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Finanzlexikon - G

G20:

Informelles, im Jahr 1999 ins Leben gerufenes Dialogforum, in dem die Finanzminister und Zentralbankpräsidenten wichtiger Länder vertreten sind. Im Mittelpunkt steht die Erörterung aller den Finanzsektor betreffenden Fragen, welche im Zuge der fortschreitenden Globalisierung auftreten.

– Vgl. Geschäftsbericht 2009 der Deutschen Bundesbank, S. 89 f. (G20 etabliert sich als Forum für internationale ökonomische Zusammenarbeit; Reformvorschläge zur Stärkung des Weltfinanzsystems; S. 90: Übersicht der Reformbemühungen), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 39 f. (Bedeutung der Beschlüsse).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

G2B:

Abkürzung für government-to-business. Gemeint sind Zahlungen des Staates an Unternehmen

1. im Gegenzug für Waren und Leistungen, die Unternehmen an öffentliche Stellen (public sector entities) geliefert haben oder

2. als Subvention.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

G2C:

Abkürzung für government-to-consumers. Gemeint sind Zahlungen des Staates an die Privathaushalte (transfers; Transferleistungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

G2G:

Abkürzung für government-to-government. Gemeint sind Zahlungen einer öffentlichen Stelle, wie etwa in Deutschland des Bundes (government of the federal republic) an die Länder (federal states) im Zuge des verfassungsmässig festgelegten Anteils an der Umsatzsteuer.

– Siehe Gebietskörperschaft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gap (so auch oft im Deutschen gesagt):

Auf dem Finanzmarkt gesagt vom Unterschied zwischen dem Kurs eines Wertpapiers zu Beginn einer Sitzung an der Börse (Eröffnungskurs; opening quotation) und dem Schlusskurs (closing quotation) vom Börsen-Vortag.

– Siehe Kursänderungs-Begrenzung, Kursschwankungs-Limit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gap-Analyse auch Maturity-Mismatch-Gliederung (gap analysis):

Bei Banken die vorausschauende Gegenüberstellung von Zuflüssen und Abflüssen an Zahlungsmitteln über einen bestimmten Zeitraum (Liquiditätsrisiko-Stress-Test). Daraus ergibt sich die Höhe der zu einem jeweiligen Termin bereitzuhaltenden Liquidität.

– Siehe Balance Reporting, Barmittelquote, Cash-Management, Finanzierungsregel, goldene, Finanzplanung, Liquiditäts-Ablaufbilanz, Matching, Risiko- und Solvabilitätsbeurteilung, unternehmenseigene (own risk- and solvency assessment, Rückzahlung, vorzeitige, Vorauszahlungsrisiko, Vorfälligkeits-Entschädigung, Ziehung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2008, S. 62 ff. (Erläuterungen, Vergleich zu anderen Verfahren), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 56 (Vorschriften für das Liquiditätsrisiko-Management), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 121 (Tätigkeit der BaFin in Bezug auf einschlägige Leitlinien).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Garantie auch Gewähr[leistung] (guarantee):

1 Die Übernahme einer Einstandspflicht, in erster Linie in dem Sinne, wie diese in § 443 BGB als Beschaffenheits- und Haltbarkeitsgewähr geregelt ist.

2 Auf dem Finanzmarkt die Zusage einer Bank oder des Staates, für einen allfälligen zukünftigen Schaden oder einen künftigen Erfolg einzustehen. Die Garantie ist im Unterschied zum Bürgschaftsvertrag nicht gesetzlich geregelt. - Zu beachten ist, dass aus einer Garantie in diesem Sinne zwar keine vorrangig zu erfüllenden Verpflichtungen erwachsen, wie dies bei einem Kredit der Fall wäre. Es können aber für den Garantiegeber (warrantor) in ihrer Höhe unbekannte Forderungen zukommen.

– Siehe Ausserbilanzgeschäft, Akkommodierung, Aval, Bürgschaft, Credit Enhancement, Erlösung, Delkredere, Garantiegeschäft, Government Guaranteed Bonds, Kreditzusage, unwiderrufliche, Patronatserklärung, Schattenverschuldung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2010, S. 12 f. (zu den Garantien im Zuge des Europäischen Stabilisierungsmechanismus).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Garantiefonds (guarantee fund):

1 Bei einem Finanzdienstleister sicher - vor allem in öffentlichen Papieren mit bestem Rating - angelegtes und besonders verwaltetes Kapital mit dem Zweck, die Rückzahlung ausgegebener Titel am Ende der Laufzeit zu gewährleisten.

2 Ein Investmentfonds, bei dem sich die den Fonds verwaltende Kapitalverwaltungsgesellschaft gegenüber den Anlegern verpflichtet, dass jeder Anleger einen bestimmten Prozentsatz des Ausgabewertes bei Rückgabe seines Anteils wiederbekommt. Diese Zusage gilt unabhängig von der Entwicklung des Fonds.

3 Eine Fondsgesellschaft, die sich erbietet, allfällige Verluste durch Pflichtverletzungen des Fondsmanagement oder anderer Beteiligter den Anlegern zu ersetzen (a fund which pays compensation to non-defaulting investors for losses which they suffer in the event that one or more participants default on their obligations).

4 Andere Bezeichnung für einen Feuerwehrfonds.

5 Die von der deutschen Bundesregierung Mitte Oktober 2008 eingerichteten Hilfe für Institute, die im Zuge der Subprime-Krise in Schwierigkeiten geraten waren; in erster Linie um den fast zum Erliegen gekommenen Interbanken-Geldmarkt aufzurichten und das Vertrauen aller Marktteilnehmer wiederherzustellen. Freilich wirken Garantien der Regierung hier wettbewerbsverzerrend. Nicht mehr die Kreditwürdigkeit (Borgkraft; credit-worthiness) einer Bank ist entscheidend dafür, wieviel Zinsen sie für eine neue Anleihe bezahlen muss. Viel wichtiger ist die Bonität des Staates, der für die Emission bürgt.

6 Bei Versicherungen Vorschriften über Mindestbeträge zur Gewährleistung von Ansprüchen der Versicherten, in der Kapitalaussattungsverordnung (KapAusstV) und in der Rückversicherungs-Kapitalausstattungsverordnung [RückKapV] im Einzelnen geregelt.

– Siehe Bankenrettung, Bankenrettung, umgekehrte, Einlagensicherung, Garantieprodukt, Garantie-Zertifikat, Haftungsverbund, Krise der Sicherheiten, Moral Hazard, Pool, Sicherungspflicht, Tilgungsträger, Überlauf-System.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 154 (Unterscheidung Kapitalerhaltungs-Zusage, Maximalverlust-Zusage und Wertentwicklungs-Garantie; Bedeutung des Bezugszeitpunkts), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2009, S. 83 (Wirkung des Garantiefonds im Sinne von 5 auf die Staatsverschuldung), Jahresbericht 2013 der Bafin, S. 128 (Neuregelung des Garantiefonds im Sinne von 6).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Garantiegeschäft (guarantee business):

Die gewerbsmässige (on a commercial scale) Übernahme von Bürgschaften, Garantien und sonstigen Gewährleistungen für Dritte. Entsprechende Aktivitäten sind in Deutschland erlaubnispflichtig und unterliegen der Kontrolle der Aufsichtsbehörde.

– Siehe Ausserbilanzgeschäft, Aval, Credit Enhancement, Kreditzusage, unwiderrufliche, Patronatserklärung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Garantieprodukt (guarantee product):

1 Ein Finanzprodukt, das den Anlegern eine Mindestrendite zusichert (a financial instrument which pays to its holders a minimum fixed remuneration).

2 Ein zur Zeichnung angebotenes Finanzprodukt mit einer Gewähr auf den jeweiligen Emissionspreis des Papiers. Vielfach aber wird die volle Garantie (complete guarantee; hundertprozentige Absicherung) durch Vertragsklauseln eingeschränkt, so dass letztlich nur eine beschränkte Gewähr (limited guarantee) gilt.

– Siehe Garantiefonds, Garantie-Zertifikat.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Garantieprovision (guaranteed commission):

Im Finanzbereich besonders Aussendienstmitarbeitern (field representatives) zugesagte, zumeist auf den Monat bezogene Bezahlung, auch wenn der Umsatz in einem Monat unbefriedigend war. In der Regel wird dann aber die bezahlte Garantieprovision dem Mitarbeiter in den nächsten Monaten bei gutem Verlauf der Geschäfte wieder von den erzielten Provisionen abgezogen.

– Siehe Anreizsystem, Bonifikation, Bonussystem, Fixum, Honorar, Mitarbeiter-Verantwortlichkeit, Prämie, Schlafgeld, Tantieme, Vergütung, Vergütungssystem, Verlustübernahme, persönliche.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Garantiesyndikat (underwriting syndicate, underwriters):

Zwei oder mehrere Banken, die sich verpflichten, eine Emission - nach einem zuvor festgelegten Schlüssel - zu übernehmen, falls diese am Markt nicht abgesetzt werden sollte.

– Siehe Arranger, Begebung, Bought Deal, Emissionsgeschäft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Garantie-Zertifikat auch Kapitalschutz-Zertifikat (guarantee certificate, floor certificate):

Eine

1. in der Laufzeit - meistens drei bis fünf Jahre - festgelegte,

2. verbriefte Forderung,

3. die auf einem oder mehreren Basiswerten beruht oder deren Wert sich aus mehreren Indikatoren bildet.

4. Dem Inhaber des Zertifikates wird jedoch in der Regel eine achtzigprozentige Rückzahlung des eingesetzten Kapitals (guarantee level; Garantieniveau, Partizipationsfaktor) seitens des Emittenten zugesichert.

– Liegt der Wert des Zertifikats bei Fälligkeit über dem Wert der Bezugsbasis (reference base), dann erhält der Anleger eine vertraglich zuvor festgelegte Summe ausbezahlt, die sich aus dem Kursstand des Basiswertes zum Verfalltag richtet. Im Einzelnen gibt es sehr viele besondere Ausgestaltungen der Garantie-Zertifikate. - Vor allem das Garantieniveau kann kleiner oder grösser als die üblichen achtzig Prozent sein. Wünscht der Anleger einen höheren Partizipationsfaktor, so wird seitens des Emittenten die Gewinnmöglichkeit meistens durch einen Cap eingeschränkt (Capped-Garantie-Zertifikat). - Eine weitere, von vielen Anlegern bevorzugte Variante ist das Average-Garantie-Zertifikat. Hier ist die Rückzahlung nicht vom Kursstand am Fälligkeitstag abhängig. Vielmehr wird ein Durchschnitt der Kursstände an bestimmten Tagen bei der Berechnung zugrundegelegt. Für den Inhaber des Zertifikats ist damit das Risiko geringer, dass ein sehr starker Verlust im Basiswert zum Laufzeitende die Gewinnchancen plötzlich zunichte macht.

– Siehe Airbag-Zertifikat, Basket-Zertifikat, Bonus-Zertifikat, Diskont-Zertifikat, Express-Zertifikat, Garantieprodukt, Hebel-Zertifikat, Outperformance-Zertifikat, Partizipations-Zertifikat, Quanto, Regenbogen-Option, Sicherheitssperre, Sprint-Zertifikat, Strategie-Zertifikat, Themen-Zertifikat, Twin-Win-Zertifikat.

– Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 163 f. (Sonderprüfungen der BaFin in Bezug auf Garantie-Zertifikate der Bank Lehman).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Garantiezins (guaranteed interest [rate]):

In der Assekuranz der Höchstzinssatz für die Kalkulation einer Prämie. Verzinst werden aber nicht die einbezahlten Beträge gesamthaft, sondern nur ein Teil davon, der sog. Sparbeitrag.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 61, Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 32 (Senkung des Garantiezinses).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Garnsammel-Vorschuss (advance to yarn collectors):

In älteren Dokumenten eine Zahlung an Garnsammler, die auftrags von Kaufleuten in den Städten Gespinste (woven fabrics) bei den - am häuslichen Spinnrad (spinning wheel) hauptsächlich im Nebenerwerb arbeitenden - dörflichen Erzeugern von Garn aus Fasern wie Tierwolle, Haar, Nessel, Flachs und Hanf ankauften. - Der Garnhandel war in vielen deutschen Territorialstaaten durch eigene Verordnungen geregelt und überwacht. Die landesbehördliche Ordnung dieses Marktes hatte ihren Grund darin, dass die Preise für Kleidung immer wieder sehr stark anstiegen, zumal ein nicht unerheblicher Teil der handwerklichen Textilproduktion vom Staat für Uniformen der Soldaten verwendet wurde.

– Siehe Gespinstgeld, Hammelgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gaspreis (gas price, gas rate):

Als bedeutender Kostenbestandteil vieler Unternehmen und Privathaushalte von den Zentralbanken und im Besonderen von der EZB im Rahmen des Zwei-Säulen-Prinzips beobachtet.

– Siehe Erdölpreis, Ölpreis, Ölpreis-Schock, Strompreis.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom September 2013, S. 13 ff. (Erdgaspreise seit 2001; viele Übersichten; Prognose).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gastgeld (lodging fee; cattle fodder fee):

1 In alten Dokumenten die Forderung, welche ein Wirt für die Beherbergung und Verpflegung (Gastung; accommodation) eines Reisenden in Rechnung stellte.

2 Früher eine Zahlung zum Ersatz der Kosten für die Unterbringung und Fütterung fremder Nutztiere; vor allem auch bei Sicherungsbeschlagnahme (sequestration: the action of taking legal possession of an asset until a debt has bee paid or other claims have been met) von Kühen oder Pferden bzw. bei verpfändetem Aufnahmevieh.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gatekeeper (so auch im Deutschen gesagt, seltener [unschön] Informationsregulator):

1 Bei einer Bank - und allgemein bei einem Unternehmen - ein Mitarbeiter, der für die Öffentlichkeit bestimmte Mitteilungen auswählt und in die entsprechenden Kanäle weiterleitet (an employee who decides whether an information should be transmitted to the public and chooses between the communication canals).

2 Ein Fachmann, der als Mittelsperson und Schlichter zwischen den Kunden und einem Institut oder einem Fonds tätig wird, auch Arbitrator (arbitrator) genannt (a professional advisor or intermediary operating in the financial market on behalf of clients).

3 Bei Banken auch eine Servicecomputer, der vor allem nach Geschäftsschluss eingehende Anrufe und E-Mails entgegennimmt, speichert und teilweise auch bereits zur Weiterleitung an bestimmte Abteilungen des Instituts auswählt.

– Siehe Beschwerdeverfahren, Call Centre, Gütestelle, Käserei, Kreditmediator, Kundenabwehrdienst, Ombudsleute, Schiedsverfahren.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gearing (so auch häufig im Deutschen gesagt, seltener Verschuldungsgrad):

1 Das Verhältnis von Netto-Kreditverschuldung - nämlich die langfristigen Finanzschulden abzüglich der flüssigen Mittel und der Wertpapiere des Umlaufvermögens - zum Eigenkapital eines Unternehmens (the ratio of net debt to equity, also called financial leverage). Ein zu hoher Wert beim Gearing deutet auf eine entsprechend starke Krisenanfälligkeit des Unternehmens hin.

2 Bei Optionen das Verhältnis vom Kurs des Basiswertes zum Preis des Optionsscheins unter Berücksichtigung des Optionsverhältnisses.

– Siehe Working Capital.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2012, S. 97 ff. (Verschuldung der Unternehmen im Eurogebiet; ausführliche Darstellung; viele Übersichten; Vergleiche zu den USA).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gebarung (performance):

Wenn nicht anders definiert, im engeren Sinne die

1. Einnahme-Ausgabe-Wirtschaft bzw. im weiteren Sinne

2. die langfristig planende (long-term scheduling) Haushaltsführung öffentlicher Stellen.

– Siehe Budget, Finanzwissenschaft, Fondswirtschaft, Haushalt, Nonaffektations-Prinzip, Parafiskus, Staat.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gebietsabsprache (market demarcation agreement):

Im Finanzbereich die Vereinbarung zwischen meist grossen Instituten,

1. im Heimatland des jeweils anderen - etwa: UBS in Deutschland / Deutsche Bank in der Eidgenossenschaft - oder

2. in bestimmten geographischen Gebieten - etwa: Osteuropa - nicht aktiv tätig zu werden. Aus kartellrechtlichen Gründen (with regard to anti-trust provisions) geschehen solche Verabredungen in der Regel allein mündlich auf der Ebene der höchsten Führungsetagen (top executive suites). Beweissichernde Gesprächsnotizen und überhaupt jederart Aufzeichnungen werden vermieden. Es gilt jedoch als gesicherter Erfahrungsgrundsatz (experimental base), dass bis anhin entsprechende Agreements sehr genau eingehalten werden.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gebietsansässige (residents, domiciliaries):

Wirtschaftssubjekte, die ihren dauernden Wohnsitz in einem Staat bzw. in einem Währungsraum haben. Die Zentralbanken unterschieden bei der Mindestreserve-Pflicht in der Regel Einlagen von Gebietesansässigen und von Gebietsfremden (non-residents).

– Siehe Devisenbewirtschaftung, Fremdwährungskonto.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gebietsfremde (non-residents):

Wirtschaftssubjekte, die ihren ständigen Wohnsitz nicht in einem Staat bzw. einem Währungsraum haben; früher auch Devisenausländer genannt.

– Siehe Negativzins.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gebietskörperschaft (regional administration body; territorial entity, administrative unit, political subdivision):

Körperschaft des öffentlichen Rechts, deren Hoheitsbereich durch einen räumlich abgegrenzten Teil des Staatsgebietes bestimmt wird. Die Mitgliedschaft folgt aus dem Wohnsitz in einem bestimmten Gebiet. Gebietskörperschaften wie Gemeinden, Kreise, Departements, Kantone oder Länder verwalten und organisieren sich selbst (Selbstorganisation [self-organisation] und Selbstverwaltung [self-administration, home rule]) und führen eine eigene Finanzwirtschaft.

– Siehe Entitäten, Finanzwissenschaft, Gebietskörperschaften, Haushalt, Krankenversicherung, gesetzliche, Nonaffektations-Prinzip, Parafiskus, Pflegeversicherung, Staat, Stellen, öffentliche, Steuerfinanzierung.

– Vgl. zu deren Finanzgebaren in Deutschland den Statistischen Teil des jeweiligen Monatsberichts der Deutschen Bundesbank, Rubrik "Öffentliche Finanzen in Deutschland".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gebissinvestition (tooth investment):

Scherzhafte Bezeichnung für Ausgaben in Zusammenhang mit der zahnärztlichen Wiederherstellung der in der Regel altersbedingt verloren gegangenen Kauwerkzeuge; diese werden im Deutschen auch dritte Zähne und im Englischen money teeth genannt. - Weil Krankenversicherer nur teilweise für die entsprechenden Aufwendungen eintreten, und weil auch eine steuerliche Absetzung dieser Ausgaben in der Regel kaum möglich ist, so führen die Gebissinvestitionen zu einer ansehnlichen finanziellen Belastung älterer Menschen. Dadurch findet zudem eine statistisch beachtliche Umleitung von Einkommen in den zahnärztlichen Dienstleistungsbereich (dental services sector) statt. Dadurch wird dem Warenmarkt Nachfrage entzogen.

– Siehe Dinks-Geschäft, Geldzähne, Oldie-Geschäft, Power-age financial market, Private Banking, Silver Economy, Woopee-Geschäft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gebrauchsgüter unschön manchmal auch Konsumkapital (durable consumer goods, consumer durables):

Wenn nicht anders definiert alle Güter im Besitz von Privathaushalten, die eine mehrmalige Nutzung zulassen, wie etwa Automobile und Elektrogeräte (electric appliances). Wohnimmobilien werden in der Regel nicht zu den Gebrauchsgütern gezählt; es gilt allerdings bei internationalen Vergleichen stets auf die statistischen Erhebungsmerkmale zu achten. - In manchen Statistiken ist eine Unterteilung der Gebrauchsgüter in solche

1. mittlerer Lebensdauer (consumer durables of average life span) wie etwa Kleidung und Schuhwerk (clothing and footgear) einerseits und

2. langer Lebensdauer (durables of long live span) wie beispielsweise Möbel und Autos unterschieden.

– Siehe Güter, Kapital, Königsberger System, Mobiliarvermögen, Privatvermögen, Vermögen.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2007, S. 41 ff. (Gebrauchsvermögen in Deutschland seit 1991), Monatsbericht der EZB vom Juli 2010, S. 38 ff. (Nachfrage nach Gebrauchsgütern in der auf die Finanzkrise folgenden Rezession; Übersichten; terminologisch fehlerhaft ["Güter und Dienstleistungen" = "Menschen und Frauen"!]), Monatsbericht der EZB vom Juli 2011, S. 45 ff (Entwicklung im Eurogebiet seit 2004; Übersichten), Monatsbericht der EZBvom Mai 2014, S. 63 f. (Käufe von Gebrauchsgütern in der EWU seit 2000; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gebühr, in älteren Dokumenten auch Gebührnis und Prästandum (fee, charge[s], rate):

1 Im weiter Bedeutung

1. jede Verpflichtung zur Zahlung,

2. die sich aufgrund der Inanspruchnahme irgendwelcher Leistungen Dritter als

3. rechtmässige Forderung begründet.

– Fehlt die Rechtmässigkeit der Forderung, so spricht man in alten Dokumenten auch von Ungebühr.

2 In engerem Sinne eine vom Staat geforderte Abgabe, die aus Anlass genau zurechenbarer öffentlicher Leistungen dem Gebührenschuldner einseitig auferlegt wird, und die dazu bestimmt ist, in Anknüpfung an diese Leistung die anfallenden Kosten ganz oder teilweise zu decken. Unterschieden wird dabei in der Regel zwischen

1. Verwaltungsgebühr (administrative fee), die für eine behördliche Massnahme zur Regelung eines Einzelfalls - etwa: Baugenehmigung, Pass-Ausstellung - fällig wird und

2. Benutzungsgebühr (utilisation fee), welche von der Inanspruchnahme einer Einrichtung abhängt, wie etwa Abwassergebühr oder Müllabfuhrgebühr.

– Wird eine Zahlung unabhängig von der Bereitstellung einer Leistung durch den Staat gefordert, so spricht man von einer (öffentlichen) Abgabe (in der Finanzwissenschaft zumeist der Oberbegriff für Steuern, Gebühren, Beiträge und Zölle).

– Siehe Abgabe, Abschlussgebühr, Bankenaufsicht, europäische, Gebühren, Bankgebühren, Bearbeitungsgebühr, Beitrag, Charadsch, Courtage, Detz, Deserviten, Entgelt, Grundpreis, Kanzleigeld, Köderangebot, Lizenz, Lustbarkeitsgebühr, Marge, Pauschaltarif, Prästanda, Provision, Vergütung, Tanzkonzessionsgeld, Taxe, Überziehungsentgelt, Umlage, Vergütung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gebührenordnung und Gebührenverzeichnis (schedule of fees):

Öffentlich bekanntgegebene Aufstellung (rulebook) der für eine Leistung zu zahlenden Gebühren. - Hinsichtlich behördlich festgelegter Gebühren spricht man eher von Gebührenordnung; in Bezug auf ein privatwirtschaftliches Leistungsangebot (private, commercial service offer) - und vor allem eines Instituts - mehr von Gebührenverzeichnis.

– Siehe Bankenaufsicht, europäische, Gebühren, Bankgebühren, Grundpreis, Pauschaltarif, Rampe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gebührfreiplatz und Gebührenfreiplatz (free seat; free place; money spot):

1 Auf einer Ausstellung oder Messe von Platzgeld befreiter Stand, in der Regel vergeben an eine wohltätige Institution (charitable institution).

2 In einem Kindergarten die Freistellung von Gebühren für ein Kind aus einer armen Familie (child from socially deprived family).

3 Eine Abstellfläche für ein Fahrzeug, besonders in innerstädtischen Bereichen, für die keine Parkgebühren anfallen. Die bewirtschafteten, gebührenpflichtigen Parkplätze sind zumeist nur für eine bestimmte Zeit nutzbar. Für längeres, über das vorgegebene Zeitlimit hinausgehende Parken (money time) sind teilweise fortlaufend steigende Gebühren zu entrichten, und Aufsichtspersonal (parking officers) überwacht diese Zeiten.

– Siehe Aufnahmeverweigerung, finanzielle, Marktgeld, Standgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geburtsbriefgeld (birth-certificate fee):

Frühere Gebühr für ein amtliches Dokument, in dem bestätigt wurde, dass die Person

1. von miteinander verheirateten Eltern und

2. aus der Ehe entstammt. Ohne eine solche Geburtsurkunde blieb - teilweise noch bis ins beginnende 20. Jht. hinein - der Zugang zu bestimmten Berufen und Organisationen verschlossen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gedingegeld (piecework rate):

Ältere Bezeichnung für den Lohn bei Akkordarbeit (piece-work: type of employment in which a wage earner is paid a fixed piece rate for each unit produced regardless the expenditure of time), besonders im Bergbau.

– Siehe Geldakkord.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geeignetheit (suitability):

Als aufsichtsrechtlicher Begriff die Beurteilung eines Geschäftes daraufhin, ob es den verfügbaren Mitteln des Anlegers entspricht und auch in seinem Interesse liegt (requirement that any transaction fall within the financial means and investment objectives of an investor).

– Siehe Geeignetheits- und Angemessenheitsprüfung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geeignetheits- und Angemessenheitsprüfung (assessment of suitability and appropriateness):

Seit November 2007 durch die Wertpapierdienstleistungs-Verhaltens- und Organisationsverordnung einem Institut vorgeschriebene Prüfung daraufhin, ob die einem Kunden angebotenen Papiere auch zu dessen Vorteil beitragen.

– Siehe Geeignetheit, Straightjacking, Überregulierung.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 108 f. (wesentlicher Inhalt der Vorschrift), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 165 (Produktaufsicht und - Überwachung bei Wertpapierdienstleistern).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gefährdung (exposure):

Wenn nicht anders definiert, ein allfälliger Verlust aus jederart eingegangenem Risiko (the risk taken [= the exposure] for instance by a lender on a given borrower or asset class, and more generally via any financial instrument on any counterparty).

– Siehe Eventualschaden.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gefährdungsanalyse (analysis of money laundering hazard):

Aufsichtsrechtlicher Begriff in Zusammenhang mit der Geldwäsche. Dabei wird von Banken verlangt, ihre Massnahmen zur Vorbeugung der Geldwäsche gemäss bestimmten Leitlinien risikoorientiert zu auszugestalten.

– Siehe Beobachtungsvermerk, Geldtransferverordnung, Geldwäsche.

– Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 182 f., S. 184 (Mängel bei der Gefährdungsanalyse; Nichteinbeziehung von Treuhandgeschäften), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 234 ff. (weitere Mängel bei der Gefährdungsanalyse) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Querschnittsaufgaben".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gefälle (levy; payment for real estate use):

1 Ältere Benennung für eine Abgabe, welche

1. der Grundherr (landlord) vom Pächter (tenant, lessee) forderte, und die entweder in Waren - wie etwa Holz, Getreide, Heu - oder in Geld zu leisten war;

2. dem (oberen) Landesherrn zustand;

3. und in weitem Sinne dann auch gesagt für jederlei Abgabe.

2 Früher im Besonderen eine Naturalabgabe (tribute in kind) bzw. nach deren Ablösung dann eine Zahlungsverpflichtung in Bargeld für die Nutzung eines mit Reallast behafteten Grundstücks. Unter Reallast (charge on real estate) versteht man die Belastung eines Grundstückes in der Weise, dass an den Berechtigten wiederkehrende Leistungen aus dem Grundstück zu entrichten sind.

– Siehe Auflage, Detz, Frongeld, Gebühr, Impost, Zehnt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gefälligkeitsabschluss (accomodation trading):

Geschäfte zwischen Maklern, wobei ein Preis zugrunde gelegt wird, der nicht dem Kurs an der Börse entspricht (a type of trading in which a broker accommodates another by entering into a non-competitive purchase or sale order. An accommodation trade is often executed when two traders are participating in illegal transactions). In vielen Börsenordnungen werden solche Geschäfte ausdrücklich verboten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gefälligkeitsverpflichtung (accomodation endorsement):

Eine in der Regel schriftlich abgegebene Erklärung eines Unternehmens, für ein aufgenommenes Darlehn einer anderen Firma einzustehen (a written agreement from one company to back the credit liability of another). In den meisten Fällen bestehen dabei zwischen den beiden Unternehmen mehr oder minder enge Verflechtungen. - Gibt eine Konzernmutter gegenüber einer Konzernfirma (a parent company in favour for a subsidiary) eine solche Erklärung ab, so spricht man von Patronatserklärung.

– Siehe Akkomodierung, Aval, Blankokredit, Bürgschaft, Garantie, Kaution.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gegengeld (wedding legacy):

Vor allem in älteren Dokumenten das vom Bräutigam bereitgestellte, in der Regel treuhänderisch verwaltete (fiduciary managed) und in zinsbringende Investitionen angelegte Kapital. Sein Zweck ist es,

1. bei einer allfälligen Scheidung den Lebensunterhalt der geschiedenen Ehefrau aus den Erträgen des Kapitals zu sichern bzw.

2. im Falle des Todes des Ehemanns der Witwe und den Kindern ein Einkommen zu sichern, diesfalls oft auch Widerlage (fund securing the livelihoods of the family) genannt. Entgegen einer weit verbreiteten Meinung sind entsprechende Verträge in Deutschland auch heute erlaubt.

– Siehe Brautgeld, Buttergeld, Eiergeld, Frauengeld, Hielichgeld, Kalbgeld, Käsegeld, Milchgeld, Paraphernalgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gegengeschäft (back-to-back transaction):

Wenn nicht anders definiert eine Transaktion zwischen drei oder mehr Vertragspartnern, wobei ein Wertpapier an einem festgelegten Tag gekauft wird, und der Käufer das Papier mit Einwilligung des Verkäufers an einen Dritten weiterverkauft (one party agrees to purchase securities from a second party and then agrees to sell them to a third party).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gegenpartei (counterparty):

Wenn nicht anders definiert der Vertragspartner bei einem Finanzgeschäft (the opposite party in a financial transaction).

– Siehe Geschäftspartner.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gegenpartei-Risiko (counterparty risk):

1 Der mögliche Fall, dass bei einem Geschäft auf dem Finanzmarkt der Vertragspartner zahlungsunfähig wird (the risk connected with the financial stability of the party entered into contract with, more precisely: the risk that between the time a transaction is agreed and the time it is actually settled the counterparty to that transaction will fail to fulfil its obligations).

2 Die Möglichkeit, dass auf dem Finanzmarkt ein Produkt nicht verkauft werden kann, weil die Nachfrage versiegt ist, es also an Käufern fehlt, und dies sogar bei jedem Preis. In der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise trat dieses Risiko massenhaft auf. Es wurde bis dahin in den Modellen der Finanztheorie - wenn überhaupt - nur als nebensächliche Störgrösse (negligible disturbance variable) behandelt.

– Siehe Gegenpartei, zentrale, Knotenpunkt, Marktwirksamkeits-Annahme.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gegenpartei, zentrale, ZGP auch Zentraler Kontrahent und im Jargon oft Clearer (central counterparty, CCP):

§ 1 Abs. 1 Satz 2 Nr. 12 KWG in Verbindung mit § 1 Abs. 31 KWG definiert einen zentralen Kontrahenten als Unternehmen, das

1. bei Kaufverträgen innert eines oder mehrerer Finanzmärkte - praktisch: Börsen - zwischen den Käufer und den Verkäufer geschaltet wird (an entity that interposes itself, in one or more markets, between the counterparties), um

2. als Vertragspartner für jeden der beiden zur Verfügung zu stehen (becoming the buyer to every seller and the seller to every buyer), und

3. dessen Forderungen aus dem Kontrahentenrisiko gegenüber allen Teilnehmern an seinen Systemen auf Tagesbasis hinreichend - im Regelfall durch Margin-Vereinbarungen- besichert sind.

– Die ZGP dient mithin als unmittelbarer Vertragspartner für Käufer und Verkäufer; er wird Käufer für jeden Verkäufer und Verkäufer für jeden Käufer. Daraus folgt, dass der jeweilige Verkäufer nicht weiss, an wen er seine Finanzinstrumente verkauft und auch der Käufer nicht, von wem er diese kauft. - Die ZGP steigert die Wirtschaftlichkeit (cost effectiveness: das Verhältnis von Kosten zu Leistung) des Börsenverkehrs, weil

1. jeder Marktteilnehmer lediglich einen einzigen Vertragspartner hat

2. die ZGP wechselseitig aufeinander bezogene Aufträge saldieren kann; man spricht hier auch von Aufrechnungs-Effizienz (netting efficiency) und schliesslich ja auch

3. ein Adressenausfall-Risiko entfällt. - Entsprechende Unternehmen bedürfen einer Erlaubnis und unterliegen der Aufsicht durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.

– In Deutschland ist seit 2003 die Eurex Clearing AG zentrale Gegenpartei an der Frankfurter Wertpapierbörse für alle Börsengeschäfte von deutschen, girosammelverwahrten Aktien, die auf EUR lauten. - Als im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise für viele Finanzprodukte in zweiseitigen Geschäften keine Käufer mehr zu finden waren, tauchte wiederholt die Forderung auf, für sämtliche Marktsegmente durch Gesetz entsprechende ZGPs einzurichten. - Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht veröffentlichte am 12. August 2013 ein ausführliches Merkblatt zu den ZGPs, das auf der Homepage der Behörde abrufbar ist.

– Siehe Eurex Credit Clear, Derivate-Clearingpflicht, Derivate-Informationspflicht, Euro General Collateral Pooling, European Master Agreement, Futures-Märkte, General Collateral-Repos, Gegenpartei-Risiko, Handel, alternativer, Knotenpunkt, Margenausgleich, Margendeckung, Marktfähigkeit, Nachschuss-Aufforderung, Nachschuss-Vereinbarung, Option, Sicherheiten.

– Vgl. Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 68 f. (aufsichtsrechtliche Bestimmungen), Monatsbericht der EZB vom Januar 2012, S. 67 (Definition), S. 72 (statistische Erfassungsprobleme), Jahresbericht 2012 der EZB, S. 145 (Rechtsentwicklung; Überwachungsfragen) sowie den jeweiligen Geschäftsbericht der EZB, Kapitel "Überwachung der Zahlungssysteme und Marktinfrastrukturen"), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 62 . (Aufsichtliche Anforderungen an ZGPs; noch zu klärende Fragen), Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 96 ff. (ZGPs gewinnen an Bedeutung; Fragen der Sanierung und Abwicklung von ZGPs; aufsichtliche Fragen der ZGPs als Knotenpunkte im Finanzsystem).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gegenseitigkeitsgeschäft (barter export):

Bei Devisenbewirtschaftung ein Import, der durch einen im Wert gleichen Export ausgeglichen wird, sodass an beide Vertragsparteien keine Devisen bereitgestellt werden müssen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gegenspekulations-Theorie (contrarian [gambling] theory):

Die Annahme, dass ein bestimmter Markttrend fast immer auf (irrigem, verkehrtem; fallacious) Herdenverhalten beruht. Daher lohnt es sich, ein entgegengesetztes Verhalten einzuschlagen. Denn aus dem starken Kursverfall bei Verkaufsdruck bzw. Kursanstieg bei Übernachfrage lassen sich bei gegenläufigen Geschäften rasch hohe Gewinn erzielen. - Die Erfahrung zeigt indessen, dass sich die Erwartungen der Gegenspekulanten (contrarians: investors who take an opposite viewpoint from the majority) nur sehr selten erfüllt haben, und zwar gilt dies sowohl für Warenmärkte als auch für Finanzmärkte.

– Siehe Einschätzung, gegensätzliche, Finanzpsychologie, Herdenverhalten, Hindsight, Konträrspekulation, Kurzsichtigkeit, Rebbes, Sinuskurven-Fetischismus, Spielbank-Doktrin, Staffelung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gegenwartswert (present value; actual cash value, ACV):

1 Der Marktpreis heute, den ein erst in der Zukunft anfallender Zahlungsstrom besitzt, sein Barwert.

2 In der Sachversicherung der Neuwert als der heutige Marktpreis (current market price) eines versicherten Gegenstandes abzüglich des zeitbedingten Wertrückgangs, also eine Absetzung für den bisherigen Gebrauch (in insurance AVC is calculated by subtracting depreciation from the replacement cost of the property. Hence the actual cash value will always be less than the cost to replace the property).

– Siehe Abzinsung, Barwert, Marktwert, Timeline.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gegenwert (consideration):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter auf dem Finanzmarkt den in Geld gerechneten Umschlag einer Transaktion, und zwar im Regelfall vor Abzug von Gebühren (the money value of a transaction, that is the number of papers multiplied by the price, before adding commission, stamp duty, etc.).

– Siehe Wert.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gehalt in der älteren Literatur auch Renumeration und Traktament (wage, salary):

Feste, regelmässige Bezahlung für geleistete Dienste; Entgelt für Arbeit.

– Siehe Amtsgeld, Bonus, Deputat, Fixation, Fixum, Garantieprovision, Gedingegeld, Gehalts-Stop, Gehaltsverzicht, Honorar, Salär, Schlafgeld, Vergütung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gehalts-Deckelung (salary cap):

Die Begrenzung der Zahlungen an Vorstandsmitglieder einer Bank, die staatliche Hilfe im Rahmen eines Rettungspakets in Anspruch nimmt, wie in Deutschland durch die im Herbst 2008 errichtete Finanzmarktstabilisierungsanstalt. Hier wurde die Summe aller Zuflüsse an einzelne Vorstandsmitglieder auf 0,5 Mio EUR pro Jahr begrenzt.

– Siehe Bonus, Exit-Strategie, Finanzmarktstabilisierungsanstalt, Handschlag, goldener, Schlafgeld, Tilgungsfonds, Vorstandsbezüge.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gehalts-Nebenleistungen (accessory salary):

Sämtliche Übertragungen in Geld oder geldwerten Vorteilen (non-cash benefits) des Arbeitgebers an einen Beschäftigten, die zusätzlich zum vereinbarten Grundgehalt (basic pay) gewährt werden. Von der Zentralbank wird deren Höhe berechnet, weil diese Leistungen das Ausgabeverhalten der Privathaushalte und damit die Nachfrage gesamthaft mitbestimmen.

– Siehe Deputat, Erwerbseinkommen, Fringe Benefits, Gehaltsverzicht, Kostgeld, Lohndrift, Zwei-Säulen-Prinzip.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gehaltpfändung (garnishment):

Durch Gerichtsbeschluss verfügte Anordnung, das Salär eines Mitarbeiters ganz oder zu bestimmten Teilen auf seinen Gläubiger zu übertragen (a court-ordered authorisation to shift employee salary entirely or partially to a creditor).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gehalts-Scheck (paycheque):

Früher ein Bar- oder Verrechnungsscheck, welchen ein Arbeitgeber einem Angestellten am Monatsende aushändigte. Heute geschieht die Zahlung des Salärs fast nur noch durch Überweisung von Konto zu Konto (traditionally a paper document issued by an employer to pay an employee for services rendered; in recent times the physical paycheck has been replaced by electronic direct deposit).

– Siehe Lohnabrechnung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gehalts-Stop (salary freeze, wage freeze):

In einem Unternehmen werden die Löhne und Gehälter für die Mitarbeiter eingefroren und damit übliche Tariferhöhungen ausgesetzt (Nullrunde; nil-wage round). Gehalts-Stop soll in Schwierigkeiten geratenen Unternehmen für eine Weile finanziellen Spielraum verschaffen (a company halts employee salary raises due to financial trouble or hardships, and this strategy is often an alternative to employee layoffs). Indessen hat sich gezeigt, dass in diesen Fällen jüngere, bewegliche und fachlich besonders befähigte Angestellte das Unternehmen verlassen und zu Konkurrenten wechseln. Dadurch wird die Rückkehr der strudelnden Firma in die Gewinnzone gehemmt. Aus diesem Grunde ist der Weg der Kostenentlastung durch Gehalts-Stop inzwischen fast schon zum letzten Mittel der Wahl geworden.

– Siehe Insolvenz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gehaltsverzicht (salary sacrifice, funds transfer):

Vereinbarung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber, derzufolge anstatt einer Gehaltserhöhung ein entsprechender Betrag einer Kapitalverwaltungsgesellschaft oder einer Pensionskasse bzw. einem Pensionsfonds zugewiesen wird (an agreement between bargaining partners whereby the employee forgoes part of his or her salary [or bonus] in return for a corresponding, or enhanced contribution by the employer to a an investment fund or pension scheme). Entsprechende Abkommen haben in der Regel für mindestens einen Partner steuerliche Vorteile (tax advantages) und sind vor allem bei den Beschäftigten mit hohem Salär beliebt.

– Siehe Anwartschaftszeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gehaltsvorschuss (salary advance):

Einem Beschäftigten seitens des Arbeitgebers im Voraus geleistete Zahlung. Sie kommt häufig einem Kredit nahe. Die juristische und steuerrechtliche Literatur beschäftigt sich daher eingehend mit der Abgrenzung zu einem Arbeitgeber-Darlehn.

– Siehe Abzahlungshilfen, Baukosten-Zuschuss, Bauzinsen, Frings Benefits.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gehaltszulage (salary supplement, additional pay; bonus):

1 Eine in der Regel branchenübliche Zahlung (industry-standard payment) des Arbeitgebers an Beschäftigte, die besonderen körperlichen oder seelischen Belastungen bei der Arbeit ausgesetzt sind. Juristisch gilt als Merkmal für eine Gehaltszulage in diesem Sinne, dass sie seitens des Unternehmens freiwillig erfolgt und der Arbeitnehmer daher keinen Rechtsanspruch auf Zahlung hat (no legal claim to payment arises).

2 Von Unternehmen anstatt einer Gehaltserhöhung einmalig oder in gewissen zeitlichen Abständen an Beschäftige ausbezahlter Bonus. In der Regel kostet dies das Unternehmen erheblich weniger als eine Gehaltserhöhung und kommt beim Arbeitnehmer teilweise brutto wie netto (in both gross and net terms) an.

– Siehe Anreizsystem, Bonifikation, Bonussystem, Citigroup-Bonussystem, Fixum, Fringe Benefits, Gratifikation, Tantieme, Vergütung, Vergütungssystem, Instituts-Vergütungsordnung, Vorstandsbezüge.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geheimbuch und Sekretbuch (secret book):

1 In der älteren Literatur Niederschriften des Prinzipals über seine finanziellen Verhältnisse, die nicht der Einsicht des Personals zugänglich sein sollten und daher vom Geschäftsinhaber selbst geführt wurden (business transactions and memoranda that are not registered in the official records of a individual enterprise and merely intended for recording in the private journal of the principal).

2 Heute auch gesagt von Buchungen, in denen die tatsächlichen, und nicht nur jene der Finanzbehörde gemeldeten Umsätze aufgenommen werden; im Englischen auch off-the-books accounting genannt. Nach Erkenntnissen der Finanzfahndung (financial authority investigation office) sind solche Geheimbücher heute noch vor allem im Einzelhandel (CH: Detailhandel; retail trade) und bei Einpersonen-Dienstleister (single-owner service provider) durchaus verbreitet.

– Siehe Kladde, Memorial, Schwarzgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geheimgeld (domestic currency):

1 In älteren Dokumenten Zahlungsmittel, die im Tauschverkehr ohne weiteres angenommen werden. - Das Wort "geheim" hat hier die Bedeutung "zum Heim gehörig", "heimisch", "vertraut", wie etwa in dem Titel "Geheimrat".

2 Summen, die aus einer schwarzen Kasse beglichen werden. Das Wort "geheim" steht hier in der Bedeutung "heimlich", "verschleiert".

– Siehe Begültigung, Geldfunktionen, Geldvertrauen, Schmiergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geheimtip (insider tip, sleeper):

In Bezug auf Geldanlage vertrauliche, unter der Hand verbreitete Hinweise auf ganz besonders günstige, von der Fachwelt und erst recht von der Öffentlichkeit angeblich noch gar nicht entdeckte zweistellige Gewinnmöglichkeiten (double-digit profit opportunities) auf dem Finanzmarkt. - Nahezu ausnahmslos handelt es sich bei den Empfehlungen bei näherem Besicht um Dingo-Werte aus dem Schattenbankbereich. Verbreitungsmittel der Geheimtips waren früher vornehmlich Kleinanzeigen in - auch seriösen - Zeitungen. Heute hat sich diese Art der Werbung grösstenteils auf das Internet verlagert. Auch in gesellschaftlichen Gruppen jeder Zusammensetzung werden Geheimtips unmittelbar, mündlich ausgestreut. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht veröffentlicht laufend Warnungen bezüglich ihr bekannt gewordener zweifelhaften Empfehlungen, ohne dazu verpflichtet zu sein.

– Siehe Anlage-Risiko, Astro-Prognose, Billigkopie, Börsentip, Blind Pool, Blog, Börsenbriefe, Daimonion, Dampfstube, Darkrooming, Deuteroskopie, Domizil-Verschleierung, Energiewerte, Finanzasophie, Finanzgeier, Geldtransfer-Vermittler, Ghettobanking, Hawala, High risk countries, Internet-Foren, Kapitalmarkt, grauer, Kreditvermittlungsplattform, Offshore Finanzplätze, Parallel Banking, Pump and Dump, Racheengel, Rebbes, Remittance Services, Rendite-Risiko-Grundsatz, Schmu, Siderismus, Supergewinn, Twitter, Underground Banking, Verschwörungstheorien, Vorhersagetauglichkeit, Winkelmakler, Zitronenhandel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geisterstunde (witching hour):

In den USA gesagt für die letzte Handelsstunde an der Börse. Erfahrungsgemäss verdichten sich in diesem Zeitraum die Geschäfte von Hochfrequenzhändlern, Berufshändlern und grossen institutionellen Anlegern. Dadurch kommt es zu dieser Zeit häufig zu einem bedeutenden Anstieg der Volatilität auf dem Markt (the last hour of exchange trading normally dominated by programme traders, large professional traders, and big institutional traders which typically leads to higher-than-average volatility during the last hour of trading).

– Siehe Computerhandel, Devisenhandel, computerisierter, Flash Crash, Glockenschlag, Hochfrequenzhandel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geiz in älteren Dokumenten auch Philargyrie und Parsimonie (avarice, philargyria, parsimony):

Das unmässige Streben nach Geld bzw. Vermögen, wobei Zweck und Mittel verwechselt werden. Der Geizige will nämlich

1. das Geld bzw. die Vermögenswerte in erster Linie nur haben, um sie zu besitzen,

2. nicht aber, um für sich oder andere daraus Nutzen zu ziehen.

– Selbst berühmte Philosophen und Literaten schreiben bis heute immer wieder das völlige Aufgehen des Zweckbegehrens in dem Begehren des Mittels notwendigerweise dem Geld zu. Das jedoch ist deutlich erkennbar falsch. Denn das Geld besteht in sich; es ist neutral: es wohnt ihm selbst keinerlei zwingende Kraft zu irgendwelchen guten oder schlechten Handlungen bei.

– Siehe Actus-purus-Grundsatz, Argyromanie, Allmacht-Doktrin, Äquivalenzprinzip, Chremagogik, Chrematonomie, Geldabschaffung, Geldbewusstsein, Geldethik, Geldhai, Geldquetscher, Geldraffer, Geldpsychologie, Geldrechenhaftigkeit, Geldverkettung, Geldstolz, Geldversessenheit, Geldvettel, Geldzweck, Inkontinenz, finanzielle, Habsucht, Harpax, Mammonismus, Misochrematie, Pantheismus, monetärer, Polyplusius, Reichtum, Sparsamkeit, Symboltheorie, Ungüter.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geld (money; Plural: monyes oder monies; die Mehrzahlform moneys [also ohne das "e"] gilt als fehlerhaft, wiewohl sie neuerdings häufig anzutreffen ist):

1 Das in einer Gesellschaft vorherrschende, von den Menschen gebrauchte

1. Zwischentauschgut sowie in einem auch

2. die Recheneinheit, nämlich der Masstab, die Vergleichsgrösse, die Messlatte (yardstick), in welcher ökonomische Werte allgemein ausgedrückt werden.

2 Zahlungsmittel.

3 In zusammengesetzten Begriffen

1. eine Summe, die zwangsweise zu zahlen ist: eine Abgabe, wie Chausseegeld oder

2. eine Auszahlung aufgrund eines Vertrags, wie Wohngeld.

4 An der Börse steht Geld - im Gegensatz zu Brief - für Nachfrage, für Kaufwünsche.

5 Im Jargon und wohl aus dem Englischen eingedrungen auch ein Mensch mit herausragenden Eigenschaften (a person enjoying an exceptional personality quality, social skill, bodily appearance, or any exceptional ability or talent that makes them stand out; skilled to the level of being as good as currency).

6 In der Jugendsprache ein reizvolles weibliches Wesen (a very attractive female).

– Siehe Actus-purus-Grundsatz, Assignaten, Banknote, Banknoten-Wertbeschränkung, Begültigung, Finanzmittel, Geheimgeld, Geldbasis, Geldbewusstsein, Geldsparverhalten, Gelder, Geldfunktionen, Geldheimat, Geldmenge, Geldzweck, Hartgeld, Im Geld, Inflation, Kapital, Kaufkraft, Kompaniebillet, Kreditgeld, Lug-und-Trug These, Mittel, Moneten, Münzen, Nasarinchen, Nominalwertprinzip, Pezzi, Penonse, Realgeld, Regionalgeld, Scheidemünze, Schmuckgeld, Seigniorage, Sparen, Spores Raffel, Summe, Symboltheorie, Umlaufsfähigkeit, Währung, Zahlungsmittel, Zentralbankgeld, Zins, Zinsallkokations-Funktion.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geld, beschädigtes (damaged money):

Wenn nicht anders definiert Banknoten, die durch mechanische oder chemische Einflüsse nicht mehr verkehrsfähig sind. Die Deutsche Bundesbank unterhält in Frankfurt eine eigene Abteilung, die beschädigte Euronoten für Einlieferer zu rekonstruieren - so der Fachausdruck - versucht. Auch bei verbranntem Geld ist oftmals eine Rekonstruktion möglich; denn in jeder Banknote sind Linien und Schriftzeichen eingearbeitet, die oft auch in der Asche noch zu erkennen sind. - Das in den letzten Jahren beliebte Einschweissen (shrink-wrapping; Laminieren) von Banknoten in Folie zu Schmuck- und Geschenkzwecken führt dazu, dass der Geldschein aus der Schmelze nicht mehr herausgelöst werden kann. Für solches mutwillige Zerstören von Geld leistet die Zentralbank keinen Ersatz. Auch zu Kleidungstücken - vor allem zu Hosen und Hüten - verarbeitete und zu diesem Zweck zumeist lackierte Banknoten löst die Zentralbank in der Regel nicht ein.

– Siehe Auswurfgeld, Geldhosen, Geldhut, Gequetschte, Rekonstruktion, Sicherheitsstreifen, Umlaufsfähigkeit.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2011, S. 23 ff. (ausführliche Darstellung des Banknoten-Recycling).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geld, billiges (easy money):

Den Banken zu einem niedrigen Zinssatz von der Zentralbank im Zuge deren Geldpolitik zur Verfügung gestelltes Zentralbankgeld. In der Regel wird daran die Erwartung geknüpft, dass die Banken ihrerseits bereitwilliger in der Kreditgewährung an ihre Kundschaft werden.

1. Ist jedoch die Investitionsneigung (inducement to invest) bei den Unternehmen und die Konsumneigung (marginal propensity to consume) bei den Privathaushalten minim, so wird das billige Geld in höher verzinsliche Anlagen im Ausland angelegt.

2. Andererseits werden florierende Unternehmen teure Arbeit durch jetzt billiger gewordenes Kapital ersetzen, was insonders in den Niedriglohn-Sektoren (low-wage sectors) einer Volkswirtschaft zur Arbeitslosigkeit führt.

3. Schliesslich lehrt die Finanzgeschichte eindeutig, dass billiges Geld über kurz oder lang in spekulative Blasen und letztlich in eine Inflation mündet.

4. Ganz sicher begründet gilt auch die Feststellung, dass durch billiges Geld die Strukturprobleme (structural deficits) einer Volkswirtschaft nicht gelöst, und die Mängel an Wettbewerbsfähigkeit (a country's competitiveness deficit) allein so nicht behoben werden können.

– Siehe Bausparvertrag, übersparter, Carry Trades, Dreijahrestender, Finanzinvestition, Geld, billiges, Geldmarkt-Operationen, Geldüberversorgung, Krise, zentralbankbewirkte, Niedrigzinspolitik, Nullzins, Quantitative Easing, Renditejagd, Tarnkappen-Politik, Zinsallokations-Funktion, Zinsanreiz, Zinsdifferenzgeschäft, Zinssatz, niedrig gehaltener.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geld, böses (bastard coins):

Alte Bezeichnung für Münzen, die

1. durch die Zugabe von unedlem Metall (Schrot [shred] genannt; nicht Schrott, wie in einigen Lehrbüchern zu lesen ist) zum Edelmetall (Korn [grain] genannt) verfälscht oder

2. gefälscht, in der Regel durch unbefugtes Schlagen bzw. Giessen, in Umlauf kamen.

– Siehe Abnutzung, Alliage, Auswurfgeld, Ballst, Beischlag, Blüten, Demonetisation, Doublé-Münze, Falschgeld, Geschaugeld, Katzengeld, Kipper, Lötigkeit, Münze, Münzen-Paradoxon, Passiergewicht, Rändelung, Raugewicht, Remedium, Subferraten, Wardein, Wipper

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geld, elektronisches oft kurz nur E-Geld (electronic money, e-money):

Monetärer Wert in Form einer Forderung gegen den Emittenten (monetary value as represented by a claim on the issuer), der

1. auf einem Datenträger gespeichert ist (is stored on an electronic device),

2. gegen Entgegennahme eines (Zentralbank)Geldbetrags ausgegeben (issued on receipt central bank money) und

3. von Unternehmen als Zahlungsmittel angenommen wird, die nicht mit dem Emittenten identisch sind (accepted as a means of payment by undertakings other than the issuer). Die Abwicklung kann, muss aber nicht über ein Bankkonto erfolgen.

– Die herkömmliche Zweiteilung des E-Geldes in Kartengeld (kartengestützte Systeme) und Netzgeld (softwaregestützte Systeme) ist vom Standpunkt der Geldtheorie wenig hilfreich, weil durch Chipkartenleser (card reader) Kartengeld sehr leicht in Netzgeld umgewandelt werden kann. - E-Geld kann grundsätzlich von jedermann auf der Welt in den Verkehr gebracht werden. Die Zentralbanken und Aufsichtsbehörden haben jedoch erreicht, dass praktisch nur Banken als Emittenten auftreten; siehe für Deutschland auch § 1, Abs. 3, № 4 KWG. - In der EU dürfen E-Geld-Institute keine Beteiligungen an anderen Unternehmen halten, sofern diese Firmen nicht operative oder sonstige mit dem von dem betreffenden Institut aus- oder weitergegebenen elektronischen Geld verbundene Aufgaben wahrnehmen. - Freilich ist bis anhin eine Rechtsangleichung in der EU in Bezug auf das E-Geld noch immer nicht gelungen: fragmentation is still around, particular with regard to legal issues such as privacy and data protection, liablity of online intermediaries and electronic contracts. In 2014, the EU is still comprised of 28 individual digital right areas.

– Siehe Ablehnung, Auszahlung, Banknoten-Wertbeschränkung, Barzahlungsquote, Card Validation Code, Chipkarte, Computerzahlung, Counterfeit Card, E-Geldgeschäft, EMV-Richtschnur, Europäisches Forum zur Sicherheit von Massenzahlungen, Fälschungssicherung, Geld, elektronisches, Geldautomaten-Sperre, Geldbörse, elektronische, Geldkarte, Interoptabilität, Karteneinsatzdatei, Kreditkarte, Netzgeldgeschäft, Pay per Touch, Radio Frequency Identification, Rahmenwerk für das Europäische Kartengeschäft, Ticketing, elektronisches.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 1999, S. 41 ff. (Tendenzen beim E-Geld), Monatsbericht der EZB vom November 2000, S. 55 ff., Geschäftsbericht 2002 der Deutschen Bundesbank, S. 135 f., Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 53 f., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2004, S. 33, Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 117 f. (Erlaubnis zur Ausgabe und Verwaltung von E-Geld), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 188 f. (Freistellungsmöglichkeit von der Aufsicht), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 93 ff. (ausführliche Darstellung der einzelnen Bezahlverfahren; viele Übersichten), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 220 (das im Dezember 2011 in Kraft getretene Gesetz zur Optimierung der Geldwäscheprävention [GwOptG] normiert die Sorgfalts- und Organisationsvorschiften für das E-Geldgeschäft), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2013, S. 29 ff. (ausführliche Darstellung des Massenzahlungsverkehrs im Eurogebiet; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geld, fragwürdiges (funny money; in English this expression is popular because of its rhyme):

1 Falschgeld (counterfeit currency).

2 Beträge aus dunklen oder zweifelhaften Quellen (money from an obscure or questionable source).

3 Einer hohen Inflation unterliegende Zahlungsmittel (currency devaluated by inflation).

4 Phantomgeld (money which for some reason is not what it seems to be), vor allem

1. trügerisch ausgegebene, weil nur unter besonderen, im Kleingedruckten (small print) genannten Bedingungen oder

2. gar erst in unbestimmter Zukunft einlösbare Wertgutscheine (gift vouchers, gift coupons) und in diesem Falle auch Weltend-Gutschein (end-of-the-world cheque) genannt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geld, geparktes (parked money):

Wenn nicht anders definiert ungewöhnlich hohe Einlagen der Banken auf dem Konto der Zentralbank. Dies ist in Krisenzeiten zu beobachten, wo sich die Institute lieber mit einem niedrigen, aber sicheren Zinssatz bei der Zentralbank zufrieden geben, als Darlehn an andere Banken zu gewähren oder an die Kunden zu höheren Zinsen auszureichen (hand out).

– Siehe Einlage-Fazilität, Negativzins.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geld, hartes (hard money):

Wenn nicht anders definiert, die an Edelmetall gebundene Zahlungsmittel.

– Siehe Banking-Theorie, Currency-Theorie, Geld, privates, Hartgeld, Spores Raffel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geld, heisses (hot money):

Zustrom von Einlagen aus dem Ausland in ein Währungsgebiet aufgrund

1. höherer Zinsen oder

2. spekulativer Erwartungen, vor allem: Abwertung der heimischen Währung oder Aufwertung der bezielten Währung. Eine dauerhafte Anlage in dem Währungsgebiet ist jedoch nicht beabsichtigt (money that moves across country borders in response to interest rate differences or expectations of an exchange rate change, and that moves away when the interest rate differential disappears).

– Siehe Bardepot, Carry Trades, Geldheimat, Niedrigzinspolitik, Wechselkurskanal, Zinsgefälle.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geld, leichtverdientes (money for jam, money for old rope):

Die Zahlung einer Summe, die in Vergleich zu der dafür erbrachten Leistung viel zu hoch bemessen scheint (money or reward earned for little or no effort).

– Siehe Bonus, Handschlag, goldener, Schlafgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geld, neutrales (neutral money):

Die Forderung, dass vom Geld keinerlei Wirkungen auf den Wirtschaftskreislauf ausgehen dürfen.

– Siehe Geldneutralität, langfristige, Geldschleier, Geldzweck, Money-matters-Theorem.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geld, privates auch Marktgeldsystem (private money, market-driven monetary system):

Gedachte und um 1970 vor allem durch den Ökonomen Friedrich August von Hayek ins Gespräch gebrachte Geldordnung, in der es mehreren Banken erlaubt ist, auf die gleiche Währungseinheit lautende Zahlungsmittel in Umlauf zu bringen. Gemäss dem Anti-Greshamschen Gesetz würde sich das wertstabilste Geld sehr rasch durchsetzen. Jede geldausgebende Bank wäre aufgrund dessen gezwungen, eine vorsichtige Geschäftspolitik zu betreiben, damit das von ihr in Umlauf gegebene Geld nicht aus dem Zahlungsverkehr verschwindet. - Im Gefolge (in the wake of) der auf die Subprime-Krise sich anschliessenden Finanzkrise erfuhr der Gedanke eines - sogar weltweit anerkannten - Marktgeldes eine Wiederbelebung. Die einhellige Meinung dabei war, dass nur Münzen aus Edelmetall - vor allem aus Gold - sowie in Edelmetall gedeckte Banknoten sich durchsetzen würden. Dabei könnte aber wie gewohnt auch mit Scheck, Überweisung oder Karte bezahlt werden. Der Unterschied zum heutigen Staatsgeldsystem wäre, dass durch Kreditvergabe die Geldmenge nicht mehr beliebig ausgeweitet werden könnte. - Faktisch haben weltweit die Edelmetalle spätestens seit der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise die Funktion des Geldes als Wertaufbewahrungsmittel weithin schon übernommen.

– Siehe Banking Theorie, Currency Theorie, Fachbankensystem, Free Banking, Parallelwährung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geld, schmutziges (dirty money):

1 Die aus kriminellen Handlungen erlösten Beträge.

2 Den gesetzlich vorgeschriebenen Abgaben hinterzogene Summen.

– Siehe Bankauskunft, Beobachtungsvermerk, Finanzflüchtling, Geheimbuch, Geldwäsche, Kontenoffenlegung, Kontensperre, Offshore Finanzplätze, Schwarzgeld, Underground Banking.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geld, schweres (heavy money):

Hartgeld, Münzen; in der Regel in der Bedeutung von unverfälschten Kurantmünzen aus Silber und Gold.

– Siehe Auswurfgeld, Bimetallismus, Fuchs, Geheimgeld, Gequetschte, Münze, klingende, Münzen-Paradoxon, Pagament, Spores Raffel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geld, sittliches (honest money):

Unverfälschte, wertstabile Zahlungsmittel. In einem für die Geldgeschichte wichtigen Schreiben von Papst Innozenz III. aus dem Jahr 1199 wird dies als bedingungslose Sollens-Regel für das Seelenheil der Münzherren festgelegt, weil eine menschenwürdige Gesellschaftsordnung ohne solides Geld nicht möglich sei. Geld ist nach päpstlicher Lehre aus sich heraus, aufgrund seiner Funktionen im Tauschverkehr, mitnichten Sache des Königs (Münzherrn; minting authority), sondern Sache des gesamten Volkes.

– Siehe Chremagogik, Chrematonomie, Falke, Geldeigentumsrecht, Geldethik, Geldwertstabilität, Geldzweck, Inflation, Inflations-Steuer, Lug-und-Trug These, Marktmechanismus, Menükosten, Nominalwertprinzip, Valorisationsklage.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geld, tägliches (call money):

1 Im weiteren Sinne jeder Kredit ohne feste Fälligkeit; die Kündigung kann aber sofort, jeden Tag durch den Kreditgeber oder Kreditnehmer erfolgen.

2 Die unverzüglich, fristlos fälligen Einlagen bei einer Bank, vgl. diese ausgewiesen im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Finanzkonten und nichtfinanzielle Konten", Unterrubrik "Wichtige Forderungen der nichtfinanziellen Sektoren" im jeweiligen Monatsbericht der EZB.

– Siehe Tafelgeld, Tageskredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geld, totes (idle money):

1 Allgemein Zahlungsmittel, die keiner Verwendung und im Besonderen keiner Verzinsung zu geführt werden.

2 Im Besonderen Münzen - seltener auch Banknoten - die von Privathaushalten gehortet werden.

– Siehe Münzhorte, Scheidemünzen, Sparstrumpf.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geld, umlaufendes (running money):

Grob der Bestand an Bargeld, Buchgeld samt dem Umlauf an Nebenwährungen innert eines Währungsgebiets.

– Siehe Geldangebot, Geldmenge, Kompaniebillet.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geld, weiches (soft money, slush money):

Vor allem bei Unternehmen, Wirtschaftsverbänden (trade associations), Gewerkschaften (labour unions) und anderen Interessensgruppen (stakeholders, interest groups, lobbyists) zu Wahlkampfzwecken eingeworbene Mittel in der Hoffnung, dass der Gewählte sich in einem politischen Amt gegenüber dem Spender dankbar zeigt. In Deutschland besteht für Parteispenden eine Offenlegungspflicht.

– Siehe Geldbombe, Handgeld, Rückvergütung, Schmiergeld, Soft Money, Werbegeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldabfindung (cash settlement, financial settlement; monetary indemnity):

1 Allgemein jede die Befriedigung von Ansprüchen bezweckende, zumeist einmalige Zahlung (any on-off payment made by way of compensation for whichever claim).

2 Der Ausgleich einer nichtmonetären Forderungen, wie etwa der Anspruch auf Lieferung von Waren aufgrund eines Optionsvertrags, durch einmalige Zahlung einer Summe (any payment made by way of compensation for a legitimate claim).

3 In der Versicherung der Ersatz eines zugrunde gegangenen versicherten Gegenstandes durch Anweisung eines entsprechenden Betrags an den Versicherten (a benefit paid by an insurer for a loss insured under a policy).

– Siehe Abfindung, Aversalsumme, Detraktion.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldabschaffung (money abolition, demonetisation):

Bis heute - vor allem auch weltweit in Internet-Foren - vorgetragene Forderung, das Geld vollständig abzuschaffen. Produzenten liefern ihre Erzeugnisse in eine Tauschbank ab. Dort erhalten sie einen Tausch-Gutschein, berechnet nach dem Einsatzmittel-Aufwand. Dieser gibt nach DIN 69902 - bezogen auf eine Einsatzmittelart wie Arbeit, Material usw. - den jeweiligen Aufwand ihrer Nutzung oder ihres Verbrauchs an. Das alles wird in Arbeitsstunden berechnet. Mit dem Tausch-Gutschein kann der Produzent dann die zur Herstellung notwendigen Faktorleistungen erwerben. - In dieser als "gerecht" in hohem Grade gerühmten Wirtschaftsweise ist der Produzent jedoch in überhaupt nicht gezwungen, auch das herzustellen und zum Tausch anzubieten, was den Wünschen der Verbraucher entspricht. Ohne Produktionsbefehle kann es daher nicht gelingen, die Versorgung mit Gütern sicherzustellen. Manche Geldabschaffer sehen dies auch ein, und sie nehmen eine zentralgeleitete Verwaltungswirtschaft (central administrative economy) daher in Kauf. - Eine kleine Gruppe derjenigen, die das Geld abschaffen wollen, scheint offenkundig von einer Chremaphobie befallen. Sie schreiben letztlich die Neigung des Menschen zum Bösen (the human propensity for evil) dem Geld zu. Werde dieses erst einmal abgeschafft, dann wandle sich die Welt zu einem Paradies.

– Siehe Actus-purus-Grundsatz, Demonetisation, Geiz, Geldangst, Geld, sittliches, Geldherrschaft, Geldstolz, Geldzweck, Habsucht, Marktmechanismus, Misochrematie, Monetisierung, Mutualismus, Paradoxomanie, Schwundgeld, Tausch-Gutschein, Unfruchtbarkeits-Theorie, Zinsallokations-Funktion, Zinsverbot.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldadel (money nobility):

1 Wohlhabende, zahlungskräftige Zeitgenossen; ursprünglich ein abfälliger Ausdruck, vor allem seitens der Vertreter des alten Blutadels (hereditary nobility).

2 Bestimmte Familien der Oberschicht, die sich ererbten Vermögens erfreuen dürfen ("old money": the inherited wealth of established upper-class families; the term typically describes families who are wealthy for generations).

3 Macht einer kleinen vermögenden Gruppe, die einen starken Einfluss in Wirtschaft und Gesellschaft auszuüben versucht.

4 Familien, die sich den Adelstitel käuflich erworben haben.

5 Gruppen, die ihren neu erworbenen Reichtum grosspurig, protzig zur Schau stellen; die Schickeria (go-go set, jet set, café-society, in-crowd, the swells).

6 Im spätantiken Rom für das Senatorenamt befähigte Personen, die ungeachtet ihrer Herkunft ein bestimmtes Vermögen (CENSUS) besitzen mussten, denen aber im Senatorenamt keinerlei wirtschaftliche Betätigung mehr erlaubt war.

– Siehe Bankenschelte, Finanzoligarchie, Finanzsodomit, Geldbewusstsein, Geldhosen, Geldhut, Geldleute, Geldprotz[er], Geldstolz, Kleingeld, Parvenu, Schmuckgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldakkord und Stücklohn (money piecework):

Auf dem Arbeitsmarkt eine Form der Entlohnung, bei der eine vereinbarte Summe grundsätzlich für eine bestimmte Leistung bezahlt wird, also für eine Stückzahl; und zwar geschieht die Bezahlung unabhängig von der tatsächlich beanspruchten Arbeitszeit (the worker gets paid per completed item, per piece or task, rather than on an hourly rate or salary).

– Siehe Gedingegeld, Salär.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldangebot (supply of money):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter die Zahlungsmittel innert einer Volkswirtschaft gesamthaft, wie sie als Tauschmittel für den Erwerb von Waren oder Dienstleistungen eingesetzt werden können.

– Siehe Geld, umlaufendes, Geldmenge, Mittel, liquide.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Oktober 2011, S. 67 ff. (lehrbuchmässige Darstellung des Geldangebots; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldangst (chremaphobia):

Eine krankhafte Abneigung (pathological aversion) einer Person gegenüber dem Geld.

– Siehe Chremaphobie, Geiz, Geldabschaffung, Gelddepression, Geldeuropäer, Misochrematie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldanlage und Kapitalanlage, früher auch Plazierung und Placement (money investment):

Die gewollte, geplante Umwandlung von Geld in jederart Anlageform, von der man

1. sich einen Ertrag oder

2. zumindest die Erhaltung der Kaufkraft der eingesetzten Summe verspricht.

– Die Begriffe Geldanlage, Kapitalanlage und Vermögensanlage gelten in der deutschen (Rechts)Sprache weithin als inhaltlich und umfänglich gleiche Begriffe (Synonyme; synonyms).

– Siehe Finanzinvestition, Investition, Investmentfirma, Kapitalanlage, Performance, Velleïtät, Vermögensanlage, Verzehnfacher, Vieleck, magisches.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldanlage, sichere (safely invested money):

1 Auf ein Konto bei einem Institut einbezahltes Geld in der Erwartung, dass der Betrag aufgrund der Wahl der Bank und/oder der Bevorzugung einer bestimmten Währung von Einbussen aller Art - neben Kaufkraftverlust auch Enteignung - bestmöglich gefeit ist.

2 Die Umwandlung von Geld in einen Gegenstand, der

1. vor Wertverlust,

2. belastenden, einer Teilenteignung gleichkommenden Abgaben auf das Anlageobjekt (konfiskatorische Besteuerung; confiscatory taxation: taxes are levied permanently at fixed or even increasing rate, irrespective of income conditions of the taxable person, as the property tax on real estate)

3. Beschlagnahme,

4. Verstaatlichung und ähnliche Eingriffe Dritter geschützt ist. Wie die Finanzgeschichte - und im Gegensatz zu einer Fülle neunmalkluger theoretischer Abhandlungen (in sharp contrast to a lot of wiseacres academic explanations and treatments) und auch anders als in Bezug auf interessensgeleitete Vorschläge (interest-led proposals) von Banken und Versicherungen - lehrt, ist Gold im persönlichen Verfügungsbereich (in private disposal) die einzige Geldanlage, die sich - auch aufgrund ihres unverwüstlichen Stoffwerts (intrinsic value: gold encloses a material worth in itself, in its substance) - als sichere Geldanlage in diesem Sinne eignet.

– Siehe Anlage-Risiko, Diversifizierung, Eventualschaden, Finanzinvestition, Hafen, sicherer, Inflationsschutz, Investition, Kapitalanlage, Notzeit-Anlagen, Performance, Sachwert, Vermögensanlage, Verzehnfacher, Vieleck, magisches.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldaugen (money eyes):

1 Auf Kleidungsstücken und insbesondere auf T-Shirts und Pullis angebrachte und in ihrer Anordnung dem menschlichen Gesicht entsprechende Augen in Form von Geldzeichen wie € oder $. - Im Kreis von Eingeweihten (within a circle of insiders) kommt den Geldaugen unter Umständen eine ganz bestimmte Bedeutung zu, zumal wenn diesen noch Ziffern vorgesetzt oder nachgestellt sind, etwa "50 €".

2 Bei Alkohol- und Drogensüchtigen eine häufig auftretende starke Vergrösserung der Augen (when one becomes so intoxicated that their eyes blow up twice the normal size; in some cases even look outwardly).

– Siehe Liebesgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldausgabeautomat, GAA, oft nur Geldautomat und landschaftlich auch Bankomat (cash dispenser, cash machine; USA: automated teller machine, ATM; teller = [im amerikanischen Englisch] Kassierer und [volkstümlich in den USA] money puker sowie money pump):

Maschinelle Vorrichtung, durch welche Kunden - meistens in den Vorräumen der Bank - rund um die Uhr Geld von ihren Konten - auch durch Geldkarte - abheben können (an electromechanical device that enables self-servicing cash dispensing with use of a card). Zum Jahresende 2010 standen in Deutschland der Kundschaft etwa 54'000 Geldautomaten zur Verfügung, bestückt mit durchschnittlich 125'000 EUR je Automat; diesen standen aber nur 1'400 Einzahlungsgeräte gegenüber. Zum gleichen Zeitpunkt wurde etwa die Hälfte der Bargeldnachfrage über Geldausgabeautomaten gedeckt. - Die Verbreitung der Geldautomaten begünstigte sich überall dort, wo die Apparate nicht mehr von der Steuerbehörde als eigene, selbständige Betriebsstätte (independent commercial unit: jede feste örtliche Anlage oder Einrichtung, welche der Ausübung der Geschäfte eines stehenden Gewerbes dient) erfasst und als solche der Gewerbesteuer (trade tax) unterworfen wurden.

– Siehe Auszug, Banknoten-Wertbeschränkung, Bargeld, tresoriertes, Bargeldbeschaffung, Bargeldkarte, Bargeldkreislauf, Geldkarte, Geschäftsstelle, vollautomatische, Kontostands-Abfrage, Prosument, Skimming, Strazze.

– Vgl. Monatsbericht der deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 94.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldausweitung (monetary expansion):

Wenn nicht anders definiert die Vermehrung der Geldmenge durch die Zentralbank.

– Siehe Finanzinvestition, Geldbombe, Inflation, Liquiditätsbereitstellung, Liquiditätsfalle, Lug-und-Trug These, Niedrigzinspolitik, Quantitative Easing.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldautomaten-Sperre (blocking of cash machine):

Die Verweigerung der Annahme von Geldkarten fremder Kartenausgeber durch eine Bank oder eine Institutsgruppe. So schlos¬sen anfangs 2010 deutsche Sparkassen die von Direktbanken ausgegebenen Geldkarten an ihren Automaten aus. Denn die kostenintensive (cost-intensive) flächendeckende (area-wide) Bargeldversorgung - im Grunde gedacht als Angebot an die eigene Kundschaft - durch die Geldautomaten der Sparkassen führte am Ende sogar dazu, dass Kunden der Sparkassen zu kostengünstigeren (lower-cost) Direktbanken wechselten.

– Siehe Ablehnung, Automaten-Abhebegebühr, Ausgeber, Autorisierung, Barzahlungsquote, Chipkarte, Geld, elektronisches, Internetbank, reine, Interoptabilität, Karte, multifunktionale, Karten-Echtheitsprüfung, Konto, anonymes, Netzgeldgeschäft, Plastikgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldbasis (monetary base high powered money):

1 Allgemein die Summe aus Bargeldumlauf plus Sichteinlagen bei der Zentralbank; also Geld, das von der Zentralbank geschaffen wird. Von den Zentralbanken wird dieser statistischen Grösse zurecht sehr grosse Bedeutung zugemessen, und sie spielt daher auch bei ihrer Geldmengensteuerung die erste Rolle.

2 Bei der EZB im Einzelnen nach liquiditätszuführenden und liquiditätsabschöpfenden Faktoren - sowie in Bezug auf die Nettoaktiva des Eurosystems gesamthaft auch unter Einrechnung der Bestände in Gold plus Devisen - erfasst und monatlich veröffentlicht. Basisgeld ist in dieser Berechnung die Summe aus Einlage-Fazilität, Banknotenumlauf und der Guthaben der Banken auf Girokonten.

– Siehe Basisgeld, Endogenitäts-Prinzip, Geldschöpfung, Geldmenge, Liquidität, M1, Zentralbankgeld.

– Vgl. zu den einzelnen Komponenten der von der EZB errechneten Geldbasis den Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Monetäre Statistik", Unterrubrik "Liquidität", Spalte "Basisgeld" im jeweiligen Monatsbericht der EZB, Monatsbericht der EZB vom Mai 2012, S. 21 ff. (Zusammenhang zwischen Geldbasis und Preisstabilität; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldbatzen und Geldklumpen (wad of money):

Umgangssprachlich für eine grössere Summe.

– Siehe Batzen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldbaum (money tree):

1 In Märchen ein Gewächs, dessen Früchte in Münzen aus Gold oder Geldscheinen bestehen (a magical plant that grows currency and from which gold coins or banknotes can be harvested).

2 Von da im übertragenen Sinne gesagt von jemanden, der zum Geldverdienen für einen anderen eingespannt wird (someone makes use a person as a money tree to earn money for him): ein Kuli, ein Sklave.

– Siehe Geldmännchen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldbeschaffungskosten (cost of procuring money):

Ausgaben in Zusammenhang mit der Beschaffung von Finanzmitteln. Sie setzen sich von Fall zu Fall aus vielerlei einzelnen Posten zusammen, wie etwa Provisionen, Maklergebühren, Notariats- und Grundbuchgebühren, Zahlungen an Gutachter, Disagio auf Anleihen usw.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldbestand, sektoraler (sectoral money holdings):

Die Beträge an Bargeld in den Kassen von Privathaushalten und Unternehmen.

– Siehe M1, M2, M3.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom September 2006, S. 19 ff. (Informationsgehalt der Bestandhöhe für die Inflation; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldbetrag (amount of money, money amount):

Eine bestimmte Summe Geldes. Der in der deutschen Sprache gängige Ausdruck (term in common use) wurde gerügt, weil Betrag ja schon eine Einheit in Geld bezeichne, und es sich hier folglich um ein Hendiadyoin (the expression of a notion by the use of two independent words, meaning the same) handle. Aber selbst wenn dem so ist: das Wort lässt sich kaum aus dem Sprachgebrauch ausmerzen (could hardly be removed from our linguistic usage, as is, for example, the case with the Hitler salute; anyone who pronounced this salutation in a little while has to appear before a court).

– Siehe Papiergewinn, Posten, Total, Wert.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldbeutel auch Geldbörse und Portemonnaie, in älteren Dokumenten auch Marsupium (money-bag, porte-monnaie, marsupium):

1 Bei einer Person der mobile Aufbewahrungsort für Zahlungsmittel. - Im Altertum trug man Geldstücke - Papiergeld gab es damals noch nicht - meistens an einem um den Gürtel angebrachten Beutel, einem Säckchen aus Leder oder Stoff. Auch die Gewichtsstücke (stones; Steine) zum Wiegen des Metalls (Gold, Silber) führte man in der Gürteltasche bei sich. Nichtrunde Geldstücke, wie die spiessförmig kleinen Silberstangen (Obulos = Spiess), band man mittig zusammen. Auch um den Hals getragene Beutel für das Geld sind in alten Dokumenten bezeugt, wiewohl wegen der damit verbundenen Gefahren (Beutelschneider; cut-purse) offenbar nur in rechtsgeschützter Umgebung (environment protected by law) getragen.

2 Heute umgangssprachlich auch gesagt von Reichtum, Vermögen.

– Siehe Geldgurt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldbewilligungsantrag (appropriation request; money grant application):

1 Eingabe an eine kassenführende Einheit in einer öffentlichen Stelle oder in einem Unternehmen auf die im Einzelnen begründete Zuweisung von Mitteln, wie zum Beispiel durch Abgeordnete in einem Parlament um ein Strassenbauvorhaben oder Beschäftigte in einer Firma um Vorschuss für eine längere Dienstreise, aber auch Firmengründer auf Einschuss von Startkapital.

2 Gesuch - in der Regel an eine Behörde - um finanzielle Unterstützung für ein Vorhaben oder für den Lebensunterhalt, wie im Besonderen für ein Stipendium (free grant money: a funding that is typically obtainable from a state, a federal government or a local institution, or a charitable, private group as well as from some commercial organisations as in the case of seed capital granted by an innovation fund).

– Siehe Aufnahmeverweigerung, finanzielle.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldbewusstsein (awareness of the importance of money):

Im Regelfall nur durch Erfahrung gewonnene wirklichkeitsnahe Einstellung (realistic attitude) einer Person zum Geld. - Jemand wird gemeinhin bekannt mit dem Stellenwert und Gewicht des Geldes dadurch, indem er auf dem Markt Arbeitsleistung anbieten muss und dafür Bezahlung in Geld im Empfang nimmt, Geld "ver=dient". Wie die Geldpsychologie lehrt, so mangelt es häufig Kindern, Jugendlichen, Reichgeborenen sowie auch dauerhaften Sozialhilfeempfängern (welfare recipients) - "Almosengenössigen" in der alten Fachsprache der Sozialpolitik - an Geldbewusstsein. Pädagogen befürworten daher, dass Jugendliche sich ihr Taschengeld selbst verdienen, also "jobben" (do temporary work: zum Zweck des Geldverdienens vorübergehend eine Arbeit verrichten) und dass Sozialhilfeempfänger nach Möglichkeit für einige Stunden zu - dann vielleicht zusätzlich bezahlter - gemeinnütziger Arbeit (community-based service) verpflichtet werden müssten.

– Siehe Armengeld, Chremagogik, Chremaphobie, Chrematonomie, Geldethik, Geldhete, Geldrechenhaftigkeit, Geldschnitt, Geldzweck, Inkontinenz, finanzielle, Unbanked.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldbezeichnungen, volkstümliche deutschsprachige (popular names of money used in German):

Von der Geldgeschichte, Geldpsychologie und Sprachwissenschaft nach Bedeutung und Herkunft untersuchte Ausdrücke für Geld, wie sie im Sprachgebrauch

1. des Deutschen gesamthaft bzw. in einzelnen Regionen und/oder

2. einzelnen Volksschichten

3. üblich waren bzw. noch heute sind.

– Hierzu zählen Namen wie Asche (etwas Schmutziges?), Bims, Bimbes (beide Ausdrücke vom rotwelschen Wort für Brot), Bokup (Rotwelsch) Cash, Diridari (bayrisch: ein Gemisch von Korn und Geste; Ausdruck von Reichtum eines Landwirts), Draht, Eier, Euronen, Fett, Flocken, Flöhe, Fuchs (seit 2000 auch für den 50-Euro-Schein), Heu, Holz, Keulen, Kies (vom jiddischen Wort kis = Geldbeutel?), Kikerlinge, Klötze, Knaster (vom lateinischen canistrum = Korb?), Knete, Knöpfe, Knüppel, Kohle, Koks, Krazacken, Kröten (nach der Schildkröte auf den altgriechischen Münzen?), Lachs, Lappen (für Geldscheine), Maradevi (nach einer alten spanischen Münze), Mäuse, Maxen (Goldmünzen, benannt nach Kurfürst Maximilian II Emanuel von Bayern?), Moos (vom hebräischen "ma'oth" was in etwa "Pfennige" bedeutet?), Mücken, Ocken, Öcken, Peanuts (= Erdnüsse = Kleingeld; in Zusammenhang mit Milliardenverlusten, welche der Immobilienbetrüger Schneider 1994 der Deutschen Bank AG beschert hatte, vom Chef der Bank geäussert), Penunzen (von lateinischen pecunia über das Polnische in die deutsche Sprache eingedrungen), Piepen, Pimperlinge, Pinke, Pinkepinke (aus dem Hebräischen; pinka ist dort der Geldbeutel), Pinunze, Pulver, Puseratze, Rubel, Schabangas, Schleifen, Schnee, Schotter, Schrubbe, Sickel, Stater (Münze des Altertums), Steine, Stutz, Tacken, Zaster (aus der Gaunersprache für Eisen), Zechinen (von zecchino, einer venezianischen Goldmünze), Zunder, Zwirn (aus zwei Seiten bestehend?) und viele weitere. - In anderen Sprachen ist eine ähnliche Vielfalt festzustellen; im Englischen etwa blunt, bones, brocas, bucks, cactus, cheese, chink (= Klimperndes), dibs, dosh (= Kies), dough, ducats, dust, ends, fierro, ghedis, green, hoot, jack (= Stecker), kate, lace, lettuce vom lateinischen lactura = Milch?), lolly (= Kies: eLolly!), loot, moola, mazuma (aus dem Jiddischen = das jetzt Notwendige), oof, plunks (= Hingeworfenes), ready, rhino, scratchdough, siller (= schottisch für Silber), simoleons, splosh, spondulicks (auch: spondulix), tin und weitere.

– Siehe Bob, Dead Presidents, Einser, Gequetschte, Hühnerfutter, Moneten, Penonse, Spores Raffel, Zucker.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldblogger und Finanzblogger (financial matters blogger; monetising brandwhore):

1 Ein Blogger, der über den Finanzmarkt schreibt und in aller Regel konkrete Empfehlungen (specific recommendations) einstreut. Fast immer handelt es sich dabei um bezahlte Werbung. Hinter einigen der Geldblogger werden gar bestimmte Adressen aus dem Schattenbankbereich vermutet.

2 Ein Blogger dessen vornehmliches Ziel es ist, Gratisproben, Freifahrten, Einladungen und Gutscheine zu erhaschen (a blogger who is primarily interested in getting free products, trips, or publicity by exploiting brands and sponsors).

– Siehe Börsenbriefe, Daimonion, Dampfstube, Darkrooming, Deuteroskopie, Frontrunning, Geheimtip, Gründungsschwindel, Internet-Foren, Kursmanipulation, Marktmanipulation, Know-Nots, Siderismus, Twitter, Verschwörungstheorien.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldbombe (cash drop box; money bomb; monetary expansion):

1 Ein abschliessbarer Behälter aus Metall zum Transport von Bargeld; üblicherweise zum Einwurf nach Geschäftsschluss in eine dafür baulich von aussen eingefügte Vorrichtung bei einem Institut.

2 Eine ansehnliche Spende an eine mildtätige Institution oder an eine politische Partei; aufgebracht in der Regel durch eine Gruppe mehrerer Spender (a considerable donation to a non-profit organisation or political campaign, normally by an organised giving effort).

3 Missbilligend gesagt von einer starken Vermehrung der Geldmenge durch die Zentralbank (huge money extension initiated with deliberation by the central bank).

– Siehe Geld, weiches, Geldausweitung, Quantitative Easing.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldbörse, elektronische (electronic purse):

Für verschiedene Zwecke verwendbares elektronisches Zahlungsmittel in Form einer aufladbaren vorausbezahlten Karte (multi-purpose prepaid card).

– Siehe Barzahlungsquote, Chipkarte, Computerzahlung, Firmenkreditkarte, Geld, elektronisches, Geldbeutel, Pay-Green-Initiative, Ticketing, electronic.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldbrief (registered letter containing money, cash letter):

Früher vor allem zu Zahlungen - etwa von Versicherungen und Sozialbehörden (social security agencies) - an Privathaushalte ohne Kontoverbindung bei einer Bank regelmässig in Anspruch genommene Form der Geldzahlung über den Postdienst. Eigene Geldbriefträger (money postmen) übergaben die Beträge persönlich an den Empfänger.

– Siehe Nichtbankplatz, Konto für Jedermann, Postüberweisung, Unbanked.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldbringer auch Verkaufslocker (money beet):

Im Obsthandel - und von daher auch bei anderen Waren im Einzelhandel - gesagt von einer bestimmten Darbietung der Waren, wobei die Bestaussehenden nach oben zur Schau gestellt werden (presentation of things so that the most attractive beets are on top to generate sales).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldburger (money burger):

In der Jugendsprache ein musterhafter und sehr wohlschmeckender Hamburger (= Weichbrötchen [bun] mit verschiedenen Belägen, wie vor allem in den Fast-Food-Restaurants im Grundangebot), der gleichsam als Währung dienen könnte (a burger so perfect and delicious that it could be used as currency).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gelddarlehn (loan of money):

Ein Gelddarlehn gewährt, wer einen privatrechtlichen Darlehnsvertrag im Sinne von § 488 BGB oder einen vergleichbaren Vertrag unter ausländischem Recht als Darlehnsgeber schliesst. Auch wer einen Darlehns-Vorvertrag (tentative loan contract) abschliesst, betreibt aufsichtsrechtlich gesehen bereits das Kreditgeschäft. - Die Geldbeträge müssen rückzahlbar sein. Verlorene Zuschüsse (subsidies) sind daher kein Darlehn im Sinne des KWG. - Der Rückzahlungsanspruch muss auf Geld lauten. Wer Geld hingibt und nach Ende der Laufzeit indessen Wertpapiere, Sachen oder Rechte zurückerhalten soll, der schliesst keinen Darlehnsvertrag im Sinne des § 488 BGB ab. - Die Vereinbarung, dass der Kreditnehmer das Recht habe, den Geldgeber nach Ablauf der Vertragslaufzeit auf die Befriedigung aus den sicherungsweise überlassenen Sachen zu verweisen oder eine andere vertraglich zugunsten des Schuldners eingeräumte Ersetzungsbefugnis schliessen jedoch einen Darlehnsvertrag nicht aus, solange der Rückzahlungsanspruch grundsätzlich auf Geld lautet. Auch die nachträgliche Vereinbarung, eine Darlehensschuld durch die Lieferung von Wertpapieren, Sachen oder Rechten zu tilgen, lässt das Betreiben des Kreditgeschäfts nicht rückwirkend entfallen. - Unerheblich im Hinblick auf den Tatbestand ist ferner insbesondere,

1. ob Zinsen bedungen sind,

2. ob der Darlehensgeber den Geldbetrag auf Weisung des Darlehensnehmers an einen Dritten auszuzahlen hat,

3. die Art und der Umfang der Besicherung und

4. ob die Geldvergabe mit Fremdmitteln refinanziert wird oder mit eigenen Mitteln unterlegt ist.

– Siehe Aktivgeschäft, Annuitätsdarlehn, Arbeitsgeber-Darlehn, Borg, Darlehn, Investitionskredit, Konditionen-Spreizung, Kredit, Kreditlinie, Term Loan, Verbriefung, Verzinsung, Vorlage.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gelddauerspielerei (money grinding; grinding = hier: to act mechanically):

Vor allem in Videospielen die sich immer wiederholenden, pausenlosen und süchtig machenden Eingaben, um Bonuspunkte zu ergattern (primarily in a video game the quite addictive act of performing the same mission/level/race etc. over and over for an extended period of time, to collect credits points).

– Siehe Bubengeld, Jeton, Spielgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gelddepression und Geldpsychose (money depression, money psychosis):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter den Zustand seelischer Niedergeschlagenheit einer Person, ausgelöst durch den Mangel an Mitteln und damit der Unfähigkeit, anstehenden Zahlungsverpflichtungen nachkommen zu können (sorrow, wretchedness and general anxiety caused when someone with little or no money is forced to meet the imminent payment obligations). - Strittig ist, ob der angegebene Zustand den Psychosen beigezählt werden dürfe. Indessen zählt anhaltender Geldmangel (Achrematie) unbestritten zu den psychosozialen Ursachen einer Depression (as research pointed out, enduring lack of money is a possible aetiological factor of a depressive disease).

– Siehe Chremaphobie, Geiz, Geldangst, Habsucht, Schulden, Sparsamkeit, Verbindlichkeiten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gelddiffusion (money diffusion):

In der Physik bezeichnet Diffusion die ohne äussere Kraft sich vollziehende Bewegung von Teilchen (particles) vom Ort hoher zum Ort niedrigerer Konzentration. Entsprechend wurde behauptet, dass auch Zahlungsmittel sich gleichsam von selbst von einem Ort mit hohem Bestand an Geld ausbreiten. Dies jedoch ist weder wirtschaftswissenschaftlich zu erklären noch empirisch nachweisbar. Eine der physikalischen Diffusion entsprechende Bewegung des Geldes gibt es nicht.

– Siehe Geldkapital.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldeingentumsrecht (monetary property right):

Jede Einheit des heutigen Zentralbankgeldes ist eine Anweisung auf den Bezug einer festgelegten, durch ihren Marktpreis bestimmten Menge an Gütern (Waren und Dienstleistungen). Eine Verschlechterung des Geldwerts mindert diese Menge und enteignet damit den Geldbesitzer.

– Siehe Falke, Geld, sittliches, Geldwertstabilität, Geldzweck, Inflation, Inflations-Steuer, Lug-und-Trug These, Nominalwertprinzip, Zentralbankgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldeinheit (monetary unit):

Das jeweilige gesetzliche Zahlungsmittel eines Landes (CHF) oder eines Währungsgebiets (EUR); also die Benennung des dort im rechtlichen Sinne eingeführten Geldes; die Bezeichnung der Währung.

– Siehe Geld, Permissgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldeinwurf (coin slot):

Schlitz an Waren- und Ticket-Automaten, um vor allem Münzen - seltener bezogen auch auf Scheine - einwerfen zu können. - Die meisten Automaten haben heute dazu auch eine Vorrichtung, mit der durch Einstecken einer Karte der entsprechende Betrag abgebucht werden kann.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldeinsatz-Rückerstattung (even money):

Vor allem bei Wettspielen die volle Auszahlung des eingesetzten Betrags abzüglich einer Verwaltungsgebühr (management fee) im Falle eines Gewinns (one-to-one payout on the wager, but usually with the exception that the bank takes a 5 percent).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldeintreibung, vor allem in älteren Dokumenten auch Inkasso (money collection; money squeezing):

1 Allgemein die Einkassierung fälliger Beträge.

2 Im Besonderen das seit dem 2. Jht. v. Chr. im Römerreich betriebene Vorgehen des Staates zur Einziehung der Abgaben. Die jeweilige Stadtverwaltung, zu jener Zeit reiche (Kauf)Leute, welche ein Ehrenamt übernommen hatten, wurden mit ihrem Vermögen, ja sogar mit ihrem Leben für die Zahlung haftbar. Das hatte zur Folge, dass

1. diese ihrerseits das Geld bei den Bürgern und Bauern zurückholen mussten, was zu Aufständen - wie 172 v. Chr. in Ägypten - und Ausschreitungen führte sowie

2. es im Römerreich keine vermögenden lokalen (Fernhandels)Kaufleute mehr gab, sondern nur noch den von Ort zu Ort ziehenden Händler (caupo).

– Siehe Eintreibung, Einzug, Einzugszeit, Arrestgeld, Besicherungsrisiko, Einzug, Erster, trauriger, Hebegeld, Inkassogeschäft, Inkassostrategie, Kinderpfand, Kunde, fauler, Leichenpfand, Pfand, Pfandleiher, Realsicherheit, Übersatz, Wucher, Zahlhaus.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gelder (moneyes, monies; die Mehrzahlform moneys [also ohne "e"] gilt als fehlerhaft, wiewohl sie auch in englischsprachigen Texten neuerdings häufig anzutreffen ist):

Im Deutschen umstrittener Begriff als Mehrzahlform von Geld. Sprachwissenschaftler wiesen darauf hin, dass Geld schon gemäss Definition ein Pluralbegriff sei, der Ausdruck "Gelder" sei daher logisch ein Unwort (misnomer, faux-pas word). In der Umgangssprache ist "Gelder" aber tief verankert und wird auch in amtlichen Dokumenten gebraucht. - Im Englischen hat die Pluralform (in beiden ersten oben angegebenen Schreibweisen) die Bedeutung von "cash payments or cash receipts" und wird sonst wenig gebraucht.

– Siehe Finanzmittel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gelderschleichung (money grab; grab = hier: seizure or acquisition by dishonest means):

Mit List oder Täuschung ohne Gegenleistung einen Betrag einkassieren (obtaining money from someone without returning anything of real value; requiring someone to pay a fee out of purely greedy motives).

– Siehe Depekulation, Geldkontakt, Veruntreuung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldethik und Finanzethik (monetary ethics):

1 Im engeren Sinne die durch Vernunft und Gewissen gebotene Haltung einer Person gegenüber dem Geld.

2 In weiterem Sinne alle Grundsätze, welche die Spielregeln eines fairen menschlichen Zusammenlebens auf dem Finanzmarkt gebieten. - Die Geldethik ist Teil der Geldphilosophie.

– Siehe Actus-purus-Grundsatz, Argyromanie, Allmacht-Doktrin, Äquivalenzprinzip, Chremagogik, Chremaphobie, Chrematonomie, Geiz, Geld, sittliches, Geldabschaffung, Geldangst, Geldbewusstsein, Geldhai, Geldrechenhaftigkeit, Geldstolz, Geldtheologie, Geldversessenheit, Geldwirtschaft, Geldzweck, Mammon, Mammonismus, Misochrematie, Sparsamkeit, Symboltheorie, Pantheismus, monetärer, Reichtum, Ungüter, Valorisationsklage.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldeuropäer (money Europeans):

Um 2012 aufgekommene abschätzige Bezeichnung seitens "Kulturschaffender" (persons engaged in the cultural sector; cultural producers) gegenüber den Vertretern der ökonomischen Vernunft, die für eine ungeschmälerte Masstab-Eigenschaft des Geldes eintreten. Es wurde - unter anderem in öffentlichen Aufrufen - behauptet, das politische und kulturelle Zusammenwachsen Europas würde durch ein "dogmatisches Verharren" (sticking to dogmatic positions) auf der Stabilität des EUR verhindert. Inwiefern von einem inflationären EUR eine Brücke zur Einheit Europas führt, wird indessen natürlich nicht näher erklärt. - Auch ist keineswegs einzusehen, wieso aus einem europäischen Grossraum auf einmal mehr Kulturleistungen (cultural achievement) hervorspriessen sollte. Ohne andere zu vergessen: Johann Wolfgang Goethe hat aus einem Provinznest (sleepy provincial town) ein kulturelles Zentrum Europas gemacht, Immanuel Kant brachte das abseitige Königsberg zur Weltgeltung (worldwide reputation), und Schloss Esterházy wäre ohne Joseph Haydn nur ein Gebäude unter vielen. Die kulturelle Identität (cultural identity) Europas ist eine Einheit in der Vielfalt (unity in diversity), der Offenheit und des Wettbewerbs. Von daher ist auch nicht einzusehen, warum der wiederholten Forderung nach einem europäischen Kulturministerium nachgegeben werden sollte. - Eine europäische Kultur-Bureaukratie ist das Letzte was Europa benötigt. Die politische Bedeutung Europas in der Welt hängt in erster Linie entscheidend vom wirtschaftlichen Erfolg ab. Dessen notwendige Voraussetzung (necessary condition) jedoch ist stabiles Geld. Dies hat sich letzten Endes immer als die beste Kulturförderung gezeigt.

– Siehe Europhobie, Falke, Geld, sittliches, Geldbewusstsein, Geldleute, Geldwertstabilität, Geldzweck, Hellenoschwärmerei, Inflation, Inflations-Steuer, Nominalwertprinzip.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldfunktionen, primäre (primary functions of money):

1 Geld ist Zwischentauschmittel (medium of exchange): man zahlt in Geld. Das Geld vermittelt den Austausch der Güter.

2 Geld ist Recheneinheit (unit of account): man beziffert in Geld. Das Geld wird als Nenner aller Preise und Werte gebraucht; Geld ist Wertmassstab.

– Siehe Ausgangstatsache, ökonomische, Geheimgeld, Geld, privates, Geldangst, Geldeuropäer, Geldfunktionen sekundäre, Geldwertstabilität, Geldzweck, Inflation, Lug-und-Trug These.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldfunktionen, sekundäre (consecutive functions of money):

Diese lassen sich aus den beiden Hauptaufgaben des Geldes unmittelbar oder mittelbar ableiten. Geld ist

1 Wertspeicher (store of value): man spart in Geld; anders ausgedrückt: Geld lässt sich grundsätzlich als ein Vorrat an Kaufkraft (purchasing power) anlegen;

2 Beschleuniger des Wirtschaftsprozesses (productive agent): man kann durch das Geld den ökonomischen Ablauf zeitlich kürzen; denn ohne Geld vollzöge sich der Tauschverkehr nur sehr umständlich: der Austausch stiesse rasch an technische und organisatorische Grenzen;

3 Kreditübertragungsmittel (standard for deferred payments): man kann durch das Geld anderen etwas borgen, und man vermag entsprechend auch ein aufgenommenes Darlehn zu tilgen;

4 räumlicher Wertträger (Werttransportmittel; means of value transaction over space): man kann die im Geld enthaltene Kaufkraft grundsätzlich an jedem Ort der Welt zur Wirksamkeit bringen;

5 Träger von Wahlentscheidungen (bearer of options): man ist imstande, Geld jederzeit in ein beliebige Gut (Ware oder Dienstleistung) umzuwandeln;

6 Ansporn zur Produktion (motive to production): man trachtet danach, eine Höchstmenge an Gütern herzustellen und dem Markt zuzuführen, um das begehrte Geld zu erhalten;

7 Schichtenaufbrecher (social neutraliser): jedermann vermag Geld zu besitzen. Im Gegensatz zur sichtbaren, vererblichen Habe (Grundeigentum, Waldungen, Viehherden) in der Vorgeld-Gesellschaft, ist Reichtum dadurch nicht mehr an eine ganz bestimmte Gesellschaftsschicht gebunden.

8 Beförderer des Gemeinwohls (facilitation of common wealth): Geld schafft die Voraussetzung für den freien Marktverkehr. Die Gemeinwohlfunktion des Geldes liegt näherhin darin, dass das Geld die Sozialfunktion des Wettbewerbs in einer arbeitsteiligen Wirtschaft ermöglicht.

9 Erfolgsmassstab (measure of success): man kann den Erfolg und Misserfolg gesellschaftlicher und persönlicher Handlungen im Geld und durch das Geld rechenbar machen;

10 Bewerter persönlicher Einschätzungen (appraiser of desires): man kann durch Geld seine persönlichen Wünsche (als subjektive Nutzenurteile) objektiv, nämlich durch Gebote in Geld, ausdrücken. Andererseits vermag man aber auch vorhandene Wünsche am Geld zu messen und auf diese Weise zu objektivieren, das heisst: am Geld(preis) zu spiegeln;

10 1 Tauschangleichungsmittel (medium of exchange synchronisation): man kann im Geld (Monatssalär) Güter erwerben, für die eine Gegenleistung (Arbeit) bereits zuvor erbracht wurde und VICE VERSA;

10 2 Zeichen staatlicher Macht (representation of sovereign power): es bezeugt die staatliche Hoheit über das Geldwesen;

10 3 Ausdruck nationalen Ansehens (expression of national reputation): man beurteilt ein fremdes Volk massgeblich nach dessen Zahlungsmittel; das Prestige eines Staates hängt in nicht geringem Masse von der Wertschätzung seines Geldes ab;

10 4 gesellschaftliche Klammer (social integrator): man erkennt im Geld das die Einzelnen einer (Gross)Gruppe miteinander umschlingende Band;

10 5 Herrschaftsorgan (dominating power): man kann als Geldbesitzer Macht ausüben, nämlich seinen eigenen Willen durchsetzen;

10 6 Mittel zur Geheimhaltung (medium to hiding). Reichtum in Form von Geld kann man (im Gegensatz etwa zu Grundbesitz) leicht verbergen;

10 7 Triebkraft gesellschaftlicher Verzahnung (driving force to social interaction): zumindest der Gebrauch von Bargeld zwingt Menschen, zwecks Austauschs aufeinander zuzugehen;

10 8 gesetzliches Zahlungsmittel (legal tender): man ist durch die Rechtsordnung in den meisten Fällen verpflichtet, staatliches Geld in Zahlung zu nehmen und Zahlungen in solchem Geld zu leisten.

– Siehe Actus-purus-Grundsatz, Ausgangstatsache, ökonomische, Geld, privates, Geldangst, Geldbasis, Geldfunktionen, primäre, Geldheimat, Geldmenge, Geldzweck, Hartgeld, Inflation, Kapital, Kaufkraft, Ktematometer, Lug-und-Trug These, Münzgewinn, Nominalwertprinzip, Regionalgeld, Scheidemünze, Seigniorage, Sparen, Symboltheorie, Währung, Zahlung, Zahlungsmittel, Zentralbankgeld, Zins.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldgattin und Geldgemahlin (money spouse, money mama):

Eine vermögende weibliche Person, die ein in der Regel jüngeren Mann nur wegen ihres Reichtums heiratet. Das Gegenstück ist der Geldvater (sugar daddy; sugar = here: slang term, meaning money), mit dem eine zumeist sehr viel jüngere Frau die Ehe eingeht. - Falsch indes ist es, solche Verbindungen als eine Erscheinung der neuesten Zeit und im Besonderen als für die Vergnügungsindustrie (show business) typisch zu bezeichnen. Schon im Altertum gab es solche Heiraten, wie aus den Zeugnissen der damaligen Schriftsteller deutlich hervorgeht.

– Siehe Finanzgeologe, Geldgockel, Geldheirat, Geldtussi.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldgebarung (money management):

In älteren Dokumenten die mit dem Zahlungsverkehr befasste Stelle bzw. Abteilung in einem Unternehmen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldgeber und Financier (money lender; investor; sponsor, financier, benefactor):

1 Jeder, der einem Privathaushalt, einem Unternehmen oder einer öffentlichen Stelle ein Darlehn gewährt - im engeren Sinne gewerbsmässig durch ein Institut - und damit zum Gläubiger wird (anyone who provides money temporarily on condition that the sum lent will be refunded, usually with an interest fee).

2 Jemand, der sich als Anleger an einem Geschäft beteiligt (a person who invests capital in any business).

3 Jemand, der als Gönner für einen Zweck Mittel in Form einer Spende oder als Kredit zur Verfügung stellt (a person or group that provides funds for an activity, generally without receiving any consideration in exchange).

– Siehe Branding, Kultursponsoring, Sponsor.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldglaube und Geldreligion (religion of money, moneytheism):

Eine gleichsam religiöses Verhaftetsein in das Geld, meistens bezogen auf eine einzelne Person oder eine Gruppe (an ungodly obsession with the almighty money; the English term taken from the root word monotheism, the part "mono" meaning "one" and in the context "nothing than").

– Siehe Actus-purus-Grundsatz, Argyromanie, Allmacht-Doktrin, Argyromanie, Allmacht-Doktrin, Chremagogik, Chrematonomie, Geiz, Geldabschaffung, Geldbewusstsein, Geldethik, Geldraffer, Geldpsychologie, Geldrechenhaftigkeit, Geldstolz, Geldversessenheit, Geldvettel, Geldzweck, Habsucht, Harpax, Mammonismus, Misochrematie, Pantheismus, monetärer, Polyplusius, Sparsamkeit, Symboltheorie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldgockel, Geldgickel und Geldpfau (money goggle, money peacock):

Ein unangenehmer, garstiger und abstossender Mann, der von Frauen allein wegen seines Reichtums begehrt wird (an unappealing, disagreeable man, attractive to women merely for the reason that he is rich). Bei Frauen spricht man entsprechend von Geldhenne oder Geldglucke (money hen).

– Siehe Bunga-Bunga-Prämie, Geldgattin, Geldhahn, Geldheini, Geldsack, Geldschatz, Grosskoz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldgrab und Geldgrube (money pit):

Eine Entität oder eine Operation, die Unsummen verschlingt (any entity or venture which requires abundant sums of money for maintenance, and thus drains enduringly financial resources). In der Regel verbindet man damit auch noch die Vorstellung, dass die eingesetzten Mittel nutzlos verpufften (something to throw money into without any return).

– Siehe Blutbad, Geldschlucker, Geldverbrennung, Kopf-in-den-Sand-Verhalten, Millionengrab, Quersubventionierung, Torpedokapital, Verlustfalle.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldgrad (degree of money):

Bei der EZB die unterschiedlichen Möglichkeiten von Depositen, in Zentralbankgeld umgewandelt zu werden (Liquiditätsgrad). Hohen Liquiditätsgrad haben Sichteinlagen, niedrigen Spareinlagen.

– Siehe Liquidität, M1, M2.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldgurt und Geldgürtel (money belt):

Ein um den Leib getragener (Leder)Riemen, an dem eine Tasche zur Aufbewahrung von Geld angebracht ist. Derartige Gürtel, häufig unter der Aussengewandung getragen, sind schon aus dem Altertum als Schutz vor Diebstahl bekannt. Sie sind bis heute von Touristen innert unsicherer Reisegebiete beliebt (favoured by tourists in insecure travel areas).

– Siehe Banknoten-Wertbeschränkung, Geldbeutel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldhabicht (money hawk):

In älteren Dokumenten ein Schimpfname vor allem auf fragwürdige Advokaten. Diese wurden auch statt JURIS CONSULTUS (Rechtsgelehrter) dann JURIS TUMULUS (Grabhügel des Rechts), und statt JURISPERITI (Rechtskundige) auch JURE PERDITI (am Recht Zugrunde gegangene) sowie Gerichtsschreier, Prozessmacher, Streitköpfe, Galgenprediger und ähnlich gescholten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldhahn (money-tap; money cock):

1 Volkstümliche Bezeichnung für die Möglichkeit, den Zufluss von Mitteln an eine Person oder eine Entität aufgrund von Macht zu drosseln (axe the money supply) bzw. ganz zu stoppen (zuzudrehen; cut off the money supply, turn-off the flow of funds).

2 Eine reicher Mann (a well endowed male).

– Siehe Geldgockel, Geldheini, Geldsack, Geldschatz, Geldschnitt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldhaus manchmal auch nur Haus (financial institution):

Heute seltener gewordene, von der Finanzbranche selbst kaum noch benutzte Bezeichnung für eine Bank.

– Siehe Finanzhaus, Firma, Institut, Unternehmen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldhai (money shark):

Im Abgrenzung zum Finanzgeier eine Privatperson, deren Leben und Streben allein von der Gier nach Reichwerden und Reichtum bestimmt wird, und die sich dabei auch im Verkehr mit Mitmenschen verwerflicher, ja niederträchtiger Mittel bedient, um unbekümmert dieses Ziel zu erreichen (a person with an extreme desire to get rich, and whereby applying damnable, ethically reprehensible ways and means to satisfy the overzealousness for money). Solche Personen werden in der Literatur schon des Altertums treffend beschrieben. - In Deutschland von heute gibt es sie wohl nicht mehr. Denn eine solche personale Abirrung (personal deviation) ist dem deutschen Wesen nun doch wirklich völlig fremd. Sie ist eher noch in der Helvetie (bordering state with the de-facto-capital Berne) oder in der Batavie (neighbouring country with the capital Amsterdam and The Hague as the seat of government) zu vermuten.

– Siehe Agiotage, Geiz, Geldquetscher, Geldraffer, Grosskoz, Habsucht, Harpax, Kredithai, Karbatsch, Mammonismus, Reichtum, Sparsamkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldharke (money rake):

1 Gerät des Croupiers (croupier: an attendant in a gambling casino who rakes in money or chips) in Kasinos zum Einsammeln des Wettgeldes bzw. der Jetons.

2 Scherzhaft gesagt von einer Person, die zudringlich Spenden für einen (guten) Zweck sammelt.

– Siehe Spielbank, Spielgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldheimat (monetary habitat):

Die ökonomische Bedeutung einer Währungseinheit, etwa des USD oder des EUR; ihr "Hintergrund" in Bezug auf die Wirtschaftsstruktur (economic framework), nämlich:

1. Bevölkerung (people),

2. Raum (area),

3. Wissenschaft und Technik (science and technics),

4. Wirtschaftsgesinnung (economic dispositions) und

5. Gesellschaftsordnung (social organisation).

– Weil das heutige Papiergeld keinen selbständigen Wert (intrinsic value) wie früher noch die Münze aus Edelmetall aufweist, so ist es nur funktionsfähig dank seines Unterbaus in Gestalt staatlicher, zwischen- und überstaatlicher Institutionen, die letzten Endes alle nur politisch gesteuert werden können. Das Geld selbst ist daher ein Politikum (political issue), und es bedarf somit der Lenkung durch eine entsprechende Instanz, der Zentralbank.

– Siehe Fluchtgeld, Geld, sittliches, Hafen, sicherer, Institution, Kapitalstrom-Paradoxon, Leitwährung, Notzeit-Anlagen, Produktionskosten, Spielbank-Doktrin, Substanzwert, Wettbewerbsfähigkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldheini (money kid):

1 In der Jugendsprache ein in der Regel chic gekleideter Mitschüler oder Studierender, der seine Herkunft aus reichem Hause offen zur Schau stellt (a fashion-conscious, always well dressed schoolmate or fellow student who shows off a rich parental home).

2 Auch gesagt von einem jungen Erwachsenen mit hohem Salär, der sich konsumfreudig verhält (Yuppie; yuppy: a young ambitious professional, an upwardly mobile, and well-educated city-dweller who has a good job and an affluent lifestyle).

– Siehe Geldgockel, Geldprotz[er], Geldtussi, Grosskoz, Polyplusius.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldheirat (money match):

Die Eheschliessung - bzw. das Eingehen einer eingetragenen Partnerschaft bei gleichgeschlechtlichen Paaren - allein oder vorwiegend aus dem Grund, weil der Partner über ansehnliche finanzielle Mittel verfügt (nevertheless money is the leading reason for worry in most marriages, and it is the number one cause of divorce in neo-Prussia [= Germany with the old Prussian capital Berlin]).

– Siehe Geldgockel, Geldgattin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldherrschaft (plutocracy, moneyocracy):

In einer Entität und besonders in einem Staat sind die Handlungen der Entscheidungsträger von der Zahlung entsprechender Summen seitens einzelner oder von geldprallen Gruppen abhängig; (an entity or in the stricter sense a government ruled by money; the degree of power and influence any given person or group has on decisions of the organisation is determined by how much money they have). - In zahlreichen Internet-Foren und in vielen Büchern wird diese Meinung auf in Bezug auf die demokratischen Staaten vertreten, und daher die Geldabschaffung gefordert. Amtswalter einer alle anpassungswilligen Menschen umspannenden Partei sollten deswegen als Volksbeauftragte die Produktion regeln und die erzeugten Güter gerecht verteilen. But those who are not willing to accept this paradisiac societal model should provided an opportunity to become acquainted with the new socio-economic system in a labour camp.

– Siehe Chremaphobie, Chrysokratie, Demonetisation, Geld, sittliches, Marktmechanismus, Mutualismus, Paradoxomanie, Plutokratie, Polyplusius, Schwundgeld, Tausch-Gutschein, Unfruchtbarkeits-Theorie, Zinsallokations-Funktion, Zinsverbot.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldhete und Geldglucke (money breeder):

Abschätziger Ausdruck, hauptsächlich gebraucht in Kreisen der Sozialverwaltung (social administration), für

1. eine weibliche Person,

2. die keinerlei Anstrengungen zur Gestaltung ihres eigenen Lebens unternimmt,

3. sondern nur darauf wartet, nacheinander von irgend einem Mann schwanger zu werden,

4. um dann Kindergeld und Sozialhilfe zu erhalten (female who does no learning, not pursue a vocational career, neither improve herself or seek any adventure or challenge in life. Rather she hopes to sleep with a man for impregnation and child support money). Hete = eine unansehnliche heterosexuelle Frau ohne Bildung und Beruf.

– Siehe Geldbewusstsein, Sozialstaat-Falle, Verfassungsartikel eins, Wagnersches Gesetz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldhosen (money trousers, money pants):

Beinkleider, die aus Banknoten gefertigt sind und zumeist mit einem durchsichtigen Deckgewebe, einer dünnen Gaze oder Klarlack zusammengefügt werden (trousers made of paper currency, held together by clear fabric, or a coat of lacquer). Solche Kleidungsstücke verschaffen, ebenso wie ein Geldhut, in gewissen Subgruppen der Gesellschaft (sub-groups of society) dem Träger ein besonderes Ansehen.

– Siehe Geld, beschädigtes, Geldzigarre.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldhügel und Goldhügel (money hill):

In einem Wintersportgebiet ein in der Regel für Anfänger gedachte Anhöhe, auf der sich reiche Leute mit sehr teurer Skiausrüstung vergnügen (ski resort, designated for beginners, where wealthy skiers with top of the line equipment try skiing).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldhut (money hat):

1 Eine auffällige Kopfbedeckung, gestaltet aus echten oder nachgebildeten Geldscheinen.

2 Im Wirtschaftsleben der in Deutschland völlig unbekannte Brauch, feile Journalisten (bribable newspaper hacks) - die es hier eh nicht gibt - mit einer hohen Summe, mit einem Hut voll Geld, dazu bewegen, über das eigene Produkt gut, über Angebote der Wettbewerber jedoch schlecht zu schreiben (in the business area the act of paying journalists a large sum, with hats full of money, in order to gain an unfair advantage over competitors).

– Siehe Geldhosen, Geldmund, Geldzigarre Marktmanipulation, Push, Werbegeld, Schmiergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldinondation und Geldinundation (money inondation):

Eine Überschwemmung mit Geld; in alten Dokumenten für den erst um 1865 für diese Sache aufgekommenen Begriff Inflation.

– Siehe Geldüberversorgung, Larghezza, Liquiditätsfalle, Niedrigzinspolitik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldjeans (money jeans):

Um etwa 1990 in die deutsche Sprache aus dem Englischen eingedrungene Bezeichnung für einen aussergewöhnlichen Aufbewahrungsort von Geld und Valoren einer Person (metaphorical representative for the place where money and valuables are collected and kept).

– Siehe Geldmulde, Geldschatz, Horten, Matratzengeld, Sparbüchse, Sparstrumpf.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldkapital (monetary capital):

1 Geld für Investitionszwecke.

2 In der Terminologie der EZB die Summe aller längerfristigen Forderungen inländischer Nichtbanken gegenüber dem Bankensystem, die nicht Bestandteil der jeweiligen Abgrenzung der Geldmenge sind.

3 In der marxistischen Anklageliteratur (Marxist accusatory literature) gegen das Geld eine Machtballung (accumulation of power), die sich über das Geld und durch das Geld zwangsläufig ergäbe und letzten Endes die Gesellschaft wie eine Krake umklammere. Dass der Staat durch Gesetze und Behörden einen fairen Wettbewerb sichern, und dass eine sehr wachsame Öffentlichkeit mit Argwohn ein Übermass an wirtschaftlicher Macht wo auch immer aufdecken und brandmarken werde, sahen die Schwarzseher nicht.

– Siehe Bankenmacht, Finanzkapital, Finanzoligarchie, Geldabschaffung, Geldadel, Gelddiffusion, Geldfunktionen, Geldherrschaft, Geldkapitalbildung, Geldleute, Geldzweck, Investition, Kapital, Kapitalist, Verschwörungstheorien.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldkapitalbildung (monetary capital creation):

In der Statistik bei den monetären Finanzinstituten erfasst als Summe aus

1. Einlagen mit einer vereinbarten Laufzeit von mehr als zwei Jahren,

2. Einlagen mit vereinbarter Kündigungsfrist von mehr als drei Monaten,

3. Schuldverschreibungen mit einer Laufzeit von mehr als zwei Jahren und

4. Kapital samt Rücklagen.

– Die einzelnen Werte sind in der bankenstatistischen Gesamtrechnung für das Eurogebiet im jeweiligen Anhang zum Monatsbericht der EZB sowie auch im Monatsbericht der Deutschen Bundesbank (dort auch der deutsche Beitrag zu den vier Grössen) ausgewiesen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldkarte (pay card, chip card, smart card):

Der bargeldlosen Zahlung dienende, mit einem Mikroprozessor (Chip) ausgestattete Karte. Sie kann in ihrer Grundform als elektronische Geldbörse genutzt und mit verschiedenen Zusatzfunktionen (wie Parken, Telephonieren) ausgerüstet werden. - Emittenten von Geldkarten unterliegen grundsätzlich der Aufsicht; wegen Ausnahmen siehe § 2, Abs. 5 KWG. Auch gilt hier die für eine Kontoeröffnung vorgeschriebene Identitätsprüfungspflicht. - Das (wohl nicht lösbare) Problem (unresolvable issue) bei den Geldkarten liegt darin, dass sie bei weitem mehr als (das durch die Zentralbanken mit hohem Aufwand geschützte) Bargeld gefälscht und verfälscht werden können. Über den Anteil der Counterfeit Cards und das durch sie ausgelöste betrügerische Transaktionsvolumen gibt es widersprechende Angaben. - Unterschiedliche Meinungen gibt es auch dazu, inwieweit Geldkarten Auswirkungen auf das Konsumverhalten der Privathaushalte haben, und ob ein Kontrollverlust im Umgang mit Geld durch die Karten bewirkt werde. - Nach einer Umfrage der Deutschen Bundesbank wurden im Frühjahr 2011 im Einzelhandel in Deutschland vier von fünf Transaktionen mit Bargeld beglichen. Gemessen an den Einzelhandelsumsätzen lag der Bargeldanteil zum Erhebungszeitpunkt bei sechzig Prozent mit leicht abnehmender Tendenz zugunsten der Geldkarte.

– Siehe Ablehnung, Ausgeber, Autorisierung, Banknoten-Wertbeschränkung, Barzahlungsquote, Community Card, Computerzahlung, Chipkarte, Disagio, EMV-Richtschnur, Firmenkreditkarte, Geldautomaten-Sperre, Geld, elektronisches, Interoptabilität, Karte, multifunktionale, Karten-Echtheitsprüfung, Konto, anonymes, Kreditkarte, Netzgeldgeschäft, Pay-Green-Initiative, Plastikgeld, Prozessor, Sparbuch, Ticketing, electronic, Winkelmakler, Zahlungskarte.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 93 ff. (ausführliche Darstellung; viele Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2009, S. 52 f. (im Jahr 2008 zahlten 58 Prozent der Deutschen mit Bargeld und nur 26 Prozent mit Karte; Entwicklungslinien).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldkirche (money church):

Eine zweifelhafte Institution, deren Führungsschicht sich unter dem Anschein der Religion von den Gläubigen aushalten lässt; und häufig umso mehr Einsicht in Geheimnisse verspricht, als der einzelne Anhänger spendet (a doubtful religious entity which is solely eager to collect money from its followers under the pretext of mysterious knowledge and secrets, often withheld with the promise that as more money is given more secrets will be revealed). Oft bieten sich berühmte Persönlichkeiten als Kundenfang (canvassing), die dafür entsprechend bezahlt werden oder andere Vorteile geniessen.

– Siehe Geldsauger.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldklemme (money pinch, money squeeze):

1 Eine zeitweilige Übernachfrage (excess demand: demand exceeds supply) nach Zentralbankgeld auf dem Geldmarkt.

2 Vorübergehender Mangel an Zahlungsmitteln bei einem Privathaushalt (moneyslack) oder einer Entität (money vacuum).

– Siehe Finanznot, Geldspritze, Geldüberhang, Geldmarkt-Operationen, Geldschnitt, Insolvenz, Kreditklemme, Krida, Liquidität, Liquiditätskrisenplan, Manifestierung, Notlage, finanzielle, Rettungsbeihilfe, Zahlungsunfähigkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldkontakt und Bettelkontakt (money call):

Schreiben, persönlicher Besuch, Telephon-Anruf oder andere Verbindungswege zu einer Person in der eigentlichen Absicht, von dieser eine finanzielle Zuwendung oder ein Darlehn zu erhalten (a letter, visit, telephone call, or conversation made to a person where the only goal is to obtain money. Such a despicable motivation, of course, never should be supposed if a student visits his/her grandparents or other family members).

– Siehe Gelderschleichung, Geldspritze, Geldzug.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldkreislauf (money flow):

In der vereinfachten volkswirtschaftlicher Modellbetrachtung einer geschlossenen (closed; ohne Verknüpfung mit dem Ausland bestehenden) Wirtschaft fliesst den Privathaushalten für ihr Angebot an Faktorleistungen - Arbeit, Kapital, Boden - Geldeinkommen in Form von Löhnen, Zinsen und Pachten zu. Dieses Einkommen verwenden die Privathaushalte als Konsumausgaben zur Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen auf dem Gütermarkt. Von da gelangt das Geld als Verkaufserlös (sales return) zurück zu den Unternehmen, die damit wieder Leistungen von den Privathaushalten auf dem Faktormarkt kaufen. - Soweit Geld gespart wird, fliesst es den Banken zu, welche diese Beträge als Darlehn zu Investitionszwecken an die Unternehmen weiterleiten.

– Siehe Horten, Sparen, Sparquote.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldkuh und Melkkuh (cash cow):

1 In der Finanzsprache ein Unternehmen oder ein Unternehmensteil, in dem fortwährend, regelmässig ein hoher Zahlungsfluss aus Geschäftstätigkeit (Cashflow) erwirtschaftet wird (a company or a business line within a company which generates a sustained and high level of operational cash flow, so high that it is responsible for a large amount of a company's operating profit).

2 Ein Aktiengesellschaft, die regelmässig alle Gewinne an die Aktionäre ausschüttet (a company that pays out continuously all earnings to stockholders as dividends).

3 Dasjenige Mitglied einer Gemeinschaft (Deutschland), welches die grössten Summen in diesen Verbund (hier: die Europäische Union) einzahlt.

– Siehe Aktie, rentierliche, Europayer, Juste Retour-Prinzip.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldkunde (money teachings; monetary practice):

1 In der älteren Literatur die Vermittlung von Kenntnissen über die verschiedenen Geldsorten (monies) - und im engeren Sinne über die Münzen (coinage) - und deren Austauschverhältnis zueinander.

2 Das Wissen um die mit dem Zahlungsverkehr zusammenhängenden Verrichtungen, und in der älteren Literatur mit besonderer Hinsicht auf die Kenntnis der wichtigsten Geldsorten.

– Siehe Finanzgeschichte, Geldtheorie, Gulden, Kontorwissenschaft, Münzcommis, Münze, historische, Münzverträge, Numismatik, Systematomanie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldkurs (bid price, häufig nur bid):

Der vom allfälligen Käufer eines Vermögensgegenstandes gebotene Preis (price at which a potential buyer is willing to pay).

– Siehe Briefkurs.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldleistung (cash benefit):

Eine - vertraglich vereinbarte - Zahlung in Bargeld.

– Siehe Frongeld, Gelddarlehn, Zahlungshalber.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldleute (money[ed] men; moneyed class, money people):

1 Vermögende, zahlungs-kräftige und in der Regel auch gut verdienende - dann in höherer beruflicher Position stehende - Personen (as men they typically wear exclusive, tailor-made suits, lavish ties, exceptional watches and eye glasses, and they have very professional haircuts. Often you will see them engaged in deep thought, mostly regarding stock exchange quotations).

2 In missbilligender Verwendung auch Einzelne oder Gruppen, die aufgrund ihres Reichtums Macht auf Politik und Gesellschaft ausüben.

– Siehe Bankenmacht, Bankenschelte, Banker, Bankokratie, Best Agers Business, Chremagogik, Dinks-Geschäft, Finanzkapital, Finanzoligarchie, Finanzsodomit, Geldadel, Geldethik, Geldheini, Geldherrschaft, Geldkapital, Geldstolz, Geldprotz[er], Grosskoz, Hochfinanz, Misochrematie, Oldie-Geschäft, Polyplusius, Power-age financial market, Silver Economy, Verschwörungstheorien, Woopee-Geschäft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldlücke (money gap):

In der Berechnung der Zentralbanken die Überschuss-Liquidität - bzw. negativ: das Liquiditätsdefizit - in einem Währungsraum, nach bestimmten Ansätzen ermittelt; grob gesprochen der Geldmengenbestand, der noch nicht in Mengen- bzw. Preiserhöhungen absorbiert wurde.

– Siehe Geldklemme, Portfolio-Umschichtung, Preislücke.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2001, S. 51, Monatsbericht der EZB vom Juni 2001, S. 11 f., Jahresbericht 2001 der EZB, S. 14, Jahresbericht 2004 der EZB, S. 28 ff., Monatsbericht der EZB vom Januar 2005, S. 14 ff., Monatsbericht der EZB vom Juni 2008, S. 27 (nominale und reale Geldlücke 1999 bis 2007), Monatsbericht der EZB vom Juni 2011, S. 37 ff. (reale Geldlücke von M3 seit 1999; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldmakler und Finanzmakler (money broker):

Unternehmen, deren Haupttätigkeit darin besteht, Darlehn zwischen Kreditinstituten zu vermitteln. Sie gelten in Deutschland als Finanzunternehmen, die einer Erlaubnis bedürfen und der Überwachung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht; siehe § 1, Abs. 3 KWG.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldmangel auch Achrematie (lack of money):

In einem Wirtschaftsraum sind zu wenig Zahlungsmittel vorhanden, um den reibungslosen Güteraustausch gewährleisten zu können. - Bestritten wird, ob es einen solchen Zustand über eine kurze Weile hinaus geben könne; vor allem deshalb, weil diesfalls wohl Geldsurrogate den Engpass aufbrechen werden.

– Siehe Behelfsgeldschein, Ersatzgeld, Ersatzmünzen, Geldbombe, Gelddepression, Hyperinflation, Notgeld, Obsidional-Münzen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldmännchen (kobold):

In deutschen Märchen ein geheimnisvolles Wesen, das die Kraft besitzt, Münzen aus Edelmetall hervorzuzaubern. In der Geldpsychologie gilt das Geldmännchen als Personifizierung, als bildhafte Verkörperung des Wunsches nach Reichtum.

– Siehe Geldbaum, Goldmacher, Stein der Weisen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldmarkt (money market):

1 Allgemein der Handel mit kurzfristigem (in der Regel bis zwölf Monate; usually for less than one year) Leihgeld (Tagesgeld, Termingeld, kurzfristige Papiere), wobei als Marktteilnehmer in erster Linie Banken und die Zentralbank auftreten.

2 Im engeren Sinne umfasst der Geldmarkt den Handel mit Zentralbankguthaben unter den Banken. Der Abschluss eines einzigen Geschäftes bezieht sich im Allgemeinen auf höhere Beträge (mehrere Mio EUR). Dieser Markt bietet der Zentralbank als Monopolanbieter von Bargeld die Möglichkeit zur gezielten Beeinflussung. Solche Geldmarktgeschäfte dienen immer der kurzfristigen Geldanlage; der Geldmarkt sorgt damit für einen Liquiditätsausgleich (liquidity settlement) zwischen den Marktteilnehmern.

3 Im Besonderen meint man mit Geldmarkt den Handel mit Geldmarktpapieren.

4 Als Geldmarkt wird manchmal auch die kurzfristigen Kundenbeziehungen der Banken gesamthaft bezeichnet. Im Passivgeschäft handelt es sich dabei um die Hereinnahme von Sicht-, Termin und Spareinlagen, im Aktivgeschäft vor allem um Darlehn in laufender Rechnung (Kontokorrentkredite).

– Siehe Geldklemme, Geldmarkt-Operationen, Geldmarktsätze, Geldmarkt-Segmente, Kurzfristig, Schatzanweisungen, unverzinsliche.

– Vgl. Geschäftsbericht 2005 der Deutschen Bundesbank, S. 24 f. (Steuerung der Geldmenge, Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Februar 2008, S. 71 ff. (sehr ausführliche, lehrbuchmässige Darstellung des Geldmarkts im Eurogebiet; viel Übersichten), Finanzstabilitätsbericht 2009, S. 98 (Aufgaben, Teilbereiche und Teilnehmer auf dem Geldmarkt), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2010, S. 26 f. (Geldmarktsteuerung und Liquiditätsbedarf), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2011, S. 30 f. (Geldmarktsteuerung und Liquiditätsbedarf in den ersten drei Quartalen 2011), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2014, S. 39 ff. (Geldmarktsteuerung während der Finanzkrise: ausführliche Darlegungen; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2014, S. 31 f. (Aussagegehalt der jeweiligen Risikoprämie auf dem Geldmarkt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldmarktfonds (money market fund, MMF):

Sondervermögen einer Kapitalverwaltungsgesellschaft, das ausschliesslich aus verzinslichen Geldmarktpapieren - und hier vor allem Schatzanweisungen, Commercial Papers und Festgeld - sowie Anleihen erstklassiger Schuldner mit einer entsprechenden Restlaufzeit (remaining running time) - in der Regel bis zu einem Jahr - besteht. Sie gelten als risikoarme Anlage, weil in aller Regel auf eine sinnvolle Diversifikation der Fondswerte geachtet wird. Gemessen an der Liquidität sind Anteile von Geldmarktfonds enge Substitute für Einlagen. Sie zählen daher bei der EZB auch zu den Monetären Finanzinstituten, was es zu beachten gilt. - In Deutschland müssen zufolge der "Richtlinie zur Festlegung von Fondskategorien gemäss § 4 Abs. 2 InvG" der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht bei einem Geldmarktfonds mindestens fünfundachtzig Prozent des Vermögens in Geldmarktpapieren und Bankguthaben (cash at bank) von jeweils einer Laufzeit von höchstens zwölf Monaten sowie Anteilen anderer Geldmarktfonds angelegt sein. Ähnliche Vorschriften gelten für ausländische Geldmarktfonds derzeit noch nicht; eine internationale Angleichung der Vorschriften ist im Gange. - Das Anlagevolumen von Geldmarktfonds betrug Ende Juni 2012 global insgesamt ca. 3,64 Bill. EUR. Das entspricht etwa neunzehn Prozent des gesamten Volumens von Investmentfonds weltweit. Etwa zwei Drittel der MMFs waren zu diesem Zeitpunkt den USA zuzurechnen. Die zu diesem Zeitpunkt 1'171 europäische MMFs spielen als kurzfristige Finanzierungsquelle insbesondere für Banken und Unternehmen eine nicht unbedeutende Rolle. Ende 2011 waren etwa fünfzig Prozent des gesamten Fondsvolumens in Geldmarktinstrumente angelegt, die von Banken und Unternehmen emittiert wurden und eine Laufzeit von unter einem Jahr hatten. - MMFs unterfallen als Investmentfonds in Deutschland den Regelungen des Investmentgesetzes. Deutsche Publikums-Geldmarktfonds und auch die Mehrheit aller europäischen Geldmarktfonds sind Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren, sie unterliegen damit den Vorgaben der europäischen OGAW-IV-Richtlinie bzw. den jeweiligen nationalen Umsetzungsgesetzen. Sie werden dementsprechend beaufsichtigt und können in ganz Europa vertrieben werden.

– Siehe Cash Pool, Investmentfonds, EU-richtlinienkonformer, Investmentvermögen, Kapitalanlagegesetzbuch, OGAW-Fonds, Super-OGAW-Fonds, Regulierungs-Arbitrage.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom September 2003, S. 10 f. (zur statistischen Erfassung im Eurogebiet). Im monatlich erscheinenden Statistische Beiheft "Kapitalmarktstatistik" der Deutschen Bundesbank auch Zahlen über die Anzahl, den Anteilumlauf und das Vermögen inländischer Investmentfonds (domestic money market funds), nach verschiedenen Gesichtspunkten aufgeschlüsselt; Monatsbericht der EZB vom Oktober 2010, S. 21 ff. (Geldmarktfonds in der Eurozone seit 2000; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Januar 2012, S. 65 (ausführliche und erläuternde Definition "Geldmarktfonds"; im ersten Satz eine Dialelle: "Fonds" wird durch "Fonds" erklärt!), Monatsbericht der EZB vom April 2012, S. 18 ff. (neue statistische Definition der Geldmarktfons im Eurogebiet; Rechtsquellen, Übersichten), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 70 (Geldmarktfonds spielen in Deutschland keine grosse Rolle), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 53 f.(Geldmarktfonds sind wichtige Akteure im Schattenbankbereich; Regulierungsbemühungen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2014, S. 23 (fast das gesamthafte Geldmarktfonds-Vermögen im Eurogebiet wird in Frankreich, Irland und Luxemburg verwaltet), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 31 ff. (Fragen der Beaufsichtigung und Regulierung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldmarktfonds mit konstantem Nettoinventarwert (money market fund with constant net asset value, MMF-CNAV):

Sondervermögen einer Kapitalverwaltungsgesellschaft, dessen Anteilswert immer bei 100 Prozent liegt. Denn die Vermögenswerte des Fonds und damit der Anteilswert, wird nicht zu aktuellen Marktpreisen bewertet. Vielmehr geschieht die Bewertung anhand fortgeschriebener Anschaffungskosten (amortised cost accounting). Aufgrund dessen spiegeln solche Fonds weder die Marktrisiken der zugrundeliegenden Vermögenswerte noch allfällig eingefahrene Verluste im Anteilswert wider. - Der Vorteil ist hier, dass Anleger, die ihren Fondsanteil zurückgeben, immer zu 100 Prozent ausbezahlt werden. Kommt es indessen dazu, dass viele Anleger gleichzeitig Zertifikate einlösen, so muss der MMF-CNAV notgedrungen Vermögensgegenstände zum Marktpreis verkaufen. Der Fonds kann dann rasch in Insolvenz geraten, und dies zum Nachteil der Anleger, die bis anhin ihre Zertifikate nicht verkauft haben. Die Aufsichtsbehörden sehen hier zurecht ein systemisches Risiko. Dieses besteht auch dann - oder sogar erst recht -, wenn Banken betroffenen MMFs vertraglich vereinbarte Finanzhilfen (implizite Garantie; sponsor support) zusichern. Denn gelegentlich der Finanzkrise hat sich gezeigt, dass dann auch das garantiegebende Institut (guarantor-bank) unversehens ins Schlittern geraten kann.

– Siehe Geldmarktfonds, Unterstützung, stillschweigende.

– Vgl. Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 53 f. (weitere Risiken; Regulierungsansätze; Gefahren einer Regulierungsarbitrage).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldmarkt-Operationen (money market operations):

Massnahmen einer Zentralbank mit dem Ziel, die Verhältnisse von Angebot und Nachfrage auf einem (zeitweilig gestörten) Geldmarkt im Gleichgewicht zu halten. - Im wesentlichen handelt es sich dabei um die Zufuhr von Liquidität. So stellte die EZB beispielsweise im Zuge der Subprime-Krise (in the slipstream of the turmoil surrounding sub-prime crisis) in einem übersichtlichen Bieterverfahren andauernd und umfangreich Geld zur Verfügung, wodurch der Tagesgeldsatz für den EUR im Interbanken-Geldhandel (EONIA-Satz) in die Nähe des Mindestbietungssatzes gefestigt werden konnte. - Bei Geldmarkt-Operationen einer Zentralbank ist zu beachten, dass diese

1. keineswegs grundlegende Probleme der Geschäftsbanken lösen kann und will,

2. in Schwierigkeiten geratene Institute nicht vor der Insolvenz bewahren sollte (kein Bail-out); Liquiditätshilfen werden deshalb auch immer in einem normalen Tenderverfahren vergeben und

3. entsprechende Massnahmen der Zentralbank unabhängig von deren Hauptziel (nämlich der Erhaltung der Masstab-Eigenschaft des Geldes) zu sehen sind, was vielfach missverstanden wird. Eine Zentralbank kann grundlegende Probleme der Banken und der Geldmärkte nicht lösen. Indem sie aber Preisstabilität gewährleistet, trägt sie (und gerade in Krisenzeiten) zu einem sicheren Umfeld, zu einer zuversichtlichen Vorausschau, zu positiven Erwartungen bei.

– Siehe Angst, perverse, Aufkäufe, zentralbankliche, Bail-out, Dreijahrestender, EZB-Sündenfall, Finanzkrise, Vermeidbarkeit, Geldpolitik, Geldverleiher letzter Instanz, Hauptrefinanzierungsgeschäft, Informations-Aufschub, Kobra-Effekt, Liquidität des Bankensystems, Liquiditätspolitik, Moral Hazard, Quantitative Easing, Staatsschulden-Rückführung, Subprime-Krise, Ursache, Umverteilung, zentralbankbewirkte, Vertragstreue, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2008, S. 16 ff. (Geldmarkt-Operationen der EZB im Zuge der Subprime-Krise), Monatsbericht der EZB vom Mai 2008, S. 95 f. (Abgrenzung der Sonder-Massnahmen von der regulären Zentralbankpolitik).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldmarktpapiere (money market papers):

Kurzfristige Schuldtitel der Öffentlichen Hand, die am Geldmarkt gehandelt werden (Schatzwechsel, unverzinsliche Schatzanweisungen) sowie Commercial Papers. - Manchmal werden auch zweijährige Bundesschatzanweisungen den Geldmarktpapieren zugeordnet.

– Siehe Capped Notes, Finanzinstrument, Geldmarkt, Schatzanweisungen, unverzinsliche, Short-Term European Papers.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldmarkt-Sätze (money market interest rates):

In der Definition der EZB der Preis für Tagesgeld, Einmonatsgeld, Dreimonatsgeld, Sechsmonatsgeld und Zwölfmonatsgeld. Die jeweiligen Preise werden im Teil "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Finanzmärkte" des jeweiligen Monatsberichts der EZB ausgewiesen und teilweise mit den entsprechenden Sätzen in den USA und Japan verglichen.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2014, S. 31 f. (Aussagegehalt der jeweiligen Risikoprämie auf dem Geldmarkt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldmarkt-Segmente (money market segments):

Die EZB teilt den Geldmarkt ein in Angebot und Nachfrage nach

1 unbesicherten Einlagen (unsecured deposits)

2 besicherten Repo-Geschäften (secured repo transactions) und

3 Derivaten, diese unterteilt in

1. börsengehandelte Kontrakte (exchange-traded instruments, wie etwa ein Kuponswap, Zwangswandelanleihe oder Reversal) und

2. ausserbörslich vereinbarte Verträge (instruments that are typically traded over the counter, wie etwa ein Zinsswap oder ein Währungs-Swap).

– Der besicherte Geldmarkt, auf dem Liquidität gegen die Stellung von Wertpapieren gehandelt wird, ist weltweit das grösste Segment. Auch ist der Anteil an alternativen Handelssystemen im besicherten Markt am höchsten. - Jedes Segment weist ein eigenes Risikoprofil auf; und die Risikoeinschätzung kann sich in den Segmenten unter Umständen rasch ändern, wie sich angesichts der Verwerfungen im Zuge der Subprime-Krise (in the slipstream of the turmoil surrounding sub-prime crisis) zeigte. Hier kam der unbesicherte Handel fast völlig zum Erliegen. Demgegenüber verzeichnete der besicherte (elektronische) Handel deutliche Umsatzsteigerungen. Denn der besicherte Handel über eine aufsichtlich anerkannte zentrale Gegenpartei hat in Verbindung mit den hinterlegten Sicherheiten den Vorteil, dass ein Adressenausfall-Risiko entfällt. Die in der Finanzkrise eingeleitete und seitdem weltweit erkennbare Gewichtsverschiebung hin zu besicherten Geschäften spiegelt die wichtiger gewordene Rolle des Bonitätsrisikos für Handelsentscheidungen wieder.

– Siehe Asset Backed Commercial Papers, Computerbörse, Derivategeschäfte-Clearingpflicht, Derivategeschäfte-Meldepflicht, Eurex, Euro GC Pooling, Gegenpartei, zentrale, Geldmarkt, Handelssystem, alternatives, Interbanken-Geldmarkt, Markt, dritter, Over-the-Counter Trading, Short-Term European Papers.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2008, S. 72 ff. (Einteilung; Erläuterungen zum Risikogehalt; Übersicht der Umsätze in den einzelnen Segmenten seit 2000), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2014, S. 31 f. (Aussagegehalt der jeweiligen Risikoprämie auf dem Geldmarkt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldmarkt-Volatilität (volatility in the money market):

Das Ausmass und die Häufigkeit von Preisschwankungen auf dem Geldmarkt gesamthaft bzw. in den einzelnen Geldmarkt-Segmenten. Für die Zentralbank ist es wichtig, Unsicherheiten durch ihre Geldpolitik weder zu erzeugen noch zu verstärken. Die Geldpolitik will und soll Signale setzen, aber kein volatilitätserzeugendes Rauschen (noise) erzeugen.

– Siehe Aktienmarkt-Volatilität, Bollinger Bänder, Codewörter, Dominostein-Effekt, Finanzmarkt-Stress, Fundamentalanalyse, Geldmarkt-Segmente, Headline-Hysterie, Politik des offenen Mundes, Sharpe-Relation, Signalwirkung, Unschärfe, konstruktive, Tarnkappen-Politik, Tracking Error, Varianz, Volatilitätsrisiko, Vorschatten-Effekte, Zyklik.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2008, S. 79 ff. (Grundsätzliches; Messung der Volatilität am Geldmarkt; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2014, S. 31 f. (Aussagegehalt der jeweiligen Risikoprämie auf dem Geldmarkt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldmenge in der älteren Literatur auch Roulance (money supply):

Bestand an

1. Bargeld,

2. Buchgeld und

3. allfälliger Zahlungsmittel ohne Begültigung - wie Regionalgeld oder einer anderen Nebenwährung, vor allem in Grenzgebieten - innert eines Währungsraums.

– Die Flut an Finanzinnovationen und die steigenden Geldströme über die Grenzen hinweg machen die Erfassung der Geldmenge immer schwieriger.

– Siehe Ausrichtung, einzielige, Currency-Theorie, Endogenitäts-Prinzip, Finanzinvestition, Fristentransformation, Geldbasis, Geldkapital, Geldneutralität, langfristige, Geldschleier, Geldschöpfung, Liquidität, M1, M2, M3, Martin-Prinzip, Modellunsicherheit, Nebenwährung, Negativzins, Niedrigzinspolitik, Nullzins, Tarnkappen-Politik, Zentralbankgeld, Zwischenparken.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 1999, S. 15 ff. (statistische Abgrenzung bei der EZB), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2004, S. 17 (Schwierigkeiten einer Vorhauschau des Entwicklungsverlaufs), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2004, S. 56 f. (Methoden der Vorausschätzung), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2005, S. 15 ff. (dort auch nähere Darlegung der Umsetzungsschwierigkeiten einer nur auf die Geldmenge ausgerichteten Zentralbankpolitik), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2005, S. 61 ff. (Geldnachfrage und Unsicherheit; lehrbuchmässige Darstellung mit Übersichten), Monatsbericht der EZB vom November 2006, S. 29 ff. (globale Geldmenge seit 1983; Auswirkung verschiedener Berechnungsmethoden auf das Ergebnis), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2007, S: 28 f. (Grundsätzliches zu den Unsicherheiten bei der Vorausschätzung), Monatsbericht der EZB vom Mai 2008, S. 16 ff. (Erläuterungen zur Messung der Geldmenge durch die EZB; Übersicht), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2008, S. 41 ff. (Bestimmungsgründe für das Geldmengenwachstum; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom April 2010, S. 19 ff. (Entwicklung der Geldmenge im Eurogebiet seit 1981; viele länderspezifische Übersichten), Monatsbericht der EZB vom November 2010, S, 93 ff. (Finanzinnovationen und Strukturveränderungen im Finanzsystem machen eine ständige Anpassung an die Geldmengenanalyse notwendig), Monatsbericht der EZB vom März 2011, S. 27 ff. (Wachstum der Geldmenge im Eurogebiet seit 2002 aufgeschlüsselt; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Juni 2011, S 37 ff. (Wachstum der Geldmenge seit 1999; viele Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2013, S. 21 ff. (Geldmengenentwicklung innert eines Konjunkturzyklus; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Februar 2014, S. 85 ff. (ausführliche Darstellung der monetären Analyse und der Erfassung der Geldmengen-Aggregate; viele Übersichten; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldmenge, mittlere (medium money supply):

M1 plus Einlagen mit einer Laufzeit von bis zu zwei Jahren sowie Einlagen mit vereinbarter Kündigungsfrist von bis zu drei Monaten.

– Siehe M2.

– Vgl. den Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Monetäre Entwicklungen, Banken und Investmentfonds", Unterrubrik "Monetäre Statistik" im jeweiligen Monatsbericht der EZB.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldmenge, reale (real money supply):

In der Sprache der Zentralbanken das noch nicht verausgabte Geld im Besitz der Wirtschaftssubjekte.

– Siehe Ausgabenbeschränkung, öffentliche, Staatsschatz, Zwischenparken.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldmengenaggregate (aggregated money supply):

In der Definition der EZB die geldlichen Verbindlichkeiten der monetären Finanzinstitute (MFIs) und der Zentralstaaten gegenüber den im Euro-Währungsgebiet ansässigen nicht-MFIs.

– Vgl. die Grössen im Einzelnen im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Monetäre Entwicklungen, Banken und Investmentfonds" des jeweiligen Monatsberichts der EZB, dort auch die "Erläuterungen" an Ende des Tabellenteils beachten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldmengen-Fetischismus (money supply fetishism):

Verbreitete, abschätzige Bezeichnung für die Ansicht, der Geldwert hänge ganz allein von der Geldmenge ab (quantity theory of money in a narrow sense; strikte Quantitätstheorie). Bei einer Inflation spielen erfahrungsgemäss (as experience teaches) immer auch noch andere Grössen eine Rolle, wie vor allem die Kapazitätsauslastung (capacity utilisation: extent to which the productive capacity of a country is being used in generation of merchandises and services), die Lohnbildung, die Rohstoffpreise, die Wechselkurse, das Sparen und Ausgabeverhalten der Privathaushalte sowie nicht zuletzt die Erwartungen der Wirtschaftssubjekte.

– Siehe Kerninflation, Potentialwachstum, Zwei-Säulen-Prinzip.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldmengenwachstum (money supply change):

Die Veränderung der Geldmenge innert eines Währungsraumes während eines zugrunde gelegten Zeitabschnitts.

– Siehe Geldüberhang.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Dezember 2001, S. 11 f., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2004, S. 17 (wegen der Schwierigkeiten in Modellen der Geldpolitik), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2005, S. 15 ff. (Zusammenhang zwischen Geldmenge und Preisniveau), Monatsbericht der EZB vom Juli 2007, S. 57 ff. (Geldmengenentwicklung seit 2004; Aufgliederung des Geldmengenwachstums; Übersichten), Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2007, S. 15 ff. (verschiedene Gründe; Immobilienpreise), Monatsbericht der EZB vom November 2010, S. 91 ff. (es besteht eine auch empirische gesicherte Beziehung zwischen Geldmengenwachstum und Inflation), Monatsbericht der EZB vom Januar 2012, S. 20 ff. (Geldmengenwachstum und Unsicherheit; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Februar 2012, S. 77 ff. (Geldmengenwachstum nach Finanzkrisen historisch betrachtet; ausführliche Darlegungen; viele Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2013, S. 49 ff. (Unterschiede im Geldmengenwachstum innert des Eurogebiets; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldmittel (money, funds):

Umgangssprachlicher, inhaltlich schwer abzugrenzender Begriff in der Bedeutung

1. Geld,

2. finanzielle Vermögenswerte (monetary assets),

3. Finanzkraft (financial power).

– Siehe Finanzvermögen, Gelder, Geldvermögen, Kapital, Liquidität, Mittel, Reichtum, Summe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldmulde und Geldkuhle (money pit):

Eine Öffnung im Fussboden oder in der Wand, wo Zahlungsmittel im häuslichen Bereich - vor allem der ländlichen Bevölkerung - diebessicher aufbewahrt werden (a hole in domestic floor or wall in which money is hidden thief-proof).

– Siehe Geldjeans, Matratzengeld, Sparstrumpf.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldmund und Goldmund (money mouth):

1 Jemand, der gegen Bezahlung was auch immer öffentlich von sich gibt (someone who tells whatsoever for money).

2 Ein Mensch, der am liebsten mit anderen über Geld redet (somebody typically lost in money talks).

3 Eine Person mit auffällig viel Gold und/oder Diamanten in den Zähnen (a person having a lot of gold and/or diamonds in ones mouth). Derartiger Gebissschmuck galt früher weithin als chic. Er wurde aber nach dem Ersten Weltkrieg und erst recht nach dem Zweiten Weltkrieg verpönt; nicht zuletzt wohl deshalb, weil man Kriegsgefangenen und missliebigen Personen die Goldzähne roh aus dem Mund schlug.

– Siehe Geldhut, Gebissinvestition.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldnachfrage, Einkommenselastizität der (income elasticity of money demand):

Um wieviel Prozent verändert sich die Nachfrage nach (Bar)Geld, wenn das Einkommen um einen Prozent steigt oder fällt. Bezugsgrösse ist entweder das Volkseinkommen oder das den Privathaushalten zugeflossene Einkommen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldnachfrage-Theorie (theory of money demand):

In der Volkswirtschaftslehre werden Geld und Kredit (credit; Kredit dann Oberbegriff für alle handelbaren Titel) grundsätzlich als in gegenseitigem Wettbewerb stehende Formen (competing forms) der Vermögensanlage gesehen. Jede Überschussnachfrage nach Geld ist gleichbedeutend mit einem Angebotsüberhang an Titeln - also einer Überschussnachfrage nach Kredit - und umgekehrt.

– Siehe Ausgangstatsache, ökonomische, Endogenitäts-Prinzip Geldfunktionen, primäre, Geldmenge, Geldüberversorgung, Inflation.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2008, S. 45 f. (Geldnachfrage-Funktionen; Literaturhinweise), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2011, S. 67 ff. (Geldangebot und Geldnachfrage in Abhängigkeit zur wirtschaftlichen Lage; viel Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldneutralität, langfristige (long-run neutrality of money):

Die Ansicht, dass eine Änderung der Geldmenge letztlich ja bloss eine Änderung des Masstabes bedeute, welchen das Geld als Recheneinheit - also als Masstab zur Bewertung von Gütern - bietet. Dauerhafte direkte Veränderungen von Produktion und Beschäftigung gingen davon jedoch grundsätzlich nicht aus. Diese Meinung ist zweifelsfrei empirisch widerlegt (falsified = contradicted by facts).

– Siehe Geld, neutrales, Geldwertanpassungskosten, Geldfunktionen, Geldschleier, Geldwertstabilität, Inflation, Lug-und-Trug These, Menükosten, Money-matters-Theorem.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldnutzen (cash utility):

Wenn nicht anders definiert der Vorteil, der aus der Haltung von Bargeld fliesst. Dieser wird auf der Ebene der Privathaushalte vor allem darin gesehen, dass man

1. unerwartet auftretende Kaufgelegenheiten ("Schnäppchen"; bargain buy) sofort wahrnehmen kann und

2. sich allgemein vor einer Zahlungsklemme (payment difficulties) absichert. In dem Masse, wie Geldkarten das Bargeld ersetzen, verliert jedoch der so verstandene Geldnutzen an Bedeutung.

– Siehe Abwartehaltung, Attentismus, Erwartungen, Eventual-Kasse, Idle Money, Liquiditätsformen, Minderschätzung künftiger Bedürfnisse, Transaktionskasse.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldpassage und Cashabschnitt (money lane):

Bei Busverkehrsunternehmen die Teil-strecken im Netz, bei welchen die meisten barzahlenden Fahrgäste einsteigen (the streets of bus return-journeys where most of passengers board the bus paying cash). Weil in diesen Abschnitten der Fahrstrecke jedoch die Busfahrer durch das - im allgemeinen bei Busfahrern unbeliebte - Ausdrucken der Tickets und Einkassierung des Geldes oft weit über die fahrplanmässig einberechnete Zeit (in excess of the scheduled time) aufgehalten würden, leitet man auf den typischen, meist in innerstädtischen Bereichen gelegenen Geldpassagen mehrere Linien durch; auch wenn diese in Bezug auf Start und Ziel einen Umweg fahren. Bei Stadtbussen (city omnibuses) steigt die Zahl der mit Zeitkarten (season ticket, commutation ticket, transit pass) bezahlenden Fahrgäste mit der Nähe zum Zielort (Endhaltestelle; terminus, final stop) an, während die Auslastung sinkt.

– Siehe Barzahlung, Chipkarte, Fahrgeld, Geldbörse, elektronische, Geldkarte, Karte multifunktionale, Ticketing, electronic.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldphilosophie (philosophy of money):

Lehrgebäude welches versucht, die Wirkungen des Geldes auf die "innere Welt", nämlich auf das Lebensgefühl der Personen, die Verkettung ihrer Schicksale und auf die allgemeine Lebensweise der Menschheit auf allen Gebieten (ihre "Kultur": the set of shared attitudes, values, goals, and practices that characterises an institution, organisation, or group) zu ergründen. Bedeutender Vertreter ist Georg Simmel (1858-1918), dessen gedankentiefe "Philosophie des Geldes" - 1900 erstmals erschienen; seitdem viele Neuauflagen - freilich für der lateinischen Sprache Unkundige ohne ein gutes Fremdwörterbuch nur schwer zu verstehen ist.

– Siehe Actus-purus-Grundsatz, Argyromanie, Allmacht-Doktrin, Äquivalenzprinzip, Ausgangstatsache, ökonomische, Chremagogik, Chremaphobie, Chrematonomie, Geiz, Geldabschaffung, Geldbewusstsein, Geldethik, Geldpsychologie, Geldrechenhaftigkeit, Geldstolz, Geldtheorie, Habsucht, Mammonismus, Misochrematie, Pantheismus, monetärer, Sparsamkeit, Sparsamkeitsregel, Symboltheorie, Ungüter.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldpolitik (monetary policy):

1 Oberbegriff für alle Massnahmen zur Anpassung der Geldnachfrage an das Geldangebot.

2 Das Vorgehen der Zentralbank, um dieses Ziel zu verfolgen; genauer:

1. um die Masstabeigenschaft des Geldes als der wichtigsten Voraussetzung eines gedeihlichen Verlaufs der modernen gesellschaftlichen - nicht nur der ökonomischen! - Wechselbeziehungen (social interaction) auf Dauer zu gewährleisten sowie

2. den störungsfreien Zahlungsverkehr zu sichern. Geldpolitik wirkt in erster Linie durch Banken und durch Märkte.

– Geldpolitik kann durch Finanzpolitik konterkariert werden; daher bedarf es einer Abstimmung beider Politikbereiche. Andererseits kann ein eintretendes systemisches Risiko, wie beispielsweise die Subprime-Krise und die auf sie folgende Finanzkrise, die Geldpolitik erheblich hindern und den üblichen monetären Transmissionsmechanismus unwirksam werden lassen.

– Siehe Aktivismus, zentralbankpolitischer, Ausrichtung, einzielige, Banknoten-Wertbeschränkung, Codewörter, Demographieverfestigung, Eckdaten, makroökonomische, Ecofin-Rat, Elisabeth-Frage, Falke, Geld, sittliches, Geldmarkt-Operationen, Geldmarkt-Segmente, Geldmarkt-Volatilität, Glaubwürdigkeits-Paradoxon, Gleichgewichtsmodelle, dynamisch-stochastische, Haushaltsdefizit, Jackson Hole-Konsens, Kobra-Effekt, Martin-Prinzip, Mittelfristig, Modelle, geldpolitische, Nominalwertprinzip, Politik des offenen Mundes, Signalwirkung, Sparsamkeitsregel. Staatsverschuldungs-Druck, Stabilitäts- und Wachstumspakt, VAR-Modell, Unschärfe, konstruktive, Verfassungsartikel eins, Wachstum-Schulden-Tatsache, geschichtliche, Zahlungssystem, Zentralbank, Zentralbank-Reputation, Zinsglättung, Zinskanal, Zuwanderung, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2001, S. 59 ff., Jahresbericht 2003 der EZB, S. 16 ff. (Grundsätzliches), Monatsbericht der EZB vom November 2008 (Geldpolitik der EZB und Unterschiede in den einzelnen Mitgliedsländern: vier Aussagen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2010, S. 30 ff. (Zielgrössen der Geldpolitik: ausführliche Darstellung; Übersichten, Literaturverweise), Monatsbericht der EZB vom Mai 2010, S. 95 ff. (geldpolitische Transmission im Eurogebiet; Übersichten; Literaturhinweise), Monatsbericht der EZB vom November 2010, S. 91 ff. (verbesserte Instrumente der Geldpolitik; viele Übersichten; Literaturhinweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2011, S. 69 ff. (Zusammenfassung der Ergebnisse einer Fachkonferenz), Monatsbericht der EZB vom Januar 2014, S. 75 ff. (ausführliche Darstellung der Liquiditätssteuerung durch die EZB; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldpolitik, vorausschauende (forward-looking monetary policy):

Massnahmen der Zentralbank müssen in jedem Falle Wirkungsverzögerungen (lags) aller Art im Auge haben. Daher darf eine Zentralbank bei ihren Entscheidungen nie allein die gegenwärtige Lage berücksichtigen, was ihr dann augenblicklich oftmals Kritik einbringt. - Das heisst aber auch, dass eine Zentralbank nicht auf kurzfristige Schocks, wie etwa ein Ansteigen der Preise für Importgüter, reagieren kann, und mithin bei bestimmten Sachlagen auch kurzfristig einen gewissen Grad von Inflation zulassen muss.

– Siehe Anweisungen, geldpolitische, Ausrichtung, stabilitätsorientierte, Basislinie, Codewörter, Datenunsicherheit, Erdölpreis, Gleichgewichtsmodelle, dynamisch-stochastische, Hurrikan-Schocks, Inflation, Katastrophenrisiko, Kobra-Effekt, Long-Lag-Theorie, Mittelfristig, Pandemie, Prognoseproblem, geldpolitisches, Schocks, strukturelle, Strukturunsicherheit, Worst Case Scenario, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2004, S. 15 ff., Monatsbericht der EZB vom Mai 2013, S. 77 (Grundsatzartikel zur Verlässlichkeit gesamtwirtschaftlicher Projektionen; viele Übersichten; Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldpolitik ohne Geld (overall-trend based monetary policy):

Umstrittene Forderung an die Zentralbank, sie solle sich bei ihrer Politik allein oder doch überwiegend (mainly, predominantly) auf gesamtwirtschaftliche Untersuchungen stützen statt auf Geldmenge und Ausleihungen.

– Siehe Ausrichtung, einzielige, Geldneutralität, langfristige, Geldschleier, Inflation Targeting, Quantitative Easing, Preisniveausteuerung, Zwei-Säulen-Prinzip.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldpolitischer Ausschuss (Monetary Policy Committee, MPC):

Gremium des ESZB mit dem Ziel, die aktuellen und längerfristigen Fragen der Geldpolitik des ESZB zu untersuchen und entsprechende Vorschläge an den (erweiterten) EZB-Rat weiterzugeben.

– Vgl. Geschäftsbericht der Deutschen Bundesbank 2001, S. 145.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldpool (money pool):

Wenn nicht anders definiert eine Gruppe von Banken, die - vor allem in Krisenzeiten - zur Geldbeschaffung für Börsenmakler gebildet wird.

– Siehe Kursmakler, , Skontroführer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldpressung (money squeeze):

In der älteren Literatur häufig gebrauchter Begriff für Geldknappheit, Geldklemme.

– Siehe Finanznot, Geldüberhang, Geldmarkt-Operationen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldprotz[er], Geldprahler und Geldsnob (money boaster, money plug):

Jemand, der ständig den Wert seines Besitzes austrompetet und die Gesprächspartner unerbeten wissen lässt, was seine Uhr, seine Kleidung, seine Möbel usw. gekostet haben (a female, less frequent a male, who tries to insert the money value of her/his possessions at every possible opportunity).

– Siehe Geldheini, Geldhut, Geldleute, Geldsack, Parvenu, Verbraucher, geltungssüchtiger.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldpsychologie (monetary psychology):

Als Wissenschaft die Summe der Erkenntnisse darüber, wie sich

1. einzelne Personen und

2. Personengruppen - eingeschlossen hierbei auch ganze Völker - in Bezug auf den Umgang mit dem Geld verhalten.

– Siehe Argyromanie, Bankenmacht, Banknoten-Wertbeschränkung, Chremagogik, Chrematonomie, Europhobie, Exotikomanie, Financial Engineering, Finanzkapital, Finanzsodomit, Geldbewusstsein, Geldbezeichnungen, volkstümliche deutschsprachige, Geldethik, Geldphilosophie, Geldrechenhaftigkeit, Geldstolz, Geldsoziologie, Geldtheologie, Geldzweck, Inkontinenz, finanzielle, Kobra-Effekt, Misochrematie Packungs-Effekt, Schmuckgeld, Verschwörungstheorien.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldquetscher, Knicker, Pfennigfuchser und Abzwacker (money bitch, skinflint):

Jemand, der Schuldnern gegenüber keine Nachsicht kennt und auf pünktliche Einhaltung der Zahlung drängt, seinerseits aber seine Geldgeber mit Einreden hinhält (someone who is obsessed with how much money people owe him, and flips out if someone does not pay him back in time, but on his part will hardly pay money back to others, typically claiming that they owe him something).

– Siehe Argyromanie, Chrematonomie, Chrysokratie, Geiz, Geldhai, Geldraffer, Geldversessenheit, Harpax, Kalmäuser, Mammonismus.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldraffer und Geldscheffler (money badger, money grubber):

Eine Person oder Entität, deren Streben unentwegt auf den Erwerb von Reichtum gerichtet ist (an individual or an entity driven solely by pursuit of money). In der Regel wird dem Wort auch die Nebenbedeutung zugelegt, dass die Jagd nach Geld mit unredlichen Mitteln geschieht.

– Siehe Argyromanie, Allmacht-Doktrin, Chremagogik, Chrematonomie, Chrysokratie, Geiz, Geldabschaffung, Geldbewusstsein, Geldethik, Geldhai, Geldpsychologie, Geldquetscher, Geldrechenhaftigkeit, Geldschröpfer, Geldstolz, Geldversessenheit, Grosskoz, Habsucht, Harpax, Mammonismus, Misochrematie, Pantheismus, monetärer, Polyplusius, Reichtum, Symboltheorie, Ungüter.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldrechenhaftigkeit (valuation in money):

1 Der Umstand, dass (fast) alle menschlichen Handlungen knappe Mittel (limited resources) verbrauchen, die in Geld bemessen werden (müssen). - Auch alles sog. Kulturschaffen (cultural work[s]) steht unter diesem Zwang; denn ob ein Konzert oder ein Gottesdienst: immer müssen Faktorleistungen bereitgestellt und in Geld bewertet sowie auch entlohnt, bezahlt werden.

2 In negativer Bedeutung die Neigung, dass jedes Ding, ganz gleich ob Sache oder Lebewesen - einschliesslich Mensch -, ausschliesslich nach seiner ökonomischen Zweckdienlichkeit (economic instrumentality) eingeschätzt und diese in Geld beziffert wird. Der Begriff spielt in diesem Sinne vor allem in der (früh)sozialistischen Anklageliteratur (accusatory literature) gegen marktgesteuerte ("profitstrebige") Wirtschaftsweise (marked-based economy) eine Rolle.

– Siehe Actus-purus-Grundsatz, Allmacht-Doktrin, Äquivalenzprinzip, Argyromanie, Chremagogik, Chremaphobie, Chrematonomie, Finanzialisierung, Geiz, Geld, sittliches, Geldabschaffung, Geldethik, Geldglaube, Geldquetscher, Geldraffer, Geldphilosophie, Geldwirtschaft, Geldzweck, Habsucht, Kapitalist, Mammonismus, Misochrematie, Pantheismus, monetärer, Sparsamkeit, Symboltheorie, Ungüter, Verkehrsunfall.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldrefusion (refusing of legal tender):

Die Verweigerung des durch die Rechtsordnung aufgrund einer Begültigung mit Annahmezwang versehenen Geldes.

– Siehe Annahmezwang, Geheimgeld, Geldeingentumsrecht, Geldvertrauen, Kapitalflucht, Nebenwährung, Zahlungsmittel, Zentralbankgeld, Zigarettenwährung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldrolle und Rollgeld (money cone):

Papierene Hülle, mit der loses Kleingeld umwickelt wird (a cone made from plain paper to hold loose change). - Bankbetrieblich ist das Papier in der Regel durch entsprechende Farbgebung auf die jeweiligen Münzen zugeschnitten und wird an Kunden aus dem Handel als Wechselgeld abgegeben.

– Siehe Frontloading.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldsack (money bag; fat cat):

1 Aus besonders widerstandsfähigem, biegsamem Material hergestellter grosser Beutel, in dem früher bei der Post und teilweise heute noch von Bargeldbearbeitern Geldscheine befördert werden (large bag of flexible material for transporting paper money, commonly used in cash handling business).

2 Eine - in der Regel männliche - vermögende Person, die ausser durch Reichtum kaum durch einen angenehmen Charakter oder förderliches Tun hervorsticht (a wealthy male individual with the connotation of moderate character and reluctant to do anything benefiting for fellow men).

– Siehe Geldgockel, Geldhahn, Geldheini, Geldprotz[er], Geldschatz, Parvenu.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldsaiten (money strings, money chords, money frets):

Bei einer Guitarre die über die üblichen zwölf Saiten hinausgehenden Stränge (any string higher than the twelfth string on a guitar). Die Bezeichnung soll daher kommen, dass Künstler mit einer auf solcherart erweiterten Klangmöglichkeit bei Konzerten mehr Einnahmen erzielen können.

– Siehe Musikgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldsatz (money rate):

1 Im weiten Sinne der Preis, zu dem jedwelche Zahlungsmittel auf dem Markt gehandelt werden: der Zinssatz.

2 Der Zinssatz, zu dem die Zentralbank den Instituten ihr Monopolgeld zur Verfügung stellt.

3 Der für kurzfristige Ausleihungen geltende Marktzins (the interest rate on a loan with a maturity of several days to just under a year). Die jeweiligen Preise werden im Teil "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Finanzmärkte" des jeweiligen Monatsberichts der EZB ausgewiesen und teilweise mit den entsprechenden Sätzen in den USA und Japan verglichen.

– Siehe Barmittel, Flüssigmachung, Geldmarkt-Sätze, Geldmarkt-Segmente, Liquidität, Liquiditätsbereitstellung, Liquiditäts-Koeffizient, Liquiditätsprämien-Theorie, Liquiditätsquote, Zentralbankgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldsauger (moneysucker, money exsanguinator, moneysquito):

Umgangssprachlich eine Person oder Entität, die einem Menschen statt Blut sein Geld absaugt (a human mosquito that sucks money instead of blood).

– Siehe Beschores, Cold Calling, Dampfstube, Darkrooming, Finanzgeier, Geldkirche, Geldschröpfer, Kapitalmarkt, grauer, Lug-und-Trug These, Nassgewinn, Parallel Banking, Pump and Dump, Rebbes, Underground Banking.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldschatz (hoard of money; money honey):

1 Angehäuftes Vermögen in Form von Bargeld oder Münzen aus Edelmetall.

2 Eine Person, die - aus welchen Gründen auch immer - keine Zuneigung und Liebe erfährt, und die dieses Fehlen durch reichliches Geldausgeben auszugleichen sucht (an individual who has money but no love in life; the only option seems to spend much money in order to be happy).

– Siehe Geldgockel, Geldmulde, Geldprotz, Geldtussi, Ingeld, Larghezza, Matzratzengeld, Reichtum, Sparstrumpf.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldschleier (money veil):

Die von einigen Klassikern der Nationalökonomik vertretene Auffassung, dass Geldgrössen lediglich reale wirtschaftliche Vorgänge abbilden. Man kann deshalb bedenkenlos diesen Schleier wegziehen, um den dahinterliegenden Kern der Abläufe (heart of the matter) zu erkennen, nämlich der tatsächlichen ökonomischen Tauschakte (economic transactions in reality). - Unterstellt wird hierbei, dass die Masstab-Eigenschaft des Geldes nach innen und aussen unverändert bleibt, was im grossen und ganzen für die Goldwährung früherer Zeit auch zutraf. Heute wirken sich Veränderung der Geldmenge oder Änderung der Wechselkurse jedoch unmittelbar auf den dinglichen Wirtschaftsprozess in vielfältiger Weise aus.

– Siehe Erdölpreis, Erwartungen, Geld, neutrales, Geld¬politik ohne Geld, Geldneutralität, langfristige, Money-matters-Theorem, Papierwährung, reine, Währung, Wechselkurs.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2010, S. 101 f. (Geldmenge ist für die makroökonomische Dynamik mitentscheidend).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldschlucker und Kostenfresser (money guzzler):

Ein Gegenstand im Besitz einer Person oder eines Privathaushalts, der ständig auf's neue Ausgaben erfordert (an item of property as a house or automobile that persistently swallows up money). In Bezug auf ein Unternehmen spricht man in diesem Falle eher von einem Geldgrab.

– Siehe Geldverbrennung, Geldverprass, Kopf-in-den-Sand-Verhalten, Verlustfalle.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldschnitt und Ausgabenkürzung (money cut, money hack):

In Bezug auf eine Privatperson der Entschluss und die beharrliche Durchführung, die Ausgaben einzuschränken (the firm resolution and persistent performance to reduce the amount of money one spends. A money hack is something such as changing car insurance to a low-priced plan, drinking tap water as opposed to bottled water, smoking only forty cigarettes instead of sixty every day [to hell with sin tax!], as a drug user halve the intake, eating out less and so on).

– Siehe Geldklemme, Geldsparverhalten, Sparen, Sparwut.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldschoner und Geldsparer (money saver):

Im Privathaushalt, in öffentlichen Stellen oder in einem Unternehmen eine kostensparende Anschaffung oder Umstellung bestehender Einrichtungen (all that helps to spend less money), wie etwa die Einführung stromsparender Geräte (energy-saving sets and devices).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldschöpfung (money creation):

Allgemein die Vermehrung der Geldmenge. Sie vollzieht sich dadurch, dass

1. Banken ihren Kunden Darlehn gewähren; denn hierdurch entstehen neue Forderungen und Verbindlichkeiten;

2. die Zentralbank den Banken unter gewissen Bedingungen Geld zur Verfügung stellt, auch über den Weg des Ankaufs von Devisen.

– Dem beständigen Vorgang der Geldschöpfung entspricht ein ebenso laufender Prozess des Verschwindens von Geld durch Rückzahlung von Krediten und Verkauf von Devisen. - Die im Wesentlichen durch das Kreditgeschäft der Banken entstandenen Guthaben des Publikums bei den Kreditinstituten stellt den bedeutsamsten Teil des Geldvolumens dar. Demgemäss vollzieht sich der Zahlungsverkehr den Beträgen nach grösstenteils durch Umbuchung auf Sichtkonten der Banken.

– Siehe Aggregate, monetäre, Fachbankensystem, Geldmarkt-Operationen, Geldschöpfungssektor, Kreditgeld, Liquiditätsposition, Mindestreserve-Soll.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Oktober 2011, S. 73 ff. (Verhalten der Banken im Verlauf der Konjunkturzyklen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldschöpfungssektor (creation of money sector):

In der EZB-Statistik alle Monetären Finanzinstitute. Sie umfassen die

1 Zentralbanken,

2 die Kreditinstitute im Sinne des EU-Gemeinschaftsrechts sowie

3 alle anderen gebietsansässigen Finanzinstitute, deren wirtschaftliche Tätigkeit darin besteht, – Einlagen bzw. Einlagen-Substitute von anderen Wirtschaftssubjekten als MFIs entgegenzunehmen, – auf eigene Rechnung Kredite zu gewähren und/oder – in Wertpapiere zu investieren; vor allem: Geldmarktfonds.

– Siehe Aggregate, monetäre, Finanzinstitut, monetäres.

– Vgl. den Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets" im jeweiligen Monatsbericht der EZB, Rubrik "Monetäre Entwicklungen, Banken und Investmentfonds".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldschöpfungswilligkeit (willingness of bank money creation):

Die Neigung der Banken, ihren Kunden Darlehn einzuräumen. Diese hängt im Wesentlichen ab

1. von der Spanne zwischen Habenzins (credit interest; Zinssatz, den die Bank dem Einleger zahlen muss) und Sollzins (borrowing rate; Zinsen, welche die Bank für Darlehn erhält) sowie

2. vom Zinsniveau gesamthaft und

3. der Refinanzierungspolitik der Zentralbank.

– Niedrige Zinsen mindern CETERIS PARIBUS das Interesse der Banken, ihren Kunden Darlehn zu gewähren.

– Siehe Anbindungsfunktion, Mindestreserve-Pflicht, Niedrigzinspolitik, Zinsberechnung, Zinsdifferenz.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Oktober 2011, S. 67 ff. (Abhängigkeit auch von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldschrank, auch Kassenschrank, Panzerschrank und Tresor (strong-box, safe):

Eine diebessichere, verschliessbare Stahlkammer zur Aufbewahrung (safeguarding; Kassetierung) von Zahlungsmitteln und Wertsachen (a specially designed, strongly made, lockable box or trunk for safeguarding valuables, as money, jewels, or documents).

– Siehe Tresorboom.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldschröpfer (money wrangler, hustler):

Umgangssprachlich gesagt von einem Unternehmen - und im Besonderen in der Telekommunikationsbranche, aber auch im Finanzbereich, - das durch Lockpreise und undurchsichtige Geschäftsbedingungen (opaque general conditions) den Kunden das Geld aus der Tasche zieht (a company, generally large, that has found innumerable ways to fleece its clients).

– Siehe Agiotage, Beschores, Cold Calling, Daimonion, Finanzgeier, Geldsauger, Hohlgewinn, Nassgewinn, Schattenbankbereich, Schmu, Underground Banking.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldsektor (monetary sector, financial sector):

1 Unternehmen (Banken) und Einrichtungen (wie Börsen, Zahlungsverkehrssysteme, Zentralbanken, Aufsichtsbehörden), welche den Geldfluss innert einer Volkswirtschaft und weltweit organisieren bzw.

2 Weiter gefasst wird auch die Versicherungswirtschaft einbezogen, also alle, die vorwiegend direkt mit Geld arbeiten; oft gebraucht im Gegensatz zum produzierenden Gewerbe (manufacturing industry).

– Siehe Finanzdienstleistungsinstitute, Finanzinstitut, monetäres, Finanzsektor, Geldleute, Geldwirtschaft, Institut, Internetbank, Kreditinstitut, Markteintrittskosten, Single European Payment Area.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldsendung (cash remittance):

Das Verschicken von Bargeld an einen Zahlungsempfänger, früher regelmässig durch den Postdienst. - Aufgrund der Tatsache, dass heute auch fast alle Privathaushalte in den Industriestaaten über ein Konto bei einem Institut verfügen, hat der bargeldlose Überweisungsverkehr (cashless payment transactions) die Geldsendungen weithin ersetzt. Spezialisierte Werttransportunternehmen (security transport companies) in Deutschland bieten freilich auch jetzt noch die Lieferung von Bargeld durch Boten an Privathaushalte und Unternehmen an.

– Siehe Banknoten-Wertbeschränkung, Geldbrief, Geldtransferverordnung. Geldtransport-Dienstleister, Hawala, Unbanked, Underground Banking.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldsparverhalten und Ausgaben-Minimierung (money saving tactics, moneymalism):

In Bezug auf Privathaushalte gesagt für eine einfache, bescheidene und kostenbewusste Lebensführung, unter Verzicht auf jederart überflüssige Käufe (a style of living by spending least money, using only things which are purposeful and really necessary for live and avoiding to devote money for luxury items. "Moneymalism" was the title of a bestseller in the money management category, published in 2011).

– Siehe Geldschnitt, Inkontinenz, finanzielle, Sparen Ungüter.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldsockel und Finanzsockel (money bed):

Wenn nicht anders definiert eine grössere Summe als Unterbau und Voraussetzung für vorgesehene Operationen am Markt, im Besonderen in Zusammenhang mit Fusionen und Übernahmen (a large budget for a specific purpose, especially in the context of acquisitions).

– Siehe Barofferte, Blitzkrieg-Übernahmeangebot, Greenmail, Handgeld, Kriegskasse, Raider, Übernahme-Angebot, Überraschungsangriff.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldsoziologie und Finanzsoziologie (monetary sociology):

Lehre von den Wirkungen des Geldes auf das gesellschaftliche Zusammenspiel (social interaction) innert der Kleingruppen und Grossgruppen.

– Siehe Chrematonomie, Geldphilosophie, Geldpsychologie, Geldstolz, Geldtheologie, Geldtheorie Habsucht, Kobra-Effekt, Misochrematie, Numismatographie, Schmuckgeld, Sparsamkeit, Systematomanie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldspritze und Finanzspitze (money injection, money syringe, money jab):

Die in der Regel einmalige Zuleitung von Mitteln an eine Person oder in ein Unternehmen, um eine Finanznot abzuwenden.

– Siehe Geldklemme, Insolvenz, Insolvenzkosten, Liquidität, Manifestierung, Notlage, finanzielle, Sanierung, Solvenz, Verzug, Vulture Fund.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldstein (money stone weight):

Im Altertum ein Stein, dessen Gewicht jeweils genau dem Sollgewicht (target weight) einer bestimmten, im Umlauf befindlichen Münze entsprach. Man trug die einzelnen Steine in der Regel in einer Gürteltasche (belt bag, body waist bag) bei sich und bediente sich ihrer, um die bei einem Geschäft angebotenen Geldstücke abzuwiegen.

– Siehe Geldgürtel, Goldwaage.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldstolz (purse-pride):

Die Selbstzuschreibung persönlicher Vorzüge nur aufgrund der Tatsache, dass die betreffende Person über reichlich Geld oder Vermögen verfügt. Damit verbunden ist immer auch eine Geringschätzung anderer Menschen. - Von der frühsozialistischen und marxistischen Anklageliteratur (accusatory literature) gegen die Geldwirtschaft wurde wiederholt behauptet, dass im Geld selbst eine zwingende Notwendigkeit zur Herausbildung von Geldstolz liege, und dass vor allem die im Geldsektor Beschäftigten daher charakterlich gefährdet seien. Auch aus diesem Grund müsse das Geld abgeschafft und der Tauschverkehr durch Amtswalter des Volkes besorgt werden, nämlich durch Funktionäre der sozialistischen Partei, der Vorhut und des Wegbereiters, der Avantgarde auf dem Weg in die goldene Zukunft der Menschheit - auch gegen den Widerstand Ewiggestriger (old-world protectionists, backward fundamentalists, reactionaries: they should be given the time and opportunity to accept the new sense of being in socialistic re-education camps).

– Siehe Actus-purus-Grundsatz, Argyromanie, Chremagogik, Chrematonomie, Geiz, Geldabschaffung, Geldethik, Geldheini, Geldquetscher, Geldraffer, Geldphilosophie, Geldprotz[er], Geldrechenhaftigkeit, Geldverkettung, Geldsoziologie, Geldzweck, Mammonismus, Misochrematie, Regionalgeld, Schmuckgeld, Sparsamkeit, Tausch-Gutschein, Ungüter.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldstrafe in älteren Dokumenten auch Gewette (monetary penalty, fine):

Allgemein die von einem Gericht oder einer zuständigen Behörde nach gesetzlichen Vorschriften einem Einzelnen, einer Personengruppe oder einem Unternehmen auferlegte und in die jeweilige öffentliche Kasse fliessende Zahlung; im Unterschied zu dem an einen Geschädigten zu zahlenden Bussgeld.

– Siehe Friedensgeld, Sühnegeld, Zwangsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldsurrogate (substitutes of money):

1 Zahlungsmittel die, wenngleich sie nicht Geld im engeren Sinne (Bargeld; ready money, money proper: coins and notes) sind, gleichwohl im Geschäftsverkehr weithin wie Geld verwendet werden. Im Allgemeinen sind dies heute Karten, Schecks und Wechsel.

2 Notgeld, nämlich Münzen und Scheine, das ersatzweise von Städten, Kreisen, Provinzen und anderen öffentlich-rechtlichen Körperschaften, sogar auch von Banken und Firmen, in ausserordentlichen Zeiten wie gelegentlich einer Hyperinflation ausgegeben wird.

– Siehe Banknoten-Wertbeschränkung, Geldmangel, Behelfsgeldschein, Ersatzgeld, Ersatzmünzen, Gutschein, Kassenschein, Kompaniebillet, Nebenwährung, Notgeld, Tausch-Gutschein.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldtempel (money temple):

Umgangssprachlich - und bei geldkritischen, wiewohl meistens persönlich geldgierigen Schreiberlingen - verächtlich gesagt für eine Bank (a bank where people go to get money and worship it). Mit ihren zumindest früher tempelähnlichen Schalterhallen glichen manche Banken tatsächlich auch architektonisch häufig genug einem Dom.

– Siehe Bankgewerbe, Geldhaus, Institut.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldtheologie und Finanztheologie (monetary theology):

1 Allgemein der Finanzsektor der Wirtschaft und Gesellschaft als spezieller Teil im Erkenntnisgegenstand der theologischen Wissenschaft.

2 Im Besonderen

1. die Pastoraltheologie (pastoral theology). Diese versucht Anleitungen dafür zu bieten, wie der Umgang mit Geld im Lichte des von der Religion vorgegebenen Lebenszweckes vom einzelnen gestaltet werden sollte; sie gilt als spezielle, auf das letzte Ziel des Menschen ausgerichtete Form der Geldethik,

2. die Pastoralökonomie (pastoral cost management, which is usually regarded as a part of pastoral theology, sometimes, however, it is recognised as a part of business administration). Gefragt wird hier nach dem wirtschaftlichen Verbrauch knapper Ressourcen bei sämtlichen seelsorgerlichen Handlungen, sowie

3. die Exegese (exegesis: critical explanation and interpretation of a text), und hier im Besonderen die Erforschung des Sinngehalts der auf Geld und Reichtum bezüglicher Aussagen in den Grundquellen der Religion (Bibel, Koran). Je weiter nämlich Geschriebenes zeitlich und örtlich dem Leser ferngerückt ist, desto fremdartiger wird es durch seine Sprachlichkeit und Vorstellungswelt. Infolgedessen bedarf es einer fachmännischen Deutung des Sinnes, welchen der Verfasser in die einzelnen Sätze, Ausdrücke und Redeteile - oft gar aus einer heute nicht mehr gesprochenen Sprache - hineingelegt hat. Das gilt besonders auch für den Koran und die Bibel. Beide erscheinen unleugbar durch die sprachliche Eigenheit und aufgrund der antik-orientalische Anschauungsweise dem modernen Denken fremd. Aussagen wie "Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr als ein Reicher ins Himmelreich" (Luk 18, 25) bedürfen daher einer Deutung durch den auf diesem Gebiet kundigen Theologen.

– Siehe Chremagogik, Geldethik, Geldphilosophie, Geldsoziologie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldtheorie (monetary theory):

Zweiggebiet (section) der Volkswirtschaftslehre (economics), das die Erforschung aller mit Zahlungsmitteln zusammenhängenden Fragen zum Gegenstand hat. In diesem sehr weiten Sinn schliesst die Geldtheorie auch die Geldpsychologie und Geldsoziologie ein.

– Siehe Chremagogik, Geldethik, Geldkunde, Kontorwissenschaft, Sparsamkeitsregel, Systematomanie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldtransfer-Vermittler (money transfer operator, MTO):

In Zusammenhang mit Heimatüberweisungen ein Dienstleister, welcher die Zustellung des für die Familien in der Heimat bestimmten Geldes von Migranten - im Regelfall in der betreffenden Landeswährung - übernimmt. Weder über genauen Umfang noch über die Usancen in diesem Geschäft liegen derzeit verlässliche Angaben vor, wiewohl sich internationale Organisationen - vor allem die Weltbank -, nationale Zentralbanken und die Aufsichtsbehörden um Transparenz bemühten.

– Siehe Geheimtip, Geldsendung, Geldtransferverordnung. Geldwäsche, Ghettobanking, Hawala, Inkasso-Stelle, Kundendaten-Informationspflicht, Parallel Banking, Remittance Services, Schattenbankbereich, Underground Banking, Winkelmakler, Zahlungsverkehrsverordnung.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2007, S. 95 ff. (Zahlungen von Migranten; Definitionen, Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldtransferverordnung, (regulation on the transfer of funds); offiziell Verordnung über die Übermittlung von Angaben zum Auftraggeber bei Geldtransfers (regulation on information on the payer accompanying transfers of funds):

Zu Jahresbeginn 2007 von der EU erlassene Festlegungen hinsichtlich der Offenlegungspflichten, die sämtliche am Zahlungsverkehr Beteiligten auferlegt sind. Zweck der Verordnung ist es, die Geldwäsche und Terrorismus-Finanzierung zu verhindern.

– Siehe Geldtransfer-Vermittler, Inkasso-Stelle, Schattenbankbereich.

– Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 236 f. (gemeinsame Arbeitsgruppe der drei europäischen Aufsichtsgremien CEBS, CEIPOS und CSR veröffentlicht Anwendungshinweise; Gefährdungsanalysen; Drittlandäquivalenzliste) sowie die jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Querschnittsaufgaben"), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 78 (statistische Datenlücke bei Operationen im Schattenbankbereich).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldtransformation, räumliche (spatial money transformation):

Wenn nicht anders definiert, so meint man damit die Tatsache, dass Arbitrageure - darunter auch Banken - einen Angebots-Überschuss an Geld an einem Ort bzw. in einem Währungsgebiet nutzen, um dieses anderenorts - möglicherweise auch in einer anderen Währung - anzulegen.

– Siehe Carry Trades, Fragmentierung, Geld, billiges, Geldüberversorgung, MSCI-Index, Niedrigzinspolitik, Nullzins, Zinsdifferenzgeschäft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldtransport-Dienstleister (cash transport provider):

Firmen, die im Auftrag anderer - vor allem Banken, Handelsketten (CH: Grossverteiler; trade chains) und Grossveranstalter - Bargeld und Dokumente zumeist mit gepanzerten Strassenfahrzeugen zustellen oder abholen.

– Siehe Bargeldbearbeiter, Geldsendung, Geldtransferverordnung, Geldzug.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldtussi (money Jane):

Abwertende Bezeichnung für eine jüngere weibliche Person als Partnerin eines jungen Mannes, die geistige und charakterliche Schwächen aufweist und diese durch den unbesonnenen Kauf von Waren für ihren Freund auszugleichen sucht, um diesem zu gefallen (a girl with deficits in brain and personality who buys harum-scarum masses of wares in order to please her friend).

– Siehe Dissipation, Geldfrau, Geldheini.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldüberhang (money surplus):

In der Berechnung der Zentralbanken die positive Abweichung der tatsächlichen Geldmenge von einem durch Modellrechnungen ermittelten Sollwert (equilibrium quantity; Gleichgewichtsmenge). Die negative Abweichung nennt man Geldunterhang (money deficit).

– Siehe Geldklemme, Geldmengenwachstum, M3, Zwischenparken.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2001, S. 52 f. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldüberversorgung (exceeding money supply):

Erhöht eine Zentralbank die Geldmenge mit dem Ziel, dadurch Investitionen in den Kapitalstock anzureizen (wie zwischen 1987 und 2001 in den USA), so werden die Marktteilnehmer bei geringer Investitionsneigung (low inducement to invest) das billige Geld an der Börse oder auf dem Grundstücksmarkt anlegen. Dort kommt es zu spekulativen Blasen. - Carry Trades sorgen darüber hinaus dafür, dass zu niedriger Verzinsung im Inland aufgenommene Darlehn auf höher verzinsliche (higher interest bearing) Konten im Ausland angelegt werden. Daher ist eine "Politik des billigen Geldes" seitens der Zentralbank volkswirtschaftlich nachteilig; und alleinige Aufgabe der Zentralbank sollte es sein, die Masstabeigenschaft des Geldes zu bewahren.

– Siehe Blase, spekulative, Carry Trades, Dreijahrestender, Geld, billiges, Geldklemme, Immobilienblase, Geldinondation, Inflation, Krise, zentralbankbewirkte, Larghezza, Negativzins, Niedrigzinspolitik, Nullzins, Quantitative Easing, Zinsanreiz, Zinsdifferenzgeschäft, Zinssatz, niedrig gehaltener.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldunterschlagung (abstraction of money):

Die rechtswidrige Aneignung anvertrauter Summen für sich selbst oder für andere (the act of taking away or separating money given in trust).

– Siehe Defekte, Depekulation, Finanzschurke, Unregelmässigkeiten-Melde¬pflicht, Untertunnelung, Verhaltensrisiko, Veruntreuung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldverbrauch (money consumption):

Eine sachlich viel gerügte - denn Verbrauch ist die gegenständliche, dinghafte Vernichtung eines Gutes - gleichwohl aber verbreitete Bezeichnung für die Ausgaben einer Person oder eines Privathaushalts.

– Siehe Sparen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldverbrennung und Geldverfeuerung (financial combustion):

1 Allgemein der unüberlegte Einsatz von Geld in aufwendige, unwirtschaftliche - die erzielte Leistung steht in krassem Missverhältnis zu den aufgewendeten Kosten - Projekte. Darin eingeschlossen sind in Bezug auf den Finanzmarkt die unzähligen behördlichen Ausschüsse (committees), Unterausschüsse (sub-committees), Arbeitsgruppen (working groups), Beiräte (advisory boards), Gutachterkreise (panel of experts), Gesprächsrunden (round tables) und unter vielerlei anderen Namen in der Regel an luxuriösen Orten tagende Gremien, die letzten Endes durchaus entbehrlich sind (generally prove to be completely unnecessary).

2 Auch bissige Bezeichnung für die Geschäftspolitik von Unternehmen, die

1. mit nicht absatzfähigen Produkten an den Markt treten oder

2. durch andere unüberlegte, waghalsige Massnahmen hohe Verluste einfahren. Weil jedoch bei deutschen Unternehmen - und bei Instituten zumal - nur bestens ausgebildete und umsichtig handelnde Manager wirken, ist Geldverbrennung in Deutschland gänzlich unbekannt.

– Siehe Ausschuss-Wahn, Banana Skins Survey, ESZB-Netzwerk für makroprudentielle Forschung, Geldgrab, Geldschlucker, Geldverprass, Hypo Real Estate-Rettung, Kopf-in-den-Sand-Verhalten, Millionengrab, Schlafgeld, Torpedokapital, Westdeutsche Landesbank.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldverfassung (monetary system):

Alle in einem Staat oder einem Währungsgebiet durch Gesetz und Gewohnheit vorhandenen, die Bezahlung von Gütern bewirkenden Einrichtungen, einschliesslich der Zentralbank und der Aufsichtsbehörde.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldvergessliche (money tards):

Personen, die augenscheinlich an Gedächtnisschwäche in Bezug auf fällige Zahlungen leiden (those who seem to lose all cognitive ability, logic, and short-term memory when it comes to paying a bill), und was sich dann gewöhnlich in einer Rechnungs-Stapelung sichtbar ausdrückt. - Untersuchungen der Geldpsychologie scheinen zu bestätigen, dass es sich bei solchen Erinnerungslücken in manchen Fällen um eine krankhafte Verdrängung (pathological repression) handelt: der unangenehme Zahlungstermin wird ins Vergessen abgeschoben.

– Siehe Arreragen, Default, Delinquent, Fraudulent, Gelddepression, Kunde, fauler, Loch, schwarzes, Monitum, Säumnisquote, Verzug, Zahlungsausstand.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldvermehrung, währungsunion-interne (intra-EMU money expansion):

Banken aus den Krisenstaaten der EWU begeben in grossem Umfang Anleihen. Diese lassen sie sich mit einer Garantie des jeweiligen Staates ausstatten. Damit entsprechen die Papiere zumindest der Form nach den Anforderungen nach dem Rahmenwerk für die Bonitätsbeurteilungen. Die EZB gewährt auf diese Sicherheiten hin Kredit. Ende Februar 2012 hatte die EZB auf diesem Weg den Krisenländern Griechenland, Spanien, Italien und Portugal gesamthaft 263 Mia EUR überwiesen. - Eigentlich müssen die Banken gerade deshalb Sicherheiten bieten, damit die Zentralbank auch in dem Fall dann an ihr Geld kommt, wenn ein Institut in Konkurs gehen sollte. Bei staatlich garantierten Anleihen besteht diese Sicherheit indessen nur in der Bürgschaft des jeweiligen Heimatlandes, das oft genug selbst finanziell schwer angeschlagen ist. Auf dem angezeigten Weg der Geldschöpfung mehren sich die Risiken bei der EZB, und die Mitglieder der EWU müssen letztlich über eine höhere Inflation die Zeche zahlen.

– Siehe Europayer, Monetaristen, Renationalisierung, geldpolitische, Südfront, Umverteilung, zentralbankbewirkte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldverkettung (money grip):

Der Zustand einer Person, die ganz vom Mammon umkrallt wird, ein Mensch, den das Geld im Griff hat.

– Siehe Argyromanie, Geiz, Geldstolz, Geldtheologie, Geldversessenheit, Geldzweck, Habsucht, Harpax, Mammonismus.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldverleiher letzter Instanz (lender of last resort):

Bereitschaft einer Zentralbank, unvorhergesehene Einlageabflüsse einzelner Banken auszugleichen (to fund a bank's activity after all other potential lenders have stopped), allerdings zu einem sehr hohem Zinssatz. - Stellt sich eine Zentralbank als Geldverleiher letzter Instanz zur Verfügung, so kommt es erfahrungsgemäss jetzt und später zur Verhaltensänderungen der Banken, die nun Marktrisiken weniger streng beachten (Moral Hazard). - Andererseits ist es auch Aufgabe einer Zentralbank, die Liquidität des Bankensystems zu sichern, um eine allfällige Systemkrise zu verhindern. Daher sahen sich weltweit die Zentralbanken gezwungen, im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise mehrmals den Banken Geld in Milliardenhöhe vorübergehend zur Verfügung zu stellen, um einer tiefen Verunsicherung auf den Finanzmärkten zu begegnen. - Das wiederum hat dazu geführt, dass sich die Direktoren und Ratsmitglieder der EZB in ihrer Rolle als lender of last resort gefielen, und nicht nur Banken, sondern auch strauchelnde Euroländer kräftig unter die Arme griffen. Damit droht eine unheilige Allianz (unholy alliance) zwischen gefallsüchtigen EZB-Direktoren und Politikern, die ihren Bürgern und Wählern gern versprechen, was am Ende Dritte bezahlen müssen.

– Siehe Aufkäufe, zentralbankliche, Bankenkrise, Bankzusammenbruch, Bail-out, Bradford-Verstaatlichung, Dreijahrestender, Einlagensicherung, Europayer, EZB-Sündenfall, Geldmarkt-Operationen, Geldverbrennung, Hypo Real Estate-Rettung, Kobra-Effekt, Liquiditätspool, Northern Rock-Debakel, Notfall-Liquiditätshilfe, Quantitative Easing, Risiko, subjektives, Rückschlag-Effekt, Strafzins, Too big to fail-Grundsatz, Überlauf-System.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2013, S. 99 (Funktion der Zentralbank in Zusammenhang mit der Mindestliquiditätsquote [LCR]).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldvermögen (money assets):

1 Bestand an Bargeld und kurzfristige Einlagen einer Wirtschaftseinheit.

2 Statistisch genau umschriebene Summengrösse wichtiger Forderungen; vgl. die Aufstellung im Teil "Statistik des Euro-Währungsgebiets" des jeweiligen Monatsberichts der EZB.

– Siehe Geldmittel, Vermögen.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der EZB, S. 26 (Erläuterungen), Monatsbericht der EZB vom März 2012, S. 37 (Geldvermögensbildung im Eurogebiet seit 2009; Übersicht der Komponenten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldverprass (dissipation of money):

In älteren Dokumenten gesagt für die Verschwendung (wastage: die unbedachte, leichtfertige Verausgabung) von Zahlungsmitteln.

– Siehe Geldgrab, Geldschlucker, Geldverbrennung, Kopf-in-den-Sand-Verhalten, Millionengrab, Schlafgeld, Torpedokapital.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldversessenheit und Geldsüchtigkeit (money drug, lucre):

Eine krankhafte Gier nach Reichtum, wodurch die Persönlichkeit eines davon befallenen Menschen nach und nach zerrüttet wird (the phenomenon of addiction to money and material wealth which supersedes and overrides step-by-step any and all other concerns of a person).

– Siehe Actus-purus-Grundsatz, Argyromanie, Chremagogik, Geiz, Geldabschaffung, Geldethik, Geldglaube, Geldhai, Geldquetscher, Geldraffer, Geldphilosophie, Geldprotz[er], Geldrechenhaftigkeit, Geldpsychologie, Geldtheologie, Geldverkettung, Grosskoz, Habsucht, Harpax, Mammonismus, Misochrematie, Pantheismus, monetärer, Reichtum, Sparsamkeit, Symboltheorie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldvertrauen (confidence in money):

Wenn nicht anders definiert die Erwartung der Wirtschaftssubjekte in die Stabilität des heimischen Währung, in den Fortbestand ihrer Kaufkraft. In Bezug auf Deutschland ist dieser Wert sehr hoch. Verwundernd stellte der ehemalige Präsident der Europäischen Kommission, Jacques Delors, fest: "Nicht alle Deutschen vertrauen auf Gott, aber alle auf die DEM".

– Siehe Exotikomanie, Geldeigentum, Geldglaube, Geldrefusion, Geldwertstabilität, Inflation, Inflations-Ausgleich, Kapitalflucht, Konstanz-Kriterium, Lug-und-Trug These, Nebenwährung, Rückkehr-Ideologie, Vorschatten-Effekte, Zigarettenwährung, Zweitrunden-Effekte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldvettel und Geldschlampe[r] (money skank):

Eine nicht gerade arme, aber knickerige Person, die äusserlich ungepflegt und vor allem schlampig gekleidet in Erscheinung tritt (someone who has money enough, but does not like to spend it, normally associated with unkempt people wearing unstylish, unfashionable clothes).

– Siehe Geiz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldwäsche, auch - vor allem in der Schweiz - Geldwäscherei (money laundering):

Das Einschleussen von Beträgen aus gesetzwidrigen Geschäften in den regulären, normalen Finanzkreislauf (the practice of cleaning illicitly gained money so that it appears to others to have come from, or to be going to, a legitimate source). Geldwäsche ist grundsätzlich ein Problem der Banken, weil deren Infrastruktur von Kriminellen missbraucht wird. Daher müssen Banken die Geldbewegungen auf ihren Konten genau beobachten - Motto: "Kenne den Kunden deines Kunden" - und Verdachtsfälle an die Strafverfolgungsbehörden melden. Das Gesetz über das Aufspüren von Gewinnen aus schweren Straftaten (Geldwäschegesetz [GwG]) aus dem Jahr 1993 schreibt in § 14 im Einzelnen vor, inwieweit interne Vorkehrungen gegen Geldwäsche vor allem Banken, Versicherungen, Versteigerer, Finanzdienstleister, Kapitalverwaltungsgesellschaften, Edelmetallhändler und Spielbanken treffen müssen.

– Siehe Banknoten-Wertbeschränkung, Address Spoofing, Bargeldkontrolle, Beobachtungsvermerk, Domizil-Verschleierung, Drogengeld, Financial Action Task Force on Money Laundering, Financial Intelligence Unit, Finanzagent, Finanzbeschränkungen, Finanzflüchtling, Geldtransferverordnung, Gefährdungsanalyse, Geld, schmutziges, Geldtransfer-Vermittler, Identitätsdiebstahl, Konto, falsches, Kontenoffenlegung, Kontensperre, Kundendaten-Informationspflicht, Londoner System, Offshore Finanzplätze, Outsourcing, Personen, politisch exponierte, Registriergeld, Versteigerer, Zweitausweis.

– Vgl. ausführlich (mit Fallbeispielen) Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 68 ff., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 80 ff., Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 181 (Inkrafttreten der Dritten EU-Geldwäscherichtlinie am 15. Dezember 2005), S. 183 (Defizite bei Prüfungen), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 193 ff. (Internationales; Rechtsentwicklung; Sonderprüfungen im Inland), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 213 f. (Grundlagendokument [fact sheet] der FATF zur risikoorientierten Bekämpfung der Geldwäsche; Geldwäsche-Länderprüfungen [country evaluations for money laundering]), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 207 (Inkrafttreten des Geldwäschebekämpfungsergänzungsgesetzes im August 2008; Auslegungs- und Anwendungshinweise; Geldwäscheaufsicht der BaFin auch für Factoring- und Leasingunternehmen), S. 208 (Versicherer müssen Zahlungsweise von Prämien überwachen), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 234 ff. (Geldwäschebekämpfungsergänzungsgesetz [GweG]; geldwäscherechtliche Pflichten durch Gefährdungsanalyse; Arbeitsgruppe im Zuge der EU-Geldtransferverordnung), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 251 ff. (internationale Zusammenarbeit bei der Geldwäscheprävention; Dokumente der Geldwäsche-Expertengruppe (Anti Money Laundering Expert Group, AMLEG) des Basler Ausschusses; gemeinsame Arbeitsgruppe von BaFin, Finanzministerium und Bankenverbänden), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 217 ff. (Ergänzung des Geldwäschegesetzes; Bestimmungen in Zusammenhang mit dem Gesetz zur Optimierung der Geldwäscheprävention [GwOptG], Einbezug von E-Geld), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 55 ff. (einschlägiger Leitfaden der Financial Action Task Force) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Querschnittsaufgaben".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldwatschen (money slap):

Jemanden mit einem Geldbündel ins Gesicht schlagen. In gewissen Milieus von dort Mächtigen ausgeübte Praktik, um jemanden neben der dadurch erfolgten Bestrafung auch zu zeigen, wie wertlos er sei (taking out a wad of money, ranging from oncers to hundreds, and slap someone in the face with it, in order to show him just how poor he is: a ritual commonly used in some milieus).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldwechsler in alten Dokumenten auch Kollybist, Bankherr, Mensarius, Nummularius und Changeur (cambist, money changer):

Eine berufsmässig im Umtausch von Münzen tätige Person (a person concerned with the practice of exchange).

– Siehe Wechselstube.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldwert (value of money, value in currency):

1 Die Menge an Gütern, die man mit einer Einheit des Geldes auf dem Binnenmarkt kaufen kann, also die innere Kaufkraft. Der Geldwert steht somit im umgekehrten Verhältnis (reciprocal relationship) zum Preisniveau.

2 Die Kaufkraft einer Geldeinheit ausserhalb des eigenen Währungsraums. Sie ändert sich gleichgerichtet mit dem Wechselkurs.

– Siehe Ausgangstatsache, ökonomische, Aktivismus, zentralbankpolitischer, Falke, Geldeigentumsrecht, Geldfunktionen, primäre, Geldpolitik, Geldwertstabilität, Goldwert, Demographieverfestigung, Harmonisierter Verbraucherpreisindex, Hyperinflation, Inflation, Inflations-Ausgleich, Kaufkraft, Konstanz-Kriterium, Leitwährung, Lug-und-Trug These, Nominalwertprinzip, Preisindex der Lebenshaltung, Preisstabilität, Sparquote, Staatsschulden-Rückführung, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Warenhorte, Zinsglättung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldwertanpassungskosten (menu costs):

Aufwendungen, die einem Unternehmen entstehen, wenn aufgrund von Inflation Einkaufspreise, Produktionskosten, Absatzpreise sowie andere Posten laufend neu berechnet werden müssen.

– Siehe Geldneutralität, langfristige, Geldwertstabilität, Inflations-Ausgleich, Menükosten, Schuhsohlenkosten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldwerte (monetary values):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter alle zinstragenden Papiere, vor allem Festgeld-Anlagen, Anleihen, Spareinlagen und Kapitalversicherungen, also eine Lebensversicherung mit einem zusätzlichen Sparteil für die Kapitalbildung. - Der Vorteil liegt darin, dass der Schuldner Kapital und Zins garantiert. Nachteilig bei solchen Engagements ist, dass (langfristig; noncurrent) die Zinserträge die Inflation nicht ausgleichen; zumal und vor allem auch dann, wenn die Zinserträge (interest receivable) noch besteuert werden.

– Siehe Aktienanleihe, Annuitätsanleihe, Bankschuldverschreibung, Fremdwährungsanleihe, Geldwertstabilität, Gemeindeanleihen, Inhaberschuldverschreibung, Niedrigzinspolitik, Renditejagd, Schuldtitel, Sparprämienanleihe, Staatsanleihe, Straight Bond, Verlosung, Sparprämienanleihe, Step-down-Anleihe, Unternehmensanleihen, Verbriefung, Wandelanleihe, Zinsstruktur.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldwertstabilität (stability of money, stability of purchasing power):

Die Erhaltung der Massstab-Eigenschaft des Geldes, nämlich die Bewahrung seiner Kaufkraft. - Unbestritten gilt die Geldwertstabilität als öffentliches Gut (public good). Denn

1. nicht nur das einwandfreie Gelingen des Wirtschaftsprozesses (economic process: die durch die Tatsache der menschlichen Wiederholungsbedürfnisse bedingten, fortlaufend ineinandergreifenden und vermaschten Tätigkeiten von Produktion und Verbrauch) hängt von stabilem Geld ab. Auch

2. der gesellschaftliche Zusammenhalt (social cohesion) wird durch Kaufkraftschwund empfindlich gestört, weil jede Inflation einerseits Gewinner gebiert, nämlich Personen, die infolge der Geldwertverschlechterung Vorteile geniessen, wie Besitzer von Vermögensgegenständen, von Waren und vor allem Schuldner, und andererseits Verlierer, nämlich Personen, die durch den Verlust der Kaufkraft des Geldes geschädigt werden, wie vor allem Festbesoldete, Rentner und Gläubiger.

– Siehe Anleihe, inflationsgeschützte, Geldwertanpassungskosten, Inflations-Ausgleich, Geld, sittliches, Geldeigentumsrecht, Geldethik, Geldneutralität, langfristige, Geldwert, Geldzweck, Hyperinflation, Hypothekengewinnabgabe, Inflations-Steuer, Kapitalschutz, Konstanz-Kriterium, Lug-und-Trug These, Marktmechanismus, Menükosten, Nominalwertprinzip, Preisanpassungskosten, Preisstabilität, Warenhorte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldwettkampf und Münztournier (money fight):

Ein in der gesellschaftlichen Unterschicht (lower classes; social underclass) beliebtes sowie zunehmend auch in der Bochie während der Pausen und nach Unterrichtschluss auf Schulhöfen zu beobachtendes Spiel, bei dem von Zuschauern Münzen auf eine Kampfbahn geworfen werden. Die Spieler schlagen sich dann mit allen Mitteln, um in den Besitz des eingeworfenen Gelds zu gelangen (match where small change is thrown into the "money fighting arena" by lookers-on, as the participants engage in an orgy of violence in their attempts to catch the coin(s). Usually this is played by people of low socio-economic status, but also increasingly on Teutonic school yards. In Switzerland one knows a break supervisor [Pausenaufsicht] and a schoolhouse master [Schulabwart] who prevent such a kind of futile pastime).

– Siehe Bubengeld, Gelddauerspielerei, Jeton, Spielgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldwirtschaft (money economy):

Jedes Wirtschaftssystem, bei dem das Geld nicht nur gelegentlich, fallweise gebraucht wird, sondern als Organisationsmittel (organisational means) der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft den ökonomischen Ablauf massgeblich bestimmt. Das setzt voraus, dass die Wirtschaft geldrechenhaft ist: dass alle Tauschakte - und die ökonomischen Handlungen gesamthaft - in Geld ausgedrückt werden.

– Siehe Ausgangstatsache, ökonomische, Geldabschaffung, Geldfunktionen, Geld, sittliches, Geldabschaffung, Geldrechenhaftigkeit, Geldsektor, Geldstolz, Geldzweck.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldzahlungsgeste und Fingerreiben (money slap):

Den Zeigefinger mehrmals über den Daumen bewegen als Zeichen, dass man zur Zahlung bereit ist, vielleicht auch schon bezahlt hat (using the thumb and index finger together by rubbing them, such signifying that someone is willing to pay or has paid, for example spent a sum to a venal television presenter, to a corrupt radio commentator, to a bribable journalist or even to a university professor for favourable reporting. Nevertheless such occurrences are really quite unknown in Neo-Prussia [= Germany = the Bochie = the Teutonie with the capital Berlin]).

– Siehe Anerkennungsprämie, Douceur, Draufgeld, Schmiergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldzeichen (money):

1 Juristischer Nebenbegriff für Geld bzw. Zahlungsmittel gesamthaft.

2 Alte Formen eines Zwischentauschmittels: Naturalgeld (primitive money) wie Muscheln (shell coins; Pantes = Muschelmünzen, Münzmuscheln).

3 Die selbst heute in hoch angesehenen Lehrbüchern vorgetragene Behauptung, Geld sei nur ein "Zeichen" (sign; Sinnbild, manchmal wird auch von "Unterpfand" gesprochen), ist offenkundig falsch. Denn der Empfänger eines vertraglich abgemachten Geldbetrags findet sich durch die Zahlung (payment; Übertragung von Kaufkraft!) voll befriedigt und erhebt gegenüber dem Zahlenden keine weiteren Ansprüche.

– Siehe Actus-purus-Grundsatz, Begültigung, Geld, Geldzweck, Glattstellung, Numismatographie, Warengeld, Zahlung, Zahlungshalber, Zahlungsmittel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldzigarre (money cigar):

Eine Edelzigarre,

1. deren Deckblätter aus Banknoten bestehen (a cigar, rolled with money as wrapper); solche Zigarren sind in gewissen Kreisen "in";

2. mit einer Banderole, aus einem Geldschein hergestellt (cigar with a gold band made of a banknote); auch diese erfreuen sich in manchen Kreisen hoher Beliebtheit.

– Siehe Geldhose, Geldhut, Geldprotz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldzug und Geldexpress (money train, money express):

1 Ein Eisenbahnzug, der früher in besonders gesicherten sowie oft durch Wachpersonal begleiteten Waggons Geld beförderte und zumeist ohne Zwischenhalt vom Ladebahnhof zum Zielort fuhr (a railway train that carried money in armored wagons and regulary could not be stopped).

2 Im übertragenen Sinne eine laufende Sache, die nicht mehr aufgehalten werden kann (any unstoppable force).

3 Mitunter gesagt von einer Person, die immer sehr viel Bargeld mit sich trägt (a person who carries around a lot of cash).

4 Auch gesagt in Bezug auf jemanden, der reihum Freunde und Bekannte besucht und dort jeweils um ein Darlehn anhält.

– Siehe Bargeldbearbeiter, Geldklemme, Geldkontakt, Geldtransport-Dienstleister.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geldzweck (purpose of money):

Dadurch,

1. dass Geld einen von allen Menschen gekannten, anerkannten, unparteiischen und durch das Recht gesicherten Wertmasstab zur Verfügung stellt, wird der Tauschverkehr - nämlich das Aufeinanderzugehen von Personen in der Absicht, eigene Güter zu abzugeben und im Gegenzug Waren und Dienstleitungen eines Partners zu erwerben - in höchstem Masse vereinfacht;

2. und ein Preis als leicht erkennbares Knappheitssignal bildet sich heraus.

3. Der möglichst einfache, bequeme und zügige Austausch von Waren und Dienstleistungen verschafft aber jedem Menschen die zu seinem Leben und Überleben notwendigen Güter. Denn

4. alle sind zur Aufrechterhaltung ihres Lebens zwanghaft auf dauernden, wiederholten Güterverbrauch angewiesen; und

5. daher ist die Bereitstellung von Gütern für alle Menschen auch das Ziel des Wirtschaftens ("consumption is the sole end and purpose of all production" [Adam Smith, 1723-1790]), was allzu oft in Vergessenheit gerät.

– Die Geldabschaffung und der Ersatz des Geldes durch von wem auch immer bestellte menschliche Platzanweiser wäre daher in jedem Fall ein Rückschritt.

– Siehe Geldabschaffung, Äquivalenzprinzip, Geldfunktionen, Geldzeichen, Symboltheorie, Wettbewerb.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gelegenheitseinbusse (opportunity costs):

Nachteil, der dadurch entsteht, dass man augenblicklich am Markt für ein Engagement nicht zur Verfügung steht.

– Siehe Opportunitätskosten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geleitgeld auch Konvoigeld und Péage (protection duty):

Eine Zahlung in Bargeld dafür, dass Reisende beim Durchqueren eines Bezirks durch bewaffnete Männer schützend begleitet wurden. - Aus der Zeit des Faustrechts (club law, rule of force) herrührend, hielt sich diese von den Kaufleuten häufig beklagte Abgabe in Deutschland bis ins späte 18. Jht. Sie wurde jedoch oftmals weiterhin als besonderes Chausseegeld auch ohne den ursprünglichen Zweck - nämlich die Gestellung von Schutzleuten - eingezogen.

– Siehe Chausseegeld, Citymaut, Fährgeld, Furtgeld, Hafengeld, Maut, Permissionsgeld, Schirmgeld, Transitgeld, Ungeld, Vignette.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gemeindeanleihe (municipal bonds; local bonds):

Von grösseren Städten emittierte Schuldverschreibung, für deren Bedienung (Verzinsung und Rückzahlung) die ausgebende Kommune haftet.

– Siehe Anleihe, Kommunalanleihe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gemeindeplatzgeld (common land royality):

Früher eine Abgabe für die Nutzung der Allmende, nämlich des gemeinschaftlichen Besitzes einer Siedlungsgemeinschaft, auch Gemeinäckergeld und Gemeinmarkgeld genannt. Das Geld verwaltete in grösseren Gemeinden der Allmendpfleger: ein Ratsherr, dem die Besorgung des Gemeineigentums oblag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

General Collateral-Repos, GC-Repos (so auch im Deutschen):

Vermögenswerte, die als Sicherheiten bei Repo-Geschäften jederzeit handelbar sind. Sie werden auf alternativen Handelsplattformen unter Einbeziehung einer zentralen Gegenpartei (ZGP) abgewickelt. Der Anteil der über ZGPs ausgeführten Repo-Transaktionen stieg von 37 Prozent im Jahr 2008 auf 65 Prozent im Jahr 2013. - General collateral or GC is the range of assets that are accepted, at any particular moment, as collateral in the repo market by the majority of market intermediaries and at a very similar repo rate --- the GC repo rate. In other words, the repo market as a whole is indifferent between securities that are to be in the general collateral basket. GC assets are high quality and liquid, but none is subject to exceptional specific demand. The GC repo rate should therefore be driven purely by the supply of and demand for cash and not by the supply of and demand for individual assets. As such, the GC repo rate should be closely correlated to other money market rates. - Das General Collateral Pooling Basket umfasst derzeit etwa 7'500 Sicherheiten höchster Bonität, die bei der EZB angenommen werden. Daneben gibt es ein GC Pooling Extended Basket. Dieser Korb enthält um die 25'000 Sicherheiten niedrigerer Bonität, die aber auch den Anforderungen der EZB genügen.

– Siehe Beleihbarkeit, Computerbörse, Eurex, Eurex Credit Clear, Euro General Collateral Pooling, Knotenpunkt, Notenbankfähigkeit.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2013, S. 67 (Bedeutungsgewinn von General Collateral-Repos; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Generalist (all-rounder, generalist):

Wenn nicht anders definiert eine Kapitalverwaltungsgesellschaft, die sich in ihrer Anlagepolitik nicht - wie ein Spezialist - auf bestimmte Marktsegmente festlegt, sondern quer durch alle Branchen (across all branches) Beteiligungen erwirbt.

– Siehe Spezialfonds.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Generall Accepted Accounting Principles (GAAP):

US-amerikanische Rechnungslegungs-Vorschriften (as the body of authoritative rules for measuring profit and preparing financial statements that are included in financial reports by a business to its outside shareowners and lenders). Sie sind verpflichtend für alle Unternehmen, die in den USA einen testierten Jahresabschluss zu erstellen haben und schreiben im Einzelnen vor, welche Möglichkeiten der Bilanzierung von Unternehmenseinnahmen und -ausgaben zulässig sind. Weil auch Unternehmen aus der EU an Kapitalmärkten der USA vertreten sind, wenden diese bei ihrer Rechnungslegung die GAAP (statt der IAS bzw. IFRS) an. Seit 2001 (Konkurs des texanischen Energie-Konzerns Enron) bestand allerdings in den USA eine Tendenz, die (in mancher Hinsicht wohl besseren) Regeln der IFRS anzuwenden. - An den Börsen der EU sind die Abschlüsse nach GAAP offiziell (noch) nicht zugelassen. Einige Aufsichtsbehörden, wie die deutsche und die britische, erkennen aber stillschweigend die GAAP an. Ab Jahresbeginn 2009 sind in den USA auswärtige Gesellschaften von der Pflicht befreit, die nach IFRS (full IFRS) erstellten Bilanzen mit den GAAP abzugleichen, was bis anhin einen hohen Aufwand (double accounting; doppelte Rechnungslegung) erforderte. Abschlüsse nach IFRS - aber nicht in IFRS-Dialekten - werden dann voll anerkannt.

– Siehe IFRS-Dialekte, Regelersteller, Regelgegründet.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2002, S. 41 ff., Monatsbericht der EZB vom Mai 2002, S. 20 ff., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2002, S, 41 ff. (vergleichende Übersicht S. 45), Monatsbericht der EZB vom Februar 2004, S. 77 ff., Monatsbericht der EZB vom Mai 2005, S. 93 ff., Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 64 f. (ausländische Emittenten dürfen in den USA ohne Überleitung auf GAAP IFRS-Abschlüsse vorlegen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Generation@ (so auch im Deutschen gesagt):

Personen, die etwa ab 1980 mit dem Com¬puter und vor dem Computer aufgewachsen sind, und denen daher das Electronic Banking im Gegensatz zur Elterngeneration - "Generation Wählscheibe", nämlich Fernsprechteilnehmer, die ihren Zeigefinger noch in Zahlenkreise alter Telephon-Apparate steckten - eine Selbstverständlichkeit ist.

– Siehe Bank, gemischte, Bezahlverfahren, innovative, Internetbank, Metcalfe-Regel, Mobile Banking, Multikanalbank, Online Banking, Rechtsrisiken, Sofa- Banking, Telephon-Banking.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2009, S. 62 ff. (Entwicklung einzelner Verfahren des Online Banking; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Generationengerechtigkeit (inter-generation fairness):

In Bezug auf die Finanzwirtschaft des Staates versteht man darunter eine Gebarung, die künftigen Generationen nicht Lasten auflegt, die nach billigem Ermessen die jetzt lebende Steuerzahler-Generation tragen müsste. Im Einzelnen ist es oft sehr schwierig, entsprechende Zahlungsverschiebungen in die nächste Generation genau zu beurteilen. Sicher sind aber schuldenfinanzierte Investitionen in ertragreiche Produktionszweige, in Verkehrswege oder Informationskanäle anders zu beurteilen als durch Staatschulden bezahlter Luxuskonsum der jetzt Lebenden.

– Siehe Nachhaltigkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Genossenschaftsbanken (cooperative banks):

In Deutschland bereits 1895 gegründete Institute mit dem Zweck, die Kreditversorgung kleinerer und mittlerer Unternehmen zu verbessern. Sie haben zwar den Ruf enger Kundennähe, aber das Personal gilt vielfach als fachlich weniger geeignet; sie werden von den Aufsichtsbehörden daher besonders kontrolliert, und die aufsichtlichen Beanstandungen halten sich auf hohem Stand. - Auf der anderen Seite haben sich die Genossenschaftsbanken während der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise aufgrund ihrer örtlichen Bindung und der geringen Grösse der Institute als risikoabschirmend (risk shielded) und damit als stabilisierend für das Finanzsystem gesamthaft erwiesen. - Im Jahr 2013 hatten die Genossenschaftsbanken - bezogen auf das Geschäftsvolumen in Deutschland - einen Anteil von etwa fünfzehn Prozent.

– Siehe Abberufungs-Verfügung, Dreierblock, Dreisäulen-Modell, Gewerkschaftsbank, Volksbank.

– Vgl. Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 58 (Beanstandungen), S. 64 ff. (S. 65: Statistik); Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 94 f., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 112 ff. (S. 114: bei 134 Genossenschaftsbanken "gravierende Beanstandungen"), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 121 (Zahl der Institute hat sich zwischen 1998 und 2007 fast halbiert), S. 134 (bei 37 Instituten gab es gravierende Beanstandungen mit Abberufungs-Verfügung gegen Geschäftsleiter), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 10 (Kernkapitalberechnung bei Genossenschaftsbanken), S. 169 (Prüfungsbefreiungen), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 161 (anstehende Belastungen infolge neuer Regulierungsvorschriften), S. 165 (Sonderprüfungen bei Genossenschaftsbanken stehen an erster Stelle), S. 169 (auch bei gravierenden Beanstandungen stehen die Genossenschaftsbanken an der Spitze), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 94 (Zahl der Genossenschaftsbanken 2003-2013) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gentlemen's Agreement (so auch im Deutschen):

Im Bereich der Geldpolitik versteht man darunter eine formlose - also nicht vertraglich besiegelte - Vereinbarung zwischen der Zentralbank und den Banken (an arrangement between banks and the central bank based on honour, on commitment to moral principles and not officially binding). Die Abmachung kann sich auf ein Tun - etwa: Berichterstattung über Auslandstöchter - oder Lassen - etwa: Verzicht auf die Begebung zinsvariabler Anleihen - der Banken beziehen. - Wie die Erfahrung zeigt, halten sich die Banken regelmässig an solche Übereinkünfte. Denn Banken handeln mit einem Gut (central bank money; Zentralbankgeld), das von einem Monopolisten (der Zentralbank) ausgegeben und reguliert wird. Es ist allemal für die längerfristige Geschäftspolitik von Nachteil, sich mit einem Angebotsmonopolisten zu überwerfen; zumal

1. die Zentralbanken und Aufsichtsbehörden eng zusammenarbeiten,

2. von der Zentralbank angeregte Vor-Ort-Prüfungen der Aufsichtsbehörde in jedem Fall hohe Kosten verursachen, und

3. diese zudem bei auffälliger Wiederholung dem Ruf des Instituts schaden, sprich: den Goodwill schmälern.

– Siehe Memorandum of Understanding, Reputationsrisiko.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Genussrecht (profit participation right):

Schuldrechtliches Kapitalüberlassungsverhältnis, welches mit der Teilnahme am Gewinn oder am Liquidationserlös an einem Unternehmen verbunden ist. Genussrechte sind bis anhin gesetzlich kaum geregelt. Dadurch besteht ein hohes Mass an Freiheit hinsichtlich deren jeweiliger Ausgestaltung.

– Siehe Genussschein, Partizipationsschein.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Genussschein ([profit] participating certificate):

Allgemein ein verbrieftes Wertpapier, das für bereitgestelltes Kapital dem Genusscheininhaber gegenüber dem Emittenten des Scheins schuldrechtliche Ansprüche zugesteht. Diese Rechte beschränken sich auf das Vermögen des Schuldners. Gesellschaftsrechtliche Ansprüche sind mit einem Genussschein nicht verbunden. - Im Gegenzug für die Bereitstellung von Kapital erhält der Inhaber des Genusscheins eine Gewinnbeteiligung; diese kann durch Vertrag nachrangig (subordinated), gleichrangig (equal ranking) oder vorrangig (primarily) vereinbart werden. In der Praxis haben sich auch Genussrechte mit einer garantierten Gewinnbeteiligung oder einer Mindestverzinsung durchgesetzt. Ferner kann der Genusschein ein Recht zum Bezug neuer Aktien oder einen Anteil am Gesellschaftsvermögen bei allfälliger Auflösung versprechen. - Genusscheine werden dem Mezzanin-Kapital zugeordnet; ihre Abgrenzung zum Nachrangdarlehn ist im Einzelfall oftmals schwierig.

– Siehe Genussrecht, Partizipationsschein.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S: 80 (schwierige Abgrenzung zwischen Genussrecht und nachrangiger Forderung), S. 144 f. (Machenschaften beim Vertrieb von Genusscheinen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Genusskapital (profit participation capital):

Das von Inhabern eines Genusscheines in ein Unternehmen eingebrachte Geld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geomarketing, bankliches und Profiling (so auch im Deutschen gesagt):

In die Einzelheiten gehende - wie Alter, Familienstand, Einkommen, Vermögen, Eigenheimbesitz, Kapitalanlagen - Aufschlüsselung möglicher Bankkunden in einem räumlichen Gebiet. Vor allem für die Standortwahl (choice of location) sowie für das Auffinden und die Pflege bestimmter Zielgruppen (target group selection and customer care) ist dies von Bedeutung. Entsprechende Geomarketing-Software wird von darauf spezialisierten Unternehmen angeboten.

– Siehe Abwanderungsquote, Behördenmanagement, bankliches, Best Agers Business, Beziehungsbankgeschäft, Clubbing, Dinks-Geschäft, Kundenbindung, McDonaldisation, Oldie-Geschäft, Silver Economy, Woopee-Geschäft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gequetschte (a bit; minor coins):

1 Früher oft gesagt von Münzen mit geringerem Nennwert.

2 Geldangaben nach einem grösseren Betrag, die hinter dem Komma stehen; in der EWU heute Cent). - Der Begriff leitet sich in beiden Bedeutungen wahrscheinlich ab von der Tatsache, dass sich in früherer Zeit äusserst dünn ausgewalzten Geldstücke - im Gegensatz zu dichten, festen Münzen aus Edelmetall - sehr leicht verformten und wie gequetscht (squashed) aussahen.

– Siehe Auswurfgeld, Ballast, Bimetallismus, Brakteaten, Deut, Fuchs, Geld, schweres, Geldbezeichnungen, volkstümliche deutschsprachige, Handle, Infrangiblität, Katzengeld, Münze, klingende, Pips, Quaadschilling, Spores Raffel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gerhabgeld (guardian pay):

In älteren Dokumenten die Vergütung an einen Gerhab (legal guardian; Vormund) als dem gesetzlichen Vertreter einer minderjährigen Person. - Gerhab vom lateinischen GERERE, hier: etwas verwalten, wie etwa wie in Gerant = Verwalter, Geschäftsführer; hab= vom deutschen haben bzw. dem lateinischen HABERE hier: wem eine Obliegenheit anvertraut ist.

– Siehe Gerhabschaftsgeld, Gilt Edged, Laxament, Pekulium, Zuwendung, vormundschaftliche.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gerhabschaftsgeld (ward capital):

Im Eigentum (Erbe) eines Mündels befindliches Kapital, das entweder vom Gerhab (legal guardian; Vormund) oder von der Obervormundschaft - Gutsherr bei Hörigen; Kämmerer der Gemeinde - gegen Zins mündelsicher (gilt-edged, absolutely safe) verliehen und der Ertrag dem Vermögen des Mündels zugeschlagen wurde.

– Siehe Gerhabgeld, Laxament, Zuwendung, vormundschaftliche.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gerichtsgeld (law charges; court maintenance fee; lay judge compensation):

1 Gebühren (fees; Sporteln), die bei Inanspruchnahme der Dienstleistungen eines Gerichts zu zahlen sind: Gerichtskosten.

2 Frühere Abgabe zum Unterhalt eines Gerichts.

3 Aufwandsentschädigung (expense allowance) für Beisitzer bei Gericht, auch Schöffengeld genannt.

– Siehe Bankgeld, Dreidingsgeld, Expensen, Justitiengeld, Kammergerichtsgeld, Legegeld, Platzgeld, Schöffengeld, Zeugengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

German Finish (so auch im Deutschen gesagt; seltener Deutsche Sondervorschriften):

Das gezielt auf das deutsche Recht angepasste Regelwerk Basel-II. Entsprechend spricht man von Swiss Finish, Dutch Finish usw.

– Siehe Goldplating, IFRS-Dialekte, Regelwerk, einheitliches.

– Vgl. Geschäftsbericht 2005 der Deutschen Bundesbank, S. 105 (Tätigkeit der Accord Implementation Group, AIG).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gerüchtestreuen (rumour spattering):

In Bezug auf den Finanzmarkt das absichtliche und planvoll eingesetzte Verbreiten von Gerede mit dem Zweck,

1. das Ansehen des eigenen Unternehmens zu stärken - etwa: bei uns steigt in Kürze der Staatsfonds von Bahrain als Aktionär ein - bzw.

2. dem Ruf der Konkurrenz zu schaden - etwa: bei denen fahndet die Staatsanwaltschaft schon seit Wochen nach krummen Geschäften (dodgy dealings, shady transactions).

– Eingespeist werden geplante Gerüchte in Bezug auf 1. erfahrungsgemäss vom Middle-Management in Freizeiteinrichtungen wie Golf- und Tennisclubs, Sportvereinen und Banker-Stammtische, wo sich Beschäftigte verschiedener Unternehmen aus der Finanzbranche treffen. Hinsichtlich von 2. haben sich Kongresshotels als günstiger Umschlagsplatz bewährt: Beherbergungsbetriebe, in denen Mitarbeiter verschiedener Institute vor allem bei Tagungen und (verbandlich organisierten; organised in associations) Schulungen zusammentreffen. - Auch über das Internet lassen sich Gerüchte aller Art verbreiten und verstärken, oft auf verdeckte Weise bzw. in Foren als Frage getarnt. Ob und inwieweit hier beauftragte Spezialunternehmen - Dienstleister mit dem Geschäftszweck der "Interessenspflege" für Dritte als Auftraggeber - mitwirken, ist im Einzelfall schwer nachweisbar. Insider indessen vermuten dies in vielen Fällen.

– Siehe Ad-hoc-Mitteilung, Dissemination, Flurfunk, Frontrunning, Geheimtip, Gewinnwarnung, Infighting, Internet-Foren, Münchhausen, Baron, Twitter.

– Vgl. Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 69 (Überwachung von Gerüchtestreuen im Rahmen der Peer Review zum Thema Marktmissbrauch) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Internationales".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gesamtfälligkeit (total maturity):

Wenn nicht anders definiert der Zeitpunkt, zu dem eine geschuldete Summe vollständig zurückbezahlt werden muss.

– Siehe Covenant, Darlehn, widerrufenes, Downgrade-Trigger-Klausel, Drittverzugs-Klausel, Erstraten-Verzugsklausel, Event of Default, Kreditsperre, Tilgung, Verwirkungsklausel, Zahlung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gesamtbank-Steuerung (internal capital adequancy assessment process, ICAAP):

Im Zuge von Basel-II aufsichtsrechtlich geforderte Ermittlung des Bedarfs an Eigenkapital über alle Risiko-Arten hinweg.

– Siehe Chief Risk Officer, Risiko- und Solvabilitätsbeurteilung, unternehmenseigene, Steuerung, institutsinterne.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gesamtinstitute (all categories of banks):

Statistischer Messbegriff, umfassend alle heimischen Banken einschliesslich ihrer Zweigstellen im Ausland.

– Vgl. das Heft "Bankenstatistik" der Deutschen Bundesbank, Anhang "Erläuterungen".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gesamtkapitalkostensatz (weighted average cost of capital, WACC):

Die erwartete Verzinsung sowohl des Eigenkapitals auch des Fremdkapitals aus einem Engagement bzw. bei einem Unternehmen. In der bezüglichen Fachliteratur wird die Berechnung im Einzelnen ausführlich dargelegt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geschädigten-Versammlung (damaged [investors] meeting):

In Bezug auf den Finanzmarkt eine Zusammenkunft mehrerer der durch einen Finanzgeier betrogenen Personen. Diese werden erfahrungsgemäss über das Internet gesucht und mittlerweile auch von für solche Aufgaben eigens ausgerichtete Dienstleister zusammengebracht. Oftmals - und inzwischen wohl auch schon in der Regel - bleibt es bei den einschlägigen Beratungen nicht nur bei einer Bündelung der Ansprüche und Absprachen hinsichtlich einheitlicher Rechtsverfolgung. Vielmehr werden auch ausserhalb der Rechtsordnung liegende Mittel verabredet, um an einen Finanzgeier heranzukommen. Dabei steht an erster Stelle die Anwerbung eines Racheengels.

– Siehe Agiotage, Beschores, Ein-Cent-Überweisung, Finanzforen, Geschenk-Überweisung, Kapitalmarkt, grauer, Kredithai, Luftpapiere, Schwindelbank, Underground Banking, Winkelmakler.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geschäft in älteren Dokumenten auch Negoz und Emploi (business; establishment; operation, transaction; negotiation):

1 In der Finanzbranche gesagt von allen Tätigkeiten (business operations), von jedem aktiven Tun (Verkehr; active action, commercial activity) in Verfolg eines Ziels, und dem Ausdruck Transaktion in etwa entsprechend. Das Wort, abgeleitet von "schaffen", ist für sich allein und in Zusammensetzungen in diesem Sinne eines der am häufigsten vorkommenden Ausdrücke in der heutigen deutschen Finanzsprache, auch bei der Zentralbank und bei den Aufsichtsbehörden.

2 Seltener im Finanzbereich auch gesagt von einem Standort, an dem Umsätze getätigt werden, an dem Kundenverkehr stattfindet: ein Raum, Laden, wie bei den Wörtern Bankgeschäft (service hall), Filialgeschäft (store).

3 In Bezug auf die Zentralbank gesagt von liquiditätszuführenden (liquidity-providing) und liquiditätsabschöpfenden (liquidity-absorbing) Transaktionen (hier: transactions, operations; nicht: deals = bargains).

4 Bezogen auf die Diplomatie allgemein und auf die EWU im Besonderen auch die routinemässigen Konferenzen, Beratungen und Verhandlungen der politischen Entscheidungsträger über Fragen der Währungsunion.

– Siehe Deal, Engagement, Impegno, One-Night-Stand, Operation, Umsatz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geschäfte, abgesprochene (pre-arranged trades, matched orders):

Meistens in der Form von zeitlich genau geplanten Käufen und Rückkäufen an der Börse getätigte Umsätze, um den Kurs eines Wertpapiers zu beeinflussen.

– Siehe Agiotage, Bear Raid, Beschores, Bull Raid, Citigroup-Manipulation, Finanzgeier, Handeln, verdeckt gemeinsames, Kristallisation, Kursmanipulation, Marktaktivität, vorgetäuschte, Pairoff, Wash Sales.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 186 f., Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 164 (Schwerpunkt aufgedeckter Fälle liegt bei Freiverkehrswerten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geschäfte, ausserbilanzielle (not balanced operations):

In Bezug auf Banken durch Aufzählung in § 19 KWG in einzelnen genannte Forderungen und Verbindlichkeiten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geschäfte, bilaterale (bilateral procedures):

Bei der EZB ein Verfahren, bei dem diese nur mit einem oder wenigen Geschäftspartnern unmittelbar Geschäfte abschliesst, also ohne Tenderverfahren zu nutzen. Hierzu gehören auch Operationen, die direkt über die Börsen oder über Marktvermittler (broker; Börsenmakler) durchgeführt werden.

– Siehe Geldmarkt-Operationen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geschäfte, indifferente (indifferent banking transactions):

Bei einer Bank solche Dienstleistungen, durch welche das Institut bilanziell gesehen weder Gläubiger noch Schuldner wird, wie beispielsweise die Vermietung von Schliessfächern oder die Vermittlung von Bausparverträgen (procuration of building savings contracts).

– Siehe Durchleitkredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geschäfte, operative (operational business):

Sämtliche Handlungsfelder eines Unternehmens, deren Durchführung unmittelbar mit der Erreichung des Unternehmensziels - formal: der Gewinnerzielung - verbunden sind. - Manchmal trennt man davon die Steuerungsprozesse (control procedures) ab. Darunter versteht man alle Tätigkeiten, welche die Produktionsfaktoren zur Durchführung der operativen Geschäftsprozesse hinordnen, wie bei einer Bank etwa das Rechenzentrum oder die Personalabteilung.

– Siehe Basisgewinn, Ergebnis, operatives, Ertrag, operativer, Gewinn, operativer, Gewinnkonjunktur, Mittelzufluss aus Geschäftstätigkeit, Konvergenzlösung, Umsatzrendite.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geschäfte, provisionsabhängige (commission-dependent transactions):

Bei einer Bank alle Dienstleistungen, die nicht auf die Gewährung von Darlehn gerichtet sind, wie etwa der Handel mit Wertpapieren aller Art oder die Vermittlung von Versicherungsverträgen.

– Siehe Geschäfte, zinsabhängige, Provisionen.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 20 f (Provisionsergebnis deutscher Banken), S. 33 ff. (Provisionserträge und Provisionsaufwendungen seit 1998, nach Bankengruppen aufgegliedert), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2009, S. 37 ff. (Fortschreibung; viele Übersichten) sowie den jeweiligen Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September eines Jahres.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geschäfte, verbotene (illegal transactions):

Von den Aufsichtsbehörden untersagte Finanzdienstleistungen. Diese sind für Deutschland in § 3 KWG aufgezählt (Werksparkassen, Zwecksparunternehmen, Unbarinstitute) und nach § 37 KWG mit der sofortigen Schliessung des entsprechenden Instituts durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht bedroht. Die Behörde hat im November 2012 ein eigenes erläuterndes Merkblatt zu den verbotenen Geschäften veröffentlicht.

– Siehe Bankgeschäfte, unbare, Schattenbankbereich, Underground Banking.

– Vgl. den jeweiligen Jahresbericht der BaFin wegen aktueller Fälle.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geschäfte, zinsabhängige (interest-dependent transactions):

Bei einer Bank im Wesentlichen die gewährten Darlehn und Geldmarkttransaktionen einerseits und die von ihr aufgenommenen Kredite andererseits.

– Siehe Betriebsergebnis, Geschäfte, provisionsabhängige, Zinsertrag, Zinsspanne, Zinsüberschuss.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2007, S. 15 ff. (ausführliche Darstellung; Gliederung der Zinserträge und Zinsaufwendungen, Übersichten), S. 32 (Zinserträge und Zinsaufwendungen deutscher Banken seit 1999 absolut und in Bezug auf die Bilanzsumme) sowie die Fortschreibung im jeweiligen Septemberbericht.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geschäftsbank (commercial bank):

1 Älterer Ausdruck für jedes Unternehmen, das mindestens

1. Einlagen von Kunden annimmt (deposit business; Depositengeschäft, Einlagegeschäft) und

2. bargeldlosen Zahlungsverkehr (giro business activities; Girogeschäft, Umschreibegeschäft) besorgt, in der Regel heute aber

3. viele weitere Dienstleistungen auf Finanzmärkten erbringt. Man spricht jetzt nur noch von Bank; der Ausdruck "Geschäftsbank" wird meistens lediglich dann gebraucht, um von der Zentralbank (central bank; Notenbank) begrifflich abzugrenzen.

2 In den USA im Gegensatz zur Investmentbank, die lediglich das Kapitalmarktgeschäft ausübt, ein Institut, das nur das Einlage- und Kreditgeschäft betreibt (financial institution that accepts demand deposits and offers commercial loans, some other types financial services usually are provided as well). - Im Zuge der Subprime-Krise verschwanden die letzten fünf reinen Investmentbanken der USA; zwei (Goldman Sachs und Morgan Stanley) wandelten sich zur Universalbank um.

– Siehe Bank, Bankensystem, Fachbankensystem, Hybridbank, Institut, Investmentbank, Trennbanksystem, Unbarinstitut.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geschäftshäuser (commercials):

An Warenbörsen solche Firmen, die in grossem Stil (to a great extent) und regelmässig (regularly) ihre Kassageschäfte im Terminhandel absichern (Hedging), wie etwa Getreidemühlen, Exporteure oder Lagerhausunternehmen mit vertraglich festgelegten Lieferterminen.

– Siehe Commercials, Commodity Fund, Futures-Märkte, Rohstoff-Terminvertrag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geschäftsklima (business climate, general business outlook):

Die Einschätzung der gegenwärtigen und zukünftigen Geschäftsentwicklung durch die Unternehmen. Für die Massnahmen der Wirtschaftspolitik allgemein und auch für die Politik der Zentralbank im Besonderen ist dies eine sehr wichtige Grösse, deren Veränderungen in Deutschland laufend gemessen und berücksichtigt wird.

– Siehe Erwartungen, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2006, S. 40 f. (allgemeine Darstellung; Zusammenhang zwischen den gemessenen Werten und der tatsächlichen Wirtschaftslage).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geschäftskontinuität und Geschäftsstabilität (business continuity):

Bei einem Institut die Fähigkeit, die laufende Geschäftstätigkeit ohne Unterbruch ausführen zu können (the state of uninterrupted business operations). Im einzelnen schliesst die alle organisatorischen, technischen und personellen Massnahmen ein, um im Falle einer Betriebsstörung die wichtigsten Tätigkeiten weiterführen zu können (all the organisational, technical and staffing measures employed in order to ensure the continuation of core business activities in the event of sustained and severe disruption).

– Siehe Event Risk, Flash Crash, Informations-Sicherung, IT-Risiken, Katastrophenrisiko, Models Task Force, Notfall-System, Pandemie, Rating-Schritte, Risiko, banktechnisches, Risiko, personelles, Risikokapital, ökonomisches, Phantomrisiken, Stromrisiko, Systemkollaps, Systemrisiko, Taubengeld, Technologie-Risiken.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geschäftskunde (business banking customer):

In der Finanzsprache ein Vertragspartner eines Instituts, der nicht Privathaushalt und keine öffentliche Stelle ist.

– Siehe Geschäftspartner, Kunde.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geschäftsleiter (director; chief executive officer, CEO):

Bei Instituten nach der deutschen Rechtsprache natürliche Personen, welche nach Gesetz, Satzung oder Gesellschaftsvertrag zur Führung der Geschäfte eines Kreditinstituts oder eines Finanzdienstleistungsinstituts berufen sind; vgl. § 1, Abs. 2 KWG sowie §§ 32, 33 KWG. Es muss ferner durch organisatorische Massnahmen sichergestellt sein, dass der Betrieb auch bei Verhinderung der Geschäftsleitung reibungslos weiterläuft.

– Siehe Abberufungs-Verfügung, Bankenführerschein.

– Vgl. Jahresbericht 2001 des Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel, S. 13, Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 78 (Beschränkung der Geschäftsleitermandate), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 43 ff. (Compliance von Geschäftsleitern).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geschäftsmodell-Analyse (bank business model assessment):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter die in der Öffentlichkeit vielfach erhobene Forderung - besonders im Zuge der Subprime-Krise und der folgenden Finanzkrise; in Deutschland verstärkt verlangt auch in Zusammenhang mit den Landesbanken -, dass die Aufsichtsbehörde

1. das jeweilige Geschäftsmodell (business model: method of doing business by which a bank can sustain itself, that is: generate revenue) eines Instituts kritisch beurteilt und

2. darüber hinaus ihre Schlussfolgerung jedermann zugänglich macht.

– In den meisten Staaten, so auch in Deutschland, fehlt der Aufsichtsbehörde dazu die gesetzlich eingeräumte Zuständigkeit. Auch die europäische Bankenaufsicht hat dazu keine Befugnis. Wohl aber hat die Aufsichtsbehörde seit Jahresbeginn 2014 das Recht, die Nachhaltigkeit der Zielsetzungen eines Instituts zu kontrollieren.

– Siehe Geschäftsstrategie, nachhaltige.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geschäftsmotiv (business motive):

In der älteren Literatur breite Abhandlungen dazu, dass in einem Unternehmen zwischen Zahlungseingang und Zahlungsterminen eine entsprechende Überbrückungskasse (bridgeover amount) in Bargeld gehalten werden müsse. Viele der diesbezüglichen Überlegungen sind heute angesichts moderner Finanzinstrumente überholt; andere wurden zum Gegenstand der betriebswirtschaftlichen Finanzierungslehre.

– Siehe Einkommensmotiv, Vorsichtsmotiv.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geschäftspartner (counterparty):

1 Allgemein die Gegenpartei (counterparty; der Kontrahent) bei einem Finanzgeschäft (the opposite party in a bilateral agreement, contract, or transaction in the financial market).

2 Bei der EZB meint Geschäftspartner ein monetäres Finanzinstitut. - Geschäftspartner der EZB haben im Wesentlichen drei Anforderungen zu genügen, nämlich sie müssen:

1. in das Mindestreserve-System der EZB einbezogen sein,

2. der Überwachung durch eine nationale Aufsichtsbehörde unterliegen und

3. sämtliche verfahrensbedingten Anforderungen erfüllen, die im Verkehr mit der Zentralbank vertraglich niedergelegt sind.

– Siehe Euro General Collateral Pooling, Gegenpartei, zentrale, Geschäftskunde, Marktfähigkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geschäftsschluss auch Annahmeschluss (cut-off time):

1 Zeitpunkt, ab dem eine Bank keine Buchungen mehr annimmt. Nach diesem Termin - auch auf elektronischem Wege - eingehende oder auf ein anderes Konto überwiesene Beträge werden auf den folgenden Tag gebucht (the deadline set by a bank for the acceptance of accounting transactions. After the cut-off time, entries are executed on the next banking day).

2 Entsprechend im elektronischen Zahlungsverkehr der Zeitpunkt, zu dem ein Überweisungssystem (transfer system) keine weiteren Aufträge mehr zur Bearbeitung entgegennimmt (transaction processing time, measured in seconds, at which an electronic banking terminal automatically disconnects from a host computer).

– Siehe Fernzugang, Geschäftsstelle, vollautomatische.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geschäftsstelle, vollautomatische (automated banking machine, ABM; kiosk):

Selbstbedienungsfiliale einer Bank. In der Regel ist diese ausgestattet mit Geldautomat, Kontenauszugsdrucker, Vordruck-Ausgabegerät und oft auch verschiedener Multimedia-Termi¬nals, wie vor allem Zugriff auf die Homepage der Bank sowie Telephonanschluss zum Call Centre. Vor allem in den USA sind solche Geschäftsstellen häufig. Sie gelten den Anforderungen aus dem Gramm-Leach-Bliley-Gesetz aus dem Jahre 2000 genügend, das den Banken eine bestimmte Vor-Ort-Präsenz vorschreibt. In der Regel sind die vollautomatischen Geschäftsstellen rund um die Uhr zugänglich.

– Siehe Akzessibilität, Auszug, Bank, Bankendichte, Benutzerfreundlichkeit, Call-Centre, Container-Banking, Fernzugang, Geld(ausgabe)auto¬mat, Gutgeführt, Hotliner, Kontostands-Abfrage, Moonlight Banking, Prosument, Registriergeld, , Service Line, Skimming, Verfügbarkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geschäftsstrategie, nachhaltige (sustainable business strategy):

Bei Instituten alle Vorkehrungen die bewirken, dass langfristig Erträge erwirtschaftet werden, um das Bestehen des Unternehmens zu sichern. Seit Jahresbeginn 2014 ist es gesetzliche Pflicht eines Instituts, entsprechende Pläne aufzustellen. Die Aufsichtsbehörde hat die Aufgabe festzustellen, ob diese Zielsetzungen genügend und damit zweckentsprechend sind.

– Siehe Geschäftsmodell-Analyse, Risikomanagement, Szenarien, aussergewöhnliche.

– Vgl. Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 73 (gesetzliche Vorgabe).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geschäftsumschwung und Geschäftsergebnisveränderung (change in business conditions, change in operating result):

Allgemein eine erhebliche Abweichungen vom bisherigen Ablauf der Tätigkeiten einer Firma; im engeren Sinne ein starker Gewinneinbruch. Ein börsennotiertes Unternehmen muss eine solche auffallende Abweichung in einer Ad-hoc-Mitteilung veröffentlichen. Dies gilt auch dann, wenn die Vorjahreszahlen von der Markterwartung deutlich abweichen.

– Siehe Finanzbericht.

– Vgl. Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 210 (BaFin erinnert an die Veröffentlichungspflicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geschaugeld und Schaugeld (inspection fee):

Gebühr, die früher an einen von der Obrigkeit - manchmal auch von der Zunft - bestellten und vereidigten Prüfer (Geschauer, Geschauherr, Schaumeister; quality control inspector) für dessen Dienstleistung zu zahlen war, besonders im Zuge der Überwachung der Beschaffenheit (der Geschau) von

1. Lebensmitteln wie Fleisch (Fleischbeschau; meat inspection), Brot, Branntwein und Bier,

2. Webstoffen (woven goods),

3. Pferden sowie

4. Münzen. In manchen Gegenden oblag dem Geschauer auch die Begutachtung der Sauberkeit der Bäche im Auftrag der Landesherrschaft (territorial lordship); das Geschaugeld musste diesfalls aus der Gemeindekasse entrichtet werden.

– In nicht wenigen alten Verordnungen war das Angebot bestimmter Waren nur dann erlaubt, wenn ein Schaumeister für das betreffende Erzeugnis die Qualitätsstufe festgestellt und mit Siegel oder Stempel versehen hatte. Das galt vor allem bei teuren Webwaren, wie beispielsweise in der Strumpfwirkerei (hosiery knitting). Hier musste ein Erzeugnis teilweise gar von zwei als Schaumeister vereidigten Strumpfwirkern (hosiers) nach behördlich vorgegebenem Raster (officially prescribed characteristics) begutachtet und dazu auch noch von einem im Strumpfhandel tätigen Kaufmann als vereidigtem Oberschaumeister abgenommen werden. Man sprach bei der Mitwirkungen mehrerer Personen bei der Beschaffenheitsprüfung auch von einem Schaugericht (quality inspectorate). Die schaugerichtliche Stempelung besonders bei Feintextilien trug wesentlich zur Markttransparenz bei und lockte angebotsseitig Erzeugnisse höchster Qualität hervor.

– Siehe Bonitätsklasse, Rating, Zuchthauspreise.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geschenk-Überweisung (fraudulent gift transfer):

Die - mitunter ansehnliche: es wurde 2012 von bis zu 100 Euro berichtet - Gutschrift eines unbekannten Absenders auf ein Konto mit dem Vermerk, dass bei telephonischem Rückruf (telephone call-back) ein ausgeloster Gewinn in einem hohen Betrag zur Gänze überwiesen werde. Das jetzt übersandte Geld sei nur eine Vorauszahlung. - Die angegebene Telephonnummer führt jedesmal in eine lange Warteschleife (telephone waiting loop) und zu einer ausserordentlich teuren Vermittlungsstelle, meistens in ferner Region. Wie sich zeigte, nahm diese Betrugsmasche (scam tactic) seit etwa 2010 weltweit erhebliche Ausmasse an. Die Strafverfolgungsbehörden sind oft nicht willens und/oder in der Lage, entsprechende Betrüger aufzuspüren.

– Siehe Daimonion, Dampfstube, Darkrooming, Domizil-Verschleierung, Ein-Cent-Überweisung, Enabler, Finanzforen, Finanzgeier, Geldsauger, Geschädigten-Versammlung, Ghettobanking, Internet-Angebote, Kapitalmarkt, grauer, Parallel Banking, Pump and Dump, Rachenegel, Underground Banking, Verbraucherbeschwerden.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Geschorener auch Gerupfter (sheared):

Im Börsenjargon jemand, der sich besserwisserisch und gegen alle Ratschläge der Sachkundigen an der Börse betätigt und dabei Verluste erleidet.

– Siehe Anlagemut, Barfusspilger, Börsenspieler, Risk Taker.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gesellschaft (corporation):

1 Im juristischen Sinn ein Zusammenschluss von Personen: eine Personenvereinigung, die aufgrund gesetzlicher Anerkennung eigenes Rechtssubjekt ist (a group of persons granted a state charter legally recognising them as a separate entity having its own rights, privileges, and liabilities distinct from those of its members).

2 Im alltäglichen Sprachgebrauch auch jedes Unternehmen, das Waren oder Dienstleistungen anbietet.

– Siehe Firma.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gesellschaftskapital (joint stock, capitalisation):

Wenn nicht anders definiert das Kapital, welches bei der Gründung einer Aktiengesellschaft (Grundkapital; share capital) oder GmbH (Stammkapital; paid-in capital) vorliegen muss.

– Siehe Haupteinlage.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

G-Sifi (so auch im Deutschen; global systemically important financial institution):

Um 2009 aufgekommene Bezeichnung für eine Bank, der

1. eine ansehnliche Grösse zukommt,

2. die für das weltweite Finanzsystem von entscheidender Bedeutung und daher

3. kaum zu ersetzen ist.

– Das Financial Stability Board hat sich 2010 im Besonderen mit diesen Instituten befasst. Deren Verlusttragfähigkeit soll durch verschiedene Massnahmen erhöht werden, etwa durch eine höhere, über Basel-III hinausgehende Eigenkapitalanforderung. - Freilich erschweren die weltweit unterschiedlichen Rechtssysteme und Bilanzierungsvorschriften einen solchen Plan. Auch steht zu befürchten, dass die Sifis ihre Geschäfte in bis anhin unregulierte Randbereich des Finanzmarktes verlagern, wie etwa in Hedge-Fonds und Private-Equity-Funds. Zudem ist nicht gesagt, dass selbst bei wesentlich gestärkter Eigenkapitalgrundlage eine Sifi nicht zusammenbrechen könnte. - Das Problem der Sifis liegt darin, dass sie weithin als mit einer Staatsgarantie ausgestattet wahrgenommen werden. Sie können sich daher günstig refinanzieren; durch die kostenlose staatliche Existenzsicherung erhalten Sifis also einen ungerechtfertigten Wettbewerbsvorteil (unfair competitive advantage). Gleichzeitig unterliegen sie dem Anreiz, risikoreiche Engagements zu tätigen, um die damit erreichten Gewinne zu vereinnahmen und allfällige Verluste auf den Staat abzuwälzen. - In der Schweiz mussten die beiden G-Sifis USB und Credit Suisse nach Verlusten von rund 30 Mia Franken im Jahr 2008 vom Staat gestützt werden. Die Bilanzsumme der beiden Institute machte 2008 ungefähr das Sechsfache des Schweizer Bruttoinlandsprodukts aus. Der Zusammenbruch einer der beiden Banken hätte die Eidgenossenschaft gesamthaft in den Staatsbankrott führen können. Angesichts dessen wurde 2010 die Eigenkapitalquote für die Grossbanken auf neunzehn Prozent der risikogewichteten Aktiva festgesetzt - gegenüber zehneinhalb Prozent bei Basel-III -, davon zehn Prozent hartes Eigenkapital und neun Prozent in Form von bedingten Pflichtwandelanleihen. Sinkt die Eigenkapitalquote einer Bank unter eine bestimmte Schwelle, dann werden die bisherigen Anleihebesetzer automatisch zu Aktionären und damit am Risiko unmittelbar beteiligt.

– Siehe Abwickelbarkeit, Bank, systemische, Bankbetriebsgrösse, optimale, Finanzmarkt-Interdependenz, Eigenhandel-Verbot, Eventualschaden, Finanzstabilität, Grössenvertrauen, Lehman-Pleite, Margendruck, Mindestanforderungen an die Ausgestaltung von Sanierungsplänen, Money-matters-Theorem, Moral Hazard, Pflichtwandelanleihe, Restrukturierungsverwaltung, Risikoabschirmungsgesetz, Schuldenbombe, Sifi-Oligopol, Stabilitätsfonds, europäischer, Systemrelevanz, Too big to fail-Grundsatz.

– Vgl. Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 50 ff. (Bericht über internationale Bemühungen zur Identifikation und Regulierung von Sifis).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gespinstgeld auch Gespunstgeld (spinning soccage release pay):

Frühere Zahlung, um die Verpflichtung des Spinnens (spinning; des Herstellens von Garn aus Fasern wie Haar, Nessel, Flachs, Hanf) für die Herrschaft abzulösen.

– Siehe Freikaufgeld, Frongeld, Garnsammel-Vorschuss.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gestionsprovision (negotiating commission):

Wenn nicht anders definiert eine Zahlung an den Konsortialführer nach Zustandekommen eines Konsortialkredits.

– Siehe Flex-Klausel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gesundheitshausgaben (healthcare expenditure):

Wenn nicht anders definiert sämtliche Aufwendungen der Krankenkassen zur Heilung von Leiden körperlicher und psychischer Art. Im Jahr 2012 beliefen sich diese in Deutschland auf fast elf Prozent des Bruttoinlandsprodukts und stellen damit einen ansehnlichen Posten im Finanzkreislauf (monetary circulation: the process of the continuous movement of money as a medium of exchange and payment) dar. Aufgrund der Alterung werden sich die Gesundheitsausgaben nach Berechnungen in Zukunft anhaltend erhöhen.

– Siehe Demographieverfestigung, Krankengeld, Pflegeversicherung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2014, S. 31 ff. (ausführliche Darstellung der Krankenversicherung im Finanzkreislauf; viele Übersichten; Vergleiche der Gesundheitsausgaben in ausgewählten Ländern; Vorausberechnungen; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gesundschrumpfung (curtailment):

In Bezug auf eine Bank und allgemein auf ein Unternehmen gesagt von Massnahmen mit dem Ziel, weniger gewinnbringende Geschäftsfelder abzustossen, um letztlich dadurch die finanzielle Lage zu verbessern (an action done by a company which involves a reduction in its operations for the benefit of financial stability).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Getreidebörse (corn exchange):

Warenbörse, auf der neben Getreide aller nachgefragten Sorten in der Regel auch Saatgut, Düngemittel und Tierfutter per Kassa oder Termin gehandelt wird.

– Siehe Commodity Fund, Option, Rohstoff-Terminvertrag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Getreidewert (grain equivalent):

Die Kaufkraft einer Währung, ausgedrückt in einem genauen Mass an einer bestimmten Körnerfrucht. Vor allem in Zeiten starker Inflation wurde der Getreidewert bei Verträgen zugrundegelegt. In der Wirtschaftsgeschichte wird der Getreidewert häufig zur Feststellung des Geldwerts herangezogen. - Getreide heisst in älteren Dokumenten oft auch (die) Trait.

– Siehe Roggenanleihen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gevattergeld (godfather gift):

Früher eine Gabe, welche der Tauf- oder Firmpate

1. anlässlich der Spendung des jeweiligen Sakraments oder

2. in weiterem Sinne auch bei sonstigen Gelegenheiten - wie Namenstag, Geburtstag, Schulentlassung, Lehrabschluss, Heirat - dem Täufling oder Firmling,

3. früher zumeist in Form einer Goldmünze zukommen liess; auch Patengeld und Gotengeld (Gote = Pate; godfather) genannt.

– Siehe Chrisamgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gewährgeld (bail money; recording duty):

1 Hinterlegter Geldbetrag zur Sicherheitsleistung, Kaution.

2 In früherer Zeit auch eine Schreibgebühr (writing fee; Schreibpfennig, Schreibschilling), welche bei der Beurkundung von Verträgen in Bargeld zu begleichen war.

– Siehe Beglaubigungsgeld, Kollationiergeld, Legegeld, Waarborgsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gewährträgerhaftung (public guarantee obligation):

Die bis Juli 2005 in Deutschland bestehende und dann auf Weisung der EU-Kommission abgeschaffte Haftung der öffentlich-rechtlichen Haushalte - Gemeinden, Kreise, Länder - für ihre Sparkassen und Landesbanken. Durch diese Haftungsgarantie praktisch ohne Risiko handelnd, hatten die entsprechenden Institute Vorteile. So konnten sie Kapital günstig einkaufen und an andere Banken teuer weiterverleihen. Auch bewog die Gewährträgerhaftung einige Landesbanken zu waghalsigen und sehr verlustreichen Operationen.

– Siehe Rating, Vertikalisierung, Westdeutsche Landesbank.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gewerbebetrieb (commercial [operation]):

Wenn nicht ausdrücklich anders aus dem Zusammenhang hervorgeht, so meint man damit in der Finanzsprache ein Unternehmen, das Güter herstellt, verarbeitet und an den Markt bringt (an entity involved in the production, processing, or merchandising of commodities). Im Falle eines Instituts spricht man allenfalls von Firma, oft auch Betrieb, Geldhaus und Haus, jedoch nicht von Gewerbebetrieb.

– Siehe Bankgewerbe, Institut, Geschäftshäuser.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gewerbe-Immobilien und Gewerbeimmobilien (commercial property):

Von Unternehmen als Produktionsstätten, Lagerflächen oder Bureaux genutzte bebaute und unbebaute Grundstücke. In der Statistik der EZB sind darin eingeschlossen auch Wohnimmobilien, die für gewerbliche Zwecke genutzt werden. - Die Erfahrung hat eindeutig gezeigt, dass in einer Krise die Preise für gewerbliche genutzte Gebäude überdurchschnittlich stark fallen; vor allem auch die Mietzahlungen gehen infolge von steigenden Insolvenzen zurück. Dadurch verliert die Besicherung der von den Banken vergebenen Darlehn an Wert. Mit der Finanzierung von Gewerbeimmobilien gehen die Institute daher ein verstärktes Risiko ein, das entsprechend berücksichtigt (bepreist; priced) werden muss.

– Siehe Ausrichtung, vermögensorientierte, Beleihungswert, Betongold, Covered Bonds, Erstraten-Verzugsklausel, Gewerbeimmobilien, Hypothekenschulden, Immobilienblase, Immobilienvermögen, Leerstandsquote, Real Estate Investment Trust, Vermögenspreise, Wohneigentum.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2010, S. 87 ff. (Gewerbeimmobilien-Märkte im Eurogebiet; viele Übersichten), Finanzstabilitätsbericht 2010, S. 68 ff. (Risiken des Marktes; Übersicht), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 55 ff. (ausführliche Marktanalyse, viele Übersichten; Literaturverweise), Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 63 f. (auch farbiges Schaubild der Finanzierung von Gewerbeimmobilien deutscher Banken im Ausland), Monatsbericht der EZB vom Februar 2014, S. 59 ff. (Preiskomponenten für Gewerbeimmobilien; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gewerbekapital (commercial capital):

Die Bemessungsgrundlage der Gewerbesteuer. - Im Einzelnen umfasst das Gewerbekapital im steuerrechtlichen Sinne alle in einem Unternehmen dauernd genutzten Werte, gleichgültig, wem sie gehören (Eigentum Miete, Pacht). Beim Anlagekapital (fixed capital) werden alle dem Betrieb gewidmeten Gegenstände (Gebäude, Grundstücke, Maschinen, Patente) gezählt, beim Betriebskapital (floating capital) handelt es sich um Gegenstände, die fortlaufend dem Verbrauch, dem Wechsel oder der Formveränderung unterworfen sind (Betriebsmittel, Werkstoffe). Beide Arten werden in der Regel zu einem im Steuerrecht üblichen Einheitswert (assessed tax value) berechnet und entsprechend fortgeschrieben.

– Siehe Anlagevermögen, Investition, Kapital, Vermögen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gewerkschaftsbank (trade union bank):

Von Gewerkschaften und ihnen nahestehende Institutionen - wie vor allem Konsumgenossenschaften - gegründete oder getragene Bank mit dem Schwerpunkt (with the main focus) der Bedienung der Mitglieder der Gewerkschaft und des gemeinwirtschaftlichen Sektors überhaupt. - In Deutschland schlossen sich 1958 regionale Gewerkschaftsbanken zur Bank für Gemeinwirtschaft (BfG) zusammen, die beim breiten Publikum (wide public) in sehr hohem Ansehen stand. Durch fehlerhafte (Personal)Politik setzte der Niedergang ein; 1986 mussten sich die gewerkschaftlichen Eigentümer von ihrer Bank trennen. Die Bank für Gemeinwirtschaft samt dem Filialnetz ging nach einigen Zwischenstationen schliesslich im Jahr 2000 in den Besitz des schwedischen, weltweit tätigen Finanzdienstleistungskonzern Skandinaviska Enskilda Banken (SEB) mit Hauptsitz in Stockholm über. Die SEB wiederum trat Ende 2010 das Privatkundengeschäft und damit die 173 ehemaligen BfG-Filialen vor Ort an die spanische Banco Santander - dem zweitgrössten Institut in Europa mit Hauptsitz in Santander unweit von Madrid - für 555 Mio EUR ab.

– Siehe Bankenverstaatlichung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gewinn in älteren Schriften auch Lucrum, Gewinnst, Emolumente(e) und Fromme(n) (profit; gain):

Ein auch in Bezug auf den Finanzmarkt sehr häufig benutzter, gleichwohl jedoch aus sich heraus nicht eindeutig abgegrenzter Begriff.

1 Betriebswirtschaftlich versteht man in der Regel unter Gewinn den Überschuss der Erträge über den Aufwand innert einer Periode. Was dabei genau als Ertrag und Aufwand zu gelten hat, muss im Einzelnen festgelegt werden.

2 Der Unterschied zwischen dem Erlös und den Kosten einer Periode gemäss der Kostenrechnung (cost accounting). Auch hier kommt es vor allem darauf an, welche Kosten und auf welche Weise - etwa: Art der Abschreibungen, Steuern - diese in die Berechnung eingegangen sind.

3 Der aus einer - in der Regel kurzfristig getätigten - Operation bezogene Geldbetrag abzüglich des hierfür eingesetzten Kapitals.

4 Die Summe, die man aus dem Verkauf eines Vermögensgegenstandes, wie etwa eines Wertpapiers oder eines Grundstücks, erzielt hat, abzüglich des Buchwertes (the amount received from the sale of an asset, computed by subtracting its book value).

– Siehe Aushungern, Basisgewinn, Beschores, Buchgewinn, Deckungsbeitrag, Effizienz, Eigenkapitalrentabilität, Eigenmittel, Erfolg, Ergebnis, Ertrag, kumulativer, Finanzarcheologie, Finanzgeier, Finanzzuschlag, Gewinnerwartung, Gewinnmessung, Handelsergebnis, Hebelwirkung, Hohlgewinn, Im Geld, Imparitätsprinzip, International Financial Reporting Standards, Kassaspekulant, Kursdifferenzgeschäfte, Kurs-Gewinn-Verhältnis, Nassgewinn, Nullausschüttung, Papiergewinn, Plangewinn, Plusgeschäft, Position, synthetische, Realkassen-Effekt, Rebbes, Rendite, Rendite, implizite, Run Rate, Schuldnergewinn, Spekulationsteuer, Swap-Karussell, Verlust, Vertrauens-Schock, Verzehnfacher, Vorteil, Zahlen, schwarze, Zinsallkokations-Funktion, Zitronenhandel.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juni 2007, S. 65 ff. (Entwicklung der Gewinne im Eurogebiet; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom September 2007, S. 47 ff. (empirisch feststellbarer Gleichlauf zwischen den Gewinnen der Unternehmen und dem Wachstum der Volkswirtschaft; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2007, S. 44 ff. (Streuung der Gewinne der Unternehmen im Eurogebiet seit 1977; Übersichten; Erklärungsversuche), Monatsbericht der EZB vom Juni 2008, S. 43 ff. (Gewinne 1999 bis 2007; Erklärungen, Übersichten), Monatsbericht der EZB vom August 2008, S. 51 ff. (Gewinne 2005 bis 2007 nach Branchen untergliedert), Monatsbericht der EZB vom März 2009, S. 56 (Gewinneinbruch ab 2007 durch die Subprime-Krise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2008, S. 17 (Gewinn aus gesamtwirtschaftlicher Sicht), Monatsbericht der EZB vom November 2009, S. 56 f. (Gewinne 1996 bis 2008), Monatsbericht der EZB vom April 2010, S. 41 ff. (Gewinnbewegungen nach einer Rezession; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gewinn, operativer (operating profit):

Der aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit erwirtschaftete Gewinn eines Unternehmens (the profit earned from a firm's standard core business operations; it does not include any profit earned from the firm's investments, such as earnings from businesses in which the company has partial rights). Er gilt bei Aktiengesellschaften als wichtige Bestimmungsgrösse für den Kurs der Aktie.

– Siehe Cash Flow, Deckungsbeitrag, EBITDA, Ergebnis, operatives, Free Cash Flow, Geschäfte, operative, Gewinnkonjunktur, Umsatzrendite.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2002, S. 20 ff., Monatsbericht der EZB vom Februar 2004, S. 77 ff., Monatsbericht der EZB vom April 2008, S. 70 f. (Gewinn als Bestimmungsgrösse der Innenfinanzierung; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gewinnbesteuerung (profit taxation, taxation of earnings):

Bemessungsgrundlage (basis of assessment) der zu zahlenden Steuern für ein Unternehmen ist der erzielte Gewinn. Dies benachteiligt die Eigenkapitalfinanzierung (equity financing), wenn die anfallenden Fremdkapitalkosten steuerlich als Aufwendungen geltend gemacht werden können.

– Siehe Entschuldung, Finanzierungskosten, Fremdmittel, Nullausschüttung, Verlustausgleich, steuerlicher.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2012, S. 15 (zur Finanzierungsneutralität der Unternehmensbesteuerung; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gewinnerwartung (expected profit):

1 Allgemein die Hoffnung, aus einem Engagement einen Überschuss des Ertrags über den Aufwand zu erzielen.

2 Der vorausberechnete Ertrag, den ein Finanzinstrument bei Fälligkeit gesamthaft abgeworfen hat.

3 Bei Aktien in der Regel der Aktienkurs errechnet als Summe der erwarteten künftigen Dividendenzahlungen, abgezinst mit einem risikofreien Zinssatz und der Risikoprämie, welche die Anleger für die Aktienhaltung verlangen.

– Siehe Abzinsung, Angaben, unrichtige, Barwert, Gewinnpotential, Nullausschüttung, Sentiment.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom März 2004, S. 37 f., Monatsbericht der EZB vom September 2007, S. 47 ff. (empirisch feststellbarer Gleichlauf zwischen den Gewinnen der Unternehmen und dem Wachstum der Volkswirtschaft; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom April 2008, S, 70 ff. (Gewinne als Bestimmungsgrund für Investitionen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gewinnkonjunktur (trend to business profitability):

1 Allgemein gesagt für einen Zeitraum steigender Gewinne in einzelnen Branchen oder in der Volkswirtschaft gesamthaft, zumeist bezogen auf die Kurse entsprechender Aktien.

2 Einschränkend manchmal auch in der Bedeutung gesagt, dass eine Firma bzw. eine Branche in einer Volkswirtschaft zwar steigende Gewinne verbuchen (carry on increasing profits). Diese Gewinne leiten sich aber nicht aus dem operativen Ertrag her, sondern aus anderen Quellen, wie etwa dem Verkauf von Unternehmensanteilen oder der Neubewertung einzelner Posten. Trotz sinkender Umsatzrendite wird so ein Gewinn ausgewiesen.

– Siehe Boom, Bull, Floor, Deckungsbeitrag, Gewinn, operativer, Gewinnüberraschungen, Gewinnwarnung, Handelsergebnis, Hausse, Prosperität, Runup, Topping out, Umsatzrendite.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gewinnmessung (measurement of profits):

Im Rahmen ihrer makroökonomischen Analyse untersucht die EZB auch die Gewinnentwicklung im Euro-Währungsbiet und veröffentlicht entsprechende Ergebnisse.

– Siehe Gewinn, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2004, S. 75 ff. (dort auch Erläuterung wichtiger Begriffe), Monatsbericht der EZB vom November 2009, S. 56 f. (Gewinne 1996 bis 2008).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gewinnpotential (profit chance):

Die Aussicht, durch ein Engagement einen hohen Gewinn zu erzielen. - Erfahrungsgemäss ist ein hohes Gewinnpotential mit einem gleich hohen Verlustpotential verbunden, und es liegt bei Aktien merklich höher als bei Obligationen.

– Siehe Gewinnerwartung, Rendite-Risiko-Grundsatz, Staffelung, Supergewinn.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gewinnrückgang (dop in profits):

Wenn nicht anders definiert, so meint man damit bei einem Unternehmen im Zeitverlauf weniger Gewinn bezogen auf den Umsatz. - Ein geschmälerter Gewinn verteuert in der Regel den Zugang zu Fremdkapital. Denn die kreditgebenden Banken werden diesfalls die Bonität der Firma niedriger einschätzen und einen höheren Zinssatz berechnen.

– Siehe Finanzierungsprämie, externe.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2012, S. 15 f. (Gewinnrückgang im Konjunkturzyklus verteuert das Fremdkapital).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gewinnschätzung (profit forecast, profit prospects):

Die vor allem von Analysten ausgesprochenen Vorhersagen über allfällige Gewinne aus einer Geldanlage allgemein und aus Papieren im Besonderen. Es gilt als unbestritten, dass

1. Sachkenntnis, Unparteilichkeit und Berufserfahrung die Prognose-Güte wesentlich bestimmen, und

2. die Vorhersagen grösserer Häuser verlässlicher sind.

– Vorsicht ist in jedem Falle geboten, wenn ungewöhnlich hohe Gewinneinschätzungen vor allem in Internet-Foren und undurchsichtigen Börsenbriefen (obscure market letters) behauptet werden.

– Siehe Daimonion, Darkrooming, Finanzgeier, Geheimtip, Geldblogger, Gerüchtestreuen, Kursmanipulation.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2008, S. 22 f. (Vorhersagegüte; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gewinnschuldverschreibung ([profit] participating bond):

Ein Titel, der neben fester Verzinsung auch einen Anteil am (wie ermittelten?) Reingewinn der Gesellschaft zusichert, siehe § 221 HGB.

– Siehe Anleihe, Gewinn.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gewinnüberraschungen (earnings surprises):

Günstige oder ungünstige Abweichungen des tatsächlich erwirtschafteten Gewinns gegenüber Vorhersagen; entweder auf die gesamte Wirtschaft, auf Branchen oder auf einzelne Unternehmen bezogen. Empirisch nachweisbar ist, dass ungünstige Meldungen über Gewinnabweichungen die Börsenkurse mehr beeinflussen als günstige Nachrichten (as an empirical evidence, negative earnings surprises have a greater adverse effect on quotations than the reciprocal positive earnings surprise on share prices).

– Siehe Gewinnschätzung, Gewinnkonjunktur, Gewinnwarnung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gewinnverlagerung (profit shifting, transfer of profits):

Wenn nicht anders definiert die Zuweisung von erzielten Gewinnen von einem Unternehmen an ein anderes inländisches oder ausländisches Unternehmen. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um Innenfinanzierung. Dabei werden Mittel von einer Muttergesellschaft auf eine Tochtergesellschaft übertragen oder umgekehrt.

– Siehe Konzern, Nullausschüttung, Quersubventionierung, Selbstfinanzierung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2012, S. 19 (ausländische Niederlassungen deutscher Firmen werden mit Kapital versorgt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gewinnwarnung (profit warning):

Die Berichtigung einer Vorhersage über Ergebnisgrössen in negativer Richtung (a public announcement made by a company to shareholders and others, warning that profits for a stated period will be much lower than had been anticipated). Die Aufsichtsbehörden verlangen solche Warnungen im Zuge der Ad-hoc-Mitteilungspflicht; sie kontrollieren dabei auch manipulative Meldungen. Solche sind aber besonders in Blogs, Internet-Foren und Netzen wie Twitter an der Tagesordnung (are on daily occurence) und wohl kaum auszuschliessen. - Überdies kann einem Unternehmen aus verschiedenen Gründen ein unter Umständen erheblicher Vorteil entstehen, wenn im Zuge einer Gewinnwarnung Aktionäre ihre Aktien abstossen und/oder Anleihebesitzer die Papiere auf den Markt werfen. Das gezielte in Umlauf setzen von Schreckensmeldungen (targeted disseminating of horrific news, purposefully floating of shocking reports) wird daher auch zurecht in die Mittel der Geschäftspolitik eingereiht.

– Siehe Amber Light, Ad-hoc-Mitteilung, Analyst, Aushungern, Backup, Daimonion, Entscheidungsnützlichkeit, Frontrunning, Geheimtip, Gerüchtestreuen, Gewinnüberraschungen, Kreditgefährdung, Kristallisation, Kursmanipulation, Nullausschüttung, Pairoff, Publizität, situationsbezogene, Redlining, Scalping, Veröffentlichung, unverzügliche, Umstände, bewertungswichtige, Waste Watcher.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ghettobanking (ghetto banking):

Die

1. Durchführung von Finanzgeschäften

2. innert einer Volksgruppe (Fremdarbeiter [foreign workers], Einwanderer [immigrants], völkische Gruppierungen [ethnic minorities as Roma]),

3. die mit weitgehend eigener Kultur und Sprache inmitten eines grösseren gesellschaftlichen Verbandes lebt.

– Wie sich in vielen Ländern gezeigt hat, ist dieser Bereich ausserordentlich betrugsanfällig; ein hoher Prozentsatz der Einleger muss sogar einen Totalverlust getätigter Einzahlungen aller Art hinnehmen. Auf Anzeige und Strafverfolgung im Gastland wird jedoch aus verschiedenen Gründen (for a variety of reasons: as has been shown mostly for fear of hostile action by the organised crime, supported by corrupt executives and lawyers of the host country) in den meisten Fällen verzichtet.

– Siehe Dampfstube, Darkrooming, Dingo-Werte, Domizil-Verschleierung, Finanzgeier, Geheimtip, Geldwäsche, Geldtransfer-Vermittler, Glamour Stocks, Hawala, Offshore Finanzplätze, Pump and Dump, Rebbes, Redlining, Remittance Services, Schattenbankbereich, Schmu, Underground Banking, Verständlichkeit, Wechselstuben, Winkelmakler.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 71 ff., Monatsbericht der EZB vom Februar 2007, S. 95 ff. (Zahlungen von Migranten; Definitionen; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gibrat-Regel (Gibrat's Law):

Das Wachstum einer Bank und allgemein eines Unternehmens, ausgedrückt in den Umsatzzahlen (turnover figures), ist unabhängig von der Unternehmensgrösse (the size of a firm and its growth rate are independent).

– Siehe Bankbetriebsgrösse, optimale, Bankgrösse, Behauptungs-Strategie, Megamergers, Penrose-Theorem, Unternehmenswachstum.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gibson-Paradoxon (Gibson paradox):

Die Tatsache, dass eine auf Vermehrung der Geldmenge gerichtete Politik der Zentralbank nicht nur das Preisniveau gesamthaft erhöht, sondern unter Umständen auch den Zinssatz zum Anstieg bringen kann. Eine expansive Geldpolitik wird zwar kurzfristig zu einer Senkung der Zinsen führen. Aber bei erfolgreicher Ankurbelung der Nachfrage nach Krediten (on condition that it succeeds; dies vorausgesetzt) steigt in der Folge der Zinssatz dann an.

– Siehe Geld, billiges, Geldpolitik, Niedrigzinspolitik, Nullzins, Tarnkappen-Politik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gichtelgeld (medical estimate fee):

In alten Dokumenten eine Zahlung für ein ärztliches Gutachten (the fee for a medical expertise); gichten = hier: begutachten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gifttablette (poison pill, suicide pellet):

Allgemein eine Abwehrmassnahme gegen feindliche Fusionen und Übernahmen (takeover defence measure public companies use against hostile takeovers and designed to make the target unattractive) manchmal auch Shark Repellent (Haiabwehr) genannt. - Unterschieden wird dabei oft zwischen

1. Vertragsklauseln, die von vornherein in die Satzung eines Unternehmens eingebaut werden, meistens Besitzbeschränkungen, und

2. unmittelbaren, augenblicklichen Strategien, die auf eine erhebliche Verteuerung der Zielgesellschaft (acquiree: the firm that should be acquired) hinauslaufen.

– Auch die von der zu übernehmenden Gesellschaft vorgenommene (oft plötzliche; often sudden) Dekapitalisierung rechnet man den Gifttabletten bei.

– Siehe Bieter, Buy out, Erwerbsangebot, Freier, Fusionen und Übernahmen, Handgeld, Kriegskasse, Makkaroni-Abwehr, Material-Adverse-Change-Klausel, Pac-Man-Strategie, Pflichtangebot, Ritter, weisser, Shark Watcher, Spin-off, Squeeze-out, Stimmrecht-Datenbank, Synergiepotentiale, Trade Sale, Transaktionsbonus, Übernahme, feindliche, Übernahme-Ankündigung, Weisser Ritter.

– Vgl. Jahresbericht 2010 der BaFin, S, 223 f. (zum Begriff "feindliche Übernahme"; Zulässigkeit von Abwehrmassnahmen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Giftpapiere (toxic assets, poisoned securities):

Im Zuge der Subprime-Krise um 2009 aufgekommene abschätzige Bezeichnung für Asset-Backed Securities. Indessen ist die Verteufelung (demonisation) dieses Finanzderivats allgemein völlig unberechtigt. Gerügt werden kann hier - wie bei anderen Finanzinstrumenten auch - nur der Missbrauch. Wenn

1. der den Papieren zugrundeliegende Forderungsbestand (underlying receivables portfolio) deutlich ausgewiesen,

2. in seinem Risikogehalt einschätzbar ist (the risk level could be evaluated) und

3. wenn auch die Käufer der Papiere diese einer sorgfältigen Bewertung unterziehen (would perform a careful evaluation), dann sind ABS ein durchaus geeignetes Mittel zur Risikoverteilung auf dem Finanzmarkt.

– Siehe Aktivitäts-Verlagerung, bilanzbestimmte, Ausserbilanzgeschäft, Claw-back-Klausel, CLO-Fonds, Conduit-Gesellschaft, Einzel-Originator-Verbriefung, Erstverlust-Tranche, Flüssigmachung, Konsolidierung, Mezzanine-Tranche, Nichts, bilanzielles, Originate-to-distribute-Strategie, Originator, Residential Mortgage Backed Securities, Rückzahlung, vorzeitige, Single Master Liquidity Conduit, Stimmrecht-Kriterium, Unterstützung, stillschweigende, Verbriefung, Verbriefungsstruktur.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gigabank (giga bank):

In Deutschland immer wieder - und von wem sogar! - laut werdende Forderung, eine einziges, über ganz Deutschland verbreitetes und möglichst auch global tätiges Institut müsse anstelle der jetzigen Bankenlandschaft mit ihren drei Säulen treten. - Dahinter steht die zigmal widerlegte Behauptung (endlessly disproven statement), schiere Grösse bringe im Finanzgeschäft nur Vorteile mit sich. Unstreitig ist, dass eine Gigabank in Deutschland weniger Wettbewerb und damit höhere Preise für Finanzdienstleistungen im Gefolge hätte.

– Siehe Abwickelbarkeit, Allianzen, grenzüberschreitende, Bankbetriebsgrösse, optimale, Bankgrösse, Bankrott-weil-klein-These, Behauptungs-Strategie, Bestreitbarkeit, Downsizing, Dreierblock, Drei-Säulen-Modell, Finanzkonglomerat, Gibrat-Regel, Grossbankenbonus, Grössen-Effekte, G-Sifi, Konzernabschlag, Konsolidierung, Margendruck, Megamanie, Multi-Boutique-Ansatz, Octopus, Penrose-Theorem, Rush to exit, Subsidiaritätsprinzip, Too big to fail-Grundsatz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Giips-Staaten (giips countries):

Nach 2010 aufgekommenes Kürzel vor allem der Finanzjournalisten zur Bezeichnung der Mitglieder der Eurozone Griechenland, Irland, Italien, Portugal und Spanien, die weit von den Vorgaben (performance targets) des Stabilitäts- und Wachstumspaktes abgekommen sind.

– Siehe Bailout, EU-Finanzhilfe, Moral Hazard, Südfront, Vermögensabgabe, Vertragstreue, Zwangsenteignung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2014, S. 14 ff. (Anpassungsmassnahmen in den Giips-Staaten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gilt (gilt):

1 Alte Naturalabgabe - in der Regel die Zehnt in Feldfrüchten -, die als Bringschuld dem Grundherrn in stets gleicher Menge abzuliefern war. Diese gegenständliche Lieferverpflichtung (obligation to deliver in kind) wurde vielenorts im Laufe der Zeit in einen jährlich (on St. Martin's day; an Martini, dem 11. November) zu zahlenden Betrag in Geld umgewandelt.

2 In alten Dokumenten auch die Vergütung für ein gewährtes Darlehn, also der Zins.

3 Früher auch für Rente (eternal gilt; "ewige Gilt" = immerwährende bzw. auf Lebenszeit zu zahlender Betrag) gesagt, vor allem auch in Zusammenhang mit Rentenkauf.

4 In der Börsensprache auch eine/p>

1. erstklassige (highly rated), im engeren Sinne

2. eine von Grossbritannien begebene Staatsanleihe.

– Siehe Apanage, Detz, Ewiggeld, Konsols, Pension, Zahlungsmitteläquivalente.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gilt Edged Securities (so auch oft im Deutschen gesagt; gilt here = thin layer of gold; vergoldet):

1 Erstklassige, mündelsichere Wertpapiere (securities and bonds of the highest rating or quality).

2 Langfristige britische Staatsanleihen.

– Siehe Blue Chips, Erstklasse-Werte, Gerhabgeld, Gilt, Laxament, Lombarden, Mündelsicherheit, Rentenanleihe, Zahlungsmitteläquivalent.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gini-Koeffizient (Gini index):

Häufig verwendete Methode bei der Berechnung des Ad-ressen-Risikos. Diese Kennzahl ist allgemein ein statistisches Mass für Verteilungsgleichheit einer Masse, entwickelt von dem italienischen Statistiker Corrado Gini, 1884-1965. Der Wert kann beliebige Grössen zwischen null und eins - bzw. null und einhundert Prozent - annehmen. Je mehr sich der Gini-Koeffizient an eins bewegt, desto grösser ist die Ungleichmässigkeit der zugrundegelegten statistischen Masse. - Als Konzentrationsindex (measure for the degree of concentration) verwendet, zeigt der Gini-Koeffizient die Abweichung einer Verteilung der Forderungshöhe von der Gleichverteilung. Ein Wert nahe null entspräche einem gleichartigen Portfolio. - Allerdings bleibt dabei die Grösse des Portfolios unberücksichtigt. Ein Portfolio mit wenigen, aber gleich grossen Darlehn würde einen kleineren Koeffizienten aufweisen als ein besser diversifiziertes grösseres Portfolio, das unterschiedliche hohe Forderungen enthält. Entsprechend würde der Gini-Koeffizient ansteigen, wenn ein relativ kleines Darlehen eines weiteren Darlehnnehmers zusätzlich in das Portfolio aufgenommen wird, obgleich dadurch die Konzentration ja sinkt.

– Siehe Granularität, Herfindahl-Hirschman-Index.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2006, S. 40 f. (ausführliche Darstellung und Kritik).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Giovanni-Barrieren (Giovanni barriers):

Der europäischen Finanzmarktintegration entgegenstehende Hemmnisse, die im Einzelnen von einer Arbeitsgruppe aus Finanzfachleuten unter dem Vorsitz von Alberto Giovanni in zwei Berichten 2001 und 2003 aufgezählt und im Einzelnen beschrieben wurden.

– Siehe Aufsicht, europäische, Cassis-de-Dijon-Urteil, Financial Services Action Plan, Home Bias, Lamfalussy-Vorschlag, Rechtsangleichung, Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente, SEPA-Rat, Stabilitätsfonds, europäischer.

– Vgl. Jahresbericht 2010 der EZB, S. 166 (Abbau von Giovanni-Barrieren), Monatsbericht der EZB vom Februar 2012, S. 118 ff. (Vorteile der Finanzmarktintegration; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gipfelwahn (summit mania, indefictibility illusion):

In Bezug auf den Finanzmarkt gesagt von der trügerischen Vorstellung, dass vor allem durch neue Instrumente, aber auch durch zusätzliche Regulierung, der Markt zur höchsten Vollendung gekommen sei, und damit krisenhafte Entwicklungen ein für alle Mal verunmöglicht (virtually impossible) seien. - Die Untersuchung der Gründe für die Subprime-Krise stellte solchen Gipfelwahn an die erste Stelle. Man glaubte weithin, in erster Linie durch Verbriefung und Risikotransfer allfällige Finanzkrisen völlig ausgeschlossen zu haben.

– Siehe Elisabeth-Frage.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Giralgeld (money in account):

Alle gültigen Zahlungsmittel, die nicht Münzen oder Banknoten sind.

– Siehe Buchgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Giro (giro):

1 Überweisung im bargeldlosen Zahlungsverkehr (cashless transferring money within the financial institutions).

2 Die Übertragung eines Orderpapiers - wie Wechsel, Scheck, Schuldschein - durch Indossament. Derjenige, welcher das Papier unterschreibt, wonach dieses an eine andere Adresse übergehen soll, heisst Girant (indorser, endorser). Wem das Papier durch Indossament übertragen wird, heisst Giratar (indorsee, endorsee).

– Siehe Allonge, Girogeschäft, Nachmänner, Single European Payment Area, Wechsel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Girobank (clearing bank, cheque bank):

In älteren Veröffentlichungen ein Institut, das im Besonderen auf den Überweisungsverkehr - heute ein selbstverständlicher Geschäftszweig (normal service area) einer Bank - ausgerichtet ist.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Girogeschäft in alten Veröffentlichungen auch Umschreibegeschäft (clearing business):

Die Durchführung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs und des Abrechnungsverkehrs. Entsprechende Aktivitäten sind in Deutschland erlaubnispflichtig und unterliegen der Kontrolle der Aufsichtsbehörde.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Giroobligo (acceptance commitments; contingent liability on account of indorsements on bills discounted):

In der älteren Literatur gesagt für Verbindlichkeiten eines Kunden aus eingereichtem (girierten; endorsed) Wechselmaterial.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Giropay (so auch im Deutschen):

Ein innovatives Bezahlverfahren im Internethandel, bei dem der Kunde von der Kasse des Internethändlers unmittelbar auf das Online-Portal seiner Bank geleitet wird. Gleich nach Ausführung der Überweisung erhält der Händler automatisch eine Zahlungsbestätigung.

– Siehe Billpoint, Bitcoins, Online Banking, PayPal, Payez Mobile.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 96 ff. (Darstellung dieses sowie anderer Bezahlverfahren; viele Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2009, S. 62 ff. (Fortschritt bei innovativen Bezahlverfahren allgemein; Insellösungen [isolated applications] hemmen den Gebrauch neuer Zahlungswege).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Girozentrale (giro centre, central giro institution):

In Deutschland anfänglich Vereinigungen von kommunalen Sparkassen und Verwaltungen auf öffentlicher Grundlage. Ursprüngliche Aufgabe war es, den kommunalen Geldausgleich und den Überweisungsverkehr (giro; Giro) zu pflegen. Seitdem sind die Girozentralen über diese Aufgaben hinausgewachsen und entwickelten sich zu Spitzeninstitute der deutschen Sparkassen, ab 1998 meistens - und so auch in der Statistik der Deutschen Bundesbank - Landesbank genannt.

– Siehe Landesbank, Vertikalisierung, Zentralkasse.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Glamour Stocks (so auch im Deutschen gesagt):

Mit ansehnlichem Reklameaufwand hauptsächlich Privatanlegern von unseriösen Firmen und in der Regel aus Offshore Finanzplätzen angebotene Aktien und weiter gefasst auch andere Wertpapiere (cats and dogs), die

1. entweder von vornherein als wertlos einzuschätzen oder

2. mit einem sehr hohen Verlustrisiko behaftet sind. Häufig werden Erfolgsmeldungen (action stories) mitgeliefert von angeblich durch Kauf des angepriesenen Vermögensgegenstandes über Nacht zu Reichtum gekommen Personen.

– Siehe Billigkopie, Dampfstube, Daimonion, Dingo-Werte, Domizil-Verschleierung, Energiewerte, Equity-Banking, Finanzgeier, Firmenbestatter, Geheimtip, Ghettobanking, Glücksspieleffekt, Go-go-Fonds, Junk-Bonds, Klartext, Kreditgefährdung, Non-Investment Grade, Offshore Finanzplätze, Penny-Stocks, Pump and Dump, Private-Equity-Finanzierung, Pyramide, Terror-Papiere, Verständlichkeit, Vorhersagen, Zitterprämie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Glass-Steagall-Gesetz (Glass-Steagall Act):

In den USA 1933 eingeführte Vorschrift, wonach alle in den USA tätigen Banken

1. entweder das Einlagegeschäft betreiben (commercial banks)

2. oder aber sich dem Wertpapiergeschäft widmen (investment banks, auch broker banks genannt) dürfen. Beide Geschäftstätigkeiten zugleich auszuüben sind einer Bank danach verboten. Zweck des bis 1999 gültigen Gesetzes war es, die Einlagen der Kunden bei einer Bank vor spekulativen Anlagen zu schützen.

– Im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise wurde in den USA eine Wiedereinführung der Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken ausführlich erörtert. Angesichts der Komplexität moderner Bankgeschäfte sowie der Vielschichtigkeit mancher Finanzprodukte wäre jedoch nach dem Urteil der Mehrheit der Fachleute eine Wiederbelebung des Glass-Steagall-Gesetzes kaum sinnvoll. Das gleiche Ziel lässt sich auch durch strengere Eigenkapitalvorschriften erreichen.

– Siehe Banking, begrenztes, Deregulierung, Fachbankensystem, Investmentbank, Trennbanksystem, Universalbank.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Glattstellung in älteren Dokumenten auch Peräquation (offsetting):

1 Allgemein gegenüber einem Gläubiger (creditor; Liquidanten) die Befriedigung seiner Forderung, die dadurch beglichen (abgegolten; settled) wird.

2 Im banktechnischen Sinne die Bezahlung einer Belastung auf dem Konto; die Tilgung eines Debetsaldos (realisation of a debt balance). Danach ist die Schuld abgelöst und das Konto ausgeglichen (glattgestellt; balanced, cleared). - Man spricht hingegen nicht von Glattstellung, wenn ein Guthaben auf einem Konto durch eine entsprechende Buchung - wie Abzug des Geldes oder Aufnahme eines Darlehns in Höhe des bestehenden Guthabens - aufgelöst wird.

3 Im Terminhandel die Aufhebung der Verpflichtung zur Lieferung oder Annahme der Lieferung der gegenständlichen Gutes (financial instrument; Finanzinstrument, commodity; Ware) durch Eingehen einer gleichwertigen, aber entgegengesetzten Futures-Position. - Um eine Option glattzustellen, muss also dieselbe Option gekauft oder verkauft werden.

– Siehe Abmachung, Absicherung, Begleichung, Bezahlung, Bullet Payment, Erfüllung, Forderung, Exekutionsstücke, Kick it out-Order, Liquidation, Rohstoff-Terminvertrag, Saldozahlung, Storno, Zahlung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Glaubhaftmachung (substantiation):

Vor allem im Verkehr zwischen Kunde und Bank in nebensächlicheren Angelegenheiten eine mindere Form des Beweises, wie etwa das Vorlegen einer Schriftstücks oder eine eidesstattliche Versicherung (any factual evidence that helps to support the legitimacy of something).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gläubiger früher auch häufig Kreditor (creditor):

Jemand, der eine Forderung gegen eine Person, ein Unternehmen oder eine öffentliche Stelle zu Buche stehen hat (one to whom money or its equivalent is owed). Macht der Gläubiger seine Ansprüche geltend, so nennt ihn die ältere Finanzsprache häufig auch Liquidant.

– Siehe Subrogation.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gläubiger, chirographischer und Buchgläubiger (chirographic creditor):

Wer ein Darlehn einem Schuldner ohne Sicherheit gewährt (a creditor who does not benefit of any security on any specific asset given as collateral).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gläubiger, nachrangige (junior creditors):

Zu nachrangigen Verbindlichkeiten zählen alle Schulden, die im Falle der Insolvenz erst nach Befriedigung sämtlicher Gläubiger bedient werden. - Grundsätzlich besteht ein besonderer Anreiz zur Risikoüberwachung einer Bank durch die Gläubiger nachrangiger Verbindlichkeiten. Denn diese haben im Gegensatz zu den Bankaktionären nur begrenzt Anteil an Gewinnsteigerungen, sind aber im Gegensatz zu anderen Gläubigern voll am Risiko eines Instituts beteiligt. In Krisenzeiten einer Bank jedoch verlieren nachrangige Gläubiger das Interesse an einer Begrenzung des Risikos; denn ihre Stellung nähert sich im Insolvenzfall derjenigen der Eigentümer.

– Siehe Bankaktionärs-Interesse, Grössenvertrauen, Verbriefung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2005, S. 75 ff. (S. 87: Übersicht der Emission nachrangiger Verbindlichkeiten deutscher Banken).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gläubigervorrang (precedence of creditors):

Wenn nicht anders definiert, so meint man damit im Eurogebiet die Pflicht der Gläubiger, sich beim Bankrott einer Bank an dem Verlust zu beteiligen, ehe dieser den Steuerzahlern aufgebürdet wird. - Bei der Zypern-Krise 2013 wurden erstmals so gut wie alle Gläubiger zur Verlustdeckung (covering of losses, loss compensation) der überschuldeten Banken herangezogen.

– Siehe Bankenrettung, Einlegerhaftung, Retterei, Verlustübernahme, persönliche, Vermögensabgabe, Zombiebank, Zwangsenteignung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Glaubwürdigkeits-Paradoxon (paradox of credibility):

Um 2005 in Zusammenhang mit der Geldpolitik aufgekommene Bezeichnung für die Tatsache, dass dann,

1. wenn eine Zentralbank im Zuge einer glaubwürdigen Geldpolitik (credible monetary policy)

2. die Inflation und damit auch die Zinsen niedrig hält,

3. sich viele Anleger auf der Jagd nach hoher Rendite

4. hoch riskanten Finanzprodukten (high-risk financial products) weltweit zuwenden. Die Folgen der Subprime-Krise wurden von manchen Beobachtern auf diese Weise (mit)erklärt.

– Siehe Carry Traders, Elisabeth-Frage.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gleichengeld (topping-out payment):

Früher ein Trinkgeld an die am Bau eines Hauses beteiligten Handwerker anlässlich des Gleichenfestes (Richtfestes; topping-out ceremony); gleichen = hier: das Dachgebälk in bündigen, ebenen, ausgeglichenen Zustand bringen. - Nach glaubhaften alten Berichten und Gerichtsakten (as to believable historical reports and judical files) sägten die Zimmerleute (carpenters) einen Balken an, wenn ihnen das Gleichengeld als zu niedrig erschien.

– Siehe Anerkennungsprämie, Angeld, Prämie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gleiches Geschäft - Gleiche Regel-Grundsatz (same business, same rules principle):

Aufsichtliche Leitlinie, dass unabhängig von der rechtlichen Form jeder Akteur auf dem Finanzmarkt in gleicher Weise überwacht werden muss. Im Besonderen geht es darum, dass bis anhin vor allem Hedge-Fonds, Private Equity Fonds, Vulture-Funds, Structured Investment Vehicles und andere Entitäten aus dem Schattenbankbereich häufig hohe Risiken eingehen, ohne dass diese einer Aufsichtsbehörde gegenüber rechenschaftspflichtig sind.

– Siehe Bankenregulierungs-Paradoxon, Regulierungsarbitrage, Schattenbanken.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gleichgewicht, aussenwirtschaftliches (external equilibrium):

Ein Zustand, bei dem über zwei, drei Jahre hinweg gesehen ein Land soviel aus Ausfuhren erlöst, wie es an Einfuhren zahlen muss (a situation in which - seen over some years - the money a country brings in from exports is roughly equal to the money it spends on imports). Bei den Eintrittskriterien in die Europäischen Währungsunion wurde einer ausgeglichenen Handelsbilanz zu wenig Beachtung geschenkt; und schon zuvor bei den Maastricht-Kriterien (den vier Konvergenzkriterien nach Art. 140 AEUV) fehlte das aussenwirtschaftliche Gleichgewicht. Manche sehen darin den Hauptgrund dafür, dass die EWU die Mitglieder kaum nachhaltig gestärkt hat. - Indessen gilt es auch die auf die Subprime-Krise folgende Finanzkrise in Betracht zu ziehen. Ohne Mitgliedschaft in der EWU wären einige Länder davon bei weitem stärker betroffen worden. Systemintern (within the system of the EU) ist zudem an die Aufweichung des Stabilitäts- und Wachtumspaktes durch Absprache zwischen Deutschland und Frankreich zu erinnern. Hiervon gingen für das Handeln der Mitglieder der EWU nachteilige Signale aus, und der (Luxus)Konsum wurde in der Folge zulasten von Investitionen ausgeweitet.

– Siehe Auslandsverschuldung, Friedman-These.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gleichgewichtsmodelle, dynamisch-stochastische (dynamic stochastic general equili-brium models, DSGE-models):

Sprachlich unschöne Bezeichnung für

1. Annahmen über die Zusammenhänge wirtschaftlicher Variabler, im Zuge derer

2. im Besonderen auf die Erwartungen der Marktteilnehmer abgestellt wird.

– Man schreitet hier also von der Mirkoökonomik zur Makroökonomik und vermeidet den Fehler, aus der Vergangenheit abgeleitete Beziehungen in die Zukunft zu übertragen. Für die Zentralbanken ist dieses Verfahren für die vorausschauende Geldpolitik von Bedeutung und wurde dort auch verfeinert.

– Siehe Eckdaten, makroökonomische, Elisabeth-Frage, Geldpolitik, vorausschauende, Modelle, geldpolitische, Sparsamkeitsregel. VAR-Modell.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2008, S. 33 ff. (ausführliche Darstellung; viele Literaturverweise; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Mai 2013, S. 77 (Grundsatzartikel zur Verlässlichkeit gesamtwirtschaftlicher Projektionen; viele Übersichten; Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gleichlauf-Problem (problem of synchronous run):

In Bezug auf den Finanzmarkt gesagt, wenn

1. bei sämtlichen Anlageklassen, von Rohstoffen über Aktien bis hin zu Unternehmensanleihen,

2. über eine längere Zeit (happening at a longer time)

3. nur eine Richtung, nämlich nach oben oder nach unten, und dazu

4. weltweit zu beobachten ist.

– Dieser Zustand wird als systemisches Risiko eingestuft, weil die Möglichkeit fehlt, Risiken zu diversifizieren, nämlich angemessen auf einzelne Engagements zu verteilen.

– Siehe Blase, spekulative, Bull, Hausse, Milchmädchen-Hausse, Rally, Sentiment, Wert, zyklischer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Global Environmental Facility, GEF (so auch im Deutschen):

Das weltweit grösste Sondervermögen in Bezug auf internationale Umweltabkommen und Umweltkonventionen. Gegründet 1991 als Pilotprojekt der Weltbank, ist der Fonds seit 1994 eine selbständige Organisation. Ihm obliegt das finanzielle Durchführung einer Reihe der internationalen Abkommen zum Umweltschutz, wie zum Beispiel die Konvention für Biodiversität (CBD), die Klima-Rahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC), die Stockholmer Konvention zum Verbot langlebiger, hochgiftiger Umweltgifte (POPs) und Konvention der Vereinten Nationen zur Bekämpfung von Desertifikation (UNCCD). Internationale Organisationen und Entwicklungsbanken, wie die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), die Asiatische Entwicklungsbank (ADB), die Afrikanische Entwicklungsbank (AfDB), der Internationale Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD) und die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD), sind Partner in der Umsetzung der Vorhaben.

– Siehe Adaption Fund, Ersatzgeld, Nachhaltigkeit, Pigou-Steuer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Globalisierung (globalisation, aggregation of markets):

Allgemein die zunehmende Verflechtung der Wirtschaftstätigkeit und damit verbunden des Güteraustauschs auf der Welt gesamthaft. Ziel ist es, dass jeder - wie innert einer Nationalwirtschaft im Grossen und Ganzen auch heute schon - dasjenige Gut hervorbringt, das er vergleichsweise (comparatively; komparativ) am kostengünstigsten herstellen kann (Gesetz der komparativen Kosten; law of comparative advantage). Auf diese Weise steigt der Wohlstand der Weltbevölkerung gesamthaft.

– Siehe Balassa-Index, Internationalisierung, Wirtschaftspatriotismus.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der EZB, S. 81 ff. (Auswirkungen auf das Eurogebiet, viele Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Januar 2008, S. 81 ff. (lehrbuchmässige Darstellung mit vielen Übersichten und Literaturhinweisen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2009, S. 46 f. (Widerspiegelung der internationalen Verflechtung in den Bilanzen; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom November 2009, S. 105 ff. (Konjunkturverläufe historisch und in Bezug auf die Globalisierung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Globalisierung, finanzielle (financial globalisation):

1 Angebot und Nachfrage nach Darlehn greifen zunehmend über die heimische Märkte und internationalisieren sich. Allein zwischen 1990 und 2000 stieg der weltweite Kapitalstrom um das Vierfache (auf 7,5 Trillionen USD). Beschleunigt hat diesen Vorgang vor allem

1. der Fortschritt in der Informationstechnologie,

2. der zunehmende Güteraustausch zwischen den Nationalstaaten, einschliesslich der Auslandsinvestitionen,

3. die Öffnung der einzelstaatlichen Finanzmärkte für ausländische Marktteilnehmer

4. die Entwicklung neuer Finanzprodukte, die unter anderem eine weltweite Risikoverteilung ermöglichen sowie

5. der starke Wettbewerb unter den Anbietern: neben den klassischen Banken treten als Konkurrenten auch Nichtbanken auf, wie Investmentfonds, Versicherungen und selbst grosse Produktions- und Handelsunternehmen.

2 Banken verlagern lohnkostenintensive Bereiche (labour intensive areas) aus dem Back-Office-Bereich ins billigere Ausland, wenn die Kosten für Arbeit über das Grenzprodukt der Arbeit (marginal product of labour: the change in output per unit change in labour) steigen.

– Siehe Aktivitätsanalyse, Auslands-Personalbestand, Bankfusionen, Champion, nationaler, Datei-Verwaltung, zentralisierte, Entkopplungs-These, Europa-AG, Entlassungs-Produktivität, Globalisierung, Internationalisierung, Outsourcing, Schattenbanken, Wirtschaft, zweigeteilte, Zinsallkokations-Funktion.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2006, S. 45 ff. (Direktinvestitionen tragen zur finanziellen Globalisierung bei), Monatsbericht der EZB vom August 2008, S., 88 ff. (Stellung des Euroraums in der finanziellen Globalisierung; Übersichten, Literaturverweise; Modellfragen), Monatsbericht der EZB vom Februar 2012, S. 117 ff. (grenzüberschreitende Kapitalströme im Eurogebiet; ausführliche Darstellung; viele Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2014, S. 65 (deutsche Direktinvestitionen weltweit: Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Globalisierung, inflationsmindernde (inflation reducing globalisation):

Die engere Verflechtung der Gütermärkte auf der Welt führte bisher zu einem höheren Wettbewerbsdruck. Die damit zwangsläufig einhergehende Deregulierung der Märkte (deregulation of markets: the removal or simplification of government rules and regulations that hamper the operation of market forces) verringerte gleichzeitig den Monopolisierungsgrad (degree of monopoly) in den nationalen Volkswirtschaften. Aus der Sicht der Geldpolitik wirkte sich diese Flexibilisierung zunächst einmal preisdämpfend (advantage of globalisation; "Globalisierungsdividende") aus. - Andererseits steigt aber auch mit der im Zuge der Globalisierung stattfindenden Einbeziehung von bis anhin weniger entwickelten Ländern die Nachfrage nach Erdöl und Metallen, was zu Preissteigerungen führt. Dies kann die inflationsmindernde Wirkung (über)kompensieren.

– Siehe Erdöl-Inflation, Finanzialisierung.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juni 2007, S. 101 ff. (Tendenzen; Vergleiche mit anderen Regionen; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Global Macro (so auch im Deutschen gesagt):

Hedge-Fonds, die aus besonderen Ereignissen in der gesamten Welt einen Gewinn zu erreichen versuchen (a hedge fund strategy that bases its holdings - such as long and short positions in various equity, fixed income, currency, and futures markets - chiefly on overall economic and political views of various countries). Solche Umstände sind vor allem

1. Marktunvollkommenheiten (market inadequacies: alle vom Fondsmanagement als vorübergehend eingeschätzte Abweichungen vom Gleichgewichtspreis) irgendwo und in welchem Teilmarkt (sub-market) auch immer, aber

2. auch Verschiebungen der geopolitischen Lage und drohende Auseinandersetzungen oder

3. sich langfristige (noncurrent) vollziehende Änderungen in Wirtschaft und Gesellschaft, wie etwa die Verstädterung und die sich abzeichnende Überalterung in Europa und China.

– Mit dieser Strategie bewirken die Hedge-Fonds, dass Kapital dorthin geleitet wird, wo Engpässe zu erwarten sind.

– Siehe Event-Driven Fund, Hedge-Fonds-Strategien, Hedging, Methusalem-Syndrom, Rücklagen-Verzehr, Schattenverschuldung, Vergreisung, Vermögens-Portfolio.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Global Player (so auch im Deutschen gesagt):

In Bezug auf Banken ein weltweit tätiges Institut, das vor allem bei der Begebung von internationalen Anleihen, im Derivate-Geschäft und in ihren Umsätzen mit Hedge-Fonds führend ist (an institute that operates in more than one country in a leading position). - Im Jahr 2006 zählte der Internationale Währungsfonds dazu achtzehn Unternehmen, nämlich: die ABN AMRO Bank N.V., zu 100 Prozent im Besitz des niederländischen Staates, Bank of America: diese wurde 2012 als die grösste Bank der Welt eingestuft, Barclays (Ende 2008 zu 12 Prozent im Besitz von Staatsfonds), Bear Stearns (im März 2008 von der Grossbank JP Morgan Chase übernommen), BNP Paribas, Citigroup (Ende 2008 zu 5,2 Prozent im Besitz von Staatsfonds), Crédit Agricole, Credit Suisse Group (Ende 2008 zu 2 Prozent im Besitz des Staatsfonds von Quatar, weitere internationale Investoren besassen Ende 2007 knapp 19 Prozent), Goldman Sachs, HSBC Holdings (eine Beteiligung hält hier der Staatsfonds von Dubai), ING Bank, JP Morgan Chase, Lehman Brothers, das Institut ist im Zuge der Finanzkrise im Herbst 2008 zusammengebrochen, Merrill Lynch (Ende 2008 zu 23,0 Prozent im Besitz von Staatsfonds), Morgan Stanley (Ende 2008 zu 9,9 Prozent im Besitz von Staatsfonds), Royal Bank of Scotland, Société Générale und Union Bank of Switzerland (eine Beteiligung an der UBS hält hier seit 2008 der Staatsfonds von Singapur).

– Siehe Bankenaufsicht, europäische, Derivategeschäfte-Clearingpflicht, Derivategeschäfte-Meldepflicht, Finanzmarkt-Interdependenz, Sifi-Oligopol.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Globo (globo):

Name der von manchen Autoren vorgeschlagenen, in einigen hundert Jahren wohl erst einführbaren Weltwährung. Viele gehen davon aus, dass ein solches Geld nur aus Münzen aus Edelmetall und ganz in Edelmetall einlösbaren Banknoten bestehen werde.

– Siehe Asian Currency Unit, Anti-Greshamsches Gesetz, Geld, privates, Neuro, Terra.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Glockenschlag-Geschäft (at the bell transaction):

Wenn nicht anders definiert an der Börse ein Auftrag gleich zu der Beginn oder kurz vor dem Ende der Handelszeit (transaction at the opening or close of the exchange).

– Siehe Börsenfunktionen, Devisenhandel, computerisierter, Geisterstunde, Hochfrequenzhandel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Glücksspieleffekt (gambling effect):

Auf Aktienmärkten die Tatsache, dass Anleger geneigt sind, ihre mühelos, gleichsam spielerisch gemachten Gewinne und im Gegensatz zu hart erarbeitenden Ersparnissen - wieder risikofreudig (willing to take risks) zu investieren. Dies führt dazu, dass gelegentlich einer Aktienhausse bei vielen Anlegern die Aktienquote in ihrem Portfolio stark ansteigt.

– Siehe Finanzpsychologie, Gescherter, Herdenverhalten, Hindsight, Kurzsichtigkeit, Milchmädchen-Hausse, Spielgeld. Staffelung, Wahrnehmungsverzerrung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gnadengeld (payment of grace, benefit of clemency):

1 Allgemein eine regelmässige Zahlung ohne Rechtsanspruch; Ehrensold, Ehrengehalt.

2 Bei Börsen früher eine Unterstützung für die mittellosen Hinterbliebenen (widow, underage children; Witwe, unmündige Kinder) von Spekulanten, die zur bestimmten Zeit keine Deckung ihrer Verbindlichkeiten beschaffen konnten, und die nach den Gepflogenheit an der Börse Selbstmord (suicide) begingen.

– Siehe Barfusspilger.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gnomen von Zürich (gnomes of Zurich):

Zunächst in England, dann darüber hinaus verbreitete, unfreundliche Bezeichnung für die Banken in der Schweiz gesamthaft und am Platz Basel, Zürich, Lausanne und Genf im Besonderen. Es wird dabei hintergründig angenommen, dass man durch unredliche Listigkeit (machinations) den Banken am Finanzplatz London gleichsam aus dem Hinterhalt - gleichsam durch das heimliche Wirken von Gnomen = unentdeckbaren Erdgeistern - internationale Kunden abwarb. - Erst spät verbreitete sich die Einsicht, dass die Anbieter in der Schweiz offenbar besser sind und sich behender auf die Nachfrage - auch hinsichtlich der Steuerberatung - einstellen. Denn die in aller Regel sehr nüchtern rechnenden internationalen Finanzdisponenten und Anleger wechseln nicht so leicht von der englischsprachigen Millionenmetropole Londons in die eher betuliche Schweiz. - In der breiten deutschen Öffentlichkeit (broad public) gelten Institute in der Schweiz als Helfershelfer (accomplice: an asscociate in guilt) des weltweiten Drogenhandels und als Anstifter (plotter) zur Steuerflucht der Reichen in Deutschland.

– Siehe Badwill, Bankenmacht, Bankist, Bankokratie, Dollar-Lücke, Finanzkapital, Finanzsodomit, Fluchtgeld, Geldleute, Helvetophobie, Hochfinanz, Kannibalismus-Effekt, Kontenoffenlegung, Schanghaiing, Spill-over-Effekt, Steuerberatung, Verschwörungstheorien, Zinsinsel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Goethe-Anleihe (Goethe bond):

Im Frühjahr 2014 aufgekommene Bezeichnung für eine am Platz Frankfurt/Main begebene chinesische Anleihe in der chinesischen Währung Yuan. Emittent ist die Bank of China. Der Vorteil liegt darin, dass sich europäische Unternehmen auf diese Weise leichter mit der chinesischen Währung versorgen können, etwa wenn sie Geld zum Aufbau einer Produktionsstätte in China benötigen. - Die Bezeichnung "Goethe-Anleihe" leitet sich ab von dem berühmten deutschen Dichter und Staatsmann Johann Wolfgang Goethe (1748-1832), der in Frankfurt geboren wurde und dessen Werke auch ins Chinesische übersetzt wurden.

– Siehe Yankee-Bonds.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Go-go-Fonds (go-go-fund):

Kapitalverwaltungsgesellschaft, deren Geschäftspolitik laut Satzung ausschliesslich oder doch vorwiegend auf hochspekulative Objekte jeder Art gerichtet ist (a fund that trades heavily and predominantly in high-return, high-risk investments). Geschäfte in dieser eindeutigen Ausrichtung sind in Deutschland aufsichtsrechtlich nicht gestattet.

– Siehe Asset Sales Deal, Balanced Fund, Dingo-Werte, Explorer-Werte, Finanzgeier, Glamour stocks, Hölle-und-Flut-Vertrag, Katastrophen-Anleihen, Risikokapital, Risikoüberwachung, gegliederte, Single Hedge-Fonds, Termsheet, Terror-Papiere, Vulture Fund, Zitterprämie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Goi, Mehrzahl Gojim (goy):

In der älteren Dokumenten ein nichtjüdischer, im Besonderen ein christlicher Marktteilnehmer oder Vertragspartner unter jüdischen Geschäftsleuten (a disrespectful term among Jews for a trading partner who is not a Jew).

– Siehe Mauschel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Going-Concern-Grundsatz (going concern principle):

1 Bei der Bewertung der Vermögensgegenstände und Schulden in einem Unternehmen ist davon auszugehen, dass dieses für unbestimmte Zeit fortgeführt wird (that the company operates without the intention or threat [drohende Gefahr] of liquidation for the foreseeable future). Lediglich dann, wenn die Firma durch Beschluss ihrer entscheidungsberechtigten Organe zu einem genau bestimmten Termin aufgelöst wird, dann dürfen Liquidationswerte angesetzt werden. Der Grundsatz gilt in dieser Form sowohl nach IFRS als auch US-GAAP.

2 Bei der Berechnung des Risikos im Bankbetrieb die Annahme, dass die Bank ihre sämtlichen Plangewinne in einem Risikohorizont verliert. Der ökonomische Kapitalbedarf wird hier also zu einem gering bemessenen Konfidenzniveau ermittelt.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2007, S. 62 (Going-Concern-Ansatz im Rahmen des Risikodeckungspotentials), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2013, S. 42 (Behandlung stiller Lasten im Rahmen des Going-Concern-Ansatzes).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Going Private (so auch im Deutschen gesagt):

Der Rückzug eines Unternehmens von der Börse durch Rückkauf der Aktien.

– Siehe Delisting.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gold (gold):

Das Edelmetall Gold spielt durch die Geschichte hindurch in der menschlichen Gesellschaft eine hervorstechende Rolle. Denn es handelt sich hier um einen Gegenstand, der fortdauernd, über die Zeiten hinweg seinen Wert behält: der seine Qualität und daher auch seinen Marktwert in sich, in seiner Beschaffenheit, in seinem Stoff enthält (intrinsic value). Wie die Finanzpsychologie lehrt, hat Gold schon immer einen tiefen magischen Reiz (deep mystic appeal) auf die Menschen ausgeübt. Strittig ist, ober diese hohe Begehrtheit des Goldes seiner Beschaffenheit als nahezu unzerstörbarer ökonomischer Wert (practically imperishable and indestructible economic value) zuzuschreiben sei, oder ob die hohe Wertschätzung des Goldes ausserökonomisch erklärt werden müsse (should be explained from extra-economic determinants).

– Siehe Assay-Stempel, Blanko-Goldverkauf, Capellengold, Chrysomanie, Drittelgold, Edelkupfer, Goldgramm, Goldpreis, Goldreserven, deutsche, Karat, London Good Delivery Standard, Monometallismus, Münzgold, Pagament, Rauschgold, Standardbarren, Währung, gemischte, Wertaufbewahrungsmittel, Zerimahbub, Zwischengold.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Goldabkommen, zentralbankliche (central bank gold agreements):

Von Zentralbanken in Europa in der Regel im Fünfjahres-Rhythmus getroffene und öffentlich bekanntgegebene Erklärung zu deren Absichten in Bezug auf den Umgang mit den jeweils eigenen Goldbeständen. Der erste Satz (die Präambel; preamble) der Erklärung vom 19, Mai 2014 lautet: "Gold bleibt weiterhin ein wichtiger Bestandteil der Weltwährungsreserven".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Golddeckung (gold backing, gold coverage):

1 Im älteren Schrifttum das Verhältnis von Goldbestand der Zentralbank zum Bargeldumlauf.

2 Heute meistens gesagt in Bezug auf den Anteil von Gold an den Währungsreserven, also nicht am Geldumlauf. Deutschland hielt 2007 knapp siebzig Prozent seiner Währungsreserven in Gold, Frankreich sechzig Prozent; die bedeutenden Besitzer von Währungsreserven China und Russland unter drei Prozent. - Bis etwa 2003 sah man die Goldreserve einer Zentralbank weithin als "totes Kapital" (dead stock, barren capital) an. Denn Reserven etwa in USD oder EUR werden in verzinslichen (interest bearing) Staatspapieren aus den betreffenden Währungsräumen gehalten und bringen Zinsen. Ab da setzte ein Umdenken ein. Vor allem asiatische Zentralbanken versuchen, ihre Währungsreserven mit dem von Natur aus knappen und wertbeständigen, vor allem weil gegen Inflation und Wechselkursschwankungen gefeiten Edelmetall aufzustocken. Dazu zeigte sich spätestens ab der Griechenland-Krise 2010, dass in EUR denominierte Staatsanleihen hohe Verluste bergen können.

– Siehe Banking-Theorie, Currency-Theorie, Geld, hartes, Geld, privates, Goldkäfer, Goldopfer, Goldreserve, deutsche.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Goldfaden (gold thread):

Zu einer Faser dünn ausgezogenes Gold. Es wurde früher von in dieser Arbeit sachkundigen Textilhandwerkern solchen Stoffen beigemischt, die vor allem als Kleidung für Personen höheren Standes (persons of higher social rank), für Uniformen samt Achselstücken (Epauletten; epaulets) von Offizieren sowie auch von Fahnen bestimmt waren. Entsprechende Wirkwaren dienten vornehmlich der Zurschaustellung von Reichtum, Ansehen und Macht; sie blieben durch die Zeiten verhältnismässig teuer. Daneben zeigte man an Kleidungstücken gern auch als Besatz (edging: placed along an edge as an ornament, fringe, or border on clothing) mehr oder minder kunstreiche Goldfaden-Stickerei (golden embroidery). Dabei galten selbst kunstvolle Stickereien aus haardünnem Goldfaden weithin weniger prestigeträchtig (less prestigious) als Randverzierungen von dickerer Litze. - Dass Goldfäden auch als Zahlungsmittel dienten, wie dies manchmal vorgetragen wird, ist wirtschaftsgeschichtlich bis anhin nicht erweisbar (could not be proven by economic history).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Goldglöckchen-Wirtschaft (goldilocks economy, great moderation):

Um 2000 aufgekommene Bezeichnung für eine Volkswirtschaft bzw. einen Wirtschaftsraum wie das Eurogebiet mit hohem Wachstum und niedriger Inflation sowie keinen erkennbaren Risiken für das Finanzsystem gesamthaft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Goldgramm, GG (gold gramme, AUG):

Wenn nicht anders definiert, der Preis eines Gramms Gold bzw. auch - was letztlich dasselbe ist - der Wert, den ein Gramm Gold in sich trägt (the amount of value represented by one gramme of gold, often denoted by the symbol "GG" or "AUG"). - Bei Preisangaben von Gold ist jedesmal genau darauf zu achten, ob Gramm oder Unzen zugrundegelegt werden. Seit etwa 2000 hat sich im Handel international mehr und mehr von Unzen auf Gramm umgestellt; in erster Linie wohl deshalb, weil sich Zürich (Gold Pool Zürich; Zurich Gold Pool) zum weltweit grössten Markt für gegenständliches Gold entwickelt hat. Indessen wird der Tagespreis bis anhin noch am Platz London in Unzen täglich festgestellt.

– Siehe Goldpreis, Goldwert.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Goldkäfer (gold bug):

Im Jargon jemand, der

1. Gold gegenüber allen anderen Anlagegegenständen vorzieht, weil das Edelmetall seinen Wert in sich trägt, also nicht auf einem wie auch immer gearteten Vertragsverhältnis beruht (an informal term referring to individuals who buys, or advocates purchasing gold as protection against an anticipated collapse in the value of currency, stocks, etc.) und/oder

2. statt des Papiergelds ausschliesslich Münzen aus Edelmetall fordert (a person who condemns the use of fiat currencies and suggests that governments should return to the use of gold coins).

– Siehe Goldwährung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Goldmacher auch Alchymist und Hermetiker (alchemist, secret gold producer):

In der älteren Finanzsprache eine Person die vorgibt, unedle Metalle wie vor allem Eisen durch "Transmutation" (transmutation: the conversion of a base metal into a nobel metal) in Gold verwandeln zu können. An vielen deutschen Fürstenhöfen waren Goldmacher zu teilweise ausserordentlich günstigen Bedingungen angestellt, oft sogar auf Ministerebene (ministerial level) und mit entsprechender Besoldung. Die Goldmacherkunst (chrysopoia) galt zeitgenössisch durchweg als ehrenwerte und hochachtbare Geheimwissenschaft (hermetism). - Heute ist unzweifelhaft gewiss, dass eine Umwandlung eines Elements in ein anderes durch chemische Verfahren (by chemical processes) nicht möglich sein kann. Es bedarf dazu der mit millionenfach höherer Energie arbeitender kernphysikalischen Verfahren (nuclear-physical processes) in Kernreaktoren (nuclear reactors; Atomreaktoren, Atommeiler: Anlagen, in der eine Kernspaltungsreaktion [nuclear fission] fortwährend im makroskopischen, technischen Masstab abläuft).

– Siehe Chrysopöie, Finanz-Alchemie, Geldmännchen, Stein der Weisen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Goldmark (gold Mark):

1 In Deutschland ab 1871 gültige Geldstücke mit einem gesetzlich festgelegten Goldgehalt.

2 Zwischen 1919 und 1923 in Deutschland eingeführte reine Rechnungseinheit, bei der eine Mark gleich dem 1'395sten Teil einer Goldmenge von fünfhundert Gramm definiert war.

– Siehe Free Banking, Mark, Ort, Reichsmark, Taler.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Goldnennwert (gold denomination):

Soweit Rechnungseinheiten in Goldwerten - etwa: Goldfranken - ausgedrückt waren, sind diese inzwischen an das Sonderziehungsrecht gebunden, also

1. an einen Währungskorb,

2. den der Internationale Währungsfonds nach verschiedenen Kriterien zusammenstellt und

3. hinsichtlich der Menge der darin erfassten Währungen sowie deren Gewicht von Zeit zu Zeit überprüft.

– Vgl. die entsprechenden Bezugsgrössen im vierteljährlich erscheinenden Heft "Devisenkursstatistik" der Deutschen Bundesbank, Rubrik "Übersicht über die Währungen der Welt".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Goldopfer (gold sacrifice):

Wenn nicht anders definiert, so meint man damit das Ansinnen, dass innert der EWU die Staaten mit hohen Goldbeständen in ihren Währungsreserven diese zugunsten hoch verschuldeter Mitglieder auf irgend eine Weise einsetzen. Dies wurde wiederholt als ein Akt der Solidarität (act of solidarity) und als gerechte Forderung der Defizitstaaten bezeichnet. - Übersehen wird indessen dabei, dass es gegen den Gemeinschaftsgeist verstösst, wenn Mitgliedsländer der EWU sich weit über die im Stabilitäts- und Wachstumspakt festgesetzten Grenzen verschulden in der stillschweigenden Erwartung, dass andere Mitglieder für die aufgetürmten Schulden aufkommen.

– Siehe Bail-out, Europäische Währungsunion, Grundfehler, Friedman-These, Golddeckung, Goldreserven, deutsche, Goldverkauf, Griechenland-Krise, Moral Hazard, Neuro, Solidarität, finanzielle, Rückkehr-Ideologie, Sonderziehungsrecht, TARGET-Missbrauch, Transferunion, Vertragstreue, Währungsunion 2.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Goldparität (gold parity):

Gesetzlich festgelegte Goldmenge, die einer Währungseinheit entspricht. Da keine Goldwährung mehr existierte, wurden Goldparitäten fiktiv, geschätzt vom Internationalen Währungsfonds festgelegt. Im Jahr 1971 ersetzte man das Gold durch Sonderziehungsrechte, sodass die heutigen Währungen regelmässig in einer SZR-Parität bestimmt werden.

– Siehe Abwertung, Aufwertung, Goldnennwert, Parität.

– Vgl. zum Wert des SZR das vierteljährlich erscheinenden Heft "Devisenkursstatistik" der Deutschen Bundesbank, Rubrik "Werte des Sonderziehungsrechts"; dort auch die Erläuterungen beachten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Goldplating (so auch im Deutschen gesagt):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter auf dem Finanzmarkt das Beifügen nationalstaatlicher Regeln an die EU-weiten oder internationalen Abmachungen, vor allem seitens der jeweiligen Aufsichtsbehörden.

– Siehe German Finish, IFRS-Dialekte, Rechtsangleichung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Goldpreis (gold price):

Dem täglich notierten Marktpreis des Edelmetalls Gold wird eine Signalfunktion zugeschrieben. Bei Anzeichen politischer oder ökonomischer Verwerfungen in einem Land oder in der Welt gesamthaft steigen erfahrungsgemäss viele Anleger in Gold oder auch Platin (platinum; Platin notiert in der Regel etwa doppelt so hoch wie Gold) um. - Im Zuge von Gerüchten über den Zusammenbruch des Finanzsystems gegen Jahresende 2009 stieg der Goldpreis innert von zehn Monaten von 900 USD auf 1'225 USD je Unze.

– Siehe Assay-Stempel, Feinheit, Goldgramm, Gold-Silber-Verhältnis, Goldwert, Karat, London Good Delivery Standard, Troy-Unze, Unze, Zwischenparken.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Goldreserve (gold reserve; bullion reserve):

Wenn nicht anders definiert, der Bestand an Barrengold bei einer Zentralbank als Teil der Währungsreserve. Sie dient dazu, in Notfällen eingesetzt werden zu können. Denn Gold ist weltweit sofort verkäuflich und gegen jede andere Währung - und auch Ware! - eintauschbar. - Freilich lässt sich kaum genau bestimmen, wieviel Prozent der Währungsreserven einer Zentralbank in Gold und welcher Anteil in einer international anerkannten Leitwährung - heute praktisch USD und EUR, in geringem Masse auch CHF und daneben auch SZRs - gehalten werden sollte. Der unbestrittene Vorteil des Goldes gegenüber Devisenreserven ist jedoch, dass es sich um einen Sachwert (Realwert; real value) handelt, während der Wert (die Kaufkraft; purchasing power) jedes ausländischen Zahlungsmittels im weitesten Sinne von der Politik eines Landes abhängt. Gold ist daher mitnichten ein überholtes, rückständiges Überbleibsel finsterer Zeiten ("barbaric relict"), wie mit irrtümlichem Bezug auf den Nationalökonom John Maynard Keynes [1883-1946] oft zu lesen ist. - Im Frühjahr 2010 besass Grossbritannien 5,1 Gramm Gold je Einwohner, Deutschland 41,6 Gramm, Frankreich 37,4 Gramm, die Schweiz 133,7 Gramm und China 0,8 Gramm. - Freilich darf man die Bedeutung der Goldreserven auch nicht überbewerten. Angenommen, die Deutsche Bundesbank hätte ihre Goldreserve im März 2010 zum Tagespreis verkauft. Der Erlös hätte dann um die 82 Mrd EUR betragen. Das hätte gerade ausgereicht, um etwa fünf Prozent der deutschen Staatsschulden zu begleichen.

– Siehe Banking-Theorie, Chrysokratie, Currency-Theorie, Geld, privates, Golddeckung, Goldkäfer, Goldopfer, Goldreserven, deutsche, Wertaufbewahrungsmittel, Zettelbank.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Goldreserven, deutsche (German gold reserve):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter die Bestände an Gold, welche die Deutsche Bundesbank gleichsam als Eigentum des deutschen Volkes verwaltet. Nicht hinzugezählt werden die Vorräte an Gold im Besitz von Privathaushalten und Unternehmen. Dies ist auch kaum möglich, weil verlässliche Zahlen über die Höhe dieser Goldhorte fehlen, und die Schätzungen sehr weit auseinandergehen. - In Zusammenhang mit der Diskussion um einen Europäischen Währungsfonds verlangten Politiker von der Deutschen Bundesbank, ihre Goldreserven in diese geplante Behörde einzubringen. Die EZB erstellte im Herbst 2011 ein Rechtsgutachten, in dem die Frage geprüft wurde, ob der EZB Zugriff auf die Goldbestände der Deutschen Bundesbank zustehe. Hintergrund war die Absicht, alle Goldbestände der Mitglieder des Euroraums in eine Zweckgesellschaft einzubringen, die so zusätzliche für Mittel für die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität bereitstellen könne. Das liefe darauf hinaus, dass der von deutschen Bürgern erwirtschaftete Goldschatz zur Deckung der Staatsschulden in Griechenland, Italien, Zypern und anderen Mitgliedsstaaten aufkommen müsse. Für den Fall aber, dass die EWU scheitert und Deutschland zu einer eigenen Währung zurückkehren müsse, wäre die Deutsche Bundesbank dann ihrer wichtigsten Möglichkeit beraubt, diese neuen Zahlungsmittel auf den internationalen Devisenmärkten zu verteidigen. Über die Verwendung des deutschen Goldes entscheidet jedoch allein der Vorstand der Deutschen Bundesbank und nicht die Bundesregierung, und auch der Deutsche Bundestag hat hier - im Gegensatz zu oft vorgetragener anderer Meinung - keinerlei Mitsprachrecht. - Zu Jahresende 2012 verwaltete die Deutsche Bundesbank grob 3'500 Tonnen Gold im Marktwert von gut 132 Mia. EUR. Etwa fünf Tonnen werden pro Jahr für die Prägung von Goldmünzen verkauft. - Weniger als zwei Prozent der deutschen Goldreserven lagerte - aus Sicherheitsgründen: denn man rechnete aufgrund von Geheimdienstnachrichten im Ost-West-Konflikt damit, dass im Kriegsfall Deutschland bis zum Rhein von sowjetischen Truppen besetzt werde, und Frankreich bei Überschreiten des Rheins seine taktischen Atomwaffen (force de dissuasion nucléaire de la France) einsetzen werde - bei der Deutschen Bundesbank, der Hauptteil befand sich im Verwahr der US-Zentralbank in Neuyork. Ab 2013 holte die Deutsche Bundesbank ihr Gold jedoch aus den Depots in den USA, England und Frankreich nach und nach zurück und liess die Barren grösstenteils umschmelzen, damit sie den Anforderungen des London Good Delivery Standard genügen.

– Siehe Bail-out, Goldopfer, Goldreserve, Neuro, Rückkehr-Ideologie, Solidarität, finanzielle, Transferunion.

– Vgl. Geschäftsbericht 2012 der Deutschen Bundesbank, S. 130 f. (Goldbestände der Deutschen Bundesbank seit 1951; Fragen der Lagerung; bis 2020 soll die Hälfte des physischen Goldes in Frankfurt lagern), Geschäftsbericht 2013 der Deutschen Bundesbank, S. 19 (neues Lagerstellen"Konzept" [deutsche Sprache müsste man gelernt haben!]).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Goldschmiede-Scheine (goldsmiths notes):

Im 17. Jht. von Goldschmieden in London ausgegebene Noten, die über eine bei ihnen hinterlegte Edelmetalle lauteten. Es bürgerte sich im Laufe der Zeit dann ein, mit diesen Quittungen zu bezahlen, so dass diese praktisch zu Papiergeld wurden.

– Siehe Banknote, Goldzertifikat.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gold-Silber-Verhältnis (gold-silver relation):

Aus alten Dokumenten und den Büchern des Alten Testaments lässt sich ein Wertverhältnis des Goldes zum Silber wie 1 zu 12 errechnen. Beide Metalle wurde bis in die Neuzeit zur Herstellung werthaltiger Münzen gebraucht; andere Edelmetalle - wie Platin - waren noch unbekannt bzw. nach dem damaligen Stand der Metallurgie in der Herstellung zu teuer. - Im Durchschnitt war vom 13. Jh. bis zum 16 Jh. des Preisverhältnisses von Gold zu Silber wie 1 zu 10,5. Für das 19. Jht. wird im gesamten ein Verhältnis von 1 zu 15,3 genannt. Fachleute nehmen an, dass im Jahr 2010 gut 85 Prozent der weltweit möglichen Goldreserven abgebaut waren. Das Preisverhältnis beider Metalle lag 2006 ungefähr bei 1 zu 37.

– Siehe Chrysokratie, Goldpreis, Wertrelativität.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Goldtäuschung (attracting investors by feigned gold findings):

In der älteren Bergbauliteratur beschriebener, offenbar verbreiteter Beschores. Bergleute verbrachten in betrügerischer Absicht in einen tauben Gang (dead lode: a not metal-containing mine tunnel) gekörntes Gold, Silber oder andere Metalle. Sie luden dann allfällige Anleger zur Besichtigung der Mine ein, um diese zur Investition in das Bergwerk zu bewegen, obwohl unzweifelhaft feststand, dass in der gesamthaften Anlage keine Metalle zu gewinnen sind. - Der Beweis eines eingefädelten Betrugs (contrived deception) war in solchen Fällen zumal bei kleinen Gruben nur sehr schwer zu führen. Nach glaubhaften Berichten verunglückten (met fatal accidents) aber auffallend viele betrügerische Bergleute. Das wurde zeitgenössisch dem Fluch der bösen Tat (curse of the evil deed) oder gar der Strafe Gottes zugeschrieben. Indessen lässt es wohl eher auf entsprechende Dienste von Racheengeln auch schon zu jener Zeit schliessen.

– Siehe Blind Pool, Blog, Börsenbriefe, Daimonion, Dampfstube, Darkrooming, Enabler, Finanz, Glamour Stocks, Go-go-Fonds, High Flyer, Internet-Foren, Kapitalmarkt, grauer, Rebbes, Schmu.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Goldverkauf (sell out gold):

Bezogen auf die Zentralbank eines Landes die Forderung, dass diese ihre Goldbestände verkauft und den Gegenwert der Regierung für wichtige soziale Vorhaben - wie vor allem vermehrte "Forschungs"-Weltreisen der Professoren - in die Kasse legt. - Eine solche Massnahme, auch wenn sie in einzelnen zeitlichen Schritten erfolgt, kann aber nur ein einziges Mal stattfinden: diese einsichtige Tatsache (obvious fact) wird in der Diskussion immer wieder vergessen. In Notzeiten hätte die Zentralbank dann keine Reserven mehr mit einem Wert im Gegenstand selbst (intrinsic value). Denn auch der Tausch des Goldes gegen Anleihen jeder Art begründet Vertragsansprüche an die Ausgeber der Papiere, die im Notfall ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen können. - Gold ist daher mitnichten ein überholtes, rückständiges Überbleibsel finsterer Zeiten ("barbaric relict"), wie mit Bezug auf den Nationalökonom John Maynard Keynes [1883-1946] oft zu lesen ist. Dieser meinte übrigens garnicht das Gold, sondern den Goldstandard als Währungsausgleichs-Mechanismus.

– Siehe Goldopfer, Goldreserve, Goldreserven, deutsche.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Goldwaage (assay balance):

Statt der alten Geldsteine und teilweise neben diesen)bis ins 19. Jht. hinein von Kaufleuten benutztes Messgerät, um das Gewicht der im Verkehr zur Zahlung angebotenen Münzen zu prüfen. Reisende Kaufleute trugen die Goldwaage im Regelfall am Gürtel auf der linken Seite, wie aus zahlreichen zeitgenössischen Abbildungen überliefert ist.

– Siehe Alliage, Kipper, Kurantmünze, Lötigkeit, Passiergewicht.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Goldwährung (gold standard):

Die Bindung der Zahlungsmittel an das Edelmetall Gold.

1 Bei der Goldumlaufswährung (gold bullion standard) besteht das Geld nur aus Kurantmünzen.

2 Bei der Goldkernwährung (hinkende Goldwährung; limping gold standard) ist neben dem Gold auch Silber sowie jederzeit in Edelmetall einlösbares Papiergeld in Umlauf. Eine feste Goldmenge im Verhältnis zur Geldmenge wird festgeschrieben. Der Inhaber einer Banknote muss sich hier gefallen lassen, dass er im bestehenden gesetzlichen Rahmen in Silber bezahlt wird.

3 Bei der Gold-Devisenwährung (gold exchange standard) erfolgt die Deckung ausser durch Gold auch aus Forderungen an ausländische Zentralbanken, die jederzeit in Gold eingelöst werden können.

– Siehe Aufgeld, Banking-Theorie, Bargeld, Chrysokratie, Edelmetall, Geld, privates, Geldschleier, Goldkäfer, Goldreserven, Urukagina-Regel, Währung, Zettelbank.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Goldwert (value in gold):

Wenn nicht anders definiert, der Preis eines Gegenstandes, manchmal auch eines Wertpapiers, ausgedrückt in (Gewichts)Einheiten Gold. In Verträgen vor allem an Offshore Finanzplätzen sowie teilweise auch im Underground Banking ist eine solche Bindung an den Goldpreis auch heute noch verbreitet.

– Siehe Geldwert, Goldgramm, Inflation.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Goldzertifikat (gold certificate):

Ein Dokument, welches in entsprechender Form beglaubigt, dass der Inhaber im Besitz einer bestimmten Menge Gold ist (a written testimonial verifying to a person's ownership of a specific amount of gold).

– Siehe Goldschmiede-Schein.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Go Live, Go-Live und Roll-Out (so auch im Deutschen, manchmal auch Markteinführung):

Im Finanzbereich meint man damit ein

1. neues Produkt,

2. mit dem man als Bank oder als Versicherung an den Markt tritt,

3. nachdem im Vorfeld die geeigneten absatzpolitischen Massnahmen (the appropriate marketing policy) festgelegt wurden, die Marktvorbereitungsphase (period of preparation for launch) also abgeschlossen ist.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Good Bank (so auch im Deutschen gesagt, aber in unterschiedlicher Bedeutung):

1 Allgemein eine Bank, für deren Verluste der Staat und damit der Steuerzahler haftet.

2 Im Besonderen bezogen auf die Verbindung deutscher Banken mit der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) mit dem Zweck der Kreditverbriefung. - Freilich geriet die KfW selbst in eine Bonitätskrise, als sie 2008 die hohen Verluste ihrer Tochter Deutsche Industriekreditbank (IKB) übernehmen und diese mit 8 Mia EUR ausstatten musste; zur Rettung der IKB steuerten auch der Bund 1,2 Mia EUR und die privaten Banken 1,5 Mia EUR bei. Rund 125 EUR hatte zufolge mehrerer Berechnungen jeder Bundesbürger unfreiwillig für eine Bank bezahlt, die durch windige Geschäfte des Vorstands, schlampige Kontrolle durch den grösstenteils mit Politikern besetzen Aufsichtsrat und ahnungslose Wirtschaftsprüfer ruiniert wurde. - Im August 2008 konnte dann die IKB für 137 Mio EUR an die US-Beteiligungsgesellschaft Lone Star, einen Opportunity-Fonds, verkauft werden. Schon im Frühjahr 2008 hatte Lone Star auch von der Deutschen Post 1'300 Immobilien für 1 Mia EUR gekauft und an die Deutsche Post zurückvermietet.

– Siehe Aufsichtsrats-Mitglied, Bad Bank, Bilanzbereinigung, Kreditverbriefung. Sachkunde, Vulture Fund.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 123 (Rettung der IKB durch die KfW).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Good Governance (so auch im Deutschen gesagt, seltener mit verantwortungsvolle Führung ins Deutsche übersetzt):

In Bezug auf Banken als aufsichtsrechtlicher Begriff die pflichtbewusste, sachkundige Geschäftsführung (management in a manner that is fundamentally free of abuse and corruption, and with due regard for the rule of law). - In der Kritik an Basel-II wurde es als weit wichtiger angesehen, die Unternehmensleitung durch die Aufsichtsbehörde enger zu überwachen, anstatt durch ausgeklügelte Eigenkapitalvorschriften eine Risikobegrenzung (risk limitation) im Finanzsektor zu erreichen. Denn unbestritten entstanden in der Vergangenheit Finanzkrisen letztursächlich immer aus dem waghalsigen Handeln von Personen bzw. zu lascher Kontrolle (weak control) innert der Banken.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Goodharts-Regel (Goodhart's Law):

Jeder nachweislich festgestellte Zusammenhang zwischen makroökonomischen Grössen verändert sich, wenn man ihn für die Zwecke der Geldpolitik nutzbar macht (as soon as an economic indicator is made a target for the purpose of monetary policy then it will lose the information content that would qualify it to play that role). - In anderer Formulierung: ein Indikator wird im gleichen Moment unwirksam, in dem man ihn für die Geldpolitik heranzieht. Denn empirisch berechnete Gesetzmässigkeiten - beispielsweise zwischen Zinssatz, Geldmenge und Inflation - heben sich auf, sobald in das System von aussen mit dem Ziel der Steuerung eingegriffen wird.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Goodwill (goodwill):

1 Der positive Unterschiedsbetrag zwischen dem Kaufpreis und dem Zeitwert eines erworbenen Unternehmens (the positive difference between the purchase cost and the fair market value of the assets and liabilities acquired with a company).

2 Der immaterielle Wert eines Unternehmens (that relates chiefly to a fruitful relationship with customers, favourable location, product superiority, service reputation, and competent staff).

3 Bei Banken der Geschäftswert (goodwill value as an intangible asset; Firmenwert) des Unternehmens. Er ist im Grunde ein nicht greifbarer, intangibler Wert und tritt in erster Linie in dem Vertrauen zur Bank und im guten Ruf des Instituts in Erscheinung. Nach SFAS 142 und IFRS 3/IAS 36 darf der Goodwill einer Bank nicht mehr schrittweise (gradual) abgeschrieben werden, sondern ist im Grundsatz zu belassen und regelmässig auf seine Werthaftigkeit zu prüfen sowie entsprechend zu bilanzieren. Bei Zukäufen und Übernahmen gelten nach IAS 22 Abschreibungs-Möglichkeiten.

– Siehe Badwill, Bonität, Cornerstone Investor, Erlöse, immaterielle, Firmenwert, Intangibels, Kannibalismus-Effekt, Vermögen, immaterielles.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2013, S. 60 (Goodwill als Abzug vom Eigenkapital bei Banken).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Government Guaranteed Bond, GBB (so auch zumeist im Deutschen, seltener staatsgarantierte Anleihe):

Von privaten Emittenten verschiedener Länder vor allem nach 2008 begebene Anleihen, für die ein Staat die Garantie übernimmt. Die dafür vom Staat in Rechnung gestellte Gebühr beträgt in den einzelnen Ländern zwischen 0,5 und 2,5 Prozent der Anleihesumme. Institute, die für eine Begebung eine staatliche Garantie in Anspruch nehmen, müssen regelmässig bestimmte Bedingungen nachweisen, vor allem hinsichtlich ihrer Ausstattung mit Eigenkapital. - Staatsgarantierte Anleihen trugen wesentlich zur Beruhigung auf dem weltweiten Finanzmarkt nach den Turbulenzen im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise bei. In Deutschland wurden diese Papiere mit einer Laufzeit von maximal fünf Jahren nicht zur Konkurrenz des Pfandbriefs, wie zunächst hie und da befürchtet.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Government Spreads (so auch im Deutschen gesagt):

Wenn nicht anders definiert, die Unterschiede in der Rendite von Staatsanleihen einzelner Länder innert eines Währungsraums wie dem Eurogebiet. Darin kommt der Vertrauen bzw. Misstrauen der Anleger in die Wirtschaftspolitik allgemein und in die Staatsverschuldung im Besonderen gegenüber einzelnen Mitgliedsstaaten zum Ausdruck.

– Siehe Aufkäufe, zentralbankliche, Auslands-Vermögens¬lage, Bail-out, ClubMed, Ekart, Euro-Anleihe, gemeinsame, Europäischer Währungsfonds, Griechenland-Krise, Irland-Krise, Plan C.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Grabengeld auch Landesdefensionsgeld (fortification rate):

Frühere Abgabe für den Bau und Unterhalt von Befestigungsanlagen an Grenzen (frontier fortification) oder um Städte (town fortification, city wall).

– Siehe Dänengeld, Festgeld, Festungsgeld, Heergeld, Kavalleriegeld, Knickgeld, Marschroutengeld, Obristen-Darlehn, Rockgeld, Superindukt, Türkengeld, Umlage.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Granularität seltener auch Körnigkeit (granularity):

Mass für die Anzahl und Höhe der einzelnen Forderungen im Verhältnis zum Gesamtumfang der gewährten Darlehn einer Bank; näherhin ein Streuungsmass der Kredite nach betragsmässigen Grössen. Hohe Granularität wirkt CETERIS PARIBUS risikomindernd und nach Basel-II daher kapitalentlastend.

– Siehe Klumprisiko, Konzentrationsrisiko.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2001, S. 26, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2006, S. 42 (Granularitätsanpassung im Zuge von Basel-II; hier auch Formel zur Berechnung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gratifikation (gratuity, gratification, bonus payment):

1 Allgemein eine Sonderzahlung, für die kein Rechtsgrund (cause in law) besteht.

2 Einmalzahlung (one-off payment) an Beschäftigte bei besonderen betrieblichen Anlässen, wie etwa gelegentlich eines Rekordgewinns (record profit), bei einem Firmenjubiläum (company anniversary) oder an Festtagen (Weihnachtsgratifikation; Christmas allowance).

3 Zuwendung an besonders verdiente Mitarbeiter als Leistungsprämie (efficiency bonus), im Unterschied zum Bonus aber in der Regel kein vertraglich festgelegter Gehaltsbestandteil (no contractual salary component).

– Siehe Bonus, Fringe Benefit, Instituts-Vergütungsordung, Jubelgeld, Prämie, Umzugs-Darlehn, Zuwendung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gratisaktie (bonus share, stock dividend):

Irreführende Bezeichnung für eine Aktie, die ein Anteilseigner zusätzlich zu seinen bereits erworbenen Aktien erhält (an issue of bonus shares in proportion to existing shares held). Die Aktie finanziert sich aus Gesellschaftsmitteln (capital earned out of retained earnings), an denen der Aktionär eh beteiligt ist. - Der Vorteil für die Gesellschaft liegt darin, dass sie durch die Ausgabe von Gratisaktien keinen Abfluss von liquiden Mitteln erfährt, und dass auf diesem Weg eine Dividendenzahlung vermieden wird. - Der Vorteil für den Aktionär kann darin liegen, dass er die Zusatzaktie nicht versteuern muss. Demgegenüber sind ihm zufliessende Dividendenzahlungen als Einkünfte aus Kapitalvermögen in den meisten Ländern der Einkommensteuer unterworfen.

– Siehe Dekapitalisierung, Sonderdividende.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gratuist und Gradist (gratuist):

In älteren Dokumenten

1 eine Person, die unentgeltlich beliefert wird, wie etwa Verwandte des Prinzipals oder Beamte, von denen man sich Vorteile für das Unternehmen verspricht.

2 Ein Schüler, der keine Gebühren (Schulgeld, Kostgeld) zahlen muss, ein Freischüler.

– Siehe Handgeld, Rückvergütung, Schmiergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Great Moderation (so auch im Deutschen gesagt):

Ausdruck für die Tatsache, dass die Volatilität auf den Finanzmärkten seit etwa 2000 nachgelassen hat. Als Gründe gelten

1. die strengere Auswahl der Kreditnehmer,

2. das durch Basel-II bereits im Vorgriff auf die verbindliche Einführung eingeleitete bessere Risikomanagement bei den Banken,

3. die weltweite Verteilung von grossen Risiken durch verschiedene Massnahmen, wie etwa der Kreditverbriefung sowie

4. Verfeinerung der Überwachung durch die Aufsichtsbehörden und Zentralbanken.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Greenback (so auch im Deutschen):

Volkstümlicher Ausdruck für den Ein-Dollar-Geld¬schein. In der Mehrzahl manchmal auch für die Geldscheine der USA gesamthaft gesagt. - Greenback currency notes were originally issued by the North during the American Civil War in 1862, they got their name from their colour.

– Siehe Dead Presidents.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Greenfield Investment (so auch im Deutschen gesagt, seltener Neuansiedlungsinvestition):

1 Allgemein die Errichtung einer Niederlassung an einem völlig neuen Standort, im engeren Sinne auf einem unbebauten, jungfräulichen Gelände, auf der grünen Wiese (on a pasture that was literally a green field).

2 Bei einem Institut die Neuerrichtung einer Filiale, in der Regel bezogen auf ein Engagement im Ausland (locating new bank buildings, mostly with regard to an investment abroad).

3 In abgewandelter Bedeutung mitunter auch für die Übernahme eines bereits bestehenden Instituts gesagt.

– Siehe Aussenhandels-Statistik, Direktinvestition, Konzernumsätze.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2007, S. 34 (Anmerkung 2: statistische Erfassung seit 2005).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Greenmail (so auch meistens im Deutschen; seltener Übernahmedrohung):

Jemand erwirbt einen bedeutenden Anteil der Aktien eine Gesellschaft. Er teilt dies dem Management mit und bietet die Aktien zum sehr teuren Rückkauf durch die Aktiengesellschaft an. Geschieht dies nicht, so droht er mit Übernahme oder Verkauf seines Aktienpakets an einen Konkurrenten des Unternehmens (the practice of buying a large block of a company's shares in order to offer it the company for repurchase at an overstated price to prevent a takeover bid, or selling the block of shares to a rival of the company).

– Siehe Abwehrmassnahme, Bieter, Blitzkrieg-Übernahmeangebot, Buy out, Erwerbsangebot, Freier, Fusionen und Übernahmen, Geldsockel, Gifttablette, Konzentrationskurs, Kriegskasse, Makkaroni-Abwehr, Material-Adverse-Change-Klausel, Personen, gemeinsam handelnde, Pflichtangebot, Radar-Überwachung, Raider, Ritter, weisser, Shark Watcher, Spin-off, Squeeze-out, Stimmrecht-Datenbank, Übernahme, feindliche, Übernahme-Ankündigung, Übernahme-Appell, Umtausch-Angebot.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Greenspan-Doktrin (Greenspan doctrine):

Die Meinung, eine Zentralbank solle sich im Allgemeinen nicht um Blasen bei Vermögenspreisen kümmern. Denn

1. es sei schwierig, eine Blase eindeutig zu erkennen, und

2. wenn die Geldpolitik den Leitzins zur Eindämmung steigender Vermögenspreise einsetze, dann werde die realwirtschaftliche Entwicklung gesamthaft gedämpft, was im Extremfall gar eine Deflation auslösen könnte. Eine Zentralbank könne immer nur ein einziges Ziel verfolgen, und das sei die Bewahrung der Masstabeigenschaft des Geldes. Der Versuch, mit einem Instrument mehrere Ziele zu erreichen, führt über kurz oder lang zu einem Verlust der Glaubwürdigkeit in Bezug auf das Hauptziel, nämlich die Kaufkraft des Geldes zu sichern; das wirkt sich auf die Inflationserwartungen unmittelbar aus.

– Diese Lehrmeinung (benannt nach Alan Greenspan, der von 1987 bis 2006 als Präsident der US-amerikanischen Zentralbank amtete) ist umstritten.

– Siehe Blase, spekulative, Dotcom-Blase, Elisabeth-Frage, Finanzinvestition, Führung, verbale, Geldschöpfung, Geldmenge, Geldwertstabilität, Greenspan-Doktrin, Handlungsbereitschaft, Immobilienblase, Niedrigzinspolitik, Nullzins, Preisstabilität Subprime-Krise, Vermögensblase Vermögenseffekt, Zinsdifferenzgeschäft, Zinssatz, niedrig gehaltener, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom September 2013, S. 61 ff. (zum Einfluss der Geldpolitik auf die Vermögenspreise; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Greenspeak (so auch im Deutschen):

In Bezug auf den Finanzmarkt vieldeutige, absichtlich sehr unbestimmt gehaltene Äusserungen (using fuzzwords: deliberately vague, imprecise and/or confusing terms) eines führenden Amtsträgers der Zentralbank, die Raum für allerlei Interpretationen und damit für das Entstehen von oft gegensätzlichen Erwartungen bieten. - Das Wort leitet sich von der nebelhaften Ausdrucksweise (ambiguous manner of speaking) von Alan Greenspan her, der von 1987 bis 2006 als Präsident der US-amerikanischen Zentralbank aufgrund seiner starken Persönlichkeit fast schon unumschränkt amtete, weltweit fast blindes Vertrauen seitens der Politik und Finanzwelt genoss, und dessen "Politik des leichten Geldes" hinterher für die Subprime-Krise mitverantwortlich gemacht wurde ("Mr. Bubble").

– Siehe Codewörter, Elisabeth-Frage, Forward Guidance, Führung, verbale, Moral Suasion, Politik des offenen Mundes, Unschärfe, konstruktive.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Grenzhang zum Sparen (marginal propensity to save):

In der Nationalökonomik bei einem Privathaushalt die Zunahme des Sparens bei einer Einkommenserhöhung um

1. eine Geldeinheit oder in anderer Definition

2. um ein Prozent.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals (marginal efficiency of capital):

In der Nationalökonomik jener Abzinsungsfaktor, bei dem der Gegenwartswert einer Investition mit den Anschaffungskosten übereinstimmt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Grenzproduktivität (marginal productivity):

Kennzahl die anzeigt, um wieviel sich die Ausbringung erhöht, wenn CETERIS PARIBUS ein Produktionsfaktor um eine Einheit erhöht wird.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Greshamsches Gesetz (Gresham's law):

Die Erfahrungstatsache (experimental fact), dass schlechtes Geld das gute Geld verdrängt.

1. In einer Doppelwährung (double standard: Münzen aus Gold und Silber sind gesetzliches Zahlungsmittel) verschwinden die Goldmünzen aus dem Verkehr und werden zu Sparzwecken gehortet.

2. In einer gemischten Währung (mixed currency: Münzen aus Edelmetall und Papiergeld sind gesetzliche Zahlungsmittel) verdrängt das Papiergeld die Münzen.

3. Zeigt sich in Grenzregionen eine Nebenwährung (parallel currency: sowohl das heimische Geld als auch das Geld der Nachbarregion wird im Verkehr als Zahlungsmittel angenommen), so verwendet man zum Bezahlen nur noch das als schlechter, das als weniger kaufkräftig eingeschätzte Geld.

– Das Greshamsche Gesetz - so benannt nach dem Engländer Thomas Gresham [1519-1579] - bestätigt die allgemein zu beobachtende Tatsache, dass jedes Gut - hier: das Geld - in die Verwendung mit dem höchsten Nutzen (maximum yield; höchstem Ertrag) wandert.

– Siehe Anti-Greshamsches Gesetz, Bimetallismus, Währung, hinkende.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Grexit (Grexit [auch im Englischen grossgeschrieben]):

Im Finanzjournalismus benutztes Kunstwort für den Austritt Griechenlands aus der Eurozone.

– Siehe Griechenland-Krise.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Griechenland-Krise (Greek debt crisis):

Am 23. April 2010 musste das fast elf Mio Einwohner zählende Mitglied des Eurogebiets Griechenland die Euro-Nachbarn und den Internationalen Währungsfonds um finanzielle Hilfe bitten. Das Land war praktisch am Rande des Staatsbankrotts. Jahrelang überstieg der Verbrauch bei weitem die Produktion. Deshalb stiegen die durch Anleihen im Ausland angehäuften Staatsschulden in schwindelerregende (staggering) Höhen. Auf dem Finanzmarkt konnte Griechenland praktisch keine neue Anleihen mehr plazieren, nachdem bekannt wurde, dass die Unterdeckung der Staatsausgaben durch die Einnahmen im Jahr 2010 auf mindestens 15 Prozent (die im Stabilitäts- und Wachstumspakt vereinbarte Obergrenze liegt bei 3 Prozent) veranschlagt wurde. - Das Hilfspaket für Griechenland

1. löste Auseinandersetzungen darüber aus, ob ein solches Sicherheitsnetz (safety net) nicht falsche Signale für andere schwächere Mitglieder des Euroraums stelle. Wenn nämlich ein Staat weiss, dass er im Notfall aufgefangen wird, dann wird die Regierung unliebsame Massnahmen (wie vor allem Beschneidung nicht aus eigener Wirtschaftskraft finanzierbarer Staatsausgaben, Erhöhung der Steuern, längere Arbeitszeiten, höheres Renteneintritts-Alter) unterlassen.

2. Der Grundsatz gleicher Voraussetzungen für alle auf dem Finanzmarkt war durch die Rettung aufs schwerste verletzt. Denn viele (vor allem französische) Institute kauften bedenkenlos griechische Staatsanleihen, weil deren Rendite verlockend war. Andere Banken mieden diese Anleihen, da sie deutlich das hohe Verlustrisiko veranschlagten. Die Rettung ihrer risikobereiten Wettbewerber benachteiligte nun offensichtlich die vorsichtig handelnden Institute; diese sahen sich zurecht als Verlierer.

3. Auch stellte sich die Frage, inwieweit und wie lange die Bürger anderer Mitgliedsstaaten bereit sind, für die Defizite anderer Länder der EWU aufzukommen; sprich: dass solche politische Kräfte die Oberhand gewinnen, welche sich die Auflösung der Währungsunion zum Ziel gesetzt haben.

4. Schliesslich wurde mit Sorge wahrgenommen, dass der Internationale Währungsfonds ein Land unterstützt, das nicht wegen Schulden in Fremdwährung (xeno currency) in Not geriet, sondern wegen Überschuldung in seiner eigenen Währung, nämlich dem EUR.

5. Als Fehleinschätzung erwies sich, dass ein kleines Mitglied wie Griechenland nicht das grosse Ganze, nämlich die EWU in Gefahr bringen könne.

– Dabei gilt es zu erwähnen, dass die Bürger Griechenlands mit dem EUR das erste Mal in ihrer jüngsten Geschichte eine stabile Währung erhielten, jetzt aber die Gründe für den Staatsbankrott weithin anderen (vor allem aber Deutschland) zuschrieben. Auch sank das Zinsniveau in Griechenland aufgrund seiner Zugehörigkeit zur Eurozone auf in diesem Land bis dahin nicht bekannte niedrige Werte. Das reizte Kreditaufnahmen an; wie sich aber herausstellte kaum zu Investitionen zwecks Verbesserung und Erweiterung des Kapitalstocks und damit zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit. Vielmehr ging ein Grossteil der Darlehn in den Luxuskonsum (wie vor allem zur Anschaffung teurer Automobile und Yachten) sowie in unrentable Bauten. (General-)Strikes, Aufmärsche und Massenkundgebungen stellten sich Kürzungen der Staatsausgaben und Anpassungen der Wirtschaft an den durchschnittlichen europäischen Stand entgegen. - Der von vielen geforderte Austritt Griechenlands aus der Eurozone wurde als hoch gefährlich eingeschätzt; schon allein deshalb, weil dann auch Irland, Portugal, Spanien und vielleicht auch die Italien dem folgen könnten. Deutsche Banken hatten 2010 sehr hohe Forderungen an Italien und den ClubMed. Diese würden über Nacht zu Fremdwährungsforderungen in einer fragwürdigen heimischen Valuta, was zu einem Crash bei deutschen Banken führen könnte. Zudem würde es zu einer starken Aufwertung des Rest-Euro kommen. Um solche Kettenreaktionen (chain reaction) zu vermeiden, entschloss man sich zu weitgehenden und immer neuen finanziellen Hilfen für Griechenland. - Anfang März 2012 wurden die Inhaber griechischer Staatsanleihen "freiwillig gezwungen" (voluntarily compelled), auf die Hälfte ihrer Forderungen zu verzichten. Immerhin aber hatte die EZB im Zuge ihrer umstrittenen geldpolitischen Outright-Geschäfte zu Jahresbeginn 2014 Staatsanleihen von Griechenland mit über zwanzig Prozent des griechischen in ihrem Portfolio.

– Siehe Angleichungsautomatismus, Anlegerstreik, Bail-out, Bilanzbereinigung, Blame game, Enteignung, kalte, Erpressungspotential, Euro-Bonds, Europäische Schuldenagentur, Europäische Währungsunion, Grundfehler, Europäischer Stabilitätsmechanismus, Europäischer Währungsfonds, Eventualschuld, EWU-Sprengsatz, EZB-Bilanz, Finanzstabilität, Friedman-These, Golddeckung, Goldopfer, Grexit, Gruppendruck, Haushaltskonsolidierung, Irland-Krise, Neuro, Politikklammer, Politikverzug, Retterei, Rückschlag-Effekt, Schuldentragfähigkeit, Solidarität, finanzielle, Sonderziehungsrecht, Sperrkonto, Staatsverschuldungs-Druck, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Grundfehler, Steuerungsrahmen, Strukturreformen, Transferunion, Übernachfrage, volkswirtschaftliche, Vermögensabgabe, Verschuldung-Produktivität-Verkettung, Vertragstreue, Wachstum-Schulden-Tatsache, geschichtliche, Zwangsenteignung.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2010, S. 50 f. (in die Wege geleitete Massnahmen Griechenlands zur Erreichung der Maastricht-Kriterien), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2010, S. 12 f. (Kritisches zu den Garantien im Zuge der Griechenland-Hilfe), Monatsbericht der EZB vom Juni 2010, S. 38 ff. (Beinahe-Kollaps des Finanzsystems Anfang Mai wegen der Probleme mit Griechenland), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2010, S. 23 ff. (zum Grundsätzlichen), S. 49 (Auswirkungen der Griechenland-Krise auf den Kurs des EUR), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2010, S. 43 (Renditeunterschiede zehnjähriger Staatsanleihen 2009 und 2010), Jahresbericht 2010 der EZB, S. 21 (Begründung der Massnahmen der EZB), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 15 ff. (dort auch Übersichten zur Fälligkeit und Rendite griechischer Staatsanleihen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2011, S. 29 ff. (Rendite-Unterschiede von Staatsanleihen im Euroraum; Übersichten; Erklärungsansätze), Finanzstabilitätsbericht 2011, S. 18 ff. (Stützungsmassnahmen im Einzelnen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2011, S. 43 (Aufschläge für Staatsanleihen der Pigs seit 2009), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 86 f., S. 117 f. (Fragen der Abschreibung auf griechische Staatsanleihen), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 19 (Aufzählung der Hilfsleistungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Grielgeld (scattered money):

Früher gesagt von übermütig unter das Volk geworfenem Geld, besonders auch (minor; kleine) Münzen unter die

1. Schaulustigen aus dem Rathausfenster anlässlich der Krönungsfeiern in Aachen (coronation festivities in Aix-la-Chapelle)

2. (Zaun-)Gäste durch den Bräutigam bei Hochzeitsfeiern.

– Das heute kaum mehr gebräuchliche "grielen" bedeutet allgemein "etwas ausstreuen". In einigen Gegenden nannte man das Verschleudern von Münzen auch "groscheln," und alte Dokumente berichten entsprechend von Groschelgeld.

– Siehe Missilien.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Groll-Effekt (grudge effect):

Wenn nicht anders definiert die Tatsache, dass bei der Erhöhung einer als unbillig empfundenen direkten Steuer - etwa auf Arbeitseinkommen; auf den Umsatz von Wertpapieren - die Betroffenen mit

1. Verringerung der angebotenen Menge - hier: weniger Arbeitsstunden durch Verweigerung von Überstunden; (refusal to work overtime) Umsatzverschiebung in das Schattenbankbereich und in das Underground Banking

2. oder/und Minderung der Qualität des Angebots reagieren - etwa schlampiges Arbeiten (sloppy working); ordentliche Bedienung nur noch der Grosskunden, der institutionellen Anleger.

– Daraus wird gefolgert, dass einer indirekten Besteuerung (indirect taxation) grundsätzlich der Vorzug zu geben sei.

– Siehe Flat Tax, Lenkungs-Steuer, Spekulationsteuer, Tobin-Steuer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Groschen (groat):

1 In der Münzgeschichte Europas weit verbreitetes Hartgeldstück mit örtlich und historisch jeweils unterschiedlicher Kaufkraft.

2 Bis zur Einführung des EUR in Österreich Kleinmünze zum Schilling (1 Schilling = 100 Groschen). - In Deutschland wurde das Wort Groschen vielfach umgangssprachlich als Bezeichnung eines 10-Pfennig-Stückes verwendet.

– Siehe Alpendollar, Kreuzer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Grossavantur auch Grossavanturei (cargo-based underwriting):

Ein früher üblicher Vertrag, bei dem ein Darlehensgeber gegen hohe Verzinsung an eine Schiffartunternehmen (shipping company) Geld (cargo-based lending; Grossavanturgeld) zum Kauf von Waren - in der Regel aus Übersee - verleiht. Der Darlehnsgeber erhält dafür ein dingliches Recht (holding real right) an den Waren. Er übernimmt aber bei Seegefahr (peril on the sea; Havarie) das volle Risiko (average = taking over financial liability resulting from loss of or damage to a ship or its cargo). Avantur = hier: Vorschussleistung.

– Siehe Dispacheurgeld, Havariegeld, York-Antwerp Rules.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Grossbank (big bank):

1 Nicht eindeutig festgelegter Begriff. Die Grösse einer Bank kann sich vor allem beziehen auf

1. ihr Bilanzvolumen gesamthaft,

2. Teilposten der Bilanz wie Einlagen und Ausleihungen; aber auch Beteiligungen, etwa an Industriefirmen und Versicherungsunternehmen,

3. Verbreitung über ein Gebiet, nämlich die absolute bzw. relative Dichte des Filialnetzes, eventuell unter Einbeziehung von grenzüberschreitenden Allianzen gerechnet, samt Marktanteil im nationalen oder internationalen Online Banking,

4. Anzahl der Beschäftigten,

5. den Grad ihrer weltweiten Verflechtung mit anderen Instituten, Fonds, Versicherungen sowie weiteren Akteuren auf dem Finanzmarkt oder - was meistens geschieht

6. es werden mehrere der genannten und andere Merkmale herangezogen.

2 In der Statistik der Deutschen Bundesbank umfasst der Begriff die Deutsche Bank AG, die Commerzbank AG und seit Januar 1999 die (zur UniCredit Group gehörende) Bayrische Hypo- und Vereinsbank AG und seit 2004 die Deutsche Postbank AG; diese wurde 2009 mehrheitlich von der Deutschen Bank übernommen.

– Siehe Abwickelbarkeit, Algorithmic Trading, Bad Bank, Bank, systemische, Bankbetriebsgrösse, optimale, Bankenaufsicht, europäische, Bankenfusionsjahr, deutsches, Behauptungs-Strategie, Downsizing, Finanzinstitut, weltweit tätiges, Gibrat-Regel, Gigabank, Grössenvertrauen, G-Sifi, Krise, systemische, Megamanie, Multi-Boutique-Ansatz, Oligokratie, Penrose-Theorem, Rollenmischung, bankliche, Rush to exit, Sifi-Oligopol, Stabilisatoren, automatische, Subsidiaritätsprinzip, Systemrelevanz, Too big to fail-Grundsatz.

– Vgl. das monatlich erscheinende Statistische Heft "Bankenstatistik" der Deutschen Bundesbank, Anhang "Erläuterungen", Rubrik "Kreditbanken"; Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 150 (Konzentrationsprozess im Grossbankenbereich; Mitwirkung der BaFin).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Grossbankenbonus (big bank bonus):

Grossbanken haben in der Regel

1. geringere Stückkosten, weil sich die Fixkosten (capacity costs) auf eine grössere Outputmenge verteilen,

2. eine bessere Auslastung der Angebotskapazitäten (better utilisation of supply capacities),

3. ihr Risikomanagement ist besser (more prudent risk management), weil spezialisierte Kräfte die einzelnen Kreditrisiken besonders beurteilen können und

4. sie können sich billiger refinanzieren. Daher vermögen Grossbanken im Vergleich zu kleinen Instituten auch billigere Darlehn zu vergeben.

– Ab einer gewissen Grösse jedoch schwinden diese Vorteile zunehmend; die Steuerung der Geschäfte wird schwerfällig und unübersichtlich; schematische Handlungsabläufe bestimmen immer mehr das Geschäftsgebaren, der Kontakt mit dem Kunden vor Ort verliert sich, die Anfälligkeit für einen Crash steigt.

– Siehe Aktuar, Bankbetriebsgrösse, optimale, Behauptungs-Strategie, Downsizing, Gibrat-Regel, Gigabank, Grössenvertrauen, G-Sifi, Megamanie, Multi-Boutique-Ansatz, Penrose-Theorem, Rückkopplungs-Mechanismus, Subsidiaritätsprinzip, Too big to save-Grundsatz.

– Vgl. Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 123 f. (bisherige Anrechnungsvorteile für Grosskredite im Interinstitutsbereich fallen weg).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Grossbankengesetz (Gesetz über den Niederlassungsbereich von Kreditinstituten; Big Bank Law, Law defining the area where credit institutions may maintain branches):

Gesetzgebung der Besatzungsmächte zur Zerschlagung der deutschen Grossbanken nach dem Zweiten Weltkrieg.

– Siehe Bankenentflechtung, deutsche.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Grossbetragszahlungen (large-value payments):

Zahlungen, welche

1. im Allgemeinen auf sehr hohe Beträge lauten,

2. in erster Linie zwischen Banken oder zwischen professionellen Finanzmarktteilnehmern erfolgen und

3. eine rasche und rechtzeitig Abwicklung erfordern.

– Siehe Kapitaltransfersystem, elektronisches, Massenzahlungsverkehr, elektronischer, RTGS-System, Scheckeinzugsverfahren, imagegestütztes.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2006, S. 81 ff. (lehrbuchmässige Darstellung mit vielen Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Grössen-Effekte (scale efficiency):

Wenn nicht anders definiert die Vorteile, welche Banken durch Konsolidierung erzielen, manchmal auch Skaleneffekte (scale effects) genannt. - Grössenvorteile werden vor allem in den kostenintensiven Bereichen des Research, des Risikomanagements, des Investment Banking, der Rechtsdienste und vieler Tätigkeiten im Back-Off-Bereich gesehen. - Dem sind jedoch immer auch die mit einem Zusammenschluss verbundenen Verschmelzungskosten (cost of integration) gegenüberzustellen. Diese entstehen zwangsläufig aus der Zusammenführung einer jeweils unterschiedlichen Organisationskultur (organisational culture, corporate culture). Das wirkt sich mit einem Aufwand an Angleichung in nahezu sämtlichen Bereichen aus, wie vor allem bei der Entscheidungsfindung, bei Beziehungen zu Kollegen, Vorgesetzten, Kunden und Lieferanten sowie bei den Formen der Kommunikation.

– Siehe Bankgrösse, optimale, Blind-Taub-Verbindung, Blutbad, Grossbankenbonus, Grössenvertrauen, G-Sifi, Konsolidierung, Totholz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Grössenvertrauen (too big to fail-principle):

Auf Finanzmärkten die Erwartung der Marktteilnehmer, dass im Falle von Krisen sehr grosse Banken - vor allem systemische Banken, Sifis - durch Staatshilfen unterstützt werden. - Hier wird eine besondere Moral Hazard-Gefahr gesehen, weil die entsprechenden Grossbanken geneigt sein könnten, höhere Risiken einzugehen. Dies ist auch ein entscheidender Grund dafür, dass die Aufsichtsbehörden in der Regel Grossbanken besonders im Auge haben, auch die europäische Bankenaufsicht gemäss Satzung vor allem systemischen Banken prüft und jede Staatsgarantie für eine Bank als wettbewerbsverzerrend gilt. - Andererseits geniessen europaweit oder gar global tätige Institute durch die Erwartung eines Bail-out im Krisenfall grundsätzlich einen Wettbewerbsvorteil gegenüber kleineren Banken. Sie können sich zinsgünstiger refinanzieren, was sich allein schon in einem Milliardenbetrag jährlich zu ihren Gunsten niederschlägt. Bei näherem Besicht handelt es sich dabei um eine staatliche Subvention zu Lasten kleinerer Institute. Der Wettbewerb auf dem Finanzmarkt wird so verzerrt. Daher schlagen viele Ökonomen vor, durch Gesetz Grössenbeschränkungen für Banken (laws limiting the size of institutes) einzuführen. - Dem jedoch steht entgegen, dass manche Kunden nur weltumspannend tätige, systemische Banken mit einer Leistungserbringung in bestimmten Geschäftsfeldern beauftragen. Wenn daher die Beschränkung der Grösse ein Ziel ist, dann muss dies für alle Staaten in gleicher Weise gelten. Das zu erreichen erscheint zumindest heute angesichts der politischen Interessen einzelner Staaten so gut wie völlig ausgeschlossen.

– Siehe Bank, systemische, Bankenaufsicht, europäische, Bear Stearns-Pleite, Crash, Einzelfallentscheidung, Finanzmarkt-Interdependenz, Gewährträgerhaftung, G-Sifi, Gibrat-Regel, Gigabank, Grossbank, Grossbankenvertrauen, Grössen-Effekte, Kobra-Effekt, Lehman-Pleite, Megamanie, Pflichtwandelanleihe, Risikoabschirmungsgesetz, Rush to exit, Schuldenbombe, Single Master Liquidity Conduit, Too big to fail-Grundsatz, Subsidiaritätsprinzip, Vertrauen.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2005, S. 74 f. (dort in Anmerkung 2 auch Hinweis auf wichtige Studie), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 98 (weiterhin Gefahren durch den Zusammenbruch global vernetzter Institute).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Grosskoz (bighead):

Eine Person, die mit ihrem Geld und Reichtum prahlt. Das Wort leitet sich ab aus dem jiddischen kotsu = reicher Mann; die Schreibweise "Grosskotz" mit Anklang an "erbrechen" ist falsch, wenngleich weit verbreitet.

– Siehe Finanzmagnat, Geldhai, Geldraffer, Geldversessenheit, Harpax, Polyplusius.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Grosskredite (large value credits):

Ausleihungen an einen Kreditnehmer, die in der Regel zehn Prozent des haftenden Eigenkapitals einer Bank erreichen oder gar übersteigen. Allgemein gilt für solche Kredite eine Meldepflicht; vgl. §§ 13-14 KWG. Grundsätzlich sind Grosskredite auf höchstens fünfundzwanzig Prozent des haftenden Eigenkapitals eines Instituts beschränkt.

– Siehe Adressenausfall-Risiko, Arbeitsgruppe Evidenzzentralen, Euro-Evidenz, Evidenz-Zentrale, Gini-Koeffizient, Granularität, Herfindahl-Hirschman-Index, Klumprisiko, Kontrahentenrisiko, Konzentrationsrisiko, Kreditereignis, Kreditversicherung, Millionenkredit, Solvenzrisiko, Value-at-Risk, Zentralkreditregister.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2002, S. 22 ff., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2006, S. 35 ff. (Konzentrationsrisiken in den Kreditportfolios der Banken und ihre Messung), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 75 f. (Übertragung der Kreditrisiko-Minderungsvorschriften auf Grosskredite, S. 84: Übersicht zur Bestimmung des Verbriefungs-Risikogewichts), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 112 f. (Möglichkeiten der Berechnung eines geringeren Kreditrisikos), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 56 f. (Einzelheiten zur portfoliobezogenen Risikotragfähigkeitsrechnung [limit-based backstop regime]; Vereinfachung des Meldewesens; geplante Guidelines der CEBS-Arbeitsgruppe), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 123 f. (bisherige Anrechnungsvorteile für Grosskredite im Interbankenbereich fallen weg), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 142 (präzisierende Regelungen der BaFin aufgrund der CEBS-Grosskreditrichtlinie), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2013, S. 72 (Änderung der Grosskredit- und Millionenkreditverordnung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Growth Fund (so auch im Deutschen gesagt, seltener mit Wachstumsfonds ins Deutsche übersetzt):

Kapitalverwaltungsgesellschaft, deren Geschäftspolitik in erster Linie auf langfristigen Vermögenszuwachs (asset growth) abzielt. Eine Ausschüttung von erzielten Gewinnen wird daher zumeist nur beschränkt oder überhaupt nicht vorgenommen (as a rule, it contains little or no dividend payouts at all, and normally companies in this kind of portfolio are undergoing an expansion; thus therefore, no dividend payouts are expected soon).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Groupe de Contact, GdC (so auch im Deutschen):

Im Jahr 1972 eingesetzte Arbeitsgruppe auf gesamteuropäische Ebene mit dem Ziel einer Angleichung der aufsichtsrechtlichen Bestimmungen in Europa. Sie dient darüber hinaus dem Informationsaustausch bei vertraulichen bankaufsichtlichen Einzelfragen. Sie ist seit 2003 dem Committee of European Banking Supervisors (CEBS) . - Seit 2006 ist bei der Groupe de Contact ein Arbeitskreis Subgroup on Operational Networks (SON) eingerichtet mit dem Auftrag, die nationalen Aufsichtsbehörden für die Bankengruppen mit wesentlicher grenzüberschreitender Tätigkeit in Europa an einen Tisch zu bringen.

– Siehe Ausschusswahn, Bankenaufsicht, europäische.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2002, S. 67 f., S. 71, Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 48 f., Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 54 f., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 43 ("Architektur"-Übersicht), S. 47 (dort über die Errichtung der Arbeitsgruppe "Common Reporting"), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 59 f. (Einrichtung der SON) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gründerbank (parent bank):

Ein zumeist in öffentlichen Besitz befindliches Institut mit der Hauptaufgabe, Existenzgründer sowie kleine und mittlere Unternehmen zu bedienen.

– Siehe Burn Rate, Business Angel, Drittphase-Finanzierung, Inkubator, Leveraged Buy-out, Liebesgeld, Mikro-Finanzierung, Private-Equity-Finanzierung, Qard al-Hasan, Risikokapital, Seed Capital, Sweat Equity.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gründerkrach (eighteen seventies crash):

In Westeuropa und in den USA setzte zwischen 1871 und 1873 ein Boom ein, in dessen Verlauf die Lenkungsfunktion des Zinses stark beeinträchtigt wurde. Es kam 1873 zu einem schmerzhaften Crash; am Freitag, den 9. Mai 1873 wurde um 13 Uhr die Wiener Börse polizeilich geschlossen. - Die britische Zentralbank erhöhte im Verlauf des Jahres 1873 ihren Diskontsatz nicht weniger als vierundzwanzig Mal, um den Boom in England abzubremsen. Dies gilt übrigens als Lehrbuchbeispiel erfolgreicher Zentralbankpolitik.

– Siehe Freitag, schwarzer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Grundkapital (initial capital; original stock, capital subscribed):

1 Das Anfangskapital (start-up capital; Startkapital) eines Unternehmens, in älteren Dokumenten auch Legegeld genannt.

2 Der Wert der ausgegebenen Aktien einer Aktiengesellschaft.

– Siehe Einlage, Kapitalausstattung, Nominalkapital, Seed Capital, Torpedokapital.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Grundpreis (base price):

Bei Dienstleistungen einer Bank die Forderung an den Kunden aus gewöhnlichen, in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen genannten Tätigkeiten. Allfällige darüber hinausgehende Aufträge des Kunden an das Institut werden gesondert abgerechnet.

– Siehe Bankgebühren, Festpreis, Pauschaltarif.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Grundstimmung (prevailing tone, undertone):

An der Börse die kurzfristigen, Käufe und Verkäufe bestimmenden Erwartungen der Marktteilnehmer in Bezug auf die Gesamtwirtschaft, einschliesslich der (welt)politischen Lage (global political circumstances).

– Siehe Bewertbarkeit, Sentiment, Spielbank-Doktrin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gründungsgeld und [unschön] Ingangsetzungskosten (promotion money, start-up costs, pre-operating costs):

Wenn nicht anders definiert die Kosten zur Errichtung eines neuen Unternehmens. Zumeist wird hier nur die Errichtung des rechtlichen Rahmens (trading license; Gewerbeschein, entry into the commercial register; Handelsregistereintrag) gezählt, also noch ohne jede geschäftliche Tätigkeit (business operations).

– Siehe Inkubator, Liebesgeld, Private Equity-Finanzierung, Seed Capital, Start-up, Sweat Equity, Wagniskapital.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gründungsschwindel (promoting of bogus companies):

Heute vor allem über das Internet an Privatpersonen gerichtete Angebote,

1. allgemein Wertpapiere zu erwerben und

2. im Besonderen Aktien zu zeichnen, um Mittel zur Gründung einer angeblich mit besten Marktaussichten ausgestatteten (most favourable market prospects) Gesellschaft aufzubringen. Das auf diese Weise eingeworbene (attracted) Geld wird von den zur Gründung Einladenden auf - im Einzelnen vielfältige Art und Weise - veruntreut.

– Kenner dieses besonderen Betrugsbereichs wollen seit etwa 2005 einen Rückgang der Gründungsschwindel festgestellt haben. Grund dafür ist wohl, dass sich immer häufiger die Betrogenen (dupes) über das Internet - sogar weltweit - zusammenfanden und einen Racheengel anwarben.

– Siehe Agiotage, Beschores, Dampfstube, Daimonion, Danismus, Finanzgeier, Geheimtip, Kapitalmarkt, grauer, Offshore Finanzplätze, Schwindelbank, Underground Banking.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Grundvermögen (immovable property):

Bemessungsgrundlage (assessment base) bei Erhebung der Grundsteuer als dem Ertrag aus Grundvermögen. Die genaue Berechnung ist in den jeweiligen Steuergesetzen geregelt.

– Siehe Gewerbekapital, Vermögen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gruppendiversifizierungs-Effekte (group diversification effects):

Aufsichtsrechtlicher Begriff in Zusammenhang mit Solvency-II. Man versteht darunter bei einem Versicherungskonzern den Unterschied zwischen der Summe der einzelnen Eigenkapitalquoten der Tochterunternehmen (subsidiaries) und der aufsichtsrechtlichen Eigenkapitalquote des Konzerns gesamthaft.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 54 (CEIOPS-Empfeh¬lungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gruppe verbundener Kunden (group of connected customers):

Aufsichtsrechtlicher Begriff, weitläufig definiert als

1. zwei oder mehr natürliche oder juristische Personen, die - wenn nicht das Gegenteil nachgewiesen wird - im Hinblick auf einen Kredit insofern eine Einheit bilden, als eine von ihnen zu einer unmittelbaren oder mittelbaren Kontrolle über die andere oder die anderen befugt ist oder

2. zwei oder mehr natürliche oder juristische Personen, zwischen denen kein Kontrollverhältnis im Sinne von 1. besteht, die aber in Hinblick auf den Kredit als Einheit anzusehen sind, weil zwischen ihnen Abhängigkeiten bestehen, die es wahrscheinlich erscheinen lassen, dass wenn einer dieser Kunden in finanzielle Schwierigkeiten gerät, die anderen oder alle auf Rückzahlungsschwierigkeiten (repayment difficulties) stossen.

– Siehe Aktiva-Qualität, Ausfallrisiko, Beherrschung, Beteiligung, qualifizierte, Gini-Koeffizient, Granularität, Herfindahl-Hirschman-Index, Herstatt-Pleite, Klumprisiko, Kontrahentenrisiko, Konzentrationsrisiko, Kreditereignis, Kreditversicherung, Kumul, Kunde, fauler, Millionenkredit, Solvenzrisiko, Value-at-Risk.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gruppendruck (peer pressure):

Das ursprüngliche Anliegen des Stabilitäts- und Wachstumspaktes bestand darin, dass sich alle Mitglieder der Währungsunion in Bezug auf ihre Staatsfinanzen an den im Vertrag festgelegte Regeln halten. Bei Verstoss sollte ein Defizitverfahren (excessive deficit procedure) gegen das regelwidrig handelnde Mitglied (member acting contrary to the rules) eingeleitet werden. Eine Haftung für die Staatsschulden eines Landes durch die anderen Mitglieder wurde ausdrücklich ausgeschlossen. - Ab 2009 verlor sich der Gruppendruck zugunsten einer Gruppenunterstützung (group support). Länder wie Griechenland, Irland, Spanien, Zypern und Portugal wurden von den Mitgliedsstaaten und der EZB zu laschen Bedingungen unterstützt. Zweck war es, ein Auseinanderbrechen der Währungsunion zu vermeiden. - Freilich ist dieses Bail-out eine Einladung an andere Staaten, im Vertrauen auf die Hilfe der übrigen Mitglieder die Anstrengungen zum Dichten der Haushaltslöcher auf die lange Bank zu schieben. Der Aufschub dringend notwendiger Massnahmen, wie vor allem Entbürokratisierung (debureaucratisation), Flexibilisierung der Faktormärkte und Anpassung der Besteuerung führt dazu, dass sich die Wettbewerbsfähigkeit des reformunwilligen Mitglieds (member unwilling to reform) weiterhin verschlechtert, und dass die Sanierungslasten (expenditures for reform and restructuring) immer höher werden.

– Siehe Aufkäufe, zentralbankliche, Bail-out, Bilanzbereinigung, Defizit-Finanzierungsverbot, Defizitquote, Euro-Anleihen, gemeinsame, Europäische Schuldenagentur, Europäische Währungsunion, Grundfehler, Eventualforderung, EZB-Sündenfall, EZB-Unabhängigkeit, Finanzpolitik, Finnland, Friedman-These, Garantie, Griechenland-Krise, Irland-Krise, Moral Hazard, Plan C, Politikklammer, Politikverzug, Portugal-Krise, Schuldenclub, Schuldendroge, Siebenprozent-Grenze, Sperrkonto, Staatsschulden-Rückführung, Stabilisierungsmechanismus, europäischer, Stand-by-Kredit, Strukturreformen, Südfront, Transferunion, Vermögensabgabe, Verschuldung-Produktivität-Verkettung, Vertragstreue, Wachstum-Schulden-Tatsache, geschichtliche, Zwangsenteignung, Zwei-Wege-Option.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2010, S. 12 f., S. 67 f. (Kritisches zu den Garantien im Zuge des Europäischen Stabilisierungsmechanismus).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Grutgeld (spice blend fee):

1 Bezahlung des Brauers an den Gruter (= Würzmeister: Fachmann, der dem Bier durch Zugabe von Gewürzen den besonderen Geschmack zu verleihen weiss) für die Lieferung der Grut (= Kräutermischung als Würze für das Bier; beer wort).

2 Abgabe, die zunächst beim Gruter erhoben wurde und später in die Biersteuer einging.

– Siehe Akzise, Detz, Verzehrgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

GTC-Auftrag (good-till-cancelled order; im Deutschen in der Regel in der Abkürzung gebraucht):

An der Börse eine Order, die bis auf Widerruf (cancellation) gültig ist.

– Siehe Stop-Auftrag, Tagesauftrag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Guilloche (guilloche):

Fein gezeichnete Muster als parallele Linien (Fadenguilloche; ribbon guilloche) oder ineinander verschlungene geometrische Kurven (Wellenguilloche; wave guilloche), manchmal auch zu einem bestimmten Ziermuster ausgestaltet (Ornamentguilloche [ornament guilloche], wie auf den Geldscheinen der EZB). Auf Banknoten, Karten und Wertpapieren gedruckt, sollen sie das Fälschen (the counterfeiting) dieser Papiere erschweren. Inwieweit sie heute diesen Zweck erfüllen, ist bestritten.

– Siehe Fälschungssicherung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gulden auch Gülden und Guldein (guilder):

1 Alte Münze, die vor allem in Deutschland, Österreich und den Niederlanden als Zahlungsmittel diente. Ihr Metall bestand, anders als der Name vermuten lässt, nicht unbedingt aus Gold. - Die Kaufkraft der alten Gulden - und das gilt ebenso für alle anderen Währungseinheiten - kann allein aus dem zu dieser Zeit geltenden ortsüblichen Verdienst eines Taglöhners, in alten Dokumenten auch Diëtarius, Diurnist, Lidl und Diëist genannt, errechnet werden. Sie ist nicht durch "rekurrenten Anschluss" - also mehr oder minder genaue Umrechnungs-Tabellen - herzuleiten. - Es gehört zu den schwierigsten Aufgaben der Wirtschaftsgeschichte, die Kaufkraft einer in älteren Dokumenten genannten und in Gulden oder anderen Währungseinheiten ausgedrückten Summe festzustellen. Allein zwischen 1600 und 1850 waren im heutigen Deutschland gut dreissig verschiedene Gulden nacheinander und teilweise auch nebeneinander als Zahlungsmittel im Umlauf. Leider ist es eine Tatsache, dass bei Wertangeben oft die gröbsten Fehler auftreten, und dass auch von namhaften Historikern Beträge genannt werden, die völlig falsch sind.

2 Die Währungseinheit (NLG) der Niederlande bis zur Einführung des EUR im Jahr 1999.

– Siehe Amalfiner, Dareiko, Florentiner, Münze, historische, Münzen-Paradoxon, Numismatik, Stater, Verbittsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gunslinger und Heissporn (gunslinger):

Im Jargon jemand, der nach der Suche um hohe Rendite im Aufbau und der Verwaltung eines Portfolios sehr hohe Risiken eingeht (an aggressive portfolio management in search of large profits). Das Wort drang in dieser Bedeutung (ursprünglich im Englischen a professional killer who uses a gun) nach 1950 in die Finanzsprache ein.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gussgeld (high water compensation):

Früher an den Schiffsführer im Binnenflussbereich eigens zum Frachtgeld hinzutretende Zahlung, wenn das Schiff infolge Hochwassers unplanmässige Liegezeiten hinnehmen musste; Guss = hier. Überschwemmung.

– Siehe Fährgeld, Furtgeld, Hafengeld, Halage, Ladegeld, Abfertigungsgeld, Auseisunggeld, Bordinggeld, Furtgeld, Hafengeld, Kaaggeld, Kaigeld, Kapgeld, Krangeld, Lastgeld, Leuchtturmgeld, Lotsengeld, Mützengeld, Pfundgeld, Pratikageld, Schleusengeld Kalfatergeld, Kapplaken, Krangeld, Leichtergeld, Liegegeld, Manifestgeld, Pratikageld, Reedergeld, Sperrfrachtgeld, Tonnengeld, Transitgeld, Wartegeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gut, öffentliches auch Kollektivgut (public good, social good):

Eine Ware oder Dienstleistung, die

1. allen Menschen eines gesellschaftlichen Verbunds zur Verfügung steht,

2. wobei es jedoch bei der Nutzung durch eine Person zu keiner Beeinträchtigung anderer kommt; es findet also kein Kampf um den Vorrang (rivalry in consumption) statt. Als Beispiel werden oft Rechtssicherheit (legal security), Hochwasserschutz (flood protection) und Verkehrsadern (traffic arteries, transportation routes) genannt.

– Als öffentliches Gut gilt auch das Finanzsystem als ein Bündel miteinander vermaschter, dicht verknoteter und vielfach verwobener Dienstleistungen. Die Finanzstabilität als das reibungslose Funktionieren des Finanzsystems ist in der heutigen Gesellschaft mindestens ebenso wichtig wie ein störungsfrei Ablaufen des Verkehrssystem, Gesundheitssystem, Kommunikations- und Informationssystem, Rechtssystem oder Bildungssystem. Ja es wird zurecht darauf hingewiesen, dass ein wohlgeordnetes Finanzsystem die Voraussetzung für den geregelten Ablauf in sämtlichen anderen Sozialsystemen sei. Der Grund liegt darin, dass bei Störungen im Finanzsystem in der Regel auch die Masstabeigenschaft des Geldes beeinträchtigt wird. Das Geld aber wird als Nenner aller in diesen Systemen zu rechnenden Preise und Werte verwendet.

– Siehe Geldfunktionen, Dienstleistungen, nicht-marktbestimmte, Money-matters-Theorem.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Güter (goods):

Im Sinne der Wirtschaftslehre brauchbare Mittel, denen

1. Seltenheit (scarcity),

2. Nutzen (utility: die dem Gut anhaftende Eigenschaft, um dessentwillen es von Menschen begehrt wird) und

3. Erreichbarkeit (possibility of human control: metals on the moon are yet inaccessible) zukommt.

– Güter sind die Voraussetzung zur Erhaltung und Gestaltung des Lebens eines jeden Menschen. Allein schon zum Überleben, also lediglich zur Erhaltung der leiblichen Existenz, ist jeder zwanghaft und fortwährend auf Güter angewiesen. Denn die menschlichen Bedürfnisse sind fast ausnahmslos Wiederholungsbedürfnisse (repetitive wants). Der Verbrauch und Gebrauch von Gütern ist daher auch "the sole end and purpose of production" (Adam Smith, 1723-1790). - Nach ihrer Gestalt unterscheidet man

1. materielle Güter (Sachgüter [physical goods], in der Terminologie der deutschsprachigen amtlichen Statistik Waren [commodities] genannt): sie haben greifbare, sachliche Eigenschaft und

2. immaterielle Güter (Intangibels [intangibles]), wie alle Dienstleistungen (services) sowie Rechte und Verträge jeder Art, beispielsweise Patente, Markenrechte Forderungen und Verbindlichkeiten.

– Der Begriff "Güter" (Menschen) ist also ein Oberbegriff (generic term, hypernym). "Waren" (Männer) und "Leistungen" (Frauen) sind die beiden im zugeordneten Unterbegriffe (minor terms, hyponyms). Daher ist es logisch falsch, von "Güter und Dienstleistungen" (Menschen und Männer) zu sprechen, wie selbst hochbezahlte Direktoriumsmitglieder der Deutschen Bundesbank dies in ihren Reden tun.

– Siehe Geldzweck, Gut, öffentliches, Ungüter, Verkehrsunfall, Vermögen, Vermögenswerte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Güter, börsenfähige (marketable goods):

1 Grundsätzlich alle Waren und Leistungen, für die das sog. Ausschluss-Prinzip (exclusion principle) gilt: nämlich dass für das entsprechende Gut Eigentumsrechte

1. genau abgrenzbar und auch

2. rechtlich durchzusetzen sind.

2 In der Praxis Waren und Finanzinstrumente, die nach der jeweiligen Börsenordnung die Voraussetzung zur Zulassung (negotiability) erfüllen.

– Siehe Güter.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Güter, kaufhäufige (steady [daily] bought goods, necessities, essential goods):

Waren und Leistungen des täglichen Bedarfs, deren Erwerb unaufschiebbar ist. Diese beanspruchen das Budget des Privathaushalts vorrangig, weil sie zur Aufrechterhaltung des gewöhnlichen Lebensstandards wichtig sind. In der Inflationswahrnehmung (subjective inflation awareness) spielen sie die zentrale Rolle. Denn eine auf diese Weise hohe gefühlte Inflation lässt weiter eine hohe Inflation erwarten. Daher sparen die Privathaushalte, um sich mit dem Ersparten gegen weiter steigende Preise bei den kaufhäufigen Gütern abzusichern. - Privathaushalten mit niedrigem Einkommen bleibt in diesem Fall allein die Möglichkeit, den Konsum einzuschränken: die Konsumneigung (propensity to consume) sinkt.

– Siehe Angstsparen, Güter, Inflation, gefühlte, Inflationserwartungsrate, Inflation Targeting, Preisempfinden, Preisvergleich, Referenzpreis, Teuro, Vorschatten-Effekte, Warenhorte, Wohnungsmieten, Zweitrunden-Effekte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Güterkorb (market basket; sample of goods):

Ein festgelegtes Bündel an Waren und Dienstleistungen, an dem Geldwertänderungen gemessen werden. Muss man zum Kauf dieser Menge im Zeitverlauf mehr (weniger) ausgeben, so ist offenbar der Geldwert gesunken (gestiegen). - Logisch und sachlich falsch ist der weit verbreitete Ausdruck "Warenkorb". Denn in der deutschen statistischen Fachsprache und so auch bei der EZB ist "Güter" der Oberbegriff, "Waren" (dinghafte Gegenstände) und "Dienstleistungen" sind die Unterbegriffe.

– Siehe Baupreisindex, Güter, Harmonisierter Verbraucherpreisindex, Substitutionsverhalten.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2008, S. 39 (Güterkorb mit 40 Waren und Dienstleistungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gütestelle auch Schlichtungsstelle (arbitration committee, jury):

Auf dem Finanzmarkt eine Einrichtung, deren Aufgabe es ist, Streitfälle aussergerichtlich (extrajudical, by out-of court settlement: a process for settling disputes between parties that is less structured than court proceedings) zu beizulegen.

– Siehe Beschwerdeverfahren, Gatekeeper, Kreditmediator, Ombudsleute, Schiedsverfahren.

– Vgl. Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 52 (Streitschlichtungs-Richtlinie der EU; Schlichtungsstellen in Deutschland).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gutgeführt (well managed):

Begriff aus dem Aufsichtsrecht der USA in Zusammenhang mit dem Gramm-Leach-Bliley-Gesetz (GLB Act) aus dem Jahre 2000. Der Rang einer gutgeführten Bankholding (bank holding company, BHC) wird darin sehr genau anhand verschiedener Rating-Vorgaben festgestellt. So sollen die Ratings für bestimmte operationelle Posten in der Konzernbilanz die Stufe 1 oder 2 von 5 vorgegebenen Stufen haben, und es muss auch die Qualität des Managements bewertet sein. Ausserdem ist der Nachweis zu erbringen, dass Bankdienstleistungen vor Ort in befriedigendem Masse angeboten werden.

– Siehe CAMELS, Community Reinvestment Act, Glass-Steagall-Gesetz, Gutkapitalisiert, Holding.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Guthaben (credit balance; assets):

1 Der Kredit-Saldo eines Kontos: die Belastungen überschreitende Gutschriften, im älteren Schrifttum oftmals auch nur Haben.

2 Andere Bezeichnung für Vermögen.

– Siehe M1.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Guthaben, verfügbares (available funds, cash in hand):

Wenn nicht anders definiert, Bargeld und Bargeldbestände einer Wirtschaftseinheit auf dem Konto; manchmal werden auch die Sichteinlagen hinzugezählt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gutjahrgeld (new-year feast due):

Satzungsmässige Zahlung der Mitglieder eines Vereins - früher auch einer Zunft -, in erster Linie bestimmt für das gemeinsame Neujahrsessen.

– Siehe Pfeffergeld, Zunftgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gutkapitalisiert (well capitalised):

Begriff aus dem Aufsichtsrecht der USA. - In Zusammenhang mit dem Gramm-Leach-Bliley-Gesetz (GLB Act) aus dem Jahre 2000 muss eine Bankholding (bank holding company, BHC) ein bestimmtes, im Einzelnen sehr genau vorgeschriebenes Risikomanagement nachweisen. - Eine Auslandsbank gilt nach dem amerikanischen Aufsichtsrecht dann als gutkapitalisiert, wenn ihre Heimataufsicht bestimmte Vorgaben festgestellt hat.

– Siehe CAMELS, Community Reinvestment Act, Gutgeführt, Holding.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gutschein (coupon; barter slip):

1 Ein Schriftstück oder ein elektronisch zu nutzender Beleg, welcher dem Inhaber den Bezug einer Ware - etwa die neue Schöpfung eines Confiseurs - oder einer Dienstleistung - etwa die Prüfung der Brille bei einem Optiker - zusichert.

1. In der Regel handelt es sich um einen Geschenk-Gutschein (gift cheque, gift voucher). Der Aussteller (issuer) ist hierbei jedem Dritten gegenüber rechtlich zur Einlösung (redemption) verpflichtet, auch wenn der Name eines Berechtigten eingetragen ist. Ein unbefristeter Gutschein kann in Deutschland drei Jahre lang eingelöst werden.

2. Ein Umtausch-Gutschein (conversion coupon) ist dann gegeben, wenn der Kunde eine zuvor gekaufte Ware an den Händler zurückgibt, und der Händler im Gegenzug einen Beleg über den entsprechenden Betrag ausstellt.

– Sofern nicht ausdrücklich anders vereinbart, hat der Gutscheininhaber grundsätzlich keinen Anspruch auf Auszahlung des Wertes in Geld. Insofern sind Gutscheine auch nicht als Geldsurrogate anzusehen, und ihr Verkehr unterliegt ausschliesslich dem Privatrecht.

2 Tausch-Gutschein: ein an die Stelle des Geldes tretende Wertmarke, die zum Bezug von Waren und Dienstleistungen berechtigt.

– Siehe Geldabschaffung, Marke, Mutualismus.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Gutschrifterklärung auch Gutschriftvereinbarung (credit memorandum, credit memo):

Ein Dokument, das der Verkäufer für den Käufer ausstellt, falls dieser die gekaufte Ware zurückgibt. Hierin sind alle für eine allfällige Rücknahme wesentlichen Umstände festgelegt (a document issued by a seller to a buyer, indicating the products, quantities and agreed prices for merchandises that the seller provided the buyer with, but the buyer returned).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen