Versicherungsoptimierer.net - Finanzlexikon - I

Finanzlexikon - I

IAS (so auch im Deutschen):

Kurzbezeichnung für teils empfohlene, teils verbindliche Regeln, welche das International Accounting Standards Board (IASB) zur Rechnungslegung aufgestellt hat. - Strenggenommen sind die IAS die vom International Accounting Standards Committee, einer Vorgängerorganisation des IASB verabschiedeten und weiterhin gültigen Grundsätze Die IFRS bezeichnen demgegenüber die neuen, vom IASB ausgearbeiteten Richtlinien. In der Praxis spricht man in der Regel nur von IAS, und man meint damit sowohl die alten, unverändert geltenden als auch die neuen Richtlinien.

– Siehe Bewertbarkeit, Erfassung, International Accounting Standards, International Financial Reporting Standards, Models Task Force.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

IAS 39 (so auch im Deutschen; manchmal auch: Financial Instruments Recognition and Measurement; 2010 umgeformt zu IFRS 9):

Der Transparenz dienende Bilanzierungsvorschrift für Banken, vom International Accounting Standards Board (IASB) vorgeschlagen. Die verbindliche Einführung ist für 2015 vorgesehen. Kritisiert wird, dass IAS 39 den Banken die Möglichkeit einräumt, alle Finanzierungsinstrumente nach dem Zeitwert auszuweisen, auch eigene Verbindlichkeiten. - Dadurch kann folgendes eintreten:

1. Die Verschlechterung des eigenen Kreditrisikos einer Bank führt zu einer Minderung des Wertes ihrer eigenen Anleihen.

2. Bei gleich bleibendem Wert der Aktiva bedeutet das eine Erhöhung des bilanziellen Eigenkapitals.

3. Die Zahlungsfähigkeit der Bank hat sich also verbessert, weil sich das eigene Kreditrisiko verschlechtert hat!

– Es gibt übrigens kaum Standards, die so oft geändert und weiterentwickelt wurden wie IAS 39. Führende Fachleute nennen IAS 39 daher wohl zurecht eine "ständige Baustelle" (area requiring permanent improvement). Die Umformung in IFRS 9 Ende 2009 räumte wesentliche, in der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise offen zutage getretene Schwächen von IAS 39 aus.

– Siehe Derivat, Enforcement-Prozess, Hedge Accounting, International Accounting Standards, International Financial Reporting Standards, Publizitätspflichten, Wertpapierbestände.

– Vgl. Geschäftsbericht 2002 der Deutschen Bundesbank, S. 153, Monatsbericht der EZB vom Februar 2004, S. 77 ff., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 66 ff. (hier auch über die Umsetzungsprobleme) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2005, S. 74 ff. (Erörterung auch der Marktpreisbewertung; S. 81 auch Darlegung von IAS 30 und IAS 32), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 55 f. (Konvergenzprojekt IASB und FASB; Bedenken der BaFin), S. 57 f. (Vorschläge des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 51 ff. (ausführliche Erläuterung zur Überarbeitung von IAS 39), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 66 f. (zur Bilanzierung von Finanzinstrumenten nach IFRS 9), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 87 f. (Angleichung der Impairment-Regeln), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 75 f. (Überarbeitung; neue Bewertungskategorie) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Internationales".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Iceberg Order (so auch im Deutschen gesagt; seltener Teilausführungstaktik):

Ein Händler an der (Computer)Börse möchte einen grossvolumigen Auftrag (high-volume order) ausführen. Er stückelt diesen Auftrag in kleine Teile und trägt jeweils nur diese in sein Skontro ein. Ist ein Teil der Order ausgeführt, so kommt solange automatisch die nächste Teilorder an die Reihe, bis die beabsichtigte Transaktion gesamthaft abgeschlossen ist. - Für den Händler hat dies den Vorteil, dass das Volumen seiner Order nicht gleich für den Markt und andere Händler erkennbar ist. Bedeutende Übernahmen (wie etwa 1991 jene der Hoesch AG durch Fried. Krupp in Essen) wurden durch Iceberg Orders getätigt.

– Siehe Karten-Stapel, Market Impact, Stückelung, Vertraulichkeit.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin. S. 173 (missbräuchliche Orders).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Indemnität (indemnity):

1 Auf dem Warenterminmarkt eine Option zum Kauf oder Verkauf einer bestimmten Anzahl von Waren zu einem vereinbarten Preis innert einer festgesetzten Zeit (an option to buy or sell a specific quantity of stock at a stated price within a given period of time).

2 Eine Zahlung als Schadensersatz (payment for damage, loss, or injury suffered that can readily be proven to have occurred and for which the injured party has the right to be compensated).

3 Die Festleistung einer Versicherung; über diesen Ansatz hinausgehende Kosten muss der Versicherte selbst tragen (the fixed amount or percentage protecting the insured, additional expenditures are to be settled by the insured of his own pocket,).

4 Die haushaltsrechtliche Entlastung der Regierung durch das Parlament.

5 Die völlige oder teilweise Schadenersatz-Freistellung, in der Regel durch einen Haftpflicht-Versicherungsvertrag (the condition of being protected; more precisely a contract protecting the insured against losses caused by others failing to fulfill their obligations; this includes professional insurance policies such as malpractice insurance, and errors and omissions insurance, which indemnify professionals against claims made in the workplace).

6 Strafrechtliche Verantwortungsfreiheit, eine Strafausschliessung (the granting of exemption from prosecution), wie diese etwa Abgeordneten für Äusserungen im Parlament zugestanden ist.

7 In Mietverträgen eine Klausel, die dem Vermieter eine Abfindungssumme einräumt bei allfälligen Schäden an der vermieteten Sache (a provision in a lease contract that requires a tenant to pay [to indemnify] a landlord for damages).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Identitätsdiebstahl (identity theft, impersonation):

Im Finanzbereich die Abwicklung von Geschäften unter eigenmächtiger, unerlaubter Benutzung des Namens einer Privatperson oder Entität. - Im Gegensatz zum Address Spoofing, bei dem eine fingierte, erdachte Identität vorgetäuscht wird, bedient man sich bei Identitätsdiebstahl des Names einer tatsächlich vorhandenen Privatperson oder einer Firma. Diese erhalten von den unter ihrer Identität vorgenommenen Operationen zumeist erst dann Kenntnis, wenn Forderungen auf sie zukommen. Daher wird der Identitätsdiebstahl auch bei weitem schädlicher als das Address Spoofing angesehen. Denn die von dem Diebstahl Betroffenen haben teilweise hohe Aufwendungen, um gegenüber vermeintlichen Vertragsparteien und auch gegenüber den Finanzbehörden entsprechende Beweise zu liefern. - Den Aufsichtsbehörden bietet sich kaum eine Möglichkeit, derartige kriminelle Handlungen auf dem Finanzmarkt zu unterbinden. Auch Institute, die im Rahmen der Identitätsprüfungspflicht sorgsam handeln, können Identitätsdiebstahl nicht völlig ausschliessen; zumal es aufgrund heutiger technischer Möglichkeiten nicht allzu schwer geworden ist, erstklassig gefälschte (excellently counterfeit) Dokumente in den Verkehr zu bringen. Worldwide identity theft has become an increasing problem. The trick operates by obtaining information about an individual, then using the information to apply for identity cards, accounts and credit in that person's name. In Germany, often little more necessary to obtain a birth certificate than name, parent's name, and date of birth. Each document attained then is used as identification in order to get more identity documents.

– Siehe Authentifizierungsgebot, Bankauskunft, Bankgeheimnis, Beobachtungsvermerk, Financial Intelligence Unit, Geldwäsche, Internet-Angebote, Konto, anonymes, Konto, falsches, Kontenoffenlegung, Kontosperre, Kundendaten-Informationspflicht, Markttransparenz, Schattenbankbereich, Nominee, Tafelgeschäft, Zahlungsverkehrsverordnung, Zweitausweis.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Identitätsprüfungspflicht (identification control instruction):

In Deutschland aufsichts-rechtliche Pflicht der Wertpapier-Dienstleistungs-Unternehmen, vor Durchführung eines Auftrags die Identität des Auftraggebers zu überprüfen und aufzuzeichnen. Auch Banken müssen bei Kontoeröffnung nach § 25a KWG die Identität des Antragstellers prüfen und dokumentieren. Dies wird von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht durch entsprechende Richtlinien in den Einzelheiten vorgeschrieben und überwacht.

– Siehe Address Spoofing, Authentifizierungsgebot, Bankauskunft, Beobachtungsvermerk, Geldwäsche, Hawala, Identitätsdiebstahl, Konto, anonymes, Konto-Offenlegung, Kontosperre, Kundendaten-Informationspflicht, Nominee, Zahlungsverkehrsverordnung, Zweitausweis.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 80 f. ("Know Your Customer-Risikomanagement"), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 235 (Identitätsprüfung im Zuge geldwäscherechtlicher Anforderungen) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Querschnittsaufgaben".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Idiograph und Idiochiron (signature):

In älteren Dokumenten die Unterschrift des Kunden bzw. der Bank (one's name as written by oneself on an instrument or document to signify knowledge, approval, acceptance, or obligation).

– Siehe Akzept, Diffusion, Handschein, Zeichenunterschrift.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Idle money (so auch im Deutschen gesagt; auch Horte):

Bargeld, das in den Kassen der Unternehmen oder bei Privathaushalten verwahrt wird (money that is saved in order that it is available to use, rather than invested to earn interest). - Ob diese Beträge durch hohe Zinsanreize seitens der Banken dem Markt zugeführt werden, so wie dies in manchen Modellen der Nationalökonomik unterstellt wird, ist deshalb zu bezweifeln, weil die Motive der Kassenhaltung nachweislich äusserst vielschichtig (extremly multilayered) sind.

– Siehe Abwartehaltung, Attentismus, Eventual-Kasse, Geldbestand, sektoraler, Geldmulde, Geldnutzen, Geldschatz, Horten, Larghezza, Liquiditätspräferenz, Matratzengeld, Negativzins, Opportunitätskosten, Reservesockel, Unsicherheit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

IFRS:

Offizielle Abkürzung für International Financial Reporting Standards. - Zu unterschieden ist zwischen

1. den vom International Accounting Standards Board (IASB) herausgegebenen Regelwerk, im Jargon "full IFRS" genannt einerseits und

2. den Vorschriften, wie sie für die EU für verbindlich erklärt wurden andererseits; diese werden offiziell "IFRS as adopted in the EU" genannt und im Jargon "EU-IFRS" abgekürzt.

– Bei der Übernahme der "full IFRS" in die EU (auch Endorsement-Prozess genannt) wirken verschiedene Stellen mit, nämlich

1. die Europäische Kommission; ihr obliegt das Initiativrecht; sie lässt sich von der Europäischen Beratenden Gruppe für die Vorlage von Abschlüssen (European Financial Reporting Advisory Group, EFRAG) hinsichtlich einer Übernahmeempfehlung (endorsement advice) beraten, die ihrerseits eine EFRAG-Sachverständigengremium (Technical Expert Group, TEG) mit der Ausarbeitung betraut

2. der unter Vorsitz der Kommission tagende Regelungsauschuss für Rechnungslegung (Accounting Regulatory Committee, ARC) als Vertretung der Mitgliedsstaaten der EU

3. der Ministerrat der EU und

4. das Europäische Parlament.

– Damit der Endorsement-Prozess auch in sich widerspruchsfrei verläuft, wurde mit Beschluss der Kommission im Juli 2006 eine eigene Regelempfehlung-Prüfgruppe (Standard Advice Review Group, SARG) eingesetzt. Sie besteht aus höchstens sieben Mitgliedern, und zwar aus unabhängigen Sachverständigen und hochrangigen Vertretern von nationalen Regelerstellern.

– Siehe Bewertbarkeit, Enforcement-Prozess, International Financial Reporting Standards, Ausschuss-Wahn, IFRS-Dialekte, Swiss Finish.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 64 f. (ausländische Emittenten dürfen in den USA ohne Überleitung auf GAAP IFRS-Abschlüsse vorlegen), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 51 (neuere Entwicklung) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Internationales".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

IFRS-Dialekte (IFRS dialects):

Die Tatsache, dass die vom International Accounting Standards Board aufgestellten Regeln für die Rechnungslegung (full IFRS) von den Behörden einzelner Länder abgeändert und dabei teils verschärft bzw. auf die besonderen Gegebenheiten eines Landes angepasst wurden. In der EU gelten die EU-IFRS als verbindlich. - Weltweit tätige Unternehmen benötigen für ihre globale Wettbewerbsfähigkeit einheitliche Regeln. Von daher begründet sich die Forderung nach Anwendung eines einzigen, in allen Ländern gleichermassen angewendeten und auch von sämtlichen Aufsichtsbehörden anerkannten Systems. Der derzeitige Zustand gilt weithin als unbefriedigend, zumal die Securities and Exchange Commission der USA zwar Abschlüsse nach full IFRS anerkennt, nicht jedoch solche, die nach IFRS-Dialekten erstellt wurden.

– Siehe Bewertbarkeit, Generally Accepted Accounting Principles, Enforcement-Prozess, German Finish, International Financial Reporting Standards, IFRS, Regelwerk, einheitliches, Swiss Finish.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 56 ff. (Angleichung IFRS mit GAAP), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 64 f. (ausländische Emittenten dürfen in den USA ohne Überleitung auf GAAP IFRS-Abschlüsse vorlegen) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Internationales".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ijara (so auch im Deutschen gesagt):

Im Islamic Banking eine besonders ausgestalte Form eines Leihvertrags. Ein Partner überlässt dem anderen zum Gebrauch und zur Nutzung einen Vermögensgegenstand, und zwar zu einem bestimmten Pachtsatz und für eine festgelegte Zeit. Der Eigentümer des Vermögensgegenstandes - die Bank - trägt alle Risiken, die mit dem Eigentum verbunden sind.

1. Der Vermögensgegenstand kann nun zu einem vertraglich ausgehandelten Marktpreis veräussert werden, was praktisch den Verkauf des Ijara-Vertrags bedeutet.

2. Der Vertrag kann aber auch die Form eines Leihkaufvertrags haben. Die laufenden Pachtzahlungen werden diesfalls zur Abzahlung des Vermögensgegenstandes verrechnet, nachdem man sich über den Wert und die Nutzungsdauer (economic life) des vorerst nur geliehenen Vermögensgegenstandes einig wurde.

– Siehe Inventarkredit, Istisna, Mudaraba, Murabaha, Musharaka, Salam, Sukuk.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

IKT-anwendende Sektoren (ITC-using sectors):

Bei der EZB diejenigen Wirtschaftszweige, welche von der Informations- und Kommunikationstechnologie (information and communications technology) zur Verfügung gestellte Verfahren auf allen Ebenen der betriebliche Leistungserstellung voll ausschöpfen.

– Siehe KLEMS-Datenbank, Portabilität, Produktivität, Verkrustungen, strukturelle.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2008, S. 69 f. (Hemmung im Produktivitätswachstum bei Nichtausnutzung der angebotenen Verfahren).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Im Geld (in the money):

1 Eine Option ist als Kaufoption (Call) im Geld, wenn der Preis des Basiswertes am Kassamarkt über dem Ausübungspreis liegt. Bei einer Verkaufsoption (Put) ist dies gegeben, wenn der Preis des Underlying unter dem Ausübungspreis liegt (a call option is in the money if the price of the underlying asset is above the strike price. A put option is in the money if the price of the underlying asset is below the strike price. - Bei dieser Preislage kann der Inhaber einer Kaufoption (Verkaufsoption) den Basiswert vom Schreiber der Option zum Ausübungspreis beziehen (abgeben) und zum aktuellen Kurs am Kassamarkt wieder verkaufen (kaufen). Er erzielt damit einen Gewinn. - Ist eine Option "tief im Geld" (deep in the money), so liegt der Preis des Basiswertes sehr weit unter bzw. über dem Ausübungspreis (the strike price is far below the current price of the asset to which the option is reference; its chances of being exercised by the holder of the option are therefore very high).

2 Die vorderen Plätze bei einem Wettkampf, besonders bei Pferderennen (first, second, or third place in a contest, especially a horse race).

– Siehe Aus dem Geld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Immengeld (beekeeping fee):

1 Früher eine Abgabe für die Erlaubnis, Honigbienen (honeybees) halten zu dürfen.

2 Eine frühere Gebühr, die nicht ortsansässige Imker (apiarists) in die Gemeindekasse zu entrichten hatten, wenn sie

1. ihre Bienenvölker (bee colony) auf den Fluren der Gemeinde ausschwärmen liessen oder

2. auch den Bienenstock (beehive) zur Überwinterung unterbrachten. Imme = Honigbiene.

– Wirtschaftsgeschichtlich spielt das Immengeld insofern eine wichtige Rolle, als bis nach 1800 Honig das bei weitem wichtigste Mittel zum Süssen (sweetener) von Speisen und Arzneimitteln war. Erst danach blühte die Gewinnung von Zucker aus Rüben auf.

– Siehe Beutnergeld, Bienenprämie, Zeidlergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Immobilien in älteren Dokumenten auch Realitäten und Liegenschaften (real estate):

In der deutschen Rechtssprache der Oberbegriff für unbebaute und bebaute Grundstücke (als abgesteckte, abgezirkelte Teile der Erdoberfläche) aller Art. Darin eingeschlossen sind alle auf einem Anwesen errichteten Gebäude (land and all physical property on, below or attached to the land).

– Siehe Fahrnis.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Immobilien-Aktiengesellschaft (real estate investment trust, REIT):

Unternehmen, das Kapital in Grundstücke und Gebäude anlegt, diese bewirtschaftet und über Mieteinnahmen und Wertsteigerungen eine Rendite zu erzielen sucht.

– Siehe Immobilienfonds, offener, Real Estate Investment Trust.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Immobilien-Banking (so auch im Deutschen, manchmal in nur einem Wort):

Um 2000 in die deutsche Sprache eingedrungene Bezeichnung für die Gesamtheit aller Dienstleistungen in Zusammenhang mit der Finanzierung von Grundstücken und Liegenschaften.

– Siehe Bausparkassen, Betongold, Bodenkreditinstitut, Covered Bonds, Developer, Gewerbeimmobilien, Immobilienfonds, Kosten, vermiedene, Immobilienkredit-Beschränkung, Meliorationskredit, Real Estate Investment Trust, Seehandlung, Siedlungskredit, Sozialpfandbrief, Wohneigentum.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Immobilienbewertung (real estate valuation):

Banken ist es aufsichtsrechtlich erlaubt, bei der Berechnung der Eigenmittel als Finanzinvestition gehaltene Immobilien mit dem Zeitwert anzusetzen.

– Siehe Immobilienblase.

– Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 108, Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 187 (im Gefolge des Anlegerschutz- und Funktionsverbesserungsgesetzes [AnSFuG] müssen Immobilienfonds die Bewertung der Immobilien in gesetzlich vorgeschriebenen Zeiträumen vornehmen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Immobilienblase (housing bubble):

Das

1. rasche, starke Ansteigen der Preise für bebaute - manchmal werden auch baureife und unbebaute Böden einbezogen - Grundstücke,

2. welches mit gewöhnlichen Verhältnissen von Angebot und Nachfrage (ordinary conditions of supply and demand) auf dem Immobilienmarkt nicht zu erklären ist, und

3. das somit auf vorübergehende spekulative Käufe (temporary speculative buying) hindeutet,

4. denen über kurz oder lang plötzliche Verkäufe grossen Umfangs folgen werden.

– Um Immobilienblasen zu mindern, müssten weltweit die Eigenkapitalanforderungen für Immobilienkäufer erhöht werden; genauer: indem man Beleihungsgrenzen festlegt, die abhängig von der Geschwindigkeit sind, mit welcher die Immobilienpreise in einem bestimmten Zeitraum zugenommen haben. Solche Grenzwerte sollten entweder unmittelbar durch alle Aufsichtsbehörden der Welt eingeführt werden oder mittelbar über Vorschriften zur risikogewichteten Unterlegung an die kreditgebenden Banken. Bei gleichgerichteter Politik in allen Ländern liesse sich so die Liquidität mindern, über die Käufer den Vermögenspreisboom (asset price boom) anheizen. - Freilich lehrt die Finanzgeschichte, dass bei rauschhaften Erwartungen (euphoric expectations) auf Gewinn und Reichtum sich gerade kleine Anleger durch nichts und von niemandem bremsen lassen; Blasen also immer wieder auftreten werden. - Zinserhöhungen der Zentralbank halten Immobilienspekulanten erfahrungsgemäss kaum zurück. Eine solche Politik würde aber viele Bereiche der Wirtschaft hart treffen, die auf erschwingliche Kredite zur Verbesserung oder Erweiterung ihrer Kapazitäten angewiesen sind. Die Behinderung dieser Investitionen muss sich über kurz oder lang auf die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen auswirken. Das wiederum hat Folgen vor allem für die Beschäftigung.

– Siehe Aktienblase, Ausrichtung, vermögensorientierte, Bauinvestitionen, Bauland, Betongold, Blase, spekulative, Börsenpreis, Boom-Bust-Zyklus, Carry Trades, Complacency, Deflation, schlechte, Dotcom-Blase, Erstraten-Verzugsklausel, Gewerbeimmobilien, Goldpreis, Hindsight, Home Mortgage Disclosure Act, Hypothekenschulden, Immobilienkredit-Beschränkung, Immobilien-Sicherheiten, Leerstandsquote, Marktkenntnis, zentralbankliche, Mietrendite, Mortgage Equity Withdrawal, Niedrigzinspolitik, Nullzins, Real Estate Investment Trust, Repression, finanzielle, Rückkoppelungsschleife, Panikverkäufe, Portfolio-Umschichtung, Subprime-Krise, Unterlegung, Vermögenseffekt, Wohneigentum, Zinsallokations-Funktion, Zinsanreiz, Zinsdifferenzgeschäft, Zinssatz, niedrig gehaltener.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2005, S. 53 ff., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2007, S. 15 ff. (Zusammenhang zwischen Immobilienmarkt und Geldnachfrage; viele Übersichten), Monatsbericht der EZB vom September 2010, S. 60 ff. (Immobilienmarkt in der Eurozone seit 1997; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom November 2010, S. 75 ff. (lehrbuchmässige Darstellung von Vermögensblasen), S. 96 f. (Geldnachfrage und Immobilienvermögen), Finanzstabilitätsbericht 2011, S. 43 f. (Immobilienmarkt in Deutschland stabil; Übersichten), S. 67 ff. (ausführliche Abhandlung mit vielen Übersichten; Vergleiche mit den USA; bleibende Unsicherheiten), Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 17 (Preise für Wohnimmobilien steigen; Gefahren).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Immobilienfonds (real-estate fund):

Überwiegend (mainly) in Haus- und Grundbesitz angelegtes Vermögen einer Kapitalverwaltungsgesellschaft, die darüber Anteilscheine ausgibt (entity which is formed to pool funds from a large number of investors in order to acquire a significant portfolio of real estate properties).

– Siehe Anlageausschuss, Betongold, Bodenkreditinstitut, Gewerbeimmobilien, Immobilienfonds, offener, Investmentfonds, alternativer, Kapitalanlagegesetzbuch, Real Estate Investment Trust, Rücknahme-Sperre, Verbriefung.

– Vgl. zur aufsichtsrechtlichen Seite den Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 90 f., Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 214 ff., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 180 f. (hier auch zur Bewertung der Anteilsscheine), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 148 (Fondschliessung bei Illiquität), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 155 f. (Neuausrichtung der meisten Fonds; allgemeine Entwicklung, Aufsichtsrechtliches bei Grundstücks-Veräusserungen), S. 158 (Verstösse gegen aufsichtsrechtliche Bestimmungen), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 155 (Möglichkeit eines offenen Immobilienfonds, bei aussergewöhnlichen Marktverhältnissen [difficult market situations] die Rücknahme der Anteilscheine auszusetzen), S. 165 f. (Restrukturierungsbemühungen), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 194 (BaFin führt in der Finanzkrise tägliche Meldepflicht über den Zufluss und Abfluss von Geld ein; Aussetzung der Rücknahme einiger Gesellschaften), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 218 ff. (verstärkte Mittelabflüsse; Zunahme der Beschwerden; Übersicht), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 187 (im Gefolge des Anlegerschutz- und Funktionsverbesserungsgesetzes [AnSFuG] müssen Immobilienfonds die Bewertung der Immobilien in gesetzlich vorgeschriebenen Zeiträumen vornehmen; die Aussetzung der Rücknahme von Anteilen neu geregelt), S. 236 ff. Beschwerden steigend; Übersicht über das Mittelaufkommen) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapital "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft", Monatsbericht der EZB vom Juni 2007, S. 28 ff. (anteilsmässige Gliederung der Fonds). - Im jeweiligen Monatsbericht der EZB finden sich im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets" unter der Rubrik "Monetäre Entwicklungen, Banken und Investmentfonds", Unterrubrik "Aktiva der Investmentfonds im Euro-Währungsgebiet nach Anlageschwerpunkten und Anlegergruppen" Aufstellungen über die Zusammensetzung des Vermögens der Immobilienfonds. Im monatlich erscheinenden Statistische Beiheft "Kapitalmarktstatistik" der Deutschen Bundesbank auch Zahlen über die Anzahl, den Anteilumlauf und das Vermögen inländischer Investmentfonds (domestic real estate funds), nach verschiedenen Gesichtspunkten aufgeschlüsselt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Immobilienfonds, offener (open-ended real-estate fund):

Sondervermögen einer Kapitalverwaltungsgesellschaft, das in mindestens fünfzehn Grundstücken angelegt ist. Darüber werden Zertifikate ausgegeben. Ziel ist es, Immobilien auch für Kleinanleger börsentäglich verfügbar zu machen. Weil die Anteilsscheine jederzeit gekauft oder verkauft werden können, so investieren die Fondsmanager das Geld der Anleger deshalb nicht ausschliesslich in Gebäude und Grundstücke, sondern auch in geldnahe Aktiva. Diese Liquiditätsreserve des Fonds muss mindestens fünf Prozent des Fondsvermögens betragen und höchstens auf neunundvierzig Prozent steigen. Die Kapitalverwaltungsgesellschaft ist durch das Investmentgesetz verpflichtet, einen Fonds zeitweilig zu schliessen, wenn die Liquiditätsreserve weniger als fünf Prozent des Fondsvermögens ausmacht. - Offene Immobilienfonds betreiben in bedeutendem Umfang Liquiditätstransformation, nämlich

1. die Finanzierung von auf Langfristigkeit angelegten Investitionen mit kurzfristigen Geldern, auch positive Fristentransformation genannt,

2. aber auch wegen die Möglichkeit einer jederzeitigen Rückgabe des Zertifikats an den Fonds die Umwandlung von in Langfristanlagen (Immobilien) getätigten Investitionen in Bargeld, auch als negative Fristentransformation bezeichnet, was

3. die Anleger anfällig für Schwankungen in der Liquiditätspräferenz macht, die Mittelabflüsse bei dem Fonds steigen erfahrungsgemäss in Krisenzeiten stark an,

4. und dies wiederum löst Herdenverhalten in Hinblick auf allfällige Wertverluste bei dem Immobilienportfolio aus,

5. das zu einem Run führen kann,

6. und dem das Fondsmanagement mit einer vorübergehenden Aussetzung der Rücknahme der Zertifikate zwingt. In § 81 Investmentgesetz ist dies für längstens zwei Jahre erlaubt.

– Mit dem im April 2011 in Kraft getretenen "Gesetz zur Stärkung des Anlegerschutzes und Verbesserung der Funktionsfähigkeit des Kapitalmarktes (AnSFuG)" hat der Gesetzgeber weitere wichtige Regelungen für offene Immobilienfonds verbindlich eingeführt. So bestimmt das Gesetz für sämtliche Anleger eine einjährige Kündigungsfrist. Neu erworbene Anteile an einem offenen Immobilienfonds müssen zum Zeitpunkt der Rückgabe seit mindestens vierundzwanzig Monaten gehalten worden sein. Mit diesen und anderen Regelungen soll verhindert werden, dass grössere Summen nur kurzfristig in diesen Fonds geparkt werden, die eigentlich als langfristige (noncurrent) Geldanlage dienen sollen.

– Siehe Herdenverhalten, Inventarwert, Real Estate Investment Trust.

– Vgl. Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 187 (Mindesthaltefrist im Zuge des Anlegerschutz- und Funktionsverbesserungsgesetzes [AnsFuG] eingeführt; Bewertungsintervalle gesetzlich vorgeschrieben), Finanzstabilitätsbericht 2010, S. 71 (Liquiditätstransformation durch die Fonds; Risiken), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 70 f. (konstruktionsbedingte Schwächen offener Immobilienfonds und die davon ausgehenden Gefahren), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2013, S. 17 (per saldo verzeichnen offene Immobilienfonds jährliche Mittelzuflüsse), Jahresbericht 2012 der BaFin, S: 204 f. (14 Fonds befinden sich in Abwicklung; weitere Aussetzung der Rücknahme von Anteilscheinen), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 187 f. (Mittelaufkommen der Fonds; Trend zu Spezialfonds) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Immobiliengutachten (real estate valuation):

Banken, die Grundstücke, grundstücksgleiche Rechte und Gebäude beleihen, sind seitens der Aufsichtsbehörden verpflichtet, den Beleihungswert in bestimmten Abständen - in Deutschland derzeit: alle drei Jahre - neu zu ermitteln. Auch die Art und Weise der Wertermittlung ist vorgeschrieben.

– Vgl. zur Bewertung bei Fonds auch Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 181.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Immobilienkredit (real-estate credit):

Wenn statistisch nicht anders abgegrenzt, so meint man nur die an Privathaushalte gewährte Darlehn zum Erwerb von Wohneigentum.

– Siehe Bodenkreditinstitut, Darlehnhaftung, beschränkte, Home Mortgage Disclosure Act, Immobilienkredit-Beschränkung, Immobilien-Zusatzbeleihung, Konsumentenkredit, Kreditzweck, Paketdarlehn, Taxe, Vermögenspreise, Wohnungsbaukredit, Zwei-Achtundzwanzig-Kredit.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Oktober 2007, S. 89 f. (Wohnungsbaukredite an Privathaushalte; Übersichten), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 55 ff. (ausführliche Marktanalyse, viele Übersichten; Literaturverweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2013, S. 54 f. (Bestimmungsgründe für Wohnungsbaukredite in Deutschland; Formel; Übersicht), Geschäftsbericht 2013 der Deutschen Bundesbank, S. 53 f. (Wohnungsbauinvestitionen der Privathaushalte seit 1991; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Immobilienkredit-Beschränkung (rationing of housing credits):

Die Zentralbank oder die Aufsichtsbehörde geben den Banken allgemeine oder ins Einzelne gehende Vorgaben (detailed requirements, specifications) bei Ausleihungen an Immobilienkäufer. In England wurde im Sommer 2014 diese Massnahme angewendet, um eine sich abzeichnende Immobilienblase abzuwehren. - Hauskäufe werden in England häufig zu Beginn des Berufslebens und grossenteils auf Kredit getätigt. Die Zinsen sind beweglich und nicht wie in Deutschland auf viele Jahre festgeschrieben, Leitzinserhöhungen treiben daher die Monatsraten der Schuldner schnell in die Höhe und die Hausbesitzer in die Insolvenz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Immobilienpreise (real estate prices):

Von den Zentralbanken besonders ins Auge gefasst, weil höhere Preise besonders für bebaute Grundstücke (residential buildings; Wohnhäuser) sich in höhere Mieten fortsetzen und den Konsum der Privathaushalte einschränken. Fallen die Preise, dann haben die Hauseigentümer das Nachsehen. Denn die Schulden - vor allem für Eigenheimbesitzer (home-owners) - bleiben unverändert und schränken deren zukünftigen Verbrauch ein. - Es hat sich gezeigt, dass in Zeiten eines konjunkturellen Abschwungs die Preise für Neubauten gleich bleiben oder sogar leicht ansteigen, dagegen die Preise beim Wiederverkauf von Gebäuden sehr stark sinken.

– Siehe Amortisation, negative, Ausrichtung, vermögensorientierte, Beleihungswert, Betongold, Erstraten-Verzugsklausel, Gewerbeimmobilien, Greenspan-Doktrin, Hypothekenschulden, Immobilienblase, Immobilienkredit-Beschränkung, Immobilienvermögen, Leerstandsquote, Mietrendite, Real Estate Investment Trust, Vermögenspreise, Wohneigentum, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2006, S. 61 ff. (ausführliche, lehrbuchmässige Darstellung; S. 71 ff.: Struktur der Hypothekenmärkte im Euro-Währungsgebiet), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2007, S. 15 ff. (Zusammenhang zwischen Immobilienmarkt und Geldnachfrage; viele Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Februar 2008, S. 50 f. (Entwicklung seit 1995; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Juli 2008, S. 46 ff. (Entwicklung der Preise für Wohnimmobilien; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Januar 2009, S. 63 ff. (Immobilienvermögen im Eurogebiet; viele Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Februar 2009, S. 54 f. (Immobilienpreise in Deutschland 2005 bis 2008; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Juni 2009, S. 72 ff. (Entwicklung der Preise für Wohnimmobilien seit 1999, Investitionen in den Wohnungsbau seit 1997; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Mai 2010, S. 20 ff. (Entwicklung des Immobiliensektors im Eurogebiet seit 1997; viele Übersichten), Monatsbericht der EZB vom August 2010, S. 54 ff. (Preise für Wohneigentum und die Auswirkung über Mieten auf den HVPI; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom September 2010, S. 60 ff. (Immobilienmarkt in der Eurozone seit 1997; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2010, S. 58 ff. (Wohnimmobilienmarkt seit 2008 vielfach aufgeschlüsselt; Tendenzen; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Februar 2012, S. 58 f. (Wohnimmobilienmarkt 2003-2010; Übersichten), Finanzstabilitätsbericht 2011, S. 43 f. (Immobilienmarkt in Deutschland stabil; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom November 2011, S. 45 f. (Immobilienpreise seit 1999; Aufschlüsselung nach Ländern; Vorhersage der Preisentwicklung), S. 67 ff. (ausführliche Erläuterungen zum Markt für Wohnimmobilien im Eurogebiet mit Vergleichen zu den USA), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Februar 2012, S. 54 f. (Preisentwicklung für Wohnimmobilien in Deutschland; Übersichten), Jahresbericht 2011 der EZB, S. 29 ff. (Frühwarn-Indikatoren bei Vermögenspreisen), Monatsbericht der EZB vom Mai 2012, S. 63 ff. (Preise für Wohneigentum in der EWU seit 2010; Aufschlüsselung nach Ländern; Übersichten), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 55 ff. (ausführliche Marktanalyse, viele Übersichten; Literaturverweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Februar 2013, S. 55 ff. (Wohnimmobilienpreise seit 2005; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2013, S. 26 f. (Immobilienerwerb Gebietsfremder in Deutschland seit 2002; Übersicht), Monatsbericht der EZB vom Mai 2013, S. 59 f. (Entwicklung der Preise für Wohneigentum im Eurogebiet seit 2000), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2013, S. 55 ff. (Preise für Gewerbeimmobilien; Statistisches, Übersichten; Literaturverweise), Monatsbericht der EZB vom Juli 2013, S. 55 ff. (Wohnimmobilien im Eurogebiet und ihr Wert; viele Übersichten), Monatsbericht der EZB vom September 2013, S. 61 ff. (zum Einfluss der Geldpolitik auf die Vermögenspreise; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2013, S. 13 ff. (Markt für Wohnimmobilien in Deutschland; zahlreiche Übersichten), Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 17 (Preise für Wohnimmobilien steigen; Gefahren).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Immobilien-Sicherheiten (real estate collaterals):

Eine Bank kann sich bezüglich der Qualität (creditworthiness; Bonität) und des Verhaltens ihres Schuldners (payment behaviour; Zahlungsmoral) nur unvollkommen informieren. Daher ist es aus ihrer Sicht entscheidend, ob ein Darlehnsnehmer über ausreichende Sicherheiten verfügt, um das Kreditausfall-Risiko abzudecken. Immobilien sind hierbei von besonderer Bedeutung. Denn diese sind

1. ziemlich wertbeständig, und

2. ihre Bewertung kann vergleichsweise objektiv vorgenommen werden. Eine Erhöhung des Immobilienvermögens steigert damit die Kreditwürdigkeit eines Darlehnsnehmers.

– Das führt wiederum dazu, dass zur Verbesserung der Kreditwürdigkeit (Borgkraft; creditworthiness) mehr Immobilien gekauft werden, und die Immobilienpreise dadurch stark ansteigen. Eine zusätzliche Verstärkung kann eintreten, wenn eine expansive Geldpolitik zu einer Zinssenkung führt.

– Siehe Besicherungsrisiko, Bodenkreditinstitut, Darlehnhaftung, beschränkte, Developer, Home Mortgage Disclosure Act, Immobilienblase, Immobilienkredit-Beschränkung, Inflationsrisiko, Kreditkanal, Leerstandsquote, Niedrigzinspolitik, Nullzins, Real Estate Investment Trust, Portfolio-Umschichtung, Tarnkappen-Politik, Zwei-Achtundzwanzig-Kredit.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2007, S. 20 f. (Immobilien als Kreditsicherheiten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Immobilienvermögen (real estate assets):

Wenn nicht anders definiert, so meint man damit die im Eigentum von Privathaushalten befindlichen Wohnimmobilien einschliesslich des Wertes der Grundstücke, auf denen die Gebäude stehen. - Das Immobilienvermögen macht etwa sechzig Prozent des Vermögens der Privathaushalte gesamthaft aus. Weil davon Auswirkungen auf das Kauf- und Anlegerverhalten ausgehen, so wird es im Rahmen des Zwei-Säulen-Prinzips von der EZB berechnet und beobachtet.

– Siehe Anlegerverhalten, Ausrichtung, vermögensorientierte, Betongold, Bodenkreditinstitut, Home Equity Loan, Hypothekenschulden, Immobilienblase, Immobilienpreise, Leerstandsquote, Real Estate Investment Trust, Mittelaufkommen, Wohneigentum, Zwei-Achtundzwanzig-Kredit.

– Vgl. die laufende Berechnung und die ermittelten Werte in der Rubrik "Finanzkonten und nichtfinanzielle Konten", Unterrubrik "Jährliche Ersparnis, Investitionen und Finanzierung" im Teil "Statistik des Euro-Währungsgebiets" im jeweiligen Monatsbericht der EZB, Monatsbericht der EZB vom Dezember 2006, S. 51 ff. (Schätzmethoden, Übersichten; S. 53 f. wichtige Berechnung des Reinvermögens der Privathaushalte), Monatsbericht der EZB vom Januar 2009, S. 63 ff. (Zusammenhang zwischen Immobilienvermögen und Konsumausgaben im Euroraum; ausführliche Darstellung; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom November 2010, S. 96 f. (Zusammenhang zwischen Geldnachfrage und Immobilienvermögen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2012, S. 44 ff. (Immobilienvermögen aufgrund der Erhebung der HFCS; Übersicht: Verteilung des Immobilienvermögens), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 55 ff. (ausführliche Marktanalyse, viele Übersichten; Literaturverweise), Monatsbericht der EZB vom Mai 2013, S. 59 f. (Entwicklung der Preise für Wohneigentum im Eurogebiet seit 2000), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2013, S. 42 (Immobilienvermögen der Privathaushalte aufgeschlüsselt), Monatsbericht der EZB vom Juli 2013, S. 55 ff. (Wohnimmobilien im Eurogebiet und ihr Wert; viele Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2013, S. 13 ff. (Markt für Wohnimmobilien in Deutschland; zahlreiche Übersichten), Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 17 (Preise für Wohnimmobilien steigen; Gefahren).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Immobilien-Zusatzbeleihung (mortgage equity withdrawal):

Die weitere Beleihung einer bereits durch Hypotheken finanzierten Immobilie. Dies war vor allem in den USA bis zur Subprime-Krise möglich.

– Siehe Home Equity Loan, Home Mortgage Disclosure Act, Immobilienkredit-Beschränkung, Mortgage Equity Withdrawal, Zwei-Achtundzwanzig-Kredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Immobilisierung (immobilisation):

Die Einlagerung von greifbaren, aufbewahrungsfähigen (suitable for storage) Finanzinstrumenten - in erster Linie in Papierform vorliegende Aktien und Anleihen - in ein Depot, so dass Zubuchungen und Abbuchungen nicht mehr durch Austausch der Dokumente erfolgen muss, sondern im reinen Verrechnungsverkehr stattfinden kann (the placement of physical documents for financial instruments in a common depository or a central securities depository so that succeeding transfers can be made by book entry: by debiting and crediting the respective holders' accounts at the depository).

– Siehe Dematerialisierung, Depotstelle, Verwahrstelle, Zentralverwahrer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Immunisierung (immunisation):

1 Hinsichtlich der Deckung des Finanzbedarfs eines Unternehmens die Entscheidung, Mittel zu Investitionen - fast - ausschliesslich über Innenfinanzierung zu beschaffen, vor allem einbehaltene Gewinne und Einlagen der Eigentümer. Die Firma will so von Ausseneinflüssen - Banken, Verwerfungen auf den Finanzmärkten - unabhängig zu sein.

2 In Bezug auf Finanzanlagen die vollständige Abschirmung eines Portfolios gegen allfällige Risiken der Märkte (the construction of a portfolio of securities so as not to be adversely affected by yield changes). - Als einziges Anlagegut kann Gold diesen Ansprüchen genügen; besonders auch, weil es dazu völlig unabhängig von Verfalldaten, Erfüllungsrisiken und Folgeinvestitionen - und nebenbei auch von Steuerzahlungen - ist. Daher scheuen sich Zentralbanken, ihre Goldbestände zu mindern. Denn wenn in Turbulenzen das Vertrauen in eine Zentralbank von Anlagen abhinge, die sich - wie etwa bei der dreitägigen Schliessung der Börsen nach dem islamistischen Anschlag vom 11. September 2001 in den USA - nicht sofort realisieren lassen, dann zöge dies möglicherweise das ganze Finanzsystem in einem Strudel in die Tiefe (depressive tumble).

3 Die Abriegelung eines nationalen Finanzmarktes gegenüber dem Ausland.

4 Die Tatsache, dass der Kurs einer Anleihe unabhängig von der Bewegung der Marktzinsen verläuft (immunisation of a bond means that its overall market value [price of principal plus the interest accrued] does not change in response to the change in market interest rates).

– Siehe Abschottung, Colbertismus, Finanzialisierung, Innenfinanzierung, Nullausschüttung, Rangfolge-Theorie, Selbstfinanzierung, Zinslastquote.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2008, S. 70 f. (Rolle der thesaurierten Gewinne für die Investitionstätigkeit).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Imparitätsprinzip (imparity principle):

Bei der Rechnungslegung sind Verluste auch dann zu berücksichtigen, wenn sie sich abzeichnen, jedoch noch nicht als Zahlung anstehen. Gewinne hingegen dürfen demgegenüber erst dann ausgewiesen werden, wenn sie als Zahlung eingegangen sind. Gewinn und Verlust werden damit aus Vorsichtsgründen ungleich - lateinisch: IMPAR - behandelt. Für die Rechnungslegung von Instituten ist das Imparitätsprinzip bindend, und seine Anwendung wird von den Wirtschaftsprüfern entsprechend kontrolliert. - Oftmals findet sich das Imparitätsprinzip unterteilt in das

1. Niederstwertprinzip (principle of lower cost of market), wonach Wertminderungen der Aktiva durch Abschreibungen vorwegzunehmen sind und

2. Vorsorgeprinzip (precautionary principle), nach dem Rückstellungen für drohende Verluste und für ungewisse Verbindlichkeiten gebildet werden müssen.

– Siehe Eventualschaden, IAS 39, Verlust, erwarteter.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Impegno (engagement):

In der älteren Finanzsprache die Beteiligung an einem Geschäft.

– Siehe Deal, Engagement, One-Night-Stand, Operation, Transaktion.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Imperial (imperial):

1 In älteren Dokumenten sowie im Münzhandel heute eine russische Goldmünze zu zehn Rubel, 1755 erstmals mit dem Bildnis der Zarin Elisabeth - IMPERATRIX = Zarin - geprägt; in Stücken zu fünf Rubel Halbimperial (half imperial; Poluimperial) genannt.

2 In alten kaufmännischen Dokumenten ein vor allem in England gebrauchtes Papierformat (size of paper) 30 mal 22 Inches; in heutiger Masseinheit ein Blatt 762 mal 559 mm.

– Siehe Münze, Numismatik, Zechine.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Impfkapital (vaccination aid capital):

Wenn nicht anders definiert, der von Geberländern (Kanada. Italien, Norwegen, Russland und Grossbritannien) sowie privaten Sponsoren wie der Bill & Melinda Gates Foundation 2007 auf Initiative des amerikanischen Ökonomen Michael Kremer errichtete Fonds, aus dem gross angelegte Impfungen gegen Seuchen in Entwicklungsländern langfristig finanziert werden sollen. Ein besonderes Programm (Advance[ed] Market Commitment, AMC: a legally-binding agreement for an amount of funds to support the purchase of an as yet unavailable vaccine against a specific disease causing high morbidity and mortality in developing countries) soll sicherstellen, dass auch für die Zukunft genügend Impfstoffe und Impfstationen zur Verfügung stehen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Imponderabilien (imponderables):

Wenn nicht anders definiert, die bei der Planung einer Investition

1. unvorhersehbaren (unforeseeable, unpredictable: etwa: Änderung von [Steuer]Vorschriften) und daher

2. nicht rechenbaren (non-calculable) Einflussgrössen. Sämtliche Entscheidungen auf Finanzmärkten sind daher letztlich nie genau rechenbar - auch nicht bei höchstem Aufwand mathematischer Kunst! Ob dessen sind sie immer mit einem mehr oder minder hohem Grad an Unsicherheit behaftet.

– Siehe Bewertbarkeit, Erwartungstheorie, neue, Finanzpsychologie, Formeln, finanzmathematische, Furchtthese, Hurrikan-Schocks, Katastrophen-Anlei¬hen, Risiko, systemisches, Zufall.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Importgehalt (import content of exports):

Der Anteil der aus dem Ausland bezogenen Vorleistungen bei der Produktion von Exportgütern. - Der so berechnete Einfuhranteil der deutschen Warenexporte betrug 2009 etwa 44 Prozent; die Tendenz ist steigend. Knapp die Hälfte der Warenimport kamen im Jahr 2009 aus der EU; grösster Lieferant waren in diesem Zeitraum die Niederlanden und Frankreich. - Die Zentralbanken beobachten diese Kennzahl vor allem auch in Hinblick auf die Zahlungsbilanz und Wechselkurs der eigenen Währung.

– Siehe Balassa-Index, Forschungsquote, Handelsbilanz, Offenheitsgrad, Strukturwandel, Terms of Trade, Unit-Value-Relation.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2008, S. 81 ff. (ausführliche Darstellung mit Bezug auf das Euro-Währungsgebiet), Monatsbericht der EZB vom August 2010, S. 101 ff. (eingehende Darstellung; viele Übersichten; Literaturverweise), Monatsbericht der EZB vom Juli 2011, S. 13 ff. (Abhängigkeiten der Importpreise im Eurogebiet von der Entwicklung in China).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Impost oft in der Mehrzahlform Imposten (impost):

In älteren Dokumenten

1 eine tariflich festgelegte Abgabe allgemein (money collected under a tariff);

2 eine Warensteuer (commodity tax: a tax based on a specific commodity, corresponding in nature to excise duties on its sale).

– Siehe Akzise, Auflage, Gefälle, Verzehrgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Incremental Risk Charge, IRC (so auch im Deutschen gesagt):

Vom Basler Ausschuss für Bankenaufsicht vorgeschlagene Neuregelung zur Unterlegung besonderer Marktrisiken. Danach sollen die Banken Eigenmittel für Ausfall-, Migrations-, Kreditspread- und Aktienkursrisiken vorhalten. Als Berechnungsgrundlage sollen deutlich verschärfte Modellannahmen unterstellt werden, d.h. ein 99,9-prozentiges Konfidenzniveau, ein einjähriger Kapitalhorizont und produktbezogene Haltedauern von mindestens drei Monaten.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 50 (Vorschläge des BCBS).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Index der Arbeitskosten pro Stunde (hourly labour cost index):

Messgrösse für die Arbeitskosten je tatsächlich geleisteter Arbeitsstunde, einschliesslich der verrichteten Überstunden. In die Berechnung gehen ein

1. die Bruttolöhne und Bruttogehälter in Form von Geldzahlungen oder Sachleistungen,

2. Sonderzahlungen, wie etwa Weihnachts- und Urlaubsgeld oder Jubiläumsprämien sowie

3. alle vom Arbeitgeber zu entrichtenden Sozialbeiträge und allfällige Beschäftigungssteuern (employment-related taxes). Allfällige Subventionen an den Arbeitgeber werden abgezogen.

– Im Rahmen des Zwei-Säulen-Prinzips wird dieser Index von der EZB laufend beobachtet und im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets" in der Rubrik "Preise, Produktion, Nachfrage und Arbeitsmärkte" im jeweiligen Monatsbericht (auch unterteilt nach Wirtschaftszweigen) ausgewiesen.

– Siehe Arbeitskosten, Arbeitnehmerentgelt pro Kopf, Arbeitskosten-Indikatoren Arbeitslosenquote, Balassa-Samuelson-Effekt, Index der Arbeitskosten pro Stunde, Index der Tarifverdienste, Lohndrift, Lohnkosten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Index der Tarifverdienste (index of negotiated wages):

Messgrösse in Bezug auf das unmittelbare Ergebnis von Tarifabschlüssen hinsichtlich der Grundvergütung (also ohne Sonderzahlungen). Von der EZB berechnet, im Rahmen des Zwei-Säulen-Prinzips beobachtet und im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets" in der Rubrik "Preise, Produktion, Nachfrage und Arbeitsmärkte" im jeweiligen Monatsbericht ausgewiesen.

– Siehe Arbeitskosten, Arbeitnehmerentgelt pro Kopf, Arbeitslosenquote, Fringe Benefits, Lohnkosten.

– Vgl. für Deutschland den Statistischen Teil des jeweiligen Monatsberichts der Deutschen Bundesbank, Rubrik "Konjunkturlage", Unterrubrik "Tarif- und Effektivverdienste", Monatsbericht der EZB vom Oktober 2006, S. 36 ff. (Vergleich Tarif-Verdienste und Effektiv-Verdienste; S. 37 wichtige Übersicht der Entwicklung seit 1996), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2007, S. 51 (Schwierigkeiten der Berechnung wegen der zunehmenden Komplexität der Tarifverträge).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Indexanleihe (bond with a stable value clause; index-linked bond):

Festverzinsliches Wertpapier, bei dem

1. der Rückzahlungsbetrag (redemption amount) und/oder

2. die Zinsen vertraglich an einen Index gebunden sind; in der Regel an den Preisindex der Lebenshaltung. Die Verzinsung einer Indexanleihe ist im Normalfall niedriger als die einer gewöhnlichen Anleihe. Der Anleger zahlt also die Wertsicherung (value maintenance through linkage to an index) mit einem Zinsverlust.

– Siehe Anleihe, indexgebundene, Condor-Anleihe, Emission, indexierte, Hafen, sicherer, Indexfonds, Index-Tracking, Notzeit-Anlagen, Swap, inflationsindexierter, Zinsswap.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Index-Arbitrage (index arbitrage):

Der Kauf (Verkauf) eines Aktienindex-Futures und der gleichzeitige Verkauf (Kauf) einiger oder aller Aktien in diesem Index (the simultaneous purchase/sale of share index futures and the sale/purchase of some or all of the shares that make up the particular share index. The aim is to profit from sufficiently large intermarket spreads between the futures contract and the index itself). Weltweit haben sich auf diese Geschäfte spezialisierte Unternehmen aus dem Bereich des Hochfrequenzhandels herausgebildet.

– Siehe Arbitrage, Hedge-Fund, Intermarkt-Spread, Positionen, synthetische, Kursdifferenzhandel, Option, Rohstoff-Terminvertrag, Value Fund.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Indexfonds, börsengehandelte (index fund, exchange traded fund, ETF):

Wertpapierfonds, die in Titel eines anerkannten Wertpapierindex (security index) investieren und in Deutschland den verhältnismässig strengen Vorgaben für Investmentfonds unterliegen. Dabei wird

1. der indexorientierte Fonds aktiv verwaltet. Das Fondsmanagement versucht, den Index zu übertreffen und eine sog. Outperformance - also eine Fondsentwicklung besser als die Indexentwicklung - zu erreichen.

2. Der indexnachbildende Fonds wird passiv verwaltet. Das Fondsmanagement versucht, dem Index möglichst genau nachzufolgen, so dass die Wertentwicklung des Fondsanteils genau dem Indexverlauf folgt, im Börsenjargon auch unschön "voll replizierende ETF" genannt.

– In Deutschland unterliegen beide Arten der Kontrolle durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. - Zu Jahresbeginn 2011 wurden in Deutschland um die 540 Indexfonds angeboten. Der meistgehandelte Fonds dieser Art an der Deutschen Börse ist indexnachbildend (index-replicating, index-tracking) auf den Dax bezogen. - In Europa machten Anfang des Jahres 2011 sämtliche Indexfonds nur knapp zwei Prozent des Fondsvolumens gesamthaft aus, in den USA lag dieser Prozentsatz kaum höher. Der niedrige Anteil wird damit erklärt, dass

1. Banken Indexfonds kaum besonders anbieten, weil die Provisionen beim Verkauf von anderen Finanzprodukten höher seien. Aber

2. auch seitens der Nachfrager herrschen oft Unklarheiten in Bezug auf den Aufbau des Vermögens eines solchen Fonds. Denn bis anhin muss etwa ein indexnachbildender ETF nicht unbedingt auch gegenständlich die Aktien in sein Portfolio nehmen. Der Kapitalstock des ETF kann aus irgendwelchen Papieren oder aus Edelmetallen bestehen, solange nur der Wert des Vermögens dem zugrundeliegenden Index folgt; man spricht hier auch von einem synthetischen ETF.

3. Unübersichtlich gilt auch die Praxis mancher indexnachbildender ETFs, bei Schwankungen im Index Papiere mit Banken zu tauschen.

– Siehe Anleihe, indexgebundene, Bogey, Edelmetall-Fonds, Emission, indexierte, Exchange Traded Commodities, Finanzialisierung, Index-Tracking, Inflationsbonds, Rohstoff-Fonds, Swap, inflationsindexierter.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 177 (Schwellenwert für einen Indexfonds) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 71 f. (ETFs wachsen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2013, S. 19 (viele ETFs werden im Ausland [Luxemburg] aufgelegt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Indexgeld (index money):

Die vertragliche Bindung von längerfristigen (at medium and long term) Geldforderungen an einen Preisindex zum Zwecke der Wertsicherung. Denn bei der Verwendung des Geldes als Kreditübertragungsmittel entstehen dem Gläubiger bei Geldwertverschlechterung Verluste. - Die Rechtsordnung verbietet in der Regel solche Verträge, weil sie zu einer Funktionsspaltung (split of functions) des gesetzlichen Zahlungsmittels führen. Es würde zwar noch als Recheneinheit und Zwischentauschmittel verwendet, aber nicht mehr als Wertspeicher. - Um sich gegen Wertminderungen (impairment) zu schützen, bleibt aber vor allem das Mittel der Zinsgleitklauseln (sliding-scale interests). Hier kann und darf man die Höhe des zu zahlenden Zinses an die Inflationsrate binden.

– Siehe Anlagesubstitution, Anleihe, indexgebundene, Emission, indexierte, Euro-Notes, Futures, Geldwertstabilität, Goldpreis, Hafen, sicherer, Indexfonds, Menükosten, Swaps, inflationsindexierte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Index Growth Linked Unit, IGLU (so auch im Deutschen gesagt):

Ein Finanzprodukt, bestehend aus einer Obligation, verbunden mit einer Call-Option auf den Marktindex. Auf diese Weise wird ein weitgestreutes Aktien-Portfolio abgesichert; denn eine Mindest-Kapitalrückzahlung ist hier in jedem Fall gewährleistet (a structured product consisting of a bond and a call option on the market index. IGLUs offer a synthetic diversified share portfolio which in addition is hedged against losses; minimum capital redemption is guaranteed).

– Siehe Call, Option.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Indexfloater (index floater, corridor bond, fairway bond):

Wenn nicht anders definiert eine Anleihe, die dann nicht mehr verzinst wird, wenn der Zinssatz sich ausserhalb einer zuvor festgelegten Höhe bewegt (a bond which does not pay interest when the interest rate index to which it is referenced moves outside a specific range).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Indexlohn (wage tied to cost-of-living index):

Die Bindung der Bezüge aus Arbeitsleistung an den Preisindex der Lebenshaltung. Dadurch soll vermieden werden, dass Beschäftigte ihre gleich gebliebene Leistung mit minderem Geld vergütet bekommen und gegenüber Besitzern von Vermögenswerten benachteiligt werden.

– Siehe Geldwertstabilität, Hypothekengewinnabgabe, Indexlohn, Kaufkraft-Ausgleich, Lohn-Preis-Spirale, Ölpreis-Ausgleich, Zweitrunden-Effekte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Indexoption (index option):

Ein börsengehandeltes, derivates Finanzinstrument. Der Basiswert ist bei dieser Art der Option ist ein Index, etwa ein Aktienindex oder auch ein bestimmter Branchen- oder Rohstoff-Index. Mit der Option erwirbt ihr Käufer das Recht, aber nicht die Pflicht, den Index innerhalb eines bestimmten Zeitraums zu einem bestimmten Preis zu kaufen (Call) oder zu verkaufen (Put). Weil jedoch ein Index kein tatsächlich lieferbarer Basiswert ist, so erfolgt hier die Abrechnung von Indexoptionen jeweils durch Barausgleich (call and put option contracts traded on an underlying index, such as the DAX, and not a tangible asset. This gives investors the opportunity to make [or lose] money by anticipating the gains or losses in an industry group or a broader segment of the market).

– Siehe Index-Zertifikat.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Index-Tracking (so auch zumeist im Deutschen gesagt; seltener Index-Kopie):

Die möglich genau Nachbildung eines Aktien-Portfolios an einem Aktienindex; und zwar dergestalt, dass in dem Portfolio alle Aktien anteilsmässig, prozentual im gleichen Verhältnis vertreten sind wie in dem Index (participating shares in the same proportion as the index), etwa dem Dax. Diesem Anlage-Verhalten (investment behaviour) liegt die Vorstellung zugrunde, dass durch jede andere Aktienauswahl kaum eine höhere Rendite erzielt werden kann, als wie diese im Indexstand zum Ausdruck kommt.

– Siehe Herdenverhalten, Indexfonds, börsengehandelte, Kurseinbruch, Performance.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 182 (Index Tracking bei Hedge-Fonds).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Index-Zertifikat (index certificate):

Von Banken ausgegebene Schuldverschreibung, deren Wert sich aus einem Basiswert (Underlying; so häufig auch im Deutschen gesagt: the asset that must be delivered if a derivative contract is exercised, such as a put or call option) bestimmt. Als Underlying dienen neben Aktienindizes auch Branchenindizes, Indexkörbe und andere Finanzprodukte. Daneben gibt es auch "exotische" Formen (exotic variants) mit teilweise sehr kniffeligen Gestaltungen. Die Emission eines solchen Zertifikats ist verhältnismässig einfach und unterliegt nicht den strengen Bestimmungen, wie diese bei einem Investmentfonds gelten. - Der Erwerber eines gewöhnlichen - also nicht "exotischen" - Index-Zertifikats profitiert von den niedrigen Transaktionskosten, der vergleichsweise guten Transparenz, der hohen Liquidität, der Risikostreuung und dem geringen Mindestkapitaleinsatz. - Im Deutschen werden Index-Zertifikate manchmal auch (was sehr leicht zu Verwechslungen führen kann) Partizipationsscheine genannt.

– Siehe Call, Derivat, Express-Zertifikat, Indexfonds, börsengehandelte, Index-Tracking, Kapitalanlagegesetzbuch, Kreditderivat Option, Zweitwert, Zertifikat.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2004, S. 34 (erklärende Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Indossament in der älteren Literatur auch Indossement (endorsement, indorsement, giro):

Übertragung eines Orderpapiers, wodurch der bisherige Inhaber (Girant, Indossant; indorser) das Eigentum und alle Rechte aus dem Papier an den neuen Inhaber (Giratar, Indossatar) abgibt; siehe § 364 HGB. Den Vorgang der Übertragung nennt man auch Indossierung (indorsing, endorsing: to write one's name, alone or with other words, upon the back of a paper for the purpose of transferring it).

– Siehe Allonge, Nachmänner, Subrogation, Wechsel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Indossatar auch Giratar (endorsee, indorsee):

Der neue Gläubiger (Übernehmer), an welchen die Rechte an einem Orderpapier vom Inhaber des Papiers (dem Indossanten bzw. Giranten; indorser) übertragen werden.

– Siehe Allonge, Giro, Inhaberschuldverschreibung, Indossament, Namenspapier, Subrogation.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Industrie (industriousness, diligence; skill):

In älteren Dokumenten häufig und auch in Bezug auf den Finanzmarkt in der Bedeutung

1. Fleiss (earnest application to some specific object or pursuit), Rührigkeit, Emsigkeit, Betriebsamkeit, Erwerbsamkeit und

2. Anstelligkeit (the ability to use one's knowledge effectively), Geschicklichkeit (quick and neat in action: deftness), Handfertigkeit (ease in the using of hands).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Industrieanleihen (corporate bonds):

Schuldverschreibungen, begeben von emissionsfähigen (able to go public) Industrie-, Handels- und Verkehrsunternehmen (debt issued by corporations in the form of bonds to get investors' money with a promise to pay out interests).

– Siehe Unternehmensanleihen.

– Vgl. das monatlich erscheinende Statistische Beiheft "Kapitalmarktstatistik" der Deutschen Bundesbank zum Umfang der Begebungen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Industriekapital (industrial capital [stock]):

1 Das Vermögen des produzierenden Gewerbes in einer Volkswirtschaft.

2 In der marxistischen Terminologie im Unterschied zum Handelskapital die Gesamtheit der Fabrikanten; das produzierende Gewerbe (manufacturing industries).

3 Abfälliger Ausdruck, der den Vorwurf enthält, das produzierende Gewerbe würde - in erster Linie durch seine Interessensverbände (interest groups, lobbyists) - einen ungebührlichen Einfluss auf die Gesellschaft und im Besonderen auf die politischen Entscheidungsträger (political decision-makers) ausüben.

– Siehe Finanzkapital, Kapital, Kapitalkoeffizient.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Industrieproduktion (industrial production):

Wenn nicht anders definiert die Bruttowertschöpfung des produzierenden Gewerbes (manufacturing industries), zu konstanten Preisen gerechnet. Von der EZB im Rahmen des Zwei-Säulen-Prinzips beobachtet.

– Siehe Wertschöpfung, industrielle.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2009, S. 65 (Industrieproduktion während der Finanzkrise; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Industriestaat (industrial country, industrialised nation):

In der Sprache der Zentralbanken ein Land

1. mit einem sehr hohen Anteil von im eigenen Gebiet hergestellten Erzeugnissen,

2. damit verbunden mit einer weit ausgebildeten Arbeitsteilung in den einzelnen Fertigungsbereichen sowie

3. dadurch auch ausgeprägter arbeitsteiliger Erzeugung in der Volkswirtschaft gesamthaft bis hin zur Agrarproduktion.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Industriewerte (industrials):

Aktien von Industrie-Unternehmen (shares of companies manufacturing, producing, or distributing merchandises). - Gewöhnlich werden die Obligationen von Industrie-Unternehmen (Unternehmensanleihen) nicht in den Begriff "Industriewerte" einbezogen, wiewohl sie das dem Wortsinn nach auch sind.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

IndyMac-Pleite (IndyMac bankruptcy):

Die kalifornische Hypothekenbank IndyMac Bancorp sah sich in Zusammenhang mit der Subprime-Krise im Juli 2008 einem Run ausgesetzt. Verängstigte Kunden hoben innert von elf Tagen 1,3 Mia USD ab, was die Insolvenz des Instituts herbeiführte. Der staatliche Garantiefonds der US-Banken, die Federal Deposit Insurance Corporation, FDIC, musste für die Forderungen an die Bank einstehen. - Dies löste eine heftige Diskussion auch ausserhalb der USA aus, weil die IndyMac Bancorp als Beispiel dafür angesehen wurde, wie man das Vertrauen in eine Bank mutwillig zerstören kann. Das Institut hatte jahrelang eine unverantwortliche Kreditvergabe-Politik betrieben; ohne Nachweis von Einkommen und Vermögen wurden fast an jedermann Darlehn gewährt. In die Schusslinie der Kritik geriet damit auch die Aufsichtsbehörde. Erörtert wurde, inwieweit diese berechtigt oder gar verpflichtet sei, bei leichtsinnigem Geschäftsgebaren gegen eine Bank einzuschreiten. Auch stellte sich, wie bei späteren Insolvenzfällen im Zuge der Subprime-Krise, wieder die Grundsatzfrage, ob Pleiten einer Bank zugelassen werden sollten.

– Siehe Bail-out, Bankzusammenbruch, Bradford-Verstaatlichung, Einlagensicherung, Elisabeth-Frage, Fortis-Rettung, Fristentransformations-Risiko, Geldverleiher letzter Instanz, Hypo Real Estate-Rettung, Marktdisziplin, Northern Rock-Debakel, Refinanzierungs-Risiko, Risikoanhebung, subjektive, Rückschlag-Effekt, Seelenmassage, Totholz, Triple A, Umsatzbremse, Unfallflüchtling, Vertrauen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Infighting (so auch im Deutschen gesagt; seltener Nahkampf):

Von einem Institut gesagt, in dem

1. Bereiche, Abteillungen und/oder Arbeitsgruppen sich gegenseitig bekriegen (are at war with one another),

2. den ordnungsgemässen Geschäftsablauf (current course of business) hindern und

3. sich deswegen um die Kunden kaum scheren (not give a damm about customers). Solche Institute soll es fernab irgendwo auf der Welt tatsächlich auch heute noch geben.

– Siehe Flurfunk, Fallschirmspringer, Gerüchtesteuern, High Flyer, Hot Spot, Job-Hopper, Käserei, Peter-Regel, Sitzheizung, Umsatzbremse.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Inflation (inflation):

1 Allgemein die Preissteigerungsrate einer Währung.

2 Bei der EZB definiert als das mittelfristige Steigen der Preise nicht über 2 Prozent ("an increase in the HICP of below but close to 2 percent over the medium term"). Damit ist

1. eine messbare Grösse eingeführt; die EZB muss allfällige Überschreitungen genau begründen und aufzeigen, wann und wie sie auf diesen Wert wieder zurückkehrt,

2. den Inflationserwartungen eine deutliche Grenze gesetzt und

3. auch gesagt, dass seitens der EZB eine Deflation nicht hingenommen wird. Freilich ist

4. dieser Referenzwert kein Ziel, sondern eine Orientierungsgrösse (benchmark: a point of orientation for assessing performance), was häufig nicht gesehen wird.

– Siehe Ausrichtung, einzielige, Cost-Push-Inflation, Demand-Pull-Inflation, Demand-Shift-Inflation, Depretiation, Disinflation, Dividende, inflationsabhängige, Druck, disinflationärer, Erdöl-Inflation, Europäische Währungsunion, Grundfehler, Fristentransformation, Geld, sittliches, Geldeingentumsrecht, Geldinondation, Geldmengen-Fetischismus, Geldnachfrage-Theorie, Geldneutralität, langfristige, Geldpolitik, vorausschauende, Geldvermehrung, währungsunion-interne, Geldvertrauen, Geldzweck, Goldglöckchen-Wirtschaft, Hypothekengewinnabgabe, Inflations-Aufschwung, Inflations-Ausgleich, Inflationsrisiko, Kaufkraft, Kaufkraft-Abfluss, Kerninflation, Krise, zentralbankbewirkte, Lohn-Preis-Spirale, Lug-und-Trug These, Menükosten, Mittelschicht, ausgequetschte, Mundell-Tobin-Effekt, Nominalwertprinzip, Organisationen, gemeinnützige, Preisindex der Lebenshaltung, Qualitätsänderungen, Quantitätstheorie, Rampe, Reizschwelle, Sparquote, Stagflation, Teuerung, Teuerungsdruck, sektoraler, Valorisationsklage, Warenhorte, Weginflationierung.

– Vgl. zur Messung in Euroland Monatsbericht der EZB vom Oktober 1999, S. 39 sowie Jahresbericht 2003 der EZB, S. 16 ff. (grundsätzliche Darlegungen), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2004, S. 63 f. (Prognosen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2005, S. 18 ff., Monatsbericht der EZB vom Mai 2005, S. 28 ff. (Einzelheiten zur Berechnung), Monatsbericht der EZB vom Mai 2008, S. 51 ff. (Aufschlüsselung der Inflation nach Sektoren; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Januar 2009, S. 41 ff. (höhere Inflationsrate bei Dienstleistungen gegenüber Waren erklärt; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom September 2009, S. 60 ff. (Zusammenhang zwischen Konjunkturphase und Inflation; Übersichten; Literatur), Monatsbericht der EZB vom November 2009, S. 50 ff. (Steuern und Inflation), Monatsbericht der EZB vom Mai 2010, S. 111 ff. (Ursachen eines Inflationsschubs rückschauend aus der Zeit 1965 bis 1985; viele Übersichten und Literaturverweise), Monatsbericht der EZB vom Februar 2012, S. 59 ff. (Preissteigerungen seit 1999 aufgeschlüsselt; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2014, S. 78 f. (Zusammenhang zwischen Inflation und Staatsdefizit; Übersicht; Literaturhinweise), Monatsbericht der EZB vom Juni 2014, S. 60 ff. (Entwicklung seit 2010; Übersichten; Einfluss aussenwirtschaftlicher Faktoren; Literaturanhaben).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Inflation, galoppierende (galloping inflation):

Ein rasches und starkes Ansteigen der Preise (loss of purchasing power; Verlust des Geldwerts). - Für ein Gut im Wert von 1 Denar im Römerreich des Jahres 301 hatte man im Jahr 400 bereits 6'600'000 (kein Schreibfehler!) Denare zu zahlen. Eine galoppierende Inflation beschleunigt sich leicht und führt dann zur Hochinflation, auch Hyperinflation genannt. - So kostete der USD 1919 in Deutschland noch 7,25 Mark, im Frühjahr 1923 schon 4,2 Billionen Mark. Anfangs 1923 war der Preis für 1 Liter Milch auf 2'000 Milliarden Mark gestiegen, das Porto für einen Brief kostete mehrere Millionen Mark; über siebzehnhundert Druckereien waren damit beschäftigt, neue Geldscheine für die Reichsbank herzustellen.

– Siehe Barfrankatur, Behelfsgeldschein, Ersatzmünzen, Geld, sittliches, Hochinflationsland, Hyperinflation, Kassenschein, Mittelschicht, ausgequetschte, Münzsystem, römisches, Notgeld, Staatsschulden-Rückführung, Talent.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Inflation, gefühlte (feeled inflation rate):

Die von einzelnen Verbrauchern wahrgenommene Geldwertverschlechterung, ohne Rücksicht auf die von der amtlichen Statistik berechnete Preissteigerungsrate. Der Begriff kam mit der Einführung des Euro als Umlaufwährung zum 1. Jänner 2002 ("Teuro") auf. - Die Gefahr einer überschätzten Teuerungsrate (overestimated rate of money erosion) liegt darin, dass die Erwartung über das Realeinkommen bei den Privathaushalten unterschätzt wird, was

1. zur Kaufzurückhaltung und

2. zu überzogenen Lohnforderungen und einer Lohn-Preis-Spirale führen kann. Daher ist die gefühlte Inflationsrate in ihren negativen Auswirkungen einer tatsächlichen Preissteigerung in etwa gleichzusetzen und wird von der EZB genau ins Auge gefasst.

– Die gefühlte Inflation lag in Deutschland nach Einführung des EUR als Bargeld mit nahezu zehn Prozent weit über der amtlich gemessenen Rate von etwas über zwei Prozent. Im ersten Halbjahr 2008 lag die offizielle Preissteigerung bei gut drei Prozent; die gefühlte Inflation kletterte auf zwölf Prozent. - Als Erklärung für diese starke Abweichung wird die Tatsache genannt, dass Verbraucher bei ihrer Wahrnehmung der Inflation von der Kaufhäufigkeit (buying frequency, purchase frequentness) ausgehen, und nicht - wie im amtlichen Güterkorb - von dem Gewicht des einzelnen Gutes an den Gesamtausgaben; sprich: Menschen nehmen Preissteigerungen umso stärker wahr, je öfter sie das Gut kaufen. Dazu gehören Lebensmittel wie Brot, Butter, Obst und Gemüse sowie Benzin.

– Siehe Agrarpolitik, Biotreibstoffe, Güter, kaufhäufige, Inflationserwartungsrate, Inflation Targeting, Preisvergleich, Referenzpreis, Teuro, Preisanpassungen, Reizschwelle, Rohstoffpreise, Vorschatten-Effekte, Warenhorte, Wohnungsmieten, Zweitrunden-Effekte.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juli 2002, S, 19 f.; Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2002, S. 22 ff., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2004, S. 15 ff., Monatsbericht der EZB vom April 2005, S. 33 ff., Monatsbericht der EZB vom Juli 2005, S. 72 f. (hier auch Gründe für die verzerrte Wahrnehmung der tatsächlichen Preisentwicklung), Monatsbericht der EZB vom Mai 2007, S. 67 ff. (lehrbuchmässige Darstellung; viele Übersichten; Literaturhinweise), Monatsbericht der EZB vom Juni 2007, S. 12 ff. (unterschiedliche Werte für die gefühlte Inflation in den einzelnen Ländern), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2007, S. 56 f. (gemessene Beziehung zwischen der gefühlten und der erwarteten Inflationsrate; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Inflation gestoppte (suppressed inflation):

Trotz einer starken gesamtwirtschaftlichen Übernachfrage steigt der Preisindex der Lebenshaltung nicht, weil Preiserhöhungen den Unternehmen gesetzlich untersagt sind.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Inflation, weltweite (global inflation):

Der über alle Länder der Erde gemessene Anstieg der Verbraucherpreise, errechnet (wenn nicht anders angegeben; unless otherwise stated) als Mittelwert (arithmetic mean: computed as the sum of all the price increases in the series divided by the number of countries observed). Stark beeinflusst wird die weltweite Inflation von den Rohstoffpreisen, und hier wieder im Besonderen von den Preisen für Energie.

– Siehe Biotreibstoffe, Cost-Push-Inflation, Erdöl-Lebensmittel-Zusammenhang, Erdölpreis, Finanzialisierung, Klima-Inflation, Kohlendioxid-Inflation, Protein-Inflation, Rohstoffblase.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2014, S. 11 f. (Triebkräfte der weltweiten Inflation; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Inflations-Aufschwung (boom by inflation):

Die Behauptung, dass sich durch eine hohe Inflationsrate ein volkswirtschaftlicher Aufschwung bewirken lasse. Falsch geschlussfolgert wird hier:

1. in einer Krise bricht die gesamtwirtschaftliche Nachfrage ein; dies liegt daran, dass Geld gehortet wird;

2. um die gesamtwirtschaftliche Nachfrage anzukurbeln, müssen die Verbraucher mehr Geld ausgeben;

3. um sie zum Ausgeben zu bewegen, sollte die Zentralbank ein sehr hohes Inflationsziel vorgeben; daraufhin geben die Privathaushalte ihr Geld aus, weil es durch die Inflation an Kaufkraft verlieren würde, und mehr Nachfrage ist geschaffen.

4. Die später einsetzende Inflation hätte auch den Vorteil, dass sie bei starrem Nominallohn die Reallöhne senkt, was die Beschäftigung anregt.

5. Zudem bewirkt eine höhere Inflationsrate auch, dass sich die Last der angehäuften Staatsschulden mindert.

– Diese Gedankenkette (chain of thoughts) ist deshalb falsch, weil nachweislich das tatsächliche Verhalten der Privathaushalte anders abläuft. Bei Inflationsangst wird man in eine andere Währung - wie beispielsweise in den CHF oder USD - umsteigen bzw. Gold und Immobilien kaufen. Das befördert spekulative Blasen, während die Konsumausgaben PER SALDO sogar noch sinken.

– Siehe Inflations-Ausgleich, Inflationserwartungen, Inflation-Wachstum-Beziehung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Inflations-Ausgleich (inflation offset):

1 Die Forderung der Beschäftigten, bei gestiegenen Preisen ein höheres Salär für ihre erbrachte Leistung zu beziehen, um den Verlust an Kaufkraft aufzuwiegen.

2 Bemühungen, die nach einer Inflation eingetretenen Schäden so gut wie möglich zu beheben. In Deutschland waren im Zuge der Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) und dem Zweiten Weltkrieg (1939-1945) jahrzehntelang Gesetzgebungsorgane (legislative organs), Behörden und Gerichte aller Instanzen damit beschäftigt, die schädigenden Folgen der Inflation auf den Rechtsverkehr (legal relations) zu regeln und zu schlichten.

– Siehe Geldwertstabilität, Hypothekengewinnabgabe, Indexlohn, Kaufkraft-Ausgleich, Mittelschicht, ausgequetschte, Weginflationierung, Zweitrunden-Effekte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Inflationsbekämpfung (inflation control, disinflation):

Massnahmen der Zentralbank, um einer Inflation zu begegnen und die Masstabeigenschaft des Geldes zu sichern.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Inflationsbonds (indexed bonds):

Um 2004 aufgekommene Bezeichnung für festverzinsliche Staatsanleihen, die an den Harmonisierter Verbraucherpreisindex im Euroraum gebunden sind.

– Siehe Doppelwährungsanleihe, Emission, indexierte, Inflationsrisiko, Referenzwährung, Valutenklausel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Inflationsdifferenzen (inflation differences):

Im Eurogebiet Unterschiede im Verlauf des Harmonisierten Verbraucherpreis-Index (HVPI) in einzelnen Ländern. - Zuzuschreiben sind diese vor allem

1. dem unterschiedlichen Gewicht einzelner Güter - etwa: Mineralölprodukte; Anteil des selbst genutzten Wohneigentums - in den Güterkörben der einzelnen Länder,

2. Abweichungen in der Besteuerung - vor allem der Umsatzsteuer - und Regulierung - etwa im Telekommunikationsbereich - sowie

3. einem Wachstumsfaktor, der bewirkt, dass Teilnehmer unter dem allgemeinen Wohlstandniveau der EU in einem Aufhol-Prozess zwar kräftige Produktivitätsfortschritte erzielen Die sind aber in der Regel infolge Lohnerhöhungen mit merklichen Preissteigerungen verbunden sind. Denn die Lohnerhöhungen betreffen auch den Bereich der nicht-handelbaren Güter, ohne dass es dort zu entsprechenden Produktivitätsverbesserungen kommt: Balassa-Samuelson-Effekt.

– In einem Währungsraum gewinnt ein Land, das wegen schwacher Nachfrage unterdurchschnittliche Teuerungsraten ausweist, gegenüber anderen Ländern an Wettbewerbsfähigkeit. Dadurch wird im Zeitverlauf in diesem Land die Nachfrage angekurbelt, in anderen Ländern vermindert und dadurch ein Ausgleich automatisch herbeigeführt. - Statistisch gesehen streuen die Inflationsdifferenzen im Euroraum in etwa gleicher Grössenordnung wie in den einzelnen Bundesstaaten der USA.

– Siehe Abwertung, fiskalische, Erpressungspotential, Headline-Inflation, Inflation, Kerninflation, Eigenheimbesitz, Einkaufsmanager-Umfrage, Erhebung fachlicher Prognostiker, EWU-Sprengsatz, Realzinsargument, Strukturreformen, Teuerungsdruck, sektoraler, Wechselkurs-Effekt, realer.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juli 2001, S. 23 ff., Monatsbericht der EZB vom April 2003, S. 29 f., Jahresbericht 2003 der EZB, S. 46 ff. (ausführliche Begründung), Monatsbericht der EZB vom Mai 2005, S. 65 ff. (tiefgehende Erörterung), Monatsbericht der EZB vom Juli 2005, S. 66 (Problem der unterschiedlichen Güterkörbe), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2006, S. 35 ff (Unterschiede erklärt; sprachlich teilweise unschön), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2008, S. 38 f. (Veränderung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit innert der EWU-Staaten seit 1999), Monatsbericht der EZB vom Januar 2009, S. 41 ff. (höhere Inflationsrate bei Dienstleistungen gegenüber Waren erklärt; Übersichten), Jahresbericht 2008 der EZB, S. 93 ff. (unterschiedliche Wettbewerbsfähigkeit einzelner EU-Mitgliedsstaaten; Übersichten), Jahresbericht 2011 der EZB, S. 77 (Inflationsrate seit 2008 der EU-Mitgliedsstaaten im Vergleich).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Inflationserwartungen (expectations on inflation rate):

Gegenwärtige Vorstellungen über die Höhe der künftigen Geldwertverschlechterung. - Messbar sind diese zum Teil am Kurs geldwertgebundener (index-based; indexierter) Anleihen im Vergleich zu Nominalzinsanleihen. In England bilden die Inflationserwartungen die wichtigste Massgrösse der Geldpolitik. Weil geldpolitische Massnahmen erst mit einiger Verzögerung auf die Preise durchschlagen, muss eine Zentralbank grundsätzlich die geldpolitischen Entscheidungen auch an der für die Zukunft erwarteten Preisentwicklung ausrichten. - Der Grad der Inflationserwartungen hängt von der Glaubwürdigkeit in die längerfristige preisstabilisierende Politik der Zentralbank ab. Ist dieses Vertrauen hoch, so herrscht auch die allgemeine Einsicht vor, dass etwa ölpreisbedingte Realeinkommensverluste hinzunehmen sind; die gefürchteten Zweitrunden-Effekte werden dann vermieden. Andererseits hat sich gezeigt, dass

1. bestehende ungünstige Inflationserwartungen sich leicht verfestigen, und

2. dass ihr Wiedereinfangen sehr langwierig sowie

3. nur unter erheblichen gesamtwirtschaftlichen Kosten möglich ist.

– Die EZB hat durch die Bekanntgabe eines Inflationsziels - auf mittlere Sicht bei zwei Prozent - , durch ihr regelmässiges Bekenntnis zur Einhaltung dieses Referenzwertes sowie durch ihre Politik des offenen Mundes einen wichtigen Beitrag zur Verfestigung der Inflationserwartungen in der Eurozone geleistet.

– Siehe Agrarpolitik, Banknoten-Wertbeschränkung, Codewörter, Consensus Economics, Dividende, inflationsabhängige, Dritte Säule, Einkaufsmanager-Umfrage, Erhebung fachlicher Prognostiker, Geldpolitik, vorausschauende, Glaubwürdigkeits-Paradoxon, Greenspan-Doktrin, Goldglöckchen-Wirtschaft, Greenspeak, Inflation, gefühlte, Inflation Targeting, Inflations-Ausgleich, Inflationserwartungen, Konstanz-Kriterium, Lug-und-Trug These, Milchpreis, Mundell-Tobin-Effekt, Nahrungsmittel, Preisanpassungen, Realzinsargument, Swap, inflationsindexierter, Staatsverschuldung-Zins-Zusammenhang, Theilscher Ungleichgewichtskoeffizient, Unschärfe, konstruktive, Vorschatten-Effekte, Warenhorte, Zeitpräferenz, Zinserwartungen, Zwei-Säulen-Politik, Zweitrunden-Effekte.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2002, S. 18 ff., Monatsbericht der EZB vom Mai 2002, S. 28 ff., Monatsbericht der EZB vom August 2003, S. 26 ff., Monatsbericht der EZB vom September 2003, S. 34 f., Geschäftsbericht 2003 der Deutschen Bundesbank, S. 41, Monatsbericht der EZB vom Mai 2004, S. 34 ff., Monatsbericht der EZB vom August 2004, S. 39 f., Monatsbericht der EZB vom November 2004, S. 39 ff., Monatsbericht der EZB vom Mai 2005, S. 41 ff., Monatsbericht der EZB vom Juli 2005, S. 72 f. (Gründe für unterschiedliche Wahrnehmungen), Monatsbericht der EZB vom Februar 2006, S. 44 ff. (S. 46: Break-Even-Inflationsrate: Renditeunterschied zwischen nominalen und indexierten Anleihen), Monatsbericht der EZB vom Mai 2006, S. 44 ff. (dort auch Analyse der Indikatoren für längerfristige Inflationserwartungen), Monatsbericht der EZB vom Juli 2006, S. 63 ff. (lehrbuchmässige Darstellung; viele Übersichten), Monatsbericht der EZB vom September 2006, S. 56 f. (S. 57: Inflationserwartungen und tatsächliche Inflation seit 1992), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2006, S. 15 ff. (ausführliche Darstellung mit Literaturverweisen in den Anmerkungen), Jahresbericht 2006 der EZB, S, 57 ff. (ausführliche Darlegung; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom September 2007, S. 40 ff. (Saisonmuster der Break-Even-Inflationsrate; Vergleich mit inflationsindexierten Swapsätzen), Monatsbericht der EZB vom November 2007, S. 41 ff. (Ursachen und (S. 44) Auswirkungen gestiegener Inflationserwartungen; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2007, S. 56 f. (gemessene Beziehung zwischen der gefühlten und der erwarteten Inflationsrate; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2007, S. 71 ff. (Entwicklung seit 2001; Informationsgehalt entsprechender Messgrössen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2008, S. 43 (Rolle der Erwartungen und der Glaubwürdigkeit der Zentralbank), Monatsbericht der EZB vom November 2008 (Anstieg der Renditen für inflationsgeschützten Anleihen auch bedingt durch Erwartungen bezüglich der starken Staatsausgaben in Zusammenhang mit der Finanzkrise; andere Gründe), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2008, S. 38 f. (für die Planungen der Marktteilnehmer sind die längerfristigen (at medium and long term) Inflationserwartungen ausschlaggebend), Monatsbericht der EZB vom März 2010, S. 61 ff. (Vergleiche 2003-2009; Übersichten; Literaturverweise), S. 95 (Haushaltsungleichgewichte erhöhen die Inflationserwartungen), Monatsbericht der EZB vom Februar 2011, S. 79 ff. (Aufsatz mit ausführlichen Darlegungen und vielen Übersichten sowie Literaturverweisen), Jahresbericht 2012 der EZB, S. 42 ff. (Inflationserwartungen seit 2004; S. 45: in Umfragen festgestellte Unsicherheiten verharren auf hoher stufe), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2013, S. 44 ff. (Verankerung langfristiger Inflationserwartungen; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2014, S. 73 ff. (Bedeutung und Messung der erwarteten Inflationsrate; Übersichten; Literaturhinweise), Monatsbericht der EZB vom Juli 2014, S. 38 f. (Inflationsprämien als Messgrösse der Inflationserwartungen; Übersichten); S. 49 ff. (Inflationserwartungen aus verschiedenen Quellen vergleichend dargestellt; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Inflationserwartungsrate (expected inflation rate):

Durch Umfragen sowie der Beobachtung bestimmter Marktdaten ermittelter Wert, der für die Zentralbankpolitik von Wichtigkeit ist.

– Siehe Güter, kaufhäufige, Inflation, gefühlte, Inflations-Aufschwung, Inflation Targeting, Swap, inflationsindexierter, Nullkupon-Anleihe, Realzinsargument, Wohnungsmieten, Zweitrunden-Effekte, Agrarpolitik, Banknoten-Wertbeschränkung, Break-Even-Inflationsrate, Dritte Säule, Inflation, Inflation Targeting, gefühlte, Inflationsrisiko, Mundell-Tobin-Effekt, Referenzpreis.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2002, S. 28 ff., Monatsbericht der EZB vom August 2003, S. 27 f., Monatsbericht der EZB vom September 2003, S. 34 f., Monatsbericht der EZB vom April 2004, S. 35 ff., Monatsbericht der EZB vom August 2004, S. 39 f., Monatsbericht der EZB vom April 2005, S. 33 ff. (mit Vergleich zwischen einzelnen Ländern in Euroland), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2006, S. 16 ff. (ausführliche Darstellung mit wichtigen Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2007, S. 56 f. (gemessene Beziehung zwischen der gefühlten und der erwarteten Inflationsrate; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom November 2008, S. 61 ff. (Verlässlichkeit von Umfrageergebnissen in turbulenten Zeiten; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Mai 2009, S. 55 (Indikatoren für längerfristige Inflationserwartungen), Monatsbericht der EZB vom Juli 2014, S. 49 ff. (aus unterschiedlichen Quellen stammende Inflationsprognosen in Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Inflationsgefälle (inflation differential):

Bei der EZB entweder

1 Unterschiede zwischen der Preisentwicklung innert der EWU oder

2 Abweichungen in den Teuerungsraten zwischen dem Eurogebiet und anderen wirtschaftlichen Ballungszentren, vor allem den USA.

– Siehe Inflationsdifferenzen, Kompositions-Effekt, Preisstreuung, Realzinsargument, Wechselkurs-Effekt, realer.

– Vgl. die laufenden Werte im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Entwicklungen ausserhalb des Euro-Währungsgebiets" im jeweiligen Monatsbericht der EZB, Monatsbericht der EZB vom April 2003, S. 25 f., Jahresbericht 2003 der EZB, S. 16 f., Monatsbericht der EZB vom Januar 2011, S. 42 ff. (Gründe für Inflationsunterschiede im Eurogebiet; Übersichten; Erklärungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Inflations-Gleichschritt (inflation in step):

Wenn nicht anders definiert der Vorschlag, die Zentralbanken von China, Japan, den USA und die Europäische Zentralbank sollten sich fest verpflichten, für eine jährliche Inflationsrate in ihren jeweiligen Währungsgebiet zwischen null und zwei Prozent zu sorgen. Manche Ökonomen glauben, dass dann weltweit Preis- und Wechselkursstabilität herrschen würde.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Inflationskäufer (inflation hedger):

Bei einem inflationsindexierten Swap derjenige Vertragspartner, der sich gegen eine Inflation absichern möchte. Entsprechend spricht man von einem Inflationsverkäufer bei demjenigen, der bei Fälligkeit die Entwicklung des Inflationsindexes zahlt.

– Siehe Inflationsoption.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Inflations-Krise (inflation crisis):

Die Inflation in einem Land bzw. Währungsgebiet steigt für mindestens zwei Jahre über vierzig Prozent und geht anschliessend wieder unter diese Marke zurück.

– Siehe Inflation-Wachstum-Beziehung.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2008, S. 88 (Erkenntnisse aus Inflations-Krisen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Inflationsmessung (measurement of inflation):

Die EZB misst den Anstieg der Preise mit Hilfe eines Laspeyres-Preisindex. Dabei wird ein bestimmter Güterkorb mit festgelegten Mengen eines Basisjahres zugrunde gelegt. Die Preise dieses Basisjahres werden dann mit den jetzigen Preisen verglichen. Ein Anstieg des Preisindex bedeutet, dass dieser Güterkorb teurer geworden ist: der Käufer muss also mehr Geld ausgeben, um die Waren und Dienstleistungen dieser festgelegten Menge (fixed quantity) zu kaufen.

– Siehe Basiseffekt, Beschaffungs-Umschichtungen, Kompositions-Effekt, Produktneuheiten, Qualitätsänderungen, Substitutionsverhalten Wohnraum, selbstgenutzter.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Dezember 2006, S. 57 ff. (Berechnung des Preisanstiegs [S. 60 untergliedert auch nach Sektoren] anhand der ermittelten Daten aus der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung; Problemaufriss, Übersichten), Monatsbericht der EZB vom November 2009, S. 50 ff. (Steuern und Inflation), Monatsbericht der EZB vom November 2010, S: 98 f. (Zusammenhang zwischen Geldmenge und Inflation).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Inflationsoptionen (inflation options):

Verträge, die eine bestimmte Absicherung für den Fall bieten, dass die Inflationsrate einen bestimmte Höhe

1. überschreitet, also als Deckelung (Cap) oder

2. unterschreitet, dann als Untergrenze (Floor). Die marktgängigen Verträge (marketable products) sind verhältnismässig unübersichtlich gestaltet. So bestehen Inflationscaps bzw. Inflationsfloors aus einer Reihe aufeinanderfolgender Caplets (= Teilperioden eines Cap) bzw. Floorlets (so auch im Deutschen = zeitliche Teilabschnitte eines Floors). Diese beziehen sich alle auf dieselbe Inflationsrate als den Ausübungspreis der Option. Die Laufzeit ist in der Regel ein Jahr. Damit sind Inflationsoptionen einer Call-Option bzw. Put-Option auf Aktien und einer Zinsoption ähnlich. Der Käufer zahlt dem Verkäufer in der Regel bei Vertragsabschluss eine Prämie, den Optionspreis. Er erhält dafür, wenn die eingetretene Inflationsrate den im Optionsvertrag festgelegten Satz übersteigt, vom Verkäufer den Unterschied zwischen der tatsächlichen Inflationsrate innert eines festgelegten Zeitraums - oft ein Jahr; year-on-year-option - und dem Ausübungspreis, multipliziert mit dem Nominalwert der Option.

– Siehe Anleihe, indexgebundene, Anleihe, inflationsgeschützte, Bundeswertpapiere, Geldanlage, Geldwert, Inflationskäufer, Inflationsschutz, Kapitalanlage, Kapitalschutz, Swap, inflationsindexierter, Treppenzins.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juli 2013, S, 39 ff. (Inflationsoptionen in ihrer Bedeutung für die Inflationsprognose der Zentralbank; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Inflationsprognose (inflation forecast):

Bei der EZB ein bestimmtes System der vorausschauenden Abschätzung möglicher Preissteigerungsfaktoren.

– Siehe Basislinie, Erhebung fachlicher Prognostiker, Geldpolitik, vorausschauende, Gleichgewichtsmodelle, dynamisch-stochastische, Inflationsrate, erwartete, Prognoseproblem, geldpolitisches, Wirtschaftsindikatoren, wichtige, Weginflationierung, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Dezember 2000, S. 54, Monatsbericht der EZB vom Mai 2001, S. 54 f. (Modellbeschreibung) und S. 63 (Beurteilung), Monatsbericht der EZB vom April 2003, S. 68 f., Monatsbericht der EZB vom September 2003, S. 34 f., Monatsbericht der EZB vom Januar 2006, S. 36 ff. (Untersuchungen der Prognosegüte), Monatsbericht der EZB vom Juni 2006, S. 24 ff. (Prognosen aus monetären Grössen), Monatsbericht der EZB vom November 2006, S. 93 f. (Prognosefehler bei Vorausschätzung der Liquidität), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2007, S: 28 f. (Grundsätzliches zu den Unsicherheiten bei der Vorausschätzung), Monatsbericht der EZB vom April 2010, S. 67 ff. (Grundsatzartikel; viele Übersichten und Literaturverweise), Monatsbericht der EZB vom November 2010, S. 98 ff. (Geldmengenwachstum und Inflation; Übersicht; Literaturhinweis), Monatsbericht der EZB vom Juni 2012, S. 77 ff. (Ursachen für Prognosefehler, tiefgehende Erörterung; Übersichten; Literaturhinweise), Monatsbericht der EZB vom Mai 2013, S. 77 (Grundsatzartikel zur Verlässlichkeit gesamtwirtschaftlicher Projektionen; viele Übersichten; Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Inflationsrate (inflation rate):

Der Zuwachs an Geldwertverschlechterung - als erste Abteilung der Bewegung in der Zeit - innert eines bestimmten Zeitraums.

– Siehe Break-Even-Inflationsrate, Inflation, Inflationsrisiko.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom März 2009, S. 13 (Inflationsrate in verschiedenen Staaten 2000–2008), Monatsbericht der EZB vom September 2009, S. 60 ff. (Zusammenhang zwischen Konjunkturphase und Inflationsrate; Übersichten; Literaturverweise), Jahresbericht 2009 der EZB, S. 95 (Inflationsrate in den EU-Staaten, die nicht Mitglied der Währungsunion sind), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2014, S. 71 f. (Gleichlauf der Inflationsraten in 24 OECD-Staaten zwischen 1980 und 2007; Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Inflationsrate, erwartete (expected inflation rate):

Die von den Wirtschaftssubjekten bei ihren Vorausplanungen eingerechnete Geldwertminderung. Diese hängt nachweislich vor allem von der Glaubwürdigkeit der Wirtschaftspolitik in einem Land bzw. einem Währungsraum ab.

– Siehe Consensus Economics, Erhebung fachlicher Prognostiker, Inflationserwartungen, Inflationsrate, gefühlte, Konjunkturdiagnose, Konjunkturstatistik, Konstanz-Kriterium, Stimmungs-Indikatoren, Wirtschaftsindikatoren, wichtige.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2010, S. 113 (rückschauend aus der Zeit 1965 bis 1985 zeigt sich, dass Vertrauen in die Politik der Zentralbank die Inflationserwartungen und damit auch die Inflation dämpft), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2014, S. 73 ff. (Bedeutung und Messung der erwarteten Inflationsrate; Übersichten; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Inflationsrisiko (inflation risk):

Die Gefahr, dass ein Anleger infolge gestiegener Preise einen Teil seines eingesetzten Kapitals und schlimmstenfalls dieses ganz verliert (the risk that the investor will recover his investment with a depreciated currency: that he will receive a return below the inflation rate).

– Siehe Geldwert, Hyperinflation, Inflation, Inflationsbonds, Inflationskäufer, Mittelschicht, ausgequetschte, Swap, inflationsindexierter.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Inflationsschutz (protection against inflation, inflation hedge):

Alle Vorkehrungen eines Privathaushalts oder eines Unternehmens, um Geldbeträge vor einer Minderung der Kaufkraft abzuschirmen.

– Siehe Anleihe, indexgebundene, Anleihe, inflationsgeschützte, Bundeswertpapiere, Geldanlage, Geldwert, Inflationskäufer, Inflationsoptionen, Kapitalanlage, Kapitalschutz, Swap, inflationsindexierter, Treppenzins.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Inflations-Steuer (tax by inflation):

Die Tatsache, dass die Geldentwertung gleichsam wie eine Steuer wirkt, aber

1. im Geheimen, unter der Hand; denn bei einer Steuer ist deren Höhe und Fälligkeit bekannt, und sie wird auch in demokratisch verfassten Staaten im parlamentarischen Entscheidungsprozess (parliamentary decision-making process) von Volksvertretern beschlossen;

2. stark umverteilend; denn die unteren Einkommensgruppen sind besonders hart betroffen. Bezieher [CH: Bezüger] höherer Einkünfte können zumindest Teile ihres Geldes in wertstabile Anlagen (stable-value investments: entsprechende Finanzprodukte im Inland und Ausland, Edelmetalle, Immobilien, Kunst) im Inland und Ausland umwandeln.

– Siehe Dividende, inflationsabhängige, Europäische Währungsunion, Grundfehler, Geld, ethisches, Geldeingentumsrecht, Mittelschicht, ausgequetschte, Steuerverzerrungs-Effekt, Valorisationsklage, Weginflationierung, Zwangssparen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Inflations-Swap (inflation swap):

Andere Bezeichnung für Swap, inflationsindexierter (a derivative used to transfer inflation risk from one party to another through an exchange of cash flows).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Inflationsursachen (causes of inflation):

Einflüsse, die dazu führen, dass sich der Geldwert mindert.

– Siehe Cost-Push-Inflation, Deflation, digitale, Demand-Pull-Inflation, Demand-Shift-Inflation, Geldvermehrung, währungsunion-interne, Geldwert, Kaufkraft.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2004, S. 32 ff. (Einfluss indirekter Steuern und behördlich festgelegter Preise auf die Geldwertänderung), Monatsbericht der EZB vom November 2009, S. 50 ff. (Steuern und Inflation), Monatsbericht der EZB vom Mai 2010, S. 111 ff. (Ursachen eines Inflationsschubs rückschauend aus der Zeit 1965 bis 1985; viele Übersichten und Literaturverweise), Jahresbericht 2012 der EZB, S. 54 f. (indirekte steuern und Inflation 2012).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Inflation Targeting (so auch im Deutschen gesagt; seltener Inflationszielmarke):

Die Zentralbank legt eine höchstens hinnehmbare Inflationsrate fest, wie bei der EZB mittelfristig von knapp unter zwei Prozent. Ihr geldpolitischer Kurs bestimmt sich im Grundsatz aus den Abweichungen zwischen der angestrebten Inflationsrate und der Inflationserwartungsrate. Sieht die Zentralbank eine Gefährdung ihres Inflationsziels, dann ergreift sie Massnahmen, um den Geldumlauf einzuschränken. Der Nachteil hierbei ist, dass spekulative Übertreibungen auf Vermögensmärkten - Aktien, Anleihen, Immobilien - ausser Betracht bleiben. Die EZB bezieht solche spekulative Blasen aber im Rahmen ihres Zwei-Säulen-Prinzips ein.

– Siehe Immobilienblase, Inflation, Ausrichtung, einzielige, Preissteuerung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2010, S. 30 ff. (ausführliche Darstellung; Übersichten, Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Inflation-Wachstum-Beziehung (inflation-growth relation):

Gemäss einer Faustregel (rule-of-thumb) bremst heutzutage eine Inflationsrate von zehn Prozent das Wachstum einer entwickelten Volkswirtschaft um ein halbes Prozent.

– Siehe Organisationen, gemeinnützige, Opferverhältniszahl.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2008, S. 79 ff. (ausführliche Darstellung; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Information (information):

1 Allgemein

1. als Vorgang (process) die Vermittlung von zweckgebundenem Wissen (purposeful knowledge) mit dem Ziel der Kenntnisgewinnung (detection of cognisance), um dadurch die Gegebenheiten in einem Bereich durchblicken zu können,

2. als Ergebnis (result) eine Nachricht (Mitteilung, Darlegung; message, disclosure) in Sprache oder einer bestimmten Zeichenfolge.

– Negativ ausgedrückt (negativly defined) bedeutet Information die Beseitigung oder doch merkliche Minderung von Unsicherheit durch Auskunft, durch Offenlegung, etwa des Darlehnsuchenden gegenüber der Bank.

2 Die Unterrichtung der Vertragspartner über alle in Bezug auf ein Geschäft auf dem Finanzmarkt notwendigen Umstände.

3 Gewährter Einblick eines Unternehmens gegenüber seinen Aktionären, den Gläubigern, der Aufsichtsbehörde und der Öffentlichkeit.

4 Auskunft einer Bank gegenüber inländischen und/oder ausländischen Steuerbehörden. - Das auch im Finanzbereich sehr häufig gebrauchte Wort "Information" geht auf das lateinische INFORMATIO zurück und ist eine von dem römischen Schriftsteller Marcus Tullius Cicero eingeführte Übersetzung des griechischen Wortes εντύποσις (entyposis). Dort bedeutet es "Einformung, Einprägung". Das dazugehörende Hauptwort τύποσ (typos) bezeichnet ursprünglich den Schlag des Münzers (minter; auch Münzschroter: den Hersteller einer Metallmünze) bzw. Bildhauers, später dann auch die dadurch geprägte Form.

– Siehe Comfort Letter, Informationslücke, Informationspflicht, Informations-Sicherung, Informations- Überladung, Profiling, Public Disclosure, Reporting, Informations-Überladung, Verständlichkeit, Zinsinformationsverordnung, Zuverlässigkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Information, asymmetrische (asymmetric [incomplete] information):

1 Allgemein: eine Marktpartei verfügt über bessere Kenntnis bezüglich bestimmter ökonomischer Gegebenheiten (one party to a transaction has more or better information than the other party). In diesem Falle lohnt es sich, den Entscheidungen des besser Informierten zu folgen: Herdenverhalten. Auf (Finanz)Märkten verstärken sich so Preisbewegungen (spekulative Blasen; bles).

2 Auf Finanzmärkten - und insonders in der Versicherungsbranche - die Tatsache, dass die tatsächliche Bonität eines Kunden nie mit letzter Genauigkeit eingeschätzt werden kann, und man daher zu einer Mischkalkulation mit dem Ergebnis einer Negativauslese gezwungen ist.

3 der Wertpapierbörse der Informations-Abstand (information differences) zwischen Anleger und Mittelaufnehmer. Diesem versucht man aufsichtsrechtlich durch eine Reihe von Massnahmen zu begegnen, wie die Prospektpflicht bei Neuemissionen.

4 Im Devisenhandel die Tatsache, dass ein Market Maker unter Umständen schlechter informiert ist als seine Kunden.

5 Bei Verbriefungen hinsichtlich der Qualität des Pools der unterschiedliche Kenntnisstand zwischen dem Originator und den Anlegern. Dies verstärkt sich erheblich, wenn zwischen dem Originator und dem (End)Anleger noch viele Stellen - und gar weltweit - dazwischengeschaltet sind.

– Siehe Adverse Selection, Agency-Problem, Asset-Backed Securities-Collateralised Debt Obligation, Börsenpreis, Finanzierungsprämie, externe, Finanzsystem, bankorientiertes, Hausbank, Herdenverhalten, Information, Informationslücke, Kreditkanal, Moral Hazard, Nachahmung, informelle, Negativauslese, Rating, Rückdatierung, Sinuskurven-Fetischismus, Subprime-Krise, Ursache, Versicherungsunsicherheiten.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2008, S. 22 ff. (Market Maker auf dem Devisenmarkt; Modell; Literaturhinweise), Monatsbericht der EZB vom Februar 2008, S. 93 (Minderung der Informations-Asymmetrie bei Verbriefungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Information, verspätete (time lag in information):

In Zusammenhang mit der Geldpolitik die Tatsache, dass statistische Daten für den jetzigen Zeitpunkt (in real time; in Echtzeit) nicht vorliegen; eine Zentralbank daher weithin auch auf Schätzungen angewiesen ist. Geldpolitische Entscheidungen einer Zentralbank beruhen daher immer zu einem guten Teil auf einer unvollkommenen Kenntnis des aktuellen Zustands des ökonomischen Ablaufs.

– Siehe Anweisungen, geldpolitische, Basislinie, Datenunsicherheit, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2005, S. 23 f. (Problemlage).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Informations-Aufschub (information deferment):

Unangenehme Tatsachen wie vor allem Verluste werden nicht zeitnah publiziert. Weil aber schlechte Nachrichten in jedem Falle - über unmittelbar beteiligte Geschäftspartner, über Insider, durch das Personal allgemein und durch Whistleblower im Besonderen - unaufhaltsam durchsickern, entstehen so nachweislich Gerüchte. Wie sich angesichts der Subprime-Krise gezeigt hat, schaden diese dem Ruf eines Unternehmens allgemein und einer Bank im Besonderen bei weitem mehr als eine sofortige Verlustmeldung. Zudem führt der Informations-Aufschub gerade auf dem Finanzmarkt zu einem Klima wachsenden Misstrauens, weil jeder Marktteilnehmer vermutet, dass der Partner vorher eingegangene Risiken nicht abdecken kann. Als Folge trocknet - wie im Gefolge der Subprime-Krise (in the wake of the subprime crisis) - der Markt unter Umständen aus, und die Zentralbank muss durch Geldmarkt-Operationen, durch Zuführung von Liquidität eingreifen.

– Siehe Ad-hoc-Mitteilung, Geldmarkt-Operationen, Information, Quantitative Easing, Salami-Taktik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Informationsblätter für Finanzinstrumente (information sheets with regard to financial instruments):

Die 2011 eingeführte Pflicht eines Instituts, Privatkunden vor dem Geschäftsabschluss ein kurzes, leicht verständliches Dokument mit umfassender Beschreibung des Produktes auszuhändigen.

– Siehe Anleger-Informationen, wesentliche, Aufklärungspflicht, Bankkunden-Profil, Derivate-Informationspflicht, Derivate-Kodex, Editionsgebot, Handelssystem, multilaterales, Informationspflicht, Informationsüberladung, Investmentfirma, Odd Lot, Prospekt-Rechtssetzung der EU, Risikobericht, Übermut, Überregulierung, Umstände, bewertungswichtige.

– Vgl. Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 163 (Mängel in den Informationsblättern; aufsichtliches Handeln), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 78 (aufsichtsrechtliche Vorgaben zur inhaltlichen Gestaltung eines Informationsblattes).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Informationseffizienz, strenge (pure information effiency):

Wenn nicht anders definiert die Tatsache, dass auf dem Finanzmarkt Meldungen aller Art - wie Erhöhung des Leitzinssatzes der Zentralbank, Gewinnwarnung einer Aktiengesellschaft, Zahlungsbilanzkrise eines Staates - sofort die Kurse des entsprechenden Finanzprodukts in Bewegung bringen. Die Reaktionsgeschwindigkeit (speed of reaction. rapidity of response) auf dem - fast vollkommenen - Finanzmarkt ist mit anderen Worten überaus hoch. Denn weltweit sitzen in jedem Augenblick professionelle Händler und auch private Anleger vor dem Bildschirm und treffen entsprechende Kauf- und Verkaufsaufträge. - Gleichwohl jedoch ist der Finanzmarkt gesamthaft und in seinen Sektoren kein reiner vollkommener Markt. Denn wie auf anderen Märkten, so gibt es auch hier Teilnehmer mit Insider-Wissen, die beim Kauf und Verkauf besondere Vorteile einfahren können.

– Siehe Ad-hoc-Mitteilung, Daytrading, Hochfrequenzhandel, Information.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Informationsfreiheitsgesetz, IFG (German freedom of information act):

Anfang 2006 in Kraft getretenes Gesetz, das jedermann gegenüber den Behörden des Bundes einen Anspruch auf Zugang zu amtlichen Informationen zusichert. Freilich sind so viele Ausnahme-Regelungen im Zuge der amtlichen Verschwiegenheits-Pflichten (official confidentiality obligations, legal nondisclosure regulations) eingebaut, dass vor allem auch über die Tätigkeit der Behörden auf dem Finanzmarkt der Zugang zu Auskünften abgelehnt werden muss.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 209 f. (Darstellung der Rechtslage; Statistik der Anträge), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 225 f. (die BaFin darf keine Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse [operational and business secrets] oder personenbezogene Daten Dritter [personal data of third parties] herausgeben; Klagen vor dem Verwaltungsgericht), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 219 (Auffassung der BaFin wird durch Gerichte bestätigt), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 249 f. (Anfragen bei der BaFin nach dem IFG), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 262 f. (Gerichte zwingen die BaFin zur Vorlage von Dokumenten; Stand der Rechtslage), Jahresbericht 2012 der BaFin, S: 229 ff. (Rechtsunsicherheit; Klageverfahren gegen die BaFin; Statistik der Anfragen bei der BaFin); Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 57 (Rechtsfragen; Statistik) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Querschnittsaufgaben".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Informationslücke (information gap):

In Bezug auf den Finanzmarkt der Umstand, dass den Marktteilnehmern und vor allem den Aufsichtsbehörden wesentliche Angaben über die Ausgestaltung der Geschäfte und/oder über getätigte Umsätze fehlen. - Bei der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise machte sich dieser Umstand unangenehm bemerkbar und verhinderte zumindest teilweise, dass seitens der Aufsichtsbehörden und der Regierungen frühzeitig ausgleichende Massnahmen eingeleitet werden konnten.

– Siehe Elisabeth-Frage, Finanzsystem, Information, asymmetrische.

– Vgl Finanzstabilitätsbericht 2009, S. 86 (Lehren aus der Informationslücke während der Finanzkrise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Informationspflicht (information requirements):

1 Auf dem Finanzmarkt allgemein die gesetzlich vorgeschriebene oder durch Weisungen der Aufsichtsbehörde angeordnete Aufklärungspflicht des jeweiligen Anbieters. Darüber hinaus erkannte die Rechtsprechung auch eine sog. "spontane Informationspflicht" (spontaneous information obligation [duty]). Diese besteht vor allem darin, dass eine Bank bei sorgfältiger Aufmerksamkeit (careful attention) feststellen muss, dass eine bestimmte Gefahr von der Seite des Kunden nicht erkannt bzw. wahrgenommen wurde.

2 Bei Offerten über Fernkommunikationsmittel im Besonderen auch die Bestimmungen, wie diese im Einzelnen in der Informationspflichten-Verordnung (BGB-InfoVO) festgelegt sind. Hier sind in § 1, Abs. 2 BGB-InfoVO für Finanzdienstleister acht zusätzliche Informationspflichten vorgegeben

3 In Deutschland haben gemäss § 24c KWG Banken sämtliche Kundenstamm- und Bewegungsdaten zum automatisierten Abruf bereitzuhalten. Nach der 2005 in Kraft getretenen Zinsinformationsverordnung (ZIV) sind Banken zudem verpflichtet, Kontrollmitteilungen über Zinseinkünfte an das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) in Bonn zu erteilen.

– Siehe Anleger-Informationspflicht, Aufklärungspflicht, Authentifizierungsgebot, Derivategeschäfte-Clearingpflicht, Derivategeschäfte-Meldepflicht, Derivate-Informationspflicht, Editionsgebot, Identitätsprüfungspflicht, Information, Informations-Überladung, Kontenoffenlegung, Kundendaten-Informationspflicht, Kürteil, Zahlungsverkehrsverordnung, Zweitausweis.

– Vgl. Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 208 ff. (Grundsätzliches und aufsichtliche Praxis) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Informations-Sicherung (information security):

Die IT-Risiken sind bei Instituten und bei vielen Unternehmen - etwa einem Filialisten im Einzelhandel (CH: Detailhandel; retail trade) mit zentralem Kassensystem; aber auch bei Banken - oftmals bereits zum grössten Risiko angewachsen. Um

1. Unterbrüche in der über Netze auf der Erde laufenden Kommunikation (terrestrial communication) zu schliessen oder

2. zur Absicherung funktionierender Informationsnetze gegen Störungen aller Art bieten Dienstleister (service provider) Notfall-Kommunikationslösungen über Satelliten-Netze an. Die globale, an keine physischen und politischen Grenzen gebundene Satelliten-Kommunikation erlaubt es, diese und andere damit verbundene Leistungen auf internationaler Ebene und zu annehmbaren Preisen anzubieten.

– Siehe Flash Crash, Geschäftskontinuität, Holzhammerangriff, Information, IT-Risiken, Portabilität, Risiko, banktechnisches, Risiko operationelles, Stromrisiko, Videokonferenz, Wartungszeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Informations-Überladung und Informationsüberladung sowie Informationsüberfrachtung (information overload):

Tadel ausdrückende Bezeichnung für den Umstand, dass Regelersteller in bester Absicht (for the best) immer mehr Informationen in Berichten, Jahresabschlüssen, Quartalsberichten, Ad-hoc-Mitteilungen, Aktionärsbriefen usw. verlangen. Geschäftsberichte schwollen daher schon heute zu dicken Büchern mit nicht selten über 300 Seiten im Format DIN A 4 an.

1. Je mehr Informationen aber vorgelegt werden, desto schwieriger wird es, diese aufzunehmen und

2. (wissenschaftlich unbestritten) ein umso grösserer Teil wird von den Lesern ausgeblendet.

3. Andererseits steigt aber das Vertrauen in das eigene Urteil beständig mit der Zahl der vorgelegten Informationen. Bei grossen Informationsmengen ist deswegen

4. die tatsächlich Aufklärung (disclosure; Offenlegung, information acquisition; Kenntnisgewinnung) äusserst gering,

5. hingegen umgekehrt das Vertrauen in die überfüllig angebotenen Informationen sehr hoch.

– Diese Zusammenhänge wiederum machen sich Unternehmen zunutze und verstecken unliebsame Aussagen (unpleasant statements) sehr geschickt in aufgeblähte, aber gehaltlose und langweilige Textpassagen, häufig auch noch mit die Aufmerksamkeit des Lesers belegenden Abbildungen angereichert. Sie erreichen dadurch, dass vor allem an sich zutreffend dargestellten Risiken kaum mehr Beachtung zugewendet wird. In Zusammenhang mit der Subprime-Krise 2007 wurde dies an vielen Beispielen aufgedeckt.

– Siehe Anleger, verständiger, Angaben, verschleierte, Daimonion, Entscheidungsnützlichkeit, General Accepted Accounting Principles, IAS 39, IFRS-Dialekte, International Accounting Standards, International Accounting Standards Board, Klartext, Kombinationseffekt, Kürteil, Nichts, bilanzielles, Regulierungswut, Rückkoppelungsschleife, Salami-Taktik, Stetigkeit, Substance-over-Form-Grundsatz, Verständlichkeit, Vorhersagen, Wesentlichkeit, Zweckdienlichkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Infrangiblität (infrangibility, infrangibleness):

In der älteren Literatur eine häufig aufgestellte Anforderung an Münzen. Diese sollten sich durch Unzerbrechlichkeit (not capable of being broken) auszeichnen. Geldstücke aus dünn gewalztem Metall (hollow coins; Brakteaten) wurden in der Regel - nicht zuletzt auch wegen ihrer mangelnden Fälschungssicherheit (insufficient protection against forgery) - nur in den kleinsten Einheiten zugestanden, wie etwa der Hohlpfennig.

– Siehe Gequetschte, Katzengeld, Lötigkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Infrastructure Providing (so auch im Deutschen gesagt):

Die Beschaffung von Informationstechnik (IT) und Dienstleistungen beim Betrieb der IT-Systeme eines Unternehmens. - Für Finanzdienstleister rückte das Infrastructure-Providing mit der Verbreitung des Internets ab etwa 1980 an die Spitze aller organisatorischen Notwendigkeiten. Denn eine einwandfrei arbeitende IT-Infrastruktur - verstanden als Gesamtheit aller, passend aufeinander abgestimmten Bestandteile zur automatisierten Verarbeitung von Informationen - ist heute die unerlässliche Voraussetzung, der geschäftsnotwendige Unterbau (indispensable substruction) für die Erbringung von Finanzdienstleistungen überhaupt.

– Siehe Back-off-Bereich, Datei-Verwaltung, zentralisierte, Direktbank, Geschäftskontinuität, Homebanking, IT-Risiken, Mobile Banking, Outsourcing, Portabilität, Prosumer, Sofa-Banking.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Infrastruktur (infrastructure):

Ein häufig gebrauchter, jedoch inhaltlich (connotation: Anzahl der den Begriff bestimmenden Merkmale) und umfänglich (scope: Teilvorstellungen, die dem Begriff beizuordnen sind) sehr weiter und daher kaum logisch genau zu definierender Begriff. Er bezeichnet die Gesamtheit aller rechtlichen, technischen, sozialen und organisatorischen Grundlagen, die für den Ablauf und die Entwicklung einer Volkswirtschaft nötig sind. Genannt seien beispielshalber ein gut geordnetes Rechtssystem, Bildungsstätten aller Art, Kommunikationskanäle, die Gesundheitsversorgung, Kläranlagen, Verwaltungseinrichtungen, Verkehrswege zu Lande, auf dem Wasser und in der Luft, aber auch die störungsfreie Belieferung mit Energie allgemein und Elektrizität im Besonderen. Investitionen in die Infrastruktur sind daher für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung von überaus grosser Bedeutung.

– Siehe Infrastrukturkapital, Sozialkapital, Vermögen, soziales.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2009, S. 15 ff. (staatliche Infrastrukturinvestitionen seit 1970; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Infrastrukturfonds (infrastructure fund):

Wenn nicht anders definiert das Sondervermögen einer Kapitalverwaltungsgesellschaft, das teils aus öffentlichen Mitteln, teils durch Einlagen privater Wirtschaftssubjekte - in der Regel nur von Banken - gespeist wird, und in der deutschen Gesetzessprache Öffentlich-Privater Partnerschaftsfonds (ÖPP; public-private partnership fund) genannt. - Zweck eines solchen Fonds ist es in erster Linie,

1. bestimmte Vorhaben vor allem im Strassenbau sowie bei der Errichtung von Schulgebäuden und Sportstätten zu finanzieren und

2. darüber hinaus auch die erstellten Einrichtungen sachgerecht zu verwalten (to manage appropriately).

– Siehe Public Private Partnerships.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 147 (Erleichterungen für ÖPP-Fonds), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 155 (Erleichterungen im Zuge des Investmentänderungsgesetzes).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Infrastrukturkapital (infrastructural capital, infrastructure assets):

Zumeist vom Staat bereitgestellte Einrichtungen wie Dämme, Verkehrsanlagen zu Lande und an Küsten, Kommunikationswege, Wasser- und Energieversorgung, Parks und Naturschutzgebiete, Gesundheitswesen, Rechtspflege, Ausstattung mit Bildungsstätten aller Art, und mit den wesentlich kennzeichnenden Merkmalen

1. Zusammengehörigkeit: die Einrichtung muss vollständig vorhanden sein,

2. Ortsgebundenheit, Unbeweglichkeit: die Einrichtung kann nicht woandershin gebracht werden und

3. allgemeine Nutzungsberechtig: grundsätzlich dient die Einrichtung dem Gebrauch aller Bürger (in short: social overhead capital which provides the basic foundation needed by an economy before business capital can adequately function).

– Richtiger wäre es, hier von Infrastrukturvermögen zu sprechen.

– Siehe Infrastruktur, Sozialkapital, Vermögen, soziales.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ingeld (cash inflow, revenue; treasure; prepayment):

1 Ein früher häufig gebrauchter Begriff für jederart Geldzufluss, der heutigen Bedeutung Einnahmen in weitestem Sinne entsprechend.

2 In älteren Schriften auch gesagt von einer verwahrten Summe als Bestand (treasure; Schatz, Vermögen).

3 Früher auch gebraucht in der Bedeutung einer Vorauszahlung (prepayment): ein Einschuss.

– Siehe Angeld, Haftgeld, Legegeld, Kassetierung, Zuwendung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Inhaber, eingetragener (holder of record):

Besitzer eines Wertpapiers, der in das Verzeichnis eines Begebers aufgenommen wurde (the owner of a security that is recorded on the books of the issuing company) und dann in der Regel die fälligen Zinsen unmittelbar von dem Begeber auf sein Konto überwiesen beikommt.

– Siehe Namensaktie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Inhaberkontrollverfahren (owner control investigation):

Massnahme der Aufsichtsbehörde, um unklare und undurchsichtige Eigentumsverhältnisse (impenetrable proprietorship) bei Banken - meistens im Zuge eines vorangegangenen Erwerbs bei Privatbanken - festzustellen.

– Siehe Inhaberkontrollverordnung, Privatbankiers.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 117, Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 153 (vermehrte Verfahren bei Privatbanken; unzulässige Aufspaltung von Erwerbsakten), S. 154 (Grundsätzliches zur Inhaberkontrolle; hoher Arbeitsaufwand seitens der BaFin), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 131 (BaFin prüft auch die Fähigkeit eines Erwerbers, nach der Übernahme allfällig Kapital nachschiessen zu können) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Inhaberkontrollverordnung (regulation on the control of shareholdings):

In Zusammenhang mit der Beteiligungsrichtlinie die verbindliche Regelung der

1. vorgängigen Anzeigepflichten und

2. des aufsichtlichen Prüfungsverfahrens von Engagements an Versicherungen und Banken.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 72, S. 108 (Ziele der Verordnung; Inkrafttreten März 2009).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Inhaberschuldverschreibung (bearer bond, clean bond, bearer debenture):

1 Eine Obligation, bei welcher der Inhaber der Urkunde nicht namentlich erwähnt ist (a bond for which physical possession of the certificate is proof of ownership; the issuer does not know the identity of the bondholder). - Im Gegensatz dazu steht die Namensschuldverschreibung (registered bond: a bond for which the issuer keeps a record [register] of ownership; transfer of ownership must be notified and recorded in the register). - Als Mischform gibt es das Namenspapier mit Inhaberklausel (registered share with owner clause); hierbei handelt es sich rechtlich um ein Orderpapier (order paper).

2 In etwas anderer Bedeutung eine Papier, welches der Besitzer gegenständlich aufbewahrt. Zum Fälligkeitstermin von Zinszahlungen trennt er den Coupon ab und legt ihn zur Einlösung dem Emittenten bzw. der beauftragten Bank vor (a bond that is held in physical form by the owner, who receives interest payments by separating coupons from the bond certificate and delivering them the issuer or the agent bank).

– Siehe Abzinsungspapier, Aktie, Anleihe, Bankschuldverschreibung, Duration, Finanzinstrument, Indossatar, Schuldtitel, Schuldverschreibung, Todesspirale, Verlosung, Wandelanleihe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Inhouse-Fund und In-House Fund (so auch im Deutschen gesagt, seltener Interner Fonds):

Vermögen zum Zwecke gemeinsamer Kapitalanlage, wobei jedoch nur ganz bestimmte Anleger zur Zeichnung zugelassen werden, meistens Verwandte, Freunde oder Betriebsangehörige eines Unternehmens.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Inhouse-System (so auch im Deutschen gesagt):

Der Handel mit Wertpapieren innert des weltweiten Filialnetzes der Grossbanken, also ohne dass es zu einem Auftrag an der Börse kommt.

1. Wegen der mangelnden Preis- und Umsatz-Transparenz (lack of transparency in prices and sales) werden diese Transkationen vielfach beanstandet mit der Forderung, solche Geschäfte gesetzlich besonders zu regeln.

2. Auch steht dem Kunden kein Ausführungsanspruch zu, wie im Handel an der Börse.

3. Endlich klagen die Statistiker, dass hier eine Störquelle für die genaue Erfassung des Vermögens-Statuts eines Landes sei.

– Siehe Binnenfinanzierung, Börsenpflicht, Internalisierung, Regulierungswut, Schlangenhandel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Initial Public Offering, IPO (so auch im Deutschen gesagt, seltener mit Erstverkaufsangebot übersetzt; Englisch manchmal auch flotation):

Das erstmalige Angebot zum Kauf von Wertpapieren und Finanzinstrumenten allgemein. - Für deutsche Vertreiber von Aktien über das Internet unterliegt ein Angebot der Prospektpflicht nach dem Verkaufsprospekt-Gesetz, wenn Anleger in Deutschland mit dem Angebot zielgerichtet angesprochen oder vom Angebot nicht ausdrücklich ausgeschlossen werden. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ist für die Überwachung zuständig.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Initial Public Offering, kaltes (cold IPO):

Börsengang, bei dem das operative Geschäft - also die tatsächlich stattfindende Herstellung von Waren bzw. die Erbringung von Dienstleistungen (supply of services) - eines nicht börsennotierten Unternehmens (unlisted company) in eine inoperative, aber börsennotierte Mantelgesellschaft (listed shell company that has no operations) eingebracht wird. Zwecks dessen

1. wird in einem ersten Schritt die Aktienmehrheit (majority of shares) an der ruhenden Mantelgesellschaft gekauft.

2. Die dann einberufene Hauptversammlung beschliesst in der Folge eine Kapitalerhöhung durch Sacheinlage (non-cash capital contribution), nämlich das Unternehmen des Käufers. Gleichzeitig damit wird

3. die Satzung (bylaws) der Mantelgesellschaft dem neuen Gesellschaftszweck angepasst und eventuell auch

4. der Name der Aktiengesellschaft geändert.

– Ein Unternehmen, das in den Börsenmantel einer bereits notierten Aktiengesellschaft schlüpft, umgeht den mit einer Börseneinführung verbundenen Aufwand (the bureaucratic effort connected with admission to an exchange). Rechtlich ist das kalte IOP zwar erlaubt. Die Aufsichtsbehörden verfolgen aber kalte IPOs sehr aufmerksam. Denn durch die Wiederbelebung eines Börsenmantels wird oft der Anschein erweckt, als ob die alten Geschäfte der ursprünglichen Aktiengesellschaft wieder aufgenommen würden (that the listed shell company is being revived), was dann erfahrungsgemäss zu einem sachlich nicht begründeten Kursanstieg führt.

– Siehe Initial Public Offering.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 181 f. (Verfolgung manipulativer kalter IPOs) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Initiative Finanzstandort Deutschland, IFD (action group German financial sector):

Im Frühjahr 2003 aus der Taufe gehobenes Aktionsprogramm zur Stärkung des Finanzsektors in Deutschland; Teilnehmer sind die Spitzenverbände der Kreditwirtschaft, die Deutsche Börse, die Deutsche Bundesbank und das Bundesministerium für Finanzen. In besonderen werden in einer Reihe von Arbeitsgruppen sieben Themenkreise erörtert, nämlich Mittelstandsfinanzierung, Altersvorsorge, Immobilienmärkte, Euro-Zahlungsverkehr, EU-Finanzmarktintegration, steuerliche Rahmenbedingungen und Ausbildungsfragen. Jährlich im Sommer veröffentlicht die IFD einen Finanzstandortsbericht, der wichtige - auch zum Ausland vergleichende - Angaben zu allen Sparten des Marktes enthält. Zudem vergibt die IFD im Zweijahresturnus (two-yearly cycle) einen Medienpreis. Er wird an Journalisten vergeben und belobt herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Berichterstattung über die Finanzmärkte. - Nach und nach ist die Initiative verebbt; sie wurde 2011 in ein "Dialogforum Finanzstandort Deutschland" übergeleitet. Das Dialogforum veröffentlicht Berichte, die auch im Internet abrufbar sind.

– Siehe Allianzen, grenzüberschreitende, Ausschuss-Wahn, Finanzmarktwissen, Geldverbrennung, SEPA-Rat.

– Vgl. Geschäftsbericht 2006 der Deutschen Bundesbank, S. 84 (Vorhaben; neue Arbeitsgruppen der IFD; House of Finance in Frankfurt am Main).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Initiator (initiator):

Ein Unternehmen, das eine Objektgesellschaft gründet. - Handelt es dabei sich um eine Zweckgesellschaft als Objektgesellschaft mit der Absicht, Asset-Backed Securities als Verbriefungspapiere bei Anlegern unterzubringen, dann spricht man in der Regel von Originator (originator) und (unschön) auch von originierender Bank (originating institute).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Inkassofälligkeit (payment reluctance):

Offene Rechnungen wurden trotz Mahnbescheids nicht beglichen. Eigens auf dieses Geschäftsfeld ausgerichtete Dienstleister (specialised service provider) bemühen sich in diesen Fällen, die Forderungen zumindest teilweise im Auftrag des Gläubigers - der Bank - einzutreiben.

– Siehe Einzug, Geldeintreibung, Inkassogeschäft, Karenzzeit, Steuerzinsen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Inkassogeschäft (collecting business):

1 Die gewerbsmässige Einziehung fremder oder zur Einziehung abgetretener Forderungen (assignment of collection; Inkassozession).

1. Meistens arbeitet ein Inkasso-Bureau ([debt] collection agency; Inkasso-Agentur) im Auftrag eines Unternehmens auf Provisionsbasis (mostly agencies operate as agents of other companies, and collect debts for a fee or percentage of the total amount owed).

2. Daneben kaufen bestimmte Inkasso-Agenturen - in der Umgangssprache oft Geldeintreiber (bill pusher) genannt - auch ausgebuchte Forderungen auf und versuchen - oft mit rabiaten Methoden (ruthless business practices) - den Schuldner zur Zahlung zu bewegen (others work on their own account, purchasing booked-out debts from a creditor and aggressively persuading the debtor to make payments).

– Die Ausübung beider Arten dieses Geschäftszweiges ist nach § 14 GewO anzeigepflichtig. Weitergehende Dienstleistungen - wie etwa Rechtsberatung, Kreditgewährung - sind nicht gestattet bzw. erfordern eine bezügliche Erlaubnis.

2 Der Einzug von fälligen Wertpapieren, Wechseln oder anderen Papieren gegen Entgelt. Entsprechende gewerbliche Dienstleister bedürfen in Deutschland einer Erlaubnis und unterliegen der Aufsicht durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.

– Siehe Arrestgeld, Bargeldbearbeitung, Downgrade-Trigger-Klausel, Eintreibung, Einzug, Einzugszeit, Erster, trauriger, Geldeintreibung, Inkassostrategie, Karenzzeit, Kassetierung, Kinderpfand, Kunde, fauler, Leichenpfand.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Inkassostrategie (collection policy):

Von einer Bank und allgemein von einem Unternehmen angewandte Praktiken, um Aussenstände einzutreiben (procedures followed by a firm in attempting to collect accounts receivable). Vor allem grosse Institute beschäftigen auf diesem Feld Arbeitsgruppen, die auf bestimmte Schuldnergruppen zugeschnittene Inkassomethoden einsetzen. Deren Erfolg spiegelt sich in der jeweiligen Säumnisquote wieder.

– Siehe Eintreibung, Geldvergessliche, Inkassogeschäft, Kunde, fauler.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Inkasso-Stelle (paying agent):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter

1. eine inländische Privatperson, seltener auch eine Firma,

2. die durch Vereinbarung mit einem zumeist unbekannten - und häufig an einem der Offshore Finanzplätzen domizilierenden - Auftraggeber

3. Einzahlungen von Kunden des Auftraggebers

4. auf das bei einer deutschen Bank geführte Konto zulässt und

5. dafür ein eine Provision bezieht.

– In fast allen Fällen handelt es sich um aufsichtlich unzulässige oder strafrechtlich verbotene Geschäfte sowie um Terrorismus-Finanzierung.

– Siehe Geldtransfer-Vermittler, Geldtransferverordnung, Kontensperre, Nominee.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Inkontinenz, finanzielle (financial incontinence):

1 Bei einer Privatperson das Unvermögen, sich vor unnötigen Ausgaben zurückzuhalten (lacking in financial restraint and self-control).

2 Mangelnde Fähigkeit, Geld sinnvoll zu verwalten (incapacity to manage ones finances).

3 Die Neigung, sein Geld überallhin wahllos zu sprayen, es unüberlegt fliessen zu lassen (the propensity to splash about ones money).

– Siehe Geldbewusstsein, Ungüter.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Inkubator und Gründerzentrum (incubator):

Ein Dienstleister, der Firmengründer rundum betreut und berät sowie vor allem auch Wagniskapital beschafft. - Einige Banken betreiben - oft über eine eigens dazu gegründete Firma - dieses Geschäft und stellen dem Gründer dann neben dem Startkapital aus einer Hand auch Bureauräume, Sekretariats-Dienste, Telekommunikations-Infrastruktur, Rechts- und Steuerberatung sowie manchmal sogar Kundenvermittlung zur Verfügung (a provider with the aim to encourage entrepreneurship and minimise obstacles to new business formation and growth, particularly for high technology firms, by housing a number of young enterprises that share an array of services. These shared services may include meeting areas, secretarial services, accounting services, research libraries, on-site financial and management advising and word processing facilities).

– Siehe Business Angel, Equity-Banking, Innovationsfonds, Hedge-Fonds, Seed Capital.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Inlandsemittent (domestic issuer):

Aufsichtsrechtlich jede Entität, die aus der Begebung eines Wertpapiers oder eines anderen Finanzinstruments verpflichtet ist, deren

1. Herkunftsstaat Deutschland ist oder

2. deren Herkunftsstaat ein anderes europäische Mitgliedsland ist, wenn seine Wertpapiere ausschliesslich in Deutschland zu Handel an einem organisierten Markt zugelassen sind.

– Ist zwar Deutschland Herkunftsstaat für einen Emittenten, sind jedoch die Wertpapiere ausschliesslich zum Handel an einem organisierten Markt in einem anderen Land der EU oder des EWR zugelassen, dann gilt dieser Emittent nicht als Inlandsemittent.

– Siehe Markt, regulierter.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S 185 (Erläuterung), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 165 (Abgrenzungsfragen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Innenfinanzierung (internal financing, in-house financing):

Bei einem Unternehmen die Beschaffung von Kapital aus eigenen Mitteln.

– Siehe Immunisierung, Nullausschüttung, Selbstfinanzierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Innertageskredit (intraday credit, daylight overdraft):

Kreditgewährung mit einer Laufzeit von weniger als einem Geschäftstag. - Die EZB gewährt zugelassenen Geschäftspartnern für Zwecke des Zahlungsverkehrs - und auf der Grundlage von entsprechenden Sicherheiten - grundsätzlich Innertageskredite.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Innominat (unnamed, undisclosed):

Vor allem in älteren Dokumenten die Bezeichnung für einen nicht mit seinem Namen geführter Kunden bei der Bank (a customer of the bank for a variety of reasons not mentioned by his/her name and regularly abbreviated by a letter or sign).

– Siehe Identitätsprüfungspflicht, Kontenabrufverfahren, Kontenoffenlegung, Kundendaten-Informationspflicht, Nominee, Nummernkonto, Prearranged Trading, Strohmann, Zweitausweis.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Innovation (innovation):

1 Eine neue technische Erfindung (technical invention) oder ein neues Produkt, aber auch die Entdeckung neuer Wege in der Organisation und im Absatz. In diesem Stadium spricht man häufig statt von Innovation von einer Neuerung (invention, blueprint = an original plan or prototype that effects subsequent practice).

2 Die Umsetzung einer Neuerung, nämlich

1. die Verwirklichung einer neuen Produktionstechnik durch entsprechende Investitionen,

2. die Markteinführung eines neuen Produktes oder

3. der Einsatz einer bis anhin unbekannten Organisationsweise oder Geschäftsidee durch ein Unternehmen.

– Siehe Corporate Venture Capital-Gesellschaft, Vorschläge, offene.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Innovationsfonds (innovation fund):

1 Sondervermögen einer Kapitalverwaltungsgesellschaft, das ausschliesslich oder hauptsächlich die produktionstechnische Umsetzung von Innovationen zum Zweck hat, dann auch Technologiefonds genannt.

2 Sondervermögen einer Kapitalverwaltungsgesellschaft, das in neue Derivate investiert.

– Siehe Dienstleister, wissensbasierte, Drittphase-Finanzierung, Inkubator, Mikro-Finanzierung, Private-Equity-Finan¬zierung, Risikokapital, Seed Capital.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 147 (angekündigte Erleichterungen auch für solche Fonds).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Innungsgeld (guild fee):

Umlage, die Handwerker in die Innung zu entrichten haben. - Die Innung ist heute eine Verwaltungseinrichtung (administrative body; Kammer) mit dem Zweck der gemeinsamen Vertretung der Belange von selbständigen Handwerkern der gleichen Branche, in der Regel auf örtlicher oder Landes-Ebene, dann Landesinnung (state guild) genannt. Eine Bundesinnung (federal guild) bündelt die Anliegen aller Innungsgenossen in Deutschland.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Inrotulationsgeld (stiching fee):

In älteren Dokumenten die Gebühr für das Einheften (inrotulieren; stich = to fasten together with staples or thread) von Akten bei Gericht, besonders auch in Zusammenhang mit einem Konkurs.

– Siehe Expensen, Justitiengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Inside-Aktionär (inside shareholder):

Anteileigner einer Aktiengesellschaft, der eine persönliche, gefühlsmässige Beziehung (emotional relationship) zum Unternehmen hat. - Der Inside-Aktionär trennt sich daher auch nicht so rasch von den Aktien der Gesellschaft, wenn deren Kurs sinkt. Mit verschiedenen Mitteln wie Aktionärsbrief (letter to shareholders), Einladung zu Werksbesichtigung (invitation to facility visit), Preisausschreiben, Bitten um Einreichung von Verbesserungsvorschlägen (which, of course, in general go straightaway into the rubbish bin, for it is intolerable in the Bochie that an outsider has a good proposal: teutonic management knows everything much better) und ähnlichen Massnahmen versuchen daher viele Aktiengesellschaften, eine günstige gefühlsmässige Neigung (emotional inclination) der Aktionäre zum Unternehmen aufzubauen bzw. zu festigen.

– Siehe One-Night-Stand, Outside-Aktionär, Panikverkäufe, Rebbes.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Insider und seltener auch Eingeweihter (insider):

1 Allgemein gilt als Insider, wer über nicht allgemein bekanntes Wissen verfügt, das im Falle des öffentlichen Bekanntwerdens einen erheblichen Kauf- oder Verkaufsanreiz auf Anleger ausüben könnte.

1. Primärinsider (primary insider) ist dabei, wer solches Wissen aufgrund seiner Aufgaben oder seiner Stellung im Unternehmen hat;

2. Sekundärinsider (secondary insider) ist jeder, der auf sonstiger Weise von solchem Wissen erfährt.

2 Nach der Definition des deutschen Wertpapierhandelsgesetzes (siehe § 13 WpHG) versteht man darunter alle Personen, die

1. als Mitglied der Geschäftsleitung oder des Aufsichtsorgans oder eines mit dem Emittenten verbundenen Unternehmens,

2. aufgrund ihrer Beteiligung am Kapital des Unternehmens oder einer mit dem Emittenten verbundenen Firma oder

3. aufgrund ihres Berufs, ihrer Tätigkeit oder ihrer Aufgabe - etwa: Steuerberater, Aktuar, Wirtschaftsprüfer - Kenntnis von einer nicht allgemein bekannten Tatsache haben, die sich im Falle des öffentlichen Bekanntwerdens auf den Kurs des entsprechenden Wertpapiers erheblich auswirken kann.

– Siehe Beobachtungsliste, Freundschaftsgeschäft, Insider-Meldepflicht, Insider-Transaktionen, Insider-Überwachung, Kreditkanal, Kundenberatung, Nominee, Sondervorteil, Steuerberater, System Securities Watch Application (SWAP), Untertunnelung, Wirtschaftsprüfer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Insider-Meldepflicht (directors' dealings):

Seit 2002 müssen Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder börsennotierter Gesellschaften in Deutschland getätigte Geschäfte mit Wert¬papieren der eigenen Gesellschaft ab einem Wert von 5'000 Euro im Kalenderjahr unverzüglich melden. Diese Pflicht besteht auch für Ehepartner, eingetragene Lebenspartner, Verwandte ersten Grades - Kinder, Eltern - und juristische Personen, die unter dem bestimmenden Einfluss der entsprechenden Personen stehen. Rechtsgrundlage ist § 15a und § 15b WpHG.

– Siehe Aufsichtsrats-Mitglied, Handelszeit, erlaubte, Insider, Nominee, Sachkunde, Sondervorteil, Sperrfrist.

– Vgl. Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 164 ff., Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 192 ff., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 173 f. (Neuregelungen aufgrund des Anlegerschutzverbesserungsgesetzes), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 177 f. (Strafverfahren; Datenbank der BaFin mit veröffentlichten Geschäften), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 181 ff. (Untersuchungen der BaFin; schwere Fälle von Insiderhandel), Jahresbericht 2013 der BaFin, S 167 (deutlicher Anstieg der positiven Insideranalysen) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Insider-Papiere (insider securities):

Gemäss Definition in § 12 WpHG versteht man darunter Finanzinstrumente, die

1. an einer deutschen Börse zum Handel zugelassen oder in den geregelten Markt oder in den Freiverkehr einbezogen sind oder

2. in einem anderen Mitgliedstaat der EU oder des EWR Handel an einem organisierten Markt zugelassen sind oder

3. deren Preis unmittelbar oder mittelbar von Finanzinstrumenten in den beiden oben genannten Märkten abhängt.

– Der Zulassung zum Handel an einem organisierten Markt oder der Einbeziehung in den geregelten Markt oder in den Freiverkehr steht gleich, wenn der Antrag auf Zulassung oder Einbeziehung gestellt oder öffentlich angekündigt ist.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Insider-Transaktion (insider transaction):

Erlangung eines Vermögensvorteils - in der Regel durch Kauf oder Verkauf börsennotierter Papiere - unter unrechtmässiger Ausnützung eines Informationsvorsprungs (an illegal offense involving the purchase or sale of shares by someone who possesses inside information about a company's performance and pro-spects which is not yet available to the market as a whole, and which, if available, might affect the share price). Derartige Geschäfte sind in Deutschland nach § 14 WpHG streng untersagt und werden von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht zusammen mit der Staatsanwaltschaft verfolgt.

– Siehe Freundschaftsgeschäft, Insider, Insider-Meldepflicht, Insider-Umsatzanreize, Handelsüberwachungsstelle, Marktmissbrauchs-Richtlinie, Nominee, Scalping, Sondervorteil, System Securities Watch Application (SWAP), Whistleblower.

– Vgl. Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 151 ff., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 173 (Erweiterung der Strafvorschriften), S. 188 (aufgedeckte Fälle), S. 190 (Vorteile der Beteiligten bei der 3sat-Börse), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 157 (Untersuchungen der BaFin), S. 158 (Übersicht der zur Anzeige gebrachten Fälle seit 2003), S. 58 f.: einzelne Fälle), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 157 ff. (Übersicht; verstärkter Austausch mit anderen Aufsichtsbehörden), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 181 (Anzeigen der BaFin; Untersuchungsergebnisse; Insiderfall Deutsche Telekom; Insiderfall Freenet; weitere Fälle), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 195 ff. (Stand der Insider-Überwachung; einzelne Fälle, Anzeigen der BaFin und gerichtliche Verurteilungen), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 167 (starker Anstieg der Delikte), S. 171 (Übersicht) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Insider-Überwachung (insider monitoring):

Tätigkeit der Aufsichtsbehörden, um verbotene Insider-Transaktionen aufzudecken und der Strafverfolgung zuzuführen.

– Siehe Insider-Transaktion, Intelligent Miner.

– Vgl. hierzu die Übersicht der einzelnen Schritte im Jahresbericht 2001 des Bundesaufsichtsamts für den Wertpapierhandel, S. 22 (dort auch Schilderung einiger Problemfelder), Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 179 ff. (S. 183 ff: aufgedeckte Fälle). Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 173 f., S. 188 ff. (Übersicht von Strafverfahren), S. 190 (Börsenspiele), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 163 f. (einzelne Fälle), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 172 ff (viele Insiderdelikte gehen mit Fusionen und Übernahmen einher; S. 177 ff. einzelne Fälle), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 195 ff. (verstärkte Überwachung der BaFin, Anfälligkeit des Segments Freiverkehr; einzelne Fälle, Anzeigen der BaFin), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 175 ff. (BaFin geht weiterhin Marktmissbrauch nach; einzelne Fälle) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Insider-Umsatzanreize (insider bid-ask incentives):

Geben Insider über ihren Börsenmakler Aufträge zum Kauf oder Verkauf,

1. so wird der Makler darauf reagieren und das entsprechende Papier selbst kaufen bzw. abstossen sowie

2. in aller Regel auch einige wichtige Kunden zum Kauf bzw. Verkauf raten. Diese Signalwirkung von Insider-Transaktionen kann, wie empirische Studien bestätigen, zu ungewöhnlichen Kursbewegungen für das entsprechende Papier und - dadurch, dass andere Titel verkauft werden, um die notwendige Liquidität zu beschaffen - auf den Markt gesamthaft auslösen.

– Auch können Insider über einen Börsenmakler bzw. über eine Bank bedeutende Verkaufs-Aufträge an den Markt geben, was zum Sinken des Kurses für das entsprechende Papier führt. Bei einer anderen Bank gibt der Insider einen entsprechend gestalteten Kaufauftrag und sichert sich damit einen ungerechtfertigten Gewinn. Der Insider-Überwachung wird daher von den Aufsichtsbehörden zurecht ein sehr grosses Gewicht beigemessen (attached high importance).

– Siehe Insider-Überwachung, Rebbes.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Insider-Verzeichnis (insider list):

Im Zuge des Anlegerschutzverbesserungsgesetzes aus dem Jahr 2004 in Deutschland vorgeschriebene und in § 15b WpHG eingefügte Verpflichtung von Emittenten, sämtliche Personen mit Insiderwissen aufzulisten. Eine eigene Wertpapierhandelsanzeige- und Insiderverzeichnisverordnung (WpAIV) regelt Näheres über den Inhalt und das Verfahren der Veröffentlichung.

– Siehe Insider-Überwachung, Insider-Umsatzanreize.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 173 f. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Inskriptionen (inscriptions):

1 In älteren Dokumenten auf eine bestimmte Person lautende Staatsschuldscheine, die bei Besitzwechsel amtlich übertragen werden mussten. (inscription = here: the information on the bond that indicates to whom it belongs).

2 Auf alten Kurszetteln auch Schuldverschreibungen allgemein und russische Papiere im Besonderen.

– Siehe Integralen, Lombarden, Metalliques.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Insolvenz in älteren Dokumenten auch Insolvabilität, Fallissement, Falliment, Bankrott und Pleite (insolvency, bankruptcy):

1 Das Unvermögen einer Wirtschaftseinheit - Unternehmen, Privathaushalt -, seinen Zahlungsverpflichtungen bei Fälligkeit nachzukommen (situation of a company or individual whose creditworthiness position is so weak that he cannot meet its contractual financial obligations, such as paying interest and principal). Neues Geld kann jedoch wegen Überschuldung (liabilities exceeding the assets) und damit fehlender Kreditwürdigkeit auch nicht aufgenommen werden. Damit entspricht der Begriff Insolvenz der juristischen Bezeichnung Zahlungsunfähigkeit. - Für die Ausführung einer Insolvenz gibt es eine eigene, rechtlich durch die Insolvenzordnung festgelegte Prozedur, nämlich das Insolvenzverfahren (insolvency proceedings), das in Deutschland bis 1999 Konkurs genannt wurde. Nach § 18, Abs. 2 InsO kann bei Überschuldung bereits ein Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt werden; dies geschieht vor allem, um eine allfällige Sanierung anzustreben.

– Siehe Abwicklung, Adressenauffallrisiko, Arrangement. Bankrott, Bewertungsergebnis, Crash, Debitmasse, Einzug, Finanznot, Finanzonkologe, Gehalts-Stop, Geldeintreibung, Geldklemme, Geldspitze, Insolvenzkosten, Intercreditor Agreement, Krida, Liquidität, Liquiditätskrisenplan, Manifestierung, Notlage, finanzielle, Paritätsvorbehalt, Pleite, Pleitegeier, Rettungsbeihilfe, Sanierung, Schuldentragfähigkeit, Spieler-Pleite, Turnaround Financing, Verlustteilungsregelung, Vorrangregel, unbedingte, Zahlungsunfähigkeit.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 81 f. (in Bezug auf die "Sanierungs- und Liquidations-Richtlinie für Kreditinstitute" der EU und ihre Umsetzung ins deutsche Recht), Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 62 f. (Insolvenzsicherungssysteme) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 26 (starke Zuwächse der Insolvenzen bei Privathaushalten in Deutschland führt zu erhöhtem Bewertungsaufwand bei den Banken), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 21 f. (Übersicht der Unternehmens- und Verbraucherinsolvenzen), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 34 f. (Insolvenzen seit 1999; Forderungsvolumen [volume of claims] aus Insolvenzen; Übersichten), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 29 f. (Firmenpleiten stiegen an), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 31 f. (leichter Rückgang der Unternehmenssolvenzen), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 31 (Insolvenzen 2002 bis 2011; Ursachen) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Wirtschaftliches Umfeld".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Insolvenz, bankliche (bank insolvency):

Die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens (insolvency proceedings) über das Vermögen eines Instituts zieht zwangsläufig auch den Entzug der Erlaubnis für jederart Finanzdienstleistungen nach sich.

– Siehe Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 139 (Praxisfall).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Insolvenz, betrügerische (fraudulent insolvency):

Ein Unternehmen meldet Zahlungsfähigkeit an, und es ist tatsächlich auch aller Finanzmittel bar. Dieser Zustand wurde aber absichtlich herbeigeführt, weil etwa ein Rechtsstreit mit ungünstigem Ausgang gegen die Firma anhing, oder weil die zu bezahlenden Löhne und Gehälter unverhältnismässig hoch waren. In der Regel verlieren dann auch die Banken ihre an das Unternehmen gewährte Darlehn.

– Siehe Finanzonkologe, Krida, Pleitegeier.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Insolvenzantrag (petition for insolvency proceedings):

Gesuch auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens (insolvency proceedings). Für überschuldete Finanzdienstleister kann ein solcher Antrag auch von der Aufsichtsbehörde gestellt werden.

– Siehe Insolvenz.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 143 (die BaFin stellt Insolvenzantrag bei fehlbarem Institut).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Insolvenzfälle (insolvency number):

Steigende Insolvenzzahlen sind nachweislich "Nachläufer" (following events) eines starken wirtschaftlichen Abschwungs. Die abnehmende Bonität vieler Kreditnehmer drückt aber gleichzeitig auch die Eigenkapital-Unterlegung der Banken in die Höhe. Etwas verniedlichend wird in diesem Zusammenhang dann oft von Kreditmigration (credit migration) in die schlechteren Ratingklassen gesprochen.

– Siehe Kreditkanal, Liquiditätskrisenplan, Rating-Migration.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Insolvenzgeld (insolvency payments):

In Deutschland Zahlung an Mitarbeiter eines in Insolvenz geratenen Unternehmens, falls diese noch für die vorausgehenden drei Monate des Beschäftigungsverhältnisses Ansprüche auf Arbeitsentgelt haben. Das Insolvenzgeld (Bezeichnung bis Jahresende 1998: Konkursausfallgeld; substitute insolvency pay) wird gemäss § 183 SGB von der zuständigen Agentur für Arbeit ausbezahlt. Das Recht auf Insolvenzgeld überträgt sich nach § 183, Abs. 3 SGB auch auf einen allfälligen Erben des Anspruchsberechtigten.

– Siehe Gehalts-Stop.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Insolvenzkosten (insolvency costs):

Zahlungen, die anfallen, wenn eine Bank - allgemein: ein Unternehmen - den fälligen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann.

1. Direkte Insolvenzkosten sind Ausgaben für das Insolvenzverfahren selbst, wie vor allem Gerichtsgebühren, Gutachterhonorare und das Entgelt für den Insolvenzverwalter (insolvency practitioner, liquidator, receiver in insolvency, trustee of creditors ). Diese Ausgaben sind grösstenteils durch Gesetz, Verordnung und Gebührenregelung festgelegt; sie lassen sich daher ziemlich genau einschätzen. Man veranschlagt die direkten Insolvenzkosten in Deutschland auf etwa sechs Prozent des Unternehmenswertes (enterprise value, firm value, entity value: das Nettovermögen eines Unternehmens).

2. Indirekte Insolvenzkosten sind Verluste, die ein Unternehmen infolge der Veröffentlichung der Zahlungsschwierigkeiten (financial embarrassment) oder auch bereits im Vorfeld durch Gerüchte über die nahende Insolvenz erleidet. Lieferanten und Kunden schränken angesichts der drohenden Insolvenz ihre Geschäftsbeziehungen ein bzw. brechen diese ganz ab, weil sie an der Lieferfähigkeit (ability to supply) oder am Vermögen des Unternehmens zweifeln, seinen Garantie- und Serviceverpflichtungen (contractual obligations to guarantee and service) nachkommen zu können. Weiterhin werden Banken bei Anzeichen einer Insolvenz zugesagte Darlehn einfrieren (credit freeze) oder gar kündigen; wendige Mitarbeiter (flexible skilled employees) auf allen Ebenen verlassen das Unternehmen und wechseln oft genug zur Konkurrenz.

– Diese und weitere im Einzelnen sehr schwer abschätzbare indirekten Insolvenzkosten erschweren die Übernahme eines in Konkurs gegangenen Unternehmens durch eine andere Firma.

– Siehe Ausschlachten, Finanzonkologe, Fusionen und Übernahmen, Gehalts-Stop, Inrotulationsgeld, Justitiengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Insolvenzordnung, internationale (international insolvency status):

In Bezug auf Institute vom Basler Ausschuss für Bankenaufsicht seit langem angestrebte zwischenstaatliche Vereinbarung, die im Falle der Insolvenz eine geordnete Abwicklung und angemessene Verlustteilung gewährleistet. Bis anhin - und wohl auch in nächster Zukunft - steht eine solche weltweite Übereinkunft noch aus. - Überhaupt ist zu befürchten, dass im Notfall die einzelnen Staaten umgehend eigene Insolvenzmassnahmen ergreifen, um auf dem eigenen Staatsgebiet liegende Vermögenswerte abzuschotten und diese für die heimischen Gläubiger zurückzulegen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Insolvenzverwalter (insolvency administrator [US: trustee], liquidator, receiver in insolvency, trustee of creditors):

Eine für den jeweiligen Einzelfall geeignete, insbesondere geschäftskundige und von den Gläubigern und dem Schuldner unabhängige natürliche Person, welcher die Abwicklung einer bankrotten Firma obliegt. Soweit dies börsennotierte Gesellschaften und Banken betrifft, so stehen den Aufsichtsbehörden gewisse Mitspracherechte zu, besonders was die Stimmrechte betrifft.

– Siehe Insolvenzkosten, Pleitegeier.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 199 f. (Grundsatzurteil zur Offenlegung von Stimmrechtsverhältnissen durch den Insolvenzverwalter).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Insourcing (so auch im Deutschen gesagt, seltener Wiedereingliederung):

1 Die Rückholung zuvor aus dem (Bank)Betrieb ausgelagerter Teilbereiche in das Unternehmen (practice in which operative functions which have been contracted out are performed inhouse again). Zu beobachten ist dies in den letzten Jahren vor allem im Bereich von IT-Dienstleistungen und im Bereich der Kreditfabriken. Auch nach Fusionen und Übernahmen bei Finanzdienstleistern kam es vielfach zum Insourcing. Grund dafür war eine neu vorgenommene Kostenrechnung; auch Belange der Qualitätssicherung sowie die Wahrung der Vertraulichkeit spielten gemäss Umfragen eine Rolle.

2 In Bezug auf Verbriefungen auch gesagt für die Tatsache, dass von Banken an Zweckgesellschaften übertragene Positionen wieder vom Originator in die eigene Bilanz aufgenommen werden. So nahm etwa die französische Société Générale (SocGen: [pronounced "sock jenn"] one of the main European financial services house with widespread activities in others parts of the world as well, founded in 1864) am Jahresende 2007 ihre Zweckgesellschaften und damit milliardenschwere Risiken in ihre Bilanz zurück, um einem sich abzeichnenden Reputationsrisiko im Zuge der Subprime-Krise entgegenzuwirken.

3 In einer anderer Bedeutung spricht man auch von Insourcing, wenn ein Unternehmen eine neu zu besetzende Stelle mit Mitarbeitern aus dem eigenen Haus besetzt (a firm fills a position with someone already employed within the company).

– Siehe Auslagerung, Compliance, Fairness Opinion, Fehlertoleranz, Geschäftskontinuität, IT-Risiken, Konsolidierung, Outsourcing-Risiken, Risiko, banktechnisches, Risiko, operationelles, Risiko, personelles, Rückschlag-Effekt, Zweckgesellschaft-Refinanzierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Insurance-Linked Securities, ILS (so auch im Deutschen gesagt):

Papiere, durch welche Rückversicherer ihre übernommenen Risikopositionen aufspalten und in unterschiedlicher Mischung auf dem Wege der Verbriefung an risikobereite Anleger (Retrozessionäre; retrocessionaires) weitergeben. Die Bedienung der entsprechenden Titel hängt vom Eintreten der aus dem jeweiligen Pool anfallenden Versicherungsereignisse (damage events: Geschehen, die eine Versicherungszahlung auslösen) ab.

– Siehe Credit Linked Securities, Embedded-Value Verbriefung, Katastrophen-Anleihen, Retrozession, Risikoteilung, Single Hedge-Fonds, Wetterderivat, XXX-Insurance-Linked Securities.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Instanz (authority):

In Bezug auf die Wirtschaft eine öffentlich-rechtlich verfasste Stelle mit Ordnungs- und Leitungsaufgaben, wie etwa die Zentralbank oder die Aufsichtsbehörde (a public-sector agency or organisation with administrative and regulatory powers in a specified field).

– Siehe Entität.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Institut ([financial] institute, [financial] institution):

1 In der Umgangssprache jede auf Finanzmärkten handelnde Wirtschaftseinheit, in erster Linie Banken und Versicherungen.

2 In der Sprache des deutschen Aufsichtsrechts der Oberbegriff für Kreditinstitute und Finanzdienstleistungsinstitute; vgl. die Legaldefinition in § 1, Abs. 1b KWG. Hierzu zählen auch Börsenmakler und Stromhändler.

3 In weiterem Sinne nach der Kapitalbedarfs-Verordnung neben Unternehmen, die das Einlagen- und das Kreditgeschäft betreiben, einschliesslich der Wertpapierfirmen.

– Siehe Bankgewerbe, Geldhaus, Geldtempel, Unbarinstitut.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2013, S. 67 (Übersicht Institutsbegriff nach Kreditwesengesetz und nach der Richtlinie über Eigenkapitalanforderungen der EU), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2013, S. 62 ff. (Institutsbegriff nach dem KWG und der CRR im Vergleich).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Institut, kleines (microinstitute):

Nicht genau abgegrenztes Unternehmen auf dem Finanzmarkt; in der Regel geht man von der Beschäftigtenzahl aus und zählt dann Banken von bis zu neun Beschäftigten zu den kleinen Instituten. Sie sind vor allem bei Genossenschaftsbanken vertreten.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 134 f. (Gesprächskreis "Kleine Institute" bei der BaFin).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Institut, problematisches (problematic institute):

Ein Anbieter auf dem Finanzmarkt in Form einer Bank bzw. eines Finanzdienstleisters, dem in der Beurteilung der Aufsichtsbehörde aus berechtigten Gründen ein minderes Vertrauen entgegengebracht wird. Solche Institute sind bevorzugter Gegenstand aufsichtsgetriebener (on the initiative of the supervisory authority) Prüfungen.

– Siehe Antragsgetrieben, Aufsichtshandeln, Bankenaufsicht, europäische, Genossenschaftsbank, Risikotragfähigkeit, Massnahme bei Gefahr, Sonderprüfung.

– Vgl. Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 164 (aufsichtsgetriebene Prüfungen bei problematischen Instituten zwecks vertiefter Aufklärung in die tatsächliche Lage), S. 168 (BaFin legt Probleminstituten zusätzliche Informationspflichten auf; Insolvenzfall noa bank) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute", Rubrik "Aufsichtshandeln".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Institution (institution):

1 Allgemein eine Einrichtung, eine Organisation (diese definiert als ein

1. für bestimmte Zwecke eingerichtetes soziales Gebilde

2. mit einem vorgegebenen Ziel,

3. mit förmlich festgelegter Mitgliedschaft und

4. einer Verfassung (in Gestalt fester Regeln), wie etwa die EZB.

2 Eine staatliche oder (halb)öffentliche Einrichtung, die dem Nutzen oder Wohl der Allgemeinheit dient, wie etwa das Geld, die Börse.

3 Überdauernde Formen und Regeln menschlichen Zusammenlebens, die von der Gesellschaft geschaffen sind und das Denken, Fühlen und Handeln des Einzelnen bestimmen, wie etwa das Privateigentum, die Rechtsordnung und die Wirtschaftsordnung.

– Siehe Entität, Finanzsystem, Geld, sittliches, Geldheimat, Hafen, sicherer, Infrastruktur, Instanz, Kapitalstrom-Paradoxon, Politikverzug.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Institutionen (institutions):

1 Als Mehrzahlbegriff statt Institution gebraucht.

2 In Bezug auf Finanzmärkte meistens bezogen auf die beiden Grundpfeiler Regierung - einschliesslich der Verwaltung - und Zentralbank. Deren Politik muss langfristiges Vertrauen in die Masstabeigenschaft des Geldes schaffen. Negative Erwartungen in die Verlässlichkeit der beiden Institutionen führt - oft ganz plötzlich - zur Kapitalflucht aus dem betreffenden Land.

3 Im Zusammenhang mit dem Washington Consensus festgelegte Rahmenbedingungen vor allem in Bezug auf Schuldnerländer als Voraussetzung für eine wirkungsvolle Entwicklungshilfe und Armutsbekämpfung. Dabei wird die

1. Rechtssicherheit (rule of law) und

2. die leistungsfähige, korruptionsfreie Verwaltung (good governance) durch mehrere Einzelmerkmale bestimmt sowie

3. geprüft, ob und inwieweit Vorkehrungen zur Durchsetzung beider Pfeiler angelegt sind.

– Siehe Dollarisierung, Euroisierung, Finanzsystem, Infrastruktur, Kapitalflucht, Länderrisiko, Low Income Countries, Nebenwährung, Politikverzug.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Instituts-Vergütungsverordung, InstitutsVergV (ordinance on renumeration policies and practices):

Im Oktober 2010 in Kraft getretene bankaufsichtsrechtliche Anforderungen in Anlehnung an § 25a KWG für die Vergütungssysteme von Instituten. Zweck der Verordnung ist es, Anreize zur Eingehung hoher Risiken zu unterbinden und damit gefährliche Einflüsse auf die Finanzstabilität zu verringern. Als Instrument der Unternehmenssteuerung sind Vergütungssysteme demnach einzubetten in die Geschäfts- und Risikopolitik des Instituts und damit auch in das Risikomanagement. In § 2 der Verordnung finden sich wichtige Begriffsabgrenzungen. – Das Bundesfinanzministerium ist befugt, zu Einzelheiten der InstitutsVergV Ausführungsbestimmungen zu erlassen.

– Siehe Anreizsystem, Bezahlung, Bonifikation, Bonussystem, Citigroup-Bonussystem, Fixum, Garantieprovision, Gratifikation, High Potential, High-Speed Money, Honorar, Hot Spot, Jagdgeld, Low Performer, Millionengrab, Mitarbeiter-Verantwortlichkeit, Moral Hazard, Prämie, Restrukturierungsgesetz, Rückvergütung, Schlafgeld, Tantieme, Too big to save-Grundsatz, Vergütung, Vergütungssystem, Versicherungs-Vergütungsordnung, Vorstandsbezüge, Verlustübernahme, persönliche.

– Vgl. Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 85 (Vorstellung der InstitutsVergV), S. 132 ff. (Grundsätzliches und Besonderes zur Vergütung bei Instituten), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 147 f. (BaFin widmet sich der Prüfung von Vergütungssystemen), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 72 f. (neue gesetzliche Vorgaben an Vergütungssysteme seit Jahresbeginn 2014) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapital "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Instrumentengeld (musical instrument expenses, instrument salary; music school fee):

1 Ausgaben eines Klangkörpers (ensemble) für die Beschaffung und Pflege der Musikinstrumente.

2 Kosten für den Transport und das Versichern (insurance) der Musikinstrumente, wenn ein Orchester (orchestra) ausserhalb des Hauses gastiert und auf Tournee (on tour) geht.

3 Tarifvertraglich [CH: gesamtarbeitsvertraglich; collectively agreed] geregelte Zahlung an solche Mitglieder eines Klangkörpers, die ihre eigenen Instrumente benutzen, wie Saitengeld und Rohrgeld. Instrumentengeld in diesem Sinne zählt in Deutschland nach höchstrichterlicher Rechtsprechung (case law of the highest courts) zum beitragspflichtigen (social security contribution) Arbeitsentgelt.

4 Von einer Musikschule (music school) bei den Kursteilnehmern (course participants) eingezogener Betrag

1. für die Nutzung der von der Schule zur Verfügung gestellten Instrumente,

2. manchmal auch in weiterem Sinne bezogen auf die zweckgebundenen Auslagen (appropiated disbursements) der Schule für den Musikunterricht (musical lessons), wie etwa Notenblätter und Kopien; das Instrumentengeld ist in der Regel nicht im Schulgeld eingeschlossen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Intabulation (intabulation):

In älteren Dokumenten die Eintragung einer Schuld in das Grundbuch (Kataster; property register, cadastre, registry of deeds).

– Siehe Anleihe, forderungsbesicherte, Buchschuld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Intangibels (intangibles, intangible assets):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter alle Vermögenswerte, die eine bestimmende Grösse in Hinblick auf das Ergebnis des Unternehmens darstellen und für seine dauerhaften Marktchancen wesentlich sind, gleichwohl jedoch keine materiellen Güter (working capital; Betriebsmittel, Sachkapital) oder Finanzanlagen sind. Manchmal spricht man auch von intellektuellem Kapital (intellectual capital) und teilt dieses ein in

1. Humankapital,

2. Kundenkapital,

3. Partner- bzw. Allianzkapital und

4. Strukturkapital.

– Das Humankapital (human capital) bezeichnet Dinge wie das Wissen, Können, die Leistungswilligkeit, die Einordnungsbereitschaft (collegiality; Kollegialität) sowie das Pflichtbewusstsein der Mitarbeiter. - Das Kundenkapital (client capital) besteht aus Kundenstamm und Kundenbeziehungen. - Das Partner- bzw. Allianzkapital (partnership relations) umfasst die Anzahl und die Leistungsfähigkeit von Partnerschaften innert der Wertschöpfungskette (value [added] chain). - Das Strukturkapital (intra-organisatorial capital) bezieht sich auf das einwandfreie Zusammenspiel (efficiency) des internen Gefüges sowie auf das Image des Unternehmens. Dazu zählen manche auch eine Webseite (web-page; Domain), deren Zweck es ja ist, das Unternehmen und sein Angebot einem grösseren Publikum darzubieten. - Die Stellung eines Unternehmens besonders auf dem Finanzmarkt hängt ganz entscheidend von diesen, in der neueren Fachliteratur eingehend untersuchten Intangibels ab.

– Siehe Cornerstone Investor, Erlöse, immaterielle, Eventmarketing, Ertragskraft, Goodwill, Kapital, intellektuelles, Phantomrisiken, Risiko, personelles, Vermögen, immaterielles.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Integralen und Integrierte (Holland bonds):

Auf alten Kurszetteln und Dokumenten eine bestimmte Art holländischer Staatsanleihen, nach 1814 begeben und mit 2,5 Prozent verzinslich.

– Siehe Inskriptionen, Lombarden, Metalliques.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Integrated Financial Supervisors Conference, IFSC (manchmal auch mit Konferenz der Allfinanzaufsichtsbehörden übersetzt):

Jährliche Zusammenkunft der Aufsichtsbehörden im internationalen Rahmen.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 10.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Intelligent Miner, IM (so auch im Deutschen):

Besonderes Analyseverfahren der Marktüberwachung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Dabei werden Datensätze, die sich im Handelsverhalten ähnlich sind, zu sogenannten Klumpen (clusters) zusammengefasst. Auf diesem Weg lassen sich Auffälligkeiten leichter erkennen.

– Siehe Insider-Überwachung.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 186 sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Rubrik "Kontrolle der Markttransparenz- und Integrität". Zur Cluster-Analyse vgl. auch Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2005, S. 22.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Incentive Reisen und Incentiv-Reisen (intencive travels):

Ein Unternehmen lädt Mitarbeiter als Belohnung für erbrachte Sonderleistungen bzw. Geschäftsfreude zum Anreiz auf weitere Zusammenarbeit zu einer Urlaubsreise ein. Besonders in der Versicherungswirtschaft bürgerte sich das in Bezug auf sog. "leistungsstarke Mitarbeiter" (high performing employees, "high performers") ein. Offenbar mit Gutheissung der Geschäftsleitung wurden Aussendienstmitarbeiter (field sales representatives) der Ergo-Versicherung 2007 zu Bordellen in Budapest und 2012 zu Sex-Reisen nach Mallorca sowie ins ferne Jamaika entsendet. Das brachte der Ergo-Versicherung den volkstümlichen Namen "Puff-Versicherung" ein.

– Siehe Badwill, Reputationsrisiko, Risiko, personelles, Risiko, strategisches, Rückschlag-Effekt.

– Vgl. Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 157 (Imageschaden für die Branche gesamthaft; BaFin gibt Empfehlungen in dieser Sache).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Intensivstation (intensive care unit):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter die - organisatorisch zumeist unmittelbar dem Vorstand beigeordnete - Arbeitsgruppe in einem Institut, die sehr verärgerte Kunden (dead angry customers) betreut. Besonders dafür geschulte Mitarbeiter bemühen sich dabei,

1. den Absprung des Kunden zu verhindern, damit

2. imageschädigende (image-ruining, compromising) Folgen für das Institut abzuwenden aber auch

3. Schwachstellen im eigenen Haus aufzudecken, die eine Verärgerung des Kunden ausgelöst haben.

– Müssen aufgrund organisatorischer Vorschriften (intra-organisational guidelines) durchweg alle Konten-Kündigungen der Intensivstation gemeldet werden, so erhalten die vom Tagesgeschäft (operating day-to-day business) weit entfernten Vorstandsmitglieder auf diese Weise einen raschen Überblick über Mängel im eigenen Bereich und auch - soweit die abständigen Kunden gesprächsweise Gründe offenlegen - über die Stärken der Konkurrenz.

– Siehe Abwanderungsquote, Call-Centre, Downsizing, Kundenbindung, Kundenpfleger, Nachgeschäft, Outsourcing-Risiken, Scoring, Service Line, Vertrauen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Interbanken-Geldmarkt auch nur Interbankenmarkt und Wholesalemarkt (interbank money market):

Der Handel mit Zentralbankgeld innert der Banken. Dieser dient

1. dem Ausgleich unvorhergesehener täglicher Schwankungen (Oszillationen; oscillations: fluctuations above and below a mean value) im Bargeldbedarf einzelner Institute,

2. der Überbrückung von absehbaren Liquiditäts-Engpässen bzw. Zentralbankgeld-Überschüssen in der Zukunft sowie auch

3. dem Ziel, längerfristige Positionen durch kürzerfristige Kontrakte zu finanzieren. Rund ein Drittel der Kredite deutscher Banken sind Darlehn am Interbankenmarkt.

– Zeigt dieser Markt schwere Störungen an - wie im Zuge der sich zu einer internationalen Finanzkrise ausgeweiteten Subprime-Krise -, so deutet dies auf eine systemische Krise hin. Banken misstrauen diesfalls der Zahlungsfähigkeit ihrer Geschäftspartner, letztlich der Werthaltigkeit der in der Bilanz ausgewiesenen Aktiva, deren genaue Einschätzung hinsichtlich des Risikos infolge der seit etwa 2000 kräftig gewachsenen Möglichkeit des Kreditrisikotransfers immer schwieriger geworden ist.

– Siehe Bankengeldmarkt, EURIBOR, Garantiefonds, Geldmarkt-Segmente, Handelssystem, alternatives, Krise der Sicherheiten, Kontrahentenrisiko, Kreditrisiko, Liquiditätsrisiko, Rollenmischung, bankliche, Subprime-Krise, Tagesgeld, Vertrauen, Vollzuteilung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2000, S. 49 ff. (Tendenzen der Interbankbeziehungen deutscher Institute), Monatsbericht der EZB vom August 2003, S. 48 ff. (dort auch Analyse der Entwicklung im Eurogebiet und Formeln zur Berechnung des Preises), Monatsbericht der EZB vom Februar 2008, S. 74 (Abbildung der Geschäfte 2000 bis 2007), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 27 (Interbankenmarkt in der Finanzkrise; Übersichten) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Wirtschaftliches Umfeld", Monatsbericht der EZB vom September 2010, S. 22 ff. (Aufschlüsselung der Geschäfte auf dem Interbankenmarkt seit 2004; Übersichten), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 30 (aktuelle Merkmale des Interbankenmarktes), Finanzstabilitätsbericht 2010, S. 54 ff. (Risiken auf dem Interbankenmarkt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Interbankkredit (interbank credit):

Wenn nicht anders definiert, die gruppeninternen Kredite innert von Bankkonzernen. Nach Basel-II sollen diese von einer Kapitalunterlegung ausgenommen werden. Weil die Sparkassen und Volksbanken - wiewohl von den Rating-Agenturen in ihrer Verbundstruktur mit einer Gruppenbonität bescheinigt - rechtlich nicht als Konzern organisiert sind, so ist für diese eine entsprechende Unterlegung bei Interbankrediten vorgeschrieben.

– Siehe Europa-AG, Kredit, gruppeninterner.

– Vgl. Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 123 f. (bisherige Anrechnungsvorteile für Grosskredite im Interinstitutsbereich fallen im Zuge der Kapitaladäquanz-Richtlinie weg).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Interbank-Überweisungssystem (interbank funds transfer system):

Der Zahlungsverkehr zwischen den Banken sowie auch zwischen Banken und Zahlungs-Dienstleistern (institutions offering payment services) in den verschiedenen Zahlungsverkehrssystemen. Die entsprechenden Bewegungen werden von der EZB erfasst und veröffentlicht.

– Siehe Akzessibilität, Fernzugang, Zahlungsverkehrsstatistik.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2008, S. 28 f. (hier auch Erläuterungen zur Richtlinie 2007/64/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. November 2007 über Zahlungsdienste im Binnenmarkt [Payment Services Directive, PSD] und Übersicht des Überweisungsverkehrs 2000 bis 2007).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Interchange Fee (so auch im Deutschen gesagt; seltener mit multilaterale Austauschgebühr übersetzt):

Verrechnungszahlungen zwischen Dienstleistern auf dem Markt für Kreditkarten. Die Gebühr wird an Kreditkartenunternehmen, welche Händler für die Akzeptanz von Kreditkarten anwerben (Acquirer), von den Herausgebern von Kreditkarten (Issuer) bezahlt. Die Gutschrift der Interchange Fee errechnet sich dann in der Regel als prozentualer Anteil der bei den Händlern mit den Karten getätigten Umsätze. - Ende 2007 schritt die Europäische Kommission gegen einige Praktiken bei der Festsetzung dieser Gebühren ein.

– Siehe Chipkarte, Community Card, Geld, elektronisches, Geldkarte, Karten-Allianz, Kreditkarte, Kundenkarte, Netzgeldgeschäft, Plastikgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Intercreditor Agreement (so auch im Deutschen gesagt, manchmal auch Gläubigervereinbarung):

Eine vertragliche Regelung zwischen den verschiedenen Gläubiger eines Unternehmens, worin diese in erster Linie neben einem Informationsaustausch auch ihre jeweilige Stellung im Falle eines Kreditereignisses regeln.

– Siehe Ausfallrisiko, Drittfälligkeits-Klausel, Drittverzugs-Klausel, Downgrade-Trigger-Klausel, Einlagensicherung, Event of Default, Insolvenz, Kreditereignis, Kredit, notleidender, Londoner Verfahren, Pleitegeier, Solvenzrisiko, Überlauf-System, Value-at-Risk, Verlustteilungsregelung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Interesse[n] (interest):

In der älteren Finanzsprache häufig gesagt für Zins.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Interessenkonflikt (conflict of interest):

Wenn nicht anders definiert bei einem Institut die bestmögliche Bedienung eines Kunden einerseits (benefit for the customer; Vorteil des Kunden) und die Gewinnmöglichkeiten aus der Verbindung mit dem Kunden andererseits (benefit for the institute; Vorteil der Bank). - Nach der Wertpapierdienstleistungs-Verhaltens- und Organisationsverordnung ist ein Institut verpflichtet, allfällige Interessenkonflikte umfassend darzulegen.

– Siehe Best Execution.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 139 (Verwarnung der BaFin), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 62 (Vermeidung von Interessenskonflikten bei Privatkunden), S. 66 (Interessenskonflikt-Management bei Investmentfonds).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Interim Working Committee on Financial Conglomerates, IWCFC:

Im Jahr 2006 ins Leben gerufener Ausschuss europäischer Banken- und Versicherungsaufseher mit dem Ziel, Richtlinien für die Überwachung von Finanzkonglomeraten zu erarbeiten. Das Gremium ging im Jänner 2009 auf in das Joint Committee on Financial Conglomerates.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 41 (Zuordnung), S. 44 f. (Arbeiten des IWCFC), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 44 (Übergangsbeschluss durch die EU-Kommission), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 43 (vollzogener Übergang).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Interinstitutionelle Überwachungsgruppe (Inter-Institutional Monitoring Group, IIMG):

Vom Europäischen Parlament, dem Ministerrat der EU und der EU-Kommission im Jahr 2005 gemeinsam eingesetztes Gremium von sechs unabhängigen Sachverständigen mit der Aufgabe,

1. das Lamfalussy-Verfahren zur Rechtsangleichung auf den Finanzmärkten der EU kritisch zu begleiten,

2. den EU-Organen laufend darüber zu berichten sowie auch

3. die Öffentlichkeit zu informieren. Die Berichte sind über das Internet einsehbar. Der Abschlussbericht vom Oktober 2007 enthält eine allgemeine Bewertung des Lamfalussy-Verfahrens und seiner Leistungsfähigkeit sowie eine Reihe von zusätzlichen Empfehlungen.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 43 f. (Bericht der IIMG über den Stand des Lamfalussy-Verfahrens).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Intermarkt-Spread (inter-market spread):

Der Termin-Kauf und gleichzeitige Termin-Verkauf einer Ware, jedoch an verschiedenen Märkten (commodity-exchanges; Warenbörsen).

– Siehe Arbitrage, Carry Trades, Finanzialisierung, Futures-Märkte, Rohstoff-Terminvertrag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Intermediärbank (intermediary bank):

Wenn nicht anders definiert ein Finanzinstitut, das

1. ausschliesslich oder vorwiegend mit Kreditderivaten handelt und

2. Verbriefungen besorgt,

3. um daraus einen Handels- oder Provisionsgewinn zu erzielen. Dabei werden

4. Kreditderivate auch gezielt eingesetzt, um Arbitrage-Chancen am Markt zu nutzen.

– Der Ausdruck "Intermediär" darf in diesem Zusammenhang nicht allein auf das Durchleiten von Kreditrisiken bezogen werden. Im Zuge der geleisteten Verbriefung entstehen bei den entsprechenden Banken offene Positionen in teilweise sehr hohem Ausmass und nicht unerheblichen Transferrisiken.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Intermediation (intermediation):

In Bezug auf ein Finanzsystem in der Regel Bezeichnung für die Tatsache, dass Institute die Vermittlerrolle (mediation function) zwischen Angebot und Nachfrage nach Krediten übernehmen, also zuverlässig zwischen Sparern und Investoren vermitteln (intermediation supposes the existence of financial institutions like banks, mutual funds, insurance companies, etc., that collect excess financial resources from various economic agents to invest them in the securities issued by the economic agents with the financing needs). Ob und inwieweit (which?; welche?) Banken diese Rolle heute noch tatsächlich spielen, ist Gegenstand vieler Abhandlungen und Untersuchungen.

– Siehe Disintermediation, Finanzsystem, bankorientiertes, Finanzsystem, kapitalmarktorientierte, Fristentransformation, Kernaufgabe, bankliche.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Intermittenz (intermittence):

In der älteren Literatur der Unterbruch (D: die Unterbrechung) des Handels an der Börse aus unterschiedlichen Gründen vor Ort bzw. im Börsenbetrieb selbst.

– Siehe Flash Crash, Stromrisiko.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Internal Capital Adequacy Assessment Process, ICAAP (so auch im Deutschen gesagt):

Verfahren, mit denen Institute bankintern sicherzustellen haben, dass stets genügend Eigenkapital zur Abdeckung aller wesentlichen Risiken vorhanden ist. Die konkreten aufsichtsrechtlichen Vorgaben (performance targets) hierzu werden in den Mindestanforderungen an das Risikomanagement zusammengefasst.

– Siehe Basel-II; Kapitalbedarf, ökonomischer, Vor-Ort-Prüfung.

– Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 103 f. sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2007, S. 57 ff. (ausführliche Darstellung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Internalisierer, systematischer (systematic internaliser):

In der Sprache der Aufsichtsbehörden ein Finanzdienstleister, der

1. gewerbsmässig, in planmässiger Weise

2. regelmässig

3. Handel auf eigene Rechnung

4. durch Ausführung von Kundenaufträgen

5. ausserhalb eines regulierten Marktes oder eines Multilateralen Handelssystems betreibt. Systematische Internalisierer können entscheiden, ob sie nur Kleinanlegern, nur professionellen Kunden oder beiden Zugang zu ihren Kursangeboten geben.

– Durch die Richtlinie über die Märkte für Finanzdienstleistungen bestehen auch für solche Dienstleister (service provider) weitgehende Offenlegungspflichten.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 143 (besondere Regeln nach dem Finanzmarktrichtline-Umsetzungsgesetz), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 153 (Veröffentlichungspflichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Internalisierung (internalisation):

Auf Finanzmärkten versteht man darunter die instituts-interne Ausführung von Kundenaufträgen (institute-internal execution of client orders). Dies geschieht entweder über bestimmte Handelssysteme, an denen die betreffende Bank beteiligt ist, wie vor allem die Xetra Best Execution an der Frankfurter Wertpapierbörse, oder aber auf eigenen, von den Banken hausintern aufgebauten Wegen.

– Siehe Börsenpflicht, Inhouse-System, Interessenskonflikt.

– Vgl. Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 77 f., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2004, S. 39.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

International Accounting Standards, IAS:

Rechnungslegungsvorschriften, denen so bzw. in Fortschreibung (International Financial Reporting Standards) ab dem Jahr 2005 sämtliche kapitalmarktorientierte Unternehmen in der EU verbindlich unterworfen sind. In den USA seit 2001 im Gefolge des Konkurses des texanischen Energiekonzerns Enron gleichfalls im Aufwind.

– Siehe Audit, IFRS, IFRS-Dialekte, International Accounting Standards Board, GAAP, International Financial Reporting Standards, Statement of Financial Accounting Standards.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2002, S. 41 ff., Monatsbericht der EZB vom Februar 2004, S. 77 ff., Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 27 ff. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

International Accounting Standards Board (IASB):

Privatrechtlich organisierte Rechnungslegungs-Institution mit der Aufgabe, weltweit akzeptierte, internationale Rechnungslegungsstandards (IAS/IFRS) zu schaffen. Durch die IAS-Verordnung der Europäischen Kommission - EG-Verordnung Nr. 1606/2002 - heute für alle Fragen der bilanziellen Abbildung der Geschäftstätigkeit in allen Branchen der EU die zuständige Stelle. In die Überwachung der Arbeit des IASB sind seit 2010 auch die Aufsichtsbehörden mit eingezogen. - Strenggenommen sind die IAS die vom International Standards Committee - einer Vorläuferorganisation des IASB - verabschiedeten und weiterhin gültigen Grundsätze. Die IFRS bezeichnen demgegenüber die neuen vom IASB erarbeiteten verbesserten Richtlinien. - Der Board verwendet die neue Bezeichnung IFRS aber auch als Oberbegriff. Die Praxis verfährt bislang häufig eher umgekehrt, indem sie mit "IAS-Bilanz" die nach IAS- und IFRS-Standards erstellte Bilanz bezeichnet.

– Siehe IAS, IAS 39, IFRS-Dialekte, International Accounting Standards, International Financial Reporting Standards.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 62 ff. (Gleichwertigkeit wird anerkannt; Bewertung von Finanzinstrumenten; Ermittlung des Fair Value), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 63 f. (Entwurf zur Bilanzierung von Versicherungsverträgen) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Internationales".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

International Bank Account Number, IBAN:

Weltweit standardisiertes Kontonummer-Format mit maximal 34 Stellen.

1. Die ersten vier Stellen enthalten den Ländercode (country code, etwa: CH für die Schweiz) und

2. die Prüfziffer (check digit; 39), es folgt

3. vierstellig das Institut (bank identifier; etwa: 0070 für die Zürcher Kantonalbank) und dann

4. die Kontonummer des Kunden (the corresponding account number of the bank client; such the IBAN distinctively identifies an individual account at a particular financial institution in any country worldwide). Die IBAN dient auf diese Weise der vereinfachten Abwicklung des Zahlungsverkehrs, vor allem im grenzüberschreitenden Bereich. Nach den Beschlüssen auf europäischer Ebene wird ab Sommer 2014 im Überweisungsverkehr innert Europas die IBAN zur Pflicht.

– Seit November 2009 müssen Banken in Deutschland bei Überweisungen nicht mehr prüfen, ob die Kontonummer zum Empfängername passt. Dies geschah in Anpassung der Zahlungsdienstrichtlinie der EU (Payment Services Directive, PSD), die durch ein Umsetzungsgesetz vom 9. Juli 2009 in deutsches Recht eingebettet wurde. Wohin eine Überweisung geht, richtet sich allein nach der Kontonummer. - In Deutschland wurden im Jahr 2010 weniger als ein Prozent der Überweisungen nach dem neuen System getätigt; in Belgien waren es demgegenüber über dreissig Prozent; in Italien und Luxemburg wurde ausschliesslich die IBAN verwendet. Ein verstandesmässig kaum erklärbarer, oft leidenschaftlicher und von Gruppen wie Euro-Gegnern, Globalisierungskritikern, Umweltschützern und anderen Wutbürgern (enraged citizens) aufgegriffener und verstärkter Widerstand gegen die IBAN ("IBAN die Schreckliche") machte sich in Deutschland lange Zeit breit. Ab Sommer 2014 ist die IBAN vorgeschrieben; bis 2016 dürfen Institute in Deutschland noch die alten Kontokennungen annehmen. Diese werden dann kostenlos in die IBAN und gegebenenfalls in den BIC übertragen.

– Siehe Bank Identifier Code, Finanzpsychologie, SEPA-Rat, Single European Payment Area.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 66 (kaum systemisches Risiko infolge der Umstellung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

International Bank for Reconstruction and Development, IBRD:

Siehe Weltbank.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

International Business Company, IBC (so auch im Deutschen):

Eine vor allem in Offshore Finanzplätzen eigens gegründete Firma mit dem Zweck, bestimmte Geschäfte ausserhalb des heimischen Unternehmens abzuwickeln. Gemeinsam ist diesen Gründungen vor allem die

1. mühelose Errichtung,

2. eine gute Möglichkeit zur Tarnung,

3. niedrige Kosten,

4. eine geringe Besteuerung und

5. nur wenige Anforderungen an Dokumentenablage und Meldepflichten (common to all IBC's are the dedication to business use outside the incorporating jurisdiction, rapid formation, secrecy, broad powers, low cost, low to zero taxation and minimal archiving and reporting requirements. An increasing number of offshore jurisdictions are permitting the use of nominee shareholders, directors and officers). Trotz vieler internationaler Anstrengungen wird es sich auch in Zukunft nicht vermeiden lassen, dass sich solche Gründungen vollziehen.

– Siehe Beaufsichtigung, indirekte, Cold Calling, Dingo-Werte, Domizil-Verschleierung, Financial Action Task Force on Money Laundering, Forum für Finanzmarktstabilität, Frontrunning, Geheimtip, Geldwäsche, Internationalisierung, Nominee, Underground Banking, Zweckgesellschaft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

International Capital Market Association (ICMA):

Eigenständige, im Jahr 2005 gegründete Organisation der weltweit am Handel mit Wertpapieren Beteiligten mit Sitz in Zürich. Hauptziel ist es, global gültige Usancen auf dem Finanzmarkt zu bestimmen und Behörden bei der Aufsicht über den Markt sowie bei neuen bezüglichen Gesetzesvorhaben zu beraten. Auch wurde von der ICMA eine eigene Methode zur Zinsberechnung erarbeitet, die heute international in vielen Rechenansätzen der Finanzmathematik zur Anwendung kommt.

– Siehe International Securities Market Association.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

International Financial Reporting Standards, IFRS (so auch in der Regel im Deutschen; seltener: Standards auf den Gebieten der Rechnungslegung):

Für kapitalmarktorientierte Unternehmen auch in Deutschland - wie in der EU gesamthaft - seit Jahresbeginn 2005 vorgeschriebenes Regelwerk zur Bilanzierung in Fortschreibung der IAS. Hauptziel dabei ist die Vergleichbarkeit (comparability) der Abschlüsse innert der EU. Gegenüber dem HGB, das den Gläubigerschutz und die Kapitalerhaltung in den Vordergrund stellt, sind die IFRS am Informationsinteresse der Anleger ausgerichtet. Wichtige Merkmale:

1. es sind bei vielen Posten Tageswerte (current market prices) anzusetzen (fair value account), was zu verstärkter Volatilität bei Gewinnausweis und Bilanzkennziffern führt; stille Reserven zur Glättung dieser Schwankungen sind grundsätzlich nicht mehr gestattet;

2. die nach HGB erlaubten Bewertungs- und Bilanzierungswahlrechte verschwinden; dennoch werden aber die Bewertungsspielräume gesamthaft grösser, u. a. durch Bestimmungen wie die Abrechnung von Aufträgen nach der Percentage-of-Completion-Methode oder die Werthaltigkeitstests (Impairment-Tests) beim Firmenwert;

3. leider noch keine Übereinstimmung mit US-GAAP; die IFRS sollen nach und nach bis spätestens 2020 angeglichen werden und bleiben bis dahin wohl noch eine "Baustelle".

– Ob die IFRS die an sie gesetzten Erwartungen hinsichtlich Zuverlässigkeit und Durchsichtigkeit der Informationen zur Rechnungslegung (true and fair view) tatsächlich erfüllen und somit einen wichtigen Beitrag zur Stabilität der Finanzmärkte beitragen, ist bestritten. Kritiker sehen das IFRS-Regelwerk immer weiter von dem ursprünglich gesetzten Ziele einer grundsatzbasierten Rechnungslegung (rule-based accounting) abdriften: hin zu unnötigen und das Wesentliche verdeckende Spitzfindigkeiten.

– Siehe Angaben, verschleierte, Europäisches System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen, General Accepted Accounting Principles, IAS 39, IFRS-Dialekte, Informations-Überladung, International Accounting Standards, International Accounting Standards Board, Klartext, Kombinationseffekt, Kürteil, Regelgebunden, Vermögenswert, eingebundener, Verständlichkeit, Vorhersagen, Wesentlichkeit, Zweckdienlichkeit.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2004, S. 77 ff., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 66 f. sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

International Financial Reporting Interpretations Committee, IRRIC:

Seit 2002 bestehendes Gremium mit der Aufgabe, Erläuterungen zu den IAS zu erarbeiten. Die einzelnen Auslegungen werden mit einer Nummer bezeichnet (etwa: IAS 39) und veröffentlicht.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

International Payment Instruction, IPI (so auch im Deutschen):

Der IPI ist ein 2002 eingeführter Standardbeleg für den automatisierten Zahlungsverkehr über mehrere Zahlungsverkehrssysteme im In- und Ausland für alle Währungen. Der Rechnungsteller versendet den IPI-Beleg zusammen mit der Rechnung an den Zahlungspflichtigen.

– Siehe Single European Payment Area.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2008, S. 27 ff. (zur statistischen Erfassung sowie Veröffentlichung durch die EZB), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2012, S. 48 ff. (nationale Zahlungsverkehrs-Systeme und SEPA; zahlreiche Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

International Securities Exchange Holdings (ISE):

Weltgrösste Börse für den Handel mit Aktienoptionen mit Sitz in Neuyork. Für 2,8 Mia USD wurde die ISE im April 2007 von der Deutschen Börse AG (85 Prozent) und der Schweizer Börse (15 Prozent) übernommen; sie wird jedoch als eigenständige Entität weitergeführt.

– Siehe Eurex Credit Clear.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

International Securities Market Association, ISMA:

Seit 1969 Dachverband der am Euromarkt tätigen Institutionen und Händler mit der vornehmlichen Aufgabe, die Usancen am Markt festzulegen (ISMA standards; ISMA-Regeln). Im Juli 2005 schlossen sich die ISMA und die International Primary Market Association (IPMA) zur International Capital Market Association (ICMA) zusammen. Sitz der Organisation ist Zürich.

– Siehe International Capital Market Association.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

International Standards on Auditing, ISA:

Weltweit einheitliche Regeln für das Prüfungswesen (auditing; Revision). Diese werden erarbeitet von der International Federation of Accountants (IFAC), einer globalen Vereinigung der Wirtschaftsprüfer mit Verwaltungssitz in Neuyork. Gegründet wurde die IFAC 1977 in München, und ihr satzungsmässiger Sitz (statutory seat) ist Genf.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 65 (Vorarbeiten; Mitwirkung der IOSCO).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

International Swaps and Derivatives Association, ISDA:

Eine 1985 gegründete Vereinigung mit weltweit über 600 Mitgliedern mit dem Ziel, verbindliche Vorschriften für den Handel mit Derivaten aufzustellen und weiter zu entwickeln. Das umfangreiche, bis ins Einzelne gehende und ständig aktualisierte Regelwerk bildet heute die Grundlage des internationalen Derivategeschäftes. Hauptsitz ist Neuyork.

– Siehe Credit Default Swap-Markttransparenz, Kreditereignis, Verbriefung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Internationale Organisation der Aufseher über Altersvorsorge-Einrichtungen (International Organisation of Pension Supervisors, IOPS):

Ein im Sommer 2004 gegründete Institution mit dem Ziel, auf dem Gebiet der Aufsicht über Einrichtungen der betrieblichen Altersvorsorge einheitliche Masstäbe auf internationaler Ebene zu setzen. Sitz der IOPS - so auch im Deutschen in der Regel abgekürzt - ist Paris.

– Siehe Bilanz, ganzheitliche, Pensionsfonds.

– Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 35 (Zuordnung der IOPS), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. (laufende Arbeiten der IOPS), Jahresbericht 2011 der BaFin, S, 93 ff. (grundsätzliche und aktuelle aufsichtsrechtliche Fragen; IOPS-Standards) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Internationale Organisation der Wertpapier-Aufsichtsbehörden (International Organisation of Securities Commissions, IOSCO):

1983 gegründetes, in Madrid ansässiges Gremium des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht mit der besonderen Aufgabe,

1. die Marktdisziplin auf den Finanzmärkten zu verbessern,

2. stabile Märkte zu fördern sowie

3. die Aufsicht über die Wertpapier- und Derivate-Märkte den sich verändernden Gegebenheiten laufend anzupassen.

– Seit 1995 veröffentlicht das Gremium jährlich eine Übersicht des Handels- und Derivatgeschäftes von grossen, international tätigen Banken und Wertpapierhäusern.

– Vgl. Jahresbericht 2001 des Bundesaufsichtsamts für den Wertpapierhandel, S. 48 f., Monatsbericht der EZB vom Mai 2002, S. 70, Jahresbericht 2003 der BaFin S. 34 (neu verabschiedete Grundsätze über die Aufsicht), Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 34 ff., Monatsbericht der EZB vom Mai 2005, S. 104 (Initiative gegen Bilanzbetrug), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 65 (Arbeit der IOSCO an Debt Principles), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 39 f. (Subprime-Bericht: Einrichtung dreier Taskforces), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 42 f. (IOSCO-Bericht zu unregulierten Märkten; Vorschläge hinsichtlich der Verbriefungen; Beaufsichtigung der Hedge-Fonds), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 47 f. (Schwerpunkt auf systemischen Risiken und Rohstoffderivaten) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Internationales".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Internationale Vereinigung der Einlagensicherungen (International Association of Deposit Insurers, IADI):

Bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel angesiedelte Entität mit dem Ziel, länderübergreifende Regeln für die Einlagesicherung auf den Weg zu bringen.

– Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 35 (Zuordnung der IADI).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Internationale Vereinigung von Versicherungsaufsehern (International Association of Insurance Supervisors, IAIS):

Im Jahr 1994 gegründetes Gremium, das inzwischen 160 Versicherungsaufsichtsbehörden aus aller Welt sowie an die 70 Organisationen mit Beobachter-Status umfasst. Ziel ist in erster Linie der globale Austausch von Informationen und Erfahrungen sowie die Entwicklung von Grundsätzen und Regeln für eine wirksame Versicherungsaufsicht.

– Siehe Versicherungsunternehmen, systemrelevante.

– Vgl. Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 37 f., Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 43 f. (verschiedene neue Richtlinien), Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 34 (neue Richtlinie über das Risiko-Management), Jahresbericht der BaFin 2006, S. 32 f. (Betrugs-Ausschuss der IAIS mit neuem Leitfaden), S. 63 (multilaterales MoU), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 42 f. (Lehren aus der Finanzkrise; neue Regelungen für Monoliner; Rahmenwerk zur Corporate Governance in der Versicherungswirtschaft), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 39 f. (Common Framework wird auf den Weg gebracht), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 42 f. (IAIS erstellt Liste systemischer Versicherer) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Internationales".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Internationale Wertpapier-Identifikationsnummer (ISIN) (International Securities Identification Number):

Eine zwölfstellige internationale Kennummer, mit der an den Finanzmärkten begebene Wertpapiere gekennzeichnet werden. Sie löste ab April 2003 die 1955 für Deutschland eingeführte Wertpapier-Kennummer (WKN) ab.

– Siehe Valoren-Nummer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Internationaler Währungsfonds, IWF (International Monetary Fund, IMF):

Im Jahr 1945 gegründete Institution mit Sitz in Washington (DC., USA). - Satzungsgemässe (Haupt)Aufgaben sind

1. Förderung der Zusammenarbeit der Staaten auf dem Gebiet der Währung und der Stabilität der Wechselkurse,

2. die Lockerung und Aufhebung der Devisenzwangswirtschaft ,

3. Intensivierung des weltweiten Güteraustauschs um

4. dadurch Wirtschaftswachstum und Minderung der Armut zu erreichen (main purpose is working to foster global monetary cooperation, secure financial stability, facilitate international trade, promote high employment and sustainable economic growth, and reduce poverty).

– Nicht Aufgabe des IWF darf es sein, ein Versicherer gegen globale Finanzmarktrisiken ("lender of last resort") zu sein. Auch ist es mit der Satzung des IMF nicht vereinbar, Darlehn zur Rekapitalisierung von Banken oder zur Finanzierung von Haushaltsdefiziten zu gewähren, wiewohl das von Politikern wiederholt gefordert wurde. Ebenso verbieten sich Garantien des IWF für staatliche Wertpapiere. In jedem dieser Fälle lösten solche Tätigkeiten des IWF Moral-Hazard-Probleme aus. - Im Gegensatz zu einer weit verbreiteten Meinung hat der IWF bis Ende 2010 fast achtzig Prozent aller Krisen allein auf dem Weg einer Liquiditätshilfe (liquidity assistance) lösen können: der IWF stellte dem jeweils bedrängten Land für eine bestimmte Zeit rückzahlbare Mittel zur Verfügung. Erst ab der Griechenland-Krise mauserte sich der IMF zu einer Weltfeuerwehr unter Aufgabe der bis dahin im grossen und ganzen strengen Konditionalität.

– Siehe Bail-out, Europäischer Währungsfonds, Konditionalität, Risikoanhebung, subjektive.

– Vgl. zu den Problemen beim IWF Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 77 ff. (Finanzielle Risiken beim IWF, S. 81 f.: Problem der Zahlungsrückstände [arrears] gegenüber dem IWF, S. 86 ff.: Übersicht der Risikokontroll-Instrumente beim IMF), Geschäftsbericht 2005 der Deutschen Bundesbank, S. 80 ff. (kritische Einschätzung), Geschäftsbericht 2006 der Deutschen Bundesbank, S. 72 ff. (Reformschritte; Diskussion um die Versicherungs-Fazilität), Jahresbericht 2007 der EZB, S, 183 f. (laufende Arbeiten des IMF: vorsichtig-optimistische Beurteilung), Monatsbericht der EZB vom März 2010, S. 53 ff. (ausführliche Darlegungen vor allem auch zur Finanzierung des IWF; Übersichten), Jahresbericht 2011 der Deutschen Bundesbank, S. 83 f. (Geschäfte des IMF 2009-2011).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Internationaler Währungsfonds, Umbau (conversion of International Monetary Fund):

Im Zuge der Subprime-Krise (in the slipstream of the turmoil surrounding sub-prime crisis) aufgekommener und viel erörterter Vorschlag, der IMF solle zu einem Beobachtungs-Organ für Finanzkrisen (näherhin zu einer Datenbank und Informations-Agentur) bzw. gar zu einer Kontroll-Instanz für den weltweiten Finanzmarkt umgestaltet werden. Damit könne ein weltweites Frühwarn-System entstehen. - Dies wird jedoch sehr kritisch gesehen.

1. Denn eine solche Monopolisierung des Erkennens gefährlicher Marktentwicklungen ist kaum wünschenswert, weil dies eigene Anstrengungen zur Beurteilung allgemeiner und besonderer Risiken seitens der Marktteilnehmer mindern würde, und in vielem einem Freibrief für sorgloses Handeln (acting carelessly) gleichkäme.

2. Zudem wird bezweifelt, ob der IMF von seinem Personal in der Lage sei, eine solche Aufgabe auch bewerkstelligen zu können.

3. Endlich aber haben alle vergangenen Finanzkrisen gezeigt, dass die Bruchstellen immer, ausnahmslos bei neu eingeführten Produkten lagen; keine andere Branche ist nämlich durch eine so hohe Innovationsgeschwindigkeit geprägt wie die Finanzbranche. Daher ist es auch kaum möglich, ein System zu installieren, das wie ein Seismograph (Erdbebenmesser; seismograph) entstehende Krisen anzeigt.

4. Zu guter Letzt ist eine zentrale Aufsichtsbehörde in Washington, DC. ganz bestimmt nicht in der Lage, mehr zu leisten, als die miteinander kooperierenden nationalen Aufsichtsbehörden vor Ort.

– Siehe Aufsicht, europäische, Aufsichts-Harmonisierung, europäische, Lamfalussy-Vorschlag, Subsidiaritätsprinzip.

– Vgl. Geschäftsbericht 2009 der Deutschen Bundesbank, S. 85 ff. (Beurteilung der Reformvorschläge).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Internationales Finanzinstitut, IFI manchmal auch Weltfinanzverbund (International Institute of Finance, IIF):

In Zusammenhang mit dem Londoner Club 1983 von weltweit tätigen Banken gegründete Einrichtung - einprägsam auch "Selbsthilfegruppe der Banken" genannt - mit Sitz in Washington, DC. Hauptaufgaben sind

1. die Erarbeitung gemeinsamer Haltungen der Banken gegenüber Schuldnerländern,

2. Verbesserung der Information über die Schuldnerländer und der Austausch bezüglicher Erkenntnisse innert des Kreises der Beteiligten; praktisch ist das IIF die Evidenz-Zentrale über den tatsächlichen Schuldenstand der einzelnen Länder,

3. Vorschläge von Mitteln, die zur Verhütung und Bewältigung internationaler Verschuldungskrisen beitragen sowie - ausgelöst durch die Subprime-Krise - auch

4. einen weltweiten Verhaltenskodex (code of behaviour) für alle in der Finanzbranche tätigen Unternehmen durchzusetzen, um eine drohende Überregulierung zu vermeiden.

– Siehe Evidenz-Zentrale, Londoner Club, Pariser Club, Prager Verlautbarung, Schuldenrückführungsmechanismus, unabhängiger.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Internationales Forschungsforum zur Geldpolitik (International Research Forum on Monetary Policy):

Von der EZB, dem Board of Governors der US-Zentralbank, den Zentrum für Deutsche und Europäische Studien der Georgetown-Universität und dem Zentrum für Finanzstudien der Universität Frankfurt getragenes Konferenzprogramm. Ziel ist die wissenschaftliche Durchdringung der Geldpolitik; bad tongues called it "expense Olympics".

– Siehe Absorptionsfähigkeit, Carl-Menger-Forschungspreis, Deutsche Bundesbank, ESZB-Netzwerk für makroprudentielle Forschung, Forschungsnetzwerk zur Inflationspersistenz und Preissetzungsverhalten, Geldverbrennung, Research Coordination Committee.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Internationalisierung (internationalisation):

1 Wenn nicht anders definiert, so versteht man in der Finanzwelt darunter

1. den Grad der weltumspannenden Ausrichtung eines Portfolios oder

2. die Tätigkeit einer inländischen Bank im Ausland (cross-border financial services); wobei empirisch nachweisbar ist, dass im heimischen Markt ertragsstarke Banken im internationalen Geschäft aktiver sind als weniger profitable Institute.

2 Im volkswirtschaftlichen Sinne meint Internationalisierung die Verflechtung der heimischen Wirtschaft mit der Weltwirtschaft, und beurteilt diese vor allem anhand der Merkmale

1. Entwicklung der Direktinvestitionen,

2. Wachstum der Export- und Importmengen sowie manchmal auch

3. Zunahme der Beschäftigung bei heimischen Unternehmen im Ausland. Eine alles umfassende, überzeugende Kennzahl oder Formel zur Messung der Internationalisierung gibt es nicht.

– Siehe Agglomerations-Effekt, Auslands-Personalbestand, Auslandszweigstelle, Cross-Border-Geschäft, Entkopplungs-These, Globalisierung, International Business Company, Markteintrittskosten.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2005, S. 34 ff. (Informationen in Bezug auf deutsche Banken), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2006, S 45 ff. (weltweite Direktinvestitionen in ihrer Auswirkung auf die heimische Wirtschaft; mit Übersichten und Berechnungsmodellen), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2011, S. 81 ff. (Internationalisierung der Finanzierung), Monatsbericht der EZB vom Februar 2012, S. 117 ff. (grenzüberschreitende Kapitalströme im Eurogebiet; ausführliche Darstellung; viele Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2014, S. 49 ff. (Zusammenhang zwischen Direktinvestitionen und der inländischen Investitionstätigkeit; Übersicht; Literaturhinweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2014, S. 65 (deutsche Direktinvestitionen weltweit: Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Internen Ratings gestützter Ansatz auch IRBA-Verfahren (internal ratings-based approach, IRBA):

Gemäss Basel-II eine Möglichkeit, neben dem im Regelwerk vorgegebenen Standard-Ansatz die Mindesteigenmittel-Anforderungen für das Kreditrisiko einer Bank zu berechnen. Hierbei werden

1. institutsintern Einschätzungen der Bonität der Kreditnehmer angestellt und

2. darauf aufbauend die aufsichtsrechtlich vorgeschriebenen Eigenkapitalanforderungen (underlying; Unterlegung) jeweils bestimmt. Hierzu ist eine besondere Zulassung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht erforderlich.

– Entsprechende Ratings der Bank müssen freilich strengen Anforderungen gerecht werden; die Aufsichtsbehörde ist verpflichtet, die Berechnung laufend auf ihre Angemessenheit zu überprüfen. - Im Einzelnen steht es dabei einer Bank frei, ob sie sie dem sog. IRB-Basisansatz (foundation IRB approach, FIRB) oder dem fortgeschrittenen IRB Ansatz (advanced IRB approach, AIRB) folgen möchte. Im IRB-Basisansatz wird nur die Ausfallwahrscheinlichkeit geschätzt, während im fortgeschrittenen IRB Ansatz weitere Einflussgrössen bankintern zu berechnen sind. Das Regelwerk Basel-II beschreibt die dabei notwendigen Schritte im Einzelnen.

– Siehe Adressenauffallrisiko, Ausfall, Ausfallwahrscheinlichkeit, Backtesting, Herfindahl-Hirschman-Index, Internen Ratings gestützter Ansatz, Kalibrierung, Kreditrisiko, Rating, Rating-Schritte, Risikomessung, Risikoprofil, Schulden, notleidende, Trennschärfe, Validierung, Value at Risk, Verlust, unerwarteter, Verlustquote.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 120 f. (IRBA-Zulassungen bei Landesbanken), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 135 (neue Zulassungen), S. 136 (internationale Zusammenarbeit bei AMA- und IRBA-Verfahren), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 152 (IRBA-Verfahren setzt sich weiter durch), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2009, S. 73 (Bestandteile des AMA-Ansatzes), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 164 (Stand der Institute, die nach dem IRBA-Verfahren melden), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 148 ff. (aufsichtliches Handeln) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, "Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute", Rubrik "Aufsichtshandeln".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Internet-Angebote (internet offers):

1 Werden Wertpapiere auch an Anleger in Deutschland über das Internet angeboten, so unterliegen diese Angebote neben den Regelungen der Informationspflichten-Verordnung (BGB-InfoVO) daneben den Vorschriften des Verkaufsprospekt-Gesetzes. Dies ist unabhängig davon zu beurteilen, in welchem Land sich der Server befindet. Für eine Offerte an Anleger in Deutschland spricht, wenn diese in deutscher Sprache erfolgt oder deutsche Ansprechpartner genannt werden. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht überwacht die - auch verdeckten: es werden vorgeblich nur Informationen über Wertpapiere angeboten - Internet-Angebote. - Entsprechendes gilt für das zielgerichtete Anbieten von Bankdienstleistungen. Die Aufsichtsbehörde beurteilt solche Offerten als ein Betreiben des Bankgeschäftes im Inland; es wird daher als erlaubnispflichtig angesehen. Freilich sind die Aufsichtsbehörden gegen - gar offensichtliche betrügerische - Angebote aus Offshore Finanzplätzen bis anhin ziemlich machtlos.

2 Beizuzählen sind einem Internetangebot auch Berichte von angeblich begeisterten Anlegern in eigens dazu errichteten Internet-Foren und in Blogs. Hierbei werden bestimmte Papiere, meistens Nonvaleurs, zum Kauf empfohlen. Die Forenbetreiber sind durch geschicktes Address Spoofing kaum auszumachen.

– Siehe Abzocker, Beaufsichtigung, indirekte, Cold Calling, Daimonion, Darkrooming, Domizil-Verschleierung, Finanzforen, Finanzgeier, Freiverkehr, Frontrunning, Geheimtip, Gründungsschwindel, High risk countries, Identitätsdiebstahl, Informationspflicht, Informations-Überladung, Internet Brokerage, Internet-Foren, Kapitalmarkt, grauer, Klartext, Kreditvermittlungsplattform, Make-up, Parallel Banking, Racheengel, Schattenbankbereich, Spam-Mails, Verständlichkeit, Werbebeschränkungen, Winkelmakler, Zinssatz, zweistelliger.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 73 f., Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 156 (BaFin schreitet gegen Internet-Angebote ohne Prospekt ein), Jahresbericht 2008 der BaFin, S 156 (Spam-Mails gehen zurück), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 196 f. (die BaFin durchsucht das Internet auf nicht erlaubte Angebote) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Internetbank (trade name Internet bank; click and mortar bank):

Herkömmliche Bank mit Filialsystem, die einen Teil der Geschäfte entweder direkt oder über eine eigens dazu gegründete Tochter durch eine entsprechend gestaltete Seite (Internetschalter, transactional website) auch über das Internet abwickelt. - Das Internet-Tochterunternehmen hat hier die Möglichkeit, bei Engpässen und bei gewissen Geschäften - etwa beim Handel mit Edelmetallen - auf das Filialsystem des Mutterunternehmens (parent company) zurückzugreifen.

– Siehe Automaten-Abhebegebühr, Bank, Direktbank, Mobile Banking, Homebanking, Infrastructure Providing, Metcalfe-Regel, Moonlight Banking, , Online Banking, Onliner, Phishing, Sofa-Banking.

– Vgl. zur Ertragslage Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2006, S. 24 f. (mit Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Internetbank, reine (Internet-only bank; pure play Internet bank; Internet-primary bank):

Bank, die ihre Geschäfte ausschliesslich über das Internet abwickelt; im Gegensatz zur

1. Bank mit Filialsystem, die über betretbare Geschäftsräume oder Autoschalter verfügt (brick and mortar locations) und zur

2. Internetbank (click and mortar bank), die sowohl über herkömmliche Schalter, als auch über das Internet die Kundschaft bedient.

– Hauptprobleme dieserart Banken sind

1. die Versorgung der Kundschaft mit Bargeld und

2. der Einzug von Schecks.

– Siehe Automaten-Abhebegebühr, Bank, gemischte, Direktbank, Geldautomaten-Sperre, Homebanking, Internetbank, Internetschalter, Moonlight Banking, Online Banking.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2006, S. 24 f. (Ertragslage der Internetbanken seit 2000) und in Fortschreibung den jeweiligen September-Bericht der Deutschen Bundesbank.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Internet-Bezahlung (internet payments):

Die Zahlung bei Onlinekäufen (internet purchases). Im Gegensatz zum ortsansässigen Handel (stationary trade) wird bei Internetkäufen vorwiegend unbar (cashless) bezahlt. Es haben sich verschiedene Bezahlverfahren herausgebildet. Diese werden von der Zentralbank beobachtet.

– Siehe Barzahlungsquote, Bezahlverfahren, innovative, Billpoint, Giropay, PayDirect, PayPal.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2012, S. 49 ff. (ausführliche Darstellung der Entwicklung des innovativen Zahlungsverkehrs; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2012, S. 75 (Allgemeines; Bezahlverfahren im Internethandel aufgeschlüsselt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Internet Brokerage (so auch im Deutschen gesagt):

Der Vertrieb von Wertpapieren über das Internet.

– Siehe Internet-Angebote.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Internet-Foren (internet platforms):

Besondere Webseiten, auf denen Personen Informationen aller Art austauschen können (Web-sites that provide an online exchange of information between people about any topic). - Wenn im weltweiten Datennetz (worldwide data network) in entsprechenden Foren, Chaträumen (chatrooms) und in Informations-Ketten wie in Blogs oder Twitter entweder

1. offen, direkt oder aber

2. unauffällig, verdeckt Kauf/Verkaufsempfehlungen für Vermögensgegenstände aller Art ausgesprochen werden, so sind die Provider weder für die Erlaubtheit (permissiveness) noch für die Glaubwürdigkeit (credibility) verantwortlich. Die internationale Rechtsprechung ist hier eindeutig.

– In vielen, wenn nicht gar den meisten Fällen handelt es sich bei solchen Hinweisen (advices), Vorschlägen (suggestions), Empfehlungen (references) und Abraten (dissuasions) jedoch keineswegs um einen Meinungsaustausch zwischen gewöhnlichen "Foris", Chattern oder Bloggern. Vielmehr dienen sie bemäntelt, aber gezielt der Kursmanipulation. Gewiefte Fachleute tarnen sich oft genug als private Blogger oder verbreiten entsprechende Tweets über Twitter. Die Aufsichtsbehörden, und auch die europäische Bankenaufsicht, sind aufgrund ihres gesetzmässigen Auftrags kaum in der Lage, hiergegen einzuschreiten - ganz abgesehen von den dabei auftretenden vielfältigen ermittlungstechnischen Schwierigkeiten (investigative difficulties).

– Siehe Agiotage, Blog, Börsenspiele, Daimonion, Dampfstube, Demonetisation, Deuteroskopie, Dissemination, Frontrunning, Geheimtip, Geldblogger, Gerüchtestreuen, Gründungsschwindel, Handeln, verdeckt gemeinsames, Hoax, Internet-Angebote, Kapitalmarkt, grauer, Kursmanipulation, Kurssprung, Markt, enger, Marktmanipulation, Münchhausen, Baron, Know-Nots, Pankratium, Pump and Dump, Racheengel, Shitstorm, Siderismus, Supergewinn, Underground Banking, Verbraucherbeschwerden, Verschwörungstheorien.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 195 f. (Intershop-Fall).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Internetschalter (bank transactional website):

Seitens der Kundschaft die Möglichkeit, Dienstleistungen einer Bank auf dem Weg entsprechend ausgestalteter Seiten über das Internet in Anspruch zu nehmen (opportunity which permits customers to conduct financial transactions on a secure website operated by their institute).

– Siehe Bank, gemischte, Homebanking, Internetbank, Internetbank, reine, Geldautomaten-Sperre, Online Banking.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Interoptabilität (interoptability) und Interoperationalität (interoperability):

1 Die Möglichkeit des freien Wechsel von einem E-Geld-System zu einem anderen (the possibility permitting participants to conduct and settle payments across other systems while continuing to operate only in their own respective systems).

2 Der Einsatz einer Wertkarte (pay before), Debitkarte (pay now) oder Kreditkarte (pay later) nicht nur im Vertragsbereich des jeweiligen Ausgebers, sondern darüber hinaus auch zur Benutzung in anderen Zahlungskreisen (payment systems).

– Siehe Barzahlungsklausel, Card Verification Value, Chipkarte, Community Card, Computerzahlung, EMV-Standard, Firmenkreditkarte, Geld, elektronisches, Geldautomaten-Sperre, Geldkarte, Geldnutzen, Guilloche, Karte, multifunktionale vorausbezahlte, Karten-Allianz, Karten-Echtheitsprüfung, Kreditkarte, Konto, anonymes, Kundenkarte, Netzgeldgeschäft, Pay per Touch, Pay-Green-Initiative, Plastikgeld, POS-Banking, Prozessor, Single European Payment Area, Ticketing, electronic.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 98 ff. (Schritte zur Vereinheitlichung des Kartengenmarktes in Europa).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Intra Quarter Ballooning (so auch im Deutschen gesagt):

Die vor allem von amerikanischen Banken genutzte Möglichkeit, Bilanzen zwischen den Quartalszeitpunkten zu schönen, nämlich aufzublähen, aber mit Repo-Geschäften rechtzeitig wieder zu den aufsichtlichen Meldestichtagen herunterzufahren. Dadurch wird die Leverage Ratio verfälscht.

– Siehe Angaben, verschleierte, Ausserbilanzgeschäft, Bilanzkosmetik, Börsenbetrug, Buchführung, kreative, Buchführung, manipulative, Corporate Governance, Enforcement, Finanzbericht, Finanzmathematik, Informations-Überladung, Kapitalbedarfs-Verordnung, Kristallisation, Managementbezüge, missbräuchliche, Pairoff, Sachverhaltsgestaltung, Stetigkeit, Substance-over-Form-Grundsatz, Verlusttarnung, Verständlichkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Intratagesbewegung (intraday movement):

Wenn nicht anders definiert die Kursentwicklung an der Börse von Börseneröffnung bis Börsenschluss (the price movement achieved between the opening and the closing of the trading session on an exchange), und zwar

1. entweder auf ein einzelnes Papier

2. bzw. an der Warenbörse auf ein Gut bezogen oder

3. aber auf die Kursentwicklung an der Börse gesamthaft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Intratageskredit (intraday credit, daylight credit, daylight overdraft, daylight exposure):

Ein Darlehn - im engeren Sinne der Zentralbank - mit einer Fristigkeit von weniger als einem Tag (credit extended for a period of less than one business day). Bedeutung hat der Intratageskredit vor allem für den reibungslosen Ablauf von Zahlungsverkehrssystemen.

– Siehe Systemrisiko.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Intra-Verbundforderungen (intra-group exposures):

Die nach § 10c KWG bestehende Möglichkeit, dass Darlehn innert einer Instituts- bzw. Finanzholding-Gruppe von der Risikorechnung freigestellt werden, wenn die betreffenden Darlehn nicht den Eigenmitteln des Schuldners zugebucht werden.

– Siehe Konzernabschlussüberleitungsverordnung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 74 f. (dort auch weitere Voraussetzungen), Jahresbericht 2006 der BaFin (weitere Bedingungen für den Ansatz eines Kreditrisikos null), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2014, S. 53 ff. (zur Konzernabschluss-Statistik; Übersichten; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Invalidenfonds (disability fund [for belligerents]):

1 Allgemein eine - in der Regel vom Staat, von einem Unternehmen oder von einem Branchenverband eingerichtete - Vermögensmasse, aus deren Ertrag erwerbsunfähige Personen eine Rente erhalten.

2 Im Besonderen der durch Reichsgesetz 1873 in Deutschland begründete Fonds, um Ansprüche der Kriegsteilnehmer (belligerents) daraus zu speisen. Die Vermögenspflege (asset management) dieses Reichsinvalidenfonds war Anlass vieler zeitgenössischer Klagen.

– Siehe Nebenfonds.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Inventarkredit (credit for the purchase of implements, machinery and live-stock):

Darlehn an Unternehmen der Landwirtschaft zur Beschaffung von Betriebsmitteln (auxiliary materials) und Zuchtvieh (breeding cattle). Solche Darlehn waren in der Notzeit (general starvation) nach dem Zweiten Weltkrieg (1939-1945) von grosser Bedeutung.

– Siehe Ernte-Unterstützungskredit, Landschaft, Meliorationskredit, Salam.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Inventarwert (net asset value, NAV):

Der Verkehrswert des Fondsvermögens einer Kapitalverwaltungsgesellschaft (the value of one share of a fund and equal to the total value of assets, less charges and expenses, divided by the number of shares). - Wenn das Fondsvermögen durch die Anzahl der umlaufenden Anteilsscheine geteilt wird, dann entsteht der Inventarwert pro Anteil. Aus dem Inventarwert werden der Ausgabe- und der Rücknahmepreis bei den offenen Investmentfonds errechnet. Weil bei geschlossenen Investmentfonds keine unmittelbare Errechnung des Inventarwerts aus den Börsenkursen der im Fondsvermögen befindlichen Vermögensgegenstände erfolgt, so kann bei ihnen der Inventarwert von dem nach dem Börsenkurs des Anteils ermittelten Wert erheblich abweichen.

– Siehe Aktienfonds, Ansteckungswirkungen, Anteilschein, Finanzintermediäre, Hedge-Fonds, Immobilienfonds, Mark-to-Model-Ansatz, Prozyklizität, Publikumsfonds, Rentenfonds, Rücknahme-Sperre, Spezialfonds.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Interventionspunkte (supporting points):

Bei festen Wechselkursen die untere und obere Preisgrenze für die heimische Währung am freien internationalen Kapitalmarkt, bei dem die Zentralbank regulierend eingreift. Zu unterscheiden sind dabei

1. offizielle (de jure, [officially declared]) Eingreifpunkte und

2. tatsächliche (actual [practised, informal, de facto]) Interventionspunkte. Wie die jüngste Währungsgeschichte zeigt, weichen beide häufig stark voneinander ab.

– Siehe Wechselkurs, fester.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Inverzugsetzung (notice of default):

Im Rahmen des Stabilitäts- und Wachstumspaktes gemäss Art. 126 AEUV die Aufforderung an ein Mitglied mit übermassigem Defizit, den Schuldenstand innert einer vorgegebenen Frist zu mindern. Bei Nichtbefolgung können Strafmassnahmen gegen das Mitglied angewendet werden.

– Siehe Bailout, Blame game, ClubMed, Schattenstaat, Solidarität, finanzielle, Stabilisierungsmechanismus, europäischer, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Grundfehler, Semester, europäisches, Staatsverschuldung, Wirkungen, Statistikbehörde, Transferunion, Verfassungsartikel eins, Verschuldung-Produktivität-Verkettung, Verschuldungsgrenze, Wachstum-Schulden-Tatsache, geschichtliche.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2013, S. 71 ff. (neue Entscheidungen zu Defizitverfahren; in Anm. 1 Beschreibung des Verfahrensverlaufs bei Inverzugsetzung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Investition und vor allem in älteren Dokumenten auch Investierung (investment):

1 Allgemein die Umwandlung von Geld in Vermögen, also jederart Geldanlage.

2 Geld, das zur

1. Errichtung,

2. Erweiterung oder

3. Verbesserung von Sachgütern, die zur Erzielung von künftigen Erträgen dienen (= Anlagevermögen, Sachkapital, Realkapital, Kapitalstock), verwendet wird.

3 Das Ergebnis der Investition im Sinne von 2, also der Zuwachs zum Sachkapitalbestand in einer Periode.

4 Haushaltsrechtlich (with regard to budgetary law) in Deutschland

1. der Erwerb von Sachvermögen (tangible assets; Bauten, Ausrüstungen),

2. Finanzvermögen (financial assets; Beteiligungskäufe, Darlehnsvergabe),

3. Investitionszuschüsse an den privaten und öffentlichen Sektor sowie

4. die Inanspruchnahme der öffentlichen Hand aus Bürgschaften.

3 Als Bestandsgrösse (stock size) auch gesagt von Geld, das in Vermögen umgewandelt wurde, wie etwa bei Versicherungs-Kapitalanlagen.

– Siehe Anlage-Risiko, Darlehn, Desinvestition, Einkommensstreben, Erwartungen, unangemessene, Engagement, Finanzinvestition, Geldanlage, Gewerbekapital, Investitionskapital, Kapital, Kapitalintensität, Kapitalkoeffizient, Kapitalstock, Kopf-in-den-Sand-Verhalten, Lagerinvestition, Leasinggeschäft, Portfolioinvestition, Technologie-Boom, Vermögensanlage, Verzehnfacher, Vieleck, magisches, Zins, Zinsallkokations-Funktion, Zinslastquote, Zinsreagibilität, Zinsverbot.

– Vgl. die Definitionen sowie die Bestands- und Zuwachsgrössen unter der Rubrik "Finanzkonten und nichtfinanzielle Konten", Unterrubrik "Jährliche Ersparnis, Investitionen und Finanzierung" sowie die Rubrik "Preise, Produktion, Nachfrage und Arbeitsmärkte", Unterrubrik "Verwendung des Bruttoinlandsprodukts" im Teil "Statistik des Euro-Währungsgebiets" des jeweiligen Monatsberichts der EZB. Zur Zusammensetzung der Investitionen im Eurogebiet siehe den Monatsbericht der EZB vom September 2002, S. 46 ff., Monatsbericht der EZB vom Juli 2003, S. 45 ff., Monatsbericht der EZB vom April 2005, S. 74 (Vergleichbarkeit der Statistiken), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2005, S. 28 ff. (Kritik des unter 4 definierten Investitionsbegriffes), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2007, S. 17 ff (Investitionen induziert durch technischen Fortschritt und Standort-Wettbewerb, mit Übersichten), Monatsbericht der EZB vom April 2008, S, 65 ff. (Bestimmungsgründe der Investitionen im Euro-Währungsgebiet; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom September 2008, S. 58 ff. (Innenfinanzierung von Kapitalgesellschaften seit 2003; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2009, S. 63 (Investitionsmotive in Deutschland seit 1991), Geschäftsbericht 2013 der Deutschen Bundesbank, S. 56 ff. (Investitionen der Unternehmen seit 1991 aufgeschlüsselt; Übersicht), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 134 f. (Kapitalanlagen von Versicherungsunternehmen mehrfach aufgeschlüsselt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Investition, alternative (alternative investment):

Vor allem von einigen Hedge-Fonds bevorzugte Anlage in Vermögensgegenstände, die

1. sich nur umständlich in Liquidität zurückwandeln lassen, wie etwa ein Kunstwerk,

2. deren genauer Wert schwer zu ermitteln ist, wie etwa der Einkauf in ein angeschlagenes Unternehmen, dabei aber

3. über eine geringe wechselseitige Abhängigkeit zu anderen Anlagegegenständen wie Aktien, Anleihen, Optionen verfügen, sodass

4. die Aussicht auf Gewinn entsprechend günstig einzuschätzen ist.

– Siehe Kapitalanlagegesetzbuch, Vermögens-Portfolio.

– Vgl. Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 99 (alternative Investments spielen bei Versicherungen eine minime Rolle), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 169 (Umsetzung der EU-Richtlinie über die Verwalter alternativer Investmentfonds).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Investition, grüne (greenfield investment; green investment):

1 Allgemein eine Kapitalanlage auf einem neuen Gelände bzw. auch in einer Gegend, wo es bis anhin noch keine entsprechenden Einrichtungen gab (investment made in an area where no previous facilities exist; otherwise this would be a brownfield investment).

2 Kapitalanlage in die Landwirtschaft sowie in den Umweltbereich (environmental sector), in weiterem Sinne verstanden einschliesslich der Umwelttechnik und manchmal auch Solaranlagen (solar energy systems) einschliessend.

– Siehe Investition, nachhaltige.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Investition, immaterielle (immaterial investment):

Manchmal gesagt von Aufwendungen eines Unternehmens vor allem für Planung, Forschung, Markterschliessung, Organisation, Public Relations und Werbung. Im Gegensatz dazu spricht man dann von materieller Investition (physical investment).

– Siehe Intangibels.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Investition, nachhaltige (sustainable investment):

Um 1990 aufgekommener Ausdruck für eine Investition, bei der neben oder sogar noch vor der Rendite

1. auf den Schutz der Umwelt (protection of environment) bezogene, ökologische (ecological) Gesichtspunkte sowie

2. die kurz- und langfristigen Auswirkungen des Engagements auf die Gesellschaft (die Allgemeinheit; relevant to society) besondere Berücksichtigung finden (sollen).

– Siehe Ersatzgeld, Investition, grüne, Nachhaltigkeit, Ökofonds, Sustainability-Fonds.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Investition, persönliche (personal investment; boodle, douceur):

1 Umwandlung von Geld in Vermögenswerte, getätigt durch eine einzelne Person.

2 Geldliche oder auch nicht-pekuniäre (non-monetary) Leistungen - wie etwa der dienliche Besuch (the appropriate and - because at the most purposeful - convenient night's visit) der Freundin des Studenten vor der Prüfung beim Professor zuhause - um eine Person allgemein oder in einer besonderen Angelegenheit günstig zu stimmen.

– Siehe Douceur, Handgeld, Investition, Peep, Schmiergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Investition, staatliche (public investment):

In der Finanzstatistik schliessen Investitionen sowohl

1. Sachinvestitionen (real investment: Baumassnahmen, Erwerb von Grund- und Sachvermögen) als auch

2. sogenannte Finanzinvestitionen (financial investment: Erwerb von Beteiligungen, Darlehnsvergabe, Inanspruchnahme von Garantien sowie Zahlungen an andere Bereich für investive Zwecke) ein. Aus diesem Grund muss eine Zunahme der staatlichen Investitionen nicht unbedingt auch einen Zuwachs an staatlichem Vermögen zur Folge haben.

– Siehe Konjunkturprogramm.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2009, S. 26 (Abgrenzungsfragen), Geschäftsbericht 2013 der Deutschen Bundesbank, S. 58 ff. (Bruttoanlageinvestitionen des Staates seit 1991 aufgeschlüsselt; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Investitionsgrad (degree of investment):

Bei Investmentfonds der Anteil der Risiken, bezogen auf das Fondsvermögen. Grundsätzlich darf aufsichtsrechtlich die 100-Prozent-Grenze nicht überschritten werden.

– Siehe Leveraging.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Investitionsgüter (capital goods):

Jedes Erzeugnis, welches der Investition dient. Der weltweite Export von Investitionsgütern bringt erfahrungsgemäss

1. eine verhältnismässige Stetigkeit (continuity) in den Aussenhandel und

2. stabilisiert so Konjunkturschwankungen, woraus für Staaten wie Deutschland - fast fünfzig Prozent der Ausfuhren entfallen auf Investitionsgüter, und hier vor allem auf Maschinen - Vorteile fliessen.

– Siehe Forschungsquote, Kapitalgüter, Unit-Value-Relation, Zyklik.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2007, S. 20 f. (Vergleich Deutschland-Frankreich).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Investitionskredit (investment credit, loan to finance a capital project):

Ein langfristiges Darlehn zur

1. Errichtung (construction; Bau von Fabrikanlagen),

2. Erweiterung (capital widening; Vergrösserung der Produktionskapazität) oder

3. Verbesserung (capital deeping; Anschaffung leistungsfähigerer Maschinen) von Sachkapital.

– Siehe Darlehn, Immunisierung, Innovation, Investition, Kapitalstock, Kredit, Leasinggeschäft, Zins, Zinsallkokations-Funktion, Zinsverbot.

– Vgl. Statistics Pocket Book der EZB, dort auch geographische Aufgliederung der weltweiten Investitionskredite gesamthaft sowie nach Kategorien unterteilt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Investitionsquote (investment quota):

Wenn nicht anders definiert, der Anteil der Investitionen am Bruttoinlandsprodukt. Von den Zentralbanken beobachtet, vor allem hinsichtlich

1. der Finanzierung; die Höhe aller Kredite für Investitionen sollte vierzig Prozent des Bruttoinlandsprodukts nicht übersteigen sowie auch

2. der Entscheidungsträger; ein hoher Anteil von Investitionen staatlicher Unternehmen oder aufgrund politischer Entscheidungen - auf allen Ebenen des Staates: von der Gemeinde bis zum Bund - erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass es zur Fehlallokation von Kapital kommt.

– Siehe Einnahmequote, öffentliche, Leasinggeschäft, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. den Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Finanzkonten und nichtfinanzielle Konten", Unterrubrik "Jährliche Ersparnis, Investitionen und Finanzierung" sowie die Rubrik "Preise, Produktion, Nachfrage und Arbeitsmärkte", Unterrubrik "Verwendung des Bruttoinlandsprodukts" im Teil "Statistik des Euro-Währungsgebiets" des jeweiligen Monatsberichts der EZB, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2007, S. 17 ff (Investitionen induziert durch technischen Fortschritt und Standort-Wettbewerb, mit Übersichten), Monatsbericht der EZB vom April 2008, S, 65 ff. (Bestimmungsgründe der Investitionsquote im Euro-Währungsgebiet; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Juli 2009, S. 55 ff. (Entwicklung der Investitionen im Eurogebiet seit 1992; Rückgang infolge der Finanzkrise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2009, S. 63 (Investitionsquote in Deutschland seit 1991), Monatsbericht der EZB vom Juli 2011, S. 48 ff (Entwicklung im Eurogebiet seit 1995; Übersichten), Geschäftsbericht 2013 der Deutschen Bundesbank, S. 56 ff. (Investitionen der Unternehmen seit 1991 aufgeschlüsselt; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Investmentänderungsgesetz, InvÄndG (act amending the German investment act):

Zum Jahresende 2007 in Kraft getretenes Gesetz mit dem Ziel, durch einen entsprechenden Regulierungs- und Aufsichtsrahmen die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Fondsbranche zu stärken. Das Gesetz vereinfacht die Regeln, die Kapitalverwaltungsgesellschaften bei der Auflage von Fonds (setting up funds) erfüllen müssen.

– Siehe Investmentgesetz.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 155 f. (wesentlicher Inhalt des Gesetzes; Erläuterungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Investmentanteil (fund share):

Anteilschein am Vermögen einer Kapitalverwaltungsgesellschaft. - Die deutsche Rechtssprache gebrauchte im Gesetz über Kapitalverwaltungsgesellschaften nur den Begriff "Anteilschein", im Auslandinvestment-Gesetz wird in § 1 der Begriff "Investmentanteil" verwendet, umgangssprachlich spricht man auch von "Investmentzertifikat" (investment trust certificate).

– Siehe Namensanteil.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 1994, S. 49 ff. (Entwicklung der Geldanlage in Investmentzertifikaten; Übersichten), Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 177 f. (Investmentmeldeverordnung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Investmentbank auch Brokerbank (investment bank, broker bank):

In den USA wurde im Zuge des 1931 durch das Glass-Steagall-Gesetz eingeführte Trennbanksystem solche Institute, die sich ganz auf das Kapitalmarktgeschäft verlegt haben und nicht auch das Kredit- und Einlagegeschäft betreiben. - Obwohl das Trennbanksystem 1999 aufgehoben wurde, gab es bis Ende 2007 noch fünf grosse Investmentbanken, die jedoch angesichts dünner Eigenkapitaldecke sämtlich in den Strudel der Subprime-Krise gerieten.

1. Bear Stearns wurde im März 2008 von der Grossbank JP Morgan Chase übernommen;

2. Lehman Brothers meldete am 15. September 2008 Insolvenz an, die britische Bank Barclays übernahm die Kapitalmarksparte von Lehman;

3. Merrill Lynch wurde kurz vor dem Zusammenbruch von der Bank of America geschluckt;

4. Morgan Stanley wurde von der japanischen Bank Mitsubishi UFJ durch Kauf eines Anteils von 20 Prozent frisches Kapital zugeführt und

5. Goldman Sachs erhielt im September 2008 eine Finanzspritze in Höhe von 5 Mia USD von dem US-Investor Warren Buffet und kam so über die Runden.

– Morgan Stanley und Goldman Sachs änderten im September 2008 ihren rechtlichen Statuts und wurden von Investmentbanken zu regulierten, der Aufsichtsbehörde unterworfenen Geschäftsbanken. - Man warf den Investmentbanken vor, einen Gutteil der Schuld für die Subprime-Krise zu tragen. Denn sie waren nicht an erster Stelle an einer hohen Kreditqualität interessiert (were urgently not concerned about a high credit quality). Vielmehr bestand ihr Geschäftsmodell (business model) darin, Kreditrisiken nur durchzuleiten und die Hauptmasse der Erträge aus Provisionseinnahmen für strukturierte Finanzprodukte zu erzielen. Damit leisteten sie der lässigen Kreditvergabe der Hypothekenbanken Vorschub (abetted the lax lending practice of the mortgage banks).

– Siehe Banking, begrenztes, Bonus, Fachbankensystem, Geschäftsbank, Handelsbank, Home Mortgage Disclosure Act, Fachbankensystem, Intermediation, Kernaufgabe, bankliche, Trennbanksystem.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 16 (Mitschuld der Hypothekenbanken an der Subprime-Krise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Investment Banking, Investment-Banking und Investmentbanking (so auch im Deutschen gesagt, aber in unterschiedlicher Bedeutung):

1 Dienstleistungen einer Bank bei der Begebung von Aktien und Anleihen. Herkömmlicherweise werden Emissionen von mehreren Banken zusammen (syndicate business; Konsortialgeschäft) an den Markt gebracht; Konsortialführer (agent bank: institute responsible for maintaining a fiduciary relationship with the other lenders participating in a syndicated loan) sind im Euroraum bis anhin noch vorwiegend US-amerikanische und Schweizer Institute.

2 Zumeist teilselbständiger Bereich einer Bank, der Firmenkunden, institutionellen Kunden und öffentlichen Stellen in erster Linie Finanzberatung, Kapitalbeschaffung, Verbriefungen sowie Wertpapierhandel anbietet.

3 Aufsichtsrechtlich zählen zum Investment Banking vor allem

1. Unternehmensfinanzierungen (corporate financing),

2. Emissionen,

3. Ausschreibungen zur Akquirierung eines neuen Geschäfts (requests for proposals for the acquisition of a new business: pitches), sowie

4. die Vorstellung von Neuemissionen von Finanzinstrumenten (presentation for the first issue of financial instruments: road show) und die damit verbundenen Marketingmassnahmen.

– Siehe Analysten-Aufgabenbeschränkung, Arranger, Arrangierung, Banking, begrenztes, Bought Deal, Eigenkapital-Arrangeur, Fiscal Agent, Glass-Steagall-Gesetz, Grössen-Effekte, Kurspflege, Merchant Banking, Multi-Boutique-Ansatz, Private Banking, Roadshow, Zweckgesellschaft.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2002, S. 59, Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 148 (Aufzählung der Bereiche des Investment Banking), Jahresbericht 2009 der Fin, S. 26 (hohe Erträge im Investment Banking).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Investment Club (so auch im Deutschen gesagt; seltener Anlegerclub):

Als Verein oder Gesellschaft (GbR; civil law association) organisierte Gruppe mit dem Ziel, das durch einmalige oder regelmässige Einzahlungen der Mitglieder gesammelte Geld gewinnbringend anzulegen (a group of individual investors who pool their money to create a jointly owned and managed portfolio for the purpose of earning profits). - Ein Investment Club unterliegt nicht dem Investmentgesetz, sofern er

1. durch die Mitglieder selbst verwaltet wird und

2. keine öffentliche Werbung betreibt. Jedoch

3. kommt ab einem eingezahlten Kapital von 0,5 Mio EUR der Club unter die Überwachung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.

– Es ist sicherzustellen, dass der Club lediglich Einlagen seiner Mitglieder besorgt; die Betreuung von Vermögen anderer ist erlaubnispflichtige Vermögensverwaltung. - Die Beurteilung der Investment Clubs ist umstritten. Bei Insolvenzen verloren die Mitglieder bis anhin in der Regel ihr ganzes Kapital. Denn bei einer GbR haften sämtliche Mitglieder unbeschränkt für die Verbindlichkeiten der Gesellschaft mit ihrem gesamten Privatvermögen. Ein Haftungsfall kann daher leicht zur Privatinsolvenz (personal bankruptcy) eines jeden Anlegers führen. - Unabhängig von ihrer Grösse fallen Investment-Clubs immer dann in den Anwendungsbereich des Verkaufsprospekts, wenn Anteile an einer GbR öffentlich angeboten werden. Gegebenenfalls reicht es jedoch nicht aus, nur einen Verkaufsprospekt zu hinterlegen. Wenn es sich bei der Geschäftstätigkeit der GbR um ein erlaubnispflichtiges Bank- oder Finanzdienstleistungsgeschäft handelt, dann muss auch eine Erlaubnis gemäss § 32 KWG beantragt werden.

– Siehe Bankenregulierungs-Paradoxon, Crowdfunding, eLolly, Internet-Angebote, Kapitalverwaltungsgesellschaft, Kreditgenossenschaft, Sparverein, Tontine.

– Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 200 (Beanstandungen durch die BaFin) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über das Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Investmentfirma (investment firm):

Verbreitete, gleichwohl aber im Aufsichtsrecht nicht auftretende Bezeichnung für einen Finanzdienstleister, der Investoren geschäftsmässig zu Vermögensanlagen bereitsteht (any entity whose regular business is the providing of one or more investment services to third parties on a professional basis).

– Siehe Anlage-Beratung, Anlage-Empfehlung, Anlage-Risiko, Bank, Direct Brokerage, Finanzberater, Finanzdienstleistungsinstitut, Finanzinstitut, monetäres, Finanzunternehmen, Institut, KWG-Vermittlerverordnung, Mitarbeiter-Register, Nachweismakelei, Private Banking, Portaldienst.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Investmentfonds (investment trust; mutual fund):

1 Gemäss § 1 Investmentgesetz (InvG) aus dem Jahr 2003 das von einer Kapitalverwaltungsgesellschaft verwaltete Publikums-Sonder¬vermögen. Ein Investmentfonds sammelt durch die Herausgabe von Fondsanteilen Kapital ein und legt dieses in Aktiva an.

2 Als Unternehmen betrachtet ein Finanzinstitut, das

1. beim Publikum beschafftes Geld bündelt und in Vermögenswerte anlegt (an investment company that acquires funds by selling shares to investors, and then invests the money in a diversified portfolio of assets); man spricht hier auch von Losgrössen-Transformation (lot-size transformation) und

2. seine Einlagen für andere als Refinanzierungsquelle zur Verfügung stellt, also Fristen-Transformation (maturity transformation) betreibt.

– Nicht zu den Investmentfonds zählen statistisch die Geldmarktfonds, die kurzfristig in risikoarme Anlageformen investieren. - Investmentfonds haben in ihrer Funktion als Kapitalgeber für Banken, Unternehmen und öffentlichen Stellen eine gewichtige Finanzierungsfunktion. Rasche Änderungen der Anlagepolitik der Fonds können daher unmittelbaren Einfluss auf die Refinanzierungsbedingungen haben und das Fristenänderungsrisiko erhöhen.

– Siehe Auftragsfonds, Ausgabepreis, Bogey, Exchange Traded Funds, Fonds, Fonds, ethischer, Fonds, offener, Garantiefonds, Kapitalverwaltungsgesellschaft, Kapitalstock, Profit Centre, Publikumsfonds, Rentenfonds, Rücknahmesperre, Spezialfonds, Steuerspar-Fonds, Thesaurierungs-Fonds, Verbraucherbeschwerden.

– Vgl. den Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Monetäre Entwicklungen, Banken und Investmentfonds", Unterrubrik "Aktiva der Investmentfonds im Euro-Währungsgebiet nach Anlageschwerpunkten und Anlegergruppen" im jeweiligen Monatsbericht der EZB sowie das monatlich erscheinende Statistische Beiheft "Kapitalmarktstatistik" der Deutschen Bundesbank zum Absatz und Erwerb von Anteilen an Investmentfonds (mutual fund shares) in Deutschland; Monatsbericht der EZB vom September 2008, S. 36 f. (Wertverlust der Investmentfonds im Zuge der Subprime-Krise; Übersichten), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 48 (neue Regelungen für eine grenzüberschreitende Auflegung von Fonds), S. 193 f. (Tendenzberichte an die BaFin während der Finanzkrise; Beschwerden), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 67 (Richtlinie für nicht EU-konforme Investmentfonds), S. 217 f. (tägliche Tendenzberichte an die BaFin; Zunahme von Beschwerden; Erhebung über Vergütungspraxis der Fondsmanager), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 235 f. (sehr grosse Unterschiede bei der Ertragslage; hohe Anzahl von Verbraucherbeschwerden) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft., Monatsbericht der EZB vom Januar 2010, S. 18 ff. (neue Statistiken über Investmentfonds im Eurogebiet; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom August 2010, S. 109 ff. (eingehende Erörterung zu den Investmentfonds im Euroraum; viele Übersichten; statistische Zuordnungen), Monatsbericht der EZB vom Januar 2012, S. 66 (Definition "Investmentfonds"), Monatsbericht der EZB vom April 2012, S. 18 ff.), Finanzstabilitätsbericht 2012, S, 68 f. (Investmentfonds sind Teil einer Kreditintermediationskette, sie gehören damit zum Schattenbankbereich, und sie können ihr Marktpotential durch den Einsatz von Derivaten vervielfachen; Übersicht), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2013, S. 13 ff. (ausführliche Marktstudie; viele Übersichten; Literaturhinweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2014, S. 18 (Investmentfonds als Teil des Schattenbanksystems).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Investmentfonds, alternativer (alternative investment fund, AIF):

Sondervermögen (Kapitalstock; capital stock) einer Kapitalverwaltungsgesellschaft, das aus Mitteln zusammengesetzt ist, welche hauptsächlich bei institutionellen Anlegern eingeworben wurden, um diese Mittel nach einer festgelegten Plan zu investieren. Zu den AIFs zählen Private-Equity-Fonds, Fonds mit Wagniskapital und Immobilienfonds. Sie können in der Form eines offenen Fonds oder eines geschlossenen Fonds gestaltet sein.

– Siehe Bankenregulierungs-Paradoxon, Finanzinvestor, Investmentvermögen, Wagniskapitalbeteiligungsgesetz.

– Vgl. Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 92 f. (Definition des AIF; Richtlinie für Verwalter; Task Force der ESMA "Operating Conditions" unter Vorsitz der BaFin), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 128 (neue Rechtsentwicklung durch das Gesetz zur Umsetzung der Richtlinie über die Verwalter alternativer Investmentfonds [AIFM-UmsG], S. 163 (AIFs im neuen Kapitalanlagegesetzbuch), S. 184 (Erläuterungen zu den Fondstypen "Offener Publikums-AIF", "Spezial-AIF" und "Geschlossener Publikums-AIF" sowie Aufzählung der jeweiligen aufsichtlichen Vorgaben), S. 185 f. (Regelungen für den grenzüberschreitenden Vertrieb).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Investmentfonds, EU-richtlinienkonformer (investment trust conform to EU Directive, UCITS-compliant investment fund):

Im Gebiet der EU vertriebsberechtigte Kapitalverwaltungsgesellschaft, die sich in allem den Vorgaben einer bezüglichen Richtlinie der EU unterwirft. Daneben gibt es auch vertriebsberechtigte, nicht-richtlinienkonforme Investmentfonds (non-UCITS-compliant investment funds). Bis Ende 2007 gelang es, bis auf wenige Einzelfälle die nicht-richtlinienkonformen Fonds auf das Investmentgesetz umzustellen.

– Siehe Geldmarktfonds, Investmentfonds, Investmentvermögen, Kapitalanlagegesetzbuch, Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren, Super-OGAW-Fonds.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 171 (Umstellung; Sitzschwerpunkt der Fonds in Luxemburg), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 197 f. (Entwicklung der konformen und nicht-konformen Fonds und des Vermögens), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 222 (leichter Rückgang der Fonds), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 240 f. (Anzahl der nicht-richtlinienkonformen Investmentfons sinkt weiter), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 184 (Rechtsentwicklung durch das Gesetz zur Umsetzung der Richtlinie über die Verwalter alternativer Investmentfonds [AIFM-UmsG]) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft."

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Investmentgesetz, InvG ([German] Investment Law):

Mit Jahresbeginn 2004 in Deutschland in Kraft getretenes Regelwerk, das vor allem das Gesetz über Kapitalverwaltungsgesellschaften neu fasst, mit dem Auslandsinvestment-Gesetz verbindet und teilweise eingehende Vorschriften erlässt.

– Siehe Investmentänderungsgesetz, Kapitalanlagegesetzbuch.

– Vgl. kurze Zusammenfassung im Geschäftsbericht der Deutschen Bundesbank 2003, S. 48, Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 210 ff., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 177 f. (Fondskategorien; Investmentmeldeverordnung), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 139 (neue Anteilklassenverordnung), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 50 (zum Prospektrecht in Bezug auf Investmentfonds; Fragen zum Erwerb von Finanzinstrumenten durch einen Investmentfonds), S. 155 f. (Investmentänderungsgesetz) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Investment Grade (so auch im Deutschen, seltener auch Erstklassigkeit):

Vermögensgegenstand, in der Regel ein marktfähiges Wertpapier, das von Rating-Agenturen nach einem Notenschema (between AAA and BBB) zum Kauf empfohlen wird. Die Kreditqualität sowohl von Schuldnern als auch von Titeln im Investment-Grade-Bereich wird als vergleichsweise hoch eingestuft (debt instrument rated in the top four rating classifications: a rating of BBB or higher; such securities are not likely to miss interest payments or go into default).

– Siehe , Bonität, Bonitätsnote, Downrating, Ekart, Non-Investment Grade, Plutoed, Risikoadjustierung, Scoring, Shadow Rating, Trennschärfe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Investment Research (investment research):

1 Allgemein die Tätigkeit der technischen Analyse.

2 Im Besonderen die banklichen Fachabteilungen, die

1. intern für das Institut oder

2. allgemein für die Kundschaft Vorschläge zum Kauf oder Verkauf von Vermögensgegenständen erarbeiten.

– Siehe Analyst, Anlage-Empfehlung, Wertpapieranalyse.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 35 (hinsichtlich international vereinbarten Grundsätze bei Anlage-Empfehlungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Investmentvermögen (investment asset pool):

Nach der - an Diallelen reichen! - Definition in § 1 InvG "Vermögen zur gemeinschaftlichen Kapitalanlage, die nach dem Grundsatz der Risikomischung in Vermögensgegenständen angelegt sind." - Nach einem Auslegungsschreiben der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht vom Juli 2013 ist ein Investmentvermögen im Sinne von § 1, Abs. 1 KAGB

1. jeder Organismus für gemeinsame Anlagen (undertaking for collective investment),

2. der von einer Anzahl von Anlegern Kapital einsammelt,

3. um es gemäss einer festgelegten Anlagestrategie

4. zum Nutzen dieser Anleger zu investieren und

5. der kein operativ tätiges Unternehmen ausserhalb des Finanzsektors ist. Der Begriff Organismus (undertaking) meint hier eine rechtlich oder betriebswirtschaftlich - etwa durch einen getrennten Rechnungskreis - verselbständigte Einheit (partway autonomous unit), in welcher das eingesammelte (pooled) Vermögen verwaltet wird.

– Siehe Fonds, Kapitalanlage-Rechnungslegungs-und Bewertungsverordnung, Kapitalverwaltungsgesellschaft, Verordnung zur Konkretisierung der Verhaltensregeln und Organisationsregeln nach dem Kapitalanlagegesetzbuch.

– Vgl. Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 162 (Neudefinition des Investmentvermögens; das KAGB erfasst alle Investmentvermögen unabhängig von ihrer Rechtsform und ohne Rücksicht auf ihre Gestaltung als offene oder geschlossene Fonds), S. 183 (Übersicht der verschiedenen Arten von Investmentvermögen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

IRB-Ansatz (internal rating based approach):

Im Rahmen von Basel-II anzuwendende Methode, um Kreditrisiken zu messen.

– Siehe Rating, internes.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2004, S. 78 ff. (genaue Erklärung), Monatsbericht der EZB vom Januar 2005, S. 53 ff., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 97 f. (Ergebnisse einer Umfrage über die Anwendung) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2006, S. 37 ff. (Rating bei zentralbankfähigen Sicherheiten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Irland-Krise (Ireland debt crisis):

Im November 2010 stand das Mitglied der EWU Irland am Rand des Staatsbankrotts. Im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise war die Regierung des Landes gezwungen, über mehrere Jahre mehr als ein Drittel der Staatseinnahmen zur Rettung einheimischer Banken aufzuwenden. Die notleidenden Kredite der sechs wichtigsten irischen Banken häuften sich bis Ende 2010 auf eine Summe, die in etwa die Hälfte der Wirtschaftsleistung des Landes ausmachte. Deutsche Institute hatten Ende 2010 Forderungen gegenüber irischen Schuldnern in Höhe von über 25 Mia EUR. Der europäische Stabilisierungsmechanismus sah sich gezwungen, Irland zu helfen. Das Land erhielt einen Kredit in Höhe von 85 Mia EUR von der EU und dem Internationalen Währungsfonds. - Die irischen Staatsfinanzen waren vor der Krise in einem guten Zustand. Verwundbar wurde das Land durch anhaltende Fehlleitung des Kapitals, vor allem in eine die Nachfrage bei weitem übersteigende Bautätigkeit und in einen aufgeblähten Finanzsektor. - Andererseits führte die Irland-Krise in Deutschland zu einem starken Schub in der Grundstimmung der Bevölkerung, Finanzhilfen an andere Staaten auszuschliessen; zumal als auch noch bekannt wurde, dass trotz Krise in Irland das Prokopfeinkommen in Dublin höher ist als in Berlin. - Im Dezember 2013 konnte Irland den Europäischen Stabilisierungsmechanismus verlassen; die Wirtschaftsdaten hatten sich dank einer gezielten Sparpolitik wesentlich verbessert. Freilich hatte die irische Zentralbank uneinbringliche Forderungen gestrauchelter Banken von über zwanzig Prozent des irischen Sozialprodukts in ihr Portfolio übernommen.

– Siehe Bailout, Blame game, ClubMed, Euro-Anleihen, gemeinsame, Eurostat, Exit, Finnland, Griechenland-Krise, Inverzugsetzung, Minhas-Gerais-Problem, Moral Hazard, Plan C, Portugal-Krise, Schattenstaat, Solidarität, finanzielle, Stabilisierungsmechanismus, europäischer, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Grundfehler, Staatsverschuldung, Wirkungen, Statistikbehörde, Transferunion, Umverteilung, zentralbankbewirkte, Verschuldung-Produktivität-Verkettung, Zwei-Wege-Option.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Dezember 2010, S. 89 ff. (der Beistand für Irland im Geflecht anderer Hilfen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Irrelevanztheorem (theorem of irrelevance):

Der Ertragszuwachs von Investitionen in einem Unternehmen ist - vollkommener Markt vorausgesetzt - unabhängig von der Art und Weise der Finanzierung dieser Investitionen.

– Siehe Modigliani-Miller-Theorem.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2012, S. 14 f. (Begründung in Anmerkung 4).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Islamic Banking (so auch im Deutschen gesagt):

Die auf die Besonderheiten in islamischen Ländern ausgerichtete Bedienung von Kunden durch eine Bank in Verfolg der islamischen Grundsätze der Geldwirtschaft (Islamic finance: it is based on the principle of sharing both losses and profits; and the main obligation for a financial transaction is that it must be based on a tangible asset so that the losses and profits generated by this asset can be shared). Entsprechende Institute oder teilselbständige (partway autonomous) Abteilungen wurden vor allem von Schweizer Banken ins Leben gerufen.

– Siehe Ijara, Istisna, Mudaraba, Murabaha, Musharaka, Qard al-Hasan, Salam, Sukuk.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Islandbanken-Falle (Island banks gap):

Island trat 1994 dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) bei und genoss die von der EU gewährte Freizügigkeit (free movement of persons, services and capital). Das nutzte unter anderem die isländische Kaupthing Bank. Das Institut hat seinen Stammsitz in der isländischen Hauptstadt Reykjavik und beschäftigte zu Jahresbeginn 2008 etwa 3'200 Mitarbeiter. Die Bank bot bei ihren Niederlassungen in der EU den Sparern äusserst günstige Zinsen auf täglich fällige Einlagen an. Freilich verzichtete die Kaupthing Bank darauf, sich an den Einrichtungen der Einlagensicherung im jeweiligen EU-Gastland zu beteiligen; das sparte Kosten und musste nach EU-Recht auch nicht zwingend sein. - Im Herbst 2009 stellte die isländische Aufsichtsbehörde die Insolvenz der Kaupthing Bank fest. Tausende von Anlegern in der EU verloren ihr Geld. Der deutschen Regierung gelang es, eine Entschädigung der etwa 50'000 Kunden der Kaupthing Bank zu erreichen. Das Institut wurde verstaatlicht und firmiert seit November 2009 unter dem Namen Arion Bank. - Die Geschehnisse um die Kaupthing Bank legten Schwächen im EU-Recht offen: Banken aus dem EWR durften in der EU tätig werden, ohne sich den strengen aufsichtlichen Regelungen der dort tätigen Banken unterwerfen zu müssen.

– Siehe Auslandsbank-Einlagen, Einlagesicherung, Garantiefonds, Feuerwehrfonds, Haftungsverbund, Internationale Vereinigung der Einlagesicherungen, Rückkopplungs-Mechanismus, Sicherungspflicht, Staatsbankrott, Too big to save-Grundsatz.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2010, S. 55 (Island muss zur Devisenbewirtschaftung übergehen), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 151 (Bedienung deutscher Kunden der Kaupthing Bank).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

ISO-Währungscode (ISO currency code):

Dreistellige Bezeichnung der Währungseinheiten (wie USD, GBP, EUR), entwickelt von der International Organisation for Standardisation als ISO-Norm 4217. Diese (vor allem im Auslandszahlungsverkehr benutzten) Abkürzungen ersetzen zwar nicht die amtlich festgesetzten nationalen Kurzbezeichnungen (im Beispiel: $, ₤, €) der Währungen. Sie setzen sich aber immer mehr im Geschäftsverkehr weltweit durch.

– Vgl. die bezüglichen Buchstabenfolgen im vierteljährlich erscheinenden Heft "Devisenkursstatistik" der Deutschen Bundesbank, Rubrik "ISO-Währungs¬codes".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Istisna (so auch im Deutschen gesagt):

Im Islamic Banking ein Vertrag, bei dem eine Partei sich verpflichtet, einen (langfristig nutzbaren) Vermögenswert vorzufinanzieren und zu errichten; die erforderlichen Materialien liefert der Vorfinanzierer (an agreement under which one of the parties (Moustasni'i) requests the other party (Snai'i) to manufacture or build an asset which is paid for in advance, in instalments or on completion). Der Auftraggeber zahlt bei Fertigstellung, im Regelfall in Bargeld.

– Siehe Ijara, Mudaraba, Murabaha, Musharaka, Salam, Sukuk.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Italienische Methode (lirafinancing):

In Bezug auf die Staatsverschuldung über die Emission immer neuer Titel die in Italien bis 1981 übliche Praxis, dass die Zentralbank alle Stücke, die zum festgesetzten Preis am Markt nicht unterzubringen waren, ankaufen und in ihr Portfolio nehmen musste. Auf diese Weise wurde die Geldpolitik der Fiskalpolitik unterworfen; die Inflation beschleunigte sich, und die ITL musste mehrmals abgewertet werden. Die realwirtschaftlichen Ursachen der Abwärtsspirale (downward spiral), nämlich zu hohe Staatsausgaben (overspending) und Vernachlässigung zwingend notwendiger Anpassungen (under-reforming) wurden auf solche Weise nicht angegangen.

– Siehe Aufkäufe, zentralbankliche, Buyer of last resort, Ein-Stimmen-Prinzip, Europäische Währungsunion, Grundfehler, EZB-Sündenfall, Friedman-These, Geldvermehrung, währungsunion-interne, Griechenland-Krise, Gruppendruck, Kassenkredit, Kredit, titrierter, Monetaristen, Repression, finanzielle, Rettungspaket, Sitzordnungsstreit, Strukturreformen, Südfront, Umverteilung, zentralbankbewirkte, Zinsglättung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2012, S. 27 f. (eine Zentralbank darf keine "quasi-fiskalische Rolle" einnehmen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

IT-Risiken (IT risks):

1 Teil des operationellen Risikos bei einem Institut. Informations-Technologie-Risiken lassen sich in interne und externe Risiken unterteilen.

1. Zu den internen IT-Risiken zählen vor allem fehlerhafte oder falsch eingerichtete (incorrect implemented) IT-Systeme, Probleme mit internen Rechnernetzen oder Systemabstürze (system crash) aufgrund selbst verursachter Stromausfälle (Kurzschluss; short circuit).

2. Externe IT-Risiken sind zum Beispiel die Gefahren durch Computerviren, Hackeraktivitäten, Verletzung der Sicherheit bei Internet-Banking und elektronischem Zahlungsverkehr sowie der Zusammenbruch externer Netze (network breakdown).

– Weil sich die IT zunehmend von einer reinen Hilfsfunktion zu einem Kernbereich (key factor) innert des Bankbetriebs entwickelt hat, nehmen auch die Aufsichtsbehörden diese Risiken besonders ins Auge. Zudem sind Kreditinstitute in Deutschland nach § 25a KWG gesetzlich dazu verpflichtet, angemessene Sicherheitsvorkehrungen gegen Computerversagen, Computermissbrauch und Computerkriminalität zu einzurichten.

2 Nach Basel-II beim Rating eines Unternehmens besonders zu gewichtende Risiken. Denn die IT ist fast überall zu einem Schlüsselfaktor innert der unternehmerischen Wertschöpfungskette (value [added] chain] geworden. Nachweislich kann ein Tag Ausfall der IT-Systeme (oder auch nur eines Bereichs, etwa des Kassensystems) bei einem grossen Einzelhandelsunternehmen bedeuten, dass die Firma in die Verlustzone gerät.

– Siehe Auslagerung, Back-off-Bereich, Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, Call Centre, Fehlertoleranz, Flash Crash, Geschäftskontinuität, Informations-Sicherung, Infrastructure Providing, Insourcing, Intermittenz, Outsourcing-Risiken, Risiko, operationelles, Service Line, Stromrisiko, Technologie-Risiken, Transferrisiken, Videokonferenz, Wartungszeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen