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Dach(-Hedge)-Fonds (fund of funds):

Das Vermögen einer Kapitalverwaltungsgesellschaft, das zur Gänze oder doch zum Grossteil in verschiedenen Fonds (fund portfolio; Fonds-Portfolio) angelegt ist.

– Siehe Fund of Funds.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Daimonion (daimonion, inlying advice; seltener Warnstimme):

In der alten griechischen Philosophie eine innere Stimme in jedem Menschen, welche bei entscheidenden Wahlhandlungen warnt und dadurch von der Ausführung eines gefährlichen Unterfangens (dangerous activity) abhält. Von da auf die Finanzwelt übertragen als Ermahnung des gesunden Menschenverstandes (common sense) gesagt, sobald ungewöhnliche Angebote - etwa weit über dem Marktzinssatz liegende Verzinsung - verbreitet werden.

– Siehe Agiotage, Anleger, verständiger, Blog, Börsenwucher, Cold Calling, Dampfstube, Darkrooming, Darstellungswährung, Deuteroskopie, Domizil-Verschleierung, Ein-Cent-Überweisung, Finanzgeier, Finanzmüll, Frontrunning, Geheimtip, Geschenk-Überweisung, Glamour Stocks, Goldtäuschung, Gründungsschwindel, Internetangebot, Klartext, Make-up, Nonvaleurs, Optimismus, unvernünftiger, Racheengel, Rendite-Risiko-Grundsatz, Schlangenhandel, Shitstorm, Siderismus, Supergewinn, Twitter, Verständlichkeit, Verlustempfinden, inkongruentes, Verlustfalle, Verschwörungstheorien, Winkelmakler, Wucher-Herausforderung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dammgeld (dam contribution):

Frühere Umlage zum Bau und zur Unterhaltung eines Dammes (a barrier for preventing the passage of water) an Küsten und entlang der Fluss- und Kanalufer (canal banks). - Vor der Regulierung - zeitgenössisch: Rektifikation; rectification - der meisten Flüsse, zum Beispiel ab 1815 des Oberrheins durch Johann Gottfried Tulla - im 19. Jht. vernichteten Überschwemmungen oft ganze Landstriche, so dass der Uferbefestigung (bank reinforcement) und damit dem Dammgeld volkswirtschaftlich höchste Bedeutung (utmost importance) zukam.

– Siehe Deichgeld, Knickgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dammzoll (wayside duty):

In älteren Dokumenten eine Abgabe zur Errichtung und zum laufenden Unterhalt eines Strassendamms (road embankment), vor allem zur Sicherung an gefährlichen Stellen des Geländes wie Steilhängen (steeps). Zahlungspflichtig waren alle die betreffende Strasse befahrenden Fuhrwerke. Personen zu Fuss und zu Pferd blieben in der Regel von der Entrichtung des Zolls ausgenommen.

– Siehe Chausseegeld, Furtgeld, Maut.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dampfstube (boiler room):

Ein

1. Standort, zumeist weit weg im Ausland, weil die Erlaubnis für Geschäfte im Inland nicht vorliegt,

2. von dem aus durch sehr hohe Provisionen motivierte Personen

3. über Telephon, E-Mail, Foren und auch über Blogs bzw. Netzwerke wie Twitter und Facebook

4. in aller Regel zweifelhafte Finanzprodukte und Kontrakte aller Art nicht ohne Erfolg anbieten (an enterprise that regulary is operated out of abroad, uses high pressure sales tactics, goes generally over social communications networks, and operates with false or misleading information to solicit unsophisticated investors).

– Der Marktanteil der Winkelmakler wurde für die USA im Jahre 2005 auf etwa zehn Prozent aller Finanztransaktionen geschätzt.

– Siehe Billigkopie, Blind Pool, Blue-sky laws, Börsenbriefe, Cold Calling, Darkrooming, Darstellungswährung, Deuteroskopie, Dingo-Werte, Enabler, Explorer-Werte, Falschberatung, Finanzgeier, Frontrunning, Geheimtip, Geldsauger, Geldwäsche, Ghettobanking, Glamour Stocks, Gründungsschwindel, Hawala, High risk countries, Inkasso-Stelle, Internet-Foren, Kursmanipulation, Make-up, Nonvaleurs, Offshore Finanzplätze, Pump and Dump, Racheengel, Scalping, Schattenbankbereich, Scheintransaktionen, Underground Banking, Winkelmakler.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 137 (Cold Calling im Zuge des Vertriebs von nichtbörsennotierten Aktien ausländischer Kleinstunternehmen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dänengeld und Danegeld (Danish pay):

1 Ein früher an Dänen zu zahlende Zwangsabgabe (Tribut; tribute) seitens der von ihnen beherrschten Völker.

2 Umlage zur Bemannung und Ausrüstung einer Streitmacht (armed forces) um räuberischen Einfällen der Dänen entgegenzutreten, auch Dänengulden (danegildum) genannt. Das 991 vom englischen König Ethelred II. (978-1016) eingeführte Dänengeld gilt in der Finanzgeschichte als erste Steuer des Mittelalters.

– Siehe Brandschatzgeld, Freikaufgeld, Friedensgeld, Hussengeld, Ranzion, Satisfaktionsgeld, Schatzung, Superindukt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dänenkrone (Danish crown):

Die Bevölkerung des EU-Mitglieds Dänemark hatte sich 1993 nach einem Nein gegen den Maastricht-Vertrag aus der gemeinsamen Währungspolitik, der EU-Militärpolitik sowie der Polizei- und Rechtszusammenarbeit ausgekoppelt. Eine Volksabstimmung zur Einführung des EUR im September 2000 ergab mehrheitlich eine Ablehnung. Die Euro-Gegner in Dänemark feierten begeistert diesen "Sieg". Die europäischen Institutionen und vor allem die EZB in Frankfurt übergoss man nach der Abstimmung mit Hohn. Der Wechselkurs der dänischen Krone blieb jedoch im Rahmen des Wechselkursmechanismus II fest an den EUR gekoppelt. - Eine für September 2008 vorgesehene erneute Volksabstimmung verschob die Regierung auf unbestimmte Zeit; nicht zuletzt aufgrund der Meinungsumfragen, die abermals eine Mehrheit gegen die Einführung des EUR vorhersagten. Bereits ein Monat später, am 27. Oktober 2008, musste die von vielen Dänen gescholtene EZB Dänemark mit 12 Mia Euro unterstützen, damit die Regierung das angeschlagene heimische Bankensystem am Leben erhalten konnte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Danismus auch Anatozismus (danism, anatocism):

In der älteren Literatur gesagt für Zinswucher, für die Berechnung eines über dem Marktzins liegenden Zinssatzes bei Finanzgeschäften.

– Siehe Agiotage, Finanz, Finanzgeier, Geldsauger, Plusmacherei, Rebbes, Sündengeld, Übersatz, Wucher, Wucher-Herausforderung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dareiko, auch Dareikon und Darkemon mit der Mehrzahl Dariken (daric):

Persische Goldmünze von 8,4 Gramm Gewicht aus dem 6. Jht. v. Chr., die in Kleinasien lange Zeit weit verbreitet blieb. Der Name leitet sich nach einigen ab von persischen Wort "dari" für "Gold", nach anderen vom persischen König Darius der Grosse (486-522 v. Chr.), nach wieder anderen weist das Wort auf den Bogenspanner mit Krone, Bogen und kurzer Lanze auf dem Revers der Münzen hin; auch weitere Erklärungen finden sich. Heute ist diese Münze ein sehr hoch bezahltes Sammlerstück (collector's item). Der Fälschungsanteil (quota of counterfeits) auf dem Markt für Dariken - freilich auch bei anderen Münzen aus dieser Zeit - wird von Marktkennern mit weit über fünfzig Prozent angegeben. Offenbar sind gerade Dariken schon sehr früh - wohl bereits im Römerreich - nachgemacht worden.

– Siehe Amalfiner, Drachme, Doublee-Münze, Florentiner, Münze, Numismatik, Obolus, Samarkander, Sekel, Stater, Talent, Urukagina-Regel, Zechine.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Darien-Pleite (Darien failure, Darien scheme, Darien venture):

In Schottland wurde 1696 die Company of Scotland als eine Aktiengesellschaft mit dem Ziel gegründet, eine schottische Kolonie in Darien im Ostteil von Panama zu errichten. Zwar bemühte man sich, den Plan einer Erschliessung des Landes zu verwirklichen. Die Kosten wurden aber bei weitem unterschätzt, sodass die Gesellschaft mit einem hohen Schuldenberg (mountain of debt) in Insolvenz geriet. An die 2'500 nach Darien gebrachte schottische Siedler starben an Ort und Stelle an Seuchen und Hunger. Das brachte Schottland an den Rand des Staatsbankrotts. - Die tiefe Finanzkrise beschleunigte den Zusammenschluss Schottlands mit England (Act of Union 1707); England übernahm im Unionsvertrag die Schulden Schottlands.

– Siehe Louisiana-Pleite, Rückkopplungs-Mechanismus, Too big to save-Grundsatz, Tulpencrash.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dark Pool (so auch im Deutschen gesagt; seltener ausserbörsliche Handelseinrichtung):

Handelsplattform für Finanzprodukte ausserhalb der Börse. Die Aufsichtsbehörden haben solche Geschäfte bis anhin vor allem dann genehmigt, wenn Gross-Orders den Markt unerwünscht beeinflusst hätten.

– Siehe Gegenpartei, zentrale, Markt, vierter, Markttransparenz, Over-the-Counter Trading, Waiver-Regelung.

– Vgl. Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 70 f. (Bemühungen um Transparenz bei Dark Pools), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 91 (Bericht der IOSCO; Aufsichtsbehörden sollen in Dark Pools eingreifen können, wenn sich Behinderungen des Preismechanismus anzeigen), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 92 ff. (intransparenter ausserbörslicher Derivatemarkt birgt Risiken).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Darkrooming (so auch im Deutschen gesagt; seltener Dunkelkammergeschäfte):

In der Finanzsprache meint man damit heikle Kontakte (dubious contacts) zu Handelspartnern im Internet, wo die Partner in der Regel weder örtlich zu bestimmen noch hinsichtlich ihrer Lauterkeit und Zuverlässigkeit einzuordnen sind.

– Siehe Cold Calling, Daimonion, Dampfstube, Deuteroskopie, Domizil-Verschleierung, Ein-Cent-Überweisung, Enabler, Finanzdetektiv, Finanzgeier, Frontrunning, Geheimtip, Geschädigten-Versammlung, Geschenk-Überweisung, Gründungsschwindel, Internet-Angebote, Internet-Foren, Kapitalmarkt, grauer, Racheengel, Rebbes, Schmu, Twitter, Verständlichkeit, Werbebeschränkungen, Winkelmakler.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Darlehn und Darlehen, in der älteren Literatur auch Darleihen und Anlehen (loan):

1 Allgemein die Leihe von Geld. - Leiht jemand jedoch eine Sache, die er nach gemachtem Gebrauch dem Herleiher (Verleiher; lender) zurückzugeben hat, so handelt es sich um eine Leihe, um einen Leihvertrag (lending contract).

2 Im finanztechnischen Sinne ein Geschäft, bei dem eine Bank als Darlehngeber (Gläubiger) dem Darlehnsnehmer (Schuldner) Geld zur zeitweiligen Nutzung überlässt; siehe § 488 BGB. Der Darlehnsnehmer verpflichtet sich gemäss Vertrag zur Rückzahlung und Verzinsung. In diesem Sinne ist Darlehn gleichbedeutend mit Kredit. § 492 BGB enthält eine Reihe wichtiger Rechtsvorschriften für Verbraucherdarlehns-Verträge (consumer credit contracts).

3 Im volkswirtschaftlichen Sinne Leihkapital, nämlich Geld, das gegen Zins zur Verfügung gestellt wird. Dessen genaue statistische Erfassung ist schwierig, weil es Banken über den Weg einer True-Sale-Verbriefung möglich ist, Darlehn aus der Bilanz auszubuchen, so dass diese nicht mehr von der amtlichen Statistik erfasst werden (in the case of true-sale securitisation, financial market developments make it possible for credit to be taken off the balance sheet and thus disappear from official statistics based on bank balance sheets).

4 In der älteren Literatur manchmal im Gegensatz zum Kredit - als die Geldaufnahme seitens eines Unternehmens, das mit dem geliehenen Geld einen Gewinn erzielen möchte, der erwartungsgemäss über dem vereinbarten Zinssatz liegt - die zeitweilige Überlassung von Geld

1. an einen Privathaushalt oder

2. an einen gewerblichen Kreditnehmer, der ausserstande ist, seinen gegenwärtigen Verpflichtungen nachzukommen.

5 In der älteren Literatur auch in der Bedeutung der Geldaufnahme nur zu Konsumtivzwecken - etwa ein Darlehn, um das Studium zu finanzieren - im Gegensatz zum Kredit, der zur Finanzierung der Produktion - etwa zur Schweinezucht - dient.

6 In der Sprache der Finanzjournalisten oftmals im Unterschied zum Kredit eine eher auf lange Zeit vereinbarte Ausleihung, wie etwa im privaten Wohnungsbau (private housing [construction] industry).

– Siehe Akkommodierung, Anleihequote, Annuitätsdarlehn, Arbeitgeber-Darlehn, Bankkredit, Bereitstellungsgebühr, Borgkraft, Buy-and-hold-Praktik, Eilkredit, Gelddarlehn, Investitionskredit, Konditionen-Nachweis, Konditionen-Spreizung, Kredit, Kredit, kurzfristiger, Kreditlinie, Kreditvolumen, Laufzeitgeld, Leasinggeschäft, Minderschätzung künftiger Bedürfnisse, Nichtabnahme-Entschädigung, Paketdarlehn, Pfandgeld, Projektierungskredit, Schwundgeld, Standarddarlehn, Term Loan, Überbrückungskredit, Unfruchtbarkeits-Theorie, Verbriefung, Verzinsung, Vorlage, Wucher, Wucher-Herausforderung, Zinslastquote, Zins(satz).

– Vgl. die einzelnen Posten im Sinne der Definition 2 im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Monetäre Entwicklungen, Banken und Investmentfonds", Unterrubrik "Kredite der MFIs, Aufschlüsselung" des jeweiligen Monatsberichts der EZB; Monatsbericht der EZB vom April 2007, S. 18 ff. (detaillierte Informationen zur Entwicklung der Darlehn seit 2004), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2009, S. 58 ff. (Darlehn im Eurogebiet seit 2004, aufgeschlüsselt nach verschiedenen Merkmalen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Darlehn, ausbezahltes (closed loan):

Ein Kredit, der dem Kunden zugebucht wurde, nachdem alle banküblichen Formalitäten abgeschlossen sind (a loan for which funds have been disbursed, and all required documentation has been executed, received and reviewed).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Darlehn, erlassbares (remissible loan):

Nach IAS (20.3) ein Kredit, den ein Darlehnsgeber mit der Zusicherung einräumt, auf die Rückzahlung unter bestimmten, vertraglich festgelegten Bedingungen zu verzichten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Darlehn, endfälliges auch Fälligkeitsdarlehn (bullet loan):

1 Ein Kredit, bei dem am Ende der Laufzeit die gesamthafte Darlehnsschuld, also der aufgenommene Betrag samt Zinsen, auf einmal getilgt wird.

2 Ein Kredit für den innert der Laufzeit nur die Zinsen zu zahlen sind; das aufgenommene Kapital jedoch wird erst am Ende der Laufzeit fällig (a term loan that calls for current interest payment but no current amortisation).

– Siehe Abzahlung, Amortisation, Anleihe, Ballon-Kredit, Balloon, Bullet Payment, Freijahre, Ratenkredit, Term Loan, Tilgung, Tilgungsträger.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Darlehn, gedecktes (covered loan):

Ein Kredit, der gegen besondere Sicherheitsleistungen des Schuldners - etwa: Hypothek, Verpfändung von Wertpapieren oder Waren - gewährt wird.

– Siehe Blankokredit, Kurantschulden, Kinderpfand, Mobiliarkredit, Realkredit, Sicherheiten, Unterlegung, Vorschusskasse.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Darlehn, geschlossenes auch Darlehn zu festen Bedingungen (cloed-end loan):

Die übliche Form eines Kredits, wobei die Höhe der Ausleihung, die laufenden Ratenzahlungen, das Fälligkeitsdatum und andere vertragliche Bestimmungen von vornherein festgeschrieben werden (common type of credit arrangement in which the lender, at the time credit is first extended, limits the amount of credit to a specific amount, determines the length of time for repayment and determines the amount of each periodic payment).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Darlehn, jederzeit kündbares (demand loan):

Ein Kredit, der auf Verlangen des Gläubigers unverzüglich zurückzuzahlen ist (a loan which has to be repaid immediately in full on demand of the creditor).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Darlehn, nicht standardisiertes (non-conforming loan):

In der der Regel ein Hypothekarkredit, bei dem in Bezug auf den Schuldner nicht alle die für einen normalen Kredit (conforming loan) notwendigen Unterlagen beigebracht wurden (generally a mortgage loan for which the borrower did not meet all of the traditional lending criteria, and for instance was already highly indebted, or for which no independent check was made to ensure that the applicant was not lying with respect to his financial and family situations).

– Siehe Ballon-Kredit, Kobra-Effekt, Luftpapiere, Ninja-Loans, Paritätsvorbehalt, Portfolio-Versicherung, Residental Mortgage Backed Securities, Subprime-Wohnraumfinanzierung, Wohnungsbaukredite, verbriefte, Zinsstundung, Zitronenhandel, Zwei-Achtundzwanzig-Kredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Darlehn, partiarisches (profit-participating loan):

Ergebnisabhängiger Kredit, bei dem der Darlehnsnehmer - in der Regel ein Unternehmen - nur dann Zinsen zahlen muss, wenn mit dem aufgenommenen Geld auch ein Gewinn erzielt wurde. - Aufsichtsrechtlich wird zwischen der nicht erlaubnispflichtigen Hingabe von Geld im Rahmen einer stillen Gesellschaft einerseits und einem unter Umständen erlaubnispflichtigen partialischen Darlehn als Kreditgeschäft genau unterschieden. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hat hierzu ein Merkblatt veröffentlicht.

– Siehe Gelddarlehn.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Darlehn, unfreiwilliges langfristiges (frozen loan):

Ursprünglich kurzfristig an einen Schuldner gewährter Kredit, der aber bei Fälligkeit nicht zurückbezahlt wurde und so für den Gläubiger nunmehr langfristig geworden ist.

– Siehe Kredit, kurzfristiger.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Darlehn, ungedecktes (unsecured loan):

Eine Ausleihung ohne Sicherheitsleistung des Kreditnehmers (a credit granted on the borrower's promise to repay the debt, and for which collateral is not a precondition), ein Blankokredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Darlehn, widerrufenes (revoked loan):

Eine Bank ist berechtigt, die Auszahlung eines zugesagtes Darlehn zu verweigern, wenn Umstände bekannt wurden, welche eine Rückzahlung seitens des Darlehnsnehmers als gefährdet erscheinen lassen; siehe § 610 BGB. In den formularmässigen Kreditbedingungen (within standard terms and conditions of credit accomodation) behalten sich Banken dieses Recht auch in der Regel ausdrücklich vor.

– Siehe Covenant, Bonitätsrisiko, Downgrade-Trigger-Klausel, Drittfälligkeits-Klausel, Drittverzugs-Klausel, Erstraten-Verzugsklausel, Event of Default, Kreditsperre, Leveraged Loan. Verwirkungsklausel, Vorfälligkeitsklausel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Darlehnforderungs-Verkauf (loan factoring):

Banken als Darlehnsgeber können nach deutschem Recht grundsätzlich ihre Forderungen verkaufen. Auch aufsichtsrechtlich ist gegen eine Veräusserung der Forderungen nichts einzuwenden.

– Siehe Kredit, nichtabtretbarer, Verbriefung.

– Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 195 (Beschwerden gegen entsprechende Transaktionen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Darlehn-gegen-Papiere-Geschäft (loan-against-papers deal):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter die Kreditgewährung an einen Hedge-Fonds, der im Gegenzug von der Bank direkt bzw. über eine Zweckgesellschaft ausplazierte und auf dem Wege der Verbriefung in Papiere umgewandelte Tranchen kauft. - Ökonomisch gesehen verbleibt diesfalls das Risiko bei der Bank. Denn gerät der Hedge-Fonds ins Schlingern, dann wird das Darlehn an den Hedge-Fonds uneinbringlich.

– Siehe Gelddarlehn, Single Master Liquidity Conduit, Rückschlag-Effekt, Verbriefungsstruktur.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Darlehnhaftung, beschränkte (non recourse loan):

Ein Kreditnehmer - etwa ein Bauherr - steht nur mit der zweckgebundenen Sicherheit - hier: das Haus - für das Darlehn ein, nicht jedoch darüber hinaus mit seinem Vermögen. Diese in einigen Ländern geltende Beschränkung bietet nachweislich Anreize zur leichtsinnigen Kreditaufnahme (careless borrowing).

– Siehe Besicherung, Ninja Loans, Subprime-Krise, Zwei-Achtundzwanzig-Kredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Darlehnvermittlung auch Kreditvermittlung (credit brokerage):

Verschafft ein Dienstleister einem Privathaushalt gegen Entgelt ein Darlehn, so bedarf ein solcher Vertrag der Schriftlichkeit (must be executed in writing). Weitere Vorschriften regeln §§ 655a bis 655e BGB.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Darleiher (lender):

In älteren Dokumenten oft gesagt für den Darlehnsgeber.

– Siehe Darlehn, Kredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Darstellung, glaubwürdige (faithful representation, fair presentation):

Sowohl nach IAS/IFRS als auch nach US-GAAP ist der Grundsatz der Fair Presentation die oberste Bilanzierungsregel und nicht das Vorsichtsprinzip (conservatism principle). Freilich ist der Stellenwert dieses Grundsatzes nach IAS/IFRS und US-GAAP unterschiedlich. Während er

1. nach US-GAAP ein sog. "Overriding Principle" darstellt, was bedeutet, dass zur Erhöhung der Aussagefähigkeit des Jahresabschlusses (in order to improve the information value of the financial statement) von Einzelvorschriften abgewichen werden kann - oder vielleicht gar muss -, so

2. schliessen die IAS/IFRS eine solche Auslegung durchgängig nicht ein. Der Grundsatz ist nur in ganz seltenen Ausnahmefällen (extremly rare circumstances) heranzuziehen. Ansonsten wird davon ausgegangen, dass die nachgelagerten Grundsätze und die Einzelvorschriften gesamthaft bei zureichender Anwendung zu einer Darstellung im Jahresabschluss führen, der dem Gebot einer glaubwürdigen Darstellung genügt.

– Siehe Angaben, verschleierte, Bewertbarkeit, Editionsgebot, Fair Value, IAS 39, Informations-Überladung, Klartext, Kürteil, Nichts, bilanzielles, Pensionsverpflichtungen, Publizität, situationsbezogene, Regelgegründet, Stetigkeit, Substance-over-Form-Grundsatz, Transparenz, Verständlichkeit, Vorhersagen, Vorsichtsprinzip, Wesentlichkeit, Zuverlässigkeit, Zweckdienlichkeit.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 55 f. (wesentliche aufsichtsrechtliche Bedenken gegen den FASB-Grundsatz der glaubwürdigen Darstellung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Darstellungswährung (presentation currency):

1 Begriff aus den IAS/IFRS. Geregelt wird hier der keineswegs seltene Fall, dass ein Unternehmen

1. Betriebsteile in verschiedenen Währungsräumen (divisions in different currency areas) besitzt,

2. bei denen in der jeweiligen Berichtswährung ein Abschluss erstellt wird

3. und nun die ermittelten Werte in einer einheitlichen Geldeinheit in der Konzernbilanz (group balance sheet) umgerechnet werden müssen.

2 Die in einem Vertrag in Bezug auf die Zahlung festgelegte Währung. Diese Angabe sollte unbedingt nach dem ISO-Währungscode geschehen. In Angeboten vor allem aus Offshore Finanzplätzen wird in der Regel mündlich und schriftlich "Dollar" genannt; gemeint ist aber dann beispielsweise der in seiner Kaufkraft bei weitem niedrigere Barbados-Dollar (BBD). Wie sich gezeigt hat, ist in diesen Fällen eine Rechtsverfolgung wegen Täuschung - als vorsätzliches Verhalten mit dem Ziel, bei einem anderen einen Irrtum zu erregen, siehe § 263 StGB - auch vor deutschen Gerichten aussichtslos.

– Siehe European Master Agreement, Finanzgeier, Klartext, Verständlichkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Data Mining (so meistens auch im Deutschen, seltener zielgerichtete Datensuche):

1 Bei einem Institut die Fahndung nach bestimmten Konten, Geschäften, Operationen, Umsätzen und anderen Vorfällen, in der Regel auf dem Weg über besondere Computerprogramme.

2 Der Einsatz von verfeinerten statistischen Methoden, um dem Management einer Bank Lösungsvorschläge für schwierige Entscheidungen anzudienen (the use of refined statistical techniques to find out answers to Gordian business decisions).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Datei-Verwaltung, zentralisierte (network attached storage):

Die Speicherung und Verwaltung sämtlicher Dokumente auf einem einzigen Grossrechner (central file server), auf den von Berechtigten aus der ganzen Welt von ihrem Arbeitsplatz aus zugegriffen werden kann. Besonders bei international tätigen Banken ist dies mit erheblichen Kostenvorteilen verbunden. Derartige Verträge der Banken mit entsprechenden Dienstleistern bedürfen der Einwilligung der Aufsichtsbehörden.

– Siehe Aktivitätsanalyse, Auslagerung, Back-off-Bereich, Diversity and Inclusion, Downsizing, Entlassungs-Produktivität, Gigabank, Insourcing, Konvergenzlösung, Outsourcing-Risiken.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Daten weiche (soft data):

In der Sprache der EZB grundsätzlich die Ergebnisse von vorausschauenden Erhebungen: von Erwartungen bei den Marktteilnehmern. Demgegenüber sind harte Daten (hard data) die EX POST gemessenen Zahlen tatsächlich eingetretener Ereignisse.

– Siehe Datenunsicherheit.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2006, S. 29.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Datenunsicherheit (data uncertainty):

In Bezug auf die Geldpolitik die Tatsache, dass zeitnahe und zuverlässige Daten über die aktuelle Wirtschaftslage kaum zur Verfügung stehen. Für die EZB kommt noch hinzu, dass die Vergleichbarkeit (comparability) der erfassten Daten für jedes Mitgliedsland aufgrund bis anhin noch bestehender unterschiedlicher Erhebungstechniken nicht immer gewährleistet ist. Auch können wichtige ökonomische Variable kaum unmittelbar beobachtet, sondern allenfalls geschätzt werden. Ein Beispiel hierfür bietet die Produktionslücke, nämlich die Abweichung der tatsächlichen Produktion vom Produktionspotential, also jener bei ausgelasteten Kapazitäten.

– Siehe Anweisungen, geldpolitische, Auslastungsrad, Ausrichtung, Daten, weiche, Feinsteuerungs-Operationen, Geldpolitik, vorausschauende, Gleichgewichtsmodelle, dynamisch-stochasti¬sche, Information, verspätete, Hurrikan-Schocks, Modellunsicherheit, Prognoseproblem, geldpolitisches, Schocks, strukturelle, Sparsamkeitsregel, Strukturunsicherheit, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2004, S. 15 ff., Monatsbericht der EZB vom September 2010, S. 79 ff. (teilweise Datenunsicherheit auch bei der Echtzeit-Datenbank unvermeidbar).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Daueremission (permanent issue, tap issue):

Die Begebung von Wertpapieren nach einem im Voraus bekannt gegebenen Zeitplan (schedule). - Besonders bei staatlichen Emissionen im Zuge der Schuldenaufnahme ist dieses Verfahren verbreitet und in Deutschland bei Bundesschatzbriefen, Bundesobligationen und Finanzierungsschätzen üblich sowie von Privatanlegern gern nachgefragt, weil man die jeweils ausgegebenen Papiere ohne Nebenkosten (incidental expenses) über die Hausbank erwerben kann. Auch Sparkassen und Genossenschaftsbanken in Deutschland sind herkömmlicherweise Begeber von dauernd oder wiederholt angebotenen Papieren.

– Siehe Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH, Bundeswertpapiere, Crowding-out, Daueremittenten-Privileg, Debt Issuance Programme, Emissionskalender, Fiscal Drag, Normalbegebung, Staatschuld, Tap, Verschuldungsquote, öffentliche, Zinsswap.

– Vgl. den jeweiligen Monatsbericht der EZB, Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Finanzmarkte" zu den Emissionen im Eurogebiet.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dauerauftrag (standing order):

Die Order des Kunden an seine Bank, zu festgelegten Terminen einen gleichbleibenden Betrag an einen bestimmten Empfänger zu überweisen (an instruction from a customer to its bank to carry out a regular payment of a fixed amount to a named payee).

– Siehe Überweisung, Zahlung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Daueremittenten-Privileg (tap issuer privilege):

Bis 2008 konnten vor allem Sparkassen und Genossenschaftsbanken Papiere prospektfrei öffentlich anbieten, wenn die entsprechenden Titel dauernd oder wiederholt begeben wurden. Diese Vergünstigung fiel zu Jahresende 2008 grundsätzlich weg.

– Siehe Daueremission.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 172 f. (Ausnahmen; Workshops für die betroffenen Institute).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dawes-Anleihe (Dawes loan):

Nach dem amerikanischen Finanzpolitiker Charles G. Dawes (1865-1951) benannte Schuldtitel, die das Deutsche Reich 1924 mit einem Kupon von ursprünglich sieben Prozent im Umfang von 960 Mio Goldmark oder 230 Mio USD emittierte, um den Reparations-Verpflichtungen aus dem Versailler Vertrag von 1919 nach dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) nachzukommen. Zur Besicherung der Anleihe hatte Deutschland die Reichseisenbahn, die Zölle und einige Verbrauchssteuern zu verpfänden. Der 1933 ins Amt gekommene Reichsregierung unter dem Kanzler Adolf Hitler (1889-1945) verfügte die Einstellung der Bedienung aller deutschen Auslandsschulden (termination of all debt servicing). - Im Jahr 1953 regelte die Bundesrepublik Deutschland im Londoner Schulden-Abkommen (London Agreement on German External Debt) die Ansprüche der Gläubiger. Trotzdem kam es in der Folge immer wieder zu Forderungen vor allem amerikanischer Anwälte an Deutschland in Zusammenhang mit der Dawes-Anleihe und sogar zu entsprechenden Klagen vor Gerichten. Darin einbezogen wurden auch einige andere alte Anleihen, wie etwa jene der Stadt Dresden aus dem Jahr 1925. Die erlöste Summe der Dresden-Anleihe in Höhe von umgerechnet 18,4 Millionen Reichsmark wurden von der Stadt damals für den Ausbau des städtischen Elektrizitätswerks und der Strassenbahn verwendet; die Anleihe sollte 1945 fällig werden. Der Bundesgerichtshof entschied 2004 letztinstanzlich, dass die damalige Stadt Dresden mit der heutigen Stadt Dresden juristisch nicht gleichzusetzen sei. Dieses Urteil erregte in den USA eine Welle der Empörung (a wave of outrage).

– Siehe Kammer für Wertpapierbereinigung, Realsicherheit, Staatsschulden, verweigerte, Wertpapiere, risikolose, Wohlstands-Index, Young-Anleihe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dax:

Deutscher Aktienindex, enthaltend um die dreissig Blue Chips, die jedoch gesamthaft ungefähr siebzig Prozent der deutschen Börsenkapitalisierung widerspiegeln. Der Index wurde am 1. Juli 1988 eingeführt und hat sich sehr rasch zu dem deutschen Börsen-Barometer schlechthin entwickelt. Damit die Titel möglichst genau die deutsche Wirtschaft widerspiegeln, so werden die in den Index einbezogenen Aktien regelmässig auf ihre Berechtigung und Gewichtung im Index überprüft. Derzeit gilt die sog. 35/35-Regel. Danach kann eine Aktie nur dann in den Dax aufgenommen werden, wenn sie sowohl hinsichtlich des Börsenumsatzes als auch des Free Float mindestens Platz 35 belegt.

– Siehe Tubos, Wertpapiere, qualifizierte.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 66, S. 70 ff. (Volatilität des Dax; indessen veröffentlicht die Deutsche Bundesbank im Statistischen Teil des jeweiligen Monatsberichts zwar laufend viele Indices, nicht aber den Dax), Monatsbericht der EZB vom November 2007, S. 67 ff. (Strukturelle Veränderungen am Aktienmarkt und Konsolidierung der Börsen; ausführliche Darstellung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dax-Future Option oft nur Dax-Future (so auch im Deutschen gesagt):

Ein Optionsvertrag, der sich auf einen bestimmten Indexstand des Dax bezieht.

– Siehe Bonus-Zertifikat, Kerviel-Skandal, Option.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Daytrading (so auch im Deutschen; seltener auch Tageshandel und Tagesgeschäfte):

Form des Wertpapierhandels, bei der Positionen innert eines Handelstages eingegangen und

1. im Regelfall gleichentags oder

2. in bis zu fünf Tagen (Innergame-Swing-Verfahren) wieder geschlossen werden (an investment practice in which one buys or sells short a security and then sells or buys the same security in the same trading day). Ziel des Day-Traders ist es, Kursänderungen zur Gewinnerzielung zu nutzen (the day-trader seeks to profit from short-term changes in price).

– Anbieter des Daytrading, nämlich Banken oder sogenannte Centres, stellen die hierfür erforderlichen technischen Handelsmöglichkeiten zur Verfügung, z. B. Echtzeit-Handel oder elektronisches Order-Routing. Entsprechende Aufträge gehen dadurch ohne nennenswerte zeitliche Verzögerung an die Börse. In Deutschland verlangt die Aufsichtsbehörde eine besondere Aufklärungspflicht der Kunden durch den Day-Trader.

– Siehe Bid-ask-Spread, Börsenhändler, individueller, Chase Winners, Devisenhandel, computerisierter, Fixed Income Arbitrage, Handelsbuchinstitut, Order, tagesgültige, Pips.

– Vgl. Jahresbericht 2001 des Bundesaufsichtsamts für den Wertpapierhandel, S. 9 f. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dead Presidents (so auch im Deutschen gesagt):

Banknoten der USA, auf denen ein verstorbener Präsident abgebildet ist (any denomination of banknotes in the USA that includes a portrait of an American dead president on it).

– Siehe Bob, Geldbezeichnungen, volkstümliche deutschsprachige, Greenback.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Deal (so auch im Deutschen gesagt, aber in unterschiedlicher Bedeutung):

1 In weitem Sinne jede Übereinkunft, die zum Abschluss von Verhandlungen getroffen wird (any agreement that is reached after negotiation).

2 Im Besonderen ein aktives Handeln auf dem Finanzmarkt, das zu einem Ergebnis führt und mit dem Begriff Engagement in etwa deckungsgleich.

3 Eine Beteiligungs-Investition in ein Unternehmen durch Kauf von Geschäftsanteilen, dann häufig auch Share Deal genannt. Dies geschieht nicht selten mit dem Ziel, bei dem Unternehmen vorhandene steuerliche Verlustvorträge (tax loss carryfowards: a legal means of re-arranging earnings to the benefit of the taxpayer) zu nutzen, d. h. sie mit in eigenen Geschäftsfeldern erzielten Gewinnen zu verrechnen und so die eigene Steuerlast zu senken.

4 Der Kauf von Vermögenswerten eines Unternehmens, dann auch Asset Deal genannt.

5 Das - zumeist auf einen Tag begrenzte - Angebot einer Bank an einen Kunden, eine bestimmte Menge neu begebener Papiere zu einem festen Zinssatz und einer bestimmten Laufzeit zu übernehmen, auch Bought Deal genannt.

– Siehe Deal Flow, Engagement, European Master Agreement, Geschäft, One-Night-Stand, Operation, Position, Transaktion, Umsatz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Deal Breaker (so auch im Deutschen gesagt; seltener Ablehnungs-Kriterium):

1 Der einzige ausschlaggebende Grund oder die entscheidenden Gründe, welche

1. allgemein gegen eine Beteiligung an einer Investition, einem Deal, und

2. im engeren Sinne bei einer Bank gegen die Gewährung eines Darlehns sprechen.

– In der Regel sind in Unternehmen und Banken die entsprechenden Entscheidungsprozesse im Vorfeld schematisiert, so dass die Fachleute aus der Marktforschung in bezüglichen Gutachten bereits begründete ablehnende Empfehlungen an die Beschlussorgane (decision-making bodies) geben.

2 Ein Umstand, der zum sofortigen Abbruch der Geschäftsbeziehung einer Bank mit dem Kunden führt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Deal Flow und Dealflow (so auch im Deutschen gesagt; seltener Partizipationsangebote):

1 Die Quote der bei einem Investor - in der Regel bei einer Kapitalverwaltungsgesellschaft - ankommenden Vorschläge auf Beteiligung; die Einladungen zu Engagements aller Art (the rate at which business proposals and investment pitches are being received by financiers such as investment bankers and other funding institutions).

– Siehe Deal, Roadshow.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Debent und Debitor (debtor):

In älteren Dokumenten gesagt für den Schuldner, also jemand, der verpflichtet ist, einer anderen Partei, dem Gläubiger, aufgrund eines Schuldverhältnisses (obligatory relation) etwas zu leisten.

– Siehe Debito.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Debentur (refund of duties; acknowledg[e]ment of acceptance):

In älteren kaufmännischen Dokumenten

1 ein Zollvorschuss (prepaid customs duty), den man aufgrund entsprechender Bestimmungen von der Zollverwaltung zurückerhält;

2 ein Empfangsschein, in Bezug auf die von einem Frachtführer (carrier) oder Schiffer übernommene Ware, auch Rezief und Rezif genannt; eine Quittung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Debitieren (charge):

In der älteren Literatur häufig gesagt für "belasten" im Sinne von "einem Konto abbuchen".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Debitkarte (debit card):

Beim Bezug von Bargeld an einem Automaten wird der abgerufene Betrag sofort dem Konto belastet (pay-now principle). Im Vergleich zu Kreditkarten sind Debitkarten mit niedrigeren oder gar keinen Gebühren für den Karteninhaber und für den Händler verbunden.

– Siehe Chipkarte, Counterfeit Card, Geld, elektronisches, Geldautomaten-Sperre, Geldkarte, Kreditkarte, Ticketing, elektronisches.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 94 ff. (Darstellung der elektronischen Bezahlverfahren; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Januar 2012, S. 83 ff. (Debitkarten gewinnen an Bedeutung; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Debitmasse (bankruptcy assets, bankrupt's estate):

In älteren Dokumenten das bei einem Konkurs noch vorhandene und zur Befriedigung der Gläubiger zur Verfügung stehende Vermögen; die Konkursmasse.

– Siehe Extensum, Insolvenz, Krida, Lokations-Urteil, Paritätsvorbehalt, Vorrangregel, unbedingte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Debito und Debitum (debt):

In älteren Dokumenten die Schuld: das im Rahmen eines Vertrags zu Leistende.

– Siehe Debent.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Debitorenlaufzeit (days sales outstanding):

Kennzahl, welche das von den Kunden im Durchschnitt in Anspruch genommene Zahlungsziel wiedergibt. Sie errechnet sich genauer aus den Forderungen aus Lieferung und Leistung mal 365 geteilt durch die Erlöse. - Mit der so gewonnenen Messziffer sollte man immer mit einigem Bedacht umgehen. Denn es sind neben anderem vor allem die jeweiligen branchenüblichen Zahlungsgewohnheiten genau zu beachten.

– Siehe Kreditorenlaufzeit, Working Capital.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Debitorenmanagement (credit control):

Bei einem Unternehmen bzw. einem Institut eine Arbeitsstelle, welche die Aussenstände überwacht und die Einbringlichkeit (collectibility) fälliger Forderungen (due receivables) beurteilt.

– Siehe Bankkunden-Profil, Factoring, Fact Sheet, Kundendossier, Liquiditätsmanagement, Passivmanagement, Risikomanagement.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Debt-Equity-Swap (so auch im Deutschen gesagt; seltener Schuldenswap):

1 Allgemein die Umwandlung von an Unternehmen zweifelhafter Bonität gewährte Darlehn in Beteiligungskapital.

2 Im Besonderen der Kauf von - in konvertibler Währung wie USD oder EUR - denominierten Forderungen der Banken gegenüber überschuldeten Ländern durch ein Unternehmen. Die Bank gibt

1. die uneinbringliche Forderung - in der Regel notleidende Anleihen - mit einem kräftigen Disagio ab.

2. Das erwerbende Unternehmen tauscht die so erworbenen Titel bei der Regierung des verschuldeten Landes gegen dessen heimische Währung ein.

3. Mit dem erlösten Geld wird eine Investition in dem Schuldnerland getätigt.

– Das Unternehmen hat dadurch den Vorteil, dass es preisgünstig an die gewünschte heimische Währung kommt, und das Schuldnerland zahlt auf diese Weise einen Teil seiner in konvertibler Währung denominierten Auslands-Verbindlichkeiten ab. - Freilich darf dabei nicht übersehen werden, dass eine Bank, die uneinbringliche Forderungen mit einem Abschlag verkauft, dadurch einen Verlust erleidet; der Gewinn des im Schuldnerland investierenden Unternehmens also grob gesehen dem Verlust der Bank gleichkommt.

– Siehe Anleihe, notleidende, Deal, Liquiditäts-Tausch, Schneegeld, Staatschuld, verweigerte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Debt Issuance Programme, DIP (so auch im Deutschen gesagt; seltener: Emissions-Rahmenvertrag):

Ein vertraglicher Rahmen und Musterdokumentation zwecks vereinfachter, standardisierter Begebung von Wertpapieremissionen am Kapitalmarkt.

– Siehe Daueremission.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Debt Principles (so auch im Deutschen gesagt):

Offenlegungspflichten für grenzüberschreitende öffentliche Angebote von Schuldverschreibungen sowie deren Zulassung zum Handel.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 65 (Beratungen über eine entsprechende Richtlinie in der Internationalen Organisation der Wertpapier-Aufsichtsbehörden).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Debt Tail (so auch im Deutschen gesagt; seltener Finanzierungspuffer):

Der zeitliche Unterschied zwischen

1. der Fertigstellung einer längerfristigen Investition und

2. der Laufzeit des Darlehns, mit dem dieses Vorhaben finanziert wird.

– Der Zweck ist hier, bei einer allfälligen Verzögerung in der Durchführung der Investition einen Puffer zu haben. Eine solche eingeplante Fristen-Inkongruenz ist in der Regel für den Investor günstiger als eine Anschlussfinanzierung (follow-up financing).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dechergeld (leather duty):

In alten Dokumenten eine Abgabe auf Leder. Decher = hier: Zahl von zehn Stück (Fellen) bei den Gerbern bzw. Lederermachern (Lederern; tanners).

– Siehe Lauergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Deckung (cover[ing]):

1 Allgemein eine offene Position schliessen (to close out an open position).

2 Bei Optionen der Kauf einer Option oder eines Warenvorrats um eine bestehende offene Position mit Verlust oder Gewinn zu schliessen (the purchase of an option or stock to close out an existing short position for either a profit or loss).

3 Zahlungsmittel für Verbindlichkeiten termingenau bereitstellen.

– Siehe Cap, Gnadengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Deckungsbeitrag (contribution margin, CM):

Der Betrag, der nach Abzug der variablen Kosten von den Netto-Verkaufserlös bleibt (the sales price minus the variable cost). Er dient zur Abgeltung der Fixkosten (capacity costs, cost of readiness). Ein darüber hinausgehender Erlös ist Gewinn (the sum of each sale that remains after the variable costs are subtracted). Im Einzelnen kennt man auch bankbetrieblich (for banking operations) eine Reihe verfeinerter Berechnungsmethoden.

– Siehe Aufwand Ergebnis.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Deckungsgeschäft (covering transaction):

1 Operation zur Sicherung einer vertraglich eingegangenen Terminverpflichtung (the purchase of any asset that had been previously sold short; in doing so, this purchase will close out the position).

2 Die zwangsweise Begleichung eines Börsengeschäftes, wenn die Gegenpartei ihre Verpflichtungen aus dem Kontrakt nicht erfüllt.

– Siehe Barmarge, Hedge-Geschäft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Deckungsgrad (cover):

1 Bei einer Aktiengesellschaft eine Kennzahl, gebildet aus dem ausschüttbaren Gewinn, geteilt durch den ausbezahlten Betrag (the total net profit a company has available for distribution as dividend, divided by the amount paid, gives the number of times that the dividend is covered).

2 Bei Vorsorgeeinrichtungen das Verhältnis zwischen dem vorhandenen Vermögen und dem auf Grund des gewählten Finanzierungsverfahrens berechneten Deckungskapitals. Das Deckungskapital ist die Differenz aus dem Barwert der künftigen Leistungen - Geldströme, die einmal ausbezahlt werden - und dem Barwert der künftigen Beiträge als die Geldströme, die einmal einbezahlt werden.

– Siehe Sicherungsvermögen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Deckungsprüfung (audit on cover assets):

Wenn nicht anders definiert, die aufsichtliche Kontrolle bei Pfandbrief-Emittenten. Untersucht wird dabei, ob die als Deckung für die Pfandbriefe dienenden Vermögenswerte den gesetzlichen Bestimmungen entsprechen.

– Siehe Hypothekenbank, Liquiditätsmanagement.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 70 ff. (Kontrollen auch bei Landesbanken und Sparkassen; aufgeschlüsselter Prüfungsbericht), S. 119 (neue Deckungsregisterverordnung), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 130 (Beanstandungen bei der Beleihungswertermittlung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Deckungsquote (coverage ratio):

1 Bei einer Bank - wenn nicht ausdrücklich anders dargelegt - das Verhältnis von

1. Grundkapital (capital equity)

2. plus Forderungen an Kreditnehmer (loan reserves)

3. minus notleidende Kredite (non performing loans)

4. zu den Aktiva gesamthaft (total assets).

– Der Internationale Währungsfonds hat die einzelnen, jeweils unter die genannten Summengrössen fallenden Posten genau definiert. Zudem haben die nationalen Aufsichtsbehörden entsprechende Berechnungen festgelegt.

2 Bei Hypothekenbanken die in Deutschland nach der Hypothekenpfandbrief-Barwert-verordnung vorgeschriebenen Aktiva (Deckungsmasse [coverage assets] zur Sicherstellung der fristgerechten Zins- und Tilgungsleistungen). Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht nimmt zu diesem Zweck Deckungsprüfungen vor.

– Siehe Beleihungswertermittlungsverordnung, Deckungsgrad, Deckungsprüfung, Eigenkapitalquote, aufsichtsrechtliche, Cook-Ratio, Finanzstabilität, Kapitalbedarfs-Verordnung, Liquiditätskrisenplan, Liquiditätspuffer.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 120 (geforderte Korrekturen der Deckungswerte), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 112 (die Ansprüche der Pfandbriefgläubiger müssen sowohl nennwertig als auch barwertig durch Vermögensgegenstände wie Hypotheken gedeckt sein) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Deckungsstock (cover fund, insurance coverage fund, security assets):

1 Älterer Ausdruck für die bei Versicherungsunternehmen in die Bilanz aufzunehmende, gesetzlich vorgeschriebene Rückstellung für künftig fällig werdende Versicherungsleistungen. Die neuere Bezeichnung ist Sicherungsvermögen.

2 Bei forderungsbesicherten Anleihen gesagt von den jeweils zugrundeliegenden Zahlungsverpflichtungen (payment obligations).

– Siehe Aktienkurs-Risiko, Anlageverordnung, Covered Bonds, Deckungsgrad, Liquiditätsmanagement, Wertschwankungsrisiko.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 144 sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Deckungsstockfähig (acceptable as cover for liabilities of insurance companies):

Wertpapiere, die deutsche Versicherungen gemäss gesetzlicher Vorschrift in ihre Rücklagen - für die besondere Bestimmungen hinsichtlich der Anlage und Gliederung bestehen - aufnehmen dürfen.

– Siehe Deckungsstock.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 49 f. (geplante EU-Richtlinie), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 78 f. (Änderung der Anlageverordnung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dedicated Short Bias (so auch im Deutschen gesagt; seltener [undeutlich] zeitabgestimmtes Engagement):

Ein Investor - in der Regel ein Hedge-Fonds - leiht sich von Brokern ausgewählte Papiere - in der Regel Aktien oder Aktien-Optionen -, die er als überbewertet einstuft. Er verkauft diese sogleich am Markt, in der Hoffnung, sich zu einem späteren Zeitpunkt billiger eindecken und den Verleiher beliefern zu können. Auch wenn allfällige Kaufpositionen als Gegengewicht eingegangen werden, so bleibt das Portfolio netto doch auf fallende Kurse - auf Short - ausgerichtet.

– Siehe Future, Hedge-Fonds-Strategien, Long-Position, Option, Position, ungedeckte, Short-Position, Spekulation.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Deduktion (deduction):

Im finanztechnischen Sinne die Minderung - der Abzug - einer Geldsumme, die dadurch von einem Bruttobetrag zu einem Nettobetrag wird.

– Siehe Abschlag, Abschlussgebühr, Aufhebungsentgelt, Bankgebühren, Courtage, Dekort, Einschlag, Negativzins, Refaktie, Vergütung, Vorfälligkeits-Entschädigung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Deep-Discount-Anleihe, Deepdiscounter und Rabattanleihe (deep discount bond):

Eine Anleihe mit einem Kupon - also dem Zinssatz der Anleihe -, der zum Zeitpunkt der Begebung deutlich unter dem Marktzinssatz liegt. Der Unterschied zwischen dem marktgerechten Zinssatz und dem Kupon wird am Ende der Laufzeit in Form eines Mehrbetrags bezahlt. Im Regelfall wird der Deep Discounter - wie dies der Name schon ausdrückt - mit einem Emissionskurs deutlich unter hundert Prozent abgegeben. Der Emissionskurs ist rechnerisch in etwa der mit dem Marktzinssatz über die Laufzeit abgezinste Wert des Rückzahlungsbetrages sowie der einzelnen Kupons.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Defaveur (disfavour):

In älteren Dokumenten ein aus der Sicht des Verkäufers viel zu niedrig erzielter Preis.

– Siehe Marktrisiko, Preisrisiko, Verlust.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Default (so oft auch im Deutschen):

In der Finanzsprache jederart Leistungsstörung in einer Vertragsbeziehung.

– Siehe Ausfall, Ausfall-Verlust, Covenant, Darlehn, widerrufenes, Delinquent, Downgrade-Trigger-Klausel, Drittfälligkeits-Klausel, Drittverzugs-Klausel, Erstraten-Verzugsklausel, European Master Agreement, Event of Default, Intercreditor Agreement, Geldvergessliche, Probability of Default, Rechnungs-Stapelung, Säumnisquote, Verlust, Verzug, Verwirkungsklausel, Vorfälligkeitsklausel, wechselseitige, Zahlungsausfall, Zahlungsausstand.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Defeasance (so auch im Deutschen gesagt; seltener Kreditsicherungshinterlegung):

Allgemein eine Finanzierungstechnik, bei der

1. ein Betrag an Bargeld oder von - erstklassigen - Papieren hinterlegt wird,

2. aus dem der Gläubiger die Zinsen aus dem gewährten Darlehn entnehmen kann (the borrower deposits a portfolio of assets to a creditor. The portfolio of assets is designed to meet interest payments and repay the principal of the debt. By this, the assets are risk-free assets or low risk).

– Entsprechende Verträge können auch zwischen einer Bank und einer von ihr eingerichteten Zweckgesellschaft abgeschlossen werden. - Im Zuge der Subprime-Krise geriet diese Finanzierungsform stark in Verruf. Denn viele der hinterlegten und von Rating-Agenturen als erstklassig eingestuften Titel erwiesen sich plötzlich als wertlos. Aber auch die gewährten Darlehn konnten jetzt nicht zurückgefordert werden, weil die Kreditnehmer - vor allem Zweckgesellschaften und Fonds - das Geld zum Kauf von Papieren ausgegeben hatten, die gleichfalls auf den Wert null sanken: das Geld war nämlich auf dem Weg der Entkapitalisierung weithin in den Luxuskonsum geflossen.

– Siehe Credit Enhancement, Darlehn-gegen-Papiere-Geschäft, Diamond-These, Erstverlust-Tranche, Kreditderivat, Originate-to-distribute-Strategie, Originator, Pool, Reintermediation, Repackaging, Rückschlag-Effekt, True-Sale-Verbriefung, Unterseeboot-Effekt, Verbriefung, Verbriefung, traditionelle.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Defekte (defects, deficit):

Im Finanzsektor Fehlbeträge, die am Ist-Bestand von Bargeld oder Wertpapieren gegenüber dem buchungsmässigen Soll-Bestand entstanden sind. Gründe dafür sind vor allem Untreue (Betrug, Unterschlagung, Urkundenfälschung seitens des Personals), Irrtum, Dienstvernachlässigung und Diebstahl.

– Siehe Abmangel, Compliance, Depekulation, Finanzpflichttreue, Finanzschurke, Geldunterschlagung, Risiko, banktechnisches, Untertunnelung, Veruntreuung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Defektur (invoice verification):

In älteren Dokumenten das Aufsuchen allfällige Fehler in Rechnungen und die Feststellung des richtigen Rechnungsbetrags.

– Siehe Defekte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Defensionergeld (defense levy):

In alten Dokumenten eine Abgabe vor allem in den Städten, um während des Dreissigjährigen Krieges (1618-1648) sog. Defensioner (ortsansässige Bürger sowie Bauern aus dem Umland: eine Landwehr-Mannschaft; territorial army) auszurüsten.

– Siehe Abgaben, Abzugsgeld, Allodgeld, Anzugsgeld, Brandschatzgeld, Dänengeld, Fersengeld, Frongeld, Fudelgeld, Hussengeld, Satisfaktionsgeld, Schatzung, Superindukt, Türkengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Deferent (deferent, coiner's mark, mint mark):

Auf Münzen das Zeichen des Prägeorts (place of minting) oder des Münzmeisters (master of the mint).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Deficit-Debt-Adjustment (so auch im Deutschen gesagt):

Die Differenz zwischen der Summe des Defizits der öffentlichen Haushalte und der Veränderung der öffentlichen Verschuldung, in Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausgedrückt.

– Siehe Defizitneigung, Inverzugsetzung, Kontrollkonto, Minhas-Gerais-Problem, Nettogläubiger, Politikverzug, Staatsschuld(en), Stabilitäts- und Wachstumspakt, Verschuldung, Verschuldungsanreiz, Vertrauensverlust, Wachstum-Schulden-Tatsache, geschichtliche.

– Vgl. den Stand im Eurogebiet ausgewiesen im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Öffentliche Finanzen", Unterrubrik "Veränderung der Verschuldung" im jeweiligen Monatsbericht der EZB.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Deficit Spending (so auch im Deutschen gesagt; seltener Defizitfinanzierung):

Bewusste, geplante Überschreitung der Ausgaben über die Einnahmen in einem öffentlichen Budget, also beabsichtigte Staatsverschuldung. - Viele glaubten früher, dass sich auf diese Weise eine sich im Abschwung befindliche Volkswirtschaft in die Vollbeschäftigung zurückführen lasse, und man das Defizit dann in dem dadurch bewirkten Boom sehr leicht wieder ausgleichen könne. Die Erfahrung hat indessen deutlich genug gezeigt, dass dies nirgends gelang.

– Siehe Defizit-Falke, Haushaltsdefizit, Krise, Landung, weiche, Rezession, Haushaltsdefizit, Staatsverschuldungs-Druck, Zyklik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Definanzierung (outpayment):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter im betrieblichen Rechnungswesen eine Auszahlung, durch welche der Kapitalbestand verringert wird, wie etwa durch Rückzahlung eines Darlehns.

– Siehe Ausgaben.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Definitiver Kauf bzw. Verkauf (outright transaction [Betonung bei adverbiellem Gebrauch von outright = auf der ersten Silbe, sonst liegt der Akzent auf der zweiten Silbe]):

Bei der EZB eine Transaktion, bei der die Vermögenswerte am Markt per Kasse oder Termin endgültig kauft oder verkauft.

– Siehe Abwicklungsbestätigung, Closing, Buchgewinn, Finalität, Mistrade, Übertragung, endgültige.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Defizit (deficit):

1 Der Zustand einer Wirtschaftseinheit, bei welcher die Ausgaben die Einnahmen oder übersteigen (a situation for an economic unit where expenses exceed income).

2 Der Staat gibt mehr aus, als er einnimmt (relating to general government: the amount by which outlays exceed receipts in a given fiscal period).

– Siehe Deficit Spending, Defizitquote, Haushaltsdefizit, Insolvenz, Nachhaltigkeit, Nonaffektations-Prinzip, Parafiskus, Schuldenbremse, Staatsverschuldung, Staatsverschuldungs-Druck, Stabilitäts- und Wachstums¬pakt, Sunset-Vorbehalt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Defizient (deficient, deb[i]tor):

In der älteren Finanzsprache auch gesagt für einen Schuldner.

– Siehe Bankrott, Insolvenz, Krida.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Defiziteinheiten (deficit units):

Unternehmen und der Staat, die (in der Regel über die Vermittlung von Banken) Spargeld von Privathaushalten aufnehmen.

– Siehe Überschusseinheiten, Sparwut.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Defizit-Falke (deficit hawk):

Im politischen Raum eine - meistens abträglich gemeinte - Bezeichnung für jemanden, der sich mit Nachdruck für ein Gleichgewicht im Budget einsetzt und bestrebt ist, die Staatsverschuldung in Grenzen zu halten (colloquial term for politicians who place great emphasis on keeping the national budget under control, and deficits low).

– Siehe Deficit Spending, Defizitquote, Finanzpolitik, Haushaltsdefizit, Kamerale, Kreditvotum, Nachtragshaushalt, Nonaffektations-Prinzip, Parafiskus, Schattenhaushalt, Staatsschulden, Stabilitätspolitik, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Tilgungsfonds.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Defizit-Finanzierungsverbot (no-bailing-out clause):

Die EZB darf Regierungen oder regierungsähnlichen Stellen in der EU keinerlei Darlehn gewähren, auch nicht auf dem Weg der Übernahme von Schuldverschreibungen. Dies ist in Art. 123 AEUV sowie in Art. 21 des dem EGV beigefügten "Protokolls über die Satzung des Europäischen Systems der Zentralbanken und der Europäischen Zentralbank" ausdrücklich festgelegt.

– Siehe Angst, perverse, Anmassung, zentralbankliche, Angst, perverse, Aufkäufe, zentralbankliche, Bail-out, Bilanzbereinigung, Europäische Währungsunion, Grundfehler, EZB-Sündenfall, Staatsschulden-Rückführung, Umverteilung, zentralbankbewirkte, Vertragstreue, Weginflationierung, Zentralbankkredit, öffentlicher.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Defizitneigung (propensity to budget deficit):

Die in demokratischen Staaten empirisch eindeutig feststellbare Tatsache, dass

1. Regierungen vor ihrer Wiederwahl zum Mittel der Verschuldung greifen,

2. um bestimmte Wählergruppen (groups of voters) anzusprechen.

3. Dies wirkt sich über kurz oder lang auf den Geldwert aus.

– Im Stabilitäts- und Wachstumspakt versuchte man ursprünglich in der Eurozone, eine solche unsolide Finanzpolitik einzudämmen.

– Siehe Bailout, Geldpolitik, Currency-Swing, Deficit Spending, Minhas-Gerais-Problem, Nachhaltigkeit, Nonaffektations-Prinzip, Politikverzug, Staatsverschuldung, Verschuldungsanreiz.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2005, S. 69 f. (Defizitneigung wächst), S. 76 f. (Möglichkeiten für den Defizitabbau).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Defizitquote (deficit ratio, budget deficit ratio; fiscal deficit ratio):

Fiskalpolitisches Konvergenz-Kennzeichen nach Art 104, Abs. 2 EGV, dort definiert als "Verhältnis zwischen dem geplanten oder tatsächlichen öffentlichen Defizit und dem Bruttoinlandsprodukt zu Marktpreisen." Im dem EGV beigefügten "Protokoll über das Verfahren bei einem übermässigem Defizit" (Protokoll № 20) sind die einzelnen Begriffe genauer definiert.

– Siehe Gruppendruck, Haushaltsdefizit, Haushalts-Tricks, Nachhaltigkeit, Nonaffektations-Prinzip, Parafiskus, Politikverzug, Primärüberschuss, Schuldenquote, Semester, europäisches, Sensitivitätsanalyse, haushaltspolitische, Staatsverschuldungs-Druck, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Steuerquote.

– Vgl. die Rubrik "Öffentliche Finanzen" im Teil "Statistik des Euro-Währungsgebiets" des jeweiligen Monatsberichts der EZB sowie zur Schnellschätzung des Bruttoinlandsprodukts Monatsbericht der EZB vom Juni 2003, S. 51 f., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2005, S. 23 ff. (ausführliche, vergleichende Darlegung), Monatsbericht der EZB vom August 2005, S. 63 ff. (Erhöhung der Defizitquote im Eurogebiet folgt aufgrund der "Reform" des Stabilitäts- und Wachstumspaktes), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2008, S. 22 f. (Defizitquote einzelner Mitgliedsländer im Eurogebiet; Beurteilung; Übersichten), Geschäftsbericht 2008 der Deutschen Bundesbank, S. 52 ff. (Defizitquote Deutschland 1996–2008; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom März 2010, S. 95 (Erwägungen zur Finanzpolitik: vier schwerwiegende Folgen hoher Haushaltsdefizite), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2013, S. 62 ff. (Schuldenquote in EWU steigt; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Deflation (deflation):

Ein

1. nachhaltiger Rückgang im Preisniveau und wenn nicht anders angegeben: gemessen am Index der Konsumentenpreise

2. über einen gewissen Zeitraum, wobei in der Regel zwei Vierteljahre zugrundegelegt werden,

3. der sich in den Erwartungen verfestigt und

4. zu einem anhaltenden Rückgang in der Wirtschaftstätigkeit gesamthaft führen kann.

– Ein vorübergehender Rückgang der Preise oder auch ein Sinken der Aktienkurse ist mithin keine Deflation, wiewohl dies häufig in den Medien so bezeichnet wird. Gefährlich sind fallende Preise, wenn gleichzeitig die Nominallöhne starr bleiben. Denn dann geht ein Preisverfall zu Lasten der Gewinne und damit der Investitionen, was zwangsläufig über kurz oder lang zu einem starken Rückgang der Beschäftigung führt.

– Siehe Deflation, gute, Deflation, schlechte, Deflation, hässliche, Deflations-Spirale, Geldwertstabilität, Inflation.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2003, S. 16 ff. (Erläuterungen), Monatsbericht der EZB vom Juni 2014, S. 70 ff. (ausführliche Erläuterung; Übersichten; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Deflation, digitale (digital deflation):

Die Tatsache, dass der Preis für den vielleicht heutzutage wichtigsten Rohstoff, nämlich Informationen, in den letzten Jahrzehnten stetig gesunken ist. Alle Güter, die mit der Digitalisierung in Berührung kommen, sinken im Preis, obgleich sie meistenteils sogar qualitativ besser werden. So brachte beispielsweise Apple im Jahr 2007 das iPhone für 599 USD auf den Markt; ein Jahr später kostete es noch ein Drittel dieses Preises (in the meantime, users may benefit from a variety of new functions and lower costs for existing iPhone and its substitutes).

– Siehe Dienstleister, wissensbasierte, Dienstleistungs-Inflation.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Deflation, gute (good deflation):

Erscheinungsform der Deflation, bei der

1. die Preise wegen kräftiger Produktivitätsfortschritte in der Industrie sinken,

2. mit denen aber die Nachfrage nicht mithalten kann.

– Geschieht dies in einem Umfeld starken Wachstums, fester Vermögenspreise und elastischer Kreditvergabe der Banken, dann ist dies nicht schädlich. Im Gegenteil: der Wohlstand der Bevölkerung vergrössert sich, weil das Sinken des Preisniveaus in einem dermassen gesunden Umfeld die Kaufkraft der Bürger erhöhen würde.

– Siehe Deflation, Deflation, böse, Deflation, hässliche.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Deflation, schlechte (bad deflation):

Erscheinungsform einer Deflation, bei welcher

1. eine stagnierende oder kaum wachsende Wirtschaft

2. auf nach unten starre (downward inflexible) Löhne trifft.

– Geht der Umsatz der Unternehmen nominell - also zu laufenden Preisen bewertet zurück, weil die Verbraucherpreise sinken und vielleicht auch die abgesetzten Mengen rückläufig sind, dann geraten die betroffenen Unternehmen in die Verlustzone. Es kommt zu Insolvenzen, und Arbeitskräfte werden freigesetzt. - Die Gefahr steigender Arbeitslosigkeit besteht aber auch dadurch, dass die Unternehmen zu Entlassungen neigen, weil ihnen der Ausgleich über sinkende Lohnkosten nicht zur Verfügung steht; wobei erfahrungsgemäss zunächst Leiharbeiter (temporary worker, contract staff) entlassen werden, um die Stammbelegschaft (core workforce) zunächst noch zu halten. Die "verlorene Dekade" In Japan - grob zwischen 1990 und 2000 - wird als Beispiel einer schlechten Deflation angesehen. - Ursächlich für diese Art der Deflation ist vor allem das Platzen von spekulativen Blasen auf dem Immobilien- oder Aktienmarkt; und zumal dann wenn diese Vermögenswerte durch Darlehn finanziert wurden. Die sinkenden Vermögenspreise führen jetzt zur Überschuldung von Privathaushalten und Unternehmen; durch die dadurch ausgelösten Kreditausfälle geraten dann auch die Banken in Not.

– Siehe Aktienblase, Deflation, Deflation, gute, Deflation hässliche, Deflations-Spirale, Immobilienblase, Überkonsum.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2012, S. 87 ff. (ökonomische Stagnationsphase in Japan), Monatsbericht der EZB vom Juni 2014, S. 70 ff. (ausführliche Erläuterung; Übersichten; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Deflation, hässliche (ugly deflation):

Eine sich schrittweise verstärkende schlechte Deflation. - Wenn das

1. Vermögen weniger wert ist,

2. die Schulden hingegen nominell, also zu laufenden Preisen bewertet, gleich geblieben sind,

3. dann ist es ökonomisch richtig, die eigene Bilanz in Ordnung zu bringen, indem man Schulden abbaut.

4. Wenn nun aber alle gleichzeitig versuchen, ihren Vermögenshaushalt durch Schuldenabbau bzw. vermehrtes Sparen im Falle der Privathaushalte ins Gleichgewicht zu bringen, so kommt es zu einem Kollaps der Wirtschaft gesamthaft, weil niemand mehr konsumiert und investiert.

5. Wird nun dieser sich selbst verstärkende Prozess (self-reinforcing process) nicht von der Wirtschaftspolitik aufgehalten, dann kommt es zu einer "Grossen Depression."

– Aus Furcht vor einer solchen leiteten die Regierungen fast aller EU-Staaten im Laufe des Jahre 2008 und 2009 Massnahmen ein, als sich die Eurozone nach Ansicht vieler Experten auf eine schlechte Deflation zubewegte.

– Siehe Ansteckungswirkungen, Apfelernte-Schluss, Deflation, Deflation, gute, Deflations-Spirale, Finanzmarkt-Stress, Kreditkarten-Fiasko, Mark-to-Model-Ansatz, Ninja-Loans, Pay-Green-Initiative, Rush to exit, Schock, externer, Schocks, strukturelle, Stress-Test, Subprime-Krise, Szenarien, aussergewöhnliche.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Deflationierung (deflationisation):

Die Preisbereinigung der von der Statistik erfassten ökonomischen Daten, insbes. im Zuge der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. Seit 2005 wird das Bruttoinlandsprodukt auch in Deutschland - wie in den USA seit 1996 und in Japan seit 2004 - mit der Vorjahrespreis-Methode deflationiert, und nicht mehr mit der eines zunehmend weiter zurückliegenden Basisjahres. Diese Umstellung geschah aufgrund einer Verordnung (ordinance) der Europäischen Kommission. - Mit Deflation als dem Sinken der Preise hat dies nichts zu tun, wiewohl das nicht selten damit verwechselt wird.

– Siehe Preisindex, hedonistischer.

– Vgl. für Deutschland den Statistischen Teil des jeweiligen Monatsberichts der Deutschen Bundesbank, Rubrik "Konjunkturlage" (dort das Bruttoinlandsprodukt sowohl zu laufenden Preisen als auch preisbereinigt nach Entstehung und Verwendung in einzelne Positionen aufgegliedert).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Deflations-Spirale (deflation spiral):

1 Wenn die Menschen glauben, dass die Preise sinken, dann

1. stellen sie anstehende Anschaffungen (planned purchases) zurück; denn sie erwarten, bald alles noch billiger kaufen zu können.

2. Dadurch überfüllen sich die Läger der Hersteller.

3. Diese müssen die Produktion drosseln (are forced to cut-back production) und

4. Arbeitskräfte freisetzen. Das bewirkt, dass

5. aufgrund der jetzt weniger bezahlten Löhne und Gehälter weiter Kaufkraft verlorengeht, folglich

6. die Produktion weiter zurückgefahren werden muss und noch mehr Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren. Dazu

7. werden sich die Unternehmen angesichts dieser Lage im Einkauf zurückhalten; denn Lagerhaltung wird leicht zur Verlustquelle, wenn die Verkaufspreise stetig fallen und sogar unter die Einkaufspreise und Produktionskosten sinken.

– Um diesen Teufelskreis (vicious cycle) erst gar nicht in Gang kommen zu lassen, ist es wichtig, die Erwartungen von Konsumenten und Unternehmen über die künftige Preissteigerungsrate stabil zu halten.

2 Sinken die Preise, so nimmt

1. die reale Last der Schulden in den Unternehmen zu; denn sie erlösen für ihre Güter weniger Geld, müssen aber weiterhin eine gleich bleibende nominale (in money terms) Schuld bedienen.

2. Firmen, die einen hohen Anteil an Fremdkapital (borrowed capital) haben, können dadurch rasch in Zahlungsschwierigkeiten kommen.

3. Sind auf diese Weise viele Unternehmen betroffen, so sitzen die Banken plötzlich auf hohen Anteilen uneinbringlicher Forderungen. Bankinsolvenzen drohen dann die Krise zu verschlimmern.

– Auf der anderen Seite verschieben bei dieser Lage Privathaushalte und der Staat Anschaffungen, weil sie weiter fallende Preise erwarten. - Auch Unternehmen werden sich im Einkauf zurückhalten. Denn Lagerhaltung wird leicht zur Verlustquelle, wenn die Verkaufspreise stetig fallen und sogar unter die Einkaufspreise und Produktionskosten sinken.

– Siehe Apfelernte-Schluss, Deflation, schlechte, Deflation, hässliche.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Defraudation (defraudation):

In der älteren Finanzsprache häufig gesagt für

1. Unterschleif, Unterschlagung, Veruntreuung allgemein und

2. Zollhintergehung (defraudation of customs: to import or export without paying lawful customs charges or duties), Schmuggelei (smuggling).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Defterdar und Tefterdar (defterdar; accounting chief):

In der älteren Finanzsprache gesagt

1 von einem Beamten, der bei einer öffentlichen Stelle einer Kasse vorsteht (head of a treasury) und

2 dem Chef des Rechnungswesens in einem Unternehmen (head of the financial department). - Das Wort ist türkischer Herkunft und bezeichnet ursprünglich den Gross-Schatzmeister der Türkei (head of the Ottoman financial administration).

– Siehe Kammer, Pfennigmeister, Schatzkammer, Zahlmeister.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Deichgeld, Deichsteuer auch Plagegeld (dike contribution):

Frühere Umlage

1. für den Bau und die Instandhaltung der Deiche als befestigte Schutzdämme gegen Meerwasser und

2. zur Bezahlung des Deichhauptmanns (dike warden, dike master). Die Höhe der Abgabe und die Zahlungspflichtigen wurden in der Regel in der jeweiligen Deichordnung (dike regulation) im Einzelnen benannt.

– Siehe Dammgeld, Knickgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Deichselgeld und Temonatikum (turnpike toll; overnight stay expenses):

1 Frühere Abgabe für das Befahren einer (Land)Strasse mit einem Fuhrwerk (cart), eine Fahrwegbenutzungsgebühr.

2 Ersatz der Ausgaben für den Kutscher (carter, driver), wenn dieser bei einer Fuhre, also der Abholung oder Zustellung von Frachtgut, übernachten musste (had to stay for the night).

– Siehe Chausseegeld, Citymaut, Fährgeld, Furtgeld, Maut, Mautgeld, Wagenmeistergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dekapitalisierung (decapitalisation):

1 Die Ausschüttung des Gewinns einer Aktiengesellschaft an die Anteilseigner in Form einer Sonderdividende (extraordinary dividend) oder der Rückkauf von Aktien (share buy-back) aus dem angesammelten Gewinn.

2 Der (rasche) Verkauf von Teilen des Vermögens - erfahrungsgemäss vor allem von Patenten - durch eine Aktiengesellschaft und Ausschüttung des Erlöses an die Aktionäre. Dies geschieht meistens deshalb, um in Zusammenhang mit einer geplanten feindlichen Übernahme nicht mehr begehrenswert zu sein (to become stale).

– Siehe Fusionen und Übernahmen, Gifttablette, Makkaroni-Abwehr, Vermögensveräusserung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dekort und Dekourt (deduction, abatement):

1 Ein vertragsgemäss im Nachhinein zu gewährender Preisnachlass durch den Verkäufer, wenn das bereits bezahlte und zu einem festgesetzten Zeitpunkt zu liefernde (Finanz)Gut zwischenzeitlich sehr stark im Kurs gesunken ist.

2 Ein Abzug von der Rechnung wegen Gewichtsmangels (defect in weight) oder aufgrund schlechter Beschaffenheit der Ware (deficiencies in quality).

– Siehe Deduktion, Diskont, Fusti, Refaktie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dekuplum (tenfold):

In der älteren Finanzsprache bedeutet dies das Zehnfache, der zehnfache Geldbetrag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Delator (delator):

In der älteren Finanzsprache ein Angestellter, der Geschäftsvorfälle aus einem Institut ausplaudert; ein Zuträger, eine Plaudertasche (babbler, chatterbox).

– Siehe Banker-Stammtisch, Falscherklärung, Flurfunk, Mitarbeiter-Informationspflicht, Whistleblower.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Delegant und Assignant (delegant):

In älteren Dokumenten ein Schuldner, der seinem Gläubiger eine eigene Forderung gegenüber einem Dritten abtritt.

– Siehe Delegation.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Delegation (delgation):

In älteren Dokumenten die einverständliche Abänderung eines Schuldverhältnisses von einem Gläubiger auf einen anderen. Der Gläubiger, welcher eine Übertragung in die Wege leitet, heisst Delegant (constituent, consigner). Der Schuldner, der vom Deleganten beauftragt wird, heisst Delegat (delegate) und derjenige, welcher zwischen die Beiden getreten ist, bezeichnet man als Delegatar (delegated). Durch den Umstand, dass alle drei Beteiligten dem Tausch zustimmen, und dass das bisherige Rechtsverhältnis zwischen Delegaten und Deleganten nun zu dem nämlichen Verhältnis zwischen Delegatar und Delegaten wird, unterscheidet sich die Delegation von der Zession.

– Siehe Factoring.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Deleveraging (so auch im Deutschen gesagt, aber in unterschiedlicher Bedeutung):

1 Allgemein die Senkung des Verschuldungsgrades.

2 Die Ersetzung von Fremdkapital durch Eigenkapital (process undertaken by a company in an attempt to reduce its financial leverage, or the degree to which the company is using borrowed money).

3 Der plötzliche und in grossem Umfang vorgenommene Abbau von "gehebelten", sprich: einen hohen Anteil von Fremdkapital (borrowed capital) enthaltenden. Positionen bei einer Bank oder auf dem Finanzmarkt gesamthaft, wie dies etwa im Gefolge der Subprime-Krise festzustellen war.

– Siehe Fremdmittel, Gewinnbesteuerung, Hebel(wirkung), Leverage-Ratio, Prudential Filter, Entschuldung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2014, S. 62 ff. (Deleveraging-Bedarf im Sinne von 1 in der Eurozone und speziell im Bankensektor).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Delinquent (delinquent):

Nach 2000 aus dem Englischen in dieser Bedeutung auch in die deutsche Finanzsprache eingedrungene Bezeichnung für einen Schuldner, der seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommt (a debtor being overdue in payment).

– Siehe Ausfall, Ausfall-Verlust, Covenant, Darlehn, widerrufenes, Downgrade-Trigger-Klausel, Drittfälligkeits-Klausel, Drittverzugs-Klausel, Erstraten-Verzugsklausel, European Master Agreement, Event of Default, Fraudulent, Geldvergessliche, Intercreditor Agreement, Loch, schwarzes, Probability of Default, Rechnungs-Stapelung, Säumnisquote, Verlust, Verzug, Verwirkungsklausel, Vorfälligkeitsklausel, wechselseitige, Zahlungsausfall, Zahlungsausstand.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Delisting (so meistens im Deutschen gesagt, seltener Börsenrückzug und Börsenabgang):

1 Eine Firma

1. zieht sich aus eigenem Entschluss ganz von der Börse zurück oder

2. wird von der Börse ausgeschlossen, etwa wegen Verstosses gegen die Börsenordnung (removal of a company's listed status).

2 Ein Unternehmen nimmt eine zum Handel zugelassene Aktie aus dem Börsenverkehr heraus (the removal of a listed security from the exchange on which it trades). Der Grund dafür liegt häufig darin, dass der Kurs der Aktie unbefriedigend war und davon unliebsame Rückwirkungen auf das Ansehen des Unternehmens ausgingen. - In Deutschland ist dieser Vorgang gesetzlich geregelt und wird von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht überwacht. Obschon das Delisting eine wesentlich veränderte Bedingung der Handelbarkeit einer Aktie darstellt, unterliegt es in Deutschland noch keiner Ad-hoc-Mitteilungspflicht, da es sich dabei formal nicht um eine Veränderung der finanziellen oder wirtschaftlichen Situation des Unternehmens handelt. - Die Aufhebung der Börsen-Notierung eines Unternehmens führt in der Regel zu einer Schädigung der verbleibenden Kleinanleger. Denn diese können jetzt den Marktwert der Aktiengesellschaft, ausgedrückt durch den Kurs der Aktie, kaum mehr beurteilen.

– Siehe Deregistrierung, Einstellung, Going Private, Public-to-Private, Regel 404, Sarbanes-Oxley Act.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Deliverables (so auch im Deutschen gesagt):

Aus der Fachsprache des Projektmanagements (project management: the planning, organising, safeguarding, and managing resources to achieve specific goals) auch in die Finanzsprache eingedrungener Begriff in der Bedeutung, dass aufgrund von (by reason of) Marktstudien

1. bei einem neuen, im Plan bereits im Einzelnen ausgearbeiteten Vorhaben

2. das Unternehmen - im engeren Sinne das Institut - den Kunden zusätzliche Leistungen anbieten und

3. dadurch seinen Gewinn erhöhen kann. Es wird mit anderen Worten aufgezeigt, wie das Marktpotential (market potential) gewinnbringend ausgeschöpft werden könne.

– Siehe Cobranding-Karte, Cross-Selling-Potential.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Delkredere (del credere):

1 Wertberichtigung für voraussichtliche Ausfälle (doubtful debts).

2 Haftungsübernahme (assumption of liability) gegenüber dem Gläubiger für die Zahlungen eines Schuldners.

3 Nach § 394 HGB (German Code of Commerce) die Pflicht des Kommissionärs (commission agent), für die Verbindlichkeiten eines Dritten einzustehen, die aus Geschäften erwuchsen, welche dieser auf Rechnung des Kommittenten (principal) abgeschlossen hat.

– Siehe Bürgschaft, Garantie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Delkredere-Fonds (del credere fund, contingent fund):

Bei einem Unternehmen der aus einbehaltenen Gewinnen gespeiste Geldvorrat, um allfällige Verluste aus uneinbringlichen Forderungen und Garantieübernahmen bilanziell auszugleichen (a fund derived from allocations made from net profits and intended to provide for possible loss on account of bad debts or losses arising through guarantees).

– Siehe Liquiditätsmanagement.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Delta (delta):

Korrelationsfaktor zwischen Terminpreis-Fluktuationen und der Änderung der Prämien für die Option auf den zugrunde liegenden Terminkontrakt. - Das Delta ändert sich mit jeder Kursbewegung.

– Siehe Beta, Volatilität.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Demand-Pull-Inflation (so auch im Deutschen gesagt):

Die Erhöhung der Preise durch die Unternehmen aufgrund der Tatsache, dass die Nachfrage aus dem Inland oder/und dem Ausland gestiegen ist, und es dadurch zu andauernden Engpässen (bottlenecks: the capacities are unable to match the additional demand-volume required) in der Produktion und/oder Distribution der Güter kommt.

– Siehe Balassa-Samuelson-Effekt, Cost-Push-Inflation, Inflation.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Demand-Shift-Inflation (so auch im Deutschen gesagt):

Durch Umschichtungen in der Nachfrage bedingte Preissteigerungen. - Wenn sich etwa die Nachfrage von Stahl auf Aluminium verschiebt, dann müssen die Stahlwerke die sehr hohen Fixkosten auf eine kleinere Produktionsmenge umlegen und daher die Preise erhöhen. Andererseits kommen die Aluminium-Hütten (aluminium smelters) an die Kapazitätsgrenze (capacity limit) und wehren die Übernachfrage - zunächst, bis Erweiterungsinvestitionen abgeschlossen sind - über höhere Preise ab.

– Siehe Cost-Push-Inflation, Inflation.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Demarketing (so auch im Deutschen gesagt, seltener Reduktionsmarketing):

1 Bei einer Bank - auch bei einer Versicherung) die Entscheidung - mit einem Kunden oder auch einer Kundengruppe

1. keine Beziehung einzugehen oder

2. eine bestehende Verbindung zu dem Institut zu beenden. Bei Einzelkunden liegt der Abbruch oft in unredlichem Verhalten des Kunden begründet. Von einer Kundengruppe (group of customers) wendet man sich im Regelfall dann ab, wenn das betreffende Geschäftsfeld aufgegeben wurde.

2 Der Entschluss, auffällige Marketingmassnahmen - vor allem im Bereich der Werbung - zurückzufahren, manchmal auch Übergang zum "leisen Marketing" genannt.

– Siehe Allianzen, grenzüberschreitende, Cocooning, Downsizing, Fraudulent, Kunde, fauler.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dematerialisierung (dematerialisation):

Abschaffung von greifbaren, aufbewahrungsfähigen, Stücken oder Dokumenten, die Eigentum an Finanzprodukten verbriefen, so dass Finanzaktiva bloss noch als Bucheinträge existieren (the elimination of physical certificates or documents of title which represent ownership of securities so that securities exist only as accounting records).

– Siehe Börse, elektronische, Depotstelle, Immobilisierung, Schuldbauchforderungen, Zentralverwahrer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Demographieverfestigung (demographic stabilisation):

Die Anpassung sozialer Sicherungssysteme - vor allem die Krankenversicherung, Rentenversicherung und Pflegeversicherung - an die Alterung der Bevölkerung. Dies berührt insofern die Geldpolitik, weil sich sonst die Lasten der Überalterung auf den Geldwert auswirken, und weil unter Umständen schon heute langfristige Investitionen nicht getätigt werden.

– Siehe Altersquotient, Alterungs-Effekt, Auslandsinvestitionen, demographiebedingte, Entsparen, Haushalts-Tricks, Methusalem-Syndrom, Nachhaltigkeit, Lissabon-Agenda, Risikoaversion, Rücklagen-Verzehr, Schattenverschuldung, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Stagnation, säkulare, Überschuldung, Vergreisung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2005, S. 43, Jahresbericht 2004 der EZB, S. 58 ff. (auch Prognosen), Monatsbericht der EZB vom März 2006, S. 75 ff. (Belastungen der öffentlichen Haushalte durch die Alterung), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2006, S. 51 ff. (Projektion bis 2050, unterteilt auch nach einzelnen Ländern), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2008, S. 51 ff. (Rentenversicherung 1999 bis 2010; ausführliche Darstellung; viele Übersichten, Literaturhinweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2008, S. 31 ff. (ausführliche Darlegung; Übersichten; gut begründete Empfehlungen, die freilich bei ihrer Veröffentlichung auf heftige Kritik stiessen), Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 19 (die ungünstige demographische Entwicklung birgt Gefahren für Einrichtungen der Altersvorsorge), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2014, S. 31 ff. (die gesetzliche Krankenversicherung auf dem Hintergrund der Demographieverfestigung; Übersichten; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Demokratie-Defizit und Demokratiedefizit (democratic deficit):

In Bezug auf die EZB und die bei ihr angesiedelte europäische Bankenaufsicht der Vorwurf, dass die hier handelnden Gremien und Personen keiner Kontrolle durch die gewählten Vertreter des Volkes unterliegen. Dies wird als ein Verstoss gegen die Grundregel des demokratischen Rechtsstaats gesehen, wonach alle Handlungsträger gegenüber den Abgeordneten als den erkorenen Beauftragten des Staatsvolks (representatives who are elected by the people) rechenschaftspflichtig sind. - Dem ist entgegenzuhalten, dass ausnahmslos sämtliche (without exception all) Einrichtungen einer heutigen Gesellschaft nur dann ordnungsgemäss wirken können, wenn die Masstabeigenschaft des Geldes gewährleistet ist. Geld ist gleichsam das Blut der Gesellschaft. Daher ist es sinnvoll, die Zentralbank weitgehend selbständig und eigenverantwortlich wirken zu lassen. Denn dadurch ist diese auch sofort handlungsfähig, - Wie sich besonders gelegentlich der Subprime-Krise und der sich anschliessenden Finanzkrise sehr deutlich gezeigt hat, ist die Zentralbank die einzige Institution, die in einer Krisenlage (emergency situation: a critical, problematic, or striking set of circumstances that happens unexpectedly in the financial market and demands immediate action) unverzüglich zu handeln vermag. - Unbestritten ist, dass die Politik der Zentralbanken allgemein und der EZB im Besonderen von fachkundigen Journalisten in sämtlichen Medien täglich kritisch begleitet wird. Auch ist erwiesen, dass Stellungnahmen der Wissenschaft - etwa des deutschen Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (German Council of Economic Experts) - sowie Bewertungen führender Finanzjournalisten innert der EZB sehr wohl aufmerksam zur Kenntnis genommen und abgewogen werden.

– Siehe Becket-Effekt, Einwirkungsverbot, EZB-Protokolle, Veröffentlichung, EZB-Rat, Geldfunktionen, Politik des offenen Mundes, Politikverzug, Poltergeist Schattenstaat, Transfer, verschleierter.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Demonetisation und Demonetisierung (demonetisation; reduction of coin; abolition of money):

1 Früher gesagt von dem Wertverlust einer Münze, gemessen an deren Umtauschverhältnis zu anderen inländischen oder ausländischen Zahlungsmitteln.

2 Die Aufgabe der Begültigung, das Erlöschen der Zahlungsmitteleigenschaft einer Münze oder einer Währung (a coin or currency is no longer legal tender; such several European currencies were demonetised and replaced by the EUR in 2002).

3 Die ausnahmslose Abschaffung des Geldes, in der Regel damit verbunden der "gerechte" Austausch Güter gegen Güter, besorgt und geregelt von edelmütigen, völlig selbstlosen Amtswaltern einer "fortschrittlichen" Partei. In einigen Internet-Foren wird dies leidenschaftlich als die Ordnung des wirtschaftlichen Tauschverkehrs in der goldenen Zukunft (in the golden future) gepriesen.

– Siehe Abwertung, Barrat, Depretiation, Devisenzwangswirtschaft, Geld, böses, Geldabschaffung, Geldfunktionen, Geldherrschaft, Geldzweck, Münze, Mutualismus, Paradoxomanie, Schwundgeld, Unfruchtbarkeits-Theorie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Denaro und Danaro (ship share):

In alten Dokumenten auch der Anteil an einem Schiff oder dessen Ladung (co-ownership of a ship resp. the cargo of a freighter). Das entsprechende Inhaberpapier (bearer security) konnte als Sicherheit für einen Kredit bei einer für solche Geschäfte gerüsteten, nämlich im Seehandel sachkundigen und erfahrenen Bank hinterlegt werden.

– Siehe Rembourskredit, Schiffsfinanzierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Denaturierungsprämie (denaturation premium):

Vorübergehende Zahlung an Landwirte, die überschüssige, für den menschlichen Verzehr bestimmte Nahrungsmittel in die Futtertröge umleiten. Die entsprechenden Erzeugnisse wie Getreide oder Zucker werden dabei durch Einfärbung oder auf andere Weise für den menschlichen Verzehr unbrauchbar gemacht (are rendered uneatable via the use of colouring or physical adulterants). - Zweck dieser Massnahme ist es, ein Marktungleichgewicht zu verhindern; denn bei Überangebot und Preisverfall werden die Landwirte ihre Erzeugung stark einschränken, was im nächsten Erntejahr zu stark steigenden Preisen führen wird.

– Siehe Apfelernte-Schluss, Flächenstillegungsprämie, Zyklik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Denkgeld (memento fee; commemorative coin):

1 Früher an manchen Orten übliche Zahlung an einen Geistlichen dafür, dass er im Gottesdienst allgemein - und bei der COMMEMORATIO PRO VIVIS vor der Wandlung bzw. der COMMEMORATIO PRO DEFUNCTIS nach der Wandlung innert der alten katholischen Messfeier im Besonderen - namentlich einzelner Personen gedenkt.

2 Ältere Bezeichnung für eine Gedenkmünze, Schaumünze (souvenir coin that has as its theme an important event, personality or some other subject).

– Siehe Amtsgeld, Medaille, Memoriengeld, Münze, Münzen-Paradoxon, Numismatik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Denominierung und Denomination (denomination):

Auf dem Finanzmarkt die Angabe der Währung,

1. auf den sich der Nennwert eines Wertpapiers oder

2. ein Vertrag bei Abschluss - etwa: EUR - oder zum Erfüllungszeitpunkt - etwa: USD - bezieht (the currency in which a financial asset is quoted or the base currency in a transaction).

– Siehe Anleihe, währungswählbare, Derivate, Devisen, Devisentermingeschäft, Doppelwährungsanleihe, Swapsatz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Depekulation (depeculation, theft from the till):

In älteren Dokumenten

1. direkter Kassendiebstahl oder

2. Unterschlagung (Veruntreuung; defalcation) anvertrauten Geldes auf anderem Wege, etwa durch gefälschte Belege (fictitious vouchers).

– Siehe Defekte, Depotunterschlagung, Finanzschurke, Geldunterschlagung, Korbpfennige, Untertunnelung, Veruntreuung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Deperditen (detriment):

In älteren Dokumenten die Einbusse, welche sich aus dem Unterschied ergab zwischen dem Marktpreis einerseits und dem geringeren Preis andererseits, zu dem Bauern und Handwerker an das Militair bzw. an den Hof (official household) liefern mussten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Depo-Repo-Spread auch EURIBOR-EUREPO-Spread (so auch im Deutschen):

Der Unterschied im Zinssatz zwischen

1. einer unbesicherten Geldanlage (EURIBOR) und

2. einer besicherten (Eurepo) am Interbankenmarkt. In der Regel wird die entsprechende Abweichung in Basispunkten angegeben und bezieht sich auf Dreimonatsgeld. Der Spread ist ein Mass für Unsicherheit und Vertrauen/Misstrauen am europäischen Geldmarkt.

– Während der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise stieg die Abweichung beider Zinssätze von zuvor durchschnittlich sieben Basispunkten auf bis zu einhundertachtzig Basispunkten an.

– Siehe Sentiment, TED-Spread.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2010, S. 71 ff. (Euro-Repomärkte in der Finanzkrise; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Deport (discount):

Der Terminpreis einer Devise liegt unter dem Kassakurs, er ist also niedriger als der Tageskurs.

– Siehe Devisentermingeschäft, Report, Swapsatz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Depositen und Deposita (deposits):

Bezeichnung für Einlagen - also die den Banken gegen Verzinsung von der Kundschaft anvertrauten Geldbeträge -, insbesondere für Sicht- und Termineinlagen. Entsprechend findet sich auch häufig die Bezeichnung Depositenbank (deposit bank) für eine Bank.

– Siehe Bodensatz, Diätrendite, Einlage, stille, Einlagensicherung, Fristentransformation, Kerneinlagen, Marktdisziplin, Sparbriefe, Sparbüchse, Spareinlagen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Depositenkonto (certificate of deposit, DC):

Nach der Definition der EZB die Hinterlegung einer grossen Summe bei einer Bank zu einem bestimmten Zinssatz mit kurzfristiger Laufzeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Depot (depository, depot, vault):

1 Aufbewahrungsort von Geld und wertvollen Gegenständen; im Besonderen ein Bankschliessfach, in älteren Dokumenten auch Depositorium genannt; siehe §§ 688 ff. BGB (a secure room or rooms in a financial institution where cash on hand is stored and safe deposit boxes are located).

2 Das von einer Bank geführte Wertpapier-Konto für einen Kunden, manchmal auch auf die Konten gesamthaft bezogen. In Deutschland zählte man anfangs 2013 an die vierunddreissig Millionen Depots.

3 Abteilung einer Bank, die mit dem Verwahren von Gegenständen allgemein und von Wertpapieren im Besonderen befasst ist.

4 Andere Bezeichnung für Portefeuille.

5 Vor allem im Schweizerdeutschen und mit Betonung auf der ersten Silbe auch

1. das Pfand bei Mehrwegverpackungen (reusable packages) und

2. die Mitkaution (rent deposit).

– Siehe Aberdepot, Bargeld, tresoriertes, Depotbank, Depotgeschäft, Depotgesetz, Verwahrstelle, Verwahrung, Zentralverwahrer, Zwischenverwahrung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 1995, S. 57 ff. (Depotbesitz in Deutschland; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Depotbank (custodian):

Eine Einrichtung, die Wertpapiere und andere Vermögenswerte im Auftrag Dritter verwahrt und verwaltet (a bank, financial institution or other entity that has the responsibility to manage the custody or other safekeeping of assets on behalf of a third party) Entsprechende Unternehmen gelten als Kreditinstitute nach § 1 KWG. Sie bedürfen daher in Deutschland einer Erlaubnis und unterliegen der Kontrolle durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. - Grundsätzlich kann gemäss § 20 Abs. 1 und 2 InvG als Depotbank nur ein Kreditinstitut mit Sitz im Inland, das zum Einlagen- und Depotgeschäft zugelassen ist, oder eine Filiale eines Instituts im Sinne des § 53b Abs. 1 KWG beauftragt werden. Daneben kommt jedoch als Depotbank auch eine Zweigniederlassung eines Kreditinstituts im Sinne des § 53 oder des § 53c KWG in Betracht, falls die Anteile des Investmentvermögens nicht nach §§ 128 und 129 InvG in einem anderen Mitgliedstaat der EU oder in einem anderen Vertragsstaat des EWR vertrieben werden dürfen. - Im Einzelnen hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ein ausführlich gestaltetes Merkblatt über die Aufgaben und Pflichten der Depotbank nach den §§ 20 ff. InvG herausgegeben.

– Siehe Aberdepot, Auslagerung, Back-off-Bereich, Depot, Outsourcing-Risiken, Vermögensverwalter, Zwischenverwahrer.

– Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 176 (Rundschreiben der BaFin klärt wichtige offene Fragen), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 190 (näher aufgezählte Anforderungen in einem Rundschreiben der BaFin, die Depotbanken bis Juli 2011 umzusetzen hatten) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Depotgeld (repurchase operation; fixed-date time deposit; pledge; advance payment; private expenses fund; buy-in fee; security deposit, rental bond; bail):

1 In älteren Dokumenten die gegen Überlassung von Sicherheiten bei einer Bank (seltener auch bei der Zentralbank seitens einer Bank) geliehene Summe; in heutiger Terminologie ein Pensionsgeschäft.

2 Geld, das für eine vertraglich festgelegte Zeit zu einem vereinbarten Zinssatz bei einem Institut angelegt wird; Festgeld, Zeitgeld (a contract entered into by a bank with the depositor, to pay on a fixed future date, the amount of money deposited plus interest accrued thereon).

3 Im voraus zu hinterlegende Summe, falls eine öffentliche Einrichtung, wie Gemeindesaal, Schulraum, Sportplatz, Festwiese, Schwimmhalle usw., von einem privaten Veranstalter gepachtet wird (a pawn as a deposit of money to a public sector entity to secure repayment for probable demolition or other costs resulting from the letting of the facility); ein Pfand; in diesem Sinne vor allem im Schweizerdeutschen üblich.

4 Treuhänderisch verwaltete Summe, die Bewohner von Altersheimen in bestimmten Zeitabständen im Voraus der Heimleitung übergeben, um daraus die laufenden Ausgaben für Arzneimittel, Fusspflege, Hygieneartikel, Coiffeur usw. zu bestreiten; in diesem Sinne vor allem in Österreich übliche Bezeichnung.

5 In Heimschulen (Österreichs) in regelmässigen Abständen zu zahlender Betrag für nicht in den ordentlichen Leistungen des Hauses fallende Ausgaben der Schüler; Taschengeld.

6 Summe, die zu entrichten ist, um sich in ein Seniorenheim einzukaufen; in dieser Bedeutung vor allem im Schweizerdeutschen üblich

7 Eine vom Vermieter geforderte Sicherheitsleistung in Geld bei einem Mietvertrag; Kaution (money to be paid as a form of security for the landlord against breaches of the tenant: a rental bond).

8 Beim Betreten einer öffentlichen Einrichtung (wie Schwimmbad, Sporthalle) zu zahlende Summe, die beim Verlassen zurückerstattet wird, wenn die Benutzungsbedingungen (wie Saubermachung der Kabine, Abgabe des Schlüssels) eingehalten wurden; Hinterlegung, Pfand. In dieser Bedeutung vor allem im Schweizerdeutschen verwendet; entsprechende Gemeindesatzungen haben durch ein sehr hohes Depotgeld erreicht, dass Verschmutzungen und Sachbeschädigungen in der jeweiligen Einrichtung so gut wie ganz zurückgingen.

– Siehe Einkaufgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Depotgeschäft (safe custody business):

Gemäss Definition in § 1, Abs. 1, Satz 2 №. 5 KWG die Verwahrung und die Verwaltung von Wertpapieren für andere. - Die beiden Tatbestandsmerkmale Verwahrung und Verwaltung stehen wahlweise zueinander; jede Geschäftsart begründet für sich allein das Depotgeschäft im Sinne des KWG: Wer Wertpapiere im Sinne dieser Bestimmung verwahrt, betreibt das Depotgeschäft, auch wenn er diese Wertpapiere nicht verwaltet; und wer Wertpapiere im Sinne dieser Bestimmung verwaltet, betreibt das Depotgeschäft, auch wenn er diese Wertpapiere nicht verwahrt. - Verwahrung (safekeeping) ist die Gewährung von Raum und Übernahme der Obhut. Die blosse Raumgewährung ohne Obhut ist Raummiete oder Raumleihe, nicht Depotgeschäft. - Verwaltung (administration) ist im weitesten Sinne das laufende Wahrnehmen der Rechte aus dem Wertpapier. Sie umfasst insbesondere die Inkassotätigkeit - wie die Trennung der fälligen Zins- und Gewinnanteilscheine, die Einziehung ihres Gegenwertes, die Anforderung neuer Zins- und Gewinnanteilscheinbogen und die Ausübung von Bezugsrechten sowie die Einziehung des Gegenwerts bei Fälligkeit -, Benachrichtigungs- und Prüfungspflichten und bei entsprechender schriftlicher Bevollmächtigung auch die Ausübung des Auftragsstimmrechts.

– Siehe Aberdepot, Auslagerung, Back-off-Bereich, Depot, Depotquittung, Depotrisiko, Outsourcing-Risiken, Street Name, Vermögensverwalter, Wertpapier-Nebendienstleistungen, Zwischenverwahrer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Depotgesetz (safe custody act):

In Deutschland rechtliche Grundlage für die Verwahrung und Verwaltung von Wertpapieren. Das Gesetz dient dem Schutz der Wertpapiereigentümer, die ihre Wertpapiere hinterlegen bzw. auch elektronisch verwalten lassen. Die Bestimmungen des Depotgesetzes gelten auch für die Schuldbuchforderungen.

– Siehe Aberdepot, Dematerialisierung, Depotgeschäft, Depotrisiko, Depotunterschlagung, Street Name, Verwahrstelle, Zentralverwahrer, Zwischenverwahrer.

– Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 169 (Verstösse gegen das Depotgesetz bei Sonderprüfungen aufgedeckt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Depotkonto (safe custody account):

Von der Zentralbank verwaltetes Wertpapierdepot, in dem Kreditinstitute jene Wertpapiere hinterlegen können, welche der Besicherung von Zentralbank-Operationen dienen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Depotquittung und Verwahrschein (safekeeping receipt):

Bestätigung der Bank bzw. eines Verwahrers, dass ein Kunde bestimmte Vermögensgegenstände zur Aufbewahrung übertragen hat (a certificate issued by a bank which requires the bank to hold specific funds or securities, gold, etc., unconditionally separate from other assets and return them when requested by the depositor; in this way, the funds, or securities, gold, etc., are not an asset of the bank nor are they, directly or indirectly, subject to any other obligations or debts of the bank).

– Siehe Aberdepot, Depotbank, Depotgesetz, Depotquittung, Omnibus-Konto, Verwahrstelle, Zentralverwahrer, Zwischenverwahrung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Depotrisiko (custody risk):

Die Möglichkeit des Verlustes von zu Verwahrung gegebenen Vermögensgegenständen aufgrund von widrigen Umständen bei dem Verwahrer, wie beispielsweise Insolvenz, Schlamperei, Zweckentfremdung der verwahrten Sache, Betrug, unsorgsame Verwaltung oder mangelhafte Aufzeichnungen (the risk of a loss being incurred on assets in custody as a result of the custodian's insolvency, carelessness, misuse, fraud, poor administration or inadequate record-keeping).

– Siehe Depekulation, Depotunterschlagung, Outsourcing-Risiken, Pasion-Falle, Risiko, Veruntreuung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Depotstelle (depositary):

Einrichtung mit der Aufgabe, Wertpapiere entweder in Papierform zu lagern oder elektronisch aufzuzeichnen und über das Eigentum an den Wertpapieren Buch zu führen.

– Siehe Dematerialisierung, Depot, Depotgeschäft, Immobilisierung, Verwahrstelle.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Depotunterschlagung (deposit misappropriation):

Nach § 34 DepotG sehr weit definiert als die rechtswidrige Verfügung über ein Wertpapier, das einem Verwahrer oder Pfandgläubiger - in älteren Dokumenten auch Ingrossatus genannt - anvertraut worden ist.

– Siehe Depekulation, Depotrisiko, Pasion-Falle, Veruntreuung, Verwahrstelle.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Deprekatur (long-lease concession):

In alten Dokumenten das Recht, die Einkünfte aus dem einem Kloster oder einer Kirchengemeinde übereigneten Grundstück bis in die dritte Generation (third generation) weiterhin zu geniessen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Depression (depression):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter den - wie immer auch gemessenen - Rückgang der wirtschaftlichen Tätigkeiten in einem Gebiet. - Von einer Grossen Depression (Great Depression; meistens so [also in Grossbuchstaben] geschrieben) spricht man, wenn die Umsätze auf allen Märkten im eigenen Gebiet oder weltweit in erheblichem Masse sinken, wobei als Umfang häufig ein gesamtwirtschaftlicher Rückgang von dreissig Prozent unterstellt wird.

– Siehe Baisse, Crash Deflation, hässliche, Kurssturz, Wirtschaftskrise, Zyklik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Depretiation (depreciation, loss in value):

In der älteren Finanzsprache der Wertverlust des Geldes oder eines Vermögenswertes.

– Siehe Abwertung, Demonetisation, Inflation.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Deputat (allowance in kind, payment in kind):

Wenn nicht anders - wie im Schulwesen - definiert, so versteht man darunter zum Gehalt (basic pay) hinzutretende Übertragungen in Sachleistungen - in der Regel Waren - des Arbeitgebers an Arbeitnehmer, wie beispielsweise der Haustrunk (beer allowance) bei Bediensteten in Brauereien oder das Zigaretten-Kontingent (concessionary cigarettes) bei Beschäftigten in der Tabakindustrie. - In Zeiten hoher Inflation kann das Deputat als Nebenleistung (fringe benefit) mehr an Wert enthalten als das in Geld ausbezahlte Salär.

– Siehe Bezahlung, Fringe Benefits, Gehalts-Nebenleistungen, Geldwertstabilität, Käsegeld, Naturalabgaben, Reichnis, Zigarettenwährung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Derby (so auch im Deutschen gesagt, manchmal auch Dogfight):

Im Finanzjournalismus ein Konkurrenzkampf zweier oder mehrerer Institute, in der Regel bezogen auf einem örtlichen Markt; eine Lokalrivalität (local rivalry). - Dogfight (a fight as between dogs) hat die Nebenbedeutung eines verbissenen Wettbewerbs, einer rücksichtslosen Befehdung, bei der am Ende nur noch ein Institut - und auch dieses am Ende stark geschwächt - überlebt.

– Siehe Fusionen und Übernahmen, Gifttablette, Raider, Übernahme, feindliche.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Deregistrierung (deregistration):

Die Entlassung eines (börsennotierten) Unternehmens von den durch die Aufsichtsbehörde geforderten Veröffentlichungspflichten. Selbst wenn sich eine Aktiengesellschaft von der Börse zurückzieht (delisting; Delisting), so können die Aufsichtsbehörden verlangen, dass die hohe Kosten verursachenden Berichtspflichten (reporting requirements) weiterhin zu erfüllen sind, solange das Unternehmen eine bestimmte Anzahl - in den USA im Jahr 2011 dreihundert - Aktionäre hat.

– Siehe Compliance, Delisting, Public-to-Private, Sarbanes-Oxley Act.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Deregulierung (deregulation):

In Bezug auf Finanzmärkte versteht man darunter die Tatsache, dass gesetzlich auferlegte Beschränkungen teilweise oder ganz aufgehoben werden (the lessening or complete removal of constraints on financial industry), wie vor allem in Bezug auf Banken in den USA - Glass-Steagall-Gesetz von 1933, das ein Trennbanksystem vorschrieb - und in Japan.

– Siehe Ertragsschwäche, Fachbankensystem, Geschäftsbank, Investmentbank, Trennbanksystem, Überregulierung, Universalbank.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Derivat (derivative):

Nach IAS (39.9) ein Finanzinstrument oder ein anderer Vertrag, der alle der drei folgenden Merkmale enthält:

1. der Wert des Vertrages ändert sich durch die Veränderung eines bestimmten Warenpreises, Zinssatzes, Währungskurses oder einer anderen veränderlichen Grösse, Basiswert oder Underlying genannt (financial contract the value of which depends on the value of one or more underlying reference assets, rates or indices, on a measure of economic value or on factual events, such as weather conditions);

2. der Vertrag erfordert keine Anfangszahlung bzw. eine Anfangszahlung, die geringer ist als die Anfangszahlung für andere Verträge, die ähnlich auf die Änderung von Marktfaktoren ansprechen sowie

3. der Vertrag wird in Zukunft erfüllt.

– Das zugrunde liegende Vertragsobjekt wird Basiswert (underlying [asset]) oder Bezugsbasis (reference base) genannt. - Der Grund für die grosse Anziehungskraft von Derivaten liegt darin, dass der Anleger mit wesentlich geringerem Kapitaleinsatz als beim Kauf oder Verkauf der Basiswerte spekuliert. Entscheidet er sich für ein Derivat, so kann er mit einem vergleichsweise kleinen (Kapital)-Aufwand einen relativ grossen (Kapital)-Ertrag erzielen. Man spricht in diesem Zusammenhang von einer Hebelwirkung. - Derivate vervollständigen die Finanzmärkte, indem sie Risiko-Faktoren handelbar machen. Andererseits machen es Derivate den Zentralbanken immer schwieriger, die Geldmenge genau zu erfassen. Zwischen 1997 und 2006 verzehnfachte sich der globale Derivatemarkt. Im Zuge der Subprime-Krise brach der Derivate-Markt jedoch ein, weil viele dieser Papiere hinsichtlich ihres Risikogehalts kaum mehr durchschaubar waren. Das führte von selbst dazu, dass neu ausgegebene Derivate durchsichtiger gestaltet werden mussten, um überhaupt noch neue Käufer zu finden. - Das Gesetz zur Umsetzung der Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente und der Durchführungsrichtlinie der Kommission (Finanzmarktrichtlinie-Umsetzungsgesetz [FRUG]) vom 16. Juli 2007 definiert: "Derivate im Sinne dieses Gesetzes sind – 1. als Kauf, Tausch oder anderweitig ausgestaltete Festgeschäfte oder Optionsgeschäfte, die zeitlich verzögert zu erfüllen sind und deren Wert sich unmittelbar oder mittelbar vom Preis oder Mass eines Basiswertes ableitet (Termingeschäfte) mit Bezug auf die folgenden Basiswerte: - a) Wertpapiere oder Geldmarktinstrumente, - b) Devisen oder Rechnungseinheiten, - c) Zinssätze oder andere Erträge, - d) Indices der Basiswerte der Buchstaben a, b oder c, andere Finanzindices oder Finanzmessgrössen oder - e) Derivate; – 2. Termingeschäfte mit Bezug auf Waren, Frachtsätze, Emissionsberechtigungen, Klima- oder andere physikalische Variablen, Inflationsraten oder andere volkswirtschaftliche Variablen oder sonstige Vermögenswerte, Indices oder Messwerte als Basiswerte, sofern sie - a) durch Barausgleich zu erfüllen sind oder einer Vertragspartei das Recht geben, einen Barausgleich zu verlangen, ohne dass dieses Recht durch Ausfall oder ein anderes Beendigungsereignis begründet ist, - b) auf einem organisierten Markt oder in einem multilateralen Handelssystem geschlossen werden oder - c) nach Massgabe des Artikels 38 Abs. 1 der Verordnung (EG) Nr. 1287/2006 der Kommission vom 10. August 2006 zur Durchführung der Richtlinie 2004/39/EG des Europäischen Parlaments und des Rates betreffend die Aufzeichnungspflichten für Wertpapierfirmen, die Meldung von Geschäften, die Markttransparenz, die Zulassung von Finanzinstrumenten zum Handel und bestimmte Begriffe im Sinne dieser Richtlinie (ABl. EU Nr. L241 S. 1) Merkmale anderer Derivate aufweisen und nichtkommerziellen Zwecken dienen und nicht die Voraussetzungen des Artikels 38 Abs. 4 dieser Verordnung gegeben sind, und sofern sie keine Kassageschäfte im Sinne des Artikels 38 Abs. 2 der Verordnung (EG) Nr. 1287/2006 sind; – 3. finanzielle Differenzgeschäfte; – 4. als Kauf, Tausch oder anderweitig ausgestaltete Festgeschäfte oder Optionsgeschäfte, die zeitlich verzögert zu erfüllen sind und dem Transfer von Kreditrisiken dienen (Kreditderivate); – 5. Termingeschäfte mit Bezug auf die in Artikel 39 der Verordnung (EG) Nr. 1287/2006 genannten Basiswerte, sofern sie die Bedingungen der Nummer 2 erfüllen."

– Siehe Abwicklungsabteilung, Aktien-Zertifikat, Anleihe, Hausse-Baisse bezogene, Basiswert, Call, Cap, Chooser Cap, Contingent Swap, Denominierung, Derivategeschäfte, bilaterale, Derivate-Clearingpflicht, Derivate-Informationspflicht, Derivate-Kodex, Finanzarchitektur, Finanzinstrumente, Geldmenge, IAS 39, Indexanleihe, Informationsblätter für Finanzinstrumente, Kreditderivat, Rohstoff-Terminvertrag, Tagesgeldsatz-Swap, Wetterderivat, Zertifikat, Zinsoption, Zinsswap.

– Vgl. auch § 2, Abs. 2 WpHG sowie die Definitionen und Einteilungen im Monatsbericht der EZB vom Mai 2000, S. 42, Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 177 (Derivateverordnung [DerivateV] vom Februar 2004; hier auch verfeinerte Risikomessung vorgeschrieben), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 17 (pflichtige Abwicklung von ausserbörslichen Derivategeschäften über zentrale Gegenparteien), S. 42 (OTC-Derivate, S. 112 (Bilanzierungsvorschriften), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2005, S. 39 (sehr lange Laufzeiten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2006, S. 55 ff. (ausführliche Darstellung mit Übersichten, mit einem Schwerpunkt auch auf den Einfluss von Derivaten auf die Stabilität des Finanzsystems), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 46 (Überwachung von OTC-Derivaten), Finanzstabilitätsbericht 2011, S. 43 f. (Intransparenz des OTC-Handels allgemein und der ausserbörslichen Derivatemärkte im Besonderen), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 41 (Regulierung der OTC-Derivate), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 92 ff. (ausserbörslicher Derivatemarkt seit 2003; Regulierungsfragen), Jahresbericht 2012 der EZB, S. 134 (Neufassung der Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 163 (neue Vorgaben für OTC-Derivategeschäfte durch die novellierte DerivateV).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Derivat, eingebettetes (embedded derivative):

Nach IAS 39.10

1. Bestandteil eines zusammengesetzten (structured) Finanzinstruments, auch hybrides Finanzinstrument (hybrid financial instrument) und manchmal nur Hybrid genannt,

2. das auch einen nicht derivativen Basisvertrag (host contract: an insurance contract, lease, purchase contract or other financial instrument, such as debt or equity, that is combined with an embedded derivative to create a hybrid security) enthält,

3. mit dem Ergebnis, dass ein Teil der Cashflows des Hybrids ähnlichen Schwankungen ausgesetzt ist wie bei einem freistehenden Derivat.

– Ein eingebettetes Derivat verändert einen Teil oder alle Cashflows aus einem Kontrakt in Abhängigkeit von einem bestimmten Zinssatz, Preis eines Finanzinstruments, Rohstoffpreis, Wechselkurs, Preis- oder Kursindex, Bonitätsrating oder einer anderen Variablen.

– Siehe Derivat, Derivate, Einteilung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Derivate, Einteilung (classification of derivatives):

Es finden sich verschiedene Einteilungen der Derivate. Eine in den letzten Jahren verbreitete ist die in

1. Optionen,

2. Termingeschäfte im engeren Sinne als ausserbörslich gehandelte Verträge, Forwards,

3. Terminkontrakte als standardisierte, an der Börse gehandelte Verträge, Futures und Swaps. - Rechtlich wird in der Regel unterschieden in

1. Optionen einerseits, diese stellen bedingte Termingeschäfte (conditional forward transactions) da, weil die Erfüllung des zugrunde liegenden Geschäftes von der Ausübung des Rechtes einer Vertragspartei abhängig ist, und

2. Futures, Forwards sowie Swaps andererseits, die alle drei unbedingte Termingeschäfte (unconditional forward transactions) sind.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Derivategeschäfte, bilaterale (over-the-counter derivate transactions):

Eine in gewissen Marktsegmenten bevorzugte Form von Derivaten sind bis anhin Verträge zwischen nur zwei Partnern (contracts between two partners). Damit ist der Marktumsatz (market turnover) an Derivaten gesamthaft für Dritte und vor allem für die Aufsichtsbehörden wenig durchschaubar. Ungewiss ist daher, welche Auswirkungen der Einsatz von Derivaten im Krisenfall haben würde. - Verstärkt wird diese Gefahr dadurch, dass in den einzelnen Marktsegmenten für Derivate weltweit nur wenige "Big Player" handeln. Wegen der geringen Transparenz des Marktes bleiben auch die meisten Verluste unerkannt. Deshalb wird immer wieder ein Verbot zweiseitiger und nicht über den Markt laufender Geschäfte gefordert. - Im Sommer 2006 wurde bekannt, dass der Hedge-Fonds Amaranth Advisors LLC innert weniger Tag mehr als die Hälfte seines fast 10 Mia Euro grossen Vermögens durch verfehlte Spekulation in Erdgas-Futures verlor. Weil die meisten Kontrakte bilateral erfolgten, so blieben die riskanten Geschäfte dem Markt und den Aufsichtsbehörden völlig verborgen. - Im Herbst 2009 vereinbarten die G20 eine Reihe von Massnahmen zur Überwachung des OTC-Derivatemarktes, vor allem die Errichtung zentraler Gegenparteien, das Verbot des Handels ausserhalb organisierter Märkte sowie die Meldepflicht an ein zentrales Transaktionsregister. Eine wesentliche Risikominderung sieht man dabei in schon der Pflicht, alle Geschäfte über zentrale Gegenparteien (clearing houses; Clearinghäuser, kurz: Clearer) abzuwickeln. Diese bündeln die Aufträge, erhöhen die Transparenz und mindern die Transaktionskosten. Vor allem aber übernehmen sie das Risiko, wenn eine der am Handel beteiligten Parteien ausfällt. Um sich seinerseits abzusichern, verlangt der Clearer von den Marktteilnehmern Sicherheiten, etwa in Form von risikoarmen Wertpapieren wie etwa Anleihen erstklassiger Emittenten.

– Siehe Abwicklungsabteilung, Derivate, Derivategeschäfte-Clearingpflicht, Derivate-Informationspflicht, Derivategeschäfte-Meldepflicht, Future, Herdenverhalten, Knotenpunkt, Kreditrisiko, Kreditderivat, Option, Run, Rush to exit.

– Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 17, S. 42 (Aufsichtslücken sollen geschlossen werden); Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 43 ff. (der OTC-Derivatemarkt wird nun reguliert; Einzelheiten), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 62 (ausserbörsliche Derivategeschäfte über zentrale Kontrahenten wird in die Regulierung einbezogen) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Internationales", Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 92 ff. (ausserbörslicher Derivatemarkt seit 2003; Regulierungsfragen), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 163 (neue Vorgaben für OTC-Derivategeschäfte durch die novellierte DerivateV).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Derivategeschäfte-Clearingpflicht (obligation to clear derivate transactions):

Standardisierte OTC-Derivate sind gemäss EU-Verordnung seit August 2012 über eine Zentrale Gegenpartei zu clearen. - Nicht-standardisierte OTC-Derivate (also Verträge, die individuell zwischen einem Käufer und Verkäufer abgeschlossen werden und nicht an den Markt gelangen) sind bis anhin noch nicht clearingpflichtig. Jedoch ist vorgeschrieben, dass entsprechende Kontrakte hinsichtlich des Bestandes regelmässig abzugleichen sind und ein angemessenes Risikomanagement erfolgt.

– Siehe Derivategeschäfte, bilaterale, Derivate-Informationspflicht, Derivategeschäfte-Meldepflicht, Derivateverordnung, European Market Infrastructure Regulation.

– Vgl. Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 164 (Darstellung der gesetzlichen und aufsichtsrechtlichen Anforderungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Derivategeschäfte-Meldepflicht (obligation to report for derivate transactions):

Seit Februar 2014 sind alle Unternehmen gemäß Art. 9 der Verordnung über die europäische Marktinfrastruktur (European Market Infrastructure Regulation, EMIR) verpflichtet,

1. den Abschluss neuer sowie

2. die Umgestaltung oder

3. vorzeitige Beendigung bestehender Derivatekontrakte an ein Transaktionsregister bei der Aufsichtsbehörde zu melden. Von dieser Meldepflicht werden die Derivatekontrakte gesamthaft erfasst. Betroffern sind mithin sowohl börslich als auch ausserbörslich abgeschlossene Geschäfte. In den Meldungen sind neben den Angaben zum gehandelten Kontrakt selbst auch zahlreiche weitere Auskünfte zu den Geschäftsbeteiligten, also dem Kunden, Kontrahenten, Broker und allfälliger zentraler Gegenpartei zu übermitteln.

– Siehe Derivat, Derivategeschäfte, bilaterale, Derivategeschäfte-Clearingpflicht, Derivate-Informationspflicht, Derivate-Kodex, Derivateverordnung, European Market Infrastructure Regulation Finanzderivate, Kreditderivat, Überregulierung.

– Vgl. Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 163 f. (neue Vorgaben für OTC-Derivategeschäfte durch die novellierte DerivateV).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Derivate-Informationspflicht (derivate information requirement):

1 In Deutschland Vorschrift zu Risikohinweisen im Derivatgeschäft. Im Einzelnen müssen Informationen über

1. den Basiswert,

2. die wirtschaftlichen Zusammenhänge und Funktionsweise der Produkte wie vor allem die Bedeutung der Laufzeit für das Aufgeld, der Ausübungsart, der Hebelwirkung, der Liquidität und Volatilität des Marktes und gegebenenfalls des Stillhalterrisikos)

3. den Ertrag,

4. das Kursrisiko,

5. das Währungsrisiko und

6. das Bonitätsrisiko zur Verfügung gestellt werden. Die Aufklärungspflicht wird von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht durch entsprechende Richtlinien im Einzelnen erläutert und überwacht.

– Die Kunden begegnen entsprechenden Belehrungen gegenüber oftmals verärgert und unterschreiben schriftliche Vorlagen ohne weiteres an der "markierten Stelle" (marked place).

2 Pflicht des Handels, ab Februar 2014 schrittweise (gradual) alle Derivategeschäfte über eine zentrale Gegenpartei abzuwickeln oder zumindest einer zentralen Stelle zu melden. Die European Securities and Markets Authority hat hierzu ins Einzelne gehende Bestimmungen veröffentlicht.

– Siehe Anleger-Informationspflicht, Aufklärungspflicht, Ausschuss für Finanzstabilität, Derivategeschäfte-Clearingpflicht, Derivategeschäfte-Meldepflicht, Derivate-Kodex, Derivateverordnung, IAS 39, Informationsblätter für Finanzinstrumente, Informationspflicht, Over-the-Counter Trading, Risikobericht, Risikoüberwachung, gegliederte.

– Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 146 (Anzeigepflichten für Fonds nach der Derivateverordnung), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 92 ff. (ausserbörslicher Derivatemarkt seit 2003; Regulierungsfragen), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 163 (neue Vorgaben für OTC-Derivategeschäfte durch die novellierte DerivateV).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Derivate-Kodex (guidelines relating derivatives):

Zu Jahresende 2006 von führenden Emittenten von Derivaten vereinbarte Grundsätze für den Handel mit diesen Papieren. - Im Mittelpunkt steht die Verpflichtung der Anbieter, ausgewogen und in verständlicher Sprache die jeweilige Gestaltung des Derivats darzulegen. In Prospekten und bei persönlicher Beratung des Kunden muss auf die Risiken der jeweiligen Anlage deutlich hingewiesen werden. Beteiligte, die den Derivate-Kodex für verbindlich anerkannt haben, dürfen ein Gütesiegel (seal of approval) führen.

– Siehe Derivategeschäfte-Clearingpflicht, Derivategeschäfte-Meldepflicht, Finanzmarktregulierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Derivateverordnung, DerivateV (ordinance on derivative financial instruments):

Seit 2004 in Deutschland gültige und 2013 novellierte Vorschrift, wonach sich besondere regulatorische Anforderungen an das Risikomanagement und an die Risikomessung für Sondervermögen herleiten, in denen Derivate zur Steuerung von Risiko und Ertrag eingesetzt werden.

– Siehe Derivategeschäfte-Clearingpflicht, Derivategeschäfte-Meldepflicht, Risikoüberwachung, gegliederte Derivate-Informationspflicht.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 167 (Aufsichtliches; Risikomodelle), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 217 (Auswertung der Anzeigen nach der DerivateV), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 92 ff. (ausserbörslicher Derivatemarkt seit 2003; Regulierungsfragen), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 162 f. (DerivateV vollständig neu gefasst).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Desasterorientiert (worst case orientated):

Bei der Zuordnung der Risikoanteile (proportions of risk) gesagt von der Partei, welche das grösste Risiko trägt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Deserviten (charges; attorney fee, lawyer's fee):

In der älteren Literatur

1 Amtsgebühren allgemein und

2 das Honorar eines Rechtsbeistands im Besonderen.

– Siehe Entgelt, Gebühr, Kanzleigeld, Marge, Provision, Vergütung, Taxe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Desinvestition und Disinvestition (disinvestment):

1 Die Minderung des Kapitalstocks in einer Volkswirtschaft durch Abgänge, wie etwa Zerstörung infolge Naturkatastrophen oder die Unterlassung von Ersatzinvestitionen.

2 Im betrieblichen Rechnungswesen eine Einzahlung als Folge der Umwandlung von Betriebsgütern in Zahlungsmittel; sprich: Vermögensgegenstände wie Unternehmensteile werden verkauft.

3 Der Abzug von Kapital aus einem Land oder einer Beteiligungsgesellschaft (the withdrawal of capital from a country or an associated company) durch einen Anleger.

– Siehe Investition, Selbstfinanzierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Destatis (so auch im Englischen gesagt):

In der Finanzwelt übliche Abkürzung für das deutsche Statistische Bundesamt mit Sitz in Wiesbaden (Bundesland Hessen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Destinatär (beneficiary):

Jemand, der Nutzniesser in einer Vorsorgeeinrichtung oder einem Pensionsfonds ist; der Begünstigte (the person who is entitled to the benefit of any employee benefits institution).

– Siehe Altersvermögensgesetz, Altersvorsorge-Einrichtung, Anlegerschutz, Beamtenvereine, Bilanz, ganzheitliche, Contractual Trust Arrangement, Gehaltsverzicht, Occupational Pensions Regulatory Authority, Pensionsfonds-Richtlinie, Pensionskasse, Rabbi Trust, Regel, goldene.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Detraktion (detraction):

Eine frühere einmalige Zahlung an Heeresangehörige, die aus dem Militairdienst ausschieden, manchmal auch Abmarschgeld (decampment pay) genannt.

– Siehe Abfindung, Abzugsgeld, Anhebgeld, Entlassungsgeld, Veteranengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Detz, auch Dätz und Datz (tenth [due]):

In älteren Dokumenten eine Abgabe, die den Zehntteil vom gegenständlichen Ertrag, wie Getreide, Rüben oder Wein, bzw. nach Ablösung der Lieferverpflichtung in Waren eine entsprechende Zahlung in Geld betraf. Das Wort leitet sich aus dem lateinischen decimum = hier: der Steuerzehnte her.

– Siehe Akzise, Charadsch, Kanon, Nonagium, Umgeld, Verzehrgeld, Zehnt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Deut (brass farthing, jot):

1 Früher eine holländische und niederdeutsche Scheidemünze aus Kupfer am untersten Ende der ausgegebenen Münzen.

2 Eine sehr kleiner Geldbetrag.

– Siehe Nasarinchen, Peanuts, Pezzi, Pitis.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Deuteroskopie (deuteroscopy, second sight, clairvoyance):

In Bezug auf den Finanzmarkt die Gabe der Voraussicht künftigen Marktgeschehens. In Internet-Foren und direkten E-Mail-Zuschriften werden Personen vorgestellt, die angeblich solche seherischen Fähigkeiten besitzen, und die in der Regel gegen eine ansehnliche Gebühr ihr Vorherwissen verkaufen. Dabei finden sich von visionären Ergebnissen (visionary views) in Bezug auf den Markt gesamthaft bis hin zu Vorhersagen über den Kurs einzelner Titel entsprechende Weissagungen angeboten. In den meisten - wenn nicht gar sämtlichen - Fällen dürfte es sich bei den Deuteroskopen bzw. bei denen, die seherische Prognosen vermarkten (those who merchandise prophecies of pretended visionary clairvoyants) um Geschäftemacher handeln, deren Tun in vielen Fällen wohl auch dem Zweck der Kursmanipulation dient. Seitens der Aufsichtsbehörden ist es unmöglich, solches Treiben zu verbieten.

– Siehe Astro-Prognose, Beschores, Blog, Daimonion, Darkrooming, Finanzgeier, Geheimtip, Geldblogger, Gerüchtestreuen, Kursmanipulation, Monokausalismus, Noise Traders, Shitstorm, Siderismus, Verschwörungstheorien, Vorhersagetauglichkeit, Wahrsagergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Deutsche Börse AG (DBAG) (German stock exchange):

Im Jahr 1992 gegründetes privatwirtschaftliches Unternehmen mit Sitz in Frankfurt am Main. Zur Deutschen Börse AG gehören unter anderem auch die Deutsche Börse Clearing AG, Deutsche Börse Systems AG, Fördergesellschaft für Börsen und Finanzmärkte in Mittel- und Osteuropa mbH (FBF), European Exchange (Eurex) und Frankfurter Wertpapierbörse (FWB). - Im Januar 2005 unterbreitete die Deutsche Börse AG den Aktionären der London Stock Exchange ein Übernahme-Angebot nach englischem Recht. Dies löste heftigen Widerstand aus und führte auch zu einem Ermittlungsverfahren der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht gegen mehrere Kapitalverwaltungsgesellschaften, deren Manager sich offenbar gegen die Übernahme abgesprochen hatten. - Seit Frühjahr 2011 plante die Deutsche Börse AG eine Verschmelzung mit der New York Stock Exchange. Die EU-Kommission untersagte aus wettbewerbsrechtlichen Gründen am 1. Februar 2012 den Zusammenschluss.

– Siehe Big Board, Euronext, Wall Street.

– Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 177 f. (Ermittlungen der BaFin wegen unerlaubter Absprachen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Deutsche Bundesbank (German Federal Bank):

Als Zentralbank der Bundesrepublik Deutschland seit Beginn der Europäischen Währungsunion 1999 Bestandteil des Europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB). Sie wirkt an der Erfüllung seiner Aufgaben mit dem vorrangigen Ziel mit, die Preisstabilität zu gewährleisten, sorgt für die bankmässige Abwicklung des Zahlungsverkehrs im Inland und mit dem Ausland und trägt zur Stabilität der Zahlungs- und Verrechnungssysteme bei. Die Bundesbank hat ihren Hauptsitz in Frankfurt am Main und unterhält in den Bundesländern derzeit (Jahresanfang 2010) neun Hauptverwaltungen. - In Frankfurt betreibt sie auch ein Volkswirtschaftliches Forschungszentrum, dessen Arbeitsbereich Ökonometrie mit Vorausschätzungen der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland befasst ist.

– Siehe Bank Deutscher Länder, Internationales Forschungsforum zur Geldpolitik.

– Vgl. Geschäftsbericht 2003 der Deutschen Bundesbank, S. 171 ff., Geschäftsbericht 2006 der Deutschen Bundesbank, S. 119 f. (Tätigkeit des Forschungszentrums), Geschäftsbericht 2009 der Deutschen Bundesbank, S. 135 f (internationale Vernetzung) sowie den jeweiligen Geschäftsbericht der Deutschen Bundesbank, Abschnitt "Sonstige Aktivitäten".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Deutsche Gesellschaft für Ad-hoc-Publizität (DGAP):

Im Jahr 1996 gegründete Servicegesellschaft, welche nach Beauftragung durch ein Unternehmen alle Mitteilungs- und Veröffentlichungspflichten übernimmt, die diesem aus § 15, Abs. 1 bis Abs. 4 WpHG erwachsen.

– Siehe Auslagerung, Back-off-Bereich.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Deutsche Industriekreditbank, IKB (German industrial credit bank):

Tochter der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau, KfW (Reconstruction Loan Corporation), die durch waghalsige Engagements im Zuge der Subprime-Krise Ende Juli 2007 ins Strudeln geriet. Die KfW übertrug daraufhin ihre Beteiligung an den US-Finanzinvestor Lone Star.

– Siehe Verbriefungsstruktur.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 121 (Chronik; Garantierahmen durch den SoFFin), S. 183 ff. (Gründe für die Sanierungsbefreiung seitens der BaFin für Lone Star).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung e. V., DPR (Financial Reporting Enforcement Panel, FREP):

Auf der ersten Stufe mit der Bilanzkontrolle börsennotierter Unternehmen beauftragte, privatwirtschaftlich organisierte Vereinigung mit Sitz in Berlin. Die Prüfstelle nahm ihre Arbeit am 1. Juli 2005 auf; Gründer und Mitglieder sind Berufs- und Interessenvertretungen von Rechnungslegern und Rechnungsleger-Nutzern. - Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ist berechtigt, eine Bilanzprüfung durch die DPR zu veranlassen. Sollte ein börsennotiertes Unternehmen die so verfügte Bilanzkontrolle verweigern, dann kann die Aufsichtsbehörde mit Zwangsmassnahmen die Prüfung durchsetzen.

– Siehe Enforcement, Enforcer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Deutsche Terminbörse, DTB (German futures exchange):

Deutsche Computerbörse, die 1998 in die Eurex aufging.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Developer (so auch zumeist im Deutschen gesagt, seltener Erschliesser):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter in der Immobilen-Branche eine privatrechtliche oder öffentlich-rechtliche - und dann meist kommunale oder landeseigene - Firma, die

1. grössere gewerbliche und private Bauvorhaben plant,

2. auf eigene Rechnung errichten lässt, um

3. diese dann an Erwerber zu verkaufen.

4. Darin eingebunden sind Fachleute, die auf allen Stufen die Finanzierung betreuen und über längere Zeit - oft über Jahrzehnte - mit entsprechenden Instituten beim Immobilien-Banking zusammenarbeiten. Diese langfristige (noncurrent) Zusammenarbeit vermindert das Besicherungsrisiko.

– Siehe Kosten, vermiedene, Landmark Building-Darlehn, Projektfinanzierung, Realsicherheit, Immobilien-Sicherheiten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Devisen (foreign exchanges, xenocurreny):

Heimisches Geld in den Händen von Gebietsfremden bzw. ausländisches Geld im Besitz von Gebietsansässigen. - Devisen können nicht nur in Form von Bargeld - dann banksprachlich: Sorten genannt - bestehen, sondern als Forderungen in Fremdwährung, Guthaben bei ausländischen Banken, Schecks, Überweisungen und Wechseln.

– Siehe Abschlag, Bardevisen, Denominierung, Devisenmarkt, Zahlungsmitteläquivalente.

– Vgl. den Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Monetäre Statistik", Unterrubrik "Konsolidierter Ausweis des Eurosystems" im jeweiligen Monatsbericht der EZB zu den Fremdwährungs-Forderungen. Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Devisenausländer (non-resident [entity]):

In der Begrifflichkeit (terminology) der Devisenzwangswirtschaft eine Entität, deren Sitz als ausserhalb des jeweiligen Währungsgebietes angenommen wird (an entity who is regarded as non-resident in the currency area).

– Siehe Gebietsfremde.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Devisenausschreibung (application for foreign exchange):

Einladung der Devisenbehörde, Gebote zum Erwerb ausländischer Zahlungsmittel abzugeben.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Devisenbank (foreign exchange licensed bank):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter ein Institut, das bei vorherrschender Devisenzwangswirtschaft zum Handeln mit ausländischen Zahlungsmitteln zugelassen ist. In Deutschland bedurfte es nach dem Gesetz vom 8. Mai 1923 dazu für Privatbanken einer Erlaubnis (Konzession; permission) durch das Handelsministerium.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Devisenbehörde (exchange control authority):

Zuständige Stelle zur Verwaltung der Devisen eines Landes bei Devisenzwangswirtschaft.

– Siehe Andienungspflicht, Ausfuhrprämie, Belassungsquote, Devisendecke, Devisenfreibetragsverfahren, Devisenvergehen, Devisenvorleistung, Devisenzuteilungsbestätigung, Devisenzwangswirtschaft, Parallelitätsangebot, Zahlungsabwicklung, unternehmensspezifische.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Devisenbelastung (burden on the foreign exchange position):

Fachausdruck (technical term) aus der Devisenzwangswirtschaft zur Bezeichnung der

1. Höhe aufzuwendender (knapper; scarce) Devisen

2. für eine beantragte Einfuhr von Waren oder

3. anderer mit einem Devisenabfluss (foreign exchange expenditure) verbundener Aktivitäten, wie etwa einer Reise ins Devisenausland (foreign currency zone).

– Siehe Gegenseitigkeitsgeschäft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Devisenbilanz (balance of foreign exchange payments):

Gegenüberstellung der vorhandenen sowie der zu erwartenden Devisen einerseits und der von der Devisenbehörde zugesagten und daher zu leistenden Devisenausgaben andererseits.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Devisendecke (holdings of foreign exchanges):

Der Bestand einer Zentralbank bzw. der Devisenbehörde an ausländischen Zahlungsmitteln.

– Siehe Andienungspflicht, Ausfuhrprämie, Belassungsquote, Devisenfreibetragsverfahren, Devisenreserven, Devisenzwangswirtschaft, Parallelitätsgebot, Wechselkurs-Überwachung, Zwangskurs.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Devisenfreibetragsverfahren (procedure permitting exporters an allocation of free foreign exchange):

Im Rahmen der Devisenbewirtschaftung in Deutschland eingeführte Regelung, wonach vorwiegend im Aussenhandel tätige Unternehmen über einen bestimmten, ihnen von der Devisenbehörde auf Antrag eingeräumten Betrag an Devisen frei verfügen durften. Mit diesen Zahlungsmitteln sollten die Unternehmen in die Lage versetzt werden, rasch und preisgünstig in Devisen zu zahlende Käufe - vor allem Rohstoffe zur Herstellung eines Exportgutes - tätigen zu können, was letzten Endes der Devisenbilanz zugute kam.

– Siehe Belassungsquote; Devisenvorleistung, Gegenseitigkeitsgeschäft, Wechselkurs-Überwachung, Zwangskurs.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Devisenhandel (foreign exchange dealings, foreign exchange trading):

Wenn nicht ausdrücklich anders abgegrenzt, die von Banken getätigten Geschäfte auf dem Devisenmarkt. Der Devisenhandel zeichnet sich heute dadurch aus, dass Umsätze

1. rund um die Uhr (round the clock)

2. über die Welt gesamthaft (around the world) stattfinden; die Kommunikation zwischen den Marktteilnehmern vollzieht sich dabei über Fernmeldesysteme und Computer.

– Das hat zur Folge, dass für die Devisenkurse - anders als etwa bei den Kursen von Aktien an der Börse - keine einheitlichen Marktpreise festgestellt werden können. Auch für die Marktteilnehmer selbst bleibt das Handelsgeschehen weithin undurchschaubar. Bis anhin gibt es auch keine Pflicht zur Offenlegung für den Devisenhandel der Banken. Angaben über die Preisbildung, die Höhe der getätigten Umsätze und andere Informationen liegen daher nicht vor. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich führt daher weltweit - bisher im Dreijahres-Rhythmus - entsprechende Erhebungen durch. - Das meistgetauschte Währungspaar im Jahre 2012 war EUR/USD. Am Devisenhandel gesamthaft hatte England (London ist der weltgrösste Devisen-Handelsplatz!) einen Anteil von 34,1 Prozent, die Schweiz 6,1 Prozent und Deutschland 2,5 Prozent; wobei zu beachten ist, dass viele deutsche und auch einige schweizerische Banken ihren Devisenhandel von Frankfurt bzw. Zürich nach London verlegt haben.

– Siehe Auftragsfluss, Bankenmarkt, Devisenhandel, computerisierter, Devisenmarkt, Herstatt-Pleite, Kassenfuss, Konversion, Marktmacher, Parallelkredit.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2008, S. 19 ff. (Devisenmarktumsätze nach verschiedenen Gesichtspunkten aufgeschlüsselt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Devisenhandel, computerisierter (computerised forex [= foreign exchange] trading):

Geschäfte in ausländischen Zahlungsmitteln gesamthaft bzw. vor allem beim Währungspaar EUR/USD, die nur von entsprechend programmierten Computern ausgelöst werden. Diese suchen gleichzeitig fortlaufend alle Handelsplattformen - Devisenbörsen, Interbankenmarkt in Devisen, Over-The-Counter-Options - der ganzen Welt rund um die Uhr auf kleine Preisunterschiede (ticks; Ticks) hin ab. Gegebenenfalls lösen sie, im Takt von Bruchteilen von Sekunden, entsprechende Kauf- und Verkaufssignale aus, um aus den Kursunterschieden einen Gewinn zu erzielen. Im Frühjahr 2011 ereignete sich etwa fünfzig Prozent des Devisenhandels weltweit auf diesem Wege.

– Siehe Algorithmic Trading, Bid-ask-Spread, Daytrading, Hochfrequenzhandel, Market Trading, Quote-Stuffing-Taktik, Sell-Plus-Order.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Devisenkassageschäft (spot transaction in foreign exchanges):

Die sofortige Abwicklung eines Tauschgeschäfts zwischen Partnern auf dem Devisenmarkt.

– Siehe Bankenmarkt, Devisenbank, Devisenzwangswirtschaft, Parallelkredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Devisenkurs (exchange rate):

Der Marktpreis für ausländische Zahlungsmitte (the price that one currency converts to another).

– Siehe Devisenhandel, Kassenfuss, Konversion, Wechselkurs, Zwangskurs.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Devisenmarkt in älteren Dokumenten auch oft Notenmarkt (foreign exchange market):

1 Allgemein das Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage nach ausländischen Zahlungsmitteln. Der sich bildende Preis heisst Devisenkurs oder Wechselkurs (exchange rate).

2 Der Handel mit ausländischen Zahlungsmittel an der Börse und zwischen den Banken. Weltweit war nach der Erhebung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich im Jahr 2010 der EUR die am zweihäufigsten gehandelte Währung nach dem USD.

– Siehe Bankenmarkt, Devisenbank, Devisenhandel, computerisierter, Devisen-Swapgeschäft, Devisenzwangswirtschaft, Kassenfuss, Lagging, Münzcommis, Parallelkredit, Stützungskauf, Tomorrow next, Wechselkurs, Wirtschaftsregierung, europäische.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2008, S. 19 ff. (Aufschlüsslung der Umsätze; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Devisenreserven (foreign exchange reserve):

Wenn nicht anders definiert, so meint man heute damit die ausländischen Zahlungsmittel - in der Regel angelegt in zinstragenden Papieren der entsprechenden Denomination - im Besitz einer Zentralbank. Weltweit waren im Jahr 2009 knapp achtundzwanzig Prozent der Devisenreserven aller Zentralbanken in EUR angelegt; der Anteil des USD betrug etwas über zweiundsechzig Prozent. - Im Falle der Devisenzwangswirtschaft spricht man eher von Devisendecke.

– Siehe Dollar-Crash, Goldopfer, Währungsreserve.

– Vgl. die Höhe der Reserven der EZB, untergliedert nach einzelnen Posten, im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Aussenwirtschaft" des jeweiligen Monatsberichts der EZB, Geschäftsbericht 2005 der Deutschen Bundesbank, S. 78 (weltweite Übersicht), Geschäftsbericht 2006 der Deutschen Bundesbank, S. 73 (weltweite Übersicht 1998 und 2004-2006), Geschäftsbericht 2007 der Deutschen Bundesbank, S. 77 (weltweite Übersicht weitergeführt) sowie den jeweiligen Geschäftsbericht der Deutschen Bundesbank, Abschnitt "Wirtschaftliche und monetäre Entwicklung im Euro-Währungsgebiet".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Devisenschuld-Bezahlung (arranging the payment in terms of foreign currency):

Falls nicht vertraglich ausdrücklich anders vereinbart, so kann eine in ausländischer Währung ausgedrückte Geldschuld im Inland in heimischem Geld geleistet werden. Dies legt für Deutschland § 244 BGB fest.

– Siehe Zahlungsort.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Devisen-Swapgeschäft (foreign exchange swap):

1 Bankgeschäftlich der Kassa-Verkauf einer Währung unter gleichzeitigem Rückkauf per Termin oder umgekehrt. Solche Operationen dienen vor allem der Kurssicherung bei Aussenhandelsgeschäften.

2 Bei der Zentralbank Kassa-Käufe und Kassa-Verkäufe mit Banken in einer bestimmten Währung, unter gleichzeitiger Vereinbarung eines Gegengeschäftes auf Termin. Der entsprechende Unterschied zwischen den Kursen für beide Fälligkeiten wird dabei als Swapsatz bezeichnet. - Die EZB kann geldpolitische Offenmarktgeschäfte in Form von Devisen-Swapge¬schäften durchführen, bei denen die nationalen Zentralbanken oder die EZB selbst EUR gegen eine Fremdwährung (xeno currency) per Kasse kaufen (oder verkaufen) und sie gleichzeitig per Termin verkaufen (oder kaufen). Allfällige Verträge werden lediglich mit Banken abgeschlossen, die in der Lage sind, jederzeit grossvolumige Devisengeschäfte reibungslos durchzuführen.

– Siehe Back-to-Back-Loan, Devisentermingeschäft, Herstatt-Risiko, Matching, Parallelkredit, Quanto, Swapgeschäft, Swapsatz, Tomorrow next, Zinsswap.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2011, S. 58 ff. (Dollar-Refinanzierungslücke deutscher Banken; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Devisentermingeschäft (forward transaction in foreign exchanges):

Ein Finanzderivat, bei dem der Abschluss und die Ausführung eines Tauschgeschäfts auf dem Devisenmarkt zeitlich auseinanderliegen. - Die Partner einigen sich, zu dem heute geltenden, in der Regel dreimonatigen Terminpreis (forward rate) einen bestimmten Devisenbetrag zu kaufen (verkaufen). Der Terminpreis kann vom Tageskurs nach oben oder unten abweichen. - Liegt der Terminpreis über dem Tageskurs - auch Kassakurs genannt - dann spricht man von einem Report (Aufschlag; premium). - Liegt der Terminpreis unter dem Tageskurs, so nennt man den Unterschied Deport (Abschlag; discount). - Der Unterschied zwischen Terminpreis und Tageskurs für Devisen, in Jahresprozenten berechnet, ist der Swapsatz.

– Siehe Bankenmarkt, Currency Futures, Herstatt-Risiko, Lagging, Parallelkredit, Success Rates, Swapgeschäft, Zinsdifferenz.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2005, S. 29 ff. (grundsätzliche, lehrbuchmässige Darstellung mit Formeln und Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Devisenvergehen (currency offence):

Die rechtswidrige, schuldhafte Handlung gegen - die in der Regel sehr umfangreichen und bis ins Einzelne gehenden - Vorschriften in Zusammenhang mit der Devisenzwangswirtschaft. Entsprechende Verstösse wurden (gegenüber "Volksschädlingen"; pest of the people in Deutschland) und werden auch heute noch in vielem Staaten der Erde mit verhältnismässig sehr hohen Strafen einschliesslich der Hinrichtung (death penalty) geahndet.

– Siehe Andienungspflicht, Devisenbank, Devisenzwangswirtschaft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Devisenvorleistung (advance of funds in foreign exchange):

Die Devisenbehörde stellt einem Importeur ausländische Zahlungsmittel zum Import eines Gutes - etwa: Gold - zur Verfügung unter der Bedingung, dass er die verarbeitete Ware - etwa: Goldschmuck, Golduhren - innert eines vorgegebenen Zeitraums ins Devisenausland verkauft und die dann erlösten Devisen der Behörde abliefert. - Durch Gewährung einer entsprechenden Belassungsquote kann erreicht werden, dass durch diese Massnahme starke Anreize für den devisenbringenden Export - im Beispiel: sehr hohe wertschöpfende Verarbeitung der importierten Rohware Gold - ausgelöst werden.

– Siehe Devisenfreibetragsverfahren, Unit-Value-Relation.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Devisenzuteilungsbestätigung (confirmed allocation of foreign exchange):

Zusage der Devisenbehörde,

1. eine beantragte Summe an ausländischen Zahlungsmitteln

2. zu einem bestimmten Zeitpunkt und

3. für den im Gesuch bezeichneten Zweck in der Regel für eine kommerzielle Einfuhr - bereitzustellen. Dabei muss beurteilt und entschieden werden, ob das vom Antragsteller bezeichnete Geschäft devisenpolitisch (from the foreign exchange point of view) opportun ist.

– Siehe Ausfuhrprämie, Belassungsquote, Devisendecke, Devisenvorleistung, Devisenzwangswirtschaft, Einfuhr, kommerzielle, Einfuhr- und Zahlungsbewilligung, Parallelitätsangebot.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Devisenzwangswirtschaft und Devisenbewirtschaftung (foreign exchange control):

Die Regelung des Zahlungsverkehrs in einen anderen Währungsraum oder aus diesem durch ein staatliches Organ, der Devisenbehörde. Der freie Verkehr auf dem Devisenmarkt ist gleichzeitig verboten. Ziel der Bewirtschaftung ist es, Angebot und Nachfrage nach ausländischen Zahlungsmitteln aufeinander abzustimmen, um Ungleichgewichte in der Zahlungsbilanz auszuschliessen sowie die Einfuhr lebensnotwendiger Güter (essentials) gegenüber nicht-lebensnotwendiger Waren (non-essentials) sicherzustellen. - Zwangsläufig führt jede Devisenbewirtschaftung zu einer Kontingentierung der bezogenen sowie ausgeführten Güter und erfordert einen entsprechenden Überwachungsaufwand. Auch liegt es in der Natur der Sache (in the nature of things), dass Strafen gegen Verstösse der Bewirtschaftungs-Anordnungen (regulations in the system of foreign exchange control) an Härte zunehmen. In einigen Ländern kann gegen Devisenschieber (currency profiteers) sogar die Todesstrafe verhängt werden; wie übrigens auch in Deutschland im Dritten Reich sog. Devisenschieber und Kriegswirtschaftsverbrecher gerichtlich mit der Todesstrafe belegt oder in ein Konzentrationslager eingeliefert und dort getötet wurden.

– Siehe Andienungspflicht, Ausfuhrprämie, Belassungsquote, Colbertismus, Cross Rate, Debt-Equity-Swap, Demonisation, Devisenbank, Devisendecke, Devisenfreibetragsverfahren, Devisenvergehen, Devisenzuteilungsbestätigung, Gegenseitigkeitsgeschäft, Kapital-Abschottung, Parallelitätsgebot, Parallelkredit, Währungsbehörde, Wechselkurs-Überwachung, Zwangskurs.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dezentralisations-Prinzip (principle of decentralisation):

Bei der EZB die Tatsache, dass die EZB zur Durchführung ihrer Geschäfte so weit wie möglich die nationalen Zentralbanken in Anspruch nimmt. Dadurch wird erreicht, dass die Banken vor Ort unmittelbaren Zugang zum Eurosystem haben. - Andererseits besteht dadurch auch ein erhöhter Koordinierungsbedarf (increased needs for coordination). Derzeit (zu Jahresbeginn 2011) gibt es rund sechzig Ausschüsse, Arbeitsgruppen und Gremien, die mit der technisch oft verwickelten sowie zeit- und arbeitsaufwendigen Koordination befasst sind.

– Siehe Ausschuss-Wahn, Clearing, Commitment, Empowerment, Multi-Boutique-Ansatz, Octopus, Subsidiaritätsprinzip.

– Vgl. Jahresbericht 2000 der EZB, S. 186.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dezimalwährung (decimal currency):

Die Zahlungsmittel eines Landes bzw. eines Währungsraums sind nach dem Zehnersystem (100, 10, 1) geordnet. - Bis in die Neuzeit herrschte weithin das Sechzigersystem (Hexagesimalsystem; hex[adecimal] system) vor, das heute noch bei der Zeitzählung in Stunden, Minuten und Sekunden fortlebt. - In Deutschland wurde die Dezimalwährung 1871, in Grossbritannien erst 1971 eingeführt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dialemma (interim time, dialemma, short push):

In der älteren Literatur eine

1. kurzzeitige,

2. durch nachfrageerzeugende Geschehnisse von aussen, wie etwa durch strengen Winter und somit plötzlichem Bedarf an warmer Kleidung bedingte

3. Erholungspause in einer Krise.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Diäten (daily allowance, renumeration for parliamentarians):

1 Zahlung an Abgeordnete für deren Aufwendungen in Zusammenhang mit ihrem politischen Mandat (parliamentary mandate).

2 In älteren Dokumenten auch Zahlung an Amtsträger ohne feste Besoldung (Ehrenbeamte; honorary officials) als Kostenersatz für ihre Verrichtungen, wie beispielweise oftmals für den Bergmeister (bar-master, local mine-inspector) vor Ort.

– Siehe Lachsteingeld, Pension.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Diamanten (diamonds):

Nach Schätzungen werden weltweit mehr als neunzig Prozent der hochkarätigen Stücke (top-class exemplars) als Anlageobjekte gehalten. Der Grund dafür ist, dass Diamanten

1. von allen bekannten Gütern den höchsten Wert auf kleinstem Raum enthalten,

2. vor dem Zugriff des Staates und Plünderungen in Unruhezeiten gut zu verbergen und selbst durch Metalldetektoren bis anhin nicht aufspürbar sind,

3. sich mühelos und unauffällig befördern lassen sowie auch

4. in der Regel fast so leicht wie Edelmetalle in Geld oder Tauschgüter umzuwandeln sind.

– Siehe Edelsteine, Juwelen, Karat, Kompensation, Sachwerte, Vieleck, magisches, Wertsachen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Diamond-These (Diamond thesis):

Anleger vertrauen einer Bank deswegen ihr Geld an, weil die Institute die Kontrolle der Schuldner bündeln. Damit fallen bei weitem weniger Kosten an, als wenn jeder einzelne Darlehnsgeber selbst diese Überwachung vornehmen müsste. - Aus dieser (von dem amerikanischen Ökonomen Douglas Diamond so formulierten) Aussage leitet sich die grundlegende Kritik an der Verbriefung her.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Diätrendite (diet yield):

Von Finanzjournalisten gesagt für einen Zustand auf dem Finanzmarkt, bei dem Anleger so gut wie gar keine Zinsen erhalten, weil das Zinsniveau (durch die Zentralbank) niedrig gehalten wird. - Hätten die Anleger in Deutschland für Bankeinlagen im Jahr 2010 drei Prozent Zins anstatt nur einem Prozent gutgeschrieben bekommen, so hätten die Bundesbürger Zusatzeinnahmen von 36 Mia Euro erhalten. Für die Folgen der mit der Subprime-Krise verbundenen Finanzkrise mussten mithin auf diesem Weg die Sparer mit einen erheblichen Anteil (to a considerable proportion) eintreten.

– Siehe Anmassung, zentralbankliche, Ausschüttungs-Sperre, Blutzoll, Enteignung, kalte, Repression, finanzielle, Niedrigzinspolitik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dichten, risikoneutrale (risk-neutral densities, RNDs):

Eine der Massgrössen zur Beurteilung von Bewegungen des EURIBOR. Ausgegangen wird von Terminkontrakten auf Basis des EURIBOR. Im Modell wird dann unterstellt, dass die Marktteilnehmer risikoneutral wären. Aus den tatsächlich am Markt bezahlten Sätzen errechnet man daraufhin jenen Teil des Zinssatzes, der als Risikoprämie aufzufassen ist.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2008, S. 86 (Erklärung; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dienstgeld (service discharge fee; military service payment):

1 Frühere Abgabe in Bargeld zur Ablösung der Verpflichtung (Fron; soccage), dem Grundherrn bestimmte Verrichtungen wie Erntehilfe, Fuhrleistungen und andere Fronen in persönlicher Arbeit leisten zu müssen.

2 Zahlung an Militair-Angehörige, besonders an die zu Wehrübungen einberufene Frauen und Männer.

– Siehe Anhebgeld, Cerozensual, Dispensationsgeld, Freikaufgeld, Frongeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dienstleister, wissensbasierte (knowledge-based services):

Zu diesem Wirtschaftszweig zählt man

1. nicht standortgebundene (not connected to a certain location) Unternehmen, die

2. einen ausgeprägten Know-how-Bedarf haben,

3. deren Leistungen einen hohen Schwierigkeitsgrad (high degree of complexity) aufweisen, wie etwa in der IT-Branche,

4. während andererseits die Geschäftsaussichten auf längere Zeit schwer abschätzbar sind und auch

5. bankmässige Sicherheiten wie Grundstücke, Gebäude, Maschinen oder Wertpapiere in der Regel nicht vorhanden sind.

– Bei diesen Firmen bestehen besondere Anforderungen hinsichtlich der Kreditgewährung durch die Banken.

– Siehe Deflation, digitale, Forschungsquote, High-Tech-Industrie, Inkubator, Innovationsfonds, Kreditklemme, Mikro-Finanzierung, Private-Equity-Finanzierung, Risikokapital, Seed Capital, Unit-Value-Relation.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dienstleistungen in älteren Dokumenten auch Perfunktionen (services):

Von einer natürlichen oder juristischen Person einem Kunden oder einem Gegenstand des Kunden erbrachtes Handeln gegen entsprechendes Entgelt. - Im Gegensatz zu seiner Sachleistung ist eine Dienstleistung nicht lagerungsfähig und übertragbar. Die Erzeugung und der Verbrauch fallen in der Regel zeitlich zusammen (uno-actu principle; Uno-actu-Grundsatz). Grundsätzlich sind Dienstleistungen nicht materiell; sie können aber gegenständliche Bestandteile enthalten, etwa ein Trägermedium, auf dem das Ergebnis der Dienstleistung übermittelt wird. Die Beschaffenheit der Dienstleistung bezeichnet man als Service-Güte (service quality). - In der deutschsprachigen Statistik sind "Güter" der Oberbegriff, "Waren" und "Dienstleistungen" die jeweils zugeordneten Unterbegriffe. Es ist daher logisch falsch, von "Güter und Dienstleistungen" zu sprechen, wie dies (und von wem gar!) immer wieder geschieht.

– Siehe Bankdienstleistungen, Dienstleistungen, nicht-marktbestimmte, Dienstleistungs-Inflation, Finanzdienstleister, Gut, öffentliches, Güter, Wertpapier-Nebendienstleistungen.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2007, S. 82 f. (Schwierigkeiten der exakten Messung der Dienstleistungen), S. 90 f. (Indikatoren zur Messung des Wettbewerbs im Dienstleistungs-Sektor), S. 93 f. (EU-Richtlinie über Dienstleistungen im Binnenmarkt), Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2008, S. 37 ff. (Anteil der Dienstleistungen im HVPI [= 40,9 Prozent]; einzelne Teilbereiche; Inflationsempfindlichkeit; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Mai 2008, S. 65 ff. (Aufschlüsselung nach Branchen; wichtige Übersichten 1999 bis 2008), Monatsbericht der EZB vom Juli 2008, S. 87 ff. (lehrbuchmässige Darstellung zum Dienstleistungssektor allgemein und im Eurogebiet im Besonderen; viele Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2008, S. 42 f. (Veränderung der Preise für Dienstleistungen innert der EWU und Deutschaland seit 1999), Monatsbericht der EZB vom Januar 2009, S. 41 ff. (höhere Inflationsrate bei Dienstleistungen gegenüber Waren erklärt; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Mai 2011, S. 66 ff. (Dienstleistungsaustausch innert der Euroländer; Dienstleistungsverkehr Eurogebiet zu übriger Welt; zahlreiche Übersichten; Einschätzung in Bezug auf die Wettbewerbsfähigkeit), Monatsbericht der EZB vom März 2014, S. 64 ff. (Einfluss der Dienstleistungspreise auf den HVPI; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dienstleistungen, nicht-marktbestimmte (non-market services):

In der Statistik die Arbeit

1. der öffentlichen Verwaltung,

2. der Streitkräfte,

3. der Erziehungs- und Bildungseinrichtungen sowie

4. des Gesundheits- und Sozialwesens. Die EZB beobachtet und beurteilt in Rahmen des Zwei-Säulen-Prinzips die Entwicklung der Löhne und Gehälter in diesem Bereich.

– Siehe Balassa-Samuelson-Effekt, Dienstleistungen, Dienstleitungs-Inflation, Gut, öffentliches.

– Vgl Monatsbericht der EZB vom Dezember 2013, S. 87 ff. (Einfluss der Finanzkrise auf die nicht-marktbestimmten Dienstleistungen; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dienstleistungs-Inflation (service inflation):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter die Tatsache, dass die Preise für Dienstleistungen in der Regel rascher steigen als die Preise für Waren. Zu Erklärung nennt man vor allem:

1. in einer alternden Gesellschaft steigt die Nachfrage für medizinische und pflegerische Leistungen rascher an als das Angebot,

2. die Produktivitätszuwächse (productivity gains) beim Sachkapital sind höher als bei den grundsätzlich von Personen zu erbringenden Dienstleistungen,

3. auf den Warenmärkten ist der Wettbewerb in der Regel wirksamer als im Dienstleistungssektor und

4. die weltwirtschaftliche Verflechtung ist im Warenverkehr bei weitem enger als im Dienstleistungsverkehr, was bei hohem Offenheitsgrad zum Preisdruck bei Waren führt.

– Siehe Deflation, digitale, Dienstleistungen, nicht-marktbestimmte.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2009, S. 41 ff. (höhere Inflationsrate bei Dienstleistungen gegenüber Waren erklärt; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom März 2014, S. 64 ff. (Einfluss der Dienstleistungspreise auf den HVPI; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dienstleistungsverkehr (exchange of services):

Wenn nicht anders definiert der grenzüberschreitende Handel von Dienstleistungen. Dieser wird statistisch als eigener Posten der Zahlungsbilanz erfasst und ist auch für die Geldpolitik von Bedeutung. - Die genaue Berechnung des Dienstleistungsverkehrs stösst bis anher jedoch auf viele Probleme, vor allem weil es erhebungstechnisch sehr schwer ist, auch einzubeziehen

1. den nicht grenzüberschreitenden Dienstleistungshandel, etwa: ein deutsches Ingenieurbureau plant einen Bau in Dubai,

2. den vorübergehenden Umzug eines Dienstleisters, etwa: eine philippinische Krankenschwester arbeitet für ein Jahr in der EU,

3. die kurzfristige Verlegung von Dienstleistungs-Aufträgen ins Ausland, etwa: ein deutsches Unternehmen bedarf vor Gericht der Dienste eines argentinischen Rechtsanwalts,

4. Firmenvertretungen im Ausland, etwa: ein spanisches Fremdenverkehrs-Bureau eröffnet eine Niederlassung in Singapur.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juli 2008, S. 89 f. (Bestimmungsgründe für den Dienstleistungsverkehr), S. 98 f. (Probleme der Erfassung im Einzelnen), Monatsbericht der EZB vom Mai 2011, S. 66 ff. (Dienstleistungsaustausch innert der Euroländer; Dienstleistungsverkehr Eurogebiet zu übriger Welt; zahlreiche Übersichten; Einschätzung in Bezug auf die Wettbewerbsfähigkeit), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2014, S. 63 (Probleme der statistischen Erfassung in der Zahlungsbilanz).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dieselgeld (diesel fuel surcharge):

Im Speditionsgewerbe ein Aufpreis (extra charge), der zusätzlich zum Frachtgeld (carriage charge) dem Versender in Rechnung gestellt wird. Der jeweilige Betrag richtet sich in der Regel nach dem Tagespreis (current price) für Dieselkraftstoff an den Zapfsäulen (diesel fuel pump). - Damit sichern sich die Spediteure (CH: Spetter; carrier) vor sprunghaften Preissteigerungen (erratic price increases) bei Treibstoffen, die ihre Kalkulation der Frachtkosten durcheinander werfen und ihnen gar Verluste bescheren würden.

– Siehe Brückengeld, Chausseegeld, Citymaut, Fährgeld, Furtgeld, Mautgeld, Standgeld, Taxe, Torgeld, Transitgeld, Ungeld, Verladegeld, Vignette, Wartegeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Differenzgeschäft (margin trading, contracts for difference, CFDs):

Börsentermingeschäft, das nicht auf den Erwerb von Wertpapieren oder Waren gerichtet ist, sondern lediglich auf einen allfälligen Gewinn aus der Kursdifferenz; siehe die Definition in § 764 BGB. - Entsprechende Geschäfte bilden daher die Bewegung zwischen Geldkurs und Briefkurs genau ab und bieten den Vorteil, dass mit einem Bruchteil an Kapital Indizes, Waren, Aktien oder Anleihen "auf Marge" gehandelt werden. Der Anleger kann sowohl auf steigende Kurse setzen (long gehen) oder auf fallende Kurse spekulieren (short gehen). Grundsätzlich sind die Laufzeiten der jeweiligen Positionen unbegrenzt; freilich verlangen die Broker ab einem bestimmten Verlust in der Regel einen Nachschuss. - Ein entsprechend am Markt handelndes Wirtschaftssubjekt nennt die ältere Literatur mit dem englischen Wort Stockjobber oder mit dem französischen Ausdruck für eine solche Person auch Kulisseur, manchmal auch Agioteur.

– Siehe Agiotage, Börsianer, Makler, Commercials, Daytrading, Devisenhandel, computerisierter, Jobberei, Kulisse, Leerverkauf, Nachschuss-Aufforderung, Option, Option, nackte, Position, ungedeckte, Rohstoff-Terminvertrag, Spekulation, Spread Bets, Terminspekulant.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 164 f. (aufgedeckte Geschäfte).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Differentialzoll (differential duty):

Eine zollbehördliche Verfahrensweise (system of customs authority), nach welcher Waren unterschiedlich belastet (tarifiert; tariffed) werden, je nachdem,

1. wohin sie ausgeführt werden (bei einem Exportzoll; export duty) bzw.

2. von welchem Land sie eingeführt werden (Importzoll; import duty). Zweck einer solchen Massnahme ist es, die Einfuhren und Ausfuhren nach den Erfordernissen der eigenen Volkswirtschaft zu steuern.

– Siehe Colbertismus, Devisenbewirtschaftung, Mezetene, Übernachfrage, volkswirtschaftliche, Zollaufgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Diffession (oath of abnegation):

In der älteren Finanzsprache eine eidesstattliche Erklärung, dass eine vorgelegte Schuldurkunde - auch: die Unterschrift auf einem Dokument - gefälscht sei; eine eidliche Ableugnung der Echtheit (denial of authenticity made under oath).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dingo-Werte (so auch oft im Deutschen gesagt; im Amerikanischen auch: wild cat papers sowie cats and dogs):

Aktien oder andere Wertpapiere, vor deren Erwerb dringend abzuraten ist. Sie werden vor allem als Geheimtip in den Markt gebracht. Der Begriff leitet sich der Warnung "do not invest - no growth opportunity" ab.

– Siehe Billigkopie, Blind Pool, Blue-sky laws, Blog, Börsenbriefe, Daimonion, Dampfstube, Darkrooming, Explorer-Werte, Finanzdetektiv, Glamour Stocks, Go-go-Fonds, Goldtäuschung, High Flyer, Internet-Foren, Kapitalmarkt, grauer, Pump and Dump, Racheengel, Remittance Services, Risikokapital, Schattenbankbereich, Terror-Papiere, Twitter, Winkelmakler, Zitterprämie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dinks-Geschäft (so auch im Deutschen; dinks ist ein Akronym [= aus den Anfangsbuchstaben mehrerer Wörter gebildetes neues Wort] für double income no kids):

Bei einer Bank die Umsätze mit Privathaushalten, in denen ein Ehepaar bzw. eine eingetragene Lebensgemeinschaft ohne Kinder lebt, und wo beide Partner erwerbstätig sind.

– Siehe Best Agers Business, Geomarketing, bankliches, Kundenbindung, Oldie-Geschäft, Power-age financial market, Private Banking, Silver Economy, Woopee-Geschäft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Direct Brokerage (so auch im Deutschen gesagt; seltener Direktmaklerei):

Wertpapier-Dienstleistungen einer Direktbank. Eine Anlageberatung findet grundsätzlich nicht statt; die Titel können daher auch kostengünstiger erworben werden.

– Siehe Direktbank, Internetbank, Online Banking.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Directors' Dealings (so auch im Deutschen gesagt):

Geschäfte leitender Angestellter mit Papieren des von ihnen geführten Unternehmens. Das Transparenzrichtlinie-Umsetzungs¬gesetz [TUG]) vom 5. Januar 2007 schreibt die Meldung einzelner Transaktionen vor. Eine Übersicht der gemeldeten Geschäfte stellt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht auf ihrer Homepage zur Verfügung.

– Siehe Bonus, Insider-Meldepflicht, Untertunnelung.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 186 f (neues Veröffentlichungsrichtlinien; Bussgelder), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 166 f. (Meldungen 2004 bis 2008; Verstösse), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 191 f. (Bussgeldverfahren), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 207 f. (Übersicht 2006 bis 2010; Bussgeldverfahren), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 191 (Meldungen seit 2008; abnehmende Tendenz), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 173 (95 Prozent der Fälle sind Aktiengeschäfte; Übersicht der Fälle seit 2009) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Direktbank (direct bank):

Eine Bank, die ausschliesslich auf elektronischem Weg mit dem Kunden in Verbindung tritt.

– Siehe Automaten-Abhebegebühr, Bank, gemischte, Bankensystem, Bezahlverfahren, innovative, Container-Banking, Direct Brokerage, Internetbank, Finanzinstitut, monetäres, Geldautomaten-Sperre, Institut, Kreditbanken, Markteintrittskosten, Multikanalbank, Online Banking.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 26 (Eintritt auch in den Bereich der klassischen Bankprodukte).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Direktinvestition (direct investment):

Absicht eines inländischen Wirtschaftssubjektes, auf Dauer (this means the existence of a long-term relationship between the direct investor and the direct investment enterprise) Beteiligungen an einem Unternehmen im Ausland zu erwerben; in der Regel durch den Erwerb von mindestens zehn Prozent der Stimmrechtsanteile. - Die EZB untergliedert diese in

1. Beteiligungskapital (equity capital), darunter fallen auch Fusionen und Übernahmen,

2. reinvestierte Gewinne, also Erträge, die nicht in Form einer Gewinnausschüttung an den Investor ausbezahlt werden und

3. sonstige Anlagen, hierzu zählen vor allem Darlehn innert verbundener Unternehmen. Die Beobachtung und Aufgliederung der entsprechenden Ströme ist für die längerfristige Geldpolitik von Bedeutung.

– In der deutschen Zahlungsbilanz-Statistik werden Direktinvestitionen etwas anders definiert; siehe die Erläuterungen im monatlich erscheinenden Statistischen Beiheft zum Monatsbericht der Deutschen Bundesbank; dort Statistik "Kapitalverkehr mit dem Ausland". - Direktinvestitionen sind im Grunde immer ein Kapitalexport. Dieser zeigt sich entweder durch den Abfluss von Kapital inländischer Unternehmen ins Ausland oder durch den unmittelbaren Einsatz vor Ort erzielter Erträge. Die Auswirkungen der Auslandsinvestitionen auf die Warenströme hängen davon ab, ob im jeweiligen Fall dadurch Produktionsschritte ins Ausland verlagert werden, oder ob die Markterschliessung im Ausland gefördert wird. Empirische Untersuchungen deuten darauf hin, dass die deutschen Direktinvestitionen den Aussenhandel tendentiell verstärken.

– Siehe Aussenhandel, Ausschüttungs-Prinzip, Internationalisierung, Investition, Kapital, Kapitalströme, Reverse Flows, Zinslastquote.

– Vgl. die aktuellen Werte aufgegliedert nach mehreren Merkmalen im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Aussenwirtschaft" des jeweiligen Monatsberichts der EZB sowie Monatsbericht der EZB vom Juli 2002, S. 71, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2005, S. 29 ff. (Anlagen deutsche Banken im Ausland; dort auf S. 23 zu den [schwierigen] Abgrenzungskriterien), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2005, S. 43 (nicht erfasst werden von der Statistik solche Investitionen, die von Auslandsniederlassungen vor Ort finanziert werden), Monatsbericht der EZB vom Juli 2005, S. 62 ff. (hier auch Aufschlüsslung der Kapitalströme; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2005, S. 12 ff. (Aufschlüsselung der Direktinvestitionen in der EU nach verschiedenen Kriterien), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2006, S. 28 f. (Zusammenhang zwischen Handelsbilanz und Direktinvestitionen), Monatsbericht der EZB vom Juli 2006, S. 83 f. (hier auch zu der Frage, wann Direktinvestitionen den Handel ergänzen oder diesen ersetzen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2006, S. 45 ff. (lehrbuchmässige Darstellung; reich an Informationen, viele Übersichten). Monatsbericht der EZB vom August 2008, S. 75 (Auswirkungen der Subprime-Krise auf Direktinvestitionen gering; Übersicht 2004 bis 2007), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2011, S. 59 ff. (deutsche Direktinvestitionen seit 2004; viele Übersichten; wichtige Zusammenhänge; in den Anmerkungen Literaturhinweise), Geschäftsbericht 2013 der Deutschen Bundesbank, S. 50 f. (Direktinvestitionen und Zahlungsbilanz; Aufschlüsselung der deutschen Direktinvestitionen seit 2000; Erläuterungen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2014, S. 49 ff. (Zusammenhang zwischen Direktinvestitionen und der inländischen Investitionstätigkeit; Übersicht; Literaturhinweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2014, S. 66 f. (neue Erfassung¸ Übergang vom Directional-Prinzip zum Asset-Liability-Prinzip), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2014, S. 65 (deutsche Direktinvestitionen weltweit: Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Disagio (disagio, discount):

1 Allgemein ein Marktwert (einer Münze, eines Papiers, allgemein: eines Vermögensgegenstandes) unter dem Nennwert, in der Regel in Prozent ausgedrückt.

2 Der Unterschied zwischen dem Emissionskurs und dem höheren Nennwert bzw. Rückzahlungskurs einer Anleihe (Emissions-Disagio); statt Disagio findet man manchmal auch die Bezeichnung Abgeld. - Eine Emission von Aktien mit Disagio ist in Deutschland nicht zulässig, bei festverzinslichen (fixed interest bearing) Wertpapieren dagegen üblich, vor allem auch im Islamic Banking.

3 Die umsatzabhängige Provision (commission rate), die eine Akzeptanzstelle (Handelsunternehmen, Tankstelle, Restaurant, Fluggesellschaft usw.) im Geschäft mit Karten an den Acquirer für die Kreditkarten-Umsätze abführt.

4 Der Unterschied zwischen dem Nominalbetrag (Rückzahlungsbetrag) und dem Auszahlungsbetrag eines Darlehns, im Besonderen eines Hypothekendarlehns; im letzteren Fall oft auch Damnum (loss) genannt.

– Siehe Aufgeld, Bankenzwölf, Barzahlungsklausel, Geldkarte, Interchange Fee, Pagament.

– Vgl Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2011, S. 61 ff. (deutsche Direktinvestitionen seit 2004), Monatsbericht der EZB vom Februar 2012, S. 117 ff. (grenzüberschreitende Kapitalströme im Eurogebiet; ausführliche Darstellung; Definitionen; viele Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2012, S. 24 ff. (Probleme bei der Berechnung von Erträgen aus grenzüberschreitenden Direktinvestitionen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Disagio-Gewinn (disagio profit):

Gewinn, welchen der Ausgeber einer Anleihe dadurch erzielt, dass er bei für ihn entsprechend guter Marktlage das zum Nennbetrag (at par value; zu pari) in den Markt eingeführte Papier jetzt mit einem Abschlag zurückkauft.

– Siehe Disagio, Liquiditätsklemme.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Disease Management (so auch im Deutschen gesagt, seltener Krankenbetreuung):

Wenn nicht anders definiert, so meint man damit bei einer Bank die Hilfestellung der Geschäftsleitung bzw. der Zentrale (head office) für Abteilungen oder Filialen, die vorübergehend in Schwierigkeiten geraten sind.

– Siehe Aufgabe, Buschprämie, Downsizing, Entlassungs-Produktivität, Krisenplan.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Disfunktionalität, währungsraumbezogene (dysfunctionality in the context of monetary area):

1 In einem Währungsgebiet wie der Eurozone ist zwar die Geldpolitik durch eine gemeinsame Zentralbank vereinheitlicht. Jedoch bleibt die Finanzpolitik in der Souveränität der einzelnen Mitglieder. Wie die Erfahrung gezeigt hat, führt dies über kurz oder lang zu einem Auseinanderdriften (drifting apart) der einzelnen Mitglieder.

2 In einem Währungsgebiet besteht zwar ein einheitlicher Finanzmarkt. Sobald sich jedoch eine krisenhafte Entwicklung (critical development; crisis situation) abzeichnet, so ziehen sich die Banken in ihre Heimatländer zurück. Denn im schlimmsten Fall (worst case) sind sie auf die Rettung durch die eigene Regierung angewiesen. - Dies zeigte sich ab etwa Jahresbeginn 2010 in der EWU sehr deutlich. Nationale Behörden in Gläubigerländern hielten ihre Banken an, sich stärker im Heimatmarkt zu betätigen und ihre Kredite an Schuldner in den Krisenregionen der Währungsunion zurückzufahren. Allein deutsche Banken trennten sich daraufhin innert zweier Jahre um 162 Mio EUR von Engagements vor allem im Krisenstreifen am Mittelmeer. Dies ist im Grunde verständlich, weil Steuerzahler vor allem in Deutschland, den Niederlanden und Finnland nicht für Probleme im Süden des Währungsgebiets zur Kasse gebeten werden möchten; "Europa – so nicht!" tönt es dann verstärkt in der Öffentlichkeit. Dadurch jedoch gerät der Zusammenhalt in der EWU in Gefahr; und es wird schwieriger, in den nationalen Parlamenten die Zustimmung für eine gemeinsame Politik in der EWU zu erreichen.

– Siehe Bankenunion, ClubMed, Euro-Anleihen, gemeinsame, EWU-Sprengsatz, Fiskalpakt, Friedman-These, Rückkehr-Ideologie, Ungleichgewichte, EWU-interne, Währungsraum, optimaler.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Disinflation (disinflation):

Eine etwa um 1980 aufgekommene Bezeichnung für einen Rückgang in der Inflationsrate. Zwar steigen die Preise nach wie vor weiter. Aber die Beschleunigung der Geldentwertung (the second derivation of the price increase in time; die zweite Ableitung der Wertminderung des Geldes in der Zeit) mindert sich (the rate is reducing, but remains positive). - Immer wieder wird dieser Begriff (und von wem gar!) mit Deflation verwechselt.

– Siehe Druck, disinflationärer, Inflation, Opferverhältniszahl.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom März 2009, S. 60 ff. (Disinflationsphase im Euroraum; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Disintermediation (disintermediation, securisation):

1 Angebot und Nachfrage auf Finanzmärkten treffen direkt aufeinander, ohne dass Banken dazwischen geschaltet sind (the investing of funds that would normally have been placed in a bank or other financial institution, directly into investment instruments issued by the final users of the funds; in other words: investors and borrowers transact business in a straight line and thereby bypass banks or other financial intermediaries). - Die Verdrängung der Kreditinstitute aus dem Finanzierungsprozess macht es der Zentralbank schwerer, Geldströme zu übersehen und zu beeinflussen. Ursachen der Disintermediation in diesem Sinne sind vor allem die Verbriefung und die Binnenfinanzierung.

2 Geldbewegungen von einer Anlageart in eine andere (the movement of funds from one investment vehicle to another; for example the withdrawal of funds from bank account for the purpose of investing the same amount in bonds).

– Siehe Binnenfinanzierung, Inhouse-System, Verbriefung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Diskont in älteren Dokumenten auch Diffalco und Defalkation (discount):

1 Allgemein ein Abzug von einem Hauptbetrag (a reduction made from the gross amount of something) und im Besonderen der Preisnachlass bei Barzahlung (reduction in price given for cash payment).

2 Bei einem Wechsel ist der Diskont eine besondere Form des Zinses, den die ankaufende Bank in Gestalt eines Vorwegabzugs vom Nominalwert des Wechsels als Zwischenzins für die Zeit vom Ankauf bis zur Fälligkeit des Wechsels in Rechnung stellt. Der Diskontsatz wurde bis zum 31.12.1998 durch den Zentralbankrat der Deutschen Bundesbank festgelegt und zum 1. Jänner 1999 durch den Basiszins ersetzt (§ 1 Diskontüberleitungsgesetz vom 9. Juni 1998). Zusätzlich zum Diskont kann vom Nominalwert des Wechsels auch eine Provision abgezogen werden (margin of the bank; Marge der Bank). - Das Diskontgeschäft ist wirtschaftlich ein Kredit, der zivilrechtlich in einen Forderungskauf gekleidet ist. Die Diskontkredit-Gewährung erfolgt bereits durch die Einräumung einer Diskontkreditlinie. Demnach stellt sich die Einreichung von Wechseln zur Diskontierung als Inanspruchnahme des zugesagten Diskontkredits dar. - Die Einreichung von Schecks zur Diskontierung wird heute in Deutschland nur noch selten betrieben; wie überhaupt der Scheck als Zahlungsinstrument 2012 in Deutschland einen Anteil von nur 0,19 Prozent am den Zahlungen gesamthaft aufwies. - Solange das Institut den Wechsel im eigenen Portfolio behält, entspricht die Diskontierung einem Barkredit. Nach einer Weiterveräusserung (Rediskontierung) besteht beim Institut aufgrund der Haftungsfunktion des zur Rediskontierung erforderlichen eigenen Indossaments eine Eventualverbindlichkeit als Kreditrisiko fort. Dieses Kreditrisiko ist nach der Einbringlichkeit der eigenen bedingten Rückgriffansprüche zu beurteilen.

– Siehe Akzept, Aval, Cavata, Diskonten, Eskompte, Reitwechsel, Retoure, Wechselkredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Diskonten (discounted bills):

In der älteren Finanzsprache zum Diskont eingereichte Wechsel (accepted drafts against which a loan is made and the interest is deducted immediately.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Diskonteur, in der älteren Literatur auch Diskontant und Diskontent (discounter):

Jemand, der einen Wechsel vor der Verfallzeit gegen Bargeld kauft, in der Regel eine Bank. - Wer von Banken diskontierte Wechsel hereinnimmt (in der Regel ein Geschäftszweig der Zentralbank), nennt man Rediskonteur.

– Siehe Diskont, Diskontbank,

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Diskontfähigkeit (discountability):

Wenn nicht anders definiert, die Fähigkeit eines Wechsels, von einer Bank bei der Zentralbank zum Rediskont eingereicht werden zu können.

– Siehe Akzept, Erstklassewechsel, Retoure.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Diskontinuitäts-Prinzip (principle of discontinuity):

In Deutschland unterliegen Gesetzesvorhaben des Bundestags diesem Grundsatz: mit dem Ende einer Legislaturperiode verfallen alle noch nicht abgeschlossenen Verfahren. Eine neue Regierung muss einen jeden Vorgang neu aufrollen. Das erwies sich für längerfristig (at medium and long term) angelegte Reformvorhaben wie auf dem Finanzmarkt als nachteilig.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Diskontbank und Diskontobank (discount bank, discount house):

In älteren Dokumenten ein Institut, das vor allem Wechsel vor dem Verfalltag unter Abzug der Zinsen für die bis zum Verfall noch anstehende Zeit ankauft (diskontiert; discounts, realises).

– Siehe Diskont, Diskonteur.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Diskontpolitik (bank rate policy; discount policy):

Der Versuch der Zentralbank, über Änderungen des (Re)Diskontsatzes das Zinsgefüge in einem Währungsraum zu beeinflussen.

– Siehe Einreicherobligo, Erstklassewechsel, Gründerkrach, Rediskontsatz, Zinsreagibilität.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Diskontsatz (discount rate):

1 Der bei der Berechnung des Diskonts für die Zeit von der Einreichung bis zur Fälligkeit des Wechsels geltende Zinssatz (the bank charge made for payment of a bill of exchange prior to maturity, expressed as a percentage).

2 Der Zinssatz, der zur Berechnung des Barwertes zukünftiger Zahlungsströme zugrunde gelegt wird (the rate used to calculate the present value of future cash flows).

– Siehe Abzinsung, Akzept, Rediskontieren.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Diskont-Zertifikat (discount certificate):

Ein Zertifikat, bei dem der Anleger einen Basiswert zu einem Preis kauft, der unter dem Kurswert zum Zeitpunkt der Emission liegt; die Verträge haben dabei eine breite zeitliche Spanne mit einer Laufzeit von wenigen Wochen bis zu mehreren Jahren. - Für den Anleger wirkt der Abschlag beim Erwerb des Zertifikats als Sicherheitspuffer. Denn ein allfälliger Verlust wird durch den günstigeren Kaufpreis abgefedert. Die Teilhabe am Kursgewinn des Basiswertes ist beim Diskont-Zertifikat freilich durch einen Cap begrenzt. - Es gibt viele Varianten auch des Diskont-Zertifikats. Beliebt wurden Mehrfach-Diskont-Zertifikate mit zwei oder mehreren Aktien als Basiswert.

– Siehe Airbag-Zertifikat, Bonus-Zertifikat, Express-Zertifikat, Garantie-Zertifikat, Hebel-Zertifikat, Outperformance-Zertifikat, Partizipations-Zertifikat, Quanto, Sicherheitssperre, Sprint-Zertifikat, Twin-Win-Zertifikat, Zertifikat.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Diskretionskonto (discretionary account, controlled account):

Ein Kontoinhaber gibt seinem Börsenmakler die Vollmacht, Kauf- und Verkaufsentscheidungen zu treffen und auszuführen, ohne ihn darüber im vorhinein jeweils verständigen zu müssen (an account for which trading is directed by someone other than the owner). Solche mit Vollmacht geführte Konten sind sowohl an Finanzmärkten als auch an Warenmärkten nicht selten.

– Siehe Managed Account, Prearranged Trading.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dispacheurgeld (general-average adjuster's fee):

Honorar an den Dispacheur, auch Havariekommissar genannt (nicht dispatcher; denn dies bezeichnet im Transportgewerbe einen Betriebsdienstleiter, Fahrzeugabfertiger): eine freiberuflich tätige Fachperson, die im Auftrag Betroffener eingetretene Schäden im Schiffsverkehr - an Personen, Wasserfahrzeug, Ladung, Umwelt usw. - aufnimmt, bewertend berechnet und auf die vom Schiffsunglück Beteiligten, wie Reeder, Frachtversender und Versicherung)umlegt. Die vermögensrechtliche Abwicklung einer Havarie (average) bezeichnet das HGB als Havarei. - Den vom Dispacheur erarbeiteten Schadens-Verteilungsplan nennt man Dispache (general-average statement), und die Arbeit des Dispacheurs auch dispachieren (adjust the average). Das Honorar berechnet sich üblicherweise als Promillesatz vom Schaden gesamthaft.

– Siehe Grossavantur, Havariegeld, York-Antwerp Rules.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dispensationsgeld auch Erlassgeld und Verschongeld (touring exemption fee; dispensation fee):

1 Früher vom Handwerksgesellen an die Zunft - teilweise auch in die Armenkasse - zu entrichtende Gebühr, wenn er sich als selbständiger Gewerbetreibender (self-employed tradesman) niederlassen wollte, ohne jedoch die von der Zunftordnung (guild statutes) vorgeschriebenen Wanderjahre (years of travel) nachweisen zu können. Die Wanderjahre dienten dazu, zusätzliche Kenntnisse und Fertigkeiten - in einer Zeit, als es nur spärlich Wissensvermittlung durch Bücher und so gut wie garkeine Berufsschulen gab - zu erwerben und damit die Wirtschaftlichkeit (cost effectiveness: das Verhältnis von Kosten zu Leistung) der handwerklichen Tätigkeit zu heben.

2 Von männlichen Bewohnern in manchen Gegenden früher zu zahlende einmalige Abgabe, um vor der Einberufung zum Heeresdienst (conscription call, calling into service of troops) freigestellt zu werden.

3 Von der Kirche erhobene Abgabe, um von bestimmten kirchenrechtlichen Verboten - etwa die Heirat unter Verwandten zweiten Grades - befreit zu werden.

4 Manchmal auch gesagt vom Befreiungsgeld, nämlich allgemein die Monetisierung (monetisation: Umwandlung in Geldzahlung) einer bis anhin zu leistenden persönlichen Pflichtigkeit (Fron; soccage) zu Leistungen verschiedener Art.

– Siehe Allodgeld, Bettlerglöckchen, Dienstgeld, Erlösung, Ersatzgeld, Fahnengeld, Kalbgeld, Käsegeld, Nonagium, Waisengeld, Sterbegeld, Witwengeld, Zunftgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Disponibilitäts-Bestand (availability float):

Wenn nicht anders definiert bei einer Bank vorhandene fällige Forderungen - vor allem von Schecks, Wechsel und Dividendenscheine -, die noch nicht zum Inkasso eingereicht wurden (receivables due and already deposited that have up till now not been cleared).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dispositionskredit auch Dispokredit und Überziehungskredit (drawing credit, overdraft loan):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter bei einem Privatkonto (zumeist: Gehaltskonto; salary account) die Möglichkeit, in festgelegten Grenzen (Überziehungslimit; overdraft limit) das Konto zu überziehen (overdraw). Dabei werden die anfallenden Zinsen gewöhnlich tageweise berechnet und kommen in der Regel alle drei Monate zum Abzug. - Die Höhe der für den Dispositionskredit erhobenen Zinsen liegt dabei aber wesentlich höher als die Zinsen bei anderen Finanzierungswegen (financing methods). Denn der Dispositionskredit ist dazu gedacht, bei einem Privathaushalt plötzlich auftretende Engpässe wie etwa vorübergehender Verdienstausfall, Krankheit zu überbrücken und gleichsam als Liquiditätspuffer zu dienen. Für andere Zwecke stellen die Banken eine Reihe besonderer Angebote zur Verfügung. § 493 BGB enthält eine Reihe wichtiger Rechtsgrundlagen für den Überziehungskredit. - Bei Überziehung eines Kontos von Geschäftskunden spricht man eher von Kontokorrentkredit (current account advance).

– Siehe Buchkredite, Epoche, Kreditkarte, Kreditlinie, Rahmenkredit, Überziehung, Überziehungsentgelt, Vorlage.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dispunktion (invoice verification; bill payment):

In der älteren Finanzsprache

1 die genaue Prüfung einer Rechnung (step in which an employee verifies and confirms the validity of an invoice),

2 die Rechnungsbegleichung durch Anweisung der entsprechenden Summe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dissemination und Divulgation (dissemination, divulgation):

In der älteren Finanzsprache auch gesagt für das Ausstreuen von Gerüchten, deren Verbreitung für den Betroffenen kreditschädigend (damaging to the creditability) wirkt; vgl. zum Tatbestand § 7 UWG.

– Siehe Flurfunk, Frontrunning, Geheimtip, Gerüchtestreuen, Internet-Foren, Kreditgefährdung, Pankratium, Twitter.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dissipation (dissipation, squandering):

In der älteren Finanzsprache häufig gesagt für eine unwirtschaftliche Gebarung (non-economical dealing), für die Vergeudung von Mitteln; manchmal auch Prodigalität (prodigality: extravagancy in expenditure) genannt.

– Siehe Geldtussi.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Disziplinierungszwang (disciplinary force):

In Zusammenhang mit dem Finanzmarkt die Tatsache, dass die Marktkräfte denjenigen ausscheiden, der sein Verhalten - und vor allem sein Risikomanagement - regelwidrig gestaltet. - Freilich setzt jede Disziplinierung durch den Markt notwendig Transparenz voraus. Diese muss, damit die Selbstregulierung der Finanzbranche gelingt, durch entsprechende aufsichtliche Vorschriften erzwungen werden.

– Siehe Transparenzgebot.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Divergenz (divergence):

Beim Scoring gesagt von der Abweichung von zwei oder mehreren (Prüf)Kriterien vom Sollzustand (in the course of scoring, if two or more indicators fail to show approving signals).

– Siehe Bankkunden-Profil, Customasing, Fact Sheet, Wirtschaftsauskunftei.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Diversifizierung (diversification):

Allgemein die Ausrichtung der Geschäftstätigkeit auf verschiedenartige Produkte, Kunden, Regionen und Währungsräume mit den Hauptzielen,

1. sich von Aufs und Abs auf Teilmärkten unabhängig zu machen,

2. die Erträge, in heimischer Währung gerechnet, zu verstetigen (to make stable) und

3. Risiken aller Art auszugleichen.

– Siehe Anlage-Diversifizierung, Anlageklasse, Branchenkonzentration, Finanzkonglomerat, Kreditderivat, Risiko, Risikotransformation, bankliche, Risikoübernahme-Grundregel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Diversity and Inclusion (so auch im Deutschen gesagt):

Geschäftspolitischer Grundsatz international tätiger Banken. Diversity (Vielfalt) bezieht sich dabei in der Regel auf eine Mannigfaltigkeit an Mitarbeitenden, die sich aus möglichst vielen Ländern der Welt zusammensetzen sollten. Inclusion (Verzahnung) meint das sog. Prinzip der Einbeziehung: jeder Mitarbeiter sollte bereichsübergreifend (cross-departemental) denken, handeln und den Kunden entsprechend beraten können.

– Siehe Algorithmic Trading, Auslagerung, Back-off-Bereich, Centre of Excellence, Dateiverwaltung, zentralisierte, Entlassungs-Produktivität, Gigabank, Insourcing, Konvergenzlösung, One-Bank-Delivery, Outsourcing-Risiken.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Divestment und Desinvestment (divestment):

1 Allgemein in einem Unternehmen das Abstossen eines Vermögensgegenstandes und damit eine Verringerung des Kapitalstocks (the reduction of some kind of asset and, therefore, the opposite of an investment).

2 Im Besonderen auch gesagt vom Verkauf ganzer Unternehmenszweige mit dem Ziel,

1. sich auf sog. Kernkompetenzen zu beschränken bzw.

2. in ein mehr gewinnversprechendes Geschäft einzusteigen (a company sells off a business unit in order to concentrate their resources on core competence or in a more profitable or promising market).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dividende seltener auch Gewinnanteil (dividend):

Die (jährliche) Ausschüttung in Bargeld an die Inhaber von Aktien einer Aktiengesellschaft (that part of the earnings of a corporation that is distributed to its shareholders).

– Siehe Ausbeute, Superdividende, Talonsteuer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dividende, inflationsabhängige (inflation-dependent dividend):

Die Ausschüttung einer Aktiengesellschaft an die Aktionäre unter Berücksichtigung der tatsächlichen Inflation oder in Hinblick auf die Inflationserwartungsrate. - Empirische Studien scheinen zu belegen, dass Unternehmen häufig bestrebt sind, allfällige Verluste infolge einer Inflation über die Kürzung der Dividende auszugleichen.

– Siehe Geldwertstabilität.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dividende, irische (Irish dividend):

Von Finanzjournalisten gesagt von dem Fall, dass eine heruntergewirtschaftete Aktiengesellschaft (a run-down company) - vor allem in den USA - von ihren Aktionären eine Zuzahlung einfordert, anstatt ihnen eine Dividende auszuschütten. Weil aber in Europa - und in Deutschland zumal - nur Spitzenpersönlichkeiten den Vorstand der Unternehmen bilden, so kann es hier auch keine heruntergewirtschaftete Aktiengesellschaften und mithin keine irischen Dividenden geben.

– Siehe Lemons-Problem.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dividende, steuerbegünstigte (dividend eligible for tax relief):

In einigen Ländern - so etwa in den USA - werden die Ausschüttungen bestimmter Aktiengesellschaften einer ermässigten Steuer unterworfen (a dividend that is subjected to a lower tax rate). Dadurch soll die langfristige Anlage in Unternehmen begünstigt werden, die auf einer staatlichen Förderliste verzeichnet und meistens in gemeinwohlfördernden Feldern tätig sind.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dividenden-Diskontierungsmodell (stock valuation model):

Die Annahme, dass der aktuelle Aktienkurs eines Unternehmens

1. von den erwarteten Dividenden-Ausschüttungen,

2. diskontiert mit der von den Anlegern zugrundegelegten Rendite für das Halten der betreffenden Aktie (cost of equity; Eigenkapitalkosten: der risikofreie Zinssatz plus Aktien-Risikoprämie) bestimmt werde.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juli 2008, S. 35 ff. (Berechnung der Eigenkapitalkosten anhand eines Modells; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dividenden-Fonds (bonus fund; dividend equalisation fund):

1 Das von einer Kapitalverwaltungsgesellschaft aufgelegte und verwaltete Sondervermögen, das Aktien von Unternehmen mit bis anhin überdurchschnittlich hoher Dividendenzahlung und gleichzeitig auch günstigen Erwartungen enthält.

2 In einer Aktiengesellschaft angesammeltes, besonders verwaltetes Vermögen mit dem Zweck, aus dessen Erträgen eine möglichst stetige Dividenden-Ausschüttung zu gewährleisten. In Jahren hoher Gewinne wird dieser Fonds durch Einzahlungen gespeist, in Perioden mit Ertragsrückgang stellt der Fonds die Zahlung der Dividende an die Aktionäre sicher.

– Siehe Kurspflege, Marktpflege, Verwässerung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dividendenperle (dividend bonanza):

Aktie einer Gesellschaft, die regelmässig aus Geschäftstätigkeit erzielte hohe Gewinne (high profits from operating activities) ausschüttet.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dividendenrendite (dividend yield):

Kennzahl, gebildet aus der Dividende je Aktie geteilt durch den aktuellen (Börsen)Kurs (ratio between the last dividend per share paid and the price per share). - Indessen wird damit lediglich eine Aussage darüber getroffen, welchen Ertrag (rate of profit; Profitrate in der Terminologie der älteren Nationalökonomie) das von dem Anleger angelegte Kapital für dessen Portfolio brachte. Darüber hinausgehende Informationen kann diese Kennzahl freilich nicht enthalten, obgleich das sehr oft - auch in Lehrbüchern - behauptet wird. Wohl aber lässt sich die Dividendenrendite mit dem marktüblichen Zins vergleichen, den eine Anleihe bringt, und auf diese Weise lässt sich dann auch die Vorteilhaftigkeit der einen oder anderen Anlage (advantage of an investment) in etwa vergleichen.

– Siehe Dividendenperle.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2009, S. 25 (Dividendenrendite bei Dax-Werten seit 1991).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dividendenwerte (equity securities, equities):

In der Statistik der EZB alle Eigentumsrechte an Kapitalgesellschaften. Hierzu zählen sowohl börsennotierte als auch nicht-börsen¬notierte Aktien sowie sonstige Anteilsrechte. Sie erbringen in der Regel Erträge in Form von Dividenden. - Im jeweiligen Monatsbericht der EZB (Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Finanzmärkte") finden sich die Dividendenwerte ausgewiesen und nach verschiedenen Merkmalen aufgeschlüsselt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dodd-Frank-Gesetz (Dodd-Frank Wall Street Reform and Consumer Protection Act):

Aus den Erfahrungen der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise in den USA im Sommer 2010 in Kraft getretenes Regelwerk zur Regulierung des Finanzmarktes. Kernpunkte sind

1. der Schutz der Verbraucher vor unlauteren Finanzgeschäften,

2. die Pflicht zur Sanierung eines in Notlage geratenen Instituts durch die Finanzbranche selbst sowie

3. Einschränkungen beim Eigenhandel, bei Anlagen in Hedge-Fonds und bei Private Equity. Für die Umsetzung von Basel-III ist

4. das Verbot, bei aufsichtlichen Regeln auf externe Ratings Bezug zu nehmen, von Bedeutung.

– Über die Tauglichkeit des Dodd-Frank-Gesetzes, vermittels die darin vorgeschriebenen Bestimmungen künftige Finanzkrisen zu vermeiden, sind die Meinungen geteilt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dollar (dollar):

Die Währungsbezeichnung der USA - ISO-Währungscode: USD - und anderer Staaten, wie etwa Australien, Bahrain, Hongkong, Jamaika, Kanada, Namibia oder Taiwan. Dollar hat, ebenso wie der Euro, offiziell keine Pluralbezeichnung. Dennoch findet sich häufig auch die Schreibweise "Dollars" für mehr als eine einzige Währungseinheit. - Besonders achtzugeben ist immer bei Angeboten auf dem Finanzmarkt, die in der Währungsbezeichnung "Dollar" ausgeschrieben sind. In vielen Fällen handelt es sich dabei nämlich nicht um den USD, sondern um den höchstens halb so kaufkräftigen BBD (Barbados-Dollar), wenn nicht sogar um den derzeit fast wertlosen GYD (Guayana-Dollar) oder ZWD (Simbabwe-Dollar).

– Siehe Euro, Finanzgeier, Petrodollar, Taler.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dollar-Crash (dollar crash):

Die ab etwa 1980 aufgekommene Befürchtung, der USD könne auf den internationalen Devisenmärkten schlagartig sehr viel an Wert einbüssen. - Begründet wird diese Besorgnis mit der Tatsache, dass viele Zentralbanken der Welt ihre Währungsreserven ganz oder grösstenteils in USD halten, in der Regel in verzinslichen (interest bearing) Schuldverschreibungen der USA (US Treasury Bonds). Im Falle, dass die Zentralbanken - vor allem in Asien - ihre Dollarbestände sehr rasch abbauen und ihre Devisenreserven umschichten, dann könnte der USD ins Bodenlose stürzen. - Freilich wären die Zentralbanken am meisten von einem solchen Crash des USD betroffen. Sie haben daher allen Grund, eine allfällige Umschichtung (restructuring of portfolio) langsam und sehr vorsichtig sowie möglichst in gegenseitiger Absprache zu bewerkstelligen. - Im Zuge der weltweiten Finanzkrise ab Herbst 2008, die sich aus Subprime-Krise des Vorjahres entwickelte, beschlossen viele Zentralbanken vor allem in Asien, ihre bis anhin vor allem in USD angelegten Devisenreserven schrittweise, nach und nach aufzufächern.

– Siehe Ersparnisschwemme, Krise, systemische.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2011, S. 58 ff. (Dollar-Refinanzierungslücke deutscher Banken; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dollarisierung (dollarisation):

1 im engeren Sinne die Einführung des USD als Zahlungs¬mittel, wie dies beispielsweise zwischen 1991 und 2001 in Argentinien geschehen ist; in Argentinien ersetzte man im Juli 2001 die Bindung an den USD durch eine Bindung an einen Währungskorb aus USD und EUR.

2 In weiterem Sinne auch allgemein der gesetzlich erlaubte (legal) oder tatsächliche (real, unofficial; inoffizielle) Gebrauch einer fremden Währung - etwa des EUR - in einem anderen Staat, wie etwa in Montenegro. Im Einzelnen unterscheidet man dabei eine

1. zahlungsbezogene Dollarisierung (payments dollarisation): die fremde Währung findet überwiegend (predominant) als Zahlungsmittel Verwendung,

2. anlagebezogene Dollarisierung (financial dollarisation): die ausländische Währung dient als Mittel der Geldanlage sowie

3. volle Dollarisierung (full dollarisation): die Löhne und Preise in einem Land werden in einer fremder Währung ausgedrückt und

4. faktische Dollarisierung (DE FACTO-dollarisation): der USD ist im Geschäftsverkehr weithin Nebenwährung.

– Die Dollarisierung ist immer ein Zeichen dafür, dass die Wirtschaftssubjekte der eigenen Währung nicht vertrauen. Allein eine glaubwürdige Staatsführung und eine streng auf die Erhaltung der Masstabeigenschaft des Geldes ausgerichtete Politik Zentralbank vermögen die Dollarisierung aufzuhalten bzw. umzukehren. Auch sehr hohe Strafandrohungen bewirken - wie die Erfahrungen in Lateinamerika gezeigt haben - ansonsten keine Rückkehr in die heimische Währung.

– Siehe Ankerwährung, Annahmezwang, Euroisierung, Geldrefusion, Greshamsches Gesetz, Kapitalflucht, Nebenwährung, Regionalgeld, Währung, Warengeld, Zahlungsmittel, Zigarettenwährung.

– Mehr dazu IMF: Economic Issues 24: Full Dollarization.

– Vgl. auch Monatsbericht der EZB vom Februar 2003, S. 53 ff. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dollar-Lücke (dollar gap):

1 Die nach dem Zweiten Weltkrieg (1945) weitverbreitete Überzeugung auch führender Nationalökonomen, dass im Handelsverkehr zwischen Europa und den USA der Partner Europa fortwährend im Defizit sei. Ausgenommen davon wurde meistens nur die Schweiz, weil diese

1. aufgrund besonderer institutioneller Bedingungen wie das Bankgeheimnis als Finanzplatz weltweit Geld zu Anlagezwecken heranlockt und

2. der Wertschöpfungsgrad (net value added) der im Inland erzeugten Waren (Uhren, Feinmechanik, Arzneimittel) aussergewöhnlich hoch ist.

– Im Jahr 2010 lagen die USA entgegen dieser Befürchtungen knapp hinter den Niederlanden auf Platz drei der deutschen Exportmärkte.

2 Ungleichgewicht der Banken bei der Refinanzierung in USD; die in USD ausgewiesenen Aktiva übersteigen die entsprechenden Passiva.

– Siehe Gnomen von Zürich, Helvetophobie, Unit-Value-Relation.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2011, S. 58 ff. (Dollar-Refinanzierungslücke deutscher Banken und ihre Gründe; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dollar-Vertrauen (Dollar confidence):

Viele Anleger weltweit flüchten bis anhin in Krisenzeiten in den USD. - Obschon die sich im Herbst 2008 zur globalen Finanzkrise ausgeweitete Subprime-Krise von den USA ausging, und trotz der Tatsache, dass in den USA international tätige Banken zusammenbrachen - wie vor allem die Investmentbank Lehman Brothers - oder in teilweise schwere Schieflage gerieten, zogen die Anleger ihr Geld aus Schwellenländern und auch aus Europa ab und kauften US-Staatsanleihen. Im Gegensatz zu den Vorhersagen der meisten Finanzfachleute stieg daher der Kurs des EUR gegenüber dem USD in der Finanzkrise nicht an, sondern das Gegenteil trat ein. - Offensichtlich ist das Vertrauen in das politische System der USA höher, und die sich daran knüpfenden Erwartungen in die US-Volkswirtschaft sind besser als dies gegenüber allen anderen Staaten der Fall ist.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Domänen (domains):

Vermögen des Staates, wie vor allem Ländereien, Waldungen, Bergwerke und Bäder. Aus dem Ertrag der Eigenbewirtschaftung oder Verpachtung wurden in den meisten Ländern bis um 1800 etwa zwei Drittel der - damals durch den Sozialstaat noch nicht aufgeblähten - öffentlichen Ausgaben gedeckt.

– Siehe Forestagium, Sozialkapital, Sozialstaat-Falle, Vermögen, soziales, Wagnersches Gesetz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dolmetschgeld (interpreter's fee):

In älteren Dokumenten die ortsübliche oder - wie auf manchen Messen - behördlich festgelegte Gebühr für die Übersetzung (translation) von einer Sprache in eine andere. - Dolmetschgeld wurde sowohl bei Schriftstücken in Ansatz gebracht als auch bei unmittelbarer Sprachübertragung durch einen Dolmetscher, vor allem bei Geschäftsverhandlungen im Ausland.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dominostein-Effekt (domino-effect, cascades):

Bewegungen als Kettenreaktion an der Börse bzw. am Finanzmarkt gesamthaft, ausgelöst durch

1. ungewöhnliche Kursänderungen eines einzigen Papiers,

2. eines bestimmten Marktsegments,

3. Schieflage grosser Unternehmen, Banken und Fonds, oder

4. plötzlich auftretende bzw. zum Durchbruch kommende negative Erwartungen, was sich dann ziemlich rasch auf andere Vermögensgegenstände überträgt. Dann werden Wertpapiere hastig abgestossen, Investoren ziehen sich zurück; Kapitalverwaltungsgesellschaften müssen Positionen verkaufen, was damit die Kurse noch mehr drückt. In der Regel wird der Begriff mit einer Baisse verbunden.

– Wenn vor allem eine spekulative Blase platzt, dann steigen weltweit enttäuschte Kleinanleger eilends aus ihrem Engagement aus. Dies müssen sie tun, weil sie ihre Ersparnisse in das Geschäft gesteckt und darüber hinaus vielfach Darlehn zum Kauf der jeweiligen Position bei den Banken aufgenommen haben. Sofort abgestossen werden dann aber erfahrungsgemäss zur Glattstellung der Konten auch Vermögensgegenstände, die bis dahin keine Einbussen im Wert erlitten. Auf diese Weise kann eine lange Kettenreaktion mit Übertragungswirken auf sehr viele Teilmärkte ausgelöst werden. - Wenn nur eine einzelne (grosse) Bank während einer allgemeinen Krise eine Schieflage aufweist, so kann sie

1. die Kreditvergabe einschränken: die Liquidität der Kunden wird damit geschwächt und Zahlungsstockungen treten auf,

2. Vermögenswerte verkaufen: die Preise für Vermögenswerte sinken dadurch und verschlechtert die Bilanz anderer Institute oder

3. durch Emission neuer Aktien die Eigenkapitalbasis stärken: diese Verwässerung löst eine Abwärtsspirale (downward spiral) der Aktienkurse aus.

– In jedem der drei Fälle wird eine Kettenreaktion angestossen.

– Siehe Baisse, Blase, spekulative, Börsenkrach, Crash, Currency-Swing, Depression, Euphoriephase, Finanzmarkt-Interdependenz, Finanzmarktschock, Headline-Hysterie, Herdenverhalten, Krise, systemische, Massiv-Verkäufe, Murphy's Gesetz, Panikverkäufe, Run, Rush to the exit, Stress-Test, Subprime-Krise, Vertrauen, Volatilität, Vorschatten-Effekte.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juli 2003, S. 18 ff. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Domizil (domicile):

Im Besonderen bei Kapitalverwaltungsgesellschaften der juristisch angegebene - also nicht unbedingt auch der tatsächliche! - Sitz eines Fonds. Davon hängt in erster Linie die erfolgversprechende Rechtsverfolgung bei Betrug und andere Unregelmässigkeiten, in manchen Fällen auch die steuerliche Behandlung des Ertrags ab.

– Siehe Domizil-Verschleierung, Inkasso-Stelle, Nominee, Offshore Finanzplätze.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Domizil-Verschleierung (domicile veiling):

1 Im Zuge unseriöser Anlageberatung verbreitete Gepflogenheit, bei der

1. im Schriftverkehr und im Vertrag gut erkennbar eine heimische Anschrift genannt ist,

2. fast unkenntlich aber im sog. "Kleingedruckten" (small print, US: fine print: leicht zu übersehende, scheinbar beiläufige und zumeist absichtlich in winzigen Buchstaben gedruckte Ergänzungen als hinzugesetzte Bestimmungen), und

3. dazu meistens auf eine zweite Seite des Vertrags am unteren Rand geschrieben

4. als juristischer Sitz eine Adresse in einem Offshore-Finanzplatz ausgewiesen wird. Wie sich mehrfach gezeigt hat, ist eine Klage gegen die entsprechenden Geschäftemacher (wheeler-dealer: a person who makes deals in a tricky, dishonest, unfair way) so gut wie völlig erfolglos.

2 Bei betrügerischen Abbuchungen (fraudulent debiting) eine angegebene Adresse und Kontonummer. Das Konto gehört zumeist einem, in der Regel mittellosen EU-Bürger. Dieser überweist die so gesammelten Einnahmen auf ein Konto im Ausland, fast immer an einem Offshore-Finanzplatz. Für diesen Dienst erhält er eine kleine Provision. - Bisher hat sich gezeigt, dass selbst gewiefte Finanzdetektive (wide-awake financial detectives) das tatsächliche Domizil der Betrüger kaum aufspüren können. Auch die Rechtsverfolgung gegen diejenigen Personen, die ihr Konto zu diesem Zweck zur Verfügung stellten, erwies sich als aussichtslos, weil eine betrügerische Absicht (fraudulent intent) nicht nachzuweisen war.

– Siehe Address-Spoofing, Angaben, verschleierte, Authentifizierungsgebot, Bankauskunft, Beaufsichtigung, indirekte, Blue-sky laws, Beobachtungsvermerk, Dampfstube, Enabler, Financial Action Task Force on Money Laundering, Financial Intelligence Unit, Finanzgeier, Forum für Finanzmarktstabilität, Geldwäsche, Geschenk-Überweisung, Groupe de Contact, Gründungsschwindel, High risk countries, Hawala, Internet-Angebote, Konto, anonymes, Kontenoffenlegung, Offshore Finanzplätze, Parallel Banking, Pump and Dump, Racheengel, Underground Banking, Verständlichkeit, Winkelmakler.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Domizilierung (domiciliation):

Auf dem Finanzmarkt versteht man darunter die Angabe eines Kontos im Zahlungsverkehr (the choice of the account to which a payment will be credited or from which it will be debited).

– Siehe Zahlungsort.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dontgeschäft (premium deal):

Andere Bezeichnung für Prämiengeschäft; "dont" ist eine (ältere deutschsprachige) Bezeichnung für Rückprämie. Ein Auftrag auf Kauf von "x-Aktien 460 dont 3" bedeutet, dass gegen Zahlung von drei Prozent Prämie der Käufer zurücktreten (abandonnieren) und sein Risiko auf drei Prozent beschränken kann, falls die Kurse stark fallen sollten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dollarparität (dollar parity):

Die Tatsache, dass viele Länder der Erde den Wert ihrer eigenen Währungseinheit auf den USD beziehen und daran messen.

– Siehe Abwertung, Dollar, Dollarisierung.

– Vgl. zur Parität aller Währungen der Welt das vierteljährlich erscheinende Heft "Devisenkursstatistik" der Deutschen Bundesbank (Statistisches Beiheft zum Monatsbericht 5).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Doppelkreidestrich (double chalk line):

Schon in alten Dokumenten dargestelltes betrügerisches Tun von Schankwirten (fraudulent activity of publicans), die betrunkenen Gästen die doppelte Zahl an ausgewirteten Getränken - oder gar noch mehr - anschreiben und für diese Mengen Zahlung verlangen. Wegen mangelnder gerichtsfähiger Beweislage (lack of courtable proofs) ist es sehr schwierig, solche Kniffe juristisch zu verfolgen.

– Siehe Racheengel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Doppelwährung (double standard, bimetallism):

Von einer Geldverfassung gesagt, in der

1. sowohl Münzen aus Gold als auch aus Silber eingeführt sind, und

2. bei der darüber hinaus zwischen den beiden Edelmetallen auch ein bestimmtes Wertverhältnis (die Wertrelation; value ratio) gesetzlich festgelegt ist.

– Fehlt bei gleichzeitiger Verwendung von Gold und Silber ein derartig gesetzlich vorgeschriebenes Wertverhältnis, so spricht man auch von einer Parallelwährung (parallel [metal] currency).

– Siehe Greshamsches Gesetz, Währung, Zahlungsmittel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Doppelwährungsanleihe (dual currency bond; alternative redemption bond):

1 Die Einzahlung der Käufer der Anleihe sowie die laufenden Zinszahlungen des Emittenten erfolgt in einer anderen Währung als die spätere Rückzahlung des Anleihebetrages bei Fälligkeit (a bond using one currency for the repayment of the principal, and another for the payment of the interests).

2 Die Rückzahlung einer Anleihe bei Fälligkeit wird alternativ in zwei Währungen bei unbeschränktem, freiem Wahlrecht zwischen diesen beiden Währungen gewährleistet.

– Siehe Anleihe, währungswählbare, Denominierung, Emission, indexierte, Multi-Currency-Klausel, Referenzwährung, Valutenklausel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dossierpflicht (record requirement):

Vorschrift der Zentralbank oder der Aufsichtsbehörde, dass Banken bei bestimmten Darlehn eine - wenn sehr viele Angaben einzubeziehen sind: ziemlich umfangreiche - Akte (dossier; Dossier [benannt nach DORSUM: der Rückenbeschriftung eines Aktenordners]) anzulegen haben. Davon betroffene Kredite werden dadurch teurer, was CETERIS PARIBUS die Nachfrage dämpft bzw. zum Ausweichen auf andere Finanzierungswege (methods of financing) zwingt.

– Siehe Anleger-Informationspflicht, Aufzeichnungspflicht.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dotcom-Blase auch Technologieblase (dotcom bubble, new technology bubble):

Nach 1995 aufgekommene Bezeichnung für die beachtlich starke Nachfrage nach Aktien und Gesellschaftsanteilen neu gegründeter Firmen (Start-Ups), besonders aus dem Bereich der Informations-Technologie. Ausser einer Internet-Adresse (xxx.com) verfügten manche dieser Unternehmen kaum über Vermögenswerte. Trotzdem rückten sie in die Gunst vor allem kleinerer Anleger. Zahlreiche Kapitalverwaltungsgesellschaften legten weltweit Technologiefonds auf, in denen Dotcom-Firmen vertreten waren. Die Börsen eröffneten teilweise besondere Handelsplattformen für solche Titel, wie die Börse in Frankfurt den neuen Markt mit dem darauf bezogenen eigenen Index Nemax. - Im März 2000 platzte die Blase; in den USA und in Europa gingen viele der High-Tech-Firmen in Konkurs. Unzählige Anleger verloren nicht nur ihre Ersparnisse. Sie mussten auch lange Zeit hindurch noch die Kredite zurückzahlen die sie zum Kauf der oft auf den Wert null gesunkenen Papiere aufgenommen hatten. - Die Zentralbanken wurden gescholten, weil sie dem Aufpumpen der Blase nicht entgegengewirkt hätten. Anleger lassen ich aber bei nachgerade schon fieberhaften Erwartungen (euphoric expectations) auf einem Markt durch nichts und niemanden abschrecken: das ist eine von der Finanzgeschichte vielfach bestätigte Tatsache. - In der Folge war es dann auch für solide Hightech-Startup-Firmen äusserst schwer geworden, überhaupt noch an Darlehn zu kommen. Das wiederum hinderte nachweislich die Einführung technischen Fortschritts in der Volkswirtschaft gesamthaft.

– Siehe Aktienblase, Blase, spekulative, Börsenpreis, Boom-Bust-Zyklus, Crash, Erholung, kurzfristige, Herdenverhalten, Immobilienblase, Kreditklemme, Kurzsichtigkeit, Martin-Prinzip, Milchmädchen-Hausse, Nachahmung, informelle, Poseidon-Blase, Risikokapital, Rückkoppelungsschleife, Spieler-Pleite, Trittbrettfahrer, Trendhandel, Überschwang, unvernünftiger, Wachstumswert.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Doublé-Münze auch Doublee-Münze (rolled gold coin):

Ein als Zahlungsmittel dienendes Metallstück, dessen Kern aus unedlem Metall besteht, in der Regel aus Zink, Kupfer oder Messing. Die Münze wird jedoch im Geschäftsverkehr als reines, vollwichtiges Stück aus Edelmetall - in aller Regel aus purem Gold - ausgegeben. Dies geschieht dadurch, dass

1. sehr dünnes Edelmetall-Blech aufgewalzt bzw. aufgeschweisst oder

2. das unedle Grundmetall auf galvanischem Wege (durch Elektrolyse; electrolysis) mit Gold überzogen wird. Der unter

1. beschriebene Weg ist seit dem Altertum bekannt; und auf diese Techniken spezialisierte Fälscher gab es selbst unter den vereidigten Münz-Meistern. Das unter

2. genannte Verfahren gelangte seit etwa 1880 zu immer grösserer Kunstfertigkeit.

– Kenner des Marktes für alte Münzen schätzen den Anteil der auf die eine oder andere Weise gefälschte Stücke bei manchen Gattungen - auch bei alten persischen, griechischen und römischen Goldmünzen - auf bis zu neunzig Prozent (!!) der heute gehandelten Ware. Jede neue Methode, eine Falsifikat aufzuspüren, wird von den Münzfälschern erfahrungsgemäss bald wieder ausgetrickst (outwitted).

– Siehe Abmangel, Abnutzung, Alliage, Dareiko, Falschgeld, Geld, böses, Geld, schweres, Geschaugeld, Kaisermünze, Katzengeld, Kipper, Kurantmünze, Münze, verfälschte, Münzen-Paradoxon, Münzpflege, Numismatik, Passiergewicht, Remedium, Scheidemünze, Subferraten, Wardein, Wipper.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Doubletten-Kasse (doublets fund):

In älteren Dokumenten ein Fonds bei Bibliotheken, in welchen der Erlös aus dem Verkauf von mehrmals vorhandenen Büchern (books existing twice or more: doublets or possibly triplets, etc.) floss.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Douceur (douceur; tip):

1 Allgemein alte Bezeichnung für eine Geldzahlung

1. einmalig, um jemanden vertragswillig (willing to contract) zu machen bzw. ihn im Vertrag zu halten (Haftgeld),

2. laufend, um ihn vertragstreu (observant: careful in observing the all terms of the contract) zu halten; auch Draufgeld genannt.

2 Im Besonderen die zu bestimmten Zeiten von Städten - wie etwa: Elberfeld - an Ärzte bezahlte Summe, um diesen ein Einkommen zu sichern, welches sie zum Bleiben in der Stadt anregt.

3 Bei Fusionen und Übernahmen an Entscheidungsträger geleistete Zahlungen

1. seitens des Bieters, um deren Einwilligung zu der Übernahme zu bewirken oder

2. seitens der übernommenen Gesellschaft, um diese für Leistungen beim Zustandekommen der Fusion zu belohnen (Anerkennungsprämie).

4 Trinkgeld, besonders als Zuzahlung in Gaststätten (Bedienungsgeld, Bedienungszuschlag; service charge; a popular etymology for "tip" states it is an acronym that stands for to insure promptness).

5 Bestechungsgeld (bribe money), in älteren Dokumenten auch Liebnisgeld genannt; Liebnis = hier: Gabe an eine Person, um von dieser eine Gefälligkeit zu erreichen.

– Siehe Abwerbegeld, Anerkennungsprämie, Angeld, Draufgeld, Emolumente, Façon, Handgeld, Rückvergütung, Supplikationsgeld, Taxe, Transaktionsbonus, Umgeld, Vokationsgeld, Zuschuss.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Double Dip (so auch im Deutschen gesagt):

Der Aussenwert einer Währung rutscht ab, und gleichzeitig damit bzw. als Rückwirkung darauf sinken auch die heimischen Aktienkurse gesamthaft. - In stark aussenhandelsverflochtenen Wirtschaften (countries with a high dependence on exports and imports) wird dies bei längerem Anhalten als Anzeichen für einen Abwärtsschwung gedeutet. Es ist jedoch dabei auch immer zu berücksichtigen, welche Vermögenswerte die betreffende Volkswirtschaft - etwa die USA - im Ausland besitzt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dow-Jones-Average:

Seit 1897 wichtiger Konjunkturbarometer in den USA. Der Index gründet sich auf eine Auswahl von Aktienkursen führender Unternehmen, die am Big Board, an der Börse von Neuyork, gehandelt werden.

– Siehe Aktienindex.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Downgrade-Trigger-Klausel (downgrade trigger agreement):

Die vertragliche Vereinbarung, dass bei einer Verschlechterung der Bonität der Gläubiger - in der Regel die Bank - berechtigt ist, den Vertrag mit dem Schuldner zu kündigen oder an einen Dritten (Hedge-Fonds, Inkasso-Bureau) abzutreten.

– Siehe Covenant, Darlehn, widerrufenes, Default, Drittfälligkeits-Klausel, Drittverzugs-Klausel, Erstraten-Verzugsklausel, Verwirkungsklausel, Vorfälligkeitsklausel, wechselseitige.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Downrating und Downgrading (so auch im Deutschen gesagt; manchmal auch Bonitätsabstufung, Herabstufung und Rating-Migration):

Die öffentliche Herabstufung eines Unternehmens oder eines Fonds in der Benotung durch eine - internationale: derzeit noch praktisch Standard & Poor's, Moody's oder Fitch - Rating-Agentur. - Jede Herabstufung bedeutet, dass für das betreffende Unternehmen die Kreditkonditionen bei den Banken ungünstiger werden. Um einer allfälligen Abgruppierung zuvorzukommen, führen viele Unternehmen ein Shadow Rating durch, bei dem Fachleute intern die eigene Firma zumindest so streng bewerten, wie es eine Rating-Agentur tun würde. - Die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass die Prämien bei Credit Default Swaps (CDSs) Rating-Abstufungen der Agenturen vielfach schon vorwegnehmen. Andererseits wurden die Rating-Agenturen scharf kritisiert, weil sie in Zusammenhang mit Verbriefungen begebene Papiere zu gut bewertet hatten, was anlässlich der Verwerfungen (turmoils) auf dem Hypothekenmarkt im Sommer 2007 grell zum Vorschein kam. Als nun aber die Rating-Agenturen 2011 die Staatsanleihen verschiedener, jahrelang grob gegen den Stabilitäts- und Wachstumspakt verstossender Mitglieder des Eurogebiets wohl zurecht teilweise auf Ramschniveau (junk status) herabstuften, trug ihnen das die Schelte vieler Politiker und auch der EU-Kommission ein.

– Siehe Bonitätsklasse, Liquidity Value at Risk, Plutoed, Rating, Rating-Agentur, Shadow Rating, Subprime-Krise, Untergewicht, Zuchthauspreise.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2009, S. 18 ff. (rechtliche Unterschiede zwischen den Hypothekenmärkten im Eurogebiet und den USA), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2011, S. 43 (Aufschläge für Staatsanleihen der Pigs seit 2009).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Downside Risk (so auch im Deutschen gesagt, seltener: Abwärtsrisiko und Risiko aus einer Verschlechterung der Lage):

1 Die Wahrscheinlichkeit, dass die Erträge aus einer Anlage unter den Erwartungen bleiben (returns are below the expectations).

2 Für Kreditgeber (Banken) das Risiko, dass der Marktpreis (Zinssatz) für ein gewährtes Darlehn während der Vertragslaufzeit mit dem Kreditnehmer steigt. Die Bank erleidet dann einen Verlust; dieser liegt in der Differenz zwischen dem (höheren) marktüblichen Zinssatz für dieses Darlehn heute und dem (niedrigeren) Zinssatz, den der Kreditnehmer vertragsgemäss zu zahlen hat. - Im umgekehrten Falle spricht man von einem Upside risk.

3 Bei einer Option das Risiko für den Halter einer Verkaufsposition im Falle steigender Preise des Basiswertes.

– Siehe Abrufrisiko, Upside Risk, Vorratskredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Downsizing (so auch im Deutschen gesagt, manchmal auch Gesundschrumpfen):

1 Im Finanzbereich gesagt von einem Institut, das durch Massnahmen wie vor allem

1. Rückzug von ausländischen Niederlassungen,

2. die Aufgabe (abandonment) bestimmter Geschäftsfelder (Cocooning),

3. die Auslagerung von betrieblichen Aufgaben an andere Dienstleister oder

4. Verringerung der Filialen auf eine in Bezug auf den Gewinn optimale Betriebsgrösse (optimal size of enterprise) kommen möchte.

2 Im engeren Sinne der Abbau von Personal, verhüllend auch Headcount Reduction genannt.

– Siehe Aktivitätsanalyse, Allianzen, grenzüberschreitende, Aufastung, Ausstieg, Bankbetriebsgrösse, optimale, Bankgrösse, Bankrott-weil-klein-These, Behauptungs-Strategie, Bestreitbarkeit, Disease Management, Dreierblock, Drei-Säulen-Modell, Ejektion, Entflechtung, Entlassungs-Produktivität, Facility-Management, Finanzkonglomerat, Gibrat-Regel, Grossbankenbonus, Grössen-Effekte, Hilfsdienste, bankbezogene, Konsolidierung, Megamanie, Multi-Boutique-Ansatz, Penrose-Theorem, Rush to exit, Subsidiaritätsprinzip, Too big to fail-Grundsatz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Drachen-Anleihe (dragon bond):

Eine in Asien begebene Anleihe, die auf USD lautet. Siehe Bulldogge-Anleihe, Samurai-Bonds, Shogun-Bonds.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Drachme (drachma):

1 Weit verbreitete und auch in anderen Regionen nachgeprägte griechische Münze im Altertum, zunächst aus Gold oder Silber, ab dem 5. Jht. auch aus Kupfer.

2 Altes Apothekergewicht unterschiedlichen Masses.

– Siehe Amalfiner, Florentiner, Münze, Numismatik, Obolus, Samarkander, Sekel, Stater, Talent, Urukagina-Regel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Draufgeld (extras):

1 Allgemein jede Zahlung, die zu dem gewöhnlichen Preis noch zugelegt wird.

2 Andere Bezeichnung für Douceur in allen vier angezeigten Bedeutungen.

3 Schmiergeld im Sinne von Zahlungen zur Bestechung (im Englischen scherzhaft auch moneypulating) von Personen, in der Regel Amtsträger in Behörden.

4 Ein Agio, das früher bei Zahlung mit minderwertiger Münze (coins of minor value) zu herzugeben war.

5 In Deutschland teilweise auch für die zu Jahresbeginn 2004 eingeführte und zu Jahresende 2012 wieder abgeschaffte Praxisgebühr (practice fee; medical consultation fee) für gesetzlich Krankenversicherte bei Ärzten gesagt.

– Siehe Aufgeld, Anerkennungsprämie, Douceur, Geheimgeld, Pagament, Schmiergeld, Spores Raffel, Transaktionsbonus, Vokationsgeld, Zuzahlung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dreckgeld (waste disposal fee):

Frühere Zahlung für die Abfuhr des Hausmülls (collection of household waste) durch den Dreckkarren (dustcart) in den Städten. Das Deckgeld entspricht der heutigen Gebühr für die Müllabfuhr.

– Siehe Nachmeistergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Drehorgel-Geld (barrel organ tax; hurdy gurdy fee):

Abgabe, die

1. Gemeinden früher bei den Betreibern von in der Öffentlichkeit gespielten Drehorgeln und Leierkästen bzw.

2. heute allgemein von Strassenmusikanten (buskers) als Musikanten-Gebühr (musician fee) einziehen.

– In der Regel erteilen die meisten Kommunen derzeit eine zahlenmässig begrenzte und nur für gewisse Tageszeiten gültige Genehmigung zum öffentlichen Musizieren nur gegen die vorherige Zahlung der entsprechenden Gebühr.

– Siehe Bettlerglöckchen, Lustbarkeitsgebühr, Musikgeld, Tanzkonzessionsgeld, Verschongeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dreidingsgeld (local court contribution):

In älteren Dokumenten eine Abgabe zur Zahlung der Aufwandsentschädigung für jene drei Personen, aus denen sich in manchen Gegenden Deutschlands ein Ortsgericht (local court) zusammensetzte. Dessen Aufgabe war es,

1. kleinere Streitigkeiten zu schlichteten (to settle small conflicts),

2. Beschwerden über örtliche Dienststellen zu verhandeln (hearing and investigating complaints by citizens about local public authorities) sowie manchmal auch

3. die Gemeinderechnung (municipial accounting) zu prüfen.

– Siehe Justitiengeld, Schöffengeld, Sitzgeld, Vergütung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dreierblock (three group bloc):

Im deutschen Bankgeschäft die Tatsache, dass

1. Privatbanken,

2. bis Juli 2005 mit Staatsgarantie ausgestattete, aber bis anhin immer noch mehrheitlich in öffentlichem Besitz befindliche Sparkassen und Landesbanken sowie die

3. Genossenschaftsbanken in Deutschland tätig sind. Zwar gibt es einige - vorwiegend technische und hier wieder vor allem informationstechnische - Kooperationen zwischen den drei Blöcken. Aber weiter gehende Zusammenarbeit oder gar Fusionen werden für die nächste Zukunft als wenig wahrscheinlich (hardly probable) eingeschätzt.

– Siehe Gigabank, Megamanie, Silo-Denken, Vertikalisierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dreiheit, unmögliche (impossible trinity):

Wenn nicht anders definiert, so ist damit das gleichzeitige Erreichen der Ziele

1. Wechselkursstabilität,

2. eigenständige Geldpolitik als Zentralbankpolitik und

3. freier Kapitalverkehr gemeint. Vielfach wird angenommen, dass jeweils nur zwei Ziele erreichbar seien, während das dritte aufgegeben werden müsse; und das gälte vor allem für kleinere Länder.

– Die Tatsachen (etwa: Schweiz, Luxemburg) bestätigen das freilich nicht.

– Siehe Zinsinsel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dreiergruppe (Group of the Three, G–3):

Wenn nicht anders definiert, die Währungsräume USD, EUR und JPY.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dreijahrestender (three year tender, longer-term refinancing operation, LTRO):

Im Rahmen des Quantitative Easing von der EZB im Dezember 2011 und im Februar 2012 den Banken auf drei Jahre - davor lag die Höchstdauer bei nur einem Jahr - zur Verfügung gestelltes Geld mit der offiziell verkündeten Absicht, eine Kreditklemme zu vermeiden (the LTRO was credited with having relaxed the pressure on eurozone bank funding at a time when liquidity for some banks looked threatened: it also should reopen commercial funding markets). Es wurden über 900 Mia EUR abgerufen; und Finanzjournalisten berichteten, dass ein Gutteil dieser Summe in den Kauf von Staatsanleihen seitens der Institute floss. Auf diese Weise musste die EZB selbst nicht noch mehr Staatsanleihen aufkaufen, wie sie das aufgrund eines Mehrheitsbeschlusses im EZB-Rat tat. Viele sahen das als die eigentliche Absicht dieser zeitlich ungewöhnlichen Massnahme an: nämlich die mittelbare Finanzierung der Staatsschulden durch die Zentralbank. Das gilt, wie die Finanzgeschichte lehrt, als gerader Weg in die Inflation.

– Siehe Angst, perverse, Aufkäufe, zentralbankliche, Blase, spekulative, Carry Trades, EZB-Sündenfall, Finanzkrise, Geld, billiges, Krise, zentralbankbewirkte, Vermeidbarkeit, Kreditunterstützung, erweiterte, Vollzuteilung.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2012, S. Monatsbericht der EZB vom Januar 2012, S. 32 ff. (Begründung der Dreijahresgeschäfte; Statistisches; keinerlei Hinweis darauf, dass damit eine indirekte Staatsfinanzierung zumindest angeregt wird).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Drei-Säulen-Gefüge (three pillar structure):

1 Bezeichnung für die Gliederung der Kreditwirtschaft in Deutschland in die

1. öffentlich-rechtlichen,

2. genossenschaftlichen und

3. privaten Geldinstitute.

2 In Bezug auf Basel-II die drei Bereiche Eigenmittel, aufsichtsrechtliche Prüfungsverfahren und Marktdisziplin.

– Siehe Dreierblock, Genossenschaftsbanken, Gigabank, Megamanie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dreschergeld (thresh pay):

Früher der Lohn für den meistens tagweise gemieteten Fachmann, der mit seinem mitgebrachten Werkzeug - in der Regel einen Stab mit Klöpfel: Dreschflegel; threshing flail) - die Frucht aus den Hülsen des Getreides schlug.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dresdner Bank (Dresdner Bank):

Im Januar 2009 von der Commerzbank AG übernommene deutsche Grossbank. Genau 137 Jahre nach ihrer Gründung hatte das Institut seine Existenz im wahrsten Sinne des Wortes ver=spielt. Alle Rücklagen waren aufgezehrt; die Kernkapitalquote schwand auf den gerade noch zulässigen, aber nicht annähernd ausreichenden Stand von vier Prozent. Der Alleinaktionär, die Allianz Versicherung AG mit Hauptsitz in München, musste Milliarden EUR in die Bank pumpen. - Zu lange liess die Allianz die Investmentbanker der Dresdner Bank gewähren, bis sich immer neue Milliardenverluste türmten. - Auch gilt die Übernahme der Dresdner Bank durch die Allianz als Muster einer missglückten Zusammenführung (failed merger). Statt eines "Allfinanzdienstleisters" liefen die beiden Teile nebeneinander her. Schliesslich stand der Steuerzahler für den Verkauf der Dresdner Bank an die Commerzbank gerade, indem die nun grösser gewordene Commerzbank mit 18 Mia Euro gestützt werden musste, nachdem sich bei der Dresdner Bank immer neue, vorher nicht bekannte Milliardenverluste auftürmten (piled up).

– Siehe Bankassekuranz, Bankenfusionsjahr, deutsches, Portabilität.

– Vgl. Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 150 (Integrationsrisiken bei der Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dress Code und Dresscode (so auch im Deutschen gesagt, seltener Kleiderordnung):

In einem Institut mehr oder minder verbindliche Regelungen hinsichtlich der Bekleidung der Mitarbeiter im Front-Office-Bereich, manchmal eingeschlossen auch die Mitarbeiter gesamthaft. - Sind diese Vorschriften bis ins einzelne gehend, sodass alle Mitarbeiter nahezu gleich gekleidet sind, so spricht man auch von Business-Uniform (business uniform: a prescribed identifying set of clothes for the members of a bank, and in general of an organisation).

– Siehe Corporate Fashion, Leitbildfestlegung, Tenu-Schlamper.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dritteldeckung (one-third cover of note circulation):

Die Zentralbank wird verpflichtet, ein Drittel der ausgegebenen Banknoten in Gold zu decken. In Deutschland war dies nach dem Bankgesetz vom 14. März 1875 der Reichsbank vorgeschrieben.

– Siehe Banking-Theorie, Chrysomanie, Currency-Theorie, Geld, privates, Geldmenge, Peelsche Bankakte, Währung, gebundene.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Drittelgold (one-third gold):

(Schmuck-)Gegenstände aus einer Metallmischung, die zu einem Drittel Gold, also 8 Karat enthält. Anders als in den meisten Ländern der Welt, so dürfen entsprechende Waren in Deutschland bis jetzt noch ohne weiteres "Gold" genannt und Schmuck daraus mit dem Feinheitsgehalt-Stempel "333" versehen werden.

– Siehe Chrysomanie, Edelkupfer, Karat, Rauschgold, Zwischgold.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dritte Säule (third pillar):

Inoffizielle Bezeichnung für die augenscheinliche Tatsache, dass die EZB neben der Geldmenge (first pillar; erste Säule) und weiteren Massgrössen (second pillar; zweite Säule) auch die Inflationserwartungen im Blick hat. - Unter verschiedenen Ansätzen, die Erwartungen der Marktteilnehmer über die künftige Inflation zu messen, bevorzugt man heute in der Regel den Unterschied in den Renditen bei Forwards (financial futures transactions; Finanztermingeschäften) für eine Nominalzinsanleihe einerseits und einer inflationsindexierten Anleihe andererseits.

– Siehe Anleihe, indexgebundene, Banknoten-Wertbeschränkung, Break-Even-Inflationsrate, Geldwertstabilität, Indexanleihe, Inflation, gefühlte, Sparsamkeitsregel, Zwei-Säulen-Prinzip, Zweitrunden-Effekte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Drittfälligkeits-Klausel und Wechselseitige Vorfälligkeitsklausel (cross-acceleration clause):

Die Bank ist zur Kündigung des Darlehns - also zur Fälligstellung des eingeräumten Kredits (immediate repayment of the loan granted) - berechtigt, wenn der Schuldner bei der Erfüllung einer anderen Verbindlichkeit gegenüber derselben Bank in Verzug gerät.

– Siehe Covenant, Bonitätsrisiko, Darlehn, widerrufenes, Downgrade-Trigger-Klausel, Drittverzugs-Klausel, Erstraten-Verzugsklausel, Event of Default, Kreditsperre, Verwirkungsklausel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Drittgattingeld (third spouse payment):

Wenn nicht anders definiert Zahlungen der Sozialbehörden und Krankenkassen in Deutschland an die dritte Ehefrau eines in Deutschland lebenden Mannes, insoweit in seinem Heimatland die Verheiratung mit drei Frauen gleichzeitig gestattet ist. Nach höchstrichterlicher Entscheidung (according to supreme judical decision) besteht ein Rechtsanspruch auf diese Leistungen, auch wenn diese Frauen im fernen Heimatland des Anspruchsberechtigten leben.

– Siehe Zweitgattingeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Drittphase-Finanzierung (third stage financing; im Deutschen oft auch die englische Bezeichnung gebraucht):

Bei Start-ups die Bereitstellung von Kapital, nachdem das Unternehmen in die Gewinnzone (area of profit, net income area) eingetreten ist, also die Ertragsschwelle (break-even point) überschritten hat und zur Marktdurchdringung (market penetration) nunmehr weitere Mittel benötigt.

– Siehe Bootstrapping, Business Angel, Dotcom-Blase, Innovationsfonds, Later Stage Finanzierung, Liebesgeld, Mikro-Finanzierung, Seed Capital, Sweat Equity.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Drittrangmittel (tier-3 capital):

Aufsichtsrechtlich für ein Institut definiert als

1. Nettogewinn des Handelsbuches plus

2. kurzfristige nachrangige Verbindlichkeiten plus

3. gekapptes Ergänzungskapital (capped tier-2 capital), nämlich Ergänzungskapital, das grundsätzlich anerkennungsfähig ist, jedoch aufgrund der Höchstgrenze für Ergänzungskapital nicht zur Anrechnung kam.

– Vgl. Jahresbericht 2009 der Bafin, S. 48 (nach Plänen des Basler Ausschusses sollen die aufsichtlichen Drittrangmittel abgeschafft werden).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Drittstaaten (third countries):

In der Sprache des deutschen Aufsichtsrechts sämtliche Staaten, die nicht Mitglied der Europäischen Union (EU) oder des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) sind; siehe § 1, Abs. 5a sowie § 53c KWG.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Drittverzugs-Klausel auch Wechselseitige Ausfallklausel (cross-default clause):

Die Bank ist zur Kündigung des Darlehns - nämlich zur Fälligstellung (repayment: the act of paying back money earlier borrowed from the bank) des eingeräumten Kredits - berechtigt, wenn der Schuldner bei der Erfüllung einer gegenüber einem anderen Gläubiger bestehenden Pflicht, darin eingeschlossen auch gegenüber dem Finanzamt, in Verzug (default) gerät.

– Siehe Covenant, Default, Downgrade-Trigger-Klausel, Drittfälligkeits-Klausel, Erstraten-Verzugsklausel, Rollover-Risiko, Verwirkungsklausel, Vorfälligkeitsklausel, wechselseitige.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Drogengeld (drug money):

1 Aus der Herstellung und dem Handel mit Rauschgift (drugs = here: illegal and regularly hurtful substances such as heroin, cocaine, LSD, or marijuana that people take for pleasure; süchtig machende Stoffe) erzielte Einnahmen.

2 Von Süchtigen durch Bettelei oder rechtwidrige Handlungen (Beschaffungs-Kriminalität; drug-related crime) aufgebrachte Summen.

– Siehe Geldwäsche, Helvetophobie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Druck, disinflationärer (disinflationary pressure):

Seit 2012 häufiger auftauchender Begriff in der Bedeutung, dass der Preisindex der Lebenshaltung kaum und im Sonderfall garnicht steigt. Immer mehr nämlich gewinnen weltweite Marktverhältnisse angebotsseitig auf die Preise vor allem der Gebrauchsgüter an Bedeutung. Denn die Globalisierung erhöht den Wettbewerb und senkt die Preise. - Indessen kann auf der anderen Seite die vorübergehende oder anhaltende weltweite Verknappung eines Gutes (wie etwa Erdöl oder Getreide) die Inflationsrate in einer Binnenwirtschaft übermässig ansteigen lassen.

– Siehe Disinflation, Energie-Inflation-Zusammenhang, Erdöl-Lebensmittel-Zusammenhang, Finanzialisierung, Inflation, Kerninflation, Opferverhältniszahl.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom März 2009, S. 60 ff. (Disinflationsphase im Euroraum; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Druckbelegschaft und Druckteam (slackers, shirkers, lazybones):

Im Jargon jene Mitarbeiter in einem Institut, die sich

1. vor Arbeit allgemein drücken und

2. besonders im Front-Office-Bereich bei Kundenansturm (stampede of customers) aus dem Staube machen. In deutschen Banken sind solche Personen glücklicherweise gänzlich unbekannt (slackers are completely unknown in Teutonic institutes).

– Siehe Airbag, Alleskönner, Autonom agierende Einheit, Behavioural Branding, Chief Copying Officer, Kollege Harzenmoser, Kontakt-Allergiker, Krokodil, Loch, schwarzes, Mailbomber, Selbstverwirklicher, Tenu-Schlamper, Totholz, Triple A, Umsatzbremse, Unfallflüchtling. Selbstverwirklicher.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dual Listing (so auch im Deutschen gesagt):

Eine Aktiengesellschaft, deren Aktien zum Handel an einer Börse zugelassen sind, bemüht sich um Einführung des Handels auch an einer anderen - meistens ausländischen - Börse bzw. auch an mehreren Börsen (multiple listing). In der Regel geschieht dies dadurch, dass die Aktiengesellschaft an der in Aussicht genommenen Börse neue Aktien begibt. - Es sprechen verschiedene Gründe für das Dual Listing. Genannt werden vor allem auch Überlegungen des Marketings. Wenn eine Aktie zum Beispiel an der NYSE notiert ist, dann

1. erhöht sich allgemein der Bekanntheitsgrad des Namens der Gesellschaft über die ganzen USA (Imagegewinn; corporate image gain) und

2. die Kotierung schafft im Besonderen bei Kunden, Lieferanten und Anlegern in den USA Vertrauen.

– Siehe Dual Trading.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Dual Trading (so auch im Deutschen gesagt, aber in unterschiedlicher Bedeutung):

1 Eine Aktie, bereits an einer Börse gehandelt, wird an einer weiteren Börse eingeführt.

2 Ein Broker wickelt Kundenaufträge ab und betätigt sich gleichzeitig auch mit denselben Geschäften auf eigene Rechnung (a broker executes customer orders and, on the same day, trades for his own account).

– Siehe Börsenmakler, Dual Listing, Klientenüberweisung, Kommissionshaus, Makler, Skontroführer, Winkelmakler.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Due Diligence (so auch im Deutschen gesagt, im Finanzbereich seltener mit gebührende Sorgfalt oder Sorgfaltspflicht übersetzt):

1 Allgemein - und als ein Rechtsbegriff aus dem Angelsächsischen ab etwa 2000 in die deutsche Sprache mehr und mehr vorgedrungen - für die im (Wirtschafts-)Verkehr notwendige Sorgfalt (= Verpflichtung zur Wahrung der Belange anderer) gesagt.

2 Die erforderliche Umsicht (careful attention) beim Handeln auf dem Finanzmarkt, und hier im Besonderen bei der Abwägung der Risiken aller Art.

3 Die gründliche Prüfung und sachgemässe Bewertung eines Vermögensgegenstandes

1. allgemein im Rahmen eines geplanten Geschäftsabschlusses und

2. im Besonderen vor einem Unternehmenskauf. Ziel entsprechender Bemühungen ist dabei das Aufdecken verborgener Risiken - einschliesslich allfälliger Steuerschulden; die allein darauf ausgerichtete Untersuchung wird oft Tax Due Diligence genannt - sowie die Einschätzung möglicher Gewinnaussichten aus dem Geschäft bzw. der Übernahme; diesfalls auch oft Due Diligence Review genannt (the process of evaluating the business and financial viability of a potential investment target, as well as the impending terms and conditions of an investment agreement).

4 Die nach dem Wertpapierprospektgesetz (WpPG) vorgeschriebene Durchsicht eines Wertpapier-Verkaufsprospekts durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht daraufhin, ob das Prospekt vollständig, verständlich und in sich widerspruchsfrei ist.

– Siehe Buy out, Compliance, Kaufpreis-(Teil)Stundung, Kundenberatung, Machbarkeitsstudie, Mindestanforderungen an das Risikomanagement, Rating, Risikomanagement, Übernahmerisiken.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 183 (in Bezug auf Hedge-Fonds), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 131 (in Bezug auf Interessenkonflikte bei einer Bank), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 66 (Due Diligence bei Investmentfonds).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Duration (duration):

1 Allgemein der Zeitraum, den ein Investor im Mittel gerechnet bis zum Erhalt der Rückflüsse aus der Anlage warten muss, manchmal auch durchschnittliche Kapitalbindungsdauer (average period of capital commitment), ökonomische Laufzeit (economic run time), mittlere Fälligkeit (average maturity), durchschnittliche Selbstliquidationsperiode und mittlere Restbindungsdauer genannt.

2 Bindungsdauer des in einem festverzinslichen Wertpapier oder Wertpapiervermögen angelegten Kapitals. Die Duration ist kürzer als die Restlaufzeit (remaining running time), bedingt durch zwischenzeitliche Zinszahlungen auf das angelegte Kapital. - Bei sinkendem Zinsniveau besteht ein Anreiz, Papiere mit möglichst langer Restlaufzeit in das Portfolio zu holen. Denn sie verbuchen überproportionale Kursgewinne (above-average market profit) bei fallenden Renditen.

3 Gewichtete durchschnittliche Laufzeit (weighted average maturity) aller Zahlungen (Zins, Rückzahlung) eines festverzinslichen Wertpapiers.

4 Die rechnerisch ermittelte Restlaufzeit (remaining running time) einer Schuldverschreibung. Bei einer Rendite-Änderung um plus ein Prozent fällt der Kurs der Obligation um den Betrag der Duration.

– Siehe Kreditrisiko-Arbitrage, Laufzeitenrisiko, Zinsänderungsrisiko.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2006, S. 41 (in Bezug auf inflationsindexierte Staatsanleihen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Durchleitgeld (transit money):

Einer Bank zufliessende Einlagen - in der Regel von der Zentralbank oder einer öffentlichen Stelle - mit der Auflage, in entsprechender Höhe Darlehn zu gewähren (money the taking of which by the banks automatically entails the granting by them of credit to a corresponding extent).

– Siehe Durchleitkredit, Quantitative Easing.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Durchleitkredit (transit money, transmitted credit):

Geld, das eine Bank von einem Dritten - in aller Regel von einer öffentlichen Stelle - erhält mit dem Auftrag, es an einen ganz bestimmten Zahlungsempfänger weiterzuleiten (credit which originates from an other lender and is passed through the banking system merely for reasons of expediency and security). Dafür und für die in der Regel auch dem Institut aufgetragene Überwachung des Schuldners berechnet die Bank eine Durchleitmarge (transit margin).

– Siehe Durchleitgeld, Eingliederungsdarlehn, Kredit, durchlaufender, Refinanzierungskredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Durchpressen und Durchdrücken (cram down, cramdown):

Als Hauptwort (Gerundium)

1 die zeitlich rasch hintereinanderliegende Begebung von Anleihen, wodurch das Angebot an Schuldverschreibungen die Nachfrage der Anleger bei weitem übersteigt (when investors get seriously diluted by subsequent rounds of emissions), auch Trockenlegung des Anleihemarktes und - wie im Englischen - Washout genannt.

2 In Zusammenhang mit einer Insolvenz die Durchsetzung eines Sanierungsplans (recovery strategy) auch gegen den Willen eines oder mehrerer Gläubiger (the enforcement of a plan of reorganisation while there are still objections from one or more creditors).

– Siehe Absorptionsfähigkeit, Marktschwemme, Plazierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Durchschnitt, guter (good average):

An Warenbörsen die Bezeichnung für die Beschaffenheit des Gutes, wenn andere, marktübliche Qualitätskennzeichnen nicht amtlich eingeführt sind.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Durchschnittserfüllung (averaging provision):

Bei der EZB Vorkehrung, die es den Banken erlaubt, ihre Mindestreserve-Pflicht auf Grundlage ihrer durchschnittlichen Reserveguthaben in der Mindestreserve-Erfüllungsperiode zu genügen. - Die durchschnittliche Mindestreserve-Erfüllung trägt zur Stabilisierung der Geldmarktzinsen bei, indem sie den Banken einen Anreiz gibt, die Auswirkungen von zeitweiligen Liquiditätsschwankungen abzufedern. Das Mindestreservesystem der EZB sieht daher eine Durchschnittserfüllung vor.

– Siehe Arbitrage, intertemporale.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen