnittliche Rendite. Vielfach wird auch heute die Meinung vertreten, gerade die Chance auf eine dermassen hohe Rendite (Zitterprämie; trembling premium) kompensiere das ebenfalls überdurchschnittlich hohe Risiko solcher Papiere.

– Siehe Dampfstube, Dingo-Werte, Geheimtip, Glamour Stocks, Internet-Foren, Katastrophen-Anleihen, Penny-Stocks, Pump and Dump, Pyramide, Rekonstruktion, Terror-Papiere, Zitronenhandel, Zitterprämie, Zuchthausware.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 125 f., Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 137 f. (Versicherungen dürfen High-Yield-Anlagen bis zu einem gewissen Grad erwerben; Definitorisches).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Juste Retour-Prinzip (just back principle):

In Bezug auf die EU das Verlangen, dass für jedes der einzelnen Mitgliedsstaaten ein Ausgleich zwischen Finanzierungsleistungen für die Gemeinschaft einerseits und Rückflüssen aus dem Haushalt der Gemeinschaft andererseits gewährleistet sein müsse.

– Siehe Europayer, Zahlmeister.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Justitiengeld (court fees, legal charges; law costs):

1 In älteren Dokumenten Bezeichnung für Gerichtskosten, und zwar

1. für die Abgaben zum Unterhalt eines Gerichts, als auch

2. für Gebühren, die für Dienstleistungen eines Gerichts seitens der Rechtssuchenden (persons seeking legal advice) zu zahlen waren.

2 Manchmal heute noch gesagt in Bezug auf sämtliche Ausgaben für die Rechtsbegleitung (legal assistance, legal support), wie Anwaltskosten, Zeugengeld, Gutachterhonorare oder Schöffengeld.

– Siehe Bankgeld, Dreidingsgeld, Gerichtsgeld, Inrotulationsgeld, Insolvenzkosten, Platzgeld, Schöffengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Juwelen in älteren Dokumenten auch Jubellen (jewels, jewellery):

1 Schmuckstücke jeder stofflichen Art mit hohem Wert.

2 Geschliffene und verarbeitete Edelsteine. - Ob und inwieweit sich Juwelen zur Vermögensanlage eignen, ist sehr umstritten (is very controversial). Während der Juwelenfachhandel (specialised trade in jewellery) in seiner Werbung diese Eigenschaft der Juwelen in der Regel besonders herausstellt, raten die in der Anlageberatung tätigen Fachleute allemal vom Kauf zum Zweck der Vermögensanlage ab.

– Siehe Alliage, Assay-Stempel, Diamanten, Edelkupfer, Edelmetalle, Farbsteine, Goldmund, Knopfabschneider, Pennyweight, Troy-Unze, Unze, Valoren, Verzehnfacher, Vieleck, magisches, Wertrelativität, Wertsachen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen