Versicherungsoptimierer.net - Finanzlexikon - F

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Fabrik (fabric):

In älteren Dokumenten auch ein Fonds bzw. eine Kasse zur Unterhaltung von Gebäuden (maintenance of buildings), im Besonderen von Kirchen (fund for repair, reconstruction and maintenance of Church buildings and its furnishings). Den für die Pflege der Kirchengebäude Verantwortlichen nannte man Fabrikanten (fabric: one who has charge of maintenance).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fabrikpreis (factory price, costprice):

Nach herrschender Rechtsprechung (prevailing case law) der Preis einer Ware ab Lager des Herstellers (from the manufacturer's warehouse), jedoch ohne allfällige Beschaffungskosten wie Verpackung, Transport, Versicherungsschutz oder Zoll.

– Siehe Erzeugerpreise, industrielle, Preis, angegebener.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Face Value (so auch im Deutschen gesagt):

Wenn nicht anders definiert der Nennwert (Nominalwert) einer Schuldverschreibung zum Zeitpunkt ihrer Fälligkeit. - Im einfachen Fall entspricht dies der Summe, welche der Emittent für jedes Stück erhielt (the amount of money the issuer received for each bond) und dem Betrag, den er bei Fälligkeit zu zahlen hat (the amount that it will repay upon redemption).

– Siehe Anleihe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fachbankensystem und Branchenbankensystem (professional orientated bank system):

Die Forderung, Universalbanken völlig abzuschaffen und statt dessen nur berufsständisch bezogene (run by self-regulatory professional organisations) Banken zuzulassen. - Dass die auf einen Wirtschaftszweig eingeengten Institute die Aufgabe der Kapitalaufbringung (raising of capital) und der Kapitalverteilung (allocation of capital) für ihre Branche überhaupt leisten können, beruht auf der Annahme, dass sich Kapitalangebot und Kapitalnachfrage im jeweiligen einzelnen Wirtschaftsbereich stets decken. Das ist aber, wenn überhaupt (if at all), höchstens vereinzelt, kurzzeitig, zufällig so. - Um diesen Einspruch zu entkräften, verweisen die Befürworter des Fachbankensystems auf die Möglichkeit, dass die Institute einzelner Berufszweige untereinander in Verbindung treten. Damit würde aber der Kapitalverkehr durch das Dazwischentreten mehrerer Stellen verlangsamt und verteuert (would make credits dearer). - Es wurde vorgeschlagen, dem Fachbankensystem die Möglichkeit der Ausgabe von Zahlungsmitteln einzuräumen. Dadurch sollten den Schwierigkeiten bei der Kapitalaufbringung begegnet werden. Dies jedoch läuft auf ein gefährliches Nebeneinander (dangerous juxtaposition) zweier Zentralbanken hinaus. Das wiederum ist allein schon aus verfassungsrechtlichen Gründen höchst bedenklich (highly questionable from a constitutional point of view). - Die Überlegungen zur Umgestaltung der Bankenlandschaft in ein branchengegliedertes Fachbankensystem entstammt der Vorstellung einer berufsständischen Ordnung der Gesellschaft, wie diese vor allem als Gegenentwurf (anti-concept) zu totalitären Staatssystemen wie dem National-Sozialismus und Kommunismus entwickelt wurde. Sie zu verwirklichen (put into practice), dürfte indessen heute kaum angeraten (hardly recommendable) sein.

– Siehe Geld, privates.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fachbeirat BaFin (BaFin consulting committee):

Gremium aus vierundzwanzig Vertretern von Wissenschaft, Finanzwirtschaft, der Deutschen Bundesbank und den Verbraucherverbänden mit dem Ziel, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht bei der Erfüllung ihrer Aufgaben zu beraten.

– Siehe Ausschuss-Wahn, Geldverbrennung.

– Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 215 (Liste der Mitglieder) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Facility Agent (so auch im Deutschen gesagt):

1 Eine darauf spezialisierte Firma oder auch eine Einzelperson, die Anlagevermögen, im engeren Sinne Immobilen, betreut.

2 Ein Institut, das als Arranger Bauvorhaben verwirklicht.

– Siehe Developer, Facility Management.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Facility Fee (so auch im Deutschen gesagt, seltener auch Bereitstellungs-Provision):

Die Gebühr, die bei einem Darlehn der Bank auf die eingeräumte Summe gesamthaft berechnet wird, folglich auch in Bezug auf vielleicht garnicht in Anspruch genommene Beträge (fee paid on the entire amount of a syndicated loan, regardless of the amount already drawn).

– Siehe Bankgebühren, Geschäfte, provisionsabhängige, Gebühr, Geldbeschaffungskosten, Grundpreis, Maklergebühr, Pauschaltarif, Prämie, Provision.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Facility-Management (so auch im Deutschen gesagt; seltener Anlagevermögen-Betreu-ung oder Gebäude-Wartung):

1 Im engeren Sinne Dienstleistungen, welche zur Bewirtschaftung - wie Reinigung, Wartung, Sicherung, Reparatur - von Gebäuden und Immobilien zwecks Werterhaltung (maintenance of value) und Wertsteigerung (enhancement in value) erbracht werden. Soweit Banken derartige Aufgaben an darauf spezialisierte Firmen übertragen, handelt es sich um eine nach § 25a KWG anzeigepflichtige Auslagerung.

2 Im weiteren Sinne auch das von Banken betriebene Geschäft, bei dem bestimmte Gebäude - etwa Studenten-Wohnheime, Senioren-Residenzen - auf eigene Initiative erbaut und dann

1. entweder durch das Institut selbst verwaltet

2. oder an einen entsprechenden Betreiber (Universität, Gemeinde) weiterveräussert werden.

– Siehe Anlagegüter, Anlagevermögen, Fabrik, Facility Agent.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Façon und Fasson (quotation spread; facilitation payment):

1 In der älteren Literatur Bezeichnung des Kursunterschieds an der Börse zwischen kleinen Stücken - etwa: Nominalwert 50 - und grossen Stücken - etwa: Nominalwert 1'000 - desselben Papiers.

2 An Inhaber, Manager, Aktionäre, Gewerkschaftsfunktionäre, Politiker, kritische Journalisten und andere bezahlte Vergütung dafür, dass sich ein Unternehmen geräuschlos aufkaufen lässt.

– Siehe Douceur, Fusionen und Übernahmen, Schmiergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Factoring (factoring):

Ein besondere Art des Kreditgeschäftes, nämlich der gewerbsmässig betriebene Erwerb von Geldforderungen, in der Regel von Firmen, die Güter mit Zahlungsziel an gewerbliche Kunden verkauft haben; also die Forderungs-Vorfinanzierung (a credit transaction whereby a company, holding an outstanding commercial bill of exchange, transfers it to its bank or to a specialised financial institution in exchange for the payment of the bill, less interest and commissions, and fees). Entsprechende Unternehmen (factoring companies) werden in der Rechtssprache Factor (factor) genannt und in Deutschland nach § 1, Abs. 3, № 4 als Finanzunternehmen eingestuft; sie bedürfen seit Dezember 2008 einer Erlaubnis und unterliegen der Aufsicht durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. - Seit etwa 2000 sind verstärkt Hedge-Fonds in dieses Marktsegment eingedrungen; 2005 kauften beispielsweise Hedge-Fonds den Gläubigerbanken an den deutschen Warenhauskonzern KarstadtQuelle gewährte Darlehn in Höhe von über 500 Mio EUR.

– Siehe Ausschlachten, Debitorenmanagement, Event-Driven Fund, Factoring, unechtes, Fälligkeits-Factoring, Finanzunternehmen, Self-Factoring, Sicherungseinbehalt, Ultimo-Factoring, V-Institute, Zessionskredit.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 109 f. (Erlaubnistatbestände beim Factoring), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 158 (vereinfachtes Erlaubnisverfahren bis Ende Januar 2009), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 174 ff. (Zusammensetzung der Institute; Aufsichtsrechtliches; Risikoklassifizierung), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 175 (Trend zur Marktkonsolidierung; neue Erlaubnisträger) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Factoring, echtes (real factoring):

Übernimmt der Factor auch das Ausfallrisiko (normal situation; Regelfall), so handelt es sich um echtes Factoring. Ist jedoch keine Haftung (sog. Delkredereschutz; del credere cover) vereinbart, dann spricht man von unechtem Factoring. - Die Kosten des Factoring setzen sich im Wesentlichen zusammen aus

1. dem Zins für die Vorfinanzierung (advance financing) der Forderung und

2. der anteiligen Belastung des Kunden mit dem Betriebsaufwand (operating expenses) des Factoring-Unternehmens, wobei in der Regel die Kosten für die Bonitätsprüfung (Kreditprüfungsgebühr; costs of checking creditworthiness) eigens in Rechnung gestellt werden.

– Siehe Factoring, unechtes, Fälligkeits-Factoring, Sicherungseinbehalt, Ultimo-Factoring.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Factoring, mittelstandsbezogenes (small factoring):

Die Forderungsvorfinanzierung ganz besonders für kleine und mittelständische Unternehmen. - Verschiedene Factoring-Unternehmen haben sich auf diese Kundschaft spezialisiert und betreuen besonders exportintensive Firmen (export-intensive firms), die - länderspezifisch bedingt (attributable to country-specific circumstances) - oft sehr lange Zahlungsziele (long payment targets) beim Verkauf einräumen mussten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Factoring, stilles (silent factoring):

Der Kauf von Geldforderungen aus Waren- und Dienstleistungsgeschäften, bei dem aber der Schuldner seitens des bisherigen Gläubigers nicht über den Verkauf seiner Forderung an einen Factor unterrichtet wird. - Die Gefahr für das Factoring-Unternehmen liegt hier in der fehlenden Möglichkeit zur Prüfung der Rechtmässigkeit der Forderung; denn es hat ja im Regelfall keinen unmittelbaren Kontakt zum Schuldner. Es könnten so in betrügerischer Absicht garnicht bestehende Forderungen zum Kauf angedient werden. Ob dessen wird eine Factoring-Gesellschaft beim stillen Verfahren nur mit untadeligen Adressen zusammenarbeiten. - Das von vielen Ärzten mit den ärztlichen Verrechnungsstellen (medical clearinghouses) vorgenommene stille Factoring ist nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (German Federal Court of Justice) aus dem Jahr 1991 ohne Zustimmung des Patienten wegen einer Verletzung der ärztlichen Schweigepflicht (breach of medical confidentiality) nichtig; es hat sich aber trotz dessen durchgesetzt.

– Siehe Factoring, unechtes.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Factoring, umgekehrtes (reverse factoring):

Wenn Firmen gegenüber ihren Lieferanten die ihnen eingeräumten langen Zahlungsziele (long credit terms) nutzen, so geraten Letztere möglicherweise in eine Finanzklemme (financial squeeze). Um dies zu vermeiden, überweist das Factoring-Unternehmen sofort nach Erstellung der Rechnung den entsprechenden Betrag vorab an den Lieferanten.

– Siehe Factoring, unechtes, Fälligkeits-Factoring.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Factoring, unechtes (improper factoring):

Die Factoringfirma kauft Forderungen unter dem Vorbehalt, dass bei Zahlungsstörungen des Schuldners der Vertrag rückgängig gemacht wird; der Factoringkunde - der ursprüngliche Gläubiger - also der notleidende Zahlungsanspruch wieder in seine Bücher zurücknimmt. Auf diese Weise wird verhindert, dass ein Gläubiger uneinbringliche Forderungen dem Factoring-Unternehmen zuleitet.

– Siehe Adverse Selection, Factoring, echtes, Factoring, stilles, Fälligkeits-Factoring, Sicherungseinbehalt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fact Sheet (so zumeist im Deutschen; seltener Datenblatt):

In der Finanzsprache auch der - ausgedruckte oder elektronisch gespeicherte - Beleg über alle Geschäfte mit einem Kunden und damit über einen reinen Kontoauszug (bank statement) hinausgehend.

– Siehe Bankkunden-Profil, Customasing, Divergenz, Kundendossier, Kundenzentrierung, Scoring.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fahnengeld (mastery fee):

In alten Dokumenten die gebietsweise üblich Zahlung, welche ein vom Gesellen zum Meister beförderter Handwerker in die Zunftkasse (treasury of the guild) zu leisten hatte.

– Siehe Annehmungsgeld, Aufleggeld, Dispensationsgeld, Fordergeld, Innungsgeld, Zunftgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fahrgeld (fare; transportation expenses):

1 Zu zahlender Betrag für eine Beförderungsleistung (fare, ticket price; Fahrpreis, Fahrgeld) durch ein Verkehrsmittel wie die Eisenbahn oder die (CH: das) Tram.

2 Die Erstattung von Aufwendungen für das Sicheinfinden an einem Ort; oft nach Fahrtkilometer (kilometer driven) berechnet und manchmal von Arbeitgebern regelmässig für den Weg zwischen Arbeitsplatz und Wohnort ganz oder teilweise erstattet.

3 Manchmal statt Fahrtgeld gesagt.

– Siehe Fringe Benefits, Naulum, Taxe, Ticketing, electronic, Verzehrgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fährgeld (ferry fee):

1 Eine Zahlung in Bargeld, die an Flüssen bei der Überfuhr mit einer Fähre (navigation with a ferry) von Personen und Fahrzeugen zu entrichten ist, in älteren Dokumenten auch Chalance, Naulum, Nautage und Ripatikum.

2 Im alten Griechenland eine Zahlung an den geisterhaften Fährmann Charon, der Tote in den Hades transportierte; zwecks dessen legte man dem Toten einen Obolos als Fahrgeld unter die Zunge.

– Siehe Brückengeld, Chausseegeld, Citymaut, Furtgeld, Knopfabschneider, Schleusengeld, Torgeld, Wassergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fahrnis und Fahrhabe (moveables, chattels):

Vor allem in älteren Versicherungsverträgen die Bezeichnung für bewegliche Sachen, im Gegensatz zu Immobilien (real property; Realitäten, Liegenschaften) als unbewegliche Vermögensgegenstande (immovable assets). - Fahrnisrecht heisst das Sachenrecht in Bezug auf beweglichen Güter, im Gegensatz zum Liegenschaftsrecht.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fahrtgeld (fare; travel expenses, transportation costs):

1 Manchmal statt Fahrgeld gesagt.

2 In Deutschland im Besonderen die von Krankenkassen teilweise erstatteten (part-paid) Aufwendungen, die bei einem Arztbesuch bzw. bei der Anreise zu einem Ort der Krankenpflege (health care) anfallen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fair Value, FV. (so auch im Deutschen gesagt, seltener beizulegender Zeitwert aber immer öfters auch Fairer Wert):

Wenn nicht anders definiert der Betrag, zu dem ein Vermögenswert im Geschäftsverkehr zwischen

1. sachkundigen (informed),

2. vertragswilligen und

3. voneinander unabhängigen Geschäftspartnern

4. unter Marktbedingungen (in a free markte situation) getauscht oder eine Schuld beglichen werden könnte (CONJUNCTIVUS POTENTIALIS).

5. Ausgenommen sind Geschäfte im Rahmen eines Zwangsverkaufs (compulsory sale) oder einer Notabwicklung (distressed sale).

– Liegen für ein Finanzinstrument notierte Preise auf einem aktiven Markt vor, so ist der dort ermittelte Preis als Fair Value zu betrachten. Eine Notierung an einem aktiven Markt setzt veröffentlichte Preise an einer Börse, von Händlern, Brokern, Branchengruppen, Preis-Serviceagenturen (pricing services) oder Aufsichtsbehörden voraus, die leicht und regelmässig (regularly and steadily) zu erhalten sind. Vorausgesetzt ist ferner, dass diese Preise Marktbedingungen abbilden: einen Austausch wie unter unabhängigen Dritten. Im so definierten Sinn ist der WV mithin als Marktwert oder als Verkehrswert zu begreifen und wird auch im Zuge der IAS (39.9) so verwendet. - Freilich wirft das im Einzelnen vielfältige und in der Fachliteratur weitläufig erörterte Probleme auf, je nachdem, um welchen Vermögensgegenstand - etwa: Immobilien, Kapitalstock, immaterielle Vermögenswerte, Finanzinstrumente - es sich handelt. - Bei illiquiden, funktionsgestörten Märkten wie im Gefolge der Subprime-Krise kehrt sich die in guten Jahren nach oben weisende Marktwerttendenz häufig rasch um. Sie führt diesfalls zu Beschleunigungswellen nach unten, und zwar nach dem Muster: fallende Preise, steigende Wertberichtigungen, erforderliche Notverkäufe und weiter fallende Preise. - Im Frühjahr 2011 wurde mit IFRS 13 versucht, eine einheitliche, auch die US-amerikanischen Bestimmungen einschliessende Definition und Berechnung des FV zu erreichen. Wichtig ist, dass mit Blick auf die Lehren aus der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise, IFRS 13 die Kalkulation des FV auch dann festlegt, wenn die Märkte nicht liquide sind und der FV mit Hilfe von Modellen errechnet werden muss.

– Siehe Ansteckungswirkungen, Audit, Bewertbarkeit, Bewertung, Darstellung, glaubwürdige, Full Fair Value-Standard, Inventarwert, Kombinationseffekt, Liebhaberwert, Mark-to-Model-Ansatz, Markt, aktiver, Marktwert, Prozyklizität, Regelgegründet, Transparenz, Vermögenswert, eingebundener, Zeitwert, Zeitwertbilanzierung.

– Vgl. Jahresbericht 2005, der BaFin, S. 56 f. (zur Fair Value Option bei IAS 39), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 57 (Bewertungsfragen bei den Verbindlichkeiten einer Versicherung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fair Value Hedge (so auch im Deutschen gesagt):

Vorschriften nach IAS über die Bewertung und Bilanzierung von Hedge-Geschäften.

– Siehe IAS 39.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2002, S. 48 f., Monatsbericht der EZB vom Februar 2004, S. 77 ff., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 182 ff. sowie der jeweilige Jahresbericht der BaFin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fairness Opinion (so auch meistens im Deutschen gesagt, seltener Stellungnahme zur Angemessenheit):

Das Gutachten einer unabhängigen Partei

1. allgemein bei - grösseren - Transaktionen und

2. vor allem zwecks Schutzes der Aktionärsbelange bei Unternehmenskäufen und Unternehmensverkäufen im Besonderen (an opinion given by a third independent party [investment bank, valuation firm, auditors] on the financial terms of a transaction [disposal, contribution, merger] which could create a conflict of interest between the parties to this transaction [as sale by a parent company of one of its assets to its listed subsidiary, which also has outside shareholders]. This opinion is most frequently based on detailed valuation work).

– Schon um langwierige Rechtstreitigen (long lasting lawsuits) auszuschliessen, ist es seit etwa 1990 weltweit üblich, beim Kauf und Verkauf von Unternehmen(steilen) sowie auch bei Fusionen und Übernahmen eine Fairness Opinion vorzulegen. - In einigen Fällen haben auch Aktionärsschützer Stellungnahmen anfertigen lassen, die in Widerspruch mit einer bereits von anderer Seite veröffentlichten Fairness Opinion standen. Dies führte dann zu Streitfragen hinsichtlich der Bewertung einzelner Posten in der jeweiligen Fairness Opinion.

– Siehe Aktientausch-Übernahme, Ausschlachten, Burn-Out Turnaround, Cash-Sweep-Vereinbarung, Delisting, Financial Covenant, Finanzinvestor, Kapitalverwaltungsgesellschaft, Pay-in-Kind-Anleihe, Private-Equity-Finanzierung, Restrukturierung, Risikokapital, Risikoüberwachung, gegliederte, Shark Watcher, Trade Sale.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Faktoren, autonome (autonomous factors):

Bei der EZB alle Posten in der Bilanz des Eurosystems, die nicht zu den auf EUR lautenden geldpolitischen Instrumenten gehören. Die Einlagen der öffentlichen Haushalte (government deposits) und der Banknotenumlauf (banknotes in circulation) zählen zu den wichtigsten Bestandteilen der autonomen Faktoren.

– Siehe Liquiditätsbedarf, Überschussreserven.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2008, S. 97 ff. (ausführliche Darstellung; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fakultativklausel (optional clause):

Eine Bank behält sich das Recht vor, eine Überweisung auch auf ein anderes Konto des Kunden als das von ihm angegebene vorzunehmen. Wegen der Gefahr eines allfällig auftretenden Verzögerungsschadens (damage due to delay) darf diese Klausel nach höchstrichterlicher Rechtsprechung (supreme court decision) in Deutschland nicht allgemein in Vordrucken verwendet werden.

– Siehe Zahlungsadresse.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Faktura, in der Mehrzahl Fakturen (invoice):

In älteren kaufmännischen Dokumenten häufig gesagt statt Rechnung. Den mit dem Ausstellen der Rechnungen in grösseren Häusern betraute Angestellte nannte man Fakturier (invoicing clerk). Die Liste der Rechnungen nahm ein Fakturabuch (Fakturenbuch; invoice-book) auf.

– Siehe Kassenbuch, Memorial, Rechnungs-Stapelung, Telrechnung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Falke (hawk):

Schimpfwort in Bezug auf Zentralbanker, welche die Masstabeigenschaft des Geldes verteidigen und nicht bereit sind, eine Inflation zuzulassen.

– Siehe Geldeigentumsrecht, Geldheimat, Geldvertrauen, Geldwertstabilität, Lug-und-Trug These, Nominalwertprinzip, Poltergeist, Staatsverschuldungs-Druck, Zentralbank, Zinsfalke.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fallgeld (accural duty; test premium; lottery ticket double proceeds):

1 Alte Gebühr in Deutschland

1. beim Tod eines Erblassers (Vorläufer der heutigen Erbschaftsteuer; death duty) oder

2. beim Besitzwechsel von Grundstücken (Vorläufer der heutigen Grunderwerbsteuer; real estate transfer tax), auch Fallfreigeld genannt. Ein bestimmter Anteil der Einnahmen wurde manchmal bestimmungsgemäss der Armenkasse zugewiesen.

2 Heute bei neuartigen, noch nicht eingeführten und noch nicht zugelassenen Medikamenten die Zahlung an ein Krankenhaus (A und CH: Spital), das an

1. Testpatienten die Arznei erprobt und

2. dem Hersteller des Heilmittels eine vertraglich genau festgelegte Dokumentation über den Versuchsverlauf zur Verfügung stellt.

– Pharmaunternehmen müssen zur Marktzulassung solche Studien - in der Regel an mehreren Tausenden von Patienten und im Einzelnen übergenau geregelt - nachweisen.

3 In der Lotterie der Unterschiedsbetrag zwischen einem an den Lotterieeinnehmer (lottery agent) zurückgegebenen Los einerseits und dem Wiederverkauf dieses Loses an einen neuen Kunden andererseits, auch Absprungertrag genannt.

– Siehe Abzugsgeld, Armengeld, Armenkasse, Ehrschatz, Kauffreigeld, Nonagium, Sterbegeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fälligkeit auch Verfallzeit und in älteren Dokumenten Exspiration (maturity, expiry date, expiration date, date of expiry, tenor = specifically the maturity of a loan):

Allgemein der Eintritt einer Leistungspflicht (Erfüllungspflicht, Zahlungspflicht; duty of payment), bestimmt nach einen festgesetzten Zeitpunkt. - Ist dieser vertraglich festgelegt, so darf der Gläubiger die Leistung nicht vorher fordern. - Wenn nicht anders vereinbart, so darf jedoch die Schuldner die Leistung früher erbringen; siehe § 271 BGB. Die Minderung einer unverzinslichen Schuld bei vorzeitiger Erfüllung ist nach § 272 BGB grundsätzlich ausgeschlossen.

– Siehe Erster, trauriger, Fristigkeitsstruktur, Prolongation, Vorauszahlung, Vorzeigung, Zahlung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fälligkeits-Factoring (maturity factoring):

Factoring, bei dem der Kunde gegenüber dem Factoring-Unternehmen - dem Factor - auf die Bevorschussung der Forderung verzichtet. Erst wenn die Zahlung des Schuldners eingegangen ist, überweist der Factor dem Kunden das Geld, abzüglich der üblichen Gebühren. Im Gegenzug bürgt jetzt in der Regel der Factor für den Zahlungseingang, wenn der Schuldner ohne nachvollziehbaren Grund den offenen Betrag nicht ausgleicht.

– Siehe Factoring, umgekehrtes, Factoring, unechtes.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fälligkeitsgliederung (spacing of maturities):

Tabellarische Aufstellung der Zahlungspflichten (einer Bank), nach Kalendertagen geordnet.

– Siehe Bankregel, goldene, Finanzierung, Fristigkeitsstruktur, Rollover-Risiko, Schuldenmanagement, Skontro.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fälligkeitstag (maturity date):

Bei der EZB das Datum, an dem eine geldpolitische Operation ausläuft. - Im Falle einer Rückkaufsvereinbarung oder eines Swapgeschäfts entspricht der Fälligkeitstag dem Rückkaufstag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fallschirmspringer (parachutist, skydiver):

Im Jargon ein Kollege bzw. eine Kollegin in einer Bank, der/die sich ungebeten und unerbeten in Gespräche einmischt, besonders auch in ein Kundengespräch im Front-Office-Bereich (bank clerk who intrudes unasked and unwelcomed in conversations particulary in talks with clients).

– Siehe Airbag, Alleskönner, Autonom agierende Einheit, Behavioural Branding, Chief Copying Officer, Druckbelegschaft, Infighting, Kollege Harzenmoser, Kontakt-Allergiker, Krokodil, Loch, schwarzes, Mailbomber, Selbstverwirklicher, Tenu-Schlamper, Totholz, Triple A, Umsatzbremse, Unfallflüchtling.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Falschberatung (miscounselling):

Auf dem Finanzmarkt fehlerhafte Empfehlungen von Finanzberatern oder Bankangestellten an Kunden im Besonderen in Bezug auf die Geldanlage. - Bei Assekuranzunternehmen bezieht sich die Falschberatung in der Regel auf Vorschläge an Versicherte für ganz bestimmte, von dem Kunden letztlich nicht gewollte Verträge. Entsprechende Beschwerden erreichen die Aufsichtsbehörden vielfach. Jedoch ist ein Beweis einer Falschberatung nur selten anzutreten. - Klar ausgesprochen wird selten, dass es viele Kunden gibt, die Hinweise auf Risiken ihres Beraters nicht hören wollen oder gar meinen, den Markt schlagen zu können. Gerade diese sind es jedoch nach aller Erfahrung, die dem Finanzberater bei Verlusten die Schuld zuschieben.

– Siehe Anlageberatung, Anlage-Empfehlung, Aufzeichnungspflicht, Beratung, Beratungsqualität, Dampfstube, Fehlkauf, Finanzforen, Mitarbeiter-Register.

– Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 199 (Fälle aus der Praxis), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 10, S. 119 (verstärkte Rechte für den Kunden bei Falschberatung), S. 245 f. Fälle aus der Praxis).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Falscherklärung, auch Untererfassung und nach dem Englischen Underreporting (under reporting):

In Bezug auf den Finanzmarkt die absichtliche, berechnete Meldung niedrigerer Grössen - vor allem bezüglich von Umsatz, Gewinn oder Marktanteil - an die Aufsichtshörde oder an andere Stellen wie den Fiskus oder die Kartellbehörde (the illegal practice of reporting lower items, such as turnover, profit or market share, in order to deceive the supervisory authority, the tax office or anti-trust authorities). - Im Gegensatz zu einer weit verbreiteten Meinung (contrary to the widespread public opinion) sind die Fälle des Underreporting im Finanzsektor selten. Denn die Überwachungseinrichtungen an den Börsen, bei den Aufsichtsbehörden, bei den Kartellämtern und bei der Finanzfahndung (financial investigation units) können Auffälligkeiten ziemlich rasch feststellen. Zudem ist eine absichtliche Untererfassung in einem Unternehmen nur durch Zusammenwirken mehrerer Personen möglich. Hier besteht die Gefahr, dass Whistleblower tätig werden; zumal dann, wenn diese von Behörden entsprechende Prämien erhalten, wie beim Ankauf von Steuersünder-Dateien (the acquisition of data carriers with information about tax evaders by state authorities) in Deutschland.

– Siehe Amber Light, Beobachtungsliste, Compliance, Delator, Follow-up-Prüfung, Handelsüberwachungsstelle, Mitarbeiter-Informationspflicht, Monitoring, Nominee, System Securities Watch Application, Waste Watcher, Wirtschaftsprüfer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Falschgeld (counterfeits, bogus money):

Widerrechtlich hergestellte Münzen und Banknoten einer Zentralbank. Das Nachbilden von älteren Münzen zählt rechtlich nicht zum Falschgeld, sondern gilt als Fälschung (fraudulent falsification) bzw. beim Inverkehrbringen als Betrug (fraud). - Die EZB veröffentlicht laufend eine Statistik eingezogenen Falschgelds. Dabei steht Deutschland im Falschgeldaufkommen im europäischen Vergleich sehr niedrig dar. Festgestellt wurden 2013 fünf Fälschungen auf 10'000 Einwohner; dabei war der 20-Euro-Schein die am meisten verbreitete Falschnote. Diese Zahl liegt in anderen Ländern - etwa Griechenland, Zypern - um ein Vielfaches höher. Der Grund ist darin zu sehen, dass in manchen Ländern der Ermittlungsdruck (pressure of investigation) bei Falschgelddelikten (counterfeiting offences) gering und die Strafe niedrig ist. Das veranlasst die zumeist der organisierten Kriminalität (organised criminals) zuzuordnenden Täter, Deutschland zu meiden, und die Falsifikate in anderen Eurostaaten in den Geldkreislauf einzuschleusen. - Vom Falschgeld sind beschädigte, (teil)zerstörte, nicht mehr umlauffähige Banknoten zu unterscheiden.

– Siehe Banknoten-Wertbeschränkung, Bargeldmanagement, Blüten, Brücke-Abneysches Phänomen, Doublé-Münze, Falsifikate, Geld, beschädigtes, Geld, böses, Rekonstruktion, Sicherheitsstreifen, Subferraten.

– Vgl. Geschäftsbericht 2007 der Deutschen Bundesbank, S. 106 (neue Sicherheits-Merkmale für Euro-Noten), S. 107 f. (Verträge mit Banken in Bezug auf die Ausgabe von ungeprüften Geldscheinen), Geschäftsbericht 2008 der Deutschen Bundesbank, S. 105 (Anstieg der Fälschungen; Übersicht), Jahresbericht 2008 der EZB, S. 135 ff. (allein in Jahr 2008 wurden 666'000 falsche Euro-Banknoten eingereicht!), Jahresbericht 2011 der EZB, S. 103 f. (Übersicht der Fälschungen; Fälschungsprävention) sowie den jeweiligen Jahresbericht der EZB, Kapitel "Zentralbankgeschäfte und -Aktivitäten".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Falschmünzer in älteren Dokumenten auch Adulterator (forger, adulterator):

1 Allgemein jemand, der verfälschte Münzen herstellt und in den Verkehr bringt.

2 Heute gesagt von Ländern, welche den Euromünzen täuschend ähnliche Prägungen ausgeben, wobei diese Münzen aber in ihrem Ursprungsland lediglich einen Bruchteil der Kaufkraft der Euromünze besitzen. Es wird damit gerechnet, dass heimische Staatsbürger diese Münzen betrügerisch zur Zahlung im Eurogebiet verwenden und dadurch einen Vorteil gewinnen.

– Siehe Billonage, Falschgeld, Geld, böses, Münze, Subferraten, Wardein.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fälschungssicherung (counterprofileration of counterfeit banknotes):

Im Rahmen des Banknoten-Managements einer Zentralbank die Aufgabe,

1. das Fälschen von Papiergeld möglich ganz zu verhindern und

2. gefälschte Geldzeichen aus dem Verkehr zu ziehen.

– Dem ersten Auftrag dienen Guillochen, Wasserzeichen, dreidimensionale Abbildungen (= Hologramme; hologrammes), Metallfäden, bei Lichteinfall aufleuchtende (= fluoreszierende; fluorescent) Fasern, Spezial-Papiere oder auch Kunststoffmaterial mit gesprenkelten (melierten; mottled) Fasern, Fenstergeld, Lochzahlen (= feine Durchbohrung im Geldschein [tiny perforation in the banknote], die mit einem Laser eingebrannt wird) sowie Einbau eines lesbaren Halbleiterplättchens. Dieser Chip speichert eine Seriennummer; Scanner können dann anhand dieser Kennung die Echtheit der Banknote zweifelsfrei bestimmen. Gegen Chips in Banknoten wird seitens der Datenschützer (privacy groups, data protectors) eingewendet, dass bei Sicherheitskontrollen offenbar wird, wer welche Scheine in der Tasche habe.

– Siehe Banknotenausschuss, Banknoten-Management, Banknoten-Wertbeschränkung, Brücke-Abneysches Phänomen, Chipkarte, Card Validation Code, Europäisches Forum zur Sicherheit von Massenzahlungen, Fenstergeld, Guilloche, Super Notes, Umlaufsfähigkeit, Zentralbank-Arbeitsgruppe für die Fälschungsbekämpfung.

– Vgl. Geschäftsbericht 2006 der Deutschen Bundesbank, S. 99 f. (Statistik zur Banknoten- und Münzfälschungen), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2007, S. 111 ff. (allgemeine Probleme; zweite Serie der Eurobanknoten; S. 114: Übersicht Fälschungen bis 2007), Jahresbericht 2007 der EZB, S. 124 ff. (Fortschritte in der internationalen Zusammenarbeit; Übersicht aufgetauchter Falsifikate), Jahresbericht 2008 der EZB, S. 135 ff. (Massnahmen der Fälschungs-Vorbeugung), Jahresbericht 2009 der EZB, S. 125 f. (Übersicht; weitere Massnahmen zur Fälschungsprävention) sowie den jeweiligen Jahresbericht der EZB, Kapitel "Zentralbankgeschäfte und -Aktivitäten".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Falsifikate (falsifications; falsities):

1 Gefälschte Geldzeichen aller Art, einschliesslich der Karten.

2 In der Sprache der Aufsichtsbehörden auch gesagt von Beträgen in heimischer Währung, mit denen die heimischen Banken in Offshore Finanzplätzen handeln.

– Siehe Banknoten-Wertbeschränkung, Beaufsichtigung, indirekte, Blüten, Eurodollar-Termineinlagen, Europäisches Forum zur Sicherheit von Massenzahlungen, Fälschungssicherung, Falschgeld, Offshore-Booking, Sicherheitsstreifen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fama-French-Modell (Fama-French model):

Beliebter Erklärungsansatz für unterschiedliche Renditen bei Aktien im Zeitverlauf. Im Gegensatz zu vielen anderen Berechnungen wird hier vor allem ein starkes Gewicht auf

1. die am Markt erzielte Rendite (market return),

2. das Verhältnis von Buchwert und Marktwert (price-to-book ratio) und

3. den Unterschied zwischen den Erträgen kleinerer und grösserer börsennotierter Unternehmen (the gap in returns between large caps and small caps) auf die durchschnittliche Aktienrendite unterstellt. Zahlreiche Untersuchungen glauben dies bestätigen, andere widerlegen zu können.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Familien-Abgabe (family levy):

Früher an manchen Orten eine Steuer, die jedem Privathaushalt auferlegt wurde. In Württemberg wurde diese Abgabe durch Hochfürstlich Gnädiges Dekret vom 18. April 1739 wieder aufgehoben, und zwar "wegen der dabei sich gezeigten vielen Schwierigkeiten".

– Siehe Kopfgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Familienbetrieb (family-run business):

In der Statistik der EZB eine Firma - zumeist im Kleingewerbe, bei Freiberuflern sowie in der Landwirtschaft und dann in der Regel als Kaufmann gemäss § 1 HGB wirkend - in welcher die Arbeit ausschliesslich oder doch zum überwiegenden Teil von dem Betriebsinhaber und seiner Familie geleistet wird. - Nach deutschem Recht darf ein Bankbetrieb nicht in der Rechtsform des Einzelkaufmanns betrieben werden. In Deutschland machten Familienbetriebe zu Jahresende 2012 mit über 2,3 Millionen Firmen ungefähr siebzig Prozent aller Rechtsformen aus; ihr Beitrag zum Sozialprodukt lag bei annähernd zwölf Prozent. - Die Abgrenzung zum Familienunternehmen ist in vielen Veröffentlichungen nicht eindeutig.

– Siehe Einzelfirma, bankliche, Privatbank, Privatbankier.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Familien-und Freunde-Kapital (family-and-friends capital):

Eigenkapital, das von dem Inhaber selbst sowie von dem Inhaber nahestehenden Personen (persons close to the proprietor) in Familienbetrieben sowie in kleinen und mittelständischen Unternehmen aufgebracht wird. - Aus der Sicht einer Bank ist die Höhe des jeweils selbst aufgebrachten Kapitals eine ausschlaggebende Bestimmungsgrösse bei der Kreditgewährung an die Firma. Volkswirtschaftlich spielt diese Art der Finanzierung aus verschiedener Sicht eine wichtige Rolle; schon deswegen, weil in Deutschland etwa ein Viertel des Eigenkapitals auf diese Gattung entfällt.

– Siehe Drittphase-Finanzierung, Familienunternehmen, Seed Capital, Squeeze out, Sweat Equity.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Familienunternehmen (family business):

Eine Firma,

1. die sich ganz oder zum grossen Teil im Eigentum einer Familie, mehreren Familien oder von Familienverbänden befindet und

2. diese einen bestimmenden Einfluss auf den Geschäftsablauf ausüben wobei

3. die Rechtsform des Unternehmens zwar unerheblich ist, aber zumeist eine gesellschaftsrechtliche Form unterstellt wird (a firm which is owned entirely or partly by one family, several families or family associations and the latter have a determining influence on the economic activity of the company based on entrepreneurial responsibility, while the enterprise exists normally in a corporate form).

4. Zudem wird angenommen, dass die beteiligten Familien über Generationen hinweg mit dem Unternehmen verbunden sind (the families are connected and related with the business across generations: there is a transgenerational association).

– Die Abgrenzung zum Familienbetrieb ist in der Literatur nicht eindeutig.

– Siehe Einzelfirma, bankliche, Familien-und Freunde-Kapital, Festbesitz, Privatbank, Privatbankier, Zaibatsu.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Family Office (so auch im Deutschen gesagt):

Unternehmen, unabhängig von ihrer Rechtsform, die sich mit der bankenunabhängigen Verwaltung (bank-independent administration) grosser privater Vermögen befassen. - Private Family Offices verwalten das Vermögen einzelner oder mehrerer Mitglieder einer einzelnen Familie. Sie sind in der Regel organisiert als

1. Angestellte der Vermögensbesitzer (asset owners),

2. vermögensverwaltende Kapitalgesellschaften der Vermögensbesitzer,

3. Kommanditgesellschaften mit den Vermögensbesitzern als Kommanditisten oder

4. Dienstleister aufgrund eines Geschäftsbesorgungsvertrags.

– Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hat bezüglich der aufsichtlichen Erfordernisse an das Private Family Office ein besonderes Merkblatt herausgegeben.

– Siehe Fideïkommiss.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fanggeld (exterminating fee; reimbursement of prison expenses; fee for a call tracing device; head-hunting premium):

1 In älteren Dokumenten die Zahlung an den Jäger, der schädigende Tiere zur Strecke bringt (exterminates damaging animals), Abschussgeld.

2 Früher eine Gebühr, die eine in Haft genommene Person für die Kosten der Unterkunft und Verpflegung (accomodation and catering) an den örtlichen Gefängnisverwalter (local prison guardian) zu zahlen hatte, auch Eisengeld, Eisergeld und Fängnisgeld genannt. Das Fanggeld war entweder von Angehörigen laufend zu bezahlen, oder es wurde dem Häftling nach dessen Entlassung als verzinsliche Forderung der Haftanstalt an ihn in Rechnung gestellt.

3 Die Gebühr, mit welcher der Inhaber eines Telephonanschlusses für eine Fangschaltung (interception circuit) seitens des Fernsprechanbieters (telephone company) belastet wird, in der Regel ein einmaliger Aktivierungsbetrag (activation amount) und ein Entgelt für jeden Überwachungstag (monitoring day).

4 Spöttisch auch gesagt für die Prämie, die ein Personalberater (personnel consultant) erhält

1. allgemein, wenn er einen Mitarbeiter findet und

2. im Besonderen, wenn er Kaderleute bei Konkurrenzfirmen abwirbt - auch im Deutschen dann Headhunting genannt -, die möglichst auch ihr beim bisherigen Unternehmen erlangtes Wissen beim neuen Arbeitgeber einbringen.

– Siehe Jagdgeld, Keichengeld, Schussgeld, Speisergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fangprämie (bounty):

Im Jargon der Finanzbranche die Zahlung an Personen, die einer Bank oder Versicherung einen neuen Kunden zuführen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Farbsteine (gemstones):

Manchmal den Edelsteinen im Sinne von Diamanten beigeordnete Gruppe von Natursteinen; oft aber auch Halbedelsteine (semiprecious stones) genannt. Gesamthaft finden sich in der Natur über hundert verschiedene Arten. Deren Wert hängt im Einzelnen von mehreren Bestimmungsgründen ab. Ob und inwieweit Farbsteine, und hier vor allem Saphire, Rubine, Smaragde, Topase, Opale und Granate als Kapitalanlage (capital investment) geeignet sind, wird sehr unterschiedlich beantwortet. Tatsache ist jedoch, dass weltweit in Grösse und Form besonders herausragende Stücke zu diesem Zweck aufbewahrt, also nicht dem schmuckverarbeitenden Gewerbe (jewellery arts) zugeführt wird. Zuverlässige Zahlen über die Gewinnung, Verarbeitung und Hortung der Farbsteine gibt es nicht.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fassion und Fatierung (list of receipts, list of assets):

In der älteren Finanzsprache eine Verzeichnis der Einkünfte bzw. des Vermögens, besonders in Zusammenhang mit der Steuerzahlung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fastagegeld und nur Fastage (cask [lending] fee):

Früher die bei der Lieferung von in Fässern (casks) und Kanistern (canisters, jerrycans) verpackter Ware übliche Leihgebühr (lending fee) für das Behältnis. Bei Rückgabe des unversehrten Fasses wurde das Fastagegeld wieder zurückerstattet.

– Siehe Emballage.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Faustpfand (loan on collateral security; dead pledge):

1 Darlehn auf ein bewegliches, in eigene Verwaltung - in die Hand, in die Faust - genommenes Pfand, etwa Wertpapiere, im Unterschied zum Pfandkredit, der sich auf ein unbewegliches Pfand bezieht, etwa ein Grundstück.

2 Bei Insolvenz dem Gläubiger übergebene Wertgegenstände aus dem (noch) vorhandenen Vermögen.

– Siehe Arrestgeld, Besicherungsrisiko, Einzug, Erster, trauriger, Fälligkeit, Kinderpfand, Leichenpfand, Pfand, Pfandleiher, Realsicherheit, Übersatz, Wucher, Zahlhaus.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fautegeld und Fautefracht (fault loading cargo):

Zahlung des Befrachters (Absenders; freighter, consignor) an den Reeder (Verfrachter, Frachtführer, Schiffseigner; shipowner), wenn

1. die Ladung erst nach dem vertraglich vereinbarten Zeitpunkt an Bord kommt,

2. die Ausnutzung des Schiffsraums (utilisation of the ship capacity nicht den vertraglichen Vereinbarung entspricht oder

3. der Befrachter ganz vom Frachtvertrag (contract of carriage) zurücktritt; vgl. §§ 415 ff. HGB (Binnenschiffahrt) und §§ 580 ff. HGB (Seeschiffahrt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Favoriten (favourits):

In der Börsensprache gegenwärtig besonders nachgefragte Wertpapiere (securities which temporarily attracting special interest).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fazilität (facility):

1 Bankgeschäftlich gesagt von der Kreditzusage eines Instituts gegenüber einem Kunden.

2 Angebot der Zentralbank, über von ihr fest vorgegebene Wege Liquidität (central bank money; Zentralbankgeld) entweder abzurufen oder zu parken.

3 Manchmal auch bezogen auf den Vorgang der Inanspruchnahme (der Ziehung; drawing) eines Darlehns.

– Siehe Einlage-Fazilität; Fazilität, ständige, Kreditlinie, Kreditzusage, unwiderrufliche, Negativzins, Spitzenrefinanzierungs-Fazilität.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fazilität, ständige (standing facility):

Bei der EZB Möglichkeit, auf eigene Initiative Guthaben

1. bis zum nächsten Tag gegen einen vorgegebenen Zinssatz anzulegen (Einlage-Fazilität) oder

2. sich Übernachtkredit bei der EZB zu beschaffen (Spitzenrefinanzierungs-Fazilität).

– Die ständigen Fazilitäten setzen Signale bezüglich des allgemeinen Kurses der Geldpolitik und stecken die Untergrenze (Einlage-Fazilität) und die Obergrenze (Spitzenrefinanzierungs-Fazilität) für Tagesgeldsätze ab.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2002, S. 45 ff. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fazit (amount):

In älteren kaufmännischen Dokumenten auch das Ergebnis einer Operation, die Summe als Endbetrag einer (Be)Rechnung.

– Siehe Betrag, Mittel, Total.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Federal Deposit Insurance Corporation, FDIC:

In den USA Aufsichtsbehörde für diejenigen regionalen Banken, die nicht Mitglieder des Federal Reserve System sind. - Die 1934 gegründete FDIC stellt die Einheitlichkeit der für die Banken verbindlichen Regeln in allen nordamerikanischen Bundesstaaten sicher. Die halbstaatliche FDIC ist gleichzeitig auch Einlagesicherungsfonds und schützt die Depositen bei den amerikanischen Geschäfts- und Regionalbanken sowie Bausparkassen im Insolvenzfall bis zu einer gewissen Höchstsumme. Finanziert wird die Behörde durch Gebühren der Mitgliedsbanken. Steuergelder wurden bis zur Subprime-Krise nicht eingesetzt. - Die FDIC verwaltet satzungsgemäss auch insolvente Banken (Konkursverwaltung; receivership).

– Siehe Securities Investor Protection Corporation.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Federal Reserve System (Fed):

Das 1913 ins Leben gerufene Zentralbanksystem der USA, dem die zwölf Federal Reserve Banks - vergleichbar den deutschen Landeszentralbanken - angeschlossen sind. Die Fed ist gleichzeitig auch Aufsichtsbehörde für etwa ein Drittel der amerikanischen Geschäftsbanken. - In dem für die Politik der Fed entscheidenden Rat haben die sieben Mitglieder des Direktoriums sowie die Fed-Filiale Neuyork ein dauerndes Stimmrecht. Die Gouverneure der elf übrigen Fed-Filialen haben vier Sitze, wobei die Teilnehmer in jedem Jahr wechseln (Rotationsprinzip). Jedoch dürfen alle Gouverneure an den Sitzungen des Rates und dort auch an den Aussprachen teilnehmen. Diese Konstruktion stellt eine Stimmenmehrheit der Zentrale sicher, andrerseits aber auch eine - wenn auch rotierende (rotating, circling: the regular variation in the sequence of voting right) - Mitwirkung aller Filialen.

– Siehe EZB-Rat, Nichtmitgliedsbank, Strukturkonservativismus.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Federal Reserve System's Customer Relations and Support Office (CRSO):

In den USA bei der Federal Reserve Bank von Chicago angesiedelte Dienststelle mit der Hauptaufgabe,

1. Geschäftspraktiken der Banken zu erkunden,

2. die Vorstellungen des Bankmanagements besonders in Hinblick auf Massnahmen der US-Zentralbank zu erforschen sowie

3. die Meinungen der leitenden Bankbediensteten - vor allen des jeweiligen chief executive officer (CEO), chief financial officer (CFO]) und chief operations officer (COO) zu geldpolitischen Fragen in die Entscheidungsgremien der Fed einzubringen. Der Arbeit des CRSO wird grosses Gewicht auf die Entscheidungsträger der Geldpolitik in den USA beigemessen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Feedback-Trading (so auch im Deutschen gesagt, aber in unterschiedlicher Bedeutung):

1 Allgemein Kauf- und Verkaufsaufträge aufgrund von (by reason of) eingetretenen Änderungen der Marktverhältnisse (changes in market circumstances).

2 Auf Devisenmärkten die Veränderung einer Long-Position durch Spekulanten als Folge von Veränderungen des Wechselkurses.

– Siehe Currency Futures, Success-Rate.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Februar 2007, S. 33 (Bewegungen der Long-Positionen aufgrund von eingetretenen Änderungen der Wechselkurse).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fehlertoleranz (fault tolerance, margin of error):

Wenn nicht anders definiert bei einer Bank die Fähigkeit der technischen Einrichtungen, mit schwerwiegenden Störfällen, wie vor allem Stromausfall (electricity cut, blackout) fertigzuwerden. - Bei Computern wird heute verlangt, dass sie ohne Datenverlust eine zeitlang weiterarbeiten oder das System geordnet herunterfahren, um dann erneut zu starten und den Zustand wiederherstellen, an dem das System durch den Störfall unterbrochen wurde. Entsprechendes Reaktionsvermögen wird oft in eigens dazu veranstalteten und von Versicherungen bzw. Aufsichtsbehörden angeregten Tests bei den Instituten vor Ort überprüft.

– Siehe Datei-Verwaltung, zentralisierte, EDV-Sicherheit, Flash Crash, IT-Risiken, Risiko, banktechnisches, Risiko, operationelles, Stromrisiko, Technologie-Risiken.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fehlerveröffentlichung (publication of wrong recording):

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht kann gemäss § 37 WpHG anordnen, dass ein fehlerhafter Abschluss bei einem Institut samt den wesentlichen Teilen der Begründung der Feststellung

1. im elektronischen Bundesanzeiger sowie

2. entweder in einem überregionalen Börsenpflichtblatt oder über ein elektronisch betriebenes Informations-Verbreitungssystem bekannt gemacht wird.

– Dies bedeutet für das betreffende Institut einen Vertrauensverlust (loss of confidence) mit der Folge, dass Anleger das entsprechende Unternehmen meiden. - Ein Abschluss ist nach IAS 8.41 fehlerhaft, wenn dieser "entweder wesentlich Fehler oder aber absichtlich herbeigeführte unwesentliche Fehler enthält, um eine bestimmte Vermögens-, Finanz- oder Ertragslage oder Cashflows des Unternehmens zu erreichen."

– Siehe Reputationsrisiko.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fehlkauf (bad bargain):

An der Börse gesagt in Bezug auf Anleger, deren Erwartungen hinsichtlich eines erworbenen Vermögenswertes sich nicht erfüllen.

– Siehe Falschberatung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fehlprägung (error coin):

Unsachgemäss hergestellte Münzen, vor allem

1. durch Doppelschlag beim Prägevorgang (coining process) und

2. durch Prägungen, die vom Mittelpunkt der Münzrohlings (coin blank, planchet) abweichen.

– Weil solche Stücke bei der Qualitätskontrolle (quality control) in den Prägeanstalten in den meisten Fällen erkannt und ausgeschieden werden, so sind die dennoch in Umlauf gekommenen Fehlprägungen von Sammlern sehr begehrt. Entsprechende Münzen haben daher unter Umständen einen hohen Wert.

– Siehe Abnutzung, Annahmezwang, Avers, Bargeld Bimetallismus, Bullion coin, Doublé-Münze, Geld, böses, Kipper, Katzengeld, Kurantmünze, Medaille, Millesime, Münzen-Paradoxon, Münzpflege, Münzregal, Numismatik, Passiergewicht, Rändelung, Remedium, Scheidemünze, Wipper.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Feiergeld (festivity fee; excess journeymen payment; benefit payment to out-of-work journeymen; excess work payment; loafer grant):

1 Besondere Gebühr in Kindergärten und Schulen, um festliche Veranstaltungen auszurichten.

2 Früher eine Abgabe in die Zunftkasse (treasury of the guild) seitens jener Meister, die über die von der Zunft erlaubte Anzahl hinaus Gesellen beschäftigten.

3 Frühere Unterstützungszahlung - in der Regel aus der Zunftkasse - an einen unbeschäftigten (feiern = hier: arbeitslos sein) Gesellen.

4 Früher eine Zahlung in die Zunftkasse seitens jener Handwerker, die über die festgelegte Arbeitszeit hinaus nach Feierabend aufgrund guter Auftragslage (good order situation) tätig waren.

5 Heute volkstümlich bisweilen gesagt vom Arbeitslosengeld [CH: Arbeitslosenentschädigung].

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Feilschen (haggling):

Auf dem Markt eine besondere Art des Verhandelns, in deren Verlauf sich der Verkäufer und der Käufer einer Ware oder Dienstleistung über den Preis und die näheren Bedingungen des Geschäftes einigen (the process of negotiating with the intent of getting an agreement about the terms and conditions on the sale of a merchandise or a service). - Im Finanzbereich ist das Feilschen in Europa und in den USA ungewöhnlich, weil die Institute festgelegte Preise und Geschäftsbedingungen für ihre Dienstleistungen eingeführt und bekanntgemacht haben.

– Siehe Aushangpflicht, Hard claim, Standardklauseln.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Feinheit und Feingehalt (fineness):

In Prozent - manchmal auch in Promille - ausgedrückter Anteil reinen Edelmetalls in einem Barren (Ingot, Bullion) oder in einer Legierung (alloy: material created by melting together two or more different metals).

– Siehe Abnutzung, Alliage, Assay-Stempel, Bullion, Edelmetall, Gold, Karat, Kurantmünze, London Good Delivery Standard, Lötigkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Feinsteuerung, volkswirtschaftliche (economic fine-tuning):

Der kurzfristige Ausgleich von Störungen im ökonomischen Kreislauf. - Dies ist grundsätzlich Sache der Wirtschaftspolitik. Denn geldpolitische Impulse auf die Gütermärkte sind durch vergleichsweise lange Wirkungsverzögerungen (lags) gekennzeichnet; die Geldpolitik muss sich auf die Sicherstellung der Masstabeigenschaft des Geldes beschränken.

– Siehe Datenunsicherheit, Long-Lag-Theorie, Modellunsicherheit, Strukturunsicherheit.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2004, S. 22 ff. (Grundsätzliches).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Feinsteuerungs-Operationen, geldpolitische (monetary fine-tuning operations):

Unregelmässige, von der EZB als durchgeführte Offenmarktgeschäfte, die hauptsächlich darauf abzielen, unerwartete Liquiditätsschwankungen am Markt auszugleichen. Entsprechend werden im Zuge dessen

1. liquiditätsbereitstellende (liquidity providing fine-tuning instruments; befristete Transaktionen, Devisen-Swaps, endgültige Käufe) als auch

2. liquiditätsabschöpfende Instrumente (liquidity-absorbing fine-tuning operations: befristete Transaktionen, Devisen-Swaps, Hereinnahme von Termineinlagen der Banken) eingesetzt.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2006, S. 91 ff. (ausführliche Darstellung mit Übersichten), Geschäftsbericht 2006 der Deutschen Bundesbank, S. 34 (Darlegung einzelner Schritte im Jahr 2006).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Feminisierung (feminisation):

In Bezug auf die Finanzbranche bezogen auf die Annahme, dass der Anteil der leitenden Angestellten (executives) und Entscheidungsträger (decision makers) weiblichen Geschlechts inskünftig zunehmen wird. Denn immer mehr junge Frauen schliessen entsprechende Studiengänge ab, und zudem schreibt der Gesetzgeber in vielen Ländern entsprechende Frauenquoten in leitenden Positionen (female quotas in managerial positions) auch der Finanzbranche zwingend vor. - Frauen jedoch (so die herrschende Meinung; prevalent opinion) neigen weniger dazu, unnötige Risiken einzugehen. Infolgedessen könnte die Feminisierung dämpfend auf Gefährdungen der Branche durch riskante Entscheidungen (risky decisions) wirken. - Indessen wird dieser Einschätzung auch grundlegend widersprochen (strong contradicted) und sogar behauptet, eine sog. Karriere-Frau (career woman: a female person whose central priority in life is achieving success in her job or profession) an der Spitze eines Instituts kennzeichne der Beginn einer Entwicklung, die zwangsläufig zum Bankrott dieses Instituts führen müsse.

– Siehe Finanzpsychologie, Männerdomäne.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fenstergeld (transparent money):

1 Bei Papiergeld heute eine fingernagelgrosse, durchsichtige Öffnung im Papier bzw. Kunststoff, die aus einer Sicherheitsfolie (transmissible safety film) besteht. Hält man die Folie abwechselnd vor hellen und dunklen Hintergrund, so zeigt sie unterschiedliche Bilder. Dies dient der Erschwerung von Fälschungen.

2 In alten Dokumenten eine gebietsweise eingeführte Abgabe nach der Anzahl der Fenster in einem Gebäude als Bemessungsgrundlage (taxable base). Diese Steuer führte dazu, dass die Zahl der Fenster möglichst herabgedrückt, also ungesund gebaut wurde.

3 Früher eine auch in Deutschland regional verbreitete Abgabe, die Ladenbesitzer (Krämer; shopkeeper) zu zahlen hatten.

– Siehe Banknoten-Management, Brücke-Abneysches Phänomen, Chipkarte, Fälschungssicherung, Guilloche, Sicherheitsstreifen, Super Notes.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ferienkalender auch Hemerologium (holiday calendar):

In der Finanzsprache auch gesagt von einer Aufstellung aller für das jeweilige Jahr geltenden Börsenfeiertage (stock market holidays, customary recess; recess = here: a temporary cessation of the customary activities of an engagement, occupation, or pursuit).

– Siehe Börsenordnung, Börsentag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fernzahlung (remote payment):

Die Begleichung einer Schuld, wobei der Zahlende und der Zahlungsempfänger sich an verschiedenen Orten befinden.

– Siehe Zahlung, persönliche.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fernzugang und Fernzugriff (remote access):

1 Die Möglichkeit, dass ein Kunde unabhängig vom Ort und der Geschäftszeit auf bestimmte Dienstleistungen einer Bank über elektronische Hilfsmittel zugreifen kann (the option of direct access to particular bank services via electronic devices around the clock by a bank customer).

2 Die problemlos funktionierte Verbindung von finanzmarktlichen Systemen in verschiedenen Rechtsgebieten (direct access by an institution established in one country to a system - e.g. a payment system, a securities settlement system or a central counterparty [CCP] - established in another country).

– Siehe Abwicklung, vollautomatisierte, Akzessibilität.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fersengeld (redemption payment; turn tail):

1 Früher eine Zahlung für den Loskauf aus einer Ehe. Das Bussgeld war

1. als Sachvergütung mit einer festgelegten Anzahl von Rindvieh (= Färse: ein zuchtreifes weibliches Rind jünger als etwa achtzehn Monate) bzw.

2. mit dem geldlichen Gegenwert dafür (equivalent value) zu bezahlen.

2 Strafgebühr für Soldaten, die während einer Schlacht nicht ausdauernd genug kämpften und das Kampffeld (battle ground) vorzeitig verliessen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Festauftrag und limitierter Auftrag (limit-only order):

Wenn nicht anders definiert die Anweisung an einen Makler, einen Vermögensgegenstand an der Börse nicht

1. über dem vorgegebenen Preis zu kaufen bzw.

2. unter dem vom Kunden genannten Preis zu verkaufen (the fixed price stated by a customer to a broker constraining the execution of an order to buy for not more than, or to sell for not less than, the stated price).

– Siehe Ausführung, vollständige, Daytrading, Fill-or-kill Order, Market-if-touched Order, Order, tagesgültige, Sell-Plus-Order, Stop-Auftrag, Tagesauftrag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Festbesitz (closely held; buy-and-hold):

1 Der Fall, dass sich die Aktien eines Unternehmens in nur wenigen Händen befinden (a company which voting rights are held by a relatively small circle of shareholders, e.g. founder's family, or strategic investors) und für Anleger daher nur ein enger Markt besteht.

2 Ein Anleger erwirbt ein Papier mit der Absicht, es dauernd in seinem Portfolio zu halten (an investor will acquire a security paper and thereafter keeps it enduringly in his portfolio).

– Siehe Endanleger, Epuration, Familienunternehmen, Schrankpapier.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Festgebühr (flat rate compensation; wrap account):

1 Bei Banken die Belastung eines Kunden - in der Regel eines Privathaushalts - mit einer Pauschalsumme als Entgelt für erbrachte Leistungen. Die Kontoführungsgebühr ist darin in der Regel eingeschlossen.

2 Bei der Betreuung eines Portfolios durch einen Vermögensverwalter die zu vertraglich festgelegten Zeiten anfallende, unabhängig von Transaktionen in Rechnung gestellte Servicegebühr (an account wherein an investor`s portfolio is managed by a portfolio manager who is paid trimestrally or annually based on a fixed payment. Thus the account holder gets protected from overtrading which occurs if a portfolio manager trades an account excessively to make more commission).

– Siehe All-in-Fee, High Watermark-Methode, Bankgebühren, Festpreisgeschäft, Grundpreis, Honorar-zurück-Garantie, Köderangebot, Pauschaltarif.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Festgeld (fixed deposit, term money; instalment loan):

1 Geld, welches der Kunde der Bank für eine im Voraus vertraglich vereinbarte Zeit zu einem bestimmten Zinssatz zur Verfügung stellt; auch Zeitgeld (time deposit) genannt. Üblich sind Verträge zwischen drei und zwölf Monate; die Mindest-Anlagesumme wird in der Regel seitens der Bank vorgegeben. Der Vorteil von Festgeld liegt für den Kunden im garantierten Zins, unabhängig von den Marktzinsen.

2 Beträge, geliehen auf einen festen (kurzen) Termin, in der Regel zwischen einem Tag und drei Monate, auch Festkredit genannt.

3 Andere Bezeichnung für den Bodensatz.

4 In alten Dokumenten eine Abgabe für den Festungsbau, andere Bezeichnung für das Festungsgeld.

– Siehe Depotgeld, Festkonto, Festzins, Geldwerte, Grabengeld, Kredit, kurzfristiger, Sperrkonto.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Festigkeit (steadiness, firmness):

In Bezug auf

1. den Preis eines Vermögensgegenstandes,

2. den Kurs eines Papiers oder auch

3. die Preisgestaltung an der Börse gesamthaft dann gesagt, wenn sich trotz schwankender Kräfte von Angebot und Nachfrage (price fluctuations) die Notierungen (quotations) im grossen und ganzen behaupteten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Festkonto (deposits at fixed date, time deposits; blocked account):

1 Guthaben bei einer Bank, über das vertraglich innert einer bestimmten Zeit nicht frei verfügt werden darf, sprich: keine Abhebungen (withdrawals) möglich sind: Festgeld.

2 Guthaben von gesetzlich umschriebenen Kunden bei Banken - wie etwa auf Grundlage des Festkontogesetzes (Blocked Accounts Law) vom 4. Oktober 1948 der Militair-Regierung in Deutschland - denen das Verfügungsrecht über ihre Einlagen entzogen wurde.

– Siehe Sperrkonto, Vermögen, gesperrtes.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Festlaufzeit (fixed duration):

Jederart Engagement auf dem Finanzmarkt ohne die Möglichkeit, vor Vertragsende zu kündigen bzw. eine Rückzahlung zu verlangen.

– Siehe Aufhebungsentgelt, Festgeld, Festzinsdarlehn, Pränumerationsvorbehalt, Rückzahlung, vorzeitige, Vorauszahlungsrisiko, Vorfälligkeits-Entschädigung, Zwischenzins.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Festpreisgeschäft auch Nettogeschäft (fixed price transaction, net operation):

1 Im ausserbörslichen Handel (off-exchange transactions) zwischen Instituten übliche Form der Abrechnung mit dem Geschäftspartner. Es wird ein Preis vereinbart, in den bereits alle Kosten, einschliesslich der Provisionen, eingerechnet sind.

2 Bei einem Geschäft mit einem Privatkunden muss seitens eines Instituts ein marktgerechter Preis verrechnet werden. Dazu ist ein Institut verpflichtet, falls es

1. Aufträge von Kunden nicht zur Ausführung an eine Börse oder einen anderen Handelsplatz weiterleitet, sondern selbst abschliesst. Leitet indessen eine Bank einen Wertpapierauftrag

2. an einen Handelsplatz weiter, so stellt sie die dem Kunden die im Preis- und Leistungsverzeichnis ausgewiesenen Posten gesondert in Rechnung. Das jedoch ist

3. bei einem Festpreisgeschäft nicht der Fall. Vielmehr schliesst hier das Institut bei einem Kaufauftrag des Kunden das Geschäft zu einem Preis oberhalb und bei einem Verkaufsauftrag unterhalb des herrschenden Marktpreises ab. Die sich daraus ergebende Marge weist das Institut in der Abrechnung mit dem Kunden nicht gesondert aus.

– Verbraucherschützer (consumer protectors, consumerists, consumer advocates: experts who inform consumers about risks, protect their safety, and reveal unfair practices) beanstandeten dieses Verfahren, weil nicht erkennbar sei, zu welchem Kurs die Bank das Geschäft getätigt habe, und was die Bank an eigenen sowie allenfalls auch fremden Gebühren und Provisionen verrechne.

– Siehe Bankgebühren, Festgebühr, Over-the-Counter Trading, Pauschaltarif.

– Vgl. Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 183 f. (Missbrauch bei Festpreisgeschäften: überhöhte Margen) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Festpreisverfahren (fixed price method):

Bei der Begebung von Aktien ist der Ausgabepreis von vornherein festgelegt, im Gegensatz zum Bookbuilding oder zum Tender (Auktion), bei der ein Mindestgebot zugrunde gelegt wird.

– Siehe Ausgabenaufschlag, Bought Deal, Emissionsgeschäft, Emissionshaus, Ersterwerber, Fixed Price Reoffering-Verfahren, Garantiesyndikat, Konzertzeichner, Marktpflege, Plazierung, Plazierungskraft, Roadshow, Secondary Offering.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Festsatztender (fixed-rate tender):

Eine Zentralbank gibt den Zinssatz vor, zu dem Banken sich (mit einem von ihnen gewählten Betrag) um Zuteilung von Zentralbankgeld bewerben können.

– Siehe Mengentender.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Festungsgeld (fortressing duty; Turkish danger levy):

1 Umlage, die früher von den Bürgern einer durch eine militärische Befestigungsanlage (Bastion, Bastei; bastion) geschützten Ansiedlung zu entrichten war, auch Festgeld genannt.

2 Durch Reichsabschiede 1542 und 1576 eingeführte Steuer zur Abwehr der Osmanen (Türkenzieler; Zieler = zweckgebundene [einmalige] Abgabe).

– Siehe Brettgeld, Burgwerkgeld, Grabengeld, Heergeld, Knickgeld, Kriegsanleihe, Mauergeld, Pfennig, Schirmgeld, Schutzgeld, Türkengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Festzins (fixed rate [of interest]):

In der bankgeschäftlichen Praxis (day-to-day operational business) ist damit ein Zinssatz gemeint, der über eine genau vereinbarte Zeit unverändert bleibt. Diese Zeit muss aber keineswegs - was sehr häufig von privaten Kreditnehmern übersehen wird! - Die Vertragsdauer des Geschäftes gesamthaft ausfüllen.

– Siehe Festgeld, Langfristkultur.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Festzinsdarlehn (fixed rate lending):

In der Statistik der EZB Kredite der Banken mit einer Zinsbindungsfrist von fünf Jahren und mehr. - Diese machen in Deutschland besonders bei den Darlehn für den privaten Wohnungsbau mehr als die Hälfte aus. Das wiederum trägt wesentlich zur Beständigkeit der Baufinanzierung, aber auch zu dem vergleichsweise niedrigem Anteil notleidender Kredite in der Gruppe der Darlehn für den Wohnungsbau bei. - In den USA waren bei Ausbruch der Subprime-Krise gut drei Viertel aller Wohnungsbaukredite variabel verzinst, und der Ausfall betrug hier vierzig Prozent. Bei den Festzinskrediten in den Wohnungsbau der USA lag die Ausfallrate demgegenüber bei nur um zwanzig Prozent. - Verschiedentlich gerieten Festzinsvereinbarungen in die Kritik; sie wurden als Mobilitätshemmnis (barrier to mobility) gebrandmarkt. Aber ein jeder längerfristige Vertrag und die damit gegebene Sicherheit schliesst aus der Sache selbst (is a self-evident consequence) überall ein Mobilitätshemmnis ein. - Das gilt übrigens auch zumindest für den Normalfall (in a normal case) für eine familienrechtliche Langfristvereinbarung (long term contract of family-law relationship) auch Ehe (matrimony) genannt.

– Siehe Bausparkassen, Beleihungswert, Bodenkreditinstitut, Festgeld, Festlaufzeit, Immobilienpreis, Konditionen-Spreizung, Langfristkultur, Pränumerationsvorbehalt, Sozialpfandbrief, Vorfälligkeits-Entschädigung, Wohnungsbaukredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Festzinszahler auch Swapkäufer (fixed rate payer):

Der Partner bei einem Swapgeschäft, der vertraglich vereinbart einen Festzins zahlt. - Den Empfänger des Festzinses nennt man oft auch Swapverkäufer (fixed rate receiver).

– Siehe Kuponswap, LIBOR-Swap, Tagesgeldsatz-Swap, Zinsswap.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Feuerwehrfonds (guarantee fund; surplus fund; protection scheme):

1 Sicher angelegte Geldbeträge zur allfälligen Bedienung von (Klein)Anlegern bei Zahlungsunfähigkeit einer Bank.

2 In den USA muss auch an Warenbörsen ein bestimmter Promillesatz vom Wert eines Kontraktes bzw. ein Prozentsatz von den Einnahmen eines Börsenmaklers in einen von den Aufsichtsbehörden überwachten Garantiefonds einbezahlt werden.

– Siehe Einlagensicherung, Einlagesicherung, europäische, Garantiefonds, Haftungsverbund, Pool, Sicherungspflicht, Überlauf-System.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 129 (Schwierigkeiten der Ermittlung eines Entschädigungsbetrags durch die Entschädigungseinrichtung der Wertpapierhandelsunternehmen [EdW] im Betrugsfall Phoenix).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Feuerwerk (firework):

An der Börse Bezeichnung einer starken Aufwärtsbewegung oder Abwärtsbewegung des Kurses eines bestimmten Wertpapiers infolge irgendwelcher Machenschaften.

– Siehe Boom, Hausse.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fibonacci-Folge (Fibonacci numbers):

Eine Zahlenreihe, die mit 1 beginnt und die sich unendlich fortsetzen lässt. Jede Zahl der Reihe bildet sich ab der Eins dabei aus der Summe der beiden vorausgegangenen Zahlen. So entsteht die Abfolge 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34, 55, 89, 144 usw. - Wie man leicht herausfinden kann, nähert sich das Ergebnis einer Division von zwei aufeinanderfolgenden Zahlen (etwa: 55 und 89) mit fortlaufender Reihe dem Wert 0,618. Der Quotient aus einer Zahl und der jeweils übernächsten - etwa: 34 und 89 - läuft dem Wert 0,382 zu. - Diese beiden Werte setzen manche Analysten an, um die denkbaren Schwankungsgrenzen (possible range of fluctuations) eines Papiers abzustecken, wobei jedoch unterschiedliche Zeitbezüge wie Börsensitzung, Woche, Monat oder Jahr zugrundegelegt werden. - Die Fibonacci-Folge - so benannt nach dem italienischen Mathematiker Leonardo Fibonacci, und von diesem 1202 in seinem "Liber Abaci" herangezogen, um das Wachstum einer Gruppe von Kaninchen zu bestimmen - ist zwar mathematisch richtig. Es wurde aber bisher noch kein einziges Mal schlüssig dargelegt, wieso sich Kursausschläge an einer Börse (price swings on an exchange) nach den beiden Begrenzungswerten der Fibonacci-Folge ausrichten müssten.

– Siehe Analyst, Astro-Prognose, Behavioural Finance, Finanzmarkt-Analyse, Formeln, finanzmathematische, Halloweenregel, Kalender-Effekt, Montags-Effekt, Sell-in-May-Effekt, Small-Cap-Effekt, Vorhersagetauglichkeit, Wechselkursverlauf, unerklärbarer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fideïkommiss (entailed estate):

Durch privates Rechtsgeschäft errichtetes Vermögen, das gebunden, nämlich grundsätzlich unveräusserlich (inalienable) und in keiner Form belastbar (not mortgageable, indebitable) ist. Es wird durch die Zeit von vertraglich benannten Familienmitgliedern nacheinander in einer von vornherein festgelegten Folgeordnung (chronological sequence) genutzt. - Zweck des Fideïkommiss ist es in erster Linie, Vermögenswerte wie vor allem Gebäude als Niesbrauchsgut (usufruct property) durch die Generationen hindurch in Familienbesitz zu halten. In Deutschland wurden alle Fideïkommisse durch Reichsgesetz 1938 aufgelöst. In der Schweiz bestehen bis anhin noch etwa zwanzig Fideïkommisse.

– Siehe Family Office, Perpetuitäten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Filialbanksystem (branch banking [system], multi-office banking [system]):

In einem Staat sind Institute tätig, die nicht nur an einem einzigen Geschäftsort ihre Dienstleistungen anbieten, sondern über ein mehr oder minder dichtes Netz von Zweigniederlassungen über das ganze Land - wie in Deutschland die Grossbanken - oder über die jeweilige Region - wie häufig bei Sparkassen - verfügen (engaging in banking activities away from a bank's home office in a branch bank; and a branch bank is a bank established by another institute, known as the principal or main bank, at a location in a city, village, or town other than that in which the main bank is located, for performing banking business).

– Siehe Bankbetriebsgrösse, optimale, Bankensystem, Einzelbanksystem, Filialsystem.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Filialsystem (person-to-person service; high-touch service):

Bei Banken die Abwicklung der Geschäfte vor Ort in einem Gebäude (brick and mortar location). - Zur Kontoeröffnung, bei Kreditanträgen von Unternehmen, zur Vermögens- und Altersicherungsplanung sowie im Falle der Beleihung von Grundstücken und Wertgegenständen sind Filialen wohl auch in Zukunft unentbehrlich. Immerhin gab es aber in Deutschland nach - von der Fachwelt freilich auch beanstandeten - Vergleichsrechnungen (comparsion calculations) mit anderen Ländern im Jahr 2010 etwa 8'000 Niederlassungen zu viel.

– Siehe Bank, gemischte, Benutzerfreundlichkeit, Beziehungsbankgeschäfte, Call Center, Container-Banking, Electronic Banking, Geomarketing, bankliches, Hausbank, Internetbank, Kundenbindung, McDonaldisation, Multikanalbank, Online Banking, Ortsbank, Overbanked, Prosumer, Sofa-Banking, Telephon-Banking.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fill-or-kill Order (so auch häufig im Deutschen gesagt):

Auftrag des Kunden an die Bank oder den Börsenmakler, ein Finanzprodukt oder eine Ware in einer bestimmten Menge zu kaufen. Kann dies aufgrund der Marktverhältnisse jedoch nicht geschehen, so wird der Auftrag vollständig zurückgezogen (instructing the broker to offer or bid one time only; if the order is not filled immediately, it is then automatically cancelled).

– Siehe Ausführung, vollständige, Festauftrag, Market-if-touched Order, Order, tagesgültige.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finance matters (so auch im Deutschen gesagt):

Leitspruch (Motto; motto) für die Tatsache, dass Länder mit gut entwickeltem Finanzsystem schneller wachsen als andere. In Deutschland lag 2008 der Anteil der Finanzbranche an der Wertschöpfung etwas über 3,7 Prozent, in etwa vergleichbar mit dem der Chemischen Industrie (3,70 Prozent) und der Automobilindustrie (3,06 Prozent).

– Siehe Money-matters-Theorem.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Financial Action Task Force on Money Laundering (FATF):

Im Jahre 1989 eingesetztes internationales Anti-Geldwäsche-Gremium mit dem Zweck, Erkenntnisse über High risk countries unter den Aufsichtsbehörden auszutauschen und die Öffentlichkeit über solche nicht-kooperierende Länder zu informieren. Sitz der FATF ist Paris. Hinweise der FATF an nationale Aufsichtsbehörden haben in den letzten Jahren zu zahlreichen Sonderprüfungen bei Instituten geführt.

– Siehe Beaufsichtigung, indirekte, Beobachtungsvermerk, Dampfstube, Dingo-Werte, Falsifikate, Geldwäsche, High risk countries, Offshore Finanzplätze, Winkelmakler.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2002, S. 72; Geschäftsbericht 2002 der Deutschen Bundesbank, S. 105, Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 38, Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 44, Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 39 (Verlängerung des Mandats der FATF um weitere acht Jahre), S. 80 (Liste der Staaten, die auf dem Gebiet der Geldwäsche-Verhinderung nicht kooperieren), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 213 (Grundlagendokument [fact sheet] zur risikoorientierten Bekämpfung der Geldwäsche; Geldwäsche-Länderprüfungen [country evaluations for money laundering]), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 206 (Usbekistan und Iran verweigern die Zusammenarbeit; Vor-Ort-Prüfungen), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 234 (eingehende Prüfung in Deutschland), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 55 f. (FATF gibt Leitfaden zur Geldwäsche sowie in Bezug auf politisch exponierte Personen heraus) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Querschnittsaufgaben".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Financial Covenants (so auch im Deutschen gesagt):

Vor allem in Zusammenhang mit Leveraged Buy-outs von Kreditverträgen gesagt, die besonderen Vorschriften zum Schutze der Gläubiger enthalten. So muss die Zielgesellschaft in der Regel ganz bestimmte, in Kennzahlen ausdrückbare Bilanzverhältnisse (balance sheet ratios) einhalten. Bei einer Verletzung dieser vertraglichen Bestimmungen haben die Gläubiger zumeist ein Rücktrittsrecht, oder aber es werden ihnen erweiterte Gläubigerrecht eingeräumt.

– Siehe Cash-Sweep-Vereinbarung, Covenant Cure, Finanzbericht.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2007, S. 16 ff. (S. 16: Übersicht des Finanzierungsgefüges; S. 21: Definition "Financial Covenants"), Monatsbericht der EZB vom August 2007, S. 102 (bei Leveraged Buy-outs übliche Covenants).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Financial Crisis Inquiry Commission, FCIC:

In den USA Ende Dezember 2009 eingesetzter zehnköpfiger - fünf Mitglieder aus dem Senat (Länderkammer), fünf aus dem Repräsentantenhaus (Volksvertretung) - Untersuchungsausschuss mit der Aufgabe, den Ursachen der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise nachzuspüren. Der Ausschuss wurde verpflichtet, bis 15. Dezember 2010 einen Abschlussbericht vorzulegen. Der Kongress gab dem Gremium eine Liste mit zweiundzwanzig Punkten auf den Weg, die auf einen allfälligen Beitrag zum Ausbruch der Krise besonders untersucht werden sollten. Im Januar 2011 wurde der Bericht in fünf Kapiteln veröffentlicht. Dem kostenlos downloadbaren Dokument ist ein weit aufgeschlüsseltes Glossar beigefügt, wo auch seltenere Begriffe erklärt sind.

– Siehe Elisabeth-Frage.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Financial Engineering (so auch im Deutschen gesagt, seltener Finanzproduktentwicklung):

1 Ein Vorgang, bei dem mehrere Finanzprodukte ganz oder in Teilen so ausgewählt und aneinander gekoppelt werden, dass sie den ganz besonderen Anliegen und Zielen eines Anlegers bzw. auch eines Darlehn suchenden Kunden entsprechen (combining or dividing existing instruments to create new financial products, meeting distinct requests of customers).

2 Als Lehre die systematische Darstellung der Möglichkeiten und Auswirkungen des Zusammenspiels mehrerer Finanzprodukte.

3 Die Anwendung finanztheoretischer Erkenntnisse verbunden mit informationstheoretischem Wissen, um Entscheidungen in allen Bereichen des Finanzmarktes zu fällen (using theoretical finance and computer modeling skills to make pricing, hedging, trading and portfolio management decisions). In diesem Sinne als eigener Wissenschaftszweig seit etwa 1980 aufgekommen, haben sich die bezüglichen Erörterungen stark mathematisiert. Gleichzeitig damit koppelte sich die Theorie immer mehr von der Realität ab, wie vor allem

1. gesellschaftliche, politische und juristische Gegebenheiten im jeweiligen Staat,

2. global und heimatstaatlich geltende steuerliche Gesichtspunkte,

3. aufsichtsrechtliche Beschränkungen,

4. volkswirtschaftliche Grunddaten in dem jeweiligen Anlageland und entfernte sich damit zunehmend von der klassischen Finanzanalyse.

4 Die Gestaltung von Finanzprodukten mit der Absicht, diese aus der Liste meldepflichtiger (subject to disclosure requirements) Operationen an die Aufsichtsbehörde herauszunehmen (constructing new financial products with the aim to evade regulation).

– Siehe Anlage, innovative, Behavioural Finance, Fibonacci-Folge, Finanzarchitektur, Finanzmathematik, Finanzpsychologie, Finanztheorie, Harmonisierung, Kreïrung, Monokausalismus, Portfolio-Optimierung, Produktregistrierung, Qualitätssteuerung, Regulierungs-Arbitrage, Theoretiker.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Financial Futures (so auch im Deutschen gesagt; seltener mit Finanzterminkontrakt übersetzt):

Standardisierter, juristisch verbindlicher Vertrag (futures contract; Terminkontrakt) über den Kauf oder Verkauf von Papieren aller Art sowie auch von Währungen oder Preisindizes (contracts based on financial instruments such as treasury bonds, CDs and other interest-sensitive issues, currencies, shares or market indicators). - Terminkontrakte auf Waren werden zum Unterschied davon Commodity Futures genannt.

– Siehe Futures, Option.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Financial Intelligence Unit, FIU (so auch im Deutschen gesagt):

Beim Bundeskriminalamt in Wiesbaden angesiedelte Dienststelle mit der hauptsächlichen Aufgabe, die nach dem Geldwäschegesetz übermittelten Verdachtsanzeigen zu sammeln, auszuwerten und mit den Erkenntnissen anderer Behörden abzugleichen.

– Siehe Finanzagent, Geldwäsche, Underground Banking.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Financial Market Association (so auch im Deutschen):

Im Jahre 1955 gegründete - damals noch unter dem Namen "Association Cambiste Internationale, ACI" - berufsständische Vereinigung der an den Weltfinanzmärkten tätigen Devisenhändler mit Sitz in Paris. Der Verband hat viel in Hinblick auf die Ausbildung und Qualifizierung der an den Finanzmärkten Beschäftigten geleistet, gerade auch in Emerging Markets, und einige wichtige Vorhaben auf den Weg gebracht, so auch die Vereinheitlichung der Geldmarktpapiere in Europa.

– Siehe EU-Bankenvereinigung, Euro-Bankenverband, Short Term European Papers.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Financial Services Authority, FSA:

Allfinanzaufsichtsbehörde in England, 1998 gebildet, nachdem sich die Betätigungen, Produkte und Märkte von Banken, Versicherungen und Wertpapierhändlern zunehmend einander angenähert hatten und sog. Finanzkonglomerate entstanden waren. Die FSA bildete das Vorbild für die deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. - Im Jahr 2010 wurden die Befugnisse der FSA auf das bei der britischen Zentralbank angesiedelte Financial Policy Committee, FPC übertragen.

– Siehe Bankenaufsicht, europäische, Lehman-Pleite.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Financial Soundness Indicators, FSI (in der Regel nicht ins Deutsche übersetzt):

Vom Internationalen Währungsfonds entwickelte Aufzählung von Grössen, welche die Stabilität eines nationalen Finanzsystems widerspiegeln sollen. Der sehr umfangreiche Katalog zeigt aber auch ziemlich deutlich, wie schwierig es ist, die Finanzstabilität mit rein quantitativen Messgrössen (measured quantities) dazustellen.

– Siehe Finanzmarktstabilität, Finanzsystem, Gut, öffentliches.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Financial Stability Board, FSB, im Deutschen durchweg Finanzstabilitätsrat und bis 2009 meistens Finanzstabilitätsforum):

Im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise im Jahr 2009 eingerichtete, die Arbeit eines "Runden Tisches" seit 1999 fortsetzende und an die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel angebundene Institution sowie 2013 als Verein nach schweizerischem Zivilrecht (association) juristisch neuaufgestellt. Mitglieder sind fast alle wichtigen Länder der Welt und sämtliche einschlägige Regelersteller. Die hauptsächlichen Aufgaben der Institution sind

1. die Abstimmung zwischen den für Finanzstabilitätsfragen zuständigen Behörden zu verbessern,

2. Verwundbarkeiten des Finanzsystems aufzudecken und

3. neue Entwicklungen auf den Finanzmärkten in Bezug auf notwenige aufsichtliche Schritte zu untersuchen. Zusammen mit dem Internationalen Währungsfonds führt der Finanzstabilitätsrat zweimal jährlich Frühwarnübungen durch, um allfällige Schwachstellen im weltweiten Finanzsystem aufzudecken und Handlungsempfehlungen zu Händen der politisch Verantwortlichen zu benennen.

– Der FSB selbst kann aufgrund seiner Rechtsstellung keine juristisch bindenden Beschlüsse fassen, und er vermag auch keine Auflagen mittels Zwangsmassnahmen gegenüber seinen Mitgliedern durchzusetzen. Vielmehr werden alle Beschlüsse des FSB durch Selbstverpflichtung (voluntary commitment) der Mitglieder umgesetzt. Über weltweite Begegnungen (outreach processes) und regionalen Beratungsgruppen (regional consultative groups) für Nichtmitglieder werden diese in die Arbeit des FSB eingebunden. - Der FSB hat Teil an den für internationale Organisationen in der Schweiz verbürgten Ausnahmerechte und Begünstigungen unter dem Sitzabkommen (headquarter agreement) der BIZ.

– Siehe Bankenregulierungs-Paradoxon, Europäischer Rat für Systemrisiken, Financial Stability Table, Finanzrat, Forum für Finanzmarktstabilität, Systemkonflikt, finanzmarktlicher.

– Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 37 f. (Aufgaben, Tätigkeit im Jahr 2009), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 40 ff. (bedeutungsvolle Aktivitäten des FSB in Zusammenhang mit den Beschlüssen der G20), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 40 f. (Aufzählung der Massnahmen des FSB im Zuge der Umsetzung der G20-Beschlüsse zur Regulierung), Jahresbericht 2012 der Bafin, S. 43 (FSB soll künftighin eine stärkere Rolle beim grenzüberschreitenden Krisenmanagement wahrnehmen) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Internationales"; Monatsbericht der EZB vom Februar 2013, S. 99 ff. (Rolle des Finanzstabilitätsrats bei der Überwachung des Schattenbankbereichs; viele Übersichten; S. 106 f. Aufzählung von Systemrisiken), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2013, S. 47 ff. (sehr ausführliche Darstellung der Organisation und der Wirkweise des FSB).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Financial Stability Oversight Council, FSOC (manchmal mit Rat zur Überwachung der Finanzstabilität ins Deutsche übersetzt):

Im Sommer 2010 in den USA eingerichtetes, mit der makroprudentiellen Aufsicht befasste Gremium von neuen Mitgliedern unter Vorsitz des Finanzministers.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Financial Stability Table, FST (seltener auch mit Runder Tisch für finanzielle Stabilität ins Deutsche übersetzt):

Im September 2003 eingerichtetes Gremium des Wirtschafts- und Finanzausschusses der EU mit dem Ziel, die Stabilität in den europäischen Finanzsektoren zu sichern. Die Sitzungen finden regelmässig zweimal im Jahr statt. Bei diesen sind die Finanzministerien durch Staatssekretäre, die Zentralbanken und die Aufsichtsbehörden jeweils durch stellvertretende Vorstandmitglieder vertreten.

– Siehe Ausschuss-Wahn, Bankenaufsicht, europäische, Financial Stability Board.

– Vgl. Geschäftsbericht 2003 der Deutschen Bundesbank, S. 167, Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 45, Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 36 (Sammlung von Verhaltensregeln wurde erarbeitet) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Monatsbericht der EZB vom Februar 2007, S. 81 ff. (Regelungen zum Management von Finanzkrisen vorgestellt und bewertet; Literaturangaben in den Fussnoten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finalabschluss (final account):

In älteren Dokumenten der Jahresabschluss einer öffentlichen Kasse.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finalität (finality):

Im Zahlungsverkehr eine Abwicklung, die

1. nicht mehr widerrufen und

2. auch mit keinen weiteren Bedingungen verknüpft werden kann (settlement in payment systems which is both unconditional and irrevocable).

– Siehe Abwicklungsbestätigung, Blankett, Buchgewinn, Business Continuity Programme, Clearing-Haus, automatisches, Closing, Definitiver Kauf, Euroclear, Massenzahlungsverkehr, elektronischer, Mistrade, Tilgung, Trade Assignment, Übertragung, endgültige, Überweisungssystem, Zahlung, Zahlungsverkehrsüberwachung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanz (usury):

In älteren Dokumenten

1. als Hauptwort (Substantiv),

2. männlichen Geschlechtes (male gender) und

3. nur in der Einzahl (singular form) gebraucht für Wucher, für betrügerische Machenschaften im Geschäftsverkehr (deceptive business practice).

– Siehe Agiotage, Beschores, Danismus, Hohlgewinn, Marktmissbrauch, Nassgewinn, Rebbes, Schmu, Übersatz, Wucher-Herausforderung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzagent (financial agent):

Aufsichtsrechtliche Bezeichnung von Personen oder Entitäten,

1. die ihr Konto gegen Provision

2. einem zumeist im Ausland befindlichen Vertragspartner zur Verfügung stellen bzw. mitnutzen lassen (allow to have access to their bank account),

3. um auf das Konto eingehende Zahlungen weiterzuleiten.

– In fast allen diesen Fällen handelt es sich um Einnahmen aus illegalen Geschäften, nämlich um Geldeingänge, die durch betrügerische Handlungen, vor allem durch Phishing, von Konten Dritter erlangt wurden. Mehrere Strafgerichte verurteilten Finanzagenten wegen des unerlaubten Erbringens von Zahlungsdiensten und der Geldwäsche. Daraufhin setzten Betrogene dann zivilrechtliche Ansprüche gegen die Finanzagenten durch, was von der Gehaltspfändung (garnishment of salary) bis zur Versteigerung von Grundbesitz reichte. Auch Racheengel wurden auf Finanzagenten angesetzt. Dies und die wiederholten Warnungen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht haben ein allgemeines Misstrauen gegenüber entsprechenden Dienstleistungen bewirkt. Vor allem achten auch die Institute inzwischen darauf, dass bei ihnen geführte Konten nicht zu solchen Zwecken missbraucht und Verdachtsfälle der Aufsichtsbehörde gemeldet werden.

– Siehe Domizil-Verschleierung, Enabler, Holzhammerangriff, IT-Risiken, Pharming, Rechtsrisiken, Skimming, Underground Banking, Zahlungsinstitut, Zahlungsinstituts-Register.

– Vgl. Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 180 f. (Geldwäscheverdacht; unrichtige Angaben der Agenten; unerlaubte Finanztransfergeschäfte) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzaktiva (financial assets):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter alle Posten, die einen Anspruch auf zukünftige Zahlungen enthalten (financial claims which entitle the owner to receive a payment, or a series of payments, from an entity).

– Siehe Forderungspool.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzakzelerator (financial accelerator):

1 Weitet die Zentralbank die Geldmenge aus, dann kann es unter gewissen Umständen - vor allem: die Produktionskapazitäten sind unterausgelastet (there are underutilised capacities) - zu einer Belebung der Wirtschaft gesamthaft kommen.

2 Die Annahme, dass

1. Einbrüche in der Realwirtschaft wie beispielsweise ein plötzlicher Stop der Exporte (resulting in a war among trading partners or supply routes) verstärken,

2. weil dadurch auch der Finanzmarkt betroffen wird,

3. was wiederum Rückwirkungen auf die Wirtschaftstätigkeit verursacht (the idea that adverse shocks to the economy may be amplified by worsening financial market conditions and could so initiate a depressive tumble).

– Siehe Akzelerator, finanzieller, Geldpolitik, Dominostein-Effekt, Konjunkturprogramm, Market Impact, Money-matters-Theorem, Staatsverschuldung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanz-Alchemie (financial alchemy):

In Zuge der Subprime-Krise verbreitete spöttische Bezeichnung für das Bemühen, minderwertige Finanzprodukte gleich unedlen Metallen (common metals) durch Zauberkunst in erstklassige Produkte - gleich Edelmetallen in der Alchemie - überführen zu können.

– Siehe Anlage, innovative, Finanzinstrumente, Goldmacher, Misochrematie, Produkte, strukturierte, Produktregistrierung, Verbriefung, Zertifikateschneider, Zitronenhandel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzanalyse (financial analysis):

1 Bei Banken die Untersuchung der

1. politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen, einschliesslich der Verfassung der Finanzmärkte (global analysis; Globalanalyse) sowie

2. der Branche und des Unternehmens (industry analysis; Einzelanalyse) zur Erarbeitung einer entsprechenden Empfehlung an die Kundschaft allgemein oder für einzelne Anleger. Banken und auch Versicherungen unterhalten zu diesem Zweck oftmals eigene Abteilungen.

2 Daneben gibt es Einzelpersonen, die den Beruf des Analysten - in manchen Fällen auch als Finanzjournalist bei einer Zeitung oder einem Sender - ausüben; diese müssen sich bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht anzeigen und werden grundsätzlich überwacht.

– Siehe Anlage, innovative, Analyse, technische, Analyst, Börsianer, Fibonacci-Folge, Financial Engineering, Finanzanalyst, Finanzanalyseverordnung, Journalisten-Privileg.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 107, S. 126 f. (Pflichten für freie Analysten nach der im Jahr 2004 in Kraft getretenen Finanzanalyseverordnung), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 134 ff (Trennung zwischen Tatsachen und Meinungen; Auslegungsschreiben zu § 34b WpHG), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 138 (Verhaltensregeln), S. 139 (unabhängige Analysten), S. 141 (Transparenzpflichten bei der Weitergabe von Finanzanalysen), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 149 (bei Ausgliederung der Research-Abteilung oder Zukauf von Analysen sind die gesetzlichen Bestimmungen einzuhalten), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 170 f. (Verhaltensregeln) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzanalyseverordnung, FinAnV (odinance on the analysis of financial instruments):

Teils grundsätzliche, teils ins Einzelne gehende Vorschriften für die Erstellung und/oder Verbreitung von Finanzanalysen durch Institute. - Alle natürlichen und juristischen Personen, die in Ausübung ihres Berufes oder im Rahmen ihrer Geschäftstätigkeit für die Erstellung von Finanzanalysen oder deren Weitergabe verantwortlich sind, haben dies gemäß § 34c WpHG der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht umgehend anzuzeigen.

– Siehe Anlage-Empfehlung, Analyst, Direct Brokerage, Domizil-Verschleierung, Finanzanalyse, Honorarberater, Journalisten-Privileg, Marktmissbrauchs-Richtlinie, Nachweismakelei, Private Banking, Portaldienst.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 109 (Neufassung; wichtigste Ziele der Verordnung), 148 (Begriff der Finanzanalyse erklärt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzanalyst (financial analyst):

Person, die berufsmässig

1. allgemein das Geschehen auf dem Finanzmarkt beobachtet und beurteilt bzw. im engeren Sinne

2. die Märkte hinsichtlich allfällig zu treffender Anlageentscheidungen begutachtet (a person specialised in valuing the securities issued by companies with a view to selection for inclusion in investment portfolios).

– Aufsichtsrechtlich muss die Vergütung der Analysten bei einem Institut von den Einkommen und Prämien anderer Mitarbeiter abgekoppelt werden, wenn diese Verknüpfung einen Interessenkonflikt auslösen kann. Weiterhin dürfen Analysten grundsätzlich nicht im Bereich Investment Banking eingesetzt werden.

– Siehe Analyst, Analysten-Aufgabenbeschränkung, Finanzanalyse, Finanzanalyseverordnung, Finanzberater.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzanschlag und Finanzvoranschlag (estimates; liquidity planning):

1 Die zeitlich vor einem Geschäft oder einer Investition vollzogene Berechnung des Aufwands und Ertrags

2 Die (tagesgenaue; detailed to a daily level) Planung der Liquidität im Sinne der Zahlungsfähigkeit.

– Siehe Finanzbedarf.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzarchäologie (financial arch[a]eologie):

Um 2000 aufgekommene Bezeichnung für lange Datenreihen in Bezug auf Finanzmärkte. - Ein gesundes Misstrauen gegenüber derartigen EX-POST-Zahlenketten ist allemal ratsam, zumal sich die Grössen häufig aus dem Hintergrund anderer, inzwischen oft mehrfach geänderter rechtlicher Definitionen - wie etwa: Gewinn, Eigenmittel - und (Bewertungs-)Vorschriften herleiten. In der entsprechenden Veröffentlichung ist daher immer sehr sorgsam auf die von den Statistikern beigegebenen Erläuterungen zu achten.

– Siehe Echtzeit-Datenbank, Finanzgeschichte, Urbarium.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzarchitektur (financial architecture):

1 Das innert eines Staates zwischen den einzelnen Körperschaften (Bund, Länder [Kantone], Gemeinden) verfassungsrechtlich abgestimmte Gefüge (constitutional posed system) monetärer Beziehungen; die Einnahme-Ausgabewirtschaft der öffentlichen Stellen und den sich daraus ergebenden Wechselbeziehungen.

2 Die durchdachte, planmässige und von internationalen Organisationen wie dem IWF kontrollierte weltweite Vernetzung des Finanzsektors aller Nationen: ein Fernziel, das in vielen Plänen umrissen und entworfen wird.

3 Bisher nicht marktgängige Finanzprodukte und Finanzinstrumente - und hier besonders Derivate - entwerfen, ausarbeiten und als Neuerung in den Finanzmarkt einführen.

– Siehe Anlage, innovative, Derivategeschäfte-Clearingpflicht, Derivategeschäfte-Meldepflicht, Fachbankensystem, Finanzalchemie, Finanzsystem, multilaterales, Finanztheorie, Kreïrung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzasophie auch Finanzatheoresie (financial asophy, financial atheoresy):

Wenn nicht anders definiert der Mangel an Wissen und Durchblick über das Geschehen am Finanzmarkt. - Menschen mit dieser Eigenschaft fühlen sich erfahrungsgemäss häufig genug ganz besonders berufen (feel themselves exceedingly called), in den Medien - und hier wieder sonderlich in Blogs, Internet-Foren, bei Facebook und bei Twitter - über Ereignisse am Finanzmarkt, oft reisserisch (lurid, sensationally), zu berichten. – Auch lässt sich nachweisen, dass je geringer der Kenntnisstand über die Gegebenheiten am Finanzmarkt bei einem Menschen ist, desto grösser zeigt sich sein Argwohn (suspicion: nämlich das grundlose bzw. nur subjektiv begründete Misstrauen in die Aufrichtigkeit und Rechtschaffenheit anderer) gegenüber den Handelnden auf dem Finanzmarkt.

– Siehe Astro-Prognose, Daimonion, Finanzdümmling, Finanzforen, Geheimtip, Geldeuropäer, Misochrematie, Noise Traders, Oligarchie, Shitstorm, Verschwörungstheorien.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzausgleich (fiscal equalisation scheme, equalisation transfers, vertical equalisation arrangement):

Wenn nicht ausdrücklich anders definiert, so versteht man darunter die Regelung der rechtlichen Beziehungen unter den verschiedenen Steuergläubigern (Bund, Länder, [Kantone,] Gemeinden) desselben Staatsverbandes.

– Siehe Finanzarchitektur.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzbedarf (financing requirements; deficit):

1 Die Summen und Bereitstellungstermine (dates of settlement) im Zuge

1. eines Geschäftes,

2. einer Investition oder

3. einer von einer öffentlichen Stelle zu erfüllenden Aufgabe.

2 Der Fehlbetrag (missing amount), in diesem Sinne häufig vor allem in Bezug auf öffentliche Haushalte gesagt: ein Budgetdefizit (budget deficit).

– Siehe Finanzanschlag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzberater auch Vermögensberater (financial advisor):

Person, die Kunden in Bezug auf Geschäfte auf den Finanzmarkt, einschliesslich der Versicherung, mit Empfehlungen und Vorschlägen zu Diensten steht; siehe auch § 676 BGB. - Unterschieden wird zwischen

1. Personen, die eine Erlaubnis nach § 32 KWG besitzen und von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht überwacht werden; sie sind in ihrer Beratungstätigkeit fast nicht beschränkt und

2. Personen, die lediglich eine Gewerbeanmeldung (business registration) und Erlaubnis nach der Gewerbeordnung (trade regulations) vorweisen können; ihnen ist die Anlageberatung in Bezug auf Investmentfonds gestattet, sie dürfen jedoch keine Empfehlungen zu anderen Segmenten des Finanzmarktes abgeben.

– Nicht unter den Begriff des Finanzberaters fallen Anlageberater, die als Angestellte eines Instituts Empfehlungen an einen Kunden aussprechen. - Gefordert wird seit Jahren, dass Finanzberater jeder Gattung eine entsprechende Befähigung nachweisen müssen, wie diese im Handwerk schon lange üblich ist.

– Siehe Anlage-Empfehlung, Analyse, technische, Analyst, Beschwerdehäufung, Blog, Börsenbriefe, Direct Brokerage, Daimonion, Domizil-Verschleierung, Finanzanalyse, Finanzanalyseverordnung, Finanzanalyst, Finanzgeier, Finanzunternehmen, Frontrunning, Geheimtip, Honorarberater, Internet-Foren, Journalisten-Privileg, KWG-Vermittlerverordnung, Manages Account, Marktmissbrauchs-Richtlinie, Mitarbeiter-Register, Nachweismakelei.

– Vgl. Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 138 f. (neben Anlageberatern müssen auch Vertriebsbeauftragte der Institute Sachkunde und Zuverlässigkeit nachweisen; die WpHG-Mitarbeiteranzeigeverordnung [WpHGMaAnzV] trat zum Jahresende 2011 in Kraft: Mitarbeiterregister muss bei der BaFin hinterlegt werden).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzbereich (financial sphere, area of finance):

Sämtliche Unternehmen und Einrichtungen, die mit dem Geldverkehr (monetary transactions) befasst sind; die Finanzbranche.

– Siehe Finanzindustrie, Finanzsektor, Finanzwelt.

– Vgl. die detaillierte Übersicht der Beteiligten für die Jahre 2001 bis 2010 im Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 35 sowie im jeweiligen Jahresbericht, Kapitel "Wirtschaftliches Umfeld".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzbericht (financial report):

Seit Jahresbeginn 2007 ist die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht auch zuständig für die Überwachung der Einhaltung aller Vorschriften über die Finanzberichtserstattungs-Pflichten (financial reporting obligations) kapitalmarktorientierter Unternehmen. Das gilt für den

1. Jahresfinanzbericht (annual financial report) sowohl als auch für

2. den Halbjahresfinanzbericht (half-yearly financial report),

3. die Zwischenmitteilung der Geschäftsführung (interim management statement), diese wurde mit Inkrafttreten der Novelle der Transparenzrichtlinie zum November 2013 abgeschafft,

4. Hinweisbekanntmachungen (announcemts) sowie

5. den Quartalsfinanzbericht (quarterly financial report), für die jeweilige Veröffentlichungs-Fristen vorgeschrieben sind. Auch

6. eine Entsprechenserklärung (responsibility statement) gemäss §§ 264 und 289 HGB (Bilanzeid; balance sheet oath) ist zu veröffentlichen.

– Das Transparenzrichtlinie-Umsetzungsgesetz (TUG) vom 5. Januar 2007 hatte die bestehenden Berichterstattungs-Pflichten erweitert und in das WpHG (§ 37 v ff.) überführt.

– Siehe Enforcement, Finanzbericht, einheitliches elektronisches Format, Informations-Überladung, Jahresfinanzbericht.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 201 ff. (neue Rechtslage; Inhalt und Veröffentlichung von Finanzberichten), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 189 f. (Zweifelsfragen), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 212 f. (BaFin geht Verstössen gegen die Finanzberichterstattungspflicht nach), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 140 f. (neue Anforderungen in Angleichung an europäische Normen), S. 232 (Zwangsgelder; Prüfungsschwerpunkt Interne; Bussgeldverfahren), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 201 f. (Überwachungstätigkeiten der BaFin; über 200 Ordnungswidrigkeitsverfahren) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzbericht, einheitliches elektronisches Format (standard format for annual reports):

Auf europäischer Ebene ist zur Verbesserung des Informationsflusses auf dem Markt bis 2018 ein zentralelektronisches Zugangsportal für Finanzberichte geplant. Bis 2020 sollten diese dann auch in einem gleichförmigen Format eingespeist werden.

– Vgl. Jahresbericht 2013 de BaFin, S. 166 (Zeitplan).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzbeschränkungen (financial sanctions):

Von der UN oder EU erlassene Vorschriften in Bezug auf Konten von Personen und Organisationen ("Zielsubjekte"; target subjects), welche des Terrorismus verdächtig sind (restrictions on free access by designated entities to any funds and economic resources owned or controlled by physical or legal entities. The EU has established a database of all persons, groups, legal entities, bodies etc. subject to EU financial sanctions).

– Siehe Beobachtungsvermerk, Festkonto, Financial Action Task Force on Money Laundering, Finanzembargo, Geldwäsche, Terrorismus-Finanzierung.

– Vgl. Geschäftsbericht 2003 der Deutschen Bundesbank, S. 168 ff., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 39, Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 234 f. (Überprüfung der Vorkehrungen in Deutschland) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Querschnittsaufgaben".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzbranche (financial industry):

Nach § 1, Abs. 19 KWG versteht man darunter Banken, Wertpapier-Dienstleister und Versicherungen; im Gesetzestext sind nähere Abgrenzungen vorgenommen.

– Siehe Finanzbereich, Finanzindustrie, Finanzsektor, Finanzwelt, Oligarchie, Strukturkonservativismus, Systemkonflikt, finanzmarktlicher, Verschwörungstheorien.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzdetektiv (financial market privat investigator):

Person, die im Auftrag eines Kunden vor allem

1. im Vorfeld von Vertragsverhandlungen Daten über den - noch unbekannten - Geschäftspartner sammelt und/oder

2. betrügerischen Machenschaften (fraudulent practices) nachgeht, um die Schädiger aufzuspüren.

– Grössere Institute und Versicherungen arbeiten in der Regel mit einer - oft weltweit tätigen - Detektei (detective agency) zusammen, die entsprechend ausgebildetes, spezialisiertes Personal (qualified and specialised staff) beschäftigt.

– Siehe Cold Calling, Daimonion, Darkrooming, Domizil-Verschleierung, Ein-Cent-Überweisung, Enabler, Finanzgeier, Frontrunning, Geheimtip, Geschädigten-Versammlung, Geschenk-Überweisung, Gründungsschwindel, Internet-Angebote, Internet-Foren, Kapitalmarkt, grauer, Racheengel, Sexschwarzgeld, Twitter, Winkelmakler.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzderivate (financial derivatives):

Allgemein Finanzinstrumente, die an

1. ein bestimmtes anderes Finanzinstrument,

2. einen bestimmten Indikator oder

3. eine bestimmte Ware gekoppelt sind und

4. deren Zweck es ist, finanzielle Risiken an Finanzmärkten zu handeln (a financial instrument, the price of which is directly dependent upon of one or more underlying securities, equity indices, commodities, other derivative instruments, or any agreed upon pricing index or arrangement. Derivatives are used to hedge risk, by transferring it to those willing to assume it). Die geläufigsten Finanzderivate sind Optionen, Terminkontrakte, Swaps, Kreditderivate und Devisentermingeschäfte.

– Siehe Derivate, Derivategeschäfte, Giftpapiere, Meldepflicht, Finanzkapital, Informationsblätter für Finanzinstrumente, Kapitalbilanz.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juli 2002, S. 71, Monatsbericht der EZB vom Februar 2012, S. 122 f. (Finanzderivate in der Kapitalbilanz).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzdienst (revenue board):

Wenn nicht anders definiert die vollziehende Tätigkeit der staatlichen Finanzverwaltung (fiscal authority). - Oft gliedert sich der öffentliche Finanzdienst in das

1. Anweisungswesen,

2. Zahlungswesen (Kassenwesen) und

3. behördliche Rechnungswesen einschliesslich der Rechnungsprüfung (auditing), in älteren Dokumenten auch Justifikatur genannt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzdienstleister (financial services firm):

Inhaltlich und umfänglich sehr weiter Begriff, der sich einer genauen Definition - schon allein wegen des ständigen Aufkommens neuer und neuartiger Geschäftsarten - entzieht, und der allenfalls durch Aufzählung umschreibbar ist. Er schliesst alle Anbieter auf dem Finanzmarkt ein, mitenthalten ist auch der Schattenbankbereich; also neben Banken, Bausparkassen und Versicherungen sowie die anderen in § 1 KWG Aufgezählten auch sämtliche weiteren Spezial-Dienstleister auf allen Teilmärkten mitsamt den Racheengeln.

– Siehe Bank, Bankenregulierungs-Paradoxon, Dampfstube, Dienstleistung, Finanzbereich, Finanzdienstleistungsinstitute, Finanzindustrie, Finanzinstitut, monetäres, Finanzmarktrichtlinie-Umsetzungsgesetz, Geldwäsche, Finanzdienstleistungsinstitute, Institut, Internetbank, Kreditinstitut, Markteintrittskosten, Winkelmakler.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzdienstleistungen (financial services):

Oberbegriff für jederart Dienstleistung, die einen Bezug zum Finanzmarkt hat, und damit sämtliche Angebote, welche auf allen Segmenten des auf Geld bezogenen Marktes weltweit vorgelegt werden. Unberücksichtigt (disregarded) bleibt dabei, ob die entsprechenden Geschäfte gesetzlich zulässig (permitted by law) bzw. aufsichtlich erlaubt (allowed by the supervisory authorities) sind.

– Siehe Finanzdienstleister, Finanzdienstleistungsinstitute, Investmentfirma.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzdienstleistungsinstitute und Finanzdienstleistungsunternehmen (financial services institutions):

Nach der Definition der Aufsichtsbehörden zählen hierzu alle Unternehmen, die, ohne förmlich Kreditinstitute zu sein, Finanzdienstleistungen erbringen. Die Liste der Finanzdienstleistungen umfasst vor allem

1. die Anlage-Vermittlung (investment brokerage),

2. die Abschlussvermittlung (contract brokerage),

3. die Finanzportfolioverwaltung (portfolio management)

4. den Eigenhandel für andere (own-account trading on behalf of others),

5. die Drittstaaten-Einlagenvermittlung (arrangement of third country deposits),

6. das Finanz-Transfergeschäft,

7. das Geldkartengeschäft und das Netzgeldgeschäft sowie

8. Finanzdienstleister mit Stromderivaten.

– Diese Firmen unterliegen in Deutschland der Aufsicht durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Sie bedürfen ferner einer Erlaubnis gemäss § 32 KWG. - Eine genau Aufzählung der jeweils den Finanzdienstleistungsinstituten zugeordneten Geschäften findet sind in den Regelwerken der Aufsichtsbehörden. Freie Mitarbeiter von Instituten, für welche diese eine Haftung übernommen haben, stehen mittelbar unter der Aufsicht.

– Siehe Bank, Finanzdienstleister, Finanzinstitut, monetäres.

– Vgl. Jahresbericht 2001 des Bundesaufsichtsamts für den Wertpapierhandel, S. 12 f., Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 70, S. 107 f, Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 121 f. (Zusammenführung von Markt- und Solvenzaufsicht; Zusammenarbeit mit der Deutschen Bundesbank), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 138 ff. (Anzahl der Institute; Neuregelung der Haftungsübernahme; aufsichtliche Tätigkeiten und Massnahmen), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 134 (Erlaubnisanträge; Statistik der beaufsichtigten Unternehmen; Rechtslage), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 156 (Gliederung der von der BaFin überwachten Finanzdienstleistungsinstitute), Jahresbericht 2010 der BaFin, S, 172 f (neuere Daten) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzdümmling (finance fool, financial self-conceit):

Person

1. mit einer Schwäche des Verstandes und damit der Unfähigkeit zur Einsicht in die in sich vielfältig vermaschten und verketteten Zusammenhänge auf dem Finanzmarkt, jedoch

2. mit einer weit übersteigerten Selbsteinschätzung, durch die sie sich als Kenner und Könner über allen Fachleuten wähnen (a person who is deficient in understanding the mechanism of the financial system, but thinks to know and comprehend all coherences very well and much better than all professionals in the financial industry, all specialist in central bank and all experts in universities and research institutes). Die Psychologie spricht hier von Dummdreistigkeit (insolence). Gerade solche Personen fühlen sich indessen berufen, sich in allen Medien kundzugeben. Weil ihre Ansichten in aller Regel völlig abweichend von den Darlegungen der Fachleute aus der Finanzindustrie, den Zentralbanken und den Aufsichtsbehörden sind, wird den Finanzdümmlinge von den Medienmachern mit Vergnügen ein Plattform geboten. Auf diese Weise entstand eine den Verschwörungstheorien ähnliche, im gesamten abwegige Nebenlehre zur Geld- und Finanztheorie.

– Siehe Astro-Prognose, Daimonion, Erpressungspotential, Finanzasophie, Finanzforen, Geheimtip, Know-Nots, Konzern, Misochrematie, Noise Traders, Regionalgeld, Shitstorm, Verschwörungstheorien.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzembargo (financial embargo, financial sanction):

Das von einer Regierung oder einer internationalen Behörde verfügte Verbot, mit Staatsangehörigen eines bestimmten Landes monetäre Transaktionen abzuwickeln (official decree forbidding financial transactions with another country).

– Siehe Bargeldkontrolle, Beobachtungsvermerk, Finanzbeschränkungen, Fluchtgeld, Geldwäsche, Task Force on Money Laundering, Terrorismus-Finanzierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzerträge (financial income):

Wenn nicht anders definiert, so meint man damit bei einem Unternehmen

1. Einnahmen aus vorübergehender Liquidität (temporary surplus cash),

2. angelegt in kurze Engagements und börsengängige Wertpapiere (marketable securities). Hinzugezählt werden meistens auch

3. Gewinne aus Fremdwährungsgeschäften (foreign exchange gains) sowie

4. Rückbuchungen zu in vorhergehenden Perioden getätigten Rückstellungen (write-backs on provisions).

– Siehe Finanzinvestition.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzflüchtling und Finanzasylant (financial refugee):

Eine Person, die ihr Heimatland verlassen muss, weil sie dort von zudringlichen Gläubigern oder unnachsichtigen Steuerbehörden bedrängt wird (a person forced to asylum due to persecution by creditors or revenue authorities).

– Siehe Offshore-Finanzplatz, Rachenegel, Steueroase.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzforen (financial forums):

Inzwischen weltweit schier unzählbare Plattformen im Internet, in denen

1. Mitteilungen in Bezug auf den Finanzmarkt ausgetauscht und

2. vor allem auch Anlage-Empfehlungen ausgesprochen sowie in bestimmten Plattformen

3. Erfahrungen mit Finanzgeier ausgetauscht werden.

– Ein Grossteil dieser Foren der ersten beiden Arten dient offensichtlich Interessensgruppen dazu, zum Kauf von Dingo-Werten anzuregen. In anderen dieser Foren wird das Geschehen am Finanzmarkt astrologisch oder anhand teilweise aberwitziger Verschwörungstheorien - mit Vorliebe in Bezug auf die Schweiz, den Vatikan, die Freimaurer und die Juden - erklärt.

– Siehe Astro-Prognose, Billigkopie, Blind Pool, Daimonion, Dampfstube, Darkrooming, Domizil-Verschleierung, Ein-Cent-Überweisung, Enabler, Energiewerte, Europhobie, Falschberatung, Finanzasophie, Finanzdümmling, Finanzgeier, Finanzjournalist, Geldabschaffung, Geldtransfer-Vermittler, Geschädigten-Versammlung, Geschenk-Überweisung, Ghettobanking, Hawala, High risk countries, Internet-Angebote, Kapitalmarkt, grauer, Misochrematie, Know-Nots, Offshore Finanzplätze, Oligarchie, Parallel Banking, Pump and Dump, Racheengel, Regionalgeld, Remittance Services, Shitstorm, Twitter, Underground Banking, Verbraucherbeschwerden, Verschwörungstheorien, Winkelmakler.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzgeier (vulture financier):

1 Im Wirtschaftsjournalismus gebrauchte Bezeichnung für Investoren, deren Ziel allein darin besteht,

1. möglichst rasch einen Gewinn zu erzielen, und

2. dies in der Regel mit auf dem Finanzmarkt nicht üblichen Praktiken.

2 Unredliche Anbieter von Finanzdienstleistungen, die hauptsächlich aus Offshore Finanzplätzen über Cold Calling und E-Mails, seltener durch (beweissichernde; preservating of evidence) Schreiben an mögliche Anleger herantreten, um ihnen vor allem Dingo-Werte und Versicherungsverträge anzubieten. In der Regel sind Wertbezeichnungen in daraufhin abgeschlossenen Verträgen in "Dollar" ausgedrückt. Gemeint ist jedoch nicht der USD, sondern meistens der höchstens halb so kaufkräftige BBD (Barbados-Dollar), wenn nicht sogar der fast wertlose GYD (Guayana-Dollar) oder ZWD (Simbabwe-Dollar). - Weil die Verträge aber auf die betreffenden Orte - wie Bridgetown, Barbados; Georgetown, Guyana; Harare, Simbabwe - ausgestellt sind, so ist eine Rechtsverfolgung aussichtslos. Schätzungen für die USA gingen im Jahr 2005 davon aus, dass bis zu zehn Prozent der erbrachten Finanzdienstleistungen auf diesem betrügerischen Wege mit einer sehr hohen Schadenssumme erbracht wurden. - Rechtspolitisch bringen Finanzgeier im Sinne von

3 fast unlösbare Schwierigkeiten, weil geschädigte Anleger über das Internet sich zusammenschliessen und Racheengel anwerben, die den Finanzgeier aufspüren, ihm das Haus abbrennen oder gar noch nach Leib und Leben trachten. - Eine Liste aus dem Jahr 2007 zählt 536 unredliche Anbieter mit in der Regel klangvollen Namen auf.

– Siehe Abzocker, Agiotage, Börsenwucher, Dampfstube, Darstellungswährung, Daimonion, Darkrooming, Deuteroskopie, Domizil-Verschleierung, Finanz, Finanzforen, Finanzmüll, Frontrunning, Geldsauger, Glamour Stocks, Gründungsschwindel, International Business Company, Internetangebot, Kaltaquise, Klartext, Kredithai, Make-up, Marktmissbrauch, Misochrematie, Nonvaleurs, Pump and Dump, Racheengel, Rebbes, Rendite-Risiko-Grundsatz, Schlangenhandel, Schmu, Supergewinn, Twitter, Verbraucherbeschwerden, Verständlichkeit, Winkelmakler, Zitronenhandel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzgeologe (financial geologist):

Bissige Bezeichnung für eine Person, die gleichsam nach Geld gräbt, indem er/sie in persönliche Beziehung zu vermögenden Menschen tritt, um an deren Mittel zu kommen (a woman or a man who - so to speak - digs for riches by entering into romantic relations with a rich individual, but in fact is only interested in the bank account).

– Siehe Geldgattin, Geldheirat, Geldzug.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzgeschichte (financial history):

1 Die Darstellung der Finanzwirtschaft öffentlicher Körperschaften im Wechsel der Zeiten (through the ages). Ihre Bedeutung liegt darin, dass die heutige Einnahme-Ausgabe-Wirtschaft des Staates ohne Kenntnis ihrer Entwicklung im Zeitverlauf (pathway over the course of time) oftmals kaum verstehbar ist.

2 Die Lehre von der Entstehung der Finanzprodukte in der zeitlichen Folge.

3 Die Beschreibung der Entwicklung des Finanzsektors durch die Zeit.

4 In besonderer Bedeutung auch die Feststellung des Wertes älterer Zahlungsmittel; es gilt dies als eine der schwierigsten Aufgaben der historischen Wissenschaften.

– Siehe Echtzeit-Datenbank, Finanzarchäologie, Gulden, Münze, historische, Systemkonflikt, finanzmarktlicher, Urbarium, Wirtschaftsgeschichte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzhaus auch Finanzinstitut (financial institution):

In der deutschen gehobenen Sprache (sublime language) andere Bezeichnung für eine Bank.

– Siehe Geldhaus, Institut.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzholding (financial holding):

In der deutschen Rechtssprache nach § 1, Abs. 3a KWG Finanzunternehmen,

1. deren Tochterunternehmen (subsidaries) ausschliesslich oder hauptsächlich Finanzdienstleistungsinstitute sind, und

2. die mindestens ein Einlagenkreditinstitut - nämlich ein Kreditinstitut, das Depositen oder andere rückzahlbare Beträge des Publikums entgegennimmt und das Kreditgeschäft betreibt - oder

3. eine Wertpapierhandelsfirma (securities trading company) zum Tochterunternehmen haben.

– Eine Finanzholding unterliegt in Deutschland besonderer Aufsicht. § 2d KWG schreibt vor, dass Personen, welche die Geschäfte einer Finanzholding-Gesellschaft oder einer gemischten Finanzholding-Gesellschaft tatsächlich führen zuverlässig sein und die zur Führung der Geschäfte erforderliche fachliche Eignung (operational ability) haben müssen. - Allgemein ist eine Holding eine Gesellschaft, die selbst keine Güter produziert, sondern nur Beteiligungen an anderen Unternehmen in sich aufnimmt (bei sich zusammenhält = holds), sie erweitert oder mit neuem Kapital ausstattet.

– Siehe Beherrschung, Beteiligung, qualifizierte, Beteiligungsgesellschaft, Complex Groups, Europa-AG, Finanzkonglomerat, Holding, Kontrolle, Mischkonzern.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2005, S. 39 ff (dort auch wichtige Definitionen), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 67 f. (umfassende Überarbeitung der Finanzkonglomerate-Richtlinie der EU-Kommission: Finanzholding-Gesellschaften sollen einbezogen werden) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Internationales".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzialisierung (financialisation):

1 Um 2010 allgemein aufgekommener Begriff zur Bezeichnung von spekulativen Anlagen (speculative forms of investment) in Rohstoffmärkten. Eine Risikomischung und langfristige Renditeerwartungen sind dabei die Motive der Anleger. Ob, und wenn ja in welchem Masse, die Finanzialisierung das Angebot an den Kassamärkten verknappt und somit die Preise beeinflusst, ist bis anhin bestritten, zumal es auf vielen den Märkten weithin an Transparenz fehlt. - Mit einiger Sorge wird jedoch die im Zuge der Subprime-Krise und dann vor allem der Niedrigzinspolitik der EZB aufgetretene Vorliebe vieler grosser Anleger wie Banken, Hedge-Fonds, ja sogar Versicherungen gesehen, börsenmässig gehandelte Industriemetalle (exchange traded industrial metals) langfristig einzulagern und damit dem Produktionsprozess zu entziehen. Indessen rückt der so steigende Preis - für Nickel ist das überzeugend nachgewiesen - nun Ersatzstoffe (substitutes; Substitute) in den Gesichtskreis der Verarbeiter. Damit wird der Preisdruck bei dem verknappten Metall gemindert. Am Ende ist es nicht ausgeschlossen, dass die Metall-Horter sogar einen Verlust erleiden, weil sich die metallverarbeitenden Unternehmen ganz auf das Substitut verlegt haben.

2 Das zunehmende Gewicht des Finanzsektors in einer Volkswirtschaft (a shift of significance from the real to the financial sector in an economy).

– Siehe Biotreibstoffe, Cost-Push-Inflation, Erdöl-Lebensmittel-Zusammen¬hang, Erdölpreis, Geldrechenhaftigkeit, Henry Hub, Inflation, weltweite, Metall-Inflation, Renditejagd, Protein-Inflation, Rohstoffblase, Rohstoff-Terminvertrag, Zwei-Säulen-Prinzip, Zweitrunden-Effekte.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Oktober 2011, S. 13 ff. (Finanzialisierung von Rohstoffen ausführlich dargestellt; Übersichten, Literaturverweise), Finanzstabilitätsbericht 2011, S. 42 ff. (Zunahme der Finanzialisierung; damit verbundene Risiken; Literaturhinweise), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 44 f. (Ansätze zur weltweiten Regulierung der Rohstoffmärkte).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzier in älteren Dokumenten Financier (financier):

1 Geldgeber, Kapitalgeber, in der Regel bei einem grösseren Vorhaben (an investor on a large scale).

2 In der älteren Literatur auch eine Person, die bei einem Unternehmen oder bei einer öffentlichen Stelle die Einkünfte verwaltet.

3 Im Finanzjournalismus seit etwa 2005 auch häufig gesagt in Bezug auf jene Mitglieder der EWU, die Finanzhilfen reicherer Staaten der Gemeinschaft - wie vor allem Deutschland und die Niederlande - in Anspruch nehmen, oft auch Europayer genannt.

– Siehe Bail-out, Hegemon, milder, Kostenübernahme-Vereinbarung, Pfennigmeister, Südfront, Zahlmeister.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzierung (financing):

1 Allgemein ein Vorgang, der einer Wirtschaftseinheit (Unternehmen, Privathaushalt, Staat) Kaufkraft, also Verfügungsmacht zum Erwerb von Gütern, verschafft.

2 In engerer Bedeutung die Verwendung von Geld durch ein Unternehmen, um angestrebte Ziele zu verwirklichen, wie etwa Gründung, Übernahmen, Zukäufe, Eintritt in neue Produktionszweige oder das Betreten ausländischer Märkte.

3 In sehr enger Bedeutung die Bereitstellung von Geld zum Zwecke der Errichtung, Verbesserung oder Erweiterung der Produktionsanlagen.

– Siehe Anleihequote, Bankenfinanzierung, Burn Rate, Club Deal, Corporate Finance, Darlehn, Drittphase-Finanzierung, Familien-und Freunde-Kapital, Finanzierungsleasing, Finanzierungsregel, goldene, Finanzmarkt, Finanzplanung, Firmenbank, Inkubator, Investition, Kredit, Leveraging, Private Equity-Finanzierung, Leasinggeschäft, Qard al-Hasan, Seed Capital, Selbstfinanzierung, Sweat Equity, Wachstumsbedeutung, Zinslastquote.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom September 2008, S. 58 ff. (Innenfinanzierung von Kapitalgesellschaften seit 2003; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2011, S. 81 ff. (Internationalisierung der Finanzierung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzierung, erfolgsabhängige (performance-based financing):

Von der Weltbank 1993 ins Leben gerufenes Kreditprogramm für den Gesundheitssektor in Entwicklungsländern. Nur bei von unabhängigen Gutachtern (independent reviewers) nachgeprüften Fortschritten - etwa bei der Impfung - werden weitere Darlehn gewährt.

– Siehe Low Income Countries.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzierungsbedingungen (conditions for funding, financing conditions):

Wenn nicht anders definiert sämtliche Gegebenheiten, denen sich ein Unternehmen gegenübersieht, das Geld zu Investitionszwecken aufnehmen möchte.

– Siehe Finanzierung, Finanzierungskosten, Zinsdifferenz.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2012, S. 67 ff. (Unterschiede in den Finanzierungsbedingungen im Eurogebiet; ausführliche Darstellung; viele Übersichten und Literaturverweise, S. 85: schematisierte Darstellung der auf die Finanzierungsbedingungen einwirkenden Grössen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzierungsgesellschaft (finance company):

1 Ein Unternehmen, oft in einem Konzernverbund, das zwar Kredite ausreicht, jedoch keine Einlagen annimmt (company engaged in making loans to individuals or businesses; but unlike a bank, it does not receive deposits from the public). In der Regel bedienen sie ausschliesslich Kunden in einem bestimmten Wirtschaftsbereich, etwa im Immobiliensektor.

2 Manchmal auch gesagt für eine Zweckgesellschaft.

– Siehe Bank, Binnenfinanzierung, Fonds, Inhouse-System, Institut, Nicht-Bank.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2014, S. 18 (Finanzierungsgesellschaften als Teil des Schattenbanksystems).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzierungsinstrument (debt instrument):

Jedes Schuldversprechen, nämlich eine Verpflichtung in beliebiger Form, vom Gläubiger erhaltenes Geld vertragsgemäss zurückzuzahlen (a paper or electronic document that allows the borrowing party to raise funds by promising to repay a lender in accordance with terms of a contract. Types of debt instruments include notes, bonds, certificates, mortgages, leases or other agreements between a lender and a borrower).

– Siehe Anleihe, Finanzinstrument, Finanzprodukte, struktu-rierte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzierungskennziffer, mittelfristige (net stable funding ratio, NSFR):

Im Zuge von Basel-III ab Jahresbeginn 2018 aufsichtlich vorgeschriebene Verhältniszahl, die auf den Zeitraum eines Jahres im Voraus die Mittelabflüsse (cash outflows) und Mittelzuflüsse (cash inflows) bei einem Institut in Beziehung setzt. Sie soll letztlich verhindern, dass eine unverhältnismässig betriebene kurzfristige Refinanzierung (short-term refinancing) langfristiger Anlagen stattfindet; die Institute also zu einer gesunden Fristenkongruenz gezwungen werden.

– Siehe Bankregel, goldene, Eigenkapital, Finanzierungsregel, goldene, Finanzkraft, Flüssigmachung, Kernkapital, Leverage Ratio, Liquiditäts-Ablaufbilanz, Liquiditätsdeckungskennziffer, Liquiditätskennziffer, Liquiditätsmanagement, Liquiditätsrisiko, Regulierungsdruck.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2010, S. 8 f. (Einführungstermin der mittelfristigen Finanzierungskennziffer), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 21 f. (Anpassungsmassnahmen durch den Basler Ausschuss).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzierungskosten (carrying charges):

1 Allgemein die Aufwendungen einer Wirtschaftseinheit zur Beschaffung von Fremdkapital; gemessen in erster Linie im Zinssatz.

2 An Warenbörsen die Aufwendungen, die bei der Haltung eines Produktes anfallen, vor allem Lagerkosten und Versicherungsgebühren. Die Höhe der Finanzierungskosten spiegelt sich daher auch im Kursunterschied zwischen verschiedenen Futures-Vertragsmo¬naten wider.

– Siehe Finanzialisierung, Gewinnbesteuerung, Liegegeld, Warenbescheinigung.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2008, S. 69 f. (Finanzierungskosten und Investitionstätigkeit; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzierungsleasing (financial leasing):

Leasing-Vertrag, durch den sämtliche mit dem Eigentum an dem vermieteten Gegenstand verbundenen Rechte und Pflichten für die Dauer des Vertrags an den Leasingnehmer übertragen werden. Entsprechende Dienstleister bedürfen seit Dezember 2008 einer Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.

– Siehe Leasinggeschäft, Selbstfinanzierung.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 110 (im Jahr 2008 waren etwa 24 Prozent aller Anlageinvestitionen über Finanzierungsleasing getätigt), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 158 (Aufsichts-Eckpfeiler) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzierungsliquidität (financing liquidity):

Die Verfügbarkeit finanzieller Mittel. Sie gilt als abhängig von der Marktliquidität (market liquidity) als der Möglichkeit, jederzeit grossvolumige Transaktionen mit lediglich geringer Auswirkung auf die Preise durchzuführen.

– Vgl. Geschäftsbericht 2007 der Deutschen Bundesbank, S. 90 (Definitionen, Abhängigkeiten während der Subprime-Krise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzierungslücke (funding gap, funding shortfall):

Wenn nicht anders definiert bei einer Bank das Verhältnis von Darlehn an Nichtbanken zu Einlagen (deposits; Depositen) von Nichtbanken. Diese Lücke muss ein Institut über Refinanzierung am Interbanken-Geldmarkt (Wholesale-Markt) schliessen. - In Krisenzeiten kann daraus ein Problem entstehen, wenn die Refinanzierungsmärkte durch hohe Unsicherheit über die Bonität der Gegenparteien plötzlich austrocknen, wie dies gelegentlich der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise der Fall war.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2009, S. 42 (Finanzierungslücke in Deutschland seit 2004; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzierungsmotiv (finance motive):

In der älteren Literatur die Feststellung, dass Unternehmen Geld für geplante Investitionen nachfragen bzw. in ihrer Kasse halten. Viele der diesbezüglich breit angelegten Erörterungen sind heute angesichts anderer Finanzierungsgewohnheiten und neuer Finanzinstrumente kaum noch zutreffend. Sie werden freilich teilweise immer noch in modernen Lehrbüchern dargestellt.

– Siehe Einkommensmotiv, Geschäftsmotiv, Vorsichtsmotiv.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzierungspapiere (open-market debt instruments):

Wenn nicht anders definiert Titel, die eine Zentralbank im Zuge ihrer Offenmarktpolitik einsetzt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzierungsprämie, externe (external financing premium):

1 Bei asymmetrischer Information muss der Kreditgeber dem Schuldner die Risiken aus der nicht genau einschätzbaren Bonität in den Zinssatz einrechnen. Denn

1. der Kreditgeber muss sich vor Übervorteilung seitens des Schuldners absichern;

2. es fallen Kosten für die Überwachung, Bewertung und Beitreibung (collection of claims im Falle der Störung der Kreditbeziehung) an,

3. der Kreditnehmer könnte sich aufgrund der Probleme der Negativauslese weniger rentablen Engagements zuwenden. Die daher verlangte Finanzierungsprämie ist rechnerisch der Unterschied zwischen den Kosten für Eigenfinanzierung und Fremdfinanzierung.

– Kann das Unternehmen dem Kreditgeber Aktiva verpfänden, dann wird sich die Finanzierungsprämie Null nähern.

2 Wenn im Konjunkturzyklus der Gewinn eines Unternehmens zurückgeht, dann werden Kreditgeber einen höheren Zins verlangen. Denn die Bonität des Schuldners sinkt jetzt, das Verlustrisiko für den Fremdkapitalgeber steigt.

– Siehe Adverse Selection, Agency-Problem, Hausbank, Information, asymmetrische, Moral Hazard, Negativauslese, Principal-Agent-Problem.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2002, S. 44, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2012, S. 15 f. (zur externen Finanzierungsprämie; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzierungsrechnung, gesamtwirtschaftliche (financing statistics):

Bei der Abschätzung möglicher Wirkungen der Geldpolitik wichtige Aufschlüsselung der Guthaben und Verbindlichkeiten der Einzelwirtschaften in einem Währungsgebiet. - Die Gesamtwirtschaftliche Finanzierungsrechnung bildet im Einzelnen den vollständigen Finanzierungskreislauf einer Volkswirtschaft ab und zeigt auf, welcher Sektor - Privathaushalte, Unternehmen, Staat - in welchem Umfang und in welcher Form finanzielle Mittel bereitstellt oder beansprucht. Für das Eurogebiet ausführlich mit wichtigen Begriffserklärungen laufend im Teil "Statistik des Euro-Währungsgebiets" des jeweiligen Monatsberichtes der EZB wiedergegeben.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2002, S. 71 ff., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2004, S. 49 ff., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2005, S. 18 ff. (über die besonderen Verhältnisse in Deutschland; mit detaillierten Übersichten auch S. 32 ff.).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzierungsregel, goldene (golden rule of financing):

Grundsatz, der eine Übereinstimmung in den Fristen (Fristen-Kongruenz; matching maturities) zwischen

1. Kapitalbeschaffung und Kapitalrückzahlung einerseits und

2. Kapitalverwendung andererseits fordert. Anders ausgedrückt: Kapital darf nicht zeitlich länger in Vermögenswerte gebunden werden, als die jeweilige Kapital-Überlassungsdauer beträgt.

– Siehe Balance Reporting, Bankregel, goldene, Cash-Management, Finanzplanung, Liquidität, optimale, Liquiditätsrisiko, Matching, Pränumerationsvorbehalt, Rückzahlung, vorzeitige, Unterliquidität, Vorauszahlungsrisiko, Vorfälligkeits-Entschädigung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzierungsschätze des Bundes (Federal Treasury financing papers):

In Deutschland Daueremissionen des Bundes, die

1. mit Laufzeiten von etwa zwölf bis vierundzwanzig Monaten das kurze Ende des Laufzeitspektrums (short end of maturity range) abdecken; der Erwerb ist jedermann möglich. Sie werden

2. als Diskontpapiere emittiert; bei ihrer Ausgabe wird also der Nennwert mit dem jeweiligen Verkaufszinssatz abgezinst.

– Der Unterschied zwischen dem abgezinsten Ausgabebetrag und dem zurückbezahlten Nennwert stellt somit den Zinsertrag dar. Die Rendite der Anlage ist aufgrund des verminderten Kapitaleinsatzes in Bezug auf den Nennwert stets höher als der Verkaufszinssatz. - Finanzierungsschätze sind aufgrund ihrer kurzen Laufzeit nicht in den Börsenhandel eingeführt. Sie können auch nicht vorzeitig zurückgegeben werden.

– Siehe Abzinsung, Abzinsungspapier.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzierungstätigkeiten (financial activities):

Nach IAS (7.6) bei einem Unternehmen alle Geschäfte, die auf das Ausmass und die Zusammensetzung von Eigenkapital-Posten (comprehensive income) und Ausleihungen einwirken.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzimmobilien (investment property):

Bezeichnung für Grundbesitz, der von einem Unternehmen lediglich als gewinnbringende Investition gehalten wird, also von vornherein nicht zur eigenen geschäftlichen Nutzung (company use) vorgesehen ist.

– Siehe Finanzialisierung, Immobilienblase.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzindustrie (financial industry):

Nach 2005 auch in offiziellen Dokumenten erscheinender Begriff neben und anstatt Finanzbranche.

1 Im sehr weiten Sinne fasst man darunter alle Dienstleister (service provider) auf der Angebotsseite des Marktes, einschliesslich aller geschäftsvermittelnden - etwa Börsen - und geschäftsbegleitenden - etwa Internet-Portale, die Kurse veröffentlichen - Einrichtungen.

2 Im engeren Sinne versteht man unter dem Ausdruck meistens nur Banken und Kapitalverwaltungsgesellschaften; so besonders in Zusammenhang mit aufsichtsrechtlichen Darlegungen.

– Siehe Finanzbereich, Finanzdienstleister, Finanzdienstleistungen, Finanzmarkt, Wachstumsbedeutung, Finanzsektor, Finanzunternehmen, Finanzwelt, Systemkonflikt, finanzmarktlicher, Verschwörungstheorien.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzinformationenverordnung, FinaV (regulation for financial information):

Die aufgrund § 25, Abs. 3 KWG zu Jahresbeginn 2013 in Kraft getretene Finanzinformationenverordnung ersetzt die Monatsausweis- sowie die Zusammengefaßte-Monatsausweise-Verordnung. Jetzt sind nach der FinaV einzureichen

1. Angaben zur Gewinn- und Verlustrechnung für den Zeitraum seit Ende des letzten Geschäftsjahres sowie

2. Planangaben für die Gewinn- und Verlustrechnung. Zudem sind

3. Angaben zum Vermögensstatus bezogen auf das Quartalsende zu machen, soweit das Institut keine Meldung zur monatlichen Bilanzstatistik abgibt. Zu den

4. sonstigen zu meldenden Angaben gehören unter anderem stille Reserven und Lasten, Angaben zum Kreditgeschäft, zu Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch und zum Nettoergebnis aus vorzeitiger Beendigung von Derivaten.

– Die Einreichung hat elektronisch nach Ablauf eines jeden Quartals (reporting period; Berichtszeitraum) bis zum 20. Geschäftstag des Folgemonats zu erfolgen.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2013, S. 72 (Änderung der FinaV).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzinnovation (financial innovation):

1 Allgemein ein Finanzprodukt, das bis anhin auf dem Finanzmarkt in dieser Form noch nichtbekannt war.

2 Im engeren Sinne ein Derivat, nämlich grundsätzlich ein Vertrag, dessen Wert von zukünftigen Marktpreisen abhängt.

3 In der Sprache des deutschen Steuerrechts alle Wertpapiere, die steuerpflichtige Zinsen in steuerfreie Gewinne umwandeln.

– Siehe Derivate, Derivategeschäfte-Clearingpflicht, Derivategeschäfte-Meldepflicht, Financial Engineering, Option, Produktregistrierung, Qualitätssteuerung, Terminkontrakt.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2008, S. 15 ff. (Darstellung von Instrumenten im Sinne von 1 und 2 ; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2009, S. 79 f. (Einfluss der Finanzinnovationen auf das Kreditangebot der Banken), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 78 (innert der EBA ist ein Standing Committee on Financial Innovation [SCFI] eingerichtet, das aufsichtsrechtliche Vorschläge erarbeitet).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzinsel (financial island):

Nach 2010 in Bezug auf die Schweiz aufgekommene Bezeichnung. - Mit wachsendem Misstrauen im Zuge der Schuldenkrise in der EWU und gleichzeitig auch der USA stiegen viele Anleger weltweit in den CHF um. Das führte zu einer sehr starken Aufwertung des CHF. Schweizer Exporteure erlitten Verluste, und das beschleunigte die Tendenz, die Produktion in das Gebiet der EWU zu verlagern. Damit deutete sich für die Schweizer Volkswirtschaft eine realwirtschaftlich sehr schmerzhafte Problemlösung an, an deren Ende hohe Arbeitslosigkeit zu erwarten wäre. Die Zentralbank der Schweiz versuchte diese Kette zu sprengen, indem sie die Geldmenge beträchtlich erhöhte. - Die am 6. September 2011 abgegebene Erklärung eines Wechselkurzieles durch die Zentralbank der Schweiz, dass sie EUR kauft, wenn der Kurs unter 1,20 CHF fällt, hatte zur Folge, dass die Nationalbank hohe Milliardenbeträge an EUR kaufen musste. Für die Schweiz war damit zwar kein Ausverkauf ihrer Reserven in Gold und Fremdwährungen verbunden; letztlich aber markierte diese Entscheidung weithin das Ende einer eigenständigen Geldpolitik. Zudem verstärkte sich das Klumprisiko in der Bilanz der Schweizerischen Nationalbank; ihre Abhängigkeit vom EUR erhöhte sich. - Für die Schweiz kann es wohl nur den Ausweg geben, dass die Finanzmärkte wieder Vertrauen in den EUR und USD gewinnen. Eine Insellösung (isolated application) ist für die Schweiz dauerhaft bis anhin nicht zu sehen und wahrscheinlich kaum mehr möglich.

– Siehe Aufwertungsdruck, Ausrichtung, wechselkursbestimmte, Finanzinsel, Fluchtgeld, Gnomen von Zürich, Helvetophobie, Zinsinsel.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom September 2011, S. 20 (Wirkungen der Ankündigung der Schweizerischen Nationalbank), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2011, S. 19 f. (Probleme des CHF als sicherer Hafen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzinstitut, monetäres MFI (monetary financial institution, MFI):

Ein Kreditinstitut oder eine andere Einrichtung, deren wirtschaftliche Tätigkeit darin besteht, Einlagen von anderen Wirtschaftssubjekten entgegenzunehmen, Darlehn zu gewähren und/oder in Wertpapieren zu investieren. - Ob ein Finanzinstitut, bei dem es sich nicht um ein Kreditinstitut handelt, zu den MFIs zählt, hängt von dem Grad der Substitution zwischen den jeweils emittierten Finanzinstrumenten und Bankeinlagen ab. Die Enge der Substitutionsbeziehung bestimmt sich dabei nach der Liquidität dieser Instrumente, die besonders auf Grundlage der Kennzeichen

1. Übertragbarkeit,

2. Konvertibilität,

3. Sicherheit und

4. Marktfähigkeit gemessen werden.

– Zum MFI-Sektor gehören in der Statistik der EZB auch die nationalen Zentralbanken und die EZB selbst. - Die MFIs, die im Euro-Währungsgebiet ansässig sind, werden als der "Geldschöpfungssektor" des Euro-Währungsraumes definiert. Dessen fein aufgegliederte konsolidierte Bilanz, nach Monaten unterteilt, findet sich im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets" des jeweiligen Monatsberichts der EZB; im jeweiligen Monatsbericht der Deutschen Bundesbank ist der deutsche Beitrag zu den einzelnen Posten im "Statistischen Teil" ausgewiesen.

– Siehe Aggregate, monetäre, Bank, Finanzdienstleister, Geldschöpfungssektor, Institut, Kreditbank, Kreditinstitut.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 1999, S. 31, Monatsbericht der EZB vom April 1999, S. 47, Monatsbericht der EZB vom September 2003, S. 9 ff., Monatsbericht der EZB vom Januar 2012, S. 64 ff. (ausführliche und erläuternde Definition), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2013, S. 58 f. (konsolidierte Bilanz des MFI-Sektors im Eurogebiet). - Ein vollzähliges Verzeichnis der MFIs ist auf der Webseite der EZB abrufbar.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzinstitut, weltweit tätiges (global monetary financial institution):

Eine Bank, die ihre Geschäftstätigkeit international ausgerichtet (has an international orientation) und in der Regel auch einen gewichtigen Einfluss auf den Finanzmarkt gesamthaft hat. Dadurch ist das jeweilige Institut normalerweise sehr widerstandsfähig gegenüber Verwerfungen auf regionalen und in sektoralen Finanzmärkten. Der Finanzstabilitätsbericht 2007 zählte zu diesen Banken achtzehn Institute, darunter kein einziges Unternehmen mit Hauptsitz in Deutschland.

– Siehe Bank, national systemische, Bank, systemische, Bankenaufsicht, europäische.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzinstrument (financial instrument):

1 Bei der EZB jederart vertragliche Abmachung, die sich auf Zahlungen bezieht, an denen Monetäre Finanzinstitute beteiligt sind.

2 Nach § 2, Abs. 3 KWG ein Vertrag, aus dem für eine der beteiligten Partner ein finanzieller Vermögenswert (wie Bargeld, Eigenkapitalinstrument einer anderen Partei, Derivate mit positivem Fair Value, Anspruch auf Zahlung, etwa aus der Lieferung von Waren und Dienstleistungen), für den anderen Partner hingegen eine finanzielle Verbindlichkeit (wie Verpflichtung zur Zahlung von Bargeld, Derivate mit negativem Fair Value) fliesst.

3 Im Rahmen der Rechnungslegung nach der Definition in IAS 39 alle Kontrakte, aus denen

1. eine finanzielle Forderung,

2. eine finanzielle Verbindlichkeit oder

3. ein Eigenkapitalinstrument entstehen.

3 In der deutschen Rechtssprache nach § 1, Abs. 11 KWG definiert als Wertpapiere, Geldmarktinstrumente, Devisen oder Rechnungseinheiten sowie Derivate. - Wertpapiere sind, auch wenn keine Urkunden über sie ausgestellt sind

1. Aktien,

2. Aktien-Zertifikate,

3. Schuldverschreibungen,

4. Genusscheine,

5. Optionsscheine und

6. andere Wertpapiere, die mit Aktien oder Schuldverschreibungen vergleichbar sind, wenn sie an einem Markt gehandelt werden können. Wertpapiere sind auch Anteile an Investmentvermögen (funds; Fonds), die von einer Kapitalverwaltungsgesellschaft oder einer ausländischen Fondsgesellschaft ausgegeben werden.

– Geldmarktinstrumente sind Forderungen, die nicht unter diese Aufzählung fallen und üblicherweise auf dem Geldmarkt gehandelt werden. - Derivate sind als Festgeschäfte oder Optionsgeschäfte ausgestaltete Termingeschäfte, deren Preis unmittelbar oder mittelbar abhängt von

1. dem Börsen- oder Marktpreis von Wertpapieren,

2. dem Börsen- oder Marktpreis von Geldmarktinstrumenten,

3. dem Kurs von Devisen oder Rechnungseinheiten,

4. Zinssätzen oder anderen Erträgen oder

5. dem Börsen- oder Marktpreis von Waren oder Edelmetallen.

– Siehe Derivategeschäfte-Clearingpflicht, Derivategeschäfte-Meldepflicht, Finanzderivate, Finanzierungsinstrument, Finanzsystem, Finanzprodukte, strukturierte, Informationsblätter für Finanzinstrumente, Finanzmarkt Produktregistrierung, Tilgungsträger.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2004, S. 39 ff. (Marktregulierung im Eurogebiet), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 76 f. (Einführung des Begriffes aus der Kapitaladäquanz-Richtlinie in das KWG), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 113 (Zweiteilung des Begriffes "Finanzinstrument" durch Einfügung von § 1a KWG), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 53 f. (Offenlegungsvorschriften), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 88 (Überarbeitung der Vorschriften zur Rechnungslegung; Übersicht) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Internationales", Monatsbericht der EZB vom November 2011, S. 81 ff. (ausführliche Darstellung der Refinanzierungsinstrumente für Banken).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzinstrument, eingebettetes (embedded financial instrument):

Nach IAS 39.10 ein Finanzinstrument, das

1. notwendig auch einen nicht derivativen Basisvertrag (host contract) enthält,

2. mit dem Ergebnis, dass ein Teil der Cashflows des Instruments (hybrids) ähnlichen Schwankungen (Oszillationen; oscillations: vibrations above and below a mean value) ausgesetzt ist wie bei einem freistehenden Derivat.

– Ein eingebettetes Derivat verändert einen Teil oder alle Cashflows aus einem Kontrakt in Abhängigkeit von einem bestimmten Zinssatz, Preis eines Finanzinstruments, Rohstoffpreis, Wechselkurs, Preis- oder Kursindex, Bonitätsrating oder -index oder einer anderen marktveränderlichen Grösse.

– Siehe Derivat.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzinstrument, kündbares (puttable financial instrument):

Wenn nicht anders gesagt, so versteht man darunter in Anlehnung an IAS (32) Finanzinstrumente in der unter 3 gegebenen Definition, welche durch den Inhaber gekündigt werden können.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzinstrument, marktfähiges (marketable financial Instrument):

In der Abgrenzung der EZB zählen dazu Repo-Geschäfte, Geldmarktfondsanteile und Geldmarktpapiere sowie Schuldverschreibungen mit einer Ursprungslaufzeit von bis zu zwei Jahren. Sie werden im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Monetäre Entwicklungen, Banken und Investmentfonds" des jeweiligen Monatsberichts der EZB als Bestands- und Veränderungsgrössen ausgewiesen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzinstrument, originäres (primary financial instrument):

Nach IAS definiert als

1. Forderungen und Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen (Grundgeschäfte; bread-and-butter lines) und

2. Finanzforderungen und Finanzschulden. IAS 39 gliedert die originären Finanzinstrumente auf der Aktivseite in die drei Gattungen "zu Handelszwecken gehalten" (held for trading), "bis zur Endfälligkeit zu halten" (held to maturity) sowie "zur Veräusserung verfügbar" (available for sale).

– Siehe Finanzinstrumente, Zuordnung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzinstrumente, Zuordnung (classification of financial instruments):

Unternehmen sind derzeit (Ende 2011) noch verpflichtet, bei der Anwendung internationaler Rechnungslegungsvorschriften gemäss IAS 39 ihre Finanzinstrumente eine der folgenden Gattungen zuzuordnen:

1. available for sale,

2. financial asset at fair value (held for trading or designed at fair value through profit or loss),

3. held to maturity sowie

4. receivables.

– Siehe Finanzinstrument, originäres, Informationsblätter für Finanzinstrumente, Wertpapierbestände.

– Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 53 (Umklassifizierung von Finanzinstrumenten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzintermediäre (fincancial intermediaries):

1 Allgemein Unternehmen, die Geld von Anlegern entgegennehmen und an Kapitalnehmer weitergeben (any financial institution that receives money from savers or investors and lends those funds to borrowers, thus providing a link between those seeking earnings on their funds and those looking for credit). Statistisch daher bei der EZB der Sammelbegriff für Versicherungsgesellschaften, Pensionsfonds, Kapitalverwaltungsgesellschaften (Investmentfonds) und Sonstige.

2 Juristisch in Zusammenhang mit der Gesetzgebung und Rechtsprechung zur Geldwäsche neben Banken, Kapitalverwaltungsgesellschaften, Versicherungen, Brokern, Wechselstuben und Spielbanken auch Vermögensverwalter, Treuhänder und Anwälte, soweit diese Geld entgegennehmen und verwalten.

– Siehe Bankdienstleistungen, unterstellte, Endanleger, Finanzdienstleister, Finanzbranche, Finanzindustrie, Finanzmarkt, Kapitalanlagegesetzbuch, Nicht-Bank, Wachstumsbedeutung.

– Vgl. die laufende Erfassung in der "Statistik des Euro-Währungsgebiets" im jeweiligen Monatsbericht der EZB, Rubrik "Monetäre Entwicklungen, Banken und Investmentfonds", Unterrubrik "Einlagen von Finanzintermediären" sowie Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2004, S. 31 ff. (erklärende Übersicht S. 33), Monatsbericht der EZB vom Juni 2005, S. 19 ff. (wichtige Abgrenzungen; Beurteilung), Jahresbericht 2006 der EZB, S. 32 ff. (ausführliche Darstellung; Übersichten), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 33 (europaweite Leitlinien zur Überwachung; Interessenkonflikte), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 51 ff. (aufsichtsrechtliche Weiterentwicklung durch eine Reihe von Massnahmen), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 47 f. (IOSCO-Abschlussbericht über die Beaufsichtigung der Finanzintermediäre), Monatsbericht der EZB vom Februar 2013, S. 102 f. (Aufzählung der Finanzintermediäre), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2014, S. 20 (Bilanzsummen der Finanzintermediäre im Eurogebiet: Vergleich 1999 mit 2007 und 2013), S. 22 (Vergleich Eurogebiet zu USA; länderspezifische Anteile im Eurogebiet im 3. Vierteljahr 2013), S. 23 (die Hälfte der Aktiva der Finanzintermediäre des Eurogebiets wird in den Niederlanden und in Luxemburg gehalten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzinvestition auch Finanzanlage (financial investment):

1 Allgemein eine Bindung von Zahlungsmitteln, bei welcher der Investor sein Kapital einem Dritten gegen Überlassung von Eigentümer- oder Gläubigerrechten zur Verfügung stellt. Eine Aufzählung enthält § 266 HGB (German Code of Commerce).

2 Aus der Sicht eines Unternehmens alle ertragbringenden Produkte, mit denen Geldbeträge in vertraglich vereinbarten Fristen angelegt werden können, und die somit nicht für den täglichen Zahlungsverkehr oder zur Finanzierung von betrieblichen Vorhaben benötigt werden. Man spricht diesfalls auch von freien Mitteln (uncommitted funds).

3 In anderer Bedeutung der Kauf von zinsbringenden - zumeist ausländischen - Titeln, anstatt Geld zur Erweiterung oder Verbesserung des Kapitalstocks einzusetzen. In diesem Sinne vor allem dann gesagt, wenn

1. bei Niedrigzinsen der Zentralbank zwecks Anregung von Anlageinvestitionen die Unternehmen bei den Banken zinsgünstige Kredite aufnehmen, um damit Wertpapiere zu kaufen oder einen Aktienrückkauf zu finanzieren.

2. Aber auch für Banken wird in der Regel bei Niedrigzinspolitik der Kauf von Titeln günstiger als die Vergabe von Darlehn an Firmen. Die Zentralbanken unterstützen diese Operationen auch dadurch, dass sie den Instituten fast nur noch gegen Hinterlegung von Finanzprodukten Kredit ausreichen, und nicht mehr wie früher im Rediskontgeschäft gegen das Hereinnehmen von Erstklasse-Wechseln. Auf diese Weise koppelt sich die Versorgung der Volkswirtschaft mit Geld von der realen Warenwirtschaft (here understood as the production and trade of goods, especially of agricultural and mining products that are processed, finished and transported in order to be sold to ultimate buyers) ab.

– Siehe Barmittel, Diskontpolitik, Engagement, European Master Agreement, Finanzintermediäre, Finanzmarkt, Investmentfirma, Wachstumsbedeutung, Geldanlage, Investition, Liquidität, Rediskontsatz, Velleïtät, Vermögensanlage, Vieleck, magisches, Wechselkredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzinvestor (financial investor):

1 Allgemein oft gesagt von jedermann, der auf dem Finanzmarkt tätig ist (anyone who operates in financial markets and has a choice of three different behaviours: speculation, hedging, and arbitrage).

2 Im Rahmen eines Leveraged Buy-out derjenige, welcher Eigenkapital einsetzt.

3 Eine in jeder möglichen Rechtsform auf dem Finanzmarkt handelnde Firma, die

1. jedoch keine Bank ist,

2. trotzdem aber Finanzgeschäfte betreibt, indem sie

3. etwa von Insolvenz bedrohten Firmen Geld zuleitet sowie auch

4. Risikopositionen von Banken aufkauft. Zu solchen Unternehmen zählen Hedge-Fonds, Private Equity Funds und Structured Investment Vehicles. Diese Unternehmen werden bis anhin noch nicht von Aufsichtsbehörden überwacht.

– Der Finanzinvestor Cerberus Capital Management in Neuyork kaufte beispielshalber im Frühjahr 2014 von der italienischen Grossbank UniCredit S.p.A. mit Sitz in Rom und Mailand Konsumentenkredite in Höhe von 950 Mio EUR; der Finanzinvestor International Marine Investors and Management Corporation in Neuyork nachrangige Forderungen der UniCredit in Höhe von 910 Mio EUR. Mit dieser Übertragung der Risiken von der UniCredit auf Finanzinvestoren verschwanden diese nicht aus dem Finanzsystem, sondern wanderten in Nischen ab, die von den Aufsichtsbehörden nicht ausgeleuchtet werden können. Vor allem ist weithin unbekannt, in welchem Masse die Finanzinvestoren entsprechende Käufe durch hohe Verschuldung ihrerseits finanzieren.

– Siehe Bankenregulierungs-Paradoxon, Opportunity-Fonds, Renditejagd, Risikotransfer, Schattenbank, Vulture Fund.

– Vgl. Monatsbericht der deutschen Bundesbank vom April 2007, S. 16 (Modell zum Finanzierungsgefüge bei Leveraged Buy-outs; auf den folgenden Seiten Erklärungen), Monatsbericht der EZB vom November 2007, S. 26 ff. (Rückgang der LBO-Aktivitäten und ihre Gründe; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzjournalist (financial journalist):

Person, die in den Medien allgemein und in Zeitungen im Besonderen über Geschehnisse aus dem Finanzbereich berichtet und im Regelfall auch dazu Stellung nimmt. - Finanzjournalisten grosser Blätter erweisen sich häufig als äusserst sachkundig und kenntnisreich. Dazu können sie sich meistens auch auf umfangreiche und wohlgeordnete hauseigene Archive (in-house archives) stützen. Angehörige der Spitzengruppe der Finanzjournalisten sind weithin bekannt und geniessen in der Finanzwelt - aber auch bei politischen Parteien - ein hohes Ansehen. Nachweislich wirken sie meinungsbildend (opinion-forming) auch in die Zentralbank hinein.

– Siehe Analyst, Demokratie-Defizit, Finanzforen, Jargon.

– Vgl. Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 211 (Überwachung manipulativer Meldungen) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzkapital (financial capital; capital economics):

1 Geld, das als Angebot oder Nachfrage auf dem Finanzmarkt in Erscheinung tritt.

2 Zahlungsmittel, die zum Erwerb von Aktiva wie Grundstücke, Gebäude oder Verwertungsrechte verwendet werden.

3 Das in Finanzinstrumenten investierte Geld einer Wirtschaftseinheit oder des betrachteten Währungsraums gesamthaft.

4 In der marxistischen Terminologie eine angeblich unausweichliche monopolistische Verschmelzung von Banken, Unternehmen und dem Staat. Weil der Wettbewerb dadurch im Binnenmarkt zum Erlöschen komme, würde dieser auf den Weltmarkt übertragen (Imperialismus-These; Marxist assertion of inevitably rising imperialism).

– Siehe Anleger, Bankenmacht, Bankokratie, Finanzinvestition, Imperialismus-These). Finanzoligarchie, Geldkapital, Geldzweck, Gigabank, Hochfinanz, Kapital, Misochrematie, Systemkonflikt, finanzmarktlicher, Verschwörungstheorien.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzkommissionsgeschäft (financial commission business):

Die Anschaffung und Veräusserung von Wertpapieren, Geldmarktinstrumenten oder Derivaten im eigenen Namen für fremde Rechnung. Entsprechende Unternehmen unterliegen in Deutschland der Kontrolle durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Sie bedürfen ferner einer Erlaubnis gemäss § 32 KWG.

– Siehe Anlagemodell, kollektives, Wertpapier-Han¬delsbank, Plazierung.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 74 (auch in Bezug auf den unerlaubten Handel mit Beteiligungen an Kommanditgesellschaften, Hedge-Fonds-Produkten und Zertifikaten aller Art), Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 85 (neuere Produkte auf diesem Markt), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 190 (juristische Auslegung des Begriffes), Jahresbericht 2009 der BaFin, S: 119 f. (neue Einordnung des Sachverhalts) , S. 231 (unerlaubtes Finanzkommissionsgeschäft) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzkonglomerat (financial conglomerate, large and complex financial institution):

Unternehmen, das allein oder im Konzernverbund - und hier besteht ein Konzern teilweise aus mehr als tausend rechtlich eigenständigen Tochtergesellschaften - Finanzdienstleistungen gesamthaft anbietet, also neben Bankdienstleistungen und Börsengeschäften vor allem auch Versicherungen. - Nähere Kennzeichen sind, dass diese Unternehmen

1. eine Fülle von Finanzprodukten und Dienstleistungen anbieten,

2. bedeutsame ausserbilanzielle Risiken eingehen,

3. an mehrere Aufsichtsbehörden melden und

4. eine herausgehobene Stellung in den Zahlungs- und Abwicklungssystemen einnehmen. Eine weitläufige Definition des Begriffes findet sich in § 1, Abs. 20 KWG.

– Die weltweite Tendenz zu Konglomeraten ab etwa 1990 führte zu einer Zusammenlegung der bis dahin für einzelne Sparten (Versicherungen, Banken, Börsen) errichteten Aufsichtsbehörden. Durch aufsichtsrechtliche Vorschriften wurden Finanzkonglomerate in vielen Staaten - und in Deutschland besonders - einer genaueren Kontrolle unterworfen. Trotzdem gab es noch Aufsichtslücken; diese sind letztlich erst ab 2014 mit Errichtung der europäischen Bankenaufsicht geschlossen worden.

– Siehe Bank, systemische, Bankassekuranz, Beteiligungsgesellschaft, Complex Group, Financial Services Authority, Finanzholding, Holding, Gigabank, Joint Forum on Financial Conglomerates, Kontrolle, Konzern, Mischkonzern, Mixed Technical Group, Obergesellschaft.

– Vgl. Jahresbericht 2001 der EZB, S. 155, Monatsbericht der EZB vom August 2002, S. 59 f., Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 44, Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 26, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2005, S. 39 ff. (Aufsichtsrechtliches; S. 49: genauere Definition des Begriffes "Finanzkonglomerat"), Monatsbericht der EZB vom Mai 2005, S. 89 (Risiko-Diversifizierung in Konglomeraten), Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 63 ff. (EU-Finanzkonglomerate-Richtlinie und ihre Umsetzung in deutsches Recht; Koordinator-Prinzip für Unternehmen, die in mehreren Staaten tätig sind), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 78 (Inkrafttreten der Finanzkonglomerate-Solvabilitäts-Verordnung im September 2005), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 35 (Bemühungen um eine gleichmässige und vollständige Anwendung der Finanzkonglomerate-Richtlinie), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 72 f. (Finanzkonglomerate-Solvabilitäts-Verordnung), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 43 f. (Überarbeitung der Finanzkonglomerate-Richtlinie), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 83 ff. (wichtige Neuerungen), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 67 f. (umfassende Überarbeitung der Finanzkonglomerate-Richtlinie der EU-Kommission; Einzelheiten), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 32 ff. (das Finanzkonglomerate-Aufsichtsgesetz als Umsetzung der EU-Richtlinie trat in Kraft) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Internationales".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzkontrakt (financial contract):

1 Allgemein jeder Vertrag, der für beide Parteien gegenseitig unbedingte oder bedingte Ansprüche auf sofortige und/oder spätere Zahlung begründet.

2 Eine Unterform ist der Versicherungsvertrag (insurance contract). Hier verspricht die eine Partei (Versicherungsgeber; insurer, insurance underwriter) der anderen Partei (Versicherungsnehmer; insuree, policyholder), die im Gegenzug sofort eine Prämie entrichtet, eine spätere Zahlung. Diese Zahlung ist insofern bedingt, als sie nur beim Eintritt eines vorab genau festgelegten Ereignisses zu leisten ist.

– Siehe Finanzprodukt, Risiko, Transaktion, Versicherungsvertrag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzkraft (financial power):

1 Allgemein bei einer Wirtschaftseinheit der Bestand an Zahlungsmitteln zuzüglich sofort zugreifbarer Darlehn

2 In Rating-Modellen der Teil des Fremdkapitals, welcher bei einem Unternehmen durch den Verkauf der Ware oder Dienstleistung (cash flow from operating activities; Erlös) in einem bestimmten Zeitraum getilgt werden kann.

3 Die Fähigkeit einer Wirtschaftseinheit - und hier vor allem gesagt in Bezug auf Unternehmen und öffentliche Stellen -, fälligen Zahlungsverpflichtungen ohne Schwierigkeiten nachkommen zu können.

– Siehe Barmittel, Eigenkapital, Geldmittel, Liquiditätspuffer, Solvabilität, Solvenz, Zahlungsfähigkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzkrise (financial system crisis):

1 Schwere Störungen bis hin zum völligen Zusammenbruch (Kollaps; collapse, breakdown) des Finanzsystems in einem Währungsgebiet oder auf der Welt gesamthaft.

2 Verwerfungen

1. in einem Segment des Finanzmarktes, wie etwa bei hypothekengesicherten Papieren minderer Bonität bei der sog. Subprime-Krise im Sommer 2007; wobei

2. solche Störungen zwangsläufig immer in irgend einer Weise auf andere Segmente des Finanzmarktes übergreifen und wie bei der Subprime-Krise

3. auch zeitlich weitreichende Auswirkungen (far-reaching implications for a long period) haben.

– Kommt es dadurch zu einem allgemeinen Verlust des Vertrauens und zu einem starken Kurssturz an den Börsen, dann kann nur noch der Staat durch einen entsprechend bewidmeten Garantiefonds eine Wende bewirken und den völligen Zusammenbruch des Finanzsystems vermeiden. Wie sich im Zuge der Subprime-Krise gezeigt hat, sind selbst einzelne Zentralbanken in einer solchen Lage überfordert. Auch grosszügige Bereitstellung von Liquidität für sich allein vermag dann das Vertrauen in den glatten Ablauf (the functioning: the smooth running) der Finanzmärkte dann kaum zurückzugewinnen.

3 Im Besonderen auch gesagt von der auf die Subprime-Krise ab 2007 folgenden, global sich ausbreitenden Turbulenzen, deren einzelne Stufen im Finanzstabilitätsbericht 2009 in einer Übersicht Schritt für Schritt erläuternd ausgewiesen sind. Letztlich lagen die Ursachen dieser Krise in einer zu grossen Kurzfrist-Orientierung (short-term orientation) im Finanzsystem. Dies führte zu einer starken Auswirkung auch auf die Produktion. Der weltweite Stand der Wirtschaftsleistung des Jahres 2008 konnte dadurch frühestens wieder 2013 erreicht werden. Das Produktionspotential in Deutschland verlor nach Schätzungen zwei Prozent. Alle Regierungen zusammen gaben zur Bewältigung der Finanzkrise mehr als ein Viertel des globalen Bruttosozialprodukts für Hilfsmassnahmen (rescue packages) aus. - Die zur Bewältigung dieser Krise begangenen Schritte im Zuge des Quantitative Easing führten dazu, dass in den meisten Ländern die Sparer über Diätrenditen den Hauptanteil (lion's share) der Folgekosten zu berappen hatten. Die Regierungen vieler Länder mussten für strudelnde Banken eintreten, was die Staatsschulden erhöhte, ja einige Staaten (Irland-Krise) sogar an den Rand des Staatsbankrotts brachte. Zudem stand das verausgabte Geld für andere Zwecke - wie Bildung, Investitionen in die Infrastruktur - nicht mehr zur Verfügung.

– Siehe Ansteckungswirkungen, Bankbasierung, Bankenkrise, Carry Trades, Diätrendite, Dreijahrestender, Einlagesicherung, europäische, Elisabeth-Frage, Finanzkrise, Vermeidbarkeit, Finanzkrise, Lasten, Finanzmarkt-Disziplinierungsfunktion, Finanzmarkt-Zusammenbruch, Finanzmarktstabilität, Finanzmarktstabilisierungsgesetz, Furchtthese, Garantiefonds, Informationslücke, Kreditrisiko, Kreditrichtlinien, Kreditvergabe-Grundregel, Krise, systemische, Krise, zentralbankbewirkte, Krise der Sicherheiten, Krisenlasten-Verteilungsprogramm, Liquiditätspool, Mark-to-Model-Ansatz, Memorandum of Understanding, Murphy's Gesetz, Notfall-Liquiditätshilfe, Prozyklizität, Quantitative Easing, Risikokultur, Run, Spielgeld, Staatsschuldenkrise, Stabilitätsfonds, europäischer, Systemkonflikt, finanzmarktlicher, Tarnkappen-Politik, Unterseeboot-Effekt, Vertrauensverlust, Zitronenhandel.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2007, S. 18 ff. (Übertragung der Subprime-Krise auf die einzelnen Segmente des Finanzmarktes), Monatsbericht der EZB vom April 2008, S. 95 f. (vom Ecofin-Rat im Oktober 2007 verabschiedete Grundsätze), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2009, S. 26 ff. (quantitative Erfassung der Finanzkrise im Rahmen der Bank Lending Survey; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Januar 2009, S. 18 ff. (Portfolio-Umschichtungen in Zuge der Finanzmarktkrise), Jahresbericht 2008 der EZB, S. 27 ff. (S. 33 ff. (Auswirkungen auf M3; S. 37 ff.: Finanzkrise und Geldmarkt; Übersichten; S. 113 ff.: geldpolitische Massnahmen), Monatsbericht der EZB vom Juni 2009, S. 109 f (Einbruch des Aussenhandels im Eurogebiet infolge der Finanzkrise; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2009, S. 56 f. (Banknoten-Nachfrage während der Finanzkrise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2009, S. 17 ff. (Kreditvergabe während der Finanzkrise; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2009, S. 22 ff. (staatliche Investitionen bedürfen auch in der Finanzkrise einer Wirtschaftlichkeitsrechnung), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2009, S. 27 (Schaden im Produktionspotential), Jahresbericht 2009 der EZB, S. 81 ff. (staatliche Stützungsmassnahmen; Übersichten, Quellenhinweise), Finanzstabilitätsbericht 2009, S. 61 (Verlustschätzung der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise), Monatsbericht der EZB vom Januar 2010, S. 67 ff. (Geldpolitik der EZB in der Finanzkrise; Darlegung und Beurteilung einzelner Massnahmen), Monatsbericht der EZB vom April 2010, S. 77 ff. (zusammenfassende Beurteilung der Stützungsmassnahmen; viele Übersichten; Literaturverweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2010, S. 42 f. (Auswirkungen der Finanzkrise bei Unternehmen, Haushalten und dem Staat), Monatsbericht der EZB vom Juni 2010, S. 108 ff. (Auswirkungen der Finanzkrise im Besonderen auf die Kapitalströme innert des Eurogebiets; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Juli 2010, S. 93 ff. (Auswirkungen der Finanzkrise auf die Länder in Mittel- und Osteuropa; viele Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2010, S. 17 ff. (Auswirkungen der Finanzkrise auf den Welthandel), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2010, S. 63 ff. (Massnahmen der EZB während der Finanzkrise: ausführliche Darstellung; viele Übersichten), Jahresbericht 2010 der EZB, S. 174 ff. (Mitwirkung der EZB an der Überwindung der Finanzkrise); Monatsbericht der EZB vom Januar 2011, S. 93 ff. (Wirkungen der Finanzkrise auf die politische Zusammenarbeit in Europa; einzelne Impulse zur besserer internationalem Zusammenwirken), Monatsbericht der EZB vom Februar 2011, S. 66 ff. (Vergleich zu Krisen ab 1974; viele Übersichten), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 19 ff. (Chronologie der Ereignisse im Jahr 2010), Monatsbericht der EZB vom Juni 2010, S. 105 ff. (Auswirkungen der Finanzkrise auf die mittel- und osteuropäischen Staaten; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2011, S. 107 ff (Abbild der Finanzkrise in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung), Monatsbericht der EZB vom Mai 2012 (ausführliche, breit und tief angelegte vergleichende Darstellung der jüngsten Finanzkrisen, in Japan, in den USA und in der EWU; viele Übersichten), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 21 ff. (Chronologie der Ereignisse 2011), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 20 ff. (Vertrauenskrise in der EWU und ihre Gründe), 32 ff.: das deutsche Finanzsystem in der Finanzkrise; viele Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2014, S. 41 ff. (Überwindung der durch die Finanzkrise ausgelösten Vertrauenskrise; viele Übersichten; Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzkrise, Lasten (burden of financial system crisis):

Die auf die Subprime-Krise 2007 folgende weltweite Finanzkrise ist entgegen immer wieder anderer vorgetragener Aussagen an dem "kleinen Mann" (the man in the street) weitgehend vorbei gegangen. Hingegen mussten viele begüterte Personenkreise, die ihr Vermögen etwa in Zertifikaten und Derivaten angelegt hatten, erhebliche und dauerhafte Verluste buchen. Von einer "sozialen Schieflage" (social imbalance) als Folge der Finanzkrise kann man daher nur insoweit sprechen, als die Mittelklasse (middle class) starke Einbussen hinnehmen musste. Wie die Finanzgeschichte lehrt, gilt dasselbe auch durchwegs für Vermögensverluste in früheren Finanzkrisen. Freilich wird der Zeitabschnitt einer Finanzkrise mit acht bis zehn Jahren angegeben, und am Ende stand bis anhin jeweils eine Inflation.

– Siehe Finanzmarkt-Disziplinierungsfunktion, Louisiana-Pleite, Quantitative Easing, Tulpencrash, Finanzkrise, Vermeidbarkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzkrise, Vermeidbarkeit (avoidability of financial crisis):

Untersuchungen scheinen zu belegen, dass eine Finanzkrise dem marktwirtschaftlichen System gewissermassen innewohnend ist. Sie werden von vielen gleichsam als die Achillesferse (Achilles heel: die einzige Stelle, an welcher der griechische Sagenheld Achilles verwundbar war) der Marktwirtschaft gesehen und der Preis dafür, dass die Marktkräfte die knappen Ressourcen zum Platz der wirtschaftlichsten Verwendung leiten: dem besten Wirt zuführen. - Immer aber lag die Ursache vergangener Finanzkrisen in zu hoher Verschuldung: das ist empirisch ohne jeden Zweifel nachweisbar. In der Finanzgeschichte waren es einmal die Privathaushalte, dann die Banken und - wie vor allem neuerdings - der Staat, die getätigte Ausgaben nicht mit erwirtschafteten Einnahmen in Einklang bringen konnten. Indessen ist Verschuldung kein unabwendbares Schicksal, sondern ein von privaten, unternehmerischen und politischen - wie im Falle des Staates - Entscheidungsträgern gewollte, zumeist über eine Reihe von Jahren sich hinziehende schuldhafte Übertretung der Grundeinsicht, dass man nicht mehr verbrauchen als herstellen kann. - Beunruhigend ist das Forschungsergebnis der Finanzgeschichte, wonach bis anhin sämtliche Finanzkrisen über kurz oder lang in eine Inflation mündeten. Weil sich aber in unserer postmodernen Gesellschaft (postmodern era)

1. gegenüber vorherigen trüben Zeiten (compared to dull earlier times) die ökonomische Vernunft sieghaft Bahn bricht, und

2. weil alle Entscheidungsträger neben der Einsicht auch den Willen haben, den Geboten der wirtschaftlichen Vernunft zu folgen, so muss eine Finanzkrise heutzutage nicht mehr in Inflation enden.

– Siehe Elisabeth-Frage, Finanzkrise, Finanzmarkt-Disziplinierungsfunktion, Krise, zentralbankbewirkte, Lasten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzmagnat, Finanzlöwe und Taikun (tycoon):

Im Jargon eine auf dem Finanzmarkt handelnde sehr vermögende und das Marktgeschehen merklich beeinflussende Privatperson (an very wealthy and powerful businessperson acting in financial market; the word is originated in the Japanese language).

– Siehe Finanzsodomit, Grosskoz, Soros-Spekulation.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzmarkt (financial market):

1 Allgemein

1. das inländische und ausländische Angebot und die Nachfrage nach

2. allen auf Geld bezogenen Leistungen von Banken, Börsen, Versicherungen und anderen, einschliesslich des Schattenbankbereichs

3. in jedweder Form, beispielsweise auch im Internet, auf Plakaten oder im Anzeigenteil von Zeitungen.

– Der Finanzmarkt global und/oder gesamthaft, oftmals dann in der Mehrzahlform ("Finanzmärkte") bezeichnet, gilt als ein stabilisierungsbedürftiges System (a system in need of external stabilisation). Es bedarf näherhin der Aufsicht und der Regulierung.

2 In der Portfolio-Theorie das theoretisch erörterte Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage nach Geldanlagen. Soweit dort meistens der Finanzmarkt als vollkommener Markt beschrieben wird, so stimmt dies mit der Wirklichkeit nicht überein. Denn auch auf allen Sektoren des Finanzmarktes gibt es immer Insider, die über entsprechende Informationen verfügen und Outsider, die nicht über sie verfügen.

3 Dienstleistungen von Banken und Finanzkonglomeraten, welche der Überwachung durch die jeweilige nationale Aufsichtsbehörde unterliegen (prudential definition; aufsichtsrechtliche Umschreibung).

4 Alle Geschäfte der Monetären Finanzinstitute - so meistens in der EZB-Statistik.

– Siehe Bewertbarkeit, Erpressungspotential, Finanzdienstleistungen, Finanzindustrie, Finanzkapital, Finanzkrise, Finanzmarkt-Disziplinierungsfunktion, Finanzplatz, Finanzpsychologie, Finanzsektor, Finanzstatistik, Finanzstrom, Furchtthese, Hoax, Informationseffizienz, strenge, Informationslücke, Kreditvermittlungsplattform, Systemkonflikt, finanzmarktlicher, Verschwörungstheorien.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2006, S. 79 ff. (tiefgreifende, empirisch unterlegte Darlegung der Interdependenzen zwischen der Finanzpolitik und den Finanzmärkten; S. 88 f.: Zusammenhang zwischen Finanzpolitik und Zinssätzen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2008, S. 16 ff. (globale Vernetzung der Finanzmärkte; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzmarkt, Wachstumsbedeutung (growth function of financial market):

Ein auf allen Ebenen reibungslos ablaufender Finanzmarkt

1. gewährleistet die Finanzierung von Innovation und

2. bewirkt in einem, dass Kapital dorthin geleitet wird, wo sich gewinnversprechende Neuerungen zeigen (financial market performs the task of funding innovations and simultaneously of identifying them). Damit leistet der Finanzmarkt den ausschlaggebenden Beitrag zur Mehrung des Wohlstands. Insofern aber erfüllen auch die den Finanzmarkt ordnenden Aufsichtsbehörden eine volkswirtschaftliche und gesellschaftliche Kernaufgabe (an economic and social core objective: an essential public mission).

– Siehe Finanzmarkt-Disziplinierungsfunktion, Finanzsystem, Unternehmenswachstum, Wachstum.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzmarkt-Analyse (financial market analysis):

Die planvoll-durchdachte, wissenschaftliche Untersuchung des Finanzmarkts gesamthaft, einzelner Teilmärkte oder auch nur einzelner Transaktionen. Sie erfordert immer ein interdisziplinär ausgerichtetes Vorgehen. Wenn beispielsweise jemand aus dem Land X in eine Option auf dem Markt in den USA kauft, so hat dies verschiedene Seiten, nämlich

1. finanztechnisch: wie läuft ein bedingtes Termingeschäft sachgemäss ab?

2. mathematisch: wie errechnen sich gemäss der Vereinbarung allfällige Gewinne bzw. Verluste?, welche Risiken birgt die Transaktion?

3. juristisch, und hier vor allem: welches nationale Recht ist anzuwenden? (Gerichtsstand; place of jurisdiction), wie ist der Vertrag im Einzelnen ausgestaltet? (law of contract; Vertragsrecht), bestehen prudentielle Bestimmungen in Bezug auf das Geschäft? (regulatory law; Aufsichtsrecht), werden nationale oder internationale Verbotsvorschriften wie etwa Geldwäsche oder Terrorismus-Finanzierung berührt? (criminal law; Strafrecht),

4. psychologisch: aus welchen Motiven handelt der Käufer der Option? Liegt die untersuchte Transaktion In der Grundrichtung des Marktes oder weist sie auf andere Verhaltensmuster der Beteiligten hin?

5. politisch: ist ein Finanzverkehr zwischen den beiden Staaten erwünscht?

6. volkswirtschaftlich: liegen die mit dem Optionsgeschäft verbundenen Zahlungen im Interesse der Devisenbilanz der beteiligten Länder?

– Siehe Einschätzung, gegensätzliche, Financial Engineering, Finanzmarkt-Disziplinierungsfunktion, Finanzpsychologie, Formeln, finanzmathematische Herdenverhalten, Hindsight, Kurzsichtigkeit, Modigliani-Miller-Theorem, Monokausalismus, Nachahmung, informelle, Sinuskurven-Feti¬schismus, Spielbank-Doktrin, Übertragungseffekt, psychologischer, Verschwörungstheorien.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzmarktaufsicht, europäische (central European financial supervision):

Die lang gehegte Zielvorstellung (the long-held vision), dass es in der EU gesamthaft nur noch eine einzige Aufsichtsbehörde gibt. - Im grossen und ganzen ist dies ab 2014 mit Einrichtung der europäischen Bankenaufsicht in einem ersten Schritt erreicht worden.

– Siehe Finanzmarktintegration, Informationsblätter für Finanzinstrumente, Lamfalussy-Verfahren, Lamfalussy-Vorschlag, Octopus, Overkill, regulatorischer, Regulierungswut, SEPA-Rat, Straitjacking, Subsidiaritätsprinzip, Systemkonflikt, finanzmarktlicher, Transparenzgrad, Überregulierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzmarkt-Disziplinierungsfunktion (disciplinning function of financial markets):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter den vom internationalen Finanzmarkt ausgehenden Zwang auf Regierungen, ihre Staatsausgaben und Schulden zu begrenzen. - Wie sich empirisch nachweisen lässt, setzt sich eine solche Disziplinierung häufig nicht bzw. zu spät durch. Ist nämlich das Angebot auf den internationalen Finanzmärkten reichlich, dann wird jeder Kunde mit einem leidlichen Rating bedient. Viele Schwellenländer konnten vor der Subprime-Krise problemlos Geld aufnehmen: bezeichnenderweise meistens kurz vor einem Staatsbankrott. Oftmals - wie im Falle der Türkei in den 1990er Jahren - ermöglichen die Finanzmärkte es unverantwortlichen Regierungen, sich gleichsam einem Verschuldungsrausch (deficit spending rush) hinzugeben. Bis die Marktdisziplin einsetzte, war es in dem meisten Fällen schon zu spät.

– Siehe Finanzkrise, Finanzmarkt-Analyse, Griechenland-Krise, Marktversagen, Repatriierungs-Effekt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzmarktinstrument (financial market instrument):

Sammelbegriff für jegliche Form standardisierter und handelbarer Finanzprodukte wie Wertpapiere, Devisen, Edelmetalle, Optionen, Futures usw.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzmarktintegration (financial markets integration):

Ein Finanzmarkt gilt dann als integriert (integrated), wenn gewährleistet ist, dass für alle potentiellen Marktteilnehmer

1. die gleichen Regeln gelten,

2. sie den gleichen Zutritt zum Markt haben und sie

3. in allem - auch aufsichtsrechtlich - gleich behandelt werden.

– Siehe Finanzmarkt-Analyse, Giovanni-Barrieren, Renationalisierung, Risikoteilung, internationale, SEPA-Rat.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der EZB, S. 156 ff. (Allgemeines; Schritte der EZB), Monatsbericht der EZB vom August 2007, S. 67 ff. (ausführliche Darstellung mit Schwerpunkt auf weltweite Ungleichgewichte), Monatsbericht der EZB vom April 2009, S. 38 ff. (Stand der Finanzmarktintegration in der EWU; Übersichten), Jahresbericht 2008 der EZB, S. 175 ff. (Bemühungen der EZB), Jahresbericht 2011 der EZB, S. 134 ff. (neue Entwicklungen) sowie den jeweiligen Jahresbericht der EZB, Kapitel 3, Monatsbericht der EZB vom November 2011, S. 91 ff. (Zustand der Marktintegration in der EWU; Einflüsse der Staatsschuldenkrise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzmarktintegration, europäische (European financial markets integration):

Das Bemühen, die einzelnen Teilmärkte des Angebots und der Nachfrage nach Finanzdienstleistungen aller Art im Eurogebiet anzugleichen. - Bald nach Einführung des EUR hat sich ein liquider, einheitlicher Geldmarkt herausgebildet. Hoch integriert ist vor allem der Markt für unbesicherte Kredite zwischen den Banken; eine Aufteilung des Geldmarktes nach Ländern gibt es im Euroraum kaum. - Etwas weniger hoch ist derzeit (Ende 2013) die Finanzmarktintegration auf dem Geldmarkt für besicherte Kredite, also der Repomarkt. Das liegt daran, dass die grenzüberschreitende Übertragung von Sicherheiten noch nicht hinreichend ausgebaut ist, und zudem unterschiedliche rechtliche und steuerliche Rahmenbedingungen auf dem jeweiligen nationalen Repomarkt bestehen. Auch der niedrige Standardisierunsgrad der Finanzprodukte spielt hier eine Rolle. - Weit fortgeschritten ist die Finanzmarktintegration auch bei Staatsanleihen; hier hat eine deutliche Zinskonvergenz stattgefunden. Freilich müssen hochverschuldete Staaten - wie derzeit Griechenland, Spanien oder auch Italien - einen höheren Zinssatz bieten. - Hinsichtlich der Aufsicht ist weitgehend bei nationaler Zuständigkeit geblieben, was wohl vor dem Hintergrund der weiterhin bestehenden strukturellen und rechtlichen Unterschiede in den verschiedenen Staaten bis anhin wohl die beste Lösung scheint. Mit der europäischen Bankenaufsicht für grosse Institute ab 2014 ist ein erster Schritt auch zur Aufsichtsintegration (prudential integration) getan.

– Siehe Aufsicht, europäische, Cassis-de-Dijon-Urteil, Financial Services Action Plan, Finanzmarkt-Analyse, General Collateral-Repos, Giovanni-Barrieren, Goldplating, Home Bias, Lamfalussy-Vorschlag, Rechtsangleichung, Renationalisierung, Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente, SEPA-Rat, Stabilitätsfonds, europäischer, Systemkonflikt, finanzmarktlicher.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der EZB, S. 127 ff., Jahresbericht 2004 der EZB, S. 123 ff., Monatsbericht der EZB vom Mai 2006, S. 67 ff. (lehrbuchmässige Darstellung mit Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2008, S. 16 ff. (globale Vernetzung der Finanzmärkte; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom April 2009, S. 38 ff. (Bericht über Stand und Fortschritte; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2009, S. 38 (Stand der Integration; Übersichten), Jahresbericht 2010 der EZB, S. 163 ff. (Beitrag der EZB zur europäischen Finanzmarktintegration), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2011, S. 43 (Aufschläge für Staatsanleihen der Pigs seit 2009), Monatsbericht der EZB vom Februar 2012, S. 118 ff. (Vorteile der Finanzmarktintegration; Literaturhinweise), Jahresbericht 2012 der EZB, S. 134 (Neufassung der Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente), S. 135 f. (weitere Schritte).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzmarkt-Interdependenz (interdependence of financial market players):

Die einzelnen Akteure auf dem Finanzmarkt (hauptsächlich Banken, Fonds, Versicherungen) stehen (heutzutage meistens sogar weltweit) in enger Geschäftsbeziehung zueinander. In normalen Zeiten hat es den Anschein, als seinen deren Risiken unabhängig voneinander. Bei einem Finanzmarkt-Zusammenbruch wie angesichts der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise zeigt sich deutlich, dass hier ein systemisches Risiko besteht. Denn kann ein Institut seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen, dann bringt das alle Vertragspartner in Schwierigkeiten.

– Siehe Dominostein-Effekt, Elisabeth-Frage, Finanzmarkt, Wachstumsbedeutung, Finanzmarkt-Zusammenbruch, Herdenverhalten, Lehman-Pleite, Murphy's Gesetz, Schuldenbombe, Systemkonflikt, finanzmarktlicher.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2010, S. 42 f. (Auswirkungen der Finanzkrise bei Unternehmen, Haushalten und dem Staat), Monatsbericht der EZB vom Februar 2012, S. 117 ff. (grenzüberschreitende Kapitalströme im Eurogebiet; ausführliche Darstellung; viele Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2012, S. 45 ff. (Schocks in den USA übertragen sich auf Europa; Übersichten; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzmarktmodelle (models of financial market):

Die Güte eines jeden, die Zusammenhänge auf dem Finanzmarkt erklärenden gedanklichen Abbilds hängt davon ab, wie wirklichkeitsgerecht die getroffenen Annahmen zu den tatsächlichen Gegebenheiten im Markt passen. Weil es nun aber nicht möglich ist, die Wirklichkeit in ihrer Komplexität eins zu eins in (mathematischen) Modellen abzubilden, so müssen die unterstellten vereinfachenden Modellannahmen bei der Auslegung und Deutung der Ergebnisse entsprechend beachtet werden. Das mahnt zu grosser Vorsicht gegenüber allen Denkgebäuden der Finanztheorie.

– Siehe Financial Engineering, Finanzpsychologie, Konstanz-Hypothese, Marktwirksamkeits-Annahme, Monokausalismus.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzmarktorganisation, Europäische (European Financial Markets Association, ACI):

Vereinigung von Banken aus dem Euroraum mit dem Hauptziel, einheitliche Verfahren und Verhaltensregeln auf dem Finanzmarkt zu gestalten (ACI is a leading, global association of wholesales financial market specialists, contributing to the market development through education and certification, market practices, technical advice and networking events. The association counts some 13 000 international members from more than 60 countries). Die ACI hat eine Reihe von Arbeitsgruppen eingerichtet, die bezügliche Richtlinien und Normen erarbeitet haben. Das Sekretariat befindet sich Paris.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzmarktrecht (financial market legal system):

Die Gesamtheit aller Regelungen, die das Handeln auf dem Finanzmarkt in nationalem oder internationalem Rahmen ordnen, festlegen und bestimmen.

– Siehe Regulierung, Systemkonflikt, finanzmarktlicher.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzmarktregulierung (financial market regulation):

Oberbegriff für die in einem Staat

1. geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen für Geschäfte auf dem Finanzmarkt,

2. gesetzlich eingerichteten Instanzen zur Überwachung dieser Tätigkeit sowie

3. Massnahmen zur Selbstregulierung der Finanzbranche, vor allem Verhalteskodizes wie zum Beispiel der Derivate-Kodex.

– Siehe Aufsichtsbehörde, Bankenaufsicht, europäische, Derivategeschäfte-Clearingpflicht, Derivategeschäfte-Meldepflicht, Finanzmarktaufsicht, europäische, Finanzmarktrecht, Produktregistrierung, Systemkonflikt, finanzmarktlicher, Informationsblätter für Finanzinstrumente, Trilog-Verfahren.

– Vgl. Jahresbericht 2011 der EZB, S. 131 ff (neuere Entwicklung der Regulierungsbemühungen) sowie den jeweiligen Jahresbericht der EZB, Kapitel 3, Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 82 ff. (ausführliche Darstellung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzmarktrichtlinie-Umsetzungsgesetz, FRUG (act implementing the markets in financial instruments directive):

Am 1. November 2007 in Kraft getretenes Gesetz mit dem Ziel der Angleichung der europaweit geltenden Vorschriften für die Zulassung und die Tätigkeit von Finanzdienstleistern.

– Siehe Markets in Financial Instruments Directive.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 12 f. (von dem FRUG betroffene Regelungen), S. 107 f. (wesentliche Inhalte des FRUG), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 112 f. (Änderungen des FRUG), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 158, S. 162 (neue aufsichtliche Aufgaben im Zuge des FRUG) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzmarktschock (financial market shocks):

Unerwarteter und heftiger Ausschlag auf dem Finanzmarkt, in der Regel ein plötzlicher starker Kurssturz. Auslöser müssen (wie die Vergangenheit deutlich lehrt) nicht unbedingt besondere Ereignisse (etwa: Naturkatastrophe, Staatsbankrott) sein. Vielmehr reagieren die Finanzmärkte auch auf Veränderungen ökonomischer Grunddaten und (wirtschafts-)politischer Wandlungen (etwa die Vernachlässigung der im Stabilitäts- und Wachstumspakt vereinbarten Stabilitätsziele) zunächst zögerlich, dann aber aufgrund entsprechender Erwartungen der Marktteilnehmer in einem Dominostein-Effekt sehr rasch.

– Siehe Abgabepanik, Baisse, Blase, spekulative, Börsenkrach, Crash, Elisabeth-Frage, Euphoriephase, Finanzmarkt-Stress, Finanzstabilität, Flash Crash, Headline-Hysterie, Massiv-Verkäufe, Murphy's Gesetz, Panikverkäufe, Risikotragfähigkeit, Rückkopplungs-Mechanismus, Stabilitätsfonds, europäischer, Staatsverschuldung, Wirkungen, Stress-Test, Subprime-Krise, Too big to save-Grundsatz, Worst Case Szenario.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der EZB, S. 116 ff.), Monatsbericht der EZB vom April 2008, S. 95 f. (vom Ecofin-Rat im Oktober 2007 verabschiedete Grundsätze), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2009, S. 25 (Eventualverbindlichkeiten der Staaten sind zu berücksichtigen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2012, S. 35 ff. (Finanzmarktschocks seit 1970 und ihre Auswirkungen auf die Realwirtschaft; viele Übersichten; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzmarktstabilisierungsanstalt, FMSA und Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung (German financial market stabilisation authority):

Die Subprime-Krise vom Sommer 2007 weitete sich auch in Deutschland im Herbst 2008 zu einer Finanzkrise aus, weil

1. wider Erwarten sehr viele deutsche Institute hohe Bestände an toxischen Papieren hielten,

2. ob dessen das gegenseitige Vertrauen der Banken dahinschwand und daher

3. der Interbankenmarkt trotz aller Bemühungen der EZB praktisch austrocknete.

– Der deutsche Staat errichte daraufhin im Oktober 2008 im Zuge Finanzmarktstabilisierungsgesetzes einen Unterstützungsfonds (gesetzlicher Name: Finanzmarkt-Stabilisierungsfonds, Firmenname: Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung, SoFFin, populärer Name: [staatlicher] Rettungsfonds; special fund financial market stabilisation) in Höhe von rund 500 Mia Euro, um der Systemkrise zu begegnen. Zwecks Gewährung der in einem entsprechenden Gesetz festgelegten Hilfen errichte man die FMSA in der Rechtsform einer Anstalt des öffentlichen Rechts mit Sitz in Frankfurt am Main, und siedelte diese bei der Deutschen Bundesbank an. - Hauptziel des SoFFin ist es

1. mit Hilfe umfangreicher Garantien allfälligen Refinanzierungsschwierigkeiten von Instituten am Interbankenmarkt zu begegnen und

2. deutsche Banken erforderlichenfalls mit neuem Eigenkapital zu versorgen. Mit beiden Massnahmen sollte ein funktionierender längerfristiger Interbankenmarkt wiederhergestellt werden. Die ebenfalls im Stabilisierungspaket enthaltene Möglichkeit des Ankaufs toxischer Papiere wurde demgegenüber von vornherein als diesen Zielen untergeordnet angesehen.

– Kritisiert wurde, dass der Staat hier die schwächsten Institute aufpäpple, statt diese in die Insolvenz gehen und dann vielleicht unter das Dach gesunder Banken wandern zu lassen.

– Siehe Ausschuss für Finanzstabilität, Bankbasierung, Bilanzbereinigung, Bad Bank, Carry Trades, Einzelfallentscheidung, First-Mover-Bonus, Kernaufgabe, bankliche, Letztsicherungsvorkehrung, Quantitative Easing, Restrukturierungsfonds, Retterei, Rettungspaket, Staatsfonds, Stabilitätsfonds, europäischer, Systemkonflikt, finanzmarktlicher, Tarnkappen-Politik, Tina, Zombiebank.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Dezember 2008, S. 81 ff. (grundsätzliche Darlegungen zu Rettungspakten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2008, S. 8 f. (Eckwerte des Stabilisierungsprogramms der Bundesregierung), Geschäftsbericht 2008 der Deutschen Bundesbank, S. 88 (Übersicht der Massnahmen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzmarktstabilität (financial market stability):

1 Im engeren Sinne die Risikolage eines nationalen Finanzsystems in Bezug auf dessen Risikotragfähigkeit, nämlich wie gut es Marktungleichgewichte und Schocks auffangen kann. Dabei wird die Risikolage anhand verschiedener Informationen eingeschätzt, vor allem aus Erkenntnissen der Aufsichtsbehörden gewonnen werden. Bei der Beurteilung der Risikotragfähigkeit stehen vor allem die Ertragslage (earnings situation) des Bankensystems, die Kapitalausstattung und Reserven der einzelnen Institute sowie allfällig vorhandene Verbundstrukturen und Sicherungseinrichtungen im Blickpunkt.

2 Im weiteren Sinne das von Störungen aller Art freie Spiel von Angebot und Nachfrage auf den weltweiten Finanzmärkten mit dem Ziel, das Angebot an Kapital dem "besten Wirt" (to the most favourable allocation of scarce resources) zuzuführen. - Finanzmarktstabilität ist ein öffentliches Gut, dessen Bereitstellung von behördlichen Institutionen (der Zentralbanken bzw. der Aufsichtsbehörden) zu gewährleisten ist. Denn ein sicheres, reibungslos ablaufendes Finanzsystem ist in der heutigen Gesellschaft mindestens ebenso wichtig ist wie ein funktionierendes Verkehrssystem, Gesundheitssystem, Kommunikations- und Informationssystem, Rechtssystem oder Bildungssystem. Ja es gilt sogar als unbestritten, dass Finanzmarktstabilität die Voraussetzung für den geregelten Ablauf in sämtlichen Sozialsystemen sei. Denn Störungen im Finanzsystem beeinträchtigen in aller Regel auch die Masstab-Eigenschaft des Geldes. Das Geld jedoch ist in allen Sozialsystemen der Bezugspunkt für alle dort zu verrechnenden Preise. - Weitgehende Einigkeit besteht heute auch darin, dass die Wahrung der Finanzstabilität nicht als weiteres Ziel der Geldpolitik zuzuweisen ist. Dies muss die Aufgabe eines eigenständigen Politikbereichs sein und bleiben, nämlich der makroprudentiellen Aufsicht und für das Eurogebiet des Europäischen Rats für Systemrisiken.

– Siehe Bankenaufsicht, europäische, ESZB-Netzwerk für makroprudentielle Forschung, Fachbankensystem, Financial Soundness Indicators, Finanzakzelerator, Finanzmarkt, Wachstumsbedeutung, Finanzstabilität, Forum für Finanzmarktstabilität, Geldfunktionen, primäre, Gut, öffentliches, Marktdisziplin, Money-matters-Theorem, Murphy's Gesetz, Risiko, systematisches, Risikoprofil, Stabilitätsfonds, europäischer, Systemkonflikt, finanzmarktlicher.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2004, S. 48 ff. (allfällige Störungen durch Kreditderivate), Monatsbericht der EZB vom Februar 2005, S. 64 ff., Jahresbericht 2004 der EZB, S. 118 ff., Monatsbericht der EZB vom September 2005, S. 22 f. (Einfluss der Kreditverbriefung auf die Finanzmarktstabilität), Jahresbericht 2006 der EZB, S. 148 ff. (Allgemeines; Tätigkeiten der EZB), Monatsbericht der EZB vom April 2008, S. 87 ff. (EU-Regelungen zur Finanzstabilität; ausführliche Darstellung; viele Übersichten), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 87 (zur makroprudentiellen Überwachung in Deutschland), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2013, S. 41 ff. (makroprudentielle Überwachung in Deutschland: ausführliche Darstellung, in den Anmerkungen wichtige Hinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzmarktstabilisierungsgesetz, FMStG (German Financial Markets Stabilisation Act):

Im Oktober 2008 im Eilverfahren in Kraft gesetztes Gesetz mit dem Ziel, allfällige grössere Einbrüche auf dem deutschen Finanzmarkt abzufangen. Es enthielt Bestimmungen über

1. eine Garantieübernahme durch die Finanzmarktstabilisierungsanstalt,

2. Rekapitalisierung: gegen Leistung einer Einlage kann die SoFFin Eigenkapitalanteile, stille Beteiligungen oder sonstige Eigenmittelbestandteile von Unternehmen erwerben sowie

3. Risikoübernahme: die SoFFin kann vor dem 13. Oktober 2008 (dem Tag des Inkrafttreten des Gesetzes) von Instituten erworbene risikobehaftete Wertpapiere gegen die Übertragung von Staatsschuldtiteln erwerben. Grundsätzlich zielten diese Massnahmen auf die Passivseite der Bankbilanz; geschätzte 200 Mia EUR toxische Papiere auf der Aktivseite blieben ein Problem, das durch weitere Schritte zu lösen war.

– Siehe Bad Bank-Modell, deutsches, Bankbasierung, Bilanzbereinigung, Finanzkrise, Finanzmarktstabilisierungsanstalt, Papiere, toxische, Stabilitätsfonds, europäischer, Subprime-Krise.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2009, S. 79 ff. (Wirkungen der Massnahmen auf die Staatsverschuldung), Monatsbericht der EZB vom Juli 2011, S. 91 ff. (EU-Rahmen für das Krisenmanagement im Finanzsektor), Geschäftsbericht 2012 der Deutschen Bundesbank, S. 97 (Entwurf für das Krisenmanagement bei in Schieflage geratenen Instituten; S. 100: Drittes Finanzmarktstabilisierungsgesetz).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzmarktstatistik (statistical classification of financial markets instruments):

Von der EZB erarbeitete und veröffentlichte Aufgliederung sowie laufende zahlenmässige Darstellung von Finanzmarktinstrumenten. Ursprünglich vor allem für den statistischen Berichtsrahmen der EZB gedacht, seht das System heute öffentlich für jedermann zur Verfügung. Aus dem Zahlenwerk lassen sich auch Zusammenhänge zwischen der Geldpolitik und den Gegebenheiten auf den Finanzmärkten ableiten.

– Siehe Finanzstatistik, Zwei-Säulen-Prinzip.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzmarkt-Stress (financial market stress):

Druck, der

1. durch Unsicherheit und

2. sich verändernde Erwartungen in Hinblick auf allfällige Verluste in den Finanzmärkten auf die Marktteilnehmer ausgeübt wird. Das Ausmass des Stresses hängt letztlich vom Grad der Verwundbarkeit des Finanzsystems und der Reichweite eines auftretenden Schock-Ereignisses ab. Eine Phase ausgeprägten Finanzmarkt-Stresses führt sehr leicht in eine Finanzkrise.

– Siehe Aktienblase, Blase, spekulative, Crash, Dominostein-Effekt, Elisabeth-Frage, Finanzmarktschock, Massiv-Verkäufe, Panikverkäufe, Schocks, strukturelle, Stress-Test, Szenarien, aussergewöhnliche, Terror-Schocks, Verbriefungspapiere, Volatilität.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 62 f. (ausführliche Darstellung mit Literaturhinweisen in den Fussnoten), ), Monatsbericht der EZB vom April 2008, S. 95 f. (vom Ecofin-Rat im Oktober 2007 verabschiedete Grundsätze), Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 11 f. (Stressindikatoren für das deutsche Finanzsystem).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzmarktwissen (financial literacy):

Die Kenntnisse um die Abläufe an den Finanzmärkten, in der Regel auf

1. die Schicht der Intellektuellen, aber auch

2. auf die breite Öffentlichkeit bezogen; und meistens mit der Klage verbunden, dass diese Kenntnisse minim seien.

– Siehe Bausteine, bankliche, Finanzasophie, Finanzdümmling, Finanzforen, Finanzgeschichte, Initiative Finanzstandort Deutschland, Know-Nots, Konzern, Verschwörungstheorien.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzmarkt-Zusammenbruch (collapse of financial market):

Wenn

1. auf einen Schlag viele Verkäufer auf einen Markt stürmen, und

2. sich die potentiellen Käufer gleichzeitig zurückziehen, dann wird das ineinander verzahnte Triebwerk von Angebot und Nachfrage zusammenbrechen. Auf den Finanzmarkt verschwindet diesfalls plötzlich und unerwartet die Liquidität, wie dies bei der an die Subprime-Krise sich anschliessenden Finanzkrise deutlich wurde. Um einen völligen und anhaltenden Stillstand (standstill) des Marktes zu verhindern, muss in einem solchen Fall die Zentralbank bzw. der Staat in den Markt eingreifen.

– Siehe Ansteckungswirkungen, Aufkäufe, zentralbankliche, Dominostein-Effekt, Dreijahrestender, Elisabeth-Frage, Finanzmarkt, Wachstumsbedeutung, Finanzmarkt-Interdependenz, Finanzmarktstabilität, Finanzmarktstabilisierungsgesetz, Finanzsystem, Furchtthese, Garantiefonds, Gut, öffentliches, Kreditrisiko, Krise, systemische, Krise der Sicherheiten, Kreditunterstützung, erweiterte, Krisenlasten-Verteilungsprogramm, Liquiditätspool, Mark-to-Model-Ansatz, Memorandum of Understanding, Notfall-Liquiditätshilfe, Politik des offenen Mundes, Prozyklizität, Quantitative Easing, Risiko, systemisches, Run, Stabilitätsfonds, europäischer, Unschärfe, konstruktive, Unterseeboot-Effekt.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juli 2011, S. 91 ff. (EU-Rahmen für das Krisenmanagement im Finanzsektor), Geschäftsbericht 2012 der Deutschen Bundesbank, S. 97 (Entwurf für das Krisenmanagement bei in Schieflage geratenen Instituten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzmathematik (financial mathematics):

Allgemein die Anwendung jederart Rechenmethoden auf Vorgänge im Finanzmarkt (branch of applied mathematics concerned with the financial markets. The subject naturally has a close relationship with the discipline of financial economics, however the subject is narrower in scope and more abstract).

– Siehe Anlagemodell, Behavioural Finance, Financial Engineering, Finanzpsychologie, Formeln, finanzmathematische, Normalverteilungs-Doktrin, Sachverhaltsgestaltung, Theoretiker.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzmittel (financial resources, financial means):

1 Allgemein alle Arten von Zahlungsmitteln im Besitz einer Wirtschaftseinheit.

2 Bei einem Unternehmen der Kassenbestand welcher erforderlich ist, um die in der Regel zeitlich auseinander liegenden Einnahmen und Ausgaben zu überbrücken (cash funds that fill the deficit arising from the timing differences between a company's cash receipts and cash disbursements).

– Siehe Auszahlung, Einkünfte, Geld, Gelder, Kapital.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzmüll (finance trash):

Im Wirtschaftsjournalismus und in der politisch geprägten Anklageliteratur (accusatory literature) gegen das Finanzsystem gängiger Ausdruck mit Bezug auf

1. (angeblich und oft von den Autoren in ihrer Wirkweise oft gar nicht verstandene) undurchsichtige Finanzinstrumente

2. auch von seriösen von Anbietern auf den Finanzmarkt gebrachte Angebote (einschliesslich Immobilien), die sich als Flop (Ausfall, Aufsitzer; letdown) erweisen und den Käufer in finanzielle Notlage, wenn nicht gar in die Insolvenz treiben.

– Siehe Finanzarchitektur, Finanzgeier, Glamour Stocks, Informationsblätter für Finanzinstrumente, Internetangebot, Make-up, Misochrematie, Nonvaleurs, Racheengel, Schlangenhandel, Winkelmakler.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanznot und finanzielle Bedrängnis (financial distress, financial anemia):

1 Bei einer Entität die im Regelfall die einer Insolvenz typischerweise vorausgehenden Schwierigkeiten; in erster Linie

1. die vollen Löhne und Gehälter noch zu bezahlen sowie

2. alle Zahlungsverpflichtungen gegenüber Banken und Geschäftspartnern rechtzeitig zu erfüllen (events typically preceding bankruptcy, such as above all violation of loan contracts, followed by difficulties to discharge fully all payment obligations).

2 Bei einem Privathaushalt der Zustand der Überschuldung.

– Siehe Arrangement, Geldklemme, Geldpressung, Geldspritze, Kreditkarten-Fiasko, Schuldentragfähigkeit, Überkonsum, Zahlungsunfähigkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzoligarchie (money oligarchy):

Begriff aus der marxistischen Anklageliteratur gegen die Marktwirtschaft (Marxist accusatory literature against the marked-based economy). Ausgedrückt werden soll damit, dass

1. wenige grosse Banken und Versicherungen einen sehr einflussreichen, abgezirkelten Kreis innert der Gesellschaft bilden

2. und diese ständig bemüht sind, die Politik zu ihrem Vorteil zu beeinflussen sowie

3. trickreich Geld aus den armen Leuten herauszupressen, um

4. letzten Endes ein Machtmonopol im Staat innezuhaben. Durch Verstaatlichung des Finanzsektors und Besorgung aller Finanzdienstleistungen durch (Partei) Funktionäre sollte dem Abhilfe geschaffen werden.

– Dass der Staat durch Gesetze und eigene Dienststellen - wie etwa die Aufsichtsbehörden bei Kartellen oder in Bezug auf den Finanzmarkt - einen geordneten Wettbewerb erzwingen, und dass zudem eine wachsame Öffentlichkeit allfällige Zusammenballung von Marktmacht (concentration of economic power) aufdecken und anprangern werde, glaubten die sozialistischen Unkenrufer nicht.

– Siehe Bankenmacht, Bankokratie, Finanzkapital, Geldadel, Geldzweck, Hochfinanz, Kapital, Misochrematie, Verschwörungstheorien.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzonkologe (financial oncologist; oncologist = a physician specialised in cancer treatment):

Im Jargon eine in der Regel abschätzig gemeinte Bezeichnung für einen Rechtsanwalt, der nach der Insolvenz eines Unternehmens tätig wird, und letztlich nichts anderes im Sinne hat, als sich auf Kosten aller an dem Konkurs zu bereichern (a lawyer, usually a bankruptcy lawyer or creditor rights lawyer, well versed in the laws on debtor-creditor-rights matters or shareholder dispute matters, and not unfoundedly viewed by his clients as a snake who use his knowledge of the law to rip off all involved parties).

– Siehe Firmenbestatter.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzpflichttreue (financial dutifulness, financialship):

Der sachlich gebotene, gewissenhafte Umgang mit Geld in einer Entität (the professional, careful, and responsible management of money in any entity).

– Siehe Bankist, Depekulation, Finanzsodomit, Geldunterschlagung, Veruntreuung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzplanung (financial planning, financial forecasting, financial programming):

Allgemein

1. die gedankliche Vorwegnahme

2. der im Zeitverlauf künftig anfallender Zahlungseingänge und Zahlungsausgänge,

3. verbunden mit der Entscheidung, auf welche Weise Abläufe und Geschäftsgänge

4. auf allen Stufen am (zins)günstigsten ausgeführt werden können (process of assessing an individual or business' financial condition, to determine financial objectives and then formulate financial strategies on how to achieve goals set forth). In der bezüglichen Fachliteratur werden dazu zahlreiche, sowohl auf Unternehmen als auch auf öffentliche Stellen (public sector entities) bezogene Musterrechnungen und Computerprogramme angeboten.

– Siehe Balance Reporting, Bargeld lacht, Cash-Management, Finanzierungsregel, goldene, Finanzwirtschaft, Liquidität, optimale, Liquiditätsrisiko, Matching, Pränumerationsvorbehalt, Timeline, Überschreitung, Unterliquidität, Vorauszahlungsrisiko, Vorfälligkeits-Entschädigung, Zahlungsstrom.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 56 (Vorschriften für das Liquiditätsrisiko-Management).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzplanungsrat (Financial Planing Council):

In Deutschland ein Gremium mit dem Ziel, alle öffentlichen Haushalte nach dem Massstab der EU-Verträge (Konvergenzkriterien gemäss Titel VII des Vertrags über die Europäische Gemeinschaft [Vertrag von Nizza]) zu gestalten. Dem Rat gehörten unter Vorsitz des Bundesfinanzministers die für Finanzen zuständigen Minister bzw. Senatoren der sechzehn Bundesländer sowie Vertreter der Gemeinden und Gemeindeverbände an. Das Gremium trat regelmässig zweimal im Jahr zusammen. - Im Frühjahr 2010 wurde der Finanzplanungsrat abgeschafft und seine Aufgaben auf den Stabilitätsrat übertragen.

– Siehe Defizitquote, Stabilitäts- und Wachstumspakt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzplatz (financial centre, banking centre):

1 Allgemein ein von Banken, Börsen, Versicherungen, Kapitalverwaltungsgesellschaften, Vermögensverwaltern samt einem Teil der Rechtsanwälte, Notare und Treuhänder gebildeter Markt für Finanzprodukte.

2 Im Besonderen ein Finanzmarkt im Sinne von 1 , bezogen auf

1. einen geographischen Ort (etwa: Finanzplatz London) oder

2. ein ganzes Land (Finanzplatz Schweiz).

– Siehe Bankgeheimnis, Bankfurt, Bankplatz, Citybanken, Finanzindustrie, Finanzinsel, Firmenoase, Kapitalbewegungen, internationale, Offshore-Finanzplatz, Platz, Steuerorase, Zinsinsel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzpolitik (fiscal policy):

1 Volkswirtschaftlich die Gesamtheit aller Massnahmen, um Einnahmen, Ausgaben und Vermögen des öffentlichen Sektors (des Staates) zu gestalten. Dazu gehört in erster Linie

1. die Festlegung der Steuern und Subventionen,

2. die Entscheidung über die Aufnahme und Rückzahlung von Schulden sowie

3. die Verabschiedung einer Einnahme-Ausgabe-Rechnung (Haushalt, Budget). Diese Massnahmen können auf unterschiedliche Weise auch den Geldwert beeinflussen. Deshalb ergeben sich zahlreiche Überschneidungen zwischen der Geldpolitik und der Finanzpolitik.

2 Aus betriebswirtschaftlicher Sicht die umfassende Gestaltung aller Kapitalströme und des Kapitalgefüges im Unternehmen (Finanzmanagement) einschliesslich der über mehrere Jahre angelegten, zukunftssichernden Planung der Einnahmen und Ausgaben.

– Siehe Defizitquote, Demographieverfestigung, Fiskalpolitik, Fiskalunion, Fondswirtschaft, Haushaltsdefizit, Methusalem-Syndrom, Nachfragefinanzierung, Nachhaltigkeit, Nonaffektations-Prinzip, Parafiskus, Regel, goldene, Schattenverschuldung, Schuldenbremse, Schuldenquote, Sensitivitätsanalyse, haushaltspolitische, Staatsverschuldungs-Druck, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Sunset-Vorbehalt, Wirtschaftsregierung, europäische.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2006, S. 79 ff. (tiefgreifende, empirisch unterlegte Darlegung der Interdependenzen zwischen der Finanzpolitik und den Finanzmärkten; S. 88 f.: Zusammenhang zwischen Finanzpolitik und Zinssätzen im Euroland), Monatsbericht der EZB vom Juli 2008, S. 71 ff. (lehrbuchmässige Darstellung der Interdependenz zwischen Geldpolitik und Finanzpolitik; Formel; Literaturhinweise; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2008, S. 46 ff. (deutsche Finanzpolitik in der EWU), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2009, S. 25 (Eventualverbindlichkeiten müssten bei Staatsverschuldung eingerechnet werden), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2012, S. 22 ff. (Defizite im Staatshaushalt im Euroraum gesamthaft und in den Problemländern; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzportfolioverwaltung (portfolio management):

Die Betreuung des in Finanzinstrumenten angelegten Vermögens eines Kunden mit einem eigenen Dispositions- und Entscheidungsspielraum. In Deutschland bedürfen entsprechende Dienstleister einer Erlaubnis und sie unterliegen der Kontrolle durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Darf ein Institut Kundengelder oder Wertpapiere von Kunden in Besitz nehmen, so muss es über eine bestimmte, von der Aufsichtsbehörde festgelegte Höhe an Eigenkapital verfügen und zudem zwei Geschäftsführer haben; siehe § 10, Abs. 9 KWG.

– Siehe Anlagegrenze, Epuration, Portfolioverwaltung, Vermögensverwalter.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 133 (Institute mit Erlaubnis in Deutschland). Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 177 (zu den Anforderungen für die Auslagerung der Finanzportfolioverwaltung auf ein Unternehmen mit Sitz in einem Drittstaat), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 248 (Urteil zur Finanzportfolioverwaltung durch eine BGB-Gesellschaft) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Querschnittsaufgaben".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzprodukte (financial products, oft auch financials):

1 In sehr weiter Bedeutung alle auf dem Finanzmarkt umgesetzten Papiere, einschliesslich der Aktien und Anleihen. In der Sprache der Finanzwelt sind immer Finanzprodukte gemeint, wenn bloss von "Produkten" die Rede ist. - Im Herbst 2013 zählte man weltweit etwa 600'000 (kein Tippfehler!) verschiedene Finanzprodukte; etwa die Hälfte wurden Zertifikaten unterschiedlicher Art zugerechnet.

2 In engerem Sinne alle handelbaren Verträge, die eine Verpflichtung zur Zahlung aufweisen.

3 In besonderer Bedeutung die an einer Börse gehandelten Terminverträge; dann oft auch im Deutschen "Financials" (grossgeschrieben) genannt.

– Siehe Financial Engineering, Finanz-Alchemie, Finanzinstrument, Finanzplatz, Flat Tax, Informationsblätter für Finanzinstrumente, Produktregistrierung, Qualitätssteuerung, Terminbörse, Zitronenhandel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzprodukte, hybride (hybrid financial products):

Seltenere Bezeichnung für Derivate. Manchmal findet sich auch - ziemlich missverständlich (quite ambiguous) - die Bezeichnung Hybridkapital für Derivate.

– Vgl. die Übersicht im Monatsbericht der EZB vom Mai 2000, S. 42; Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 50 (Überarbeitung der Bankenrichtlinie hinsichtlich hybrider Finanzprodukte), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 49 f. (weitere Überarbeitung; Leitlinien der CEBS, Merkmalkatalog), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 125 (durch die in Kraft getretene Kapitaladäquanz-Richtlinie wird die Anerkennungsfähigkeit hybrider Kapitalbestandteile als aufsichtliche Eigenmittel genauer bestimmt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzprodukte, kartengestützte (card-based fincancial products):

Transaktionen, die ein Kunde mit Hilfe einer Karte auf dem Finanzmarkt tätigen kann.

– Siehe Geld, elektronisches, Kreditkarten-Fiasko, Pay-Green-Initiative.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzprodukte, strukturierte (structured [financial] products):

Kombinationen von zwei oder mehreren Finanzinstrumenten; mindestens eines davon muss ein Derivat sein. Sie werden entweder börslich oder ausserbörslich gehandelt. Jedes strukturierte Produkt enthält sein ganz besonderes Risikoprofil, welches die Risiken aus den einzelnen Anlageprodukten mindert, verstärkt oder auszugleichen versucht. - Zu der letzteren Gruppe zählen vor allem strukturierte Produkte mit Kapitalschutz. Sie bestehen aus

1. einer festverzinslichen Anlage und

2. einer Option. Ihre Kombination erlaubt es, an der Entwicklung eines oder mehrerer Basiswerte teilzunehmen, nämlich durch den Optionsteil: den Partizipationsteil, dabei jedoch das Verlustrisiko zu begrenzen, und dies durch die Anleihe: den Kapitalschutzteil.

– Es finden sich im Einzelnen verschiedene Einteilungen der strukturierten Finanzprodukte. Deren Bewertung erfordert von den Marktteilnehmern in jedem Fall genaue Sachkenntnis.

– Siehe Composite, Derivat, Financial Engineering, Investmentbank, Qualitätssteuerung, Rating-Stufungen.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2004, S. 27 ff. (Erklärungen; Übersichten), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 167 (Aufsicht vor allem hinsichtlich des Risikomanagements), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 45 (Transparenzanforderungen an den Handel; Nachhandelstransparenz).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzpsychologie (financial psychology):

Wissenschaft, die innert der Psychologie entdeckte Verhaltensmuster auf die Geschehnisse in den Finanzmärkten zu übertragen sucht. Ein besonderer Schwerpunkt (a main focus) bildet dabei die Behavioural Finance (so auch im Deutschen; seltener mit Qualitative Finanzmarktanalyse übersetzt). Dabei sollen die (markt)psychologischen Einflüsse auf die Entscheidungen der Anleger und damit auf Kursverläufe ergründet werden. - Ebenso wie finanzmathematische Formeln bietet die Finanzpsychologie ein eigenständiges Erklärungsmuster an; beide aber können nicht die Abläufe auf dem Finanzmarkt gesamthaft erklären. Bei den meisten Autoren der Finanzpsychologie tritt hinzu, dass diese sich oftmals mehrdeutiger und damit sowohl inhaltlich als auch umfänglich unscharfer Begriffe bedienen.

– Siehe Animal Spirits, Astro-Prognose, Bewertbarkeit, Chremaphobie, Einschätzung, gegensätzliche, Erinnerungsfähigkeit, Europhobie, Exotikomanie, Feminisierung, Fibonacci-Folge, Financial Engineering, Finanzmarkt-Analyse, Fortschritt-Rückschritt-Zahl, Furchtthese, Glücksspiel-Effekt, Herdenverhalten, Hindsight, International Bank Account Number, Kurzsichtigkeit, Männerdomäne, Modigliani-Miller-Theorem, Nachahmung, informelle, Packungs-Effekt, Preisempfinden, Sinuskurven-Fetischismus, Sell-in-May-Effekt, Spielbank-Doktrin, Systemkonflikt, finanzmarktlicher, Verlustfalle, Übertragungseffekt, psychologischer, Verschwörungstheorien, Wahrnehmungsverzerrungen, Wahrsagergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzrat (fiscal council):

Gemäss dem Zweierpaket mussten alle Länder der EU bis Oktober 2013 eine unabhängige öffentliche Einrichtung (autonomous public body) bilden, deren Aufgabe die Stärkung aller Bemühungen um tragfähige Staatsfinanzen (sustainable public finances) ist. Im Einzelnen wird durch diese Institution

1. die Einhaltung der Haushaltsregeln überwacht und

2. gegebenenfalls die im Fiskalpakt vorgesehenen Korrekturmassnahmen ausgelöst. Zudem wurde im Zweierpaket bestimmt, dass im Zuge dessen auch

3. gesamtwirtschaftliche Vorhersagen (macroeconomic forecasts) zu erstellen sind. Der Finanzrat sollte gemäss den Vorgaben des Zweierpaktes in der Gesellschaft und der medialen Öffentlichkeit (medial public) wahrgenommen werden, erforderlichenfalls die öffentlich Meinung aufrütteln und so politischen Anreizen zu einer unsoliden Finanzpolitik entgegenwirken können.

– In Deutschland wurde bereits 2009 durch das Gesetz zur Errichtung eines Stabilitätsrates und zur Vermeidung von Haushaltsnotlagen - Stabilitätsratsgesetz, StabiRatG - eine solche Einrichtung geschaffen. Nach bewährtem (?) teutonischem Muster würde dem Stabilitätsrat auch noch ein Beirat zugeordnet. Mitglieder des Beirats sind je ein Vertreter der Deutschen Bundesbank und des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, ein Vertreter der an der Gemeinschaftsdiagnose beteiligten Forschungsinstitute, je zwei für die Dauer von fünf Jahren von Bund und Ländern durch deren Vertreter im Stabilitätsrat benannte Sachverständige und je ein für die Dauer von fünf Jahren von den kommunalen Spitzenverbänden und den Spitzenorganisationen der Sozialversicherung benannter Sachverständiger.

– Siehe Defizitquote, Europäisches Finanzministerium, Haushaltsdefizit, Haushaltes-Vorabstimmung, europäische, Inverzugsetzung, Schuldenquote, staatliche, Semester, europäisches, Solidarität, finanzielle, Steuerungsrahmen, Verschuldungsquote, öffentliche, Wirtschaftspolitik, europäische, Wirtschaftsregierung, europäische, Stabilitäts- und Wachstumspakt.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juni 2014, S. 102 ff. (Finanzräte in den EU-Staaten; Übersichten; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzreferendum (financial referendum):

Mittel der staatlichen Ausgabebegrenzung, vor allem auf der Ebene der Kantone (CH: meistens Kantöne) in der Schweiz angewendet. Für bestimmte öffentliche Ausgaben muss danach zwingend die Zustimmung des Volkes (Bürgerentscheid; plebiscite: a vote by which the people of Switzerland in all - or of cantons - express their opinion for or against an important proposal) eingeholt werden.

– Siehe Schuldenbremse.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzrückversicherung (financial reassurance):

Rückversicherer bieten einem Erstversicherer einen Versicherungsschutz für

1. derzeitige und zukünftige Schadenereignisse (Prospektivgeschäft; prospective concern) oder

2. vergangene Schadenereignisse (Retrospektivgeschäft; retrospective concern) an. Die Aufsichtsbehörden betrachten solche Risiko-Transfers allgemein mit Misstrauen.

– Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 13 f. (Bedingungen für entsprechende Verträge; Berichtspflicht; IAS-Richtlinien), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 79 (aufsichtsrechtliche Vorschriften werden eingeführt), Jahresbericht der BaFin 2008, S. 73 (Finanzrückversicherungs-Verordnung [FinRVV] im Juli 2008 in Kraft getreten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzrüpel und Finanzgrobian (hardball):

In Bezug auf den Finanzmarkt eine Person, die durch unhöfliches, rüdes, ungeschliffenes Verhalten in Erscheinung tritt (a person in financial markets dealing in a tough manner). Nachdrücklich hervorzuheben ist indessen, dass in der Eidgenossenschaft solche Menschen bis anhin völlig und in Deutschland ziemlich unbekannt sind.

– Siehe Finanzschurke, Finanzsodomit, Finanzterrorist.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzschurke und Finanzlump (embezzler, financiopath):

Jemand, der seine Machtstellung oder das ihm entgegengebrachte Vertrauen missbraucht, um in grossem Stil Geld zu unterschlagen (a person who misuses his position of influence, power or trust to commit large-scale financial fraud).

– Siehe Bankist, Depekulation, Finanzpflichttreue, Finanzsodomit, Geldunterschlagung, Untertunnelung, Veruntreuung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzsektor (financial sector):

1 Im engeren Sinne die Banken, Versicherungen und Kapitalverwaltungsgesellschaften in einem Staat oder einem Wirtschaftsgebiet wie die EU.

2 In weiterem Sinne werden auch

1. alle der Geschäftsvermittlung (arrangement of transactions) dienenden Einrichtungen (Handelsplätze wie Börsen),

2. Unternehmen, die Hilfsdienste leisten (etwa Bargeldbearbeiter oder Internetdienste, die Kurse der Öffentlichkeit vermitteln) sowie manchmal gar auch

3. Bildungsstätten für die Angestellten mit eingeschlossen. Bei entsprechenden Statistiken ist daher jeweils sehr genau auf die begriffliche Abgrenzung zu achten.

– In Deutschland waren Ende 2012 knapp über drei Prozent aller Arbeitnehmer im Finanzsektor tätig; das sind mehr als in der Autoindustrie und auch mehr als im Maschinenbau.

– Siehe Finanzbranche, Finanzindustrie, Finanzplatz, Finanzsystem, Finanzwelt, Kreditvermittlungsplattform, Strukturkonservativismus.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 26 (ausführliche Übersicht, bis 1999 zurückreichend), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 33 (detaillierte Übersicht 2000 bis 2009) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Wirtschaftliches Umfeld" mit der jeweils aktualisierten Übersicht.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzsektor-Bewertungsprogramm (Financial Sector Assessment Programme, FSAP):

Vom Internationalen Währungsfonds (IMF) zusammen mit der Weltbank im Jahr 1999 herausgegebene ausführliche Wegleitung zur Früherkennung von Risiken und Schwächen im Finanzsektor eines Landes. Im Frühjahr 2002 hatte von den 183 Mitgliedsstaaten des IMF mehr als ein Drittel von diesem Programm (in Zusammenarbeit mit dem IMF) Gebrauch gemacht. Entsprechende Prüfungsberichte werden laufend veröffentlicht und finden auch ausserhalb der Fachwelt in der breiten Öffentlichkeit weithin Beachtung.

– Vgl. Geschäftsbericht 2003 der Deutschen Bundesbank, S. 166 f., Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 24 f., Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 38 (Gewicht auf Frühwarnindikatoren), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 82 f. (laufende Arbeiten; Beurteilung von Deutschland) sowie die jeweiligen Jahresberichte der BaFin, Kapitel "Internationales".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzsicherheiten (financial securities):

Nach § 1, Abs. 17 KWG "Barguthaben, Geldbeträge, Wertpapiere, Geldmarktinstrumente sowie sonstige Schuldscheindarlehen einschliesslich jeglicher damit in Zusammenhang stehender Rechte oder Ansprüche, die als Sicherheit in Form eines beschränkten dinglichen Sicherungsrechts oder im Wege der Vollrechtsübertragung auf Grund einer Vereinbarung zwischen einem Sicherungsnehmer und einem Sicherungsgeber, die einer der in Artikel 1 Abs. 2 Buchstabe a bis e der Richtlinie 2002/47/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 6. Juni 2002 über Finanzsicherheiten (ABl. EG Nr. L 168 S. 43) aufgeführten Kategorien angehören, bereitgestellt werden." - Nach IFRS "a contract whereby the issuer of the security commits to pay to the investor that lends the money today, a stream of cash flows in accordance with a given timetable." - In der genannten Rechtsquellen weitere Einzelheiten zur Abgrenzung des Begriffes.

– Siehe Covenant, Immobilien-Sicherheiten, IRB-Ansatz, Notenbankfähigkeit, Rating, Repomarkt, Sicherheiten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzsodomit (financial sodomit; sodomit = here: a general-purpose insult term for any-one the speaker hatreds, without specific reference to the original meaning of the word [copulation with an animal]):

Starkes Schimpfwort auf eine im Finanzsektor tätige Person (very derogatory word for an employee in financial industry). - Während "Bankster" sich in der Regel mehr auf die in verantwortlicher Stellung befindlichen Mitarbeiter einer Bank bezieht, umgreift "Finanzsodomit" gewöhnlich die Beschäftigten im Finanzbereich gesamthaft, meistens mit Einschluss auch der Zentralbank und der Aufsichtsbehörden. In vielen Internet-Foren werden diese allesamt, ausnahmslos beschuldigt, Finanzkrisen zu Lasten der armen Leute mutwillig herbeigeführt zu haben (brought about maliciously at the expense of the poor).

– Siehe Bankenschelte, Banker, Bankenmacht, Bankist, Bankokratie, Bankrottierer, Citigroup-Bonussystem, Entstofflichung, Finanzgeier, Finanzkapital, Finanzmagnat, Finanzoligarchie, Finanzrüpel, Finanzschurke, Finanzterrorist, Geldleute, Handschlag, goldener, Hochfinanz, Offshore Leaks, Shitstorm, Verschwörungstheorien.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzsolidarität (financial solidarity):

Spätestens nach dem Bekanntwerden der Griechenland-Krise aufgekommene Bezeichnung in dem Sinne, dass entgegen der eindeutigen Regeln der Europäischen Verträge (clear provisions of European Treaties) auf alle Fälle ein Bailout für ins Strudeln geratene Mitglieder der EWU geleistet werden müsse. Dies sollte in erster Linie über von Europäischen Behörden begebene Euro-Bonds geschehen, also Anleihen einzelner Mitgliedsstaaten der EWU, für die alle gemeinschaftlich haften. - Eine solche Massnahme würde die Bonität der bis anhin soliden Staaten der EWU auf dem Finanzmarkt mindern. Die im Zuge dessen zwangsläufig zu zahlenden höheren Zinsen etwa für deutsche Staatsanleihen wären eine Übertragung von Geld der deutschen Steuerzahler an diejenigen Länder, die von den nun für sie gesunkenen Zinsen Nutzen ziehen. Dies geschähe ohne Zustimmung der Wähler (without political legitimation), was dem verfassungsstaatlichen Grundsatz: "keine Besteuerung ohne Zustimmung der Volksvertretung" (no taxation without representation) gänzlich zuwiderläuft. - Auch alle anderen Vorschläge wie die eines Schuldentilgungspakts führen in eine politisch nicht gewollte (politically undesirable) Transferunion. In dem Masse, wie die EZB in Massnahmen zur Finanzsolidarität im genannten Sinne einbezogen ist, steht auch deren Ansehen und damit das Vertrauen in den Euro auf dem Spiel. Die sog. "angeschlagenen Länder" (struggling euro-zone countries) müssen auf dem Weg einer Sicherung der Binnenstabilität wieder auf das gemeinsame Niveau aller Mitglieder der EWU kommen: daran führt kein Weg vorbei.

– Siehe Aufkäufe, zentralbankliche, Bilanzbereinigung, Blame game, Blutzoll, Defizit-Finanzierungsverbot, Defizitquote, Europäische Schuldenagentur, Europäische Währungsunion, Grundfehler, Europäisches Finanzministerium, Europayer, EWU-Sprengsatz, EZB-Unabhängigkeit, Fiskalpakt, Friedman-These, Frühwarnrecht, Geldpolitik, Gruppendruck, Haushalts-Vorabstimmung, europäische, Krise, zentralbankbewirkte, Moral Hazard, Politikverzug, Schattenstaat, Schuldenclub, Schuldendroge, Schuldenquote, Solidarität, finanzielle, Staatsschulden-Rückführung, Staatsverschuldungs-Druck, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Grundfehler, Solidarität, finanzielle, Steuerungsrahmen, Strukturreformen, Tragfähigkeit öffentlicher Finanzen, Transferunion, Ungleichgewichte, EWU-interne, Wettbewerbs-Status, internationaler, Währungsunion 2, Wirtschaftspolitik, europäische.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzsprache und seltener auch Finanztechnolekt (financial [market] terminology, financial technolect):

Wörter, Ausdrücke und Redewendungen (Jargon), die in der Finanzwelt

1. üblich sind bzw. früher gängig waren und

2. von den dort Tätigen in ihrem Sinn, in ihrer Bedeutung sofort verstanden werden. - Mehr als in anderen Fachsprachen - die Informations-Technologie vielleicht ausgenommen - häufen sich in der Finanzsprache heute englische - früher französische und davor italienische - Vokabeln. Dabei unterscheidet die Sprachwissenschaft zwischen

1. verdrängenden Anglizismen, wie beispielsweise Banker, Cashflow,

2. differenzierenden Anglizismen, wie etwa Bubble Economy, Blue Chips und

3. ergänzenden Anglizismen, wie zum Beispiel Airbus, Oldtimer.

– Es ist jedoch gerade bei der Gruppe der verdrängenden Anglizismen zu beachten, dass diese durch häufigen Gebrauch in der Finanzwelt einen ganz besonderen Begriffsinhalt erhielten. Durch ein deutsches Wort sind diese Ausdrücke - etwa Container Banking durch Containerbank - nicht immer genau wiederzugeben. - Wie man deutlich aus ihren Veröffentlichungen erkennen kann, wissen viele der heftig die Finanzsprache rügenden Sprachwissenschaftler (linguist, philologist) letztlich nicht, welche einzelnen Merkmale - nämlich Denkeinheiten, die ganz bestimmte Eigenschaften und Zusammenhänge in sich einschliessen - ein Fachbegriff in der Praxis der Finanzwelt aufgenommen hat. - Das schliesst natürlich Kritik an der Berufssprache der Finanzwelt nicht aus; zumal dann, wenn absichtlich Begriffe und Sprachformulierungen (phrasing, verbalisation) benutzt werden, die unangenehme Tatsachen verschleiern (Euphemismen; euphemisms: the replacement of an indirect, mild or vague expression for one which unmistakably and clearly denotes an unpleasant fact).

– Siehe Akataphasie, Analysten-Rating, Anglizismen, Aufsichtsmechanismus, einheitlicher, Börsensprache, Finanzbranche, Finanzwelt, Sprachimperialismus, Verständlichkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzspritze (cash injection, transfusion of money):

1 Allgemein jederart Übertragung von Geld zwecks Stärkung der Finanzkraft des Empfangenden.

2 Die Überlassung von Geld an Privathaushalte, Unternehmen oder Staaten, die sich in einer akuten Zahlungsklemme befinden bzw. von Insolvenz bedroht sind.

3 Von Regierungen nach ihrer Wahl an Unterstützer (supporters, sponsors) in Form von Sondervergünstigungen - wie vor allem Steuererleichterungen (tax reliefs) - zugeleiteten Mittel.

– Siehe Ausleihung, Darlehn, Internationaler Währungsfonds, Kredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzstabilität (financial stability):

Ein Zustand, in dem das Finanzsystem in der Lage ist,

1. Angebot und Nachfrage nach Kapital reibungslos zusammenzubringen (bringing smoothly and successfully together at a point where the demand meets the supply),

2. durch das Geld und über das Geld die knappen Mittel dem besten Wirt (to the most effective allocation of scarce resources) zuzuleiten, unschön auch "effiziente Allokation finanzieller Mittel" genannt; wobei zu erörtern wäre, ob und inwieweit № 1. schon № 2. einschliesst,

3. Risiken zu bepreisen (pricing risks) und an andere Marktteilnehmer (risk taker) abzugeben,

4. eine sichere Abwicklung von Zahlungen und Wertapierübertragungen zu gewährleisten sowie

5. allfällige Störungen (Schocks) dermassen aufzufangen, dass die erwähnten Aufgaben nicht in nennenswertem Umfang (appreciable degree) beeinträchtigt werden.

– Die Gewährleistung der Finanzstabilität kann grundsätzlich keine Aufgabe der Geldpolitik sein. Denn die dazu benötigten Instrumente - wie beispielsweise antizyklische Eigenkapitalanforderungen für Banken oder Garantieübernahmen für gefährdete Institute - unterscheiden sich in Art und Anwendung von den geldpolitischen Stellschrauben (adjusting screws of monetary policy). Daher ist es auch sinnwidrig, die Gewährleistung der Finanzstabilität als zusätzliches Ziel der Zentralbank zu fordern. - Finanzstabilität setzt auch Stabilität an anderer Stelle voraus. Das betrifft vor allem ein hohes Mass an politischer Stabilität (high level of political stability). Geldwertstabilität und einen ausgeglichenen Staatshaushalt.

– Siehe Credit Default Swap-Verflechtungen, Elisabeth-Frage, Finanzmarktschock, Finanzmarktstabilität, Finanzsystem, Gut, öffentliches, Margendruck, Money-matters-Theorem, Organisationen, gemeinnützige, Systemkonflikt, finanzmarktlicher.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der EZB, S. 166 ff. (Überwachung durch die EZB), Geschäftsbericht 2009 der Deutschen Bundesbank, S. 91 ff. (Probleme der Finanzstabilität in Deutschland; einzelne Massnahmen im Zuge der Finanzkrise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2010, S. 27 ff. (Allgemeines und Details zur Stabilität im deutschen Bankensystem; Übersichten), Jahresbericht 2010 der EZB, S. 154 ff. (Grundsätzliches zur Finanzstabilität; Unterschiede in einzelnen Staaten des Eurogebiets), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Februar 2011, S. 68 f. (Schritte zu einem europäischen Stabilitätsmechanismus), Jahresbericht 2011 der EZB, S. 122 ff. (neue Institutionen, Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 17 ff. (Staatsschuldenkrise gefährdet die Finanzstabilität), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2013, S. 47 f. (Rolle der Bundesbank im Gesetz zur Überwachung der Finanzstabilität).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzstabilitätsbericht (financial stability report):

Von der Deutschen Bundesbank erstmals im November 2005 veröffentlichte eigenständige, jährlich erscheinende Publikation. Der Bericht enthält wichtige Daten und Einschätzungen zu makroökonomischen Risiken, zum internationalen Finanzsystem, zum Bankensystem in Deutschland sowie zur Versicherungswirtschaft sowie ausgewählte lehrbuchmässige Darstellungen zu einzelnen Teilbereichen. - Die Sprache ist im Grossen und Ganzen verständlich. Freilich muss man auch hier - wie in manchen der Fachartikel, welche dem jeweiligen Monatsbericht der Deutschen Bundesbank beigegeben sind - etliche Sätze zwei- bis dreimal lesen, ehe man ganz versteht, was gemeint ist.

– Siehe Finanzsprache, Verständlichkeit.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2008, S. 87 ff. (EU-Regelungen zur Finanzstabilität; ausführliche Darstellung; viele Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2013, S. 47 f. (Rolle der Bundesbank im Gesetz zur Überwachung der Finanzstabilität).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzstatistik (financial statistics):

Die von staatlichen Statistik-Ämtern und von der Zentralbank veröffentlichen Informationen über Daten und Variablen auf dem bezüglichen Finanzmarkt. - Äusserst wichtig ist (it is very important), die jeweils angegebenen Definitionen und Erläuterungen sehr genau zu beachten. Die Monatsberichte der EZB enthalten vorbildliche Erläuterungen sowie in jedem Heft auch ein Glossar.

– Siehe Finanzmarktstatistik.

– Vgl. zur Entsprechung von Statistiken verschiedener (nationaler) Herkunft ausführlich Monatsbericht der EZB vom April 2005, S: 71 ff. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzstabilisierungsfazilität, europäische (European Financial Stability Facility, EFSF [so offiziell: nicht "Fund", wie häufig zu lesen ist]):

Im Zuge der Griechenland-Krise im Frühjahr 2010 entschieden die Fachminister aus der EU, Mitgliedern der Eurozone mit hohen Leistungsbilanz-Defiziten, die damit auch regelmässig vom internationalen Kapitalmarkt abgeschnitten sind - weil die Rückzahlung aufgenommener Anleihen infrage steht - seitens der Gemeinschaft Hilfe zu gewähren. Als Rechtsgrundlage diente Artikel 122 AEVU. Dieser erlaubt im Falle von Natur-Katastrophen oder aussergewöhnlichen Vorkommnissen ausnahmsweise den finanziellen Beistand der EU. Zweifelsohne wurde Artikel 122 AEVU bei dieser Entscheidung bedenklich überdehnt (alarmingly overexpanded). - In einem ersten Schritt kann die EU-Kommission Kredite auf dem Markt aufnehmen und an das betroffene Land weiterreichen; der EU-Haushalt sichert diese Darlehn ab. Sind diese Mittel ausgeschöpft, dann können in einem zweiten Schritt weitere Finanzhilfen (financial grants) durch die Mitgliedsstaaten aufgebracht werden, wofür die einzelnen Länder nach einem bestimmten Verteilungsschlüssel (basis of apportionment) Garantien übernehmen. - Die entsprechenden gesetzlichen Grundlagen für diese Hilfen wurden vom Parlament in Deutschland Ende Mai 2010 beschlossen. Die EFSF ist organisatorisch der Europäischen Investitionsbank (EBI) in Luxemburg zugeordnet. Es bedarf zur Tätigkeit des EFSF im Einzelnen keiner besonderen Einwilligung der EU-Mitgliedsstaaten. Die von den Mitgliedsstaaten jeweils anteilsmässig übernommenen Garantien für den EFSF sind zunächst bis zur Jahresmitte 2013 befristet. Viele gingen von vornherein davon aus, dass diese Fazilität zu einer Dauereinrichtung wird, und sich die EWU somit mehr und mehr einer Transferunion nähert. Tatsächlich wurde im März 2011 beschlossen, dem ESFS ein Europäische Stabilisierungsmechanismus folgen zu lassen. - Der ESFS wurde weithin als sehr bedenklich eingeschätzt, weil sie falsche Anreize setzt (Moral Hazard) und kaum dazu beitragen könne, die Staatsfinanzen wieder in Ordnung zu bringen. Denn wie sollte auch ein Land, das nicht in der Lage ist, seine Verschuldung in Grenzen zu halten, beim Zugriff auf das Geld anderer Länder auf einmal sein Verhalten ändern? - Auch entsteht ein weiteres Moral-Hazard-Problem. Besteht nämlich ein Krisenmechanismus, der einem Staat im Notfall unter die Arme greift, dann schafft dies falsche Anreize auch für die privaten Gläubiger, vor allem für die Käufer der Staatsanleihen solcher Länder. Eine Beteiligung dieser an der Krisenbewältigung könnte verhindern, dass diese die rentablen - weil im Kurs niedrig notierten - Titel kaufen. So bekäme ein bankrotter Staat auch keine weiteren Mittel mehr und sähe sich gezwungen, die Ausgaben mit den Einnahmen ins Gleichgewicht zu bringen.

– Siehe Angleichungsautomatismus, Anlegerstreik, Bail-out, Blame game, Credit Default Swap-Verflechtungen, Europäische Schuldenagentur, Europäische Stabilisierungsmechanismus, Europäische Währungsunion, Grundfehler, Europäisches Finanzministerium, EZB-Bilanz, Finanzstabilität, Griechenland-Krise, Gruppendruck, Irland-Krise, Politikklammer, Politikverzug, Rettungspaket, Solidarität, finanzielle, Sperrkonto, Staatsverschuldungs-Druck, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Grundfehler, Transferunion, Verschuldung-Produktivität-Verkettung, Wachstum-Schulden-Tatsache, geschichtliche, Zwei-Wege-Option.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2010, S. 12 f. (Kritik zu den Garantien im Zuge des Europäischen Stabilisierungsmechanismus), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2010, S. 11 f. (entsprechender Hilfe müssen glaubwürdige Konsolidierungsmassnahmen der Problemländer vorangehen), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2010, S. 89 ff. (der EFSM im Geflecht anderer Hilfen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Februar 2012, S. 68 f. und S. 72 f. (Schritte zu einem europäischen Stabilitätsmechanismus), Monatsbericht der EZB vom Juli 2011, S. 91 ff. (EU-Rahmen für das Krisenmanagement im Finanzsektor).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzstrom (cash flow; financial flows):

1 In Bezug auf ein Unternehmen der Netto-Zufluss an Geld - nämlich Einnahmen aus Umsatz und sonstiger laufenden Geschäftstätigkeit abzüglich aller Kosten - innert einer Wirtschaftsperiode (the cash that goes into [cash inflow] or out [cash outflow] of a company).

2 Volkswirtschaftlich die weltweiten Zuflüsse und Abflüsse von Kapital, im Regelfall nicht auf eine bestimmte Zeitspanne bezogen.

– Siehe EBITDA, Erdbeben, Finanzmarkt, Finanzsystem, Free Cash flow, Geldkuh, Gewinn, operativer, Kapitalflussrechnung, Kosteneffizienz, Kurs-Cashflow-Verhältnis, Run Rate, Sunset-Vorbehalt, Zinsrisiko.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzsystem (financial system):

1 Im engeren Sinne: die Zentralbank und die Banken eines Währungsgebietes zusammengenommen.

2 Im einem weiteren Sinne werden zu den unter 1 Genannten auch die Versicherungen und bestimmte andere Kapitalsammelstellen einbezogen.

3 Im weitesten Sinne die Gesamtheit der institutionellen Gegebenheiten, welche das Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage nach Kapital sowie allen damit verbundenen Dienstleistungen bedienen; System hier verstanden als Geflecht von einzelnen Bestandteilen, die zusammen eine zweckgerechte, aufeinander bezogene und unter sich abhängige Einheit bilden. Zum Finanzsystem in diesem Sinne zählen dann auch die Finanzintermediäre, Wertpapierbörsen, der gesamte Zahlungsverkehr einschliesslich der Zahlungsverkehrssysteme, die Aufsichtsbehörden sowie der allgemeine regulatorische Rahmen bis hin zu Bilanzierungs-Richtlinien und dem Insolvenzrecht. Vielfach zählt man darüber hinaus auch den Staat zum Finanzsystem. Denn es hat sich gezeigt, dass ein Zusammenbruch des Finanzsystems in besonderen Gefahrenlagen - wie im Zuge der Subprime-Krise - letztlich nur durch Zusagen des Staates verhindert werden kann. - Das Finanzsystem in diesem weiteren Sinne zeigt sich wegen des jeweils besonderen finanzsystem-typischen ordnungspolitischen Rahmens (regulatory framework) von Land zu Land unterschiedlich. Andererseits ist ein Finanzsystem immer in Bewegung. So hat seit etwa 1990 durch die grössere Rolle neuer Finanzintermediäre - wie etwa Hedge-Fonds - und neuartiger Finanzprodukte - vor allem strukturierte Produkte zur Weiterreichung von Kreditrisiken - das Gesamtgeflecht der Beziehungen zwischen Instituten, Finanzmärkten und der Realwirtschaft auf nationaler und weltweiter Ebene erheblich vielschichtiger (more complex) und beifolgend undurchsichtiger (more intransparent) werden lassen. Die dabei entstandenen Informationslücken erschwerten die Erkenntnis eines systemischen Risikos, wie sich dann gelegentlich der Subprime-Krise plötzlich zeigte. - Ein sicheres, reibungslos ablaufendes Finanzsystem wird als ein öffentliches Gut angesehen, das in der heutigen Gesellschaft mindestens ebenso wichtig ist wie ein funktionierendes Verkehrssystem, Gesundheitssystem, Kommunikations- und Informationssystem, Rechtssystem oder Bildungssystem. Es wird zurecht sogar darauf hingewiesen, dass ein wohlgeordnetes Finanzsystem die Voraussetzung für den geregelten Ablauf in sämtlichen Sozialsystemen sei.

– Siehe Bail-out, Bankenkrise, Bankzusammenbruch, Bradford-Verstaat-lichung, Crash, Einlagensicherung, Elisabeth-Frage, Fachbankensystem, Finance matters, Finanzarchitektur, Finanzindustrie, Finanzmüll, Finanzmarkt, Fortbildung, Wachstumsbedeutung, Finanzmarktstabilität, Finanzstabilitätsbericht, Finanzterrorist, Geldverleiher letzter Instanz, Geldzweck, Hypo Real Estate-Rettung, IndyMac-Pleite, Institution, Kobra-Effekt, Kreditkarten-Fiasko, Kreditvergabe-Grundregel, Luftpapiere, Marktdisziplin, Money-matters-Theorem, Ninja-Loans, Moral Hazard, Mortgage Equity Withdrawal, Papiere, toxische, Pay-Green-Initiative, Risiko, systemisches, Rückschlag-Effekt, Run, Schattenbankbereich, Schock-Bewältigung, Seelenmassage, Stress-Test, Systemkonflikt, finanzmarktlicher, Europäischer Systemrisikorat, Überlauf-System, Verlustübernahme, persönliche, Vermögensabgabe, Verschwörungstheorien, Vertragstreue, Vertrauen, Zwangsenteignung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzsystem, bankorientiertes (bank-orientated financial system):

Finanzierung und Geldanlage geschehen in erster Linie unter Einschaltung von Banken. Diese spielen eine entscheidende Rolle bei der Zuweisung von Krediten an einzelne Firmen und Branchen. Asymmetrische Informationen zwischen Bank und Kreditnehmer bleiben minim; bei einer Hausbank-Beziehung sogar minimal. In Deutschland herrscht ein bankorientiertes System vor.

– Siehe Finanzsystem, kapitalmarktorientiertes.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzsystem, kapitalmarktorientiertes (capital market-orientated financial system):

Die volkswirtschaftlichen Ersparnisse fliessen über eine Palette unterschiedlicher Finanzinstrumente in den Wirtschaftskreislauf, wie vor allem Anleihen, Aktien, Fonds und Derivate. Die Banken wirken dabei nicht als Zins nehmende Kreditgeber, sondern als Vermittler gegen Kommission zwischen Schuldner und Investor. Asymmetrische Informationen müssen hier durch grösstmögliche Transparenz überwunden werden. Ins Einzelne gehende Rechnungslegungs-Vorschriften und Rating-Agenturen spielen daher eine grosse Rolle. Das kapitalmarktorientierte System herrscht in den USA vor. Die Marktkapitalisierung der Aktienbörsen in den USA ist im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt mehr als dreimal so hoch wie in Deutschland. Zudem waren 2010 in den USA pro 1 Mio Bewohner mehr als doppelt so viele Unternehmen an einer Börse gelistet als in Deutschland.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzsystem, multilaterales (multilateral financial system):

1 Im Zuge der Subprime-Krise und ihren Nachwehen aufgekommene Forderung, dass der Weltfinanzmarkt (global financial market) nicht nur auf wenige grosse Wertpapierbörsen - wie etwa Neuyork, London, Tokio, Bombay, Frankfurt und Zürich - beschränkt sein dürfe, sondern auf weitere hundert Länder ausgedehnt werden müsse. Wie der globale Handel aber zu diversifizieren sei (has to be diversified), wird gar nicht oder nur undeutlich gesagt. Solange aber die Anbieter und Nachfrager auf dem Finanzmarkt frei entscheiden können, an welchem Ort sie ihre Geschäfte tätigen möchten, wird es weltweit bei wenigen bevorzugten Finanzzentren bleiben.

2 Die Anbindung der heimischen Währung nicht an eine einzige Masstab-Währung (benchmark currency, etwa den EUR oder USD, dann auch einseitige Währungsbindung [unilateral currency peg] genannt), sondern an mehrere Währungen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzteil (money party, financial section):

In Zeitungen sowie bei Radio- und Fernseh¬sendungen der Bereich, in dem Geldthemen erörtert werden (a segment on the news where the financial experts come on to talk about money matters and the actual market conditions).

– Siehe Finanzjournalist.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

(Finanz-)Termingeschäft (future transaction):

Standardisierter, rechtlich verbindlicher Vertrag (Terminkontrakt) über den Kauf oder Verkauf eines Finanzprodukts zu einem vereinbarten zukünftigen Termin.

– Siehe Financial Futures, Option.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzterrorist (financial terrorist):

Im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise (aus dem Englischen?) aufgekommenes Schimpfwort. Gemeint ist näherhin

1. eine Person oder auch eine Entität,

2. die zu ihrem eigenen Vorteil das Finanzsystem absichtlich zerstört,

3. und zwar auf Kosten der ganzen bürgerlichen Gesellschaft und des kleinen Mannes im Besonderen (any person or entity that knowingly and willingly distorts the financial system for their own personal benefit at the expense of civil society as a whole, and ordinary people, little guys in particular). In zahlreichen, den verschiedenen Verschwörungs-Theorien huldigenden Internet-Foren werden solche Finanzterroristen benannt.

– Siehe Bankenschelte, Banker, Bankist, Bankrottierer, Citigroup-Bonussystem, Entstofflichung, Finanzsodomit, Shitstorm, Verschwörungstheorien.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanztheorie (finance theory):

1 Die systematische Darstellung der Wege,

1. auf denen Privathaushalte und Unternehmen jeweils Geld aufnehmen sowie

2. die Erforschung der grundsätzlich risikobehafteten Verwendung der aufgenommenen Mittel (studying the various ways by which private households and businesses raise money, as well as how money is allocated to projects while considering the risk factors associated with them).

2 Als Teilgebiet der Finanzwissenschaft die Erforschung des Zusammenwirkens zwischen der Einnahme-Ausgabe-Wirtschaft des Staates einerseits und den anderen Sektoren der Volkswirtschaft andererseits.

3 Die durchdachte, sachgemässe und widerspruchsfreie Darstellung der Gestaltung, Wirkweise und möglichen Verknüpfung - dann: Financial Engineering - von Finanzprodukten; in diesem Sinne auch Finanzmarkt-Theorie (theory of capital markets) genannt.

4 Lehrgebäude mit dem Ziel, die Preisbildung auf Finanzmärkten

1. (mathematisch) zu erklären oder gar

2. im Voraus zu modellieren.

5 Begründete Ratschläge an Investoren, wie sie ihr Portfolio in Bezug auf die Rendite am besten aufbauen. Die meist stark mathematisierten Modelle vernachlässigen in aller Regel die bei der Entscheidungsfindung äusserst wichtigen steuerlichen Gesichtspunkte (tax aspects, issues of taxation) und sind daher für die Anleger kaum eine Hilfe.

– Siehe Abgeltungsteuer, Anlagemodelle, Behavioural Finance, Erwartungstheorie, neue, Financial Engineering, Finanzgeschichte, Finanzmarktmodelle, Finanzpsychologie, Geldzweck, Marktwirksamkeits-Annahme, Modigliani-Miller-Theorem, Portfolio-Optimierung, Qualitätssteuerung, Spielbank-Doktrin, Staat.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanztransaktionssteuer (tax on financial transactions):

Die Besteuerung aller Geschäfte auf dem Finanzmarkt mit einem einheitlichen oder je nach Art der Transaktion gestaffelten Steuersatz. Zu Jahresbeginn 2014 beabsichtigen elf Staaten der EU, eine solche Abgabe einzuführen.

– Siehe Abgeltungsteuer, Bankenstrafsteuer, Geldabschaffung, Groll-Effekt, Lenkungssteuer, Securitised Lending Operation. Spekulant, Spekulationsteuer, Strukturumbruch, Tobin-Steuer.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2013, S. 72 (begründete Bedenken gegen diese Steuer).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanztransfergeschäft und Geldüberweisungsgeschäft (financial transfer business, money remittance business):

Die gewerbsmässige Besorgung von Zahlungsaufträgen. Näherhin ist ein Geldüberweiser (money remitter) ein Dienstleister, der Geld von Kunden annimmt, um dieses einem Empfänger zuzuleiten, ohne dass weder der Auftraggeber noch der Empfänger der Summe notwendigerweise über Kontoverbindungen verfügen müssen (a payment service provider that accepts funds from a payer for the purpose of making them available to a recipient, without necessarily maintaining an account relationship with the payer or payee). In Deutschland unterliegen entsprechende Dienstleister der Kontrolle durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Sie bedürfen ferner einer Erlaubnis gemäss § 32 KWG; sie zählen zu den Zahlungsinstituten. Seit Oktober 2009 gilt das Zahlungsdienste-Aufsichtsgesetz; dieses regelt die Aufsicht über die bezüglichen Dienstleister.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzunschuld (financial virginity):

Spasshafte Bezeichnung für den Zustand einer Person, ehe diese erstmals Steuern, Versicherungsbeitrage oder Anwaltskosten zahlen muss (that state of innocence in which a person lives until he or she has to pay for the first time in life income tax, insurance premium, or legal fees).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzunternehmen (financial firms):

In der deutschen Rechtssprache Firmen, die keine Institute sind, jedoch bestimmte im Gesetz aufgezählte Geschäfte auf dem Finanzmarkt betreiben, vor allem Bargeldbearbeitung, Beteiligungserwerb, Factoring, Leasing, Kreditkartenausgabe, Handel mit Finanzinstrumenten auf Eigenrechnung, Geldmaklergeschäfte und Finanzberatung.

– Siehe Bank, Finanzdienstleister, Institut, Investmentfirma.

– Vgl. die genaue Aufzählung in § 1, Abs. 3 KWG.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzvehikel (financial vehicle):

Unschöne Bezeichnung für Entitäten, deren Geschäftszweck die Vermögensverwaltung (asset management) ist; meistens gesagt in Zusammenhang mit Staatsfonds.

– Siehe Bankenregulierungs-Paradoxon, Schattenbanken, Vermögensverwalter.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzverbindlichkeiten (liabilities paid interest on):

Wenn nicht anders definiert bei einem Unternehmen alle Positionen, für die Zinsen bezahlt werden müssen, wie etwa Schulden bei Banken oder von dem Unternehmen begebene Anleihen.

– Siehe Nettoverschuldung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzvermögen (financial assets):

1 Im Unternehmen vorhandene langfristige Forderungen, in erster Linie Aktien, Obligationen und Beteiligungen (all types of securities, bank balances, and insurance contracts; they are long-term non-production investments).

2 Bei öffentlichen Körperschaften jene Aktiva, die werbenden Zwecken dienen, nämlich ohne Beeinträchtigung einer bestimmten öffentlich-rechtlichen Verpflichtung verwertet werden können, und die nach kaufmännischen Grundsätzen zu bewirtschaften sind, etwa ein Schwimmbad. Im Gegensatz dazu steht das Verwaltungsvermögen (administrative property), das der Erfüllung öffentlich-rechtlicher Aufgaben dient oder dauernd an einen öffentlich-rechtlichen Zweck gebunden ist, wie etwa Dienstgebäude.

3 Bei Privathaushalten in der Statistik der Household Finance and Consumption Survey die Posten

1. Spar- und Girokonten, Bausparguthaben,

2. Schuldverschreibungen, Aktien, Derivate und Zertifikate,

3. Guthaben aus privaten Renten- und Lebensversicherungen,

4. Beteiligungen sowie

5. verwaltetes Vermögen.

4 Unter dem Gesichtspunkt der Rechnungslegung und Bilanzierung bei Unternehmen (hier die Aufzählung in Anlehnung an SFAS 140, angeglichen an IAS/IFRS) versteht man darunter im Wesentlichen

1. flüssige Mittel,

2. Eigentumsrechte an Unternehmen wie etwa Anteile, Vorzugsaktien oder Kaufoptionen,

3. Verträge, denen zufolge eine Vertragspartei eine Verpflichtung zur Übertragung flüssiger Mittel oder eines anderen Finanzinstruments auf eine andere Partei, und die andere Partei ein Recht zur Entgegennahme flüssiger Mittel oder anderer Finanzinstrumente besitzt, wie z.B. Forderungen, Wechsel, Darlehn, Anleihen sowie

4. Verträge gemäss derer eine Vertragspartei eine Verpflichtung zum Tausch von Finanzinstrumenten mit einer anderen Partei unter Risiko eingeht, bzw. die andere Partei ein Recht zum Tausch von Finanzinstrumenten mit der Vertragspartei zu potentiell vorteilhaften Bedingungen erwirbt, wie z.B. Optionen, Terminkontrakte oder Zinsswaps.

5 Umgangssprachlich auch oft gleichgesetzt mit Geldmitteln und mit Reichtum.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2012, S. 32 (Finanzvermögen der Privathaushalte nach der HFCS), Jahresbericht 2010 der EZB, S. 68 ff. (staatliches Finanzvermögen im Euroraum; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom April 2013, S. 85 ff. (ausführliche und tiefgehende Darstellung der Haushaltsbefragung des Eurosystems; Übersichten; Literaturverweise; wichtige Ergebnisse), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2013, S. 41. (Realvermögen der Privathaushalte aufgeschlüsselt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzwelt ([world of] finance, financiers):

1 Alle Personen und Unternehmen, die mit Geldgeschäften jedwelcher Art befasst und denen in der Regel auch

1. bestimmte Verhaltensmuster und

2. eine eigene Fachsprache (technical language, terminology) zugeordnet sind.

– Manchmal - und vor allem in der kritischen Literatur - auch mit besonderer Betonung auf die soziologische, und dann weniger auf die zweckgerichtete, tätigkeitsbezogene Seite.

2 Im weiteren Sinne schliesst man darin auch die dem Geldverkehr dienenden Institutionen und Dienststellen mit ein, wie Aufsichtsbehörde und Zentralbank.

– Siehe Anglizismen, Banker, Börsensprache, Finanzbranche, Finanzjournalist, Finanzmarkt, Finanzplatz, Finanzsektor, Finanzsprache, Finanzsystem, Finanzwirtschaft, Finanzzentrum, Fortbildung, Geldleute, Hochfinanz, Sprachimperialismus.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzwelt, virtuelle und Finanzwelt, nachgebildete (virtual finance):

Spiele, in denen die Beteiligten Entscheidungen wie im wirklichen Geschehen zu fällen haben (games which are concerned with monetary features of virtual worlds. Like real finance, virtual finance is concerned with problems like inflation, money forgery and convertibility of virtual currencies).

– Siehe Börsenspiele, Fortbildung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzwetten (financial stakes, financial betting business):

In einzelnen verschiedenartige und teilweise fein ausgeklügelte Glücksverträge (game contracts) in Bezug auf künftige Preise einzelner Titel bzw. auch Indizes. Entsprechende Anbieter solcher Geschäfte betreiben Anlage-Vermittlung und bedürfen einer Erlaubnis.

– Siehe Bucketshop, Hebel(wirkung), Lotterie, Spread Bets, Straddle, Wettbüros.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 199 (Darstellung der Finanzspread-Wetten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzwirtschaft (financial management; public finance; payment flows; financial world):

1 In der Betriebswirtschaftslehre alle Massnahmen mit dem Ziel, ein Gleichgewicht zwischen Einzahlungen und Auszahlungen in einem Unternehmen zu schaffen, um so die Liquidität sicherzustellen.

2 In der Volkswirtschaftslehre die Gebarung der öffentlichen Stellen.

3 Der stetige Verkehr von Zahlungen innert eines Währungsgebietes oder der Welt gesamthaft: der laufende Zahlungsfluss (cash flow).

4 Ein Personenkreis, nämlich die im Finanzsektor tätigen Institutionen und Menschen.

– Siehe Finanzplanung, Finanzwelt, Finanzwissenschaft, Fristenkongruenz, Systemrelevanz, Zahlungsstrom.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzwissenschaft (finance):

Lehre von der Einnahme-Ausgabewirtschaft der öffentlichen Haushalte und den sich daraus ergebenden Wechselbeziehungen mit der Volkswirtschaft gesamthaft. - Unterteilt wird der Finanzwissenschaft herkömmlich in Finanztheorie, Finanzpolitik, Finanzgeschichte und Finanzsoziologie.

– Siehe Budget, Finanzgeschichte, Fondswirtschaft, Gebarung, Parafiskus, Staat, Stellen, öffentliche.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzzentrum (financial centre, financial hub):

1 Allgemein die herausragende nationale oder internationale Bedeutung eines Orts - wie Neuyork, London, Frankfurt, Bombay oder Zürich - für das Angebot und die Nachfrage nach Finanzdienstleistungen. Die Marktteilnehmer haben (for whatever reasons; aus welchen Gründen auch immer) die Neigung (preference), an diesem bestimmten Platz ihre Geschäfte zu tätigen.

2 Im Besonderen die Häufung von Finanzdienstleistungsinstituten in einem grösseren Wirtschaftsraum, wie etwa der Stadt Frankfurt am Main).

3 In einem Stadtteil oder Wohngebiet ein Ort, an dem Institute ihre Dienste anbieten (a retail location in a part of a city where a bank, credit union or other financial institution offers a wide array of face to face and automated services to its customers).

– Siehe Branchenkonzentration, Finanzsystem, multilaterales, Kommandite, Redlining.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finanzzuschlag (budget allowance):

Die Anhebung des Preises von Leistungen öffentlicher Betriebe - etwa: Häfen, Wasser- und Gaswerke - über die Vollkostendeckung hinaus mit dem Ziel, den so erzielten Gewinn für bestimmte Haushaltszwecke einzusetzen, wie beispielsweise den Unterhalt von Kindertagesstätten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Finnland (Finland):

Die Republik Finnland mit knapp über fünf Mio Einwohnern gehört von Anfang an zum Eurogebiet. Das Land geriet im April 2011 in die Schlagzeilen, als bei einer Parlamentswahl die europakritische Partei "Wahre Finnen" fast zwanzig Prozent der Wählerstimmen erhielt; die Partei hatte den Austritt aus der Eurozone in ihr Programm aufgenommen. - Hintergrund war die Verärgerung über die Hilfen bei der Griechenland-Krise, Irland-Krise und Portugal-Krise. Denn Finnland hatte im Gefolge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise einen Rückgang der Wirtschaftsleistung von acht Prozent zu verzeichnen: der grösste Einbruch innert der Eurozone. Die Politik in Finnland ging daraufhin einen harten Weg, der allen Bürgern spürbare Opfer auferlegte, um aus eigener Kraft das Haushaltsgleichgewicht wiederzuerlangen und die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. In der Öffentlichkeit staute sich daher Unmut auf über jene Mitglieder, die zwar die Vorteile der festen Währung und der niedrigen Zinsen im Eurogebiet genossen, aber nichts unternahmen, um den Verpflichtungen aus dem Stabilitäts- und Wachstumspakt nachzukommen.

– Siehe Bail-out, Defizit-Finanzierungsverbot, Erpressungspotential, EZB-Sündenfall, Gruppendruck, Moral Hazard, Plan C, Politikklammer, Politikverzug, Stabilisierungsmechanismus, europäischer, Stand-by-Kredit, Transferunion, Verschuldung-Produktivität-Verkettung, Vertragstreue, Zwei-Wege-Option.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Firmenbestatter (company mortician):

Personen, die mit Hilfe eines stets dienstbereiten Notars

1. allgemein eine überschuldete Firma und

2. im Besonderen eine betrügerische Kapitalverwaltungsgesellschaft für einen Euro verkaufen.

3. Der Käufer hat dabei seinen Geschäftssitz regelmässig an einem der Offshore Finanzplätze,

4. wo es den Gläubigern unmöglich ist, Forderungen an die verkaufte Firma bzw. an den veräusserten Fonds auf gerichtlichem Wege durchzusetzen.

– Der Firmenbestatter erhält in der Regel fünfzehn Prozent der übernommenen Verbindlichkeiten unter der Hand aus dem Geld, das meistens durch den Verkauf von Nonvaleurs aus den Taschen leichtsinniger Anleger gezogen wurde.

– Siehe Agiotage, Daimonion, Dampfstube, Dingo-Werte, Falschberatung, Finanzonkologe, Frontrunning, Geldwäsche, Ghettobanking, Glamour Stocks, Hawala, High risk countries, Kapitalmarkt, grauer, Kursmanipulation, Offshore Finanzplätze, Racheengel, Scalping, Schattenbankbereich, Scheintransaktionen, Underground Banking, Winkelmakler.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Firma in älteren Dokumenten auch Ragione (firm, company):

1 Strenggenommen als Rechtsbegriff der Name, unter dem ein Kaufmann tätig wird, siehe § 17 HGB (German Code of Commerce).

2 In der deutschsprachigen wirtschaftswissenschaftlichen Literatur wird mit Firma daneben ein Unternehmen bezeichnet.

3 Umgangssprachlich meint man mit Firma manchmal auch

1. eine einzelne Betriebsstätte, ein Werk und

2. in sehr weiter Bedeutung einen Arbeitsplatz, einen Wirkungsbereich, ein Geschäft im Sinne von (Kauf)Laden.

– Siehe Gesellschaft, Gewerbebetrieb.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Firmenbank (company bank, captive):

Ganz im Besitz eines Unternehmens aus dem Produktionsbereich befindliches Institut. In der Regel dient es dem alleinigen Zweck, die gesamte Finanzierung der Firma durchzuführen.

– Siehe Autobank, Konzernbank.

– Vgl. Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 146 (die Siemens Bank GmbH erhält die Erlaubnis zum Betreiben von Bankgeschäften), S. 152 f. (Probleme mit der zum insolventen ehemaligen Karstadt-Konzern gehörigen Valovis Bank).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Firmenbuch (companies register):

In Österreich seit 2007 das vormalige Handelsregister. Es wird bei den Landesgerichten geführt und macht die rechtlichen Verhältnisse von Unternehmen in Österreich öffentlich. Zum Eintrag gehören Firma und Sitz des Unternehmens, die Zeichnungsberechtigten, das Grund- oder Stammkapital und je nach gewählter Rechtsform weitere Informationen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Firmenfonds und Unternehmensfonds (corporate fund):

Von einem Unternehmen - seltener gesagt auch in Bezug auf ein Institut - gegründeter, diesem zugeordneter und gespeister Fonds, der je nach besonderer Zielsetzung und grundsätzlich risikogestreut in auch weniger bekannte Unternehmen investiert (a division or subsidiary of a financial or industrial corporation which invests into companies according to specific strategies). - Auch andere Absichten können mit einem Firmenfonds verbunden sein, so etwa Mittel in Zusammenhang mit einer Unternehmensübernahme zu sammeln.

– Siehe Aktienrückkauf, Buyout-Kapital, Fusionen- und Übernahmen, Hedge-Fonds-Kredite, Kapitalverwaltungsgesellschaft, Leveraged Buy-out, Private Equity Fund, Restrukturierung, Staatsfonds, Vulture Fund, Window on Technology.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Firmenkreditkarte (business credit card):

Zahlungsvorgänge - wie etwa bei Reiskosten - in einem Unternehmen werden zwischen einem Arbeitnehmer und dem Unternehmen über eine Geldkarte abgewickelt. Dabei

1. erweitert entweder das Unternehmen den mit einem kartenausgebenden Unternehmen bestehenden Vertrag über eine Hauptkarte um die Ausgabe von Zusatzkarten für bestimmte Mitarbeiter oder

2. es wird ein Einzelkreditkartenvertrag zwischen dem kartenausgebenden Unternehmen und dem einzelnen Arbeitnehmer geschlossen. - Rechtlich besteht in beiden Fällen eine gesamtschuldnerische Haftung des Arbeitnehmers und des Arbeitgebers für die mit der Firmenkreditkarte getätigten Umsätze. Wegen vieler damit zusammenhängender Rechtsfragen - wie Missbrauch der Karte durch Nutzung Dritter, Beteiligungsrechte des Betriebsrats bei Einführung einer Firmenkreditkarte, datenschutzrechtliche Vorgaben, steuerliche und sozialversicherungsbezügliche Streitfragen: die Firmenkreditkarten sind inzwischen zu einem eigenen Sondergebiet des Arbeitsrechts (special field of labour law) geworden - werden Firmenkreditkarten in den letzten Jahren nur noch sparsam ausgegeben. Man stattet heute Mitarbeiter eher mit einer Tankkarte (fuel card : a card used as a payment card for gasoline, diesel, and other fuels at gas stations) oder einer vorausbezahlten Karte zum Bahnfahren aus.

– Siehe Auszahlung, Chipkarte, Community Card, Geld, elektronisches, Geldkarte, Fringe Benefits, Geldautomaten-Sperre, Karten-Allianz, Kreditkarte, Netzgeldgeschäft, Pay-Green-Initiative, Plastikgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Firmen-Kurzportrait und [wie im Englischen] Tear Sheet (tear sheet):

In der Finanzsprache eine in der Regel auf nur einem Blatt Papier zusammengefasste Vorstellung eines Unternehmens, das Banken ihren Kunden zusenden; letztlich mit der Absicht, dass diese Aktien der betreffenden Firma kaufen. Oft sind die Tear Sheets - der Begriff bedeutet im Englischen ursprünglich die herausgerissene Seite einer Zeitung oder eines Buches (tear sheet originally designates a page removed from a newspaper or book for use separately) - wortgleich mit den von Rating-Agenturen erstellten und heute auch zumeist im Internet abrufbaren Beurteilungen (a brief statement of information on publicly-traded companies. These one-page sheets, often grounded on the sheets published by rating agencies, summarise key fundamental analysis metrics and recent operating results of the firms. Traders often send tear sheets to current or potential clients to encourage them to invest in certain companies).

– Siehe Bonitätsklasse, Downrating, Investment Grade, Kalibrierung, Profiling, Rating, Risikoprofil, Run Rate, Shadow Rating.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Firmenoase (corporate haven):

Länder und Gebiete, die eine Ansiedlung von Unternehmen mit verschiedenen Mitteln begünstigen (jurisdictions with laws friendly to corporations, thus encouraging them to choose that jurisdiction as a legal domicile). Es muss aber eine Firmenoase nicht zwangsläufig auch eine Steueroase sein. Bereits eine gut arbeitende Verwaltung bei politischer Stabilität, günstige klimatische und verkehrstechnische Gegebenheiten, ein breites Arbeitskräfteangebot oder ein unternehmensfreundliches allgemeines Umfeld - wie derzeit in den USA im Staat Delaware oder auf dem europäischen Kontinent in der Schweiz - sind entscheidende Umstände für eine Standortwahl bzw. Standortverlegung.

– Siehe Domizilverschleierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Firmenwert auch Geschäftswert (company value, goodwill):

1 Allgemein der positive Unterschied zwischen dem Erwerbspreis für ein Unternehmen und dem Marktwert des so erworbenen Nettovermögens (the positive difference between the purchase cost and the fair market value of the assets and liabilities acquired with a company).

2 Gemäss IAS/IFRS ist bei einem Unternehmens-Erwerb ein allfälliger Plussaldo der Anschaffungskosten (historical costs) über den vom Erwerber am Tag des Tauschvorgangs erworbenen Anteil an den Vermögenswerten und Schulden als Geschäfts- oder Firmenwert zu bezeichnen. Dieser Überschuss muss als Vermögensteil behandelt und planmässig über die Nutzungsdauer (economic life) abgeschrieben werden. Hierbei ist im Normalfall von einer Nutzungsdauer von zwanzig Jahren auszugehen.

– Siehe Goodwill.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

First-Mover-Bonus (so auch im Deutschen gesagt):

Besonders günstige Bedingungen, welche einer Bank gewährt werden, die sich als erstes Institut bei einer Krise unter den Schirm eines staatlichen Rettungsplanes begibt. - In Deutschland nahm im Herbst 2008 als erstes grosses Institut die Commerzbank AG die Rekapitalisierungshilfen des im Oktober 2008 errichteten Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung in Anspruch. Dies erfolgte eigentümerschonend (owner-protecting) im Wege einer stillen Einlage (silent partnership, dormant partnership), und die Finanzmarktstabilisierungsanstalt verzichtete auf weitere Kontrollen, wie etwa die Entsendung von Vertretern in den Aufsichtsrat.

– Siehe Bankenrettungsgesetz, Banktestament, Crisis Management Groups, Mindestanforderungen an die Ausgestaltung von Sanierungsplänen, Notfallfonds für Krisenbanken, Too big to fail-Grundsatz. Staatsfonds.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

First-to-Default-Basket, FTD (so auch im Deutschen):

Kreditderivat, bei dem sich der Anleger verpflichtet, den Ausfall der ersten Forderung eines kleineren Portfolios von üblicherweise fünf Referenzaktiva zu übernehmen. Im Gegenzug erhält er vom Ausgeber (Sicherungsnehmer; floating rate payer) eine entsprechend bemessene Prämie.

– Siehe Kreditderivat, Option.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fiscal Agent (so auch im Deutschen gesagt; seltener Fiskalagent):

1 Ein Institut, das für ein Unternehmen oder eine öffentliche Stelle die Finanzgeschäfte besorgt (an institute appointed by a corporation or public sector entity to advise in financial matters and to manage payment transactions).

2 Ein Anleihe-Treuhänder, nämlich im Regelfall eine Bank, die allein oder mit anderen (syndicate; Konsortium) eine Anleihe an den Markt bringt und meistens dann auch die Marktpflege für diesen Titel während der gesamten Laufzeit des Papiers übernimmt (a bank or banking syndicate appointed by the borrower to undertake certain duties related to a new issue, such as assisting the payment of interest and principal, redeeming bonds or coupons, handling taxes, nursing etc.).

3 Im Besonderen auch von der Deutschen Bundesbank gesagt. Diese ist Hausbank des Bundes, führt für die öffentlichen Stellen jeweils Konten, besorgt den Zahlungsverkehr und unterstützt den Bund sowie die Bundesländer bei der Kreditaufnahme am Kapitalmarkt. Zudem bringt sie Münzen in Umlauf, die der Bund ausgeben darf, nachdem der Umfang der Ausgabe durch die EZB genehmigt wurde.

– Siehe Arranger, Bundeswertpapiere, Eigenkapital-Arrangeur, Kurspflege.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fiscal Drag (so auch im Deutschen gesagt; seltener mit Steuerdrift ins Deutsche übersetzt):

1 Die dämpfende Wirkung auf die Wirtschaftstätigkeit, wenn der Staat zunehmend Mittel aus dem Marktsektor einer Volkswirtschaft abzieht.

2 Zustand in einer Volkswirtschaft, wenn der Staat, hauptsächlich wegen zu hoher Staatsverschuldung, seine Nachfrage nach Waren und Leistungen zurückfahren muss (a climate where there is little government spending to encourage growth in an economy; this occurs as a result of high deficits that require a reduction in public spending).

3 Kalte Progression (bracket creep): die Steuern nehmen auf inflationsbedingte Erhöhungen von Gewinn und Einkommen keine Rücksicht. Immer mehr Steuerpflichtige kommen dadurch aufgrund des Progressionstarifs in eine höhere Steuerklasse (tax thresholds are not adjusted for inflation, by this because of progressive taxation bringing about an automatic rise in tax revenues).

– Siehe Crowding out, Fiskalquote, Lug-und-Trug These, Progression, kalte, Ricardo-Effekt, Staatsverschuldung, konsummindernde, Staatsverschuldung-Zins-Zusammenhang, Verschuldungsquote, öffentliche, Wagnersches Gesetz, Weginflationierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fischpfennig (fish soccage redemption payment; fishing fee):

1 Frühere Abgabe in Bargeld zur Ablösung der Fischgilt, nämlich der zu leistenden Fischlieferungen, die als Bringschuld an den Grundherrn zu leisten war. Gilt, auch Gült und Gülte = in alten Dokumenten die Bezeichnung für Abgabe, zu leistende Zahlung, Schuld.

2 Zahlung in Bargeld für das Recht, in herrschaftlichen bzw. öffentlichen Gewässern den Fischfang bzw. die Fischzucht betreiben zu dürfen, auch Fischzins genannt.

– Siehe Abgabe, Detz, Erlösung, Frongeld, Jägergeld, Taubengeld. Wassergeld, Wildbanngeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fisher-Parität (Fisher parity):

Die Annahme, dass bei einem erwarteten Anstieg des Preisniveaus um ein Prozent auch der Nominalzinssatz um ein Prozent steigen werde (weitläufiger oft nach der Formel: real yield/return = (1 + nominal yield/return) / (1 + annual inflation) – 1). Diese Eins-zu-eins-Beziehung wurde langfristig statistisch weitgehend bestätigt.

– Siehe Realzinssatz.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2001, S. 35 (Erklärung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fishing (so manchmal auch im Deutschen gesagt):

Allgemein der Versuch, auf betrügerische Weise an Daten eines Internet-Nutzers zu gelangen.

– Siehe Finanzagent, Phishing.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fiskal (fiscal; prosecutor):

1 In älteren Dokumenten eine behördlich eingesetzte Person, welcher das Inkasso und die Verwaltung der Abgaben oblag (revenue officer: a public official having control of public revenue).

2 Früher auch der öffentliche Ankläger (public prosecutor) in einem Strafprozess.

– Siehe Fiskalprokurator, Pfennigmeister.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fiskalmultiplikator (fiscal multiplier):

Die Veränderung des realen Bruttoinlandsprodukts infolge eines vom Staatshaushalt ausgehenden Schocks.

– Siehe Defizitquote, Fiskus, Haushaltsdefizit, Haushalts-Kennziffern, Haushalts-Vorabstimmung, europäische, Inverzugsetzung, Parafiskus, Schattenstaat, Schuldenbremse, Schuldenquote, Solidarität, finanzielle, Staatsschulden-Rückführung, Staatsverschuldungs-Druck, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Tragfähigkeit öffentlicher Finanzen.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2014, S. 83 ff. (lehrbuchmässige Darstellung; zahlreiche Literaturhinweise; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fiskalpakt (fiscal pact):

Zu Jahresbeginn 2012 von den Regierungen der Eurozone beschlossene "Vertrag über die Stabilität, Koordinierung und Steuerung in der Wirtschafts- und Währungsunion". Neben strenger Haushaltsdisziplin und einer Schuldenbremse vereinbarten die Vertragspartner ein verschärftes Defizitverfahren. - Ob der Pakt freilich neue Verschuldungskrisen verhindern kann, ist fraglich. Denn Fehlentwicklungen auf dem Arbeitsmarkt (die Gewerkschaften erzwingen Lohnsteigerungen über dem Grenzprodukt der Arbeit [grob: das Unternehmen muss pro Arbeitsstunde mehr an Lohn zahlen, as der Beschäftigte an Wertschöpfung leistet], was zum Verlust der internationalen Wettbewerbsfähigkeit führt) und auf dem Finanzmarkt sind auch bei ausgeglichenem Staatshaushalt möglich. - Auch handelt es sich bei dem Fiskalpakt - entgegen mancher Darlegungen auch in den Medien - keinesfalls um eine Fiskalunion. Denn auch bei fortgesetzter Verletzung der fiskalischen Regeln (fiscal rules) ist keine Aufgabe der nationalen Budget-Souveränität vorgesehen. Die Verantwortung für die Finanzpolitik und damit auch für die Umsetzung der vereinbarten Abmachungen verbleibt auf nationaler Ebene. - Die Kritik am Fiskalpakt hob hervor, dass hoch verschuldete Länder eine sehr lange Zeit benötigen, um in sehr kleinen Schritten auf das Haushaltsgleichgewicht zuzugehen. Einschneidende Sparprogramme (radical austerity measures) verschärfen dort die Krise und führen zum Gegenteil dessen, was man erreichen möchte. Denn aufgrund des wirtschaftlichen Abschwungs sinken die Steuereinnahmen, und die Transferleistungen steigen. Das wiederum erhöht die Staatsverschuldung, was Forderungen nach neuen Sparmassnahmen erzeugt, wodurch die Krise dann weiter verschärft wird. So entsteht ein Teufelskreis (vicious circle), der nur sehr schwer zu durchbrechen ist. - Auf jeden Fall müssen die Ursachen der Ungleichgewichte angegangen und hier Reformen - wie vor allem Entfaltung des Wettbewerbs auf allen Ebenen sowie Bemühen um eine leistungsfähige Staatsverwaltung und stabile Rechtsordnung - durchgesetzt werden. - Solange nicht in allen Ländern das Handeln durch die Einsicht bestimmt wird, dass über das Mittel der Staatsverschuldung in dieser Generation nicht Ressourcen im Vorgriff auf kommende Zeiten verbraucht werden dürfen ("Stabilitätskultur"; culture of stability), sind alle entsprechenden Abkommen letztendlich wirkungslos.

– Siehe Angleichungsautomatismus, Bail-out, Bilanzbereinigung, Blame game, Disfunktionalität, währungsraumbezogene, Eckdaten, makroökonomische, Erpressungspotential, Europäische Währungsunion, Grundfehler, Europäischer Stabilitätsmechanismus, Euro-Plus-Paket, EWU-Sprengsatz, Finanzrat, Finanzstabilität, Griechenland-Krise, Gruppendruck, Irland-Krise, Japanisierung, Perpetuum Mobile, Politikklammer, Politikverzug, Portugal-Krise, Rettungspaket, Schuldendroge, Schuldenunion, Solidarität, finanzielle, Sperrkonto, Staatsverschuldungs-Druck, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Grundfehler, Tina, Transferunion, Ungleichgewichte, EWU-interne, Vermögensabgabe, Verschuldung-Produktivität-Verkettung, Vertragstreue, Wachstum-Schulden-Tatsache, geschichtliche, Wachstumsförderung, Wettbewerbsfähigkeit, Zwangsenteignung.

– Vgl. Jahresbericht 2011 der Deutschen Bundesbank, S. 37 ff. (wirtschaftliche Koordinierung in der EU allgemein und im Besonderen; Übersicht; Literaturhinweise), Geschäftsbericht 2012 der EZB, S. 151 f. (Inkrafttreten des Vertrags zum 1. Januar 2013; Schuldenbremse), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Februar 2012, S. 64 ff. (Vorstellung und Beurteilung des Fiskalpaktes), Monatsbericht der EZB vom März 2012, S. 113 ff. (Vorstellung des Fiskalpaktes), Monatsbericht der EZB vom Mai 2012, S. 85 ff. (ausführliche und tiefgehende Erörterung zum Fiskalpakt), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2013, S. 71 ff. (neue Entscheidungen zu Defizitverfahren), Monatsbericht der EZB vom September 2013, S. 113 ff. (Ergebnisse der Stärkung des Stabilitäts- und Wachstumspaktes; weitere Verbesserungen sind erforderlich).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fiskalpolitik (fiscal policy):

Der Einsatz der staatlichen Finanzpolitik, um ausgleichend auf den Wirtschaftskreislauf einzuwirken; im Besonderen: um konjunkturbedingte Nachfragedefizite oder Nachfrageüberschüsse abzumildern oder ganz zu glätten (measures employed by governments to stabilise the economy, particulary by modifying the levels and allocations of taxes and government expenditures).

– Siehe Fiskalunion, Konjunkturpolitik, Staatshilfe, Wirtschaftsregierung, europäische.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juni 2008, S. 85 ff. (fiskalische Steuerung und das Wirken automatischere Stabilisatoren; viele Literaturverweise), Jahresbericht 2008 der EZB, S. 88 ff. (Fiskalpolitik in der Finanzkrise), Monatsbericht der EZB vom Juli 2010, S. 73 ff. (Wirksamkeit der Fiskalpolitik in der Eurozone; viele Übersichten; Literaturverweise; sprachlich streckenweise schwierig).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fiskalprokurator und Fiskalpatron (fiscal procurator):

In älteren Dokumenten ein rechtskundiger Beamter, dem die Eintreibung der landesherrlichen Einkünfte oblag.

– Siehe Fiskal.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fiskalquote (public revenues quota):

Die Gesamtheit der Abgaben, welche den öffentlichen Haushalten - Bund, Länder, Gemeinden - und den Einrichtungen der Sozialversicherung als Pflichtbeiträge zu entrichten sind, im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt.

– Siehe Einnahmequote, Crowding out, Fiscal Drag.

– Vgl. entsprechende Zahlen für die Eurozone im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Öffentliche Finanzen", Unterrubrik "Einnahmen, Ausgaben und Finanzierungssaldo" im jeweiligen Monatsbericht der EZB.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fiskalunion (fiscal union):

In Bezug auf die EWU der Plan, zusätzlich zu bereits eingeleitete Abmachungen wie den Fiskalpakt eine gemeinsame, zentralisierte Einnahme- und Ausgabepolitik einzuführen. Danach müssten die Mitglieder der EWU auf die nationale Fiskalpolitik ganz verzichten. Dies jedoch ist nur über eine Änderung des Vertrags über die Europäische Gemeinschaft möglich, was gemäss nationaler Verfassung in den meisten Mitgliedsstaaten eine vorangehende Volksabstimmung erfordert. - Zu bezweifeln ist indessen, ob allein schon eine Fiskalunion auch die Schwierigkeiten löst, vor denen viele Mitgliedsländer der EWU stehen. Die hohe Arbeitslosigkeit oder der die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit würden nicht verschwinden, und der Anpassungsbedarf wäre weiterhin vorhanden. Zudem ist fraglich, dass eine Fiskalunion schon von sich aus das schaffen würde, was man "Stabilitätskultur" (culture of stability)) nennt: nämlich die Einsicht, dass diese Generation nicht Ressourcen im Vorgriff auf kommende Zeiten über das Mittel der Staatsverschuldung verbrauchen darf.

– Siehe Bankenaufsicht, europäische, Erpressungspotential, Europäischer Währungsfonds, Geldwertstabilität, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Subsidiaritätsprinzip, Ungleichgewichte, EWU-interne, Wirtschaftspolitik, europäische.

– Vgl. Jahresbericht 2011 der Deutschen Bundesbank, S. 37 ff. (wirtschaftliche Koordinierung in der EU allgemein und im Besonderen; Übersicht; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fiskus (exchequer, treasury; tax authority, taxing machinery; public coffers):

1 Fachsprachlich der Staat als Träger von Vermögensrechten, wie etwa Eigentum an Grundstücken). Er ist als solcher eine juristische Person ohne hoheitliche Befugnisse und daher in fast allem dem Privatrecht unterworfen.

2 Umgangssprachlich auch der Staat überhaupt, mit der Betonung auf seiner Funktion als steuerfordernder Behördenapparat (tax-claiming administrative machinery).

3 In der älteren Literatur auch die Kasse einer öffentlichen Stelle.

– Siehe Unternehmen, öffentliches.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fixation (fixation):

In der älteren Finanzsprache

1 das Abfindungsgeld,

2 Festlegung eines Gehalts, im Besonderen die besoldungsmässige Einstufung (grading: the classification to the appropriate salary bracket) eines Beamten.

– Siehe Amtsgeld, Bonus, Deputat, Fixum, Garantieprovision, Honorar, Salär, Vergütung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fixed Income Arbitrage (so auch im Deutschen gesagt):

Anlagestrategie, die oftmals von Hedge-Fonds verfolgt wird und die Absicht verfolgt, durch gegenläufige Positionen Preisunterschiede bei Zinstiteln und Derivaten auszunutzen, ohne dabei jedoch ein allgemeines Marktrisiko einzugehen. - Fixed Income-Strategien zielen daher vor allem ab auf die Veränderungen der Zinsunterschiede

1. zwischen Staatsanleihen und Anleihen nichtstaatlicher Emittenten höchster Bonität (AAA),

2. zwischen Anleihen unterschiedlicher Bonitätsklassen oder

3. eines Schuldners mit unterschiedlichen Bürgen, wie Bankbürgschaft, öffentliche Patronatserklärung oder Staatsbürgschaft.

– Siehe Arbitrage, Aval, Ausserbilanzgeschäft, Blankett, Butterfly-Spread, Daytrading, Eventualforderung, Garantiegeschäft, Patronatserklärung, Gegenspekulations-Theorie, Option, Strangle, Strap, Terminspekulant.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fixed Price Reoffering-Verfahren (so auch im Deutschen gesagt):

Vor einer Begebung vereinbart der Arranger mit dem Unternehmen eine Konditionen-Bandbreite, auf deren Grundlage die Banken des Konsortiums bereits Gespräche mit potentiellen Investoren führen. Ziel dieser Roadshow ist es, eine bessere Einschätzung über die Plazierungsfähigkeit (placing power) der Emission zu gewinnen, also gleichsam einen Kaufpreisrahmen (purchase price range) abzustecken. Nach der Konditionenfixierung verpflichten sich die beteiligten Banken ihren jeweiligen Anteil der Emission im Primärmarkt nicht unter dem vereinbarten Preis abzugeben.

– Siehe Bookrunner, Bought Deal, Emissionsgeschäft, Emissionshaus, Ersterwerber, Garantiesyndikat, Konzertzeichner, Marktpflege, Roadshow, Secondary Offering, Underwriter, Wertpapier-Emissionen, Wertpapier-Verkaufsprospekt, Zulassungsstelle, Zweitplazierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fixer (bear):

In älteren Dokumenten ein Marktteilnehmer, dessen Erwartungen auf steigende Preise ausgerichtet sind: ein Haussier.

– Siehe Blase, spekulative, Boom, Fixgeschäft, Flor, Hausse, Hausse nährt die Hausse, Hindsight, Kurzsichtigkeit, Milchmädchen-Hausse, Rally, Runup, Terminspekulant, Trendhandel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fixgeschäft (firm deal, business to be settled on a fixed date; short selling):

1 In Bezug auf den Finanzmarkt jeder Vertrag, bei welchem die Leistung zu einem bestimmten Zeitpunkt oder innert einer bestimmten Frist (Leistungszeit; time of performance) zu erbringen ist; siehe § 361 BGB, § 376 HGB.

2 Transaktion eines Marktteilnehmers (Baissiers), die durch die Erwartung fallender Preise bestimmt wird.

– Siehe Baisse, Fixer, Terminspekulant.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fixing (so auch im Deutschen gesagt):

1 Regelmässig zu gleicher Tageszeit vorgenommene Feststellung bestimmter

1. Warenpreise (wie Gold, Silber, Platin) oder

2. Devisenkurse, wie vor allem EUR/USD durch die EZB.

– Der festgestellte Preis ist das Ergebnis der zu diesem Zeitpunkt herrschenden Verhältnisse von Angebot und Nachfrage auf dem betreffenden Markt.

2 In der älteren Literatur auch gesagt für die Tätigkeit eines Terminspekulanten.

– Siehe Einheitskurs, Fixer, Option, nackte, Position, ungedeckte, Spekulation.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fixum (poll tax; fixed renumeration, fixed salary):

1 In der älteren Literatur häufig gesagt von einer Abgabe, die unabhängig von den Einkünften von jedem Bürger grundsätzlich zu entrichten war, letztlich ein Kopfgeld (tax of a uniform amount levied on each individual, or head).

2 Beim Salär in der Finanzbranche einen fester, unabhängig vom Geschäftserfolg bezahlter Teil. Neben diesem erhalten manche Angestellte auch andere Gehaltsteile, vor allem einen Bonus und allfällige Fringe Benefits.

– Siehe Anreizsystem, Bonifikation, Bonussystem, Garantieprovision, Honorar, Kopfgeld, Millionengrab, Mitarbeiter-Verantwortlichkeit, Prämie, Schlafgeld, Tantieme, Vergütung, Vergütungssystem, Vorstandsbezüge, Verlustübernahme, persönliche.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Flächenstillegungsprämie (acerage reserve premium):

Vom Staat an landwirtschaftliche Betriebe geleistete Zahlung, wenn diese eine bestimmte Fläche

1. für eine vertraglich festgesetzte Zeit (temporal fallow) oder

2. für immer (Dauerbrache; continuous fallow) aus dem Anbau nehmen. Zweck der Massnahme ist es im ersten Fall, ein Überangebot (excess supply) an bestimmten Erzeugnissen zu vermeiden. Im zweiten Fall bilden zumeist Anforderungen an den Naturschutz (nature conversation) den Anlass.

– Siehe Apfelernte-Schluss, Denaturierungsprämie, Spinnweben-Modell, Zyklik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Flagge, rote (red flag):

Im Jargon der Finanzbranche ein Warnsignal: der Hinweis auf eine aufgetretene Schwierigkeit, die sofortiger Aufmerksamkeit bedarf (a warning signal as an indication of a problem; hence something that demands immediate action).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Flash Crash (so auch im Deutschen gesagt, seltener Blitzabsturz):

In Bezug auf den Finanzmarkt der unerwartete, plötzliche Ausfall eines elektronischen Handelssystems. – Am 6. Mai 2010 kam es zu einem fünfzehnminütigen, computerbedingten Unterbruch des Hochfrequenzhandels an der Börse in Neuyork. Schlagartig entfernte sich dadurch der Kurs vieler Aktien ausserordentlich von dem bisherigen Verlauf, ohne dass diese Bewegung irgendwie durch neue Umstände begründet war. Nach Reparatur der Technologie erholten sich die Kurse rasch wieder.

– Siehe Blackout-Risiko, Computerbörse, Börse, elektronische, Finanzmarktschock, Geisterstunde, Handelsplattform, Intermittenz, Stromrisiko, Technologie-Risiken.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2011, S. 76 f. (Lehren aus dem Flash Crash in Neuyork).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Flat (so auch manchmal im Deutschen gesagt):

1 Eine notleidende Anleihe.

2 Die von einer Bank berechnete Festgebühr.

3 Ein vertraglich vereinbarter und auf einen bestimmten Zeitraum bezogener Festzins, vor allem bei Swapgeschäften.

4 In - vor allem von Jugendlichen besuchten - Lokalen beim Eintritt geleistete einmalige Zahlung, die zum Bezug beliebig vieler Getränke berechtigt, im Jargon auch Abfüllgebühr, Rauschanregungs-Taxe (drunken orgy incitement) und ähnlich genannt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Flat Tax (flat tax, seltener mit Pauschalsteuer übersetzt):

Ein einheitlicher Steuersatz, der für Einkommen- und Körperschaftsteuern ab einer bestimmten Mindesthöhe bzw. über einem bestimmten Grundfreibetrag gelten soll. Dies hat auf die Entscheide der Unternehmen (Investitionen) und Privathaushalte (Kauf von Finanzprodukten) und damit auf den Finanzmarkt weitreichende, wenn auch im Einzelnen kaum vorhersagbare Auswirkungen.

– Siehe Groll-Effekt.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom September 2007, S. 89 ff. (Übersichten; Erfahrungen; Abschätzung der Auswirkungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Flaute und Flauheit (dullness, stagnancy, flatness):

In Bezug auf die Börse allgemein oder auf einzelne Bereiche im Besonderen gesagt von Marktverhältnissen, die durch unterdurchschnittliche Umsätze gekennzeichnet sind.

– Siehe Attentismus, Baisse, Bear, Crash, Dominostein-Effekt, Friedhof-Markt, Rückschlag-Effekt, Rush to exit, Sell-Plus-Order, Stille.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Flex-Klausel (flex clause):

1 Vertragsbestimmung bei einem syndizierten Kredit, der es dem Arranger erlaubt, seine Provision (Agency Fee) bei unerwarteter Nachfrage anzupassen (clause in a contract that allows the arranger to increase or decrease the spread on the loan to reflect a situation of over-subscription or under-subscription).

2 Bei einem syndizierten Kredit der Vorbehalt des Arrangers, bei schlechten Marktbedingungen seine Provision zu erhöhen (market flex clause: it allows to increase the spread in case of deterioration of the market conditions).

– Siehe Bought Deal, Club Deal, Fiscal Agent, Fixed Price Reoffering-Verfahren, Gestionsprovision, Roadshow, Syndizierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Flight into Quality (so auch im Deutschen gesagt, aber in unterschiedlicher Bedeutung):

1 Vor allem Vermögensverwalter sowie Hedge-Fonds-Manager trennen sich hastig von hochverzinslichen (high interest bearing), risikoreichen (risky) Engagements und kaufen Staatsanleihen. Dabei kann es zu einem gefährlichen Rush to the exit kommen.

2 Die Risikoneigung der Marktteilnehmer allgemein sinkt. Es werden in der Folge höher verzinsliche Unternehmensanleihen weniger und niedriger verzinsliche Staatsanleihen mehr gekauft. Die dadurch ausgelösten Kursunterschiede (Spreads; spreads) können sich - wie die Erfahrung zweifelsfrei lehrt - über kur oder lang (sooner or later) auf andere Segmente des Finanzmarkts auswirken.

– Siehe Fixed Income Arbitrage.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Flip (so auch im Deutschen gesagt):

Eine nur kurzfristige Investition, bei welcher der Exit bereits zuvor terminlich, betragsmässig oder beides

1. vertraglich vereinbart oder

2. seitens des Investors stillschweigend ins Auge gefasst wird.

– Siehe Replacement Capital, Payback.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Flipper (so auch im Deutschen gesagt):

Ein Anleger - zumeist ein auf solche Geschäfte spezialisierter Händler -, der eine Aktie nur sehr kurz - meistens zwischen 24 und 48 Stunden - hält. Er schaut allein auf den rasch zu erzielenden Gewinn und beobachtet das Papier nicht über einen längeren Zeitraum. Flipper sind durch ihren täglichen Einsatz sehr anfällig auf kurzfristige Marktbewegungen.

– Siehe Chasing Winner, Daytrading, Kontohopper, Noise Traders, Scalper, Switcher, Zinsschnäppchenjäger.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Floater (floating rate notes):

Ein Papier, dessen laufende Verzinsung variabel ist. Nach jeder Zinsperiode, zum Beispiel nach Ablauf von 3, 6 oder 12 Monaten, zahlt der Emittent die Zinsen; gleichzeitig gibt er den Zinssatz für die kommende Periode bekannt. - In Europa richtet sich dieser Zinssatz in der Regel an bestimmten Sätzen aus, früher vor allem am LIBOR (London Interbank Offered Rate) oder am FIBOR (Frankfurt Interbank Offered Rate), in Asien oft am HIBOR (Hongkong-Dollar Interbank Offered Rate). Seit dem Start der Europäischen Währungsunion am 1. Jänner 1999 ist der EURIBOR (European Interbank Offered Rate) der wichtigste Referenzzinssatz, der auch in den Fällen, in denen noch auf den FIBOR Bezug genommen wird, diesen in der Regel ersetzt hat.

– Siehe Anleihe, variabel verzinsliche, Anleihe, zinssteigende, Euro-Bonds, Floor, Reverse Floater, Step-down-Anleihe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Floor (so auch im Deutschen gesagt, aber in unterschiedlicher Bedeutung):

1 Garantierte Mindestverzinsung, wie sie insbesondere bei Floatern vereinbart wird. Selbst wenn die Zinsen unter diese Grenze sinken, so erhält der Anleger jenen Mindestzinssatz (minimum interest rate) gewährt. - Diese Absicherung nach unten hat ihren Preis. Liegen die Marktzinsen nämlich über dem Mindestsatz, dann erhält der Anleger einen etwas geringeren Zins zugestanden. Das Gegenteil - also die Zinsobergrenze - bezeichnet man als Cap.

2 Ein Handelsplatz an der Börse (the area of an exchange where securities are traded).

– Siehe Cap, Inflationsoptionen, Pit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Flor (bloom):

In der älteren Literatur häufig gesagt für (bank)geschäftliche Blüte, guten Verlauf der Umsätze, lebhafte Nachfrage, guter Gewinn. Heute manchmal noch als Zeitwort gebraucht: florieren (flourish: to develop in a profitable way).

– Siehe Boom, Bull, Gewinnkonjunktur, Hausse, Konjunktur, Metabasis, Zyklik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Florentiner auch Florin sowie Floren[us] und abgekürzt fl. (Florence guilder):

In Florenz ab 1252 geprägte Goldmünzen mit dem Wappen der Stadt, der Lilie, mit verlässlicher Reinheit und bis in die Neuzeit eine der begehrtesten, weil wertstabilsten Kurantmünzen; der NLG wurde bis zu seinem Aufgehen in den EUR 1999 mit "fl." = niederländischer Florentiner als Qualitätsbezeichnung abgekürzt. - Um 1350 war Florenz (Firenze) mit 100'000 Bewohnern die grösste Stadt im Abendland. Zum Vergleich: die grösste deutsche Stadt zu jener Zeit war Köln mit 20'000 Bewohnern, gefolgt von Hamburg mit 5'000 Einwohnern Zürich zählte zu dieser Zeit etwa 8'000 Einwohner.

– Siehe Amalfiner, Dareiko, Eteostichon, Gulden, Münze, Numismatik, Samarkander, Sekel, Stater, Talent, Urukagina-Regel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fluchgeld (blasphemy pay; cursed capital):

1 Eine früher behördlich verfügte Strafzahlung für Personen, die öffentlich

1. eine Beschimpfung Gottes (blasphemy; Blasphemie, Gotteslästerung: dishonouring God by words) ausstiessen oder

2. herabsetzende, kränkende und entwürdigende Äusserungen gegenüber Mitmenschen zum Ausdruck brachten. Heute noch in einigen Gemeinschaften wie manchmal bei Pfadfindern satzungsgemäss eingerichtete Abgabe in eine Schatulle (cursing box; "Fluchkasse") für Mitglieder, die Fluchworte über die Lippen bringen.

2 Kapital, das aus Unrechtshandlungen entstand, und das dem Besitzer daher Kümmernis und Unglück bringt, weil auf diesem Vermögen eine Verwünschung liegt (ein Fluch; malediction: a magical locution said with the intention of bringing about evil).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fluchtgeld und Fluchtkapital (refugee money, flight capital):

Kapital, das Anleger in bestimmten Ländern - wie in der Schweiz - hinterlegen, auf deren politische Stabilität und Rechtsordnung sie vertrauen, und in denen vor allem das Bankgeheimnis fest verankert ist. - Informationen über Konten deutscher Staatsbürger im Ausland werden unter Umständen jedoch durch den deutschen Geheimdienst (Bundesnachrichtendienst; Federal Intelligence Service) beschafft, wie im Februar 2008 in Bezug auf das Fürstentum Lichtenstein geschehen. Die deutsche Öffentlichkeit nahm dies mit grossem Wohlgefallen auf, und kaum jemand scherte diese offenkundige Rechtsverletzung (obvious infringement).

– Siehe Bankauskunft, Bargeldkontrolle, Beobachtungsvermerk, Finanzembargo, Geldheimat, Geld, heisses, Geldwäsche, Hafen, sicherer, Helvetophobie, Kontenoffenlegung, Notzeit-Anlagen, Registrierungspflicht, Vertraulichkeit, Zinsinsel, Zweitausweis.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Flüchtlingssiedlungskredit (credit for settlement of refugees):

In Westdeutschland nach 1948 staatlicherseits geförderte, zinssubventionierte und teilweise öffentlich verbürgte Darlehn an genossenschaftliche Bauträger (cooperative building promotors), die Wohnraum für Flüchtlinge (refugees) und Heimatvertriebene (expellees) erstellten.

– Siehe Abzahlungshilfen, Siedlungskredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Flugzeug-Pfandbrief (aircraft mortgage bond):

Eine Schuldverschreibung, die durch Beleihung von Flugzeugen gedeckt ist. Ähnlich wie Schiffe (Schiffspfandbrief; ship mortgage bond), so sind auch Flugzeuge langlebige Wirtschaftsgüter (durable goods) mit geringen Ausfallraten. Ein gut funktionierender, internationaler Zweitmarkt für Flugzeuge ist zudem vorhanden.

– Siehe Pfandbrief.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Flurfunk (office grapevine):

Wenn nicht anders definiert in der Finanzsprache Gerüchte, Gerede, Ondit, Gemunkel, Geraune und Getuschel aus den verschiedenen Abteilungen einer Bank (the informal networks of communication that exist in any organisation and, therefore, in a bank): weltweit bis heute eine bedeutsame Informationsquelle für Finanzjournalisten.

– Siehe Banker-Stammtisch, Börsengerüchte, Chinese Wall, Delator, Dissemination, High Flyer, Kreditgefährdung, Whistleblower.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Flurgeld (land protection duty; hall fee):

1 In früherer Zeit eine gemeindliche Umlage, um den Flurschützen (Feldhüter, Flurer, Pfänder, Bannwart; village watchman in charge of fields, field guard) zu bezahlen. Diesem oblag der Schutz der Nutzflächen (useful areas; Gehölze, Wiesen, Pflanzungen, Feldfrüchte) eines Siedlungsgebiets gegen rechtswidrige Beschädigungen durch Menschen oder nicht beaufsichtigte Tiere. In alten Dokumenten auch Grünhutgeld genannt (Hut = hier: Bewachung, Beschützung, Sicherung).

2 Heute in (Studenten)Wohnheimen eine Zahlung für die Beschaffung zusätzlicher Einrichtungen - wie etwa die Aufstellung und Unterhaltung einer Waschmaschine - bei den Bewohnern des jeweiligen Flurs, in der Regel gemäss Mehrheitsentscheidung der Flurversammlung (hall meeting) erhoben.

– Siehe Hamegeld, Hütegeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Flüssigmachung (realisation):

In der Finanzsprache meint man damit einen Vermögenswert in Bargeld umwandeln.

– Siehe Ausstieg, Liquidität, Liquiditätsformen, Liquiditätspuffer, Liquiditätsprämie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Follow-up-Prüfung (so auch im Deutschen gesagt):

Wenn nicht anders definiert die zeitlich kurz nach einer abgeschlossenen Prüfung neu angesetzte Kontrolle durch die Aufsichtsbehörde bei einem Institut, das auf der Watchlist steht.

– Siehe Amber Light.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fonds (fund):

1 Das von einer Kapitalverwaltungsgesellschaft aufgelegte und verwaltete Sondervermögen (Kapitalstock), über das Anteilscheine ausgegeben werden.

2 Versicherungstechnisch das beim Kapitaldeckungsverfahren in Zusammenhang mit der Altersvorsorge angelegte gebundene Vermögen.

3 In der öffentlichen Haushaltswirtschaft das bestimmten Zwecken zugewiesene (appropriierte; appropriated) Geld.

4 Im Rechnungswesen die Zusammenfassung von Bilanzposten zu einer sinnvoll zweckgerichteten Einheit (zu einem finanziellen Nutzungspotential; utilisation potential).

5 Angesammeltes Geld oder Vermögensgegenstände für einen bestimmten Zweck (accumulated deposit of resources), ein Bestand (stock, store) an Werten, in der älteren Finanzsprache auch häufig Topf (pot) genannt.

6 In der älteren Literatur auch gesagt für jeden Vermögensgegenstand, insofern er Ertrag abwirft. - Man liest in jüngster Zeit häufig - und bei wem gar! - "Fond", was eine grottenfalsche Schreibweise ist; "Fond" bezeichnet nämlich in der deutschen Sprache das Innere eine Automobils.

– Siehe Ablauffonds, Balanced Fund, Blind Pool, Bogey, Captive Fund, Club Deal, Effektenfonds, Firmenfonds, Fondsbörse, Forward Pricing, Garantiefonds, Gehaltsverzicht, Go-go-Fonds, Hedge-Fonds, Investivlohn, Investmentfonds, Inhouse-Fund, Investmentvermögen, Kapitalanlagegesetzbuch, Pensionsfonds, Pensionskasse, Profit Centre, Spezialfonds, Steuerspar-Fonds, Thesaurierungs-Fonds, Tontine, Topf, Tracking Error, Verzehnfacher.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 210 ff. (neue rechtliche Bestimmungen ab 2004), Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 179 (Gliederung der Fonds), S. 180 (Investmentmeldeverordnung), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 143 (Prospektpflicht für Vermögensanlagen), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 36 f. (neuere aufsichtsrechtliche Entwicklung) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fonds, ausgewogener und Fonds, stabiler (balanced fund):

Wenn nicht anders definiert der Kapitalstock einer Kapitalverwaltungsgesellschaft, der lediglich Aktien und Obligationen aufnimmt (an investment company that invests in shares and bonds only).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fonds, ausländischer (foreign fund):

Wenn nicht anders definiert eine im Ausland ansässige Kapitalverwaltungsgesellschaft, die in Deutschland Anteile vertreibt.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2013, S. 18 f. (Fonds aus Luxemburg liegen an der Spitze; Abgrenzungsfragen; Erfassung in der Zahlungsbilanzstatistik; Übersicht des Mittelaufkommens seit 2004).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fonds, einkommengenerierender (income [generating] fund, income trust):

Der Kapitalstock einer Kapitalverwaltungsgesellschaft, aus dessen Erträgnissen laufende Auszahlungen an die Anteilsbesitzer fliessen (an investment fund that holds assets which are continuously income producing, and the income is passed on to the unit holders).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fonds, ethischer (ethical fund):

Sondervermögen einer Kapitalverwaltungsgesellschaft, die öffentlich bekundet, Investitionen ausschliesslich oder vorwiegend nach bestimmten, jeweils mehr oder minder genau umrissenen sittlichen Leitbildern (moral guidelines) zu tätigen.

– Siehe Anlage, ethische, Auftragsfonds, Investition, nachhaltige, Nachhaltigkeit, Ökofonds, Sustainability-Fund.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fonds, flexibler (flexible fund):

Kapitalverwaltungsgesellschaft, die satzungsgemäss dem Fondsmanagement einen sehr grossen Entscheidungsspielraum bei der Geschäftsführung (very wide discretion in the management) der einzelnen Sondervermögen einräumt.

– Siehe Balanced Fund, Blind Pool, Go-go-Fonds.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fonds, gemischter auch Mischfonds (mixed fund):

Das von einer Kapitalverwaltungsgesellschaft aufgelegte und verwaltete Sondervermögen, in dem

1. sowohl Aktien

2. als auch Anleihen

3. als auch unter Umständen andere Papiere enthalten sind. In der Regel sind in der Satzung (bylaws) des Fonds Höchstgrenzen für einzelne Arten der Wertpapiere genannt. Dem Fondsmanagement steht es aber in der Regel frei, innert dieser Grenzen je nach den Marktgegebenheiten den Fonds umzuschichten (fund management usually is free, depending on the market conditions, to redeploy the fund).

– Siehe Balanced Fonds.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2013, S. 17 (gemischte Fonds gekennzeichnet durchgeringe Volatilität ihres Mittelaufkommens). – Im monatlich erscheinenden Statistische Beiheft "Kapitalmarktstatistik" der Deutschen Bundesbank auch Zahlen über die Anzahl, den Anteilumlauf und das Vermögen inländischer gemischter Fonds (domestic mixed funds), nach verschiedenen Gesichtspunkten aufgeschlüsselt; dort die erklärende Fussnote beachten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fonds, geschlossener (closed-end fund):

Sondervermögen einer Kapitalverwaltungsgesellschaft, die darüber eine genau festgelegte Anzahl von Anteilsscheinen bleibend ausgibt. Das Fondsmanagement ist hier nicht verpflichtet, ausgegebene Zertifikate auf Verlangen des Anteilinhabers zurückzunehmen. Der Inhaber eines Anteilsscheins kann diesen nur am freien Markt verkaufen, wo sich der Preis nach Angebot und Nachfrage richtet und unter Umständen ein erheblicher Verlust verbucht werden muss. - Im Gegensatz dazu kann das Fondsmanagement eines offenen Fonds jederzeit Anteilsscheine ausgeben und zurücknehmen.

– Siehe Investmentvermögen, Kapitalanlagegesetzbuch, Real Estate Investment Trust, Rücknahme-Sperre.

– Vgl. Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 170 (durch das KAGB werden geschlossene Fonds der laufenden Aufsicht unterworfen), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 178 (Prospektrechtliches).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fonds, offener auch Investmentfonds, offener (open end fund):

Sondervermögen einer Kapitalverwaltungsgesellschaft, über das keine im Voraus festgelegte Anzahl von Anteilen ausgegeben wird. Vielmehr gibt das Fondsmanagement nach billigem Ermessen (at reasonable discretion) neue Zertifikate heraus und nimmt diese auch wieder zurück. Der Kurs eines Zertifikats ergibt sich anteilig aus dem Wert des Vermögens des Fonds und des Kassenbestandes. Er wird von der Fondsgesellschaft in der Regel täglich anhand von Marktdaten ermittelt und veröffentlicht. Hierbei wird zwischen Ausgabekurs und Rücknahmepreis des Anteilscheins unterschieden. Im Eurogebiet überwiegen bis anhin bei weitem die offenen Fonds.

– Siehe Fonds, geschlossener, Investmentvermögen.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 68 f. (offene Fonds können Teil einer Kreditintermediationskette sein und ihr Marktpotential durch den Einsatz von Derivaten vervielfachen; Übersicht), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2013, S. 13 ff. (vergleichende Marktanalyse der Fonds und insbesondere deren Mittelaufkommen), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 182 (Erlaubnis und Aufsicht seitens der BaFin nach dem KAGB).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fonds, öffentlicher (public fund):

Wenn nicht anders definiert, die von einer öffentlichen Stelle eingerichtete und verwaltete Vermögensmasse mit jeweils festgelegtem Zweck (money funded [in government securities or through the levy of taxes] from a governmental entity with a specific purpose).

– Siehe Staatsfonds.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fondsbörse (securities exchange):

In der älteren Literatur häufig gesagt für die Wertpapierbörse. - Der Begriff "Fonds" hatte früher auch die allgemeine Bedeutung Vermögensgegenstand.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fondsfähigkeit (suitability for investment funds):

Die Eigenschaft eines Vermögensgegenstandes - im engeren Sinne eines Wertpapiers -, Aufnahme in ein von einer Kapitalverwaltungsgesellschaft betreutes Portfolio zu finden.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fondsfusionen (fund mergers):

Wenn nicht anders definiert, die Übertragung des Kapitalstocks einer Kapitalverwaltungsgesellschaft auf ein anderes Sondervermögen derselben Gesellschaft mit dem Ziel, die Fonds-Palette zu straffen. Derartige Umschichtungen bedürfen in Deutschland der aufsichtsrechtlichen Einwilligung.

– Siehe Annoucement, Switcher, Umbrella-Fonds.

– Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 145.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fondsgesellschaft (investment trust; mutual fund):

Neben dem Wort "Investmentgesellschaft" eine gebräuchliche Bezeichnung für eine Kapitalverwaltungsgesellschaft, nämlich ein Unternehmen, das Investmentfonds auflegt und verwaltet.

– Siehe Kapitalverwaltungsgesellschaft, Kapitalanlagegesetzbuch.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fondsrating (so auch im Deutschen gesagt):

Die fachgerechte Bewertung der von einer Kapitalverwaltungsgesellschaft aufgelegten Fonds. Leistungskriterien sind vor allem die Performance und das Risiko des Kapitalstocks.

– Siehe Analyst, Audit, Benchmark, Bogey, Rating, Risikoüberwachung, gegliederte, Sharpe-Relation.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fondstilgung (repayment by share fund):

Darlehn - vor allem Hypotheken privater Kreditnehmer - werden nicht auf dem üblichen Weg über eine laufende Tilgungsrate abbezahlt. Statt dessen erwirbt man Monat für Monat (Aktien)Fondsanteile. Aus dem erzielten Vermögenszuwachs des Fonds wird dann das Darlehn bei Fälligkeit getilgt. - Wenn jedoch der Wertzuwachs des Fonds nicht regelmässig über dem Effektivzins des Darlehns liegt, dann erleidet der Kreditnehmer einen Verlust. Falls sich dazu noch zum Termin der Darlehnstilgung die Börse in einer Abschwungsphase befindet, dann gerät der Schuldner in Bedrängnis. Es entstehen bei der in den letzten Jahren vielfach empfohlenen Fondstilgung also Risiken, die klassische Abzahlungsformen (classical methods of repayment) nicht haben.

– Siehe Insolvenzfälle, Zwangswandelanleihe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fondsvermittler (fund agent):

Wer Anteile einer Kapitalverwaltungsgesellschaft zum Kauf anbietet, bedarf bis anhin keiner Erlaubnis und auch keines Haftungsdaches (liability umbrella, liability coverage: Versicherung zum Schutz des Kunden).

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 140.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fondswirtschaft (funds welter, funds chaos):

Missfällige Bezeichnung für eine undurchsichtige Gliederung des öffentlichen Haushalts, bestehend aus vielen einzelnen Töpfen, aus überhaupt nicht oder nur lose verbundenen Kassen und Fonds. Es ist heute selbstverständlich, dass sämtliche öffentlichen Einnahmen und Ausgaben in einen Haushaltsplan gefasst werden, und dieses Budget dem Parlament vorzulegen ist.

– Siehe Eventualfonds, Finanzwissenschaft, Gebarung, Nachtragshaushalt, Nebenfonds, Nonaffektations-Prinzip, Parafiskus, Schattenhaushalt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Förderbank (business development bank):

Zur Unterstützung von Massnahmen staatlicher Wirtschaftspolitik - etwa Wohnraumförderung, Windkraftanlagen; wind energy plants - eingerichtetes (halb)staatliches Institut, das in der Regel zinsverbilligte Darlehn für die jeweils geförderten Vorhaben

1. direkt gewährt oder

2. darlehnsgewährenden Banken einen günstigen Refinanzierungskredit einräumt. Der letztere Weg ist erfahrungsgemäss der bessere, weil dann die banküblichen Prüfungen des Schuldners und die Überwachung ohne allzu starken politischen Einfluss vonstatten gehen kann.

– Siehe Abzahlungshilfen, Bodenkreditinstitut, Landschaft, Meliorationskredit, Papiere, grüne, Pfandbrief, Seehandlung, Siedlungskredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fordergeld (master craftsman certificate fee; employment brokerage; up-front fee):

1 Frühere Gebühr in die Zunftkasse beim Aushändigen des Meisterbriefes an den Jungmeister (fordern = hier: vorwärts kommen); manchmal auch Gebotgeld genannt; Gebot = hier: öffentliche Ankündigung.

2 Früher die anteilige Zahlung vom Tagelohn des Gesellen an jenen Meister, der ihm eine vorübergehende Anstellung bei einem anderen Meister verschafft hat.

3 Früher in der Zunftordnung (guild statutes) festgelegte vorausgehende Zahlung eines Zunftangehörigen, der eine ausserordentliche Sitzung beantragt; dadurch sollten unnötige Zusammenkünfte vermieden werden.

– Siehe Innungsgeld, Pfeffergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Forderung in alten Dokumenten auch Heischung (claim, receivable):

1 Rechtlich ein sich aus Vertrag oder Gesetz ergebender Anspruch eines Gläubigers gegen seinen Schuldner. In der Regel besteht dieser in Form einer Zahlung in Geld.

2 Aus des Sicht des Finanzmarktes jegliche Form eines Darlehns, einer Anleihe oder eines anderen Vermögenswertes, das ein Kreditrisiko darstellt.

– Siehe Aussenstände, Bezahlung, Restschuld, Verbindlichkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Forderung, aussortierte (classified claim):

Durch Stockung der vertraglichen Zahlungen auffällig gewordener Posten (an asset item that is not being repaid on time and has been labeled as a troubled asset).

– Siehe Vermögenswert, aussortierter.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Forderung, ausstehende (unpaid arrear):

Betrag, der zur Zahlung ansteht aber am Fälligkeitstag unbezahlt blieb (which remains unpaid after the contractual due date).

– Siehe Aussenstände, Forderung, fällige.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Forderung, dubiose auch nur Dubiose (bad debt, impaired debt):

Vor allem in älteren Dokumenten häufig gesagt von einer wahrscheinlich uneinbringlichen Forderung (a receivable which is unlikely to be repaid due to the borrower's low creditworthiness, and which generally has already fallen into arrears).

– Siehe Default, Forderung, ausstehende, Kredit, notleidender.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Forderung, fällige (claim payable):

Ausgebliebene Zahlung aus einem Darlehn (a loan payment that has not been made as of its due date. In general failure to repay a loan on time could have negative implications for the borrower's credit status or cause the loan terms to be permanently adjusted).

– Siehe Arreragen, Default, Delinquent, Kunde, fauler, Monitum, Säumnisquote, Verzug, Zahlungsausstand.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Forderung, kontaminierte (contaminated claim):

Mit der Subprime-Krise aufgekommene Bezeichnung für

1. eine Position, die mit einer sehr hohem Ausfallwahrscheinlichkeit (high probability of default) behaftet ist, und für die seitens der Bank ein Wertberichtungs-Bedarf (need for value adjustments) entsteht;

2. im engeren Sinne wertlose Verbriefungspapiere.

– Siehe Absenzkapitalismus, Bad Bank, Forderung, dubiose, Kredit, notleidender.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Forderungs-Inkongruenz (asset mismatch):

Ein Zustand, der dann eintritt, wenn die abzusichernde Forderung

1. nicht mit einer das Kreditereignis bestimmenden Forderung,

2. nicht mit der einen Auszahlungsbetrag bestimmenden Forderung (bei Barausgleich) oder

3. nicht mit den zu liefernden Forderungen (bei physischer Lieferung) übereinstimmt.

– Siehe Erfüllung, Lieferung, physische, Option, Rohstoff-Terminvertrag, Zahlung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Forderungsklassen (categories of claims):

Entsprechend der Vorschrift in Artikel 79 der der Richtlinie 2006/48/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 14. Juni 2006 über die Aufnahme und Ausübung der Tätigkeit der Kreditinstitute sind Forderungen von Banken in der folgenden, nach Gesichtspunkten der Bonität erstellten Ordnung zu gliedern:

"a) Forderungen oder Eventualforderungen an Zentralstaaten oder Zentralbanken,

b) Forderungen oder Eventualforderungen an Gebietskörperschaften,

c) Forderungen oder Eventualforderungen an Verwaltungseinrichtungen und nicht-gewerbliche Unternehmen,

d) Forderungen oder Eventualforderungen an multilaterale Entwicklungsbanken,

e) Forderungen oder Eventualforderungen an internationale Organisationen,

f) Forderungen oder Eventualforderungen an Institute,

g) Forderungen oder Eventualforderungen an Unternehmen,

h) Retail-Forderungen oder Eventual-Retailforderungen,

i) durch Immobilien besicherte Forderungen oder Eventualforderungen,

j) überfällige Posten,

k) Posten mit hohem Risiko,

l) Forderungen in Form von gedeckten Schuldverschreibungen,

m) Verbriefungspositionen,

n) kurzfristige Forderungen an Kreditinstitute und Unternehmen,

o) Forderungen in Form von Anteilen an Organismen für Gemeinsame Anlagen (OGAW),

oder

p) sonstige Posten."

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Forderungspool (pool of claims):

Allgemein ein Portfolio, in das im Regelfall

1. Finanzaktiva

2. mit durchschnittlichem Bonitätsrisiko und

3. einer Laufzeit von mehr als einem Jahr eingebracht sind, die

4. durch Diversifizierung und Übersicherung auf ein sehr gutes Bonitätsrisiko hochgestuft werden.

– Vornehmlich handelt es sich dabei um Forderungen aus Darlehn, hochverzinslichen Anleihen, Hypotheken, Kreditkartengeschäften, Lizenz- und Franchisegeschäften, anderen Vermögensgegenständen, Leasingverträgen sowie aus Lieferungen und Leistungen.

– Siehe Verbriefung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Forestagium (forest royality):

In älteren Dokumenten die jeweilige Gebühr für verschiedene Arten der Forstnutzung, wie vor allem Durchfahrtsrecht (transit right), Holzeinschlag (Holzfällerei; logging) und Jagd. Waldungen zählten zu den Domänen; eine freie Benutzung war daher grundsätzlich nicht jedermann gestattet.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Formalkapital (liquid assets):

1 Jede Summe Geldes überhaupt; Geldkapital (monetary capital), liquide Mittel (cash resources).

2 Seltener auch: der in Geld ausgedrückte Wert eines Vermögensgegenstandes, so wie er im betrieblichen Rechnungswesen veranschlagt wird. - Der Ausdruck ist in der älteren Nationalökonomik - Überführung von Formalkapital als "abstraktes ökonomisches Potential" in Realkapital und Berechtigung des Zinses - häufig.

– Siehe Geldkapitalbildung, Kapital, Vermögen, Zinsallkokations-Funktion.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Formeln, finanzmathematische (hedge formulas):

Mathematische Gleichungen, die Risiken auf Finanzmärkten, vor allem im Optionsgeschäft zu berechnen suchen. Da es immer ein Restrisiko aufgrund externer Schocks geben wird, bleibt ein Rest von Unsicherheit, wodurch im Ernstfall alle Berechnungen in sich zusammenbrechen. - Dies zeigte sich 1998 sehr deutlich beim Zusammenbruch des Long-Term Capital Managements (LTCM), eines Hedge-Fonds, der von führenden Finanzmathematikern beraten wurde und in diesem Fall durch das russische Schuldenmoratorium mit seinem Dominostein-Effekt aus den Fugen geriet. LTCM war erst 1993 gegründet worden und hatte nie mehr als 190 Mitarbeiter. Aber der Gewinn von 2,1 Mia USD im Jahr 1996 lag schon höher als der vieler Grossunternehmen in der Welt. Vor dem Zusammenbruch hatte LTCM Aktiva von 140 Mia USD, und den Anlegern wurde bei minimem Risiko eine Rendite von vierzig Prozent (!!) versprochen. Innert von nur fünf Wochen blieb von alledem nichts mehr übrig. - Auch nach dem islamistischen Attentat auf das World Trade Center in Neuyork am 11. September 2001 gerieten die meisten bezüglichen Berechnungen über den Haufen.

– Siehe Anlagemodell, Behavioural Finance, Bewertbarkeit, Daimonion, Fibonacci-Folge, Financial Engineering, Finanzmarkt-Analyse, Finanzmathematik, Finanzpsychologie, Modigliani-Miller-Theorem, Sachverhaltsgestaltung, Schocks, strukturelle, Sell-in-May-Effekt, Spielbank-Doktrin, Theoretiker.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Formularsprache (boilerplate):

Die durch genau abgegrenzte Rechtsbegriffe geprägte Ausdrucksweise in banklichen Formblättern, Vordrucken und anderen Schriftstücken (standard legal language used in forms of all kind in banking industry). Das Wort wird meistens seitens der Kunden missbilligend und vorwurfsvoll gebraucht.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Forschung (research):

Bei einer Bank in der Regel eine eigene Abteilung, die sich "dem bewussten Suchen oder Untersuchen widmet mit dem Ziel, neues Wissen zu erreichen, und in der Hoffnung, dass dieses Wissen bei der Entwicklung neuer Produkte, Dienstleistungen, Prozesse oder Techniken Nutzen bringen wird oder zu einer erheblichen Verbesserung schon bestehender Produkte oder Prozesse beiträgt" (Definition in SFAS 2).

– Siehe Absorptionsfähigkeit, Entwicklung, Forschungsquote.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Forschungsnetzwerk zur Inflationspersistenz und Preissetzungsverhalten (Inflation Persistence Network, IPN):

Im Jahr 2003 gegründetes und bis 2005 tätiges Gremium, in dem die Volkswirtschaftlichen Abteilungen der Zentralbanken im Euroraum die Ergebnisse ihrer entsprechenden Analysen einbrachten, austauschten und vergleichend bewerteten.

– Siehe Absorptionsfähigkeit.

– Vgl. Jahresbericht 2005 der EZB, S. 55 ff. (Forschungsergebnisse; hier vor allem vorgefundene Preis-Starrheiten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Forschungs-Partnerschaft (research partnership):

Bei Banken die Finanzierung von wissenschaftlichen Untersuchungen einzelner Geschäftsfelder oder auch neuer Entwicklungen auf dem Finanzmarkt durch staatliche bzw. private Einrichtungen, meistens Universitäts-Institute. So hat etwa die Credit Suisse einen entsprechenden Vertrag mit der Business School Insead in Fontainebleau (Frankreich) mit dem Ziel, die speziellen Gegebenheiten bei der Gründung neuer Unternehmen in Asien zu erforschen. Die Ergebnisse bezüglicher Studien kann die Bank für ihre Geschäftspolitik nutzen und auch ihren Kunden - in diesem Falle jenen, die sich in Asien niederlassen möchten - weitergeben.

– Siehe Absorptionsfähigkeit, Allianzen, grenzüberschreitende.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Forschungsquote (research-spending ratio, research quota):

1 Bei einem Unternehmen das Verhältnis von Forschungsausgaben zum Umsatz (the relation between research expenditure and sales). In High-Tech-Industrien beträgt diese Verhältniszahl bis über zwanzig Prozent. Bei der Kreditvergabe der Banken an diese Unternehmen spielt die Forschungsquote die mitunter ausschlaggebende Rolle.

2 In Bezug auf eine Volkswirtschaft die Ausgaben für Forschung bezogen auf das Bruttosozialprodukt. Nachweislich ist die so gemessene Forschungsquote entscheidend für den internationalen Wettbewerbs-Status eines Landes und damit auch für den Kurs der Währung. - Für Deutschland ist eine gesamtwirtschaftliche Forschungsquote von 2,5 Prozent bis 2020 Zielgrösse der Politik.

– Siehe Aussenhandels-Abhängigkeit, Balassa-Index, Globalisierung, Innovationsfonds, Patenterteilungen, Risikokapital, Seed Capital, Strukturwandel, Unit-Value-Relation, Verkrustungen, strukturelle, Terms of Trade.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fortbildung (further vocational training):

Weil - wie wohl kaum ein anderer Wirtschaftszweig - die Finanzbranche

1. ständig Neues hervorbringt,

2. daher gesetzliche Vorschriften international, EU-weit und national entsprechend neu eingeführt werden und

3. im Zuge dessen auch die Anforderungen der Aufsichtsbehörden an das Geschäft steigen, so ist das berufliche Wissen der Beschäftigten im Finanzmarkt ständig an diese Entwicklung anzupassen. Die Unternehmen im Finanzsektor in Deutschland liegen daher bei der beruflichen Weiterbildung ihrer Mitarbeiter an der Spitze.

– Siehe Börsenspiele.

– Vgl. Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 238 (auch die BaFin bildete jeden ihrer Beschäftigten im Jahr 2012 im Durschnitt an über fünf Tagen fort).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fortis-Rettung (Fortis rescue operation):

Die belgisch-niederländische Allfinanz-Gruppe Fortis mit Filialen auch in Deutschland - in Belgien war Fortis im Herbst 2008 der grösste private Arbeitgeber des Landes; jeder zweite Privathaushalt hatte dort ein Konto - kam Anfang Oktober 2008 im Zuge der sich zu einer weltweiten Finanzkrise ausgeweiteten Subprime-Krise in einen Liquiditätsengpass. Man befürchtete einen Run. Die Regierungen von Belgien, der Niederlande - dort war Fortis zu diesem Zeitpunkt die zweitgrösste Bank im Lande - und Luxemburg vereinbarten daraufhin einen Rettungsplan, der zunächst nur eine Teilverstaatlichung vorsah. In der Folge übernahm der belgische Staat die Fortis Bank Belgien zur Gänze mit der Absicht, zu gegebener Zeit 75 Prozent der Fortis Bank Belgien an die französische Grossbank BNP Paribas weiterzuverkaufen. Die Parisbas verfügte zu dieser Zeit über eines der grössten internationalen Netzwerke im Bankenbereich, mit einer Präsenz in mehr als 85 Ländern und weltweit fast 170'000 Mitarbeitern.

– Siehe Bail-out, Bankenkrise, Bankzusammenbruch, Bradford-Verstaatlichung, Crash, Einlagensicherung, Geldverleiher letzter Instanz, Hypo Real Estate-Rettung, IndyMac-Pleite, Kreditvergabe-Grundregel, Luftpapiere, Marktdisziplin, Ninja-Loans, Moral Hazard, Mortgage Equity Withdrawal, Rückschlag-Effekt, Run, Schock-Bewältigung, Seelenmassage, Vertrauen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fortschritt-Rückschritt-Zahl (advance-decline-ratio):

Der Unterschied zwischen der Anzahl aller in einem Markt oder Index jeweils im Kurs gestiegenen und den im Kurs gefallenen Aktien innert eines Zeitraums (the difference between the number of advancing and declining security prices during a period of time). Diese Kennziffer dient in der technischen Aktienanalyse (technical share analysis) als Mass für die Verfassung oder Psychologie der Märkte und der Stimmung unter den Anlegern.

– Siehe Algorithmic Trading, Analyse, technische, Charts, Histogramm, Kartierung, Investment Research, Random-Walk-Hypothese, Sell-Plus-Order, Strichdiagramm.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Forum Europäischer Wertpapierbehörden (Forum of European Securities Commissions, FESCO):

Im Jahr 1997 gegründetes Gremium mit dem Ziel, den Anlegerschutz zu verbessern, die Transparenz auf den Märkten zu erhöhen und die faire Behandlung der Anleger sicherzustellen. Weiterhin sollten gemeinsame Aufsichtsstandards für die Finanzmärkte entwickelt werden. - Ab Juni 2001 gingen die Aufgaben des Forums auf den Ausschuss der Europäischen Wertpapieraufsichtsbehörden über.

– Vgl. Jahresbericht 2001 des Bundesaufsichtsamts für den Wertpapierhandel, S. 45.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Forum für Finanzmarktaufsicht (Forum for Financial Market Supervision):

Im Dezember 2000 in Deutschland gegründetes Gremium. An seinen Sitzungen nehmen Vertreter des Bundesfinanzministeriums, der Bundesbank und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht teil. Aufgabe des Forums ist es, die Aufsicht über Finanzinstitute zu koordinieren und Richtlinien für die Aufsicht in sektorübergreifenden Angelegenheiten weiterzuentwickeln.

– Siehe Ausschuss-Wahn, Bankenaufsicht, europäische, Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, Allfinanzaufsicht.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Forum für Finanzmarktstabilität (Financial Stability Forum, FSF):

Im Jahr 1999 gegründetes Gremium von Fachleuten aus den Finanzministerien, Zentralbanken und Aufsichtsbehörden der sieben grossen Nationen, ergänzt um Experten aus den internationalen Organisationen. Seine Aufgabe war es, Schwächen im internationalen Finanzsystem aufzudecken und Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten. Das Forum tagte in der Regel zweimal im Jahr; es unterhielt ein Sekretariat bei der Bank für Internationalen Finanzausgleich in Basel. - Auf dem G20-Gipfeltreffen im April 2009 in London wurde beschlossen, das Forum unter dem Namen Financial Stability Board weiterzuführen.

– Vgl. Jahresbericht 1999 der EZB, S. 102 ff., Monatsbericht der EZB vom Januar 2001, S. 82, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2001, S. 15 ff., Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 38 f., Geschäftsbericht 2003 der Deutschen Bundesbank, S. 167, Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 31 f. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 43 (Tätigkeiten angesichts der Subprime-Krise), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 37 f. (Analyse der Ursachen der Finanzkrise; Vorschläge; Bericht), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 36 ff. (Umstellung des FSF auf das FSB bringt "enormen" [EXTRA NORMAM: beyond the Gauss distribution?] Aufgabenzuwachs) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Internationales".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Forum of European Securities Commissions, FESC (so auch im Deutschen):

Gremium der europäischen Wertpapier-Aufsichtsbehörden mit dem Ziel des Informationsaustauschs.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Forward Guidance (so auch im Deutschen gesagt, seltener vorausschauende Orientierungshilfe):

In Bezug auf die Politik der Zentralbank um 2013 in die Fachsprache eingedrungener Begriff. Gemeint ist, dass eine Zentralbank ihre geldpolitischen Absichten in Bezug auf einen längeren Zeitraum im Voraus grundsätzlich bekanntmacht. Der Präsident der EZB hatte im Juli 2013 verlautet, dass die Niedrigzinspolitik im Eurogebiet "nicht sechs Monate, nicht zwölf Monate sondern darüber hinaus" fortgesetzt werde. Die Zentralbank will mit dieser Ankündigung letztlich den Unternehmen Mut machen, sich zu niedrigem Zinssatz weiterhin bei Banken zu verschulden und Anlageinvestitionen zu tätigen. - Der wesentliche Kritikpunkt an der Forward Guidance ist: die Zentralbank kann auf diese Weise leicht in eine Zwickmühle (Zwangslage; dilemma) geraten. Dies ist dann der Fall, wenn Entwicklungen eintreten, die eine Abweichung von der Forward Guidance notwendig machen. Das kann dann rasch zu einem Glaubwürdigkeitsverlust (loss of credibility) an der Geldpolitik führen.

– Siehe Codewörter, Führung, verbale, Greenspeak, Handlungsbereitschaft, Moral Suasion, Politik des offenen Mundes, Signalwirkung, Tarnkappen-Politik, Unschärfe, konstruktive.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juli 2013, S. 7 ff. (Erklärung der Forward Guidance; Rechtfertigung), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2013, S. 31 ff. (im gesamten günstige Beurteilung), Monatsbericht der EZB vom April 2014, S. 73 ff. (lehrbuchmässige Darstellung der Forward Guidance; zahlreiche Literaturhinweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2014, S. 17 ff. (zu Fragen der Abstimmung mit der allgemeinen Wirtschaftspolitik; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Forward Pricing (so auch im Deutschen gesagt):

Kauf eines Anteilsscheins des Sondervermögens einer Kapitalverwaltungsgesellschaft. Der Anleger kennt aber zum Zeitpunkt der Zeichnung noch nicht den Inventarwert (asset value) des Fonds, in den er sich einkauft. Dieser Wert wird erst nach Zeichnungsschluss ermittelt, regelmässig nächstentags aufgrund der Tagesschlusskurse. Aufgrund dieser Blindzeichnung zum Tagesschlusskurs soll sichergestellt werden, dass niemand einen Informationsvorteil ausnützen kann.

– Siehe Aktienfonds, Anlageausschuss, Anlageklasse, Anteilschein, Anlage-Diversifizierung, Captive Fund, Effektenfonds, Inventarwert, Kapitalverwaltungsgesellschaften, Kapitaldeckungsverfahren, Länderfonds, Publikumsfonds, Rentenfonds, Risikoüberwachung, gegliederte, Spezialfonds, Steuerspar-Fonds, Thesaurierungs-Fonds, Zeichnung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Forwards (forward transactions):

Allgemein die Bezeichnung für nicht an der Börse gehandelte, nicht standardisierte, sondern zwischen Vertragsparteien individuell vereinbarte Finanztermin-Kontrakte. Sie enthalten im Regelfall einen genau festgelegten Liefertermin; die Abrechnung erfolgt bei Vertragsende durch Lieferung oder Glattstellung per Kasse. Die im Einzelnen frei ausgehandelten Gestaltungen eines Forward-Vertrags behindern jedoch dessen Handelbarkeit. Denn es ist schwierig, einen Partner zu finden, welcher zu den ausgehandelten Bedingungen einen Vertrag zu übernehmen gewillt ist. Zudem müssen sich die Vertragspartner im Vorfeld über die Bonität der Gegenpartei im Klaren sein.

– Siehe Derivate, Einteilung, Futures, Option, Termingeschäft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Frachtgeld in älteren Dokumenten auch Roulage (rate, freightage, carriage, charge of forwarding):

Der für die Beförderungsleistung von Gütern vom Verfrachter (Absender; consignor, consigner) oder Empfänger der Lieferung an den Frachtführer (Spediteur, CH: Spetter; freight carrier) nach Frachttarif (tariff of freight) zu zahlende Betrag.

– Siehe Brückengeld, Chausseegeld, Dieselgeld, Fährgeld, Frankatur, Fuhrgeld, Furtgeld, Gussgeld, Hafengeld, Ladegeld, Kalfatergeld, Kapgeld, Kapplaken, Krangeld, Maut, Mergelgeld, Pratikageld, Reedergeld, Sperrfrachtgeld, Stafettengeld, Taxe, Transitgeld, Ungeld, Wartegeld, Zustellgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fachtstundungskredit (credit designed to afford extra time for payment of freight charges):

Von einer Bank in erster Linie an lagerhaltende Importeure (stockholding importers) gewährtes Darlehn, um das vom Verfrachter geforderte Frachtgeld sofort bezahlen zu können. Nach dem Verkauf der eingelagerten Ware zahlt der Lagerhalter den Kredit zurück.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Frackgeld (dress allowance):

Zumeist tarifvertraglich (CH: gesamtarbeitsvertraglich; collectively agreed) geregelte Zahlung an Dirigenten und Orchestermusiker als Ersatz der Ausgaben für die bei Konzertvorstellungen übliche berufstypische Bekleidung (typical professional clothing) wie den Frack (swallowtail).

– Siehe Kleidergeld, Musikgeld, Rohrgeld, Saitengeld, Stiefelgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fragmentierung (fragmentation):

In Zusammenhang mit der Geldpolitik der EZB die Tatsache, dass der von der Zentralbank für das Währungsgebiet gesamthaft festgesetzte Leitzins keineswegs auch zu demselben Preis für Kredite in allen einzelnen Mitgliedsstaaten führt. Vielmehr liegt derzeit (Frühsommer 2013) der Zins für vergleichbare Darlehn in Italien und Spanien um das Dreifache höher als in Deutschland oder den Niederlanden. Denn die Banken in Italien und Spanien misstrauen den heimischen Unternehmen und kalkulieren daher ein höheres Ausfallrisiko ein. - Das zeigt aber auch deutlich, dass die Niedrigzinspolitik der Zentralbank keineswegs - wie das viele Lehrbücher vortragen - von selbst zu mehr Investitionen an gewünschter Stelle führt.

– Siehe Transmissionsmechanismus, monetärer, Zinsweitergabe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fragmentierung, aufsichtliche (prudential fragmentation):

Negativ bewertende Bezeichnung für den Umstand, dass gegenüber einem Institut

1. mehrere Instanzen für die Aufsicht zuständig sind, in Deutschland etwa die Deutsche Bundesbank und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht bzw.

2. bei einer Aufsichtsbehörde verschiedene Abteilungen mehr oder weniger unabhängig voneinander die Aufsicht in verschiedenen Abteilungen einer Bank vornehmen.

– Siehe Aufsichts-Dreieck, Anlegerschutz, Ausschuss-Wahn, Auswirkungsstudien, Bankenaufsicht, europäische, Calls for Advice, Capture-Theorie, Consolidating Supervisor, Externalität, Fragmentierung, aufsichtliche, Fünfhunderter-Regel, Good Governance, Kompetenz-Konflikt, aufsichtsrechtlicher, Peter-Regel, Rechtsrisiken, Sarbanes-Oxley Act, Solarenergie, Sparerschutz, Teilgruppen-Aufsicht.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fraktion (fraction; odd-lot):

1 Auf dem Finanzmarkt eine Gruppe - wie etwa die Landesbanken in Deutschland, - die innert eines grösseren Ganzen - hier: der deutschen Institute gesamthaft - deutlich und planvoll eigene Ziele und/oder Wege verfolgt.

2 An der Börse eine Order, die kleiner als die in den Geschäftsbedingungen angegebene Mindestgrösse ist, und daher auch mit höheren Gebühren belastet wird.

– Siehe Odd Lot.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Franc fort, Monsieur (Mister Franc fort):

Im Jargon der Finanzjournalisten der zweite Präsident der EZB, der Franzose Jean-Claude Trichet (geboren am 20. Dezember 1942 in Lyon), der sein Amt (als Nachfolger von Willem F. Duisenberg) am 1. November 2003 antrat und im Oktober 2011 in den Ruhestand trat. Der Scherzname geht auf die Erfolge von Trichet zurück, der - im Jahr 1993 in das Amt des Präsidenten der französischen Nationalbank (Banque de France) berufen - die seinerzeitige Landeswährung (Franc) stabilisiert, und den Franc zu einer "harten" Währung gemacht hat. In seinem Amt bei der EZB wurde ihm nachgesagt, dass er in Bezug auf die Verteidigung der Geldwertstabilität "has become more German than the Germans". - Gegen Ende seiner Amtszeit 2011 gab Trichet dem Druck der Politik und der Südfront nach, und die EZB kaufte Staatsanleihen hochverschuldeter Mitglieder. Dafür gab es keinen einleuchtenden geldpolitischen Grund. Das Ziel der Massnahmen war ein finanzpolitisches, nämlich, die Zinslast der Schuldnerstaaten zu mindern. - Trichet hatte als Präsident der Französischen Zentralbank auch den weniger freundlich gemeinten Beinamen "Ayatollah", weil er es - gleichsam als quasi-religiöser Macht heraus - ablehnte, den Wünschen der Politiker nachzukommen und die Geldmenge zu vermehren.

– Siehe Europäisches Finanzministerium, EZB-Sündenfall.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Franchise (franchise):

1 Bagatellklausel (trifle clause; trifle = here: a matter, event, or circumstance of minor, unimportant, trivial importance or significance) bei Versicherungsverträgen, auch bei der Kreditversicherung. Danach tritt die Versicherung erst nach Überschreiten einer bestimmten Schadenshöhe (de minimis limit) ein. Kleinere Schäden sollen wegen des relativ hohen Kosten der Regulierung bei der Versicherung vom Kunden selbst getragen werden.

2 Vertrag, gemäss dem jemand den Markennamen eines Vertragspartners in bestimmten Grenzen nutzen darf (a business model whereby a company [the franchisor] provides to an individual or a company [the franchisee] the right to use its brand, to sell its products, in a certain geographical area and for a certain period of time, in return for a royalty, a portion of which is usually indexed on the turnover achieved).

– Siehe Anbietungsgrenze.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Frankatur (postage):

In älteren Dokumenten

1 die Beförderungsgebühr für eine Briefsendung, die Postgebühr (postage, mail rate) oder

2 die Freimachung (prepayment) einer Briefsendung, in der Regel durch Aufkleben einer Briefmarke (Freimarke, Postmarke; postage stamp).

– Siehe Stafettengeld, Taxe, Zustellgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fraudulent (fraudulent):

In älteren Dokumenten ein Kunde, der sich bei der Bank in betrügerischer Absicht (intend to defraud) ein Darlehn erschleicht.

– Siehe Delinquent, Demarketing, Kunde, fauler, Säumnisquote.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Frauenarbeitsquote (female employment rate):

Der Anteil weiblicher Beschäftigter an den Erwerbstätigen. Dieser Anteil hängt unter anderem auch von der gesamtwirtschaftlichen Lage ab; sie wird von der EZB im Rahmen des Zwei-Säulen-Prinzips beobachtet. In der EWU kam es in Zuge der Finanzkrise ab 2007 zu einem bemerkenswerten Anstieg der Erwerbsbeteiligung von Frauen.

– Siehe Arbeitskräftepotential, Arbeitsmarkt-Flexibilität Arbeitslosenquote, Balassa-Samuelson-Effekt, Frauengeld, Offshoring, Mindestlohn-Arbeitslosigkeit, Stellenanzeigen-Index, Wachstum-Beschäftigung-Zusammenhang.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2013, S. 77 (Frauenarbeitsquote stieg in der EWU seit 2007), Monatsbericht der EZB vom November 2013, S. 82 ff. (Fortschreibung; viele vergleichende Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Frauengeld (women money):

1 Von Frauen aus einem Beschäftigungsverhältnis selbst erworbenes Einkommen (women's wages).

2 Einer Frau für die Haushaltsführung zugewiesene Zahlungsmittel; Haushaltsgeld (housekeeping allowance).

3 Einer geschiedenen Frau durch Scheidungsurteil vor allem im orientalischen Recht zugesprochener Anteil am bisherigen gemeinsamen Vermögen (female apportionment of property by divorce decree).

4 In älteren Dokumenten Zahlung an liederliche Frauen für einschlägige Dienstleistungen (fee for a licentious woman).

5 Früher eine Abgabe des Leibeigenen an den Grundherrn für die Heiratserlaubnis, auch Brautlösung und Maritagium (marriage licence pay) genannt.

6 Früheres Muschelgeld (Yar) im westlichen Pazifik (Yap-Inseln - diese waren zwischen 1899 und 1914 Kolonie Deutschlands - mit dem ausschliesslich Frauen zahlten. Männer hingegen verwendeten zur Zahlung Steingeld (Fä oder Rai genannt).

7 Vorgeschlagene Banknoten mit dem Bildnis schöner Männer (erotic men notes) mit dem Zweck, den Umlauf solcher Geldscheine einzuschränken, weil sie voraussichtlich von weiblichen Personen massenhaft gehortet würden.

8 Volkstümliche Bezeichnung für das Kindergeld.

– Siehe Finanzpsychologie, Nadelgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fräuleingeld ([princess bridal] trousseau):

Eine frühere Zwangsabgabe, um einer Prinzessin bei ihrer Verheiratung eine standesgemässe Mitgift (dower) zu gewährleisten.

– Siehe Apanage, Brautgeld, Heiratsgeld, Vokationsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Free Banking (so auch im Deutschen gesagt):

Der Rückzug des Staates aus dem Geldwesen und die völlige Privatisierung des Geldsystems, auch Marktgeldsystem (market-driven monetary system) genannt. Jedem soll es freistehen, sein eigenes Geld anzubieten. Das wertbeständigste Zahlungsmittel würde sich dann durchsetzen. Nach dem Anti-Greshamschen Gesetz wären dies an erster Stelle ohne Zweifel Münzen - auch mit sehr hohem Gewicht und beträchtlichem Wert - aus Edelmetall und an zweiter Stelle ganz in Edelmetall gedeckte Banknoten.

– Siehe Fachbankensystem, Geld, privates, Pankratium, Parallelwährung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Free Cash Flow (so auch im Deutschen gesagt):

Geld auf den Konten eines Unternehmens, das derzeit nicht zur Finanzierung des laufenden Betriebs oder zu Investitionen benötigt wird, und das deshalb zinsbringend angelegt werden kann (can be applied yielding interest).

– Siehe Cash Flow, EBITDA, Gewinn, operativer, Kurs-Cash-Flow.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Free Float (so auch im Deutschen gesagt):

Der Aktienanteil einer Aktiengesellschaft, der nicht in festem Besitz ist (the proportion of shares available to purely financial investors). - Nach der Definition der Deutsche Börse AG zählen auch Aktienpakete (block of shares) unter fünf Prozent zum Free Float. Davon ausgenommen sind allerdings Aktienpakete von Vermögensverwaltern, Kapitalverwaltungsgesellschaften sowie Treuhand- und Pensionsgesellschaften.

– Siehe Dax, Zweitplazierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Freibetrag, pauschaler (lump-sum allowance):

Fester Betrag, den ein Kreditinstitut bei der Berechnung seines Mindestreserve-Solls nach den Bestimmungen der EZB in Abzug bringen kann.

– Siehe Abzug, pauschaler, Pauschale.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Freier (suitor):

In der Finanzsprache gesagt von einer Gesellschaft, die eine andere Firma zu übernehmen trachtet (a company on the lookout for to buy another business).

– Siehe Anschleichen, Bieter, Blitzkrieg-Übernahmeangebot, Buy out, Erwerbsangebot, Fusionen und Übernahmen, Greenmail, Handgeld, Kriegskasse, Makkaroni-Abwehr, Material-Adverse-Change-Klausel, Pac-Man-Strategie, Pflichtangebot, Radar-Überwachung, Ritter, weisser, Shark Watcher, Spin-off, Squeeze-out, Stimmrecht-Datenbank, Synergiepotentiale, Trade Sale, Transaktionsbonus, Übernahme, feindliche, Übernahme-Ankündigung, Übernahme-Appell, Überraschungsangriff.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Freigeld (free money; residuary wage):

1 Zahlungsmittel, die ein Verfallsdatum tragen und somit Geld, welches man nicht sparen kann: Geld also, dem seine Funktion als Wertaufbewahrungsmittel genommen ist. Dahinter steht die Absicht, Änderungen des Geldwerts auszuschliessen, die aus einer Veränderung der Umlaufsgeschwindigkeit herrühren.

2 Früher auch gesagt von der Zahlung in Bargeld, die ein Beschäftigter - vor allem ein Handwerksgeselle - ausgehändigt bekam, nachdem ein allfälliger Vorschuss (advance on salary) und andere Leistungen des Arbeitgebers verrechnet wurden, wie Unterbringung und Verpflegung im Haushalt des Meisters oder geleistete Abgaben an die Zunft.

– Siehe Geldabschaffung, Geldzweck, Regionalgeld, Schwundgeld, Stempelgeld, Unfruchtbarkeits-Theorie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Freijahre (non-repayment years):

Bei einer Anleihe die vertraglich festgelegten Jahre, während derer bei einem festverzinslichen (fixed interest bearing) Papier zwar Zinsen bezahlt werden, aber keine Tilgung des Anleihebetrags erfolgt.

– Siehe Amortisation, Anleihe, Ballon-Kredit, Tilgung, Zinsen, antizipative.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Freikaufgeld auch Lösegeld, Ranziongeld und Lytrum (manumission payment; ransom):

1 Von einem Hörigen (Leibeigenen; villain) für den Befreiung aus der Leibeigenschaft früher zu entrichtender einmaliger Geldbetrag, auch Lediglassungsgeld und Loskaufgeld genannt.

2 Bis weit in die Neuzeit hinein an Mohammedaner zu zahlendes Geld, um gefangene Christen und Juden - meistens Seeleute, deren Schiff gekapert wurde - loszukaufen. Der Orden der Mercedarier, von dem Franzosen Petrus Nolascus (1182-1256) gegründet und durch den Spanier Raimund Nonnatus (1204-1240) zur Blüte gebracht, widmete sich dem Einwerben von Spenden zu diesem Zweck. Raimund Nonnatus gab sich selbst als Geisel hin; die Mohammedaner durchbohrten auf dem Marktplatz zu Algier seine Lippen mit einem glühenden Eisenstab und hielten sie durch ein Vorhängeschloss zusammen; dieses wurde nur zur kargen Nahrungsaufnahme entfernt. Papst Alexander VII. sprach ihn 1681 heilig und setzte sein Jahresgedächtnis auf den ultimo August fest.

3 Seit etwa 2000 an Piraten im Nahosten zu leistende Zahlung, um entführte Schiffe freizubekommen.

– Siehe Abgabe, Abzugsgeld, Allodgeld, Anzugsgeld, Befreiungsgeld, Brandschatzgeld, Dänengeld, Frongeld, Fudelgeld, Hussengeld, Kalbgeld, Kolonatikum, Kuhgeld, Lösegeldversicherung, Loskaufgeld, Manubien, Marschroutengeld, Obristen-Darlehn, Ranzion, Satisfaktionsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Freimakler (curb broker):

In Deutschland an der Börse Händler, die ihre Geschäfte vor allem im Börsensegment Freiverkehr tätigen.

– Siehe Börsenmakler, Skontroführer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Freitag, schwarzer (black Friday):

In der neueren Finanzgeschichte mehrere auffallende Kursstürze an der Börse jeweils an einem Freitag,

1. der erste wohl am Freitag, den 6. Dezember 1745 in London in Zusammenhang mit der Furcht vor einer französischen Invasion, und

2. ein bedeutender Crash am Freitag, den 25. Oktober 1929, der gleichzeitig den Beginn einer Weltwirtschaftskrise einläutete. Eine Reihe weiterer Kurseinbrüche fand jeweils an einem Freitag statt.

– Siehe Behavioural Finance, Freitag-13-Anomalie, Kalender-Effekt, Montag, schwarzer, Montagseffekt, Sell-in-May-Effekt, Small-Cap-Effekt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Freitag-13-Anomalie (Friday the 13th-effect):

Die in vielen Veröffentlichungen immer wieder vorgetragene Behauptung, dass - gar weltweit - an den Börsen die Kurse sinken würden, wenn der dreizehnte Monatstag ein Freitag sei. Genau statistische Messungen haben diese Aussage eindeutig widerlegt (it could be clearly demonstrated by exact statistical research that this is not the case).

– Siehe Januar-Effekt, Halloweenregel, Kalender-Effekt, Montagseffekt, Sell-in-May-Effekt, Freitag, schwarzer, Small-Cap-Effekt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Freiverkehr (OTC market, regulated unofficial market, curb market, open market):

In Deutschland der börsliche Handel mit Wertpapieren, die nicht in allem den Mindestanforderungen der Europäischen Wertpapier-Dienstleistungs-Richtlinie genügen (vgl. § 57 BörsG), und deshalb nicht zum regulierten Markt zugelassen sind- Der Freiverkehr ist somit ein privatrechtlich organisiertes Segment an deutschen Börsen (a segment on German stock exchanges organised under private law). - Geschäfte werden von Freimaklern (; curb brokers) getätigt und unterliegen der Aufsicht der Börsengeschäftsführung. Freiverkehrspapiere sind jedoch nicht einer Publizitätspflicht (Ad-hoc-Mitteilung) gemäss § 15, Abs. 1 WpHG unterworfen. Auch bedarf es zur Handelszulassung keines Verkaufsprospektes. - An deutschen Börsen erfolgt die Aufnahme in den Freiverkehr in der Regel nicht, wie im regulierten Markt und im amtlichen Handel, auf Antrag des emissionswilligen Unternehmens, sondern aufgrund eines von den Freimaklern vermuteten Handelsbedarfs. Somit stellt der Freiverkehr ein Marktsegment dar, in das ein Unternehmen nicht eintritt, sondern gebracht wird. - Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hat wiederholt auf Gefahren im Freiverkehr hingewiesen. So wurden im Ausland gegründete Aktiengesellschaften - vor allem aus den USA, der Schweiz und Kanada - in den Freiverkehr an deutschen Börsen einbezogen. In der Vergangenheit haben dann verschiedene Börsenbriefe viele dieser Gesellschaften rührig zum Kauf empfohlen. Anstelle des von den Anlegern daraufhin erhofften dauerhaften Kursanstiegs kam es aber in den meisten Fällen innert kürzester Zeit häufig zum Totalverlust, weil die betreffende Gesellschaft ausser der Emission von Aktien in vielen Fällen überhaupt keine Geschäftstätigkeit aufnahm.

– Siehe Abschreckung, aufsichtsrechtliche, Blog, Börsenmakler, Börsensegmente, Daimonion, Derivategeschäfte-Clearingpflicht, Derivategeschäfte-Meldepflicht, Dingo-Werte, Falschberatung, Freimakler, Geheimtip, Nonvaleurs, Over-the-Counter Trading, Pump and Dump, Scalping, Segmentbindung, Telephon-Auftrag, unbefugter, Twitter, Wertpapier-Dienstleistungs-Richtlinie, europäische, Wertpapier-Verkaufsprospekt.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 175 (Kennzeichnung des Freiverkehrs; Anleger sollten gegenüber Freiverkehrswerten besondere Vorsicht walten lassen), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 156 f. (nach wie vor hoher Stand der Marktmanipulation im Freiverkehr), Jahresbericht 2009, S. 174 (Meldepflicht für Freiverkehrswerte seit 1. November 2009), S. 176 (Rundschreiben der BaFin zur Meldepflicht), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 46 (Überwachung von OTC-Derivaten), S. 194 f. (weiterhin sehr hoher Anteil der Marktmanipulationen im Freiverkehr) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft", Finanzstabilitätsbericht 2011, S. 43 f. (Intransparenz des OTC-Handels allgemein und der ausserbörslichen Derivatemärkte im Besonderen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fremdenschulgeld (alien school fee):

Von Schülern, die ausserhalb einer schulunterhaltenden Gemeinde wohnen (pupils from outside of a community which set up a school), früher in Deutschland zu leistende besondere Zahlung in Bargeld. Sie wurden höher belastet, weil ihre Eltern nicht - wie die einheimischen Schüler - von den Gemeindesteuern erfasst wurden.

– Siehe Oppidanengeld, Schreibschulgeld, Schulgeld, Seminargeld, Unterrichtsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fremdmittel unschön auch Fremdgelder (deposits and borrowed funds):

Wenn nicht anders definiert alle Beträge, die ein Institut oder ein Fonds von Dritten aufnimmt (the capital provided by lenders; they expect to be repaid in time and receive interest, but do not want to run a business risk); im Gegensatz zu den Eigenmitteln.

– Siehe Gewinn, Eigenkapital, Festgeld, Fremdkapital, Gewinnbesteuerung, Hebel(wirkung), Kapital, Leverage-Ratio, Prudential Filter, Tier 1.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fremdhafengeld (foreign habour fee):

Besondere Abgabe für eingehende Waren, wenn diese, anstatt über einen heimischen Hafen - etwa: Hamburg, Bremen - über ausländische Häfen - etwa: Antwerpen, Rotterdam - importiert werden. - Eine solche Abgabe, auch Differentialzoll (differential duty) genannt, entspricht einem Schutzzoll. Sie verhindert, dass der günstigste Frachtweg (the most economic transport route) gewählt wird. Das Fremdhafengeld verteuert damit die Ware (Rohstoffe, Fertigprodukt) und belastet so den Endverbraucher, den Privathaushalt.

– Siehe Hafengeld, Preise, administrierte, Ungeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fremdkapital und Fremdmittel (borrowed capital, debt capital, bonded capital, outside capital, debts):

Das durch Aufnahme von Darlehn jeder Art finanzierte Kapital einer Unternehmung. Es schliesst alle Posten auf der Passivseite der Bilanz ein, die Ansprüche an das Unternehmen darstellen. Dazu zählen auch Rückstellungen (provisions), die für voraussehbare, später zu leistende Zahlungen getätigt werden müssen, wie etwa Steuern oder Pensionen an Mitarbeiter. - Es gilt stets zu beachten, dass die Kosten für Fremdkapital abhängig sind vom Verschuldungsgrad (debt to equity ratio: das Verhältnis von bilanziellem Fremdkapital zum Eigenkapital) eines Unternehmens. Daher spiegelt sich auch der Anteil des Fremdkapitals im Rating eines Unternehmens wieder und hat damit Einfluss auf die Finanzierungskosten. - Weiterhin gilt es die steuerliche Behandlung (tax treatment) von Eigenkapitalfinanzierung und Fremdkapitalfinanzierung zu beachten. Grundsätzlich indessen erhöht eine umfangreiche Aufnahme von Fremdkapital die Gefahr von Liquiditäts-Engpässen (liquidity bottlenecks) und Rückzahlungsschwierigkeiten (repayment difficulties).

– Siehe Eigenkapital, Finanzkraft, Fremdmittel, Gesamtkapitalkostensatz, Gewinnbesteuerung, Hebel(wirkung), Kapitalbindungsdauer, Leverage, Mezzanin-Kapital, Nachrangdarlehn, Rangfolge-Theorie, Unterlegung, Zins.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 56 f. (IASB-Abgrenzung von Eigen- und Fremdkapital; Problem der kündbaren Finanzinstrumente nach IAS 32), Monatsbericht der EZB vom April 2010, S. 65 f. (Abbau von Fremdkapital bei Banken seit 2005; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2012, S. 15 (Einflussgrössen auf die Fremdkapitalfinanzierung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fremdkapital, bedingtes (conditional debt capital):

Bei einer Bank das ihr von Geldgebern übertragene Kapital (the capital provided by lenders to a bank), das bei Unterschreiten bestimmter Kapitalquoten zwangsläufig in Eigenkapital umgewandelt wird.

– Siehe Basel-III, Zwangswandelanleihe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fremdwährungsanleihe (foreign [xeno] currency bond):

Eine Schuldverschreibung (bond, debenture; Obligation), die nicht in der heimischen Währung des Emittenten begeben wird. - Falls der Kurs der heimischen Währung gegenüber der Fremdwährung (xeno currency) sinkt, so nimmt die Last der Schulden zu, weil jetzt die Papiere in der teurer gewordenen Fremdwährung bedient - also verzinst und zurückbezahlt - werden müssen.

– Siehe Anleihe, Fremdwährungsrisiko.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2008, S. 38 (Fremdwährungsanleihen deutscher Bundesländer; Verschuldungswährungen; Fragen der Absicherung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fremdwährungsgeschäfte (foreign [xeno] currency transactions):

Wenn nicht anders definiert, alle Umsätze der im Währungsgebiet ansässigen Banken, die nicht auf die eigene, heimische Währung lauten. Von der Zentralbank beobachtet, weil sowohl Einlagen als auch Darlehn in nicht-heimischer Währung in gewisser Hinsicht (first of all: significant changes in supply and demand; auffallende Marktveränderungen) auf entsprechende Erwartungen der beteiligten Marktteilnehmer Rückschlüsse zulassen.

– Siehe Fremdwährungsanleihe, Fremdwährungsrisiko.

– Vgl. den Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Monetäre Entwicklungen, Banken und Investmentfonds", Unterrubrik "Ausgewählte Bilanzpositionen der MFIs nach Währungen" im jeweiligen Monatsbericht der EZB.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fremdwährungskonto (foreign [xeno] currency account):

1 Allgemein die Einrichtung eines Kontos in einer nicht-heimischen Währung bei einer Bank im heimischen Währungsgebiet.

2 Im Besonderen die Unterhaltung eines solchen Kontos durch einen Gebietsansässigen (resident person; Deviseninländer). Letzteres ist derzeit in mehr als der Hälfte aller Staaten der Welt behördlich untersagt.

– Siehe Andienungspflicht, Ausfuhrprämie, Belassungsquote, Devisendecke, Devisenfreibetragsverfahren, Devisenvergehen, Devisenzuteilungsbestätigung, Parallelitätsgebot.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fremdwährungsrisiko (foreign settlement exchange risk, cross-currency risk):

Die Gefahr, dass bei einem Geschäft ein Partner zwar seine Leistung in (s)einer Währung erbringt, nicht aber die Gegenleistung in den vereinbarten ausländischen Zahlungsmitteln erhält.

– Siehe Fremdwährungsgeschäfte, Herstatt-Risiko, Risiko.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fremdwährungsschuld (foreign [xeno] currency debt):

Ist eine in ausländischer Währung ausgedrückte Geldschuld im Inland zu zahlen, so kann die Zahlung in heimischer Währung erfolgen, wenn vertraglich nicht ausdrücklich (expressly) die Begleichung der Schuld in einer Fremdwährung festgelegt wurde. Dies bestimmt § 244 BGB.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fremdwährungsverschuldung (foreign indebtedness):

Unternehmen und Privathaushalte eines Staates - wie etwa im Falle der Beitrittsländer zur EU nach 2000 - nehmen Darlehn im Ausland auf. Sie hegen die Erwartung, dass ihre eigene Währung im Kurs steigt - bzw. wie im Falle der EU-Beitrittsländer, dass sie bald zum Eurogebiet gehören würden - und ihr Kreditrisiko daher minim sei. Treffen diese Mutmassungen nicht ein bzw. wird - wie im Falle einiger baltischer Beitritts-Länder - seitens der Politik so gut wie nichts getan, um die Konvergenz-Kriterien für den Anschluss an die Währungsunion zu erreichen, so kommt es in dem betreffenden Land über kurz oder lang zu einer krisenhaften Entwicklung. Die Staaten werden von den Rating-Agenturen herabgestuft und praktisch vom internationalen Kapitalmarkt abgeschnitten. Private Investoren ziehen sich aus diesen Ländern zurück, so wie in starkem Masse angesichts der weltweiten Finanzkrise 2008 aus Polen und den baltischen Staaten. Das erweckt unliebsame politische Bewegungen in den jeweiligen Ländern, die sich auf Wachstum und Beschäftigung hemmend auswirken.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Freundschaftsgeschäft (sweetheart deal, sweetheart contract):

In der Finanzsprache solche Operationen, bei denen ungewöhnlich günstige Vertragsbedingungen zugrunde gelegt werden (an abnormally favourable contractual arrangement). Häufig verbindet man damit Transaktionen zwischen Unternehmen und Wirtschaftsverbänden einerseits und unredlichen, käuflichen Politikern andererseits (the term frequently is used in describing deals involving government officials, and hints at the presence of acceptance of benefit [Vorteilsannahme] or corruption).

– Siehe Abfindung, Bonus, Douceur, Draufgeld, Geheimgeld, Handgeld, Handschlag, goldener, Insider, Rückvergütung, Schmiergeld, Trinkgeld, Untertunnelung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Friedensgeld (pacification due):

1 In Deutschland früher an die öffentliche Gewalt zu zahlende Abgabe, wenn diese bei Fehden eingreifen und die Feindseligkeiten beenden musste. Erst der 1495 in Worms beschlossene "Ewige Landfriede" (Eternal Public Peace) stellte die Selbsthilfe (vigilante justice: individuals who take the law into their own hands by trying and/or punishing another person without any legal authority) und das Faustrecht (law of the jungle) ab

2 Von Schweden nach dem Westfälischen Frieden 1648 den deutschen Protestanten auferlegte Abgabe (POENA PACIS) als Entschädigung für die Ausgaben, welche Schweden im Kampf gegen die katholische Liga entstanden, auch Satisfaktionsgeld genannt.

3 Eine Zahlung, die früher ein Verurteilter an den Richter zu leisten hatte (FREDUS).

4 In älteren Dokumenten manchmal auch für das Sühnegeld gesagt.

– Siehe Bussgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Friedhof (boneyard):

Wenn nicht anders definiert im Jargon der Finanzwelt in den USA die Landeszentralbank Neuyork innert des amerikanischen Zentralbanksystems (a nickname for the Federal Reserve Bank of New York; boneyard = a cemetery because it is full of bones from all the dead bodies; in the figurative sense: persons without brain, lacking of competence). Demgegenüber besteht das Personal der Zentralbanken in ganz Europa - und in der Teutonie zumal - nur aus höchst sachkundigen, arbeitsfreudigen und strebsamen Menschen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Friedhof-Markt (graveyard market):

Zustand auf dem Finanzmarkt, bei dem die Kurse ins Uferlose abstürzen, während sich gleichzeitig mögliche Investoren von Käufen zurückhalten.

– Siehe Abschwung, Anlagenotstand, Attentismus, Baisse, Bear, Blase, spekulative, Crash, Dominostein-Effekt, Erholung, kurzfristige, Flaute, Krise, systemische, Panikverkäufe, Rezession, Rückschlag-Effekt, Rush to exit, Sell-Plus-Order, Stille.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Friedman-These (Friedman forecast):

Der einflussreiche amerikanische Nationalökonom und Nobelpreisträger Milton Friedman (1912–2006) sagte der Europäischen Währungsunion spätestens dann ein Scheitern voraus, wenn schwere Störungen auf den Weltmärkten auftreten. - Der berühmte Havard-Ökonomieprofessor Martin S. Feldstein zählte noch im Oktober 2008 Gründe auf, warum das Eurogebiet wieder in seine alten Teile auseinanderbreche. In Wirklichkeit hat sich gezeigt, dass gerade in der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise die Mitgliedsstaaten der Europäischen Währungsunion weitaus besser dastanden als Nichtmitgliedsländer, wie etwa Grossbritannien oder Schweden. Freilich traten spätestens nach der Griechenland-Krise die Schwächen der EWU deutlich zutage. - Auch ist bis anhin kaum zu erkennen, dass wirtschaftspolitisch betrachtet (with regard to economic policy) die EWU alle Mitgliedsländer nachhaltig stärkte. Eher ist zu erkennen, dass der Beitritt einige Länder eindeutig geschwächt hat. Bei den Maastricht-Kriterien (monetary union entry criteria) fehlte bereits das aussenwirtschaftliche Gleichgewicht (external equilibrium: a situation in which the money a country brings in from exports is approximately equal to the money it spends on imports) des jeweiligen Kandidaten. Hinzu trat die Aufweichung des Stabilitäts- und Wachstumspaktes durch Absprache zwischen Deutschland und Frankreich. Dies trug dazu bei, dass sich andere Mitglieder der EWU nicht mehr verpflichtet hielten, die strengen Bestimmungen des Paktes einzuhalten.

– Siehe Angleichungsautomatismus, Exit, Plan C, Schattenstaat, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Grundfehler, Wachstumsunterschiede, währungsrauminterne, Währungsraum, optimaler, Währungsunion 2, Wirtschaftspolitik, europäische.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fringe Benefits (so auch im Deutschen gesagt; seltener mit Besoldungszulagen oder Sachbezüge übersetzt):

Zusatzleistungen von Arbeitgebern an Beschäftigte wie vor allem Zuschüsse zur Kranken-, Unfall-, Lebens-, Erwerbsunfähigkeits-Versicherung, Nutzung eines Dienstwagens (private use of a company car), Zahlung von Fahrgeld (reimbursement of transport costs), verbilligte Abgabe von Waren (subsidised supply of goods), Verpflegung in einem Personalrestaurant (staff restaurant; Kantine; canteen) usw. Nach Schätzungen müssten im Jahr 2006 gut acht Prozent solcher Zusatzleistungen den Brutto-Arbeitslöhnen zugerechnet werden. Wegen der fehlenden oder unvollständigen Statistik ist es daher auch für die Zentralbank sehr schwer, die tatsächlichen Arbeitskosten genau zu berechnen.

– Siehe Arbeitgeber-Darlehn, Baugeld, Baukosten-Zuschuss, Bonus, Belegschafts-Aktien, Beschlaggeld, Erwerbseinkommen, Firmenkreditkarte, Fixum, Handschlag, goldener, Hausgeldabzug, Kostgeld, Lohndrift, Lohnstückkosten, Mitarbeiter-Optionen, Prämie, Pröve, Reichnis, Trucksystem, Verlustübernahme, persönliche.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Oktober 2006, S. 36 ff. (Schere zwischen Effektiv-Verdienst und Tarif-Verdienst, S. 38: Erklärungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fristenkongruenz (matching maturities):

1 Allgemein die zeitliche Anpassung von Einzahlungen und Auszahlungen in einer Wirtschaftseinheit.

2 Bei einer Bank die grundsätzliche Abstimmung der Laufzeiten von gewährten Darlehn mit den Einlagen der Kunden. Die Darlehn sollen näherhin

1. nach Umfang,

2. nach Fälligkeit sowie auch, was sehr häufig auch heute noch oftmals sträflich missachtet wird,

3. nach der jeweils vereinbarten Währung ihren Verbindlichkeiten (Einlagen) entsprechen, um die jederzeitige Zahlungsfähigkeit des Instituts sicherzustellen.

– Siehe Bankregel, goldene, Erfüllungsrisiko, Fälligkeitsgliederung, Finanzierungskennziffer, mittelfristige, Fristentransformation, Herstatt-Risiko, Matching, Rollover-Risiko.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fristentransformation (term transformation):

Bei einer Bank der Ausgleich von Einlagen der Kundschaft mit kürzeren Rückzahlungsfristen einerseits mit den vergebenen Darlehn zu längeren Laufzeiten andererseits. Der Beitrag eines Einzelgeschäftes zur Fristentransformation wird als oft als Strukturbeitrag (structure contribution) bezeichnet. Das Fristentransformations-Ergebnis einer Bank ist die Summe der Strukturbeiträge. Im Jahr 2010 waren zwanzig Prozent der Zinserträge (interest receivable) aller deutschen Banken der Fristentransformation zuzurechnen. - Wenn jedoch die Einlagen und die Darlehn, die wichtigsten Passiva und Aktiva der Bankbilanz, ähnlich lange Laufzeiten haben, dann gibt es die Fristentransformation nicht mehr. Ein Anstieg der Geldmenge selbst von mehr als zehn Prozent wäre inflationsneutral, wenn die durchschnittliche Laufzeit der Passiva nicht zunimmt. Seit etwa 2005 wurde dieser Zusammenhang ausgiebig erörtert.

– Siehe Depositen, Fristenkongruenz, Immobilienfonds, offener, Inflation, Intermediation, Kernaufgabe, bankliche, Kreditverbot, Liquiditätsmanagement, Sparbriefe, Verbriefung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fristentransformations-Risiko (term transformation risk):

Gefahren, die sich dann ergeben, wenn Banken auf längere Zeiträume angelegte Engagements mit kurzfristigen Einlagen finanzieren. Dies trat im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise vielfach ein. Als der Markt für kurzfristige Refinanzierung zusammenbrach, erwiesen sich die betroffenen Institute von einem Tag auf den anderen illiquide.

– Siehe Bankregel, goldene, Lehman-Pleite, Refinanzierungs-Risiko.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fristigkeit (maturity):

In der Finanzsprache übliche, wennzwar vielfach als sprachlich unschön gerügte Bezeichnung für das Ende eine bestimmte Zeitspanne; diesen Endzeitpunkt nennt man dann auch Termin bzw. Fälligkeit (maturity date). - Der gleichfalls viel beanstandete Ausdruck "Befristung" (by linguists much criticised term time limitation) ist ein eindeutiger Rechtsbegriff. Nach § 163 BGB handelt es sich hier um eine Nebenbestimmung zu einem Rechtsgeschäft, die dessen Wirkungen in ihrem Beginn oder ihrem Ende von einer gewissen Zeitgrenze abhängig macht.

– Siehe Fristigkeitsstruktur.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fristigkeitsstruktur (maturity structure, term-based structure):

Wenn nicht anders definiert die Aufgliederung von zu leistenden Zahlungen nach dem Datum der Fälligkeit.

– Siehe Fälligkeitsgliederung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2012, S. 24 ff. (Fristigkeitsstruktur der Kredite an nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Frongeld und Frohngeld (soccage emancipation payment):

1 Frühere Zahlung, um die Dienstpflicht eines Hörigen (villein, bondman) im Rahmen der Leibeigenschaft (soccage; Fron, auch Frohn: persönliche Zugehörigkeit zu einem Grundherrn und diesem gegenüber zur Fro[h]n = Arbeitsleistung verpflichtet) ganz oder teilweise abzulösen. Im Laufe des späten 18. und 19. Jht. wurde die Leibeigenschaft (peonage, serfdom) in Europa überall aufgehoben (Bauernbefreiung; abolishment of the feudal powers of the nobility), zuletzt 1881 in Russland.

2 In älteren Dokumenten auch eine Abgabe, die Besitzer von landwirtschaftlichen Flächen zu zahlen hatten, wenn sie diese nicht selbst bebauten, sondern von anderen Personen - zumeist von Taglöhnern auch Tagner, Tauner, Losmann, Lidl, Diurnist, Diëtarius und Diëist genannt - bewirtschaften liessen.

– Siehe Abgabe, Befreiungsgeld, Dienstgeld, Dispensationsgeld, Ehrenfahrtgeld, Erlösung, Freikaufgeld, Holzfuhrgeld, Kalbgeld, Käsegeld, Kolonatikum, Kuhgeld, Loskaufgeld, Zinser.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Front Desk (so auch im Deutschen gesagt, seltener Anmeldung):

Bei manchen Spezialinstituten und Privatbankiers heute noch übliche, sich räumlich an den Eingangsbereich anschliessende Empfangsstelle (reception; Rezeption). Hier wird der Kunde begrüsst und in der Regel auch einem bestimmten sachkundigen Bankmitarbeiter zugewiesen. Kommt es betriebsbedingt (due to operating conditions) nicht gleich zu einem Zusammentreffen mit dem zuständigen Mitarbeiter (responsible person), dann wird der Kunde oft auch bis dahin in kleinerem Umfang bewirtet.

– Siehe Front-Office-Bereich.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Frontloading (so auch im Deutschen gesagt, aber in unterschiedlicher Bedeutung):

1 Die Voraberfüllung des Mindestreservesolls durch die Banken, wenn der Tagesgeldsatz den Zins für das Hauptrefinanzierungsgeschäft unterschreitet.

2 Die vorzeitige Abgabe von Eurogeld an Kreditinstitute sowie die Weitergabe durch die Banken an bestimmte Zielgruppen wie Geldtransportunternehmen (cash transportation service provider) oder Automatenbetreiber (dann Sub-Frontloading genannt) bereits vor der Einführung des Euro-Bargeldes am 1. Jänner 2002.

– Siehe Arbitrage, intertemporale, Bargeldunion, Geldrolle, Mindestreserve.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Front Loading Fee auch Upfront Fee sowie Flat Fee (und so auch im Deutschen gesagt):

Die einmalige Gebühr, die eine Bank für die Bearbeitung (handling) des Darlehn-Antrags in Rechnung stellt (arrangement fee; Bearbeitungsgebühr, in älteren Dokumenten auch Manipulationsgebühr) und die in der Regel im vorhinein fällig ist.

– Siehe Abschlussgebühr, Bankgebühren, Entgelt, Provision, Vergütung, Verzinsung, antizipative, Vorauswahl, Zins, effektiver.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Front-Office-Bereich (so auch im Deutschen gesagt):

Alle Tätigkeiten des Bankpersonals (bank personnel), die einen persönlichen Kontakt zum Kunden bedingen. Nach und nach wurde im Zuge des Empowerment ab etwa 1980 bei fast allen Instituten die Entscheidungs-Befugnisse der Mitarbeiter im Kundenbereich vor Ort beträchtlich gestärkt, womit eine spürbare und auch messbare Zunahme der Zufriedenheit sowohl der Mitarbeiter als auch der Kunden verbunden war.

– Siehe Back-Office-Bereich, Commitment, Dress Code, Dezentralisations-Prinzip, Druckbelegschaft, Fallschirmspringer, Front-Desk, Leitbildfestlegung, Multi-Boutique-Ansatz, Subsidiaritätsprinzip.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Frontrunning (so auch im Deutschen gesagt, aber in unterschiedlicher Bedeutung):

1 Im engeren Sinne die Anpreisung wertloser Papiere, meistens als Geheimtip, durch

1. persönlichen Besuch eines Vertreters zu Hause, dann auch Kaltaquise genannt, oder durch

2. Telephonanruf aus einer Dampfstube bei möglichen Anlegern, meistens bei genau ausgewählten Zielpersonen zu Hause beziehungsweise am Arbeitsplatz.

2 Im weiteren Sinne auch das Bewerben von Dingo-Werten über andere Wege, wie vor allem

1. durch persönlich gestaltete E-Mails (personalised electronic mails),

2. mittels eigener Sites im Internet bzw. auch Apps in iPods und

3. zunehmend auch durch allein zu diesem Zweck eingerichtete Foren, Blogs und über Netzwerke wie Twitter, in denen sich angeblich hell begeisterte (exceedingly enthusiastic) und reich gewordene Anleger austauschen.

– Siehe Beschores, Billigkopie, Blind Pool, Blog, Cold Calling, Daimonion, Dampfstube, Darkrooming, Dingo-Werte, Domizil-Verschleierung, Energiewerte, Finanzgeier, Firmenbestatter, Geheimtip, Geldsauger, Ghettobanking, Gründungsschwindel, Kaltaquise, Kapitalmarkt, grauer, Klartext, Kursmanipulation, Mail Shot, Offshore Finanzplätze, Pairoff, Parallel Banking, Pump and Dump, Rendite-Risiko-Grundsatz, Scalping, Scheintransaktionen, Supergewinn, Twitter, Umstände, bewertungswichtige, Verständlichkeit, Vorhersagen, Winkelmakler, Zitronenhandel.

– Vgl. einzelne Fälle im Jahresbericht 2001 des Bundesaufsichtsamts für den Wertpapierhandel, S. 27 f. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Frühlingstriebe (green shoots):

In der Finanzsprache gesagt für erste Erholungsanzeichen auf einem daniederliegenden Markt(segment), besonders für einen leichten Anstieg der Kurse (moderate rise, upturn) an der Wertpapierbörse nach einer langen Zeit der Baisse. - Gleichsam die Vorstufe sind Wurzeltriebe (green roots) als allererste Anzeichen für eine Markterholung (recovery).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Frühwarnrecht (early warning competence):

Um ein übermässiges Defizit eines Mitglieds der EU zu vermeiden, hat die Kommission nach Artikel 126 AEUV das Recht, eine Verwarnung auszusprechen. Die Kommission kann darüber hinaus nach Artikel 121 AEUV auch ein Mitglied verwarnen, wenn seine Wirtschaftspolitik nicht mit den vom Rat empfohlenen Grundzügen vereinbar ist oder die gemeinsamen Anliegen aller Mitglieder gefährdet.

– Siehe Stabilitäts- und Wachstumspakt, Wettbewerbs-Status, Überwachung, Wirtschaftspolitik, europäische.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Frühwarnsysteme (early warning models):

1 Rechnerische Verfahren mit dem Ziel, Signale für das Eintreten einer Baisse oder Hausse auf dem Markt für Vermögenswerte möglichst weit im Voraus zu erkennen (tool to derive signals of an upcoming boom-bust-cycle in asset prices). Als ein guter Vorlaufindikator (leading indicator) erwies sich in vielen Studien eine übermässige Kreditschöpfung; genauer

1. die Abweichung des weltweit gemessenen Verhältnisses von Darlehn zum Bruttosozialprodukt von seinem Trendpfad (the deviation of the global credit-to-GDP ratio from its trend path) und

2. das globale Kreditwachstum (the global credit growth).

2 Der Versuch, Verlustrisiken in einem fremden Währungsraum im Voraus zu erkennen und entsprechende Portfolio-Umschichtungen vorzunehmen, ehe es zu einer Panik kommt. In der Vergangenheit hat sich in erster Linie das Verhältnis zwischen Devisenreserven und kurzfristiger Auslandverschuldung als verlässliches Merkmal (reliable indicator) erwiesen.

– Siehe Economic Sentiment Indicator, Force on Country Risk Analysis, Forum für Finanzmarktstabilität, Krisen-Frühwarnsystem.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2010, S. 85 ff. (Frühwarnanzeichen bei Vermögensblasen; Übersichten; viele Literaturhinweise), Jahresbericht 2011 der EZB, S. 29 ff. (Frühwarn-Indikatoren bei Vermögenspreisen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fruktifizierung (fructification):

Im älteren volkswirtschaftlichen Schrifttum sowie in der sozialistischen Anklageliteratur (accusatory literature) gegen das marktwirtschaftliche System (marked-based economy) die in Darlehnsverträgen übliche Berechnung von Zins und Zinseszinsen.

– Siehe Zins.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fuchs (fox, redgold piece):

1 In älteren Schriftstücken auch die Bezeichnung für eine Goldmünze.

2 Seit 2000 volkstümliche deutschsprachige Bezeichnung für den 50-Euro-Schein der EZB.

– Siehe Geldbezeichnungen volkstümliche, deutschsprachige.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fudelgeld (whipping redundancy pay):

Eine in manchen Gegenden Deutschlands geleistete Zahlung dafür, dass die Frauen des Hauses vom Fudeln verschont wurden. - Am Tag vor Aschermittwoch zogen junge Männer dort mit Musik von Hof zu Hof und peitschten gewohnheitsrechtlich die Frauen des Hauses mit Ruten; man nannte dies Fudeln, so oder auch ähnlich geschrieben. Statt Geld konnten sich die Frauen teilweise auch durch die Hergabe von Schnaps, Eier und Wurst von der Peitschung auslösen.

– Siehe Dispensationsgeld, Freikaufgeld, Hautgeld, Loskaufgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fuhrgeld (cartage, haulage, carrying cost):

In älteren Dokumenten die Bezahlung an den Transporteur (carrier; Fuhrmann) für das Befördern eines Frachtgutes (freight, cargo) vom Versender zum Empfänger.

– Siehe Frachtgeld, Rollgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Führung, verbale, unfreundlich auch Zentralbankgeschwätz (verbal guidance):

Um 2013 aufgekommene Bezeichnung für die verstärkte Bemühung einer Zentralbank, durch schriftliche Verlautbarungen und gehäufte Reden der Führungskräfte Einfluss auf den Finanzmarkt zu gewinnen, nachdem die Geldpolitik den Zins bei nahe null Prozent gesenkt hat.

– Siehe Anmassung, zentralbankliche, Aufkäufe, zentralbankliche, Codewörter, Diätrendite, Enteignung, kalte, Finanzsodomit, Forward Guidance, Greenspeak, Marktpräsenz, zentralbankliche, Moral Suasion, Politik des offenen Mundes, Repression, finanzielle, Seelenmassage, Tarnkappen-Politik, Zentralbank-Aussagen.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2014, S. 73 ff. (lehrbuchmässige Darstellung der Forward Guidance; zahlreiche Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Full Fair Value-Standard (so auch im Deutschen gesagt):

Verfahren zur Bewertung aller Finanzinstrumente zum Marktwert (full fair value). Danach werden grundsätzlich nur solche Finanzinstrumente, die nicht bis zur Endfälligkeit (final maturity) gehalten werden, zu Marktwerten bilanziert. Kredite der Banken werden zu Marktpreisen (whether such prices are each time available?) bewertet. Von der Accounting Task Force ist dieser Standard bis anhin noch nicht empfohlen.

– Siehe Audit, Bewertung, Fair Value, Inventarwert, Wertpapierbestände, Zeitwert.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fundamentalanalyse (fundamental analysis):

1 Berücksichtigung möglichst vieler Einflüsse, die den Marktpreis eines Gutes jetzt oder später wesentlich bestimmen, wie vor allem Kriegsgefahr, Wetter, mögliche Substitute und ökonomische Stabilitätslage.

2 Methode zur Ermittlung des "wahren" Wertes einer Aktie bzw. eines Fonds-Anteils mittels bestimmter Merkmale, wie vor allem der Bilanz, Erfolgsrechnung, Beurteilung des Managements, Branchenlage usw. Liegt der aktuelle Kurs tiefer als der so geschätzte innere Wert, dann gilt die Aktie als unterbewertet (attempts to evaluate all the operations of a company or a fund, and the market in which the company or fund is operating, in order to understand the stability and to forecast the growth potential).

– Siehe Aktienmarkt-Volatilität, Analyse, technische, Analyst, Audit, Bewertung, Bollinger Bänder, Bottom-up-Ansatz, Charts, Histogramm, Kartierung, Kursbereich, gehandelter, Random-Walk-Hypothese, Substanzwertanleger, Unterstützungslinie, Value-Management, Widerstandlinie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Funding (so auch häufig im Deutschen gesagt):

1 Die Zuweisung von Kapital zu einem Vorhaben, die Finanzierung (provide capital, which means money for a project).

2 Die Umwandlung einer kurzfristigen Schuld in eine langfristige, und in der Regel nur von privaten Schuldnern gesagt und dann auch Schuldumschreibung genannt.

– Siehe Umschuldung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fund of Funds, FoF (im Deutschen oft auch Dach-Hedge-Fonds):

Kapitalverwaltungsgesellschaft, die einbezahlte Beträge nicht in einzelne Wertpapiere, sondern risikogemischt ausschliesslich oder vorwiegend in Fondsanteile anlegt (a fund which does not invest directly in papers as shares, bonds or other securities, but invests risk-weighted in a portfolio of other funds). Über solche Fonds können auch kleinere Anleger auch Mittel in grosse Fonds investieren oder ihr Hedge-Fonds-Engagement risikomindernd streuen. In Deutschland sind solche Fonds unter dem Namen "Investmentfondsanteil-Sondervermögen" im Gesetz über Kapitalverwaltungsgesellschaften (KAGG) geregelt. Sie unterliegen der Kontrolle durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.

– Siehe Hedge-Fonds, Investmentfonds, Kapitalverwaltungsgesellschaft.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 89 (Schwierigkeiten bei der Risikoberechnung), S. 183 (Bedingungen einer aufsichtsrechtlichen Zulassung) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin (Rubrik "Hedge-Fonds"). - Im monatlich erscheinenden Statistische Beiheft "Kapitalmarktstatistik" der Deutschen Bundesbank auch Zahlen über die Anzahl, den Anteilumlauf und das Vermögen inländischer Dach-Hedge-Fonds (domestic funds of hedge funds), nach verschiedenen Gesichtspunkten aufgeschlüsselt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fundraising auch Fund-Raising (so auch zumeist im Deutschen gesagt; seltener Mittelbeschaffung):

1 Im engeren Sinne das Einwerben von Spenden für einen wohltätigen Zweck (the practice used by non-profit organisations of petitioning and gathering money by requesting donations from individuals, businesses, or governmental agencies).

2 In weiterem Sinne gesagt auch für die Suche nach Investoren für ein gewinnversprechendes Vorhaben (project promising high earnings).

– Siehe Landmark Building-Darlehn, Multisourcing, Public Private Partnership, Roadshow.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fünfhunderter-Regel (five hundred principle):

Sobald 500 Bürger der USA Aktien an einem im Ausland notierten Unternehmen halten, dann unterliegt diese Gesellschaft aufsichtsrechtlich grundsätzlich auch den Gesetzen und Bestimmungen der USA.

– Siehe Sarbanes-Oxley Act.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fünfhunderteuro-Schein (fivehundred euro note):

Aus der Nachfrage nach dieser Banknote - und allgemein: nach dem Geldschein mit dem höchsten Währungsbetrag - lässt sich auch auf das Vertrauen des Publikums in das Finanzsystem schliessen. So steigt die Zahl der ausgegebenen 500-Euro-Scheine im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise im Herbst 2008 stark an.

– Siehe Run, Tresor-Boom.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Funktion (function):

Dieses vieldeutiges Wort bezeichnet als Fachbegriff im Aufsichtsrecht auch eine Dienststelle (administrative capacity), welcher (Risiko-)Überwachungsaufgaben im Unternehmen (governance: strategic and operational risk management across the business organisation) übertragen sind. Eine Funktion in diesem Sinne fällt aber nicht notwendig auch mit einer eigenen Organisationseinheit in einem Institut oder einer Versicherung zusammen, obschon das vielfach so ist. - Die Aufsichtsbehörden verlangen indessen grundsätzlich, dass eine Funktion in dem definierten Sinne klar erkennbar und als Ansprechpartner auszumachen ist.

– Siehe Aktuar, Chief Risk Officer, Gesamt-Steuerung, Mindestanforderungen an das Risikomanagement, Passivmanagement, Prozyklizität, Rating-Agenturen, Risikoabteilung, Risiko-Ausschuss, Risikodeckungsmasse, Risikogewichtung, Risikokontrolle, Risiko-Messverfahren, Risikoübernahme-Grundregel, Risk Reporting, Risikoüberwachung, gegliederte, Steuerung, institutsinterne.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Furchtthese (fear theorem):

In Bezug auf den Finanzmarkt die Aussage der Finanzpsychologie, dass Sorge und Bangen über die künftige Marktentwicklung die Anleger unsicher und unentschlossen werden lassen, so dass sich eine Finanzkrise dadurch von selbst verstärkt.

– Siehe Animal Spirits, Bankenkrise, Dominostein-Effekt, Erinnerungsfähigkeit, Euphoriephase, Finanzpsychologie, Fünfhunderteuro-Schein, Headline-Hysterie, Run, Vertrauen, Vertrauensverlust, Stimmungs-Umschwung, Zahltag-Grundregel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Furtgeld (ford due[s]):

Abgabe in Bargeld, die

1. beim Durchfahren einer seichten Stelle eines Flusses (dem Furt-Steg; wade bridge, ford: a shallow place in a river where it is possible to cross securely without using a boat) oder

2. vom Meeresufer zu einer Insel zur Zeit der Ebbe von Fuhrleuten zu entrichten war.

– Siehe Abfertigungsgeld, Auseisunggeld, Bordinggeld, Brückengeld, Frachtgeld, Gussgeld, Hafengeld, Kaigeld, Krangeld, Lastgeld, Liegegeld, Leuchtturmgeld, Lotsengeld, Mützengeld, Rheinoctroi, Schleusengeld, Schmiergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fusionen und Übernahmen, F&Ue (mergers and acquisitions, M&A):

Firmenkäufe und Verschmelzungen auch ausserhalb der Finanzmärkte beeinflussen wegen der hierbei auftretenden, in der Regel fremde Währungsräume betreffenden Grosszahlungen letztlich auch die Finanzmärkte. Daher beobachten die Zentralbanken entsprechende Aktivitäten, und die Aufsichtsbehörden setzen Regeln, oft nach entsprechenden Gesetzen, so wie in Deutschland dem Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz [WpÜG]).

– Siehe Abwehrmassnahme, Akkretion, Akquisition, strategische, Allianzen, grenzüberschreitende, Asset Deal, Barofferte, Blitzkrieg-Übernahmeangebot, Blind-Taub-Verbindung, Buyout-Kapital, Collateralised Loan Obligations, Dekapitalisierung, Derby, Earn-out Klausel, Europa-AG, Façon, Fairness Opinion, Firmenfonds, Freier, Fusionsanzeige, Fussangelspiel, Gifttablette, Greenmail, Grössen-Effekte, Insolvenzkosten, Kapital, zweckgebundenes, Kaufpreis-(Teil)Stundung, Konsolidation, Konzentrationskurs, Konzernabschlag, Kriegskasse, Machbarkeitsstudie, Makkaroni-Abwehr, Marktbereinigung, bankliche, Material-Adverse-Change-Klausel, Mitversicherungs-Effekt, Personen, gemeinsam handelnde, Radar-Überwachung, Raider, Risiko, personelles, Ritter, weisser, Shark Watcher, Sonderdividende, Staatsfonds, Tax Due Diligence, Totholz, Transaktionsbonus, Übernahme, feindliche, Übernahme-Angebot, Übernahme-Appell, Übernahmebeirat, Übernahmerisiken, Überraschungsangriff, Verschmelzung.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Dezember 2003, S. 17 f., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 202 (wichtige Regeln), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 184 f. (Abwehrmassnahmen), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 189 ff. (Transaktionen seit 2003; Rechtliches; auffällige Bieterkämpfe), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 177 ff. (Transparenzanforderungen; Fall Schaeffler-Continental AG; grenzüberschreitende Verfahren; Untersagungen; einzelne Befreiungsverfahren), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 201 ff. (Rückgang der Übernahmeangebote; Aufschlüsselung; Bussgeldverfahren), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 223 (zum Begriff "feindliche Übernahme"; Zulässigkeit von Abwehrmassnahmen) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft", Monatsbericht der EZB vom Dezember 2006, S. 44 ff. (dort auch Übersicht der Fusionen), Monatsbericht der EZB vom August 2007, S. 37 ff. (auch zur Korrelation zwischen F&Ue einerseits und den Aktienkursen andererseits), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2008, S. 75 ff. (grenzüberschreitende Bankfusionen; ausführliche Darstellung; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fusionsanzeige (disclosure of fusion):

Hat in Deutschland ein Finanzinstitut die Absicht, sich mit einem anderen Institut zu vereinigen, so muss dies unverzüglich (immediately: taking place without delay) den Aufsichtsbehörden angezeigt werden; siehe § 24, Abs. 2 KWG.

– Siehe Beteiligungsanzeige.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fussangelgeschäft (bootstrap transaction):

1 Allgemein eine mit hohem Risiko behaftete Transaktion; oft mit der Nebenbedeutung, dass eine Vertragspartei die der Operation innewohnende Gefährlichkeit garnicht erkennt.

2 Im Besonderen ein Engagement auf dem Finanzmarkt mit hoher Hebelwirkung (a highly leveraged operation).

– Siehe Anlagemut, Anlage-Risiko, Anleihe, Hausse-Baisse bezogene, Risk Taker.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fussangelspiel (bootstrap game):

Bei der Fusion zweier Aktiengesellschaften kann der Gewinn pro Aktie der neuen Gesellschaft auch dadurch steigen, dass sich die Anzahl der Aktien verringert hat. Der Gewinn der neuen Firma blieb demgegenüber unverändert oder sank gar. - Es gilt daher bei Fusionen und Übernahmen, den erzielten Gewinn der neuen Einheit zu betrachten, und nicht den Gewinn pro Aktie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fussgeld (pedestrian entrance fee; second punter pay; way-to-school money, distance money; charitable march reward; leaflet distributor pay):

1 Frühere Abgabe, die von auswärts kommende Fussgänger beim Eintritt in eine Stadt an der Torwache (gate guard) zu zahlen hatten.

2 In Bordellen die Einnahme vom zweiten Kunden an einem Tag, im Gegensatz zum Handgeld (first prostitute's client; erster Freier) und Kopfgeld (third punter; dritter Bordellkunde).

3 In manchen Orten ein Zuschuss an Schulkinder, die ab einer jeweils festgelegten Entfernung zwischen Daheim und dem Schulort wohnen.

4 Ausgelobte Zahlung an Fussgeher, die einen längeren Marsch zugunsten eines guten Zwecks unternehmen.

5 Besondere Zahlung an Personen, die Prospekte in Briefkästen - vor allem in weitflächigen ländlichen Gebieten - verteilen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Fusti (refaction):

In älteren Dokumenten der Abzug an einer Rechnung für verunreinigte (defiled) oder beschädigt eingetroffene (damaged) Ware.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Future (future transaction, seltener zukunftsbezogenes Geschäft):

Unbedingtes Termingeschäft, nämlich Finanz-Terminvertrag - manchmal auch bezogen auf börsennotierte Waren, - die für beide Vertragspartner die Verpflichtung enthält, ein

1. Finanzprodukt (Basiswert)

2. in einer bestimmten Menge

3. zu einem vereinbarten Preis

4. an einen festgesetzten späteren Tag zu kaufen (Long Future) oder zu verkaufen (Short Future), nach IAS "a firm commitment traded on an organised market to buy or sell an agreed upon quantity of an asset at an agreed upon price on an agreed upon date."

– Der Käufer des Vertrags muss das zugrunde liegende Finanzprodukt am Erfüllungstag kaufen (Long-Position), während der Verkäufer (Schreiber) das Finanzprodukt am Erfüllungstag liefern muss (Short-Position). - Als mögliche Basiswerte kommen in Betracht

1. Vermögenswerte, wie vor allem Aktien, Obligationen, Rohstoffe, Strom, Gas, Edelmetalle oder

2. Referenzsätze, vor allem Währungen, Zinsen und Indizes wie etwa der Dax.

– Die Vertragsbedingungen sind in der Regel standardisiert. Dies ermöglicht einen transparenten Handel an der Börse, geringe Kosten und einen vereinfachten Marktzugang (market access).

– Siehe Abschlag, Crush Spread, Derivategeschäfte, bilaterale, Derivategeschäfte-Clearingpflicht, Derivategeschäfte-Meldepflicht, Finanzialisierung, Kerviel-Skandal, Low, Option, Position, schwache, Rohstoff-Terminvertrag, Schadensersatzpflicht, Termingeschäft, Underlying.

– Vgl. die Definitionen und Einteilungen im Monatsbericht der EZB vom Mai 2000, S. 42; Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 75 f. (hinsichtlich der Informationspflichten der Anbieter), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2006, S. 31 ff. (in Bezug auf Anleihen der deutschen Bundesregierung), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2012, S, 34 f. (Ölpreis-Futures).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Futures Fonds (commodity pool):

1 Eine Kapitalverwaltungsgesellschaft, die ein Sondervermögen mit Terminkontrakten einrichtet und verwaltet, wobei die Kundengelder je nach Ausrichtung des Fonds entweder in Kontrakten auf Waren (Commodities), Finanzprodukten (Financials) oder in beidem angelegt werden.

2 Im Besonderen bei Warenterminbörsen ein Fonds, in den mehrere, in der Regel gleichgerichtete - etwa Getreidemühlen, Joghurthersteller - Anleger jeweils Beträge einbringen, um Futures zu handeln (any investment trust, syndicate, or similar form of enterprise run for the purpose of trading in commodity for future delivery).

– Siehe Absicherung, Aufsaugphase, Finanzialisierung, Futures-Märkte, Rohstoff-Terminvertrag, Terminbörse, Terminkontrakt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Futures-Märkte (future markets):

Börsenmässig organisierter Handel in Futures; er ermöglichen eine Risiko-Übertragung zwischen verschiedenen Marktparteien. Dieser Transfer leitet sich oft ab aus dem Bedarf nach Absicherung von Preisrisiken des Basiswertes. Durch einen Futures-Vertrag sichert sich nämlich der Käufer den Preis, zu dem er den Basiswert später beziehen kann; andererseits sichert sich der Verkäufer den Preis, zu dem er den Basiswert später liefern wird. - Freilich werden Futures-Verträge in der Regel nicht durch eine physische Lieferung des Basiswertes erfüllt. Vielmehr wird die Differenz zwischen dem vereinbarten Futures-Preis und dem Marktwert des Basiswertes mittels Barzahlung ausgeglichen (the actual delivery of an asset almost never takes place, with parties paying the difference between the agreed upon price and the current market price for the asset). - Die aus der Futures-Position entstehenden Gewinne und Verluste werden dabei zumeist täglich durch eine zwischengeschaltete Clearingstelle abgerechnet. Zur Deckung der Zahlungsverpflichtungen fordert die Clearingstelle regelmässig Sicherheitszahlungen (margin requirements).

– Siehe Abschlag, Absicherung, Call, Cap, Chooser Cap, Contingent Swap, Crack Spread, Eurex, Euro General Collateral Pooling, Ersatz-Sicherungsgeschäft, Glattstellung, Hedge-Geschäft, Kerviel-Skandal, Kreditderivat, Kreditereignis, Laufzeitprämie, Modellrisiko, Put, Rohstoff-Terminvertrag, Option, Spekulation, Waren-Terminkontrakt, Worst Case Hedging, Zinsoption, Zinsswap.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2006, S. 55 ff., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2006, S. 31 ff. (in Bezug auf Futures, von der deutschen Bundesregierung emittiert), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2012, S, 34 f. (Ölpreis-Futures).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen