Versicherungsoptimierer.net - Finanzlexikon - B

Finanzlexikon - B

B2B:

Abkürzung für business-to-business. Gemeint ist damit der Zahlungsverkehr zwischen den Unternehmen, wobei die Banken mit eingeschlossen sind.

– Siehe Enabler.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

B2C:

Abkürzung für business-to-consumer. Gemeint sind Zahlungen (in der Hauptsache als Löhne und Gehälter) der Unternehmen an die Privathaushalte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

B2G:

Abkürzung für business-to-government. Gemeint sind hier Zahlungen der Unternehmen an den Staat, im Wesentlichen in Erfüllung der Abgabepflicht.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Baby Bonds und Babybonds (baby bonds):

1 Allgemein Anleihen mit niedrigem Nennwert (in den USA unter 100 USD).

2 Volkstümliche Benennung für die erstmals 1951 in Deutschland begebenen Prämien-Schatzanweisungen.

– Siehe Postkreditbrief, Prämien-Schatzan¬weisung, Sparprämienanleihe, Stücke, kleine.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Backcasting (so auch im Deutschen gesagt, seltener: firmenindividuelle Globalanalyse):

In Bezug auf den Finanzmarkt

1. zunächst die möglichst genaue Vorausschau über die zukünftige (weltweite) Marktlage;

2. in einem zweiten Schritt geht man zurück auf das Heute, um daraus festzustellen, welche Entwicklungsschritte notwendig sind, um den künftigen Gegebenheiten seitens des Instituts in allem gewachsen zu sein.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Backfire (so auch im Deutschen gesagt, seltener Gegenschlag):

Im Finanzbereich gesagt vom eigenen Vorgehen, veranlasst durch aussergewöhnliche Marktaktivitäten (remarkable market activities) der Konkurrenz, wie vor allem Massnahmen der Werbung und Einführung innovativer Produkte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Backgeld und Backhausgeld (bakehouse fee):

Frühere Gebühr bei Nutzung des öffentlichen Backhauses in den ländlichen Gemeinden. Gewöhnlich war darin die Beheizung des Backofens (heating of baking oven) nicht eingeschlossen. Diese hatte der Mieter auf eigene Kosten durch mitgebrachtes Heizmaterial selbst zu besorgen, früher in den Dörfern meistens durch Reisig-Wellen (faggots: bundles of brushwood). - Genossenschaftliche Backhäuser (cooperative bakehouses) sind in den letzten Jahrzehnten in vielen Entwicklungsländern entstanden, hauptsächlich in der Absicht, um der Entwaldung (deforestation) Einhalt zu gebieten.

– Siehe Brunnengeld, Schöpfgeld, Waschhausgeld, Wassergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Back-Office-Bereich (so auch im Deutschen gesagt; seltener: Hintergrund-Bereich):

1 Tätigkeitsfelder in einer Bank, die nicht unmittelbar der Kundenbedienung (Front-Office-Bereich) dienen (divisions of a financial institution that perform work out of sight of customers; this includes all written confirmation and settlement of business dealings, record keeping, accounting and regulatory compliance [Überwachung der Einhaltung aufsichtsrechtlicher Bestimmungen]), auch die Abwicklung des Zahlungsverkehrs und des Wertpapiergeschäftes. Seit etwa 2000 setzte sich weltweit verstärkt die Tendenz durch, diese "hinter dem Schalter" (back office) stattfindenden, kundenfernen Tätigkeiten

1. in rechtlich selbständige Entitäten auszulagern,

2. in einen Verbund (mit anderen, gleichartigen Instituten) einzubringen oder gar

3. im Zuge der finanziellen Globalisierung ins ferne Ausland (faraway countries, primarily in Asia) zu verlegen. Über die Vorteile und Nachteile einer solchen Auslagerung liegen viele Untersuchungen vor.

2 Die einzelnen Fachabteilungen einer Bank, welche an das Schalterpersonal oder an die banklichen Vermögensverwalter von diesen angeforderte Informationen weiterleiten bzw. diese mit entsprechenden Meldungen versorgen.

– Siehe Auslagerung, Call Center, Commitment, Globalisierung, finanzielle, Grössen-Effekte, Kreditfabrik, Middle-Office-Bereich, One-Bank-Delivery, Outsourcing-Risiken, Sitzheizung, Transaktionsbanken, Vermögensverwaltung, bankliche.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Backtesting (so auch im Deutschen gesagt, seltener Rückvergleich):

1 Der Versuch, die künftige Kursentwicklung eines Finanzinstruments anhand der Notierungen vergangener Perioden zu schätzen (the process of testing an investment strategy by using the series of past historical data). Von nicht wenigen Analysten und Wirtschaftsjournalisten wird leichtfertig Backtesting herangezogen, um die künftige Wertentwicklung vorherzusagen (but there is much evidence that backtesting does certainly not allow one to predict how a strategy will perform under future conditions).

2 Im Rahmen des Ratings der Vergleich der Schätzungen für die Ausfallwahrscheinlichkeiten mit dem tatsächlich eingetretenen Kreditausfall.

– Siehe Kalibrierung, Rating, Risikomodelle, Trennschärfe, Validierung, Verlustquote.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2003, S. 70, Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 89 (Verlässlichkeit von Backtesting-Verfahren), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 129 (Einzelheiten zum institutsinternen Backtesting), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 146 (erheblicher aufsichtsrechtlicher Handlungsbedarf bei Instituten mit Backtesting-Ausnahmen) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Back-to-Originator-Postulat (so auch im Deutschen gesagt):

In Zusammenhang mit der Subprime-Krise 2007 aufgekommene Forderung, dass Banken die von ihnen gegründeten Zweckgesellschaften mitsamt den nötigen Wertberichtigungen in ihre Bilanz aufzunehmen haben. - Zwar war nach dem reinen Stimmrecht-Kriterium auch gemäss IFRS und US-GAAP dies bis dahin selbst auch dann nicht zwingend, wenn der Originator dem Conduit bonitätsverstärkende unwiderrufliche Kreditzusagen (creditworthiness enhancing irrevocable loan commitments) gegeben hatte. Lediglich die Stimmrechtslage (voting control rule) war ausschlaggebend. Eine Pflicht zur Konsolidierung bestand daher also nicht, wenn keine Stimmrecht-Mehrheit (majority of the voting rights) gegeben war. - Tatsächlich aber kamen bei Ziehung der Fazilitäten durch die in Not geratene Zweckgesellschaft - im Zuge der Subprime-Krise stockte der Absatz von Verbriefungspapieren, und die Conduits gerieten in einen Liquiditätsengpass - die Risiken auf den Originator zurück, was viele Institute ins Schlingern geraten liess. - Inzwischen geht man davon aus, dass die Berichtsgesellschaft ihre Zweckgesellschaften konsolidieren muss. Sie darf die damit verbundenen Risiken nicht nur als Ausserbilanzgeschäft im "bilanziellen Nichts" (balance sheet nil) erwähnen, nämlich versteckt im Anhang, Lagebericht, Management Commentary oder sonstwo. Dies gilt zumindest dann, wenn immer auf irgend einem Wege Forderungen des Conduits an den Originator auftauchen können (risks-and-reward rule).

– Siehe Absenzkapitalismus, Aktivitäts-Verlagerung, bilanzbestimmte, Asset-Backed Securities, Ausserbilanzgeschäft, Claw-back-Klausel, CLO-Fonds, Conduit-Gesellschaft, Einzel-Originator-Verbriefung, Erstverlust-Tranche, Flüssigmachung, Giftpapiere, Konsolidierung, Mezzanine-Tranche Nichts, bilanzielles, Originate-to-distribute-Strategie, Originator, Residential Mortgage Backed Securities, Rückzahlung, vorzeitige, Single Master Liquidity Conduit, Stimmrecht-Kriterium, Unterstützung, stillschweigende, Verbriefungspapiere-Selbstbehalt, Verbriefungsstruktur.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Backspread (so auch im Deutschen gesagt):

Jemand kauft mehr Optionen als er entsprechende Kontrakte verkauft, weil er in Bezug auf den zugrundeliegenden Basiswert entsprechende Erwartungen hegt (a position where someone buys more options relative to the number of sold options; this strategy normally is placed in the expectation of a strong move of the underlying asset).

– Siehe Aufsaugphase, Spread.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Back-to-Back-Loan (so auch meistens im Deutschen; seltener Parallelkredit, Währungsgegenkredit und [unschön] Währungswechselseitigkeitsdarlehn):

Ein Unternehmen in einem Währungsgebiet gewährt einer Firma in einem anderen Währungsraum ein Darlehen in seiner, also des Kreditgebers Währung, angenommen CHF. Das kreditgebende Unternehmen erhält dafür einen entsprechenden Betrag in der Währung des Kreditnehmers, angenommen USD. Nach einer vertraglich festgelegten Zeit werden die gegenseitigen Forderungen in der jeweiligen Währung glattgestellt (a loan in which two companies in separate currency areas borrow each other's currency for a definite time period, and repay the other's currency at an agreed-upon maturity). Solche Geschäfte sind vor allen zwischen international tätigen und durch Handelsbeziehungen miteinander verbundenen Unternehmen üblich. Auf diesem Weg der gegenseitigen Kreditgewährung können Unternehmen verhältnismässig sicher und ohne aufwendige Zwischenschaltung von Banken (costly interposition of banks) Fremdwährung erwerben. Auch dienen die Darlehen der Ausschaltung von Wechselkursrisiken.

– Siehe Erfüllungsrisiko, Herstatt-Risiko, Kurssicherung, Swap, devisenbezogener, Währungsoption.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Backup (so auch im Deutschen gesagt):

In Bezug auf den Finanzmarkt eine besondere Marktlage im Börsenhandel, bei der steigende Erträge einer Aktiengesellschaft mit sinkende Kurse der Aktien verbunden sind. Der Grund für ein Backup sind entsprechende Erwartungen der Anleger.

– Siehe Aushungern, Gewinnwarnung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Back-up-Facility (so auch im Deutschen gesagt):

In Bezug auf die Börse eine bestätigte Kreditlinie, die im Falle der unzureichenden Marktliquidität eines Finanzinstruments gezogen werden kann. Sie stellt damit die jederzeitige Liquidität im Sinne der Zahlungsfähigkeit eines Börsenteilnehmers sicher (commitment to lend intended to take place if insufficient market liquidity causes difficulties for an exchange participant).

– Siehe Acid Ratio, Ausserbilanzgeschäft, Flüssigmachung, Kreditzusage, unwiderrufliche, Liquiditätsprämie, Zweckgesellschaft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Backwardation (so auch im Deutschen gesagt):

1 Der Terminpreis (futures price) eines Gutes auf dem Warenterminmarkt liegt unter dem Tagespreis (Kassapreis; spot price); den Gegensatz dazu (also der Kassapreis liegt über dem Terminpreis) nennt man Contango. Backwardation is unfrequent for a persishable commodity that has a cost of carry, so grains such as corn and wheat, and sugar, are at the most in contango. Bei Backwardation neigen die Marktteilnehmer dazu, auslaufende Terminverträge zu "rollen", nämlich in längere Kontrakte umzuwandeln.

2 Beim Handel mit Anleihen die Zinsen, welche der Verkäufer noch tragen muss.

– Siehe Markt, inverser.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bad Bank (so auch im Deutschen gesagt, seltener Auffangbank und Abwicklungsanstalt):

Verschiedentlich, vor allem in Japan und Schweden, vorgeschlagene staatliche Auffanggesellschaft (public hive-off vehicle, state-run rescue company) für faule Kredite und toxische Papiere. Diese könnte Forderungen notleidender Institute bündeln, als Wertpapiere verpacken und am Kreditmarkt unterbringen. Letzten Endes würde aber hier die Steuerzahler für fehlgeleitete Geschäfte der Banken (mismanaged businesses of banks) zur Kasse gebeten. - Im Zuge der Subprime-Krise wurde in den USA im Herbst 2008 ein Fonds ins Leben gerufen, der alle Merkmale einer Bad Bank aufweist.

– Siehe Bad Bank-Modell, deutsches, Bad Bank-Problem, grundsätzliches, Bilanzbereinigung, EZB-Sündenfall, Finanzmarktstabilisierungsgesetz, Mittelstandsbank, Risikokapital, Schuldentilgungspakt, europäischer, Staatsfonds, Verbriefung, Vertrauensblase, Wasserfall-Prinzip.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juli 2009, S. 75 f. (Massnahmen im Zuge des Bad-Bank-Modells in ihren Auswirkungen auf die öffentlichen Finanzen), Monatsbericht der EZB vom März 2010, S. 25 ff. (von Bad Banks beeinflusste Bilanzpositionen; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Januar 2011, S. 24 ff. (Auswirkungen der Übertragung von Aktiva an Bad Banks; Übersichten; auch in den Anmerkungen wichtige Hinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bad Bank-Modell, deutsches (German bad bank model):

In Deutschland 2009 nach dem im Oktober 2008 in Kraft getretenen Finanzmarktstabilisierungsgesetz verabschiedete Regelungen, um bleibende Unsicherheiten für das Finanzsystem und die Realwirtschaft zu beseitigen. Denn das FMStG zielte nur auf die Passivseite der Banken und konnte die Unsicherheit hinsichtlich der auf der Aktivseite gebuchten Posten nicht beheben. Man schätzte im Frühjahr 2009 hier einen Betrag von 200 Mia EUR an toxischen Papieren. Diese konnten die Banken nun über eine längere Zeit hinweg abschreiben, ohne die Institute von einer verursachergerechten Verlusthaftung zu entbinden.

– Siehe Bad Bank, Finanzkrise, Finanzmarktstabilisierungsanstalt, Mondpreis, Nichts, bilanzielles, Papiere, toxische, Subprime-Krise.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2009, S. 56 ff. (Bad Bank-Modell in seinen Grundzügen; Beurteilung des Erfolgs), Geschäftsbericht 2009 der Deutschen Bundesbank, S. 93 (kurze Zusammenfassung des Bad-Bank-Gesetzes).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bad Bank-Problem, grundsätzliches (fundamental problem of a bad bank):

Jede Bad Bank-Überlegung sieht sich zwei gegenläufigen Umständen gegenüber.

1 Einerseits sollen die Bankbilanzen von Papieren entlastet werden,

1. für die - zumindest vorübergehend - kein funktionsfähiger Markt (functioning market) vorhanden ist, und

2. bei denen erhebliche Buchverluste drohen; denn die Wertberichtigungen greifen das Eigenkapital der Banken an und mindern damit auch deren Fähigkeit, Darlehn zu gewähren.

2 Andererseits jedoch

1. sollen die Eigentümer der Banken nicht aus der Haftung für eine Geschäftspolitik entlassen werden, welche diese Schieflage verursacht hat; denn

2. so entstünde ein Moral Hazard-Problem: Verluste würden auf den Staat bzw. die Steuerzahler abgewälzt.

– Das deutsche Bad-Bank-Modell versucht, zwischen diesen beiden Interessenslagen einen Mittelweg zu finden.

– Siehe Anlage-Haftung, Bank, systemische, Bad Bank, Bail-in, Eigenkapital, hartes, Finanzmarktstabilisierungsgesetz, Pflichtwandelanleihe, Verlustteilungsregelung, Vertrauensblase, Zwangswandelanleihe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Badwill (badwill, negative goodwill):

Die nachteilige, den Geschäftsverkehr einschränkende Wirkung, die vor allem ausgeht von

1. einem Firmennamen, etwa: Bankhaus Stehle,

2. einer Produktbezeichnung, etwa: Ausfallzertifikat,

3. einem Herkunftsland; in der breiten deutschen Öffentlichkeit (broad teutonic public) weitgehend gegenüber Banken der Schweiz, die als Hehler und Helfershelfer für deutsche Steuerhinterzieher (concealers and collaborators for German tax evaders) eingeschätzt werden (by the way: in a representative survey among German households carried out in 2013 only sixteen percent (!!) of those questioned knew the name of the Swiss capital [= Berne]; about sixty percent assumed it is Zurich), oder

4. sittenwidrigem Verhalten; so entsandte die deutsche Ergo-Versicherung mit Gutheissung der Geschäftsleitung auf Rechnung des Unternehmens sog. "leistungsstarke Mitarbeiter" 2007 in Freudenhäuser nach Budapest und 2012 zu Sex-Reisen nach Mallorca sowie ins ferne Jamaika. Das brachte dem Unternehmen den volkstümlichen Namen "Puff-Versicherung" ein.

– Siehe Gnomen von Zürich, Goodwill, Helvetophobie, Incentive Reisen, Kannibalismus-Effekt, Länder-Bonitätsskala, One-Bank-Strategie, Risiko, strategisches, Spill-over-Effekt, Zinsinsel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

BaFin:

Offizielle Abkürzung für Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

BaFin-Umlage (BaFin cost allocation):

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht als deutsche Aufsichtsbehörde finanziert sich zur Gänze aus eigenen Einnahmen. Diese setzen sich zu mehr als drei Vierteln aus den Umlagezahlungen der beaufsichtigten Unternehmen zusammen; es handelt sich hierbei um eine Sonderabgabe mit dem Zweck der Erstattung der Aufwendungen der Behörde. Der Rest entfällt auf Verwaltungseinnahmen, Gebühren und Zinsen. - In der Finanzbranche befürchtet man, dass im Zuge einer europäischen Finanzmarktaufsicht die Umlage stark ansteigen wird. Auch sei es Aufgabe des Staates, eine Aufsichtsbehörde aus Steuereinnahmen zu finanzieren. - Demgegenüber hat das Bundesverfassungsgericht im September 2009 festgestellt, dass die BaFin-Umlage mit höherrangigem Recht (superior principles of law) vereinbar und damit verfassungsgemäss sei (is compatible with the German Basic Law).

– Siehe Anlegerschutz, Aufsicht, Aufsichtsvermeidung, Ausschuss-Wahn, Beaufsichtigung, vollständige, Fragmentierung, aufsichtliche, Geldverbrennung, Kompetenz-Konflikt, aufsichtsrechtlicher, Regulierungsdruck, Regulierungswut, Straitjacking, Subsidiaritätsprinzip, Transparenzgrad.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bahrtuchgeld (pall fee):

Früher die Gebühr für die Leihe des - meist schwarz oder tiefviolett gefärbten und häufig kunstvoll bestickten - Bahrtuchs (pall: covering sheet over a coffin), das bei der Aufbahrung (laying out) in der Kirche sowie beim Gang zu Grab über den Sarg gelegt wurde.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bai-Kai (so auch im Deutschen gesagt):

Aus dem Japanischen in die Finanzsprache eingedrungene Bezeichnungen für einen börsengängigen Titel, bei dem sowohl der Angebotspreis als auch der Nachfragepreis angegeben wird (two-sided market in which the bid price and the ask price are both quoted).

– Siehe Bid-ask-Spread.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bail-in und Bailin (so auch im Deutschen gesagt, seltener Mithaftung):

1 Die Geldgeber eines Unternehmens allgemein und eines Instituts im Besonderen tragen allfällige Verluste mit. - Bei einem Staatsbankrott übernehmen die Gläubiger nach einem bestimmten Verteilungsschlüssel (basis of apportionment) die (Auslands)Schulden des zahlungsunfähigen Landes.

2 Im Zuge des einheitlichen Abwicklungsmechanismus vorgesehene unmittelbare Verlustübernahme durch Investoren eines in Schieflage geratenen Instituts.

– Siehe Anlage-Haftung, Bail-out, Schuldentilgungspakt, europäischer, Verlustteilungsregelung, Zwangswandelanleihe.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 30 (Bail-in bei Banken mindert Ansteckungswirkungen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2014, S. 39 f (Beschreibung er einzelnen Schritte; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bail-out und Bailout (so auch im Deutschen gesagt, seltener Rettungsaktion):

Allgemein die Rettung auf dem Wege einer Entschuldung durch Dritte (a situation where a bankrupt or nearly bankrupt entity, such as a corporation or a bank, is given a fresh injection of liquidity, in order to meet its short term obligations). Unterschieden wird ein

1. privatwirtschaftliches Bail-out, bei dem ein Unternehmen wie eine Bank vor Insolvenz durch ein anderes Institut, durch die Zentralbank, durch den Staat bewahrt wird,

2. binnenstaatliches Bail-out, bei dem die Zahlungsfähigkeit einer staatlichen Institution - Gemeinde, Kreis, Land, Staatsunternehmen - durch Hilfe einer anderen öffentlichen Stelle aufgebrochen wird und

3. internationales Bail-out, bei dem ein Staat durch einen anderen Staat bzw. durch internationale Organisationen wie dem Internationalen Währungsfonds gestützt wird.

– Im EU-Vertrag (Artikel 125 AEUV) ist eine Non-Bail-out-Klausel eingebaut: die Gemeinschaft haftet nicht für die Verbindlichkeiten irgendwelcher öffentlicher Stellen in den Mitgliedsländern. Freilich befürchteten von vornherein viele, dass in Notfällen durch einen entsprechenden Beschluss des Europäischen Parlaments davon Ausnahmen gemacht werden könnten. - Im Zuge der auf die Subprime-Krise 2007 folgenden Finanzkrise waren von der EU-Kommission begebene Anleihen in Gespräch, deren Einnahmen an Staaten weitergeleitet werden, die selbst kaum noch Vertrauen am Kapitalmarkt geniessen. Auch hielt man es für möglich, dass die EZB Staatsanleihen am Sekundärmarkt kauft - am Primärmarkt ist ihr das gemäss EU-Vertrag ausdrücklich verboten -, um die Kurse zu stabilisieren, was sie ja dann auch tat. Dies jedoch sind Massnahmen gegen den Geist der No-Bail-out-Klausel, die ja Moral Hazard auf Staatsebene verhindern soll. Die Verlockung besteht darin, dass nationale Regierungen zu lässigem Ausgabeverhalten verleitet werden, wenn sie damit rechnen können, dass andere Mitglieder einen Teil ihrer Schulden übernehmen werden. Ein "Wettlauf der fiskalischen Disziplinlosigkeit" (race to fiscal indiscipline) wäre die Folge; und notwendige Anpassungen der Volkswirtschaft werden so verschleppt. - Für Finanzhilfen dieser Art sollte daher allein der Internationale Währungsfonds (IWF) zuständig bleiben, der seine Unterstützung an streng überwachte Auflagen (Konditionalität; conditionality) knüpft. Auf dem G20-Gipfel am 02. April 2009 in London wurde diese Aufgabe des IWF hervorgehoben und daher die Finanzmittel des IWF erheblich aufgestockt.

– Siehe Abwicklungsmechanismus, einheitlicher, AIG-Deal, Angst, perverse, Anmassung, zentralbankliche, Aufkäufe, zentralbankliche, Aval, Bank, systemische, Bankenrettung, Bankenrettung, umgekehrte, Bankenunion, Bilanzbereinigung, Bazooka, Bürgschaft, Defizit-Finanzierungsverbot, Finnland, Euro-Anleihen, gemeinsame, Europäische Finanzstabilisierungsfazilität, Europäische Währungsunion, Grundfehler, Eventualforderung, EZB-Sündenfall, Garantie, Geldmarkt-Operationen, Geldverleiher letzter Instanz, Giips-Staaten, Government Guaranteed Bond, Government Spreads, Gruppendruck, Kaldor-Hicks-Kriterium, Lohnpolitik, koordinierte, Moral Hazard, Nuklearoption, Plan C, Politikklammer, Politikverzug, Retterei, Risikoteilung, Rückkehr-Ideologie, Schattenstaat, Schuldentilgungspakt, europäischer, Sicherheitsnetz, globales, Single Master Liquidity Conduit, Stabilisierungsmechanismus, europäischer, Stabilitätsfonds, europäischer, Stand-by-Kredit, Transferunion, Umverteilung, zentralbankbewirkte, Vermögensabgabe, Verschuldung-Produktivität-Verkettung, Vertragstreue, Vertrauensblase, Wachstum-Schulden-Tatsache, geschichtliche, Währungsunion 2. Zwei-Wege-Option, Zwangsenteignung, Zwangswandelanleihe.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2010, S. 12 f., S. 67 f. (Kritisches zu den Garantien im Zuge des Europäischen Stabilisierungsmechanismus).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Baisse in älteren Dokumenten auch Kachexie (marktet decline, falling market):

Jeder auffallende Preisrückgang (a noticeable, atypical fall of prices) auf einem Markt, besonders an der Börse. - Allgemeingültige Merkmale, welche das Mass des Sinkens der Preise näher angeben, lassen sich dem Begriff nur schwer genau zuordnen, wiewohl es hierzu sehr viele Ansätze gibt. Verbreitet ist es, die Baisse genauer als einen Zeitraum zu definieren, in dem der gleitende Dreijahresdurchschnitt des fraglichen Vermögenspreisindex unter einen vorgegebenen Schwellenwert fällt (the three-year moving average of the growth rate of the asset price index considered is lower than a given threshold). Dieses Kennzeichen lässt sich entsprechend auch auf eine Hausse anwenden.

– Siehe Abbassamento, Bear, Blase, spekulative, Börsenpreis, Börsenkrach, Crash, Finanzkrise, Finanzmarktschock, Erholung, kurzfristige, Fixer, Friedhof-Markt, Frühlingstriebe, Hausse nährt die Hausse, Konjunktur, Krise, Martin-Prinzip, Massiv-Verkäufe, Panikverkäufe, Rezession, Stückemangel, Zyklik.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2010, S, 80 f. (weitere Kriterien; Quellenliteratur).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Baisse, zyklische (cyclical slump):

Etwa 2000 aufgekommene Bezeichnung für die Tatsache, dass

1. sich bei Banken in Branchenkrisen uneinbringliche Forderungen (bad debts: funds which are determined to be uncollectible) häufen bzw. bei starkem Fallen der Aktienkurse oder der Immobilienpreise die Kreditsicherheiten an Wert verlieren,

2. worauf sofort die Banken mit starker Zurückhaltung bei der Kreditvergabe (credit restraint) reagieren, was

3. unter Umständen eine allgemeine Krise einleiten kann.

– Siehe Aktienblase, Akzelerator, finanzieller, Blase, spekulative, Boom-Bust-Zyklus, Euphoriephase, Hausse, zyklische, Immobilienblase, Kreditbeschränkungs-Karussell, Leerverkaufs-Verbot, Mortgage Equity Withdrawal, Nullzins, Overtrading, Rally, Sell Out, Spekulationsblase, Subprime-Krise, Vermögensblase, Wert, zyklischer, Zyklik.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2012, S. 22 ff. (Einflussfaktoren der Kreditvergabe an Privathaushalte seit 1999; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Baisse-Spreizung (bear put spread):

An Warenbörsen

1. der Kauf einer Put-Option mit hohem Basispreis bei

2. gleichzeitigem Verkauf einer Put-Option mit niedrigerem Basispreis. Der Marktteilnehmer erwartet hier sinkende Preise für das dem Kontrakt zugrundeliegende Produkt.

– Siehe Commodity Fund, Hausse-Spreizung, Option, Rohstoff-Terminvertrag, Spekulation, Terminspekulant, Time-Spread.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Baissier (bear, speculator on the fall):

Eine Baisse erwartenden Marktteilnehmer, der im Regelfall heute auf einen späteren Termin einen Vermögenswert verkauft.

– Siehe Anlagenotstand, Baisse, Bear, Friedhof-Markt, Kontermine, Markt, überkaufter.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bajoire auch Kuss-Münze und Kussmünze (double-headed coin, two headed coin):

Eine Münze mit zwei hintereinander stehenden Köpfen auf der Rückseite, in der Regel ein Herrscherpaar.

– Siehe Bischofsgeld, Engelmünze, Kaisermünze, Revers.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Balance [wie im Deutschen bzw. Französischen ausgesprochen] und oft [wie im Englischen] Wash (wash):

Das Ergebnis aus einem Engagement oder mehreren Geschäften hält sich die Waage (a single engagement or a series of transactions that end in a zero net sum gain. This, for example, may be the result of a loss on one investment and a gain on another, or it could be the result of buying and selling the share of a single company, or in similar dealings).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Balance of Payments Manual:

Für die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, die Zahlungsbilanzstatistik und die Statistik der Zentralbanken grundlegendes Regelwerk, vom Internationalen Währungsfonds eingeführt.

– Siehe Zahlungsbilanz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Balance Reporting (so auch im Deutschen gesagt; seltener Saldeninformationssystem):

Die laufende Beobachtung der Umsätze und Kontostände - unter Einbeziehung der jeweiligen Wertstellungen und Dispositionssalden - möglichst aller Konten. Dies wurde spätestens im Zuge des Cash-Managements bei Unternehmen und Banken durch verschieden gestaltete computergestützte Systeme eingeführt.

– Siehe Finanzplanung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Balanced Fund (so auch im Deutschen gesagt; seltener Mischfonds):

1 Sondervermögen einer Kapitalverwaltungsgesellschaft, das ausbalanciert, ausgewogen verschiedene Vermögensgegenstände im Portfolio enthält.

2 Im engeren Sinne ein Fonds, der erstklassige Aktien, also Standardwerte und festverzinsliche Wertpapiere (fixed interest bearing papers) von Emittenten bester Bonität in ungefähr gleichem Verhältnis einschliesst.

– Siehe Ausgewogen, Blind Pool, Blue Chips, Effektenfonds, Fonds, gemischter Spitzenwerte, Papiere, schwere.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Balassa-Index (Balassa index):

Mass für die Ermittlung des komparativen Kostenvorteils eines Landes (geographic comparative cost advantage) auf dem Weltmarkt. In Beziehung gesetzt wird hierbei

1. der Anteil einer bestimmten Produktart an den Ausfuhren eines Landes, etwa: Arzneimittel

2. zu den Exporten dieser Produktart in der Welt gesamthaft. Ist die so gewonnene Zahl über mehrere Jahre hinweg grösser als eins, so wie bei Arzneimitteln im Falle der Schweiz, dann zeigt sich darin eine Spezialisierung auf dieses Handelsgut.

– Siehe Aussenhandels-Abhängigkeit, Forschungsquote, Globalisierung, Unit-Value-Relation, Verkrustungen, strukturelle, Terms of Trade.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2008, S. 85 f. (Erklärung; Anwendung auf Eurogebiet; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Balassa-Samuelson-Effekt (Balassa-Samuelson effect):

Unterstellt wird hier, dass die Theorie der Kaufkraftparitäten nur für die international handelbaren Güter zutrifft.

1. Wenn die Produktivität im Sektor der handelbaren Waren (tradable products) in einem Land steigt, dann sinken keinesfalls auch von selbst die Preise für diese Produkte; denn diese sind im Regelfall immer durch die weltweiten Marktbedingungen bestimmt.

2. Vielmehr werden die Produktivitätszuwächse in Lohnsteigerungen in diesem Wirtschaftszweig eingehen.

3. Weil nun aber der Bereich der nicht-handelbaren Waren eine Abwanderung seiner Arbeitskräfte in den Sektor der handelbaren Produkte befürchten muss, so werden auch in jenen Sektoren Lohnzuwächse zugestanden werden müssen.

4. Das wird zu Preissteigerungen bei den nicht-handelbaren Waren führen.

5. Auf diesem Wege erhöht sich das Preisniveau der Volkswirtschaft gesamthaft.

– Siehe Arbeitsnachfrage, Branchen, standortgebundene, Cash-Flow-Effekt, Dienstleistungen, nicht-marktbestimmte, Geld, heisses, Fluchtgeld, Kapitalkosten-Effekt, Kaufkraft-Parität, Wechselkurskanal, Wirtschaft, zweigeteilte.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2002, S. 49 ff., Monatsbericht der EZB vom Mai 2005, S. 71 f., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2007, S. 48 f. (Unterschiede innert des Eurogebiets; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Balkanisierung, monetäre (monetary balkanising):

In einem geographischen Gebiet bestehen viele kleine, nebeneinander herlaufende Währungsräume. Der Begriff wurde häufig auch in Bezug auf die (west)europäischen Staaten vor der Einführung des EUR gebraucht.

– Siehe Asian Currency Unit, Globo, Währungsraum, optimaler.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ballast (ballast):

In älteren Dokumenten auch die Bezeichnung für böses Geld allgemein und im Besonderen für Münzen, deren Kern aus Eisen (Eisenschröttling; Schröttling = Metallrohling; metal blank) oder Blei (Bleischröttling) besteht und dünn mit Silber oder Gold überzogen wurde.

– Siehe Falschgeld, Katzengeld, Kipper, Subferraten, Subplumbaten, Wardein, Wipper.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Balloon (so auch im Deutschen gesagt, seltener Restzahlungsbetrag):

Die ausstehende Schuld aus einer Anleihe oder aus einem Darlehn, die am Ende der Laufzeit noch durch eine restliche Zahlung zu tilgen ist.

– Siehe Amortisation, Anleihe, Ballon-Kredit, Bullet Payment, Darlehn, endfälliges, Freijahre, Nullkupon-Anleihe, Term Loan, Tilgung, Tilgungsträger, Zinsen, antizipative.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ballon-Kredit (balloon loan):

Ein Darlehen, bei dem die letzte Rate der Rückzahlung besonders hoch ausfällt. Anders ausgedrückt: der Bankkunde zahlt für das Darlehn verhältnismässig niedrige regelmässige Abzahlungsbeträge (low amounts for regular amortisation). Am Ende der Laufzeit jedoch ist dann der - manchmal bis zur Hälfte des Darlehns zu zahlende - Restbetrag fällig.

– Siehe Amortisation, Balloon, Bullet Payment, Darlehn, endfälliges, Freijahre, Ratenkredit, Term Loan, Tilgungsträger.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Banana Skins Survey (so auch im Deutschen gesagt):

Eine zweijährlich veröffentlichte Studie des in London ansässigen Centre for the Study of Financial Innovation (CSFI) über die Einschätzungen und die Erwartungen der Finanzfachleute bei Banken und in der Industrie weltweit; sie beruht auf Befragungen von etwa 700 Experten (based on over 700 responses from 58 countries). Gefördert wird der Bericht von dem global agierenden Wirtschaftsprüfungs-Unternehmen Pricewaterhouse Coopers. Die Berichte legen ihren Finger in offene Wunden und werden in der Finanzwelt aufmerksam beachtet. Im Tenor rügen die Berichte auch immer wieder die von den Befragten empfundene Überregulierung auf den Finanzmärkten; dies sei das grösste Risiko überhaupt und das teuerste Geschäft: Scharen von Fachjuristen müssen eingestellt werden, um die aufsichtsrechtlichen Bestimmungen - gar weltweit - zu entschlüsseln. Eine "regulatorische Pause" (regulatory break) wird immer wieder gefordert.

– Siehe Anlegerschutz, Aufsicht, Aufsichtsvermeidung, Ausschuss-Wahn, Bafin-Umlage, Beaufsichtigung, vollständige, Fragmentierung, aufsichtliche, Führung, verbale, Geldverbrennung, Kompetenz-Konflikt, aufsichtsrechtlicher, Managed Bank, Moral Suasion, Peter-Regel, Regulierungsdruck, Regulierungswut, Straitjacking, Subsidiaritätsprinzip, Transparenzgrad.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bancor (bancor):

Nach ursprünglichen Plänen - und ab 1941 von dem angesehenen britischen Nationalökonomen Lord John M. Keynes besonders befürwortet - für das internationale Währungssystem vorgesehenes, an Gold gebundenes Reservemedium. Statt dessen wurden Sonderziehungsrechte eingeführt.

– Siehe Asian Currency Unit, Globo, Internationaler Währungsfonds, Sonderziehungsrechte, Terra, Weltwährung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bandbreite (currency band, spread):

Bei einem System fester Wechselkurse - wie das WKM II - sind die Zentralbanken verpflichtet, den Kurs der Währung zu sichern, sobald er eine obere oder untere, vertraglich festgelegte Grenze erreicht. Innert dieser Bandbreiten bildet sich der Wechselkurs nach den Knappheitsverhältnissen auf dem Markt (actual scarcity conditions). Je weiter die Bandbreite ist, desto mehr nähert sich das System den freien Wechselkursen.

– Siehe China-Währung, Wechselkurs.

– Vgl. historische und aktuelle Werte in dem vierteljährlich erscheinendem Heft "Devisenkursstatistik" der Deutschen Bundesbank; dort auch die jeweiligen Anmerkungen im Anhang beachten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bandbreite-Option (collar):

Bei einem Floater der gleichzeitige Kauf eines Cap und Verkaufs eines Floor.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bandspreizung (currency spread; back spread, reverse spread):

1 Bei festen Wechselkursen wie im WKM II der Bereich, der dem freien Marktverkehr überlassen bleibt, ehe in den Markt eingegriffen wird. Je weiter dieser Spreizungsbereich ist, desto mehr nähert sich das System den freien Wechselkursen.

2 Ein Anleger baut auf dem Terminmarkt mehr Kaufpositionen als Verkaufspositionen in Bezug auf einen bestimmten Vermögensgegenstand als Basiswert auf (spread composed of more long options than short options on the same underlying asset; this position usually profits from a large movement in either direction in the underlying asset).

– Siehe Bandbreite, Butterfly-Spread, Future, Glattstellung, Kalender-Spread, Long-Hedge, Option, Long-Position, Short-Position.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bank in alten Dokumenten manchmal auch Bankalität (bank, banking institution):

1 Jedes

1. Unternehmen, selbst in Gestalt einer Einpersonenfirma, das

2. auf Finanzmärkten

3. irgendwelche Dienstleistungen und

4. auf welchem Vertriebsweg auch immer anbietet: sehr weiter Begriff der Umgangssprache. Wegen des gesetzlichen Bezeichnungsschutzes in Deutschland vgl. § 39, Abs. 1 KWG.

2 Gebäude, in dem Bankgeschäfte abgewickelt werden (brick and mortar bank).

3 In der Statistik der EZB zuweilen Monetäre Finanzinstitute, die ausserhalb des Euro-Währungsgebiets ansässig sind; vgl. dazu die Erläuterungen im Teil "Statistik des Euro-Währungsgebiets" des jeweiligen Monatsberichts der EZB.

4 In der internationalen Statistik der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich entspricht der Begriff Bank in etwa dem Begriff Monetäres Finanzinstitut.

– Siehe Bank, gemischte, Bankenschelte, Bankdiscounter, Bankgelände, Bankensystem, Bankier, Container-Banking, Direktbank, Geldhaus, Geldtempel, Internetbank, Finanzdienstleistungsinstitut, Finanzinstitut, monetäres, Handelsbank, Institut, Internetbank, Kreditbanken, Kreditinstitut, Markteintrittskosten, Multikanalbank, Namensidentität, Oligokratie, Online Banking, Primahaus, Rollenmischung, bankliche, Schwindelbank, Spezialbank, Unbarinstitut, Underground Banking.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2005, S. 83 ff. (Bankensektor im Eurogebiet) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin (dort auch aufsichtsrechtliche Gruppierung der Banken), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2009, S. 37 ff. (Ertragslage seit 1999; Übersichten) und den jeweiligen September-Bericht zu aktuellen Daten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bank, gemischte (mixed channel bank; click and mortar bank):

Bank, die ihre Dienstleistungen sowohl

1. in betretbaren Räumen (brick [= Ziegelstein] and mortar [= Mörtel] bank)

2. als auch mit grundsätzlich dem gleichen Leistungsangebot im Internet (transactional website) anbietet.

– Siehe Internetbank, Moonlight Banking, Multikanalbank, Online Banking.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bank, internationale (international acting institute; edge corporation):

1 Ein Institut, das in mehreren Staaten bzw. Währungsräumen geschäftlich tätig ist.

2 In den USA

1. eine einheimische Bank, die unabhängig von bundesstaatlichen Auflagen auch weltweit tätig sein kann oder

2. ein ausländisches Institut, das über das ganze Gebiet der USA Geschäfte betreiben darf (a banking institution with a special license from the U.S. Federal Reserve to conduct international banking operations without complying with state-by-state banking laws; foreign banks operating in the United States could be permitted to act as an edge corporation).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bank, kirchliche (church bank):

Im Besitz einer Kirche befindliches Institut und in der Regel bezüglich der Geschäftsausrichtung auf die Gläubigen der Kirche begrenzt. - In Deutschland hat vor allem die 1917 in Köln ins Leben gerufene katholische Pax-Bank überregionale Bedeutung (supraregional importance) erlangt. Daneben ist auch die 1972 gegründete Evangelische Kreditgenossenschaft mit Hauptsitz in Kassel und die 1966 errichtete Bank im Bistum Essen über einen lokalen Bereich hinaus tätig. Dasselbe gilt auch für die 1964 am Markt tätige Steyler Bank, gegründet von den katholischen Steyler Missionaren mit Hauptsitz des Instituts in Sankt Augustin (bei Bonn).

– Siehe Abwanderungsquote, Alternativbank, Anlage, ethische, Beziehungsbankgeschäft, Clubbing, Geomarketing, bankliches, Kundenbindung, Networking.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bank, national systemische auch systemrelevante (domestic systemically important bank, D-SIB und D-Sifi):

Ein Institut, das im Bezug auf einen Staat wegen seiner Grösse und Verflechtung von entscheidender Bedeutung für die Volkswirtschaft angesehen werden muss. Im Oktober 2012 veröffentliche der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht ein aufsichtliches Rahmenwerk für solche Institute.

– Siehe Bank, systemische, Bankenaufsicht, europäische.

– Vgl. Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 42 f. (Regulierungsvorschlag erarbeitet; Aufzählung der Kriterien zur Identifizierung einer D-SIB), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 27 ff. (Definitionsfragen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bank, systemische, manchmal auch systemrelevante und nach der englischsprachigen Bezeichnung auch im Deutschen oft Sifi und SIB (systemic bank, system-relevant bank, systematically important financial institution, Sifi):

Im Zuge der Subprime-Krise allgemein bekannt gewordener Begriff für ein Institut, das

1. eine gewisse Grösse hat,

2. weltweit in die Finanzmärkte verwoben ist und

3. kaum zu ersetzen ist. Gerät eine solche Bank in Insolvenz, dann hat das weitreichende Auswirkungen auf das globale Finanzsystem gesamthaft. Dies zeigte sich Mitte September 2008, als die nordamerikanische Bank Lehman Brothers zusammenbrach, und die Subprime-Krise aus diesem Anlass in eine globale Finanzkrise umschlug.

– Bis anhin fehlt es noch immer an allgemein anerkannten Verfahren, wie das Systemrisiko für einzelne Institute genau gemessen werden könnte. Unbestritten jedoch ist, dass - weltweit verzweigte - Grossbanken zumindest in der Vergangenheit systemischen Risiken stärker ausgesetzt waren wie etwa die einlagefinanzierten Sparkassen oder Volksbanken. Die Aufsichtsbehörden fordern daher, dass diese Institute auch mehr Eigenkapital halten müssen bzw. sich weniger hoch verschulden dürfen. - Es muss grundsätzlich vermieden werden, dass Institute bewusst nach Grösse und Vernetzung trachten, im Bewusstsein des "too connected to fail" dann hohe Risiken eingehen und dabei für den Fall einer Schieflage auf das staatliche Bail-out setzen. Tatsache ist aber bis anhin, dass die Gläubiger einer systemischen Bank (Sifi) durchaus wissen, dass sie mittelbar eine Garantie durch den Staat geniessen. Dies wirkt gleichsam wie eine Subvention. Es setzt Fehlanreize und führt zu starken Verzerrungen im Finanzsektor. - Die systemische Bank ihrerseits vermag sich dank der unausgesprochen innewohnenden Staatsgarantie (because of the unspoken inherent state guarantee) auf dem Kapitalmarkt günstiger zu refinanzieren und hat damit gegenüber Wettbewerbern geringere Zinskosten. Das wiederum kann sich bereits bei einer einzigen Sifi in einem Milliardenbetrag jährlich niederschlagen.

– Siehe Abwickelbarkeit, Bail-out, Bank, national systemische, Bankbetriebsgrösse, optimale, Bankenaufsicht, europäische, Finanzinstitut, weltweit tätiges, Finanzmarkt-Interdependenz, Finanzstabilität, Grossbank, Grössenvertrauen, G-Sifi, Money-matters-Theorem, Moral Hazard, Pflichtwandelanleihe, Restrukturierungsverwaltung, Risikoabschirmungsgesetz, Rollenmischung, bankliche, Schuldenbombe, Sifi-Oligopol, Stabilitätsfonds, europäischer, Systemrelevanz, Too big to fail-Grundsatz, Versicherungsunternehmen, systemrelevantes.

– Vgl. Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 50 ff. (ausführlicher Bericht über internationale Bemühungen zur Identifikation und Regulierung von Sifis), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 98 (weiterhin Gefahren durch den Zusammenbruch global vernetzter Institute), Geschäftsbericht 2012 der Deutschen Bundesbank, S. 95 f. (Rahmenwerk zum Umgang mit Sifis), Jahresbericht 2012 der EZB, S. 133 (Rahmenregelung; Identifizierungsfragen; Relevanzstufen [buckets]), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 9 ff. (Grundsätzliches zum Umgang mit systemischen Banken), S. 45 f. (nachhaltigere Aufsicht), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 27 ff. (Definitionsfragen), S. 75 f. (principles for an effective risk appetite framework sollen das Eingehen zu hoher Risiken begrenzen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bank Deutscher Länder, BdL (Bank of German Laender):

Als Nachfolgerin der Reichsbank im März 1948 geschaffene unabhängige Zentralbank für die englische und amerikanische Zone - Bizone (bizonia) - im nachkriegsbesetzten Deutschland (occupied zones by the victorious powers after the end of World War II). Im März 1949 wurde auch die französische Besatzungszone einbezogen; man sprach dann von Trizone (trizonia). - Im August 1957 verschmolz sich die trizonale BdL mit den Landeszentralbanken zur Deutschen Bundesbank.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankaktie (bank share):

Wertpapier, das den Anteil an einem in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft (AG) oder Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) geführten Institut verbrieft.

– Vgl. Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 28 (Vergleich der Kurse von Bankaktien mit dem Dax 2009 und 2010).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankaktionärs-Interesse (bank shareholders [stockholders] peculiar interest):

Wenn der Wert einer Bankaktie niedrig ist, dann sind die Aktionäre - und mit ihnen der Aufsichtsrat als deren Vertreter - daran interessiert, dass die Bank das Risiko ihrer Geschäfte erhöht anstatt es zu vermindern. Geht nämlich der Wert des Eigenkapitals der Bank gegen Null, so können die Aktionäre von einer hohen Risikobereitschaft der Unternehmensleitung Nutzen ziehen, weil sie nun durch allfällige Kursgewinne profitieren und ansonsten keine Verluste mitzutragen haben. Daher bedarf es einer Erzwingung der Marktdisziplin einer Bank in Form der Aktiengesellschaft durch die Aufsichtsbehörden.

– Siehe Anlegerschutz, Aufsichtsrats-Mitglied, Risiko, unbegrenztes, Sachkunde.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2005, S. 59 f.; Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2005, S. 74 ff. (ausführliche Erläuterungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankakzept (banker's acceptance, BA):

Ein von einem Unternehmen ausgestellter Wechsel, der von einer Bank angenommen wurde und das Versprechen auf Zahlung einer bestimmten Summe zu einem festgelegten Zeitpunkt enthält. Der Kunde erhält somit von der Bank einen Kredit. - Bankakzepte können auch als Zahlungsmittel zur Begleichung von Verbindlichkeiten im Inland oder als Mittel zur Beschaffung von Geld - dann auch Finanzakzept genannt - verwendet werden (a time draft honoured by a bank, and classically used in international trade. After acceptance, the draft becomes an unconditional liability of the bank. The holder of the draft can sell it for cash at a discount to a buyer who is willing to wait until the maturity date for the funds in the deposit).

– Siehe Privatdiskontsatz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankangestellte (employees of credit institutions):

Die EZB veröffentlicht jährlich die Zahl der im Finanzsektor des Euroraums Beschäftigten und weist sie auf ihrer Homepage sowie im Statistics Pocket Book aus. Seit 1998 hat sich die Zahl der Bankangestellten im Eurogebiet gesamthaft nicht nennenswert verändert; sie liegt bei 21'000 Personen. In Deutschland hingegen ging die Zahl der Beschäftigten im Bankbereich zurück.

– Siehe Bankendichte, Bankmitarbeiter je Einwohner, Bankenschelte, Low Performer.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 23 (Anzahl der Beschäftigten gegliedert nach Banktypen), S. 36 (hier: Personalaufwand seit 1997) sowie den jeweiligen September-Bericht wegen aktueller Zahlen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankassekuranz (bancassurance):

Das Angebot von in der Regel eng miteinander verzahnten Bank- und Versicherungsleistungen durch ein einziges Unternehmen. Dabei erfolgt der Vertrieb der entsprechenden Finanzprodukte meistens durch eine Bank, die mit einem Versicherungsunternehmen kapitalmässig oder durch entsprechende Verträge verbunden ist.

– Siehe Allfinanz, Beteiligungsgesellschaft, Complex Group, Dresdner Bank, Financial Services Authority, Finanzkonglomerat, Finanzholding, Gibrat-Regel, Gigabank, Joint Forum on Financial Conglomerates, Mischkonzern, Mixed Technical Group, Subsidiaritätsprinzip.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2005, S. 40 f. (dort auch wichtige Unterscheidungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankauskunft (bank inquiry; bank reference):

1 Die verpflichtende Offenlegung von Kundendaten seitens eines Instituts gegenüber Dritten. Gesetzliche Bestimmungen zwingen Banken in bestimmten Fällen zur Mitteilungspflicht gegenüber Behörden wie Staatsanwaltschaft, Finanzamt (revenue office) und Insolvenzgericht (insolvency court) auch ohne Zustimmung und ohne Wissen des Kontoinhabers. Das bewirkt Anreize (sets incentives) seitens der Kunden, bei der Kontoeröffnung ihre persönlichen Daten zu verhehlen.

2 Die auf Wunsch eines Kunden von der Bank einer von dem Kontoinhaber bezeichneten Person oder Behörde abgegebene Empfehlung, auch Referenz genannt.

– Siehe Address-Spoofing, Bankgeheimnis, Finanzgeier, Geldwäsche, Identitätsprüfungspflicht, Internet-Angebote, Konto, anonymes, Konto, falsches, Kontenoffenlegung, Kontosperre, Kundendaten-Informationspflicht, Proxy, Schattenbankbereich, Nominee, Tafelgeschäft, Zahlungsverkehrsverordnung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankbasierung (based on banks):

In der Finanzsprache die Bezeichnung dafür, dass die Unternehmensfinanzierung (company financing) hauptsächlich über Darlehn der Banken geschieht, also nicht vornehmlich über die Begebung von Schuldtiteln. - Im Unterschied zu den USA erfolgt im Eurogebiet ein Grossteil der Finanzierung der Unternehmen über Bankkredite. Für die Zentralbank folgt aus dieser Tatsache, dass sie der Liquiditätsversorgung der Banken besondere Aufmerksamkeit widmen muss, damit die Institute zu günstigen Bedingungen Darlehn an Unternehmen vergeben können.

– Siehe Bankenfinanzierung, Finanzmarktstabilisierungsgesetz, Kreditklemme, Kreditmediator, Quantitative Easing, Verlust-Darlehn-Beziehung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2009, S. 18 ff. (Bedeutung der Bankkredite als Finanzierungsquelle; Übersichten; S. 25: ökonometrisches Schätzmodell der Darlehn), Monatsbericht der EZB vom November 2013, S. 49 ff. (Zugang vor allem der KMUs zu Darlehn; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankbeamter in alten Dokumenten auch Bankal-Beamter und Bank-Offiziant (bank officer, bank official):

Bis etwa 1950 in der deutschen Sprache gängige Bezeichnung für den im Kundenkontakt stehenden - und besonders am Bankschalter arbeitenden - Angestellten. Der Ausdruck gilt heute in der Finanzbranche als weithin verpönt.

– Siehe Bankenschelte, Banker, Behavioural Branding, Behördenmanagement, bankliches, Corporate Fashion, Kundennähe, McDonaldisation, One-Bank-Delivery, Praxis, Schalterhalle, Talentknappheit, Tante Milly, Vorschläge, offene.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankbetriebsgrösse, optimale (optimal size of bank enterprise):

Unbestritten ist heute, dass es keine allgemein gültige Formeln gibt, um die für den Erfolg des Geschäftes beste Betriebsgrösse einer Bank zu bestimmen. Man kann empirisch nachweisen, dass es in jeder Grössenklasse und bei annährend gleichen Geschäftsstrategien erfolgreiche und weniger erfolgreiche Institute gibt. Auch sehr kleine Institute - wie heute noch besonders in Basel, Genf, Lausanne und Zürich anzutreffen - können aussergewöhnlich erfolgreich sein und sowohl sehr wirtschaftlich (economical: Verhältnis Kosten zu Leistung) als auch rentabel (profitable: Verhältnis Gewinn zum eingesetzten Kapital) arbeiten.

– Siehe Allianzen, grenzüberschreitende, Bankdiscounter, Bankfusionen, Bankgrösse, Bankrott-weil-klein-These, Behauptungs-Strategie, Bestreitbarkeit, Dezentralisations-Prinzip, Gibrat-Regel, Gigabank, Grössen-Effekte, Konsolidierung, Korrespondenzbank-Beziehung, Megamanie, Megamergers, Multi-Boutique-Ansatz, Octopus, Penrose-Theorem, Sifi-Oligopol, Subsidiaritätsprinzip, Synergiepotentiale.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2005, S. 83 ff. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankbuch (turnover register, non-trading portfolio, bank pass book, bank-book):

1 In älteren Dokumenten ein Verzeichnis, das die Umsätze eines Unternehmens aufnimmt.

2 Nach IAS 39 der ausgewiesene Bestand an Darlehn und Wertpapiere einer Bank.

3 Andere Bezeichnung für ein Banksparbuch.

4 Nach § 18 UStG vom Kontoinhaber zu besorgende Aufzeichnungen über alle Geldumsätze, die über ein Bankkonto getätigt werden.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankdienstleistungen (banking services):

In der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung wird der Beitrag der Banken zur Wertschöpfung, seit 2005 nach einem für alle Länder der EU neu eingeführten Verfahren berechnet.

– Siehe Bankdienstleistungen, unterstellte.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juni 2005, S. 56 f. (Erläuterungen zur Statistik), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2011, S. 67 ff. (viele Informationen über die Verflechtung des Bankensektors mit der Realwirtschaft).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankdienstleistungen, unterstellte (financial intermediation services indirectly measured, FISM):

Im Jahr 2014 in die Zahlungsbilanzstatistik eingeführte Erfassungseinheit. In Grunde wird die von Finanzintermediären erbrachte Leistung in einem reichlich verwickelten Berechnungsverfahren (very complicated calculation method) möglichst genau herausgefiltert und verbucht.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2014, S. 63 f. (Darstellung des Verfahrens).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankdiscounter (bank discounter):

Aus der Absatzwirtschaft eingedrungene Bezeichnung für ein Institut, das nur ausgewählte Dienstleistungen anbietet (offers normally only a few simple and self-explanatory services), wodurch die Betriebskosten und vor allem die Personalkosten gering gehalten werden.

– Siehe Bank, Bankbetriebsgrösse, optimale, Spezialbank.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankenabgabe (bank levy):

In Deutschland nach der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise befürwortete Sondersteuer für Institute. Diese sollte fünfzehn Prozent vom Jahresgewinn eines Instituts betragen. Die so aufgebrachten Mittel sollten in einen Sonderfonds (security fund; Sicherungsfonds) fliessen, aus dem bei allfälligen Krisen im Finanzsektor Hilfen geleistet werden. Absicht war dabei, in Notlagen den Staatshaushalt bzw. letztlich die Steuerzahler von verlustausgleichenden Zahlungen (loss compensation payments) zu entlasten. - Unter den vielen Fragen, welche die Bankenabgabe aufwarf, stand auch die oftmals leider wenig beachtete Entscheidung, wie das von den Banken in den Sicherungsfonds einbezahlte Geld angelegt wird. Durch das Restrukturierungsgesetz und die Errichtung eines Restrukturierungsfonds wurden die gesetzlichen Grundlagen für die Bankenabgabe im Einzelnen geschaffen.

– Siehe Bad Bank-Modell, deutsches, Finanzmarktstabilisierungsanstalt, Pflichtwandelanleihe, Restrukturierungsfonds.

– Vgl. Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 129 (Berechnung der Höhe der Bankenabgabe je Institut), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2011, S. 78 (Berechnung gemäss dem Restrukturierungsgesetz).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankenaufsicht, europäische, EBA sowie auch einheitlicher (europäischer) Aufsichtsmechanismus (Single Supervisory Mechanism, SSM):

Nach jahrelangem Tauziehen unter dem Eindruck der Nachwehen der Subprime-Krise eingerichtete Aufsichtsbehörde für den gesamthaften Euroraum sowie für Mitglieder der EU, die sich daran beteiligen wollen. - Ab Mitte 2014 beaufsichtigt die EZB die wichtigsten Banken im Euroraum und den weiteren teilnehmenden EU-Mitgliedstaaten. Es sind dies zunächst 128 Institute, die zusammen aber etwa 85 Prozent der zusammengefassten Bilanzsumme aller Banken ausmachen. Die EZB-Aufseher müssen dabei Risikopapiere im Wert von um die 3,7 Billionen EUR prüfen; pro Bank werden sie im Durschnitt 1'245 Kreditakten zu untersuchen und zu bewerten haben. Die etwa 4'000 weniger bedeutenden Banken bleiben in aller Regel unter der unmittelbaren Aufsicht der nationalen Behörden. Die EZB stellt jedoch auch hier die fachgerechte Anwendung des einheitlichen Aufsichtsmechanismus sicher. Dies geschieht durch verbindliche Festlegung eines Aufsichtshandbuchs (Supervisory Manual). In diesem wird genau bestimmt, wie die nationalen Aufsichtsbehörden ihre Aufgaben zu erledigen haben. - Die Trennung von Geldpolitik und Finanzaufsicht wird durch einen neuen Ausschuss in der EZB sowie durch ein Verfahren zur Schlichtung allfälliger Interessenkonflikte mit dem EZB-Rat sichergestellt. Damit ist de EZB für nahezu den gesamthaften Bereich der mikroprudentiellen Aufsicht zuständig. Unter anderem wird die EZB die Erfüllung der Eigenkapitalanforderungen und der Angemessenheit des Kapitals im Verhältnis zum Risikoprofil eines Kreditinstituts überwachen. Zudem wird die EZB die Einhaltung von Bestimmungen zum Verschuldungsgrad und zur Liquiditätsdeckungsziffer kontrollieren, Kapitalpuffer festlegen und in Abstimmung mit den Abwicklungsbehörden frühzeitig eingreifen, wenn eine Bank die aufsichtsrechtliche Eigenkapitalquote nicht erfüllt oder Gefahr läuft, diese nicht zu erreichen. Auch an der Erteilung der Erlaubnis zum Betreiben von Bankgeschäften und der Prüfung qualifizierter Beteiligungen wird die EZB künftig in entscheidender Weise beteiligt sein. - Die EZB nimmt darüber hinaus bei grenzüberschreitenden Zweigstellen oder Dienstleistungen zwischen teilnehmenden und nichtteilnehmenden Mitgliedstaaten die Aufgaben der zuständigen Behörde des Herkunftsmitgliedstaates beziehungsweise des Gastmitgliedstaates wahr. - In der Zuständigkeit der nationalen Behörden und der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde verbleiben insbesondere Massnahmen gegen Geldwäsche und Terrorismus-Finanzierung und im Bereich des Verbraucherschutzes. - Innert des SSM sind die Zuständigkeiten zwischen EZB und nationalen Aufsichtsbehörden danach verteilt, ob das Institut als "bedeutend" oder "weniger bedeutend" angesehen wird. Die direkte Aufsicht der EZB beschränkt sich grundsätzlich auf die bedeutenden Institute. Die nationalen Aufsichtsbehörden unterstützen die EZB bei der Wahrnehmung dieser Aufgabe, etwa mit der Vorbereitung von Beschlüssen und der Bereitstellung aller erforderlichen Unterlagen. Eine Rahmenverordnung regelt die praktische Zusammenarbeit und die Arbeitsabläufe innert des SSM. - Bei weniger bedeutenden Instituten werden grundsätzlich allein die nationalen Aufsichtsbehörden tätig. Aufsichtliche Entscheidungen gegenüber Instituten werden ausschliesslich von ihnen erlassen. Sie unterrichten die EZB jedoch regelmässig über die Wahrnehmung ihrer Aufsichtsaufgaben auch gegenüber weniger bedeutenden Instituten. - Endlich kann die EZB auch Verordnungen, Leitlinien und allgemeine Anweisungen an nationale Aufsichtsbehörden richten, nach denen diese ihre Zuständigkeit für weniger bedeutende Kreditinstitute wahrnehmen und Aufsichtsbeschlüsse fassen. Die EZB kann dabei mit Anforderungen an Kapitalpuffer über Vorgaben nationaler Aufsichtsbehörden hinausgehen. Sie darf auch neue Banken zulassen und Institute schliessen, und zwar gilt dies für alle Banken, also nicht bloss für jene, die ihrer unmittelbaren Aufsicht unterstellt sind. Die Arbeitssprache im SSM ist Englisch. Die Banken haben - zumindest vorerst - das Recht, im Schriftverkehr mit dem SSM auch ihre nationale Sprache zu wählen. – Die Kritik der Fachwelt an der Neugestaltung der Aufsicht in Europa richtete sich im Wesentlichen auf zwei Punkte, nämlich

1. die fehlende parlamentarische Kontrolle der Behörde,

2. die Verquickung der Aufsicht mit der Zentralbank und den dadurch entstehenden allfälligen Interessenkonflikten (situations which have the potential to undermine the imparity of acting as a supervisor because of the possibility of opposing interests with regard to ECB-monetary policy) sowie

3. die Regelung in Bezug von Staatsanleihen, die von einem Stresstest ausgenommen werden sollen. Vor allem in den Büchern südeuropäischer Länder stehen gewaltige Mengen von Staatsanleihen des eigenen Landes, deren Wert zweifelhaft ist. - On the other hand it should be recognised that by creating a uniform system of regulation und supervision in the whole EMU there will be stopped national supervisors from sheltering their national champions and rip up barriers to flows of capital between the member states. This new quality, however, has its price.

– Siehe Allfinanzaufsicht, Aktiva-Qualität, Asset Quality Review, Aufsichtsmechanismus, einheitlicher, Bankenaufsicht, europäische, Gebühren, Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, Aufsichtskollegium, Bankenunion, Banking Supervisory Committee, Cassis-de-Dijon-Urteil, Committee of European Banking Supervisors, Comprehensive Assessment, Demokratie-Defizit, Europa-AG, EZB-Sündenfall, Forum für Finanzmarktstabilität, Kompetenz-Konflikt, aufsichtsrechtlicher, Konzentrationsquote, Lead Supervisor, Leverage Ratio, Mediation, Nuklear-Option. Regelwerk, einheitliches, Vor-Ort-Prüfung.

– Vgl. Geschäftsbericht 2010 der Deutschen Bundesbank, S. 114 f. (Fortschritte auf dem Weg zu Supervisory Colleges), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2011, S. 83 ff. (internationale Entwicklung; viele Übersichten), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 153 (Aufsichtskollegien im Vorfeld der europäischen Bankenaufsicht), Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 10 (nationale Aufsichtsbehörden und europäische Aufsicht), Geschäftsbericht 2013 der Deutschen Bundesbank, S. 26 ff. (erklärende Darstellung; Übersichten; Rechtsquellen), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 82 ff. (Vorstellung des SSM).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankenaufsicht, europäische, Gebühren (Single Supervisory Mechanism. service fees, SSM supervisory fees):

Für die Aufwendungen in Zusammenhang mit der europäischen Bankenaufsicht - im Wesentlichen Personal- und Sachkosten (personnel and material costs: the personnel costs are calculated with 60 percent of the total amount; costs for travelling, advisory services, and IT with 30 percent and costs for the business premises with 10 percent) - wird bei den beaufsichtigten Instituten eine Gebühr (supervisory fee) erhoben. Für das Jahr 2015 veranschlagte die EZB den gesamthaften Bedarf an Aufsichtsgebühren in Zusammenhang mit dem SSM auf 260 Mio EUR. Über die Umlegung dieses Betrages auf die einzelnen Banken hat die EZB eine eigene Verordnung erlassen. Diese wurde zunächst als Entwurf veröffentlicht und dann in einer öffentlichen Anhörung (public consultation) mit den Beteiligten erörtert, was allenthalben beifällig aufgenommen wurde. - Weil der SSM auch Ländern ausserhalb des Eurogebiets offensteht, so werden die Aufwendungen dann steigen, wenn sich weitere Länder dem Aufsichtsmechanismus anschliessen. - Die vom SSM beaufsichtigen Banken haben den Vorteil, dass sie weltweit ein verhältnismässig hohes Vertrauen geniessen (enjoy globally a high level of trust). Dadurch sinken ihre Refinanzierungskosten (refinancing costs), und die Institute erhalten auch mehr Einlagen von Kunden. Eine Erhöhung der Gebühren für die Kundschaft zum Ausgleich der zusätzlichen Aufsichtsgebühren ist also nicht unbedingt zu erwarten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankendichte (bank density):

Anzahl der Bankstellen, bezogen auf je tausend Einwohner. Entsprechende Daten und Vergleichswerte auch in Statistiken (etwa Deutschland 2006: 0,58) sind mit Vorsicht zu betrachten, weil vollautomatische Geschäftsstellen teils eingerechnet, teils nicht mitberücksichtigt werden.

– Siehe Bankangestellte, Geld(ausga¬be)automat, Gutgeführt, Versicherungsdichte.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2005, S. 83 ff., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2006, S. 18 ff. (Zahlen für Deutschland; Fortschreibung im jeweiligen September-Bericht der Deutschen Bundesbank), Jahresbericht 2007 der EZB, S. 158 (Tendenz zur Abnahme der Zahl der Banken) sowie die jeweils neuesten Zahlen auch auf der Homepage der Deutschen Bundesbank.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankentflechtung, deutsche (German bank deconcentration):

Die drei westlichen Besatzungsmächte in Deutschland, nämlich England, Frankreich und USA, verfügten 1947 die Aufteilung der drei Filialgrossbanken Deutsche Bank, Dresdner Bank - diese ging 2008 in die Commerzbank auf - und Commerzbank in dreissig einzelne Nachfolge-Institute. Als die Hoheitsrechte der Westalliierten - das bis dahin geltende Besatzungsstatuts (occupation statute) wurde aufgehoben - mit Inkrafttreten des Deutschlandvertrages und den Pariser Verträge 1955 wegfielen, machte man diese, betriebswirtschaftlich stark verlustbringende Entflechtung (loss-making unbundling) bis 1957 wieder rückgängig.

– Siehe Bankbetriebsgrösse, optimale, Entflechtung, Gigabank, Grossbankengesetz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankenfinanzierung (financing by banks):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter den Anteil, den Banken an der Versorgung der Unternehmen mit Geld einnehmen. Im Eurogebiet laufen etwa fünfsiebzig Prozent aller Finanzierungen über Banken.

– Siehe Bankbasierung, Finanzierung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2009, S. 18 (zwei Fünftel der Verschuldung deutscher Unternehmen beruhen auf Bankkrediten), Monatsbericht der EZB vom Februar 2012, S. 97 ff. (Verschuldung der Unternehmen im Eurogebiet; ausführliche Darstellung; viele Übersichten; Vergleiche zu den USA).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankenfusionsjahr, deutsches (German bank mergers year):

Im Wirtschaftsjournalismus gesagt vom Jahr 2008. In diesem Jahr ging

1. die auf 1872 zurückgehende Dresdner Bank samt ihren ungefähr 900 Filialen in die Commerzbank auf und

2. die Mehrheit an der Postbank fiel an die Deutsche Bank. Beide Ereignisse waren im Voraus vielfach erörtert und allgemein als "Flurbereinigung" (consolidation of German banking industry) begrüsst worden.

– Die Übernahme der zum Allianz-Versicherungskonzern gehörenden Dresdner Bank bezahlte gutteilig der Steuerzahler, weil die Commerzbank im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise staatliche Hilfe in Höhe von 18 Mia Euro zum Überleben ins Anspruch nehmen musste. - Im Oktober 2009 übernahm die Deutsche Bank auch die vom damals 17jährigen Salomon Oppenheim junior 1789 gegründete Privatbank Sal. Oppenheim.

– Siehe Bank, systemische, Gigabank, Grossbank, Grössenvertrauen, G-Sifi, Krise, systemische, Lamfalussy-Vorschlag, Stabilisatoren, automatische, Subsidiaritätsprinzip, Too big to fail-Grundsatz.

– Vgl. Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 150 (BaFin begleitete die Übernahmen wegen der Integrationsrisiken).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankenführerschein (bank management licence):

In der Finanzwelt verbreitete Bezeichnung für die nach §§ 32, 33 KWG erforderliche Erlaubnis, als Geschäftsleiter einer Bank tätig sein zu dürfen. Erforderlich ist

1. hinreichende individuelle Zuverlässigkeit; näherhin muss die Person nach ihrer gesamten Wesensart die Gewähr bieten, die Tätigkeiten ordnungsgemäss betreiben zu wollen sowie

2. Sachkunde; das bedeutet fachliche Kenntnisse in Bankgeschäften sowie Leitungs-Erfahrung.

– Die Erlaubnisbedürftigkeit (mandatory permission requirement) in Form des Bankenführerscheins stellt zwar eine Einschränkung der in Art. 12 GG verankerten Berufs- und Arbeitsfreiheit dar. Diese Grundrechtseinschränkung (restriction on fundamental rights) wird aber verfassungsrechtlich als zulässig angesehen, weil sie eindeutig dem besonderen Schutz Gemeinwohls dient.

– Siehe Abberufungs-Verfügung, Anweisung, Aufsichtsrats-Mitglied, Banklizenz, Beanstandungen, aufsichtliche, Beschwerdestelle, Bönhase, Erlaubnis, Untersagung, Sachkunde, Verwarnung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankengeldmarkt auch Nostrogeldmarkt (interbank market):

Handel in Zentralbankgeld innert der Geschäftsbanken. In Deutschland bestehen rund ein Drittel der Ausleihungen der Banken aus Krediten an andere Institute. - Kreditrisiken aus Interbankbeziehungen sind ein Kanal, der sehr rasch zu Übertragungs-Effekten zwischen Instituten führen kann, sogar weltweit.

– Siehe Bank, systemische, EURIBOR, Geldmarkt-Operationen, Geldmarkt-Segmente, Interbanken-Geldmarkt, LIBOR, Subprime-Krise.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankenkommission, Eidgenössische, EBK (Federal Banking Commission):

In der Schweiz unabhängige Aufsichtsbehörde über Banken und Anlagefonds.

– Vgl. zur Zusammenarbeit mit dem deutschen BaFin Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 115 f. (Schweizer Banken wurden von der Aufsicht in Deutschland freigestellt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankenkrankenhaus (bank hospital):

Im Jahr 2010 veröffentlichter Vorschlag aus dem Finanzstabilitätsrat gelegentlich der im Gefolge der Subprime-Krise eingetretenen Finanzkrise mit dem Zusammenbruch auch grosser und weltweit tätiger Institute.

1. Gerät danach eine Bank in Zahlungsschwierigkeit, so wird das betreffende Institut durch die Aufsichtsbehörde zwangsweise in ein Bankenhospital gebracht.

2. Mit dieser Einweisung werden alle Zahlungsverpflichtungen mit systemischer Bedeutung durch eine Staatsgarantie gedeckt.

3. Diese Garantie wird deutlich und früh öffentlich bekanntgegeben, um Ansteckungswirkungen auszuschliessen. Der Staat übernimmt somit die Haftung für alle systemischen Verpflichtungen.

4. Damit gibt es für die zugeordneten Gegenparteien auch keine Veranlassung, bestehende Forderungen sogleich fällig zu stellen.

5. Auf diese Weise wiederum mindert sich die Gefahr, dass sich die Krise eines einzelnen Instituts auf weitere Banken überträgt.

– Der Vorschlag will ausdrücklich die Haftungsübernahme (assumption of liablity) durch den Staat auf systemische Verpflichtungen beschränken. Für nicht-systemische Verpflichtungen haftet unverändert der Anleger oder der Kontrahent. - Die Abgrenzung zwischen systemischen und nicht-systemischen Verpflichtungen, die Festlegung der Merkmale, die eine Zwangseinweisung in das Bankenhospital auslösen und weitere Einzelheiten wurden in der bezüglichen Literatur teilweise widersprüchlich erörtert.

– Siehe Abwickelbarkeit, Bad Bank, Bail-out, Bank, systemische, Bankenaufsicht, europäische, Banking, begrenztes, Banktestament, Grössenvertrauen, G-Sifi, Notfallfonds für Krisenbanken, Restrukturierungsfonds, Sifi-Oligopol, Too big to fail-Grundsatz, Verlustübernahme, persönliche, Vermögensabgabe, Zwangsenteignung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankenkrise (banking crisis):

1 Die Insolvenz einer einzelnen Bank.

2 Schwere Störungen bis hin zum völligen Zusammenbruch des Finanzsystems in einem Währungsgebiet, eine Finanzkrise. Betroffen hiervon sind - wie empirisch nachweisbar ist - vor allem Staaten mit hoher Auslandsverschuldung in Fremdwährung (xeno currency). Der Ausfall bewirkt immer einen mehrjährigen Rückgang von Produktion, Einkommen und Wohlstand; damit verbunden sind Steuerausfälle und in der Folge eine höhere Staatsverschuldung. Auch verlieren die Einleger bei den Banken sowie die Aktionäre zumindest teilweise ihr Geld. - Wie die Erfahrung gezeigt hat, springt die Bankenkrise in einem Land leicht auf andere Volkswirtschaften über, die durch engen Handelsaustausch mit dem Krisenland verbunden sind. Zu den Spätfolgen zählt, dass Gläubiger für lange Zeit bei Ausleihungen an ein solches Land höhere Zinsen verlangen. Zwischen 1994 und 2003 zählte man international dreissig solcher Krisen, die meisten in Entwicklungs- und Schwellenländern. Jede dieser Krisen führte nach Berechnungen des Internationaler Währungsfonds zu einem Rückgang des Sozialprodukts von durchschnittlich 20% (!!).

– Siehe Abwickelbarkeit, Bankbasierung, Bankenschelte, Bankzusammenbruch, Carry Trades, Crash, Dreijahrestender, Einlegerhaftung, Euro-Krise, Finanzkrise, Finanznot, Finanzmarktstabilisierungsgesetz, Furchtthese, Geldmarkt-Operationen, Gläubigervorrang, Hypo Real Estate-Rettung, Kreditvergabe-Grundregel, Londoner Verfahren, Memorandum of Understanding, Northern Rock-Debakel, Notfall-Liquiditätshilfe, Quantitative Easing, Rollenmischung, bankliche, Rückschlag-Effekt, Rush to the exit, Staatschulden, verweigerte, Stimmungs-Umschwung, Stop Loss Rules, Subprime-Krise, Vertrauensverlust.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juli 2004, S. 63 ff. (mit Auflistung der Krisen in Europa seit 1974), Monatsbericht der EZB vom Februar 2007, S. 81 ff. (Darstellung der vorsorglichen Massnahmen zur Abwehr einer Finanzkrise in der EU), Monatsbericht der EZB vom August 2008, S. 105 ff. (Auswirkungen auf den geldpolitischen Transmissionsprozess; Literaturhinweise, Übersichten), Jahresbericht 2008 der EZB, S. 113 ff. (Darstellung der Massnahmen im Zuge der Liquiditätsbereitstellung während der Finanzkrise 2008), Finanzstabilitätsbericht 2011, S. 41 f. (Auslandsaktiva gegenüber ausgewählten Schwellenländern und die damit verbundenen Risiken), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 18 ff. (infolge des Risikoverbunds zwischen Banken und Staat weitet sich eine Bankenkrise zu einer Staatsschuldenkrise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2014, S. 72 ff. (Auslandsverschuldung der Peripherieländer im Euroraum beunruhigend hoch; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom März 2014, S. 11 ff. (Auswirkungen der Finanzkrise auf Schwellenländer; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankenliquidität (liquidity of the bank system):

Flüssige Mittel, welche die Banken zur Aufrechterhaltung ihrer Zahlungsbereitschaft benötigen. - Aus Sicht der einzelnen Bank zählen dazu grundsätzlich alle Aktiva, die jederzeit in Zahlungsmittel umgetauscht (liquidisiert: which could be easily and without any problem be converted in cash) werden können, wie börsengängige (marketable) Wertpapiere oder Guthaben bei anderen Kreditinstituten. - Das Bankensystem als Ganzes kann aber nicht mit Forderungen der Banken untereinander bezahlen, sondern nur mit Zentralbankgeld. Zur gesamtwirtschaftlichen Liquiditätsausstattung der Banken gehören daher lediglich

1. ihre aktuellen Bestände an Zentralbankguthaben und Kassenmitteln: Bargeld

2. zuzüglich ihrer möglichen Guthaben, die sich bei der EZB über deren Fazilitäten beschaffen können.

– Siehe Basel-III, Benchmark-Zuteilung, Kapitalpuffer, antizyklischer, Kernkapitalquote, Liquiditätsmanagement, Solvenzaufsicht, Unternehmensfinanzierung.

– Vgl. zur Liquiditätslage der Banken den Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets" im jeweiligen Monatsbericht der EZB, Rubrik "Monetäre Entwicklungen, Banken und Investmentfonds".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankenmacht (power of the banks):

Die den Banken zugeschriebene Fähigkeit

1. auf das Verhalten der Wirtschaft und Gesellschaft entscheidend einzuwirken (Macht über; power over) und

2. dieses Ziel erreichen zu können, ohne sich äusseren Widerständen unterwerfen zu müssen (Macht zu; power to).

– Bestimmt vermag eine Bank als Kreditgeber Einfluss auf die von ihren Darlehn abhängige Firma auszuüben. Dies geschieht jedoch in aller Regel zum Vorteil des Einlegers der Bank, indem so die wirtschaftliche Verwendung der Einlagen der Kunden überwacht wird. Dass Banken auch eine besondere Macht über die Gesellschaft besitzen, es also eine das politische Leben bestimmende Bankokratie gäbe, ist hingegegen nicht zutreffend und gehört zu den Vorstellungen der Verschwörungstheorie. Fast drei Viertel der Darlehn vergeben in Deutschland voneinander weitgehend unabhängige Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die weder im Einzelnen noch im Verbund das Ziel haben, die Gesellschaft zu beherrschen.

– Siehe Bankenschelte, Elephant, weisser, Finanzkapital, Finanzsodomit, Geldleute, Geldpsychologie, Hochfinanz, Misochrematie, Oligokratie, Regionalgeld, Shitstorm, Vetorecht.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankenmarkt (bank market):

Wenn nicht anderes definiert in der Finanzsprache sowohl der Kassamarkt als auch der Terminmarkt für Devisen, auf dem unter sich bekannte Institute die Geschäfte tätigen (the spot and forward markets for currencies where known counterparties conduct transactions).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankenmitarbeiter je Einwohner (bank employees in relation to inhabitants):

Von der EZB in unregelmässigen Abständen veröffentlichte Kennzahl, deren Aussagegehalt freilich für jeweilige Zwecke genau geprüft werden muss. Auf einen Bankenmitarbeiter entfielen im Eurogebiet im Jahr 2008 durchschnittlich 145 Einwohner; im Jahr 2012 zählte man 158 Einwohner je Bankbediensteten.

– Siehe Bankangestellter, Bankendichte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankenregulierungs-Paradoxon (paradox of bank regulation [paradox = here: contrary to expectations or/and existing belief]):

Zwingen strenge Eigenkapitalregelungen und aufsichtliche Anweisungen die Banken dazu, auf risikoreiche Geschäfte zu verzichten, so werden Schattenbanken auf jenen Feldern die Finanzierung übernehmen. Wenn nun aber in Zuge dessen sich diese Investoren bei den regulierten Banken verschulden, dann kehren die Risiken unumgänglich in das Bankensystem zurück. Aus dieser Tatsache leitet sich die Forderung ab, auch grosse Finanzinvestoren, Pensionsfonds, Vermögensverwaltungsgesellschaften, Geldmarktfonds, Opportunity-Fonds, Blind Pools, Conduits, Hedgefonds und ähnliche Gebilde im Schattenbankbereich einer Aufsicht zu unterstellen.

– Siehe Gleiches Geschäft - Gleiche Regel-Grundsatz, Regulierungs-Arbitrage, Rückschlag-Effekt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankenrettung (bank rescue):

In Zusammenhang mit der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise verbreiteter Begriff in der Bedeutung, dass die Zentralbank bzw. der Staat strudelnden Banken Hilfe leistet, um diese vor der Insolvenz zu retten und damit Schaden von den Kunden abzuwenden. Gesamthaft wurden in der EU die Banken durch Massnahmen gerettet, die am Ende auf rund dreizehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts der Europäischen Union anwuchsen. - In der Öffentlichkeit wurde die Bankenrettung weithin misstrauisch beurteilt, und selbst im Kreis der Institute bemängelte man, dass leichtfertig handelnde Banken (instituts acting carelessly and haphazardly) dadurch für ihre schlechten Entscheidungen nicht einstehen mussten. Allgemein besteht bei dieser Massnahme die Gefahr, dass falsche Signale gesetzt werden, nämlich dass die Bankmanager im Vertrauen auf eine Rettungsaktion (Bailout) unverantwortlich hohe Risiken eingehen. Auch verhindert die Bankenrettung einen gesunden internationalen Wettbewerb zwischen den Instituten. Angeschlagene oder schlecht geführte Banken, die starke Staaten im Rücken haben, könnten gesunde, bestgeführte Konkurrenten aus dem Markt verdrängen. - In einer Marktwirtschaft ist es nie möglich, die Insolvenz einer Bank auszuschliessen, zumal der Fall eines solchen geordneten Scheiterns eine wichtige Disziplinierungs- und Lenkungsfunktion (disciplinning and steering role) hat.

– Siehe Abwickelbarkeit, Abwicklungsmechanismus, einheitlicher, Anlage-Haftung, Bailout, Bank, systemische, Bankenrettungsgesetz, Banktestament, Bankenunion, Bazooka, Einlegerhaftung, G-Sifi, Gläubigervorrang, Moral Hazard, Notfallfonds für Krisenbanken, Retterei, Schattenstaat, Stabilitätsfonds, europäischer, Too big to fail-Grundsatz, Zombiebank, Zwangswandelanleihe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankenrettung, umgekehrte (strengthening the strong policy):

Von der Wissenschaft vorgeschlagene Vorgehensweise bei Verwerfungen im Finanzsystem. Danach sollten strauchelnde Banken nicht unmittelbar durch den Staat - also letztlich ja durch den Steuerzahler - unterstützt werden. Vielmehr erhalten nach diesem Plan gesunde, starke Banken zweckgebundenes Kapital vom Staat geliehen. Damit sollten sie in die Lage versetzt werde, zahlungsunfähige Institute ganz oder teilweise zu übernehmen. Gestärkt würden auf diese Weise solche Banken, die weniger Risiken eingehen.

– Siehe Abwickelbarkeit, Bankenrettung, Sifi-Oligopol, Stabilitätsfonds, europäischer, Zombiebank, Zwangswandelanleihe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankenrettungsgesetz, amtlicher Name: Finanzmarktstabilisierungsergänzungsgesetz, FMStErgG (German bank rescue law):

In Deutschland im Zuge der auf die Subprime-Krise 2007 folgenden Finanzkrise im Frühjahr 2009 in Kraft getretenes Bundesgesetz mit einer Reihe einschneidender Rechtsvorschriften, das in bestimmten Fällen selbst eine (befristete) Enteignung einer systemrelevanten Bank erlaubte. Anstoss für dieses Gesetz war die Rettung der strudelnden deutschen Hypo Real Estate Holding AG mit Hauptsitz in München; manche sprachen daher auch von einer "Lex HRE". - Gegner dieser Massnahme warfen ein, es dürfe nicht Sache des Staates sein, Fehlinvestitionen oder schlechte Unternehmensführung zu berichtigen bzw. einen notwendigen Strukturwandel zu verhindern. Demgegenüber überwog die Meinung, dass es - im Gegensatz zu einem Industrieunternehmen - wohl Sache des Staates sei, die Einleger und Kunden dieses Hypothekenfinanzierers bzw. anderer Banken vor grossem Schaden zu bewahren. - Im Sommer 2009 beschloss die EU auf starken politischen Druck hin, die zur Bankenrettung gelegentlich der Finanzkrise gegründeten Zweckgesellschaften aus der Staatsverschuldung herauszurechnen, was wohl zurecht als eine "verhängnisvolle Fehlentscheidung" (disastrous fault) mit "alarmierender Signalwirkung" beanstandet wurde.

– Siehe Abwickelbarkeit, Abwicklungsmechanismus, einheitlicher, Amortisation, negative, Anlegerschutz, Bail-out, Bad Bank-Modell, deutsches, Bank, systemische, Bankbasierung, Bankenrettung, umgekehrte, Banken-Triage, Bankregel, goldene, Bankzusammenbrüche, Bazooka, Bradford-Verstaatlichung, Exit-Strategie, Finanzmarktstabilisierungsanstalt, Fortis-Rettung, Hypo Real Estate-Rettung, Immobilienblase, Krisenpeitsche, Letztsicherungsvorkehrung, Mortgage Equity Withdrawal, Ninja-Loans, Northern Rock-Debakel, Payment-in-Kind-Kredit, Realkredit, Rettungspaket, Retterei, Sifi-Oligopol, Staatshaftung, Stabilitätsfonds, europäischer, Tilgungsfonds, Unternehmen, staatliche geförderte, Verlustübernahme, persönliche, Vermögensabgabe, Vertragstreue, Vertrauen, Zetts, drei, Zombiebank, Zwangsenteignung, Zwangswandelanleihe.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom März 2009, S. 37 ff. (Auswirkungen der Bankenrettungsmassnahmen auf die Risikoeinschätzung der Anleger; Übersichten), S. 84 ff. (Grundsätzliches zu den Krisenprogrammen), Monatsbericht der EZB vom April 2009, S. 22 ff. (Massnahmen im Zuge der Bankenrettung im Eurogebiet; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankenrichtlinie (EU banking directive):

Der Vereinheitlichung von Zulassung und Geschäftstätigkeit von Banken in der EU dienende Richtlinie der EU-Kommission, die in Deutschland durch Novellierung des KWG umgesetzt ist.

– Siehe Bankenführerschein, Capital Requirements Directive Transposition Group, Erlaubnis, Europa-AG.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 95 f., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 73 f. (Erleichterungen für Finanzholding-Gruppen), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 44 (überarbeitete Bankenrichtlinie im Zuge von Basel-II), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 49 f. (Angleichung der Richtlinie in Bezug auf Hybridkapital), Jahresbericht 2011 der Deutschen Bundesbank, S. 98 (Stand der Umsetzung) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankenschelte und Trapezakritomanie (bank scolding, bank chiding):

Vor allem nach der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise entstandene Ansicht, die Banken trügen an allem Ungemach die alleinige Schuld. Von den Medien mit Bedacht aufgebauschte, weil quotenträchtige Bericht (exaggerated reports played up by the mass media, such promising high ratings figures) über einzelne Verfehlungen erweckten den Eindruck, als seien in der Finanzbranche gesamthaft mafiöse Verhältnisse (mafia-like structures) vorherrschend. Auch vorgebliche Experten in Talk-Shows, gescheiterte Dichterlinge, von Jugendlichen vergötterte Schnulzensänger und herumhampelnde Rockgröler sowie viele andere Meinungsführer (popular opinion leaders) fanden sich bemüssigt, die Banken anzuklagen. Berufs-Demonstrierer veranstalteten "Protest-Märsche" gegen die Banken; vor dem Gebäude der EZB in Frankfurt wurde eine Zeltlager (tent camp) aufgeschlagen. Dort kampierende zumeist jugendliche Protestierer konnten freilich auf näheres Befragen nicht erklären, welche Aufgaben die EZB hat. - Dies alles führte auch dazu, dass der bis anhin angesehene Beruf des Bankangestellten in Verruf kam. - Meinungsmacher (opinion formers) und Politiker fordern unentwegt, dass alle Institute

1. mehr Eigenkapital bilden,

2. ihre Liquidität erhöhen,

3. gleichzeitig aber zusätzliche Steuern zahlen und Rettungstöpfe füllen,

4. auf staatliche Garantien verzichten,

5. Teile ihres Geschäftes auf zentrale Gegenparteien verlagern,

6. andere Tätigkeitsfelder aufgeben oder sich gleich völlig zerlegen,

7. die Boni deckeln,

8. vorsorglich ein Banktestament verfassen und den Konkurs vorbereiten; sprich: weniger Gewinn machen, aber davon mehr für alle möglichen Zwecke abführen oder in der Bilanz bunkern und bei alldem

9. Darlehn möglichst nicht über einem Zinssatz von 0,3 Prozent und für Arme gar zinslos ausreichen.

– Siehe Abwicklungsmechanismus, einheitlicher, Bankenmacht, Banker, Bankpleiten-Verhinderung, Banktestament, Bonussystem, Citigroup-Bonussystem, Finanzkapital, Finanzsodomit, Finanzterrorist, High-Speed Money, Honorar, Jagdgeld, Millionengrab, Mitarbeiter-Verantwortlichkeit, Offshore Leaks, Praxis, Rampe, Schlafgeld, Shitstorm, Tantieme, Vergütung, Vergütungssystem, Vorstandsbezüge, Verlustübernahme, persönliche.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankenstrafsteuer (financial crisis responsibility fee):

Zu Jahresbeginn 2010 in den USA eingebrachter Vorschlag, alle Banken mit einer Sonderabgabe zu belasten. Es sei dies recht und billig, weil ja aus Steuermitteln auch der Finanzsektor vor einem Zusammenbruch im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise gerettet wurde (we recover every single dime that the American people are owed). - In Europa wurde der Vorstoss von den Finanzministern allgemein als nachahmungswert (worthy of imitation) empfohlen. Freilich dürfte dies wegen der Einstimmigkeit in Steuerfragen in der EU nur schwer durchzusetzen sein. Zudem gibt es Banken und ganze Institutsgruppen - wie die Volksbanken - die Staatshilfe weder angefordert noch bekommen haben.

– Siehe Bankenschelte, Spekulationsteuer, Tobin-Steuer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankensystem (bank system):

1 Alle im Clearingverkehr stehenden Banken

1. in einem Währungsgebiet oder

2. weltweit gesehen.

2 Die Geschäftsbanken und die Zentralbank in einem Währungsgebiet.

– Siehe Fachbankensystem, Finanzsystem, Regulierungs-Arbitrage.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Banken-Triage (bank triage):

Mit der Subprime-Krise aufgetretener Begriff, welcher die Einordnung (Triage from the French verb "trier" = to sort, to arrange) der Institute ausdrückt in

1. A-Banken: diese sind gesund und bedürfen keiner staatlichen Hilfe,

2. B-Banken: sie müssen rekapitalisiert (recapitalised) werden, um dann weitgehend wie zuvor weiterbestehen zu können und

3. C-Banken: sie müssen restrukturiert (restructured) und teilweise abgewickelt werden. Im Umgang mit diesen Instituten der Kategorie C ist ein Verfahren erforderlich, das der Insolvenz nahe kommt, aber die systemischen Risiken berücksichtigt und Dominostein-Effekte so gut wie möglich ganz ausschliesst.

– Siehe Bankenrettungsgesetz, Hypo Real Estate-Rettung, Sifi-Oligopol.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankenunion (banking union):

In Bezug auf die EWU im Jahr 2012 aufgekommener und ohne Erklärung missverständlicher Ausdruck. Es ist nicht so zu verstehen, dass sich Banken innert des Euroraums zusammenschliessen. Vielmehr ist damit Dreierlei gemeint, nämlich

1. eine einheitliche, mächtige Aufsichtsbehörde für alle Mitgliedsstaaten der EWU oder gar der EU,

2. die Möglichkeit, Hilfen aus dem Rettungsfonds ESM unmittelbar an angeschlagene Institute zu vergeben, und nicht über den Umweg, dass Mittel an Regierungen gehen, die es dann den Banken weiterreichen können (under its charter, the ESM is allowed to lend money only to governments) und

3. ein Zusammenschluss aller nationalstaatlichen System der Einlagensicherung (a eurozone-level deposit insurance system); was bedeutet, dass auch die deutsche Einlagensicherung einspringt, wenn beispielsweise in Südeuropa die Einlagen von Sparern bei den dortigen Banken gefährdet sind.

– Freilich lässt sich eine Bankenunion in diesem Sinne bloss verwirklichen, wenn die einzelnen Mitgliedsländer der EWU bereit sind, Souveränitätsrechte abzutreten. Das wiederum ist aus verfassungsrechtlichen Gründen (for constitutional reasons) nur möglich, wenn die Bevölkerung der Mitgliedsstaaten das will. Vieles spricht dafür, dass das Wahlvolk eine solche Zentralisierung nicht möchte. - Selbst in angesehenen Medien wurde die Bankenunion so hingestellt, als seien damit plötzlich alle Verbindlichkeiten der strudelnden Institute vor allem in Spanien, Griechenland und Zypern verschwunden. In Wirklichkeit werden auf diese Weise die Schulden nur umgeschichtet, vorzugsweise auf den europäischen Zahlmeister № 1. Dies führt politisch weiter in eine Europa-Verdrossenheit (disenchantment with Europe, disaffection with Europe) bei den Bürgern in den Ländern, welche für die Lotterwirtschaft (catastrophic muddle) anderer Mitglieder aufkommen müssen. Die Parole: "Europa - so nicht!" verbreitet sich und bringt radikale Parteien zum Erstarken. Eine Vergemeinschaftung bilanzieller Altlasten (communitisation of existing financial burdens) sollte daher nicht unter dem Deckmantel der Bankenunion versteckt werden.

– Siehe Abwicklungsmechanismus, einheitlicher, Aufsicht, europäische, Bailout, Bankenaufsicht, europäische, Bankenkrankenhaus, Bankenrettungsgesetz, Banktestament, Europayer, Geldkuh, Hegemon, milder, Lead Supervisor, Moral Hazard, Notfallfonds für Krisenbanken, Restrukturierungsfonds, Rettungspakte, Stabilitätsfonds, europäischer, Überlauf-System, Zwangswandelanleihe.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2012, S. 67 f. (Darstellung der Pläne, Kritisches zur Bankenunion), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 84 f. (Vorteile; Klärungsbedürftiges), Geschäftsbericht 2012 der Deutschen Bundesbank, S. 98 f. (Dinglichkeit eines zeitlichen Gleichlaufs von zentraler Aufsicht und Abwicklung), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 56 f. (zeitliche Folge der Beratungen zur Bankenunion), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2013, S. 15 ff. (ausführliche Darstellung), Geschäftsbericht 2013 der Deutschen Bundesbank, S. 15 f. (Grundzüge), S. 23 ff. (ausführliche Darstellung; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankenunion, Risikoteilung (banking union, risk sharing):

Voraussetzung des Gelingens der Bankenunion ist, dass für alle Beteiligten gediegene, wirtschaftlich vernünftige Bedingungen geschaffen werden. Denn schliesslich ist die Bankenunion eine Art der Versicherung. Wie bei jeder Versicherung, so dürfen auch hier nur solche Verluste und Schäden abgedeckt werden, die nicht schon vor Abschluss bekannt waren. Deshalb müssen Altlasten, nämlich jene Risiken, die sich in Verantwortung nationaler Aufsichtsbehörden angehäuft haben, auch von den jeweiligen Mitgliedsstaaten getragen werden. Es geht nicht an, dass dem Zusammenbruch nahe Banken in Griechenland, Zypern, Spanien oder Portugal durch die Bankenunion saniert werden, und gar noch, ohne dass sich deshalb die Refinanzierungskosten dieser Institute erhöhen und die Kapitaleigentümer Einbussen hinnehmen müssen. Denn das käme einem Bail out gleich. - Es mag sein, dass eine Transferunion als wünschenswert oder als unvermeidlich angesehen wird. Dann aber muss diese durch Zustimmung der nationalen Parlamente erfolgen, und nicht unter dem Deckmantel einer Bankenunion.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankenverstaatlichung (nationalisation of banks):

Im engeren Sinne die Kollektivierung der Institute, im weiteren Sinne die Überführung aller Einrichtungen auf dem Finanzmarkt in Gemeineigentum. - In Zusammenhang mit der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise wurde der Ruf nach Verstaatlichung (claim for government ownership and control) des Finanzsektors auch in Deutschland allenthalben laut. Eine solche Massnahme wäre zu begrüssen (should be appreciated), wenn dadurch der Volkswohlstand (national wealth) erhöht würde. Die Erfahrung in vielen Staaten der Welt hat indessen gezeigt, dass das Gegenteil eintritt (the reverse is true): die Funktionsfähigkeit des Finanzmarktes erleidet starke Einbussen bis hin zum völligen Zusammenbruch. - Viele entsprechende Untersuchungen sehen einhellig den Grund darin, dass statt leistungsmotivierter Mitarbeiter nunmehr bestenfalls (at best) schwerfällig arbeitende, jedem Wettbewerb abholde Beamte, in aller Regel (as a general rule) aber unbedarfte Parteifunktionäre (functionaries of the party) und Parteigenossen (party comrades) die Geschäfte bestimmen. "Den Staat" im Sinne eines verantwortlich handelnden Einzelnen gibt es nämlich nur in der Vorstellung weltfremder Ideologen (ideologists: visionary, quixotic, ivory-tower theorists).

– Siehe Bankenschelte, Gewerkschaftsbank, Shitstorm, Währungsbehörde, zentrale.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankenzwölf und Bankenduzend (banker's dozen):

Die Zahl elf. - Der Ausdruck leitet sich davon her, dass eine Bank bei einem Darlehn von zwölf GE im Voraus schon einmal Bearbeitungsgebühren und Zinsen einbehält, und es dann zur Auszahlung von nur elf GE an den Kreditnehmer kommt (derived from the widespread method of lending, where the interest is deducted in advance, archetypically borrowing twelve MU and owing twelve MU back, a dozen, but actually receiving only eleven MU).

– Siehe Disagio, Zillmerung, Zinsberechnungsmethode, Zinssatz, antizipativer, Zinssatz effektiver.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Banker, die weibliche Form mitunter Bankerin und in der Finanzkrise 2008 häufig auch Bankster [in Anlehnung an "Gangster" = Übeltäter, Krimineller], und Damager [aus Damage und Manager zusammengesetzt = Schadensstifter] (banker; bankster; damager):

Jemand, der in der Finanzbranche - also nicht unbedingt nur im engeren Sinne bei einer Bank - tätig ist. Die Berufsbezeichnung in diesem Sinne verfestigte sich seit etwa 1980 in der deutschen Sprache und ersetzte weithin das Wort "Bankangestellter". - Die abwertende Bezeichnung "Bankster" und "Damager" bezieht sich mehr auf Personen mit einem gewissen Entscheidungsspielraum (decision margin; hier das einer beruflichen Tätigkeit zugeordnete Ausmass an selbständiger, eigenverantwortlicher Leistungserbringung) und schliesst ausführende Angestellte in aller Regel nicht ein. - Die Aufsichtsbehörden nahmen ab etwa 2008 die leitenden Angestellten im Finanzsektor nach und nach unter stärkere Beobachtung. Es hatte sich nämlich klar herausgestellt, dass Banker häufig genug von einem Tag auf dem anderen die Überschau der Geschäfte ihres Instituts völlig verloren. Obschon die handelnden Personen im Finanzsektor das Geschehen durch ihre Entscheidungen letztlich bestimmen, können die Aufsichtsbehörden aber aufgrund ihres gesetzlichen Auftrags unfähige Banker so gut wie gar nicht rügen oder gar abberufen.

– Siehe Abberufungs-Verfügung, Abwicklungsverfügung, Anlage-Haftung, Bankbeamter, Bankenführerschein, Bankenschelte, Bankenverstaatlichung, Bankier, Bankieren, Bankpleiten-Verhinderung, Bonus, Citigroup-Bonussystem, Commitment, Einzelfirma, bankliche, Finanzgeier, Finanzsodomit, Finanzterrorist, Geldsauger, Handschlag, goldener, High Potential, Infighting, Low Performer, Massnahme bei Gefahr, Peter-Regel, Praxis, Sachkunde, Shitstorm, Tante Milly, Vorabprüfung, Zitronenhandel, Zwangsschliessung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Banker-Stammtisch und Bankerstammtisch (bankers regular's table):

Zwanglose, regelmässige Treffen von Bankangestellten aus verschiedenen Instituten an einem Ort in ihrer Freizeit, eingerichtet in der Regel privat, manchmal auch gewerkschaftlich (by labour unions). Die Zusammenkünfte dienen dem Erfahrungsaustausch über alle berufliche Angelegenheiten (exchange of information and experience on professional matters). Auch über schwierige Kunden (customers which cause difficulties) wird dort gesprochen. - Von der Geschäftsleitung der einzelnen Banken werden diese Stammtische nicht gern gesehen; sie müssen aber als Freizeitbeschäftigung (leisure activity) hingenommen werden. Andererseits ist bekannt, dass häufig auch Mitglieder des Vorstands die Informationen aus Banker-Stammtischen durchaus schätzen. Sie dienen ihnen als Hilfe für die eigene Geschäftspolitik; etwa in Bezug auf Gehaltseinstufung (salary classification) oder Pausenregelungen (rules on breaks), aber auch hinsichtlich des Umgangs mit örtlichen Dienstleistern wie Handwerker, Reinigungsdienste (cleaning services) und IT-Firmen sowie mit faulen Kunden.

– Siehe Chinese Wall, Corporate Fashion, Delator, Dissemination, Flurfunk, Leumund, Rechnungs-Stapelung, Silodenken, Wall-Crossing.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankfeiertag (bank holiday):

1 Wochentag, an denen Institute herkömmlicherweise keine Geschäfte abwickeln wiewohl dies kein öffentlicher Feiertag ist (an otherwise normal day, where banks are closed for business).

2 Tag, an dem Banken durch staatliche Verfügung geschlossen bleiben müssen, hauptsächlich dann, wenn eine krisenhafte Lage auf dem Finanzmarkt aufgetreten ist. In den USA wurde beispielsweise im März 1933 im Rahmen der Emergency Banking Act gar eine viertägige Zwangsschliessung (four-day forced closing) aller Institute angeordnet.

– Siehe Run.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, BIZ (Bank of International Settlements, BIS):

Als "Bank der Zentralbanken" mit Sitz in Basel 1930 als Aktiengesellschaft gegründet, obliegt ihr die Festigung der zwischenstaatlichen Währungsbeziehungen auf fast allen Gebieten, vor allem auf dem Sektor des Aufsichtsrechts. Die Bank ist Subjekt des Völkerrechts (subject under international law) und hat ex territorialen Stellung auf schweizerischem Staatsgebiet. Der BIZ oblag auch die technische Abwicklung der Europäischen Zahlungsunion, mit deren Hilfe sowie der Unterstützung durch die USA die Konvertibilität der meisten westeuropäischen Währungen nach dem Zweiten Weltkrieg schon ab 1958 erreicht werden konnte. - In neuerer Zeit wurde die BIZ vor allem durch den Ausschuss für Bankenaufsicht bekannt, der ein umfassendes Regelwerk für die Tätigkeit der Banken in fast allen Geschäftsbereichen festlegte.

– Siehe Basel-II, Basel-III.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2001, S. 82 wegen weiterer Informationen, Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 41 (die BIZ im Geflecht internationaler Institutionen und Ausschüsse) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapital "Internationales".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bank-Flugzeuge (bank-owned aeroplanes):

Studien in den USA und Deutschland haben offengelegt, dass Institute - und Unternehmen allgemein - mit eigenem Flugzeugpark CETERIS PARIBUS weniger Gewinn erwirtschaften als vergleichbare Firmen ohne firmeneigenen Flugdienst. Zur Erklärung verweist man neben den erklecklichen Kosten auf die Vorbild-Funktion der Top-Banker. Wenn diese grosszügig mit dem Geld der Aktionäre umgehen, dann tun es ihnen alle anderen im Unternehmen nach. - Im Gegensatz zu den USA sind in Deutschland im Geschäftsbericht über die Anzahl und Nutzung firmeneigener Flugzeuge bis anhin keine Angaben vorgeschrieben. Auch die Zurverfügungstellung von Leistungen des bankeigenen Flugdienstes an Politiker - wie im Fall der Westdeutschen Landesbank: ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss förderte im Jahr 2000 hier kaum Glaubliches zutage - muss auch den Aktionären gegenüber nicht offengelegt werden.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankfolio (bank account):

In der älteren Finanzsprache häufig gesagt für eine Bankkonto (account with an financial institute, recording the transactions between the customer and the institute).

– Siehe Tagesgeldkonto.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankfurt (Bankfurt, Bankfort):

Im Jargon der Finanzjournalisten Bezeichnung für Frankfurt am Main. - Im Jahr 2013 belegte Frankfurt den neunten Rang der weltweit zehn bedeutendsten Finanzplätze vor Seoul auf Platz zehn und hinter Genf, Boston, Tokio und Zürich. Auf den ersten Plätzen stehen Neuyork, London, Hongkong und Singapur. Freilich finden sich unterschiedliche Auflistungen (ranking lists), jeweils abhängig davon, welche Merkmale für sich allein oder in Kombination - und diesfalls auch mit unterschiedlicher Gewichtung der einzelnen Grössen - zugrundegelegt werden.

– Siehe Bankgrösse, Bulldog-Markt, Citybanken.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankfusionen (bank mergers):

Zusammenschlüsse von Banken bedürfen immer auch der Zustimmung der Aufsichtsbehörden. Diese prüfen besonders die Vereinbarkeit der Organisationsgefüge und der IT-Systemlandschaften, um eine durch die Fusion mögliche Risikoanhäufung zu begrenzen. Dies gilt auch für grenzüberschreitende Fusionen (cross-border mergers). In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass Erfolg nicht nur Grösse ist, und dass viele der durch die Fusion angepeilten Ziele, wie Synergieeffekte, Kostensenkungen, Markterweiterung im Inland oder Ausland, bei weitem verfehlt wurden.

– Siehe Agglomerations-Effekt, Allianzen, grenzüberschreitende, Auslandsbank-Filiale, Bankbetriebsgrösse, optimale, Bankgrösse, Behauptungs-Strategie, Bestreitbarkeit, Gibrat-Regel, Gigabank, Grössenvertrauen, Konsolidierung, Korrespondenzbank-Beziehung, Megamanie, Octopus, Penrose-Theorem, Sifi-Oligopol, Subsidiaritätsprinzip, Transaktionsbonus, Übernahme-Angebot.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2005, S. 85 ff. (Konzentrationsprozess im Eurogebiet), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2008, S. 75 ff. (grenzüberschreitende Bankfusionen; ausführliche Darstellung; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankgebühren (bank charges; fees):

Die Entgelte für ihre Dienstleistung setzt eine Bank grundsätzlich selbst fest. Sie müssen jedoch in den meisten Ländern durch Aushang oder auf anderem Wege dem Kunden bekannt gemacht werden. Gegen offenkundig missbräuchliche Berechnungen im Einzelfall können die Aufsichtsbehörden einschreiten.

– Siehe Abschlussgebühr, All-in-Fee, Aufhebungsentgelt, Courtage, Deduktion, Erbschaftsgebühr, Facility Fee, Front Loading Fee, Gebühr, Gebührenordnung, Grundpreis, Courtage, Billing, Deduktion, Entgelt, Festgebühr, Fristentransformation, Köderangebot, Margendeckung, Mindesteinschuss-Sätze, Pauschaltarif, Preiskurant, Provision, Rampe, Vergütung, Vorfälligkeits-Entschädi¬gung, Überziehungsentgelt.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 75, Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 199 (Gebühren nur bei Teilausführung eines Auftrags).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankgeheimnis (banking secrecy):

Der Schutz des Bankkunden vor Auskünften der Bank gegenüber Dritten, eingeschlossen der (Steuer)Behörden. Dies ist in den einzelnen Ländern in unterschiedlichem Grad gesichert. - In der Schweiz wurde das Bankgeheimnis dreifach verankert, nämlich

1. im Zivilgesetzbuch (Privatsphäre),

2. im Obligationenrecht (vertragliche Beziehung Kunde-Bank) und

3. im Banken- und Börsengesetz (seit 1934 Offizialdelikt: ein Verstoss gegen das Bankgeheimnis muss von Amts wegen geahndet werden, auch wenn kein privater Kläger auftritt); dies begründete hauptsächlich die Stellung der Schweiz als internationaler Finanzplatz.

– In Deutschland haben Behörden die Befugnis zu Kontenabfragen; das Bundesverfassungsgericht hat dies im Juli 2007 ausdrücklich als rechtens bestätigt. Im Ausland wird der deutsche Geheimdienst (Bundesnachrichtendienst; Federal Intelligence Service) gegen Recht und Gesetz der betroffenen Staaten tätig, wie im Februar 2008 in Bezug auf das dem grossen Nachbarn gegenüber völlig wehrlose Fürstentum Lichtenstein geschehen.

– Siehe Badwill, Bankauskunft, Gnomen von Zürich, Helvetophobie, Identitätsprüfungspflicht, Kontenoffenlegung, Kontensperre, Konto, falsches, Kundendaten-Informationspflicht, Nominee, Registriergeld, Strohmann, Vertraulichkeit, Zinsinsel.

– Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 186 (Anzahl und Auftraggeber von Kontenabrufen), S. 187 (seit 1. April 2005 auch Offenlegung für Zwecke der Finanzbehörden) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankgeld (bank money; court fees; attachment fee; butcher's block lending fee):

1 Dem Zahlungsverkehr dienende Sichteinlagen bei Banken und anderen Kontostellen, auch Giralgeld und Buchgeld genannt.

2 Frühere Bezeichnung für eine Gerichtsgebühr; Bank = hier: Gericht (bench = court).

3 In der Regel im Voraus zu entrichtende Zahlung der Gläubigers, der gefänglichen Arrest gegen einen Schuldner beantragte, auch Arrestgeld und in alten Dokumenten auch Carceraticum genannt.

4 Vormals zu entrichtende Gebühr für die Nutzung einer gemeindlichen oder im Besitz einer Zunft befindlichen Fleischbank (Fleischklotz; chopping block) durch Hausschlachter.

5 Gebühr für die Nutzung einer persönlichen Kirchenbank (church pew) bzw. auch eines Platzes auf einer solchen.

– Siehe Expensen, Fanggeld, Gerichtsgeld, Inrotulationsgeld, Justitiengeld, Kammergerichtsgeld, Keichengeld, Platzgeld, Schöffengeld, Sitzgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankgeschäfte, unbare (cashless banking):

Der Betrieb des Kreditgeschäftes oder des Depositengeschäftes,

1. wenn es durch Absprache oder geschäftliche Gepflogenheit ausgeschlossen bleibt oder erheblich erschwert ist,

2. über den Darlehnsbetrag bzw. über die Depositen durch Barabhebung - also Auszahlung in Bargeld - zu verfügen. In Deutschland sind Institute mit solcher Geschäftsausrichtung nach § 3 № 3 KWG untersagt.

– Das von manchen gerügte Verbot soll die Entstehung abgeschlossener Zahlungskreise innert einer Volkswirtschaft verhindern. Die Gefahren liegen hier vor allem in dem hohen Vermögen zur Geldschöpfung, das sich aus dem Ausschluss oder der Erschwerung der Barabhebung ergibt. Denn im Gegensatz zu gewöhnlichen Instituten brauchen diese Unternehmen nämlich für ihre Verpflichtungen keine Liquidität bereit zu halten. Damit können sie in weit höherem Masse als die anderen Institute zur Vermehrung der Geldmenge und damit zu einer allfälligen Störung der Finanzstabilität beitragen. Weil die auf das Unbarprinzip ausgerichteten Unternehmen keinen nennenswerten Refinanzierungsbedarf haben, so sind sie kaum auf die Zentralbank angewiesen. Deren Geldpolitik kann, mit Ausnahme der Mindestreservevorschriften, ihnen gegenüber nicht angemessen wirksam werden. Die Mindestreservevorschriften indessen bieten keine Gewähr dafür, daß diese besonderen währungspolitischen Gefahren geglättet werden können; denn der Mindest-Reservesatz ist auf Kreditinstitute mit dem üblichen Geschäft zugeschnitten. Weil also Unbarinstitute unangemessene Vorteile im Wettbewerb mit anderen Banken haben, und weil sie aus der Sicht der Geldpolitik als Inseln gelten, wird ihr Verbot allgemein als berechtigt eingeschätzt.

– Siehe Unbarinstitut, Werkssparkasse.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankgrösse (size of a bank):

An welchen Merkmalen die Grösse einer Bank gemessen werden soll, ist strittig.

1. Als wichtigstes Kennzeichen (size indicator) wird in der Fachliteratur zumeist das Total der gewährten Darlehn genannt. Es kann aber sein, dass ein Institut einen Gutteil der Kredite durch Verbriefung auf Zweckgesellschaften übertragen hat, die dann in der Bilanz der Bank gar nicht mehr erscheinen.

2. Auch hinsichtlich der Liquidität gilt es zu bedenken, dass durch den Verkauf von Asset-Backed Securities sich unversehens die Liquiditätsquote verbessert.

3. Bezüglich der aufsichtsrechtlichen Eigenkapitalquote mindert sich diese, wenn das Institut eingegangene Risiken völlig an den Markt abgegeben hat.

– Ob und inwieweit das Ergebnis, der Personalbestand, das Filialnetz und andere (messbare!) Faktoren bei der Bestimmung der Bankgrösse herangezogen werden sollen, ist wohl allgemein kaum befriedigend zu entscheiden.

– Siehe Allianzen, grenzüberschreitende, Ausserbilanzgeschäft, Bankbetriebsgrösse, optimale, Bankfusionen, Bankrott-weil-klein-These, Behauptungs-Strategie, Dezentralisations-Prinzip, Gibrat-Regel, Gigabank, Grössen-Effekte, Konsolidierung, Korrespondenzbank-Beziehung, Megamanie, Megamergers, Multi-Boutique-Ansatz, Octopus, Penrose-Theorem, Sachverhaltsgestaltung, Sifi-Oligopol, Subsidiaritätsprinzip.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2008, S. 101 (Auswirkungen der Verbriefung auf die herkömmlichen Grössenindikatoren).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankgelände auch Bankkomplex (bank premises):

Das gesamte Areal einer Bank, neben dem Gebäude vor allem auch Parkplätze für Mitarbeiter und Kunden, Feuerwehrzufahrt (fire lane) sowie Notzugänge (emergency access).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankgewerbe (banking business, banking industry):

Oberbegriff für die Gesamtheit aller im Finanzsektor tätigen Firmen. Indessen wird ein einzelnes Institut nicht den Gewerbebetrieben zugeordnet.

– Siehe Bank, Bankier, Geldtempel, Praxis.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankier und Banquier, in älteren Schriften auch Bankherr und Negotiator (banker):

Wenn nicht ausdrücklich - vor allem in älteren Veröffentlichungen - anders definiert, eine Firma, die Bankgeschäfte betreibt; in Art. 54 SchG ausführlich definiert.

– Siehe Bank, Banker, Commitment, Einzelfirma, bankliche, Finanzdienstleistungsinstitut, Finanzinstitut, monetäres, Finanzsodomit, Institut, Praxis, Privatbank.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankieren (banking):

Älterer Ausdruck in der Bedeutung "Bankgeschäfte betreiben". Soweit das Wort in neuerer Zeit in die Sprache einfliesst, so ist damit in aller Regel eine abschätzige Nebenbedeutung (derogative meaning) verbunden.

– Siehe Banker, Banking, Finanzsodomit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bank Identifier Code, BIC (so auch im Deutschen gesagt):

International standardisierte Bankleitzahl, mit der ein Kreditinstitut weltweit eindeutig erkannt werden kann, früher auch SWIFT-Adresse genannt. Neben der IBAN wird auch die BIC für die voll elektronische Durchleitung (straight through processing) von grenzüberschreitenden Zahlungsverkehrsaufträgen meistens benötigt. Der BIC besteht aus acht- bis elfstelligen Buchstaben- und Zahlenkombination. Sie kennzeichnet das Institut, das Land, den Standort und gegebenenfalls die Filiale. - Seit November 2009 müssen Banken in Deutschland bei Überweisungen nicht mehr prüfen, ob die Kontonummer zum Empfängername passt. Wohin eine Überweisung geht, richtet sich allein nach der Kontonummer. Ab August 2014 gilt das SEPA-Verfahren unbedingt. Nationale Plattformen für Überweisungen und Lastschriften dürfen ab da nicht mehr verwendet werden.

– Siehe International Bank Account Number, Single European Payment Area, Zahlungsverkehrssysteme.

– Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 242 (Umsetzung der Zahlungsdienstrichtlinie der EU).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Banking (so im Deutschen, seltener und vor allem in älteren Dokumenten [unschön bzw. heute in abfälliger Bedeutung] auch Bankieren):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter in der Finanzsprache

1. auf dem Finanzmarkt tätig sein und

2. im engeren Sinne Bankgeschäfte betreiben sowie in anderer Bedeutung auch

3. das gesamte Bankwesen, das Bankgewerbe in einem Wirtschaftsraum.

– Siehe Bank, Bankieren, Container-Banking, Institut, Praxis.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Banking, begrenztes (narrow banking):

Die Forderung, einer Bank soll es nicht erlaubt sein, alle Geschäfte durchzuführen. Aus der Erfahrung während der Weltwirtschaftskrise ab 1929 sowie der auf die Subprime-Krise 2007 folgenden globalen Finanzkrise hat man erkannt, dass sich Universalbanken oft wie ein Hedge-Fonds verhalten und am Ende die Einlagen der Kunden verspielt hatten. Unternehmen, Privathaushalte und auch Pensionsfonds trieb das zum Teil in den Ruin. Aus diesem Grund wird von vielen Fachleuten vorgeschlagen,

1. entweder ein Trennbanksystem gesetzlich einzurichten

2. oder zumindest die beiden Bereiche Einlagegeschäft und Wertpapiergeschäft organisatorisch durch einen Chinese Wall voneinander zu trennen und

3. vielleicht auch eine Quersubventionierung (cross-subsidisation) beider Bereiche zu verbieten.

– Siehe Bankkrankenhaus, Fachbankensystem, Glass-Steagall-Gesetz, Investmentbank, Trennbanksystem, Universalbank.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Banking Supervision Committee, BSC (so auch in der Regel im Deutschen; seltener Ausschuss für Bankenaufsicht):

Im Jahre 1998 errichtete und bei der EZB angesiedelte Arbeitsgruppe von Vertretern der Zentralbanken der EU und Mitarbeitern der nationalen Aufsichtsbehörden mit dem Ziel des Informationsaustauschs über grundsätzliche und aktuelle aufsichtsrechtliche Fragen. Der Schwerpunkt (main focus) liegt dabei auf systeminhärenten Risiken; Pläne für ein allfällig notwendiges Krisenmanagement werden hier erarbeitet. Sitz der BSC ist Frankfurt am Main. - Die Aufgabenteilung zwischen CEBS und BSC liegt darin, dass das CEBS sich im Wesentlichen den Fragen der institutsbezogenen Aufsicht widmet, während das BSC in erster Linie mit den Fragen der makroprudentiellen Analyse befasst ist.

– Siehe Aufsicht, europäische, Aufsicht, makroprudentielle, Aufsichtskollegium, Ausschuss-Wahn, Bankenaufsicht, europäische, Cassis-de-Dijon-Urteil, CEBS-Untergruppe zur operationalen Netzwerken für grenzüberschreitend tätige Bankengruppen, Committee of European Banking Supervisors, ESZB-Netzwerk für makroprudentielle Forschung, Lamfalussy-Verfahren, Working Group on Credit Registers, Sifi-Oligopol, Zentralkreditregister.

– Vgl. Geschäftsbericht 2001 der Deutschen Bundesbank, S. 141, S. 180, Monatsbericht der EZB vom Mai 2002, S. 66 f., Geschäftsbericht 2003 der Deutschen Bundesbank, S. 167, Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 66 (Handbuch Krisenmanagement) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2009, S. 63 (Leitfaden für die Arbeit und Zusammenarbeit der Aufsichtsgremien), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 87 (zur makroprudentiellen Überwachung in Deutschland), Geschäftsbericht 2012 der Deutschen Bundesbank, S. 97 (Entwurf für das Krisenmanagement bei in Schieflage geratenen Instituten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Banking-Theorie (banking theory):

Auch über den vorhandenen Bestand an Edelmetallen (Gold, Silber) der Zentralbank hinaus können ohne Gefahr Banknoten ausgegeben werden, solange die Grundsätze solider Bankgeschäfte (good banking) eingehalten werden. Diese - heute selbstverständliche - Auffassung war bis etwa 1875 heftig umstritten.

– Siehe Chrysomanie, Currency-Theorie, Geld, privates, Geldmenge, Geldschöpfung, Peelsche Bankakte, Währung, gebundene, Zwangswährung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankkapital (bank capital):

Wenn nicht anders definiert, das Eigenkapital der Banken.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2002, S. 41 ff., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2005, S. 19 ff. (konjunkturelle Einflussfaktoren).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bank-Kiosk und Bank-Kiosque (banking kiosk):

Selbstbedienungseinheit einer Bank innerhalb oder ausserhalb der Schalterhalle.

– Siehe Container-Banking, Geschäftsstelle, vollautomatische, Warteschlange.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankist (bankster):

Im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise in die deutsche Sprache eingedrungenes Wort mit stark abwertender Bedeutung (very derogativ meaning). Im Grunde wird unterstellt, dass ein Banker nur darauf aus sei, die Kunden zu übervorteilen und zu schröpfen (that the aim of a banker is to nobble and to fleece the customer). Freilich hat sich gezeigt, dass überwiegend das Personal in Volksbanken und Sparkassen als vertrauenswürdig eingeschätzt wird.

– Siehe Börsenspieler, Citigroup-Bonussystem, Finanzsodomit, Misochrematie, Shitstorm, Verschwörungstheorien.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankkonto, in älteren Dokumenten auch Bank-Folio (bank account):

Rechnung (im Sinne von Aufstellung, Verzeichnis) der Ein- und Auszahlungen, die ein Institut für den jeweiligen Kunden führt.

– Siehe Konto, Tagesgeldkonto.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankkredit (bank loan, bank credit):

Jede Ausleihung eines Instituts an einen Kunden.

– Siehe Darlehn, Nachrangdarlehn, Term Loan.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankkreise und Bankenwelt (banking circles):

Im Finanzjournalismus häufig verwendeter Ausdruck, und dann regelmässig bezogen auf die Gesamtheit der Vorstellungen, Ansichten, Meinungen, Standpunkte und Erwartungen, die bei den Beschäftigten in der Kreditwirtschaft vorherrschend sind.

– Siehe Bankenmacht, Banker, Finanzsodomit, Finanzwelt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankkunden-Profil (account profile, credit check):

1 Die Einschätzung

1. der Marktfähigkeit, hier verstanden als die Bereitschaft, dass Teile der Bevölkerung derzeit bereit sind, Güter des Kunden zu kaufen, und

2. der Zukunftsfähigkeit (sustainability) eines Kreditnehmers der Bank. Aus den gewonnenen Erkenntnissen leitet sich die Vergabepolitik der Bank und im engeren Sinne die Kreditlinie ab (the practice whereby a review of a borrower's credit history by a lender prior to the extension of credit, regularly as part of the mortgage application process. Basically, a credit check helps lenders determine an applicant's creditworthiness and ability as well as willingness to repay debts).

2 Die gesetzliche Verpflichtung einer Bank, bei der Vermittlung von Wertpapieren von dem Kunden detaillierte Angaben über dessen Erfahrungen oder Kenntnisse in Wertpapiergeschäften, über die mit den Geschäften verfolgten Ziele sowie über seine finanzielle Verhältnisse zu verlangen und schriftliche festzuhalten.

– Siehe Anlagemut, Anleger-Informationspflicht, Basel-II, Customasing, Emerging Markets, Derivate-Informationspflicht, Divergenz, Fact Sheet, Kreditverbriefung, Kundendossier, Mindestanforderungen an das Risikomanagement, Rating, Risikoabteilung, Risikogewichtung, Risikokontrolle, Risiko-Messverfahren, Risk Reporting, Scoring, Trade Assignment, Übermut, Wirtschaftsauskunftei.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bank Lending Survey, BLS (so auch meistens im Deutschen gesagt; seltener auch Umfrage zum Kreditgeschäft):

Von der EZB seit Jahresbeginn 2003 veranstaltete vierteljährige Befragung zum Darlehngeschäft im Euro-Währungsgebiet mit dem Ziel, einen möglichst genauen Einblick in das Kreditvergabe-Verhalten der Banken im Euroraum zu gewinnen. Die Umfrageergebnisse werden jeweils auf der Website der EZB veröffentlicht; dort finden sich auch Zeitreihen zu Vergleichszwecken.

– Siehe Economic Sentiment Indicator, Einkaufsmanager-Umfrage, Erhebung fachlicher Prognostiker, Kreditvergabe-Verhalten, Vorlaufindikatoren.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2003 (dort detaillierte Darstellung der Umfragemethode), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2005, S. 35 (Zeitreihe), Geschäftsbericht 2005 der Deutschen Bundesbank, S. 41 (schaubildliche Darstellung), Monatsbericht der EZB vom Februar 2006, S. 18 ff. (Ergebnis-Übersichten) Monatsbericht der EZB vom November 2008, S. 61 ff. (Verlässlichkeit von Umfrageergebnissen in turbulenten Zeiten; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2009, S. 15 ff. (ausführliche Darstellung; viele Übersichten) sowie den jeweiligen Monatsbericht der EZB, Geschäftsbericht 2009 der Deutschen Bundesbank, S. 65 (einzelne Rubriken der BLS 2002-2009), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2010, S. 42 f. (Kreditentwicklung nach der BLS im Spiegel der Finanzkrise; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom April 2012, S. 22 ff. (Einflussfaktoren der Kreditvergabe an Privathaushalte seit 1999; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2014, S. 46 ff. (vielfältige Informationen über die BLS; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Banklizenz (bank charter):

Die von der dafür zuständigen Behörde ausgesprochene Erlaubnis, Bankgeschäfte auf dem Markt anzubieten.

– Siehe Bank, Bankenführerschein, Betreiberlizenz, Geschäfte, verbotene.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankenmarkt (bank market):

Wenn nicht anderes definiert in der Börsenprache sowohl der Kassamarkt als auch der Terminmarkt für Devisen, auf dem unter sich bekannte Institute die Geschäfte tätigen (the spot and forward markets for currencies where known counterparties conduct transactions).

– Siehe Devisenhandel, Devisenmarkt, Wechselkurs.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Banknamen-Abkürzung (abbreviation of bank name):

International besteht die Gewohnheit, Banknamen mit mehr als drei Silben im Geschäftsverkehr auf dem Finanzmarkt und auch im alltäglichen Sprachgebrauch (everyday language) auf eine in der Regel zweisilbige Bezeichnung (two-syllable word) oder eine meistens dreistellige Buchstabenfolge (three-digit code) zu verkürzen. So wird beispielsweise aus der Nassauischen Sparkasse [sieben Silben] die Naspa, aus der Société Générale [sieben Silben] die SocGen oder aus der Bank of America Corporation [zehn Silben] die BOA. - Manche Institute haben von sich aus lange Firmennamen geändert, wie etwa die Schweizerische Kreditanstalt [acht Silben] in Credit Suisse. Andere benutzen im Geschäftsverkehr nur eine Buchstabenfolge, so wie die Union Bank of Switzerland [sieben Silben] - französisch: Union de Banques Suisses [fünf Silben], italienisch: Unione di Banche Svizzere [neun Silben] - sich offiziell den Eigenname UBS zulegte und unter dieser Bezeichnung weltweit auftritt. Ein langer Name gilt weithin als imageschädigend (has an adverse impact in terms of image): man verbindet damit einen umständlichen, schwerfälligen, ungelenken Geschäftsgang. Auch die Europäische Zentralbank [acht Silben] kürzt ihren Namen in eigenen Veröffentlichungen meistens auf EZB, und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht [zwölf Silben] benutzt die zweisilbige Abkürzung BaFin.

– Siehe Badwill, Octopus, Wettbewerb.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bank-Namensschuldverschreibung (registered bank debt security):

Auf

1. den Namen einer bestimmten Person ausgestelltes,

2. nicht übertragbares Wertpapier - ein Namenspapier, ein Rektapapier (registered security): vom lateinischen Wort recta via = auf geradem Weg, nämlich der Verpflichtete muss unmittelbar an den Berechtigten leisten -, und

3. von einer Bank ausgegeben.

– Siehe Bankschuldverschreibung.

– Vgl. das monatlich erscheinende Beiheft "Kapitalmarktstatistik" der Deutschen Bundesbank zum Absatz entsprechender Titel, untergliedert in Hypothekenpfandbriefe, Öffentliche Pfandbriefe (Public Pfandbriefe) , Schuldverschreibungen von Spezialkreditinstituten (Debt securities issued by specialised credit institutions) und Sonstige (Other bank securities).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Banknote manchmal nur Note, daneben Geldschein und in älteren Dokumenten auch Bank-Billet (banknote, bill):

Ursprünglich das Schuldversprechen der ausgebenden Bank, den Geldschein zum Nennwert jederzeit in Edelmetall einzulösen. Heute ein Papier, das die Funktion eines gesetzlichen Zahlungsmittels ausübt: Papiergeld.

– Siehe Banknotenumlauf, Banknoten-Wertbeschränkung, Begültigung, Blüten, Dead Presidents, Falschgeld, Fünfhunderteuro-Schein, Guilloche, Packungs-Effekt, Papiergeld, Präklusivtermin, Sicherheitsstreifen, Umlaufsfähigkeit, Zentralbank, Zettel, Zettelbank.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2011, S. 83 ff. (Verwendung der Euro-Banknoten bei Unternehmen und Privathaushalten; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Banknoten-Wertbeschränkung (low-value banknotes only):

Eine Zentralbank gibt ausschliesslich Geldscheine in Umlauf, die auf einen verhältnismässig geringen Betrag lauten. So gab die Zentralbank von China bis 2012 keine Banknoten mit einem höheren Nennwert als 100 Yuan - das entspricht etwa 12 EUR - in Umlauf. Massgebend für diese Massnahme ist nach eigenen Angaben

1. in erster Linie die Sorge vor Blüten. Grössere Summen können bei Zahlung durch Überweisung oder mittels Karte beglichen werden.

2. Auch glaubt man, die gefühlte Inflation auf diese Weise in Grenzen zu halten; und verschiedene Studien scheinen den Erfolg der Massnahme zu bestätigen.

– Siehe Brücke-Abneysches Phänomen, Falschgeld, Dritte Säule, Inflationserwartungen, Mundell-Tobin-Effekt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Banknotenausschuss (Banknote Committee, BANCO):

Gremium der EZB mit dem Ziel, alle mit dem Umlauf von Banknoten und Münzen zusammenhängenden technischen Fragen abzustimmen. Dazu zählt auch ein eigenes Falschgeldüberwachungs-System (counterfeit monitoring system CMS).

– Siehe Banknotenumlauf, Banknoten-Wertbeschränkung, Medaillen, Zahlungsdienste-Aufsichtsgesetz.

– Vgl. Jahresbericht 2001 der Deutschen Bundesbank, S. 141 f. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Banknoten-Konsignationslager (extended custodial inventory, ECI):

Durch eine von der EZB dazu ermächtigte, ausserhalb des Eurogebiets ansässige Bank verwaltete Bestände an Bargeld der EZB. Zweck ist es, vor Ort die unmittelbare Versorgung mit der europäischen Gemeinschaftswährung zu ermöglichen.

– Siehe Banknoten-Management, Banknoten-Rücklaufquote, Präklusivtermin.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der EZB, S. 126 (Lager zunächst in Hongkong und Singapur).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Banknoten-Management (banknote management):

Das Bemühen einer Zentralbank, fälschungssichere Banknoten (forgery-proofed banknotes) in ausreichendem Masse innert eines Währungsgebietes und möglicherweise darüber hinaus auch für den globalen Zahlungsverkehr für alle Bedürfnisse des Publikums zur Verfügung zu stellen.

– Siehe Banknotenausschuss, Banknoten-Konsignationslager, Banknoten-Rücklaufquote, Bargeldbearbeiter, Brücke-Abneysches Phänomen, Fälschungssicherung, Fenstergeld, Präklusivtermin, Sicherheitsstreifen, Super Notes, Umlaufsfähigkeit, Zahlungsdienste-Aufsichtsgesetz.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juli 2003, S. 57 ff. (hinsichtlich des Euro-Währungsgebiets), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2007, S. 111 ff. (allgemeine Probleme; zweite Serie der Eurobanknoten), Jahresbericht 2008 der EZB, S. 133 ff. (Umlauf wertmässig und stückmässig; Fälschungen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2011, S. 19 ff. (ausführliche Darstellung; viele Übersichten), S. 31 ff. (Auslandsumlauf von in Deutschland herausgegebenen Euro-Banknoten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Banknoten-Rücklaufquote (return frequency):

Bei Banknoten die Zahl der von der Zentralbank ausgegebenen Geldscheine, geteilt durch den durchschnittlichen Banknotenumlauf und bezogen jeweils auf ein Jahr.

– Siehe Auslagerung, Bargeldkreislauf, Bargeldmanagement, Zahlungsdienste-Aufsichtsgesetz.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2011, S. 27 f. (Aussagegehalt der Rücklaufquote).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Banknoten-Recycling (recycling of banknotes):

Die Annahme, Bearbeitung (handling) und das erneute Inverkehrbringen von Banknoten. Nicht unter diesen Begriff fallen Wechselgeldauszahlungen des Handels.

– Siehe Banknoten-Management, Präklusivtermin, Zahlungsdienste-Aufsichtsgesetz.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2011, S. 23 ff. (Rechtsquellen zum Recycling; Recycling-Modell; grundsätzliche Fragen, Recyclingquote bei der Deutschen Bundesbank).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Banknotenumlauf, Eurogebiet (EMU internal banknotes in circulation):

Es ist praktisch nicht möglich, die Menge der in einem einzelnen Mitgliedsland des Eurogebiets zirkulierenden Euro-Banknoten genau festzustellen. Daher wird eine vermutliche Zurechnung vorgenommen. Gemäss dieser zählt man zunächst 8 Prozent des Gesamtwertes des Euro-Banknotenumlaufs direkt der EZB bei. Die verbleibenden 92 Prozent werden dann auf die nationalen Zentralbanken aufgeteilt, und zwar nach dem Anteil des eingezahlten Kapitals bei der EZB. Der so auch für Deutschland errechnete Anteil findet sich monatlich im Statistischen Teil des Monatsberichts der Deutschen Bundesbank in der Rubrik "Bankenstatistischen Gesamtrechnungen in der Europäischen Währungsunion" ausgewiesen. - Die EZB bezeichnet den Banknotenumlauf als autonomen Faktor (autonomous factor), nämlich als Grösse, die sich in der Regel nicht aus den Einsatz geldpolitischer Instrumente ergibt. - Ein nicht unerheblicher, aber zahlenmässig schwer erfassbarer Teil der Nachfrage nach Euro-Banknoten kommt von ausserhalb des Eurogebiets und wird dort in erster Linie als Wertaufbewahrungsmittel gehalten.

– Siehe Banknoten-Rücklaufquote, Präklusivtermin, Umlaufsfähigkeit, Weltwährung.

– Vgl. die jeweilige Höhe des Banknotenumlaufs im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets" im Monatsbericht der EZB, Rubrik "Monetäre Statistik", Unterrubrik "Konsolidierter Ausweis des Eurosystems"; Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2004, S. 66 (Wochenmuster der Veränderungen des Banknotenumlaufs), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2007, S. 111 ff. (zweite Serie der Eurobanknoten), Monatsbericht der EZB vom Januar 2008, S. 98 ff. (Übersichten des Banknotenumlaufs als Bestandteil der autonomen Faktoren), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2009, S. 52 f. (Bargeldnachfrage allgemein; im Jahr 2008 zahlten 58 Prozent der Deutschen mit Bargeld und nur 26 Prozent mit Karte; Entwicklungslinien), S. 60 f. (Bestimmungsgründe der Banknoten-Nachfrage), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2011, S. 19 ff. (ausführliche Darstellung; viele Übersichten), S. 31 ff: Auslandsumlauf von in Deutschland ausgegebenen Banknoten; Bewegungen durch den Reiseverkehr, S. 35 auch Ergebnisse der Haushaltsbefragung zu Reiseausgaben seit 2002; S. 42: Übersicht); Monatsbericht der EZB vom April 2011, S. 83 ff. (Verwendung der Euro-Banknoten bei Unternehmen und Privathaushalten; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Januar 2014, S. 83 (saisonale Entwicklung des Banknotenumlaufs; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankokratie (banking power):

Die Meinung, dass

1. neben den Regierungen,

2. über diesen oder

3. hinter diesen die - vor allem international tätigen - Banken das Weltgeschehen bestimmen. In vielen Foren im Internet von Narren aller Art, von Schwachköpfigen, Nationalisten und Altmarxisten behauptet und angeblich bewiesen.

– Siehe Bankenmacht, Erpressungspotential, Finanzdümmling, Finanzkapital, Geldeuropäer, Geldleute, Hochfinanz, Konzern, Misochrematie, Oligarchie, Regionalgeld, Verschwörungstheorien.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankpapier (bank-paper; bank share):

1 In älteren Dokumenten ein Wechsel, der von einer Bank zum Diskont angenommen wird.

2 Die Aktie einer als AG firmierenden (operating as limited company) Bank.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankplatz (banking place):

1 In Deutschland früher gesagt von einer Stadt, in welcher die Landeszentralbank eine Niederlassung unterhielt. An solchen Plätzen war es einfacher, sofort an Bargeld zu kommen; die Bargeldhaltung (stock of cash) konnte daher geringer gehalten werden. Dieser Standortvorteil (locational advantage) wurde zeitweise durch eine höhere Mindestreserve für Institute an Bankplätzen ausgeglichen.

2 Ein Ort (etwa: Frankfurt, London, Neuyork) oder ein Land (etwa: Luxemburg, Schweiz), wo eine überdurchschnittlich hohe Zahl an Instituten vertreten sind, auch Finanzplatz genannt.

– Siehe Bankfurt, Nichtbankplatz, Zinsinsel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankpleiten-Verhinderung (bank failure prevention):

In der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise hat sich gezeigt, dass weltweit die Banken widerstandsfähiger gegenüber allfälligen Verwerfungen gemacht werden müssen. Mittel dazu sind vor allem

1. eine höhere Eigenkapitalquote bei den Instituten,

2. grössere Liquiditätspolster, praktisch entsprechende Guthaben bei der Zentralbank, weil auf diese und nur noch auf diese auch bei Marktversagen sofort zurückgegriffen werden kann,

3. ein gründliches Risikomanagement, das beizeiten Warnsignale setzt,

4. eine genauere, international abgestimmte und rechtssichere Überwachung der Institute und Märkte durch die Aufsichtsbehörden; nationale und weltweite Aufsichtslücken sind zu schliessen,

5. vielleicht auch ein eigenes Insolvenzrecht für Banken.

– Siehe Abwicklungsmechanismus, einheitlicher, Aufsichtsvermeidung, Bankenaufsicht, europäische, Bankenschelte, Banktestament, Basel-III, Eigenkapitalpuffer, variabler, International Business Company, Leverage Ratio, Managed Bank, Sifi-Oligopol.

– Vgl. Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 154 f. (Stärkung der Eigenkapitalausstattung; Einzelheiten), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 90 f. (antizyklischer Kapitalpuffer für Kredite).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankpolitik (banking policy):

Allgemein alle staatlichen Massnahmen zur Beeinflussung der Tätigkeit von Instituten mit dem Ziel,

1. Gläubiger und insbesondere die Einleger zu schützen,

2. ein gesichertes, Vertrauen begründendes Wirken der Banken zu gewährleisten und

3. dabei den Wettbewerb unter den Instituten zu fördern.

– Siehe Aufsicht, Bankpleiten-Verhinderung, Sifi-Oligopol, Unbarinstitut.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankportal (bank portal):

Eingangsseite einer Bank im Internet, über die man zu den Dienstleistungen (vor allem: Online Banking, Finanzinformationen) des Instituts geführt wird.

– Siehe Giropay, Online Banking.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankrate auch Banksatz (official discount rate):

Ältere Bezeichnung für den Rediskontsatz einer Zentralbank, der gleichzeitig häufig gesetzlich auch als Leitzins eingeführt war; so in Deutschland nach § 247 BGB. - Gesetzlich ist heute in Deutschland der Zinssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte der EZB an die Stelle der Bankrate getreten.

– Siehe Basiszins.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankregel, goldene (golden bank rule):

Die von einer Bank gewährten Darlehn sollen

1. nach Umfang,

2. nach Fälligkeit sowie auch - was sehr häufig auch heute noch immer sträflich missachtet wird!

3. nach der jeweils vereinbarten Währung ihren Verbindlichkeiten (Einlagen) entsprechen, um die jederzeitige Zahlungsfähigkeit des Instituts sicherzustellen.

– Siehe Bilanzregel, goldene, Erfüllungsrisiko, Fälligkeitsgliederung, Fristenkongruenz, Herstatt-Risiko, Matching, Rollenmischung, bankliche, Rollover-Risiko, Schuldenmanagement, Währungsrisiko.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankrembours (commitment credit):

Eine Bank übernimmt und begleicht - vor allem im Auslands-Warengeschäft - die Rechnung eines Lieferanten an ihren Kunden.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bank-Restriktion (bank restriction):

Fachausdruck für die in England 1797 durch Parlamentsbeschluss eingeführte Enthebung der Bank von England von der Pflicht, ihre Scheine jederzeit in Münzen aus Edelmetall einzulösen. - Anlass des Beschlusses war die Befürchtung vor einer Landung des französischen Revolutions-Heeres in England. Die Folge war ein starker Anstieg des Goldpreises im Verhältnis zu den Banknoten. Das veranlasste 1811 ein Gesetz, wonach man bei Zahlung nicht mehr als den Nominalpreis des Goldes in Noten fordern dürfe; die Banknoten also mit einem Zwangskurs ausgestattet wurde. Die Bank von England nahm erst 1821 die Einlösung der Banknoten in Gold wieder auf.

– Siehe Agio, Banking-Theorie, Geld, privates.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankrott und Bankerott in älteren Dokumenten auch Falliment und Fallissement (bankruptcy, business failure):

1 In der Umgangssprache und in § 283 StGB der Zustand der Zahlungsunfähigkeit einer Wirtschaftseinheit: Insolvenz ist eingetreten. Andere Bezeichnungen sind Crash, Konkurs (bankruptcy), Ruin (ruin), Zusammenbruch (financial collapse) und Pleite (bust).

2 In der älteren Literatur auch die Einstellung der Zahlungen nach Erschöpfung der Barmittel und Versiegens aller Möglichkeiten, Darlehn zu erhalten.

– Siehe Arrangement, Bankzusammenbruch, Extensum, Insolvenz, Insolvenzkosten, Konkurs, Krida, Lokations-Urteil, Masse, Spieler-Pleite, Staatsbankrott, Vorrangregel, unbedingte, Zahlungsunfähigkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankrottierer und Bankrotteur (bankrupt):

In älteren Dokumenten jemand, der sein Zahlungen einstellt; in der Regel mit dem Nebensinn, dass dies in betrügerischer Absicht geschieht (a person who is insolvent, especially who has done acts such as a transfer of his property actually or constructively fraudulent).

– Siehe Bankrott, Finanzsodomit, Finanzterrorist.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankreserven (bank reserves):

Wenn nicht anders definiert die Einlagen der Banken bei der Zentralbank (deposits held by banks with the central bank).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankrott-weil-klein-These (prone to bankruptcy because small hypothesis):

Die - selbst auch in vielen angesehenen Lehrbüchern vorgetragene - Aussage, dass kleine Unternehmen eher konkursanfällig (sensitive to bankruptcy) seien als grössere Firmen. - Breit angelegte empirische Untersuchungen haben demgegenüber eindeutig gezeigt, dass an sich nicht so sehr die Grösse des Unternehmens, sondern die Qualität der Finanzplanung - letztlich also die Tauglichkeit des Managements - für die Insolvenzhäufigkeit ursächlich ist.

– Siehe Allianzen, grenzüberschreitende, Bankbetriebsgrösse, optimale, Behauptungs-Strategie, Bestreitbarkeit, Crisis Management Groups, Dreierblock, Drei-Säulen-Modell, Finanzkonglomerat, Gibrat-Regel, Grossbankenbonus, Grössen-Effekte, Konsolidierung, Megamanie, Mindestanforderungen an die Ausgestaltung von Sanierungsplänen, Penrose-Theorem, Rush to exit, Subsidiaritätsprinzip, Too big to fail-Grundsatz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankschalter (window, counter):

Bis etwa 1980 hatten die grösseren Banken eine - in der Regel sehr hohe: die Höhe galt bei manchen nämlich als Ausdruck der Bedeutung des Instituts - Halle (counter area; Kassenhalle). Der Reihe nach waren hier in einer Geraden, oft beidseitig, Schalter angeordnet. Hinter diesen standen oder sassen auf Hochstühlen - bei Grossbanken vorzugsweise männliche - Mitarbeiter, die von den Kunden durchweg mit Achtung eingeschätzt und Bankbeamter (bank officer, bank official; Schalterbeamter) genannt wurden. - Weil diese Ausgestaltung zu sehr an staatliche Behörden erinnerte, schaffte man die Schalterreihen nach und nach ab. Den herkömmlichen Schalter beliess man aus Sicherheitsgründen vielfach nur noch für den Bargeldverkehr (dealing for cash over the window) mit dem Kassierer (cashier, teller). Fast alle anderen Dienstleistungen nehmen heute Bedienungsstellen (service points) wahr.

– Siehe Bankbeamter, Behördenmanagement, bankliches, Corporate Fashion, Geldtempel, McDonaldisation, Schalterhalle, Staumanagement, Warteschlange.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Banksparbuch (savings bank pass book):

Von einer Bank ausgegebenes Dokument - regelmässig in Form eines Heftes -, das Ein- und Auszahlungen sowie Zinsgutschriften des Inhabers aufnimmt.

– Siehe Bankbuch, Bankkonto, Postsparbuch, Sparbuch, Tante Milly.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankschuldverschreibung (bank debt security):

Von Banken emittiertes, als Schuldverpflichtung gestaltetes Wertpapier in der Regel mit festem Zinssatz. - Die Deutsche Bundesbank teilt die Bankverschuldverschreibungen ein in

1. Hypothekenpfandbriefe (mortgage Pfandbriefe; frühere Bezeichnung: Pfandbriefe), wozu auch Schiffspfandbriefe (ship mortgage Pfandbriefe) gezählt werden,

2. öffentliche Pfandbriefe (public Pfandbriefe; frühere Bezeichnung: Kommunalobligationen; communal bonds),

3. Schuldverschreibungen von Spezialkreditinstituten (debt securities issued by special purpose credit institutions; wie etwa der Deutschen Ausgleichsbank, der Deutschen Bau- und Bodenbank oder der Kreditanstalt für Wiederaufbau) und

4. sonstige Bankschuldverschreibungen (other bank debt securities; wie von Banken begebene Inhaberschuldverschreibungen oder Commercial Papers).

– Statistisch werden diese Emissionen zwar erfasst. Es existiert aber bis anhin für das Eurogebiet noch keine Abnehmer-Statistik. Ferners gibt es bis anhin keine Zuordnung in inländische und ausländische Halter.

– Siehe Bank-Namens-schuldverschreibung, Rückfluss-Stücke.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2005, S. 30 f. (in Bezug auf deutsche Banken) sowie das monatlich erscheinende Statistische Beiheft "Kapitalmarktstatistik" der Deutschen Bundesbank zum Absatz und Erwerb von Bankschuldverschreibungen in Deutschland, nach verschiedenen Gesichtspunkten aufgeschlüsselt, Monatsbericht der EZB vom November 2011, S. 82 ff. (Bankschuldverschreibungen im Refinanzierungsgefüge der Institute; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankstellennetz (banking network):

Die Zahl der Institute, die von Kunden Einlagen entgegennehmen, innert eines bestimmten geographischen Gebiets.

– Siehe Bankendichte, Finanzplatz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Banktestament und Bankentestament (bank testament, bank living will):

Volkstümliche Bezeichnung für die in Grossbritannien im Herbst 2009 eingeführte Pflicht für grosse Banken, im Voraus Regelungen für Notfälle zu treffen. Darin muss ein Institut vor allem aufzeigen,

1. welche Einheiten es im Krisenfall abstossen könnte,

2. wie die Kundeneinlagen - durch Übergabe an einen Dritten - abgesichert werden können und

3. wie bei Börsengeschäften auf eigene Rechnung das Handelsbuch innert sechzig Tage aufgelöst werden kann. Die britische Aufsichtsbehörde (Financial Services Authority, FSA) regelt die Bestimmungen in Einzelheiten und überwacht diese.

– Dahinter steht letztlich die Überlegung, dass die Ankündigung, systemische Banken fallen zu lassen, umso glaubwürdiger sei, desto klarer die Abfolge eines möglichen Scheiterns im Vorhinein festgelegt wird. Eine Liquidation wäre damit auch im Ernstfall ziemlich rasch umsetzbar. Freilich liegen in der praktischen Umsetzung des Banktestaments viele Haken (rechtlich, wettbewerbspolitisch, aber auch mögliche Anreize zu leichtsinnigem Geschäftsgebaren [Moral Hazard]), die Gegenstand vielfältiger Erörterungen sind.

– Siehe Abwicklungsmechanismus, einheitlicher, Bad Bank, Bail-out, Bank, systemische, Bankenaufsicht, europäische, Bankenkrankenhaus, Bankenrettungsgesetz, Bankenschelte, Crisis Management Groups, Grössenvertrauen, Konkursverfahren für Banken, G-Sifi, Mindestanforderungen an die Ausgestaltung von Sanierungsplänen, Notfallfonds für Krisenbanken, Pflichtwandelanleihe, Too big to fail-Grundsatz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankverflechtung (bank interlocking):

1 Durch Beteiligung vermittelte Verbindung zwischen rechtlich selbständigen Banken in einem Land, ohne Rücksicht darauf, ob sie unter einer Dachgesellschaft zusammengefasst sind (Konzern; group) oder nicht.

2 Die grenzüberschreitende Verflechtung im Bankenbereich, wie diese besonders in einigen EU-Staaten - ein sehr hoher Anteil der Banken im Auslandsbesitz findet sich derzeit in Estland, Tschechische Republik, Slowakei, Ungarn und Polen - vorherrscht. Eine "Europäisierung" des Bankensektors innert der EU wird - auf welche Art auch immer - in für die weitere Zukunft erwartet.

– Siehe Allianzen, grenzüberschreitende, Auslandsbanken, Bankbetriebsgrösse, optimale, Bankenaufsicht, europäische, Bankentflechtung, deutsche, Bankfusionen, Europa-AG, Sifi-Oligopol.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bank-Versicherungskonzern (bank insurance group):

Ein Unternehmen, das sowohl Geldgeschäfte betreibt als auch in der Assekuranz gewerblich tätig ist.

– Siehe Finanzkonglomerat.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankwerte (bank shares):

In der Sprache der Börse versteht man darunter Aktien von Banken, also nicht Vermögensgegenstände, die den Banken gehören.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankzinsen (bank interest):

Wenn nicht anders definiert die Zinsen, welche Institute Kreditnehmern berechnen.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juli 2009, S. 37 ff. (Entwicklung der Bankzinsen im Eurogebiet und in den USA 2003 bis 2009; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2009, S. (Ertragslage seit 1973; Übersichten und in Fortschreibung den jeweiligen September-Bericht der Deutschen Bundesbank), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2010, S. 37 (Übersichten der Konditionen für verschiedene Kreditarten seit 2002).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bankzusammenbruch (bank failure):

Denknotwendig kann es nur zwei Gründe für Bankzusammenbrüche geben, nämlich

1. Risiken werden falsch eingeschätzt; dies geschieht durch fahrlässige Kreditprüfung seitens einer einzelnen Bank; andere Institute lehnen sich an die Entscheidung an (Herdenverhalten; contagion);

2. zwar werden die Risiken richtig erkannt; jedoch rechnet man damit, dass im Notfall der Staat oder andere die Schulden ausgleichen (Moral Hazard).

– Siehe Abwicklungsmechanismus, einheitlicher, Bad bank, Bankenkrise, Banken-Triage, Bankregel, goldene, Banktestament, Crash, Fünfhunderteuro-Schein, Geldverleiher letzter Instanz, Hypo Real Estate-Rettung, IndyMac-Pleite, Liquiditätspool, Notfall-Liquiditätshilfe, Northern Rock-Debakel, Rollenmischung, bankliche, Rückschlag-Effekt, Seelenmassage, Single Master Liquidity Conduit, Stabilitätsfonds, europäischer, Subprime-Krise, Zitronenhandel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bar:

1 In der Börsensprache der USA eine Million USD.

2 In England umgangssprachlich ein GBP (one bar = one pound).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Baratgeschäft, Barattgeschäft, Barattogeschäft und Barratation (barter, countertrade):

Tauschgeschäft, bei dem - grundsätzlich ohne Dazwischenschaltung von Geld - Ware gegen Ware bzw. auch Wertpapier gegen Wertpapier übertragen wird (system of exchange in which one good is traded directly for another without the use of money). - Solche Geschäfte waren vor allem unter Kaufleuten früher vor allem dort üblich, wo der Geldwert starken Schwankungen (Oszillationen; oscillations: vibrations above and below a mean value) unterlag oder das Geld seine Massstab-Eigenschaft verloren hatte.

– Siehe Demonetisation, Gegenseitigkeitsgeschäft, Geldabschaffung, Geldfunktionen, sekundäre, Kompensation, Preisanpassungskosten, Tausch-Gutschein, Zahlung, Zahlungsstrom, Zigarettenwährung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Barabfindung (cash settlement):

Bei einer Option wird statt der Lieferung des Basiswertes am Fälligkeitstermin (deadline) eine entsprechende Geldzahlung geleistet. Diese entspricht der Differenz zwischen dem Ausübungspreis und dem Kurs des Basiswertes.

– Siehe Barausgleich Commodity Futures, Erfüllung, Forderungs-Inkongruenz, Geldabfindung, Lieferung, physische, Option, Position, schwache, Rohstoff-Terminvertrag, Zahlung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Barausgleich (cash clearing):

1 Bei Termingeschäften der Ausgleich in Geld zwischen dem vereinbarten Preis und dem Preis des Basiswertes am Erfüllungstermin eines Vertrages; auch Barabfindung genannt.

2 Vereinbarung, wonach im Falle von Kontrakten, bei denen der Wert vertragsgemäss von Zeit zu Zeit neu festgestellt werden muss (in which positions are periodically marked to market), die so berechneten Überschüsse bzw. Nachzahlungen in Bargeld auszugleichen sind.

– Siehe Barabfindung Close-and-Reprice-Contract, Indexoption, Lieferung, physische, Margenausgleich, Nachschuss-Aufforderung, Nachschuss-Vereinbarung, Option, Optionsanleihe, Position, schwache, Schwankungsmarge.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Barbell-Verfahren auch Hantel-Verfahren (barbell strategy):

Ein Anleger nimmt kurzfristige Titel in sein Portfolio und langfristige Titel bis zu dreissig Jahren (investment strategy that concentrates holdings in the portfolio in both very short-term and extremely long-term maturities; this is also known as "dumbbelling" [dumbbell = Hantel] or "barbelling" {barbell = Langhantel, Scheibenhantel, Hantel mit langer Stange, Kugelstange]). Bei Fälligkeit der kurzfristigen Papiere ersetzt der Investor diese wieder durch neue Kurzläufer; er hält damit das Gleichgewicht zwischen Papieren mit kurzer Laufzeit und solchen mit langer Laufzeit immer auf dem gleichen Stand. - Diesem Vorgehen liegt die Absicht zugrunde, den Zinsertrag zu erhöhen, ohne ein höheres Risiko einzugehen, wie dies bei einem Portfolio aus mittelfristigen Papieren gesehen wird. Entscheidend für den Erfolg ist letztlich aber immer auch die Qualität der ins Portfolio genommenen Papiere. Gerade auch langfristige Staatsanleihen enthalten ein Risiko.

– Siehe Emerging Markets, Staatschulden, verweigerte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Barcelona-Prozess (Barcelona Process, Barcelona Programme, Euro-Mediterranean Partnership):

Bis anhin lose Form der Kooperation der EZB mit zwölf Zentralbanken der Mittelmeerstaaten.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2004, S. 73 ff. (mit wertvollen Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bardeckung (cash cover, cash collateral):

1 Im Geschäftsverkehr eine Leistung des Schuldners, für die unmittelbar eine gleichwertige Gegenleistung in sein Vermögen gelangt. Dabei müssen Leistung und Gegenleistung durch vertragliche Vereinbarung mit einander verknüpft sein.

2 Bei einer Zentralbank auch gesagt für die Summe aus Gold und Devisen in deren Besitz.

– Siehe Golddeckung, Reverse-Repurchase-Geschäft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bardepot (cash deposit):

Bargeld, das Gebietsansässige (domicilary; Inländer) auf einem Sonderkonto bei der Deutschen Bundesbank zinslos zu hinterlegen hatten, wenn sie Darlehn bei Gebietsfremden aufgenommen hatten. Die Höhe der Summe wurde als Prozentsatz vom im Ausland aufgenommenen Betrag berechnet. - Durch diese Massnahme, zwischen 1972 und 1974 in Deutschland angewendet, sollte der Zustrom ausländischen Geldes abgewehrt werden, was aufgrund der Konvertibilitäts-Verpflichtung der Deutschen Bundesbank zu einer unerwünschten Ausweitung der Geldmenge geführt hätte.

– Siehe Carry Trades, Geld, heisses.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bardevisen (foreign cash):

Ausländische Zahlungsmittel in Form von Münzen und Papiergeld - jedoch nicht auch irgendwelche Forderungen; also auch keine Sichtguthaben bei Banken, Schecks, Überweisungen und Wechsel - im Besitz einer heimischen Wirtschaftseinheit. – Zu Jahresbeginn 2010 war der Besitz von Bardevisen in 86 (!!) Ländern der Welt verboten.

– Siehe Devisenvergehen, Devisenzwangswirtschaft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bär (bear):

In Bezug auf den Finanzmarkt ein Anleger, der die Erwartung hegt, dass die Preise fallen (an investor who believes a stock or the overall market will decline).

– Siehe Bulle.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bärenfalle (bear trap):

Besonders bei börsennotierten Finanzprodukten eine Lage, bei welcher die Anleger fallende Preise erwarten und sich daher zurückhalten, derweil jedoch die Preise schon wieder steigen. - Das Gegenteil wird als Bullenfalle (bull trap) bezeichnet.

– Siehe Anlage-Opportunitätskosten, Attentismus, Liquiditätspräferenz, Opportunitätskos¬ten, Roosa-Effekt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bareinlage (cash investment):

1 Bei Gründung eines Unternehmens der in Form von Zahlungsmitteln geleistete Anteil; im Gegensatz zur Einbringung von Vermögensgegenständen, wie ein Gebäude, Maschinen oder Patente.

2 Die Margendeckung, nämlich bei Optionsgeschäften die Verpflichtung für den Schreiber einer Option, innert der gesamten Laufzeit entweder die entsprechende Anzahl Basiswerte oder andere Sicherheiten bei seiner Bank zu hinterlegen (the underlying security for which futures are traded).

3 In den Europäischer Stabilisierungsmechanismus einzuzahlende Summe seitens der Mitglieder.

– Siehe Anfangsmarge, Barausgleich, Barmarge, Brady-Kommission, Futures-Märkte, Leverage-Theorie, Marge, Nachschuss-Aufforderung, Nachschuss-Vereinbarung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Barfonds (bullion):

In älteren Dokumenten der Bestand - eines Instituts oder einer Firma - an Bargeld und der Vorrat an Edelmetall.

– Siehe Bargeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Barfrankatur (postage in specie):

Vor allem während der Inflationszeit nach dem Ersten Weltkrieg (1914 bis 1918) in Deutschland und Österreich sowie auch in den anderen vier von der Hyperinflation betroffenen Staaten (Ungarn, Polen, Russland, Rumänien) vom jeweiligen Postamt durch

1. Stempel (special postmark) oder

2. handschriftlichen Vermerk (handwritten cancel) auf das Postgut angebrachter Beleg über die Zahlung des Portos.

– Die galoppierende Inflation machte es der Postverwaltung bald unmöglich, Briefmarken (wie zunächst bei Beginn der Inflation) durch Überdruck (overprint) anzupassen. Denn die Stempel konnten nicht so schnell hergestellt werden, wie sich der Geldwert täglich, später sogar stündlich, änderte. - Entsprechende Dokumente aus dieser Zeit sind heute begehrte Sammlerobjekte (coveted collector's items); sie gelten - im Gegensatz zu Ersatz-Zahlungsmitteln aus dieser Zeit - weithin als fälschungssicher (forgery-proof).

– Siehe Behelfsgeldschein, Ersatzmünzen, Geld, sittliches, Geldwertstabilität, Hochinflationsland, Kassenschein, Notgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Barfusspilger (barefoot pligrim):

Im Börsenjargon ein Anleger, der sein ganzes Vermögen bei Spekulationen auf dem Wertpapiermarkt verloren hat (an inexperienced investor who has lost everything on the equities market).

– Siehe Anlagemut, Börsenspieler, Geschorener, Gnadengeld, Riskierer, Risk Taker.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bargeld unschön manchmal auch Kassenmittel, in älteren Dokumenten auch Comptant (cash, ready money; notes and coins):

Gesetzliche Zahlungsmittel in Form von Banknoten und Münzen. Bis anhin ist Bargeld noch das mit Abstand am häufigsten genutzte Zahlungsmittel am Point of Sale als dem Ort, wo die Zahlung stattfindet, etwa am Kassenarbeitsplatz im Supermarkt, in der Tankstelle oder beim Fahrkartenautomaten [CH: Billettautomaten]. Zu Jahresende 2010 wurden in Deutschland noch fast sechzig Prozent aller Umsätze der Privathaushalte bar bezahlt. Allerdings nimmt der hohe Bargeldanteil langsam, aber stetig (bisher etwa ein Prozent pro Jahr; nach Vorhersagen dürfte sich dieser Wert aber beschleunigen) ab.

– Siehe Annahmezwang, Banknoten-Wertbeschränkung, Bardevisen, Barfonds, Bargeld, tresoriertes, Bargeldkreislauf, Bargeldmanagement, Bargeldquote, Bargeldumlauf, Barzahlungsquote, Basisgeld, Begültigung, Geheimgeld, Geldausgabeautomat, Geldmenge, Geldzeichen, Geldzweck, Karte, Kundendaten-Informationspflicht, M1, M2, M3, Mittel, Münze, Papiergeld, reines, Summe, Spores Raffel, Vermögenswert, Währung, Zahlung, Zahlungshalber, Zahlungsmittel, Zahlungsstatt.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2006, S. 67 f. (Aufschlüsselung des Bargeldumlaufs in Eurogebiet), Monatsbericht der EZB vom September 2006, S. 19 ff. (sektorale Geldhaltung seit 1992), Geschäftsbericht 2006 der Deutschen Bundesbank, S. 97 ff. (Statistiken auch zum Umlauf an DEM), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2009, S. 49 ff. (Euro-Bargeldumlauf in Deutschland seit 2002; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2010, S. 33 ff. (Verwendung von Bargeld in Deutschland; Übersichten), Geschäftsbericht 2012 der Deutschen Bundesbank, S. 107 ff. (ausführliche Darlegung und Statistiken 2010 bis 2012) sowie die Fortschreibung im jeweiligen Geschäftsbericht der Deutschen Bundesbank, Jahresbericht 2012 der EZB, S. 103 ff. (Statistiken) sowie den jeweiligen Jahresbericht der EZB, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2014, S. 71 ff. (Bargeldabhebungen am Point of Sale; ausführliche Darstellung; zahlreiche Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bargeld, tresoriertes (vault cash):

Im Depot einer Bank verwahrte Zahlungsmittel, um

1. die geschäftstäglichen Auszahlungswünsche (day-to-day cash demands) der Kunden befriedigen und

2. Geldausgabeautomaten befüllen zu können (currency that is held by banks and is stored in their vaults in order to meet the business needs of the institute).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bargeldbearbeiter (cash handling business):

Dienstleister, die im Auftrag anderer, vor allem Banken, Handelsketten - CH: Grossverteiler; trade chains - und Grossveranstalter (event organisers),

1. die Zählung und Sortierung von Münzen und Papiergeld übernehmen,

2. dabei in der Regel auch beschädigte und gefälschte Stücke ausscheiden und

3. dann auf ein Konto des Auftraggebers einzahlen.

– Entsprechende Firmen bedürfen seit 1998 in Deutschland einer Erlaubnis und werden daher von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht überwacht. Die Behörde setzte sich nach betrügerischen Machenschaften bei zwei Geldtransportfirmen im Jahr 2006 Vorwürfen aus, weil die betroffenen Unternehmen jahrelang ungerügt ohne die erforderliche Erlaubnis am Markt tätig waren.

– Siehe Aktivitätsanalyse, Auslagerung, Bargeldkreislauf, Bargeldmanagement, Downsizing, Einzugszeit, Finanz-Transfergeschäft, Geldsack, Geldzug, Inkassogeschäft, Präklusivtermin, Rollgeld, Zahlungsinstituts-Register.

– Vgl. Deutschen Bundesbank vom Januar 2011, S. 24 ff. (Rechtsrahmen und Aufgaben der Privatfirmen in Bezug auf das Banknoten-Management).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bargeldbearbeitung (cash processing):

Besondere bankbetriebliche Leistungen für die Kundschaft wie vor allem

1. Wechsel von grösseren Münzbeträgen,

2. Beschaffung von unüblich hohen (unusually high) Bargeldbeträgen ohne Vorankündigung,

3. Ausgabe von Münzrollen (coin rolls) am Schalter bzw. auch am im Selbstbedienungsbereich (self banking areas) aufgestellten Münzrollengeber (coin roll dispenser),

4. Tausch von Geldscheinen oder

5. Nachttresor-Benutzung (night safe used by the customers). Institute berechnen für diese Sonderleistungen in der Regel Gebühren, weil damit in jedem Fall zusätzliche Kosten verbunden sind. So kann beispielsweise das Zählen und Sortieren (counting and sorting) der von Strassenmusikanten eingenommenen Münzen den Mitarbeiter einer Bank über fünfzehn Minuten beanspruchen.

– Siehe Automaten-Abhebegebühr, Bankgebühren, Bargeldmanagement, Bearbeitungsgebühr, Benutzungsgebühr, Geldausgabeautomat.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bargeldbeschaffung (cash disbursement):

Wenn nicht anders definiert, die Auszahlung von Zentralbankgeld über eine Geldkarte an einem Automaten. Ende 2010 waren in Deutschland rund 54'000 Geldausgabeautomaten aufgestellt; etwa die Hälfte der Geldnachfrage wurde zu diesem Zeitpunkt durch Automaten gedeckt. Dem standen nur 1'400 Einzahlungsgeräte gegenüber. - Bei Auszahlung aus dem Konto am Bankschalter spricht man in der Regel von Abhebung (withdrawal).

– Siehe Automaten-Abhebegebühr, Bargeld, Bargeld, tresoriertes, Bargeldbearbeitung, Geldausgabeautomat, Geldautomaten-Sperre, Internetbank, Zahlungskarte.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2014, S, 71 ff. (ausführliche Darstellung der Wege zur Bargeldbeschaffung und deren Nutzung; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bargeldkarte (cash card):

Eine Geldkarte, deren Nutzung ausschliesslich auf die Ausgabe von Bargeld an einem entsprechenden Automaten (automated teller machine, cash dispenser: an electromechanical device that permits authorised users to withdraw banknotes, usually via a machine-readable plastic card) beschränkt ist. Sie kann also grundsätzlich nicht zur Zahlung an Points of Sale verwendet werden.

– Siehe Geld(ausgabe)automat, Geldautomaten-Sperre, Karte, Zahlungskarte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bargeldkontrolle (obligation to declare cash):

Seit 15. Juni 2007 haben Reisende bei der Einreise in die Europäische Union und bei der Ausreise aus der EU mitgeführtes Bargeld - einschliesslich Edelmetalle - im Wert von 10'000 Euro oder mehr bei der für den Grenzübertritt zuständigen Zollstelle zwingend anzumelden. Grundlage dieser Vorschrift ist die Verordnung № 1889/2005 der Europäischen Kommission; sie dient der Einschränkung der Geldwäsche.

– Siehe Banknoten-Wertbeschränkung, Fluchtgeld, Kontenoffenlegung, Registriergeld, Terrorismus-Finanzierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bargeldkreislauf (cash circle):

Der Fluss von Noten und Münzen

1. von der Zentralbank über die Banken zu den Konsumenten und

2. über den Handel zurück - teilweise ebenfalls über Banken, dort wo die Zentralbank keine Filiale hat - zur Zentralbank. Werttransportunternehmen (armoured car services) übernehmen in dieser Kette die Aufgabe des physischen Transports und daneben auch oft auch die Rolle als Bargeldbearbeiter, der bankmässigen Aufbereitung des Geldes und der Befüllung der Geldautomaten.

– Für das Jahr 2010 wurde der Bargeldkreislauf von den einzelnen Kassen zur Deutschen Bundesbank auf etwa 0,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts geschätzt.

– Siehe Bargeld, Bargeldmanagement.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2011, S. 19 ff. (ausführliche Darstellung des Bargeldkreislaufs; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bargeld lacht (cash is king):

Beliebter Ausspruch in der Bedeutung, dass

1. letztlich nur ein dauerhafter, beständiger Cashflow die Grundlage eines gesunden Unternehmens sein kann bzw.

2. es für ein Unternehmen immer von Vorteil ist, auf Barmittel jederzeit zurückgreifen zu können (phrase used to refer to the crucial benefit of a constant cash flow in as far as the total state of a business is concerned; and further it is a description that refers to the importance of cash assets in business) aber auch

3. auf dem Markt im Normalfall derjenige Käufer am ehesten zu Zuge kommt, der sofort in Geld bezahlt.

– Siehe Barmittelquote, Barzahlung, Cash-Management, Finanzplanung, Gap-Analyse, Liquidität, Liquiditätsformen, Unterliquidität.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bargeldmanagement (cash management):

1 Die aufwendige - bei der Deutschen Bundesbank entfielen 2009 etwa sechzig Prozent der Kosten auf diesen Bereich - und keine Erträge abwerfende Tätigkeit der Zentralbank im Bargeldkreislauf. Darin eingeschlossen ist auch die Prüfung eingehender Banknoten und das Ausscheiden nicht mehr umlaufsfähiger (banknotes which are no longer fit for circulation) oder gefälschter Scheine. - Zu Jahresbeginn 2010 waren bei der Deutschen Bundesbank in diesem Tätigkeitsbereich fast dreissig Prozent der Mitarbeiter beschäftigt; im Jahr davor waren 15 Mia einzelne Banknoten bearbeitet worden, etwa 180 Stück pro Einwohner. - Die Deutsche Bundesbank testet und zertifiziert auch Maschinen zur Bargeldbearbeitung (cash processing machines).

2 Das Verhalten der Wirtschaftssubjekte und in engerem Sinne der Verbraucher in Bezug auf die Verfügungen in Bargeld. Die Deutsche Bundesbank beobachtet dies in eigenen Zahlungsverhaltungsstudien (payment behaviour studies).

– Siehe Banknoten-Wertbeschränkung, Bargeld, Bargeld lacht, Bargeldbearbeiter, Bargeldbearbeitung, Falschgeld.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2014, S. 73 ff. (ausführliche Darstellung des Zahlungsverhaltens in Deutschland; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bargeldquote (note and coin circulation):

Bei der EZB der Bargeldumlauf bezogen auf das Sozialprodukt. Diese Kennzahl ist bis anhin - von Sondereinflüssen abgesehen - in den entwickelten Volkswirtschaften trotz steigenden Sozialprodukts über die Jahrzehnte ziemlich beständig geblieben. Erklärt wird dies vor allem damit, dass

1. Bargeld durch Sichtguthaben auf Girokonten (giro accounts) und Überweisungsverkehr,

2. durch Karten sowie

3. wenn auch bis anhin noch langsam, so doch stetig durch E-Geld ersetzt wird.

– Daraus folgt eindeutig, dass die Zentralbank auch für die Knapphaltung des Buchgeldes die letzte Verantwortung übernehmen muss. - Andererseits steht aber empirisch gesichert fest, dass mit steigendem Wohlstand mehr Bargeld zur Vermögensanlage gehalten wird.

– Siehe Banknoten-Wertbeschränkung, Bargeld, Eventual-Kasse, Idle money, Liquiditätspräferenz, Reservesockel.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2007, S. 16 f. (höhere Liquiditäts-Präferenz führt zu einer höheren Bargeldquote).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bargeldraum (currency area):

Ein Gebiet, in dem von einer einzigen Zentralbank ausgegebene Banknoten und Münzen gesetzliches Zahlungsmittel sind; eine andere Bezeichnung für Währungsraum.

– Siehe Nebenwährung.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Oktober 2007, S. 113 (einheitlicher Euro-Bargeldraum; Probleme), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2010, S. 33 ff. (Verwendung von Bargeld in Deutschland; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bargeld-Transaktionen (cash transactions):

In der Sprache der Zentralbanken die

1. persönliche Mitnahme entweder selbst oder durch andere bzw.

2. Verschickung (letter mail) von Papiergeld und Münzen von einem Land in ein anderes. Die statistische Erfassung im Rahmen der Zahlungsbilanz ist hier überaus schwierig, vor allem auch im Eurogebiet.

– Siehe Andienungspflicht, Banknotenumlauf, Banknoten-Wertbeschränkung, Bargeldkontrolle, Bargeldumlauf, Bewertbarkeit, Devisenbewirtschaftung, Eurogebiet, Financial Intelligence Unit, Hawala, Reise-Zahlungsmittel, Underground Banking.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2005, S. 39 und wegen der Gefahr der Geldwäsche auf dieser Schiene auch den jeweiligen Jahresbericht der BaFin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bargeldumlauf (currency in circulation):

Sämtlich in Verkehr befindlichen Banknoten und Münzen, die als gesetzliches Zahlungsmittel Verwendung finden. Bei der EZB genauer die vom Eurosystem ausgegebenen Banknoten plus die vom Eurosystem und von Zentralstaaten ausgegebenen Münzen. Es handelt sich dabei um eine Nettogrösse; abgezogen ist der (Kassen-)Bestand der Banken und der Eigenbestand der Zentralbank.

– Siehe Bargeld, Basisgeld, Geldmenge, Golddeckung, Liquidität, M1, M2, M3, Zentralbankgeld.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2002, S. 19 ff. (Umlauf an DEM und EUR im Vergleich), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2009, S. 60 f. (Bestimmungsgründe der Nachfrage nach Bargeld), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2010, S. 33 ff. (Verwendung von Bargeld in Deutschland; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2010, S. 33 ff. (Verwendung von Bargeld in Deutschland; Übersichten) sowie den jeweiligen Monatsbericht der EZB, dort den Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets" und die Rubrik "Monetäre Entwicklungen, Banken und Investmentfonds".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bargeldunion (currency union):

Wenn nicht anders definiert, die Einführung der auf EUR lautende Banknoten und Münzen am 1. Januar 2002 in den elf Staaten, die zu diesem Zeitpunkt der Europäischen Währungsunion beigetreten waren. In Deutschland wurden ab 17. Dezember 2001 Münzpäckchen (starter kicks) mit 10,23 EUR für 20 DEM an die Bevölkerung ausgegeben.

– Siehe Bargeldraum, Eurogebiet, Euroland, Eurostaaten, Eurosystem, Euro-Währungsgebiet, Europäisches Währungsinstitut, Frontloading, Rückkehr-Ideologie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Barkredit (advance account, cash advance, cash credit):

1 Im engeren Sinne ein Darlehn, das eine Bank einem Kunden gewährt, und das auf Wunsch in Bargeld ausbezahlt wird, manchmal auch Abstattungskredit (term loan facility) genannt.

2 Ein Darlehn, das im Rahmen eines fest vereinbarten Tilgungsplans an Privathaushalte vergeben wird, auch Ratenkredit und Konsumentenkredit genannt. Dabei ist eine Auszahlung in Bargeld nicht - wie die Benennung es in diesem Fall vermuten lässt - notwendige Bedingung des Begriffs. Die kreditgewährende Bank kann vielmehr im Rahmen des Darlehnsvertrags das dem Kreditnehmer zur Verfügung gestellte Geld auch unmittelbar an einen Dritten überweisen, etwa an einen Gläubiger des Kunden.

– Siehe Anschaffungskredit, Dispositionskredit, Königsberger System, Überziehung, Vorlage.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Barmarge (cash margin):

Auf Warenmärkten und vor allem auf dem Goldmarkt übliche Bezeichnung für den Prozentsatz an Zentralbankgeld - in der Regel fünfunddreissig Prozent -, der bei einem Terminkontrakt - üblicherweise mindestens 100 Unzen, etwa drei Kilogramm - hinterlegt werden muss. - Dieser Margenbetrag wird auf ein eigenes Margenkonto gutgeschrieben und bleibt dort bis zur Fälligkeit des Kontraktes blockiert. Fällt der Goldpreis nach Vertragsabschluss, dann muss eine zusätzliche Margendeckung beschafft werden; denn die Kreditierung (von fünfundachtzig Prozent) bezieht sich stets auf den Marktwert des Termingoldes.

– Siehe Bareinlage, Bonitätsrisiko, Einschuss, Margenausgleich, Margendeckung, Rohstoff-Terminvertrag, Schwankungsmarge, Sicherheitsmarge, Unterlegung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Barmittel auch Barliquidität (available cash, amount of ready money):

1 Bei einem Unternehmen die Summe aus Kassenbestand (cash at balance) plus Sichteinlagen bei Banken. - Barmittel sichern dem Unternehmen die sofortige Zahlungsfähigkeit, bringen aber in der Regel kaum Zinsen ein. Barliquidität ist in jedem Fall mit Opportunitätskosten verbunden; anders ausgedrückt: die sofort verfügbaren Zahlungsmittel können nicht kostenlos gehalten werden.

2 Nach IAS definiert als

1. Bargeld und

2. Cash Equivalents, nämlich kurzfristige, hochliquide, jederzeit in Geld umtauschbare Forderungen, deren Betrag und Fälligkeit dem Grund, der Höhe und dem Zeitpunkt nach genau bekannt und keinem bedeutsamen Risiko unterworfen sind.

– Siehe Bargeld lacht, Cash-Management, Finanzplanung, Gap-Analyse, Liquidität, Liquiditätsformen, Unterliquidität.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Barmittelquote (quota of available cash):

Wenn nicht anders definiert bei einem Unternehmen der Anteil der Barliquidität an den Aktiva, manchmal auch auf die Bilanzsumme bezogen. - Diese Quote liegt bei Kleinstunternehmen (mircoenterprises: hier verstanden als Unternehmen bis zu neuen Beschäftigten) auffallend hoch, bei grossen Firmen aber niedrig. Daraus wurde gefolgert und in betriebswirtschaftlichen Lehrbüchern auch verbreitet, dass es bei den Mikrounternehmen an der Befähigung zur planvollen Bewirtschaftung der Zahlungsmittel fehle. Dem ist aber entgegenzuhalten, dass

1. die Flexibilität (flexibility: hier verstanden als rasches Anpassen an sich verändernde Gegebenheiten im technischen und wirtschaftlichen Bereich des Unternehmens) bei Kleinstunternehmen sehr hoch ist, und dies von selbst einen gesteigerten Bedarf nach Barmitteln mit sich bringt,

2. mit der Investition in Wertpapiere auch Kosten für Information, Beschaffung, Verwaltung, Überwachung, Rechnungslegung anfallen, die weitgehend unabhängig von der Höhe des Anlagebetrags sind, und die gegebenen zeitlichen Ressourcen eines Mikrounternehmens gewöhnlich sprengen,

3. bei nicht wenigen Anlagen ein Mindestbetrag beim Kauf gilt; diese Summe übersteigt oft die Schwelle, bei der sich ein Kleinunternehmen engagieren könnte und schliesslich

4. viele der statistisch erfassten Mikrounternehmen Einmannbetriebe sind; allfällige Investitionen in Wertpapiere werden dann dem Privatvermögen des Unternehmers und weniger dem Betriebsvermögen zugeordnet.

– Siehe Bargeld lacht, Cash-Management, Finanzplanung, Liquidität, optimale.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Barofferte (cash transaction):

In Zusammenhang mit Firmenübernahmen das Angebot - CH: die Offerte - an die Eigentümer (owners: Aktionäre, Gesellschafter), sie durch eine Zahlung in Geld abzufinden. Dieser Form steht der Aktientausch-Übernahme gegenüber, bei dem die Eigner des übernommenen Unternehmens mit Aktien der investierenden Gesellschaft entschädigt werden.

– Siehe Asset Deal, Europa-AG, Fusionen und Übernahmen, Fusionsanzeige, Geldsockel, Grössen-Effekte, Konsolidierung, Kriegskasse, Makkaroni-Abwehr, Raider, Risiko, personelles, Ritter, weisser, Staatsfonds, Transaktionsbonus, Übernahme-Angebot, Übernahmebeirat, Übernahmerisiken.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2007, S. 34 ff. (auch Übersicht der Barofferten seit 1997).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Barometer-Aktie (bellwether share [stock], barometer share [stock]):

An der Börse notierte einzelne Aktie bzw. Aktien einer Branche (etwa der Fahrzeugindustrie; motor vehicle industry), deren Kursbewegungen

1. in der Vergangenheit nachweislich einen nahe bevorstehenden konjunkturellen Aufschwung oder Abschwung anzeigte und

2. unterstellt wird, dass diese Signalfunktion (signal function) auch weiterhin angenommen werden kann.

– Siehe Insolvenzfälle, Stimmungs-Barometer, Zyklik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Barreserve (cash reserve):

Der Betrag an Zentralbankgeld, den eine Bank zur Aufrechter¬haltung ihrer Zahlungsfähigkeit benötigt, manchmal auch Kassenreserve genannt. - In Prozent der Einlagen gesamthaft berechnet, wird der Barreservesatz (Kassenreservesatz) ausgedrückt.

– Siehe Bargeldbearbeitung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Barriere-Option (barrier option):

Besondere Form einer exotischen Option, die jeweils mit einer Schranke (barrier; Sperre, Barriere) ausgestattet ist. Das Optionsrecht löst sich automatisch aus (Knock-in-Option) oder beendet sich (Knock-out-Option), sobald die Barriere erreicht wird (contracts with trigger points that, when crossed, automatically generate buying or selling). - Sowohl Call- als auch Put-Optionen können in Form einer Barriere-Option gestaltet werden. Ferner kann die Barriere oberhalb (up) oder unterhalb (down) des Basiskurses liegen.

– Siehe Option.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Barwert auch Gegenwartswert (actual cash value, present value, capital value):

Der auf die Gegenwart abgezinste Wert einer künftig fälligen Forderung.

– Siehe Abzinsung, Diskont, Ertragswert, Gewinnerwartungen, Veräusserungspreis.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Barzahlung, in A auch Barerlag (cash payment, cash settlement):

1 Im engen Sinne die sofortige Begleichung (Abwicklung Zug um Zug) einer Schuld durch Bargeld, also Banknoten oder Münzen.

2 In weiterem Sinne ordnet man auch die Übergabe eines Barschecks (open cheque, cash cheque) oder die Abbuchung (debiting) von einer Karte dem Begriff "Barzahlung" zu.

3 In sehr weitem Sinne versteht man unter Barzahlung die Ablösung eines Schuldbetrags innert dreier Tage nach Empfang der Ware oder Dienstleistung, wobei der Zahlungsweg offen bleibt.

– Die juristische Fachliteratur ist reich an Erörterungen zum Begriff "Barzahlung", wobei regelmässig auch auf die Gewohnheiten (Usancen; usages: the customary length of time allowed for the payment) der Branche Bedacht genommen werden muss.

– Siehe Banknoten-Wertbeschränkung, Bargeld lacht, Barzahlungsquote, Bullet Payment, Contant, Geldpassage, Geldzeichen, Glattstellung, Pay-Green-Initiative, Spores Raffel, Überweisung, Zahlbarstellung, Zahlungsgewohnheiten, Zahlungshalber.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Barzahlungsklausel (cash payment clause):

Wenn nicht anders definiert, seitens der Karten ausgebenden Bank das vertraglich festgelegte Verbot

1. für Barzahler - hier im Sinne der sofortigen Begleichung der Schuld durch gesetzliche Zahlungsmittel - Nachlässe als Wahlmöglichkeit zur Zahlung mit der Geldkarte zu gewähren oder

2. Gebühren im Falle der Zahlung mit der Geldkarte zu berechnen (no surcharge rule; Preisaufschlagsverbot).

– Trotz vereinbarter Konventionalstrafen wird die Barzahlungsklausel im Sinne von

1. vor allem bei sehr hohen Transaktionen häufig nicht eingehalten.

– Siehe Contant, Disagio.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Barzahlungsquote (cash quota):

In Deutschland hatte (nach Erhebungen der Deutschen Bundesbank) im Jahr 2009 gemessen am Wert der Transaktionen das Bargeld einen Anteil von 57,9 Prozent, der Rest entfiel auf Karten. - Bezieht man die Anteile auf die Menge der Transaktionen (auf die täglichen Einkäufe), so liegt Bargeld mit 82,5 Prozent an der Spitze, gefolgt von EC-Karten (Debitkarte mit dem ec-Logo [electronic cash system]; rechtlich eine Zahlungskarte, keine Kreditkarte, wie oft fälschlich zu lesen ist) mit 12 Prozent und Kreditkarten mit 1,4%. - In einem ziemlich stetigen Trend nimmt der Anteil der Barzahlungen seit 2000 jährlich um grob 1% ab. Indessen war im Jahr 2010 Bargeld in Deutschland noch immer das Zahlungsmittel, welches die Bürger am häufigsten einsetzten, führend vor allem bei kleineren Zahlbeträgen.

– Siehe Banknoten-Wertbe¬schränkung, Bargeld, Geldkarte, Karte, Zahlungskarte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Basar-Ökonomie (bazar economy):

In Zusammenhang mit der Kritik an der weltweiten ökonomischen Verflechtung 1990 aufgekommener Ausdruck. Danach würden deutsche Güter weitgehend im billigen Ausland gefertigt, und sie bekämen dann nur noch einen "Made-in-Germany"-Stempel aufgedrückt. - Das entspricht jedoch nicht den Tatsachen. Im Jahr 2005 blieben 57 Cent jedes exportierten EUR an Wertschöpfung in Deutschland.

– Siehe Direktinvestitionen, Globalisierung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2006, S: 49 ff. (Auswirkungen von Direktinvestitionen auf die heimische Beschäftigung, mit Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2014, S. 49 ff. (Zusammenhang zwischen Direktinvestitionen und der inländischen Investitionstätigkeit; Übersicht; Literaturhinweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2014, S. 65 (deutsche Direktinvestitionen weltweit: Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Basel (Basle; Achtung: die Aussprache im Englischen ist oftmals so wie die im Französischen, also Bâle!):

Bisweilen gebrauchte Kurzform für Basel-I, Basel-II oder Basel-III.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Basel-I (Basle-I):

Kurzform für die Basler Vereinbarung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Basel-II (Basle-II):

1 Allgemein die Bezeichnung für ganz bestimmte Regeln über die Rücklagen, welche Banken bei der Gewährung von Darlehn bilden müssen. Je besser die Aussicht auf pünktliche Bedienung des Kredits bzw. je zahlungsfähiger der Schuldner ist, desto geringer ist das notwendige Polster.

2 Im Besonderen die vom Basler Ausschuss für Bankenaufsicht erarbeiteten (neuen) Richtlinien hinsichtlich

1. des Risikomana-gements (Säule I; pillar I),

2. der Befugnisse der Aufsichtsbehörden zur Kontrolle des Risikomanagements (Säule II; pillar II) und

3. der erweiterten Offenlegung und der Marktdisziplin (Säule II; pillar III) der Banken. - Diese sehr detaillierten Richtlinien wurden am 1. Jänner 2008 von den nationalen Aufsichtsbehörden (zunächst der OECD-Staaten) verbindlich in Kraft gesetzt.

– In Zweifelsfällen ist der englische Originaltext der Richtlinien verbindlich.

– Siehe Bankenaufsicht, europäische, Basel-III, Capital Group, Capital Requirements Directive Transposition Group, German Finish, Vorwirkung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2001, S. 15 ff., Monatsbericht der EZB vom Mai 2001, S. 65 ff., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2003, S. 45 ff., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2004, S. 75 ff. (viele Erklärungen; S. 98 f. wichtige Übersicht der Rechtslage), Monatsbericht der EZB vom Januar 2005, S. 53 ff. (dort auch belangreiche Definitionen), Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 49 ff. (hier auch Einzelheiten zur terminlichen Umsetzung), S. 94 ff. (mit "Regelsetzungs-Pyramide" S. 96), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 69 ff. (Umsetzung von Basel-II in deutsches Recht; viele Übersichten), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 44 ff. (erste Erfahrungen mit der Umsetzung; offene Probleme), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2009, S. 59 ff. (ausführlicher Bericht über die Umsetzung in Deutschland; zahlreiche Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2011, S. 83 ff. (zu der internationalen Koordinierung der Aufsicht), Jahresbericht 2011 der Deutschen Bundesbank, S. 94 ff. (Allgemeines; Folgearbeiten; RWA-Initiative).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Basel-III (Basle-III):

Im September 2010 vom Basler Ausschuss beschlossene neue bankenaufsichtliche Regeln in Bezug auf höhere Mindestkapitalanforderungen der Banken. Die neuen Vorschriften werden ab 2012 schrittweise in einem genau festgelegten Zeitplan bis zum Jahresbeginn 2019 eingeführt. - Mussten nach Basel-II nur 2 Prozent auf die harten, bei Verlusten sofort haftenden Bestandteile Aktien und Gewinnrücklagen entfallen, so sind es vom Jahr 2015 an 4,6 Prozent. Ab 2013 erhöht sich diese Vorgabe auf 3,5 Prozent, ein Jahr später sind es 4 Prozent. Von 2016 an müssen Banken dann beginnen, einen Kapitalpuffer (capital conversation buffer) in Höhe von 2,5 Prozent bis 2019 aufzubauen. Auch dieser darf nur aus hartem Kernkapital bestehen. Zudem müssen die Institute einen weiteren, antizyklischen Puffer einrichten, der sich nach den nationalen Besonderheiten ausrichtet und eine Vorsorge in Zeiten sehr starken Wachstums der Kredite darstellt. Stille Einlagen, die gerade für deutsche Banken bedeutend sind, werden bei Aktiengesellschaften nicht mehr als Kernkapital anerkannt. Bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken müssen diese Kapitalbestandteile bestimmte Auflagen erfüllen. - Die Aufsichtsbehörden einzelner Staaten können über diese Standards hinausgehende Vorschriften erlassen; dies wurde im Mai 2012 von den EU-Finanzministern beschlossen. Aus der Sicht eines Instituts bedeutet dies, dass für ein und dasselbe Geschäft je nach Land unterschiedliche Regelungen gelten. Bei einem Kredit an ein international tätiges Unternehmen wird es daher günstiger sein, das Geld an eine mit niedrigeren Auflagen belastete Tochter im Land A anstatt an die Konzernleitung im Land B zu überweisen. Konzernintern wird dann der Betrag der Konzernmutter zugeleitet. - Berechnet wurde, dass die deutschen Banken bis 2018 im Zuge von Basel-III rund 50 Mia EUR an zusätzlichem Kapital aufbringen müssen. - Nach Basel-III steigt zwar die Eigenkapitalanforderung bei Banken letztlich auf sieben Prozent und bei systemischen Banken auf bis zu zehn Prozent, Aber diese Verhältniszahlen beziehen sich auf die risikogewichteten Aktiva (risk-weighted assets), und nicht auf die Aktiva gesamthaft. Manche Institute rühmen sich ihrer zehn Prozent Kernkapital nach Basel-III; indessen macht ihr Eigenkapital weniger als drei Prozent der Bilanzsumme aus. Es genügt mithin ein Verlust von drei Prozent der Aktiva, um die Bank insolvent werden zu lassen. In der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise beliefen sich die durchschnittlichen Verluste grosser Banken auf vier Prozent der Aktiva. Das unterstützet die Forderungen vieler Aufseher (banking supervisors; im Jargon auch "financial watchdogs") die Eigenkapitalanforderungen an die Institute merklich zu erhöhen. Denn schliesslich gilt es als das beste Mittel, den Finanzmarkt zu regulieren, die Haftung ganz bei den Banken zu belassen.

– Siehe Aktiva-Minderung, Anlage-Haftung, Bankenaufsicht, europäische, Eigenkapitalquote, Handelsoffenlegung, Leverage Ratio, Kapitalpuffer, antizyklischer, Mindestliquiditätsquote, Moral Hazard, Regelwerk, einheitliches, Regulierungsdruck, Strukturelle Liquiditätsquote, Verlustabsorptionsfähigkeit, Vorwirkung, Zwangswandelanleihe.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2010, S. 8 f. (Übersicht der neuen Regelungen; Zeitplan 2013 bis 2019), S. 69 ff. (Offenlegungspflichten; S. 78: Leitlinien zu den Offenlegungspflichten; S. 80: Überblick), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. S 54 ff. (eingehende und übersichtliche Darstellung der neuen Standards), Finanzstabilitätsbericht 2010, S. 112 f. (Vorausberechnung der Auswirkungen von Basel-II auf die deutschen Banken bis 2016), Jahresbericht 2011 der Deutschen Bundesbank, S. 95 (Auswirkungsstudie; RWA-Initiative), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 63 ff. (Umsetzungsbemühungen; Zeitplan), Monatsbericht der EZB vom Februar 2012, S. 28 f. (Umfang der Lasten für die Banken im Zuge von Basel-III), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 90 f. (antizyklischer Kapitalpuffer für Kredite), Monatsbericht der EZB vom April 2013, S. 83 ff. (die Liquiditätsvorschriften von Basel-II in Zusammenhang mit der Geldpolitik; viele wichtige Erläuterungen; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2013, S. 57 ff. (Umsetzungsprobleme; sehr viele Einzelheiten genau dargelegt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Baseler (Basle):

In der Schweiz (wo diese Stadt liegt) sagt man nur "Basler"; so auch bei der EZB. Bei der Deutschen Bundesbank schreibt man in Anlehnung an überhebliche preussische Amtsstuben (arrogant Prussian government offices looking down with disdain to Switzerland) beharrlich "Baseler".

– Siehe Basler.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Basis (basis):

1 An der Börse der Unterschied zwischen dem Kassapreis und dem Terminpreis eines Finanzproduktes oder einer Ware. Kassa minus Futures = Basis (the difference between the cash price and the futures price observed in the market).

2 Basis bezieht sich manchmal auch auf den Unterschied zwischen verschiedenen Märkten oder Warengüteklassen.

– Siehe Abschlag, Option, Rohstoff-Terminkontrakt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Basis, fallende (short-the-basis):

Wenn ein Unternehmen in der Zukunft eine Ware - beispielsweise eine Mühle bestimmte Mengen Weizen - kaufen muss, so kann es sich an der Börse gegen eine unerwartete Preissteigerung schützen, indem es einen Ersatzkauf im Terminmarkt vornimmt. Das einzige Risiko, das übrigbleibt, ist eine Veränderung der Basis (basis: Kassakurs minus Terminpreis). - Das Unternehmen ist - wie man sagt - "short-the-basis", weil es profitieren wird, wenn die Basis schwächer wird. - Wenn also beispielsweise ein Unternehmen einen Weizen-Terminkontrakt zu USD 4,25 kauft und der Kassakurs bei USD 4,12 steht, dann beträgt die Basis minus 0,13. Wenn das Sicherungs-Geschäft beendet wird, und jetzt Futures bei USD 4,20 und Kassa bei USD 4,00 stehen, so beträgt die Basis minus 0,20. Das Unternehmen profitiert nunmehr aufgrund der Basisabnahme um USD 0,07. - Entsprechendes gilt, wenn die Basis stärker wird; das Unternehmen ist dann "long-the-basis".

– Siehe Aus dem Geld, Option, Rohstoff-Terminvertrag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Basis, schwache (weak basis):

An der Börse ein vergleichsweise grosser Unterschied zwischen Kassakurs und Terminpreis eines Gutes. Eine schwache Basis wird oft auch "breite Basis" oder "mehr negative Basis" genannt. - Im Besonderen kommt eine schwache Basis vorwiegend bei Getreide zur Erntezeit vor, wenn Vorräte reichlich vorhanden sind. Käufer können jetzt ihr Kaufgebot herabsetzen. Während Kassakurse im Verhältnis zu Futures fallen, schwächt sich die Basis; sie verbreitert sich, wie man auch sagt. Eine schwache Basis deutet allgemein auf einen schlecht zu verkaufenden, aber gut zu kaufenden Markt hin.

– Siehe Rohstoff-Terminvertrag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Basisansatz (foundation approach):

Nach Basel-II einfache Methode des internen Ratings, bei der ausschliesslich Ausfallwahrscheinlichkeiten zu schätzen sind; andere Grössen (Verlustquote im Insolvenzfall, Erlösquote aus der Verwertung von Sicherheiten) werden von den Aufsichtsbehörden vorgegeben.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Basiseffekt (base effect):

Der Einfluss ungewöhnlicher monatlicher Veränderungen des Preisindex der Lebenshaltung gesamthaft oder einzelner Teilindizes auf die jährlich gemessene Inflationsrate. - Die Höhe der heute in den Statistiken ausgewiesenen Inflationsrate einer bestimmten Periode hängt nicht nur von der Preisentwicklung in dieser Zeitspanne ab. Wenn es beispielsweise in einer Vorperiode zu einem vorübergehenden starken Preisanstieg kam - wie etwa die Erhöhung der Mehrwertsteuer -, dann wird die aktuell gemessene Inflationsrate niedriger, gegebenenfalls sogar rückläufig ausfallen. Das gilt es auch bei der Beurteilung des Harmonisierten Verbraucherpreisindex zu berücksichtigen.

– Siehe Kerninflation, Substitutionsverhalten.

– Vgl. zur mathematischen Berechnung und genaueren Definition Monatsbericht der EZB vom Januar 2005, S. 32 ff., Monatsbericht der EZB vom Januar 2007, S. 36 ff. (ausführliche Erörterung; Übersichten; S. 38: wichtige Aussagen zur Nachwirkung von Basiseffekten bzw. deren Einfluss auf die kommende Preisentwicklung), Monatsbericht der EZB vom Januar 2008, S. 43 f. (Grundsätzliches; Aufschlüsselung einzelner Basiseffekte; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2008, S. 66 ff. (Rolle der Basiseffekte für die erwartete Entwicklung des HVPI; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Januar 2010, S. 43 ff. (Einfluss der Basiseffekte auf die Inflation 2010), Monatsbericht der EZB vom November 2010, S. 51 ff. (Zunahme der Basiseffekte; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Februar 2011, S. 52 ff. (Voraussagen; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Februar 2012, S. 56 ff. (Basiseffekte seit 2007; Definitionen; Übersichten, Monatsbericht der EZB vom Februar 2013, S. 54 ff. (aktualisierte Statistik), Monatsbericht der EZB vom Februar 2014, S. 56 ff. (Basiseffekte und ihre Auswirkungen; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Basisgeld (basis money, monetary base):

Grob ausgedrückt die Summe von Bargeld und Einlagen bei der Zentralbank.

– Siehe Bargeld, Geldbasis.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2012, S. 21 ff. (Zusammenhang zwischen Basisgeld und Preisstabilität; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Basisgewinn (underlying earnings):

Wenn nicht anders definiert der operative Geschäftserfolg (operative business success); bei Banken gemessen dadurch, dass das Ergebnis - also der nach den Grundsätzen der Kostenrechnung (cost accounting) ermittelte Erfolg als Gewinn oder Verlust - im Wesentlichen um Abgangsgewinne und Abgangsverluste, Abschreibungen sowie Marktpreisveränderungen der Kapitalanlagen bereinigt wird.

– Siehe Betriebsergebnis, Gewinn, Hurdle Rate, Mittelzufluss aus Geschäftstätigkeit.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 24 f. (S. 25: Übersicht nach Bankengruppen), S. 42 f. (einzelne Posten seit 1996) und die Fortschreibung der statistischen Daten im jeweiligen September-Bericht der Deutschen Bundesbank.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Basisindikatoransatz, BIA (basic indicator approach, BIA):

Verfahren zur Ermittlung der vorgeschriebenen Eigenkapitalunterlegung für das operationelle Risiko von Instituten. Grundsätzlich ist hierbei ein Institut zwecks Abdeckung des operationellen Risikos verpflichtet, Eigenkapital in Höhe von fünfzehn Prozent des Dreijahresdurchschnitts des in der Solvabilitätsverordnung beschriebenen Risikoindikators vorzuhalten.

– Siehe Kreditrisiko, Liquiditätsverordnung.

– Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 152 (BIA wird vorwiegend von kleineren und mittleren Instituten verwendet; Verbesserungsmöglichkeiten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Basispreis auch Basiskurs und Bezugspreis (striking price; option price, exercise price of an option):

1 Allgemein andere Bezeichnung für einen Referenzpreis in allen einzelnen Bedeutungen.

2 Der vertraglich festgelegte Preis, zu dem man einen Optionsvertrag ausüben kann; manchmal auch Ausübungspreis, Strike-Preis und Bezugspreis genannt. Übt also der Käufer seine Option aus und verlangt die Leistung - wie Finanzprodukt, Ware oder Währung -, so erhält er diese zum vereinbarten Lieferpreis; es sei denn, eine andere Vereinbarung wurde getroffen (unless otherwise agreed).

– Siehe Ausübungspreis, Basis, Bezugspreis, Call, Derivate, Complex Option, Knock-in-Option, Knock-out-Put, Option, Option, pfadabhängige, Put, Rohstoff-Terminvertrag, Time-Spread, Wagen, Wiedereindeckungs-Risiko.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Basisriskio (basis risk):

Bei Termingeschäften das typische Risiko, dass sich die Spanne zwischen dem tatsächlichen Preis eines Basiswertes zum Erfüllungszeitpunkt und dem Basispreis zuungunsten des Anlegers verändert hat.

– Siehe Basis, fallende, Call, Derivat, Derivategeschäfte-Clearingpflicht, Derivategeschäfte-Meldepflicht, Knock-in-Option, Knock-out-Put, Option, Option, digitale, Option, pfadabhängige, Put.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Basispunkt (basis point):

Wenn nicht anders definiert, in der Finanzsprache ein Hundertstel eines Prozents, also ein Basispunkt = 0,01 Prozent (one hundredth of 1 percent = 0.01 percent). - Wenn von "Punkten" in Zusammenhang mit Preisen, Kursen, Renditen usw. die Rede ist, dann ist in der Regel ein Basispunkt gemeint. - Vielfach wird diese Bezeichnung - also "Punkt" - gerügt, weil sie zu Missverständnissen (dot, item, spot, pixel) führen kann. Die Angabe in von Hundert (Prozent) ist allemal eindeutiger und daher vorzuziehen.

– Siehe Prozentpunkt, Punkt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Basislinie (basis line):

Bei der EZB in Hinblick auf die Vorausschätzung ökonomischer Variabler im Zuge des Zwei-Säulen-Prinzips gesagt. Besonders bei der Projektion des Sozialprodukts werden dabei Abweichungen von einer wahrscheinlich erwarteten Grundrichtung (uncertainty bands; Unsicherheitsbänder) eingerechnet, die mit zunehmendem Prognose-Horizont an Breite gewinnen.

– Siehe Bollinger Bänder.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Basisvergütung (hurdle rate):

Wenn nicht anders definieret die vorrangige Gewinnausschüttung an Investoren, ehe andere Berechtigte bedient werden.

– Siehe Carried Interest, Hurdle Rate.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Basiswert auch Bezugsbasis und Underlying (underlying [asset], reference base; stock):

Der Termingeschäften (Derivaten) jeweils zugrundeliegende Vermögensgegenstand. Dabei handelt es sich vor allem um Aktien, Zinstitel, Indizes, Devisen, Edelmetalle, Finanz-Derivate und börslich gehandelte Waren. Der Wert eines Derivates ist von dem jeweiligen Basiswert - manchmal neben Bezugsbasis und Hintergrundwert genannt - abhängig. - Seit etwa 2000 werden zunehmend auch Derivate auf Basiswerte gehandelt, bei denen die Bezugsbasis kein Vermögensgegenstand ist. Man spricht hier von alternativen Basiswerten (alternativ underlying instruments), wie beispielsweise Katastrophenrisiken oder Wetterrisiken.

– Siehe Ausübungspreis, Backspread, Basket, Credit Default Swap, Derivategeschäfte-Clearingpflicht, Derivategeschäfte-Meldepflicht, Elastizität, Express-Zertifikat, Index-Zertifikat, Option, Regenbogen-Option, Spread, Tracker-Zertifikat, Wagen, Zertifikat.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2001, S. 34 ff., Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 188 f. (Manipulationen in der Praxis).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Basiszins (basis interest rate):

In Deutschland definiert im "Gesetz zur Änderung von Vor¬schriften über die Bewertung von Kapitalanlagen von Versicherungsunternehmen und zur Aufhebung des Diskontsatz-Überleitungs-Gesetzes (Versicherungskapitalanlagen-Bewer¬tungsgesetz, VersKapAG)" vom 26. März 2002. - Die Deutsche Bundesbank berechnet nach den gesetzlichen Vorgaben des § 247, Abs. 1 BGB den Basiszinssatz und veröffentlicht seinen aktuellen Stand gemäss § 247, Abs. 2 BGB im Bundesanzeiger. - Der Basiszinssatz des Bürgerlichen Gesetzbuches dient vor allem als Grundlage für die Berechnung von Verzugszinsen, siehe § 288, Abs. 1, Satz 2 BGB. Er verändert sich zum 1. Januar und 1. Juli eines jeden Jahres um den Betrag, um welche seine Bezugsgrösse seit der letzten Veränderung des Basiszinssatzes gestiegen oder gefallen ist. Bezugsgrösse ist der Zinssatz für die jüngste Hauptrefinanzierungsoperation der Europäischen Zentralbank vor dem ersten Kalendertag des betreffenden Halbjahres. Beispielsweise betrug der Festzinssatz für die letzte Hauptrefinanzierungsoperation der EZB am 30. Dezember 2008 genau 2,50 Prozent. Er ist seit dem für die letzte Änderung des Basiszinssatzes massgeblichen Zeitpunkt am 1. Juli 2008 um 1,57 Prozent gefallen (der marginale Zinssatz der letzten Hauptrefinanzierungsoperation [Zinstender] im Juni 2008 hatte 4,07 Prozent betragen). Hieraus errechnete sich dann per 1. Januar 2009 ein Basiszinssatz des BGB von 1,62 Prozent (zuvor 3,19 Prozent). - Nähere Informationen finden sich auf der Internet-Seite der Deutschen Bundesbank http://www.bundesbank.de .

– Siehe Diskont, Leitzins, Prime Rate, Tarnkappen-Politik. Transmissionsmechanismus, monetärer, Zinsweitergabe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Basket (so auch im Deutschen gesagt, seltener Korb):

1 Auswahl von Papieren einer bestimmten Art, beispielsweise Aktien einer Branche (industry; Wirtschaftszweig).

2 Der Basiswert eines Derivates.

3 Ein Portefeuille, ein Bestand an Wertpapieren eines Privathaushalts oder eines Unternehmens.

4 In Zusammenhang mit einer Verbriefung zusammengefasste Darlehn, die ein Originator an eine Zweckgesellschaft verkauft, auch Bündel, Sondervermögen, Pool und Portfolio genannt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Basket-Zertifikat (basket certificate):

Wenn nicht anders definiert ein Partizipations-Zertifikat, dessen Basiswert aus einem von dem jeweiligen Emittenten zusammengestellten Korb unterschiedlicher Wertpapiere besteht. Daneben finden sich auch Baskets mit verschiedenen gewichteten Börsenindices.

– Siehe Garantie-Zertifikat, Strategie-Zertifikat, Themen-Zertifikat, Zertifikat.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (Basle Committee on Banking Supervision, BCBS):

Im Jahr 1974 gegründetes Gremium von Bankenaufsichts-Behörden, um die Bankenaufsicht in den einzelnen Mitgliedsländern aufeinander abzustimmen. Im Besonderen sollen die Aufsichtstechniken verbessert und die Einführung aufsichtlicher Mindeststandards gewährleistet werden Dahingehende Empfehlungen des BCBS sind zwar für die Mitgliedsstaaten nicht bindend. Jedoch werden regelmässig entsprechende Beschlüsse in nationales Recht umgesetzt. - Der Ausschuss tritt in der Regel vierteljährlich bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich zusammen, wo sich auch sein ständiges Sekretariat befindet.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2001, S. 83, Monatsbericht der EZB vom Mai 2002, S. 70, Monatsbericht der EZB vom Januar 2005, S. 53 ff. (gründliche Darstellung), Geschäftsbericht 2007 der Deutschen Bundesbank, S. 100 (neue Arbeitsgruppen eingerichtet), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 38, S. 50 (Vorschlag zu strengeren Eigenkapitalunterlegung für risikobehaftete Posten des Handelsbuches [incremental risk charge] wie Kreditderivate und Unternehmensanleihen; Angleichung der Insolvenz- und Abwicklungsregelungen angesichts weltweiter Finanzkrise), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 54 ff. (erarbeitete Leitlinie im Zuge von Basel-III) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Internationales", Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2011, S. 84 ff. (Darstellung der Aufgabengebiete; Organisatorisches).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Basler Vereinbarung (Basle capital accord):

Vom Basler Ausschuss für Bankenaufsicht 1988 festgelegte Richtlinien für die Eigenkapitalausstattung (net equity base) und das Risikomanagement der Banken. Diese Richtlinien wurden seitens der Aufsichtsbehörden von über 100 Staaten in das nationale Aufsichtsrecht übernommen.

– Siehe Bankenaufsicht, europäische, Eigenkapitalquote, aufsichtsrechtliche, Basel-I, Basel-II, Basel-III.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Basler Zinsschock (Basle-II capital interest shock):

Kenngrösse, bei welcher die bartwertigen Auswirkungen (cash effects) von zwei aufsichtlich vorgegebenen Zinsentwicklungen durch die Institute berechnet werden müssen. Der Verlust aus der für die Bank ungünstigsten Zinsentwicklung wird dann ins Verhältnis zu den regulatorischen Eigenmitteln des Instituts gesetzt. Daraus ergibt sich der Zinsrisiko-Koeffizient (interest rate risk coefficient) als aufsichtlicher Indikator für das Zinsänderungsrisiko im Anlagebuch.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2012, S. 55 ff. (ausführliche Darstellung; Übersichten; Quellenverweise auf das Regelwerk Basel-II).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Batzen und Billon (batzen, billon):

Münze zunächst nur aus Silber, später aus einer Mischung von Kupfer und Silber, wobei hier der Kupferanteil den Silberanteil mengenmässig übersteigt. Das Geldstück wurde ab der Mitte des 15. Jhts. bis zur Mitte des 19. Jhts. in Bern hergestellt und kam von dort vor allem auch in Süddeutschland in Umlauf. In der Schweiz führte man 1850 den Franken ein, und sieben Batzen wurden zu einem Franken eingetauscht. - Der Name "Batzen" leitet sich wahrscheinlich her von Bätz, Petz = Bär, bis heute das Wappentier von Bern.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bauabschluss-Kreditzusage (takeout commitment):

Die Zusicherung einer Bank, nach der Fertigstellung eines Bauwerks und erfolgter behördlicher Abnahme der Baulichkeit (A und CH: Kollaudierung und Kollaudation; final inspection and acceptance) einen langfristigen Hypothekarkredit zu gewähren (a promise by a bank to provide a long-term mortgage loan upon satisfactory completion of a building).

– Siehe Baubranche, Baufortschritts-Kredit, Baugeld, Bauinvestitionen, Bauvollendung-Versicherung, Immobilienkredit-Beschränkung, Voranschlag, niedrig gehaltener.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Baubranche und Bauindustrie (building sector, construction industry):

Weil das Baugewerbe

1. fast zwanzig Prozent der industriellen Wertschöpfung im Eurogebiet erwirtschaftet,

2. sehr vorleistungsintensiv (characterised by considerable advance inputs) und in einem auch

3. verhältnismässig stark konjunkturanfällig ist (is quite strongly susceptible to cyclical trends), so wird die Branche von der EZB im Rahmen des Zwei-Säulen-Prinzips nach verschiedenen Gesichtspunkten - wie Auftragseingang, Produktion, Investitionen und Beschäftigung - laufend beobachtet.

– Siehe Aktien, zyklische, Bauabschluss-Kreditzusage, Baufortschritts-Kredit, Bauinvestitionen, Baupreisindex, Bausparkassen, Immobilienpreise, Immobilienkredit-Beschränkung, Leerstandsquote, Mietrendite, Voranschlag, niedrig gehaltener, Wert, zyklischer, Zementgold, Zinseinfrierung.

– Vgl. für Deutschland den Auftragseingang, untergliedert nach Sektoren, im Statistischen Teil des jeweiligen Monatsberichts der Deutschen Bundesbank, Rubrik "Konjunkturlage"; für die Eurozone im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Preise, Produktion, Nachfrage und Arbeitsmärkte" im jeweiligen Monatsbericht der EZB, Monatsbericht der EZB vom September 2005, S. 60 ff. (Bedeutung der Baubranche für die Wirtschaft im Euro-Währungsgebiet), Monatsbericht der EZB vom Februar 2007, S. 49 ff. (Entwicklung des Baugewerbes seit 1992 mit Übersichten), Monatsbericht der EZB vom März 2008, S. 82 ff. (Beschäftigung im Baugewerbe; Übersichten; Vergleiche), Monatsbericht der EZB vom Mai 2009, S. 66 ff. (Bauwirtschaft während der Finanzkrise; Finanzierungsprobleme, Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2009, S. 55 (Produktion im Bauhauptgewerbe 2004 bis 2009), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2010, S. 49 ff. (Zyklen im Wohnungsmarkt; Übersichten; Literaturhinweise), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 55 ff. (Analyse des Marktes für Wohnimmobilien), Monatsbericht der EZB vom Mai 2013, S. 59 f. (Entwicklung der Preise für Wohneigentum im Eurogebiet seit 2000), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2013, S. 13 ff. (Markt für Wohnimmobilien in Deutschland; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bäuertgeld (rural co-operative admission payment):

Ehedem eine Zahlung für die Aufnahme in die Bäuert, nämlich eine genossenschaftlich verfasste Vereinigung von Landwirten mit dem Ziel, eine bestmögliche Nutzung der vorhandenen knappen Betriebsflächen einer alpinen Gemarkung (Alpine district: a clearly demarcated topographical area in the Alps) zu erreichen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Baufortschritts-Kredit (interim construction loan):

Von einer Bank eingeräumtes Darlehn, um ein Bauwerk zu finanzieren. Nach Fertigstellung und behördlicher Bauabnahme (acceptance of construction work, final acceptance; in A und CH heisst die Abnahme von Bauwerken und Anlagen Kollaudierung bzw. Kollaudation) der Baulichkeit werden die bis dahin geleisteten Kredite in der Regel zu einem Endbaukredit (takeout loan) zusammengefasst.

– Siehe Bauabschluss-Kreditzusage, Bauvollendung-Versicherung, Immobilienkredit-Beschränkung, Voranschlag, niedrig gehaltener.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Baugeld (building capital):

1 Nach gesetzlicher Definition (§ 1, Abs. 3 des Gesetzes über die Sicherung der Bauforderungen, BauFordSiG) Darlehn, die zum Zweck der Bestreitung der Kosten eines Baues oder Umbaus gewährt werden

2 Darlehn, welches der Arbeitgeber einem Beschäftigten im Rahmen von Fringe Benefits gewährt.

– Siehe Bauabschluss-Kreditzusage, Baufortschritts-Kredit, Bauinvestitionen, Bauvollendung-Versicherung, Bausparkassen, Bauzinsen, Baukosten-Zuschuss, Immobilienkredit-Beschränkung, Projektierungskredit, Wohneigentum, Wohnungsbaukredit, Zementgold.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bauinvestitionen (building investments):

1 Im weiteren Sinne alle Leistungen der Baubranche in einem Gebiet während eines bestimmten Zeitraums.

2 Im engeren Sinne der Wohnungsbau, nämlich die Erstellung, der Umbau und die Modernisierung von Wohngebäuden (residential buildings) einschliesslich der Eigentumswohnungen (freehold flats, owner-occupied flats). Der Wohnungsbau in diesem Sinne ist vor allem in Staaten mit hoher Landflucht (rural depopulation) und zunehmender Verstädterung ein gegenüber Konjunkturzyklen sehr anfälliger Wirtschaftszweig (is an industry quite susceptible to cyclical trends). So machte in China der Bau neuer Häuser im Jahr 2009 ein Drittel des Wachstums aus und mündete in eine Immobilienblase.

– Siehe Baubranche, Baupreisindex, Immobilienkredit-Beschränkung, Paketdarlehn, Voranschlag, niedrig gehaltener, Wohnungsbaukredit, Zementgold.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 55 ff. (ausführliche Marktanalyse, viele Übersichten; Literaturverweise), Geschäftsbericht 2013 der Deutschen Bundesbank, S. 53 f. (Wohnungsbauinvestitionen der Privathaushalte seit 1991; Übersicht), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2014, S. 18 ff. (Analyse des chinesischen Marktes für Wohnimmobilien; Übersichten; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Baukapital (construction stock; building capital):

1 Vor allem in älteren Dokumenten Rücklagen für grössere Bauvorhaben (reserve for building projects).

2 Heute oft gebraucht in Hinblick für das zum Bau einer Autobahn aufzubringende Kapital (funds required for the construction of a motorway).

– Siehe Baugeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Baukosten-Zuschuss (residential property subsidy, contribution to building costs):

Die einmalige Zahlung an einen Bauherrn, der

1. selbstgenutztes Wohneigentum schafft oder solches durch seine Baumassnahme - im Hausbau, im Siedlungsbau - bereitstellt,

2. Fabrikgebäude errichtet, welche der Gemeinde neue dauerhafte Arbeitsplätze bringen. In dem Begriff ist heute oftmals stillschweigend eingeschlossen, dass entsprechende Darlehn von einem privaten oder öffentlichen Arbeitgeber - also nicht unmittelbar von einer Bank - sowie auch zu sehr günstigen Bedingungen - sprich: unter den marktüblichen Zinsen; below normal commercial market rates - gewährt werden.

– Siehe Arbeitgeber-Darlehn, Bauzinsen, Fringe Benefits.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bauland (building land):

Zur Erschliessung und Bebauung zur Verfügung stehende Grundstücke. In Zeiten der Inflation wird Bauland erfahrungsgemäss als Hortungsobjekt aufgekauft, was Immobilienblasen verstärkt.

– Siehe Baulandvermögen, Betongold, Blase, Blase, spekulative, Hypothekengewinnabgabe, Immobilienkredit-Beschränkung, Niedrigzinspolitik, Projektierungskredit, Realitäten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Baulandvermögen (building land assets):

Wenn nicht anders definiert der Marktwert der Grundstücke in einem Land. Im Jahr 2009 befanden sich in Deutschland drei Viertel der Grundstücke im Eigentum von Privathaushalten.

– Siehe Ausrichtung aktienkursbestimmte, Gebrauchsgüter, Überschusseinheiten, Verschuldungsquote, private, Wohneigentum, Wohnraum, selbstgenutzter Vermögen, Vermögenswert.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2008, S. 37 ff. (Berechnung des Baulandvermögens; S. 38: Baulandvermögen der Privathaushalte in der Übersicht; S. 44: die auf den Grundstücken errichteten Bauten übersteigen den Bodenpreis um etwa das Dreifache), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2009, S. 17 (Baulandvermögen des Staates).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Baumgeld (turnpike fee, barrier fee):

Zahlung, die früher beim Betreten von oder der Einfahrt in ein durch Schlagbäume (toll bar, turnpike, barrier; Sperrschranken, Grenzbarrieren, Fallbäume) abgegrenztes Gebiet regelmässig zu entrichten war.

– Siehe Chausseegeld, Citymaut, Dieselgeld, Fährgeld, Furtgeld, Hafengeld, Geleitgeld, Maut, Mautgeld, Permissionsgeld, Transitgeld, Ungeld, Vignette.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Baupreisindex (building price index):

Die Darstellung der Veränderung der Baupreise in Form einer Messziffer. Für Deutschland wird dieser Index laufend ausgewiesen im Statistischen Teil des jeweiligen Monatsberichts der Deutschen Bundesbank. - Nicht zu verwechseln mit dem Baupreisindex ist der Baukostenindex (construction cost index). Dieser misst laufend die Kosten bei der Erbringung von Bauleistungen in einem Gebiet.

– Siehe Baubranche, Bauinvestitionen, Bausparkassen, Harmonisierter Verbraucherpreisindex, Immobilienpreise, Leerstandsquote, Mietrendite, Voranschlag, niedrig gehaltener, Wert, zyklischer, Zementgold.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bausparguthaben (credit balances from the building society savings):

Bei einer Bausparkasse angesammeltes Geld mit dem Zweck, ein Bauvorhaben zu verwirklichen. - Ist ein Bausparvertrag zuteilungsreif (mature for allocation), und der Bausparer (building society saver) nimmt das Baugeld nicht an, so darf die Bausparkasse das Konto auflösen und das Guthaben auch gegen den Willen des Kunden zurückzahlen. Denn der Zweck eines Bausparvertrags (building society contract) ist es, Wohneigentum zu finanzieren und nicht Guthaben zu verwalten.

– Siehe Baugeld, Bausparkasse, Hypothekenbank, Wohnungsbaukredit.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 220 (Praxis der Bausparkassen ist rechtens), Monatsbericht der EZB vom August 2009, S. 83 ff. (Finanzierung des Wohnungsbaus im Eurogebiet; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2013, S. 45 (Bausparverträge der Privathaushalte aufgeschlüsselt), Geschäftsbericht 2013 der Deutschen Bundesbank, S. 53 f. (Wohnungsbauinvestitionen der Privathaushalte seit 1991; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bausparkassen (building associations; in den USA teilweise auch savings and loan associations, homestead associations):

Kapitalsammelstellen mit langfristig bestimmten Zinskonditionen für die Anspar- und Tilgungszeit. Einziger Zweck ist es, Wohneigentum zu finanzieren. Sie werden in der EZB-Statistik dem Geldschöpfungssektor zugerechnet, sind also Monetäre Finanzinstitute. - Der Anteil der Bausparkassen am MFI-Sektor im Eurogebiet gesamthaft ist jedoch minim; gemessen an der Bilanzsumme liegt er bei etwa einem Prozent. - In Deutschland ist das Bauspargeschäft die einzig zulässige Art des Zwecksparens überhaupt. Ein eigenes Bausparkassengesetz (BSpKG) sowie eine Verordnung (ordinance) zum Schutz der Gläubiger von Bausparkassen (Bausparkassen-Verordnung [BausparkV]) regelt das Bausparwesen. Es ist erlaubnispflichtig und darf ausschliesslich von den der Aufsicht unterstehenden Bausparkassen betrieben werden; vgl. wegen des Bezeichnungsschutzes § 40, Abs. 3 KWG. Die Tarife der Bausparkassen müssen von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht genehmigt werden. Gleichwohl dürfen auch Banken als Baufinanzierer tätig werden, sprich: Darlehn für den Häuserbau gewähren.

– Siehe Abschlussgebühr, Baubranche, Baugeld, Bausparguthaben, Betongold, Bewertung, Bodenkreditinstitut, Hypothekenbank, Paketdarlehn, Wohnungsbaukredit, Zinsänderungsrisiko, Zwecksparunternehmen.

– Vgl. für Deutschland die fein gegliederte Bausparstatistik im jeweiligen Statistischen Teil des Monatsberichts der Deutschen Bundesbank, Rubrik "Banken", Unterrubrik "Wichtige Aktiva und Passiva der Banken (MFIs) in Deutschland nach Bankengruppen" sowie zu aufsichtsrechtlichen Fragen und zur Rechtsentwicklung im jeweiligen Jahresbericht der BaFin. - Vgl. auch Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 127 (Simulations-Modelle zur Risikoerkennung bei Bausparkassen; Bedingungen für die Abschaffung der Vorschrift, dass neue Tarife erst nach Genehmigung durch die BaFin eingeführt werden dürfen), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 128 (Deregulierung der Aufsicht), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2007, S. 89 f. (Wohnungsbaukredite an Privathaushalte im Vergleich zu anderen Grössen; Übersichten), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 11 (Änderung der Bausparkassenverordnung), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 126 f. (Vereinheitlichung der Höchstbetragsgrenzen für Blankodarlehn; Zuführungsbeträge zum Fonds für bauspartechnische Absicherung), S. 129 (Anzahl der Bausparkassen in Deutschland), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 150 (Anzahl der Bausparkassen bleibt bei dreizehn privaten und zehn öffentlich-rechtlichen Instituten), S. 160 (Anstieg des Bausparvolumens, aber Rückgang bei Bauspardarlehn, weil andere Immobilienfinanzierer offenbar günstiger), Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 54 (Probleme der Bausparkassen angesichts der Niedrigzinsen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bausparvertrag, übersparter (overriped building savings contract):

Sparvertrag, den ein Anleger mit einer Bausparkasse abschloss, der aber ein Guthaben über der vereinbarten Bausparsumme (contract sum) aufweist. Vertragspartner der Bausparkassen können auf diese Weise unter Umständen eine höhere Verzinsung erhalten als auf einem Konto bei einer Bank. Um dieser zweckwidrigen Nutzung (improper use) von Bausparverträgen einen Riegel vorzuschieben, kündigen Bausparkassen in solchen Fällen vielfach den Vertrag; und zumal dann, wenn der Bausparer die Bausparsumme voll angespart hat, also kein Raum mehr für die Vergabe des vertraglich ausbedungenen Darlehns bleibt. Die Rechtsprechung hat dies als zulässig anerkannt.

– Siehe Bausparguthaben, Zinssatz, niedrig gehaltener.

– Vgl. Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 103 (Rechtslage).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bausteine, bankliche (banking basis moduls):

Die Lehre, dass alle Tätigkeiten in den Finanzmärkten durch die Jahrtausende menschliche Geschichte auf lediglich drei Grundgeschäfte (basic operations) rückführbar seien, nämlich

1. die Durchführung von Zahlungen,

2. das Zusammenbringen von Gläubigern und Schuldnern und

3. die Übertragung von Ansprüchen in die Zeit.

– Siehe Finanzmarktwissen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bauvollendung-Versicherung (completion bonding):

Die Übertragung des Risikos, dass ein Bauvorhaben nicht wie - vertraglich vereinbart - zur Endausführung kommt, an eine Versicherung (insurance that a construction contract will be successfully completed). Vertragspartner der Versicherung ist hierbei die Bauherrschaft (builder, promotor), das Bauunternehmen (building firm, construction company) oder unter Umständen auch eine kreditgewährende Bank.

– Siehe Baufortschritts-Kredit, Baugeld, Voranschlag, niedrig gehaltener.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bauzinsen (construction interest):

1 Ausschüttungen an die Aktionäre einer neu gegrün¬deten Aktiengesellschaft während der Errichtung der Anlagen.

2 Zinsen für ein Darlehn in Zusammenhang mit einem Wohnungs- oder Fabrikbau-Vorhaben.

– Siehe Arbeitgeber-Darlehn, Baukosten-Zuschuss.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bayrische Hypo- und Vereinsbank AG (HVB):

Diese Bank mit Hauptsitz in München wurde im Juni 2005 von der italienischen UniCredit Banca S.p.A. mit Hauptsitz in Mailand auf dem Wege des Aktientauschs übernommen. Die Transaktion löste grosse Beachtung aus und warf auch eine Reihe aufsichtsrechtlicher Grundsatz- und Spezialfragen auf.

– Siehe Aktientausch-Übernahme, Allianzen, grenzüberschreitende, Bankbetriebsgrösse, optimale, Bankfusionen, Bieter, Europa-AG, Gigabank, Gibrat-Regel, Grössen-Effekte, Grössenvertrauen, Korrespondenzbank-Beziehung, Megamanie, Megamergers, Subsidi-aritätsprinzip, Synergiepotentiale, Transaktionsbonus, Übernahme-Angebot.

– Vgl. im Einzelnen Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 173 ff. (hier auch zum Ausschluss des Übernahme-Angebots der ausländischen Aktionäre nach § 24 WpÜG).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bazooka (bazooka):

1 Ende 2011 von Finanzjournalisten eingeführte Bezeichnung in der weiten Bedeutung, dass es einer einmaligen, geballten Aktion mit aussergewöhnlicher Durchschlagskraft - gleich einer Panzerfaust (bazooka) - seitens der Mitglieder der EWU bedürfe, um die durch die Staatsschuldenkrise ausgelöste Vertrauenskrise in den EUR zu beenden (the arrangement of overwhelming financial resources by the EMU-institutions [central banks and/or governments] to bail out troubled banks and others in order to regain confidence, because lack of confidence becomes a self-fulfilling prophecy as creditors seek to move their money into safer places).

2 In engerem Sinne auf die EZB bezogen. Diese soll in sehr grossem Umfang Staatsanleihen von Krisenländern der EWU kaufen, um diese zu entlasten.

– Siehe Angst, perverse, Anmassung, zentralbankliche, Bail-out, Bankenrettung, Euro-Anleihen, Euro-Bonds, Europäische Währungsunion, Grundfehler, Europäischer Stabilisierungsmechanismus, EZB-Sündenfall, Nuklearoption, Rettungspaket, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Tina, Umverteilung, zentralbankbewirkte, Vertragstreue, Vertrauensblase.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 20 ff. (Vertrauenskrise in der EWU und ihre Gründe), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2014, S. 41 ff. (Überwindung der Vertrauenskrise; viele Übersichten; Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Beamtenvereine (public employee's associations):

Im deutschsprachigen Raum seit 1864 - erster Verein in diesem Jahr in Wien - entstandene genossenschaftliche Verbände (cooperative associations) mit dem hauptsächlichen Ziel, öffentlich Bediensteten zu

1. zinsgünstigen Darlehn,

2. redlichen Versicherungen und

3. gesicherten Ruhestandsbezügen zu verhelfen. Aus diesen Vereinen gingen später unmittelbar oder mittelbar auch eigenständige Institute hervor, wie etwa die 1921 gegründete Badische Beamtenbank in Karlsruhe.

– Siehe Pensionsfonds, Vorschussvereine.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Beanstandungen, aufsichtliche (prudential complaints):

Gelegentlich

1. einer (Sonder-)Prüfung durch die Aufsichtsbehörde

2. oder auf anderen Wegen - vor allem auch durch Hinweise von Kunden, Konkurrenten und Whistleblower - festgestellte Mängel in allen Geschäftsfelder von Instituten.

– Siehe Abberufungs-Verfügung, Abwicklungsanweisung, Antragsgetrieben, Bankenaufsicht, europäische, Beschwerdestelle, Institut, problematisches, Massnahme bei Gefahr, Sanktionskomitee, Untersagung, Verwarnung, Zwangsschliessung.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 129 (Übersicht der Beanstandungen), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 129 ff. (Sonderprüfungen durch die BaFin), S. 144 ff. (Beanstandungen im Zuge der Marktaufsicht), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 166 f. (im Jahr 2010 stieg die Zahl der Beanstandungen auf 166 f., darunter waren 136 sog. gravierende Beanstandungen [serious complaints]; S. 167: Übersicht einzelner Beanstandungen), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 109 (Übersicht der Beanstandungen, unterteilt nach Institutsgruppen und Art der Massnahme) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute", Rubrik "Aufsichtshandeln".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bear (so heute auch meistens im Deutschen, seltener Bär):

Bezeichnung für den eine Baisse erwartenden Marktteilnehmer; Baissier. Der Baissier verkauft im Regelfall heute auf einen späteren Termin.

– Siehe Anlagenotstand, Baisse, Friedhof-Markt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bearbeitungsgebühr in älteren Dokumenten auch Manipulationsgebühr (processing fee, arrangement fee):

1 Eine Summe, die Institute dem Kunden im Zuge der Ausführung von Geschäften in Rechnung stellen. Damit sollen allgemein die Kosten erstattet werden, welcher der Bank für ihre Dienstleistungsbereitschaft (service availability) entstanden sind.

2 Im Besonderen die Gebühr der Bank in Zusammenhang mit der kostenträchtigen (costly) Bestellung einer Hypothek (fee charged to cover administration and primarily reserving the funds for mortgages; this fee may be paid separately added to the mortgage or in rarer cases taken from the mortgage loan).

– Siehe Abgabe, Abschlussgebühr, Bankenzwölf, Bankgebühren, Bargeldbearbeitung, Beitrag, Bereitstellungsgebühr, Courtage, Entgelt, Gebühr, Grundpreis, Kanzleigeld, Kontenführungsgebühr, Marge, Pauschaltarif, Provision, Vergütung, Taxe, Überziehungsentgelt, Vergütung, Zillmerung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bear Raid (so auch im Deutschen gesagt; seltener: Baisse-Coup und Baisse-Manöver):

1 Ein bzw. in der Regel mehrere Besitzer von Papieren werfen diese schlagartig auf den Markt in der Absicht, die Preise zu drücken (large traders sell positions with the intention of driving prices down).

2 Mittels vorgetäuschter Handelsumsätze wird der Kurs eines Wertpapiers nach unten gedrückt. Die meisten der in letzter Zeit bekannt gewordenen Fälle betreffen Papiere, die im Freiverkehr gehandelt werden.

– Siehe Bull Raid, Citigroup-Manipulation, Corner, Geschäfte, abgesprochene, Kursmanipulation, Marktmanipulation, Pairoff, Telephon-Auftrag, unbefugter, Wash Sales.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bear Stearns-Pleite (Bear Stearns failure):

Die international tätige US-Investmentbank Bear Stearns mit Hauptsitz in Neuyork sah sich im Zusammenhang mit der Subprime-Krise einem Run ausgesetzt. Die US-Zentralbank stützte das strudelnde Institut, das vom Konkurrenten JP Morgan Chase dann im März 2008 übernommen wurde. Bear Stearns hatte zu diesem Zeitpunkt weltweit 14'000 Beschäftigte und auch eine Niederlassung in Frankfurt am Main. - Trotz seiner Stellung als Broker pflegte Bear Stearns auch das Einlagengeschäft. Das Institut war nämlich Dienstleister für mehrere Hedge-Fonds. Es lieh ihnen Kapital und nutzte die von den Fonds hinterlegten Sicherheiten, um selbst wieder zu investieren. - Kurze Zeit nach der Pleite bei Bear Stearns verweigerte man der international tätigen und auch mit Niederlassungen in Deutschland tätigen Neuyorker Bank Lehman Brothers die Hilfe; diese ging im September 2008 mit weitreichenden Folgen auch für deutsche Anleger in Insolvenz.

– Siehe Einzelfallentscheidung, Lehman-Pleite, Schuldenbombe, Too big to fail-Grundsatz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Beaufsichtigung, vollständige (complete supervision; straitjacking):

1 Das Begehren, Finanzmärkte in allen Geschehensabläufen (working [business] processes) behördlich zu überwachen; oftmals mit der Forderung, dass ein staatlich bestellter Beamter an allen (Vorstands)Sitzungen der Banken mit letzter Entscheidungsbefugnis (final decision power) teilnimmt.

2 Seitens der Banken selbst die Klage, dass jetzt bereits der Überwachung durch die Aufsichtsbehörden zu viel sei; in diesem Sinne dann oft auch Straitjacking (straitjacket = Zwangsjacke: a robust garment with long sleeves which can be tied together to confine the arms of a violent prisoner or mental patient) genannt.

3 Das Verlangen von Finanzdienstleistern an die Aufsichtsbehörde, durch möglichst viele Vorschriften in einen Markt einzugreifen; keineswegs aber der Überwachung wegen, sondern um den Marktzutritt von neuen Anbietern zu verunmöglichen (capture theory: die Aufsichtsbehörde wird für die Anliegen bestimmter Akteure missbraucht).

– Siehe Anlegerschutz, Aufsicht, Aufsicht, präventive, Aufsichtsvermeidung, Ausschuss-Wahn, Bankenaufsicht, europäische, Banana Skins Survey, Bureaukratie-Abbau, Capture-Theorie, Fragmentierung, aufsichtliche, International Business Company, Kompetenz-Konflikt, aufsichtsrechtlicher, Managed Bank, Moral Suasion, Peter-Regel, Rechtsrisiken, Regulierungsdruck, Regulierungswut, Überregulierung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2006, S. 41 ff. (Abwägung der Vor- und Nachteile der Regulierung), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 165 (Stand der Beratungen zur Produktaufsicht und - Überwachung bei Wertpapierdienstleistungsunternehmen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Beaufsichtigung, indirekte (indirect supervision):

Eine Aufsichtsbehörde überwacht bestimmte, gesetzlich nicht ihrer Kontrolle unterliegende Geschäfte auf dem (weltweiten; global) Finanzmarkt dadurch, dass sie entsprechende Transaktionen der ihrer Aufsicht unterstehenden Institute regelt. - Zum Beispiel verlangen viele Aufsichtsbehörden für Aktivitäten der von ihnen überwachten Banken in Offshore Finanzplätzen ganz besondere, abschreckend wirkende Unterlegung oder andere einschränkende Bedingungen. Entsprechende Geschäfte der heimischen Banken werden auf diese Weise unrentabel und deshalb unterlassen. Indirekt können Offshore Finanzplätze so teilweise ausgetrocknet werden, zumal dann, wenn die Aufsichtsbehörden international eng zusammenarbeiten. - Ein weiteres Beispiel sind von Banken an Hedge-Fonds gewährte Darlehn. Indem hier besondere aufsichtsrechtliche Vorschriften erlassen werden, lässt sich der Zufluss von Kapital an Hedge-Fonds aus dem Bankensektor kanalisieren.

– Siehe Bankenaufsicht, europäische, Bankenregulierungs-Paradoxon, Forum für Finanzmarktstabilität, Financial Action Task Force on Money Laundering, Groupe de Contact, High risk countries, Regulierungsdruck, Schattenbankbereich, Schattenbanken-Regulierung.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 32, S. 43 (Übersicht der verschiedenen Gremien).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Becket-Effekt (Becket effect):

Die Tatsache, dass das Mitglied eines zur Lösung bestimmter Aufgaben eingesetzten (internationalen; international) Gremiums grundsätzlich im Interesse des gemeinsamen Zieles handelt und kaum nach seinen (nationalen; national) Eigeninteressen. - Im Besonderen in Bezug auf den Rat der EZB gesagt, wo anfangs Befürchtungen laut wurden, die Präsidenten der nationalen Zentralbanken würden dort - möglicherweise durch Bündnisse - die Politik der EZB unterlaufen. - Der Name leitet sich ab von Thomas Becket (1117–1170), der zunächst als Lordkanzler von Heinrich II die Interessen des Königs von England gegen die Kirche vertrat. Zum Erzbischof von Canterbury erhoben, verfocht er nun die Angelegenheiten der Kirche gegen die Krone. Der König liess ihn deshalb bei einem Abendgottesdienst in der Kathedrale von Canterbury am 29. Dezember 1170 ermorden; Papst Alexander III sprach ihn schon 1173 heilig und setzte den Gedenktag auf den 29. Dezember fest. Für diesen Tag ist Thomas Becket auch im Ökumenischen Heiligenlexikon verzeichnet.

– Siehe EZB-Protokolle, Veröffentlichung, EZB-Rat, Handlungsbereitschaft, Sitzordnungsstreit, Südfront.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bedeat (bedeat):

In alten Dokumenten die sehr hohe Gebühr im Hafen von Konstantinopel und einigen anderen türkischen Häfen; von da manchmal auch überhaupt von einem Hafengeld gesagt.

– Siehe Auseisunggeld, Bordinggeld, Kaigeld, Kapgeld, Kapplaken, Krangeld, Ladegeld, Lastgeld, Liegegeld, Leuchtturmgeld, Liegegeld, Lotsengeld, Mützengeld, Pfundgeld, Prahmgeld, Pratikageld, Tonnengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bedegeld (general tax):

In Deutschland anfänglich eine Abgabe, welche der Kaiser von den reichsunmittelbaren Städten forderte. Sie entwickelte sich in vielen Gegenden zu einer allgemeinen Steuer, die an verschiedenen Bemessungsgrundlagen (assessment base) anknüpfte. Die Bede - so die spätere Bezeichnung - spielt in der Geschichte der öffentlichen Finanzen eine bedeutende Rolle.

– Siehe Beitrag, Umlage.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bedeckung (coverage):

Wenn nicht anders definiert das Vorhalten von Aktiva, um einen Schuldposten bei Fälligkeit abtragen zu können.

– Siehe Reserve.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bedeckungssatz (capital-solvency margin relation):

Bei Versicherungen das Verhältnis des Eigenkapitals zur Solvabilitäts-Spanne (solvency margin), und dieser Risikoindikator errechnet sich nach im Einzelnen vorgeschriebenen aufsichtsrechtlichen Vorschriften (regulatory solvency requirements) grob als das Verhältnis von Wert des Eigenkapitals zur Deckungsrückstellung; praktisch das Kapital, welches zur dauernden Erfüllbarkeit aller Verträge notwendig ist.

– Siehe Risiko- und Solvabilitätsbeurteilung, unternehmenseigene, Sicherungsvermögen.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 86 (Änderung der Deckungsrückstellungs-Verordnung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bedienung (servicing):

Im finanztechnischen Sinne (in a financial sense) die vertragsgemässe Verzinsung und Rückzahlung eines von der Bank gewährten Darlehens.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bedienungsgeld (service, charge, tip):

1 Teil der Personalkosten in einem Gastronomiebetrieb, wenn die Entlohnung der Kellner und Serviererinnen

1. über eine variabel gestaltete, zumeist vom geleisteten Zeiteinsatz bzw. vom Umsatz abhängige Prämie oder

2. als Bestandteil des Festlohns (fixed wage) erfolgt, also nicht auch prozentual vom Gast zu tragen ist.

2 Vor allem im Hotel- und Gaststättengewerbe sowie bei Coiffeuren verbreitete Form der Zahlung

1. eines bestimmten, anteiligen oder

2. freiwillig geleisteten und dann ortsüblichen Betrags seitens des Gastes zu den in Rechnung gestellten Dienstleistungen.

– Siehe Douceur, Spielgeld, Trinkgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Befreiungsgeld auch Verschongeld (emancipation pay):

Wenn nicht anders definiert, jede der

1. in eine einmalige oder regelmässige Zahlung umgewandelten (monetisierten; monetised)

2. ehemaligen Fronverpflichtungen (Pflichtigkeiten; soccage duties; Fron = der Herr) eines Leibeigenen (villein)

3. gegenüber der mittelbaren und unmittelbaren Herrschaft, beispielsweise für die Verbindlichkeit, bei der Jagd zum Treiben zu erscheinen (Jagdbefreiungsgeld) oder für die Pflege der zur Vertilgung von Ratten und Mäusen gehaltenen Katzen aufkommen zu müssen (Katzengeld).

– Siehe Cerozensual, Dispensationsgeld, Ehrenfahrtgeld, Frongeld, Jagdgeld, Hundegeld, Kalbgeld, Küchengeld, Kuhgeld, Roggengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Begünstigter auch Anspruchsberechtigter und Nutzniesser (beneficiary):

1 In der Assekuranz die Person oder Körperschaft, an die eine Lebensversicherung auszubezahlen ist (the person or organisation named in a policy that will receive the life insurance in the event of an insurer's death).

2 Jemand, dem testamentarisch Vermögensgegenstände übertragen werden (a person designated to receive any asset in a will).

3 Eine Person oder Körperschaft, zu deren Gunsten eine Stiftung eingerichtet wurde (the individual or organisation who will benefit from the creation of a trust).

– Siehe Destinar, Legat, Stiftungsfonds, Wechsel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Begebbarkeit (negotiability):

Die Möglichkeit, einen Titel

1. auf dem freien Markt zu handeln (the ability of a security to be bought and sold in a secondary market);

2. im engeren Sinne: in den Börsenverkehr zu bringen (to bring in exchange trade).

– Siehe Börsenzulassung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Begebung (issue, issuance emission):

Wertpapiere erstmals an den Markt bringen; anderer Ausdruck für Emission. - In Deutschland dürfen grundsätzlich Begebungen nicht ohne Wertpapier-Verkaufsprospekt - das zuvor der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht zur Genehmigung vorzulegen ist - erfolgen.

– Siehe Aktie, Aktienmarkt, Ausgabenaufschlag, Bonbon, Bought Deal, Bruttospanne, Durchpressen, Eigenemission, Emissionsbeteiligung, Emissionsgeschäft, Emissionshaus, Ersterwerber, Festpreisverfahren, Fixed Price Reoffering-Verfahren, Garantiesyndikat, Klienten-Effekt, Konzertzeichner, Kreïrung, Marktpflege, Marktschwemme, Normalbegebung, Plazierungskraft, Plazierungsvereinbarung, Roadshow, Secondary Offering, Tap, Underwriter, Wertpapier-Emissionen, Wertpapier-Verkaufsprospekt, Zulassungsstelle, Zweitplazierung.

– Vgl. zu den getätigten Emissionen, eingehend unterteilt nach verschiedenen Kriterien, den Teil "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Finanzmärkte" des jeweiligen Monatsberichts der EZB sowie im Statistics Pocket Book der EZB. - Saisonbereinigte Werte im Monatsbericht der EZB vom August 2005, S. 23 f. (Tiefstände im Januar und Dezember, Spitzen im Juni und Juli), Monatsbericht der EZB vom Mai 2006, S. 97 ff. (Zwölfjahresvergleich; wichtige Statistiken).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Beglaubigungsgeld (verification fee):

Eine Gebühr, die auch heute noch bei Behörden regelmässig für die Bestätigung der Übereinstimmung (attestation of conformity) eines Originalschriftstücks (original document) mit der davon angefertigten Abschrift (Kopie; copy, in älteren Dokumenten auch Tansum[p]t) zu entrichten ist.

– Siehe Kollationiergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Begleichung (settlement, payment):

Die Beseitigung einer Forderung durch Zahlung (a sum of money paid to discharge a claim).

– Siehe Abmachung, Bezahlung, Glattstellung, Kompensation, Liberierung, Realisierung, Restwert.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Begrenzungsfunktion (limiting function):

In Zusammenhang mit der Mindestreservepolitik einer Zentralbank gesagt. Die Zentralbank gibt danach durch Erhöhung und Senkung des Mindestreserve-Solls den Rahmen vor, innert dessen sich die Banken bewegen können. - Nur in Extremsituationen begrenzt jedoch eine Zentralbank auf diese Weise die Geldmenge. Im Normalfall entwickelt sich die Geldmenge zunächst über die Marktkräfte aus dem Zusammenspiel zwischen der Zentralbank und den Wirtschaftssubjekten. Über die Anbindung der Banken an die Zentralbank kann diese dann unter normalen Gegebenheiten in erster Linie durch ihre Zinspolitik auf das Verhalten der Wirtschaftssubjekte Einfluss nehmen.

– Siehe Anbindungsfunktion, Arbitrage, intertemporale, Fragmentierung, Geldmarkt-Operationen, Zinskorridor.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2008, S. 77 (die Geldmarktsätze sollen anhand der Durchschnittserfüllung des Mindestreserve-Solls gefestigt werden).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Begrüssungsgeld (welcoming money; sign-on-benefit; welcome bonus):

1 Während der Teilung Deutschlands bis 1989 an alle in die Bundesrepublik Deutschland einreisenden Bürger aus der damaligen Deutschen Demokratischen Republik (GDR: the former East-German Socialist state of workers and farmers; Arbeiter- und Bauernstaat, the refuge of peace and socialism; der Hort des Friedens und des Sozialismus) sowie an Deutschstämmige aus Polen (ethnic Germans from Poland) ausbezahle Summe in DEM.

2 Von Gemeinden an Eltern bei der Geburt eines Kindes einmalig geleistete Zahlung.

3 Von vielen Gemeinden (wie derzeit Berlin, Oldenburg, Potsdam) an Studierende bezahlte Summe, wenn diese ihren Erstwohnsitz in die Universitätsstadt verlegen. Denn über die sog. "Einwohner-Veredelung" (statistical increase of citizen) erhält die betreffende Gemeinde über den Finanzausgleich dann entsprechend mehr Mittel zugewiesen.

4 Von Unternehmen an (leitende) Mitarbeiter beim Eintritt in den Dienst bezahlte Summe; oft ein verstecktes Abwerbegeld.

5 In manchen Branchen übliche Zahlung an einen Neukunden (new customer), der zu der jeweiligen Firma bzw. in das neue System - vor allem in der IT-Branche und bei Energieversorgern (energy supplier) - wechselt; auch hier ist die Grenze zum Abwerbegeld oft nur schwer zu ziehen.

– Siehe Douceur, Patengeld, Schmiergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Begültigung (authentification):

Die Erhebung eines Geldzeichens zu einem Zahlungsmittel mit Annahmezwang durch einen staatlichen Rechtsakt (legal act by public authority). Dieser veranschaulicht sich (becomes manifest)

1. bei Münzen in der Prägung (coining, coinage) und dem darin enthaltenen Hoheitszeichen (emblem, insignia),

2. bei Banknoten durch einen entsprechenden Aufdruck (mark). Durch die Begültigung wird das Geld im Wirtschaftsverkehr gekannt und anerkannt. Nicht notwendig damit verbunden ist jedoch auch, dass das so legalisierte (validated by legal act) Geld im Geschäftsverkehr unbedingt Verwendung findet.

– Siehe Banknote, Bargeld, Behelfsgeldschein, Geld, Dollarisierung, Geheimgeld, Geldeigentumsrecht, Geldrefusion, Geldzweck, Guilloche, Nebenwährung, Papiergeld, Parallelwährung, Regionalgeld, Umlaufsfähigkeit, Warengeld, Währung, Zahlungshalber, Zahlungsmittel, Zentralbankgeld, Zettel, Zettelbank.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Begünstigungsvertrag (beneficiary arrangement):

1 Auf dem Finanzmarkt allgemein die rechtliche Besserstellung (legal betterment) eines Kunden im Vergleich zu anderen.

2 Im Besonderen bei Versicherungen die Besserstellung eines Versicherungsnehmers (more favourable situation of a policy holder compared to other insurants), etwa dadurch, dass diesem ein tägliches Kündigungsrecht (right of daily termination) eingeräumt wird, oder dass die Versicherungsgesellschaft auf den ersten Jahresbeitrag verzichtet. Solche Abmachungen sind in Deutschland aufsichtlich untersagt.

– Vgl. Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 88 f. (Verbot von Sondervergütungen und Begünstigungsverträgen; Rechtsquellen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Behauptungs-Strategie (maintaining strategy, hold mission):

Bei einem Institut - und bei einem Unternehmen überhaupt - eine Geschäftspolitik, die auf Erhaltung der erreichten Marktstellung ausgerichtet ist (business policy that attempts to keep the attained market share and competitive position). Der Eintritt in neue Geschäftsfelder oder die Erhöhung der Umsätze auf dem Wege zusätzlicher Filialgründungen bzw. durch Zukäufe ist eigentlich nicht vorgesehen. Vor allem Privatbankiers verfolgen diese Geschäftspolitik.

– Siehe Akquisition, strategische, Auslagerung, Bankbetriebsgrösse, optimale, Bankgrösse, Gibrat-Regel, Megamergers, Penrose-Theorem, Peter-Regel, Umsatzwachstum, Unternehmenswachstum.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Behavioural Branding (so auch im Deutschen gesagt, seltener verhaltensbezogene Marktpflege und ähnlich übersetzt):

Eine Bank tritt mit den Kunden vornehmlich über ihre Mitarbeiter in Verbindung. Daher muss es ein vorrangiges Ziel des Managements sein, dass sich die Angestellten mit dem Unternehmen gleichsetzen. Man spricht bei dieser Aufgabe von kundenorientiertem Personalmanagement (customer-oriented staff management). Der Bankmitarbeiter soll das Image (the view of the customers about the bank: a unique bundle of associations within the minds of consumers; in short: a set of beliefs held about the bank) des Instituts übermitteln, und zwar in Verhalten und Erscheinungsbild, in inhaltlicher und sprachlicher Sachverständigkeit, im Gesprächsverhalten mit dem Kunden, in Mimik, Körperhaltung und Gesichtsausdruck. - Eng verbunden mit dieser Aufgabe ist das People Branding. Hier versucht man zu ermitteln, in welchem Ausmass das Image einer Bank durch die Mitarbeiter vor allem im Front-Office-Bereich beeinflusst wird. Beim Appearance Branding wird untersucht, inwieweit das Auftreten der Bankmitarbeiter von den Kunden wahrgenommen und auf die Dienstleistungen des Instituts übertragen wird.

– Siehe Airbag, Aktenschänder, Alleskönner, Autonom agierende Einheit, Banker, Behördenmanagement, bankliches, Call Centre, Corporate Fashion, Druckbelegschaft, Intangibles, Käserei, Kontakt-Allergiker, Krokodil, Kundennähe, McDonaldisation, One-Bank-Delivery, Praxis, Schalterhalle, Selbstverwirklicher, Talentknappheit, Tante Milly, Tenu-Schlamper, Totholz, Umsatzbremse, Underperformer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Behavioural Finance (so auch im Deutschen gesagt, seltener verhaltensorientierte Finanzierungslehre):

Als Sondergebiet der Finanzpsychologie der Versuch, die (markt)psychologischen Einflüsse auf alle Handlungen im Finanzmarkt und damit auch auf die Kursverläufe zu erklären. - Hervorzuheben bleibt, dass oft genug vermeintlich "psychologische" Erklärungen (supposed "psychological" explanations) sich bei näherem Besicht als verkappte, nicht sofort erkennbare rationale Entscheidungen der Marktteilnehmer offenbarten. Vor allen sind hier zeitliche Verzögerungen (any time-delay that exists between two related things happening; more specific: the time lag between when circumstances changed in the economy and action is taken by the market participants) sowie entsprechende Erwartungen zu nennen.

– Siehe Animal Spirits, Astro-Prognose, Bewertbarkeit, Euro-Breakup-Index, Erwartungstheorie, neue, Fibonacci-Folge, Finanzmathematik, Finanzpsychologie, Furchtthese, Januar-Effekt, Halloweenregel, Kalender-Effekt, Montags-Effekt, Rückkoppelungsschleife, Sell-in-May-Effekt, Shitstorm, Small-Cap-Effekt, Theoretiker, Verschwörungstheorien, Vorhersagetauglichkeit, Vorschatten-Effekte, Wahrsagergeld, Wechselkursverlauf, unerklärbarer, Weihnachts-Belebung.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2008, S. 99 f. (Erklärung überhöhter Vermögenspreise; Literaturangaben).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Behelfsgeldschein (makeshift note, ersatz note):

In Kriegs- und Notzeiten von Gebietskörperschaften - teilweise auch von Banken und grossen Firmen - vor allem in Deutschland ausgegebenes Papiergeld; in der Regel nur zum Umlauf (for circulation) innert einer bestimmten Stadt oder Region bestimmt.

– Siehe Begültigung, Ersatzmünzen, Geldwertstabilität, Inflation, galoppierende, Lug-und-Trug These, Notgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Beherbergungsdienstleistungen (accomodation services):

Die bezahlte Nutzung von Ressourcen in Zusammenhang mit der Unterbringung in Hotels, Motels, Gästehäusern, Ferienwohnungen und anderen gewerblich betriebenen Unterkünften, einschliesslich der Inanspruchnahme entsprechender Angebote von Bauerhöfen, Sportstätten, Reitvereinen und ähnlichen Einrichtungen. Die Nachfrage auf diesem Markt ist nicht nur saisonal schwankend (seasonally fluctuating), sondern auch konjunkturabhängig (cyclically sensitive). Sie wird daher von den Zentralbanken beobachtet.

– Siehe Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2013, S. 7 (Statistisches; Preise in Deutschland seit 2009).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Beherrschung (domination):

Gemäss IAS (22.8, 27.6)

1. die Möglichkeit, die Geschäftspolitik eines Unternehmens zu bestimmen und

2. sich daraus die Gelegenheit zur eigenen Gewinnerzielung zu verschaffen.

– Siehe Anschleichen, Beteiligung, qualifizierte, Kontrolle Shark Watcher, Stimmrecht-Offenlegung, Stimmrecht-Datenbank, Transparenz-Richtlinie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Behördenmanagement, bankliches (public-authority-standard banking):

Abschätzige Benennung (derogatory naming) der organisatorischen Gliederung deutscher Banken, wie diese bis etwa 1980 vorherrschend war und auch von der Kundschaft weithin so empfunden wurde.

– Siehe Abwanderungsquote, Bankbeamter, Bankschalter, Corporate Fashion, Entkopplungs-These, Geomarketing, bankliches, Kundenbindung, McDonaldisation, Schalterhalle, Vorschläge, offene.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Beichtgeld auch Beichtkreuzer, Beichtgulden und ähnlich (penitent's fee):

Früher in der katholischen und lutherischen Kirche freiwillig geleistete, aber üblich gewordene Gabe in Bargeld an den Pfarrer, ursprünglich vor allem nach der Osterbeichte (Easter confession: persönliches, reumütiges Schuldbekenntnis in Worten vor dem Geistlichen) und daher auch Osterpfennig und Ostergroschen genannt. - Auch wer nicht beichtete, der zahlte als Gemeindemitglied das Beichtgeld, das in manchen Gegenden noch bis Ende des 19. Jhts. oft genug den Grundstock des Einkommens eines lutherischen Pfarrers bildete.

– Siehe Ablassgeld, Abtrag, Amtsgeld, Annaten, Denkgeld, Dispensationsgeld, Läutegeld, Kathedralgeld, Kirchgeld, Memoriengeld, Messegeld, Obvention, Opfergeld, Palliengeld, Peterspfennig, Pönalgeld, Prokurationsgeld, Stolgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Beilbrief und Beylbrief auch Bielfbrief (ship mortgage note; mortgage certificate):

In älteren Dokumenten

1 ein Schuldschein über Geld, das als Pfanddarlehn zum Neubau oder zur Ausbesserung eines Schiffes gewährt wurde.

2 In der Schweiz eine Urkunde über die auf ein Grundstück aufgenommene Hypothek.

– Siehe Schiffsfinanzierung, Schiffspfandbrief.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Beisassgeld (non-burgess fee, levy on citizens without full political rights):

Früher eine Abgabe, welche Ortsansässige ohne allseitiges Bürgerrecht, - Beisassen, Schutzbürger, Gadamer, Paröken - vor allem in den Städten zu entrichten hatten.

– Siehe Beisitzergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Beischlag (illegal stroken coins; illegitimate mint mark):

1 In alten Dokumenten von Münzern hergestellte und der eigenen Verwendung zugeführte Geldstücke aus dem Bestand an Edelmetall, das ihnen die Münzherrschaft übergab, und wovon der Münzer eine Teilmenge veruntreute.

2 Die rechtswidrige Nachprägung (restrike) einer bekannten, weit verbreiteten Münze durch eine andere Münzherrschaft. Ziel war es dabei, die Nachahmung in das Umlaufgebiet des Vorbildes einzuschieben. Um sich jedoch einer sehr hart bestraften förmlichen Münzfälschung (direct counterfeiting) nicht schuldig zu machen, wurden die Stücke selten vollständig kopiert. Meistens deuten Teile der Münzbilder oder der Umschriften - gelegentlich auch nur winzige, mit blossem Auge kaum sichtbare Beizeichen (mintmarks invisible to the nacked eye) - auf die wirkliche Herkunft der Münzen hin.

– Siehe Geld, böses, Wardein.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Beitrag (contribution):

1 In Zusammenhang mit Geld allgemein

1. jede Zahlung, die

2. für irgend eine Sache,

3. aus irgend einem Umstand und

4. in der Summe als Höhe der Zahlung entweder behördlich festgesetzt (set by public authorities) oder vertraglich ausbedungen (contractual agreed) zu leisten ist.

2 Im engeren Sinne eine Geldleistung, welche der Abgeltung des Aufwands für die Herstellung, Anschaffung und Erweiterung öffentlicher Einrichtungen und Anlagen dient.

– Siehe Abgabe, Gebühr, Umlage.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Beitritt, unilateraler (unilateral accession):

In Bezug auf das Eurosystem von Ländern gesagt, die ohne Absprache mit der EZB den EUR als Währungseinheit einführen. Derzeit (Jahresbeginn 2012) ist Montenegro (multiethnischer [multi-ethnic] Balkanstaat mit etwa 672'000 Einwohner) hier noch das einzige Land; bereits 1999 wurde die DEM zur Währung des Landes gemacht, und dann 2002 auf EUR umgestellt. - Manche sehen jedoch die Gefahr, dass auch andere Staaten einseitig den EUR einführen könnten. Das hätte zwar keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Inflation im Eurogebiet; denn ohne vertraglich vollzogene Zugehörigkeit zum Eurogebiet gehen die Preise solcher Staaten nicht in den Harmonisierten Verbraucherpreisindex ein. Es entstünde aber dennoch weltweit unter Umständen ein (Image-)Schaden für den EUR.

– Siehe Montenegro-Problematik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Beitrittsländer (EU joining countries):

Wenn nicht anders definiert solche Staaten, welche der Europäischen Union beitreten wollen. - Bei Verhandlungen zur Aufnahme neuer Mitglieder in die EU (also nicht auch in das Eurosystem) wirkt die EZB mit, weil hier zentralbankpolitische Grundsatzfragen - wie vor allem Unabhängigkeit der jeweiligen Zentralbank, Ordnung und Aufsicht des Finanzsektors, geldpolitische Strategien - eine nicht geringe Rolle spielen (are an important issue).

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom 2002, S. 53 ff. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Beisitzergeld (pauper due):

Eine meist geringe Abgabe, die früher vermögenslose gemeindliche Einwohner minderer Rechte - auch Beisitzer, Beisassen, Einläufige, Gadamer und Gademer genannt - zu entrichten hatten. Diese hatten kein Stimmrecht in der Gemeindeversammlung, waren andererseits aber von vielen Schatzungen befreit, die Vollbürger zu zahlen hatten.

– Siehe Beisassgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Belassungsquote (foreign-exchange retention quota):

In Ländern mit Devisenzwangswirtschaft der Anteil an ausländischen Zahlungsmitteln, welcher ein Exporteur nicht bzw. nicht sofort abliefern muss. Durch entsprechende Handhabung der Quote und einer allfälligen Belassungszeit kann die Devisenbehörde eine breite Palette von Anreizen zum Export ins Devisenausland gesamthaft bzw. auch sehr gezielt in Bezug auf einzelne Währungsräume bieten.

– Siehe Andienungspflicht, Ausfuhrprämie, Devisenbilanz, Devisenfreibetragsverfahren, Devisenvorleistung, Devisenzwangswirtschaft, Exportkredit-Garantie, Parallelitätsgebot.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Belastung (debiting; load; encumbrances):

1 Die Abbuchung eines Betrags von einem Konto.

2 Ein dinglicher Recht oder eine sonstige Forderung, die auf einem Vermögenswert ruht (any lien or claim on a tangible asset, such as real estate assets, transportation assets, inventories or equipment).

3 Bei einer öffentlichen Stelle die Ausgaben zu Lasten eines Postens im Budget (the commitment of an appropriated fund to purchase an item or service; to encumber funds = here: to set aside or commit funds for a future expenditure).

– Siehe Eigentum, unbelastetes, E-Zahlung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Belastung, fiskalische (fiscal burden):

Die Zahlungsverpflichtungen der Privathaushalte und Unternehmen durch Steuern und Sozialbeiträge. Der jeweilige Stand wird ausgewiesen in der Rubrik "Finanzlage der öffentlichen Haushalte (Staat)" im Teil "Statistik des Euro-Währungsgebiets" im jeweiligen Monatsbericht der EZB.

– Siehe Fiscal Drag, Wagnersche Gesetz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Beleg (voucher):

In Bezug auf den Finanzmarkt jeder Nachweis, der ein Geschäft beurkundet, in der Regel in Papierform (a customarily written statement that bears witness or verifies any transaction; for example providing evidence that services have been rendered, goods purchased, or some other expenditure [Ausgabebeleg; expense voucher] has been made). Bei Unternehmen allgemein und daher auch Banken müssen Belege über in die Buchführung aufgenommene Vorgänge zehn Jahre aufbewahrt werden.

– Siehe Barfankatur, Depekulation, Fact Sheet, Falscherklärung, Gutschein, Kartenleistungsbeleg, Marke, Quittung, Rechnungsablage, Schlusschein, Tagegeld, Veruntreuung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Belegschaft und Mitarbeiter (staff, employees, personnel):

In Bezug auf den Finanzsektor in der Regel verstanden als Anzahl der abhängig Beschäftigten (dependent employees) in einem einzelnen Institut, dann also ohne die Mitglieder der Geschäftsleitung (the workforce, generally excluding the management).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Belegschafts-Aktien (employee shares, employee stock options, workers shareholding):

An Mitarbeiter zu besonders günstigen Bedingungen ausgegebene Anteilscheine eines Unternehmens (a programme that enables employees to purchase shares of the firm's common stock on a preferential basis). Weil hier in jedem Falle eine Vermögens-Übertragung von der Aktiengesellschaft auf Firmenangehörige zu Lasten der "normalen" Aktionäre stattfindet, so gerieten Belegschafts-Aktien in das Blickfeld auch der Aufsichtsbehörden. Besonders die Vergütung von leitenden Mitarbeitern durch verschiedene, teilweise ausgeklügelte Modelle der Aktien-Übertragung - vor allem in Form von Kauf-Optionen, sog. executive stock options: a contract that grants the right to executives to buy a specified number of shares of the company's stock at a guaranteed "strike price" for a period of time, usually several years - erschwert es Aussenstehenden, die tatsächliche Finanzlage und den Aktienkurs des Unternehmens genau einzuschätzen.

– Siehe Aktien-Optionen, Fringe Benefits, Liberierung, Offenlegungspflicht, Vorstandsbezüge.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Beleihbarkeit (suitability to be pledged, eligibility to serve as collateral):

1 Allgemein die Eignung eines Vermögensgegenstandes, als Pfand zu dienen.

2 Im engeren Sinne Sicherheiten, die eine Zentralbank von Instituten bei der Bereitstellung von Liquidität anerkennt.

– Siehe Finanzsicherheiten, General Collateral-Repos, Immobilien-Sicherheiten, Kategorie-1-Sicherheit, Notenbankfähigkeit, Rahmenwerk für die Bonitätsbeurteilung, Repomarkt, Sicherheiten, marktfähige, Sicherheitsverzeichnis, einheitliches.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Beleihungsobergrenze (loan-to-value cap, LTV):

Die Höhe eines Darlehns bezogen auf den Beleihungswert des Beleihungsobjektes.

– Siehe Beleihungsverhältnis, Beleihungswert, Beleihungswertermittlungsverordnung, Deckungsprüfung, Verschuldungsobergrenze.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2013, S. 53 (Definition; Beurteilung; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Beleihungsobjekt (lending object):

1 Allgemein ein Vermögensgegenstand als Grundlage für ein zu gewährendes Darlehn durch die Bank.

2 Im Besonderen Pfänder - wie Grundstücke, Häuser oder Eigentumswohnungen -, die als Sicherheit für eine Baufinanzierung dienen.

– Siehe Beleihungsobergrenze, Beleihungsverhältnis, Beleihungswert, Beleihungswertermittlungsverordnung, Deckungsprüfung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Beleihungsverhältnis auch Beleihungsauslauf (loan-to-value ratio, LTV):

1 Allgemein das Verhältnis der Forderungen an einen Kreditnehmer zum Wert der von ihm gestellten Sicherheiten (the percentage of credit lent against the value of the collateral that secures the credit).

2 Im Besonderen die Summe der Darlehn zur Finanzierung einer Liegenschaft im Verhältnis zum Beleihungswert des entsprechenden Objektes (the percentage relationship of mortgage principal to hypothecary value of real property). - Weil diese Verhältniszahl für die Immobilien-Finanzierung die Kerngrösse schlechthin ist, so bedarf es aller Sorgfalt, um den Beleihungswert genau festzustellen. - Ein hohes Beleihungsverhältnis führt bei Rückgang der Immobilienpreise besonders bei variablen Zinsen zu massenweise Zahlungsausfällen, wie dies bei der Subprime-Krise im Sommer 2007 in den USA plötzlich deutlich wurde.

– Siehe Beleihungsobergrenze, Beleihungsverhältnis, Beleihungswertermittlungsverordnung, Deckungsprüfung, Immobilienblase, Loan-to-Value Ratio, Mortgage Equity Withdrawal, Ninja-Loans, Subprime Lending, Unterseeboot-Effekt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Beleihungswert und Belehnungswert (collateral value; hypothecary value; loan value):

1 Allgemein der fachkundig ermittelte (Markt)Preis eines Vermögensgegenstandes als Grundlage für ein zu gewährendes Darlehn.

2 Aufsichtsrechtlich vorgeschriebene Wertansätze, insbesondere in Zusammenhang mit der Deckung bei hypothekarischer Beleihung durch Pfandbriefbanken. Danach ist der Beleihungswert der Preis einer Immobilie "der erfahrungsgemäss unabhängig von vorübergehenden, etwa konjunkturell bedingten Wertschwankungen am massgeblichen Grundstücksmarkt und unter Ausschaltung von spekulativen Elementen während der gesamten Dauer der Beleihung bei einer Veräusserung voraussichtlich erzielt werden kann" (Wortlaut § 3 der Verordnung über die Ermittlung der Beleihungswerte von Grundstücken nach § 16 Abs. 1 und 2 des Pfandbriefgesetzes (Beleihungswertermittlungsverordnung [BelWertV]) aus dem Jahr 2006.

3 In Geldeinheiten ausgedrückte Grenze, bis zu der ein Institut für einen als Sicherheit dargereichten Vermögensgegenstand (Beleihungsobjekt; material security for a loan) ein Darlehn zu gewähren bereit ist (the maximum amount of credit that a lender may lend against collateral).

4 In der Assekuranz der Betrag, zu dem eine Versicherung einem Versicherten - in der Regel in Abhängigkeit von der Vertragsdauer - ein verzinsliches Darlehn gewährt (the amount the insurance company will lend, at interest, to the insured, after the policy has been in force for a certain length of time).

– Siehe Aktuar, Beleihungsobergrenze, Beleihungsverhältnis, Beleihungswertermittlungsverordnung, Deckungsprüfung, Mobiliarkredit, Mortgage Equity Withdrawal, Pfandleiher, Realkredit, Zinsstundung.

– Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 112 (Pfandbriefbanken dürfen lediglich sechzig Prozent des Beleihungswertes zur Deckung verwenden; S. 113: Beleihungswert-Ermittlungsverordnung ist in Arbeit und trat am 1. August 2006 in Kraft).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Beleihungswertermittlungsverordnung (hypothecary value rating regulation):

Von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht am 1. August 2006 in Kraft gesetzte Vorschriften zur Wertermittlung einer Immobilie. Grundsätzlich ist danach zur Feststellung des Beleihungswerts

1. die zukünftige Verkäuflichkeit der Immobilie

2. unter Berücksichtigung der langfristigen (noncurrent), nachhaltigen Merkmale des Objekts,

3. der normalen regionalen Marktgegebenheiten sowie

4. der derzeitigen und möglichen anderweitigen Nutzungen

5. im Rahmen einer vorsichtigen Bewertung zugrunde zu legen.

– Siehe Amortisation, negative, Beleihungswert, Deckungsprüfung, Erstraten-Verzugsklausel, Hypothekenkredit, Immobilienblase, Immobilienpreise, Realkredit, Wohneigentum.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 119 (Grundzüge der BelWertV).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Beleuchtungsgeld (lighting duty):

Eine Abgabe, die früher auf die künstliche Erhellung eines Raumes zu entrichten war. Sie stand in der Tradition der Kerzenwachs-Steuer (Wachszins; candle wax impost). Grundlage der Erhebung bildete die Zahl der Beleuchtungskörper oder jede elektrische Glühbirne (bulb), auch das Bremslicht (rear brake light) an Automobilen. In Deutschland wurde die Beleuchtungssteuer zu Jahresbeginn 1993 abgeschafft. - Ihre abgewandelte Wiedereinführung forderte man ab etwa 2000 wiederholt im Zuge der Bemühungen um das Energiesparen (efforts to energy saving). Eine solche Abgabe würde aber neben der ja bereits erhobenen Energiesteuer (energy tax) den Verwendungszweck "Beleuchten" unverhältnismässig stark belasten.

– Siehe Kerzengeld, Lichtgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Benchmark (so auch im Deutschen; seltener Bezugswert):

Allgemein eine Vergleichsgrösse als "Messlatte" (standard or average by which similar items can be compared), und zwar in Bezug auf Investitionen ein

1. Vergleichsportefeuille (benchmark portfolio) oder

2. ein Index, der verschiedene Zielgrössen misst, vor allem Anlagerendite, Liquidität und Risiko. Die Benchmark dient zur Beurteilung der Performance eines Portefeuilles oder eines Fonds (the benchmark is used by less well-performing players as a target to achieve).

– Bei Basel-II werden den Banken bestimmte Benchmark-Risikogewichte vorgeschrieben bzw. empfohlen.

– Siehe Bogey, Kosteneffizienz, Tracking Error.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2001, S. 38 sowie Jahresbericht 2001 der EZB, S. 220 f., Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 79 f. (Vorgaben an alle, die an der Ermittlung von Benchmarks beteiligt sind).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Benchmark-Zuteilung und Benchmark-Betrag (benchmark allotment):

Von der Zentralbank zur Verfügung gestellte Liquidität an das Bankensystem, um die reibungslose Erfüllung der Mindestreserveverpflichtungen zu gewährleisten.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2006, S. 93 f. (dort auch Aufgliederung des Liquiditätsbedarfs der Banken), Geschäftsbericht 2006 der Deutschen Bundesbank, S. 34 (in Zusammenhang mit dem EONIA-Spread), Monatsbericht der EZB vom Januar 2008, S. 16 ff. (Benchmark-Politik der EZB im Zuge der Subprime-Krise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Benediktuspfennig (Saint Benedict medal):

Eine Medaille mit dem Abbild des Heiligen Benedikt von Nursia (480-547), dem Gründer des Ordens der Benediktiner auf dem Avers sowie dem Benediktuskreuz und Beschwörungsformeln in Abkürzungen (CSSML; NDSDM; VRSNSMV; SMQLIVB) auf dem Revers. Der Medaille werden allerhand gefahrenabwehrende Eigenschaften (danger averting qualities) zugeschrieben. Trotz mehrfach ausgesprochener strenger kirchlicher Verbote büsste der Benediktuspfennig nichts an seiner volkstümlichen Beliebtheit (popularity: the state of being widely esteemed, accepted and sought after) ein. Das Amulett wird auch heute noch, und selbst über das Internet, weltweit in verschiedenem metallischem Gehalt vertrieben.

– Siehe Segenspfennig.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Benefiziengeld (benefice money):

In älteren Dokumenten das regelmässige Einkommen, welches ein Geistlicher aus einer Stiftsstelle bezog, er wurde dann auch und Benefiziant (beneficiary) und Titulant genannt. In der Regel waren die Bezüge abhängig von Ernteerträgen und daher auch die Besoldung schwankend; denn das Stiftungsvermögen bestand fast immer aus Ländereien, die zum Niessbrauch (usufruct) verpachtet wurden. Insoweit an dem Vermächtnis nach dem Willen der Stifter auch andere - wie nicht selten ein Bischof oder der Papst - beteiligt waren, so sorgten ausgeklügelte Regelungen dafür, einen Risikoausgleich herbeizuführen. Umfangreiche Lehrbücher trugen das Recht und die Rechtsprechung in Bezug auf die Verteilung der Einkommen aus einem Stiftsgut (lateinisch BENEFICIUM) vor. - Zu unterschieden ist zwischen einer Pfründe (prepend; vom lateinischen PROVIDERE, hier in der Bedeutung "versorgen") und einem Benefizium. Die Pfründe bezeichnet in den alten Dokumenten zumeist nur die Einkünfte aus einer (kirchlichen) Position allgemein, das Benefizium (auch Benefiz; benefice) die Bezüge ausschliesslich aus einer Stiftung; die Begriffsetzung ist indessen nicht einheitlich.

– Siehe Absentgeld, Abtrag, Amortisation, Annaten, Antrittsgeld, Dispensationsgeld, Kathedralgeld, Kirchgeld, Obvention, Opfergeld, Palliengeld, Perpetuitäten, Peterspfennig, Prokurationsgeld, Soft Money, Stiftungsfonds, Tafelgeld, Titel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Benin Neglect (so auch im Deutschen gesagt, aber in unterschiedlicher Bedeutung):

1 Zur Lösung eines anstehenden Problems auf dem Finanzmarkt wird nichts unternommen und zugewartet, bis es sich auf irgend eine Weise von allein löst (doing nothing about a problem, in the hope that it will not be serious or time will solve it).

2 Eine Zentralbank richtet ihre Politik grundsätzlich nur an binnenwirtschaftlichen Gegebenheiten aus. Die Entwicklung des Wechselkurses lässt sie (weithin; by and large) ausser Acht: sie vernachlässigt (neglects; neglegiert) ihn.

– Siehe Ausrichtung, wechselkurbestimmte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Benutzerfreundlichkeit, Gebrauchstauglichkeit und oft - wie im Englischen - Usability (usability, user-friendliness, ease of use):

Bei Banken das Bestreben, dass alle dem Kunden zur Verfügung gestellten technischen Mittel und Wege möglichst einfach zu bedienen sind. In Zusammenhang mit dem Electronic Banking ist dies zu einem wichtigen Unternehmensziel aufgerückt, und es wird für den Wettbewerb der Institute untereinander von immer grösserer Bedeutung. - Sprachlich unschön und begrifflich fragwürdig definiert ISO 9241: "Usability ist das Ausmaß, in dem ein Produkt durch bestimmte Benutzer in einem bestimmten Nutzungskontext genutzt werden kann, um bestimmte Ziele effektiv, effizient und zufriedenstellend zu erreichen."

– Siehe Abwanderungsquote, Beziehungsbankgeschäft, Derby, Geomarketing, bankliches, Kundenbindung, McDonaldisation, Moonlight Banking, Online Banking, Ortsbank, Sofa-Banking.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Benutzerkonto (user account):

Vor allem bei einer Internetbank - aber auch beim Electronic Banking überhaupt - unerlässliche Informationen über den Partner. Hierzu gehören in der Regel

1. Name des Benutzers,

2. sein Kennwort sowie

3. die Rechte und Berechtigungen (permissions: in welchem Umfang dürfen Kontendaten freigegeben werden) für den Zugriff auf das angewählte Konto.

– Siehe Bezahlverfahren, innovative, Customasing, Direktbank, Generation@, Internetbank, Mobile Banking, Multikanalbank, Online Banking, Rechtsrisiken, Scoring, Sofa-Banking, Telephon-Banking.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Benutzungsgebühr und Nutzungsgebühr (utilisation fee; user fee):

1 Von Instituten in Rechnung gestelltes Entgelt für die Nutzung bestimmter Einrichtungen, wie etwa einen Nachttresor (night-time safe).

2 Bei einem Rahmenkredit oder revolvierenden Kredit das von der Bank erhobene Entgelt (a yearly fee assessed by a bank against a borrower, it is determined by the amount of credit used by the borrower in a revolving line of credit or term loan).

3 Eine Zahlung für eine - in der Regel von einem gemeindlichen Versorger bereitgestellte - Sache oder Dienstleistung, wie etwa bei einen Erholungspark oder einem kommunalen Internet-Provider (fee that is paid directly by the consumer of a product or service, in the main provided by a local communal supplier).

– Siehe Automaten-Abhebegebühr, Bankgebühren, Bargeldbearbeitung Bargeldmanagement, Bearbeitungsgebühr, Bereitstellungsgebühr, City-Maut, Geldausgabeautomat, Mautgeld, Nichtabnahme-Entschädigung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Beobachtung, [sehr] enge (monitoring [very] closely):

Sprachformel in den Verlautbarungen der Zentralbank, die auf eine bevorstehende Erhöhung des Leitzinses hindeutet.

– Siehe Auskünfte, marktsensible, EZB-Protokolle, Veröffentlichung, Politik des offenen Mundes, Wachsamkeit, hohe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Beobachtungsliste (watchlist):

Mittel der Compliance, wobei die entsprechende Abteilung vor allem die Kunden- und Eigengeschäfte in bestimmten Wertpapieren überwacht, um allfällige Verstösse gegen interne und aufsichtsrechtliche Vorschriften aufzuspüren.

– Siehe Ausreisser, Falscherklärung, Handelsüberwachungsstelle, Handelszeit, erlaubte, Insider-Meldepflicht, Insider-Transaktionen, Insider-Überwachung, Nominee, Spekulationshändler, Sperrfrist, Sperrliste, Steuerberater, System Securities Watch Application (SWAP), Transaktionsüberwachung, Whistleblower, Wirtschaftsprüfer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Beobachtungsvermerk und Überwachungshinweis (hold):

Bei einem Konto die Notiz seitens der Bank,

1. dass über den gesamthaften ausgewiesenen Betrag seitens des Kontoinhabers derzeit nicht verfügt werden kann (a notation made on an account record to show that a specific amount of money in the account is temporarily not available to the account holder). Beispielsweise hat der Kontoinhaber einen Scheck zur Gutschrift eingereicht, der Scheck ist jedoch von der Bank noch nicht eingezogen (for instance, a hold may be placed on a recently deposited cheque to allow time for the cheque to be cleared) oder

2. darauf aufmerksam zu machen, dass diese Konto aus anderen - auch aufsichtsrechtlichen - Gründen zu überwachen ist (or to show that the account requires special handling).

– Siehe Address Spoofing, Authentifizierungsgebot, Financial Action Task Force on Money Laundering, Gefährdungsanalyse, Geldwäsche, Kontenscreening, Kontosperre, Terrorismus-Finanzierung, Zahlungsverkehrsverordnung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Beratender Bankenausschuss (Banking Advisory Committee, BAC):

Im Jahr 1977 eingesetztes Gremium aus hochrangigen Vertretern der Finanzministerien, Aufsichtsbehörden und Zentralbanken der EU und einiger anderer Länder. Ziel des Ausschusses ist die Vorbereitung von aufsichtsrechtlichen Massnahmen der EU.

– Siehe Ausschusswahn, Bankenaufsicht, europäische.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2002, S. 71.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Beratung (consulting service):

Bei Banken die ausdrückliche Empfehlung (exciplit recommendation) gegenüber dem Kunden, bestimmte Geschäfte zu tätigen oder zu unterlassen. - Ein Beratungsverhältnis kommt aber erst durch einen eigens dafür abgeschlossenen zivilrechtlichen Vertrag zustande. Beiläufige Aussagen eines Sachbearbeiters (person in charge, staffer) einer Bank oder in Publikationen eines Instituts sind rechtlich kaum anfechtbar.

– Siehe Anlageberatung, Anlage-Empfehlung, Aufzeichnungspflicht, Beratungsqualität, Beschwerdehäufung, Dampfstube, Falschberatung, Finanzanalyseverordnung, Honorarberater, Mitarbeiter-Register, Nachweismakelei, Rendite-Risiko-Grundsatz, Supergewinn.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 79, Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 199 (eine Kundenunterschrift ist aufsichtsrechtlich nicht vorgeschrieben), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 164 (BaFin mahnt Verbesserungen bei den Beratungsprotokollen an).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Beratungs-Prüfungs-Mix (consulting-audit mix):

Eine (grosse) Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft berät ein Unternehmen und bestätigt auch den Jahresabschluss. Weil

1. viele - vor allem die Manager bedeutender Kapitalverwaltungsgesellschaften - diese Verquickung mit wachsendem Misstrauen betrachteten und Papiere von Firmen, die sich von der einen Abteilung beraten, von der anderen den Abschluss bestätigen liessen, weniger kauften und

2. die öffentliche Kritik an dieser Praxis wegen bestimmter Vorkommnisse immer lauter erklang, so setzte ab etwa 2000 ein Trend zur Trennung zwischen Beratung und Prüfung ein.

– Siehe Abschlussprüfungs-Richtlinie, Anderson-Skandal, Sarbanes-Oxley-Act, Wirtschaftsprüfer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Beratungsqualität (quality of consulting):

Die

1. Befähigung und

2. Absicht (intention; Vorbedacht: negativ ausgedrückt die von vornherein festgelegte Zielvorstellung, geleitet von den eigenen Belangen) eines Anlageberaters, dem Kunden eine bestimmte Geldanlage zu empfehlen.

– Im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise wurden schwere Vorwürfe gegen die Beratungsqualität deutscher Institute laut. Auch gerichtliche Klagen wegen mangelnder Befähigung oder böser Absicht (malicious intent) einzelner Berater strengte man mit unterschiedlichem Erfolg an.

– Siehe Anlageberatung, Beratung, Beschwerdehäufung, Falschberatung, Geheimtip, Internet-Foren, Mitarbeiter-Register, Supergewinn, Zinsinsel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Berechtigter, wirtschaftlicher (beneficial owner, BO):

Die letztlich aus einem Finanzstrom - in der Regel bezogen auf die Erträge aus einem Wertpapier - begünstigte Adresse (final beneficiary), und nicht unbedingt der Kunde, für den die Bank diesen Titel verwahrt (the address entitled to the benefits of ownership even though another party such as a broker or bank, the nominal owner, actually has possession and title to the security).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bereitschaftsgeld (transitional allowance; preparedness pay):

1 Besoldung für einen aus seiner Dienststellung vorübergehend ausgeschiedenen Beamten oder Pfarrer bis zu dessen anderweitigen Verwendung (otherwise deploying the officer), dann auch Wartegeld, Überbrückungsgeld (bridge money, tide-over) und in älteren Dokumenten Disponibilitätsgeld (disponibility pay) genannt.

2 Vor allem im Dienstleistungsbereich (wie Banken, Coiffeure, Taxiunternehmen) und im Kleingewerbe (small business) die laufende, meist monatliche Zahlung an Personen, die sich im Gegenzug (in return) verfügbar halten, um bei Bedarf auszuhelfen. Oft sind die Bezieher (CH: Bezüger) des Bereitschaftsgeldes wegen Heirat oder nach Erreichen der Altersgrenze (age limit) ausgeschiedene ehemalige Mitarbeiter.

– Siehe Bezahlung, Lohnrigiditäten, Wartegeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bereitstellungsgebühr (commitment fee; utilisation fee):

Zahlung, die dem Kunden für die Kreditzusage seiner Bank in Rechnung gestellt wird (a payment by a prospective borrower to a bank in return for the bank's promise to loan money at a specified future date).

– Siehe Bankgebühren, Bearbeitungsgebühr, Nichtabnahme-Entschädigung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bergegeld (salvage money; recompense):

1 Allgemein die Bezahlung an Hilfeleistende bei Seenot, um deren Aufwendungen abzugelten, in älteren Dokumenten auch Salvage genannt.

2 Im Besonderen die Vergütung für das Einsammeln gestrandeter Waren (salvage fee; Bergelohn); in den einzelnen Ländern in der Regel gesetzlich festgelegt.

3 Früher auch eine Zahlung an denjenigen, der ein davongelaufenes Pferd (run-off horse) dem Besitzer zurückbrachte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bergwerksgeld (mining fee, royalty):

Die einmalig oder laufend zu entrichtende Abgabe an den Grundherrn für das Recht, auf seinem Grund Bodenschätze (natural resources) abbauen zu dürfen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Berichterstattung an die Aufsicht (supervisory reporting):

Pflicht der Institute, der Aufsichtsbehörde die vorgeschriebenen Informationen pünktlich und vollständig zu übermitteln.

– Siehe Bankenaufsicht, europäische, Berichtsschwelle, Public Disclosure.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 53 (Anforderungen an die Berichterstattung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Berichtsschwelle (exemption threshold):

Das Ausmass der Geschäftstätigkeit, ab dem an die Zentralbank bzw. an die Aufsichtsbehörde meldepflichtige (subject to disclosure requirements) Institute wegen Geringfügigkeit von der Anzeigepflicht (reporting requirement) befreit sind. - Sowohl die die Tatsache der Befreiung von der Meldepflicht überhaupt als auch die jeweils festgelegten Grenzwerte (cut-off points) sind in der Fachliteratur Gegenstand unterschiedlicher Standpunkte.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 110 (Erweiterung der Befreiungsregel nach § 31 KWG).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Berichtswährung (reporting currency):

Nach IAS/IFRS die Geldeinheit, in der ein (Jahres)Abschluss aufgestellt wird.

– Siehe Darstellungswährung, Währung, funktionale.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bermuda-Option, auch Atlantik-Option (Bermuda option, Atlantic option):

Eine Kauf- oder Verkaufs-Option, die innert der Laufzeit an bestimmten, vertraglich festgelegten Tagen ausgeübt werden kann (an option which can be exercised on a specified set of predetermined dates during the life of the option). Es handelt hier gleichsam um eine Option auf eine Option.

– Siehe Option, exotische.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Berufgeld (bellman's fee; benns publishing fee):

1 Früher eine Zahlung für das öffentliche Ausrufen privater Kundmachungen in einer Gemeinde durch den amtlichen Ausrufer (bellman; town crier); auch Geschreigeld genannt - Die Bekanntgaben von Gewerbetreibenden wie örtliche Ladenbesitzer oder fahrende Händler wurden oftmals dem behördlich auszurufenden Inhalt angehängt, weil dies die Aufmerksamkeit der Hörer steigerte.

2 Frühere Gebühr für die Eintragung und Verkündigung eines Aufgebots zur Eheschliessung (notice of intended marriage).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Beschaffungs-Umschichtungen (outlet substitution bias):

Bei der Berechnung des Preisindex der Lebenshaltung die Tatsache, dass durch Veränderungen des Angebots auf vielen konsumnahen Märkten - etwa vom "Tante-Emma-Laden" zum Filial-Discounter oder vom Fachgeschäft zum Baumarkt - die Waren von den Privathaushalten günstiger eingekauft werden können. Diese durch Wandlungen der Handelsstruktur (changes in the commercial distribution structure) ausgelöste Verschiebung wirft für die genau Inflationsmessung eine Reihe von Problemen (unresolved issues) auf.

– Siehe Basiseffekt, Harmonisierter Verbraucherpreisindex, Inflationsmessung, Kompositions-Effekt, Produktneuheiten, Qualitätsänderungen, Substitutionsverhalten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Beschäftigungspolitik (employment policy):

Alle Massnahmen zur Sicherung eines hohen Grades an beruflicher Tätigkeit innert der arbeitsfähigen Bevölkerung (working-age population). Dies ist entgegen unzähliger anderslautender Aussagen grundsätzlich nicht Sache der Zentralbank. Deren Aufgabe besteht vielmehr darin, die Masstabeigenschaft des Geldes zu garantieren. Stabiles Geld ist jedoch die unerlässliche Voraussetzung für das Gelingen aller Massnahmen der Arbeitsmarktpolitik.

– Siehe Wachstum-Beschäftigung-Zusammenhang.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2002, S. 36 ff., Monatsbericht der EZB vom April 2007, S. 51 ff. (Entwicklung der sektoralen Beschäftigung im Euroraum seit 1991; S. 52: Übersicht), Monatsbericht der EZB vom November 2007, S. 56 ff. (Besonderheiten der Arbeitslosen-Statistik; Wichtiges zur Erhebungstechnik), Monatsbericht der EZB vom April 2011, S. 58 ff. (Entwicklung der Beschäftigung seit 2005 in der Industrie und im Dienstleistungssektor; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Beschlaggeld (shoding allowance):

Früher bestimmten Amtsträgern gewährter Gehaltszuschuss, um das (Dienst)Pferd mit Hufeisen (horseshoes) zu beschlagen.

– Siehe Fringe Benefits, Wohngeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Beschores und Bschores (subreption, fraudulent acquisition):

In der älteren Finanzsprache ein durch Arglist erzielter Gewinn im Geschäftsverkehr (profit from fraudulent transactions and deceitful business). Das Wort kommt aus dem Jiddischen, und nicht - wie in manchen Quellen behauptet - von dem deutschen Wort "bescheren, beschor" im Sinne von "abschneiden".

– Siehe Abzocker, Agiotage, Bear Raid, Finanzgeier, Geldsauger, Goldtäuschung, Gründungsschwindel, Handeln, verdeckt gemeinsames, Hohlgewinn, Kursmanipulation, Marktaktivität, vorgetäuschte, Nassgewinn, Pairoff, Rebbes, Wash Sales, Schmu.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 186 f. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Beschulungsgeld (tuition money):

Früher Überweisung des (deutschen Zentral-)Staates an die Unterhaltsträger weiterbildender öffentlicher Schulen mit dem Ziel, dass auch finanzschwache Gemeinden (financially weak communities) entsprechende Lehrkräfte bezahlen können. Die zugewiesenen (appropriated; appropriierten) Beträge wurden in der Regel über die bei der jeweiligen Provinzverwaltung angesiedelten Landesschul-Kasse an die einzelnen Schulträger verteilt.

– Siehe Appropriationsklausel, Schreibschulgeld, Schulgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Beschwerdehäufung (increase in complaints):

Wertpapierdienstleister sind verpflichtet, jede Beschwerde eines Kunden der Aufsichtsbehörde zu melden. Dies hat unabhängig davon zu geschehen, ob die Beschwerde begründet ist oder nicht. Fallen verdächtig viele Meldungen an, so ist das für die Aufsichtsbehörde Anlass, den Beschwerden nachzugehen und dabei auch die gesetzlich vorgeschriebene Sachkunde der Anlageberater und Vertriebsbeauftragen zu überprüfen.

– Siehe Anlageberatung, Aufzeichnungspflicht, Beratung, Beschwerdemanagement, Beschwerdestelle, Beschwerdeverfahren, Finanzberater, Mitarbeiter-Register.

– Vgl. Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 114 f. (Tätigwerden der BaFin aus Beschwerdehäufung), S. 128 f. (Leitlinien zur Beschwerdebearbeitung durch Versicherungsunternehmen), S. 159 (aufsichtliche Mindestanforderungen an des Beschwerdemanagement bei Versicherungen), S. 165 (Produktaufsicht und - Überwachung bei Wertpapierdienstleitern).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Beschwerdemanagement (complaint management):

Der Umgang einer Bank mit Beschwerden aus der Kundschaft. Die Aufsichtsbehörden verlangen von den Instituten, dass eindeutige verfahrenstechnische Regelungen (clear procedural arrangements) niedergelegt sind, welche gewährleisten, dass Reklamationen ohne Verzug nachgegangen wird.

– Siehe Beschwerdehäufung, Beschwerdestelle, Beschwerdeverfahren, Mitarbeiter-Register.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 144 (Schwerpunkt der Aufsicht auf das Beschwerdemanagement; Begründung), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 159 (aufsichtliche Mindestanforderungen an des Beschwerdemanagement bei Versicherungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Beschwerdestelle (complaint point):

1 Abteilung in einer Bank, die Reklamationen der Kundschaft aufnimmt und zur Beilegung weiterleitet.

2 Ressort der Aufsichtsbehörden, das Beanstandungen in Hinblick auf Finanzdienstleister entgegennimmt und gegebenenfalls weiterverfolgt. Für die Aufsichtsbehörden sind Beschwerden aus dem Publikum oft wichtige Impulse zu besonderen Überwachungsmassnahmen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht geht jeder ihr zugeleiteten einzelnen Beschwerde (jährlich über 20'000!) nach.

– Siehe Abberufungs-Verfügung, Beanstandungen, aufsichtliche, Beschwerdehäufung, Mitarbeiter-Register.

– Vgl. die jeweiligen Jahresberichte der BaFin (Kapitel "Verbraucherbeschwerden"; dort auch Aufgliederung der Beschwerden nach einzelnen Sachverhalten) sowie die Beschwerdestatistik Versicherungen im Anhang des jeweiligen Jahresberichts der BaFin (untergliedert nach Unternehmen); Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 202 (Einrichtung eines Verbraucher-Telephons), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 144 (zentrale Auswertung der Beschwerden), S. 162 (Beschwerden bei der BaFin über Wertentwicklung von Fonds), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 70 ff. (europaweite einheitliche Leitlinien zu Beschwerden), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 114 f. (Tätigwerden der BaFin aus Beschwerdehäufung), S. 128 f. (Leitlinien zur Beschwerdebearbeitung durch Versicherungsunternehmen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Beschwerdeverfahren (complaint questionnaire):

Die nationalen Aufsichtsbehörden verlangen bei Beschwerden gegen Finanzdienstleister in der Regel die Ausfüllung eines Formblatts (Fragebogens; questionnaire), um den Geschäftsgang zu vereinfachen. Ein Beschwerdeverfahren ist jedoch kein aussergerichtliches Streitschlichtungsverfahren (out-of-court arbitration procedure, extra-judical settlement) und kann auch zivilrechtliche Klagen nicht ersetzen.

– Siehe Beschwerdehäufung, Gatekeeper, Mitarbeiter-Register.

– Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 193 (Formblatt auf der Webseite der Behörde abrufbar).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Besicherung (underlying):

Allgemein jederart Schutz gegen allfälligen Verlust aus einer Forderung.

– Siehe Anleihe, unbesicherte, Darlehnhaftung, beschränkte, Leibbürge, Pfand, Sicherheit, Sicherheiten, Unterlegung, Realsicherheit, Verbriefung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Besicherung, automatische (auto-collateralisation):

Innert einer regelmässigen Vertragsbeziehung zwischen Bank und Kunden der Ausgleich allfälliger kurzfristiger Lücken in der Begleichung des Kaufpreises für neu erworbene Papiere dadurch, dass

1. angediente Sicherheiten des Kunden entsprechend verwendet werden (collateral stocks) oder

2. die Bank die im Kundenauftrag erworbenen aber noch nicht bezahlten Papiere vorerst in Verwahr hält (collateral flows), ohne dass es im Regelfall dazu besonderer Absprachen bedarf (normally without special contractual agreement being required).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Besicherungsrisiko (underlying risk):

1 Allgemein die Gefahr der Wertminderung (impairment) einer Sicherheit.

2 Im Besonderen bei Immobilien die Verringerung des Wertes der als Sicherheit angedienten Liegenschaft aus besonderen Eigentümlichkeiten des Objektes - etwa: behördlich verfügtes Abrissgebot (officially decreed demolition ban) eines Gebäudes - oder aufgrund der allgemeinen ungünstigen Marktlage (unfavourable market conditions) bei Immobilien.

– Siehe Besicherung, automatische, Darlehnhaftung, beschränkte, Developer, Mortgage Backes Securities, Risiko, Realsicherheit, Sicherheit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Besitz, nutzniessender (beneficial ownership):

Das Recht, aus einem Wertpapier oder anderem Finanzinstrument einige oder sämtliche Vergünstigungen - wie Gewinnausschüttung oder Stimmrecht - zu beziehen (receive some or all of the benefits of ownership of a security or other financial instrument), wobei der Vermögensgegenstand jedoch rechtlich einer anderen Partei (legal ownership) gehört.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Besitzstandsklausel, aufsichtsrechtliche (prudential grandfather clause):

Vor allem im US-amerikanischen Recht eine mögliche Ausnahmeregelung. Sie gestattet es grundsätzlich, von der Aufsichtsbehörde inzwischen neu geordnete oder gar untersagte Geschäfte noch für einige Zeit weiterzuführen (temporarily authorises the continuation of a now forbidden activity), soweit diese vor Erlass der aufsichtlichen Verfügung getätigt wurden (to the extent such activities had been entered into before this new piece of regulation). Zweck der Ausnahmegenehmigung ist es vor allem,

1. Vertragsbeziehungen zwischen einem Institut und dem Kunden langsam abzuändern und schrittweise (gradual) umzugestalten sowie

2. plötzliche Marktveränderungen zu vermeiden, die in bestimmten Fällen Dominostein-Effekte auslösen könnten.

– Siehe Bestandskraft, Herdenverhalten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Besoldungszuschuss (salary government grant):

Wenn nicht anders definiert die

1. vom Zentralstaat an die Gliedstaaten und

2. von diesen an Gemeinden geleisteten (appropriierten; appropriated) Zahlungen, um die volle Entlohnung der öffentlich Bediensteten in den Gemeinden zu sichern. In Deutschland wurde dies während der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg ab 1918 eingeführt; durch die Neuregelung des Finanzausgleichs vom 1. April 1924 fiel der Besoldungszuschuss weg.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Besprechelgeld (midwife fee):

In älteren Dokumenten die Gebühr für die Geburtshilfe durch eine Hebamme (accoucheuse; Weissfrau); besprechen = hier: jemanden in Anspruch nehmen.

– Siehe Bettgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Best (best):

Gemeint ist in der Finanzsprache jeweils

1. bestmöglich, am günstigsten, am preiswertesten, zu den geringsten Kosten, zum niedrigsten Kurs oder

2. besonders auf Warenterminmärkten - von höchster Qualität, erster Güte, einwandfreier Beschaffenheit, in bestmöglichem Zustand.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Best Advice und Fair Advice (so auch im Deutschen gesagt):

Grundsatz, dass - unabhängig vom Anbieter - dem Kunden der Bank immer jenes Finanzprodukt angeboten wird, das seinen erkennbaren Interessen am besten dient. Das schliesst auch aus, dass Bankangestellten eine besondere Provision (fee on basis of success) bezahlt wird, wenn sie hauseigene Produkte (inhouse products) der Kundschaft andienen.

– Siehe Best Execution.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Best Agers Business (so auch im Deutschen gesagt, seltener Jungseniorengeschäft):

Bei Banken und Versicherungen Umsätze mit Personen, die altersmässig die Lebensmitte überschritten haben.

– Siehe Dinks-Geschäft, Gebissinvestition, Oldie-Geschäft, Power-age financial market, Silver Economy, Singleïsierung, Woopee-Geschäft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Best Execution (so auch im Deutschen gesagt; seltener: Bestausführungs-Politik):

Die Pflicht für Finanzdienstleister, Aufträge der Kunden

1. zu den günstigsten Bedingungen und

2. für den Auftraggeber nachvollziehbar abzuwickeln sowie

3. dabei auch alle Entgelte durchschaubar zu machen. In der Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente der EU vorgeschrieben und von den Aufsichtsbehörden überwacht. - Jedoch verlangt die Richtlinie nicht, dass eine Bank das "best possible result" (Art. 21 Mifid) nachzuweisen hat. Vielmehr müssen die Institute durchsichtige Grundsätze für die gesamthafte Abwicklung von Aufträgen nachweisen, deren Einhaltung und Wirksamkeit zu überwachen ist.

– Siehe Auftragsverzögerung, Best Advice, Interessenkonflikt, Wertpapierdienstleistungs-Verhaltens- und Organisationsverordnung.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 140 (Schwerpunkt der Überwachung durch die BaFin; S. 142 f. (Erläuterungen zu dem Begriff "Best execution" in § 33a WpHG; Ausführungsgrundsätze), Jahresbericht 2012 der EZB, S. 134 (Neufassung der Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Best Practice (so auch im Deutschen gesagt):

Als Begriff der Aufsichtsbehörden die Suche und Vorgabe solcher Verfahren, die

1. betriebliche Abläufe auf dem Finanzmarkt und damit auch innert der Banken bestmöglich gestalten und dabei

2. voll in Einklang mit gültigen rechtlichen Bestimmungen stehen.

– Die Aufsichtsbehörde prüft im Zuge dessen vorhandene Erfahrungen erfolgreicher Finanzdienstleister, sie vergleicht unterschiedliche Lösungen, die in der Praxis eingesetzt werden, bewertet sie anhand der beiden oben genannten Ziele, und sie legt auf dieser Grundlage fest, welche Gestaltungen und Verfahrensweisen für Institute gegebenenfalls verpflichtend gemacht werden sollten.

– Siehe Ausschuss für Interne Revision, Aufsicht, mikroprudentielle, Committee of European Banking Supervisors, Enforcement, Goldplating; Mindestanforderungen an das Kreditgeschäft.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 32, S. 43 (Übersicht der verschiedenen Gremien).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bestandsgefährdung (threat of continued existence):

Aufsichtsrechtlicher Begriff aus § 48 KWG. Danach ist dies die Gefahr eines insolvenzbedingten Zusammenbruchs (danger of bankruptcy as a result of insolvency) eines Instituts, falls keine Massnahmen zur Änderung eingeleitet werden.

– Siehe Systemgefährdung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2011, S. 69 (Aufzählung der bestandsgefährdenden Umstände).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bestandskraft (administrativ finality, legal validity):

In Zusammenhang mit einer Verfügung der Aufsichtsbehörden oder der Zentralbank besagt dies, dass aus dem Verwaltungsakt Rechtskraft - also Endgültigkeit der Anordnung (finality of the regulatory action) - erwächst, wenn gegen sie nicht innert einer bestimmten Zeit Widerspruch eingelegt wird. Gemäss § 70 VwGO beträgt diese Frist in Deutschland ein Monat nach Bekanntgabe des Verwaltungsaktes (administration act, administrative decision). Entsprechend schliessen auch in aller Regel die Verwaltungsakte der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht mit dem Satz: "Die Verfügung der BaFin ist von Gesetzes wegen sofort vollziehbar, jedoch noch nicht bestandskräftig."

– Siehe Abberufungs-Verfügung, Abwicklungsverfügung, Anmassung, zentralbankliche, Bankenaufsicht, europäische, Besitzstandsklausel, Bussgeld, Untersagung, Verpflichtungszeitraum.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bestandsübertragung (transfer of stock):

Jeder Vertrag, durch welchen der Vertragsbestand einer Versicherung auf ein anderes Unternehmen überführt wird. - Seit 2008 ist es Aufgabe der Versicherungsaufsicht, den angemessenen Gegenwert (reasonable value, fair value) zum übernommenen Bestand von Versicherungsverträgen zu bestimmen. Auch die Bemessung und Festsetzung der Höhe des für den Bestand an Versicherungsverträgen zu zahlenden Betrags obliegt nunmehr der Aufsichtsbehörde.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 76 (Neuregelung § 14 VAG).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bestätigung (over-certification):

Wenn nicht anders definiert die Mitteilung durch eine Bank, dass ein Scheck eingelöst wird, der über einen höheren Betrag lautet, als das zu belastende Konto derzeit aufweist (overcheque situation).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bestechungsgeld (boodle money, graft [money], backhander):

Zahlung an einen öffentlich Bediensteten dafür, dass dieser eine Amtshandlung vornimmt, welche einen Vorteil für den Zahlenden selbst oder für einen Dritten zur Folge hat. Nach § 334 StGB ist dies eine mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahre (imprisonment for up to five years) bedrohte Straftat.

– Siehe Geheimgeld, Investition, persönliche, Kasse, schwarze, Schmiergeld, Vokationsgeld, Zuckerguss.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bestreitbarkeit (contestability):

In Bezug auf Finanzmärkte gesagt von der Höhe der Zutritts-Schranken für mögliche Wettbewerber (potential competitors). Durch Konsolidierungen kann die Bestreitbarkeit erhöht werden. - Wie die Erfahrung freilich lehrt, kann selbst bei sehr kleiner Zahl von Wettbewerbern eine grosse Bank zu wettbewerblicher Preissetzung (competitive pricing) gezwungen werden.

– Siehe Aufsicht, Capture-Theorie, Grössen-Effekte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Besteuerung, freiwillige und Selbstbesteuerung (voluntary compliance):

Zwecks Ersparnis aufwendiger Steuerbehörden bereits von älteren Ökonomen wie Johann Heinrich Jung-Stilling (1740-1817) vorgeschlagener Weg. Danach errechnet jeder Steuerpflichtige seine Abgabenschuld aufgrund der gegebenen Steuergesetze (given tax laws) selbst (a system of taxation that relies on individual citizens to report their income freely and voluntarily, calculate their tax liability correctly and pay the tax due promptly). In der bezüglichen Fachliteratur wurde viel darüber gestritten, ob die Einsparungen bei den Finanzbehörden die bei diesem System zu erwartenden Steuerausfälle (loss of tax revenues) ausgleicht. - Freilich überwiegt in Bezug auf Deutschland die Meinung, dass angesichts der hier tief verankerten Denunziations-Kultur (German culture of denunciation: people take pleasure in denouncing, in giving hidden notice to an authority to the detriment of even a close neighbour, and indeed even a friend) die Finanzbehörde seitens der Kunden, Konkurrenten und ungetreuer Angestellter mit dem Eingang des vollen Betrags festgelegter Abgaben rechnen dürfe.

– Siehe Moral Hazard. Whistleblower.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Betreiberlizenz oft nur Lizenz, auch Zulassung und Konzession (charter):

Die Bewilligung der nach Gesetz zuständigen Behörde, geschäftlich tätig zu werden (the legal permission to conduct business in a distinct field).

– Siehe Erlaubnis.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Beta (beta):

Mass für die Beziehung zwischen der Kursbewegung eines Wertpapiers, im engeren Sinne einer Aktie (etwa: Deutsche Telekom AG), und dem Aktienindex, etwa: Dax. Ein Betafaktor von 1 bedeutet, dass das entsprechende Papier grösseren Ertragsschwankungen unterliegt, und daher CETERIS PARIBUS auch ein grösseres Risiko in sich trägt. - Der Betafaktor spielt besonders bei Absicherungsgeschäften zur Bestimmung der erforderlichen Anzahl der Kontrakte für Aktienindex-Futures eine Rolle.

– Siehe Aktienmarkt-Volatilität, Bewegungsgrösse, Eigenkapitalkosten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Beteiligung, qualifizierte (qualified participation):

In Bezug auf den Finanzmarkt ist diese nach der Definition in § 1, Abs. 15 KWG gegeben, wenn eine Person oder ein Unternehmen

1. an einem anderen Unternehmen unmittelbar oder mittelbar über ein oder mehrere Tochterunternehmen (subsidaries) oder

2. ein gleichartiges Verhältnis mindestens zehn Prozent des Kapitals oder der Stimmrechte hält oder

3. auf die Geschäftsführung des anderen Unternehmens einen massgeblichen Einfluss ausüben kann.

– Anteile, die nicht dazu bestimmt sind, durch die Herstellung einer dauernden Verbindung (permanent connection, long-term association) dem eigenen Geschäftsbetrieb zu dienen, sind in die Berechnung der Höhe der Beteiligung nicht einzubeziehen.

– Siehe Beherrschung, Kontrolle.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Beteiligungsanzeige (disclosure of participation):

Ein Finanzinstitut muss in Deutschland gemäss § 24, Abs. 1a, № 1 KWG seine mittelbaren Beteiligungen an anderen Unternehmen den Aufsichtsbehörden anzeigen.

– Siehe Anschleichen, Fusionsanzeige.

– Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 110 f. (Erläuterung des Begriffes "qualifizierte Beteiligung"), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 186 f. (neue gesetzliche Regelungen hinsichtlich der Pflichten zur Stimmrecht-Offenlegung) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Beteiligungsgesellschaft (holding):

1 Ein Unternehmen, das zwar in aller Regel juristisch selbständig ist (a legally independent entity), dessen Geschäftsanteile aber ganz oder grösstenteils einer anderen Entität gehören (Mutter-Tochter-Beziehung, Niederlassung).

2 Eine Firma, deren Tätigkeit darauf ausgerichtet ist, Beteiligungen (long-term equity investments) an anderen Unternehmen zu erwerben, eine Unternehmensbeteiligungsgesellschaft. Solche Unternehmen zählen in Deutschland zu den Finanzunternehmen; siehe § 1, Abs. 3, № 1 KWG. Sie bedürfen der Erlaubnis und unterliegen der Aufsicht.

3 Manchmal auch gesagt von einer Erwerbsgesellschaft (new company, NEWCO), die im Zuge eines Buyouts Anteile (share deal) oder Vermögensgegenstände (asset deal) an einem bezielten Unternehmen erwirbt.

– Siehe Beteiligungsrichtlinie, Buyout-Kapital, Fusionsanzeige, Hands-on-Prinzip, Konzern, Private Equity Fund, Staatsfonds, Window on Technology.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2011, S. 63 (Beteiligungsgesellschaften sin deine bevorzugte Form von Direktinvestitionen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Beteiligungsofferten (partnership bids):

Öffentliche Angebote als Einladung an jedermann, sich an einer Firma als Gesellschafter zu beteiligen. Obschon dies schon länger gefordert wird, so unterliegen solche Offerten bis anhin keiner Prospektpflicht; sie entziehen sich damit der Überwachung durch die Aufsichtsbehörden. - Wer beabsichtigt, eine bedeutende Beteiligung an einem Institut zu erwerben, hat dies gemäss Vorschrift in § 2c, Abs. 1 KWG der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht und der Deutschen Bundesbank unverzüglich anzuzeigen.

– Siehe Beteiligungsrichtlinie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Beteiligungsrichtlinie (qualifying holdings directive):

EU-Richtlinie mit dem Zweck, bedeutende Beteiligungen (long-term equity investments) einer natürlichen oder juristischen Person an einer Versicherung oder Bank transparent zu machen. Die jeweilige Aufsichtsbehörde kann gegebenenfalls den Erwerb oder die Erhöhung einer Beteiligung untersagen.

– Siehe Beteiligungsanzeige, Inhaberkontrollverordnung, Stimmrecht-Offenlegung.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 71 f., S. 106 f. (Einzelheiten der Umsetzung in deutsches Recht; Zusammenarbeit der Aufsichtsbehörden in der EU in Bezug auf die in der Richtlinie vorgegebenen Umstände; Rechtsprechung), Jahresbericht 2010 der BaFin (neue gesetzliche Regelungen im Zuge des Gesetzes zur Stärkung des Anlegerschutzes und Verbesserung der Funktionsfähigkeit des Kapitalmarkts [AnsFuG]) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Beteiligungsschwelle (investment threshold, holding referred):

Prozentsatz der Beteiligung an einem börsennotierten Unternehmen, dessen Erreichen eine Meldepflicht an die Aufsichtsbehörde auslöst. Seit 2010 sind neben

1. unmittelbar gehaltenen Stimmrechtsanteilen und

2. einseitig verbindlichen Optionen auf Aktien auch

3. sonstige Instrumente, die damit vergleichbar sind sowie

4. Stillehaltepositionen von Verkaufsoptionen (Puts) und Rückforderungsansprüche aus Wertpapierdarlehn ab einer Schwelle von fünf Prozent anzeigepflichtig.

– Siehe Acting in Concert, Ad-hoc-Mitteilung, Anschleichen, Anteilseigner-Kontrolle, Armlänge, Beteiligungsanzeige, Beteilungsrichtlinie, Inhaberkontrollverordnung, Stimmrecht-Datenbank, Stimmrecht-Kriterium, Stimmrecht-Offenlegung, Verbindung, enge.

– Vgl. Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 186 f.(nähere Erläuterungen im Zuge des Anlegerschutz- und Funktionsverbesserungsgesetzes [AnsFuG]) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Betgeld und Gebetgeld (honorarium for prayers):

Zahlung an zumeist im Greisenalter stehende Männer und Frauen, die - vor allem bei Todesfällen - für das Seelenheil einer Person beten, auch Betbrüder und Betschwestern genannt (old men or matrons engaged and renumerated in order to pray for the soul's salvation of a defunct person). - Wiewohl dieser in Gegenden von Deutschland und Österreich früher weit verbreitete Brauch von den geistlichen Behörden immer wieder gerügt, untersagt und sogar auch mit hohem kirchlichen Strafen bedroht wurde, hielt er sich vor allem im geschlossenen ländlichen Raum sehr lange und teilweise bis heute.

– Siehe Sterbekasse, Trägergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Betongold (concrete gold):

In der Sprache der Finanzwelt

1. scherzhafte Bezeichnung für Investitionen in Gebäude; im weiteren Sinne werden manchmal auch Investitionen in unbebaute Grundstücke mit einbezogen sowie

2. das in einen Immobilienfonds angelegte Geld.

– Nachdem im Jahr 2005 in Deutschland angesehene Fonds die Rücknahme der Anteile aussetzen, erlitt das Ansehen dieser Fonds eine merkliche Einbusse.

– Siehe Baubranche, Bauland, Bausparkasse, Bodenkreditinstitut, Geldüberversorgung, Hypothekenbank, Immobilienblase, Immobilienpreise, Immobilienvermögen, Real Estate Investment Trust, Mittelaufkommen, Niedrigzinspolitik, Nullzins, Repression, finanzielle, Verstädterung, Voranschlag, niedrig gehaltener, Wohneigentum, Zinsallokations-Funktion, Zinsdifferenzgeschäft.

– Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 147 ff., Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 55 ff. (ausführliche Marktanalyse, viele Übersichten; Literaturverweise) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Abschnitt "Immobilienfonds". Im Monatsbericht der EZB finden sich im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets" unter der Rubrik "Monetäre Entwicklungen, Banken und Investmentfonds", Unterrubrik "Aktiva der Investmentfonds im Euro-Währungsgebiet nach Anlageschwerpunkten und Anlegergruppen" Aufstellungen über die Zusammensetzung des Vermögens der Immobilienfonds. Im jeweiligen Finanzstabilitätsbericht der Deutschen Bundesbank wird u. a. auch das Mittelaufkommen deutscher Immobilienfonds ausgewiesen, Monatsbericht der EZB vom Mai 2013, S. 59 f. (Entwicklung der Preise für Wohneigentum im Eurogebiet seit 2000), S. 70 f. (Wohnungsbauinvestitionen seit 1995), Monatsbericht der EZB vom Juli 2013, S. 55 ff. (Wohnimmobilien im Eurogebiet und ihr Wert; viele Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2013, S. 13 ff. (Markt für Wohnimmobilien in Deutschland; zahlreiche Übersichten), Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 17, S. 66 ff. (Preise für Wohnimmobilien steigen; Gefahren), Geschäftsbericht 2013 der Deutschen Bundesbank, S. 53 f. (Wohnungsbauinvestitionen der Privathaushalte seit 1991; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Betrag (amount):

Im wirtschaftswissenschaftlichen Sprachgebrauch ist damit heute regelmässig eine in Geld ausgedrückte Zahl gemeint, eine Summe; in der Regel in Zusammenhang mit einem bestimmten Wertansatz - etwa auf einer Schuldurkunde - oder einer Zahlung. - Meistens verbindet man im Besonderen in der Finanzsprache mit dem Begriff zusätzlich auch die Möglichkeit, die entsprechende Summe unschwer in Zahlungsmittel umwandeln (liquidisieren; realise) zu können.

– Siehe Geld, Geldbetrag, Kassenfuss, Mittel, Summe, Total.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Betrag, ausmachender (grand total, final amount):

In der älteren Literatur die Summe, welche nach mehreren Geschäften bzw. Buchungen schlussendlich zur Zahlung ansteht.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Betreibermodell (build-operate-transfer, BOT):

Eine private Gesellschaft oder ein Konsortium, meistens unter Beteiligung auch von Banken,

1. finanziert und erstellt ein grösseres Projekt, wie etwa den Bau einer Strasse oder Müllverbrennungsanlage (waste incinerating plant),

2. verwaltet dieses (operates the asset) auf längere Zeit (commonly up to 25-30 years) und kassiert auch die Einnahmen aus der Gebrauch der Anlage, um diese dann

3. am Ende der vereinbarten eigenen Nutzungsperiode an eine öffentliche Stelle zu übertragen.

– Dass im Gegensatz zu den USA und Europa Betreibermodelle selten sind, wird vor allem angebotsseitig begründet. Offenbar scheint allfälligen Betreibergesellschaften das Risiko zu hoch, durch Beschluss parlamentarischer Organe (decision of parliamentary institutions) enteignet zu werden, ehe die kostendeckende Nutzungsdauer (cost-covering operating life) abgelaufen ist.

– Siehe Kapitalschutz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Betreuungsgeld (child care subsidy, parental care money, childcare supplement):

Zahlung des Staates an Familien, die ihre Kinder im häuslichen Umfeld erziehen und damit die aufwendigen staatlichen Einrichtungen (cost-intensive governmental institutions) entlasten. Das Betreuungsgeld wird auch Erziehungsprämie und - als Unwort des Jahres 2007, nicht-berufstätige Frauen verunglimpfend - Herdprämie (stay-at-home parenting credit; house cricket bonus; house cricket = hier: Heimchen: eine unbedarfte, nicht eigenständige weibliche Person, die sich mit ihrer Rolle als Hausfrau und Ehefrau zufriedengibt) genannt. - Behauptet wurde, dass ein Gutteil des Betreuungsgeldes in den Kauf von alkoholischen Getränken durch die Eltern fliesse, und zudem die Kinder in einer öffentlichen Kleinkinder-Erziehungsanstalt (public school for small children with the specialisation on early-year care and education) besser gefördert werden als im häuslichen Umfeld.

– Siehe Biergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Betriebsergebnis (pre-tax operating results):

Bei Banken grob ausgedrückt der Saldo von Aufwendungen und Erträgen aus dem operativen Geschäft.

– Siehe Basisgewinn, Gewinn, Kosteneffizienz, Provisionsüberschuss. Zinsüberschuss.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 24 f. (S. 25: Übersicht nach Bankengruppen), S. 42 f. (einzelne Posten seit 1996), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2007, S. 29 ff. (wichtige Elemente der Gewinn-und-Verlustrechnung nach Bankengruppen seit 1999) und die jeweilige Fortschreibung im September-Bericht der Deutschen Bundesbank.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Betriebseröffnung (housekeeping operation[s]):

Wenn nicht anders definiert in Zusammenhang mit einer Bank alle Arbeitsgänge, die verrichtet werden müssen, bevor der Publikumsverkehr beginnen kann. Dazu zählen insbesondere Öffnen der Türen, Anknipsen der Beleuchtung, Inbetriebnahme der Überwachungsgeräte, Aufschliessen der Kassen, Einschalten der EDV-Geräte sowie andere entsprechende organisatorische Schritte. In der Regel wird die Folge dieser einzelnen, planmässig vorgegebenen Massnahmen heute computergesteuert (computer-operated) und auch computerüberwacht (computer-controlled).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bettelgeld (mendicant money):

1 Zahlungsmittel, die ein berufsmässiger Bettler (beggar, lazar) aus Gaben fremder Mildtätigkeit einnimmt.

2 Früher in Europa von Mönchen aus einem Bettelorden (mendicant order) bei den Gläubigen zur Bestreitung des Lebensunterhalts einsammelten Beträge; heute teilweise noch ähnlich in Asien verbreitet.

3 Von unterschiedlichen Vereinen, von Parteien und von Hilfsorganisationen - in der Regel über Anschreiben (Bettelbrief; begging letter) - eingesammeltes Geld. Verweigern Unternehmen die Zahlung, so werden sie heute nicht selten seitens der Bettelbriefe aussendenden Verbraucherverbände (consumer groups), Umweltschützer (environmental activists) und Globalisierungsgegner (anti-globalisation protesters) in den Medien schlechtgemacht (decried, badmouthed). Für die Unternehmen bleibt dann die Abwägung, den Image-Schaden mit möglicherweise weitreichenden Folgen - Umsatzrückgang, Gewinneinbussen, Personalabbau - hinzunehmen oder zu zahlen.

– Siehe Badwill, Bettlerglöckchen, Kannibalismus-Effekt, Schutzgeld, Schweigegeld, Vogtgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bettengeld (accomodation charge, overnight payment):

Eine Abgabe, die Beherbungsbetrieben je nach der Anzahl der belegten Betten (occupied beds) auferlegt wird. - Im Sommer 2013 hat das Verwaltungsgericht der Stadt Köln untersagt, ein Bettengeld einzufordern.

– Siehe Schlafgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bettgeld (christening-feast gift):

Geschenk, das die Eingeladenen nach dem Taufmahl vielenorts der Wöchnerin (puerpera: a woman who has recently given birth) in Gestalt einer Münze überreichten.

– Siehe Besprechelgeld, Chrisamgeld, Handschuhgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bettkantenwährung (seduction money):

Nach dem Zweiten Weltkrieg scherzhaft gesagt für die um diese Zeit äusserst begehrten Perlonstrümpfe (perlon stockings; perlon = a thermoplastic polyamide, belonging to a family of strong resilient synthetic fibers, found 1936 by the German chemist Paul Schlack). Mit solchem Strumpfwerk pflegten die Soldaten in der amerikanischen Besatzungszone in Deutschland und Österreich Mädchen und Frauen für Liebesdienste (service of love: occasional prostitution) zu bezahlen.

– Siehe Warengeld, Zigarettenwährung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bettlerglöckchen (beggars's little bell):

Nach dem Ausweis älterer Dokumente verbreitete Unsitte von Bettlern, sich als Stumme auszugeben. Sie näherten sich ihren Opfern durch Schütteln mit einer kleinen Schelle (a resonating metallic device that gives off a reverberating sound when shaking). Von da in übertragenem Sinne manchmal heute gesagt von der Einwerbung von Spenden (fundraising activities) vor allem seitens der Parteien.

– Siehe Abstandsgeld, Bettelgeld, Drehorgel-Geld, Lästigkeitswert, Musikgeld, Verschongeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Beutnergeld (apidies keeping fee):

Frühere Abgabe eines Beutners (apiarist: Züchter von Wildbienen; oft verwilderte Stämme der Honigbiene) für das Recht der Beutnerei in einem Bezirk.

– Siehe Bienenprämie, Immengeld, Zeidlergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Beveridge-Kurve (Beveridge curve):

Beliebte graphische Darstellung, welche das Gleichgewicht auf dem Arbeitsmarkt in Bezug auf offene Stellen und Arbeitslosigkeit veranschaulicht. Die Zentralbanken sind hinsichtlich des Aussagewertes der Beveridge-Kurve zumeist vorsichtig. Denn

1. es wird die Volkswirtschaft gleichsam punktförmig betrachtet; selbst auch grosse regionale Unterschiede werden - zumindest im Grundmodell - vernachlässigt; man vergleiche aber etwa die USA mit Luxemburg, und

2. die Statistik der freien Arbeitsplätze war und ist noch immer ungenau, weil nicht alle offenen Stellen den Arbeitsbehörden gemeldet werden, und die zur Berechnung herangezogene Datenbasis daher unsicher ist.

– Siehe Okunsches Gesetz, Stellenanzeigen-Index, Wachstum-Beschäftigung-Zusammenhang.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2011, S. 40 ff. (Beveridge-Kurve und sektoraler/regionaler Strukturwandel; Übersichten; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bewachungsgeld (safe-custody expenses):

Wenn nicht anders definiert, Zahlungen eines Unternehmens an das Sicherheitsgewerbe (security industry) für den Schutz

1. der Betriebsanlagen vermittels entsprechender Einrichtungen (mechanical and electronic devices) und Wachposten (watchmen)

2. von Mitarbeitern durch eine Leibwache (body guard); darin eingeschlossen sind auch die teilweise sehr hohen Kosten für den Schutz der Wohnungen von Betriebsangehörigen und deren Familie in ausländischen Niederlassungen, wo diese nur in bewachten Wohnanlagen (gated communities) halbwegs sicher leben können.

– Wegen der hohen Ausgaben an Bewachungsgeld haben sich einige deutsche Institute in vielen Fällen für eine vertraglich gut fundierte (contractually well arranged) Korrespondenzbank-Beziehung statt einer Repräsentanz oder gar einer Auslandsniederlassung entschieden. - Der weltweite Umsatz der Bewachungsfirmen wurde für das Jahr 2012 auf 250 Mrd Euro geschätzt. Aufgrund der zunehmenden Verstädterung (growing urbanisation) und der damit einhergehenden Kriminalisierung (increasing criminalisation) dürfte die Nachfrage nach Sicherheitsleistungen in den nächsten Jahren stark ansteigen, und damit das Bewachungsgeld als Kostenfaktor an Bedeutung gewinnen.

– Siehe Charadsch, Harai, Schutzgeld, Toleranzgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bewegungsgrösse (momentum):

Wenn nicht anders definiert, das Tempo, in dem sich Kurse an einer Börse verändern. Je rascher die Geschwindigkeit einer Kursbewegung ist, desto höher ist der Wert der Bewegungsgrösse. - Hinsichtlich einer bestimmten Aktie drückt man die Bewegungsgrösse - auch: das Momentum - oftmals durch Division des aktuellen Kurses durch den Kurs desselben Papiers vor zwanzig Börsentagen aus; daneben sind andere Berechnungsarten üblich.

– Siehe Aktienmarkt-Volatilität, Beta, Momentum.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bewertbarkeit (measurability):

Wenn nicht anders definiert die Möglichkeit, dass eine Position in Geld ausgedrückt werden kann. Dies ist die grundlegende Voraussetzung der bilanziellen Abbildung jedweder Abläufe auf der Ebene des Unternehmens und in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. - Als kaum oder gar nicht bewertbar gelten - unter Umständen das Marktgeschehen stark beeinflussende - Stimmungen und Gefühlslagen sowie auf betrieblicher Stufe der Gesundheitszustand sowie die Leistungsmotivation der Mitarbeiter. - Viele auf das Geschehen an den Finanzmärkten einwirkende Umstände entziehen sich bis anhin der Bewertbarkeit.

– Siehe Erfassung, Erwartungen, Finanzpsychologie, Furchtthese, Intangibels, Liebhaberwert, Sentiment, Wirtschaftspsychologie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bewertung in älteren Dokumenten auch Evalvation (valuation, evaluation):

1 Allgemein die

1. nach bestimmten, gesetzlich vorgeschriebenen - wie § 243 HGB - oder vertraglich vereinbarten Regeln

2. erfolgende Feststellung des Börsen-, Markt- oder Wiederbeschaffungspreis eines Vermögensgegenstandes

3. zu einem bestimmten Zeitpunkt

4. in Geldeinheiten.

2 Bei Bausparkassen die Festlegung der Reihenfolge, in welcher die Bausparer ihre Bausparmittel ausbezahlt bekommen. Entsprechende Verfahren werden von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht überwacht.

3 Die Einschätzung der Bonität, der Zahlungsfähigkeit eines Geschäftspartners.

– Siehe Aktuar, Ästimator, Audit, Bausparkassen, Bewertbarkeit, Enforcement, Entstehungskurs, Fair Value, Fairness Opinion, Kombinationseffekt, Liebhaberwert, Mark-to-Model-Ansatz, Marktwert, Monetisierung, Risiko, Verkehrswert, Vermögenswert, Zeitwert.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bewertungsabschlag oft auch wie im Englischen Haircut ([valuation] haircut):

1 Berücksichtigung allfälliger Wertänderung von Kreditsicherungsinstrumenten - wie etwa Wertpapiere, Aktien, Lebensversicherungsverträge - im Bankgeschäft.

2 Bei der Zentralbank: Massnahme zur Minderung des Risikos für Sicherheiten, die bei befristeten Transaktionen verwendet werden. Dabei berechnet die Zentralbank den Wert der Sicherheit grundsätzlich als deren Marktwert abzüglich eines bestimmten Prozentsatzes, den Sicherheitsabschlag (security deduction, safety margin deduction, markdown). Die EZB wendet Bewertungsabschläge an, welche den besonderen Merkmalen der jeweiligen Sicherheiten angemessen sind, wie z. B. die Restlaufzeit (remaining running time). - Ab Februar 2009 hat die EZB ihre Anforderungen an die Qualität der bei ihr hinterlegten Papiere erhöht; den Bewertungsabschlag für Asset-Backed Securities setzte sie auf mindestens zwölf Prozent fest. Für Papiere, deren Bewertung ungesichert erscheint, weil kein Marktpreis für sie feststellbar ist, gab es einen weiteren Abschlag von fünf Prozent. - Allgemein ging die EZB seit Frühjahr 2010 dazu über, den von ihr in Ansatz gebrachten Bewertungsabschlag auch von der Einstufung des Papiers durch Rating-Agenturen abhängig zu machen.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2001, S. 58, Jahresbericht 2001 der EZB, S. 87, Monatsbericht der EZB vom Mai 2004, S. 81, Monatsbericht der EZB vom Oktober 2007, S. 93 ff. (Vergleich der Regelungen für Sicherheiten bei der EZB mit USA und Japan; viele Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Juli 2013, S. 89 ff. (Bewertungsabschläge der EZB seit 2008; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2013, S. 29 ff. (Anpassung der Bewertungsabschläge durch die EZB).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bewertungsergebnis (valuation yield):

Bei Banken der Netto-Saldo für die Bewertung von Darlehn, Forderungen und Wertpapieren, einschliesslich Kurswertabschreibungen auf Obligationen.

– Siehe Bewertbarkeit, Erfassung, Insolvenz.

– Vgl. genauer Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 24 f., S. 42 f. (einzelne Posten seit 1996), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2005, S. 33 ff. (Ertragslage und Finanzierungsverhältnisse; im Anhang [S. 48 ff.] Erläuterungen zur Erfassungstechnik), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2006, S. 58 (Vorbehalte gegenüber der Feststellung von Bewertungsgewinnen und Bewertungsverlusten in der Ertragsrechnung), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2008, S. 23 ff. (Einfluss der Subprime-Krise) und in Fortschreibung den jeweiligen September-Bericht der Deutschen Bundesbank.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bewertungsklausel (appraisal clause):

Auf dem Finanzmarkt eine vertragliche Vereinbarung, wonach beim Ausstieg aus einem Engagement auf Wunsch einer der Partner ein zertifizierter Sachverständiger (certified and sworn expert, sworn-in appraiser) zur Wertfeststellung heranzuziehen ist. Demgemäss wird also nicht unbedingt der Marktpreis zugrundegelegt, falls ein solcher vorhanden ist, wie etwa bei börsennotierten Aktien.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bewertungsreserven (valuation reserves):

Bei einer Versicherung der Unterschied des Marktwertes der Vermögensgegenstände gegenüber den in der Bilanz ausgewiesenen Buchwerten; grob: die Differenz zwischen Anschaffungskosten und aktuellem Marktpreis. Durch die zu Jahresbeginn 2008 in Kraft getretene Neufassung des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) wurde den Versicherten ein Anspruch auf Beteiligung an der Bewertungsreserve bei Vertragsbeendigung (termination of the contract) gewährt.

– Siehe Bewertbarkeit, Darstellung, glaubwürdige, Verkehrswert, Wert, Zeitwert. – Im jeweiligen Jahresbericht "Statistik Erstversicherungsunternehmen und Pensionsfonds" der BaFin auch eine detaillierte Übersicht über die einzelnen Posten der Bewertungsreserve in den einzelnen Anlagekategorien nebst Erläuterungen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bewertungstag (valuation date):

Bei der EZB Datum, an welchem die den Kreditoperationen zugrunde liegenden Sicherheiten eine Bewertung erfahren.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bewertungsverlust (holding loss):

Der Wert eines nominell gleichbleibenden Vermögensgegenstandes (etwa eine auf 100 GE lautende Anleihe) muss wegen Fallens des Marktpreises nach unten berichtigt werden.

– Siehe Abschreibung, Bewertung, Debt-Equity-Swap, Factoring, unechtes, Fair Value, Marktwert, Papiere, toxische, Zeitwert.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2009, S. 47 (durch sinkende Aktienkurse traten bei Privathaushalten innert des Jahres 2008 Bewertungsverluste von 1,5 Billionen EUR ein: deren Nettogeldvermögen [net financial wealth] verringert sich um diesen Betrag).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bewidmung in CH auch Äufnung (donation):

Die freiwillige geldliche Zuwendung in

1. eine zweckgebundene Kasse bzw.

2. eine eigenständige Vermögensmasse (estate) im Sinne des Stiftungseingangssteuergesetzes (StiftEG),

3. in der Regel für wohltätige Zwecke (charitable trusts).

– Siehe Stiftungsfonds, Zuwendung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bewilligungsrecht in älteren Dokumenten auch Appropriationsrecht (appropriation power):

Die in der Verfassung den gewählten Volksvertretern - früher: den Landständen; estates of the country - zugewiesene Befugnis, einer von der Regierung beantragten Zuweisung von Mitteln (expenditures requested by the government) für die einzelnen Zwecke stattzugeben.

– Siehe Budget, Kreditvotum.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bewirtschaftungs-System (system of controls):

Allgemein die behördliche Regelung des Tauschverkehrs.

– Siehe Geldabschaffung, Devisenzwangswirtschaft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bezahlung (payment; renumeration):

1 Allgemein alle Ausgaben zur Glattstellung einer Forderung und damit zur Befriedigung des Gläubiges (the sum of money that is transferred from one party to another to resolve a debt). Bezahlung in diesem Sinne wird im Sprachgebrauch gleichbedeutend mit dem Begriff Zahlung verwendet; in älteren Dokumenten findet sich auch Solution (solution).

2 Das Salär, welches eine Person für ihre (Arbeits)Leistung erhält: der Verdienst (earnings) bzw. die Besoldung (salary), heute in aller Regel in Geldeinheiten ausgedrückt.

– Siehe Abmachung, Bereitschaftsgeld, Bonus, Courtage, Entgelt, Erwerbseinkommen, Fringe Benefits, Gehalts-Nebenleistungen, Honorar, Prämie, Restschuld, Vergütung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bezahlverfahren, innovative (innovative payment procedures):

In der Sprache der Deutschen Bundesbank alle Wege, bei denen eine Zahlung mit Hilfe von Geräten der Informations- und Kommunikationstechnologie auf den Weg gebracht wird. - Die EZB hat zu Jahresbeginn 2014 einen Leitfaden zur Beurteilung der Sicherheit von Internetzahlungen veröffentlicht ("Assessment guide for the security of investment payments"), der wichtige Hinweise sowohl für die Nutzer als auch für die Aufsichtsbehörden enthält. Erarbeitet wurde dieses Handbuch vom Europäischen Forum zur Sicherheit von Massenzahlungen (European forum for security in bulk payments), ein Zusammenschluss verschiedener Behörden in der EU, die für die Aufsicht über Zahlungsdienstleister (payment service provider) und die Zahlungsverkehrs-Überwachung zuständig sind.

– Siehe Barzahlung, Bullet Payment, Glattstellung, M-Payment, Payez Mobile, Single European Payment Area, SEPA-Rat, Überweisung, Zahlbarstellung, Zahlung, mobile, Zahlungshalber.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2009, S. 62 ff. (Aufzählung der Verfahren; Abschätzung der technischen Entwicklungen in der Zukunft).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Beziehungsbankgeschäft (relationship banking):

Zwischen dem Bankangestellten und dem Kunden besteht ein persönlicher Kontakt; beide kennen sich aus dem ihnen gemeinsamen, gesellschaftlichen Umfeld (they know each other from their social environment). Der Begriff wird vor allem auf die Geschäftstätigkeit der Ortsbanken bezogen.

– Siehe Bank, kirchliche, Benutzerfreundlichkeit, Branchen, standortgebundene, Call Centre, Clubbing, Geomarketing, bankliches, Hausbank, Kundenbindung, Loch, schwarzes, McDonaldisation, Ortsbank, Regenmacher.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Beziehungspflege (networking, customer relationship management):

Unterhaltung der Kontakte seitens der Bank zu (Gross)Kunden, wobei nicht nur persönliche Besuche und Telephonate eine Rolle spielen, sondern auch gesellige Veranstaltungen (social events as birthday parties, carnival session, Christmas celebrations, theatre evenings, excursions, exhibitions) und Einladungen zu Hause (private invitations in the house of bank managers). Der Bankkunde soll vom reinen Bedarfsträger ("Melk-Kuh"; dairy cow) zum Partner (bilateralness: affecting the bank as well as the customer; Zweiseitigkeit) und Freund (familary friend; Vertrauten) werden. Ob entsprechende Bindungen der Bank in jedem Fall tatsächlich zum Vorteil gereichen, ist schwer zu beurteilen (is difficult to assess).

– Siehe Abwanderungsquote, Advance Letter, Bankmanagement, behördliches, Benutzerfreundlichkeit, Beziehungsbankgeschäft, Bodenhaftung, Canvassing, Hausbank, Kundenbindung, Kundenmitnahme, Kundenpfleger, Kundenzentrierung, McDonaldisation, Nachgeschäft, Ortsbank, Post Sales-Management, Regenmacher.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bezogener in älteren Dokumenten auch Trassat (drawee of a bill of exchange, bill-to party):

Die Adresse, auf die ein Wechsel ausgestellt ist; der Wechselschuldner (debtor).

– Siehe Akzeptant, Aussteller, Notadresse, Trassat.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bezugsbasis und Underlying (reference base; underlying [asset]):

Der Termingeschäften jeweils zugrundeliegende Vermögensgegenstand: eine andere Bezeichnung für den Basiswert.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bezugskurs (striking price; subscription price):

1 Preis, zu dem gemäss vertraglicher Abmachung der Basiswert einer Option gekauft oder verkauft werden kann: der Basispreis.

2 Preis, den Anleger für Aktien, Obligationen, Zertifikate oder Fondsanteile an den Emittenten - bei einer Begebung auch Ausgabepreis oder Emissionspreis genannt - bzw. an die Kapitalverwaltungsgesellschaft zahlen.

– Siehe Ausgabepreis, Ausübungspreis, Basis, Call, Derivate, Complex Option, Knock-in-Option, Knock-out-Put, Option, Option, pfadabhängige, Put, Rohstoff-Terminvertrag, Tap, Time-Spread, Wiedereindeckungs-Risiko.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bezugsrecht (rights issue):

Der Anspruch der Aktionäre, bei Kapitalerhöhung entsprechend der jeweiligen bisherigen Beteiligung am Grundkapital junge Aktien zu erwerben; vgl. § 186 AktG (the privilege of existing shareholders to obtain additional shares in the company in proportion to the number of shares they already own).

– Siehe Aktien-Split.

– Vgl. Jahresbericht 2013 der BaFin, S, 177 (Angebote zum Bezug neuer Aktien an Altaktionäre sind prospektpflichtig).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bianco, Blanko und Blanquet (blank form):

Wenn nicht anders definiert in der älteren Finanzsprache ein unterschriebener Schuldschein oder Wechsel, in dem aber noch nicht die Summe eingetragen ist.

– Siehe Blankokredit, Blankett.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bias (so auch im Deutschen gesagt und sächlichen Geschlechts; bias = hier: preview):

Wenn nicht anders definiert die von der Zentralbank der USA veröffentlichte Vorausschau auf die anstehende Geldpolitik. - Ein neutrales Bias bedeutet, dass in nächster Zeit die Zinsen unverändert bleiben. Ein positiver (negativer) Bias deutet auf eine Lockerung (Anziehen) der Geldpolitik und tendenziell sinkende (steigende) Zinsen hin.

– Siehe Politik des offenen Mundes.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bibalien (monies for drinking, pourboire)):

In älteren Dokumenten Bezeichnung für angehäuftes Geld, zweckgebunden für Trinkgelage, im Besonderen bei Zünften und Studentenverbindungen (students' fraternities, coteries). - Besäufnisse (drinking orgies, boozing) wurden früher auch Bacchanal[en] (bacchanalias) genannt. In der Teutonie gibt es heute so etwas nicht mehr (drinking orgies are quite unknown in to day's Teutonie for its population enjoys quite a high degree of contentment, self-restraint and abstinence, first of all amongst students).

– Siehe Bierbon, Biergeld, Trinkgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bid-ask-Spread (so auch heute in der Regel im Deutschen gesagt, seltener Geld-Brief-Spanne):

An der Börse der Unterschied zwischen

1. dem Nachfragepreis (Geld) und

2. dem Angebotspreis (Brief)

3. für ein Finanzinstrument

4. zu einem bestimmten Zeitpunkt.

– Siehe Bai-Kai, Börsenhändler, individueller, Bundeswertpapiere, Chase Winners, Daytrading, Handle, Hochfrequenzhandel, Pips, Quote-Stuffing-Taktik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bid-to-cover ratio (so auch im Deutschen gesagt):

Bei Offenmarktgeschäften mit der Zentralbank das Verhältnis zwischen Gebotsvolumen der Banken und dem Zuteilungsbetrag.

– Siehe , Tender, beschränkter, Zuteilungssatz, Zuteilungsverfahren.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2004, S. 58 ff. (Erläuterungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bienenprämie (premium payment to beekeepers):

In älteren landesherrlichen Verordnungen (regulations imposed by regional authorities) in Bezug auf die Wirtschaftsförderung (economic promotion) stand die Begünstigung der sehr arbeitsaufwendigen und risikoreichen Bienenhaltung mit an erster Stelle. Als wichtigste Massnahme galt die Zahlung von Prämien an Imker. Daneben gewährten unter bestimmten Bedingungen manche Landesbehörden den Bienenhaltern auch einen Nachlass auf die Grundsteuer. Denn Bienen bestäuben landwirtschaftliche Nutzpflanzen und tragen daher zur Erhöhung der Ernte bei. Zudem galt der Honig in früheren Zeiten - ehe ab etwa 1830 Zucker grosstechnisch aus Rüben gewonnen werden konnte - als das wichtigste Süssmittel für Speisen. Bienenwachs bildete den Rohstoff für die Kerzenzieher (chandlers).

– Siehe Immengeld, Zeidlergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bierbon und Bierkupon (beer token, beer voucher):

Aus der Studentensprache eingedrungene scherzhafte Bezeichnung für ein Geldstück oder einen Geldschein, von jungen Männern für Bier ausgegeben (a witty reference to the fact that some young men's money even today is largely spent on beer, as if the money is valid only for that purpose).

– Siehe Bibalien, Biergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Biergeld (beer money):

1. Früher eine verbreitete Abgabe, die Bierbrauern (brewers) auferlegt wurde, auch Bierakzise (beer excise) genannt. Die Einnahmen aus dem Biergeld waren zwar nicht sehr hoch. Jedoch gingen sie regelmässig ein und waren daher seitens der jeweiligen Finanzbehörde für längere Zeiträume planbar.

2. In älteren Dokumenten auch Trinkgeld in der Bedeutung einer Zahlung, die gelegentlich einer Arbeitsleistung einer Person von Dritten freiwillig und ohne dass ein Rechtsgrund auf sie besteht, zusätzlich zum Lohn für die Arbeitsleistung gegeben wird, auch Bedienungsgeld und früher Douceur (tip, douceur) genannt.

3. Wertmarke (Jeton; token, chip), die zum Bezug einer bestimmten Menge Bieres berechtigt, von verschiedenen Veranstaltern früher und auch noch heute oft als Werbemittel eingesetzt. Die als Münze (beer chip) ausgeprägten älteren Jetons sind Sammlerobjekte (collector's items); seltene Stücke erreichen heute hohe Preise.

4. Ein Abzug vom Lohn für die Verköstigung (boarding) durch den Arbeitgeber, also nicht unbedingt allein für verabreichtes Bier.

5. Früher auch Zulage zum Sold an Truppenteile, die für besonders anstrengende oder gefahrvolle Aufgaben eingesetzt wurden.

6. Ausbezahltes Kindergeld (child-care allowance) in der Unterschicht, weil und insofern die staatliche Transferleistung von den Erwachsenen in dem Privathaushalt für alkoholische Getränke zweckentfremdet wird (state transfer payment gets alienated by the family for alcoholic beverages).

7. Erbetteltes Geld (begged money, cadged sums) vor allem von herumsitzenden Jugendlichen (Punkern; punks), die gruppenweise in städtischen Gefilden anzutreffen sind und ihre Zeit mit Biertrinken totschlagen (kill the time with beer drinking).

8. Geringer Betrag (small sum), Anerkennungsgebühr (nominal fee) als Gegenleistung für eine Gefälligkeit.

– Siehe Betreuungsgeld, Bibalien, Bierbon, Detz, Geldhete, Mofageld, Trinkgeld, Vespergeld, Zweckbindung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bieter (bidder, tenderer):

Im Sinne des deutschen Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetzes (WpÜG) aus dem Jahr 2002 sind dies

1. natürliche oder juristische Personen oder Personengesellschaften,

2. die allein oder gemeinsam mit anderen Personen

3. ein Erwerbs- oder Übernahme-Angebot abgeben oder

4. ein Pflichtangebot abgeben müssen.

– Siehe Acting in Concert, Aktientauch-Übernahme, Anschleichen, Blitzkrieg-Übernahmeangebot, Erwerbsangebot, Greenmail, Pflichtangebot, Ritter, weisser, Transaktionsbonus, Übernahme-Angebot, Übernahme-Appell, Überraschungsangriff.

– Vgl. Jahresbericht 2001 des Bundesaufsichtsamts für den Wertpapierhandel, S. 38 f., Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 202 ff. (zur aufsichtsrechtlichen Praxis) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Rubrik "Unternehmensübernahmen"; dort auch jeweils eine Übersicht und Bemerkungen zum Angebotsverfahren.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bietergruppe Bundesemissionen (Bund Issues Auction Group):

In Deutschland 1998 gebildeter Kreis von Kreditinstituten, die Emissionen des Bundes im Tenderverfahren von der Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur übernehmen. Mitglieder der Bietergruppe können gebietsansässige monetäre Finanzinstitute und inländische Niederlassungen ausländischer Banken werden, soweit sie die Erlaubnis zum Betreiben des Emissionsgeschäftes haben. Jedes Mitglied der Bietergruppe (der Kreis besteht derzeit aus um die 40 Banken) muss jährlich mindestens 0,05 Prozent des Emissionsvolumens übernehmen.

– Vgl. Geschäftsbericht 2001 der Deutschen Bundesbank, S. 163, Geschäftsbericht 2005 der Deutschen Bundesbank, S. 102 f. (dort auch zum "Bund-Bietungs-System, BBS", das seit April 2005 zur Anwendung kommt).

– Siehe Offenmarkt-Tender-Operationssystem.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bietungshöchstbetrag (maximum bid limit):

Betragsmässige Obergrenze für Gebote von einzelnen Geschäftspartnern bei einer Tenderoperation. Für die EZB führt die Deutsche Bundesbank das Gebotsverfahren für deutsche Institute im Offenmarkt-Tender-Operations-System (OMTOS) durch. Derzeit können um die 800 mit der Deutschen Bundesbank elektronisch vernetzte Banken in Deutschland über OMTOS Angebote abgeben. Dabei ist es grundsätzlich möglich, mehrere Summen zu unterschiedlichen Zinsen zu bieten. Wer den höchsten Zinssatz anbietet, der bekommt dann am meisten Geld zugeteilt. - Die EZB kann jedoch Bietungshöchstbeträge festsetzen, um unverhältnismässig hohe Gebote einzelner Geschäftspartner zu vermeiden.

– Siehe Geldmarkt-Operationen, Höchstbietungsbetrag, Höchstbietungssatz, Tender, beschränkter, Tenderverfahren, Zinstender.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Big (so heute auch häufig im Deutschen):

In Bezug auf den Finanzmarkt zur Bezeichnung eines Geschäftes, eines Umstands oder auch einer Person als gewichtig, umfangreich, bedeutend, stattlich, einflussreich, das Marktgeschehen deutlich beeinflussend.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Big Ben (big ben):

In England volkstümliche Bezeichnung für einen Zehnpfund-Geldschein bzw. für einen Betrag in diesem Wert (the sum, and a ten pound note).

– Siehe Bob.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Big Board:

1 In den USA die New York Stock Exchange (NYSE) in Neuyork.

2 In Deutschland manchmal auch von der Deutschen Börse in Frankfurt am Main gesagt.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2007, S. 67 ff. (Strukturelle Veränderungen am Aktienmarkt und Konsolidierung der Börsen; ausführliche Darstellung; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Big Figure (so auch im Deutschen gesagt; seltener Erstzahlen):

Die ersten drei Stellen bei den in der Regel fünfstelligen Angaben von Wechselkursen (the first two or three digits of a foreign exchange price or rate). - Wenn beispielsweise am 11. Juni 2007, 9:30 Uhr notiert wird: EUR/USD 1,3747, so sind 1,37 Big Figures; die letzten beiden - im Beispiel 47 - werden als Pips bezeichnet. - Im Devisenhandel werden zwischen den Händlern regelmässig nur die Pips genannt, weil die Big Figures als bekannt vorausgesetzt werden.

– Siehe Börsensprache, Handle, Pips, Wechselkurs.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Big Mac-Index (Big Mac index):

Seit 1986 von dem britischen Wirtschaftsmagazin "The Economist" ermitteltes Wertverhältnis der wichtigsten Währungen zueinander. Dabei wird festgestellt,

1. wieviel in der international tätigen Restaurant-Kette McDonalds ein dort gängiges Standardprodukt, der Big Mac, in der jeweiligen Geldeinheit kostet. Dann

2. wird der Preis eines Big Mac in einem Land in dessen Währung geteilt durch den Preis des Big Mac in einem anderen Land mit der dortigen Währung.

3. Der so erhaltene Wert wird mit dem gegenwärtigen Wechselkurs verglichen.

4. Daraus werden Rückschlüsse gezogen, ob eine Währung an den Börsen unterbewertet oder überbewertet ist (the Big Mac Index between two countries is obtained by dividing the cost of a Big Mac in one country [in its currency] by the cost of a Big Mac in another country [in its currency]. This value is then compared with the actual exchange rate. If it is lower, then the first currency is under-valued compared with the second; and conversely, if it is higher, then the first currency is over-valued).

– Der Big Mac-Index wird noch immer von vielen als eine "unzulässige Miniaturisierung" verworfen. Es hat sich indessen über die Jahrzehnte gezeigt, dass dieser Index sehr wohl als zuverlässig gelten kann. Denn zurecht gingen die Wirtschaftsjournalisten seinerzeit von der Feststellung aus, dass die Waren für Herstellung eines Big Mac durchweg aus inländischer Produktion kommen. Auch fliessen bei Zubereitung und bei dem Verkauf hauptsächlich inländische Dienstleistungen und Abgaben ein. Hinter dem Index steckt also näherhin die Tatsache, dass an der Produktion und dem Verkauf eines Big Mac zahlreiche Branchen der jeweiligen heimischen Volkswirtschaft teilhaben. Diese stellen grob gesehen (roughly seen) durchaus einen Querschnitt dar.

– Siehe Cross Rate, Kaufkraft-Parität, Wechselkurs.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Big Wim:

Im Jargon der Finanzjournalisten der erste Präsident - von der Gründung am 1. Jänner 1998 bis 31. Oktober 2003 - der EZB, Dr. Willem F. Duisenberg (1935-2005). Er gab der Institution in manchem ihr kennzeichnendes Gepräge.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bilanz in älteren Dokumenten auch Bilance und Finito (balance):

1 Im engeren Sinne die (jahres)abschliessende systematische Gegenüberstellung von Aktiva und Passiva, von Vermögen und Verbindlichkeiten; der Kontenabschluss zu einem Zeitpunkt (reporting date). - Aufgrund der Doppelten Buchführung (double-entry accounting practice), die heute weltweit in der Rechnungslegung eingeführt ist (adopted worldwide by all businesses) zeigt sich eine Bilanz formal immer im Gleichgewicht. Eine "negative Bilanz" kann es daher strenggenommen nicht geben. Trotzdem wird diese Bezeichnung häufig gebraucht, wenn die Verbindlichkeiten die Vermögenswerte übersteigen.

2 In weiterem Sinne von IFRS der Jahresabschluss gesamthaft: der Finanzbericht (Bilanz, Erfolgsrechnung (income statement), Eigenkapital-Veränderungsrechnung, Kapitalflussrechnung (cash flow statement), Erläuterungen bzw. Anhang (notes to the financial statements), Vermerke der Prüfer usw.

– Siehe Bilanzkosmetik, Buchführung, kreative, Enforcement, Finanzbericht, Finanzbericht, einheitliches elektronisches Format, Kristallisation, Rechnungsablage, Sachverhaltsgestaltung, Ultimo-Factoring.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Dezember 2008, S. 26 ff. (Bankbilanzen im Euroraum; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2010, S. 43 (Bilanzkennziffern deutscher Unternehmen seit 2007; S. 45: Quellenhinweis auf bezügliche lange Datenreihen) sowie den jeweiligen Dezemberbericht der Deutschen Bundesbank.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bilanz, ganzheitliche (holistic balance sheet, HBS):

Bei Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung (institutions for occupational retirement provisions) im Einzelnen vorzunehmender Ausweis von Vermögen und Schulden.

– SieheAltersvermögensgesetz, Altersvorsorge-Einrichtung, Anlegerschutz, Anwartschaftszeit, Beamtenvereine, Contractual Trust Arrangement, Credit Default Swap, Destinatär, Occupational Pensions Regulatory Authority, Pensionsfonds-Richtlinie, Pensionskasse, Pensionsverpflichtungen, Planvermögen, Prudent man standard of care, Rabbi Trust, Tontine, Treuhandmodelle, Zertifizierung.

– Vgl. Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 124 f. (Stand der aufsichtlichen Vorgaben [das HBS wird als "theoretisches Konzept" beschrieben: klare Sprache ist nicht die Stärke der Versicherungsaufseher!].

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bilanzaktiva (balance assets):

In Bezug auf Banken durch Aufzählung in § 19, Abs. 1 KWG abgegrenzte Grösse.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bilanzbereinigung (balance sheet clean-up, balance sheet adjustment):

Im Zuge der Finanzkrise 2008 aufgekommener beschönigender Ausdruck (euphemistic expression. euphemism: a harmless word substituted for one considered unfavourable) für teilweise sehr hohe Verlustabschreibungen, die Banken auf Posten der Aktivseite vornehmen müssen. - Auf europäischer Ebene handelt es ich bei diesen Posten vor allem um heimische Staatsanleihen, die in erster Linie Institute der Südfront gehäuft ausweisen. Aufgrund einer seit 2006 geltenden Ausnahmeregelung (exceptional regulation, exemption clause) im europäischen Bilanzierungsrecht müssen Banken kein Eigenkapital als Puffer zurücklegen, wenn sie europäische Staatsanleihen halten. Im Zuge der Griechenland-Krise waren 2012 der Staat aber nur dadurch vor dem Bankrott zu retten, dass private Gläubiger und damit vor allem die Banken einem teilweisen Schuldenverzicht (partial debt waiver) zustimmten. Hier zeigt sich eine sehr gefährliche Verquickung (extremely dangerous assemblage) von Bankrisiken und Staatsrisiken. - Gerügt wurde, dass die EZB den Banken der Südfront durch ihre geldpolitische Outright-Geschäfte, dem sog. OMT-Programm, Staatsanleihen abkaufte, und die Institute mit dem so zugeflossenen Zentralbankgeld sofort wieder Staatsanleihen kauften; die EZB damit also mittelbar die Staatshaushalte finanzierte - was ihr nach dem EU-Vertrag ausdrücklich untersagt ist. Die Retterei nimmt von allen Beteiligten den Druck, ihre Ausgaben an die Einnahmen anzupassen und verloren gegangene Wettbewerbsfähigkeit wiederzugewinnen. Grob gesagt (roughly speaking) müssen alle Mitglieder der EWU die Schulden der Defizitssünder (deficit sinners, budget offenders) aufgrund der Entscheidung des EZB-Rates finanzieren. Das ist ein glatter Verstoss (an outright violation) gegen den EU-Vertrag. Denn Artikel 125 AEUV legt ausdrücklich fest, dass die Gemeinschaft nicht für die Verbindlichkeiten irgendwelcher öffentlichen Stellen in den Mitgliedsländern haftet.

– Siehe Anlage-Haftung Anmassung, zentralbankliche, Aufkäufe, zentralbankliche, Bailout, Bankenaufsicht, europäische, Bilanzbereinigung, Blutzoll, Defizit-Finanzierungsverbot, Demokratie-Defizit, Diätrendite, Europäische Währungsunion, Grundfehler, EZB-Sicherheiten, EZB-Sündenfall, Finanzmarktstabilisierungsanstalt, Moral Hazard, Papiere, toxische, Politikverzug, Risikoprämie, Sachverhaltsgestaltung, Schattenstaat, Schuldendroge, Staatsschulden-Rückführung, Transfer, verschleierter, Umverteilung, zentralbankbewirkte, Zombiebank.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 27 ff. (notwendige Bilanzbereinigungen in der EWU), Jahresbericht 2012 der EZB, S. 89 (zum Aufkaufprogramm der EZB), Monatsbericht der EZB vom Mai 2014, S. 87 ff. (Wirkungen der Ankaufprogramme der EZB; Übersichten; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bilanzierungskosten (balancing costs):

Ausgaben eines Unternehmens für die Rechnungslegung allgemein und für die öffentliche Darstellung der Geschäftslage im Besonderen. - Diese Kosten steigen an, wenn eine Gesellschaft nach verschiedenen Bilanzierungsregeln ihre Rechnungslegung veröffentlichen muss, im Besonderen nach GAAP und IFRS. Wegen der damit verbundenen hohen Belastungen zogen sich an US-Börsen eingeführte und dort zur Bilanz nach GAAP verpflichtete europäische Unternehmen wieder aus US-Börsen zurück, unter anderem auch die deutsche BASF. - Um die Abwanderung zu stoppen, hat die Securities and Exchange Commission Ende 2007 die Anerkennung der nach IFRS erstellten Bilanz für an amerikanischen Börsen notierte ausländische Unternehmen ab 2009 zugelassen.

– Siehe Finanzbericht.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bilanzkanal (balance sheet channel):

In Zusammenhang mit der Geldpolitik die Wirkung einer zentralbankpolitischen Massnahme auf den Unternehmenswert. Steigende Zinsen trüben CETERIS PARIBUS allgemein die Geschäftsaussichten (darken the business prospects) und lassen deshalb auch den Unternehmenswert sinken. Der Kurs der Aktien der Unternehmen geht zurück, ebenso der Kurs der Schuldverschreibungen. Die Werthaltigkeit allfälliger Sicherheiten mindert sich, und damit auch die Möglichkeit, Darlehn aufzunehmen.

– Siehe Akzelerator, finanzieller, Baisse, zyklische, Hedge-Fonds-Gefahren, Kreditrisiko, Wert, zyklischer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bilanzkontrolle, aufsichtsrechtliche (financial reporting enforcement):

Die verpflichtende Aufstellung bestimmter Vorschriften zur Rechnungslegung der Institute durch die Aufsichtsbehörde.

– Siehe Bankenaufsicht, europäische, Enforcement, Finanzbericht.

– Vgl Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 199 ff. (Überwachungstätigkeiten der BaFin; Übersicht; einzelne Fälle) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bilanzkosmetik (window dressing):

Die Irreführung der Öffentlichkeit durch nicht den Tatsachen entsprechenden Angaben in der Bilanz, in der Regel mit dem Ziel der Schön¬färberei (whitewashing, window-dressing). Dies ist für Banken von den Aufsichtsbehörden durch sehr eingehende Vorschriften für die Rechnungslegung und Bilanzierung fast unmöglich gemacht.

– Siehe Angaben, verschleierte, Ausserbilanzgeschäft, Börsenbetrug, Buchführung, kreative, Corporate Governance, Enforcement, Erfolgsgeschichte, Finanzbericht, Informations-Überladung, Intra Quarter Ballooning, Kristallisation, Managementbezüge, missbräuchliche, Rosinenpickerei, Sachverhaltsgestaltung, Stetigkeit, Substance-over-Form-Grundsatz, Ultimo-Factoring, Verlusttarnung, Verständlichkeit.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2005, S. 93 ff. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bilanzposten-Deckelung (cap on items of the balance sheet):

Vorgeschlagene Befugnis der Aufsichtsbehörde, einem Institut Höchstbeträge bei bestimmten Bilanzposten - etwa: gewährte Darlehn, übernommene Garantien, verbriefte Forderungen - vorzuschreiben. Dadurch soll einer Schieflage des jeweiligen Instituts vorgebeugt werden - Die Vermeidung von Schieflagen einer Bank ist indessen die ureigene Aufgabe des Firmenleitung sowie der bezüglichen Aufsichtsorgane wie Aufsichtsrat, Konzernleitung oder institutsspezifische Kontrollgremien. Dies kann schon aus Gründen des Handelsrechts nicht an eine Behörde übertragen werden. Die grundsätzliche Aufgabe einer Aufsichtsbehörde ist es, für die Einhaltung der Spielregeln auf dem Finanzmarkt zu sorgen.

– Siehe Abwickelbarkeit, Bad Bank-Problem, grundsätzliches, Bank, systemische.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz, BiMoG (Accounting Law Modernisation Act):

Zum Bilanzstichtag ultimo Dezember 2010 für alle deutsche Unternehmen verbindliche Vorschriften für die Erstellung der Bilanz. Kernanliegen des Gesetzes ist die Anpassung des Rechnungswesens an die sich verändernden Gegebenheiten vor allem auch auf dem Finanzmarkt.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2010, S. 49 ff. (ausführliche Darstellung; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bilanzregel, goldene (golden rule of balance sheet):

Im Interesse der Erhaltung der Zahlungsbereitschaft geltender Grundsatz der Fristengleichheit. Daraus folgt die Forderung,

1. das Umlaufvermögen (circulating assets) durch kurzfristiges Kapital und

2. das Anlagevermögen durch langfristiges Kapital zu finanzieren.

– Siehe Bankregel, goldene, Fälligkeitsgliederung, Finanzierungsregel, goldene, Matching, Rollover-Risiko.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bilanz-Skandal (balance sheet scandal):

Gegenüberstellung des Vermögenswerte und der Schulden, bei welcher - wiewohl meistens sogar nach gültigen Grundsätzen der Rechnungslegung erstellt - nicht die tatsächliche Finanzlage des Unternehmens wiedergegeben wird. - Soweit dies bei grösseren und gar weltweit arbeitenden Unternehmen (global operating companies) geschieht, kann dadurch die Stabilität des Finanzsystems erschüttert werden. Daher sind Bilanz-Skandale auch im Blickpunkt der Zentralbanken.

– Siehe Aktivitäts-Verlagerung, bilanzbestimmte, Anderson-Skandal, Angaben, verschleierte, Bilanzkosmetik, Börsenbetrug, Corporate Governance, Informations-Überladung, Intra Quarter Ballooning, Managementbezüge, missbräuchliche, Rechnungslegung, waghalsige, Sachverhaltsgestaltung, Stimmrecht-Kriterium, Verlusttarnung, Zweckgesellschaft-Konsolidierung.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mail 2005, S. 94 f. (Übersicht der grösseren Skandale und ihre Ursachen), Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 176 (Bilanzkontrollgesetz) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bilanzsumme (balance sheet total):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter den Endbetrag, der sich nach Zusammenzählung aller Aktiva bzw. Passiva einer Bilanz ergibt.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2013, S. 21 (Auslegungs-Probleme in Bezug auf die Bilanzsumme von Banken).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bilanztricks, staatliche (governmental balance sheet tricks, keeping-alive policy):

Im Besonderen gesagt für die in einigen Ländern der Eurozone vorgenommene Schaffung von Eigenkapital aus dem Nichts für wackelige Banken (ailing banks). - In Spanien wurde 2012 ein Gesetz erlassen, das die breitflächige Umwandlung von steuerlichen Verlustvorträgen (tax loss carryforwards: an accounting practice that applies the current year's net operating losses to future years' profits in order to lessen tax liability) in hartes Kernkapital ermöglicht. - In Italien wurden die Kapitalanteile einzelner Banken an der Zentralbank Banca d'Italia höher bewertet: eine Aufstockung von 156'000 auf 7,5 Mrd Euro. Dabei sind die Anteile an der Banca d'Italia nicht frei handelbar, und sie haben folglich keinen Marktwert. Von der Neubewertung gewinnen vor allem die beiden Mailänder Grossbanken Intesa Sanpaolo und UniCredit, die zusammen 63 Prozent der Anteile halten. - Während die Aktionäre deutscher oder niederländischer Institute jahrelang auf Ausschüttungen verzichten müssen, damit das Kapital ihrer Bank gestärkt wird, erlangen spanische und italienische Banken durch staatliche Gesetzgebung das benötigte Kernkapital: eine offenkundige Wettbewerbsverzerrung (an evident competitive distortion, a flagrantly unfair competition).

– Siehe Angaben, verschleierte, Asset Quality Review, Ausserbilanzgeschäft, Bilanzkosmetik, Bilanztricks, staatliche, Börsenbetrug, Buchführung, kreative, Corporate Governance, Enforcement, Finanzbericht, Informations-Überladung, Intra Quarter Ballooning, Kristallisation, Managementbezüge, missbräuchliche, Rosinenpickerei, Sachverhaltsgestaltung, Stetigkeit, Substance-over-Form-Grundsatz, Ultimo-Factoring, Verlusttarnung, Verständlichkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bilanzwert (balance sheet value, value posted):

Der Betrag, mit dem ein Vermögensgegenstand oder eine Verbindlichkeit in der Bilanz ausgewiesen ist.

– Siehe Bewertung, Buchwert, Carrying Amount, Fair Value, Marktwert, Option, Verkehrswert, Wertminderungsaufwand.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bildschirm-Stierer und Monitor-Glotzer (tape reader):

Im Jargon gesagt von Personen, die beharrlich vor einem Computerbildschirm sitzen, Kurse und Umsätze beobachten und daraus den Markttrend abzuleiten suchen (a person who monitors up to the point of exhaustion a stream of price quotations and exchange transactions in order to predict the future market direction).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Billigkopie und Imitat (knockoff, imitation product):

Auf den Finanzmarkt ein Wertpapier, das vor allem in Bezug auf den Namen des Emittenten (with regard to the name and/or logo of a highly respected issuer) einem hoch bewertetem Produkt - und in der Regel einem Blue Chip - täuschend ähnlich gestaltet wurde, etwa Dow Chemicals statt Dow Chemical oder Volkwagen statt Volkswagen. Über Angebote im Internet und über Vertriebskanäle im Schattenbankbereich werden solche Imitate in betrügerischer Absicht als günstiger Gelegenheitskauf (bargain purchase) an ahnungslose Anleger verkauft.

– Siehe Beschores, Blind Pool, Blue-sky laws, Börsenbriefe, Cold Calling, Darkrooming, Dingo-Werte, Finanzgeier, Frontrunning, Geheimtip, Geldsauger, Ghettobanking, Glamour Stocks, Internet-Foren, Luftpapiere, Make-up, Nonvaleurs, Racheengel, Scalping, Schattenbankbereich, Spitzenwerte, Underground Banking, Winkelmakler.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Billing (so auch heute zumeist im Deutschen gesagt, seltener Rechnungserstellung):

1 Allgemein der regelmässige, meist: monatliche Ausgleich aufgelaufener Zahlungsbeträge.

2 Abrechnung der in Anspruch genommenen Leistungen eines Finanzdienstleisters.

– Siehe All-in-Fee, Bankgebühren, Courtage, Deduktion, Giropay, Vergütung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 93 ff. (ausführliche Darstellung der Bezahlverfahren; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Billion (billion):

Innert der globalen Finanzwelt noch immer eine Schwierigkeit.

1. In Nord- und Mitteleuropa meistens: Million mal Million, also 1'000 Milliarden = 1012 .

2. In den USA und Frankreich: Tausend mal Million, also eine Milliarde = 109 .

– Bei bezüglichen Zahlenangaben ist stets äusserst genau darauf zu achten, welcher Zahlenwert (numeration) gemeint ist.

– Siehe Basispunkt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Billonnage (billonnage):

In älteren Dokumenten der gesetzwidrige Handel mit gefälschten und verfälschten Münzen (trade with illegitimate coinage). Billonneur (coin conterfeiter) wurde genannt, wer in diesem Gewerbe als Hersteller gefälschter Münzen oder als Verteiler tätig war.

– Siehe Blüten, Eteostichon, Geld, böses, Münze, verfälschte, Wipper.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Billpoint:

Computerzahlungs-System der Firma eBay, auf die Bezahlung im Rahmen deren Internet-Versteigerungen ausgerichtet, bis 2002 in Verwendung und dann von PayPal abgelöst. Mit den anfallenden Gebühren wurde grundsätzlich der Zahlungsempfänger belastet.

– Siehe Bezahlverfahren, innovative, Giropay, PayDirect, Payez Mobile.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 93 ff. (ausführliche Darstellung der Bezahlverfahren; viele Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2009, S. 62 ff. (Insellösungen [isolated applications] hemmen den Gebrauch neuer Zahlungswege).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bimetallismus (bimatel[l]ism, bimetallic standard):

In einem Währungsgebiet sind Geldstücke aus zwei Arten von Metall in Umlauf; in der Regel bezogen auf Münzen aus Gold und Silber.

– Siehe Anti-Greshamsches Gesetz, Greshamsches Gesetz, Monometallismus, Nebenwährung, Währung, hinkende.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Binnenfinanzierung (inhouse banking):

Es stellen Darlehn bereit

1 Konzerne ihren verbundenen Firmen; diese gelten aber auch dann, wenn sie konzernintern noch andere bankgeschäftliche Tätigkeiten betreiben, in Deutschland nach § 2, Abs. 1 KWG nicht als Banken,

2 Unternehmen ihren Zulieferern und umgekehrt manchmal auch Zulieferer ihren Abnehmern,

3 Handelsketten (CH: Grossverteiler; trade chains) ihren Einzelhändlern (CH: Detailhändlern; retail seller) und

4 Einzelhändler ihren Kunden.

– Solcherart Direktkreditvergabe schmälert grundsätzlich den Einfluss der Zentralbank auf die Geldströme.

– Siehe Disintermediation, Inhouse-System, Konzernbank.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2012, S. 13 ff. (ausführliche Darstellung der Binnenfinanzierung; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Binnenflexibilität (internal flexibility):

In Bezug auf die EWU das Gebot, dass in den einzelnen Teilnehmerländern Mechanismen (mechanisms: a system of parts that operate and act together like those of a machine) bestehen müssen, die Ungleichgewichte abfedern bzw. für eine in grossen und ganzen gleichmässige Entwicklung im Vergleich zu den anderen Mitgliedsstaaten sicherstellen. - Wenn in einem Land sich die volkswirtschaftlichen Grunddaten verschlechtern (worsening of macroeconomic data such as productivity, employment, wages and salaries, terms of trade, burden of public debt, etc.) und die Güter vergleichsweise zu teuer hergestellt werden, wenn also seine Wettbewerbsfähigkeit sinkt, dann werden Anleger dieses Land meiden und auch heimische Bürger in eine andere Währung umsteigen. Der Wechselkurs der Währung des Problemlandes sinkt. Der sinkende Wechselkurs wirkt als Signal, Zustände zu ändern, die zu dieser Lage führten. - In der EWU gibt es ein solches Alarmzeichen (alarm signal) nicht, weil ja in allen Teilnehmerstaaten der EUR als gemeinsames Geld eingeführt ist. Deshalb müssen die einzelnen Mitglieder Massnahmen für ihr Land gesetzlich ausarbeiten und bei Bedarf in die Wege leiten, die einer rechtzeitigen Korrektur krisenhafter Entwicklung (critical development) in diesem Land dienen. Hierzu gehören in erster Linie die Begrenzung der Staatsverschuldung, der Verzicht auf üppige Sozialleistungen (luxurious social benefits) wie etwa die Verrentung (pensioning-off, retirement) schon ab dem 58. Altersjahr, leistungsfähige Behörden (competent and efficient organised authorities) und hier besonders in Bezug auf die Steuerverwaltung (tax administration), Flexibilisierung des Arbeitsmarktes (promotion of labour market flexibility), Förderung des Wettbewerbs (fostering competition), verbesserte Anreize für die Leistungssysteme (improving incentives in benefit systems), staatliche Förderung der Forschung und bahnbrechender Erfindungen (public support of research and development of revolutionary inventions). - Es hat sich freilich gezeigt, dass in vielen Mitgliedsstaaten der EWU solche Schritte ungenügend eingeleitet, ja noch nicht einmal entsprechende Massnahmen geplant wurden, weil sie unbeliebt (highly unpopular) sind und Politikern zumeist Wählerstimmen kosten. Trotz des EU-vertraglich vereinbarten Ausschlusses eines Bailout verliess man sich letztlich auf die Hilfe anderer Mitglieder - und dies trat ja erstmals gelegentlich der Griechenland-Krise auch ein. - Ob eine politische Union (European political union) diese Fehler und Schwächen (inconsistencies and weaknesses) der jetzigen EWU beseitigen würde, ist fraglich; jedenfalls müssten grundlegende Elemente des Vertrags geändert werden. Eine politische Union kann aber - wenn überhaupt - wegen des langwierigen verfassungsrechtlichen Weges (long and difficult constitutional procedure) in allen Teilnehmerstaaten erst nach vielen Jahren zustande kommen. Schon aus diesem Grunde taugt sie nicht als Mittel zur Bekämpfung einer Krise in der EWU. - An Massnahmen zur Angleichung an die gemeinsame ökonomische Entwicklung, an der Binnenflexibilisierung, führt kein Weg vorbei.

– Siehe Aufkäufe, zentralbankliche, Bankenrettung, Bazooka, Blame game, Buyer of last resort, Defizit-Finanzierungsverbot, Disfunktionalität, währungsraumbezogene, Ein-Stimmen-Prinzip, Euro-Anleihen, gemeinsame, Europäische Finanzstabilisierungsfazilität, Europäische Währungsunion, Grundfehler, Europayer, EZB-Sündenfall, Finanzsolidarität, Garantie, Geldbombe, Geldkuh, Geldmarkt-Operationen, Geldverleiher letzter Instanz, Government Guaranteed Bond, Government Spreads, Gruppendruck, Italienische Methode, Kaldor-Hicks-Kriterium, Lohnpolitik, koordinierte, Moral Hazard, Plan C, Politikklammer, Politikverzug, Rückkehr-Ideologie, Schattenstaat, Staatsanleihen-Zinsdeckelung, zentralbankbewirkte, Schuldentilgungspakt, europäischer, Sicherheitsnetz, globales, Single Master Liquidity Conduit, Stabilisierungsmechanismus, europäischer, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Stabilitätsfonds, europäischer, Stand-by-Kredit, Transfer, verschleierter, Transferunion, Umverteilung, zentralbankbewirkte, Verschuldung-Produktivität-Verkettung, Wachstum-Schulden-Tatsache, geschichtliche, Währungsraum, optimaler, Zwei-Wege-Option.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Binom (two-person team):

Bankinterne Bezeichnung (term within banking world) für

1. ein Zweierteam in allen Geschäftsbereichen, einschliesslich des Vorstands.

2. den Partner/die Partnerin im Zweierteam.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bio-Aufschlag (organic premium price):

Die geforderte Aufzahlung (Mehrpreis; additional charge) für sog. "biologische" Waren (bio-products, eco-products), in erster Linie Lebensmittel. Bei der Berechnung des Harmonisierten Verbraucherpreisindex im Eurogebiet wird dieser Aufpreis berücksichtigt.

– Siehe Preisempfinden, Preisindex der Lebenshaltung, Produktneuheiten, Qualitätsänderungen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bischofsgeld (episcopal coins):

In alten Dokumenten von Bischöfen in Frankreich geschlagene Münzen. Durch königliches Privileg erhielten 699 die Bischöfe und Äbte (abbots: die Vorsteher eines Klosters im Rang einer Abtei; abbey = a canonically erected independent, self-governing monastery with a community of at least twelve monks or nuns, ruled by an abbot or an abbess) in Frankreich das - beschränkte - Münzrecht (coinage prerogative: right to mint and issue coins).

– Siehe Bajoire, Engelgeld, Kaisermünze.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bisextarif (gender specific tariff):

Bei einer Versicherung die Berechnung der Prämie in Abhängigkeit vom Geschlecht des Versicherungsnehmers. Der Europäische Gerichtshof in Luxemburg hat im März 2011 entscheiden, dass die Berücksichtigung des Geschlechts als Risikofaktor eine "unzulässige Diskriminierung" (undue discrimination) darstelle. Entsprechend sind für weibliche und männliche Versicherte die gleichen Tarife zugrunde zu legen.

– Siehe Unisextarif.

– Vgl. Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 113 f. (Umsetzung des Urteils des EuGH in deutsches Recht; Fragen des Übergangs vom Bisextarif in den Unisextarif und umgekehrt; BaFin ändert im Zuge dessen auch die Kalkulationsverordnung), S. 116 f. (das Urteil des EuGH über Unisextarife betrifft nicht die betriebliche Altersversorgung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bitcoins abgekürzt BIC und ohne Plural (so auch im Deutschen):

Ein seit Januar 2009 eingeführtes Internet-Bezahlsystem. Daran teilnehmen können grundsätzlich alle durch Beitritt in die Bitcoin-Community. Wer dann Bitcoins als Netzgeld nutzten möchte, muss eine sogenannte Wallet auf seinem Rechner oder Smartphone installieren. Die Wallet ist gleichsam eine digitale Brieftasche, in welcher virtuelles Guthaben gespeichert wird. - Man bezeichnet Bitcoins auch als Kryptowährung weil alle Transaktionen verschlüsselt abgewickelt werden und somit nur schwer nachzuverfolgen ist, wer wem wieviel Geld zahlt. - Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hat BIC rechtlich verbindlich als Finanzinstrumente in der Form von Rechnungseinheiten gemäß § 1 Absatz 11 Satz 1 KWG eingeordnet. Dies sind Einheiten, die mit Devisen vergleichbar sind und nicht auf gesetzliche Zahlungsmittel lauten. Hierunter fallen Werteinheiten, welche die Aufgabe von privaten Zahlungsmitteln bei Ringtauschgeschäften haben, sowie jede andere Ersatzwährung, die aufgrund privatrechtlicher Vereinbarungen als Zahlungsmittel in mehrseitigen Verrechnungskreisen eingesetzt wird. Auf einen zentralen Emittenten kommt es hierbei nicht an. - BIC sind kein E-Geld im Sinne des Zahlungsdienste-Aufsichtsgesetzes (ZAG), weil es keinen Emittenten gibt, der BIC unter Begründung einer Forderung gegen sich ausgibt. Dies ist bei den digitalen Währungen anders, hinter denen eine zentrale Stelle steht. BTC sind auch kein gesetzliches Zahlungsmittel und daher weder Devisen noch Sorten. Der gewerbliche Umgang mit BIC kann indessen eine Erlaubnispflicht nach dem KWG auslösen. Fehlt diese Erlaubnis, so kann eine Straftat nach § 54 KWG vorliegen. Die blosse Nutzung von BIC als Ersatzwährung für Bar- oder Buchgeld in gesetzlichen Währungen zur Teilnahme am Wirtschaftskreislauf ist dagegen keine erlaubnispflichtige Tätigkeit. Ebenso stellt das Schürfen (Mining; mining) der BIC an sich kein erlaubnispflichtiges Handeln da, weil der Miner die BIC nicht selbst herausgibt oder plaziert. Auch der Verkauf geschürfter oder erworbener BIC oder deren Ankauf sind grundsätzlich nicht erlaubnispflichtig. Treten freilich weitere Umstände hinzu, so kann die Erlaubnispflicht ausgelöst werden. Dies gilt dann, wenn BIC nicht nur geschürft, gekauft oder verkauft werden, um damit an einem bestehenden Markt zu teilzuhaben, sondern wenn ein besonderer Beitrag geleistet wird, um diesen Markt zu schaffen oder zu erhalten. Aufgrund des zusätzlichen Dienstleistungselements handelt es sich dann um erlaubnispflichtigen Eigenhandel gemäß § 1 Absatz 1a № 4 KWG. Dies ist etwa der Fall, wenn eine Entität auf dem Markt damit wirbt, dass sie regelmäßig BIC an- oder verkauft. Ein weiteres Beispiel sind Mining-Pools, die gewerblich Erlösanteile aus geschürften und veräusserten BIC gegen die Überlassung von Rechnerleistung durch den Nutzer anbieten. - Über die Vorteile und Nachteile der BIC sind - wie auch über ähnliche Netzgeld-Systeme - viele Abhandlungen erschienen. - Im Februar 2014 ging die grösste Handelsplattform für BIC, die japanische Bitcoin-Börse Mt. Gox, in Konkurs. Der Hauptgrund war der Verlust von 750'000 BIC von Kunden sowie 100'000 weiteren, die Mt. Gox im Eigenportfolio hielt, durch Diebstahl. Auch bei der kanadischen Bitcoin-Bank Flexcoin wurden BIC im Wert von etwa 430'000 EUR gestohlen; und auch dieser Dienstleister schloss daraufhin seine Bitcoin-Bank.

– Siehe Bezahlungsverfahren, innovative, Linden-Dollar, PayPal, Quickgeld, Regionalgeld, Verrechnungsgeld.

– Vgl. Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 59 f. (Bitcoins sind Finanzinstrumente nach § 1, Abs. 11 KWG; werden diese zum Handelsgegenstand, dann bedarf es hierzu einer Erlaubnis).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

BIZ (BIS):

Offizielle deutsche Abkürzung für die Bank für Internationalen Zahlungsaus¬gleich in Basel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Biotreibstoffe und manchmal auch Biotriebstoffe (biofuel, green fuel):

Grösstenteils aus Pflanzen - seltener auch aus tierischen Abfällen - hergestellte Substitute zu den Erdölprodukten. - Die zunehmende und produktionstechnisch sich laufend verfeinernde Erzeugung vor allem von Biodiesel auf der Grundlage ölhaltiger Pflanzen bewirkt weltweit einen Anstieg bei den Preisen für Ölsaaten und Ölen. Dies schlägt auf den Harmonisierten Verbraucherpreisindex durch. - Das Mass an Treibhausgas-Emissionen (greenhouse gas emissions) der einzelnen Biotreibstoffe ist überaus unterschiedlich. So verursacht Ethanol aus Zuckerrohr (sugarcane ethanol) in Brasilien an die neunzig Prozent weniger Treibhausgas als Ethanol aus Getreide (corn-based ethanol) in den USA. Daher wird zurecht gefordert, die Umweltbelastung sämtlicher Treibstoffe - einschliesslich des Erdöls - durch entsprechende staatliche Gesetze dem Preis hinzuzurechnen (to include emissions costs into the prices of all fuels).

– Siehe Agrarpolitik, Cash crop, Erdölpreis, Inflation, Inflation, weltweite, Inflations-Ausgleich, Klima-Inflation, Kohlendioxid-Inflation, Lohn-Preis-Spirale, Ölpreis, Ölpreis-Schocks, Petrodollar, Pigou-Steuer, Protein-Inflation, Rohstoffpreise, Schocks, strukturelle, Strompreis, Zweitrunden-Effekte.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2007, S. 15 (Höchststände für die bezüglichen Weltmarktpreise), Monatsbericht der EZB vom Juni 2008, S. 10 ff. (Produktion von Biokraftstoffen treibt die Lebensmittelpreise hoch), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2013, S. 70 f. (steuerliche Aspekte der Verbraucherpreise für Kraftstoffe; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Blackout-Risiko (power blackout risk, manchmal auch Stromausfallrisiko):

Die Gefahr, dass einer Bank - und einem Unternehmen überhaupt - Verluste infolge Unterbruchs der Lieferung von Elektrizität (interruption of delivery of electrical power) entstehen.

– Siehe Flash Crash, Stromrisiko.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Blame game (so auch im Deutschen gesagt; seltener Schuldzuweisungsmasche (blame = hier: to place the responsibility for a calamity to others; game = hier: object of attack; Jagdwild):

Im Zuge der Griechenland-Krise 2009 in die Finanzsprache eingedrungene Bezeichnung. Der Ausdruck kennzeichnet die Tatsache, dass die Regierungen und die Öffentlichkeit in den fast bankrotten Staaten der EWU die Schuld für ihre widrige Lage bei denen suchen, die ihnen jetzt helfen, vor allem Deutschland als Hauptfinanzier. Dass unbekümmert jahrelang die Ausgaben weit über die Einnahmen aufgebläht wurden, und dass in Folge dessen die internationale Wettbewerbsfähigkeit verloren ging, will man nunmehr nicht mehr wahrhaben.

– Siehe Abwertung, fiskalische, Angleichungsautomatismus, Bail-out, Bankenunion, Bilanzbereinigung, Risikoteilung, Einrichtung zur Bankenabwicklung, Europayer, EWU-Sprengsatz, Exit, Hegemon, milder, Moral Hazard, Plan C, Politikklammer, Politikverzug, Rückkehr-Ideologie, Schuldendroge, Solidarität, finanzielle, Sperrkonto, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Grundfehler, Staatsschulden-Rückführung, Statistikbehörde, Strukturreformen, Transferunion, Umverteilung, zentralbankbewirkte, Vermögensabgabe, Vertragstreue, Zwangsenteignung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Blankett in älteren Dokumenten auch Blanquet (blanc bond):

Wenn nicht anders definiert, in der Finanzwelt eine unterzeichnete, aber noch unausgefüllte Anweisung auf die Auszahlung von Geld.

– Siehe Aval, Bianco, Garantiegeschäft, Patronatserklärung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Blanko-Goldverkauf (gold short sale):

Auf dem weltweiten Goldterminmarkt liegt der Anteil der durch konkrete Goldlieferung zu erfüllenden Verträge unter zwei Prozent. Alle anderen Kontrakte werden durch Rückkauf glattgestellt.

– Siehe Barmarge, Differenzgeschäft, Leerverkauf, Option, Rohstoff-Terminvertrag, Stockjobber, Terminspekulant.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Blankokredit (blank credit, unsecured credit):

Allgemein ein Darlehn, das von einer Bank ohne besondere Sicherheitsleistung des Kunden eingeräumt wird (a loan obtained without pledging any security, as collateral, guarantor. etc.). Die Ausleihung ist also allein auf die Vertrauenswürdigkeit des Kreditnehmers gegründet. Blankokredite werden in erster Linie an Privatkunden vergeben, von da auch manchmal die Bezeichnung Privatkredit (personal credit). - Wenn man in der Bankpraxis häufig sagt, die Blankokredite seien die ausfallsichersten (most failsafe) Ausleihungen, dann ist das so zu verstehen, dass man ungedeckte Darlehn nur an allererste Adressen vergibt, welche in ihrer Person eine Sicherheit bieten, die kaum durch eine reale Unterlegung übertroffen werden könnte.

– Siehe Abstattungskredit, Akkommodierung, Anschaffungskredit, Barkredit, Bianco, Buchkredit, Darlehn, gedecktes, Konsumentenkredit, Kontokorrentkredit, Kredit, gedeckter, Kurantschulden, Personalkredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Blankoverkauf auch Leerverkauf (uncovered sale):

Jemand verkauft jetzt einen Vermögensgegenstand, den er noch gar nicht besitzt. Er hegt die Erwartung, diesen bald billiger kaufen, um damit seine Verpflichtung erfüllen zu können.

– Siehe Leerverkauf.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Blase (bubble):

Im wirtschaftlichen Sprachgebrauch versteht man darunter allgemein einen erheblichen Unterschied zwischen dem aktuellen Marktpreis eines Vermögensgegenstandes und seinem tatsächlich Wert. Anders ausgedrückt: es bildet sich ein Preis, der mit normalen, gewöhnlichen, üblichen, regelmässigen Verhältnissen von Angebot und Nachfrage auf dem jeweiligen Markt nicht vernünftig zu erklären ist (could not be explained rationally). - Ein Anzeichen für die Entstehung einer Blase sind massvoll (modest), aber stetig (steadily) steigende Preise bei wachsenden Handelsumsätzen. Denn steigen die Preise massvoll aber stetig, dann bestärkt dies die Marktteilnehmer in der Annahme, dass der Preissteigerung eine Erhöhung im Sachwert des zugrundeliegenden Vermögensgegenstandes entspricht. Das wiederum löst steigende Umsätze nach dem betreffenden Gut aus. Hingegen werden sprunghafte (erratic) Preiserhöhungen eher als Anzeichen einer Spekulation gesehen und sprechen im Regelfall eher gegen die Entstehung einer Blase.

– Siehe Algorithmic Trading, Aufkäufe, zentralbankliche, Blase, spekulative, Börsenstimmung, Cleaning up after, Dotcom-Blase, Jackson Hole-Konsens, Leaning against the wind, Martin-Prinzip, Mindestreserve-Soll, Rohstoffblase, Sachwert, Substanzwert, Überschwang, unvernünftiger, Vermögensblase, Vermögenswert.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2010, S. 75 ff. (Möglichkeiten der Geldpolitik, Blasen zu vermeiden; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Blase, spekulative (speculative bubble):

Durch entsprechende Erwartungen angeregter, stetiger (continuous), beharrlicher (insistent) und beachtlicher (considerable) Anstieg der Preise, ein Runup an Börsen, besonders auf

1. Aktienmärkten (share [US: stock] market bubble; hier wieder vor allem bei Aktien von jungen Unternehmen)

2. bei Immobilien oder

3. bei Waren (Edelmetalle, Tulpen) bzw.

4. in Bezug auf bestimmte Terminkontrakte, wie etwa Futures bei Erdöl und Erdgas). Die Folge davon ist, dass der Marktpreis des entsprechenden Vermögensgegenstandes sich immer weiter nach oben von seinem tatsächlichen Wert (true value: the price which would be performed under regular conditions of demand and supply) entfernt.

- Weil dies zu verfehlter Kapitalallokation führt - das Geld und damit die Produktionsfaktoren finden nicht mehr ihren Weg in die Hände des besten Wirts (to the most favourable allocation of scarce resources), - so gelten spekulative Blasen zurecht als volkswirtschaftlich schädlich. Sie sind aber in der Regel weder mit aufsichtsrechtlichen Massnahmen noch mit den Mitteln der Zentralbankpolitik anzustechen; zumal auch die Zentralbank die Blase oftmals erst dann erkennt, wenn diese aufgeplatzt (burst) ist. Wie die Finanzgeschichte in vielen Beispielen vor Augen führt, lassen sich Anleger bei nachgerade schon fieberhaften Erwartungen (euphoric expectations) auf einem Markt durch nichts und niemanden abschrecken (es gilt: solange die Musik spielt, muss man tanzen; as long as the music is playing, you have to dance). Selbst wenn die Zentralbank spekulative Blasen in Echtzeit zweifelsfrei erkennen und durch sehr hohe Zinsen weitere kreditfinanzierte Käufe aufhalten könnte, so ist zu bedenken, dass das hohe Zinsniveau zwangsläufig alle Investitionen bremst und damit den technischen Fortschritt hemmt. - Empirisch nachgewiesen ist, dass Blasen bei jedwelchen Vermögensgegenständen die Privathaushalte zum Auflösen ihrer Ersparnisse und zu unbesonnener Schuldenaufnahme veranlassen. Beim Platzen der Spekulationsblase kann es daher zu einer Rezession kommen. Denn die Banken erleiden Verluste, weil viele Anleger die zur Finanzierung ihrer Engagements aufgenommenen Kredite nicht zurückzahlen können. Die Institute werden sich in der Folge mit der Vergabe von Darlehn übermässig zurückhalten. - Die Finanzgeschichte lehrt auch, dass bisher von der Entstehung einer Blase bis zu derem Platzen auf Aktienmärkten und im Immobilienbereich zwischen fünf und zehn Jahren vergehen.

– Siehe Abgabepanik, Aktienblase, Akzelerator, finanzieller, Algorithmic Trading, Aufkäufe, zentralbankliche, Baisse, zyklische, Blase, Bauland, Boom-Bust-Zyklus, Börsenfieber, Börsenstimmung, Cleaning up after, Crash, Dotcom-Blase, Erholung, kurzfristige, Euphoriephase, Finanzialisierung, Glücksspieleffekt, Hausse nährt Hausse, High Flyer, Hindsight, Immobilienblase, Jackson Hole-Konsens, Kurzsichtigkeit, Leaning against the wind, Leerverkaufs-Verbot, Martin-Prinzip, Marktkenntnis, zentralbankliche, Massiv-Verkäufe, Milchmädchen-Hausse, Niedrigzins, Overtrading, Panikverkäufe, Rally, Rückkoppelungsschleife, Runup, Sell Out, Spekulationsblase, Trittbrettfahrer, Tulpencrash, Überbelastung, Überschwang, unvernünftiger, Vermögensblase, Zinsanreiz, Zurückfindung.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom September 2004, S. 22 ff. (mit wichtigen Literatur-Verweisen), Monatsbericht der EZB vom November 2010, S. 75 ff. (Vermögenspreisblasen; Übersichten; zahlreiche Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Blasenbildner (bubble causer):

Wenn nicht anders definiert, so meint man damit die übermässige Ausweitung der Geldmenge, wenn diese Liquidität in den Immobilienbereich, in Wertpapiere oder in andere Vermögensgegenstände fliesst und dort zu spekulativen Blasen führt.

– Siehe Aufkäufe, zentralbankliche, Blase, Exit-Strategie, Finanzmarktstabilisierungsanstalt, Fragmentierung, Leaning against the wind, Martin-Prinzip, Niedrigzinspolitik, Subprime-Krise, Ursache.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Blaulichtgeld (police operation fee):

Von einigen Gemeinden erhobene Abgabe für den Einsatz der Ordnungskräfte in bestimmten Fällen, wie Einschreiten bei Wirtshaus-Rauferei (inn scuffle) oder die Aufnahme eines Bagatellschadens im Autoverkehr (damage survey of a minor automobile accident, US: fender bender).

– Siehe Bratgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bleiling (lead coin):

In der älteren Literatur gesagt von einer verfälschten Münze, bei welcher der Kern (inner part of the coin; im Deutschen auch Pille und in alten Dokumenten oftmals Blatte genannt) aus Blei bzw. auch aus einer anderen minderwertigen Metallmischung gegossen wurde. In dieser Verrichtung äusserst geschickte ungetreue Münzer überzogen den Kern mit dünn geschlagenem Goldblech (sheet gold, rollen gold), so dass die Münze von vollwertigen Goldmünzen im Handelsverkehr nicht zu unterscheiden war. Erst wenn der Metallüberzug durch häufigen Gebrauch rissig wurden (became cracked), entdeckte man den Betrug.

– Siehe Assay-Stempel, Billonnage, Bullion, Doublé-Münze, Münzschlagen, Wardein.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Blind Pool (so auch im Deutschen):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter die Geldanlage in einen Fonds, der über die Verwendung der von den Zeichnern einbezahlten Beträge keine Auskunft gibt. Oft fehlt auch die Kontrolle über die Mittelverwendung überhaupt, und die Kapitalverwaltungsgesellschaft besitzt obendrein häufig auch keine Erlaubnis. In vielen Fällen sind die von den Anlegern einbezahlten Summen verloren.

– Siehe Bankenregulierungs-Paradoxon, Cold Calling, Racheengel, Schattenbankbereich, Underground Banking, Winkelmakler.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Blind-Taub-Verbindung (blind-deaf alliance):

Auf dem Finanzmarkt gesagt vom Zusammengehen zweier Institute, die beide wenig Ansehen geniessen bzw. angeschlagen sind. Im Besonderen auch bezogen auf geplante Allianzen zwischen deutschen Landesbanken, wie der WestLB und der BayernLB.

– Siehe Blutbad, Marktbereinigung, bankliche, Mitversicherungs-Effekt, Westdeutsche Landesbank.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Blind Trust (so auch im Deutschen gesagt):

Ein treuhänderisch verwalteter Fonds. Dieser besorgt die Geschäfte einer Person, und zwar völlig eigenständig, also ohne dass der Begünstigte daran beteiligt ist (the beneficiary has no access to any information regarding the assets purchased and the trust is discretionarily managed by a fiduciary third party). In einen Blind Trust bringen oftmals Personen ihr Vermögen ein, die ein politisches Amt anstreben bzw. in dieses gewählt wurden. Auf diese Weise sollen deutlich erkennbar allfällige Interessenskonflikte (collision of interests) vermieden werden.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Blitzkrieg-Übernahmeangebot (blitzkrieg tender offer):

In Zusammenhang mit Fusionen und Übernahmen ein so günstiges Angebot, dass dieses sofort angenommen wird (in the context of a takeover: a tender offer to the shareholders in another firm to sell [tender] their shares at a price so attractively that the tender is completed quickly).

– Siehe Abwehrmassnahme, Bieter, Buy out, Erwerbsangebot, Freier, Fusionen und Übernahmen, Geldsockel, Gifttablette, Konzentrationskurs, Kriegskasse, Makkaroni-Abwehr, Material-Adverse-Change-Klausel, Personen, gemeinsam handelnde, Pflichtangebot, Radar-Überwachung, Raider, Ritter, weisser, Shark Watcher, Spin-off, Squeeze-out, Stimmrecht-Datenbank, Übernahme, feindliche, Übernahme-Ankündigung, Übernahme-Appell, Überraschungsangriff, Umtausch-Angebot.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Blockbusting (so auch im Deutschen gesagt, seltener mit Minenlegen übersetzt):

1 Allgemein unredliche Kniffe windiger Immobilienmakler, um privaten Hauseigentümern ihren Grundbesitz weit unter Wert abzukaufen (an illegal practice often used by unfair real estate agents and developers to get homeowners to sell their property for a low price).

2 Im Besonderen der Druck seitens unredlicher Makler auf Hauseigentümer, ihren Grundbesitz zu verkaufen, weil sich in der Gegend Ausländer niedergelassen haben, und eine Ghettoisierung bevorstehe (the act or practice of inducing the sale of property cheaply by exploiting the owners' fears of lower prices if racial minorities live in the area). - In Deutschland haben viele Banken in Kreditverträge mit Immobilienmaklern Klauseln eingebaut, denen zufolge das gewährte Darlehen bei Beschwerden über Blockbusting sofort fällig gestellt wird.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Blocktrading und Pakethandel (block trading):

1 Der Handel mit Paketen von Aktien (selling and buying a large number of shares; a block normally consists of 10'000 shares of a given stock).

2 Besondere Form der Aktienemission. Hierbei werden aus einer Kapitalerhöhung kommende jungen Aktien unter Ausschluss des Bezugsrechts der Altaktionäre durch eine Bank unmittelbar an Zeichner abgegeben.

– Siehe Gratisaktie, Hochfrequenzhandel, Kombinationseffekt, Paketzuschlag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Blog und Weblog (so auch zumeist im Deutschen, seltener Netztagebuch und durchweg männlichen [der Blog], manchmal auch sächlichen Geschlechts [das Blog]):

Ein öffentliches Tagebuch im Internet. Insoweit darin persönliche Meldungen bezüglich des Finanzmarktes auftauchen, wie vor allem Nachrichten über erlangten Reichtum durch den Kauf bestimmter Vermögensgegenstände (messages about suddenly obtained richness du to the purchase of specific assets), so ist in jedem Fall äusserstes Misstrauen geboten. Denn längst haben gewiefte Fachleute die Möglichkeit erkannt, über diesen Weg als persönliches Erlebnis getarnte Empfehlungen zum Kauf oder Verkauf unauffällig zu verbreiten. Auch fehlt es nicht an Warnungen (warnings) in Bezug auf bestimmte Anbieter und Abraten (dissuasion) zum Kauf derer Produkte. Solch Widerraten (disadvise) wird von Konkurrenten - unauffällig als Blogger getarnt - als Tagebucheinträge verbreitet. Dieser Form der Marktmanipulation gegenüber sind die Aufsichtsbehörden bis anhin ziemlich machtlos.

– Siehe Börsenbriefe, Daimonion, Dampfstube, Darkrooming, Deuteroskopie, Erpressungspotential, Frontrunning, Geheimtip, Geldblogger, Gründungsschwindel, Internet-Foren, Kursmanipulation, Marktmanipulation, Know-Nots, Oligarchie, Offshore Leaks, Shitstorm, Siderismus, Verschwörungstheorien, Twitter.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Blue Bonds (so auch im Deutschen gesagt):

In Zusammenhang mit den Überlegungen zu Euro-Bonds aufgekommene Bezeichnung für solche, also für Anleihen, für die andere Mitgliedsländer der Eurozone gesamtschuldnerisch eine Haftung übernommen haben. Im Gegensatz dazu sind Red Bonds Staatsanleihen, die von den Ländern allein begeben, als nicht von der Gemeinschaft garantiert werden.

– Siehe Anleihe-Spread, Bailout, Ekart, Euro-Anleihen, Euro-Krise, Euromarkt, Europäische Schuldenagentur, Floater Plan C, Moral Hazard, Umverteilung, zentralbankbewirkte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Blue Chips (so auch im Deutschen gesagt):

1 Unternehmen, die bei den Anlegern ein grosses Vertrauen geniessen (companies which are highly-regarded by investors, particularly by those seeking a conservative investment in shares).

2 Aktien - und in weiteren Sinne manchmal auch für alle Finanzinstrumente gebraucht - erstklassiger Unternehmen, das heisst von Firmen, die beim Rating die besten Noten erhielten. Im Jahr 2013 entfielen etwa neunzig Prozent der Aktien-Umsätze an deutschen Börsen auf Blue Chips.

– Siehe Bo Derek-Aktie, Lombarden, Papiere, schwere, Spitzenwerte, Standardwerte, Wertpapiere, qualifizierte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Blue-sky laws (so auch oft im Deutschen gesagt, sonst Gesetze gegen Emissionsbetrug):

Eine Reihe in den USA gültiger Gesetzen und Verordnungen, die bei der Begebung von Papieren jeder Art zu beachten sind. - Die Bezeichnung ist dem Umstand entlehnt, dass Banken und windige Anlageberater (fly-by-night investment advisors) beim Verkauf von Wertpapieren den Kunden oft das Blaue vom Himmel versprachen (in the US a set of regulations which oblige companies wishing to issue securities to first provide evidence of their existence and substance, including their financial statements. This is to prevent situations where issuers have little else to sell than a piece of "blue sky").

– Siehe Blind Pool, Blog, Bonbon, Börsenbriefe, Daimonion, Dampfstube, Darkrooming, Glamour Stocks, Go-go-Fonds, High Flyer, Internet-Foren, Kapitalmarkt, grauer, Normalbegebung, Pump and Dump, Racheengel, Remittance Services, Risikokapital, Schattenbankbereich, Todesspirale, Twitter, Überweisungsbetrug, Winkelmakler.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Blutbad (blood bath, carnage):

In der Sprache der Finanzjournalisten bei einer Bankfusion in allen Bereichen zu entlassende Mitarbeiter, einschliesslich der Vorstandsmitglieder. In der Vermeidung dessen sehen viele den wohl wichtigsten Grund dafür, dass Fusionen und Übernahmen auch dort, wo es angezeigt wäre - etwa bei den Landesbanken in Deutschland - aufgeschoben bzw. ganz unterlassen werden.

– Siehe Abgesang, Blind-Taub-Verbindung, Grössen-Effekte, Mitversicherungs-Effekt, Totholz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Blüten (dough):

In Zusammenhang mit Geld: gefälschte oder verfälschte Banknoten (jargon referring to counterfeit money, especially so named in underworld and criminal society).

– Siehe Banknoten-Wertbeschränkung, Billonnage, Falschgeld, Falsifikate, Geld, beschädigtes, Geld, böses, Super Notes.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Blutgeld (expiation fine; tranfer payment to the blood court; blood money):

1 Früher - und in einigen arabischen Staaten teilweise bis heute - eine Zahlung, die einmalig oder regelmässig vor allem

1. bei fahrlässiger Körperverletzung an den Geschädigten oder

2. bei Tötung - etwa: ein Mauerwerk stürzt ein und erdrückt eine Person - an die Hinterbliebenen zu leisten war, auch Sühnegeld, Wergeld und Manngeld genannt.

2 Bei Übergabe eines Verbrechers an das Blutgericht (blood court; Tribunal über Leben und Tod) zu zahlender Betrag.

3 Belohnung für denjenigen, durch dessen Zeugnis jemand aufgegriffen und vor Gericht gestellt wird, im Deutschen auch Judaslohn genannt. Diese Bezeichnung leitet sich von dem Jünger Judas Ischariot her, der Jesus an die Hohepriester verriet und dafür dreissig Silbermünzen als Belohnung erhielt.

4 Angesammeltes Vermögen, das durch die Tötung von Personen erworben wurde.

5 In weitem Sinne zu Lasten anderer Menschen unrechtmässig erworbene Einnahmen.

– Siehe Agiotage, Geldsauger, Danismus, Sündengeld, Übersatz, Wucher, Wucher-Herausforderung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Blutzoll (blood shed):

Im Frühjahr 2012 aufgekommene Bezeichnung der Finanzjournalisten für den als alternativlos (without alternative) hingestellten Zwang auf die privaten Gläubiger, Griechenland ein Drittel der Staatschulden zu erlassen. Dies war letztlich eine Übertragung von Kaufkraft seitens der Sparer in den Ländern der Eurozone an das Mitglied Griechenland. Gefruchtet hat diese Massnahme freilich kaum.

– Siehe Anmassung, zentralbankliche, Bailout, Bankenrettung, Blame game, Euro-Anleihen, gemeinsame, Enteignung, kalte, Europayer, Finanzsolidarität, Geldkuh, Gläubigervorrang, Griechenland-Krise, Hegemon, milder, Repression, finanzielle, Schattenstaat, Tina.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bob (bob; ohne Plural):

Volkstümliche Bezeichnung im Englischsprachigen für

1. Geld allgemein und

2. im Besonderen ein GBP oder ein USD sowie für die entsprechende Grundeinheit der Währung in weiteren englischsprachigen Ländern (bob commonly nowadays means money in a general sense, for example, "it cost a few bob", which is usually a sarcastic allusion to quite a lot of money, or a pound, a dollar or the analoguos monetary unit in other regions of the world). Ursprünglich bezeichnete Bob die englische Schillingmünze.

– Siehe Big Ben, Dead Presidents, Geldbezeichnungen volkstümliche, deutschsprachige, Greenback.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bobl-Future (so meistens im Deutschen, daneben auch Euro-Bobl-Future):

Besonderer Optionsvertrag, bei dem rechnerisch eine deutsche Bundesanleihe mit einer Verzinsung von sechs Prozent und einer Restlaufzeit (remaining running time) von fünf Jahren zugrundegelegt wird. Der Inhaber eines Bobl-Future-Kontrakts hat das Recht, zu einem festgelegten Zeitpunkt eine diesem Kontrakt zugeordnete Bundesanleihe mit einer Restlaufzeit von viereinhalb bis fünfeinhalb Jahren im Wert von nominal (in money terms) 100'000 EUR zu kaufen oder verkaufen. - Innert eines Jahres werden vier Laufzeiten gehandelt, die jeweils im März, Juni, September und Dezember enden. Der aktuelle Futures-Preis bildet ziemlich genau den Betrag ab, den man am Markt für eine Bundesanleihe mit fünfjähriger Laufzeit und einer Verzinsung von sechs Prozent bezahlten müsste.

– Siehe Bund-Future.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bodenkreditinstitut in älterer Bezeichnung auch Landbank (land mortgage bank):

Bank, die sich langfristige Mittel durch die Begebung von Pfandbriefen beschafft und das Geld gegen hypothekarische Sicherung

1. früher in erster Linie zur landwirtschaftlichen Bodenverbesserung (agricultural melioration; Agrar-Melioration),

2. in Aufforstungs-Vorhaben (reforestation projects) und

3. heute vorwiegend zur Baufinanzierung ausleiht.

– Dieses Geschäft wird seit etwa 2000 auch Immobilien-Banking genannt, und deutsche Banken dieses Zuschnitts sind mittlerweile hier international allein oder in Partnerschaften mit heimischen Instituten oder öffentlichen Stellen tätig.

– Siehe Bausparkassen, Betongold, Covered Bonds, Förderbank, Hypothekenbank, Immobilienfonds, Landschaft, Meliorationskredit, Papiere, grüne, Pfandbrief, Real Estate Investment Trust, Seehandlung, Siedlungskredit, Sozialpfandbrief, Wohneigentum.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bodenrechtsschein (head-right):

Von der frühen nordamerikanischen Regierung ausgestellte Anweisung (assignment) auf eine Fläche Staatsland als Belohnung für besondere Dienste, vor allem beim Heer. Die Anweisung konnte - zumindest zeitweise - verkauft und damit in Bargeld umgewandelt werden.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bodensatz auch Einlagenbasis (deposit base):

1 Geldbetrag, den eine Bank bei laufenden Ein- und Auszahlungen der Kunden immer zur Verfügung hat.

2 Mindestkasse eines Spekulanten.

– Siehe Bankregel, goldene, Depositen, Fristentransformation, Liquiditätsmanagement, Puffer, Termineinlagen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bo Derek-Aktie (Bo Derek share [stock]):

Um 1985 aus den USA eingedrungene Bezeichnung für eine Aktie mit überdurchschnittlicher Performance (a stock with an excellent record of performance and earnings growth). - Der Name leitet sich von der amerikanischen Schauspielerin Bo Derek her. Diese galt nach einem weltweiten Kinoerfolg auch in Europa als Traumfrau (perfect woman).

– Siehe Blue Chips, Outperformance, Papiere, schwere, Performancedruck, Performance-Index, Spitzenwerte, Wertpapiere, qualifizierte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bodenhaftung (down-to-earth approach, grounding):

In Zusammenhang mit einer Bank ist damit deren fester, in der Regel in einem bestimmten Wohngebiet ansässiger Kundenstamm gemeint, der oft generationenübergreifend ist, wie bei den Genossenschaftsbanken und Sparkassen. Solche Institute kennen ihre Kunden vor Ort und sind daher - wie die Finanzgeschichte nachweisen kann - auch gegen grössere Ausfälle gefeit. Sie wirken deshalb für das Finanzsystem in einem Land stabilisierend.

– Siehe Beziehungspflege, Gigabank, Kundenbindung, Kundenpflege, Kundenzentrierung, Megamanie, Partnerkapital, Silo-Denken, Vertikalisierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bodmerei in älteren Dokumenten auch Bodinerie und Bomerie (bottomry):

Die Gewährung eines Darlehns gegen Verpfändung - in alten Dokumenten auch: Impignoration; impignoration - des Schiffes oder der Frachtgüter (a contract by which a ship is hypothecated as security for repayment of a loan for the use of the ship).

– Siehe § 779, § 803, § 857, § 880 HGB (German Code of Commerce).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bogey (bogey):

In Bezug auf den Finanzmarkt ein Masstab zur Messung der Performance eines Fonds (a benchmark, customarily an index, used to evaluate a fund's performance). Der Begriff leitet sich vom Golfspiel ab und bedeutet dort einen Schlag mehr als das Par (par: the expected number of strokes it should take an expert golfer to complete a hole). Indem man die Wertentwicklung des Portfolios an einer Benchmark misst, lässt sich auch die anlagepolitische Leistung des Fondsmanagement beurteilen. In manchen Fällen bildet der Bogey daher auch die Grundlage für die Vergütung der Manager.

– Siehe Bonus, Erfolgsprämie, Fondsrating.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bönhase und Böhnhase (outside broker):

Eine ohne Erlaubnis und Beaufsichtigung arbeitende Person oder Firma auf dem Finanzmarkt.

– Siehe Bankenführerschein, Finanzgeier, Inkasso-Stelle, Offshore Finanzplätze, Racheengel, Ragionenbuch, Underground Banking, Winkelmakler.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bohranteil ([exploratory] drilling share):

Früher teilweise auch an der Börse notierte Papiere, die ein Bohrunternehmen ausgab. Es handelte sich dabei um Betriebe, die nach Mineralien und im Besonderen nach Metallen schürften, und die in der Regel Anteile in der Stückzahl 100 oder 1'000 emittierten. - Entsprechende Urkunden haben heute einen hohen Sammlerwert.

– Siehe Kux.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bollinger Bänder (Bollinger bands):

Rechenverfahren, um Trendveränderungen auf dem Finanzmarkt zu erkennen. Die errechneten Bänder umhüllen den Kursverlauf des Basiswertes wie Aktie, Index oder Option mit einem wechselnden Abstand.

1. Oberhalb und unterhalb eines gleitenden Durchschnitts

2. wird jeweils eine Linie gezogen,

3. deren Entfernung zu der Durchschnittslinie in der Grundeinstellung

4. die zweifache Standardabweichung des beobachteten Zeitraums beträgt. Der Abstand der Bänder voneinander - und von dem gleitenden Durchschnitt - ist somit abhängig von der aktuellen Schwankungsbreite des Basiswertes.

– Über drei Viertel aller Kurse liegen statistisch betrachtet innerhalb der Bollinger Bänder und bei der einfachen beziehungsweise zweifachen Standardabweichung. Es ist zu beobachten, dass die Kurse sich jeweils von einem zum anderen Band bewegen. In Trends erreichen die Kurse meist nicht das jeweils andere Band, sondern schwanken nur zwischen der gleitenden Durchschnittslinie -von der aus sie berechnet werden - und dem oberen Band (entry band: in Aufwärtstrends) bzw. unteren Band (exit band: in Abwärtstrends). Dadurch lassen sich Einstiegsgelegenheiten und Kursziele ableiten. Ein Ausbruch des Kurses aus der durch die Bänder erzeugten Umhüllung lässt dagegen eine Fortsetzung des Trends in die Ausbruchsrichtung erwarten. - Inwieweit die Bollinger Bänder als Start- oder Ausstiegssignale in ein Engagement gesehen werden dürfen, ist höchst umstritten. Gleichwohl hat sich dieses Verfahren in der Praxis als ziemlich verlässliches Mittel zur Verdeutlichung von Volatilitäten erwiesen.

– Siehe Aktienmarkt-Volatilität, Analyse, technische, Basislinie, Börsen-Ausreisser, Charts, Fibonacci-Folge, Fortschritt-Rückschritt-Zahl, Geldmarkt-Volatilität, Hausse, Hausse nährt die Hausse, High Flyer, Histogramm, Kartierung, Kursbereich, gehandelter, Kursausbruch, Modellunsicherheit, Random-Walk-Hypothese, Runup, Strichdiagramm, Unterstützungslinie, Widerstandlinie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bon (bon, voucher):

Allgemein jeder Wertgutschein.

– Siehe Marke.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bonbon und Rosine (sweetener):

In der Finanzsprache eine Beigabe zu einem Papier seitens des Emittenten, durch das ein besonderer Anreiz zum Kauf des Titels geboten werden soll (a feature added to a security offering that helps make it more attractive to potential purchasers). Beispielsweise kann eine Anleihe dadurch "verzuckert" werden, dass dem Erstkäufer ein Abschlag gewährt oder der Umtausch in eine Aktie eingeräumt wird, falls festgelegte Bedingungen erfüllt sind.

– Siehe Optionsanleihe, Underpricing.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Boneyard:

Umgangssprachlich für die Federal Reserve Bank of New York gesagt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bonifikation (bonification):

1 Vermittlungsprovision, welche bei der Begebung von Wertpapieren an die Bank bzw. das Emissionskonsortium zu zahlen ist.

2 Einräumung eines besonderen Nachlasses, eines Rabattes auf den Ausgabepreis eines Papiers an bestimmte Zeichner, etwa Grossabnehmer oder Käufer, die sich vertraglich zur Einhaltung einer Sperrfrist verpflichten.

3 Zusätzliche Zinszahlung, welche über die übliche Verzinsung hinaus einem Kunden gewährt wird.

4 Gutschrift an gute Kunden, teilweise im Grosshandel und Transportgewerbe als Treueprämie (loyality premium, fidelity rebate) üblich; oft dann als sog. Jahresbonus (annual bonus) angerechnet.

5 Bei Fluggesellschaften (airlines) teilweise übliche Gutschrift an Fluggäste, die mit derselben Linie oder mit einer im Konzernverbund stehenden Gesellschaft Flugreisen buchen (bonus miles system; Bonus-Meilen-System).

– Siehe Abbassamento, Bonbon, Bonus, Emission, Garantiesyndikat, Gratifikation, Handschlag, goldener, Millionengrab, Mitarbeiter-Verantwortlichkeit, Prämie, Rabatt, Refaktie, Rückvergütung, Vergütung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bonität (reliability; [degree of] creditworthiness):

1 Allgemein der gute Ruf, das allseitige Ansehen, das positive Image, welche ein Wirtschaftssubjekt - Privathaushalt, Unternehmen, auch: ein Staat - im geschäftlichen Bereich geniesst.

2 Die Kreditwürdigkeit, die Borgkraft eines Darlehnsnehmers. Kreditwürdig ist ein Schuldner, wenn man davon ausgehen kann, dass er seine vertraglichen Verpflichtungen aus einem Darlehn zuverlässig erfüllen kann und will (the ability, willingness and financial capability of a borrower to repay debt).

– Siehe Abtauchen, Adverse Selection, Amortisation, negative, Auskunftei, Balanced Fund, Basel-II, Borgkraft, Erstraten-Verzugsklausel, Information, asymmetrische, Investment Grade, Kannibalismus-Effekt, Kredit-Punktbewertungsverfahren, Kreditqualität, Kreditrisiko, Kreditspread, Kreditzusage, unwiderrufliche, Leumund, Negativauslese, Rating, Rating-Agentur, Realkredit, Risikokontrolle, Risikomanagement, Scoring, Übermut, Wirtschaftsauskunftei, Zinshöhe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bonitätsabschlag (detoriated standing):

1 Banken, die sich bei der Zentralbank sehr hoch und/oder ungewöhnlich langfristig verschulden, haben offensichtlich die Goldene Bankregel missachtet. Sie gelten als unsolide, was zu einer niedrigeren Einstufung ihrer Kreditwürdigkeit, ihres Rating führt. Sie müssen infolge dessen auf dem Nostromarkt mit schlechteren Bedingungen, faktisch mit höheren Refinanzierungskosten rechnen. Eine Zentralbank kann - wie in den USA - solche Institute einer besonderen Überwachung unterstellen.

2 Staatsanleihen werden bei sonst gleicher Ausstattung mit einem Bonitätsabschlag gehandelt, wenn für die betreffenden Länder die Ratings schlecht ausfallen.

– Siehe Bonitätsklasse, Downrating, Plutoed.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom September 2005, S. 35 f. (mit Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bonitätsanalyse, zentralbankliche (central bank rating):

Beurteilung seitens der Zentralbank, ob ihr eingereichte Sicherheiten allen bezüglichen Anforderungen genügend. Dazu haben die Zentralbanken eigene Verfahren entwickelt, welche die sog. Notenbankfähigkeit (central bank eligibility) ermitteln.

– Siehe Bonitätsklasse, Kalibrierung, Rating, Trennschärfe.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2004, S. 59 ff. (mit nützlichen Erklärungen und Literaturhinweisen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2006, S. 31 ff. (Regelungen im Euroraum, mit Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2007, S. 93 ff. (Vergleich der Regelungen für Sicherheiten bei der EZB mit USA und Japan; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bonitätseinstufung (rating):

Die Einschätzung der Zahlungsfähigkeit eines Geschäftspartners anhand gewisser Merkmale.

– Siehe Bonität, Leumund, Rating, Scoring.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bonitätsprüfung in älteren Dokumenten auch Bonitierung (appraisal of creditworthiness, credit assessment, credit screening):

Wenn nicht anders definiert die Einschätzung der Kreditwürdigkeit, der Borgkraft eines Kunden durch die Bank. Dies ist eine ureigene Aufgabe in der Verantwortung der Institute, die diese im Wettbewerb wahrzunehmen haben. Die vorgeschlagene Übertragung der Bonitätsprüfung an eine wie auch immer geartete Behörde erhöht die Gefahr der Fehlleitung von Geld und damit von knappen Ressourcen; diese gelangen nicht mehr zum besten Wirt (to the most favourable allocation of scarce resources).

– Siehe Kredit, Leumund, Rating, Subsidiaritätsprinzip Übermut.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bonitätsklasse (credit rating class):

1 Von bedeutenden internationalen Rating-Agenturen vorgenommene und öffentlich bekannt gemachte Zuordnung eines Unternehmens, eines Fonds oder auch eines Staates anhand eines bestimmten, transparenten Rasters. Eine Herabstufung, das Downrating bedeutet, dass der Schuldner im Falle von Kreditaufnahme höhere Zinsen zu zahlen hat.

2 Im Zuge von Basel-II die Einstufung eines Kreditnehmers hinsichtlich der Ausfallwahrscheinlichkeit.

3 Die Einschätzung des Marktes für ein bestimmtes Wertpapier, dessen Ausdruck ist bei Obligationen der Ekart.

– Siehe Adverse Selection, Bonität, , Bonitätsanalyse, zentralbankliche, Bonitätsnote, Downrating, Ekart, Investment Grade, Kalibrierung, Konditionen-Spreizung, Kreditqualität, Kreditzusage, unwiderrufliche, Mittelstandsbank, Negativauslese, Plutoed, Preissetzungsmacht, Rating, Rating-Agentur, Risikoadjustierung, Scoring, Shadow Rating, Trennschärfe.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2003, S. 64 ff., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2006, S. 31 (zentralbankfähige Sicherheiten und deren Bonitätsklassen; S. 39: Übersicht), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 78 (Bonitätseinstufungen durch Rating-Agenturen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bonitätsnote (credit rating [mark]):

Wenn nicht anders definiert, die von einer Rating-Agentur vorgenommene Zuordnung zu einer Bonitätsklasse. Eine Bonitätsnote misst lediglich die Wahrscheinlichkeit eines Ausfalls. Sie darf indessen nicht, was oft geschieht, mit einer Preis- bzw. Wertgarantie verwechselt werden.

– Siehe Bonität, Bonitätsklasse, Bonitätsrisiko, Produktregistrierung, Rating, Rating-Agentur.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bonitätsrisiko (reliability risk):

1 Allgemein die Gefahr des Zahlungsverzugs oder gar der Insolvenz eines Schuldners.

2 Die Gefahr, dass Wertpapiere im Portfolio nach dem Kauf mit einer niedrigeren Bonitätsnote versehen (downgeratet, plutoed) werden, und dies dem Anleger unmittelbar oder mittelbar Nachteile bringt.

3 Bei einer Bank im Besonderen auch die Möglichkeit, dass in einer Kreditbeziehung der Darlehensnehmer in eine niedrigere Risikoklasse abgleitet, ohne dass diese Verschlechterung auch unausweichlich zum Ausfall führt. Die Bank muss jedoch die Forderung an den Schuldner mit einem niedrigeren Wert ansetzen, was sich unmittelbar auf das Eigenkapital niederschlägt.

4 Bei einer Bank die Verteuerung der Refinanzierungsmittel aufgrund eigener sinkender Bonität.

– Siehe Anbietungsgrenze, Ausfallrisiko, Aushaftung, Downrating, Factoring, Kreditereignis, Kreditqualität, Kreditrisiko, Kreditversicherung, Liquidity Value at Risk, Risikomanagement, Sicherheitsmarge, Terminrisiko, Unterlegung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2003, S. 56 ff., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2004, S. 28.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bonitätstransfer (transfer of creditworthiness):

In Zusammenhang mit Euro-Bonds im Frühjahr 2011 aufgekommene Bezeichnung für die Tatsache, dass im Falle gemeinsamer europäischer Anlehen Länder mit bis anhin gutem Rating - wie Deutschland, Luxemburg oder die Niederlande - zugunsten von Staaten mit schlechtem Rating - wie Griechenland oder Zypern - Verluste erleiden. Denn die gemeinsam begebenen Staatsanleihen bewirken, dass sich überschuldete Länder günstiger refinanzieren können, während für Staaten mit guter Bonitätsnote die Kreditaufnahme teurer wird. - Für Deutschland wurde ein diesfälliger Verlust von der Deutschen Bundesbank mit 7 Mia. EUR jährlich angegeben. Berechnungen von Banken kommen indessen auf eine Mehrbelastung von 47 Mia. EUR pro Jahr.

– Siehe Angst, perverse, Anleihe-Spread, Bail-out, Blame game, Blue Bonds, ClubMed, EU-Finanzhilfe, Euro-Bonds, Europäische Finanzstabilisierungsfazilität, Europäische Währungsunion, Grundfehler, Europäischer Währungsfonds, EZB-Sündenfall, Government Spreads, Moral Hazard, Plan C, Rückkehr-Ideologie, Siebenprozent-Grenze, Solidarität, finanzielle, Stabilisierungsmechanismus, europäischer, Strukturreformen, Südfront, Umverteilung, zentralbankbewirkte, Vertragstreue, Zwei-Wege-Option.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bonitäts-Verbesserung (credit repair; [financial] rating betterment):

1 Alle Massnahmen, die ein Schuldner ergreift, um seine gesunkene Kreditwürdigkeit zu verbessern (practice of improving or rehabilitating one's financial reputation, the creditworthiness).

2 Im Rahmen von Verbriefungen aufsichtsrechtlich definiert als vertragliche Vereinbarung, durch welche

1. die Kreditqualität einer Verbriefungsposition

2. gegenüber einem Stand ohne eine solche Vereinbarung

3. nach oben berichtigt wird.

– Dazu zählen neben den im Zuge der Subprime-Krise von den Regelerstellern viel erörterten unwiderruflichen Kreditzusagen an Zweckgesellschaften auch Verbesserungen, die durch nachrangigere Tranchen und andere Arten der Besicherung erzielt werden.

– Siehe Credit Enhancement, Claw-back-Klausel, Garantie, Kreditzusage, unwiderrufliche, Pfand, Rückführungs-Option, Unterstützung, stillschweigende, Zweckgesellschaft-Konsolidierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bonitätsverschlechterung, konzernbedingte (concern-induced downrating):

Eine Konzernzentrale verteilt entstandene Verluste auf alle Konzernfirmen, auch auf solche, die als selbständige Unternehmen nicht unmittelbar zum Abrechnungskreis (allocation group, payroll subunit) gehören. Die dadurch verursachte ungünstige Bilanzstruktur der belasteten Unternehmen führt dazu, dass ihnen die Banken höhere Zinsen berechnen bzw. sich mit der Vergabe von Darlehn gegenüber dem jeweiligen Unternehmen zurückhalten. Die vergleichsweise selbständigen Konzernfirmen erleiden dadurch Einbussen in ihrer Rentabilität, und sie werden so am Ende oft zur Gänze in die Abhängigkeit der Konzernzentrale getrieben.

– Siehe Cash Pooling.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bonus Mehrzahl in der Finanzpresse meistens Boni, daneben auch Bonusse (bonus; extra dividend):

1 Allgemein gesagt von einer Zugabe, Dreingabe, Sondervergütung, die als Gutschrift von dem Vertragspartner geleistet wird, vor allem

1. einem Unternehmen, hier etwa Rabatt oder Werbegeld,

2. einer Versicherung, hier etwa bei Nachweis regelmässiger Zahnarztbesuche, oder

3. dem Staat, hier etwa ein Zuschuss an Betriebe, die Jugendlichen mit schlechten Schulnoten einen Ausbildungsplatz gewähren, im Jargon "Deppen-Prämie" (dolt premium) genannt.

2 Eine ausserordentliche Dividende (melon), die eine Aktiengesellschaft ausschüttet.

3 Zusätzlich zum normalen Salär den Kaderleuten eines Unternehmens allgemein und einer Bank im Besonderen gewährte Zahlung; ursprünglich eine Gewinn-Ausschüttung, heute oft unabhängig vom Gewinn bezahlt. So fuhr die Union Bank of Switzerland (UBS: grösste, weltweit tätige Bank der Schweiz) 2008 im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise 19,7 Mia CHF Verlust ein, und ihr musste unter anderem auch vom Schweizer Staat zunächst mit 6 Mia CHF geholfen werden. Dennoch erhielten die Kaderleute 2,2 Mia CHF an Boni ausbezahlt. In den USA werden Boni in der Finanzbranche in der Regel nicht aus dem Gewinn bezahlt, sondern aus dem Umsatz; daher ist es möglich, dass Institute auch dann (hohe) Boni zahlen, wenn sie Verluste erwirtschaftet haben. - Der Generalstaatsanwalt der USA rechnete im Sommer 2009 vor, dass die neuen grössten Banken der USA vom Staat im Jahr 2008 mit gesamthaft 175 Mia USD gestützt werden mussten. In diesem Krisenjahr wurden indessen etwas über 32 Mia USD Boni an die Führungskräfte ausgeschüttet. Fast jeder fünfte Dollar Staatshilfe ging damit letztlich vom Portemonnaie der Steuerzahler auf das Konto der Banker. Verordnet wurde daher in einigen Staaten wohl zurecht, dass Vergütungsanreize im Finanzsektor nicht mehr zurückliegende "Erfolge" einzelner Personen oder Teams berücksichtigen, sondern auch die künftige Performance mit einbeziehen müssen und daher erst im nachhinein zu zahlen sind. - Die Bonus-Systeme waren allgemein nur auf den kurzfristigen Erfolg ausgerichtet. Für einen Banker war es daher völlig rational, höchste Risiken einzugehen, um hohe Renditen zu erzielen und entsprechende Boni ("high speed money") zu erhalten. Im Falle des Misserfolgs fiel der Banker lediglich auf sein Grundgehalt zurück. Dies gilt als Musterbeispiel dafür, wie eine Haftungs-Beschränkung zu unverantwortlichem Geschäftsgebaren (irresponsible business behaviour, reckless conduct of business) führt.

4 Bei Zertifikaten der Gewinn, der vertragsgemäss dem Erwerber zusteht.

– Siehe Anlage-Haftung, Anreizsystem, Bankenschelte, Bezahlung, Bonifikation, Bonus-Deckelung, Bonussystem, Citigroup-Bonussystem, Fixum, Garantieprovision, Gratifikation, Handschlag, goldener, High Potential, High-Speed Money, Honorar, Hot Spot, Instituts-Vergütungsordnung, Jagdgeld, Low Performer, Managementbezüge, missbräuchliche, Millionengrab, Mitarbeiter-Verantwortlichkeit, Moral Hazard, Prämie, Rückvergütung, Schlafgeld, Shitstorm, Tantieme, Too big to save-Grundsatz, Underperformer, Vergütung, Vergütungssystem, Verlustübernahme, persönliche, Versicherungs-Vergütungsordnung. Vorabprüfung, Vorstandsbezüge, Zitronenhandel.

– Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 252 (auch die Aufsichtsbehörde schüttet grosszügige Boni an ihre Mitarbeiter aus), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 106 (Mängel bei der Prüfung der Vergütungssysteme).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bonus-Deckelung (bonus cap):

Oberbegriff für alle Massnahmen mit dem Ziel, als nicht gerechtfertigt empfundene Bonuszahlungen bei Banken zu begrenzen. Ungläubiges Kopfschütteln (wondering had-shaking) löste der Beschluss der Europäischen Union vom Frühjahr 2013 aus, wonach die Boni höchstens das Doppelte des Grundgehalts (basic salary) betragen dürfen. Denn wenn die Institute aufgrund der neuen Vorschriften die Boni senken und die Festgehälter anheben, dann ändert sich gar nichts. Überdies ist die Bonus-Deckelung ein sehr weitreichender Eingriff in die Lohnfindung (wage formation), welche das marktwirtschaftliche Rechtssystem aus guten Gründen allgemein den Tarifparteien bzw. den Unternehmen und ihren Beschäftigten vorbehalten hat.

– Siehe Bonus, Instituts-Vergütungsordnung, Vergütungssystem.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bonussystem (compensation scheme):

Bei Beschäftigten der Finanzbranche übliche erfolgsabhängige Vergütung. - Im Zuge der Subprime-Krise und der darauf folgenden Finanzkrise geriet diese Einkommensform stark in die Kritik, weil sie Anreize schafft, des kurzfristigen Erfolgs wegen Engagements mit hohem Risiko einzugehen, welche dem Grundsatz der Nachhaltigkeit auch bei Finanzanlagen stracks zuwiderzulaufen. - Mit verschiedene Massnahmen wurden staatlicherseits in das Bonussystem eingegriffen, unter anderem - so in Grossbritannien und Frankreich - durch eine sehr hohe Abgabe auf ausbezahlte Boni. Dies jedoch wurde von Ökonomen und Juristen aus vielerlei Gründen beanstandet, nicht zuletzt auch aus steuersystematischen Überlegungen. Denn nicht das Einkommen gesamthaft, sondern einzelne Bestandteile des Salärs werden hier der Besteuerung unterworfen. Zudem wurde gerügt, dass hier Mitarbeiter einer Branche in Sippenhaft (kin liability) genommen würden; vor allem auch Bezieher [CH: Bezüger] mittlerer Gehälter in einer Bank, die gute Arbeit geleistet hätten. In einem einsichtigen Vergleich wurde argumentiert, dass man der Stationsschwester (ward sister, charge nurse) nicht das Gehalt kürze, wenn der Chefarzt (chief physician) schlecht operiert habe. - Indessen beschloss das Europäische Parlament am 7. Juli 2010 Regelungen, wonach ab 2011 nur noch dreissig Prozent der Boni sofort ausbezahlt werden dürfen. Bei variablen Vergütungen wurde gar eine Kappungsgrenze von zwanzig Prozent für die Sofortauszahlung beschlossen. Ein grosser Teil der variablen Vergütung dürfen die Banken künftig erst nach einem Zeitraum von mindestens drei Jahren auszahlen, und dies auch nur dann, wenn sich das von dem Empfänger getätigte Geschäft als erfolgreich erwiesen hat.

– Siehe Bankenschelte, Bonus, Bonus-Deckelung, Citigroup-Bonussystem, Instituts-Vergütungsverordnung, Hot Spot, Shitstorm, Vergütungssystem, Vorabprüfung, Versicherungs-Vergütungsordnung. Vorstandsbezüge, Zitronenhandel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bonus-Zertifikat (bonus certificate):

Eine nach 2002 aufgekommene Anlageform, bei der Kursgewinne einer Aktie oder eines Aktien-Index - allgemein: eines Basiswertes - in der Regel bis zu einem Cap mitgenommen werden können, leichtere und mittlere Verluste jedoch ausgeglichen werden. Um diesen Puffer zu finanzieren, verzichtet der Anleger auf Dividendenzahlungen aus dem Basiswert. Im Einzelnen sind diese Zertifikate überaus unterschiedlich ausgestaltet. Es gilt daher sehr genau die Angebotsbedingungen der jeweiligen Anbieter zur Kenntnis zu nehmen.

– Siehe Airbag-Zertifikat, Diskont-Zertifikat, Express-Zertifikat, Garantie-Zertifikat, Hebel-Zertifikat, Outperformance-Zertifikat, Partizipations-Zertifikat, Quanto, Sprint-Zertifikat, Twin-Win-Zertifikat, Zertifikat.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bookbuilding (so auch im Deutschen gesagt. seltener Preiserkundigungs-Verfahren):

Vorgehen zur Bestimmung des Ausgabepreises bei einer Erst-Emission. Dabei erkundigen sich die eine Emission begleitenden Banken zunächst bei infragekommenden bedeutenden Zeichnern (potential important subscribers) über deren Vorstellungen hinsichtlich des Preises der neuen Aktie. Unter Berücksichtigung dieser Informationen sowie interner Berechnungen wird dann der Ausgabepreis festgelegt und in einer Roadshow den Anlegern zur Zeichnung angeboten.

– Siehe Aktienmarkt, Ausgabenaufschlag, Bookrunner, Börseneinführung, Bought Deal, Bruttospanne, Emissionsbeteiligung, Emissionsgeschäft, Emissionshaus, Ersterwerber, Festpreisverfahren, Garantiesyndikat, Klienten-Effekt, Konzertzeichner, Lead Manager, Marktpflege, Pre-Marketing, Secondary Offering, Underwriter, Wertpapier-Emissionen, Wertpapier-Verkaufsprospekt, Zulassungsstelle, Zweitplazierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bookrunner auch Global Coordinator (so auch meistens im Deutschen gesagt, seltener Emissions-Konsortialführer):

Bank, die in einem Konsortium die Federführung bei einem gemeinsamen Engagements übernimmt und vor allem die Finanzierungspartner - also die Investoren - zusammenbringt: der Lead Manager. In der Regel gibt es bei Emissionen nur einen Bookrunner. Manchmal jedoch kann es von Vorteil sein, die Aufgaben zwischen zwei Instituten aufzuteilen; vor allem dann, wenn man inländische und ausländische Zeichner gewinnen möchte. In diesem Fall tauschen die Bookrunner den Stand der Zeichnungen regelmässig aus; auch erfolgt diesfalls die Ermittlung des Emissionspreises und die Zuteilung der Papiere durchweg nach gemeinsamer Absprache.

– Siehe Arranger, Begebung, Bookbuilding, Börseneinführung, Bought Deal, Bruttospanne, Club Deal, Deal, Emissionsgeschäft, Emissionshaus, Emissions-Rendite, Ersterwerber, Garantiesyndikat, Investment Banking, Intercreditor Agreement, Klienten-Effekt, Lead Manager, Multisourcing, Präzipuum, Roadshow, Underwriter, Wertpapier-Emissionen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Boom (so auch im Deutschen gesagt):

Allgemein ein schneller, starker Anstieg der Geschäftstätigkeit

1. in einer Branche (industry; Wirtschaftszweig) oder

2. in der Volkswirtschaft gesamthaft. Genaue Merkmale, welche den Umfang, die Geschwindigkeit und die Beschleunigung als die Zunahme in der Geschwindigkeit des Anstiegs näher kennzeichnen, sind dem Begriff nicht beigelegt.

– Siehe Algorithmic Trading, Baisse, Börsenfieber, Bull, Defizit-Spending, Depression, Erholung, kurzfristige, Flor, Gewinnkonjunktur, Hausse, Prosperität, Risikowahrnehmung, Vermögenspreise.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Boom-Bust-Zyklus (boom-bust cycle):

Auf eine Phase übermässiger Kreditvergabe (excessive lending) in einem Wirtschaftssektor oder in der Volkswirtschaft gesamthaft folgen jähe, panikartige Kapitalrückzüge.

– Siehe Aktienblase, Akzelerator, finanzieller, Baisse, zyklische, Crash, Euphoriephase, Glücksspieleffekt, High Flyer, Hindsight, Kurzsichtigkeit, Leerverkaufs-Verbot, Rally, Risikowahrnehmung, Runup, Rush to exit, Sell Out, Spekulationsblase, Tulpencrash, Überbelastung, Überschwang, unvernünftiger, Zurückfindung.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2005, S. 62 f. (mit Literaturangaben).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bootgeld und Bootsteuer (motor boat duty):

Eine um die Zeit nach 1920 manchenorts erhobene Abgabe für das Halten von Wasserfahrzeugen mit einem Verbrennungsmotor (combustion engine), die nicht der entgeltlichen Personen- oder Güterbeförderung dienten. Zweck der Abgabe war es, die Belästigung auf Binnengewässern - wie vor allem Lärm, Wellenschlag (wave impact, wash of the waves) Abgase, Schäden an Uferbauwerken (damnages on embankment structures) und der Natur allgemein - durch sog. Freizeitkapitäne (leisure captains) einzudämmen. Entsprechend bildete auch die Pferdekraft der Antriebsmaschine (horsepower of the engine) die Bemessungsgrundlage, und der Steuersatz für schnelle Boote war entsprechend hoch; in Berlin nach Gesetz vom 28. März 1923 bis zu 300 Mark jährlich. - Ab etwa 1990 wurde das Bootgeld hie und da wieder eingeführt. Auf anderen, vor allem der Trinkwasserbereitstellung (drinking water provision) dienenden Gewässern wurden private Motorboote zur Gänze verboten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bootstrapping (so auch im Deutschen gesagt; seltener Finanzierung aus eigener Kraft):

1 Bei einem Start-up die Suche nach Finanzquellen ausserhalb der Banken, die ein Darlehn wegen des zu hohen Risikos nicht gewähren (activities to finance a start-up by supporters since investment capital could not be raised by regular bank loans due to the high risk).

2 Manchmal auch gesagt für die Selbstfinanzierung (the process of financing a business by internally generated cash flow) überhaupt.

– Siehe Gründungsgeld, Inkubator, Liebesgeld, Private Equity-Finanzierung, Qard al-Hasan, Seed Capital, Sweat Equity, Wagniskapital.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bordereau auch Bordero (bordereau):

In der älteren Literatur ein Verzeichnis von Wertpapieren.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bordinggeld (fire-fighting boat fee; lighter fee):

1 Von der Hafenbehörde auf einzelne Beteiligte verlagerte Umlage zur Unterhaltung des Feuerlöschboots, den Bording.

2 Zahlung für die Dienste eines Lichterschiffes (lighter; Leichterschiff: ein kleineres, flaches Wasserfahrzeug, welches die grossen Schiffe lichtet (lightens; von Fracht erleichtert), damit diese

1. allgemein seichte Stellen befahren und

2. im Besonderen auf See beladen und entladen werden können.

– Siehe Auseisunggeld, Bedeat, Hafengeld, Kaigeld, Kapgeld, Kapplaken, Krangeld, Ladegeld, Lastgeld, Liegegeld, Leuchtturmgeld, Liegegeld, Lotsengeld, Mützengeld, Pfundgeld, Prahmgeld, Tonnengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Borg (tick):

Alte Bezeichnung für die Geldaufnahme; ein Gelddarlehn.

– Siehe Darlehn, Kredit, Vorlage.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Borgkraft (credit capacity, creditworthy):

Die einem öffentlichen oder privaten, inländischen oder ausländischen Kreditnehmer seitens der Bank zugeschriebene Fähigkeit, gewährte Darlehn vertragsgemäss zurückzuzahlen; manchmal auch Leihkraft und Kreditwürdigkeit (creditworthiness) genannt.

– Siehe Bonität, Kreditlinie, Leumund, Rating, Scoring, Übermut.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Börse (exchange; bourse):

Allgemein ein organisierter Markt, auf dem vertretbare Gegenstände nach feststehenden Usancen regelmässig gehandelt werden. Man unterscheidet nach dem Gegenstand der gehandelten Güter

1. Wertpapierbörsen oder Effektenbörsen,

2. Warenbörsen oder Produktbörsen,

3. Devisenbörsen

4. Versicherungsbörsen,

5. Frachtbörsen und

6. Energiebörsen, wie Strombörsen, Gasbörsen; der Handel in Rohöl gehört zur Warenbörse. Wenn nicht anders gesagt, ist in Zusammenhang mit dem Finanzmarkt in aller Regel die Wertpapierbörse gemeint.

– Eine genaue Definition des Begriffs "Börse" gibt es in der deutschen Rechtssprache nicht, wiewohl dies - vor allem angesichts der verstärkt aufgetretenen alternativen Transaktions- und Inhouse-Systeme der Grossbanken - als dringend notwendig gefordert wurde. - § 1 des Börsengesetzes definiert rein formal und dazu sprachlich mangelhaft: "Börsen sind teilrechtsfähige Anstalten des öffentlichen Rechts, die nach Massgabe dieses Gesetzes multilaterale Systeme regeln und überwachen, welche die Interessen einer Vielzahl von Personen am Kauf und Verkauf von dort zum Handel zugelassenen Wirtschaftsgütern und Rechten innerhalb des Systems nach festgelegten Bestimmungen in einer Weisezusammenbringen oder das Zusammenbringen fördern, die zu einem Vertrag über den Kauf dieser Handelsobjekte führt."

– Siehe Algorithmic Trading, Börsen-Arbeitskabinen, Börsenfunktionen, Broker, Devisenhandel, computerisierter, Disintermediation, Dual Listing, Dual Trading, Ferienkalender, Glockenschlag-Geschäft, Hochfrequenzhandel, Inhouse-System, Kabinen, Knotenpunkt, Platzgebrauch, Ragionenbuch, Sanktionsausschuss, Sentiment, Strombörse, Taubengeld, Verbriefung, Vertretbarkeit.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2007, S. 67 ff. (Strukturelle Veränderungen am Aktienmarkt und Konsolidierung der Börsen; ausführliche Darstellung), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 47 (IOSCO-Bericht über Outsourcing bei Börsen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Börse, elektronische (electronic exchange; screen-based trading;):

Börsengeschäfte werden

1. ganz (fully computerised trading) oder

2. nur teilweise (computer-assisted trading) über ein Computersystem abgewickelt. In Deutschland ist dies 1989 durch Änderung des Börsengesetzes möglich geworden; vgl. § 17 sowie §§ 58 ff. BörsG. In der Schweiz bereits seit 1996 allgemein eingeführt, werden dort sämtliche Wertpapiere nur noch elektronisch gehandelt.

– Siehe Börsen-Arbeitskabinen, Devisenhandel, computerisierter, Flash Crash, Geisterstunde, Handelssystem, alternatives, Dematerialisierung, Eurex, Parkett, Platzgebrauch, Präsenzbörse, Springer, Taubengeld, Xetra.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Börsen-Arbeitskabinen (exchange booths):

An der Börse mit moderner IT-Technik ausgestattete, abhörsichere Räume, die Börsenmitglieder zwecks Verbindung mit der Börsenabteilung des eigenen Instituts bzw. unmittelbar mit Kunden nutzen können (bug-proofed workspaces on the exchange where members can receive orders). Mit

1. der Verbreitung relativ sicherer, leistungsfähiger tragbarer Geräte (difficult-to hack powerful portable information devices) aller Art ab etwa 2010 sowie

2. dem Aufkommen elektronischer Börsen sank die bis anhin wichtige Bedeutung der Kabinen.

– Siehe Devisenhandel, computerisierter, Flash Crash, Geisterstunde, Handelssystem, alternatives, Dematerialisierung, Eurex, Parkett, Platzgebrauch, Präsenzbörse, Springer, Taubengeld, Xetra.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Börsenaufsichtsbehörde (exchange monitoring authority):

In Deutschland bei der obersten Landesbehörde, der Landesregierung angesiedeltes Organ, das die Errichtung einer Börse genehmigt, ihre allfällige Schliessung anordnet und den Börsenbetrieb überwacht. Die Aufsicht erstreckt sich auf die Einhaltung börsenrechtlicher Vorschriften sowie auf die ordnungsgemässe Durchführung des Handels an der Börse; vgl. § 1 und § 2 BörsG (dort Aufzählung der Befugnisse).

– Siehe Abschreckung, aufsichtsrechtliche, Knotenpunkt, Sanktionsausschuss, Schlangenhandel, Intelligent Miner.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Börsen-Ausreisser (market spots):

Wertpapiere, die einer allgemeinen Tendenz an der Börse nicht folgen oder gar eine gegenteilige Kursbewegung aufweisen.

– Siehe Bollinger Bänder.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Börsenbesucher (settlement authorised person):

1 Allgemein diejenigen Personen, welche Geschäfte an einer Börse gemäss deren Zulassungsvorschriften abschliessen dürfen. Jeder, der ein Gut (Devisen, Effekten, Waren) an der Börse (ver)kaufen will, muss sich daher einer zum Abschluss des Geschäftes berechtigten Person bedienen.

2 In Deutschland auch Skontroführer-Unternehmen.

– Siehe Karten-Stapel, Skontroführer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Börsenbetrug (stock exchange fraud):

Allgemein alle gesetzwidrigen Handlungen an der Börse mit dem Ziel, einen ungerechtfertigten Vermögensvorteil zu erlangen. Dank engmaschiger Aufsicht und verschärfter strafrechtlicher Sanktionen ist dies heute an den grossen Börsen der Welt eher eine Ausnahmeerscheinung.

– Siehe Agiotage, Delisting, Kursmanipulation, Marktmanipulation, Nominee, Pairoff, Prearranged Trading, Sanktionsausschuss, Scalping, Scheintransaktionen, Schlangenhandel, Überweisungsbetrug.

– Vgl. zur aufsichtsrechtlichen Praxis die jeweiligen Jahresberichte der BaFin (Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft").

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Börsenbriefe ([financial] market letters):

Regelmässig erscheinende, von einzelnen Verfassern oder besonders zu diesem Zweck gegründeten Firmen herausgegebene Mitteilungen über das Geschehen auf dem Finanzmarkt allgemein und an der Börse im Besonderen. Darin ausgesprochenen Anlage-Empfehlungen ist allemal mit einem gesunden Misstrauen zu begegnen; und vorgetragene Erfolgsmeldungen sind in vielen Fällen nachweislich falsch.

– Siehe Bildschirm-Stierer, Blog, Börsengerüchte, Daimonion, Deuteroskopie, Geheimtip, Finanzforen, Internet-Foren, Pump and Dump, Scalping, Siderismus, Twitter.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 172 ff. (Marktmanipulation durch Börsenbriefe; S. 174: die BaFin hat im Juni 2007 auf ihrer Webseite ein Merkblatt zu Anlage-Empfehlungen in Börsenbriefen und Newslettern gestellt), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 171 (Marktmanipulation durch Börsenbriefe vom Ausland), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 211 (auffällige Börsenbriefe aus dem Ausland, die marktenge, vielfach unbekannte Papiere empfehlen) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Börseneinführung (admission to exchange dealing, listing):

Für Effektenbörsen im Euroraum von der EZB erfasst hinsichtlich

1. der Anzahl der Börsengänge sowie

2. des Umsatzvolumens und auf verschiedene Einflussgrössen hin untersucht sowie im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets" in der Rubrik "Finanzmärkte" veröffentlicht.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Dezember 2002, S. 37 f., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 125 f. (Interessenkonflikte bei Konsortialbanken).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Börsenfieber (stock market fever):

Ein Kaufrausch (buying binge) an der Börse.

– Siehe Blase, spekulative, Boom, Bull, Flor, Geschorener, Gewinnkonjunktur, Hausse, Milchmädchen-Hausse, Prosperität, Rally, Runup, Trendhandel, Überschwang, unvernünftiger.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Börsenfunktionen (functions of exchange, purposes of exchange):

Aufgabe einer Wertpapierböse ist es

1. Angebot und Nachfrage zusammenzubringen = Marktfunktion,

2. die Bereitstellung eines Umfelds, in dem eine ordnungsgemässe Emission von Titeln stattfinden kann = Mobilisierungsfunktion,

3. die Gewährleistung der Verkaufs- und Übertragungsmöglichkeit von Wertpapieren zu jeder Zeit = Substitutionsfunktion sowie

4. die Feststellung des augenblicklichen Marktpreises für das einzelne Wertpapier = Bewertungsfunktion. Entsprechendes gilt auch für andere Börsen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Börsengerüchte (hoaxes):

Nachrichten, die unmittelbar in der Börse oder in deren Umfeld verbreitet werden, um den Kurs börsengehandelter Gegenstände - Finanzprodukte, Waren, Devisen - zu beeinflussen. Solche Manipulationen sind bis anhin im allgemeinen nur sehr schwer zu bekämpfen.

– Siehe Agiotage, Blog, Börsenbriefe, Entscheidungsnützlichkeit, Flurfunk, Kursmanipulation, Marktmanipulation, Pairoff, Übernahme-Ankündigung, Umstände, bewertungswichtige.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Börsengeschäftsführung (stock exchange management):

In Deutschland Personen, denen die Leitung einer örtlichen Börse obliegt. Die Aufgaben sind vor allem

1. Zulassen bzw. Ausschliessen von Börsenmitgliedern und Besuchern,

2. Regelung von Organisation und Geschäftsabläufen sowie

3. Entscheidungen über die Aufnahme, Aussetzung oder Einstellung von Wertpapiernotierungen; vgl. § 12 BörsG.

– Siehe Börsenbesucher, Börsenordnung, Börsenrat, Committee on Admission.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Börsenhändler, individueller (scalper):

Vor allem in den USA eine Person, die für sich selbst handelt und in schneller Folge kauft und verkauft, um aus kleinsten Kursschwankungen (ticks; Ticks) zu profitieren. Ein individueller Börsenhändler ist bereit, zum Geldkurs (bid) zu kaufen und zum Briefkurs (ask) zu verkaufen; er verschafft somit dem Markt die nötige Liquidität. - Der Ausdruck "scalper" (Skalpierer) kommt daher, weil der Scalper versucht, kleinste Kursunterschiede gleichsam "abzuhäuten".

– Siehe Bid-ask-Spread, Chase Winners, Daytrading, Devisenhandel, computerisierter, Kulisse, Pips, Saalhändler.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Börsenindex (stock index):

Messziffer mit dem Ziel, den Verlauf von Börsenkursen in Zahlenreihen oder Graphiken übersichtlich darzustellen. Dies bezieht sich entweder auf Kursverläufe bei Wertpapieren gesamthaft oder auf einzelne Segmente.

– Siehe Aktienindex, Bollinger-Bänder, Börsen-Ausreisser, Swiss Market Index.

– Vgl. für das Eurogebiet Monatsbericht der EZB vom Dezember 2001, S. 37 f. Die Entwicklung der wichtigsten, weltweiten Indizes, finden sich (teilweise auch unterteilt nach Branchen und in Vergleich mit Indizes aus den USA und Japan) im Teil "Statistik des Euro-Währungsgebiets" des jeweiligen Monatsberichts der EZB unter der Rubrik "Finanzmärkte" ausgewiesen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Börsenkapitalisierung (stock exchange capitalisation; market capitalisation):

1 Bei einer börsennotierten Aktiengesellschaft das Produkt aus Anzahl aller Aktien und deren Kurs.

2 Der Wert sämtlicher an einer Börse gehandelten Papiere.

– Siehe Marktkapitalisierung, Unternehmenswert.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Börsenkompensations-Geschäft (cross trade, X-trade):

An der Börse eine Transaktion bei welcher der Kaufmakler (buy broker) und der Verkaufmakler (sell broker)

1. dieselbe Person ist; es handelt sich also um zwei Aufträge, die durch denselben Makler gegeneinander ausgeführt werden oder

2. beide demselben Unternehmen angehören. Entsprechende Geschäfte werden also nicht auf dem üblichen Handelsweg (usual trading practice) der Börse getätigt (a transaction where either the buy broker and the sell broker are the same, or the buy broker and the sell broker belong to the same firm).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Börsenkonzentration, europäische (consolidation of European stock exchanges):

Mitte des Jahres 2005 hatte das europäische Börsenwesen den höchsten Konzentrationsgrad aller Branchen. Über achtzig Prozent aller Umsätze, die im Handel und Clearing erreicht wurden, entfiel auf vier Börsen (Deutsche Börse AG, Londoner Börse, Euronext und Euroclear). - Anfang Februar 2012 verbot die EU-Kommission einen transatlantischen Zusammenschluss der Frankfurter Börse mit der Börse in Neuyork. Dieser war lange angekündigt und bereits im Einzelnen vorbereitet; die Kosten für Berater und Anwälte hierfür beliefen sich auf rund 100 Mio EUR.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2007, S. 67 ff. (Strukturelle Veränderungen am Aktienmarkt und Konsolidierung der Börsen; ausführliche Darstellung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Börsenkrach (stock exchange crash):

Rascher, oft schlagartiger Rückgang der Kurse aller Aktien - seltener auch auf andere Vermögenswerte bezogen - innert sehr kurzer Zeit, im Extremfall an einem Tag. So fielen am 24. Oktober 1929 die Kurse an der Börse in Neu York um dreizehn Prozent. Am 19. Oktober 1987 brachen die Aktienkurse dort um zweiundzwanzig Prozent ein und rissen die - inzwischen weltweit vernetzten - Märkte in Asien und Europa mit in die Tiefe.

– Siehe Abgabepanik, Baisse, Bear, Börsenpreis, Blase, spekulative, Crash; Dominostein-Effekt, Euphoriephase, Jackson Hole-Konsens, Massiv-Verkäufe, Normalverteilungs-Doktrin, Panikverkäufe, Run, Rush to exit, Subprime-Krise, Systemrisiko, Trendhandel, Vertrauen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Börsenliquidität (stock exchange liquidity):

Die Möglichkeit, an der Wertpapierbörse jederzeit zu günstigen Kosten einen Handelspartner zu finden. Das schliesst ein, auch in hohen Beträgen zu handeln, ohne den Preis gegen sich zu beeinflussen (market impact: eine nachteilige Kursbewegung aufgrund grosser, schnell auszuführender Orders). Liquide Sekundärmärkte ermöglichen es Anlegern, bei unvorhergesehenem Mittelbedarf sich kostengünstig von den Wertpapieren zu trennen. Liquide Wertpapiermärkte steigern damit zugleich auch die Bereitschaft, in entsprechenden Titeln zu investieren.

– Siehe Liquidität, Wertpapiermarkt.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2006, S. 37 ff. (hier auch Fragen des aufsichtsrechtlichen Rahmens).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Börsenmakler (broker):

1 In weitesten Sinne Bezeichnung für eine Mittelsperson, welche die Kauf- und Verkaufsaufträge an der Börse entgegennimmt und miteinander ausgleicht: (any person who, in or surrounding any pit, ring, post, or other place provided by a contract market for the meeting of persons similarly engaged, shall purchase or sell for any other person any commodity for future delivery, security futures product, or swap; or any commodity option). Für diese Dienstleistung ist eine Provision (Kommission; commission) zu bezahlen; siehe Skontroführer.

2 Im engeren Sinne in Deutschland eine öffentlich bestellte Person, der an der Börse die Preisfeststellung am amtlichen Markt obliegt, dann auch Kursmakler genannt.

3 In den USA werden je nach Börsentyp die Broker auch anders bezeichnet, so etwa

1. Account Executive (AE),

2. Associated Person (AP: an individual who solicits or accepts orders, discretionary accounts, or participation in a commodity pool, or supervises any individual so engaged, on behalf of a futures commission merchant, a commodity trading advisor, a commodity pool operator, or an agricultural trade option merchant),

3. Registered Commodity Representative (RCR); deren jeweiligen Pflichten sind in der betreffenden Börsenordnung genau festgelegt.

– In Deutschland unterliegen auch die ausserbörslichen Geschäfte off-exchange transactions: alle Umsätzeeines Maklers der Kontrolle durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.

– Siehe Beobachtungsliste, Börsen-Arbeitskabinen, Börsenbesucher, Falscherklärung, Geldpool, Kommissionshaus, Karten-Stapel, Kulisse, Kursmakler, Kuxkränzler, Local, r, Markt, amtlicher, Over-the-Counter Trading, Ragionenbuch, Sanktionsausschuss, Skontroführer, Springer.

– Vgl. zum Aufsichtsrechtlichen den jeweiligen Jahresbericht der BaFin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Börsen-Arbeitskabinen, Börsenordnung (exchange regulations):

Vorschriften für den Ablauf des Handels in den jeweiligen Börsensegmenten - in Deutschland an der Wertpapierbörse: amtlicher Markt, regulierter Markt, Freiverkehr - und Kanälen, hier: Parketthandel und elektronischer Handel. Die bezügliche Börsenordnung bedarf in Deutschland gemäss § 13, Abs. 5 BörsG der Genehmigung durch die Börsenaufsichtsbehörde.

– Siehe Börsensegmente, Delisting, Ferienkalender, Platzgebrauch, Sanktionsausschuss, Transparenzstandard, Yellow Book.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Börsenpflicht (mandatory exchange trading rule):

Verpflichtung der Börsenmitglieder, sämtliche Aufträge über die Börse abzuwickeln. Die Börsenpflicht ist in den einzelnen Ländern unterschiedlich gesetzlich geregelt; vgl. für Deutschland § 22 BörsG.

– Siehe Börsenfunktionen, Inhouse-System, Internalisierung, Knotenpunkt, Selbsteintritt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Börsenpreis (exchange price):

Nach § 24 BörsG ist dies der Preis für Wertpapiere im amtlichen Markt oder regulierten Markt, der während der Börsenzeit ermittelt wurde. Für Waren und Derivate gilt der ermittelte Preis während der Börsenzeit. - Der Börsenpreis bringt zwar Angebot und Nachfrage zum Ausgleich. Aber er ist damit noch nicht auch gewährleistet, dass der gefundene Preis alle wirtschaftlich bedeutsamen Einflussfaktoren genau widerspiegelt. Solche Abweichungen zwischen technisch-operationaler Effizienz (mere operational efficiency) und grundsätzlicher Effizienz (basic efficiency) sind zugleich ein Ausdruck von unter Umständen erheblichen Fehlbewertungen. Bei überstürzter Rückkehr zu einer grundlegend angemessen Bewertung - beim Bersten von spekulativen Blasen - kann es dabei zu aussergewöhnlichen Marktstörungen mit weitreichenden Folgen kommen, wie beim Tulpencrash in den Niederlanden 1637.

– Siehe Aktienblase, Baisse, Bear, Blase, Boom-Bust-Zyklus, Börsenfunktionen, Börsenkrach, Crash, Devisenhandel, computerisierter, Dotcom-Blase, Dominostein-Effekt, Fair Value, Finanzmarktschock, Friedhof-Markt, Immobilienblase, Limitierung, Run, Rush to exit, Subprime-Krise, Vertrauen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Börsenpreisbildung (exchange price finding):

An der Börse vollzieht sich die Preisbildung nicht durch die Marktparteien. Diese entscheiden lediglich darüber, welche Menge sie (ver)kaufen bzw. zu welchem Preis sie abschliessen wollen. Die Preisbildung selbst wird anhand des Angebots und der Nachfrage gesamthaft von hierzu befugten Personen, den Kursmaklern, nach genau festgelegten Regeln durchgeführt; vgl. für Deutschland § 24 ff. BörsG.

– Siehe Börsenfunktionen, Börsenliquidität, Börsenpreis, Makler, Platzgebrauch, Schlangenhandel, Taubengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Börsenrat (stock exchange council):

In Deutschland Gremium mit höchstens vierundzwanzig Personen an einer lokalen Börse mit der Aufgabe, den ordnungsgemässen Ablauf der Geschäfte (smooth processing of the transactions) sicherzustellen und die Börsengeschäftsführung zu überwachen; vgl. § 9 BörsG.

– Siehe Börsenordnung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Börsensachverständigen-Kommission (Exchange Expert Commission):

In Deutschland beim Bundesministerium für Finanzen angesiedeltes Gremium, das insbesondere marktnahe Empfehlungen für die Aufsichtsbehörden vorbereitet bzw. ausarbeitet. Der geltende Übernahmekodex (takeover instructions), worin die Regeln bei der Übernahme eines Unternehmens durch eine anderes Unternehmen festlegt sind, wurde in diesem Ausschuss erarbeitet.

– Vgl. Jahresbericht 2001 des Bundesaufsichtsamts für den Wertpapierhandel, S. 42 f. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Börsensegmente (exchange segments):

In Deutschland dürfen seit 2002 Wertpapierbörsen mit Zustimmung der Aufsichtsbehörde die drei Bereiche amtlicher Markt, regulierter Markt und Freiverkehr in weitere Untersegmente (part areas) aufgliedern. Von grösserer Bedeutung sind jedoch an deutschen Börsen bisher nur die Blue Chips. Im Jahr 2004 entfielen rund 90 Prozent der Umsätze an den deutschen Börsen auf fünf umsatzstärksten Aktien.

– Siehe Abschreckung, aufsichtsrechtliche, Börse, Börsenordnung, Segmentbindung, Wertpapier-Dienstleistungs-Richtlinie, Europäische, Wertpapiere, qualifizierte.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2007, S. 67 ff. (Strukturelle Veränderungen am Aktienmarkt und Konsolidierung der Börsen; ausführliche Darstellung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Börsenspiele (stock market games, paper trading, virtual trading):

1 In der Presse oder im Fernsehen öffentlich veranstaltete, regelmässige Käufe/Verkäufe in ein Musterdepot. Hierbei ist der Kursmanipulation Tür und Tor geöffnet; die Aufsichtsbehörden gingen einigen Fällen nach.

2 Von Instituten vor allem für Jugendliche veranstaltete Schulungen, in denen

1. der sachgerechte Umgang mit Geld unter Anleitung eines Bankers und

2. auch die Geldanlage an der Börse - in der Regel in Form von Wettspielen (sweepstakes) zwischen verschiedenen Gruppen und vor allem Schulklassen - geübt wird (a simulated process in which would-be investors can practice investing without committing real money).

– Siehe Finanzwelt, virtuelle, Internet-Foren, Journalisten-Privileg, Kursmanipulation, Marktmanipulation, Papiergewinn.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 190 (Unregelmässigkeiten bei der 3sat-Börse).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Börsenspieler (financial gambler):

1 Abschätziger Ausdruck für Spekulanten; bei deutschen Intellektuellen (teutonic intellectuals: a special type of persons with which the Teutonie was and is penalised abundantly) sowie in deutschen Medien weit verbreitet und tief eingewurzelt. Es wird nicht eingesehen, dass Spekulanten Marktteilnehmer sind, die

1. Marktrisiken auf der Grundlage verschiedener, oft sehr vielschichtiger, verzweigter Umstände professionell abschätzen und

2. mit der Gefahr des Verlusts übernehmen. Spekulanten leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung der Märkte.

– Spieler sind demgegenüber solche, die sich künstliche Risiken aussuchen, allein in ihr Glück "investieren" und in aller Regel sich selbst und ihre Familie zugrunde richten. - In Deutschland ist es nach § 23 BörsG untersagt, andere unter Ausnutzung ihrer Unerfahrenheit zu Börsenspekulationsgeschäften zu verleiten.

2 Teilnehmer an einem Börsenspiel.

– Siehe Aufklärungspflicht, Bankist, Barfusspilger, Bildschirm-Stierer, Geschorener, Glockenschlag-Geschäfte, Hedging, Kulisse, Spekulation.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Börsensprache auch Börsenjargon (exchange parlance):

1 Ausdrucksart der beruflich an einer Börse tätigen Personen, der Börsianer: deren Spracheigentümlichkeiten (idiom; Idiom, Jargon). Im weiteren Sinne sind damit auch deren Gesten eingeschlossen, vor allem Winke und Handzeichen, etwa um ein Gebot abzugeben.

2 Einzelne Wörter und Redewendungen, die nur oder doch vorwiegend im Bereich der Börse in einer bestimmten Bedeutung zu finden sind, wie Bought Deal, Kupon, Tick.

3 Die besondere Schreibweise oder Redeweise der Journalisten, die in Print- und Wort-Medien über das Börsengeschehen (exchange market activities) berichten.

– Siehe Akataphasie, Analysten-Rating, Anglizismen, Big Figure, Entscheidungsnützlichkeit, Finanzasophie, Finanzsprache, Handle, Informations-Überladung, Klartext, Pips, Platzgebrauch, Sprachimperialismus, Tonne, Verständlichkeit, Wesentlichkeit, Zweckdienlichkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Börsenstimmung (sentiment, mood on the market):

Die bei den Käufern und Verkäufern vorherrschende Neigung, Engagements an der Börse einzugehen. Die entsprechende Vorliebe hängt grundsätzlich von Erwartungen der Marktteilnehmer ab.

– Siehe Bewertbarkeit, Blase, Börsenfieber, Grundstimmung, Sentiment.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Börsentag (trading day):

Kalendertag, an dem eine Börse geöffnet ist und Käufe sowie Verkäufe getätigt werden können.

– Siehe Börsenordnung, Ferienkalender.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Börsentipp (investment tip, hint):

Der Hinweis auf ein gewinnträchtiges Engagement an der Börse. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um die Anpreisung von Dingo-Werten. Wäre aus einer Anlage an der Börse tatsächlich ein sehr hoher Gewinn herauszuholen, dann würde der Tippgeber (informer, tipster) das für sich selbst nutzen und sich hüten, diese Chance auch anderen zuzugestehen.

– Siehe Börsenbriefe, Daimonion, Dampfstube, Darkrooming, Geheimtip, Internet-Foren, Pump and Dump, Rebbes, Supergewinn, Twitter, Underground Banking.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Börsenumsätze (stock market turnover):

Die abgewickelten Käufe und Verkäufe an einer Börse oder an den Börsen eines Gebiets. - Für Deutschland finden sich diese, nach Monaten sowie nach Aktien (shares) und Renten (debt securities) inländischer und ausländischer Emittenten untergliedert, im monatlich erscheinenden Statistische Beiheft "Kapitalmarktstatistik" der Deutschen Bundesbank ausgewiesen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Börsenumsatzsteuer auch Effektenumsatzsteuer (stock exchange turnover tax):

Eine Abgabe, die in vielen Ländern auf den Umsatz aus dem Handel mit Wertpapieren nach jeweils im Gesetz vorgeschriebener Weise erhoben wird. - In Deutschland wurde diese Steuer 1991 abgeschafft. - Ihre Wiedereinführung wird vor allem im linken politischen Lager (in left-wing political circles) dringend gefordert, um damit "die Reichen" zu schröpfen. Indessen wären in Deutschland wohl am meisten

1. jene kleinen Anleger betroffen, die ihre Ersparnisse in Aktien und Aktienfonds angelegt haben. Dazu ist

2. an (Mitte 2013) 2,4 Mio Vertragspartner von Riester-Aktien-Sparverträgen (Riester personal equity investment plans) zu denken sowie

3. an Millionen von Berufstätigen, die für ihre späteren Ruhestandbezüge in Lebensversicherungsverträge einbezahlen. Auf diese alle würde die Steuer überwälzt (the stock turnover tax would be passed-on to the savers and insured persons described above). Die ins Auge gefassten "Reichen" hingegen werden sehr rasch ihre Geschäfte an Börsen in solchen Ländern abwickeln, die keine Börsenumsatzsteuer erheben.

– Siehe Schlusscheinstempel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Börsenwert (quoted security; market value):

1 Papier, das an der Börse gelistet ist.

2 Der Marktwert eines Vermögensgegenstandes allgemein und einer börsennotierten Wertpapiers im Besonderen.

– Siehe Fair Value, Wert.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Börsenwucher (stock-jobbery):

Allgemein sämtliche Geschäfte an der Börse, bei denen die Leistung in einem auffälligen Missverhältnis zur Gegenleistung steht. Dem Bewucherten (person defrauded through usurious practices) entsteht dadurch in jedem Falle ein Schaden.

– Siehe Agiotage, Bull Raid, Finanzgeier, Geldsauger, Hockeyschläger-Angebot, Marktmanipulation, Schlangenhandel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Börsenzulassung (admission to trading, listing):

Der Rechtsakt (registration settlement), durch den ein Vermögensgegenstand zum Handel an der Börse zugelassen wird (admission of an asset by a recognised stock exchange to its quotation list).

– Siehe Begebbarkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Börsenzulassungs-Folgepflichten (obligations subsequent to exchange admission):

Seit Inkrafttreten des Transparenzrichtlinie-Umsetzungsgesetzes (TUG) vom 5. Januar 2007 überwacht die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht die Folgepflichten aus der Börsenzulassung gemäss 30a-g WpHG. Bis dahin lag die Zuständigkeit bei der Börsenzulassungsstellen.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 189 (wesentlicher Inhalt der Neuregelung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Börsenzulassungsstelle (exchange admission board):

An der Effektenbörse ein Ausschuss, der über Aufnahme eines Wertpapiers in den Handel zum amtlichen Markt oder zum regulierten Markt entscheidet. Die Zulassungsvoraussetzungen sind je nach Marktsegment verschieden. Alle Emittenten müssen jedoch ein Wertpapier-Verkaufsprospekt erstellen. - Neben der Wahl des Marktsegments müssen sich die Emittenten bei der Anmeldung auch für einen Transparenzstandard entscheiden. Von diesem hängt ab, welche Transparenzanforderungen die Unternehmen als Zulassungsfolgepflichten zu erfüllen haben.

– Siehe Börsensegmente, Börsenzulassungs-Folgepflichten, Emissionsprospekt, Finanzbericht, Ragionenbuch.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Börsenzulassungsprospekt (exchange admission prospectus, listing prospectus):

In Deutschland im Einzelnen vorgeschriebene Darlegung aller wichtigen Gegebenheiten eines Unternehmens, das die Börsenzulassung - die Kotierung - zum amtlichen Markt beantragt; vgl. § 30 ff. BörsG.

– Siehe Emissionsprospekt, Prospekt-Datenbank, Unternehmensbericht, Wertpapier-Verkaufsprospekt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Börsianer (stock exchange participants):

1 An einer Börse beruflich Tätige.

2 Personen, die aktiv regelmässig am Börsengeschehen (stock market activities) teilnehmen, dieses überblicken und daher im Regelfall über ein hohes Mass an Sachkunde verfügen.

3 In einem Institut Mitarbeiter, die Aufträge der Kundschaft - bzw. Geschäfte auf Rechnung der Bank (in the bank's proprietary business: the institute in this case trades with the bank's own money [as opposed to the money of its customers] in order to make a profit for itself) - an die Börse leiten.

4 In Redaktionen Bezeichnung für die Kolleginnen bzw. Kollegen, die als Finanzjournalisten in Printmedien, im Radio, im Fernsehen oder im Internet über die Börse berichten.

– Siehe Anleger, Börsen-Arbeitskabinen, Börsenmakler, Börsenmitglieder, Broker, Commercials, Daytrading, Differenzgeschäft, Jobberei, Kommissionshaus, Kulisse, Makler, Milchmädchen-Hausse, Nostro Flag, Sensal, Skontroführer, Stockjobber, Winkelmakler.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bottom-Down (so auch im Deutschen gesagt):

Eine besondere Art eines Optionsscheins, in dessen Bedingungen ein Schwellenwert (bottom; Bottom, Boden) für das Finanzprodukt festgesetzt ist. Bleibt der Bezugskurs während der gesamten Laufzeit (European version; europäische Ausübung) unterhalb dieses Schwellenwertes, dann erhält der Besitzer des Optionsscheins eine festgelegte Rückzahlung. Steigt der Bezugskurs jedoch über den Schwellenwert, so verfällt der Schein und wird wertlos.

– Siehe Basispreis, Knock-out-Option, Option, pfadabhängige, Sleepy Warrant.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bottom-up-Ansatz (bottom-up approach):

1 Die Begutachtung der Stabilität einer Bank durch diese selbst im Zuge eines Stress-Testes.

2 Bei der Aktienanalyse die Beurteilung eines Einzeltitels, ohne zunächst

1. die Branche (industry; Wirtschaftszweig) und

2. volkswirtschaftliche Fundamentaldaten einzubeziehen.

– Siehe Analyst, Analyse, technische, Charts, Histogramm, Fibonacci-Folge, Fundamentalanalyse, Kartierung, Kursbereich, gehandelter, Random-Walk-Hypothese, Top-down-Ansatz, Unterstützungslinie, Widerstandlinie.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2003, S. 57, Monatsbericht der EZB vom August 2013, S. 111 ff. (sehr tiefgehende Ausführungen zu Bottom-up-Stress-Tests).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bottoming out (so auch im Deutschen gesagt):

An der Börse ein Wertpapier, das am Ende einer Baisse angelangt ist, und von dem nun steigende Kurse zu erwarten sind. Manchmal wird diese Bezeichnung auch auf die Situation des Marktes gesamthaft bezogen.

– Siehe Gewinnkonjunktur, Topping out.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bought Deal (so auch im Deutschen gesagt, seltener Emissionsaufkauf und Festzeichnung):

1 Allgemein die Übernahme einer Begebung durch einen oder zwei Käufer (security issue where one or two underwriters buy the entire issue).

2 Im Besonderen: eine Anleihe gesamthaft wird durch die federführende Bank (den Konsortialführer, Lead Manager, Arranger) fest übernommen (fully underwritten). Die Emissionsbank übernimmt damit vollumfänglich das Risiko eines Misserfolgs. - Dem steht aber meistens gegenüber, dass die Marktbedingungen im Augenblick sehr günstig sind und daher Eile geboten ist; Die einzelnen Bedingungen der Begebung können deshalb nicht in zeitraubenden Verhandlungen mit den Mitgliedern eines Konsortiums besprochen werden. Jetzt erst, also nach der Emission, wird die Aufteilung - die Syndizierung - vorgenommen.

3 Eine Bank macht einem Kunden für sehr kurze Zeit - zumeist nur vierundzwanzig Stunden - das Angebot, Papiere mit einem Bonbon zu übernehmen.

– Siehe Aktienmarkt, Arranger, Ausgabenaufschlag, Begebung, Bookbuilding, Bookrunner, Club Deal, Deal, Emissionsbeteiligung, Emissionsgeschäft, Emissionshaus, Emissions-Rendite, Ersterwerber, Garantiesyndikat, Investment Banking, Intercreditor Agreement, Klienten-Effekt, Konzertzeichner, Marktpflege, Metaverbindung, Pre-Marketing, Roadshow, Secondary Offering, Tap, Underwriter, Wertpapier-Emissionen, Wertpapier-Verkaufsprospekt, Zulassungsstelle, Zweitplazierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Brady Bonds (so auch im Deutschen gesagt; benannt nach dem 1998 amtierenden US-Finanzminister Nicolas F. Brady):

Langfristige Titel der Schwellenländer, aus Umschuldungen hervorgegangen (bonds issued by emerging countries under a debt reduction plan). In den meisten Fällen sind diese Papiere durch Staatsgarantien besichert, was freilich noch nichts darüber aussagt, ob die Anleihe auch vertragsgemäss bedient wird.

– Siehe Internationales Finanzinstitut, Londoner Club, Pariser Club, Staatsanleihe, Staatsschuld, verweigerte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bradford-Verstaatlichung (Bradford nationalisation):

Ende September 2008 geriet im Zuge der Subprime-Krise die führende britische Hypothekenbank Bradford & Bingley in Finanznot; eine Solidaraktion englischer Banken im Sommer des gleichen Jahres verpuffte. Die englische Regierung übernahm daraufhin die über 40 Mia GBP schweren Kreditbücher des Instituts. Das Filialnetz und die Einlagen der 2,7 Mio Kunden reichte man an die spanische Banco Santander mit Geschäftssitze in der nordspanischen Stadt Santander bzw. Hauptsitz nahe Madrid weiter. Zuvor hatte das spanische Finanzhaus bereits die ins Schlingern geratene britische Bank Alliance & Leicester für rund 1,3 Mia GBP übernommen. Santander rückte so - zum grossen Missfallen vieler Briten (to the great displeasure of Englishmen) - in Grossbritannien zum drittgrössten Institut auf. Im Oktober 2008 hatte die Banco Santander 65 Mio Kunden in mehr als vierzig Ländern der Welt und war die Nummer eins in der Eurozone. In Deutschland übernahm sie 1987 die CC-Bank und fusionierte 2002 mit der AKB Privat- und Handelsbank. Santander wurde damit zum grössten herstellerunabhängigen Fahrzeugfinanzierer (leading producer-independent car banker) in Deutschland.

– Siehe Aufsichtshaftung, Autobank, Bail-out, Banken-Triage, Geldmarkt-Operationen, Fortis-Rettung, Geldverleiher letzter Instanz, Hypo Real Estate-Rettung, Moral Hazard, Northern Rock-Debakel, Staatshaftung, Vertrauen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Brady-Kommission (Brady committee):

Am Montag, den 19. Oktober 1987 kam es weltweit zu einem Absturz der Aktienkurse; der US-Aktienindex Dow Jones fiel an diesem Tag um knapp dreiundzwanzig Prozent. Der damalige US-Finanzminister Nicolas F. Brady setzte daraufhin einen Untersuchungsausschuss (Presidental Task Force) ein, um die Ursachen des Crashs zu klären. Der im Jahr darauf veröffentlichte Bericht durchleuchtet den Finanzmarkt und deckt vor allem typische Verhaltensweisen der Marktteilnehmer auf. Als ein Hauptgrund des Crashs wurde das Algorithmic Trading an der Börse genannt. Eine Reihe regulatorischer Massnahmen wurden in dem Bericht vorgeschlagen und daraufhin auch grösstenteils inzwischen umgesetzt.

– Siehe Londoner Verfahren, Louvre-Akkord.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Brain Drain (so auch im Deutschen gesagt):

Um 1950 aufgekommene und als Gegenstück zur Kapitalflucht ins Spiel gebrachte Bezeichnung für das Abwandern von Personen mit höherer Bildung in andere Länder (a human capital flight of trained and talented individuals due to lack of job opportunity or several forms of discrimination in the country where they are living). Eine solche Emigration wirkt sich über kurz oder lang auch auf das Finanzsystem aus, zumal die gesamtwirtschaftlichen Kosten für die Ausbildung der Abgewanderten umsonst waren, und fruchtbare junge Steuerzahler verloren gehen (investment in higher education is lost; also whatever social capital the individual has been a part of is reduced by their departure). Gleichzeitig steigt dadurch das Durchschnittsalter der Bevölkerung und damit die Rentenlast. - Verheerend sind die Folgen der Abwanderung junger gebildeter Personen in Krisenstaaten wie Portugal. Dort verliessen allein im Jahr 2011 über 15'000 Menschen der leistungsstärksten Jahrgänge die Heimat, die meisten gingen nach Brasilien, England und Angola.

– Siehe Altersquotient, Auslandsinvestitionen, demographiebedingte, Demographieverfestigung, Forschungsquote, Patenterteilungen, Überalterung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Brakteat (bracteat, hollow coin):

1 Allgemein eine früher umlaufende Hohlmünze aus dünn gewalztem Metall.

2 Im Besonderen seit dem 14. Jht. in Deutschland der Dünnpfennig bzw. Hohlpfennig zunächst aus Silberblech (rolled silver), später aus Kupferblech (copper sheet). - Von daher soll auch die volkstümliche deutsche Bezeichnung "Blech" für Geld und "blechen" für bezahlen herrühren.

– Siehe Infrangiblität.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Branchen, binnenmarktorientierte (home-market orientated industries):

Wirtschaftszweige, die ausschliesslich oder doch überwiegend (mainly) für den heimischen Markt und zum Gebrauch oder Verbrauch im Inland Güter, also Waren und Dienstleistungen, produzieren. Deren Anteil am Bruttoinlandsprodukt lag in Deutschland im Jahr 2013 bei etwa fünfunddreissig Prozent. Die ungenutzten Kapazitäten dieser Branchen werden von der Zentralbank im Zuge ihrer Berechnung der Produktionslücke besonders ins Auge gefasst; die Kapazitätsauslastung dort gilt als ein wichtiger Masstab zur Beurteilung des Konjunkturzyklus in der Volkswirtschaft gesamthaft. Binnenmarktorientierte Branchen sind von Schwankungen des Wechselkurses grundsätzlich nicht betroffen.

– Siehe Auslastungsrad, Balassa-Samuelson-Effekt, Wirtschaft, zweigeteilte, Wirtschaftsindikatoren, wichtige.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2006, S. 52 ff. (Bedeutung von Branchenindikatoren für die Konjunkturanalyse; zahlreiche Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Branchen, standortgebundene (location-bound industries):

Wirtschaftszweige, die

1. Waren - wie in der Landwirtschaft - oder Dienstleistungen - wie etwa Heilbäder - vor Ort erbringen,

2. hohe Transportkosten - wie beispielsweise die Eisen- und Stahlindustrie - haben oder

3. in unmittelbarer Nähe zu einem bestimmten Hersteller - wie zum Beispiel im Chemischen Apparatebau - niedergelassen sein müssen. Herkömmlicherweise überwiegt in Deutschland bei den Unternehmen dieser Gattung das Hausbank-Prinzip, und es ist hier auch regelmässig das Beziehungsbankgeschäft eng.

– Siehe Balassa-Samuelson-Effekt, Wirtschaft, zweigeteilte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Branchenkonzentration (concentration of industries):

1 Die Spezialisierung eines Wirtschaftsraums - etwa: der Stadt Frankfurt am Main - auf eine bestimmte Branche (industry; Wirtschaftszweig) - hier: Finanzdienstleister. Die Konzentration wird gewöhnlich mit Hilfe des Gini-Koeffizienten gemessen, der dann den Anteil der Beschäftigten in der entsprechenden Branche innert des betrachteten Wirtschaftsraums in Beziehung zu den in diesem Wirtschaftszweig beschäftigten Personen im Land gesamthaft - im Beispiel: Deutschland - wiedergibt. Im Falle der Finanzbranche spricht man dann bei entsprechend hoher Branchenkonzentration auch oft von einem Finanzzentrum, wie etwa Frankfurt, Zürich oder Honkong.

2 Der Grad der Verflechtung in einem Wirtschaftszweig, und damit regelmässig auch besondere Verhältnisse in Bezug auf den Wettbewerb und die Preise. Von den Zentralbanken wird der Verflechtungsrad (interconnectedness) beobachtet und veröffentlicht, weil das Kreditrisiko eng mit der Konzentration zusammenhängt. Schwierigkeiten treten hierbei bei der Zuordnung auf. Eine Brancheneinteilung ist dann ideal, wenn die Asset-Korrelation innert einer Branche möglichst hoch und zwischen den verschiedenen Branchen möglichst gering ist.

– Siehe Asset-Korrelation, Herfindahl-Hirschman-Index, Konzentrationsrisiko.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2006, S. 47 f. (eine länderübergreifende Portfoliodiversifikation führt nicht notwendig zu einer Branchendiversifikation; dort auch Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Brandgeld auch Feuergeld (fire payment; heating allowance; inceneration premium):

1 Abgabe zur Feuer-Versicherung. Etwa um 1750 wurde in vielen deutschen Gebieten eine staatliche und behördlich organisierte Zwangsversicherung (statutory insurance) gegen Feuerschaden (fire damage) eingeführt, um der durch Brände verursachte Verarmung (pauperisation) ganzer Dörfer und Städte Einhalt zu gebieten.

2 Das

1. in früherer Zeit von Mitbürgern eingesammelte Geld oder

2. der von der Versicherung ausbezahlte Betrag an einen Brandgeschädigten.

3 Zahlung für Löschhilfe bei einem Brand, geleistet von

1. dem Geschädigten,

2. der Gemeinde oder

3. der Versicherung und früher in der Regel für Einrichtungen der Feuerbekämpfung (fire protection facilities), wie die Anlegung von Löschteichen (fire protection ponds), Beschaffung von Spritzen (syringes, fire-engines), Pumpen (pumps) und Schläuchen (fire hoses) zweckgebunden.

4 Zahlung, die Eltern von schulpflichtigen Kindern früher neben dem Schulgeld zur Beheizung der gemeindlichen Schulgebäude zu entrichten hatten.

5 Frühere Umlage in manchen Gemeinden, um die, kalte, weil in der Regel nicht mit einem das Haus wärmenden Viehstall verbundene Lehrerwohnung zu beheizen.

6 Früher eine Abgabe auf jedes Haus mit Feuerstelle; Herdgeld.

7 Andere Bezeichnung für das Leuchtturmgeld.

8 Zuwendung des Arbeitgebers an Beschäftigte, damit diese für ihren Privathaushalt Brennstoffe (heating material) kaufen können.

9 Von manchen Städten heute an Bestatter bezahlte Prämie für jede zur Einäscherung (incineration) angelieferte Leiche. Zweck dabei ist, Grabflächen auf dem Friedhof so weit wie möglich klein zu halten, also allfällige Erweiterungen zu vermeiden bzw. das Krematorium (crematory) auszulasten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Branding (so auch im Deutschen gesagt):

Auf dem Finanzmarkt dann gesagt, wenn bei Kooperationen mit Nichtbanken (cooperations with non-banks) - vor allem im E-Commerce-Geschäft - grosse Banken ihre Bonität und ihren Namen zur Verfügung stellen.

– Siehe Auslagerung, Brokergeschäft, Cobranding-Karte, Concession Shop, Insourcing, Outsourcing-Risiken, Ring fencing.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Brandschatzgeld (extortion fee; fire insurance payment premium):

1 Früher ein Lösegeld, um das Plündern und Niederbrennen (die Brandschatzung; pillage and burning down) abzuwenden.

2 Vertragsgemässe Zahlung der Feuerversicherung (fire insurance) bei Brandschäden.

– Siehe Dänengeld, Feuergeld, Freikaufgeld, Hussengeld, Manubien, Marschroutengeld, Obristen-Darlehn, Ranzion, Satisfaktionsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Branntweingeld (hush money, tut money):

In älteren Dokumenten auch in der Bedeutung Schweigegeld: eine Zahlung dafür, dass jemand ihm bekannte Umstände geheimhält.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bratgeld, auch Röstgeld und Münzmallorcageld (tannin shop fee, US: tannin salon fee):

Von einigen Gemeinden erhobene Abgabe für den Besuch in einem Bräunungsstudio (Solarium mit Sonnenbank bzw. Sonnenliege; tanning bed: a boxlike bed equipped with sunlamps [= simulated sunlight] to produce brownness of the skin, also called sunbed). Als Absicht für diese Zahlung wurden wiederholt gesundheitspolitische Erwägungen (health care reasons) genannt. Andere Kämmerer (town treasurers) erklärten von vornherein, dass diese Abgabe lediglich der Auffüllung leerer Gemeindekassen diene.

– Siehe Blaulichtgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Brauereidarlehn (loan granted by brewery [beer company]):

Der beständige, fortwährende Absatz einer Grossbrauerei ist dann weitgehend gesichert, wenn sich Gastwirte der Brauerei gegenüber vertraglich verpflichten, das gebraute Bier abzunehmen. Die Gastwirte binden sich indessen den Brauereien gegenüber meistens nur dann, wenn diese ihnen Reichnisse (additional benefits; geldwerte Leistungen;) gewähren. Zu den Reichnissen der Brauereien gehören herkömmlich vor allem Kredite an den Gastwirt in Form eines Brauereidarlehns - auch Wirtedarlehn genannt - und die leih- oder mietweise Gestellung von Ausstattungsgegenständen wie Tische, Stühle, Zapfanlagen (beer pumps) sowie oft auch Kücheneinrichtungen (kitchen furnishings). Von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht werden die Darlehns- und Bierlieferungsverträge, die Brauereien mit Gastwirtschaften schliessen, unter bestimmten Voraussetzungen nicht als erlaubnispflichtiges Betreiben des Kreditgeschäfts gewertet. Dafür müssen allerdings die folgenden Bedingungen erfüllt sein:

1. Darlehns- und Bierlieferungsvertrag bilden eine Einheit, so dass der eine nicht ohne den anderen geschlossen worden wäre.

2. Die Laufzeit der Verträge geht über mehrere Jahre.

3. Die Tilgung der Darlehn erfolgt im Zusammenhang mit der abgenommenen Biermenge, etwa durch einen Aufpreis pro Hektoliter abgenommenen Bieres.

4. Die Laufzeit der Darlehn und die Dauer der Abnahmeverpflichtung stimmen in etwa überein. Der Kreditnehmer mag indessen vertraglich berechtigt sein, das Darlehn auch kurzfristig und unabhängig von der Verpflichtung zum Bierbezug von der Darlehn gebenden Brauerei zu kündigen.

– Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hat ein entsprechendes Merkblatt veröffentlicht, das auf ihrer Homepage abgerufen werden kann.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Brautgeld (nuptial money, highest bid; safeguarding fund; dowry; introduction payment; nuptial mass donation):

1 Früher eine verbreitete, bis spätestens zum Hochzeitstag fällige Zahlung an den Vater und die Brüder der Braut durch einen Heiratskandidaten. Darin sah man eine Abgeltung dafür, dass die Arbeitskraft der Braut ihrer Familie entzogen wurde.

2 Zahlung durch den Meistbietenden - in der älteren Literatur auch Lizitant genannt - bei Zwangsverheiratung einer Frau; in Deutschland ist dies nach § 237 StGB gesetzlich verboten.

3 Vom

1. Bräutigam bereitzustellendes,

2. in der Regel treuhänderisch verwaltetes und

3. in zinsbringende Investitionen angelegtes Kapital mit dem Zweck,

4. bei einer allfälligen Scheidung oder dem frühen Tod des Ehemanns als Ernährer der Familie

5. den Lebensunterhalt der Ehefrau und der Kinder aus den Erträgen des Kapitals zu sichern (transfer of capital aimed at ensuring the continued existence of the family in the case of missed income).

4 Die Mitgabe der Herkunftsfamilie bei der Verheiratung einer Braut, manchmal auch in weiterem Sinne gesagt (Aussteuer, Mitgift, Allata; dowry, marriage portion: belongings brought by a bride to her husband at marriage).

5 An manchen Orten ein früher übliches Geldgeschenk des auswärtigen Bräutigams an die ansässigen ledigen Jungmänner, ein Orts-Einstandsgeld (introduction payment, bridegroom debut donation), in alten Dokumenten auch Gassengeld und Jagdgeld genannt.

6 Eine ortsübliche Spende des neuvermählten Paars (bridal couple donation) bzw. manchenorts auch der Eltern der frisch Verheirateten an die Kirche bzw. an den Küster (Sigristen; sacristan, sexton) nach dem Hochzeits-Gottesdienst (der Brautmesse; nuptial mass: the special mass to be said at a wedding), auch Brautmessegeld genannt.

– Siehe Apanage, Einbürgerungsgeld, Fräuleingeld, Gegengeld, Hielichgeld, Hochzeitsgeld, Hochzeitstischgeld, Jagdgeld, Kranzgeld, Küchengeld, Maritagium, Nadelgeld, Paraphernalgeld, Vokationsgeld, Wittum.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Brauttafelgeld (wedding presents):

Geschenk in Bargeld oder in Wertsachen an ein Paar bei der Hochzeit. - Entsprechende Zuwendungen waren früher an manchen Orten anzeigepflichtig (notifiable) und wurden besteuert.

– Siehe Hochzeitstischgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Break-Even-Inflationsrate (break-even rate of inflation):

Wenn nicht anders definiert der Unterschied in der Nettorendite zwischen einer herkömmlichen, nominalen Anleihe und der Rendite aus einer inflationsindexierten Anleihe mit gleicher (Rest)Laufzeit.

– Siehe Dritte Säule, Emission, indexierte, Hafen, sicherer, Inflationserwartungen, Indexanleihe, Indexfonds, Swap, inflationsindexierter, Zinsstrukturkurve, Zinsswap.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2006, S. 17, S. 41 (Mass für die Erwartungen der Marktteilnehmer), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2007, S. 36 f. (Berechnungen; Übersichten; Literaturhinweise), Monatsbericht der EZB vom September 2007, S. 42 ff. (Saisonmuster der Break-Even-Inflationsrate; Vergleich mit inflationsindexierten Swapsätzen; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom April 2008, S. 26 ff. (Liquiditäts-Prämien und Break-Even-Inflationsrate: Erklärungen, Übersichten), Monatsbericht der EZB vom September 2008, S. 46 ff. (Entwicklung der Break-Even-Inflationsrate; Erklärungsdefizite), Monatsbericht der EZB vom November 2008, S. 41 (Gründe für Abweichungen; Übersicht), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2009, S. 46 ff. (Entwicklung der Break-Even-Inflationsrate 2004 bis 2009; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2010, S. 41 (Fortschreibung bis November 2010), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2011, S. 49 ff. (Entwicklung im Gefolge der Staatsschuldenkrise; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2013, S. 41 f. (Break-even Inflationsrat seit 2008; Berechnungsfragen; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Break-Even-Preis (fair value):

Bei einer Option der nach bestimmter Methode errechnete Wert, bei dem sowohl der Käufer als auch der Stillhalter nach Einrechnung entsprechender Risiko-Ansätze die Gewinnschwelle erreichen, auch theoretischer Preis einer Option genannt. Aktuare und Finanzmathematiker schätzen den Nutzen der entsprechenden Modelle hoch ein.

– Siehe Option.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bremsweg, geldpolitischer (braking distance of monetary policy):

Vom Ergreifen einer Massnahme durch die Zentralbank bis zur Wirkung auf die bezielten Grössen vergeht eine gewisse Zeit, die oft im Voraus nur sehr schwer abzuschätzen, weil

1. sie situationsbedingt (situational: dependent on the particular state of affairs, determined by the temporarily combination of circumstances) und

2. auch von den Erwartungen der Wirtschaftssubjekte abhängig ist.

– Bei der EZB rechnet man unter gewöhnlichen Umständen vier bis sechs Quartale, bis eine Änderung der Leitzinsen ihre maximale Wirkung auf das Bruttoinlandsprodukt entfaltet.

– Siehe Ausrichtung, mittelfristige, Elisabeth-Frage, Kapitalkosten-Effekt, Long-Lag-Theorie, Langfristig, Mittelfristig, Modelle, geldpolitische, Modellunsicherheit, Transmissionsmechanismus, monetärer, Zinsweitergabe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Brennhafengeld (distillery duty):

In alten Dokumenten eine Abgabe für das Branntweinbrennen, die Branntweinsteuer (tax on distilled spirits). Brennhafen = hier: Gerätschaft zum Schnapsbrennen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Brettgeld (boarding payment):

In früherer Zeit die Zahlung für die Beköstigung des Stadtwächters (city guard) oder des Burgvogts (castellan); Brett (board) = hier: Speisetisch.

– Siehe Festungsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bretton-Woods-System (Bretton Woods system):

Die 1945 eingeführte und bis 1971 be¬stehende Währungsordnung, bei der die Mitgliedsländer ihre Währung an den USD banden, während dieser in Gold fixiert und gegenüber ausländischen Zentralbanken auch in Gold umtauschbar (konvertierbar; convertible) war.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

BRICS-Länder (BRICS countries):

Die - vom ökonomischen Standpunkt aus betrachtet - Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika.

– Siehe Low Income Countries.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2008, S. 81 ff. (Einbeziehung Chinas und Indiens in die Weltwirtschaft; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2008, S. 55 ff. (Verschiebung der Auslandsnachfrage aus dem Euroraum; Übersichten), Finanzstabilitätsbericht 2011, S. 41 f. (Auslandsaktiva deutscher Banken gegenüber ausgewählten Schwellenländern und die damit verbundenen Risiken), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2013, S. 17 ff. (Wachstumsprognose für China), Monatsbericht der EZB vom März 2014, S. 11 ff. (Auswirkungen der Finanzkrise auf Schwellenländer; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

BRICS-Entwicklungsbank (New Development Bank, NDB, BRICS Development Bank):

Im März 2013 (at the 5th BRICS summit held in Durban, South Africa) beschlossenes Parallelinstitut zum Internationalen Währungsfonds mit dem Ziel, das wirtschaftliche Wachstum in allen das Institut gründenden BRICS-Ländern durch eine dem IMF ähnliche Vergabepolitik zu fördern und sich bei Währungskrisen gegenseitig beizustehen. Nach ähnlichen Leitsätzen wie bei der Weltbank, so soll auch die NDB Kredite vergeben. Im Juli 2014 wurde die NDB beim Gipfeltreffen der BRICS-Länder in Fortaleza, Brasilien endgültig gegründet. Der Sitz der NDB ist in Shanghai, China.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Briefkurs (asked price, oft nur: ask):

Der Preis zu dem ein Vermögensgegenstand bzw. ein Finanzinstrument) zum Verkauf angeboten wird. Den nachgefragten Preis nennt man Geldkurs.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bringschuld (debt to be discharged at creditor's domicile; duty to inform the colleagues):

1 Im Geschäftsverkehr Bezeichnung dafür, dass der Schuldner die Leistung am Sitz des Gläubigers zu erbringen hat.

2 Im Informations-Management eines Unternehmens - etwa: einer Bank - die Pflicht desjenigen, der über eine Nachricht - etwa: Insolvenz eines Kreditnehmers - verfügt, diese den Beteiligten gemäss internen Richtlinien unverzüglich zu übermitteln.

– Siehe Zahlungsort.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Broker (so heute auch im Deutschen gesagt, daneben auch Vermittler; in älteren Dokumenten häufig Aktionator und Mediator):

1 Allgemein die Bezeichnung für den Makler an der Börse: einen Händler in jederart Produkten oder Wertpapieren, der aber lediglich vermittelnd tätig ist (who communicates bid and ask levels to potential principals [= Auftraggeber]), ohne zum Geschäftspartner bei Transaktionen mit seinen Kunden zu werden (which arranges transactions as agent without acting as counterparty in the transactions). Ein entsprechendes Unternehmen wird in der Regel als Maklerfirma (brokerage) bezeichnet.

2 Ein freiberuflich tätiger Versicherungs-Agent, der für den Kunden die für ihn passende Versicherung herausfindet und oftmals auch die Policen im Auftrag des Versicherungsnehmers (policyholders) betreut.

3 Vor allem in den USA auch gesagt von einem behördlich zugelassenen Immobilienmakler, der üblicherweise im Auftrag des Verkäufer tätig ist (a licensed real estate professional who usually represents the seller of a property).

– Siehe Blockbusting, Börsenmakler, Börsianer, Dual Trading, Klientenüberweisung, Kommissionshaus, Makler, Proxenetikum, Sensal, Skontroführer, Winkelmakler.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Brokergeschäft (broker business):

Wenn nicht anders definiert die Dienstleistungen von Banken für Hedge-Fonds. - Im Einzelnen verrichten die Banken üblicherweise für einen Fonds die

1. Handelsabwicklung (trade execution), nämlich den Kauf und den Erwerb des Gegenstandes,

2. die Verwahrung und Verwaltung von Vermögenswerten,

3. die Gewährung von Darlehn sowie

4. Aufgaben im Bereich des für einen Fonds gesetzlich bzw. aufsichtlich vorgeschriebenen Berichtswesens. Auch

5. die Rechtsberatung durch die Fachabteilungen grosser Institute schliessen entsprechende Verträge oftmals mit ein. Ein Hedge-Fonds kann durch eine solche Auslagerung im eigenen Land und in anderen Staaten mit nur sehr wenig Personal auskommen.

– Siehe Managed Bank, Masterfonds, Reputationsrisiko, Transaktionsbank.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Brotlizent [der] (grain levy):

In älteren Dokumenten eine Abgabe auf die Menge des einer Getreidemühle (flour mill) zugeführten Weizens, Roggens und Dinkels. Zahlungspflichtig war der jeweilige Mühlenbesitzer, der eine Liste über das angefahrene Korn dem mit der Kontrolle betrauten Lizent-Kommissar vorzulegen hatte.

– Siehe Akzise, Biergeld, Detz, Krügergeld, Oktroi, Schokoladentaxe, Verzehrgeld, Ungeld, Zehnt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Brücke-Abneysches Phänomen (Bruecke-Abney phenomenon):

Das menschliche Auge vermag bei geringen Leuchtdichten nur drei Farben zu unterschieden: blauviolett, grün und rot (the inability to distinguish colours other than blue-violet, green, and red at low light levels). - Auch farblich noch so geschickt gestaltete Banknoten können deshalb bei halbdunkler Beleuchtung wie in gewissen Lokalen nur schwer erkannt, und Fälschungen umso leichter in Verkehr gebracht werden. - Empirisch belegt ist, dass Geldfälscher (counterfeiters) vor allem in schummrigen Diskotheken, Nachtclubs und Bars (dim discotheques, night-clubs and bars) auf hohen Wert lautende gefälschte Banknoten beim Geldwechsel und bei Geschäften mit Gästen in echte Banknoten oder Münzen eintauschen. - Inzwischen werden in solchen Lokalen in Zahlung gegebene Euronoten (banknotes issued by the ECB) fast schon regelmässig mit einer kleinen Leuchte angestrahlt, um den in das Papier eingebetteten Sicherheitsstreifen zu finden; und durch leichtes Reiben mit Zeigefinger und Daumen kann festgestellt werden, ob der Sicherheitsstreifen nur aufgeklebt wurde. Bis anhin sind noch keine Fälle bekannt geworden, in denen es gelang, den Sicherheitsstreifen wie bei den echten Euronoten in das Papier einzuarbeiten.

– Siehe Banknoten-Management, Banknoten-Wertbeschränkung, Counterfeit Card, Geld, böses, Falschgeld, Fenstergeld, Guilloche Skimming.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Brückenfinanzierung (bridge financing):

1 Vorläufige Kreditgewährung an ein Unternehmen, bis sich dessen finanzielle Unterlage - in der Regel durch erzielte Gewinne aus Geschäftstätigkeit im laufenden Jahr - gefestigt hat (temporary financing to solidify a company until more permanent financing is settled, normally by profits from sales).

2 Die kurzfristige und vorüberhegende Bereitstellung eines Darlehns durch eine Bank an einen - hochbonitären, erstklassigen - Schuldner vor der Börseneinführung oder der Erhöhung des Kapitals (capital provided on a short-term basis to a company prior to its going public or its next major private equity transaction).

3 In weiterem Sinne auch gesagt von der Bereitstellung der zur Abwicklung der laufenden Geschäfte notwenigen Mittel durch die Hausbank (the providing of sufficient cash needed for operational purposes by the relationship bank).

– Siehe Eigenkapital-Zwischenfinanzierung, Kredit, kurzfristiger, Überbrückungskredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Brückengeld, Brückenmaut und Pontonage (bridge money, bridge toll; interim payment):

1 Eine Verkehrsabgabe, die in früheren Zeiten vielerorts beim Überschreiten einer Brücke durch Personen und Fahrzeuge erhoben wurde. Sie war sofort in Bargeld zu entrichten und wurde vom Brückenwärter (Brückner; bridge toll collector) einkassiert. Die Einnahmen aus der Gebühr waren in der Regel zur Entlohnung des Brückners sowie zur Abzahlung und Unterhaltung des Bauwerks zweckgebunden.

2 Eine Zahlung, die heute noch vor allem in den Niederlanden von Booten zu entrichten ist, die - auf einem kleinen Kanal - unter einer Überführung vorbeifahren wollen, und zwecks dessen der Steg angehoben werden muss. Herkömmlicherweise wird in den Niederlanden dem Stegwärter (footbridge keeper) die entsprechende Münze vom Schiffsführer (ship's master) zugeworfen.

3 Im Zuge der Arbeitsmarktpolitik nach § 421k SGB eine Zahlung, die Arbeitslosen über 55 Jahren dann in halber Höhe des Arbeitslosengeldes zufliesst, wenn sie gegenüber dem Arbeitsamt erklären, dass sie keine weiteren Vermittlungsbemühungen (public employment services) mehr wünschen.

– Siehe Arbeitslosengeld, Armengeld, Chausseegeld, Citymaut, Dienstgeld, Dispensationsgeld, Feiergeld, Fährgeld, Furtgeld, Hafengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Brückeninstitut (bridge institution):

Im Rahmen des europaweiten einheitlichen Abwicklungsmechanismus errichteter Rechtsträger, auf den Anteile an abzuwickelnden Entitäten, Rechte oder Verbindlichkeiten übertragen werden. Das Brückeninstitut wird behördlicherseits (officially) durch den Restrukturierungsfonds errichtet; dieser trägt dafür Sorge, dass die Voraussetzungen für eine Handelsregistereintragung vorliegen. Der Wert der Verbindlichkeiten darf dabei gesamthaft den Wert der Rechte und Vermögenswerte nicht übersteigen. - Nach Erlass einer Übertragungsanordnung kann das Brückeninstitut an den Notwendigkeiten des Einzelfalls ausgerichtet werden. Hierzu zählen etwa Satzungsänderungen, Organbesetzungen oder die Anpassung der Kapitalausstattung. Damit dies mit der erforderlichen Schnelligkeit erfolgen kann, gibt das Restrukturierungsfondsgesetz bzw. die darauf sich gründende Verordnung (bank recovery and resolution directive, BRRD) dem Restrukturierungsfonds die Möglichkeit, jederzeit, auch ohne gegebenen Anlass, eine Kapitalgesellschaft zu gründen, die im Falle einer Übertragungsanordnung als Brückeninstitut zur Verfügung steht (Vorratsgesellschaft; shelf company, vehicle company).

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2014, S, 38 (Satzung und Aufgaben des Brückeninstituts im Sinne der bank recovery and resolution directive); Restrukturierungsfonds.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Brudergeld (guild due; miners' association contribution):

1 Frühere Zahlung für die Aufnahme - durch Gildebrief (formal admission of a member into a guild) - und für die laufende Mitgliedschaft in einer Gilde (guild: = an association of persons of the same trade or pursuits, formed to protect common interests and maintain standards; ständische Körperschaft).

2 Beiträge zu einer Knappschaft als Solidargemeinschaft (miners' guild as a solidary group) zwecks finanzieller Unterstützung von verarmten oder arbeitsunfähigen Bergleuten sowie deren Hinterbliebenen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Brunnengeld (well due; divisional coins; lucky penny):

1 Frühere Umlage für den Unterhalt eines öffentlichen, der Trinkwasser-Versorgung dienenden Brunnens, einschliesslich der Vergütung für den Brunnenmeister (fountain master: water supply operator), der in vielen Orten auch für die Sauberkeit der Anlage verantwortlich war, wie vor allem die Prüfung der Wasserqualität und das Entfernen von Geröll und Unrat.

2 Umlauffähige, auf den kleinsten Nennbetrag lautende Scheidemünzen (umgangssprachlich im Englischen peanuts, chicken feed und chump change), früher manchmal auch Katzengeld genannt.

3 Im Besonderen auch Münzen, die von Touristen mit der linken Hand über die rechte Schulter in den Trevi-Brunnen in Rom als Glückbringer (lucky charm) geworfen werden. Das vom zuständigen Brunnenmeister dort regelmässig herausgefischte Geld in fast allen Währungen der Welt (2013: ungefähr 500'000 Euro!) fliesst der italienischen Caritas (Roman Catholic relief, development and social service organisation working in over two hundred states and territories worldwide) zu.

– Siehe Backgeld, Brandgeld, Schöpfgeld, Schulgeld, Torgeld, Wägegeld, Waschhausgeld, Wassergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Brüssel-II (Brussels-II):

Bei der EU-Kommission angesiedelte Arbeitsgruppe mit dem Ziel, die Eigenkapitalvorschriften für Kreditinstitute einheitlich festzulegen.

– Vgl. Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 47 f. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Brutto-Abwicklungssystem (gross settlement system):

Ein Transfersystem, bei dem die Aufträge einer nach dem anderen abgewickelt werden.

– Siehe Clearing-Haus, automatisches, Kapitaltransfersystem, elektronisches, Massenzahlungsverkehr, elektronischer, RTGS-System, TARGET-System.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bruttoberechnung (grossing up):

Wenn nicht anders definiert der Vergleich

1. einer Summe, die für Investitionszwecke unter Einberechnung von Steuern aufgewendet werden muss

2. mit der dem Ertrag aus der Investition ohne Berücksichtigung von Steuern (calculation of the amount that would be required in the case of an investment subject to tax to equal the income from that investment as if it were not subject to tax).

– Siehe Bruttoertrag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Brutto-Betriebsüberschuss (gross operating surplus):

Wenn nicht anders definiert der

1. Überschuss über oder Fehlbetrag (shortfall) auf den Produktionswert, verstanden als Verkäufe von Waren und Dienstleistungen an andere Wirtschaftseinheiten, Lagerveränderung an eigenen Erzeugnissen und Wert der selbsterstellten Anlagen,

2. nach Abzug der Vorleistungskosten, des Arbeitsnehmerentgelts sowie der Produktionsabgaben minus Subventionen,

3. aber vor Berücksichtigung von Vermögenseinkünften und Vermögenskosten.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der EZB, S. 257 (Glossar).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Brutto-Emission (gross emission):

Die innert eines Zeitraums - in der Regel wird ein Geschäftsjahr zugrunde gelegt - von einem Emittenten begebenen Papiere. Zieht man davon die von dem gleichen Emittenten getätigten Rückzahlungen aus älteren Begebungen ab, so erhält man die Netto-Emission. - Für das Eurogebiet sind diese ausgewiesen im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Kapitel "Finanzmärkte" im jeweiligen Monatsbericht der EZB und dort nach verschiedenen Gesichtspunkten unterteilt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bruttoertrag (gross yield):

Bei Banken nach Basel-II das Zinsergebnis (interest result) plus dem zinsenabhängigen Ertrag. In Letzterem sind enthalten

1. die Einnahmen abzüglich Aufwendungen aus Gebühren und Provisionen,

2. das Nettoergebnis aus Finanzgeschäften und

3. sonstige ordentliche Erträge. Hierin nicht enthalten sind ausserordentliche und ausserplanmässige Posten. Einnahmen sind vor Abzug operationeller Verluste anzugeben.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2001, S. 28, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2004, S. 87 (dort in Kurzform: Zinsergebnis + Provisionsergebnis + Netto-Ergebnis aus Finanzgeschäften + sonstige betriebliche Erträge = Bruttoertrag) und in Fortschreibung den jeweiligen September-Bericht der Deutschen Bundesbank, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2011, S. 60 f. (Zinsergebnis deutscher Banken seit 2003; Fragen der Berechnung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bruttoinlandsprodukt, BIP (gross domestic product, GDP):

Der Wert aller Waren und Dienstleistungen, die - wenn nicht ein anderer Zeitraum ausdrücklich genannt - in einer Volkswirtschaft innert eines Jahres im Inland hergestellt bzw. erbracht wurden, bewertet zu Marktpreisen und nach international einheitlichen Regeln errechnet. Es lässt sich nach der Entstehungs- Verwendungs- und Verteilungsseite aufgliedern; von der EZB im Rahmen des Zwei-Säulen-Prinzips in ihre geldpolitischen Entscheidungen in vielfacher Weise einbezogen.

– Siehe Deflationierung, Investitionsquote, Rezession, Volkseinkommen, Wachstum. – Im jeweiligen Monatsbericht der EZB finden sich im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets" in der Rubrik "Preise, Produktion, Nachfrage und Arbeitsmärkte" Angaben zur Verwendungsseite des Bruttoinlandsprodukts in verschiedenen Unterteilungen ausgewiesen.

– Vgl. auch Monatsbericht der EZB vom April 2005, S. 74 (wegen der Vergleichbarkeit mit anderen Staaten), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2005, S. 59 ff. (Verbesserung der Statistiken; Berechnungsmethoden), Monatsbericht der EZB vom Juni 2006, S. 66 ff. (Zuverlässigkeitsgrad von Schätzungen; mit Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2006, S. 55 (Projektion der Veränderungsrate bis 2050 aufgrund verschiedener Variabler), Geschäftsbericht 2006 der Deutschen Bundesbank, S. 45 (Übersichten 2000-2006), Monatsbericht der EZB vom November 2006, S. 83 ff. (Neueinführung vierteljährlicher Sektorkonten; ausführliche Darstellung mit Übersichten), Monatsbericht der EZB vom März 2008, S. 73 (Beiträge zum Wachstum des BIP), Monatsbericht der EZB vom April 2009, S. 93 ff. (BIP-Schätzungen im Eurogebiet; Probleme; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom April 2011, S. 52 ff. (wichtige Darlegungen zur Berechnung; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bruttospanne (trade-margin, markup; gross spread):

1 Der prozentuale Aufschlag auf den Wareneinstandspreis zum Bruttoverkaufspreis (the difference between invoice cost and selling price), auch Handelsspanne genannt.

2 Der prozentuale Anteil des Bruttogewinns, berechnet als Erlös aus Geschäftstätigkeit ohne Abzug von Verkaufskosten, wie zum Beispiel Transaktionskosten bei Wertpapieren, an den Umsatzerlösen (net sales).

3 Die Zahlung, welche ein Emittent an einen Underwriter leistet, welcher die Emission gesamthaft und somit das Risiko der Plazierbarkeit (placement) übernimmt.

– Siehe Arranger, Ausgabenaufschlag, Begebung, Bookbuilding, Club Deal, Deal, Deckungsbeitrag, Emissionsgeschäft, Emissionshaus, Emissions-Rendite, Ersterwerber, Garantiesyndikat, Investment Banking, Intercreditor Agreement, Konzertzeichner, Marktpflege, Metaverbindung, Roadshow.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bruttostaatsschuld (gross national debt):

Wenn nicht anders definiert die gesamthafte Verschuldung aller Wirtschaftssubjekte in einem Land (the totality and the aggregate of all public and private debt of a certain country).

– Siehe Verschuldungsquote, öffentliche, Verschuldungsquote, private.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bruttoverdienst und Rohverdienst (gross pay):

Das Geld, welches jemand roh verdient, also ohne Berücksichtigung von Abgaben jeder Art (the total amount of money an employee has earned).

– Siehe Arbeitskosten.

– Vgl. den jeweiligen Statistischen Teil des Monatsberichts der Deutschen Bundesbank, Rubrik "Konjunkturlage in Deutschland", Unterrubrik "Einkommen der privaten Haushalte" mit Ausweis der Bruttoverdienste und der Nettoverdienste.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bruttozinsdifferenz (uncovered interest rate differential):

Wenn nicht anders definiert auf dem Markt für ausländische Zahlungsmittel (Devisenmarkt) der nominelle Unterschied in der Höhe des Zinssatzes zweier Plätze.

– Siehe Nettozinsdifferenz, Spreizung, Swapsatz, Zinsdifferenzgeschäft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bubble Economy (so zumeist auch im Deutschen gesagt, seltener Luftbasenwirtschaft):

1 In einer Volkswirtschaft sind die Ausgaben gesamthaft hoch und auch die Aktienkurse steigen, obgleich die Unternehmen kaum Gewinne erzielten und die Banken - ohne es zu wissen - auf faulen Darlehn sitzen. In diesem Sinne fand der Begriff mit der Finanzkrise in Japan um 1999 Verbreitung.

2 Eine Volkswirtschaft, in welcher die Nachfrage sich auffällig auf gewisse Waren wie Zigaretten und Alkohol sowie auf Dienstleistungen wie Liebesgewerbe [prostitution] oder süchtige Herumreiserei [travelling around by addiction]) richtet, die den Ungütern zuzurechnen sind, nämlich Güter, die dem einzelnen und damit auch der Gesellschaft jetzt oder später schaden.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2012, S. 87 ff. (ökonomische Stagnationsphase in Japan).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bubengeld (winnings):

Früher gesagt für den Gewinn aus Glücksspielen (games of hazard); Bube = hier: Spieler, Hasardeur, Waghals.

– Siehe Geldwettkampf, Jeton, Spielgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Buch, beiges [sandfarbenes] (beige book):

Über die USA hinaus viel beachtete, in der Regel achtmal im Jahr erschienene Veröffentlichung der amerikanischen Zentralbank, des Federal Reserve Board; der amtliche Name lautet: "Summary of Commentary on Current Economic Conditions". Darin werden der aktuelle Stand und die Aussichten für die Gesamtwirtschaft wie auch für einzelne Branchen begründend dargelegt (the report is a collection of information on current economic conditions summarised by each Federal Reserve Bank in its district. It encloses the opinion of bank and branch directors as well as interviews with key business leaders, economists, market experts, and other specialists). Der jeweilige Bericht ist von der Website der Zentralbank abrufbar.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Buchführung, kreative (creative accounting):

Nicht den üblichen Regeln entsprechende Rechnungslegung, meistens mit dem Ziel, wesentliche Vorgänge in dem Unternehmen zu verschleiern (accounting practices that differ from standard accounting practices; they are characterised by unnecessary complication and the use of unusual ways of valuating income, assets or liabilities; broadly speaking: fraudulent financial reporting).

– Siehe Angaben, verschleierte, Ausserbilanzgeschäft, Bilanzbereinigung, Bilanzkosmetik, Börsenbetrug, Buchführung, manipulative, Corporate Governance, Enforcement, Finanzbericht, Informations-Überladung, Kristallisation, Managementbezüge, missbräuchliche, Rosinenpickerei, Sachverhaltsgestaltung, Stetigkeit, Substance-over-Form-Grundsatz, Verlusttarnung, Verständlichkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Buchführung, manipulative und Voodoo-Methode (voodoo accounting):

Verdrehende, täuschende Rechnungslegung mit dem besonderen Schwerpunkt, in Wirklichkeit überhaupt nicht erwirtschaftete Gewinne auszuweisen (a wide range of unscrupulous methods for making a company's profits appear larger than they really are. These methods manipulate revenues by falsely boosting them, or costs by dishonestly lowering or concealing them. The term "voodoo" refers to the magical disappearance of such artificial profits once they have been discovered and once the true cost and revenue figures have been revealed). Der Voodoo-Methode ist auch das Verfahren zuzuordnen, innert eines Konzerns Verluste den Tochtergesellschaften (group companies) zuzubuchen. Beim 2001 in Konkurs geratenen texanischen Ölkonzern Enron - und wahrscheinlich nicht nur da - war dies gängige Praxis (common practice).

– Siehe Aktivitäts-Verlagerung, bilanzbestimmte, Anderson-Skandal, Buchführung, kreative, Sachverhaltsgestaltung, Verlusttarnung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Buchgeld auch Depositengeld und Giralgeld (book money, cheque money, deposit money, bank money, money in account, fiat money):

1 Dem Zahlungsverkehr dienende Sichteinlagen bei Banken und anderen Kontostellen. Buchgeld wird nicht von Hand zu Hand weitergegeben, sondern auf Konten zugebucht (booked, posted) und abgebucht (debited).

2 In der älteren Finanzsprache auch im Kontobuch aufgezeichnete Verrechnungsposten.

– Siehe Bankgeld, Computergeld, Mark, Spielgeld, Verrechnungsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Buchgewinn (paper profit, book profit; accounting earnings):

1 Ein Gewinn, der durch eine erfolgreiche Finanztransaktion entstanden, indessen noch nicht eingegangen und auf dem entsprechenden Konto gutgeschrieben ist.

2 Der Gewinn eines Unternehmens, so wie er in der Erfolgsrechnung ausgewiesen wird (earnings of a firm as reported on its income statement).

– Siehe Abwicklungsbestätigung, Closing, Gewinn, Papiergewinn, Übertragung, endgültige.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Buchkapital, eingemessenes (adjusted common equity, ACE):

Begriff in Zusammenhang mit der Risikodeckungsmasse einer Bank. Es umfasst im Einzelnen das bilanzielle Eigen¬kapital, vermindert um unrealisierte Gewinne aus Wertpapieren.

– Siehe Kapitalbedarf, ökonomischer.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2007, S. 60 f. (Definition; Schaubild).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Buchkredit (credit in current account, advance):

Vor allem an Privathaushalte gewährte Darlehn der Banken; von der EZB ganz besonders beobachtet und untersucht. Buchkredite an den privaten Sektor weisen nämlich offenbar Vorlaufeigenschaften in Bezug auf die Preissteigerungsrate auf.

– Siehe Blankokredit, Kontokorrentkredit, Personalkredit, Privatkredit, Rahmenkredit, Retailgeschäft.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2001, S. 58, Geschäftsbericht 2008 der Deutschen Bundesbank, S. 68 ff. (Buchkredite in Deutschland 2004-2008; Übersicht), Geschäftsbericht 2011 der Deutschen Bundesbank, S. 67 (Buchkredite in Deutschland 2007-2012; Übersicht), Monatsbericht der EZB vom Januar 2011, S. 61 ff. (Buchkredite an Privathaushalte und Unternehmen grundsätzlich und empirisch; viele Übersichten; S. 70: Marktschema), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2011, S. 61 ff. (Buchkredite an den Privatsektor seit 2002; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Februar 2012, S. 31 (Buchkredite seit 2004 untergliedert), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2013, S. 63 f. (Buchkredite im Verhältnis zum BIP in Ländern des Eurogebiets seit 1999; Übersicht; Interpretation der Ergebnisse), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2013, S. 37 (Buchkredite deutscher Banken seit 2007 aufgeschlüsselt), Monatsbericht der EZB vom Juni 2014, S. 24 f. (Buchkredite aufgeschlüsselt seit 2007), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2014, S. 43. (Buchkredite deutscher Banken, unterteilt nach Sektoren seit 2008).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Buchmacher (betting shop):

Dienstleister, der als Vertragspartner eines Kunden Wetten auf Ereignisse mit offenem Ergebnis annimmt, wie etwa Fussballspiel, Boxkampf oder Pferderennen. Entsprechende Betriebe bedürfen zwar einer staatlichen Konzession; sie unterliegen aber bis anhin noch nicht einer Aufsicht.

– Siehe Bucketshop, Finanzwetten, Geldwäsche, Lotterie, Spielbank, Wettbüros.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Buchschuld (book debt):

1 Eine Verbindlichkeit, die nicht durch eine Sicherheit gedeckt ist.

2 Die Besicherung eines Darlehns - durch eine Bank oder Bausparkasse - auf dem Wege eines Eintrags im Grundbuch (registry of deeds); im Gegensatz zur Briefschuld (certified debt), die wie ein Wertpapier veräusserbar ist. Der Buchschuldner (book debtor) wird in der älteren Literatur auch Chirographar genannt.

3 Die in Deutschland im Schuldbuch des Bundes eingetragene Wertrechte.

– Siehe Intabulation, Pfand, Schuldbuchforderung, Staatsverschuldung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Buchungs-Tricks (booking tricks, cook the books):

Unzulässige Buchungen in einem Unternehmen oder in einem Staat, um die wahre Finanzlage zu verschleiern (illegal accounting practices used to make a company or a public budget look like it is in better financial condition than it actual is).

– Siehe Bilanzbereinigung, Bilanzkosmetik, Buchführung, kreative, Buchführung, manipulative, Enforcement, Griechenland-Krise, Intra Quarter Ballooning, Kristallisation, Managementbezüge, missbräuchliche, Pairoff, Sachverhaltsgestaltung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Buchwert (carrying amount):

Nach IAS (16.6, 36.5 und öfters) der in Geld ausgedrückte Betrag, mit dem ein Vermögensgegenstand nach Abzug aller kumulierten Abschreibungen (amortisations; Amortisationen) sowie aller kumulierten Wertminderungs-Aufwendungen angesetzt wird, also der Bilanzwert des Gegenstandes.

– Siehe Bewertungsreserven, Carrying Amount, Wertminderungsaufwand, Zeitwert.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bucketing (wie im Englischen), seltener Abschöpferei und Einsackerei (bucketing, occasionally called bucketeering):

Eine unzulässige Börsenpraxis, bei welcher der Broker den Auftrag eines Kunden annimmt. Er gibt diesen aber nicht sofort an die Börse weiter. Vielmehr wartet er ab, bis die Ausführung des Auftrags für ihn selbst, jedoch zum Schaden des Kunden, vorteilhaft ist (the practice in which a broker that agrees to buy or sell on behalf of clients at a given price instead buys at a lower price or sells at a higher price in order to keep the difference as profit).

– Siehe Bucketshop, Kursschnitt, Scalping, Winkelmakler.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bucketshop (bucket shop):

Unlauteres Wettbüro für Aktienkurse, früher im angelsächsischen Raum weit verbreitet. Man gab seine fiktive Order für eine bestimmte Aktie in einen Kasten (bucket). An den Kauf effektiver Stücke an der Börse war von vornherein nicht gedacht. Es sollte lediglich aus dem Unterschied zwischen dem Gebotspreis und der tatsächlichen Notierung der Aktie ein Gewinn fliessen. Der Besitzer des Shops verrechnete Käufe mit Verkäufen. Weil er den Inhalt seines Kastens kannte, so konnte er Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Kunden - in der Regel mit Kreide an einem Brett angeschlagen - nach seinen eigenen Gewinninteressen aussprechen. Gewinn brachten die Bucketshops letztlich immer nur den Inhabern ein.

– Siehe Buchmacher, Finanzwetten, Lotterie, Spielbank, Spread Bet.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Budget (budget):

Wenn nicht ausdrücklich anders definiert, der Haushaltsplan einer öffentlichen Stelle.

1. Einnahmen und Ausgaben werden dabei

2. für das kommende Kalender- oder Finanzjahr (fiscal year; in Deutschland früher 1. April bis 31. März) veranschlagt und

3. dem jeweiligen Vertretungs-Gremium (etwa: Bundestag, Landtag, Kirchensynode) zugeleitet, worauf

4. nach Beratschlagung, Abstimmung und Beschlussfassung die endgültige Festlegung durch Gesetz erfolgt (a plan of financial operation containing an estimate of proposed expenditures for a given period, usually a fiscal year, and the proposed means of financing them).

– Siehe Defizit-Falke, Defizitquote, Finanzpolitik, Finanzwissenschaft, Fondswirtschaft, Härtefonds, Haushaltsdefizit, Kamerale, Kreditvotum, Nachtragshaushalt, Nonaffektations-Prinzip, Parafiskus, Politikverzug, Schattenhaushalt, Staat, Staatsschulden, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Tilgungsfonds.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bugsiergeld (tow fee; tugging costs):

1 Früher eine Zahlung dafür, dass kräftige Männer (Schlepper; Hauler, Treidler; towers) ein Schiff durch Taue (tightropes) vom Ufer (vom Treidelpfad, Leinpfad; towpath) aus hinter sich herzogen; bugsieren: von Bug = vorderes Schiffsende. - Waren die Schiffszieher beritten (tower on horseback; Leinreiter), so erhöhte sich das Bugsiergeld entsprechend.

2 Ein verhältnismässig hoher Aufwand, der dann entstand, wenn ein Schiff bei gänzlichem Mangel an Wind durch Ruderboote an Tauen fortgezogen (towed-up) werden musste.

3 Kosten, die anfallen, wenn ein grösseres Schiff durch ein oder mehrere kleinere Schiffe fortgezogen werden muss.

4 Heute auch gesagt für die Bezahlung der Motorschiffe, die einen Lastkrahn vor sich herschieben.

– Siehe Halage, Rheinoctroi, Triftgeld, Wassermaut.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bulle (bull):

1 Bezeichnung für den eine Preissteigerung erwartenden Marktteilnehmer; ein Haussier.

2 Im Jargon der Finanzsprache auch eine männliche Person, die ohne Rücksicht auf alles auf ein angepeiltes Ziel zugeht (any male individual who possesses extreme motivation, perseverance, stubbornness and commitment to his goal), in der Regel auf bestimmte Mitarbeiter einer Bank oder an der Börse bezogen.

– Siehe Baisse, Blase, spekulative, Boom, Erholung, kurzfristige, Fixer, Flor, Hausse, Hausse nährt die Hausse, Hight Flyer, Hindsight, Konjunktur, Kurzsichtigkeit, Metabasis, Milchmädchen-Hausse, Prosperität, Rally, Runup.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bull Raid (so auch im Deutschen; seltener: Hausse-Manöver):

Durch vorgetäuschte Handelsumsätze wird der Kurs eines Wertpapiers nach oben gebracht. Die meisten der bis anhin bekannt gewordenen Fälle betreffen dabei Papiere, die im Freiverkehr gehandelt werden.

– Siehe Börsenbriefe, Bull, Bull Raid, Geschäfte, abgesprochene, Finanzgeier, Kursmanipulation, Marktaktivität, vorgetäuschte, Marktmanipulation, Pairoff, Pump and Dump, Scalping, Scheinkauf, Scheintransaktionen, Solarenergie, Telephon-Auftrag, unbefugter, Wash Sales.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bull Spread seltener Hausse-Spread (bull spread):

Die Verknüpfung einer Verkaufsoption mit einer Kaufoption auf denselben Basiswert. Die Ausübungsdaten der beiden Optionen sind gleich; indessen hat die Long-Position einen niedrigeren Ausübungspreis als die Short-Position (a strategy in which an investor buys an out-of-the-money put option, financing it by selling an out-of-the money call option on the same underlying).

– Siehe Butterfly Spread, Call, Option, Rohstoff-Terminvertrag, Stellagegeschäft, Straddle, Strangle.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bulldogge-Anleihe (bulldog bond):

Eine in England und regelmässig am Platz London begebene Anleihe, die indessen nicht auf GBP lautet (foreign bond issue made in the United Kingdom and more specifically in London). Weil Begebungen am Platz London kostengünstig und auch verhältnismässig leicht weltweit unterzubringen sind, so liegt der Anteil solcher Anleihen dort sehr hoch.

– Siehe Drachen-Anleihe, Normalbegebung, Samurai-Bonds, Shogun-Bonds.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bulldog-Markt (bulldog market):

Wenn nicht anders definiert, die nicht auf GBP denominierten Umsätze auf dem Finanzmarkt in England allgemein und in London im Besonderen (the foreign market in the United Kingdom and more specifically in London). - Der Finanzplatz London mit (Anfang 2012) etwa 220'000 Beschäftigten stand international an der Spitze der Finanzplätze, gefolgt von Neuyork, Hongkong, Singapur, Tokio, Chicago, Frankfurt und Zürich. - Freilich sind die veröffentlichten Rangfolgelisten (ranking lists) widersprüchlich, weil verschiedene Messgrössen zugrundegelegt werden, wie Umsatz, Beschäftigte, Emissionsvolumen und andere für sich allein oder in Kombination sowie dann auch mit unterschiedlicher Gewichtung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bullet Payment (so auch im Deutschen; seltener: endfällige Zahlung):

Die Tilgung einer Verbindlichkeit am Ende der Laufzeit durch eine einzige Zahlung.

– Siehe Ballon-Kredit, Darlehn, endfälliges, Erfüllung, Freijahre, Glattstellung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bullion (so auch im Deutschen gesagt; seltener ungemünztes Edelmetall):

1 Edelmetall in Form von Barren. Um handelsfähig zu sein, bedarf der Barren - in der älteren Finanzsprache auch: der Ingot und der Lingot; ingot - zur Sicherung gegen inzwischen massenweise umlaufende Fälschungen eines Assay-Stempels.

2 In älteren Dokumenten auch solche fremde Münzen, die von Geldwechslern (money changers) nicht angenommen wurden; ungangbares Geld.

– Siehe Anlage-Münze, Doublé-Münze, London Good Delivery Standard.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bündelung (batch, bulk payments):

Ein Stapel von Aufträgen - im Zahlungsverkehr, im Wertpapierhandel - wird zusammengefasst und in einem einzigen Arbeitsgang abgewickelt (gets fulfilled in a single work step).

– Siehe Iceberg Order, Karten-Stapel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bundesagentur für Arbeit, BfA (German Federal Labour Market Authority):

Wichtiger Parafiskus, dessen Überschüsse und Defizite in den Gesamthaushalt eingehen und für die Finanzstabilität von Wichtigkeit sind.

– Siehe Krankenversicherung, gesetzliche, Pflege¬versicherung, Steuerfinanzierung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2005, S. 68 f. (S. 69: Diagramm der Ausgaben-Struktur), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2011, S. 82 f. (Finanzierungssalden der BfA seit 1991), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2011, S. 31 (Einfluss des Bundes auf die Finanzlage der BfA: Übersicht), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Februar 2012, S. 75 f. (Übersicht der Finanzen seit 2009; Aussichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2012, S. 76 (Finanzen der BfA seit 2010) und die Haushaltsentwicklung der Agentur laufend berichtet im Statistischen Teil des jeweiligen Monatsberichts der Deutschen Bundesbank, Rubrik "Öffentliche Finanzen in Deutschland".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bundesamt für Finanzen, BfF (German Agency for Finance):

Aufgaben der Behörde mit Sitz in Bonn sind unter anderem die Besteuerung der Inländer mit Auslandseinkünften sowie die steuerliche Betriebsprüfung von Grossunternehmen. Weitere Obliegenheiten sind die Fachaufsicht des Familienleistungsausgleichs, die Fachaufsicht über die Gewährung der Altersvorsorgezulage, die Bezügezahlung für alle Richter, Beamten, Angestellten, Arbeiter und Versorgungsempfänger des Bundes mit Ausnahme der Bundeswehr und des Auswärtigen Amtes, Abrechnung von Personalnebenkosten (incidental wage costs) für verschiedene Ressorts der Bundesverwaltung, Kontrolle des Zinsabschlaggesetzes, Amtshilfe für in- und ausländische Behörden sowie Betrieb des Rechenzentrums der Bundesfinanzverwaltung und der Informationszentrale für steuerliche Auslandsbeziehungen.

– Siehe Zinsinformationsverordnung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, BSI (Federal Agency for Secu¬rity in Information Technology):

Dem Innenministerium unterstehende deutsche Bundesbe¬hörde mit Sitz in Bonn. Das 1991 gegründete Amt hat allgemein zur Aufgabe, Computer¬versagen, Computermissbrauch und Computerkriminalität zu abzuwehren. Im Zuge dessen wird auch der Einsatz der IT im Finanzsektor in Zusammenarbeit mit der EZB und den Aufsichtsbehörden überwacht.

– Siehe Systemkollaps und mehr bei www.bsi.de .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bundesanleihen, "Bunds" (federal bonds):

In Deutschland neben Anleihen des Bundes auch die seiner Sondervermögen. Die Wertpapiere haben standardisierte Zins- und Kapitalfälligkeiten (am 4. Jänner bzw. 4. Juli) und eine Laufzeit von zehn bis dreissig Jahre. Dabei können ja nach Emissionstermin Anleihen mit einem kurzen (unterjährigen) oder langen (überjährigen) ersten Kupon entstehen. - Bundesanleihen sind hinsichtlich ihrer Konditionen eine wichtige Orientierungsgrösse für den Markt gesamthaft. Der Zehnjahres-Bund gilt bis anhin als Benchmark sowohl für die deutschen als auch für die europäischen Anleihemärkte. - Seit März 2006 legt der Bund auch an den Index der Konsumentenpreise im Euroraum gebundene Anleihen auf, volkstümlich "Inflationsbonds" genannt; rund fünf Prozent der Kreditaufnahme des Bundes sollen nach und nach durch solche Titel gedeckt werden. Zuvor hatten schon Italien und Frankreich entsprechende Wertpapiere begeben. - Gemäss § 36 BörsG sind Bundesanleihen an jeder deutschen Börse automatisch im Segment amtlicher Handel und nach § 52 BörsG auch im regulierten Markt zugelassen.

– Siehe Bobl-Future, Futures, Zinsswap.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2006, S. 31 ff. (S. 33: Übersicht der Geld-Brief-Spannen deutscher Bundesanleihen seit 1991), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2008, S. 41 (nur zwei Prozent des Handels in Bundesanleihen fand im Jahr 2006 an Börsen statt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, BaFin (Federal for Finanical Services Supervision):

Die Aufsichtsbefugnisse für

1. Banken,

2. den Wertpapierhandel und

3. das Versicherungsgeschäft sowie

4. die übergreifenden Bereiche und Produkte der Finanzmärkte (wie Internet-Geschäft, Vermögensverwaltung, Anleger- und Verbraucherschutz, Alterssicherungsfonds) liegen bei einer einzigen Behörde, die in Deutschland am 1. Mai 2002 mit doppeltem Sitz in Frankfurt am Main und Bonn ihre Arbeit aufnahm und die bis dahin spartenbezogenen (sectoral acting) Aufsichtsbehörden ersetzte. Damit folgte man der sich immer mehr abzeichnenden Entwicklung zu Finanzkonglomeraten.

– Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ist eine rechtsfähige, bundesunmittelbare Anstalt des öffentlichen Rechts im Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Finanzen und beschäftigt rund 2'400 Mitarbeiter. Die BaFin beaufsichtigt etwa 2'700 Kreditinstitute, 800 Finanzdienstleistungsinstitute und über 700 Versicherungsunternehmen; mehr darüber bei http://www.bafin.de . Die BaFin ist eine Eingriffsverwaltung (distributive administration) und erlässt hoheitliche Verwaltungsakte (sovereign acts), die beklagt werden können. Durch die Einrichtung der europäischen Bankenaufsicht 2014 musste die BaFin wichtige Befugnisse bei der Aufsicht über Institute an die neue EZB-Behörde abtreten.

– Siehe Abberufungs-Verfügung, Abwicklungsverfügung, Aufsicht, Bankenaufsicht, europäische, Bestandskraft, Bussgeld, Capture-Theorie, Fachbeirat BaFin, Finanzmarkt, Wachstumsbedeutung, Untersagung, Verpflichtungszeitraum.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 25 (hinsichtlich deren Prüfung durch den IWF), S. 232 ff. (hinsichtlich der auch dort wuchernden Ausschüsse), Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 93 (hinsichtlich des Umfangs der Aufsicht), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 234 f. (Gesetz zur Stärkung der deutschen Finanzaufsicht trat mit Jahresbeginn 2013 in Kraft) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Über die BaFin".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen (Federal Insurance Supervisory Office):

Ehemalige Behörde zur Aufsicht über Versicherungen und Bausparkassen mit Sitz in Berlin. - Die Behörde wurde am 1. Mai 2002 in die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht eingegliedert.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel, BAWe (Federal Supervisory Office for Securities Trading):

Frühere Überwachungsbehörde für den gesamten Effektenhandel in der Bundesrepublik Deutschland mit Sitz in Frankfurt am Main. Im Besonderen gehörten zu den Aufgaben des Amtes

1. Überwachung der Verhaltensregeln und Organisations-Pflichten,

2. Hinterlegung von Wertpapier-Verkaufsprospekten,

3. Ermittlung von Insiderdelikten,

4. Überwachung der Ad-hoc-Mitteilung sowie

5. Überwachung der Publizität bei bedeutenden Stimmrechts-Veränderungen.

– Die Behörde ging am 1. Mai 2002 mit ihren Aufgaben in der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht auf.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bundesaufsichtsamt für Kreditwesen, BAKred (Federal Banking Supervisory Office):

Frühere Überwachungsbehörde mit Sitz in Bonn mit weitreichenden Aufgaben, vor allem:

1. Zulassung der Banken und Aufhebung der Zulassung,

2. Prüfung der Zuverlässigkeit und Eignung der Geschäftsleiter,

3. Anteilseigner-Kontrolle,

4. Überwachung der wirtschaftlichen Lage der Institute einschliesslich der Liquiditäts- und Ertragslage sowie

5. Verfolgung unerlaubt betriebener Bankgeschäfte und Finanzdienstleistungen.

– Das Amt ging am 1. Mai 2002 mit seinen Aufgaben in die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ein.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bundeskasse manchmal auch (in der Schweiz nur so) Tresorie (federal cash office):

In Deutschland dezentral bei der jeweiligen Oberfinanzdirektion angesiedelte Behörden; ihre Zuständigkeit richtet sich grundsätzlich nach dem Territorialprinzip. Zu den in der Bundeshaushaltsordnung im Einzelnen beschriebenen Aufgaben einer Bundeskasse gehören neben den Zahlungsgeschäften für alle Bundesbehörden insbesondere die Buchführung über geleistete und angenommene Zahlungen und die Rechnungslegung nach Abschluss der Bücher für das abgelaufene Haushaltsjahr (§ 70 ff. BHO).

– Siehe Staat, Stellen, öffentliche, Subsidiaritätsprinzip.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bundesobligationen, oft nur "Bobls" (German federal bonds):

In Deutschland vom Bund begebene Wertpapiere mit

1. einer Laufzeit von fünf Jahren. Es handelt sich um Daueremissionen (tap issues), die mit

2. einem festen Nominalzins und

3. variablen Ausgabekursen aufgelegt werden. Ihnen kommt im mittelfristigen Marktsegment eine ähnlich wichtige Bedeutung zu wie den Bundesanleihen im langen Laufzeitbereich.

– An deutschen Börsen sind diese Papiere nach § 36 BörsG automatisch im Segment amtlicher Markt und nach § 52 BörsG auch im regulierten Markt zugelassen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH (Federal Republic Germany Financial Agency):

Im Jahr 2001 gegründete, privatwirtschaftlich organisierte Behörde, die als Anleihemakler möglichst günstige Konditionen für die Staatsschuld erzielen soll. Sie ist zuständig für das operative Geschäft gesamthaft. Lediglich die Zinssätze der einzelnen Tranchen werden - nach vorgängiger Abstimmung mit Deutschen Bundesbank - im Referat "Steuerung und Kontrolle" des Bundesfinanzministeriums festgelegt. Die Bundeswertpapierverwaltung (früherer Name: Bundesschuldenverwaltung) wurde am 1. August 2006 mit der Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH verschmolzen.

– Siehe Bundeswertpapierverwaltung, Europäische Schuldenagentur, Staatsschuld, Zinsswap.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bundesschatzanweisungen oft nur "Schätze" (German federal treasury obligations):

In Deutschland vom Bund im vierteljährlichen Rhythmus (März, Juni, September, Dezember) begebene Wertpapiere mit einer Laufzeit von zwei Jahren. Der Erwerb ist grundsätzlich jedermann möglich. Im Tenderverfahren sind jedoch Banken, welche der Bietergruppe Bundesemissionen angehören, unmittelbar bietungsberechtigt (authorised to bid in auctions). Bundesschatzanweisungen werden jeweils in den Handel an den deutschen Wertpapierbörsen eingeführt.

– Siehe Bundeswertpapiere, Geldmarktpapiere.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bundesschatzbriefe (German federal saving bonds):

In Deutschland seit 1969 vom Bund für private Anleger ausgegebene Wertpapiere mit einer Laufzeit von sechs (Typ A) bzw. sieben (Typ B) Jahren mit einem Nennbetrag ab 50 EUR. Die Zinsen werden hier mit den Zinseszinsen angesammelt; der Anleger erhält bei Fälligkeit oder vorzeitiger Rückgabe sein Kapital zusammen mit dem aufgelaufenen Zinsbetrag in einer Summe ausbezahlt. - Die Besonderheit der Bundesschatzbriefe liegt in den nach einem festen Plan steigenden Zinsen.

– Siehe Aufzinsungspapier.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bundesschuldenverwaltung (German Federal Debt Administration):

Älterer Name für die Bundeswertpapierverwaltung, die am 1. August 2006 als Abteilung in die Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH eingegliedert wurde.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bundesversicherungsamt (German Federal Social Insurance Authority):

Die Behörde mit Sitz in Bonn führt die Aufsicht über bundesunmittelbare Träger und Einrichtungen der Sozialversicherung. Das Bundesversicherungsamt übt im Zuge dessen als Aufsichtsbehörde vor allem die ihm durch das Sozialgesetzbuch zugewiesenen Beratungs- und Genehmigungsbefugnisse gegenüber den Sozialversicherungsträgern aus und prüft die Geschäfts-, Rechnungs- und Betriebsführung bei den bundesunmittelbaren Krankenversicherungsträgern und deren Pflegekassen. Die Behörde ist - entgegen ihrem Namen und trotz häufiger andersartiger Berichte in den Medien - mit der Aufsicht über die privaten Assekuranz nicht befasst; dies ist allein Sache der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bundeswertpapiere (German federal securities):

Die Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH bietet den Anlegern in aller Welt Standardpapiere und Sondertitel an.

1 Zu den auf EUR lautenden Standardprodukten, die grundsätzlich über ein Auktionsverfahren begeben werden, zählen

1. Bundesschatzanweisungen (Schätze; German federal treasury obligations) mit einer Laufzeit von zwei Jahren,

2. Bundesobligationen (Bobls, German federal bonds) mit einer Laufzeit von fünf Jahren,

3. Bundesanleihen (Bunds; federal bonds) mit einer Laufzeit von zehn bis dreissig Jahre sowie

4. Unverzinsliche Schatzanweisungen (Bubills; German treasury discount papers), die bei Neuemission mit einer Laufzeit von sechs oder zwölf Monaten begeben werden.

– Der Bund veröffentlicht jeweils am Jahresende einen Emissionskalender für das folgende Jahr. Es werden darin die Emissionstermine und die Emissionsbeträge angekündigt. Diese Vorankündigung wird vierteljährlich durch einen ausführlichen Emissionskalender mit taggenauen Daten ergänzt. Weltweit ist der Bund bis anhin der einzige Emittent, der allfälligen Anlegern solche ausführliche Angaben bietet.

2 Zu den Sonderprodukten zählen derzeit

1. auf USD lautende Anleihen sowie

2. inflationsindexierte Anleihen.

– Bundeswertpapiere weisen in Europa die engsten Bid-ask-Spreads auf; die Absicherungskosten sind minim; die Liquidität im Sinne der jederzeitigen Verkaufsmöglichkeit hoch; die Marktpflege durch die Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH auch zur Zeit der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise gilt als vorbildlich.

– Siehe Begebung, Daueremission, Euromarkt, Europäische Schuldenagentur, Jumbo-Anleihe, Tap, Verkauf, freihändiger.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bundeswertpapierverwaltung, BWpV (German Federal Securities Administration):

Verwaltungsbehörde für die Schulden des Bundes mit Sitz in Bad Homburg (Taunus). Der Behörde - sie hiess bis Ende 2001 "Bundesschuldenverwaltung" - obliegt

1. die Beurkundung der vom Bund und seinen Sondervermögen aufgenommenen Kredite zum Zwecke der Emission auf dem Kapitalmarkt und der geschlossenen Derivatgeschäfte auf der Grundlage der jeweils bestehenden Ermächtigungen (Art. 115 GG) sowie

2. die bankmässige Verwaltung und Bedienung der Kredite (debt service). Sie ist ausserdem

3. für die Beurkundung der vom Bund und seinen Sondervermögen übernommenen Gewährleistungen, Bürgschaften, Garantien und der zugunsten internationaler Finanzinstitutionen eingegangenen Beteiligungsverpflichtungen verantwortlich. Die Behörde

4. führt das Schuldbuch (debt register) des Bundes und betreut kostenlos die Depots der Anleger.

– Über ihre Berechtigung wird gestritten: Mitte 2004 verwaltete die - mit jährlich etwa 30 Mio EUR den Bundesetat belastende - Behörde nur etwa ein Prozent der gesamten Bundesschuld in Einzelschuldbuch-Konten privater Gläubiger, und sie setzte auch nur etwa ein Prozent der Bruttokreditaufnahme in Form von Wertpapieren des Bundes ab. Am 1. August 2006 wurde die Behörde daher in die Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur eingegliedert.

– Siehe Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH, Staatsschuld.

– Vgl. den jeweiligen Geschäftsbericht der Deutschen Bundesbank, dort tabellarische Übersicht der Emission im betreffenden Kalenderjahr.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bund-Future (German federal state future):

Wenn nicht anders definiert, so meint man damit ein Terminkontrakt auf eine deutsche Bundesanleihe.

– Siehe Bobl-Future.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bunga-Bunga-Prämie (bunga bunga award):

Geld oder geldwertähnliche Vergünstigungen - einschliesslich einer beruflichen Anstellung in der Wirtschaft und bei Staatsbehörden - für junge Männer und Frauen, die auf Festlichkeiten von einflussreichen Herren in der Regel (halb)nackt für Unterhaltung sorgen (cash or money equivalents as jobs in business and public administration funded to young men and women for participating in erotic revelries [= fun parties with at the most sexual engagements] arranged by powerful male, less common by female leaders).

– Siehe Geldaugen, Geldgockel, Geldsack, Liebesgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bunzengeld und Bunsengeld (bondsman marriage fee):

Frühere Gebühr, die ein Leibeigener (Bunze; villein) bei seiner Heirat zu zahlen hatte.

– Siehe Brautgeld, Hochzeitgeld, Kranzgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bürge (guarantor, avalisor, surety):

Auf dem Finanzmarkt eine Person oder Entität, die für die Schulden einer Vertragspartei eintritt (a third party becomes a guarantor to make sure a payment is made even if default occurs).

– Siehe Bürgschaft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bürgerdarlehn, gemeindliche (loan to municipality by citizens):

Gemeinden decken hier ihren Finanzbedarf auch dadurch, dass sie Darlehn ihrer Bürger annehmen. Dabei ist die Verzinsung in der Regel so bemessen, dass diese für die Gemeinde günstiger ist als bei einem Bankkredit. - In Deutschland sind solche Finanzierungsformen erlaubnispflichtig, weil sie das Einlagegeschäft nach § 1, Abs. 2 KWG betreffen.

– Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 228 f. (Erlaubnis der BaFin ist einzuholen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bürgergeld (basic income scheme, unconditional basic income):

1 Die Forderung, jedem Mitglied der Gesellschaft, und zwar völlig unabhängig von seinem Beitrag zur Erstellung des Sozialprodukts, ein - von wem aufzubringendes? - Einkommen zu gewähren. Weitere Bezeichnungen sind Bürgergehalt, Existenzgeld, Sozialdividende und negative Einkommensteuer.

2 Andere Bezeichnung für das frühere Einstandsgeld, das neu Zugezogene in die Kasse der Gemeinde zu zahlen hatten, auch Anmanngeld, Annehmungsgeld, Ansässengeld, Einstandsgeld, Einzugsgeld, Nachbargeld, Rezeptionsgeld und Sitzgeld genannt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bürgersolaranlagen (private solar power plants):

Einige Anleger schliessen sich zusammen, um eine Solaranlage (solar installation, solar plant) zu finanzieren. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht wies mehrfach darauf hin, dass in Deutschland das Angebot von solchen, in der Regel als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR; civil law association) gegründeten Gesellschaften ebenso der Prospektpflicht unterliegt wie Publikums-Kommanditgesellschaften (private limited partnerships), die in einen ganzen Solarpark (solar array) investieren.

– Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 200 (BaFin stellt unerlaubt Angebote fest).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bürgschaft in älteren Dokumenten auch Eviktion und Expromission (guarantee, security, bail):

Die vertragliche übernommene Verpflichtung einer Person oder einer Entität, für die Erfüllung der Verbindlichkeiten eines Schuldners gegenüber dem Gläubiger einzustehen; siehe §§ 765 ff BGB.

– Siehe Akkommodierung, Aval, Bürge, Garantie, Gefälligkeitsverpflichtung, Kaution, Patronatserklärung, Waarborgsgeld.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juli 2009, S. 75 (Auswirkung staatlicher Bürgschaften).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Burgwerkgeld (hideaway duty, refuge contribution):

In alten Dokumenten eine Abgabe zum Bau bzw. zur Erhaltung einer Burg, und im Besonderen einer Fliehburg (Fluchtburg, Bollwerk; refuge), in der sich die Bewohner offener, nicht durch eine Verteidigungsmauer (defence wall) geschützter Dörfer bei kriegerischen Auseinandersetzungen lebensrettend zurückziehen konnten.

– Siehe Festungsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Burn-Out Turnaround (so auch im Deutschen oft gesagt; manchmal auch: Restart):

Ein Unternehmen mit Schwierigkeiten - in der Regel auf der Absatzseite - wird von Grund auf umgestaltet. Das schliesst die Entschuldung sowie die Einbringung frischen Kapitals ein.

– Siehe Ausschlachten, Buyout-Kapital, Delisting, Event-Driven Fund, Factoring, Hedge-Fonds-Kredite, Insolvenzkosten, Leveraged Buy-out, Private Equity Fund, Restrukturierung, Vulture Fund, Window on Technology.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Burn Rate (so auch im Deutschen gesagt, manchmal auch Cash Loss):

1 Der Geldabfluss innert eines bestimmten Zeitraums - Monat, Jahr - innerhalb der Aufbauphase, während des Start-up eines Unternehmens.

2 Die Zeit, in der ein Unternehmen das ihm als Darlehn übertragene Kapital verbraucht (burned; "verbrannt") hat, und dann meistens in Bezug auf ein neugegründetes Unternehmen und zumeist auch in abschätziger Bedeutung (with a negative connotation) verstanden.

– Siehe Bootstrapping, Business Angel, Inkubator, Innovationsfonds, Kredit, kurzfristiger, Liebesgeld, Mikro-Finanzierung, Private-Equity-Finanzierung, Risikokapital, Seed Capital.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bürokratieabbau und Bureaukratie-Abbau (less red tape):

Um den wirtschaftlichen Ablauf so zu gestalten, dass

1. Geld jeweils auch der beste Wirt in die Hände bekommt und

2. sich damit der Wohlstand erhöht, sollten Vorgaben (performance targets) von Amtsstuben möglichst gering gehalten werden. Dieser Mahnruf durchzieht auch alle Veröffentlichungen der EZB.

– Auf der anderen Seite aber verlangen Verbraucherverbände - und oft genug auch Wirtschaftsverbände! - immer neue Regelungen. Zwar schliesst sich beides nicht denknotwendig aus. Aber ein Zuviel an Vorschriften wirkt in jedem Lebensbereich abschreckend.

– Siehe Anlegerschutz, Aufsicht; Aufsichtsvermeidung, Ausschuss-Wahn, BaFin-Umlage, Banana Skins Survey, Capture-Theorie, Kompetenz-Konflikt, aufsichtsrechtlicher, Marktversagen, Moral Suasion, Peter-Regel, Rechtsrisiken, Regulierungswut, Subsidiaritätsprinzip, Überregulierung.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2008, S. 67 ff., insbes. S. 79 f. (das Produktivitätswachstum im Eurogebiet wird durch zuviel Bureaukratie gehemmt, was auch die Geldpolitik berührt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Buschgeld (Bois le Duc money; severity allowance):

1 In alten Dokumenten solche Münzen, die in 's-Hertogenbosch (Nordbrabant, Niederlande) geprägt waren.

2 Sonderzulage zum Wehrsold für Soldaten bei bodennahen Übungen (ground-level military exercises) im Gelände, im Jargon der Truppe auch Geländezaster (all-terrain brass; Zaster: = in der alten Gaunersprache Bezeichnung für Geld), Graspfennig, Schlammkohle (Kohle = Geld) und Walddukaten genannt.

3 Gehaltszulage für Arbeitnehmer, die nach der Wiedervereinigung Deutschlands 1989 in die neuen Bundesländer (to the wild east of Germany; den "wilden Osten"; Busch = hier: Wildnis) versetzt wurden.

– Siehe Geldbezeichnungen, volkstümliche deutschsprachige.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Business (so auch im Deutschen gesagt):

In der Finanzsprache in verschiedener Bedeutung - und darin scheint sein Vorteil zu liegen - gebraucht, vor allem für Handel, Geschäft, Geschäftsleben, Wirtschaft, Angelegenheit, Betrieb, Gewerbe, Beruf, Sache, Unternehmen, Arbeit, Regsamkeit und einer Reihe ähnlicher Begriffsinhalte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Business Angel (so auch im Deutschen gesagt, seltener Starthelfer):

Eine sachkundige, vor allem auch mit dem Rechnungswesen und den Abläufen auf dem Finanzmarkt erfahrene Person, die eine Art Patenschaft (mentoring: a relationship between an experienced person and a less experienced person for the purpose of helping the one with less experience) für einen Gründer übernimmt und diesen mit Rat zur Seite steht, eventuell diesen auch mit Kapital als privater Risikokapital-Geber unterstützt. - Die Erfahrung hat gezeigt (it is an experimental fact), dass Start-Ups auf diesem Wege bessere Erfolgsaussichten haben als durch die Betreuung seitens vieler Abteilungen einer Bank. Diese Erkenntnis wiederum hat dazu geführt, dass Banken unter Umständen Business Angels vermitteln oder gar als Inkubator tätig werden.

– Siehe Burn Rate, Drittphase-Finanzierung, Inkubator, Liebesgeld, Private Equity-Finanzierung, Qard al-Hasan, Seed Capital, Sweat Equity, Wagniskapital.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Business Continuity Programme (so auch im Deutschen gesagt):

Arbeitsanweisungen, welche das ununterbrochene Funktionieren von Zahlungssystemen auch im Falle von verschiedenartigen Störungen - wie vor allem Stromausfall - sichern sollen. Die entsprechenden Anleitungen beziehen sich sowohl auf die Vermeidung solcher Ereignisse (preventative measures) als auch auf Schritte, wie bei Pannen vorzugehen ist (arrangements to deal with contingencies: events that are possible). So ist beispielsweise das TARGET-System auf vier Standorte in zwei weit verzweigten Regionen aufgeteilt, um allfällige systemische Risiken zu minimieren.

– Siehe Kapitaltransfersystem, elektronisches, Massenzahlungsverkehr, elektronischer, RTGS-System, TARGET-System.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 49, S. 55 (in Bezug auf TARGET).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Business Process Outsourcing, BPO (so auch im Deutschen gesagt):

Bei Banken die vertragliche Übertragung bedeutender, die Tätigkeit einer Bank kennzeichnender Geschäftsfelder - etwa: Handelsfinanzierung, Devisenhandel, Derivatehandel - an ein anderes Institut.

– Siehe Aktivitätsanalyse, Auslagerung, Downsizing, Insourcing, Outsourcing-Risiken.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Bussgeld und Geldbusse (fine, penalty; administrative fine, penitent fee):

1 Allgemein die von einer Behörde verhängte Strafgebühr; im engeren Sinne in Deutschland die für einen Regelverstoss im Strassenverkehr verfügte Zahlung.

2 Im Finanzsektor die von den Aufsichtsbehörden verhängten Geldstrafen zur Ahndung von Verstössen gegen aufsichtsrechtliche Vorschriften. Gegen erlassene Bussgeldbescheide der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht können die Betroffenen

1. zunächst ein Widerspruchsverfahren (opposition procedure) beantragen; wird der Widerspruch zurückgewiesen, so können

2. die ordentlichen Gerichte (ordinary courts) angerufen werden.

3 Früher die einem Beichtenden auferlegte Zahlung zur Wiedergutmachung angerichteten Schadens an Leib und Gut von Mitmenschen.

– Siehe Ablassgeld, Amende, Abwicklungsverfügung, Beichtgeld, Bestandskraft, Fersengeld, Massnahme bei Gefahr, Pönalgeld, Sonderprüfung, Verwarnung, Untersagung, Zwangsgeld.

– Vgl. Jahresbericht 2012 der BaFin, S: 209 (Erläuterung des Bussgeldverfahrens), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 117 (Übersicht der Bussgeldverfahren), S. 189 (Bussgeld-Leitlinien) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin; dort jeweils eine Übersicht im Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute" sowie auch im Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft einzelne Fälle und auch Bericht über Rechtsbehelfe gegen Massnahmen der Behörde.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Butterfly Spread (so auch im Deutschen gesagt):

Gewisse Vorsicht ausdrückende Options-Position, bestehend aus gesamthaft vier Kontrakten mit dem gleichen Verfalldatum (expiration date) und dabei

1. dem Kauf einer Option mit tiefem Ausübungspreis (Basispreis),

2. dem Verkauf von zwei Optionen mit mittleren Basispreisen sowie

3. dem Kauf einer Option mit höherem Basispreis.

– Es werden mithin auf einen Termin also zwei Calls (Kaufoptionen) zu zwei unterschiedlichen Ausübungspreisen gekauft. Dazu verkauft man zwei Calls zu einem Preis, der zwischen den beiden gekauften Calls liegt. Auf diese Weise lässt sich ein allfälliger Verlust im Normalfall in verhältnismässig engen Grenzen halten.

– Siehe Bull Spread, Call, Option, Rohstoff-Terminvertrag, Stellagegeschäft, Straddle, Strangle.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Buttergeld (butter penny):

1 Früher eine ehevertraglich (by agreement defining marriage rights) oder herkömmlich (conventionally) der Bäuerin (farmers' wife, peasant woman) und zu deren freien Verwendung zufliessendes Einkommen aus ihrer Besorgung der Milchwirtschaft im landwirtschaftlichen Betrieb, auch Milchgeld genannt.

2 Eine Abgabe vornehmlich für Zwecke des Kirchbaus, die Hersteller von Christstollen (Christmas stollen) zu entrichten hatten. Die Verwendung von Butter für dieses vorweihnachtliche Backwerk (pre-Christmas cake) war kirchlicherseits ursprünglich nicht erlaubt, weil die Adventmonate (Advent months: the period including the four Sundays before Christmas) liturgisch eine Fastenzeit (lenten season) sind. Auf Antrag erlaubte jedoch Papst Innocenz VIII. im Jahr 1491 das Verbacken von Butter unter der Auflage, dass dafür eine Abgabe geleistet werde, die mildtätigen Zwecken (charitable objectives) zufliessen sollte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Buy-and-hold-Strategie und Daueranlage-Strategie (buy-and-hold strategy):

Ein Anleger kauft Papiere und behält diese bis zur Fälligkeit in seinem Portfolio (a passive investment policy with no active buying and selling of papers from the time the portfolio is created until the end of the investment horizon).

– Siehe Endanleger.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Buying Centre (so auch zumeist im Deutschen gesagt; seltener Kaufberatungsgruppe):

Auf dem Finanzmarkt insbesondere bei Banken und Kapitalverwaltungsgesellschaften verbreitetes Gremium aus Sachverständigen verschiedener Abteilungen - vor allem auch Aktuare, Juristen und Steuerexperten - mit der Aufgabe, die Geschäftsleitung bei (wichtigen) Käufen zu beraten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Buyout und Buy out (so auch im Deutschen zumeist gesagt, seltener mit Aufkauf übersetzt):

Die Übernahme einer beherrschenden Beteiligung oder der Erwerb einer Kontrollmehrheit der Aktien eines Unternehmens. Geschieht dies durch das Management, so spricht man auch von Management Buyout (MBO). In der Regel erwirbt der Investor das Unternehmen nicht unmittelbar, sondern über eine eigens dazu gegründete Erwerbsgesellschaft (new company, abgekürzt manchmal auch im Deutschen: NEWCO). Diese erwirbt entweder Anteile an dem Zielunternehmen (share deal) oder Vermögensanteile (asset deal).

– Siehe Abwehrmassnahme, Aktientausch-Übernahme, Ausschlachten, Beteiligungsgesellschaft, Buyout-Kapital, Colombo, Erwerbsangebot, Fairness Opinion, Fusionen und Übernahmen, Gifttablette, Leveraged Buy-out, Makkaroni-Abwehr, Pac-Man-Strategie, Pflichtangebot, Ritter, weisser, Sonderdividende, Squeeze-out, Risikokapital, Stimmrecht-Datenbank, Totholz, Übernahme-Angebot.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Oktober 2005, S. 23 ff. (Übersicht der Entwicklung in Europa), Monatsbericht der EZB vom November 2007, S. 26 ff (Rückgang der LBO-Aktivitäten und ihre Gründe; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Buyout-Kapital (buyout capital):

1 Bereitgestelltes Eigenkapital für ein Unternehmen, das sich grundlegenden Änderungen in der Produktion oder auf dem Markt gegenübersieht (capital provided in an established private or publicly listed firm that is undergoing a fundamental change in production or market strategy).

2 Aufgebrachte Mittel zum Zweck einer Unternehmensübernahme (capital commitment from individual, institutional and other external sources for the purpose of a company takeover). - In beiden Fällen sammeln häufig eigens zu diesem Zweck gegründete Buyout Funds das Geld bei Anlegern ein.

– Siehe Beteiligungsgesellschaft, Burn-Out Turnaround, Buyout, Firmenfonds, Fusionen und Übernahmen, Insolvenzkosten, Kapitalverwaltungsgesellschaft, Private-Equity-Finanzierung, Rekapitalisierung, Restrukturierung, Risikokapital, Vulture Fund.

– Vgl. Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 196 f. (EU-Übernahmerichtlinie).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Buy-side (so auch im Deutschen gesagt; seltener Käuferaggregat):

Auf dem Finanzmarkt kaufwillige Investoren, vor allem institutionelle Anleger (the community of buyers of securities, in particular such as mutual funds, corporate treasurers with excess liquidity).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen