Versicherungsoptimierer.net - Finanzlexikon - H

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Habschaften, Habschaft und Habseligkeiten (belongings, effects):

In der älteren Literatur häufig gesagt von den zum Leben eines Menschen bzw. Privathaushalts notwendigen Gütern, wie vor allem Kleidung, Möbel, Hausrat (contents) einschliesslich der haushaltstypischen Elektrogeräte (electric household appliances) wie Waschmaschine (washing machine), Trockner (tumble dryer, tumbler) Herd (kitchen stove, cooker) oder Kühlschrank (domestic refrigerator). Nicht jedoch fallen unter diesen Begriff auch Geld und andere finanzielle Vermögenswerte im Besitz einer Person oder eines Privathaushalts.

– Siehe Vermögen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Habsucht und Habgier, in älteren Dokumenten auch Pleonexie (graspingness, pleonexia):

Das übersteigerte, unersättliche (insatiable) und daher krankhafte (pathological) Verlagen nach Reichtum, nach Vermögen. - Kennzeichnend dabei ist, dass der Habgierige

1. nicht den dienlichen Gebrauch, nicht die wirtschaftliche Verwendung und

2. auch nicht - im Gegensatz zum Geizigen - den Ertrag eines Vermögenswertes in den Mittelpunkt stellt. Ihm

3. geht es hauptsächlich um den Besitz als solchem, der ihm vorübergehend Befriedigung (momentarily satisfaction) verschafft. In der Regel ist

4. die Habsucht mit einer Verengung auf die eigenen Belange

5. unter völliger Hintansetzung der Rechte anderer verbunden (a pleonestic person will pursue its own interests with complete disregard for the rights of others and even for the considerations of common humanity). Auch

6. scheint es erwiesen, dass Habgier im Alter - im Gegensatz zu den meisten anderen Laster - zunimmt und

7. dass die Begierde, mehr zu haben, eine Person stärker quält als der Genuss von Reichtum befriedigt.

– Völlig verfehlt ist es indessen, diese Verirrung einer Persönlichkeit dem marktwirtschaftlichen System allgemein und besonders als dem Geld anhaftend zu bezeichnen oder mit der Geldrechenhaftigkeit in Beziehung zu bringen. Habsucht gab es laut Ausweis der Geschichte in jederart Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung. Sie wird auch in der von manch heiss ersehnten goldenen Zukunft des wahren Sozialismus (much-desired and fervently awaited glorious future of true socialism) nicht aus den Menschen verschwinden.

– Siehe Actus-purus-Grundsatz, Argyromanie, Chremagogik, Geiz, Geldabschaffung, Geldethik, Geldglaube, Geldhai, Geldversessenheit, Geldquetscher, Geldraffer, Geldphilosophie, Geldrechenhaftigkeit, Geldpsychologie, Grosskoz, Harpax, Mammonismus, Misochrematie, Pantheismus, monetärer, Sparsamkeit, Symboltheorie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hafen, sicherer (safe haven):

1 Zufluchtsstätte für Geldanleger, entweder bezogen auf

1. eine bestimmte Währung, wie den USD, CHF oder den EUR),

2. ein bestimmtes Land oder

3. bestimmte Titel, wie indexierte Anleihen oder Staatsanleihen.

2 Ein Vermögensgegenstand, der auch in Krisenzeiten seinen Wert behält, wie etwa Gold (any asset that loses none or little of its value in case of a market crash).

– Siehe Anleihe, indexgebundene, Aufwertungsdruck, Bargeldkontrolle, Condor-Anleihe, Euroflucht, Finanzinsel, Fluchtgeld, Geldanlage, sichere, Geldheimat, Geld, heisses, Gnomen von Zürich, Institution, Kapitalstrom-Paradoxon, Safe Haven Flows, Spill-over-Effekt, Swap, inflationsindexierter.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2006, S. 37 (Sog zu Staatsanleihen nach Verwerfungen auf dem Finanzmarkt), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2010, S. 43, S. 56 (der CHF als sicherer Hafen in der Finanzkrise), S. 48 f. (der USD als sicherer Hafen während der Finanzkrise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2010, S. 32 f. (Renditen deutscher Bundesanleihen unter dem Einfluss von Safe-Haven-Entscheidungen der Anleger; Übersicht; Literaturverweise), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2011, S. 19 f. (Probleme des CHF als sicherer Hafen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2014, S. 19 ff. (Safe-Haven-Geldflüsse; Definitionen; Literaturhinweise; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hafengeld (harbour due[s]; keelage):

1 Von Reedern, Verfrachtern, Magazineuren und (Container)Lagerern - dann auch im Englischen: storage - geforderte Zahlung für die Benutzung von Häfen sowie deren Anlagen und Einrichtungen; siehe § 621 HGB.

2 Von Fahrgastschiffen zu entrichtende Zahlung für das Anlegen im Hafen, berechnet heute bei Luxuslinern (luxury liners) als feste Summe oder nach der Anzahl der Landgänger (passengers going ashore).

– Siehe Abfertigungsgeld, Ankergeld, Auseisunggeld, Bordinggeld, Fremdhafengeld, Furtgeld, Kaigeld, Krangeld, Lastgeld, Liegegeld, Leuchtturmgeld, Lotsengeld, Mützengeld, Pfundgeld, Pratikageld, Räumegeld, Schleusengeld, Tonnengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Haferzinsgeld und Haberzinsgeld (oat soccage redemption payment):

Frühere Zahlung an den Grundherrn, um die Pflichtigkeit (Fron; soccage) zur Lieferung einer bestimmten Menge an Hafer (Haber; oat) abzulösen.

– Siehe Erlösung, Freikaufgeld, Frongeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Haftgeld (bargain money; bail money):

1 Die zur Sicherung der Vertragstreue (contract loyality, observance) im Voraus bezahlte Summe.

2 Bei Antritt eines - öffentlichen - Amtes geforderte Kaution und in der Regel verzinslich angelegt, um allfälliger Veruntreuung, in der älteren Literatur häufig auch Malversation (malversation: improper or corrupt behaviour in public office) genannt, vorzubeugen: Amtshaftsumme.

– Siehe Angeld, Douceur, Einschuss, Gewährgeld, Ingeld, Legegeld, Waarborgsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Haftpflichtversicherer ([legal] liability insurance):

Die für den Finanzmarkt aufgrund der Beitragseinnahmen und der Vermögensanlage wichtigen Unternehmen unterliegen in Deutschland der Aufsicht durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Die Behörde prüft in Stress-Tests auch deren Solvabilität.

– Siehe Risiko- und Solvabilitätsbeurteilung, unternehmenseigene.

– Vgl. Statistik 2012 der BaFin (Erstversicherungsunternehmen), S. 62 ff (Informationen und Nachweise der letzten Jahre im Vergleich) sowie den jeweiligen Jahresband der von der BaFin herausgegebenen Statistik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Haftung (liability; responsability):

1 Die durch die Rechtsordnung im Einzelnen geregelte Pflicht zur Übernahme eines Schadens durch einen anderen als den unmittelbar Betroffenen; die Verpflichtung zum Schadensersatz (the obligation for damage compensation).

2 Das Einstehen für die Folgen eigener Entscheidungen. Gerade im Finanzbereich ist Haftung in diesem Sinne die unabdingbare Voraussetzung (essential precondition) einer wettbewerbsgesteuerten Marktverfassung. Diese wird auf das Schwerste gestört, wenn die nachteiligen Folgen (detrimental consequences, negative effects) getroffener Entscheidungen auf andere verlagert werden, vor allem von dem Schuldner auf den Gläubiger. Daher sind Rettungsschirme, Schuldenschnitte und andere Massnahmen im Zuge der Staatsschuldenkrise nicht nur in sich höchst zweifelhaft, zumal noch dazu diese Hilfen mit viel zu wenig Kontrolle über die Verwendung der zugeleiteten Mittel verbunden waren und sind. Bei weitem schädlicher (much more destructive) ist die Aufweichung und Verdrängung des Grundsatzes, dass jeder für sein eigenes Handeln einzustehen hat. Dies paralysiert (paralysis: leads relentless into a situation of helpless stoppage, inactivity and finally into inability to act) die marktwirtschaftliche Ordnung schleichend und mündet in eine zunehmende Fehlallokation der Ressourcen: die knappen Mittel gelangen nicht mehr zum besten Wirt. Erfahrungsgemäss reagieren der Staat und die Zentralbank dann auf diese zu Tage getretenen Verwerfungen mit neuen Eingriffen in den Wirtschaftsprozess, welche das Übel verschlimmern statt zu beseitigen (economic policy measures which make things worse rather than to counter the underlying problem): nämlich alle dem Grundsatz der Haftung entgegenstehende Ausbildungen im Keine zu ersticken.

– Siehe Enteignung, kalte, Griechenland-Krise, Hypo Real Estate-Rettung, Japanisierung, Moral Hazard, Niedrigzinspolitik, Perpetuum Mobile, Rechnung, Schuldentilgungspakt, Staatshaftung, Zwangsenteignung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Haftungsdach (liability umbrella):

Unternehmen, welches die Haftung für vertraglich gebundene Vermittler übernimmt.

– Siehe Fondsvermittler, KWG-Vermittlerverordnung, Versicherungsvermittler.

– Vgl. Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 111 (Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Haftungsdach).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Haftungskaskade (liability cascade):

Um 2013 aufgekommene Bezeichnung in Zusammenhang mit dem einheitlichen Abwicklungsmechanismus. Nach dem Wasserfallprinzip (waterfall principle) haften danach bei der Schieflage eines Instituts zunächst die Aktionäre, Gläubiger und Einleger mit sehr hohen Beträgen. Wenn das nicht reicht, dann sollen nationale Abwicklungssysteme sowie der 2014 neu beschlossene Abwicklungsfonds für das Eurogebiet einspringen.

– Siehe Abwickelbarkeit, Anlage-Haftung, Bailout, Bank, systemische, Bankenrettung, Bankenrettungsgesetz, Banktestament, Bankenunion, Bazooka, Einlegerhaftung, G-Sifi, Gläubigervorrang, Moral Hazard, Notfallfonds für Krisenbanken, Retterei, Rettungsschirm, Schattenstaat, Stabilitätsfonds, europäischer, Too big to fail-Grundsatz, Transferunion, Vertragstreue, Zombiebank, Zwangswandelanleihe.

– Vgl. Geschäftsbericht 2013 der Deutschen Bundesbank, S. 36 ff. (ausführliche Darstellung), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2014, S. 40 (Übersicht der Haftungskaskade).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Haftungsverbund (loss-sharing agreement):

1 Als aufsichtsrechtlicher Begriff die Gesamtheit aller gruppeninternen Beziehungen in einem Bankkonzern (bank group), die eine über das Beteiligungskapital hinausgehende Verbindlichkeit begründen können.

2 Innert einer Bankengruppe, etwa den Sparkassen, eingerichteter Fonds, der bei allfälligen Schwierigkeiten einzelner Mitglieder in Bezug auf die Liquidität sichernd eintritt.

3 Eine Vereinbarung zwischen den Teilnehmern eines Überweisungs- oder Verrechnungssystems zur Aufteilung eines allfälligen Verlustes. Dieser kann entstehen, wenn ein oder mehrere Teilnehmer ihre Verpflichtungen nicht erfüllen können oder das System zusammenbricht. Die entsprechende Vereinbarung legt fest, wie der Verlust gegebenenfalls auf die betreffenden Partner im Einzelnen umgelegt (apportioned) wird (an agreement between participants in a clearing or settlement system regarding the apportionment of potential losses arising from the default of either a participant in the system or the system itself).

– Siehe Abwicklungssysteme, Complex Groups, Finanzkonglomerate, Holding, Lead Supervisor, Mischkonzern, Risikotragfähigkeit, TARGET-Missbrauch.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Haftzettel (post-it label):

Früher bei Wechseln eine angeheftete Erklärung, in welcher der Einreicher allfällige Unklarheiten - formelle Mängel (formal defects, deficiencies associated with technicalities) wie etwa in Bezug auf den Fälligkeitstag: hier sei beispielsweise das Datum unleserlich - bereinigt und durch Unterschrift bestätigt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hägergeld und Hegergeld (field guard fee; bull-roarer fee):

1 In alten Dokumenten eine gemeindliche Umlage zur Bezahlung des Hägers (field guard; Hagemann, Hegner, Flurschütze, Pfänder); Hagen = hier: eingehegte Grundstücksfläche.

2 Gebühr an den Stierhalter bei Bespringung (Besamung; inseminating) einer Kuh; Hagen = hier: Zuchtbulle (breeding bull), in alten Dokumenten auch Munni genannt.

– Siehe Flurgeld, Hamegeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Halage (haulage fee):

In älteren Dokumenten die Zahlung an den Treidler (Schiffszieher; tower), nämlich

1. an eine Person, die durch Muskelkraft (muscular strenght) bzw. mit eigenem Zugvieh (draught cattle)

2. ein Schiff

3. auf einem Treidelpfad (towpath, auch Leinpfad, Treppelweg und Reckweg genannt: der entlang eines Flusses oder Kanals angelegte Weg)

4. vom Ufer aus stromaufwärts (upstream) zieht; stromabwärts treibt das natürliche Gefälle (water flow rate) die Schiffe von selbst.

– Die Treidler waren an den europäischen Flüssen zumeist gewerbsmässig arbeitende Schiffszieher (towers on a commercial scale). Häufig betätigten sich jedoch auch ausserhalb der Feldbestellungszeiten (outside of time of farming operations) und vor allem in den Wintermonaten fluss- und kanalangrenzende Bauern als Treidler, was ihnen ein Zubrot einbrachte. - Das Aufkommen maschinengetriebener Wasserfahrzeuge (steamships, Dampfschiffe auf den europäischen Flüssen ab etwa 1830) machte das Treideln - auch Halferei genannt - überflüssig und führte zu einer beträchtlichen Senkung der Transportkosten vor allem für Massengüter (bulk goods) wie Salz oder Kohle.

– Siehe Gussgeld, Rheinoctroi, Triftgeld, Wassermaut.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Halbgeld (half due; detoriated money):

1 Frühere Bezeichnung für einen ermässigten Satz bei allen vorkommenden Abgaben, in der Regel die Hälfte des Hebesatzes (rate of assessment).

2 Heute in abfälligem Sinne (derogatory) auch gesagt für eine Währung, die durch Inflation an Kaufkraft verloren hat.

– Siehe Assignaten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hallage (storage charge):

In älteren Dokumenten eine Abgabe für Waren, die in einer Halle (store-house: Lagerhaus, Speicher; magazine: Magazin, dieses in älteren Dokumenten auch Ambar und Ambarre) gestapelt und unmittelbar von dort verkauft werden.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Halling (halfpenny):

Früher eine Kleinmünze im Wert von einem halben Pfennig.

– Siehe Goldmark, Mark, Münze, Reichsmark, Ort, Taler.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Halloweenregel (halloween indicator):

Besonders in den USA verbreitete Meinung, dass in der Zeit von Halloween (dem Tag vor dem Fest Allerheiligen, dem 1. November) bis Ende April an der Börse ein höherer Wertzuwachs stattfände als zu anderen Zeiten (the opinion that the period from November to April inclusive has considerably stronger growth on average than the other months). Ein statistisch überzeugender Nachweis dafür ist bis anhin noch nicht erbraucht worden.

– Siehe Behavioural Finance, Finanzmathematik, Finanzpsychologie, Freitag-13-Anomalie, Januar-Effekt, Kalender-Effekt, Montags-Effekt, Modellunsicherheit, Montag, schwarzer, Freitag, schwarzer, Sell-in-Mai-Effekt, Sentiment, Small-Cap-Effekt, Übertragungseffekt, psychologischer, Vorschatteneffekte, Wochenend-Effekt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Haltefrist (lock-up period, prescribed holding period):

Allgemein die Auflage (obligation), einen Vermögensgegenstand nicht vor einer vertraglich festgelegten Zeit zu verkaufen. Sinn einer solchen einschränkenden Sondervereinbarung (special arrangement) ist es, einen unzeitigen Verkaufsdruck (inopportune selling pressure) zu verhindern.

– Siehe Verkaufsbeschränkungen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Haltekosten (carrying cost, cost of carry):

Positive oder negative Netto-Finanzierungs-kosten des Besitzes eines Vermögensgegenstandes ohne Berücksichtigung allfällig zu entrichtender Steuern. Sie setzen sich im Wesentlichen zusammen

1. bei Waren aus den Lagerkosten, Versicherungsprämien und den Zinsen für die Finanzierung des Erwerbs der Waren,

2. bei Finanzinstrumenten aus den Erwerbskosten abzüglich der Zinserträge (interest receivable) und Dividenden.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Halter (holder, owner):

1 Der rechtliche Inhaber eines Vermögenswertes.

2 Bei einer Option jemand, der ein Geschäft zum Kauf (Call) oder Verkauf (Put) eines Vermögensgegenstandes getätigt hat (one who owns an option contract. In a call, the option holder has the right, but not the obligation, to buy the underlying asset, while, in a put, the option holder has the right to sell the underlying asset). Verkauft der Halter den Kontrakt, so wird der Käufer nunmehr zum Halter (an option holder may sell the option contract, at which point the buyer becomes the option holder).

– Siehe Long Call, Option, Put, Rohstoff-Termin¬vertrag, Short Call, Strip, Straddle, Terminspekulant.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hamegeld (gin fee):

Frühere Zahlung an den Jäger, der flurschädigendes Wild (crop damaging game) einfing; der Hame und der Hamen (gin) = Fangnetz.

– Siehe Flurgeld, Hägergeld, Hutgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hammelgeld (mutton fee):

Von Schafhaltern in Deutschland früher zu entrichtende Abgabe, auch Schnitthammelgeld genannt. Ursprünglich wurde diese nur für das Weiden (pasture) auf herrschaftlichem Grundbesitz gefordert. Die Abgabe war zunächst in Waren zu leisten, in der Regel durch Erzeugnisse der Landwirtschaft. Später wandelte man sie in eine geldliche Entschädigung um. Das Hammelgeld wurde immer mehr ausgeweitet und beschäftigte daher selbst das Reichskammergericht (Imperial High Court). Indessen waren Schafherden (herds of sheep) in früherer Zeit zur Mast und mehr noch zur Wollerzeugung ökonomisch von beträchtlicher Bedeutung. Die Abgabe wirkte daher in vielfacher Weise hinderlich auf das textilwirtschaftliche Gewerbe (textil fabrics).

– Siehe Frongeld, Garnsammel-Vorschuss, Detz, Kalbgeld, Triftgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Handbook of National Accounting: Financial Production, Flows and Stocks in the System of National Accounts, im Deutschen auch Handbuch zur Erfassung der Finanzdienstleistungen):

Vom Statistischen Amt der UNO und der EZB erarbeitetes Regelwerk zur Datenerhebung auf dem Finanzmarkt und zur Verbuchung in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. Das zu Jahresbeginn 2014 eingeführte Handbuch dient dazu, Finanzdienstleistungen weltweit einheitlich zu erfassen und kontenmässig in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung auszuweisen. Damit wurde ein wesentlicher Schritt zur Transparenz des globalen Finanzmarktes erreicht.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hände, schwache (weak hands):

Im Warentermingeschäft gesagt von der Wahrscheinlichkeit, dass der Vertragspartner zum Erfüllungszeitpunkt einen Barausgleich bevorzugt (in connection with delivery of commodities on futures contracts, the term generally means that the party probably does not intend to retain ownership of the commodity).

– Siehe Barabfindung, Commodity Futures, Erfüllung, Forderungs-Inkongruenz, Lieferung, physische, Option, Position, schwache, Rohstoff-Terminvertrag, Terminkontrakt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Handel, amtlicher (official trading):

(price determination) (each trading day) Für in diese Form des Handels an Börsen einbezogene Wertpapiere führte ein öffentlich bestellter, vereidigter Kursmakler das Orderbuch (Skontro), auf dessen Grundlage die Feststellung der Kurse erfolgte. Der amtliche Handel war eine Besonderheit der deutschen Börsen seit 1896 und wurde 2002 durch den amtlichen Markt abgelöst. Der amtliche Kursmakler (official broker) wurde durch die Rechtsfigur des Skontroführers ersetzt.

– Siehe Börsenmakler, Börsenpreisfindung, Kursmakler, Kursfeststellung, amtliche.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Handelbarkeit auch Fungibilität (marketability):

Wenn nicht anders definiert die Möglichkeit, Vermögenswerte und im Besonderen Finanzprodukte jederzeit zu einem angemessenen Preis verkaufen zu können, um sich so Bargeld zu verschaffen (the relative ease in which an asset can be sold quickly at a price near the price at which similar assets are selling). Verschliesst sich diese Möglichkeit, wie etwa im Zuge der Subprime-Krise (in the slipstream of the turmoil surrounding sub-prime crisis), so kann es sehr leicht zu Liquiditätsproblemen mit weitreichenden Folgewirkungen bei Instituten kommen.

– Siehe Effekten, Flüssigmachung, Liquiditätsformen, Marktliquidität, Vertretbarkeit.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2008, S. 103 (durch fehlende Handelbarkeit aufgetretene Engpässe).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Handeln, verdeckt gemeinsames (arm's length acting):

Jederart

1. Transaktion auf dem Finanzmarkt, darin eingeschlossen auch Kauf- und Verkaufsempfehlungen in elektronischen Plattformen,

2. bei dem zwei oder mehrere, an sich verbundene Akteure

3. so handeln, als seien sie verschiedene Entitäten (transactions where two or more related entities have nevertheless acted as if they had no pre-existing relations). In der Regel besteht das Ziel solchen Handelns in irgend einer Form der Marktmanipulation. Für die Aufsichtsbehörden ist es sehr schwer, selbst im Nachhinein entsprechenden Geschäften auf die Spur zu kommen.

– Siehe Aktienrückkauf, Deuteroskopie, Geschäfte, abgesprochene, Hockeyschläger-Angebot, Internet-Foren, Kursmanipulation, Marktmanipulation, grenzüberschreitende, Pairoff, Prearranged Trading, Trendhandel, Vertraulichkeitsvereinbarung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Handelsaussetzung (suspended trading):

Die vorübergehende Einstellung aller Operationen in Bezug auf ein an der Börse gehandeltes Papier. Dies geschieht jedesmal dann, wenn schwere Marktstörungen eingetreten sind. Veranlasst wird die Aussetzung durch die Börsengeschäftsführung aus eigener Initiative oder auf Antrag einer börsennotierten Aktiengesellschaft (suspended trading is temporary halt in trading of a security to correct serious imbalance between buy and sell orders. Such an imbalance is frequently caused by speculation resulting from an important news announcement, as a worse than anticipated earnings report, a merger announcement, a significant innovation or major legal problems).

– Siehe Einstellung, Notierung, ausgesetzte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Handelsbandbreite (trading range):

Wenn nicht anders definiert der Unterschied zwischen dem höchsten und niedersten Kurs für einen börsennotierten Vermögenswert innert einer bestimmten Zeitspanne (the difference between the highest and lowest price of a market-listed asset traded during a certain period of time).

– Siehe Börse, Handelsplattform, Spreizung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Handelsbank (merchant bank):

1 In der älteren Finanzsprache ein Institut mit dem Schwerpunkt auf Geschäfte mit Unternehmen des Gross- und Einzelhandels, oftmals mit der Nebenbedeutung einer Beschränkung auf einen engeren heimischen Wirtschaftsraum.

2 Institut, das sich besonders auf die Finanzierung von Aussenhandelsgeschäften spezialisiert hat.

3 Andere, vor allem in England übliche Bezeichnung für eine Investmentbank.

4 Zumeist in älteren Dokumenten ein Institut, das sich neben der Unternehmensfinanzierung im Besonderen auf die Begleitung von Fusionen und Übernahmen verlegt hat (a financial institution that specialises in corporate finance activities and advising on take¬overs).

– Siehe Bank.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Handelsbestand (held for trading, HfT):

Bei einem Institut alle Papiere, die mit der Absicht einer baldigen Veräusserung (realisation in the near future) erworben wurden.

– Siehe Handelsbuch, Wertpapiere, zur Veräusserung verfügbare. Im jeweiligen Monatsbericht vom September eines Jahres ist das Ergebnis aus dem Eigenhandel der Banken ausgewiesen und erläutert.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Handelsbilanz in älteren Dokumenten auch Kommerzbilanz (balance of trade; commercial balance sheet):

1 In der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung die in Kontoform (account form) dargebotene Gegenüberstellung der Einfuhren und Ausfuhren während eines Zeitraums.

2 Der kontenmässige Abschluss, den ein Unternehmen nach den jeweils geltenden Vorschriften des Handelsrechts zu erstellen hat. Nach § 242 HGB besteht die Pflicht für den Schluss eines jeden Geschäftsjahrs, eine solche, das Verhältnis des Vermögens zu den Schulden darstellende Abrechnung vorzulegen.

– Siehe Importgehalt, Kapitalbilanz, Terms of Trade, Unit-Value-Relation, Wettbewerbs-Status, internationaler, Zahlungsbilanz.

– Vgl. die bezüglichen Zahlen für den Euroraum im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets" im jeweiligen Monatsbericht der EZB, Rubrik "Aussenwirtschaft", Monatsbericht der EZB vom März 2012, S. 91 ff. (Übersicht der Handelsströme im Eurogebiet seit 1999; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Januar 2013, S. 69 ff. (Handelsbilanzen innert der EWU; ausführliche Darstellung), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2014, S. 72 (unterschiedliche Entwicklung der Kapitalströme in den Ländern der Eurozone; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Handelsbildschirm auch Remote Membership (trading screen):

Der Betreiber eines ausländischen Marktes für Finanzinstrumente bietet allfälligen Kunden den unmittelbaren elektronischen Zugang zum Handel in dem betreffenden Markt an. Solche Anerbieten (offerings) sind erlaubnispflichtig.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 153 (Voraussetzungen für die Erteilung einer Erlaubnis), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 178 (vier Betreibern ausländischer Märkte ist eine Erlaubnis seitens der BaFin erteilt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Handelsbuch (account book, commercial business):

Bei Banken das Portfolio mit Finanzinstrumenten, die

1. zur kurzfristigen Handelszwecken (also zum Wiederverkauf; for resale) oder

2. im Eigenbestand zwecks Erzielung eines Gewinns gehalten werden. In § 1 a KWG wird das Handelsbuch vorgeschrieben.

– Siehe Anlagebuch, Bankbuch, Handelsbestand, Regelgleichheit.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2004, S. 77 ff., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 76 (neue Rechtslage), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 113 (neue Vorgaben; Zurechnung von Waren).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Handelsbuchinstitut (own business institution):

Begriff des deutschen Rechts (§ 1, Abs. 12 KWG): Institute, welche den Eigenhandel betreiben, unabhängig davon, ob dieser als Dienstleistung für Dritte erfolgt oder nicht. Dem Handelsbuch werden daher alle Positionen in Finanzinstrumenten, handelbaren Forderungen und Anleihen zugeordnet, die zum Zwecke der Erzielung eines Eigenhandelserfolges (result of own-account trading) durch Ausnutzung kurzfristiger Preisschwankungen und Unterschieden zwischen Kauf- und Verkaufspreisen im Eigenbestand gehalten werden.

– Siehe Daytrading.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Handelsergebnis (trading result):

Bei einer Bank der Saldo der Erträge und Aufwendungen aus dem Eigenhandel in Wertpapieren, Finanzinstrumenten - insbesondere Derivaten -, Devisen und Edelmetallen, die zu Marktpreisen (Mark-to-Market-Ansatz) bewertet werden. Die Position umfasst auch jenen Teil der laufenden Zinsen, Dividenden und Refinanzierungsbestandteile, welcher den Handelsaktivitäten (trading activities) beizuordnen ist.

– Siehe Ergebnis, operatives, Gewinn, Handelsbuch.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Handelskapital (commercial stock; stock in trade):

1 Das nach bestimmten buchhalterischen Regeln festgestellte Vermögen eines Unternehmens.

2 In der marxistischen Terminologie (im Unterschied zum Industriekapital) die Gesamtheit der Kaufleute, die Waren einkaufen und verkaufen, und in aller Regel negativ ("Wucherkapital"; usurious capital) beurteilt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Handelskosten (trading costs):

Unvermeidliche Ausgaben, die beim Kauf oder Verkauf eines Vermögenswertes Es sind dies vor allem Kommissionen, Börsengebühren und Umsatzsteuer (costs of buying and selling marketable assets. Trading costs chiefly include commissions, exchange fees and sales tax).

– Siehe Aufwendungen, Geschäfte, provisionsabhängige, Kosten, Prämie, Unkosten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Handelskredit (business loan, trade credit):

Wenn nicht anders definiert in der Aussenhandels-Statistik

1. gewährte und in Anspruch genommene Zahlungsziele im Güterverkehr mit dem Ausland sowie

2. geleistete und empfangene Anzahlungen beim Export und Import von Grossanlagen.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2006, S. 17 ff. S. 34 (Übersicht; Probleme der Erfassung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Handelsoffenlegung (audit trial):

An der Börse ein häufig in der Börsenordnung vorgeschriebener Bericht über die Einzelheiten der Ausführung eines Geschäftes (the record of trading information identifying, for example, the brokers taking part in each transaction, the firms clearing the trade, the terms and time or sequence of the trade, the order receipt and execution time, and other details).

– Siehe Offenlegungspflichten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Handelsplattform und Handelssystem (trading facility):

Allgemein jede Einrichtung, die Anbieter und Nachfrager börsenmässig (as traded on an exchange) zusammenbringt (institution that constitutes, maintains, or provides a physical or electronic facility or system in which multiple participants have the ability to execute or trade agreements, contracts, or transactions by accepting bids or offers made by other participants that are open to multiple participants in the facility or system). - Die Aufsichtsbehörden in Deutschland betrachten solche Einrichtungen als das Betrieben erlaubnispflichtiger Bankgeschäfte oder Finanzdienstleistungen, auch wenn die Transaktionssysteme keine Börsen nach dem Börsengesetz sind.

– Siehe Dark Pool, Devisenhandel, computerisierter, Flash Crash, Gegenpartei, zentrale, Geldmarkt, Handelsbandbreite, Handelssystem, alternatives, Handelssystem, multilaterales, Markt, dritter, Over-the-Counter Trading, Vorhandelstransparenz, Wertpapiermarkt.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 153 f. (Neuregelung des Rechtsrahmens; Veröffentlichungspflichten), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 60 (Aufkommen neuer Plattformen), S. 177 f. (Bedeutung der Plattformen nimmt zu).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Handelssystem, alternatives (alternative trading system) auch Handelssystem, elektronisches (electronic trading facility):

Elektronisches Verfahren, welches - ohne Börse zu sein - wie im börslichen Handel Angebot und Nachfrage nach Wertpapieren, Geldmarktinstrumenten oder Derivaten nach einheitlichen Regeln mit dem Ziel des Vertragsabschlusses zusammenführt (a trading facility that works by means of an electronic or telecommunications network; and keeps an automated audit trail of bids, offers, and the matching of orders or the execution of transactions on the facility); vgl. auch § 58 ff. BörsG. - Dabei werden praktisch rund um die Uhr alle Kauf- und Verkaufsaufträge der zugelassenen Teilnehmer (licensed members) in einem zentralen Computersystem gegenübergestellt. Neben Banken nehmen vermehrt auch Zentralbanken, Versicherungen, Kapitalverwaltungsgesellschaften und grosse Unternehmen am Handel in elektronischen Systemen teil. - In Deutschland unterliegen Betreiber elektronischer Handelssysteme der Aufsicht durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.

– Siehe Computerböse, Derivategeschäfte-Clearingpflicht, Derivategeschäfte-Meldepflicht, Devisenhandel, computerisierter, Eurex, Flash Crash, Geisterstunde, General Collateral-Repos, Handelsplattform, Handelssystem, multilaterales.

– Vgl. Jahresbericht 2001 des Bundesaufsichtsamts für den Wertpapierhandel, S. 46, Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 177 f. (die Zunahme alternativer Handelssysteme wirft besondere aufsichtliche Fragen auf).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Handelssystem, einer für alle manchmal auch 1:A-Plattform (one-to-all trading system):

Eine Plattform, in der Angebot und Nachfrage für Waren, Derivate oder andere Finanzinstrumente eingestellt werden. Der Betreiber der Plattform steht dabei als Gegenpartei für jedes Geschäft zur Verfügung (proprietary trading platform in which the platform operator posts bids and offers for commodities, derivatives, or other instruments and serves as a counterparty to every transaction executed on the board).

– Siehe Handelssystem, multilaterales.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Handelssystem, multilaterales, MTF (multilateral trading facility):

Die

1. von einer Wertpapierfirma oder einem anderen Betreiber zur Verfügung gestellte Einrichtung,

2. auf welcher die Wünsche einzelner Auftraggeber am Kauf bzw. Verkauf von Finanzinstrumenten gemäss § 1 Abs. 11 KWG zusammengeführt werden,

3. ohne dass dabei ein Entscheidungsspielraum bezüglich des endgültigen Geschäftsabschlusses mit einem bestimmten Vertragspartner verbleibt (a system, operated by an investment firm or a market operator, which brings together various third-party buying and selling interests in financial instruments in a special arrangement and in accordance with non-discretionary rules). Nicht hingegen als multilaterale Handelssysteme gelten bilaterale Systeme, bei dem das Gegenüber des Kaufs bzw. Verkaufs immer der gleiche Anbieter ist. Auch nicht erfasst sind Inserat-Systeme, die gleichsam als ein elektronisches schwarzes Brett arbeiten, und auf dem Interessenten ihre Handelswünsche öffentlich abgeben können. Gemäss der Markets in Financial Instruments Directive der EU bestehen für solche Dienstleister umfangreiche Offenlegungspflichten. Der Betrieb eines solchen Systems gilt in Deutschland seit 2006 als Wertpapier-Dienstleistung. Ende 2012 gab die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ein eigenes Merkblatt über die besonderen Organisatorische Anforderungen für den Betrieb eines multilateralen Handelssystems nach §§ 31 f und 31 g WpHG heraus.

– Siehe Handelsoffenlegung, Handelssystem, alternatives, Markt, organisierter.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 144 (Konkurrenz zu Börsen), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 152 f. (Überwachung; Erlaubnisfragen für ausländische MTFs), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 177 f. (die Zunahme alternativer Handelssysteme wirft Fragen auf), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 64 (Organised Trading Facilities sollen den Vorschriften der MTFs angeglichen werden), S: 177 (Fragen der Aufsicht), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 95 (Zahl der Institute; Gliederung der Erlaubnis).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Handelssystem, organisiertes (organised trading facility, OTF):

Zu Jahresbeginn 2014 wurden zufolge zuverlässiger Schätzungen weltweit neunzig Prozent der Derivate und etwa dreissig Prozent der Aktien nicht über Börsen oder vergleichbaren markttransparenten Handelsplattformen umgesetzt. In diesen weithin undurchschaubaren Geschäften sieht man vielerlei Gefahren. Vor allem liegt hier ein Keim für Finanzkrisen. Denn weder die Anbieter, noch die Nachfrager noch die Aufsichtsbehörden sind angesichts der fehlenden Informationen in der Lage, das Geschehen auf diesen Märkten richtig einzuschätzen und wirtschaftlich sinnvolle Entscheidungen zu treffen. Im Zuge der Neufassung der Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente soll daher ab spätestens 2017 eine Pflicht zum Handel über OTFs für die EU verbindlich eingeführt werden.

– Siehe Gegenpartei, zentrale, Kreditderivate, Marktfähigkeit, Marktmacher, Multilaterales Handelssystem.

– Vgl Jahresbericht 2012 der EZB, S. 134 (EZB begrüsst diese marktstrukturelle Verbesserung), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 64 (die OTFs sollen weltweit denselben Vorschriften unterliegen wie MTFs) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Internationales".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Handelsüberwachungsstelle (trading monitoring department):

In Deutschland bei den Börsen angesiedelte Kontrollorgane, die Unregelmässigkeiten im Börsenverkehr sowie Insider-Transaktionen aufspüren und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht bzw. der zuständigen Staatsanwaltschaft zur Kenntnis bringen; vgl. § 4 BörsG, dort auch genaue Aufgabenbeschreibung. Die Handelsüberwachungsstelle ist unabhängig von der Börsengeschäftsführung. - Es gilt als unbestritten, dass allein schon durch die Einrichtung der Überwachungsstellen die Anzahl verbotswidriger Geschäfte (prohibited actions) zurückgedrängt, weil so ein wirksames Abschreckungspotential (powerful deterrence potential) errichtet wurde.

– Siehe Ausreisser, Beobachtungsliste, Compliance, Falscherklärung, Nominee, System Securities Watch Application, Whistleblower.

– Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 185 (Meldungen der Überwachungsstellen) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Handelsumlenkung (trade diversion):

Die Behauptung, dass in einer Währungsunion nach Wegfall vor allem des Wechselkurs-Risikos die Zunahme des innergemeinschaftlichen Handels zulasten des Güteraustauschs mit dem Rest der Welt gehe. Empirische Studien haben eindeutig gezeigt, dass dies für das Eurogebiet nicht zutrifft.

<– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2008, S. 35 (keine Handelsumlenkung im Eurogebiet; Literaturverweise)./p> Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Handelsvertrag, in der älteren Literatur auch Kommerztraktat (trade agreement):

Vereinbarung zwischen zwei oder mehreren Ländern, in der Einzelheiten zum zwischenstaatlichen Handelsverkehr geregelt und auch die Zahlungsmodalitäten festgelegt werden.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Handelszeit, erlaubte (window period):

Wenn nicht anders definiert der Zeitraum, in denen es leitenden Angestellten eines Unternehmens gestattet ist, privat, auf eigene Rechnung Aktien der eigenen Gesellschaft zu kaufen und zu verkaufen (the time interval during which a company permits its executives and key employees to trade its shares).

– Siehe Compliance, Handelsüberwachungsstelle, Insider-Meldepflicht, Sperrfrist.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Handgeld (prestation money; free expenses; bribe money; first punter pay; cash money; transfer fee; laudemium):

1 Aus der alten Hof-Schatulle (regent's cascet) hervorgegangene Privatkasse des Landesherrn.

2 Leitenden Mitarbeitern ohne Einzelbelegpflicht (without obligation to keep records in detail) zur freien Verfügung gestellter Betrag, in der Regel in Bargeld, zur Begleichung kleinerer Ausgaben (Vertrauens-Spesen; trust-based expenses); in alten Dokumenten auch Hadergeld genannt; hadern = hier: schachern, feilschen.

3 Zur unmittelbaren oder mittelbaren Bestechung (im Englischen scherzhaft auch moneypulating) eingesetzte Mittel; die zu diesem Zweck angesammelte Summe wird auch Schmiergeldfonds (slush fund, boodle) genannt: eine in der Teutonie gänzlich unbekannte Einrichtung.

4 Von Bietern an Entscheidungsträger der Zielgesellschaft (acquiree: the firm that should be acquired) bezahlte Summen, um diese entsprechend zu beeinflussen.

5 Bei Immobilienkäufen übliche Vorauszahlung in Bargeld an den Verkäufer, um den notariell beurkundeten Preis der Immobilie niedriger zu halten und dadurch Grunderwerbssteuer (real estate transfer tax, property acquisition tax) zu ersparen, auch Unterdemtisch-Geld genannt.

6 Andere Bezeichnung für das Bedienungsgeld.

7 In Bordellen die Einnahme einer Dirne vom erster Freier am Tag.

8 In alten Dokumenten manchmal auch allgemein in der Bedeutung von Bargeld.

9 Im Fussball und anderen Sportarten die Ablöse für einen Spieler.

10 Früher eine einmalige Zahlung, die ein neuer Pächter - auch im Erbfall - an den Grundherrn zu leisten hatte, auch Handlohn genannt (a one-off payment paid to the original owner of the ground on occasion of a change in leaseholder).

– Siehe Anerkennungsprämie, Angeld, Begrüssungsgeld, Douceur, Fussgeld, Geld, weiches, Geldzahlungsgeste, Gratuist, Handschuhgeld, Investition, persönliche, Préstamo, Reedergeld, Rückvergütung, Schmiergeld, Supplikationsgeld, Transaktionsbonus, Trinkgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Handle (so auch im Deutschen gesagt; seltener Vollbetrag):

1 An der Börse werden unter den Beteiligten beispielsweise bei einem Angebot von 90,10 EUR und einer Nachfrage 90,11 EUR nur die Nachkommastellen (hier: 10 – 11) genannt. Es wird vorausgesetzt, dass die Händler den vor dem Komma stehenden Preis des Papiers kennen. Dieser ist in der Börsensprache der Handle (the whole-euro price of a bid or offer is referred to as the handle. If for instance a security is quoted at 90.10 bid and 90.11 offered, 90 is the handle. Traders are assumed to know the handle).

2 Das Total der Einnahmen einer Wirtschaftseinheit aus einer einmaligen oder mehrmals getätigten Operation bzw. während eines bestimmten Zeitabschnitts (the total amount of money taken in by a business on one transaction, sale, event, or series of transactions, or during a specific period, especially by a theatre, discotheque, sports arena, resort hotel, or the like).

– Siehe Bai-Kai, Bid-ask-Spread, Big Figure, Börsensprache, Pips, Punkt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Handlungsbereitschaft (readiness to act):

In Zusammenhang mit der Geldpolitik allgemein die Neigung einer Zentralbank, bestimmte Massnahmen zu ergreifen. - Wie die Geschichte lehrt, stärkt öffentlicher Druck auf eine unabhängige Zentralbank keineswegs deren Wille, von aussen an sie herangetragene Empfehlungen in die Tat umzusetzen. Manche gehen gar so weit zu behaupten, dass jede versuchte Einflussnahme auf die Zentralbank - vor allem seitens geltungssüchtiger Politiker und parteilicher Funktionaire - deren Handlungsbereitschaft mindert.

– Siehe Becket-Effekt, Codewörter, EZB-Protokolle, Veröffentlichung, Forward Guidance, Führung, verbale, Geldmarkt-Volatilität, Politik des offenen Mundes, Poltergeist.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Handlungsgebot, dringendes (last straw):

In der Sprache der Aufsichtsbehörden das Eingreifen des Managements in eine Entwicklung, die aus dem Ruder zu laufen droht (fatal development that causes the management to take action).

– Siehe Default, Risikomanagement, Verlustabsorptionsfähigkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Handschein (note of hand):

1 Bescheinigung über einen Betrag, der in Kürze zurückbezahlt werden soll. Besonders im kaufmännischen Verkehr zwischen vertrauten Geschäftspartnern bis ins 19 Jhdt. verbreitete Form eines Zahlungsversprechens (promise of payment); heute sehr selten geworden. - Seiner Rechtsnatur nach ist der Handschein ein abstraktes Schuldversprechen (bare acknowledgement of debt), d. h. ein Vertrag, in welchem eine Zahlung in der Weise versprochen wird, dass das Versprechen den Anspruch selbständig begründet.

2 In der alten Rechtssprache auch allgemein die mit persönlicher Unterschrift versehene Ausfertigung eines Dokumentes (chirographum).

– Siehe Idiograph, Promesse.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Handschlag, goldener (golden handshake):

Vereinbarung in Arbeitsverträgen mit leitenden Mitarbeitern auch im Finanzbereich, dass diese bei Ausscheiden eine hohe Summe bar oder in anderer Form erhalten. Ursprünglich als Prämie für das Risiko plötzlicher Veränderungen im Rahmen von Fusionen und Übernahmen gedacht (in the case that the executive loses their job through restructuring), verabschiedete man auch wegen offensichtlicher Unfähigkeit (apparent inability, obvious deficiencies) entlassende Vorstandsmitglieder mit goldenem Handschlag. Dies führte zu breitem Tadel in der Öffentlichkeit und schadete dem Image der Manager ("Nieten in Nadelstreifen"; bunglers in pinstriped suits) nachhaltig.

– Siehe Bonus, Dividende, irische, Geldverbrennung, Lemons-Problem, Millionengrab, Mitarbeiter-Verantwortlichkeit, Prämie, Refaktie, Schlafgeld, Sitzungssaal-Putsch, Tantieme, Totholz, Vergütung, Vorstandsbezüge.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Handschuhgeld (glove due; bribe):

1 Frühere Bezeichnung für

1. eine gebräuchliche Zahlung (customary payment) bei besonderen Anlässen, wie beispielsweise die an manchen Orten übliche Gewohnheit (local custom), dass der Pate eines Täuflings (godfather of a baptizand) dem Geistlichen ein Geldgeschenk überreicht, oder

2. eine Gebühr, wie vor allem bei einer akademischen Prüfung (academic examination, university examination).

2 Heute noch teilweise gesagt für das hierzulande unbekannte Schmiergeld in der Bedeutung Zahlung an Amtspersonen, um sich einen persönlichen Vorteil zu verschaffen.

– Siehe Bettgeld, Douceur, Draufgeld, Geldzahlungsgeste, Gratuist, Handgeld, Rückvergütung, Transaktionsbonus, Trinkgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hands-on-Prinzip (so auch im Deutschen gesagt):

Ein Investor - auch eine Bank, eine Kapitalverwaltungsgesellschaft - verbindet mit einem grösseren Besitzanteil an ein Unternehmen den Anspruch, wichtige Entscheidungen der Geschäftsleitung unmittelbar mitbestimmen zu können (an investor who has contributed capital to a company takes an active management role). - Geschieht das nicht bzw. die Kontrolle des Managements nur indirekt - etwa über Vertreter im Aufsichtsrat -, so spricht man von Hands-off-Prinzip.

– Siehe Beteiligungsgesellschaft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hängeposition auch Liegenbleiber (hangover securities):

Wertpapiere, die eine Bank entgegen ihrer Absicht zumindest jetzt nicht auf dem Markt absetzen kann, weil die Nachfrage fehlt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hard claim (so auch im Deutschen gesagt, seltener Unverhandelbares):

Eine Schuld, über die sich keineswegs diskutieren lässt; und der Schuldner kann den fordernden Gläubiger - den Liquidanten in der älteren Finanzsprache - auch nicht dazu bewegen, auf die Zahlung zu warten. - Gesamthaft gesehen sind alle Kredite der Banken Hard claims; schon deswegen, weil sich eine Institut aus organisatorischen Gründen nicht in Verhandlungen mit Tausenden von Kreditnehmern verlieren kann, die gewährte Darlehn nicht zurückzahlen wollen bzw. vereinbarte Kreditverträge nicht einzuhalten gedenken.

– Siehe Einzug, Feilschen, Kunde, fauler, Ziel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hardesgeld (herad due):

Früher eine Abgabe für den Finanzbedarf der Harde. - Eine Harde war im Norden - wie beispielsweise in Schleswig - zunächst eine lose Siedlungsgemeinschaft. Die Besammlung der Einwohner (Hardesthing; herad thing) wählte den Hardesvogt (herad governor). Später entwickelten sich daraus untere Verwaltungsbehörden; ab dem 17 Jh. begann die Landesherrschaft, Juristen als Hardesvögte einzusetzen. Im Laufe der Zeit entstanden aus den Harden die heute üblichen Verwaltungseinheiten (administrative districts; Amtsbezirke; local administrative units; Kreise).

– Siehe Knickgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Harai (harai):

In der älteren Finanzsprache allgemein gesagt von einem Toleranzgeld. Ursprünglich war das Harai ein Tribut, welchen in der Türkei alle Nichtmohammedaner - jeder Kiafir = Ungläubige, im engeren Sinne: Christen - bezahlen mussten.

– Siehe Charadsch, Schirmgeld, Schutzgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Harmonisierter Verbraucherpreisindex, HVPI (harmonised index of consumer prices, HICP):

Preisindex, zusammengesetzt aus den Lebenshaltungskosten-Indizes (cost-of-living indexes; Indizes der Konsumentenpreise) der einzelnen Mitgliedstaaten des Eurosystems. Er wird bei den geldpolitischen Zielen der EZB weitgehend als Massgrösse zugrundegelegt. Weil in jedem Mitgliedsland im Eurogebiet für die Berechnung etwa 700 Dienstleistungen (rund vierzig Prozent) und Waren ermittelt werden, gründet sich der HVPI auf rund 1,7 Mio Einzelpreisen; und es kommt ihm daher eine sehr hohe Repräsentanz zu. - Der Index wird von Eurostat berechnet und hinsichtlich der Erhebungstechnik, Abgrenzung, Gewichtung und anderer Merkmale ständig verbessert. Der HVPI liegt für den Zeitraum ab 1995 vor. - Der HVPI gewichtet die Güter allein an ihrem Anteil an den Ausgaben eines durchschnittlichen Privathaushalts gesamthaft. Er kann nicht im Besonderen etwa auf Einkommensbezieher mit niedrigem Einkommen Rücksicht nehmen. Bei diesen Privathaushalten weisen in der Regel die von Preissteigerungen besonders betroffenen Güter des täglichen Bedarfs (victuals; Lebensmittel; cigarettes; Zigaretten) einen sehr hohen Prozentsatz auf. Für die unteren Einkommensbezieher bringt es daher nichts, wenn etwa Mobiltelephone, Laptops oder Parfüm billiger werden.

– Siehe Ausrichtung, einzielige, Basiseffekt, Baupreisindex, Beschaffungs-Umschichtungen, Bio-Aufschlag, Energiepreise, Güterkorb, HVPI-Buckel, Inflation, Inflation, gefühlte, Kerninflation, Qualitätsänderungen, Preisindex der Lebenshaltung, Produktneuheiten, Substitutionsverhalten Wohnraum, selbstgenutzter, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Oktober 1999, S. 39 ff., Monatsbericht der EZB vom Dezember 2000, S. 30 ff., Monatsbericht der EZB vom April 2001, S. 47 f., Monatsbericht der EZB vom Mai 2001, S. 42 ff., Monatsbericht der EZB vom Juni 2001, S. 42 f. (hier Aufschlüsselung der Entwicklung seit 1999), Monatsbericht der EZB vom August 2002, S. 43 ff. (hier auch Erklärungen zur Preisniveau-Konvergenz), Monatsbericht der EZB vom April 2003, S. 29 (neues Gewichtungs-Schema), Monatsbericht der EZB vom September 2003 (Analyse der Ursachen der Volatilität), Jahresbericht 2003 der EZB, S. 16 ff. (grundsätzliche Darlegung). - Der Stand und die Entwicklung (ab 1995) des HVPI ist im Teil "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Preise, Produktion, Nachfrage und Arbeitsmärkte" des jeweiligen Monatsberichtes der EZB (breit aufgeschlüsselt) wiedergegeben. Das aktualisierte Gewichtungs-Schema findet sich im Monatsbericht der EZB vom März 2002, S. 39 (dort auch über die Anwendung zusätzlicher Harmonisierungsregeln ab Jänner 2002). Über Auswirkungen der Umstellung auf den EUR auf den HVPI siehe den Jahresbericht 2001 der EZB, S. 37 f. Über den Einfluss von Steuern und administrierter Preise auf den Index siehe Monatsbericht der EZB vom Januar 2004, S. 32 ff. Über den Einfluss der volatilsten Komponente im HVPI, nämlich des Ölpreises, vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2005, S. 35 ff., wegen weiterer Komponenten vgl. Jahresbericht 2004 der EZB, S. 44 ff., Monatsbericht der EZB vom Juli 2005, S. 61 ff. (ausführliche Erläuterung; viele Übersichten), Monatsbericht der EZB vom März 2006, S. 56 ff. (verbesserte Verfahren bei der Berechnung), Monatsbericht der EZB vom März 2007, S. 54 ff. (saisonale Einflüsse; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Mai 2007, S. 76 f. (Qualität des HVPI), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2008, S. 34 ff. (Neugewichtung, S. 39: Sample der Waren und Dienstleistungen), Monatsbericht der EZB vom September 2008, S. 13 ff. (Anstieg der Nahrungsmittelpreise; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2008, S. 41 f. (Veränderung der HVPI innert der EWU-Staaten seit 1999), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2009, S. 43 f. f. (Bewegung des HVPI während der Finanzkrise; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom November 2009, S. 50 ff. (Steuern und HVPI), Monatsbericht der EZB vom Juni 2010, S. 60 ff. (Priese für Agrarrohstoffe und Nahrungsmittel im HVPI 2007-April 2010), Monatsbericht der EZB vom April 2011, S. 40 ff. (methodische Änderungen der Erfassung und ihre Auswirkungen; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2011, S. 52 ff. (Auswirkungen von Veränderungen der Weltmarktpreise auf den HVPI; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Januar 2012, S. 48 ff. (der Anstieg der Erdölpreise [über fünf Prozent jährlich seit 1999] und der indirekten Steuern sind die Hauptursachen der Preissteigerung; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Februar 2012, S. 59 ff. (Preissteigerungen seit 1999 aufgeschlüsselt; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom März 2012, S. 70 f. (Änderung indirekter Steuern auf die Verbraucherpreise; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom April 2012, S. 42 ff. (Neugewichtung), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2013, S. 66 f. (Nahrungsmittelpreise auf dem Weltmarkt und in der EU; Übersicht; Tendenz zum Gleichlauf), Monatsbericht der EZB vom Februar 2014, S. 56 ff. (Basiseffekte und ihre Auswirkgen; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom März 2014, S. 64 ff. (Einfluss der Dienstleistungspreise auf den HVPI; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom April 2014, S. 45 ff. (Messprobleme), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2014, S, 13 ff. (Bestimmungsgründe der Nahrungsmittelpreise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Harmonisierung (harmonisation):

In Bezug auf den Finanzmarkt die Rechtsangleichung (legislative and prudential alignment) auf der Ebene der EWU, der EU oder seltener auch weltweit. - Seit etwa 2013 ist auf dem Gebiet der aufsichtsrechtlichen Harmonisierung im Interesse der Einheitlichkeit der Regelungen auf dem Finanzmarkt ein Trend zur Maximalharmonisierung (maximal harmonisation) erkennbar: die Mitgliedstaaten sind an die Regelungen fest gebunden. Bis dahin überwog die Minimalharmonisierung (minimal harmonisation). Die einzelnen Staaten durften die Regelungen nicht unterschreiten, wohl aber darüber hinausgehen. Dadurch entstanden Teilmärkte mit teils lascherer, teils strengerer Vorschrift, was nachweislich zur Regulierungsarbitrage einlud.

– Siehe Aufsichtsvermeidung, Fragmentierung, aufsichtliche, Regelgleichheit, Subsidiaritätsprinzip.

– Vgl. Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 166 (Maximalharmonisierung als Grundsatz [warum die Maximalharmonisierung ein "Konzept" ist, wissen wohl nur die gutbezahlten Berichtschreiber]).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Harpax und Harpagon (niggard, penny pincher):

In älteren Dokumenten eine geldgierige, geizige Person (someone who stingily avoids spending money), ein habsüchtiger (avaricious) Mensch, ein filziger Abzwacker. In unserer aufgeklärten postmodernen Gesellschaft (enlightened post-modern society) findet man solche Personen kaum mehr. In der heissersehnten sozialistischen Zukunftsgesellschaft (long awaited paradisiac socialist society) kann es solche Menschen definitionsgemäss überhaupt nicht mehr geben, weil im Sozialismus alle Menschen in Genügsamkeit und Selbstbescheidung zusammenleben.

– Siehe Argyromanie, Finanzgeier, Geiz, Geldglaube, Geldhai, Geldquetscher, Geldraffer, Geldverkettung, Geldversessenheit, Geldquetscher, Habsucht, Mammonismus, Reichtum, Sparsamkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Härtefonds (hardship fund):

Allgemein eine eingeplante Geldreserve (money kept in reserve), aus der unverschuldet in Not geratenen Menschen oder Unternehmen Hilfen zum Überleben - etwa bei Hochwasser (high flood), Brand oder Erdbeben - gewährt werden kann. Häufig wird ein Härtefonds in staatlichen Budgets, bei Versicherungen und auch auf der Ebene gemeinnütziger Organisationen als eigener Haushaltposten (budget item) geführt.

– Siehe Haushaltsreserve, Katastrophenfonds, Schock, externer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hartgeld (metallic currency; hard money; early profitable investment):

1 Münzen in ihrer Funktion als gesetzliches Zahlungsmittel.

2 An Edelmetall gebundene Zahlungsmittel.

3 Im Jargon der Finanzwelt auch eine Investition, die in absehbarer Zeit eine Rendite abwerfen muss; im Besonderen von Wagniskapital gesagt.

– Siehe Aftergeld, Annahmezwang, Bargeld, Geldmenge, Goldwert, Greshamsches Gesetz, Lötigkeit, Münzcommis, Münze, Münzpflege, Rauhgewicht, Remedium, Spores Raffel, Währung, Zahlungsmittel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Harzgeld auch Harzergeld (resin fee):

Früher eine teils einmalige, teils laufend zu errichtende Abgabe für das Recht zum Sammeln von Harz in herrschaftlichen oder gemeindlichen Wäldern gewerblich betreiben zu dürfen (right to tap trees for resin; Harzrecht). - Der Harzer ritzt dem Stamm des Baumes an und fängt das ausfliessende Harz - eine Mischung aus ungefähr siebzig Prozent Kolophonium und dreissig Prozent Terpentin - in darunter angebrachten Behältern auf. Das Harzen führt bei den Nadelhölzern (conifers; Koniferen wie Fichten, Kiefern, Lärchen) sehr leicht zu Verletzungen des Baumes; es entstehen sog. Harzlachten. Deshalb wurden nur zuverlässige Männer als Harzer zugelassen und mit einem Harzbrief (resin license) zur Berechtigung des Harzens ausgestattet.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Haspelgeld (winch money):

In älteren Dokumenten im Bergbau

1. der Lohn an die Bediener der Haspelwinde (hoisting winch: Seil, an dem das Fördergefäss hängt und über eine Welle gewickelt wird), auch Haspelzieher, Haspelknecht und Hapsler (haulage man, winchman, windlass man) genannt oder

2. eine Prämie in Geld seitens der in der Regel gut verdienenden Hauer (pike men, face worker: Bergleute vor Ort im Abbaubetrieb) an die Haspelknechte, damit diese ihre Arbeit beschleunigen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hauptbuch (general ledger):

Entweder herkömmlich

1. ein Buch als mit einer Bindung und einem Einband versehene Sammlung von Blättern aus Papier oder neuerdings

2. eine Datei als ein Bestand entsprechend geordneter Einträge auf einem Datenträger oder Speichermedium, worinnen alle Konten eines Unternehmens zusammengefasst sind (either a book or a data base that contains all the accounts of a company and the balances of those accounts).

– Siehe Kassabuch, Memorial.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Haupteinlage auch Haupteinzahlung und Haupteinschuss (corpus):

Bei einer Gesellschaft oder einem Fonds die höchst eingebrachte Beteiligung in Geld oder Vermögenswerten (the leading assets put into an undertaking such as a corporation or fund).

– Siehe Gesellschaftskapital.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hauptrefinanzierungsgeschäft auch HRG (main refinancing operation, MFO):

Regelmässiges Offenmarktgeschäft, das von der EZB in Form einer befristeten Transaktion zum Zwecke der wiederholten kürzerfristigen Bereitstellung von Liquidität (central bank money; Zentralbankgeld) an die Banken durchgeführt wird. - Die Geschäfte werden im Wege von wöchentlichen Standardtendern mit einer Laufzeit von in der Regel einer Woche - bis Anfang 2004: zwei Wochen - ausgeführt, und zwar als Zinstender mit einem im Voraus bekanntgegebenen Mindestbietungssatz. Ihnen kommt die geldpolitische Schlüsselrolle im Eurosystem zu. Von daher ist der Zinssatz auf das Hauptrefinanzierungsgeschäft auch ein Leitzins. - Seit Ende Juli 2000 werden die Geschäfte nicht mehr als Mengentender, sondern als Zinstender nach dem Verfahren abgewickelt.

– Siehe Dreijahrestender, Mengentender, Niedrigzinspolitik, Quantitative Easing, Refinanzierungsgeschäft, längerfristiges, Tenderverfahren, Transmissionsmechanismus, monetärer, Zinstender, Zuteilungssatz, marginaler.

– Vgl. den Anhang "Statistik" des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Monetäre Statistik", Unterrubrik "Geldpolitische Geschäfte des Eurosystems (Tenderverfahren)" im jeweiligen Monatsbericht der EZB wegen des Umfangs der Geschäfte, Monatsbericht der EZB vom Juli 2000, S. 39, Monatsbericht der EZB vom April 2004, S. 20 ff., Jahresbericht 2000 der EZB, S. 67 ff., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2004, S. 58 ff., Monatsbericht der EZB vom Juli 2006, S. 26 ff., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2008, S. 26 (Übersicht der Geschäfte 1999 bis 2008), Monatsbericht der EZB vom August 2009, S. 37 ff. (Auswirkungen des ersten längerfristigen Refinanzierungsgeschäftes mit einjähriger Laufzeit).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hauptverwaltungs-Vorschrift (administrative centre regulation):

Eine Bank, die in einem Mitgliedsland der EU die Erlaubnis zur Geschäftstätigkeit von der zuständigen Aufsichtsbehörde hat, muss am angegebenen Sitz auch ihre Hauptverwaltung haben. Rechtsquelle ist Artikel 11, Abs. 2 der Richtlinie 2006/48/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 14. Juni 2006 über die Aufnahme und Ausübung der Tätigkeit der Kreditinstitute (Neufassung).

– Siehe Bankenaufsicht, europäische.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Haus (house):

In älteren Dokumenten auch in der Bedeutung eines bestimmten Unternehmens und besonders auch eines Instituts (Bankhaus; banking house) gesagt.

– Siehe Etablissement.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hausbank (relationship bank, house bank):

Ein Kreditinstitut, das mit einem Unternehmen eine dauerhafte Geschäftsbeziehung (long-lasting business relationship) eingeht, die

1. auf tiefgreifenden, umfassenden Informationsaustausch gründet und

2. das Unternehmen vor Liquiditätsengpässen (liquidity shortages) und starken Schwankungen (Oszillationen; oscillations: vibrations above and below a mean value) in den Finanzierungskosten absichert. Empirisch nachgewiesen ist für Deutschland, dass Unternehmen mit einer Hausbankbeziehung im Vergleich zu anderen Firmen geringere Kreditzinsen zahlen.

– Nur in Deutschland, Österreich und Japan ist derzeit das Hausbankverhältnis verbreitet. Wegen seiner Vorteile fand es besonders seit etwa 2000 auch in anderen Ländern starke Beachtung; und ihm wird allgemein eine weltweite Ausweitung vorhergesagt.

– Siehe Beziehungsbankgeschäft, Beziehungsmanagement, Branchen, standortgebundene, Clubbing, Finanzierungsprämie, externe, Asset-Backed Securities-Collateralised Debt Obligation, Konzentrationsrisiken, Kreditdiversifizierung, Kundennähe, Multisourcing, Negativauslese.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2006, S. 38 f. (Gefahren des Relationship Banking), Monatsbericht der EZB vom August 2009, S. 104 f. (Hausbanken schirmen Kunden in Krisenzeiten ab), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2012, S. 22 f (Bedeutung der Hausbankbeziehung für KMUs).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hausgeld (out-patients' allowance; residental home apportionment, house management assessment; allowance to inmates; house eroding redundancy pay; rent payment):

1 Zahlung der (Kranken)Versicherung an Privathaushalte aufgrund bestimmter vertraglicher Leistungszusagen.

2 Monatliche Umlage, die Inhaber von Eigentumswohnungen an die Verwaltung der Wohnungseigentumsanlage (service of condominium) zu zahlen haben, manchmal auch Wohngeld genannt. Aus dem Hausgeld wird auch eine Kasse gespeist, aus welcher die anfallenden Betriebs- und Instandhaltungskosten (operating and maintenance costs) beglichen werden.

3 Drei Siebtel des Arbeitsentgelts, das im Strafvollzug befindlichen Personen erhalten, und das jedem Gefangenen nach § 47 StVollzG-NRW zur Befriedigung persönlicher Bedürfnisse (for personal shopping; zu individuellen Einkäufen) zusteht.

4 Zahlung zur Abwendung der Hauswüstung (auctorial devastation). Dieser frühere Rechtsbrauch gestattete es einem Zahlung fordernden Gläubiger - in der älteren Literatur auch Liquidant genannt -, in das Haus des Schuldners zwangsweise Personen unterzubringen. Die Einquartierten taten sich dort gütlich, bis alle Vorräte aufgebraucht waren und oft auch das Inventar des Hauses (household furniture and equipment) verwüstet war.

5 Die Mietzahlung für ein Haus; in älteren Dokumenten auch Hauszins genannt.

6 Die Auszahlung des einen Hof übernehmenden Erben an die Miterben (coheirs).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hausgeldabzug und Hausabzug (cottage deduction):

In grösserem Umfang - und damit beinahe branchenüblich - besonders im frühindustriellen England verbreite Einrichtung, bei welcher den Werksangehörigen (company employees) Wohnraum gegen Lohnabzug zur Verfügung gestellt wird. Vor allem für Arbeiter in den deutschen Montanregionen (mining regions: Ruhr area, Saar district) wurde die Überlassung von Wohnraum gegen Lohnabzug ab etwa 1840 gängig; und teilweise bis heute noch auch in anderen Branchen bei Werkswohnungen (company dwellings) vorkommend.

– Siehe Abzahlungshilfen, Fringe Benefits.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Haushalt (budget):

1 Die Einnahme-Ausgabe-Rechnung einer öffentlichen Stelle, das Budget.

2 Wirtschaftseinheit, in der Güter zur persönlichen Bedürfnisbefriedigung, zur Erhaltung und Gestaltung des Lebens, verwendet werden: ein Privathaushalt.

– Siehe Haushalt-Tricks, Nonaffektations-Prinzip.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Haushalt, privater (private household):

Teilweise gebrauchte Bezeichnung für den Privathaushalt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Haushaltsausschuss (Budget Committee, BUCOM):

Gremium des ESZB mit dem Ziel den EZB-Rat vor Beschlüssen über den Haushalt der EZB zu beraten. Dem Ausschuss oblag auch die Grundstücksplanung für den Neubau der EZB in Frankfurt am Main.

– Vgl. Geschäftsbericht der Deutschen Bundesbank 200, S. 146.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Haushaltsbefragung (private household questioning):

Von der Deutschen Bundesbank in Zusammenarbeit mit einem Meinungsforschungs-Institut erstmals zum Jahresende 2010 durchgeführte Erhebung bei Privathaushalten mit dem Zweck, genauere Kenntnisse über deren wirtschaftliche Lage zu gewinnen. Insbesondere sollen Umstände wie Beschäftigung, Einkommenshöhe, vorhandenes Vermögen, Wohneigentum, Sparverhalten und Altersvorsorge näher durchleuchtet werden. Die Befragung wird in zweijährigem Abstand fortgesetzt. Die Ergebnisse werden von der Deutschen Bundesbank veröffentlicht.

– Siehe Antwortausfall, Household Finance and Consumption Survey.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2013, S. 85 ff. (ausführliche und tiefgehende Darstellung der Haushaltsbefragung des Eurosystems; Übersichten; Literaturverweise; wichtige Ergebnisse), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2013, S. 25 ff. (ausführliche Darstellung; viele Übersichten; Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Haushaltsdefizit (fiscal deficit; budgetary deficit, government deficit):

Die öffentlichen Haushalte weisen laufend höhere Ausgaben als Einnahmen auf. Die steigende Schuldenquote führt über einen Anstieg der Inflationserwartungen sowie über eine stärkere Inanspruchnahme des Kapitalmarkts

1. tendenziell zu steigenden Zinsen,

2. zu einer wachsenden Volatilität auf den Finanzmärkten

3. zu einem starken Druck auf die Zentralbank, weil die Sicherung des Geldwerts nur unter Inkaufnahme hoher Realzinsen und einer deutlichen Aufwertung des Wechselkurses erreichbar ist, und hierdurch zwangsläufig Wachstums- und Beschäftigungsverluste entstehen,

4. zur Einschränkung des wirtschaftspolitischen Spielraums der Regierung; denn die wachsende Zinsbelastung bei niedrigem Wachstum lässt kaum noch Wahlmöglichkeiten zu und

5. in einer Währungsgemeinschaft wie dem Euroraum dazu, dass auch Staaten mit ausgeglichenem Haushalt die unsolide Haushaltspolitik des Mitglieds mittragen müssen.

– Siehe Deficit Spending, Defizit, Defizitquote, Finanzreferendum, Finanzpolitik, Geldpolitik, Haftung, Haushalts-Kennziffern, Haushalts-Tricks, Haushaltsüberwachung, Lug-und-Trug These, Methusalem-Syndrom, Nachhaltigkeit, Nonaffektations-Prinzip, Parafiskus, Primärüberschuss, Schattenverschuldung, Schuldenbremse, Semester, europäisches, Staatsschuldenkrise, Staatsverschuldungs-Druck, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Sunset-Vorbehalt.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2003, S. 53; Monatsbericht der EZB vom Januar 2004, S. 49 ff. (mit ausgesuchten Statistiken), Monatsbericht der EZB vom März 2004, S. 60 ff. (kommentierte Übersicht zum Defizitstand aller Länder), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2005 (ausführliche, vergleichende Darstellung), Monatsbericht der EZB vom April 2007, S, 95 ff. (Berechnung des Schuldenstandes; Definitionen, Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Februar 2008, S. 58 f. (Entwicklung seit 2001; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom März 2010, S. 95 (Erwägungen zur Finanzpolitik: vier schwerwiegende Folgen hoher Haushaltsdefizite), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2010, S. 32 f. (allfällige konjunkturelle Auswirkungen einer Haushaltskonsolidierung; Übersicht; Literaturhinweis), Monatsbericht der EZB vom September 2010, S. 93 f. (Haushaltskonsolidierung ist eine Voraussetzung für störungsfreies Wachstum), Jahresbericht 2010 der EZB, S. 83 ff (Kosten und Nutzen einer Haushaltskonsolidierung; Literaturhinweise), Monatsbericht der EZB vom März 2012, S. 115 ff. (Haushaltsdefizit und Konjunkturzyklus), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2012, S. 22 ff. (Defizite im Staatshaushalt im Euroraum gesamthaft und in den Problemländern; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Mai 2013, S. 93 ff (eingehende Analyse des Ist-Zustands der Mitglieder der Eurozone; Übersichten; Literaturverweise). - Der aktuelle Schuldenstand findet sich im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Öffentliche Finanzen", Abschnitt "Maastricht-Verschuldung nach Schuldarten" des jeweiligen Monatsberichts der EZB ausgewiesen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Haushaltsjahr und Rechnungsjahr (budget year, fiscal year):

Der zwölfmonatige Zeitraum, für welchen der Voranschlag der Einnahmen und Ausgaben für den Haushalt einer öffentlichen Stelle entworfen wird. In Deutschland ist dies seit 1961 grundsätzlich das Kalenderjahr. Das Forstwirtschaftsjahr (forestry financial year) beginnt davon abweichend am 1. Oktober und endet am 30. September.

– Siehe Bundeskasse.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Haushalts-Kennziffern (budget indicators):

Die staatliche Schuldenquote, so wie in den Verträgen zur EU festgelegt, lässt für sich allein keinen sicheren Rückschluss (reliable conclusion) auf die jetzige und künftige gesamtwirtschaftliche Lage eines Staates zu. So hatte Portugal bis 2008 eine geringere Schuldenquote als Deutschland; und in Spanien lag sie lange Zeit unter dem deutschen Vergleichswert. Andererseits wies Irland über viele Jahre kein Defizit, sondern einen Überschuss aus. Jedes der genannten Länder geriet aber in eine Krise. Es müssen daher in jedem Fall auch andere Merkmale zur Beurteilung der Krisenfestigkeit einer Volkswirtschaft mit herangezogen werden, so vor allem

1. der Öffnungsgrad der nationalen Märkte nach innen und aussen,

2. der freie Zugang zu den Berufen, also keine wettbewerbshemmenden berufsständischen Hindernisse (professional barriers),

3. die Leistungsfähigkeit der Verwaltung (administrative capability, effectiveness of the administration) auf allen Ebenen des Staates, also gut ausgebildete und arbeitswillige Beamte anstatt treuer, aber inkompetenter Parteifreunde,

4. die Ausprägung der Sozialpartnerschaft einschliesslich ökonomisch sachverständiger und verantwortungsvoll handelender Gewerkschaftsfunktionaire,

5. die internationale Wettbewerbsfähigkeit und

6. der Sparwille (propensity to save) der Bevölkerung.

– Siehe Arbeitsmarkt-Flexibilität, Balassa-Index, Erpressungspotential, Schuldenbremse, Sozialstaat-Falle, Staatsverschuldungs-Druck, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Sunset-Vorbehalt, Tragfähigkeit öffentlicher Finanzen, Unit-Value-Relation, Verfassungsartikel eins, Wachstum-Schulden-Tatsache, geschichtliche, Wettbewerbsfähigkeit, Wettbewerbs-Status, internationaler.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Haushaltskonsolidierung (budget consolidation):

1 Die vollzogene Anpassung der Ausgaben an die Einnahmen einer öffentlichen Körperschaft, meistens in dem Sinn einer Kürzung der Ausgaben gesagt.

2 Ab etwa 2010 auch in der Bedeutung gebraucht,

1. dass eine Regierung die Grenzen der Neuverschuldung nicht weiterhin gar so unbekümmert überschreitet wie zuvor; dann auch häufig als Sparerfolg (success in saving) genannt bzw.

2. die Grenze der Staatsverschuldung gesamthaft einfach auf eine höhere Marke festgelegt wird, wie etwa im August 2011 in den USA (doubtless it was accurately called a "deceptive manoeuvre").

– Siehe Haushaltskrise, Staatsschuldenkrise.

– Vgl. Geschäftsbericht 2013 der Deutschen Bundesbank, S. 58 ff. (Haushaltslage und Investitionen des Staates seit 1991 aufgeschlüsselt; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Haushaltskrise (fiscal crisis):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter die Tatsache, dass die öffentlichen Haushalte in einem Staat eine Verschuldungsgrenze erreicht haben, die zu schweren Störungen innert der Volkswirtschaft gesamthaft führt. - Jede Haushaltskrise erfordert bereits im Vorfeld von der Regierung unliebsame Massnahmen, wie vor allem Kürzung der Sozialleistungen, Streichung von Stellen im öffentlichen Dienst oder Steuererhöhungen. Politiker, die wiedergewählt werden möchten, haben daher allen Grund, umsichtig zu wirtschaften und eine Haushaltskrise zu vermeiden. - Politiker dagegen, die erwarten können, dass andere Regierungen - oder auch, wie im Eurogebiet, die Zentralbank - ihnen im Fall einer Haushaltskrise finanziellen Beistand leisten, werden mit weniger Disziplin wirtschaften. Erwartete Hilfe anderer Staaten verhindert daher den Anreiz zu finanzwirtschaftlichem Gleichgewicht (financial equilibrium). Sie wird es sorglosen Politikern erlauben, den wahren Zustand der öffentlichen Finanzen zu verschleiern und alle Massnahmen zu vermeiden, die ihre Wiederwahl gefährden könnten.

– Siehe Aufkäufe, zentralbankliche, Bail-out, Blame game, Defizit-Finanzierungsverbot, Griechenland-Krise, Haftung, Haushaltsdefizit, Haushalts-Kennziffern, Haushaltskonsolidierung, Kontrollkonto, Moral Hazard, Semester, europäisches, Solidarität, finanzielle, Staatsschuldenkrise, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Vertragstreue.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2012, S. 22 ff. (Defizite im Staatshaushalt im Euroraum gesamthaft und in den Problemländern; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Haushaltsreserve (budgetary reserve):

Das Ansammeln von Geld in politischen Körperschaften (Gemeinden, Kreise, Länder, Bundesstaat) mit dem Zweck

1. Mittel für bestimmte Aufgaben anzusparen oder

2. die eigene Kreditwürdigkeit zu stärken.

– Wie die Finanzgeschichte lehrt, ist das Anlegen einer Haushaltsreserve so gut wie gar nie gelungen. Der österreichische Nationalökonom Joseph A. Schumpeter (1883-1950) bemerkt wohl zurecht: eher legt ein Hund einen Wurstvorrat an, als eine demokratische Regierung eine Haushaltsreserve.

– Siehe Härtefonds, Katastrophenfonds, Schumpeter-Theorem, Staatsschatz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Haushalts-Tricks (fiscal balancing tricks):

Buchungen im öffentlichen Budget, die zwar haushaltrechtlich - gerade noch - zulässig sind, jedoch kaum ein wirklichkeitsgetreues Abbild (realistic picture) der tatsächlichen Haushaltslage vermitteln. - So wies der Haushalt des Bundes in Deutschland im Jahr 2011 Zuschüsse an die Bundesanstalt für Arbeit (German Federal Labour Office) als Darlehn aus. Auch Gewinnausschüttungen aus Privatisierungserlösen (Frequenzversteigerung; public sale of broadband wireless access) wurden entgegen bisheriger Praxis auf das strukturelle Haushaltsdefizit angerechnet.

– Siehe Statistikbehörde, Tragfähigkeit öffentlicher Finanzen.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2010, S. 67 f. (hier zu den Beispielen und zu anderen Umständen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Haushaltsüberwachung (budgetary surveillance):

1 Allgemein im öffentlichen Finanzmanagement alle Massnahmen mit dem Ziel, jederzeit einen Überblick über den Stand sämtlicher einzelner Haushaltsstellen zu gewährleisten.

2 Im Zuge der Schuldenbremse in Deutschland die (gemäss Artikel 109 a GG und § 3 StabGes) dem Stabilitätsrat zugewiesene Aufgabe der laufenden Kontrolle der Finanzgebarung des Bundes und der Länder.

– Siehe Finanzrat, Haushaltsdefizit, Kontrollkonto, Semester, europäisches.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2011, S. 19 ff. (ausführliche Darstellung; Übersicht), Monatsbericht der EZB vom Juni 2014, S. 106 (Übersicht der entsprechenden Einrichtungen in der EU).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Haushaltsvermögen (household net worth):

Wenn nicht anders definiert die statistisch erfassten Vermögenswerte im Besitz von Privathaushalten. Es besteht eine sehr deutliche umgekehrte Abhängigkeit dieser Grösse mit der Sparquote der Verbraucher. Das Haushaltsvermögen wird daher von der Zentralbank laufend beobachtet.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Dezember 2009, S. 76 ff. (Bestimmungsgründe des Sparverhaltens der Privathaushalte), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2013, S. 25 ff. (ausführliche Darstellung; viele Übersichten; Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Haushalts-Vorabstimmung, europäische (European ex-ante household co-ordination):

Von der EU-Kommission gelegentlich der Griechenland-Krise im Frühjahr 2010 vorgeschlagenes Verfahren, wonach die EU-Mitgliedsstaaten - zunächst vielleicht auch nur die Mitgliedsländer Europäischen Währungsunion - jeweils zu Jahresbeginn der Kommission ihren Haushaltsentwurf vorlegen, ehe dieser dann in die nationalen Parlamente eingebracht wird. Damit soll erreicht werden, dass Ausgaben verringert werden, die erkennbar zu weiterer Staatsverschuldung beitragen. Denn diese belief sich in den Euro-Mitgliedes¬staaten 2010 im Durchschnitt auf fast 85 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Erlaubt sind nach dem Stabilitäts- und Wachstumspakt 60 Prozent. Diese Quote lag damit noch höher als in den USA mit dort zu gleicher Zeit 83 Prozent. - Der Vorschlag eines Vorhab-Informationsaustauschs wurde vor allem auch in Deutschland als Eingriff in das Etatrecht der gewählten Volksvertretung grundsätzlich abgelehnt. Man kann aber kaum in einem den EUR befürworten, andere Schuldenmacher in der Währungsunion anprangern und sich Brüsseler Einmischungen in die Haushaltspolitik verbitten, ohne zu sagen, welche Gegenvorschläge es gibt, um im gemeinsamen Interesse mehr Haushaltsdisziplin bei allen zu erreichen. Dabei wäre es politisch durchaus möglich, zunächst gemeinsame Budgetregeln zu vereinbaren, etwa in Form einer Schuldenbremse nach deutschem Vorbild. Die Griechenland-Krise hat deutlich gezeigt, dass zumindest die Teilnehmer der EWU einen Stufenplan benötigen, nach dem eine immer engere Abstimmung der Budgets vorangebracht werden kann. Mit dem europäischen Semester ist man seit 2014 freilich hier einen grossen Schritt weitergekommen.

– Siehe Bail-out, Blame game, Europäische Währungsunion, Grundfehler, Europäischer Stabilisierungsmechanismus, Europäisches Finanzministerium, Europayer, Haftung, Haushalts-Tricks, Hegemon, milder, Moral Hazard, Schumpeter-Theorem, Sperrkonto, Staatsschuldenkrise, Steuerungsrahmen, Transferunion, Zwei-Wege-Option.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juli 2010, S. 73 ff. (gemeinsame Konsolidierungsstrategie auf die Dauer unentbehrlich).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hausse (uptrend; boom):

1 Allgemeiner Preisanstieg auf einem Markt (the general tendency for prices to increase in a market), besonders auf der Börse.

2 Die Aufschwungphase in einem Konjunkturzyklus mit raschem Anstieg des Bruttosozialprodukts (the expansionary part of a business cycle in which gross national product is rising rapidly).

– Siehe Baisse, Boom, Blase, spekulative, Börsenfieber, Bull, Fixer, Gleichlauf-Problem, Konjunktur, Metabasis, Milchmädchen-Hausse, Prosperität, Rally, Runup, Sentiment, Trittbrettfahrer, Überschwang, unvernünftiger, Wert, zyklischer, Zyklik.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2010, S. 80 ff. (zur Messung von Fehlentwicklungen an den Vermögensmärkten; Literaturhinweise; S. 82: Übersicht eines Frühwarnmodells).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hausse nährt die Hausse (boom nourishes boom):

Börsengrundsatz, der sich empirisch belegen und damit erklären lässt, dass ein Bewegungshoch - bei Aktien, bei Edelmetallen, auf Warenterminmärkten - neue Anleger zum Einstieg anlockt. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von prozyklischem Verhalten (pro-cyclical reactions), das am Ende oft zu einer Blase führt. Verschlechterte wirtschaftliche Daten werden diesfalls von den Marktteilnehmern lange Zeit nicht wahrgenommen. - Umgekehrt glaubt man auch den Satz: "Baisse nährt die Baisse" (slump nourishes slump) aus entsprechenden Gründen begreiflich machen zu können.

– Siehe Aktienblase, Akzelerator, finanzieller, Baisse, zyklische, Boom-Bust-Zyklus, Crash, Glücksspieleffekt, High Flyer, Hindsight, Immobilienblase, Kurzsichtigkeit, Panikverkäufe, Milchmädchen-Hausse, Rally, Runup, Sell Out, Spekulationsblase, Tulpencrash, Überbelastung, Wahrnehmungsverzerrung, Zurückfindung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hausse, zyklische (cyclical boom):

Um 2000 aufgekommene Bezeichnung für die Tatsache, dass bei steigenden Aktienkursen

1. Privathaushalte, die Aktien besitzen, sich reicher fühlen, daher mehr kaufen sowie auch Kredite aufnehmen zum Erwerb von Wohneigentum, Autos und anderen teuren Gütern; denn ihre hoch bewerteten Aktien bieten den Banken offenbar genügend Sicherheiten;

2. Unternehmen leichter Anleihen aufnehmen bzw. neue Aktien ausgeben können, was CETERIS PARIBUS einen starken Schub in der Nachfrage nach Investitionsgütern zur Folge hat;

3. ausländische Investoren sich diesem Land zuwenden werden. Geht der Börsenboom jedoch zu Ende, dann kehren sich diese Verhaltensmuster (behavioural patterns) zur zyklischen Baisse um.

– Siehe Akzelerator, finanzieller, Baisse, zyklische, Kreditkanal, Kreditbeschränkungs-Karussell, Luxuskonsum, Privatkredit, Wert, zyklischer, Zyklik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hausse-Spreizung (bull call spread):

An Warenbörsen

1. der Kauf einer Call-Option mit niedrigem Basispreis

2. bei gleichzeitigem Verkauf einer Call-Option mit höherem Basispreis. - Der Marktteilnehmer erwartet hier steigende Preise für das dem Vertrag zugrundeliegende Produkt.

– Siehe Baisse-Spreizung, Commodity Fund, Option, Spekulation.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hautgeld (fustigation spare payment):

In alten Dokumenten die Zahlung eines Verurteilten, um der Vollstreckung einer zugedachten Prügelstrafe (sentence execution of corporal punishment, fustigation) zu entgehen.

– Siehe Bussgeld, Fudelgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Havariegeld, in älteren Dokumenten auch Avariegeld und Hafereigeld, im deutschen HGB: Havereigeld (average disbursement):

1 Kosten, welche durch einen Schiffsunfall (naval accident) oder einen Seeschaden (sea damage) der Reederei bzw. der Versicherung entstehen; siehe § 779 HGB.

2 Manchmal wird unter Havarie auch ein unfallbedingter Schaden an einem befrachteten Landfahrzeug (railway wagon: Bahngüterwagen; lorry, truck: Lastkraftwagen, CH: Camion) oder Warentransportflugzeug (cargo aircraft; Warenflugzeug) verstanden, und der Begriff Havariegeld entsprechend weiter gefasst.

3 Ab etwa 1980 setzte sich die Bezeichnung Havarie auch für einen Störfall im Reaktorbereich von Kernkraftwerken durch.

– Siehe Dispacheurgeld, York-Antwerp Rules.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hawala (hawala banking):

Transport von Bargeld von einem Ort zu einem anderen durch eigene Dienstleister (hawaladers) ausserhalb des regulären Bankensystems, in der Regel durch - oft besonders organisierte - Geldboten. Das Wort "hawala" aus der Sprache der arabischen Finanzwelt bedeutet Überweisung, Transfer.

– Siehe Geldwäsche, Geldtransfer-Vermittler, Ghettobanking, Heimatüberweisungen, Kundendaten-Informationspflicht, Parallel Banking, Underground Banking, Zahlungsverkehrsverordnung, Zinsinformationsverordnung.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 80 ff. sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Monatsbericht der EZB vom Februar 2007, S. 95 ff. (Zahlungen von Migranten; Definitionen; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Headline-Hysterie (headline hysteria; hysteria = abnormal excitement; sudden and violent emotionalisation):

Die offenbar empirisch gesicherte Tatsache, dass selbst sogar berufsmässige (professionelle; professional) Entscheidungsträger auf dem Finanzmarkt sich auch von reisserischen, positiven wie negativen Schlagzeilen in Zeitungen und entsprechend aufgemachten Meldungen in anderen Medien in ihrem Handeln bestimmen lassen.

– Siehe Dominostein-Effekt, Finanzpsychologie, Furchtthese, Herdenverhalten, Nachahmung, informelle, Schockwelle.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Headline-Inflation (so auch im Deutschen):

Anderer Ausdruck für Kerninflation (a measure of the total inflation within an economy which eliminates certain items that face volatile price movements, especially food and energy).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hebegeld (weighing charges; tax collector quota; convenience marriage premium; lockage):

1 In älteren Dokumenten die Gebühr für das Wiegen (CH: Wägen; weighing: die Ermittlung des Gewichts) von Waren an den öffentlich bestellten Wiegemeister (check weighman); das Wiegegeld.

2 Frühere Bezeichnung für den Anteil, den ein Steuereinnehmer (rate collector) von den eingezogenen Beträgen als seine Besoldung einbehalten durfte.

3 In manchen Gegenden frühere Zahlung der Gemeinde an einen jungen Mann, der vor allen nach Seuchen- und Kriegszeiten in ein lediglich noch von Frauen bewohntes Gehöft einheiratete.

4 Gebühr für das Anheben eines Schiffes in einer Schleuse (sluice, floodgate) oder auf einem Schiffshebewerk (ship canal lift).

– Siehe Schleusengeld, Wägegeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hebel(wirkung) (leverage):

1 Die Bewegung grosser Summen bei relativ geringem Einsatz. - Wenn man den Vertrag eingeht, ein gewisses Gut aus einem Terminkontrakt zu liefern oder anzunehmen, dann kann eine verhältnismässig geringe Zahlung (margin; Einschuss, Sicherheitsleistung, Marge) dafür verwendet werden, um die zukünftige Verpflichtung zu gewährleisten. Ist nun der Kursverlauf günstig, so kann aufgrund der Hebelwirkung des Einschusses ein hoher Gewinn erzielt werden. Ist freilich der Kurs ungünstig, so vermag der Verlust im Verhältnis des Einschusses sehr gross zu sein.

2 In Bezug auf Hedge-Fonds das Verhältnis von Eigenkapital zu Leihkapital. - Viel Fremdkapital erlaubt es einem Hedge-Fonds, die Fondsrendite zu steigern, solange die Zinsen für das Fremdkapital unter der Rendite der getätigten Investitionen liegen. Tritt jedoch das Gegenteil ein, so zehren die Verluste das Vermögen des Fonds - unter Umständen sehr rasch - auf. Der Hedge-Fonds wird diesfalls gezwungen, sich zunächst rasch von Wertpapieren zu trennen. Dies kann einen folgereichen Verkaufsdruck auslösen und eine schon bestehende Baisse verstärken. - Wie immer man es mathematisch verkleistert (obfuscates it mathematically) oder sprachlich vernebelt ("Steigerung der Effizienz von Instrumenten"): ein Hebel bedeutet letztlich in jedem Fall, dass eine Geldeinheit mehr als einmal ausgegeben wird.

– Siehe Baisse, Deleveraging, Derivate, Dominostein-Effekt, Einschuss, Entschuldung, Ertragseffizienz, Europäische Finanzstabilisierungsfazilität, Fussangelgeschäft, Hedge-Fonds-Gefahren, Hausse nährt die Hausse, Highly Leveraged Institutions, Leverage, Perpetuum Mobile, Spread Bets, Zinslastquote.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hebel-Zertifikat (leveraged certificate, knock-out certificate, turbo):

Bei dieser Gattung des Zertifikats nimmt der Anleger mit einem Hebel an der Entwicklung des Basiswertes teil. - Der herkömmliche Typ des Hebel-Zertifikats besitzt einen Basiskurs, der bei Ausgabe unterhalb des Marktpreises für den zugrundegelegten Vermögensgegenstand liegt. Verändert sich der Preis des Basiswertes nach oben oder unten, so nimmt der Anleger gehebelt an dieser Entwicklung teil. Freilich ist vertraglich nach unten eine Grenze gesetzt: das Knock-out-Ereignis; eine Nachschusspflicht (reserve liability: obligation for additional cover) gibt es hier also nicht. Das Zertifikat ist bei Erreichen dieser Linie allerdings verfallen; der Anleger hat sein eingesetztes Kapital mithin verloren. - Es gibt sehr viele Varianten des Hebel-Zertifikats, die in den Ausstattungsmerkmalen Basiswert, Basispreis, Hebel und Knock-Out-Schwelle (knock-out threshold) jeweils besonders gestaltet sind.

– Siehe Airbag-Zertifikat, Basket-Zertifikat, Bonus-Zertifikat, Diskont-Zertifikat, Express-Zertifikat, Finanzarchitektur, Garantie-Zertifikat, Outperformance-Zertifikat, Partizipations-Zertifikat, Quanto, Risiko, Sprint-Zertifikat, Strategie-Zertifikat, Themen-Zertifikat, Twin-Win-Zertifikat, Zertifikat.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hedge-Accounting (so auch im Deutschen gesagt):

Die kostenrechnerische Erfassung und bilanzielle Abbildung eines Hedge-Geschäftes.

– Siehe Derivate, IAS 39, International Accounting Standards, International Financial Reporting Standards.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2004, S. 79 (Übersicht mit Erläuterungen), Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 89 (Schwierigkeiten bei der Risikobewertung), S. 182 ff. (zur aufsichtsrechtlichen Entwicklung), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 211 (Bemühungen um strengere Regulierung), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 87 (laufende Bemühungen des IASB zur Erstellung von Standards) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hedge-Fonds und Hedgefonds (hedge funds, hedgies):

Heute Oberbegriff für weltweit operierende Risiko-Fonds, nämlich Kapitalverwaltungsgesellschaften, die hauptsächlich durch die folgenden Merkmale gekennzeichnet sind:

1. sie bezielen ausdrücklich einen herausragenden Markterfolg. Um diesen zu erreichen, spürt man über- oder unterbewertete (undervalued: traded below its real value, although it is always problematic to determine a "real" value) Vermögenswerte aller Art auf; sprich: der Fonds sucht Marktunvollkommenheiten (market inadequacies) zu entdecken und gewinnbringend auszunutzen;

2. die Kapitalgeber sind eine eng begrenzte Zahl institutioneller Anleger - nämlich Banken, Firmen und andere Fonds - oder vermögende Privatpersonen;

3. die Einlagen der Kapitalgeber sind in der Regel lange - zumeist bis zu drei Jahren - gebunden, was dem Fondsmanagement erlaubt, seine Strategie auf längere Zeiträume auszurichten;

4. sie unterliegen (noch) keiner direkten Aufsicht durch Behörden und domizilieren daher mit Vorliebe in Offshore-Plätzen (tax havens; auf Steuerparadiesen);

5. sie reagieren äusserst flexibel; das Management kann in der Regel Anlage-Märkte, Instrumente und Strategien ziemlich frei wählen;

6. die Vergütung der Manager ist weitgehend erfolgsabhängig, wobei die Manager zumeist selbst eine relativ hohe Kapitalbeteiligung halten müssen und ihr Gewinnanspruch vielfach an den Ausgleich ehevor eingefahrener Verluste gekoppelt ist;

7. zur Steigerung der erwarteten Rendite werden oft zusätzlich auch kreditfinanzierte Mittel eingesetzt (Hebel; leverage); in manchen Fällen werden Engagements zu vier Fünfteln mit Fremdkapital finanziert und dadurch eine sehr hohe Hebelwirkung bewirkt;

8. die Manager der Fonds üben Druck auf die in ihrem Beteiligungsbereich befindlichen Firmen aus und zwingen diese zu einer Bestleistung des zum Zeitpunkt der Beteiligung oft untauglichen und daher unfähigen Managements;

9. vermittels Auslagerung aller verwaltungsmässigen Aufgaben an eine Bank - dort Brokergeschäft (brokerage business) genannt - vermag der Fonds mit nur sehr wenig Personal geführt zu werden.

– Hedge-Fonds können somit als ein Zwischending, ein Zwitter aus einer Bank und einem Investmentfonds angesehen werden. - Die Zentralbanken betrachten die Hedge-Fonds mit Misstrauen, weil sie in aller Regel sehr schockanfällig (sensitive to shocks) sind, und daher bei ihnen die Gefahr der Illiquidität und Insolvenz besonders gross ist; so brachte etwa 1998 der weltweit operierende Hedge-Fonds LTCM das Weltfinanzsystem in eine Krise. Der Quantum-Fund von George Soros (Soros gilt als derjenige, der Hedge-Fonds erst marktfähig machte) zwang 1992 sogar das GBP zur Abwertung (Soros-Spekulation). - Die BIZ versucht seit Jahren, die Hedge-Fonds internationalen Aufsichtsregeln zu unterstellen. Anfang 2007 waren etwa dreissig Prozent des weltweit angelegten Kapitals in rund 9'200 Hedge-Fonds angelegt. Aber nur etwa dreizehn Prozent der Hedge-Fonds verwalteten zu dieser Zeit ein Vermögen von mehr als 500 Mio USD. Ungefähr dreissig Prozent der Fonds bewegten sich zwischen 25 Mio und 100 Mio USD. Die Schwundquote bei Hedge-Fonds weltweit wird für die Jahre 2000 bis 2006 mit dreissig Prozent angegeben. - Im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise verschwanden etwa ein Viertel aller Hedge-Fonds; das verwaltete Vermögen war gleichzeitig um etwa vierzig Prozent eingebrochen. - Die grössten 100 Hedge-Fonds - mithin knapp ein Prozent der Gesamtzahl - haben nach Schätzungen im Jahr 2012 zwei Drittel des durch Hedge-Fonds gesamthaft verwalteten Vermögen auf sich vereint. - In Deutschland heissen Hedge-Fonds in der Gesetzessprache "Sondervermögen mit zusätzlichen Risiken" und werden in § 112 InvG definiert als "Investmentvermögen, die den Grundsatz der Risikomischung beachten und im übrigen im Rahmen ihrer Anlagestrategien keinen Beschränkungen bei der Auswahl der Vermögensgegenstände (…) unterworfen sind".

– Siehe Aktuar, Ausschlachten, Ausserbörslich, Bankenregulierungs-Paradoxon, Beaufsichtigung, indirekte, Brokergeschäft, Club Deal, Convertible Arbitrage, Counterparty Risk Management Policy Group, Darlehn-gegen-Papiere-Geschäft, Deleveraging, Dominostein-Effekt, Formeln, finanzmathematische, Hebel(wirkung), Hedge-Fonds-Aufsicht, Hedge-Fonds-Gefahren, Heuschrecken, Hudle Rate, Index-Arbitrage, Internationale Organisation der Wertpapier-Aufsichtsbehörden, Kapital-Abzapfung, Kreditderivat, Legal Opinion, Leverage-Theorie, Long-Short-Arbitrage, Non-performing loans, Over-the-Counter Trading, Rangfolge-Theorie, Single-Hedge-Fonds, Soros-Spekulation, Substanzwertanleger, Value-Management, Vermögens-Portfolio, Zombie-Bank.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 1999, S. 31 ff. (Rolle der Hedge-Fonds auf den Finanzmärkten: ausführliche Darstellung; Übersichten), Jahresbericht 2001 des Bundesaufsichtsamts für den Wertpapierhandel, S. 9 f., Geschäftsbericht 2003 der Deutschen Bundesbank, S: 48, Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 211 ff. (neuere Rechtsentwicklung; aufsichtsrechtliche Folgerungen), Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 18 f. (Grundsätzliches; Verursacher systemischer Risiken), S. 145 f. (Risikomanagement bei Versicherungsunternehmen, die Anteile von Hedge-Fonds halten), S. 182 ff. (Fragen der aufsichtsrechtlichen Zulassung), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 152 (Risiken, die von Hedge-Fonds ausgehen), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 159 f. (Aufsichtsbesuche; Sonderprüfungen), S. 171 f. (aufgedeckte Fälle von Marktmissbrauch), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 43 (Bemühungen zur aufsichtlichen Registrierung), S. 221 (Aufsichtsbesuche der BaFin), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 43, S. 221 f. (Bemühungen um strengere Regulierung), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 239 f. (Anteil der Hedgefonds in Deutschland minim; internationale Regulierung angestrebt; AIFM-Richtlinie) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft", Monatsbericht der EZB vom Januar 2006, S. 71 ff. (breite, lehrbuchmässige Darstellung; wertvolle Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2008, S. 25 f. (international gesehen zunehmende Bedeutung der Hedge-Fonds; Übersichten; Literaturverweise), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 67 ff. (Schattenbankbereich insgesamt und seine Risiken), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 206 (Anzahl der zugelassenen Fonds). - Im monatlich erscheinenden Statistische Beiheft "Kapitalmarktstatistik" der Deutschen Bundesbank auch Zahlen über die Anzahl, den Anteilumlauf und das Vermögen inländischer Hedge-Fonds (domestic mutual funds), nach verschiedenen Gesichtspunkten aufgeschlüsselt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hedge-Fonds-Arten (main classes of hedge funds):

Der Internationale Währungsfonds unterscheidet

1 Makrofonds (macro funds), die nicht durch Gegengeschäfte gesicherte Positionen in nationalen Märkten aufgrund entsprechender Erwartungen aufbauen,

2 Globalfonds (global funds), die weltweit Positionen unter Beachtung möglichst aller Risikofaktoren verwalten

3 Wertvergleichsfonds (relative value funds); sie setzen (take bets) auf die Entwicklung der Preise eng verwandter Wertpapiere, etwa auf die Aktienkurse zweier Marktführer in einer Branche. In jeder Gruppe werden verschiedene Unterarten unterschieden.

4 Dachfonds (funds of [hedge] funds); sie investieren ausschliesslich oder hauptsächlich in Anteile verschiedener Kapitalverwaltungsgesellschaften. - Eine andere, für die von Hedge-Fonds teilweise in Besitz gehaltenen Aktiengesellschaften sehr wichtige Einteilung zielt darauf ab, ob sich die Manager der Hedge-Fonds in die Geschäftspolitik einmischen oder nicht. - Seit etwa 2000 verstärkt sich die Tendenz der Hedge-Fonds-Manager, von den Vorständen der Aktiengesellschaften laufend Rechenschaft über deren Geschäftsführung zu verlangen, und zwar oft in weit breiterem Umfang, als dies der eigene Aufsichtsrat begehrt; vgl. IMF: Economic Issues 19: Hedge Funds.

– Siehe Absicherung, Brokergeschäft, Convertible Arbitrage, Formeln, finanzmathematische, Fund of Funds, Hands-on-Prinzip, Hebel(wirkung), Hedging, Hedge-Fonds-Strategien, Long-Short-Arbitrage, Mikro-Hedges, Restrukturierung, Risikoüberwachung, gegliederte, Sachkunde, Single-Hedge-Fonds, Soros-Spekulation, Vermögens-Portfolio, Zombie-Bank.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 212 (weitere Unterteilungen), Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 183 (Aufsichtsrechtliches allgemein; besondere Zulassungsbedingungen für Dach-Hedge-Fonds), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 47 f. (Best-Market-Practices, insbes. Umgang mit Liquiditätsrisiken bei Dach-Hedgefonds), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 66 (IOSCO-Empfehlungen zu Dach-Hedgefonds) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin (Rubrik "Hedge-Fonds"). - Im monatlich erscheinenden Statistische Beiheft "Kapitalmarktstatistik" der Deutschen Bundesbank auch Zahlen über die Anzahl, den Anteilumlauf und das Vermögen inländischer Hedge-Fonds (domestic hedge funds), nach verschiedenen Gesichtspunkten aufgeschlüsselt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hedge-Fonds-Aufsicht (hedge fund supervision):

Zwar erhöhen die weltweit etwas über 8'000 bekannten Hedge-Fonds die Liquidität auf den Finanzmärkten und übernehmen Risiken, für die es ansonsten keine Käufer gäbe. Auch zeichnen Hedge-Fonds an den Börsen in London und Neuyork für etwa vierzig Prozent der Umsätze verantwortlich. Dem stand freilich gegenüber, dass Hedge-Fonds lange Zeit praktisch keiner Aufsicht unterlagen, wiewohl sie in der Regel eng mit Banken verbunden sind. Die Beaufsichtigung in Deutschland setzte erst 2004 ein. In den USA wurde durch die Securities and Exchange Commission (SEC) eine Registrierungspflicht für Fonds ab einem gewissen Volumen und Anlagezeiträumen von unter zwei Jahren eingeführt. Der G20-Gipfel Anfang April 2009 beschloss, Hedge-Fonds künftig wie Banken zu regulieren.

– Siehe Beaufsichtigung, indirekte.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 18 f., S. 89 (Schwierigkeiten der Risikomessung bei Dach-Hedge-Fonds), S. 182 ff. (Zulassungsfragen), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 150 f. (Zulassungen, Vorort-Prüfungen), S. 152 (Hedge-Fonds und Finanzstabilität), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 37 (Bewertung von Vermögensgegenständen von Hedge-Fonds), S. 171 f. (Betrugsfälle), Jahresbericht 2007, S. 168 f. (Regulierung Hedge-Fonds; Stellung der Prime Broker), Jahresbericht 2008, S. 196 f. (Hedge-Fonds Aufsicht in der Finanzkrise), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 211 (internationale Bemühungen um strengere Regulierung) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Rubrik "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft", Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 67 ff. (Schattenbankbereich insgesamt und seine Risiken).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hedge-Fonds-Gefahren (hedge fund risks):

Vor allem sieht man als Gefährdungen:

1. der Hebel (leverage) ist zu hoch; beim 1998 in Schwierigkeiten geratenen Hedge-Fonds LTCM hatte der Hebel 25 betragen: um diesen Faktor übertraf das Portfolio das Eigenkapital des Fonds. Viel Fremdkapital gestattet es einem Hedge-Fonds, die Rendite stark zu steigern. Solange die Zinsen für das Fremdkapital unter der Rendite des Fonds liegen, besteht ein starker Anreiz zur Aufnahme von immer mehr Fremdkapital.

2. Es werden Mittel aus regulierten Märkten in unbeaufsichtigte Offshore Finanzplätze verlegt, was leicht zu einem sorgloseren Risikomanagement führt.

3. Ein hoher Performancedruck nötigt die Manager der Hedge-Fonds zu gleichgerichtetem Handeln: ihre Risikoneigung steigt; gleichzeitig erhöht sich die Gefahr, dass es zur Insolvenz des Fonds kommt.

4. Eine hohe Verschuldung zwingt bei Verlusten zu einem raschen Abbau der verursachenden Engagements: es kommt dadurch sehr leicht zu einem Rush to the exit, wie sich angesichts der auf die Subprime-Krise 2007 folgenden Finanzkrise gezeigt hat.

5. Die Tätigkeit in verhältnismässig illiquiden Märkten kann dort plötzliche Preissprünge mit weitreichenden Folgen auslösen bzw. - wie angesichts der Subprime-Krise - bestehende Marktstörungen verstärken. Dies gilt besonders dann, wenn auf die Hedge-Fonds hohe Nachschuss-Aufforderungen (margin calls) ihrer Prime Broker zukommen und gleichzeitig Investoren ihre Einlagen bei dem Hedge-Fonds abziehen, weil sie vielfach selbst in eine Liquiditätsklemme geraten sind. Dadurch wurde im Zuge der Subprime-Krise (in the slipstream of the turmoil surrounding sub-prime crisis) die Volatilität auf dem Finanzmarkt merklich erhöht; gleichzeitig stieg die Abgangsquote der Hedge-Fonds von normalerweise weltweit zwölf Prozent pro Jahr auf mehr als das Doppelte.

– Andererseits aber gibt es keinerlei Beleg dafür, dass Hedge-Fonds bei der Verursachung der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise eine massgebliche Rolle gespielt haben, wiewohl das oft behauptet wurde.

– Siehe Ausschlachten, Ausserbörslich, Barausgleich, Beaufsichtigung, indirekte, Counterparty Risk Management Policy Group, Darlehn-gegen-Papiere-Geschäft, Dominostein-Effekt, Hebel(wirkung), Hedge-Fonds-Strategien, Kapital-Abzapfung, Rush to the exit, Zombie-Bank.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 18 f., S. 89 (Probleme bei der Risikomessung von Dach-Hedge-Fonds) S. 182 ff. (neuere aufsichtsrechtliche Entwicklung), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 211 (internationale Bemühungen um strengere Regulierung) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft", Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 67 ff. (Schattenbankbereich insgesamt und seine Risiken).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hedge-Fonds-Kredite (hedge fund credits):

1 Von Banken und Pensionsfonds an Hedge-Fonds gewährte Darlehn, in der Regel mit längerfristigem Vertrag. Mitte 2005 machten in Deutschland die Kredite der Banken an Hedge-Fonds deutlich weniger als ein Prozent der Kreditsumme an Nichtbanken aus, und der Hebel lag bei den deutschen Instituten nahestehenden Fonds nicht über zwei. - Als höchst gefährlich eingestuft werden Darlehn an Hedge-Fonds seitens einer Bank, wenn

1. der Hedge-Fonds ausplazierte verbriefte Papiere der Bank

2. mit eben diesem Kredit der Bank hereinnimmt, also kauft und diese als Aktiva ausweist. Denn ökonomisch betrachtet verbleiben dann die Risiken bei dem Originator, nämlich bei der Bank bzw. der dazwischengeschalteten Zweckgesellschaft.

2 Von Hedge-Fonds gewährte Darlehn an Unternehmen; nicht selten an von Insolvenz bedrohte Firmen (firms facing insolvency).

– Siehe Ausschlachten, Back-to-Originator-Postulat, Beaufsichtigung, indirekte, Brokergeschäft, Finanzonkologe, Hebel(wirkung), Hedge-Fonds-Strategien, Non-performing loans, Restrukturierung, Unterstützung, stillschweigende.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 18 (Zahlen zum Geldzufluss in Hedge-Fonds), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 28 f. (Geschäftsverbindungen deutscher Banken zu Hedge-Fonds) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hedge-Fonds Rating (hedge fund rating):

Die von weltweit anerkannten Rating-Agen¬turen (wie Standard & Poor's [SP], Moody's oder Morningstar, ein in Chicago ansässiges hoch angesehenes Finanzinformations- und Analyseunternehmen) vorgenommene Einschätzung eines Hedge-Fonds. Die nur in kurzen Noten ausgedrückte Bewertung erspart es dem Anleger, sich mühsam Informationen über die - in der Regel nicht als besonders auskunftsfreudig geltenden - Risiko-Fonds zu verschaffen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hedge-Fonds-Strategien (skill based strategies):

Zahlreiche Ansätze versuchen, die oft sehr weit gestreuten Geschäfte der Manager eines Hedge-Fonds in Grundtätigkeiten darzustellen. Eine Einteilung ist die in

1. Return Enhancer, gekennzeichnet durch das Ziel hoher Rendite bei hoher wechselseitiger Abhängigkeit (correlation; Korrelation) zu einem klassischen, Aktien und Obligationen enthaltendem Portfolio,

2. Risk Reducer: niedrige Rendite bei niedriger Korrelation zu einem klassischen Portfolio,

3. Total Diversifier: hohe Rendite bei niedriger Korrelation zu einem klassischen Portfolio und

4. Pure Diversifier: niedrige Rendite bei hoher negativer Korrelation zu einem klassischen Portfolio.

– Auch andere Einteilungen sind gebräuchlich. Zu beachten ist, dass ein in verschiedene Subfonds (subfunds; Unterfonds, Teilfonds, Anteilsklassen) gegliederter Hedge-Fonds in den einzelnen Unterfonds des Umbrella-Fonds durchaus verschiedene Strategien verfolgen kann. - Die englische Bezeichnung "skill based strategies" bringt zum Ausdruck, dass der Erfolg des Fonds in erster Linie als von den Fähigkeiten der Fonds-Manager abhängig gesehen wird und weniger vom Geschehen auf den einzelnen Sektoren des Finanzmarktes.

– Siehe Counterparty Risk Management Policy Group, Dominostein-Effekt, Epuration, Event-Driven Fund, Hebel(wirkung), Hedge-Fonds-Gefahren, Herdenverhalten, Index-Arbitrage, Intermarkt-Spread, Kapital-Abzapfung, Long-Short-Arbitrage, Mikro-Hedges, Restrukturierung, Risikoüberwachung, gegliederte, Rush to the exit, Single-Hedge-Fonds, Vermögens-Portfolio.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hedge-Fonds-Unternehmen (hedge-fund type of company):

Die Mehrzahl der weltweit tätigen Hedge-Fonds werden in den USA jeweils als eine Personengesellschaft (joint partnership) gegründet, an der sich Aktionäre oder Partner mit beschränkter Haftung beteiligen können. Die Investoren nehmen somit eine Kommanditisten-Rolle ein. Damit wird die Gesellschaft selbst steuerfrei gestellt. Die Besteuerung verlagert sich auf die Ebene der Beteiligten (pass-through entity: any legal entity that collects and distributes income and losses to its owners, who wish to protect themselves from personal liability for obligations of the entity). - Hedge-Fonds in Offshore Finanzplätzen - vor allem Bahamas, British Virgin Islands, Cayman Islands, Barbados, Bermudas, Channell Islands - werden regelmässig in gleicher Weise gegründet, um die Steuerfreiheit (tax exemption) der Gesellschaft sicherzustellen. - Sämtliche Anlageentscheidungen (investment decisions) jedoch werden nicht von der Gesellschaft selbst, sondern regelmässig durch ein dazu beauftragtes Management (investment advisors) getroffen und ausgeführt.

– Siehe Brokergeschäft, Erfolgsprämie, Hebel(wirkung), High Watermark-Methode, Nicht-Bank, No-Load Fund.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hedge-Geschäft (hedging transaction):

Gegen- oder Deckungsgeschäft zu einer bestehenden oder entstehenden risikobehafteten Position; auch Sicherungsgeschäft genannt. Risikoausgleich (risk compensation) erreicht man durch Eingehen eines gleichartigen, aber entgegengesetzt wirkenden Risikos wie in der abzusichernden Position (hedging transactions purchase opposite positions in the market in order to ensure a certain amount of gain or loss on a trade). - Das Termingeschäft ist der klassische Fall des Hedge-Geschäftes. Hedge-Geschäfte werden von den Aufsichtsbehörden in den letzten Jahren verstärkt überwacht und hinsichtlich der Rechnungslegung mit Vorschriften versehen.

– Siehe Absicherung, Fair Value Hedge, Finanzialisierung, Rohstoff-Terminvertrag, Terminkontrakt.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2004, S. 79, Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 182 f. (aufsichtsrechtliche Fragen), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 211 (internationale Bemühungen um strengere Regulierung) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hedger (so auch im Deutschen; selten mit Absicherer übersetzt):

Marktteilnehmer, der risikobehaftete Finanzprodukte oder Waren - etwa: Getreide bei Mühlenbetrieben (grain mills), Früchte bei Herstellen von Joghurt (yoghurt producers) - durch ein oder mehrere gegenläufige Geschäfte absichert.

– Siehe Absicherung, Ersatzverkauf, Hedge-Geschäft, Rohstoff-Terminvertrag, Terminkontrakt.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2012, S. 34 f. (Hedger auf dem Markt für Rohöl-Futures und deren Beitrag zur Marktstabilität).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hedging (so statt Absicherung auch zunehmend im Deutschen):

Risikobehaftete Positionen (open positions; offene Positionen), die auf Marktpreisrisiken (market price risks) zurückzuführen sind, werden durch den Aufbau von einzelnen oder mehreren gegenläufigen Geschäften bzw. Positionen abgesichert (taking a position in a futures market contrary to a position held in the cash market in order to minimise the risk of financial loss from an adverse price change; also: a purchase or sale of futures as a temporary substitute for a cash transaction that will occur later).

– Siehe Absicherung, Ersatzverkauf, Hedger, Liikanen-Bericht, Modellrisiko, Rohstoff-Terminvertrag, Worst Case Hedging.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2006, S. 61 ff. (Einfluss von Hedging-Strategien auf die Finanzmärkte).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hedging, natürliches (natural hedging):

Mehr bissig (satirical) gemeinter Ausdruck für die Tatsache, dass ein Unternehmen seine Produktion teilweise in ein fremdes Währungsgebiet verlegt, wenn dort auch ein bedeutender Teil des Absatzes erfolgt. - Durch ein solche Produktion vor Ort (local manufacturing: so auch im Deutschen gesagt und dann grossgeschrieben) entzieht man sich Schwankungen (Oszillationen; oscillations: fluctuations above and below a mean value) des Wechselkurses, die dem Unternehmen möglicherweise Verluste einbringen

1. entweder von der Beschaffungsseite her, etwa: EUR notiert gegenüber dem USD nieder; in den USA gekaufte Waren verteuern sich, oder

2. von der Absatzseite her, etwa: EUR steht gegenüber dem USD hoch, wodurch sich die exportierten Waren aus dem Euroraum in den USA verteuern und weniger nachgefragt werden.

– Siehe Onshore Banking.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Heergeld (disengagement fee; army pay):

1 In Deutschland früher eine Abgabe, die bei jenen erhoben wurde, welche ihren Pflicht-Heeresdienst (compulsory military service) nicht in eigener Person leisteten.

2 Die Ausgaben des Staates zur Bezahlung eines Kriegsvolks (Wehrsold; service pay). - Vermochte in der Vergangenheit der Heeres-Sold nicht bezahlt zu werden, so kam es vielfach zur Meuterei (mutiny) der Soldaten. - Kaiser Karl V konnte seine siegreichen Truppen im Kampf gegen Franz I von Frankreich nicht bezahlen. Darum plünderten diese 1527 die Stadt Rom aus, als "sacco di Roma" ging dies in die Geschichte ein. - Unter Philipp II widerfuhr dieses Schicksal 1576 der Stadt Antwerpen. Drei Tage lang wüteten die Landsknechte (lansquenets); sie ermordeten 8'000 Bürger und gaben über 500 der schönsten Gebäude den Flammen preis; das vordem reiche Antwerpen versank in Armut (drowned into mass poverty). - Die alte Reichshauptstadt Wien konnte 1683 in allerletzter Minute vor der angekündigten völligen Zerstörung durch die Türken nur dank eines vom Papst Innozenz XI. dringend erbetenen polnischen Entsatzheeres (relief army) unter König Johann III Sobieski [1629/1674-1696], gerettet werden.

– Siehe Dänengeld, Festungsgeld, Grabengeld, Hussengeld, Kavalleriegeld, Knickgeld, Kontribution, Manubien, Marschroutengeld, Obristen-Darlehn, Quartiergeld, Rockgeld, Satisfaktionsgeld, Superindukt, Türkengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hegemon, milder (benign leader):

Um 2013 aufgekommene Sprachformel in Bezug auf die Europäische Währungsunion. Danach sollte Deutschland angesichts seiner politisch und wirtschaftlich stabilen Verhältnisse die ökonomisch schwächeren Staaten innert der EWU durch grosszügige Unterhaltszahlungen dauerhaft unterstützen. - Dieses Ansinnen ist unangebracht und verfehlt. Denn weder die deutsche Verfassung noch die Verträge über die EWU lassen eine solche Rolle zu. Wenn die Wettbewerbsfähigkeit einiger Mitglieder der EWU ungenügend ist, dann gilt es nach den Gründen dafür zu suchen, und seitens dieser Länder alles zu tun, um notwendige Anpassungen (necessary adjustments) vorzunehmen. Würde noch mehr Kaufkraft in die jetzt schwächelnden Staaten (economic weak members of the EMU) gepumpt, dann lähmte dies jede Anstrengung, die eigen Volkswirtschaft wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

– Siehe Blame game, Blutzoll, ClubMed, Defizit-Finanzierungsverbot, Erpressungspotential, Europäische Währungsunion, Grundfehler, Europäisches Finanzministerium, Europayer, EWU-Sprengsatz, EZB-Sündenfall, EZB-Unabhängigkeit, Fiskalpakt, Friedman-These, Frühwarnrecht, Geldkuh, Geldpolitik, Gruppendruck, Haushalts-Vorabstimmung, europäische, Moral Hazard, Politikverzug, Repräsentationsproblem, Rettungsroutine, Schuldenclub, Solidarität, finanzielle, Staatsschulden-Rückführung, Staatsverschuldungs-Druck, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Grundfehler, Schuldendroge, Solidarität, finanzielle, Steuerungsrahmen, Südfront, Tragfähigkeit öffentlicher Finanzen, Transferunion, Ungleichgewichte, EWU-interne, Wettbewerbs-Status, internationaler, Währungsunion 2, Wirtschaftspolitik, europäische, Zahlmeister, Zinsglättung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Heilgeld und Sostrum (doctor's fee):

In älteren Dokumenten die Bezahlung für die Dienstleistungen eines Arztes.

– Siehe Heilsteingeld, Liquidation, Meistereigeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Heilsteingeld (healing stone fee):

In älteren Dokumenten von umherreisenden Heilern (Quacksalbern; quack doctors, charlatans) verlangte Zahlung für zumeist aus Bachläufen entnommene Steine, die innert einer bestimmten Frist, an derem Ende indessen der Heiler schon längst über alle Berge war, allerlei Krankheiten heilen sollten. Trotz behördlicher Warnung vor solchem Heilbetrug (healing fraud) blühte das Geschäft mit Heilsteinen in der breiten Bevölkerung. - Bis heute hielt sich die Heilsteintherapie (healing stone therapy) nicht nur im Verborgenen: sie blieb in der medizinischen Grauzone (medical grey area). Im Internet werden entsprechende Steine wie vor allem Bergkristall (mountain [rock] crystal: the material of quartz [SiO2], in crystallisation translucent or nearly so, and either colourless or slightly tinged with grey, or the like) für bestimmte Leiden angeboten.

– Siehe Heilgeld, Liquidation.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Heimatüberweisungen (remittances):

Die Sendung von Geld durch Migranten (itinerant workers; Gastarbeiter; emigrants; Auswanderer) an die Familien oder andere Stellen ihres Herkunftslandes. - Weltweit wurden nach Berechnungen der Weltbank im Jahr 2005 etwa 345 Mia USD auf diese Weise transferiert; statistisch in den Zahlungsbilanzen erfasst sind 232 Mia USD. In einigen Staaten machen Heimatüberweisungen einen beachtlichen Teil am Volkseinkommen aus; für Haiti betrug der Anteil 2008 ungefähr siebzehn Prozent, für Somalia wurden für das Jahr 2009 fast vierzig Prozent angegeben. - Weil die Empfänger-Familien beim Umtausch zuhause durch die Banken bzw. auftrags der Regierung durch die Zentralbank übervorteilt wurden - im ehemaligen Jugoslawien verloren die Empfänger fast die Hälfte des Wertes des ihnen von Angehörigen geschickten Geldes; diese Summen flossen den Regierenden zu -, bildeten sich bis heute vielfältige, im Einzelnen schwer durchschaubare Formen des Transfers heraus.

– Siehe Geldwäsche, Ghettobanking, Geldtransfer-Vermittler, Hawala, Parallel Banking, Remittance Services, Schattenbankbereich, Underground Banking, Winkelmakler.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2007, S. 95 ff. (ausführliche Darstellung; wichtige Definitionen; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Heimkehrergeld auch Entlassungsgeld (assistance to repatriated prisoners of war):

In Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg (1939-1945) an aus der Kriegsgefangenschaft (war captivity) heimgekehrte Soldaten ausbezahlte, im Heimkehrergesetz vom 19. Juni 1950 festgelegte Zahlung als Soforthilfe (immediate assistance) für Bekleidung und Gebrauchsgegenstände.

– Siehe Begrüssungsgeld, Eingliederungsdarlehn.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Heiratsgeld (mandatory wedding gift):

Wenn nicht anders definiert, so meint man damit eine frühere Abgabe der Bürger bei einer Heirat im Kreis der landesherrlichen Familie (sovereign family). Durch dieses Geld mussten die Hochzeitskosten (wedding costs) gedeckt werden.

– Siehe Frauengeld, Fräuleingeld, Hebegeld, Hielichgeld, Hochzeitsgeld, Vokationsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hellenoschwärmerei auch Philhellenismus und Gräkomanie (hellenoeuphoria):

Eine übersteigerte, die tatsächlichen Gegebenheiten verkennende Neigung zu Griechenland. - In der EU im Besonderen gesagt in Zusammenhang mit der gegen die ausdrückliche Empfehlung der Europäischen Kommission vollzogenen Aufnahme Griechenlands in die EU im Jahr 1981 durch Entscheidung des Ministerrats. Es überwog in dem Gremium und wohl auch in der Öffentlichkeit das vage Gefühl, "Wir alle sind Griechen" (Titel eines 1821 erschienenen einflussreichen Buches des romantischen britischen Schriftstellers Percy Bysshe Shelley, [1792–1822]). Als Griechenland sich 2001 in Bezug auf die geforderten Konvergenzkriterien - wie sich später klar herausstellte - gefälschten Angaben den Eintritt in den Euroraum verschaffte, stieg damit auf lange Zeit die Belastung des EUR. - Anfang 2010 zeigte sich immer deutlicher, dass Griechenland dem Staatsbankrott zusteuerte und eine Bürde für die Eurozone wird. Die Schulden Griechenlands lagen zu der Zeit bei 113 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, das Haushaltsdefizit im Jahr zuvor (2009) bei fast dreizehn Prozent und die Arbeitslosenquote bei elf Prozent. - In Griechenland selbst blieb es bei der weithin vorherrschenden Sündenbock-Einstellung (scapegoat ideology) in der Öffentlichkeit, im Zuge derer man eigene Versäumnisse "Brüssel" anlastete. Die missliche Lage wurde keineswegs als Folge eigener Misswirtschaft gesehen Auf Sparmassnahmen der Regierung antworteten die Hellenen - die Beschäftigten traten dort im Jahr 2009 durchschnittlich mit 60 Jahren in den Ruhestand und erhielten 94 Prozent eines Durchschnittsgehalts; in Deutschland waren es zu gleicher Zeit 41 Prozent - mit Aufruhr und Strikes. - Im Frühjahr 2010 hatten europäische Banken griechische Staatsanleihen in Höhe von 140 Mia EUR in ihren Beständen: Papiere, die nur mit einem Bewertungsabschlag als Sicherheit hinterlegt werden konnten. Im Herbst 2012 durften die Gläubiger Griechenlands durch einen "freiwilligen" Schuldenschnitt auf einen Gutteil ihrer Forderungen verzichten.

– Siehe Anleihe-Spread, Aufkäufe, zentralbankliche, Bail-out, ClubMed, Euro-Anleihen, gemeinsame, Europäische Währungsunion, Grundfehler, Friedman-These, Griechenland-Krise, Plan C, Rückkehr-Ideologie, Rückschlag-Effekt, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Grundfehler, TARGET-Missbrauch, Transferunion, Verfassungsartikel eins, Vertragstreue, Zwillingsdefizit.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2010, S. 50 f. (in die Wege geleitete Massnahmen Griechenlands zur Erreichung der Maastricht-Kriterien).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Heller auch Häller (heller):

1 Alte Münze in Deutschland, benannt nach der Stadt Hall am Kocher (heute: Schwäbisch Hall). Ursprünglich war der Heller eine geprägte Silbermünze, später eine Scheidemünze aus Kupfer. - Die links am Inn gelegenen Stadt Hall in Tirol, in der ab 1486 (Silber)Münzen hergestellt wurden, scheint nicht Namensgeber für den Heller zu sein, wie die Numismatik nachwies.

2 In Österreich in der Zeit der Kronen-Währung von 1892 bis 1925 galt 1 Krone = 100 Heller.

– Siehe Halling, Kreuzer, Münze, Verrechnungsmünze.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Helvetophobie (helvetophobia):

Eine Abneigung (aversion) gegen die Schweiz im Allgemeinen und im Besonderen gegen die Schweiz als Finanzplatz. - Diese vor allem in England, Frankreich und Deutschland verbreitete Antipathie (Aversion; dislike) gründet sich auf den Verdacht,

1. schweizerische Banken würden durch unlautere Mittel (machinations, racketeering) Kunden aus anderen Ländern abwerben. Dazu

2. werden Schweizer Institute verdächtigt, der weltweiten Geldwäsche zu Diensten zu sein sowie

3. Drogengeld und

4. aus Steuerhinterziehung (fiscal evasion, defraudation of tax) stammende Beträge anzuziehen.

– Dass sich jedoch auch der "normale" Kunde (average consumer; Otto Normalverbraucher; "Joe Public", "Joe and Jane Lunchbucket") bei Schweizer Banken in aller Regel bei weitem besser bedient fühlt - hohes Mass an Kundenfreundlichkeit (customer friendliness), fachkundiges und bestens ausgebildetes Personal (excellent staff) innovative Finanzprodukte (innovative financial products) -, wird dabei wohlweislich unterschlagen. Auch wird nicht gesagt, dass sich der CHF gegenüber dem EUR bis Anfang 2011 um fast dreissig Prozent verteuert hat; der CHF damit weltweit als die stabilste Währung ist.

– Siehe Bankgeheimnis, Geldheimat, Gnomen von Zürich, Dollar-Lücke, Finanzinsel, Hafen, sicherer, Hochfinanz, Privatbankier, Schwarzgeld, Spill-over-Effekt, Steuerberatung, Vertraulichkeit, Zinsinsel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Henry Hub, HH (so auch im Deutschen gesagt; hub = ein Zusammentreffen mehrerer Gasleitungen mit der Möglichkeit, Gas von einer Leitung in eine andere umzuleiten):

Ein Zusammenlauf von Erdgasleitungen im US-Bundestaat Louisiana, der für den Handel von auf Erdgas bezogenen Futures auch über die USA hinaus die Grundlage bildet (a natural gas pipeline hub in Louisiana that serves since 1990 as the delivery point for New York Mercantile Exchange natural gas futures contracts, and often functions as a benchmark for wholesale natural gas prices across the world). Auch viele in Deutschland abgeschlossene Kontrakte gründen sich auf den Henry Hub, daneben jedoch auch zunehmend auf europäische Gashandelsplätze (gas trading centres).

– Siehe Amaranth-Verlust, Energiepreise, Erdölpreis, Finanzialisierung, Strombörse.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Herabstufung (downrating, downgrading):

Die schlechtere Benotung eines Unternehmens, eines Fonds oder eines Staates durch eine Rating-Agentur. Vor allem beim Downrating von hochverschuldeten Staaten wurden die Agenturen heftig gescholten und sogar öffentlich bedroht. Zurecht verglich man dies mit der Verteufelung des Fieberthermometers anstatt des Fiebers.

– Siehe Downrating, Plutoed, Untergewicht.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Herbstschnitt, Erntekampagne und Vorab-Ausverkauf (harvest mission):

Ein Unternehmen versucht mit allen Mitteln, kurzfristig den Cashflow zu steigern und den Gewinn zu maximieren. Dies war regelmässig dann zu beobachten, wenn die Firma einen hohen Marktanteil in einer stagnierenden Branche hält und am Ende eines Produktzyklus (product [life] cycle: die Zeit zwischen der Markteinführung eines Gutes und seines Auslaufens im Markt) steht (an operation that tries to maximise cash flow and short term profits; it is typically pursued by a business unit that has a large market share in a low-growth industry; and it is characteristic for products in the final stages of the product life cycle). Die so erlösten Mittel dienen nicht selten dazu, um nunmehr ein neues Produkt auf den Markt zu bringen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Herdenverhalten (herding behaviour, information cascade):

1 Anleger richten ihre Entscheidungen an einem Vorbild aus, von dem sie glauben, dass er über bessere Marktkenntnisse verfügt. Ursache ist letztlich die Furcht, mit der eigenen Einschätzung falsch zu liegen. Herdenverhalten lohnt sich für den einzelnen, zumal wenn man voraussetzt, dass sehr viele dem gleichen Handlungsmuster folgen; als Motto gilt hier: "Der Trend ist dein Freund". Auf diese Weise verstärken sich besonders auf Finanzmärkten - und hier wieder hauptsächlich auf den Devisenmärkten - Kursübertreibungen (Preisausschläge; bubbles) in beide Richtungen. - Beispielhaft für Herdenverhalten war die Entwicklung in Südost-Asien 1997/98. Auf eine Phase mit ausgesprochen hohem Kapital-Zufluss in diese Region folgte plötzlich ein kollektiver Rückzug (collective withdrawal) der Anleger.

2 In Bezug auf Anlagefonds: die Fondsmanager kleiner und mittlerer Fonds richten sich bei der Schichtung des Portfolios (portfolio composition: bei der Zusammensetzung der einzelnen Vermögenswerte) nach den führenden - meistens mit amerikanischen, deutschen oder schweizerischen Grossbanken verbundenen - Fonds aus, oft sogar ganz genau. Sie entscheiden dann auch selbst gegen die ausdrückliche Empfehlung ihrer eigenen Analysten. Denn die Fondsmanager glauben, durch Anpassung an die führenden Fonds dem Vorwurf schlechter Performance am ehesten zu entgehen.

– Siehe Einschätzung, gegensätzliche, Exotikomanie, Finanzpsychologie, Frühwarnsysteme, Furchtthese, Gegenspekulationstheorie, Geschorener, Gigabank, Glücksspieleffekt, Grössenvertrauen, Hedge-Fonds-Strategien, Information, asymmetrische, Hindsight, Immobilienblase, Information, asymmetrische, Kurzsichtigkeit, Martin-Prinzip, Meinungskauf, Milchmädchen-Hausse, Nachahmung, informelle, Rückkoppelungsschleife, Sinuskurven-Fetischismus, Staffelung, Zahltag-Grundregel, Zurückfindung, Zyklik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Herdgeld (fireplace impost; child-raising allowance):

1 Frühere eine Abgabe auf jedes Haus mit Feuerstelle, auch Arngeld (von Arenn = Herd), Rauchfanggeld, Herdstattgeld und ähnlich genannt.

2 Nach 2000 aufgekommene und zumeist abfällig gemeinte Bezeichnung für die Zahlung an Mütter, welche ihre Kinder zuhause (am Herd; on the own fireside) erziehen, anstatt diese in teure steuerfinanzierte öffentliche Einrichtungen (expensive tax-funded systems) zur Verwahrung abzugeben.

– Siehe Feuergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hereinnahme (collecting):

Bei der EZB allgemein der Kauf von Wertpapieren oder anderen Aktiva mit der Verpflichtung, sie später an den Verkäufer zurückzugeben.

– Siehe Hereinnahme von Termineinlagen, Pensionierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hereinnahme von Termineinlagen (collection of fixed-term deposits):

Geldpolitisches Instrument, das von der EZB für Feinsteuerungszwecke eingesetzt werden kann. Im Zuge dessen wird den Geschäftspartnern eine lockende Verzinsung (attractive interst yield) für befristete Einlagen ihrer Kundendepositen (Termineinlagen) auf Konten bei den nationalen Zentralbanken angeboten. Zweck der Massnahme ist es, am Markt Liquidität abzuschöpfen.

– Vgl. den Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Monetäre Statistik", Unterrubrik "Geldpolitische Geschäfte des Eurosystems", Teilstatistik "Sonstige Tendergeschäfte" im jeweiligen Monatsbericht der EZB über den Umfang der Geschäfte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Herfindahl-Hirschman-Index, HHI (so auch im Englischen):

Vielfältig und häufig benutzte Kennzahl zur Messung des Konzentrationsrisikos. Beim Adressenfall--Risiko ist der Index definiert als die Summe der Quadrate der relativen Anteile eines Portfolios aller Kreditnehmer. - Gut diversifizierte Portfolios mit sehr vielen, kleinen Kreditnehmern weisen einen HHI von nahe Null aus. Stark konzentrierte Portfolios hingegen zeigen höhere Werte; im Sonderfall nur eines einzigen Schuldners hat der HHI den Wert Eins. - Indessen

1. kann der HHI Qualitätsgefälle innert der einzelnen Darlehn (differences in quality of single loans) nicht abbilden, nämlich Unterschiede, die sich etwa in der Beschaffenheit der gestellten Sicherheiten zeigen oder auch in der Ausfallwahrscheinlichkeit.

2. Ferner bleiben Ungleichheiten in den Abhängigkeiten von Kreditrisiken zwischen den Sektoren -etwa: Industrie der Steine und Erden und Bauindustrie - unberücksichtigt.

3. Auch liefert der HHI keinerlei Aussage über das zur Abdeckung der Risiken benötigte Kapital.

– Siehe Gini-Koeffizient, Granularität, Säumnisquote, Value-at-Risk, Zahlungsausstand.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2006, S. 41 (nähere Erläuterung des HHI; Kritik).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Herkunfts-Staat (origin country):

In der Sprache des deutschen Aufsichtsrechts jener Staat, in welchem die Hauptniederlassung eines Instituts zugelassen ist; vgl. § 1, Abs. 4 KWG.

– Siehe Auslandsbank, Aufnahme-Staat, Bankenaufsicht, europäische, Europa-AG, Europäischer Pass, Repräsentanz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Herrengeld (territorial coins):

Früher in Deutschland gesagt von Münzen, die ein deutscher Landesherr (provincial sovereign) schlagen liess, der zur Münzausgabe befugt war, der mit anderen Worten das Münzrecht (coinage prerogative) besass; im Gegensatz zum Kaisergeld (Reichsmünzen; sovereign coins).

– Siehe Kaisermünzen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Herstatt-Pleite (Herstatt collapse):

Die Insolvenz der damals hoch angesehenen Kölner Privatbank Iwan D. Herstatt in Köln im Juni 1974. Das Bankhaus galt als eine erste Adresse auf dem Finanzmarkt. Mit rund 1,2 Mia DEM Schulden aus Devisenhandelsgeschäften wurde die Bank von der Aufsichtsbehörde geschlossen. Zahlreiche private Einleger verloren ihr Vermögen und wurden zum Teil selbst in den Konkurs getrieben. Auch öffentliche Einleger waren geschädigt, wie etwa die Stadt Köln, die Stadt Bonn und der Pensionsfonds des Erzbistums Köln, aus dem die Ruhegehälter kirchlicher Bediensteter (former Church staff members) gespeist werden. Diese vielbeachtete Insolvenz hatte eine nachhaltige Signalwirkung und war der Anlass, die Einlagensicherung in Deutschland gesetzlich vorzuschreiben.

– Siehe Adressenausfall-Risiko, Anlegerschutz, Feuerwehrfonds, Herstatt-Risiko, Sicherungspflicht, Spekulation, Überlauf-System.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Herstatt-Risiko (Herstatt risk, principal risk):

Die Gefahr, dass bei einem Devisenhandelsgeschäft zwar die eine Partei die von ihr verkaufte Währung - hier: DEM - auszahlt. Der Vertragspartner sieht sich aber nicht in der Lage, die gekaufte Währung - hier: USD - auch zu liefern (the danger of loss in foreign exchange trading that one party will deliver foreign exchange but the counterparty will fail to bring its end of the contract).

– Siehe Devisentermingeschäft, Erfüllungsrisiko, Herstatt-Pleite, Matching, Quanto, Rollover-Risiko, Swapgeschäft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Herstellungskosten (manufacturing costs, production costs):

Nach der Definition in § 255 HGB Aufwendungen, die durch den Einsatz von Waren und Dienstleistungen für

1. die Produktion eines Vermögensgegenstandes,

2. seine Erweiterung oder

3. die seinen ursprünglichen Zustand hinausgehende wesentliche Verbesserung entstehen.

– Die Begriffe Herstellung und Produktion werden in der Regel gleichbedeutend verwendet; im Falle der nicht lagerfähigen Güter - wie etwa Elektrizität - spricht man zumeist von Bereitstellung (provisioning).

– Siehe EWU-Sprengsatz, Kosten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Heuergeld (sailor's pay):

Die einer Schiffsbesatzung für ihre Dienste an Bord vertraglich zu zahlende Summe; der Seemannslohn, auch nur die Heuer und in älteren Dokumenten Mareage genannt; heuern = hier: mieten, jemanden dingen. - Bei ausländischen Matrosen spielt heute die Währung eine sehr wichtige Rolle, in welcher die Heuer ausbezahlt wird; und dies besonders bei Beschäftigten aus Ländern, in denen Devisenzwangswirtschaft mit Andienungspflicht besteht.

– Siehe Hawala, Heimatüberweisungen, Matrosengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Heuristiken (behavioural finance):

Ausdruck in Zusammenhang mit Erwartungshaltungen auf Devisenmärkten. - Wenn sich innert der Beteiligten auf dem Devisenmarkt eine Meinung gebildet hat, welchen Kurstrend das Verhältnis einzelner Währungen - derzeit vor allem: USD zu EUR - aufweisen wird, dann stellt sich dieser Trend auch ein; und das selbst entgegen objektiv messbarer ökonomischer Grössen. Hinter diesem Erklärungsansatz - letztlich: die Erwartungen anderer vorwegzunehmen, die sich in der gleichen Lage befinden - stehen Überlegungen, die oft aus Modellen der Spieltheorie (focal points; fokale Punkte) hergeleitet werden.

– Siehe Herdenverhalten, Sinuskurven-Fetischismus.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Heuschrecken (locusts):

Abschätzige Bezeichnung einiger deutscher Politiker und Gewerkschafts-Funktionaire für Hedge-Fonds. - Wie Wirtschaftsjournalisten offenlegten, haben nahezu sämtliche diesen Ausdruck benutzenden Kritiker der Hedge-Fonds so gut wie gar keine Vorstellung über die Wirkweise der Fonds, vor allem: Bereitstellung von Risikokapital; Druck auf die oft unfähige Unternehmensführung der kontrollierten Firmen, im Markt wieder Fuss zu fassen und damit die Arbeitsplätze der Mitarbeiter zu sichern.

– Siehe Restrukturierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hielichgeld (trousseau; bridegroom donation):

1 Früher die Aussteuer einer Braut (bridal dowry), das Brautgeld.

2 Eine teilweise bis heute ortsübliche Zahlung des Bräutigams an die glückwünschenden Junggesellen. - Hielich bezeichnet ursprünglich das Lied (wedding song; der Lich, der Leich = ein Gesang von ungleichen Strophen), das bei einer Hochzeit gesungen wird und steht später für Verheiratung, Hochzeit im Ganzen.

– Siehe Brautgeld, Gegengeld, Hochzeitsgeld, Jagdgeld, Kranzgeld, Maritagium, Paraphernalgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

High Flyer (so auch im Deutschen gesagt, seltener Überflieger):

1 Aktie mit einem Runup, einem sehr hohem Kursanstieg innert einer vergleichsweise kurzen Zeit (a share that is trading at a high price and reached this value in a short period of time).

2 Aktie mit einem sehr guten Kurs-Gewinn-Verhältnis.

3 Mitarbeiter in der Bank und allgemein im Unternehmen, der bei wenig Leistung sehr rasch auf höhere Stellen befördert wird; Senkrechtstarter (whizz kid: to whizz = to rotate very rapidly).

– Siehe Alleskönner, Allrounder, Bull, Blase, spekulative, Dingo-Werte, Emission, überzeichnete, Hausse, Hindsight, Hot Issue, Hot Spot, Infighting, Job-Hopper, Kurzsichtigkeit, Low Performer, Markt, überkaufter, Mauerblümchen, New Hire, Peter-Regel, Rally, Underperformer, Vorabprüfung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

High Potential und Highpotential (so auch im Deutschen gesagt; seltener Spitzenkraft):

Im Finanzbereich ein aussergewöhnlich Sachkundiger; ein Fachmann, der bei den Kunden und auch im Kreis der Mitarbeiter - nicht unbedingt aber auch bei der Unternehmensspitze - wegen seines Wissens und Könnens, gepaart auch mit Kontaktfähigkeit (skills to communicate; Umgänglichkeit, Zuvorkommenheit), hohes Ansehen geniesst. - Eine hochintelligente, jedoch kontaktarme Person wird auch in der Finanzwelt in der Regel mit dem englischen Wort Nerd (Eigenbrötler, Sonderling: an intelligent but single-minded, unsociable person) bezeichnet.

– Siehe High Flyer, Hot Spot, Infighting, Low Performer, New Hire, Peter-Regel, Talentknappheit, Underperformer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

High risk countries (so oft auch im Deutschen; seltener Hochrisikostaaten):

Länder und Territorien (jurisdictions), die mit den Aufsichtsbehörden nicht zusammenarbeiten, und in denen besonders die Geldwäsche kaum oder überhaupt nicht verfolgt wird. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht führt eine Liste solcher verdächtiger Länder; diese wird laufend aktualisiert und ist über die Internetseite der Anstalt abrufbar. Ausserdem prüfen die Aufsichtsbehörden im Besonderen sehr genau, ob heimische Institute Geschäftsbeziehungen mit solchen nicht-kooperierenden Ländern unterhalten bzw. ob und gegebenenfalls welche Transaktionen stattfanden.

– Siehe Beaufsichtigung, indirekte, Cold Calling, Dingo-Werte, Domizil-Verschleierung, Financial Action Task Force on Money Laundering, Finanzflüchtling, Forum für Finanzmarktstabilität, Frontrunning, Geheimtip, Geldwäsche, Hawala, Nominee, Offshore Finanzplätze, Option, exotische, Parallel Banking, Underground Banking.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

High-Speed Money (so auch im Deutschen gesagt; seltener Kurzfristgewinn):

Nach 2005 auch in die deutsche Finanzsprache tiefer eingedrungene Bezeichnung für

1. satte Gewinne,

2. im Finanzsektor bei sehr kurzfristigen Engagements (hit-and-rund financial activities; Hit-and-Run-Geschäfte) verdient, aber

3. ohne Rücksicht auf den langfristigen (noncurrent) Ertrag.

– Siehe Bankenschelte, Bonus, Emission, überzeichnete, High Yielder, Hot Issue, Nachhaltigkeit, Risiko, Subprime-Kredite, Vergütungssystem.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

High-Tech-Industrie und Hochtechnologiesparte (high tech industry):

Wirtschaftszweige mit einem überdurchschnittlich hohen Forschungsaufwand (research expenditure) und einer starken Produktspezialisierung (high product specialisation), wie etwa die Arzneimittelherstellung oder die Nanotechnologie. - Bei Unternehmen dieses Zuschnitts bestehen besondere Ansprüche hinsichtlich die Kreditversorgung durch die Banken, und auch die Zentralbank muss bei ihrer Einschätzung der gewährten Darlehn dies berücksichtigen.

– Siehe Dienstleister, wissensbasierte, Forschungsquote, Kreditkanal, Unit-Value-Relation.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

High Watermark-Methode (so auch im Deutschen):

Bezeichnung einer bestimmten Art der Vergütung von Vermögensverwaltern. - Sie ist hier grundsätzlich abhängig von der Performance. Je nach Anlagestrategie - ausgewogen, wachstumsorientiert - beträgt die Vergütung (performance fee) grundsätzlich zehn bis zwanzig Prozent. Der Vermögensverwalter erhält die Prämie allerdings nur auf diejenigen Kurssteigerungen, welche die durchschnittlichen Höchstkurse innert eines Zeitraums übersteigen. Ein Verlust muss in der Regel bereits im Folgejahr wieder wettgemacht werden.

– Siehe All-in-Fee, Festgebühr, Hedge-Fonds, Herdenverhalten, Verlustübernahme, persönliche.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

High Yielder (so auch im Deutschen gesagt; seltener ertragsstarke Anlage):

Allgemein eine aussergewöhnlich gewinnträchtige Investition überhaupt; im engeren Sinne ein hoch rentierliches Finanzprodukt.

– Siehe High-Speed Money, (High Yields, Rendite-Risiko-Grundsatz, Supergewinn.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

High Yields (so auch im Deutschen gesagt; seltener ertragsstarke Risikotitel):

1 Allgemein festverzinsliche (fixed interest bearing) Wertpapiere, die von den Rating-Agenturen schlecht eingestuft wurden bzw. nach Meinung der Akteure auf dem Finanzmarkt einer solchen Zuordnung entsprechen. Fast alle Staatsanleihen der Schwellenländer zählen zu dieser Gruppe von Titeln. Wegen der schlechten Bonität sind solche Papiere in der Regel mit entsprechend höherem Zinssatz ausgestattet bzw. sie sind zu einem weit unter dem Nennwert liegenden Kurs zu kaufen, von daher leitet sich der - zunächst ungewöhnliche - Name her.

2 Im Besonderen auch

1. Unternehmensanleihen (corporate bonds) mit beachtlicher Rendite bei

2. allerdings auch hohem Bonitätsrisiko. Der Kurs der Papiere folgt in der Regel eng dem Aktienkurs des jeweiligen Emittenten, soweit diese Aktiengesellschaften sind.

– Siehe Fallen Angels, Low Kupon Papers.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juli 2004, S. 23 ff. (dort auch Vergleiche mit den USA), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 99 (Versicherungen können bis zu fünf Prozent ihres gebundenen Vermögens in High Yields investieren).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Highly Leveraged Institutions (so auch im Deutschen gesagt; seltener hoch gehebelte Institute):

Allgemein Institute mit einem auffälligen Verhältnis von Risiko zu Eigenkapital, in erster Linie Hedge-Fonds.

– Siehe Hebelwirkung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hilfeersuchen, ständiges (standing request of assistance):

Im Aufsichtsrecht die Möglichkeit einer nationalen Aufsichtsbehörde, mit der Überwachung eines im Ausland ansässigen heimischen Instituts die dort zuständige Behörde zu beauftragen.

– Siehe Aufsichtsplanung, gemeinsame.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 67 (einzelne Abkommen), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 71 (weitere Amtshilfe-Abkommen) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Internationales".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hilfsdienste, bankbezogene (bank related services, financial auxiliaries):

Begriff des deutschen Aufsichtsrechts, nämlich Unternehmen, die

1. ohne Institute oder Finanzunternehmen zu sein

2. in ihrer Haupttätigkeit Immobilien verwalten, Rechenzentren betreiben oder andere Tätigkeiten ausüben,

3. welche Hilfstätigkeiten in Bezug zur Haupttätigkeit eines oder mehrerer Institute sind; vgl. § 1, Abs. 3c KWG.

– Die Aufsichtsbehörden haben für die Auslagerung dieser Tätigkeiten besondere Vorschriften erlassen; vgl. für Deutschland § 25a, Abs. 2 KWG.

– Siehe Auskunftei, Auslagerung, Back-off-Bereich, Bargeldbearbeitung, Call-Centre, Datei-Verwaltung, zentralisierte, Entlassungs-Produktivität, Facility-Management, Insourcing, Kreditfabrik, Outsourcing-Risiko.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hindsight (so auch im Deutschen gesagt, seltener [unschön] Nachhineinsicht):

Anleger glauben nach dem Eintreten eines Ereignisses, man hätte dieses voraussehen können. Im Nachhinein erscheint der Markt also berechenbarer, als er tatsächlich ist. Dieses Unterschätzen der Unsicherheit macht Anleger waghalsig; sie gehen jetzt mehr Risiken ein, als dies nüchtern und sachlich angemessen wäre.

– Siehe Animal Spirits, Erwartungen, unangemessene, Euphoriephase, Finanzpsychologie, Glücksspieleffekt, Herdenverhalten, Krisen-Vorschatten, Kurzsichtigkeit, Odd Lot-Theorie, Überschwang, unvernünftiger.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hinterlassenschaft in älteren Dokumenten auch Relikten (inheritance, bequest; property left behind; arrears):

1 Vermögenswerte, die ein Verstorbener seinen Erben hinterlässt.

2 Gegenstände, die jemand nicht wegschafft, wenn er einen Ortswechsel vornimmt, und die unter Umständen mit hohen Kosten entsorgt werden müssen (must be disposed very costly).

3 Schulden, die ein Auswanderer (out-migrant, emigrant) zurücklässt und welche früher in vielen deutschen Gebieten (German territorial states) die Angehörigen des Auswanderers abzutragen hatten.

– Siehe Abzugsgeld, Erbschaftsteuer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Histogramm (histogramme):

Von Technikern benutztes Verfahren, bei dem die Häufigkeitsverteilung von bestimmten Messwerten, in erster Linie der gehandelte Kursbereich an der Börse, in Form von Säulen in einer ganz bestimmten Weise graphisch dargestellt wird.

– Siehe Analyse, technische, Charts, Investment Research, Kartierung, Kursbereich, gehandelter, Random-Walk-Hypothese, Strichdiagramme.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hoax manchmal auch Ente und seltener Pseudoangelie (hoax):

1 In älteren Dokumenten eine Falschmeldung an der Börse mit der Absicht der Kursmanipulation.

2 In Bezug auf den Finanzmarkt heute gesagt von

1. massenweise in erster Linie über elektronische Medien verbreitete Nachrichten, die

2. erfunden,

3. gefälscht oder

4. teilwahr (partly true) und damit

5. irreführend (misleading, misdirecting) sind. Der Hoaxer (hoaxer) verfolgt dabei den Zweck, Angebot und Nachfrage nach bestimmten Finanzdienstleistungen widerrechtlich zu beeinflussen.

– Es ist erwiesen, dass auf diese Tätigkeit spezialisierte, international tätige Dienstleister gegen Bezahlung entsprechende Hoaxes sehr geschickt und professionell (showing great expertise and skill) verbreiten.

– Siehe Agiotage, Blog, Börsenspiele, Daimonion, Dampfstube, Geheimtip, Internet-Foren, Kursmanipulation, Marktmissbrauch, Pump and Dump, Twitter, Verbraucherbeschwerden.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hochfinanz (high finance):

1 Wirtschafter wie vor allem Banken, Unternehmen und Fonds, die im Finanzmarkt

1. mit beträchtlichen Summen und

2. in der Regel mit hohem Risiko tätig sind.

2 Schimpfwort ohne genau Abgrenzung; zumeist bezogen auf Personen, Unternehmen - insbesondere auf Banken - und Institutionen, welche das marktwirtschaftliche System tragen. Dazu wird oft noch unterstellt, dass sich diese international abgesprochen hätten, um anderen Menschen oder gar der Welt gesamthaft zu schaden. Dieser, von Schwachköpfigen, Nationalisten und Marxisten in vielen Blogs und Internet-Foren ausgedachten Verschwörungsgruppe werden dann jeweils ganz unterschiedliche Einheiten, wie zum Beispiel "die" Juden, "die" Freimaurer, der Papst oder die ganze Schweiz im Einzelnen oder gesamthaft beigezählt.

– Siehe Bankenmacht, Bankokratie, Finanzkapital, Finanzsodomit, Handelskapital, Geldleute, Gnomen von Zürich, Helvetophobie, Polyplusius, Verschwörungstheorien.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hochfrequenzhandel, HFH (high frequency trading, HFT, flash trading):

Durch entsprechend programmierte Rechner in Millisekunden ausgelöste Kauf- und Verkaufsaufträge an der Börse. Das für diesen Zweck jeweils eingesetzte Programm nennt man Arbitrage Trading Programme, APT; manche nennen entsprechende Computerprogramme auch Robotrader - Der Hochfrequenzhandel kann

1. extreme Kursbewegungen an den Märkten verursachen und verstärken. So kam es am 6. Mai 2010 an der Börse zu Neuyork zu einem durch Fehler in APTs ausgelösten sog. Flash Crash. Innert nur von Minuten verloren dadurch einzelne Aktien die Hälfte und mehr ihres Wertes. Solche Kursstürze können Unternehmen, die auf Kapitalzufuhr angewiesen sind, in grosse Schwierigkeiten bringen.

2. Gut neunzig Prozent der durch Hochfrequenzhändler getätigten Aufträge werden schnell danach wieder unausgeführt gelöscht; man spricht hier von Quote-Stuffing-Taktik. Die so entstehende sehr hohe Annullierungsrate führt zu einer starken Abweichung zwischen der angezeigten Liquidität des Marktes und dem tatsächlichen Handelsumsatz. Um diese rasche Arbitrage zu behindern, gibt es verschiedene Vorschläge. So soll ein Hochfrequenzhändler dazu verpflichtet werden, einmal ins System gestellte Kurse, zu denen er kaufen oder verkaufen will, für eine bestimmte Zeit offen zu halten. Auch eine Begrenzung der Umsätze der Flash Trades an der jeweiligen Börse wurde in Erwägung gezogen.

– Solange aber nicht weltweit einheitliche aufsichtliche Regeln eingeführt und ein Abwandern der Geschäfte auf Plattformen ausserhalb der Börsen verboten wird, dürfte dem Hochfrequenzhandel kaum beizukommen sein. Dabei muss man wissen, dass im Frühjahr 2011 bei Aktien der Anteil des Umsatzes über HFH an der Börse in Neuyork bei etwa siebzig Prozent lag und bereits bei über vierzig Prozent an den deutschen Börsen. Zur gleichen Zeit lag der Umsatz des HFH auf den Devisenmärkten weltweit bei knapp fünfzig Prozent. - Die grundsätzliche Kritik am HFH zielt darauf ab, dass der Markt den Preis eines Vermögensgegenstandes normalerweise zeitnah den grundlegenden Änderungen (fundamental changes) des Wertes anpasst. Es ist indessen nicht einsichtig, wie HFT-Algorithmen, deren Entscheidungen lediglich auf den Einträgen des Orderbuches (Skontros) in den letzten Sekunden beruhen, diesem Ziel der Preisanpassung dienen können. Ein Pakethandel (block trading) von 10'000 Aktien zwischen zwei grossen Investoren führt sicherlich zu einer echten Preisfindung am Markt. Das blitzschnelle hundertfache Hin- und Herschieben von 100 Aktien zwischen zwei HFT-Algorithmen ist hingegen nach den Grundsätzen ökonomischer Vernunft kein Beitrag zur Preisfindung und zur Markteffizienz (market efficiency) und damit zur gesellschaftlichen Aufgabe des Marktes, die knappen Mittel dem besten Wirt zuzuführen.

– Siehe Algorithmushandel, Bid-ask-Spread, Devisenhandel, computerisierter, Geisterstunde, Index-Arbitrage, Quote-Stuffing-Taktik, Up-Tick-Rule.

– Vgl. Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 69 f. (Regulierung des HFT), Finanzstabilitätsbericht 2011, S. 76 f. (der HFH nimmt an den Börsen eine immer bedeutenderen Anteil ein; Gefahr des schlagartigen Versiegens der Liquidität bei ungünstigen Marktbedingungen; Pläne zur Regulierung des HFH), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 90 f. (Bericht über den Hochfrequenzhandel; Leitlinien der ESMA), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 64 (Regulierungsbemühungen auf weltweiter Ebene), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 35 f. (Erlaubnispflicht durch das Hochfrequenzhandelsgesetz vom Mai 2013) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Internationales".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hochinflationsland (hyperinflationary country):

Begriff aus den IAS (a hyperinflationary country is one where inflation is both chronic and out of control), ohne dass dort eine bestimmte Prozentzahl für eine Hyperinflation genannt ist. - Empfohlen wird nach IAS für Tochterunternehmen (subsidaries) in Hochinflationsländern, eigene Hartwährungsabschlüsse (balancing in hard currency) zu erstellen und nach ihnen fortzurechnen.

– Siehe Berichtswährung, Darstellungswährung, Hyperinflation, Staatsschulden-Rückführung, Währung, funktionale, Zollaufgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hochkomma und Oberstrich (tick mark, single quotation mark, apostrophe):

Fast täglich kommt es auf dem internationalen Finanzmarkt zu Missverständnissen wegen der Schreibweise von Währungsbeträgen (amounts of a currency). Zwischen Tausender und Hunderter setzen die Zentralbanken - so auch die Deutsche Bundesbank und die EZB - regelmässig eine Lücke. In der deutschen Bankpraxis wird häufig ein Punkt eingefügt, was in anderen geographischen Gebieten als Stellen nach dem Komma (decimal places) gelesen wird. 100.000 EUR werden dann zu 100,00 EUR. In der Schweiz ist schon lange das Hochkomma üblich, also 100'000 EUR. Diese eindeutige Schreibweise setzt sich zunehmend auch bei deutschen Unternehmen sowie mehr und mehr vor allem bei international tätigen bei Banken durch.

– Siehe Kommastelle.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Höchstbietungsbetrag (maximum bid limit):

Obergrenze in EUR für Gebote von einzelnen Geschäftspartnern der EZB bei einer Tenderoperation. - Für die EZB führt die Deutsche Bundesbank das Gebotsverfahren für deutsche Institute im Offenmarkt-Tender-Operations-System (OMTOS) durch. Derzeit können um die 800 mit der Deutschen Bundesbank elektronisch vernetzte Banken in Deutschland über OMTOS Angebote abgeben; Es ist grundsätzlich möglich, mehrere Summen zu unterschiedlichen Zinsen zu bieten. Wer den höchsten Zinssatz anbietet, der bekommt dann am meisten Geld zugeteilt. - Die EZB kann Höchstbietungs-Beträge festsetzen, um unverhältnismässig hohe Gebote einzelner Banken abzuwehren.

– Siehe Bietungshöchstbetrag, Tender, Zinstender.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juli 2000, S. 39 ff. (Verfahren im Einzelnen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Höchstbietungssatz (maximum bid rate):

Höchster Zinssatz, zu dem die Geschäftspartner der EZB bei Zinstendern Gebote abgeben können. Gebote über einem eventuell von der EZB bekannt gegebenen Höchstbietungssatz bleiben diesfalls unberücksichtigt.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juli 2000, S. 39 ff. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Höchstlaufzeiten (maximum maturities):

Verfügung einer Zentralbank oder der Aufsichtsbehörde, dass Banken bei (Konsumenten)Krediten eine jeweils vorgeschriebene Vertragsdauer nicht überschreiten dürfen. - Eine kürzere Abzahlungsfrist (time of repayment) bedeuten für jetzt eine stärkere Belastung der Kreditnehmer. Die Nachfrage nach Darlehn wird daher CETERIS PARIBUS sinken.

– Siehe Konsumentenkredite, Mindestraten, Privatkredit, Verschuldungsquote, private.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Höchstpreis (high price):

In Bezug auf eine börsennotierte Aktie der höchste Tageskurs innert abgelaufener zweiundfünfzig Wochen, bereinigt um einen allfälligen Aktiensplit (forward share split), nämlich die Umwandlung von existierenden Aktien in eine grössere Anzahl neue Aktien (the highest intraday price of a share over the past fifty-two weeks, adjusted for any share splits).

– Siehe Kurs, Kursindex.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hochzeitsgeld (nuptial fee; wedding present; convencience marriage premium):

1 Früher an manchen Orten vom Heiratskandidaten bei der Eheschliessung zu zahlender Betrag in Bargeld, der teils in die Kirchenkasse (poor box; Armenkasse), teils in die Gemeindekasse zu leisten war: eine Heiratssteuer (marriage tax), auch Bräutigamgeld genannt.

2 Von den Hochzeitsgästen an das neuvermählte Paar übergebene Geldgeschenke.

3 Mancherorts seitens der Gemeinde bezahlte Prämie, wenn ein junger Mann in ein - vor allem nach Kriegszeiten - lediglich noch von Frauen bewohntes Anwesen einheiratete, auch Hebegeld genannt.

– Siehe Armengeld, Armenkasse, Brautgeld, Brauttafelgeld, Bunzengeld, Einbürgerungsgeld, Hebegeld, Hielichgeld, Hochzeitstischgeld, Nonagium, Paraphernalgeld, Wittum.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hochzeitstischgeld (nuptial festivities fee):

Früher in deutschen Territorialstaaten verbreitete Abgabe, die bei Hochzeitsfeiern fällig wurde. - In Nassau-Oranien war beispielsweise ein Tisch mit zehn Personen abgabefrei. Jede Person über diese Zahl hinaus hatte eine ziemlich hohe Abgabe in Bargeld zu zahlen, wofür der Bräutigam haftete. Dazu mussten zehn Prozent der Hochzeitsgeschenke - deren Wert wurde amtlich vom Achtsmann (sworn valuer: vereidigter Taxator) festgestellt - an die Armenkasse abgeführt werden. - Historiker sehen das Hochzeitstischgeld weniger in Bezug auf die Auffüllung der Staatskasse. Vielmehr sollte die Abgabe ausgedehnte kostenträchtige Schwelgereien (wicked sumptuousnesses) verhindern, an deren Ende dann das junge Paar mit hohen Schulden in den Ehestand trat.

– Siehe Armengeld, Armenkasse, Brautgeld, Brauttafelgeld, Detz, Nonagium, Tanzkonzessionsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hofschatulle (regent's cascet):

In früherer Zeit die Privatkasse des Landesherrn, in die vor allem der Ertrag aus den Domänen (domain, seigniory; landesherrlicher Grundbesitz) flossen.

– Siehe Apanage, Handgeld, Zentimetergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hockeyschläger-Angebot (hockey stick bidding):

Eine auf unelastischen Märkten - die Nachfrage ändert sich bei steigendem Preis kaum oder gar nicht - und auch an Börsen häufig in Erscheinung tretende monopolistische Verkaufstaktik. - Marktteilnehmer unterbreiten hier

1. schrittweise, nach und nach (gradual)

2. ein mengenmässig nur kleines Angebot, weil sie fest damit rechnen können, dass

3. die Nachfrage nach ihrem Gut bald steigen und

4. sehr hoch werden wird,

5. während die Preiselastizität niedrig ist. Der Preisverlauf gestaltet sich nach einem anfänglich durch noch viele Angebote bewirkten Rückgang steil aufwärts in Form eines "J" oder Hockeyschlägers (a monopolistic bidding practice in which a trader offers an extremely high price for a small portion of a good in a market where the demand is very inelastic. An often mentioned example of this occurred in the USA during the California energy crisis of 2001. Energy traders knew that California would need all available power and would be willing step by step to pay any price to get it).

– Siehe Beschores, Börsenwucher, Corner, Kursmanipulation, Markt, enger, Marktmanipulation, Marktmissbrauch.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hohlgewinn (profit from hollow):

In älteren Dokumenten das zusätzliche Geld, welches ein Verkäufer dadurch erzielt, dass er die angebotene Ware mit von aussen nicht erkennbaren Hohlräumen versieht. Vor allem dem Bäckerhandwerk (baking craft) und den Verkäufern von Reisigbündeln (faggots: a bundle of sticks or twigs bound together, and in earlier times the main source of energy for businesses and households) wurde diese Art von Schmu zugeschrieben. In zeitgenössischen Verordnungen finden sich daher Anweisungen zur laufenden behördlichen Kontrolle der Backwaren.

– Siehe Beschores, Finanz, Nassgewinn, Rebbes.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Holding (so auch im Deutschen gesagt, seltener: Kontrollgesellschaft):

Eine Unternehmen mit dem Zweck, sich an rechtlich selbständigen Firmen dauerhaft zu beteiligen, um

1. auf deren Geschäftspolitik Einfluss nehmen zu können oder

2. das eigene Ergebnis zu verbessern (a holding company owns minority or majority investments in listed or unlisted companies either for purely financial reasons or for control purposes. It is a structure which enables the majority shareholder to maintain control of a company, because minority shareholders are dispersed).

– Siehe Allianzen, grenzüberschreitende, Beteiligungsgesellschaft, Comlpex Group, Finanzholding, Europa-AG, Objektgesellschaft, Sifi-Oligopol, Unternehmensbeteiligungsgesellschaft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hölle-und-Flut-Vertrag (hell-or-high-water contract, promise-to-pay-contract):

Auf dem Finanzmarkt die Vereinbarung, dass ein Käufer bis zum Vertragsende Zahlungen zu leisten hat, was immer auch geschehe (non-cancelable contract whereby the purchaser must make the stated payments to the seller, irrespective of any difficulties they may encounter).

– Siehe Hurrikan-Schock, Katastrophen-Anleihen, Ölpreis-Schocks, Schock, externer, Schocks, strukturelle, Terror-Schock, Unsicherheit, Worst Case Szenario.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Holzbruchgeld (fine for offence against forest laws):

Die früher zu zahlende Strafe bei Walddelikten, auch Waldfrevel genannt; in erster Linie bei Holzbruch (auch Holzbrüche; illegal cuttings).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Holzfuhrgeld (wood cartage redemption payment):

Zahlung zur Ablösung der Verpflichtung (soccage) des Leibeigenen (villein, bondman),

1. eine bestimmte Menge an Holz

2. im eigenen Gespann

3. der Herrschaft (dem Fro[h]nhof; manor house) zuzuführen, die sog. Holzfuhr-Fro[h]nde. Fro[h]nde (soccage, compulsive service) bezeichnet allgemein ein in früherer Zeit persönlich, körperlich zu leistender Dienst an die Fro[h]n-Herrschaft, wie vor allem an den Grundbesitzer bzw. die Gemeinde.

– Siehe Befreiungsgeld, Dienstgeld, Dispensationsgeld, Erlösung, Frongeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Holzhammerangriff (brute force attack):

Im Finanzbereich gefürchtete Computereindringlinge (hacker], die planmässig, in der Regel mit Hilfe besonderer Computer-Programme, jeden wahrscheinlichen Schlüssel (every possible cryptographic key) versuchen, um unbefugt an Kundendaten (customer data) zu gelangen.

– Siehe Finanzagent, Geschäftskontinuität, Informations-Sicherung, IT-Risiken, Kaufaufträge, unbefugt erteilte, Pharming, Phishing.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Homebanking auch Telebanking (home banking, direct banking, telebanking):

Abwicklung von Bankgeschäften mittels elektronischen Zugangs des Kunden. - Dem Homebanking werden durch den Übergang von der "Generation Wählscheibe" (generation rotary phone: Fernsprechteilnehmer, die ihren Zeigefinger noch in Zahlenkreise am Telephonapparat steckten) zur computergewohnten Generation@ von manchen Experten hohe Zuwächse vorausgesagt. Andere bestreiten dies mit Verweis auf die bisherige, gesamthaft gesehen doch eher bescheidene Entwicklung sowie auch auf die nicht geringen Sicherheits-Risiken beim elektronischen Verkehr mit der Bank.

– Siehe Automaten-Abhebegebühr, Bank, gemischte, Bezahlverfahren, innovative, Direct Brokerage, E-Zahlung, Filialsystem, Holzhammerangriff, Internetbank, Metcalfe-Regel, , Online Banking, Prosumer, Remote Banking, Sofa-Banking.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2006, S: 24 f. (Ertragslage der Internetbanken seit 2000) und in Fortschreibung den jeweiligen September-Bericht der Deutschen Bundesbank, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2009, S. 62 ff. (Entwicklung einzelner Verfahren des Mobile-Banking; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Home Bias (so auch im Deutschen gesagt, aber in unterschiedlicher Bedeutung und männlichen Geschlechts; seltener Heimatpräferenz):

1 Allgemein die Tatsache, dass

1. Privathaushalte meistens den Waren aus dem eigenen Land gegenüber Importgütern den Vorzug geben (the preference by individuals for goods produced in their own country compared to imports);

2. private Anleger bevorzugt Wertpapiere und im Besonderen Aktien aus ihrem eigenen Land kaufen; unschön und undeutlich auch Anlage-Ambiguität genannt. Die Anleger glauben, dass sie deren Stärken und Schwächen besser einschätzen können; selbst auch dann, wenn das Risiko bei den heimischen Engagements in Wirklichkeit nicht niedrigerer oder möglicherweise sogar höher ist als bei Investitionen in ausländische Papiere (an inclination to invest in domestic issued papers; people habitually focus on their home markets because they are familiar with them).

– Mit der europäischen Finanzmarktintegration war der Home Bias deutscher Anleger deutlich gesunken. Im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise jedoch führte jedoch zu einem deutlichen Wiederanstieg des Home Bias.

2 Kennzahl, die angibt wie stark ausländische Titel im Besitz heimischer Investoren vertreten sind, gemessen an ihrem Gewicht; manchmal aber auch nach dem Marktwert berechnet. Bei einem Index von hundert Prozent werden nur inländische Wertpapiere gehalten; bei null Prozent ist die Zusammensetzung des Portfolios gleichmässig auf die Welt verteilt; bei negativem Wert des Index sind ausländische Papiere im Übermass vertreten.

– Siehe Anlage-Ambiguität, Finanzmarktintegration, europäische, SEPA-Rat.

– Vgl. Zahlen zum Absatz und Erwerb von Wertpapieren im Inland und Ausland im Statistischen Teil des jeweiligen Monatsberichts der Deutschen Bundesbank, "Rubrik" Kapitalmarkt"; Monatsbericht der EZB vom November 2006, S. 15 (graphische Übersicht der Home Bias), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2008, S. 20 (Übersicht der Home Bias in ausgewählten Ländern), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2008, S. 34 (Verringerung der Home Bias in der Europäischen Währungsunion; Literaturhinweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2009, S: 42 f. (Home Bias bei Vermögenswerten), S. 46 (in Anmerkung 5 Formel zur Berechnung), Monatsbericht der EZB vom Mai 2010, S. 41 ff. (Einfluss der Finanzmarktintegration sowie der Finanzkrise auf Home Bias; viele Übersichten; Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Home Equity Loan (so auch im Deutschen gesagt; seltener Eigenheimdarlehn auf kreditfinanziertes Eigentum):

Die Subprime-Krise vorwiegend auslösende Darlehn in den USA, bei dem ein Haus als Sicherheit dient, das aber bereits durch einen Kredit - in der Regel von einer anderen Bank - finanziert wurde. Das den nachrangigen Kredit vergebende Institut vertraut darauf, dass

1. die Immobilienpreise weiter steigen oder

2. sie Bündel solcher risikoreichen, weil mit hoher Ausfallwahrscheinlichkeit belasteten Darlehn verbriefen und

3. an andere weltweit Partner weltweit weiterreichen kann.

– Die Käufer derartiger Verbriefungspapiere waren grösstenteils ebenfalls Banken, darunter viele aus Deutschland, die solche Titel in Vertrauen auf ein vorgelegtes günstiges Rating in ihr Portfolio nahmen. - Das zweite Darlehn wurde seitens der Kreditnehmer (homeowners; Hausbesitzer) dann vorwiegend dazu verwendet, um langlebige Konsumgüter und Autos anzuschaffen bzw. Weltreisen zu unternehmen. Auf diese Weise wurde die Subprime-Krise unausbleiblich.

– Siehe Absenzkapitalismus, Credit Default Swap im Quadrat, Darlehnhaftung, beschränkte, Home Mortgage Disclosure Act, Immobilienblase, Jingle Mail, Luftpapiere, Luxuskonsum, Mortgage Equity Withdrawal, Ninja-Loans, Northern Rock-Debakel, Papiere, toxische, Payment-in-Kind-Kredit, Realkredit, Subprime Lending, Verbriefungsmarkt, Zitronenhandel, Zwei-Achtundzwanzig-Kredit.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2013, S. 59 f. (Entwicklung der Preise für Wohneigentum im Eurogebiet seit 2000).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Home Mortgage Disclosure Act, HMDA:

Von vielen als Keim der Subprime-Krise angesehenes Gesetz aus dem Jahr 1975 in den USA. Es verpflichtete Banken und andere Darlehngeber dazu, eine Datenbank über ihre Ausleihungen in den Wohnungsbau zu führen. Dazu gehörten Angaben über Rasse, Geschlecht, finanzielle Daten des Antragstellers und den Wohnbezirk der gewünschten Immobilie. - Die Auswertung der entsprechenden Aufzeichnungen zeigte, dass offenbar im Eigenheimbesitz (home ownership) bestimmte Gruppen und Wohngegenden benachteiligt werden. Daher lenkte die 1977 in Kraft getretene Community Reinvestment Act sowie das HOPE-Programm (Homeownership and Opportunity for People Everywhere) von 1990 die Wohnungsbaukredite gezielt in einkommensschwache Schichten (low-income classes). Denn Eigentum für Minderheitsgruppen (minority groups) wurde als ein wichtiges Mittel angesehen, gesellschaftliche Spannungen zu mindern. Privathaushalte mit niedrigem Einkommen und selbst Arbeitslose bekamen aufgrund dieser Fördermassnahmen sehr leicht Wohneigentum. - Die Banken bündelten bezügliche Kredite, wandelten sie zu Verbriefungspapieren um und verkauften einzelne Tranchen weltweit, unter anderem auch an deutsche Institute. Als die neuen Wohnraumeigentümer (new owner of residential property) den Rückzahlungs- und Zinsverpflichtungen nicht mehr nachkommen konnten oder wollten, wurden die Verbriefungspapiere wertlos. Die Halter dieser Papiere mussten entsprechende Verluste verbuchen (had to carry on losses).

– Siehe Absenzkapitalismus, Abzahlungshilfen, Beleihungswert, Community Reinvestment Act, Darlehn, nicht standardisiertes, Darlehnhaftung, beschränkte, Entkapitalisierung, Erstraten-Verzugsklausel, Home Equity Loan, Immobilienpreise, Immoblien-Zusatzbeleihung, Jingle Mail, Kreditvergabe-Grundregel, Luftpapiere, Luxuskonsum, Mortgage Equity Withdrawal, Ninja-Loans, Originate-to-distribute-Strategie, Panikverkäufe, Papiere, toxische, Realkredit, Rückschlag-Effekt, Überkonsum, Unterseeboot-Effekt, Wohneigentum, Zinsstundung, Zitronenhandel, Zweckgesellschaft, Zwei-Achtundzwanzig-Kredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Honorant auch Honorat (acceptor of honour):

Eine Adresse, die eine fällige Schuldurkunde allgemein und einen Wechsel im Besonderen für einen anderen annimmt und bezahlt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Honorar (fee, renumeration):

1 Allgemein das Entgelt für eine Leistung, die grundsätzlich nicht nach dem Zeitaufwand (time exposure, expenditure of time) berechnet wird.

2 Im Besonderen die Bezahlung für erbrachte Dienstleistungen seitens freiberuflich (free-lance) tätiger Anbieter, wie etwa Künstler, Nachhilfelehrer (private tutors) Fürsprecher (legal advisers; Rechtsanwälte, Advokaten), Architekten, Ärzte und Berater. - Für Ärzte und Rechtsanwälte besteht in Deutschland jeweils eine die Höhe des Honorars regelnde Gebührenordnung (scale of charges and fees).

– Siehe Bonus, Deserviten, Gebühren, Handschlag, goldener, Salär, Stipendium, Tantieme, Vergütung, Zahlung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Honorarberater (financial consultor on fee basis):

Dienstleister, die Kunden gegen Entgelt beraten, ohne aber zugleich auch Finanzinstrumente zu vermitteln. Seit November 2007 gilt für Honorarberater eine Erlaubnispflicht.

– Siehe Anlageberatung.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 139 f. (Honorarberater in die Erlaubnis einbezogen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Honorar-zurück-Garantie (fee back guarantee):

Bei manchen Privatbanken im Rahmen der Vermögensverwaltung die vertragliche Zusicherung, dass der Kunde kein Beraterhonorar zu zahlen hat, falls er mit der Leistung der Bank nicht zufrieden ist.

– Siehe Vermögensverwaltung, bankliche.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hörergeld auch Beleggeld und Kathedratikum (college tuition; tuition fee):

1 An Universitäten in Deutschland bis um 1970 von Studierenden zu zahlende und in der Regel von der jeweiligen Quästur eingezogene Studiengebühr. Ab 2005 wurde das Hörergeld in einigen deutschen Bundesländern wieder eingeführt. Kenner der Hochschulen behaupteten freilich, dass die zusätzlichen Mittel vor allem

1. zu weltweiten "Forschungsreisen" der Professoren und Assistenten sowie

2. zu aufgeblähten Mitarbeiter-Stäben - denn die Anzahl der Mitarbeiter gilt an deutschen Universitäten weithin als Masstab des Ansehens und der Leistung des jeweiligen Professors - verwendet wurden. Die meisten Bundesländer (federal states) schafften das Hörergeld daher wieder ab.

2 Früher bei den meisten Universitäten an Dozenten zum Grundgehalt (basic salary) je nach Belegzahl (enrolment, matriculation: Zahl der angemeldeten Studierenden in den Lehrveranstaltungen) gewährte Zusatzbesoldung (additional renumeration). Die Studierenden hatten in ihr Studienbuch die jeweilige Veranstaltung einzutragen, und die Quästur übernahm den Einzug des Geldes sowie die Verteilung an die jeweiligen Empfangsberechtigten aus dem Lehrkörper.

3 Heute oftmals die Kursgebühr, die Volkshochschulen für einzelne Lehreinheiten in Vorauszahlung (on payment in advance) verlangen.

– Siehe Geldverbrennung, Relegationsgebühr, Schulgeld, Seminargeld, Unterrichtsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Horten (hoarding):

Wenn nicht anders definiert, das Sparen in liquider Form, im engeren in Sinne in Bargeld und in der Regel auf Privathaushalte bezogen (to hide away money; currency held in abeyance rather than productively or consumptively utilised).

– Siehe Geldmenge, Geldmulde, Geldschatz, Idle Money, Ingeld, Larghezza, Liquiditätspräferenz, Matratzengeld, Negativzins, Opportunitätskosten, Sparsamkeit, Zwischenparken.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hot Issue (so auch im Deutschen gesagt; seltener heisses Papier):

1 Eine angekündigte Neuemission von Aktien oder Anleihen, die nach der Börseneinführung hohe Kursaufschläge erhoffen lässt.

2 Ein nach Markteinführung (roll-out) tatsächlich überzeichnetes Wertpapier (a newly issued security which rises steeply in price after its initial public offering because of intense investor demand); engeren Sinne eine Begebung, die bereits am allerersten Tag der Markteinführung über dem Ausgabekurs gehandelt wird (an issue that sells at a premium over the public offering price on the first day of trading).

– Siehe Emission, überzeichnete, High Flyer, Mehrzuteilungs-Option, Papiere, schwere, Überzeichnung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hotliner (so auch im Deutschen gesagt, seltener Telephonkundenbetreuer):

Angestellter bei einem Institut, der

1. eingehende telephonische Kundenanfragen (inbound calls) entgegennimmt,

2. aus eigenem Wissen Antworten und Auskünfte erteilt

3. ansonsten den Kunden aber zu einem entsprechenden Mitarbeiter im Hause weiterverbindet bzw. einen Rückruf zu dem Kunden veranlasst.

– Ist dieser Aufgabenbereich einem eigenen Call Centre zugeordnet, so spricht man in der Regel von Callagent (call-centre agent), wobei diesfalls aber zumeist lediglich die Weiterleitung der Anrufe an die fachkundigen Mitarbeiter im Hause besorgt wird; der Callagent ist also nicht auch Auskunftsperson (partly competent respondent).

– Siehe Call Centre, Gatekeeper, Käserei, Kundenabwehrdienst, Kundenpfleger, Service Line.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hot Spot (so auch im Deutschen gesagt, seltener Schwachpunktbereich und im Jargon auch Flaschenlager):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter bei einem Institut eine Abteilung, einen Bereich oder eine Arbeitsgruppe, die

1. unbefriedigende Leistungen (unsatisfactory performance) erbringt,

2. den reibungslosen Betriebsablauf (failure-free operation) dadurch stört und

3. demzufolge auch den Gewinn mindert.

– Enthält das Salär der Mitarbeiter auch gemeinsam erwirtschaftete gewinnabhängige Bestandteile, so ist es nachvollziehbar, wenn ein Hot Spot - im Jargon auch twerp crowd genannt - von den Kollegen diszipliniert (mobbed: he/she gets confronted with sanctioning in the sphere of their work team, due to his/her performance deficit) wird, ohne dass sich Vorgesetzte zunächst einschalten müssen.

– Siehe Anreizsystem, Bezahlung, Bonifikation, Bonus, Bonussystem, Commitment, Fixum, Garantieprovision, Gratifikation, High Flyer, Infighting, Käserei, Lemons-Problem, Low Performer, Prämie, Sitzheizung, Underperformer, Vorabprüfung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Household Finance and Consumption Survey, HFCS (so auch meistens im Deutschen; seltener Haushaltsbefragung zur Finanzierungs- und Konsumfragen):

Von der EZB eingeführte umfassende und sich in erster Linie auf Befragungen gründende Aufstellung des Vermögens und der Schulden der Privathaushalte.

– Siehe Antwortausfall, Haushaltsbefragung, Reise-Zahlungsmittel.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2012, S. 29 ff. (ausführliche Darstellung der HFCS in Bezug auf Deutschland; Methodisches; zahlreiche Übersichten), Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2013, S. 85 ff. (ausführliche und tiefgehende Darstellung der Haushaltsbefragung des Eurosystems; Übersichten; Literaturverweise; wichtige Ergebnisse).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hubschrauber-Geld (helicopter money):

1 Zahlungsmittel, die am Bankensystem vorbei in den Kreislauf geleitet werden.

2 Im Besonderen die Sonderziehungsrechte des Internationalen Währungsfonds,

3 Geld, das von Zentralbanken im Rahmen des Quantitative Easing oder auf dem Wege zentralbanklicher Aufkäufe in den Wirtschaftskreislauf gepumpt wurde.

4 Summen, die am Finanzamt vorbei in den Taschen von wohlhabenden Personen oder in den Kassen von Unternehmen landen (money that bypasses the tax system and is moved into the pockets of wealthy households and companies).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hufengeld (rent):

In älteren Dokumenten der Pachtzins, der vom Hüfner (settler; Hausgesessener, Bauern-Siedler) bei Bewirtschaftung herrschaftlicher (manorial) oder gemeindlicher (communal owned) Landstücke (hides; Hufen) zu entrichten war. - Hufe (auch Hube; hide) bezeichnet ein altes Flächenmass mit regional überaus unterschiedlicher Festlegung; zwischen 7,5 (preussische Hufe), 16,8 und 48,0 (alte fränkische Königshufe) Hektar in heutigem Mass.

– Siehe Abgabe, Pfluggeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hühnerfutter (chicken feed):

Aus dem amerikanischen Englisch eingedrungene Bezeichnung für eine lächerliche Summe, für einen die Erwartungen des Zahlungsempfängers bei weitem unterschreitenden Betrag, gleichsam nur ein paar Körner (small change; a trivial or inconsequential amount of money; this American expression, which dates from before 1840, is an allusion to the scraps and seeds fed to chickens).

– Siehe Brunnengeld, Geldbezeichnungen, volkstümliche deutschsprachige, Gequetschte, Hühnerfutter, Kleingeld, Lappalien, Peanuts.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Humankapital (human capital):

Wenn nicht anders definiert, das mit Wissen und Können ausgestattete Personal einer Bank und eines Unternehmens allgemein oder einer Volkswirtschaft gesamthaft, häufig dem Sachkapital gegenübergestellt (as to the personnel the stock of abilities, knowledge, social and character qualities, including creativity, embodied in the ability to perform labour so as to generate economic value in a firm or the national economy).

– Siehe Intangibels, Kapital, intellektuelles.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hundegeld auch Hundatzgeld (hound fee, hound = a dog used in the chase):

1 Früher von einem Leibeigenen (villein) zu leistende Abgabe in Ablösung der Pflichtigkeit (Fron; soccage), Nahrung zur Fütterung (feeding; Atzung) der herrschaftlichen Jagdhunde gegenständlich liefern zu müssen.

2 Die von Hundehaltern (dog owners) seitens der Gemeinden eingeforderte Abgabe; die Hundesteuer.

– Siehe Aasgeld, Befreiungsgeld, Detz, Dienstgeld, Dispensationsgeld, Frongeld, Katzengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hurdle Rate (so auch im Deutschen gesagt; hurdle = a framework to be leaped over in racing):

1 Die Gewinnausschüttung zunächst an die Anleger, ehe das Management bzw. andere vertraglich Berechtigte - oft auch die Belegschaft durch einen Bonus - an dem Gewinn eines Unternehmens bzw. eines Fonds beteiligt werden; auch mit Auszahlungshürde ins Deutsche übersetzt.

2 Nach IAS der Ertrag, der erwirtschaftet werden muss, um die Kapitalkosten zu decken (return that must be earned to cover the cost of capital), auch mit kalkulatorische Grundverzinsung ins Deutsche übersetzt.

3 Eine im Voraus angepeilte Rendite aus einem Engagement (a pre-determined benchmark rate of return from an engagement), auch mit Mindestrendite und Basisgewinn übersetzt.

– Siehe Aktien-Optionen, Carried Interest, Hedge-Fonds, Rentabilität, Vorstandsbezüge.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hurrikan-Schocks (hurricane shocks):

Durch orkanartige Wirbelstürme hervorgerufene Zerstörungen, die starke wirtschaftliche (Langzeit)Auswirkungen auf ein Land haben und im Zuge dessen auch - vor allem durch den hohen Bedarf an dringlichen Krediten für den Wiederaufbau - die Politik der Zentralbank tiefgreifend erschweren können. - So verursachte der Orkan "Katrina" Ende August 2005 im Amerika Schäden in Höhe von etwa 744 Mia USD.

– Siehe Erdölpreis, Hölle-und-Flut-Vertrag, Katastrophen-Anleihen, Modelle, geldpolitische, Modellunsicherheit, Oil Bulletin, Ölpreis-Schocks, Schock, externer, Schocks, strukturelle, Terror-Schock, Unsicherheit, Wetterderivat, Worst Case Szenario.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hussengeld auch Hussitengeld (Hussite contribution):

Im gesamten damaligen Deutschen Reich gemäss dem Kriegssteuergesetz vom 2. Dezember 1427 zu zahlende Abgabe (war tax; Kriegssteuer, Hostilitium), um den Hussiten entgegenzutreten. Die Hussiten waren eine ursprünglich religiöse, nach Johannes Hus [1369-1415] benannte Reformbewegung, aus der heraus sich ein mit bis dahin kaum bekannter rücksichtsloser Gewalt vorgehendes tschechisches Angriffsheer bildeten. - Die Hussitenkriege (1419-1436) warfen die ökonomische Entwicklung in vielen Gegenden Deutschlands um mehr als ein Jahrhundert zurück. Denn die Hussiten brannten nicht nur die Gebäude und Kirchen nieder. Sie zerstörten auch blindwütig und schonungslos sämtliche Infrastruktureinrichtungen, wie Brunnen, Stege, Übergänge, Brücken, dazu auch Wasserschutzeinrichtungen wie Wehren, Dämme, Stauwerke und Schleusen.

– Siehe Brandschatzgeld, Dänengeld, Defensionergeld, Freikaufgeld, Friedensgeld, Heeresgeld, Infrastruktur, Kriegsanleihe, Ranzion, Satisfaktionsgeld, Superindukt, Tribut, Türkengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hütegeld auch Hutgeld (guarding fee; defense alliance fee):

1 Frühere Umlage in Städten, um die Wachposten (Hüter, Gardisten, Schildwache; city ward, sentry) zu besolden.

2 Ehemals in ländlichen Gemeinden von der Dorfgemeinschaft aufzubringende Zahlung zur Entlohnung

1. des Viehhirten (cattle drover) oder

2. des Feldhüters (Flurschützen, Bannwart, Pfänder, Grünhut; field guard).

3 Frühere Umlage in eine Schutzgenossenschaft (Schutzvereinigung; clientship): einem Zusammenschluss zur Wahrung gemeinschaftlicher wirtschaftlicher Zwecke, wie etwa bei Fischern, Waldbesitzern oder Fabrikanten.

– Siehe Flurgeld, Hägergeld, Hamegeld, Wachtgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

HVPI (HICP):

In den meisten Veröffentlichungen benutzte Abkürzung für den Harmonisierten Verbraucherpreisindex, welcher der Berechnung des Geldwerts in der Eurozone zugrundegelegt wird.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

HVPI-Buckel (HICP-flash):

Bei der EZB gesagt von einer nur vorübergehenden Erhöhung im Harmonisierten Verbraucherpreisindex, ausgelöst durch genau bestimmbare zeitweilige Einflüsse, wie etwa eine wetterbedingte Ernteminderung (weather-related crop failure).

– Siehe Inflation, Kerninflation, Qualitätsänderungen, Preisindex der Lebenshaltung, Produktneuheiten.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2014, S. 23 ff. (witterungsbedingte Einflüsse auf das Sozialprodukt am Beispiel der USA; Übersichten; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hybridbank (hybrid bank; das Wort "Hybrid" bedeutet etwas von zweierlei Abkunft, etwas Gemischtes; es leitet sich her von dem lateinischen Fremdwort griechischen Ursprungs "hybrida"):

Wenn nicht anders definiert ein Institut, das sich sowohl dem Privatkundengeschäft widmet als auch als Darlehnsgeber für Unternehmen tätig ist. - Die Bezeichnung wird häufig in Zusammenhang mit Stress-Tests gebraucht. Denn der Kapitalbedarf einer Bank hängt wesentlich vom Gewicht ab, welches das Institut auf dem jeweiligen Marktsegment innehat.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hybridkapital (hybrid capital):

Kapitalbestandteile, die sowohl Merkmale von Eigenkapital als auch von Fremdkapital aufweisen. Wegen ihrer Fähigkeit zur Verlustabsorption hat diese Kapitalform erhebliche aufsichtliche Bedeutung. Bis zum Inkrafttreten der Kapitaladäquanz-Richtlinie wurde Hybridkapital vor allem durch die Ausgabe von Genusscheinen und stillen Einlagen gebildet. Der neu gefasste § 10, Abs. 4 KWG gibt seit 2010 qualitative und damit kapitalformneutrale Anforderungen für die Anerkennung von Hybridkapital als Kernkapital bei Banken.

– Siehe Gewinnbesteuerung, Hybridbank, Verlustabsorptionsfähigkeit.

– Vgl. Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 125 (durch die in Kraft getretene Kapitaladäquanz-Richtlinie wird die Anerkennungsfähigkeit hybrider Kapitalbestandteile als aufsichtliche Eigenmittel bei Instituten genauer bestimmt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hyperinflation (hyperinflation, runaway inflation):

Wenn nicht anders definiert, eine Minderung der Kaufkraft des Geldes von mehr als fünfzig Prozent im Monat. Das entspricht einer jährlichen Inflationsrate von 12'875 Prozent. - Die Finanzgeschichte lehrt unzweifelhaft, dass jede Hyperinflation

1. einen Staat zerrüttet,

2. das Land - oft über mehrere Jahrzehnte, ja sogar über Generationen - ökonomisch und gesellschaftlich zurückwirft und

3. in fast allen Fällen einer Diktatur und Kriegen den Weg bereitet.

– Siehe Geldsurrogate, Hochinflationsland, Inflation, galoppierende, Inflationsrisiko, Notgeld, Staatsschulden-Rückführung, Zahltag-Grundregel, Zollaufgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hypogäum (hypogeum):

In alten finanzwirtschaftlichen Dokumenten ein unterirdisches Gewölbe, in dem Geld und kostbare Vermögensgegenstände aufbewahrt wurden.

– Siehe Kämmerei, Schatzkammer, Staatsschatz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hypo Real Estate-Rettung (Hypo Real Estate rescue):

Im Zuge der Subprime Krise geriet in der letzten Septemberwoche 2008 der Münchener Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate Holding AG (HRE) in eine Schieflage; das Unternehmen wurde durch Abspaltung von der HypoVereinsbank AG im September 2003 gegründet. Die HRE war weltweit vor allem tätig im Bereich öffentliche Finanzierung und Infrastrukturdarlehen (public sector and infrastructure finance) sowie auch in der gewerblichen Immobilienfinanzierung (commercial real estate finance). - Deren Konzerntochter DEPFA Bank in Dublin - für welche die HRE-Holding eine Patronatserklärung abgegeben hatte - verstiess leichtsinnig gegen die goldene Bankregel; sie finanzierte langfristige (noncurrent) Vorhaben nur kurzfristig und schlitterte dadurch in eine akute Finanzklemme (financial squeeze). Für die daraus entstandenen Verluste musste jetzt die Konzernmutter in München einstehen; dies konnte sie aber aus eigener Kraft nicht bewältigen. Die Auswirkungen eines Ausfalls bei der HRE hätten indessen auch Versorgungswerke, Pensionsfonds, Berufsgenossenschaften sowie deutsche Länder und Kommunen erfasst, die teilweise dreistellige Millionenbeträge bei der HRE angelegt hatten. - Um den Zusammenbruch der HRE abzuwenden, schaltete sich die Bundesregierung ein. In der Folge wurde die HRE dann ab Oktober 2009 untere Zuführung von knapp 8 Mia EUR neuem Kapital vom Staat gerettet; sie ging vollständig in Bundeshand über. - Diese Rettungsaktion stiess in vielen Kreisen auf Kritik. Entrüstung löste die zögerliche Informationspolitik des Vorstands aus; auch der Aufsichtsrat - dem der ehemalige Bundesbankpräsident Tietmeyer angehörte - geriet in die Schusslinie. Prüfer nannten die Geschäftspolitik des Vorstands und die Organisation des Unternehmens eine "Mischung aus Chaos und Grössenwahn". So kassierte beispielsweise allein der Finanzvorstand Markus Fell 450'000 EUR Jahresgehalt und die gleiche Summe an Boni, zusammen also 0,9 Mio EUR. - Die Bundesregierung rechtfertigte die Verstaatlichung auch damit, dass im Falle einer Insolvenz der HRE der deutsche Pfandbrief mit unabsehbaren unmittelbaren und mittelbaren Auswirkungen in Misskredit (disrepute) geraten wäre. Zu Jahresbeginn 2009 zeichnete sich ab, die die HRE weitere Hilfen braucht. Das im Frühjahr 2009 dann in Kraft getretene Bankenrettungsgesetz war im Wesentlichen auf die Verhältnisse bei der HRE zugeschnitten. - Im Sommer 2009 untersuchte ein von den Oppositionsparteien geforderter Untersuchungsausschuss (investigatory commission) des Deutschen Bundestages die Umstände der Pleite bei der HRE. Es wurde dabei jedoch dargetan, dass es zur Auffanglösung für die HRE keine andere vertretbare Lösung gab. Die Insolvenz einer Bankengruppe dieser Grösse nur wenige Wochen nach dem weltweit wahrgenommenen Schock der Lehman-Pleite hätte eine Ketten-Reaktion ausgelöst mit einem Vielfachen an Kosten, welche der öffentlichen Hand aus den Hilfen erwuchsen. - Im Sommer 2010 stellte sich heraus, dass die HRE weitere 40 Mio EUR an Staatsgarantie benötigt. Jetzt wurde beschlossen, rund 200 Mia EUR Schrottpapiere der HRE einer Bad Bank mit dem Namen FMS Wertpapiermanagement zu übertragen. Dafür musste der Staat nochmals 2 Mia EUR berappen. Was von der alten HRE übrigblieb, firmierte ab da unter dem Namen Deutsche Pfandbriefbank. Im Frühjahr 2012 stellte sich heraus, dass abermals im Geschäftsjahr 2011 ein Verlust von 10 Mia EUR angefallen war.

– Siehe Absenzkapitalismus, Amortisation, negative, Bankenrettung, umgekehrte, Bankenverstaatlichung, Bankregel, goldene, Bankzusammenbrüche, Bail-out, Bank, systemische, Bradford-Verstaatlichung, Exit-Strategie, Fortis-Rettung, Fristentransformations-Risiko, Home Equity Loan, Immobilienblase, Krise, systemische, Liquiditätsschock, Millionengrab, Moral Hazard, Mortgage Equity Withdrawal, Ninja-Loans, Northern Rock-Debakel, Payment-in-Kind-Kredit, Pfandbrief, Provinzbanker, Realkredit, Refinanzierungs-Risiko, Rettungspaket, Schuldenbombe, Staatshaftung, Tilgungsfonds, Tina, Too big to fail-Grundsatz, Unternehmen, staatliche geförderte, Vertrauen, Zwangsenteignung.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 118 (auf die HRE zugeschnittenes Rettungsübernahmegesetz), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 133 f. (Ergebnisse des Untersuchungsausschusses zur HRE-Pleite), S. 202 f. (in Abweichung von der üblichen übernahmerechtlichen Regelung gestattet das Finanzmarktstabilisierungsergänzungsgesetz [FMStErgG] die Verkürzung der Annahmefrist; der SoFFin erwirkte in den USA bei der Securities and Exchange Commission eine Fristen-Freistellung [exemptive relief]; langer Weg zur endgültigen Übernahme), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 149 (Hypo Real Estate Holding schneidet beim Stress-Test verhältnismässig schlecht ab), S. 151 f. (harzige Restrukturierungsmassnahmen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hypothekenbank auch Realkreditinstitut (mortgage bank):

Ein Institut, dessen Haupttätigkeit darin besteht, Grundstücke zu beleihen (Aktivgeschäft, creditor-creating business) und die auf diese Weise erworbenen Forderungen als Schuldverschreibungen (Hypothekenpfandbriefe; mortgage-backed covered bonds, bonds issues from mortgage banks) wieder auszugeben (Passivgeschäft, deposit-taking business). - Die Bezeichnung Hypothekenbank leitet sich aus dem Hypothekenbankgesetz - Reichsgesetz über das Faustpfandrecht für Pfandbücher und ähnliche Schuldverschreibungen, Hypothekenbankgesetz von 1878 - her, das im Jahr 2005 in Deutschland durch das Pfandbriefgesetz abgelöst wurde. - Bei diesen Instituten muss aufsichtsrechtlich sichergestellt sein, dass auch im Falle der Insolvenz die fristgerechten Zins- und Tilgungsleistungen gewährleistet bleiben.

– Siehe Bodenkreditinstitut, Deckungsprüfung, Erstraten-Verzugsklausel, Pfandbrief, Rückfluss-Stücke.

– Vgl. Jahresbericht 2003 wann BaFin, S. 82 f. (bezügliche Novelle des Hypothekenbankgesetzes) sowie S. 97 f. (Deckungsprüfungen), Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 119 f. (Anwendung der Hypothekenpfandbrief-Barwertverordnung) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Monatsbericht der EZB vom August 2009, S. 18 ff. (rechtliche Unterschiede zwischen den Hypothekenmärkten im Eurogebiet und den USA).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hypothekengewinnabgabe auch Aufwertungssteuer (levy on mortgage profits):

In Deutschland bereits nach der Inflation von 1923 eingeführte Steuer. Rechtsgrundlage bildete die Steuernotverordnung (fiscal emergency decree) von 1924 und das zwei Jahre später folgende Gesetz über Geldentwertungsausgleich (law on compensation for inflation). Die Abgabe sollte den Unterschied abschöpfen (absorp the profit) zwischen dem guten, kaufkräftigen Geld, welches der Gläubiger hingegeben hatte, und dem schlechten, durch die Inflation wertlos gewordenen Geld, mit dem der Hypothekenschuldner (house-owner; Hauseigentümer) nunmehr zurückzahlte. - Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde im Zuge des Lastenausgleichs (equalisation of burdens) 1948 abermals eine Hypothekengewinnabgabe eingeführt. - Jedesmal waren jahrzehntelang Gesetzgebungsorgane (legislative organs), Behörden und Gerichte aller Instanzen damit beschäftigt, nur um die schädigenden Folgen der Inflation auf den Rechtsverkehr (legal relations) von Hypotheken zu regeln und zu schlichten.

– Siehe Geld, sittliches, Geldeigentumsrecht, Geldneutralität, langfristige, Geldethik, Geldneutralität, langfristige, Geldwertstabilität, Inflations-Steuer, Marktmechanismus, Menükosten, Nominalwertprinzip, Warenhorte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hypothekenkredit und Hypothekendarlehn (mortgage credit):

Jede Ausleihung einer Bank, die durch eine Immobilie abgesichert ist.

– Siehe Hypothekenschulden.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2013, S. 47 (Hypothekenkredite an Privathaushalte aufgeschlüsselt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Hypothekenschulden (mortgage debts, hypothecary debts):

Verbindlichkeiten, für die ein Pfandrecht an einem Grundstück besteht. Vor allem wegen des Zinsänderungs-Risikos bei Hypotheken beobachtet die EZB Stand und Veränderung der Hypothekenschulden.

– Siehe Beleihungswert, Darlehnhaftung, beschränkte, Erstraten-Verzugsklausel, Immobilienblase, Immobilienpreise, Mortgage Equity Withdrawal, Paritätsvorbehalt, Stadtschaften, Verbriefung, Wohneigentum, Zwei-Achtundzwanzig-Kredit.

– Vgl. die Hypothekarkredite in Deutschland ausgewiesen im Statistischen Teil des jeweiligen Monatsberichts der Deutschen Bundesbank, Rubrik "Banken", Monatsbericht der EZB vom November 2004, S. 15 ff., Monatsbericht der EZB vom Februar 2006, S. 71 ff. (Merkmale der Hypothekenmärkte im Euroland; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen