Versicherungsoptimierer.net - Finanzlexikon - A

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Aasgeld (feed costs; feed soccage emancipation payment):

1 In alten Dokumenten eine Ausgabe, um Futter für Tiere zu kaufen. Das Aas (ohne Mehrzahl) ist ein ehedem gebrauchtes Wort für Viehfutter (cattle fodder).

2 Früher die einmalige oder laufende Zahlung dafür, dass man von der Fronpflicht (soccage duty, corvée) befreit wird, Viehfutter, in erster Linie Hafer (oats), Hirse (millet; ehedem als geschälte Frucht auch [der] Brein genannt) und Heu (hay: grass that has been cut and dried to be used as food for animals) an die Herrschaft zu bestimmten Fälligkeitstagen gegenständlich (in kind: in commodities) zu liefern.

– Siehe Befreiungsgeld, Erlösung, Freikaufgeld, Frongeld, Hundegeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abandon (abandon):

1 Die Aufgabe (das Nichtausüben; giving up) einer Option (decision not to exercise or offset an option), dann auch Verzichterklärung (waiver: generally the intentional relinquishment of a right, claim, or privilege) genannt.

2 Der Verkauf eines Anteils an einem auf Nachuss-Verpflichtung (Nachschusspflicht; reverve liability: an obligation for additional contributions, if necessary) gegründeten Unternehmen, wie etwa bei einer Kreditgenossenschaft oder einem Bergwerk.

– Siehe Call, Prämiengeschäft, Zubusse.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abandon[n]ment und Verzichterklärung (abandonment, waiver):

1 Die unwiderrufliche Preisgabe auf den Gebrauch eines Rechts (to give up a right with the intent of never again claiming).

2 Der Rücktritt von dem Anspruch, eine Option auszuüben (to make a decision that allows an option to expire unexercised).

– Siehe Abandon.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abbassamento und Abasamento (fall in prices; reduction):

In älteren Dokumenten häufig gesagt für

1 ein Sinken der Preise auf einem Markt,

2 ein Preisnachlass, den ein Verkäufer dem Käufer aus unterschiedlichen Gründen gewährt (the act of reducing the selling price of a product or service).

– Siehe Abschlag, Baisse, Bear, Bonifikation, Rabatt, Vergütung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abberufungs-Verfügung und Abberufungsverfügung (dismissal order):

Von der Aufsichtsbehörde angeordnete Entlassung von leitenden Personen eines Instituts bzw. einer Versicherung, wenn deren fachliche Eignung (professional suitability: this includes adequate theoretical and practical knowledge in all areas relating to the operation of an institute) in Frage steht oder gar Fehlverhalten (misconduct) angelastet wird.

– Siehe Abwicklungsverfügung, Anweisung, Aufsichtsrats-Mitglied, Bankenführerschein, Banker, Bestandskraft, Management-Vorschriften, Massnahme bei Gefahr, Optimismus, unvernünftiger, Sachkunde, Sanktionskomitee, Zwangsschliessung.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 129 (Rechtsquelle; Statistik), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 134 (Abberufungs-Verfügung bei Genossenschaftsbanken), Jahresbericht 2010 der Bafin, S. 167 (Bafin stellt siebenundzwanzig Abberufungs-Verlangen gegen Geschäftsleiter und Aufsichtsrats-Mitglieder) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute", Rubrik "Aufsichtshandeln".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abbruch[s]option und Aussteigeoption sowie Abrückoption (abandonment option):

Die vertraglich festgelegte Möglichkeit, aus einem Engagement vorzeitig auszusteigen (the option of termination an engagement earlier than originally planned). In der Regel sind die Gründe für einen allfälligen Ausstieg im Einzelnen erschöpfend aufgeführt und sehr genau beschrieben, wobei meistens Musterverträge (model contracts) zugrundegelegt werden.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abbuchungsgenehmigung und Einzugsermächtigung (direct debit [collecting] authorisation, bill check):

Ein Schuldner ermächtigt den Gläubiger, den geschuldeten Betrag unmittelbar von seinem Konto abzubuchen (an procedure of payment, in which a debtor permits a creditor to obtain payment directly from the debtor's deposit account). Diese Bezahlweise ist besonders im Falle regelmässig wiederkehrender Zahlungen bei Teledienstanbietern (tele-service provider), Strom- und Gasversorgern (electricity and gas supplier) sowie bei Versicherungen und Krankenkassen üblich. Dadurch wird sowohl beim Schuldner als auch beim Gläubiger bei Bezahlung über Formular (payment via order form) oder Internet in jedem Fall Aufwand gespart. Innert einer gegebenen Frist kann der Kontoinhaber der Abbuchung widersprechen, und die Bank bucht dann in der Regel den Betrag sofort zurück.

– Siehe Lastschriftverfahren, elektronisches, Single European Payment Area, Übertragung, bedingte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aberdepot auch Stückedepot und Summendepot (bonds account, depositum irregulare):

Eine heute seltenere Form der Verwahrung von Wertpapieren durch eine Bank. Der Depotkunde hat hier - im Gegensatz zur üblichen Wertpapier-Verwahrung - bloss einen schuldrechtlichen Anspruch (contractual claim under the law of obligations) gegenüber der Bank auf Titel derselben Art und Menge; siehe § 700 BGB. Im Falle der Insolvenz des verwahrenden Instituts bleibt dem Kunden lediglich eine Forderung an die Insolvenzmasse (assets available for distribution among the unsecured creditors), nicht aber ein Aussonderungsrecht (right of recovery, third party right). Als unregelmässige (aber = hier: regelwidrig, unecht; wie etwa in aberklug, abergläubig) Verwahrung unterliegt das Stückedepot nicht den Bestimmungen des Depotgesetzes; vielmehr gilt ein Verwahrungsvertrag (contract of deposit) nach § 700 BGB.

– Der Vorteil eines Aberdepots besteht darin, dass die verwahrende Bank dem Kunden in der Regel keine oder nur geringe Depot-Gebühren (custodian fee, safe custody charges) berechnet.

– Siehe Depotbank, Depotgesetz, Depotquittung, Omnibus-Konto, Street Name, Verwahrstelle, Zentralverwahrer, Zwischenverwahrung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abfertigungsgeld (dispatch fee):

1 Betrag, der beim Beladen oder Entladen von Versandgut (cargo) dem Frachtführer (carrier) in Rechnung gestellt wird. - Durch gestaffelte Sätze (graduated rates) kann man erreichen, dass bestimmte Verfrachter - seien es Schiffe, Eisenbahnwaggons, Pferdefuhrwerke, Camions oder Flugzeuge - rascher (höheres Abfertigungsgeld; extra dispatch fee) oder langsamer bedient werden.

2 Andere Bezeichnung für das Abfindungsgeld.

– Siehe Ankergeld, Douceur, Furtgeld, Geld, weiches, Hafengeld, Handgeld, Kapplaken, Krangeld, Ladegeld, Lastgeld, Leichtergeld, Liegegeld, Leuchtturmgeld, Lotsengeld, Pfundgeld, Pratikageld, Reedergeld, Mützengeld, Schleusengeld, Schmiergeld, Tonnengeld, Trinkgeld, Verpackungsgeld, Wagenmeistergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abfindung und Abfindungsgeld (compensation payment; serverance pay, termination pay, redundancy payment; settlement benefit):

1 Allgemein jede der Befriedigung von Ansprüchen dienende, zumeist einmalige Zahlung (any on-off payment made by way of compensation for a legal claim).

2 Die in der Regel einmalige Zahlung in Bargeld, welche einem Beschäftigten bei dessen Ausscheiden aus dem Dienstverhältnis seitens des Arbeitgebers geleistet wird, häufig auch Abstandsgeld genannt (payment of money to an employee that is terminated or laid off). - In Deutschland war bei der Entlassung aus dem öffentlichen Dienst aufgrund der Personalabbauverordnung des Deutschen Reiches vom 27. Oktober 1927 die Abfindungssumme - "Fixation" genannt - im Einzelnen geregelt. Ausscheidende Reichsbeamte konnten danach bis zum Achtfachen des Jahresgehaltes als Abfindungsgeld erhalten.

3 Im Besonderen auch von der Öffentlichkeit gerügte, sehr hohe Zahlungen an Spitzen-Führungskräfte (top level executives) von Unternehmen, die wegen Unfähigkeit oder Misswirtschaft ihr Amt verlassen müssen (goldener Handschlag; golden handshake, money shake).

– Siehe Abstandsgeld, Agency-Problem, Barabfindung, Begrüssungsgeld, Detraktion, Entlassungsgeld, Geldabfindung, Schlafgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abfluggeld (take-off fee):

Von Flugreisenden erhobene, oft nach Inlandsflügen (domestic flights) und Auslandsflügen (international flights) gestaffelte Abgabe seitens des Flughafenbetreibers (airport operator) oder der Gebietskörperschaft (regional authority) auf deren Territorium der Flughafen liegt. Die Einnahmen daraus sind in der Regel zweckgebunden (earmarked) für die Bereitstellung und den Unterhalt der Flughafeneinrichtungen. - Davon zu unterscheiden ist die in Deutschland seit Jahresbeginn 2011 eingeführte entfernungsabhängige Luftverkehrsabgabe (Flugsteuer; aviation tax), deren Ertrag dem Bund zufliesst.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abfluss (outflow):

1 Bei einem Unternehmen die Ausgaben, in der Regel auf einen Zeitraum wie vor allem Monat oder Jahr bezogen (cash flowing out of a firm from all sources over a period of time, such as the purchase of production inputs, machinery, repayment of borrowed money, etc.).

2 In volkswirtschaftlicher Betrachtung der Saldo aus dem Kauf ausländischer Vermögenswerte durch Inländer abzüglich des Kaufs inländischer Vermögenswerte durch Ausländer (the purchase of foreign assets by domestic residents minus the purchase of domestic assets by foreigners).

– Siehe Auslagen, Auslandsverschuldung, Auszahlung, Aufwand, Aufwendungen, Bezahlung, Einkünfte, Expensen, Finanzmittel, Kosten, Zahlung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abfragegebühr (query charges):

Wenn nicht anders definiert, im Finanzbereich die Aufwendungen, welche einer Bank durch die Einholung einer Bonitätsauskunft (creditworthiness information) über eine Darlehnsuchenden entstehen. Mit dieser Gebühr wird in der Regel der Kunde belastet.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abfüllgebühr (fill-up payment):

In vor allem von Jugendlichen besuchten Lokalen (pubs and discos frequented by the young) beim Eintritt geleistete einmalige Zahlung, die zum Bezug nach Belieben vieler Getränke berechtigt, im Jargon auch Rauschanregungs-Taxe (drunken orgy incitement) und ähnlich genannt.

– Siehe Flat.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abgabe in älteren Dokumenten auch Schoss und Prästanda (due, charge, levy, contribution, impost; drawing; sales):

1 Allgemein heute gesagt in Bezug auf sämtliche Auflagen (als verpflichtende Geldleistungen; imposts, duties), die in irgend einer Form und bei verschiedenen Anlässen als Zahlung anfallen.

2 Oberbegriff für sämtliche Geldleistungen, welche der Staat aufgrund seiner Finanzhoheit den Privathaushalten und Unternehmen auferlegt. - Gegliedert werden die Abgaben in der Regel in Gebühren, Beiträge, Steuern und Zölle; daneben sind jedoch auch andere Einteilungen verbreitet.

3 In alten Dokumenten auch die Ablieferung einer bestimmten Menge an Erzeugnissen (der Land- und Forstwirtschaft), wie etwa den Zehnten, in der Regel im Rahmen eines Fronverhältnisses (soccage relation). Hierbei erhielt ein Bauer (Höriger, Leibeigener, Vasall; liege man, villein) von einer Grundherrschaft Land, Schutz und oft auch die Sicherung des Lebensunterhalts in Notlagen. Als Gegenleistung hatte der Hörige festgelegte Mengen an Waren (wie Getreide, Holz, Honig, Tuche) der Grundherrschaft (Fron = Herr) zu überstellen sowie auch Dienstleistungen, vor allem Hand- und Spanndienste (unpaid draught animal [donkey, steer, horse] and cart work) zu erbringen.

4 In älteren Dokumenten auch die Trassierung, nämlich auf eine Adresse einen Wechsel ziehen.

5 In der Finanzsprache auch der Verkauf von Wertpapieren an der Börse.

– Siehe Abgabedruck, Auflagen, Beitrag, Cerozensual, Charadsch, Dammgeld, Dammzoll, Detz, Erlösung, Fiskalquote, Frongeld, Gebühren, Gefälle, Hammelgeld, Harai, Hufengeld, Impost, Kalbgeld, Loskaufgeld, Maut, Naturalabgabe, Prästanda, Ranzion, Roggengeld, Schatzung, Steuerlastquote, Steuervergünstigung, Umlage, Urbarium, Zins, Zinsknechtschaft, Tribut.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2008, S. 37 (Abgaben in Deutschland 1997 bis 2007).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abgabedruck (sales pressure):

Ein zeitweise ungewöhnlich hohes (abnormal high) Verkaufsangebot von Wertpapieren an der Börse.

– Siehe Abgabepanik, Panikverkäufe, Sell Out.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abgabepanik, Verkaufs-Run und Ausverkauf (bailing out):

In der Finanzsprache der überhastete Verkauf von Vermögenswerten - und Papieren im Besonderen - ohne Rücksicht auf den dabei erzielten Erlös (selling an asset or more specifically a title hurriedly and regardless of the price). Oft geschieht dies seitens eines einzelnen Anlegers deshalb, weil er weitere Verluste nicht hinnehmen will (an investor no longer wants to sustain further losses). Bei Unternehmen zwingen in der Regel fällige hohe Schulden zu einem solchen Vorgehen.

– Siehe Euphoriephase, Panikverkäufe, Sell Out, Vertrauens-Hypertrophie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abgabenquote (tax and contribution ratio):

Der gesamthafte Anteil an Abgaben (Steuern und Sozialbeitrage; taxes and tax-like payments), die ein Unternehmen oder ein Privathaushalt an den Staat zu entrichten hat. Die Quote in der Berechnung Total der Abgaben zum Bruttoinlandsprodukt lag im Jahr 2010 in Deutschland bei rund 40 Prozent. - Mit wachsendem Entwicklungsstand einer Volkswirtschaft steigt dieser Anteil, weil auch die Anforderungen an die staatlichen Aufgaben wachsen.

– Siehe Drittgattingeld, Sozialstaat-Falle, Steuerlastquote, Verfassungsartikel eins, Wachstum-Schulden-Tatsache, geschichtliche, Wagnersches Gesetz, Zweitgattingeld.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2008, S. 35 ff. (Abgabenquoten im Vergleich; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abgang auch Manko und Almanko (deficit):

Allgemein ein Unterschuss: ein Zuwenig, entweder

1. in Geld (Fehlbetrag; minus amount),

2. im Gewicht (Fehlgewicht; shortage in weight) oder

3. in Bezug auf die Menge (Fehlmenge; deficiency, shortfall quantity) ausgedrückt.

– Siehe Abmangel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abgeld (discount):

1 Allgemein ein geminderter Wertansatz.

2 Ein Preisnachlass auf den Nennwert eines Papiers, auch Disagio genannt.

3 Bei Optionsscheinen der Betrag, um welchen der Bezug der Aktie über den gekauften Optionsschein billiger ist, als ein unmittelbarer Kauf der Aktie an der Börse.

4 Bei einem Knock-out-Put entsteht ein Abgeld, da der Basiswert verkauft wird, aber lediglich ein Teil des Gesamtwertes sofort vereinnahmt wird.

– Siehe Abschlag, Diskont.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abgeltung(s)steuer (flat rate [withholding] tax):

Ein einheitlicher Steuersatz auf

1. jederart Kapitalerträge (vor allem Zinsen und Dividenden) sowie

2. Gewinne aus der Veräusserung von Finanzprodukten.

– Wie die Erfahrung lehrt, spielt (was in den Modellen der Finanztheorie in aller Regel grosszügig vernachlässigt wird) die steuerliche Belastung einer Investition eine (wenn nicht oftmals sogar die allein) ausschlaggebende Rolle. Daher sind alle Fragen um die steuerliche Belastung von Geschäften im Finanzmarkt zu dessen Belebung, Gestaltung, Sicherung und Kräftigung von ganz entscheidender Bedeutung.

– Siehe Anlegerverhalten, Finanzmathematik, Flat Tax, Groll-Effekt, Spekulationsteuer, Tobin-Steuer, Verrechnungssteuer.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 164 f. (Auswirkungen auf das Anlegerverhalten), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 136 (Umgehungshandlungen), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 191 (die in Deutschland zum 1. Januar 2009 in eingeführte Abgeltungsteuer bewirkte die Vorverlegung betroffener Geschäfte).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abgesang und Abdankung (swansong, farewell):

Im Jargon der Finanzwelt der endgültige Ausstieg aus einem verlustbringenden Engagement (loss-generating engagement); manchmal mit einer Zeremonie (ceremony) wie dem Zertrümmern eines Glases verbunden. - Abdankung (funeral service) bedeutet im Schweizerdeutschen eine Totenfeier: die Abschiednahme von einem verstorbenen Menschen.

– Siehe Blutbad, Geldgrab, Insolvenz, Kopf-in-den-Sand-Verhalten, Millionengrab, Verlust, Write-off, Zahltag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abkürzungen (abbreviations):

Wichtige Abbreviaturen (shortened forms of a word or a phrase) aus der Finanzwelt einschliesslich der (offiziellen) Kurzbezeichnungen von bezüglichen Gesetzen und Verordnungen finden sich in alphabetischer Reihenfolge im Anhang des jeweiligen Jahresberichts der (deutschen) Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ablassgeld (indulgence fee):

Der im Strafrecht unangefochtene Grundsatz, wonach neben der Strafe - etwa für Diebstahl - auch eine Wiedergutmachung - hier: die Rückgabe des gestohlenen Gutes an den Eigentümer - erfolgen muss, fand schon früh auch in die christliche Theologie Eingang. Eine Sünde als das schuldhafte Zuwiderhandlung gegen ein Gebot Gottes muss daher

1. zunächst durch Reue (Busse; penitence: the act of feeling shame, sorrow and regret for having done wrong) vor Gott getilgt und dann

2. die Störung der durch die Sünde verursachten gottgesetzten Ordnung wiederhergestellt werden.

– Dieses Zweite konnte unter gewissen Umständen auch durch Zahlung in Bargeld geschehen: das Ablassgeld im engeren Sinne. - Missbräuchlich wurde dann auch das Erste, nämlich die Busse, als käuflich ausgegeben (äusserer Anlass der Reformation in Deutschland durch Martin Luther!) und über sog. Ablassbriefe (letters of indulgence) zu einem regelrechten Gewerbe gemacht (kommerzialisiert; commercialised). - Der Ablass, in alten Dokumenten auch sächlichen Geschlechts, leitet sich her von ablassen in der Bedeutung erlassen, vergeben, freisprechen.

– Siehe Abtrag, Annaten, Beichtgeld, Bussgeld, Dispensationsgeld, Läutegeld, Kathedralgeld, Kirchgeld, Obvention, Opfergeld, Palliengeld, Peterspfennig, Pönalgeld, Prokurationsgeld, Simonie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ablauffonds (expiry fund):

Von einer Versicherung angebotene Möglichkeit, vertraglich ausbezahltes Geld aus einer Lebensversicherung für den Kunden in einem Fonds anzulegen. - Der besondere Vorteil hierbei ist, dass der Anleger über einen Entnahmeplan (withdrawal arrangement) bestimmen kann,

1. in welcher Höhe und

2. über welchen Zeitraum er Zahlungen aus dem Fonds erhalten möchte.

– Anders als bei einem üblichen Fonds, lassen sich dadurch auf die besonderen Verhältnisse des einzelnen Kunden genau zugeschnittene Regelungen vereinbaren. Zudem bleibt damit die Versicherung mit dem Kunden in Beziehung. Die so getätigte Finanzanlage des Kunden lässt die Versicherung in der Regel von einer Kapitalverwaltungsgesellschaft verwalten. Notwendige Zeitangleichungen (Termin der Ausschüttung des Fonds einerseits und mit der Versicherung vereinbarte Zahlungen gemäss dem ausgehandelten Entnahmeplan mit dem Kunden andererseits) gleicht die Versicherung über ein eigenes internes (Sammel)Konto aus.

– Siehe Captive Fund, Garantiefonds, Lebensversicherungs-Policehandel, Nachgeschäft, Pensionsfonds, Pensionskasse.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ablehnung (decline):

In Zusammenhang mit dem Geldkarten-Geschäft die verneinende Auskunft auf eine Autorisierungsanfrage bei der Karten ausgebenden Bank. Dabei wird ein Applikationskryptogramm (application authentication cryptogramme) erstellt und gespeichert, um auffällige Kartennutzer herauszufiltern.

– Siehe Autorisierung, Computerzahlung, Geld, elektronisches, Geldautomaten-Sperre, Geldbörse, elektronische, Geldkarte, Geldwäsche, Karten-Echtheitsprüfung, Karteneinsatzdatei, Kreditkarte, Netzgeldgeschäft, Pay per Touch, Radio Frequency Identification, Scoring, Ticketing, elektronisches.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ablöse (transfer fee; fixtures and fittings):

1 Im Sport allgemein und beim Fussball insonders das Handgeld für den Wechsel (transfer) eines Spielers von einem Verein zu einem anderen (the money to be paid whenever a player under contract moves between professional clubs).

2 Beim Besitzwechsel einer Wohnung oder eines Hauses die Zahlung (one-off payment) an den Vormieter (previous tenant) für von diesem in die Wohnung (das Haus) eingebrachte Gegenstände wie Einbauküche (fitted kitchen), Beleuchtungskörper (lightings) oder Vorhänge (curtains).

– Siehe Abwerbegeld, Begrüssungsgeld, Schmiergeld, Taxe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ablösung (redemption; rescheduling; accession):

1 Allgemein die Beseitigung einer rechtlichen Verpflichtung durch Gesetz (etwa: Bauernbefreiung; abolition of serfdom) oder durch Zahlung in Geld, wie etwa bei Grunddienstbarkeiten (easements).

2 Die Ersetzung eines bestehenden Darlehns durch ein neues, im Regelfall zu anderen Bedingungen (the renegotiating of the terms of a loan, usually reducing payments by extending them over time and/or forgiving a portion of the principal).

3 Der Eintritt einer Vertragspartners, um eine bis anhin leistungspflichtige Partei (party obliged) freizustellen.

– Siehe Kredit, kurzfristiger, Loskaufgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abmachung (regulation):

In älteren Dokumenten auch in der Bedeutung: Ausgleich einer Verbindlichkeit allgemein und einer Rechnung im Besonderen.

– Siehe Begleichung, Bezahlung, Glattstellung, Kompensation, Liberierung, Pagament, Posttag, Realisierung, Zahlung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abmangel (deficit; deficiency, shortcoming):

1 Kassenfehlbetrag, Manko.

2 Mindereinnahme: der unterhalb der Vorausberechnung (der EX-ANTE-Finanzplanung) liegende Geldzufluss; in diesem Sinne besonders bei öffentlichen Haushalten in Bezug auf das Budget gesagt.

3 Abgang, Einbusse, Verlust.

4 Fehlgewicht (shortage in weight) bei einer Münze.

– Siehe Abgang, Abnutzung, Defekte, Defektur, Depekulation, Doublé-Münze, Katzengeld, Münzen-Paradoxon.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abnutzung (wearout):

Bei Münzen der Gewichtsverlust durch den Gebrauch im Zahlungsverkehr, auch Abreibung und Abrasion (abrasion: wear or removal of the surface of a solid material as a result of relative movement of other solid bodies in contact with it) genannt. - Bei den früher in Europa umlaufenden Goldmünzen wurde die Abnutzung jährlich mit ein Sechstel Prozent, bei Silbermünzen etwa ein Viertel Prozent angegeben. - Bei Scheidemünzen aus Kupfer lag die Abnutzung wegen der rascheren Umlaufsgeschwindigkeit dieses Geldes um etwa das Zehnfache höher als die Abnutzung bei Silberstücken.

– Siehe Abmangel, Auswurfgeld, Doublé-Münze, Gequetschte, Geschaugeld, Katzengeld, Münzpflege, Passiergewicht, Quaadschilling, Remedium, Scheidemünze, Wardein, Zisalien.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abrechnungstag und Valutatag (settlement date, value date):

Wenn nicht anders definiert auf dem Finanzmarkt der Zeitpunkt, zu dem ein vereinbartes Geschäft zahlungstechnisch abgewickelt wird. Üblicherweise ist dies der zweite Tag nach dem Abschlusstag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abruf (takedown):

Die Übertragung, der Transfer von Geld von einer Bank an einen Darlehnsnehmer im Rahmen einer Ausleihung (the actual transfer of money from a bank to a borrower under a loan agreement, loan commitment, or line of credit).

– Siehe Abruffrist, Abrufrisiko, Downside Risk, Konto, automatisch ausgeglichenes, Terminrisiko, Übertragung, endgültige.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abruffrist (drawdown period):

Zur notwendigen Liquiditätsplanung der Bank vorgegebener Zeitraum, innert dessen ein Kunde über ein ihm gewährtes Darlehn verfügen soll.

– Siehe Abrufrisiko, Vorauszahlungsrisiko, Vorfälligkeits-Entschädigung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abrufrisiko (call risk):

Bei einer Bank die Gefahr, dass

1. Kreditnehmer ungeplant ihnen eingeräumte Kreditlinien in Anspruch nehmen (im Aktivgeschäft) oder

2. in unerwartet hohem Umfang Kundeneinlagen abgezogen werden (im Passivgeschäft). Dadurch entsteht für das Institut ein Liquiditätsrisiko bzw. ein Refinanzierungs-Risiko, das durch entsprechende Massnahmen des Risikomanagements abgedeckt werden muss.

– Siehe Abruffrist, Downside Risk, Risiko, Terminrisiko, Vorauszahlungsrisiko, Vorratskredit.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 56 (Vorschriften für das Liquiditätsrisiko-Management), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 56 (neue Anforderungen an das Liquiditäts-Management).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Absatz (sales):

Allgemein der Verkauf eines Gutes (Ware oder Dienstleistung) am Markt (selling merchandises or services in return for money in the market).

– Siehe Deckungsbeitrag, Erlös, Lagerinvestition, Umsatz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Absatzfinanzierung (sales financing):

Wer als Verkäufer

1. seinen eigenen Absatz beleiht,

2. indem er den Kaufpreis stundet (grants a respite for payment), betreibt damit kein Kreditgeschäft; auch dann nicht, wenn

3. er sich das Stundungsdarlehn (respite credit) verzinsen lässt.

– Damit ist diese Finanzierungsart auch nicht erlaubnispflichtig und unterliegt nicht der Kontrolle durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Zwar gibt der Verkäufer dem Käufer wirtschaftlich Kredit. Diesem liegt aber kein Darlehnsvertrag, sondern allein ein normabweichend ausgestalteter Kaufvertrag zugrunde. - Etwas anderes gilt dann, wenn eine bereits bestehende Schuld - z.B. aus einem Kaufvertrag - nicht nur gestundet, sondern in ein Darlehn umgeschuldet (rescheduled) wird. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hat zu den Fragen der Absatzfinanzierung ein Merkblatt herausgegeben, das auf der Homepage der Behörde abrufbar ist.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Absatzwirtschaft (distributive trade):

In der Sprache der Zentralbanken alle Unternehmen des Gross- und Einzelhandels (all firms which are engaged in linking activities that channel merchandises or services down the supply chain to intermediaries for resale or to final buyers).

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Oktober 2011, S. 87 ff. (ausführliche Darstellung der Absatzwirtschaft im Euroraum; viele Übersichten und Vergleiche; in den Anmerkungen wichtige Definitionen; Verbindungslinien zur Inflation).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abschlag (markdown; discount; payment in part):

1 Beim Verkauf von Wertpapieren auf Kundenrechnung die im Preis enthaltende Gewinnspanne (profit margin) der Bank bzw. des Händlers (Brokers).

2 Der Unterschied zwischen dem heutigen Kurs von bestimmten Devisen und dem (wenn nicht anders angegeben) Dreimonatskurs (three month's rate) dieser Währung auf dem Terminmarkt.

3 Zinsabzug (Diskont) beim Ankauf später fällig werdender Forderungen, insbesondere von Wechseln und Schecks.

4 Zahlung, durch welche eine Rechnung nicht vollständig ausgeglichen wird: eine Schuldtilgung à conto (payment on account), eine Teilzahlung oder Rate.

5 Bei der Begebung neuer Wertpapiere der sich dadurch ergebende Preisnachlass (meistens in Prozent ausgedrückt), dass der Ausgabekurs unter dem Nennwert liegt, um Käufer anzulocken.

6 Beim Handel mit Optionsscheinen der (zumeist in Prozent angegebene) Betrag, um den der Bezug der Aktie über den Weg eines gekauften Optionsscheins billiger ist als der unmittelbare Kauf dieser Aktie (Gegenteil: Prämie).

7 Bei einem Future bedeutet ein Abschlag (Disagio), dass der Kontraktpreis niedriger ist als der Kassapreis des zugrunde gelegten Basiswertes.

8 Beim Umtausch von Regionalgeld in das gesetzliche Zahlungsmittel (EUR) übliche Minderung der zum Rücktausch angebotenen Summe.

9 Ein Vorschuss (advance).

– Siehe Abbassamento, Abgeld, Aktienanleihe, Aktien-Optionen, Barwert, Basis, Bonbon, Devisentermingeschäft, Diskont, Deduktion, Einschlag, Kompensation, Option, Rate, Report, Regionalgeld, Rohstoff-Terminvertrag, Spekulation, Swapsatz, Terminmarkt, Tilgung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abschlagszahlung auch Akontozahlung (advance payment):

Nach § 632a BGB die Zahlung für eine vertragsgemäss erbrachte Leistung, durch welche der Leistungsempfänger einen Wertzuwachs erlangte. Solche Geldübertragungen sind im Bereich der Privathaushalte und Unternehmen vor allem bei der Lieferung von Strom und Gas durch die Versorger (provider, supplier) üblich. Von Zeit zu Zeit - und meistens am Jahresende - folgt dann eine endgültige Abrechnung.

– Siehe Abschlag, Vorauszahlung, Vorschuss.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2012, S. 54 (Abgrenzung zur Vorauszahlung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abschluss, ausgeglichener (wash):

Bei einem Engagement auf dem Finanzmarkt werden am Ende die entstandenen Verluste durch erzielte Gewinne glattgestellt (transactions that result in a zero net sum gain: nothing is gained and nothing is lost, in other words a break-even situation).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abschlussgebühr (initiation fee, bank fee; acquisition fee, processing fee):

1 Bei einem Kreditvertrag mit der Bank ein Kostenersatz (reimbursement for expenses) für die Inanspruchnahme der Dienstleistungen des Instituts (a fee charged by the lessor bank used to cover the costs associated with the leasing process).

2 Der bei Bausparkassen und Versicherungen übliche Betrag, der dem Kunden für die Kosten in Zusammenhang mit dem Zustandekommen eines Vertrags

1. in Rechnung gestellt und dann

2. in der Regel mit den ersten Einzahlungen verrechnet wird.

– Häufige Klagen über zu hohe bzw. undurchsichtige Abschlussgebühren machen einen Gutteil der bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht eingehenden Beschwerden aus dem Publikum aus.

– Siehe All-in-Fee, Bankgebühren, Bearbeitungsgebühr, Courtage, Entgelt, Front Loading Fee, Gebühr, Köderangebot, Provision, Taxe, Vergütung.

– Vgl. den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Querschnittsaufgaben", Abschnitt "Verbraucherbeschwerden"; dort auch Fälle aus der Praxis in Bezug auf Abschlussgebühren.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abschlussprovision (acquisition commission):

Allgemein eine Zahlung an den Vermittler eines Vertrags im Finanzbereich.

– Siehe Courtage, Geschäfte, provisionsabhängige, Gebühr, Maklergebühr, Marge, Provision, Proxenetikum, Vergütung.

– Vgl. Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 115 f. (Aufsichtsbehörde rügt die hohen Abschlussprovisionen bei der Privatkrankenversicherung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abschlussprüfungs-Richtlinie (Directive on Statutory Audit):

Von der EU-Kommission im Jahr 2006 erarbeitete Richtlinie, um die formalen und inhaltlichen Anforderungen an Abschlussprüfungen bei Unternehmen EU-weit zu vereinheitlichen. Die Richtlinie wurde in den Mitgliedsstaaten bis 2008 umgesetzt. - Zeither sind eine Reihe von Ergänzungs- und Verbesserungsvorschlägen vorgetragen worden. Diese hat die Kommission Ende November 2011 in zwei Gesetzesvorschläge gefasst. Sie sollen als Verordnung (der - im Unterschied zur Richtlinie - unmittelbare Gesetzeskraft zukommt) in Kraft gesetzt werden.

– Siehe Accounting Task Force, Vor-Ort-Prüfung, Wirtschaftsprüfer.

– Vgl. Jahresbericht 2011 der BaFin, S: 89 f. (Hauptinhalt der der neuen Gesetzgebung; Stand des Gesetzgebungsverfahrens).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abschlusstag und Ausführungstag (deal day, trade day):

Wenn nicht anders definiert auf dem Finanzmarkt der Zeitpunkt, zu dem ein Geschäft zwischen zwei Partnern vereinbart wurde (the date on which a transaction is agreed to by two business partners).

– Siehe Abrechnungstag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abschlussvermittlung (contract brokerage):

Die Anschaffung und Veräusserung von Wertpapieren, Geldmarktinstrumenten oder Derivaten im fremden Namen für fremde Rechnung. - In Deutschland unterliegen entsprechende Dienstleister der Kontrolle durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht; siehe § 32 KWG.

– Siehe Agent, gebundener, Honorarberater, Nominee, Plazierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abschlusstag (trade date, abgekürzt: T):

Bei der EZB Datum, an dem ein Abschluss (d. h. eine Übereinkunft bezüglich über eine finanzielle Transaktion zwischen zwei Geschäftspartnern) getätigt wird. - Dieses Datum kann mit dem Abwicklungstag für die Transaktion zusammenfallen (gleichtägige Abwicklung) oder dem Abwicklungstag um eine bestimmte Anzahl von Geschäftstagen vorausgehen (der Abwicklungstag wird bezeichnet als T plus Zeit bis zur Abwicklung).

– Siehe Abwicklungssysteme, Business Continuity Programme, Euroclear, Clearing-Haus, automatisches, Kapitaltransfersystem, elektronisches, Massenzahlungsverkehr, elektronischer, Target, Trade Assignment, Überweisungssystem.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abschmelzrisiko (risk of excessive leverage):

Die Gefahr, dass ein allgemeiner Verschuldungsabbau die Vermögenspreise gesamthaft unter Druck setzt. Dadurch mindert sich der Verkehrswert der ausgewiesenen Vermögensgegenstände in der Bilanz, und das Eigenkapital schmilz ab (equity declines). Im Zuge von Basel-III müssen Institute dieses Risiko berücksichtigen; besondere Vorschriften zur Berechnung sind bis anhin noch nicht erlassen.

– Siehe Ansteckungswirkungen, Liquiditäts-Ablaufbilanz, Liquiditätsmanagement, Marktrisiko, Risikomodelle, Simulationstest, Stress-Test, Volatilitätsrisiko.

– Vgl. Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 67 (ab 2015 wird eine Beschreibung dieses Risikos für Banken zur Pflicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abschöpfungsbetrag (price-adjustment levy, equalisation levy):

Abgabe mit zollgleicher Wirkung. Damit soll in bestimmten Fällen und insonders bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen der Unterschied zwischen dem Einfuhrpreis einer Ware und dem inländischen Preis angeglichen, sprich: letztlich Importe vom heimischen Markt ferngehalten werden. - In der EU werden derzeit (2012) Abschöpfungen für eingeführtes Getreide, Reis und Zucker erhoben. Auch bei Ausfuhren aus der EU sind Abschöpfungen fällig, wenn die Weltmarktpreise über dem Preisniveau der EU liegen. - Ähnlich gehen auch andere Staaten vor, wie etwa die USA, wo beispielsweise Abschöpfungen auf Zucker eingeführt sind. Das hat zur Folge, dass bei Terminkontrakten in den USA ein auffälliger Kursunterschied zwischen Binnenmarktzucker und Weltmarktzucker zu beobachten ist.

– Siehe Agrarpolitik, Ausfuhrabgabe, Einfuhrausgleichsabgabe, Erstattung, Prohibitivsystem, Zyklik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abschottung (immunisation; Chinese Wall; walling-off):

1 Ein Unternehmen bestreitet seine Erweiterung (fast) ausschliesslich aus Selbstfinanzierung (aus nicht ausgeschütteten Gewinnen) bzw. Eigenfinanzierung (Mittel der Eigentümer). Die Beschränkung der Ausdehnungs-Möglichkeiten nimmt man dabei in Kauf, um

1. vor dem Einfluss von Banken gesichert und

2. gegen allfällige Verwerfungen auf dem Finanzmarkt (financial market turmoils) unempfindlich zu sein.

2 Im Zuge der Compliance die organisatorische und personelle Trennung einzelner Vertraulichkeits-Bereiche innert einer Bank (the ring-fencing enforced between one part of a financial Institution, and Kanther). Von den Aufsichtsbehörden wird dies teilweise im Einzelnen genau vorgeschrieben und überwacht.

3 Das Fernhalten von ausländischem Angebot und Nachfrage auf dem heimischen Finanzmarkt.

– Siehe Banker-Stammtisch, Colbertismus, Corporate Governance, Immunisierung, Insider-Meldepflicht, Kapital, internes, Mitarbeiterleitsätze, Need-to-know-Prinzip, Nominee, Organkredite, Rangfolge-Theorie, Risikoabteilung, Selbstfinanzierung, System Securities Watch Application (SWAP), Wall Crossing.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abschreckung, aufsichtsrechtliche (supervisory deterrence):

Der Vorwurf an den Gesetzgeber (legislator, law-giver) und an die Aufsichtsbehörden, sie würden durch bürokratische Überfülle (bureaucratic overkill) vor allem Börsenzugänge erschweren. Verlangt wird in diesem Zusammenhang, Börsensegmente mit deutlich niedrigerer Regulierungsdichte zu ermöglichen. - Andererseits aber überhäuft man die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht öffentlich mit heftigen Vorwürfen, wenn in Deutschland im Börsensegment Freiverkehr eine Aktie in unangenehmer Weise in Erscheinung tritt.

– Siehe Anlegerschutz, Aufsichtsvermeidung, Ausschuss-Wahn, Beaufsichtigung, vollständige, Kompetenz-Konflikt, aufsichtsrechtlicher, Managed Bank, Moral Suasion, Regulierungswut, Sarbanes-Oxley Act, Straitjacking, Subsidiaritätsprinzip.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abschreibung, im Schweizerdeutschen bei 1 auch: Abschreiber (amortisation, write-down; write-off; rejection):

1 Nach IAS (35.5, 38.7) die planmässige Verteilung der Kosten für die Anschaffung bzw. Herstellung eines Vermögensgegenstandes über dessen Nutzungsdauer (the systematic and regular write-down of an asset over its projected life). Nach den Vorschriften der EU sind Abschreibungen grundsätzlich linear zu berechnen.

2 Die Ausbuchung (derecognition)

1. einer Forderung, wenn diese als endgültig uneinbringlich festgestellt wurde (the act of cancelling an uncollectable debt from an account) bzw.

2. eines Vermögensgegenstandes, wenn dieser etwa aufgrund von (by reason of) Verlust oder völliger Veralterung unbrauchbar ist (reducing the value of an asset to zero for some reason such as damages or complete obsolescence).

3 Im Schweizerdeutschen auch für Ablehnung, Verweigerung der Zustimmung, Zurückweisung eines Antrags (in einem Gremium, bei Gericht) gesagt.

– Siehe Bewertung, Bewertungsverlust, Debt-Equity-Swap, Factoring, unechtes, Fair Value, Marktwert, Zeitwert.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abschreibung, steuerliche (capital allowance):

Der Betrag, den ein Unternehmen vom steuerbaren Einkommen in Abzug bringen darf (the amount which the relevant tax authorities allow a company to deduct from its taxable income).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abschussgeld auch Schussgeld (bounty for shot pests; hunting permit):

1 In älteren Dokumenten die Zahlung an den Jäger (bounty hunter), der auf Anforderung von Gemeinden, von Grundstücksbesitzern, von Viehherde-Besitzern wie vor allem Schafhaltern oder anderen Auftraggebern Schädlinge (pests) erlegte, im Besonderen Raubtiere (predators) und Raubvögel (raptors).

2 Jagdgeld in der Bedeutung

1. einer Gebühr für die behördliche Erlaubnis, die Jagd in einem bestimmten Gebiet ausüben zu dürfen oder

2. Zahlung des Jägers für das zur Strecke gebrachte (shooted) Wild.

3 Boshaft auch gesagt für die Belohnung (Abschussprämie), die jemanden ausbezahlt wird, der die Kündigung eines missliebigen Angestellten im Unternehmen bewirkt.

– Siehe Schussgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abschwung (downswing, downturn):

1 Ein allgemeines Nachlassen der Wirtschaftstätigkeit in einem Gebiet (a general slowdown in economic activity), ablesbar in ökonomischen Kennzahlen wie Börsenkurse, Produktion, Beschäftigung oder Aussenhandel.

2 Ein Stillstand oder gar Rückgang im Bruttoinlandsprodukt während zweier Quartale.

– Siehe Deficit Spending, Krise, Landung, weiche, Rezession, Stimmungs-Barometer, Zyklik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

ABS-Fonds (ABS fund):

Sondervermögen einer Kapitalverwaltungsgesellschaft, die ganz oder zu einem sehr hohen Anteil in forderungsgesicherte Wertpapiere (Asset-Backed Securities) in die betreffende Vermögensmasse investiert hat. - Im Zuge der Subprime-Krise mussten einzelne ABS-Fonds spürbare Werteinbussen hinnehmen. Die Verluste einzelner Fonds (als Vergleich zwischen Höchst- und Tiefstand im Jahr 2007) betrugen in der Spitze über 30 Prozent.

– Siehe Giftpapiere, Structured Investment Vehicle, Verbriefungspapiere.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Absentgeld und Absenzgeld (absence fee; recusant fine):

1 Eine frühere Abgabe in Bargeld an die obere Kirchenbehörde (Diözese) seitens jener Geistlichen, die regelmässige Einnahmen aus mehr als nur einer besoldeten Anstellung (Pfründe; prepend) bezogen, manchmal auch Tafelgeld genannt.

2 Einmalige oder laufende Zahlung eines Klosters, um Ansprüche aus einem Panisbrief (Brotbrief, Fressbrief, Laienherren-Pfründe) abzulösen. - Einen Panisbrief nannte man in Deutschland die schriftliche Anweisung zunächst des Kaisers und später auch der Landesfürsten an ein Kloster, einem bestimmten Laien (Panisten, Laienpfründner) lebenslänglich oder für eine gewisse Zeit Lebensunterhalt zu gewähren.

3 Früher auch eine Strafzahlung für Personen, die dem Gottesdienst fernblieben; vor allem gesagt in Bezug auf Katholiken in England, welche die gesetzlich vorgeschriebene Teilnahme am Gottesdienst der Kirche von England verweigerten (recusants: Roman Catholics in the 16th to 18th century who did not attend the services of the Church of England, as was required by law).

– Siehe Annaten, Benefiziengeld, Strafgeld, Tafelgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Absenzkapitalismus (absentee capitalism):

Abwertende Bezeichnung für die Tatsache, dass Anleger häufig nicht mehr mit einem Unternehmen persönlich verbunden sind, wie dies in früheren Zeiten in Bezug auf die Aktionäre und kreditgebenden Banken der Fall war (the investment in a business by investors who will have no contact with the company or workers). Ja, in vielen Fällen kennen die Investoren das Unternehmen überhaupt nicht. Sie legen ihr Geld sogar weltweit an, um einen höchstmöglichen Gewinn zu erzielen. Dies gilt auch für deutsche Institute, die hohe Summen in völlig undurchsichtige Verbriefungspapiere anlegten, die sich am Ende als Schrottpapiere erwiesen. In dieser Entwicklung wird von manchen ein Todeskeim auch für den Finanzmarkt gesehen.

– Siehe One-Night-Stand, Subprime-Krise.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Absicherung (hedging):

1 Auf dem Kreditmarkt das Eingehen einer Sicherungsnehmer-Position durch Verkauf des Kreditrisikos an einen Sicherungsgeber (fixed rate payer), und wenn nichts anders gesagt mittels eines Kreditderivats (seltener auf Bürgschaften und Garantien bezogen).

2 Die Übertragung eines aus einer ungünstigen Preisbewegung allfällig entstehenden Verlustrisikos durch den Kauf oder Verkauf von Kontrakten im Terminmarkt. - Soll eine Gut (Finanzprodukt, Ware) in der Zukunft gekauft werden, so kauft man heute einen Terminkontrakt (long hedging). Soll die Ware in der Zukunft verkauft werden, dann verkauft man heute einen Terminkontrakt (short hedging).

3 Bei einem Finanzprodukt die Gewähr, dass das Papier grundsätzlich zum Emissionspreis zurückgenommen wird, wie bei einem Garantieprodukt oder Garantie-Zertifikat.

– Siehe Aushaftung, Aval, Call, Hedge-Geschäft, Ersatz-Sicherungsgeschäft, Futures-Märkte, Kreditderivat, Kreditereignis, Long-Hedge, Modellrisiko, Monetisierung, Put, Risiko, Rohstoffpreisrisiko, Rohstoff-Terminvertrag, Option, Rollover-Kredit, Short-Hedge, Spekulation, Waren-Terminkontrakt, Worst Case Hedging, Zinsoption, Zinstauschgeschäft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Absicherungsverhältnis (hedge ratio):

Wenn nicht anders definiert die Kennzahl, welche anzeigt, wie viele Optionen im Verhältnis zur Anzahl der Basiswerte benötigt werden, um sich gegen erwartete Preisänderungen im Basiswert abzusichern (the number of contracts required to hedge one contract's value of the underlying asset).

– Siehe Absicherung, Erwartungen, Option, Zertifikat.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Absicherungsniveau (hedge level):

Bei einem Zertifikat die bei Emission festgelegte untere Schwelle (absoluter Wert oder prozentual vom Referenzwert), die nicht erreicht oder unterschritten werden darf, um sich am Fälligkeitstermin als Anleger die Chance auf Auszahlung eines Gewinns zu erhalten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Absichtserklärung (letter of intent, LOI):

Wenn nicht anders definiert, auf dem Finanzmarkt die schriftliche abgegebene Zusage einer Bank, sich an einem Engagement zu beteiligen.

– Siehe Bought Deal, Co-Investment, Emissionsgeschäft, Fundrasing, Multisourcing, Roadshow.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Absorptionsfähigkeit (absorptive capacity):

1 In Bezug auf den Finanzmarkt das Vermögen der Nachfrager, angebotene Produkte in ihr Portfolio aufzunehmen. Übersteigt das Angebot an Titeln die Nachfrage der Anleger in grösserem Ausmass, so spricht man auch von einer Marktschwemme.

2 Um 1990 aufgekommene Bezeichnung für das Vermögen einer Entität und einer Bank im Besonderen, neues Wissen von ausserhalb aufzunehmen und mit Kenntnissen aus dem täglichen Geschäftsbetrieb zu verschmelzen (the ability of a firm to recognise the importance of new information, assimilate it, and apply it to ongoing business operations), in diesem Sinne oft Innovationsaufnahmefähigkeit genannt. Auch in Bezug auf Zentralbanken und Aufsichtsbehörden spricht man häufig von Absorptionsfähigkeit; wiewohl es nicht an Kritik fehlt, dass hier manchmal zu viel des Guten (clearly too much) getan würde.

– Siehe Centre of Excellence, Durchdrücken, European Supervisor Education Initiative, Forschung, Forschungsnetzwerk zur Inflationspersistenz und Preissetzungsverhalten, Forschungs-Partnerschaft, Internationales Forschungsforum zur Geldpolitik, Kompetenz-Zentrum, Research Coordination Committee.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abstand zur Ausfallschwelle (distance to default):

Messgrösse zur Beurteilung der Stabilität im Finanzmarkt. Bei dem Mass handelt es sich genauer um die Anzahl der Standardabweichungen des Vermögenswertes von der Ausfallschwelle (definiert als der Punkt, an dem der Wert der Aktiva einer Bank genau dem Wert ihrer Passiva entspricht; ihr Eigenkapital also null ist). Ermittelt wird die Messgrösse anhand des Marktwertes der Aktiva unter Berücksichtigung der Volatilität des Marktwertes sowie der Verbindlichkeiten der Bank. Das Mass gilt weithin als eine der verlässlichsten der in die Zukunft gerichteten Risiko-Einschätzungen.

– Siehe Forum für Finanzmarktstabilität, Liquiditätsrisiko, Rendite-Abstand, Risiko, banktechnisches, Risiko, systematisches, Risikogewichtung, Risikotransparenz.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2002, S. 66, Monatsbericht der EZB vom Februar 2005, S. 64 ff. (mit Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abstandsgeld (desisting money; termination pay, severance payment; emancipation payment):

1 Vergütung, welche jemand beim Zurücktreten von einem Vertrag (withdrawal from contract) zahlt (nicht gleichbedeutend mit Reuegeld).

2 In der Regel einmalige Zahlung an Mitarbeiter, die freiwillig aus einem Arbeitsvertrag ausscheiden, in diesem Zusammenhang auch Abfindungsgeld (golden handshake) genannt.

3 Zahlung von innerstädtischen Kaufhäusern (inner-city department stores) und Ladengeschäften (retail stores) an Strassenmusikanten und Bettler, damit diese die Kunden abschreckendes und das Personal nervendes Musizieren bzw. Betteln vor ihren Standort unterlassen, auch Verschongeld (spare money) genannt.

4 In grundherrschaftlicher Zeit eine Abgabe von Bauern in Form von Geld oder Naturalien (Wildbret; venison) an den Jagdherrn, damit dieser in dem betreffenden Revier sein Jagdrecht (hunting rights) nicht ausübt, und dadurch für die Betroffenen oft existenzgefährdende Flurschäden (crop damages) vermieden werden; auch Verschongeld genannt.

– Siehe Angeld, Abfindungsgeld, Abstoppgeld, Agency-Problem, Begrüssungsgeld, Bettlerglöckchen, Detraktion, Drehorgel-Geld, Entlassungsgeld, Lästigkeitswert, Lustbarkeitsgebühr, Musikgeld, Schlafgeld, Prämiengeschäft, Tanzkonzessionsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abstattungskredit (term loan facility):

Heute seltener gewordene Bezeichnung für ein einmaliges (das heisst: ein Anschlusskredit ist ausgeschlossen) Darlehn einer Bank, das sofort in Bargeld ausbezahlt wird. Die Tilgungszeit liegt in der Regel über drei Jahren; die Zinsberechnung erfolgt je nach Vertrag besonders.

– Siehe Anschaffungskredit, Barkredit, Blankokredit, Darlehn, Debt Tail, Dispositionskredit, Privatkredit, Ratenzahlung, Vorlage.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abstoppgeld (dismissal payment):

In der Seefahrt (shipping business) gesagt vom Entlassungsgeld, das ein Seemann (shipman) bei Kündigung des Arbeitsvertrags erhält. Es liegt in der Regel in der Höhe einer Netto-Monatsheuer (net monthly pay), siehe § 65 SeemG.

– Siehe Abfindung, Abstandsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abtauchen (skip):

In der Finanzsprache der Wegzug eines Schuldners ohne Hinterlassung einer neuen Anschrift (to move with no forwarding address leaving a debt unpaid). Die Institute schützen sich dagegen hauptsächlich dadurch, dass sie von verdächtigen Kunden eine Bürgschaft verlangen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abtrag (half-year duty, deportus):

In älteren Dokumenten die Zahlung, welche der in eine Stelle (Pfründe; prebend) eingewiesene Geistliche (Pfründner; prebendary) der Kirchenleitung abzugeben hatte; in der Regel die Hälfte der Früchte des ersten Jahres.

– Siehe Absentgeld, Annaten, Rückvergütung, Tafelgeld, Vokationsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abundanz (abundance):

In der älteren Literatur und in Börsenberichten ein Ausdruck für reichlich vorhandenes Geld, das eine Anlage sucht.

– Siehe Attentismus, Liquiditätsfalle, Marktschwäche.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abwanderung auch Exodus (expatriation, exodus):

Auf dem Finanzmarkt gesagt für die Sitzverlegung einer natürlichen oder juristischen Person von einem Hoheitsgebiet in ein anders, in der Regel aus aufsichtsrechtlichen oder steuerlichen Gründen (the removal of ones legal residence or citizenship from one country to another for the most part to avoid high taxation or regulatory overkill).

– Siehe Kundendaten-Informationspflicht, Zweitausweis.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abwanderungsquote und Fluktuationsrate (churn rate):

1 Allgemein die Anzahl der Kunden, die ein Unternehmen in einer bestimmten Periode verliert (in its broadest sense: the number of customers moving out over a specific period of time).

2 Bei einer Bank oder Versicherung der Teil der Kunden, welcher nach Auslaufen eines Vertrags die Beziehung zu dem Unternehmen abbricht (the percentage of clients which, upon expiry of their contract, decide not to be in contact with this institute any longer). Eine hohe Abwanderungsquote deutet auf Unzulänglichkeiten im Produktangebot (deficiencies in the product range) oder/und Mängel in der Kundenpflege (apparent neglects in customer care) hin. - In vielen Instituten muss die Abwanderungsquote inzwischen - gar laufend - dem Top-Management gemeldet werden; und sie gilt als wichtige Schlüsselgrösse (success factor) zur Beurteilung des dauerhaften Erfolgs.

– Siehe Behördenmanagement, bankliches, Beziehungsbankgeschäfte, Beziehungsmanagement, Clubbing, Customasing, Geomarketing, bankliches, Hausbank, Intensivstation, Internetbank, reine, Kredit-Punktebewertungsverfahren, Kundenkapital, Kundeninteresse, Kundenmitnahme, Kundennähe, Kundenpfleger, Kundenzentrierung, McDonaldisation, Online Banking, Ortsbank, Profiling, Regenmacher, Zinsschnäppchenjäger.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abwartehaltung (wait-and-see position):

1 Auf dem Finanzmarkt allgemein ein Zustand, bei dem sich die Käufer (seltener auch auf die Verkäufer bezogen) aufgrund bestimmter Erwartungen zurückhalten.

2 Bei der Zentralbank ein Verhalten, bei dem diese (oftmals ungeachtet von Aufforderungen aus der Öffentlichkeit) keine ihrer Massnahmen einsetzt, unter Umständen aber Entwicklungen auf dem Finanzmarkt kommentiert.

– Siehe Abundanz, Anlage-Notstand, Attentismus, Codewörter, Führung, verbale, Handlungsbereitschaft, Liquiditätsfalle, Marktschwäche, Moral Suasion, Politik des offenen Mundes, Signalwirkung, Stille, Tarnkappen-Politik, Wachsamkeit, hohe.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2007, S. 67 ff. (lehrbuchmässige Darstellung der Kommunikation der EZB mit dem Finanzmarkt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abwehrmassnahme (opt out):

Bei Übernahme-Angeboten die Möglichkeit der bezielten Gesellschaft, den Erfolg eines entsprechenden Angebots zu verhindern. Weil hier in (fast) jedem Falle auch Rechte von Aktionären, Banken und anderen Marktteilnehmern berührt werden, prüfen die Aufsichtsbehörden das jeweilige Angebotsverfahren in Bezug auf seine Stimmigkeit nach dem Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz (WpÜG).

– Siehe Aktionärstimmenjagd, Aktientausch-Übernahme, Asset Sales Deal, Bieter, Buy out, Erwerbsangebot, Fusionen und Übernahmen, Freier, Gifttablette, Greenmail, Handgeld, Insolvenzkosten, Makkaroni-Abwehr, Material-Adverse-Change-Klausel, Pflichtangebot, Ritter, weisser, Spin-off, Squeeze-out, Stimmrecht-Datenbank, Synergiepotentiale, Trade Sale, Transaktionsbonus, Übernahme-Ankündigung, Übernahme-Appell.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 184 (Erläuterung der Möglichkeiten der Abwehr).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abwerbegeld (poaching payment):

An einzelne Personen (wie Spitzenmanager, Fussballspieler, Musiker, Theaterleute) bezahlte Summe, wenn sie aus ihrem Vertrag aussteigen und sich in den Dienst des Zahlenden begeben. - Die Grenze zwischen Abwerbegeld und Begrüssungsgeld ist oft nur schwer feststellbar.

– Siehe Ablöse, Anwerbegeld, Douceur, Draufgeld, Geld, weiches, Handgeld, Schmiergeld, Taxe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abwehr(diskont)satz (penal [bank] rate):

Eine Zentralbank stellt den Banken zwar Liquidität zur Verfügung; dies jedoch zu einem Preis, der (weit) über dem höchsten Zinssatz auf dem Kreditmarkt liegt. Sie macht damit ihre Absicht deutlich, die Geldmenge zu beschränken.

– Siehe Geldmarkt-Operationen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abwertung auch Devaluation und Devalvation (devaluation):

1 Die behördliche Neufestsetzung des Vergleichswerts einer Währung zu einem zugrunde gelegten Masstab (Gold, USD, Sonderziehungsrecht) nach unten. Dies bietet sich an, wenn der Wechselkurs einer Währung über längere Zeit hinweg und erwartungsgemäss auch in Zukunft über dem festgelegten Austauschverhältnis liegt. - Wird eine nötige Abwertung (necessary devaluation) zu lange hinausgeschoben, dann gerät die entsprechende Währung in das Blickfeld der Spekulation. So erzwangen gewaltige Terminverkäufe (forward sales) an GBP von England am 16. September 1992 die bis dahin unterlassene Abwertung, und das Land trat an diesem Tag aus dem Europäischen Währungssystem aus.

2 Früher auch gesagt für die Wertminderung des Geldes, für Inflation (dies ist ein neueres Wort, das in heutiger Bedeutung ab etwa 1865 aus den Verhältnissen im amerikanischen Bürgerkrieg geboren wurde).

3 Der marktbedingte (market-induced) oder materialbedingte (substance-caused) Wertverlust eines Vermögensgegenstandes.

– Siehe Aufwertung, Depretiation, Geldwertstabilität, Parität, Plan C, Soros-Spekulation, Wechselkursziel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abwertung, fiskalische (fiscal devaluation):

Versuch, mit Hilfe des Steuersystems die Wirkung einer Verschlechterung des Wechselkurses in solchen Staaten nachzubilden, die aufgrund der gemeinsamen Währung in einem Währungsgebiet unter anhaltenden Leistungsbilanzdefiziten leiden. Im wesentlichen kann dies durch

1. Anhebung der Einfuhrsteuern und

2. Senkung der Abgaben auf Exportgüter erreicht werden. Indessen können solche Massnahmen eine gesamthafte Anpassung des Landes an den Stand internationaler Wettbewerbsfähigkeit nicht ersetzen.

– Siehe Balassa-Index, Fiskalpakt, Handelsbilanz, Importgehalt, Offenheitsgrad, Strukturwandel, Terms of Trade, Wachstumsbeitrag, Wettbewerbs-Status, internationaler, Zahlungsbilanz.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Dezember 2011, S. 110 ff. (Vorstellung einzelner steuerlicher Massnahmen; Abwägung des Erfolges).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abwichsgeld auch Anerbgeld und Astantengeld (renunciation payment):

Frühere Abstandszahlung an den zurücktretenden bäuerlichen Alleinerben (= Anerben: derjenige, auf den das ungeteilte Erbe [der Hof] übergeht, meistens der älteste Sohn). Die Höhe der Abfindungssumme wurde in Streitfällen vom zuständigen Anerbgericht festgestellt. - Abwich = hier: zurückweichen, weggehen, das Feld räumen; Astant von ASTARE = hier: jemand, der beitritt, nämlich der zur Auszahlung des Anerben bereite Erbe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abwickelbarkeit (resolution regime):

Nach 2010 in die Sprache der Aufsichtsbehörden eingegliederter Begriff. Gemeint sind Vorkehrungen für den Fall, dass eine systemische Bank in eine Schieflage gerät. Die Abwicklung soll grundsätzlich so geschehen, dass

1. Gefahren für die Finanzstabilität abgewendet werden,

2. Kleinanleger geschützt und

3. allfällige Verluste nicht vom Staat getragen werden.

– Siehe Abwicklungsmechanismus, einheitlicher, Bankenrettung, Banktestament, Liquiditätskrisenplan, Mindestanforderungen an die Ausgestaltung von Sanierungsplänen Rettungsbeihilfe, Sanierung, Schuldentragfähigkeit, Too-big-to-fail-Grundsatz, Zwangswandelanleihe.

– Vgl. Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 44 f. (Schlüsselkriterien [key attributes] wurden festgelegt), S. 49 f. (Richtlinie zur Abwickelbarkeit; Aufzählung der Abwicklungsinstrumente).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abwicklung (execution; settlement; resolution):

1 Auf dem Finanzmarkt der Abschluss eines getätigten Kaufs oder Verkaufs von Papieren (the process of completing an order to buy or sell securities).

2 Im Zahlungsverkehr die tatsächliche Erfüllung eines Zahlungsauftrags, nämlich die Überweisung von der Senderbank an die Empfängerbank.

3 Die geordnete Auflösung eines Unternehmens allgemein und einer Bank im Besonderen.

– Siehe Abwickelbarkeit, Abwicklungsbestätigung, Accrual-Prinzip, Insolvenz, Settlement.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2014, S. 31 ff. (ausführliche Darstellung des einheitlichen Abwicklungsmechanismus für Kreditinstitute in der EU).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abwicklung, vollautomatisierte (straight-through processing, STP):

Die hintereinander geschaltete mechanische Verarbeitung von Transaktionen bzw. Überweisungen von einem Ende der Zahlungskette zu anderen, unter Einschluss auch von Erstellung, Bestätigung, Clearing und Abwicklung der mit einem Zahlungsauftrag verbundenen Anweisungen (Dokumentation).

– Siehe Abwicklungssysteme, Business Continuity Programme, Cash-Management, Euroclear, Clearing-Haus, automatisches, Fernzugang, Kapitaltransfersystem, elektronisches, Massenzahlungsverkehr, elektronischer, Scheckeinzugsverfahren, imagegestütztes, Trade Assignment, Überweisungssystem, Zahlungsauftrag.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der EZB, S. 93 ff. (S. 97: Übersicht der einzelnen Schritte), S. 130 ff.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abwicklungsabteilung (settlement department):

Wenn nicht anders definiert, die bei einem Finanzdienstleister zuständige Arbeitsgruppe, welche Optionsverträge rechtlich begutachtet und die aus dem Übereinkommen fliessenden Risiken eindeutig bewertet. Weil hier aufgrund zeitlich längerer Bearbeitungszeiten bzw. oft auch mangelnder Durchsicht der tatsächlichen Risikolage die Gefahr notleidender Engagements sehr hoch ist, wenden die Aufsichtsbehörden den Abwicklungsvorgängen ein besonderes Augenmerk zu.

– Siehe Derivat, Option, Risiko.

– Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S, 14 f. (koordinierte Massnahmen der Aufsichtsbehörden).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abwicklungsbestätigung (settlement confirmation):

Auf dem Finanzmarkt die sichere, rechtsgültige (in der Regel heute auf elektronischem Weg übermittelte) Erklärung eines Vertragspartners, dass ein Geschäft ausgeführt wurde. Fehlt diese, so kann eine Transaktion mit sehr hohen Risiken behaftet sein, insbesondere auf dem Markt für Kreditderivate.

– Siehe Abwicklungsabteilung, Buchgewinn, Closing, European Master Agreement, Schlusschein, Settlement.

– Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 19 (Beratung der Aufsichtsbehörden mit Marktteilnehmern in dieser Sache).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abwicklungsbehörde und Abwicklungsgremium (single resolution board, SRB):

Im Zuge des einheitlichen Abwicklungsmechanismus eingerichtete Stelle. Im Fall einer Bankenschieflage sorgt die Abwicklungsbehörde für die geordnete Restrukturierung oder Liquidation des betroffenen Instituts über die nationalen Grenzen hinweg. Wie bei der neuen EU-Bankenaufsicht, so bleiben auch hier die nationalen Behörden der Mitgliedstaaten für kleinere Institute zuständig. Das Entscheidungsverfahren ist so angelegt, dass Abwicklungsmassnahmen schnell und wirkungsvoll - notfalls auch an einem Wochenende - beschlossen werden können.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2014, S. 49 f. (Vorstellung der SRB; rechtliche Fragen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abwicklungsmechanismus, einheitlicher (single resolution mechanism, SRM) und Einrichtung zur Bankenabwicklung:

Auf Grundlage von Artikel 114 AEUV zu Jahresbeginn 2015 zu errichtende, mit Entscheidungsbefugnissen ausgestattete Stelle, die eine Abwicklung von strudelnden Instituten verfügen kann. Die Entscheidungsfindung wird durch den Rahmen für die Sanierung und Abwicklung von Kreditinstituten (bank recovery and resolution directive) sowie eine bezügliche Verordnung zur Errichtung eines einheitlichen Abwicklungsmechanismus) von nationaler auf die europäische Ebene übertragen. - Ein durch Einzahlungen von Instituten gespeister Fonds soll die Mittel für Finanzierung aufbringen. Im einzelnen gilt demnach

1. Die EZB macht im Zuge der europäischen Bankenaufsicht darauf aufmerksam, wenn eine Bank im Euroraum sich in schweren finanziellen Schwierigkeiten befindet und abgewickelt werden muss.

2. Ein Ausschuss für die Einheitliche Abwicklung aus Vertretern der EZB, der Europäischen Kommission und der zuständigen nationalen Behörden, das Abwicklungsgremium, bereitet die Abwicklung der Bank vor. Dieser Ausschuss hat umfassende Befugnisse im Hinblick auf die Festlegung der Schritte für die Abwicklung eines Instituts.

3. Die Kommission beschliesst auf der Grundlage der Empfehlung des Ausschusses für die Einheitliche Abwicklung oder auf eigene Initiative, ob und wann eine Bank abgewickelt wird. Die Kommission legt auch die Rahmenbedingungen für den Einsatz der Abwicklungsinstrumente und des Fonds fest.

4. Die nationalen Abwicklungsbehörden führen unter Aufsicht des Ausschusses für die Einheitliche Abwicklung die Abwicklungspläne aus. Der Ausschuss für die Einheitliche Abwicklung begleitet die Abwicklung. Er überwacht die Umsetzung auf nationaler Ebene durch die nationalen Abwicklungsbehörden und kann im Falle, dass eine nationale Abwicklungsbehörde einem Beschluss nicht Folge leistet, Durchführungsanordnungen direkt an in Schieflage geratene Banken richten.

5. Es wird ein Einheitlicher Bankenabwicklungsfonds (single resolution fund, Europäischer Abwicklungsfonds) geschaffen, der der Kontrolle des Ausschusses für die Einheitliche Abwicklung unterliegt. Dadurch wird sichergestellt, dass im Falle der Umstrukturierung einer Bank mittelfristige Finanzierungen verfügbar sind. Der Fonds wird durch Beiträge des Bankensektors finanziert. Die Details zu diesem Fonds sind in einem zwischenstaatlichen Abkommen und nicht über europäisches Recht geregelt. - Der SRM stiess in Deutschland aus rechtlicher Sicht auf Kritik. Nach Art. 5, Abs. 1 EUV und Art. 7 AEUV bleiben alle der Union nicht in den Verträgen übertragenen Zuständigkeiten bei den Mitgliedsstaaten und damit bei den Parlamenten als den Herrschern der Verträge (rulers of the treaties). Dies ist auch nach dem Grundsatz der Demokratie (principle of democracy) geboten; und auf alle Fälle solange sich das Europäische Parlament (European Parliament) nicht nach den Grundätzen gleicher Wahl zusammensetzt. Derzeit ist dort das Stimmengewicht (weight of the vote) eines Wählers aus einem grossen Mitgliedsland wie Deutschland gegenüber dem Wähler eines kleinen Mitgliedes wie Malta um den Faktor 11 gemindert. - Auf Bedenken stiess auch der Einheitliche Bankenabwicklungsfonds aus dem zahlungsunfähige Institute gespeist werden sollen. Dieser Fonds zielt auf eine Umverteilung der Risiken zwischen den Banken der Mitgliedsstaaten und ihren Aktionären und vor allem auch ihren Einlegern - also den Sparern - ab.

– Siehe Abwickelbarkeit, Anlage-Haftung, Bailout, Bank, systemische, Bankenrettung, Bankenrettungsgesetz, Banktestament, Bankenunion, Bazooka, Brückeninstitut, Einlegerhaftung, G-Sifi, Gläubigervorrang, Moral Hazard, Notfallfonds für Krisenbanken, Retterei, Rettungsschirm, Schattenstaat, Stabilitätsfonds, europäischer, Too big to fail-Grundsatz, Transferunion, Vertragstreue, Vertrauensblase, Zombiebank, Zwangswandelanleihe.

– Vgl. Geschäftsbericht 2013 der Deutschen Bundesbank, S. 36 ff. (ausführliche Darstellung; Rechtsquellen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2014, S. 31 ff. (ausführliche Darstellung des Abwicklungsmechanismus; Übersichten (S. 51: Abfolge der Entscheidungsprozesse im SRM); in den Anmerkungen wichtige Hinweise auf Rechtsquellen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abwicklungssysteme (settlement systems):

Verfahren, durch welche Finanzinstitute Daten und Dokumente über Zahlungen oder Übertragungen von Wertpapieren vorlegen und untereinander austauschen (arrangements used to facilitate the settlement of transfers of funds, assets or financial instruments). Meistens schliessen die Verfahren auch Regeln für die Berechnung der bilateralen und multilateralen Nettopositionen der Teilnehmer ein. Durch ein solches Netting wird die Abwicklung der Transaktionen vereinfacht, indem eine grosse Anzahl einzelner Positionen auf eine geringere Zahl verkleinert wird. Die EZB ist um eine Vereinheitlichung der Systeme europaweit bemüht.

– Siehe Clearstream Banking Frankfurt, (Effekten-)Girosystem, Haftungsverbund, Rahmenwerk zur Beurteilung von Wertpapier-Abwicklungssystemen, Scheckeinzugsverfahren, imagegestütztes, Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication, Trade Assignment, Übertragung, systemübergreifende, Verwahrstelle, Wertpapier-Abwicklungssysteme, Zentralverwahrer.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2002, S. 51 ff., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 45 ff. (ausführliche Darstellung der verschiedenen Systeme).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abwicklungstag (settlement date):

Bei der EZB Datum, an dem eine Transaktion ausgeführt wird. - Die Abwicklung kann am gleichen Tag (gleichtägige Abwicklung) oder einen oder mehrere Tage nach dem Abschluss stattfinden (der Abwicklungstag wird definiert als der Abschlusstag T plus Zeit bis zur Abwicklung).

– Siehe Abschlusstag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abwicklungsverfügung (settlement order):

Wenn nicht anders definiert, eine von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ausgesprochene Anweisung, den Geschäftsbetrieb einzustellen und die Firma aufzulösen. - Bei einer Abwicklungsverfügung handelt es sich um die hoheitliche Massnahme einer Behörde auf dem Gebiet des öffentlichen Rechts zur Regelung eines Einzelfalls mit unmittelbarer Rechtswirkung nach aussen, also um einen Verwaltungsakt (administrative act), gegen den Rechtsmittel eingelegt werden können.

– Siehe Abberufungsverfügung, Anweisung, Beanstandungen, aufsichtliche, Bestandskraft, Bussgeld, Massnahme bei Gefahr, Sanktionskomitee, Unterlassung, Verwarnung, Zwangsschliessung.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 212 (Anzahl der Abwicklungsverfügungen) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Querschnittsaufgaben".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abzahlung (partial payment, payment by instalment; clearing off):

1 Teilzahlung eines Betrags in Raten.

2 Die Rückzahlung einer Schuld durch Zahlung (the periodic payment of a fixed amount that includes interest and principal).

– Siehe Darlehn, endfälliges, Tilgung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abzahlungsfrist (down payment period):

In Zusammenhang mit Privatkrediten (Konsumentenkrediten) die Zeit, an deren Ende ein aufgenommenes Darlehn an die Bank zurückbezahlt werden muss. In den USA kann die Zentralbank diese Frist festlegen und damit die Kreditgewährung an die Privathaushalte beeinflussen.

– Siehe Balloon, Darlehn, Kunde, fauler, Privatkredit, Mindesteinschuss-Sätze, Mindest-Raten, Ratenzahlung, Überkonsum.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abzahlungshilfen (buydowns):

Bei der Hypothekenfinanzierung zwischen einer Bank und einem Kunden leistet eine dritte Partei (etwa der Staat im Zuge der Eigenheimförderungspolitik) in der Anfangszeit Zuschüsse, um die monatliche Belastung für den Hypothekenschuldner in Grenzen zu halten (mortgages in which monthly payments consist of principal and interest, with portions of these payments during the early period of the loan being provided by a third party to lessen the borrower's monthly pay load).

– Siehe Amortisation, negative, Aufschub-Frist, Ballon-Kredit, Beleihungswert, Darlehnhaftung, beschränkte, Erstraten-Verzugsklausel, Flüchtlingssiedlungskredit, Förderbank, Frings Benefits, Home Mortgage Disclosure Act, Ninja-Loans, Realkredit, Subprime-Wohnraumfinanzierung, Zinseinfriedung, Zitronenhandel, Zwei-Achtundvierzig-Kredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abzinsung (discounting):

Rechenverfahren der Zinseszinsrechnung. Es gestattet die Errechnung des Barwertes (Gegenwartswertes; capital value) aus einem gegebenen Endbetrag bei gegebener Laufzeit und Verzinsung mit Hilfe des Diskontierungsfaktors.

– Siehe Finanzmathematik, Kapitalisierung, Kapitalwert, Netto-Kapitalwert, Zinssatz, interner.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2010, S. 66 f. (Ermittlung der Sätze nach der Rückstellungsabzinsungsverordnung bei der Deutschen Bundesbank).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abzinsungspapier (discounted paper):

Wertpapier, dessen Erwerbspreis sich durch Abzinsung des später zurückzuzahlenden Nominalbetrags auf den Kaufzeitpunkt ergibt. Erst am Ende der Laufzeit werden die Zinsen (und Zinseszinsen) zusammen mit der Tilgung ausbezahlt.

– Siehe Annuitätsanleihe, Aufzinsungspapier, Commercial Papers, Finanzierungsschätze des Bundes, Nullkupon-Anleihe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abzocker (con artist, rip-off artist):

Anbieter, die Personen mit vielerlei zweifelhaften Methoden zu einem Vertragsabschluss gegen ihren Willen bringen, wobei nicht zwingend die strafrechtlichen Voraussetzungen des Betrugs erreicht werden müssen. Weil jedoch Abzocker die Bezahlung des so gewonnenen Kunden in aller Regel über eine Bank tätigen, so geraten auch die entsprechenden Institute in Verruf, die Machenschaften der Abzocker zu unterstützen. Die Aufsichtsbehörden können Banken lediglich auf solche fraglichen Geschäftsbeziehungen hinweisen, nicht jedoch eine Kündigung des Kontos verfügen.

– Siehe Beschores, Cold Calling, Daimonion, Darkrooming, Domizil-Verschleierung, Finanzforen, Finanzgeier, Geldsauger, Goldtäuschung, Kapitalmarkt, grauer, Lug-und-Trug These, Racheengel, Spam-Mails, Überweisungsbetrug, Winkelmakler.

– Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 242 f. (BaFin kann nicht direkt einschreiten; Abzocker wehren sich vor Gericht erfolgreich gegen Kontenkündigung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abzug (deduction; disengagement):

1 In der Finanzsprache allgemein die begründete Minderung (substantiated lowering) einer in Geld ausgedrückten Summe.

2 Der Ausstieg aus einem Geschäft, der Rückzug aus einem Engagement oder auch aus einem Land.

3 Im Besonderen auch die Kündigung von Einlagen bei einer einzelnen Bank oder den Instituten gesamthaft (Run).

– Siehe Abgeld, Abschlag, Deduktion, Diskont, Einschlag, Report.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abzug, pauschaler (standardised deduction):

Bei der EZB bestimmter Prozentsatz der Summe der ausgegebenen Schuldverschreibungen mit einer vereinbarten Laufzeit von bis zu zwei Jahren sowie der Geldmarktpapiere, der von der Mindestreservebasis derjenigen Emittenten abgezogen werden kann, die nicht in der Lage sind nachzuweisen, dass diese Verbindlichkeiten gegenüber anderen der Mindestreserve-Pflicht des Eurosystems unterliegenden Instituten, der EZB oder einer nationalen Zentralbank bestehen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abzugsfähigkeit, steuerliche und Steuerersparnis (tax shield):

Die Möglichkeit, die (Einkommens)Steuerschuld zu mindern, indem man steuerrechtlich zugelassene Posten vom zu versteuernden Bruttoeinkommen absetzt (the reduction in income tax that results from taking an allowable deduction from taxable gross income).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abzugsgeld (escape fee; detraction):

1 Eine frühere zu entrichtende Abgabe für

1. Bürger, die aus dem Verband einer (Stadt)Gemeinde bzw. einer Herrschaft wegziehen (Auswanderer; out-migrants, emigrants), auch als Abfahrtsgeld, Abschiedsgeld, Abschossgeld, Detraktionsgeld, Detraktionszensus, Gabella, Hebgeld, Loskaufgeld, Nachschossgeld, Nachsteuergeld und Permissionsgeld, lateinisch: CENSUS EMIGRATIONIS bezeichnet. Soweit von heimlich das Land Verlassenden (ab etwa 1770 vor allem nach den USA) kein Abzugsgeld entrichtet wurde, machte man in vielen deutschen Territorialstaaten die Angehörigen für die (Nach)Zahlung der entsprechenden Beträge haftbar. Zweck der sehr hohen Abgabe war es, die durch Kriegsereignisse und Seuchen ihrer Existenzgrundlage (minimum subsistence means) beraubten Bürger im Lande zu behalten und zum Wiederaufbau zu zwingen;

2. junge Leute, die sich ausserhalb der Gemeinde verehelichen und dort in Besitztum einheiraten;

3. alle, die Eltern oder Verwandte beerben wollten, auch Erbpfundgeld (successor duty) genannt: praktisch eine Erbschaftsteuer.

2 Eine Zuwendung an Soldaten, die aus dem Heeresdienst ausschieden, auch Marschgeld und Demobilisationsgeld genannt.

– Siehe Annehmungsgeld, Anzugsgeld, Dienstgeld, Fallgeld, Hinterlassenschaft, Kurmutgeld, Ranzion, Sterbegeld, Veteranengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Abzugskredit (deducting credit):

In der Sprache des deutschen Aufsichtsrechts Darlehn an nahestehende Personen und Institutionen, die bei der Ermittlung des Eigenkapitals einer Bank nach § 10 KWG zu berücksichtigen sind. In § 5 der Anzeigenverordnung wird die Art und Weise der Meldung solcher Kredite an die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht im Einzelnen geregelt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Acid Ratio (so auch im Deutschen gesagt):

Wenn nicht anders definiert, das Verhältnis der sofort in Bargeld umwandelbaren Forderungen zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten einer Wirtschaftseinheit (promptly liquidatable assets divided by current liabilities); manchmal auch Liquidität ersten Grades genannt.

– Siehe Liquiditäts-Koeffizient, Risikofähigkeit, Quick Ratio, Zahlungsmittelfonds.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Account (so auch häufig im Deutschen gesagt):

1 Konto, Abrechnung.

2 Zugangsberechtigung (access authorisation) zu einem IT-System.

3 Bericht, Schilderung, Darlegung.

– Siehe Finanzsprache.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Accounting Task Force (so auch im Deutschen):

In Zusammenhang mit Basel-II ein Gremium, das in erster Linie die Harmonisierung der Rechnungslegung der Banken für aufsichtsrechtliche Zwecke zur Aufgabe hat. Weiterhin werden Richtlinien zur Abschlussprüfung und damit auch über die Qualität der Revisionsabteilungen der Banken erarbeitet.

– Siehe Andersen-Skandal, IAS, IFRS, Bilanz-Skandal, Public Company Accounting Oversight Board, Sachverhaltsgestaltung, Sarbanes-Oxley-Act, Verlusttarnung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Accounting Regulatory Committee, ARC:

Ausschuss aus Vertretern der EU-Mitglieds¬staaten; der Vorsitz liegt bei der Europäischen Kommission. Aufgabe des Gremiums ist die Beratung der Kommission in Angelegenheiten internationaler Rechnungslegungs-Vorschriften.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2004, S. 77 ff. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Accounting Standards for Business Enterprises:

Seit Jahresbeginn 2007 in China geltende Grundsätze für die Rechnungslegung. Sie sind im grossen und ganzen den IFRS angeglichen.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 64 (Auswirkungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Accrual-Anleihe (accrual bond):

Eine Schuldverschreibung, die zwar Zinsen bringt. Die akkumulierten Zinsen werden aber erst dann ausbezahlt, wenn man die Anleihe verkauft (bond on which interest accrues but is not paid to the bondholder until maturity; that is: the interest is added back into the principal and further interest is calculated over the new, larger principal).

– Siehe Accrual-Prinzip, Annuitätsanleihe, Duration, Payment-in-Kind-Anleihe, Umtausch-Anleihe, Verlosung, Sparprämienanleihe, Step-down-Anleihe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Accrual-Prinzip, seltener Grundsatz der periodengerechten Rechnungslegung (accruals principle; to accrue = to increase or accumulate; commonly used in reference to depreciation, expense, income, interest and other accounting factors):

1 Allgemein werden nach dieser Grundregel Geschäftsvorfälle immer in derjenigen Periode buchhalterisch erfasst und im Periodenabschluss (Bilanz) ausgewiesen, der sie zuzurechnen sind. Die Erfassung als Aufwand und Ertrag erfolgt mit anderen Worten stets in jener Rechnungsperiode, in welcher der Wertverzehr bzw. Wertzuwachs eintritt (zeitliche Abgrenzung), ohne Rücksicht darauf, wann die Abwicklung geschieht, nämlich die tatsächlichen Zahlungen erfolgen (the recognition of revenue or expenses at the time they are earned or incurred, regardless of when the money is received or paid out).

2 Im Besonderen bei Zinsen die periodengetreue (on an accrual basis) Erfassung von Zinserträgen (interest receivable) in der Statistik. Die Erträge werden nicht erst zum Zeitpunkt der Zahlung gebucht (actual receipts method), sondern fortlaufend über die Zinsperiode verteilt.

– Siehe Ausschüttungs-Prinzip, Cash Accounting, Completed Contract-Methode, Einnahmen-Ausgaben-Rechnung, Zinsänderungsvorbehalt.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2005, S. 34 f. (S. 35: Übersicht der Auswirkung der Berechnung auf die Zahlungsbilanz).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Achtzehnhundertneunzehn-Krise (1819 panic):

Erste grosse Depression in den USA im Jahr 1819. Günstig wirkte diese sich auf die bis anhin ziemlich vernachlässigte Konjunkturtheorie aus; indessen wurden viele der seinerzeit angestellten Überlegungen erst 100 Jahre später von der Wirtschaftslehre aufgenommen. Zeitgenössisch glaubten die meisten, im Freihandel den wichtigsten Grund für die Krise der Wirtschaft entdeckt zu haben. Ein Gesetz vom Schutz der Landwirtschaft (Baumwolle, Wolle) und Industrie (Textilien, Glas, Eisen) vor Einfuhren wurde daher 1820 vom Repräsentantenhaus (House of Representatives: Volksvertreter) gebilligt und scheiterte im Senat (Senate: Vertreter der einzelnen Bundesstaaten) an nur einer einzigen Stimme.

– Siehe Prohibitivsystem, Protektionismus.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Acquit (received, settled):

In älteren Dokumenten Ausdruck für die Bestätigung einer Zahlung (confirmation of payment).

– Siehe Quittung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Acquirer (so auch im Deutschen gesagt, aber in unterschiedlicher Bedeutung):

1 Ein Kartenvertrags-Vermittler, nämlich ein Unternehmen, das Abkommen über die Annahme von Geldkarten einer Karten ausgebende Bank bei Verkaufspunkten (in Handel, Tankstellen, Beherbergungsgewerbe, Gaststätten, Autovermietungen, Fluggesellschaften usw.) abschliesst. In der Regel handelt es sich dabei um eine Bank.

2 Eine Person oder ein Unternehmen, die/das Anteile einer Firma erwirbt oder diese ganz kauft (a person or business firm that buys shares of a company or the company as a whole).

– Siehe Anteileigner-Kontrolle, Barzahlungsklausel, Disagio, Earn-out Klausel, Fusionen und Übernahmen, Geldautomaten-Sperre, Interchange Fee, Karte.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2012, S. 86 ff. (Erklärung der einzelnen Vorgänge bei Kartenzahlungen und der Rolle des Acquirers), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 216 (Acquirer und unerlaubte Auszahlungsgeschäfte).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Acting in Concert (so auch im Deutschen gesagt, seltener gemeinschaftliches Zusammenwirken):

Ein abgestimmtes Verhalten ("kommunikativer Koordinationsvertrag"; communicative coordination contract), ohne dass dem aber unbedingt eine rechtsverbindliche Vereinbarung - und aus kartellrechtlichen Gründen (for reasons of antitrust law) schon gar nicht in schriftlicher Form - zugrunde liegen muss. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht betrachtet bezügliche Übereinkommen als den Vorschriften der Stimmrechts-Offenlegung unterliegend. - Ein Acting in Concert liegt beim gemeinsamen Erwerb von Aktien nur dann vor, wenn ein über den Erwerb hinausgehendes gemeinsames Interesse verfolgt wird. Die Käufer müssen die Absicht haben, gemeinsam auf die Zielgesellschaft (acquiree: the firm that should be acquired) einzuwirken, z. B. um die Zielgesellschaft zu zerschlagen, den Sitz zu verlegen oder sich bei der Aufsichtsratswahl und bei der Besetzung des Vorstands der Zielgesellschaft abzusprechen. Inzwischen sind Einzelfragen zum Acting in Concert (manchmal auch unter der Bezeichnung "gemeinsam handelnde Personen") zu einem eigenen Gebiet des Wirtschaftsrechts (business law, commercial law) geworden.

– Siehe Ad-hoc-Mitteilung, Aktientausch-Übernahme, Angebot, gemeinsames, Anteilseigner-Kontrolle, Armlänge, Beteiligungsanzeige, Fusionen und Übernahmen, Insolvenzkosten, Makkaroni-Abwehr, Marktabsprachen, Material-Adverse-Change-Klausel, Stimmen-Bündelung, Stimmrecht-Datenbank, Personen, gemeinsam handelnde, Publizität, situationsbezogene, Transaktionsbonus, Übernahme-Angebot, Unternehmensübername, Verbindung, enge, Zuschuss.

– Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 177 (Zurechnungsfragen in Zusammenhang mit § 30 WpÜG), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 186 (Judikatur: Acting in Concert nur bei Absprachen über die Stimmrechts-Ausübung in der Hauptversammlung einer AG, nicht jedoch auch im Aufsichtsrat), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 186 f.(neue Rechtslage im Zuge des Anlegerschutz- und Funktionsverbesserungsgesetzes [AnsFuG]), S. 224 (Definition von Acting in Concert einerseits und gemeinsam handelnde Personen andererseits), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 179 (Abgrenzung bestimmter Verhaltensweisen in einer "White List", veröffentlicht vom Takeover Bids Network) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Actual/Actual daneben im Deutschen auch ACT-Methode, Bond-Basis und ISMA-Regel 251 [ISMA = International Securities Market Association]; abgekürzt geschrieben oft auch act./act.; im Englischen auch day count fraction):

Zinstagezählung, bei der die tatsächliche Anzahl der Kalendertage und das Jahr mit 365 Tagen berechnet wird. - Bei Actual/360 wird das Jahr mit 360 Tagen zugrunde gelegt.

– Siehe Accrual-Prinzip, Effektivzins, Eurozinsmethode, Zinstagezählung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Actuals (so auch oft im Deutschen gesagt, seltener Kassenware):

1 Der gegenständliche Basiswert in einem Terminvertrag (the physical commodity underlying a futures contract).

2 An der Warenbörse auch gesagt hinsichtlich der Zug um Zug (step by step) abgewickelten, am Kassamarkt getätigte Geschäfte; im Gegensatz zu den Umsätzen auf dem Terminmarkt (physical or cash commodity, in contrast to a futures contract).

– Siehe Call-Regel, Kassa-Instrument.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Actus-purus-Grundsatz (actus-purus tenet):

In der Geldphilosophie bezeichnet dieser, der aristotelischen Philosophie (Aristotelian philosophy) entlehnte Begriff die Tatsache, dass Geld in sich besteht (consists in itself): es wohnt ihm selbst keinerlei zwingende Kraft zu irgendwelchen Handlungen bei. Geld ist weder gut noch bös, sondern ethisch neutral (ethically neutral). Entscheidend ist ganz allein, welche Wahlhandlung ein Geldbesitzer mit dem Zahlungsmittel in seiner Verfügungsgewalt macht, auf welche Weise er die im Geld verkörperte Kaufkraft verwendet. - Dieser Grundsatz weist klar alle (volkstümlichen) Unterstellungen zurück, denen zufolge Geld

1. die Wurzel menschlicher Übel (root of all evil) sei, die Persönlichkeit zerrütte (deforms the character) und ins Verderben führe (leads into desaster),

2. Zufriedenheit und Erfüllung aller menschlicher Wünsche verschaffe (satisfies all humans wishes and leads to happiness), ja sogar

3. den Geldbesitzer ins Glück (bliss, verstanden hier als Abwesenheit aller Übel und den Vollbesitz des Guten; absence of any evil and full possession of all what is good; this is a basic, a primal definition of Marcus Tullius Cicero who defined bliss in Tusculanarum Disputationum, liber V, cap. X, § 28) "…NEQUE ULLA ALIA HUIC VERBO, CUM BEATUM DICIMUS, SUBIECTA NOTIO EST NISI SECRETIS MALIS OMNIBUS CUMULATA BONORUM COMPLEXIO") führe.

– Siehe Allmacht-Doktrin, Äquivalenzprinzip, Geldabschaffung, Geldethik, Geldglaube, Geldphilosophie, Geldrechenhaftigkeit, Geldzweck, Habsucht, Mammonismus, Pantheismus, monetärer, Sparsamkeit, Symboltheorie, Ungüter, Zentralisation, monetäre.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Adäration (conversion into full coin):

In der älteren Finanzsprache in der Bedeutung einen Gegenstand zu Geld machen, etwas versilbern (to convert in cash a thing). Das Wort leitet sich ab vom lateinischen Wort AES, AERIS = Metall, und hier in der Bedeutung Münzen aus Metall, Spores Raffel.

– Siehe Monetisierung, Münze, klingende.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Adaption Fund und Adaptation Fund (so auch im Deutschen):

Mit dem Kyoto-Protokoll - einer am 11. Dezember 1997 von 167 Vertragsstaaten unterzeichneten Vereinbarung zum Klimaschutz (climate protection) - errichtetes Sondervermögen (separate estate) mit dem Ziel, Kapital zum Ausgleich von Umweltschäden aufzubringen. Der Fonds speist sich in erster Linie aus einer Abgabe von zwei Prozent auf Verkäufe von Luftverschmutzungs-Scheinen (Emissions-Zertifikaten; emission certificates, carbon credits), die weltweit im Rahmen des gleichfalls mit dem Kyoto-Protokoll ins Leben gerufenen Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung (Clean Development Mechanism, CDM) gehandelt werden.

– Siehe Global Environmental Facility, Pigou-Steuer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ad-hoc-Mitteilung (ad hoc disclosure):

In Deutschland Pflicht der in den Segmenten amtlicher Markt und regulierter Markt -bis anhin nicht jedoch auch im Freiverkehr- börsenzugelassenen Aktiengesellschaften, über wichtige Veränderungen der finanziellen oder wirtschaftlichen Situation in ihrem Geschäftsbereich (corporate event) die Öffentlichkeit zu informieren. Diese der Markttransparenz dienende Vorschrift nach § 15, Abs. 2 WpHG wird von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht - auch hinsichtlich eines allfälligen Missbrauchs durch schönfärberische Verlautbarungen (mealy-mouthed statements) - im Einzelnen kontrolliert. - Eine ad-hoc publizitätspflichtige Tatsache ist unverzüglich (d. h. ohne schuldhaftes Verzögern) mitzuteilen und zu veröffentlichen. Dies hat unabhängig von den Börsenhandelszeiten zu geschehen. Vorsätzlich oder grob fahrlässig, unvollständig oder unrichtig abgegebene Ad-hoc-Meldungen begründen eine Schadensersatzpflicht. - Nicht mit Sanktionen belegt bleiben jedoch bis anhin Äusserungen der Organvertreter ausserhalb von Ad-hoc-Mitteilungen, vor allem in Hauptversammlungen, Presse, Funk und Fernsehen. - Es liegt im eigenen Interesse eines Unternehmens, auch schlechte Nachrichten, vor allem Verluste, sofort zu publizieren. Denn - wie sich mehrfach, vor allem auch im Zuge der Subprime-Krise, gezeigt hat - über kurz oder lang werden diese ruchbar, und schaden als länger anhaltende Gerüchte vor allem einer Bank bei weitem mehr als eine zeitnahe, klare Verlustmeldung.

– Siehe Aktionärsbrief, Angaben, verschleierte, Delisting, Entscheidungsnützlichkeit, Frontrunning, Informations-Aufschub, Gerüchtestreuen, Kursbetrug, Kursmanipulation, Marktmissbrauchs-Richtlinie, Marktmanipulation, Pervasive Constraint, Public Disclosure, Publizität, situationsbezogene, Push, Schadensersatzpflicht, Salami-Taktik, Stimmrecht-Offenlegung, Umsatzzahlen, falsche, Veröffentlichung, unverzügliche, Scalping, Umstände, bewertungswichtige, Verbraucherbeschwerden, Vorhersagen, Werbebeschränkungen, Whistleblower.

– Vgl. die Adressenliste zu elektronisch verbreiteten Ad-hoc-Mitteilungen im Jahresbericht 2001 des Bundesaufsichtsamts für den Wertpapierhandel, S. 34, Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 158 ff., Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 192 ff., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 174, S. 187 (drastische Strafen), S. 192, S. 196 ff. (Fälle), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 166 ff. (S. 167: Übersicht der Ad-hoc-Mitteilungen seit 2003), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 175 ff. (neuere Rechtsentwicklung; Verfahren wegen Verstösse), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 184 ff. (S. 185: Übersicht der Ad-hoc-Veröffentlichungen seit 2003), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 164 ff. (Statistik 2004 bis 2008), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 189 f. (ein Unternehmen kann von der Ad-hoc-Publizität befreit werden, wenn es der Schutz seiner berechtigten Interessen erfordert, keine Irrführung der Öffentlichkeit zu befürchten ist und das Unternehmen die Vertraulichkeit der Insiderinformation gewährleisten kann; neu gefasster Emittentenleitfaden der BaFin), Jahresbericht 2010 der BaFin, S, 206 ff. (laufender Stand der Aufsicht; juristische Klärung des "gestreckten Vorgangs", bei dem über mehrere Zwischenschritte ein Umstand verwirklich werden soll), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 189 f. (Abgrenzungsprobleme zur Regelpublizität; EuGH urteilt über Fall Daimler und gibt der BaFin recht) Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 191 (Bussgeld wegen unterlassener Ad-hoc-Mitteilung in einem Fall, wo die Ergebnisse deutlich besser als erwartet waren) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft."

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Additionalitäts-Prinzip (principle of additionality):

Ein Darlehnsgeber - in der Regel der Staat - leistet erst dann, wenn auch der Darlehnsnehmer seinerseits entsprechende Mittel aufbringt. Vor allem im Rahmen der Strukturförderung durch die EU (EU structural aid; Titel XVII des EU-Vertrags) angewendet.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Address Spoofing (so auch im Deutschen gesagt, to spoof = to deceive, to hoax; seltener Anschrift-Verschleierung):

1 Die Nennung falscher Angaben - in der Regel nicht allein auf die Adresse im engeren Sinne beschränkt, sondern auch in Bezug auf andere Tatsachen - im Geschäftsverkehr und auch gegenüber einer Bank.

2 Die Eröffnung und Führung eines Kontos bei einer Bank unter falscher Identität. - Schätzungen gingen davon aus, dass Anfang 2011 in Deutschland fünf Prozent aller Konten unter falschem Namen geführt werden; für Frankreich wurde diese Zahl mit fünfzehn Prozent und für die Schweiz mit um die zwanzig Prozent angegeben. Hauptgrund des Address Spoofing scheint neben der Furcht vor dem Datenabgleich (data collation, matching of data) der Finanzbehörden wohl das Verbergen von Guthaben vor Ehepartnern und anderen Familienangehörigen (family members) einschliesslich geldgieriger Erben (money-hungry heirs) zu sein.

3 Domizil-Verschleierung seitens unseriöser Anbieter (dubious providers) auf dem Finanzmarkt.

– Siehe Authentifizierungsgebot, Bankauskunft, Bankgeheimnis, Beobachtungsvermerk, Financial Intelligence Unit, Finanzgeier, Geldwäsche, Identitätsdiebstahl, Identitätsprüfungspflicht, Internet-Angebote, Konto, anonymes, Konto, falsches, Kontenoffenlegung, Kontosperre, Kundendaten-Informationspflicht, Markttransparenz, Schattenbankbereich, Nominee, Racheengel, Tafelgeschäft, Vertraulichkeit, Zahlungsverkehrsverordnung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Adjektion (adjection):

In älteren Dokumenten die Zulage zu einem Geldbetrag (money added to an amount), zumeist in Zusammenhang mit Vertragsverhandlungen und Versteigerungen.

– Siehe Aktion.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Adjutum, Adjuta und Adjuten (interim compensation; financial aid):

1 In älteren Dokumenten die vorläufig Entlohnung eines Beamten während der Probezeit bzw. eines Praktikanten bei einer Behörde.

2 Eine in der Regel einmalige geldliche Beihilfe (one-off grant), ein Zuschuss.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Adresse (address):

1 Im weitesten Sinne jeder, der als Anbieter oder Nachfrager auf dem Finanzmarkt auftritt, sei es eine natürliche oder juristische Person.

2 Kunde, der bei einer Bank ein Darlehn aufnimmt: ein Kreditnehmer.

3 Von Finanzjournalisten gesagt vor allem in der Bedeutung

1. gewichtige Anbieter auf dem Finanzmarkt, in erster Linie Banken,

2. ansehnliche Nachfrager, vor allem Hedge-Fonds, Kapitalverwaltungsgesellschaften und Versicherungen, und in diesem Sinne dann häufig auch gebietsbezogen bezeichnet, etwa: Wall-Street-Adressen.

– Siehe Entität.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Adressenausfall-Risiko (address non-payment risk):

In einer Kreditbeziehung (credit relation) allgemein die Gefahr, dass ein Schuldner seinen Verpflichtungen dem Gläubiger gegenüber - etwa durch Insolvenz - nicht mehr nachkommen kann. - Aus der Sicht einer Bank ist dieses Risiko in der Regel umso gefährlicher, je höher die Adressenkonzentration einzuschätzen ist, nämlich Geschäftsbeziehungen

1. mit nur wenigen Kunden,

2. mit Kreditnehmern, die wirtschaftlich verbunden sind, oder

3. die von einem gleichartigen Risikofaktor - etwa Landwirtschaftsbetriebe bzw. Unternehmen aus dem Bauhauptgewerbe vom Wetter oder Automobilzulieferer vom Absatz an Fahrzeugen - abhängen. Durch Messverfahren wie den Gini-Koeffizienten versucht man, dieses Risiko zu berechnen.

– Siehe Aktien, zyklische, Aktiva-Qualität, Ausfallrisiko, Aushaftung, Baubranche, Einlagensicherung, Geldmarkt-Segmente, Gini-Koeffizient, Granularität, Gruppe verbundener Kunden, Herfindahl-Hirschman-Index, Herstatt-Pleite, Intercreditor Agreement, Klumprisiko, Kontrahentenrisiko, Konzentrationsrisiko, Korrelationsrisiko, besonderes, Kreditereignis, Kreditvergabe-Grundregel, Kreditversicherung, Kumul, Kunde, fauler, Luftpapiere, Millionenkredit, Normalverteilungs-Doktrin, Solvenzrisiko, Stückelung, Überlauf-System, Value-at-Risk, Wert, zyklischer, Wiedereindeckungs-Risiko.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2006, S. 35 ff. (Gefahren von Konzentrationsrisiken aller Art), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 114 (zwei Möglichkeiten der Ermittlung nach der SolvV), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 132 (Anwendung des IRBA-Verfahrens), Jahresbericht 2009 der BaFin, S, 152 (IRBA-Verfahren beim Adressenausfall-Risiko setzt sich durch), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2013, S. 37 f. (Methoden zur Bestimmung des Adressenausgall-Risikos).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Advance Letter (so auch im Deutschen; seltener Ankündigungsschreiben und Warmhaltebotschaft):

Im Finanzbereich ein Werbebrief (ad mail) mit dem Zweck, Aufmerksamkeit für die Dienste eines Instituts zu erwecken; in der Regel als Vorlauf zu einem späteren Anruf oder Besuch und oft mit einem Lockangebot (Köder; appetiser) ausgestattet.

– Siehe After-Sales Service, Akzessibilität, Anruf-Ankündigung, Beziehungspflege, Call Centre, Canvassing, Cold Calling, Käserei, Kundenabwehrdienst, Mail Shot.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Advanced Execution Services, AES (so auch im Deutschen gesagt, seltener Plattform zur Auftragsausführung im Wertpapierhandel):

Ein besonders gestaltetes (Simulations)System von Berechnungen im Zuge des Algorithmushandel zur Vereinfachung des weltweiten Wertpapierhandels, von der Schweizer Bank Credit Suisse eingerichtet. Es soll wie

1. ein professioneller Broker denken und sich entsprechend verhalten

2. mit dem Ziel, Risiken für den Kunden möglichst klein zu halten,

3. die Performance jedoch zu verbessern.

– Siehe Centre of Excellence, Devisenhandel, computerisierter, Diversity and Inclusion, Hochfrequenzhandel, One-Bank-Delivery, Quote-Stuffing-Taktik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Advanced Measurement Approach, AMA (so auch im Deutschen; seltener auch: fortgeschrittener Messansatz):

Bei Instituten ein Instrument zur Messung des operationellen Risikos. Dieses beruht letztlich auf institutseigener Berechnung der Eigenmittelunterlegung (bank's own estimates of capital backing) und muss von der Aufsichtsbehörde genehmigt werden.

– Siehe Adressenauffallrisiko, Ausfall, Ausfallwahrscheinlichkeit, Backtesting, Herfindahl-Hirschman-Index, Internen Ratings gestützter Ansatz, Kalibrierung, Kreditrisiko, Rating, Rating-Schritte, Risikomessung, Risikoprofil, Schulden, notleidende, Trennschärfe, Validierung, Value at Risk, Verlust, unerwarteter, Verlustquote.

– Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 121 (Anträge zur Nutzung des AMA), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 115 (ausdrückliche Eigenmittel-Anforderungen an das operationelle Risiko durch die SolvV), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 135 f. (neue AMA-Zulassungen), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 132 f. (Zulassungsverfahren zur Anwendung des AMA; Gespräche über Basisindikator-Ansatz), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 152 f. (gemeinsame Studie der Deutschen Bundesbank und der BaFin hinsichtlich er Institute, die den Basisindikatoransatz verwenden), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 165 (weitere Institute haben Zulassung zur Nutzung des AMA erhalten) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute", Rubrik "Aufsichtshandeln".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Adverse Selection (so auch meistens im Deutschen gesagt; manchmal mit Gegenauslese und Schechtauswahl oder ähnlich übersetzt):

1 Auf dem Finanzmarkt ziehen sich Teilnehmer mit guter Bonität zurück und überlassen damit das Feld weniger vertrauenswürdigen Partnern (a situation in which financial market participation denotes a negative signal).

2 Eine Sachlage, in der ein Vertragspartner - etwa: Versicherungsnehmer - gegenüber einem anderen - der Versicherung - einen Informationsvorteil in Bezug auf die besonderen vertragsinhaltlichen Umstände (facts and circumstances subject to the related contract) besitzt, und hier vor allem hinsichtlich der mit dem bezüglichen Vertrag verbundenen Risiken.

– Siehe Factoring, unechtes, Finanzierungsprämie, externe, Hausbank, Information, asymmetrische, Kredit-Absorption, Mittelstandsbank, Moral Hazard, Negativauslese, Rating, Risiko, Risikoignoranz, Strukturumbruch, Subprime-Krise, Versicherungsunsicherheiten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Advisor und wie im Englischen Adviser, seltener Fondsberater (adviser, advisor, consultant):

Wenn nicht anders definiert ein Sachkundiger, welcher auf Honorarbasis die Entscheidungsträger einer Kapitalverwaltungsgesellschaft, also das Fonds-Management,

1. bei Investitionen in bestimmte Märkte, Regionen oder Finanzprodukte sowie

2. bei inländischen und ausländischen Steuersachen (tax adviser) und Rechtsangelegenheiten (legal adviser) gutachterlich berät.

– Siehe Anlage-Ausschuss, Aktiva-Passiva-Ausschuss.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Affektionspreis (affection price):

In Bezug auf den Finanzmarkt die Bereitschaft eines Anlegers, für einen Vermögenswert mehr als den Marktpreis zu bezahlen, weil er eine besondere, persönliche, gefühlsmässige Bindung (strong personal and emotional attachment) zu diesem Vermögensobjekt hat; beispielsweise eine Aktie an einem Unternehmen aus seiner Heimat.

– Siehe Fair Value, Liebhaberwert, Wert, innerer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

After Action Review, AAR und Debriefing (so auch oft im Deutschen; besser: Nachbesprechung):

Wenn nicht anders definiert eine bankinterne Sitzung, bei der das Ergebnis getätigter Geschäfte gemeinsam kritisch erörtert wird. Die Bezeichnung scheint aus dem Wortschatz des Militairs (military vocabulary) in die Finanzsprache eingedrungen zu sein.

– Siehe Audit, Superrevision, Transaktionsüberwachung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aftergeld (after- sowie aber- als Vorsilbe im Deutschen früher = unecht, falsch) und Abergeld (bas coin):

Früher gesagt von

1. schlechtem Geld (bad money), zwar umlaufenden, aber nicht kaufkräftigen Münzen (coins without purchasing power) oder

2. unbekannten und daher im Geschäftsverkehr nicht brauchbaren (unusable) Münzen oder auch Scheinen. Die Assignaten wurden zeitgenössisch in Deutschland so bezeichnet.

– Siehe Alliage, Geld, böses, Goldwaage, Katzengeld, Kipper, Münzcommis, Passiergewicht, Wipper.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

After-Sales Service (so auch im Deutschen gesagt, seltener beifolgende Kundendienstleistungen):

Bei Banken vor allem die Zusatzleistungen (supplementary services) nach dem Verkauf von Finanzprodukten, wie etwa die laufende Mitteilung über die Kursentwicklung eines Vermögensgenstandes.

– Siehe Advance Letter.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Agency (so auch im Deutschen gesagt):

Nach 2000 in die deutsche Sprache eingedrungener und auch von der EZB in ihren deutschsprachigen Veröffentlichungen benutzter Begriff - sprachwissenschaftlich gesehen ein "verdrängender Anglizismus" (replaced Anglicism) - für

1. eine Behörde, ein Amt. eine Dienststelle,

2. die ausführenden Organe eines Unternehmens (einer Bank) und

3. – im engeren Sinne für den geschäftsführenden und verantwortlichen Vorstand.

– Siehe Entität.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Dezember 2006, S. 45.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Agency Bonds (so auch im Deutschen gesagt, seltener öffentliche Anleihen):

In den USA von einer Bundesbehörde (federal agency) oder einem staatlicherseits geförderten (government sponsored) Unternehmen emittierte hochbonitäre Papiere (securities issued by federal agencies or private entities that are also known as government sponsored enterprises). Deren Kurse dienen oftmals als Masstab zum Vergleich ähnlicher, jedoch nicht mit Staatsgarantie ausgestatteter Papiere.

– Siehe Agency, Staatsanleihe.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom September 2009, S. 38 ff. (Gegenüberstellung Agency Bonds mit Papieren auf dem europäischen Markt; Übersichten; Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Agency-Problem (agency problem, agency dilemma, seltener Handlungsmissverhältnis):

1 Das Management eines Unternehmens handelt nicht in erster Linie, und im Extremfall überhaupt nicht,

1. im Interesse der Eigentümer, also der Aktionäre bzw. Gesellschafter oder

2. mit Rücksicht auf die Belange der Mitarbeiter oder

3. zum Nutzen der Kunden und damit letztlich auch der längerfristigen Erfolge des Unternehmens am Markt (the conflict of interest between principal [shareholders], workforce and agent [managers], in which agents have an incentive to act in their own self-interest because they bear less than the total costs of their actions).

2 Es herrscht bei einer Geldanlage ein Missverhältnis zwischen den Kosten des Titels und den Erträgen daraus; das hält weitere Anleger ab (there is a misalignment of owner costs and tenant benefits, this blocks further engagement of investors).

3 Die Interessen einer kreditgewährenden Bank und die des kreditnehmenden Unternehmens klaffen auseinander.

– Siehe Adverse Selection, Agency, Finanzierungsprämie, externe, Hausbank, Information, asymmetrische, Moral Hazard, Negativauslese, Principal-Agent-Problem.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Agency-Theorie (agency theory):

Durchdachte Vorschläge, die darauf abzielen, die Absichten der Führungskräfte - des Management, der Agency - einer Bank bzw. allgemein eines Unternehmens

1. hinsichtlich der Finanzierung (narrower concept; engerer Begriff)

2. in Bezug auf die Betriebsführung gesamthaft und

3. zuweilen besonders dabei hervorgehoben: der Belegschaft mit denen der Eigentümer - also der Aktionäre bzw. Gesellschafter - abzustimmen. In manchen Veröffentlichungen spricht man in Bezug auf 1. auch sprachlich unschön von "neo-institutionalistischer Finanzierungstheorie".

– Siehe Agency-Problem.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Agent, gebundener (tied agent):

Bis 2007 gültige Bezeichnung für einen gebundenen Vermittler.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S: 208 (neue Rechtslage).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Agentur und in A auch Agentie (agency bank):

In Bezug auf den Finanzmarkt die Vertretung eines Instituts im Ausland (a form of organisation frequently used by foreign banks to enter a foreign market, especially in the USA. An agency bank generally may not accept deposits or extend loans in its own name; it acts as agent for the parent bank). Der Umfang der Tätigkeit einer Agentur richtet sich nach den jeweiligen Gesetzen und den aufsichtsrechtlichen Bestimmungen in dem betreffenden Gastland.

– Siehe Agglomerations-Effekt, Allianzen, grenzüberschreitende, Auslandszweigstelle, Europäischer Pass, Kreditinstitut, grenzüberschreitend tätiges, Onshore Banking, Repräsentanz, Zweigstelle.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Agglomerations-Effekt (agglomeration effect):

1 In Bezug auf die Auslandzweigstellen inländischer Banken die Tatsache, dass kleinere Institute sich vorzugsweise dort niederlassen, wo bereits eine grössere heimische Bank Fuss gefasst hat. Erklärt wird dies damit, dass auf diese Weise die Informationsbeschaffungskosten (costs of information search) hinsichtlich der Beschaffenheit eines Standorts verringert werden.

2 In Zusammenhang mit der Inflationsmessung die Tatsache, dass gleichartige Güter - sowohl Waren als auch Dienstleistungen - im Vergleich zu Aussenbezirken in den Stadtkernen

1. teils teurer, und dies wegen der regelmässig höheren Ladenmieten (because of top rents in the city centres),

2. teils billiger infolge der besseren Marktübersicht durch die Käufer und des dadurch ausgelösten Konkurrenzdrucks (because of the improved market transparency and the such triggered greater competitive pressure) gekauft werden können. Das wirft für die Berechnung des Preisindex der Lebenshaltung besondere Erfassungs- und Berechnungsprobleme (outlet substitution bias) auf.

– Siehe Allianzen, grenzüberschreitende, Angleichung, informelle, Internationalisierung, Markteintrittskosten, Namensidentität.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2005, S. 40.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aggregate, monetäre (monetary aggregates):

Ein monetäres Aggregat wird von der EZB definiert als Summe des Bargeldumlaufs zuzüglich jener ausstehenden Verbindlichkeiten von monetären Finanzinstituten, die einen hohen Geldgrad oder eine hohe Liquidität im weitesten Sinne aufweisen. - Nach der Definition des Eurosystems umfasst die weitgefasste Geldmenge M3 neben dem Bargeldumlauf folgende Verbindlichkeiten des Geldschöpfungssektors des Euro-Währungsgebiets in den Händen von Gebietsansässigen des Euro-Währungsgebiets:

1. täglich fällige Einlagen,

2. Einlagen mit vereinbarter Laufzeit bis zu zwei Jahren,

3. Einlagen mit vereinbarter Kündigungsfrist bis zu zwei Jahren,

4. Einlagen mit vereinbarter Kündigungsfrist bis zu drei Monaten,

5. Repo-Geschäfte,

6. Geldmarktfonds-Anteile und Geldmarktpapiere sowie

7. Schuldverschreibungen mit einer Ursprungslaufzeit bis zu zwei Jahren.

– Siehe Geldmarkt-Segmente, Geldmenge, Geldschöpfung, Geldschöpfungssektor, Finanzinstitut, monetäres, Liquidität, M1, M2, M3.

– Vgl. den Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets" im jeweiligen Monatsbericht der EZB, Rubrik "Monetäre Statistik", Monatsbericht der EZB vom September 2003, S. 9 ff. (Neuerungen bei der statistischen Erfassung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aggregation (aggregation):

Auf dem Terminmarkt die Bündelung von Kontrakten eines Händlers oder mehrerer Händler mit dem Ziel,

1. durch Saldierung der einzelnen Kontrakte die Anzahl meldepflichtiger (subject to disclosure requirements) Positionen und/oder

2. das Risiko der Geschäfte zu begrenzen (the policy under which all futures positions owned or controlled by one trader or a group of traders are combined to find out the extent of reportable positions and speculative limits).

– Siehe Leerverkaufs-Verbot, Meldepflicht, Positionen, meldepflichtige, Risk Reporting.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Agio (agio, premium):

Allgemein eine Summe, die zu einem gegebenen Betrag hinzuzurechnen ist.

– Siehe Aufgeld, Pagament, Zuschuss, Zuzahlung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Agiokonto auch Aufgeldkonto (agio account):

In der älteren Literatur die Abrechnung über Gewinn und Verlust aus dem Geschäft mit Wechseln und mit ausländischen Münzen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Agiopapiere (premium securities):

Anleihen, die bei Auslosung oder Kündigung mit einem Aufgeld zurückbezahlt werden. Vor allem bestimmte Unternehmensanleihen sind mit einem solchen Zuschlag tilgbar.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Agiotage (stock-jobbery; defraud):

1 Gründer einer Aktiengesellschaft begeben Aktien und versprechen glänzende Geschäfte. Die Aktie wird daraufhin mit einem hohen Aufgeld (Agio) gezeichnet. Nunmehr verkaufen die Gründer die Aktien wieder und streichen den Gewinn ein. Es war von vornherein gar nicht beabsichtigt, das Aktienkapital zu Investitionen einzusetzen. - Dank der Wachsamkeit der Börsen und der Aufsichtsbehörden sind solche, vor allem in 19. Jahrhunderts häufige Praktiken heute äusserst selten geworden. Agiotage in dieser Form kommt indessen auf dem weltweiten grauen Markt auch jetzt noch immer vor.

2 Früher auch gesagt vom Handel mit Devisen, Wertpapieren und anderen Vermögenswerten gegen hohes Aufgeld; allgemein wucherische Geschäfte (hawkish deals) auf dem Finanzmarkt. In dieser Bedeutung findet sich der Begriff häufig in der sozialistischen Anklageliteratur (accusatory literature) des 19 Jhts. gegen das marktwirtschaftliche System (marked-based economy).

3 Anderer Ausdruck für (durchaus legale; quite licit and correct) Differenzgeschäfte.

– Siehe Commercials, Dampfstube, Danismus, Finanzgeier, Geldeuropäer, Geldsauger, Gründungsschwindel, Insider-Umsatz¬anreize, Kapitalmarkt, grauer, Kulisse, Leerverkauf, Marktaktivität, vorgetäuschte, Misochrematie, Offshore Finanzplätze, Racheengel, Rebbes, Rohstoff-Terminvertrag, Schmu, Schwindelbank, Stockjobber, Sündengeld, Übersatz, Underground Banking, Wucher, Wucher-Herausforderung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Agrarpolitik (agricultural policy):

Alle Massnahmen zur Beeinflussung des Bereichs Urproduktion einer Volkswirtschaft (agriculture, forestry and fisheries; Landwirtschaft, Forsten und Fischerei), häufig untergliedert in

1. Markt- und Preispolitik,

2. Agrarsozialpolitik (agricultural social policies) und

3. landwirtschaftliche Rahmenpolitik.

– Weil jeder Mensch zum Erhalt seines Daseins auf sich ständig wiederholenden Verbrauch von Erzeugnissen der Landwirtschaft angewiesen ist, so besteht für diese Waren eine überaus hohe Preisempfindlichkeit (price sensitiveness). Bereits eine nur sehr kleine Preiserhöhung - etwa bei Milch oder Backwaren - wird in der Öffentlichkeit aufmerksam verfolgt und lässt die gefühlte Inflation merklich ansteigen. Das kann dazu führen, dass eine Lohn-Preis-Spirale mit im Voraus kaum abschätzbaren Zweitrunden-Effekten auch auf das Finanzsystem in Bewegung gesetzt wird. - Weil nun dazu auch noch die Erfahrung zu lehren scheint, dass - zumindest in jüngster Zeit - Landwirtschaftspolitik in vieler Beziehung das Stiefkind der Politik geworden ist (became the poor relation of policy), so widmen die Zentralbanken die Agrarpolitik ihre Aufmerksamkeit und weisen auch auf Fehlentwicklungen (undesirable developments) hin.

– Siehe Abschöpfungsbetrag, Agrarprodukt, Agribulk, Biotreibstoffe, Erdöl-Lebensmittel-Zusammenhang, Inflation, Inflationserwartungen, Klima-Inflation, Kohlendioxid-Inflation, Landschaft, Nahrungsmittel, Papiere, grüne, Protein-Inflation, Rohstoffpreise, Waldfonds, Zweitrunden-Effekte.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Dezember 2007, S. 65 ff. (deutliche Kritik an der gemeinsamen Agrarpolitik der EU).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Agrarprodukt (agricultural commodity):

In Bezug auf den Handel an Warenbörsen versteht man darunter

1. Handelsgüter wie Getreide, Baumwolle, Sojabohnen und Lebendvieh (things as wheat, cotton, corn, soybean, livestock, etc.),

2. alle Waren, die von Lebewesen gewonnen wurden und der menschlichen oder tierischen Ernährung dienen, einschliesslich der Naturfasern (commodities that are, or once were, or are derived from, living organisms, including plant, animal and aquatic life, which are generally fungible, within their respective classes, and are used primarily for human food, shelter, animal feed, or natural fiber),

3. Tabak, Gartenbauerzeugnisse und entsprechende Waren, welche dem Gebrauch oder dem Verbrauch bei Mensch oder Tier dienen (tobacco, products of horticulture, and such other commodities used or consumed by animals or humans) sowie

4. warenbezogene Indexe, deren Basiswert ganz oder teilweise Agrarprodukte sind (commodity-based indexes based wholly or principally on underlying agricultural commodities).

– Siehe Agrarrohstoffe, Agribulk, Erdöl-Lebensmittel-Zusammenhang, Nahrungsmittel, Rohstoff-Fonds, Rohstoffpreisrisiko, Spekulation, Terminkontrakt, Vertretbarkeit, Waren-Terminkontrakt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Agrarrohstoffe (soft commodities, häufig nur softs):

In der Sprache der Finanzwelt (börsennotierte; market-listet, exchange-traded) landwirtschaftliche Schlüsselprodukte (key products), wie vor allem Getreide, Sojabohnen und Fleisch, welche den bevorzugten Basiswert entsprechender derivativer Finanzprodukte bilden.

– Siehe Agrarprodukt, Agribulk, Basket-Zertifikat, Cash crop, Finanzialisierung, Option. landwirtschaftliche Handelsgüter, Option, Spreizung, warenbezogene, Themen-Zertifikat, Wagen.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juni 2010, S. 60 ff. (Preise für Agrarrohstoffe seit 2007; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Januar 2011, S. 13 ff. (Marktzustand und Aussichten; Preise seit 2006; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Agribulk (so auch im Deutschen; seltener agrarische Schüttgüter):

In der Börsensprache landwirtschaftliche Produkte, die unverpackt geladen und befördert werden, wie etwa Getreide, Mais oder Ölsaaten (a collective expression for all the agricultural mass goods like cereals, oil-containing seeds or raw material for cattle fodder).

– Siehe Agrarrohstoffe, Nahrungsmittel, Rohstoff-Fonds, Rohstoffpreisrisiko, Spekulation, Terminkontrakt, Vertretbarkeit, Waren-Terminkontrakt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

AIG-Deal (so auch im Deutschen gesagt):

Im Zuge der sich zur Finanzkrise ausgeweiteten Subprime-Krise geriet die vormals weltgrösste Versicherung American International Group (AIG) an den Rand des Bankrotts. Die Federal Reserve Bank of New York - als Teil der Zentralbank - rettete im September 2008 die AIG mit einem Kredit von bis zu 85 Mia USD. Im Gegenzug übernahm das US-Finanzministerium die Kontrolle über den Konzern. - Dieses Bail-out, bei dem die Zentralbank und mittelbar die Regierung das Unternehmen stützte, wurde als "Todsünde einer Zentralbank" angesehen. Gerügt wurde zudem, dass die Zentralbank auch noch Aktien der AIG für ein gewährtes zweijähriges Darlehn als Sicherheit annahm.

– Siehe Aufkäufe, zentralbankliche, Europäische Währungsunion, Grundfehler, EZB-Sündenfall, Geldverleiher letzter Instanz, Moral Hazard, Staatsfonds, Umverteilung, zentralbankbewirkte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Airbag, seltener auch Prallsack (airbag):

Bei einem Institut ein Kollege bzw. eine Kollegin, an dem/der jede Kritik und auch jede in der Personalschulung (bank staff training) vorgetragenen Empfehlung wirkungslos abprallt (bounces off without any success).

– Siehe Aktenschänder, Alleskönner, Autonom agierende Einheit, Behavioural Branding, Chief Copying Officer, Kollege Harzenmoser, Käserei, Kontakt-Allergiker, Krokodil, Loch, schwarzes, Mailbomber, Selbstverwirklicher, Sitzheizung, Tenu-Schlamper, Totholz, Triple A, Umsatzbremse, Unfallflüchtling.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Airbag-Zertifikat (airbag certificate; airbag = Prallkissen):

Zertifikat, bei dem der Anleger an der Kurssteigerung eines Basiswertes je nach Partizipationsfaktor teilnimmt. - Verluste des Basiswertes werden bis zu einer vereinbarten Schwelle abgefedert. Notiert der Basiswert bei Fälligkeit oberhalb des Basiskurses, dann erhält der Anleger den Gegenwert ausbezahlt. Liegt der Basiswert am zum Fälligkeitstermin unterhalb des Basiskurses, so gewinnt der Tilgungsfaktor an Bedeutung. Dieser errechnet sich, indem man den Basiskurs durch das Absicherungsniveau teilt. - Der Tilgungsfaktor wird in der Regel in Prozent angegeben; durch Multiplikation mit dem Basispreis ergibt sich dann der Rückzahlungsbetrag an den Anleger bei Fälligkeit. Airbag-Zertifikate weisen meistens eine Laufzeit von vier bis fünf Jahren auf. - Wie bei fast allen Grundtypen, so gibt es auch bei diesem Zertifikat zahlreiche Varianten. Beim Airbag-Plus-Zertifikat etwa wird die Teilnahme an den Kurssteigerungen durch einen Cap begrenzt; dieser Nachteil wird durch einen höheren Partizipationsfaktor ausgeglichen.

– Siehe Bonus-Zertifikat, Diskont-Zertifikat, Express-Zertifikat, Garantie-Zertifikat, Hebel-Zertifikat, Outperformance-Zertifikat, Partizipations-Zertifikat, Sicherheitssperre, Sprint-Zertifikat, Twin-Win-Zertifikat, Zertifikat.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Akataphasie auch Gestammel und Mogilalie (acataphasy, stammering):

Das Unvermögen einer Person, zusammenhängende Sätze zu bilden. Ein solches Gebrechen wird immer wieder von Kritikern - zumeist aus der überheblichen literarischen Oberschicht (arrogant literary elite) - den Akteuren auf dem Finanzmarkt nachgesagt. Begründet wird dies damit, dass dort die Verständigung häufig lediglich in einzelnen Worten geschieht, etwa: "gekauft", "halten". Dass jedoch der Empfänger auch nur eines einzigen Wortes sehr wohl weiss, was damit gemeint ist, und dass - anders ausgedrückt - hinter diesen Wörtern sehr wohl ganze Sätze stehen, wird offenbar aufgrund mangelnden Wissens über den Finanzmarkt und fehlender Einsicht in das Geschehen an einer Börse nicht erkannt.

– Siehe Analysten-Rating, Big Figure, Börsensprache, Finanzasophie, Finanzsprache, Handle, Jargon, Parketthandel, Pips, Präsenzbörse, Sprachimperialismus.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Akkommodierung (accommodation):

In der älteren Finanzsprache gesagt für ein Gefälligkeitsdarlehn, bei dem

1. eine als zahlungskräftig bekannte Person dafür einsteht, dass

2. ein Darlehn an einen Schuldner

3. von einer dritten Person - weniger gesagt auch in Bezug auf eine Bank - gewährt wird (the lending of one person's credit standing to a second person in order that the second person may borrow money from a third person).

– Siehe Abstattungskredit, Aval, Blankokredit, Bürgschaft, Garantie, Gefälligkeitsverpflichtung, Kaution, Patronatserklärung, Personalkredit, Vorlage.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Akkord (accord):

In der älteren Finanzsprache häufig gebraucht für

1. ein Übereinkommen im Sinne einer Abrede zwischen Marktteilnehmern,

2. einen Vertrag.

– Siehe Akkordierung, Kontrakt, Konzert.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Akkordierung (accord):

In älteren Dokumenten ein Vergleich zwischen dem zahlungsunfähigen Schuldner und dem Gläubiger.

– Siehe Debitmasse, Extensum, Insolvenz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Akkreditiv (letter of credit, LoC):

Ein Dokument, durch welches jemanden bei einem Dritten - in der Regel: bei einer Bank - ein Kreditlinie eröffnet wird, ein Kreditbrief. - Früher gab man ein solches Schreiben gewöhnlich Reisenden (travelling salesmen) mit, die durch diesen Kreditbrief auch gleichzeitig dem Adressaten persönlich empfohlen wurden.

– Siehe Borgkraft, Eventualforderung, Kreditlinie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Akkretion (accretion):

1 Die Veränderung des Kurses einer Anleihe, die mit einem Abschlag auf den Nennwert gekauft wurde (the change in the price of a bond bought at a discount between the original price and the par value of the bond).

2 In Bezug auf ein Unternehmen auch gesagt von dem Wertzuwachs nach einer Neuerwerbung bzw. eines Verkaufs von Firmenteilen (in a environment, the actual value created after a particular transaction).

– Siehe Fusionen und Übernahmen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Akquisitionsfinanzierung (acquisition finance):

Darlehn (einer Bank), um seitens des Darlehnnehmers einen Unternehmenskauf zu tätigen.

– Siehe Fusionen und Übernahmen, Leveraged Buy-out, Private-Equity-Finanzierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktenschänder (records defiler):

Im Jargon der Institute ein Kollege bzw. eine Kollegin, der/die wichtige Unterlagen handschriftlich mit Bemerkungen versieht, die niemand - und häufig genug auch er/sie später nicht mehr - entziffern kann.

– Siehe Airbag, Alleskönner, Autonom agierende Einheit, Behavioural Branding, Chief Copying Officer, Kollege Harzenmoser, Käserei, Krokodil, Kundenabwehrdienst, Loch, schwarzes, Mailbomber, Selbstverwirklicher, Sitzheizung, Talentknappheit, Tenu-Schlamper, Totholz, Triple A, Umsatzbremse, Unfallflüchtling.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktentaschen-Indikator (briefcase indicator):

Aus der Füllmenge der Aktentasche des zu Sitzungen des Zentralbankrats aus dem Auto steigenden Präsidenten der US-Zentralbank von Finanzjournalisten abgeleitete - angeblich sehr zutreffende - Schlüsse auf die Entscheidungen des Gremiums zum Leitzins. Eine dünne Aktentasche des von 1987 bis 2006 amtenden Präsidenten Alan Greenspan wies demnach darauf hin, dass der Leitzins unverändert bleibe.

– Siehe Auskünfte, marktsensible, Codewörter, Forward Guidance, Führung, verbale, Greenspeak, Handlungsbereitschaft, Politik des offenen Mundes, Restriktionstendenz, Signalwirkung, Tarnkappen-Politik, Unschärfe, konstruktive, Wachsamkeit, hohe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Akteur (actor, player):

1 In Bezug auf den Finanzmarkt jeder, der dort Geschäfte tätigt (a person or entity who acts in the financial market).

2 In weiterem Sinne neben den geschäftlich handelnden Finanzmarktakteuren (professional financial market players) auch die das Geschehen auf dem Finanzmarkt regelnden Instanzen und Institutionen, in erster Linie die Börsen, die Zentralbank und die Aufsichtsbehörden.

– Siehe Anleger, Investor, Makler.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktie (share, US: stock):

Wertpapier, das den Anteil an einer Gesellschaft, in Deutschland an einer Aktiengesellschaft [AG] oder Kommanditgesellschaft auf Aktien [KGaA], verbrieft (an equity investment that represents ownership in a company). Die Ausgabe von Aktien wird als Begebung (Emission) bezeichnet. Aktien, die gemeinsam begeben werden, bezeichnet man als Tranche. Aktien werden zunächst bei der Gründung der Gesellschaft und später üblicherweise im Rahmen von Kapitalerhöhungen ausgegeben. - Die Besonderheit der Aktie liegt darin, dass sie (im Gegensatz zu sonstigen Schuldtiteln)

1. vom Emittenten nicht zurückbezahlt werden muss und

2. an der Börse gehandelt werden kann.

– Aktionärsrechte werden regelmässig durch Stammaktien (im Börsenjargon auch "Stämme"; ordinary shares, US: common stocks: one share of common stock represents a fractional ownership interest in a company) vertreten. Die Gesellschaft kann darüber hinaus Anteile auch in Form von Vorzugsaktien (im Börsenjargon "Vorzüge"; preference share, US: preferred stock) mit bestimmten, gesetzlich umrissenen Sonderrechten begeben.

– Siehe Aktienmarkt, Anteilschein, Emissionsgeschäft, Ersterwerber, Garantiesyndikat, Gratisaktie, Höchstpreis, Konzertzeichner, Leeraktie, Leitwert, Liberierung, Plazierung, Quotenaktie, Safe Haven Flows, Schmuckanleihe, Stammaktie, Stimmrecht-Ermächtigung, Vorratsaktie, Wert, zyklischer, Wertpapier-Verkaufsprospekt, Zulassungsstelle, Zweitplazierung, Zwischenschein.

– Vgl. den Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Finanzmärkte" im jeweiligen Monatsbericht der EZB, dort Umlauf und Jahreswachstumsraten von Aktien, nach verschiedenen Gesichtspunkten unterteilt. In der Rubrik "Finanzkonten und nichtfinanzielle Konten", Unterrubrik "Wichtige Verbindlichkeiten der nichtfinanziellen Sektoren" auch Daten über die Emission von börsennotierten Aktien.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktie, gemischte (composite share):

In der älteren deutschen Börsenliteratur Bezeichnung für einen Anteil an einer Gesellschaft, die Kohle und Stahl in einem einzigen Unternehmensverbund erzeugt - auch gemischtes Werk (mixed plant) genannt - wie etwa die Fried. Krupp AG in Essen.

– Siehe Montanwerte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktie, goldene (golden share):

Anteil an einer Gesellschaft, der bestimmte Sonderrechte mit sich bringt. In der Regel besitzt ein Staat diese besonderen Aktien. In Europa - ausser Deutschland - betrifft dies zumeist ehemalige Staatsunternehmen, die in Privatbesitz überführt wurden (were transferred in private ownership). In der Regel verhindert hier die goldene Aktie, dass einzelne Aktionäre ihren Anteil an der Gesellschaft über einen gewissen Schwellenwert hinaus ausbauen (the golden share prevents another shareholder from increasing its stake above a certain threshold).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktie, nennwertlose auch Quotenaktie und Stückaktie (no-par-value share):

Wertpapier, das dem Inhaber einen bestimmten Anteil am Grundkapital einer AG oder KGaA gewährt. Bei der

1. sprechenden Quotenaktie ist der Prozentsatz auf der Aktien-Urkunde aufgedruckt,

2. stummen Quotenaktie fehlte dieser und wird nach den jeweils gültigen Regeln der Gesellschaft ermittelt.

– Bis 1998 durften solche Aktien in Deutschland nicht begeben werden.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktie, rentierliche (income share):

Anteil an einer Gesellschaft, die herkömmlicherweise den überwiegenden Teil des erzielten Gewinns als Dividende an die Aktionäre ausschüttet (common share of a company which pays traditionally most of its profits to shareholders in dividends).

– Siehe Geldkuh.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktie, risikoarme (defensive share):

Allgemein eine Aktie, die ökonomischen Krisen gegenüber widerstandsfähig ist und auch in schlechten Zeiten an der Börse kaum an Kurs verliert (a share that performs well when the general market moves lower resp. a share which resists well to an economic downturn or a financial shock, as beverage, food, and utility shares).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktie, rückgabeberechtigte (mandatory redeemable share):

Anteil an einer Aktiengesellschaft, der

1. zu einem bestimmten Termin oder

2. beim Eintreten eines bestimmten Ereignisses - etwa: Hinschied des Aktienbesitzers - vertraglich zwingend von der Gesellschaft zurückgenommen werden muss; entweder durch Zahlung in Bargeld oder durch Übertragung von Vermögenswerten des Unternehmens.

– Nach FSAS 150 sind Aktien mit Rückgaberecht als Verbindlichkeit zu buchen. Gemäss SFAS 128 dürfen ausgegebene Aktien, die mit einem Rückgaberecht ausgestattet sind, bei der Berechnung des Ergebnisses pro Aktie (earnings per share) nicht im Nenner als ausgegebene Aktie gezählt werden.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktie, stimmrechtslose auch Vorzugsaktie und Prioritätsaktie (non-voting share; preferential share):

Wertpapier, das zwar einen Anteil an einer AG oder KGaA verbrieft, den Inhaber aber vom Stimmrecht auf der Hauptversammlung ausschliesst. Dafür erhält der Aktionär in der Regel eine höhere Dividende.

– Siehe Aktie, Stammaktie, Stimmrecht-Ermächtigung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktie, strudelnde (air pocket share):

Eine Aktie, die aufgrund ungünstiger Meldungen über die Gesellschaft oder deren näherem und weiterem Umfeld plötzlich stark an Kurs verliert (share that experiences a sudden drop, similar to a plane hitting an air pocket, usually as the result of investors reacting to negative news).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktie, zyklische (cyclical share):

An der Börse Bezeichnung für alle Aktien von Unternehmen, deren Gewinn innert kurzer Zeitabschnitte auffälligen Schwankungen (Oszillationen; oscillations: movements above and below a mean value) ausgesetzt war. Grund dafür sind in der Regel entsprechend starke Absatzmarktschwankungen (sales fluctuations), bedingt vor allem durch Konjunkturwellen, durch ungünstige Wechselkurse oder auch durch schwankende Witterungsverhältnisse.

– Siehe Adressenausfall-Risiko, Aktie, strudelnde, Baubranche, Konjunkturzyklus, Normalverteilungs-Doktrin, Risiko, Volatilität, Wert, zyklischer, Zyklus.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktien-Analyse (share analysis):

Die Beurteilung von Aktien hinsichtlich verschiedener Merkmale, wie vor allem Rendite und Sicherheit. - Entsprechende Studien, in der Regel mit Empfehlungen versehen, sind stets sehr genau auf ihre Herkunft zu prüfen, weil häufig genug bestimmte Interessen mit der Veröffentlichung verbunden sind.

– Siehe Ad-hoc-Mitteilung, Agiotage, Anleger, verständiger, Bear Raid, Bull Raid, Börsenbetrug, Börsengerüchte, Börsenspiele, Citigroup-Manipulation, Delisting, Frontrunning, Geheimtip, Geschäfte, abgesprochene, Höchstpreis, Internet-Foren, Kursbetrug, Kursmanipulation, Marktmanipulation, Nominee, Pairoff, Prearranged Trading, Scalping, Scheintransaktionen, Schlangenhandel, Umstände, bewertungswichtige, Wertpapieranalyse.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 188.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktienanleihe (equity-linked bond, reverse convertible bond):

Der Emittent eines solchen Papiers behält sich das Recht vor, die Begebung unter im Einzelnen genau festgelegten Bedingungen durch Lieferung von Aktien zu tilgen. - Im Gegensatz zu den üblichen festverzinslichen (fixed interest bearing) Wertpapieren weisen die Aktienanleihen einen höheren Nominalzins aus. Denn während der Anleger in bei einem festverzinslichen Wertpapier sein eingesetztes Kapital bei Fälligkeit zu hundert Prozent zurückerhält, so ist dies bei Aktienanleihen nicht unbedingt der Fall. Es ist nämlich möglich, dass der Basiswert - also der Kurs der Aktie - bei Fälligkeit der Anleihe unter dem Bezugspreis liegt.

– Siehe Aktien-Optionen, Anleihe, strukturierte, Diskont-Zertifikat, Todesspirale, Wandelanleihe, Zertifikat.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktienbestände (share [US. stock] portfolio):

Wenn nicht anders definiert der Besitz an Aktien in den Händen der Wirtschaftssubjekte in einem Gebiet. - Für die Eurozone findet sich der Aktienbesitz ausgewiesen im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Monetäre Entwicklungen, Banken und Investmentfonds", Unterrubrik "Wertpapierbestände der MFIs, Aufschlüsselung" im jeweiligen Monatsbericht der EZB; in der Unterrubrik "Neubewertung ausgewählter Bilanzpositionen der MFIs" auch Bewertungsänderungen der Aktien-Portfolios.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktienblase (share [US: stock] bubble):

Der Anstieg des Aktienkurses eines Unternehmens (oder aller börsennotierter Unternehmen) auf ein Niveau, das aufgrund der ökonomischen Grunddaten ("fundamentals" wie Vermögen, Gewinn, Stellung im Markt, künftige Absatzaussichten) kaum gerechtfertigt ist. - Die Forschung hat klar aufgezeigt, dass solche Blasen

1. rational kaum erklärbar und meistens auch

2. nicht sofort erkennbar sind.

Sie könnten allenfalls (dort, wo das möglich ist, wie in den USA) durch entsprechende Erhöhung der Mindesteinschuss-Sätze bei kreditfinanzierten Aktienkäufen eingedämmt werden. Würde die Zentralbank aber das Zinsniveau gesamthaft erhöhen, um spekulative Aktienkäufe zu bremsen, dann würden sich auch Investitionen zur Verbesserung oder Erweiterung des Kapitalstocks der Volkswirtschaft verteuern. Das wirkt sich über kurz oder lang auf die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen aus und kann zu weitreichenden Folgen auf Produktion, Export und Beschäftigung führen. - Platzt die Blase, so bleiben die Banken oft auf uneinbringlichen Forderungen sitzen, weil viele Darlehn durch Vermögenswerte zu inflationierten Preisen besichert wurden. Banken werden sich in der Folge mit neuen Darlehn stark zurückhalten; auch neuer technischer Fortschritt kann daher bei einer solchen Lage nur noch beschränkt finanziert werden. - Nach Berechnungen des IMF dauern Aktienkurseinbrüche (slumps) im Durchschnitt zweieinhalb Jahre an und sind mit Einbussen von vier Prozent beim Bruttoinlandsprodukt verbunden. Die Finanzgeschichte lehrt, dass von der Entstehung einer Blase auf Aktienmärkten bis zu deren Platzen zwischen fünf und zehn Jahren vergehen.

– Siehe Aktie, strudelnde, Blase, Blase, spekulative, Börsenfieber, Börsenpreis, Boom-Bust-Zyklus, Crash, Deflation, schlechte, Dotcom-Blase, Glücksspieleffekt, Hindsight, Höchstpreis, Immobilienblase, Jackson Hole-Konsens, Kurzsichtigkeit, Martin-Prinzip, Marktkenntnis, zentralbankliche, Milchmädchen-Hausse, Mississippi-Taumel, Nullzins, Massiv-Verkäufe, Panikverkäufe, Poseidon-Blase, Prosperität, Rückkoppelungsschleife, Spekulationsblase, Subprime-Krise, Trittbrettfahrer, Tulpencrash, Überbelastung, Überschwang, unvernünftiger, Vermögensblase Vermögenseffekt, Vertrauens-Hypertrophie, Zinsdifferenzgeschäft, Zinssatz, niedrig gehaltener.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2010, S. 75 ff. (lehrbuchmässige Darstellung; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktienbuch (stock register, stock book):

Bei einer Aktiengesellschaft geführtes Verzeichnis, in das nach Vorschrift von § 67 AktG die ausgegebenen Namensaktien und Zwischenscheine unter Angabe des Inhabers nach Namen, Wohnsitz und Beruf einzutragen sind. Gemäss § 68 AktG ist auch ein Übergang von Namensaktien und Zwischenscheinen im Aktienbuch förmlich zu beurkunden.

– Siehe Stimmrecht-Ermächtigung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktienfonds (share based fund, equity fund):

Hauptsächlich in Aktien angelegtes Vermögen einer Kapitalverwaltungsgesellschaft (a type of mutual fund that invests shareholder money predominantly in ownership of publicly traded businesses by buying common shares).

– Siehe Aktienkurs-Gleichlauf, Aktienquote, wahre, Anlageausschuss, Balanced Fund, Kapitalanlagegesetzbuch, Länderfonds, Long-Short-Arbitrage, Spezialfonds. - Im jeweiligen Monatsbericht der EZB finden sich im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Monetäre Entwicklungen, Banken und Investmentfonds", Unterrubrik "Aktiva der Investmentfonds im Euro-Währungsgebiet nach Anlageschwerpunkten und Anlegergruppen" detaillierte Aufstellungen über die Aktienfonds.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 177 (Richtlinie über Fondskategorien), Monatsbericht der EZB vom Juni 2007, S. 28 ff. (anteilsmässige Gliederung der Fonds), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2013, S. 16 (Aktienfonds gekennzeichnet durch volatile Mittelzuflüsse), Monatsbericht der EZB vom August 2013, S. 54 f. (Zusammenhang zwischen Anlagen in Aktienfonds und der Niedrigzinspolitik). - Im monatlich erscheinenden Statistische Beiheft "Kapitalmarktstatistik" der Deutschen Bundesbank auch Zahlen über die Anzahl, den Anteilumlauf und das Vermögen inländischer Aktienfonds (domestic share based), nach verschiedenen Gesichtspunkten aufgeschlüsselt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktienhandel (share transactions):

Der Verkauf und Kauf von Aktien auf allen Vertriebswegen. - Über die Begebung börsennotierten Aktien sowie über deren Umsätze im Euro-Währungsbiet veröffentlicht die EZB eine detaillierte Statistik.

– Vgl. zu deren Erfassungstechnik und Informationsgehalt den Monatsbericht der EZB vom Januar 2004, S. 20 ff. sowie den Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Finanzmärkte" im jeweiligen Monatsbericht der EZB, dort Umlauf und Jahreswachstumsraten von Aktien, nach verschiedenen Gesichtspunkten unterteilt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktienindex (share index):

Anhand eines Musterdepots (Aktienkorb; sample of shares) errechnete wichtige statistische Kennzahl (statistical key figure) über die Entwicklung der erfassten Aktienkurse an einer oder mehrerer Börsen. Der Stand des jeweiligen Index hat - wie die Erfahrung eindeutig zeigte (as experience has clearly shown) - für Kauf- und Verkaufsentscheidungen eine erhebliche Bedeutung. Auch gelten Gesamtmarkt-Indizes, wie etwa der Dax, weithin als Konjunkturbarometer (business barometer). - Bei längerer Betrachtung eines Aktienindex ist stets auf Veränderungen des zugrundeliegenden Aktienkorbes (underlying basket of shares) zu achten. Auch muss das nicht selten anzutreffende Übergewicht bestimmter Standardwerte, und sintemal bei kleineren Börsen, berücksichtigt werden.

– Siehe Composite, Dax, Dow-Jones-Average, Höchstpreis, Kursindex, Nemax, Performanceindex, Swiss Market Index, Underperformer, Xetra.

– Vgl. den Verlauf wichtiger Indizes im Teil "Statistik des Euro-Währungsgebiets" des jeweiligen Monatsberichts der EZB, Rubrik "Finanzmärkte", Unterrubrik "Börsenindizes"; Monatsbericht der EZB vom Juni 2006, S. 40 f. (Veränderungen in der Zusammensetzung der Aktienkurs-Indizes; mit Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktienkapital (share capital):

1 Der Nennwert (nominal value; Nominalwert im Unterschied zum Kurswert) aller ausgegebenen Aktien einer Aktiengesellschaft, ohne Rücksicht darauf, in wessen Hände diese sich befinden (the capital of a company which is represented by shares, regardless the distribution of the shares).

2 Der Umlauf von Aktien in einem Staat; für Deutschland ausgewiesen im Statistischen Teil des jeweiligen Monatsberichts der Deutschen Bundesbank, Rubrik "Kapitalmarkt" und dort nach verschiedenen Merkmalen aufgeschlüsselt.

– Siehe Aktienmarkt, Liberierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktienkurs-Determinanten (share price factors, US: stock price factors):

Der Kurs einer Aktie ist nach älteren und neueren Untersuchungen langfristig abhängig von der Grunddaten der Unternehmung ("fundamentals" wie Vermögen, Gewinn, Stellung im Markt, künftige Absatzaussichten). Kurzfristig jedoch kann die Notierung einer Aktie - unter Umständen sogar sehr stark - von nicht-rationalen Erwartungen bestimmt werden. Das bestätigte sich ab etwa 1990 weltweit bei Aktien von Firmen der sog. New Economy, in erster Linie Start-ups aus der IT-Branche, sowie gelegentlich der Subprime-Krise.

– Siehe Agiotage, Aktienblase, Astro-Prognose, Behavioural Finance, Blase, spekulative, Dotcom-Blase, Rückkoppelungsschleife.

– Vgl. zu Berechnungsmodellen den Monatsbericht der EZB vom April 2005, S. 56 f., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2013, S. 42 f. (Beziehung zwischen Aktienkursen und Dividendenausschüttung; Übersichten; Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktienkurs-Gleichlauf (share [US: stock] price correlation):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter den Zusammenhang des Verlaufs der Aktienkurse zwischen dem Euro-Währungsgebiet einerseits und den USA andererseits. Manchmal werden neben dem Eurogebiet auch die Schweiz und Grossbritannien in die Betrachtung mit einbezogen. Die Werte näherten sich seit 1994 stetig an, was vor allem den Umständen zuzuschreiben ist, dass

1. die grenzüberschreitenden Kapitalströme (cross-border capital flows) stark anschwollen und viele Unternehmen auch an Börsen sowohl in Amerika als auch in Europa eingeführt sind,

2. Institute sich internationalisierten (etwa: ABN Amro, Barclays Bank, BNP Paribas, Citigroup, UBS bei den Banken, und Allianz, Axa, American International, Generali, SCOR oder Swiss Re bei den Versicherungen) sowie

3. im Zuge dessen sich die Portfolios über den Atlantik hinweg stark vermischten. Dadurch verlaufen auch die Konjunkturzyklen weitgehend gleichlaufend; aber auch Störungen wie die Subprime-Krise springen von einem Raum in den anderen sofort über (immediately jump across the world).

– Siehe Aktienfonds, Aktienmarkt, Zyklik.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2008, S. 42 ff. (Übertragungskanäle; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktienkurs-Risiko (equity price risk):

1 Allgemein das Verlustrisiko aufgrund der Schwankungen (Oszillationen; oscillations: movements above and below a mean value) von Aktienkursen. - Besonders betroffen sind davon Versicherungen. In Europa hatten im Jahr 2002 die Versicherungsunternehmen einunddreissig Prozent ihres Vermögens in Dividendenpapieren (in den USA nur vier Prozent) angelegt; sie verloren von Ende 1998 bis Ende 2002 rechnerisch (in purely arithmetical terms) rund fünfundvierzig Prozent aufgrund der Börsen-Baisse. - Auch die EZB ist bei ihren geldpolitischen Operationen dem Aktienkursrisiko in dem Masse ausgesetzt, wie sie Aktien als Sicherheiten anerkennt.

2 Bei einem Stress-Test in der Regel die Annahme, dass ein plötzlicher, unerwarteter Kurssturz innert eines Monats um dreissig Prozent auf allen Aktienmärkten eintritt.

– Siehe Aktien-Portfolio, abgesichertes, Aktien, zyklische, Aktienrisiko-Prämie, Aktuar, Deckungsstock, Quanto, Sicherungsvermögen, Unsicherheit, Volatilitätsrisiko.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2003, S. 59 f., Monatsbericht der EZB vom April 2007, S. 36 ff. (Messung der Unsicherheit am Aktienmarkt), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2007, S. 93 ff. (Vergleich der Regelungen für Sicherheiten bei der EZB mit USA und Japan; viele Übersichten), Monatsbericht der EZB vom November 2008, S. 93 ff. (Aktienmarktbewertung und Aktienrisiko-Prämie; ausführliche Darstellung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktienkurs-Volatilität (shares market volatility):

Die Veränderung der Aktienkurse in einem Gebiet oder auch einer Branche (industry; Wirtschaftszweig) innert eines bestimmten Zeitraums.

– Siehe Aktienmarkt-Volatilität, Marktrisiko, Volatilitätsrisiko.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom März 2008, S. 45 ff. (Aktienkurs-Volatilität gelegentlich der Subprime-Krise; Übersichten), Monatsbericht Deutschen Bundesbank vom Februar 2010, S. 46 f (Volatilität des Dax).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktienmarkt (share market, equity market, stock market):

Das Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage für die Begebung und für den Handel von Eigentums-Anteilen an Unternehmen (the market in which equities are issued and traded). Der wesentliche Unterschied zwischen Aktien und Schuldtiteln besteht darin, dass Aktien vom Emittenten nicht zurückbezahlt werden müssen (shares do not have to be repaid by the issuer).

– Siehe Aktienhandel, Barfusspilger, Börse.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2007, S. 67 ff. (Strukturelle Veränderungen am Aktienmarkt und Konsolidierung der Börsen; ausführliche Darstellung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktienmarkt-Volatilität US:

1 Die Kursschwankungen bei Aktien

1. weltweit,

2. auf einem nationalen Markt einschliesslich dem Markt innert eines Währungsraums (wie dem Eurogebiet) oder

3. auf eine Branche (und meistens dazu dann auch auf deren Zulieferer) bezogen.

2 Siehe Aktien, zyklische, Aktienkurs-Risiko, Beta, Bewegungsgrösse, Geldmarkt-Volatilität, Jojo-Aktie, Leverage-Theorie, Outside Day, Unsicherheit, Volatilität.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Oktober 2005, S. 76 f. (Auswirkungen auf die Geldmenge: lehrbuchmässige Darstellung), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2006, S. 38 (Zerlegung der Volatilität in die Komponenten Marktvolatilität und idiosynkratische Volatilität), Monatsbericht der EZB vom April 2007, S. 36 ff. (Messung der Unsicherheit am Aktienmarkt anhand von Optionen), Monatsbericht der EZB vom November 2008, S. 46 ff. (starke Volatilität im Zuge der sich zur Finanzkrise ausgeweiteten Subprime-Krise; Übersichten; Zusammenhang zwischen erwarteter und tatsächlicher Volatilität), Jahresbericht 2008 der EZB, S. 51 ff. (Volatilität im Verlauf der Finanzkrise; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Februar 2010, S. 46 f. (Zerlegung der Volatilität in eine firmenspezifische und in eine markspezifische Komponente; implizite Volatilitäten des Dax).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktienmehrheit (majority of shares [US: stocks]):

Grundsätzlich die Anzahl der Aktien, die mehr als die Hälfte am Nominalkapital einer Aktiengesellschaft ausmacht (ordinary majority). Manchmal aber ist auch die qualifizierte Mehrheit (qualified majority) gemeint, und zwar als Zweidrittelmehrheit (two-thirds majority) oder Dreiviertelmehrheit (three-quarters majority). - Nach deutschem Aktienrecht ist bei bestimmten Angelegenheiten, wie etwa Auflösung der Gesellschaft, Kapitalherabsetzung oder Satzungsänderung, eine Dreiviertelmehrheit vorgeschrieben. - Die Satzung (bylaws) der Aktiengesellschaft kann auch für andere Beschlüsse bestimmte Mehrheitsvoten (majority voting) vorsehen.

– Siehe Stimmrecht-Ermächtigung.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 168 (zur Frage der aufsichtlichen Zusammenrechnung von Stimmrechten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktien-Optionen (share [US: stock] options):

1 Vertrag, der für den Käufer das Recht (nicht aber die Verpflichtung) enthält, an einem oder bis zu einem bestimmten Zeitpunkt Aktien zu einem festgelegten Preis (Ausübungspreis) zu kaufen oder zu verkaufen. Gemäss den International Accounting Standards müssen Aktien-Optionen als Ausgaben bilanziert werden; in Deutschland gehören sie bis anhin noch zum Ausserbilanzgeschäft.

2 Spitzenmanagern (chief executive officers, CEOs) gewährte Bezahlung mit Anteilen am eigenen Unternehmen. Der ursprüngliche Sinn ist, dem Management einen Anreiz zu bieten, den Wert des Unternehmens zu steigern. Weil jedoch der Ausübungspreis bei fallenden Börsenkursen oftmals nach unten angepasst wird, und weil sich grundsätzlich das Einkommen der Vorstandsmitglieder nicht mindert, wenn der Unternehmenswert sinkt, so geriet diese Vertragsart ab etwa 2000 stark in die öffentliche Kritik (sie schaffe "perverse Anreize"; perverse incentives).

– Siehe Aktienanleihe, Belegschafts-Aktien, Bonifikation, Call, Dedicated Short Bias, Hedge-Fonds, Hurdle Rate, Librierung, Nominee, Option, Put, Vorstandsbezüge.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2006, S. 31 ff. (ausführliche Darstellung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktienpfandkauf (share [US: stock] purchase on margin):

Ein Anleger

1. kauft Aktien einer Gesellschaft mit einem Darlehn,

2. zu dessen Besicherung er der Bank diese Aktien verpfändet (a transaction in which an investor borrows to buy shares, using the shares themselves as collateral). Im Regelfall beschränken sich solche Operationen auf Blue Chips. Dazu setzen die Institute meistens über ausserordentlich hohe Zinsen (extremely hight interest rates) solchen für die Bank stark risikobehafteten Geschäften eine Grenze.

– Siehe Anleihepfandkauf, Mindesteinschuss-Sätze, Pfand.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktien-Portfolio, abgesichertes (covered share portfolio):

Portfolio, das aus Gründen der Risikominimierung sowohl eine Option zum Kauf als auch zum Verkauf einer ganz bestimmten Aktie enthält.

– Siehe Butterfly-Spread, Call, Option, Rohstoff-Terminvertrag, Stellagegeschäft, Straddle, Strangle.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktienquote, wahre (effective share [US: stock] quota):

Begriff aus der Anlagepolitik der Versicherungen. Man versteht darunter den Anteil der unmittelbar und mittelbar - in erster Linie über Aktienfonds - gehaltenen Aktien an den Kapitalanlagen gesamthaft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktien-Risikoprämie (equity risk premium):

In vereinfachter Form der Unterschied zwischen dem erwartetem Aktienkurs und dem risikofreiem Zinssatz, praktisch die Verzinsung von erstklassigen Staatsanleihen, nämlich Titeln von solchen Staaten, die ihre aufgenommenen Kredite auch zurückzahlen können und wollen. Je höher sich CETERIS PARIBUS die Aktienrisikoprämie bemisst, desto günstiger sind die Erwartungen auf Kurssteigerungen von Aktien.

– Siehe Aktienkurs-Risiko.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2008, S: 96 f. (Berechnung; Erklärungen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2009, S. 25 (Risikoprämie bei Dax-Werten seit 1991), Geschäftsbericht 2009 der Deutschen Bundesbank, S. 29 (Aktienrisikoprämien im Vergleich zu Kursindizes), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2010, S. 47 (Unterschied europäische Aktien gegenüber einer Anlage, ermittelt anhand eines Dividendenbarwert-Modells).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktienrückkauf (buyback of shares [US: stocks]):

Der Erwerb eigener Aktien durch eine Gesellschaft, (the process of a company buying back its own shares). Dies ist dann für das Unternehmen sinnvoll, wenn mehr Eigenmittel zur Verfügung stehen, als für Investitionen nötig sind. Durch den Aktienrückkauf steigt in der Regel der Wert der an der Börse verbleibenden Aktien (this reduces the number of shares in existence and, potentially, increases unit share price). In Deutschland darf der Nennwert der so erworbenen Aktien nach derzeitiger Rechtslage zehn Prozent des Aktienkapitals nicht übersteigen. - In Zeiten der Niedrigzinspolitik ist es für Aktiengesellschaften verlockend, billige Kredite aufzunehmen, und mit diesem Geld eigene Aktien zurückzukaufen. Damit wird der Kurs künstlich in die Höhe getrieben; und überhaupt bezweckt die Zentralbank mit der Niedrigzinspolitik ja industrielle Investitionen in Sachanlagen (plant and equipment) anzuregen, nicht aber Aktienrückkaufprogramme von Gesellschaften zu bezuschussen. - In einer rechtlichen Grauzone (legal grey area) bewegt sich die Politik einer Gesellschaft, nicht selbst eigene Aktien zu kaufen, sondern damit einen Dritten - manchmal eine eigens zu diesem Zweck gegründete Firma und noch dazu im Ausland - zu beauftragen. Dieser Erwerber handelt jedoch in allem ganz nach den Anweisungen der Aktiengesellschaft. Überwiegend wird eine solche Taktik als unrechtmässig (wrongful act) beurteilt und der Marktmanipulation zugeordnet.

– Siehe Erwerbsangebot, Marktmanipulation, grenzüberschreitende, Pflichtangebot, Self Tender, Squeeze-out, Vorratsaktien.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 208 (zur aufsichtsrechtlichen Seite), Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 175 (Missbrauchsgefahr), Monatsbericht der EZB vom Januar 2006, S. 31 ff. (ausführliche Darstellung), Monatsbericht der EZB vom Mai 2007 (lehrbuchmässige Darstellung; Übersichten; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktien-Split (share [US: stock] split):

Die Aufteilung einer Aktie in zwei (selten auch: mehrere) Papiere (each share is subdivided, thus the par value is also partitioned in the same relation). Grund für eine solche Massnahme ist in der Regel die nach aussenhin erscheinende Verbilligung der Aktie und damit ihre Chance, an der Börse von mehr Anlegern beachtet und nachgefragt zu werden. Die Stellung der bisherigen Aktionäre verändert sich durch das Splitting nicht; das Vermögen der Gesellschaft verteilt sich nunmehr lediglich auf mehr Aktien als zuvor.

– Siehe Bezugsrecht, Gratisaktie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktien-Spread, kontinentaler (continental share [US: stock] spread):

Wenn nicht anders definiert, die Abweichungen in der Kursentwicklung von Aktien an den Börsen in Europa und in den USA; seltener auch auf Japan bzw. Asien gesamthaft bezogen.

– Vgl. ausführlich Monatsbericht der EZB vom März 2006, S. 41 ff. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktien-Symbol (ticker symbol):

Codemässige Kursbezeichnung einer Aktie, etwa UBS N für Namensaktien der Schweizerischen Bankgesellschaft AG.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktientausch (share for share exchange):

Die Übergabe einer Aktie seitens einer Aktionärs gegen Empfang einer von einer anderen Gesellschaft ausgegebenen Aktie, in der Regel im Vorfeld von Fusionen und Übernahmen getätigt (the exchange or swap of one shareholding for another, commonly relating to a takeover or merger).

– Siehe Aktientausch-Übernahme.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktientausch-Übernahme (takeover by share [US: stock] stock barter):

Der Erwerb eines Unternehmens dadurch, dass Aktionäre der zu übernehmenden Firma (Zielgesellschaft) mit Aktien (seltener auch mit anderen Wertpapieren) des Übernehmers (Bieters) abgefunden werden. - In Deutschland gilt seit 2002 das Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz, das diesen Tausch regelt. Der Bieter hat danach eine Angebotsunterlage zu veröffentlichen, die ganz bestimmte Angaben enthalten muss und von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht überwacht wird.

– Siehe Abwehrmassnahme, Aktientausch, Angebot, gemeinsames, Asset Sales Deal, Blitzkrieg-Übernahmeangebot, Buy out, Fairness Opinion, Freier, Fusionen und Übernahmen, Greenmail, Konzentrationskurs, Makkaroni-Abwehr, Pflichtangebot, Ritter, weisser, Spin-off, Squeeze-out, Synergiepotentiale, Transaktionsbonus, Übernahme-Angebot.

– Vgl. Jahresbericht 2001 des Bundesaufsichtsamts für den Wertpapierhandel, S. 18, Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 171 ff., Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 182 f. (Schwierigkeiten bei Anforderungen unterschiedlicher Rechtsordnung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktienumlauf (circulation of shares [US: stocks]):

Die wertmässige Grösse der ausgegebenen Aktien von in Deutschland ansässigen Emittenten wird von der Deutschen Bundebank statistisch erfasst und im jeweiligen Monatsbericht im Statistischen Teil in der Rubrik "Kapitalmarkt" mehrfach aufgeschlüsselt veröffentlicht.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktien-Zertifikat (share [US: stock] certificate):

Wertpapier, das eine Aktie vertritt bzw. ersetzt. Es unterscheidet sich regelmässig von der Aktie

1. durch den Kotierungsort und

2. durch die Währung, auf die das Zertifikat lautet. Beispielsweise kann eine russische Aktie als Aktien-Zertifikat an der Neuyorker Börse in USD zum Handel zugelassen (kotiert) sein.

– Siehe American Depositary Receipts, Wertpapiere, Zertifikat.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktionär, aktiver (activist shareholder [US. stockholder], hands-on shareholder):

Anteilseigner einer Aktiengesellschaft, welcher die Aktie [auch] zu dem Zweck in seinem Portfolio hält, um auf den Vorstand der Gesellschaft einzuwirken (a shareholder who has a large stake in a corporation and takes an active role in its management). Solche Aktivitäten sind auf verschiedenen Wegen möglich (more-or-less amiable negotiations with management, proxy battles, publicity campaigns, or even litigation: taking a case through court).

– Siehe Aktionärsbrief, Anteilseigner-Kontrolle, Mehrheitsbeteiligung, Staatsfonds, Stimmrecht-Ermächtigung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktionär, passiver (passiv shareholder [US. stockholder], hands-off shareholder):

Anteilseigner der sich um die Geschäfte des Unternehmens grundsätzlich nicht kümmert, und im Regelfall die Aktie auf lange Sicht zu halten beabsichtigt (an investor who invests in the company but does not actively contribute to management. Passive investors regularly purchase shares with the aim of long-term maintenance and do not attempt to profit from short-term price fluctuations).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktionärsbrief (letter to shareholders [US. stockholders]):

Von Aktiengesellschaften in der Regel vierteljährlich oder halbjährlich an die Anteilseigner (und die Wirtschaftspresse) verschickter Zwischenbericht des Vorstands. Die Mehrzahl der Mitteilungen läuft nach kritischen Auswertungen (weltweit!) verschickter Schreiben gemäss der Folge ab

1. Darstellung widriger Umstände innert der Berichtszeit,

2. Beteuerung, dass man die veränderten Marktverhältnisse als Herausforderung ansieht,

3. Vorstellung eines Aktionsprogramms (übliche Bestandteile: organisatorische Anpassung, Kostensenkung, Personalumschichtungen, Portfoliobereinigung, Schwerpunktverlagerung auf die Kernkompetenzen und ähnlich),

4. Betonung, dass man sich gut gewappnet fühlt, um im Wettbewerb zu bestehen,

5. Lob der Mitarbeiter,

6. Dank an die Aktionäre,

7. Versprechen besserer Ergebnisse,

8. Bitte, weiterhin Geduld zu haben und dem Unternehmen die Treue zu halten und

9. abschliessende Zusicherung, dass es bald steil aufwärts gehe.

– Es hat sich bis anhin als sehr schwierig gezeigt, gegen erkennbar teilwahre (factoidal) und geschönte (beautified) Aussagen in einem Aktionärsbrief rechtlich vorzugehen. Denn die Gerichte sehen in dem Aktionärsbrief eine unverbindliche Abwägung (non-committal estimate) der Geschäftslage durch den Vorstand. An die Glaubwürdigkeit eines Aktionärsbriefes dürften daher keine allzu strengen Masstäbe angelegt werden. Dieselbe Einstellung vertraten auch Aufsichtsbehörden in Bezug auf entsprechende Aktionsbriefe von Finanzdienstleistern.

– Siehe Aktionär, aktiver, Angaben, unrichtige, Angaben, verschleierte, Informations-Aufschub, Informations-Überladung, Public Disclosure, Publizität, situationsbezogene, Salami-Taktik, Umsatzzahlen, falsche, Veröffentlichung, unverzügliche, Umstände, bewertungswichtige, Vorhersagen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktionärstimmenjagd (proxy fight):

Die Suche nach Aktionären und Stimmrechtsbevollmächtigten, um diese zu einheitlichem Abstimmungsverhalten auf der Hauptversammlung einer Aktiengesellschaft zu bewegen. Dies geschieht mitunter dann, wenn eine Gruppe von Aktionären zu einzelnen Darlegungen des Vorstands Widerspruch einlegen möchte (proxy fight may occur if some of the shareholders oppose the corporation's management). In den meisten Fällen der letzten Zeit jedoch traten bei Fusionen und Übernahmen die Bieter an die Aktionäre der Zielgesellschaft heran, um diese für die Übernahme zu gewinnen (proxy fights in recent years occurred mainly in connection with hostile takeovers. In this case the acquiring company attempts to persuade existing shareholders to vote out company management and install new management that is open to the takeover).

– Siehe Aktientausch-Übernahme, Anschleichen, Asset Sales Deal, Bieter, Blitzkrieg-Übernahmeangebot, Buy out, Erwerbsangebot, Freier, Gifttablette, Greenmail, Handgeld, Material-Adverse-Change-Klauseln, Pflichtangebot, Radar-Überwachung, Raider, Ritter, weisser, Spin-off, Squeeze-out, Stimmrecht-Datenbank, Synergiepotentiale, Trade Sale, Transaktionsbonus, Übernahme, feindliche, Übernahme-Ankündigung, Übernahme-Appell, Überraschungsangriff.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktionist (actionist):

In älteren Dokumenten auch gesagt für einen Aktionär als dem Besitzer des in der Aktie verkörperten Anteils am Grundkapital einer Aktiengesellschaft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktionsplan für Finanzdienstleistungen (Financial Services Action Plan, auch: Action Programme Financial Services):

Von der EU-Kommission im Mai 1999 eingeleiteter Massnahmen-Katalog mit dem Ziel einer einheitlichen Rechtssetzung und Organisation auf den Finanzdienstleistungs-Märkten der Gemeinschaft. Zur Beschleunigung des entsprechenden Rechtssetzungs-Prozesses verabschiedete das EU-Parlament im 2002 einschlägige Bestimmungen.

– Siehe Finanzmarktintegration, europäische, Goldplating, Lamfalussy-Verfahren, Rechtsangleichung, SEPA-Rat.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2004, S. 87 ff. (mit Übersicht der Massnahmen, S. 89 f.), Monatsbericht der EZB vom Mai 2005, S. 98 f. (Ziele), Monatsbericht der EZB vom November 2007, S. 67 ff. (strukturelle Veränderungen am Aktienmarkt und Konsolidierung der Börsen; ausführliche Darstellung; S. 78 f.: FSAP in Bezug auf die Wertpapierbörsen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktiva (assets):

1 Alle im Regelfall auf der linken Seite der Bilanz eines Unternehmens stehende Posten; sie geben Auskunft über die Mittelverwendung des Kapitals (usage of funds), das im Unternehmen investiert ist. Ihr Gegenstück bilden die Passiva, die auf der rechten Seite der Bilanz ausgewiesen werden und die Mittelherkunft nachweisen.

2 Bei Banken die auf der linken Seite der Bilanz im Einzelnen aufgeschlüsselten Forderungen an Kunden (Kreditnehmer).

– Siehe Aktivvermögen, Anlagevermögen, Aktivzinsen, Kapital, Verbindlichkeit, Vermögenswerte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktiva, geldnahe (near-money assets):

Wenn nicht anders definiert, als Begriff des betrieblichen Rechnungswesens alle Vermögensgegenstände, die durch Veräusserung unmittelbar, kurzfristig in Zahlungsmittel überführt werden können. Hierzu zählen vor allem Schecks, (diskontierbare) Wechsel, variabel verzinsliche Anleihen sowie festverzinsliche (fixed interest bearing) börsennotierte Wertpapiere mit kurzer Restlaufzeit (remaining running time). - Diese Vermögensreserve soll es dem Unternehmen ermöglichen, zur Beseitigung von allfälligen Liquiditätsengpässen eingesetzt zu werden.

– Siehe Liquidität, Schatzkammer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktiva, illiquide (illiquid assets):

Wenn nicht anders definiert, so meint man damit in der Bankpraxis (as a bank-specific term) die Ausleihungen eines Instituts gesamthaft. Durch Verbriefung vermag eine Bank diese Kredite zumindest teilweise (at least in part) in liquide Aktiva, also Zentralbankgeld, umzuwandeln.

– Siehe Ausplazierung, Great Moderation, Credit Default Swap, Credit Linked Notes, Embedded-Value Verbriefung, Insurance-Linked Securities, Katastrophen-Anleihen, Kreditderivat, Kreditverbriefung, Portfolio-Versicherung, Risikominderungstechniken, erweiterte, Risikotransfer, Risikotransformation, bankliche, Risikoübernahme-Grundregel, Verbriefungsstruktur.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktiva, risikogewichtete manchmal auch Vermögenswerte, risikogewichtete (risk-weighted assets):

Posten auf der Aktivseite einer Bank, die mit Kredit-, Markt- und/oder operationellen Risiken behaftet sind (an institute's assets or off-balance sheet exposures, weighted according to risk). Bei deren Berechnung ist das jeweilige Ausfallrisiko anhand bestimmter Verfahren zu bestimmen. Werden die risikogewichteten Aktiva ins Verhältnis zum Kernkapital gesetzt, so wird durch die aufsichtlich vorgeschriebene Höhe der Kernkapitalquote das Geschäftsvolumen eines Instituts beeinflusst. - Die zwölf grössten deutschen Banken haben zwischen 2009 und 2013 ihre risikogewichteten Aktiva um mehr als ein Drittel abgebaut.

– Siehe Aktiva, illiquide, Aktiva-Produktivität, Cook Ratio, Eigenkapitalquote, aufsichtsrechtliche, Ertragseffizienz, Kapitalpuffer, antizyklischer, Risiko, Risikotransparenz, Unterlegung, Validierung, Verbriefung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktiva-Minderung (deleveraging):

Die im Zuge von Basel-III erforderliche höhere Eigenkapitalquote ist rechnerisch nicht nur durch eine Erhöhung des Zählers (das Kapital eines Instituts) möglich. Vielmehr ist auch Verringerung des Zählers (eine Minderung der Aktiva) möglich. Eine solche Verringerung ist erwünscht, soweit es um risikoreiche Finanzinstrumente und Eigenhandelspositionen geht. Unerwünscht wäre freilich ein solcher Weg, wenn Darlehn an Unternehmen und Privathaushalte betroffen sind. - Grundsätzlich lässt sich wohl die Spannung zwischen der notwendigen höheren Finanzstabilität durch mehr Eigenkapital einerseits und störenden Auswirkungen auf das Kreditwachstum nur über eine lange Zeitachse ausgleichen. Daher sieht Basel-III vor, das künftig vorzuhaltende harte Eigenkapital und den Kapitalerhaltungspuffer beginnend mit 3,4 Prozent im Jahr 2013 schrittweise zu erhöhen. Den Instituten wird damit Zeit eingeräumt, die höheren Kapitalanforderungen nicht durch Beschränkung der Darlehn, sondern durch Einbehaltung von Gewinnen (profit accumulation) bzw. durch Kapitalerhöhung (increase in capital) zu beschaffen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktiva-Passiva-Management-Ausschuss (asset-liability committee):

Auf der Ebene einer einzelnen Bank oder in der Bankspitze (Konzernleitung; group management) angesiedeltes Gremium aus Vertretern der entsprechenden Fachabteilungen, das mit der Steuerung des Zinsrisikos befasst ist, bezügliche Vorschläge erarbeitet und an den Vorstand weiterleitet.

– Siehe Aktivzinsen, Aktuar, Anlage-Ausschuss, Liquiditätsmanagement, Steuerung, institutsinterne.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktiva-Produktivität (asset productivity):

Das Verhältnis der operativen Erträge (= die Menge der in Geld bewerteten produzierten Waren und Leistungen einer Periode; bei einem Institut grob die Summe aus Zinsüberschuss, Provisionsüberschuss und Handelsergebnis) im Verhältnis zu den risikogewichteten Aktiva. Diese Kennzahl liefert einen Anhaltspunkt (clue [clew]: an indication which guides one in solving any doubtful development) zum Risikoprofil einer Bank.

– Siehe Ertragseffizienz, Risikotransparenz, Unterlegung, Validierung, Verbriefung.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 38 f. (die Aktiva-Produktivität deutscher Institute seit 2002; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktiva-Qualität (asset quality):

1 Im Zuge der Financial Soundness Indicators Kennzahl gebildet aus

1. dem Anteil der notleidenden Kredite an den Bruttokrediten gesamthaft (non performing loans to total gross loans) sowie

2. der sektoralen Verteilung der Darlehn (sectoral distribution of loans to total loans).

2 In Zusammenhang mit der europäischen Bankenaufsicht die Beurteilung der Werthaltigkeit von Posten auf der Aktivseite der Bankbilanzen. Dazu hat die EZB im März 2014 ein eigenes Handbuch herausgegeben.

– Siehe Adressenausfall-Risiko, Asset Quality Review.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Asset Quality Review, AQR (so auch im Deutschen; seltener Aktivagüte-Kontrolle und Bankanalyse):

Von der EZB als europäische Bankenaufsicht durchgeführte Bewertung der Bankbilanzen auf einer einheitlichen Grundlage. Hierbei wird die Beschaffenheit der Bankaktiva auf den Prüfstand gestellt. Vor allem wird geklärt, inwieweit die Bewertung der Aktiva und Sicherheiten angemessen ist, und ob die damit zusammenhängenden Rückstellungen ausreichend sind. Der AQR geht regelmassig eine aufsichtliche Risikobewertung voraus, bei der die bankgeschäftlichen Hauptrisiken - in erster Linie Liquidität, Verschuldungsgrad (equity gearing) und Refinanzierungsbedingungen - begutachtet werden. Diesen Schritten folgt ein Stresstest, mit dem die Widerstandsfähigkeit der Bankbilanzen bei Stressszenarien untersucht wird. Alle drei Schritte greifen eng ineinander. Dazu hat die EZB im März 2014 ein eigenes Handbuch herausgegeben.

– Siehe Aktiva, illiquide, Bilanztricks, staatliche, Comprehensive Assessment, Crash, Erfüllung, Emerging Markets, Extremereignis, negatives, Granularität, Grosskredite, Herfindahl-Hirschman-Index, Klumprisiko, Konzentrationsrisiko, Kreditverbriefung, Liquiditätskrisenplan, Liquiditätsmanagement, Mindestanforderungen an das Risikomanagement, Panikverkäufe, Preisänderungen, gleichlaufende, Risikogewichtung, Risikokontrolle, Risiko-Messverfahren, Risk Reporting, Risikoüberwachung, gegliederte, Schock-Bewältigung, monetäre, System Securities Watch Application, Vertrauens-Hypertrophie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktivgeschäft (business on the assets side; creditor-creating business):

Transaktionen, durch welche man sich Vermögenswerte schafft oder Gläubiger wird. Bei einer Bank in erster Linie die Ausleihungen.

– Siehe Aktiva, Buy-and-hold-Praktik, Darlehn, Forderungen, Hypothekenbank, Passivgeschäft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktivität (activity):

1 In Bezug auf den Finanzmarkt alles Handeln mit der Absicht, ein bestimmtes Ziel zu erreichen (any action executed in fulfillment of whichever financial market purposes), darin eingeschlossen sind auch die Operationen der Zentralbank und der Aufsichtsbehörden.

2 Auf dem Finanzmarkt auf eigene oder fremde Rechnung Geschäfte tätigen.

– Siehe Engagement, Investition, One-Night-Stand, Position, Transaktion.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktivitätsanalyse (activity analysis):

Wenn nicht anders definiert, bei einem Institut die nachträgliche kalkulatorische Beurteilung aller Operationen in Hinblick darauf, inwieweit diese zum Erfolg beigetragen haben; meistens verbunden mit Vorschlägen, wie bei einzelnen Geschäften angefallene Kosten in Zukunft gesenkt werden bzw. inwieweit verlustbringende Aktivitäten aus dem Leistungskatalog getilgt werden können (the process of cost-specifying the various repetitive actions that are performed in providing a service, cataloging them as value-added and non-value-added, and formulating ways of minimising or eliminating non-value-added activities).

– Siehe Aufastung, Auslagerung, Business Process Outsourcing, Call Centre, Datei-Verwaltung, zentralisierte, Downsizing, Entlassungs-Produktivität, Facility-Manage¬ment, Hilfsdienste, bankbezogene, Konsolidierung, Kreditfabrik, Outsourcing, Schwerpunktbeobachtung, Transaktionsbank.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktivitäts-Verlagerung, bilanzbestimmte (balance-induced business redeployment):

Im Zuge des Enron-Skandals 2001 aufgekommene Kennzeichnung für die Tatsache, dass die Rechnungslegung (accounting) nicht - wie es sein müsste - den Geschäftsverlauf abbildet, sondern diesen bestimmt. - Die aus einer Mega-Fusion 1985 entstandene Enron Corporation mit Hauptsitz in Houston, Texas verlagerte den Schwerpunkt ihrer Tätigkeit ab 1998 immer mehr von dem angestammten Geschäft in Pipelines, Kraftwerken und Energieversorgungs-Anlagen auf spekulative langfristige Energie-Kontrakte. Während Investitionen in Pipelines und Energie-Anlagen mit den Anschaffungskosten zu bilanzieren waren, konnten die Kontrakte, zum Fair Value bewertet, in das Ausserbilanzgeschäft übernommen werden. Denn ein Risiko (als Produkt aus Schadenshöhe und Schadenswahrscheinlichkeit) war erst dann in der Bilanz abzubilden, wenn die Wahrscheinlichkeit des Schadens¬eintritts über fünfzig Prozent lag. Milliarden-Risiken wurden daher nur im Anhang der Bilanz (Management Discussion and Analysis) erwähnt. - Im Dezember 2001 trieben die Verluste aus den Kontrakten die Enron Corporation (die Firma gehörte zu den zehn grössten Konzernen der USA) in die Insolvenz, was weltweit grosse Aufmerksamkeit erregte.

– Siehe Abschlussprüfungs-Richtlinie, Anderson-Skandal, Angels, fallen, Beratungs-Prüfungs-Mix, Bilanz-Skandal, Buchführung, manipulative, Kreditersatzgeschäft, Sarbanes-Oxley Act, Wirtschaftsprüfer, Zweckgesellschaft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktivismus, zentralbankpolitischer (central bank activism):

Die Häufigkeit und das Ausmass geldpolitischer Massnahmen einer Zentralbank innert eines bestimmten Zeitraums.

– Siehe Codewörter, Forward Guidance, Führung, verbale, Politik des offenen Mundes, Unschärfe, konstruktive.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2006, S. 73 ff. (ausführliche Darstellung mit Übersichten, sprachlich teilweise leider unschön), Monatsbericht der EZB vom Februar 2008, S. 77 f. (Grundsatz des "hands-off").

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktivvermögen (assets):

1 Die Aktiva eines Unternehmens als die in der Bilanz aufgeführten Posten, die Auskunft über die Mittelverwendung des im Unternehmen investierten Kapitals (usage of funds) geben.

2 Vermögenswerte, die einen Ertrag bringen (property having an economic benefit).

3 Sämtliche Sachwerte, die dazu benötigt werden, um dauerhaft den Geschäftsbetrieb (business operations) aufrecht zu erhalten.

4 Vermögensgegenstände, über die man sofort verfügen und sie in Geld umwandeln kann (immediately available assets for realisation).

5 Insolvenzrechtlich alles, was bei einer allfälligen Zwangsvollstreckung (CH: Betreibung; levy upon property, compulsory enforcement) herangezogen werden kann, vor allem sämtliche beweglichen und unbeweglichen Gegenstände, auch bereits gepfändete, sowie die gesamthaften Forderungen, auch noch nicht fällige, bedingte, betagte oder unsichere (in the context of bankruptcy all the property of the debtor available for distribution for the general benefit of creditors).

– Siehe Anlagevermögen, Gewerbekapital, Investition, Investitionsgüter, Vermögen, Vermögenswert, Zeitwert.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktivzinsen auch Kreditzinsen und Sollzinsen (interest receivable):

Zinsen, welche die Banken ihren Kreditnehmern berechnen. Diese müssen höher sein als die Passivzinsen (Habenzinsen), weil bei einer Bank grundsätzlich (basically) der Gewinn im Unterschied zwischen den Aktivzinsen und den Passivzinsen liegt.

– Siehe Einlagezinsen, Passivzinsen, Zins, Zinsspanne, Zinsweitergabe.

– Vgl. den Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Finanzmärkte" im jeweiligen Monatsbericht der EZB. Dort sind in der Unterrubrik "Kreditzinsen" die entsprechenden Werten nach verschiedenen Merkmalen ausgewiesen; Monatsbericht der EZB vom August 2009, S. 105 ff. (Abhängigkeit der Zinsen vom Leitzins der Zentralbank theoretisch und empirisch; Übersichten; Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktuar (actuary):

1 In der älteren Literatur und noch derzeit im Schweizerdeutschen ein

1. Gerichtschreiber (law-clerk),

2. Protokollführer (minute taker), und auch

3. Registrator und Betreuer des Archivs (der Repositur; archive) in einem Unternehmen oder in einer Vereinigung.

2 In Deutschland heute Berufsbezeichnung für eine Fachkraft mit der Aufgabe der versicherungsmathematischen Klärung von Fragestellungen aus den Bereichen Assekuranz, Bausparen, Kapitalanlage und Altersvorsorge, jeweils im Rahmen der gegebenen rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. In der Regel sind Aktuare akademisch gebildete Mathematiker mit einer Zusatzausbildung, nach deren erfolgreichem Ende die (geschützte) Berufsbezeichnung "Aktuar DVA" (bis anhin noch nicht auch in der weiblichen Form; because reactionary neo-Prussian [= German] public officials are not capable to realise that even woman are able to exercise mathematics, since - more probably than not - their own housewives and daughters obviously are unable in achieving more than a simple addition) verliehen wird. - In Deutschland muss gemäss § 11a VAG jedes Lebensversicherungsunternehmen einen "Verantwortlichen Aktuar" benennen. Nach der Aktuarverordnung (AktuarV) hat er die Aufgabe, die versicherungsmathematisch einwandfreie Beiträge zu verantworten. Im Erläuterungsbericht hat er darzulegen,

1. nach welchen Methoden die Kalkulation erfolgt ist,

2. wie die Deckungsrückstellung ermittelt wird,

3. welche Sicherheiten einkalkuliert wurden und

4. wie die zukünftige Entwicklung eingeschätzt wird. Zudem hat er

5. laufend zu überprüfen, dass die finanzielle Lage der Versicherung die jederzeitige Erfüllung der gegenüber den Versicherten eingegangenen Verpflichtungen gewährleistet.

– Siehe Underwriter.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Akzelerator, finanzieller (financial accelerator):

1. Wenn die Zentralbank die Geldmenge vermehrt und der Zinssatz dadurch sinkt, dann weiten CETERIS PARIBUS (unter anderem: bei positiven Erwartungen) Investoren und der Staat die Nachfrage aus.

2. Mehr Aufträge gelangen zu vorgelagerten Anbietern;

3. deren Selbstfinanzierungskraft (self-financing capabilities) und damit ihre Kreditwürdigkeit (Borgkraft) steigt.

4. Es kommt so zu einer Verstärkung konjunktureller Ausschläge. - Da es aber in der Rezession mehr finanziell beschränkte Unternehmen gibt als in der Hochkonjunktur, so wirkt dieser finanzielle Akzelerator in der Abschwungsphase (economic downturn) in der Regel stärker als in Phasen der Hochkonjunktur.

– Siehe Baisse, zyklische, Insolvenzfälle, Kreditbeschränkungs-Karussell, Werte, zyklische.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank von Juli 2002, S. 47 f., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2005, S. 16 ff. (mit empirischen Untersuchungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Akzept in älteren Dokumenten auch Accept (acceptance):

1 Die Annahme einer Wechselschuld durch den Bezogenen (drawee). Er wird durch seine Unterschrift rechtlich zum Akzeptanten (Akzeptor; acceptor, in älteren Dokumenten auch Corresponsal) mit der Verpflichtung, den Wechselbetrag bei Fälligkeit zu zahlen; in älteren Dokumenten auch Akzeptation genannt.

2 Ein von der Bank hereingenommener Wechsel. Der Kunde lässt diesen im Regelfall bei der Bank diskontieren und zahlt dem Institut das so gewährte Darlehn (acceptance credit) bei Fälligkeit des Wechsels zurück.

– Siehe Bezogener, Cavata, Diskont, Diskontsatz, Idiograph, Notenbankfähigkeit, Reitwechsel, Retoure, Wechsel, Wechselkredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Akzessibilität und Erreichbarkeit (accessibility, reachability):

1 Allgemein meint man damit in der Finanzsprache

1. den (leichten) Zugang des Kunden zur Bank und

2. im Besonderen den Kontakt zu einem sachkundigen Mitarbeiter (supporter),

3. sowie auch nach Schalterschluss (after hours) über das Telephon oder das Internet (for a bank it is now essential to be accessible online; in Germany more than eighty percent of transactions in 2011 are conducted electronically).

2 In einem engeren Sinne versteht man darunter die Bereitschaft einer Bank, im elektronischen Überweisungsverkehr rund um die Uhr zur Verfügung zu stehen (the readiness of an institute to execute around the clock a credit transfer order and/or a debit instruction).

– Siehe Benutzerfreundlichkeit, Call-Centre, Container-Banking, Fernzugang, Geld(ausgabe)automat, Gutgeführt, Hotliner, Kontostands-Abfrage, Kompetenz, fachliche, , Prosumer, Service Line, Verfügbarkeit, Verlagerungskosten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Akzisant auch Steurer (tax payer):

In älteren Dokumenten ein die Akzise zahlungspflichtiger Bürger.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Akzise auch Zehrsteuer und [der] Lizent (excise):

Bis ins 19. Jht. eine Abgabe, die an einzelnen Orten in unterschiedlicher Höhe beim Kauf bzw. Verzehr von

1. Getränken, Getreide, Fleisch und weiteren Lebensmitteln (Viktualien; victuals) sowie

2. mancherorts auch auf sämtliche sog. Kaufmannswaren (store wares) erhoben wurde. Die Akzise gilt als Vorläufer der heutigen Umsatzsteuer (turnover tax).

– Siehe Akzisant, Biergeld, Brotlizent, Detz, Krügergeld, Oktroi, Schokoladentaxe, Verzehrgeld, Ungeld, Zehnt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Algorithmushandel (algorithmic trading, algo-trading, und robo-trading; algorithm = a precise rule or set of rules specifying how to solve some problem):

1 Programmhandel an der Börse, wobei

1. nach finanzmathematischen Modellen gesteuerte Computer

2. Kurse fortlaufend automatisch überwachen,

3. gegebenenfalls automatisch Kauf- oder Verkaufsaufträge auslösen und

4. die Orders elektronisch an die Börse weiterleiten (the use of computer programmes for entering trading orders with the computer algorithm deciding on factors of the order such as the timing, price, or quantity of the order, or in many cases initiating the order without human intervention).

– Weil es bei diesem selbststeuernden Ablauf zwangsläufig zu starken Kurssprüngen (upward spurts) kommen kann, führte die Börse in Neuyork für den computergesteuerten Handel eine Beschränkungen (collar = Halsband) ein: diese Form des Handels wird ausgesetzt, wenn es zu Kursänderungen von mehr als zwei Prozent an einem Handelstag kommt. Die Folge war, dass der computergesteuerte Handel an der Börse vorbei auf alternative Marktplätze auswich. Im Oktober 2007 hob die Börse Neuyork daher die bezüglichen Handelsbeschränkungen wieder auf. - Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht veröffentlichte im Dezember 2013 ein Merkblatt mit aufsichtlichen Anforderungen an den Algorithmushandel, der im Übrigen den Hochfrequenzhandel einschliesst,

2 In abgewandelter Bedeutung und in Bezug auf Banken und Versicherungen die Nutzung von installierten Programmen zur Entscheidungsfindung; im Besonderen bei Grossbanken in Zusammenhang mit dem One-Bank-Delivery und den Centres of Excellence gesagt. Jeder Mitarbeiter soll durch entsprechende Hilfen der Informationstechnologie in die Lage versetzt werden, Geschäftsvorgänge sämtlicher (in der Regel heute selbst in den einzelnen Gebieten wieder hoch spezialisierten) Einzelbereiche selbsttätig zu bearbeiten. Dabei finden sich heute meistens alle Programme und Daten kostensparend auf einem Zentralserver gespeichert und sind dann innert des gesamten Filialnetzes der Bank bzw. der Versicherung bei Bedarf von einem Endgerät aus über ein geschütztes Intranet verfügbar.

– Siehe Advanced Execution Services, Brady-Kommission, Devisenhandel, computerisierter, Hochfrequenzhandel, Louvre-Akkord, Quote-Stuffing-Taktik, Scoring, Up-Tick-Rule.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

All-Age-Produkte (so auch im Deutschen gesagt):

Bei einer Bank die Dienstleistungen für alle Altersgruppen, für den breiten Kreis der Kunden, wie etwa die Kontenführung.

– Siehe Dinks-Geschäft, Gebissinvestition, Oldie-Geschäft, Power-age financial market, Private Banking, Silver Economy, Wealth Management, Woopee-Geschäft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Alleskönner und omnipotente Zelle (whizz kid, omnipotent cell):

Im Jargon der Institute ein Frischling von der Universität, der/die wenig weiss, den Geschäftsablauf nicht übersieht, keinerlei Leistung erbringt aber glaubt, allen Mitarbeitern bei weitem überlegen zu sein und sehr bald im Vorstand zu landen.

– Siehe Airbag, Allrounder, Chief Copying Officer, High Flyer, Fallschirmspringer, Hot Spot, Infighting, Krokodil, Lemons-Problem, Low Performer, Mailbomber, New Hire, Tauschsieder, Totholz, Triple A, Underperformer, Unfall-Flüchtling, Vorabprüfung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Alles-oder-Nichts-Auftrag (all-or-none order, AON):

Anweisung an den Makler, an der Börse einen Kauf- oder Verkaufsauftrag nur dann zu tätigen, wenn er die vorgegebene Stückzahl gesamthaft zu einem bestimmten Preis kaufen oder verkaufen kann (requirement that none of an order be executed unless all of it can be realised completely at a specific price). Eine Teilausführung wird damit ausgeschlossen.

– Siehe Arrondierung, Job Lot, Mindestschluss, Notierung, variable, Odd Lot, Tagesauftrag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Allfinanz (financial products completely, universal financial services, all-finance, bancassurance):

Das Angebot sämtlicher mit dem Geldverkehr zusammenhängenden Geschäfte (neben Bankdienstleistungen vor allem auch Versicherungen)

1. durch einen einzigen Anbieter allein (dann in der Regel mit breitem Zweigstellennetz sowie elektronischem Zugang zu den einzelnen Sparten) oder

2. in Zusammenarbeit mit einem oder mehreren anderen.

– Siehe Allianzen, grenzüberschreitende, Bankassekuranz, Finanzkonglomerat, Gibrat-Regel, Gigabank, Megamanie, One-Bank-Delivery, Subsidiaritätsprinzip.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2005, S. 40 f. (dort auch wichtige Unterscheidungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Allfinanzaufsicht (single supervision system):

Die Überwachung der Finanzmärkte durch nur eine einzige (nationale) Aufsichtsbehörde. In Deutschland wurde dies am 1. Mai 2002 durch Gründung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht vollzogen. - Auf europäischer Ebene wird eine solche Behörde immer wieder ins Gespräch gebracht, wiewohl sich die bisherige Form der nationalen Aufsicht bei zwischenstaatlicher enger Zusammenarbeit gut bewährt hat.

– Siehe Aufsicht, europäische, Aufsicht, weltweite, Aufsichtsbehörden, Cassis-de-Dijon-Urteil, Financial Services Authority, Lamfalussy-Vorschlag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Allfinanz-Risikokomitee (all-finance risk committee, bancassurance risk committee):

Zu Jahresbeginn 2013 von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht eingerichteter Ausschuss mit dem Zweck, Risiken aufzuspüren und zu bewerten, die den Finanzsektor gesamthaft betreffen.

– Siehe Risikokomitee, Risikokontrolle.

– Vgl. Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 237 (Vorstellung des neuen Gremiums; Aufgabenbeschreibung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Alliage (alloy):

Bei Münzen aus Edelmetall der Anteil unedlen Metalls (auch Schrot genannt; das Edelmetall hiess Korn).

– Siehe Abnutzung, Assay-Stempel, Doublé-Münze, Feinheit, Geld, böses, Goldpreis, Karat, Lot, Portfolio, Troy-Unze, Unze, Wardein.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Allianzen, grenzüberschreitende (border-crossing alliances):

Im Finanzsektor der EU zu beobachtende Tatsache, dass die Banken statt der Einrichtung von Niederlassungen bzw. Zweigstellen im Ausland oder Fusionen und Übernahmen vielfach den Weg der Vereinbarungen mit starken, im jeweiligen EU-Land bekannten und verwurzelten Partnern bevorzugen. Diese Allianzen werden gegebenenfalls bisweilen durch den Austausch von Minderheitsbeteiligungen gefestigt.

– Siehe Agglomerations-Effekt, Aktientausch-Übernahme, Angleichung, informelle, Auslandsbank-Filiale, Bankbetriebsgrösse, optimale, Behauptungs-Strategie, Bewachungsgeld, Downsizing, Europa-AG, Europäischer Pass, Gibrat-Regel, Gigabank, Grössenvertrauen, Konsortialkredit, Korrespondenzbank-Beziehung, Megamanie, Penrose-Theorem, Ring fencing, Subsidiaritätsprinzip, Synergiepotentiale, Verlustteilungsregelung, Zweiggesellschaft.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2002, S. 58, Monatsbericht der EZB vom Oktober 2008, S. 75 ff. (grenzüberschreitende Bankfusionen; ausführliche Darstellung; viele Übersichten), Jahresbericht 2011 der Deutschen Bundesbank, S. 117 ff. (deutsche Institute im Ausland; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

All-in-Fee (so auch im Deutschen gesagt):

Vor allem bei Kapitalverwaltungsgesellschaften verbreitete Art der Kostenberechnung. Die All-in-Fee fasst die Verwaltungsvergütung (management renumeration) und die Depotbankvergütung (charges of the depository bank) sowie weitere im Rahmen der Fondsverwaltung anfallende Kosten (insonderheit die Transaktionskosten) zu einer einheitlichen Vergütung zusammen. Diese wird in der Regel in einer Prozentzahl festgelegt, so dass der Anleger von vornherein weiss, mit welcher Belastung er zu rechnen hat.

– Siehe Ausgabe-Aufschlag, Festgebühr, High Watermark-Methode, Kommission, Vermögensverwalter.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Allmacht-Doktrin (omnipotence doctrine):

In der Geldphilosophie die Lehre, dass das Geld infolge der Tatsache

1. seines weltweiten Zugegenseins,

2. seiner Eigenschaft, alle Dinge gleichnamig zu machen sowie

3. seiner Fähigkeit, diese einzutauschen (Kaufkraft; purchasing power) und damit seiner

4. (fast) alles bestimmenden Wirklichkeit gottähnliche Züge annimmt. Das Geld (der Mammon) wird damit für viele Menschen zum irdischen Gott.

– Siehe Actus-purus-Grundsatz, Äquivalenzprinzip, Ausgangstatsache, ökonomische, Finanzialisierung, Geldethik, Geldfunktionen, Geldglaube, Geldrechenhaftigkeit, Geldphilosophie, Geldzweck, Mammonismus, Pantheismus, monetärer, Symboltheorie, Ungüter Zentralisation, monetäre.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Allmandgeld und Allmendgeld (common land payout):

Früher eine Zahlung an einen Kreis von Bürgern (Allmandberechtigte) aus dem Ertrag der im Eigentum der Gemeinde stehenden Vermögensgegenständen (Waldungen, Wiesen, Torfe): dem Allmandgut.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Allodgeld und Allodierungsgeld (freehold fee):

Früher eine Zahlung dafür, dass ein Lehngut (fiefdom, feudal tenure) gesamthaft oder Teile davon (Ackerland) zum vererblichen Ganzeigen (= Allod, vom lateinischen ALLODIUM: Freigut) wurden.

– Siehe Befreiungsgeld, Freikaufgeld, Frongeld, Zinser.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Allokation (allocation):

1 Allgemein die Verteilung beschränkt zur Verfügung stehender Mittel auf verschiedene Verwendungsmöglichkeiten.

2 Im Besonderen die Zuweisung von Geld an den besten Wirt (most favourable allocation of resources) im Marktprozess. Für den Regelfall wird dabei unterstellt dass der erfolgreichste Wirt(schafter) auch den höchsten Zins zu zahlen bereit ist, weil er sehr aussichtsreiche Vorhaben (profitabel investments) finanziert bzw. Engpässe (bottlenecks) aufbricht und damit zur Güterversorgung auch am besten beiträgt.

– Siehe Anlage-Streuung, Geldzweck, Investition, Markt, vollkommener, Nettowohlfahrtsverlust, Risikoignoranz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Allonge (rider):

Anhangzettel an einem Wechsel, dessen Rückseite mit Indossamenten versehen ist.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Allotropien (allotropes):

In älteren Dokumenten Münzen, die bei gleicher Metallmischung, damit gleichem Stoffwert und Kurs in verschiedener Form - etwa rechteckig und rund - geschlagen oder gegossen wurden (coins with the same value existing in two physical forms).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Allrounder und All-round Man (so auch im Deutschen gesagt, seltener Rundumbegabter):

Ein Mitarbeiter, der in sehr vielen, im Extremfall in allen Abteilungen eines Finanzdienstleisters eingesetzt werden kann und jeweils auch den ihm zugewiesenen Aufgabenbereich (field of activity, line of action) gut bewältigt.

– Siehe Alleskönner, High Flyer, High Potential, Hot Spot, Infighting, Intangibels, Job-Hopper, Low Performer, New Hire, Peter-Regel, Risiko, personelles, Schlafgeld, Totholz, Umsatzbremse, Underperformer, Vorabprüfung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Almosen (alms):

Aus freien Stücken gewährte, persönliche Gabe (im Regelfall in Geld) an Bedürftige. - Wort und Sache sind heute in Misskredit geraten, hauptsächlich weil

1. man in dem freiwillig gereichten Almosen einen Gegensatz zur rechtlich geordneten Sozialhilfe (welfare aid) zu sehen glaubt und

2. durch das Almosen Bettelei (mendicancy, begging) und Müssiggang (otiosity, idleness) bei Armen (the poor) sowie ein dünkelhaftes Gefühl bei den Gebern (donors, almsgivers) erzeugt bzw. gefördert werde. Beide Einwände werden in der bezüglichen Fachliteratur überzeugend entkräftet.

– Siehe Armengeld, Zekiat.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Alpendollar (Alpine dollar):

Volkstümliche Bezeichnung für den österreichischen Schilling (ISO 4217: ATS), die Währung in Österreich von 1925 (zuvor: Krone) bis zum Eintritt in die Europäischen Währungsunion 2002 mit der Unterteilung in Groschen; der Umrechnungskurs betrug 1 Euro = 13,7603 Schilling.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Alpgeld (mountain pasture payment):

Frühere Gebühr für den Niessbrauch (zeitweiliges Nutzungsrecht; usufruct) der herrschaftlichen bzw. im Gemeineigentum befindlichen Alpen (Alp = hier: Bergwiese, Hochgebirgsweide; mountain pasture, upland meadow).

– Siehe Triftgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Alpha (alpha):

Allgemein eine Kennziffer für die Rendite.

1. Ist die mittlere Rendite eines Titels oder Portefeuilles grösser als vom Marktrisiko aus gesehen jeweils erwartet, dann ist der Alpha-Wert positiv, im Gegenfall negativ.

2. Im Besonderen bei einer Kapitalverwaltungsgesellschaft die am Ende eines Berichtsjahrs erwirtschaftete höhere Rendite (extra return) im Vergleich mit einem repräsentativen Index, wobei die Aussagekraft des vom Fondsmanagement zugrunde gelegten Index jeweils genau zu prüfen ist.

– Siehe Beta.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Alternativ-Anlagen (alternative assets):

Kennzeichnung für Investitionen in Produkte nicht des Finanzmarktes, sondern in Gegenstände wie Kunstwerke, Wein, alte Drucke und Manuskripte sowie überhaupt in alles, was einen Sammlerwert (collector's value) hat oder möglicherweise in Zukunft haben kann (actual or potential collectibles). - Edelmetalle werden in der Regel nicht zu den Alternativ-Anlagen gezählt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Alternativbank (alternative bank):

Institut, das hinsichtlich der Einlagen mit einer bestimmten Bevölkerungsgruppe verbunden ist und in der Regel auch in Bezug auf die Ausleihungen besondere Ziele verfolgt. In Deutschland zählt hierzu beispielsweise die ursprünglich anthroposophisch ausgerichtete (right from the formation anthroposophical oriented) "Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken" mit Hauptsitz in Bochum; das Institut gehört heute dem Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken.

– Siehe Bank, kirchliche, Beziehungsbankgeschäft, Clubbing, Geomarketing, bankliches, Kundenbindung, Networking.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Alternativ-Währung (parallel money):

Zahlungsmittel, die neben dem gesetzlich eingeführten Geld in Gebrauch sind.

– Siehe Nebenwährung, Regionalgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Altersquotient auch Alterslastquote (aging quotient):

Das Verhältnis zwischen Bürgern im Alter von 65 Jahren und älter zu Personen im erwerbsfähigen Alter (15 bis 64 Jahren). - In Euroland wird sich das Verhältnis von derzeit (Jahr 2010) etwa 25 Prozent auf über 50 Prozent im Jahr 2050 verändern. Damit zeichnet sich eine beachtliche Steigerung der Belastungen der aktiven Erwerbsbevölkerung (active labour force) zur Versorgung der Rentner ab. Das stellt sowohl die umlagefinanzierten als auch die kapitalgedeckten Systeme (funded and pay-as-you-go systems) der Rentenversicherung vor grosse Probleme. Dies könnte sich (wegen des darin enthaltenden sozialpolitischen Konfliktpotentials) ungünstig auf den Wert des EUR auswirken. - Im einzelnen gilt es zu sehen, dass

1. zunächst eine Verknappung von jungen und mobilen Arbeitskräften eintritt, was

2. wachstumshemmend wirkt, insofern ältere Arbeitskräfte eine geringere Risikobereitschaft auszeichnet und für diese auch eine geringere Beweglichkeit (reduced mobility) hinsichtlich Arbeitsort und Fortbildung kennzeichnend ist, während

3. die alterungsbedingten Belastungen der öffentlichen Haushalte höhere Steuern nach sich ziehen muss, was die Marktpreise verzerrt.

4. Mit der Verknappung des Faktors Arbeit sinkt auch die Grenzproduktivität des Kapitalstocks; damit werden Investitionen weniger lohnend; aber auch

5. das Kapitalangebot wird beeinflusst, weil das Sparen der Privathaushalte in alternden Gesellschaften rückläufig ist; denn

6. empirisch gesichert gilt, dass zwar die Sparneigung mit zunehmendem Alter steigt, bevor die Ersparnisse im Alter schliesslich aufgelöst werden; auf diese Weise wird über den Lebenszyklus gesamthaft eine Konsumglättung (smoothing effect of consumption) erreicht, während die Ersparnis einen buckelförmigen (boss-shaped) Verlauf zeigen. Dies zusammen

7. dürfte auf eine Abnahme des Wachstums des Produktionspotentials bewirken.

– Weil nun aber in den USA bei weitem günstigere Verhältnisse herrschen (dort wird die Bevölkerung bis zum Jahr 2050 um 130 Millionen Menschen wachsen), tätigen viele Anleger sehr langfristige Engagements bereits jetzt in USD; immer mehr auch in INR. - Die Gefahr ist hoch, dass alterungsbedingte Mehrausgaben die Politik über kurz oder lang zu Steuererhöhungen veranlassen, was wiederum eine Inflation (Cost-Push-Inflation) bewirken kann.

– Siehe Alterung, Alterungs-Effekt, Arbeitskräftepotential, Currency-Swing, Demographieverfestigung, Entsparen, Frauenarbeitsquote, Japan-Syndrom, Kapitalflucht, Methusalem-Syndrom, Nachhaltigkeit, Risikoaversion, Rücklagen-Verzehr, Schattenverschuldung, Stagnation, säkulare, Steuerquote, Überalterung, Vergreisung.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der EZB, S. 58 ff. (hier auch Prognosen bis 2050), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2006, S. 51 ff. (Projektion bis 2050, unterteilt auch nach einzelnen Ländern; S. 52: Vergleich Euro-Währungsbiet zu USA), Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 19 (die ungünstige demographische Entwicklung birgt Gefahren für Einrichtungen der Altersvorsorge).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Altersvermögensgesetz (pension fund law):

Im Jahr 2001 in Deutschland erlassenes Gesetz. Anlagen zur Altersvorsorge führen danach zu wesentlicher Renditeverbesserung, vor allem weil

1. die Beiträge aus steuerfreiem Einkommen geleistet werden,

2. die Zinserträge (interest receivable) während der Vertragslaufzeit steuerfrei bleiben und

3. eine Nominalwertgarantie für die entsprechenden Verträge gesetzlich vorgeschrieben ist.

– Siehe Alterung, Altersquotient, Altersvorsorge-Verträge, Arbeitskräftepotential, Bilanz, ganzheitliche, Nominalwertgarantie, Pensionsfonds, Prudent man standard of care, Rente, kapitalgedeckte, Tontine.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2002, S. 25 ff. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Altersvorsorge-Einrichtung (institution for professionell retirement provision, pension fund institution):

Wenn nicht anders definiert ein Spezialfonds mit dem Zweck, aus den Erträgen in den Ruhestand tretenden Personen mit einer Rente auszustatten.

– Siehe Altersvermögensgesetz, Altersvorsorge-Verträge, Beamtenvereine, Bilanz, ganzheitliche, Arrangement, Gehaltsverzicht, Pensionsfonds, Rabbi Trust, Rente, kapitalgedeckte, Tontine.

– Im monatlich erscheinenden Statistische Beiheft "Kapitalmarktstatistik" der Deutschen Bundesbank auch Zahlen über die Anzahl, das Mittelaufkommen (net sales receipts) und das Vermögen entsprechender inländischer Einrichtungen (domestic pension fund institutions), nach verschiedenen Gesichtspunkten aufgeschlüsselt. – Im jeweiligen Jahresbericht der BaFin finden sich in dem Kapitel "Aufsicht über Versicherungsunternehmen und Pensionsfonds" Angaben über die Geschäftstätigkeit der Altersvorsorge-Einrichtungen.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2010, S. 67 ff. (Alterssicherung im Eurogebiet; wichtige Übersichten; mathematische Berechnung der Ansprüche; neue Erfassungs- und Berechnungsmethodik), Jahresbericht 2011 der BaFin, S, 93 ff. (grundsätzliche und aktuelle aufsichtsrechtliche Fragen; IOPS-Standards), Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 19 (demographische Entwicklung birgt Gefahren für Einrichtungen der Altersvorsorge).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Altersvorsorge-Verträge (pension contracts):

In Deutschland dürfen gemäss dem Altersvermögensgesetz (AVmG) auch Kapitalverwaltungsgesellschaften den Abschluss von Altersvorsorge-Verträgen anbieten. Zwecks dessen wurde § 1, Abs. 6 KAGG geändert und einige aufsichtsrechtliche Bestimmungen eingebaut. Ein eigenes Altersvorsorgeverträge-Zertifizierungsgesetz (AltZertG) wurde 2001 erlassen; Zertifizierungsstelle für Anbieter ist die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.

– Siehe Ablauffonds, Altersvermögensgesetz, Altersquotient, Bilanz, ganzheitliche, Nominalwertgarantie, Pensionsfonds, Pensionsfonds-Richt¬linie, Rabbi Trust, Rente, kapitalgedeckte, Tontine, Zertifizierung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2001, S. 45 ff. (über betriebliche Altersversorgung) und vom Juli 2002, S. 25 ff. (auch über die langfristigen Auswirkungen der neuen Gesetzgebung auf den Kapitalmarkt), Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 78 f. (Zertifizierungen; mit Tabelle), Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 90 f. (Zertifizierung nach dem Altersvorsorgeverträge-Zertifizierungsgesetz [AltZertG]), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 47 (risikobasierte Aufsicht), S. 197 (Stornoabzüge bei vorzeitiger Kündigung), S. 199 (Vorwurf falscher Beratung), Jahresbericht 2011 der BaFin, S, 93 ff. (grundsätzliche und aktuelle aufsichtsrechtliche Fragen; IOPS-Standards) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 19 (demographische Entwicklung birgt Gefahren für Einrichtungen der Altersvorsorge).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Alterung (aging):

Staaten mit alternden Bevölkerung (wie China und die meisten Mitglieder der EU: bis zum Jahr 2050 sinkt die Bevölkerung dort jährlich um 0,75 Prozent!) haben in der Regel eine relativ hohe Sparquote. Die Ersparnisse fliessen bevorzugt in Volkswirtschaften mit einer besseren demographischen Entwicklung, weil dort das Kapital eine bessere Rendite verspricht. Es kommt also über kurz oder lang zu hohen Kapitalexporten mit Auswirkungen auf die Wechselkurse und das weltweite Leistungsbilanzgefüge. Die Geldpolitik muss dem Rechnung tragen.

– Siehe Altersquotient, Global Macro, Japan-Syndrom, Methusalem-Syndrom, Nachhaltigkeit, Kapitalflucht, Risikoaversion, Rücklagen-Verzehr, Schattenverschuldung, Staatsverschuldung, Überalterung, Vergreisung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2001, S. 77 ff., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2002, S. 33 f., Monatsbericht der EZB vom März 2006, S. 75 ff. (Belastung der öffentlichen Haushalte durch Alterung), Monatsbericht der EZB vom Februar 2007, S. 69, S. 73 (Tragfähigkeits-Probleme aufgrund der Alterung), Monatsbericht der EZB vom Juni 2009, S. 93 ff. Projektion der alterungsbedingten Staatsausgaben; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Alterungs-Effekt (aging effect):

Die Tatsache, dass in China und in Europa die Brutto-Rendite auf Kapitalanlagen langfristig sinken wird. Denn mit der schrumpfenden Zahl an Arbeitskräften wird mehr Kapital genutzt, dessen Rendite damit sinkt. Dadurch kommt es wahrscheinlich von selbst zu einem Kapitaltransfer aus den alternden westlichen Industrieländern in die (durch eine fast ideale Bevölkerungspyramide ausgeprägte) USA und in bestimmte, durch politische Stabilität und hohen Alphabetisierungsgrad gekennzeichnete Schwellen- und Entwicklungsländer, vor allem (auf längere Frist gesehen) nach Indien.

– Siehe Altersquotient, Alterung, Currency-Swing, Entsparen, Global Macro, Japan-Syndrom, Kapitalflucht, Verschuldungsquote, öffentliche.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2008, S. 83 ff. (Einbeziehung Chinas und Indien in die Weltwirtschaft; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Juni 2009, S. 93 ff. Projektion der alterungsbedingten Staatsausgaben; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Amalfiner (amalfins):

Um 900 in ganz Europa weit verbreitete (Gold)Münzen aus der alten Seerepublik Amalfi, heute Küstenstadt in Kampanien (westliches Süditalien). Amalfi war neben Venedig der bedeutendste Hafen für die Seeschiffart; die noch heute im vielen Ländern bestehenden Seehandelsgerichte sowie der moderne Kompass gehen auf Amalfi zurück.

– Siehe Dareiko, Florentiner, Münze, Numismatik, Obolus, Stater, Samarkander, Sekel, Talent, Urukagina-Regel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Amanco (abatement; advance of money):

1 Der Abzug von einer Summe (the amount lowered; a reduction).

2 Ein Vorschuss auf eine zu leistende Zahlung.

– Siehe Netto.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Amaranth-Verlust (Amaranth loss):

Im September 2006 verlor der Hedge-Fonds Amaranth Advisors LLC innert einer Woche durch Fehlspekulation am Terminmarkt für Erdgas gut 6 Mia USD. Grund für den Verlust waren eine sehr hohes Konzentrationsrisiko sowie Fehleinschätzungen von relativen Marktpreisbewegungen in unterschiedlichen Lieferterminen und bezüglich der Marktliquidität. - Der weltweit stark beachtete Fall löste bei den Aufsichtsbehörden Schritte aus, um das Risikomanagement bei Hedge-Fonds zu verbessern und die Offenlegungspflichten (disclosure requirements) dort zu erhöhen.

– Siehe Branchenkonzentration, Gini-Koeffizient, Henry Hub, Herfindahl-Hirschman-Index, Granularität, Klumprisiko, Kreditderivat, Leverage-Ratio, True-Sale-Verbriefung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Amber Light (so auch oft in Deutschen gesagt; manchmal auch: Rote Flagge; seltener Warnsignal):

In Bezug auf Finanzprodukte das Erreichen eines Kurses, das sofortiges Handeln des Inhabers des Vermögensgegenstandes erfordert.

– Siehe Ad-hoc-Mitteilung, Aushungern, Follow-up-Prüfung, Frontrunning, Gewinnwarnung, Publizität, situationsbezogene, Scalping, Veröffentlichung, unverzügliche, Umstände, bewertungswichtige, Waste Watcher, Watchlist.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Amende (fine):

In älteren Dokumenten die Zahlung in Geld als behördlich verfügte Strafe, eine Geldbusse (money paid as punishment for a crime or other offence).

– Siehe Ablaßgeld, Bussgeld, Fersengeld, Friedensgeld, Pönalgeld, Sühnegeld, Zwangsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

American Depositary Receipts, ADRs:

Aktien-Zertifikate, die von Banken der USA ausgegeben werden und Aktien ausländischer Gesellschaften verbriefen (negotiable instruments issued by a US bank and representing the shares that it has acquired in a foreign company listed on a non-US market). Über ADRs können auf diese Weise ausländische Aktien

1. an US-Börsen und (was für viele Anleger schon aus Gründen der Kurssicherungskosten wichtig ist)

2. in USD gehandelt werden. - Ein ADR kann sich dabei auf eine Aktie, auf mehrere Aktien, aber auch lediglich auf einen Aktienbruchteil beziehen.

– Siehe Aktien-Zertifikat, Verbriefung, Zertifikat.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

repartition; im Normalfall Am Geld (at the money):

Eine Option (Kaufoption oder Verkaufsoption) ist "am Geld", wenn der Ausübungspreis dem Preis des Basiswertes am Kassamarkt genau entspricht (an option is at the money when the price of the underlying asset is equal to the strike price). Die Ausübung der Option ist für den Inhaber diesfalls weder mit einem Gewinn noch mit einem Verlust verbunden (the intrinsic value is zero).

– Siehe Aus dem Geld, Im Geld, Option, Optionswert.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Am Geld Termin (at the money forward):

Bei Devisenoptionen ist der Basiswert in der Regel ein bestimmter Währungsbetrag. In diesem Fall bezieht sich der Am Geld-Ausübungspreis häufig nicht auf den zum Zeitpunkt des Abschlusses vorherrschenden Preis des Basiswertes am Kassamarkt. Vielmehr richtet sich der Ausübungspreis aus an dem aktuellen Terminpreis (wenn nicht anders angegeben: dem Kurs in 90 Tagen) der entsprechenden Währung.

– Siehe Swapsatz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Amortierung (cancellation):

In älteren Dokumenten die Ungültigkeitserklärung (annulment, nullification) eines Wertpapiers allgemein und eines Wechsels im Besonderen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Amortisation (amortisation; cancellation):

1 Auch im Deutschen manchmal gebrauchter anderer Ausdruck für Abschreibung.

2 Die Tilgung einer in Geldeinheiten ausgedrückten Schuld in Teilzahlungen (instalments, partial payments) an den Gläubiger.

3 Die gerichtliche Kraftloserklärung eines (verloren gegangenen) Wertpapiers, in der älteren Literatur oft Mortifikation (cancellation) genannt.

4 In alten Dokumenten auch jede Übertragung von Vermögenswerten und in besonderen von Grundstücken an öffentliche Körperschaften wie Kirchen, Klöster, Stiftungen oder Universitäten. Man sprach auch von Erwerbungen der toten Hand (dead hand, mortmain). Nach älterem Recht blieb dieses Vermögen nämlich dem gewöhnlichen Verkehr (wie Erbteilung, Veräusserung) grundsätzlich entzogen. Es war gleichsam amortisiert: tot; wiewohl es natürlich genutzt (etwa verpachtet) wurde, um Ausgaben, beispielsweise für den Bau und die Unterhaltung von Kirchen oder Universitätsinstituten, zu bezahlen. Weil aber auf diese Weise öffentliche Institutionen gegenüber dem Staat eine zu grosse Selbständigkeit erlangten, so beschlagnahmte man immer wieder deren Grundbesitz oder schränkte ihn durch Amortisationsgesetze (amortisation laws) ein. - In Deutschland wurde das kirchliche Vermögen 1803 aufgrund des Reichsdeputationshauptschlusses (principal decree of the imperial deputation) zugunsten des Staates enteignet und die Kirchen zur Bestreitung ihrer Personal- und Sachausgaben auf den Weg einer Besteuerung der Mitglieder verweisen. - In den USA sind heute einige (berühmte) Universitäten in der Lage, einen Grossteil ihrer Ausgaben aus ihrem Stiftungsvermögen zu leisten und daher vom Auf und Ab staatlicher Finanzierung weithin unabhängig. Das löste aber auch dort immer wieder eine Neid-Debatte aus: andere Universitäten fühlen sich durch die finanzielle Unabhängigkeit der Hochschulen mit breitem Stiftungsvermögen benachteiligt.

– Siehe Ballon-Kredit, Balloon, Hörergeld, Perpetuitäten, Soft Money, Studiengeld, Subsidiaritätsprinzip, Zinsen, antizipative.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Amortisation, negative (negative amortisation):

Bei Realkrediten die Tatsache, dass die monatlichen Zahlungen der Darlehnsnehmer selbst die fälligen Zinsen nicht abdecken. Bei Baukrediten an finanzschwache Schuldner ("Häuslebauer", home-builder) führt die jeden Monat damit steigende Schuldenlast leicht in den Ruin und zur Zwangsversteigerung (compulsory auction).

– Siehe Aufschub-Frist, Ballon-Kredit, Beleihungswert, Erstraten-Verzugsklausel, Home Mortgage Disclosure Act, Immobilienpreise, Mortgage Equity Withdrawal, Ninja-Loans, Realkredit, Subprime-Krise, Wohneigentum, Zinsstundung, Zwei-Achtundzwanzig-Kredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Amortisations-Swap (amortising swap):

Wenn nicht anders definiert ein Zinsswap, der es erlaubt, innert der Laufzeit Verminderungen des Nominalbetrags vorzunehmen (an interest rate swap with a decreasing notional principal amount).

– Siehe Cap, Contingent Swap, Geldmarkt-Segmente, Laufzeitprämie, LIBOR-Spread, Reversal, Währungs-Swap.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ampelgeld (sanctuary light fee):

Frühere Abgabe für den Unterhalt der Hängelampe (= Ampel; von AMPULLA = Ölgefäss, Öllicht) am Altar vor dem Tabernakel in den (katholischen und orthodoxen) Kirchen (ewiges Licht; sanctuary lamp).

– Siehe Kerzengeld, Messegeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Amtsgeld (church ministry fee; officials salary):

1 Früher die Gebühr für besondere Amtshandlungen eines Geistlichen, auch Kerzengeld genannt.

2 Ältere Bezeichnung für das Gehalt eines Beamten, auch Bestallungsgeld genannt; bestallen = hier: jemanden in eine (öffentliche) Stelle einsetzen.

– Siehe Denkgeld, Kerzengeld, Memoriengeld, Messegeld, Salär, Stolgeld, Taxe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Amtshaftsumme und Amtskaution (officeholder's bailment):

Hinterlegung in Geld oder Wertpapieren, die ein mit der Kassenführung betrauter Beamter (in älteren Dokumenten statt Beamter auch Offiziant) früher zu leisten hatte. Es sollten damit allfällige, aus der Amtsführung erwachsende Schäden gedeckt werden. Heute ist diese Haftung in der Regel durch eine Kautionsversicherung (fidelity insurance) ersetzt.

– Siehe Gewährgeld, Haftgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Amtsprüfung (official audit):

Die Möglichkeit einer Aufsichtsbehörde, bei Verdachtsfällen die Kontrolle der Rechnungslegung einer Bank durch beamtete Wirtschaftsprüfer anzuordnen, die möglichst auch der Aufsichtsbehörde beigeordnet sind. In vielen Staaten ist dies üblich, in Deutschland nicht möglich, da es beamtete Wirtschaftsprüfer (noch) nicht gibt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Analyse, monetäre (monetary analysis):

Wenn nicht anders definiert, die in den Mittelpunkt gestellte Berücksichtigung der Geldmenge durch die Zentralbank.

– Siehe Ausrichtung, einzielige, Inflation Targeting, Zwei-Säulen-Prinzip.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Analyse, technische (technical analysis):

1 An der Börse die künftige Markteinschätzung und Beurteilung des Preises eines Wertes (Währung, Wertpapier, Ware, Terminkontrakt) aufgrund des bisherigen Marktverlaufs und dessen Bestimmungsgründe. Ein wichtiger Teil dabei ist das Chart Reading, das sich auf die graphische Darstellung (Charts) vergangener Kursverläufe stützt. Die Tätigkeit der technischen Analyse wird auch Investment Research genannt, und den auf dieser Grundlage arbeitenden Analysten nennt man oft auch Techniker (technicians).

2 Die Untersuchung auf den Finanzmärkten allgemein mit dem Zweck, entsprechende Empfehlungen abzugeben. Personen, die solches - mit welchem methodischen Werkzeug auch immer - öffentlich betreiben (Analysten) unterliegen in Deutschland der Aufsicht und den Bestimmungen der Ende 2004 in Kraft getretenen Finanzanalyseverordnung.

– Siehe Analyst, Charts, Fibonacci-Folge, Finanzanalyse, Histogramm, Journalisten-Privileg, Kartierung, Market Timing, Random-Walk-Hypothese, Strichdiagramm, Techniker.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 126 (erhöhte Anforderungen durch das Anlegerschutzverbesserungsgesetz) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Analyserahmen, gemeinsamer (systemic assessment framework, SAF):

Im April 2009 ins Leben gerufene Einrichtung mit dem Auftrag, den Erfahrungsaustausch zwischen Zentralbanken, Aufsichtsbehörden und Finanzministerien in der EU zu verbessern.

– Siehe Abschreckung, aufsichtsrechtliche, Anlegerschutz, Aufsicht, europäische, Aufsichtsvermeidung, Banana Skins Survey, Harmonisierung, Octopus, Regulierungs-Arbitrage, Regulierungswut, Straitjacking, Subsidiaritätsprinzip, Überregulierung.

– Vgl. Geschäftsbericht 2009 der Deutschen Bundesbank, S. 102 (Arbeitsauftrag).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Analyst und Analytiker (analyst):

1 Person, die

1. berufsmässig (möglicherweise auch vertragsmässig als Finanzjournalist bei einer Zeitung oder Zeitschrift).

2. das Geschehen an Finanzmärkten allgemein und an der Börse im Besonderen beobachtet, erklärt und bewertet und

3. die daraus gewonnenen Erkenntnisse bekanntmacht (a person with expertise in assessing and evaluating financial securities. Most analysts are specialised in a single industry, business sector or just one or a few tradeable shares).

– Analysten sind in Deutschland nach § 34c WpHG bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht anzeigepflichtig und werden überwacht.

2 Mitarbeiter einer Bank, der für die Kundschaft und andere Abteilungen des Hauses Finanzmärkte beobachtet, begutachtet und beurteilt (sog. Sell-Side-Analysten). Grössere Banken beschäftigen oftmals einen beachtlichen Stab von (auf bestimmte Branchen, Länder oder Finanzprodukte) spezialisierten Analysten.

3 Fachleute bei Kapitalverwaltungsgesellschaften, welche die zur jeweiligen Zielrichtung des Fonds geeignete Zusammensetzung des Portfolios erforschen und entsprechende Empfehlungen an das Fondsmanagement abgeben (sog. Buy-Side-Analysten).

– Siehe Analyse, technische, Analysten-Rating, Analysten-Registrierung Anlage-Empfehlung, Analysten-Aufgabenbeschränkung, Auftragsresearch, Emissionsabsprache, Fibonacci-Folge, Finanzanalyse, Finanzasophie, Gewinnschätzung, Journalisten-Privileg, Scalping, Security Analyst, Techniker, Wertpapieranalyse.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 35 (wichtige, international gültige Grundsätze für Analysten), S. 109 ff., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 107 (über die m Dezember 2004 in Kraft getretene Finanzanalyseverordnung [FinAV]), S. 125 f. (hier auch: Reise- und Unterbringungskosten auf Analysten-Konferenzen dürfen von Emittenten nicht übernommen werden), S. 126 f. (Anzeigepflicht für Analysten gemäss der neuen Finanzanalyseverordnung), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 133 ff. (ausführliche Darstellung der Verhaltensregeln), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 139 (Aufsichtsgespräche mit Analysten; Mängelliste), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 148 ff. (neue Verhaltensregeln für Analysten; Auslegungsentscheidung; unabhängige Analysten), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 145 f. (anlassbezogene Auskünfte durch die BaFin), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 211 (Bafin überwacht 138 Analysten), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 164 f. (BaFin durchsucht das Internet und geht Empfehlungen in Börsenbriefen nach) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Analysten-Aufgabenbeschränkung (restriction of activities relating to an analyst):

Der Einsatz eines Analysten auch in anderen Abteilungen eines Instituts birgt die Gefahr, dass dessen Unabhängigkeit und Neutralität gefährdet wird. Eine solche Gefährdung sieht die Aufsichtsbehörde insonders als gegeben an, wenn ein Analyst auch im Bereich Investment Banking beschäftigt wird, etwa bei Unternehmensfinanzierungen, Emissionen, Ausschreibungen zur Akquirierung eines neuen Geschäftes (Pitches) oder Road Shows.

– Siehe Analyst, Emissionsabsprache, Finanzanalyse.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 148 (neue Verhaltensregeln).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Analysten-Beeinflussung (influencing of analysts):

1 Empfehlungen des Managements eines Unternehmens an Analysten (vor allem gelegentlich einer Analysten-Konferenz vermittels der Weitergabe von Insider-Informationen), bestimmte Papiere der Kundschaft anzubieten.

2 Die auswahlweise Weitergabe bestimmter Informationen an nur einige wenige Analysten durch ein Unternehmen, um dem jeweiligen Analysten einen Informationsvorsprung (information advantage) zu gewähren.

3 Bei einem Institut die Anweisung der Geschäftsleitung an Analysten, bestimmte Finanzprodukte günstig zu beurteilen, weil dies im Interesse des Hauses liegt.

– Siehe Analyst, Emissionsabsprache.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 149 (Konfliktfälle).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Analysten-Gehaltsvereinbarung (analyst salary agreement):

Bei einem Institut muss die Vergütung der Analysten vom Einkommen und allfälligen Prämien anderer Mitarbeiter abgesondert werden, falls Interessenskonflikte zu befürchten sind.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 148 (neue Verhaltensregeln).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Analysten-Rating (analyst rating):

Von Analysten vor allem bei Banken ausgesprochene Empfehlungen für oder gegen den Kauf eines Finanzprodukts. Diese Ratings können je nach Grösse des Instituts bzw. Ansehen des Analysten grossen Einfluss auf den Kurs des Finanzproduktes (vor allem auf börsennotierte Aktien) haben. Dabei sind weltweit bestimmte englischsprachige Formulierungen ein bis zwei Wörtern gebräuchlich, vor allem: Strong Buy = unbedingte Kauf-Empfehlung; Buy = Kauf-Empfehlung; Hold = Halten; Sell = Verkaufs-Empfehlung; Strong Sell = unbedingte Verkaufs-Empfehlung, Accumulate = nachkaufen (bei einem Rückgang des Kurses).

– Siehe Akataphasie, Analysten-Beeinflus¬sung, Börsensprache, Finanzanalyseverordnung, Finanzsprache, Rating-Agenturen.

– Vgl. Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 164 f. (BaFin beaufsichtigt Analystentätigkeit; fortgesetzter Trend, Analystenleistungen einzukaufen und nicht selbst zu erbringen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Analysten-Registrierung (registration of analysts):

Alle natürlichen und juristischen Personen, die in Ausübung ihres Berufs oder im Rahmen ihrer Geschäftstätigkeit für die Erstellung von Finanzanalysen oder deren Weitergabe verantwortlich sind, haben dies gemäss § 34 c WpHG der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht unverzüglich anzuzeigen.

– Siehe Analyst.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 149 (Bussgeldverfahren wegen Nichtanzeige), Jahresbericht 2010 der BaFin, S: 211 (laufende Aufsicht; auch Analysten mit Sitz im Ausland sind registrierungspflichtig, sofern sie Geschäfte an einer inländischen Börse behandeln) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anbahnungskosten (initiation costs):

Ausgaben (einer Bank), die vor Abschluss eines Vertrags entstehen, insbesondere im Zuge einer aufwendigen Prüfung der Bonität (creditworthiness check, credit assessment) des möglichen Kunden. In manchen Fällen muss sich der Kreditnehmer verpflichten, einen hierfür notwendigen Betrag im Voraus zu entrichten, der ihm dann bei Bestätigung des Vertrags wieder gutgeschrieben wird. Damit möchte man eine Fülle von arbeitsintensiven Darlehnsanträgen bonitätsschwacher Adressen abwehren (die oft genug Kreditanträge bei mehreren Instituten gleichzeitig stellen).

– Siehe European Master Agreement.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anbietungsgrenze auch Antragsgrenze (offering border):

In der Kreditversicherung übliche Vertragsvereinbarung, wonach ab einer festgelegten Summe (etwa 50'000 Euro) der Versicherungsnehmer seinen Schuldner (also den Kunden, demgegenüber er eine Versicherung gegen ein Kreditereignis eingeht) dem Versicherer zwecks allfälliger Bonitätsprüfung (credit assessement) anzugeben hat.

– Siehe Ausfallwahrscheinlichkeit, Aushaftung, Bonitätsrisiko, Borgkraft, Default, Einzug, Factoring, Franchise, Kredit, notleidender, Kreditlinie, Kreditqualität, Probability of Default, Reintermediation, Schulden, notleidende.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anbindungsfunktion (linking function):

In Zusammenhang mit der Mindestreservepolitik einer Zentralbank gesagt. Damit eine Zentralbank den Tagesgeldsatz unter Kontrolle halten kann, muss eine ausreichende Nachfrage nach Einlagen (Guthaben) bei der Zentralbank bestehen. Dieser Bedarf wird durch das Mittel der Mindestreserve zwangsweise erzeugt. Weil die so geschaffene Nachfrage stabil und vorausplanbar ist, so erleichtert sie auch das Liquiditäts-Management einer Zentralbank.

– Siehe Geldschöpfungswilligkeit, Mindestreserve-Pflicht, Zinskorridor.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2004, S. 55 f., Monatsbericht der EZB vom Oktober 2005, S. 27 ff. (Darstellung; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anderson-Skandal (Anderson scandal):

Der Zerfall der altehrwürdigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Anderson in den USA im Jahr 2004. Die global tätige Firma hatte 2001 zwei Tonnen Akten des ins Trudeln geratenen Energieriesen Enron vernichtet, wurde deshalb vom Obersten Gerichtshof der USA in letzter Instanz wegen Behinderung der Justiz verurteilt und büsste ihre Lizenz in allen 50 Staaten der USA ein. Dadurch verloren viele Gesellschafter ihre Einlagen und etwa 90 000 Angestellte ihren Arbeitsplatz (Anderson stand weltweit an Platz 5). Anderson war auch in den Zusammenbruch der WorldCom 2002 verwickelt.

– Siehe Aktivitäts-Verlagerung, bilanzbestimmte, Angels, fallen, Beratungs-Prüfungs-Mix, Bilanz-Skandal, Buchführung, manipulative, Regulierungs-Arbitrage, Principal-Agent-Problem, Sarbanes-Oxley Act.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Änderungsmarge (variation margin):

Die Anpassung eines Kontrakts an zwischenzeitlich eingetretene Preisänderungen (changes in price) des Basiswertes.

– Siehe Anfangsmarge, Nachdeckung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Andienungspflicht (duty to sell):

In Staaten mit Devisenzwangswirtschaft die Pflicht aller Bewohner, welche ausländische Zahlungsmittel (auch geschenkweise) erhalten, diese unverzüglich an die entsprechende Behörde abzutreten.

– Siehe Ausfuhrprämie, Belassungsquote, Devisenfreibetragsverfahren, Devisenvergehen, Devisenzwangswirtschaft, Sursatgebühr.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anerkennungsprämie (appreciation award):

1 Allgemein eine im Nachhinein gewährte zusätzliche Vergütung an Personen in einem Unternehmen für besondere Leistungen, in der Regel in Zusammenhang mit der Wertsteigerung des Unternehmens.

2 Im Besonderen die bei Fusionen und Übernahmen geleistete Zahlung an Entscheidungsträger der Zielgesellschaft, um diese übernahmewillig zu machen. Soweit der Bieter eine solche Zuwendung in Aussicht stellt, ist die Grenze zu einem Schmiergeld schwer zu markieren. Zahlt das übernommene Unternehmen jedoch Prämien an Entscheidungsträger (Transaktionsbonus), so ist hier abzuwägen, inwieweit es sich um eine treuepflichtwidrige Schädigung der Gesellschaft bzw. der Aktionäre handelt. Dieser Fall wurde in Zusammenhang mit den sog Mannesmann-Urteilen 2006 vielfach erörtert.

– Siehe Abwerbegeld, Aktionärstimmenjagd, Bonus, Douceur, Draufgeld, Geheimgeld, Gifttablette, Handgeld, Handschlag, goldener, Rückvergütung, Schmiergeld, Übernahme-Angebot.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anfangskapital (initial capital):

Bei einem Kreditinstitut in der EU der Nachweis gegenüber der Aufsichtsbehörde bei Beantragung einer Erlaubnis, dass dieses über einen bestimmten Betrag eigener Mittel (derzeit 5 Mio Euro) verfügt. Rechtsquelle ist Artikel 9 der Richtlinie 2006/48/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 14. Juni 2006 über die Aufnahme und Ausübung der Tätigkeit der Kreditinstitute (Neufassung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anfangsmarge (initial margin):

Beim Kauf wie auch beim (Leer-)Verkauf eines Basiswertes auf Termin muss man bei Vertragsabschluss über einen bestimmten Geldbetrag verfügen. Dieser entspricht in der Regel einem Prozentsatz vom Gesamtwert des abgeschlossenen Vertrags, den die Bank verlangt. - Zusätzlich wird nun während der Laufzeit des Vertrags periodisch eine Änderungsmarge ermittelt. Sie errechnet sich aus dem Buchgewinn bzw. Buchverlust, der sich aus der Wertveränderung des Vertrags bzw. des Basiswertes zu Marktpreisen ergibt. Die Änderungsrate kann im Falle eines Buchverlustes (Nachschuss-Marge) ein Mehrfaches der Anfangsmarge betragen.

– Siehe European Master Agreement, Futures-Märkte, Gegenpartei, zentrale, Margenausgleich, Margendeckung, Nachschuss-Aufforderung, Nachschuss-Vereinbarung, Option, Rohstoff-Terminvertrag, Schwankungsmarge.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2006, S. 63 ff. (Auswirkungen der Margins auf den Finanzmarkt gesamthaft).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Angaben, unrichtige (wrong disclosure):

In Deutschland ist es nach § 20a WpHG verboten, unrichtige Angaben über Umstände zu machen, welche für die Beurteilung von Vermögenswerten erheblich sind. Auch dürfen bewertungserhebliche Umstände nicht verschwiegen werden, falls eine entsprechende Rechtspflicht zur Offenlegung besteht. Das Verbot gilt für alle Vermögenswerte (Wertpapiere, Derivate, Geldmarktinstrumente, Rechte auf Zeichnungen, Waren, Devisen), die an einer deutschen Börse oder an einer Börse in des Europäischen Wirtschaftsraums zugelassen sind.

– Siehe Ad-hoc-Mitteilung, Aktionärsbrief, Aufsichtsvermeidung, Entscheidungsnützlichkeit, Informations-Aufschub, Informations-Überladung, Salami-Taktik, Umstände, bewertungserhebliche, Verlust-Tarnung, Verständlichkeit.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 187.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Angaben, verschleierte (disguised disclosure):

Von (börsennotierten) Unternehmen verbreitete (Pflicht)Mitteilungen, die

1. in sprachlich vieldeutige Redewendungen oder umschweifige Formulierungen gegossen oder (immer häufiger)

2. mit viel nichtssagendem Gerede aufgefüllt, mit belanglosen Aussagen samt reichlich die Aufmerksamkeit des Lesers geschickt ablenkenden Bildern angereichert sind (information overload). Auf diese Weise versucht man, unangenehme Tatsachen zu verdecken.

– In den USA haben nach der Sarbanes-Oxley-Act Mitteilungen in "plain English" (Klartext) zu erfolgen; künftige Markteinschätzungen sind als Erwartungen eindeutig zu kennzeichnen. Trotzdem gehen auch hier viele Unternehmen den Weg der Informations-Überladung.

– Siehe Ad-hoc-Mitteilung, Aktionärsbrief, Aufsichtsvermeidung, Aussagen, zukunftsgerichtete, Entscheidungsnützlichkeit, Informations-Überladung, Klartext, Managed Bank, Nichts, bilanzielles, Pensionsverpflichtungen, Prognosebericht, Sarbanes-Oxley-Act, Stetigkeit, Verlust-Tarnung, Verständlichkeit, Vorhersagen, Wesentlichkeit, Zweckdienlichkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Angebot, gemeinsames (joint tender):

Aufsichtsrechtlich der Fall, dass zwei oder mehrere Bieter eine Offerte zur Übernahme einer Zielgesellschaft abgeben.

– Siehe Acting in Concert, Personen, gemeinsam handelnde.

– Vgl. Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 226 (hier ausführliche Erläuterungen zur Rechtsposition der einzelnen Beteiligten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Angariegeld und Angarisationsgeld (angary settlement):

Die Zahlung an den Eigner eines Schiffes (in weiterem Sinne manchmal auch gesagt von anderen Vermögensgegenständen) aus einem neutralen Staat als Entschädigung für die Beschlagnahme durch eine kriegsführende Macht (belligerent power). - Nach herrschender Meinung in der Völkerrechtslehre (prevailing opinion in international law) sind solche Zwangsenteignungen (compulsory expropriations) auch heute noch erlaubt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Angebot, öffentliches (public offer):

Auf dem Finanzmarkt liegt nach der Definition der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ein öffentliches Angebot (buying quotation) vor, wenn über ein beliebiges Medium (zum Beispiel das Internet) ein unbestimmter Personenkreis aufgefordert wird, ein Kaufangebot (bid, offer to buy) abzugeben.

– Siehe Prospektpflicht, Publikumsfonds, Umtausch-Angebot.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Angeld auch Haftgeld (earnest money; extra payment):

1 Betrag, den ein Käufer dem Verkäufer als Zeichen des Geschäftsabschlusses zahlt (a partial payment made to evidence good faith that the buyer will complete the purchase transaction at the time the contract is signed). - Eine solche Zahlung wird namentlich von einem unbekannten Abnehmer verlangt, der gekaufte Ware abholen lassen und dann beim Abtransport bezahlen will. Das Angeld dient dem Verkäufer somit als Sicherheit, dass die Ware auch tatsächlich abgeholt wird; siehe die Legaldefinition zum Angeld in § 908 ABGB. - Die Höhe des Angelds wird im Regelfall (besonders bei Versteigerungen aller Art) als Prozentsatz der Kaufsumme berechnet und ist sofort fällig. - Tritt der Käufer vom Vertrag zurück, so verfällt im Regelfall das Angeld; im Gegensatz zu einer Anzahlung (Vorauszahlung; prepayment), wo der vorgeleistete, als eine Teilerfüllung des Vertrags beabsichtigte Betrag zurückerstattet wird. Der Verlust des Angelds wird in der juristischen Literatur auch Reu[e]geld (forfeit money) und Wandelpön genannt. - Das Angeld ist also von der Anzahlung zu unterscheiden, was besonders bei Kaufverträgen eine Rolle spielt. Im Zweifelsfall ist für die Beurteilung, ob ein Betrag als Angeld geleistet wurde, vor allem die Höhe der Zahlung im Verhältnis zum Gesamtpreis wesentlich. Beträge, die über zehn Prozent der Gesamtleistung liegen und nicht ausdrücklich als Angeld bezeichnet sind, stellen nach gängiger Rechtsprechung (constant jurisdiction) eine Anzahlung dar.

2 Im Besonderen Zahlung, die Hotels vor allem in Österreich bei Annahme (booking) einer Reservierung verlangen und die in der Regel verfällt, wenn der angemeldete Gast nicht termingemäss erscheint (does not arrive at schedule).

3 In älteren Dokumenten auch zu einem Zuschuss, zu einer Zahlung aus Gefälligkeit, in unterschiedlicher Nuancierung (in varying nuances of meaning) gesagt.

– Siehe Abstandsgeld, Douceur, Einschuss, Ingeld, Kaution, Reuegeld, Rückvergütung, Schmiergeld, Waarborgsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Angel Investment (so auch oft im Deutschen gesagt):

Investitionen in ein Unternehmen, das sich noch auf der Stufe seines (organisatorischen, technischen) Aufbaus befindet und daher noch keinen Ertrag aus dem Absatz (Verkauf des Gutes am Markt) erwirtschaftet.

– Siehe Seed Capital.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Angels, fallen (so auch im Deutschen gesagt; seltener abgestürzte Spitzen):

1 In der Sprache der Finanzwelt bekannte und oft genug durch Rating-Agenturen mit den höchsten Bonitätsstufen ausgezeichnete Firmen, die über Nacht in den Konkurs abstürzen, wie etwa 2002 das US-amerikanische Telekommunikationsunternehmen WorldCom (allein die Deutsche Bank musste einen dreistelligen Millionenbetrag [three-digit million amount] auf ihr Engagement bei WorldCom abschreiben) oder im Jahr davor der texanische Energiekonzern Enron. - Im Jahr 2007 gerieten im Zuge der Subprime-Krise die (öffentlich-rechtliche) Sachsen LB sowie die West LB ins Trudeln und mussten mit Milliardenbeträgen (aus Steuermitteln) gestützt werden.

2 Finanzprodukte, die zunächst als erstklassig eingestuft waren, sich aber hinterher als sehr risikoreich entpuppten (financial instruments that were initially considered excellent investments but which later revealed to be very risky). Hierzu zählen ursprünglich alle auf EUR denominierten Staatsanleihen von Mitgliedern der EWU. Anfang März 2012 wurden die Inhaber griechischer Staatsanleihen "freiwillig gezwungen" (voluntarily compelled), auf die Hälfte ihrer Forderungen zu verzichten. - The term "fallen angels" originally derives from theology and describes those angels who rebelled against God and lost His grace.

– Siehe Anderson-Skandal, Bilanz-Skandal, Corporate Governance, Londoner Verfahren, Verbreifungsstruktur.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2005, S. 94 f., Monatsbericht der EZB vom November 2007, S. 18 ff. (Auswirkungen der Subprime-Krise; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2007, S. 32 ff. (Liquiditätssteuerung durch die Mindestreservepolitik während der Subprime-Krise), S. 45 ff. (Umfrage zum Kreditgeschäft in Zusammenhang der Subprime-Krise; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Januar 2008, S. 16 ff. (Liquiditätshilfen der EZB), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 124 (Übernahme der defizitären Sachsen LB durch die LBBW), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 123 (Verluste der Landesbanken).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Angleichung, informelle (conscious parallelism):

Banken haben oftmals ihre Geschäftsbedingungen (und hier vor allem die Kreditrichtlinien) auf jene der Konkurrenten abgestimmt, ohne dass es darüber zu förmlichen Absprachen zwischen den Instituten kam.

– Siehe Allianzen, grenzüberschreitende, Korrespondenzbank-Beziehung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Angleichungsautomatismus (autonomous coordination forces):

In Bezug auf die Europäische Währungsunion die oft vorgetragene, aber unbewiesene weil nicht zu beweisende Ansicht, es würden durch eine gemeinsame Währung selbsttätige Kräfte auf eine volkswirtschaftliche Angleichung der teilnehmenden Staaten in Gang gesetzt. Weil nämlich die Finanzpolitik und die meisten anderen wichtigen Politikbereiche in nationaler Entscheidungshoheit der Teilnehmerländer verbleibt, wäre ein Zusammenwachsen nur bei genauer Abstimmung der Massahmen in diesen Bereich möglich. Tatsächlich stiegen in einigen beim Eintritt in die EWU eh schon schwachen Ländern die Lohnkosten überproportional an, was deren Wettbewerbsfähigkeit schadete und sie selbst sowie dann auch die EWU in eine Schuldenkrise stürzte.

– Siehe ClubMed, Disfunktionalität, währungsraumbezogene, Euro-Anleihen, gemeinsame, Eurostaaten, EWU-Sprengsatz, Fiskalpakt, Geldvermehrung, währungsunion-interne, Hellenoschwärmerei, Leistungsbilanz-Defizit, Lohnpolitik, koordinierte, Strukturreformen, Ungleichgewichte, EWU-interne, Wachstumsförderung, Wachstumsunterschiede, währungsrauminterne, Währungsraum, optimaler, Wirtschaftspolitik, europäische.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anglizismen (anglicisms):

Entlehnungen aus der englischen Sprache, die in die Landessprache eingedrungen sind. Weil die Finanzwelt weithin globalisiert ist, so häufen sich hier begreiflicherweise Wörter und Redensarten aus dem Englischen. Wenn das immer wieder als Unart des sog. "Zeitgeistes" (spirit of the time; zeitgeist) gerügt wird, so ist dies falsch. Schon alte Kaufmannssprache sog sich mit italienischen Wörtern (wie Debet, Konto, Storno) voll, und die alte Börsensprache nahm viele Entlehnungen aus dem Französischen (wie Kupon, Baisse, Journal) auf.

– Siehe Börsensprache, Finanzsprache Jargon, Sprachimperialismus.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Angst, perverse (perverse angst, perverse panic):

Im Dezember 2013 in einem Interview von dem Präsidenten der EZB Mario Draghi geprägte und sich sehr rasch verbreitete Sprachformel (dictum: a popular saying). Sie bezieht sich auf die Inflationsfurcht (fears of inflation) der Bürger in Deutschland, die ob dessen die Geldpolitik der EZB besonders misstrauisch beobachten. Befürchtungen in Deutschland, dass durch die Retterei der Geldwert beeinträchtigt werde, entbehren indessen wohl nicht einer sachlichen Grundlage. Dass dies als pervers, als krankhaft (angst-ridden) bezeichnet wurde, löste in weiten Kreisen Deutschlands und auch der Niederlande Wut aus. - Im Januar 2014 schwächte Mario Draghi seine Aussage ab. Das Wort "pervers" habe in der englischen Sprache, in der er sich ausgedrückt hatte, die Bedeutung "im Irrtum verhaftet, "nicht sachlich begründet".

– Siehe Aufkäufe, zentralbankliche, Bailout, Bazooka, Bestandskraft, Blutzoll, Defizit-Finanzierungsverbot, Demokratie-Defizit, Diätrendite, Enteignung, kalte, Europäische Währungsunion, Grundfehler, EZB-Sündenfall, Führung, verbale, Handlungsbereitschaft, Konstanz-Kriterium, Nuklearoption, Nullzins, Outright-Geschäfte, geldpolitische, Repression, finanzielle, Schattenstaat, Transfer, verschleierter, Transferunion, Überregierung, Umverteilung, zentralbankbewirkte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Angstsparen (panic saving):

Privathaushalte mindern ihre Konsumquote und erhöhen die Sparquote, weil sie schlechte Erwartungen hinsichtlich ihrer künftigen Einkommens¬verhältnisse hegen.

– Siehe Güter, kaufhäufige, Konsumschwäche, Staatsverschuldung, konsummindernde, Vorschatten-Effekte.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2007, S. 52 (Zusammenhang zwischen Vorsichts-Sparen und Einkommensunsicherheit).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anhebgeld (conduct money):

In früherer Zeit an ausgehobene Soldaten (Rekruten; recruits) bezahlte Summe, um die Aufwendungen der Reise von ihrem Heimatort zum Platz der Einberufung bestreiten zu können; manchmal auch Marschgeld und Marschiergeld (conduct money) genannt.

– Siehe Detraktion, Fahrgeld, Verzehrgeld, Werbegeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Animal Spirits (so auch im Deutschen gesagt):

Der Begriff gilt im Englischen als eine Wortschöpfung des britischen Nationalökonomen John Maynard Keynes [1883-1946] aus seinem 1936 erschienen Buch "The General Theory of Employment, Interest and Money"). In Bezug auf den Finanzmarkt die Feststellung, dass die Handlungen der Marktteilnehmer nicht immer bzw. nicht ausschliesslich mit den Erklärungsansätzen der ökonomischen Theorie verdeutlicht werden können. Vielmehr spielen auch gefühlsmässige Verhaltensweisen (behavioural patterns by instinct) eine Rolle. Deren besondere Eigenart ist es erfahrungsgemäss, sich plötzlich von einer Richtung (Erwartungen einer Hausse) in die andere (Erwartungen einer Baisse) umzukehren.

– Siehe Behavioural Finance, Euphoriephase, Finanzmathematik, Finanzpsychologie, Freitag-13-Anomalie, Furchtthese, Herdenverhalten, Hindsight, Information, asymmetrische, Kurzsichtigkeit, Kalender-Effekt, Montag, schwarzer, Montagseffekt, Megamanie, Rückkoppelungsschleife, Freitag, schwarzer, Sell-in-May-Effekt, Sinuskurven-Fetischismus, Small-Cap-Effekt, Stimmungs-Umschwung, Theoretiker.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ankergeld (anchorage; anchor money):

1 Von einem ausländischen Schiff zu entrichtende Abgabe in Bargeld für die Erlaubnis, in einem Hafen anzulegen (to moor). Im Unterschied zum Hafengeld, das für die Nutzung der Hafeneinrichtungen (port installations) zu bezahlen war, sah man im Ankergeld eine Art Eintrittsgebühr zum Betreten des jeweiligen fremden Landes. Das Ankergeld floss daher auch regelmässig der Staatskasse (Kammer) zu, nicht also der Hafenbehörde.

2 Sammelbezeichnung für englische Kolonialmünzen aus Silber, benannt nach dem Rückseitenbild (Revers), nämlich einem gekrönten Anker unter der britischen Krone.

– Siehe Abfertigungsgeld, Auseisunggeld, Bordinggeld, Furtgeld, Hafengeld, Kaaggeld, Kaigeld, Kapgeld, Krangeld, Lastgeld, Leuchtturmgeld, Liegegeld, Lotsengeld, Mützengeld, Pfundgeld, Pratikageld, Schleusengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ankerwährung (anchor currency, peg currency):

1 Ausländisches Geld bzw. auch ein Währungskorb (theoretically, it may also peg the currency to the value of some commodity, such as gold), an das eine Zentralbank ihre eigene Zahlungsmittel bindet.

2 Ausländisches Geld (as well it may be a commodity for example cigarettes such as after the Second World War), das von heimischen Wirtschaftssubjekten im täglichen Verkehr gegenüber dem eigenen gesetzlichen Zahlungsmittel bevorzugt wird: eine Nebenwährung.

– Siehe Dollarisierung, Euroisierung, ECU, Nebenwährung, Regionalgeld, Sonderziehungsrecht, Verrechnungsgeld, Zigarettenwährung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anlage (engagement; investment, asset):

In Bezug auf den Finanzmarkt

1 in sehr weiter Bedeutung jederart Einsatz von eigenem oder geliehenem Geld mit dem Ziel, einen Gewinn zu erzielen (any input of owned of borrowed money with the aim of profit making) und dem Begriff Engagement in etwa entsprechend.

2 Im engeren Sinne eine Investition bzw. ein Vermögensgegenstand, in Bezug auf ein Unternehmen vor allem ein Kapitalgut.

– Siehe Anleger, Portfolio.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anlage, ethische (ethical investment):

Die Investition in Wertpapiere solcher Firmen und Kapitalverwaltungsgesellschaften, die

1. neben dem eigentlichen Geschäftszweck vor allem wohltätige, karitative bzw. soziale, gemeinnützige Vorhaben unterstützen oder

2. in ihrer Satzung sich zu bestimmtem Verhalten gegenüber Mensch (Mitarbeitern) und Natur (Umwelt) verpflichten.

– Insoweit bekannte Kapitalverwaltungsgesellschaften solche, in der Regel einen geringeren Ertrag versprechende Papiere anbieten, darf man im allgemeinen auf eine Überwachung der aufgezeigten Ziele durch entsprechende Gremien vertrauen. Es wurden und werden aber noch immer von verschiedenen Emittenten ethische Anlagen angeboten, die sich einer Nachprüfung in Bezug auf den vorgegebenen Verwendungszweck entziehen. (Aufsichts-)Rechtlich besteht indessen bis anhin in Deutschland kein Namensschutz für "ethische" Wertpapiere.

– Siehe Alternativbank, Anlagepolitik, Bank, kirchliche, Fonds, ethischer, Investition, nachhaltige, Nachhaltigkeit, Ökofonds, Sustainability-Fund.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anlage, fiduziarische auch Treuhandanlage (fiduciary investment):

Im Namen einer Bank, jedoch auf Rechnung und Gefahr eines Kunden bei einem (ausländischen) Institut plazierte Investition. Üblich ist bei solchen Verträgen eine feste Laufzeit, ein bestimmter (Mindest)Betrag zu einem festen Zinssatz.

– Siehe Anlagegrenze, Callgeld, Festgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anlage, innovative auch Innovativanlage (innovative investment):

Ab etwa 2000 häufig gebrauchte, gleichwohl aber eine Investition nicht genau bestimmende Bezeichnung. In den meisten Fällen handelt es sich um strukturierte Finanzprodukte auf der Grundlage von Festgeld mit bei Vertragsabschluss noch nicht ausgemachter Verzinsung. Der Zinsertrag wird oft ganz oder teilweise in eine Option angelegt. In der Praxis gibt es unzählige Sonderformen, die sich auf den besonderen Rendite-Risiko-Sonderwunsch eines Kunden anpassen lassen.

– Siehe Finanz-Alchemie, Finanzinstrumente, Financial Engineering, Investition, Portfolio-Optimierung, Qualitätssteuerung, Zertifikateschneider.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anlage-Ambiguität (investment ambiguity; ambiguity = doubtfulness):

Ein Investor fühlt sich über die näheren oder weiteren Folgewirkungen eines Engagements in den verschiedenen Sektoren des weltweiten Finanzmarktes unsicher. Er entscheidet sich daher für eine Investition dort, wo seine subjektive Unsicherheit am geringsten ist.

– Siehe Animal Spirits, Anlage-Risiko, Home Bias.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anlage-Ausschuss (investment advisory committee):

Gremium, zusammengesetzt aus den verschiedenen Sachkundigen einer Kapitalverwaltungsgesellschaft, Bank oder Versicherung, das zu regelmässigen Sitzungen zusammentritt, um über Käufe und Verkäufe von Wertpapieren und anderen Vermögensgegenständen (wie Beteiligungen, Edelmetalle, Grundstücke, Kunstwerke, Optionen) zu beraten. In der Regel hat der Anlageausschuss auch Entscheidungsbefugnis (decision-making power).

– Siehe Advisor, Aktiva-Passiva-Ausschuss, Aktuar, Anlage-Qualität, Immobilienfonds, Vieleck, magisches.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anlageberatung (investment consulting, investment advisory services):

Nach der Definition der Aufsichtsbehörden die Abgabe persönlicher Empfehlungen an einen Kunden entweder auf dessen Aufforderung oder auf Initiative der Wertpapierfirma, die sich auf ein oder mehrere Geschäfte mit Finanzinstrumenten beziehen. In Deutschland bedürfen solche Dienstleister einer Erlaubnis und unterliegen der Kontrolle durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht; sie wird als Wertpapier-Dienstleistung eingestuft.

– Siehe Anlage-Empfehlung, Anlagegrenze, Anlage-Risiko, Analyse, technische, Analyst, Beschwerdehäufung, Blog, Börsenbriefe, Direct Brokerage, Daimonion, Domizil-Verschleierung, Finanzanalyse, Finanzanalyseverordnung, Finanzberater, Finanzunternehmen, Frontrunning, Geheimtip, Informationsblätter für Finanzinstrumente, Internet-Foren, Investmentfirma, Journalisten-Privileg, Honorarberater, KWG-Vermittlerverordnung, Managed Account, Marktmissbrauchs-Richtlinie, Mitarbeiter-Register, Nachweismakelei, Private Banking, Portaldienst, Pump and Dump, Rendite-Risiko-Grundsatz, Talentknappheit, Twitter, Verbraucherbeschwerden.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 34 f., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 124 f. (mit Verweis auf die Ende 2004 in Kraft getretene Finanzanalyseverordnung und auch auf § 34b WpHG), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 133 ff. (Darlegung der Verhaltensregeln), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 143 (Beratung und Vermittlung von Fondsanteilen bleiben weiter zulassungsfrei), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 107 (Merkblatt herausgegeben), S. 139 f. (neue Rechtslage; Erlaubnisanträge), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 180 (verstärkte Prüfung der Anlageberatung auf allen Sektoren), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 138 f. (neben Anlageberatern müssen auch Vertriebsbeauftragte Sachkunde und Zuverlässigkeit nachweisen; die WpHG-Mitarbeiteranzeigeverordnung [WpHGMaAnzV] trat zum Jahresende 2011 in Kraft: Mitarbeiterregister muss bei der BaFin hinterlegt werden) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anlagebereitschaft (readiness to invest):

Im Finanzjournalismus häufig gebrauchter, indessen ohne weitere Erklärung unklarer Begriff. Grundsätzlich will er zum Ausdruck bringen, dass Anleger gewillt sind, sich Investitionen zuzuwenden anstatt Geld zu horten. Nicht ausgesprochen ist jedoch,

1. wer die jetzt anlagewilligen Investoren sind - etwa: Inländer/Ausländer, Privatpersonen/institutionelle Anleger - auch

2. in welchen sachlichen Bereich - etwa: Aktien, Immobilien, Optionsverträge, Edelmetalle - und

3. in welchen Fristenfächer (One-Night-Stand/Langzeitengagements - sowie

4. in welchem geographischen Gebiet bzw. in welcher Währung sie Geld einzusetzen bereit sind.

– Siehe Abwartehaltung, Animal Spirits, Attentismus, Finanzpsychologie, Flaute, Grundstimmung, Herdenverhalten, Hindsight, Kurzsichtigkeit, Nachahmung, informelle, Sinuskurven-Fetischismus, Spielbank-Doktrin, Stille.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anlagebuch (portfolio held to maturity):

Bei Banken alle Finanzinstrumente, die

1. bis zur Fälligkeit oder

2. zu längerfristigen Anlagezwecken gehalten werden.

– Siehe Wertpapierbestände, Basler Zinsschock.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2004, S. 77 ff. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anlage-Diversifizierung (asset diversification):

Die (laufend überwachte) Aufteilung eines Portfolios oder des Vermögens einer Kapitalverwaltungsgesellschaft nach

1. verschiedenen Anlagearten (wie Beteiligungen, Finanzinstrumente, Grundstücke, Edelmetalle)

2. verschiedenen Fälligkeiten,

3. unterschiedlichen Währungsgebieten oder

4. geographischen Regionen, um Risiken zu beschränken.

– Siehe Anlageausschuss, Anlageklasse, Anlage-Konzentrierung, Anlage-Risiko, Auftragsfonds, Risikomanagement, Vieleck, magisches.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom März 2008, S. 45 ff. (wachsende Vorliebe für hochliquide Anlagen empirisch dargelegt und erklärt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anlage-Empfehlung (investment suggestion):

1 Allgemein der Vorschlag an Privatanleger, sich bestimmten Wertpapieren (nicht) zuzuwenden. Soweit dies öffentlich und geschäftsmässig betrieben wird, handelt es sich in Deutschland um erlaubnispflichtige Anlageberatung.

2 Im Besonderen Kauf- bzw. Verkaufanregungen in den von Banken her-ausgegebenen Veröffentlichungen, die meistens von hauseigenen (zentralen) Fachabteilungen (Research Department) herausgegeben werden. - Grundsätzlich ist solchen Empfehlungen gegenüber ein gesundes Misstrauen (healthy distrust) angebracht. Denn begreiflicherweise besteht hier die Neigung, in erster Linie dem Eigeninteresse der Bank (selfinterest of the bank: the bank's own trading position) zu dienen.

– Siehe Anlageberatung, Anlagegrenze, Analyse, technische, Analyst, Analysten-Rating, Beratung, Beschwerdehäufung, Blog, Börsenbriefe, Chinese Wall, Compliance, Dampfstube, Deuteroskopie, Falschberatung, Fibonacci-Folge, Finanzberater, Geheimtip, Gründungsschwindel, Investmentfirma, Investment Research, Marktmissbrauchs-Richtlinie, Mitarbeiter-Leitsätze, Mitarbeiter-Register, Nachweismakelei, Twitter, Verbraucherbeschwerden, Wall Crossing, Wertpapieranalyse.

– Vgl. Jahresbericht 2001 des Bundesaufsichtsamts für den Wertpapierhandel, S. 7, Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 35 (international gültige Grundsätze in Bezug auf Empfehlungen), S. 112 f. (Verbreitung von Empfehlungen über die Medien), Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 124 f. (Überwachung der Verhaltensregeln; Prüfungen zu diesem Zweck), S. 126 (genauere Anforderungen durch das Anlegerschutzverbesserungsgesetz), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 199 (eine Kundenunterschrift ist aufsichtsrechtlich nicht vorgeschrieben),Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 138 f. (neben Anlageberatern müssen auch Vertriebsbeauftragte der Institute Sachkunde und Zuverlässigkeit nachweisen; die WpHG-Mitarbeiteranzeigeverordnung [WpHGMaAnzV] trat zum Jahresende 2011 in Kraft: Mitarbeiterregister muss bei der BaFin hinterlegt werden) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anlage-Fonds (investment fund):

In der Schweiz übliche und auch im Gesetz über Anlagefonds (AFG) aus dem Jahr 1995 offiziell eingeführte Bezeichnung für das Vermögen einer Kapitalverwaltungsgesellschaft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anlagegrenze (investment limit):

Wenn nicht anders definiert, die zwischen einem Finanzdienstleister und dem Kunden vereinbarten Höchstbetrag, der zur Investition innert eines bestimmten Zeitraums eingesetzt werden darf. Entsprechende Verträge schliessen häufig auch Anlageziele (investment objectives, investment goals) ein, nämlich bestimmte Bereiche, in denen der Kunde sein Geld investieren möchte.

– Siehe Anlageberatung, Finanzportfolioverwaltung.

– Vgl. Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 179 (BaFin geht bedeutendem Missbrauchsfall nach).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anlagegüter (capital assets):

1 Alle greifbaren, materiellen, physischen Vermögensgegenstände, wie Gebäude, Maschinen oder die Geschäftsaustattung (tangible, physical, real property, including durable goods, equipment, buildings, installations, and land) und dann dem Begriff Anlagevermögen entsprechend.

– Siehe Anlagevermögen, Investition, Kapital, Vermögen, Vermögenswert, negativer. Wertpapiere.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anlage-Haftung und Anlagehaftung (liability for an investment):

Die Verantwortlichkeit für eine Anlage mit der Verpflichtung, für allfällige Verluste persönlich einzustehen. - Unbestreitbar ist, dass jederart Investition umso sorgfältiger getätigt wird, je mehr der Verantwortliche für diese Investition haftet. Wie die Wirtschaftsgeschichte eindeutig nachzuweisen vermag, kam es über kurz oder lang (sooner or later) immer dann zu Krisen und Marktzusammenbrüchen, wo diese Grundregel wirtschaftlichen Handelns (fundamental principle governing all economic behaviour) nicht beherzigt wurde, und zwar unabhängig von der jeweiligen Wirtschaftsordnung. - Nach der Finanzkrise ab 2009 wurde auf dem Finanzmarkt durch eine Fülle von Massnahmen (wie vor allem: bezügliche, häufig ins Einzelne gehende Verordnungen, neue Überwachungsgremien) versucht, eine strengere Anlage-Haftung durchzusetzen.

– Siehe Abwicklungsmechanismus, einheitlicher, Anreizsystem, Bail-in, Bankenrettung, Banker, Bonus, Eigenkapitalquote, aufsichtsrechtliche, Habsucht, Instituts-Vergütungsverordnung, Mammonismus, Mitarbeiter-Verantwortlichkeit, Moral Hazard, Verlustübernehme, persönliche.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anlage-Intensität und Anlageintensität (equipment intensity):

Das Verhältnis von Anlagevermögen zum Gesamtvermögen einer Branche (industry; Wirtschaftszweig) bzw. auch eines Unternehmens. Liegt diese über dem Durchschnitt der Volkswirtschaft gesamthaft, so wird die Branche als kapitalintensiv (asset intensive; im Gegensatz zu arbeitsintensiv) bezeichnet. Weil Veränderungen der Anlageintensität auf einen Strukturwandel in der Volkswirtschaft hindeuten, beobachten die Zentralbanken die entsprechenden Daten (aus den aggregierten betriebswirtschaftlichen Bilanzen). - Sehr umstritten ist der Aussagewert der Anlage-Intensität als Beurteilungsmasstab bei einer Bank (überhaupt: in einem einzelnen Unternehmen), weil hier die Intangibels völlig ausser Betracht bleiben. Gerade bei Banken spielen diese aber in der Regel die entscheidende Rolle schlechthin für den Geschäftserfolg.

– Siehe Erlöse, immaterielle, Firmenwert, Goodwill.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2013, S. 89 ff. (ausführliche, lehrbuchmässige Darstellung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anlageinvestition (investment in fixed capital [assets]):

Der Einsatz von Geld (monetäre Sicht) bzw. Produktionsfaktoren (reale Sicht) zur

1. Errichtung (construction, installation),

2. Erweiterung (expanding, widening) oder

3. Verbesserung (improving, upgrading) des Kapitalstocks.

– Siehe Finanzinvestition, Investition.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anlageklasse (asset class):

1 Möglichkeit, Geld anzulegen und ein entsprechend (gemischtes) Portfolio einzurichten, etwa in Aktien, Fonds, Beteiligungsmodelle oder Zertifikate.

2 Verschiedene Tranchen, die von einem Investmentfonds in Umlauf gegeben werden. Jedes dieser Papiere wird zwar auf denselben Fonds ausgegeben. Die einzelnen Klassen unterscheiden sich jedoch durch genau bekanntgegebene Besonderheiten, wie vor allem in Bezug auf die Gewinnausschüttung (different types of shares issued by a single mutual fund; each class invests in the same pool [investment portfolio] of securities and has the same investment objectives and policies. But each class has different shareholder services and/or distribution arrangements with different fees and expenses and therefore different performance results).

– Siehe Anlage-Diversifizierung, Anlage-Qualität, Anlage-Risiko, Kapitalverwaltungsgesellschaft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anlage-Konzentrierung (concentrated stock):

Die übermässige (als Masstab gelten in der Regel mehr als dreissig Prozent) Anhäufung eines bestimmten Vermögenswertes in einem Portfolio. In der Regel werden mehr dreissig Prozent einer solchen Konzentrierung (an asset making up a substantial part, usually, more than 30 percent, of the investor's portfolio).

– Siehe Anlage-Diversifizierung, Anlageklasse, Anlage-Risiko, Auftragsfonds, Risikomanagement, Vieleck, magisches.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anlagepolitik (investment policy):

Richtlinien, die beim Aufbau eines Vermögens nach den Erfordernissen der Sicherheit, Risikoverteilung, Werterhaltung, Gewinnerzielung, Rendite und allfälliger anderer Ziele, wie etwa Nachhaltigkeit, aufgestellt werden (the guiding principle that governs how funds are invested and managed).

– Siehe Anlage, ethische, Investmentfonds, Sustainability-Fund.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anlagemodell (portfolio model):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter rein logisch begründete Ratschläge an einen Investor, wie er sein Portfolio am günstigsten einrichtet. Die meist sehr stark mathematisierten (mathematically-modeled) bezüglichen Anweisungen vernachlässigen in aller Regel die bei der Entscheidungsfindung äusserst wichtigen, ja oft sogar allein auswahlbestimmenden steuerlichen Gesichtspunkte (crucial tax saving aspects). Daher sind solche Modelle für Anleger nur beschränkt eine Hilfe bei ihrer Entscheidungsfindung.

– Siehe Anlage-Risiko, Behavioural Finance, Erwartungstheorie, neue, Financial Engineering, Finanzmathematik, Finanzpsychologie, Finanztheorie, Formeln, finanzmathematische, Portfolio-Optimierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anlagemodell, kollektives (collective investment method):

Es beteiligen sich Anleger als Kommanditisten (partners liable to a fixed amount) oder als Treugeber (trustor) über eine Treuhandkommanditistin (company at limited partners) an einer Kommanditgesellschaft (limited partnership). Diese kauft und verkauft Finanzinstrumente. Weil hier letztlich nicht im eigenen Namen für fremde Rechnung Transaktionen getätigt werden (den Anlegern sind in der Regel vertraglich [zumindest auf dem Papier] Mitwirkungs- und Beteiligungsmöglichkeit an der Anlagestrategie der Gesellschaft eingeräumt), so handelt es sich nach der Rechtsprechung nicht um eine Finanzkommissionsgeschäft. Mithin besteht hier auch keine Erlaubnispflicht. - Bedenklich ist, dass die vertriebenen Finanzprodukte vielfach als Altersvorsorge beworben werden. Das in den Verträgen vorgesehene Risiko eines Totalverlustes ist freilich mit der Vorsorge-Absicht kaum vereinbar.

– Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 189 ff. (ausführliche Darstellung der [sehr unbefriedigenden] Rechtslage).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anlage-Münze und Anlagemünze (buillon coin):

Im Unterschied zu Zahlungsmitteln ein Geldstück, das

1. zu seinem jeweiligen Preis für das Gewicht an Edelmetall oder

2. zu seinem Sammlerwert gehandelt wird.

– Siehe Münze, Numismatik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anlagemut (courage to engagement):

Von

1. bedachtsamer Überlegung geleiteter und

2. nach wirklichkeitsnaher Einschätzung eigener Kräfte

3. unter Berücksichtigung der Folgen des Misslingens gefasster Entschluss,

4. sich auf dem Finanzmarkt mit einer risikobehafteten Anlage zu betätigen.

– Siehe Anlage, Anlagebereitschaft, Anlage-Risiko, Anleger, Bankkunden-Profil, Barfusspilger, Börsenspieler, Fussangelgeschäft, Geschorener, Risikoanleger, Risikotransfer, Risikoübernahme-Grundregel, Riskierer, Risk Taker, Spekulant, Übermut, Wahrnehmungsverzerrungen, Zitterprämie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anlage-Notstand und Anlagenotstand (investment plight):

(Grosse) Investoren finden auf dem Finanzmarkt zu wenig (normale, gesunde) Angebote und wenden sich infolge dessen mehr risikobehafteten (fraught with risks) Engagements zu; ihr Risikoneigung (risk appetite) steigt und damit auch die Gefahr, Verluste aus solchen "Pick-ups" zu erleiden.

– Siehe Abwartehaltung, Attentismus, Megamania, Risikokapital, Stückemangel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anlage-Opportunitätskosten (investment opportunity costs):

Das Zuwarten mit einer Anlageentscheidung erzeugt indirekte Kosten. Denn ist man nicht im Markt zugegen, so wird die Möglichkeit (Opportunität) vergeben, eine Rendite zu erwirtschaften. - Die Gefahr davor, dass man voll investiert in einen Crash läuft, lässt sich durch Staffelung mindern.

– Siehe Attentismus, Liquiditätspräferenz, Opportunitätskosten, Roosa-Effekt.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2005, S. 19 f. (schwankende Opportunitätskosten der Geldhaltung berühren den Zusammenhang zwischen Geldmenge und Preisen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anlage-Produkt, verpacktes (packaged retail investment product, PRIP):

Ein Anbieter kombiniert, bündelt verschiedene Vermögenswerte und fasst diese zu einem einzigen Angebot für den Kunden zusammen. Dabei kann es sich um Wertpapiere, Versicherungen oder andere Finanzprodukte handeln. - Die EU-Kommission 2012 hat für die Aufsicht über solche Angebote einen Verordnungsentwurf vorgelegt. Nach der jetzt schon gültigen Versicherungsvermittler-Richtlinie (insurance mediation directive) müssen Versicherungsvermittler ausdrücklich darauf hinweisen, dass die Produkte auch einzeln erwerbbar sind.

– Vgl. Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 73 (einheitliches Basisinformationsblatt [key information document] für alle gepackte Produktarten wird angestrebt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anlage-Qualität und Anlagequalität (investment grade):

1 Allgemein die im Einzelnen unterschiedliche Rangstufe eines Vermögenswertes, als sichere, wertbeständige Geldanlage zu dienen bzw. als Anlagegegenstand auszuscheiden.

2 Ein Wertpapier, das von Rating-Agenturen grundsätzlich als zur Kapitalanlage geeignet eingestuft wurde.

– Siehe Anlage-Ausschuss, Anlage-Risiko, Einkommensstreben, Geldwert, Investition, Kapital, Portfolio-Optimierung, Vermögen, Vieleck, magisches, Wiegendruck-Investition.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anlage-Risiko und Anlagerisiko (investment risk, investor's risk):

Ein allfälliger Verlust daraus, dass man sein Geld in einen Vermögenswert oder in mehrere Vermögensgegenstände umwandelt. Eine solche Verlustgefahr (risk of losing) besteht immer, bei jederart Investition; sie ist dem Umstand zuzuschreiben, dass man grundsätzlich durch die Tätigkeit der Geldanlage vorhandene Zahlungsmittel aus dem eigenen Besitz in die Verfügungsgewalt von Vertragspartnern überträgt. - Offenkundig jedoch gibt es vielerlei Abstufungen bei der Gefahr eines Verlustes; abhängig in erster Linie wohl davon, welchen Vertragspartner (unbekannter Anbieter im Internet einerseits, Bank des Vertrauens andererseits) und welchen Anlagegegenstand (hie Edelmetall wie Gold, da von einer Zweckgesellschaft emittierte Papiere) man wählt. - Eine risikolose Anlage (risk-free investment) gibt es trotz wiederholter gegenteiliger Behauptungen selbst in bezüglichen Lehrbüchern und in scheingelehrten Fachaufsätzen nicht! Auch wer sein Geld in Goldbarren investiert, muss damit rechnen, dass der private Goldbesitz behördlich verboten wird, wie beispielsweise in den USA zwischen 1933 und 1976. Mannigfach und sehr anschaulich lehrt die Geschichte, dass diesfalls liebe Mitmenschen, nicht zuletzt auch geschwätzige Familienangehörige (talkactive, garrulous family members) und neidische Freunde (jealous friends), rasch dafür sorgen werden, dass

1. der verborgene Goldhort durch Amtswalter des Staates beschlagnahmt,

2. der Goldhorter empfindlich bestraft und gesellschaftlich geächtet sowie

3. der Denunziant (whistleblower) fürstlich belohnt wird. - Vergessen sei nicht, dass auch das Horten von Bargeld zu Hause (Matratzengeld) die Gefahr von Verlust in sich birgt. Im Masse der Inflationsrate mindert sich nämlich die Kaufkraft der Barhorte.

– Siehe Anlage-Anlagemodell, Anlagemut, Streuung, Risiko, Risikoanleger, Risk Taker, Risikofähigkeit, Velleïtät, Vieleck, magisches.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anlage-Streuung und Anlagestreuung (portfolio diversification):

Das Bestreben, sich gegen starke Veränderungen im Preis von Wertpapieren (und Vermögensgegenständen überhaupt) durch Aufteilung in verschiedene Titel zu schützen. Verschiedene Portfoliotheorien bilden eine solche Diversifikation in teilweise sehr mathematisierten (mathematised) und fast immer die steuerlichen Gegebenheiten ausklammernden Modellen an. Gegen (gar weltweit) ausgeprägte, marktweite Kursänderungen von Anlagegegenständen aller Art kann man sich aber grundsätzlich nicht schützen, weil diese durch Gleichläufigkeit gekennzeichnet sind.

– Siehe Allokation, Anlagemodell, Anlage-Risiko, Erwartungstheorie, neue, Financial Engineering, Finanztheorie, Finanzmarkt-Stress, Portfolio-Optimierung, Preisänderungen, gleichlaufende, Restrisiko, Risiko, systematisches, Volatilität.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 62 f. (Volatilität in der Vergangenheit, mit verschiedenen Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Januar 2012, S. 20 ff. (auch Unsicherheiten beeinflussen die Anlage-Streuung; Übersichten; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anlage-Substitution und Anlagesubstitution (asset substitution):

In einem Gebiet werden Kapitalanlagen nicht in der heimischen Geldeinheit, sondern in einer fremden Währung getätigt. Gründe hierfür sind entsprechende Erwartungen hinsichtlich des Ertrags und des Risikos der betreffenden Anlagen.

– Siehe Alterung, Dollarisation, Euroisierung, Home Bias.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anlage-Umschichtung, währungsbestimmte (currency-spread induced shifting of capital):

Investoren ziehen in spürbarem Masse Geld aus einer schwachen Währung ab und parken es in einer starken Währung. - Vor Eintritt in die Europäische Währungsunion waren Zeiten der USD-Schwäche regelmässig mit Umschichtungen zugunsten der DEM verbunden. Die dadurch bewirkte Aufwertung der DEM verursachte innert der Europäischen Währungssystems erhebliche Spannungen mit einer mitunter für die deutsche Wirtschaft deutlichen Einbusse an preislicher Wettbewerbsfähigkeit, vor allem auch im Verhältnis zu den europäischen Partnerländern. Mit der Einführung des EUR

1. verteilen sich die Anpassungslasten bei Anlage-Umschichtungen von USD zu EUR auf mehrere Länder und

2. innereuropäische Wechselkursverschiebungen (intra-European exchange-rate fluctuations) sind weggefallen. Das ist für die stark exportabhängige deutsche Volkswirtschaft von grossem Vorteil.

– Siehe Wechselkurs-Effekt, realer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anlagevehikel (intermediate investment vehicle):

Unschöne Bezeichnung für eine Zweckgesellschaft, nämlich ein Unternehmen, in das Vermögenswerte eingebracht werden, um diese anschliessend in geeigneter Form zu verbriefen.

– Siehe Aktiva, illiquide, Conduit-Gesellschaft, Variable Interest Entity, Verbriefung, Verbriefungsstruktur.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anlage-Vermittlung und Anlagevermittlung (investment brokerage):

Das

1. Zusammenbringen von Partnern oder auch nur

2. der Nachweis von Geschäften über die Anschaffung und Veräusserung von Wertpapieren, Geldmarktinstrumenten oder Derivaten. In Deutschland sind die entsprechenden Dienstleistungen erlaubnispflichtig, und es unterliegen einschlägige Firmender Kontrolle durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.

– Siehe Agent, gebundener, Anlageberatung, Broker, Finanzunternehmen, Finanzwetten, Investmentfirma, KWG-Vermittlerverordnung, Mitarbeiter-Register, Peer-to-Peer Lending, Portaldienst.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 199 (auch die Vermittlung bestimmter Wetten ist erlaubnispflichtig).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anlagevermögen (fixed assets, permanent assets, non-current assets):

1 Bei einem Unternehmen alle Sachwerte, die dazu bestimmt sind, dauerhaft dem Geschäftsbetrieb (business operations) zu dienen.

2 In der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung grundsätzlich alle produzierten und damit reproduzierbaren Güter, die länger als ein Jahr wiederholt oder dauerhaft in der Produktion eingesetzt werden: der Kapitalstock; im Einzelnen sind einen Reihe statistischer Definitionen und Abgrenzungen zu beachten.

– Siehe Aktivvermögen Anlagegüter, Bilanzregel, goldene, Facility Management, Gewerbekapital, Investition, Investitionsgüter, Sachkapital, Sachvermögen, Vermögen, Vermögenswert, Zeitwert.

– Vgl. zur Sachvermögensbildung den Anhang "Statistik des Euro-Währungs¬gebiets", Rubrik "Finanzkonten und nichtfinanzielle Konten", Unterrubrik "Jährliche Ersparnis, Investitionen und Finanzierung" sowie die Rubrik "Preise, Produktion, Nachfrage und Arbeitsmärkte", Unterrubrik "Verwendung des Bruttoinlandsprodukts" im jeweiligen Monatsbericht der EZB, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2008, S. 34 f. (Vermögensbilanz; Fragen der statistischen Erfassung), Monatsbericht der EZB vom Januar 2014, S. 49 ff. (industrielles Anlagevermögen im Eurogebiet seit 1998; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anlageverordnung, AnlV (investment ordinance):

Gesetzliche Vorschriften für Versicherungen in Bezug auf die Zusammensetzung des Sicherungsvermögens.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 78 ff. (Neuregelungen ab Jahresende 2007), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 85 ff. (Zusammensetzung der Risikokapitalanlagequote, Übersichten), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 86 f. (Novellierung der AnlV; neue Mischungs- und Streuungsvorschriften), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 118 ff. (ausführliche Statistik; Aktienquote bei 3 Prozent, Rohstoffanlagen bedeutungslos) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Versicherungsunternehmen und Pensionsfonds" zu den aktuellen Zahlen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anlageverwaltung (asset management):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter die Anschaffung und die Veräusserung von Finanzinstrumenten für eine Gemeinschaft von Anlegern (investment community), bestehend aus natürlichen Personen (natural persons) mit dem Ziel, die Anleger an der Wertentwicklung der erworbenen Titel teilhaben zu lassen. Entsprechende Dienste sind seit 2009 erlaubnispflichtig.

– Siehe Anlagemodell, kollektives.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S: 204, Jahresbericht 2009 der BaFin (Arbeitsgruppe zu Fragen des Erlaubnistatbestandes), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 58 (Präzisierungen zur Erlaubnispflicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anleger und Investor (investor):

Jeder, der Geld auf dem Finanzmarkt unterbringt, mit der Absicht, einen Gewinn zu erzielen (someone who commits money in order to gain a profit). - Im Binnendeutschen verbindet man in Bezug auf den Finanzmarkt mit dem Wort "Investor" meistens einen Anleger, der grosse Summen einsetzt; indessen ist der Sprachgebrauch nicht einheitlich. - Darüber hinaus versteht man in der Volkswirtschaftslehre unter einem Investor eine Person oder Entität, die Geld in Sachkapital verwandelt.

– Siehe Akteur, Aktionär, aktiver, Anlagebereitschaft, Anlagemut, verständiger, Endanleger, Finanzkapital, Investmentfonds, alternativer, Investition, Risk Taker.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anleger-Informationen, wesentliche (central investors information):

Kapitalverwaltungsgesellschaften können seit 2010 auf nicht mehr als zwei DIN A-4-Seiten ihren Fonds vorstellen; sie benötigen nicht mehr ein weiterreichendes Verkaufsprospekt. Ziel dieser Bestimmung ist es, den Kunden leichter in die Lage zu versetzen, sich rascher einen Überblick über die Anlage und die damit verbundenen Risiken zu verschaffen.

– Siehe Anleger-Informationspflicht.

– Vgl. Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 189 f. (Vorstellung dieser Änderung im Gefolge des OGAW-Umsetzungsgesetzes) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anleger-Informationspflicht ( information requirement):

Banken in sind gesetzlich verpflichtet, den Kunden spätestens vor der Annahme seines Kaufauftrags für Wertpapiere über die Eigenschaften und Risiken der Anlageform zu unterrichten und auf andere erhebliche Umstände hinzuweisen, z. B. auf die Möglichkeit der Limitierung von Aufträgen oder auf Mindest-Orderbestimmungen (minimum purchase requirements). Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hat entsprechende Richtlinien hierzu erlassen und überwacht diese gesetzliche Vorschrift. - Die Kunden selbst begegnen den vorgeschriebenen Belehrungen gegenüber oft genug verärgert oder unterschreiben die mehrseitigen Informationsblätter, ohne diese durchzulesen, an der "markierten Stelle" (designated place).

– Siehe Anleger-Informationen, wesentliche, Aufklärungspflicht, Bankkunden-Profil, Derivate-Informationspflicht, Derivate-Kodex, Editionsgebot, Handelssystem, multilaterales, Informationsblätter für Finanzinstrumente, Informationspflicht, Investmentfirma, Odd Lot, Prospekt-Rechtssetzung der EU, Risikobericht, Übermut, Umstände, bewertungswichtige.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anleger, institutionelle (institutional investors):

Entitäten mit

1. hohem und zumeist

2. auch stetigem Anlagebedarf (investment requirements, demand for investments), vor allem Firmenfonds, Kapitalverwaltungsgesellschaften, Versicherungen, Pensionsfonds und grössere Stiftungen; diese speisen herkömmlich auch die Private Equity Funds (entities as corporate funds, pension funds, insurance companies, charitable foundations, mutual funds and other non-bank financial institutions: they often are key suppliers to private equity funds).

– Siehe Aktionär, aktiver, , Endanleger, Investmentfonds, alternativer, Kapitalanlagegesetzbuch, Kapitalsammelstellen, Markt, dritter, , Stiftungsfonds, Versicherungs-Kapitalanlagen.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2007, S. 32 ff. (Bedeutung der institutionellen Anleger auf dem Anleihe-Markt; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2008, S. 83 ff. (institutionelle Anleger bei grenzüberschreitenden Bankfusionen; ausführliche Darstellung), Monatsbericht der EZB vom März 2012, S. 39 (Vermögensbildung der Versicherungen und Pensionskassen seit 2002; Übersicht), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 134 f. (Kapitalanlagen von Versicherungsunternehmen mehrfach aufgeschlüsselt).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anleger, verständiger (intelligent investor, average prudent investor):

Juristischer Begriff in Zusammenhang mit einer Kursmanipulation. Dabei wird beurteilt, wie ein durchschnittlich börsenkundiger Anleger handeln würde, falls ihm kursmanipulative Umstände (manipulative circumstances with respect to the price) bekannt wären.

– Siehe Akteur, Anleger, Anlegerverhalten, Daimonion, Entscheidungsnützlichkeit, Informations-Überladung, Kursmanipulation, Marktmanipulation, Rückkoppelungsschleife, Umstände, bewertungswichtige.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 189 sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Rubrik "Insiderhandel" (dort auch bezügliche Übersichten), Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2011, S. 45 ff. (ausführliche, lehrbuchmässige Darstellung; Übersichten Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anlegerschutz (protection of [for] investors):

Alle Vorkehrungen mit dem Ziel, Misstände in allen Sektoren auf der Angebotsseite des Finanzmarktes zu verhindern. Im Zuge dessen wurde in Deutschland im Frühjahr 2011 das "Gesetz zur Stärkung des Anlegerschutzes und Verbesserung der Funktionsfähigkeit des Kapitalmarkts (AnsFuG)" verabschiedet.

– Siehe Aktienrückkauf, Aufsicht, Ausschuss-Wahn, Beaufsichtigung, vollständige, Capture-Theorie, Endanleger, Herstatt-Pleite, Informationsblätter für Finanzinstrumente, Investmentfirma, Kapitalschutzgesetze, Marktmanipulation, Marktmissbrauchs-Richtlinie, Pankratium, Pensionsfonds-Richtlinie, Rechtsrisiken, Richtlinie über die Märkte für Finanzinstrumente, Sarbanes-Oxley Act, Solarenergie, Sparerschutz, Straitjacking.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 126 f. (zum Anlegerschutzverbesserungsgesetz), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 34 (Empfehlungen zum Thema Financial Education), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 48 f. (besondere Regelungen bei Versicherungsprodukten), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 13 (Inkrafttreten des AnsFuG), S. 130 f. (einzelne Bestimmungen), S. 186 f. (auch Stimmrechtsmitteilungen neu geregelt), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 138 ff. (Novellierung des Anlegerschutz- und Funktionsverbesserungsgesetzes [AnsFuG] schliesst Lücken; weitere aufsichtliche Befugnisse), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 165 (Stand der Beratungen zur Produktaufsicht und - Überwachung bei Wertpapierdienstleistungsunternehmen) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute" sowie Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anlegerstreik (investor strike):

Käufer halten sich mit dem Erwerb bestimmter Papiere zurück. - Der Begriff wurde besonders in Zusammenhang mit der Griechenland-Krise und der Irland-Krise häufig gebraucht. Denn obschon die Staatsanleihen beider Länder eine vergleichsweise hohe Rendite erzielten (denn deren Kurs war merklich gesunken), so blieb die Nachfrage nahezu ganz aus. Denn mögliche Käufer fürchteten, bei einer allfälligen Umschuldung dieser Staaten hohe Verluste; zumal auch in der Öffentlichkeit gefordert wurde, allgemein Besitzer von Staatsanleihen hinkünftig stärker an der Sanierung eines Landes zu beteiligen.

– Siehe Moral Hazard, Stabilisierungsmechanismus, europäischer, Umverteilung, zentralbankbewirkte, Zwangswandelanleihe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anlegerverhalten (investor behaviour):

Ausführungen darüber, wie Investoren in Gestalt von Privathaushalten, Unternehmen und Instituten Geld anlegen, und zwar als

1. theoretische Modelle, die aufzeigen, wie dies in Hinblick auf gewählte Einflussgrössen (etwa Rendite, Sicherheit) bestmöglich geschehen könnte oder

2. bezüglich empirischer Untersuchungen, die aufgrund statistischer Daten aufdecken, wie Investoren tatsächlich entschieden haben.

– Siehe Anleger, verständiger, Daimonion, Endanleger, Entscheidungsnützlichkeit, Informations-Überladung, Kursmanipulation, Marktmanipulation, Rückkoppelungsschleife.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2011, S. 45 ff. (ausführliche, lehrbuchmässige Darstellung; Übersichten Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anleihe in älteren Dokumenten auch Anlehen (bond, loan):

1 Allgemein die Aufnahme fremden Geldes durch eine Wirtschaftseinheit; ein Darlehn, ein Kredit.

2 Eine Schuldverschreibung (Obligation)

1. in verbriefter Form als Wertpapieremission,

2. mittels der sich ein Unternehmen oder der Staat

3. einen grösseren Betrag

4. in Form von auf Inhaber lautende Teilstücken

5. von einer grösseren Anzahl von Gläubigern

6. zu bestimmten Bedingungen, insbesondere die Verzinsung und die Tilgung der geschuldeten Summe betreffend,

7. auf längere Zeit borgt (debt instrument in which the issuer - also called debtor or borrower - is obligated to pay the lender - also called investor - a specified amount of money, usually at particular intervals, and to repay the principal amount borrowed of the loan at maturity).

– Bei der Finanzierung über Anleihen fallen für den Emittenten unabhängig von der Höhe des aufgenommenen Betrags ansehnliche Ausgaben (wie Provisionen, Beratungs- und Veröffentlichungskosten) an. Allein wegen der hohen Fixkosten einer Emission kommen Anleihen daher praktisch nur für Firmen mit hohem Fremdkapitalbedarf (outside capital needs) in Frage.

– Siehe Absorptionsfähigkeit, Accrual-Anleihe, Aktienanleihe, Anleihe-Vertrag, Anleihe, zinssteigende, Annuitätsanleihe, Auslandsanleihe, Bankschuldverschreibung, Blue-sky laws, Borgkraft, Bulldogge-Anleihe, Clean Price, Darlehn, Deep-Discount-Anleihe, Disagio, Duration, Durchpressen, Ekart, Euromarkt, Finanzinstrument, Fiscal Agent, Fremdwährungsanleihe, Geldwerte, Gemeindeanleihen, Gewinnbesteuerung, Gewinnschuldverschreibung, Inhaberschuldverschreibung, Kredit, Kreditspread, Kriegsanleihe, Laufzeitenrisiko, Marktschwemme, Metalliques, Payment-in-Kind-Anleihe, Plazierung, Privatplazierung, Rückkaufschutz, Sachwertanleihen, Schuldtitel, Staatsanleihe, Straight Bond, Umtausch-Anleihe, Verlosung, Sparprämienanleihe, Step-down-Anleihe, Tap, Todesspirale, Umtausch-Anleihe, Umwandlung, Unternehmensanleihen, Verbriefung, Wandelanleihe, Wandelprämie, Zinsänderungsrisiko, Zinsstruktur, Zwangsanleihe, Zwangswandelanleihe.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2005, S. 26 ff. (Statistisches), Monatsbericht der EZB vom April 2005, S. 74 (Vergleichbarkeit der Statistiken), Jahresbericht 2005 der EZB (Anleihen öffentlicher Haushalte im Euroraum, mit Übersichten), Monatsbericht der EZB vom August 2010, S. 18 ff. (Anleihen im Eurogebiet seit 2006; Typologie; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anleihe, besicherte (secured bond):

Eine Schuldverschreibung, die durch auf irgendeine Art und Weise gegen Zahlungsverzug und/oder Zahlungsausfall des Emittenten geschützt ist.

– Siehe Anleihe, forderungsbesicherte, Anleihe, unbesicherte, Geldvermehrung, währungsunion-interne, Pfand, Sicherheit, Sicherheiten, Unterlegung, Realsicherheit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anleihe, ewige (perpetual bond, irredeemable):

Eine Schuldverschreibung ohne Rückzahlungstermin (bond without final maturity date), ausgegeben zumeist vom Staat. - Theoretisch ist deren Laufzeit unendlich. Sie enthalten jedoch fast immer eine Kündigungsoption seitens Emittenten, oft in Form eines Umtausch-Angebots.

– Siehe Gilt, Konsols.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anleihe, forderungsbesicherte (covered bond, asset backed bond):

Allgemein ein Wertpapier, dessen Bedienung (Verzinsung und Tilgung) auf der (laufenden) Abzahlung von Forderungen beruht, auf welche der Emittent der Begebung einen Anspruch hat. Diese Forderungen sind üblicherweise im Grundbuch (registry of deeds) eingetragene Hypothekar-Kredite an Unternehmen und Privathaushalte sowie Kreditforderungen an öffentliche Institutionen und unterliegen als Deckungsstock einem mehr oder weniger strengen Rechtsrahmen (legal framework).

– Siehe Asset-Backed Securities, Asset-Backed Securities, Collateralised Debt Obligation, Covered Bond, Giftpapiere, Insurance Linked Securities, Intabulation, Sicherungsfondsanleihe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anleihe, gepolsterte (cushion bond):

Eine Schuldverschreibung mit über dem Marktüblichen liegender Rendite und geringer Volatilität des Kurses. In den Anleihebedingungen ist diesfalls regelmässig das Recht einer vorzeitigen Kündigung enthalten. Davon wird der Emittent Gebrauch machen, wenn der Marktzinssatz länger unter den Kupon sinkt (a callable bond with coupons that are above predominant interest rates. A cushion bond is more expensive than other bonds. If interest rates rise, the value of a cushion bond depreciates less than other bonds since its interest rate was already high compared to others. However, if interest rates fall, the issuer may call the bond. This results in a higher prepayment risk).

– Siehe Anleihe, kündbare, Novation.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anleihe, gewinnpartizipierende und Gewinnobligation (profit participating bond):

Die von einer Aktiengesellschaft begebene Schuldverschreibung, bei welcher dem Anleger neben der Verzinsung auch eine Beteiligung am Gewinn des Unternehmens in Aussicht gestellt wird, falls dieser einen in den Anleihebedingungen genannten Satz übersteigt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anleihe, Hausse-Baisse bezogene (bull-bear bond):

Ein anleihebezogenes Finanzderivat. Grundsätzlich handelt es sich um eine

1. Schuldverschreibung, bei der die Rückzahlung an den Preis eines anderen Finanzinstruments gekoppelt ist.

2. Der Emittent teilt indessen die Begebung in zwei Tranchen auf.

3. Die erste (bull tranche) ist auf einen steigenden, die zweite Tranche (bear tranche) auf einen fallenden Preis des Underlying bezogen (bond whose principal repayment is linked to the price of another security. The bonds are issued in two tranches: in the first tranche repayment increases with the price of the other security, and in the second tranche repayment decreases with the price of the underlying security). Damit hat ein Zeichner der Anleihe die Chance, am Verfalltag einen satten Gewinn zu erzielen. Jedoch besteht auch die Möglichkeit, dass er am Ende der Laufzeit, also am Verfalltag, ungünstigenfalls garnichts erhält, falls das Underlying auf den Wert Null abgesunken ist.

– Für den Emittenten besteht grundsätzlich kein Risiko, weil er im Regelfall gesamthaft nicht mehr Geld zurückzahlen muss, als für den Fälligkeitstermin geplant (since the two tranches offset each other, the issuer has little risk). Im Einzelnen gibt es viele besondere Ausgestaltungen dieses Derivats, vor allem hinsichtlich der Wahl des Underlying.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anleihe, indexgebundene (inflation-indexed bond; bond bearing interest and paid off in accordance with an index; index-linked bond, de-leveraged bond):

Festverzinsliches (fixed interest bearing) Wertpapier, bei dem

1. der Rückzahlungsbetrag und/oder

2. die Zinsen an die allgemeine Preisentwicklung (in der Regel an den Preisindex der Lebenshaltung [Index der Verbraucherpreise]) gebunden sind (bonds that pay investors according to a formula that is based on a fraction of the increase or decrease in a specified index).

– In Deutschland waren bis zum Beginn der Währungsunion am 1. Jänner 1999 solche Anleihen gesetzlich verboten; auch in den USA sind sie erst seit 1977 erlaubt. - Der Bund hat in Deutschland erstmals im März 2006 eine zehnjährige inflationsgeschützte Anleihe (im Jargon auch Inflationsbond genannt) begeben; das Ziel ist, fünf Prozent der Staatschuld durch solche Titel zu decken.

– Siehe Anleihe, warenbezogene, Break-Even-Inflationsrate, Emission, indexierte, Dritte Säule, Hafen, sicherer, Indexanleihe, Indexfonds, Swap, inflationsindexierter, Tagesgeldsatz-Swap, Zinsswap.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2001, S. 36; Monatsbericht der EZB vom Dezember 2003, S. 33 ff., Monatsbericht der EZB vom Juli 2006, S. 33 ff. (Renditeschätzung für inflationsindexierte Anleihen in Bezug auf andere Messgrössen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2006, S. 15 ff. (ausführliche Darstellung mit Übersichten und Literaturhinweisen), S. 40 f. (Duration bei inflationsindexierten Staatsanleihen), S. 41 (Rendite-Differenz zwischen normalen und inflationsgeschützten Anleihen als Mass für die von den Marktteilnehmern erwartete Inflationsrate), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2007, S. 36 f. (Schätzung der Nullkupon-Zinsstruktur; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom November 2008, S. 40 f. (starker Anstieg der Renditen inflationsindexierter US-amerikanischer und japanischer Anleihen im Zuge der Subprime-Krise; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anleihe, inflationsgeschützte auch inflationsindexierte (inflation linker):

Ein Wertpapier, das in Bezug auf die vertraglich daraus fliesenden Zahlungen (regelmässige Verzinsung) und hinsichtlich der Rückzahlung (Tilgung) gegenüber Änderungen im Geldwert gesichert ist (bonds whose principal and coupon are indexed to inflation, cutting out inflation risk).

– Siehe Anleihe, indexgebundene, Bundeswertpapiere, Geldwert, Inflationsschutz, Kapitalanlage, Kapitalschutz, Lug-und-Trug These, Treppenzins.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juli 2014, S. 38 f. (Inflationsprämien als Messgrösse der Inflationserwartungen; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anleihe, kündbare (callable bond):

1 Der Vorbehalt eines Emittenten, nach einigen, in den Emissionsbedingungen festgelegten Jahren das Papier zum Rückkauf aufzurufen (a feature available for most bonds that gives the issuer the ability to buy the security back from investors before the scheduled date of maturity). In der Regel geschieht dies dann, wenn die Verzinsung der Anleihe für den Emittenten teurer ist als die der Zinssatz für (long-run; langfristige) Darlehn. - Andererseits kann es aber auch sein, dass ein Unternehmen mit dem aus der Anleihe erlösten Geld hohe Gewinne erwirtschaftet hat. So ist die Tatsache erklärbar, dass oftmals der Kurs von Aktien einer Gesellschaft steigt, die eine Anleihe rückbezahlt hat.

2 Das in den Anleihebedingungen vorgesehene Recht des Gläubigers, zu bestimmten Zeitpunkten oder innert festgelegter Fristen die Anleihe zum Nennwert an den Emittenten abzugeben. Der Anleihegläubiger wird von diesem Recht dann Gebrauch machen, wenn der Marktzinssatz deutlich höher als die Verzinsung der Anleihe ist. Der Anleiheinhaber wird mit dem Erlös aus der Kündigung ein höher rentierendes Papier kaufen. Für dieses Recht muss sich der Anleihezeichner jedoch in der Regel mit einem niedrigeren Zinssatz begnügen. Anleihen mit einem Kündigungsrecht des Gläubigers weisen daher eine niedrigere Rendite auf als Anleihen ohne einen solchen Anspruch.

– Siehe Anleihe, gepolsterte, Anleihe, kündigungsbegrenzte, Anleihe, normale, Cap, Novation, Rückkaufschutz, Tender.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anleihe, kündigungsbegrenzte (hard-call protected bond):

Eine Schuldverschreibung, die gemäss den Anleihebedingungen innert zeitlich festgelegter Grenzen seitens des Emittenten nicht gekündigt werden kann. Das schafft für die Inhaber der Anleihe Planungssicherheit (there is a period of time when the bond cannot be called, no matter what the interest rate is).

– Siehe Anleihe, kündbare, Anleihe, unkündbare, Rückkaufschutz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anleihe, kurzfristige (short-term bond):

Wenn nicht ausdrücklich anders definiert, eine Schuldverschreibung mit einer Fristigkeit zwischen zwölf Monaten und fünf Jahren (bonds with a maturity of between one and five years).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anleihe, nachrangige (subordinated bond):

Festverzinsliches (fixed interest bearing) Wertpapier, bei welchem die Gläubiger im Falle der Liquidation oder der Insolvenz des Emittenten hinter die Ansprüche von nicht-nachrangigen Forderungen zurücktreten müssen. Im Konkursfall ist daher die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Anleihe nicht bedient wird. - Solche Anleihen spielen bei der Anrechenbarkeit auf eigene Mittel der Bank seitens der Aufsichtsbehörden eine Rolle.

– Siehe Paritätsvorbehalt, Tier 1, Vorrangregel, unbedingte.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2005, S. 86 f. (Emission nachrangiger Verbindlichkeiten deutscher Banken 1990 bis 2004).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anleihe, normale (staight bond):

Bezeichnung für eine Schuldverschreibung, die zum Zeitpunkt der Begebung den Marktverhältnissen gleichkommt. Der Ausgabekurs liegt bei hundert Prozent, und der Zinssatz entspricht dem Marktzinssatz. - Bei gewichtiger Veränderung des Marktzinsatzes innert der Laufzeit liegt die Verzinsung der Anleihe unter oder über dem herrschenden Zinssatz. Sie notiert demzufolge entsprechend niedriger oder höher.

– Siehe Anleihe, kündbare, Deep-Discount-Anleihe, Rückkaufschutz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anleihe, notleidende (defaulted bond; flat):

Schuldverschreibung, für die vertraglich festgelegte Zinsen nicht (mehr) bezahlt werden.

– Siehe Ausfallwahrscheinlichkeit, Debt-Equity-Swap, Default, Kalibrierung, Kredit, notleidender, Luftpapiere, Papiere, toxische, Reintermediation, Schulden, notleidende, Staatsschulden, verweigerte, Trennschärfe, Validierung, Wertpapiere, risikolose.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anleihe, rückzahlungsverlängerbare (extendible bond):

Schuldverschreibung, in deren Emissionsbedingungen das Recht des Begebers festgeschrieben ist, den Termin der Rückzahlung zeitlich nach hinten zu verschieben (contractual privilege of the issuer of lengthening the repayment schedule of the bond). Die Verzinsung des Papiers bleibt davon grundsätzlich unberührt. - Indessen bieten manche Gläubiger ab der Verlängerung der Tilgungsfrist einen höheren Zinssatz an, um einen Kurssturz der Anleihe zu vermeiden. Denn bei vielen Anleihebesitzer durchkreuzt eine Fristenverlängerung die eigene Finanzplanung. Sie sind daher geneigt, das Papier zu verkaufen. Die dadurch fallenden Kurse haben indessen Auswirkungen auf das Vertrauen in das Unternehmen. Lieferanten, Kunden und Banken werden sich nun der Firma gegenüber entsprechend verhalten, was letztlich auf das Ergebnis einwirkt. Ein zusätzlicher Zinsanreiz für die Anleihegläubiger dürfte sich deshalb für den von der Verlängerungsklausel (extension clause) Gebrauch machenden Emittenten lohnen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anleihe, steuerbedingt kündbare (tax-induced callable bond):

In den Anleihebedingungen ist fast immer ein Vorbehalt enthalten, der durch Änderungen der Besteuerung auftretende Belastungen für den Emittenten regelt, und diesfalls ihm sowie zumeist auch dem Investor ein Kündigungsrecht einräumt. - Viele in Deutschland begebene Anleihen versprachen dem Anleger die Bezahlung der Zinsen ohne jeden steuerlichen Abzug. Im Jahr 2009 wurde die Kapitalertragssteuer in Form der Quellensteuer eingeführt. Das hätte nun zur Folge gehabt, dass der Emittent soviel mehr an Zinsen zu zahlen hat, dass nach Abzug der Quellensteuer der dem Anleiheinhaber zufliessende Betrag dem ursprünglich festgesetzten Kupon entspricht. Fast ausnahmslos wurden die entsprechenden Zahlungen des Emittenten um die Steuer gekürzt, ohne dass die Anleihe seitens des Emittenten gekündigt wurde. Zahlreiche Anleger jedoch machten ihrerseits von ihrem Kündigungsrecht Gebrauch, um ihr Geld auf andere Weise steuerfrei anzulegen.

– Siehe Endanleger, Rückkaufschutz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anleihe, steuerfreie (tax-free loan):

Ein in der Regel vom Staat begebenes Wertpapier,

1. dessen Erträge nicht einer Quellenabzugssteuer (tax deducted at source) unterliegen, oder

2. bei der Einkommensteuer nicht berücksichtigt werden bzw.

3. bei der Veranlagung zur Vermögensteuer (property tax) ausser Ansatz bleiben. In Modellen der Finanztheorie werden solche Papiere vielfach mit vergleichbaren besteuerten Anleihen verglichen und Abweichungen der Renditen erklärt.

– Siehe Wohnungsbauanleihe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anleihe, strukturierte (structured bond):

Allgemein ein festverzinsliches Wertpapier, das besondere Zusatzvereinbarungen zwischen dem Emittenten und dem Erwerber einschliesst; Beispiele sind Aktienanleihen oder Credit Linked Notes. Im Rahmen von Leveraged Buy-outs werden von CLO-Fonds auch besondere, auf das Finanzierungsgefüge der jeweiligen Transaktion zugeschnittene Anleihen begeben, oft auch mit hohem Risikogehalt.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2007, S. 16 f. (Finanzierungsgefüge eines typischen Leveraged Buy-out).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anleihe, unbesicherte (unsecured bond):

Eine Unternehmensanleihe oder Bankschuldverschreibung ohne besondere Besicherung.

– Siehe Anleihe, besicherte.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2011, S. 82 ff. (unbesicherte Anleihen im Refinanzierungsgefüge der Banken; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anleihe, unkündbare (non-callable bond):

Eine Schuldverschreibung, die vertragsgemäss

1. vom Ausgeber bis zum Ende der vereinbarten Laufzeit bedient werden muss (the bond cannot be called, no matter what the interest rate is) und

2. auch vom Anleger nicht zuvor gekündigt werden kann.

– Siehe Anleihe, kündigungsbegrenzte, Straight Bond.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anleihe, variabel verzinsliche und Zinsfloater (floating rate notes):

Schuldverschreibung (zumeist öffentlicher Stellen), die mit einem Schuldner-Kündigungsrecht ausgestattet ist. Dieses erlaubt es dem Emittenten, die Emission nach einer Sperrfrist zu jedem Zinstermin vorzeitig zu tilgen bzw. den Zinssatz erneut festzulegen. Die Zinsen werden dabei in der Regel über einen Referenzzinssatz ermittelt. Dieser ist neuerdings zumeist der 3-Monats-EURIBOR. Nicht zu den variabel verzinslichen Anleihen zählen Schuldverschreibungen, die bereits bei der Begebung mit im Zeitverlauf unterschiedlichen Zinssätzen ausgestattet sind (provided with different interest rates at different times), wie etwa Bundesschatzbriefe (Federal saving notes). - Im Einzelnen gibt es bei Zinsfloatern viele Möglichkeiten der besonderen Ausgestaltung. So können vor allem in den Anleihebedingungen Höchst- und Niedrigst-Zinssätze (caps and floors) oder ein Zinskorridor festgelegt werden.

– Siehe Anleihe, zinssteigende, Bonbon, Euro-Bonds, Floater, Floor, Konversionsanleihe, Step-down-Anleihe.

– Vgl. das monatlich erscheinende Statistische Beiheft "Kapitalmarktstatistik" der Deutschen Bundesbank zum Umfang der Begebungen und in den Erläuterungen wichtige Definitionen und Einteilungen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anleihe, währungswählbare (multicurrency bond):

Eine Schuldverschreibung, die dem Anleger die Wahl lässt, in welcher Währung er die Zinszahlungen und/oder die Tilgung wünscht (bond for which interest payments and/or the final repayment are agreed in a different currency). Es muss in den Anleihebedingungen festgelegt werden, wie der Umrechnungskurs festgelegt wird. - Oft enthalten diese Anleihen eine Sondervereinbarung, durch welche es dem Emittenten erlaubt ist, das Papier vorzeitig zu kündigen. Auch dem Anleger wird häufig bei Vorliegen besonderer Umstände ein früheres Kündigungsrecht eingeräumt. Auf diese Weise lässt sich das in währungswandelbaren Anleihen enthaltene hohe Kursrisiko einschränken (multicurrency bonds can contain options that grant the creditor [put option] and/or the debtor [call option] the right to call the bond early. Hereby the exchange rate risk associated with the subscription or issue could be limited).

– Siehe Multi-Currency-Klausel, Doppelwährungsanleihe, Referenzwährung, Valutenklausel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anleihe, warenbezogene und Sachwertanleihe (commodity-based bond):

Eine besondere Form der indexierten Anleihe, bei welcher die Verzinsung und/oder Tilgung der Schuldverschreibung auf den jeweiligen Geldwert von Gewichtsmengen einer gängigen Ware angegeben ist, etwa auf den aktuellen Preis eines Kilogramms Roggen. - In Deutschland wurden solche Staatsanleihen zur Inflationszeit ab Herbst 1922 emittiert.

– Siehe Anleihe, Getreidewert, Sachwertanleihen, Salinenscheine.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anleihe, zinssteigende und Step-up-Anleihe (steep-up bond):

Eine Schuldverschreibung, bei der mit zunehmender Zeit ab der Emission der Zinssatz steigt (a bond that pays an interest rate for an initial period which then increases to a higher rate), wobei die Zeiten und Zinsschritte in den Anleihebedingen im Voraus festgelegt und damit bekannt sind. - Im umgekehrten Fall spricht man von einer Step-down-Anleihe.

– Siehe Anleihe, variabel verzinsliche, Floater, Floor, Konversionsanleihe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anleihe-Begebungen (bonds issues):

Aus der Emission von Anleihen in einem Währungsgebiet und deren Ausstattung gewinnt die Zentralbank wichtige Informationen für die vorausschauende Geldpolitik. Die entsprechenden Daten werden daher von der EZB im Rahmen des Zwei-Säulen-Prinzips beobachtet.

– Siehe Analyse, monetäre, Daten, weiche, Eckdaten, makroökonomische, Geldmenge, Vorlaufindikator, Wirtschaftsindikatoren, wichtige.

– Vgl. den Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets" im jeweiligen Monatsbericht der EZB, Rubrik "Finanzmärkte". Dort Unterteilung nach Wertpapieren allgemein und (börsennotierten) Aktien; in den "Erläuterungen" Quellen und Abgrenzungen, Monatsbericht der EZB vom April 2014, S. 26 ff. (Emissionen der letzten Jahre aufgeschlüsselt; Substitutions-Effekte; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anleihepfandkauf (buy bonds on margin):

Ein Anleger kauft Anleihen mit einem Darlehn, zu dessen Besicherung er der Bank diese Papiere verpfändet (a transaction in which an investor borrows to buy bonds, using the bonds themselves as collateral). Im Regelfall beschränken sich solche Operationen auf Emissionen mit bestem Rating und von hochbonitären Emittenten begeben. Dazu setzten die Institute erfahrungsgemäss über den Weg hoher Darlehnszinsen den Geschäften eine Grenze.

– Siehe Aktienpfandkauf, Pfand.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anleihequote (bond ratio):

Der Anteil begebener Anleihen eines Unternehmens an der Kapitalausstattung gesamthaft (ratio showing the portion of total capitalisation of a firm represented by bonds). Bei entsprechenden Vergleichen muss die Zugehörigkeit zum jeweiligen Wirtschaftszweig des Unternehmens beachtet und mit dem Branchendurchschnitt verglichen werden.

– Siehe Finanzierung, Zinslastquote.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anleiherendite (bond yield):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter den Brutto-Ertrag aus zehnjährigen hochbonitären Staatsanleihen. Von den Zentralbanken wird die Anleiherendite beobachtet, weil sich aus den Rendite-Abständen internationale Kapitalverschiebungen (international movement of capital) zumindest miterklären lassen.

– Siehe Credit Default Swap-Spreads, Unternehmensanleihen.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2005, S. 37 (Übersichten EUR/USD seit 2003), Monatsbericht der EZB vom September 2005, S. 35 ff. (Rendite-Abstände erklärt), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2006, S. 25 ff. (Anleiherenditen in den USA verglichen mit anderen Zinssätzen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2010, S. 43 f. (Anleiherenditen in den USA und Deutschland seit 2007; Übersicht), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2013, S. 42 (Fortschreibung unter Einbeziehung von Japan).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anleihe-Spread (bond spread):

Renditeaufschlag (auch als Zinsaufschlag und Risikoaufschlag bezeichnet) von

1. Anleihen (von Unternehmen) mit Ausfallrisiko gegenüber risikoärmeren Anleihen (Staatsanleihen bester Bonität, nämlich Titeln von solchen Staaten, die nach Einschätzung der Anleger ihre aufgenommenen Kredite auch zurückzahlen können und wollen) gleicher Laufzeit; der Aufschlag entschädigt den Anleger für das erhöhte Risiko, häufig auch für eine geringere Liquidität derartiger Anleihen;

2. Staatsanleihen verschiedener Länder in einem Währungsraum wie dem Eurogebiet. In den zu Jahresbeginn 2010 zu Tage getretenen beachtlichen Risikoaufschlägen für Papiere aus Griechenland, Italien, Irland oder Portugal drückte sich die Furcht der Anleger vor dem Auseinanderbrechen der Europäischen Währungsunion (euro zone's breakup) und dem allfälligen Exit einzelner hochverschuldeter, weil reformunfähiger (inable to reforms) Mitglieder aus.

– Siehe Ekart, Euro-Bonds, Liquiditätshilfen für Notfälle, Plan C, Repatriierungs-Effekt, Staatsbankrott, Staatsverschuldung, Wirkungen.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juli 2009, S. 31 ff. (Renditeabstände während der Finanzkrise; Vergleich Eurogebiet zu USA; Übersichten), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 15 f. (CDS-Spreads für Griechenland 2008 bis 2010), S. 164 f. (Prüfung durch die BaFin).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anleihe-Vertrag und Anleihevertrag (indenture):

Eine vor der Plazierung förmlich getroffene Vereinbarung zwischen dem Begeber einer Anleihe und einer Gruppe von Käufern (in der Regel Institute), worin besondere Bedingungen für die Vertragschliessenden festgelegt werden (the formal agreement between a group of bondholders, regularly institutes, and the bond issuer containing special terms of the debt).

– Siehe Begebung, Bezugspreis, Bookbuilding, Bought Deal, Emission, Plazierungskraft, Plazierungsvereinbarung, Roadshow.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anlehnlose (loan tickets):

Besonders im 19 Jht. beliebte Form der Aufbringung von Geld durch deutsche Territorialstaaten, im Grossen und Ganzen einer Losanleihe gleich.

– Siehe Auslosungs-Versicherung, Prämien-Schatzanweisung, Sparprämienanleihe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anmassung, zentralbankliche (central bank arrogation):

Das unberechtigte - das heisst gar nicht oder allenfalls am Rande aufgrund der ihr gegebenen Satzung gedeckte - Handeln der Zentralbank. - In der im Sommer 2007 ausgebrochenen Subprime-Krise und der sich anschliessenden weltweiten Finanzkrise (in the slipstream of the turmoil surrounding sub-prime crisis and leading into a global financial crisis) waren die Zentralbanken die einzige Institution, die rasch handeln und die Weltwirtschaft vor dem Schlimmsten bewahren konnten. Daraus entwickelte sich bei den Zentralbanken und auch - manche sagen gar: besonders - bei der EZB ein Bewusstsein der Überlegenheit gegenüber den Regierungen und Parlamenten. Seit 2007 griff auch die EZB nach und nach durch ihre Entscheidungen erheblich bestimmend und folgenschwer in die Pläne der Unternehmen und Privathaushalte ein. Einspruch gegen diese Entwicklung gesamthaft oder gegen einzelne Massnahmen der EZB ist auf parlamentarischem Wege (parliamentary route) nicht möglich. Lediglich Verfassungsgerichte (Constitutional Courts) können die Rechtmässigkeit von Massnahmen überprüfen. Diese Gerichtshöfe aber arbeiten selbst in Eilentscheidungen (express court orders) sehr langsam; in Entsprechung zu Politikverzug spricht man daher auch von Justizverzug (judical delay). Aber auch die Untersagung einer Handlung - wie etwa die Aufkäufe von Staatsanleihen aus dem Portfolio der Banken in Krisenstaaten, die ihrerseits mit dem erlösten Zentralbankgeld gleich wieder Staatsanleihen kaufen, und auf diesem Wege erkennbar durch die Hintertür eine in den EU-Verträgen verbotene Staatsfinanzierung durch die Zentralbank betrieben wird - kann die eingetretenen vielfältigen Folgen nicht mehr rückgängig machen. Dass die Machtfülle der EZB durch die Zuordnung der europäischen Bankenaufsicht an die Zentralbank weiter ausgebaut wurde, nahmen vielen Beobachter vor allem aus der Wissenschaft mit Sorge wahr. Indessen scheinen nicht wenige Politiker froh zu sein, von unliebsamen Entscheidungen entbunden zu werden. - Grundsätzlich ist es richtig, die Geldversorgung den Politikern aus der Hand zu nehmen und auf eine unabhängige Fachinstanz zu übertragen. Gefährlich wird es aber, wenn diese sich zu einer Institution mit Vormachtstellung in der demokratischen Gesellschaft entwickelt.

– Siehe Angst, perverse, Aufkäufe, zentralbankliche, Bailout, Bazooka, Bestandskraft, Blutzoll, Defizit-Finanzierungsverbot, Demokratie-Defizit, Diätrendite, Enteignung, kalte, Europäische Währungsunion, Grundfehler, EZB-Sündenfall, Führung, verbale, Kaldor-Hicks-Kriterium, Nuklearoption, Nullzins, Outright-Geschäfte, geldpolitische, Repression, finanzielle, Schattenstaat, Transfer, verschleierter, Transferunion, Überregierung, Umverteilung, zentralbankbewirkte, Vertrauensblase.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Annahmezwang (obligation to accept legal tender):

Die Verpflichtung der Bürger, das vom Staat eingeführte gesetzliche Zahlungsmittel in Form der Münzen und Noten anzunehmen.

– Siehe Bargeld, Begültigung, Dollarisierung, Geheimgeld, Geldeigentumsrecht, Geldfunktionen, Geldrefusion, Kapitalflucht, Nebenwährung, Parallelwährung, Regionalgeld, Warengeld, Währung, Zahlungshalber, Zahlungsmittel, Zentralbankgeld, Zigarettenwährung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Annaten auch Jahrgelder (annates, annats):

Abgabe in Bargeld, die früher Geistliche bei Übertragung in ein mit festem, regelmässigem Einkommen ausgestattetes kirchliches Amt (Pfründe; prepend) an den Papst für eine gewisse Zeit (oft die halben Einnahmen eines Jahres) zu entrichten hatten. - Die Annaten bildeten (neben dem Palliengeld) durch die Jahrhunderte die finanzielle Grundlage für die Arbeit der Kirchenleitung in Rom; sie waren insofern ein Vorläufer der heutigen Konzernumlage (die Inrechnungstellung von Leistungen des herrschenden an das abhängige Unternehmen).

– Siehe Ablassgeld, Absentgeld, Abtrag, Beichtgeld, Benefiziengeld, Dispensationsgeld, Kathedralgeld, Kirchgeld, Opfergeld, Palliengeld, Peterspfennig, Prokurationsgeld, Seminargeld, Umlage, Vokationsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Annehmlichkeitswert (amenity value):

Bei einem Unternehmen und damit auch bei dessen ausgegebenen Aktien eine besondere Wertschätzung aufgrund besonderer, anderen Firmen nicht (in diesem Masse) zugeschriebener Vorteile (all features that makes a company and by this its shares more attractive or valuable to investors). Die Pluspunkte im Einzelnen hängen von

1. der jeweiligen Branche (industry; Wirtschaftszweig) sowie

2. sehr vielen anderen Gegebenheiten - von der Offenheit des Managements gegenüber den Mitarbeitern und der Öffentlichkeit bis zur Werkskindergrippe (company-run nursery) - ab.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Annehmungsgeld (admission charge):

1 Eine in früherer Zeit erhobene Abgabe von Personen, die sich innert einer (Stadt)Gemeinde oder eines Territoriums auf Dauer niederlassen wollten.

2 Gebühr bei der Aufnahme eines neuen Gesellen in eine Zunft, auch Brudergeld, Heischgeld und Heischungsgeld (Heischung = hier: Aufnahme in eine Zunft) genannt. Die Höhe des Beitrags wurde in der Regel fallweise von der Zunftversammlung, manchenorts auch allein vom Zunftmeister (= Phylarch, Ältermann, Ammeister, Vorgeher; master of the guild) festgesetzt.

– Siehe Abzugsgeld, Anzugsgeld, Aufleggeld, Fahnengeld, Innungsgeld, Pfeffergeld, Zunftgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Announcement (so auch oft im Deutschen gesagt):

1 Wenn nicht anders definiert, auf dem Finanzmarkt allgemein die Ankündigung eines neuartigen Finanzprodukts.

2 Im Besonderen auch die Bekanntgabe eines in Errichtung befindlichen Fonds (Subfonds, Anteilklasse) einer Kapitalverwaltungsgesellschaft; oft mit dem Angebot an die Anleger, in diesen neu angelegten Fonds ganz oder teilweise und dann in der Regel ohne Switchgebühr (switch fee: the scheduled payment when an investor changes from one subfund to another) zu wechseln.

– Siehe Fondsfusionen, Switcher.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Annuität (annuity, quasi-rent):

1 Allgemein jeder Vertrag, der aus einer einmaligen Zahlung regelmässige Zahlungsströme gewährleistet (a contract which provides an income stream in return for an initial payment).

2 Bei einer Investition die Summe aus dem (jährlichen) Tilgungsanteil und dem Zinssatz.

3 Zins plus Tilgung; allgemein Zahlungen in konstanter Höhe, die in einem gleichen Abstand über eine bestimmte Laufzeit zu Beginn (vorschüssige Annuität) oder am Ende (nachschüssige, äquivalente Annuität) einer Periode erfolgen.

4 Aus Tilgungsanteil und Zins bestehende jährliche Zahlung eines Schuldners, die über die ganzen Tilgungsperiode unverändert bleibt. Dabei der Anteil der Tilgung zu, und entsprechend die zu leistende Zinszahlung ab.

5 In der Lebensversicherung regelmässige Zahlungen nach vorhergegangener Einmalzahlung an die Versicherung oder laufenden Einzahlungen vor Beginn der Rente (a regular income for life or an agreed shorter period purchased from a life insurance company for the immediate payment of a lump sum or a series of regular payments preceding the onset of the annuity).

– Siehe Abzinsung, Aufzinsungspapier, Commercial Papers, Finanzierungsschätze des Bundes, Nullkupon-Anleihe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Annuitätsanleihe in älteren Dokumenten auch Zeitrentenpapier (annuity bond):

Eine Schuldverschreibung, deren Tilgung nach einer vertraglich festgelegten rückzahlungsfreien Zeit (grace period) in gleichbleibenden festen Jahresbeträgen erfolgt. Diese Raten sind dabei so gestaltet, dass sie jeweils einen abnehmenden Zinsanteil und zunehmenden Tilgungsanteil umfassen. Im letzten Jahr der Laufzeit wird die Anleihe dann mit der Zahlung der letzten Rate völlig zurückbezahlt.

– Siehe Accrual-Anleihe, Annuitätsdarlehn, Ratenanleihe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Annuitätsdarlehn (annuity loan):

Kredit, bei dem die ausborgte Summe in einer bestimmten Weise aus Zins und Tilgung zurückbezahlt wird. Dabei bleibt die zu zahlende Tilgungsrate bis zur Fälligkeit gleich. Weil aber mit jeder Abschlagszahlung (Partikularzahlung; partial payment) ein Teil der Restschuld (in älteren Dokumenten auch Reliquation genannt) getilgt wird, so mindert sich der Zins-Anteil zugunsten des Tilgungs-Anteils. Am Ende der Laufzeit des Darlehns ist die Schuld dann vollständig getilgt.

– Siehe Annuität, Annuitätsanleihe, Darlehn, endfälliges, Investition, Investitionskredit, Konditionen-Spreizung, Kredit, Kreditlinie, Rate, Ratendarlehn, Schwundgeld, Verzinsung, Wucher, Zins(satz).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anpassung, symmetrische (symmetric adjustment):

In Zusammenhang mit den im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise auffällig zu Tage getretenen währungsrauminternen Wachstumsunterschieden in der Eurozone aufgekommene Bezeichnung für die Forderung, dass

1. nicht nur Defizitländer ihre Schulden abbauen,

2. sondern auch oder sogar hauptsächlich die Überschussländer durch defizitfinanzierte Erhöhung der inländischen Kaufkraft die Nachfrage nach den Waren der Schuldnerländer aus der Eurozone erhöhen.

– Dem steht jedoch die Tatsache gegenüber, dass nach eingehenden Berechnungen im Jahr 2012 eine selbst kräftige Ausweitung der Nachfrage in Deutschland um zehn Prozent den Saldo der Leistungsbilanz im ClubMed um nur etwa 0,25 Prozent verbessern würde. Auch eine Erhöhung der Löhne in den Überschussländern wie Deutschland hätte so gut wie gar keine Auswirkungen auf die Defizitländer; und bereits der Gedanke, dass vergleichsweise niedrigere Lohnkosten in Überschussländern der Eurozone zur Verlagerung von Produktion aus Defizitländern der Eurozone führen werde, ist (schon angesichts der tatsächlichen Lohnkostenanteile bei den Gesamtkosten der Produktion) abwegig. Nachweislich hat bis anhin keine einzige Firma aus den Pigs nur der relativ niedrigeren Lohnkosten wegen die Herstellung von Waren nach Deutschland verlagert. - Statt also von Überschussländern zu verlangen, die Staatschulden auszuweiten, sollten die Defizitländer vor allem durch Arbeitsmarktreformen, Deregulierung der Märkte und damit Förderung des Wettbewerbs, Verbesserung des Steuersystems sowie Begünstigung von Bildung und Forschung die Produktivität des Wirtschaftens verbessern.

– Siehe Arbeitnehmerentgelt pro Kopf, Arbeitsmarkt-Flexibilität, ClubMed, Wettbewerbs-Status, internationaler.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank im Juli 2010, S. 28 ff. (eine symmetrische Anpassung brächte allen Beteiligten nur Nachteile; viele Übersichten und Berechnungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anpassungsdruck (pressure to adapt):

1 In Bezug auf den Finanzmarkt der Zwang

1. der Marktteilnehmer und vor allem der Banken

2. der Zentralbanken und der Aufsichtsbehörden sowie auch

3. der verschiedenen Gesetzgeber, sich rasch auf veränderte Gegebenheiten (changing market conditions) einstellen zu müssen, um Schädigungen der Gesamtwirtschaft (damages to the national economy) zu abzuwenden. Im Zuge der Subprime-Krise, der sich anschliessenden Finanzkrise und der in diese einmündenden Staatsschuldenkrise wurde auf dem Finanzsektor soviel wie auf keinem anderen Gebiet unternommen, um den Markt mit dem Ziel zu regulieren, die nötigen Anpassungen zu erreichen.

2 In Bezug auf die Eurozone der Einfluss der Gemeinschaft auf Mitglieder, die laufend gegen den Stabilitäts- und Wachstumspakt verstossen.

– Siehe Krisenpeitsche, Schuldendroge, Südfront.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 25 ff. (Anpassungsdruck der Banken; Massnahmen der Politik), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2014, S. 80 ff. (Anpassungsprozesse in der Eurozone; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anpassungs-Inflation, zwingende (necessitated adjustment inflation):

Neuere Bezeichnung für folgende Wirkungskette:

1. die aktive, im Arbeitsprozess stehende Teil der Bevölkerung eines Landes geht im Verhältnis zum nicht-aktiven Teil stark zurück (Geburtenrückgang, "Altenlast": burden caused by the elderly people),

2. die Abgabenbelastung (the overall tax burden) der Beschäftigten müsste aufgrund dessen sehr stark erhöht werden, was politisch nicht durchsetzbar ist; andrerseits sind aber

3. auch die Sozialleistungen so gut wie nicht zu kürzen, weil das den starken Widerstand aller Betroffenen Gruppen (Aktive und Passive) hervorruft, die eine Lebensführung auf relativ hohem Niveau als den Sinn ihres Daseins erachten, weswegen

4. nur auf indirektem Wege, nämlich über eine höhere Inflationsrate, der Konsum wirksam begrenzt und auf die vorhandenen Ressourcen zurückgeführt werden kann.

– Aus dieser Überlegung leiten manche langfristig ein Sinken des EUR gegenüber dem USD, dem CNY und der INR (Indien hat eine normalverteilte Bevölkerungsstruktur) ab.

– Siehe Altersquotient, Alterung, Auslandsinvestitionen, demographiebedingte, Geldwertstabilität, Lug-und-Trug These, Verfassungsartikel eins, Wachstum-Schulden-Tatsache, geschichtliche.

– Vgl. auch Monatsbericht der EZB vom März 2006, S. 75 ff. (Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen bei sinkender Bevölkerung), Monatsbericht der EZB vom Februar 2007, S. 65 ff. (Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen berechnet).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anpassungspolitik, zentralbankliche (central bank accomodation policy):

Vor allem in älteren Lehrbüchern gesagt von einer Geldpolitik, die darauf abzielt, Lohnsteigerungen und Preiserhöhungen mit einer entsprechend bemessenen Vermehrung der Geldmenge auszugleichen (a monetary policy of matching wage and price rises with money supply increases, so that the real money supply does not fall and drive the economy into stagnation or even into recession).

– Siehe Ausrichtung, einzielige, Ausrichtung, stabilitätsorientierte, Ausrichtung, wechselkursbestimmte, Zwei-Säulen-Prinzip.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anreiz, finanzieller (financial incentive):

1 Staatliche Zahlungen mit dem Ziel, Wirtschaftssubjekte zu einem bestimmten Tun oder Unterlassen zu bewegen, wie etwa eine Ausfuhrprämie, ein Rückgeld oder eine Vergütung bei Minderung des Schadstoffausstosses.

2 Ein ausgelobter Bonus für Leistungen über die durchschnittliche Erfüllung beruflicher Pflichten hinaus (a monetary reward provided for performance above targeted professional objectives).

– Siehe Anreizsystem, Bonifikation, Gratifikation, Millionengrab, Refaktie, Rückvergütung, Vergütung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anreizsystem (incentive system):

In der Sprache der Aufsichtsbehörden mit augenblicklichen Handlungen verwobene spätere und oft sehr vielschichtig-verflochtene Handlungsfolgen, die ein Engagement auf dem Finanzmarkt bewirken oder steigern. Gute Anreizsysteme zeichnen sich dadurch aus, dass sie ein entsprechendes Verhältnis von Gewinn und Haftung gewährleisten, wie dies in der Regel bei längerfristigen Geschäftsbeziehungen der Fall ist. - Im Zuge der Subprime-Krise wurden falsche, nur auf den kurzfristigen Erfolg abzielende Anreizsysteme (perverse fundamental drivers) als einen der Hauptauslöser der Krise offengelegt. Daher wurden Vergütungssysteme für alle Handelnden gefordert, die sich am nachhaltig erzielbaren Gewinn (persistently attainable result), und nicht am kurzfristigen Erfolg (short-run profit) ausrichten und damit zu hochriskanten Geschäfte aufstacheln. - Ein Beispiel augenfälliger Fehlanreize: die US-Bank Merrill Lynch zahlte ihrem Vorstandsvorsitzenden Stan O'Neal im Oktober 2007 zu dessen Entlassung eine Abfindung von 161,5 Mio USD, um die Ergebnisse der Vorjahre zu belohnen, die jedoch massgeblich auf Subprime-Krediten beruhten. Im folgenden Jahr musste Merrill Lynch Wertberichtigungen von über 52 Mia USD verkraften und verlor im Zuge der Übernahme durch die Bank of America die Selbständigkeit.

– Siehe Aktien-Option, Bonus, Gratifikation, Handschlag, goldener, Instituts-Vergütungsordung, Risiko, Risikowahrnehmung, Vorstandsbezüge.

– Vgl. Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 72 f. (neue gesetzliche Vorgaben an Vergütungssysteme seit Jahresbeginn 2014).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anruf-Ankündigung und Aufrufankündigung (phone call pre-announcement):

Schreiben eines Finanzdienstleisters an mögliche Kunden, in welchem er diesen ein Telephonat (einen persönlichen Anruf durch einen Mitarbeiter) ankündigt. Diese Vorgehensweise beurteilt die Aufsichtsbehörde als verbotenes Cold Calling.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 146 (Schwerpunktprüfungen auch zu dieser Form des Cold Calling).

– Siehe Advance Letter, Beziehungspflege, Call Centre, Canvassing, Cold Calling, Dampfstube, Kaltaquise, Kundenabwehrdienst, Mail Shot.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anschaffungsgeschäfte (acquisition dealings):

In der älteren Finanzsprache der Ankauf und Verkauf von Wertpapieren (durch eine Bank).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anschaffungskosten und Erwerbskosten (acquisition costs, costs of purchase):

Allgemein der Bezugspreis eines Vermögenswertes zuzüglich der üblichen Anschaffungs-Nebenkosten (incidental acquisition costs). Als solche bezeichnet man die zusätzlich zum Kaufpreis in engerem Sinne notwendig anfallenden Zahlungen, wie beispielsweise beim Grundstückserwerb Ausgaben für Maklerprovision, Grunderwerbsteuer, Gerichts- und Notargebühren, Vermessungskosten, Gebühr für die Grundbucheintragung, Erschliessungsgebühren für die Anbindung an Strassen, Kanäle und Leitungen vor allem in Neubaugebieten, Kosten für Bodenuntersuchungen, Taxe für die Begutachtung der Heizungsanlage usw. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anschaffungskredit auch Abzahlungskredit (purchasing credit, instal[l]ment credit):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter ein zweckgebundenes Darlehn zum Kauf langlebiger Konsumgüter (wie Küche, Haushaltsmaschinen, Unterhaltungs-Elektronik, Auto), das eine Bank einem Privathaushalt gewährt.

– Siehe Abstattungskredit, Barkredit, Blankokredit, Dispositionskredit, Königsberger System, Konsumentenkredit, Kontokorrentkredit, Personalkredit, Privatkredit, Ratenzahlung, Überziehung, Vorlage.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anschleichen (stalking):

Die (derzeit noch bestehende) Möglichkeit, durch

1. den Kauf von bis zu 2,99 Prozent (ab 3 Prozent besteht nach § 25 WpHG eine Meldepflicht) der Aktien einer Gesellschaft und

2. gleichzeitigem Erwerb von bis zu 4,99 Prozent (hier liegt die Grenze zur Meldepflicht bei 5 Prozent) an sonstigen Finanzinstrumenten eine bereits beachtliche Stellung in einer Aktiengesellschaft aufzubauen, ohne einer Mitteilungspflicht zu unterliegen. Eine Zusammenrechnung soll durch die geplante Novellierung von § 25, Abs. 2 WpHG vorgeschrieben werden. Indessen gibt es auch eine Reihe anderer Wege, um sich an ein Unternehmen heranzuschleichen.

– Siehe Aktionärstimmjagd, Freier, Fusionen und Übernahmen, Greenmail, Kriegskasse, Makkaroni-Abwehr, Material-Adverse-Change-Klausel, Nominee, Radar-Überwachung, Shark Watcher, Stimmrecht-Offenlegung, Stimmrecht-Datenbank, Transparenz-Richtlinie, Übernahme, feindliche, Übernahme-Appell.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anschlussgeschäft und Nacheinandergeschäft (back-to-back [operation]):

Vor allem in der englischen Version in der Finanzsprache

1 eine Transaktion, die beim nächsten, bereits vereinbarten und in der Regel gleichartigen Deal in gleicher Weise vonstatten geht (transaction where all the commitments and accountabilities in one transaction are mirrored in a second contractually agreed deal).

2 Wechselseitiges Darlehen, bei dem jeder Partner in seiner Währung die gleiche Kreditsumme aufnimmt (deal where a loan is made in one currency in one country against a loan in another country in another currency).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anschreiben auch Ankreiden (taking on credit, chalking up):

Im deutschen Kleinhandel (retail trade) bis etwa 1950 weithin verbreitete, bis heute noch nicht völlig ausgestorbene und nach Ausweis der Wirtschaftsgeschichte sehr alte Gewohnheit der vor allem ärmeren Privathaushalte, die gekauften Waren erst später zu zahlen. Die kapitalschwachen (financially weak), in aller Regel inhabergeführten Einzelhandelsbetriebe (Detailhändler, Krämer; grocer)

1. konnten dadurch beim Grosshandel nicht bar zahlen, und

2. die Grosshändler ihrerseits mussten sich wieder bei ihren Lieferanten oder bei Banken verschulden. Die so verursachte Zinslast

3. verteuerte zwangsläufig die Waren der Detaillisten (Einzelhändler; retailers) gegenüber den Kaufhäusern (department stores) sowie auch im Vergleich zu den Konsumgenossenschaften (retail co-operatives), die ihren Kunden Anteile am Gewinn (Rückvergütung; rebate) boten, soweit diese Genossenschaftsanteile zeichneten.

4. Zudem war das Ausfallrisiko bei den auf diesem Wege Kundenkredit gewährenden Einzelhändlern sehr hoch, weil vor allem die minderbemittelten Privathaushalte infolge Krankheit, Arbeitslosigkeit und anderer widriger Lebensumstände ihre Schulden nicht abtragen konnten; in alten Dokumenten wird der Ausfall-Verlust beim Einzelhandel (CH: Detailhandel; retail trade) mit in der Regel dreissig Prozent angegeben.

5. In der Kalkulation (sales price calculation) musste der Einzelhändler diese Verluste einrechnen, was sich abermals verteuernd auf die Waren auswirkte und ihm oft den Ruf des Preistreibers (price gouger) eibrachte, gegen den behördliches Einschreiten gefordert und laut Ausweis der Wirtschaftsgeschichte auch häufig erreicht wurde.

– Durch Einführung von Sparmarken suchte man dem Kaufen auf Pump seitens der Kunden entgegenzuwirken.

– Siehe Königsberger System, Konsumentenkredit, Konsumtivkredit, Ratenzahlung, Viktualien-Taxe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anspannungsgrad (debt ratio):

Wenn nicht anders definiert, das Verhältnis von Fremdkapital (borrowed capital) zu dem nach bestimmten Regeln errechneten Gesamtkapital eines Unternehmens oder einer Branche (industry; Wirtschaftszweig); die Fremdkapitalquote (borrowing ratio: the percentage of total assets financed by a company's creditors. A higher ratio shows that there is larger amount of other's money being used in an attempt to generate profits). Im Durchschnitt der deutschen Wirtschaft liegt diese Kennzahl bei achtzig Prozent.

– Siehe Hebel(effekt), Schuldenquote, Verschuldungs-Koeffizient.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juni 2008, S. 55 (Schuldenquote nichtfinanzieller Kapitalgesellschaften 2000 bis 2007; Zinsbelastung; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ansteckung, politische (political contagion):

Wenn in einem Land auf Finanzmärkten bestimmte Massnahmen ergriffen werden, dann rechnen die Marktteilnehmer damit, dass auch andere (benachbarte; mit dem Land ökonomisch eng verbundene) Staaten bald gleiche oder ähnliche Vorkehrungen treffen werden. Sie reagieren daher entsprechend.

– Siehe Animal Spirits, Finanzpsychologie, Furchtthese, Zahltag-Grundregel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ansteckungswirkungen (contagion effects):

Wenn nicht anders definiert die Gefahr, dass ein systemisches Risiko durch Übertragung der Schwierigkeiten bei einem strudelnden Institut auf andere Banken und auf den Finanzmarkt gesamthaft entspringt.

1. Unmittelbare Ansteckungswirkungen (direct contagion effects) entstehen dabei aufgrund von (by reason of) vertraglichen Beziehungen zu insolventen Instituten. Sie machen Abschreibungen auf Forderungen gegenüber dem zahlungsunfähigen Institut notwendig, oder es erfolgt ein Ausfall des Versicherungsschutzes bei Credit Default Swaps.

2. Mittelbare Auswirkungen (indirect contagion effects) infolge von sinkenden Vermögenspreisen werden durch Panikverkäufe ausgelöst. Sie führen zu einem übersteigerten Preisverfall, insbesondere bei illiquiden Wertpapieren. Über marktpreisnahe Bewertungsvorschriften kann sich dies in hohen Wertberichtigungen niederschlagen, wie gelegentlich der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise geschehen.

3. Bei informationsgetriebenen Ansteckungseffekten (information driven contagion effects) kommt es zu einem Abzug von Einlagen, wenn Investoren die Erwartung hegen, dass bestimmte Banken in ähnliche Anlagen investiert haben wie problembehaftete (problematic) Institute. Auslöser eines Abzugs kann auch schon die Vermutung sein, dass die betreffenden Institute zu problembehafteten Teilen des Finanzsystems Kreditbeziehungen unterhalten.

– Siehe Bankenkrankenhaus, Fair Value, Finanzmarkt-Zusammenbruch, Kombinationseffekt, Krise der Sicherheiten, Mark-to-Model-Ansatz, Marktwert, Massiv-Verkäufe, Monetisierung, Prozyklizität, Risiko, Verkehrswert, Vermögenswert, eingebundener, Wertpapierbestände, Zeitwert, Zyklik.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 29 ff: (Darlegung verschiedene Ansteckungskanäle).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anteilseigner-Kontrolle (owner control):

Inhaber einer bedeutenden Beteiligung an einer Bank unterliegen in den meisten Ländern der Überwachung durch die Aufsichtsbehörden, in Deutschland in § 2b KWG geregelt. Ziel dieser Vorschrift ist es, die Zahlungsfähigkeit der einzelnen Bank zu sichern und darüber hinaus Gefahren für den Gläubigerschutz und die Funktionsfähigkeit der Institute zu begegnen. - In Deutschland müssen Erwerber einer bedeutenden Beteiligung (Aktionäre, Gesellschafter oder Sonstige), die

1. unmittelbar oder mittelbar mindestens zehn Prozent des Kapitals oder der Stimmrechte des Instituts halten oder

2. auf seine Geschäftsführung einen massgeblichen Einfluss ausüben können, dies der Aufsichtsbehörde unverzüglich anzeigen. Diese kann den Erwerb der Beteiligung untersagen bzw. die Stimmrechtsausübung verbieten.

– Siehe Acquirer, Acting in Concert, Aktionär, aktiver, Anschleichen, Armlänge, Namensaktie, Shark Watcher, Staatsfonds, Stimmrecht-Offenlegung, Stimmrechts-Datenbank, Stimmrecht-Kriterium, Transparenz-Richtlinie, Verbindung, enge.

– Vgl. Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 54, Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 127 f (Untersagungsverfügungen; Schwierigkeiten der Kontrolle bei Erwerbsinteressenten ausserhalb des EWR), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 130 f. (BaFin widmet sich besonders defizitär arbeitenden kleineren Instituten) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapital "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anteilsrecht (share right):

1 Allgemein ein Anspruch auf einen Bruchteil an einem Vermögenswert.

2 In der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung ein Passivposten, nämlich von inländischen Unternehmen begebene Papiere, die von Ausländern gehalten werden.

– Siehe Aktie, Wertpapier.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2008, S. 34 f. (Anteilsrechte als Posten in der Vermögensrechnung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anteilschein (share):

1 Aktie als dem Besitztitel über einen bestimmten Nennbetrag am Grundkapital einer Aktiengesellschaft.

2 Wertpapierurkunde über die Mitteilhabe am Vermögen einer Kapitalverwaltungsgesellschaft, in der Praxis oft auch Investmentanteil oder Investmentzertifikat (investment fund unit, US: investment fund certificate und kurz oft share; vor allem bei Publikumsfonds) genannt.

3 Andere Bezeichnung für Zwischenschein.

– Siehe Anteilsrecht, Investmentanteil, Namensanteil.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anteilschein-Rücknahme (share redemption):

Kapitalverwaltungsgesellschaften sind in Deutschland grundsätzlich dazu verpflichtet, ausgegebene Anteilscheine zum Marktpreis zurückzunehmen. Eine Gesellschaft darf aber die Rücknahme maximal zwei Jahre aussetzen, wenn die Bankguthaben (cash at bank) und sonstige Liquidität zur Zahlung des Rücknahmepreises und zur Sicherstellung einer ordnungsgemäss laufenden Bewirtschaftung nicht ausreichen ("Alarmstufe rot"). Erstmals im Dezember 2005 setzte die DB Real Estate (die Immobilienfonds-Gesellschaft der Deutschen Bank) die Zurücknahme der Anteilsscheine aus. Die von Experten befürchtete Kettenreaktion (Run auf alle Fonds) blieb aus. Erst als sich 2008 die Subprime-Krise zu einer (internationalen) Finanzkrise ausweitete, führten zahlreiche Fonds eine Rücknahme-Sperre ein. - Der Inhaber eines Anteilsscheins kann diesen diesfalls aber am freien Markt verkaufen, wo sich der Preis nach Angebot und Nachfrage richtet. Unter Umständen muss hier dann ein beträchtlicher Verlust hingenommen werden.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anti-Greshamsches Gesetz (counter Gresham law):

Werden im Geschäftsverkehr (etwa in Grenzregionen) zwei Währungen angenommen, so wird das als besser (= wertstabiler) eingeschätzte Geld erfahrungsgemäss gehortet und zum Bezahlen möglichst das als minder gut beurteilte Geld verwendet.

– Siehe Bimetallismus, Greshamsches Gesetz, Nebenwährung, Währung, hinkende.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anti Money Laundering Task Force, AMLTF:

Im Jahr 2006 ins Leben gerufenes Gremium mit der Aufgabe, die rechtlichen Regelungen zur Geldwäsche in der EU in Hinblick auf die praktische Arbeit der Aufsichtsbehörden zu untersuchen.

– Siehe Financial Intelligence Unit.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 194 (Gründung durch CEBS, CESR und CEIOPS).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Antiverwässerungsklausel (antidilution clause):

Ein vertraglicher Vorbehalt, welcher die Verwässerung von Kapital ausschliesst bzw. von der Einwilligung bisheriger Geldgeber abhängig macht. Solche Bestimmungen sind oft in Verträgen enthalten, bei denen ein Einzelanleger oder eine Venture-Capital-Gesellschaft Wagniskapital in ein Start-up einbringt (antidilution provisions are frequently resorted to when a venture capital firm invests in a start-up).

– Siehe Risikokapital, Todesspirale, Verwässerungsschutz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Antizyklizität (counter cyclicality):

1 Allgemein die Eigenschaft bestimmter ökonomischer Grössen, dem Konjunkturzyklus

1. nicht gleichgerichtet zu folgen (weiterer Sinn; wie etwa bestimmte Bedarfsgüter, vor allem Grundnahrungsmittel) oder

2. gar entgegenzulaufen (engerer Sinn; wie etwa die Exporte; denn Unternehmen setzen nachweislich bei einer Absatzflaute im Inland verstärkte Bemühungen in den Vertrieb im Ausland).

2 Im Besonderen das Verlangen, dass die Rechnungslegung aus sich heraus, nach ihrer inneren Logik, zumindest nicht zyklenverstärkend sein darf. Angesprochen ist hier vor allem die Tatsache, dass aufgrund der nach IFRS vorgeschriebenen Bewertung nach dem Grundsatz des Fair Value die Banken gezwungen sind, bei einer Hausse an der Börse ihre nun im Kurs stark gestiegenen Wertpapiere zum Marktwert auszuweisen. Brechen jedoch die Kurse anlässlich besonderer Umstände auf dem Finanzmarkt wie der Subprime-Krise (oder allgemein auch in der Abschwungsphase des Konjunkturzyklus) stark ein, dann müssen entsprechende Verluste ausgewiesen werden. Diese Verlustmeldungen bewegen viele Marktteilnehmer, ihre Papiere (wie sie glauben: rechtzeitig) abzustossen. Solche Panikverkäufe(man spricht auch von Schockwellen) verstärken die Baisse auf dem Finanzmarkt und können leicht auf die Realwirtschaft übergreifen. - Den Instituten freilich zu erlauben, in solchen Ausnahmelagen nach dem Mark-to-Model-Ansatz die im Kurs abgerutschten Titel zu bewerten, wirft vielerlei Fragen auf. So waren im Zuge der Subprime-Krise bestimmte Verbriefungspapiere definitiv und für immer völlig wertlos geworden, infolgedessen als Nonvaleurs einzustufen. Es widerspräche einer glaubwürdigen Darstellung, wenn Banken diese Papiere zu irgendeinem Wert grösser als Null in der Bilanz ansetzten.

– Siehe Absenzkapitalismus, Ansteckungswirkungen, Audit, Bewertbarkeit, Bewertung, Entstehungskurs, Darstellung, glaubwürdige, Deficit Spending, Insolvenzfälle, Inventarwert, Kombinationseffekt, Luftpapiere, Mark-to-Model-Ansatz, Marktwert, Massiv-Verkäufe, Prozyklizität, Risikowahrnehmung, Vermögenswert, eingebundener, Zeitwert, Zyklik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Antragsgetrieben (by application):

Fachbegriff aus dem Aufsichtsrecht. Ein Institut ersucht hier die Aufsichtsbehörde, den Geschäftsbetrieb gesamthaft oder einzelne Abläufe daraufhin zu überprüfen, ob alle Tätigkeiten den gesetzlichen Vorgaben genügen. - Wird die Aufsichtsbehörde von sich aus tätig (Normalfall), dann spricht man von aufsichtsgetrieben (on the initiative of the supervisory authority).

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 69 f. (aufsichtsgetriebene und antragsgetriebene Sonderprüfungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Antrittsgeld (start money; signing bonus; debut fee; contribution to capital [fund]):

1 Zahlung an Spieler, die bei Sportveranstaltungen und vor allem im Fussball an einem Spiel teilnehmen.

2 Gehaltszuschlag für Angestellte, die am Wochenende arbeiten müssen, wie beispielsweise bei Zeitungen, Rundfunkanstalten, Spitälern und Verkehrsbetrieben.

3 Prämie für Aussteller, die sich zu einer (wenig besuchten) Messe mit einem Stand einfinden.

4 In älteren Dokumenten die Sonderzahlung an einen Geistlichen, der ein neues Amt antritt, dann auch Enthronistikum (enthronisticum) genannt. Der Betrag soll die Kosten für die Anschaffung der nötigen Gegenstände für die Haushaltung abdecken.

5 In älteren Dokumenten oft auch gesagt für einen Kapitaleinschuss bei einer (Pensions)Kasse oder Versicherung.

6 Manchmal gesagt für das Einstandsgeld, nämlich die weithin übliche, jedoch rechtlich nicht verpflichtende Leistung eines neuen Mitarbeiters gegenüber dem Kollegenkreis (team).

– Siehe Absentgeld, Abtrag, Amortisation, Annaten, Benefiziengeld, Dispensationsgeld, Kathedralgeld, Kirchgeld, Opfergeld, Palliengeld, Perpetuitäten, Peterspfennig, Prokurationsgeld, Soft Money, Spielgeld, Stiftungsfonds, Tafelgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anwartschaftszeit und Erdienungszeitraum (vesting):

Bei Pensionskassen die festgelegte Zeitspanne, nach der Beschäftigte einen Anspruch aus den einbezahlten Beträgen des Arbeitgebers erwerben (the time period in which employees have accrued ownership over employer contributions made to an employee's retirement account).

– Siehe Gehaltsverzicht, Pensionsfonds, Sterbekasse.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Antwortausfall (non-response):

Das Ausbleiben einer Information bei einer Befragung; der Befragte lässt die entsprechende Frage offen. Das hat auch für statistische Erhebungen der Zentralbank Bedeutung. Es muss versucht werden, die verweigerte Auskunft aus anderen Aussagten des Befragten zu finden; man spricht hier von Imputation (imputation: a process to determine and assign replacement values for missing, invalid or inconsistent data).

– Siehe Haushaltsbefragung, Household Finance and Consumption Survey, Reise-Zahlungsmittel.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2012, S. 36 f. (Antwortausfälle und Imputation bei der HFCF).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anweisgeld (marking fee):

Bei der Abgabe von Holz für Bau- oder Heizzwecke früher dem Forstbeamten zustehende Gebühr für das Kennzeichnen der zu fällenden Bäume.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anweisung in älteren Dokumenten auch Assignation und Assegno (order):

1 Erklärung, durch welche der Anweisende einen Dritten (Angewiesener; in der Regel eine Bank) ermächtigt, für Rechnung des Anweisenden eine Leistung an den durch die entsprechende Willenserklärung (in Schriftform [Urkunde], elektronisch oder auch mündlich) Begünstigten (Anweisungsempfänger) zu erbringen. Der Angewiesene ist ermächtigt, für Rechnung des Anweisenden an den Anweisungsempfänger zu leisten. Das Nähere regeln für Deutschland die §§ 783 ff. sowie § 363 HGB und (was die bankbetriebliche Praxis anbelangt; in regard to the banking-specific practice) die jeweiligen Allgemeine Geschäftsbedingungen (general terms and conditions of business).

2 Auf dem Finanzmarkt die Verfügung der Aufsichtsbehörde zu einem bestimmten Tun oder Unterlassen.

– Siehe Abberufungs-Verfügung, Abwicklungsverfügung, Antragsgetrieben, Beanstandungen, aufsichtliche, Bestandskraft, Untersagung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anweisungen, geldpolitische (directives on central bank policy):

Von

1. unbedarften Laien, zumeist selbsternannten Finanzjournalisten und dümmlichen Vielschreibern (silly assembly-line writers) in bezüglichen Internet-Foren, sowie

2. was als bei weitem schlimmer gilt selbstgefälligen Professoren (complacent professors) aufgestellte Belehrungen, wie eine Zentralbank ihre Geldpolitik zu gestalten habe. Entsprechende Vorschriften sind oft (und von wem gar!) in eine einprägsame Formel oder leicht verständliche Gleichung gegossen. In teilweise haarsträubender Vereinfachung (hair-raising simplifying) wird dann die Richtigkeit der jeweiligen Vorschrift EX POST bewiesen, und meistens in einem damit auch der Zentralbank bescheinigt, dass sie völlig falsch gehandelt habe.

– Weltweit gelten übrigens gerade Zentralbanker als ein Personenkreis, der für ständiges kritisches Nachdenken und Abwägen offen ist, wie die von den Zentralbanken eingerichteten zahlreichen Fachtagungen (conferences of experts, workshops) belegen.

– Siehe Aktivismus, zentralbankpolitischer, ECB-Observer, Datenunsicherheit, Geldpolitik, Geldpolitik, vorausschauende, Geldvertrauen, Geldwertstabilität, Gleichgewichtsmodelle, dynamisch-stochastische, Inflation, Modellunsicherheit, Nominalwertprinzip, Paradoxomanie, Poltergeist, Signalwirkung, Staatsverschuldungs-Druck, Strukturkonservativismus, Strukturunsicherheit, Theoretiker, Unsicherheit, Währungsbank, Zahlungssystem, Zentralbankgeld, Zinsglättung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anwerbegeld (attraction payment):

Falls nicht anders erklärt, so versteht man darunter die Zahlung von Geld oder die Gewährung finanzieller Vorteile wie Steuerbefreiung (tax exemption) an Personen, etwa an Spitzenmanager der Finanzbranche (top manager of the financial industry) bzw. an Firmen, damit diese sich an einem bestimmten Ort, etwa in der Stadt Genf, niederlassen.

– Siehe Abwerbegeld, Douceur, Manager-Umsiedlung, Steuerwettbewerb.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anzahlung in älteren Dokumenten auch Angabe, Akontierung und Pränumeration (prepayment, pay on account, cash down, downpayment):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter

1. eine geschäftsübliche (customary) und daher vereinbarte oder

2. von sich heraus, freiwillig

3. im Voraus geleistete

4. Zahlung im Rahmen eines Vertragsverhältnisses; siehe auch §§ 336 ff. BGB.

– Siehe Angeld, Anzahlungs-Garantie, Barzahlung, Bezahlverfahren, innovative, Bullet Payment, Forderung, Glattstellung, Sicht, Sborso, Übertragung, bedingte, Überweisung, Vorauszahlung, Vorschuss, Zahlbarstellung, Zahlungshalber.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anzahlungs-Garantie (advance payment guarantee):

Die Bank des Verkäufers leistet zugunsten des Käufers ein (abstraktes) Zahlungsversprechen für die Rückerstattung einer geleisteten Anzahlung (Vorauszahlung), falls es zu Vertragsstörungen kommen sollte. Die Höhe der Garantie liegt beim Betrag der Anzahlung; ihre Laufzeit geht in der Regel bis zur Lieferung der Ware plus fünfzehn Tage. - Der Käufer, der eine Anzahlung geleistet hat, erhält damit auch die Sicherheit, dass sein Geld vertragsgemäss verwendet wird; denn die garantiegewährende Bank wird den Verkäufer (ihren Kunden) in der Regel daraufhin überwachen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anzeigenverordnung (reports regulation):

Von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht zum Jahresende 2006 in Kraft gesetzte Vorschriften über das Meldewesen der Institute.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 118 f. (Einzelheiten zur AnzV).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Anzugsgeld (arrival fee, reception fee):

Eine in früherer Zeit erhobene Abgabe in Bargeld von Personen, die sich innert einer (Stadt)Gemeinde oder eines Territoriums als Zuzügler niederlassen wollten, auch Anmanngeld, Annehmungsgeld, Ansässengeld, Bürgergeld, Einstandsgeld, Einzugsgeld, Nachbargeld, Rezeptionsgeld und Sitzgeld genannt. - Die jeweilige Kirchengemeinde forderte darüber hinaus manchmal von den Zugereisten auch ein Kirchgeld.

– Siehe Abzugsgeld, Ärariengeld, Dienstgeld, Dispensationsgeld, Einstandsgeld, Kirchgeld, Platzgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Apanage (apanage):

Früher die regelmässigen Geldzahlungen (Leibrente) an einen (adeligen) Nachgeborenen.

– Siehe Fräuleingeld, Pension, Renten, Schatulle.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Apfelernte-Schluss (apple harvest conclusion):

Wenn ein einzelner Apfelbauer einen ausserordentlichen Ertrag erzielt, so ist das für ihn sehr einträglich. Fahren aber alle Apfelfarmer gleichzeitig eine Rekordernte ein, dann ist dies ein Missgeschick. Denn nun sinken die Preise für Äpfel ins Bodenlose; der einzelne Betrieb deckt nicht mehr seine Kosten und der Markt bricht mit weitreichenden Folgen zusammen. - In Bezug auf den Finanzmarkt leitet man daraus die Notwendigkeit der makroprudentiellen Aufsicht ab. Offenkundig genügt es nämlich nicht, die einzelne Bank so zu regulieren, dass sie widerstandsfähig bleibt. Es gilt darüber hinaus, auch das Zusammenspiel der Institute zu betrachten und allfällige systemische Risiken ins Auge zu fassen.

– Siehe Ansteckungswirkungen, Aufsicht, makroprudentielle, Ausschuss für Finanzstabilität, Bankenaufsicht, europäische, Bankenaufsicht, europäische, Gebühren, Banking Supervision Committee, Deflation, hässliche, Denaturierungsprämie, Europäischer Rat für Systemrisiken, ESZB-Netzwerk für makroprudentielle Forschung, Finanzkrise, Flächenstillegungsprämie, Gleichlauf-Problem, Makroprudentiell, Risiko, systemisches, Solvenzaufsicht, Spinnweben-Modell, Zentralkreditregister, Zyklik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Appropriationsklausel (appropriation clause):

Das (von einer öffentlichen Kasse; von einer Bank) zugewiesene Geld darf ausschliesslich für den Zweck verwendet werden, der mit der Zahlung bezielt wurde. Eine Verwendung für andere Vorhaben ist unstatthaft.

– Siehe Zweckbindung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Akquisition, strategische (bolt-on project):

Zukäufe, durch die eine Bank (allgemein: durch ein Unternehmen) eine stärkere Stellung im Markt zu gewinnen trachtet (acquisitions that carry synergy potential through integration with existing operations). Wie die Finanzgeschichte lehrt, gelang das in vielen - einige meinen gar: in den meisten - Fällen nicht; und durch den Zukauf (buying-in) schlitterte das erwerbende Institut gar in die Verlustzone. Indessen lässt ich nicht allgemeingültig sagen, dass eine Erweiterung aus eigener Kraft dem Zukauf vorzuziehen sei. Denn hier spielen im Einzelnen viele Umstände eine Rolle (it depends on the respective situation if it is more beneficial to take over an existing firm's operations compared to expanding on its own).

– Siehe Behauptungs-Strategie, Fusionen und Übernahmen, Konsolidation.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Akquisitionsfinanzierung (acquisition finance):

Darlehn (einer Bank), um seitens des Darlehnnehmers einen Unternehmenskauf zu tätigen.

– Siehe Fusionen und Übernahmen, Leveraged Buy-out, Private-Equity-Finanzierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Apparategeld und Apparatesteuer (apparatus duty):

In älteren Dokumenten eine Abgabe, die Bierbrauer zu entrichten hatten. Grundlage der Erhebung war der Rauminhalt der Braugefässe, und zwar

1. entweder als Maischbottichsteuer nach dem Fassungsvermögen der Maischbottiche (mash tunes), oder

2. als Kesselsteuer nach der Grösse der Siedekessel (boiler).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Äquivalenzprinzip (principle of equivalence):

In der Geldphilosophie ein massgeblicher Begriff. Gemeint ist, dass Geld reine Form der Tauschbarkeit darstellt: es drückt die Seite, die Eigenschaft an den Dingen aus, durch die sie für den wirtschaftlichen Tauschverkehr geeignet werden. Geld entlastet dadurch grundsätzlich das menschliche Leben und trägt zur Befriedung der Gesellschaft wesentlich bei.

– Siehe Actus-purus-Grundsatz, Allmacht-Doktrin, Ausgangstatsache, ökonomische, Geldabschaffung, Geldfunktionen, Geldphilosophie, Geldzweck, Mammonismus, Symboltheorie, Tausch-Gutscheine, Ungüter.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Äquivalenztheorie (equivalence theory):

Öffentliche Abgaben sind grundsätzlich derart auf die Zahlungspflichtigen zu verteilen, dass sie den Vorteilen entsprechen, welche der einzelne Zahlungspflichtige (Bürger, Unternehmen) vom Staat hat. - In der Realität freilich muss der Staat für einzelne mehr ausgeben, als diese ihm erstatten können (etwa: Sozialhilfe, Rechtspflege, Schulen). Zudem erweist es sich als sehr schwierig, die Vorteile des einzelnen, die ihm aus der Staatstätigkeit jetzt oder später zukommen, in Geld zu beziffern.

– Siehe Assekuranztheorie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ärariengeld (aeranin fee):

In Deutschland nach dem Dreissigjährigen Krieg (1618-1648) zur Auffüllung der herrschaftlichen Kassen eingeführte und in Bargeld zu entrichtende Sonderabgabe, die sich in einigen Territorialstaaten bis ins 19. Jht. hielt. Gegenstand der Steuer waren vornehmlich Handänderungen (changes of ownership) bei Grundbesitz und Betriebsvermögen.

– Siehe Befreiungsgeld, Dienstgeld, Dispensationsgeld, Hammelgeld, Heergeld, Hochzeitstischgeld, Hundegeld, Kavalleriegeld, Katzengeld, Kindergeld, Marktgeld, Mühlengeld, Octroi, Schirmgeld, Schmiergeld, Torgeld, Wassergeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Arbeitgeber-Darlehn und Arbeitgeberdarlehn (employer's loan, loan from the company):

Einem Beschäftigtem vom Dienstherrn für einen bestimmten Zweck gewährter Kredit. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um Beihilfen im Zusammenhang mit der Schaffung von Wohnraum für die Bediensteten. Um in diesem Zusammenhang eine verkappte Gehaltserhöhung auszuschliessen, verlangen die Steuerbehörden fast immer, den Unterschiedsbetrag zwischen dem marktüblichen Zinssatz der Bank und dem des Arbeitgebers als - in der Sprache des Steuerrechts - "geldwerten Vorteil" (non-cash benefit, pecunary advantage) zu versteuern. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht betrachtet bis anhin die Gewährung entsprechende Darlehn nicht als das erlaubnispflichtige Betreiben des Kreditgeschäfts im Sinne von § 1 Abs. 2 Satz 2 Nr. 2 KWG. - In einigen deutschen Bundesstaaten (so in Preussen durch Gesetz vom 7. Juni 1922) hatten öffentlich Bedienstete "zur Abbürdung der Baukostenüberteuerung" einen Anspruch auf entsprechende Darlehn nach gesetzlich geregelten Voraussetzungen.

– Siehe Abzahlungshilfen, Baukosten-Zuschuss, Bauzinsen, Frings Benefits.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Arbeitnehmerbeteiligung-Verwaltung (employee's investment management):

Unternehmen, deren Finanzdienstleistung ausschliesslich in der Verwaltung eines Systems von Arbeitnehmerbeteiligungen an den eigenen oder an mit ihnen verbundenen Firmen besteht, gelten in Deutschland nicht als Finanzdienstleistungsinstitute; siehe § 2, Abs. 6, № 5 KWG.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Arbeitnehmerentgelt pro Kopf (compensation per employee):

Die Geld- und Sachleistungen gesamthaft, die von Arbeitgebern an die Arbeitnehmer erbracht werden, geteilt durch die Gesamtzahl der Arbeitnehmer. Neben den Bruttolöhnen und Bruttogehältern sind darin eingerechnet auch Sonderzahlungen (bonuses), die Überstunden-Vergütungen (overtime payments) und die Sozialbeiträge des Arbeitgebers (employers' social security contributions). Diese Grösse wird von der Zentralbank sorgfältig beobachtet, weil aus ihr Rückschlüsse über die wirksame (Geld)Nachfrage gezogen werden können.

– Siehe Arbeitskosten, Erwerbseinkommen, Fringe Benefits, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. die jeweiligen Werte, aufgeschlüsselt nach Wirtschaftszweigen, im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Preise, Produktion, Nachfrage und Arbeitsmärkte" im jeweiligen Monatsbericht der EZB, Monatsbericht der EZB vom Oktober 2004, S: 36 f., Monatsbericht der EZB vom Juli 2005, S. 43 ff. (Neuberechnung; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2006, S. 36 ff. (Vergleich Tarif-Verdienste und Effektiv-Verdienste; S. 37 wichtige Übersicht der Entwicklung seit 1996), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2007, S. 51 (Schwierigkeiten der statistischen Erfassung durch zunehmende Komplexität der Verträge), Monatsbericht der EZB vom November 2008, S. 75 ff. (ausführliche, lehrbuchmässige Darstellung; viele Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2009, S. 17 ff. (Problem der Mindestlöhne), Monatsbericht der EZB vom Juli 2010, S. 35 f. (Definitions- und Erfassungsprobleme), Monatsbericht der EZB vom Juni 2013, S. 69 ff. (Arbeitnehmerentgelt aufgeschlüsselt; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Arbeitnehmer-Entsendegesetz (law on the posting of workers):

Gesetzlich vorgeschriebener Zwang, ausländische Arbeitnehmer (foreign workers) zu heimischen Tariflöhnen (negotiated wage for home workers) zu bezahlen. Das führt dazu, dass Unternehmen, welche ihre Produktion ins Ausland umsiedeln können, dies verstärkt tun. Dadurch kommen zwar jetzt nicht mehr die billigeren Arbeitskräfte ins Inland. Wohl aber wird das im Ausland zu niedrigeren Kosten erzeugte Gut (etwa: Fertigbauteile; prefabricated building elements) nunmehr importiert. Für die heimischen Banken bietet es sich an, solche Produktionsverlagerungen (offshorings) zu finanzieren.

– Siehe Offshoring.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2008, S. 76 ff., insbes. S. 79 f. (Mobilitätsbeschränkungen führen zur Verlangsamung des Wachstums; S. 88 f. Übersichten; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Arbeitsgruppe Evidenzzentralen (Working Group on Credit Registers):

Arbeitskreis im Rahmen des Banking Supervision Committees mit dem Ziel, einen Datenaustausch zwischen den Evidenzzentralen der Länder (zunächst im Eurogebiet) herbeizuführen und die entsprechenden Messverfahren anzugleichen.

– Siehe Zentralkreditregister.

– Vgl. Geschäftsbericht der Deutschen Bundesbank 2003, S. 180.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Arbeitskoeffizient (labour-capital ratio):

Begrifflich der zur Erzeugung einer Mengeneinheit Produktion (output) notwendige Einsatz an Arbeitsleistung. Volkswirtschaftlich als Quotient (Teilungsergebnis) von Arbeitsstunden zu Bruttoinlandsprodukt berechnet. Er ist der Kehrwert der Arbeitsproduktivität.

– Siehe Kapitalkoeffizient.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Arbeitskosten (labour costs, expenditures on wages):

Für das Eurogebiet werden die Kosten der Arbeit nach verschiedenen Gesichtspunkten (Arbeitnehmerentgelt je Arbeitnehmer, monatliche Bruttoverdienste, Index der Tarifverdienste, Arbeitskosten pro Stunde) von der EZB beobachtet, weil diese für das verfügbare Einkommen und damit für die (Geld)Nachfrage einen wichtigen Bestandteil darstellen.

– Siehe Arbeitnehmerentgelt pro Kopf, Arbeitskosten-Indikatoren, Arbeitslosenquote, Balassa-Samuelson-Effekt, EZB-Netzwerke, Index der Arbeitskosten pro Stunde, Index der Tarifverdienste, Lidlgeld, Lohndrift, Lohnkosten, Mitarbeiter-Optionen, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. die jeweiligen Werte, aufgeschlüsselt nach Wirtschaftszweigen, im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets", Rubrik "Preise, Produktion, Nachfrage und Arbeitsmärkte" im jeweiligen Monatsbericht der EZB, Monatsbericht der EZB vom Juni 2003, S. 45 ff., Monatsbericht der EZB vom Juli 2004, S. 51 ff. (breite, lehrbuchmässige Darstellung mit Statistiken), Monatsbericht der EZB vom April 2005, S. 74 (Vergleichbarkeit der Statistiken), Monatsbericht der EZB vom Juli 2005, S. 43 ff. (Neuberechnung aufgrund der EU-Verordnung über den Arbeitskosten-Index; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2005, S. 15 ff. (zu wichtigen Änderungen in der Erwerbsarbeit gesamthaft; mit vielen Übersichten und [S. 25] Liste der gesetzliche Änderungen für Beschäftigungsverhältnisse), Monatsbericht der EZB vom September 2005, S. 56 ff. (Lohn-Drifts zwischen dem marktbestimmten und nicht-marktbestimmten Dienstleistungsbereich erfasst und erklärt), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2005, S. 52 ff. (Zusammenhang zwischen Arbeitsqualität, Arbeitsproduktivität und Wachstum; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom April 2006, S. 49 ff. (grenzüberschreitende Arbeitskräfte-Mobilität innert der EU, mit Übersichten), Monatsbericht der EZB vom September 2006, S. 63 ff. (Entwicklung der geleisteten Arbeitsstunden seit 1996), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2007, S. 51 (Schwierigkeiten der statistischen Erfassung durch zunehmende Komplexität der Verträge), Monatsbericht der EZB vom März 2008, S. 71 (Verlauf verschiedener Messgrössen für die Arbeitskosten 2002 bis 2007; Aufteilung nach Sektoren), Monatsbericht der EZB vom Juni 2008, S. 65 ff. (Entwicklung 2000 bis 2007, untergliedert auch nach Sektoren; viele Übersichten), ), Monatsbericht der EZB vom November 2008, S. 75 ff. (ausführliche, lehrbuchmässige Darstellung; viele Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2008, S. 44 f. (zur Bedeutung der Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt), Jahresbericht 2008 der EZB, S. 69 f. (deutlicher Anstieg der Arbeitskosten; sektorale Unterschiede; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2009, S. 17 ff. (hier auch Problem der Mindestlöhne), Geschäftsbericht 2009 der Deutschen Bundesbank, S. 55 (Arbeitsentgelte 2000-2010 in Deutschland), Monatsbericht der EZB vom Mai 2010, S. 64 ff. (Vergleich der Lohnentwicklung 2005 bis 2009 zwischen dem Eurogebiet und den USA; institutionelle Unterschiede; Übersichten), Geschäftsbericht der Deutschen Bundesbank 2010, S. 61 (Tarifverdienste und Effektivverdienste 2000 bis 2010), Jahresbericht 2011 der EZB, S. 59 (Arbeitskosten-Indikatoren 2009 bis 2011 aufgeschlüsselt), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2013, S. 13 ff. (Arbeitslosen in China).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Arbeitskosten-Indikatoren (labour cost indicators):

Bei der EZB die drei Grössen

1. Tarifverdienste,

2. Gesamtarbeitskosten pro Stunde (total hourly labour costs) und

3. Arbeitnehmerentgelt je Arbeitnehmer (compensation per employee). Im jeweiligen Monatsbericht werden die entsprechenden Werte im Textteil (Abschnitt "Preise und Kosten") vergleichend ausgewiesen und von der EZB im Rahmen des Zwei-Säulen-Prinzips erörtert.

– Siehe Arbeitnehmerentgelt pro Kopf, Arbeitslosenquote, Balassa-Samuelson-Effekt, Index der Arbeitskosten pro Stunde, Index der Tarifverdienste, Lohndrift, Lohnkosten, Mitarbeiter-Optionen.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2008, S. 75 ff. (ausführliche, lehrbuchmässige Darstellung; viele Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Juni 2013, S. 69 ff. (Arbeitskosten-Indikatoren aufgeschlüsselt; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Arbeitskräftepotential und Erwerbspersonenpotential (work force):

Alle Personen, die innert einer Volkswirtschaft dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. - Für die Langzeitbetrachtung (long-term analysis) des Finanzmarktes ist die Höhe des Arbeitskräftepotentials vom Bedeutung und wird daher auch von den Zentralbanken vorausberechnet. In Bezug auf die Europäische Währungsunion zeigt sich demographiebedingt (owing to demographic developments) ein Rückgang des Arbeitskräftepotentials, trotz Massnahmen wie Schulzeitverkürzung (shorter schooling), verlängerter Lebensarbeitszeit (longer working life) und Netto-Zuwanderung (net immigration). Im Ergebnis wird der Faktor Arbeit relativ teurer und der Faktor Kapital relativ billiger; die Zinsen werden deshalb tendentiell sinken. - Freilich hängt die Entwicklung der Grenzproduktivitäten auch vom technischen Fortschritt ab. Begünstigt dieser vor allem den Produktionsfaktor Kapital und erhöht somit dessen Grenzproduktivität, dann sinken die Zinsen weniger stark.

– Siehe Arbeitsnachfrage, Frauenarbeitsquote, Stellenanzeigen-Index, Wachstum-Beschäftigung-Zusammenhang.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2013, S. 82 ff. (Erwerbsbeteiligung in der EWU seit 2000 nach mehreren Kriterien aufgeschlüsselt; ähnliche Verlaufsmuster in allen Staaten der EWU; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Arbeitskreis Basel-II (working group Basle-II):

Im Zuge der Umsetzung von Basel-II gegründetes Gremium aus Vertretern der Aufsichtsbehörde, der Deutschen Bundesbank und der Kreditwirtschaft. Der Arbeitskreis setzte sich auch mehreren Fachgremien (workshops) zusammen.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 95 ff. (dort auch S. 95 Übersicht der Fachgremien) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Arbeitskreis Interne Modelle, AKIM (working group internal models):

Nationales Gremium mit dem Zweck des Austauschs von Informationen zwischen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, Unternehmen der Versicherung und dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Die Federführung liegt bei der BaFin. Im Mittelpunkt stehen vor allem Fragen der europaweiten Harmonisierung (harmonisation = here: legislative and prudential alignment; Rechtsangleichung) bezüglicher aufsichtsrechtlicher Vorschriften.

– Siehe Risiko- und Solvabilitätsbeurteilung, unternehmenseigene, Solvency-II.

– Vgl. Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 123 (Agenda des AKIM), S. 166 (Abkehr von der Minimalharmonisierung zur Maximalharmonisierung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Arbeitslosengeld [CH: Arbeitslosenentschädigung] (unemployment pay, out-of-work benefits, dole):

1 Allgemein die Übertragung von Zahlungsmitteln an Erwerbslose (money given to the unemployed by the government or a compulsory para-governmental insurance system).

2 In Deutschland wurde unter diesem Namen (Arbeitslosengeld II, abgekürzt: ALG II) seit Jahresbeginn 2005 die Arbeitslosenhilfe und die Sozialhilfe zusammengefasst.

– Siehe Brückengeld, Feiergeld.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2006, S. 68 f. (Erläuterung des Gesetzes; Übersicht), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2007, S. 72 (Folgen einer Erhöhung der Bezugs-Dauer des Arbeitslosengeldes; in den Fussnoten Hinweise auf zwei empirische Studien).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Arbeitslosenquote (unemployment rate):

Die arbeitslos gemeldeten Personen bezogen auf die Beschäftigten gesamthaft (the number of unemployed people as a proportion of the total labour force, where the latter includes both the unemployed and those with jobs). Von der EZB wird die Arbeitslosenquote für den Euroraum laufend berechnet, auf verschiedene (vor allem monetäre) Einflussgrössen hin untersucht und bewertet.

– Siehe Arbeitnehmerentgelt pro Kopf, Arbeitskosten, Arbeitskosten-Indikatoren Arbeitsnachfrage, Jugendarbeitslosigkeit, Mindestlohn-Arbeitslosigkeit, Niedrigzinspolitik, Nullzins, Offshoring, Okunsches Gesetz, Phillips-Theorem, Wachstum-Beschäftigung-Zusammenhang, Wirtschaftskrise, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. die laufenden Zahlen im Statistics Pocket Book der EZB sowie im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets" des jeweiligen Monatsberichts der EZB, Rubrik "Preise, Produktion, Nachfrage und Arbeitsmärkte", Unterrubrik "Arbeitsmärkte" (dort aufgeschlüsselt auch nach Alter und Geschlecht), Monatsbericht der EZB vom November 2002, S. 51 ff., Monatsbericht der EZB vom April 2005, S. 74 (Vergleichbarkeit der Statistiken), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2005, S. 27 (Langzeit-Vergleiche USA-Eurogebiet), Monatsbericht der EZB vom Januar 2006, S. 50 f. (hier auch erhebungstechnische Besonderheiten), Monatsbericht der EZB vom April 2006, S. 55 ff. (Arbeitslosenquote in den USA und Eurogebiet seit 1995 im Vergleich), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2006, S. 55 (Projektion bis 2050), Monatsbericht der EZB vom Januar 2007, S. 67 ff.; hier auch S. 69: Zuwanderung und Arbeitskräfteangebot im Vergleich zwischen EU und USA seit 1960), Geschäftsbericht 2006 der Deutschen Bundesbank, S. 47 (Übersichten 2001-2006), Monatsbericht der EZB vom November 2007, S. 56 ff. (Besonderheiten der Arbeitslosen-Statistik; Wichtiges zur Erhebungstechnik), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2007, S. 53 (Umstellung der Statistik), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2008, S. 56 f. (Veränderung der Arbeitslosigkeit in Deutschland 2006-2008 nach verschiedenen Merkmalen aufgeschlüsselt und erklärt), Monatsbericht der EZB vom September 2008, S. 80 ff. (Entwicklung der Beschäftigung seit 1987; Aufschlüsselungen; viele Übersichten), Monatsbericht der EZB vom September 2009, S. 80 ff. (Arbeitslosenquote in verschiedenen Branchen in der Finanzkrise), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2009, S. 57 ff. (Zusammenhang zwischen Produktion und Arbeitslosigkeit; Übersichten; Literaturverweise), Geschäftsbericht 2009 der Deutschen Bundesbank, S. 53 (Arbeitslosenquote 2000-2010 in Deutschland), Jahresbericht 2009 der EZB, S. 73 ff. (Entwicklung der Beschäftigung in den letzten Jahren nach verschiedenen Kriterien; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Juli 2010, S. 42 ff. (Arbeitslosenquote Eurozone/USA seit 2005 im Vergleich; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2010, S. 70 f. (Arbeitsvolumen und Lohnkosten seit 1970; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2010, S. 79 ff. (Arbeitslosigkeit im Eurogebiet aufgeschlüsselt nach verschiedenen Gesichtspunkten), Geschäftsbericht der Deutschen Bundesbank 2010, S. 59 (saisonbereinigte Werte 2000-2010), Jahresbericht 2010 der EZB, S. 74 ff. (Vergleiche Eurogebiet-USA von 1995 bis 2011; aufschlüsselnde Statistik, Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2011, S. 16 ff. (Ländervergleiche; Übersichten; Literaturhinweise), Jahresbericht 2011 der EZB, S. 64 ff. (Beschäftigungs-Einbruch infolge der Finanzkrise im Euroraum und in den USA; viele Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2012, S. 19 ff. (Arbeitslosenquote in den USA; Auswirkungen des demographischen Wandels; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Juni 2012, S. 12 ff. (Arbeitslosenquote in den USA und Euroraum seit 2000 im Vergleich), Monatsbericht der EZB vom Februar 2013, S. 75 ff. (Arbeitslosigkeit im Eurogebiet aufgeschlüsselt nach Altersgruppen und Mitgliedsländern), Monatsbericht der EZB vom April 2013, S. 55 ff. (Fragen der Abgrenzung zwischen konjunkturellen und strukturellen Einflussgrössen; Übersichten; Probleme der statistischen Erfassung), Monatsbericht der EZB vom April 2014, S. 13 ff (Arbeitslosenquote in den USA; Erfassungsprobleme; Aussagekraft der veröffentlichten Zahlen; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Arbeitslosenquote, inflationsstabile (non-accelerating inflation rate of unemployment, Nairu):

Strukturelle Arbeitslosigkeit, bei der kein Inflationsdruck entsteht, und die mit den Mitteln arbeitsmarktpolitischer Massnahmen (labour market policies) angegangen werden muss.

– Siehe Balassa-Samuelson-Effekt, Phillips-Theorem, Wachstum-Beschäftigung-Zusammenhang.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2005, S. 50 ff. (strukturelle Arbeitslosigkeit im Euroraum analysiert; Probleme einer vorausschätzenden Beurteilung; viele Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Arbeitsmarkt-Flexibilität und Arbeitsmarktflexibilität (flexibility of labour market):

Ausdruck für die Fähigkeit des Arbeitsmarktes in einer Volkswirtschaft (labour market; Ort, an dem Arbeitskraft in Zeiteinheiten angeboten und nachgefragt wird), sich bei steigender (sinkender) Nachfrage nach Arbeitsleistungen mit einem Mehrangebot wie Überstunden bzw. Minderangebot wie Kurzarbeit anzupassen. Nachweislich führt eine hohe Arbeitsmarkt-Flexibilität zu weniger Arbeitslosigkeit, höherem Wachstum und geringerer Inflation.

– Siehe Arbeitskosten, Arbeitsmarktpolitik, Arbeitsnachfrage, Fiskalpakt, Mobilität, Stellenanzeigen-Index, Wachstumsförderung, Wettbewerbsfähigkeit, Wettbewerbs-Status, internationaler, Zuwanderung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2010, S. 25 f. (Abhängigkeit des Beschäftigungsabbaus von den Flexibilisierungspotentialen), Monatsbericht der EZB vom Juli 2010, S. 45 (Aufgaben der Arbeitsmarktpolitik angesichts hoher Arbeitslosenquoten), S. 57 ff. (Anpassungen im Eurogebiet; ausführliche Darstellung; viele Übersichten; Umfrageergebnisse), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2010, S. 62 f. (Vergleich der Flexibilität USA-Deutschland), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2010, S. 20 f. (Gründe für die Probleme auf dem Arbeitsmarkt der USA; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom März 2011, S. 90 ff. (Arbeitsmarkt-Mobilität im Eurogebiet; viele Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2011, S. 16 ff. (Vergleich Flexibilität des Arbeitsmarktes in EU-Ländern; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom März 2012, S. 76 ff. (Arbeitsmarkt-Anpassungen im Eurogebiet; Übersichten; Folgerungen), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2012, S. 81 ff. (Arbeitsmarkt im Eurogebiet seit 2006; Übersichten; Literaturverweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2014, S. 37 ff. (Auswirkungen der Arbeitsmarktreformen in Deutschland; Übersichten; Literarturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Arbeitsmarktpolitik (labour market policy):

Alle Massnahmen mit dem Ziel, das Angebot oder die Nachfrage nach Arbeitsleistungen zu beeinflussen. Weil die sogenannte aktive Arbeitsmarktpolitik (active employment policy) in der Regel eine beachtliche Umleitung von Geldströmen in sich schliesst, wird sie von der Zentralbank in ihren Auswirkungen beobachtet.

– Siehe Arbeitsmarkt-Flexibilität.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2006, S. 63 ff. (grundsätzliche Überlegungen; viele Übersichten; S. 70: wertvolles Glossar der Begriffe; S. 82 ff.: Aufzählung der gesetzlichen Massnahmen in Deutschland seit 1995), Monatsbericht der EZB vom Januar 2007, S. 67 ff. (ausführliche, lehrbuchmässige Darstellung in Bezug auf den Arbeitsmarkt im Euro-Währungsgebiet mit vielen Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2007, S. 50 (Übersicht der Arbeitsmarkt-"Reformen" in der EU), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2008, S. 44 f. (zur Bedeutung der Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2009, S. 17 ff. (hier auch Problem der Mindestlöhne), Monatsbericht der EZB vom April 2010, S. 11 ff. (Arbeitsmarktpolitik in den USA; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom März 2012, S. 76 ff. (Arbeitsmarkt-Anpassungen im Eurogebiet; Übersichten; Folgerungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Arbeitsnachfrage (labour demand):

Zwischen Wachstum und Beschäftigung in Industriestaaten besteht ein empirisch nachweisbarer positiver Zusammenhang. Ist das reale Wirtschaftswachstum höher als zwei Prozent, so nimmt in der Regel im folgenden Jahr die Beschäftigung um ungefähr ein halbes Prozent zu, freilich nicht über alle Branchen gleichmässig verteilt. Von der EZB wird diese Entwicklung im Rahmen des Zwei-Säulen-Prinzips beobachtet.

– Siehe Arbeitskräftepotential, Arbeitsmarkt-Flexibilität Arbeitslosenquote, Balassa-Samuelson-Effekt, Frauenarbeitsquote, Offshoring, Mindestlohn-Arbeitslosigkeit, Phillips-Theorem, Stellenanzeigen-Index, Stundenproduktivität, Wachstum-Beschäftigung-Zusammenhang, Wettbewerbs-Status, internationaler, Zuwanderung.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2007, S. 67 ff. (ausführliche, lehrbuchmässige Darstellung mit vielen Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2007, S. 40 f. (Arbeitsnachfrage im Konjunkturverlauf), Monatsbericht der EZB vom April 2007, S. 51 ff. (sektorale Entwicklung der Beschäftigung im Eurogebiet seit 1991; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom November 2007, S. 56 ff. (Besonderheiten der Arbeitslosen-Statistik; Wichtiges zur Erhebungstechnik), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2007, S. 53 (Umstellung der Statistik), Monatsbericht der EZB vom Januar 2008, S. 88 f. (die zunehmende Verlagerung von Arbeitsprozessen ins Ausland geht zulasten der gering Qualifizierten im Inland; Übersicht; Literaturhinweise), Monatsbericht der EZB vom Juli 2008, S. 58 ff. (bisherige und künftige Entwicklung; Auswirkung der Massnahmen auf die Geldpolitik, Übersichten), Monatsbericht der EZB vom September 2008, S. 80 ff. (Entwicklung der Beschäftigung seit 1987; Aufschlüsselungen; Übersichten), ), Monatsbericht der EZB vom November 2008, S. 75 ff. (ausführliche, lehrbuchmässige Darstellung; viele Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2008, S. 44 f. (zur Bedeutung der Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt), Jahresbericht 2008 der EZB, S. 77 ff. (Arbeitsnachfrage in der Finanzkrise; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2009, S. 17 ff. (hier auch Problem der Mindestlöhne), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2010, S. 62 f. (Vergleiche Deutschland zu USA; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom März 2011, S. 90 ff. (Arbeitsmarkt-Mobilität im Eurogebiet; viele Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2011, S. 16 ff. (Vergleich Mobilität des Arbeitsmarktes in EU-Ländern; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2012, S. 81 ff. (Arbeitsmarkt im Eurogebiet seit 2006; Übersichten; Literaturverweise), Monatsbericht der EZB vom August 2013, S. 74 ff. (Arbeitsmarkt in der Finanzkrise; viele Übersichten; Vergleiche EWU/USA), Monatsbericht der EZB vom November 2013, S. 82 ff. (Erwerbsbeteiligung in der EWU seit 2000 nach mehreren Kriterien aufgeschlüsselt; ähnliche Verlaufsmuster in allen Staaten der EWU; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Arbeitsproduktivität (labour productivity):

Allgemein das Produktionsergebnis bei einem bestimmten Arbeitseinsatz. Zur Messung gibt es verschiedene Methoden. Die Zentralbanken rechnen in der Regel: Bruttoinlandsprodukt zu konstanten Preisen, geteilt durch die Zahl der Beschäftigten bzw. die geleisteten Arbeitsstunden gesamthaft. Von der EZB wird die Arbeitsproduktivität im Rahmen des Zwei-Säulen-Prinzips laufend beobachtet und als Wertschöpfung je Erwerbstätigen berechnet und statistisch ausgewiesen. - Zerlegt wird die Arbeitsproduktivität in den Berechnungen der EZB in

1. den Zuwachs an Sachkapital (Capital Deepening),

2. den Anstieg der Qualität des Faktors Arbeit und

3. die Wachstumsrate der totalen Faktorproduktivität, TFP; hierbei handelt es sich um eine eigens geschätzte Messgrösse des faktorungebundenen technischen Fortschritts, der mit der Nutzung aller Inputfaktoren einhergeht, wie etwa die Elektrifizierung der Produktion (disembodied technological progress; auch exogener und autonomer technischer Fortschritt genannt: Erfindungen und Entdeckungen, die nicht [direkt] aus dem Produktionsprozess kommen).

– Siehe Arbeitnehmerentgelt pro Kopf, Arbeitskosten, Arbeitsmarkt-Flexibilität, Arbeitsproduktivität, Arbeitskräftepotential, Kapitalvertiefung, Kommunikationskosten, Lohndrift, Offshoring, Produktivität, Stundenproduktivität.

– Vgl. den Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets" im jeweiligen Monatsbericht der EZB, Rubrik "Preise, Produktion, Nachfrage und Arbeitsmärkte", Unterrubrik "HVPI, andere Preis- und Kostenmessziffern" (dort aufgegliedert nach Wirtschaftszweigen), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2005, S. 52 ff. (lehrbuchmässige Darstellung; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom April 2006, S. 45 ff. (Zahlen zur Entwicklung ab 1981 in einzelnen Sektoren), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2006, S. 55 (Projektion der Entwicklung der Arbeitsproduktivität bis 2050); Monatsbericht der EZB vom April 2007, S. 92 f. (strukturpolitische Massnahmen in ihren Wirkungen auf Produktivität und Beschäftigung), Monatsbericht der EZB vom Januar 2008, S. 51 ff. (Entwicklungstendenzen; sektorspezifische Daten; Übersichten), S. 67 ff. (ausführliche Darstellung. S. 71: Übersicht der Entwicklung der Arbeitsproduktivität seit 2002 insgesamt und aufgeschlüsselt in einzelne Branchen), Monatsbericht der EZB vom Juni 2008, S. 76 ff. (Vergleich der Entwicklung der Arbeitsproduktivität zwischen dem Eurogebiet und den USA 1995 bis 2007; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2009, S. 86 ff. (Entwicklung der Arbeitsproduktivität seit 1999; Übersichten, auch Vergleiche zu den USA), Monatsbericht der EZB vom Juli 2010, S. 34 f. (Entwicklung der Arbeitsproduktivität im Eurogebiet seit 2008), Monatsbericht der EZB vom Januar 2011, S. 84 ff. (Faktorproduktivität in einzelnen Mitgliedsländern des Eurogebiets; Übersichten; Literaturhinweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2012, S. 25 f. (Schätzung der Arbeitsproduktivität bis 2020).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Arbitrage (arbitrage):

Allgemein die Ausnutzung unterschiedlicher Kurse bei gleichzeitigem Kauf (Verkauf) von Finanzinstrumenten oder Waren

1. an der gleichen Börse (Intra-Marktgeschäfte) oder an verschiedenen bzw. Börsen und Währungsgebieten (Inter-Marktgeschäfte),

2. in verschiedenen Kontraktmonaten,

3. zwischen Kassa- und Terminmarkt oder

4. von unterschiedlichen, aber zueinander bezogenen Waren (in general: the strategy that involves the simultaneous purchase and sale of identical or equivalent commodity futures contracts or other instruments across two or more markets in order to benefit from a divergence in their price relationship). Arbitrageure erreichen so die Angleichung der Bedingungen von Kontrakten (by actions of arbitrageurs, contract differences are eliminated).

– Arbitrage-Geschäfte im engeren Sinne sind risikolos, da Kauf (auf dem billigeren Markt) und Verkauf (auf dem teureren Markt) gleichzeitig getätigt werden. - Anders verhält es sich bei Arbitragegeschäften im weiteren Sinne. Hier versucht man, Abweichungen von der in der Vergangenheit beobachteten Preisentwicklung ähnlicher oder in enger Wechselbeziehung stehender Waren bzw. Finanzinstrumenten auszunutzen.

– Siehe Aufsaugphase, Carry Trades, Daytrading, Hochfrequenzhandel, Index-Arbitrage, Intermarkt-Spread, Positionen, synthetische, Kursdifferenzhandel, Option, Rohstoff-Terminvertrag, Value Fund.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Arbitrage, intertemporale (intertemporal arbitrage):

In Zusammenhang mit der Mindestreserve-Pflicht beobachtete Erscheinung. Wenn bei vorübergehendem Überangebot an Zentralbankgeld der Tagesgeldsatz den Zins für den Preis unterschreitet, zu dem eine Zentralbank den Banken kurzfristige Liquidität zur Verfügung stellt (bei der EZB das Hauptrefinanzierungsgeschäft), dann besteht für Banken ein Anreiz zur Voraberfüllung (front loading) des Mindestreserve-Solls. Zentralbankgeld (Primärliquidität) fliesst auf diese Weise an die Zentralbank zurück; das Angebot am Markt für Tagesgeld sinkt, und dieses Verhalten der Banken wirkt so einem weiteren Sinken des Tagesgeldsatzes entgegen.

– Siehe Frontloading, Mindestreserve.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Oktober 2005, S. 27 ff. (ausführliche Erläuterung; Übersichten), . Monatsbericht der EZB vom August 2009, S. 37 ff. (Auswirkungen des ersten längerfristigen Refinanzierungsgeschäftes mit einjähriger Laufzeit).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Arbitrage, statistische (equity market neutral; so auch manchmal im Deutschen):

1 Allgemein eine Marktstrategie (besonders von Hedge-Fonds), bei der nach Ansicht des Management unterbewertete (undervalued: traded below its "real" value) Aktien gekauft und gleichzeitig Leerverkäufe von überbewerteten Aktien getätigt werden. Eine solche Politik gilt als neutral, also als nicht einseitig festgelegt, weil

1. lediglich Marktunvollkommenheiten (market inadequacies) ausgenutzt werden (in der Einschätzung des Managements vorübergehende Abweichungen von einem Marktgleichgewicht; ein Einpendeln auf den "richtigen" Preis wird erwartet) und

2. keine wechselseitige Abhängigkeit (Korrelation, correlation) zu anderen Vermögensgegenständen auftritt.

2 Besondere, seit etwa 2005 viel erörterte Hedge-Fonds-Strategie mit dem Ziel, vorübergehend auftretende Kursverzerrungen bei Aktien auszunutzen. Dabei bedient sich das Management des Hedge-Fonds computergestützter Ansätze. Die Computerprogramme sind zumeist auf Grund so genannter Mittelwert-Annäherungs-Annahmen (mean-reverting-hypotheses) eingerichtet: sie gehen davon aus, dass sich zeitweilige Preisungleichgewichte einem längerfristigen Mittelwert annähern. Das Fonds-Management bildet nun anhand vergangener Verlaufsdaten zwei Portfolios, welche den von ihm betrachteten Markt widerspiegeln; diese Portfolios bilden im Idealfall denselben Markt mit unterschiedlichen Wertpapieren ab. Bewegen sich die Werte der Portfolios auseinander, so wird das billiger gewordene Portfolio gekauft und das teurer gewordene verkauft. Sollten sich die Preisungleichgewichte wieder annähern, dann wird ein Gewinn erzielt. - Die so verursachte hohe Umschlagshäufigkeit der statistischen Arbitrageure führte dazu, dass sie (2006) zwischen fünf und zehn Prozent des Handelsvolumens der Aktienbörse in Neuyork ausmachten.

– Siehe Event-Driven Fund, Hedge-Fonds-Strategien, Substanzwertanleger, Value-Management, Vermögens-Portfolio.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Arealgeld (area duty):

In älteren Dokumenten eine Abgabe, die in einigen deutschen Territorialstaaten nach der Fläche des mit Tabak bestellten Bodens (area planted with tobacco) erhoben wurde. Diese Steuer wurde zurecht beanstandet. Denn sie berücksichtigte weder die Güte des angebauten Tabaks noch die Ernteerträge (crop yields). Eine Abgabe auf verbrauchsfertige Tabakerzeugnisse ist in vieler Hinsicht der bessere Weg für eine Sündensteuer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Argent und Argentien (silver money):

In älteren Dokumenten sind damit immer Münzen aus Silber gemeint.

– Siehe Geld, schweres, Münze. Münzen-Paradoxon, Spores Raffel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Argyromanie und Geldbesessenheit (argyromania):

Übertriebene Geldsucht; krankhafter Trieb, reich zu werden (von argyros = Silber) und vor allem in der älteren Anklageliteratur gegen Banken als sämtlichen dort Beschäftigten eigentümlich (inherent: existing as an essential constituent, a indispensable quality) behauptet. - Indessen scheint empirisch zweifelfrei belegt, dass Banker nicht mehr von Argyromanie befallen sind als andere Personen auch. Freilich wird es erst in der heiss ersehnten sozialistischen Gesellschaft der Zukunft (much longed-for paradisical future socialist civilisation) keine Argyromanie mehr geben.

– Siehe Chremagogik, Chremaphobie, Chrysokratie, Europhobie, Finanzsodomit, Geiz, Geldeuropäer, Geldglaube, Geldhai, Geldraffer, Geldtheologie, Geldverkettung, Geldversessenheit, Geldquetscher, Geldraffer, Geldzweck, Habsucht, Harpax, Mammonismus, Plutokratie, Polyplusius, Reichtum, Sparsamkeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Armengeld (poor relief):

1 Frühere Form der Sozialhilfe (welfare aid) als Hilfe zum Lebensunterhalt (subsistence, living). Dabei handelte es sich um Zahlungen der Kirchengemeinde oder politischen Gemeinde an Personen, die aus eigenen Mitteln ihr Auskommen nicht (mehr) bestreiten konnten (Almosengenössige; poverty-stricken persons, almsmen and alsmswomen).

2 Abgabe in Bargeld zur Speisung der Armenkasse. Es waren in Europa verschiedene Verfahren gebräuchlich, um die nötigen Mittel für die Armenkasse aufzubringen; in der Regel bediente man sich einer Umlage bei den Privathaushalten. Sie wurde aber auch mittels besonderer Abgaben bewidmet. Die Sozialgeschichte ist reich an entsprechenden Darstellungen.

– Siehe Almosen, Beisitzergeld, Geldbewusstsein, Hochzeitsgeld, Hochzeitstischgeld, Konsumentenkredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Armenkasse (poor box, fund for poor relief):

Früher bei der Kirchengemeinde oder der politischen Gemeinde eingerichteter und von einem Almosenverwalter (auch: Almosenvogt, Armenvogt, Almosenpfleger, Almosenier, Spendmeister; alms manager, almoner: an official attached with the distribution of alms) betreuter Geldbestand mit dem Zweck, Mitbürger in Not die zu ihrem Lebensunterhalt notwendigen Mittel zuzuleiten. Gespeist wurde die Armenkasse

1. aus jeweils genau festgelegten Abgaben, wie etwa dem Hochzeitstischgeld oder dem Nonagium sowie

2. aus freiwilligen Zuwendungen wohlhabender Bürger.

– Siehe Armengeld, Dispensationsgeld, Fallgeld, Hochzeitsgeld, Kauffreigeld, Octroi, Sterbegeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Armlänge (arm's lenght):

Auf dem Finanzmarkt eine Transaktion zwischen zwei verbundenen Entitäten, die aber nach aussen (etwa aus steuerrechtlichen oder kartellrechtlichen Gründen) den Anschein vermitteln, dass zwischen ihnen bis anhin keine Wechselbeziehungen bestünden (a transaction where two related entities have nevertheless acted as if they had no pre-existing relations).

– Siehe Acting in Concert, Verbindung, enge.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Armut in älteren Dokumenten auch Dalles und Pauperität (poverty):

Allgemein ein wirtschaftlicher Notstand, die andauernd die Lebenslage bestimmt. Unterschieden wird in der Regel eine

1. absolute Armut (absolute poverty, destitution), bei der grundlegende menschliche Notwendigkeiten wie Wasser, Nahrung, Kleidung, Obdach, Gesundheitspflege und Schulbesuch (basic human needs which usually includes water, nutrition, clothing, shelter, health care and schooling) nicht befriedigt werden können. In anderer Definition wird ein bestimmter Geldbetrag angegeben, der jedem Bewohner zur Verfügung steht. Dies hat den Vorteil, dass die absolute Armut dadurch genau bestimmt werden kann. Im Jahr 2014 hatten 1,2 Milliarden Menschen ein Einkommen von weniger als 1,25 USD pro Tag und waren damit nach den Berechnungen der Weltbank absolut arm. Daneben gibt es eine

2. relative Armut (relative poverty) in entwickelten Volkswirtschaften. Von dieser spricht man in der Regel dann, wenn jemand ein Einkommen von weniger als die Hälfte des Durchschnittseinkommens aller Bewohner bezieht (commonly, relative poverty is measured as the percentage of population with income less than the half of median income). Diese Gruppe der armen Unterschicht wird auch Prekariat (precariat) genannt. Schliesslich betrifft die

3. gefühlte Armut (feeled poverty, socio-cultural poverty) diejenigen, die sich aufgrund gesellschaftlicher Ausgrenzung (unequal social status and inequitable social relationships, experienced as social exclusion, dependency, and diminished capacity to participate, or to develop meaningful connections with other persons in society) als arm betrachten, zusamt denjenigen, die in beständiger Furcht vor einem bevorstehenden wirtschaftlichen Notstand leben und entsprechend handeln. - Ein auch in reichen Staaten wohl nicht ausrottbare Erscheinung ist die

4. geistige Armut (intellectual poverty) sie beschreibt einen Geisteszustand von Einfallslosigkeit, Gedankenarmut, mangelnder Vorstellungskraft, kurz: von Stumpfsinn und Dummheit (generally, it refers to a state of delayed intellectual development). Fachleute zählen bis zu zwanzig Prozent der Bevölkerung Deutschlands zur Gruppe der geistig Armen. Diese werden durch besondere Presseerzeugnisse (allein eine täglich erscheinendes Boulevardblatt [tabloid] erreichte 2014 fast 18 Prozent der deutschen Bevölkerung ab 14 Jahren, das sind fast 12 Mio Menschen) und Fernsehsendungen bedient.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Arrangement (arrangement, settlement):

1 Ein Abkommen zwischen der Bank und einem verschuldeten Kunden über die Vorgehensweise bei der (Teil)Rückzahlung seiner Verbindlichkeiten und Glattstellung eines Kontos; ein vertraglich festgelegter und in manchen Fällen - wie etwa bei von Insolvenz bedrohten Firmenkunden - auch notariell beurkundeter Schuldentilgungsplan (notarially attested debt redemption agreement).

2 Eine Abmachung zwischen den Gläubigern einer hochverschuldeten Firma - manchmal auch gesagt in Bezug auf einen Staat - mit dem Ziel, die Schuldenlast unter bestimmten Bedingungen zu erleichtern (voluntary arrangement to restructure the debt of a company, under which payment is reduced).

– Siehe Aufschub Frist, Bankrott, Einzug, Finanznot, Insolvenz, Kredit, notleidender, Kreditverlust, Liquiditätskrisenplan. Londoner Verfahren.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Arranger (so auch meistens im Deutschen gesagt), daneben Arrangeur und Plazeur:

1 Auf dem Finanzmarkt ein Institut, das im Auftrag eines Kunden die Begebung einer Anleihe (Underwriting) sowie die Konsortialführerschaft (Lead Management) sowie unter Umständen auch die Marktpflege übernimmt. Die für diese Dienstleistungen berechnete Gebühr nennt man (auch im Deutschen) Agency Fee.

2 Im Besonderen bei Verbriefungen ein Dienstleister, der

1. von einer Zweckgesellschaft ihm übergebene Asset-Backed Securities übernimmt,

2. deren Bonität prüft,

3. sie in Tranchen aufteilt,

4. von Rating-Agenturen (oft auf dem Weg des iteratives Entwicklungsverfahrens) einstufen lässt und dann

5. für die entsprechenden Wertpapiere bei möglichen Anlegern wirbt.

– Siehe Bought Deal, Bruttospanne, Club Deal, Fiscal Agent, Fixed Price Reoffering-Verfahren, Flex-Klausel, Investment Banking, Kreditzusage, unwiderrufliche, Marktpflege, Rating-Anpassung, Roadshow, Syndizierung, Verbriefung, Zweckgesellschaft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Arrangierung (arrangement):

1 Gebündelte Dienstleistungen einer Bank, die als Arranger tätig wird und daneben auch für diesen Kunden weitere, umfassendere Tätigkeiten wahrnimmt. Diese gehen, je nach vertraglicher Abmachung, über die Besorgung des Zahlungsstromes - also aller Zahlungsausgänge und Zahlungseingänge und damit der Verantwortung über die betriebliche Finanzwirtschaft gesamthaft - des betreuten Unternehmens bis hin zur Beratung in rechtlichen und steuerlichen Fragen. Auch die Verwaltung des gesamten Anlagevermögens eines Unternehmens (Grundstücke, Gebäude, Maschinen) kann im Zuge einer Arrangierung einem Institut übertragen werden.

2 Die Übernahme des Schuldenmanagements öffentlicher Körperschaften (Städte, Kreise, Gemeinden). In Deutschland haben sich im Besonderen Landesbanken (wie die HSH Nordbank) nach Wegfall der Gewährträgerhaftung im Jahr 2005 auf diese Geschäftsfelder spezialisiert.

– Siehe Facility Agent, Facility Management, Fiscal Agent, Investment Banking.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Arreragen (arrears, delay in payments):

In der älteren Finanzsprache häufig gesagt für rückständige (französisch: arrière) Zahlungen (debt which is overdue after missing one or more required payments. The amount of the arrears is the amount accrued from the date on which the first missed payment was due; the account is said to be in arrears).

– Siehe Geldvergessliche, Respiro, Verwirkungsklausel, Verzug, Zahlungsausstand, Zahlungsunfähigkeit, Zinsen, rückständige.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Arrestgeld und Carceraticum (attachment fee):

Früher im Zuge der Zwangsvollstreckung (CH: Betreibung; compulsory enforcement) eines Anspruchs bei Antrag auf gefängliche Haft des Schuldners seitens eines Gläubigers beim Arrestgesuch im Voraus an die Behörde zu leistende Zahlung. Damit sollten die Aufwendungen für die Verpflegung (Atz: daher manchmal auch Atzgeld und Atzungsgeld) des Verhafteten (Arrestanten; prisoner) gedeckt werden. In Höhe des von ihm bezahlten Arrestgeldes entstand eine Forderung des Gläubigers gegenüber dem Schuldner.

– Siehe Bankgeld, Einzug, Fanggeld, Faustpfandkredit, Geldeintreibung, Justitiengeld, Keichengeld, Kinderpfand, Kunde, fauler, Leichenpfand, Zahlungsmoral.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Arrondierung (balancing):

Den Bestand eines bestimmten Wertpapiers in einem Portfolio durch Zukauf oder Verkauf auf eine gewünschte Stückzahl bringen.

– Siehe Nochgeschäft, Odd Lot.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Arrosierung und Arrosion (arrosion; partial payment):

1 Insbesondere bei Staatsanleihen der Aufschub der Rückzahlung, zum Ausgleich dafür verbunden mit einer Erhöhung des Zinssatzes für das Papier.

2 Eine Abschlagszahlung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Artikulierung (articulation):

Wenn nicht anders definiert im Finanzbereich eine Benennung dafür, inwieweit verschiedene Datensätze in einem Finanzausweis bzw. einer Vermögensaufstellung zueinander passen (the interrelation and congruence of the flow of data between financial statements of an entity, such as between the income statement [Gewinn- und Verlustrechnung] and the balance sheet). - Man spricht oft auch im engeren Sinne von Artikulierung, wenn die Zahlen aus dem verschiedenen Zusammenstellungen (Postierungen; statements) sich als zueinander stimmig erweisen (when numbers from different financial statements relate to one another: when they link together).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Asian Currency Unit, ACU (so auch im Deutschen gesagt):

Geplante Verrechnungswährung (zunächst als Korbwährung ähnlich der ECU geplant) asiatischer Länder als Vorläufer einer späteren einheitlichen Währung in Asien, zumindest innert der Asiatischen Freihandelszone. Auf längere Sicht könnte die ACU neben den USD und EUR treten.

– Siehe Globo, Terra.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Asiatische Freihandelszone (Asian Free Trade Area, AFTA):

Zu Jahresbeginn 2010 in Kraft getretenes Handelsabkommen zwischen China und zehn asiatischen Staaten. Der Vertrag sieht den Abbau von Zöllen und die Begünstigung gegenseitiger Investitionen vor. - Das Abkommen umfasst zwei Geschwindigkeiten. Zwischen China und den sechs im Handelsblock Asean (Association of Southeast Asian Nations) zusammengeschlossenen Staaten Indonesien, Brunei, Malaysia, den Philippinen, Singapur und Thailand gilt seit 1. Januar 2010 ein Zollabbau auf Null für 90 Prozent aller gehandelten Waren. Für die vier weiteren Asean-Staaten Laos, Vietnam, Kambodscha und Myanmar (Burma) soll dieser Abbau ab 2015 verwirklicht sein. Es handelt sich dabei um die bevölkerungsreichste Freihandelszone der Welt, noch vor der EU und dem Nafta (North American Free Trade Agreement zwischen Kanada, den USA und Mexiko, am 1. Januar 1994 in Kraft getreten). Anfang des Jahres 2010 lebten In China rund 1,3 Milliarden und in den zehn Asean-Staaten etwa 584 Millionen Menschen. Zum gleichen Zeitpunkt stellte die Region etwa 11 Prozent der Weltwirtschaftsleistung. Der Handel zwischen China und den Asean-Staaten ist zwischen 2003 und 2008 jährlich um durchschnittlich 24 Prozent gewachsen. - Fernziel der AFTA ist eine Währungsunion nach dem Vorbild der Eurozone.

– Siehe Asian Currency Unit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Assay-Stempel (so auch zumeist im Deutschen gesagt; assay = examination and determination as to weight, quality, measure, etc.):

Prägestempel, Echtheitssiegel (Punze; hallmark) auf Barren aus Edelmetall allgemein und Goldbarren im Besonderen (a stamped impression on the surface of a precious metals bar that indicates the producer, serial number, weight, and purity of metal content). Die Prägung (hallmark) bezeugt, dass das Metall von einer anerkannten Raffinerie (refinery: an industrial plant for purifying crude noble metals) kommt. Für die Marktfähigkeit von Gold- und Platinbarren ist die Punze eine unerlässliche Voraussetzung. - Weil aber Punzierungen auf gefälschten Barren (counterfeited ingots) geschickt nachgemacht wurden, bedienen sich die Raffinerien heute bei Barren mit höherem Gewicht einer zusätzlichen Kennzeichnung, die nur mit besonderem Lesegerät zu entziffern ist. - Der Anteil gefälschter Barren - das Metallstück besteht hierbei im Kern aus minderem Werkstoff wie etwa Eisen und hat in der Regel dann nur einen Überzug aus Edelmetall - wird im weltweiten Handel ausserhalb der Banken auf mehr als siebzig Prozent geschätzt. Beim Kauf über eine Bank besteht in Deutschland eine Gewähr für die Echtheit; Fälle von gefälschten Stücken sind hier bis anhin ganz selten bekannt geworden.

– Siehe Bullion, London Good Delivery Standard, Wardein.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Assekuranz (insurance):

1 Die Versicherungswirtschaft (insurance industry) gesamthaft bzw. der Markt für Versicherungsleistungen.

2 Eine einzelne Versicherungsgesellschaft (insurance company).

– Siehe Versicherung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Assekuranztheorie (theory of insurance):

Abgaben des Staates an Privathaushalte und Unternehmen sind gleichsam eine Prämie dafür, dass der Staat die Zahlungspflichtigen beschützt und ihnen den Einkommenserwerb ermöglicht.

– Siehe Äquivalenztheorie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Asset Backed Commercial Papers, ABCP (so auch im Deutschen gesagt, seltener besicherte Geldmarktpapiere):

Mit einem Vermögenswert unterlegte, nicht börsennotierte Papiere mit einer Laufzeit von höchstens 360 Tagen. Emittiert werden sie zumeist von Conduits zur Finanzierung eines Portfolios aus langfristigen Forderungen, z. B. Hypothekarkredite. ABCPs sind damit abgezinste Verbriefungspapiere.

– Siehe Asset-Backed Securities, Commercial Papers, Geldmarkt-Segmente, Special Investment Vehicle.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Asset-Backed Securities, ABS (so meistens im Deutschen gesagt; seltener auch: Forderungsbesicherte Wertpapiere):

Zur Refinanzierung verwendete, besonders geschaffene Wertpapiere, die durch einen Pool gleichartiger Vermögenswerte (beispielsweise gewährte Hypothekarkredite, Leasingforderungen, Kreditkartenforderungen oder auch durch einen Lebensversicherungsbestand; gesamthaft zumeist Forderungsbestand [receivables portfolio, assets] genannt) gedeckt (backed; covered) sind. - Der Schuldendienst der emittierten Papiere wird aus dem Ertrag des Pools getragen wird. Bei breiter Streuung der zugrunde liegenden Risiken haftet diesen Wertpapieren gesamthaft gesehen ein geringeres Risiko an als den ursprünglich verbrieften Forderungen. - Durch ABS-Transaktionen gehen Kredite aus den Bilanzen der Banken (Originatoren; originators) im Zuge einer True-Sale-Verbriefung ganz auf Anleger über. Damit werden auch die Risiken auf die Gläubiger des ABS übertragen, und bei den Banken werden wieder Kreditlinien frei. Das Instrument der ASB ist deshalb auch beim Risikomanagement der Banken von Wichtigkeit, wird aber andrerseits von den Aufsichtsbehörden mit Argusaugen (Argus eyes) beobachtet. - ABS sehen also in ihrer Grundform im Vorhinein die Veräusserung des Vermögenswertes "Forderungsbestand" an eine eigens dafür gegründete Gesellschaft vor. Die Aufgabe dieser Zweckgesellschaft besteht im Ankauf der Forderungsbestände und in deren Refinanzierung durch die Begebung von Wertpapieren, die durch den Forderungsbestand als Vermögenswert gesichert sind. - Grundsätzlich kommt den ABS zwar die Eigenschaft der Notenbankfähigkeit zu. Aber die EZB beschloss im Dezember 2010, Informationspflichten für ABS auf Einzelkreditebene (at individual credit level) einzuführen, und zwar zunächst für mit Forderungen aus Hypothekendarlehn für private Wohnimmobilien unterlegte Wertpapiere (Retail Mortgage Backed Securities) und nach und nach dann auch für alle ABS. So wurde im September 2013 etwa eine Meldepflicht für Einzelkreditdaten von mit Kreditkartenforderungen besicherten ABS (ABS backed by credit card claims) eingeführt. Weitere Anforderungen an ABS als Sicherheiten für Geschäfte mit dem Eurosystem wurden 2014 von der EZB verlautbart und finden sich auf den entsprechenden Websites der EZB. - Man hat die ABS als Giftpapiere verteufelt und ihnen die Schuld an der Subprime-Krise zugeschrieben. Indessen ist leicht zu erkennen, das nicht ABS als solche die Subprime-Krise ausgelöst haben, sondern deren Missbrauch.

– Siehe ABS-Fonds, Aktiva, illiquide, Arrangeur, Automobil-Darlehn, verbriefte, Back-to-Originator-Postulat, Collateralised Debt Obligations, Conduit, Einzel-Originator-Verbriefung, Embedded-Value Verbriefung, Endanleger, Erstverlust-Tranche, Krediterweiterung, Kreditverbriefung, Privat-Label Asset-Backed Securities, Residential Mortgage Backed Securities, Single Master Liquidity Conduit, Schuldendeckungsquote, Schuldverschreibung, gedeckte, Subprime-Krise, True-Sale-Verbriefung, Verbriefungspapiere-Selbstbehalt, Wohnungsbaukredite, verbriefte, Unterlegung, Unternehmenskredite, verbriefte, Verbriefungsstruktur, Zinseinfrierung, Zweckgesellschaft.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2001, S. 20 f., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2004, S. 27 ff., Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 22, S. 126, Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 80 (Asset Backet Securities sind in die neue Anlageverordnung aufgenommen) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Monatsbericht der EZB vom Februar 2008, S. 91 (ABSs stehen kaum in Wettbewerb zu gedeckten Schuldverschreibungen; weitere Vorteile für Originatoren und Anleger), Monatsbericht der EZB vom Februar 2008, S. 102 (Notenbankfähigkeit der ABS), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 46 (IOSCO berät über zu erlassende Transparenzvorschriften beim Handel mit ABS), Monatsbericht der EZB vom November 2011, S. 88 ff. (ABSs im Refinanzierungsgefüge der Banken; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom September 2013, S. 53 ff. (Wiederaufblühen des ABS-Marktes nach der Finanzkrise; aufsichtliche und gesetzgeberische Massnahmen,; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2014, S. 61 (Nutzung von ABS als notenbankfähige Sicherheiten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Asset-Backed Securities-Collateralised Debt Obligation, ABS-CDO (so auch im Deutschen und meistens in der Abkürzung gesagt):

Asset-Backed Securities, die selbst in Teile anderer forderungsbesicherte Anleihen investieren. Solche verschachtelte Verbriefungspapiere wurden von den Aufsichtsbehörden wiederholt gerügt, weil hier der Abstand zwischen dem Anleger und den zugrunde liegenden Risiken schier unübersehbar ist. Wegen der Schwierigkeiten beim Risikomanagement solcher Titel und auch angesichts der Tatsache, dass die Rating-Agenturen spätestens seit der Subprime-Krise die ABS-CDOs sehr schlecht benoteten (selbst auch dann, wenn diese mit einer Rückübertragungs-Klausel versehen waren), ging der Absatz ab etwa Mitte 2007 stark zurück.

– Siehe Absenzkapitalismus, Credit Default Swap im Quadrat, Finanz-Alchemie, Giftpapiere, Information, asymmetrische, Lottchen, doppeltes, Zertifikateschneider.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Asset Deal (so auch im Deutschen gesagt):

Der Erwerb eines Unternehmens durch Kauf der einzelnen Vermögensteile. Dabei werden über jeden einzelnen Vermögenswert Kaufverträge abgeschlossen (etwa über den Verkauf von Grundbesitz, Maschinen, Geschäftsausstattung [plant and equipment], Rechte, Forderungen und auch der Intangibels wie der Goodwill). Beim Asset Deal haftet der Verkäufer für vorhandene Mängel am Kaufobjekt. - Im Gegensatz dazu steht der Share Deal. Hier kauft der Investor Geschäftsanteile (Aktien, GmbH-Anteile) und erhält die mit der Beteiligung verbundenen Rechte und Pflichten.

– Siehe Asset Sales Deal, Barofferte, Gifttablette, Fusionen und Übernahmen, Zuschuss.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Asset-Korrelation (asset correlation):

Die Wechselbeziehung der Änderung im Unternehmenswert zweier Unternehmen. Im Zusammenhang mit der Risikomessung wird eine entsprechende Kennzahl auf Firmen bezogen, deren Kreditrisiko aufgrund der Tätigkeit in derselben Branche (industry; Wirtschaftszweig) weitgehend von demselben Risikofaktor abhängt.

– Siehe Branchenkonzentration.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2006, S. 44 f. (Erläuterung; Risikomodelle).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Asset Management und Assetmanagement (so auch im Deutschen):

1 Die Verwaltung der Vermögenswerte eines Unternehmens nach buchhalterischen und steuerlichen Gesichtspunkten.

2 Bei einer Bank ein Bereich, der

1. für Privatkunden, institutionelle Anleger sowie für öffentliche Stellen

2. aus vielen Möglichkeiten, wie Aktien, Anleihen, Immobilien, Hedge-Fonds-Anteile, Edelmetalle, Gutschriften in Fremdwährung, Optionen oder Fonds, die

3. geeigneten Investitionen in

4. jeweils eng oder weiter festgelegter Absprache mit dem Kunden

5. auswählt, beschafft und in der Regal auch verwaltet.

– Siehe Auftragsfonds, Endanleger, Multi-Boutique-Ansatz, Investment Banking, Vermögensverwalter, Vermögensverwaltung, bankliche.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Asset-Price Inflation (so auch im Deutschen gesagt):

Die Preise für Immobilien und Finanzaktiva steigen stärker an als der Index der Konsumentenpreise, was letztlich immer als Folge einer zu starken Vermehrung der Geldmenge (einer monetären Parektasis; monetary parectasis) eingeschätzt wird. Die Stabilisierung der Vermögenspreise ist aber bis anhin kein Ziel der Geldpolitik, sondern nur einer der Indikatoren, welcher der Zentralbank Hinweise über allfällige Preisrisiken liefert.

– Siehe Blase, spekulative, Dotcom-Blase, Fragmentierung, Geldschöpfung, Geldmenge, Geldwertstabilität, Greenspan-Doktrin, Immobilienblase, Jackson Hole-Konsens, Niedrigzinspolitik, Nullzins, Overtrading, Poseidon-Blase, Preisstabilität Subprime-Krise, Überschwang, unvernünftiger, Vermögensblase Vermögenseffekt, Zinsdifferenzgeschäft, Zinssatz, niedrig gehaltener, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom September 2004, S. 22 ff (mit Literatur-Verweisen), Monatsbericht der EZB vom April 2005, S, 53 ff. (sehr tiefgehende Erörterung, empirisch fundiert), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2006, S. 25 ff. (Vermögenspreis-Entwicklung in den USA verglichen mit anderen Zinssätzen), Jahresbericht 2011 der EZB, S. 29 ff. (Frühwarn-Indikatoren bei Vermögenspreisen), Monatsbericht der EZB vom September 2013, S. 61 ff. (zum Einfluss der Geldpolitik auf die Vermögenspreise; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Asset Sales Deal auch Asset Stripping (so jeweils auch im Deutschen gesagt):

Eine Übernahme, bei der ein grosser Teil des Kaufpreises - im Einzelfall dieser gar gesamthaft - durch den Verkauf von Aktiva der übernommenen Gesellschaft aufgebracht wird.

– Siehe Asset Deal, Ausschlachten, Burn-Out Turnaround, Finanzgeier, Go-go-Fonds, Hedge-Fonds, Heuschrecken, Kapital-Abzapfung, Leveraged Buy-out, Private-Equity-Funds, Risikokapital, Trade Sale, Vulture Fund, Window on Technology.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Dezember 2006, S. 45 f. (Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Asset-Swap (so auch im Deutschen gesagt):

Ein Swapgeschäft, bei dem ein Investor

1. seine feste Anlage in eine variable (Festzinszahler-Swap) oder

2. seine variable Anlage in eine feste (Festzinsempfänger-Swap) tauscht.

– Siehe Liability Swap.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Assignaten (assignats):

1 Papiergeld, das im Revolutionsjahr 1789 in Frankreich in Umlauf gebracht wurde; es sollte durch Verkauf der enteigneten Liegenschaften der Kirche gedeckt sein bzw. Ansprüche auf diese verbriefen. - Die Kaufkraft der Assignaten minderte sich durch rücksichtslose Neuausgeben (von ursprünglich 400 Millionen auf 12 Milliarden Livres) bis 1793 auf fünfzig Prozent, bis 1795 gar auf acht Prozent. Die gemäss gesetzlicher Vorschrift in Assignaten bezahlten Arbeiter verarmten. - Derweil wurde die von den revolutionären Machthabern verschuldete Preissteigerung auf allen Gebieten den Bauern und Gewerbetreibenden zur Last gelegt; der eh revolutionär lodernde Volkszorn richtete sich nun gegen diese. Viele wurden ausgeraubt und gar totgeschlagen. Im Mai 1797 erklärt die Regierung die Assignaten für ungültig. Zuvor war ein Versuch, diese durch neues Papiergeld (mandats territoriaux) zu ersetzen, gescheitert.

2 Abfällige Bezeichnung für Geld ohne Kaufkraft.

– Siehe Aftergeld, Geldwert, Geldwertstabilität, Inflation, Lug-und-Trug These, Verbriefung, Verbriefungspapiere, Zwangswährung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Assignment (so auch im Deutschen gesagt):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter bei einem Swapgeschäft - und hier wieder besonders bei einem Zinsswap - die Weitergabe einer Vertragsposition an einen neuen Partner. Der bisherige Gegenseite in dem Swapgeschäft muss bereit sein, den neuen Vertragspartner (party to the agreement) anzunehmen.

– Siehe Close-out, Reversal.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ästimator (estimator):

In der älteren Finanzsprache eine Person,

1 die den Wert von Vermögensgegenständen gutachterlich feststellt, ein Schätzer oder

2 ein Sachverständiger, welcher die Kosten eines Vorhabens ausrechnet (one who is competent of predicting the probable costs of a project); ein Vorkalkulator.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Astro-Prognose und Astroprognose (astrologic forecast):

Die Abschätzung künftiger Kurse eines Vermögenswertes, eines Börsenindex oder der Preise auf einem Teilmarkt (sub-market, market segment) aus dem Verlauf der Gestirne, der Himmelskörper. Etliche darauf spezialisierte Dienstleister bieten sich in Deutschland und in anderen Ländern der Welt dafür an und scheinen reichlich Nachfrage zu haben. Auch werden in viel besuchten Internet-Foren, Blogs und auch bei Twitter entsprechende Hinweise und Kauf- sowie Verkaufsempfehlungen ausgetauscht. Reisserische Erfolgsmeldungen (action stories) finden dort sich zuhauf. - Es ist schwer abzuschätzen, ob im Einzelfall

1. ernsthafte Sterngläubige (convinced astrologers) oder

2. zwecks Kursmanipulation handelnde, gewiefte Fachleute (experts in all stops [Register] regarding the manipulation of exchange prices) entsprechende Meldungen verbreiten. Jedenfalls ist solchen Empfehlungen gegenüber immer ein gesundes Misstrauen (healthy suspicion) angebracht; ganz abgesehen davon, ob der Kurs etwa der Aktie der ThyssenKrupp AG tatsächlich vom sonnennächsten Punkt (Perihel; periphelion) und dem sonnenfernsten Punkt (Aphel; aphelion) des Planeten Jupiter bestimmt wird.

– Siehe Behavioural Finance, Blind Pool, Blog, Daimonion, Deuteroskopie, Fibonacci-Folge, Finanzasophie, Finanzdümmling, Geheimtip, Internet-Foren, Marktmanipulation, Monokausalismus, Noise Traders, Prognosebericht, Sentiment, Siderismus, Sparsamkeitsregel, Verschwörungstheorien, Vorhersagetauglichkeit, Wahrsagergeld, Wechselkursverlauf, unerklärbarer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Atermoiement (deferred payment):

In der älteren Finanzsprache in Bezug auf eine Forderung die Fristverlängerung, der Zahlungsaufschub.

– Siehe Moratorium, Verzug.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Attentismus (wait-and-see position):

Auf dem Finanzmarkt ein Zeitraum, während dem sich Nachfrager - Anleger, Kreditnehmer, Spekulanten - vorläufig mit Aufträgen zurückhalten. Ihre Erwartungen sind auf für sie günstigere Marktbedingungen gerichtet, etwa auf bessere Verfassung der internationalen Finanzmärkte, wie gelegentlich der Subprime-Krise; oder auch auf mögliche Zinssenkungen.

– Siehe Abwartehaltung, Anlagenotstand, Anlage-Opportunitätskosten, Baisse, Bear, spekulative, Crash, Dominostein-Effekt, Friedhofs-Markt, Headline-Hysterie, Herdenverhalten, Liquiditätsfalle, Liquiditätspräferenz, Opportunitätskosten, Roosa-Effekt, Sell-Plus-Order, Stille, Stückemangel, Systemkrise, Vertrauen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Audit (so auch im Deutschen häufig gesagt, seltener Prüfung und Auditierung):

Begriff aus DIN EN ISO 8402; dort definiert als "eine systematische und unabhängige Untersuchung, um festzustellen, ob die qualitätsbezogenen Tätigkeiten und die damit zusammenhängenden Ergebnisse den geplanten Anordnungen entsprechen und diese Anordnungen wirkungsvoll verwirklicht und geeignet sind, die Ziele zu erreichen". Audits dienen damit dem Nachweis der Übereinstimmung zwischen Darlegung und tatsächlichen Verhältnissen. Audits können durch Angehörige des Unternehmens (interne Audits) oder aussenstehende Personen (externe Audits) erfolgen.

– Siehe Aktuar, Amtsprüfung, Beratungs-Prüfungs-Mix, Enforcer, Fair Value, Prüfung, mangelfreie, Prüfungsberichtsverordnung, Sonderprüfung, Superrevision, Transaktionsüberwachung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Auditor auch Rechnungsprüfer und Revisor (comptroller, controller):

Für die Rechnungslegung einer Firma zuständige Person (the corporate officer responsible for the firm's accounting activities).

– Siehe Audit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aufastung (pruning):

Aus der Forstwirtschaft (aufasten = entfernen der unteren Seitenäste, um einen astreinen Baumstamm zu erhalten; removal of lower branches to provide clearance and to get a knot-free tree trunk) nach 1980 in die Finanzsprache eingedrungener Ausdruck; es bedeutet hier das Ausscheiden entbehrlicher Posten (removal of excess items from a budget) bzw. auch die Freisetzung (the term "Entlassung" shall be avoided as much as possible for it is full of painful emotions which harm the image of the company) von Personal.

– Siehe Aktivitätsanalyse, Downsizing, Entlassungs-Produktivität.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aufgeld (premium; contango):

1 Eine Zahlung, die man gemäss besonderer Umstände zusätzlich zu einer bereits geleisteten Summe zu leisten hat.

2 Bei Münzen und Medaillen der Schlagschatz.

3 Im Börsenhandel allgemein der Unterschied zwischen dem Nennwert und dem höheren Kurswert eines Wertpapiers, ausgedrückt in Prozent des Nennwertes; auch Agio, Aufschlag, Aufpreisoder Prämie genannt.

4 Ist auf dem Devisenmarkt der Kassakurs niedriger als der Terminpreis, so wird die Termindevise mit einem Aufschlag (Report) gehandelt.

5 Speziell im Optionshandel: der höhere Preis, den ein Optionskäufer bezahlt, um eine Option zu erstehen, der Optionspreis.

6 Bei Kapitalverwaltungsgesellschaften (investment funds; Investmentfonds) die Gebühr, welche der Anleger beim Erwerb von Anteilen zur Deckung der Ausgabe- und Rücknahmekosten zu zahlen hat; auch Ausgabe-Aufschlag, Agio und - beim Umsteigen von einem Fonds in einem anderen innert der gleichen Kapitalverwaltungsgesellschaft - Switchgebühr (switch fee) genannt.

7 Die Vergütung dafür, dass man Kaufkraft für eine gewisse Zeit an einen anderen überträgt (credit; Darlehn): der Zins.

8 Früher auch der Lohnzuschlag an einen beauftragten Handwerker, der an einem Montag Dienstleistungen erbracht (craftsmen generally were not at work on a Monday in Germany).

9 Die marktübliche Zuzahlung, die früher beim Umtausch von Papiergeld in Kurantmünzen und vor allem in Münzen in Gold gefordert wurde.

– Siehe All-in-Fee, Announcement, Ausgabe-Aufschlag, Aushingeld, Disagio, Legegeld, Minderschätzung künftiger Bedürfnisse, Montagsgeld, Option, Pagament, Schlagschatz, Seigniorage, Spores Raffel, Swapsatz, Switcher, Zollaufgeld, Zuzahlung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aufhebungsentgelt (annulment fee):

Nimmt eine Bank die vorzeitige Rückzahlung eines Darlehns an, so wird in der Regel ein Entgelt dafür in Rechnung gestellt. Denn bei dem Institut entstehen dadurch Kosten; diese sind vor allem bedingt durch die Änderung der langfristigen Liquiditätsplanung. In sozialen Plattformen (social platforms, social networks) beschweren sich immer wieder Wutbürger (enraged citizens) über eine solche Zahlung. Indessen ist auch aufsichtsrechtlich gegen ein Aufhebungsentgelt nichts einzuwenden.

– Siehe Bankgebühren, Deduktion, Facility Fee, Festlaufzeit, Rückzahlung, vorzeitige, Matching, Überziehungsgebühr, Vorauszahlungsrisiko, Vorfälligkeits-Entschädigung, Zwischenzins.

– Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 194 (solche Entgelte sind aufsichtsrechtlich nicht zu beanstanden).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aufkäufe, zentralbankliche (buying-up by central bank):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter Käufe von Papieren auf dem Sekundärmarkt durch eine Zentralbank, die damit auf mittelbaren Wege, hintenherum (indirectly) Staatsfinanzierung betreibt. - So erwarb die EZB im Zuge der Griechenland-Krise ab Sommer 2010 erstmals Staatsanleihen von Mitgliedsländer des Eurogebiets, die sehr stark im Kurs gesunken waren (Securities Markets Programme, SMP). Dies wurde allgemein als Tabubruch (breach of taboo) angesehen; ja die EZB wurde gar als die Bad Bank des Eurogebiets bezeichnet. Denn es kann und darf grundsätzlich mitnichten Aufgabe einer Zentralbank sein, Titel zu kaufen, die der Markt nicht will (rubbish papers; Schrottpapiere), weil

1. die Zentralbank schlimmstenfalls auf diesen Papieren sitzen bleibt, also Verlust erleidet,

2. einige Staaten der Eurozone das Eingreifen der Zentralbank so verstehen, dass die EZB notfalls als Käufer ihrer Schulden zur Verfügung stehe und

3. ein solches Vorgehen - wie sich gezeigt hat - Streit in den eigenen Reihen hervorruft (provokes dispute in its own ranks) - der Bundesbankpräsident Axel Weber und der Chefvolkswirt der EZB, Jürgen Stark, traten aus Protest gegen das SMP zurück, - ob sich die EZB als Reparaturanstalt (repair institute) für leichtsinnige Fiskalpolitik von Mitgliedsstaaten hergeben dürfe,

4. ja sogar die europäische Geldpolitik sich nun der Fiskalpolitik und dem Insolvenzrisiko einzelner Staaten unterwerfe.

– Mit dem Ankauf von Staatsanleihen auf dem Sekundärmarkt durch die EZB verlor diese bedeutend an Reputation in der Bevölkerung. Die Zweifel an deren Unabhängigkeit mehrten sich nicht nur, sondern überwogen sogar; zumal auch Politiker die Zentralbank öffentlich aufforderten, Staatspapiere strauchelnder Mitgliedsländer der Eurozone in ihr Portfolio zu nehmen. - Wenn der Erfolg der verschiedenen Ankaufprogramme ausblieb, erhöhten die Zentralbanken (in Japan, den USA und auch die EZB) den Einsatz. Damit drückten die Zentralbanken auch den Langfristzins am Kapitalmarkt nahe null. Das vertreibt private Anleihekäufer. Sie werden auf der Suche nach auskömmlicher Rendite (acceptable yield) Aktien kaufen müssen. Im Zuge dessen werden an der Aktienbörse Rekorde gefeiert; Blasen entstehen. - Die Zentralbanken verteidigen diese Politik damit, dass sie durch das billige Geld ja nur Investitionen anregen wollen; und dass sie bei der durch zusätzliche Investitionen gesteigerten Wirtschaftskraft das überschüssige Geld (excess money) leicht "absaugen" könnten. In Wirklichkeit jedoch führte diese Politik der Zentralbank bisher jedesmal dazu, dass Schuldnerstaaten weniger Grund sahen, längst fällige Strukturreformen (necessary structural reforms) einzuleiten und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Bezahlen müssen - auch im Falle der Politik der EZB zweifelsfrei nachgewiesen - die Sparer und Versicherten durch kalte Enteignung solche Massnahmen der Zentralbank. Dass aber eine Zentralbank auf diesem verhehltem Umweg (in secret; out of sight) eindeutig Verteilungspolitik betreibt, ist vor allem wegen ihrer fehlenden demokratischen Legitimation (democratic legitimacy) schlechterdings nicht hinnehmbar. Weil aber die überwiegende und meinungsbildende Mehrheit bei weitem mehr an der überschaubaren Keilerei eines Balltret-Vereins (football club) interessiert ist und kaum an den nicht leichtverstehbaren Zusammenhängen der Volkswirtschaft, so kann die Zentralbank fast kritiklos als eine Nebenregierung (shadow government) handeln.

– Siehe AIG-Deal, Angst, perverse, Anleihe-Spread, Anmassung, zentralbankliche, Bail-out, Bank, systemische, Bankenunion, Bazooka, Bilanzbereinigung, Blame game, Risikoteilung, ClubMed, Covered Bonds, Defizit-Finanzierungsverbot, Demokratie-Defizit, Enteignung, kalte, Euro-Anleihen, gemeinsame, Europäische Währungsunion, Grundfehler, EZB-Sündenfall, Griechenland-Krise, Irland-Krise, Liquiditätshilfen für Notfälle, Moral Hazard, Nuklearoption, Plan C, Politikklammer, Politikverzug, Quantitative Easing, Retterei, Siebenprozent-Grenze, Staatsschulden-Rückführung, Schuldendroge, Schuldentilgungspakt, europäischer, Transferunion, Umverteilung, zentralbankbewirkte, Unschärfe, konstruktive, Vertragstreue, Vertrauensblase, Zombiebank.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juni 2010. S. 24 ff. und S. 33 ff. (dramatische Lage an den Finanzmärkten machte rasches Eingreifen der EZB durch Aufkäufe von Staatsanleihen nötig), Jahresbericht 2010 der EZB, S. 21 (Rechtfertigung der Aufkäufe), Monatsbericht der EZB vom September 2011, S. 57 ff. (Begründung der EZB, ihr Securities Markets Programme weiterzuführen), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2011, S. 44 (neuere Zahlen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aufklärungspflicht (information requirements, suitability check[ing]):

Banken in Deutschland sind verpflichtet, vor dem Kauf von Finanztermingeschäften (financial futures transactions) den Anleger über die damit verbundenen Risiken aufzuklären und eine Unterschrift unter ein entsprechendes Dokument zu verlangen. Rechtsgrundlage ist § 37d WpHG.

– Siehe Anleger-Informationspflicht, Derivate-Informationspflicht, Derivate-Kodex, Editionsgebot, Informationspflicht, Informations-Überladung, Kapitalanlage-Mustervertrag, Risikobericht, Risikoüberwachung, gegliederte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aufkommen (amount, revenue):

Allgemein jeder Geldzufluss, und im Besonderen der Ertrag

1. aus einer Investition und

2. einer Steuerquelle.

– Siehe Mittelaufkommen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Auflagen (imposts):

1 In alten Dokumenten oft in sehr weitem Sinne gesagt von jeder Zahlung, die einzelne für irgendwelche Zwecke des Gemeinwesens zu leisten haben.

2 In engerem Sinne älterer Begriff für die in Geld zu entrichtenden indirekten Steuern. Den Gegensatz bildeten meistens die Schatzung (direct taxes). - Indessen ist die Terminologie nicht einheitlich.

– Siehe Abgaben, Gebühr, Gefälle, Impost, Umlage.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aufleggeld (guild fee; wedding coins):

1 Früher die regelmässige Zahlung der Mitglieder einer Zunft in die Zunftkasse.

2 Münzen, die ehedem gelegentlich der Vermählung dem Paar - also der Braut und dem Bräutigam - seitens der Hochzeitsgäste geschenkt wurden, auch Brauttafelgeld, Hochzeitsheller, Hochzeitsgulden und ähnlich genannt.

– Siehe Annehmungsgeld, Fahnengeld, Hielichgeld, Hochzeitstischsteuer, Innungsgeld, Pfeffergeld, Zunftgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aufnahme-Staat (establishing country):

In der Sprache des deutschen Aufsichtsrechts jener Staat, in welchem ein Institut ausserhalb seines Herkunfts-Staates eine unterhält oder im Wege des grenzüberschreitenden Dienstleistungsverkehrs (cross-border services) tätig wird, vgl. § 1, Abs. 5 KWG.

– Siehe Auslandsbanken, Bankenaufsicht, europäische, Europa-AG, Herkunfts-Staat, Repräsentanz, Zweiggesellschaft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aufnahmeverweigerung, finanzielle (financial rejection):

In den USA gesagt für die Annahme der Bewerbung zum Studium an einer durch sehr hohe Studiengebühren hervorstechenden Universität. Allerdings ist mit der Immatrikulation (matriculation: the act of being enrolled in the register of students) aber keine Einbeziehung in ein Stipendien-Programm verbunden (being accepted to a high-priced university, but receiving nothing in aid from any scholarship programme). Für viele Zugelassene ist daher ein Studium an der betreffenden Hochschule nicht möglich.

– Siehe Gebührfreiplatz, Stipendium.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aufprallträger (impact absorber, shock absorber):

Andere Bezeichnung für die Erstverlust-Tranche bei einer Verbriefung, auch Equity-Tranche und Junior-Tranche genannt. - In welchem Umfang diese Tranche tatsächlich einen Zahlungsausfall als erstes abfedern kann, hängt ganz von ihrer Dicke (dem Anteil dieser Tranche, bezogen auf den Pool gesamthaft) ab, was sehr häufig (und von wem gar!) übersehen wird.

– Siehe Tranchendicke, Zweckgesellschaft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aufrechnung und Saldierung, in älteren Dokumenten auch Riscontro (set-off, offsetting):

Die völlige oder teilweise Befreiung von einer Forderung durch eine gleichartige Gegenforderung; §§ 387 ff. BGB (situation whereby a debtor may acknowledge the claimant's demand, but he pleads his own claim in order to extinguish the claimant's demands either in full or in part).

– Siehe Netting.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aufrundung und oft nur Rundung (rounding up):

1 Wegen des Rundens von (Rechnungs)Beträgen gab es in der Vergangenheit wiederholt Streit zwischen Banken und Kunden. Heute ist international das sog. Half-adjust-Verfahren eingeführt. Dies ist eine Rundungsart, bei der jene Ziffer einer Zahl, welche den niedrigsten Stellenwert besitzt, bestimmt, ob eine Eins zur Ziffer mit dem nächst höheren Stellenwert addiert werden soll oder nicht, bzw. bei welcher die beiden Ziffern mit dem niedrigsten Stellenwert entscheiden, ob eine Eins zur Ziffer mit dem nächst höheren Stellenwert addiert werden soll oder nicht. Ist die Ziffer mit dem niedrigsten Stellenwert niedriger als einhalb, so wird zur Ziffer mit dem nächst höheren Stellenwert nichts addiert. Beträgt die Ziffer mit dem niedrigsten Stellenwert einhalb oder mehr, dann wird eine Eins zur Ziffer mit dem nächst höheren Stellenwert addiert. Computerprogramme sind auf das Half-adjust-Verfahren heute weltweit eingestellt.

2 In Bezug auf die Euromünzen die Entscheidung darüber, ob kleine Geldstücke aus dem Verkehr gezogen werden sollten. Es stehen dabei zunächst die Münzen zu 1 Cent und 2 Cent auf dem Prüfstand: mit diesen sollten angeblich die Menschen in der Eurozone "Schwierigkeiten" haben.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2013, S. 37 ff. (Befragung zu "Schwierigkeiten"; Vor- und Nachteile einer Rundung; Antrag des EU-Parlaments an die Kommission zur Einführung einer Rundungsregel).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aufsaugphase und Absorptionszeit (absorption era):

Auf dem Warenterminmarkt gesagt von kapitalkräftigen Terminhändlern, die in grösserem Umfang Kontrakte kaufen. - Verkaufen diese starken Hände hingegen Waren-Terminkontrakte, so spricht man von einer Abstossphase (dsitribution era).

– Siehe Position, schwache, Terminkontrakt, Terminspekulant.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aufschreibgeld und Aufschreibegeld (booking fee; authentification fee):

1 Früherer Name für die in der damaligen Finanzwelt übliche Buchungsgebühr, heute: Kontoführungsgebühr (activity fee, account maintenance charge) genannt.

2 Gebühr, die ehedem bei der Beurkundung von Schriftstücken (notarisation of documents) an den dazu ermächtigten Beamten oder Notar zu entrichten war.

– Siehe Taxe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aufschub-Frist und Aufschubfrist (teaser rate):

1 Eine Bank räumt dem Schuldner vertraglich ein, mit der Bedienung des Darlehns erst nach einiger Zeit zu beginnen; es werden also zunächst keine Abzahlungen und Zinsen fällig. Solche verlockende Einstiegskonditionen (luring conditions of entry, tempting newcomer conditions) waren im Besonderen auf dem US-Immobilienmarkt häufig; sie gelten als einer der Hauptgründe für die Subprime-Krise.

2 Einem Schuldner wird zugestanden, jetzt fällige Zahlungen zu einem späteren Zeitpunkt zu leisten.

– Siehe Amortisation, negative, Arrangement, Arrosierung, Ballon-Kredit, Beleihungswert, Erstraten-Verzugsklausel, Immobilienpreise, Mortgage Equity Withdrawal, Remission, Subprime-Krise, Zinsstundung, Zwei-Achtundzwanzig-Kredit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aufsicht (supervision):

Im Zusammenhang mit Finanzmärkten die Überwachung durch gesetzlich eingerichtete Aufsichtsbehörden. Erstes Ziel der Aufsicht ist die Sicherung der Funktionsfähigkeit und Stabilität des Finanzsektors durch Gläubigerschutz unter Beachtung marktwirtschaftlicher Grundsätze. - Der Nutzen einer Aufsicht sind deren Kosten gegenüberzustellen; denn die Überwachung bindet knappe Ressourcen sowohl auf der Seite der Banken und Versicherungen wie auch bei den (mit Personal in der Regel gut ausgestatteten) Aufsichtsbehörden. Die so verursachten Kosten werden letztlich an die Marktteilnehmer weitergereicht. Daneben entstehen Opportunitätskosten, wenn die Banken (wegen des zu hohen regulierungsbedingten Aufwands) Präferenzen der Marktteilnehmer bloss eingeschränkt bzw. gar nicht bedienen, oder wenn gar auf diese Weise Innovationen gehemmt werden. Mit zunehmender Regulierungsdichte nehmen solche Gefahren zu. - Schliesslich darf nicht übersehen werden, dass die Aufsicht auch zum Schutz vor Marktzutritt und zusätzlichem Wettbewerb missbraucht werden kann bzw. durch ihr Regelwerk diese Auswirkung ungewollt hat. - Die meisten der aufgezählten Nachteile versuchen die Aufsichtsbehörden durch Aufsichtsgespräche, Auswirkungsstudien und Calls for Advice zu begegnen. Dadurch hat sich (im besondern in Deutschland) ein von den Beteiligten als gemeinhin harmonisch beurteiltes Verhältnis zwischen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht und den von ihre überwachten Instituten herausgebildet.

– Siehe Aufsichts-Dreieck, Anlegerschutz, Ausschuss-Wahn, Auswirkungsstudien, Bankenaufsicht, europäische, Bankenaufsicht, europäische, Gebühren, Calls for Advice, Capture-Theorie, Consolidating Supervisor, Externalität, Fragmentierung, aufsichtliche, Fünfhunderter-Regel, Gleiches Geschäft – Gleiche Regel–Grundsatz, Good Governance, Leaning against the wind, Murphy's Gesetz, Pankratium, Peter-Regel, Rechtsrisiken, Sarbanes-Oxley Act, Solarenergie, Sparerschutz, Systemkonflikt, finanzmarktlicher, Teilgruppen-Aufsicht, Verpflichtungszeitraum.

– Vgl. die tabellarische Gegenüberstellung der einzelnen Aufgaben bei der Bankenaufsicht und Zahlungsverkehrsüberwachung im Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2004, S. 45, Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 33 ff., S. 43 ff. (Übersicht und Aufgabenbeschreibung der [selbst von Fachleuten kaum noch zu übersehenden] internationalen Gremien), S. 93 ff., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 32 ff. sowie die jeweiligen Jahresberichte der BaFin, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2006, S. 41 ff., Geschäftsbericht 2007 der Deutschen Bundesbank, S. 96 ff. (erweiterte Aufgaben im Zuge der neuen regulatorischen Vorschriften), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2009, S. 53 ff. (internationale Zusammenarbeit bei der Aufsicht), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 165 (Stand der Beratungen zur Produktaufsicht und - Überwachung bei Wertpapierdienstleistungsunternehmen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aufsicht, makroprudentielle (macro prudential supervision):

Auf Finanzmärkten die Tätigkeit der Aufsichtsbehörden mit dem Ziel, die Stabilität des Finanzsystems gesamthaft zu gewährleisten. Im Einzelnen umfasst dies vor allem die Ermittlung, Bewertung und Minderung von Systemrisiken. Diese hängen nachweislich vom Gesamtverhalten der Institute und deren Verflochtenheit sowie von dem Zusammenspiel zwischen Finanzmärkten und dem gesamtwirtschaftlichen Umfeld ab.

– Siehe Ansteckungswirkungen, Apfelernte-Schluss, Asset Quality Review, Ausschuss für Finanzstabilität, Bankenaufsicht, europäische, Banking Supervision Committee, Bilanztricks, staatliche, Comprehensive Assessment, Deflation, hässliche, Dominostein-Effekt, ESZB-Netzwerk für makroprudentielle Forschung, Europäischer Rat für Systemrisiken, Makroprudentiell, Makro-Stresstest. Murphy's Gesetz, Pankratium, Risiko, systeminhärentes, Solvenzaufsicht, Systemkonflikt, finanzmarktlicher, Zentralkreditregister.

– Vgl. Jahresbericht 2010 der EZB, S. 188 f. (Vorstellung des Netzwerkes zur makroprudentiellen Forschung der EZB), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2012, S. 30 ff. (zur makroprudentiellen Überwachung und deren institutioneller Rahmen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2013, S. 41 ff. (makroprudentielle Überwachung in Deutschland: ausführliche Darstellung, in den Anmerkungen wichtige Hinweise), Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 101 ff. (derzeitiger Stand und Entwicklung der makroprudentiellen Aufsicht in Deutschland und Europa: Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aufsicht, mikroprudentielle (micro prudential supervision):

Auf Finanzmärkten die Tätigkeit der Aufsichtsbehörden, die vor allem auf einheitliche Startbedingungen für Banken und der Schutz der Kunden vor unlauteren Praktiken (unfair practices) ausgerichtet ist. - Nicht jedoch Aufgabe der mikroprudentiellen Aufsicht kann und darf es sein, die werthaltige (intrinsically valuable) und die vom volkswirtschaftlichen Standpunkt gesehen wünschenswerte (produktivste) Verwendung der Darlehn von Instituten zu begutachten. Dies wurde mehrfach gefordert. Die Vergabe von Krediten aus freier Entscheidung ist und bleibt die ureigene Aufgabe (basic task, original role) jeder Bank.

– Siehe Anlegerschutz, Aufsichts-Dreieck, Bankenaufsicht, europäische, Bankenaufsicht, europäische, Gebühren, Committee of European Banking Supervisors, Pankratium, Peter-Regel, Prüfung, mangelfreie, Systemkonflikt, finanzmarktlicher.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 101 ff. (ausführliche Darstellung der neueren Entwicklung der makroprudentielle Aufsicht und deren Bezüge zur mikroprudentiellen Aufsicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aufsicht, präventive (preventive supervision):

Die Aufsichtsbehörde entschliesst sich zu einem Eingriff in die Geschäftstätigkeit eines Instituts bzw. einer Versicherung, um schädliche Folgen für das Unternehmen selbst und das Finanzsystem abzuwehren. Mit dem Gesetz zur Stärkung der Finanzmarkt- und der Versicherungsaufsicht, das im Sommer 2009 in Kraft trat, wurden der Aufsichtsbehörde entsprechende weitreichende Befugnisse eingeräumt.

– Siehe Regulierungswut, Overkill, regulatorischer, Überregulierung.

–Vgl. Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 141 f. (Einzelheiten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aufsicht, risikoorientierte (risk oriented supervision):

In Deutschland eine Arbeitsgruppe, beschickt von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht und der Deutschen Bundesbank mit dem Zweck, die Umsetzung von Basel-II bei den Banken zu erleichtern.

– Siehe Ausschuss-Wahn, Leaning against the wind, Straitjacking.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 95 f., Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 95 ff. (risikoorientierte Aufsicht in Vorgriff auf Solvency-II), S. 163 (Komponenten der risikoorientierten Aufsicht), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 88 ff (Arbeitskreis Interne Modelle; Risiko-Einordnung der Versicherer im Dezember 2008; auffallende Unterschiede), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 158 f. (Ergebnisse der Risiko-Klassifizierung), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 103 f. (laufende Massnahmen der BaFin), S. 234 f. (Prüfung der Risikostruktur von Kapitalverwaltungsgesellschaften), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 176 ff. (Risiko-Klassifizierung; Verletzung der Anlagegrenzen, Erlaubnisentzug) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute", "Aufsicht über Versicherungsunternehmen und Pensionsfonds" und Kapitel "Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aufsicht, weltweite (global supervision):

Vorschlag, eine einzige globale Aufsichtsbehörde für

1. alle Finanzdienstleister bzw.

2. Gruppen (Banken, Versicherungen, Fonds; dann auch colleges of supervision genannt) einzurichten.

– Gegen eine solche Behörde (super-agency) sprechen alle Gründe, die auch eine gesamteuropäische Aufsichtsbehörde als wenig wünschenswert erscheinen lassen. Geordnete Verhältnisse auf dem internationalen Finanzmarkt werden am besten durch Beaufsichtigung vor Ort (national supervision) erreicht. Das schliesst die (ja jetzt schon bestehende enge) Kooperation zwischen den nationalen Aufsichtsbehörden ebensowenig aus wie einheitliche Regeln (rule book), nach denen die nationalen Behörden handeln.

– Siehe Aufsicht, europäische, Aufsichts-Harmonisierung, europäische, Bankenaufsicht, europäische, Fragmentierung, aufsichtliche, Gleiches Geschäft - Gleiche Regel-Grundsatz, Internationaler Währungsfonds, Leaning against the wind, Lehman-Pleite, Lamfalussy-Vorschlag, Murphy's Gesetz, Ring fencing, Schuldenbombe, Subsidiaritätsprinzip, Systemkonflikt, finanzmarktlicher.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 42 (Finanzmarktkrise hat Notwendigkeit einer weltweit besser vernetzen Aufsicht offengelegt), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 47 (europäische Lösung), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2009, S. 63 (Leitfaden für die Arbeit und Zusammenarbeit der Aufsichtsgremien).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aufsicht, zentralbankliche (central bank supervision):

In Deutschland oblag der Deutschen Bundesbank nach § 7 KWG die laufende Überwachung der Institute sowie die Durchführung und Auswertung von bankgeschäftlichen Prüfungen und das Bewerten von Prüfungs-Feststellungen. Alle anderen Bereiche unterlagen der Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Mit Einrichtung der europäischen Bankenaufsicht wurden die Zuständigkeiten neu festgelegt.

– Siehe Aufsichts-Dreieck, Systemkonflikt, finanzmarktlicher.

– Vgl. Geschäftsbericht 2010 der Deutschen Bundesbank, S. 116 ff. (laufende Aufsicht in Deutschland; viele Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aufsichtsbehörden (supervisory authorities; prudential authorities, regulatory authorities):

Allgemein die in einem Staat oder in einem Staatenverbund wie der EU gesetzlich eingerichteten Instanzen zur Kontrolle der Tätigkeit auf den Finanzmärkten. Deren Handeln bewirkt eine positive Externalität, weil die Stabilität des Finanzsystems dadurch gestärkt wird. - In Euroland hatte sich ein dezentrales System der Aufsicht herausgebildet; es nutzte die Nähe und die besonderen Kenntnisse der verantwortlichen nationalen Instanzen und verband dies mit verschiedenen Formen enger, grenzüberschreitender Zusammenarbeit. Ab 2014 wurde für den Euroraum eine eigene europäische Bankenaufsicht eingerichtet.

– Siehe Allfinanzaufsicht, Aufsicht, europäische, Aufsicht, weltweite, Aufsichts-Dreieck, Aufsichtskultur, Ausschuss der Europäischen Wertpapieraufsichtsbehörden, Auswirkungsstudien, Bankenaufsicht, europäische, Bilanzposten-Deckelung, Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, Eidgenössische Bankenkommission, Calls for Advice, Cassis-de-Dijon-Urteil, Commodity Futures Trading Commission, Consolidating Supervisor, Enforcement, Federal Deposit Insurance Corporation, Federal Reserve System, Financial Services Authority, Finanzmarkt, Wachstumsbedeutung, Forum Europäischer Wertpapierbehörden, Fragmentierung, aufsichtliche, Free Banking, Fünfhunderter-Regel, Gleiches Geschäft - Gleiche Regel-Grundsatz, Internationale Organisation der Wertpapier-Aufsichtsbehörden, Kleinstversicherer, Lead Supervisor, Lamfalussy-Vorschlag, Makroprudentiell, Murphy's Gesetz, Pankratium, Office of Comptroller, Office of Thrift Supervision, Peter-Regel, Ring fencing, Runder Tisch der Regulierungsbehörden, Sarbanes-Oxley Act, Securities and Exchange Commission, Strukturkonservativismus, Systemkonflikt, finanzmarktlicher, Transparenzgrad, Vereinbarungen über den Informationsaustausch, Verpflichtungszeitraum, Zwölf-Felder-Risikomatrix.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 32, S. 43 (Übersicht der verschiedenen Gremien) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin; Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2006, S. 49 (Gegenüberstellung der Aufsicht in Deutschland, England und den USA), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 111 ff. (neue Aufsichtsrichtlinie mit Abgrenzung der Zuständigkeiten von Deutscher Bundesbank und BaFin), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2009, S. 63 (Leitfaden für die Arbeit und Zusammenarbeit der Aufsichtsgremien), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2013, S. 41 ff. (makroprudentielle Überwachung in Deutschland: ausführliche Darstellung, in den Anmerkungen wichtige Hinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aufsichts-Dreieck (supervisory triangle):

In Bezug auf Deutschland gesagt von der Tatsache, dass Banken

1. von Wirtschaftsprüfern,

2. von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht und

3. von der Deutschen Bundesbank überwacht werden. Eine genauere Abgrenzung der Befugnisse und durchsichtigere Ausführungsbestimmungen im Einzelnen sind Forderungen, die von den Verbänden der Kreditwirtschaft immer wieder vorgebracht werden. Ab 2014 wurden aufsichtliche Zuständigkeiten mit Errichtung der europäischen Bankenaufsicht neu festgelegt.

– Siehe Abschlussprüfungs-Richtlinie, Aufsicht, Aufsichtsbehörden, Aufsichtsgespräche, Basel-III, Fragmentierung, aufsichtliche, Systemkonflikt, finanzmarktlicher.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 113 (die BaFin kann Prüfungsgegenstände festlegen, die bei der Wirtschaftsprüfung besonders zu beachten sind).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aufsichtsgespräche (supervision meetings):

Dem Gedankenaustausch dienende Aussprachen zwischen den Verbänden der im Finanzmarkt tätigen Unternehmen und der Aufsichtsbehörde. Zweck (practical effect) der Besprechungen ist es vor allem, geplante Vorhaben der Banken im Voraus mit der Aufsichtsbehörde abzustimmen. Solche Zusammenkünfte haben in den letzten Jahren im Zusammenspiel zwischen den Akteuren im Finanzsektor und der Aufsichtsbehörde eine wachsende Bedeutung erlangt. Die sich daraus ergebende Gesprächskultur (climate of open communication) wird von beiden Seiten als sehr nützlich angesehen, vor allem weil so verschiedene Sichtweisen (different perspectives) aufgedeckt und abgewogen werden können.

– Siehe Aufsicht, Aufsichts-Dreieck, Aufsichtskultur, Auswirkungsstudien, Bankenaufsicht, europäische, Calls for Advice, Regelersteller.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 118 (im Jahr 2004 immerhin 134 Aufsichtsgespräche), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 127 (Schwerpunkte der Gespräche), S. 134 (Vorteile der Vor-Ort-Abstimmung mit Wirtschaftsprüfern) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aufsichtshaftung (supervisions' legal liability):

In Deutschland ist die Aufsichtsbehörde von einer Haftung freigestellt. Ein einzelner Marktteilnehmer kann von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht

1. weder verlangen, geeignete Massnahmen (etwa beim Market Timing) zu ergreifen, noch

2. bei Fehler der Aufsicht Schadenersatz verlangen. Denn die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht nimmt ihre Aufgaben im öffentlichen Interesse wahr und nicht auf Geheiss einzelner Marktteilnehmer. In anderen Staaten (etwa Italien) unterliegt die Aufsichtsbehörde einer solchen Haftung.

– Es wird auch in Deutschland in der juristischen Literatur verlangt, dass bei Fehlverhalten von Mitarbeitern der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht oder der europäischen Bankenaufsicht die Behörde selbst (also der Staat bzw. die EZB) zu haften habe, und nicht die zu beaufsichtigenden Institute, die sämtliche Kosten der Aufsicht tragen müssen.

– Vgl. hierzu Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 86 f. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aufsichtshandeln (regulatory practices):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter die Vor-Ort-Prüfungen der Aufsichtsbehörde, entweder

1. antragsgetrieben (on the initiative of the institute): das Institut ersucht die Aufsichtsbehörde um eine Prüfung, weil institutsinterne Umstände (circumstances within the institute) dies erheischen,

2. aufsichtsgetrieben (on the initiative of the supervisory authority): hier sieht sich die Aufsichtsbehörde aufgrund gewisser Anzeichen veranlasst, eine Prüfung vorzunehmen und

3. turnusmässig (regular review): in einer gewissen Abfolge regelmässig geschehend.

– Siehe Bankenaufsicht, europäische, Institut, problematisches, Sonderprüfung.

– Vgl. den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute", Rubrik "Aufsichtshandeln" (zu den jeweiligen Massnahmen im Einzelnen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aufsichts-Harmonisierung, europäische (European supervision harmonisation):

Einheitliche Regelungen (single rule book) in Bezug auf die Aufsichtsbehörden in allen EU-Staaten. In erster Linie sollte festgelegt werden, dass die Aufsicht frei von Eingriffen durch Politik und Wirtschaft handeln kann. Ausserdem sollte die finanzielle und personelle Ausstattung der Aufsichtsbehörde sowie der Rechtsrahmen, innert dessen sie handelt, der wichtigen Aufgabe entsprechend sein. Dies wurde mit Einrichtung der europäischen Bankenaufsicht ab 2014 in Bezug auf die Aufsicht der Banken weitgehend erreicht.

– Siehe Aufsicht, Bankenaufsicht, europäische, CRD-IV-Paket, Subsidiaritätsprinzip, Systemkonflikt, finanzmarktlicher.

– Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 53 (bezügliche Forderungen der CEIOPS), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2009, S. 53 ff. (Stand der europäischen und internationalen Zusammenarbeit bei der Aufsicht), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 74 ff. (neues europäisches Aufsichtsgefüge ab Jahresbeginn 2011; ausführliche Vorstellung der einzelnen Behörden), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2013, S. 58 ff. (Stand der Harmonisierung; Zeitplan).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aufsichtskollegium oft nur College (supervisory college):

Zusammenkunft von Fachaufsehern zwecks Erfahrungsaustauschs und der Erörterung von Massnahmen zur Verbesserung der Aufsicht. In § 8e KWG ist die Einrichtung eines Aufsichtskollegiums für alle Bankengruppen vorgeschrieben, die eine Tochtergesellschaft oder bedeutende Niederlassung in einem anderen EU-Mitgliedsstaat haben.

– Siehe Allfinanzaufsicht, Aufsicht, europäische, Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, Bankenaufsicht, europäische, Banking Supervisory Committee, Cassis-de-Dijon-Urteil, Committee of European Banking Supervisors, Europa-AG, Forum für Finanzmarktstabilität, German Finish, Rechtsrisiken, Lead Supervisor, Regelwerk, einheitliches.

– Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 70 f. (Grundsätzliches; Leitfaden für die Arbeit; Common Oversight Programme), S. 149 (Bedeutung der in den Colleges geknüpften persönlichen Kontakte für die Aufsichtspraxis), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 77 ff. (laufende Aktivitäten der Colleges; multilaterale und internationale Zusammenarbeit), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 153 (Zuständigkeiten der BaFin und der Deutschen Bundesbank), Jahresbericht 2011 der Deutschen Bundesbank, S. 97 f. (laufende Arbeit der Colleges) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Internationales".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aufsichts-Kommission, Apak (supervisory committee):

In Deutschland mehrmals vorgeschlagenes Gremium, welches die Arbeit der Wirtschaftsprüferkammern überwacht und ihr gegenüber Weisungsrecht besitzt. Auch die Qualitätskontrolle der Abschlussprüfer obliegt nach diesen Vorstellungen der Kommission (und dann nicht mehr den Kammern). Zweck der Apak ist es, das teilweise ziemlich angeschlagene Vertrauen in die Arbeit der Wirtschaftsprüfer zu bestärken.

– Siehe Andersen-Skandal, Angaben unrichtige, Aufsichtsbehörden, Public Company Accounting Oversight Board, Verlust-Tarnung, Straitjacking.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aufsichts-Kooperation, technische (technical supervision assistance):

1 Allgemein die Hilfe einer Aufsichtsbehörde für eine andere bei der Bewältigung von deren Aufgaben.

2 Im Besonderen die Unterstützung der deutschen Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht für den Aufbau und Dienstbetrieb von Aufsichtsbehörden in Schwellen- und Entwicklungsländern, auch durch Personalaustausch und Schulungen.

– Siehe Bankenaufsicht, europäische, Twinning, Zentralbank-Kooperation, technische.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 70 (Übersicht der Partner), Jahresbericht 2010 der BaFin, S, 81 ff. (weltweite Beratung und Unterstützung), Jahresbericht 2011 der BaFin, S: 110 f. (Kooperation mit Russland, China und weiteren Staaten auch in Afrika) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Internationales".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aufsichtskultur (supervision culture, supervisory culture):

In Bezug auf den Finanzsektor

1. die nationalen und übernationalen Einrichtungen zur Aufsicht.

2. deren Zusammenwirken und

3. die Gesamtheit der daraus entstandenen Regelungen.

– Der Begriff wurde wegen des schillernden Wortes "Kultur" gerügt; er hat sich aber, aus dem englischsprachigen Raum kommend, in der Fachsprache (in professional jargon) tief verankert.

– Siehe Aufsichtsgespräche, Aufsichts-Harmonisierung, europäische, Aufsichtsplanung, gemeinsame, Banana Skins Survey, Enforcement, Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung, Fragmentierung, aufsichtliche, Regulierungswut, Straitjacking, Subsidiaritätsprinzip.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aufsichtsmechanismus, einheitlicher [europäischer] (Single Supervisory Mechanism, SSM):

Andere Bezeichnung für die seit 2014 bei der EZB angesiedelten europäische Bankenaufsicht. - Die Bezeichnung "Aufsichtsmechanismus" wurde von Sprachwissenschaftlern wegen des Wortbestandteils "Mechanismus" als unangebracht und verkehrt gerügt. Denn im Deutschen versteht man unter "Mechanismus" weithin ein zusammenhängendes Ganzes von technischen Bauteilen, bei dem die Bewegung eines Teils zwangsläufig, automatisch die Bewegung anderer Teile bewirkt, wie vor allem in einer Maschine. Indessen wird im Englischen "mechanism" auch sehr weit gefasst als "process by which something is done" und als "regulary manner of acting to achieve an end".

– Siehe Akataphasie, Analysten-Rating, Anglizismen, Börsensprache, Demokratie-Defizit, Finanzsprache, Jargon, Subsidiaritätsprinzip, Verständlichkeit.

– Vgl. Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 82 ff. (Vorstellung des SSM).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aufsichtsplanung, gemeinsame (common oversight programme):

Die formelle Vereinbarung der Aufsichtsbehörden zweiter oder mehrerer Staaten, die Aufsicht über Institute gemeinsam zu führen.

– Siehe Aufsichts-Harmonisierung, europäische, Bankenaufsicht, europäische, Fragmentierung, aufsichtliche, Hilfeersuchen, ständiges, Systemkonflikt, finanzmarktlicher.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 67 f. (Einbindung der BaFin in den Aufsicht von in London mit Zweigniederlassungen vertretenen deutschen Banken; vorgesehene weitere Abkommen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aufsichtsrats-Aktien (supervisory board shares):

Bestimmung in der Satzung (bylaws) einer Aktiengesellschaft, dass jedes Mitglied des Aufsichtsrates - CH: Verwaltungsrates - eine bestimmte Anzahl von Aktien des Unternehmens besitzen muss. Über die Vor- und Nachteile einer derartigen Besitzklausel wurde viel diskutiert.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aufsichtsrats-Mitglied (member of supervisory board):

Es muss gewährleistet sein, dass ein Mitglied des Aufsichtsrats in einem Unternehmen des Finanzbereich sachkundig und zuverlässig ist. Denn bei vielen Schieflagen und Konkursen hat sich gezeigt, dass die Mitglieder des entsprechenden Instituts sich unfähig erwiesen, die Geschäftsführung des Vorstands zu kontrollieren. Die Aufsichtsbehörden haben daher eine Reihe von Vorschriften hinsichtlich dieses Personenkreises erlassen. - Nach einer Erhebung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht aus dem Jahr 2012 stammen nur ein Viertel der Mitglieder der Aufsichtsorgane in den untersuchten Instituten aus der Finanzbranche; die Aufsichtsorgane werden also deutlich von branchenfremden Personen (people not having experience in the financial sector) beherrscht. Seit 2012 müssen Aufsichtsrat-Mitglieder auch ein polizeiliches Führungszeugnis (criminal record certificate) vorlegen - was indessen erschwerend für die Suche nach Personen wirken könnte, die in den Aufsichtsgremien - vor allem in den mit Parteifunktionären (party functionaries) besetzten Landesbanken - hochbezahlt mitwirken.

– Siehe Bankenführerschein, Sachkunde, Westdeutsche Landesbank.

– Vgl. Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 88 (Anzeigepflicht bei der Erstbestellung von Aufsichtsratsmitgliedern; Rechtsgrundlage), S. 142 (Prüfungen im Zuge der Befugnisse aus dem neuen Gesetz zur Stärkung der Finanzmarkt- und der Versicherungsaufsicht), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 123 (Governance bei Aufsichtsorganen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aufsichtsrichtlinie (supervisory guideline):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter die zuletzt zum 1. Februar 2008 neu gefasste Abgrenzung der aufsichtlichen Befugnisse zwischen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht und der Deutschen Bundesbank.

– Siehe Bankenaufsicht, europäische.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 111 ff. (Darlegung der einzelnen Zuständigkeitsbereiche), Jahresbericht 2010 der BaFin, S: 144 (neue Leitlinien).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aufsichtsvermeidung (evading from supervision):

Von Banken eingeschlagene Strategien, durch die Ausschöpfung von Gesetzeslücken oder durch Verlegung von Geschäften in das möglichst ferne Ausland (preferably in faraway foreign countries) sich der Überwachung durch die jeweilige Aufsichtsbehörde zumindest teilweise zu entziehen. Gründe der Umgehung (avoidance) können vor allem sein

1. die Geheimhaltung verbotener Geschäftspraktiken,

2. mangelndes Vertrauen in die Tätigkeit der Überwachungsbehörde, und hier vor allem Zweifel hinsichtlich der Verschwiegenheit der Mitarbeiter und

3. deren angeblich schikanöses Gebaren (vexatious bearing). - Unbestritten gilt der Satz: je enger die Regulierungsdichte auf dem Finanzmarkt, desto stärker sind die Anreize zur Aufsichtsvermeidung und damit zur Regulierungs-Arbitrage.

– Siehe Acting in Concert, Anlegerschutz, Aufsichtsbehörden, Ausschuss-Wahn, Auswirkungsstudien, Bankenregulierungs-Paradoxon, Calls for Advice, Enforcement, Fünfhunderter-Regel, Gleiches Geschäft - Gleiche Regel-Grundsatz, Harmonisierung, International Business Company, Managed Bank, Offshore Finanzplätze, Prüfung, mangelfreie, Regulierungsdichte, Regulierungswut, Straitjacking, Transparenzgrad, Überregulierung.

– Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 32, S. 43 (Übersicht der verschiedenen Gremien).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aufteilung (proration):

Wenn nicht anders definiert in der Finanzsprache die anteilsmässige Umlegung von Kosten, Steuern und/oder Gebühren zwischen Käufer und Verkäufer (to allocate costs, fees, premiums etc. between buyer and seller on the basis of proportional distribution; in general: to divide a sum of money proportionately).

– Siehe Bankenaufsicht, europäische, Gebühren.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Auftragseingang und Ordereingang (order intake):

Summe der endgültigen Bestellungen von Kunden bei Unternehmen, in der Regel bezogen auf die auftragsorientierte Industrie (the value of new contracts for goods produced by the order-driven manufacturing sector). Von der Zentralbank im Rahmen ihrer Konjunkturprognose beobachtet und ausgewertet.

– Siehe Auftragseingangs-Statistik, Konjunkturdiagnose, Krisen-Vorschatten, Order-Capacity-Index, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. Geschäftsbericht 2010 der Deutschen Bundesbank, S. 33 (Odereingang 2004 bis 2010), Monatsbericht der EZB vom Juli 2013, S. 71 ff. (neuer EZB-Indikator für die Erfassung der Auftragseingänge).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Auftragseingangs-Statistik (statistics of industrial new orders):

Für die vorausschauende Zentralbankpolitik wichtige Grösse, die Auftragseingänge auswertend, und daher auch von der EZB besonders beobachtet (an indicator used by the ECB to evaluate future production. New orders received are defined as the contractual value [excluding VAT] of contracts between manufacturers and third parties in the field of delivery of goods).

– Siehe Konjunkturdiagnose, Modelle, geldpolitische, Modellunsicherheit, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. den Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets" im jeweiligen Monatsbericht der EZB, Rubrik "Preise, Produktion, Nachfrage und Arbeitsmärkte" und für Deutschland die jeweiligen Zahlen, nach verschiedenen Gesichtspunkten weitläufig untergliedert, im Statistischen Teil des jeweiligen Monatsberichts der Deutschen Bundesbank, Rubrik "Konjunkturlage"; Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2004, S. 19 (Mängel bei der Erfassung), Monatsbericht der EZB vom Juli 2013, S. 71 ff. (neuer EZB-Indikator für die Erfassung der Auftragseingänge; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Auftragsfluss (order flow):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter den Übertrag (amount carried forward) aus Käufen und Verkäufen in einer Fremdwährung (xeno currency), der von den Kunden - hauptsächlich Industrieunternehmen, Versicherungen und Fonds - bei Devisenhändlern: bei Brokern und Banken, getätigt werden. Dieser Saldo kann unter gewöhnlichen Umständen als Mass für den Kaufdruck für eine bestimmte Währung herangezogen werden. - In den Kauf- und Verkaufsaufträgen spiegeln sich aber auch die Erwartungen in der Regel gut informierter Auftraggeber hinsichtlich der jeweiligen Volkswirtschaft bzw. Währungsraums wider. Deshalb kann der Auftragsfluss - neben anderem - auch ein wichtiges Merkmal in Zusammenhang der Konjunkturdiagnose sein.

– Siehe Devisenhandel, Devisenmarkt, Marktmacher, Wechselkurs, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2008, S. 18 f. (Erwartungsbedingtheit des Austragsflusses).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Auftragsfonds (private-label fund, PLF, auch: white-label fund, WLF):

Ein Vermögen, das eine Kapitalverwaltungsgesellschaft, eine Bank oder ein privater Vermögensverwalter - ein unabhängiger Fondsmanager, dann oft auch Promoter genannt - nach den Wünschen eines Kunden eigens zusammenstellt. Der Fondsname ist dabei meistens frei wählbar (private labelling), und alle Geschäftsbedingungen werden eigens von dem Auftraggeber festgelegt. Die Mehrzahl der Private-Label-Fonds - so auch oft im Deutschen gesagt - wird bis anhin von Banken zusammengestellt und an den Markt gebracht. Dabei enthält jeder Auftragsfonds seine ganz bestimmte Mischung aus verschiedenen Vermögenswerten; neben Aktien, Obligationen, Hedge-Fonds-Anteilen und Verbriefungspapieren etwa auch Fremdwährungsforderungen, Edelmetalle, Grundstücke und Optionen aller Art.

– Siehe Aktienfonds, Anlageausschuss, Anteilschein, Anlage-Diversifizierung, Captive Fund, Effektenfonds, Fonds, ethischer, Immobilienfonds, Inventarwert, Investmentmodernisierungsgesetz, Länderfonds, Private-Label Asset-Backed Securities, Publikumsfonds, Rentenfonds, Risikoüberwachung, gegliederte, Spezialfonds, Steuerspar-Fonds, Thesaurierungs-Fonds, Vermögensverwalter.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2008, S. 102 (Notenbankfähigkeit von Verbriefungspapieren aus einem Auftragsfonds).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Auftragsresearch und Recherchevertrag (oder research, research by contract):

Der Vertrag eines Emittenten mit einem Analysten, ein Gutachten über die Kaufwürdigkeit (rationale of buying) der entsprechenden Papiere zu erstellen. In diesem Fall ist der Analyst verpflichtet, auf den Umstand der unmittelbaren oder mittelbaren - etwa durch eine Beratungsgesellschaft oder eine Investor-Relations-Agentur (investor relation agency) - Beauftragung und seine Bezahlung durch den Besteller hinzuweisen.

– Siehe Analyst.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 150 (entsprechende Verträge bedürfen der Schriftlichkeit).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Auftragsverzögerung (order delay):

Banken leiten hier Börsenaufträge ihrer Kunden nicht unverzüglich weiter, wodurch Anleger unter Umständen Verluste erleiden, besonders bei Zeichnungsfristen. Daher wird die sofortige Orderweiterleitung von den Aufsichtsbehörden überwacht.

– Siehe Ausführung, sofortige, Best Execution, Einzugszeit, Latenzzeit.

– Vgl. Jahresbericht 2001 des Bundesaufsichtsamts für den Wertpapierhandel, S. 12, S. 14.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Auftrittgeld und Tingelgroschen (appearance money):

Von Veranstaltern - vor allem im Handel und in der Politik - geleistete Zahlung an eine bekannte Persönlichkeit, in der Regel ein Star aus dem Showbusiness, damit diese bei einem Ereignis anwesend ist (money paid by a promoter of an event to a celebrity in order to ensure that the star takes part in the event). Eigene Agenturen vermitteln Showgrössen (show stars) und bekannte Politiker für solche Auftritte.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aufwand, in der Mehrzahl oft [unschön] Aufwände, in älteren Dokumenten auch Insumtion (expenses, operating expenditures):

1 Allgemein ein Mass für den Einsatz oder die zu erbringende Leistung, um ein beabsichtigtes, geplantes Ergebnis zu erzielen. Der Einsatz wird dabei regelmässig in Geld ausgedrückt. Er kann aber auch in Mengeneinheiten, wie vor allem Arbeitsstunden, Materialbedarf (material requirements) und Maschinenbelegungszeiten (machine occupation time) angegeben werden.

2 Die von einem Unternehmen im Verlauf einer Abrechnungsperiode in Geld bewerteten verbrauchten Waren und Dienstleistungen, die in der Gewinn-Verlust-Rechnung zur Ermittlung des Periodenergebnisses dem Ertrag gegenübergestellt werden (Wertverzehr, Wertverbrauch).

1. Als betrieblichen Aufwand wird dabei jener bezeichnet, der in Verfolgung des eigentlichen betrieblichen Leistungsziels anfiel, wie Löhne und Gehälter.

2. Betriebsfremden Aufwand nennt man solchen, der nicht direkt mit der Erstellung und Verwertung der betrieblichen Hauptleistung entstand, etwa Spenden.

3. Ordentlicher Aufwand heisst jener, der mehr oder weniger regelmässig im Abrechnungszeitraum anfällt, im Gegensatz zum

4. ausserordentlichen Aufwand, wie etwa Brandschaden (fire damage) oder ungewöhnliche Kursverluste bei Wertpapieren.

5. Perioden(in)konsistenter Aufwand heisst jener, der in gleichem (ungleichem) Abrechnungszeitraum anfiel, etwa beim mehrjährigen Bau von Gebäuden.

6. Neutraler Aufwand ist solcher, der nicht durch die betriebliche Leistungserstellung verursacht wird; dieser wird dem

7. Zweckaufwand gegenübergestellt, nämlich dem periodenkonformer, betrieblicher, ordentlicher Aufwand: den Grundkosten.

– Was im Einzelnen als Aufwand angesetzt werden darf, richtet sich nach den jeweiligen Buchführungsvorschriften.

– Siehe Abfluss, Aufwendungen, Ausgaben, Basisgewinn, Deckungsbeitrag, Erfolg, Ergebnis, Erlös, Ertrag, IFRS, Generally Accepted Accounting Principles, Gewinn, Kosten, Produktionskosten, Run Rate, Unkosten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aufwand-Ertrag-Verhältnis (cost-income ratio, CIR):

Wenn nicht anders definiert das Verhältnis des Verwaltungsaufwands (administrative burden) einer Bank zu den operativen Erträgen. Die Quote gilt als eine wichtige Kennzahl zur Beurteilung der Wirtschaftlichkeit (efficiency: Verhältnis Kosten zu Leistung) und Produktivität (productivity: Verhältnis Faktoreinsatz zu Leistung) einer Bank. - Hervorzuheben ist, dass diese Kennzahl immer auf vergangene oder derzeitige Verhältnisse bezogen ist, und sie daher nicht notwendig auch etwas über die Aussichten des Instituts in der Zukunft aussagt.

– Siehe Aufwand, Gewinn, Eigenkapitalrentabilität, Ergebnis, Ertrag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aufwandsentschädigung (expense allowance, representation allowance):

Zahlung von Geld zur Begleichung der Ausgaben, welche für die Erbringung einer bestimmten Leistung - im Besonderen durch einen [öffentlichen] Amtsträger - notwendig sind.

– Siehe Dreidingsgeld, Gerichtsgeld, Inrotulationsgeld, Justitiengeld, Schöffengeld, Sitzgeld, Umzugsgeld, Vergütung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aufwandüberschuss (expenditure surplus):

Saldo der Gegenüberstellung von Aufwand und Ertrag innert einer Rechnungsperiode, wobei der Wertverzehr grösser ist als der Wertzuwachs.

– Siehe Aufwand.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aufwendungen (expenses, expenditures, disbursements):

1 Im weitesten Sinne - und so auch im Steuerrecht - alle Ausgaben bzw. Zahlungen einer Firma, eines Privathaushalts oder einer öffentlichen Stelle, die in einem Zeitraum für bestimmte Vorhaben anfallen.

2 Die bei einer bestimmten geschäftlichen Besorgung entstandenen Kosten, in alten Dokumenten auch Mühegeld und umgangssprachlich wie auch steuerrechtlich heute oft Auslagen genannt.

3 Nach IAS

1. bei Vermögenswerten im Unternehmen die Minderung der wirtschaftlichen Brauchbarkeit in der Berichtsperiode aufgrund von (by reason of) Abnutzung oder Abgang sowie

2. eine Erhöhung der Schulden, die zu einer Abnahme des Eigenkapitals führt, wobei Ausschüttungen an Anteilseigner (dsitribution to shareholders) nicht in die Berechnung einbezogen werden.

– Siehe Aufwand, Ausgaben, Fahrgeld, Unkosten, Verlust, Vermögen, Vermögenswert, Verzehrgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aufwertung (revaluation):

1 Die

1. behördliche Neufestsetzung des Vergleichswerts einer Währung

2. nach oben

3. in Bezug auf einen zugrunde gelegten Masstab, wie etwa Gold, USD, Sonderziehungsrecht oder einen Währungskorb.

– Dies bietet sich immer dann an, wenn der Wechselkurs einer Währung über längere Zeit hinweg und erwartungsgemäss auch in Zukunft über dem bis anhin festgelegten Austauschverhältnis liegt.

2 Der Kurs einer Währung steigt infolge zunehmender internationaler Nachfrage für längere Zeit unverhältnismässig stark an; die bezielte Währung verteuert sich.

– Siehe Abwertung, Aufwertungsdruck, Parität, Portfolio-Umschichtung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aufwertungsdruck (revaluation pressure):

Die weltweite Nachfrage der Anleger richtet sich auf Papiere in einer bestimmten Währung, auf deren Kaufkrafterhalt (conservation of value and purchasing power) man vertraut. Das führt dazu, dass die bezielte Währung teuer wird, und das betreffende Land preisliche Wettbewerbsnachteile erleidet (loses price competitiveness). - Vor Eintritt in die Europäische Währungsunion 1999 waren Zeiten der Dollarschwäche - wie etwa beim Verfall des Kurses des USD in der Zeit zwischen 1985 und 1990 und während der Mexiko-Krise um 1995 - wiederholt mit Portfolio-Umschichtungen zugunsten der DEM verbunden. Die so bedingte Aufwertung der DEM bremste den deutschen Export. - Im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise wurde der CHF stark nachgefragt. Die Zentralbank der Schweiz versuchte daraufhin, durch Verkäufe von CHF am Devisenmarkt den Kursanstieg zu bremsen, was ihr offenbar nur ungenügend gelang. Denn wenn der CHF weltweit als sicherer Hafen gilt, so kann die Zentralbank eines kleinen Landes wie die Schweiz diese Vorliebe kaum beeinflussen.

– Siehe Aufwertung, Aufwertungseffekt, Finanzinsel, Unit-Value-Relation, Zinsinsel.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2008, S. 36 (die Währungsunion entlastet die DEM vom Aufwertungsdruck), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2010, S. 56 (Schweizerische Nationalbank versucht den Aufwertungsdruck vom CHF zu mindern), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2011, S. 19 f. (Wechselkurs CHF und EUR seit 1999).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aufwertungseffekt (revaluation effect):

Steigt der Wechselkurs einer Währung, etwa des EUR gegenüber einer anderen wie dem USD, der INR, so entstehen bei

1. engem Handelsaustausch (close trade connection) oder

2. bei international üblichen Berechnung und damit Rechnungsstellung in einer der betroffenen Währungen - so werden etwa Futtermittel, Metalle und Erdöl weltweit in USD fakturiert - für den von der Aufwertung betroffenen Währungsraum ungünstige und günstige Auswirkungen, die im Voraus schwer zu berechnen sind.

– Als im Jahr 2002 und dann wieder 2007 der EUR gegenüber dem USD stark anstieg, so entlastete das die Verbraucher allein beim Erdöl um einen zweistelligen Milliardenbetrag und war damit höher als jede Steuersenkung. Wahrgenommen wurde dies in der Öffentlichkeit indessen kaum; eine Erhöhung der Abgaben auch um nur Bruchteile von Prozenten wird hingegen ausführlich erörtert: ein Musterbeispiel einer Wahrnehmungsbeeinträchtigung (impairment of perception).

– Siehe Ölpreis-Schocks.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aufzeichnungspflicht (record requirement):

In Deutschland sind Banken verpflichtet, über Wertpapiergeschäfte mit ihren Kunden Niederschriften anzufertigen und der Aufsichtsbehörde jederzeit zugänglich zu machen.

– Siehe Dossierpflicht, Falschberatung.

– Vgl. Jahresbericht 2001 des Bundesaufsichtsamts für den Wertpapierhandel, S. 13, Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 164 (BaFin sieht Mängel bei den Beratungsprotokollen), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 115 f. (verbesserte Qualität der Beratungsprotokolle; Vorwurf, die Protokollpflicht führe zum Rückgang des Geschäftes der Wertpapierdienstleister), S. 165 (Produktaufsicht und -Überwachung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aufzinsungspapier (accrued-interest paper):

Wertpapier, das zum Nennwert ausgegeben, jedoch nicht laufend verzinst wird, sondern dessen Rückzahlungsbetrag neben dem eingesetzten Kapital auch die Zinsen und Zinseszinsen enthält. Die Rückzahlung erfolgt in der Regel nach einer festgelegten Laufzeit. Die Höhe des Zinssatzes wird zum Emissionszeitpunkt festgelegt.

– Siehe Abzinsungspapier, Bundesschatzbriefe, Verzinsung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Auktion in älteren Dokumenten auch Verauktionierung, Gant, Lizitation und Subhastation (auction):

In Bezug auf den Finanzmarkt ein Geschäft am Markt in der Form der Versteigerung (the process in which multiple parties bid to determine who will buy an item from a seller). Seit etwa 1960 ersetzte in der Finanzsprache das Wort Tender die Bezeichnung Auktion. Es haben sich viele besondere Formen der Auktion herausgebildet, die teilweise für bestimmte Märkte kennzeichnend sind.

– Siehe Adjektion, Reverse Auction, Markt, auktionsbestimmter, Spottpreis, Tenderverfahren, Versteigerer.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Auktion, blinde (blind auction, sealed auction):

Ein Händler gibt Kauf- oder Verkaufsangebote ab, ohne die augenblickliche Marktlage zu kennen (a trader places offers to buy or sell without seeing current bids and offers, as opposed to an order book format where standing bid and offer prices are continuously visible to all market participants).

– Siehe Auktion.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aktion, stille und Auktion, verdeckte (silent auction):

Kauflustige Marktteilnehmer geben für ein Angebot einen Preisvorschlag ab. Die eingegangenen Offerten werden nach Ende der Auktionsfrist geprüft, und der Höchstbietende erhält den Zuschlag (auction at which previously submitted written bids of prospective buyers are opened and compared at the predetermined end of the auction. The highest listed bidder wins the item).

– Siehe Auktion, Markt, auktionsbestimmter, Tenderverfahren.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausbeute (profit of a mine; net proceeds):

1 In älteren Veröffentlichungen die Ausschüttung einer Bergwerksgesellschaft je Kux; entsprechend im Grossen und Ganzen der Dividende einer Aktiengesellschaft.

2 Der Reinertrag (net revenue) aus einem Geschäft.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausbuchung (de-recognition; write-off, charge-off, discharge):

1 Allgemein die Entfernung eines Vermögenswertes oder einer Schuld - oder eines Teils davon - aus der Bilanz eines Unternehmens (the process of no longer booking an asset on balance sheet, often connected with now booking it as off balance-sheet).

2 Das von einer Bank gewährte Darlehn wurde

1. als notleidend eingestuft,

2. auf seine Einbringlichkeit (collectibility) ohne Aussicht auf Erfolg überprüft und

3. wird daher nicht mehr weiter in den Büchern geführt.

– Siehe Ausfall, Ausfall-Verlust, Reintermediation, Kredit, notleidender Schulden, notleidende.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aus dem Geld (out of the money):

Eine Option [Kaufoption oder Verkaufsoption] ist "aus dem Geld", wenn der Preis des Basiswertes am Kassamarkt unter [über bei der Verkaufsoption] dem Ausübungspreis liegt (an option that has no intrinsic value, i.e., all of its value consists of time value. A call option is out of the money if the price of the underlying is below its strike price. A put option is out of the money if the price of the underlying is above its strike price). In diesem Falle ist es für den Inhaber eines Optionsvertrags nicht lohnend, die Option auszuüben.

– Siehe Am Geld, Basis, fallende, Im Geld, Option, Rohstoff-Terminvertrag, Unterwasser.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Auseisunggeld (de-icing charge):

Gebühr für das Freimachen eines in zugefrorenem Gewässer eingeschlossenen Schiffes durch einen Eisbrecher (ice-breaker); vgl. § 621 HGB (German Code of Commerce).

– Siehe Abfertigungsgeld, Bordinggeld, Furtgeld, Hafengeld, Kaigeld, Kapgeld, Krangeld, Lastgeld, Leuchtturmgeld, Lotsengeld, Mützengeld, Pfundgeld, Pratikageld, Schleusengeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausfall ([payment] default):

1 Allgemein ein wie auch immer verursachtes Aufhören einer Person oder eines Gegenstandes, eine geforderte Aufgabe zu erfüllen bzw. Leistung zu verrichten.

2 Auf dem Finanzmarkt das Ausbleiben erwarteter Zahlungen (failure to complete a funds or securities transfer according to its terms for reasons that are not technical or temporary). Wenn nicht anders definiert, so ist bei einer Bank ein solches immer dann zu unterstellen, wenn

1. eine wesentliche Verbindlichkeit des Schuldners gegenüber einem gruppenangehörigen Institut mehr als neunzig Tage in Verzug ist oder

2. davon auszugehen ist, dass der Schuldner seinen Kreditverpflichtungen gegenüber dem gruppenangehörigen Institut nicht in voller Höhe nachkommen wird.

3 In älteren Dokumenten häufig auch gesagt für jederart Verlust.

– Siehe Ausbuchung, Ausfall-Verlust, Default, Delinquent, Flash Crash, Fraudulent, Herfindahl-Hirschman-Index, Kalibrierung, Kreditereignis, Kredithai, Kreditrisiko, Kunde, fauler, Loch, schwarzes, Pandemie, Paritätsvorbehalt, Rating, Risikotransparenz, Risikoprofil, Säumnisquote, Schulden, notleidende, Stromrisiko, Subprime Lending, IT-Risiken, Unterlegung, Verlust, Verzug, Zahlungsausfall.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausfallgeld (deficiency compensation):

1 Umlagefinanzierte Zahlung als Lohnersatzleistung (wage indemnification; to indemnify = to compensate for damage or loss sustained) an Beschäftigte, die witterungsbedingt ihrem Beruf nicht nachgehen können; im Besonderen Schlechtwettergeld und Winterausfallgeld (bad weather allowance) im Bauhauptgewerbe.

2 Von einem Unternehmen oder von einer Krankenkasse gemäss Vertrag geleistete Zahlung an Versicherte bei krankheitsbedingtem Lohnausfall (sickness benefit, sick pay).

3 Beschäftigten bei Insolvenz des Unternehmens aus einem durch Umlage gespeisten Fonds bezahltes Einkommen (insolvency pay).

4 Von einer Versicherung bezahlte und je nach Vertrag zeitlich begrenzte Zahlung bei Verlust einer Sache, um seitens des Versicherten einen Ersatzgegenstand (substitute object) in Anspruch nehmen zu können, in der Regel im Rahmen der Kraftfahrzeug-Versicherung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausfallrate, erwartete (expected default rate):

Wenn nicht anders definiert die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kreditnehmer bei seiner Bank die Schulden innert Jahresfrist (within one year) nicht bedienen kann. Es bleibt der einzelnen Bank vorbehalten, buchungstechnisch einen kürzeren Zeitraum - oft: neunzig Tage - zugrunde zu legen.

– Siehe Ausfall, Ausfall-Verlust, Basel-II, Default, Delinquent, Kreditereignis, Kredithai, Kreditrisiko, Kunde, fauler, Liquiditätsmanagement, Marktbewertungsmethode, Rating, Risikotransparenz, Risikoprofil, Säumnisquote, Schulden, notleidende, Subprime Lending, Unterlegung, Validierung, Value-at-Risk, Verbriefung, Prozyklizität, Zahlungsausfall, Zyklik.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2002, S. 67.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausfallrisiko (risk of loss):

1 Ausdruck für die Wahrscheinlichkeit, mit welcher das Vermögen eines Anlegers - etwa: 100 EUR - nach einer gewissen Zeit - etwa: 24 Monate - unter einen bestimmten Wert (Schwellenvermögen; threshold value) fällt. - Das Ausfallrisiko liegt gewöhnlich bei einem Aktienportfolio am höchsten; beim Sparkonto ist das Ausfallrisiko null Prozent, weil der Sparzins unter normalen Umständen immer positiv ist.

2 In einer Vertragsbeziehung die Gefahr, dass die Gegenpartei einer Verpflichtung nicht nachkommt, manchmal auch Gegenparteirisiko (counterparty risk) genannt.

– Siehe Anleihe-Spread, Bonitätsrisiko, Krediterweiterung, Gruppe verbundener Kunden, Knotenpunkt, Kredit, kurzfristiger, Negativzins, Renationalisierung, Verlustquote.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2005, S. 56 f., Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 70 (Pflicht der Institute, das Ausfallrisiko zu ermitteln).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausfall-Verlust (loss given default):

Messgrösse für den erwarteten durchschnittlichen Verlust einer Bank je Forderung bei Ausfall eines bestimmten Vertragspartners. Ein solcher entsteht, wenn der Erlös aus

1. bis anhin geleisteten Zahlungen und

2. der Verwertung der Sicherheiten sowie

3. allfälliger Garantien oder Bürgschaften nicht ausreicht, um die Verbindlichkeiten zu decken.

– Im Jahr 2007 wurden in den USA 6,35 Prozent der Kredite nicht bedient, in Spanien 1,33 Prozent.

– Siehe Ausfallrate, erwartete, Default, Konfidenzniveau, Liquiditätsmanagement, Risiko, Säumnisquote, Schulden, notleidende, Value at Risk, Verlustquote, Zahlungsausstand.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausfallwahrscheinlichkeit (probability of default):

1 Allgemein die Möglichkeit, dass ein Unternehmen innert eines bestimmten Zeitraums - in der Regel zwölf Monate - die für seine ausstehenden Schulden fälligen Zins- und Tilgungszahlungen nicht mehr leisten kann.

2 Im Rahmen des internen Ratings gemäss Basel-II zu ermittelnde Grösse, die Auskunft über den möglichen Verlust eines gewährten Kredits gibt.

– Siehe Akzelerator, finanzieller, Ausfall, Backtesting, Herfindahl-Hirschman-Index, Internen Ratings gestützter Ansatz, Kalibrierung, Kreditrisiko, Rating, Rating-Schritte, Leverage-Ratio, Risikoprofil, Schulden, notleidende, Trennschärfe, Validierung, Value at Risk, Verlust, unerwarteter, Verlustquote, Verschuldungs-Koeffizient, Zyklik.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2001, S. 24, vom September 2003, S. 63 ff. (Methodisches), Monatsbericht der EZB vom Mai 2001, S. 68, Monatsbericht der EZB vom August 2002, S. 67, Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 37 f., Monatsbericht der EZB vom Januar 2005, S. 56 f., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2005, S. 19 f. (Konjunkturabhängigkeit), Monatsbericht der EZB vom November 2006, S. 43 (Ausfallwahrscheinlichkeit für nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften in Zusammenhang mit Rendite-Abständen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausfuhrabgabe auch Ausfuhrzoll (export duty, duty on exportation):

Die Belastung einer Ware, etwa Reis, oder einer Warengruppe, beispielsweise: Lebensmittel mit einer nach

1. Menge (Mengenzoll; specific tariff)

2. Gewicht (Gewichtszoll; tariff on the weight) oder

3. anderem Masstab berechneten Zahlung.

– Zweck der Massnahme ist es heute kaum mehr, dem Staat dadurch Einkünfte zu verschaffen. Vielmehr möchte man den Export des Gutes beschränken. Dies geschieht in der Regel deshalb, um die Inlands-Versorgung - in erster Linie bei Nahrungsmitteln - zu gewährleisten. Eine sehr hohe Abgabe kommt einem Ausfuhrverbot (export prohibition) gleich.

– Siehe Ausfuhrprämie, Aussenhandels-Statistik, Konzernumsätze, Sursatgebühr.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausfuhranteil auch Exportquote (export ratio):

Wenn nicht anders definiert die wertmässige Rate der Exporte am Bruttoinlandsprodukt eines Landes (the totality of exports on a value basis divided by the gross domestic product).

– Siehe Erzeugerpreise, industrielle, Forschungsquote, Leistungsbilanz, Unit-Value-Relation, Terms of Trade, Wechselkurs.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2008, S. 60 ff. (Exporte Euro-Währungsgebiet gesamthaft und ausgewählte Länder; Triebkräfte der Exporte; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2010, S. 51 (Auswirkungen der Finanzkrise), Monatsbericht der EZB vom März 2011, S. 23 ff. (Ausfuhrabhängigkeiten; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausfuhrprämie auch Exportprämie (export bounty, export bonus):

Eine Vergütung an Unternehmen durch den Staat in Form von Steuernachlass (tax abatement) oder direkter Geldzahlung (subventions), um den Absatz ausgewählter Produkte oder aller im Inland gefertigten Waren auf

1. Auslandsmärkten gesamthaft oder

2. in bestimmte Währungsräume zu fördern, und dadurch

3. ein Ventil für heimische Überkapazitäten (as an outlet for domestic overcapacities) zu schaffen (which, however, in this way will be kept; die auf diese Weise jedoch erhalten bleiben!) - oder um

4. ausländische Zahlungsmittel zu gewinnen.

– Siehe Andienungspflicht, Anreiz, finanzieller, Belassungsquote, Devisendecke, Devisenbehörde, Devisenfreibetragsverfahren, Devisenzwangswirtschaft, Exportkredit-Garantie, Parallelitätsgebot, Rückgeld, Sursatgebühr.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausführung automatische (automatic exercise):

Bei einer Option eine Vertragsbestimmung, derzufolge diese abgewickelt werden muss, wenn sie am Verfalltag im Geld ist (a provision in an option contract stipulating that it will be exercised automatically on the expiration date if it is in-the-money).

– Siehe Ausführung, vollständige, Call-Option, Erfüllung, Option, digitale, Parität, Position, schwache, Rohstoff-Terminvertrag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausführung, sofortige (fill-or-kill order, FOK):

Klausel an Börsen für einen Auftrag, der sogleich bzw. innert einer vorgegebenen Zeitz ausgeführt werden muss. Ist solches der Bank oder dem Börsenmakler nicht möglich, so wird die Order gestrichen (a trading order that is canceled unless executed within a designated time period.). Im Zuge der Verbindung zwischen Kunde und Bank bzw. Börsenmakler über Telephon und Computer sind Aufträge mit dieser Einschränkung häufig geworden.

– Siehe Auftragsverzögerung, Best Execution, Latenzzeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausführung, vollständige (all-or-none order, AON):

Der Kunde verlangt hier, dass seine Order ganz, vollständig ausgeführt wird. Ist dies nicht möglich, dann erlischt der Auftrag von selbst (order type for a broker to execute a trade only if every portion of an order can be filled in its entirety, or else not at all).

– Siehe Ausführung, automatische, Ausführung, sofortige, Latenzzeit.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausführungsanspruch (claim to carrying out):

Das Recht eines Kunden, an der Börse die Abwicklung eines erteilten Auftrags zu verlangen. In Deutschland besteht ein solcher Anspruch derzeit nur im Parketthandel, nicht jedoch im elektronischen Handel und auch nicht bei Inhouse-Systemen.

– Siehe Ausführung, sofortige, Auftragsverzögerung, Internalisierung, Latenzzeit, Schlangenhandel, Selbsteintritt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausgabe-Aufschlag (issue surcharge):

Gebühr, die dem Käufer eines Anteilsscheines eines neu emittierten Wertpapiers und im Besonderen eines neu aufgelegten Fonds in Rechnung gestellt wird.

– Siehe Agio, All-in-Fee, Aufgeld, Ausgabepreis, Begebung, Disagio.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausgaben in der älteren Finanzsprache auch Depensen (expenses):

1 Im weitesten Sinne jeder Abgang von Zahlungsmitteln aus der Kasse eines Wirtschaftssubjekts - Privathaushalt, Unternehmen, öffentliche Stelle -, unabhängig vom Zweck, wie etwa Kauf von Waren und Dienstleistungen, Darlehn, Steuerzahlung oder Spende. Das Gegenteil von Ausgaben sind Einnahmen.

2 Geldleistungen - also Zahlungen - öffentlicher Haushalte gemäss dem festgestellten Budget.

3 Im Rechnungswesen Oberbegriff für Auszahlungen (Geldabflüsse aus dem Betrieb), Abgängen von kurzfristigen Forderungen (einschliesslich Wertpapiere) und den Zugängen von kurzfristigen Verbindlichkeiten (einschliesslich Rückstellungen); Ausgaben = Auszahlungen plus Zunahme von Verbindlichkeiten minus Abnahme von Forderungen.

– Siehe Abfluss, Auslagen, Auszahlung, Aufwand, Aufwendungen, Bezahlung, Einkünfte, Expensen, Finanzmittel, Handelskosten, Kosten, Unkosten, Zahlung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausgabenbeschränkung, öffentliche (budget restraint):

1 Allgemein die Minderung der Staatsausgaben.

2 Im engeren Sinne die Ansammlung von Steuereinnahmen, die zwar verplant (appropriated) sind, aber noch nicht ausgegeben werden. - Diese stillgelegten Steuergelder (taxpayer money) verursachen in der Volkswirtschaft

1. eine Dämpfung der Nachfrage (decline of demand). Das wiederum

2. bewirkt tendentiell eine Unterauslastung der Produktionskapazitäten (under-utilisation of capacities). Viele betroffene Unternehmen werden angesichts dessen

3. ihre Anstrengungen erhöhen, Waren ins Ausland zu verkaufen (efforts to boost exports are stepped up).

4. Der Ausfuhranteil (export ratio) steigt mit der Folge, dass, Konvertibilität vorausgesetzt,

5. die inländische Geldmenge steigt. - Diesen Zusammenhang glaubt man in Deutschland zwischen den Jahren 1953 bis 1957 nachweisen zu können, als nicht verausgabte Steuereinnahmen für den Aufbau der Bundeswehr (the German federal armed forces) angesammelt wurden.

3 Die in der EU vereinbarte Schuldenbremse.

– Siehe Staatsschatz.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausgabenmultiplikator, staatlicher (public expenditure multiplier):

Die Annahme, dass ein vom Staat ausgegebener Geldbetrag ein Vielfaches an privater Wirtschaftsleistung anregt, weil die Bürger das Geld weiter im Kreislauf rollen lassen. - Es hat sich aber vielfach gezeigt, dass der Multiplikator häufig sehr klein ist, ja sogar unter eins liegt. Das heisst genauer, dass die staatlichen Ausgabenprogramme (government stimulus programmes) mehr kosten als einbringen. Denn nur dann, wenn die Wirtschaftssubjekte auch günstige Erwartungen hegen, werden sie das ihnen vom Staat zugeflossenes Geld auch entsprechend im Inland verausgaben, also Güter aus heimischer Erzeugung und nicht Warmen und Dienstleistungen aus dem Ausland nachfragen.

– Siehe Konjunkturprogramm, Opel-Druck.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Dezember 2012, S. 90 ff.(Modell und Realität beim Multiplikator-Modell; zahlreiche Übersichten; Literaturverweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausgabenquote, öffentliche (public expenditure quota):

Der Anteil der staatlichen Ausgaben am Bruttoinlandprodukt, gemessen zu laufenden Preisen und nach bestimmten Regeln der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung ermittelt. - Je höher die Ausgabenquote, desto enger ist der von den Marktkräften geordnete Teil der Volkswirtschaft und desto stärker wird der Finanzsektor dadurch beeinträchtigt sowie auch die Geldpolitik behindert.

– Siehe Defizitquote, Drittgattingeld, Finanzbremse, Finanzreferendum, Finanzpolitik, Haushaltsdefizit, Kreditsperre, Nachhaltigkeit, Politikverzug, Schuldenbremse, Schuldendroge, Schuldenquote, staatliche, Semester, europäisches, Sensitivitätsanalyse, haushaltspolitische, Staatsverschuldungs-Druck, Sozialstaat-Falle, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Steuerlastquote, Sunset-Vorbehalt, Tragfähigkeit öffentlicher Finanzen, Verfassungsartikel eins, Wachstum-Schulden-Tatsache, geschichtliche, Wagnersches Gesetz, Zweitgattingeld.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2005, S. 23 ff. (ausführliche Erläuterungen), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2006, S. 58 (Projektion bis 2050, unterteilt auch nach einzelnen Ausgabesektoren und Ländern).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausgabepreis (issue price; investment certificate price):

1 Bei einer Aktie oder Obligation der Nettobetrag, der für den Kauf der entsprechenden Neuemission zu bezahlen ist. Zu dieser Summe treten unter Umständen noch Erwerbskosten, wie vor allem die Courtage der Bank, welche die Anschaffung des Papiers vermittelt hat. Vielfach wird eine Neuemission (new issue) provisionsfrei bei den Anlegern plaziert; die Kosten übernimmt diesfalls der Emittent.

2 Bei einem Investmentfonds der - in der Regel börsentäglich berechnete - Betrag, der für einen Anteil (investment certificate; Zertifikat) zu bezahlen ist. Er setzt sich zusammen aus dem Anteilswert zuzüglich eines die Kosten der Verwaltung des Fonds (fund management) deckenden Ausgabe-Aufschlags. - Zur Bestimmung des Anteilswerts (calculation of the share price) werden im Regelfall alle Vermögenswerte des Fonds zum Tageskurs bewertet und durch die Zahl der ausgegebenen Zertifikate geteilt.

– Siehe Begebung, Bezugspreis, Bookbuilding, Bought Deal, Mehrzuteilungs-Option, Emissions-Rendite, Roadshow.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausgangstatsache, ökonomische (basic fact of economics):

Jeder Mensch ist dem Natur-Rhythmus (rhythm of nature) unterworfen: er muss ständig wiederholend schlafen, trinken und essen. In der menschlichen Existenz liegt ein Verhaftetsein, eine zwanghafte Gebundenheit (existential dependence) an die Güter. Diese Unfreiheit zu erklären ist nicht Sache der Wirtschaftslehre, sondern der Theologie oder Philosophie. - Für die Ökonomik folgt daraus, dass

1. immer wieder aufs neue Güter bereitgestellt und

2. diese im gesellschaftlichen Wirtschaften

3. durch das Geld als Vermittler (medium of exchange) getauscht werden müssen.

– Negativ ausgedrückt (negatively formulated): ein Paradies auf Erden, bei dem alle Güter ohne Mühewaltung (labour effort) den Menschen zur Genüge zur Verfügung stehen, ist angesichts der Gegebenheiten (in view of this facts) nicht zu erwarten. Vollends ist überhaupt nicht einzusehen, wieso denn ausgerechnet durch Abschaffung des Geldes man solchen, von den frühsozialistischen Autoren (early socialist writers; Karl Marx called them "utopian socialists") ausgemalten Zuständen einen grossen Schritt näherkommen sollte.

– Siehe Actus-purus-Grundsatz, Allmacht-Doktrin, Äquivalenzprinzip, Geldfunktionen, Geldphilosophie.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausgeber (issuer):

1 Bank, die eine Karte in Umlauf bringt.

2 Begeber eines Wertpapiers (any public or private entity that sells securities for the purpose of financing its operations).

– Siehe Ablehnung, Ausgeber, Autorisierung, Barzahlungsklausel, Community Card, Computerzahlung, Chipkarte, Disagio, Emittent, Geldautomaten-Sperre, Geld, elektronisches, Geldkarte, Interoptabilität, Karte, Karte, multifunktionale, Karten-Echtheitsprüfung, Konto, anonymes, Kündigungsstichtag, Netzgeldgeschäft, Pay-Green-Initiative, Prozessor, Sparbuch, Ticketing, electronic, Zinstitel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausgewogen (balanced):

1 Allgemein Bezeichnung für eine Anlagestrategie bei der Vermögensverwaltung. In diesem Fall wird das Portfolio vorsichtig gepflegt (managed prudently) und risikobehaftete Anlagegegenstände (risk-bearing investments) nach Möglichkeit vermieden.

2 Bei bestimmten Verträgen - vor allem zur Altersvorsorge - schreiben Gesetze oder Aufsichtsbehörden eine ausgewogene Anlage vor, und hier vor allem hinsichtlich der Risikostreuung, der Abstimmung von Vermögen und Verbindlichkeiten und der Absicherung für die Nominalwertgarantie; dies gesamthaft auch im Deutschen oft Prudent man standard of care genannt. Solche Einschränkungen führen notwendig dazu, dass entsprechende Fonds weniger Rendite erwirtschaften können, weil sie bestimmte Risiken nicht eingehen dürfen.

– Siehe Altersvorsorgeverträge, Anlegerschutz, Balanced Fund, Pensionsfonds, Straitjacking, Überregulierung, Wachstumsorientiert.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2002, S. 37 (Erläuterungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausgleichsabgabe (equalisation fee in accordance with the German Severely Handicapped Act):

Arbeitgeber in Deutschland sind nach dem Sozialgesetzbuch verpflichtet, schwerbehinderte Menschen zu beschäftigen. Kommen sie dieser Pflicht nicht oder nur unzureichend nach, so müssen sie für jeden unbesetzten Pflichtarbeitsplatz (job for persons with disabilities unter the statutory quota system) eine Zahlung an das jeweilige, für das Bundesland zuständige Integrationsamt (public department for the integration of disabled people) leisten. Diese Regelung gilt für alle Arbeitgeber, die mindestens zwanzig Mitarbeiter beschäftigen, wenn sie nicht wenigstens fünf Prozent der Arbeitsplätze (mandatory employment quota; Beschäftigungspflichtquote) mit schwerbehinderten Menschen besetzen. - Durch den auf diese Weise bewirkten Zwang zur Beschäftigung Behinderter sparen Versicherungen in Deutschland nach Schätzungen bis zu 3 Mia EUR jährlich, die sie sonst als Rente an - zumeist jugendliche - im Strassenverkehr Verunfallte (young persons mainly of the male sex injured by careless behaviour in road traffic) leisten müssten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausgleichsbuchung auch Rückbuchung (chargeback):

1 Allgemein die Rücküberweisung eines Betrags durch die Bank, wenn eine Zahlung vom Kunden widerrufen oder eine Abbuchung aus sonstigen Gründen angefochten wurde.

2 Im Kreditkartengeschäft

1. das Storno einer Kreditkartentransaktion,

2. indem der Ausgeber (issuer) der Karte eine Zahlung vom Händler ganz oder teilweise zurückfordert,

3. weil der Inhaber der Kreditkarte die Rechtmässigkeit der Abbuchung bestreitet (the cardholder is disputing the transaction, in-whole or in-part).

– Bei Onlinegeschäften im Internet stellt die Möglichkeit des Chargeback's eine sehr hohe Gefahr für den Händler dar; denn dieser kann den Widerspruch des Kunden nicht beeinflussen. Er verfügt nämlich über keinen schriftlichen Vertrag, mit welcher die Kreditkartentransaktion belegt werden kann, und eine genaue Prüfung des Vorgangs ist allgemein kaum möglich. Die Kosten für die Stornierung der Kreditkartentransaktion trägt zudem der Händler selbst. - Es gibt viele Überlegungen hinsichtlich solcher missbräuchlichen Nutzung (misuse) von Karten; für den Händler dürfte letztlich eine entsprechende Versicherung bis anhin der kostengünstigste Weg (cheapest way) sein.

– Siehe Glattstellung, Mistrade, Stop-Auftrag, Stornoquote, Zahlung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausgleichtstender (compensation tender):

Bei der EZB - meist auf eine Woche befristete - Operation mit dem Ziel, Liquidität zwischen zwei Hauptrefinanzierungsgeschäften bereitzustellen.

– Vgl. Jahresbericht 2001 der EZB, S. 75.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausgliederung (carve-out, carveout):

Wenn nicht anders definiert, so meint man damit den Verkauf eines Anteils eigener Aktien (treasury shares) in eine hauptsächlich zu diesem Zweck gegründete Tochterfirma (the selling of treasury shares in a subsidiary; this often is preceded by the actual creation of the subsidiary). Nach dem Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich aus dem Jahr 1998 dürfen Unternehmen höchstens zehn Prozent eigener Aktien erwerben. Eigene Aktien müssen in der Bilanz für sich ausgewiesen und bei der Berechnung von Kennzahlen vom Eigenkapital abgezogen werden. Eine Ausgliederung zur Umgehung dieser Vorschriften ist nicht zulässig. - Soweit eine Ausgliederung bei Instituten geschieht, ist im Regelfall darüber hinaus die Zustimmung der Aufsichtsbehörde einzuholen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aushaftung (extra-time guarantee):

Bei der Kreditversicherung eine Vereinbarung, derzufolge die Versicherung für die während der Geltungsdauer des Vertrags versicherten Risiken auch dann eintritt, wenn das Kreditereignis, also der Schadensfall, erst nach Beendigung der Vertragslaufzeit eintritt.

– Siehe Anbietungsgrenze, Ausfallwahrscheinlichkeit, Bonitätsrisiko, Borgkraft, Default, Einzug, Factoring, Franchise, Kredit, notleidender, Kreditlinie, Kreditqualität, Probability of Default, Reintermediation, Schulden, notleidende.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aushangpflicht (table of prices precept):

Für Banken die gesetzliche oder aufsichtliche Auflage, in der Schalterhalle (banking hall; Kassensaal) die Allgemeinen Geschäftsbedingungen und allfällige weitere Angaben wie beispielsweise über die Verzinsung von Einlagen bekanntzugeben.

– Siehe Feilschen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aushingeld (remainder; small coin):

1 Alte Bezeichnung für den Restbetrag, der nach einer Abrechnung dem Vertragspartner noch zu erstatten war; heute: Debetsaldo.

2 Früher Wechselgeld, das man bei Zahlung in klingender Münze - oftmals bezogen nur auf Geldstücke aus Gold - in Scheidemünzen (small money; Kleingeld) überschüssig zurückbekam.

– Siehe Aufgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aushungern (starving out):

Allgemein die Politik einer Firma, die Aktionäre bzw. Gesellschafter zum Verkauf ihrer Anteile zu bewegen.

1. Früher geschah dies in erster Linie dadurch, dass selbst hoher Gewinn durch bilanzielle Kniffe - etwa: hohe Prozess-Rückstellungen - nicht ausgeschüttet wurde.

2. Heute geschieht dies vornehmlich durch das gezielte Lancieren von Schreckensmeldungen (by disseminating horrific news, by floating shocking reports) hinsichtlich der Ertragsaussichten. In diesem Feld bewanderte Fachleute wissen ziemlich genau, wie man im Einzelnen entsprechende Hiobsbotschaften (bad message, negative news) formulieren muss, um eine bestimmte Anzahl von Aktionären zum raschen Ausstieg zu veranlassen.

– Siehe Ad-hoc-Mitteilung, Angaben, verschleierte, Auslosung, Auslosungs-Versicherung, Backup, Bull-Raid, Delisting, Frontrunning, Gewinnwarnung, Kaltstellung, Kursmanipulation, Publizität, situationsbezogene, Scalping, Schadensersatzpflicht, Stimmrecht-Offenlegung, Umstände, bewertungswichtige, Veröffentlichung, unverzügliche.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Auskünfte, marktsensible (market sensitive information):

In Bezug auf den Finanzmarkt die Bekanntgabe von Tatsachen oder Einschätzungen einer Behörde - und im Besonderen der Aufsichtsbehörde oder der Zentralbank - wodurch Marktteilnehmer zu Verhaltensänderungen (changes in behaviour) veranlasst werden. Strittig ist besonders, inwieweit

1. die EZB als Zentralbank die Öffentlichkeit unterrichten sollte und

2. die EZB als europäische Aufsichtsbehörde das Europaparlament benachrichtigen müsse. Im September 2013 kam es zu dieser Frage zu einer Übereinkunft zwischen der EZB und dem Europaparlament (European Parliament). Danach besteht das Parlament nicht mehr auf wörtliche Verlaufsniederschriften (minutes), sondern begnügt sich mit einem zusammenfassenden Sitzungsbericht (records of proceedings).

– Siehe EZB-Protokolle, Veröffentlichung, Politik des offenen Mundes.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Auskunftei in älteren Dokumenten Intelligenz-Bureau und Intelligenz-Comptoir, wobei intellegere = hier: auskundschaften (credit [enquiry] agency):

Unternehmen, das gewerbsmässig Angaben über die persönlichen und geschäftlichen Verhältnisse beschafft und im Besonderen die Borgkraft (creditworthiness; Kreditwürdigkeit) beurteilt. - Ein besonderer Zweig dieses Gewerbes ist das Aufspüren von abgetauchten Schuldern (skiptracing: the work of collectors in developing information in order to locate delinquent debtors and collect payment). Dies spielt für die Banken besonders in grossflächigen Ländern eine beachtliche Rolle, in denen zudem auch keine Meldepflicht (compulsory registration) besteht bzw. diese lasch gehandhabt wird, wie etwa in den USA, Indien oder Brasilien.

– Siehe Abtauchen, Bonität, Hilfsdienste, bankbezogene, Kreditlinie, Racheengel, Rating, Scoring, Übermut, Wirtschaftsauskunftei.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Auslagen (outlay):

1 Als Begriff der Umgangssprache (common speech) allgemein Geld, das für bestimmte Zwecke verausgabt wird.

2 Im engeren Sinne geldliche Vorleistungen, die jemand - in der Regel aus einem Vertragsverhältnis - erbringt, und die zu erstatten ein anderer verpflichtet ist (reimbursement for expenses; Ausgabenersatz).

– Siehe Abfluss, Aufwand, Aufwendungen, Ausgaben, Kosten, Unkosten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Auslagerung (outsourcing):

1 Bei Banken, Kapitalverwaltungsgesellschaften und Versicherungen allgemein die Verlegung von Teilbereichen des Betriebs (operational functions; betrieblicher Funktionen) an andere Unternehmen im Inland oder Ausland; durchgängig mit dem Ziel, Fixkosten in variable Kosten umzuwandeln.

2 Wird im Besonderen ein zentrales Geschäftsfeld, wie etwa der Devisenhandel oder die Abwicklung des Zahlungsverkehrs, von einer Bank auf ein anderes Institut ausgelagert, so spricht man oft von Business Process Outsourcing (BPO). - In Deutschland war bis 2008 bei Banken jede Art der Auslagerung von Geschäftsbereichen (business areas) anzeigepflichtig und gemäss § 25a KWG in vorgeschriebener Form der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht zu melden. Diese ist aber jetzt noch immer berechtigt, auch die ausgelagerten Einheiten zu prüfen. Business Process Outsourcing wird dazu von den Kartellbehörden (anti-trust authorities) argwöhnisch begutachtet.

3 Die Übertragung von Geschäftsfeldern an - oft eigens zu diesem Zweck gegründete - Tochtergesellschaften im Inland oder Ausland mit der Absicht, sich dadurch der Aufsicht zu entziehen: Regulierungs-Arbitrage.

4 Die Verlegung der Produktion gesamthaft oder bestimmter Teile in Niedriglohnländer (low-cost countries) durch Unternehmen. Dies führt statistisch zu Handelsströmen, die in der Zahlungsbilanz vom Handel mit Fertigprodukten nur sehr schwer abzugrenzen sind. Die EZB bemüht sich, mögliche Auswirkungen dieser Abläufe auf die Geldpolitik zu klären.

– Siehe Aktivitätsanalyse, Aufastung, Aufsichtsvermeidung, Balassa-Index, Business Process Outsourcing, Bargeldbearbeiter, BPO, Brokergeschäft, Call Centre, Contractual Trust Arrangement, Datei-Verwaltung, zentralisierte, Downsizing, Entlassungs-Produktivität, Facility-Management, Falscherklärung, Hilfsdienste, bankbezogene, International Business Company, Insourcing, Konsolidierung, Kreditfabrik, Managed Account, Managed Bank, Master-Kapitalverwaltungsgesellschaft, Outsourcing, Outsourcing-Risiken, Regulierung, Transaktionsbank.

– Vgl. Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 54, Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 178 f. (Outsourcing des Portfoliomanagements bei Kapitalverwaltungsgesellschaften), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 114 f. (neue Outsourcing-Regeln; die Auslagerung darf aber nicht dazu führen, dass Geschäftsleiter ihre Verantwortung an ein Auslagerungsunternehmen abgeben), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 177 (Auslagerung bei Fondsgesellschaften; Auslagerung in einen Drittstaat) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Monatsbericht der EZB vom Januar 2008, S. 86 ff. (Produktionsauslagerung in Niedriglohnländer und ihre Auswirkungen; Übersichten, Literaturangaben).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Auslandsanlagen (positions held outside):

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter

1. allgemein Geldanlagen heimischer Wirtschaftssubjekte an Plätzen ausserhalb des eigenen Landes, auch innert eines gemeinsamen Währungsraums und

2. im Besonderen solche Positionen der Institute.

– In einem anderen Staat gehaltene Anlagen müssen aber nicht notwendig immer auch ein Engagement in diesem Land einschliessen. Oft werden aus rechtlichen und steuerlichen Gründen an einem fremden Ort Geschäfte getätigt. So wurde beispielsweise im Zuge der Irland-Krise bekannt, dass deutsche Banken etwa 130 Mia EUR in Irland investiert hätten, die nun hoch gefährdet seien. Wie sich dann aber herausstellte, hatten wegen der Besonderheiten des Finanzplatzes Dublin viele deutsche Institute von dort aus Geschäfte in aller Welt getätigt. Das Inlands-Engagement deutscher Banken innert der Republik Irland belief sich nur auf um die 25 Mia EUR.

– Siehe Auslandsbank-Einlagen, Auslandsforderungen, Auslandguthaben.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Auslandsanleihe (external loan):

Durch ein Unternehmen oder einen Staat ausserhalb des eigenen Währungsraums und regelmässig in der dort gültigen Währung begebene Schuldverschreibung.

– Siehe Anleihe, Bulldogge-Anleihe, Drachen-Anleihe, Shogun-Bonds.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Auslandsbank-Einlagen (deposits at foreign banks):

Geldanlagen deutscher Bürger bei ausländischen Banken. Diese werden nicht durch deutsche Einlagesicherungs-Systeme geschützt, auch nicht für Kleinanleger. Im Falle von Verstaatlichungen oder auch Staatsbankrott sind die bei einer Auslandsbank deponierten Summen in aller Regel verloren.

– Siehe Einlagensicherung, Islandbanken-Falle, Repatriierungs-Effekt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Auslandsbanken (foreign banks):

1 Die Vermarktung von Bank- und Finanzprodukten in einem Staat durch eine Bank, die ihren Hauptsitz ausserhalb des Staatsgebietes hat. - In Deutschland unterliegt solch grenzüberschreitender Dienstleistungsverkehr grundsätzlich der Aufsicht durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, soweit es sich nicht um Banken handelt, die von einer Aufsichtsbehörde in der EU kontrolliert werden. Andere Finanzdienstleister - vor allem aus der Schweiz und den USA - müssen generell eine Zweigestelle in Deutschland eröffnen oder eine Tochtergesellschaft gründen und für diese eine Bankerlaubnis nach § 32 KWG beantragen; vgl. auch § 53 KWG. - Insgesamt hat sich gezeigt, dass ein gewisser Anteil ausländischer Banken in einem Währungsgebiet eine stabilisierende Wirkung auf das Kreditangebot (stabilising effect on credit supply) ausübt. Ausländische Banken können daneben auch durch Wissenstransfer (knowledge transfer) oder durch das Vorbild einer besser beschaffenen Risikoabteilung der heimischen Branche Vorteile bringen. Das zeigt sich unter anderem darin, dass in Deutschland heimische Grossbanken Arbeitsplätze abbauten, die sich aber per saldo nur an in Deutschland ansässige Auslandsbanken verschoben.

2 In der Statistik der Deutschen Bundesbank umfasst der Begriff Auslandsbanken die im Mehrheitsbesitz - definiert als Beteiligung von mehr als fünfzig Prozent - ausländischer Banken befindlichen Institute (banks majority-owned by foreign banks) sowie die Zweigstellen ausländischer Banken (branches of foreign banks).

– Siehe Abschottung, Agentur, Allianzen, grenzüberschreitende, Auslandsanlagen, Auslandzweigstelle, Bankenaufsicht, europäische, Bewachungsgeld, Cassis-de-Dijon-Urteil, Einlagesicherung, Europäischer Pass, Kreditinstitut, grenzüberschreitend tätiges, Lead Economy, Markteintrittskosten, Mehrheitsbeteiligung, Namensidentität, Repräsentanz, Ring fencing, Zweiggesellschaft, Zweigstelle.

– Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 121 f. (Tabelle aller ultimo 2007 in Deutschland registrierten Auslandsbanken). Ausführliche Statistiken über die Aktivitäten der Auslandsfilialen deutscher Banken (ab 2000 einschliesslich der Bausparkassen) finden sich im Statistischen Teil des jeweiligen Monatsberichts der Deutschen Bundesbank, Rubrik "Banken". Über die Internationalisierung des Bankgeschäftes vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2005, S. 29 ff., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 114 ff. (Banken aus der Schweiz und den USA), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 61 (Übersicht), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 116 (Aufschlüsselung der Auslandsbanken zu Jahresende 2008 und 2007), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 130 (neue Erfassungsmethodik und dadurch nur eingeschränkte Vergleichbarkeit mit den bis anhin veröffentlichten Zahlen), S. 150 (unbefriedigende Rechtslage hinsichtlich der Aufsicht durch die BaFin bei Filialen von Auslandsbanken), S. 233 (Institut im Ausland bedarf einer Erlaubnis durch die BaFin, wenn es ohne örtliche Anwesenheit in Deutschland Geschäfte betreibt), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 151 (Statistik der Auslandbanken per ultimo 2011), S. 167 f. (Aufsicht über ausländische Institute), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 152 (Adressenausfall-Risiken der Auslandsbanken verdichten sich aufgrund ihrer vorwiegenden Geschäftstätigkeit auf den eigenen Herkunftsstaat; Supervisory Colleges) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister und Zahlungsinstitute", Rubrik "Aufsichtshandeln", Jahresbericht 2011 der Deutschen Bundesbank, S. 117 ff. deutsche Institute im Ausland; Übersicht), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 75 ff. (ausländische Schattenbanken entpuppen sich teilweise als von deutschen Instituten im Ausland errichtetet Geschäftseinheiten; Risiken). – Ein Verzeichnis der im Euro-Währungsgebiet tätigen ausländischen Banken findet sich auch auf der Internet-Seite der EZB.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Auslandsbank-Filiale (foreign bank branch):

Entscheidend für eine Bankniederlassung im Ausland sind nach Untersuchungen des IWF die sog. Störkosten (troubling costs). Darunter versteht man im Einzelnen besondere Aufwendungen aufgrund von (by reason of)

1. unsicherer Infrastruktur (unreliable infrastructure) im Gastland,

2. Probleme hinsichtlich der Aufsicht, etwa zu hohe Regulierungsdichte; undurchsichtige Vorschriften; willkürliche Anwendung,

3. Verbreitetsein von Bestechungszahlungen an verschiedene Behörden (briberies),

4. hohem Mass an Kriminalität im Land gesamthaft, in der Finanzbranche oder im Besonderen bezielt auf ausländische Unternehmen sowie

5. arbeitsrechtliche Unsicherheiten (contract enforcement difficulties). Sind diese Kosten zu hoch, so ist eine Kooperation mit heimischen Banken allemal der günstigere Weg.

– Siehe Agentur, Allianzen, grenzüberschreitende, Angleichung, informelle, Auslandszweigstelle, Bewachungsgeld, Kreditinstitut, grenzüberschreitend tätiges, Onshore Banking, Repräsentanz, Ring fencing.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Auslandseuro (external euro):

Bargeld der EZB in der Hand von Privathaushalten und Unternehmen (in der Regel nicht auch auf Staaten bzw. Zentralbanken bezogen) ausserhalb des Eurogebiets. Im gleichen Sinne spricht man von Auslandsdollar, Auslandssterling, Auslandsfranken, Auslandsyuan usw. (jeweils in der Einzahl).

– Siehe Dollarisierung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Auslandsforderungen (foreign claims):

Wenn nicht anders definiert im volkswirtschaftlichen Schrifttum die Summe aller Ausleihungen heimischer Banken an Adressen im Ausland. Mitte 2014 betrugen die Auslandforderungen deutscher Banken grob 148 Mrd EUR und lagen damit an der Spitze aller Bankensysteme weltweit. Diese hohe internationale Verflechtung fördert und erhöht den Wettbewerb.

– Siehe Auslandskreditvolumen.

– Vgl. die Zahlen für Deutschland, nach verschiedenen Merkmalen breit aufgeschlüsselt, im Statistischen Teil des jeweiligen Monatsberichts der Deutschen Bundesbank, Rubrik "Banken"; zum Einfluss der Kreditverbriefung auf die statistisch gemessene Grösse der Auslandsforderungen Monatsbericht der EZB vom September 2005, S. 22, Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 30 ff: (hohe Auslandsforderungen bergen Ansteckungsgefahren).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Auslandsguthaben (foreign assets):

Geldanlagen heimischer Wirtschaftssubjekte ausserhalb des eigenen Währungsgebietes, und zwar - wenn nicht ausdrücklich anders definiert - gerechnet in der Währung des Auslands.

– Siehe Auslandsanlagen, Auslandsverschuldung.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2009, S. 19 ff. (statistische Angaben zu Auslandsguthaben des Eurogebiets gegenüber Gebietsfremden).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Auslandsinvestition (net investment in a foreign operation):

Der Einsatz von Geld oder Vermögen in ein Projekt - in ein geographisches Segment (geographical segment), wie es unschön auch oft heisst - ausserhalb

1. des eigenen, engeren, durch die Verfassung bestimmten Rechtsgebiets, wie etwa Deutschland oder

2. des eigenen Rechtsgebiets, aber innert eines gemeinsamen Währungsgebiets, wie etwa der Eurozone.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2011, S. 61 ff. (deutsche Auslandsinvestitionen seit 2004).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Auslandsinvestitionen, demographiebedingte (demographic induced foreign investment):

Kommende Haushaltsbelastungen aufgrund der Überalterung veranlassen Investoren, Anlagen in Währungsräume mit wachsender Bevölkerung - wie USA, Indien, Brasilien - zu tätigen, weil sie mit zunehmend höherer Steuerquote, Wachstumsschwäche und Minderung des Geldwerts in Gebieten mit hohem Alterquotienten rechnen.

– Siehe Alterung, Anpassungs-Inflation, zwingende, Demographieverfestigung, Methusalem-Syndrom, Risikoaversion, Rücklagen-Verzehr, Schattenverschuldung, Vergreisung.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2005, S. 43 f., Monatsbericht der EZB vom März 2006, S. 75 ff. (Belastung der öffentlichen Haushalte durch Alterung), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2013, S. 15 ff. (Markt für Wohnimmobilien in Deutschland auch hinsichtlich der demographischen Entwicklung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Auslandsinvestitionen, staatliche garantierte (governmental investment guarantee for foreign private investment):

Programme verschiedener Staaten - wie 1947 der Economic Cooperation Act in den USA - mit dem Ziel, das Risiko der Unternehmen bei Auslandsinvestitionen teilweise oder ganz zu übernehmen. Der Sinn einer solchen Massnahme ist umstritten; gegenseitige Abkommen zum Schutze der Investitionen der Vertragspartner gelten als der bessere Weg.

– Siehe Staatsfonds.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Auslands-Investmentfonds (foreign investment fund):

Investmentfonds, deren Sitz im Ausland ist, die aber Angebote an inländische Anleger richten.

– Siehe Kapitalanlagegesetzbuch.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 215 (aufsichtsrechtliche Probleme; Statistik) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Auslandskreditvolumen (foreign credit size):

Darlehn an Kreditnehmer im Ausland. In Deutschland besteht für entsprechende Beträge an Adressen mit Sitz ausserhalb des EWR, der Schweiz, der USA, Kanadas, Japans, Australiens und Neuseelands bei Engagements über 10 Mio Euro aufgrund der Länderrisikoverordnung gemäss § 25, Abs. 3 KWG aufsichtsrechtlich eine Meldepflicht (obligation of reporting foreign credits).

– Siehe Auslandsforderungen, Länderrisiko, Risiko, systeminhärentes, Risiko-Rangliste.

– Vgl. zu den Auslandskrediten an Schwellenländern den Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2010, S. 35 ff. (S. 42 f.: Bestimmungsgründe für das Kreditvergabe-Verhalten der Banken; S. 48 f.: grenzüberschreitende Darlehn während der Finanzkrise; Übersicht), Finanzstabilitätsbericht 2011, S. 41 f. (Auslandsaktiva gegenüber ausgewählten Schwellenländern und die damit verbundenen Risiken) sowie allgemein die Auslandskredite, nach verschiedenen Merkmalen aufgeschlüsselt, im Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets" des jeweiligen Monatsberichts der EZB, Rubrik "Monetäre Entwicklungen, Banken und Investmentfonds".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Auslandsnachfrage (foreign demand):

Warenexporte aus einem Währungsgebiet in Länder ausserhalb dieser Region. Von der EZB werden diese Ausfuhren laufend beobachtet, auch hinsichtlich der geographischen Gliederung (in respect to the geographical breakdown). Denn die Auslandnachfrage bestimmt - unter Umständen sehr stark - den Wechselkurs des Euro.

– Siehe Aussenbeitrag, Aussenhandelsstatistik, Investitionsgüter, Ölpreis-Schocks, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Oktober 2004, S. 43 ff. (mit Übersichten), Monatsbericht der EZB vom November 2011, S. 60 ff. (Auslandsnachfrage seit 1999; Veränderungen in der geographischen Verteilung der Exporte; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Auslands-Personalbestand (staff abroad):

Kennzahl - indessen nicht die einzige! - für den Grad der Internationalisierung einer Bank, eines Unternehmens, eines Industriezweigs oder auch der Volkswirtschaft gesamthaft. Berechnet wird dabei der Anteil des Personalbestands im Ausland im Verhältnis zur Beschäftigung im Inland. Wegen der unterschiedlich angewandten Berechnungsverfahren ist bei Vergleichen stets Vorsicht geboten.

– Siehe Allianzen, grenzüberschreitende, Auslandsbank-Filiale.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Auslands-Vermögenslage und Auslandsvermögenstatus (international investment position, IIP):

1 Allgemein

1. die finanziellen Forderungen und Verbindlichkeiten einer Volkswirtschaft gegenüber dem Ausland

2. zu einem bestimmten Stichtag

3. in Form einer marktpreisbewerteten Bestandsrechnung (stock data valued at their market price).

2 Von der EZB erfasste und beobachtete dahingehende Bestandsstatistik und im jeweiligen Monatsbericht ausgewiesen. Sie umfasst den Wert und die Zusammensetzung der finanziellen Nettoforderungen und Nettoverbindlichkeiten des Euro-Währungsgebiets gegenüber allen anderen Währungsräumen. Der Saldo bildet die sogenannte Netto-Vermögensposition (net external position) des Euro-Währungsgebiets. - Die Summe der statistisch erfassten finanziellen Forderungen und Verbindlichkeiten Deutschlands gegenüber dem Ausland machte Ende 2007 das 3,8-fache des Bruttoinlandsprodukts aus.

– Siehe Auslandsverschuldung, Government Spreads, Plan C, Repatriierungs-Effekt, Staatsbankrott, Staatsverschuldung, Wirkungen.

– Vgl. den Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets" im jeweiligen Monatsbericht der EZB, Rubrik "Aussenwirtschaft", Unterrubrik "Auslandsvermögensstatus" sowie die "Erläuterungen" hierzu, Monatsbericht der EZB vom Dezember 2002, S. 78 ff., Monatsbericht der EZB vom Mai 2005, S. 61 ff., Monatsbericht der EZB vom Januar 2007, S. 56 ff. (dort auch Aufgliederung in einzelne Komponenten; Bewertungs-Probleme; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Januar 2008, S. 64 ff. (Aufschlüsselung [breakdown] des Auslandsvermögens-Status nach Instrumenten und nach Veränderungsraten; Übersichten 1999 bis 2006), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2008, S, 15 ff. (deutsches Auslandsvermögen; zahlreiche Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Juli 2009, S. 67 ff. (Entwicklung 2000 bis 2008; Aufschlüsselung der Finanztransaktionen), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2009, S. 113 ff. (Änderung in der Datenerhebungsmethode), Monatsbericht der EZB vom Februar 2011, S. 30 ff. (Auslands-Vermögensstatus 2008 und 2009; Übersichten; in den Fussnoten wichtige Hinweise zur Berechnung), Monatsbericht der EZB vom Januar 2012, S. 27 f. (Auslandsvermögensstatus seit 2007; Tendenzen; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Januar 2014, S. 26 ff. (Auslandsvermögenslage des Eurogebiets seit 2007; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2014, S. 52 ff. (Fragen der Berechnung; Literaturhinweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2014, S. 59 ff. (Umstellung der Erfassungsmethodik, ausführliche Darstellung mit Übersichten und wichtigen Informationen in den Anmerkungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Auslandsverschuldung (foreign indebtedness):

Die Verbindlichkeiten eines Staates oder eines Währungsgebiets - wie die etwa Eurozone - gegenüber Wirtschaftseinheiten ausserhalb des eigenen Raumes. Die EZB hat im Mai 2014 einen Leitfaden zur statistischen Erfassung der Auslandsverschuldung veröffentlicht (External Debt Statistics. Guide for Compilers and Users).

– Siehe Abfluss, Auslandsguthaben, Auslands-Vermögenslage, Gleichgewicht, aussenwirtschaftliches, Schuldenüberhang.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2009, S. 19 ff. (statistische Angaben zur Auslandsverschuldung des Eurogebiets), Monatsbericht der EZB vom Mai 2010, S. 91 ff. (Auslandsverschuldung des Eurogebiets; Vergleich zu anderen Staaten; Übersicht), Monatsbericht der EZB vom April 2013, S. 24 ff. Verbindlichkeiten einzelner Euromitgliedsstaaten gegenüber dem Ausland; Übersichten; Tendenzen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2014, S. 72 ff. (Auslandsverschuldung der Peripherieländer im Euroraum beunruhigend hoch; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Auslandszweigstelle (foreign branch):

Will ein deutsches Institut eine Zweigniederlassung ausserhalb des Europäischen Wirtschaftsraums eröffnen, so bedarf dies einer, in § 24a KWG im Einzelnen vorgeschriebenen Anzeige bei der Aufsichtsbehörde.

– Siehe Agglomerations-Effekt, Allianzen, grenzüberschreitende, Auslandsbank-Filiale, Bankenaufsicht, europäische, Europa-AG, Internationalisierung, Markteintrittskosten, Namensidentität, Repräsentanz, Zweigstelle.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Auslauf, Auslaufen und häufig auch wie im Englischen Tapering (tapering [off]):

Als auf die Geldpolitik bezogener Begriff: der Beschluss einer Zentralbank, ein besondere Massnahmen - in der Regel ein Ankaufsprogramm (purchasing programme) - zu beenden. Nachgewiesen ist, dass allein schon die Ankündigung des Tapering sofort entsprechende Auswirkungen auf dien Finanzmarkt hat.

– Siehe Anmassung, zentralbankliche, Aufkäufe, zentralbankliche, EZB-Sicherheiten, EZB-Sündenfall, Sentiment.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Auslastungsgrad (capacity utilisation rate):

Der Prozentsatz, zu dem die Ressourcen eines Unternehmens oder der Volkswirtschaft gesamthaft zur Produktion genutzt werden (the percentage at which the production capacity is used). Diese Kennzahl ist auch für die Geldpolitik von Bedeutung und wird daher von der EZB laufend beobachtet.

– Siehe Kapazitätsauslastung, Produktionslücke, Produktionspotential, Potentialwachstum, Produktionshemmnisse, Stabilitätspolitik, Unterauslastung, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom September 2009, S. 74 ff. (Zusammenhang zwischen Konjunkturphase und Auslastungsrad; Übersichten; Literatur), Monatsbericht der EZB vom November 2013, S. 104 f. (Versuch einer Zuordnung verschiedener Messgrössen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausleihung (lending, loan):

In der Finanzsprache allgemein jederart zeitweise Übertragung von Kaufkraft an einen Vertragspartner (to give money temporarily on condition that the amount borrowed be returned, usually with an interest fee).

– Siehe Darlehn, Kredit, Leihkapital, Pfandgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Auslieferungsprovision (factorage):

Zahlung an den Kommissionär (commission agent) für die ihm zur Kommission gegebene, später aber zurückbeorderte Waren, siehe die Legaldefinition in § 396 HGB (German Code of Commerce).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Auslosung (drawing by lot, choose by lot):

Besonderes Verfahren bei der Tilgung einer Schuldverschreibung innert deren Laufzeit. Eine bestimmte Anzahl von Nummern der betreffenden Emission wird durch Losziehung (random draw: an act of selecting numbers randomly) öffentlich aufgerufen und die gezogene (drawed) Schuldverschreibung zum Nennwert eingelöst. - Häufig behalten sich die Schuldner - also die Begeber als die Aussteller der Anleihe - in den Auslosungs-Bedingungen vor, den planmässig zu tilgenden Betrag dann nicht zur Verlosung aufzurufen, wenn sie am Markt die Stücke unter dem Nennwert ankaufen können. Durch Massnahmen wie vor allem die beim Aushungern beschriebene Verbreitung von Schreckensnachrichten (dissemination of shocking news) kann ein Unternehmen einen günstigen Rückkaufspreis bewirken.

– Siehe Anleihe, Anlehnlose, Aushungern, Auslosungs-Versicherung, Losanleihe, Schuldverschreibung, Sparprämienanleihe, Ziehung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Auslosungs-Versicherung (drawing loss insurance):

Der Abschluss einer Versicherung gegen den Schaden, der dadurch entsteht, dass eine Anleihe unter dem Kurswert - etwa: 180 - und nur zum Nennwert - also 100) ausgelost wird.

– Siehe Auslosung, Losanleihe.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Auslösung (release):

In älteren Dokumenten häufig gesagt für das Wiedererlangen verpfändeter Waren oder Wertpapiere (pledged commodities or securities) durch Zahlung der darauf lastenden Verbindlichkeiten.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausmünzungsbilanz (coinage balance):

Die Gegenüberstellung der Einnahmen und Ausgaben einer Münzstätte bzw. in weiterem Sinne und bezogen auch auf Papiergeld einer Zentralbank. - Der beim Inverkehrbringen (putting into circulation) von jederart Geld erzielte Gewinn ist der Seigniorage.

– Siehe Münzgewinn, Regionalgeld, Schlagsatz, Zettelbank.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausmusterungszahlung (exemption payment):

In älteren Dokumenten eine verbreitete, missfällig wahrgenommene (seen with disgust) und als strafbar eingestufte (criminal classified) Betätigung von Musterungsoffizieren (recruiting officers, military recruiters: soldiers of rank empowered to enrol young men for compulsory military service). Gegen Zahlung in der Regel sehr hoher Summen bescheinigten sie dem Wehrpflichtigen (conscript) Untauglichkeit. Neben einem solchen Dispensationsgeld waren auch heimliche Vermögensübertagungen (secret asset transfers) nicht selten.

– Siehe Avanie, Befreiungsgeld, Brandschatzgeld, Dänengeld, Frongeld, Fudelgeld, Hussengeld, Kalbgeld, Kolonatikum, Kuhgeld, Lösegeldversicherung, Loskaufgeld, Manubien, Marschroutengeld, Obristen-Darlehn, Ranzion, Satisfaktionsgeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausplatzierung (placing out):

Auf dem Finanzmarkt allgemein die Übertragung eines Kreditrisikos bzw. eines Bündels von Kreditrisiken an einen Dritten, den Sicherungsgeber (fixed rate payer), in der Regel an eine Zweckgesellschaft. Diese Form der Risikosicherung löste in jüngster Zeit die herkömmlichen Wege - vor allem Garantien und Bürgschaften - nach und nach weitgehend ab.

– Siehe Aktiva, illiquide, Finanzinvestor, Kredit-Abtretung, Kreditderivat, Kreditverbriefung, Subprime Lending, Pool, Single Master Liquidity Conduit, Verbriefung, Verbriefungsstruktur.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 21 f., Monatsbericht der EZB vom September 2005, S. 21 f. (Übersicht, Definitionen, Auswirkungen auf die Politik der Zentralbank).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausreisser (outlier):

Wenn nicht anders definiert in den Statistiken auch der Zentralbank und der Aufsichtsbehörden ein Befund bzw. Wert, der ausserhalb dessen liegt, was in einer Abfolge als normal anzunehmen ist (an abnormal or non-representative item within a data set). Eine solche Auffälligkeit erheischt in jedem Falle eine einleuchtende Erklärung: es muss ermittelt werden, wie es zu dieser auffallenden Abweichung (striking deviation) kam und welches Signal sie übermittelt.

– Siehe Beobachtungsliste, Handelsüberwachungsstelle, Insider-Überwachung, Securities Watch Application, Transaktionsüberwachung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausrichtung aktienkursbestimmte (asset-orientated central bank policy):

Von der Politik des Federal Reserve Systems in den USA gesagt.

1. In den USA besass im Jahr 2006 jeder zweite Haushalt Aktien.

2. Die (Konsum)Ausgaben der Privathaushalte stehen aber nachweislich in sehr enger Wechselbeziehung zu den Aktienkursen.

3. Die Aktienkurse werden daher von der Fed als Zwischenzielvariable (intermediate target variable of monetary policy) angesehen; entsprechend muss dafür gesorgt werden, dass die Unternehmen günstige Gewinnerwartungen bzw. verheissungsvolle Wachstumsaussichten haben, damit die Privathaushalte mehr Nachfrage entfalten.

– Der Nachteil bei dieser Politik ist, dass die Aktionäre immer riskanter auf Hausse spekulieren. Denn sie können erwarten, dass die Fed bei einer Baisse mit Zinssenkungen hilft. - Nach Berechnungen der Deutschen Bundesbank drückt ein Fall der Aktienkurse um dreissig Prozent das Wirtschaftswachstum in Deutschland über den privaten Verbrauch um kaum 0,1 Prozent.

– Siehe Anpassungspolitik, zentralbankliche, Ausrichtung, einzielige, Erdölpreis, Inflation Targeting, Konjunkturpolitik, Konsumneigung, marginale, Luxuskonsum, Moral Hazard, Prognose-Modell, Preisniveausteuerung, Signalwirkung, Zwei-Säulen-Prinzip.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausrichtung, einzielige (exclusive orientation):

1 Die Geldpolitik der Zentralbank ist auf ein einziges Ziel hingeordnet, wie etwa die Bewahrung der Preisstabilität bei der EZB.

2 Die Geldpolitik der Zentralbank soll sich ohne Einschränkungen an einer theoretisch eindeutigen Vorschrift (verifiable scientific specification), allein an einer möglichst strengen Formel (unique formula) ausrichten, wie etwa lediglich dem Wachstum von M3.

– Siehe Analyse, monetäre, Anpassungspolitik, zentralbankliche, Eckdaten, makroökonomische, Geldpolitik ohne Geld, Inflation Tageting, Konjunkturpolitik, Preisniveausteuerung, Zwei-Säulen-Prinzip.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausrichtung, kurzfristige (short-term orientated central bank policy):

Festlegung der Geldpolitik auf einen Zeitraum von etwa vierzehn Monaten.

– Siehe Anweisungen, geldpolitische, Datenunsicherheit, Kurzfristig, Modellunsicherheit, Strukturunsicherheit, Zentralbankpolitik, Zwei-Säulen-Prinzip.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausrichtung, mittelfristige (medium-termorientated central bank policy):

Festlegung der Geldpolitik auf eine Zeitspanne, die durch den Verlauf von Konjunkturzyklen geprägt ist. In Jahren ausgedrückt, heisst das eine Zielorientierung (goal orientation) auf fünf Jahre und mehr.

– Siehe Eckdaten, makroökonomische, Elisabeth-Frage, Long-Lag-Theorie, Mittelfristig, Modelle, geldpolitische, Modellunsicherheit, Zyklik.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausrichtung, nachfragebestimmte (demand-orientated central bank policy):

Festlegung der Geldpolitik auf eine Verstetigung der inländischen Nachfrage, von manchen Politikern nachdrücklich gefordert. - Diese Richtgrösse als vorrangige automatische Handlungsanweisung ist für die EZB gemäss Artikel 127 AEUV ausgeschlossen; denn als Vorrangziel (priority target) ist die Sicherung der Masstab-Eigenschaft des Euro festgeschrieben.

– Siehe Anpassungspolitik, zentralbankliche, Ausrichtung, einzielige, Inflation Targeting, Poltergeist, Preisniveausteuerung, Zwei-Säulen-Prinzip.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausrichtung, stabilitätsorientierte (stabilisation orientated central bank policy):

Festlegung der Geldpolitik auf das gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht (macroeconomic equilibrium). - Weil nicht alle Ungleichgewichte konjunkturell, sondern viele auch strukturell bedingt sind, wie etwa durch technischen Fortschritt oder durch Integration in neue Wirtschaftsräume, so würde hierbei die Geldpolitik notwendige Anpassungen (necessary adjustments) verhindern. Zudem müsste die Zentralbank ihren Mitteleinsatz häufig umkehren. Eine solche Volatilität würde sich auf die Finanzmärkte und den Wechselkurs nachteilig übertragen. - Wichtigste Aufgabe der Geldpolitik ist es, den Masstabcharakter der Währungseinheit zu erhalten, nicht jedoch das Geld als Saug- und Druckpumpe für oftmals in sich widersprüchliche Ziele der Wirtschaftspolitik einzusetzen. Stabiles Geld aber ist ausnahmslos die Voraussetzung in jedem anderen gesellschaftlichen Bereich.

– Siehe Anpassungspolitik, zentralbankliche, Anweisungen, geldpolitische, Ausrichtung, einzielige, Datenunsicherheit, Geldfunktionen, Geldpolitik, vorausschauende, Konjunkturpolitik, Long-Lag-Theorie, Mittelfristig, Modellunsicherheit, Prognose-Modell. Strukturunsicherheit.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der EZB, S. 16 ff. .

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausrichtung, vermögensorientierte (asset orientated central bank policy):

Festlegung der Geldpolitik allein oder vorwiegend auf das Preisniveau von Vermögenswerten, neben Wertpapieren vor allem auch auf Immobilien.

1. Aber bereits die Bestimmung "angemessener" Vermögenspreise wirft kaum lösbare Beurteilungsprobleme auf. Denn auch eine Zentralbank kann ein "richtiges" Kursniveau und "gesunde" Ertragserwartungen nicht beurteilen, weil ihr die Masstäbe dazu fehlen.

2. Das Niveau der Vermögenspreise muss schwanken können, um veränderte Einschätzungen über künftige Erträge widerzuspiegeln. Frei schwankende Vermögenspreise sind die Voraussetzung dafür, dass die Finanzmärkte ihre volkswirtschaftliche Kapitallenkungsfunktion wirksam wahrnehmen können: nämlich anlagesuchendes Kapitel dorthin zu leiten, wo die beste Ausnutzung der kappen Faktoren (the most effective allocation of scarce resources) gewährleistet ist, zum "besten Wirt", zum sparsamsten Haushälter (best economist).

3. Zudem hätte die Stabilisierung des Vermögenspreis-Niveaus beiderseits entsprechender Abweichungen zu erfolgen. Kursverluste müssten durch Zinssenkungen aufgefangen werden. Bei steigenden Vermögenspreisen aber wären Zinserhöhungen geboten.

– Siehe Aktienblase, Ausrichtung aktienkursbestimmte, Baulandvermögen, Bausparvertrag, übersparter, Blase, spekulative, Erstraten-Verzugsklausel, Geldpolitik ohne Geld, Greenspan-Doktrin, Immobilienblase, Immobilienvermögen, Martin-Prinzip, Mortgage Equity Withdrawal, Niedrigzinspolitik, Sparquote, Zinssatz, niedrig gehaltener, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2009, S. 63 ff. (Zusammenhang zwischen Immobilienvermögen und Konsumausgaben im Euroraum; ausführliche Darstellung, viele Übersichten), Monatsbericht der EZB vom September 2013, S. 61 ff. (zum Einfluss der Geldpolitik auf die Vermögenspreise; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausrichtung, wechselkursbestimmte (exchange-rate orientated central bank policy):

Festlegung der Geldpolitik allein oder vorwiegend auf ein bestimmtes Ziel, bei der EZB praktisch auf das Kursverhältnis zwischen EUR und USD. - Die EZB lehnt eine solche Zielbindung (commitment) ihrer Politik ab, weil sie den Entscheidungsspielraum der internen Geldpolitik beschränken, wenn nicht sogar ganz aufheben würde. Denn nicht mehr die Bewahrung der Masstabeigenschaft des Geldes wäre dann Aufgabe der Zentralbank, sondern die beständige Koppelung der eigenen Währung an den Wert fremden Geldes.

– Siehe Anpassungspolitik, zentralbankliche, Ausrichtung, einzielige, Benin Neglect, Inflation Targeting, Wechselkursziel, Zwei-Säulen-Prinzip.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aussagen, zukunftsgerichtete (forward-looking statements):

Darlegungen, in denen Erwartungen zum Ausdruck kommen. Solche müssen in Verlautbarungen der Unternehmen im Finanzmarkt aufsichtsrechtlich klar von Ist-Aussagen abgegrenzt werden.

– Siehe Ad-hoc-Mitteilung, Angaben, verschleierte, Aufsichtsvermeidung, Informations-Überladung, Klartext, Management Commentary, Prognosebericht, Verlust-Tarnung, Verständlichkeit, Vorhersagen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausschlachten (asset stripping):

1. Allgemein der Versuch des Käufers einer Firma, durch Aufteilung des Unternehmens in einzelne Teile und Verkauf derselben am Ende mehr Geld zu erhalten als den Kaufpreis (the acquirer of a company seeks to break down the company in parts and sell those to third parties, hoping that the sum of the parts will at the end of the process be larger than the price they initially paid for the overall company).

2. Ein - in der Regel notleidendes - Unternehmen wird übernommen; und der neue Eigentümer - oft ein Vulture Fund - versucht, durch Veräusserung einzelner Teile zur Abtragung der angehäuften Schulden zu kommen.

– In vielen Fällen ist das Ausschlachten jedoch die einzige Möglichkeit, den Restteil des Unternehmens wieder in die Gewinnzone zu bringen (undertaking profitable again).

– Siehe Burn-Out Turnaround, Event-Driven Fund, Factoring, Fairness Opinion, Hedge-Fonds-Kredite, Heuschrecken, Insolvenzkosten, Kapital-Abzapfung, Leveraged Buy-out, Private Equity Funds, Rekapitalisierung, Restrukturierung, Window on Technology.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausschlussmarkierung, Bannmeilenfestlegung, Sperrzonenabsprache, mitunter auch wie im Englischen Redlining (redlining):

Banken und Versicherungen bieten in einem geographischen Gebiet ihre Dienstleistungen gar nicht oder nur zu stark erhöhten Gebühren an. Dies bezieht sich vor allem auf heruntergekommene Wohnquartiere (detoriated residential areas) in grossen Städten, die auf der Karte üblicherweise mit einer roten Linie eingefasst werden (the refusal of financial firms to extend credit to, lend to, insure, or otherwise assume some financial risk or endagering employees in a high-risk geographical area, usually a declining inner-city quarter). Die Institute haben in der Regel Schwierigkeiten, für diese Stadtviertel überhaupt Personal - und weibliches schon gar nicht - zu gewinnen, weil Belästigungen aller Art dort häufig sind. Auch ist es aufgrund der sozialen Schichtung der Einwohner dieser Gebiete - grösstenteils Sozialhilfeempfänger und ethnische Minderheiten - nicht möglich, schwarze Zahlen zu schreiben. Zwar wurde das Redlining immer wieder von Politikern und Gutmenschen aller Art (professional do-gooder, starry-eyed idealists, romantic philanthropists) gerügt. Diese forderten gar, Institute gesetzlich zu zwingen, in Problemvierteln (problem quarters, urban areas in difficulties) Filialen einzurichten. Indessen ist es bestimmt nicht Aufgabe der Banken, letztlich zulasten ihrer Kunden Sozialfürsorge zu betreiben. Vielmehr ist es eine Kernaufgabe der Politik, in diesen Wohnvierteln Verhältnisse zu schaffen, die eine normale, ungehinderte bankgeschäftliche Tätigkeit ermöglichen.

– Siehe Elephant, weisser.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausschreibegeld auch Austunelgeld (cancellation fee, blot-out fee, deregistration fee):

Frühere Gebühr

1. für den Austrag aus einem Verzeichnis, eine Löschungsgebühr

2. manchmal aber entgegen der Wortbedeutung in alten Dokumenten auch bezogen auf den Eintrag in ein Register (entry into a register).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausschuss der Europäischen Bankenaufsichtsbehörden (Committee of European Banking Supervisors, CEBS):

Im Januar 2004 gegründetes Fachgremium der in die Bankenaufsicht eingebundenen europäischen Behörden mit Sitz in London und dem Ausschuss für Bankenaufsicht beigeordnet. Wichtiger Teil der Aufgaben von CEBS war die Beratung der EU-Kommission beim Entwurf von Regulierungsvorhaben. Zu Jahresbeginn 2011 hat das Europäische System der Finanzaufsicht den Ausschuss abgelöst.

– Siehe Bankenaufsicht, europäische, CEBS-Untergruppe zur operationalen Netzwerken für grenzüberschreitend tätige Bankengruppen, Three Level Three Committees.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 40 f. (Koordinationsbedarf einzelstaatlicher Massnahmen bei der Finanzkrise) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2009, S. 53 ff. (internationale Zusammenarbeit bei der Aufsicht), Jahresbericht 2011 der Deutschen Bundesbank, S. 96 f (ESFS löst CEBS ab; Organisatorisches), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 38 ff. (Arbeit des ESFS; organisatorische Vorkehrungen).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausschuss der Europäischen Wertpapieraufsichtsbehörden (Committee of European Securities Regulators, CESR):

Im Juni 2001 gegründetes Gremium der EU mit Sitz in Paris mit dem Zweck, die Europäische Kommission in wertpapieraufsichtlichen Fragen zu beraten und die Umsetzung des Gemeinschaftsrechts in nationales Recht zu befördern. Mitglieder sind Vertreter nationaler Wertpapier-Aufsichtsbehörden.

– Siehe Ausschusswahn, Enforcement.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2002, S. 71, Jahresbericht 2001 des Bundesaufsichtsamts für den Wertpapierhandel, S. 45 f., Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 45, Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 51 f. (hier auch Beschreibung der einzelnen Arbeitsgruppen und deren Tätigkeit), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 58 f. (Durchsetzung weltweit einheitlicher Standards zur Rechnungslegung; Datenbank zum Enforcement), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 30 f. (neue Entscheidungsregeln; Mediationsverfahren) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Jahresbericht 2007 der EZB, S. 173 f. (Forderungen des Ecofin-Rates an den Ausschuss).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausschuss der Europäischen Aufsichtsbehörden für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (Committee of Insurance and Occupational Pensions Supervisors, CEIOPS):

Im November 2003 gegründetes Gremium von Vertretern der Aufsichtsbehörden für die Versicherungswirtschaft aus der Europäischen Union mit dem Ziel der Angleichung der aufsichtsrechtlichen Vorgaben. Das Sekretariat befindet sich in Frankfurt am Main.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 41 (Umfrage über Auswirkungen der Finanzkrise auf die Assekuranz; Investitionen der Versicherer in strukturierte Produkte minim), S. 52 f. (Leitlinien zur Beaufsichtigung der Altersversorgungswerke), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 40 f. (Stabilitätsuntersuchungen zur Assekuranz; Stresstests) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausschuss für Bankenaufsicht des ESZB:

Manchmal gebrauchte deutsche Bezeichnung für das Banking Supervision Committee, BSC.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausschuss für das weltweite Finanzsystem (Committee on the Global Financial System, CGFS):

Im Jahr 1999 gegründetes Gremium mit dem Hauptziel, allfällige Schwach¬stellen im internationalen Finanzsystem aufzuspüren.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2001, S. 84, Geschäftsbericht 2003 der Deutschen Bundesbank, S. 167.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausschuss für Finanzstabilität, AFS (Financial Stability Committee, FSC):

Im Zuge des Finanzstabilitätsgesetzes (FinStabG; German Financial Stability Act) vom 28. November 2012 eingerichtetes Gremium mit dem Ziel, die Zusammenarbeit deutscher Behörden bei der Sicherung der Finanzstabilität zu gewährleisten. Dem AFS gehören je drei Vertreter des Bundesministeriums der Finanzen, der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht und der Deutschen Bundesbank sowie ein nicht-stimmberechtigter (non-voting) Vertreter der Finanzmarktstabilisierungsanstalt an. Die Gründung des AFS geschah aufgrund der Aufforderung des Europäischen Rats für Systemrisiken, in nationalen Rechtsvorschriften eine zentrale Behörde zu bestimmen, welcher die makroprudentielle Aufsicht obliegt.- Wichtigste Waffe des AFS ist die Kommunikation: Warnungen, Hinweise und Empfehlungen werden bekanntgemacht. Nur wenn die Öffentlichkeit diese wahrnimmt, so kann das Gremium vorbeugend auf die Finanzstabilität wirken. Denn die Macht, Dinge zu ändern (the power to change matters), liegt beim Gesetzgeber oder bei den Aufsichtsbehörden, nicht aber beim AFS.

– Siehe Ansteckungswirkungen, Ausschusswahn, Bankenaufsicht, europäische, Banking Supervision Committee, Cash crop, Dominostein-Effekt, Europäischer Rat für Systemrisiken, ESZB-Netzwerk für makroprudentielle Forschung, Finanzkrise, Gleichlauf-Problem, Makroprudentiell, Regulierungswut, Risiko, systemisches, Solvenzaufsicht, Spinnweben-Modell, Systemrisiko, Zentralkreditregister, Zyklik.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 102 f. (Vorstellung des Ausschusses; Aufgabenverteilung; gegen die Stimmen der Bundesbankvertreter können keine Entscheidungenüber Warnungen oder Empfehlungen getroffen werden), Geschäftsbericht 2013 der Deutschen Bundesbank, S. 17 (starkes Gewicht der Deutschen Bundesbank).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausschuss für Informationstechnologie (Information Technology Committee, ITC):

Gremium der EZB mit dem Ziel, diese in allen Fragen der Datenerfassung und Datenverarbeitung zu beraten und die Leistungsfähigkeit sowie die Sicherheit der IT-Infrastruktur im ESZB zu gewährleisten.

– Siehe Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, Systemkollaps, Technologie-Risiken.

– Vgl. Geschäftsbericht 2001 der Deutschen Bundesbank, S. 142.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausschuss für Internationale Beziehungen (International Relations Committee, IRC):

Mit hochrangigen Vertretern - in der Regel den Vizepräsidenten der einzelnen Zentralbanken - besetztes Gremium des ESZB mit dem (Haupt)Ziel, die internationale Finanzentwicklung in Hinblick auf die Auswirkungen auf d Euro abzuschätzen.

– Vgl. Geschäftsbericht 2001 der Deutschen Bundesbank, S. 143.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausschuss für Interne Revision (Internal Auditors Committee, IAC):

Gremium des ESZB mit dem Ziel, Revisionsverfahren innert des ESZB (Best Practices) zu fördern.

– Vgl. Geschäftsbericht 2001 der Deutschen Bundesbank, S. 143.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausschuss für Marktoperationen (Market Operations Committee, MOC):

Gremium des ESZB mit dem Ziel der Beratung des EZB-Rates und des Direktoriums insbesondere bei der Beobachtung von Entwicklungen von Finanzmärkten und Finanzinstrumenten, bei der Durchführung der einheitlichen Geldpolitik sowie bei Devisenoperationen.

– Vgl. Geschäftsbericht 2002 der Deutschen Bundesbank, S. 144 f.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausschuss für Presse, Information und Öffentlichkeitsarbeit (External Commu-nications Committee, ECCO):

Gremium des ESZB mit dem Ziel, an der Gestaltung und Koordination der Kommunikation der EZB mit der Öffentlichkeit mitzuwirken.

– Vgl. Geschäftsbericht 2001 der Deutschen Bundesbank, S. 142.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausschuss für Rechnungswesen und monetäre Einkünfte (Accounting and Monetary Income Committee, AMICO):

Gremium des ESZB mit dem Ziel, das interne Rechnungswesen betreffende Fragen fachkundig zu erörtern und entsprechende Vorschläge dem EZB-Rat vorzulegen.

– Vgl. Geschäftsbericht 2001 der Deutschen Bundesbank, S. 140 f.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausschuss für Statistik (Statistics Committee, STC):

Gremium des ESZB mit dem Hauptziel einer Angleichung der Banken- und Zahlungsbilanzstatistiken innert der Europäischen Union.

– Vgl. Geschäftsbericht 2001 der Deutschen Bundesbank, S. 146.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausschuss für Zahlungsverkehrs- und Abrechnungssysteme (Committee of Payment- und Settlement Systems, CPSS):

Mit der Aufgabe einer Festlegung von Anforderungen an Zahlungsverkehrssysteme.

– Siehe Bezahlverfahren, innovative, Massenzahlungsverkehr, elektronischer, Migration, RTGS-System, SEPA-Rat, Single European Payment Area, Target.

– Vgl. Geschäftsbericht 2001 der Deutschen Bundesbank, S. 145, Monatsbericht der EZB vom Februar 2002, S. 72, Geschäftsbericht 2007 der Deutschen Bundesbank, S. 110 f. (laufende Arbeiten des Ausschusses).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausschuss-Wahn, Ausschusswahn und Ausschuss-Inflation (committee mania, committee inflation, committeeism):

Häufige Klage der Praxis darüber, dass auf dem Finanzsektor in allen Bereichen behördliche Gremien mit weltreise-begierigen (extremly fond of worldwide travelling) Mitarbeitern tätig seien, und diese garnichts bringen: "ausser Spesen nichts gewesen" (it was a waste of time and effort) oder aber - noch schlimmer - Beschlüsse fassen, welche den Geschäftsablauf vor Ort erschweren. - Demgegenüber ist festzustellen, dass der Bedarf an Erfahrungsaustausch (exchange of experiences) hier besonders gross ist, weil sich die Finanzmärkte

1. immer mehr weltweit vernetzen,

2. in ständiger Veränderung befinden und im Zuge dessen stets neue Finanzprodukte entstehen,

3. das Fachwissen (expert knowledge) sich parallel dazu in neue Sondergebiete (special areas) aufgliedert, das von einzelnen Personen und selbst Behörden - wie nach eigenem Bekunden von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht - kaum mehr allein zu beherrschen ist sowie auch

4. Verbraucherverbände (consumers' associations) in einem fort nachdrücklich fordern, das Publikum vor unfähigen wie unredlichen Akteuren und arglistigen Geschäftspraktiken zu schützen, was aber im Regelfall ebenfalls eine enge Abstimmung zwischen den Fachmitarbeitern der verschiedenen Aufsichtsbehörden (supervisory professionals) weltweit voraussetzt.

– Inwieweit es im Einzelnen bestimmter Ausschüsse bedarf, ist sehr schwer abzuschätzen und dürfte weiterhin strittig bleiben.

– Siehe Abschreckung, aufsichtsrechtliche, Anlegerschutz, Aufsicht, Aufsichtsvermeidung, Auswirkungsstudien, Bankenaufsicht, europäische, Banana Skins Survey, Geldverbrennung, Octopus, Offshore Finanzplätze, Peter-Regel, Regulierungs-Arbitrage, Regulierungsdruck, Regulierungswut, Straitjacking, Überregulierung.

– Vgl. Jahresbericht 2003 der EZB, S. 187, Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 33 ff., S. 43 ff. (dort auch der Begriff "Ausschuss-Architektur"), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 37 (Übersicht der international tätigen Ausschüsse), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 35 (Übersicht der internationalen Ausschüsse) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel "Internationales", Jahresbericht 2012 der EZB, S. 177 (die Aus-Schüsse der EZB vermehren sich vorbildhaft nur in arithmetischer Reihenfolge) sowie den jeweiligen Jahresbericht der EZB, Kapital "Institutioneller Rahmen und Organisation".

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausschüttung (payout, distribution):

Allgemein jeder Gewinn, der aus einer Vermögensanlage erzielt wurde und dem Investor zufliesst.

– Siehe Erfolg, Ertrag, Growth Fund, Investition, Kapital, Kapitaleinkommen, Rendite, Vermögen, Verzehnfacher.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausschüttungs-Fonds (distribution fund):

Im Gegensatz zum Thesaurierungs-Fonds (cumulative fund) ein Spezialfonds, der zu bestimmten Zeiten Erträge an die Anteilsinhaber auszahlt. - Im monatlich erscheinenden Statistische Beiheft "Kapitalmarktstatistik" der Deutschen Bundesbank auch Zahlen über die Anzahl, den Anteilumlauf und das Vermögen inländischer Ausschüttungs-Fonds (domestic distribution funds), nach verschiedenen Gesichtspunkten aufgeschlüsselt.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausschüttungs-Prinzip (cash principle, when payable principle):

Die statistische Erfassung einer Zahlung dann, wenn der Betrag zufliesst. In der Zahlungsbilanz wird dieser Grundsatz bei Dividenden und Direktinvestitionen angewendet.

– Siehe Accrual-Prinzip.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2005, S. 34 (Erklärung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausschüttungs-Sperre (payout block):

Wenn nicht anders definiert die Untersagung, dass Versicherungen an ihre Anteilseigner erzielte Gewinne verteilen. Ein solches Verbot wurde ins Auge gefasst, um angesichts eines Niedrigzins-Umfeldes (environment of low interest) und der damit für die Assekuranz verbundenen Nachteile die Risikotragfähigkeit der Branche zu stärken. - Eine derartige Massnahme würde dazu führen, dass Investitionen in Titel von Versicherungen im Vergleich zu anderen Anlagen ungünstig werden. Was die Versicherungen aufgrund der Ausschüttungs-Sperre an Vorteil gewännen, würde durch den Nachteil erkauft, dass die Aufnahme von Kapital für die Unternehmen dieser Branche erheblich teurer wird.

– Siehe Diätrendite, Enteignung, kalte, Negativzins, Nullzins, Quantitative Easing, Renditejagd, Repression, finanzielle, Zinssatz, niedrig gehaltener, Zinsallokations-Funktion, Zinsanreiz, Zinssenkungs-Politik.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2014, S. 79 f. (Vor- und Nachteile einer Ausschüttungs-Sperre).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aussenbeitrag (trade balance):

Das Total aller Ausfuhren (Waren und Dienstleistungen) abzüglich des Totals aller Einfuhren. Ein positiver Aussenbeitrag bedeutet, dass mehr Güter exportiert als importiert wurden. Der Aussenbeitrag wird von der EZB im Rahmen des Zwei-Säulen-Prinzips beobachtet und ausgewertet.

– Siehe Auslandsnachfrage, Erzeugerpreise, industrielle, Unit-Value-Relation.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juni 2013, S. 79 ff. (Ausfuhren des Eurogebiets seit 1999; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aussenfinanzierung (external financing):

1 Bei einem Unternehmen allgemein die Inanspruchnahme von Geld Dritter.

2 In der Statistik der EZB sämtliche Passivposten des Sektors nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juni 2008, S. 51 ff (Aussenfinanzierung der Unternehmen im Eurogebiet und den USA im Vergleich; viele Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2010, S. 44 f. (Aussenfinanzierung von Kapitalgesellschaften 2007-2009; Übersicht), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2012, S. 19 ff. (Gliederung der Aussenfinanzierung deutscher Unternehmen; die Aussenfinanzierung folgt dem Wachstum des Bruttosozialproduktes zeitverzögert; Übersicht; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aussenfinanzierungskosten nichtfinanzieller Kapitalgesellschaften (cost of external financing of non-financial corporations):

Die Kosten für die externe Finanzierung von Unternehmen ausserhalb des Finanzsektors werden von der EZB als gewichteter Durchschnitt der Eigen- und Fremdkapitalkosten berechnet, fussend auf den um Bewertungseffekte und Inflationserwartungen bereinigten Beständen.

– Siehe Aussenfinanzierung.

– Vgl. den Anhang "Statistik des Euro-Währungsgebiets" im jeweiligen Monatsbericht der EZB, Rubrik "Finanzkonten und nichtfinanzielle Konten"; Monatsbericht der EZB vom Dezember 2010, S. 45 f. (Aussenfinanzierungskosten seit 1999; Übersicht).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aussenhandel (external trade):

In der Statistik der EZB die Ausfuhren und Einfuhren im Handel ausserhalb des Eurogebiets. Sie werden ausgewiesen als Wertgrössen sowie als Volumen- und Durchschnitts-Indizes. - Achtung: die so ausgewiesene Aussenhandels- Statistik ist nicht mit den in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung ausgewiesenen Exporten und Importen vergleichbar. Denn in dieser werden sowohl grenzüberschreitende Transaktionen innert des Eurogebiets erfasst als auch der Handel ausserhalb des Eurogebiets. Zudem wird dort nicht zwischen Waren und Dienstleistungen unterschieden. - Zu beachten ist ausserdem, dass eine Vergleichbarkeit mit der Position Warenhandel in der Zahlungsbilanzstatistik auf Schwierigkeiten stösst. Ein Unterschied zwischen den beiden Grössen liegt darin, dass bei der Erfassung der Importe in der Aussenhandels-Statistik Leistungen der Versicherungen und Transporteure berücksichtigt werden. In der Zahlungsbilanzstatistik werden Wareneinfuhren ohne diese beiden Dienstleistungen erfasst.

– Siehe Aussenbeitrag, Konzernumsätze, Number Cruncher, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2010, S. 101 ff. (sehr eingehend zum Aussenhandel des Eurogebiets; viel Übersichten; Literaturhinweise), Monatsbericht der EZB vom März 2011, S. 23 ff. (Euroraum ist weltweit der grösste Importeur; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Juni 2013, S. 79 ff. (Ausfuhren des Eurogebiets seit 1999; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aussenhandels-Abhängigkeit (external trade interrelations):

Wenn nicht anders definiert, so meint damit den Grad der realwirtschaftlichen Verflechtung einer Volkswirtschaft bzw. eines Wirtschaftsraums mit der Weltwirtschaft.

– Siehe Aussenhandels-Statistik, Balassa-Index, Erzeugerpreise, industrielle, Forschungsquote, Globalisierung, Unit-Value-Relation, Verkrustungen, strukturelle, Terms of Trade.

– Vgl. Monatsbericht der EZB vom September 2011, S. 94 ff. (Abhängigkeiten des Euro-Währungsgebiets, unterteilt nach Warengruppen und Ländern).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aussenhandels-Statistik (external trade statistics):

Von den Zentralbanken genau beobachtete und in ihren Berichten auch oft kommentierte Grösse. Dabei ist es sehr wichtig, die dort jeweils angegebenen Erläuterungen äusserst aufmerksam zu beachten, weil einige der zugrunde gelegten Zahlenreihen nicht zusammenpassend sind, vor allem: teils Güter, teils nur Waren. - Hinzu tritt, dass die statistische Erfassung oft mit schier unlösbaren Problemen behaftet ist. Wenn etwa - was angesichts der weltweiten Marktverflechtung (global market interdependence) durchaus kein Einzelfall ist - ein Unternehmen in Deutschland

1. in ausländischem Mehrheitsbesitz steht, und

2. dieses Unternehmen für die ausländische Muttergesellschaft

3. Maschinen in Lizenz herstellt,

4. dabei Zulieferungen von dort verwendet und

5. die fertigen Maschinen

6. teils auf Rechnung der Mutter,

7. teils auf eigene Rechnung

8. im Inland oder

9. im Ausland verkauft, dann ist es selbst für erfahrene Zahlungsbilanzstatistiker (experts in balance of payments statistics) sehr schwer, diese Ströme sachgerecht in der Aussenhandels-Statistik zu verbuchen (to carry on).

– Siehe Ausfuhrabgabe, Aussenhandel. Konzernumsätze, Number Cruncher, Ölpreis-Schocks, Zwei-Säulen-Prinzip.

– Vgl. die jeweiligen Positionen für den Euroraum im Statistics Pocket Book der EZB sowie im Monatsbericht der EZB; dort unter den "Erläuterungen" der Rubrik "Aussenwirtschaft" wegen der Definitionen und Einteilungen besondere Beachtung schenken; Monatsbericht der EZB vom Dezember 2008, S. 102 ff. (Neuberechnung der Indices für industrielle Einfuhrpreise und industrielle Erzeuger-Ausfuhrpreise im Eurogebiet; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Juni 2009, S. 109 f (Einbruch des Aussenhandels im Eurogebiet infolge der Finanzkrise; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2009,. S. 22 f. (Aussenhandel im Sog der weltweiten Finanzkrise; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Februar 2010, S. 66 ff. (Entwicklung im Eurogebiet 2007-2009; Übersichten).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aussenstände (receivables, amounts receivable, money due, outstanding money):

In der älteren Literatur häufig gesagt für Ansprüche

1. eines Unternehmens an Kunden für Lieferungen bzw. einer Bank für gewährte Darlehn sowie

2. für Vorauszahlungen an Lieferanten (prepayments to suppliers).

– Falsch ist es, den Aussenständen auch eigene Einlagen bei Instituten zuzurechnen; dazu sagte man auch in der älteren Literatur Guthaben.

– Siehe Forderung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausserbilanzgeschäft (off-balance-sheet operations):

Bankgeschäfte, die bis zum Inkrafttreten der International Accounting Standards im Jahre 2005 bzw. bis Einführung von Basel-II zu Jahresbeginn 2008 in der EU in der Regel nicht bilanzmässig erfasst werden mussten. Hierzu zählen vor allem

1. Eventualverpflichtungen, etwa Bürgschaften und Garantien,

2. unwiderrufliche Kreditzusagen,

3. Einzahlungs- und Nachschussverpflichtungen,

4. offene derivative Finanzinstrumente einschl. Aktien-Optionen und

5. Treuhandgeschäfte. Manchmal zählt man auch noch

6. Bankdienstleistungen wie Anlageberatung, Vermögensverwaltung und Wertschriftenhandel sowie

7. an Zweckgesellschaften weitergegebene Verbriefungspapiere - allein die 2007 ins Schlingern geratene und dann von der Landesbank Baden-Württemberg übernommene Sachsen LB hatte fast 18 Mia EUR auf diese Weise ins "bilanzielle Nichts", verschwinden lassen - dem Ausserbilanzgeschäft bei.

– Die Nachfrage nach Ausserbilanzdienstleistungen der Banken stieg seit 1980 sprunghaft an; gleichzeitig verliert das Bilanzgeschäft bei vielen Instituten relativ an Bedeutung. - Die Aufsichtsbehörden stellten in Anwendung von Basel-II für solche Posten teilweise ausführliche Unterlegungsvorschriften (detailed capital adequancy requirements) auf; das heisst: sie verlangen eine nach vorgegebenem Schlüssel zu errechnende Höhe an Eigenkapitaldeckung (back-up in equity; equity backing). Die entsprechenden Bestimmungen werden in Deutschland von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht überwacht. - In den USA gelten durch die Sarbanes-Oxley-Act sehr strenge, ins einzelne gehende Vorschriften über den ungeschminkten Ausweis aller Geschäfte, die jetzt oder später einen allfälligen Einfluss auf die (börsennotierte) Gesellschaft haben könnten.

– Siehe Absenzkapitalismus, Aktivitäts-Verlagerung, bilanzbestimmte, Anlegerschutz, Aval, Garantiegeschäft, Kreditlinie, Kreditzusage, unwiderrufliche, Patronatserklärung, Puffer, Rückschlag-Effekt, Stimmrecht-Kriterium, Subprime-Krise, Unterlegung, Verbriefungsstruktur.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausserbörslich (over-the-counter, OTC):

Finanzprodukte, die nicht an der Börse gehandelt, sondern zwischen Händler und Käufer und vor allem Hedge-Fonds zweiseitig (bilateral; bilateral) abgewickelt werden. - Die Nachteile dieser Handelsform sind vor allem

1. der Umfang der Geschäfte und die Preise bleiben verborgen,

2. der Preisbildungsprozess (price formation process) ist nicht durchschaubar,

3. eine Marktüberwachung wie an der Börse gibt es nicht

4. der Risikogehalt der gehandelten Papiere bleibt weitgehend unbekannt und

5. bei unerwartet auftretenden Preisverwerfungen (reeling of prices) auf dem Finanzmarkt versiegt der ausserbörsliche Handel jäh, wie sich mehrfach und zuletzt im Gefolge der Subprime-Krise (in the slipstream of the turmoil surrounding sub-prime crisis) deutlich gezeigt hat.

– Denn Hedge-Fonds nehmen für ihre verschiedenen Marktaktivitäten laufend Geld auf und bieten Vermögenswerte als Sicherheit. Sinkt nun der Wert der gebotenen Sicherheiten aufgrund der allgemeinen Marktentwicklung, dann kommen die Banken mit einer Nachschuss-Aufforderung auf den Hedge-Fonds zu. Um dieser entsprechen zu können, aber auch um die laufenden Zahlungen zu begleichen, werden Papiere aus dem Fondsvermögen abgestossen. Für den Kauf neuer Titel fehlt es daher an Liquidität. - Der Vorteil der ausserbörslichen Geschäfte liegt darin, dass diese innert kürzester Zeit abgewickelt werden können. Zwischen dem über Telemedien (telemedia: all electronic communications channels) abgegebenen Angebot einer Zweckgesellschaft an einen Hedge-Fonds zur Übernahme von Verbriefungspapieren und der Kaufzusage seitens des Fondsmanagement liegen häufig nur Minuten.

– Siehe Derivategeschäfte-Clearingpflicht, Derivategeschäfte-Meldepflicht, Hedge-Fonds-Gefahren, Notierung, genannte, Over-the-Counter Trading.

– Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2011, S. 43 f., S. 75 (Intransparenz des OTC-Handels allgemein und der ausserbörslichen Derivatemärkte im Besonderen; Massnahmen zur Herstellung von Markttransparenz im OTC-Handel), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 92 ff. (intransparenter ausserbörslicher Derivatemarkt birgt hohe Risiken), Finanzstabilitätsbericht 2013, S. 91 ff. (systemische Risiken bei ausserbörslichen Derivatemärkten; ausführliche Darstellung).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aussersaisonkredit und Nachsaisonkredit (seasoned datings):

Bei einer Bank die Ausreichung von Darlehn an Firmenkunden, die Waren nicht zur Hauptsaison einkaufen (extension of credit for corporate customers who make frequent purchases and not just during peak season).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aussie (so auch im Deutschen):

In der Finanzsprache

1. der australische Dollar, AUD oder

2. auf AUD lautende Staatsanleihen des australischen Bundesstaates.

– Gelegentlich der Griechenland-Krise im Frühjahr 2010 empfahlen Anlageberater den Kauf solcher Papiere. Freilich ist der Markt für diese Titel sehr eng; und auch der Hinweis, die Anleihen seien auf eine "Rohstoffwährung" (raw material based currency) bezogen, ändert daran nichts. Immerhin jedoch zeichnet sich Australien bis anhin durch kräftiges Wachstum, Preisstabilität und gesunde öffentliche Finanzen aus. Das zieht Anleger an, die selbst erstklassigen Staatsanleihen der Eurostaaten misstrauen.

– Siehe Kiwi, Loonie, Swissy.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aussteller in älteren Dokumenten auch Trassant (drawer of a bill of exchange):

Wer einen Wechsel auf jemanden zieht (trassiert; draws); der Wechselgläubiger (bill creditor).

– Siehe Bezogener, Notadresse, Trassant.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausstieg (giving up; cutting of business field; phasing out; exit):

1 Der Rückzug aus einem Engagement und darin eingeschlossen in der Regel auch die Flüssigmachung der entsprechenden Vermögenswerte, in älteren Dokumenten auch Rezess genannt.

2 Die Aufgabe eines Geschäftsbereichs (business area) bei einem Institut.

3 Bei der Zentralbank die Umstellung der Geldpolitik von einer Phase reichlicher Liquiditätsversorgung (Quantitative Easing) zu üblicher Marktsteuerung, wie nach der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise; auch im Deutschen oft mit Phasing-out bezeichnet. Geschieht dies ruckartig, so spricht man von einem Rückwärtssalto (backflip).

4 Das Verlassen einer Währungsunion durch ein Mitglied; auch im Deutschen manchmal Exit genannt. Im Zuge der Rückkehr-Ideologie vor allem auf das Ausscheiden aus der EWU durch Deutschland - ähnliche Stimmen gibt es in Finnland, den Niederlanden und in Österreich - gesagt.

– Für Deutschland würde sich ein solcher Ausstieg trotz gegenteiliger Behauptungen verheerend auswirken. Der gemeinsame europäische Binnenmarkt löste sich zugunsten vieler kleinerer, durch Zölle und andere Einfuhrbeschränkungen abgeschotteter Nationalmärkte ab. Die deutschen Ausfuhren gingen beträchtlich zurück mit der Folge hoher Arbeitslosigkeit. Der Lebensstandard (standard of living) in Deutschland sänke erheblich.

– Siehe Aushungern, Ausstiegsrisiko, Disease Management, Neuro, Plan C, TARGET-Missbrauch.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausstiegsklausel (contract exit for non-performance):

In Verträgen auf dem Finanzmarkt üblicher Vorbehalt, der eine Freistellung von allen Vertragspflichten einschliesst, falls das Geschäft nicht zustande gekommen ist (a condition in a financial agreement that enables the investor to take back his funds if the result represented is not achieved).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausstiegsrisiko (abandonment risk):

Die Gefahr, dass bei einer Projektfinanzierung eine Bank Vorleistungen, vor allem die Aufbringung von Kapital, erbrachte, das Projekt aber schlussendlich überhaupt nicht (the project will be abandoned) oder nicht bis zum geplanten Ende (the project will be put on ice) zur Ausführung kommt. - Es gibt Fälle genug, bei denen Banken besonders bei den nicht zu Ende gebrachten Grossprojekten empfindliche Verluste hinnehmen mussten, zumal in der Regel halbfertige Projekte wie Bauruinen (unfinished buildings) nicht nur wertlos sind, sondern oft auch über einen längeren Zeitraum weitere Kosten verursachen. Daher ist in solchen Fällen eine Risikoteilung durch einen Konsortialkredit üblich. Auch auf dem Weg einer Verbriefung kann ein Institut das Ausstiegsrisiko bei Grossprojekten an den Markt weiterreichen.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Australian Prudential Regulation Authority, APRA:

Allfinanz-Aufsichtsbehörde in Australien, siehe mehr bei http://www.apra.gov.au , auf den Seiten sehr viele wegleitende Dokumente zum Download.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausübung (exercise):

Wenn

1. der Käufer einer Kaufoption (Call) die Lieferung der einer Option zugrunde liegenden Termin-Kaufposition oder

2. der Käufer einer Verkaufsoption (Put) die Verkaufsposition entgegennimmt (calling up the rights granted to the owner of an option contract. In the case of a call, the option owner buys the underlying asset; in the case of a put, the option owner sells the underlying asset).

– In der Regel können nur Optionskäufer Optionen ausüben; die Optionsverkäufer als Stillhalter nehmen grundsätzlich eine passive Rolle ein.

– Siehe Option, Rohstoff-Terminvertrag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Ausübungspreis auch Basispreis (exercise price, strike price):

Der in der Option festgeschriebene Preis, zu welchem der Inhaber der Option von seinem Recht Gebrauch machen kann, die Option auszuüben, das heisst: den Basiswert zu kaufen bzw. zu verkaufen (the fixed price at which an option holder has the right to buy, in the case of a call option, or to sell, in the case of a put option, the underlying asset covered by the option).

– Siehe Call, Complex Option, Option, Rohstoff-Terminvertrag, Time-Spread, Verfügbarkeitsprämie, Wiedereindeckungs-Risiko, Zeitwert.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Auswirkungsstudie zu langfristigen Garantien (long term guarantee assessment, LTGA):

Die Einführung von an Marktwerten ausgerichteten Bewertungsansätzen durch Solvency-II bereitet Versicherungen einige Schwierigkeiten. Das ist besonders der Fall, wenn Versicherungen ihren Kunden langfristige Zinsgarantien zugesichert haben, währenddessen durch die Niedrigzinspolitik der Zentralbank die Marktzinsen nahe Null sind. Eine 2013 angestellte besondere Auswirkungsstudie versucht, die Problemlage in Hinblick auf den Verbraucherschutz, die Solvabilität, den Wettbewerb und andere Grössen durchsichtig zu machen und Lösungsvorschläge zu unterbreiten. - Die Vorschläge der LTGA wurden von den Verbänden der Versicherungswirtschaft teilweise abgelehnt. Insbesondere wurde bemängelt, dass die hohe Volatilität der Solvenzquote (solvency ratio: diese ergibt sich aus der Gegenüberstellung der Anforderungen an das Solvenzkapital und dem verfügbaren Kapital; unter Solvenzkapital versteht man das Kapital, das die Versicherung vorhalten muss, um eingegangene Risiken abzudecken) kaum berücksichtigt wurde.

– Siehe Finanzialisierung, Lebensversicherung, Renditejagd, Risiko- und Solvabilitätsbeurteilung, unternehmenseigene, Zinsgarantiereserve.

– Vgl. Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 119 f. (Vorstellung der Auswirkungsstudie).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Auswirkungsstudien (quantitative impact studies, QIS):

Vor der Einführung neuer aufsichtsrechtlicher Bestimmungen von der Aufsichtsbehörde zusammen mit den betroffenen Instituten angestellte Untersuchungen und in der Regel auf freiwilliger Grundlage. Sie sollen aufzeigen, wie sich eine neue Regelung auf den Geschäftsbetrieb auswirkt. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht zählt in jedem Jahresbericht mehrere Auswirkungsstudien zu aktuellen Neuregelungen auf.

– Siehe Aufsichtsgespräche, Ausschuss-Wahn, Bankenaufsicht, europäische, Calls for Advice, Regelersteller.

– Vgl. Geschäftsbericht 2012 der Deutschen Bundesbank, S. 94 (Auswirkungsstudie Basel-III).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Auswurfgeld (worn coin):

Alte Bezeichnung für eine abgegriffene, durchgewetzte Münze.

– Siehe Abnutzung, Alliage, Doublé-Münze, Falschgeld, Gequetschte, Geschaugeld, Katzengeld, Kipper, Lötigkeit, Münze, Münzen-Paradoxon, Passiergewicht, Quaadschilling, Rändelung, Raugewicht, Remedium, Subferraten, Wardein, Wipper.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Auszahlung und Ausbezahlung (payment; disbursement):

1 Bei einer Bank die Abgabe von Bargeld an einen Kunden aus dessen Konto an einem Kassenschalter. Man spricht in diesem Falle auch von Abhebung (withdrawal).

2 Die Abgabe von Bargeld an einer Ladenkasse durch Belastung der vorgelegten Kundenkarte oder Kreditkarte. Dies kommt - auch wenn im Zuge eines Kaufs nur Spitzenbeträge ausbezahlt werden - grundsätzlich dem Betreiben des Kreditgeschäfts durch den Ladeninhaber gleich und ist erlaubnispflichtig; die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hat dazu ein eigenes Merkblatt herausgegeben.

3 Der tatsächlich einem Kunden im Zuge eines Darlehns übergebene Betrag; gewöhnlich sind Bearbeitungsgebühren und antizipative Zinsen von der Bank einbehalten (the actual payout to borrower of loan funds, in whole or part).

4 Bei einem Unternehmen die Minderung der liquiden Mittel, wie etwa durch Überweisung vom eigenen Konto an das Finanzamt (revenue office). - Demgegenüber sind Ausgaben nur Erhöhungen der Verbindlichkeiten oder die Minderung von Forderungen.

– Siehe Bankenzwölf, Einzahlung, Karte, Kassenkladde, Zahlung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Auszahlung, briefliche (mail transfer):

Die Zustellung von Geld durch den Postdienst (monetary payment by the postal service). Eigene Postboten (CH: Pöstler; money postmen; Geldbriefträger) suchten auch in Deutschland - teilweise bis 1995 - den Empfänger auf und händigten diesem die entsprechende Summe in Bargeld aus. Versender waren vor allem Versicherungen und Rentenkassen, seltener auch Unternehmen - wie vor allem Lotterien (lottery companies) - und Privatpersonen.

– Siehe Geldbrief, Geldsendung, Konto für Jedermann, Postauftrag, Postkreditbrief, Unbanked, Zahlungsauftrag.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Auszug (account statement, accounts current):

Im Finanzbereich meint man damit eine Abschrift - Kopie; copy; in älteren Dokumenten auch Transum[p]t - des Kontostandes. Heute bieten die meisten Institute ausser der kennwortgesicherten (password protected) Einsicht in die Kontenbewegungen (account movements) über Internet auch eine Kontenstands-Abfrage über das Telephon oder einen Ausdruck der Buchungen (account allocation) über einen Kontendrucker (print output) an.

– Siehe Benutzerfreundlichkeit, Geschäftsstelle, vollautomatische, Prosument.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Authentifizierungsgebot (authenticity imperativ):

1 Aufsichtsrechtlich gebotener und im Zuge der Überwachung von Geldwäsche verschärfter Grundsatz, wonach bei allen Geschäften auf dem Finanzmarkt die an dem jeweiligen Geschäft Beteiligten eindeutig identifizierbar sein müssen (the primary basis of all anti-money laundering regulations, requiring financial and other intermediaries engaged in financial transactions to thoroughly check their customers' identities).

2 In weiterem Sinne auch der Einsatz von Verfahren, die sicherstellen, dass Nachrichten von und Mitteilungen an Kunden ungekürzt und unverfälscht (had not been modified or replaced in transit) ihren Weg finden.

– Siehe Bankauskunft, Bankgeheimnis, Financial Intelligence Unit, Finanzagent, Finanzgeier, Geldwäsche, Identitätsprüfungspflicht, Internet-Angebote, Konto, anonymes, Konto, falsches, Kontenoffenlegung, Kontosperre, Kundendaten-Informationspflicht, Nachvollziehbarkeit, Nachweisführung, Schattenbankbereich, Nominee, Tafelgeschäft, Zahlungsverkehrsverordnung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Autobank (auto bank):

Im Besitz von Automobil-Herstellern befindliche Banken mit dem hauptsächlichen Zweck (practical effect), die Kunden beim Kauf oder Leasing eines Fahrzeugs aus dem eigenen Haus zu finanzieren. Teilweise erstrecken sich die Geschäfte auch auf die Vergabe von Darlehn an die Zulieferer. Bei Vergleichen der Konditionen der Autobanken mit anderen Finanzierungsquellen schnitten diese Spezialinstitute weltweit in der Regel weniger gut ab.

– Siehe Bradford-Verstaatlichung, Firmenbank, Konzernbank, Privatbanken.

– Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 121 f. (Probleme der Autobanken in der Finanzkrise), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 154 (Ende der Abwrackprämien [scrapping premiums] wirkt sich auf das Geschäft aus).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Automaten-Abhebegebühr (withdrawal charge at cash machines):

Belastung, die bei einer Entnahme von Bargeld an einem nicht-institutseigenen Geldausgabeautomaten (not institute-owned cash dispenser) von dem automatenaufstellenden Institut (vending machine operating institute) verrechnet wird. - Die Anschaffung und der Betrieb, nämlich die Befüllung, Sicherung und Wartung der Maschinen ist mit Kosten verbunden. Die Institute wollen mit der Gebühr verhindern, dass Kunden fremder Banken und gar von Internetbanken den für den eigenen Kundenkreis gedachten Service nutzen. Hintergrund ist in Deutschland die Tatsache, dass die Grossbanken zwischen 1995 und 2010 etwa 20'000 Auszahlstellen abgebaut haben, während vor allem die Sparkassen diesen Dienst erweiterten.

– Siehe Bargeldbeschaffung, Bargeldkarte, Bargeldkreislauf, Direktbank, Geldautomaten-Sperre, Geldkarte, Geschäftsstelle, vollautomatische, Internetbank, Kontostands-Abfrage, Skimming.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Automobilbranche (automobile industry, motor industry):

Industriezweig, der aufgrund der aussergewöhnlich hohen Vorleistungs-Intensität (industrial interrelation) seit etwa 1950 in den Mittelpunkt der Konjunkturpolitik getreten ist. Massnahmen zur konjunkturellen Belebung setzten in Zusammenhang mit der auf die Subprime-Krise 2007 folgenden Finanzkrise in vielen Staaten bei der Autoindustrie an; so beispielsweise in Deutschland eine sog. "Abwrackprämie" (scrapping premium), nämlich ein staatlicher Zuschuss beim Kauf von Neuwagen. Auch Kreditbürgschaften (loan guarantees) und finanzielle Unterstützung (financial support) aller Art durch Regierungen, bis hin zu sog "Finanzspritzen" (cash injections), wurden zur Stärkung der Automobilindustrie weltweit eingesetzt.

– Siehe Konjunkturprogramm, Opel-Druck.

– Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Februar 2009, S. 48 f. (Automobilindustrie und intersektorale Produktionsverflechtung; Übersichten); S. 68 f. (Übersicht der konjunkturstabilisierenden Massnahmen), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2009, S. 51 ff. (Schattenseiten der Abwrackprämie), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2010, S. 73 ff. (Entwicklung der Branche weltweit und im Eurogebiet seit 2005; Tendenzen; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2011, S. 63 (Einfluss des Fahrzeugbaus auf die Investitionsgüterindustrie; Übersicht), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2011, S. 85 ff. (Produktion und Aussenhandel der Automobilindustrie in der Eurozone seit 2005; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Mai 2014, S. 103 ff. (Automobilindustrie in der EWU seit 2008; Übersichten; Literaturhinweise).

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Automobil-Darlehn, verbriefte (auto loan backed securities, ALBS):

Besondere, vor allem in den USA verbreitete Form forderungsgestützter Wertpapiere (Asset-Backed Securities). Hierbei werden Forderungen von Banken an Autokäufer verbrieft und - oft auch gemischt mit Forderungen aus anderen Darlehn der originierenden Bank - an eine Zweckgesellschaft verkauft.

– Siehe Leasing-Papiere, verbriefte, Verbriefung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Autonom agierende Einheit, AAE (autonomously acting unit, AAU):

In einem Institut - und bei einer Entität allgemein - im Jargon gesagt von ein Mitarbeiter bzw. eine Mitarbeiterin, der/die sich mit Kollegen grundsätzlich nicht abspricht und allein vor sich hinarbeitet (works toward himself/herself).

– Siehe Airbag, Alleskönner, Behavioural Branding, Chief Copying Officer, Druckbelegschaft, Fallschirmspringer, Infighting, Kollege Harzenmoser, Loch, schwarzes, Mailbomber, Selbstverwirklicher, Sitzheizung, Talentknappheit, Tenu-Schlamper, Totholz, Triple A, Umsatzbremse, Unfallflüchtling.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Autorisierung auch Berechtigungszuweisung (authorisation):

Bei der Verwendung einer Geldkarte die automatische Kontrolle eines Geschäftes auf seine Zulässigkeit. Im Zuge dessen werden vor allem

1. der Kartengültigkeits-Zeitraum,

2. die Richtigkeit der Kartennummer und der PIN sowie

3. die Einhaltung eines finanziellen Gesamtrahmens im Abrechnungszeitraum - die Kreditlinie - geprüft. Die Antwort darauf kann eine Ablehnung, Genehmigung, Legitimationsprüfung oder die Aufforderung zum Karteneinzug sein.

– Siehe Computerzahlung, Geld, elektronisches, Geldautomaten-Sperre, Geldbörse, elektronische, Geldkarte, Identitätsprüfungspflicht, Karten-Echtheitsprüfung, Karteneinsatzdatei, Kreditkarte, Netzgeldgeschäft, Pay-Green-Initiative, Pay per Touch, Radio Frequency Identification, Ticketing, elektronisches.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Autorité des Marchés Financiers, AMF:

Zu Jahresbeginn 2004 errichtete zentrale französische Finanzmarktaufsicht, der deutschen Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht vergleichbar.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aval (aval payment guarantee; draft guarantee):

1 Allgemein ein Kreditleihgeschäft, welches jemand - in der Regel eine Bank, aber manchmal auch andere Unternehmen, etwa eine Konzernleitung - durch Übernahme einer Bürgschaft oder Stellung einer Garantie gewährt. Das heisst, dass die Bank keine liquiden Mittel, sondern ihre eigene Kredit¬würdigkeit (creditworthiness) bzw. eine Konzernmutter ihren guten Namen (good name: place in public esteem) zur Verfügung stellt.

1. Bei Übernahme einer Bürgschaft (surety) verpflichtet sich die Bank, für die Verbindlichkeiten des Kreditnehmers einem Dritten -etwa: anderem Institut, Finanzamt, Frachtführer, Gericht - gegenüber einzustehen. Sie ist akzessorisch (accessory), das heisst streng an die zugrunde liegende Forderung gebunden.

2. Bei einer Garantie (guarantee, guaranty) verpflichtet sich demgegenüber die Bank, einem Dritten gegenüber für einen bestimmten künftigen Erfolg - etwa: Vorauszahlung an den Lieferanten, Gewährleistung - einzustehen. Diese Verpflichtung ist abstrakt und daher nicht an die zugrunde liegende Forderung gebunden. Bei beiden Formen handelt es sich um Eventualverbindlichkeiten (contingent liabilities), die nach Basel-II in der Bilanz ausgewiesen werden müssen. Avalgeschäfte fallen in Deutschland unter § 1 KWG und sind daher erlaubnispflichtig.

– Avalgebühr (aval fee) ist das Entgelt, das eine Bank für ihre entsprechenden Dienstleistungen in Rechnung stellt.

2 im Besonderen die Wechselbürgschaft (surety for a bill): durch Mitunterschrift (co-signature) unter einen Wechsel die Anerkenntnis, notfalls für die Wechselsumme einzustehen.

– Siehe Akkommodierung, Ausserbilanzgeschäft, Blankett, Diskont, Eventualforderung, Fixed Income Arbitrage, Garantiegeschäft, Gefälligkeitsverpflichtung, Patronatserklärung, Wechsel.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Avanie (extortion; unexpected minus):

1 In der älteren Finanzsprache die willkürliche Gelderpressung durch unredliche Beamte (the practice of extorting money or other property, particularly by a public official). In Deutschland freilich ist so etwas gänzlich unbekannt, und bei der Polizei zumal.

2 Das, was man aus einem Geschäft weniger verdient, als zu erwarten stand (a unsatisfactory, disappointing transcation).

– Siehe Ausmusterungszahlung, Rückvergütung, Schmiergeld, Schutzgeld, Schweigegeld.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Avers (face side):

Vorderseite einer Münze im Gegensatz zum Revers, der Rückseite.

– Siehe Eteostichon, Millesime.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Aversalsumme (amount of compensation; estimated sum):

In der älteren Finanzsprache

1 Zahlung als Abfindung an jemanden, der auf etwas verzichtet (money given to a resignee: a person who has resigned or is about to resign).

2 Eine Überschlagsumme beim Handel in Bausch und Bogen (buying in the lump; Mengenkauf). Hierbei wird ein Warenvorrat nach dem Augenschein bewertet und bezahlt wird (is assessed and paid on visual inspection).

– Siehe Geldabfindung.

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen

Away, seltener auch Nichteigen, Nichtselbst (away):

Auf dem Finanzmarkt manchmal gesagt von einem Geschäft, einem Preis oder einem Markt, an dem der jeweilige Geschäftspartner nicht beteiligt ist (a trade, price, quotation, or market that does not originate with the dealer in question, e.g., "the bid is 98-10 away").

Quelle: Professor Dr. Gerhard Merk, Siegen