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Earn-out Klausel (so meistens auch im Deutschen, seltener Ergebnisabhängigkeits-Vereinbarung):

Vor allem bei Unternehmenskäufen verbreitete Vertragsgestaltung (drafting of a contract), der zufolge

1. zunächst nur ein Teil des Kaufpreises sofort bezahlt wird. Die Höhe der Restsumme ist abhängig von der Entwicklung der Erträge des übernommenen Unternehmens innert eines festgelegten Zeitraums.

2. Liegen diese über einer bestimmten, beim Kaufvertrag festgelegten Summe, so zahlt der Erwerber einen Zuschlag auf die noch ausstehende Rate des Kaufpreises.

3. Sind die Erträge jedoch geringer, so mindert sich die Rate.

– Neben dem Ertrag können dabei auch andere Masstab-Grössen für sich allein oder in einer bestimmten Verknüpfung zugrundegelegt werden. - Earn-out Klauseln beim Kauf von Wertpapieren bürden dem Verkäufer während der vereinbarten Zeit das Kursrisiko auf. Im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise bescherte dies Banken, Fonds und Zweckgesellschaften teilweise sehr hohe Verluste. Das Kursrisiko gaben einige Verkäufer, die mit Earn-out Klauseln versehene Finanzinstrumente veräussert hatten, auf verschiedene Weise, unter anderem durch Verbriefung, an andere Marktteilnehmer weiter, auch an Privatanleger. Dadurch kam es auf diesem Weg auch zu Verlusten bei Privathaushalten.

– Siehe Fusionen und Übernahmen, Kaufpreis-(Teil)Stundung, Übernahmerisiken.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Easy Listening (so auch im Deutschen gesagt, seltener Musikberieselung):

Hintergrundmusik aus Lautsprechern in einer Bank. Auf diese Weise soll eine "beklemmende Stimmung" (Kakopathie; oppressive atmosphere) in den Räumen aufgehellt werden. - Ob dieses Ziel auf solche Weise erreicht wird, bleibt fraglich. Indessen beschwerten sich zunehmend Kunden und Bankmitarbeiter über die nervenzehrende Musikberieselung (nerve wrecking constant background music). Seit etwa 1980 verschwand das Easy Listening daher grösstenteils bei deutschen Instituten, und zwar nicht zuletzt auf Drängen des jeweiligen Betriebsrates (upon insistence by works councils). Denn in die schallisolierten (soundproofed) Bureaux der Geschäftsleitung drang die Hintergrundmusik nicht ein.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

EBITDA (so auch im Deutschen zunehmend zu finden):

Abkürzung für Earnings Before Interests, Taxes, Depreciation and Amortisation; damit wird das Betriebsergebnis vor

1. Zinszahlungen für Fremdkapital,

2. Steuern (tax expense),

3. Abschreibungen auf Sachanlagen (depreciation on plant and equipment) und

4. auf immaterielle Vermögenswerte (depreciation on intangible assets) bezeichnet. Die Kennzahl ermöglicht in gewissem Umfang Vergleiche bei der operativen (operating; aus Geschäftstätigkeit fliessenden) Ertragskraft von Gesellschaften, die international betrachtet, unter verschiedenen Gesetzgebungen bilanzieren. Sie ist daher für das Rating von einiger Bedeutung.

– Siehe Cash flow, CROCI, Geschäfte, operative, Imparitätsprinzip, Leverage Multiples, Mittelzufluss aus Geschäftstätigkeit, Reingewinn.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

ECB-Observer (so auch im Deutschen; teilweise ohne Bindestrich):

Gruppe deutscher Fachleute, die es sich selbst zur Aufgabe gemacht hat,

1. die Politik der EZB durchleuchtend zu bewerten und

2. Aufmerksamkeit und Verständnis für die Geldpolitik allgemein und der Politik der EZB im Besonderen in der Öffentlichkeit zu stärken.

– Die bis anhin von der Expertengruppe veröffentlichten Dokumente sind überreichlich gespickt mit unnötigen Fremdwörtern (are overabundant riddled with an unnecessary number of foreign words and technical terms). Das lässt starke Zweifel darüber aufkommen, ob auf diesem Weg einem breiten Publikum die Geldpolitik nähergebracht werden kann.

– Siehe Anweisungen, geldpolitische.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Echtzeit-Datenbank (real-time database, RTDB):

Von der EZB seit 19. Januar 2010 zur Verfügung gestellte rund 230 Kennzahlen zur Wirtschaft im Eurogebiet, die auch als Zeitreihen angeboten und auf der Homepage der Zentralbank downloadbar (im Statistical Data Warehouse, SDW) sind. Die Daten werden in vierteljährlichem Abstand aktualisiert.

– Siehe Finanzarchäologie.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2009, S. 52 f. (Vorstellung der Datenbank), Monatsbericht der EZB vom September 2010, S. 79 ff. (Vorteile der Datenbank, Probleme der Datenrevision).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eckdaten, makroökonomische (macroeconomic key data):

Von den Zentralbanken laufend beobachtete volkswirtschaftliche Grössen, die auf unterschiedliche Weise unmittelbar oder zeitlich verzögert den Finanzmarkt beeinflussen und daher für der Geldpolitik von Wichtigkeit sind. Hierzu zählen vor allem das Bruttosozialprodukt, die Verbraucherpreise, der Saldo der Leistungsbilanz sowie die Arbeitslosenquote.

– Siehe Elisabeth-Frage, Modelle, geldpolitische, Sparsamkeitsregel. Transmissionsmechanismus, monetärer, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. Jahresbericht 2011 der Deutschen Bundesbank, S. 22 (makroökonomische Eckdaten verschiedener Volkswirtschaften im Vergleich), S. 34: dasselbe für die Euro-Staaten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eckergeld (pig silvan-pasture duty):

Früher eine Zahlung für das Recht, Schweine im Wald zu bestimmten Zeiten weiden zu lassen, meistens berechnet nach der Anzahl der eingetriebenen Sauen. Ecker = hier: Eicheln und Buckeckern; Eckerich = Waldweide für die Schweinemast; Schmalzweide = eine Waldweide in einem etwa gleichteiligen Bestand mit Buchen und Eichen.

– Siehe Triftgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ecofin-Rat auch Rat Wirtschaft und Finanzen (Ecofin Council):

Der Ministerrat der Europäischen Union in der Zusammensetzung der Wirtschafts- und Finanzminister. Für die Geldpolitik ist der Rat insofern mitbestimmend, als die dort beschlossenen Leitlinien für Wachstum und Beschäftigung mit der Politik der EZB abgestimmt werden müssen. Die Geschäftsordnung (CH: Reglement; rules of procedure) des Rats ist in Artikel 237 ff. AEUV weitläufig geregelt.

– Siehe Semester, europäisches, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Wettbewerbs-Status, Überwachung.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2005, S. 54 ff. (dort auch zur Finanzmarktintegration).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Economic Sentiment Indicator, ESI (so auch zumeist im Deutschen; daneben Indikator der wirtschaftlichen Einschätzung):

Auch für die Geldpolitik der EZB wichtiger Vorlaufindikator, von der Europäischen Kommission als ökonomischer Stimmungsbarometer (barometer of business sentiment) für das Gebiet der EU gesamthaft ermittelt. Grundlage bildet eine monatliche Befragung bei rund 125'000 Unternehmen und etwa 40'000 Privathaushalten.

– Siehe Bank Lending Survey, Einkaufsmanager-Umfrage, Wirtschaftsindikatoren, wichtige, Zwei-Säulen-Prinzip.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Economic Value Added, EVA (so auch im Deutschen gesagt; seltener wirtschaftlicher Mehrwehrt):

Der Wert aus dem Ergebnis und den Kosten für das Kapital - einschliesslich der Opportunitätskosten für das Eigenkapital - aus einem Engagement innert eines Zeitraums. Ist diese Kennzahl negativ, so wurde Kapital vernichtet.

– Siehe Ertrag, Rendite, Rentabilität, Yield-to-Call.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

ECU (European Currency Unit; so auch oft im Deutschen; daneben Europäische Währungseinheit, EWE):

Die - manchmal auch männlichen Geschlechts, also dann der - ECU war seit 1979 als Währungskorb definiert, der sich aus feststehenden Anteilen von zwölf der fünfzehn Währungen der Mitgliedstaaten der Europäischen Union zusammensetzte. - Die ECU löste 1981 die Europäische Rechnungseinheit ab, mit der sie zum Zeitpunkt des Übergangs hinsichtlich ihrer Festlegung und ihre Wertes identisch war. Der Wert der ECU errechnete sich als gewogener Durchschnitt der Werte ihrer Korbwährungen. Aufgrund dessen änderte sich laufend

1. sowohl der Wert der ECU als auch

2. die Umrechnungskurse gegenüber den nationalen Währungen. Die jeweiligen Tageswerte (current market prices) für die ECU wurden auf Grundlage der Dollarkurse der Korbwährungen amtlich mit sechs geltenden Stellen errechnet und bekanntgegeben.

– Am 1. Jänner 1999 wurde der ECU im Verhältnis ein zu eins durch den EUR ersetzt. Soweit Anleihen in ECU begeben wurden, fand auch hier eine Umstellung in EUR statt.

– Siehe Verrechnungsgeld, Währungskorb.

– Vgl. das vierteljährlich erscheinende Heft "Devisenkursstatistik" der Deutschen Bundesbank; dort auch die angefügten "Erläuterungen" am Ende beachten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Edelkupfer (noble copper):

In der Fachsprache des Schmuckgewerbes (jewellery sector, jewellery industry) alle Gegenstände, die lediglich zu einem Drittel aus Gold (Gold 333; 8 Karat) bestehen; der Rest der Masse machen Kupfer, Silber, Nickel und andere Metalle bzw. Metallmischungen aus. Dennoch dürfen in Deutschland - und zwar abweichend von den Bestimmungen in fast allen anderen Ländern - solche Waren "Gold" genannt und Schmuck daraus mit dem Feingehaltstempel "333" versehen werden. In Verfolg EU-weiter Rechtsangleichung ist jedoch abzusehen, dass diese Legierung durch den international verbreiteten Minimalstandard Gold 375 (9 Karat) abgelöst wird.

– Siehe Edelmetalle, Drittelgold, Rauschgold, Zwischgold.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Edelmetalle (precious metals):

Metallurgisch gesehen Gold (in der internationalen Finanzwelt oft abgekürzt XAU), Silber und die Gruppe der Platinmetalle, nämlich Iridium, Osmium, Platin, Ruthenium, Rhodium und Palladium. - Zu Anlagezwecken werden bis anhin vor allem Gold, Silber, Platin und Palladium gehandelt. Als Metall für Münzen verwendete man von den Edelmetallen fast ausschliesslich Gold und Silber. - Zurecht wurde darauf hingewiesen, dass Edelmetalle nur im zwischenmenschlichen Verkehr als Wertspeicher taugen. Für den auf sich allein gestellten schiffbrüchigen (stand-alone and shipwrecked) Robinson haben die aus dem Wrack des Schiffes geborgenen Goldmünzen keinen Wert.

– Siehe Alliage, Assay-Stempel, Chrysomanie, Currency-Theorie, Diamanten, Edelmetall-Fonds, Feinheit, Goldpreis, Goldwährung, Juwelen, Karat, Knopfabschneider, Portfolio, Rauschgold, Sachwerte, Troy-Unze, Unze, Vieleck, magisches, Wertaufbewahrungsmittel, Wertrelativität, Wertsachen, Zerimahbub, Zwischenparken.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Edelmetall-Fonds (precious metals fund):

Vermögen einer Kapitalverwaltungsgesellschaft, angelegt in börsennotierten Edelmetallen. Gemäss Vorgabe der Aufsichtsbehörden muss ein solcher Rohstoff-Fonds das Metall gegenständlich kaufen. Edelmetall-Fonds sind damit vor allem bei der weltweiten Nachfrage - besonders bei Palladium und Platin - ein bedeutender Marktteilnehmer geworden. In den USA sind solche Fonds erst seit Jahresbeginn 2010 zugelassen. In der Regel sind die Fonds auf den Preisindex für ein ganz bestimmtes Edelmetall gegründet.

– Siehe Exchange Trades Commodities, Finanzialisierung, Indexfonds, Rohstoff-Fonds, Wiegendruck-Investition.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Edelmetallhändler (precious metals trader):

Das Gesetz über das Aufspüren von Gewinnen aus schweren Straftaten (Geldwäschegesetz [GwG]) aus dem Jahr 1993 schreibt in § 14 im Einzelnen vor, inwieweit Firmen, die das Geschäft des Handels mit Edelmetallen betreiben, interne Vorkehrungen gegen Geldwäsche treffen müssen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Edelmetallhorte (stockpiles in precious metals):

In der älteren wirtschaftswissenschaftlichen Literatur die übereinstimmende Meinung, dass jeder Staat reichlich Edelmetalle anhäufen und die Ausfuhr von im Landesinnern gewonnenen Metallen verbieten müsse. Angesichts der Gegebenheiten der Zeit vom 16. bis zum beginnenden 18. Jht. war dies richtig. Denn nur mit Edelmetall konnte man in Indien, Südostasien und anderen Orten der Welt damalig Waren kaufen. Auch war Edelmetall das einzige Gut, mit dem im Kriegsfall Verbündete zu gewinnen waren. - Man spricht in diesem Zusammenhang auch von Merkantilismus (mercantilism: a body of economic thoughts during the mid 16th to the beginning 18th century that generally called for government regulation of a nation's economy in order to increase its power at the expense of rival nations, and especially the doctrine that money is wealth, accumulation of gold and silver, therefore, is the key to prosperity and wealth).

– Siehe Reichtum, Vermögen, Wertrelativität, Wohlstand.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Edelsteine (precious stones):

1 Im weiteren Sinne seltene, von Käufern begehrte Natursteine (Diamanten und Farbsteine; diamonds and coloured precious stones such as rubies, sapphires, and emeralds [Smaragde]).

2 Im engeren Sinne nur Diamanten (diamonds). Hochkarätige, auch in der Form seltene, sowohl rohe als auch geschliffene Diamanten werden nach Schätzungen weltweit zu annähernd achtzig Prozent zur Kapitalanlage gehalten; lediglich der Rest von zwanzig Prozent wird von der Schmuckindustrie verarbeitet. Denn bis anhin gibt es neben Diamanten kein Gut, das auf einem gegebenen Raum einen höheren Wert besitzt.

– Siehe Diamanten, Edelmetalle, Farbsteine, Juwelen, Karat, Knopfabschneider, Vieleck, magisches, Wertrelativität.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Editionsgebot und Veröffentlichungsvorschrift (obligation to disclose):

Das durch rechtliche Bestimmungen - wie etwa die Bilanzierungspflicht - oder besondere Weisung der Aufsichtsbehörde begründete Erfordernis, Informationen über ein Unternehmen im Allgemeinen und über ein Institut im Besonderen zu veröffentlichen.

– Siehe Anleger-Informationspflicht, Aufklärungspflicht, Authentifizierungsgebot, Derivate-Informations¬pflicht, Informations-Überladung, Kürteil, Zahlungsverkehrsverordnung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

EDV-Sicherheit (security in information technology):

Kreditinstitute sind aufsichtsrechtlich dazu verpflichtet, angemessene Sicherheitsvorkehrungen (adequate safety precautions) gegen Computerversagen, Computermissbrauch und Computerkriminalität zu einzurichten; vgl. für Deutschland § 25a KWG.

– Siehe Auslagerung, Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, Datei-Verwaltung, zentralisierte, Fehlertoleranz, Flash Crash, Geschäftskontinuität, IT-Risiken, Risiko, banktechnisches, Risiko, operationelles, Stromrisiko, Systemkollaps, Technologie-Risiken.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Effekten (securities):

1 Wertpapiere, die

1. in gleicher Gattung vertretbar (fungible; fungibel) sind,

2. an Börsen massenweise gehandelt oder an mehr als zwanzig Kunden verkauft werden.

– Meistens wird in der Praxis nicht zwischen Wertpapieren (generic term; der Oberbegriff: jede Urkunde, die ein Vermögensrecht verbrieft) und Effekten unterschieden.

2 Wertpapiere, die im Tafelgeschäft - als "effektive Stücke" (physical securities, actual documents) - lieferbar sind.

3 Die bewegliche Habe, die Habseligkeiten (belongings) eines Wirtschaftssubjektes; in dieser Bedeutung vor allem in älteren Dokumenten.

– Siehe Depotgesetz, Papiere, Tafelgeschäft, Titel, Vertretbarkeit, Wertpapiere, marktfähige.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Effektenbörse (stock exchange):

Organisierter Markt, an dem Wertpapiere aller Art gehandelt werden.

– Siehe Börse, Börsenfunktionen, Effekten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Effektenfonds (securities fund):

Vermögen einer Kapitalverwaltungsgesellschaft, ausschliesslich angelegt in Wertpapieren, die an einer Börse gehandelt werden.

– Siehe Ablauffonds, Auftragsfonds, Balanced Fund, Captive Fund, Club Deal, Garantiefonds, Hedge-Fonds, Investmentfonds, Kapitalanlagegesetzbuch, Pensionsfonds, Pensionskasse, Spezialfonds, Steuerspar-Fonds, Thesaurierungs-Fonds.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

(Effekten-)Girosystem (book-entry system):

Buchungssystem, welches die Übertragung von Rechten -vor allem an Wertpapieren und anderen Finanzinstrumenten- gestattet, ohne dingliche Stücke zu bewegen (without the physical movement of paper documents).

– Siehe Abwicklungssysteme, Clearing-Haus, automatisches, Dematerialisierung, Fernzugang, Kapitaltransfersystem, elektronisches, Massenzahlungsverkehr, elektronischer, RTGS-System, Scheckeinzugsverfahren, imagegestütztes, Überweisungssystem, TARGET-System, Trade Assignment, Zentralverwahrer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Effektivzins (actual interest rate):

Bei Darlehn der Nominalzins unter Berücksichtigung von

1. Disagio,

2. Bearbeitungsgebühren,

3. Tilgungsmodalitäten, wie Tilgungshöhe, tilgungsfreie Zeiträume, Tilgungstermine, Tilgungs-Verrechnungstermine,

4. Zinszahlungs - und (infra-annual, in-year spending; unterjährige) Zins-Verrechnungstermine sowie

5. Zinstagezählung und diese

6. in Deutschland pro Monat 30 Tage und das Jahr 360 Tage, in den USA und an anderen Plätzen in aller Regel tagesgenaue Auszählung (day-exact calculation).

– Der Effektivzins ist nicht mit dem Realzins zu verwechseln, was dennoch häufig geschieht.

– Siehe Actual/Actual, Bankenzwölf, Eurozinsmethode, Zinstagezählung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Effektivverzinsung (actual interest yield; net yield):

Wenn nicht ausdrücklich anders gesagt, der auf den Kurswert bezogene Ertrag eines Wertpapiers.

– Siehe Kuponrate, Verzinsung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Effektuierung (effectuation):

In der älteren Finanzsprache in der Bedeutung: einen (Finanz)Auftrag ausführen; ein (Finanz)Geschäft vollziehen; ein Engagement verwirklichen, eine Transaktion zum Abschluss bringen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Effizienz (efficiency):

Ein auch in der Finanzwelt in den letzten Jahren immer häufiger gebrauchter, gleichwohl aber ungenauer Begriff.

1 Im Einzelnen muss genau unterschieden werden zwischen

1. Produktivität: Faktoreinsatz zu Leistung,

2. Wirtschaftlichkeit: Kosten zu Leistung und

3. Rentabilität, Profitrate in der Terminologie der älteren Nationalökonomie: Gewinn zu eingesetztem Kapital. Oft bleibt selbst in Geschäftsberichten angesehener Banken unklar, was "Effizienz" jeweils genau ausdrücken soll; dasselbe gilt übrigens auch für "Konzept" als Benennung für alles, was man nicht genau zu bezeichnen vermag oder möchte.

2 Vom Markt aus betrachtet und volkswirtschaftlich gesehen in manchen Veröffentlichungen auch sprachlicher Ausdruck dafür, dass Geld als Anspruch auf knappe Mittel dorthin geleitet wird, wo es den höchsten Ertrag erwirtschaftet: dass es zum besten Wirt (to the most effective allocation of scarce resources) gelangt; sprachlich unschön auch "optimale Allokation der Ressourcen" genannt.

3 Manchmal gesagt für die Leistungsfähigkeit, das sachliche und personelle Leistungsvermögen eines Instituts.

– Siehe Aktiva-Produktivität, Basisgewinn, Dividendenrendite, Eigenkapitalrentabilität, Ertragseffizienz, Gewinn, Kosten, KLEMS-Datenbank, Ökoeffizienz, Rendite, Rentabilität, Risikoignoranz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Effizienz, operative (operational efficiency):

Das Verhältnis des Ergebnisses aus Ge¬schäftstätigkeit zu den Erträgen aus Geschäftstätigkeit. Dies entspricht der Differenz von eins minus der Aufwand-Ertrags-Quote und kann bei vorsichtiger Auslegung (cautious interpretation) gewisse Anhaltspunkte zur Kostensituation einer Bank liefern (provides information on the cost situation of an institute).

– Siehe Aktiva-Produktivität, Basisgewinn, Eigenkapitalrentabilität, Ertragseffizienz, Kosteneffizienz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Esito-Geld und Esito-Zoll auch nur Esito (esito, export duty):

In alten Dokumenten eine im jeweiligen Tarif festgesetzte Abgabe bei der Ausfuhr von zollbaren (dutiable: subject to customs duty according to tariff which must be paid when imported or [as in the case of esito] exported) Waren.

– Siehe Chausseegeld, Citymaut, Fährgeld, Furtgeld, Geleitgeld, Hafengeld, Krangeld, Ladegeld, Maut, Transitgeld, Ungeld, Verladegeld, Vignette, Wägegeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

EFTPOS (Abkürzung für "electronic funds transfer at the point of sale" und auch im Deutschen meistens nur so gesagt):

Zahlungssystem vor allem im Einzelhandel. Dabei werden bei Verwendung von Geldkarten die Zahlungsdaten in Datenendgeräten erfasst, elektronisch an die kontenführende Bank weitergeleitet und dort verarbeitet.

– Siehe Ablehnung, Community Card, Computerzahlung, Chipkarte, Geld, elektronisches, Karte, multifunktionale, Karteneinsatzdatei, Kleinbetrags-Zahlungssysteme, Netzgeldgeschäft, Pay-Green-Initiative, Sparbuch, Ticketing, electronic.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2014, S. 71 ff. (Bargeldabhebungen am Point of Sale; ausführliche Darstellung; zahlreiche Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ehrenfahrtgeld (carter-duty redemption payment):

Früher eine Einmalzahlung in Geld, die von der Pflicht zur Ehrenfahrt befreite, nämlich der Pflichtigkeit (soccage = labour service), für den Berechtigten - in der Regel den Grundherrn - bestimmte Fuhrleistungen (driving achievements) gegenständlich, körperlich zu erbringen.

– Siehe Befreiungsgeld, Frongeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ehrschatz (real estate transfer tax; legitimation fee):

1 In alten Dokumenten die Zahlung, welche von einem Leibeigenen (villein) an den Grundherrn bei Übertragung eines Grundstücks an eine andere Person zu leisten war, das Pfundgeld. Der Ehrschatz ist ein Vorläufer der heutigen Grunderwerbssteuer (property acquisition tax, tax on purchase of real estate).

2 Frühere Gebühr für die behördliche Ehelichkeitserklärung (parentage legitimacy) eines unehelich geborenen Kindes (child born to an unmarried mother).

– Siehe Ärariengeld, Armengeld, Fallgeld, Kauffreigeld, Kranzgeld, Pfundgeld, Urbarium.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

E-Geld (e-money):

Monetärer Wert, der auf einem Datenträger gespeichert ist. - Ausführlicher definiert die E-Geld-Richtlinie der EU aus dem Jahr 2000 E-Geld als

1. einen monetären Wert

2. in Form einer Forderung gegen die ausgebende Stelle,

3. der auf einem Datenträger gespeichert ist,

4. gegen Entgegennahme einer Summe ausgegeben wird, deren Wert nicht geringer ist als der ausgegebene monetäre Wert und

5. von anderen Unternehmen als der ausgebenden Stelle als Zahlungsmittel angenommen wird.

– Siehe E-Geldgeschäft, Geld, elektronisches.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

E-Geld-Agent und E-Geld-Vertriebshelfer (e-money agent):

Firmen, die im Namen von - überwiegend (predominant) ausländischen - E-Geld-Instituten und Kreditinstituten geschäftsmässig E-Geld vertreiben und/oder zurücktauschen. Diese Tätigkeit unterliegt nach § 1a, Abs. 6 ZAG der Aufsicht durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.

– Vgl. Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 162 (nahezu alle Prüfungen der BaFin bei den Agenten deckten teilweise gravierende Mängel auf, besonders bei den geldwäscherechtlichen Pflichten), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 113 (anhaltende Mängel festgestellt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

E-Geldgeschäft (e-money business):

Durch die E-Geld-Richtlinie 2000/46/EG wurden die Bankgeschäfte "Geldkartengeschäft" und "Netzgeldgeschäft" zu dem neuen Bankgeschäftstatbestand "E-Geldgeschäft" zusammengefasst. Entsprechend wurden "E-Geld-Institute" als eigene Gattung in das KWG aufgenommen. - § 1 Abs. 1 Satz 2 Nr. 11 KWG definiert das E-Geld-Geschäft als "die Ausgabe und die Verwaltung von elektronischem Geld". Elektronisches Geld sind gemäss § 1 Abs. 14 KWG Werteinheiten in Form einer Forderung gegen die ausgebende Stelle, die

1. auf elektronischen Datenträgern gespeichert sind,

2. gegen Annahme eines Geldbetrages ausgegeben und

3. von Dritten als Zahlungsmittel angenommen werden, ohne gesetzliches Zahlungsmittel zu sein.

– Siehe Netzgeld, Netzgeldgeschäft, Rücktausch-Verpflichtung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 1999, S. 41 ff. (E-Geld dringt vor), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 93 ff. (Entwicklung bei elektronischen Bezahlverfahren), Jahresbericht 2011 der Deutschen Bundesbank, S. 100 (E-Geld-Richtlinie der EU und deren Umsetzung; aufsichtsrechtliche Folgen), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 220 (das im Dezember 2011 in Kraft getretene Gesetz zur Optimierung der Geldwäscheprävention [GwOptG] normiert die Sorgfalts- und Organisationsvorschiften für das E-Geldgeschäft), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 91 f. (Sorgfaltspflichten beim E-Geld-Geschäft; Merkblatt der BaFin).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eichgeld in älteren Dokumenten auch Etallonage (gauging fee):

1 Frühere Abgabe an den Eichmeister (Eichherr, Eicher, Justierer; calibrator, gauger), der jederlei Masse (Raum, Umfang, Höhe, Länge, Gewicht, Fassungsvermögen) von obrigkeitswegen

1. der vorgeschriebenen, gesetzlichen Einheit (standard gauge) gleichzumachen und

2. die Einhaltung der festgelegten Werte nachzuprüfen hatte.

2 Heute Gebühr für die von einem Eichamt (gauging office, US: bureau of standards) erbrachte Leistung. - In Deutschland besteht Eichpflicht (obligatory calibration) für alle masszuteilenden Geräte, auch für Taxameter, Zapfsäulen, Waagen, Wasserzähler, Gaszähler, Wärmezähler und andere, im Wirtschaftsverkehr sowie in der Medizin zur Messung gebrauchte Vorrichtungen und Gegenstände. - Die Eichämter sind auch zu Befundprüfungen bei geeichten Geräten sowie bei der Gewichtsüberwachung (weight control) von Fertigpackungen im Lebensmittelhandel oder Edelmetallbarren im Verkaufsbereich von Banken zuständig.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eidgenössische Bankenkommission, EBK (Federal Banking Commission):

Aufsichtsbehörde in der Schweiz zur Überwachung der Vorschriften des Banken- und Anlagefondsgesetzes; ging in die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht ein.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eidgenössische Finanzmarktaufsicht, FINMA (Federal Financial Supervision Authority, FFSA):

Die zentrale staatliche Aufsicht über Banken, Versicherungen und weitere Finanzinstitute in der Schweiz; entstanden am 1. Jänner 2009 aus der Zusammenlegung der Eidgenössischen Bankenkommission, des Bundesamts für Privatversicherungen und der Kontrollstelle für die Bekämpfung der Geldwäscherei. Sitz der Aufsichtsbehörde ist Bern. Die FINMA ist eine öffentlich-rechtliche Anstalt (public-law institution) und mit eigener Rechtspersönlichkeit (legal personality) ausgestattet. Sie ist damit von der Bundesverwaltung unabhängig.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eiergeld (egg earnings; egg-soccage redemption payment):

1 Früher eine vielfach durch Ehevertrag (marriage settlement; antenuptial agreement) der Bäuerin und zu deren - teilweise - freien Verwendung zufliessendes Einkommen aus ihrer Besorgung der Geflügelwirtschaft (poultry keeping) im landwirtschaftlichen Betrieb.

2 Einmalige Zahlung, um von der Pflichtigkeit (Fron; soccage) zur Lieferung einer bestimmten Menge an Hühnereiern an die Fronherrschaft freizukommen.

– Siehe Befreiungsgeld, Brautgeld, Buttergeld, Erlösung, Frauengeld, Gegengeld, Frongeld, Kalbgeld, Käsegeld, Milchgeld, Paraphernalgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eigenemission (own issue):

Wertpapiere werden unmittelbar vom Ausgeber, also ohne Dazwischenschalten eines Emissionshauses, bei den Anlegern plaziert. Dies setzt voraus, dass der Emittent über eine entsprechend bemessene Plazierungskraft (adequate placing power) verfügt, sprich: die gewünschte Zahl von Investoren persönlich erreichen kann. - Der Vorteil der Eigenemission liegt in den niedrigen Kosten, weil die - nicht geringen! - Vergütungen für die emissionsbegleitende Bank bzw. das Emissionskonsortium wegfallen.

– Siehe Ausgabepreis, Begebung, Bezugspreis, Bookbuilding, Bought Deal, Daueremission, Emissions-Rendite, Endanleger.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eigenerlag (inpayment on own account):

Die Bareinzahlung auf das eigene Konto bei einer Bank. Der Ausdruck ist vor allem in Österreich verbreitet.

– Siehe Einzahlung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eigenheimbesitz (houses of one's own):

Die Ausgaben für das selbst genutzte Wohneigentum sind von der Statistik im Rahmen der Berechnung des Verbraucherpreisindex nur mit Schwierigkeiten genau erfassbar; die EZB ging hier neue Wege.

– Siehe Baupreisindex, Inflationsdifferenzen, Preisindex der Lebenshaltung.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juli 2005, S. 74 f. (Darstellung der Probleme).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eigengeld (money on account; inmates' money):

1 Bei Bausparkassen manchmal gesagt von den Einzahlungen des Bausparers plus Zinsgutschriften auf sein Konto.

2 Bei Gefangenen definiert in § 52 StVollzG-NRW als Summe von

1. bei Strafantritt von dem Häftling in die Anstalt mitgebrachten Geld und

2. Geldleistungen (wie Überweisungen von Familienangehörigen) an den Häftling seitens Dritter. Der Gefangene kann mit Zustimmung der Vollzugsanstalt über diese Zahlungsmittel frei verfügen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eigenhandel auch Nostrogeschäft und in älteren Dokumenten auch Properhandel (proprietary trade[ing]; business for one's own account):

Handel einer Bank mit Finanzprodukten für eigene Rechnung, im Gegensatz zum Kommissions- oder Auftragshandel. - Durch aufsichtliche Massnahmen ist der teilweise höchst risikobehaftete Eigenhandel der Banken weltweit besonderer Überwachung unterworfen worden. Das führte oft dazu, dass diese Geschäfte in den Schattenbankbereich abgegeben wurden. Beispielsweise gliederte man das gesamte Eigenhandels-Team der Bank Goldman Sachs in Neuyork in einen Private Equity Fund aus.

– Siehe Daytrading, Eigenhandel-Verbot, Eigenhändler, Finanzkommissionsgeschäft, International Business Company, Kapitalmarkt, grauer, Nominee, Offshore Finanzplätze, Parallel Banking, Regulierungs-Arbitrage, Selbsteintritt.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 21 (stark gesunkenes Netto-Ergebnis aus diesen Geschäften bei deutschen Banken).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eigenhandel-Verbot (ban on proprietary dealing by banks):

Um in grossen Universalbanken die Einlagen der Kunden vor risikoreichen Geschäften abzuschirmen, wurde mehrfach - und Anfang 2014 auch von der EU-Kommission durch Vorlage eines Gesetzentwurfs - gefordert, den Handel mit Finanzprodukten im eigenen Namen und auf eigene Rechnung bei diesen Instituten zu verbieten. Zulässig soll es indessen sein, die Eigenhandelsgeschäfte in eine zu diesem Zweck gegründete, jedoch auf eigenes Risiko handelnde und rechtlich in jeder Hinsicht selbständige Firma auszugliedern. Betroffen von dem Eigenhandel-Verbot wären in der EU rund dreissig Banken und etwa zwölf Institute aus der Schweiz, den USA und aus Japan, die in der EU mit Niederlassungen vertreten sind. - Kritiker der Verbotsgesetzgebung schlagen statt dessen vor, dass die betroffenen Institute durch die Aufsichtsbehörde gezwungen werden sollten, ihre Eigenhandelsgeschäfte täglich zu melden, und zwar genau untergliedert nach einzelnen Arten. Gleichzeitig sollte die Aufsichtsbehörde das Recht erhalten, den Banken Beschränkungen im Eigenhandel aufzuerlegen, wenn Anzeichen dafür zu erkennen sind, dass zu hohe Risiken eingegangen werden.

– Siehe Bank, systemische, Finanzmarkt-Interdependenz, Eventualschaden, Finanzstabilität, Grössenvertrauen, Lehman-Pleite, Liikanen-Bericht, Overkill, regulatorischer, Regulierungswut, Sifi-Oligopol, Straitjacking, Systemrelevanz, Too big to fail-Grundsatz, Überregulierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eigenhändler (principal):

Jeder, der

1. auf eigene Rechnung Transaktionen tätigt,

2. dabei seine im gehörenden Mittel einsetzt und auch

3. selbst ganz allein das Risiko der Operationen trägt (an entity that acts on its own behalf, with its own funds and at its own risk).

– Siehe Eigenhandel, Eigenhandel-Verbot.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eigenkapital (equity [capital]; capital resources):

1 Allgemein im Besitz eines Unternehmens befindliches Kapital, das den Merkmalen

1. Dauerhaftigkeit,

2. Verlustteilnahme und

3. Entscheidungsfreiheit über Ausschüttungen genügt.

2 Gemäss IAS (RK 49 c) der nach Abzug aller Verbindlichkeiten verbleibende Betrag der Vermögenswerte eines Unternehmens.

3 Bei Kreditinstituten nach der Definition der Aufsichtsbehörden der Besitz von Vermögenswerten, die zur Erfüllung ihrer Verpflichtungen gegenüber den Gläubigern ausreichend sind; siehe für Deutschland § 10 KWG. Im Einzelnen in der Regel das Total von

1. Kernkapital (core capital: bilanzielles Eigenkapital plus ökonomische Eigenmittel),

2. Ergänzungskapital (Prudential Filter) und

3. Drittrangmittel (tier-3 capital).

3 Bei einem Einschusskonto der Erfolg als Unterschiedsbetrag zwischen den im Besitz befindlichen Vermögenswerten einerseits und noch ausstehenden Darlehen zum Kauf der Vermögenswerte andererseits (the amount the investor would keep after all positions have been closed and all margin loans paid off).

– Siehe Abschmelzrisiko, Anpassungsrad, Eigenkapital-Arrangeur, Ergänzungskapitel, Gesamtbanksteuerung, Hebel(wirkung), Hedge-Fonds-Gefahren, IAS 39, Kapital, Kapitalpuffer, antizyklischer, Kreditlinie, Leverage, Prudential Filter, Rangfolge-Theorie, Rückschlag-Effekt, Unterlegung, Verschuldungs-Koeffizient, Waiver-Regelung, Zwangswandelanleihe.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2002, S. 43, Monatsbericht der EZB vom Februar 2004, S. 77 ff., Monatsbericht der EZB vom Januar 2005, S. 54 f., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 29 (Eigenkapitalquote deutscher Banken; S. 30: Eigenkapitalrentabilität untergliedert nach Bankengruppen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2006, S. 59 (Vorbehalte gegenüber den Berechnungsmethoden), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 69 ff. (Umsetzung der Eigenkapitalregelungen von Basel-II, S. 91: Überarbeitung der Eigenkapital-Definition), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 43 f. (Bemühungen um eine einheitliche Definition des bankaufsichtsrechtlichen Eigenkapitals), S. 56 f. (IASB-Abgrenzung von Eigen- und Fremdkapital), Monatsbericht der EZB vom Juli 2008, S. 35 ff. (Entwicklung der Eigenkapitalkosten 2002-2008), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 50 (hybride Finanzinstrumente und Eigenkapital), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 38 (Stärkung der Eigenkapitalvorschriften), Geschäftsbericht 2009 der Deutschen Bundesbank, S. 98 (zu den Eigenkapitalrichtlinien des Basler Ausschusses), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 125 (durch die in Kraft getretene Kapitaladäquanz-Richtlinie wird die Anerkennungsfähigkeit hybrider Kapitalbestandteile als aufsichtliche Eigenmittel bei Instituten bestimmt), Jahresbericht 2012 der EZB, S. 133 (Eigenkapitalrichtlinie und -Verordnung [CRD IV/CRR] der Europäischen Kommission), Jahresbericht 2012 der Bafin, S. 119 f. (Umsetzungsfragen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2013, S. 59 ff. (bankaufsichtliches Eigenkapital im Zuge von Basel-III).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eigenkapital, hartes (core tier one, common equity, predominant equity part):

Wenn nicht anders definiert, versteht man darunter bei einer Bank die Summe aus Stammaktien und einbehaltenen Gewinnen. Nicht zum harten Eigenkapital zählen Papiere, deren Inhaber nur im Falle der Insolvenz für Verluste haften. - Nach den Plänen zu Basel-III sollen Banken in Bezug auf ihre Bilanzsumme mindestens drei Prozent hartes Eigenkapital vorhalten. Das bedeutet, dass die Bilanz das 33fache des Eigenkapitals nicht überschreiten darf. Weil aber die Bilanzsumme in den USA und Europa wegen unterschiedlicher Bilanzregeln (GAAP, IFRS) nicht vergleichbar sind, so bedarf es noch genauerer Abklärungen.

– Siehe Aktiva-Minderung, Kapitalpuffer, antizyklischer, Kernkapital, Kernkapitalquote, Leverage Ratio, Liquiditätskrisenplan, Liquiditätspuffer, Zwangswandelanleihe.

– Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 10 (Basler Ausschuss berät über Einzelheiten einer künftigen verbindlichen Regelung), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2013, S. 59 ff. (hartes Eigenkapital im Zuge von Basel-III).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eigenkapital-Arrangeur (capital arranger):

Ein Institut, das die gesamte Finanzausstattung eines Kunden, einschliesslich der Besorgung aller Zahlungsausgänge und Zahlungseingänge sowie allfällig nötige Kapitalbeschaffung, besorgt, gestaltet und verwaltet.

– Siehe Arrangierung, Fiscal Agent, Investment Banking.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eigenkapitalausstattung (net equity base, capital adequancy):

Im einzelnen aufsichtsrechtlich genau definierter Begriff in Zusammenhang mit den Financial Soundness Indicators. Gemessen wird dabei

1. das Verhältnis zwischen aufsichtsrechtlichem Eigenkapital und den anrechnungspflichtigen Positionen (regulatory capital to risk-weighted assets),

2. das Verhältnis zwischen aufsichtsrechtlichem Kernkapital und allen anrechnungspflichtigen Positionen (regulatory tier1-capital to risk-weighted assets) und

3. das Verhältnis zwischen notleidenden Krediten - abzüglich Risikovorsorge - und bilanziellem Eigenkapital (non performing loans net of provisions to capital). Die laufende Beobachtung der Eigenkapitalausstattung soll der genauen Einschätzung der Lage und des Risikos dienen und damit den Grundstein zur Krisenvorsorge bilden.

– Siehe Basel-III, CAMELS, Eigenkapital, Eigenkapital, hartes, Kapitalpuffer, antizyklischer, Liquiditätsmanagement, Stabilisatoren, automatische, Stress-Test, Waiver-Regelung, Zwangswandelanleihe.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 69 ff. (Umsetzung der Eigenkapitalregelungen von Basel-II), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 125 (durch die in Kraft getretene Kapitaladäquanz-Richtlinie wird die Anerkennungsfähigkeit hybrider Kapitalbestandteile als aufsichtliche Eigenmittel bei Instituten bestimmt), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2013, S. 59 ff. (bankaufsichtliches Eigenkapital im Zuge von Basel-III; tabellarische Gegenüberstellung gegenwärtiger und zukünftiger Massgrössen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eigenkapitalinstrument (equity instrument):

Gemäss IAS (32 und 39) eine vertragliche Vereinbarung, die einen Restanspruch (residual claim) an Vermögenswerten eines Unternehmens nach Abzug aller damit zusammenhängenden Verpflichtungen zum Gegenstand hat.

– Siehe Finanzinstrument.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eigenkapitalkosten (cost of capital, capital resources costs):

1 Opportunitätskosten, die für die Verzinsung des Eigenkapitals in einem Unternehmen berechnet werden. - Oft geschieht die Berechnung nach der Formel Eigenkapitalosten = risikofreier Zinssatz plus Risikoprämie des Eigenkapitals, wobei der risikofreie Zinssatz als realer Zinssatz plus erwartete Inflationsrate angesetzt wird, und die Risikoprämie häufig nach der Gleichung: Beta mal erwartete Marktrendite minus risikofreier Zinssatz in die Berechnung eingeht.

2 In der Definition der EZB die Rendite, welche Anleger für das Halten von Aktien fordern. In den entsprechenden Berechnungen gleicht diese Rendite dem Diskontierungssatz, der zur Berechnung des Barwertes der erwarteten künftigen Dividenden-Ausschüttungen (Equity Premium) zugrunde gelegt wird.

– Siehe Eigenkapitalrentabilität, Realzinssatz, Zinsänderungsrisiko.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom September 2005, S. 43 f. (Definitionen, Zeitreihen; Vergleiche Eurogebiet zu USA).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eigenkapitalpuffer, variabler (dynamic provisioning):

Der Vorschlag, dass die Aufsichtsbehörde für einzelne Institute in guten Jahren eine höhere aufsichtsrechtliche Eigenkapitalquote vorschreibt. - Das stösst jedoch bei international tätigen Instituten mit Geschäften in unterschiedlichen Wirtschaftsräumen und ungleichen Konjunkturzyklen auf Schwierigkeiten. Zudem dürfte es nur schwer festzulegen sein, was für eine Bank "gute Jahre" sind, weil sich viele Masstäbe anbieten, wie etwa Gewinn, Umsatz, Zahl der bestehenden oder der neu hinzugekommenen Filialen, Anzahl der Beschäftigten oder daneben auch besondere Kennzahlen gebildet aus bestimmten Bilanzposten.

– Siehe Bankenaufsicht, europäische, Basel-III, Capital Requirements Directive, Cook Ratio, Eigenkapitalausstattung, Eigenkapitalpuffer, variabler, Financial Soundness Indicators, G-Sifi, Kernkapital, Leverage-Ratio, Liquiditätspuffer, Mark-to-Funding-Ansatz. Stabilisatoren, automatische.

– Vgl. Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 154 f. (Beschlüsse der EU-Finanzminister; Vorschlag eines Kapitalpuffers seitens der EBA), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 90 f. (antizyklischer Kapitalpuffer für Kredite), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2013, S. 59 ff. (bankaufsichtliches Eigenkapital und Eigenkapitalpuffer im Zuge von Basel-III), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2013, S. 69 (Übersicht der Kapitalpuffer nach CRD-IV).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eigenkapitalquote (capital resources quota):

Der Anteil an Eigenkapital, den ein Unternehmen allgemein und ein Institut im Besonderen gemäss Rechtsvorschriften zu halten verpflichtet ist.

– Siehe Anlage-Haftung, Capital Requirements Directive, Cook Ratio, Eigenkapitalausstattung, Eigenkapitalpuffer, variabler, Financial Soundness Indicators, G-Sifi, Kapitalpuffer, Kernkapital, Leverage-Ratio, Liquiditätspuffer, Mark-to-Funding-Ansatz.

– Vgl. Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 63 ff. (ausführlicher Bericht über den Stand der Harmonisierung im Zuge von Basel-III), S. 154 f. (Beschlüsse der EU-Finanzminister zur Stärkung der Eigenkapitalquote).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eigenkapitalquote, aufsichtsrechtliche manchmal auch bankaufsichtliche (prudential capital resources quota):

Nach Basel-I mussten acht Prozent Eigenkapital und andere eigenkapitalähnliche Positionen im Verhältnis zu den risikogewichteten Aktiva - die durch Zuordnung von Aktiva zu bestimmten Risikogruppen zu ermitteln sind - gehalten werden. Diese Eigenkapitalvereinbarung von 1988 trug zwar wesentlich zur Harmonisierung der aufsichtsrechtlichen Bestimmungen bei. Sie wurde jedoch - u. a. durch Finanzinnovationen - unterhöhlt; vgl. auch zur Eigenkapitalausstattung §§ 10 bis 12 KWG. - Im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise schlug man vor, die Eigenkapitalunterlegung bei Banken mit der Liquidität zu verketten. So könnte die aufsichtsrechtliche Eigenkapitalquote um einen Faktor erhöht werden, der mit Blick auf die Liquidität, Fristenkongruenz und dem systemischen Risiko der Bank für den Gesamtmarkt errechnet wird. Je mehr ein Institut längerfristige Anlagen kurzfristig finanziert hätte, desto mehr würden nach diesem Vorschlag die Eigenkapitalanforderungen steigen. Das hätte unter anderem auch den Vorteil, dass bei einer Hausse die Eigenkapitalunterlegung aufgestockt werden müsste, weil die Fristenkongruenz zu dieser Zeit am höchsten ist. Dies wiederum würde das Leverage und die Hausse zwangsläufig bremsen. - Grundsätzlich gilt als der beste Weg, den Finanzmarkt zu regulieren, die Haftung bei den Banken zu belassen. Daher sind alle nationalen und internationalen Bestimmungen zur Erhöhung der Eigenkapitalquote und der Einrichtung entsprechender Puffer zu begrüssen.

– Siehe Anlage-Haftung, Bankgrösse, Basel-III, Capital Requirements Directive, Cook Ratio, Eigenkapitalausstattung, Eigenkapitalpuffer, variabler, Financial Soundness Indicators, Kapitalpuffer, antizyklischer, Kernkapital, Leverage-Ratio, Liikanen-Bericht, Liquiditätspuffer, Mark-to-Funding-Ansatz, Moral Hazard, Prozyklizität, Risikopuffer, Stabilisatoren, automatische, Ultimo-Factoring, Waiver-Regelung, Zwangswandelanleihe.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2001, S. 66, Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 37 f. (in Bezug auch auf die Berücksichtigung unerwarteter Verluste), Monatsbericht der EZB vom Januar 2005, S. 54, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 69 ff. (sehr ausführliche Darstellung der Anforderungen nach Basel-II), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 43 f. (Bemühungen um eine einheitliche Definition des bankaufsichtsrechtlichen Eigenkapitals), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 55 (Novellierung der Eigenkapitalanforderungen), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 10 (Basler Ausschuss berät über Einzelheiten einer Neuregelung) Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 63 ff. (ausführlicher Bericht über die Fortschritte bei der Harmonisierung der Quote innert der EU), S. 154 f. (Beschlüsse der EU-Finanzminister zum Aufbau eines Kapitalpuffers), Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 38 f. (die Aktiva-Produktivität deutscher Institute seit 2002; Übersicht), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2013, S. 59 ff. (bankaufsichtliches Eigenkapital im Zuge von Basel-III, S. 61: Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eigenkapitalquote, mindestfordernde (minimum equity ratio):

Für eine Bank gilt nach Basel-II eine Mindestkernkapitalquote von vier Prozent. Während der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise wurde gefordert, diesen Satz auf acht Prozent zu erhöhen. Es schälte sich in der anschliessenden Aussprache jedoch heraus, dass weniger bestimmte Prozentsätze, als vielmehr die Bestandteile der Liquiditätspuffer entscheidend für das Überleben einer Bank sind. Daher müssen Institute in der EU ab 2012 mindestens die Hälfte ihres Eigenkapitals in Stammaktien und Gewinnen (= hartes Eigenkapital) halten.

– Siehe Basel-III, Eigenkapital, Eigenkapital, hartes, Eigenkapitalausstattung, Eigenmittel, Insolvenzfälle, Kapital, Kapitalpuffer, antizyklischer, Liquiditätskrisenplan, Stabilisatoren, automatische, Stopfgangs-Strategie, Unterlegung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eigenkapitalrentabilität, EKR auch Eigenkapitalrendite (return on equity, RoE):

1 Verhältnis des während einer Periode erwirtschafteten Vorsteuerergebnisses (yield before taxes) zum bilanziellen Eigenkapital eines Unternehmens (net earnings of a company divided by its assets; it measures how economically and profitably the firm is using its capital). - Kleinere, als Einzelunternehmen oder Personengesellschaft geführte Firmen und auch Privatbanken weisen oft eine sehr hohe EKR aus. Zumeist kommt das aber durch eine sehr geringe bilanzielle Eigenkapitalausstattung zustande. Diese ist nämlich häufig - aus steuerlichen Gründen - sehr niedrig gehalten und bildet lediglich einen Teil der vorhandenen haftenden Mittel ab. Denn es bestehen Spielräume, Aktiva - etwa: Immobilien - dem Privatvermögen oder dem Betriebsvermögen zuzuordnen. Bei der Einbeziehung des nicht bilanzierten Vermögens würde daher die Bilanzsumme sowie das Eigenkapital steigen, die EKR mithin sinken. - Für eine Beurteilung der Ertragslage (earnings situation) eines Unternehmens eignet sich die EKR daher weniger; die Umsatzrendite ist hier die aussagekräftigere Kennzahl (more convincing ratio).

2 Produkt aus Ertragseffizienz und operativer Effizienz (operative Eigenkapitalrentabilität). Diese zeigt die Stärke etwa einer Bank in ihrem Geschäftsbereich (line of business) unter Ausblendung der Risikovorsorge. - Hervorzuheben ist, dass diese (und andere) Kennzahlen eine Information über das Ergebnis in abgelaufenen Perioden bzw. über das jetzige Ergebnis eines Unternehmens enthalten und nur bedingt etwas über die zukünftige Ertragskraft aussagen.

– Siehe Aktiva-Produktivität, Aufwand-Ertrag-Verhältnis, Deckungsbeitrag, Effizienz, Kosteneffizienz, Run Rate, Umsatzrendite.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2010, S. 20 f. (Eigenkapitalrendite im Vergleich zur Umsatzrendite; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eigenkapital-Zwischenfinanzierung (equity bridge loan):

Darlehn einer Bank

1. an einen Investor - hauptsächlich an eine Kapitalverwaltungsgesellschaft -, das zur Überbrückung der Zeitspanne zwischen dem Erwerb eines Anlagegegenstandes - etwa: Kauf einer Immobilie - und der vollständigen Einbringung des Eigenkapitals durch alle Investoren -hier: Verkauf von Fondsanteilen - dient;

2. an ein Unternehmen, das eine Begebung von Aktien anstrebt; dadurch wird die Eigenkapitalausstattung (net equity base) verbessert und die Aktie am Markt CETERIS PARIBUS höher bewertet; mit dem durch die Begebung einkommenden Kapital wird der Kredit zurückbezahlt. In manchen Fällen soll das Darlehn auch zur Deckung der - nicht geringen! - Kosten für den Börsengang (Going Public) beitragen.

– Siehe Brückenfinanzierung, Term Loan, Überbrückungskredit, Vorlage.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eigenmittel (equity capital, own resources):

1 Bei einer Bank grundsätzlich die Summe von

1. Kernkapital (= eingezahltes Kapital, offene Rücklagen einschliesslich der Haftrücklage, Fonds für allgemeine Bankrisiken) und

2. Ergänzungskapital (= stille Reserven, Partizipationskapital mit Dividenden-Nachzahlungs-Verpflichtung, nachrangiges Kapital, Neubewertungsrücklage [Available-for-Sale-Bestand], Haftsummenzuschlag).

2 In Deutschland nach § 10 KWG das "modifizierte verfügbare Eigenkapital", das nach einem bestimmten Ansatz zu berechnen ist; siehe diesen im Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 73.

3 Im EU-Recht in Artikel 56 ff. der Richtlinie 2006/48/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 14. Juni 2006 über die Aufnahme und Ausübung der Tätigkeit der Kreditinstitute (Neufassung) wird der Begriff Eigenmittel weitläufig und mit Bezug auf andere gemeinschaftsrechtliche Quellen erläutert.

– Siehe Basel-III, Gewinn, Eigenkapital, Einlagen, Fremdmittel, Kapital, Kapitalbedarfs-Verordnung, Kapitalpuffer, antizyklischer, Kernkapital, Leverage, Prudential Filter, Rangfolge-Theorie, Stabilisatoren, automatische, Tier 1, Ultimo-Factoring, Waiver-Regelung, Zwangswandelanleihe.

– Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 108 (Risikopuffer-Funktion der Eigenmittel; nicht realisierte Gewinne sind nur bis 45 Prozent beim Ergänzungskapital anzusetzen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 69 ff. (Umsetzung der Eigenkapitalregelungen nach Basel-II in deutsches Recht), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 48 ff. (neue aufsichtliche Regelungen; Drittrangmittel sollen abgeschafft werden), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2013, S. 57 ff. (Definition von Eigenmittel nach der Kapitalbedarfs-Verordnung; neue Anforderungen an die Menge und Güte von Eigenkapital; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eigentum, unbelastetes (clear title):

Bei einem Vermögensgegenstand hat der Besitzer - in älteren Dokumenten of auch Possessor - die volle rechtliche Herrschaft (the asset is clear of any legal encumbrances as pledge and other forms of priority rights from third parties). Eine entsprechende, meist formularmässige (on a form) Erklärung verlangen Banken in der Regel, ehe sie einen Vermögenswert als Sicherheit für ein Darlehen annehmen.

– Siehe Belastung, Vermischungs-Risiko.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eigenversicherer und Eigenversicherungsunternehmen (captive insurance company, captive):

Betriebseigene Versicherung grosser, meist als Firma eigener Rechtspersönlichkeit - also nicht als Betriebsabteilung - innert des Verbunds weltweit tätiger Unternehmen bestehend. Diese Versicherung übernimmt die Risiken des Konzerns unmittelbar. Dabei werden die von den Konzernunternehmen an die betriebseigene Versicherung überwiesenen Prämien von dieser entsprechend landesgesetzlicher Vorschriften angelegt (the captive invests the premiums saved as a result of not buying any external insurance to build up reserves in order to meet future claims). Gewöhnlich wird jedoch auch hier ein Teil des Risikos auf dem Rückversicherungsmarkt verkauft (some of the risks is sold on the reinsurance market). Je nach Finanzkraft des Konzerns sind indessen bei der Rückversicherung sehr hohe Selbstbehalte üblich. Oft sind daher nur Grosschäden gedeckt. - Eigenversicherer (wie beispielsweise die Deutsche Bahn AG) bedürfen einer Genehmigung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht und werden von dieser überwacht.

– Siehe Selbstversicherung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eilbeitritt (express entry):

Im Zuge der Finanzkrise um 2008 aufgekommener Ausdruck zur Bezeichnung des Wunsches verschiedener EU-Mitgliedsstaaten - vor allem Ungarn und Polen -, der Eurozone beizutreten, ohne indessen die im Vertrag über die Europäische Währungsunion festgelegten Bedingungen zu erfüllen.

– Siehe Opting-out-Vereinbarung, Plan C, Präklusivtermin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eilkredit (express loan):

Ein Darlehn, welches die Bank in besonderen Fällen - etwa: Wasserschaden, Autounfall, Ausfall der Heizungsanlage - einem Privathaushalt sofort oder doch sehr rasch zur Verfügung stellt. Regelmässige Voraussetzung ist dabei freilich, dass die Bank den Kunden kennt, oder dass Behörden bzw. Versicherungen - wie im Falle von Überschwemmungen oder andere Naturkatastrophen - für das Darlehn eine Haftung übernehmen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eilzuschlag (express delivery charge; urgency surcharge):

1 Der Preisaufschlag dafür, dass ein Kunde eine Ware oder Dienstleistung schnellstens, ausserhalb des üblichen Geschäftsgangs (outside the normal run of business) erlangen möchte.

2 Vor allem in älteren Dokumenten in der Bedeutung, dass Handwerker bei bestimmten Anlässen wie Trauerfall (hier: Schneider, Sargschreiner) von der Zunftordnung vorgeschriebene Arbeitszeiten überschreiten und von dem Auftraggeber eine besondere Zahlung verlangen dürfen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einbürgerungsgeld auch Indenisationsgeld (naturalisation fee):

Früher übliche Gebühr, erhoben bei Personen, denen ein Heimatrecht (Niederlassungsrecht; right of residence) verliehen wurde. Teilweise verlangen auch heute noch einige Staaten (auch Gliedsaaten und Gemeinden) eine solche Abgabe.

– Siehe Brautgeld, Küchengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einbusse (loss):

In älteren Dokumenten häufig gesagt für einen Verlust, und hier im Besonderen in Zusammenhang mit Geschäften an der Börse.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ein-Cent-Überweisung (one cent tranfer):

Seit Jahresbeginn 2010 verstärken auftretende unerwünschte Zubuchungen auf Konten von Privathaushalten in Höhe von einem Cent. Absender dieses Geschenkes sind

1. lästige Werbetreibende, die den Empfänger auf eine Ware oder Dienstleistung hinweisen möchten und dies schon im eigenen Interesse auf dem Überweisungsträger zumeist auch deutlich genug herausstellen;

2. Online-Bezahldienste und Hilfsorganisationen, die auf solche Weise die Personendaten eines Kunden bzw. Spenders überprüfen;

3. Betrüger, die zunächst tausendfach eine bestimmte Bankleitzahl mit Kontonummern koppeln. Erfolgt keine Fehlermeldung, so besagt dies, dass ein Konto bei dem Institut vorhanden ist. Seit Oktober 2009 müssen Banken in Deutschland bei Überweisungen nicht mehr prüfen, ob Empfänger und Kontonummer übereinstimmen. Auch kontrolliert eine Bank nicht automatisch, ob bei Abbuchungen eine Einzugsermächtigung des Kunden vorliegt. Das machen sich die Betrüger zunutze und buchen von den ausgespähten Konten - um nicht aufzufallen zumeist - kleinere Summen ab, die dem Kontoinhaber kaum auffallen. Zwar hat ein Kunde gegenüber einer Abbuchung ein Widerrufsrecht, das sechs Wochen lang bei dem kontenführenden Institut geltend gemacht werde kann. Viele Kontoinhaber prüfen aber ihre Kontenbewegung nicht hinreichend genug, versäumen die Widerspruchszeit (disregard the opposition period) und werden so Opfer der Betrüger.

– Siehe Daimonion, Dampfstube, Darkrooming, Domizil-Verschleierung, Enabler, Finanzgeier, Geldsauger, Geschädigten-Versammlung, Geschenk-Überweisung, Ghettobanking, Internet-Angebote, Kapitalmarkt, grauer, Parallel Banking, Pump and Dump, Rachenegel, Underground Banking, Verbraucherbeschwerden.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eindeckungsdrang (tendency to make covering purchases):

An der Börse gesagt von einer Kaufwelle (wave of precautionary buying) in Erwartung

1. weiterer starker Nachfrage (growing force of demand) oder

2. angebotsbedingter Verknappung einer börsengehandelter Ware (shortage of a commodity traded on the exchange).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ein-Euro-Note-Bewegung (one eurobill campaign; bill = in den USA für note [Geldschein] gesagt):

Vor allem in Italien und Griechenland werbende Initiative, in Euroland auch Banknoten im Wert von einem EUR in den Verkehr zu bringen. In beiden Ländern waren vor dem Beginn bzw. Beitritt (Griechenland 2001) zur Währungsunion Münzen so gut wie unbekannt. - Von der EZB wird diese Forderung bisher abgelehnt. Denn die Kosten der Produktion eines Ein-Euro-Scheins sind vergleichsweise hoch, und die Scheine müssten wegen des häufigen Gebrauchs und der raschen Abnutzung oft ausgetauscht werden ("Teuro-Note"). - Im Übrigen bekamen die Menschen gerade in Griechenland und Italien mit dem Euro seit vielen Jahrzehnten das erste Mal wertstabiles Geld in die Hand. Von Dank dafür ist in der breiten Öffentlichkeit nie etwas zu spüren gewesen.

– Siehe ClubMed, Griechenland-Krise, Hellenoschwärmerei, Papierwährung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einfuhrausgleichsabgabe (import equalisation levy; border tax on imports):

1 Vor allem in Zeiten der Devisenbewirtschaftung Importeuren auferlegte Zahlung mit dem Ziel, Käufe im Ausland zu verteuern, damit Einfuhren zu begrenzen (to restrict imports) und so Unternehmen zu zwingen, im eigenen Währungsgebiet erzeugte Waren zu verwenden.

2 Hauptsächlich von Privatpersonen bei der Einreise zu zahlender Unterschiedsbetrag zwischen dem Einkaufspreis einer Ware in einem Niedrigsteuerland und dem herrschenden Preis im Einfuhrland.

– Siehe Abschöpfungsbetrag, Wechselkurs-Überwachung, Zwangskurs.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einfuhr, kommerzielle (commercial imports):

Fachausdruck aus der Devisenbewirtschaftung in der Bedeutung, dass für den Import des Gutes Devisen benötigt werden (imports for which foreign-exchange payment is required).

– Siehe Devisenzuteilungsbestätigung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einfuhr- und Zahlungsbewilligung, EZB (import and payment permit):

In Deutschland während der Zeit der Devisenzwangswirtschaft die Erlaubnis der zuständigen Behörden, eine Ware einführen zu dürfen, verbunden mit der Zusage, dafür Devisen zur Verfügung zu stellen.

– Siehe Devisenzuteilungsbestätigung, Parallelitätsgebot.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eingliederungsdarlehn (integration loan):

1 In Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg im Zuge des Flüchtlingshilfegesetzes (FlüHG) gewährte staatliche Kredite an den dazu berechtigten Personenkreis, in erster Linie an Heimatvertriebene deutscher Nationalität.

2 Kredite der Banken an Zuwanderer nach Deutschland, vor allem an Existenzgründer im Gaststättengewerbe (catering trade).

– Siehe Heimkehrergeld, Durchleitkredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einheit, zahlungsmittelgenerierende (cash generating unit):

Begriff aus IAS 36.65 ff. im Zusammenhang mit dem Werthaltigkeitstest und dort definiert als kleinerer Vermögensgegenstand, der Zuflüsse und Abflüsse von Zahlungen unabhängig von der Nutzung anderer Vermögensgegenstände erwirkt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einheitskurs (standard quotation):

An deutschen Börsen börsentäglich einmal zu einem bestimmten Zeitpunkt festgestellter Preis für Effekten. Zum Einheitskurs werden Aktien mit einem weniger breiten Markt und die meisten Schuldverschreibungen notiert.

– Siehe Fixing.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einkaufgeld (buying-in payment; admission fee; dead contribution):

1 Frühere Bezeichnung für eine Zahlung, die beim Eintritt in eine Gemeinschaft - wie Zunft, Gilde, Kloster - von dem Ankömmling zu leisten war: ein Einstandsgeld.

2 Heute seltener gebraucht für die Summe, den Gesellschafter bei Aufnahme in eine KG oder GmbH bzw. auch Freiberufler - wie Anwälte, Steuerberater, Ärzte - bei Einstieg in eine Sozietät aufzubringen haben.

3 Im Besonderen heute auch gesagt für die Aufnahmegebühr, die bei der Zusage zum Beitritt seitens gewisser Vereinigungen gefordert wird, und die in der Regel dazu dient, Vermögensgegenstände der Vereinigung - wie Tennisplatz, Boots-Steg, Vereinshaus - zu finanzieren.

4 Summe, die Senioren beim Einzug in ein Altenwohnheim (home for the eldery persons, retirement home) als Kaution oder verlorenen Zuschuss zu zahlen haben.

– Siehe Depotgeld, Einstandsgeld, Krangeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einkaufsmanager-Umfrage (Purchasing Managers' Index, PMI):

Ursprünglich in den USA 1982 gestartete laufende Befragung der Chefeinkäufer hinsichtlich verschiedener Grössen - wie Auftragsbestand, Einkaufsmengen, Einkaufspreise, Lieferfristen, Warenlager -, die nach einem Gewichtungsschema zu einem aussagefähigen Index zusammengefasst werden. Entsprechende Befragungen wurden dann auch in anderen Ländern übernommen und in der Regel von Spitzenverbänden der Wirtschaft eingeführt; sie gelten als ziemlich verlässlicher Konjunkturbarometer. Von der EZB im Rahmen des Zwei-Säulen-Prinzips als Umfragen zum Einkaufsmanagerindex für das Euro-Währungsgebiet (Eurozone Purchasing Manager's Surveys) erfasst.

– Siehe Economic Sentiment Indicator, Vorlaufindikator.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom September 2008, S. 71 (Index und Teilindizes 2004 bis 2008), Monatsbericht der EZB vom November 2008, S. 61 ff. (Verlässlichkeit von Umfrageergebnissen in turbulenten Zeiten; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2008, S. 9 (globaler Einkaufsmanager-Index 1999 bis 2008), Monatsbericht der EZB vom Mai 2009, S. 61 (Nutzen der Umfrage für die Beurteilung der Finanzkrise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2011, S. 15 (Einkaufsmanager-Index seit 1998 verglichen mit der Industrieproduktion), Monatsbericht der EZB vom Januar 2014, S, 9 (Index seit 2004 aufgeschlüsselt), Monatsbericht der EZB vom April 2014, S. 64 ff. (Signalwirkung des Index in Bezug auch auf die sektorale Wertschöpfung; Literaturhinweise), Monatsbericht der EZB vom Juli 2014, S. 9 (Index seit 2004 aufgeschlüsselt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einkommen (income):

Wenn nicht anders abgegrenzt, jederart regelmässiger Zufluss von Geld in einen Privathaushalt. - Daneben ist der Begriff im Sozialrecht und Steuerrecht durch Definitionen und höchstrichterliche Rechtsprechung (jurisdiction of supreme court) in vielen besonderen Fassungen festgelegt.

– Siehe Bonus, Einnahmen, Einkünfte.

– Vgl. für Deutschland den statistischen Teil des jeweiligen Monatsberichts der Deutschen Bundesbank, Rubrik "Konjunkturlage", Unterrubrik "Einkommen der privaten Haushalte", Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2013, S. 50 (Einkommen der Privathaushalte aufgeschlüsselt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einkommen, verfügbares (disposable income, take-home pay):

In Bezug auf einen Privathaushalt die Brutto-Bezüge an Geld, abzüglich der einbehaltenden Steuern und Sozialabgaben (the amount of money an individual "takes home" in their paycheque after taxes, benefits costs, retirement contributions an all other employer withholdings are deducted).

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juni 2014, S. 77 ff. (verfügbares Einkommen im Eurogebiet und in einzelnen Mitgliedsstaaten seit 2006; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einkommen, vorausbezahlte (deferred income):

Wenn nicht anders definiert in der Statistik die Bezüge von Privathaushalten, welche im Voraus für ihre Arbeit entlohnt werden, die sie aber erst in der nächsten Periode - in der Regel im nächsten Monat - erbringen, wie bei Beamten in Deutschland.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einkommenselastizität der Kredite (income elasticity of credits):

Kennzahl die angibt, um welchen Prozentsatz die Kredite des Bankensystems zunehmen, wenn das Bruttoinlandsprodukt um ein Prozent steigt. - Erfahrungsgemäss ist die Einkommenselastizität der Kredite in den Industriestaaten in den letzten Jahrzehnten grösser als eins. Das Finanzsystem - oder zumindest ein Teil davon - schwingt mithin also stärker als die Konjunktur.

– Siehe Zyklik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einkommensmotiv (income motive):

In der älteren Literatur oft sehr breite Darlegungen dazu, dass

1. ein durchschnittlicher Privathaushalt in der Regel an einem einzigen Termin Zahlungen für geleistete Arbeit (Gehalt, Salär) in Empfang nimmt,

2. er dieses Geld dann innert eines Monats für die nötigen Beschaffungen verausgaben und

3. deswegen eine Überbrückungskasse (bridgeover box) anlegen muss.

– Durch das Aufkommen der Karten sind diese Überlegungen weitgehend gegenstandslos geworden. Trotzdem finden sich auch noch in Lehrbüchern neueren Datums weitschweifige, seitenlange Darlegungen zum so definierten Einkommensmotiv.

– Siehe Eventual-Kasse, Geschäftsmotiv, Vorsichtsmotiv.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einkommensteuer-Senkung (reduction of income tax):

Die - vorläufige, zeitlich begrenzte - Minderung des Einkommensteuer-Satzes. Vor allem zur Bewältigung der im Zuge der Subprime-Krise 2007 aufgetretenen Finanzkrise vorgeschlagene Massnahme, um kurzfristig mehr Nachfrage zu bewirken. - Dem steht jedoch entgegen, dass

1. fast die Hälfte der Privathaushalte in Deutschland zur Einkommensteuer nicht veranlagt wird und

2. (2010) fünf Prozent der am besten verdienenden Bürger fast die Hälfte des Einkommensteuer-Aufkommens leisteten. Eine Entlastung bei den oberen Einkommensbeziehern führt aber erfahrungsgemäss kaum zu mehr Konsum. Indes würde sich das Einkommen der ärmeren, nicht zur Einkommenssteuer veranlagten Hälfte der Privathaushalte durch eine solche Massnahme von vornherein nicht ändern.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einkommensstreben (income purpose):

Bei einer Geldanlage das Ziel, zu bestimmten Zeitpunkten entnahmefähige (withdrawable) Beiträge aus einer Investition schöpfen zu können. Dem steht grundsätzlich - d.h.: es gibt Mischformen - die Absicht gegenüber, am Ende einen Höchstbetrag an Kapital anzuhäufen. Diesfalls spricht man von Vermögensstreben (wealth purpose).

– Siehe Engagement, Investition, Kapital, Sparbuch, Vermögen, Portfolio-Optimierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einkommensverteilung (distribution of wealth):

Wenn nicht anders definiert, so meint man damit den Anteil an Sachkapital - also nicht, wie der Name vermuten lässt, an Geld - im Besitz einer Personengruppe innert einer Volkswirtschaft (the proportion of capital in ownership of a given percentage of a population. Usually, a small percentage will control a larger percentage of existing assets).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einkünfte (taxable income, emoluments, operating revenues):

1 Als steuerrechtlicher Begriff der Überschuss der Einnahmen, definiert als Zufluss von Vermögenswerten bei einer Wirtschaftseinheit über die Werbungskosten (professional outlay, income-related expenses in Bezug auf einen Privathaushalt, professional business expenses in Bezug auf ein Unternehmen.

2 Vielfach - und in alten Dokumenten zumal, dort häufig Revenüen und Reditus genannt - auch anstatt des Wortes Einnahmen gesagt und diesem Begriff inhaltlich und manchmal auch umfänglich gleichgesetzt.

– Siehe Erwerbseinkommen, Phantomeinkünfte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einlage, stille (silent capital contribution):

Die Beteiligung am Kapital eines Unternehmens, bei der jedoch der Kapitalgeber - sei es ein Institut, eine andere Firma oder eine Einzelperson - nach aussen nicht in Erscheinung tritt. Auch unterliegen stille Einlagen bis anhin keiner Publizitätspflicht.

– Siehe Hybridkapital.

– Vgl. Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 125 (aufsichtliche Einordnung von stillen Einlagen zu den Eigenmitteln im Zuge der Kapitaladäquanz-Richtlinie).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einlage-Fazilität und (in einem Wort) Einlagefazilität (deposit facility):

Ständige Fazilität der EZB, die den Geschäftspartnern die Möglichkeit bietet, Guthaben bis zum nächsten ESZB-Geschäftstag zu einem vorher festgesetzten Zinssatz bei der jeweiligen nationalen Zentralbank anzulegen. - Die Einlage-Fazilität fixiert die Zinsuntergrenze am Tagesgeldmarkt. Denn niemand wird bei einer anderen Stelle Geld zu einem Zinssatz anlegen, der unter dem von der Zentralbank gebotenen Satz liegt. - Erstmals in der jüngeren Zentralbankgeschichte setzte die EZB im Juni 2014 einen Negativzins von 0,1 Prozent bei der Einlage-Fazilität sowie auch für die das Mindestreserve-Soll übersteigenden Einlagen der Banken fest. Zweck der Massnahme soll es sein, die Institute davon abzuhalten, Geld bei der Zentralbank zu parken, anstatt es an Unternehmen und Privathaushalte auszuleihen. Wenn aber die Banken keine Kunden finden, bei denen die vertragsgemässe Bedienung eines Kredits in Aussicht steht, dann werden sie geneigt ein, sich auf anderen Märkten zu engagieren. Das erhöht die Gefahr von Blasen vor allem auf dem heimischen Immobilienmarkt und bei international gehandelten Rohstoffen.

– Siehe Geld, geparktes, Leitzins, Mindestreserve-Soll, Negativzins, Transmissionsmechanismus, monetärer, Zinskorridor.

– Vgl. den Anhang "Statistik" des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Monetäre Statistik", Unterrubrik "Schlüsselzinssätze der EZB" im jeweiligen Monatsbericht der EZB wegen des Umfangs der Geschäfte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einlagen (deposits; capital contribution):

1 Allgemein die einer Bank - seltener auch gesagt in Bezug auf Bausparkassen - gegen Zinsvergütung von der Kundschaft anvertrauten Geldbeträge.

2 Im engeren Sinne die Annahme fremden Geldes auf Sicht- und Terminkonten der Bank.

3 Die bei Gründung eines Unternehmens von den Beteiligten eingebrachten Summen oder Vermögenswerte.

4 In älteren Dokumenten auch gesagt für das Grundkapital.

– Siehe Depositen, Diätrendite, Eigenmittel, Einlage, stille, Einlagenzinsen, Finanzierungslücke, Fremdmittel, Fristentransformation, Haupteinlage, Kerneinlagen, Kreditgewährung, kompensatorische, Sparbriefe.

– Vgl. Jahresbericht 2010 der BaFin, S 250 (die Aufsichtsbehörde kann zurecht bei unerlaubt betriebenem Einlagegeschäft die sofortige Rückzahlung verfügen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einlagen mit vereinbarter Kündigungsfrist (deposits redeemable at notice):

Im statistischen System der EZB handelt es sich hier um Spareinlagen, die Einleger zur Einhaltung einer vereinbarten Kündigungsfrist verpflichten, ehe sie über die Einlagen verfügen können. - Einlagen mit vereinbarter Kündigungsfrist bis zu drei Monaten sind in M 2 (und damit auch in M 3) enthalten. Hingegen zählen Einlagen mit einer drei Monate überschreitenden vereinbarten Kündigungsfrist zu den längerfristigen finanziellen Verbindlichkeiten des Sektors Monetäre Finanzinstitute.

– Vgl. auch den von der EZB herausgegebenen Leitfaden "Die einheitliche Geldpolitik in Stufe 3. Allgemeine Regelungen für die geldpolitischen Instrumente und Verfahren", S. 107 sowie den jeweiligen Monatsbericht der EZB, dort der Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Monetäre Entwicklungen, Banken und Investmentfonds".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einlagen mit vereinbarter Laufzeit (deposits with agreed maturity):

Im statistischen System der EZB handelt es sich hier

1. um Termineinlagen mit vorgegebener Laufzeit, die nach den nationalen Gepflogenheiten vor Ablauf der vereinbarten Frist nicht oder doch nur gegen Bezahlung einer Vertragsstrafe umgewandelt werden können. Ferner zählen dazu

2. einige nichtmarktfähige Schuldverschreibungen, wie beispielsweise nichtmarktfähige Einlagezertifikate für den Absatz an Bankkunden.

– Einlagen mit einer vereinbarten Laufzeit bis zu zwei Jahren sind in M 2 (und damit auch in M 3) enthalten. - Einlagen mit einer vereinbarten Laufzeit von über zwei Jahren zählen hingegen zu den (nichtmonetären) längerfristigen finanziellen Verbindlichkeiten des Sektors Monetäre Finanzinstitute.

– Vgl. auch den von der EZB herausgegebenen Leitfaden "Die einheitliche Geldpolitik in Stufe 3. Allgemeine Regelungen für die geldpolitischen Instrumente und Verfahren", S. 107 sowie den jeweiligen Monatsbericht der EZB, dort der Anhang "Statistik des Euro-Währungs-gebiets", Rubrik "Monetäre Entwicklungen, Banken und Investmentfonds".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einlagen, täglich fällige (overnight deposits):

Bei der EZB

1. Sichteinlagen, die - in der Regel durch Scheck, Überweisung oder elektronisch verfügten Auftrag - frei übertragbar sind und

2. nichtübertragbare Guthaben, die auf Antrag oder bis zum Geschäftsschluss des folgenden Tages abhebbar sind.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einlagengarantie, staatliche (governmental guarantee for deposits):

Im Oktober 2008 während der Finanzkrise von der deutschen Bundesregierung abgegebene Erklärung zum Schutz von Spar- und Termineinlagen von Privathaushalten bei deutschen Banken. Danach haftet notfalls der Staat für diese Depositen. Ähnliche Erklärungen wurden auch in den Niederlanden und Tschechien abgegeben. Grund der Garantie-Erklärungen war es, Millionen Bürger daran zu hindern, ihr Geld von den Banken plötzlich abzuziehen. - Diese Massnahme hatte allerdings zur Folge, dass viele verunsicherte Privatanleger vor allem ihre Anteile in Aktien-, Renten- und Geldmarktfonds daraufhin bei den Banken in Spar- und Termineinlagen umschichteten.

– Siehe Einlagensicherung, Retterei, Run.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einlagenkreditinstitut (deposit bank):

In der deutschen Rechtssprache Kreditinstitute, welche die Einlagen (Depositen) der Wirtschaftssubjekte entgegennehmen und das Kreditgeschäft betreiben; vgl. § 1, Abs. 3d KWG.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einlagensicherung (deposit guarantee, deposit insurance, protection scheme):

Regelungen, die sicherstellen, dass im Falle der Zahlungsunfähigkeit einer Bank die Depositen nicht in Verlust geraten. Ursprünglich wegen der Moral-Hazard-Gefahr mit Misstrauen begegnet, sind heute entsprechend ausgestaltete Sicherungssysteme in fast allen Ländern verbreitet. Oft verlangt auch die Zentralbank oder die Aufsichtsbehörde, dass die Banken den Kleinanlegern (small depositors) ihre Einlagen garantieren. In Deutschland ist dies im Einzelnen gesetzlich seit 1998 geregelt in einem eigenen Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz, ESAEG (deposit guarantee and investor compensation act) und aufsichtsrechtlich überwacht. Banken, die nicht einer Einlagesicherungseinrichtung angehören, müssen nach § 23a KWG in ihren Geschäftsbedingungen an hervorgehobener Stelle auf diese Tatsache hinweisen. Seit 2009 reifen Bestrebungen für eine EU-einheitliche Regelung. - Bei Auslandsbanken mit Zweigstellen in Deutschland gelten jeweils die Regelungen zur Einlagesicherung des Staates, in dem sich der Hauptsitz der betreffenden Bank befindet. Dasselbe gilt für Online-Banken sowie für Niederlassungen deutscher Banken in anderen Staaten.

– Siehe Einlagengarantie, staatliche, Einlagesicherung, europäische, Feuerwehrfonds, Hypo Real Estate-Rettung, IndyMac-Pleite, Islandbanken-Falle, Kreditinstitut, grenzüberschreitend tätiges, Marktdisziplin, Moral Hazard, Northern Rock-Debakel, Pool, Rückkopplungs-Mechanismus, Sicherungspflicht, Single Master Liquidity Conduit, Überlauf-System.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2000, S. 29 ff. (Einlagensicherung und Anlegerentschädigung in Deutschland, Übersicht), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 205 (Übersicht der von der BaFin überwachten Entschädigungseinrichtungen), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 45 f. (weitere Angleichung aufsichtlicher Standards im Zuge der EU-Einlagensicherungsrichtlinie; offene Fragen), S. 225 ff. (Reform des Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetzes; Erhöhung der Beitragssätze), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 51 ff. (Entwurf einer Einlagensicherungsrichtlinie; Neugestaltung der Anlegerentschädigung; Sicherungssysteme in der Assekuranz), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 65 f. (Änderung der europäischen Einlagensicherungsrichtline verzögert sich, Gründe dafür) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Internationales", Geschäftsbericht 2013 der Deutschen Bundesbank, S. 40 (Harmonisierung der europäischen Einlagen-Sicherungssysteme), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 45 ff (Grundsätzliches, aktuelle Rechtsentwicklung; Reform der Einlagensicherungs-Richtlinie).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einlagesicherung, europäische (Single European protection scheme):

Die Absicht, zunächst im Eurogebiet und später auch in der EU gesamthaft einen Fonds zu errichten, in den die Einlagensicherungssysteme der Mitgliedsländer ihr Kapital einbringen. Indessen bedeutet gemeinsame Einlagensicherung zwangsläufig gemeinsame Haftung. Gemeinsame europäische Haftung verlangt aber nach einer gemeinsamen europäischen Kontrolle. Es bedürfte mit anderen Worten einer eigenen Behörde, die aufgrund einer Missbrauch ausschliessenden Satzung das Fondskapital verwaltet. - Fortschritte sind zunächst bei der Rechtsangleichung der nationalen Sicherungssysteme zu erwarten. Die EU-Einlagensicherungsrichtlinie (Deposit Guarantee Directive 94/19/EC) wird in nächster Zeit neu erarbeitet und ist dann in nationales Recht umzusetzen.

– Siehe Feuerwehrfons, Moral Hazard.

– Vgl. Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 46 (Einlagesicherungs-Richtlinie der EU).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einlagenzinsen (interest on deposit account):

Die

1. Höhe des Zinses in Prozent gerechnet oder

2. Summe an gutgeschriebenen Zinsen, die ein Institut dem Kunden berechnet. Im Regelfall hängt die Zinshöhe der Banken für Guthaben von Kunden vom Leitzins der Zentralbank ab.

– Siehe Einlagen, Kreditzinsen, Repression, finanzielle.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2009, S. 105 ff. (Abhängigkeit der Einlagezinsen vom Leitzins theoretisch und empirisch; Übersichten; Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einlagerungskredit (warehouse loan, credit designed to meet storage charges):

Von Banken vor allem an Landhändler (crop wholesale buyers; Ernteaufkäufer) und Warenimporteure (merchandise importers) gewährte Darlehn, um die entsprechenden Güter bis zum Absatz zu speichern. Die Finanzierung geschieht auch heute noch häufig auch in Form eines Einlagerungswechsels (storage bill).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einlagerungsschein (warehouse receipt):

Die Bescheinigung einer von der Warenbörse anerkannten Lagerei (warehousing enterprise), dass der Inhaber des Dokuments über eine bestimmte Menge eingespeicherter Waren verfügt (a document attesting possession of a commodity in a licensed warehouse that is recognised for delivery purposes by an exchange).

– Siehe Warenbescheinigung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einlagezertifikate (certificates of deposits):

Form der Commercial Papers, bei der Banken kurzfristige Inhaberschuldverschreibungen mit einer Laufzeit vorwiegend zwischen drei und zwölf Monaten auf den Markt bringen. Sie werden typischerweise bei institutionellen Anlegern plaziert.

– Siehe Euro Notes.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einlegerhaftung (liability of individual depositors):

Durch Rechtsvorschrift bestimmte Teilenteignung der Depositen von Kunden einer Bank, wenn diese in Schwierigkeiten gerät. Im Zuge der Zypern-Krise im Frühjahr 2013 wurden aufgrund der Empfehlungen der Troika Einleger mit mehr als 100'000 Euro zur Bankensanierung herangezogen. Ursprünglich war vorgesehen, sämtliche Guthaben - auch die von Kleinsparern - mit einem bestimmten Prozentsatz für die Sanierung zu belasten. - Ab 2015 soll nach dem Willen der Kommission in der EU ein eigenes Regelwerk in Kraft treten, das die Einzelheiten einer Beteiligung auch der Einleger im Falle der Schieflage einer Bank regelt. Grundsätzlich ist nämlich nicht einzusehen, dass Banken in Erwartung eines Gewinns hohe Risiken eingehen; die erzielten Gewinne schlucken aber bei Verlust Unbeteiligte einspringen sollen: eine "Sozialisierung der Pleiten" (socialisation of business failures).

– Siehe Bankenrettung, Einrichtung zur Bankenabwicklung, Gläubigervorrang, Moral Hazard, Retterei.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einlösungspflicht (obligation to exchange; obligation to convert):

In Ländern mit Edelmetall-Währung die gesetzlich festgeschriebene Bestimmung, dass ein Banknoten ausgebendes Institut dieses Papiergeld auf Verlangen jedermann - "ohne Legitimationsprüfung", (without verification of identity), so die Klausel auf den alten Geldscheinen - in Gold oder Silber eintauschen muss.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einmalzahlung und Einmalbeitrag und (lump sum):

Allgemein und besonders in der Versicherung nicht die laufende Zahlung in einen Vertrag, sondern ausschliesslich zu einem einzigen Termin (generally, and in insurance business in particular, a large one-time payment made for a total amount due, instead of making smaller periodic payments). - Im Jahr 2011 machten die Einmalbeiträge bei der Lebensversicherung bereits rund dreissig Prozent der Prämieneinnahmen aus. Damit tritt eine Verschiebung des herkömmlichen, auf Regelmässigkeit und Stetigkeit der Einnahmen ausgerichteten Geschäftes der Versicherungen ein, und zwar hin zu volatilen, Schwankungen unterworfenen Bestandteilen. Das stellt an das Risikomanagement der Versicherungen besondere Anforderungen.

– Siehe Exposure, Lebensversicherung, Tontine, Versicherungsunsicherheiten.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2011, S. 64 (Einmalbeiträge deutscher Versicherer seit 1995; allfällige Risiken; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einmalzahlungs-Engagement und Bullet-Vertrag (bullet contract):

Eine Vertrag über eine Geldanlage, für die nur ein einziges Mal eine Zahlung geleistet wird (an investment contract purchased with a single, one-shot, payment).

– Siehe Abzahlungsfrist, Einmalzahlung, Mindestraten, Ratenzahlung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einnahmen in älteren Dokumenten auch Recette (revenues):

1 Allgemein jeder Zufluss von

1. Geld (engerer Begriff) oder

2. Vermögenswerten (weiterer Begriff; in der Regel dann jedoch beschränkt auf leicht liquidisierbare Vermögensgegenstände, wie etwa ein Goldbarren oder Edelsteine) bei einer Wirtschaftseinheit (Privathaushalt, Unternehmen, Staat).

2 Im betrieblichen Rechnungswesen Einzahlungen plus Forderungszugang plus Schuldenabgang.

– Siehe Ausgaben, Einkünfte, Finanzmittel, Einzahlungen, Erlös, Ingeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einnahmen, unverdiente (unearned revenue):

Der Zufluss von Geld für ein Gut (Ware oder Dienstleistung) das noch nicht an den Kunden geliefert ist (revenue received before a product is sold or a service is provided). Beispiele sind ein Theaterabonnement (theatre subscription) oder Vorauszahlungen für bei einem Pachtvertrag (prepayment on a lease contract). In diesem Falle sind besondere Rechnungslegungsvorschriften (accounting rules) und Steuerbestimmungen (tax rules) zu beachten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einnahmen-Ausgaben-Rechnung (cash basis):

Wenn nicht anders definiert, so meint man damit den Grundsatz im Rechnungswesen, demzufolge eine Buchung erst dann erfolgt, wenn ein Geldbetrag eingegangen ist bzw. abgebucht wurde (accounting method that recognises revenues and expenses merely when there are actual inflows and outflows of money).

– Siehe Accrual-Prinzip, Ausschüttungs-Prinzip, Cash Accounting, Completed Contract-Methode.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einnahmequote, öffentliche (public revenues quota):

Die Einnahmen des Staates in Bezug zum Bruttoinlandprodukt und nach bestimmten Regeln der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung - hier vor allem Steuern, Zuflüsse aus Regalien und Konzessionen, Vermögenserträge, Entgelte, Investitionseinnahmen, Sozialversicherungsabgaben - ermittelt. Je höher die Einnahmenquote,

1. desto enger ist der von den Marktkräften geordnete Teil der Volkswirtschaft,

2. desto stärker wird der Finanzsektor dadurch beeinträchtigt und

3. desto schwieriger wird die Aufgabe der Zentralbank, die Masstabeigenschaft des Geldes zu sichern.

– Siehe Fiskalquote, Investitionsquote.

– Vgl. entsprechende Zahlen für die Eurozone im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Öffentliche Finanzen" im jeweiligen Monatsbericht der EZB.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einnehmerei (agency; lottery license shop; local tax office):

1 Eine Bankfiliale (a place of business which forms a legally dependent part of a credit institution and which conducts directly all or some of the operations inherent in the business of credit institutions); in der Schweiz früher vor allem von Niederlassungen einer Kantonalbank an kleineren Plätzen gesagt.

2 Ein konzessioniertes Unternehmen, das Lose einer staatlichen Lottogesellschaft vertreibt (licensed lottery collector).

3 In älteren Dokumenten Bezeichnung für eine örtliche Steuerbehörde; auch Amtsschaffnerei, Kassen- und Rechnungsstelle oder Kollektur genannt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einreicherobligo (discounter commitment):

Der Betrag, aus dem

1. ein Unternehmen bei einer Bank oder

2. eine Bank bei der Zentralbank aus diskontierten Wechseln verpflichtet ist.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einschätzung, gegensätzliche (contrary opinion):

Rund um die Börse gesagt von Marktteilnehmern und Marktbeobachtern - vor allem Analysten und Finanzjournalisten -, die eine allgemeine, mehrheitlich vorherrschende Erwartung in Bezug auf den Börsenverlauf gesamthaft bzw. hinsichtlich einzelner Titel nicht teilen.

– Siehe Animal Spirits, Finanzpsychologie, Herdenverhalten, Hindsight, Kurzsichtigkeit, Nachahmung, informelle, Sinuskurven-Fetischismus, Spielbank-Doktrin, Überschwang, unvernünftiger.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einschlag (discount, rebate):

In der älteren Finanzsprache auch in der Bedeutung eines Preisnachlasses, eines Rabatts, einer Verbilligung.

– Siehe Abschlag, Deduktion, Diskont, Refaktie, Skonto.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einschlaggeld (fencing fee):

In früherer Zeit eine Zahlung, um

1. einen Zaun zu errichten oder

2. eine bestehende Umzäunung instand zu halten. Der Jahresbeitrag zur Unterhaltung der öffentlichen Zäune eines Dorfes wurde auch Gelindegeld genannt; gelinde = hier: sorgsam, Vorsicht waltend lassend.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einschreibegebühr (registration fee):

Eine Abgabe in Bargeld, vor allem in der Bedeutung, um

1. in früherer Zeit als Teil der Taxe einen Sitzplatz in einer Postkutsche zu erhalten,

2. an einer Hochschule angenommen (immatrikuliert; matriculated) zu werden,

3. um ein Motorfahrzeug behördlich eintragen zu lassen (Schweiz) oder

4. eine Sendung durch einen Versender - wie vor allem durch die Post - auf dem Weg besonderer und schriftlich nachweisbarer Sorgfalt befördern zu lassen.

– Siehe Gebühr, Taxe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einschuss (inpayment; prepayment; margin):

1 Die bei einem Unternehmen, einem Fonds oder beim Crowdfunding bei einem Vorhaben getätigte Beteiligung in Geld oder Vermögenswerten.

2 Die Vorauszahlung für eine - in der Regel aus Vertrag erwachsende - Verpflichtung zur Zahlung; in älteren Dokumenten auch Angeld und Ingeld genannt.

3 Die Sicherheitsleistung, die ein Anleger beim Kauf von Wertpapieren auf Kredit erbringen muss (bail money; Haftgeld); damit soll die Einhaltung vertraglich übernommener Verpflichtungen gewährleistet werden.

4 Betrag, welcher von Käufern und Verkäufern von Terminkontrakten sowie Optionsverkäufern als Sicherheitsleistung in Form von Bargeld oder Papieren zu hinterlegen ist. - Beim Kauf von Futures muss der Anleger nicht den gesamten Preis des zugrunde liegenden Basiswertes zahlen, sondern lediglich einen bestimmten Prozentsatz hiervon. Dieser liegt in der Regel zwischen drei und zehn Prozent. Dies bedeutet, dass sich mit relativ geringen Summen ein beträchtliches Volumen bewegen lässt. Der Anleger bedient sich also eines Hebels.

– Siehe Angeld, Barmarge, Derivate, Haupteinlage, Hebelwirkung, Ingeld, Option, Quantum, Rohstoff-Terminvertrag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einser (oncer; pronounced 'wunser'):

Volkstümlich gesagt für eine Münze bzw. Geldschein der jeweiligen Währungseinheit, also ein EUR, USD oder GBP (in England widespread among City traders, and before in the armed forced during the 2nd World War, but popular yet in the early 1900s).

– Siehe Geldbezeichnungen, volkstümliche deutschsprachige.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einstandsgeld und nur Einstand (debut [payment]):

1 Im Unterschied zum Einzugsgeld (Anmanngeld, Bürgergeld, Anzugsgeld, Nachbargeld, Rezeptionsgeld) früher eine einmalige oder ratenweise zu leistende Zahlung in festgesetzter Höhe, die eine Person zur Aufnahme in eine Vereinigung (Bruderschaft, Club, Gilde, Loge, Verbindung) zu leisten hatte.

2 Heute in manchen Unternehmen und Behörden übliche, jedoch rechtlich nicht verpflichtende Leistung (non-mandatory obligation to provide) eines neuen Mitarbeiters gegenüber der Kollegenschaft. Der Umfang des so zu zahlenden Einstandsgeldes ist sehr unterschiedlich. Er reicht von einer Bewidmung der Kaffee-Kasse (thank-you-box, coffee kitty) bis hin zur Einladung der Kollegen samt Partnern zu einem Essen in einem teuren Lokal (high-class restaurant). - In älteren Verordnungen wird jederart verpflichtender Einstand als rechtswidrig untersagt, und das als Gewohnheitsrecht (customary right) offenbar tief verwurzelte alte Einstandsrecht (IUS PROTOMISEOS, CONGRUI, VEL RETRACTUS) als "übellästig" gebrandmarkt.

– Siehe Abzugsgeld, Antrittsgeld, Dienstgeld, Dispensationsgeld, Einkaufgeld, Kirchgeld, Platzgeld, Portokasse, Sitzgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einstellgeld (inventory carrying fee):

Einmalige oder laufende Zahlung für die Unterbringung eines Gegenstandes in ein Magazin - dieses in älteren Dokumenten auch Ambar und Ambarre - die Lagerhausgebühr.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einstellung (cessation, termination):

Wenn nicht anders definiert der Ausschluss eines Wertpapiers vom Handel an der Börse durch die Börsengeschäftsführung. - Davon zu unterscheiden ist eine vorübergehende Aussetzung der Kursnotierung.

– Siehe Delisting, Handelsaussetzung, Notierung, ausgesetzte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einstieg (markt entry):

In Bezug auf den Finanzmarkt vor allem im Wirtschaftsjournalismus gebrauchte Bezeichnung für die Inangriffnahme von Kauf- oder Verkaufsgeschäften durch Marktteilnehmer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ein-Stimmen-Prinzip (one member-one vote-rule):

Beim EZB-Rat die Tatsache, dass die Stimme eines jeden Teilnehmers gleich viel wiegt, also ohne Rücksicht auf das Gewicht der jeweiligen Volkswirtschaft. Eine nationale Zentralbank, die Einfluss haben möchte, muss die besten Argumente aufbieten; überzeugen kann man in solchen Gremien nur durch hohe Fachkompetenz. Im EZB-Rat kommt es darauf an, dass der Präsident der jeweiligen nationalen Zentralbank von seinem Haus hervorragend auf die Ratssitzungen vorbereitet wird.

– Siehe Becket-Effekt, EZB-Protokolle, Veröffentlichung, Sitzordnungsstreit, Südfront.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eintreibung auch Beitreibung und Exaktion (collection, encashment):

1 Das Kassieren ausstehender Verbindlichkeiten bei Schuldnern, auch Inkasso genannt. - Den Geldeintreiber (debt collector) nennt die ältere Finanzsprache auch Exaktor (exactor, exacter), Exequent und Inkassant, und die Eintreibbarkeit - nämlich die Einredefreiheit und die Fälligkeit - einer Schuld bezeichnete man als Exibilität (exibitility).

2 Zwangsvollstreckender (foreclosed) Einzug von Geld durch Behörden, in erster Linie durch die Steuerbehörde (tax authority) und den Zoll (customs authority).

– Siehe Einzug, Einzugszeit, Geldeintreibung, Inkassogeschäft, Inkassostrategie, Kassetierung, Vorauszahlung, Vorzeigung, Zahlung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eintrittsgeld in älteren Dokumenten auch Isagogikon (admission, door money, gate money; entrance fee):

1 Allgemein eine Gebühr, die bei Betreten bestimmter Räume - etwa eines Museums (museum: a place where works of art, scientific samples, or other objects of permanent value are kept and exposed) - oder bestimmter Veranstaltungen - etwa eines Reitturniers (horse show) - erhoben wird, auch Einlassgeld genannt. Damit sollen anfallende Personal- und Sachkosten gedeckt werden.

2 Durch höchstrichterliche Entscheidung verbotene, gleichwohl aber keineswegs ausgerottete einmalige Zahlung dafür, dass Händler - vor allem: Filial-Discounter, Droguerie-Ketten, Baumärkte - eine Ware in das Sortiment aufnehmen (include in its range of products).

3 Von Grosstädten erhobene Abgabe für Automobile, welche in das Stadtgebiet einfahren, das Citygeld.

– Siehe Lustbarkeitsgebühr, Schlüsselgeld, Torgeld, Türgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einwirkungsverbot (prohibition of pressure):

Gemäss Artikel 130 des am 1. Dezember 2009 in Kraft getretenen AEUV darf bei der Wahrnehmung der ihnen übertragenen Befugnisse, Aufgaben und Pflichten weder die EZB noch eine nationale Zentralbank noch ein Mitglied ihrer Beschlussgremien Weisungen von Körperschaften, Einrichtungen oder sonstigen Stellen der EU, von Regierungen der Mitgliedsstaaten oder von anderen Stellen einholen oder entgegennehmen. Die Organe, Einrichtungen und sonstigen Stellen der EU sowie auch die Regierungen der Mitgliedstaaten verpflichten sich, diesen Grundsatz zu beachten und davon Abstand zu nehmen, die EZB oder die nationalen Zentralbanken bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben zu beeinflussen. - Rechtlich wird dies als abstraktes Gefährdungsdelikt (abstract strict-liability tort) ausgelegt. Danach gilt allein schon der Versuch, auf Mitglieder oder Beschlussorgane der EZB oder nationaler Zentralbanken Einwirkung zu nehmen, als verboten.

– Siehe Becket-Effekt, Demokratie-Defizit, EZB-Protokolle, Veröffentlichung, Poltergeist, Südfront.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einzahlung (inpayment; payment receipt):

1 Der Übertragung von Geld - im engeren Sinne von Bargeld - auf das Konto bei einer Bank, einer Bausparkasse oder Versicherung.

2 Der Zufluss von Zahlungsmitteln in einem Unternehmen, im Regelfall durch den Verkauf der erzeugten Güter.

– Siehe Ausgaben, Auszahlung, Bewidmung, Cashflow, Eigenerlag, Einkünfte, Einmalbetrag, Einnahmen, Kassenkladde, Zuwendung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einzelbanksystem (unit banking [system]):

In einem Land sind ausschliesslich einzelne, voneinander unabhängige und nicht im Verbund stehende Institute tätig (system of banking under which banking services are provided by single banking firms. Banking legislation does not permit a bank to open branch offices; and thus each bank has its own board of directors, functions independently and is not controlled by any other firm or body corporate). Die Beurteilung einer solchen Marktordnung ist bis heute selbst unter Fachleuten uneinheitlich, weil den Vorteilen und Nachteilen jeweils unterschiedliches Gewicht beigelegt wird.

– Siehe Bank, systemische, Bankbetriebsgrösse, optimale, Bankensystem, Banking, begrenztes, Einzelfirma, bankliche, Fachbankensystem, Filialbanksystem, Finanzsystem, Grössenvertrauen, Hybridbank, Investmentbank, Margendruck, Money-matters-Theorem, Sifi-Oligopol, Subsidiaritätsprinzip, Systemrelevanz, Too big to fail-Grundsatz, Trennbanksystem.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einzelfallentscheidung (decision on a by-case basis):

Im Zuge der Subprime-Krise und der sich daraus ergebenden weltweiten Finanzkrise aufgekommene Bezeichnung für den Entschluss einer Zentralbank oder einer Regierung, eine von Insolvenz bedrohte Bank in einer besonderen Massnahme zu retten. - Spätestens ab Oktober 2008 sah man ein, dass dieser Weg den Vertrauensschwund auf den Finanzmärkten nicht aufzuhalten vermag. Die Staaten entschlossen sich daher zu gross angelegten Rettungspaket, der sämtlichen betroffenen Instituten auf Antrag Hilfe gewährte.

– Siehe Bear-Stearns-Pleite, Finanzmarktstabilisierungsanstalt, First-Mover-Bonus, Northern Rock-Debakel, Retterei.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einzelfirma, bankliche (individual bank firm):

Wer in Deutschland gewerbsmässig Bankgeschäfte betreiben oder Finanzdienstleistungen erbringen will, und dazu einer schriftlichen Erlaubnis der Aufsichtsbehörde benötigt, darf seinen Betrieb nicht in der Rechtsform eines Einzelkaufmanns betreiben. Dies schreibt § 2a KWG zwingend vor; vgl. auch § 35, Abs. 2 KWG. Dazu darf sich nach § 39 KWG - ausser in Ausnahmefällen - niemand "Bankier" nennen. - In der Schweiz sind Privatbanquiers zugelassen und bedienen insonders in Basel Genf, Lausanne und Zürich ausgewählte Kunden oder sind in bestimmten Marktsegmenten tätig. - In der EU dürfen Aufsichtsbehörden einem Kreditinstitut die Erlaubnis nur dann erteilen, wenn

1. die Zahl der Personen, welche die Geschäftstätigkeit der Bank tatsächlich bestimmen, mindestens zwei beträgt. Es müssen diese Personen weiterhin

2. die notwendige Zuverlässigkeit oder

3. angemessene Erfahrung besitzen, um diese Aufgaben wahrnehmen zu können. Rechtsquelle ist Artikel 11 der Richtlinie 2006/48/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 14. Juni 2006 über die Aufnahme und Ausübung der Tätigkeit der Kreditinstitute (Neufassung).

– Siehe Bank, Banker, Bankier, Institut, Privatbanken, Sachkunde, Zinsinsel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einzelhandelsumsätze (retail trade turnover; retail sales):

Sowohl der tatsächliche Wert der im Einzelhandel (CH: Detailhandel; retail trade) abgesetzten Erzeugnisse als auch die erwarteten Beträge werden von der Zentralbank im Zuge ihrer Vorausschätzung allfälliger Veränderungen der Kaufkraft beobachtet.

– Siehe Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. den Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Preise, Produktion und Arbeitsmärkte" im jeweiligen Monatsbericht der EZB; dort aufgeteilt nach verschiedenen Gruppen und sowohl zu laufenden Preisen als auch preisbereinigt; Monatsbericht der EZB vom April 2004, S. 42 f., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2007, S: 28 f. (Grundsätzliches zu den Unsicherheiten bei der Vorausschätzung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einzel-Originator-Verbriefung (single-seller scheme):

Ein Pool, der nur Kredite einer einzigen originierenden Bank enthält. Damit ist der Originator der Kredite bekannt. Die Investoren kaufen also den tranchierten Kreditpool einer einzigen Adresse. - Im Gegensatz dazu enthält der Pool bei der Gruppen-Originator-Verbriefung (multi-seller scheme) die Kredite mehrerer Originatoren; der Originator der jeweils eingebrachten Kredite bleibt unbenannt und unbekannt. Der Investor erwirbt Tranchen, die von einer Rating-Agentur entsprechend eingestuft wurden.

– Siehe Back-to-Originator-Postulat, Produktregistrierung, Rückzahlung, vorzeitige, Verbriefung, Verbriefungspapiere-Selbstbehalt, Verbriefungsstruktur, Zweckgesellschaft, eingeschränkte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einzelverkehrsfähigkeit (individual marketability, individual disposability):

Wenn nicht anders definiert die Möglichkeit, einen Vermögensgegenstand für sich allein, als rechtlich selbständiges Gut (legally independent item), auf dem Markt zu kaufen oder zu verkaufen. Fast alle Wertpapiere besitzen die Einzelverkehrsfähigkeit. Sie können auch als Teile, also Stücke eines Ganzen - wie etwa eine einzige Aktie aus einer Emission - veräussert oder erworben werden.

– Siehe Effekten, Entscheidungsnützlichkeit, Kombinationseffekt, Paketzuschlag, Vermögenswert, eingebundener.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einziehung (redemption; confiscation; collection):

1 Der (vorzeitige; premature) Rückruf von Effekten durch den Begeber; eine entsprechende Rückruf-Klausel (clause of call-back) ist in den meisten Anleihen vertraglich festgelegt.

2 Die Aneignung von Privateigentum durch den Staat im Wege einseitiger Verfügung; auf Finanzmärkten in erster Linie bei gefälschten oder verfälschten Geldscheinen und Papieren aller Art.

3 Die Beschlagnahme gefälschter oder verfälschter Geldkarten durch die ausgebende Bank bzw. den Prozessor.

4 Die Eintreibung von Geld beim Schuldner, der Geldeinzug.

– Siehe Counterfeit Card, Einzug, Geldwäsche, High risk countries, Inkassostrategie, Offshore Finanzplätze, Racheengel, Schattenbankbereich, Underground Banking, Winkelmakler.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einzug, Einkassierung und Inkasso (encashment, collection):

Das Einziehen von fälligen Forderungen, vor allem von Schecks, Wechseln und Dividendenscheinen, in der Regel durch eine Bank (the presentation for payment and the subsequent actual payment of a draft, check or other obligation). - Uneinbringliche fällige Forderungen werden häufig von Spezialfirmen (Inkasso-Bureaux; debt collection agencies) eingezogen. Deren Erfolgsquote bei Privathaushalten wird in Deutschland mit an die fünfzig Prozent angegeben.

– Siehe Downgrade-Trigger-Klausel, Einziehung, Faustpfandkredit, Geldeintreibung, Hard Claim, Geldpassage, Inkassogeschäft, Inkassostrategie, Kassetierung, Kinderpfand, Kredithai, Kunde, fauler, Leichenpfand, Mahngebühr, Mietausfall-Versicherung, Zahlungsmoral, Zession, Ziel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Einzugszeit und Inkassozeit (bank collection float, banking delay):

Die Dauer zwischen der Einlieferung eines von einem Dritten zur Zahlung angenommenen Schecks bei der Bank und der Gutschrift des Betrags durch das Institut auf dem Konto des Einreichers (the time that passes between when a check is deposited into a bank account and when the sum is available to the depositor, during which period the bank is collecting payment from the payer's bank).

– Siehe Inkasso, Kassetierung, Scheckverfügungssperre.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eisenbahngeld (railway money):

Papiergeld, das im 19. Jht. Eisenbahngesellschaften in Deutschland - mit behördlicher Genehmigung - ausgaben. Dieses Privatpapiergeld wurde mit der Gründung der Deutschen Reichsbank ab 1875 nach und nach eingezogen. Heute sind entsprechende Scheine ein sehr begehrtes Sammlerobjekt (coveted collector's item).

– Siehe Notgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eisenbahnpleite (railway crash):

Wenn nicht anders erklärt der ab 1847 eingetretene Zusammenbruch mehrerer Eisenbahn-Aktiengesellschaften in Europa aufgrund von (by reason of) Überschuldung. Viele Gesellschaften veranschlagten die Baukosten zu niedrig (budgeted the construction costs too low), zehrten das durch Ausgabe von Aktien eingenommene Kapital deshalb vorzeitig auf und schienen nun auch den Banken nicht mehr kreditwürdig.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eisengeld (iron money):

1 In der Numismatik alle Zahlungsmittel - Münzen, seltener auch Stäbchen (rods: slim cylinders of metal), wie in einigen Gegenden Afrikas -, deren Stoff ganz oder vorwiegend aus Eisen besteht. - Reines Eisen wird durch Rost (Oxydation: oxydation: das Metall zerfällt in eine rotbraune, bröckelige Substanz) zerstört. Die vor allem nach dem Ersten Weltkrieg (1914 bis 1918) in Umlauf gegebenen Eisenmünzen waren daher mit einer dünnen Schicht anderen Metalls (Nickel, Kupfer) überzogen (plattiert [plated], wie hier der Fachausdruck heisst). Sehr alte Eisenmünzen - wie etwa aus Sparta - werden heute von Museen und Sammlern in der Regel mit Lack versiegelt (sealed with lacquer).

2 In alten Urkunden eine Zahlung in Bargeld, die ein Inhaftierter für seine Gefangensetzung zu entrichten hatte, auch Eisergeld geschrieben.

3 Eine ewig währende Zahlungspflicht, auch Eisengült genannt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ejektierung und Ejektion (ejection):

In der älteren Finanzsprache das Abstossen eines Vermögensgegenstandes durch Verkauf; die Bereinigung eines Vermögensmasse (total assets, estate) und im Besonderen in Bezug auf ein Wertpapierportfolio gesagt.

– Siehe Downsizing, Portfolio-Umschichtung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ekart (spread; margin):

1 Der Unterschied zwischen dem Kaufpreis und Verkaufspreis (buying rate and selling rate; Brief- und Geldkurs) eines Finanzproduktes.

2 Der Kursunterschied zwischen den Inhaberaktien und den Namensaktien einer Aktiengesellschaft.

3 Die unterschiedliche Verzinsung von nennwertgleichen und laufzeitgleichen Obligationen auf einem Finanzmarkt und damit Einschätzung der unterschiedlichen Bonität des Ausgebers.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Elastizität (elasticity):

1 Allgemein die prozentuale Veränderung einer Grösse, wenn sich unter sonst gleichen Umständen eine andere Grösse um ein Prozent verändert (the percentage change in one variable given - CETERIS PARIBUS - a one percent increase in another variable).

2 Als Preiselastizität die Veränderung der Menge, bezogen auf die Veränderung des Preises (the percentage change in the quantity divided by the percentage change in the price).

3 Bei einer Option die prozentuale Veränderung des Wertes, wenn sich der Preis der Bezugsbasis um ein Prozent ändert (the percentage increase in an option's value given a on percent change in the value of the underlying).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Electronic Banking (so auch im Deutschen):

Dienstleistungen einer Bank, die von der Kundschaft ausserhalb des bauwerklichen Filialsystems (brick and mortar location) in Anspruch genommen werden. Die wachsende Bedeutung dieses Geschäftsfeldes birgt für eine Bank neben Abwicklungs- und Reputationsrisiken auch eine Reihe von Rechtsrisiken.

– Siehe Bank, gemischte, Bezahlverfahren, innovative, Direct Brokerage, Direktbank, Generation@, Internetbank, Metcalfe-Regel, nk, Mobile Banking, Multikanalbank, Online Banking, Rechtsrisiken, Sofa-Banking, Telephon-Banking.

– Vgl. Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 53 ff., Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 26 (Wettbewerbsdruck), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2009, S. 49 ff. (einzelne Verfahren des Electronic Banking; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Electronic Banking Group:

Arbeitsgruppe des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht mit dem Zweck, Mängel im Electronic Banking aufzudecken und allfälligen aufsichtsrechtliche Handlungsbedarf (need for supervisory action) festzustellen. - Daneben bemüht sich auch die EZB diesen Zielen im Besonderen und hat verschiedene entsprechende Dokumente herausgegeben; siehe diese bei http://www.ecb.int/ .

– Siehe Community Card.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Elektrowerte (electro securities):

An der Börse gesagt von Papieren, die von Unternehmen aus der Elektrizitätswirtschaft (electricity industry) begeben wurden. Die Abgrenzung ist im Einzelnen schwierig, weil neben verarbeitenden Betrieben der Branche neuerdings auch Titel von Unternehmen im sog. Öko-Stromgeschäft (green electricity producers) mit einbezogen werden.

– Siehe Energieversorger-Kredite.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2011, S. 56 f. (Auswirkungen der Stillegung von Atomkraftwerken; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Elephant, weisser (white elephant):

Im Jargon ein Engagement welches so hohe Kosten verursacht, dass auch in voraussehbarer Zeit keinen Gewinn zu erwarten ist (a business that is so costly to maintain or operate that it is impossible to make a profit). - Häufig findet sich der Ausdruck in Zusammenhang mit prestigeträchtigen Niederlassungen (prestigious branch offices) von Banken, denen es an nichts fehlt ausser an Kunden und damit an Umsatz. Man spricht im Falle von überdimensionierten Prunkbauten (oversized prestige buildings) und manchmal auch von einer Sandburg (sandcastle). Bei deutschen Instituten sind derartige Engagements indessen völlig unbekannt.

– Siehe Ausschlussmarkierung, Bankenmacht, Vetorecht.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Elephantenjagd (elephant hunt):

Im Jargon das Werben einer politischen Körperschaft um Niederlassung seitens eines grossen Unternehmens (alluring a major corporation to move into a community, stimulating economic development). So lockte beispielsweise der US-Staat South Carolina den deutschen Autobauer BMW an, der seit 1994 in Spartanburg Fahrzeuge baut und inzwischen zur Spitze der Automobilfabriken der USA aufgestiegen ist.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Elisabeth-Frage (Queen Elisabeth's query):

Die britische Monarchin Elisabeth II. stellte mit Erstaunen bei der Finanzkrise im Herbst 2008 die Frage, warum keiner der Experten vor allem bei der Zentralbank und in den Ministerien das vorhergesehen habe ("but why did nobody foresee this?"). - Offensichtlich hat die Finanzkrise die bis anhin nicht gesehenen Unzulänglichkeiten der ökonomischen Modelltheorie blossgelegt. In aussergewöhnlichen Lagen wie krisenhaften Entwicklungen sind die Erwartungen der Wirtschaftssubjekte nachweislich mitnichten rational. Ihre Handlungen werden vielmehr getrieben von der Furcht vor dem Unbekannten und dem Verhalten der anderen. Die Sozialpsychologie, Soziologie und Anthropologie lehrt das seit spätestens 1930; und auch die experimentelle Forschung über die Willensbildung in sozioökonomischen Systemen (behavioural interactions of individuals and groups in socio-economic systems) legte das offen. Diese Erkenntnisse drangen aber nicht auch in die Ökonomik ein. Daher konnten auch die Volkswirte in den Zentralbanken die "operationelle Realität" (operational reality: the course of actions in the financial market and its motivational structure) des modernen Finanzsystems nicht verstehen und damit auch nicht die Finanzkrise. Bis heute - so wird behauptet - halten die Wirtschaftsfachleute an Modellen fest, welche das tatsächliche Ablaufgeschehen nicht erklären.

– Siehe Dominostein-Effekt, Financial Crisis Inquiry Commission, Finanzmarkt, Wachstumsbedeutung, Finanzmarkt-Zusammenbruch, Herdenverhalten, Lehman-Pleite, Modelle, geldpolitische, Murphy's Gesetz, Schuldenbombe, Systemkonflikt, finanzmarktlicher.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ellengeld (textile sale levy; stall money):

1 Frühere Abgabe auf den Verkauf von Webwaren (Stoffen, Textilien; drapery), pro Elle gerechnet. Die Elle (ell) war ein altes Längenmass - am Vorderarm gemessen - unterschiedlicher Grösse; sie entspricht in Deutschland zwischen 60 cm und 68,8 cm heutiger Massrechnung.

2 Früher auch Standgeld auswärtiger Verkäufer auf einem örtlichen Markt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

eLolly (so auch im Deutschen; im Englischen lolly = umgangssprachlich Geld, "Kies"):

Internet-Portal mit dem Zweck, ähnlich wie das Internet-Auktionshaus eBay, über seine Webseite Geber und Nehmer von Darlehn zusammenbringen. Private Leiher und Verleiher müssen dort zunächst Mitglied werden und zwecks dessen persönliche Daten hinterlegen. Sie geben sodann ihre Vorstellungen hinsichtlich Zinshöhe und Laufzeit sowie allfällig angebotene Sicherheiten an. Per Datenabgleich verspricht eLolly, einen oder mehrere Partner mit übereinstimmenden Profilen zu ermitteln, und die Mitglieder zusammenzubringen. - Weil eLolly lediglich Kontakte herstellt und keine Kreditvermittlung betreibt, so unterliegt das Geschäft grundsätzlich nicht der Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Die Behörde hat am 14. Mai 2007 ein Merkblatt "Hinweise zur Erlaubnispflicht der Betreiber und Nutzer einer internetbasierten Kreditvermittlungsplattform nach dem KWG" veröffentlicht, in dem Grenzen festgelegt werden, innert derer sich eine Social Lending Platform bewegen darf.

– Siehe Crowdfunding, Investment-Club, Kreditgenossenschaft, Kreditvermittlungsplattform, Peer-To-Peer-Lending, Social Lending Platform.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 208 f. (keine Erlaubnispflicht für solche Geschäfte).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Elterngeld (parents money):

1 Zahlung des Staates an Eltern, die nach der Geburt eines Kindes ihre Berufstätigkeit unterbrechen (Auszeit; time-out), um das Kind zu betreuen.

2 Gebühren für die Benutzung von Kindergärten und Tageseinrichtungen nach dem Kindergartengesetz (parents' contributions; Elternbeiträge). Diese können so bemessen werden, dass der wirtschaftlichen Belastung sowie der Zahl der Kinder in der Familie angemessen Rechnung getragen wird (§ 19 Kommunalabgabenordnung).

– Siehe Biergeld, Erziehungsgeld, Kindergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Emballage[geld] (packaging lending fee):

1 Leihgebühr, die dem Empfänger einer in Containern, Gebinden, Behältern, Glasballons (bei flüssigen Chemikalien; liquid chemicals), Paletten und aufwendigen Kisten (wie bei Porzellan; porcelain) verpackten Ware sowie bei Kabeln (hier die Kabeltrommel; cable reel, cable roller) mit der Lieferung des Gutes in Rechnung gestellt wird. Bei vertragsgemässer Rückgabe des Packzeugs (returnable packaging) wird der Betrag dem Kunden in der Regel wieder gutgeschrieben. - Bei Verpackung in einem Fass (cask) und Kanister (canister, jerrycan) spricht man im Besonderen von Fastage(geld).

2 Gebietsweise im Deutschen auch gesagt für das Flaschenpfand (CH: [Flaschen]Depot; bottle deposit), das bei Rückgabe des Leerguts (empties) im Geschäft oder beim Einschieben in den Leergutautomaten (reverse vending machine) zurückgegeben wird.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Embedded-Value Verbriefung (embedded-value securisation):

Form der Verbriefung in der Assekuranz. Hier wird das Risiko aus einem Lebensversicherungs-Bestand (Pool) an eine Zweckgesellschaft übertragen, die gleichsam in der Funktion als Rückversicherer erscheint. Die Zweckgesellschaft gibt die Risiken aus dem Policenbestand - in erster Linie Sterblichkeit, Langlebigkeit, Stornoquote, Regelmässigkeit der Prämienzahlungen, Verschlechterung der Bonität des Erstversicherers - über die Ausgabe vom Verbriefungspapieren in mehreren Tranchen und unterschiedlicher Tranchendicke an Anleger weiter. Um die Investoren der Tranchen von den vielschichtigen Risiken zu entlasten, wird hier zuweilen eine - dann allerdings renditemindernde (return-reducing) - Portfolio-Versicherung angeboten. Dem Inhalt der Erstversicherungs-Policen entsprechend, sind die Laufzeiten dieser Verbriefungspapiere sehr lang, oft zehn Jahre und mehr. - Embedded Value bezeichnet den Wert eines Versicherungsbestandes. Dieser wird errechnet aus

1. dem bereinigten Nettovermögenswert (adjusted net asset value), definiert als dem bilanziellen Eigenkapital zuzüglich der den Eigentümern der Gesellschaft zurechenbaren Bewertungsreserven (valuation reserve: stille Reserven abzüglich stille Lasten) plus

2. dem Barwert künftiger Nettoerträge aus dem Bestand (present value of future profits).

– Siehe Absenzkapitalismus, Asset-Backed Securities, Giftpapiere, Insurance-Linked Securities, Pandemie, Prämien-Rückstand, Retrozession, Risikoteilung, Verbriefung, XXX-Insurance-Linked Verbriefung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Emerging Markets (so auch im Deutschen):

Bezeichnung für Länder,

1. denen es an politischer Stabilität gebricht,

2. die im Finanzbereich gesamthaft oder in einzelnen Bereichen eine rückständige Infrastruktur haben, aber

3. immerhin langfristig über ein ökonomisches Wachstumspotential verfügen. Daher sind Aktivitäten in diesen Staaten mit hohem Verlustrisiko verbunden. Engagements von Banken in diesen Staaten wurden von den Aufsichtsbehörden in den letzten Jahren hinsichtlich der angemessenen Risikomanagementsysteme verstärkt in den Blickpunkt genommen.

– Siehe Allianzen, grenzüberschreitende, Beaufsichtigung, indirekte, Offshore Finanzplätze, Inkasso-Stelle, Risikomanagement, Staatsschulden, verweigerte, Schock-Bewältigung, monetäre, Szenarien, aussergewöhnliche, Verstädterung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Emission (issue; emission):

1 Allgemein Wertpapiere erstmals an den Markt bringen.

2 Im engeren Sinne die Ausgabe von Aktien durch eine neu gegründete Gesellschaft.

– Siehe Anleihe-Begebungen, Ausgabepreis, Begebung, Bonbon, Bookbuilding, Bought Deal, Daueremission, Durchpressen, Eigenemission, Mehrzuteilungs-Option, Emissions-Rendite, Kreïrung, Normalbegebung, Plazierungskraft, Roadshow, Tap, Zweitmarktpapiere.

– Vgl. den Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets" im jeweiligen Monatsbericht der EZB, Rubrik "Finanzmärkte". Dort Unterteilung nach Wertpapieren allgemein und (börsennotierten) Aktien; in den "Erläuterungen" Quellen und Abgrenzungen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Emission, beschränkte und manchmal selektive (rights issue, shareholder issue):

Wenn nicht anders definiert eine Begebung, die sich ausschliesslich an die Anteilseigner einer Gesellschaft richtet, und daher nur diese zur Zeichnung zugelassen sind (the issue of securities offered only and alone to current shareholders).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Emission, indexierte (index-linke issue):

Aufnahme von Geldschulden, deren Rückzahlung

1. durch den Kurs einer anderen Währung,

2. durch den Preis eines Edelmetalls (Gold, Platin),

3. durch den Preis bzw. Wert von anderen Gütern oder

4. durch den Stand des Index der Konsumentenpreise bestimmt werden soll. - In Deutschland wurde im März 2006 erstmals eine Emission mit Bindung an den Harmonisierter Verbraucherpreisindex seitens des Bundes begeben ("Inflationsbond").

– Siehe Anleihe, indexgebundene, Condor-Anleihe, Doppelwährungsanleihe, Referenzwährung, Swap, inflationsindexierter, Valutenklausel, Zinsswap.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2004, S. 77 f, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2006, S, 41 (Rendite-Abstand zwischen normalen und indexierten Emissionen als Mass für die Inflationserwartungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Emission, irreguläre (irregular issue):

In der älteren Literatur gesagt von einer Begebung, bei welcher

1. Vorstandmitglieder des eigenen Unternehmens und/oder

2. Personen aus Lieferfirmen bzw. treuer Kunden - oft unter der Hand (on the quiet) - Papiere (Aktien, Anleihen) zu einem Kurs weit unter dem Einführungspreis an der Börse erwerben können. Derartige Machenschaften (underhand dealings, racketeering, hanky-panky) beschäftigten früher auch mehrfach die Gerichte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Emission, überzeichnete (oversubcribed issue):

Eine Begebung, die auf mehr Nachfrage als Angebot stösst. Dies ist immer dann der Fall, wenn der Emissionspreis sehr niedrig eingeschätzt wird oder/und die Anleger sich einen starken Kursanstieg des Papiers erhoffen (oversubscribing occurs if a new issue seems to be underpriced or/and in great demand because of growth prospects).

– Siehe High Flyer, Hot Issue, Überzeichnung, Wertpapierzuteilung-Information, Zeichnung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Emissionsabsprache (accord relating to an emission):

Ein Emissionshaus stellt dem Emittenten eine Anlage-Empfehlung des Papiers seitens der Analysten des Hauses in Aussicht. Solche Vereinbarungen sind aufsichtlich verboten.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 148 f. (S. 149: Fall von interessensgeleiteter Kaufempfehlung bei einer Aktienemission).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Emissionsbeteiligung auch Bracket (bracket):

Der Anteil, den ein Zeichner an einer neuen Begebung übernimmt (the extent of an underwriter's commitment in a new issue, e.g., major bracket or minor bracket).

– Siehe Arranger, Begebung, Bookbuilding, Bought Deal, Emissionsgeschäft, Roadshow.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Emissionsgeschäft (underwriting business):

Die Übernahme von Wertpapieren, Geldmarktinstrumenten oder Derivaten für eigenes Risiko zur Plazierung oder den Antritt gleichwertiger Garantien. In Deutschland unterliegen entsprechende Dienstleister der Kontrolle durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Sie bedürfen ferner einer Erlaubnis gemäss § 32 KWG.

– Siehe Arranger, Begebung, Bookbuilding, Bought Deal, Garantiesyndikat, Klienten-Effekt, Marktpflege, Mehrzuteilungs-Option, Roadshow, Wertpapier-Handelsbank, Zweitmarktpapiere.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 125 f. (allfällige Interessenkonflikte bei der Begebung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Emissionshaus (issuing house):

Ein Finanzdienstleister, der sich auf die Begebung und oft auch auf die Marktpflege von Wertpapieren spezialisiert hat.

– Siehe Bookbuilding, Bought Deal, Eigenemission, Emissionsgeschäft, Plazierungskraft, Präzipuum, Roadshow, Underwriter.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Emissionskalender (issuing calendar):

Vorankündigung der Emissionsabsichten des Staates oder anderer grosser Herausgeber von Wertpapieren, wobei in der Regel auch die anfallenden Tilgungen und Zinszahlungen angegeben werden. Der veröffentlichte Emissionskalender soll den Anlegern bessere Dispositionsmöglichkeiten bieten. - Im Eurogebiet liegen bis anhin die Spitzen der Emission in den Monaten Juni und Juli, Tiefstände hingegen in den Monaten Dezember und Januar.

– Siehe Begebung, Bundeswertpapiere, Daueremission, Euromarkt, Jumbo-Anleihe, Tap, Verkauf, freihändiger.

– Vgl. auch die einleitende Rubrik "Monetäre und finanzielle Entwicklung" im jeweiligen Monatsbericht der EZB; dort auch verschiedene Übersichten, Monatsbericht der EZB vom August 2005, S. 23 f. (dort auch saisonbereinigte Zahlen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Emissionskurs und Emissionspreis (issue rate):

Der Preis, zu dem frisch ausgegebene Wertpapiere dem Publikum angeboten werden. Bei Aktien muss dies laut gesetzlicher Vorschrift in Deutschland mindestens der Nennbetrag der Aktie (pari; at par) sein. Es darf aber wohl ein Preis über dem Nennwert (Agio) gesetzt werden; eine solche Überpari-Emission (above par emission) ist nach § 9 AktG gestattet. - Schuldverschreibungen werden oft mit einem Abschlag (Emissions-Disagio; bond discount) von bis zu drei Prozent zum Anreiz der Käufer ausgegeben. - Bei Fondsanteilen wird häufig das Aufgeld hinzugerechnet; der Ausgabepreis liegt daher dann über dem Kurs.

– Siehe All-in-Fee, Bookbuilding, Eigenemission, Emissionsrendite, Kursschwelle, Mehrzuteilungs-Option, Roadshow, Schadensersatzpflicht, Tap, Zweitplazierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Emissionspreisfindung (price discovery of an issue):

Bemühungen, den in Bezug auf den Absatz bestmöglichen Preis für ein frisch ausgegebenes Wertpapier herauszufinden. Dazu gehören vor allem entsprechende Analysten-Studien seitens der Emissionsbanken, das Pre-Marketing und das Bookbuilding. Am Ende der einzelnen Schritte steht dann die Emissionspreisfestlegung (fixing of the final offer price), die in der Regel nach Abschluss der Bookbuildings in Absprache zwischen dem Emittenten und der (führenden Konsortial-)Bank vorgenommen wird.

– Siehe Arranger, Begebung, Bought Deal, Garantiesyndikat, Marktpflege, Mehrzuteilungs-Option, Roadshow.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Emissionsprospekt (issue prospectus):

Wer in Deutschland an der Börse im Bereich Neuer Markt die Zulassung zum Handel beantragt, muss in der vom Verkaufsprospekt-Gesetz vorgeschriebenen Form und nach den dort vorgeschriebenen Einzelheiten seine Verhältnisse offenlegen.

– Siehe Börsenzulassungsprospekt, Call, Prospekt-Datenbank, Tap, Unternehmensbericht, Wertpapier-Verkaufsprospekt.

– Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 139 ff. (neues Prospektrecht), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 80 (Prospektpflicht für Versicherungen bei Verbriefungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Emissionsrendite (underpricing, seasoning process):

Wenn nicht anders definiert, der günstige Unterschied (positive difference) zwischen der Erstnotierung eines neu begebenen Papiers (Aktie, Anleihe) und dem Emissionspreis, auch Zeichnungsrendite (money left on the table) genannt. - Die umgekehrte Erscheinung, dass der Ausgabepreis oberhalb der ersten Börsenkursnotierungen, wird als Overpricing bezeichnet. - Erklärt wird Underpricing aus verschiedenen Gründen, wie etwa

1. als Folge einer asymmetrischen Informationsverteilung zwischen informierten und nicht informierten Anlegern,

2. verursacht aufgrund asymmetrischer Informationsverteilung zwischen Emissionshaus und Emittenten oder

3. als Auswirkung asymmetrischer Informationsverteilung zwischen Emittent und Anlegern. Eine Reihe weiterer Ursachen, wie vor allem Zins- und Wechselkurs-Änderungen zwischen dem Verkaufs-Angebot und der Emission, werden in der bezüglichen Fachliteratur dargelegt.

– Siehe Emissionskurs, Mehrzuteilungs-Option.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Emissionssteuer (issue tax; effluent charge):

1 Abgabe bei der Begebung eines Wertpapiers.

2 Abgabe für den Ausstoss von Schadstoffen in den öffentlichen Raum (a fee or tax to be paid on discharges [Schadstoffeinleiter] into the environment, based on the quantity and/or quality of discharged pollutants).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Emissionswährung (issue denomination):

Die Währung, in der ein Wertpapier begeben wird. Weltweit lauteten zu Jahresbeginn 2005 (1999) 31 Prozent (20 Prozent) der gesamthaft begebenen Schuldverschreibungen auf EUR, 44 Prozent (46 Prozent) auf USD und 9 Prozent (18 Prozent) auf JPY. Der als neue Währung erst 1999 geschaffene EUR war damit bereits zur zweitwichtigsten internationalen Emissions- und Anlagewährung aufgerückt.

– Siehe Vehikelwährung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Emittent (issuer):

1 Entität, die aus der Begebung eines Wertpapiers oder eines anderen Finanzinstruments verpflichtet ist.

2 Eine Geldkarten ausgebende Bank, auch Ausgeber und Issuer genannt.

3 Rechtliche Einheit, die in einem Währungsgebiet Geld in Umlauf gibt; in der Regel der Staat oder die Zentralbank.

– Siehe Finanzbericht, Inlandsemittent, Jahresfinanzbericht.

– Vgl. wegen allfälliger Interessenkonflikte bei der Begebung von Wertpapieren Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 125 f., Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 148 (Institute müssen sicherstellen, dass ihre Mitarbeiter keine Absprachen mit dem Emittenten treffen, die eine günstige Anlage-Empfehlung in Aussicht stellen), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 151 (BaFin-Leitdaden für Emittenten neu aufgelegt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Emittenten-Leitfaden (issueres guidelines):

Von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht im Sommer 2005 veröffentlichte Broschüre, in welcher die wichtigsten Bestimmungen aus dem Anlegerschutzverbesserungsgesetz vom 28. Oktober 2004, der Wertpapierhandelsanzeige- und Insiderverzeichnisverordnung vom 13. Dezember 2004 sowie der Marktmanipulations-Konkretisierungsverordnung vom 1. März 2005 zusammengefasst sind. Die Broschüre kann in deutscher und englischer Sprache von der Homepage der BaFin downgeloadet werden.

– Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 137 f. (Kurzbeschreibung des Inhalts der Broschüre), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 190 (aktualisierter Leitfaden).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Emolumente (emoluments):

In der älteren Finanzsprache zwar regelmässige, in ihrem Betrag aber schwankende Einkünfte, in der Regel bezogen auf amtliche Gebühren - wie etwa die eines Feldmessers - oder auf laufende Nebeneinnahmen (extras, persiquites, discretionary earnings).

– Siehe Douceur, Zubrot.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Empowerment (so auch im Deutschen gesagt, seltener Funktionsverlagerung):

In Bezug auf Banken die Verlagerung von Entscheidungsbefugnissen auf die untersten Hierarchie-Ebenen, also auf Mitarbeiter vor Ort, und möglichst sogar im Front-Office-Bereich. Dadurch wird sowohl die Motivation der Mitarbeiter als auch die Kundenzufriedenheit aufgrund rascher Entscheidung gestärkt. - Begünstigt wurde die Entwicklung zu mehr Übertragung von Befugnissen an die Entscheidungsträger der unteren Stufenleiter auch durch einige dafür besonders eingerichtete Wege in der elektronischen Datenverarbeitung.

– Siehe Akzessibilität, Commitment, Dezentralisations-Prinzip, Fernzugang, Multi-Boutique-Ansatz, Octopus, Subsidiaritätsprinzip.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

EMV-Richtschnur (EMV standard):

Bei Karten einheitliche Merkmale für einen fälschungssicheren Gebrauch, vor allem durch Einbeziehung eines Chips. Die Karte soll gleichzeitig weltweite Interoptabilität gewährleisten. Die entsprechende Ausformung wurde von den Firmen Europay (heute Master Card Europe), MasterCard und Visa entwickelt.

– Siehe Barzahlungsklausel, Card Verification Value, Chipkarte, Community Card, Computerzahlung, Geld, elektronisches, Geldkarte, Geldnutzen, Interoptabilität, Karte, multifunktionale vorausbezahlte, Karten-Allianz, Karten-Echtheitsprüfung, Kreditkarte, Konto, anonymes, Kundenkarte, Netzgeldgeschäft, Pay per Touch, Pay-Green-Initiative, Plastikgeld, POS-Banking, Prozessor, Single European Payment Area, Ticketing, electronic.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 100 (hier auch Sicherheitsanforderungen an Zahlungskarten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Enabler (so auch im Deutschen gesagt, selten auch Ermöglicher):

1 Allgemein eine Person oder Entität, die jemanden dazu verhilft, ein Ziel zu erreichen (a person who through his or her actions allows someone else to achieve something).

2 Im Finanzbereich besonders gesagt von Anbietern aus der IT-Branche, die für Banken Portale und Anwendungen in bestimmten Geschäftsfeldern bereitstellen, wie etwa für B2B.

3 Jemand, der für einen auf dem Finanzmarkt Geschädigten

1. den Schädiger aufspürt und/oder

2. einen Racheengel vermittelt.

– Siehe Finanzagent, Finanzdetektiv, Goldtäuschung, Sexschwarzgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Endanleger (final investor):

Person oder Entität, in deren Eigentum ein Finanzprodukt auf Dauer übergeht, und die dadurch in den Genuss der mit dem Produkt verbundenen Rechte und Pflichten kommt (the definitive holder of a financial product and recipient of all rights and obligations associated therewith, such as ownership rights, voting rights or dividends on the one hand and potential obligation to register or taxation on the other hand).

– Siehe Anleger, Asset Management, Einlagezertifikate, Festbesitz, Flipper, Plazierungskraft, Privatplazierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Endfälligkeit (final maturity):

1 Allgemein der Termin, zu dem ein Finanzinstrument völlig zurückbezahlt sein muss (the date on which a financial instrument must be fully reimbursed).

2 Bei Darlehn, die vertragsgemäss in einzelnen Teilbeträgen zurückbezahlt werden, der Zahlungstermin der letzten Rate.

– Siehe Ratenzahlung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Endogenitäts-Prinzip (principle of endogeny):

In Zusammenhang mit der Geldversorgung meint man damit die Tatsache, dass sich die Geldnachfrage aus dem Wirtschaftsprozess heraus (endogen; endogenously) bestimmt. Massgebend für die Nachfragehöhe sind dabei in erster Linie

1. das gesamtwirtschaftliche Umsatzvolumen,

2. die Opportunitätskosten der Geldhaltung sowie

3. entsprechende Erwartungen der Wirtschaftssubjekte.

– Die Geldmenge wird also nicht exogen (von aussen; exogenously) von der Zentralbank vorgegeben (wie auch in manchen Lehrbüchern zu lesen ist), sondern von dieser lediglich gesteuert.

– Siehe Kreditgewährung, kompensatorische.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Energie-Inflation-Zusammenhang (energy-inflation relation):

Nach verschiedenen Berechnungen bewirkte in Deutschland im Jahr 2007 eine Erhöhung der Energiepreise um zehn Prozent in etwa acht Monaten eine Preissteigerung um zirka ein Prozent.

– Siehe Erdöl-Inflation, Erdölpreis, Inflation, weltweite.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2009, S. 40 f. (Modell der Auswirkungen eines Energiepreis-Choques auf das Angebot), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2013, S. 59 ff. (ausführliche Darstellung; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Energieintensität (energy intensity):

Kennzahl, welche den Energieverbrauch einer Volkswirtschaft bzw. eines Wirtschaftsraums in Bezug zum Bruttoinlandsprodukt setzt. Weil vor allem in Industriestaaten die Energiepreise für die Geldwertstabilität eine wichtige Rolle spielen, so rücken Veränderungen in der Energieintensität auch in das Blickfeld der Zentralbanken.

– Siehe Biotreibstoffe, Energie-Inflations-Zusammenhang, Erdölpreis, Inflations-Ausgleich, Kaufkraft-Abfluss, Klima-Inflation, Kohlendioxid-Inflation, Lohn, indexierter, Lohn-Preis-Spirale, Strompreis, Zweitrunden-Effekte.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Oktober 2013, S. 73 f. (Energieintensität im Euro-Währungsgebiet seit 1970; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Energiepreise (energy prices):

Wenn nicht anders definiert, in den Statistiken der EZB die Verbraucher-Endpreise (final consumer price) für Gas, Strom, feste Brennstoffe und Wärmeenergie. Der Preis für Erdöl ist darin nicht enthalten. - Die Energiepreise schlagen mit rund zehn Prozent im Harmonisierten Verbraucherpreisindex zu Buche.

– Siehe Biotreibstoffe, Energie-Inflations-Zusammenhang, Erdölpreis, Inflation, weltweite, Inflations-Ausgleich, Kaufkraft-Abfluss, Klima-Inflation, Kohlendioxid-Inflation, Lohn, indexierter, Lohn-Preis-Spirale, Strompreis, Zweitrunden-Effekte.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom September 2008, S. 66 ff. (Verlauf der Energiepreise seit 1996; Aufschlüsselung; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2008, S. 42 f. (überdurchschnittlicher Anstieg der Energiepreise in Deutschland; Übersicht), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2009, S. 40 f. (Modell der Auswirkungen eines Energiepreis-Choques auf das Angebot), Monatsbericht der EZB vom Februar 2013, S. 11 ff. (Folgen des Ausbaus fossiler Energieträger; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2013, S. 70 f. (steuerliche Aspekte der Verbraucherpreise für Kraftstoffe; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Energieversorger-Kredite (credits granted by power supplier):

Darlehn, die Erzeuger und/oder Verteiler von Strom und Gas sowie auch Betreiber von Windkraft-Anlage (wind power operators) an Abnehmer vergeben, damit diese notwendige anwendungstechnische Anlagen - wie Heizungen, Anschluss an Fernwärme-Systeme im Wohnungsbau - beschaffen können. Bis anhin sind solche Geschäfte auf Antrag von der Aufsicht freigestellt, soweit es sich um untergeordnete Hilfs- oder Nebengeschäfte handelt. Ein Antrag auf Freistellung ist jedoch bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht einzureichen.

– Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 188 (Freistellung von zweckgebundenen Darlehn gewährenden Energieversorgern von der Aufsicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Energiewerte (energy stocks):

Aktien von Unternehmen, die in der Erzeugung und Verteilung auf dem Gebiet der Kohle-, Öl-, Gas- und Stromwirtschaft - einschliesslich Windkraftanlagen (wind power plants) - tätig sind. Innert der einzelnen Bereiche gibt es beachtliche Unterschiede, weshalb der Kursverlauf der Aktien entsprechender Unternehmen auch keineswegs gleichläufig ist (the stock of a corporation engaged in an energy-related business such as coal mining, oil refining, or electric power generation; because of the diverse nature of this industry stock prices differ noticeably). Weil Energiewerte indessen als zukunftsträchtige Investition bei den Anlegern weltweit bevorzugt werden, bilden sie ein beliebtes Spielfeld unredlicher Anbieter, und die meisten Dingo-Werte beziehen sich auf solche Titel. Auch die durch Frontrunning in vielen Finanzforen angebotenen Energiewerte entpuppen sich bei näherem Besicht allemal als Glamour Stocks. - Auf Energiewerte ausgerichtete Kapitalverwaltungsgesellschaften versuchen, in ihrem Kapitalstock eine Mischung aus Aktien aller Bereiche des Energiemarktes einzurichten.

– Siehe Montanwerte, Nachrichtenwerte, Rohstoff-Finanzierung, Rüstungspapiere.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Enforcement (so auch im Deutschen gesagt, seltener mit aufsichtliche Bilanzkontrolle [regulatory financial reporting enforcement] übersetzt):

Aufsichtsrechtlicher Begriff, mit dem die EU-weite bzw. auch internationale Durchsetzung bestimmter Vorschriften zur Rechnungslegung und Prüfung beschrieben wird. - In einem zweistufigen Verfahren kontrollieren die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht die Abschlüsse jener Unternehmen, deren Wertpapiere zum Handel am amtlichen oder regulierten Markt in Deutschland zugelassen sind. Mit der Aufsichtsbehörden vieler Länder, aus denen Unternehmen zugelassene Papiere in Deutschland in den Börsenhandel gebracht haben, bestehen hinsichtlich des Enforcement entsprechende Absprachen. - Die zur Erfüllung des Enforcements nötigen Kosten von DRP und BaFin werden durch eine Umlage gemäss der Bilanzkosten-Umlageverordnung, BilKoUmV (ordinance on the allocation of financial reporting enforcement costs) aufgebracht.

– Siehe Audit, Aufsichtskultur, CESR, Enforcer, Lead Supervisor.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 71 f. (Bericht über Leitlinien), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 58 f. (Gründung einer European Enforcers Coordination Session; Datenbank zum Enforcement), S. 179 (Ablauf-Schema), S. 180 (Abstimmung mit Wirtschaftsprüferkammer), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 188 ff. (Anlassprüfungen, Stichproben-Prüfungen; Benehmen bei Fehlerfeststellung; Bussgeldverfahren), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 197 ff. (Länderübersicht; häufige Fehler bei den Unterlagen; Judikatur), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 65 (Datenbank mit Entscheidungen), S. 186 ff. einzelne Fälle; Rechtsprechung: Fehlerveröffentlichung als entscheidendes Mittel zur Durchsetzung des Enforcements), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 210 (Übersicht der Enforcement-Verfahren seit 2005). Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 228 ff. (Fehlerveröffentlichungsverfahren verkürzt; neue Judikatur), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 181 (Enforcement-Verfahren der BaFin seit 2003 aufgeschlüsselt; Erstattung von Kosten im Enforcement-Verfahren) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Enforcement-Prozess (so auch im Deutschen gesagt):

Wenn nicht anders definiert, so meint man damit die Übernahme der International Financial Reporting Standards in Deutschland bzw. in der EU gesamthaft.

– Siehe IFRS-Dialekte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Enforcer (so auch im Deutschen gesagt; seltener: Bilanz-Kontrolleur):

Die Rechnungslegung börsennotierter Unternehmen muss ab dem Stichtag ultimo Dezember 2004 neben der Prüfung durch einen Wirtschaftsprüfer auch einem Audit durch einen externen Revisor unterzogen werden. In Deutschland ist dieses Enforcement-Verfahren zweistufig. Auf der ersten Stufe steht ein unter privatrechtlicher Trägerschaft, in Benehmen mit dem Bundesministerium für Justiz von Verbänden der berufs- und Interessensvertretung gegründeter Verein, die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) in Berlin. Auf der zweiten Stufe steht die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht als Aufsichtsbehörde mit hoheitlicher Befugnis.

– Siehe Abschlussprüfungs-Richtlinie, Enforcement, Probator.

– Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 178 ff. (dort auch nähere Angaben über der neuen Bilanzkontrolle unterliegenden Unternehmen; Organisatorisches), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 210 (Übersicht der Enforcement-Verfahren seit 2005; S. 209 am linken Rand auch Länderverteilung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Engagement (commitment, engagement):

1 In sehr weitem Sinne jedwelche Tätigkeit auf dem Finanzmarkt (any sharing in the activities of the financial markets).

2 Jederart Einsatz von eigenem oder geliehenem Geld mit dem Ziel, einen Gewinn zu erzielen.

3 Im Besonderen auch die Durchführung einer Investition oder die Beteiligung an einer solchen.

– Siehe Abgesang, Aktivität, Anlagemut Anlage-Risiko, Balance, Bewertungsklausel, Co-Investment, Commitment, Cornerstone Investor, Deal, European Master Agreement, Finanzinvestition, Fonds, Geschäft, Gleichlauf-Problem, Kopf-in-den-Sand-Verhalten, One-Night-Stand, Position, Rechtswahl, Termsheet, Transaktion, Write-off.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Engelgeld und Engelmünze (twoangel coin):

1 In alten Dokumenten eine auch im Süden Deutschlands verbreitete ungarische Münze, auf derem Revers zwei Engel abgebildet waren, welche die Stephanskrone (holy crown of Hungary) trugen.

2 Regionalgeld, derzeit (Sommer 2010) in Sachsen-Anhalt in Umlauf.

– Siehe Avers, Bajoire, Bischofsgeld, Kaisermünze.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Enlarged Contact Group on the Supervision of Collective Investment Funds, ECG:

Im Jahr 1970 gegründeter Arbeitskreis mit dem Ziel, aufsichtliche Erfahrungen in Bezug auf Kapitalverwaltungsgesellschaften auf internationaler Ebene auszutauschen.

– Siehe Ausschuss-Wahn.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Enteignung, kalte (silent expropriation):

1 Allgemein der (Teil)Verlust eines Vermögensgegenstandes nicht durch Preisänderungen auf dem Markt (price changes in the market), sondern durch Eingriffe des Staates, und hier wiederum in erster Linie durch sehr hohe Besteuerung (confiscatory taxation) auf den betreffenden Vermögenswert.

2 Im Besonderen auch gesagt in Bezug auf die Politik der EZB im Zuge der Staatsschuldenkrise. Sehr niedrige Zinsen sollten den überschuldeten Mitgliedern der EWU helfen, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Das führte dazu, dass Sparer auch in Deutschland auf ihr Konto bei der Bank auf eine Verzinsung verzichten mussten, und diese damit ungefragt die zweifelhaften Hilfe (ambiguous aid: denn das von der EZB geschaffene billige Geld führt erfahrungsgemäss auch in Europa - wie zuvor schon in Japan und den USA - dazu, dass Schulden nicht abgebaut und nunmehr die notwendigen Strukturreformen auf die lange Bank geschoben werden) für die Schuldnerstaaten bezahlen mussten. Darüber hinaus wurde auch noch das angesparte Kapital (saved capital) der Lebensversicherten (life policy holders) und Sparer angenagt.

– Siehe Angst, perverse, Anmassung, zentralbankliche, Aufkäufe, zentralbankliche, Bail-out, Bilanzbereinigung, Blame game, Blutzoll, Diätrendite, Euro-Bonds, Euro-Krise, Europäische Währungsunion, Grundfehler, Eventualschuld, EWU-Sprengsatz, EZB-Bilanz, EZB-Sündenfall, Finanzsodomit, Finanzstabilität, Goldopfer, Grexit, Gruppendruck, Haushaltskonsolidierung, Kaldor-Hicks-Kriterium, Kindergarten-Argument, Krise, zentralbankbewirkte, Lug-und-Trug-These, Neuro, Nullzinspolitik, Politikklammer, Politikverzug, Repatriierungs-Effekt, Repression, finanzielle, Schuldendroge, Solidarität, finanzielle, Staatsverschuldungs-Druck, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Grundfehler, Steuerungsrahmen, Transferunion, Vertragstreue, Zwangsenteignung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Entfernung zur Zahlungsunfähigkeit (distance to default):

Mass für die Wahrscheinlichkeit des Bankrotts einer Aktiengesellschaft, berechnet in der Regel aus

1. dem gegenwärtigen Firmenwert, gemessen grundsätzlich als Marktwert der umlaufenden Aktien und

2. seiner Volatilität in vergangenen Perioden.

– Siehe Ausfallrate, erwartete, Ausfallwahrscheinlichkeit, Schulden, notleidende.

– Vgl. mehr bei www.bis.org; dort entsprechende Suchwörter eingeben.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Entflechtung (demerger; decartelisation; deconcentration):

1 Die Aufspaltung verschiedener Produktionsbereiche in einem Unternehmen - etwa: Düngemittel, Klebstoffe - in eigenständige Firmen, verbunden dann in der Regel mit dem Umtausch der Aktien der alten Gesellschaft in Aktien der neu entstandenen Unternehmen (the separation of several business divisions of a diversified group into distinct companies and the distribution of the shares of the new companies to shareholders in return for shares in the parent group).

2 Der Übergang einer durch Kartelle beherrschten Volkswirtschaft in eine Marktwirtschaft (the transition of a national economy from monopoly control by groups of large businesses, known as cartels, to a free market economy. This change rarely arises by market forces, and is generally the result of regulation by a governing body, as the economic restructuring of Germany after World War II).

3 Im Besonderen auch die nach dem Zweiten Weltkrieg von den Besatzungsmächten 1947 verfügte Zerschlagung der deutschen Grossbanken in dreissig wenig leistungsfähige Regionalbanken.

– Siehe Bankentflechtung, deutsche, Dezentralisations-Prinzip, Downsizing, Gigabank, Oktopus, Subsidiaritätsprinzip, Synergiepotentiale.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Entgelt (renumeration, emolument, payment; premium):

1 Allgemein die vereinbarte Zahlung in Geld für Leistungen des Vertragspartners, wie etwa der Arbeitseinsatz von Angestellten: Arbeitsentgelt = Gehalt, Salär, Vergütung.

2 In Bezug auf den Finanzmarkt in der Regel für alle von Finanzdienstleistern in Rechnung gestellten Gebühren gesagt, welche diese für ihre Bemühungen verlangen. In diesem weiten Sinne auch von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht in ihren Veröffentlichungen verwendet.

– Siehe Amtsgeld, Bankgebühren, Benutzungsgebühr, Bereitstellungsgebühr, Bezahlung, Bonus, Courtage, Disagio, Douceur, Geschäfte, provisionsabhängige, Grundpreis, Honorar, Maklergebühr, Pauschaltarif, Prämie, Provision, Rampe, Salär, Schlafgeld, Tantieme, Vergütung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Entität (entity):

Ab etwa 2000 aus dem Englischen breit in der deutschen Sprache eingedrungenes Wort in verschiedener Bedeutung, nämlich

1 allgemein für ein in sich bestehendes Einzelstück (Element) aus einer Vielzahl von möglichen Stücken (Elementen)

1. der realen (fassbaren, greifbaren) Welt oder

2. der gedanklichen Vorstellungen. In beiden Fällen ein Exemplar (instance), eine Ausprägung, ein eindeutig bestimmbares und daher wohl unterscheidbares Ding (in short: that which is perceived or known or inferred to have its own distinct existence, if living or nonliving).

2 Von daher auch in der Finanzwelt gesagt von

1. einem am Finanzmarkt handelnden Wirtschaftssubjekt als Anbieter oder Nachfrager von Finanzdienstleistungen

2. oder manchmal daneben auch in der Bedeutung einer genau beschriebenen Summe zinsbringendem Kapitals.

3 Seit etwa 1990 ferner bezogen auf - zumeist internationale - Gremien in der Finanzwelt, wie etwa die Internationale Vereinigung für Einlagesicherungen, die sich selbst in ihren Druckschriften so bezeichnet.

4 Eine öffentlich-rechtlich oder privatrechtlich organisierte Verwaltungseinheit - wie Fonds, Stiftung, Förderverein (promotial association, friends' association) - zur Bereitstellung von Geld für einen bestimmten Zweck, wie etwa der Regionalförderung oder der Gewährung von Stipendien.

5 Seit etwa 2005 immer häufiger vor allem im Finanzjournalismus ein sehr weit gebrauchter Oberbegriff für Organisation, Anstalt, Körperschaft, Einrichtung, Institution, Instanz, Rechtsträger, Unternehmen, soweit die unterbegrifflich Angesprochenen eine eigene Rechtspersönlichkeit besitzen bzw. voneinander unzweideutig unterscheidbar sind (a inexplicit generic term with in particular broad meanings like person, partnership, organisation, enterprise, or business, provided that it has a legal and separately identifiable, discernable existence).

– Siehe Adresse, Kunde, Organismus, Rechtspersönlichkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Entkapitalisierung (decapitalisation):

Im Zuge der Subprime-Krise benutzter Begriff in der Bedeutung:

1. Banken in den USA vergeben Darlehn zum Hausbau und Hauskauf an nahezu jedermann (sub-prime addresses), weil sie kaum ein Risiko eingehen,

2. indem sie nämlich die Forderungen aus den Darlehn in einen Pool einbringen, diesen an eine Zweckgesellschaft übertragen, wo das Total der Beträge im Pool aufgeteilt (repacked; tranchiert) und als Verbriefungspapiere in alle Welt abgesetzt wird, wodurch

3. die Nachfrage nach Wohnimmobilien in den USA ansteigt und sich der Marktpreis (market value; Verkehrswert) der Häuser gesamthaft erhöht, was

4. viele Eigenheimbesitzer veranlasst, eine zusätzliche Hypothek auf den ja nun höheren Verkehrswert aufzunehmen; in den USA ist es gängig, ein Haus bis zu hundert Prozent des Verkehrswertes zu beleihen - in Deutschland liegt die Grenze im Regelfall bei sechzig Prozent - und

5. das ausbezahlte Darlehn zum Kauf von - vor allem langlebigen - Konsumgütern (consumer durables such as washing machines, refrigerators, and furniture) und Reisen auszugeben; Kapital wird so in Konsum umgewandelt.

– Sobald der Verkehrswert des Hauses unter die darauf lastenden Hypotheken sinkt, so ziehen die Hausbesitzer aus und senden der Gläubigerbank den Schlüssel zu.

– Siehe Absenzkapitalismus, Defeasance, Entsparen, Home Equity Loan, Jingle Mail, Luxuskonsum, Mortgage Equity Withdrawal, Ninja-Loans, Panikverkäufe, Subprime Lending, Zitronenhandel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Entkopplungs-These (decoupling theory):

Die Meinung, dass sich weithin der Finanzsektor zunehmend von der Realwirtschaft unabhängig entwickle, und er sich gleichsam verselbständige; häufig als abträgige Ausformung eines Wirtschaftszweiges, als eine typische Miss-Entwicklung (undesirable development, aberration) beurteilt. - Es ist allerdings schwer zu sagen, wo das "richtige" Verhältnis zwischen beiden Sektoren liegt.

1. Mit der Einführung neuer Finanzinstrumente ist zweifelsfrei eine Umverteilung der Risiken und damit verbunden eine Erweiterung des Zugangs zu Darlehn eingetreten.

2. Sinkende Transaktionskosten, die Deregulierung und Internationalisierung der Branche, die Herausbildung spezialisierter Teilmärkte verbunden mit sich laufend verbessernde Kommunikationsmöglichkeiten bewirken von selbst eine Vergrösserung und Vertiefung von Angebot und Nachfrage nach Finanzdienstleistungen.

3. Dies aber kommt zweifelsfrei allen Zweigen der realen Wirtschaft letztlich zugute.

– Dass mit diesem Ablauf auch Gefahren verbunden sind, wie sich das etwa gelegentlich der Subprime-Krise bei Verbriefungspapieren gezeigt hat, und dass die Entwicklung die Geldpolitik teilweise vor neuen Aufgaben stellt, darf kein Grund sein, das Rad zurückzudrehen (should be no reason to turn back the wheel of financial history).

– Siehe Entstofflichung, Globalisierung, finanzielle, Kreditersatzgeschäft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Entlassungsgeld (termination benefits):

1 Im engeren Sinne Leistungen des Arbeitgebers aus Anlass der Beendigung des Arbeitsvertrags.

2 In weiterem Sinne auch Zahlungen des bisherigen Arbeitgebers, die - über eine vereinbarte Zeit hindurch - an den Entlassenen weiterhin geleistet werden (post-employment benefits).

3 In Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg an aus Kriegsgefangenschaft heimkehrende Soldaten ausbezahltes Heimkehrergeld.

– Siehe Abfindungsgeld, Detraktion.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Entlassungs-Produktivität (dismissing productivity):

Gewerkschaften sehen Produktivität - ökonomisch missverständlich - zumeist nur als das Ergebnis von autonomen technischen Fortschritt und der Arbeitsleistung der (Bank)Mitarbeiter an. Daher verlangen sie jeweils "vollen Lohnausgleich" (no loss of pay, no wage reductions).

1. Steigt nun dadurch der Lohn über das Grenzprodukt der Arbeit (marginal product of labour: the change in output per unit change in labour) - ein Beschäftigter kostet die Bank mehr als das, was er an Ertrag, nämlich als in Geld zu bewertende Leistung erwirtschaftet -, so müssen die Banken rationalisieren, nämlich weitere Mitarbeiter durch intelligente Maschinen ersetzen.

2. Das aber erhöht die Beschäftigungs-Schwelle (employment threshold), nämlich jenen Punkt, ab welcher die Banken wieder Mitarbeiter einstellen.

3. Auch verlagern Banken als Reaktion auf diese "Produktivitäts-Peitsche" (productivity whip) oft - sogar hochwertige - Arbeitsplätze ins Ausland, etwa nach Indien.

– Siehe Aufastung, Auslagerung, Disease Management, Downsizing, Globalisierung, finanzielle, Datei-Verwaltung, zentralisierte, Hilfsdienste, bankbezogene, Insourcing, Outsourcing-Risiken.

– Vgl. auch Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 23 (Zahl der Beschäftigten bei Banken in Deutschland, nach Institutsgruppen unterteilt), S. 36 (Personalaufwand seit 1997), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2006, S. 45 ff. (Auswirkungen von Direktinvestitionen; lehrbuchmässige Darstellung mit Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Entnazifizierung (denazification):

Nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 eingeleitetes Vorgehen gegen Angestellte auch in Banken, die Mitglied der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) oder ihrer Gliederungen waren bzw. von einer Spruchkammer (denazification court: Gremium, das im Rahmen der Entnazifizierung für die Verurteilung zuständig war) als Hauptschuldige, Belastete, Minderbelastete oder als Mitläufer eingestuft wurden. Die Betroffenen wurden in aller Regel (in den einzelnen Besatzungszonen waren die Massnahmen nicht einheitlich) entlassen und mussten sich einer anderen Berufstätigkeit ausserhalb des Finanzsektors zuwenden.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Entschädigungseinrichtung der Wertpapierhandelsunternehmen, EdW (compensatory fund of securities trading companies):

Seit August 1998 gelten in Deutschland besondere Regelungen für die Sicherung von Kundengeldern, festgeschrieben im Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz, EAEG (law to secure deposits and compensate investors). Für Finanzdienstleister, Banken, die keine Einlagenkreditinstitute sind sowie für Kapitalverwaltungsgesellschaften ist die Entschädigungseinrichtung der Wertpapierhandelsunternehmen (EdW) mit Sitz in Berlin zuständig. Diese wird von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht überwacht.

– Siehe Einlagensicherung.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 205 (Liste der beaufsichtigten Entschädigungseinrichtungen), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 199 ff. (Rechtsentwicklung; Einzelfälle), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 226 (Reform des Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetzes), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 243 f. (Aufsicht über die EdW; Einzelfälle), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 211 f. (Finanzierungsfragen; Entschädigungsfälle) sowie den jeweiligen Jahresbericht der Bafin, Kapitel "Querschnittsaufgaben".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Entscheidungsfreistellung auch freie Hand (discretion):

An der Börse gesagt wenn ein Anleger dem Makler einräumt, nach dessen fachkundiger Einschätzung einen Auftrag auszuführen (freedom given to the broker by a client to use his professional judgment regarding the execution of an order).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Entscheidungsnützlichkeit (decision usefulness):

1 Begriff aus dem Finanzmarktrecht allgemein und in Zusammenhang mit Ad-hoc-Mitteilungen im Besonderen. Eine Information auf dem Finanzmarkt gilt danach für einen Anleger als entscheidungsnützlich, wenn er aus dieser Information Schlüsse hinsichtlich

1. der Höhe,

2. des zeitlichen Verlaufs und

3. des Sicherheitsgrades (the possible risk; des zu erwarteten Risikos) zukünftiger Zahlungsströme ziehen kann.

– In anderer Betrachtung wird eine Information auf dem Finanzmarkt dann als entscheidungsnützlich angesehen, wenn diese bei einem Anleger dazu führen könnte, dass er seine Investitionsentscheidungen daraufhin ändert.

2 Als Begriff des Rechnungswesen in IAS 1 das Gebot, sämtliche Geschäftsvorfälle und sonstige Ereignisse und Bedingungen in einem Unternehmen so darzustellen, dass dem Adressaten daraus alle nötigen Erkenntnisse für seine Wahlhandlungen zur Verfügung gestellt werden. Diesem Einklangerfordernis widerspricht nicht der Grundsatz (overriding principle), eine vorgeschriebene Einzelvorschrift dann nicht anzuwenden, wenn diese mehr zur Irreführung als zur Entscheidungs-Unterstützung des Adressaten beiträgt.

– Siehe Anleger, verständiger, Endanleger, Informations-Überladung, Kursmanipulation, Klartext, Kürteil, Marktmanipulation, Pairoff, Pervasive Constraint, Rückkoppelungsschleife, Stetigkeit, Substance-over-Form-Grundsatz, Umstände, bewertungswichtige, Verständlichkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Entschuldung [sprachlich unschön] auch Enthebelung (deleverage):

Wenn nicht anders definiert, so meint man damit die Minderung oder völlige Rückführung des Anteils an Fremdkapital in einer Firma. Der Einsatz von Fremdkapital (borrowed capital) ist grundsätzlich nur so lange von Vorteil, als der aus dem Fremdkapital durch das Unternehmen erwirtschaftete Ertrag höher ist als die Kosten für das aufgenommene Kapital, grob: die Zinsen und im Falle von Geld aus einem anderen Währungsraum die Kurssicherungskosten (financial leverage can be favourable, if a company can achieve significant growth through the amounts of debt. But if leverage does not achieve further growth, it may become too risky, the company has to delever by decreasing the amount of debt).

– Siehe Anleihequote, Deleveraging, Ertragseffizienz, Gewinnbesteuerung, Hebel, Hedge-Fonds-Gefahren, Highly Leveraged Institutions, Leverage, Perpetuum Mobile, Swapsatz, Zinslastquote.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Entschuldungs-Initiative für arme Länder (Initiative for Liquidation of Heavily Indebted Poor Countries' [= HIPC] indebtness):

Vom Internationalen Währungsfonds und der Weltbank eingeleitetes Verfahren zur Senkung der Auslandsschulden besonders armer Staaten. Zunächst fast bedingungslos eingeleitet, wurden ab 2006 Staaten ausgeschlossen, in denen die Korruption vorherrscht (corruption is widespread), wie etwa in Kenia und dem Tschad.

– Vgl. Geschäftsbericht 2002 der Deutschen Bundesbank, S. 115.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Entsparen (dissave):

1 Das Auflösen von Ersparnissen, in der Regel in Bezug auf Privathaushalte gesagt.

2 Die Neuverschuldung des Staates.

3 Die Kreditaufnahme von Privathaushalten: der vorweggenommene Konsum, manchmal auch Überkonsum (excess consumption) genannt.

4 In Zusammenhang mit der Demographieverfestigung auch Unterlassung von Ersatzinvestitionen in einer Volkswirtschaft; die Netto-Investition (der jährliche Zuwachs zum Kapitalstock) kann dadurch negativ werden; die Ressourcen fliessen statt dessen in den Konsum.

– Siehe Home Equity Loan, Horten, Sparen, Spareinlagen, Sparquote, Sparsamkeit.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2007, S. 52 (Zusammenhang zwischen Sparen und Einkommen in Deutschland).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Entstehungskurs (rate prevailing at the time of origination):

Der Preis, der zum Zeitpunkt des Eingehens einer Verbindlichkeit oder des Erwerbs einer Forderung - besonders in Bezug auf Positionen in einer Fremdwährung - gilt.

– Siehe Bewertung, Fair Value, Mark-to-Market-Ansatz, Marktpreis, Matching, Prozyklizität, Taxkurs.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Entstofflichung (dematerialisation):

Das angebliche Abkoppeln des Finanzsektors von der Realwirtschaft. Das Wort wird vor allem in der Politikwissenschaft und in den Medien in abträglichem und anklagendem Sinne gebraucht. - Leider sind in keinem anderen Industrieland die Vorteile des modernen Geldwesens - von der stabilen Währung über die Bereitstellung von Kapital für Unternehmensgründungen bis zu Produkten für die Risikovorsorge und Alterssicherung - einer breiten Öffentlichkeit so verdächtig wie in Deutschland. Unergründlich bleibt den meisten Bürgern bis anhin die Leistung des Finanzmarktes: nämlich über das Geld die knappen Ressourcen zum besten Wirt (to the most favourable allocation of scarce resources) zu leiten. Die meisten Medien beschränken sich indessen darauf, Abirrungen in Einzelfällen quotenträchtig (with the aim of obtaining high ratings) breit herauszustellen. Dies verstärkt in der Durchschnitts-Bevölkerung (among the general population) den Eindruck, der Finanzsektor sei gemeingefährlich.

– Siehe Entkopplungs-These, Finanzsodomit, Finanzterrorist, Shitstorm.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Entwicklung (development):

Bei einer Bank eine Arbeitsgruppe, die sich allgemein damit beschäftigt, Dienstleistungen des Instituts besser und kostengünstiger an die Kundschaft zu bringen. SFAS 2 definiert Entwicklung als "Umsetzung von Forschungsergebnissen oder anderen Wissens in einen Plan oder in den Entwurf eines neuen Produkts oder Prozesses oder einer Verbesserung schon bestehender Produkte oder Prozesse, unabhängig davon, ob diese zum Gebrauch oder zum Verkauf vorgesehen sind".

– Siehe Forschung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Entwicklungsstand (degree of development):

In Bezug auf eine Volkswirtschaft gesagt vom Grad der Versorgung der Bevölkerung mit Gütern. Gemessen wird dies

1. einerseits - und früher fast nur - am Prokopfeinkommen (income per capita) und

2. neuerdings mit hohem Gewicht zusätzlich auch am Alphabetisierungsgrad, der Anzahl beruflich und/oder akademisch ausgebildeter Bewohner, den Verhältnissen im Gesundheitssektor und einigen anderen Merkmalen. Eine eigene, von der UN entworfene Messzahl, der Index für menschliche Entwicklung (Human Development Index, HDI), dient jetzt zu Vergleichszwecken zwischen einzelnen Volkswirtschaften.

– In der Finanzbranche findet sich häufig die Anzahl der Banken gesamthaft oder in Bezug auf die Bevölkerung als Masstab gewählt; indessen ist diese Kennzahl wenig aussagekräftig.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Entwicklungsverfahren, iteratives (iterative development process):

Eine Rating-Agentur gibt gegen Bezahlung unverbindliche Zwischenurteile über die ihr von einer Zweckgesellschaft vorgelegten Verbriefungspapiere ab. Dadurch besteht die Möglichkeit, das Papier in Richtung der gewünschten endgültigen Rating-Note zu verändern. In diesem Verfahren sahen einige einen Interessenkonflikt bei den Rating-Agenturen zwischen Beratung und Benotung.

– Siehe Produktregistrierung, Rating-Anpassung, Rating-Stufung, Verbriefung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Entzauberungsgebühr (dewitchery fee):

In alten Dokumenten eine Zahlung an Personen, die vor Allem angeblich verhextes Vieh (bewichted livestock) zu heilen vorgaben. Aller Aufklärung und selbst auch Verbote (criminalisation) zum Trotz hielten sich entsprechende Dienstleister auch in Deutschland bis ins angehende 20. Jahrhundert (until the turn of the 20th century).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

EONIA:

Euro Over Night Indexed Average. Tagesgeldsatz für den EUR im Interbanken-Geldhandel, der als Durchschnittsgrösse auf der Grundlage von Daten errechnet wird, die von einer repräsentativen Auswahl von Banken in der EU zur Verfügung gestellt werden (it is calculated as a weighted average of the interest rates on unsecured overnight lending transactions denominated in EUR, as reported by a panel of contributing banks). Der Zinssatz wird als gewichteter Durchschnitt der Sätze für unbesicherte Übernachtkredite berechnet und von der EZB täglich veröffentlicht; er ist auch im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets" (Rubrik "Finanzmärkte") in seinem Verlauf ausgewiesen.

– Siehe Geldmarkt, Geldmarktoperationen, LIBOR, Mindestbietungssatz, Tagesgeldsatz, TIBOR.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juni 2001, S. 31 ff. (über den Informationsgehalt dieses Zinssatzes), Monatsbericht der EZB vom Februar 2005, S. 69 ff. (zur Interdependenz der Sätze), Geschäftsbericht 2006 der Deutschen Bundesbank, S. 34 (EONIA-Spread), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2013, S. 78 ff. (Bedeutung, Berechnung), Monatsbericht der EZB vom Januar 2014, S. 85 (Spread zwischen EONIA und Hauptrefinanierungssatz der EZB seit 2003; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

EONIA-Swap:

Unter Swaps sind hier Tauschgeschäfte zwischen institutionellen Marktteilnehmern zu verstehen. Der EONIA-Swap im Besonderen ist ein Zinstausch auf der Grundlage von Tagesgeld, bei dem feste gegen variable Zinsen getauscht werden. Die Laufzeiten der Geschäfte geht bis zu zwei Jahren.

– Vgl. zur Entwicklung des Satzes den Jahresbericht 2001 der EZB, S. 73 f. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Epoche (epoch):

In der älteren Literatur bei der Zinsberechnung im Kontokorrent die Zeit vom Ausgangstermin bis zum Abschlusstag der Kontokorrent-Rechnung.

– Siehe Zinsfixing-Tag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Epuration (cleaning):

In älteren Dokumenten in Bezug auf ein Portfolio das Ausscheiden von Vermögenswerten, die - über eine längere Zeit hinweg - dem Anleger einen nicht genügenden Ertrag brachten.

– Siehe Finanzportfolioverwaltung, Portfolio-Optimierung, Vermögensverwalter.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Equity-Banking (so auch im Deutschen gesagt):

Eine Bank stellt als Vermittlerin oder als Investor Eigenkapital für Unternehmen zur Verfügung, die keinen Zugang zur Börse haben. Hauptsächlich handelt es sich bei den Unternehmen um Start-Ups, und die bereitgestellten Mittel zählen zu risikobehaftetem Wagniskapital.

– Siehe Bootstrapping, Burn Rate, Business Angel, Drittphase-Finanzierung, Gründungsgeld, Liebesgeld, Mikro-Finanzierung, Risikokapital, Wagniskapital.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Equity Kicker (so auch im Deutschen gesagt):

Der - vertraglich festgelegte - Anspruch des Inhabers einer Mezzanine-Tranche, als Ausgleich für sein Kapital zu einem Optionspreis Anteile an dem zu finanzierenden Unternehmen zu erwerben.

– Siehe Aktien-Zertifikat, Asset-Backed Securities, Collateralised Debt Obligations, Credit Default Swap, Erstverlust-Tranche, Joint Securitisation Group, Kreditverbriefung, Kreditderivat, Mezzanine-Tranche, Residential Mortgage Backed Securities, Senior-Tranche, True-Sales-Initiative, Verbriefungsstruktur.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Erbgeld (rent; heir redemption payment):

1 Frühere Bezeichnung für eine dauernde, regelmässige Zahlung aufgrund einer Erbpacht (hereditary lease).

2 Einmalige oder in Raten zu leistende Abstandszahlung an den ausscheidenden Miterben (joint heir) seitens des Haupterben, auch Hofzielgeld genannt.

– Siehe Ewiggeld, Gilt, Rente.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Erbschaftsgebühr (inheritance fee):

Von Banken in Rechnung gestelltes Entgelt für die Umstellung des Kontos eines Verstorbenen auf die Erben. Insoweit bei dieser Gelegenheit sehr hohe, über die anfallenden Abwicklungskosten hinausgehende Belastungen vorgenommen wurden, schritt in Deutschland die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht nach entsprechenden Beschwerden ein.

– Siehe Aufhebungsentgelt, Bankgebühren, Vorfälligkeits-Entschädigung.

– Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 195 (strittige Fälle).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Erbschaftsteuer (inheritance tax, death duty):

Abgabe an den Fiskus, die vom Erben eines Verstorbenen bei der Übernahme des Vermögens zu entrichten ist (tax imposed on receiving certain property by inheritance; will and is assessed on the value of the property received).

– Siehe Fallgeld, Hinterlassenschaft, Kurmutgeld, Sterbegeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Erdbeben (earthquake):

Schwere Erschütterungen des Erdkörpers ziehen unter Umständen die Zerstörung grosser Teile des Vermögens des Privathaushalte sowie der Infrastruktur des betroffenen Gebietes nach sich. Sie haben infolgedessen auch vielfältige Auswirkungen auf die Finanzströme; und zwar nicht nur in dem betroffenen Land, sondern häufig auch weltweit. So sank beispielsweise sofort der Kurs japanischer Staatsanleihen nach einem verheerenden Erdbeben mit sich anschliessendem Tsunami im Frühjahr 2011. Gerade dieses Ereignis führte zu Überlegungen dahin,

1. wie einem von Erbeben betroffenen Land grundsätzlich durch vertraglich festgelegte internationale Finanzhilfe beizustehen wäre und

2. dass auch Staatsanleihen durch Eigenkapital unterlegt werden müssten.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2011, S. 10 ff. (Auswirkungen des Erdbebens in Japan auf die Weltwirtschaft).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Erdöl-Inflation (oil-driven inflation):

Um 2000 aufgekommene Bezeichnung für die Tatsache, dass global die Preise in (fast) allen Bereichen einer Volkswirtschaft ansteigen, wenn sich der Erdölpreis erhöht. Denn Erdöl wird in vielen Industriezweigen verarbeitet, selbst in der Metallindustrie (etwa bei der Herstellung von Aluminium). Zudem treten mannigfaltige Substitutions-Effekte ein. So steigt beispielsweise der Preis für Naturkautschuk (natural rubber), weil dieser ein Substitut zu auf Erdölbasis erzeugtem synthetischem Kautschuk (petroleum-based synthetic rubber) ist. Selbst der Weltmarktpreis von Uran zeigt sich vom Erdölpreis abhängig, da Atomstrom (electricity generated by nuclear plants) den teurer gewordenen Strom aus erdölgetriebenen Anlagen teilweise ersetzt. - Bei weltweit gleicher Fördermenge steigt die Nachfrage nach Erdöl dabei mit der Zeit vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern; vor allem weil dort

1. die entstehende Industrie Erdöl verbraucht,

2. (lokale) Elektrizitätswerke errichtet werden, die auf Erdölbasis Strom erzeugen (fuel-based electricity),

3. in der Land- und Forstwirtschaft die bis anhin vorherrschende Handarbeit durch Maschinen nach und nach ersetzt wird,

4. in diesen Ländern ein stetig dichteres Netz von Verkehrswegen entsteht, was den Bedarf nach Fahrzeugen aller Art (Flugzeugen, Eisenbahnen, Schiffen, Lastkraftwagen (CH: Camions), Omnibussen (CH: Autocars, kurz oft nur Cars), Personenkraftwagen) erhöht. - In Industriestaaten führt ein starker Anstieg des Erdölpreises zu einem (relativen) Rückgang der Nachfrage; vor allem deshalb, weil jetzt Substitute (wie Atomenergie, Biogas, Windkraft, Sonnenkollektoren) und verschiedene Energie-Einspartechniken (Wärmedämmung, Motoren mit geringerem Kraftstoffverbrauch) hervorgelockt werden.

– Siehe Biotreibstoffe, Crack Spread, Druck, disinflationärer, Energie-Inflation-Zusammenhang, Erdöl-Lebensmittel-Zusammenhang, Finanzialisierung, Inflation, weltweite, Inflations-Ausgleich, Kaufkraft-Abfluss, Klima-Inflation, Kohlendioxid-Inflation, Lohn, indexierter, Lohn-Preis-Spirale, Ölpreis, Ölpreis-Schocks, Petrodollar, Protein-Inflation, Rohstoffpreise, Schocks, strukturelle, Strompreis, Zweitrunden-Effekte.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom September 2008, S. 19 ff. (Schwankungen des Erdölpreises; Rolle von Indexfonds und Spekulanten; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2009, S. 40 f. (Modell der Auswirkungen eines Energiepreis-Choques auf das Angebot), Monatsbericht der EZB vom Februar 2011, S. 95 ff. (Aufsatz mit grundlegenden Darlegungen und neueren Erkenntnissen; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Januar 2012, S. 48 ff. (der Erdölpreis stieg seit 1999 jährlich um knapp über fünf Prozent und trieb dadurch den HVP in die Höhe), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2012, S. 29 ff. (Beziehung des Erdölpreises zur volkswirtschaftlichen Zyklik; viele detaillierte Übersichten; Literaturverweise), Monatsbericht der EZB vom Januar 2013, S. 45 ff. (Belastung durch Erdöleinfuhren im Eurogebiet, nach Ländern aufgegliedert), Monatsbericht der EZB vom Mai 2013, S. 83 ff (Grundsätzliches zur Verlässlichkeit von Ölpreisvorausberechnungen; Übersichten; Literaturverweise), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2013, S. 70 f. (steuerliche Aspekte der Verbraucherpreise für Kraftstoffe; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Erdöl-Lebensmittel-Zusammenhang (oil-foods relation):

Wird Erdöl weltweit knapp und damit teuer, dann müssen statt dieselgetriebener Landmaschinen (diesel-powered agricultural engines) vielfach wieder Menschen mit der Hand die Agrarprodukte säen, pflegen und ernten. Die Produktivität (Verhältnis von Faktoreinsatz zu Leistung) in der Landwirtschaft sinkt dadurch erheblich. Nach Berechnungen der UN können dann etwa 8 Mia Menschen vor allem in ärmeren Ländern nicht mehr (ausreichend) ernährt werden, was zu weitreichenden Folgen (Bürgerkriege, Auswanderungswellen) führen wird.

– Siehe Biotreibstoffe, Effizienz, Energie-Inflation-Zusammenhang, Erdöl-Inflation, Erdölpreis, Kaufkraft-Abfluss, Klima-Inflation, Ölpreis-Ausgleich, Protein-Inflation, Rohstoffpreise.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juni 2008, S. 10 ff. (Produktion von Biokraftstoffen treibt die Lebensmittelpreise hoch), Monatsbericht der EZB vom Juli 2008, S. 39 ff. (Volatilität der Raffinerie-Margen; Zusammenhang Erdölpreis-Verkehrsmittel und Gewinnmargen im Einzelhandeln, Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Erdölpreis (crude oil price):

Wegen seiner sehr starken Auswirkungen auf den Preisindex der Lebenshaltung (im Harmonisierten Verbraucherpreisindex [HVPI] beträgt der Anteil knapp unter 10 Prozent) wird der Preis für Erdöl von den Zentralbanken besonders genau beobachtet. Ein Benzinpreisanstieg von 50 Cent zieht den US-Konsumentern 100 Mia USD aus der Tasche. Nach Berechnungen des Internationalen Währungsfonds bewirkt ein Steigen des Ölpreises um zwanzig Prozent einen weltweiten Rückgang der Wirtschaftstätigkeit um etwa ein Prozent. Die zunehmende Integration von China, Brasilien und Indien in die Weltwirtschaft erhöht die Nachfrage nach Erdöl und dürfte langfristig den Preis weiter ansteigen lassen.

1. Andrerseits profitieren Exportländer (vor allem Deutschland, die USA und Japan) von Ölpreiserhöhungen dadurch, dass die ölexportierenden Länder die gestiegenen Einnahmen zum Import von hochwertigen Industrieerzeugnissen ausgeben (Petrodollar-Recycling). Per saldo wird daher besonders Deutschland viel weniger von Steigerungen des Ölpreises beeinträchtigt, als die genannte Faustregel dies veranschlagt.

2. Zudem regt ein hoher Ölpreis in Deutschland teilweise sehr vorleistungsintensive (characterised by considerable advance inputs) Investitionen in Energiespar-Massnahmen sowie in die (teilweise subventionierte) Entwicklung von umweltfreundlichen Energiequellen (Erdwärme, Biogas, Windkraftanlagen, Sonnenkollektoren) sowie von Energie-Sparmassnahmen (bessere Ausnutzung der knappen Energie, wie etwa Vorschriften zur Wärmedämmung) an.

– Weltweit regt ein hoher Ölpreis dazu an, auch Lagerstätten tief unter dem Meeresspiegel (deep sea fields) anzubohren sowie Erdöl aus Sandsteinen mit hohem Bitumengehalt (oil sands) zu gewinnen.

– Siehe Biotreibstoffe, Crack Spread, Energie-Inflation-Zusammenhang, Energiepreise, Erdöl-Inflation, Erdöl-Lebensmittel-Zusammenhang, Inflation, weltweite, Inflations-Ausgleich, Kaufkraft-Abfluss, Klima-Inflation, Kohlendioxid-Inflation, Lohn, indexierter, Lohn-Preis-Spirale, Ölpreis, Ölpreis-Schocks, Petrodollar, Protein-Inflation, Ripples, Rohstoffpreise, Schocks, strukturelle, Strompreis, Zweitrunden-Effekte.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juli 2005, S. 14 ff. (Recycling der Öleinnahmen und dessen Auswirkungen; Importzahlen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2005, S. 11 f. (hohes "Rückschlags-Potential"; zweiseitige Übersicht S. 12 f. mit wichtigen Erläuterungen in den Anmerkungen), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2005, S. 37 f. (Übersichten; S. 38 auch Tankstellenpreise), Monatsbericht der EZB vom Januar 2006, S. 14 ff. (Ursachen der Ölpreisbewegungen), Monatsbericht der EZB vom Februar 2006, S. 38 ff. (Durchschlagen auf den HVPI; Preiselastizitäten; S. 41: empirische Faustregel: Anstieg des Ölpreises um 10 Prozent führt direkt zum Anstieg der Verbraucherpreise um 1,5 Prozent), Monatsbericht der EZB vom April 2007, S. 62 ff. (Auswirkungen des Recyclings der Petrodollar auf die Exporte im Euroraum; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Juli 2007, S. 85 ff. (wichtige Daten in Bezug auf die erdölexportierenden Länder; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Juli 2008, S. 39 ff. (Raffineriemargen; Verhältnis der Preise von Benzin und Dieselkraftstoff; Übersichten), Vgl. Monatsbericht der EZB vom September 2008, S. 19 ff. (Schwankungen des Erdölpreises; Rolle von Indexfonds und Spekulanten; Übersichten), Geschäftsbericht 2008 der Deutschen Bundesbank, S. 15 f. (Abfolge von sehr hohem und dann sehr tiefem Erdölpreis), Geschäftsbericht 2009 der Deutschen Bundesbank, S. 16 f. (Erdölpreis im Vergleich zu anderen Preisen; Übersicht), Monatsbericht der EZB vom März 2010, S. 16 f. (Erdölmarkt 2000-2009; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom August 2010, S. 81 ff. (ausführliche Darlegung der Bedeutung des Erdölpreises für die Wirtschaft im Eurogebiet; viele Übersichten; Prognosen), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2011, S. 52 ff. (Einfluss der Rohstoffpreise auf den HVPI allgemein und bei Erdöl im Besonderen; Übersichten), Jahresbericht 2011 der Deutschen Bundesbank, S. 21 (Graphik der Preisentwicklung seit 2007 bei Rohöl, Industrierohstoffen und Nahrungsmitteln); Monatsbericht der EZB vom Januar 2012, S. 42. ff. (Preisentwicklung seit 2006; Übersichten); S. 48 f. (Erdölpreis und Teuerung im Euroraum); Monatsbericht der EZB vom Juni 2012, S. 29 ff. (ausführliche Erörterung; Übersichten; Rohöl-Spekulationsgeschäfte; Preiselastizitäten; Literaturverweise), Monatsbericht der EZB vom Januar 2013, S. 45 ff. (Belastung durch Erdöleinfuhren im Eurogebiet, nach Ländern aufgegliedert), Monatsbericht der EZB vom Mai 2013, S. 83 ff (Grundsätzliches zur Verlässlichkeit von Ölpreisvorausberechnungen; Übersichten; Literaturverweise), Monatsbericht der EZB vom September 2013, S. 13 ff. (Erdgaspreise seit 2001; viele Übersichten, Prognose), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2013, S. 70 f. (steuerliche Aspekte der Verbraucherpreise für Kraftstoffe; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Erdöl-Subvention (oil subsidy):

Die Senkung des Preises für Erdöl(produkte) auf dem heimischen Markt vermittels

1 direkter Zuschüsse aus öffentlichen Kassen oder

1 (zeitweiser) Senkung von Verbrauchssteuern auf Erdöl in der Absicht, ein Durchschlagen (pass-through) eines hohen Erdölpreises auf die Verbraucherpreise aufzuhalten oder doch zu mindern.

– Eine solche Politik führt dazu, dass Anreize zur Energieeinsparung (energy conservation incentives) in dem betreffenden Land gehemmt werden; die Nachfrage nach dem teurer gewordenen Erdöl also kaum zurückgeht und sich daher die Abhängigkeit vom Erdöl nicht verringert. Als ökonomisch sinnvoll gilt es aber grundsätzlich, durch Subventionen einen Anschub (push-start) für die Produktion von heimischen Substituten zum Erdöl (wie Biotreibstoffe oder Sonnenkollektoren) zu geben; wiewohl hier im Einzelnen die Vorteilhaftigkeit der Subventionierung ständig hinterfragt werden muss.

– Siehe Biotreibstoffe, Erdöl-Preis, Inflations-Ausgleich, Klima-Inflation, Lohn, indexierter, Lohn-Preis-Spirale, Ölpreis, Ölpreis-Ausgleich, Ölpreis-Schocks, Petrodollar, Protein-Inflation, Realkassen-Effekt, Rohstoffpreise, Schocks, strukturelle, Strompreis, Zweitrunden-Effekte.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Oktober 2013, S. 70 f. (steuerliche Aspekte der Verbraucherpreise für Kraftstoffe; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Erdöl-Zertifikat (crude oil certificate):

Auf den Erdölpreis als Basiswert bezogenes Zertifikat. Oft ist dabei eine Schwankungsbreite des Ölpreises zugrundegelegt. Der Ausgeber des Zertifikats zahlt beispielsweise dann einen Bonus, wenn der Preis innert einer bestimmten Zeit in einem Preiskorridor bleibt. Übersteigt der Erdölpreis jedoch die vereinbarte Spanne, so ist das Zertifikat verfallen: der Käufer geht leer aus.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Erfassung (recognition):

Wenn nicht anders definiert, die genaue Feststellung und systemgerechte - nach den Regeln der beschreibenden Statistik oder des Rechnungswesens - Aufzeichnung aller monetären Vorgänge in einem ökonomischen Bereich. Sie schlägt sich im Regelfall in

1. einer zahlenmässigen (chart; Tabelle) oder graphischen (curve; Kurve) Übersicht,

2. in bestimmten Positionen der Bilanz eines Unternehmens bzw. der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung oder

3. im Haushaltsplan des Staates nieder.

– Siehe Bewertbarkeit, Budget, International Accounting Standards, International Financial Reporting Standards, Kapitalflussrechnung, Models Task Force.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Erfolg (result, outcome):

Wenn nicht anders definiert gleichbedeutend mit Ergebnis: der Gewinn oder Verlust aus einer wirtschaftlichen Tätigkeit.

– Siehe Deckungsbeitrag, Ergebnis, Ertrag, Gewinn, Run Rate, Überschuss, Zitronenhandel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Erfolgsgeschichte (track record):

In der Regel in zeitlicher Abfolge gegliederte - oft genug auffällig geschönte - Darstellung der besonderen Leistungen eines Unternehmens; auch eines Fonds, oder gar eines Managers.

– Siehe Angaben, verschleierte, Bilanzkosmetik, Informations-Überladung, Road Show, Sachverhaltsgestaltung, Zitronenhandel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Erfolgsprämie (performance fee):

Bei einem Fonds allgemein und bei einem Hedge-Fonds im Besonderen die übliche Entlohnung des Fondsmanagements. Der Hauptanreiz eines Fondsmanagers liegt in der prozentualen Beteiligung an den Gewinnen des Fonds. Dadurch entsteht eine stärkere Bindung der Vergütung an das Ergebnis - die Performance - des Fonds. In der Regel erhält das Management zwischen zwanzig und fünfundzwanzig Prozent der Gewinne, teilweise unter der Bedingung positiver Performance oder erst nach Überschreitung einer gewissen Mindest-Performance.

– Siehe Bogey, Hedge-Fonds-Unternehmen, High Watermark-Methode, No-Load Fund.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Erreichbar und realisierbar (actionable):

In der Finanzsprache versteht man darunter die Möglichkeit, eine Sache in naher Zukunft in Angriff zu nehmen oder zu Ende bringen zu können (capable of being acted on or completed in the near future. - Actionable has a long-standing legal connotation differing from the above, meaning justitiabel, strafbar, juristisch verfolgbar im Deutschen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Erfüllung (settlement):

1 Allgemein die Begleichung einer Verbindlichkeit; die Glattstellung eines Kontos durch Zahlung.

2 Beim Kauf oder Verkauf von Wertpapieren die Lieferung der Titel bzw. die Zahlung für die empfangenen Papiere (security sales or purchases are completed by the delivery of cash resp. securities).

3 Im Rahmen eines Optionsvertrags die Lieferung des Basiswertes oder die Begleichung durch Barausgleich. Dieser entspricht dem Unterschied zwischen dem Ausübungspreis und dem Kurs des Basiswertes an dem vertraglich festgelegten Termin.

– Siehe Abmachung, Absicherungsverhältnis, Finanzinstrument, Forderungs-Inkongruenz, Lieferung, physische, Complex Option, Option, Position, schwache, Restwert, Rohstoff-Terminvertrag, Saldozahlung, Schadensersatzpflicht, Spreizung, Storno, Verfügbarkeitsprämie, Wiedereindeckungs-Risiko.

– Vgl. die Definitionen im Monatsbericht der EZB vom Mai 2000, S. 42.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Erfüllungsrisiko (principal risk; settlement risk):

1 Ein allfälliger Verlust daraus, dass der Verkäufer eines Vermögensgenstandes diesen vertragsgemäss liefert, aber die vereinbarte Zahlung ausbleibt bzw. umgekehrt: dass der Käufer des Vermögenswertes diesen zahlt, aber vom Verkäufer nicht erhält (the risk that the vendor of an asset - e.g. currency, as it was the matter with Herstatt Bank, Cologne in 1974, - will deliver, but not receive the payment agreed upon, or the risk that the buyer will pay, but not receive delivery).

2 Die Gefahr des Verlustes, der entsteht, wenn die Abwicklung in einem Übertragungssystem (etwa TARGET) nicht wie erwartet stattfindet. Dieses Risiko kann sowohl ein Kreditrisiko als auch ein Liquiditätsrisiko sein (the risk that settlement in a transfer system will not take place routinely; this risk may comprise both credit risk and liquidity risk).

– Siehe Continuous Linked Settlement System, Herstatt-Risiko, TARGET-System.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ergänzungskapital (supplementary capital):

Bei einer Bank Bestandteil des aufsichtlich definierten Eigenkapitals (§ 10, Abs. 2b KWG) und somit auch der Eigenmittel.

– Siehe Drittrangmittel, Einlagekapital, Eigenmittel, Kapital, Kernkapital, Tier 1, Zwangswandelanleihe.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2013, S. 60 (die Bedeutung des Ergänzungskapitals wird nach Basel-III auf den Gläubigerschutz im Insolvenzfall begrenzt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ergebnis (result, outcome):

Allgemein der in Geld bewertete Gewinn oder Verlust aus einer ökonomischen Tätigkeit und weithin dem Begriff Erfolg gleichgesetzt.

– Siehe Aufwand, Aufwand-Ertrag-Verhältnis, Deckungsbeitrag, Economic Value Added, Eigenkapitalrentabilität, Erfolg, Ertrag, Gewinn, Run Rate, Saldo, Überschuss, Zitronenhandel.

– Vgl. den jeweiligen Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember eines Jahres mit ausführlichen Statistiken über die Erfolgsrechnung deutscher Unternehmen, unterteilt nach Wirtschaftszweigen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ergebnis, operatives (operating income):

Wenn nicht ausdrücklich anders definiert

1. die Umsatzerlöse (net sales)

2. abzüglich der Aufwendungen für die in der Periode verkauften Vorratsbestände (cost of sales, cost of goods sold).

3. abzüglich der betrieblichen Aufwendungen (operating expense).

– Anders ausgedrückt der operative Ertrag abzüglich des Verwaltungsaufwands eines Unternehmens (einer Bank).

– Siehe Deckungsbeitrag, Gewinn, operativer, Handelsergebnis, Umsatzrendite.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Erhebung fachlicher Prognostiker (survey of professional forecasters, SPF):

Von der EZB seit 1999 vierteljährlich durchgeführte und auf ihrer Homepage veröffentlichte Umfrage über die Inflationserwartungen im Euroraum.

– Siehe Consensus Economics, Einkaufsmanager-Umfrage, Erwartungen, Konjunkturdiagnose, Konjunkturstatistik, Krisen-Vorschatten, Stimmungs-Indikatoren.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2001, S. 25, Monatsbericht der EZB vom März 2002, S. 42 ff., Monatsbericht der EZB vom Mai 2002, S. 28 ff., Monatsbericht der EZB vom August 2003, S. 26 ff., Monatsbericht der EZB vom Januar 2004, S. 61 ff., Monatsbericht der EZB vom September 2004, S. 66 ff., Monatsbericht der EZB vom Dezember 2004, S. 83 ff., Monatsbericht der EZB vom August 2005, S. 42 ff. (dort auch einige methodische Verbesserungen), Monatsbericht der EZB vom September 2005, S. 67 ff. (einleitend wichtige methodische Einschränkungen von Voraussagen), Monatsbericht der EZB vom Januar 2006, S. 36 ff. (hier auch Darlegungen über die bisherige Prognosegüte), Monatsbericht der EZB vom März 2006, S. 67 ff. (aktuelle Schätzungen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2006, S. 16 ff. (auch Ländervergleiche zwischen der erwarteten und tatsächlichen Inflationsrate seit 1990),. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2007, S: 28 f. (Grundsätzliches zu den Unsicherheiten bei der Vorausschätzung), Monatsbericht der EZB vom November 2008, S. 61 ff. (Verlässlichkeit von Umfrageergebnissen in turbulenten Zeiten; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom April 2009, S. 50 ff. (Sonderumfrage zum zehnjährigen Bestehen der Erhebung; Probleme; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Mai 2009, S. 55 (Indikatoren für längerfristige Inflationserwartungen), Monatsbericht der EZB vom Januar 2011, S. 51 ff. (Treffsicherheit der Prognosen; Übersichten); Monatsbericht der EZB vom Dezember 2013, S. 105 ff. (tiefgehende Analyse zu allen Aspekten der Projektionen; viele Übersichten; Literaturhinweise), Monatsbericht der EZB vom Januar 2014, S. 59 ff. (ausführliche Darstellung aller Aspekte der Survey; ihre Bedeutung für die Geldpolitik).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Erholung (rebound):

In der Finanzsprache versteht man darunter eine Aufwärtsbewegung nach einer Zeit der Schrumpfung; und zwar bezogen

1. auf die Volkswirtschaft, die jetzt aus einer Rezession aufbricht oder

2. einen Vermögenswert, der nach einem Preisverfall nun wieder höhere Notierungen anzeigt (a recovery from a previous negative activity. When it is used for the general economy, it indicates that economic activity has increased from lower levels, like a recession. In case of an asset, a rebound means that it has moved higher from a lower price level).

– Siehe Boom, Dialemma, Jobless Recovery, Konjunkturdiagnose, Rückprall-Effekt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Erholung, kurzfristige (dead cat bounce):

Ein vorübergehender Anstieg der Kurse in einem in der Tendenz durch sinkende Umsätze gekennzeichneten Markt (small upmove in a bear market).

– Siehe Abbassamento, Bear, Blase, spekulative, Crash, Finanzkrise, Friedhof-Markt, Frühlingstriebe, Hausse nährt die Hausse.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Erinnerungsfähigkeit (ability of retrospection):

In Bezug auf den Finanzmarkt das Vermögen der Marktteilnehmer, vergangene Marktverläufe im Bewusstsein zu behalten. Wie die Finanzpsychologie lehrt, fallen schlechte Verläufe seitens aller Beteiligten ziemlich rasch dem Vergessen anheim ("financial disaster is quickly forgotten", wie dieser Lehrsatz oft ausgedrückt wird).

– Siehe Furchtthese, Kurzsichtigkeit, Sinuskurven-Fetischismus, Spielbank-Doktrin, Übertragungseffekt, psychologischer, Verlustfalle, Zahltag-Grundregel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Erlaubnis auch Genehmigung und Lizenz (licence, authorisation, charter):

1 Allgemein ein Verwaltungsakt (administrative act), durch welchen das grundsätzliche Verbot eines Verhaltens im Einzelfall aufgehoben wird (an official permission to do something, a formal authorisation or exemption).

2 In Bezug auf den Finanzmarkt gilt für Deutschland: wer gewerbsmässig oder in einem kaufmännischen Umfang jederart Finanzdienstleistungen erbringen bzw. Bankgeschäfte betreiben will, bedarf hierzu gemäss § 32 KWG einer schriftlichen Genehmigung der Aufsichtsbehörde, in Deutschland der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Die Behörde kann die Erlaubnis entziehen, wenn dies zur Gefahrenabwehr (averting a danger, hazard defense) notwendig ist bzw. ausgesprochene Verwarnungen ohne Folge bleiben. Zulassung wird allgemein als Synonym (synomym: a word having the same or nearly the same meaning as another in the language) zu Erlaubnis verstanden. - Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hat zu den einzelnen erlaubnispflichtigen Geschäften aktuelle Merkblätter veröffentlicht, aus denen grundlegende Informationen zu den einzelnen Tatbeständen hervorgehen. Diese können über die Homepage der Behörde abgerufen werden. Hier finden sich auch Hinweise zur Erlaubniserteilung ab 2014 durch die europäische Bankenaufsicht.

– Siehe Bankenrichtlinie, Banklizenz, Betreiberlizenz, Cross-Border-Geschäft, Erlaubnisentzug, Organisationsplan.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 76 f. (Grenzfragen dazu), Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 116 (Erlaubnisentzug als "ultima ratio"), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 191 f. (hohe Zahl von Verdachtsfällen; auch gegen Banken, bei denen die Betreiber unerlaubter Geschäfte Konten unterhalten, kann die BaFin vorgehen), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 207 f. (Prüfung der Erlaubnispflicht), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 245 f. (Unternehmen können bereits vor Aufnahme des Geschäftsbetriebs die Erlaubnispflicht bei der BaFin feststellen lassen; Merkblätter der BaFin), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 213 (BaFin gibt neues Merkblatt über Finanzanlagevermittlung heraus; auch Zweitmarkthandelsplattformen für bereits bestehende Kommanditbeteiligungen von Fonds sind erlaubnispflichtig), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 58 (Betreiber von Geschäften haben die Möglichkeit, ihre vorgesehenen Tätigkeiten hinsichtlich der Erlaubnispflicht von der BaFin vorab prüfen zu lassen) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Querschnittsaufgaben".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Erlaubnisentzug auch Erlaubnisaufhebung (revocation of licence):

Gemäss europäischem Recht kann eine Aufsichtsbehörde in der EU einem Institut die erteilte Erlaubnis nur dann entziehen, wenn dieses

1. von der Erteilung der Zulassung an gerechnet zwölf Monate lang keinen Gebrauch macht, ausdrücklich auf sie verzichtet oder seit mehr als sechs Monaten seine Tätigkeit eingestellt hat,

2. die Erlaubnis aufgrund falscher Erklärungen oder auf andere ordnungswidrige Weise erhalten hat,

3. nicht mehr über ausreichende Eigenmittel verfügt oder nicht mehr die Gewähr für die Erfüllung seiner Verpflichtungen gegenüber seinen Gläubigern, insbesondere für die Sicherheit der ihm anvertrauten Vermögenswerte, bietet oder

4. wenn ein anderer in den nationalen Rechtsvorschriften vorgesehener Fall für den Entzug vorliegt.

– Rechtsquelle ist Artikel 18 der Richtlinie 2006/48/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 14. Juni 2006 über die Aufnahme und Ausübung der Tätigkeit der Kreditinstitute (Neufassung). - Ab 2014 ist die Erteilung der Erlaubnis für bestimmte Institute in den Entscheidungsberiech der europäischen Bankenaufsicht übergegangen.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 142 f. (Erlaubnisaufhebungen in der Praxis), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 160 (Gründe für zwei Erlaubnisentzüge).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Erlös (proceeds):

Wenn nicht anders definiert der Geldbetrag, den ein Unternehmen durch den Verkauf der Güter am Markt erhält; das Produkt aus Absatzmenge und Verkaufspreis (Umsatz; turnover) aus dem Hauptgeschäft (Kerngeschäft; core business). - Geldzuflüsse aus Nebengeschäften (non-core business; etwa die Vermietung einer vorerst nicht benutzten Garage oder die Überlassung der Schalterhalle einer Bank an einen Gemäldeaussteller zu Wochenende) sowie Nebenverwertungen (peripheral realisations; etwa die Lizenzvergabe), die mit dem eigentlichen Zweck des Unternehmens nur in mittelbarer Beziehung stehen, werden in der Regel den sonstigen betrieblichen Erträgen zugerechnet.

– Siehe Deckungsbeitrag, Ergebnis, Ertrag, Ertragswert, Gewinn, Run Rate, Umsatz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Erlöse, immaterielle (immaterial proceeds, benefits from intangibles):

Nicht unmittelbar als Geldzufluss zu erfassende Werte, die einem Unternehmen aus Intangibels erwachsen. Eine solche Wertsteigerung kann aus allen Unterarten der Intangibels hervorgehen. Als Beispiele seien genannt die Verbesserung des Firmenimages durch Referenzkunden (reference clients), die Steigerung der Innovationskraft durch Partnerschaften oder die Erhöhung des Fachwissens der Mitarbeiter durch neuartige Aufgabenstellung seitens der Kunden. Die genau Erfassung, Messung und Bewertung der immateriellen Erlöse wirft viele, nur schwer befriedigend zu klärende Fragen auf.

– Siehe Cornerstone Investor, Deckungsbeitrag, Goodwill, Intangibels, Vermögen, immaterielles.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Erlösung (redemption, repurchase):

In älteren Dokumenten auch finanztechnisch

1 die Bezahlung von Schulden durch einen Dritten;

2 die Befreiung von der Verpflichtung (Oberbegriff: Fron; soccage, sometimes distinguished from other forms of tenure including serjeanty [the bondsman paid no rent but had to perform some personal service on behalf of his landlord, including in times of war] and frankalmoin [the bondsman was obliged to achieve religious services such as saying prayers for the landlord]), dem Grundherrn bestimmte Verrichtungen - wie Erntehilfe, Fuhrleistungen und andere Fronen - in persönlicher Arbeit leisten zu müssen, durch Zahlung eines einmaligen oder regelmässigen Betrags;

3 der Rückkauf einer verkauften oder als Pfand gegebenen Sache.

– Siehe Aval, Befreiungsgeld, Bürgschaft, Cerozensual, Credit Enhancement, Delkredere, Freikaufgeld, Frongeld, Patronatserklärung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ernteausfall-Versicherung (crop insurance):

Die Absicherung landwirtschaftlicher Urerzeuger gegen Missernten (protection of primary agricultural producers against crop failures due to natural disasters, such as floods, hail, and drought). In manchen Ländern ist eine solche völlige oder teilweise Versicherung für die entsprechende Betrieb Pflicht; in anderen Staaten leistet die öffentliche Hand einen Zuschuss (government grant) zu den zu zahlenden Prämien.

– Siehe Ernte-Unterstützungskredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ernte-Unterstützungskredit (crop-support loan):

Von staatlichen Stellen gewährte oder verbürgte Darlehn an landwirtschaftliche Betriebe, um den Kauf von Saatgut und Betriebsmitteln (auxiliary materials) zur Erzielung einer möglichst grossen Ernte zu gewährleisten. In Europa waren solche Hilfen besonders nach dem Zweiten Weltkrieg verbreitet.

– Siehe Flüchtlingssiedlungskredit, Förderbank, Landschaft, Meliorationskredit, Papiere, grüne, Saisonkredit, Salam.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eröffnungsbereich (opening range):

Bei der Börse der Zeitraum kurz nach Eröffnung der Börsensitzung und die innert dieser Phase erzielten Kurse (Eröffnungskurse; opening quotations; opening = the period at the beginning of the trading session officially designated by the exchange during which all transactions are considered made 'at the opening'). Die jeweilige Börsenordnung beschreibt diesen Bereich zeitlich genauer. Sogenannte Eröffnungsaufträge (opening orders) müssen mit einem Kurs innert des Eröffnungsbereichs ausgeführt werden.

– Siehe Schlusskurs-Strategie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Erpressungspotential (potential of pressure, potentiality of blackmail):

Nach 2010 in Bezug auf den Finanzmarkt aufgekommene abträglich gemeinte Bezeichnung. Es soll damit ausgedrückt werden, dass die internationalen Anleger sehr genau auf die Wirtschaftspolitik eines Landes achten. Wenn volkswirtschaftlich offenkundig jetzt oder in Zukunft nachteilige Entscheidungen - in erster Linie "Ankurbelung" des Konsums (expansion of consumption) zu Lasten der Ausgaben zur Erweiterung und Verbesserung des Kapitalstocks - getroffen oder auch zunächst bloss in Wahlkämpfen von Spitzenkandidaten (leadership candidates, front-runners) angekündigt werden, dann sinkt das Vertrauen der weltweiten Anleger. Sie verkaufen entsprechende Papiere, vor allem Staatsanleihen dieses Landes. Die Rating-Agenturen stufen in einem die Bonität des betreffenden Staates herab. Das hat zur Folge, dass zur Aufnahme neuer Schulden höhere Zinsen bezahlt werden müssen. - Politiker und mit ihnen der Grossteil der Medien schelten jetzt erfahrungsgemäss die Finanzmärkte und die Rating-Agenturen. Sie sind der gemeinsame Feind (common enemy). Forderungen nach deren Regulierung - sprich: Mundtotmachung (forced muzzling) - werden allenthalben mit grossem öffentlichem Beifall (public applause) erhoben. - Dass hier die Wirkung mit der Ursache vertauscht wurde, zeigt zwar der Verstand. Leider jedoch lehrt die Wirtschaftsgeschichte, dass es fast immer langer Jahre bis zu der Einsicht bedarf, dass nicht finstere internationale Mächte (international dark forces), sondern das unvernünftige Handeln im eigenen Land für den Wohlstandsabstieg (loss of prosperity) ursächlich ist.

– Siehe Bankokratie, Blame Game, Europäischer Abwicklungsfonds, Finanzasophie, Finanzpsychologie, Griechenland-Krise, Know-Nots, Shitstorm, Strukturreformen, Verschwörungstheorien, Wettbewerbsfähigkeit, Zombiebank.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ersatzgeld (token money; compensatory allowance; military service redundancy payment):

1 Zahlungsmittel, die vor allem in Notzeiten statt des Geldes der Zentralbank - zumeist innert gewisser geographischer Grenzen- für eine gewisse Zeit in Umlauf kamen: Notgeld.

2 Heute gesagt von einer Abgabe, die Verursacher von Umweltschäden zum Ausgleich zu zahlen haben. Die naturschutzrechtlichen Bestimmungen (nature conservation provisions) deutscher Bundesländer sowie einzelner Gemeinden enthalten dazu teilweise sehr ausführliche Regelungen in Bezug auf die Bemessungsgrundlage (assessment base) und die Höhe der Zahlung.

3 Früher ein Betrag, der zum Anwerben eines Ersatzmanns (substitute, replacement man) beim Heeresdienst aufzubringen war.

– Siehe Behelfsgeldschein, Dispensationsgeld, Eisenbahngeld, Ersatzmünzen, Geldburger, Heergeld, Nachhaltigkeit, Numismatik, Obsidional-Münzen, Pigou-Steuer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ersatzmünzen (substitute coins; ersatz coins):

Bezeichnung für die in Deutschland ab 1923 als Notbehelf für die infolge der Inflation nicht ausreichenden Scheidemünzen ausgeprägten Aluminiumstücke ("Aluminiumtaler", ab 500 Mark aufwärts). Sie waren gesetzliches Zahlungsmittel; niemand war aber verpflichtet, Stücke über den zwanzigfachen Betrages des Nennwertes der einzelnen Münze in Zahlung zu nehmen. Diese Ersatzmünzen waren jedoch innert kurzer Zeit der steigenden Inflation verfallen und völlig wertlos geworden. Heute sind sie ein begehrtes Sammlerobjekt (a coveted collector's item).

– Siehe Behelfsgeldschein, Eisenbahngeld, Ersatzgeld, Geldwertstabilität, Inflation, galoppierende, Notgeld, Obsidional-Münzen, Pagament.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ersatzobligation (replacement bond):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter Papiere, die ein zahlungsunfähiger Schuldner allgemein und ein Staat im Besonderen anstatt fälliger Tilgung in Geld dem Gläubiger übergibt. Vor allem bei Umschuldungen wurden in letzter Zeit solche Titel eingesetzt.

– Siehe Anleihe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ersatz-Sicherungsgeschäft (cross-hedge):

Einen Terminhandel an der Warenbörse gibt es nicht für alle Produkte, beispielsweise derzeit nicht für Germanium (germanium: a scarce, metallic, greyish-white element, normally tetravalent [vierwertig], used chiefly in transistors). Deshalb muss unter Umständen ein Terminkontrakt für eine ähnliche Ware mit einer ähnlichen Kursbewegung - etwa: Gold - für die Absicherung gewählt werden.

– Siehe Commodity Fund, Crush Spread, Kaufpreis-Absicherung, Rohstoff-Terminvertrag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ersatzverkauf (short hedge):

Begriff aus dem Optionshandel. Wenn ein Hedger im Kassamarkt eine Long-Position einnimmt - er hält beispielsweise einen Getreidebestand oder er hat Getreide angebaut -, dann sichert er sich mit einer Short-Position ab. Zwecks dessen verkauft er einen Terminkontrakt. Ein Ersatzverkauf dient also der Verkaufsabsicherung.

– Siehe Hedge-Geschäft, Hedger, Option, Rohstoff-Terminvertrag, Verkaufsabsicherung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ersparnis (savings):

1 Bei einem Unternehmen die Minderung der Kosten bei Erhaltung der Menge und Qualität des dem Markt zugeführten Gutes (financial benefits resulting from a reduction in costs).

2 In der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung eine Bestandsgrösse (stock), nämlich der nichtverbrauchte Teil des Volkseinkommens, grob: das Bruttoinlandsprodukt abzüglich der Ausgaben für Konsum und Staatsverbrauch. Hierzu zählen neben dem Sparen der Privathaushalte auch die nichtausgeschütteten Gewinne der Unternehmen sowie Einnahme-Überschüsse des Staates.

– Siehe Bruttoinlandsprodukt, Horten, Leistungsbilanz-Defizit, Sparen, Spareinlagen, Sparsamkeit.

– Vgl. die Definitionen sowie die Bestands- und Zuwachsgrössen unter der Rubrik "Finanzkonten und nichtfinanzielle Konten", Unterrubrik "Jährliche Ersparnis, Investitionen und Finanzierung" im Teil "Statistik des Euro-Währungsgebiets" des jeweiligen Monatsberichts der EZB.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ersparnisschwemme (savings glut):

Um 1995 aufgekommene Bezeichnung für die

1. beträchtliche Ansammlung von Währungsreserven vor allem asiatischer Zentralbanken,

2. angehäuften Devisen-Bestände der Ölförderländer,

3. über das betriebswirtschaftlich Notwendige hinausgehenden Guthaben vieler asiatischer Unternehmen sowie

4. hohen Finanzanlagen von Pensionsfonds und Lebensversicherern.

– Ein Grossteil dieser Ersparnisse ist in langfristigen Anleihen der USA und damit in USD angelegt, was immer wieder zu Überlegungen hinsichtlich allfälliger Risiken für den USD führt. - Der Kauf von in EUR denominierten Anleihen der Europäische Finanzstabilisierungsfazilität durch asiatische Käufer blieb weit hinter den Hoffnungen zurück. Offenbar hegen die Anleger günstigere Erwartungen hinsichtlich des USD als in Bezug auf den EUR.

– Siehe Dollar-Crash.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Erstanwender (early adopter):

Wenn nicht anders definiert, auf dem Finanzmarkt ein Institut, das

1. ein neues Produkt, wie etwa ein besonders strukturiertes Derivat,

2. ein neues Geschäftsmodell, beispielsweise Online Banking, oder

3. eine neue IT-Technologie einführt, ehe dies auch bei anderen Anbietern geschieht und dann marktüblich (merchantable, standard) wird.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Erstattung (refund):

1 Die (Teil)Rückzahlung des Kaufpreises wegen Mängel an dem gelieferten Ware oder Dienstleistung (the repayment of the purchase price of a good for reasons such as faults in manufacturing or dissatisfaction with the service provided).

2 Die Begleichung von vorab aufgewendeten Ausgaben, wie etwa Reiskosten (travelling expenses) gegenüber dem Arbeitgeber oder gekaufte Arzneimittel gegenüber der Krankenkasse.

3 Die Rückgabe der vom Finanzamt [CH: Steueramt; revenue office) über die Steuerschuld hinausgehend eingezogene Summe (an amount paid back by the tax office because of an overcollection).

4 Eine Zahlung an

1. Exporteure, insonders von Agrarprodukten, welche zu Weltmarktpreisen, die unter dem Erzeugerpreis im heimischen Markt liegen, Waren ins Ausland verkaufen bzw.

2. Importeure, die Produkte aus dem teureren Ausland einführen, und diese nur zu dem niedrigeren inländischen Preis auf dem Markt verkaufen können.

– Siehe Abschöpfungsbetrag, Ausfuhrabgabe, Einfuhrausgleichsabgabe, Erstattung, Prohibitivsystem, Recheneinheit, europäische, Zyklik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Erster, trauriger (sad beginning of the month):

In alten Dokumenten der Monatserste (TRISTES KALENDAE), an dem die jeweiligen Zinszahlungen fällig wurden; den Zins stellte man bei Darlehn an Privathaushalte grundsätzlich monatlich fällig. Wer nicht zahlte, der musste mit sehr harten Folgerungen rechnen. Das römische Recht erlaubte neben dem Kinderpfand und Leichenpfand selbst auch die Enthauptung des Schuldners.

– Siehe Arrestgeld, Einzug, Existenzminimum, Faustpfand, Kredithai, Geldeintreibung, Kunde, fauler, Leibbürge, Leichenpfand, Übersatz, Wucher.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ersterwerber (first taker):

Wirtschaftssubjekte, die ein erstmals ausgegebenes Wertpapier in ihr Portfolio übernehmen. Die Aufsichtsbehörden oder/und die Zentralbanken veröffentlichen in der Regel eine entsprechende Ersterwerber-Statistik (statistics on the first placing of securities).

– Siehe Begebung, Bonbon, Bought Deal, Klienten-Effekt, Konzertzeichner, Underwriter, Zweitplazierung.

– Vgl. den Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Finanzmärkte" im jeweiligen Monatsbericht der EZB; dort fein aufgegliederte Zahlen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Erstklassewechsel (first-class bill, prime bill):

Bei einer Zentralbank

1. zum Rediskont oder

2. als Sicherheit für einen Kredit angenommener Wechsel.

– Siehe Diskontierfähigkeit, Kategorie-2-Sicherheit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Erstraten-Verzugsklausel (first instalment default regulation):

In den USA die gesetzliche Vorschrift, dass Hypothekenbanken auch bereits verbriefte Papiere (also Collateralised Debt Obligations) zurücknehmen müssen, wenn der Kreditnehmer die ersten Raten schuldig bleibt. - Sinn der Bestimmung ist es, die Banken vor leichtsinniger Darlehns-Gewährung an Privathaushalte ("Häuslebauer"; home-builder) abzuhalten. Institute umgingen diese Vorschrift dadurch, dass sie die Kreditnehmer für die ersten Jahre von der Tilgung freistellten und nur einen sehr niedrigen Zinssatz für das Baudarlehn berechneten (covenant-light credits). Erst danach wird der Zins dem Marktzins angeglichen, und jetzt werden erste Abzahlungen fällig. Viele Privathaushalte tappten in diese Falle, was im Sommer 2007 Turbulenzen zunächst auf dem Hypothekenmarkt und dann auf dem Finanzmarkt gesamthaft auslöste.

– Siehe Amortisation, negative, Ansteckungswirkungen, Aufschub-Frist, Beleihungswert, Darlehnhaftung, beschränkte, Downgrade-Trigger-Klausel, Immobilienblase, Immobilienpreise, Jingle-Mail, Kreditsperre, Leveraged Loan, Mark-to-Model-Ansatz, Mortgage Equity Withdrawal, Panikverkäufe, Rollover-Risiko, Subprime Lending, Subprime-Krise, Verbriefung, Verwirkungsklausel, Voranschlag, niedrig gehaltener, Wohneigentum, Zinsstundung, Zwei-Achtundzwanzig-Kredit.

– Vgl. zur sog. Subprime-Krise den Monatsbericht der EZB vom September 2007, S. 33 ff. (ausführliche Darstellung der Verwerfungen auf dem Finanzmarkt und Übersicht der Massnahmen der EZB), Monatsbericht der EZB vom November 2007, S. 18 ff. (Auswirkungen der Subprime-Krise auf die Bilanzen der Institute), Monatsbericht der EZB vom August 2009, S. 18 ff. (rechtliche Unterschiede zwischen den Hypothekenmärkten im Eurogebiet und den USA).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Erstverlust-Tranche auch Equity-Tranche und Junior-Tranche (first loss tranche, first-loss-piece):

Eine Bank verkauft im Zuge einer True-Sale-Verbriefung ein Kreditportefeuille an eine hierfür gegründete Zweckgesellschaft. Diese begibt anschliessend Obligationen im Umfang der übernommenen Kredite und verwandelt so die Forderungen in handelbare Wertpapiere. In der Regel werden diese dreistufig ausgestattet.

1. Zunächst haben dann bei Zahlungsausfall die Besitzer der relativ hoch verzinsten ersten Tranche (Junior-Tranche, first loss pieces, FLPs) allfälligen Verlust zu tragen; sie übernehmen damit ein sehr hohes Risiko; zum Ausgleich dafür ist diese Tranche auch gegenüber den anderen Tranchen hoch verzinst. Manche nennen diese Tranche auch Aufprallträger (impact absorber, shock absorber.

2. Die Inhaber der höher verzinsten Papiere der zweiten Tranche (Mezzanine-Tranche) werden als nächste, und

3. die Obligationäre der vergleichsweise niedrig verzinsten dritten Teiles (Senior-Tranche) der Schuldverschreibung ganz zuletzt zur Verlustdeckung herangezogen.

– Grundsätzlich liegt es auch im Interesse der kreditgebenden Bank, die Erstverlust-Tranche von der Zweckgesellschaft selbst zu übernehmen. Das

1. motiviert die Bank, den Schuldner weiterhin zu überwachen und dafür zu sorgen, dass der Kredit bedient und ein allfällig möglicher Einzug streng vorgenommen wird;

2. den Obligationären der Mezzanine-Tranche und der Senior-Tranche wird dadurch glaubwürdig signalisiert, dass alles getan wird, um allfällige Zahlungsausfälle zu vermeiden (Moral-Hazard-Problem!).

– Siehe Back-to-Originator-Postulat, Einzel-Origina¬tor-Verbriefung, Equity Kicker, Geldeintreibung, Hard Claim, Leveraged Loans, Originate-to-distribute-Strategie, Single Master Liquidity Conduit, Unterstützung, stillschweigende, Tranchendicke, Verbriefung, Verbriefungspapiere-Selbstbehalt, Verbriefungsstruktur, Wasserfall-Prinzip.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 55 (Selbstbehalt-Vorschriften).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Erstklasse-Wechsel (fine bank bills):

Von der Zentralbank ohne weiteres zum Rediskont angenommene Wechsel. Bei der EZB, die keine Diskontpolitik betreibt, werden diese Papiere als Kategorie-2-Sicherheit hereingenommen.

– Siehe Finanzinvestition, Diskontpolitik, Kategorie-2-Sicherheit, Rediskontsatz, Wechselkredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Erstklasse-Werte (prime standard value):

Handelsbereich an der Deutschen Börse mit sehr hohen Anforderungen vor allem an die Berichtspflicht (reporting requirements). Dieses Qualitäts-Segment steht auch ausländischen Emittenten offen.

– Siehe Blue Chips, Normal-Werte.

– Vgl. Geschäftsbericht 2002 der Deutschen Bundesbank, S. 51.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ertrag auch Erträgnis, in älteren Dokumenten oft Profizienz, Provenü und Provenienz (yield; return; revenue):

1 Die Menge der in Geld bewerteten produzierten Waren und Leistungen (Output) einer Periode; auch Leistung (efficiency, output) genannt.

2 Der in Geldeinheiten ausgedrückte Wertzuwachs, welcher innert einer Periode in einem Unternehmen anfällt und dem Wertverzehr (Aufwand) gegenübergestellt wird; dabei spielen die jeweils zugrundegelegten Berechnungsmethoden eine entscheidende Rolle.

3 Der Gewinn im Verhältnis zum eingesetzten Kapital, in der älteren Literatur auch Profitrate genannt.

4 In der Landwirtschaft die Ernteeinfuhr pro Flächeneinheit (in Europa: je Hektar = hundert Ar = zehntausend Quadratmeter).

– Siehe Aktiva-Produktivität, Basisgewinn, Dividendenrendite, Effizienz, Ergebnis, Erlös, Ertragswert, Gewinn, Greshamsches Gesetz, Kernerträge, Kosten, Payback, Rendite, Rentabilität, Run Rate, Verlust, Zitronenhandel.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2006, S. 58 f. (Vorbehalte gegenüber der Ermittlung des Ertrags in den Statistiken), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2009, S. 37 ff. (Ertragslage deutscher Institute während der letzten Jahre; viele Übersichten und in Fortschreibung den jeweiligen September-Bericht der Deutschen Bundesbank), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2010, S. 31 ff. (Ertragslage deutscher Unternehmen seit 2007; Übersichten; Bilanzkennziffern; S. 45: Hinweis auf lange Datenreihen) und aktualisierende Fortschreibung im jeweiligen Dezember-Bericht der Deutschen Bundesbank.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ertrag, kumulativer (cumulative return):

Die Kursveränderung eines Wertpapiers im Laufe des angegebenen Zeitraums, einschliesslich in diesem Zeitraum angefallene und wieder angelegte Dividenden, Zinsen und Kapitalgewinne. Im Fall von Aktien beziehen sich die Zeitangaben auf ganze Kalenderjahre, im Fall von offenen Investmentfonds wird in der Regel vom laufenden Monat zurückgerechnet.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ertrag, operativer (operational return):

1 Allgemein nach IAS (18.7) der aus gewöhnlicher Geschäftstätigkeit kommende Bruttozufluss an wirtschaftlichem Wert innert einer Periode, der zu einer Erhöhung des Eigenkapitals führt.

2 Bei einer Bank die Summe der Ergebnisse aus dem üblichen Geschäft, also die erwirtschafteten Zinsen, Provisionen und Einnahmen aus Handelsgeschäften.

– Siehe Basisgewinn, Deckungsbeitrag, Ergebnis, operatives, Gewinn, Umsatzrendite.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ertragseffizienz (performance efficiency):

Produkt aus Aktiva-Produktivität, Risikoprofil und der Hebelwirkung des Fremdkapitals. Der Aussagewert dieser Kennzahl ist umstritten.

– Siehe Aktiva-Produktivität, Effizienz, Eigenkapitalrentabilität, Ertrag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ertragskraft (earning power):

1 Die Fähigkeit eines Unternehmens, einen anhaltenden und möglichst steigenden Geldzufluss aus seiner Tätigkeit am Markt zu erzielen (the ability of a company to generate a sustainable, and possible growing, stream of earnings that provide cash flow).

2 Das Verhältnis des eingesetzten Kapitals zum Gewinn plus Zinsen des Fremdkapitals eines Unternehmens.

– Siehe Cashflow, Intangibels, Rendite, Rentabilität.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ertragsschwäche (weakness of earnings):

In der Sprache der Zentralbanken und Aufsichtsbehörden in Bezug auf Institute mit schwacher Ertragskraft gesagt. Als Masstab dient dabei in der Regel die Zinsmarge (auch Zinsspanne genannt) als dem Unterschied zwischen dem Zinssatz, den ein Institut bei Ausleihungen berechnet und dem Zinssatz, den die Bank zu ihrer Refinanzierung zahlen muss. - In Deutschland betrug die Zinsmarge bis etwa 1995 noch zwei Prozent; sie sank 2012 auf knapp ein Prozent. Zugeschrieben wird diese Entwicklung verschiedenen Umständen, wie vor allem

1. Zunahme des Wettbewerbs aufgrund von Deregulierung,

2. technische Entwicklungen wie das Internet, wodurch auch den Banken ohne Filialnetz ein breiter Marktzugang möglich wurde,

3. Abnahme der früher gerade in Deutschland sehr starken Kundenbindung an ein Institut, verbunden mit

4. nachweislich höherer Preissensitivität (price sensitivity: the degree to which the price of a product affects consumers behaviours) zumindest bei den Finanzdienstleistungen. Dazu

5. drücken auch noch Überkapazitäten auf den Markt (excess capacities in this special case often are defined as a situation in which the loans and investment policy of the bank produce an upsurge of risk without a corresponding increase of return). Die Ertragsschwäche der Institute wird von den Aufsichtsbehörden mit Sorge betrachtet.

– Siehe Asset Quality Review, Comprehensive Assessment, Institut, problematisches, Kernkapitalquote, Liquiditätskrisenplan, Liquiditätsrisiko, Puffer, Restrisiko, Risikotragfähigkeit, Stresstest.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 52 ff. (Analyse der Ertragsschwäche; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ertragsschwelle und Balance (wash):

In der Finanzsprache ein Ergebnis, das weder einen Gewinn noch einen Verlust ausweist (a situation where nothing is gained and nothing is lost: gains equal losses).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ertragswert (earning rate):

Wenn nicht anders definiert, der Barwert der erwarteten künftigen Netto-Geldzuflüsse (net revenues; Reinerträge: Erlöse abzüglich der Steuern) aus einer Investition (in machine equipment; in Maschinen). Die Gesamtsumme ist abhängig von

1. der Höhe der in jeder Periode erwarteten Reinerträge,

2. der zeitlichen Reichweite (Nutzungsdauer; useful life, economic life: period over which a machine is expected to be functioning, with normal repairs and maintenance, for the purpose it was acquired),

3. der Höhe des Kalkulationszinssatzes sowie

4. gegebenenfalls von der Erwartung in einen am Ende der Nutzungsperiode anfallenden Geldzufluss aus dem Verkauf der alten Anlage.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Erwartungen (expectations):

Allgemein: gegenwärtige - also heutige - Vorstellungen über inskünftige Marktverhältnisse. Für die Geldpolitik vor allem bezüglich der Inflationserwartungen von äusserst wichtiger Bedeutung.

– Siehe Bewertbarkeit, Codewörter, Daten, weiche, Erhebung fachlicher Prognostiker, Gleichgewichtsmodelle, dynamisch-stochastische, Inflation, Kobra-Effekt, Minderschätzung künftiger Bedürfnisse, Risiko, Trendhandel, Vorhersagen, Sparquote, Vorschatten-Effekte, Zinserwartungen.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2006, S. 29, Monatsbericht der EZB vom Mai 2009, S. 79 ff. (lehrbuchmässige Darstellung; viele Übersichten; Vergleich mit den Gegebenheiten in den USA; Möglichkeiten der Zentralbank, auf Erwartungen einzuwirken), Monatsbericht der EZB vom Januar 2011, S. 51 ff. (Möglichkeiten, die Erwartungen statistisch zu erfassen; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Januar 2014, S. 59 ff. (die Kenntnis der Erwartungen sind für die Geldpolitik unerlässlich; durch die Erhebung fachlicher Prognostiker gewinnt die EZB wichtige Einsichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Erwartungen, unangemessene (unreasonable expectations):

Auffallende konjunkturelle Bewegungen und starke Preisschwankungen bei Vermögensgegenständen rühren oft daher, dass die Unternehmen nur unvollkommene Hinweise (imperfect signals) über die künftige ökonomische Lage erhalten. Das kann zu übertriebener Zuversicht (excessive optimism) führen, in deren Verlauf in Hinblick auf erwarteten Gewinn hohe Investitionen getätigt werden; die Vermögenspreise steigen dadurch. Erfüllen sich die Erwartungen nicht, dann führt das zu einem erheblichen Rückgang der Investitionstätigkeit und einem Fallen der Vermögenspreise. - Die Zentralbank sollte daher in jedem Falle ihre mittelfristige Ausrichtung (medium-term orientation) beibehalten und auf das Auf und Ab nicht sofort ansprechen.

– Siehe Auslastungsgrad, Codewörter, Forward Guidance, Führung, verbale, Konjunkturdiagnose, Krisen-Vorschatten, Order-Capacity-Index, Politik des offenen Mundes, Produktionslücke, Turnaround, Vertrauensindikator, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2009, S. 93 ff. (ausführliche Darstellung; Literaturhinweise), Jahresbericht 2011 der EZB, S. 29 ff. (Frühwarn-Indikatoren bei Vermögenspreisen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Erwartungsparadoxon, monetäres (paradox of monetary confidence):

Bekennt sich eine Zentralbank glaubhaft zur Preisstabilität, dann führt dies nachweislich zu einer niedrigeren tatsächlichen Inflationsrate. Denn die Wirtschaftssubjekte ziehen (kreditfinanzierte; credit-financed) Käufe wegen höherer Inflationserwartung nicht vor. Auch fallen die Lohnanpassungen fallen geringer aus, was weiterhin zu einer niedrigeren Teuerung führt.

– Siehe Cost-Push-Inflation, Lohn-Preis-Spirale, Politik des offenen Mundes, Signalwirkung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Erwartungstheorie, neue (prospect theory):

Stark mathematisiertes Lehrgebäude mit dem Ziel, Handlungen unter Unsicherheit allgemein und auf dem Finanzmarkt im Besonderen zu modellieren und damit verstehbar zu machen. Die Theorie ist in sich widerspruchsfrei; sie zeigt sich in ihren einzelnen Bereichen einsichtig und überzeugend. Bestritten wird jedoch, ob sie - was manche ihrer Vertreter behaupten - als Entscheidungshilfe im Voraus bei dem letztlich immer mit Unsicherheit behaftete Geschehen auf dem Finanzmarkt dienen kann. Auch ältere, in ihrem logischen Gehalt zumindest gleichwertige Erwartungstheorien (wie etwa die "theory of potential surprise" von George L. S. Shackle) genügten diesem Anspruch nicht. Unsicherheit als das Fehlen einer Information hinsichtlich der Wahrscheinlichkeit des Eintritts von

1. vielerlei,

2. mannigfacher und verschiedenartiger (varying and heterogeneous) sowie

3. auf unterschiedliche Zeitpunkte (points in time; Termine) bezogener zukünftigen Gegebenheiten auf dem weltweit verflochtenen Finanzmarkt (globalised and interlinked financial market) lässt sich auch durch die Mathematik nicht aus der Welt schaffen.

– Siehe Behavioural Finance, Bewertbarkeit, Finanzpsychologie, Formeln, finanzmathematische, Idle money, Imponderabilien, Information, asymmetrische, Restrisiko, Risiko, Strukturunsicherheit, Versicherungsunsicherheiten, Volatilität.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 62 (Volatilität, Risiko und Unsicherheit), Monatsbericht der EZB vom April 2007, S. 36 ff. (Messung der Unsicherheit am Aktienmarkt; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Erwartungswert-Rückstellung (best estimate):

Aufsichtsrechtlicher Begriff im Zuge von Solvency-II; es bezeichnet den Zeitwert der erwarteten zukünftigen Zahlungsströme bei Versicherungen. Verlangt wird hierbei, dass die künftigen Ausgaben für Schadenzahlungen nach mathematisch-statistischen Methoden vorausberechnet und abgezinst werden müssen.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S, 49 (einheitliche Berechnungsart nach Solvency-II).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Erweiterter Rat (General Council):

Eines der Beschlussorgane der EZB, das sich aus dem Präsidenten und Vizepräsidenten der EZB sowie den Zentralbank-Präsidenten aller Mitgliedsstaaten der EU zusammensetzt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Erwerb (acquisition; earnings; purchase):

1 Im weitesten Sinne jederart beabsichtigter Aneignung, wie etwa eines akademischen Abschlusses (any act of acquiring).

2 Geldbetrag als Bezahlung für eine Tätigkeit, insbesondere das Salär für geleistete berufliche Arbeit (amount of money from labour), in der Statistik Erwerbseinkommen genannt.

3 Gegenstand, den man angeschafft hat (something acquired or gained).

4 Person, die in eine Gruppe eintritt (a person added to a group).

5 In der Finanzsprache vor allem der Kauf eines Vermögensgegenstandes (taking possession of an asset by purchase) und insbesondere eines Wertpapiers.

6 Der Zukauf eines Unternehmens (the purchase of one corporation by another, through either the purchase of its shares, or the purchase of its assets).

– Siehe Erwerbsangebot, Fusionen und Übernahmen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Erwerbsangebot (purchase bid):

Öffentliches Angebot eines Bieters, das auf den Erwerb von Wertpapieren gerichtet ist, ohne dass jedoch eine Kontrollerlangung bezweckt ist. Denn der Bieter hat entweder nicht die Absicht, eine solche zu erreichen, oder er hat sie bereits inne. - Auch solche Angebote unterliegen in Deutschland seit 2002 den Bestimmungen des Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetzes (WpÜG) und werden von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht überwacht. Entsprechende Unterlagen finden sich auf deren Homepage.

– Siehe Abwehrmassnahme, Aktientausch-Übernahme, Anschleichen, Bieter, Buy out, Erwerb, Gifttablette, Personen, gemeinsam handelnde, Pflichtangebot, Ritter, weisser, Squeeze-out, Synergiepotentiale, Transaktionsbonus, Übernahme-Angebot, Zielgesellschaft.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 202 ff., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 187 (Insiderdelikte), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 200 f. (BaFin hat ausreichende Transparenz im Auge; Übersicht der Angebotsverfahren seit 2005) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Erwerbseinkommen (earned income):

1 Bei einem Privathaushalt das Salär einschliesslich allfälliger Fringe Benefits (any gratuity or other profit or incidental benefit of any kind obtained by the employee if it is money or money's worth inclusive of anything else that constitutes a remuneration of the employment), der Erwerb, das Verdienst.

2 Bei einem selbständig Beschäftigten grob gerechnet der Überschuss der Einnahmen über die Ausgaben. Weitere und feinere Abgrenzungen sind in den versorgungsrechtlichen und steuerlichen Bestimmungen niedergelegt.

– Siehe Einkünfte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Erwerbskurs (acquisition cost):

Der vom Ersteher tatsächlich bezahlten Preis beim Kauf eines Vermögensgegenstandes allgemein und eines Wertpapiers im Besonderen (the amount it costs to gain title to any property; the price and all related expenses of obtaining the right to possess, use, and dispose of anything).

– Siehe Bonifikation, Disagio.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Erwerbspersonen (labour force):

Gesamtzahl der Beschäftigten und Arbeitslosen; für das Euro-Währungsgebiet im jeweiligen Monatsbericht der EZB, Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Preise, Produktion, Nachfrage und Arbeitsmärkte" ausgewiesen und im Rahmen des Zwei-Säulen-Prinzips beobachtet. - Diese Grösse wird sehr häufig (und von wem sogar!) falsch verstanden, und dann finden sich lediglich die Berufstätigen (employed persons) einbezogen.

– Siehe Arbeitskosten, Arbeitnehmerentgelt pro Kopf, Arbeitslosenquote, Fringe Benefits, Lohnkosten, Mindestlohn-Arbeitslosigkeit, Potentialwachstum.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2012, S. 23 (Projektion des Arbeitsangebots in Deutschland bis 2020).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Erzeugerpreise, industrielle (industrial producer prices):

Abgabepreise der Industrie ohne Einrechnung der Transportkosten für alle von der Industrie - ohne Baugewerbe - auf den heimischen Märkten abgesetzten Produkte. Von der EZB in ihren Berichten ausgewiesen und im Rahmen des Zwei-Säulen-Prinzips beobachtet. Denn binnenwirtschaftliche betrachtet liefern die industriellen Erzeugerpreise Hinweise auf einen sich entlang der Erzeugerkette allfällig aufbauenden Inflationsschub, der sich am Ende auf den HVPI auswirkt. Aussenwirtschaftlich gesehen sagen die industriellen Erzeugerpreise etwas über die Wettbewerbsfähigkeit aus.

– Siehe Arbeitsmarkt-Flexibilität, Balassa-Index, EWU-Sprengsatz, Fabrikpreis, Fiskalpakt, Haushalts-Kennziffern, Strukturwandel, Terms of Trade, Ungleichgewichte, EWU-interne Unit-Value-Relation.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2013, S. 41 ff. (Grundsätzlicher; Übersichten, aufgeschlüsselt nach Mitgliedsländern der Eurozone; Beurteilung der Ergebnisse).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Erziehungsgeld (childcare payment, child-rearing allowance, child-rearing subsidy):

Vom Staat an Familien bzw. auch an Alleinerziehende bezahlte monatliche und durch entsprechende Gesetze im Einzelnen geregelte Zuwendung für ein neugeborenes Kind.

– Siehe Biergeld, Elterngeld, Kindergeld, Suffgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Escrow (in dieser Bedeutung auch im Deutschen gesagt und sächlichen Geschlechts; seltener mit Treuhandvereinbarung übersetzt):

Auf dem Finanzmarkt Urkunde über eine Vereinbarung zwischen zwei Parteien. Dieses Dokument verbleibt solange bei einer dritten, unabhängigen Partei (Escrow-Anbieter; trusted third party) bis beide Vertragspartner ihre Verpflichtungen erfüllt haben. - Der Zweck eines Escrow besteht darin, eingegangene Verpflichtungen abzusichern. So kann zwar schon ein Konto bei einem Escrow-Anbieter eröffnet werden. Dieser wird aber eine allfällige Zahlung erst vornehmen, wenn sichergestellt ist, dass die Vertragsparteien ihre Verpflichtungen zur gegenseitigen Zufriedenheit erfüllt haben.

– Siehe Zwischenverwahrung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eskompte (abatement; pricing in; discount):

1 Allgemein ein Preisnachlass bei Barzahlung; ein Rabatt.

2 Das Einpreisen von zukünftigen Ereignissen in den Kurs von Wertpapieren.

3 In älteren Dokumenten andere Bezeichnung für Diskont.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

ESM-Banklizenz (ESM bank license):

In Artikel 32, Abs. 9 des Vertrags über den Europäischen Stabilisierungsmechanismus heisst es: "Der ESM ist von jeglicher Zulassungs- oder Lizensierungspflicht … für Kreditinstitute … befreit". Mithin darf der ESM als Bank handeln, wenn er das möchte. Freilich muss der ESM, um die Vorteile einer Bank ausschöpfen zu können, bei der EZB zugelassen sein. Indessen besteht dafür rechtlich kein Hindernis. Denn der ESM ist - anders als der Rettungsfonds EFSF - eine internationale Finanzinstitution und als solche eine rechtmässige Gegenpartei für die EZB. Wenn also der ESM als Bank einen Kredit von 10 Mia Euro an die italienische Regierung vergäbe, dann müsste er das Geld nicht erst einsammeln, um es dann nach Rom zu überweisen. Vielmehr würden der italienischen Regierung einfach 10 Mia Euro auf einem ESM-Konto gutschreiben. Dadurch wird neues Geld geschaffen. Der ESM müsste lediglich die Mindestreserve-Pflicht der EZB erfüllen; im Beispielsfall wären das derzeit 100 Mio Euro.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Estland-Streit (Estland debate):

Zu Jahresbeginn 2011 wurde Estland als siebzehntes Mitglied in die Europäische Währungsunion aufgenommen. Dem war eine heftige Debatte (violent debate) vorausgegangen. Die EZB sprach sich gegen den frühen Beitritt Estlands aus. Denn das Land war nach dem Platzen einer Immobilienblase in eine Rezession gestürzt; die Wirtschaftsleistung brach 2009 um fast vierzehn Prozent ein, und die Inflationsrate war auf über zehn Prozent hochgeschnellt. Das nur 1,7 Mio Einwohner zählende Land wurde aber durch die Einführung des EUR vom Wechselkurs-Risiko gegenüber seinen wichtigsten Handelspartnern Schweden, Finnland und Deutschland befreit. Davon wieder versprach man sich mehr Investitionen aus dem Ausland und grössere Stabilität für die Volkswirtschaft, weil der EUR die Furcht vor einer Abwertung der estnischen Krone (EEK) beseitigte. Freilich war die EEK seit ihrer Einführung 1992 in einem festen Verhältnis zunächst zur DEM und dann zum EUR gebunden. Insoweit war Estland schon vor dem Beitritt in die Europäische Währungsunion mit dieser verzahnt.

– Siehe Opting-out-Vereinbarung.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2011, S. 17 ff. (ausführliche Darstellung; Tabelle mit Vergleichszahlen Euroraum/Estland; Beurteilung für die zukünftige Lage in Estland), Monatsbericht der EZB vom Februar 2011, S. 17 ff. (Finanzsektor in Estland; Übersichten), Jahresbericht 2010 der EZB, S. 142 (viele Informationen und Daten zum Beitritt Estlands).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

ESZB-Geschäftstag (ESCB business day):

Jeder Tag, an dem die EZB und mindestens eine nationale Zentralbank zur Ausführung von geldpolitischen Operationen der EZB geöffnet sind.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

ESZB-Netzwerk für makroprudentielle Forschung (ESCB network on macro-prudential analysis):

Erstmals im Oktober 2011 tagendes Gremium von Fachleuten mit dem Ziel,

1. die Zusammenhänge zwischen Finanzstabilität und Wirtschaftsleistung im Einzelnen zu erforschen,

2. Systemrisiko-Indikatoren und Frühwarnmodelle methodisch zu verbessern sowie

3. Ansteckungsrisiken (risks of contagion) näher zu durchleuchten. Die Ergebnisse der Fachkonferenzen werden von der EZB veröffentlicht.

– Siehe Ansteckungswirkungen, Aufsicht, makroprudentielle, Ausschuss für Finanzstabilität, Ausschuss-Wahn, Banking Supervision Committee, Carl-Menger-Forschungspreis, Elisabeth-Frage, Finanzkrise, Geldverbrennung, Gleichlauf-Problem, Makroprudentiell, Risiko, systemisches, Solvenzaufsicht, Spinnweben-Modell, Zentralkreditregister, Zyklik.

– Vgl. Jahresbericht 2011 der EZB, S. 128 f. (Vorstellung des Netzwerkes; Beschreibung seiner Aufgaben), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 87 (zur makroprudentiellen Überwachung in Deutschland).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Etablissement ([mercantile] establishment):

In älteren kaufmännischen Dokumenten ein Unternehmen, eine Fabrik, eine (Handels)Niederlassung, weniger jedoch auch von einer Bank gesagt. Die heutige Bedeutung (Vergnügungsstätte, Freudenhaus) wurde dem Begriff erst viel später beigelegt.

– Siehe Haus.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Etat (budget):

Wenn nicht anders definiert, das Budget eines Staates, seltener auch in Bezug auf ein Unternehmen gesagt.

– Siehe Finanzwissenschaft, Kamerale, Parafiskus, Fondswirtschaft, Staat, Schattenhaushalt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eteostichon (date embossing):

In älteren Dokumenten die Jahreszahlprägung auf dem Revers einer Münze. – Avers, Legende, Millesime.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

EU-Bankenvereinigung (European Banking Federation, EBF):

Im Jahre 1960 gegründeter Interessensvertretung der Bankenbranche mit Sitz in Brüssel. Anstehende Entscheidungen der Europäischen Institutionen werden hier im Vorfeld auf Verbandsebene erörtert, um die Auffassung der Banken dann den zuständigen europäischen Institutionen zur Kenntnis zu bringen. Auch ermittelt die Vereinigung - auf dem Wege einer besonders angelegten Befragung - den EURIBOR. Der Dachverband (umbrella organisation) vertritt die Interessen von um die 5'000 Banken in Europa mit (Mitte 2013) gesamthaft etwa 2,3 Mio Beschäftigten.

– Siehe Euro-Bankenverband, Eurepo, Financial Market Association.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

EU-Finanzhilfe (EU financial assistance):

Darlehn, die seitens der Europäischen Union an Staaten vergeben wird, die sich in einer dringlichen Notlage befinden. So gewährte die EU Ungarn und Lettland 2008 Kredite; die EU-Kommission refinanziert sich durch die Begebung entsprechender Titel auf dem internationalen Finanzmarkt. - Die Hilfe der EU für Lettland belief sich zusammen mit einem Beitrag des Internationalen Währungsfonds auf über ein Drittel der lettischen Jahreswirtschaftsleistung. Bemängelt wurde, dass die EU anderen Ländern in ähnlichen Krisensituationen entsprechende Hilfen nicht verweigern könnte, und dass dadurch in der EU die Erwartungshaltung aufkommt (suggests an expectation), dass die Gemeinschaft für ihre Mitglieder notfalls einsteht. - Vernünftiges ökonomisches Denken zeigt auf, dass schwache Volkswirtschaften innert der EU - und in der Eurozone zumal - die Ursachen ihres schlechten Abschneidens selbst angehen müssen (kausale Therapie; causal therapy). Es dürfen nicht Versäumnisse in der Anpassung der Volkswirtschaft (failings in economic adjustment) auf die Schultern anderer umgelegt werden. Denn das liefe am Ende darauf hinaus, dass der fiskalischen Disziplinlosigkeit (fiscal ill-discipline) Tür und Tor geöffnet wird, und unliebsame Angleichungsmassnahmen - etwa: Steuern, Löhne, Arbeitszeiten - unterbleiben. Hier taucht das Problem des Moral Hazard auf.

– Siehe Angleichungsautomatismus, Angst, perverse, Aufkäufe, zentralbankliche, Bail-out, Blame game, Defizit-Finanzierungsverbot, Euro-Anleihe, Europäische Währungsunion, Grundfehler, Europäischer Stabilisierungsmechanismus, Europäischer Währungsfonds, EZB-Sündenfall, Giips-Staaten, Griechenland-Krise, Irland-Krise, Haushaltskrise, Plan C, Siebenprozent-Grenze, Solidarität, finanzielle, Sperrkonto, Strukturreformen, Umverteilung, zentralbankbewirkte, Vermögensabgabe, Vertragstreue, Zwei-Wege-Option.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

EU-Haushalt (EU budget):

Der Etat und Finanzplan der EU in Brüssel hat auf die Geldpolitik der EZB insofern einen Einfluss, als allfällige Defizite (Ausgaben der EU über die Eigenmittel-Abführungen der Mitgliedsländer hinaus) Inflationsrisiken in sich bergen, die auf den Euroraum wohl am ehesten durchschlagen werden.

– Vgl. ausführlich Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2005, S. 17 ff. (mit zahlreichen Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Euphoriephase (blow-off top):

An der Börse ein rascher, sich beschleunigender Preisanstieg, dem ein schneller und steiler Kurssturz folgt (a steep and hasty increase in price followed by an abrupt and rapid drop).

– Siehe Abgabepanik, Abschwung, Baisse, Crash, Dominostein-Effekt, Headline-Hysterie, Herdenverhalten, Massiv-Verkäufe, Milchmädchen-Hausse, Panikverkäufe, Rush to the exit, Schock, externer, Sell Out.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eurepo (so auch im Deutschen):

Marktzinssatz, zu dem

1. eine erstklassige Bank

2. einem anderen erstklassigen Institut

3. Liquidität in EUR anbietet, und

4. von dem Schuldner als Sicherheit in voller Höhe des Betrags erstklassige Staatsanleihen bzw. kurzfristige Staatspapiere, begeben von einem hochbonitären Land der Eurozone, erhält.

– Der Eurepo als Richtsatz für die besicherten Märkte (repo markets; Repomärkte) wird ähnlich wie der EURIBOR von meldenden Banken berechnet. - Der Unterschied beider Zinssätze ist das Depo-Repo-Spread.

– Siehe EU-Bankenvereinigung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eurex (European Exchange):

Im Jahr 1998 gegründete reine Computerbörse; sie entstand durch Fusion der Deutschen Terminbörse (DTB, 1990 gegründet) mit der schweizerischen Soffex (Swiss Options and Financial Futures Exchange). Die hier abgeschlossenen Geschäfte sind Zukunftsgeschäfte. Freilich besteht bei den an der Eurex gehandelten Futures kein Wahlrecht: man kann nur kaufen oder verkaufen. Die Eurex gilt inzwischen als weltweit grösste Börsen für Zinsderivate.

– Siehe Börse, Derivategeschäfte-Clearingpflicht, Derivategeschäfte-Meldepflicht, Euroclear, Euro General Collateral Pooling, Euronet, International Securities Exchange, Label GC Pooling, Switcher.

– Vgl. Jahresbericht 2001 des Bundesaufsichtsamts für den Wertpapierhandel, S. 12 f., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2006, S. 56 sowie über die Umsätze an der Eurex das monatlich erscheinende Statistische Beiheft "Kapitalmarktstatistik" der Deutschen Bundesbank nach verschiedenen Gesichtspunkten (wie Calls, Puts, Aktienoptionen, Optionen auf den Dax usw.) aufgeschlüsselt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eurex Credit Clear:

Ende Juli 2009 in Frankfurt am Main auf Drängen der EU-Kommission eröffnete europäische zentrale Gegenpartei für den Handel mit Credit Default Swaps. Die Firma ist eine Tochtergesellschaft der Deutschen Börse AG und der Schweizer Börse. Neben Eurex Clear bietet sich auf dem Finanzmarkt auch die US-amerikanische, aber in europäischem Besitz befindliche International Securities Exchange als zentrale Gegenpartei an. Die Abwicklung der Geschäfte beruht in Europa auf Freiwilligkeit. Geschäftspartner müssen allerdings bei den beiden Clearinghäusern nach einem bestimmten Schlüssel Sicherheiten hinterlegen. Damit soll erreicht werden, dass jeder grundsätzlich nur soviel Risiko übernimmt, wie er auch beherrschen kann.

– Siehe Derivate-Clearingpflicht, General Collateral Repos, Euro General Collateral Pooling, Knotenpunkt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

EURIBOR (Euro Interbank Offered Rate):

Der Zinssatz auf dem europäischen Interbanken-Geldmarkt, genauer: der Durchschnittszinssatz, zu dem ein erstklassiges Kreditinstitut bereit ist, einem anderen Bank mit höchster Bonität EUR zur Verfügung zu stellen (the rate at which a prime bank is willing to lend funds in EUR to another prime bank). Änderungen dieses Satzes spiegeln

1. Erwartungen in Bezug auf den künftigen Mindestbietungssatz als dem niedrigsten Zinssatz, zu dem Geschäftspartner beim Zinstenderverfahren Gebote abgeben können

2. aber auch Wandlungen des Vertrauensverhältnisses zwischen den Instituten wieder. - Der EURIBOR wird von der EZB täglich veröffentlicht und ist auch im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets" (Rubrik "Finanzmärkte") in seinem Verlauf ausgewiesen.

– Siehe Bonität, Dichten, risikoneutrale, Eurepo, EONIA, EU-Bankenvereinigung, LIBOR, Rating, Sentiment, TIBOR.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Dezember 2002, S. 29 f., Monatsbericht der EZB vom Februar 2008, S. 83 (Informationsgehalt des EURIBOR für die Geldpolitik), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2013, S. 78 f. (Bedeutung, Berechnung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Euro (euro; ISO-Code [ISO 4217]: EUR):

Bezeichnung der gemeinschaftlichen europäischen Währung. Sie trat am 1. Jänner 1999 in Form von Giralgeld in Kraft. Nach dreijähriger Übergangszeit wurde der Euro am 1. Jänner 2002 auch in Form von Banknoten und Münzen als offizielles Zahlungsmittel im Eurogebiet eingeführt. - Der Name Euro wurde bei der Tagung des Europäischen Rates am 15./16. Dezember 1995 in Madrid festgelegt. In älteren Verträgen wird gemäss dessen nunmehr Euro an die Stelle von ECU (European Currency Unit) gesetzt. - Die Währungsbezeichnung und ihre Teile (cent; Cent; ausgesprochen in Deutschland teils "Sent", teils "Tsent" und "Zent") hat amtlich festgelegt keine Pluralform. Trotzdem setzt sich in der Umgangssprache - und sogar hin und wieder in der Fachwelt! – schlampig: "Euros" (similar to "Dollars") und gar "Euronen" durch. - Das Eurozeichen wird, im Gegensatz zum USD, offiziell hinter die Zahl gesetzt, also $ 50 aber 50 €.

– Siehe Dollar, ECU, Globo, Mark, Neuro, Petrodollar, Preisvergleich, Rückkehr-Ideologie, Taler, Terra, Teuro, Vorverteilung, Währungsbezeichnung.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2003, S. 79 ff. (zur internationalen Rolle des EUR), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2008, S. 31 ff. (Zehnjahresrückblick: kritische Bilanz), Jahresbericht 2011 der EZB, S. 25 f. (Wechselkurs des Euro seit 2006; Übersichten). - Der laufende Stand und die Entwicklung des Wechselkurses des EUR zum USD, CHF, JPY, GBP und anderen i ist) in der Rubrik "Wechselkurse" des Teils "Statistik des Euro-Währungs-gebiets" im jeweiligen Monatsbericht der EZB wiedergegeben.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

EURO1:

Wichtiges Zahlungssystem für Grossgeldbeträge, das vom Euro-Bankenverband betrieben wird. Kunden von EURO1 sind europäische Banken. Im Frühjahr 2013 verarbeitete EURO1 täglich um die 230'000 Zahlungen mit einem Gesamtwert von über 245 Milliarden EUR. Die Tagesabschlusspositionen der EURO1-Teilnehmer werden in Zentralbankgeld über TARGET abgewickelt. Die EZB wirkt dabei als Zahlungsausgleichsagent mit, und der EZB obliegt auch die Aufsicht über dieses Zahlungssystem.

– Siehe Clearing-Haus, automatisches.

– Vgl. Jahresbericht 2012 der EZB, S. 142 (neuere Entwicklung bei EURO1; Fragen der Überwachung) sowie den jeweiligen Jahresbericht der EZB, Kapital "Überwachung der Zahlungssysteme und Marktinfrastrukturen".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Euro-Anleihe (euro bond):

1 Allgemein eine auf EUR lautende (denominierte; denominated) Begebung.

2 Im Besonderen gesagt von der vorgeschlagenen Emission von Staatsanleihen durch eine Europäische Schuldenagentur, für die alle Mitglieder der Europäischen Währungsunion gesamtschuldnerisch haften (are jointly and serverally liable).

– Siehe Blue Bonds, Euro-Anleihe, gemeinsame, Euro-Bonds.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2011, S. 43 (Aufschläge für Staatsanleihen der Pigs seit 2009).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Euro-Anleihen, gemeinsame (common euro bonds):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter Begebungen, die gemeinsam von verschiedenen Staaten des Eurogebiets auf den Markt gebracht werden sollten, und zwar von einer Europäischen Schuldenagentur. - Bis anhin hat sich vor allem Deutschland entsprechenden Plänen widersetzt. Denn die Kreditwürdigkeit vor allem der südlichen Mitglieder des Euroraums (Italien, Spanien, Portugal, Griechenland) sowie Irlands ist derzeit (Ende 2013) schlecht; Staatsanleihen dieser Länder werden mit einem hohen Zinszuschlag gehandelt. - Schuld daran, dass die Wettbewerbsfähigkeit dieser Mitgliedsstaaten abfiel, sind

1. verschleppte Reformen auf dem Arbeitsmarkt und in den Unternehmen, was sich sichtbar in den vergleichsweise hohen Lohnstückkosten ausdrückt,

2. ein ungenügendes Steuersystem (tax system) mit unter anderem zu geringer fiskalischer Belastung auf Energie, Alkohol und Tabak,

3. schlechte Steuermoral (lax attitude to taxation),

4. zu geringe Investitionen in Forschung und Entwicklung, ob dessen zu wenig moderne Gewerbezweige und daher volkswirtschaftlich eine ungünstige Unit-Value-Relation und das alles

5. bei einer weithin vorherrschenden Sündenbock-Einstellung (scapegoat ideology) in der Öffentlichkeit, bei der eigene Versäumnisse "Brüssel" angelastet werden.

– Diese und andere Versäumnisse müssten die

1. deutschen Steuerzahler über die geringeren Renditen solcher gemeinsamen Anleihen und im Falle des Defaults über höhere Steuern mittragen, ohne dass darüber parlamentarische Entscheidungen getroffen werden ("no taxation without representation").

2. Auch wäre überhaupt nicht sichergestellt, dass die aus einer gemeinsamen Anleihe aufgebrachten Mittel tatsächlich zu Abbau der Schwachstellen (weak points) führen würde und nicht in Prachtbauten oder in den Konsum flössen.

3. Ferner ist damit zu rechnen, dass mit zunehmender Emission von Euro-Anleihen diese mit einem immer höheren Zinssatz ausgestattet werden müssten, weil die Anleger in aller Welt misstrauisch hinsichtlich der Rückzahlungsfähigkeit (ability to make repayment) und Rückzahlungswilligkeit (willingness of repayment) der Papiere werden; und dies zumal dann, wenn Mitgliedsstaaten der EU immer höhere Schulden anhäufen; and it is a fact: almost all treaties promising European fiscal discipline have been broken in the past.

4. Festgelegt werden müsste überdies, bei wem die Entscheidungsbefugnis über die Emission solcher Papiere liegen sollte.

5. Sofern Euro-Anleihen nur von den Mitgliedern der EWU garantiert werden, kommt dies einer Spaltung der EU gleich.

6. Vor allem aber ist das Problem des Moral Hazards zu sehen: Mitglieder der Eurozone würden sich darauf verlassen, im Notfall von der Gemeinschaft unterstützt zu werden und (unliebsame) entsprechende eigene Anstrengungen zur Wiedergewinnung gesunder Staatsfinanzen zurückstellen; und Haftung ohne Kontrolle ist noch nie gutgegangen. A stronger case of free riding can hardly be imagined. Lack of fiscal discipline is rewarded, while fiscal solidity is punished.

7. Endlich sind auch verfassungsrechtliche Bedenken hervorzuheben. Mit gutem Grund gibt es in Deutschland keine gemeinsamen Anleihen von Bund und Ländern, weil für die Finanzpolitik der Länder allein deren Parlamente zuständig sind.

– Es ist völlig wirklichkeitsfremd anzunehmen, dass die Begebung von Euro-Anleihen gleichsam als Befreiungsschlag wirke und Europa von den Zwängen des Marktes befreien würde. Kausale Therapie (causal therapy) ist angesagt: die Ursachen des Misstrauens der Märkte müssen beseitigt, nämlich die Staatsschulden der Defizitstaaten auf den im Maastricht-Vertrag vereinbarten Stand zurückgefahren werden.

– Siehe Angleichungsautomatismus, Angst, perverse, Anleihe-Spread, Bail-out, Blame game, Blue Bonds, Bonitätstransfer, ClubMed, Currency-Swing, Defizit-Finanzierungsverbot, Disfunktionalität, währungsraumbezogene, Ekart, Erpressungspotential, EU-Finanzhilfe, Euro-Bonds, Europäische Finanzstabilisierungsfazilität, Europäische Währungsunion, Grundfehler, Europäischer Währungsfonds, EWU-Sprengsatz, EZB-Sündenfall, Fiskalpakt, Giips-Staaten, Government Spreads, Griechenland-Krise, Gruppendruck, Hellenoschwärmerei, Kaldor-Hicks-Kriterium, Lohnpolitik, koordinierte, Moral Hazard, Plan C, Rettungspaket, Schuldentilgungspakt, europäischer, Siebenprozent-Grenze, Solidarität, finanzielle, Sperrkonto, Staatsschulden-Rückführung, Stabilisierungsmechanismus, europäischer, Südfront, Tina, Umverteilung, zentralbankbewirkte, Ungleichgewichte, EWU-interne, Vermögensabgabe, Vertragstreue, Wachstumsförderung, Zwangsenteignung, Zwei-Wege-Option.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der EZB, S. 93 ff. (unterschiedliche Wettbewerbsfähigkeit einzelner EU-Mitgliedsstaaten; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Mai 2013, S. 93 ff (eingehende Analyse des Ist-Zustands der Mitglieder der Eurozone; Übersichten; Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Euro-Bankenverband (Euro Banking Association, EBA):

Gremium aus den Vertretern verschiedener europäischer Banken, das sich der Erörterung von bezüglichen Fachfragen widmet, und insbesondere Probleme erforscht, die mit der Verwendung des EUR und der Abrechnung von Euro-Transaktionen zusammenhängen. Der Verband entwickelte auch das erste europaweite automatische Clearinghaus für auf EUR lautende Massenzahlungen, EBA Clearing. Einmal jährlich veranstaltet die EBA eine weltweit beschickte (worldwide frequented) Zahlungsverkehrskonferenz, den EBAday - Dem 1985 in Paris gegründete Verband gehören inzwischen auch Institute aus Norwegen, der Schweiz, Australien, China, Indien, Japan, den Vereinigten Arabischen Emiraten und der USA an. Die Mitgliederzahl lag Ende 2013 bei knapp 200.

– Siehe EU-Bankenverband, Euroclear. EURO1, Short-Term European Papers, STEP2.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Euro-Bonds (euro bonds):

1 Auf dem internationalen Euro-Kapitalmarkt gehandelte Anleihen, die vor allem von Staaten, Unternehmen und Banken begeben werden. Zu unterscheiden sind

1. Anleihen mit festgeschriebenen Zinsen (straight bonds), die an den Euro-Finanzmärkten dem Volumen nach vorherrschen, sowie

2. Floater (floating rate issues), also Anleihen mit fliessenden Zinsen. Euro-Bonds werden in erster Linie in EUR oder USD begeben.

2 Gemeinsame Euro-Anleihen, also der Vorschlag einer gemeinsamen Staatsanleihe, die von mehreren Mitgliedern der Europäischen Währungsunion begeben wird. Damit sollen Zinsaufschläge für Anleihen von Staaten ausgeglichen werden, denen die Anleger ein minderes Vertrauen schenken, weil sie die Wahrscheinlichkeit nicht ausschliessen, dass diese aus der Europäischen Währungsunion austreten. - Dies bedeutet im Einzelnen, dass

1. die Mitglieder der Währungsunion gesamtschuldnerisch für die Anleihen haften (are joint and several liable), also für die Summen geradestehen, die anderen Staaten zugeflossen sind;

2. der Zinssatz unter dem liegen würde, den Länder wie Griechenland oder Irland jetzt bieten müssen, um Käufer für ihre Anleihen zu finden, während

3. sich andererseits aber die Zinslast für die Staatsanleihen etwa für Deutschland oder die Niederlanden beträchtlich erhöhen würde; allein für Deutschland berechnete man einige zehntel Prozentpunkte mehr Aufschlag auf einen Nachteil von 7 Mia. EUR jährlich; andere Berechnungen kommen gar zu einem Verlust für Deutschland von 47 Mia. EUR pro Jahr. Das liegt zum einen an der hervorragenden Bonität Deutschlands und zum anderen daran, dass Bundesanleihen liquide und damit sehr gut handelbar sind;

4. das Zinsrisiko auf diese Weise vergemeinschaftet (communitised) und damit

5. gerade das verhindert würde, was die richtigen Signale setzt: wer gut wirtschaftet, zahlt niedrigere Zinsen, wer schlecht wirtschaftet zahlt höhere Zinsen

6. aber keinesfalls gewährleistet ist, dass Mitglieder mit bis anhin nachlässiger Haushaltsgebarung die ihnen allfällig neu zufliessenden zinsgünstigen Gelder auch wirtschaftlich vernünftig einsetzen, ja

7. je höher der Schuldenberg finanzschwacher Länder (mountain of debt of the financially weak countries) anwächst, desto grösser würde deren Drohpotential (threat potential), denn

8. die finanzschwachen Länder werden die Begebung neuer Anleihen mit der Drohung erzwingen, dass sie im Gegenfall alte Schulden aus gemeinsamen Anleihen nicht bedienen könnten, was

9. am Ende die gesamtschuldnerische Haftung und die ganze Währungsunion auf den Kopf stellt: am Steuer sitzen dann nicht mehr die Bürgen, sondern die hochverschuldeten Staaten. Die Finanzhoheit (financial sovereignty) als das Recht parlamentarischer Körperschaften, die Einnahmen und Ausgaben zu bestimmen, geht gleichzeitig damit verloren, was

10. selbst in Deutschland in entsprechender Form unmöglich ist: es gibt keine gemeinsamen Anleihen von Bund und Ländern, und jedes Landesparlament entscheidet über die Schuldenpolitik.

– Ob und inwieweit die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität mit ihrer Tätigkeit der Begebung eigener Anleihen in Wirklichkeit nicht bereits Euro-Bonds emittiert, ist eine viel erörterte und von führenden Staatsrechtlern (constitutional law experts) bejahte Frage. Abzuwarten wäre übrigens, zu welchem Preis - und ob überhaupt! - Anleger in aller Welt bereit sind, Euro-Bonds in ihr Portfolio zu nehmen.

– Siehe Anleihe, variabel verzinsliche, Anleihe-Spread, Bailout, Blue Bonds, Bonitätstransfer, Ekart, Euro-Anleihen, Euro-Krise, Euromarkt, Europäische Schuldenagentur, Europäischer Stabilitätsmechanismus, Floater, Japanisierung, Moral Hazard, Plan C, Rückkehr-Ideologie, Strukturreformen, Zwei-Wege-Option.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Euro-Breakup-Index (so auch im Deutschen):

Gegründet auf laufende Internet-Befragungen durch die Anlagegesellschaft Sentix in Frankfurt/Main wird erkundet, inwieweit die Auskunftspersonen ein Aufbrechen der EWU durch Ausscheiden eines Mitglieds erwarten. Daraus wird ein Index berechnet, aus dessen Änderungen im Zeitverlauf sich Rückschlüsse auf die Glaubwürdigkeit der Politik der EZB gewinnen lassen. - Vor allem im Umfeld der EZB schätzt man den Index als Unfug ein und verweist auf das angeblich fragwürdige Zustandekommen der abgegebenen Beurteilungen. Hingegen geniesst der Euro-Breakup-Index bei Finanzjournalisten und in weiten Kreisen der Finanzwelt ein hohes Mass an Vertrauen.

– Siehe Animal Spirits, Behavioural Finance, Erwartungstheorie, neue, Finanzpsychologie, Furchtthese, Grundstimmung, Sentiment, Stimmungs-Indikatoren, Vertrauensblase, Vorhersagetauglichkeit, Vorlaufindikatoren, Vorschatten-Effekte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Euro Commercial Paper, ECP (so auch im Deutschen gesagt):

Als diskontierte (discounted) oder verzinsliche (interest bearing) Papiere begebene Commercial Papers, die am Markt vor allem in Europa gehandelt werden. Die Laufzeit liegt in der Regel zwischen zwei und 360 Tagen.

– Siehe Abzinsungspapiere, Bankschuldverschreibung, Einlagezertifikate, Euro Commercial Paper, Euronotes, Notes, Privatplazierungen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Euroclear (euroclear):

Im Jahr 1968 von der Morgan Guaranty Trust Co. in Brüssel gegründetes Clearing-System für internationale Wertpapiertransaktionen (user-owned, user-governed, Belgium-based financial services company that specialises in the settlement of securities transactions). Heute ist Euroclear weltweit das grösste Verrechnungshaus für internationale Wertpapiere. An zweiter Stelle steht 2010 Clearstream Banking in Luxemburg (formed in January 2000 through the merger of Cedel International and Deutsche Börse Clearing).

– Siehe Abwicklungssysteme, Börsenkonzentration, europäische Clearing-Haus, automatisches, Fernzugang, Kapitaltransfersystem, elektronisches, Massenzahlungsverkehr, elektronischer, Target, Target 2-Securities, Trade Assignment, Überweisungssystem.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eurodollar (so auch im Deutschen gesagt):

Konten in USD, die ausserhalb der USA geführt werden, vornehmlich in Europa, und hier wieder besonders an den Plätzen London und Zürich (any holding of USD outside the jurisdiction of the United States and used chiefly as an international currency to finance trade). Diese Guthaben werden zumeist etwas niedriger verzinst als entsprechende Anlagen bei einer Bank in den USA, weil sie ein gewisses Risiko bergen. Denn bei Bankrott der kontoführenden Auslandsbank haftet in der Regel kein amerikanischer Feuerwehrfonds für diese Depositen. - Zu Jahresbeginn 2011 wurden etwa 500 Mia USD ausserhalb der USA als Bargeld in Kassen verwahrt. Die in USD gehaltenen Buchgeldbestände summierten sich zum gleichen Zeitpunkt auf etwa 3,5 Billionen. Sie lagen damit höher als die Währungsreserven der Zentralbanken in USD in Höhe von 2,5 Billionen USD.

– Siehe Falsifikate, Leitwährung, Offshore Booking, TED-Spread.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Euro-Evidenz (European evidence):

Gemeint ist hier entweder das Netzwerk Euro-Evidenz oder das Zentralkreditregister; beide werden in vielen Veröffentlichungen durcheinander gebracht.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Euroflucht (euro flight):

Sehr viele Sparer und Anleger ziehen sich von auf EUR lautenden (denominierten; denominated) Konten und Papieren zurück und wechseln

1. in eine andere Währung, wie vor allem in das GBP, den CHF oder den USD bzw.

2. kaufen Edelmetalle, und hier vor allem Gold. Solche Bewegungen deuten darauf hin, dass der Politik der EZB mit Misstrauen begegnet und eine Inflation befürchtet wird.

– Siehe Finanzinsel, Hafen, sicherer, Notzeit-Anlagen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Euro General Collateral Pooling, EGCP, meist nur Euro GC Pooling (so auch im Deutschen; GC steht dabei für General Collateral):

Ein standardisierter besicherter Geldhandel als eine von Eurex eingeführte Plattform; Euro GC Pooling tritt dabei als zentrale Gegenpartei auf. - Der Markt läuft ähnlich wie bei einer Börse ab, nur dass statt Papiere hier Geld den Gegenstand des Handels bildet. Diejenigen Wertpapiere, welche die EZB in ihren Offenmarktgeschäften als Sicherheiten annimmt, bilden auch die Grundlage von Euro GC Pooling. Wenn eine zuvor in das System zugelassene Bank nun Liquidität über GC Pooling aufnimmt, dann unterlegt sie den entsprechenden Betrag mit notenbankfähigen Titeln (papers eligible for refinancing with central bank). Am Ende der Laufzeit bezahlt sie das Geld einschliesslich Zins samt Gebühren zurück und erhält die Sicherheiten wieder. - Der Geschäftspartner, welcher die Sicherheiten als Pfand hereingenommen hat, kann sich auf diese Weise jederzeit bei der EZB refinanzieren, selbst wenn der Markt die Papiere gerade nicht aufnehmen sollte (man spricht hier von Re-Use-Funktionalität; re-use functionality). - Der Ablauf der Geschäfte ist automatisiert und übrigens auch anonym. Die Verwaltung der Sicherheiten geschieht über das Sicherheiten-Managementsystem Xemac, einer von der Deutschen Bundesbank anerkannten und von Clearstream Banking Frankfurt AG - CBF tritt als in Deutschland als Zentralverwahrer auf - betriebenen Einrichtung. - Die von Euro GC Pooling verbürgte Anonymität der Geschäfte hat einen grossen Vorteil. Wird nämlich bekannt, dass eine Bank grosse Mengen an Liquidität nachfragt, so kann dies am Markt sehr leicht zu Misstrauen in das Institut führen. Die Folge davon wäre unter anderem, dass sich die bilateralen Geschäfte dieser Bank verteuern, weil die Partner einen hohen Risikozuschlag einrechnen.

– Siehe Geldmarkt-Segmente, Knotenpunkt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eurogebiet (euro area):

Jene europäischen Staaten, welche den EUR öffentlich und in Abstimmung mit der EZB eingeführt haben (the area encompassing those member states in which the EUR has been legally adopted, and in which a single monetary policy ist conducted under the responsability of the ECB).

– Siehe Beitritt, unilateraler, Euroland, Eurogruppe, Eurozone, Wirtschaftspolitik, europäische.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2008, S. 31 ff. (Zehnjahresrückblick: ausführliche Bilanz).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eurogeldmarkt (euro money market):

Angebot und Nachfrage nach kurzfristigen Mitteln in EUR. Marktteilnehmer (market participants) sind vor allem Banken und Fonds.

– Siehe Geldmarkt, Geldmarkt-Segmente, Geldmarkt-Volatilität.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2008, S. 71 ff. (Lehrbuchmässige Darstellung; Bedeutung des Marktes für die Geldpolitik der EZB; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eurogruppe (Eurogroup):

Ein bis zum Inkrafttreten des Lissabon-Vertrags am 1. Dezember 2009 lediglich informeller Kreis der Minister aus dem Ecofin-Rat, in deren Länder der EUR eingeführt ist. Der Kreis tritt regelmässig - zumeist im Vorfeld von Ecofin-Tagungen - zusammen und erörtert Fragen der Einheitswährung. Ab 2005 hat der Kreis formell einen für zweieinhalb Jahre gewählten eigenen Vorsitzenden ("Mr. Euro") und stellvertretenden Vorsitzenden aus den Reihen der beteiligten Finanzminister mit dem Ziel, Fragen in Zusammenhang mit der besonderen Verantwortung im Bereich der einheitlichen Währung zu erörtern, damit aber auch der EZB "auf gleicher Augenhöhe" gegenübertreten zu können. Im Lissabon-Vertrag (Artikel 137 AEUV) wurde die Eurogruppe in einem eigenen Protokoll verankert.

– Siehe Eurogebiet, Wirtschaftspolitik, europäische.

– Vgl. Geschäftsbericht 2007 der Deutschen Bundesbank, S. 87 (Eurogruppe im Vertrag von Lissabon anerkannt), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2010, S. 49 (Verankerung der Eurogruppe im AEUV).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Euroisierung (euroisation):

1 Die Übernahme des EUR als Währungseinheit durch ein Land, das nicht zur Europäischen Währungsunion gehört. - Vorteile sind

1. die Übernahme einer stabilen Währung,

2. niedrigere Zinsen; denn je grösser ein Währungsraum, desto niedriger werden CETERIS PARIBUS die Zinsen sein,

3. kein Wechselkurs-Risiko und

4. keine Gefahr spekulativer Attacken auf die Währung. - Nachteil ist, dass

5. der entsprechende Staat keine Stimme im EZB-Rat hat und

6. auf Notenbankgewinne (seigniorage; Seigniorage) verzichtet.

2 Wirtschaftssubjekte ausserhalb der Eurozone benutzen zur Zahlung und zu Anlagezwecken nicht die heimische Währung, sondern den EUR. Eine Euroisierung in diesem Sinne ist immer ein Zeichen dafür, dass die Wirtschaftssubjekte der eigenen Währung nicht vertrauen. Allein eine verlässliche Staatsführung und eine streng auf die Erhaltung der Masstabeigenschaft des Geldes ausgerichtete Politik Zentralbank vermögen die Euroisierung aufzuhalten bzw. umzukehren. Auch sehr hohe Strafandrohungen bewirken beim Fehlen dieser Voraussetzungen keine Rückkehr in die heimische Währung.

– Siehe Beitritt, unilateraler, Dollarisierung, Nebenwährung, Parallelwährung.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2006, S. 97 ff. (eingehende Darstellung; S. 108: Übersicht), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2008, S. 31 ff. (Vorteile und Nachteile der EWU für Deutschland).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Euro Interbank Offered Rate, EURIBOR (so auch im Deutschen gesagt):

Durchschnittswert für verschiedene Geldmarktsätze im europäischen Interbankenhandel. - Für diesen melden täglich Banken aus der EU Angebotssätze (Briefsätze) für Ein- bis Zwölfmonatsgelder um 11:00 Uhr Brüsseler Zeit an einen Informationsanbieter (Dow Jones Telerate), welcher nach der Eurozinsmethode die Durchschnittswerte auf fünf Nachkommastellen ermittelt und veröffentlicht.

– Vgl. die Übersicht im Monatsbericht der EZB vom April 2001, S. 21 f. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Euro-Krise und - in der Regel gleichbedeutend - Staatsschuldenkrise (euro crisis, sovereign-debt crisis):

Spätestens im Zuge der Griechenland-Krise in allen Medien 2009 aufgekommene, ständig wiederholte Sprachformel (phrase). Inhaltlich ist damit gemeint, dass die Eurozone wegen der hohen Staatsverschuldung einiger Mitglieder vor Problemen steht, die sich vor allem auf ein mögliches Bailout beziehen. In der breiten Öffentlichkeit indessen verstand man das so, dass der EUR als Zahlungsmittel und vor allem als Wertspeicher nicht mehr verlässlich sei, wiewohl die Kaufkraft des EUR innert des von der EZB gesteckten Rahmens blieb. Das führte vor allem dazu, dass viele private Sparer in Edelmetalle umstiegen, und sich der Goldpreis dadurch beträchtlich erhöhte. - In diesem Zusammenhang wurde an die Suez-Krise 1956 erinnert. Weil der Suez-Kanal (Suez Canal) gesperrt war, befürchtete man eine Verknappung von Öl. Denn zu dieser Zeit kam Rohöl (crude oil) hauptsächlich auf dem Weg durch den Suez-Kanal zu den Raffinerien (refineries) in Europa. Die beständigen Meldungen über einen bevorstehenden Ölmangel führte dazu, dass Privathaushalte in grossem Masse Speiseöl (edible oil) horteten.

– Siehe Angleichungsautomatismus, Binnenflexibilität, Finanzsolidarität.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2012, S. 28 f. (Auswirkung der Euro-Krise auf die Refinanzierungsbedingungen), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 18 ff. (ausführliche Darstellung der Staatsschuldenkrise; viele Übersichten; Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Euro-Krisenfonds (Euro crisis fund):

In der Wirtschaftspresse häufig benutzte Bezeichnung für den Europäischen Stabilisierungsmechanismus (ESM).

– Siehe Stabilisierungsmechanismus, europäischer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Euroland (Euroland):

Gebiet derjenigen EU-Mitgliedstaaten, die den EUR als einheitliche Währung eingeführt haben. Zu Jahresbeginn 2014 sind dies neunzehn der achtundzwanzig EU-Staaten. Der nicht offizielle Ausdruck (Artikel 282 AEUV spricht von Eurosystem) kommt aus dem Englischen, stösst aber vor allem in Frankreich als Germanismus (tournure de phrase particulière à la langue teutonique-prussienne) auf Widerstand.

– Siehe Eurogebiet, Eurogruppe, Euroraum, Eurostaaten, Eurosystem, Euro-Währungsgebiet, Friedman-These.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2008, S. 31 ff. (Zehnjahresrückblick: ausführliche Bilanz).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Euro-Leitkurs (euro central rate):

Der offizielle Wechselkurs der am WKM II teilnehmenden Währungen gegenüber dem EUR. Die Schwankungsbandbreiten des WKM II werden zu beiden Seiten des Leitkurses festgelegt.

– Siehe Wechselkurs, Wechselkursmechanismus II.

– Vgl. die laufenden Werte im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Wechselkurse" im jeweiligen Monatsbericht der EZB.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Euromarkt (Euromarket):

Wenn nicht anders definiert, der gesamthafte Handel in Anleihen unter Banken und emittierenden Institutionen in Europa, also nicht nur innert des Eurogebiets.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Euronext (Euronext):

Im September 2000 errichtete Börsenorganisation, entstanden durch den Zusammenschluss der Kassa- und Terminbörsen der Finanzplätze Amsterdam, Brüssel und Paris. Inzwischen ist der Börsenverbund Euronext um die portugiesische Kassa- und Terminbörse BVLP und die Londoner LIFFE (The London International Financial Futures and Options Exchange) weiter angewachsen. Ein ins Auge gefasstes Zusammengehen mit der Deutschen Börse AG scheiterte bis anhin.

– Siehe Börsenkonzentration, europäische, Karten-Allianz.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2007, S. 69 f. (Geschichte der Euronext; S. 73: Marktkapitalisierung der Euronext).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Euro-Notes (euro notes):

Auf dem Eurogeldmarkt emittierte, kurz- bis mittelfristige Schuldverschreibungen. Diese können in jeder Währung ausgegeben werden (also nicht unbedingt in EUR).

– Siehe Einlagezertifikate, Euro Commercial Paper.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Europa 2020 (Europe 2020):

Von der EU-Kommission 2010 vorgegebene und vom Rat der EU gebilligte Ziele zu Beschäftigung, Klimaschutz, Bildung, Forschung und Armutsbekämpfung. Alle im Einzelnen gesteckten Ziele sind - wenn überhaupt - nur dann erreichbar, wenn die Währungen der Mitgliedsländer stabil bleiben und der Stabilitäts- und Wachstumspakt unbedingt eingehalten wird. Das wird in den bezüglichen Veröffentlichungen in der Regel unterschlagen.

– Siehe Koordination, europäische wirtschaftspolitische, Lissabon-Agenda, Semester, europäisches, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Überalterung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Europa-AG, SE (Societas Europea, SE):

Einheitliche supranationale Rechtsform für solche Unternehmen, die sich in zwei oder mehreren EU-Mitgliedstaaten niedergelassen haben. Die seit Mitte 2005 mögliche SE ist ein einheitlicher Rechtsmantel für AGs mit Sitz in der EU; gleichsam eine Hülle, in der alle nationalen Gesetze weiter gelten, für Banken etwa auch zur Aufsicht. Die SE soll Fusionen über Grenzen hinweg erleichtern. Statt eine Übernahme durch eine ausländische Gesellschaft, kann die Fusion als Verschmelzung auf europäischer Ebene durchgeführt werden.

– Siehe Aussenhandels-Statistik, Bankenaufsicht, europäische, Konzernumsätze.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (European Insurance and Occupational Pensions Authority, EIOPA):

Die Behörde mit Sitz im Frankfurt am Main hat zu Jahresbeginn 2011 ihre Arbeit aufgenommen. Ihr Aufgabengebiet liegt vor allem bei bindenden aufsichtlichen Regeln, eine europaweit einheitliche Aufsichtskultur (supervisory culture), Peer-Reviews und der Abschätzung von Langzeit-Marktentwicklungen (long-term studies of market developments). Interessensgruppen können satzungsgemäss zu jedem Thema der EIOPA gegenüber Stellung nehmen oder Ratschläge erteilen. Zwei ständige derartige Interessensgruppen (interest groups) sind bereits von der EIOPA eingerichtet, die eine für das Versicherungswesen, die andere für die betriebliche Altersversorgung.

– Siehe Aufsicht, europäische, Aufsichtskultur, Banana Skins Survey, Regulierungswut, Straitjacking.

– Vgl. Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 78 f. (Organisation der EIOPA; Aufgabenzuordnung einzelner Ausschüsse), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 66 f. (einheitliche Regeln für die Beaufsichtigung vorgestellt), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 118 f. (Aufgaben und Rechte der EIOPA im Zuge von Solvency-II) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Internationales".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Europäische Bankenaufsichtsbehörde (European Banking Authority, EBA):

Aus dem Committee of European Banking Supervisors zum Jahresbeginn 2011 hervorgegangene gesamteuropäische Aufsichtsbehörde mit gewissen Befugnissen zu Anweisungen auch gegenüber nationalen Aufsichtsbehörden mit Sitz in London. - Die EBA legt grob gesprochen Regeln fest, die von den nationalen Aufsichtsbehörden auszuführen sind. Entgegen einer verbreiteten Meinung bleibt jedoch die Aufsicht über einzelne Institute nach wie vor Angelegenheit der nationalen Aufsichtsbehörden.

– Siehe Abschreckung, aufsichtsrechtliche, Anlegerschutz, Aufsicht, europäische, BaFin-Umlage, Banana Skins Survey, Bankenaufsicht, europäische, Credit Default Swap-Verflechtungen, Harmonisierung, Octopus, Offshore Finanzplätze, Peter-Regel, Regulierungs-Arbitrage, Regulierungswut, Straitjacking, Stress-Test, Subsidiaritätsprinzip. Überregulierung, Aufsicht, europäische.

– Vgl. Geschäftsbericht 2009 der Deutschen Bundesbank, S. 101 f. (Aufgaben der neuen Behörde), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2011, S. 71 ff. (Gliederung; Aufgabenbereiche, Zusammenwirken mit anderen Gremien), S. 95 (Schema der Kooperation zwischen EBAS und EU-Kommission), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 77 f. (Organisation der EBA; Ausschüsse: SCOP, SCREPOL, SCARA und SCFI), S. 155: Finanzbedarf deutscher Institute), Jahresbericht 2012 der BaFin, S 136 f. (Rekapitalisierungs-Umfrage der EBA. sehr hoher Rekapitalisierungsbedarf), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2013, S. 27 f. (Stellung der EBA in der Bankenunion).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Europäische Finanzstabilisierungsfazilität, EFSF manchmal auch Europäischer Stabilisierungsfonds (European Financial Stability Facility, EFSF):

Im Juni 2010 gegründeter und zunächst bis zum Jahr 2013 befristeter Fonds (Zweckgesellschaft, juristisch eine Aktiengesellschaft luxemburgischen Rechts [Société Anonyme]) mit Sitz in Luxemburg), gespeist von den Mitgliedern der Eurozone, aus dem strauchelnde Mitglieder der Gemeinschaftswährung unterstützt werden sollen. Der Fonds finanziert die Darlehn durch die Begebung von Anleihen. Diese Papiere werden von den Euro-Mitgliedstaaten garantiert. Jedes Land verbürgt seinen eigenen Anteil mit 120 Prozent. Anleihen in Höhe von maximal 366 Mia. EUR müssen daher im Umfang von 440 Mia. EUR garantiert werden. Auf Deutschland entfallen vertragsgemäss 211 Mia. EUR. Ziel der Überdeckung (surplus) ist es, dass die Zweckgesellschaft ein möglichst gutes Rating bekommt und damit die Refinanzierungskosten gering sind. - Durch Beschluss der Finanzminister der Eurozone darf der EFSF seit Juli 2011 "in bestimmten Ausnahmefällen" auch Staatsanleihen hochverschuldeter Mitglieder aufkaufen, praktisch also Kredite vergeben. - Die ersten vom EFSF begebenen Anleihen wurden zunächst fast zur Hälfte von asiatischen Investoren - vor allem Staatsfonds, Versicherungen und Pensionsfonds - gezeichnet. Diese halten die Papiere in der Regel bis zur Fälligkeit; europäische und vor allem angelsächsische Zeichner kaufen und verkaufen dagegen in verhältnismässig kurzen Zeitabständen die Titel. Die Meldungen über die Rettungseuropäer veranlassten indessen die asiatischen Käufer, sich bei neuen Tranchen zurückzuhalten. - Die EFSF soll in erster Linie problembehafteten Ländern die nötige Zeit verschaffen, ihre Verschuldung in Ruhe und zu angemessenen Zinsen zu mindern.

1. Dies freilich wird wohl nur gelingen, wenn ein verhältnismässig kleines Mitgliedsland in Zahlungsschwierigkeiten gerät. Der Ausfall eines grossen Landes wie Italien könnte von dem Rettungsschirm nicht verkraftet werden.

2. Der Stabilisierungsmechanismus wurde weithin als sehr bedenklich eingeschätzt, weil er falsche Anreize setzt (Moral Hazard) und kaum dazu beitragen könne, die Staatsfinanzen wieder in Ordnung zu bringen. Denn wie sollte auch ein Land, das nicht in der Lage ist, seine eigene Verschuldung in Grenzen zu halten, beim Zugriff auf das Geld anderer Länder auf einmal sein Verhalten ändern?

3. Auch entsteht ein weiteres Moral-Hazard-Problem. Besteht nämlich ein Krisenmechanismus, der einem Staat im Notfall unter die Arme greift, dann schafft dies falsche Anreize auch für die privaten Gläubiger, vor allem für die Käufer der Staatsanleihen solcher Länder. Eine Beteiligung dieser an der Krisenbewältigung könnte verhindern, dass diese die rentablen - weil im Kurs ja niedrig notierten - Titel kaufen. So bekäme ein bankrotter Staat auch keine weiteren Mittel mehr und sähe sich eher gezwungen, die Ausgaben mit den Einnahmen ins Gleichgewicht zu bringen.

4. Verfassungsrechtlich wurde bemängelt, dass ein Grundrecht der Parlamente in den Geberländern ausgehebelt werde, nämlich genau über die Einnahmen und Ausgaben zu bestimmen. Die immer höher werdenden Garantien für die EFSF machen die laufende Kontrolle der Staatsfinanzen durch das Parlament letztlich unmöglich. In Deutschland wurde deshalb das Bundesverfassungsgericht angerufen, das die Zahlung und Zahlungsversprechen jeder Art (guarantees; Garantien) in die EFSF seitens Bundesregierung von der parlamentarischen Zustimmung abhängig machte.

5. Das alles wiederum führt zu einem Frustrationseffekt (frustration effect) in der Bevölkerung jener Länder, die letztlich über die EFSF andere durchhalten müssen ("Europa – so nicht!"). Denn

6. es wird in der Tätigkeit der EFSF nicht zu Unrecht eine Umgehung der Non-Bail-out-Klausel in Artikel 125 AEUV gesehen, und die EFSF als Körperschaft - einige sprechen gar von Bad Bank - wahrgenommen, die Schulden einzelner Mitglieder zu Schulden aller umwandelt. Einige betrachten die EFSF auch als Strohmann, um endlich den lange begehrten Zugriff der Politik auf die Notenpresse der EZB zu bekommen.

7. Diskussionen um die Einführung eines Hebels - offiziell verschleiernd auch mit "Steigerung der Effizienz von Instrumenten" bezeichnet - erweckten weithin Misstrauen. Denn letztlich bedeutet dies in jedem Fall, dass die EFSF mit zweifelhaften finanztechnischen Tricks oder vagen Versprechen jeden einmal eingenommen EUR mehrmals ausgeben darf.

8. Selbst die beabsichtigte immer weitere finanzielle Aufstockung der EFSF und erst recht nicht dessen Befugnis, Papiere zu emittieren bzw. diese bei der EZB zu beleihen, löst keineswegs die strukturellen Probleme in den Defizitstaaten: es wird auf diese Weise bestenfalls Zeit gekauft. Es müssen aber die Ursachen der Staatsschuldenkrise angegangen, nämlich die längst fälligen Strukturreformen ausgeführt und die Staatsfinanzen auf eine gediegene, haltbare Grundlage gestellt werden. Kritiker nannten die ESFS daher auch eine "hoheitliche Anstalt zur Konkursverschleppung" (public-law institution for the purpose of criminal delaying bankruptcy).

– Siehe Anlegerstreik, Bail-out, Blame game, Erpressungspotential, Euro-Bonds, Europäische Schuldenagentur, Europäischer Stabilitätsmechanismus, Europäischer Währungsfonds, Eventualschuld, EZB-Bilanz, Finanzstabilität, Goldopfer, Griechenland-Krise, Gruppendruck, Haushaltskonsolidierung, Irland-Krise, Japanisierung, Letztsicherungsvorkehrung, Neuro, Politikklammer, Politikverzug, Retterei, Risikoträger, endgültiger, Solidarität, finanzielle, Schattenstaat, Sonderziehungsrecht, Sperrkonto, Staatsverschuldungs-Druck, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Grundfehler, Steuerungsrahmen, Transferunion, Troika, Verschuldung-Produktivität-Verkettung, Vermögensabgabe, Vertragstreue, Vertrauensblase, Wachstum-Schulden-Tatsache, geschichtliche, Wachstumskräfte-Mobilisierung, Zentralbankfutter, Zwangsenteignung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2010, S. 12 f. (Kritik zu den Garantien im Zuge des Europäischen Stabilisierungsmechanismus), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2010, S. 11 f. (entsprechender Hilfe müssen glaubwürdige Konsolidierungsmassnahmen der Problemländer vorangehen), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2010, S. 89 ff. (der EFSM im Geflecht anderer Hilfen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Februar 2011, S. 68 f. und S. 72 f. (Schritte zu einem europäischen Stabilitätsmechanismus), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2011, S. 66 ff. (schwere Bedenken gegen die fortgesetzten Hilfsprogramme), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2011, S. 43 (Aufschläge für Staatsanleihen der Pigs seit 2009), (ausführliche Darstellung der Staatsschuldenkrise; viele Übersichten; Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Europäische Investitionsbank, EIB (European Investment Bank):

Finanzierungsbank der EU mit Sitz in Luxemburg. Ihr Eigenkapital wurde von den Mitgliedsstaaten der EU gezeichnet. Die Bank gewährt Darlehn und Bürgschaften vor allem für Investitionen, die weniger entwickelte Gebiete im Binnenmarkt erschliessen sollen. Die EBI kann zudem Investitionen in Drittländern finanzieren, mit denen die EU Abkommen über wirtschaftliche Zusammenarbeit geschlossen hat. Die nötigen Finanzmittel besorgt sich das Institut durch Anleihen auf den Kapitalmärkten. - Die EIB arbeitet streng nach den Grundsätzen eines normalen Bankbetriebs, jedoch ohne Gewinnerzielung. Seit Juli 2009 ist die EIB als Geschäftspartner für geldpolitische Geschäfte der EZB zugelassen; es gelten für die Bank die gleichen Bedingungen wie für die übrigen Geschäftspartner.

– Siehe Stabilisierungsmechanismus, europäischer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Europäische Rechnungseinheit, ERE (European Unit of Account, EUA):

In ihrer Zusammensetzung und in ihrem Wert eine durch einen Währungskorb definierte Verrechnungseinheit in der damaligen Europäischen Gemeinschaft, 1975 eingeführt. Sie wurde 1981 durch den ECU abgelöst mit der sie im Zeitpunkt des Übergangs in Bezug auf die Festlegung und des Wertes deckungsgleich war. Die ECU wiederum wurde in den EUR überführt.

– Siehe Euro.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Europäische Schuldenagentur (European Debts Agency):

Vorgeschlagene Behörde mit der Aufgabe,

1. die Staatsschulden aller Mitglieder der Europäischen Währungsunion zu verwalten und

2. zudem gemeinsame Staatsanleihen zu begeben, für die alle Mitglieder haften.

– Der EUV sieht eine solche Vergemeinschaftung (communitarisation) nicht vor. Sie wäre nur dann sinnvoll, wenn die Währungsgemeinschaft auch eine gemeinsame Haushaltspolitik und eine gemeinsame Wirtschaftsregierung hätte.

– Siehe Bail-out, Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH, Bundeswertpapiere, Euro-Bonds, Euro-Anleihen, gemeinsame, Gruppendruck, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Vertragstreue.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Europäische Währungsunion, EWU (European monetary union, EMU):

Die Vereinbarung mehrerer europäischer Staaten, eine gemeinsame Währung in Form des Euro (ISO-Code: EUR) einzuführen. Die Währungsunion trat am 1. Jänner 1999 in Form von Giralgeld in Kraft. Nach dreijähriger Übergangszeit wurde der EUR am 1. Jänner 2002 auch in Form von Banknoten und Münzen als offizielles Zahlungsmittel im Eurogebiet eingeführt. – Nach zwölf Jahren EWU hat sich gezeigt, dass sich die zu grossen Unterschiede in den gemäss Vertrag ja den einzelnen Regierungen überlassenen Feldern Wirtschafts- und Finanzpolitik kaum angleichen lassen. Mehr und mehr wurde die EZB damit befasst, eingetretene zerstörerische Fehlentwicklungen (Griechenland-Krise, Irland-Krise) zu meistern. Hilfspakte wie die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität und der Europäische Stabilitätsfonds mussten von der Gemeinschaft geschnürt werden. So gilt es viel Tatkraft von Gremien aller Art und darüber hinaus auch viel Geld einzusetzen, um die EMU zusammenzuhalten. Das alles könnte erheblich nutzbringender eingesetzt werden, um die Produktivität (productivity: Verhältnis von Faktoreinsatz zu Leistung) des Wirtschaften in den Mitgliedsstaaten und damit die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in der EWU zu stärken. - Andererseits hat sich vor allem gelegentlich der Griechenland-Krise deutlich gezeigt, dass die politische Entscheidungsfindung in der EWU mit ihren siebzehn Mitgliedsstaaten viel zu schleppend ist. Hier wird allenthalben eine grundlegende Verbesserung angemahnt. Gelegentlich des Beitritts von Lettland zur EWU zu Jahresbeginn 2014 sollten ursprünglich entsprechende Vorschläge umgesetzt werden, was jedoch nicht geschah.

– Siehe Abwertung, fiskalische, Angleichungsautomatismus, Angst, perverse, Anleihe-Spread, Disfunktionalität, währungsraumbezogene, Eilbeitritt, Erpressungspotential, Eurogebiet, Europäische Währungsunion, Grundfehler, Euroraum, Euro-Währungsgebiet, Eurostaaten, Eurozone, EWU-Sprengsatz, EZB-Sündenfall, Fiskalpakt, Friedman-These, Geldvermehrung, währungsunion-interne, Griechenland-Krise, Gruppendruck, Münzunion, lateinische, Münzunion, skandinavische, Opting-out-Vereinbarung, Plan C, Präklusivtermin, Quantitative Easing, Rahmenwerk für die Bonitätsbeurteilungen, Rechnungseinheit, europäische, Rückkehr-Ideologie, Semester, europäisches, Sperrkonto, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Ungleichgewichte, EWU-interne, Währungsraum, optimaler, Transferunion, Umverteilung, zentralbankbewirkte.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2011, S. 95 ff. (zur Aussenvertretung der EWU; zur internationalen Zusammenarbeit; Rechtsquellen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Februar 2012, S. 18 f. (Drei-Phasen-Betrachtung; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Februar 2013, S. 66 f. (Beschlüsse zur Vertiefung der EWU), Monatsbericht der EZB vom August 2013, S. 16 f. (zum Beitritt Lettlands), Monatsbericht der EZB vom Mai 2014, S. 93 ff. (unterschiedliche sektorale Entwicklung in der EWU seit 2008; Übersichten; Vergleiche zu den USA; Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Europäische Währungsunion, Grundfehler (EMU constructional fault):

Der entscheidende Konstruktionsfehler der EWU wird darin gesehen, dass Mitgliedsstaaten ihr Haushaltsdefizit anderen Mitgliedern hintenherum, verdeckt und unauffällig aufbürden können. Das geschieht auf folgendem Weg.

1. Mitglieder, die sich höhere Ausgaben leisten, als sie durch Steuern einnehmen, begeben für den Fehlbetrag Staatsanleihen.

2. Einen Gutteil dieser Papiere kaufen Banken, weil sie diese bei der EZB als Sicherheit für neue Kredite hinterlegen können.

3. Haben die Banken die Staatsanleihen hinterlegt und dafür einen Zentralbankkredit erhalten, so erhöht sich die Geldmenge in der EWU gesamthaft.

4. Steigt aber die Geldmenge, so erhöhen sich CETERIS PARIBUS über kurz oder lang auch die Preise, und zwar über das gesamthafte Eurogebiet hinweg.

– Auf dieser Schiene kann ein Mitglied seine Schulden bequem über die gemeinsame Währung auf alle anderen Mitglieder abwälzen, ohne gezwungen zu sein, die Ursachen des Haushaltsdefizits unmittelbar mit Massnahmen der Wirtschaftspolitik angehen zu müssen. Auch Politiker können so ungehemmt Wahlgeschenke zu Lasten aller Mitglieder der EWU verteilen (can distribute campaigns goodies uninhibited to the disadvantage of all citizens of the EMU, as indeed it was and is until now the case). - Diese verhängnisvolle Verkettung (fatal concatenation) könnte nur gebremst werden, wenn

1. Banken, so wie im Falle der Griechenland-Krise, durch erzwungenen Schuldenschnitt (forced haircut) Verluste erleiden und sich beim Kauf von Staatsanleihen wackeliger Mitglieder zurückhalten; das aber geschieht kaum, solange diese Verluste steuersparend abgeschrieben (could depreciated tax saving) und damit letztlich wieder auf andere überwälzt werden können,

2. Rating-Agenturen diese Staatsanleihen auf Ramschniveau (junk status) herabstufen - was ihnen bis anhin dann sofort die Schelte vieler Politiker, der EU-Kommission benebst wüster Drohungen (violent threats, culminating in warning to be banned) eintrug: die Wut richtet sich bildlich gesprochen auf das Thermometer anstatt auf das Fieber - und die EZB dadurch gezwungen ist, einen hohen Sicherheitsabschlag anzusetzen,

3. die EZB solche letztlich wertlose Staatsanleihen überhaupt nicht mehr hereinnähme und damit dem hoch verschuldeten Mitglied den Geldhahn zudrehte (cuts off the flow of money), was sie aus politischen Gründen und wegen des Gruppendrucks im EZB-Rat nicht kann.

– Es ist mithin ein Irrtum zu behaupten, erst durch den Ankauf von Staatsanleihen wackeliger Mitglieder habe die EZB Krisenstaaten finanziert: das geschah auf dem beschriebenen Weg schon lange zuvor. Ohne die EZB hätte Griechenland nicht einen derart hohen Schuldenberg auftürmen können, und dasselbe gilt für Zypern oder Spanien und Portugal.

– Siehe Angst, perverse, Aufkäufe, zentralbankliche, Bail-out, Demokratie-Defizit, Downrating, Enteignung, kalte, EWU-Sprengsatz, EZB-Sündenfall, Fragmentierung, Goldopfer, Gruppendruck, Japanisierung, Moral Hazard, Niedrigzinspolitik, Perpetuum Mobile, Rechnung, Renationalisierung, Schrottpapiere, Schuldendroge, Schuldenunion, Schuldentilgungspakt, Staatshaftung, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Südfront, Transferunion, Umverteilung, zentralbankbewirkte, Verfassungsartikel eins, Vertragstreue, Wachstum-Schulden-Tatsache, geschichtliche, Weginflationierung, Zwangsenteignung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Europäische Zahlungsunion, EZU (European Payment Union, EPU):

Im Jahr 1950 gegründete Institution mit Sitz in Paris, deren Hauptziel der möglichst rasche Übergang der beteiligten Währungen zur Konvertibilität war; was bereits 1958 gelang. Ein wichtiger Schritt dazu war das multilaterale Clearing. Die technische Abwicklung lag bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. Die USA unterstützten die EZU durch die grosszügige Bereitstellung (generous supply) von 350 Mio USD.

– Siehe ECU, EWR, Rechnungseinheit, europäische.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Europäische Zentralbank, EZB (European Central Bank, ECB):

Die 1998 gegründete und für das Euro-Währungsgebiet zuständige Zentralbank mit Sitz in Frankfurt am Main. Die EZB ist eine supranationale Institution mit Rechtspersönlichkeit; sie zählte 2008 zum Jahresende 1'536 Mitarbeiter. - Durch den Lissabon-Vertrag (Artikel 13 EUV, Artikel 282 AEUV) wurde die EZB zu einem Organ der EU. Bis anhin hatte sie die Rechtsstellung einer Einrichtung eigener Art, war also nicht EU-Organ. Anders als die übrigen EU-Organe (Europäischer Rat, Ministerrat, Europäische Kommission, Europäisches Parlament, Europäischer Gerichtshof, Europäischer Rechnungshof) verfügt die EZB selbst jedoch nach wie vor über eine eigene Rechtspersönlichkeit. Sie steht auch in keiner Beziehung zum EU-Haushalt, sondern bezieht ihre finanziellen Mittel von den nationalen Zentralbanken. Diese sind auch die Eigener des Kapitals der EZB; sie bestimmen über die Verwendung ihres Gewinns und tragen allfällige Verluste. Infolgedessen ist auch (Artikel 340 AEUV) eine Amtshaftung der EU für die EZB ausgeschlossen.

– Siehe EZB, Sitzordnungsstreit. Geldverleiher letzter Instanz.

– Vgl. den jeweiligen Jahresbericht der EZB und dort zur betrieblichen Seite den Abschnitt "Jahresabschluss der EZB" sowie hinsichtlich der Rechtsakte den Abschnitt "Rechtsinstrumente der EZB".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Europäischer Abwicklungsfonds (single resolution fund):

Von der EU-Kommission in Verbindung mit der Einrichtung zur Bankenabwicklung geplantes Sondervermögen, aus dem zahlungsunfähige Institute gespeist werden sollen. Ein solcher Fonds zielt auf eine Umverteilung der Risiken zwischen den Banken der Mitgliedsstaaten und ihren Aktionären und vor allem auch ihren Einlegern - also den Sparern - ab.

– Siehe Bailout, Bankenunion, Bankenrettung, Erpressungspotential, Letztsicherungsvorkehrung, Moral Hazard, Retterei, Vertragstreue, Zombiebank.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Europäischer Pass (European banking passport):

Wertpapier-Dienstleistungsunterneh¬men erhalten den 1996 eingeführten Europäischen Pass aufgrund der Zulassung in ihrem Herkunftsland. Damit können sie Niederlassungen in einem anderen EU-Mitgliedstaat oder EWR-Vertragsmitglied gründen oder dort grenzüberschreitend ihre Dienstleistungen anbieten, ohne ein gesondertes Zulassungsverfahren im Aufnahmeland durchlaufen zu müssen. Bis auf wenige Ausnahmen werden die Unternehmen vom Herkunftsland aus beaufsichtigt, das heisst, sie müssen lediglich ein Anzeigeverfahren (Notifizierung) durchlaufen.

– Siehe Bankenaufsicht, europäische, Kreditinstitut, grenzüberschreitend tätiges.

– Vgl. Jahresbericht 2001 des Bundesaufsichtsamts für den Wertpapierhandel, S. 45; Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2002, S. 20; Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 59 f., S. 85, Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 58 f., Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 171 f. (Statistisches), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 196 (Emittenten aus dem europäischen Ausland lassen ihre Prospekte auch in Deutschland notifizieren; Certificates of Approval der BaFin), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 214 f. (Europäischer Pass wird weniger genutzt) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Rubrik "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Europäischer Rat (manchmal auch: Ausschuss) für Systemrisiken kurz oft nur Risikorat (European Systemic Risk Board, ESRB):

In der Folge der sich zur Finanzkrise ausgeweiteten Subprime-Krise im Jahr 2010 gegründeter Ausschuss mit dem Ziel, Systemrisiken frühzeitig zu erkennen; vor allem auch spekulative Blasen beizeiten aufzuspüren. Im einzelnen soll der Rat

1. Risiken für die Stabilität des Finanzsystems der EU ermitteln,

2. deren allfällige Auswirkung bewerten und

3. entsprechende Risikowarnungen aussprechen, wenn Systemrisiken als bedrohlich angesehen werden.

4. Zudem wird der ESRB die Massnahmen zur Umsetzung seiner Warnungen überwachen; für die Umsetzung selbst aber bleiben weiterhin die nationalen Regierungen bzw. Aufsichtsbehörden und zuständig. Das heisst genauer, dass der ESRB zwar Empfehlungen und Warnungen verlautbaren kann, ihm aber die geeigneten Mittel zur Durchsetzung fehlen.

– Der Rat ist bei der EZB angesiedelt, verfügt dort über einen eigenen Mitarbeiterstab und nahm seine Arbeit Anfang 2011 auf.

– Siehe Aufsicht, makroprudentielle, Ausschuss-Wahn, Bankenaufsicht, europäische, Bankenunion, Blase, spekulative, Credit Default Swap-Verflechtungen, ESZB-Netzwerk für makroprudentielle Forschung, Europäisches System der Finanzaufseher, Finanzmarktstabilität, Finanzstabilitätsforum, Finanzstabilitätsrat, Leaning against the wind, Risiko, systeminhärentes, Subsidiaritätsprinzip.

– Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 47 (Aufteilung der Zuständigkeiten), Jahresbericht 2009 der EZB, S. 149 ff. (Vorstellung des ESRB), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2010, S. 56 f. (Vorstellung des Rates; Organisationsfragen, allfällige Konflikte), Geschäftsbericht 2010 der Deutschen Bundesbank, S. 100 (Aufgaben und Gliederung des ESRB), Jahresbericht 2010 der EZB, S. 184 ff. (eigenes Kapitel über die Beziehungen der EZB zum ESRB; in den Anmerkungen Hinweis auf die entsprechenden Rechtsquellen), Finanzstabilitätsbericht 2011, S. 76 ff. (ESRB und makroprudentielle Überwachung; Abstimmungsfragen), Jahresbericht 2011 der EZB, S. 127 ff. (Aufgaben in Zusammenhang mit dem ESRB; Rechtsquellen), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 81 (die BaFin ist in dem Gremium vertreten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2012, S. 36 f. (Organisation des ESRB; comply-or-explain-Mechanismus), Jahresbericht 2012 der EZB, S. 128 f. (laufende Arbeiten des ESRB), Monatsbericht der EZB vom Februar 2013, S. 106 f. (Aufzählung der Systemrisiken), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2013, S. 30 (die Stellung des ESRB in der Bankenunion).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Europäischer Rechnungshof, EuRH, in der Selbstbezeichnung auch lateinisch Curia Rationum, wobei curia = Amt, rationum = der Revisionsangelegenheiten (European Court of Auditors):

Behörde der EU mit Sitz in Luxemburg mit der Aufgabe, die Rechtmässigkeit und die ordnungsgemässe Verwendung der Einnahmen und Ausgaben sämtlicher Dienststellen der EU zu prüfen. Darunter fällt auch die Revision des Haushalts der EZB; die entsprechenden Prüfberichte werden veröffentlicht. Die gerügten EU-Verwaltungen - so auch die EZB - geben meistens öffentliche Stellungnahmen zu den Prüfberichten ab. - Anfang 2009 beschäftigte der EuRH über 700 Mitarbeiter aus allen EU-Staaten.

– Siehe Europäisches Amt für Betrugsbekämpfung, Rechnungshof.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, EBWE (European Bank for Reconstruction and Development, EBRD):

Im Jahr 1991 nach der Auflösung der Ostblockstaaten (countries of the former Eastern Bloc) gegründetes Institut. Ihr Geschäftsziel ist es, Länder in Mitteleuropa, Osteuropa und in der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (Commonwealth of Independent States, CIS)) beim Übergang von der Planwirtschaft zur Marktwirtschaft zu unterstützen. Ein Schwerpunkt sind branchenspezifische Reformen (sectoral reforms) sowie die Förderung des Wettbewerbs, der Privatisierung sowie die Heranbildung von selbständigen Unternehmern. Die Bank trägt vor allem durch Darlehn, Beteiligungen und Garantien zu diesem Ziel bei. Das Institut firmiert als Aktiengesellschaft mit Sitz in London. Aktionäre der EBWE sind über 60 Länder und zwei zwischenstaatliche Einrichtungen. - Das Ansehen der EBWE in der Finanzwelt ist nicht gerade hoch. Die Bank wurde als Unterschlupf für ausgemusterte nationale Politiker (ideal refuge [even: dumping ground] for discharged politicians from member states) bezeichnet. Die Selbstdarstellung der EBWE im Internet ist zweifelsohne hervorragend. Verschwiegen wird aber unter anderem, dass im Jahr 2008 das Jahressalär des Präsidenten 428'000 EUR zuzüglich Dienstwohnung in London sowie Dienstwagen mit Chauffeur betrug. Das entspricht grob dem Doppelten der Bezüge der deutschen Bundeskanzlerin im gleichen Jahr.

– Siehe Wiener Initiative.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Europäischer Währungsfonds, ELF (European Monetary Fund, ELF):

Angesichts der vor allem auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise bei EU-Mitgliedsländern aufgetretenen Schwierigkeiten - Island als Mitglied des Europäischen Wirtschaftsraums musste vom Staatsbankrott durch den Internationalen Währungsfonds gerettet werden; Griechenland war im Frühjahr 2010 nur mit Hilfe der Mitglieder des Eurogebiets und des Internationalen Währungsfonds vor dem Staatsbankrott zu retten - schlug man vor, eine dem Internationalen Währungsfonds ähnliche Instanz für Europa zu errichten, und zwar zunächst vielleicht einmal erst für die Eurozone, dann auch für die EU gesamthaft. - Der Vorteil wird darin gesehen, dass - anders als die EU-Kommission - der ELF ernsthaft mit finanziellen Sanktionen drohen (could impose financial sanctions) und so überfällige Strukturreformen (overdue structural reforms) bei Problemmitgliedern erzwingen könnte. Der Internationale Währungsfonds zog bisher immer seine finanziellen Hilfen ohne Rücksicht auf Verluste (regardless of the consequences) zurück, wenn Regierungen vorgeschriebene Wirtschaftsreformen verweigerten. Ähnlich schonungslos sollte auch der ELF vorgehen können. Die EU würde sich mit dem ELF klare Spielregeln für das Management einer Krise geben. An den Finanzmärkten wüsste jeder, was zu erwarten ist. Damit könnte man sich vor spekulativen Angriffe bei weitem besser schützen als mit hastig zusammengestellten Hilfspakten für Krisenstaaten. - Auf der anderen Seite aber legt der EU-Vertrag unmissverständlich fest, dass jedes Land für seine Schulden selbst haftet. Für Schuldnerstaaten ist vertraglich ein Defizitverfahren (excessive deficit procedure) vorgesehen, das es streng auszuführen gilt. Der EWU wird von Kritikern als verkappter Start eines europäischen Finanzausgleichs (inter-European fiscal equalisation scheme) gesehen. Das käme sehr teuer, weil so falsche Anreize gesetzt werden, und die Defizitstaaten im Vertrauen auf Hilfe der Gemeinschaft ihr Verhalten kaum ändern würden (Moral-Hazard-Problem). Denn sie könnten darauf bauen, dass es einen Geldpool gäbe, bei dem sie sich in Schwierigkeiten bedienen können. Letztlich hätten dann die Steuerzahler in Ländern mit Haushaltsdisziplin dafür einzustehen, wenn andere Völker über ihre Verhältnisse leben. Das könnte neben ökonomischen Schäden auch verheerende Folgen (devastating effects) für die Zustimmung zur EU in der Bevölkerung haben ("Europa – so nicht!"); zumal dann, wenn das Bail-out eine Frage des politischen Erpressungsvermögens (potential of national blackmailing) und der Gewaltbereitschaft der Strasse (Aufmärsche, Krawalle und Generalstreiks im hochverschuldeten Griechenland 2010 gaben einen Vorgeschmack) wird. - Es bedarf also ersichtlich keiner neuen Behörde, sondern einer genauen Einhaltung des Stabilitäts- und Wachstumspaktes. Denn sonst ist die Gefahr zu gross, dass für Schuldenländer in der Eurozone alle Dämme brechen. Zudem wäre verfassungsrechtlich der EWF ein weiterer Verschiebebahnhof, auf dem die Exekutive ohne Kontrolle durch die Legislative die Weichen stellen kann. Dass gar noch die von der Deutschen Bundesbank verwalteten deutschen Goldreserven in einen EWF eingebracht werden sollten, deutet unmissverständlich auf eine gemeinsame Lastenverteilung hin, die im EU-Vertrag ausdrücklich ausgeschlossen wurde. - Viele sehen freilich in der Gründung des Europäischen Stabilitätsmechanismus den Europäischen Währungsfonds im Wesentlichen bereits eingerichtet.

– Siehe Angst, perverse, Aufkäufe, zentralbankliche, Bail-out, Blame game, ClubMed, Defizit-Finanzierungsverbot, Euro-Anleihen, gemeinsame, Europäische Finanzstabilisierungsfazilität, Europäische Währungsunion, Grundfehler, EZB-Sündenfall, Goldreserven, deutsche, Griechenland-Krise, Gruppendruck, Hellenoschwärmerei, Islandbanken-Falle, Letztsicherungsvorkehrung, Lohnpolitik, koordinierte, Moral Hazard, Politikklammer, Politikverzug, Retterei, Risikoträger, endgültiger, Rückkopplungs-Mechanismus, Schattenstaat, Siebenprozent-Grenze, Solidarität, finanzielle, Sperrkonto, Staatsverschuldung, Wirkungen, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Transferunion, Umverteilung, zentralbankbewirkte, Vermögensabgabe, Verschuldungsanreiz, Vertragstreue, Wachstum-Schulden-Tatsache, geschichtliche, Wirtschaftsregierung, europäische, Zombiebank, Zwangsenteignung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2010, S. 11 f. (Krisenbewältigungs-Mechanismen müssen sich auf glaubwürdige Konsolidierungsanstrengungen in Schuldnerstaaten stützen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2013, S. 71 ff. (neue Entscheidungen zu Defizitverfahren).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Europäischer Wertpapier-Ausschuss (European Securities Committee, ESC):

Im Jahr 2002 eingesetztes Gremium der EU unter Vorsitz der Europäischen Kommission, das sich mit wertpapieraufsichtsrechtlichen Fragen befasst.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2002, S. 71.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Europäischer Wirtschaftsraum, EWR (European economic area):

Die achtundzwanzig EU-Staaten sowie Island, Norwegen und Lichtenstein. Die Schweiz hat einen Beobachtungsstatus in den EWR-Gremien.

– Siehe EWR-Länder, Wirtschaftsraum.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Europäischer Zahlungverkehrsrat (European Payments Council, EPC):

Im Sommer 2002 von der europäischen Kreditwirtschaft eingerichtetes Gremium mit dem Ziel, die Errichtung eines einheitlichen europäischen Zahlungsraums zu fördern. Eingerichtet wurde vom Zahlungsrat ein gemeinsamer Überweisungsstandard "Credeuro" sowie "Interbank Charging Principles". - Die Arbeit des Zahlungsverkehrsrates ging in 2010 in den SEPA-Rat ein.

– Siehe Clearing-Haus, automatisches, Single European Payment Area.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2005, S. 33 f. (S. 34: Organisationsplan des Rates), Monatsbericht der EZB vom Januar 2012, S. 83 (Erarbeitung weiterer Standards).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Europäisches Amt für Betrugsbekämpfung (European Anti-Fraud Office, OLAF):

1999 eingerichtete Behörde der EU mit Sitz in Brüssel, die allfällige Unregelmässigkeiten bei allen Organen der Gemeinschaft aufdecken soll. Sie hat weitreichende Vollmachten und darf nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom Juli 2003 auch bei der EZB jederzeit unangemeldet Prüfungen durchführen. Damit ist es möglich, über die OLAF politischen Druck auf die EZB auszuüben.

– Siehe Europäischer Rechnungshof.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Europäisches Finanzministerium (European Ministry of Finance):

Anfang Juni 2011 wurde dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, in Aachen der Internationale Karlspreis (Charlemagne Prize) verliehen. In seiner Dankesrede brachte er den Vorschlag einer Vergemeinschaftung der Finanzpolitik in Form eines unabhängigen Europäischen Finanzministeriums ein. Dieser Gedanke wurde von der Wissenschaft weitgehend begrüsst. Denn dies wäre ein Weg, gegen den schleichenden Zerfall der EU durch Staaten, die überfällige Strukturreformen verweigern und die Staatsfinanzen im Vertrauen auf die Hilfe der Gemeinschaft aus dem Ruder laufen lassen. - Die Politiker fast aller Parteien und ein Grossteil der Presse lehnten den Vorschlag ab, weil man nicht weniger Nationalstaat und mehr Europa möchte. Auch eine Zentralisierung der Haushalts- und Finanzpolitik zunächst innert der Euro-Staaten stiess auf Ablehnung der Politiker. Denn hier wurde wohl zurecht vorgetragen, dass ohne parlamentarischer Kontrolle (no taxation without representation) die Ausgaben leicht ins Uferlose anschwellen könnten; ganz abgesehen davon, dass es hierdurch zu einer tiefen Spaltung der EU kommen würde. Endlich wurde aber auch befürchtet, dass ein europäisches Finanzministerium darauf dringen werde, europäische Steuern einzuführen, um eine eigene Verschuldungskompetenz (competence to determine debt levels) zu erhalten.

– Siehe Angleichungsautomatismus, Bail-out, Franc fort, Monsieur, Griechenland-Krise, Haushalts-Vorabstimmung, europäische, Irland-Krise, Rückkehr-Ideologie, Semester, europäisches, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Steuerungsrahmen, Vertragstreue, Währungsunion 2.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Europäisches Forum zur Sicherheit von Massenzahlungen (European Forum on the Security of Retail Payments, SecuRePay):

Bei der EZB angesiedeltes Gremium, entstanden aus einer freiwilligen Zusammenarbeit zuständiger Behörden des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR), die insbesondere für die Aufsicht über Zahlungsdienstleister und die Zahlungsverkehrsüberwachung verantwortlich sind. Der Ausschuss wurde mit dem Ziel gegründet, den allgemeinen Wissensstand über die Sicherheit elektronischer Zahlungsverkehrsdienste zu fördern und entsprechende Empfehlungen abzugeben.

– Siehe Counterfeit Card, Geld, elektronisches, Kartenbetrug, Zentralbank-Arbeitsgruppe für die Fälschungsbekämpfung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Europäisches System der Finanzaufseher [auch: der Finanzaufsicht] (European System of Financial Supervisors, ESFS):

Im Zuge der Bewältigung der zur Finanzkrise gewordenen Subprime-Krise im Dezember 2009 eingerichtetes Gremium mit dem Ziel, die Arbeit der nationalen europäischen Aufsichtsbehörden für den Wertpapier-, Versicherungs- und Bankensektor enger aufeinander abzustimmen. Das ESFS hat zu Jahresbeginn 2011 seine Arbeit aufgenommen.

– Siehe Ausschuss-Wahn, Bankenaufsicht, europäische, Europäischer Rat für Systemrisiken.

– Vgl. Geschäftsbericht 2009 der Deutschen Bundesbank, S. 101 f. (Gründung; Aufgaben), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 46 (Zuordnung einzelner Gremien), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 61 f. (die L3-Gremien nehmen ihre Arbeit auf), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2011, S. 90 f. (Vorstellung des ESFS; Aufgabengliederung in Übersicht), Jahresbericht 2011 der Deutschen Bundesbank, S. 96 f. (Organisatorisches; Verhältnis zu nationalen Aufsichtsbehörden), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2012, S. 31 (Organisatorisches).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Europäisches System der Zentralbanken, ESZB (European System of Central Banks, ESCB):

Europäische Zentralbank und die Nationalen Zentralbanken aller Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Es umfasst also neben den Mitgliedern des Eurosystems auch die Nationalen Zentralbanken jener Mitgliedstaaten, welche den EUR (noch) nicht eingeführt haben. - Wenn von der (praktischen) Geldpolitik des ESZB gesprochen wird, bezieht man dies aber (in der Regel!) auf das Eurosystem.

– Siehe Sitzordnungsstreit, Subsidiaritätsprinzip.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juli 1999, S. 59.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Europäisches System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen, ESGV (European System of Accounts, ESA):

Regelwerk für die statistische Erfassung und Zuordnung der gesamtwirtschaftlichen Bestands- und Stromgrössen. Durch Verordnung (ordinance) der EU ist diese statistische Nomenklatur innert der EU gesamthaft verbindlich anzuwenden. Das Statistische Amt der Europäischen Gemeinschaften hat zu der jetzt gültigen Regeln (EAS 95) in einem Methodenband ausführliche Hilfen und Erläuterungen veröffentlicht.

– Siehe International Accounting Standards, International Financial Reporting Standards, Eurostat.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2001, S. 42 ff. (Problemen der Statistik im Eurogebiet).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Europäisches Währungsinstitut, EWI (European Monetary Institute, EMI):

Behörde, errichtet am 1. Jänner 1994 mit Beginn der zweiten Stufe der Wirtschafts- und Währungsunion mit Sitz in Frankfurt am Main und unter der Leitung des belgischen Finanzfachmanns Baron Alexandre Lamfalussy. Die beiden Hauptaufgaben des EMI waren:

1. engere Verzahnung der nationalen Zentralbanken, vor allem die Abstimmung ihrer Geldpolitik, sowie

2. Durchführung der Vorarbeiten für die Errichtung des Europäischen Systems der Zentralbanken.

– Nach erfolgreicher Erledigung beider Hauptaufgaben wurde das EWI am 1. Juni 1998 aufgelöst. Die Mitarbeiter wurden grösstenteils in die EZB übergeleitet.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Europäisches Währungssystem, EWS (European Monetary System, EMS):

Internationaler Währungsverbund, im März 1979 in Kraft getreten. Im Mittelpunkt des EWS stehen

1. die Festsetzung der Leitkurse und

2. die Bandbreite der Kursschwankungen der einzelnen Währungen.

– Nach der am 1. Januar 1999 erfolgten Einführung des EUR regelt nun das EWS (oft "EWS-2" genannt) die Wechselkursgestaltung zwischen dem EUR und den Währungen der meisten derjenigen Länder, die zwar Mitglied der EU sind, nicht aber dem Eurosystem angehören.

– Siehe Anlage-Umschichtungen, wechselkursbestimmte, Währungsschlange, Wechselkursmechanismus II.

– Vgl. die laufenden Werte im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Wechselkurse" im jeweiligen Monatsbericht der EZB.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Europayer (europayer):

Nach 2010 aufgekommene Bezeichnung für jene Staaten der EWU, die für andere Mittglieder entgegen der ursprünglichen Vereinbarungen für deren Schulden haften und schliesslich zahlen müssen. Erreicht wird dies letztlich durch ein sehr hoch aufgeladenes Erpressungspotential (blackmail potential, potential for exerting pressure). Es wird vor Augen gestellt, dass bei Versagung von Hilfe die Verweigerer höhere Lasten zu tragen hätten, als wenn sie jetzt Kaufkraft in die hoch verschuldeten Länder übertragen. - Im Finanzjournalismus wurde in diesem Zusammenhang das Schlagwort "Europa der Bürgen" (Europe of guarantors) anstatt "Europa für Bürger " (Europe of citizens) geprägt.

– Siehe Angst, perverse, Aufkäufe, zentralbankliche, Bailout, Bilanzbereinigung, Blame game, Blutzoll, Buyer of last resort, ClubMed, Defizit-Finanzierungsverbot, Defizitquote, Ein-Stimmen-Prinzip, Erpressungspotential, Europäische Schuldenagentur, Europäische Währungsunion, Grundfehler, Europäisches Finanzministerium, EWU-Sprengsatz, EZB-Sündenfall, EZB-Unabhängigkeit, Fiskalpakt, Friedman-These, Frühwarnrecht, Geldkuh, Geldpolitik, Gruppendruck, Haushalts-Vorabstimmung, europäische, Moral Hazard, Politikverzug, Repräsentationsproblem, Schuldenclub, Schuldenquote, Solidarität, finanzielle, Staatsschulden-Rückführung, Staatsverschuldungs-Druck, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Grundfehler, Schuldendroge, Solidarität, finanzielle, Steuerungsrahmen, Südfront, Tragfähigkeit öffentlicher Finanzen, Transferunion, Ungleichgewichte, EWU-interne, Wettbewerbs-Status, internationaler, Währungsunion 2, Wirtschaftspolitik, europäische, Zahlmeister, Zinsglättung.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Oktober 2012, S. 7 ff. (argumentativ fragwürdige Verteidigung der Geschäfte der EZB als Buyer of last resort), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2012, S. 27 f. (eine Zentralbank darf keine "quasi-fiskalische Rolle" einnehmen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

European Economic Network, Eurem (so auch im Deutschen gesagt):

Verbund führender europäischer Wirtschafts-Forschungsinstitute, die regelmässig einen viel beachteten Konjunktur-Bericht herausgeben. In diesem wird auch - oft abweichend von der Einschätzung der EZB - der Stand und die Entwicklung des Finanzsektors beurteilt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

European Financial Services Round Table, EFR (so auch im Deutschen gesagt):

Von den grossen Banken und Versicherungen in der EU im Jahr 2001 eingerichtetes Beratungsgremium mit dem hauptsächlichen Ziel, einen einheitlichen europäischen Finanzmarkt zu schaffen. Das Sekretariat des Gremiums befindet sich Brüssel.

– Siehe Cassis-de-Dijon-Urteil, Regime 26.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

European Master Agreement, EMA (so auch im Deutschen gesagt):

Einheitliche europäische Grundform für Rahmenverträge zu fast allen Geschäften auf dem Finanzmarkt, entwickelt von den Spitzenverbänden der Kreditwirtschaft in Europa. Das EMA liegt in nahezu allen Amtssprachen der Europäischen Union vor.

– Siehe Legal Opinion.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

European Supervisor Education Initiative, ESE (so auch im Deutschen):

In aufeinander abgestimmten Einzelkursen aufgebautes Weiterbildungsprogramm für das Personal der europäischen Aufsichtsbehörden (the primary intention is combining knowledge and experience of practitioners and researchers to instruct European supervisors of banks, insurance companies and other actors in financial markets). Gründungsmitglieder der Initiative waren die Deutsche Bundesbank, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, die Oesterreichische Nationalbank sowie die Goethe Business School, das Zentrum für Führungskräfteentwicklung der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Die Kurse finden regelmässig in Frankfurt am Main statt.

– Siehe Absorptionsfähigkeit, Centre of Excellence, Forschung, Forschungsnetzwerk zur Inflationspersistenz und Preissetzungsverhalten, Forschungs-Partnerschaft, Internationales Forschungsforum zur Geldpolitik, Kompetenz-Zentrum, Research Coordination Committee.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Europhobie (europhobia):

Die krankhafte Ablehnung des EUR als Zahlungsmittel; die im Innern einer Person verankerte, sachlich kaum nachvollziehende Weigerung, den EUR als Geld anzuerkennen. Vorzufinden ist diese Haltung in Gruppen vor allem in Deutschland, die sich in Internet-Foren austauschen, und die in diesem Zusammenhang zumeist für die Wiedereinführung der DEM werben. - Der Europhobie sind jene Personen beizuzählen, die von der EZB herausgegebene Banknoten als Zeichen einer bösen Macht (evil power) betrachten, und in einzelnen Gestaltungsmerkmalen der Scheine allerlei Geheimzeichen zu entdecken glauben (belief to detect various - mostly diabolical - secret signs).

– Siehe Chremaphobie, Europayer, Finanzforen, Finanzpsychologie, Geldeuropäer, Geldpsychologie, Rückkehr-Ideologie, Shitstorm, Teuro, Verschwörungstheorien.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Euro-Plus-Paket, EPP (Euro-plus-package, EPP):

Im März 2011 vom Europäischen Rat verabschiedete Leitlinien mit dem Ziel, eine Abstimmung in den Bereichen Soziales, Besteuerung und Haushaltspolitik zu erreichen. Verbindliche Empfehlungen oder gar Sanktionen sind darin nicht vorgesehen.

– Siehe Disfunktionalität, währungsraumbezogene, Fiskalpakt, Semester, europäisches Stabilitäts- und Wachstumspakt, Ungleichgewichte, EWU-interne, Wachstumsförderung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2011, S. 53 ff. (Vorstellung des EPP).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Euroraum (euro area):

Gebiet derjenigen EU-Mitgliedstaaten, die den EUR als einheitliche Währung eingeführt haben.

– Siehe Eurogebiet, Eurogruppe, Euroland, Eurostaaten, Eurosystem, Euro-Währungsgebiet, Wirtschaftspolitik, europäische.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 1999, S. 33.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Euro-Referenzkurs (euro reference quotation):

Von der EZB arbeitstäglich errechneter und veröffentlichter Marktpreis des EUR gegenüber den wichtigsten internationalen Währungen sowie für die Währungen der Länder, welcher der Europäischen Union angehören bzw. mit denen Beitrittsverhandlungen zur EU aufgenommen wurden.

– Siehe Euro-Wechselkurs.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Euro Retail Payments Board, ERPB:

Im Dezember 2013 von der EZB eingerichtetes Gremium mit der Aufgabe, die Entwicklung eines vernetzten und wettbewerbsfähigen Marktes für Massenzahlungen in der EU zu befördern. Der Ausschuss setzt sich zusammen aus sieben Vertreter der Angebotsseite, und hier vor allem Banken, sieben Vertreter der Nachfrageseite, wie Verbraucherverbände, Handel und Unternehmen, fünf Vertreter aus den nationalen Zentralbanken des Eurogebiets und ein Mitglied aus einer Zentralbank der nicht dem Eurogebiet angehörigen Mitgliedssaaten der EU. Den Vorsitz im ERPB führt die EZB. Das ERPB löst den SEPA-Rat ab, der zum Jahresende 2013 aufgelöst wurde.

– Siehe Europäischer Zahlungverkehrsrat, Finanzmarktintegration, europäische.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Euro-Rettungsfonds (euro rescue fund):

Andere Bezeichnung für den Europäischen Stabilisierungsmechanismus (ESM).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eurostaaten (Euro countries):

Diejenigen Länder Europas, die den EUR als gemeinsame Währung eingeführt haben. Zur Jahresbeginn 2014 waren dies achtzehn Staaten, nämlich Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Portugal, Spanien, Slowakei, Slowenien, Zypern und Lettland. - Übrigens warnten Anfang 1998 in einem Auf=Ruf (!) an die deutsche Bundesregierung und an die Öffentlichkeit sechzig deutsche Professoren vor der Einführung einer gemeinsamen Währung: diese komme zu früh und sei nicht funktionsfähig. Unter den Auf=Rufenden war auch der spätere Präsident der Deutschen Bundesbank, Professor Axel Weber. Selbst vor dem Bundes-Verfassungsgericht wurde gegen die Einführung des EUR erfolglos geklagt.

– Siehe Eilbeitritt, Euro-Krise, Euroland, Euro-Währungsgebiet, Eurozone, Rechnungseinheit, europäische, Währungsraum, optimaler.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2008, S. 58 ff. (die Eurozone nach dem Beitritt von Malta und Zypern; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom November 2008 (Geldpolitik der EZB und Unterschiede in den einzelnen Mitgliedsländern: vier Aussagen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2008, S. 31 ff. (Zehnjahresrückblick: ausführliche Bilanz).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eurostat (so auch im Deutschen):

Statistisches Amt der Europäischen Gemeinschaften mit Sitz in Luxemburg. Es hat den Rang einer Generaldirektion der Europäischen Kommission und ist dem Kommissar für Verwaltung, Audit und Betrugsbekämpfung zugeordnet. Die Behörde ist unter anderem zuständig für die Berechnung des Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI), an dem sich die Geldpolitik der EZB massgeblich ausrichtet. - Nicht diesem Amt ist es anzulasten, wenn nationale statistische Ämter - wie vor allem in Griechenland - auf politische Anweisung hin falsche Angaben an Eurostat sandten. Denn bis zu einer Übertragung von mehr Rechten und Befugnissen durch eine Verordnung der EU im Juli 2010 musste sich Eurostat mit den Angaben der einzelnen nationalen statistischen Ämter abfinden. Erst durch die neue Verordnung hat Eurostat zeither das Recht, in einem Mitgliedsland vor Ort methodenbezogene Prüfungen (methodological [statistical] visits) vorzunehmen. Ausserdem müssen alle Mitgliedsstaaten der EU nunmehr Eurostat ausführliche Angaben über die zugrunde liegende Rechnungslegung, die einschlägigen statistischen Erhebungen und Fragebögen sowie auch sonstige sachdienliche Auskünfte vorlegen. Auch hat Eurostat in Hinblick auf die gemeldeten Zahlen in Zusammenhang mit dem Stabilitäts- und Wachstumspakt das Recht zu Sonderprüfungen auf allen Ebenen der statistischen Erfassung. - Kritik an Eurostat gab es wegen der Neuberechnung des Bruttoinlandsprodukts ab September 2014. Das führte dazu, dass plötzlich die Wirtschaftsleistung der Eurostaaten auf dem Papier stieg; und als Folge davon sank der Schuldestand im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt. Die Statistikbehörde begründete die neue Berechnung mit dem Übergang auf ESA 2010 (European System of National and Regional Accounts), wodurch weltweit geltende Erfassungsmethoden auch in der EU zur Anwendung kommen.

– Siehe Destatis, Europäischer Rechnungshof, Europäisches System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen, Griechenland-Krise, Statistikbehörde.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2001, S. 42 ff. (Problemen der Statistik im Eurogebiet), Monatsbericht der EZB vom März 2011, S, 123 ff. (Verhaltenskodex für die Statistikbehörden; ein gesamteuropäisches statistisches Amt als Fernziel).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Euro STOXX (so auch im Deutschen):

Index von Aktien aus Ländern des Euro-Währungsgebiets. Der von der Dow-Jones-Gruppe errechnete Index wird auch in Teil-Indizes - für Marktsektoren und für Branchen - berechnet.

– Siehe die aktuellen Werte, nach Gruppen unterteilt, im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Finanzmärkte" des jeweiligen Monatsberichts der EZB; dort auch Vergleich mit Indices aus den USA und Japan und im Internet die Adresse http://www.stoxx.com/ .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eurosystem (Eurosystem):

Nach der Definition in Artikel 282 AEUV die Europäische Zentralbank (EZB) und die Nationalen Zentralbanken jener Mitgliedstaaten der Europäischen Union, deren Währung der EUR ist. - Erst wenn alle Mitgliedstaaten der EU zum EUR übergegangen sind, wird der Begriff "Eurosystem" gleichbedeutend für Europäisches System der Zentralbanken (ESZB). Dennoch wird bereits jetzt von der Geldpolitik des ESZB gesprochen, und man meint damit - in der Regel! - jene des Eurosystems.

– Siehe Eurogebiet, Eurogruppe, Eurostaaten, Erweiterter Rat Sitzordnungsstreit.

– Vgl. Jahresbericht 1998 der EZB, S. 126 sowie Monatsbericht der EZB vom Mai 1999, S. 33, Monatsbericht der EZB vom Januar 2012, S. 65 (erläuternde Definition von "Eurosystem").

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eurosystem Procurement Coordination Office, EPCO:

Im Jahr 2007 von der EZB eingerichtete Stelle mit dem Ziel, die Beschaffungsaktivitäten der europäischen Zentralbanken aufeinander abzustimmen.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der EZB, S. 216.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Euro-Währungsgebiet (euro area):

Diejenigen EU-Mitgliedstaaten, welche den EUR gemäss dem Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft als einheitliche Währung eingeführt haben. - Nicht zum Euro-Währungsgebiet zählen jedoch solche Staaten, in denen der EUR (halb)offiziell als Zahlungsmittel verwendet wird, wie derzeit (Anfang 2014) beispielsweise im Mazedonien und im Kosovo.

– Siehe Eilbeitritt, Euroland, Eurostaaten, Eurozone, Währungsgebiet, Währungsraum.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 1999, S. 33, Monatsbericht der EZB vom Januar 2008, S. 58 ff. (Kennzahlen nach der Erweiterung; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom November 2008 (Geldpolitik der EZB und Unterschiede in den einzelnen Mitgliedsländern: vier Aussagen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2008, S. 31 ff. (Zehnjahresrückblick: ausführliche Bilanz).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Euro-Währungsraum (euro area):

Das Gebiet, in welchem der EUR offiziell als gesetzliches Zahlungsmittel eingeführt ist. - Vorteile und Nachteile der gemeinschaftlichen Währung sind bis heute umstritten. Als Wohlfahrtsgewinne werden vor allem genannt

1. Handelsvertiefung und damit eine erhöhte Spezialisierung; sprich: das Gesetz der komparativen Kosten - jeder sollte das herstellen, was er vergleichsweise, komparativ, mit dem geringsten Aufwand hervorbringen kann - wirkt sich aus,

2. bessere Lenkung von Kapital zu dem besten Wirt (better allocation of capital) in einem grösseren Kapitalmarkt und damit höhere Wirtschaftlichkeit und

3. grösserer Widerstandsfähigkeit gegenüber externen Schocks.

– Indessen hat die 2010 voll zum Vorschein kommende Griechenland-Krise starke Zweifel darüber aufkommen lassen, ob das Kapital tatsächlich auch zum besten Wirt (to the most effective allocation of scarce resources) gelangt, und ob nicht eher durch eine den Stabilitäts- und Wachstumspakt missachtende Politik einzelner Mitgliedsstaaten der Konsum aufgebläht und die Wettbewerbsfähigkeit im Vertrauen auf das Bail-out durch die Gemeinschaft vernachlässigt wird.

– Siehe Angleichungsautomatismus, Disfunktionalität, währungsraumbezogene, Erpressungspotential, Euro-Währungsgebiet, Europayer, Eurostaaten, EWU-Sprengsatz, Fiskalpakt, Globalisierung, Hegemon, milder, Rechnungseinheit, europäische, Risikoteilung, internationale, Ungleichgewichte, EWU-interne, Vermögensabgabe, Vertragstreue, Währungsraum, optimaler, Wirtschaftspatriotismus, Zwangsenteignung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Euro-Wechselkurs (euro exchange rate):

1 Der effektive nominale Wechselkurs des EUR, wie er von der EZB berechnet wird, ist ein gewogenes geometrisches Mittel der Wechselkurse des EUR gegenüber den Währungen der zurzeit 38 wichtigsten Handelspartner des Euro-Währungsgebiets.

2 Der effektive reale Wechselkurs des EUR wird auf Grundlage von Verbraucherpreis-Indizes berechnet.

– Siehe Euro-Referenzkurs.

– Vgl. die laufenden Werte im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Wechselkurse" im jeweiligen Monatsbericht der EZB, Monatsbericht der EZB vom April 2000, S. 41 (mit Formelanhang), Monatsbericht der EZB vom März 2001, S. 55 f., Monatsbericht der EZB vom November 2003, S. 79 ff. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Euro-Zahlungsverkehrsraum, einheitlicher:

Manchmal gebrauchte deutsche Bezeichnung für die Single European Payment Area.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eurozinsmethode (act/360) (actual/360):

Methode zur Zinsberechnung bei der die Zinsen taggenau berechnet werden, wobei für die Ermittlung des Zinsdivisors das Jahr zu 360 Tagen angenommen wird. - Diese Zinsberechnungsmethode findet bei den geldpolitischen Operationen der EZB generell Anwendung.

– Siehe Actual/Actual, Effektivzins, Komplementärtag, Zinstagezählung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eurozone (eurozone):

Der Euro-Währungsraum. Der nicht offizielle Ausdruck kommt aus dem Französischen, stösst aber nicht nur in Deutschland (Zone, ein griechisches Wort [ζωνη] = abschnürender Teil) auf Widerstreben.

– Siehe Euroland, Euroraum, Eurostaaten, Euro-Währungsgebiet.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

EUV (ECT):

Abkürzung für den Vertrag über die Europäische Union (EU) vom 1. November 1993. Ab diesem Zeitpunkt blieb der die ECU bildende Währungskorb unverändert. Die Währungen der drei am 1. Januar 1995 der EU beigetretenen Staaten (Österreich, Schweden, Finnland) wurden daher nicht in den ECU-Korb aufgenommen.

– Siehe Vertrag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Event-Driven Fund (so auch im Deutschen; seltener: Ereignisgesteuerter Fonds):

Hedge-Fonds, der aus besonderen Ereignissen in Unternehmen und deren Umfeld Gewinn zu erzielen versuchen (event driven hedge funds are those that follow a strategy unaffected by the general direction of markets; instead the events that drive these funds are specific to enterprises). Solche Begebnisse schliessen neben dem Bereich des operativen Geschäftes - wie etwa Erfindungen, Marktallianzen; Strikes (einschliesslich Dienst nach Vorschrift [work by the book]), Substitutionskonkurrenz - auch Übernahmen, Aktienrückkäufe oder Rekapitalisierungen im Falle der Insolvenz ein. - In der Regel unterschiedet man entsprechend der besonderen Anlage-Strategie des Hedge-Fonds genauer

1. Risiko-Arbitrage: Das Management des Hedge-Fonds geht gleichzeitig Long- und Short-Positionen in bei Fusionen und Übernahmen beteiligten Unternehmen ein. Hier wird damit gerechnet, dass der Markt die Wahrscheinlichkeit, dass die Transaktion doch nicht zustande kommt, höher oder niedriger bewertet als die Geschäftsleitung des Fonds.

2. Distressed Securities: Fonds dieser Zielrichtung investieren in Firmen, die sich in finanziellen oder betriebsbedingten Schwierigkeiten befinden.

3. Regulation D: Diese Strategie investiert in Unternehmen mit dünner Kapitaldecke (Small Caps, Micro Caps), die ihr Geld über private Kapitalmärkte beziehen. Hierbei tätigen die Hedge-Fonds ihre Engagements zumeist in Form von Aktien, Wandelanleihen oder anderen Derivaten. Im Zuge dessen erhält der Fonds meistens eine Wandelanleihe des Unternehmens gegen Zahlung einer Einlage in die Firma. Typischerweise hält der Hedge-Fonds dann Long-Positionen in der Wandelanleihe einerseits und Short-Positionen in den Aktien andererseits, und überdies oft weitere Positionen in Form von Optionen. Am Ende der Laufzeit können sich die Manager des Fonds entscheiden, ob sie sich auszahlen lassen oder ob sie eine Konvertierung in Aktien vorziehen.

4. High Yield: allgemein Papiere, die ein schlechtes Rating haben. Das Management des Hedge-Fonds hegt jedoch die Erwartung, dass diese, zum Ausgleich ihrer minderen Bonität hoch verzinslichen (high interest bearing) Titel heraufgestuft werden.

– Manager eines Event-Driven Fund setzen in der Regel aussergewöhnlich viele Ressourcen in zielgerichtete Nachforschungen (event-study analysis) ein, um Informationen zu gewinnen, die sonst kaum erhältlich sind.

– Siehe Arbitrage, statistische, Asset Sales Deal, Ausschlachten, Balanced Fund, Burn-Out Turnaround, Collateralised Loan Obligations, Counterparty Risk Management Policy Group, Dominostein-Effekt, Earn-out Klausel, Euphoriephase, Headline-Hysterie, Hedge-Fonds-Gefahren, Hedge-Fonds Strategien, Global Macro, Index-Arbitrage, Long-Short-Arbitrage, Mikro-Hedges, Rekapitalisierung, Restrukturierung, Risikoüberwachung, gegliederte, Rush to the exit, Shark Watcher, Whistleblower, Single-Hedge-Fonds, Todesspirale.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Event of Default (so auch im Deutschen; manchmal auch [juristisch ungenau] mit Verzugsfall übersetzt):

Auf dem Finanzmarkt ein Ereignis, das - seitens der Bank - einen Kündigungsgrund darstellt. Im Grunde handelt es sich stets um die Nichteinhaltung der vertraglichen Vereinbarungen seitens des Schuldners (which is in default under one or several contractual obligations, such as the full and punctual payment of principal due and interests). In den Musterverträgen des European Master Agreement und der International Swaps and Derivates Association sind beim jeweiligen Vertragstyp die Einzelheiten meistens sehr ausführlich dargelegt.

– Siehe Covenant, Darlehn, widerrufenes, Default, Drittfälligkeits-Klausel, Drittverzugs-Klausel, Intercreditor Agreement, Probability of Default, Vorfälligkeitsklausel, wechselseitige.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eventrisiko und Ereignisrisiko (event risk):

Risiko, das besteht, wenn sich der Kurs eines Finanzinstruments im Vergleich zur allgemeinen Marktentwicklung plötzlich und in einem Ausmass verändert, das die fortdauernd sich bildenden Kursänderungen deutlich übersteigt. Die Gründe hierfür liegen regelmässig im Einflussbereich des Emittenten des Finanzinstruments (the risk that the value of a debt security or an ownership title will vary suddenly as the result of an event with particular significance to the issuer, such as a natural or business-specific accident, or some regulatory change, or a takeover, or corporate restructuring, or [General Motors, Detroit/Opel, Rüselsheiml!] adverse effect by the weakness of the foreign parent company).

– Siehe Volatilität.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 89, Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 70 (die SolvV schreibt Berechnung des Eventrisikos vor).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Event-Manager auch Veranstaltungsbetreuer (event manager):

Bei einem Institut ein Mitarbeiter, der für das Event Marketing zuständig ist. Seit etwa 1980 haben selbst in Provinzbanken - und oft gerade dort! - Event Manager den Bekanntheitsgrad vieler Häuser durch entsprechende Veranstaltungen gesteigert und damit Vertrauen in deren bankliche Dienstleistungen eingeworben. Ob dessen ist inzwischen ist bei manchen Instituten der Event-Manager organisatorisch im Vorstandbereich angesiedelt.

– Siehe Kiddies Manager, Kultursponsoring, Spin Doctor.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Event Marketing (so auch im Deutschen gesagt):

Bei Banken Veranstaltungen aller Art, die

1. nicht unmittelbar auf die Akquisition neuer Kunden zielen, sondern

2. in erster Linie den Bekanntheitsgrad des Instituts erweitern bzw. sein Ansehen, sein Image erhöhen sollen.

– Beispiele sind Kunst-Ausstellungen in der Schalterhalle, Börsenspiele für Schulklassen oder Vorträge von prominenten Persönlichkeiten. Einzelne Sparkassen in Deutschland gelten inzwischen als "Talentschmieden" (talent pools), weil sie bis anhin weniger bekannten Kunstschaffenden zur Bekanntheit verhelfen.

– Siehe Cornerstone Investor, Event-Manager, Finanzwelt, virtuelle, Intangibels, Käserei, Kiddies Manager, Kultursponsoring, Münchhausen, Baron, Vermögen, immaterielles.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Event Risk (so auch im Deutschen gesagt, seltener Ereignisrisiko):

Die Berücksichtigung von Vorkommnissen, aufgrund derer mit Marktverwerfungen (market distortions) und im Gefolge mit grösseren Preisausschlägen (price fluctuations) bei Waren oder/und Finanzprodukten zu rechnen ist.

– Siehe Eventualschaden, Gefährdung, Flash Crash, Risiko, systemisches, Rückschlag-Effekt, Stromrisiko, Systemrisiko.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eventualfonds (contingency account):

Im Budget vieler öffentlicher Stellen eingeplanter Posten für unvorhergesehene Ausgaben bzw. für anfallende Zahlungen, deren genaue Höhe jetzt noch nicht feststeht (capital set apart to provide for unforeseen expenditures or for anticipated purposes of uncertain amounts).

– Siehe Fondswirtschaft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eventualforderung (contingent claim):

Ein möglicher Vermögenswert, der aus vergangenen Geschäftsvorfällen entstanden ist. Seine Verwirklichung wird aber erst noch durch das Eintreten oder Nichteintreten eines oder mehrerer unsicherer kommender Ereignisse bestätigt (a claim that can be realised only if certain specified outcomes occur). Dabei liegen diese künftigen Umstände liegen nicht vollständig unter der Kontrolle des Unternehmens. Beispiele sind ist ein Anspruch, den ein Unternehmen in einem gerichtlichen Verfahren mit unsicherem Ausgang durchzusetzen versucht, ferner Akkreditive, Avale und die meisten Derivate.

– Siehe Eventualschuld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eventualauftrag (contingency order):

An der Börse ein Auftrag zum Kauf oder Verkauf eines Vermögenswertes, wenn ein vorgegebener Preis eines anderen Vermögenswertes erreicht wird (an order to carry out a transaction in an asset if the price of another asset is arrived at a certain mark).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eventual-Kasse auch Vorsichts-Kasse (contingency cash):

Die Haltung von Bargeld über den an sich notwendigen Bedarf hinaus,

1. um gegen allfällige und das normale Mass überschreitende Kassenausgänge gewappnet zu sein oder

2. weil man mit dem (pünktlichen) Zahlungseingang aus investierten Vermögensgegenständen nie mit letzter Sicherheit rechnen kann. In der Nationalökonomik wurde diese Erscheinung in zahlreichen Modellen im Einzelnen erörtert. Mit dem Aufkommen der Karten sind diese Überlegungen grösstenteils gegenstandlos.

– Siehe Bargeldquote, Einkommensmotiv, Karte, Liquiditätspräferenz, Reservesockel, Vorsichtsmotiv.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2007, S. 52 (Vorsichts-Sparen und Einkommensunsicherheit; Formel zur Schätzung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eventualschaden und Eventualverlust (exposure):

Ein allfälliger Verlust, der dann eintritt, wenn ein Risikofall eintrifft (the loss that would be incurred if a certain risk event would happen).

– Siehe Ausfallwahrscheinlichkeit, Event Risk, Gefährdung, Imparitätsprinzip, Kreditrisiko, Risiko.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Eventualschuld auch Eventualverbindlichkeit (contingent liability):

Eine mögliche Verpflichtung in Form einer Zahlung aus vergangenen Geschäftsvorfällen. Diese ist augenblicklich nicht genau feststellbar, weil

1. ihre Verwirklichung erst noch durch das Eintreten oder Nichteintreten eines oder mehrerer unsicherer kommender Ereignisse bestätigt werden muss; wobei diese künftigen Umstände nicht vollständig unter der Kontrolle des Unternehmens liegen, oder

2. die Verpflichtung deshalb nicht als Schuld erfasst wurde, weil ein Abfluss von Ressourcen zur Erfüllung dieser Verpflichtung nicht wahrscheinlich ist oder

3. die Höhe der Verpflichtung nicht ausreichend verlässlich geschätzt werden kann.

– Die IFRS/IAS-Regeln erläutern jeden dieser drei Fälle ausführlich. - In Zusammenhang mit dem Stabilitäts- und Wachstumspakt wurde vielfach gerügt, dass von Staaten im Zuge der Finanzkrise ausgesprochene Bürgschaften und Garantien nicht in die Berechnung der Maastricht-Kennzahlen eingehen, obwohl diese zu einer erheblichen fiskalischen Belastung auf dem Hintergrund einer alternden Bevölkerung werden können.

– Siehe Aval, Bürgschaft, Europäische Finanzstabilisierungsfazilität, Eventualforderung, Garantie, Gefälligkeitsverpflichtung, Patronatserklärung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2009, S. 25 (Eventualverbindlichkeiten müssten eingerechnet werden).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Evidentstellung (updating):

In der älteren Literatur die Beitragung aller Buchungen bis zum neuesten Stand; und hier besonders in Bezug auf die Kundenkonten einer Bank gesagt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Evidenz-Zentrale und Evidenzzentrale (large credit reporting agency, credit reference agency):

1 Von der Bankenaufsicht geforderte - in Deutschland durch eine eigene Verordnung geregelt - oder auf freiwilliger Vereinbarung der Banken eingerichtete Stelle, an die grössere Kredite zu melden sind. Zweck der Evidenzzentrale ist es, einer kreditgebenden Bank Informationen darüber zu liefern, welche Darlehn der Schuldner bei anderen Instituten aufgenommen hat.

2 Im Eurogebiet nimmt das Zentralkreditregister entsprechende Aufgaben wahr.

3 Auf weltweiter Staatenebene erfüllt diese Aufgabe das von weltweit tätigen Banken 1983 gegründete Internationale Finanzinstitut, das die oft schwierig zu ermittelnde gesamthafte Verschuldung einzelner Länder festhält.

– Siehe Arbeitsgruppe Evidenzzentralen, Banking Supervision Committee, Euro-Evidenz, Grosskredite, Millionenkredit, Working Group of Credit Registers, Zentralkreditregister.

– Vgl. Geschäftsbericht der Deutschen Bundesbank 2001, S. 178 f.; Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2002, S. 22 ff., Geschäftsbericht 2008 der Deutschen Bundesbank, S. 97 (Statistik 2000 bis 2008), Geschäftsbericht 2010 der Deutschen Bundesbank, S. 117 (Statistik 2001 bis 2010), Geschäftsbericht 2012 der Deutschen Bundesbank, S. 103 (Statistik 2006 bis 2012).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ewiggeld (rent):

In alten Dokumenten eine nicht ablösbare Zahlung, die aus den Erträgnissen eines Vermögensgegenstandes - in der Regel Pachtzins aus Grundstücken - gespeist wird.

– Siehe Befreiungsgeld, Erbgeld, Gilt, Rente.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

EWR-Länder (European Economic Area countries):

EU-Mitgliedstaaten sowie derzeit (im Frühjahr 2014) die drei Staaten Island, Liechtenstein und Norwegen. Nicht zum EWR zählt auch die Schweiz: mit dieser bestehen vielmehr einige bilaterale Verträge.

– Siehe Europäischer Wirtschaftsraum, Zinsinsel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

EWU-Sprengsatz (EMU explosive charge):

Wenn nicht anders definiert die Tatsache, dass innert der Europäischen Währungsunion die Wettbewerbsfähigkeit der einzelnen Mitgliedsstaaten

1. schon beim Eintritt in die EWU sehr unterschiedlich war und

2. diese Unterschiede - aus welchen Gründen auch immer - bis anhin kaum ausgeglichen wurden; ja sich in manchen Fällen (Griechenland, Portugal, Spanien, Italien, Zypern) sogar vergrössert haben. So lagen im Frühjahr 2012 die Herstellungskosten in Griechenland im Durchschnitt um etwas mehr als zwanzig Prozent über dem Mittelwert der EWU-Mitglieder und sogar satte dreissig Prozent über dem türkischen Niveau. Die Unterschiede in der Unit-Value-Relation sind noch bei weitem grösser. Angesichts dieses Umstands sagen viele Ökonomen der EWU ein Ende voraus; es sei denn, eine wie auch immer geartete Transferunion gleicht die gröbsten Unterschiede aus. Seit etwa 2010 bildet sich eine solche auch - entgegen der Europäischen Verträge - tatsächlich auch immer mehr heraus.

– Siehe Abwertung, fiskalische, Angleichungsautomatismus, Anleihe-Spread, Disfunktionalität, währungsraumbezogene, Erpressungspotential, Europäische Währungsunion, Grundfehler, Europayer, Exit, Fiskalpakt, Friedman-These, Geldvermehrung, währungsunion-interne, Griechenland-Krise, Gruppendruck, Opting-out-Vereinbarung, Plan C, Präklusivtermin, Rückkehr-Ideologie, Sperrkonto, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Strukturreformen, Ungleichgewichte, EWU-interne, Währungsraum, optimaler, Unit-Value-Relation.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Exchange Traded Commodities, ETCs (so auch im Deutschen gesagt):

Börsennotierte Wertpapiere, die eins zu eins am Verlauf des Preises eines - etwa: Getreide - oder mehrerer Rohstoffe gekoppelt sind. Der Begriff bezieht sich also, anders als es der Name vermuten lässt, auf begebene Titel. Wird der Emittent eines solchen Papiers insolvent, so droht dem Anleger der Verlust des angelegten Kapitals. - Edelmetall-ETCs sind häufig mit dem jeweiligen Metall - Gold, Silber, Platin - beim Emittenten physisch hinterlegt, so dass sich ein allfälliges Verlustrisiko in Grenzen hält. Zudem verfügen manche der auch bei Kleinanlegern beliebten Edelmetall-ETCs zusätzlich über eine Währungsabsicherung. Verschiebungen im Kurs vor allem zwischen USD und EUR werden dadurch grösstenteils aufgefangen.

– Siehe Anleihe, indexgebundene, Edelmetall-Fonds, Emission, indexierte, Finanzialisierung, Indextracking, Indexfonds, Inflationsbonds, Rohstoff-Fonds.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Exchange Traded Funds, ETFs (so auch im Deutschen gesagt, aber in unterschiedlicher Bedeutung):

1 Anteile von Investmentfonds, die an einer Börse gehandelt werden und somit eine beständige Preisfeststellung stattfindet; manchmal im Deutschen auch Börsengehandelter Fonds genannt.

2 In anderer Bedeutung gesagt von einem Indexfonds, nämlich das von einer Kapitalverwaltungsgesellschaft aufgelegte und verwaltete Sondervermögen, welches einen Index kopieret (which duplicates an index) und die für den Börsenhandel zugelassen sind. Dies erlaubt einem Anleger das Engagement in einen Index, ohne jedes Papier kaufen zu müssen, aus dem sich dieser Index zusammensetzt (without having to buy a title in every company included in this index). Dabei bewegt sich das Vermögen der Investoren hier mit dem Markt - nicht besser und nicht schlechter. Mathematisch nachgewiesen ist aufgrund von (by reason of) Kursbewegungen in sehr langer Zeitreihe, dass für einen einzelnen Anleger die Chance, besser als der Markt zu sein, knapp unter fünfzig Prozent liegt. - Im Frühjahr 2012 zählte man weltweit über 4'000 ETFs. Freilich ist inzwischen nicht jedes dieser Produkte so einfach, wie es sich noch als Spinne am Anfang darstellte.

– Siehe Exchange Traded Commodities, Fonds, Real Estate Investment Trust, Rohstoff-Fonds.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2011, S. 33 f. (Stabilitätsrisiken bei ETFs; nähere Erläuterungen zur Wertpapierleihe bei ETFs), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 25 f. (Marktvolumen der ETFs aufgeschlüsselt; Risiken), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2013, S. 18 (Mittelaufkommen der Spezialfonds verhältnismässig gleichbleibend), Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 42 f. (Liquiditätsrisiken bei ETFs).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Exekution (execution):

In älteren kaufmännischen Dokumenten die Pfändung (garnishment) bzw. die gerichtlich betriebene Zwangsvollstreckung (judicially-powered foreclosure) über das Vermögen eines Schuldners.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Exekutionsstücke (execution securities):

Wertpapiere, die börsenmässig verkauft werden, damit eine zwangsweise Glattstellung von Lieferungsverbindlichkeiten eines in Verzug geratenen Verkäufers erfolgen kann. Die Börsenordnungen enthalten in der Regel besondere Vorschriften für den Handel mit Exekutionsstücken.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Existenzminimum (breadline, poverty line, subsistence level):

Auch für den Finanzbereich wichtiger Begriff, weil bei Privatpersonen oftmals nach Gesetz oder höchstrichterlicher Rechtsprechung (supreme court decision) allfällige Zahlungsansprüche von Gläubigern das Existenzminimum unangetastet lassen müssen. Man unterscheidet zumeist

1 das absolute Existenzminimum als den Betrag, der nötig ist, um eine Person am Leben zu halten (money necessary for a person to render possible survival) und

2 das konventionelle Existenzminimum als jene Summe, die neben dem nackten Überleben auch Ausgaben für einen dem unteren Durchschnitt der Bevölkerung entsprechen Lebensstandard erlauben. Die genaue Bestimmung des konventionellen Existenzminimums ist kaum allgemeingültig vorzunehmen, weil der Lebensstandard von Staat zu Staat sehr unterschiedlich sein kann; man vergleiche derzeit etwa die Schweiz mit Somalia. Die Fragen in diesem Zusammenhang sind zu einem Sondergebiet des Sozialrechts (social law as the body of rules and statutes intended at supporting the general welfare of all the people, with special reference to labour) geworden.

– Siehe Arrestgeld, Einzug, Erster, trauriger, Faustpfand, Kredithai, Geldeintreibung, Kunde, fauler, Leibbürge, Leichenpfand, Übersatz, Verzug, Wucher.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Exit (so auch oft im Deutschen gesagt):

1 Allgemein der Ausstieg des Anlegers aus einer Transaktion oder aus einem Engagement.

2 Im Besonderen das Verlassen des Gründers einer (Aktien)Gesellschaft aus der Firma.

3 In Hinsicht auf die Zentralbank der Ausstieg aus einer liquiditätszuführenden Geldpolitik.

4 In Bezug auf die Europäische Währungsunion der vorübergehende oder endgültige Austritt einzelner Mitglieder. Dies wurde vor allem anlässlich der Griechenland-Krise im Frühjahr 2010 hinsichtlich Deutschlands - und vom wem gar! - gefordert. Die Bundesrepublik solle demnach schleunigst die Eurozone verlassen und die Mark als eigene Geldeinheit wieder einführen. Dem steht jedoch die Tatsache gegenüber, dass deutsche Privathaushalte, Unternehmen und Banken zum Jahresende 2011 finanzielle Vermögenswerte anderer Mitglieder des Eurogebiets in Höhe von über drei Billionen EUR hielten; das entspricht rund hundertzwanzig Prozent des Bruttoinlandsprodukts Deutschlands. Dieses Vermögen würde im Falle des Austritts Deutschlands aus der Eurozone eine sehr starke Wertminderung (a very considerable impairment) erfahren. Zudem würde die Mark stark aufwerten; die deutschen Exporte gingen erheblich zurück, Arbeitslosigkeit in Deutschland wäre die Folge; und der gemeinsame Binnenmarkt der EU würden sehr rasch durch abgeschottete Nationalmärkte (closed national markets with tendency towards autarky) ersetzt. Nicht Exit sollte das Ziel sein, sondern Bedacht auf Einhaltung der in den Europäischen Verträgen und besonders im Stabilitäts- und Wachstumspakt vereinbarten Grundregeln.

– Siehe Angleichungsautomatismus, Angst, perverse, Ausstieg, Bail-out, Blame game, Currency-Swing, Europäische Währungsunion, Grundfehler, EZB-Sündenfall, Flip, Geldvermehrung, währungsunion-interne, Kauf-Verkaufs-Klausel, Neuro, Payback, Plan C, Präklusivtermin, Replacement Capital, Rückkehr-Ideologie, Solidarität, finanzielle, TARGET-Missbrauch, Vertragstreue.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Exit-Strategie (exit strategy):

Vor allem im Zuge der Rettungsmassnahmen des Staates für notleidende Banken - der Ausdruck "notleidende Banken" wurde 2008 in Deutschland zum Unwort des Jahres erkoren - und Branchen im Zuge der auf die Subprime-Krise 2007 folgenden Finanzkrise aufgekommene Bezeichnung für Vorgaben an den Staat und an die Zentralbank, wie, wann und wo in den Wirtschaftskreislauf eingeleitetes Geld dem Kreislauf wieder entzogen werden kann. Denn sowohl die heimliche Defizit-Finanzierung über die Emission von Staatsanleihen von Schuldnerstaaten als auch die Rettungspakete der Regierungen und Zentralbanken blähen die Geldmenge auf. Dadurch wird die Gefahr ausgelöst, dass sobald sich die Wirtschaft erholt, dieses Mehr an Geld zu spekulativen Blasen führt, und dass dadurch der Keim für eine neue Krise gelegt wird. - Einige der Massnahmen der EZB waren zeitlich befristet, so dass sie bei Nichtverlängern von selbst ausliefen. Das den Banken zur Verfügung gestellte Geld floss damit zwangsläufig mit dem Ende der Laufzeit wieder an die Zentralbank zurück.

– Siehe Angst, perverse, Ausstieg, Bad Bank-Modell, deutsches, Carry Trades, Europäische Währungsunion, Grundfehler, EZB-Sündenfall, Finanzmarktstabilisierungsanstalt, Quantitative Easing, Retterei, Rückkehr-Ideologie, Tarnkappen-Politik, Tilgungsfonds, Tina, Umverteilung, zentralbankbewirkte, Zentralbank-Anleihen, Zetts, drei.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2010, S. 29 ff. (Verhalten der Akteure in Bezug auf die Rücknahme geldpolitischer Sondermassnahmen; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Exotikomanie (exoticomania):

In der älteren Finanzsprache gesagt für eine übertriebene und nüchtern, sachlich kaum zu rechtfertigende Vorliebe für Vermögensanlagen jeder Art im Ausland und besonders in ausländische Wertpapiere. - Nicht unter diesen Begriff fallen Auslandsanlagen infolge mangelnden Geldvertrauens oder aufgrund entsprechender Erwartungen ausgelöste Kapitalflucht. Wohl aber glaubt man nachweisen zu können, dass die in einer einflussreichen Gruppe vorherrschende Exotikomanie unter Umständen Kapitalflucht auslösen könnte.

– Siehe Geldpsychologie, Home Bias, Finanzpsychologie, Nachahmung, informelle, Verzehnfacher, Vieleck, magisches.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Expansion Financing (so auch oft im Deutschen gesagt; seltener Wachstumsfinanzierung):

Wenn nicht anders definiert, Darlehn an ein Unternehmen zwecks Investition in die Felder

1. Erweiterung des Produktionsapparats (capital widening),

2. Eintritt in bzw. Durchdringung neuer (Auslands)Märkte (entry into and penetration of new foreign markets),

3. Erwerb von Rechten und Patenten (acquisition of rights and patents) sowie

4. Deckung des Finanzbedarfs in anderen Wachstumsbereichen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Expected Shortfall (so auch im Deutschen gesagt, seltener erwartetes Ausfallrisiko):

Bei der Berechnung des Risikos der Erwartungswert aller Verluste, welche den errechneten Value at Risk übersteigen (expected shortfall is also called conditional value at risk [CVaR], average value at risk [AVaR], and expected tail loss [ETL]).

– Siehe Herfindahl-Hirschman-Index, Konfidenzniveau, Marktbewertungsmethode, Risikomanagement.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2007, S. 59 f. (Messung in Zusammenhang mit dem ökonomischen Kapitalbedarf).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Expensen (expenses):

1 In älteren Dokumenten vielfach der Oberbegriff für Ausgaben überhaupt (anything paid out to attain a goal or accomplish an act).

2 Im engeren Sinne früher die Verfahrenskosten bei Gericht, die Gerichtsgebühren (court fees, law charges).

– Siehe Auslagen, Bankgeld, Dreidingsgeld, Gerichtsgeld, Inrotulationsgeld, Justitiengeld, Kammergerichtsgeld, Platzgeld, Schöffengeld, Unkosten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Explorer-Werte (explorer papers):

Vor allem im Internet und in Anzeigen von Zeitungen angebotene Aktien von Gesellschaften bzw. Anteilen an Fonds, die nach Rohstoffen suchen. - Zu beachten ist hier, dass die rohstoffsuchenden Unternehmen ständig Verluste erleiden, da sie nichts verkaufen, andererseits aber regelmässig sehr hohe Kosten für Probebohrungen (exploratory drilling) anfallen. Damit können Investitionen in Explorer-Werte sehr leicht zum Totalverlust (total loss) führen. Selten nur ging bis anhin die Entdeckung eines Vorkommens (deposit) mit ausgleichenden Kursgewinnen einher.

– Siehe Blind Pool, Blog, Börsenbriefe, Daimonion, Dampfstube, Darkrooming, Glamour Stocks, Go-go-Fonds, Goldtäuschung, High Flyer, Hölle-und-Flut-Vertrag, Internet-Foren, Kapitalmarkt, grauer, Pump and Dump, Racheengel, Remittance Services, Risikokapital, Zitterprämie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Exportkonjunktur (export boom):

Wenn nicht anders definiert, ein positiver Aussenbeitrag (regulary an increase in the activity of a exports). Von der EZB werden die entsprechenden Grössen im Rahmen des Zwei-Säulen-Prinzips beobachtet und beurteilt.

– Siehe Aussenhandelsstatistik.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2012, S. 12 ff. (Gewicht und Einfluss der Eurozone am Welthandel).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Exportkredit-Garantie (export guarantee):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter ein vom Staat gewährter Schutz vor - politisch bedingten - Zahlungsausfällen an heimische Unternehmen, die Waren ins Ausland liefern. Im einzelnen gibt es in Deutschland vielfältige Formen dieser Garantie, so eine Ausfuhr-Pauschal-Gewährleistung, Bauleistungsdeckung, Fabrikationsrisiko-Deckung, Finanzkredit-Deckung, Leasingdeckung, Lieferantenkredit-Deckung und Vertragsgarantie-Deckung - um die wichtigsten zu nennen. Staatliche Finanzierungsmassnahmen (state financing arrangements) für Ausfuhren sind inzwischen zu einem nicht leicht durchschaubaren Sondergebiet (complex and non-transparent special field of financing) geworden.

– Siehe Ausfuhrprämie, Moral Hazard, Zwischenfinanzierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Exportquote (export quota):

Wenn nicht anders definiert, so meint man damit den wertmässige Anteil der Exporte am Bruttoinlandsprodukt eines Landes (the percentage of goods [visible exports] or services [invisible exports] sold to foreign countries, related to gross national product). - Der hohe Ausfuhranteil von Investitionsgütern in Deutschland birgt Gefahren. Denn die Nachfrage nach solchen Waren ist

1. im Konjunkturverlauf besonders starken Schwankungen (Oszillationen; oscillations: vibrations above and below a mean value) unterworfen und

2. zugleich in hohem Grad auf Dienstleistungen des Finanzsektors - wie vor allem Vorfinanzierungen - angewiesen.

– Siehe Leistungsbilanz, Unit-Value-Relation, Terms of Trade, Wechselkurs.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Dezember 2008, S. 102 ff. (Neuberechnung der Indices für industrielle Einfuhrpreise und industrielle Erzeuger-Ausfuhrpreise im Eurogebiet; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2010, S. 51 (Auswirkungen der Finanzkrise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2011, S. 17 ff. (Entwicklung der Ausfuhren in EU-Staaten seit 1999), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2011, S. 41 ff. (aussenwirtschaftliche Lage Deutschlands; viele Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2012, S. 12 ff. (Gewicht und Einfluss der Eurozone am Welthandel), Monatsbericht der EZB vom Januar 2013, S. 77 ff. (Exportstruktur in der EWU; Übersichten; Literaturhinweise), Monatsbericht der EZB vom Juni 2013, S. 79 ff. (Ausfuhren des Eurogebiets seit 1999; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Exposure (so auch im Deutschen gesagt, seltener Gefährdung):

1 Auf dem Finanzmarkt allgemein einem Risiko oder einer Unsicherheit ausgesetzt sein (being exposed to risk or uncertainty via any financial instrument on any counterparty or group of counterparties).

2 Bei einer Versicherung im Besonderen der Gefährdungsgrad (risk potential) eines Versicherungsbestandes.

– Siehe Einmalbetrag, Risiko.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Express-Zertifikat (express certificate):

Verbriefte Option in einen bestimmten Basiswert, in der Regel einen Aktienindex oder in eine einzelne Aktie und mit einer Laufzeit von drei bis sechs Jahren. Dabei hat der Anleger an einem bestimmten Stichtag die Möglichkeit auf Rückzahlung des eingesetzten Kapitals zuzüglich einer entsprechenden Rendite. Voraussetzung für die Rückzahlung: der Basiswert muss am Stichtag auf oder über seinem Wert bei Emission des Zertifikats liegen. Es reicht also vollkommen aus, wenn sich der Kurs des Basiswerts nur seitwärts bewegt, um einen Gewinn zu erzielen. - Kommt es während der Laufzeit zu keiner vorzeitigen Rückzahlung, weil der Basiswert an jedem Stichtag eine negative Entwicklung aufweist, dann besteht am Laufzeitende dennoch die Gelegenheit zur Rückzahlung des eingesetzten Kapitals. Als Sicherheit bieten die meisten Express-Zertifikate einen Puffer (cushion), nämlich eine gewisse Spanne, innert derer der Kurs des Basiswertes fallen kann, bis der Anleger überhaupt Verlust erleidet. - Im Einzelnen gibt es - wie bei anderen Zertifikaten auch - sehr viele besondere Vertragsgestaltungen, die letztlich das Verhältnis von Gewinn und Risiko des jeweiligen Papiers festlegen. Zu nennen sind vor allem Easy-Express-Zertifikate, die in der Regel nur zwei Jahre Laufzeit haben, sowie Bonus-Express-Zertifikate, die Bestandteile des Bonus-Zertifikates mit dem Express-Zertifikat in unterschiedlicher Weise mischen.

– Siehe Airbag-Zertifikat, Bonus-Zertifikat, Diskont-Zertifikat, Garantie-Zertifikat, Hebel-Zertifikat, Index-Zertifikat, Outperformance-Zertifikat, Partizipations-Zertifikat, Quanto, Sprint-Zertifikat, Twin-Win-Zertifikat, Zertifikat.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Extensum (extensum):

In der älteren Finanzsprache die eingehende, erschöpfende Erklärung der Ursachen einer Insolvenz. Oft ist dabei auch die Fahndung nach allfällig verbliebenen Vermögenswerten (search for potentially remaining assets) verbunden.

– Siehe Bankrott, Debitmasse, Sanierung, Zahlungsunfähigkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Externalität (externality):

Die Kosten eines privaten Gutes werden zwar im Allgemeinen durch den Käufer über den Preis bezahlt. Hat nun jedoch das Handeln eines Anbieters

1. auch für andere Vor- oder Nachteile, und

2. sind diese Wirkungen nicht im Marktpreis eingerechnet, so bezeichnet man dies als eine Externalität: eine Verlagerung nach aussen.

– Positiv ist eine Externalität, wenn anderen aus der Aktivität Vorteile zufliessen, wie etwa der Finanzwelt durch die Tätigkeit der Aufsichtsbehörden. Von einer negativen Externalität spricht man, wenn aus dem Handeln Nachteile für andere erwachsen, wie etwa gelegentlich der Subprime-Krise 2007 durch die leichtsinnige Kreditvergabe von Banken in den USA weltweit Institute betroffen wurden. - Für Externalitäten mit starker Ausstrahlungs-Wirkung auf andere Bereiche wird auch der Begriff Spill-over (so auch im Deutschen; manchmal in einem Wort, also: Spillover) verwendet.

– Siehe Spill-over-Effekt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Extrahandel (extra trade):

In der Terminologie der EZB der Güteraustausch mit Partnern ausserhalb des Euro-Währungsgebietes.

– Vgl. die untergliederten Werte im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Aussenwirtschaft" im jeweiligen Monatsbericht der EZB, Monatsbericht der EZB vom April 2005, S. 49 ff. (Tendenzen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

ExtraNet:

Von der Deutschen Bundesbank im Dezember 2002 eingeführte Technologie im Verkehr zwischen ihr und den Kunden. Das Verfahren dient vor allem dem bequemeren statistischen Meldewesen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Extremereignis, negatives (negative extreme event):

Wenn nicht anders definiert, so meint man auf dem Finanzmarkt damit den Einbruch eines Aktienindexwertes gegenüber dem Vortrag von mehr als drei Prozent.

– Siehe Finanzmarkt-Stress, Szenarien, aussergewöhnliche, Volatilität.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 66 (erklärende Übersicht der Extremereignisse beim Dax seit 1980).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

E-Zahlung (e-cash):

Die elektronische Abbuchung (debiting) von einem Konto.

– Siehe Bezahlverfahren, innovative, Filialsystem, Internetbank, Karte, Metcalfe-Regel, Online Banking, Prosumer, Remote Banking, Sofa-Banking.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

EZB (ECB):

1 Im engeren Sinne Europäischen Zentralbank in Frankfurt am Main und ihre Organe als Institution.

2 Im weiteren Sinne die Europäische Zentralbank und die nationalen Zentralbanken der Mitgliedstaaten der EU, welche den EUR eingeführt haben. Wenn von der - praktischen - Politik der EZB die Rede ist, meint man den engeren Begriff.

– Siehe Einwirkungsverbot, Euro, Europäisches Währungsinstitut, EZB-Sitzungsrhythmus, Geldverleiher letzter Instanz, Monetaristen, Sitzordnungsstreit, Strukturkonservativismus, Wirtschaftsregierung, europäische.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Oktober 2000, S. 51 ff. (Beziehung der EZB zu den Organen und Einrichtungen der EU). Zur allfälligen Verschlechterung des verfassungsrechtlichen Status der EZB vgl. Jahresbericht 2003 der EZB, S. 138 f., S. 173, Monatsbericht der EZB vom August 2004, S. 57 ff. (ausführliche Erörterung), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2009, S. 89 ff. (Veränderungen in der Bilanz der EZB; Vergleiche zu anderen Zentralbanken; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Januar 2010, S. 77 ff. (Verhältnis der EZB zu EU-Organen; Rechtsquellen; Beurteilung), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2010, S. 50 (Rechtstellung der EZB im Lissabon-Vertrag), Jahresbericht 2011 der EZB, S. 170 f. (lehrbuchmässige Darstellung der Gremien und ihrer Aufgaben; Liste der Ausschüsse).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

EZB-Bilanz (ECB balance sheet):

Während der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise blähte sich die Bilanzsumme (balance sheet total) der EZB bis Frühjahr 2012 von 900 auf über 2'600 Mia Euro auf. Seit 2007 hat sich diese Zahl damit fast verdreifacht. Dabei gilt es als durch die Erfahrung gesicherter Lehrsatz, dass eine starke Expansion der Zentralbankbilanz mittelfristig zur Inflation führt. - In ihren Rettungsbemühungen hatte die EZB ihre Sicherheitsanforderungen so weit gesenkt, dass wackelige Banken fragwürdige Anleihen ihrer Heimatländer als Sicherheit für frisches Geld bei der EZB hinterlegen durften. Davon wurde ausgiebig Gebrauch gemacht. Der Vorschlag, die Schrottpapiere auf den europäischen Stabilisierungsmechanismus zu übertragen, wurde vor allem von Seiten Deutschlands bis anhin verweigert, weil dies zurecht als weiterer Schritt zu einer Transferunion gesehen wurde.

– Siehe Bailout, Europäische Währungsunion, Grundfehler, EZB-Sündenfall, Retterei.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom September 2013, S. 45 ff. (Bilanzausweitung der EZB seit 2007; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

EZB-Frauenquote (ECB female quote):

Zur Jahresmitte 2013 betrug bei der EZB der Anteil weiblicher Personen auf der mittleren Führungsebene - Abteilungsleiter, stellvertretende Abteilungsleiter, Sektionsleiter, Berater, Senior-Berater - siebzehn Prozent und auf der oberen Führungsebene - Generaldirektoren, stellvertretende Generaldirektoren, Direktoren und Hauptberater [Principal Consultants] - nur vierzehn Prozent. - Das Direktorium der EZB beschloss daher im August 2013 ein Programm, das eine Aufstockung des Frauenanteils bis 2019 in der ersten Gruppe auf fünfunddreissig Prozent und in der zweiten Gruppe auf achtundzwanzig Prozent zum Ziel hat. - Böse Zungen behaupteten (malicious tongues claimed), dass schon wenige Tage nach Bekanntgabe des Beschlusses die Zahl der Anträge auf Geschlechtsumwandlung (male-to-female gender re-assignment: surgical and medical treatments intended to bodily change a person from one sexual phenotype to the other) innert der EZB erheblich anstiegt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

EZB-Netzwerke (ECB-wide networks):

1 Das Inflation Persistence Network (IPN) nahm seine Tätigkeit im Jahr 2003 auf mit dem Ziel, die ganz besonderen Zusammenhänge im Eurogebiet zwischen der Preis- und Lohnentwicklung einerseits - in einigen Mitgliedsstaaten bestehen Lohnindexklauseln - und der Geldpolitik andererseits tiefer zu untersuchen. Erste Erkenntnisse wurden Ende Dezember 2004 in einem Bericht (№ 46 der Occasional Paper der EZB) veröffentlicht.

2 Das Wage Dynamics Network (WEN) wurde im Jahr 2006 gegründet; in ihm sind auch Vertreter nicht-teilnehmender EU-Staaten vertreten. Das Forschungsteam will über verschiedene Wege - auch über Befragungen bei Unternehmen - die Wechselwirkungen zwischen Arbeitskosten und Preisen in der EU gesamthaft genauer durchleuchten. Auch hier soll der Geldpolitik möglich ganz genaues Wissen über die entsprechenden Zusammenhänge dargereicht werden.

– Siehe Ausschuss-Wahn, Geldverbrennung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

EZB-Neubau (ECB new building):

Im Stadtteil Ostend der Stadt Frankfurt am Main zu errichtender Gebäudekomplex für die Erfordernisse der Europäischen Zentralbank. Ein international ausgerichtetes Ausschreibungsverfahren für einen Generalunternehmer führte nicht zum Erfolg; es mussten andere Wege beschritten werden.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der EZB, S. 229 f. (Stand des Bauvorhabens), Jahresbericht 2009 der EZB, S. 207 (EZB-Rat beschliesst Beginn der Bauarbeiten; voraussichtliche Fertigstellung Ende 2013), Jahresbericht 2012 der EZB, S. 186 f. (Richtfest; Kostenüberschreitung; Umzug 2014 geplant) sowie den jeweiligen Jahresbericht der EZB, Kapitel 6.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

EZB-Protokolle, Veröffentlichung (publication of records of the ECB council meetings):

Regelmässig wiederkehrende Forderung, die EZB solle die Niederschriften der jeweiligen Sitzung des EZB-Rates herausgeben. Dabei ist zu unterscheiden zwischen

1. einer stenographischen (stenographic: account in writing) oder

2. mechanischen ([audio]mechanic: by [electronic] recording device) Aufzeichnung sämtlicher Wortmeldungen (minutes) und

3. einem zusammenfassenden Sitzungsbericht (record of proceedings).

– Von Anfang an hat die EZB nach jeder Sitzung des EZB-Rates durch den Präsidenten eine ins Einzelne gehende Begründung der Entscheidungen gegeben. Zwar veröffentlichen viele Zentralbanken Sitzungsprotokolle. Deren Informationsgehalt (information content) liegt jedoch durchweg unter der Ebene (below the level) der Erklärungen des Präsidenten der EZB in der an die jeweilige Sitzung anschliessenden Pressekonferenz (press conference). Die Protokolle der australischen Zentralbank wurden gar als die ideale Einschlaflektüre (ideal means of falling asleep) gekennzeichnet. - Der EZB-Rat besteht derzeit aus vierundzwanzig Mitgliedern. Es dürfte sehr schwer sein, ein Dokument zu veröffentlichen, in dem jedes der Mitglieder erklärt, warum er wie abgestimmt habe (why he/she was voting in a particular way). - Zudem würde das auch die Gefahr erhöhen, dass auf einzelne Ratsmitglieder Druck ausgeübt wird. Man könnte ihnen leicht vorwerfen, dass sie vermeintlich gegen die Interessen ihres Landes (contrary to the interests of his country) abgestimmt hätten. Immerhin aber wird die EZB ab Januar 2015 einen zusammenfassenden Sitzungsbericht im Sinne von

4. herausgeben.

– Siehe Auskünfte, marktsensible, Becket-Effekt, Ein-Stimmen-Prinzip, Einwirkungsverbot, EZB-Sitzungsrhythmus, Poltergeist, Renationalisierung, geldpolitische, Repräsentationsproblem, Rotationsprinzip, Südfront.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

EZB-Rat (ECB governing council):

Die Mitglieder des Direktoriums der Europäischen Zentralbank und die Zentralbankpräsidenten der Mitgliedstaaten, welche den EUR eingeführt haben. Die Entscheidungen des EZB-Rates werden in der Regel vorab auf Arbeitsebene in den rund sechzig (!!) Gremien des Eurosystems bzw. der EZB vorbereitet. Hier findet der eigentliche Wettbewerb um die besten Vorschläge statt. - Es gilt als eine gesicherte Erkenntnis der Soziologie, dass ein kleineres Gremium zu besseren Ergebnissen kommt als ein grösseres. Insofern ist die Entscheidungsfindung im EZB-Rat den Aufgaben durchaus angemessen. Nach aussen spricht der EZB-Rat auch bei geteilter Meinung innert des Gremiums immer mit einer Stimme. Minderheitsmeinungen sind bis anhin zwar bekannt, aber noch nicht veröffentlicht worden. - Die Mitglieder des Direktoriums der EZB werden gemäss Artikel 283 AEUV von Europäischen Rat mit qualifizierter Mehrheit (qualified majority voting) gemäss Artikel 16 EUV auserwählt und ernannt. Oft handelt es sich um verdiente Politiker, nicht zwangsläufig um Ökonomen, und schlimmstenfalls haben sie noch nicht einmal Erfahrung in einer Zentralbank ihres Heimatlandes gesammelt. Auf diesem Weg kann die Politik in den EZB-Rat eindringen: so ist es aber auch gewollt. - In Krisensituationen wie angesichts der offenkundig gewordenen hohen Staatsverschuldung von Griechenland, Portugal, Spanien, Italien oder Zypern werden Entscheidungen im EZB-Rat sehr rasch und auch - wie etwa Anfang August 2011 - in einer Telephonkonferenz gefällt. – Im Spätsommer 2011 trat das deutsche Mitglied des Direktoriums Jürgen Stark aus Protest gegen die Lagerbildung im EZB-Rat von seinem Amt zurück. Dort stand sich eine Nordfront (northern front) einer Südfront gegenüber. Die Vertreter der stabilitätsorientierten Nordländer verlangen, dass die Schuldnerländer ihre Ausgaben den Einnahmen anpassen. Die Vertreter der Südländer verlangten von der EZB letztlich, dass diese mit dem Anwerfen der Notenpresse die Versäumnisse der Finanzpolitik ausbügelt.

– Siehe Ausschuss-Wahn, Becket-Effekt, Demokratie-Defizit, Ein-Stimmen-Prinzip, Einwirkungsverbot, Europäische Währungsunion, Grundfehler, EZB-Protokolle, Veröffentlichung, EZB-Sitzungsrhythmus, EZB-Sündenfall, Rotationsprinzip, Südfront, Umverteilung, zentralbankbewirkte.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2010, S. 45 ff. (Erläuterung der in Bezug auf Wirtschaft und Währung wichtigsten Änderungen gegenüber dem Nizza-Vertrag; S. 47: qualifizierte Mehrheit nach Artikel 16 EUV und Artikel 238 AEUV).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

EZB-Rechenschaftspflicht (ECB accountability):

Die Obliegenheit der EZB als selbstverwaltete und nicht der parlamentarischen Kontrolle unterliegenden Institution, die Öffentlichkeit über ihre Tätigkeit zu unterrichten. Nach einhelliger Meinung auch ihrer Kritiker geschieht dies bis anhin zur vollen Zufriedenheit. Allein schon die Monatsberichte und der jährlich im Frühjahr erscheinende Geschäftsbericht beschreiben, erklären und begründen alle Massnahmen der EZB ausführlich und in verständlicher Sprache. - In den Jahren 2006 bzw. 2007 beliefen sich Haushalts-Ausgaben der EZB auf 326 Mio Euro bzw. 355 Mio Euro. Deren sachgemässe Verwendung wird vom Europäischen Rechnungshof geprüft; die jeweiligen Prüfungsberichte sind veröffentlicht und im Internet abrufbar.

– Vgl. das Kapitel "Öffentlichkeitsarbeit" im jeweiligen Jahresbericht der EZB.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

EZB-Sitzungsrhythmus (ECB frequency of meetings):

Ab Januar 2015 tagt der EZB-Rat grundsätzlich alle sechs Wochen. Nicht die Geldpolitik betreffende Sitzungen werden weiterhin mindestens einmal im Monat abgehalten. Auch die Mindestreserve-Erfüllungsperiode wird diesem Rhythmus entsprechend auf sechs Wochen ausgedehnt. -Dass es sich bei der Veränderung des Sitzungsturnus (change of the meeting rhythm) um eine Angleichung an die US-Zentralbank handelt, wurde von der EZB öffentlich bestritten, von den meisten Finanzjournalisten indessen als höchst wahrscheinlich eingeschätzt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

EZB-Sündenfall (ECB lapse):

In der Finanzsprache die Entscheidung der EZB aus dem Jahr 2009, stützend für nicht absetzbare Staatsanleihen von Mitgliedsländern einzutreten. - Artikel 123 AEUV sowie Artikel 21 des dem EGV beigefügten "Protokolls über die Satzung des Europäischen Systems der Zentralbanken und der Europäischen Zentralbank" verbietet der EZB ausdrücklich, mitgliedsstaatliche Haushalte zu finanzieren. Indessen wurde dieses Verbot dadurch umgangen, dass Schuldtitel von wackeligen Mitgliedsstaaten der EWU nicht unmittelbar von der EZB übernommen wurden. Vielmehr kaufte die EZB die Papiere auf dem Sekundärmarkt auf. Indem aber die Zentralbank öffentliche Schuldtitel von jahrelang unbekümmert gegen den Stabilitäts- und Wachstumspakt handelnde Mitgliedsländer wie Griechenland, Irland, Portugal, Zypern, Italien und Spanien aufkaufte, so half sie mittelbar bei der Finanzierung der Staatsdefizite dieser Länder. Obendrein wurde durch diese Massnahme das Ausfallrisiko der Besitzer der Staatsanleihen aus diesen Ländern - vor allem Banken, Versicherungen und Fonds - auf den Steuerzahler verlagert. Ende 2010 hatte die EZB bereits für mehr als 67 Mia EUR Staatsanleihen aus Griechenland, Irland und Portugal in ihrem Portfolio. Im Jahr 2011 kaufte die EZB nochmals auf Druck der Südfront spanische und italienische Papiere. - Auf die Kursentwicklung dieser Staatsanleihen wirkte die Massnahme der EZB übrigens kaum; denn das mangelnde Vertrauen der Anleger in die Wirtschaftsleistung dieser Staaten kann die EZB auf diesem Wege nicht stärken. - Die EZB selbst rechtfertigte ihre Massnahme mit der Begründung, der Transmissionsmechanismus der Geldpolitik sei gestört gewesen: es seien "Dysfunktionalitäten" (dysfunction = failing to serve an adjustive purpose) in einigen Bereichen des Finanzmarkts aufgetreten. Diese Erklärung wurde allenthalben als vorgeschoben beurteilt, zumal bekannt wurde, dass es innert der EZB offenbar zu ausserordentlich heftigen Auseinandersetzungen um den Ankauf der Schrottpapiere kam. Denn das oberste Ziel der EZB ist es, für stabile Preise im Währungsraum zu sorgen, und nicht, strauchelnde Staaten vor dem wirtschaftlichen Ruin zu bewahren. Dazu zeigte sich, dass die Interventionen wenig bewirkten: die Zinsen für die Krisenstaaten sind nur für einige Tage gesunken, um dann wieder rasch zu steigen. Denn die Marktteilnehmer erkennen in solchen Massnahmen keine Heilung der Ursachen des mangelnden Vertrauens in diese Staatspapiere. Statt dessen veränderten die Käufe das Risikoprofil der EZB: Mitgliedstaaten der EWU könnten gezwungen werden, für die Schulden der EZB aus den Anleihekäufen einstehen zu müssen. - Ungünstig war zudem das zeitliche Zusammenfallen (chronological coincidence) dieser Ankäufe mit einer, freilich schon länger geplanten Kapitalerhöhung bei der EZB mit Wirkung von 29. Dezember 2010. Viele sahen darin die Absicht der EZB, sich ein Polster für allfällige Verluste aus den erworbenen Staatsanleihen anzulegen. Diese Verluste wurden für die Deutsche Bundesbank auf vier Milliarden EUR beziffert, die aus der EZB-Bilanz auf sie durchschlagen und damit die Abführungen der Deutschen Bundesbank an den Bundeshaushalt um diese Summe mindern. Freilich hatte die EZB angekündigt, die Papiere bis zur Fälligkeit im Portfolio zu behalten; ein Verlust träte deshalb nur dann ein, wenn eines der Länder in den Staatsbankrott abglitt. Das aber ist keineswegs auszuschliessen. - Nicht nur in der Finanzwelt, sondern auch in der breiten Öffentlichkeit kostete dies der EZB einen Vertrauensverlust (loss of confidence). Sie sah sich dem Vorwurf ausgesetzt, als Ausbesserungsanstalt (Korrektiv; corrective: something that counteracts, compensates, adjusts something, especially a disability) für die verfehlte Haushaltspolitik einiger Mitglieder zu dienen und sich dafür herzugeben. Der vorzeitige Rücktritt des Bundesbankpräsidenten Axel Weber sowie des Chefökonomen der EZB, Jürgen Stark, wurde mit dieser Entscheidung der EZB in unmittelbaren Zusammenhang gebracht. Weber und Stark wandten sich auch öffentlich gegen die Aufkäufe von Staatsanleihen und bestanden auf einer genauen Trennung zwischen Geldpolitik und Haushaltspolitik. - Dabei wurde indessen in der "medialen Aufbereitung" (medial processing) die Grössenordnung des EZB-Sündenfalls vielfach ausser Acht gelassen. Während andere Zentralbanken zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts und mehr auf diese Weise finanzierten, waren es bei der EZB nur etwas mehr als ein Prozent; im Herbst 2011 hatte die EZB hundert Milliarden Staatsanleihen in ihrem Portfolio. Freilich übernahm die EZB damit das mit diesen Anleihen verbundene Ausfallrisiko; dieses schätzten auch der EZB wohlgesonnene Fachleute auf über 80 Prozent. Das kommt einer Übertragung von Kaufkraft seitens aller Teilnehmer an der EWU an einzelne Mitglieder der EWU durch die EZB gleich - und zu einer solchen Verteilungspolitik hat die EZB nach dem EU-Vertrag keinerlei Befugnis. - Auch gilt es zu beachten, dass beim Kauf von Neuemissionen das Geld unmittelbar in die entsprechende Staatskasse fliesst. Im Gegensatz dazu bedeutet der Kauf auf dem Sekundärmarkt, dass der Staat in der Vergangenheit bereits einen Käufer für seine Schuldtitel gefunden hat. Es fliesst also kein Geld von der Zentralbank in einen öffentlichen Haushalt, sondern an andere Marktteilnehmer. Diese könnten das Geld für andere Zwecke einsetzen, etwa für Investitionen, also zur Verbesserung oder Erweiterung des Produktivkapitals. Dies führt CETERIS PARIBUS zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit, sofern das Kapital im eigenen Land sinnvoll investiert wird. Dem wiederum wird wohl zurecht entgegengehalten dass dem Begriff "Sekundärmarkt" keine zeitliche Bestimmung zugeordnet ist. Eine Bank kann beispielsweise Staatsanleihen als Primärkäufer (Ersterbwerber; first buyer) erwerben und diese Papiere - im Extremfall (in an extreme case) innert einer Sekunde - an die Zentralbank weiterveräussern. - Andererseits war aber die Kritik am EZB-Sündenfall in vielen Fällen gar nicht so sehr auf die Wirkung der Massnahmen gerichtet. Vielmehr sahen viele einen verhängnisvollen ordnungspolitischen Fehler, weil hier die Zentralbank Aufgaben der Regierung bzw. der Finanzpolitik übernahm. Denn immerhin haben Zinsen am Kapitalmarkt eine disziplinierende Wirkung. Wenn nun die EZB in die Märkte eingreift, dann mindert sie den Druck auf die entsprechenden Regierungen, die unumgänglichen Anpassungen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit einzuleiten - und dies wird zurecht wohl als ordnungspolitischer Grundfehler (basic regulatory mistake) gesehen. - Unleugbar aber stapeln sich in der Bilanz der EZB immer mehr Staatsanleihen, deren Wert zweifelhaft ist, und die wahrscheinlich auch bei Fälligkeit nicht bezahlt werden können. Die EZB ist damit in die Nähe einer Bad Bank gerückt. - Im Gefolge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise wurde die Geldpolitik der EZB letztlich weithin nur noch Antikrisenpolitik. Sie sah sich gezwungen, die Versäumnisse der Finanzpolitik auszugleichen. - Es sei aber nicht verschwiegen, dass die zentralbanklichen Aufkäufe auch mit grossem Wohlgefallen aufgenommen wurden, und zwar vor allem von den Politikern der Krisenstaaten, weil auf diesem Wege die überhöhten Bestände von Staatsanleihen in den Bankbilanzen abgebaut wurden. Auch wurde unterstellt, dass die EZB durch ihre Aufkäufe Banken beim 2014 anstehenden Stress-Test durch die europäische Bankenaufsicht entlasten wolle. Die EZB würde also die Fehlentwicklung bei einer Bank nicht nur feststellen, sondern in einem auch gleich beseitigen: ein Hauptgrund für die durchweg misstrauische Haltung in der deutschen Öffentlichkeit, die europäische Bankenaufsicht bei der EZB anzusiedeln.

– Siehe Anmassung, zentralbankliche, Angst, perverse, Aufkäufe, zentralbankliche, Bail-out, Bazooka, Covered Bonds, Credit Default Swap-Verflechtungen, Defizit-Finanzierungsverbot, Elisabeth-Frage, Erpressungspotential, Euro-Bonds, Europäische Währungsunion, Grundfehler, EZB-Unabhängigkeit, Führung, verbale, Handlungsbereitschaft, Hegemon, milder, Japanisierung, Kaldor-Hicks-Kriterium, Kredit, titrierter, Lug-und-Trug These, Monetaristen, Moral Hazard, Niedrigzins, Nuklearoption, Nullzins, Perpetuum Mobile, Plan C, Renationalisierung, geldpolitische, Rettungspaket, Schrottpapiere, Schuldenclub, Siebenprozent-Grenze, Staatsschulden-Rückführung, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Grundfehler, Südfront, Transferunion, Troika, Umverteilung, zentralbankbewirkte, Vermögensabgabe, Vertragstreue, Vertrauensblase, Währungsunion 2, Zentralbank-Reputation, Zentralbankkredit, öffentlicher, Weginflationierung, Zwangsenteignung.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juni 2010. S. 24 ff. und S. 33 ff. (dramatische Lage an den Finanzmärkten machte ein rasches Eingreifen der EZB durch Aufkäufe von Staatsanleihen angeblich unbedingt erforderlich), Jahresbericht 2010 der EZB, S. 21 (Begründung der Anleihekäufe), S. 111 (Umfang des Ankaufs gedeckter Schuldverschreibungen), Monatsbericht der EZB vom Juli 2011, S. 59 ff. (ausführliche Begründung der Massnahmen; viele Übersichten; Vergleiche mit Japan und Skandinavien), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2011, S. 43 (Aufschläge für Staatsanleihen der Pigs seit 2009), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2012, S. 32 (Kauf von Staatsanleihen seitens EZB und der Geschäftsbanken seit 2008; Übersicht), Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 20 ff. (Vertrauenskrise in der EWU und ihre Gründe), Monatsbericht der EZB vom September 2013, S. 45 ff. (Bilanzausweitung der EZB seit 2007; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

EZB-Unabhängigkeit (ECB independence):

Der EZB kommt durch den Vertrag von Maastricht formal, nämlich rein rechtlich betrachtet (from a purely legal point of view), eine sichere Unabhängigkeit zu. Denn ihr vertraglich festgelegtes Statut, nämlich das "Protokoll über die Satzung des Europäischen Systems der Zentralbanken und der Europäischen Zentralbank" kann nur geändert werden, wenn sämtliche vertragsschliessenden Staaten den Vertrag ändern und von ihren Volksvertretungen dazu auch die Zustimmung erhalten. Ein derart langwieriges Verfahren kommt nicht so leicht in Gang. - Eine andere Frage freilich ist, inwieweit durch Handlungen der Beschlussorgane der EZB selbst ihre Unabhängigkeit gefährdet ist, indem sie beispielsweise durch Mehrheitsbeschluss der Südfront durch Ankäufe von Staatsanleihen unbekümmert gegen den Stabilitäts- und Wachstumspakt handelnder Mitglieder entgegenkommt.

– Siehe EZB-Sündenfall, Hegemon, milder, Retterei.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

EZB-Zeit (ECB time):

Die Zeit des Ortes, an dem die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Sitz hat, nämlich Frankfurt am Main (Francfort on Main).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen